— 5 ——— Arn— — — Ae*—* —— —— ——j—————j——— ———; ——— Die Geſchichte des europaͤiſchen Staatenſyſtems aus dem Standpuncte der Politik, dargeſtell von t Karl Heinrich Ludwig Poͤlitz, ordentlichem Lehrer der Staatswiſſenſchaften an der Univerſitaͤt zu Leipzig. duces sunt. Qui ante nos ista moverunt, non domini nostri sed Patet omnibus veritas, nondum est occupata; multum etiam ex illa futuris relictum est. Sencca. —— 8 3 2* Leipzig, 1824 J. C. Hinrichsſche Buchhandlung. J. 8— ——— 4 . —y ü 2 — Die ℳ 1 Staatswiſſenſchaften △‿ im Lichte unſrer Zeit, dargeſtelle von Karl Heinrich Ludwig Poͤlitz, ordentlichem Lehrer der Staatswiſſenſchaften an jaͤt zu Leipzig. dadi N .— 5 M 84 Ne 1„, e. * 5 — Geſchichte des europaͤiſchen Etatef Sfas aus dem Standpuncete der Politik. Qui ante nos ista moverunt, non domini nostri sed & duces sunt. Patet omnibus veritas, nondum est occupata; multum etiam ex illa futuris relictum est. Seneca. Leipzig, 1824. &◻ J. C. Hinrichsſche Buchhandlung. 2— dern In um iber Kardpäist * Candpur gumen Ite Aust var ftNDus W, ußer! ssint, l sing Si ugische e Amhen E wS..... —*——————.———.——— 3 I‚‚e‚e“ ior red t: ——— Rur wenig würde ich diesem dritten Bande der Staatswissenschaften als Vorwort vorauszuschicken haben, wenn er nicht zugleich unter einem beson⸗ dern Titel als ein selbstständiges Buch erschiene; denn über die Stellung der„Geschichte des europäischen Staatensystems aus dem Standpuncte der Politik“ in der Reihe der gesammten Staatswissenschaften habe ich meine sub⸗ jective Ansicht bereits in der allgemeinen Einleitung zu diesen Wissenschaften im ersten Theile aufgestellt. Zwar sollte, nach dem ursprünglichen Plane für die Darstellung der gesammten Staatswissenschaf⸗ ten, außer der Geschichte des europäischen Staaten— systems, eine kurze Uebersicht(nicht das voll— ständige System) der Staatenkunde und das positive europäische Staätsrecht in diesen dritten Theil aufge— nommen werden; allein es war, bei der Wichtigkeit DRDSDSDSD‚eeEe“‚“E‚‚‚.——‚II———— unn— ——————..———— 1 Hl In, 2 „——— vI Vorrede. und bei dem Umfange der in diesem Bande dargestell— e ten Wissenschaft, nicht möglich, auch jene beiden tutttt Wissenschaften in demselben durchzuführen, wenn er 0 Insan nicht an Bogenzahl die beiden ersten Theile weit über—, Hn N steigen sollte. Denn so wie in der Reihe der philo— Hsens! sophischen Staatswissenschaften, welche im ersten ise hes und zweiten Theile behandelt wurden, das philo so— ing, phische Staatsrecht im Mittelpuncte derselben u V steht, nach welchem die Staatskunst, die Volks— Raishe L und Staatswirthschaft, die Finanz⸗ und die Polizei⸗ rüßhtn B wissenschaft, mehr oder weniger in ihren Grundsätzen Mh sich gestalten müssen; so steht auch im Mittelpuncte Voch u der— für den dritten und vierten Theil berechneten— Un geschichtlichen Staatswissenschaften die Ge— 0 f schichte des europäischen Staatensystems uuh seit der Entdeckung des vierten Erdtheils Wahn wi bis auf unsre Zeit. Alles, was die übrigen ucle i geschichtlichen Staatswissenschaften aufstellen, stützt Wᷣuls sich auf diese Wissenschaft als auf ihre gemeinsame ImEl Unterlage. Wie würde z. B. die Staatenkunde mmn u l das gegenwärtige innere und äußere politische rin Leben der europäischen Staaten und Reiche bestimmt Ahhl zu vergegenwärtigen vermögen, wenn ihr nicht eine Wanlnr ausreichende Darstellung dieses innern und äußern 1 politischen Lebens im Kreise der Vergangenheit während der drei letzten Jahrhunderte vorausginge? 11 VIdwl Vorrede. vII Wie würde ferner das positive europäische Staatsrecht die Verfassungen der europäi— schen Staaten und Reiche zweckmäßig entwickeln kön— nen, wenn nicht die Geschichte des europäischen Staa— tensystems die Zeit, die Umstände und die Verhält— nisse ihres Entstehens, ihrer Fortbildung, ihrer Be— festigung, oder auch ihres baldigen Erlöschens nach— wiese? Wie könnte weiter das practische euro— päische Völkerrecht die rechtlichen und vertrags— mäßigen Bedingungen der gegenseitigen Verbindung und Wechselwirkung der europäischen Staaten und Reiche aufstellen, wenn nicht bereits in der Geschichte des europäischen Staatensystems alle wichtige Ver— träge seit den drei letzten Jahrhunderten mitgetheilt, und nach ihrem Inhalte und Geiste charäkterisirt worden wären? Wie vermöchte endlich die Dip lo— matie ihre schwierige Aufgabe der theoretischen und practischen Grundsätze für die Unterhandlung mit andern Staaten zu lösen, und die Beispiele dafür kennen zu lehren, wenn sie nicht im Lichte der Ge— schichte des europäischen Staatensystems, theils über— haupt die Urkunden und Belege in Hinsicht der Verhandlungen während der drei letzten Jahrhunderte erforschte, theils in ihr die Auskunft darüber fände, welche von diesen unzähligen Verträgen noch jetzt gül— tig, und welche erloschen sind? .—.. ‚..—.— — „ 7 ———— —3——...—..‚——.— — — V 2 SIS——— vIII Vorrede. ö ö ö its In allen diesen Beziehungen muß daher die alcht Geschichte des europäischen Staatensystems als die 1 Grundlage der gesammten übrigen geschichtlichen 4 1 Staatswissenschaften erscheinen, welche im vierten m ö Theile des Werkes behandelt werden sollen, so daß 1½ dieser vierte Theil die Uebersicht über die Staaten— 0 kunde, das positive europäische Staats— ntlte recht, das practische europäische Völker— sudiß, recht, die Diplomatie und die Lehre von den 100 Staatsgeschäften enthalten wird.— afhn Was aber die Behandlung der Geschichte fuith in des europäischen Staatensystems in dem vorliegenden Llnien Bande betrifft; so fühle ich sehr gut, wie schwierig*fim a die Aufgabe war, nach einem Meister, wie Hee— luletten ren in seinem Handbuche der Geschichte des sin H— europäischen Staatensystems, dieselbe Wis— di⸗ senschaft und zwar aus einem andern Gesichtspuncte hurxsh zu behandeln. Dies habe ich theils in Hinsicht des uncte de Planes und der Anordnung, theils in Hinsicht der I Ausführung versucht. Ich habe im Ganzen eine von ur clan Heeren verschiedene Eintheilung in Zeiträume und re hyft Zeitabschnitte aufgestellt; ich habe durchgehends alle Rscht wichtige Urkunden und Verträge in den Quel⸗ Hethttätz lensammlungen nachgewiesen, wo sie sich befin— nimn in den; ich habe die Darstellung— nach der Berech— Ronn nung des Ganzen auf den gemeinschaftlichen uh * Vorrede. 1x Zweck eines Handbuches und eines akademi— schen Lehrbuches— im stylistischen Zusam⸗ menhange gehalten, ohne die Begebenheiten selbst, wie bei Heeren, unter den Teyt der Paragraphen zu stellen; ich habe überall die nothwendige und mög⸗ lichst auserlesene Literatur berücksichtigt, und die einzelnen Theile, besonders auch in der neue— sten Zeit, so gleichmäßig durchzuführen versucht, als es in meinen Kräften stand. Bei der ohnedies schon uberschrittenen Bogenzahl für diesen Theil konnte ich freilich im Einzelnen und namentlich in Hinsicht der Kolonieen nicht so reichhaltig seyn, wie Heeren in seinem ausführlichern Werke, das in der neuesten (vierten) Auflage in zwei Theile zerfällt, und zwi schen 50— 60 Bogen umschließt. Die politischen Ansichten und Urtheile, welche in einer geschichtlichen Darstellung aus dem Ständ⸗ puncte der Politik nicht fehlen konnten und durf⸗ ten, wird zwar nicht jeder meiner Leser mit mir thei⸗ len; allein der unbefangene und ruhige Forscher wird, wie ich hoffe, neben der Freimüthigkeit, welche die Geschichte verlangt, die Mäßigung und Neu⸗ tralitat nicht verkennen, welche durchgehends, nach meiner innigsten Ueberzeugung, in meinen ausge— sprochenen Urtheilen herrscht und herrschen soll. Nur durch das Festhalten des Mittelweges zwischen 7 Vorrede⸗ ö zweien Aeußersten kann unser vielbewegtes Zeitalter zur leidenschaftslosen und ruhigen Ansicht der Ver⸗ gangenheit und Gegenwart, und zu einem sichern 4 Blicke in die Zukunft gelangen, die aus der Gegen⸗ wart sich gestaltet. Diesen Mittelweg aber aufzu⸗ ö finden und durchzuführen, war meine Aufgabe für die—4 in diesem Werke aufgestellten den An sehter und** Urtheile.— 7 Da nun diese Darstellung. der Geshichte des Hsshis europäischen Staatensystems aus dem Standpuncte ssens der Politik vielleicht auch für solche Zeitgenossen eini⸗ ö ges Interesse haben dürfte, die nicht gerade die ge⸗ sammten vier Bände der Staatswissenschaften sicht 1 anschaffen wollen; so giebt die Verlagshandlung die⸗ 2. V ö sen geschichtlichen Theil, der ein in sich abgeschlossenes 14. und selbstständiges Ganzes bildet, unter dem zweiten u Titel als ein besonderes Werk aus, das bei* allen denen, welche bis jetzt meinen geschichtlichen Schriften ihre Aufmerksamkeit schenkten„um eine ö n freundliche Aufnahme bittet. unl ö 400 *** 0 Leipzig, den 19. Sept. 1823. 5 ö 4— P ö int · 4 Muf! ö 0 lnt I 4 n sunschn —DII HHIHI J———IIIiieeen..- — — — ö 1 665 7 47 31 5 11111 — I ö ö —— n. h* 0O t. 1 Geschichte des eutoß äischen Stadten⸗ systems aus dem Polikik. 2 Standpuncte der — 26KIN Seite Einleittung.—— 8 Vorbereitende Begriffte. Begriff der Geschichte des europäischen Staa- tensystems aus dem Standpunete der Politik. 6 Eintheilung der Geschichte des europäischen Staatensystems in zwei Zeitrauma. 0 Unterabtheilungen dieser beiden Zeiträume. 12 Die leitenden politischen Ideen in Beziehung auf die wichtigsten Ereignisse innerhalb des eurppäischen Staatensystems seit der Ent deckung des vierten Erdtheils.. 13 Methode für die Darstellung der Geschichte— des europäischen Staatensysteme. 20 Literatur der Wissenschaftt. 21 Vorgeschichte. Begriff dersellen. u 27 Uebersicht der wichtigsten Begebenheiten dieser— Geit. 2g8 Fortjetzung.„e 29 Fortsetzung.„ 31 e 13. 14. 15. 16. 17. XII —— — P TTTTTT“—ss — Inhalt. Seite Erster Zeitraum. Geschichte des europäischen Staaten⸗ systems aus dem Standpunete der Po⸗ litik seit der Entdeckung des vierten Erdtheils bis zur französischen Revo⸗ lution; von 1492— 1789. 12. Untertheile des ersten Zeitraumes. Erster Zeitabschnitt. Von der Entdeckung Amerika's bis zum west⸗ phälischen Frieden, von 1492— 1646. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Forisetzunng.. Fortfetzunnung.. Schluß. en B. Die Hauptbegebenheiten in diesem Zeitabschnitte. 1) Außereuropäische Entdeckungen. * 18. Fortsetzunnng 19. Einfluß dieser Entdeckungen auf Europa..... 20. 2) Teutschlands neue Gestaltung.. 91. 3) Kämpfe in und über Italien.. 22. Fortsetzung. nw. 85. Cortsetzunggggg. 24. 4) Spaniens Staatsinteresse. 25. 5) Die Kirchenverbesserung. 26. 6) Karls des fünften Regierung... 27. Fortsetzung 28. Fortsedungg. —4 Fortsetzung 30 Schluß: 0s.. 3i. 7) Die Hauptereignisse von Karls 5 Thronentsagung bis zum Ausbruche des dreißigjährigen Krieges.. ——.'—— 36 III!!!T TT T TTCTCTTCTTTTQ — 0 8 0 55• 9 5 H. 7 ö 0* Ume det iu 0 1 9. WO +. 5 +. Vn 5 5. I. 1 6. +. 6. E 9• V. De ite 36 Inhalt. 32. Fortsetzung.*** 33. 8) Der dreißigjährige arien.* 34. Fortsetzunng———— 35. Fortsetzung... 36. 9) Der westphälische Friede. 2 37. Fortsetzung... 38. C. Umrisse aus der vesondern Geschichte der einzelnen Staaten und Reiche in diesem Zeitabschnitte. 1. Tentschland. Italien 39. 2. Spanien. A 40. 35. Vortügall...... 41. 4. Frankreich..*** 42. 5. Die Niederlande. England. 43. 6. Die nördlichen Reiche 44. 7. Die östlichen Reiche.. Zweiter Zeitabschnitt. Von dem westphälischen Frieden(1648) bis zum Jahre 1740. 45. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts.. 40. Fortse ungg.. 47. Fortsezungg.... 48. Schluß... 49. B. Die Haüptbegebenheiten in diesem Zeitabschnitte. a) im südwestlichen Staatensy⸗ Astemeé. 1) Frankreichs Streben nach dem Prin— eipate. ö Ludwigs Absichten auf Belgien.. 5⁰0. Ludwigs Rachekrieg gegen die Nieder— lande.—.—.— 51. Ludwigs Rennionskammern und der pfälzische Erbschaftskrieg. 52. 2) Der spanische Erbsolgekrieg. 53. 3) Der Friede zu' Utrecht und Baden. 54 4) Die Ereignisse im südwestlichen Staatensysteme von 1714— 1735. 158 140 143 14⁵ 147 15⁰ 155 160 167 17⁰ —:——————— xiv I n ah a l t. 215 Seite 5 W 505 Fortsetzung..** 1 5 56. 5) Der polnische Thronfolgekrieg.* 17/½½ 0 0 57. b)im nördlichen Staatensysteme.— 9W 0 7 1) Kämpfe im Norden bis zum Frieden 0 x*. von minaa 178 35* 2 Der nordische Krieg. 180 50.„ Vim östlichen Staatensysteme.. 186 W. yilt 60. C. Umrisse aus der besondern Geschichte um der einzelnen Staaten und Reiche in diesem Zeitabschnitte. V 1) Deutschland. Itatien....195 ů 61. 2) Spanien. Portugal493 62. 3) Hantich.. 190„ 6333.„ 4½ Die Sermäachte..199 N. . 5) Die nördichen Reiche 203. 63. 6) Die östlichen Reiche 7242 0 H. Dritter Zeitabschnitt. Von dem Jahre 1740 bis zur französischen Re— volution(1789). 0 66. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts..* 2+ 243 707 —— San 247 10 660. Schluß... 249 lit ö 69. B. Die Hnehebenheiren in diesem Zeitabschnitte. 1) Der östreichische Erbfolgekrieg', in V. Methe Verbindung mit den beiden ersten V dr Uin schlesischen Kriegen.. 221 9 Uzenei 70. 226 71. Beendigung des östreichischen Erb⸗ folgekrieges.. 230 7. 2) Der siebenjahrige Land— und Saatrie. 232 73. Fortsetzung... 236 7t. 3) vom Jahre 1763 bis zum Jahre 73 1774,‚ mit Einschluß der ersten Theilung Polens... 242 75. 4) Die Enestehung des nordamerikani⸗ ö* schen Freistaates. 4240 6* z un —2 Hee Inhalt. XV Seite Fortsetzung... 2* 25⁰ 5) Der bayrische Erbsolgekrieg. 250 6) Der teutsche Fürstebund. 258 79 Die politischen Gährungeßofe von 1789— 1787 im europäischen Staatensysteme.. 262 8) Türkenkrieg. Schwedens⸗ Krieg ge. gen Rußland. C. Umrisse aus der henondern Geschichte— der einzelnen Staaten und Reiche in diesem Zeitabschnitte. 1) Teutschland. Preußen. Italien...0 2) Spanien. Portugall.. 273 3) Frankreich.( 2 4) Niederlande. Großbritannien.. 278 5) Schweden. Dänemark...2g4 6) Rußland. Polen. Türkei... 284 Zweiter Zeitraum. Geschichte des europäischen Staaten⸗ 9e. 95: systems aus dem Standpuncte der Pos litik seit der französischen Revolu⸗ tion bis auf unsre Zeit; von 1789— 1825. Untertheile dieses Zeitraumees.2388 Zur Literatur desselben. 288 Allgemeine Einleitung in diesen Zeitraum. 291 Fortsetzung.— 2*—**—*** 294 SOchlußöv.. 8 .DI Erster Zeitabschnütt. Von der französischen Revolution bis zur Auf⸗ lösung des teutschen Reiches; von 1789— 1806. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts. 3094 Fortsetzung.. h l. 1 302 —7.6. ũXVI Inhalt. 94. B. Die eee in diesem 100•— ——— Zeitabschnitte. 19 Die französische Revolution bis zum Kriege im Jahre 1792. 308 9. 95. 2) Die gleichzeitigen europäischen Zwiste. 312. 296. 3) Stellung der dishen Waiche — gegen Frankreich.— 318 10 97·.·. Fortsetzung.. 318 1 98. 4) Der Mevointionstampf von 1792 — 1795. 32¹ 0 99. 65) Die zweite und dritte Thalne Polens 331 ul. 100. 6 Der Revolutionskampf von 105 ů 68— 17979. 356 u5 1+10. 7) Die politischen Ereignisse vom ö Frieden von Campo Formio bis zur Erneuerung des Witder 407 b. 7999. 34⁵5 102. 8) Vom Kriege im Jahre 1799 bis*•% zum Frieden von Amiens 1802. 350 427 103. FortsetzunFh.. 354 104. 9) Die Friedensschlüse! von Lüneville und Amiens, nebst den Friedens— 17. 4. U. schlüssen Frankreichs mit andern u5. l. Di Mächten. 2— 360 105. 10) Die wichtigern politischen Ereig⸗ nisse von 1802— 1805. 364 106. 11) Vom Kriege im Jahre 1805 bis 1 zur Auflösung des 51 Rei⸗ 10. ches..—* 57 07. Fortsetzung...— 37⁷ 1. Zweiter Zeitabschnitt. 11 Von der Auflösung des teutschen Reiches bis 15 zu den Ergebnissen des Wiener Congresses; von 1806— 1815. 90 0 108. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts... 380 1 Seite 8⁰ Iinshalt. xXVII Seite 109. B. Die Hauptbegebenheiten in diesene Zeitabschnitte. 1) Der Umsturz des teutschen Reiches in der Stiftung des Rheinbundes. 383 110. 2) Der Krieg im Spaätjahre 1806 bis ö zum Tilsiter Frieden... 389 4141. 3) Bildung und Erweiterung des Con- tinentalsystems.* 3555 112. 4) Die Angelegenheiten der pyrenai⸗ sccen Halbinsel. 398 115. 5) Der Krieg zwischen Oestreich und Frankreich im Jahre 1809.. 403 114. 6) Vom Wiener Frieden bis zum 80 gegen Rußland... 408 115. 7) Vom Kriege zwischen Frankreich ů und Rußland bis zum ersten Pa— riser Frieden(50. Mai 1814).. 412 116. ortsetung.44 Dritter Zeitabschnitt. Von den Ergebnissen des Wiener Congresses bis zum Jahre 1825; von 1815— 1823. 117. A. Uebersicht dieses Zeitabschnitts. 428 118. B. Die Hauptbegebenheiten in die⸗ sem Zeitabschnitte. 1) Der Wiener Congreß und seine Ergebnisse.. 4350 119. 2) Die teutsche Bundesaete.»434 120. 3) Kampf gegen Napoleon und Mu— rat im Jahre 160. 43 121. 4) Der zweite Pariser Friede(20. Nov. 19155.„6J639 122. 5) Der heilige Bund. 441 123. 6) Die wichtigsten Ereignisse seit dem zweiten Pariser Frieden.442 124. C. Umrisse aus der besondern Geschichte der einzelnen Staaten und Reiche in dem Zeitraume von 1789— 1823. ö 1. Srantreichh... 447 xXVIII I n h a 14. Seite 125. 2. Teutschladd.. 46449 126. 3. Italien. 45² 127. 4. Die Niederlande. Die Sowan. 4⁵⁵ 128. 5. Spanien 45⁵8 129. 6. Das spanische Rordamerika.—23 465 430. 7. Portugal und Brasilien. 80 131. 8. Großbritannien. 45 132. 9. Die nordamerikanischen Freistaa⸗ ö ten.... 4447 6433. 10. Schweden. 479 134. 11% Danemark. 4383 135. 12. Polen 465 13. Rußlandz 485 137. 14. Die Türkeii. 491 158. Schluß. 496 2 06 un O WI Iugtbs urhht Ihtht Dl Hishl Ibem I Mhrst Rtun Kari H1 ugs sind Rscke I. Seite 440 45² 45⁵⁵ 450 463 460 47³ 47⁷ 47⁰ 4»65³ 4653 466 491 405 Geschichte des europäischen Staa—⸗ tensystem' aus dem Standpuncte der Politik. Sir l tint ün g.. 1. ö Vorbereitende Begriffe. Die Geschichte des europäischen Staatensystems aus dem Standpuncte der Politik ist, als selbstständige Wissenschaft, eine neue, im Ganzen nur wenig angebaute, und, als solche, noch nicht völlig durchgebildete Wissenschaft. Soll ihr Begriff richtig aufgefaßt werden; so muß man sie genau von der Welt⸗ oder allgemeinen Geschichte, von der Geschichte der drei letzten Jahrhunderte überhaupt(so nahe sie auch dieser verwändt ist), und von der europäischen Staatengeschichte unterscheiden. Denn obgleich der in der Geschichte des europäischen Staatensystems darzustellende Stoff gleichmäßig den genannten geschichtlichen Wissenschaf— ten angehört; so unterscheidet sich doch die Behand— lung dieses Stoffes in der Geschichte des europäi— schen Staatensystems wesentlich von der Behändlung desselben in jenen geschichtlichen Wissenschaften. III. 1 II T;s;.;.;.;.TTT T.RT*D F— HP PTT kS. 2WGeschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. In der Geschichte des europäischen Staaten⸗ ö systems aus dem Standpuncte der Politik wird näm—. lich 1) nicht die ganze Masse von Thatsachen, welche von dem Anfangspuncte der Geschichte des Rsah europäischen Staatensystems an zur allgemeinen Ge— schichte aller Erdtheile und aller Völker und Reiche W1 derselben gehören, aufgestellt, sondern blos der je— rale nige Theil dieser Thatsachen, welcher zunäch st das Wen europäische Staatensystem betrifft; es wird aber auch Hech 2) bei der Darstellung der hieher gehörenden That— 111 sachen das Bedingende von dem Bedingten Ent (die Ursache von der Wirkung), so wie das Wich— I. tige von dem Minderwichtigen genau unterschie⸗ ditse den, um den Zusammenhang zwischen beiden fit u auszumitteln und nachzuweisen; es wird endlich 3) Ha die ganze Darstellung unter den Gesichtspunct. ved leitender Ideen gebracht, wenn anders die Aufgabe einer Geschichte des europäischen Staaten— Wurhe systems aus dem Standpuncte der Politik N½ H geloset werden soll.— Die Geschichte des europäi⸗ Stüe schen Staatensystems aus dem Standpuncte der Poli— siudin tik kann daher weder die allgemeine Geschichte ver— hithr drängen und ersetzen, noch von dieser, als geschichtliche Oit Wissenschaft, verdrängt und ersetzt werden. Su Dasselbe gilt aber besonders von demjenigen n Theile der allgemeinen Geschichte, welchen man im ub Einzelnen die Geschichte der drei letzten l Jahrhunderte nennt, und nicht selten in Lehrvor— biu. trägen und Schriften als ein selbstständiges Ganzes ö at behandelt. Denn obgleich der Anfangspunet der bin Geschichte des europäischen Staatensystems mit dem. Anfan gspuncte der Geschichte der drei letzten Jahr— hunderte in der Entdeckung des vierten Erd⸗— 11 theihes im Jahre 1492 zusammenfällt, und in⸗ ——*RDmR‚‚‚It———————* ——** SISSIIIIIIIIIIIIIIIrrrr.. Einleitung. 3 nerhalb der Geschichte der drei letzten Jahrhunderte die Darstellung der Begebenheiten des Erdtheils Europa den wichtigsten Bestandtheil bildet; so unter— scheidet sich doch wissenschaftlich die Geschichte des europäischen Staatensystems von der Geschichte der drei letzten Jahrhunderte nach allen den Merk— malen, welche bei der Verschiebenheit der Geschichte des europäischen Staatensystems von der allgemeinen Geschichte überhaupt statt finden, wozu noch kommt, daß die Begebenheiten der außereuropäi schen Erdtheile in der Geschichte des europäischen Staa— tensystem») nur nach ihrem Verhältnisse zu diesem Systeme, und nicht in der Ausführlich— keit und Selbstständigkeit, wie in der allgemeinen Geschichte der drei letzten Jahrhunderte, dargestellt werden können. Eben so verschieden ist endlich die Geschichte des europäischen Staatensystems aus dem Standpuncte der Politik von der sogenannten europäischen Staatengeschichte, inwiefern diese eine selbst— ständige geschichtliche Wissenschaft(3. B. in den schätbaren Werken von Achenwall, Meusel, Spitt ler u. a.) bildet. Denn die europäische Staatengeschichte betrachtet theils jeden einzelnen Staat unsers Erdtheiles als ein Individuum nach allen Bedingungen seines innern und äußern politischen Lebens, während die Geschichte des europäi— schen Staatensystems den gesammten Erdtheil als ein zusammenhängendes politisches Gan— zes umschließt;theils beginnt die europäische Staa— tengeschichte, wenn sie ihren eigenthümlichen Charakter behaupten soll, mit den Anfangspuncten eines jeden europäischen Staates im Mittelalter, und führt die politische Ankündigung und Ausbildung desselben fort 1 ———x—————* 4 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. bis zu seiner gegenwärtigen Gestalt, während die Geschichte des europäischen Staatensystems erst mit dem allmähligen Entstehen dieses Systems in der Zeit der Entdeckung des vierten Erdtheils anhebt, und jeden einzelnen Staat während dieser Zeiträume nur als Theil des Ganzen, als einzelnes Glied des euro— päischen Staatensystems, nach seiner jedesmaligen politischen Wichtigkeit und Bedeutsamkeit behandelt. Als Begründer der selbstständigen wissenschäft⸗ lichen Gestalt der Geschichte des europäischen Staa— tensystems, obgleich noch in einer sehr unvollkom— menen Form, muß(nächst dem in der Literatur aufgeführten Werke von Schmauß) Gtfe. Achen⸗ wall(der auch die Statistik zu einer wissen— schaftlichen Gestalt ausprägte,) genannt werden, welcher ihr, in einem akademischen Lehrbuche, das zuerst im Jahre 1756(und dann in mehrern Auf— lagen) erschien, den Titel gab: Geschichte der allgemeinern europäischen Staatshän— del des vorigen und jetzigen Jahrhun— derts,„als der europaischen Geschichte zweiter Theil“. Ob er nun gleich diese Geschichte nur in dem Zeitraume von 1600— 1748 darstellte, und dabei von keiner das Ganze leitenden politischen Idee ausging; so zeigt doch seine Vorrede, daß er das Verhältniß dieser neuen Wissenschaft na— mentlich zur Staatengeschichte sehr richtig erkannt hatte. Er sagt:„Wir kommen in der Historie der einzelnen Reiche, zumal in den neuern Zeiten, auf viele Staatsbegebenheiten, woran mehrere europäische Volker, und bisweilen fast ganz Europa zugleich, Antheil genommen. Diese Begebenhei— ten, welche man die großern oder allgemei— nerneuropäischen Staatshandel zu nen— d die st mit r Zät und e nur euro⸗ Hligen ndelt. chaft— Staa⸗ kom⸗ atur ven⸗ ssen⸗ den, das Auf⸗ der an⸗ un⸗ ter in und hen daß na⸗ nnt orie ten, rere opa hei⸗ ei⸗ en⸗ Einleitung. 5 nen pflegt, schlagen also in die Geschichte vieler europäischen Völker zugleich ein. Den(mit ihrer Darstellung verbundenen) Schwierigkeiten abzu— helfen, ist kein Mittel übrig, als die größern Staatshändel aus der Geschichte der einzel— nen Reiche herauszunehmen, in ein beson⸗ deres Fach zusammen zu tragen, und sodann einen solchen Staatshandel in seinem wahren Zu— sammenhange zu betrachten. Der Nutzen die— ser Einrichtung ist händgreiflich. Es findet sich aber noch ein anderer höchst wichtiger Grund, wel⸗ cher die Vortheile davon weit erheblicher, und da— her diese Einrichtung selbst desto nothwendiger macht. Zur politischen Kenntniß unsers Welttheils gehört vornämlich die Einsicht in das heutige europäische Staatssystem, kraft dessen die europäischen Völker wegen des Handelsinteresse, wegen der Uebermacht eines Nachbars, wegen allerlei Prätensionen, Anverwandtschaften, Ver— träge und andrer Staatsursachen und Absichten, in einem solchen vielfachen Zusammenhange stehen, daß, um von vorfallenden Staatsangelegenheiten ein gründliches Urtheil fällen zu können, man von diesem allgemeinen Staatssystem unterrichtet seyn muß u. s. w.“ Von hohem Interesse, selbst noch für unser Zeitalter, ist übrigens die, in derselben Vorrede mitgetheilte, Stelle aus einem Briefe des unvergeßlichen Ministers v. Münchhausen an Achenwall zur Empfehlung der selbstständigen Behandlung der Geschichte des europäischen Staa— tensystems. ————————— 6 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 2. Begriff der Geschichte des europäischen Staatensystems aus dem Standpuncte der Politik. Unter einem Staaten syste me überhaupt ver— stehen wir die bleibende Verbindung und Wechselwir⸗ kung(nicht immer den förmlichen vertragsmäßigen Verein) mehrerer selbstständiger, d. h. politisch glei⸗ cher und von einander unabhängiger Staaten und Reiche, als nothwendige Folge der gleichmäßigen geistigen, religiösen und bürgerlichen Entwickelung, Bildung und Reife der Völker, welche zu diesen Staaten und Reichen gehören. Denn sobald wir genauer zwischen Volk und Staat?) unterscheiden, finden wir, daß die Ankündigung des politischen Lebens der Staaten und Reiche auf der Entwickelung und Kraft des innern Lebens der Völker beruht, weil mit der Lebenskraft der Völker nothwendig auch die politi— sche Kraft der Staaten und Reiche steigt und sinkt, so daß, in diesem höhern Sinne, der Begriff des Staates zunächst die rechtliche Form der Ankündigung des innern und äußern Lebens eines Volkes bezeichnet, weil kein Staat ohne ein Volk gedacht werden kann, das innerhalb des Staates zu einem rechtlichen selbst— ständigen Ganzen nach Verfassung, Verwältung und Regierung verbunden ist. Unter dem europäischen Staatensysteme denken wir die Verbindung und Wechselwirkung aller *) Dies ist im ersten Theile in der systematischen Be— handlung des philosophischen Völkerrechts, so wie des Staats⸗ und Staatenrechts ge⸗ schehen, worauf hier verwiesen werden muß. P—F——————————————— I1 ́—p— Ṕ PFꝗDPPPPFPPPPPP PP P PPDPDPDDDDD . lischen Funkte upt vet⸗ hselwit⸗ näßigen sch glei en und zäßigen kelung, diesen ld wir heiden, Lebens 9 und il mit politi⸗ sinkt, ff des igung ichnet, kann, selbst⸗ ig und steme 0 aller jen Be— ts, 60 3 ge⸗ Einleitung. 7 einander an Selbstständigkeit und Civilisation ähn⸗ lichen und verwandten europäischen Staaten und Reiche, mit Einschluß der aus den Kolonieen der Europäer in Amerika hervorgegangenen selbstständi— gen Staaten. Die Idee eines Staatensystems konnte daher auf die Thatsachen der neuern Geschichte Euro— pa's nur von der Zeit an übergetragen werden, wo, als nothwendige Folge einer gleichmäßigen Civili— sation, die europäischen Staaten und Reiche in leb⸗ haftere und bleibende gegenseitige Verbindungen und Wechselwirkungen traten, welche erst— und damals zunächst nur auf die westlichen und südlichen Staaten Europa's beschränkt— gegen das Ende des funfzehn⸗ ten Jahrhunderts begannen, dann aber allmählig über den ganzen Erdtheil sich verbreiteten. Aus dem Standpunete der Politik wird die Geschichte des europäischen Staatensystems gefaßt, sobald bei der Darstellung desselben zunächst die Ent⸗ wickelung, Fortbildung, oder das Sinken des in⸗ nern und äußern Lebens der einzelnen Staaten und Reiche(Th. 1, Staatskunst,§. 2, S. 322 ff.) berücksichtigt, und der Zusammenhang dieses in⸗ nern und äußern Lebens bei der Gesammtankün⸗ digung der einzelnen Staaten und Reiche in der Nitte des europäischen Staatensystems vergegenwär— tigt wird. Denn obgleich die Geschichte des europäi— schen Staatensystems zunächst die Ankündigung des außern politischen Lebens aller in Verbindung und Wechselwirkung stehenden Staaten und Reiche dar— stellt(so wie z. B. die philosophische Rechtslehre, im Gegensatze der Pflichtenlehre, zunächst die Ver⸗ bindung und Wechselwirkung der rechtlich verbunde— nen Individuen in ihrem äußern freien Wirkungs⸗ kreise enthält, obgleich dieser außere freie Wirkungs— 8 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. kreis eine nothwendige Folge der Triebfedern in dem innern freien Wirkungskreise bleibt(Th. 1, Natur— recht,§. 5, S. 37 ff.); so kann doch, weil das äu ßere politische Leben der Völker und Staaten eine Folge ihres innern Lebens ist, das letzte in der Dar— ů stellung der Geschichte des europäischen Staaten— systems nicht ganz übergangen werden, wenn gleich die völlig durchgeführte Entwickelung desselben der europäischen Staatengeschichte angehört. Die Geschichte des europäischen Staa— tensystems aus dem Standpunete der Po— litik(nach ihrem Umfange, ihrer Bestimmung und ihrer Behändlungsform wesentlich verschieden von der allgemeinen Geschichte, von der Geschichte der drei letzten Jahrhunderte und von der europäischen Staa— tengeschichte,§. 1.) enthält daher die pragmatische Darstellung des politischen(innern und äußern) Lebens der Gesammtheit der euro— päischen Staaten und Reiche, mit Ein— schluß der aus europäischen Kolonieen hervorgegangenen amerikanischen Staa— ten, nach ihrer gegenseitigen völker— rechtlichen Verbindung und Wechselwir— kung, seit dem Ende des funfzehnten Jahr⸗ hunderts bis auf unsre Zeit. Als Wissenschaft ist die Geschichte des europai— schen Staatensystems aus dem Standpuncte der Politik dem Stoffe(d. i. den darzustellenden Thatsachen) nach verwandt mit der Geschichte der drei letzten Jahrhunderte und mit der europäischen Staatengeschichte, insoweit sie gleichfalls die That⸗ sachen desselben Zeitraumes bei der Darstellung jedes einzelnen Staates umschließt.— Nach den. Grundsätzen aber, von welchen sie ausgeht, F FIIIcIcccccPPcPPPFPFPPTFTFTFTFTFTFTTTTTTT Te........... udem atur⸗ das eine Dar⸗ Haten⸗ gleich der rt. 'taa⸗ Po⸗ g und n der drei Staa⸗ ische und Uro⸗ Ein⸗ jeen taa⸗ ker⸗ vir⸗ ahr⸗ opäi⸗ der nden der chen hat⸗ lung den eht, Einleitung. 9 setzt sie die Staatskunst voraus, welche theils in die Darstellung der Bedingungen für die An— kündigung des innern und des äußern Lebens, theils des nothwendigen Zusammenhanges dieses innern und äußern Lebens, zerfällt.— Mit dem positiven öffentlichen Staatsrechte und dem practischen europäischen Völker⸗ rechte steht sie als Vorschule und als Commentar insofern in steter Verbindung, inwiefern sie die im positiven öffentlichen Staatsrechte ent— haltenen Grundbedingungen des innern Staats— lebens(in Grundgesetzen, Grundverträgen und Verfassungen) nach ihrem Entstehen und nach ihrem Einflusse auf das innere und änßere Staats— leben nachweiset, und eben so die im praotischen Völkerrechte allmählig herrschend gewordenen Grundsätze nach der Entstehung und Fortbildung derselben erörtert, so wie sie nach ihren Thatsachen unentbehrlich ist für die Versinnlichung der im practischen Völkerrechte aufgestellten Lehren in Hin— sicht auf die Verträge, auf welchen das europäische Staatensystem ehemals beruhte und gegenwärtig beruht, in Hinsicht auf das Gesandtenwesen, und auf die in der Wechselwirkung der einzelnen Staa— ten bestehende Völkersitte.— P¶ An die Statistik endlich schließt sie sich dadurch, als nothwendige Vorbereitung auf dieselbe, an, daß, wenn die Statistik die Darstellung des gegenwär ti— gen innern und äußern Lebens der europäischen Staaten und Reiche enthält, die Geschichte des europäischen Staatensystems die Darstellung des innern und äußern Lebens dieser Staaten und Reiche im Kreise der Vergangenheit auf⸗ stellt. I—————— öpSS ꝗT— 10 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 3. Eintheilung der Geschichte des europai⸗ schen Staatensystems in zwei Zeitraäͤume. Werden die einzelnen Erscheinungen und That— sachen in der Geschichte des europäischen Staaten— systems seit dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts auf gewisse Ideen zurückgeführt, welche allmählig ins öffentliche Leben der europäischen Staaten und Reiche eintraten, so daß die entscheidendsten und folgen⸗ reichsten Begebenheiten in der Mitte des europäischen Staatensystems nur aus dem Eintritte dieser Ideen ins öffentliche Staatsleben erklärt werden können; so sind es zunächst die Idee der religidsen und kirchlichen Freiheit, welche am Anfange des sechszehnten Jahrhunderts, und die Idee derb ür⸗ gerlichen und politischen sreiheit, welche gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts mit entscheidendem Gewichte und unermeßlichen Folgen ins öffentliche Staatsleben übergingen. Die religidse Freiheit besteht aber in der öffentlichen Anerkennung des Rechts eines jeden ver⸗ nünftig⸗sinnlichen Wesens, in Hinsicht seines Glau⸗ bens ganz und einzig seiner individuellen Ueberzeugung und seinem Gewissen folgen zu dürfen. Sie ist die Unterlage der kirchlichen Freiheit, oder des vom Staate anerkannten Rechts, daß sich, unter der Ober— aufsicht und dem Schutze des Staates, kirchliche Ge⸗ meinden zu Einem und demselben religiosen Lehrbe⸗ griffe und Cultus bilden und vereinigen dürfen. Die bürgerliche Freiheit dagegen besteht in der völligen persönlichen Selbstständigkeit und Sicher— heit des einzelnen Staatsbürgers innerhalb seines äußern Wirkungskreises unter dem Schutze der Staats⸗ ——ett—— päi⸗ ume. That⸗ aten⸗ derts ͤhlig und Igen⸗ schen deen so und des bür⸗ elche mit lgen der ver⸗ au⸗ ung die om ber⸗ Ge⸗ ke⸗ in her⸗ ines ats⸗ Einleitung. 14 gesetze, so daß nie ein Staatsbürger blos wegen seiner geäußerten Meinungen, sobald diese nicht in rechts- widrige Handlungen übergehen, belangt, oder ein Unschuldiger wegen eines vorgeblichen Verbrechens in Anspruch genommen, sondern nur wegen thatsach— licher Rechtsverletzungen seiner öffentlichen freien Thä— tigkeit beraubt werden kann. Diese bürgerliche Frei— heit ist die Unterlage der politischen(öffentlichen) Freiheit, welche in der auf die ganze Staatsgesellschaft ausgedehnten bürgerlichen Freiheit besteht, inwiefern in dem Staatsgrundvertrage die feste Grenzlinie der gegenseitigen Rechte und Pflichten des Regenten und der Regierten gezogen, so wie der Umfang aller einzel— nen Gewälten im Staate genau bestimmt, und nie zur Gefährdung oder Vernichtung der politischen Freiheit überschritten wird. Nach diesen beiden, ins europäische Staatsleben eingetretenen, Ideen umschließt der erste Zeitraum der Geschichte des europäischen Staatensystems die völkerrechtliche Verbindung und Wechselwirkung der europäischen Staaten seit der Entdeckung des vierten Erdtheils bis zur fran zösischen Revolution(1492— 1789), beruhend auf der Entwickelung ihres in— neyn politischen Lebens als der Grundbedingung der äußern Ankündigung derselben, inwiefern in diesem ganzen Zeitraume, besonders aber in dem Zeitabschnitte von 1517— 1648, die ins öffent⸗ liche Staatsleben eingetretene Idee der reli— giösen und kirchlichen Freiheit die Grund— lage aller wichtigen Ereignisse bildet; und der zweite Zeitraum der Geschichte des europäi— schen Staatensystems die völkerrechtliche Verbin— dung und Wechselwirkung der europäischen Staa— 12 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ten und ihrer zur Selbstständigkeit gelangten ameri— kanischen Kolonieen seit der französischen Revolution bis auf unsere Zeit(1789— 1823), beruhend auf der Fortbildung ihres in— 4 nern politischen Lebens als der Grundbedingung der außern Ankündigung derselben, inwiefern in diesem Zeitraume die ins öffentliche Staatsleben eingetretene Idee der bürgerlichen und po— litischen Freiheit als Grundlage aller wichti— gen geschichtlichen Thatsachen erscheint. 4. Unterabtheilungen dieser beiden Zeit— räume. Die beiden genannten Zeiträume(Perioden), welche die neuere und neueste Geschichte des euro— päischen Staatensystems bilden, zerfallen aber, nach —p— gewissen— auf das gesammte Staatensystem entscheidend einwirkenden— Ereignissen in folgende einzelne Zeitabschnitte(Epochen). Der erste Zeitraum von 1492— 1789 wird dargestellt nach drei Zeitabschnitten: Der erste Zeitabschnitt hebt an, gestützt auf die in der Vorgeschichte aufgestellten vorberei— tenden Ereignisse, mit der Entdeckung des vierten Erdtheils und reicht herab bis zu dem westphälischen Frieden(von 1492— 1648). In diesem Zeitraume tritt mit der Kirchenverbesse— rung, welche in der Mitte Teutschländs begann, die Idee der religiösen und kirchlichen Freiheit ins öffentliche Staatsleben, und wird die Ursache eines Kampfes, welcher das ganze südwestliche euro— päische Staatensystem,(in dessen politischem Mit—⸗ 1 RIESSE— ———— 1— P TTTTTTTTTTTDSTEUSECTETETEFTWSTFTWTPKöTPTSTTETTETTTTTTRTT dl lchn Iend! und sex a WMuli he, *„ 2½ Cul o 768 Vult V I Einleitung. 13 telpunete das teutsche Reich erscheint,) in Bewe— gung setzt, bis im westphälischen Frieden die beiden großen Ergebnisse: die politische Gleichheit des Katholicismus und Protestantismus, und Teutsch— land als ein Bund unmittelbarer Staaten mit einem Kaiser als Oberhaupt an der Spitze, offent— lich anerkannt werden. Gegen das Ende dieses Zeitraumes treten bereits zwei nordische Reiche, Schweden und Dänemark, mit bleibenden Interessen ein in die Verbindung und Wechselwirkung des bis dahin zunächst nur auf den Süden und Westen beschränkten europäischen Staatensystems. Der zweite Zeitabschnitt reicht von dem west— phälischen Frieden bis zur Thronbestei— gung Friedrichs 2 in Preußen und der Ma— ria Theresia in der östreichischen Monarchie, oder bis zur Eröffnung des östreichischen Erbfolge— krieges von(1648— 1740). Wenn gleich die Idee der religiösen und kirchlichen Freiheit, nach der Anerkennung und Gewährleistung ihrer öffent— lichen Gültigkeit im westphälischen Frieden, wäh— rend dieses Zeitabschnitts nicht mehr im Vorder— grunde der Begebenheiten erscheint; so behauptet sie doch noch einen bedeutenden Einfluß auf die politischen Ereignisse, besonders inwiefern Preu— ßen, als protestantische Macht, an die politische Stelle Schwedens innerhalb des europäischen Staatensystems tritt, und dieses nicht nur durch die bleibende Theilnahme der beiden nord-östlichen Mächte, Preußens und Rußlands, an den wichtigsten Weltbegebenheiten eine folgenreiche Aus— dehnung, sondern auch, durch die politische Oppo— sition Preußens gegen Oestreich in Teutschland, eine ————— +.9+ꝗ+ꝗ.—.—‚.I.IJI.-‚.Y 5 —4 5 ;.eeeeee..teeteeeeeee.—.. I.STT T ö‚ 14 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. bedeutende Veränderung in Hinsicht der neuen Gestaltung der politischen Interessen des teutschen Reiches erhält. Der dritte Zeitabschnitt beginnt vom Jahre 1740 und führt die Geschichte des europäischen Staatensystems fort bis zum Ausbruche der französischen Revolution(v. 1740— 4789). Je weniger die, in den civilisirten europäischen Staaten fast durchgehends anerkannte, religiöse und kirchliche Freiheit auf die politischen Begebenheiten während dieses Zeitabschnitts noch einen entschei⸗ denden Einfluß behauptet; desto bestimmter kündi— gen sich bereits die ersten Spuren des Eintritts der Idee der bürgerlichen und politischen Freiheit ins öffentliche Staatsleben, besonders seit dem Kam— pfe der brittischen Kolonieen in Nordamerika für ihre Selbstständigkeit, und die Spuren der mäch— . ö tigen politischen Veränderungen an, welche mit der Gelangung Preußens und Rußlands zu Mäch— ö ten des ersten politischen Ranges, mit ihrer blei— benden Theilnahme an allen wichtigen Ereignissen in der Mitte des europäischen Staatensystems, mit der Theilung Polens und mit der unheilbaren Spal— tung der politischen Interessen in Teutschland zwi— schen Oestreich und Preußen nothwendig verbunden waren. Der zweite Zeitraum von 1789— 1823 wird gleichfalls dargestellt nach drei Zeit— a bschnitten: Der erste Zeitabschnitt beginnt mit der fran— zösischen Revolution, oder genauer: mit der thatsachlichen Aufhebung des Lehnssystems in Frankreich am 4. Aug. 1789, wodurch das innere Staatsleben Frankreichs, seit 1400 Jah— m—..—— ——————————meeee——————— — SꝗSSSSe.... diel sihun ltt seht Wshe IWhn v. Einleitung. 15 neuen ren auf das Lehnssystem gegründet, völlig umge— Ulschen bildet ward, und reicht herab bis zur Auflösung ö des teutschen Reiches im Jahre 1806, N sahte als des bisherigen politischen Mittelpuncts des 2 lischen gesammten europäischen Staatensystems. der Der zweite Abschnitt umschließt die Begeben— 780. heiten in der Mitte des europäischen und amerika— üschen nischen Staatensystem') von der Auflösung I e und des teutschen Reiches im Jahre 1806 + Heiten bis zu den Ergebnissen des Wiener Con—* schei⸗ gresses im Jahre 1815, in welchem Zeitab— I. undi⸗ schnitte, nach der Vernichtung des bis dahin in 2 der Europa bestandenen Systems des politischen Gleich— ins gewichts, auf wenige Jahre das Uebergewicht I dam⸗ Frankreichs als eines Centralstaates hervortrat, II für bis diese Dictatur gebrochen und auf dem Wiener nach⸗ Congresse die Grundlage eines neuen Systems des* mit politischen Gleichgewichts versucht ward.* ch⸗ Der dritte Zeitabschnitt endlich vergegenwär— blei⸗ tigt die wichtigsten Ereignisse in der Mitte des euro— 4 päischen und amerikanischen Staatensystems seit m dem Wiener Congresse bis auf unsre p⸗ Tage(von 1815— 1823). zwi⸗ iden 2 Die leitenden politischen Ideen in Be— — ziehung auf die wichtigsten Ereignisse eit⸗ innerhalb des europäischen Staatensy— stems seit der Entdeckung des vierten an⸗ Erdtheils. 3 So fehlerhaft es seyn würde, die Geschichte nach 16 politischen Ideen(oder gar nach Grundsätzen a priori) 0 bilden zu wollen; so wichtig ist es doch, die ein— 16 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 5 zelnen Thatsachen der Geschichte nach lei⸗ 106 4 tenden Ideen zu Einem Ganzen zuordnen, nän 174 unter sich zu verbinden, die Verhältnisse nachzuweisen, unter welchen sie entstanden, die Folgen aufzuklären, W die aus ihnen hervorgingen, und so den Einfluß aus— an — zumitteln, den sie in der Mitte der europäischen 0 — Menschheit, theils auf das Steigen oder Sinken des 15 einzelnen Staates, theils auf die Veränderungen in aan . ö der Verbindung und Wechselwirkung der gesammten . europäischen Staaten und Reiche behaupteten. 100 Die leitenden politischen Ideen zur richtigen Kuin — Beurtheilung und Würdigung der geschichtlichen That— us sachen beruhen aber auf den Bedingungen a) des* W. ö innern, und b) des äußern Lebens der Staaten Wt und Reiche, so wie auf der Wechselwirkung sl, at beider auf einander). Rei A) Zu den Bedingungen des innern poli⸗ imen tischen Lebens gehören: 2) die Cultur des Vol— zmah kes, sowohl die physische und technische, als die l de geistige, welche als intellectuelle, ästhetische und sitt— sitll liche wahrgenommen wird, so daß diese Cultur die un Unterlage der Eigenthümlichkeit eines jeden Staates ufen nach seiner individuellen Entwickelung und nach seiner Luhn ö öffentlichen Ankündigung bildet;) der Organis— 1 d mus des Staates, der die Verfassung, die Ihe! Regierung und die Verwaltung umschließt, Rd und 7) die in der Cultur des Volkes, so wie in dem Akr. Organismus des Staates nach seiner Verfassung, hrinl Regierung und Verwaltung enthaltenen Ursachen ft 8 hbit *) Vergl. meine Beurtheilung der dritten Auflage von 6 Heerens Geschichte des europ. Staatensystems im Hulhe Hermes, St. IV, S. 259ff., und die Staats- Af kunst im ersten Theile dieses Werkes S. 340 ff. Iuig 7 ö. FTTI—TTTTTT ——— ᷣIII—————.— ———.—‚.‚.———.— Ms. ich lei⸗ ronen, Iwest, kklirn, ß aus⸗ päischen ken des ggen in immten chtigen That⸗ a) des taaten kung poli⸗ Vol⸗ s die d sitt⸗ Ir die aates Einleitung.*+ seines Vorwärts-⸗ oder Rückwärtsschreitens, seines Steigens oder Sinkens. So wie der Orgänismus eines jeden Staates, nach Verfassung,‚ Regierung und Verwal leung, im genauesten Zusam⸗ menhange mit dem erreichten Grade der Cultur eines Volkes stehet und als die nothwendige Fol ge dieser Cultur erscheint; so lassen sich auch geschichtl ich die Veränder Entaei in dem Organismus des Staates, bald in der Verf n sung 3„ bald in der Regierungsform, und bald in den einzelnen Theilen der Verwaltung (wohin die Gercch tigkeitspflege, die Polizei, die Fi⸗ nanzen und die kriegerische Gest altung gehören), in Angemessenheit zu den Fort⸗ oder Rückschritten der Völker' in 14. nachweisen. Selbst der Ein⸗ fluß, welchen die Religion, die öffentliche Meinung und das. auf das innere und äußere Leben der Staaten behaupten, sind zunächst e von dem erreichten Grade der Cul⸗ tur der Völker. Denn die Religion steht mit der sittlichen Cultur in der innigsten Verbindung, so daß die geläuterten und Versieen Religionsbe— griffe nur bei Völkern auf höhern Stufen der sittlichen Cultur sich sinden; die öffentliche Meinung, als eine affenc iche Macht(wie sie besonders seit dem Jahre 1763 in Europa sich bildete), kann nur die Folge des Fortschreitens der civilisirten und cultivirten Völker zur politischen Mündigkeit seyn; und das Ko— lonialwesen wird zunächst bei solchen Staaten getroffen, welche bereits in Hinsicht auf Ackerbau, Gewerbsfleiß und Handel eine höhere Stufe der Cul⸗ tur, und 32h einen Wohlstand und eine Bevöl⸗ kerung erreicht haben, von welchen der Ueberschuß auf Anlegung, Erhaltung und Befestigung von Ko— lonieen verwendet werden kann. III. 2 —3——— * IIEE————ͤ—j—————c— 18 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. B) Bei der Würdigung des äuß ern politi⸗ schen Lebens muß berücksichtigt werden: die An— 06 kündigung der einzelnen europäischen Staaten und ful! Reiche als Mächte des ersten, zweiten, dritten Hlch und vierten politischen Ranges*), um dar— Wͤal, nach theils die Veränderungen eines und desselben ub— Staates nach seiner Stellung in der Mitte des euro— päischen Staatensystems während der verschiedenen gewit Zeitabschnitte, theils das Streben einzelner Staaten Ichu nach einem Principate in Europa, so wie die Gegen— 6 anstalten der übrigen Staaten, dieses Principat zu th verhindern, richtig beurtheilen zu können;) der Hucgel Einfluß des practischen europäischen Völ⸗ Ohat kerrechts auf den gegenseitigen Verkehr und die fürdi Wechselwirkung der Staaten, inwiefern durch Ver—⸗ is träge, Völkersitte und Analogie allmählig in der schct Mitte des europäischen Staatensystems eine zwar Dai nicht unerschütterliche, aber doch feste und bleibende Hlei Grundlage ihrer gegenseitigen Verhältnisse sich sch bildete, welche zunächst auf drei Hauptstützen beruhte: Kuft auf der Anerkennung der Selbstständigkeit d jedes unabhängigen Staates im Innern n und nach außen; auf der Heiligkeit des recht— Rh mäßigen Besitzstandes, und auf der Erhal— n N tung des politischen Gleichgewichts**). Wü Dieses politische Gleichgewicht ist weder Chi— Muut märe)(wie Einige wollen), noch bloße Idee; K es hat in der Mitte des europäischen Staatensystems thatsachlich bestanden; für seine Erhaltung sind huhr * balg *) Vgl. Th. 1, Staatskunst, S. 552— 54. Waf *π) Bal. Th. 1, Staatskunst, S. 355— 558. I *Vπ) J. Heinr. Gtlo. v. Justi, die Chimäre des Gleich— r gewichts von Europa. Altona, 1758. 4. W — I ————————9**—.9.—9—.—9—.....————————————— 2—.—————————....——.. 5 2 P...ꝗ..................... ms ze. n politi— die An⸗ aten und dritten um dar⸗ desselben des euro⸗ chiedenen Staaten e Gegen⸗ cipat zu 3) der n Völ⸗ und die ch Ver⸗ in der ne zwar leibende sse sich eruhte: igkeit nnern recht— Erhal— 50 r Chi⸗ Idee; shstems ng sind Gleich Einleitung. 10 dreihundert Jahre hindurch große re nicht ohne Erfolg, versucht worden, und— nach dem Um— sturze des frůͤher bestandenen Systems des politischen Gleichgewichts durch Frankreichs Principat unter Na— poleon, so wie nach der Vernichtung dieses Princi— pats— hat der Wiener Congreß eine neue Grund— lage desselben gebildet. Das politische Gleich— gewicht im europäischen Staatensysteme beruht näm⸗ lich auf der Begründ dung, Sicherung und Erhaltung des Rechts in 50n äußern Verkehre aller europäi⸗ schen Staaten und Reiche, gestützt auf die gesicherte bürgerliche Freiheit im inner n Leben jedes einzelnen Staates und Reiches, und auf die äußere Selbst⸗ standigkeit, Un abhängigkeit und politische Freiheit jedes einzelnen Staatés und Reiches nach iner Wech⸗ selwirkung mit allen andern Staaten und Reichen.— Dieses politische Gleie hgewicht verlangt keine Gleichheit der eu ropäischen Staaten und Reiche nach Bevölkerungszahl, Flächenrar im und physischer Kraft in der äuß ern Anki indigung; es verstattet viel— mehr die größte Werschiedenheit des politischen Ranges der europäischen Staaten und Reiche und beruht, nach seiner eigenthümlichen Stärke, nicht i immer auf den Mächten des ersten, sondern auf den 14.85 des zweiten und ten politischen Ranges(3. B. Moritz von Sachsen gegen Karl 5; Gustav Adolph gegen Ferdinand 2—50 die Niederlande seit 1650 gegen Ludwig 14; Friedrich 2 gegen Maria Theresia u. s. w.), inwiefern diese durch ihre moralische Kraft(eben beruhend auf der Bildung und Reife 0 er Völke wie auf der umsichtigen Berechnun g und zeitgemaßen Anwendung ihrer politischen Maas regeln,) das Ge⸗ gengewicht gegen jedes versuchte Principat bildeten, und durch ihre Verbindung unter sich, und mit den 9* ———————— 20 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Mächten des ersten Ranges, welche gleichfalls jenes 90 Principat hindern wollten, den Ausschlag in den huth Weltbegebenheiten gaben. l Das politische Gleichgewicht beschränkte sich, seit dem Anfange des sechszehnten Jahrhunderts bis W zum Jahre 1630, auf die Wechselwirkung und 90 gegenseitige politische Stellung der Mächte des kreil europäischen Süden und Westen gegen einander. fug Seit dieser Zeit bildete sich R das neue politische Ver— 1 hältniß der nö rdlichen Staaten Europens zu den Ents Staaten des Süden und Westen; doch war Schwe— M dens große politische Rolle nur vorübergehend. Seit H dem Anfange des. Jahrhunderts traten shen aber zwei nordöstliche Mächte, Preußen und H Rußland, in die politischen Inter essen Europens ein, uen und Teutschland war seit dieser Zeit, im streng— 10 sten Sinne des Wortes, der Mittelpun et des MI gesammten europäischen Staatensystems, gelegen pi in der Mitte zwischen den Mächten des Süden und hebe Westen, und des Norden und Osten. Endlich ka— un men gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts uih auch die selbstständigen nordamerikanischen Staa— ssene ten, und seit dem Anfange des neunzehnten Jahr— hunderts selbst die nach Selbstständigkeit und Un— abhängigkeit strebenden südamerikanischen Staaten, in mannigfaltige Berührungen mit dem europai⸗ ö schen Staatensysteme. Whs 6. der Methode für die Darstellung der Geschichte Hschn des europäischen Staaten systems. uur un g Lnsch Wähn Nach dem aufgestellten Begriffe dieser Wissen— schaft, und nach den bei der Darstellung der einzelnen ö ————————‚——— SFIIII ůñ Fn““““““e‚t‚...‚..........I.—F—F—.—.—.—.—.—..——————— ems he. als yne 9 in den sich, sit derts his ung und ichte des einander. sche Ver⸗ 8 zu den Schwe⸗ d. Seit 8 traten zen und dens ein, streng— net des gelegen en und lich ka— underts Staa- Jahe⸗ ind Un⸗ staaten, Auropäi— hichte Bissen⸗ Hzelnen Einleitung. 21 Thatsachen zu berüͤcksichtigenden leitenden Ideen, scheint die Geschichte des europäischen Staatensystems am zweckmäßigsten behandelt zu werden, wenn az zuerst, am Anfange jedes Zeitabschnitts in den beiden angenommenen Zeiträumen, eine kurze und allgemeine Uebersicht über die Haupt⸗ ereignisse in der völkerrechtlichen Wechselwir— kung der europäischen Staaten und Reiche gegeben, und dadurch sogleich das in den Weltbegebenheiten Entscheidende hervorgehoben, daran aber 2) die ausführlichere Darstellung der Hauptereignisse angeknüpft, und nach der— selben 3) aus der besondern Geschichte der einzel— nen Staaten und Reiche dasjenige nachgehohlt, und in kurzen Umrissen aufgestellt wird, was zur Vergegenwaärtigung des Zusammenhanges zwischen dem innern und äußern Leben der einzelnen Staaten und Reiche, nach ihrer Eigenthümlichkeit und nach den Veränderun— gen ihrer Stellung in dem europäischen Staaten— systeme, wesentlich gehört. +7 1 Literatur der Wissenschaft. Obgleich es nur wenige Werke giebt, in welchen die Geschichte des europäischen Staatensystems, ent⸗ weder theilweise oder ganz, nach den aufgestellten Ansichten und Grundsätzen behandelt worden ist; so dürfen doch von der Literatur dieser Wissenschaft die— jenigen geschichtlichen Schriften und Werke nicht ausgeschlossen werden, in welchen die Geschichte der drei letzten Jahrhunderte— welche dem Stoffe nach ———.———— 22 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. größtentheils hieher gehört— mit Rücksicht auf poli⸗ l tische Ideen behändelt worden ist. W Allgemeine Urkundensammlungen:. (Moetjens) recueil des traitez de paix, de 6n tréve, deé neutralité, de suspension d'armes, de confédérstion, d'alliance, de commerce, de garan- 35 tie, et d'autres actes publics étc. depuis la nais- n sance de Jesus-Christ jusqu'a present. 4 Voll. 11 à Amst. et à la Haye, 1700. Fol.— Dieses Werk ward fast entbehrlich durch das folgende: 6 J. dqu Momt, corps universel diplomatique du 2z droit des gens; contenant un recueil des traitez 6 d'alliance, de paix, de tréve, de neutralité, de tlei commerce etc. depuis le regne de l'Empereur Char—- lite lemagne jusqu'â present. 6 Voll. à Amst. et à la de Haye, 1726— 1731. Fol.(Diese Theile gehen von 3800— 1731.)— Suppléments 5 Voll. 1739 sq. de Vol. 1 par Barbeyrac; geht von 1495 vor Chr. bis 800 nach Christ.— Vol. 2— 5 par Rousset. Th. 2 und 3 enthält Erg änzungen und Fort⸗ 0 setzungen des Hauptwerkes bis zum Jahre 17391— Th. 4 und 5 le cérémonial diplomatique des cours teri de Ferd 15 Vorher erschien bereits: Du 3 G MOnt, nouveau recueil des traitez 9et d'alliance, de tréve, de paix, de garantie et de Iut commerce, depuis la paik de Münster jusqu'à 90 l'année 1709. 2 Tom. à Amst. 1710. g. n Recdeil de divers traltez de paix, de confédé- i ration, d'alliance, dé commerce etc. 2 Tom. à la Haye, 1707. 6. J. Jac. Schmauss, corpus juris gentium aca- l demicum, enthaltend die vornehmsten Grundgesetze, o6! Friedens⸗ und Commercientractate, Bündnisse ꝛc., 10 welche seither zweien Säculis bis auf den Congreß 21 von Soissons errichtet worden. 2 Tom. Lips. 1730. 8.(geht von 1100— 1730. Rousset, recueil bistorique d'actés, nêgotia- tions mémoires et traités depuis la paix 4¹ trécht jusqu'à présent. 21 Tom. aà la IIaye, 1728 8qq. 8. ———————— tems a. — auf poli 1 paix, de armés, de de Saran. is Ja nais- t. 4 Voll. ieses Vert atique du Es ktraltez alité, de eur Char- . et à la jehen von 1739 Sg. vor cht. Ousset. d Fort— re 17395 es cours traitez ie et de jusquã confedé- OMm. 4 um àca⸗ ndgesetze, nisse 1., Congreß 5. 1730. 6gtia- Utrecht 509 Einleitung. 23 Ant. Faber(Leucht), europäische Staatskanzlei (mit 9 Theilen Register). 124 Theile. Nürnberg, 1697— 1760. 8.— Neue europäische Staats— kanzlei. 55 Theile; von 1761— 1782. 8.— Die Fortsetzung von Reuß unter dem Titel: teut⸗ sche Staatskanzlei; 39 Theile. Ulm, 1783 ff. 8. Dann Jahrgang 1799 in 9 Bänden. Jahrg. 1800 in 5 Bänden. Jahrg. 1801 in 2 Bänden.(blieb unvollendet.) ö Fr. Aug. Guil. Wenck, codex juris gentium recentissimi. 3 Voll. Lips. 1781 s6ꝗ. 8.(von 1735— 1772. ö Geo. Fr. de Martens, recueil des principaux traités d'alliance, de paix, de tréve, de neutra- lité, de commerce etc. conclus par les puissances de IL'Europe, tant entre elles qu'avec les puis- sances et les états dans d'autres parties du monde, depuis 1761 jusqu'à présent. 7 Voll. à Gött. 17918. umschließt die Zeit von 1761— 1801.(Von den vier ersten Theilen erschien eine neue Auflage 1817 f. 8.)— Damzu gehört: Supplement au re- cueil etc. précédé de traités du 180me siòcle an- terieurs à cette époque, et qui ne se trouvent pas dans le corps universel diplomatique de M. Dumont eéet Rousseét, et autreés recueils généraux de traités. 8 Voll, à Gött 1802— 1820. 8.(wo⸗ durch das Werk bis zum Jahre 1819 fortgeführt ward. Auch erschienen die vier letzten Theile mit dem zweiten Titel: nouveau recueil des principaux traités etc.) Der Gebrauch dieser Sammlungen wird erleich— tert durch: de Mertens Guide diplomatique, ou Repertoire des principaux lois, des traités et auttes actes publics jusqu'a la fin du 18me siecle 2 Tom. à Berlin, 1801. 8. ů Chstn. Fr. Hempel, allgemeines europäisches Staatsrechtslexicon, oder Repertorium aller, son— derlich in den letzt verwichenen fünf Säculis zwi— schen den hohen Mächten ꝛc. geschlossenen Tractaten. 9 Theile. Frankf. und Lpz. 1751 ff. 4. ———————— V + NX. —.—— * 24 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. de la Maillardière, abrégé des principaux n traités, conclus depuis leée commencement du qua- u torzième siècle jusqu' présent entre les difléren- 905 tes puissances del'Europe. 2 Tom. à Paris, 1778.8. — 165 06 Systeme und Compendien: 5 J. Jac. Schmanuß, Einleitung zu der Staats-— 1 wissenschaft, und Erläuterung des von ihm heraus— gegebenen corporis juris gentium academici und Hisli aller andern seit mehr als zweien Säculis her ge— l schlossenen Bündnisse, Friedens- und Commercien— 61 0 Tractaten. 2 Theile.(Th. 1:„die Historie der Ba— Hut lance von Europa, der Bärriere der Niederlande,— der östreichischen sanctionis pragmaticae, und andrer Iunt dahin gehörigen Sachen und Tractaten in sich hal— 20 tend von 1484— 1740;“ Th. 2:„die Historie aller 10. zwischen den nordischen Potenzen, Dänemark, Schwe— 90 ö den, Rußland, Polen und Preußen geschlossenen ui Tractaten.“) Leipz. 1741 und 47. g. Gtfr. Achenwall, Geschichte der allgemeinern 1 0 europäischen Staatshändel des vorigen und jetzigen Jahrhunderts im Grundrisse. Gött. 1756. 8.— 1 Ate Aufl. 1779.(von 1600— 1748. 425 Abbé de Mably, le droit public de l'Europe, ö fondé sur les traités. N. E.(die fünfte) continuée 22 jus qu'à la paix de 1763; avec deés rémar- ques historiques, politiques et critiques par Ro us- se t. 3 Voll. à Amst. 1773. 8.(Die älteste Ausgabe Ih von 1747 ward bereits im J. 1749— Frkf. u. Lpz. W 8.— unter d. Titel:„Das Staatsrecht von Europa, Iu wie solches auf die, bis ins 1 74 Oste Jahr ge⸗ 005 schlossenen, Verträge gegründet ist“ ins Teutsche übersetzt.) 60 „Nie. Vogt) über die europäische Republik. 5 ö ü Thle. Frankf. am Main, 1737 ff. 3.— Histori⸗ I 6 sche Darstellung des europäischen Völkerbundes.(blos un Th. 1.) Frankf. 1808. 8. 405 ö COhr. Gull. Roch, tableau des réevelutions de 10 I'Lurope. N. IA. 3 Voll. Strasb. et Rarls, 1815. 111 3.—. Teutsch(nach der ältern Ausgabe): Kochs 11 Gemälde der Revolutionen in Europa seit dem Um— Hin XII öw—————————————————— öwöPP PPPIFI‚IIIIII...... printipaux U du qua 5 ditleren 7 70.0. r Staats m heraus⸗ mici und 13 her 9et mmercien— der Bh⸗ derlande, 1d andrer sch hal emeinern j 7e sigen — 0²— Zurope, utinuée remak- Rous- lusgabe u. Lpz. Curopa, vhr ge— Teutsche blik. 3 Einleitung. 2³ sturze des römischen Kaiserthums im Oceidente bis auf nusre Zeiten; von JI. D. San der. 3 Th. Berl. 1807 ff. 3. Chr. Guil. Roeh abréógé de l'histoire des trai- tés de paix entre les puissances de l'Europe de- puis la paix de Westphalie. 4 T. à Basle, 1796 59. 8.— Dieses Werk ward umgearbeitet, erweitert und sortgeführt von Fr. Schöll, unter dem Titel: bistoire abrégée des traités de paix—— West- phalie. Ouvrage entièrement réfondu, augmenté et continué 5 congrès de Vienne et aux traités de Paris de 1815. 15 Tom. à Paris, 1817 sꝗqq. 3.— Roch, table deés traités entre la France et les puissances etrangères suivie d'un recueil de traités et actes diplomatiques qui n'ont pas encore vu le jour.(v. 1643— 1787.) à Basle, 1802. g. J. Geo. Büsch, Grundriß einer Geschichte der merkwürdigsten Welthändel neuerer Zeit.(zuerst 1781.) Ite Aufl. Hamb. 1796. 8.(von 1440— 1796.)(Die Fortsetzung dieses Werkes von G. G. Bredow s. bei dem zweiten Zeitraume.) Fr. Ancillon, tableeu des révolutions du système p olitique de l'Europe, déepuis la fin du quinzieme siècle. 4 Tom.(gehen bis 1715.0 a Berl. 1603 sqq. 3.(Teutsch.— dem Titel übersetzt von Mann:„Darstellung der wichtigsten Veränderungen im Staatensysteme von Europa, seit dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts.“ Berlin, 1805 f. 8.(Doch sind nur drei Theile übersetzt worden.) Geo. Fr. v. Martens, Grundriß einer diplo— matischen reschichte der europäischen Staatshändel ind Friedensschlüsse seit dem Ende des 5ten Jahr— hunderts bis zum Frieden von Amiens. Berlin, 1807. Ia Aiplomatis frangaise depuis la fondation de la monarchie jusqu'à la sin du regne de Louis XVI. 6 Voll. à Paris, 1809. 8.— N. E.(in 7 Thei⸗ 26 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. len) 1811.— Teutsch(im Auszuge) vom Grafen von Benzel⸗-Sternau:„Frankreichs Friedens— geschichte unter den drei ersten Dynastieen.“ 2 Th. Frkf. am M. 1813. 8. J. Gtfr. Eichhorn, Geschichte der drei letzten Jahrhunderte. 6 Theile.(Zuerst 1805 ff.) Ste Aufl. Gött. 1817. 8.(Der Th. mund 2 enthalten die allgemeine Geschichte dieses Zeitraumes.) Pu Arn. Herm. Ludw. Heeren, Handbuch der Ge— It R ö schichte des europäischen Staatensystems und seiner W Kolonieen, von seiner Bildung seit der Entdeckung. 6 beider Indien bis zu seiner Wiederherstellung nach mlt dem Falle des franz. Kaiserthums und der Freiwer— alss dung von Amerika.(So lautet der Titel der Aten Hscht Auflage.) Ate Aufl.(in 2 Theilen.) Gött. 1822. 8. fRh (ist auch der achte Theil s. histor. Werke.) Die 6 erste Auflage erschien 1809, die zweite 1811, ae d die dritte 1819. Walh, Fr. Schlegel, über die neuere Geschichte. Wien, dethen 1811. g.(21 Vorlesungen im J. 1810 in Wien Oht ö gehalten. Er hebt mit den Germanen an, und I Hile schließt mit dem 18ten Jahrhunderte.) nurn Fr. Chstn. Aug. Hasse, Gestaltung Europens seit dem Ende des Mittelalters bis auf die neueste 74 Zeit. ir Th. Lpz. und Alt. 1818. 8. dt u (Von Fr. Saalfelds allgemeiner Geschichte der Wfchde neuesten Zeit seit dem Anfange der französischen Re— Yaden al volution,— gehört die erste Abtheilung des genige ersten Bandes—[Einleitung! hieher, Lpz. clih und Alt. 1818. 8., in welcher eine Uebersicht über m die Begebenheiten von 1492— 1789 gegeben wird; Res der auch verdient Spittlers Entwurf der Geschichte tensyfe der europäischen Staaten, mit einer Fortsetzung bis auf die neuesten Zeiten versehen von Georg. Sar— 1 torius, 2 Th. Ite Aufl. Berl. 1823. 8. verglichen 11 zu werden.) aßlen Ite sühfesth Uüre Uhn —1IItt“TTtT“T*Fr*F—.......————————.— ————— —. ————— tems n. om Grasen Friedenes en.“ 2 H, drei letztn Ite Auf. halten die es.) ch det Ger und seiner entdeckung lung nach Freiwer⸗ der Aten 1822. 0. e.) Die te 1811, 2. Wien, in Wien n, und zuropens neueste ichte det chen Re⸗ ing des er, Roz cht übet nwird; zeschichte zung bis Sar⸗ glichen Vorgeschichte. 27 Voörgeschichte. 8. Begriff derselben. Wenn man in der allgemeinen Geschichte unter der Vorgeschichte denjenigen Zeitabschnitt von unbestimmter Länge versteht, der das Mythenalter umschließt und herabreicht bis zum Anfange der, aus zuverlässigen Quellen auszumittelnden, beglaubigten Geschichte unsres ganzen Geschlechts; oder wenn man in der Staatengeschichte die Vorgeschichte als den Inbegriff der geschichtlichen Thatsachen be— grenzt, welche der Entstehung eines Staates auf demjenigen Erdstriche vorausgingen, auf welchem der Staat als organisches Ganzes sich bildete; so muß, in Hinsicht auf die Geschichte des europäischen Staa— tensystem, die Vorgeschichte derselben,(da sie mitten in das Gebiet einer urkundlich beglaubigten Zeit und in die Kreise der Ereignisse der in Europa bestehenden Staaten und Reiche gehört,‚) dargestellt werden als die pragmatische Darstellung der— jenigen Begebenheiten, welche zwar that— sachlich dem Anfange des ersten Zeitrau⸗ mes der Geschichte des europäischen Staa— tensystems vorausgingen, deren Wirkun⸗ gen und Folgen aber, sogleich im Anfange des⸗ selben, den politischen Charakter desselben größtentheils bestimmten. Denn kein Zeit— alter in der Geschichte steht völlig vereinzelt da; es knüpft sich mit unzähligen Banden an eine thaten— reiche Vergangenheit. Besonders war dies der Fall, als die neuere Zeit durch wichtige Thatsachen und ——————— 28 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. neuentstandene Interessen von der Welt des Mittel⸗ 0 0 alters sich trennte. 6 Hald 9. 120—5 Uebersicht der wichtigsten Begebenheiten 1 in dieser Zeit. hrEn Im Mittelalter hatten sich, zunächst bei den dunnd Völkern teutscher Abkunft, als Unterlagen des ge— sammten burgerlichen und kirchlichen Lebens kischit zwei Systeme ausgebildet: das Lehnssystem, Hafth als Unterlage der bürgerlichen Ordnung der Wendg Dinge in Teutschland, Italien, Frankreich, Por— ln tugal, England, Dänemark und Schweden, so wie kishit in den von den Teutschen allmählig unterworfenen duh d Slavenländern; und das System der geistlichen Hierarchie, als Unterlage der kirchlichen Ord— iba, K nung der Dinge in allen zum Christenthume gebrach— W ten Staaten. Doch waren beide Systeme der Zeit ihrer Begründung nach verschieden; denn das Lehns-— system, zunächst eine Folge der Eroberung der vor— maligen Provinzen des römischen Westreichs und der Besiegung ihrer Bewohner, ward bereits am Ende 7%½½⁰˙ des fünften christlichen Jahrhunderts die Resht Grundlage der bürgerlichen Verhältnisse der meisten afht,& in Europa neuentstehenden Staaten und Reiche undd 05 die wesentliche Bedingung aller wichtigen Erscheinun— Hchh gen im innern und äußern Staatsleben;— das I System der geistlichen Hierarchie hingegen erhielt erst gegen das Ende des eilften Jahr— 1ly hunderts, während Gregor 7 Bischoff von Rom lch war, seine bestimmte Ausbildung, und verwandelte 0 die bis dahin aristokratische Verfassung der Kirche Wd (nach dem Verhältnisse der Erzbischöffe, der Bischöffe st —— —..—————.—3—————————.——— — 0— ꝗSSSIIIIIIIee stems. es Mitkel nheiten bei den des ge⸗ n Kebens system, ung der 5„ Por⸗ so wie worfenen tlichen en Ord⸗ gebrach⸗ er Zeit ehns— er vor⸗ und der Ende ts die meisten che und heinun⸗ das ingegen Ja: Rom andelte Kirche ischöfe Vorgeschichte. 29 und des übrigen Clerus gegen einander,) in eine strengmonarchische, nach der Unterordnung der gan— zen abendländischen Geistlichkeit unter den römischen Bischoff, und nach der völligen Abhängigkeit des Kir— chenthums in der abendländischen Christenheit von Rom.— Beide Systeme hatten, wie alle mensch— liche Einrichtungen, bereits in den letzten Jahrhun— derten des Mittelalters mannigfaltige Veränderungen und Umbildungen im Einzelnen erfähren. Allein die Erschütterung des Systems der kirchlichen Hierar— chie erfolgte erst im Zeitalter der Kirchenverbesserung, und endigte mit der Vernichtung dieses Systems in allen protestantischen Staaten; dagegen trat die Er schütterung des Lehnssystems erst beim Aus— bruche der französischen Revolution ein, und ging in die Auflösung dieses Systems in allen den Staaten über, wo das innere Leben auf eine neue Unterlage aufgeführt ward. 10. . rt ee uen g. 1) Die wesentlichsten Veränderungen, welche das Lehns system bereits während des Mittelalters erführ, bestanden: a) in den veränderten Verhältnissen zwischen Allodium und Lehen; b) in der allmähligen Erblichkeit der kleinern Lehen(seit Konrads 2 Lehnsconstitution vom Jahre 1037), und der großen Lehen in den Zeiten Lothars 2 in Teutschland(1 1137); c) in dem Entstehen und Aufblüͤhen der Städte, verbunden mit der festen innern Ausbildung des dritten Standes, und der bedeutenden Bünd— 30 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nis sse der reichen und freien Städte Italiens, Teutschlands und selbst des Nordens; d) in der Milderung und allmäͤhl igen Aufhe⸗ bung der Leibeigenschaft(außer in den vormals sla— vischen Lͤndern: Böhmen, Schlesien, Mähren, Lausitzen, Mclnbnr, Po ommern ꝛe 3 e) in den bedeutenden Umgestaltungen 0 Be⸗ sitzstandes, besonders seit den Zeiten der Kreuz— züge; 1) in der ständi schen Berathung der Geistlich— keit, des Adels, und später auch der Städte mit den Regenten uber die Interessen und Bedüefnisse des Staates(doch ohne Vertretung des Bürger— und Bauernstandes); g) in der gesteigerten Al es gegründet theils auf die Verminderung des Einflusses der großen Vasallen, seit den Zeiten der Ministeria— lität(des Eintritts des Adels in Fi ürstendien te); theils auf die Verschr nelzung vieler kleinen Staaten oder Provinzen zu einem größern Reiche(3. B. der le angelsächsischen Reiche in England; der ein— zelnen Provinzen in Frankreich; der westgothischen und arabischen Königreiche in Spanien ꝛc.); theils auf die veränderte Form, Krieg zu führen, seit dem Gebrauche des Schießpulvers; h) in der völligen Aufhebung des Faustrechts, — welche namentlich in des ewigen ee ee 149. 5 erfol Die wesentlichen Veränderungen, welche da System der ot Herasc berei während des Mittelalters erfuhr, gingen hervor: a) aus den Lehren des Arnol ds von Bre⸗ scia(ums J. 1143), daß der Geistlichkeit kein weltliches Gut, sondern, nach dem Vorgange der Teutschland mit der Stiftung ns l dense Rt Iils U Vich wach Ihchn anng 0 luds fien nah Kan t, o Hle kuu, K go Reihtz H I0 chesn MN Rar V stems u. Vorgeschichte. 31 —— e Jnlietz, ö ältern Kirche, nur das Opfergeld und der Zehnten n gehöre; so wie aus den Grundsätzen der Wal— Hen Auß den ser(deren Stifter, der oneser Kaufmann hrmals sa Pierre Veaux, ums Jahr 1180 die Bibel las „Mihugz und ins Französische übersetzte); b) noch mehr aus den Lehren und Schriften des jen des Bi⸗ Wicliffs auf der Hochschule zu Orford seit 1360, der Kreuz welchem Huß zu Prag mit dem Anfange des funf⸗ zehnten Jabroundertt(seit 1400) in seinen Lehr⸗ Geistlih⸗ vorträgen folgte; Städte mit c) aus dem Beschlusse d 8 Teutsch⸗ zedürnise lands zu Rense(1338), daß der Papst fortan Bürger⸗ keinen Einfluß auf die Wahl 2—— römischen Kö— nigs haben solle; gegründet d) aus dem Hussitenkriege,(dem ersten lusses der Kampfe über Ideen, die ins öffentliche Leben tra— Len ten,) seit Hussens Feuertode zu Kostnitz(1415), udienste) und aus der, mit diesem Kriege nothwendig ver— Staaten bundenen, weitern Berderttung von Hussens Leh⸗ . B. der ren, namentlich in Teutschland; so wie der eit⸗ 0) aus den auf mehrern Kirchewver ammlungen zothischen ausgesprochenen beiden Grundsätzen: a) ein allge— Ntheis meines Concilium sey über dem Papste, und b) ren, sit die Kirche bedürfe einer Reformation an Häupt und Gliedern. ustre chts, Stistung 11. oIrtsebung. elche das bereits Mit diesen wesentlichen Veränderungen 4) im vor: Lehnssysteme und 2) im Systeme der kirchlichen Hier⸗ Bre— archie, standen folgende wichtige— die Erscheinun— 0 kin gen der späͤtern Zeit vorbereitende— Thatfachen in i der genauer Verbindung: I — 1—— —————————— —————————— ——— Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. 3) die Stiftung vieler U niversitäten in Frankreich( die universitas studiorum in Pa— ris mit 4 10 aultäten seit 1205, Montpellier 1289, Orleans 430⁵, Bour rges 1469); Italien(Rechtsschule zu Bologna, medicini⸗ sche Schule zu Sater no, Universitäten zu Pa⸗ dua 1222, Pisa 1339,9 Pat via 1371); Spa⸗ 4040); Portugal(Coim⸗ bra 1375); Eng land(Orford! 12490, Cam⸗ brid ge 1257); Schottland(Glasgow1 15⁴0; Schweden(Upfala 1476); Dänemark (44793(Cracau 1400)3 Ungarn (Ofen 1463); besonders aber in Teutschland seit der Mite des vierz zehnten Jahrhi inderts(so in Prag 1348, in Wien 1365, in Heidelberg 1386, in Kolln 1388, in si rt 1392, in Leipzig 1409, in Würzburg 1410, in Ro⸗ stock 1419, in Löuen 1426, in Trier! 1454, in Greifswalde 1456, in Freyburg 1457, in Ingolstadt 1472, in Tübingen und Mainz 1477, in Wiktenberg 4 1920 4) die Wiederherstellung der klassischen Literatur, besonders der griechis Hen Sracht und der platonischen oer Slet im Abend⸗ lande; zunächst seit der Flucht griechischer Ge— lehrten aus dem byzant tischen Reiche(seit 1439) nach Italien, woraus, als nothwendige Folge, ein neuer wißf senschaftlicher Geist(Agricola, geb. 1442 1 1485, Celtes geb. 1459 1 1508, Reuchlin geb. 1455 f 1522) und der Kampf der platonischen Philosophie mit der aristotelischen hervorging; 5) die Entdeckung und der Gebrauch der Magnetnadel im Anfange des vierzehnten ..... Res 1 Mie Wamsl Id she em d ude V H-Re Shiif Iunsef lahclt, Rchra abede N.en E vuld, U Kulcl HN n serh,! Hbe E ur dust Hi Kus s U Ethre, Ehde u duh Molhg 10 l hipn u WM shg . , itäten um in! Pa. lliet nep NIU pe es 1400) Modietnt Mediennt w 145%½. 715 Ungarn 50 8 Kampf telischen brau 0 rzehnten Vorgeschichte. 33 Jahrhunderts, seit welcher Zeit die Küstenschiffahrt in Meeresschiffahrt sich verwändelte, wodurch die unermeßlichen Entdeckungen neuer Länder und zweier Erdtheile, das Kolonialsy— stem der Europäer, und der allmählig sich bil⸗ dende Welthandel möglich wurden; 6) die Erfindung und der Gebrauch des Schießpulvers(ohne hinreichenden Grund dem Franziskaner Berthold Schwarz ums Jahr 1354 beigelegt, weil schon beim Jahre 1356 in Belgien der Gebrauch von Donnerbüchsen[Känonen), später aber der Gebrauch des kleinen Gewehrs vorkommt), dessen Einfluß besonders im Hussitenkriege sichtbar ward, und bald auf die völlige Veränderung des Kriegführens und des Ritterwesens hinführte; 7) die Erfindung der Buchdruckerkunst nach dem Jahre 1436 durch Johann Gutten— berg, der, statt der feststehenden Formen, der beweglichen Buchstaben, und statt des Reibers sich der Presse bediente, so daß, bei der weitern Ver— breitung und schnellen Vervollkommnung dieser Kunst,(selbst nach der ersten Einführung der Cen— sur(1486) in Mainz,) jede neue Idee bald ein Gemeingut der ganzen Menschheit werden konnte; 8) die Begründung(1308) und Befestigung des helvetischen Freistaates in der Mitte Europä's, besonders durch die siegreichen Kämpfe der Schweizer gegen den mächtigen Herzog Karl von Burgund(bis 1477), und gegen den Kaiser Maximilian(1498), der sie wieder zu Teutschland und zur Anerkennung des Reichskammergerichts bringen wollte; 9) der Untergang des oströmischen(by— zantinischen) Reiches mit der Einnahme III. 3 34 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Konstantinopels(29. Mai 1453) durch die 05 osmanischen Türken unter Sultan Mu ha— sichtn Harls d au M. *) Gewöhnlich wird die Stellung des byzantinischen Ii Mi Reiches zu den übrigen europäischen Reichen und aathe Staaten während des Mittelalters zu unbedeutend gedacht; denn selbst der politischnegative Cha⸗ acghl rakter dieses Reiches war für die selbstständige Ent— Moihs wickelung der abendländischen Staaten, so wie dessen 11⁰ U innere und äußere Schwäche an der Scheidelinie amshe zweier Erdtheile, von unermeßlichen Folgen.— Be— uuh des stieg gleich 1057 mit Isaak Komnenus das Haus duh d der Komnenen den oft schon durch persönliche Wuards y Schwäche, Ermordungen, Weiber, Mönche und Iagnie Verschnittene erschütterten Thron; so konnte doch 1 das Festsetzen der seldschukidischen Türken in Klein— 05 asien nicht verhindert werden. Die Kreuzzüge ver— ö riethen dem Abendlande das Geheimniß der Schwäche 016 u des byzantinischen Reiches. Die Venetianer und Franken eroberten 1204 Konstantinopel mit Sturm, —— wo sich bis 1257 ein sogenanntes lateinisches sit nꝛ Kaiserthum erhielt, bis die nach Nicäa verdrängte iai komnenische Dynastie unter dem Michael Pa— surnlln läollogus von den Genuesen(1261) nach Konstan— gshn! tinopel zurückgeführt ward. Während Michaels Nach— Iun e folger meistens als Schwächlinge erschienen, und bald iani die Genuesen, bald die Venetianer, die Kronbewer— u 0 ber nach ihren Handelsinteressen unterstützten, dehnte 0 sich, am Anfange des vierzehnten Jahrhunderts, eine 119 neue kräftige muhamedanische Horde, die Osma— 11 nen, geführt von Orchan, der zu Prusa in Bithy—„nn ö nien regierte, über Kleinasien aus. Seine Söhne, 28 Soliman und Amurath, eroberten(1355) Gal⸗ 0 lipoli, worauf sie Thraciens, Thessaliens, Macedo— hnul * niens und Bulgariens sich bemächtigten. Amu rath 4 0 bezwang Romanien und verlegte(1358) seinen Re— e VN gierungssitz nach Adrianopel. Dies entschied r sür die Zukunft. Die jährlichen Geschenke dahin R shhin, 4 IAI 6 ISSRRTSSI ————————9F9.9——— ——————————————————————3———— systems N. durch die an Muhs phantinishn Reichen un unbedeuterh zgativech tändige Enn persönlich Nönche um konnte dot en in Klein teuzzüge vet; det Schwäch⸗ etianet und mit Sturm, einischet verdrängtt chael Pas ich Konsta⸗ chaels Nach⸗ n, und balb Kronbewen bten, dehnt nderts, elle die Oomn in Bithy ine Söhn, 1350C „ Matedo⸗ Imutath seinen Rir entschied enke dahin Vorgeschichte. 35 10) das Erlöschen des Mannsstammes in dem mächtigen(1363 von Philipp dem Kühnen gegrün— deten) burgundischen Staate mit dem Tode Karls des Kühnen(5. Jan. 1477), worauf, durch die Vermählung seiner Erbtochter Maria mit Maximilian von Oestreich, das ganze Land (mit Ausnahme des von Frankreich als Lehen ein— gezogenen Herzogthums Burgunds) die Staatskraft Oestreichs vermehrte; 11) die Bezwingung des letzten selbstständigen maurischen Staates Granada in Spanien(1492) durch die seit der Vermählung Isabella's und Fer— dinands vereinigte Kraft der Reiche Kastilien und Aragonien; 12) die Umschiffung der Südspitze Afri— ka's durch Bartholomäus Diaz im Jahre 1486, als Folge der vorausgegangenen großen Entdeckun— seit 1392 bezeugten die Schwäche und Abhängigkeit der Komnenen. Schon Bajazet würde Konstan— tinopel erobert haben, wenn er nicht gegen den mon— golischen Eroberer Timur(1402) die Schlacht bei Ancyra verloren hätte. Bajazets fünf Söhne strit— ten um die Thronfolge; daher für Byzanz noch eine kurze Frist. Auch kämpften die Ungarn unter Jo— hann Hunyad und Matthias Corvinus (T 1490) nachdrucksvoll gegen die Osmanen. Allein Muhamed belagerte seit dem 6. Apr. 1453 Kon— stantinopel mit 200,000 Mann; er erstürmte die Stadt am 29. Mai; Constantinus Paläologus fiel ehrenvoll an diesem entscheidenden Tage. In Tra— pezunt behauptete sich Da vid Komnenus bis 1461. Die Nachkommen der Komnenen flüchteten nach Italien; von ihnen ließ sich Karl 8 von Frank— reich(1494) ihre Ansprüche auf Konstantinopel schenken. 3 2* ·DrFII—————————— — —I mD——————— 36 G Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. gen der Portugiesen, theils in Hinsicht auf die In⸗ selwelt im Westen von Europa und Afrika, theils in Hinsicht der westlichen Küstenländer Afrika's selbst; 13) die Errichtung(ums Jahr 1440) und wei⸗ tere Gestaltung des Postwesens, zuerst von Lud— wig 11 von Frankreich(1464), durch die Errich— tung der reitenden Briefposten, gegen seinen mäch— tigen Nachbar und Gegner Karl den Kühnen ge— braucht, dann seit der Vermählung Maximilians mit der Maria von Burgund, von Franz von Taxis zwischen Brüssel und Wien angelegt; eine Einrichtung, welche, ob sie gleich ursprünglich zu— nächst dem Interesse der Fürsten diente, doch bald angewandt ward auf die Belebung des Handels und auf die allgemeine Verbindung der ganzen ge— sitteten Welt durch die Anlegung von Postanstalten in allen civilisirten Staaten und Reichen. Eusi er e it räi m. eschichte des europäischen Staatensy— stems aus dem Standpuncte der Politik, se it der Entdeckung des vierten Erdtheils bis zur französischen Revolution; von 1492— 1789. 12. Untertheile dieses ersten Zeitraumes. Der erste Zeitraum zerfällt in drei Zeitabschnitte: a) von der Entdeckung Amerika's bis zum west— phälischen Frieden(1492— 1648); —————————— —— ö Eisth X wachshe MWii fusshe + Von dr Yu dub ind zuiten N3 Mflt Rulschnd W Edme sudttus, sshn Rrme Affudenen Aa tn andd dn Apäsh ud d N V Ne de dl E h h Di Rahshitt I Midief Uihihe atheil Hystems. auf die Y. NM rika„theit er Aakt ab 0) und Wei st von hd die Exrih⸗ seinen mäh⸗ Kühnen g⸗ Larimilians nj voh gelegt; ein unglich z⸗ doch bad 5 Handet ganzen ge ostanstalten n. natensh⸗ Politit,‚ rdtheils ionz umes. bschnitte: jum west Erster Zeiteäaum von 1492— 1789. 37 b) von dem westphälichen Frieden bis zum öst— reichischen Erbfolgekriege(1648— 1740); c) von dem östreichischen Erbfolgekriege bis zur französischen Revolution(1740— 1789). Erster Zeitabschnitt. Von der Entdeckung Amerika's bis zum westphälischen Frieden; von 1492— 1648. 13. A) Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Der Uebergang von veralteten Formen zu neuen und zeitgemäßen geschieht nie ohne politische Stürme; dies verkündigen alle Zeiträume der Geschichte. Für Teutschland und die gesammten Staaten im Westen und Süden Europä's war aber das funfzehnte Jahr— bundert das Zeitalter des Ueberganges zu neuen poli— tischen Formen, die theils unter den Einflüssen des aufgefundenen Seewegee nach Ostindien und des ent— deckten vierten Erdtheils für die Betriebsamkeit, den Handel, den Ve ckehr und das Kolonialsystem der europäischen Völker, theils unter den Einflüssen der durch die Kirchenverbesserung ins Leben getretenen Idee der religiösen und kirchlichen Freiheit für die geistige Entwickelung und Reife, ihre feste Gestaltung erhielten. Die Hauptbegebenheiten des ersten Zeitabschnitts sind daher: 1) die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und die Entdeckung des vierten Erdtheils, mit den unermeßlichen Folgen bei— D ‚-.“““..-----N wAIPIFIII——————3——9—9—9—.———————————————————————————————— 38 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der auf die gewerb- und handeltreibenden europäi— schen Staaten und auf die Begründung europäi— scher Kolonieen in andern Erdtheilen; 2) die Kirchenverbesserung, mit ihren unermeßlichen kirchlichen und politischen Folgen durch die Erkämpfung der religiösen und kirchlichen Freiheit und der politischen Gleich— heit des Protestantismus und Katholi— cis mus innerhalb des teutschen Reiches, als des Mittelpunctes des europäischen Staatensystems; 3) der Eintritt einer nordischen Macht in die Interessen des südwestlichen Staatensystems, seit Gustav Adolph von Schweden(1630) in Teutschland erschien, und Schweden, in Verbin— dung mit Frankreich, das Gesetz des westphälischen Friedens vorschrieb. 14. Sorte uen g. Unter Europens civilisirten Reichen hatten, am Anfange dieses Zeitabschnitts, Teutschland' und Italien die am wenigsten festbestimmten Staats— formen, wenn gleich das Oberhaupt beider die erste Krone der Christenheit trug. Am Ende desselben ward aber in Teutschland, was bis dahin Herkommen gewesen war, die Unmittelbarkeit der mächtigen Reichsstände im westphälischen Frieden gesetzlich aus— gesprochen, und das Reichsoberhaupt auf bloße Re— servatrechte gebracht. Die in der Mitte Teutsch— lands begonnene Kirchenverbesserung, deren Fortschritte und Erhaltung im öffentlichen Staats— leben durch den schmalkaldischen und dreißig— jährigen Krieg mächtig bedroht wurden, behaup— — ssc we ghe 0 u Ieude — Hroheh, Hh shne l dih Wakmugf Wochmne MDalhard Kchaber Re het f u n en n nishe Ing de V u schptt e Natkent lah Ahhudat Whic Ilh hsch Aunsng un iut„i RWegtn ystems r. den kuropii: ng europdi: len; „mit ihre olitische ligiösen und en Gleich Katholi es, als ssystems; acht in di stems, set (1630) U in Verbin⸗ stphälischn ten, am and und Staats⸗ die erste desselben erkommen mächtigen hlich aus⸗ loße Re⸗ Teutsch⸗ 3, deren Staats⸗ reißig— behaub⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 39 tete sich in den wichtigen Ergebnissen des westphäli— schen Friedens, so viele Fürstenstühle auch während dieser Zeit geschwankt hatten, und so viele Blutströme deshalb unter Karl dem fünften und Ferdinand 2 ge— flossen waren. Die Entdeckungen in beiden Indien hingegen wirkten auf Teutschland, schon wegen seiner geographischen Lage, nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar, und zunächst in Hinsicht, auf die Ver⸗ änderung der Marktplätze für den Handelsverkehr im Großen. Folgenreicher waren diese Entdeckungen für die einzelnen Staaten Italiens, die durch den Levante— handel während der zweiten Hälfte des Mittelalters reich und mächtig geworden waren, nun aber den Wettkampf mit den am atläntischen Meere gelegenen Reichen nicht bestehen konnten, in deren Hände der Welthandel kam. Dagegen waren die Folgen der Kirchenverbesserung für Italiens politische Gestaltung ohne höhere Bedeutung, außer was der römische Bi— schoff an Einfluß und Einkünften in den protestanti— schen Landern verlor; denn, nach vieljährigen Käm— pfen zwischen Frankreich, Spanien und Oestreich im Anfange dieses Zeitabschnitts über das Principat in Italien und über den Besitz Mailands und Neapels, behauptete Spanien das, durch Karls 5 Siege und Politik errungene, Uebergewicht. Ueberhaupt war das beginnende sechszehnte Jahrhundert das Zeitalter der spanischen Größe und Herrlichkeit. Die lang vereinzelten westgothischen und arabischen Staaten Spaniens, bereits nach der Vermählung der Isabella von Kastilien mit Ferdi— nand von Aragonien zur künftigen Vereinigung vor— bereitet, kamen mit Karls 5 Regierungsantritte unter Ein Scepter. Ihm gehörten die Niederlande und 2———— . V V V — AAIf——.————————————————.—————eeeeeee— 10 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. schöne Länder in Teutschland und Italien; die Reich— thümer des vierten Erdtheils strömten nach Spanien, von wo aus Amerika entdeckt, und, nächst den An⸗ tillen, Mexiko und Peru erobert ward. Allein schon unter Karls Sohne, Philipp 2, sank das innere politische Leben Spaniens unaufhaltbar, und mit dem— selben Spaniens Geltung nach außen. Des Königs Engherzigkeit und die Inquisition verschlossen seine Reiche der Kirchenverbesserung; auf Leichenhügeln kirchlicher Märtyrer erwuchs aber die Selbstständig— keit des, von Spanien sich losreißenden, jungen Frei— staates der Niederlande, der, bald nach dem westphälischen Frieden, ein Jahrhundert hindurch seine große politische Stelle in Europa begann und be— hauptete. Nächst Spanien erntete, am Anfange des Zeit— abschnitts, Portugal die reichsten Früchte seiner gro— ßen Entdeckungen und Erwerbungen in beiden Indien, besonders aber in Ostindien. Doch Lissabon blieb nicht lang der Marktplatz der außereuropäischen Waä— ren. Schon unter seinen letzten Königen aus dem unechten burgundischen Hause sank Portugals inneres Leben und sein äußeres politisches Gewicht; noch tiefer stand es sechzig Jahre hindurch als Nebenreich von Spanien unter drei spanischen Königen(1580— 1040), bis es in Johann von Braganza(1640) einen eigenen König und seine Selbstständigkeit wie— der erhielt. Allein die Zeiten seines vorigen Glanzes und seiner Macht waren unaufhaltbar verschwunden; nur eine untergeordnete Stelle blieb ihm seit dieser Zeit in der Mitte des europäischen Staatensystems. Desto wichtiger war Frankreichs politische Rolle in der Zeit des sich bildenden südwestlichen Staa— tensystemo. Kurz vor dieser Zeit hatte Ludwigs 11 lascht A de x sleigtt, 1 Unst 66. henen Ruuz 1 Mland: Hekchhnt Vz 1 Raanlalhe Hahlt, K. Hgne d shntl utts Funkr in das! Cttomen dußen sh jbeiten Wuhlößer Ha rank Ancch au bltgi Ii ies Richelie sihngen tlich de Mhr des bhapttt, Nt hahslgde rice, f ch, Bli: Erster Zeitraum von 14902— 1789. 41 Umsicht und Willkuhr eben so die Regentengewalt über die Ansrebi ungen mächtiger Vasallen im Innern gesteigert, wie den Umfang des Reiches vergrößert und demselben nach außen eine festere Stellung gege— ben. Gestützt auf diese Unterlage strebten, unter ver— schiedenen Rechtstiteln, Karl 8, Ludwig 12 und Franz 1 nach itälischen Ländern, nach Neapel und Mailand; allein die beiden ersten wurden durch schlau berechnete Gegenbündnisse aus Italien verdrängt, und Franz 1 mußte endlich in der reichen Halbinsel, nach viermaligem Kampfe, ganz seinem mächtigen Neben⸗ buhler, Karl dem fünften, weichen. Unter ihm, dem Gegner des Protestantismus, der von der Schweiz her schnellen Eingang in Frankreich fand, begannen bereits die innern kirchlich— politischen Stürme in Frankreich, welche, bis zum Eintritte Richelieu's in das Ministerium, den französischen Boden mit Strömen Bluts bedeckten und dessen Gewicht nach außen schwächten, wenn es gleich Heinrich dem zweiten gelang, auf Kosten Teutschlands sich zu vergrößern, und Heinrich der vierte für das In⸗ nere Frankreich versohnend und— lwirkte, so wie er nach außen den kühnen Plan der C Erschütterung der habsburgischen Macht in der spanischen und teutschen Linie dieses Hauses zuerst auffaßte, einen Plan, den Richelieu und Mazarin wahrend des dreißig⸗ jährigen Krieges verwirklichten, wodurch Frank— reich das vormälige Uebergewicht Spaniens in der Mitte des europäischen Staatensystems errang und behauptete. Nicht als Hauptmächt, doch bedeutend genug als wechselnder Bundesgenosse der kämpfenden Häupt— mächte, kündigte sich England unter Heinrich 8 an. Bei seiner schwänkenden, launenhaften Politik 42 Geschichte des europäischen Staatenhystems ꝛc. in Hinsicht auf die gleichzeitigen Veränderungen im Kirchenthume und auf seine Stellung zu Teutschland, Rom, Spanien und Frankreich konnte Englands Stimme damals noch nirgends den Ausschlag geben. Noch weniger war dies unter der Regierung Eduards 6 und der Maria möglich, wo das kirchliche Reactionssystem den Boden Englands viel— fach mit Blut färbte. Als aber der letzteen ihre Halb— schwester Elisabethh auf dem Throne solgte, ward, mit dem Siege des Protestantismus in England, zu— gleich der Grund der beginnenden Größe dieses In— sularreiches nach der Kraft seines innernsebens in Hin— sicht auf Parlamentsrechte, Gewerbsfleiß und Handel, und durch die Siege über die spanische Seemacht, so wie durch die Begründung außereuropäischer Kolonieen gelegt. Doch lähmten innere Kämpfe, veranlaßt durch das Streben der ersten beiden Stuarte auf dem durch sie(seit 1603) vereinigten Throne von Großbritannien und Schottland nach unbeschränkter Gewalt und nach Herstellung des Katholicismus, die freie Entwickelung der innern Staatskräfte und die Behauptung der errungenen äußern Stellung dieses Reiches bis gegen das Ende des ersten Zeitabschnitts. Die Entscheidung, welche Schweden, während des dreißigjährigen Krieges und am Ende desselben, in kiechlich-politischer Hinsicht gab, hätte Jakob 1und Karl 1 zufallen müssen, wenn sie mit ihrem Parla— mente und mit dem Protestantismus einverstanden ge— wesen wären. 15. Forsetzung. Nur diese Erschütterung im Innern Großbritan— niens, welche am Anfange des nächsten Zeitabschnitts, 61 dtt R wibeh in di Vemn, hitt, Schve der calne in suund Iu dullende Ratkg e Mne Kichent Shoodd Wui Drrlest shenR Ind M Dasp g Hehen Ahenl sinnt Haltz Kunpf Vichem Iud ad Vfchmn hussten v. Hen im shand, Nglands geben. gietung 0 das d viel⸗ hab⸗ „vatd, nd, zu⸗ ses N⸗ in Hin⸗ Hundel, acht, so oniken Krahlaßt Nthetas⸗ iltte Aaschltie, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 43 mit der Hinrichtung Karls 4endigte, brachte ein zwar vorübergehendes, aber höchst folgenreiches Uebergewicht im europäischen Staatensysteme auf Schweden. Wenn, bald nach dem Anfange des ersten Zeitab— schnitts, Gust av Wasa durch seine Thronbesteigung in Schweden die hundert und zwänzigjährigen Bande der calmarischen Union sprengte, welche den gesamm— ten scandinavischen Norden zu Einem politischen Gan— zen vereinigt hatte; so mußte dadurch eine längfort— dauernde Eifersucht zwischen Schweden und Däne— mark begründet werden, obgleich beide Reiche, durch die Annahme des Protestantismus in Hinsicht des Kirchenthums einerlei Interessen hatten. Früher, als Schweden, wollte Christian 4 von Dänemark, im dreißigjährigen Kriege den Ausschlag für die Sache des Protestantismus und für die Steigerung der politi— schen Macht Dänemarks geben; besiegt aber von Tilly und Wallenstein sah er sich zum Frieden genöthigt. Desto glücklicher erschien Gustav Adolph in dem Herzen Teutschlands. Zwar fiel er frühzeitig bei Lützen(1632); allein die Staatsmänner und Helden aus seiner Schule führten, unterstützt von Frankreichs Politik gegen die beiden habsburgischen Häuser, den Kampf durch bis zum westphälischen Frieden, seit welchem Schweden, vergrößert durch teutsche Länder und als Garant dieses Friedens, über ein halbes Jahrhundert mit dem südwestlichen europäischen Staa— tensysteme in steten Berührungen blieb, wenn es gleich nicht mehr den Ausschlag zu geben vermochte, und nach Karls 12 Tode das bisherige Gewicht dieses nordi— schen Reiches auf Preußen und Rußland überging. In sehr entfernten Beziehungen standen die nord— östlichen Reiche dieser Zeit mit dem südwestlichen Staa— tensysteme. Noch regierten die letzten Sprößlinge der 44 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Jagellonen(bis 1572) über Polen, ein Reich, in dessen Mitte zwischen dem Adel und den Leibeignen kein freier Bürgerstand, außer in den wenigen Städ— ten, sich befand, und das nach außen mit seiner Vergrößerung an den Küsten der Ostsee, und mit den Kämpfen gegen die Moskowiter und Osmanen hin— reichend beschäftigt war. Denn der vormals höchst⸗ kräftige teutsche Ritterstaat Preußen mußte bereits im Jahre 1466 die Hälfte seines Landes ganz an Po— len abtreten, worauf die andere Hälfte(Ostpreußen), welche zum gereinigten Lehrbegriffe überging,(1525) in ein von Polen lehnbares Herzogthum verwän— delt ward, aus welchem der teutsche Orden ausschei— den und seinen Sitz nach Mergentheim verlegen mußte. Auf ähnliche Bedingungen erwarb(1561) Polen Liefland, wogegen Kurland in ein erbliches Her— zogthum verwändelt ward. Die Kämpfe gegen Ruß— land und die Pforte führten in diesem Zeitabschnitte zu keinem bedeutenden Ergebnisse; die Folgen der Kir— chenverbesserung zeigten sich in Polen mehr in der Ausbreitung einzelner Secten, als in einer völligen Umbildung des ganzen Kirchenthums; das aber führte für die Zukunft zu mächtigen Erschütterungen im Innern, daß seit 1572, nach dem Erlöschen des Jagellonischen Stammes, der polnische Thron ein Wahlthron ward. So wenig wie Polen, griff Rußland in die Angelegenheiten des südwestlichen Staatensystems während dieses Zeitabschnitts ein. Kaum hatte, kurz vor dem Anfange desselben, Iwan Wasiljewitsch (1477) das mongolische Joch und den Tribut an diese Horden von den Großfürstenthümern Rußlands abgeschüttelt, Nowgorod überwältigt, und Kasan erobert. Im ganzen sechszehnten Jahrhunderte blieb Mflud 4 D. Fabs, u bi Hale n da Halts! DWel 0 R0Mat L Hachem lug/ de Bahmer Schas! duken 0 l W dinand 5 Hal naste in Nß, ur lugun Wpen Kst L W Hstatis m, Hl D g Hatsen Schaht n u det tungen Hen des ron ein Erster Zeitraum von 1492— 1789. 45 Rußland für die Weltbegebenheiten im Großen und für das europäische Staatensystem unbedeutend. Selbst, daß im Jahre 1613 Michael Romanow durch freie Wahl den Thron Rußlands bestieg, und sein Haus auf demselben sich behauptete, gewann erst gegen das Ende des siebzehnten Jahrhunderts, mit Peters 1 Thronbesteigung, eine weltgeschichtliche Bedeutung. Glänzvoll war für Ungarn die Regierungszeit des Matthias Corvinus gewesen; allein er starb (1490) kurz vor dem Anfange des Zeitabschnitts, mit welchem die neuere Geschichte beginnt. Ein Schwäch— ling, der alles verdarb, der König Ulasdilav von Böhmen folgte ihm auf dem Throne, und diesem sein Sohn Ludwig 2, der,(1526) nach der gegen die Türken bei Mohacz verlornen Schlacht, in einem Sum— pfe erstickte. Ihm folgte(1527) auf den Thronen von Böhmen und Ungarn sein Schwager Fer⸗ dinand von Oestreich, wodurch beide Reiche an das Hauptinteresse der Politik der habsburgischen Dy⸗ nastie in diesem ganzen Zeitalter gefesselt wurden, nur daß, wegen der gefährlichen Nachbarschaft der in Ungarns Angelegenheiten sich einmischenden Sultane der Pforte, eine lange Zeit hindurch selbst die Staäts— kräfte Teutschlands gegen die Türken aufgeboten wer— den mußten, und mittelbarerweise der Pro— testantismus in Teutschland durch diese Ungläubigen gewann, gegen deren Uebermacht in Ungarn der Kai— ser Karl 5 seinen Bruder Ferdinand behaupten wollte. Die ungarische Reichsverfassung verstattete, daß der Protestantismus im alten Lande der Avaren und in Siebenbürgen sich verbreiten konnte; nur im eigent— lichen Oestreich, in Böhmen und Schlesien ward er, nach der milden Regierung Maximilians 2 und seiner 4 7*** — S*— —..::““:“:TFTFrrrrsrccTsRC. 65—————* 46 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nächsten Nachfolger, seit dem Regierungsantritte der steyermärkischen Linie mit Ferdinand 2, gewaltsam unterdrückt. Die Länder und die Politik der Pforte haben, im eigentlichen Sinne, nie zu dem europäischen Staa— tensysteme gehört; nur durch die Kämpfe der Pforte gegen die christlichen Nachbarstaaten, und durch die frühzeitige Verbindung Frankreichs, unter Franz 1, mit der Pforte, ist eine politische Beziehung einzelner europäischer Mächte auf die Pforte bewirkt worden, die aber während des ganzen ersten Zeitabschnitts nie eine europäische, sondern blos die besondere Ange— legenheit derjenigen Staaten ward, die, wie nament— lich Ungarn, Polen und Venedig, in langwierige und oft erneuerte Kriege mit der Pforte verwickelt wurden. Denn nie ist die Pförte mit ihrem politischen Gewichte so in die Interessen des gesammten europäischen Staa— tensystems eingetreten, wie Schweden seit 1630, Rußland seit 1700 und Preußen seit 1740. Schon daß sie zum Islam sich bekannte, und das europäische Staatensystem nurschristliche Völker und Reiche umschloß, mußte sie den Interessen des übrigen Europa entfremden; dazu kam noch ihr Stillstand in der Civi— lisation und Cultur, und ihre geographische Lage im östlichsten Winkel des Erdtheils. Denn nur die auf gleicher Lnie der Civilisation und Cultur stehenden Staaten und Reiche Europa's nahmen Antheil an den allgemeinen Interessen des in diesem Erdtheile allmäh— lig sich ausbildenden Staatensystems, und zwar in dem Grade, in welchem diese Civilisation und Cultur, vom Süden und Westen aus, über den Norden und Osten sich erweiterte, und namentlich das religiöse Interesse, seit der Kirchenverbesserung über den ganzen Erdtheil verhältnißmäßig ausgebreitet, mit des dlb siheshn Ih sit I den Hüne! Wic iche nahen suld fh 10 N Huhech Halg Ra r. auttite de Rewalham + habe, hn Smn du Pforte duh die ung! Hatzelne fl vorden, nitts nie r Ang⸗ ument⸗ Ienge nd t wurden. Gewiche V Staa⸗ 103³0, Schon ässche Reiche Europa Cibi⸗ Hage im die auf chenden an den alnah⸗ in dem Cultur, Und Ose r den Erster Zeitraum von 1492— 1789. 47 den politischen Interessen aufs innigste verschmolz, selbst da, wo das Reactionssystem der Verbreitung des Protestantismus im innern Staatsleben mächtig sich entgegen stellte.— 16. Sch luß. Entschieden war es eine große Zeit, die Zeit des ausgehenden funfzehnten und des beginnenden sechszehnten Jahrhunderts, vorbereitet durch unzäh— lige, seit dem Zeitalter der Kreuzzüge über Teutschland und den Westen und Süden Europa's verbreitete, Keime für die Entfaltung der Blüthe eines bessern gesellschaftlichen Zustandes und eines gereinigtern kirchlichen Glaubens. Die große Gährung, welche während des ganzen funfzehnten Jahrhunderts herrschte, fand keine großen Männer an der Spitze der Völker und Reiche, welche dem Streben der Geister eine weltgeschichtliche Richtung hätten geben können; denn Georg Podiebrad und Matthias Corvinus waren zu sehr mit ihren eignen, und mit den unmittelbaren Nachbarstaaten beschäftigt, und weder Wenzel, noch Sigismund, noch Friedrich 3 auf dem Throne Teutsch— lands verstanden den Geist ihrer Zeit, geschweige daß sie ihn zu leiten vermocht hätten. Allein in dieser viel bewegten Zeit gewann, seit dem Hussitenkriege und seit der Stiftung neuer Hochschulen, das religiöse Interesse, und das Bedürfniß einer Verbesserung der Kirche, eine allgemeine Verbreitung; viele Völ— ker waren mündig geworden für die reli— giöse und kirchliche Freiheit; dies zeigte die baldige Annähme des gereinigten Lehrbegriffs im gan— zen nördlichen und mittlern Teutschlande, in den Frei— wPDPFPP.sssrcsc'cꝛQÿcC ‚. 48 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. staaten der Schweiz und der Niederlande, in England und Schottland, Dänemark, Norwegen und Schweden, im ehemaligen Ritterstaate Preußen, und die theilweise Verbreitung desselben in Pol en, in Schlesien, in Mähren, in den Lausitzen, in Ungarn, in Oestreich, im südlichen Teutschlande, in Frank— reich und in Irland. Die Nachkommen der Hussiten in Böhmen begrüßten ja ohnedies die teutschen Pro— testanten als ihre Glaubensbrüder, bis Ferdinand 2 diesem Lande, nach Zerschneidung des Majestätsbrie— fes, den Katholicismus und die Jesuiten wieder auf— drang!— Gleichzeitig wurden in diesem Zeitab— schnitte die Sitten feiner und milder; die Wissenschaf— ten verloren das frühere klösterliche Gepräge; die Künste traten aus dem Dienste der Kirche in die Kreise des bürgerlichen Lebens ein; die Fesseln der Leibeigenschaft wurden, wo sie noch bestanden, mehr gelüftet, und der dritte Stand, der Mittelpunct alles kräftigen Völkerlebens, übernahm seit dieser Zeit beinahe ausschließend die Pflege des Gewerbs— fleißes, des Handels, der Wissenschaft und der Kunst, und ward der eigentliche Träger der höhern Cultur in allen gesitteten Reichen des jungern Europa! 17. B) Die Hauptbegebenheiten in desem Zeit abschnitte. 1) Außereuropäische Entdeckungen. Als im Jahre 1383 die burgundische Dynastie in Portugal mit dem Könige Ferdinand erlosch, erkämpfte dessen natürlicher Bruder Johann 1 den Thron gegen die Ansprüche Kastiliens, und ward der ä TFIfIIIIII 01 att N eh Rentgss 1 W t Sh Wchden Shon Wal u Waber Eudechng Wiun Madeite WEideh antamn Ru Eeen binteut rben Glinen ihtrte d Mlet. MCong hhelona WVorg Rruen Hang, i Müh v spsteme shstemne. „nEtgand Kunst, höhern Europa! Dysa stie osch 11 den vard d Erster Zeitraum von 1492— 1789. 49 Stifter des unechten burgundischen Hauses. Die ersten Regenten desselben beförderten den Ent— deckungsgeist, welcher damals in dem portugiesi— schen Volke erwachte; vor allen nährte ihn des Königs dritter Sohn, der Infant Heinrich, mit dem be— zeichnenden Beinamen: der Seefahrer(11463). Schon war(1415) Ceuta erobert, als er die Macht der Araber in Afrika noch mehr beschränken, und durch Entdeckungen an der Westküste Afrika's Portugals Macht verstärken wollte. So ward(1419) die Insel Madeira entdeckt und colonisirt, worauf(1432) die Entdeckung der Azoren, und, im fortgesetzten Landkampfe gegen die Araber, das Vordringen der Portugiesen(1447) bis an den Senegal, und die Eroberung von Tanger, so wie durch kühne See— abenteurer(1456) die Entdeckung der Inseln des grünen Vorgebirges und der Goldküste von Guinea(1462) folgte. Das Gold von Guinea er— leichterte die Fortsetzung dieser Entdeckungen. Die Insel St. Thomas ward im Jahre 1474, die Küste von Congo im Jahre 1484 entdeckt, und von Bar— tholomäus Diaz 1486 die Südspitze Afrika's, das Vorgebirge der guten Hoffnung, erreicht. Die unermeßlichen Folgen dieser letzten Entdeckung für Europa begännen mit der ersten Umschiffung die— ses Vorgebirges(20. Nov. 1497) durch Vasco de Gama, der(19. Mai 1498) die malabarische Küste erreichte. Noch herrschte damals kein Großmogul und kein Mahrattenstamm über Indien; wohl aber fand Vasco de Gama viele einzelne eingebohrne Fürsten an der Spitze der indischen Länder. Des indischen Han— dels sich zu bemächengen, sandte der König Emanuel den Cabral(1500) mit einer Flotte aus, die aber, durch Stürme nach Westen verschlagen, Brasilien III. 1 50 Geschichte des europäͤischen Staatensystems ꝛc. entdeckte(ein Land, das erst 1549 von Portugal förm— lich in Besitz genommen ward)), bevor sie nach Cale— cut kam, wohin(1502) Vasco de Gama zum zweitenmale reisete, welchem Franz und Alphons Albuquerque folgten. Schon behaupteten die Portugiesen mehrere feste Puncte an den indischen Küsten, als Ameida mit der Würde eines Vice— königs(1505) in Ostindien erschien, der, zur Sperre des arabischen und persischen Meerbusens, und für die Emporhebung des portugiesischen Handels, eine Kette von Festungen und Factoreien anlegte. Doch höher steigerte Alphons Albuquerque als Vice— könig(1509) die portugiesische Macht. Er eroberte (1510) Goa, seit dieser Zeit der Sitz der Vicekönige und der Mittelpunct der portugiesischen Herrschaft in Ostindien. Ormus und Aden, die Schlüͤssel zum persischen und rothen Meere, Malacca auf der süd⸗ lichen Spitze der Halbinsel jenseits des Ganges, Java, Amboina und die Molucken wurden damals von den Portugiesen erworben. In dieser Zeit beherrschte Portugal die Westküste von Afrika vom grünen Vor— gebirge bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung; die südöstliche Küste, Mozambique, Monbaza, Melinde und Quiloa waren durch friedliche Niederlässungen und Bündnisse in seiner Gewalt; der arabische und persische Meerbusen blieben gegen die muhamedani— schen Schiffe gesperrt, und portugiesische Gesetze gal— ten von der Mundung des Indus bis zum Cap Como-⸗ rin, von Ceylon bis zu den Molucken. Guil. Thom. Raynal, histoire philosophique et politique des établissements et du commerce des Européens dans les deux Indes. 7 Tom. à Amst. (Par.) 1770 sqq. 6.— Die zweite(sehr ver— mehrte) Auflage in 10 Theilen erschien zu Genf, äw F FIFIIIIIIIIIIIIIIIIII“..... e.... nl/ schlz, Hsch og I sib De. Gil WI . fett Hsh Luhl Dun tin Er huln,E HWa unnnt) Whachg Pcn dn 1 de N shtt n litt de Haptile . Uf stelan Uhakttn, In, Wr ud utte v U sRem gl em⸗ nach Lle⸗ humn jun 0 Mphorz Uteten die Nidischen ies Vice⸗ zur Sperte 3„, ind sir ndel Weld, ell b Vie⸗ Er trobett Mekonige lerschast in Hlussel n U der sid „ Java, mals von hekrschte un Vor— ung; die Melinde assungen ische und amedani⸗ sche glr pComo sophilue omwefce 4 Amst. sehr vel⸗ 7 Erster Zeitraum von 1402— 789. 51 1781, in 4. und in 8.— Die teutsche Ueber⸗ setzung, Kempten 1774, ist nach der ersten Auflage. Geschichte der Entdeckungen und Eroberungen der Portugiesen im Oriente, vom Jahre 1415 bis 1539, nach Anleitung der Asia des Joao de Barros. (Lissabon, 1552.) Von Dietr. Wilh. Soltau. 2 Thle.(es sollen 5 erscheinen.) Braunschw. 1821. 8. Geschichte der ersten portugies. Entdeckungen unter Infant Heinrich dem Seefahrer. Halle, 1785. 8. Fr. Saalfeld, allgemeine Kolonialgeschichte des neuern Europa. 3 Th. Gött. 1810 ff. g.(enthält die Gesch. der portugies. und hollän d. Kolonieen.) 18. Fortser um g. Uebertrafen gleich für den ersten Augenblick die Vortheile der Entdeckungen und der Kolonieen der Portugiesen den Vortheil der Entdeckung des vier— ten Erdtheils durch den, in kastilische Dienste getre— tenen, Genuesen Christoph Colom, der am 12. Oet. 1492 auf Guanahani(von ihm St. Salvador genannt) landete; so überwogen doch bald die nicht zu berechnenden politischen und staatswirthschaftlichen Folgen der Entdeckung Amerika's das Kolonialsystem und die Herrschaft der Portugiesen in Ostindien. Die erste Reise des Colom(am 3. Aug. 1492 begonnen) führte zur Entdeckung der antillischen Inselwelt; auf einer der größten und wichtigsten dieser Inseln, auf Hayti(St. Domingo) legte er einen festen Punct an. Auf seiner zweiten Reise(1493) entdeckte er das feste Land des neuen Erdtheils, doch ohne dasselbe zu betreten. Der Florentiner, Amerigo Vespucci aber, welcher, in der Zwischenzeit zwischen Coloms zweiter und dritter Reise, den neuen Erdtheil besuchte, bewirkte durch den schlauberechneten Bericht von sei— ner ersten Reise, die er in kastilischem Dienste machte, 4* 52 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. daß man ihn für den Entdecker des festen Landes von Amerika hielt, und in der Folge den ganzen Erdtheil nach ihm nannte. Daß Colom größer als Entdecker war, denn als Ordner der von ihm neugestifteten Ko— lonieen, bestätigte der Erfolg seiner dritten Reise(1498) nach Amerika. Mit tiefen Zügen bleibt es aber der Geschichte eingeschrieben, daß auch ihn das räthsel— hafte Schicksal der größten Männer und Wohlthäter der Menschheit, das Schicksal des Verkanntwerdens und der Verfolgung traf, als er— der erste Euro— päer— in Fesseln von Amerika nach Europa (1500) zurückkehren mußte. Zwar gab ihm Ferdi— nand von Aragonien die Freiheit; allein auch seine vierte Entdeckungsreise war mit Gefahren und Un— glücksfällen verknüpft. Er starb 1506 zu Valladolid. — Der mächtig für Entdeckungen und Ansiedelungen im vierten Erdtheile aufgeregte Geist der Spanier in dieser Zeit führte theils zur ersten Umschiffung der Welt durch Magelhaens(1519), wodurch die völlige Verschiedenheit des neuentdeckten Erdtheils von Asien erwiesen ward; theils zur Eroberung der Reiche von Mexiko(durch Cortez) und Peru(durch Pi— zarro); theils zur Einführung europäischer Staats— formen in den eroberten Ländern und Inseln, verbun— den mit einer drückenden Abhängigkeit vom Mutter— lande; theils zum Negersklavenhandel mit allen seinen, die Menschheit entehrenden, Gräueln.— Zum Vorwande der Grausamkeiten, welche damals den spanischen Namen in Amerika entweihten, diente der Bekehrungseifer zum Christenthume, wozu der Papst Alexander 7(6. Mai 1493) in seiner, die neuen Entdeckungen zwischen Portugal und Spanien theilenden, Bulle berechtigt hatte. Doch ward, weil sich Portugal durch die vom Papste gezogene Demar— UUUUU---· DDp‚I‚ꝑ‚ꝑ‚ꝑ‚ꝑ‚ꝑ‚fꝑ‚f........... Amistl 14 105 nn V 905 de, d Hi Pet 10⁰0 (ob l O 1—2 Naeh x * I 901 st* huo. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 53 Andiz yon* 2** 2„ WEel cationslinie beeinträchtigt fand, zwischen Portu⸗ 1. gal und Spanien ein Vertrag deshalb(1494) zu 1— Tordesillas abgeschlossen, nach welchem alles, . was 375 Seemeilen östlich von den Inseln des ( grünen Vorgebirges läge, den Portugiesen, das aber, du was von diesem Mittagskreise aus westlich entdeckt 210 würde, den Spaniern gehören sollte. Diesen Ver— Vchlthun trag bestätigte der Papst im Jahre 1506. nntwerderz 1 Em Petri Martyris de rebus oceanicis et orbe Silt novo decades tres. Basil. 1535. Fol.— Ed. 2. 0 Cumt Col. 1574. 8. m Fed⸗ Barthol. de las Casas umbständige wahrhaf— auch seit tige Beschreibung der indianischen Länder, so vor und H diesem von den Spaniern eingenommen und ver— 9 468 wüstet worden. s. I. 1665. 4. l Allgemeine Geschichte der Länder und Völker von ledelungel Amerika. Mit Vorrede von Jac. Sigism. Baum— Zyanlet garten. 2 Th. Halle, 1752. 4. ng der W. Robertson, history of America. 2 Voll. Iuh die Lond. 1777. 4.(Den Anfang des Zten Theiles gab der Sohn 1796 heraus.)— Teutsch, v. lls von J. Fr. Schiller. 3 Th. Lpz. 1777. 8. Reiche Will. Kussel, history of America. 2 Voll. Irch M⸗ Lond. 1776. 4.— Teutsch in 4 Theilen. Leipz. Staats⸗ 1779 f. 8. verbun⸗ Juan Bapt. Munnoz, Geschichte der neuen FWuthr⸗ Welt. Aus dem Span. mit Anmerk. v. Matth. Mullr Chstn. Sprengel. ur Th. Weimar, 1795. 8. del mi Abriel Holmes, american annals; or a chro- Ueln.— nological history of America from its discovery damals in 1492 to 1806. 2 Voll. Cambridge, 1813. 6. „dente(vgl. Gött. Anz. 1817, N. 65.) l Franz Xav. Clavigero, Gesch. von Mexiko. a Lpz. 1789. 8. ,, Alb. Hüne, Darstellung aller Veränderungen des panlen Negersklavenhandels von dessen Ursprunge an bis „ weil zu seiner gänzlichen Aufhebung.? Th. Gött. 1820. 8. emal⸗*——— 54 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. 1 ů Noch fehlt eine dem Andenken des Mannes 20310 1 gnügende Charakteristik Coloms. 11118 Angel. Maria Bandini, Americus Vespucci Le— M ben und nachgelassene Briefe. Aus dem Ital. Ham—. burg, 1746. 8. usse 0 Chstph. Gtli. v. Murr, diplomatische Geschichte „ e„ en W des portugies. berühmten Ritters Martin Behaims. 0 Nürnb. 1778. 8. Win 2 Wah 19. am mün Einfluß dieser Entdeckungen auf Europa. 955 Die Wirkungen und Folgen der Entdeckungen in W N Afrika und Amerika, so wie der in Ost- und Westindien Rittr NN begründeten Kolonieen), waren für Europa, und für Washt das in der Zeit dieser Entdeckungen allmählig sich bil— dende europäische Staatensystem, von unermeßlicher Wubmn ö Wichtigkeit, und dauern, unter theilweise veränderten Cut AII Formen, noch immer fort. Denn nicht nur daß die luchel. Erdkunde seit dieser Zeit bedeutend bereichert und Ruug . berichtigt ward; daß der Binnen- und Seehandel Sunin + nun in Welthandel überging; daß der bis dahin HM bestehende Handel andere Wege und Richtungen nahm, halub, 5* und die am atlantischen Meere gelegenen Reiche Mu von da an die eigentlichen handeltreibenden Staaten Rh I wurden, mit welchen die italischen Staaten den Wett— Waes kampf nicht auszuhalten vermochten; daß, bei dieser Shst neuen Gestaltung des Handels, die Reichthümer und u die Erzeugnisse Amerika's die europäischen Marktplätze N Wah I— N * Culet ö*) Ueber die Eintheilung der Kolonieen in Acker—⸗ Amg bau⸗, Pflanzungs⸗, Bergbau⸗-⸗ und Han— N delskolonieen, und über die für Geschichte und * Staatskunst wichtigen Ergebnisse aus der Be— gründung der Kolonieen vgl. Th. 2, S. 124— 127. e⸗ee/⸗ — sstenz y. e Mumt Lespuetl er, Nal. Ham. Geschichte Dchaims, Europa kungen in destindien und für 6 sch bil⸗ rmeßliche Kränderten daß di chert und ehandel 5 dahin nnahm, Reiche Staaten en Vett⸗ hei diese Imer und vkthlohe Acken ham ichte und det Bi 4 17½ Erster Zeitraum von 14902— 17/89. 9⁰ anfüllten und belebten, so wie dadurch gleichzeitig in Europa der größere Gewerbsfleiß und der unterneh— mende Handelsgeist geweckt und befördert ward; es lernten auch seit dieser Zeit die Europäer neue Be⸗ dürfnisse des häuslichen und gesellschaftlichen Lebens kennen, wodurch ihre ganze Lebensweise allmählig sich veränderte; die Preise aller Bedurfnisse stiegen mit der Verbreitung der Gold- und Silbermassen aus Amerika über Europa, und bewirkten die größten Veränderungen im Privat- und Staatshaus⸗ halte; der geistige Gesichtskreis erweiterte sich be⸗ deutend; die politischen Interessen der europäischen Maäächte veränderten sich wesentlich durch die steten Rücksichten auf die europäischen Kolonieen und durch die ununterbrochen erneuerten Kämpfe um ihre Er— werbung; die Uebervolkerung einzelner europäischen Staaten entlud sich durch Wanderungen und Ansiede— lungen in Amerika, zum Theile mit großer Vermin⸗ derung der Bevölkerung des Mutterlandes(3. B. Spaniens)); das Gleichgewicht zwischen den europäi— schen Mächten beruhte fortan nicht mehr allein, wie ehemals, auf der Macht und Kraft ihrer europäischen Besitzungen; es ward theilweise abhängig von den Reichthümern aus den Kolonieen in andern Eedtheilen. Welche Wirkungen und Folgen endlich die errungene Selbstständigkeit vormaliger europäischer Kolonieen, und das Streben der übrigen nach derselben, so wie die Verbreitung europäischer Sitten und Cultur am Indus und Ganges, am Ohio und Amazonenflusse, für Europa im Laufe der Jahrhunderte haben wird, vermag keine Staatskunst im Voraus zu berechnen! * ——ssssss;s é é écéCé„TTTTTTTTTT ¶¶„„—————! 56 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 20. 2) Teutschlands neue Gestaltung. Als der vierte Erdtheil entdeckt ward, vegetirte noch Kaiser Friedrich 3 auf dem teutschen Throne (4493); doch war, wegen seiner Unthätigkeit, von den Churfüͤrsten(bereits 1486) sein Sohn Max i⸗ milian zum römischen Könige gewählt worden. Besaß gleich Maximilian weit mehr Lebhaftigkeit des Geistes, und verstand er die mächtigen Anregungen und Erscheinungen seiner Zeit besser, als sein Vater; so stand er doch nicht über seiner Zeit, um sie für große Zwecke leiten zu können. Doch würde er für Teutschlands neue politische Gestaltung noch mehr gethan haben, als wirklich durch ihn geschah, wenn nicht die Interessen seines Hauses ihn in den Ange— legenheiten Burgunds, Spaniens, Italiens, Ungarns und Böhmens reichlich beschäftigt, und die Kämpfe über italische Länder, veranlaßt durch die neu sich bil— dende europäische Politik, seine Theilnahme ange— sprochen hätten. In Teutschland war zwar ein halbes Jahrhun— dert vor ihm der zerstörende Hussitenkrieg noch von Sigismund beendigt worden; allein Hussens Leh— ren hatten nicht blos in Böhmen Wurzel gefaßt; durch sie, und durch den Kampf über sie, waren überall in Teutschland die Geister mächtig aufgeregt worden. So durfte es nicht befremden, daß der Anfang der Kirchenverbesserung in Mäximilians letzte Regie— rungsjahre fiel.— Wild hatte aber das Faust— recht, während Friedrichs 3 schwacher Regierung, wieder um sich gegriffen, während Fürsten und Städte, in der steigenden Entwickelung des Wohlstandes ihrer Besitzungen begriffen, nach Sicherheit des Eigen— ————— slh, 0 Iun , schh, 0 she V ögene Inds, 9 Eafe dler E Hricht nuh IIum +0 Hofrat Hechmäß ithih uurir Rachts Wl fe! N h u um Vulst fulag, het n ehn Haf j 6 „ begetirte hen I6 Al Throne l, don Iu W IMarr Mau 6 Wokden. ligkelt des Heegungen u Vater; n sie für di er für och mehr h, wenn en Ange⸗ Ungaens Kumpfe sich bil⸗ ie ange⸗ ahrhun⸗ 9 loch ans Lh⸗ t; durh Oerall in worden. fung det Mgle⸗ Faus⸗ altkung, Cadte, ihter Cigen Erster Zeitraum von 1492— 1789. 57 thums, nach Ordnung und nach fester Gestaltung des Staates laut verlangten. Das Faustrecht nicht blos zu zügeln, sondern für immer in Teutschland aufzu— heben, ward daher(7. Aug. 1495) auf dem Reichs— tage zu Worms der ewige Landfriede, nächst der goldenen Bulle das zweite Reichsgrundgesetz Teutsch— lands, gegeben, und in ihm die Selbsthülfe mit der Strafe der Reichsacht und 2000 Mark feinen Gol⸗ des, so wie mit dem Verluste aller Privilegien, Lehns— güter, Rechte und Ansprüche belegt. Dieselbe Strafe sollte auch alle treffen, welche einen Landesfriedens⸗ brecher beherbergen oder unterstützen würden. Zur Aufrechthaltung des Landfriedens ward an demselben Tage in dem Kammergerichte ein höchster Ge— richtshof mit collegialischer Form für die Entscheidung aller Streitigkeiten zwischen den teutschen Ständen errichtet. Das bald darauf(1501) von Maximilian, zunächst für seine Erbstaaten und für die an seine Per— son unmittelbar gebrächten Angelegenheiten, gestiftete Hofrathscollegium erhielt erst später eine gleichmäßige Stellung zu dem Kammergerichte. Die Eintheilung Teutschlands in zehn Kreise(1512) war für die Vollziehung der Beschlüsse des Kammer— gerichts nöthig geworden; doch reichte sie nicht aus, weil sie die Länder des damaligen böhmischen Lehns— nerus(Böhmen, Schlesien, Mähren, die Lausitzen), das teutsche Ordensland, und sämmtliche Besitzungen der unmittelbaren Reichsritterschaft nicht umschloß. Verlust war es übrigens für Teutschlands innere Ge— staltung, daß das(1500 errichtete) Reichsregi— ment(ein bleibender teutscher Staatsrath, mit dem Kaiser selbst, oder dessen Stellvertreter an der Spitze,) sich nicht erhielt. Seit dieser, freilich nur nothdürftigen, neuen Gestaltung des innern Staats— 38. Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. lebens trat Teutschland mit den damals in ihrem Innern zu einiger Festigkeit gelangten Reichen, mit Frankreich, Spanien und England, auf gleiche Lnie der politischen Haltung und der kraftvollern äußern Ankündigung. Namentlich hatten mit sicherm Tacte in dieser Zeit die Stände des Reiches für das neue innere Leben in Teutschland gewirkt; desto sel— tener und unzureichend unterstützten sie den Kaiser, wenn er ihre Hülfe gegen das Ausland, zu näch st für seine Hausinteressen, verlangte. Denn die Er⸗ werbung der burgundischen Länder für sein Haus, durch seine erste Vermählung mit Maria, der Erbin Karls des Kühnen(1477), verflocht ihn in mannig⸗ faltige Reibungen und Kämpfe mit Frankreich; seine zweite Vermählung mit der mailändischen Prinzessin aus dem Hause Sforza brächte ihn in die vielfach ge— theilten italischen Interessen; die Vermählung seines Sohnes Philipp mit der Infantin von Kastilien er— öffnete dem Hause Habsburg die Aussicht auf die spa— nischen Kronen, und— was Maximilian nicht erlebte— die Vermählung seiner Enkel, Ferdinands und Mariens, mit Anna und Ludwig, den beiden Kindern des Königs Wladislavs von Ungarn und Böhmen, brachte im Jahre 1527 den Ferdinand auf die Throne beider Reiche. D. H. Hegewisch, Geschichte der Regierung Maximilians 1. 2 Th. Hamb. u. Kiel, 1782 f. 8. 21. 3) Kämpfe in und über Italien. Nächst Teutschland war Italien, am Anfange des Zeitabschnitts, das zerstückeltste Land Europens. Einige Theile davon galten als teutsche Reichslehen, — 5——k“w'ἐͤt 1.—————— ———2 4— D 0 R Hsindd xHn zg ihe Im d h ind d ligtt H ieN Hretht Id mi 0⁰9 d whun Ne N Muprte Dur Iin liet 6⁵ W W Iun stenz 1 R. in hem ihen, Mit auf gach wnen Mll tschem 6 flr das dest sel n Kust, nachstft omn die Et sin Hauz, NIr Etbin 1fumnig⸗ Hich seine 18 ssi Klac Ing seines Hllen et⸗ die spa⸗ nicht dinands beiden en und And auf Negitrung ². . Nufange helehet, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 59 so das ansehnliche Herzogthum Mailand, das von der Familie Viskonti an das Haus Sforza gekom⸗— men war; andere bildeten selbstständige Staaten. Reich, blühend und mächtig waren durch den Handel, während des ausgehenden Mittelalters, besonders seit den Zeiten der Kreuzzüge, die Freistaaten Venedig, Genua(doch nicht selten von Mailand abhängig) und Flo 4— geworden, in welchem letztern die Me— dicäer an der Spitze standen, ohne doch die Zeichen der obersten Gewalt sich anzumaßen. Außer ihnen bestand der Kirchenstaat, dessen Regenten, neben der Leitung der kirchlichen Interessen, die Vergröße— rung ihres Gebiets und ihrer weltlichen Macht nie aus dem Auge verloren;— und das Königreich Nea— pel, über dessen Eroberung die Kämpfe in Italien, und die neue Gestaltung der politischen Interessen einiger europ däischen Hauptmächte begannen. Denn 9 arl 8 von Frankreich, nachdem er durch seine Vermählung(1491) mit Anna, der Erbin von Bretagne, dieses Herzogthum d der Krone erworben, und mit Marximilian von Oestreich zu Senlis (1493) Versöhnung und Friede geschlossen hatte, wo⸗ bei das von seinem Vater als Lehen eingezogene Her— zogthum Burgund in seinen Händen blieb, beschloß, die von dem jungern Hause Anjou auf ihn vererbten Ansprüche*) auf Neapel geltend zu machen. Ver— *) Der Papst hatte, gegen die letzten Hohenstaufen, den Karl von Anjou(1265) nach Italien gerufen und mit Neapel und Sicilien belehnt; allein Sici— lien trennte sich davon in der sicilianischen Vesper (30. März 1282), und kam an Aragonien. Auf dem Throne Neapels saßen Karls Nachkommen, von welchen die Königin Johanna(4 1382) dem Prinzen Ludwig von Anjou die Nachfolge bestimmte, + 8— E—— ——eee————— 15 60 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. anlaßt ward er zu dem Zuge nach Italien von dem arg⸗ listigen Herzog Ludwiig Moro, dem Vormunde sei⸗ nes Neffen, des minderjährigen Herzogs von Mailand Johann Gale azzo, der selbst nach der Regierung Mailands strebte. Im August 1494 ging Karl 8 über die Alpen; der Freistaat Florenz und der Papst Alexander 6 verstatteten ihm ungern den Durchzug und die Besetzung mehrerer festen Plätze. Der König Alphons 2 von Neapel, verhaßt wegen seiner Launen und Härte, trat die Regierung ab an seinen Sohn Ferdinand 2, und ging nach Sieilien; allein auch Ferdinand mußte Karl 8 weichen, welcher, nach einem einzigen Gefechte, in Néeapel(21. Febr. 1495) einzog. Ob Karl abenteuerlich genug gewesen seyn würde, die ihm von Andreas Paläologus, dem Nef— fen des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin Pa— läblogus(6. Sept. 1494), geschenkten Ansprüche auf den byzantinischen Thron geltend zu machen,(weshalb bereits der Sultan Bajazet 2alle Besatzungen aus den entferntern Plätzen nach Konstantinopel zog,) wenn er Neapel behauptet hätte, läßt sich bei der in jenen Zeiten erst entstehenden Politik, die noch keinen festen Grundsätzen folgte, nicht entscheiden. Ein — wogegen aber der Papst sich erklärte, welcher den Thron an Karl, Herzog von Durazzo, vergab, dem sein Sohn, Ladislav, und diesem seine Schwester, die zweite Johanna folgte, welche den König Alphons 5 von Aragonien und Sieci— lien adoptirte. Nach dessen Tode(1458) kam Si— cilien an seinen Bruder Johann, und von die— sem an Ferdinand den Katholischen(1479); Neapel aber erhielt Ferdinand, der natürliche Sohn Alphons des fünften, dem(1495) sein Sohn Al— phons 2 folgte. ioltn al N. Hlt — dum ved U, u M Ius V. tiihs! n n d Zuth Havol shdut af w adtig e K hond m 0. K ssenz a on datg⸗ kmunde sei VMilaard Ngiauumg Katlo Dbe Papst nchu und dir Köriz ner Hunen sen Sohn llin auch ach einem . 1405) desen seyn dem Mf⸗ antin Po⸗ pruche auf (cshalb aus den wenn in jenen keinen Ein lchtt den vergab, em seine „ welhe ud Sici— tum Si⸗ von die⸗ Neapel Sohn ahn Al Erster Zeitraum von 1492— 1789. 61 mächtiger Bund aber bildete sich gegen ihn, dessen Seele der Herzog Ludwig von Mailand war, den der Kaiser Maximilian im Besitze des Herzogthums, nach der Vergiftung seines Mündels, bestätigt hatte. Denn weder Ludwig, nachdem er Regent geworden war, noch Ferdinand von Aragonien und Sicilien, noch Maximilian, noch die Venetianer, noch der Papst Alexander 6 wollten eine Herrschaft Frank— reichs in Italien dulden; sie vereinigten sich da— gegen am 31. März 1495 zu Venedig. Ein so mäch— tiger Bund nöthigte Karl 8, Neapel, wo er einen Statthalter zurück ließ, zu verlassen, und bei Fur— nuo vo(6. Jul. 1495) durch das Heer seiner Feinde sich durchzuschlagen, um Frankreich zu erreichen. Dar— auf ward(10. Oct.) der Friede zwischen Karl und Ludwig zu Vercelli abgeschlossen. Nach Neapel aber kehrte, unterstützt von den Spaniern, Ferdi— nand 2 zurück, dem(1496) sein Oheim Friedrich 2 auf dem Throne folgte. 22. 5ort r n g. Karls 8 frühzeitiger Tod(7. Apr. 1498) verhin— derte einen neuen Kriegszug nach Italien. Allein sein Nachfolger, Ludwig 12, faßte den Plan zu Vergrößerungen in Italien aus einem andern Stand— puncte auf; er wollte das Herzogthum Mailand erwerben. Als Rechtsgrund dafür galt: er sey der Enkel der mailändischen Prinzessin Valentina aus dem Hause Viskonti, in deren Ehevertrage dem Hause Orleans die Nachfolge nach dem Erlöschen des Mannsstammes im Hause Viskonti zugesagt worden war. Ob nun gleich bereits 1447, mit Zustimmung — 52 2.—.— LXLIXX— ————CTI—— 6² Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der Mailänder, Franz Sforza den mailändischen Thron bestiegen hatte; so machte doch, funfzig Jahre später, Ludwig seine Ansprüche geltend, nachdem er ein Bündniß mit dem Papste, mit Venedig und der Schweiz gegen Ludwig Mord(1499) abgeschlossen, und Venedig, durch das Versprechen der Abtretung des Gebiets von Cremona, für sich gewonnen hatte. Bei der Annäherung des französischen Heeres floh der verhaßte Ludwig nach Teutschland(Sept. 1499)3 ganz Mailand, bis auf das an Venedig über⸗ lassene Cremona, fiel in Ludwigs 12 Hände. Allein die Mailänder liebten die Herrschaft der Ausländer nicht, und das französische Heer reizte die öffentliche Stimmung durch schlechte Mannszucht. Deshalb gelang es dem Ludwig Moro, der 8000 Schweizer gedungen hatte,(Febr. 1500) Mailands sich wieder zu bemächtigen. Doch kaum erschien ein neues fran⸗ zösisches Heer, in welchem auch 10,000 Schweizer dienten, vor Novara, als die Schweizer des Herzogs ihm den Dienst aufkündigten, und er, bei seiner Flucht aus dem Lager, erkannt und von den Franzosen ge— fangen(10. Apr. 1500) ward. Er endigte sein Leben, zehn Jahre später, im Kerker zu Loches, wo— hin ihn Ludwig 12 bringen ließ, der von neuem von Mailand Besitz nahm. Gern hätte der teutsche König Maximilian, der Oberlehnsherr von Mailand und naher Verwädter des Ludwig Moro, dem Kö⸗ nige von Frankreich Mailand entrissen; allein die Stände Teutschlands verweigerten ihre Unterstützung zu diesem Kriege. Darauf wollte Ludwig 12 Frankreichs Ansprüche auch auf Neapel geltend machen. Er schloß(14. Nov. 1500) deshalb mit dem arglistigen Ferdinand von Aragonien und Sicilien einen Vertrag zur ge— 6 1 I Wapch Hhh W Whh R Aumfe: ubrde reich v RHee ö N milag Hanthe fl Rshnge Cathi Rhiber Im die rihlug Dunih Krnchh hl Nstewe Isteps v . dilar ladsün sfiz Ihte rachdem er Ne und der Myschosen, luslander Iffentliche Deshalb Schweihr ich wiedet cls fran⸗ chweizer Herjogs r Flucht osen ge— Igte sein 5„ wo⸗ em von Anand ur 9* Erster Zeitraum von 1192— 1789. 63 meinschaftlichen Eroberung und Theilung Neapels. Die Eroberung ward schnell beendigt (1501); Friedrich von Neapel floh nach Frankreich, und erhielt von Ludwig 12, für die Abtretung seiner Rechte auf die Südhälfte Neapels„Anjou und einen Jahresgehalt; Neapel selbst aber ging, nach einem Kampfe zwischen Fränkreich und Spanien über die verabredete Theilung des Landes(1503), für Frank⸗ reich verloren, und ward wieder mit Sicilien vereinigt. 23. Fork setz un g. Nach langen Unterhandlungen zwischen Mari-— milian und Ludwig 12 ertheilte der erste(1505) dem Könige von Frankreich die Belehnung mit Mailand; doch suchte Ludwig den deshalb eingegangenen Be⸗ dingungen, besonders der Vermählung seiner Tochter Claudia mit Karl, dem Enkel Mäpimilians, und den dabei verabredeten Länderabtretungen sich zu abis⸗os indem die Reichsstände Frankreichs(1506) jene Ver⸗ mählung dem Könige widerrathen, und dagegen die Vermählung der Claudig mit dem muthmaßlicheu Kronerben, dem Grafen Franz von Angouleme, em— pfehlen mußten.— Als darauf Ludwig 12 das, damals 0 Mailand gehörende, Genua unterwerfen wollte, luden der Papst und die Venetianer den teut— schen König(1507) nach Itälien ein, weil beide tief⸗ gehendere Eroberur Hnlate Ludwigs befürchtetett. Wie aber Lidwig, nach der Unterwerfung 2— Heer verabschiedete, änderten der Papst und Venedig ihre Ansichten. Demungeachtet erschien Maximilian (1508) an den Grenzen Italiens, doch nur mit einem 64 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. kleinen Heere und ohne Geld. Venedig wollte ihm jetzt blos einen unbewaffneten Durchzug verstatten, worüber es zu einigen Gefechten, bald aber zum Waf— fenstillstande kam. Doch hatte Maximilian bereits zu Trient(3. Febr. 1508) den Titel: erwählter römischer Kaiser angenommen, welchen der Papst Julius 2 anerkannte, um den Kaiser von Italien ab— zuhalten. Kurz darauf nahm die ihre Interessen schnell wechselnde Politik dieser Zeit ihre Hauptrichtung gegen das reiche und übermüthige Venedig. So entstand die erste bedeutende Coalition im jüngern Europa in der Ligue von Cambray(10. Dec. 1508)*), in welcher der Papst Julius 2, Maximi— liän, Ludwig 12, und Ferdinand von Aragonien zur Auflösung des tausendjährigen Freistäates zusammen— traten. Maximilian sollte Rovoredo, Verona, Pa— dua und Vicenza, Ludwig 12, zur Verbindung mit Mailand, Brescia, Crema, Cremona und Bergamo, Ferdinand Brindisi, Otranto und Gallipoli, und der Papst Ravenna, Faenza und Rimini erhalten. Schon waren die Venetianer bei Agnadello(14. Mai 1509) von den Truppen Ludwigs und des Papstes geschlagen, worauf Ludwig Bergamo's, Brescia's, Cromona's und Peschiera's, der Papst aber der im Kirchenstaate von den Venetiänern besetzten Plätze sich bemächtigte, als kluge Unterhandlungen das politische Daseyn Ve— nedigs retteten. Zwar lehnte Maximilian die ihm von Venedig gemachten Anträge ab und besetzte einige Städte; allein der Papst verhinderte die beabsichtigte du Mont, corps dipl. T. 4. V. I. Pp. 113.— du Bos, histoire de la ligue faite à Cambray. 2 T. à la Haye, 1710. 6. 6 Ium l Hachlucg N latte 1 der Vudi Hachen Wn Iave ui rdew 1 H Agrfr usg, Vseh, h Wuhsse, Hhpstlt LAwerhel 6 Oce use it 0he ule Helgg I hsinz r. woltt im desutt, zum Vi⸗ lan bekeitz twählter udet Papst Iulun ab⸗ sen schnel Ing gegen entstand fungern 10. Det. Mrimi⸗ onien zur zusammen⸗ yng, M⸗ dung mit dergamo, und der „Schon 11500 schlagen, omonas Henstaate näctigt, eyn Ve⸗ de ihn zte einige hschtigte — du . Erster Zeitraum von 1492— 1789. 6⁵ Zusammenkunft zwischen Maximilian und Ludwig, denn er wollte keine Fremden in Italien, und ertheilte Ferdinand von Aragonien die länggewünschte Belehnung über Neapel, wobei er zugleich Frankreich aller Rechte und Ansprüche auf Neapel verlustig er⸗ klärte. So wendete sich plötzlich die Politik gegen Frankreich; denn Julius 2 bewirkte die heiligeLigue (4. Oct. 1511), welche aus ihm, Venedig, Arago— nien und Heinrich 8 von England(dem Schwieger— sohne Ferdinands) bestand, und der Vertreibung der Franzosen aus Italien, so wie der Einsetzung des Herzogs Maximilian Sforza(des Sohnes von Ludwig Moro) in Mailand galt. Nur Maximilian hielt noch mit Ludwig zusammen; allein Ferdinand und der Papst bewirkten zwischen dem Kaiser und Venedig(6. Apr. 1512) einen Waffenstillstand, in welchem der Freistaat dem geldbedürftigen Kaiser 50,000 Ducaten zahlte. Doch siegten die Franzosen bei Ravenna(114. Apr. 1512) unter dem 22jähri— gen Feldherrn Gaston de Foix(Herzog von Nemours) über die venetianischen und päpstlichen Truppen. Als aber Ludwig 12 auch von Heinrich 8 von England angegriffen ward, und die Schweizer, vom Papste aufgeregt, in Mailand vordrangen, mußten die Fran— zosen, bis auf einige feste Plätze, das Herzogthum verlassen, in welchem Maximilian Sforza(1512) hergestellt ward, doch mit dem Verluste derjenigen Ländertheile, welche der Papst, die Venetianer und die Schweizer an sich brachten. Ludwig 12, von dem Papste in den Bann gethan, verband sich mit dem Kö— nige Johann von Navarra, weshalb Ferdinand von Aragonien diesem das jenseits der Pyrenäen gelegene Nävarra entriß. Allein Ludwigs III. 3 66 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. Heer eroberte(1513) Mailand von neuem; nur daß es ihm die von Papst aufgerufenen Schweizer, welche die Franzosen bei Novara besiegten(6. Jun. 1513), wieder entrissen, und Ludwig bald darauf gegen die Engländer unter Heinrich 8 und gegen die Niederlän— der unter Maximilian das Treffen bei Quinegate(17. Aug. 1513) verlor. Kaum hatte Ludwig durch Se— paratverträge mit seinen Gegnern sich ausgesöhnt, in welchen er auf Neapel verzichtete und ein Jahr nichts gegen Mailand zu unternehmen versprach, als sein Tod(1. Jan. 1515) seinen Schwiegersohn Franz 1 auf den Thron Frankreichs brachte. Die Eroberung Mailands war diesem Ehrensache, und gab ihm Gele— genheit, den ritterlichen Sinn zu zeigen, der ihn be— seelte. Zwar standen Maximilian, Ferdinand von Aragonien und der Papst Leo 10 auf der Seite des Herzogs Maximilians von Mailand, für welchen 20,000 Schweizer kämpften; allein Franz 1 und sein tapferer Feldherr, der Connetable von Bourbon, be— siegten in der zweitäghigen Riesenschlacht bei Ma— rignano(13. und 14. Sept. 1515) die Schweizer, worauf der Herzog Maximilian an Franz 1 Mailand überließ, und als Privatmann(1530) in Frankreich starb. Die Schweizer schlossen bald darauf(29. Nov. 1516) mit Franz 1 zu Freiburg ein Bündniß unter dem Namen des ewigen Friedens, in wel— chem Fränz den Schweizern die ältern Handelsfrei— heiten in Frankreich bestätigte, ihnen eine Summe von 700,000 Goldkronen zahlte, und jedem Canton ein Jahrgeld von 2000 Franken versprach. Franc. Guicciardini, istoria d'Italia. 2 Voll. Venezia, 1738. Fol.(Ed. 2. 4 Voll. Friburgo, 1775. 4.) Dieses Werk reicht von 1492— 1532. ————————————————————— — 6. A Zuuln sihug hella! Iuagot hen N h Mlein R nchst 0n Iddi sihil ho sabe a h Rt Wu Iniet Ichme o , ds dumz H2n Huum lin 1 ᷓ Wshue Hiyg sssient y m, ur H6 chhet, peche u. h, gegen di Mderlah⸗ Hegdte(17. durh Se⸗ Heshgt, i Jhr nicht „als sein Franz! Erdberung ihm Gele⸗ der ihn be⸗ dmand vol Seite de I+ velchen nd sein bon, be⸗ bei Ma⸗ chbeijer, Miland kankreich uf(20. Burndniß „in vel Nͤdelefrei Summe Canton . 2 Vol. Hiburgo, 0 155²• Erster Zeitraum von 1492— 1789. 6⁷ 24. 4) Spaniens Staatsinteresse. Die politische Größe Spaniens im südwestlichen Staatensysteme Europa's begann kurz vor dem An⸗ fange dieses Zeitabschnitts, als(1469) durch die Ver— mählung der beiden christlichen Könige, der Isa— bella von Kastilien mit Ferdinand von Aragonien, die Vereinigung der gesammten christ— lichen Macht in Spanien vorbereitet, und Kastilien von Isabellens umsichtigem Minister, dem Kardi— nale Bimenes, geleitet ward. Die Einführung der Inquisition(1484½ in Spanien geschah Anfangs mehr für politische, als für kirchliche Zwecke. Allmäh— lig ward die Macht der großen Vasallen vermindert, und die arabische Herrschaft, seit der Eroberung des Kö— nigreiches Granada(1492), völlig gebrochen, wenn gleich die darauf folgende Behandlung der Muhameda— ner aus einer engherzigen Politik hervorging. Noch in dem Jahre der Unterwerfung Granada's(1492) ward der vierte Erdtheil von Colom entdeckt, und dadurch das politische Interesse Spaniens gleichmäßig auf sein in Amerika beginnendes Kolonialsystem, wie auf die Theil— nahme an allen wichtigen europäischen Angelegenhei— ten, als Macht des ersten politischen Ranges, geleitet. Denn Ferdinands des Aragoniers Schlauheit wußte, bei dem Wechsel seiner Bündnisse mit den damaligen Hauptmächten, Neapel(1503) wieder mit Sici— lien zu vereinigen, und das spanische Navarra (1512) zu erwerben. Von bedeutenden politischen Folgen war es, daß die schnelle Sterblichkeit im spanischen Regentenhause im Jahre 1516 das Haus Habsburg zu den spa— nischen Kronen führte. Denn der einzige Sohn Fer— 5* 68 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. dinands und Isabellens, der Infant Johann, starb kinderlos(1497); ihre älteste Tochter, die Königin Isabella von Portugal, ein Jahr darauf(1498), und deren einziger Sohn, Michael, nach zwei Jahren (1500). So erbte die zweite Tochter derselben, Jo— hanna, vermählt an den Erzherzog Philipp von Oestreich(den Sohn Maximilians), nach dem Tode der Isabella(1506) den Thron von Kastilien. Allein Philipp starb noch in demselben Jahre, und seine Gemahlin ward wahnsinnig. Da leitete Ferdinand von Aragonien die vormundschaftliche Regierung Ka— stiliens für seinen minderjährigen Enkel, Karl, den reichen Erben von Burgund, bis Karl, nach Ferdi— nands Tode(1516), die Regierung Spaniens über— nahm, und 1519 seinem Großvater Maximilian auch in den teutschen Erbländern des Hauses Habsburg folgte, über welche er später(7. Febr. 1522) einen Abtretungsvertrag mit seinem nachgebohrnen Bruder Ferdinand abschloß. 25. 5) Die Kirchenverbesserung. Schon durch Hussens Lehre und durch den Hus— sitenkrieg ward die Idee der religiösen und kirchlichen Freiheit in einem nicht unbedeuten— den Theile Teutschlands angeregt; allein der Eintritt derselben ins öffentliche Leben der Staaten geschah, als Luther, Lehrer der(1502) neugestifteten Hoch— schule zu Wittenberg, gegen den in seiner Nähe ge— triebenen Unsug Tezels mit dem Ablaßkrame(34. Oct. 1517) 95 Sätze anschlug, ohne damals selbst zu ahnen, bis wie weit ihn dieser erste Schritt führen würde. Noch auf dem letzten Reichstage, den Maxi— fisin ve hüchg Iber N 1d Zu liht Wpchst Icw halts! sprhen Hschin Kasers sen Gr Rhe! Rtn: 10 Rah sshsin hant, sib de Kngn 1109,½N0 wei Nhrn Reden, J- Nildp von dm Dde lien. Nlen und seine Ferdinand crung Ka⸗ arl, den ach Ferdi⸗ jens bet⸗ nilian auc Habsbutg 2) einen uBruder „ den HN en und tbedeute⸗ Eintkit geschah, ten Hoch⸗ Mhe ge⸗ Re(31. selbst y fuühren N Mi Erster Zeitraum von 1492— 1789. 09 milian 1 zu Augsburg(1518) hielt, kam diese kirch— liche Angelegenheit zur Sprache; allein die Dialectik des Cardinals Cajetan konnte Luthern nicht zum Wi— derrufe bringen. Nach des Kaisers Tode(12. Jan. 1519) kam das Reichsvicariat in die Hände des Chur— füfsten von Sachsen, Friedrichs des Weisen, wäh— rend welcher Zeit die gereinigte Lehre, ohne Beein— trächtigung von Seiten der weltlichen Macht, sich über die Grenzen Sachsens hinaus in die meisten teutschen Länder verbreitete. Dagegen trat die geist— liche Macht sogleich mit ihren Waffen auf. Je weniger aber die Schritte des römischen Stuh— les gegen Luther richtig berechnet waren, welchen der Papst Leo 10(1520) mit dem Banne belegte; desto mehr wirkten Luthers Lehren und Schriften auf die öffentliche Meinung, besonders die drei Flugschrif— ten vom Jahre 1520: An densch ristlichen Adel teutscher Nation; von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche; und wider die Bulle des Antichrists. Aussöhnung mit Rom und Zurücktreten von dem begonnenen Werke war nicht mehr möglich, nachdem Luther(10. Dec. 1520) die päpstliche Bulle und das canonische Recht öffent— lich verbrannt hatte. Die Stimme des Volkes hatte bereits laut für die Kirchenverbesserung sich ausge— sprochen; selbst den versammelten Fürsten Teutschlands erschien sie in einem andern Lichte, als Luther(18. Apr. 1521) auf dem Reichstage zu Worms vor dem Kaiser und Reich mit männlichem Sinne sich und sei— nen Grundsätzen gleich blieb, obgleich der Kaiser ihn mit der Reichsacht belegte(26. Mai).— Viele der Fürsten Teutschlands bekannten sich in wenigen Jah⸗ ren zu dem gereinigten Lehrbegriffe, der in der kraft— vollen Uebersetzung der ganzen Bibel(bis z. 14— ——— eeee—————— 70 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. J. 1534) in teutsche Sprache seinen wichtigsten Stütz— punct fand, und, nach der Aufhebung aller päpstlichen und bischöff ichen Gewalt in den zum Protestantismus übergetretenen Ländern, zu einer neuen Gestaltung der Kirche, zur erhöhten Fürstenmacht, und zur Ver— wendung der ehemaligen Kloster- und Kirchengüter für wissenschaftliche Zwecke und für Bedürfnisse des Staates führte. Verirrungen, wie die Bilder— stürmerei(von Karlstadt veranlaßt), wie die Er⸗ richtung eines irdischen Reiches Christi von den Wiedertäufern(von Nicol. Storch an bis zur Hinrichtung des Johann's von Leyden in Münster 1536),*) wie der sogenannte Bauern— kriege) und Münzers demagogische Lehren und Schriften, konnten nicht auf die Rechnung der Refor— matoren gebracht werden, und wurden auch von dem be— sonnenen Theile der Zeitgenossen nicht darauf gebracht. Denn innerhalb Teutschlands erklärten sich für den Protestantismus: die Regentenhäuser. Sachsen, Brandenburg, Pfalz, Wirtemberg, Ba⸗ den, Hessen, Braunschweig, Mecklenburg, Anhalt, Pommern, und viele Reichsstädte und unmittelbare Reichsritter; außerhalb Teutsch— lands nahmen die drei skandinavischen Reiche Schweden, Dänemark und Norwegen, Eng⸗ land, Schottland,— und Irland theilweise den Protestantismus an. Das bisherige Ordensland Preußen ward, nach dem Uebertritte des Hochmei— sters Albrecht von Brandenburg zum Pro— *) Aug. Ludw. Schlözer, Gesch. des Schmiderkönigs, Jan von Leyden. Gött. 1784. 12. *) Geo. Sartorius, Gesch. des teutschen Bauern— krieges. Berl. 1795. 8. n W Cu lurdee M 0 Du l R Edege ffl H a in falt Rchä Hur gsten Eih. päpslichn sstantiemis haltung de hur Ver schengüter Urrnise des Bilder. ie die Et⸗ uleyden Zauerr— xhren und der Reft⸗ on dem be⸗ F gebrach. rn sch fit sachsen, burg, sstädte eutsch⸗ Riche u,Eng⸗ thelweit deneland Hochmei— um P. königs/ Bauern⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 71 testantismus, ein weltliches(von Polen lehnbares) Her— zogthum(1525), und der unter harten Kämpfen von Spanien sich trennende Freistaat der Nieder⸗ lande entstand in politischer Hinsicht zunächst durch die Behauptung der kirchlichen Freiheit gegen Phi⸗ lipps 2 Heeresmacht und Inquisitionsgerichte.— Daß aber, gleichzeitig mit Luther und Melanchthon, Zwingli in dem Freistaate der schweizerischen Eidsgenossenschaft die religiöse und kirchliche Freiheit offentlich verkündigte, welchem Calvin, freilich mit bedeutend von ihm verschiedenen Ansichten folgte, gab auch im Süden und Westen Europa's der ins öffentliche Volkerleben getretenen Idee der kirchlichen Freiheit eine neue Richtung und eine weitere Ver— breitung. J. Sleidani, de statu religionis et reipublicae Carolo V. Caesare. Argent. 16555. N. E. illustr. am End e. 3 Tom. Francf. 1785 5J. 6.— Teutsch, von Semler. 4 Th. Halle, 1770 ff. 8. Vit. Lud. a Seckendorff, commentarius historicus de Lutheranismo. N. E. Lips 1694. Fol. J. Matthias Schröckh, christliche Kirchenge— schichte seit der Reformation. 10 Theile.(Th. 9 u. 10 von Tzschirner.) Lpz. 1804 ff. 8. Gtli. Jac. Planck, Geschichte der Entstehung, der Veränderungen und der Bildung des protestan— tischen Lehrbegriffs. 6 Th.(in 8 Bänden.) 2te Aufl. Lpz. 1791 ff. 8. Heeren, Entwickelung der politischen Folgen der Reformation für Europa; in s. kl. hist. Schristen, Th. 1, S. Uff.(wieder abgedruckt in s. histor. Wer⸗ ken, Th. 1, S. 1ff. Gött. 1821. 6.) Karl Ludw. Woltmann, Geschichte der Refor⸗ mation in Teutschland. 3 Thle. Altona, 1801 sü. 8. K. Villers, Darstellung der Reformation Lu⸗ thers, ihres Geistes und ihrer Wirkungen. Uebers. 72 Geschichte des europäischen Staatensystems 2c. v. Stampeel, mit Vorr. v. J. Geo. Ro sen⸗ müller. Lpz. 1805. N. A. 1819. 8. Phil. Marheineke, Geschichte der teutschen Reformation. 3 Th. Berl. 1816 f. 8. 206. 6) Karls 5 Regierung. Der König Karl 1 von Spanien war bei dem Tode seines Großvaters Mäximilian ein Jüngling von 19 Jahren; allein bei den Talenten, die er der Natur verdankte, und auf die Grundlage seiner in den Niederlanden erhaltenen Erziehung, entwickelte er frühzeitig eine Staatsklugheit, die, wenn sie gleich nicht ohne Schattenseiten und Fehler blieb, doch be— stimmt wußte, was sie wollte, und in dem jün⸗ gern Europa noch nicht so gesehen worden war. Lag gleich das Streben nach unbeschränkter Herrscher— macht in seiner Seele; so erkännte er doch die großen Vorrechte der niederländischen Provinzen und Stände an, und selbst in Spanien wußte er nachzugeben zur rechten Zeit. In Teutschland, gebunden durch die Wahlcapitulation, erlaubte er sich gegen die Macht der Reichsfürsten nur im Laufe des schmalkaldischen Krieges einige Gewaltschläge; desto willkührlicher entschied er das Schicksal Italiens. Die gleichzeitigen Päpste wußte er für seine Absichten zu benutzen, ohne doch ihre geistliche und weltliche Macht zu steigern; denn er fühlte als Kaiser, daß nur Eine Macht die höchste seyn könne, entweder die des Kaisers, oder die des Papstes. Den Protestantismus bekämpfte er, so weit die Fürsten, die ihn bekannten, als po— litische Parthei ihm gegen über traten; die Ver— schiedenheit der Meinung ließ er bestehen, weil er da— MM hefhu Hune Vusch si 0 Pse Hlei m III Hburg ltt, x shienzy . Mysh, tlutshn entwickelte 14474 hsie gleich —4 — 39 „ ah tande Erster Zeitraum von 1492— 1789. 73 durch die römische Curie hinreichend beschäftigt er— blickte, ob er gleich der Lehre der Protestanten nicht geneigt war. Wenn er in dem letzten Jahrzehend sei— ner Regierung weniger duldsam, und in Hinsicht seiner politischen Plane weniger n und umsichtig war, als früher; so lag dies in der steigenden Verstimmung seines Geistes, die ihn zuletzt zur Niederlegung seiner Krönen führte. Gegen seinen mächtigen Nebenbuh— ler, Franz 1 von Frankreich, behauptete er Spaniens Principat mit großem Erfolge, und erst Heinrich 2, der schwächere Sohn des ritterlichen Franz, nöthigte ihn zu einigen Abtretungen an Frankreich auf Kosten Teutschlands. In Teutschland selbst überglänzte ihn der sächsische Moritz an tiefberechneter Staatskunst und an geistiger Kraft; denn diesem mußte er im Passauer Vertrage, wiewohl ungern, die politische Gleichheit des Protestäntismus mit dem Katho— licismus bewilligen. Nach einem vielbeschäftigten Leben in einer mächtig bewegten Zeit, voll von Um— bildungen in allen civilisirten Reichen Europa's„en⸗ digte Karl 5(1558) in der Stille eines spanischen Klosters, wihe ohne den Ruhm, den Geist seiner Zeit in mehrfacher Hinsicht verstanden und auf ihn fol— genreich eingewirkt, im Ganzen aber nicht das er— reicht zu haben, was er im angehenden Mannsalter berücksichtigt hatte. Will. Robertson, history of the irute Charles V. 3 Voll. Lond. 1769. 4.— Geschichte der Regierung Kaiser Karls 5.(v. Mit— telstedt.) 3 Theile. Braunschweig, 1770 f. 8.— N. A.(der erste Theil ganz umgearbeitet v. Jul. Aug. Remer.) 1792 ff. 8. —— — N —————————— — 5 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. * 27. For sepung. Mit Karl bewarben sich(1549) Franz 1 von Frankreich, und in der Folge auch Heinrich 8 von England um die teutsche Krone. Der Churfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, der diese ihm angebo— tene Krone ablehnte, leitete die Wahl auf den König von Spanien, weil er aus teutschem Blute stamme; doch ward ihm, auf den Vorschlag Friedrichs eine Wahlcapitulation in 33 Artikeln vorgelegt, welche er vor seiner Krönung, und nach ihm jeder seiner 15 Nachfolger bis 1806, als Grundver— trag beschwor, durch welchen die Macht eines teut⸗ schen Königs in vielfacher Hinsicht b eschränkt, und die Wahlcapitulation selbst zu einem Reichs grund— gesetze der teutschen Nation erhoben ward. Aus Spaniens Stellung gegen Frankreich schon unter der vorigen Regierung, und aus Karls per— sönlichem Verhältnisse gegen Franz 1, gingen vier Kriege zwischen beiden Fürsten hervor, die, ob sie gleich zunächst in und über Italien gefuhrt wurden, doch nicht ohne bedeutende Rückwirkung auf Teutsch— land blieben. Wenn Karl von Franz dem ersten Bur— gund und Mailand zurück verlangte; so forderte Franz dagegen Neapel und Navarra. Ein Ver⸗ lust war es für Franz, daß der am Hofe beleidigte Connetable von Bourbon in des Kaisers Dienste trat. Denn dieser, an der Spitze der Spanier, besiegte, nach der Eröffnung des ersten Krieges mit dem Vor— dringen der Franzosen in Italien, den Admiral Bon— nivet, bei Romagnano(14. Apr. 1523), an welchem Tage auch Bayard an seinen Wunden starb. Die Entscheidung des ersten Krieges erfolgte 6 400 ll, 101 Wun W Wfb Rghgel uauf e Rud„ M Micgih Mlad, htckl, RMaungen ale „— s, s sin& merhen gufös ohn uher Iud Glle Rliae l Refpan 0 uun alen dr Hscar 8 Hn M Hunl, Esu! Haseh Ml MN urd ssler sslenz i zanz 1 un nich d vn Riirst von chnugtbo⸗ du Hrz em Blute Jricdrch urglegt, ihm jeder kundvet⸗ ahts teut rankt, högtund . raich shon arls per⸗ en vier „ ob sie wurden, Lutsch⸗ en Bur⸗ forderte Ein Ver beledige onste trat. besiegte, dam Vot⸗ 41 Bon⸗ 3), an Vunden afolge Erster Zeitraum von 1492— 1789. 75 aber(24. Febr. 1525) vor Pavia, das Franz 1 bela— gerte, und wo er in der Schlacht gegen Carl von Bour— bon und Georg von Freundsderg, welche zum Entsatze herbeieilten, gefangen genommen ward. Franz verwarf die harten, vom Kaiser ihm vorgelegten, Be— dingungen, auf welche er seine Freiheit erhälten sollte, worauf er(Jun. 1525) nach Madrid abgeführt ward, und hier(14. Jan. 1526) einen Frieden unterzeichnete, in welchem er auf alle Ansprüche an Mailand, Genua und Neapel verzichtete, Burgund abzutreten, seine Söhne bis zur Erfüllung aller Be— dingungen als Geiseln zu senden, den Connetable herzustellen, und mit Eleonora, des Kaisers Schwe— ster, sich zu vermählen versprach. Kaum war aber Franz auf der Grenze gegen seine Söhne ausgewechselt, als die von ihm zusam— menberufenen Reichsstände gegen die Abtretung Bur— gunds sich erklärten, und der Papst Clemens 7 den König von dem geleisteten Eide entband. Schon vorher hatte Clemens, in Verbindung mit Venedig und Florenz, den Herzog Franz Sforza(Maxi-— milians jüngern Bruder) in Mailänd einzusetzen und die spanische Macht aus Italien zu verdrängen gesucht, wo man überhaupt keine Ausländer wollte; allein dieser Plan ward durch den spanischen Feldherrn Pescara vereitelt, der für den Kaiser(Oct. 1525) das Herzogthum Mailand besetzte. Da bildete sich (22. Mai 1526) zu Cognac die heilige Ligue. Franz 1, Clemens 7, Venedig, Florenz und Franz Sforza vereinigten sich dahin: der Kaiser solle die Geiseln ohne Lösegeld zurückgeben, den Herzog Franz in Mailand anerkennen, und alle italische Länder, wie vor dem Kriege, herstellen. Verwürfe er dies; so solle er aus Oberitalien vertrieben, sodann 76 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Neapel angegriffen, und dieses Reich für den Pa pst erobert werden, der aber jährlich 75,000 Gold— gulden dafür an Frankreich zahlen wolle. Der König Heinrich 8 von England sollte Beschützer des Bun— des werden. Allein die Spanier, von Karl von Bourbon geführt, vereitelten bald den Zweck der Ligue. Denn Karl nöthigte(24. Jul. 1526) das Castell von Mai-— tand zur Uebergabe; Franz Sforza floh nach Lodi. Karl drang darauf, verstärkt durch 12,000 teutsche Lanzenknechte, geführt vom Georg von Freundsberg, gegen Rom vor, und begann— obgleich vom Papste mit seinem Heere in den Bann gethan— den Sturm (6. Mai 1527) auf die Stadt. Er fiel; doch sein Heer und die Teutschen bemächtigten sich der Stadt, und belagerten den Papst auf der Engelsburg. Die Nachricht von der Erstürmung und Plünderung Roms machte sehr verschiedene Eindrücke in Europa. Franz 1 und Heinrich 8 erklärten sich gegen den Kaiser, der aber, erst nach der Absendung eines französischen Hee— res unter dem Marschalle Lautrec nach Italien, einen Vertrag(Nov. 1527) mit dem Papste unterzeichnen ließ, in welchem dieser ein allgemeines Concilium aus— zuschreiben und die kaiserlichen Truppen zu bezählen versprach. Allein der Papst war nicht gemeint, diese Bedingungen zu erfüllen; er entfloh in fremden Klei— dern(6. Dec.), weshalb die Truppen des Kaisers in Rom blieben. Darauf erklärten(Jan. 1328) Frank— reich und England den Krieg an Spänien, und Lau— trec bezwang Neapel. Allein Andreas Doria in Genua trat plötzlich auf Karls Seite, welcher die Freiheit Genua's, doch unter kaiserlichem Schutze zugestand, worauf Doria Neapel entsetzte. Da trat der Papst mit dem Kaiser in Unterhandlung. Zu + Hatet he W sl, (viß RSeug ucüsh If Ni DMN Rs I Hathe , wuche sch K Doit au ligat v Wfiun ihr Jln Maand: Ide E Du 11 24. Unbacf Ehshil. ahiht,g land dr AM endes m 5 Au Hahk; 0 fr Reh 5 J000Geh⸗ Der Rig r des Bun in Burbon Hu, Dem IIvun Mi⸗ H nach H OOO Kusche wuudebetg, den Pupste din Ctum I doch sein der Eud, ½* „Funz! uiser, der chen Hee⸗ R, einen kgeichnen jum aus⸗ bezuhlen ent, dies den Kli⸗ aisers il Frank⸗ ind Lu oria in scht di Schuhe Da teal U. 3⁰ V* Erster Zeitraum von 1492— 1789. 77 Barcellona ward(29. Jun. 1529) ein Vertrag zwischen beiden abgeschlossen, nach welchem der Papst seine verlornen Länder zurückerhalten, in Florenz das Haus Medici hergestellt, der Kaiser vom Papste mit Neapel, blos gegen Ueberreichung eines Zelters— (eines weißen Pferdes) belehnt werden, und Mailand an Franz Sforza zurückkommen sollte, dafern ihn un— partheiische Richter für unschuldig erklären würden. Auf diese Unterlage ward zu Cambray(5. Aug. 1529) der sogenannte Damenfrieden(vermittelt durch des Kaisers Tante, Margaretha von Oestreich, und Franzens Mutter, Luise von Savoyen) abgeschlos— sen, welcher den Madrider Frieden bestätigte und fest— setzte: Karl solle seine Ansprüche auf Burgund ent— weder nach dem Rechte ausführen, oder nach der Bil— ligkeit vergleichen; Franz 2 Mill. Thaler für die Befreiung seiner Söhne zahlen, aller Lehnshoheit über Flandern und Artois entsagen, alle Plätze in Mailand und Neapel räumen, und seine Vermählung mit der Eleonora vollziehen. 28. Fortser urng. Darauf erschien Karl in Italien, nahm(22. und 24. Febr. 1530) zu Bologna vom Papste die lombardische und die Kaiserkrone, und entschied das Schicksal der italischen Staaten. Franz Sforza erhielt, gegen eine bedeutende Geldsumme, Meai— land, der Papst den ganzen Kirchenstaat zurück. Der Medicäer Alexander(vielleicht ein natürlicher Sohn des Papstes Clemens) ward erblicher Her— zog von Florenz; Lucca und Siena blieben in Freiheit; Parma und Piacenza kamen an den 8 78 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ö Papst; Mantua ward zum Herzogthume erhoben; saldt Savoyen vergrößerte sich durch die Grafschaft Asti; dunfe Urbine fiel dem Neffen des Papstes Julius 2 zu; Aullh N Venedig zahlte eine Geldsumme, und Genua u leitete Andreas Doria unter Karls Schutze. Iu she Ungeachtet dieser Aussöhnung zwischen dem Kai— s, K * ser und dem Papste, neigte der Papst sich bald wieder ahlletet auf Frankreichs Seite. Zu Marseille sprach er(1533) 100K Franz 1, der, obgleich der Hauptgegner der gereinigten uff —4 ö Lehre, doch mit den Protestanten in Teutschland gegen 10 X V den Kaiser, und selbst mit der Pforte unterhandelte, NImit um diese zu einem Angriffe auf Ungarn zu bestimmen. Uht Durch den Tod des Papstes Clemens 7(1534 wel⸗ haß N chem Paul 3 folgte, ward im Ganzen die Politik Ueinn I. des Vaticans nicht verändert.— Der dritte Krieg aner W zwischen Spanien und Frankreich begann aber(1535), 61 M als Karl, nach des Franz Sforza unbeerbtem Tode, urh K 4* Mailand als erledigtes Reichslehen be— R Aa trachtete, Franz 1hingegen behauptete, blos zu Gun⸗ as h 14 0 sten des Hauses Sforzä darauf verzichtet zu haben. Dahilh Ob nun gleich die Spanier in Italien siegreich waren; so mißlang doch ihr Angriff auf die Provence. Dies, N und Franz des 1 Bündniß mit Soleyman 2, wel— cher in Ungarn vordrang, führte, auf Einladung des Papstes, zur persönlichen Zusammenkunft beider Kö— d nige zu Nizza, wo(18. Jun. 1538) ein Waffen⸗ AIN stillstand auf zehn Jahre, auf den damaligen anduich Besitzstand abgeschlossen ward. Whu Hr Ob nun gleich beide Regenten sich darauf zwei— Huy A mal sprachen; so belehnte doch Karl(Oct. 1540) I f 0 seinen Sohn Philipp zu Brüssel mit Mailand, umn . wodurch er Frankreichs Interessen von neuem aufregte. bä Dazu kam die Er mordung zweier französi⸗ Hiih schen, nach Venedig und Konstantinopel bestimmten, Ruufe me cchln schas hi; Wuius) ad Genun un den Kai⸗ ad ridder We er gruinigtn shland gpet Hlerhurdele, Wheimmen. 10, vel Hoiik titte Huih ber(l53., tem Dd, lehen bes u Gun⸗ zu haben, H waren; . Dies, 2/ bel⸗ dung des beder Kis Vaffes⸗ damalgen rauf zveͤ . 1510 gilund, auftegt an höst ummten Erster Zeitraum von 1492— 1789. 79 Gesandten im Mailändischen(3. Jul. 1541. Darauf eröffnete Franz1 den vierten Krieg gegen Karl(1542), in welchem Soleyman und Venedig auf Frankreichs Seite standen, Heinrich 8S aber für Spa— nien sich erklärte. Dieser, ohne große Erfolge ge— führte, Krieg ward in dem(von zwei Dominicanern eingeleiteten) Frieden von Crespy(18. Sept. 1544) beendigt, in welchem Fränz auf Neapel und auf sein Bündniß mit der Pforte verzichtete, der Her— zog von Savoyen hergestellt, und wegen Mailands die Vermählung des Herzogs von Orleans mit Anna, der Tochter Ferdinänds, verabredet ward. Zugleich beschloß man, die Aufhebung der kirchlichen Trennung zu bewirken; es hatten ja Domini— caner unterhandelt! Zwei Jahre nach diesem Frieden (31. März 1547) starb Franz 1, der 27 Jahre hin— durch Karls Politik ununterbrochen beschäftigt hatte, ohne doch sein eignes Ziel zu erreichen, was seinem Sohne Heinrich 2 bald darauf, unter veränderten Verhältnissen, gelang. 29. Sortseun g. Der in seinen Erbstaaten, besonders aber in Italien vielbeschäftigtete Karl verlor dabei Teut sch— land nicht aus dem Blicke; doch würde er, bei seiner Individualität, auf die Angelegenheiten dieses Rei— ches nachdrücklicher eingewirkt haben, wenn nicht die vier Kriege mit Frankreich, und die Angriffe der Pforte auf das auf seinen Bruder Ferdinand (1527) übergegangene Königreich Ungarn seine Kraft getheilt hätten.— Denn so wie in Teutschland der Protestantismus immer weiter sich verbreitete; 80 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. so zeigte sich auch das Reactions system gegen denselben in seiner Stärke. Die Sage eines von den katholischen Fürsten zu Dessau(1525) abgeschlossenen Bundes veranlaßte den Bund der Evangelischen zu Torgau(1526), an dessen Spitze der Churfürst Johann von Sachsen und der Landgraf Philipp von Hessen standen. Die Mitglieder desselben verwahr⸗ ten sich(19. Apr. 1529) gegen den ihnen ungünstigen Reichstagsabschied zu Speyer durch eine Protesta⸗ tion, und überreichten(1530) auf dem Reichstage zu Augsburg dem Kaiser ihre Confession. Ob nun gleich der Kaiser ihnen nur bis zum 15. Apr. 1531 eine Frist zur Rückkehr zur katholischen Kirche setzte; so gebrauchte er doch gegen sie keine Gewalt, denn er bedurfte ihrer zur Unterstützung Ferdinands gegen die Türken. Als aber Ferdinand— ungeachtet des Widerspruchs der Evangelischen—(5. Jan. 1534) zum römischen Könige gewählt worden war; da traten diese(27. Febr. 1534) zu Schmalkalden zu einem Defensivbündnisse zusammen, durch welches der Kaiser, bei der drohenden Gefahr vor den Türken, zum ersten Religionsfrieden(23. Jul. 1532) zu Nürnberg genöthigt ward, nach wel— chem er, bis zur Entscheidung eines allgemeinen Con— ciliums, jedem teutschen Reichsstande völlige Gewis— sensfreiheit zustand. Die Folge war, daß die ver⸗ einigten Kräfte Teutschlands unter Schertlin die, gegen Wien vordringenden, Osmanen zurückwarfen. Allein in diesem Zeitabschnitte allgemeiner Gäh— rung thaten auch die Evängelischen manche Schritte, die nicht immer von der nöthigen Klugheit geleitet waren. Dahin gehörte bereits früher(1528) der Angriff des Landgrafen Philipp von Hessen auf die geistlichen Lander Mainz, Würzburg und Bamberg, Erduh eilche Rfusthif M GkteH Hmberg Eisfenda ri vn Mih„I I R Vatte Nalust Hadige Iu M ite Ei + den Wnn Hachn shlalbet; uRgef I Zuls I iber d ubag ur 1551)U WMane hnnb Aahden h,I ——— lsich l sinem! H) h i l. sssint y⸗ hischlosene lischen zu Hurfürs Philipo en betwahr⸗ uginsige Droteste, Reichstagt „Ob nun lor. 1531 iche sehte; t, denn er egen di cachtet des jan. 1531 pat; da [kalden u, durch vor den en(25. nach wel⸗ nen Con Gevis⸗ die vel⸗ lin di, Ickvarfen. ner Gh⸗ Schrilte, glleitet 28) det U auf di runbetg Erster Zeitraum von 1492— 1789. 81 als er durch den herzoglich sächsischen Kanzler v. Pack von einem angeblich zu Breslau(1527) zwischen den Katholischen gegen die Evangelischen abgeschlossenen Offensivbundnisse benachrichtigt worden war; dahin die mit Heeresmacht in der Schlacht bei Laufen bewirkte Herstellung des Herzogs Ulrich von Wir— temberg(1534) in seinem Staate); dahin die Entfremdung zwischen dem Churfürsten Johann Frie— drich von Sachsen und seinem Vetter, dem Herzog Moritz, der sich vom schmalkaldischen Bunde trennte, zu welchem sein Vater Heinrich gehört hatte; dahin die Vertreibung des Herzogs Heinrich von- Braunschweig, welcher die Evangelischen hart beleidigt hatte,(1542) aus seinen Landen; dahin die von Johann Friedrich von Sachsen(154 beabsich— tigte Säcularisation des Hochstifts Naumburg-Zeitz. Schön früher hatte Karl 5 die Reichsacht gegen den vormäligen Hochmeister des teutschen Ordens, den nachmaligen Herzog Albrecht von Preußen, ge— schleudert; nur daß dessen Land zu entfernt lag, um den Angriff eines Reichsheeres befurchten zu müssen. Der Zwist über Ferdinands römische Königswahl und über die Herstellung des Herzogs Ulrich von Wir— temberg ward im Cadaner Frieden(29. Jun. 1534) dahin beseitigt, daß die Evangelischen jene Wahl anerkannten, und Ulrich sein Herzogthum(doch damals als Afterlehn von Oestreich) zurückerhielt. Allein dem schmalkaldischen Bunde stand, bereits seit dem 10. Jun. 1538, geleitet vom Reichsvicekänzler *) Ulrich war(1519) durch den schwäbischen Bund aus seinem Lande verdrängt worden. Karl 5 hatte es (1520) für 220,000 Fl. von dem Bunde erkauft, und seinem Bruder Ferdinand abgetreten. III. 6 0 V 4 ö ö I. 4 I + Nei 1 32 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Seld, der heilige Bund der Katholiken in drohender Stellung gegen über. Zwei Jahre später ward der Mittelpunct des Reactionssystems gegen den Protestantismus(1540) in dem Jesuiterorden!) begründet, dessen furchtbare Wirksamkeit nicht blos auf Einen Erdtheil sich beschränkte; und in der Ab— setzung des Churfürsten Hermann von Kölln (1543), der zum Lehrbegriffe der Reformirten über— trat, durch den Papst, konnten die Protestanten die Weise erkennen, wie man sich der weitern Verbrei— tung der gereinigten Lehre in geistlichen Ländern wider— —.— *) Der Jesuiterorden, von Ignaz von Loyola gestiftet, und von Paul 3(1540), nach den vier Gelübden: der Armuth, der Keuschheit, des Ge— horsams, und des unbedingten Gehorsams gegen den Papst, anerkannt, kündigte sich unter einer ganz andern Gestalt an, als die bis dahin bestandenen Mönchsorden, über die er sich durch Gelehrsamkeit und durch Anschließen an die Welt erhob. Er bemächtigte sich bald der Beichtstühle, der Katheder und der Kanzeln. Er wirkte durch seine zahlreichen Provinzen und Missionen bis Brasilien, Aethiopien und Indien; er unter— warf in Paraguay ein ganzes Land seiner Re— gierung. Sein General lebte in Rom, dem Mit— telpunete seiner ganzen Thätigkeit. Dieser Orden war in Kurzem so vollständig entwickelt, daß sein dritter General, Franz Borgia, als er sechs Wachen nach der Pariser Bluthochzeit(10. Oct. 1572) den Schauplatz der Welt verließ, prophetisch ausrief: „Intravimus ut agni, regnabimus ut lupi, ex- pellemur ut canes, renovabimur ut aquilae.“— Pet. Phil. Wolf, allgemeine Geschichte der Je— suiten. 4 Theile. 1789 ff. 8. N. A. Lpz. 1803. 8.— Fr. Gerhardt, das Evangelium der Jesuiten. Loz. 1825. 8. R5 schnl Iu H shsshen! Wule RNhahht Whlg sen fir Heshit Rber udr E — 10 Rrit UI I ihnt, Wude und Tnsust csysteng 3 WMstem I. Katholken i Nhte spit ains gegen dn Uttrorden! ket nicht ble in der Al von Kolli rmnirten ühn otestanten. tern Verbre⸗ ndern wide hie dahln IE His uhl er sich dutt an die Vel Beichtstühl, witkte dutt zissione I Er untel— seiner R dem Mit dieset Hren K, daß seh scht Bahn 15⁷² 0 isch dustiel lupi, e huilse. 7 hte det Y 1606.6.7 K Vesuitet Erster Zeitraum von 1402— 1789. 83 setzen würde. Dazu kam, daß die Protestanten weder das(13. Dec. 1545) zu Trient eröffnete Concilium beschickten, noch auf dem Reichstage zu Regensburg (Jan. 1546) personlich erschienen. Ausgesöhnt mit Frankreich, vereinigt mit dem Papste Paul 3(26. Jun. 1546), und gleichzeitig (19. Jun. 15.46) durch ein geheimes Bündniß mit dem Herzoge Moritz von Sachsen, sprach Karl 5(20. Jul. 1546) die Reichsacht über die beiden Häupter des schmalkäldischen Bundes aus, und beauftragte den Herzog Moritz mit der Vollziehung derselben im sächsischen Churstaate. Die Verschiedenheit der In⸗ dividualität der beiden Bundeshäupter bewirkté, daß die Macht des schmalkaldischen Bundes an der Donau unthätig blieb, und durch den Abgang des Churfür— sten für die Wiedereroberung seiner Länder bedeutend geschwächt ward. Auch gingen die Folgen dieser Wie— dereroberung, des Sieges bei Rochlitz(2. März 1547 und der Eroberung der Albertinischen Lander für Jo— hann Friedrich in der Schlacht bei M uhlberg (24. Apr. 1547) verloren, in welcher der Churfürst des Kaisers Gefangner ward. Das über ihn ausge— sprochene Todesurtheil verwändelte der Kaiser in der Wittenberger Capitulation(19. Mai) in den Verlust der Churwürde und der gesammten Länder des Ge— fangenen(bis auf das für seine Söhne in Thüringen neuerrichtete Fürstenthum), ihn aber, und den Land— grafen Philipp, der sich, auf des Kaisers gegebenes Wort, demselben(19. Jun.) zu Halle unterwarf, behandelte er(bis 1552) als Gefangene. Die Chur— würde und die eingezogenen Länder der Ernestinischen Linie des sächsischen Hauses übertrug Karl 5 auf den Herzog Moritz; doch änderte er nichts in der Kirchen— verfassung der protestantischen Länder; denn das zu 6* 84 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Augsburg(1548) von ihm aufgestellte Interim konnte, als eine halbe Maasregel, unmöglich den dreißigzährigen Meinungskampf entscheiden. Fr. Hochheder, der röm. kais. Majestät, auch des h. röm. Reichs geistlicher und weltlicher Stän— de ꝛc., Handlungen und Ausschreiben ꝛc. 2 Theile. Frankf. 1617. Fol. Lud. ab Avila, commentarii de bello ger- manico a Carolo V. Imp. gesto.(italienisch 1549, lateinisch 1550.) 8. Historia belli smalcaldici, inprimis Ludovici ab Avila commentariis opposita, cum commenta- 5 rio Leb. Schertliniz;— in Menchenii scriptt. rér. germ. P. 5 P. 131 8q. Joach. Camerarius, swalcaldici belli inter Carolum V. et proteéstantium duces 1546 gesti origo, progressus eét exitus;— in Freheri scrippt. rer. germ. T. 35: p. 507 5. Lamb. Hortensii libriy de bello germa- nico. Basil. 1500. 4.(stehen auch in Sohardii scriptt. rer. germ. I. 2, p. 157 89.) Franz Domin. Häberlhin, neueste teutsche Reichs— geschichte vom Anfange des schmalkaldischen Krieges (1546— 1648). 28 Theile.(Die Fortsetzung von Senkenberg.) Halle, 1774 ff. 6. 30. Schluß. Hatte gleich Karl 5 zu Mühlberg den schmal— kaldischen Bund gesprengt und„ungehorsame Stän— de“ bestraft; so vereitelte doch bald darauf Moritz von Sachsen des Kaisers Absichten nach einem politischen Uebergewichte in Teutschland und Europa, und bewies dadurch für alle Zeiten, daß auch die min— dermächtigen Fürsten ein bedeutendes Gewicht in die politische Wagschale legen können. Denn Moritz, unsu hif, ft 1r %08 Kasee aard y ruchzs Inhit Gleich Hholtker Mli ImSEich Hscn ad gsh Vapiel! dem Aut Shbat, Re Gllt Dumdrss stde l Ialch sh dr shstens y. ö Intetin moglich dn N. bello ger enisch 150 Ludovil commenta · ckenii belli inter 1546 gest Prehen ello germs Sebardi hen Krieges thüng l on schmob me Etäl⸗ TMoriß aah einen Europa, de min⸗ t in di Moriß, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 85 dem der Kaiser die Achtsvollziehung gegen die Stadt Magdeburg aufgetragen hatte, brachte diese zur Ueber— gabe(1551), und machte sie zu seinem Waffenplatze. Vergebens verlangte er mehrmals vom Kaiser die Freilassung Philipps von Hessen. Da trat er, nebst seinem Schwager Wilhelm von Hessen, mit dem Kö— nige von Frankreich Heinrich 2(5. Oct. 1551) zu Friedewalde zu einem geheimen Bündnisse zusam— men, und führte, während Heinrich 2 die drei loth— ringischen Bisthümer, Metz, Verdun und Toul an⸗ griff, sein Heer, nach vorausgeschicktem Manifest, in Eilmärschen gegen Tyrol, erstürmte(19. Mai 1552) die Ehrenberger Klause, und nöthigte den Kaiser zur Flucht. Dieser ließ mit ihm durch Fer— dinand zu Passau unterhandeln, wo— ohne Frank⸗ reichs Zuziehung— ein Vertrag)(2. Aug. 1552) unterzeichnet ward, welcher die völligepolitische Gleichheit der Protestanten mit den Ka⸗ tholiken in Teutschland aussprach, und nach welchem Philipp von Hessen(so wie kurz vorher Johann Friedrich von Sachsen) aus der kaiserlichen Gefangenschaft ent— lassen ward. Hatte gleich Moritz vor diesem Kampfe das gefährliche, und in der Folge oft nachgeahmte, Beispiel der Unterhandlung teutscher Fürsten mit dem Auslande gegeben; so entschied doch auch sein Schwert, was seit 35 Jahren durch alle Colloquia der Gelehrten, durch alle Concilien, und durch die Bündnisse und Gegenbündnisse der einzelnen Reichs— stände nicht entschieden worden war. Nur daß der jugendliche Held im nächsten Jahre(11. Jul. 1553), nach der Besiegung des Albrechts von Bran— *) Schmauls(corp. jur. publ. acad.) p. 147 sꝗꝗ. und Hortleder, Th. 2, S. 1317 ff. 80 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. denburg in der Schlacht bei Sievershausen, an der in dieser Schlacht erhaltenen Wunde starb, und, nach seinem Tode, der Religionsfriede zu Augsburg*)(25. Sept. 1555), zwar auf die Unterlage des Passauischen Vertrages, doch mit Ein— schiebung des sogenannten geistlichen Vorbe— halts(welchem aber die protestantischen Stände wi— dersprachen,) abgeschlossen ward. Rechtskräftig be— stand nun die politische Gleichheit der Protestanten und Katholiken, die völlige Gewissensfreiheit der ersten, die Entbindung derselben von der Gerichts— barkeit und der Diöcesanmacht der Erzbischöffe und Bischöffe, und der Besitz aller vor und nach dem Passauer Vertrage eingezogenen Stifter und geistlichen Güter. Für die Protestanten in katholischen Staa— ten und die Katholiken in evängelischen Ländern ent— hielt er aber blos das traurige„benéficium emi— grandi,“ und in dem„reservatum ecclesiasticum“ die Bestimmung, daß zwar fortan geistliche Reichs— stände personlich zum Protestantismus, doch mit Ver— lust ihrer Länder, übergehen könnten. Heinrich 2 von Frankreich, der angeblich „zur Erhaltung der teutschen Freiheit“ und zur Be— freiung der beiden fürstlichen Gefangenen mit Sachsen und Hessen(5. Oct. 1551) sich verband, zahlte an seine Bundesgenossen für die ersten drei Monate 240,000 Thaler, und dann jeden Monat 60,000 Thaler Subsidien, erhielt dafür aber von denselben die Einwilligung, daß er die zum teutschen Reiche gehörigen Städte, wo nicht teutsch gespro— chen werde, namentlich Metz, Verdun, Toul und Cambray, nehme, und sie, mit Vorbehalt der Reichs— *Schmauls, p. 153 8ꝗꝗ. in M 0 —— Rua Wn Da VDadtehn au de ind geis OR 105 (h. J auie W Kase iN Klttr iStl Whilh de Rgir b, ußer Wn re Euttz ule sf IU, rshauses, Hu Ctände wi⸗ Htekraftig l⸗ Orobstontn Vreiheit de K Gerichtz⸗ Hischöͤfe und Dnach dem o gistlichen ium emi- Siasticum“ he Reichs⸗ mit Ver⸗ angeblic dzur Be⸗ Sachsen zahlte ah i Mꝛnat⸗ at 60,000 denselbe en Mich gespto Toul ud r Reiq Erster Zeitraum von 1492— 1789. 87 rechte, unter dem Titel eines Vicars des h. Reiches besitze. Ob nun gleich Karl5, sogleich nach Unter⸗ zeichnung des Passauer Vertrages, den Herzog Alba mit einem bedeutenden Heere gegen Metz sandte; so ward doch diese Festung vom Herzoge Franz von Guise mit Nachdruck vertheidigt. Karl ging selbst nach Brüssel; allein der Krieg war zunachst ein Verwü⸗ stungskrieg in den Niederlanden, in Lothringen und in Italien, ohne Erfolg, und ward erst am 3. Apr. 1559 im Frieden zu Chateau Cambresis zwi⸗ schen Spanien, England(dessen Verbündeten) und Frankreich so ausgeglichen, daß Metz, Verdun und Toul in Heinrichs Händen blieben. Der Kaiser, durch diese Ereignisse und durch die Vereitelung seines Planes, seinem Sohne Philipp auch die teutsche Krone zu verschaffen, körperlich und geistig tief verstimmt, übertrug zu Brüssel(25. Oct. 1555) die Regierung der Niederlande und (10. Jan. 1556) Spaniens seinem Sohne Philipp; einige Monate später(27. Aug. 1556) legte er auch die Kaiserkrone nieder, und starb(21. Sept. 1558) im Kloster zu St. Just in Estremadura. Er war der erste Kaiser, der resignirte; so wie der letzte Kai⸗ ser, der vom Papste gekrönt ward. Ihm folgte auf dem Throne Teutschlands sein Bruder Ferdinand 1. Stand gleich Kärl5 nicht über seiner Zeit; so verständ er doch die Bestrebungen derselben; nur daß seine Stellung zu diesen durch individuelle und äußere Verhältnisse so oft verändert ward, daß Karl5 von der Regierung schied, ohne irgend eine seiner Absich⸗ ten, außer in Italien, ganz erreicht zu haben. Denn wenn er auch Frankreichs Macht nicht erschüttern konnte; so hatte doch diese Macht die Verwirklichung eines spanischen Principats in Europa verhindert. 7 IWn WN I x e N N 9 N 1 N 0 40 ö ö 0 l R. 0 ö ö * * 1 i l ů 0 17 W H 88 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Eben so trat ihm der Protestantismus, zu gleichen politischen Rechten durchgekämpft, zu Passau gegen über, und verbreitete sich, bei der hohen Begeisterung der Bekenner der gereinigten Lehre, immer weiter in den Niederlanden, in England und im Norden; nur daß die Spaltung der Protestanten selbst in Luthe— raner und Reformirte schon damals und noch mehr im nächsten Zeitabschnitte ihrer Sache nachthei— lig ward, und der Jesuiterorden die ganze Kunst und Macht des Reactionssystems aufbot, theils um das Weiterverbreiten des Protestantismus zu verhindern, theils die Protestanten in den Schoos der alleinselig— machenden Kirche zurück zu bringen, besonders seit die Beschlüsse des Trienter Conciliums(4. Dec. 1563) die Scheidelinie zwischen beiden Kirchen mit der größten Strenge zogen. 314 7) Die Hauptereignisse von Karls 5 Thronentsagung bis zum Ausbruche des dreißig jährigen Krieges. Nur wenige Jahre überlebte Ferdinand 1 seinen Bruder(1156%0, und milde Grundsätze machte sein Sohn und Nachfolger Maximilian 2(1564 — 14576) auf den Thronen Teutschlands und Oest— reichs geltend. Seiner Zeit gehören aber in Teutsch— land die Grumbachischen Händel(1558— 1566) und die krytocalvinistischen Streitigkeiten an, welche die vom Churfürsten Au gust von Sachsen be— wirkte formula concordiae(1580) mehr steigerte, als beendigte. Denn seit Calvins Lehre im Chur— staate der Pfälz eingeführt, ein ähnlicher Versuch des Canzlers Crell in Sachsen aber während des Chur— 6l Funn fasin yaddif Har Hhehla unshe& lften,“ (58 6 Hufalst sii (190⁰09 Vham G Hachtnzu Amchh Dopdur Pun Fusche hoder R N Ml Mfge tnndd . Jo llr derst fUusch lbaz de Hict Hut firfin de K Haug de Meimi Wfumit . V V tur RM in Qsut 0 Nythe systemz n. zu glahhn VMI assau ggen * * Scgaste V EE Welter k alleinselig⸗ sonders seit NEHN S(4. He. Kicchen mit Fatls 3 sche des nand 1 6emachte 1504 und Ost Teltsch⸗ —500) etten al, achsen be steigerle, M Cur⸗ ꝛsuch dei Chu⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 89 fürsten Christians 1 kurzer Regierung, nach des Chur— fürsten Tode mit durchgreifender Strenge verhindert worden war, stieg die gegenseitige Entfremdung der Lutheraner und Reformirten immer höher, welche der römische Stuhl und die Jesuiten schlau zu benutzen wußten. So ward, durch des Papstes Entscheidung, (1583) der zum calvinischen Lehrbegriffe übergetretene Churfürst Gebhard von Kölln von seinem Erz⸗ stifte verdrängt; im Bisthume Straßburg mußte (1592) der brandenburgische(evangelische) Prinz Johann Georg dem 1 ischen Karl von Lothringen weichen; und der Herzog Maximilian von Bäyern bemächtigte sich(1607) der schwäbischen Reichsstadt Donauwerth, in welcher ein Auflauf zwischen Protestanten und Katholiken ausgebrochen war. Dem teutschen Throne fehlte ein kraftvoller Mann; denn weder Rudolph 2(1576— 4612), von Jesuiten an Philipps 2 Hofe erzogen, noch sein Bruder und Nachfolger Mattl hias 1012—4619) wußten Ein⸗ heit und Ordnung in die gährenden Partheien zu brin⸗ gen. Als politische Partheien, wie bereits im Zeit— alter des schmalkäldischen Bundes, stellten sich damals in Teuescht and beide Wale n a einander gegen über; die Protestanten als Union(4. Mai 1608), nicht Chursachsen, sornderd den reformirten Chur⸗ fürsten Friedr ch 4 von der Pfalz an der Spitze; die Katholiken als Liga(40. Jul. 1609) 5), unter Leitung des umsichtigen und kriegskundigen Herzogs Maximilian von Bayern. Chursachsen, den Reformirten abgeneigt, nicht gerüstet, und durch den *)(Stump f,). Geschichte der teutschen Liga im siebenzehnten Jahrhunderte. Mit Urkunden. Erfurt, 1800. 8. —— ——3 1*.8-t* ‚.„/.——-———— 90 Geschichte des europè zäischen Stratersyst ms ꝛc. Anspruch auf die(1609) erledigten Länder Julich, Cleve und Berg in eine eigene Stellung gegen den Kaiser, und gegen die Häuser Brändenburg und Pfalz, die sich der erledigten Länder bemächtigten, gebracht, gehörte zu keinem Bunde, sondern stand bis zum Ausbruche des 30jährigen Krieges allein.— Bei der Spannung zwischen den Prinzen des östreichi⸗ schen Hauses, in welcher die Protestanten den Herzog Matthias gegen seinen Bruder, den Kaiser, unterstützt hatten, wofür er ihnen mehrere kirchliche Freiheiten bewilligte, erhielten auch die Utraquisten in Böh— men von Rudolph(14. Jul. 1609) in dem Maje⸗ stätsbriefe*) das Recht der freien Religions— übung, der Anlegung neuer Kirchen und Schulen, und der Besetzung der Lehrstellen an der Hochschule zu Prag zugestanden, welches bald darauf(20. Aug.) gleichmäßig auf die Schlesier übergetragen ward.— Nachdem aber der kinderlose Matthias noch bei seinen Lebzeiten seinem Vetter, dem Erzherzoge Ferdinand von Steyermark, die Nachfolge in Böhmen und Ungarn (1617 und 1618) 22015 e und denselben krö⸗ nen lassen, wogegen dieser alle Rechte und Freiheiten der böhmischen und migarischen Stände anerkannte, begann ein Aufstand in Böhmen, der die Veran— lassung des dreißigjährigen Krieges ward. Es waren nämlich den Utraquisten, gegen die Be⸗ rechtigungen des Majestätsbriefes, zwei neuerbäute Kirche weggenommen und ihre deshalb geführten Be— schwerden vom Kaiser abgewiesen worden. Sie halfen *) J. Borott, der vom Kaiser Rudolph 2 den Pro— testanten in Böhmen ertheilte Majestätsbrief vom J. 1609, aus einer böhmischen Urkunde übersetzt. Görlitz, 1803. 8. 0 Dan Rn bshn ssystemz y. in Wtth m sondern sud es allein.— des östeich⸗ den H . Itartut Freheite tenin ih⸗ den Maje⸗ Migisns⸗ 1d Schülen, 5 ochschule zu 20. I ward.— ei seinen rdinand ud Un garn elben krö⸗ Freiheiten 79* an. + ‚ Bo. Eten Be Sie ale den Pro⸗ brief vo Rüberseßt Erster Zeitraum von 1492— 1789. 91 sich daher, auf altböhmisch, selbst, warfen die kaiser— lichen Räthe, v. Martinitz und v. Slawata, und deren Secretair Fabricius, aus dem Fenster, er— nannten aus ihrer Mitte einen Ausschuß zur Ver— waltung des Landes, vertrieben die Jesuiten, und stellten den Grafen von Thurn an die Spitze ihrer Bewaffnung. Die Schlesier und Lausitzer schlossen sich ihnen an; die Protestanten in Oestreich waren mit ihnen einverstanden; die Union sandte ihnen 4000 Mann unter dem Grafen Ernst von Mansfeld zur Unterstützung, und ganz Böhmen, bis auf Budweis, war im Aufstande, als Matthias(20. März 1619) starb. Jac. Aug. Thuanus, historiae sui femporis. 5 Voll. Auréel. 1626. Fol.— 7 Voll. Londin. 1703. Fol. Franz Chstph. Graf v. Khevenhiller, Anna—- les Ferdinandei. 12 T. Leipz. 1711 ff. Fol.(von 1578— 1637.)— Runde gab einen Auszug dar— aus. 4 Thle. Lpz. 1778. 8.(bis 1594.) Theatrum europaeum, 22 Thle.(von 1617— 1718.) Frkf. 1635 ff. Fol.(von Abelin angefan— gen, von Schleder, Martin Meyer, Schnei— der u. a. fortgesetzt.) Hiob Ludolff, allgemeine Schaubühne der Welt, oder Beschreibung der vornehmsten Weltgeschichte, vom Anfange des 17ten Jahrhunderts.(geht von 1601— 1688.) 5 Theile. 2te Aufl. Frkf. am Main, 1716— 31. Fol. 32. Fud r tTeih u Wenn in dieser Zeit auf dem Throne Teutschlands ein Mann fehlte, der die in den kirchlichen und poli— tischen Partheien gährenden Stoffe mit Umsicht und N + 1 V ö 0 0 7 I R„ W 4 NR„ 4666 3 AI F 3 ö 84 ö A 4 1 iii ö h 4½½9 N ö 92 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Kraft zur Einheit und Ordnung gebracht hätte; so erhoben sich— wenigstens für die Dauer ihrer Re— gierung— England und Frankreich zur festern innern Gestaltung und zur nachdrücklichern Ankündi— gung nach außen, unter der Elisabeth und unter Heinrich 4. In England ward der Protestan— tismus damals die Grundlage des Kirchenthums und des bürgerlichen Wesens; in Frankreich erhielt er durch das Ediet von Nantes beinahe gleiche Be⸗ rechtiguugen mit der herrschenden Kirche. Blieb gleich Heinrichs 4 Idee einer allgemeinen europäi⸗ schen Republik?) ohne Verwirklichung; und war sie zunächst die Folge seiner Absicht der Verminderung der Macht des Hauses Habsburg in beiden Linien; so war sie doch groß gedacht und zeigte bereits eine höhere Richtung der Politik. Allein die wichtigste politische Erscheinung in die— ser Zeit war die Entstehung und das Eintreten des Freistaates der Niederlande in die Mitte des europäischen Staatensystems. Zunächst in den nörd⸗ lichen(batavischen) Provinzen des, mit großen Vor⸗ rechten der Stände an das Haus Habsburg gekomme— nen, burgundischen Staates hatte die Kirchenverbesse— rung die Gemüther angesprochen. Karl 5 war scho— nender gegen die Niederländer gewesen, als sein eng— herziger Sohn Philipp 2, der, nach seiner Abreise nach Spanien, die Strenge gegen die Ketzer schärfte, in mehrfachen Hinsichten die Rechte der Stände be— schränkte, und die Einführung der Inquisition beab— sichtigte. Die fortdauernden Gährungen der Miß⸗ *)(Toze), die allgemeine christliche Republik in Europa, nach den Entwürfen Heinrichs 4 ꝛc. vorgestellt. Gött. 1752. 8. Ghase 6l Rutl Ut Fi O Chl Ichlg d — ⏑ it de I uit! vuddenh Gabechf im Hpl lmof Inttte Möhhin Cullard; wumt uur mußte Damug Hnss Sur uth Ra, d 958 erden mtiart thahnte; (5593 0 Eihn N Cllard: munt, Muso bshrd nshstenz y iht hittt f uer ihter R. ich zur flstn Hern Ankund üh und unte lich aht He e gleiche v Blieb gli weutopi⸗ g und wur erminderun n Anien tseinehihe nung in di intreten des Mitte des den nord⸗ oßen Vot⸗ gekomme⸗ netbesse wat scho⸗ 5 sein eng ner Abli eerschürst, Ztande be shion bell der Mf⸗ in Eurohh, lellt. Gol. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 93 vergnügten in diesen Provinzen sollte Alba's Arm mit kriegerischer Gewalt niederdrücken(seit 1567). Das Schreckenssystem begann mit der politischen Aechtung der Niederländer, mit der Hinrichtung der Grafen Egmond und Hoorne(5. Jun. 1568), mit der blutigen Bekämpfung der gereinigten Lehre, und mit der Auflegung neuer Steuern. Tausende wurden hingerichtet; Tausende wanderten, mit ihrem Gewerbsfleiße, und mit dem evangelischen Glauben im Herzen, ins Ausland. Endlich fand sich in Wil— helm von Oranien der Mann, welcher der allgemei— nen Erbitterung gegen Alba's Zwingherrschaft einen Mittelpunct gab, seit ihn die Stände von Holland, Seeland und Utrecht zum nn Statthälter er— nannt hatten. Nur we 2— vom Auslande, und kaum nothdürftig von der Elisabeth von unterstützt, mußten die Niederländer sich auf sich selbst verlassen. Demungeachtet traten(23. Jan. 1579) Holland, Seeland, Utrecht, Geldern und Gröningen zur Utrechter Union zusammen, und Friesland und Oberyssel schlossen sich bald varauf(11. Jun.) an. Zwar unterwarf der Herzog Alexander von Par— ma, als ernannter Sta tthalter des Königs(seit 1578), die südlichen(belgischen) Provinzen wie— der dem spanischen Seepter; zwar 33 der unter con⸗ stitutionellen Bedingungen zum Landesherrn(1581) ernännte Herzog von Anjou nach Frankreich zurück (1583); zwar fiel Wilhelm der Oranier(10. Jul. 1584) zu Delft durch Meuchelmord; allein sein Sohn Moritz, von den Staaten von Holland und Seeland in den Würden des Vaters zum Nachfolger ernannt, entwickelte kriegerische, und der Landsyndicus Oldenbarneveld von Holland ausgezeichnete poli— tische Talente. Durch die Wirksamkeit des Letztern 94 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ward zunächst die republikanische Form des jungen Staates, und durch den U ntergang der spanischen unüberwindlichen Flotte(1588) der künftige Chärakter desselben als Seemacht ent— schieden. Denn seit dem Untergange dieser Flotte erschienen die Flaggen der Niederländer und der Eng⸗ länder auf dem Weltmeere, und von dem Ertrage der durch die Niederländer eroberten portugiesisch⸗ spanischen Kolonieen konnten sie ihr politisches Da— seyn in Europa fester begründen und außerhalb Euro— pa's unermeßliche Quellen ihres Wohlstandes und Verkehrs sich eröffnen. Mußten gleich die Nieder— länder, nach dem Frieden Spaniens mit Frankreich zu Vervins(1598) und nach dem Tode der Elisabeth (1603), den Kampf gegen Spanien allein fortsetzen; so ward doch auch unter Philipp 3 die Entkräftung Spa— niens im Innern und nach außen sichtbar, wenn gleich der spanische Stolz nur zu einem zwölfjährigen Waffenstillstande(9. Apr. 1609) mit den Nie⸗ derlanden sich entschließen konnte. Mit diesem Tage war die Selbstständigkeit und das politische Gewicht der Niederlande im europäischen Staatensysteme ent— schieden, obgleich die erste noch nicht förmlich von Spanien und Teutschland anerkannt, was erst(1648) im westphälischen Frieden geschah. (Kardinal) Bentivoglio, historia della guerra di Fiandra. 5 T. Venezia, 1670. 4. Hugo Grotius, annales de rebus belgicis ab obitu Philippt 2 ad inducias de a. 1609. Amst. 1656. 8. Allgemeine Geschichte der vereinigten Niederlande. 8 Th. Lpz. 1750 ff. 4.(geht bis 1751—; ist nach Wagenaar's holl. Werke von Toze bearbeitet.) Van der Vynkt, Geschichte der vereinigten Niederlände von ihrem Ursprunge an bis zum west— Hiheang L Nuhnd u M. zr Eut wi er n Mah, 0 Hofll Ults, de Cuuran d unAun; Fim ale Wse Ruln Uden Muinil bu Anfmn Wafh b Pudg Eih all ag. scht Her Enspon ümetht Vi lstandes un 9 die Medaz Frankreich v der Eisabch fottseten; raftung S. wem glel jähriget It den Mi⸗ Nesem Iage he Gewicht steme ent⸗ emlich von I(1040 della guenn heleicis 0 boh. Amzt. Nederlandt ist nac Heatheitet.) berenin Wum well⸗ un Erster Zeitraum von 14902— 17809. 95 phälischen Frieden. Aus dem Franz. 3 Th. Zürich, 1795.— Fr. Schiller, Geschichte des Abfalls der ver— einigten Niederlande von der spanischen Regierung. Ir Thl.(Fortsetzung Th. 2 u. 3 bis 1609 v. Curth.) Lpz. 1788. 8. N. A. 1801. 93 8) Der dreißig jährige Krieg. Bei dem Tode des Kaisers Matthias war in Teutschland bl blos Böhmen im Aufstande; doch war in allen Theilen des Reiches die kirchlich-politische Gährung bedeutend; zwei Bünde standen einander drohend und ber waffret gegen über; und überall fehlte der Mann, der die Massen fesselte und die Ereignisse zur Entscheidung brachte. Denn Ferdinand 2, wie er nach seiner Kaiserwahl hieß, ein Zögling der Jesuiten, und selbst als Regent unter der Leitung des päpstlichen Legaten Carafa und seines Beicht— vaters, des Jesuiten Lamormain, hatte zwar Starrsinn des Willens, der bei einem sichern politi— schen Tacte zur 160 behrn dee sich hätte veredeln können; allein— fehlte die Klarheit des Blickes, die Vielseitigkeit des Ieete,„ und die Duldsamkeit gegen Andersdenkende. Heller sah sein Jugendfreund, Maximilian von Bayern; allein seine Politik war Anfangs zunächst auf den Giderd der Churwürde und auf Ländervergrößerung gerichtet, und blieb, bei den Wendepuncten des Kampfes, in der Folge auf die Erhaltung des Erworbenen beschränkt. Er konnte wohl einen schwachen Gegner an dem weißen Berge, nicht aber den Geist des Protestantismus besiegen. Eben so waren Tilly und Wallenstein nur auf dem Schlachtfelde furchtbar, und brachten ihren Na— —.—.—. ———————— . 96 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. men durch zerstörte Städte und verwüstete Länder in die Jahrbücher der Geschichte. Selbst die Individua— lität Christians 4von Dänemark, obgleich mit ihm zuerst ein nordi ischer Fürst in die politischen Be— rührungen des südwestlichen Staatensystems eintrat, war nicht geeignet, die Sache des Protestantismus fest zu stützen, und Dänemark zu einer höhern Stufe des politischen Ranges in der Wechselwickung der europaischen Mächte zu führen. Dies gelang erst dem Könige von Schweden, Gustav Adolph, der in sich die Kraft trug, bei Breitenfeld zu siegen und bei Lützen für eine heilige Sache zu sterben. Mag da— her immer, bei seinem Eintritte in die Mittelpuncte des europäischen Staatensystems, viel auf sein Bün d— niß mit Frankreich, und auf die Mitwirkung Richelieu's zu den politischen Entwürfen dieser Zeit gerechnet werden müssen; mag In Adolph selbst nicht frei von Vergrößerungsabsichten für die Zukunft gewesen seyn; so viel hat er dürch Leben und Tod bewährt: er war der eigentliche Held seiner Zeit; mit ihm kam der Wendepunct des dreißig⸗ jährigen Krieges; er gab der protef stantischen Parthei einen der politischen Charakter, und, was meistens der Fall bei Raee n Männern ist, er hinter⸗ ließ eine Schule von Feldherren und Dirlomaten, die es bewährte, daß ihr Me ister weder in der Politik, noch auf dem Schlachtfelde ein Werkzeug des Zufalls, sondern der Mann von festen Grundsätzen gewesen war. Nahm gleich, nach seinem Tode, der letzte Theil des dreißigjäß hrigen Krieges wieder einen unbestimm— ten Charakter an; so ward er doch im Sinne (wenn gleich nicht ganz im Geiste) Gustav Adolphs im westphälischen Frieden: beendigt. Der Nor— den war durch ihn eingetreten in die Berührungen Esr W funshe n sii — son uze N Mis W üntn lents K he Ibnctwod Dar N Sin schitten du (010— 10⁰% 0s um llbe n Rumf ggr n Ol.H Ir et des e Vehn Conte d NE6 eh hoh Wf Oun 0 Tedtaurzta 0 105. (Leob, Whe rerur huz eiid ler l olckuna Nov Wölee lang erst der SNolh Oe —9*** V/*5 au saen und zu egen und V ul. un do⸗ M te pne U punck sein Bird n für die eben und eld seiner S dreißih⸗ n Parthi ind, woas er 01 maten, r 3 65 Jufil V 90—ů I lchte Thell nb N Sil V 08 vMobh De N h* rühtuge Leim⸗ nle Erster Zeitraum von 1492— 1789. 97 des europäischen Staatensystems; eine nordische pro— testantische Macht, emporgehoben durch die Siege des Protestantismus, und eine streng katholische Macht, Frankreich, dessen politischer Einfluß auf die Welt— ereignisse durch das Bündniß mit den Protestanten gesteigert ward, gewährleisteten die neue politi— sche Form des ersten Reiches der Christenheit, auf dessen verwüstetem Boden, unter Hinopferung eines ganzen Menschengeschlechts, die große Frage: ob der Protestantismus mit gleichen Rechten neben dem Ka— tholicismus bestehen solle, während eines Zeitraumes von 30 Jahren durchgekämpft und zur Entscheidung gebracht worden war. Dieser Krieg läßt sich, nach den Veränderun— gen in den politischen Beziehungen, in vier Ab— schnitten darstellen: der eigentliche böhmische Krieg (1619— 1623); der dänische Kampf(1625— 1629); das Auftreten Schwedens in Teutschland bis zum Uebertritte Chursachsens auf Oestreichs Seite (1630— 1635); der schwedisch-französische Kampf gegen Oestreich und dessen Bundesgenossen bis zum westphälischen Frieden(1635— 1648). Guil. Hyacinth. Bougeant, histoire des guer- res et deés nëgociations, qui Précédèrent le traité de Westphalie, composée sur les mémoires du Gomte d' Avoux. 3 Tom. à Paris, 1727 sqq. 4. (N. E. 6 T. 1751. 8.) Teutsch, mit Anmerkun⸗ gen von Fr. Eberh. Rambach. 4 Theile. Halle, 1758 ff. 8. Car. Cara fa, commentar. de Germania sacra restaurata regnante Ferdinando 2.(bis 1629.) Co- lon. 1639. 8. (Leonh. Pappi, Domherrns zu Kostnitz) epi— tome rerum germanicarum ab a. 1617 ad 43 gesta- rum; edidit J. Gottlo. Bö6hme. Lips. 1760. g. J. Petr. Lottichii rerum germ. sub Matthia, III. 7 98 Geschichte des europäischen Staatensystems ue. Ferd. 2 et 3 Impp. gestarum T. 2.(1617— 1643. Francf 1646 et 50. Fol. J. Chstph. Krause, Lehrbuch der Geschichte des dreißigjährigen Krieges und des westphälischen Frie— dens. Halle, 1782. 8. Fr. Schiller, Geschichte des dreißigjährigen Krieges. Leipz.(zuerst 1791. 12. dann) 2 Theile. 1802. 8. 34. Fortseb un g. Ferdinand 2 ward(28. Aug. 1619) zum Kaiser gewählt, ungeachtet des Widerspruchs der Union und der Bohmen. Darauf erklärten die Böh— men, Schlesier, Mährer und Lausitzer ihn ihres Thro— nes verlustig, und wählten das Haupt der Union, den Churfürsten Friedrich 5 von der Pfalz(3. Sept.) zum Könige. Dieser ward aber von der Ligue, unter Anführung Maximilians von Bayern, der sich vor— her von Ferdinand Oberöstreich als Unterpfand für die Kriegskosten überweisen ließ, in der Schlacht an dem weißen Berge(8. Nov. 1620) besiegt, und floh in die Niederlande. Vergeblich hatte er auf die Unterstützung seines Schwiegervaters, des Königs Jakob 41 von England, gerechnet. Die Kraft der Union war gebrochen; die der Liga im Steigen. Eben so erfolglos für den ganzen Kampf blieb der Aufstand des Fürsten Bethlen Gabor von Sie— benbürgen. Der Churfürst Johann Georg 1 von Sachsen, von Ferdinand wegen der zwischen Böhmen und Meißen bestehenden Erbeinigung auf— gerufen, brachte Schlesien und die Lau sitzen für den Kaiser, doch unter Zusicherung ihrer kirch— lichen Rechte, zur Unterwerfung, und erhielt, für 0 91 9 mr s uhu oase d durmn de W Handekteh ͤf Haad Mng en Md Iuedoe he geb D ah Itas Rs t Chnwir hssetz des Hian vog! MWestac! 70 ric 155 Isch Sih Hhiftarth —— n d N 3 Rane ushsinzy. 1617—⁰ 4½0 5 40, Geschihhtehz Dreßigjöhrie ann) 2 Dol 1510) un spruchs de ten die Bof hres I Union, de 56. Hgue, urt er sich vo rpfand fi Schlach 20 besieg ch hatte⸗ aiers, de Die Kuf m Steigt. f hlieb de von Ei Georg! zwisch gung aul au sitet hrer kith hiel, fr Erster Zeitraum von 1492— 1789. 99 die berechneten Kriegskosten,(23. Jun. 1623) die Lausitzen unterpfändlich. Spinola besetzte, von den Niederlanden aus, mit einem spanischen Heere die Unterpfalz. Tilly eroberte(1622) Heidel— berg und Mannheim. Böhmen, von Ferdinand 2 als erobertes Land behandelt, ward der im Majestäts— briefe enthaltenen Rechte beraubt, und, unter dem Einflusse der hergestellten Jesuiten, in die strengsten Formen der katholischen Lehre zurückgedrückt. Viele edle Männer verbluteten auf dem Hochgerichte; viele wanderten für die Sache des Glaubens getrost ins Ausland; vieles Eigenthum ward eingezogen, und Böhmen auf Jahrhunderte hin entvölkert. Für die— sen Preis hatte aber Ferdinands Reactionssystem die Unterdrückung der hussitischen und protestantischen Lehre gewonnen! Doch nicht blos Böhmen empfand die Rache Ferdinands; eigenmächtig sprach er die Acht aus über den Churfürsten von der Pfalz und dessen Anhänger(22. Jan. 1621), und übertrug die Churwürde mit der Ober- und Unterpfalz diesseits des Rheines(7. Jan. 1623) auf Maximi— lian von Bayern*), der dafür das verpfändete Oberöstreich zurückgab. So war der böhmische Kampf beendigt; doch blieb die Liga gerüstet in Teutschland stehen. Da stellte der König von Dänemark, Christian 4,(1625) sich an die Spitze der Bewaffnung des niedersächsischen Kreises, und zog die bisherigen pfäl— zischen Feldherren, den Grafen von Mansfeld und Christian von Braunschweig, in sein Interesse. Tilly *) Pet. Phil. Wolf, Geschichte Maximilians 1 und seiner Zeit. 4 Theile.(Ir und Ar Thl. sind von Breyer.) München, 1807 ff. 8. — 5 100 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. besiegte aber(4. Nov. 1625) ein dänisches Corps bei Hannover; Wallenstein den Grafen von Mansfeld (25. Apr. 1626) bei Dessau, und Tilly den König (27. Aug. 1626) bei Lutter am Barenberge. Der niedersächsische Kreis, und die dänischen Herzogthü— mer mit Jütland, sielen in die Hände der Sieger. Die beiden Herzoge von Mecklenburg wurden, als Dänemarks Bundesgenossen, geächtet, und Wallenstein, der sein Heer auf eigne Kosten für den Kaiser geworben hatte, erhielt(1629) die Be— lehnung über Mecklenburg und die Würde eines Admirals des baltischen Meeres, ge⸗ richtet gegen die Handels-Interessen Dänemarks und Schwedens. Mit Dänemark ward(12. Mai 1629) der Friede zu Lübeck abgeschlossen. Christian 4 trat von der Theilnahme an den teutschen Angelegenheiten zurük, erhielt die verlornen Provinzen wieder und einen neuen Elbzoll zu Glückstadt. So blieb der erste Versuch einer nordischen Macht, in die nähere Verbindung des europäischen Staatensystems einzu⸗ treten, ohne Erfolg. Teutschl and wäre nun beruhigt gewesen, wenn nicht, schon vor dem Abschlusse des Friedens mit Dä— nemark, Ferdinand(6. März 1620), geleitet durch Carafa's und Lamormain's Zudringlichkeit, das Re— stitutionsedict erlassen hätte, nach welchem alle von den Protestanten seit dem Passauer Vertrage säcularisirte Stifter und Kirchengüter(in Angemessen— heit zu dem reservatum eccleésiasticum) herausge— geben, die Reformirten vom Religionsfrieden ausge— schlossen und die protestantischen Unterthanen katholi— scher Fürsten zum Katholicismns zurückgebracht wer— den sollten. Schon ward im südlichen Teutschlande der Anfang mit der Vollziehung dieses Edicts gemacht. 4 y u Rhgu W 1 00 sun 26. 1 Wu lagt nin ahfirden„ m Chft HR hufka ihn d lasch.“ Iun Vh Lamd Rardt Locht Et Audul⸗R h in In 0 Mgg u. 1nd Malm Kut Huf Rpedii0 Hicatin Wust sund nsyseng y urg wutden chtet, un e Kosten fi 0) die Y. die Wür eres, 9 marks um Mi 1032 istian 4 elegenheit wieder ung der erst die näher ms einzl⸗ en, wenn mit Da eitet durh „das Re alchem al Vertag fgemeseh Heralbsg⸗ X aubge⸗ kathol⸗ acht vet⸗ Isschland gemut Erster Zeitraum von 1492— 1789. 10ʃ1 Im nördlichen Teutschlande galt es den Erzstiftern: Magdeburg und Bremen, und den Hochstiftern: Min- den, Halberstadt, Verden, Lübeck, Ratzeburg, Bran— denburg, Haelberg, Camin, Lebus, Meißen, Mer— seburg, Naumburg. Bereits sollte der zum Admini— strator des Erzstifts Magdeburg gewählte sächsische Prinz August dem Erherzoge Leopold Wilhelm weichen, als die allgemeine, deshalb in Teutschland entstandene, Bewegung den Kaiser vermochte, nach dem Churfürstentage zu Regensburg(Jul. 1630), wo er die römische Königswähl seines Sohnes vergeblich zu bewirken versuchte, den Wallenstein— den per— sönlichen Feind des bayrischen Maximilians— zu entlassen. Doch blieb das liguistisch-bayrische Heer unter Tilly's Befehlen. 35. Forkferk un 3. Wenn dies der Zeitpunct war, wo das in seinen zwei Linien verbündete habsburgische Haus das Gleich— gewicht Europa's bedrohte; so trat die Politik des Kardinal-Ministers Richelieu, nachdem er Frank— reich im Innern beruhigt hatte, diesem Streben kräf— tig entgegen. Er war es, der zwischen Schweden und Polen einen Waffenstillstand vermittelte, und den König Gustav Adolph*) mit Subsidien(doch erst —————— *“) Für den schwedisch-teutschen Krieg: Sam. Pu fen- dorf, commentarii de rebus suecicis libri 26, ab expeditione Gustavi Adolphi in Germaniem 8d abdicationem usque Christinae. Ultraj. 1666. Fol. — Bogisl. Phil. v. Chemmitz, königlich schwedi— scher in Teutschland geführter Krieg. 2 Thle. Stettin, 102 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. seit dem Vertrage zu Bärenwalde, 13. Jan. 1631 * unter stützte, so daß dieser(24. Jun. 1630) an der pom⸗ merschen Küste mit einem Heere landen konnte, wor— auf er die Oestreicher aus Pommern verdrängte, und die Herzoge von Mecklenburg in ihren Lͤndern her⸗ a stellte, sich aber auch vom Herzoge Bogis lav von WNN Pommern die Festungen Stralsund und Stettin, N zur Deckung seines Rückens, übergeben ließ. Zwar wollte der Churfürst von Sachsen, um Schwedens Einmischung in die Angelegenheiten Teutschlands zu verhindern, die protestantischen Stände auf einem Con— vente zu Leipzig(März 1631) zu einem besondern Bunde vereinigen; allein diesem Bunde fehlte Mo— N ritzens Geist und Kraft. Im südlichen Teutschlande sprengte der Graf von Fürstenberg mit einem Heere ö ö von 10,000 Mann die Mitglieder dieses Bundes aus R einander; im nördlichen Teutschlande zeigte die Zer— störung Magdeb urgs durch Tilly(10. Mai V 1631), daß selbst ein Greis von 70 Jahren an Mord a und Brand Wohlgefällen finden könne, und was die N Protestanten zu befürchten hatten. Noch nöthigte er ae(6. Sept.) Leipzig zur Uebergabe. Allein schon vor— her hatten der Landgraf Wilhelm 5 von Hessen(9. Nov. 1630) die Churfürsten von Brandenburg (4. Mai 1631) und Sachsen(1. Sept. 1631) mit dem vorwärts ziehenden Gustav Adolph sich verbun— den. Bei Breitenfeld(7. Sept. 1631) siegten die Schweden und Sachsen über Till)yz. Das ganze nördliche Teutschland ward durch diesen Tag von den ö 1648 ff. Fol.— Walter Harte, Leben Gustav N Adolphs. Aus dem Engl. von Martini, mit Vor— rede und Anmerk. von J. Gtlo. Böhme. 2 Thle. Lpz. 1760 f. 4. n 0 + elg Gsscp llg Mlen 5 M fteL sir ihn Cursat shndshe snigt wed Wuch u Hhatz Mac, agese hug, D Hgt Rit Waule hbei gl nsystens. Iu, Van dernn, annte, W üngte, un uandern h⸗ Slav und Stehn, ließ. Irn Schweder schlands einem Co u besonden fehlte M Nutschlarh einem He Bundes al te die Zir (10. M Nan Mon d was de höthigte⸗ schon vot⸗ essen 0 denbutz 1030 M ch verbuh⸗ 0 sigte Das galhe en Gusttz mit Voh . 2 Hl — Erster Zeitraum von 1492— 1789. 103 feindlichen Heeren befreit; das südliche stand den Siegern offen. Gustav Adolph überließ den Sachsen die Er— oberung Böhmens(Nov. 1631), woraus sie aber Wallenstein bald wieder verdrängte; er selbst zog in die Main⸗ und Rheingegenden, wo sein Plan, eine feste Besitzung in Teutschland zu erwerben, und durch Landerschenkungen die Zahl seiner Anhänger zu vermehren, bestimmter hervortrat*), so schmerzhaft es fällt, selbst einen Mann, wie Gustav Adolph, nicht frei von Selbstsucht zu erblicken. So überließ er die churmainzischen Besitzungen im Eichsfelde und in Thüringen den Herzogen von Sachsen; die Grafen von Werthheim, von Solms und von Erbach, und einige schwedische Befehlshaber erhielten Klöster, mit Vorbehalt der schwedischen Oberhoheit über dieselben; für ihn selbst ward das Hochstift Würzburg und der Churstaat Mainz verwaltet. Würde die teutsche und schwedische Krone auf Einem Haupte wohl haben ver— einigt werden können?— Vom Rheine zog Gustav Adolph nach dem Lech; ließ sich in Augsburg(Apr. 1632Nals Oberherrn huldigen, besetzte(Mai) München, und machte(24. Aug.) einen tapfern, aber erfolglosen Angriff auf Wallensteins Lager bei Nürn— berg. Doch bald darauf(6. Nov.), nachdem der König mit Bernhard von Weimar, und Pappenheim mit Wallenstein sich vereinigt hatte, stießen beide Mas— sen bei Lützen auf einander. Der König fiel(wahr— — *)(Stumpfs) diplomat. Gesch. der teutschen Liga, S. 315 ff.— Arkenholz, Gesch. Gustav Adolphs, Th. 2, S. 329 fl.— Wilh. Fr. Breyer, Bei— träge zur Geschichte des Zojährigen Krieges aus bis— her ungedruckten Papieren. München, 1812. 8. ů —24— — 104 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. scheinlich durch Meuchelmord); allein Bernhard von Weimar, sein großer Zögling, erkämpfte den Sieg. In politischer Hinsicht übernahm der schwedische Reichs— kanzler Oyenstierna, nach abgeschlossenem Bünd— nisse mit den vier teutschen Kreisen: Franken, Schwa— ben, Ober-und Niederrhein(13. Apr. 1633), die Leitung der Angelegenheiten. Nur Sachsen verwei— gerte den Beitritt zu diesem Bunde, und zog es vor, unter dänischer Vermittelung, mit Oestreich sich aus— zusöhnen. Doch erfolgte dies erst nach Wallen— steins Ermordung zu Eger(25. Febr. 1634), nach dem Siege des Erzherzogs Ferdinand bei Rörd— lingen(6. Sept. 1634 über Bernhard von Wei— mar und Horn, und nach neuen Streifzügen der Oest⸗ reicher nach Sachsen. Zu Pirna wurden(24. Nov. 1634) die Präliminarien des Friedens zwischen Oestreich und Sachsen, der Friede selbst— mit mehrern von den Präliminarien abweichenden Bestim— mungen— zu Prag*)(30. Mai 1635) abge— schlossen. Nach seiner Bestimmung und Form sollte dieser Friede die gesammten protestantischen Stände mit dem Kaiser versöhnen; denn er bestätigte den Passauer und Augsburger Vertrag; er bestimmte, der Zustand der säcularisirten Stifter sollte noch 40 Jahre im damaligen Zustande bleiben; er sprach die Amnestie des Kaisers, doch mit Ausnahme der böhmischen und pfälzischen Sache, aus, wodurch Pfalz von der Her— stellung ausgeschlossen ward; er überließ das Erzstift Magdeburg dem sächsischen Prinzen August, doch mit Abtretung der Querfurtischen Aemter von demselben an den Churfürsten; das Stift Halberstadt bestimmte er dem Erzherzoge Leopold Wilhelm; er setzte die *) Glafeys Kern der sächs. Geschichte, S. 10¹5 ff. 6 ö Aastlg Lacka anmn s Ret . hentes Wbeide set ber Ichie uut Nh uch intr Fthy! 4 D In Dasa M h di EN shhsen Mamur, Hioader hilf Dr ut dl IM R B SM. Danur . Wi, Eubsdin lih— d nh schssh 5 hggn hei Merd⸗ 0 V ge⸗ Ium sollr N Stande sutigte de aN 940 hahke V Manst neh uschen e fer MII O der Hl Wl „ doch m demselbe besima Hchte die 1 1015 f. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 105 Herstellung der Herzoge von Mecklenburg und die Anerkennung der brandenburgischen Anwartschaft auf Pommern fest, doch unter der Bedingung des Bei— tritts dieser Fürsten zu dem Frieden. In einem Nebenrecesse überließ der Kaiser dem Churfürsten die beiden Lausitzen als böhmisches Mannslehn, die er bereits, für die berechneten Kriegskosten, 12 Jahre unterpfändlich besessen hatte. Zeigte gleich dieser Friede, daß man mit Oest— reich unterhandeln konnte; so sprach sich doch die öffentliche Meinung stark gegen denselben aus, weil er die Beantwortung der Hauptfrage wegen der seit dem Passauer Vertrage säcularisirten Güter auf 40 Jahre hinausschob; weil er Pfalz, Wirtemberg und andere Fürsten von der Amnestie ausnahm, und weil er die Reformirten völlig ausschloß. Demungeachtet schlossen Brandenburg, Mecklenburg, Braunschweig, Weimar, der niedersächsische Kreis, die Hänsestädte und andere Reichsstände demselben sich an; nur Hes⸗ sen hielt fortdauernd beim schwedischen Bündnisse. Zwar schien auch Schweden zum Frieden ge⸗ neigt; allein Oxenstierna reisete selbst nach Paris, um das Bündniß mit Frankreich zu Compiegne (28. Apr. 1635) zu erneuern, und Bernhard von Weimar, an der Spitze eines eignen Heeres, trat (26. Oct. 1635) mit Richelieu zu einem besondern Subsidienvertrage zusammen. Dazu kam, daß Frank— reich— durch die Wegführung des Churfürsten von Trier nach Brüssel von den Spaniern, weil er eine französische Besatzung aufgenommen hatte,—(19. Mai 1635) an Spanien den Krieg erklärte, und auch gegen Oestreich, den Bundesgenossen Spaniens, ein Heer, ohne Kriegserklärung, aufbrechen ließ. Dagegen verband sich Sach sen mit Oestreich 106 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. und erklärte(6. Oct. 1635) an Schweden den Krieg, weil der Prager Friede die Wiedererlangung der von Schweden und Frankreich gemachten Erobe— rungen in Teutschland festgesetzt hatte. Die Fremden sollten den Boden Teutschlands verlassen. Allein der Erfolg des neubeginnenden Kampfes— des vier⸗ ten Abschnitts des 30jährigen Krieges— entsprach dem Plane nicht. Denn wenn gleich dieser Abschnitt des Krieges an Länderverheerungen und wilden Grau— samkeiten die vorhergehenden übertraf, und damals im eigentlichen Sinne der Krieg vom Kriege, ohne Ausführung höherer strategischer und politischer Ent— würfe, lebte; so konnte doch in den nachfolgenden 13 Jahren weder Schwedens noch Fränkreichs Macht vom Boden Teutschlands entfernt werden. Der Tod Ferdinands 2(15. Febr. 1637), und die Nachfolge seines Sohnes Ferdinand 3 in den Erbstaaten Oestreichs und in Teutschland, bewirkte in dem ange— nommenen politischen Systeme keine Veränderung. Folgenreicher war der Tod des letzten Herzogs von Pommern, Bogislav 14(4637), dessen Land, der brandenburgischen Rechte ungeachtet, die Schwe— den behaupteten, und der Tod des Churfürsten von Brandenburg, Georg Wilhelms(1640), wel— chem sein Sohn Friedrich Wilhelm mit einer sehr umsichtigen Politik folgte. Der neue Charakter des Kampfes begann mit der Niederlage der Oestreicher und Sachsen bei Witt— st ock(24. Sept. 1636) durch Banner und Wrangel, worau Bänner nach Sachsen vordrang, und im Lande des ehemaligen Bundesgenossen durch Brand und Verheerung seinen Namen schändete, während die franzöͤsische Politik ihr Ziel im Erwerbe des Elsas— ses im Auge behielt, und Richelieu wahrscheinlich, WIn un f Rabutz shsnnd, ccn Dang aucdel 1j A 1910)1 Su läcc uuh K WIri Oarht M sstenz eden el Nerrlargng ihten End⸗ de Fumdn Alein dz de vien — Msptag Uschit vden Gras und damat riege, ohne lischer Ent Agenden 1) achs Math Der W 1 Mechl Erbsaahn dem ange underung rzogs p0n sen Hnd, e Schve⸗ Irsten von 05 ů vel⸗ mit einet KHann mü hei Mitt WPrangh im Hde rund ind Rend dit Elsaf thinlch Erster Zeitraum von 1492— 1789. 107 für diesen Zweck, den Sieger von Breysach(3. Dec. 1638), den Herzog Bernhard von Weimar aufopferte, der plötzlich(S. Jul. 1639) starb, und dessen Heer sogleich in Frankreichs Dienste trat, so wie Breysach in dessen Hände kam. Dachte man gleich schon im Jahre 1641 an den Frieden; so ward doch der Kampf mit abwechselndem Erfolge fortgesetzt. Torstenson, Banners Nach— folger, siegte(2. Nov. 1642) bei Leipzig gegen den Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini, worauf er über Sachsen und Schlesien sich ausbreitete. Von Mähren zog er plötzlich(Dec. 1643) nach Holstein, um Dänemark in Holstein zu besiegen, weil es, eifersüchtig auf Schwedens steigende Macht, diesem Nachbar den Krieg angekündigt hatte. Dänemark ward(13. Aug. 1645) zum Frieden von Bröm⸗ sebroo mit Schweden genöthigt. Die Franzosen, bei Duttlingen(14. Nov. 1643) unter Guebriant von den Bayern besiegt, erhielten in Turen ne einen neuen Feldherrn, der— nachdem bereits Bran— denburg(1641) und Sachsen(1645) Waffen⸗ stillstand, auf nachtheilige Bedingungen, mit den Schweden geschlossen hatten,— in Verbindung mit Wrangel(1646) in Bäyern vordrang, wodurch auch der Churfürst Maximilian zu Ulm(14. März 1647) zum Waffenstillstande genöthigt, aus Furcht vor Oestreich aber zur Brechung desselben(Sept. 1647) veranlaßt, und deshalb sein Land von den Franzosen und Schweden furchtbar verheert ward, bis endlich die Eroberung der kleinen Seite von Prag durch Königsmark(25. Jul. 1648) zum Abschlusse des Friedens führte, der auf den Congressen zu Osnabrück und Münster seit dem 11. Jun. 1645 unterhändelt worden war. 2..—.—— — HUII‚‚——— 108 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 36. 9) Der westphälische Friede. Der westphälische Friede) ward(24. Oct. 1648) zu einer Zeit geschlossen, wo Oestreich kein bedeuten⸗ des Heer mehr aufzustellen vermochte, und die öffent⸗ liche Meinung, durch politische Schriften bearbeitet“), gegen dessen Politik sich laut erklärt hatte. Wenn dieser Friede, ein Reichsgrundgesetz der teutschen Na— tion, im achtzehnten Jahrhunderte fast allgemein als ein Meisterwerk der Diplomatie gefeiert ward; so kann dies nur in dem beschränkten Sinne gelten, daß große Schwierigkeiten durch denselben beseitigt, die kirch— lichen Verhältnisse, so wie die Interessen der reichsunmittelbaren teutschen Stände zu einer allgemeinen Entscheidung gebracht, und die Grundlagen eines rechtlichen Besitzstandes in— nerhalb Teutschlands für die nächste Zukunft gezogen wurden. Daß aber Teutschland, der Mittelpunct des europäischen Staatensystems, durch diesen Frieden seine politische Einheit verlor; daß zwei außer— teutsche Mächte die Gewährleistung dieses Frie— dens und der teutschen Verfassung übernahmen, nach— *) Der Osnabrüͤckische Friede beim Schmauß (corp. juris publ. acad.) S. 741 ff. Der Mün⸗ sterische, Ebend. S. 810 ff. Die vollständige Sammlung aller Actenstücke: IJ. G. v. Meyern, Acta pacis Westphalicae publica. 6 Tom. Han. et Gött. 1734. Fol. **) Unter diesen Schriften machte den meisten Eindruck die pseudonyme von Chemnitz: de ratione status in imperio nostro romano-germanico, autore Hip- politho a Lapide.(8. I.) 1640. 4. dann(Frei- stadii) 1647. 12. ußde R Wusane r vunn E N ash ug d Wuadge vudda uit he tuassu, nck gude⸗ En cle, dst dit ishuft che Ifulch Hil Hlato 6 systenz lde. Oct. 1hth an bedeuter o die öffent larhiittꝰ) E. Ven Ulschen M. gemein al d sokann daß große de kirh⸗ Kressen de tände u gebtacht sandes in t gejogen punct des Frieden li außet⸗ eh Hrie⸗ , nach⸗ mtuj IU Iändige Lehtel, Lan. et Endruck e status re Hip⸗ (Frei⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 109 dem sie sich auf Teutschlands Kosten vergrößert hat— ten; daß während des Krieges viele teutsche Fürsten das gefährliche Beispiel der Bündnisse mit dem Aus— lande gegeben hatten, und durch das Ausland auf Kosten ihrer Mitstände im Frieden sich vergrößerten; endlich daß der Norden seit dieser Zeit in Berührungen mit dem südwestlichen Staatensysteme kam, die bis dahin die europäische Politik noch nicht gekannt hatte: das waren Ereignisse, welche für den ganzen Erdtheil die entscheidendsten Folgen herbeiführten, so wie sehr viele folgende Friedensverträge, bis zum Unter— gange des teutschen Reiches im Jahre 1806, auf die Unterlage des westphälischen Friedens abgeschlossen wurden. Als Hauptergebniß nach diesem Frieden tritt hervor: daß die religiösen und kirchlichen In⸗ teressen, welche bereits seit dem Hussitenkriege, noch mehr aber seit der Kirchenverbesserung, im Vorder— grunde aller Weltbegebenheiten erscheinen, zwar nicht ohne Einfluß auf die europäische Politik bleiben, daß aber, an die Stelle der Religionskriege, seit dieser Zeit die Kämpfe um Ländervergrößerungen und Erbschaften treten, bis mit der französischen Revolu— tion wieder der Kampf über Ideen beginnt, die ins öffentliche Staatsleben übergehen. Nächst dem Werke von Bougeant: Négotiations sécrètes touchant la paix de Mun- ster et d'Osnabruck. 4 T. à la Haye, 1725. Fol. J. Steph. Pütter, Geist des westphälischen Friedens. Gött. 1795. 8. K. Ludw. v. Woltmann, Geschichte des west— phäl. Friedens. 2 Th. Lpz. 180g. 8.(Nach den nëgo- tiations eto. und als Fortsetzung von Schillers Gesch. des Zojähr. Krieges bearbeitet.) ——.— —N—— SS—— 110 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 37. Iort sie r u n g. Ein großer Theil Europens befand sich damals im Kampfe; der westphälische Friede beendigte aber nur den Krieg in Teutschland und in den Niederlän— den. Der Kampf zwischen Frankreich und Spanien, so wie der zwischen Spanien und Portugal, seit Por— tugal(1640) von Spanien sich losgerissen und zur Selbstständigkeit wieder erhoben hatte, dauerten fort. In Hinsicht auf die innern Verhältnisse Teutsch— lands sicherte dieser Friede den rechtlichen Besitz des Eigenthums, erhob viele blos auf dem Herkommen beruhende Verhältnisse zur gesetzlichen Verfassung, und führte die politische Stellung des Kaisers und der Stände gegen einander auf feste Grenzen zurück. Denn er bewilligte(mit wenigen Ausnahmen) eine allgemeine Amnestie; das Haus Wittelsbach in der Pfalz erhielt die Unterpfalz zurück, und die neuer— richtete achte Churwürde; hergestellt wurden der Her— zog von Wirtemberg, der Markgraf von Baden— Durlach, der Herzog von Croy, die Häuser Nassau, Hanau, Solms, die Rheingrafen, Isenburg, Sayn, Oettingen, Waldeck, Hohenlohe, Erbach und Löwen⸗ stein in ihren Besitzungen. Die seit der Erblichkeit der größern Lehen bereits als Herkommen bestandene Territorialhoheit der unmittelbaren Reichs— stände, ward gesetzlich bestimmt, so daß ihnen die— ser Friede das Recht ertheilte, Bündnisse mit dem Auslande zu schließen, sobald sie nicht gegen den Kaiser, das Reich und den Landfrieden gerichtet wären. Seit dieser Zeit ward Teutschland thatsachlich ein Staatenbund, doch mit Beibehaltung der Idee der Einheit der Monarchie, und G . U II W HH N lhNn olhr P enshsinen, Isch damt Rerdigte ab⸗ in Mderlaf nd Spanien, zul, sät Yus sen und zu auerten fut isse Lutsch Bistz de Herkomma Verasunz, sers und de Men zurit Wmen) ein bach in di. die neuer n der Her⸗ n Baden⸗ Massau, 3un nd Rwen⸗ Erbliche bestandene Michs ihnen di⸗ sse Rit sie nich Iftlden Ilschland hehaltung 1, M Erster Zeitraum von 1492— 1789. 111 der sogenannten kaiserlichen Reservatrechte, welche sich zunächst auf die Oberlehnsherrlichkeit, auf die oberstrichterliche Gewält, und auf Ertheilung von Standeserhöhungen und Privilegien beschränkten. Der Unterschied zwischen mittelbaren und reichsunmit— telbaren Ständen trat seit dieser Zeit besonders hervor. Das kirchliche Verhältniß entschied der W phälische Friede auf die Unterlage des Passauer Ver— trages und des Religionsfriedens, indem er die völlige Gewissensfreiheit und die politische Gleichheit der Katholiken und Augsburgischen Confessionsver— wandten festsetzte, in welche Benennung die Refor— mirten eingeschlossen wurden. Zur Beseitigung des geistlichen Vorbehalts ward, für den Besitz der säcula— risirten Länder und Güter, der 1. Jan. 1624 als Normaltag angenommen, so wie in allen Religions— angelegenheiten bei den Reichsgerichten und Deputa— tionen die Personalgleichheit beider Kirchen, bei dem Reichstage aber in diesem Fälle das jus enndi in partes festgesetzt. Zur Entschädigung der beiden aus wär— tigen Mächte, die das Gesetz des Friedens vor— schrieben, und ihrer Beteer Peheilz di wurden theils teutsche Länder abgetreten, theils geistliche Be— sitzungen säcularisirt. Frankr eich erhielt die Ober— hoheit bestätigt über die seit 1552 dem teutschen Reiche entrissenen drei 5.. Duchigee, und ge— wann außerdem den Elsaß 5, so viel Oestreich davon besaß, den Sundgau, die Festung Breysach und das Besatzungsrecht in Philippsburg; doch sollten alle unmittelbare Reichsstände im Elsaß(mehrere teutsche Fürsten, Reichsritter und 10 Reichsstädte) ihre Reichsunmittelbarkeit behalten.— Schweden bewirkte für sich die Abtretung Vor pom merns, 112 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. —— der Festung Stettin und Rügens, so wie der Stadt Wismar, und der säcularisirten Stifter Bremen und Verden, verbunden mit Sitz und Stimme auf den teutschen Reichs- und Kreistagen. Dem schwe— dischen Heere mußten die teutschen Kreise eine Summe von 5 Mill. Thaler zahlen.— Dagegen kam der übrige Theil von Pommern(nach der rechtlichen Anwartschaft auf ganz Pommern) an Branden— burg, welches für den von Schweden erworbenen Theil von Pommern die säcularisirten Stifter Mag— deburg, Halberstadt, Minden und Camin erhielt. Mecklenburg ward, für die an Schwe— den abgetretene Stadt Wismar, mit den säcularisirten Bisthümern Schwerin und Ratzeburg, und mit den Johannitercommenden Mirow und Nemerow aus— gestattet, dem Hause Braunschweig Lüneburg aber, wegen seiner Coadjutorie auf einige säcularisirte Stifter, abwechselnd mit einem katholischen Bischoffe, die Besetzung des Bisthums Osnabrück zugesichert. Der jülichsche Erbfolgekrieg blieb unentschieden, und dem Chur fürsten von Sachsen, der das Interesse Schwedens verlassen hatte, ward blos der Besitz der Querfurtischen Aemter bestätigt. Dage— gen erhielt Hessen-Kassel, Schwedens treuer Bundesgenosse, ohne Verlust oder Abtretung, die Abtei Hirschfeld, einen Theil der Grafschaft Schauenburg, und 600,000 Thaler für sein Heer. Der Churfürst von Bayern behäuptete sich bei der Churwürde, der Oberpfalz und der Reichs— stadt Donauwerth. Zugleich ward in diesem Frieden die Selbststän— digkeit der beiden Freistäaten der schweizerischen Eids genossenschaft und der vereinigten Niederlande, und ihre Unabhängigkeit von Zulsl f Lutul Sichlin. 1 A 2 Rf -HN E W E Ind IhEHU Runh e Sihe WöR d R W. uld ͤ R Ni henb ge fistr) A UHν¹ν I Kufhen V— stee HWpstens y. e Summe gen kum der Kuehhliche Brandes— btworbenen fr Mag Camin Schwe⸗ cularisirten , und mit merow aus⸗ Aünebutg sarllarisitt Bschoff, Ugesichert. lschieden, der das blos der Dage⸗ s teeuer ung, di Hrafschaf r seil ptete sch Rlichs⸗ Hbsstä⸗ ischen tigten eit Wull Erster Zeitraum von 1492— 1789. 113 Teutschland anerkannt, wodurch Kaiser und Reich auf alle Oberhoheit über diese Länder verzichteten, und Teutschland zwei wichtige Bollwerke seiner äußern Sicherheit verlor. Dagegen war es minder erheblich, daß— wegen der Säcularisationen— der römische Bischoff gegen diesen Frieden protestirte. Erschöpft war Teutschland nach diesem Frieden in seinem Innern, die Bevölkerung, und mit ihr der Ackerbau, der Gewerbsfleiß, der Handel tief gesun— ken, das Leben im Kreise der Wissenschaft und Kunst gelähmt. Dazu kamen die Schulden der Städte und Staaten; die vielen wüsten Marken; das Beibehal— ten der stehenden Heere, an die man sich während eines 30jährigen Krieges gewöhnt hatte, und die man besonders zur Beschränkung der Freiheiten der Städte gebräuchen lernte; die Erhöhung der Steuern und Abgaben; der vermehrte Aufwand der Höfe, und die gesteigerte Fürstenmacht.— Unter den einzelnen teutschen Fürstenhäusern gelangten in dieser Zeit beson— ders Bayern unter Maximilian 1, und Bran⸗ denburg unter der Regierung des großen Chur— fürsten(4640— 1688) zu einem höhern politischen Einflusse nicht blos auf die teutschen, sondern selbst auf die europäischen Angelegenheiten. Dagegen ward der Prager Friede der Wendepunct der politischen Kraft des Churstaates Sachsen! 38. C) Umrisse aus der besondern Geschichte der einzelnen Staaten und Reiche in die⸗ sem Zeitabschnitte. 1. Teutschland. Italien. Die Geschichte Teutschlands in diesem Zeit— abschnitte enthält in der Begründung und Verbrei— III. 8 114 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. tung der Kirchenverbesserung, so wie in den Folgen derselben und in den daraus entstandenen Kämpfen, den Grundeharakter der Ereignisse dieser Zeit, und die äußere Farbe dieser Ereignisse. Thatsachlich entschieden war es, daß Teutschland da— mals, und von da an, im Mittelpuncte des euro— päischen Staatensystems stand. Bei einer lückenvol— len öffentlichen Verfassung, welcher durch die in die— ser Zeit entstandenen Reichsgrundgesetze(des Landfrie— dens, der Wahlcapitulation, des Religionsfriedens und des westphälischen Friedens) nur nothdürftig nach— geholfen ward, regte sich doch in den einzelnen Staa— ten Teutschlands, besonders in den protestantischen, viel frisches Leben, viel Gewerbsfleiß, viel Handel, viel Aufstreben in dem Reiche der Wissenschaft und Kunst. An die bereits früher gestifteten Hochschulen schlossen sich, freilich mit mehr oder weniger Einfluß und Glanz, in diesem Zeitabschnitte als neue an: Wittenberg(1502), Frankfurtan der Oder (1506), Marburg(1527), Dillingen(1552), Jena(1558), Olmütz(1567), Helmstädt (1576), Grätz(1586), Gießen(1607), Pader— born(1616), Rinteln(1621), Straßburg (1621), Salzburg(1622), und Altorf(1623). Waren gleich die einzelnen teutschen Staaten, beson— ders seit der kirchlichen Trennung, wenig unter sich verbunden, und stand namentlich der Kaiser seit dem westphälischen Frieden mit sehr beschränkter Ge— walt als Wahlregent an der Spitze eines aus den verschiedenartigsten Theilen zusammengesetz— ten Bundesstaates; ging gleich das Niederland, die Schweiz, Preußen, Kurländ und Lefländ(die Ritter— staaten an der Ostsee), und außer dem Elsaß, auch vie— les in Lothringen, für Teutschland verloren; verschwand uun M. 2 il un. lich d Id 100 m odli »iln. 0r fl Wlon Hhy WAI Im W l A ütHp Unn 5 alensysenz 8 entsindyn der Exehys lctt Erthnß dulschlard x ‚ 0 wie 6 Rer Ancte des erz einer luckem durch die ink V des! Kardrr Sligionsfrie hdürftig 10 nmelnen Eu rotestantihe „viel Hunn issenschast w en Hocshun + iger Ei ift 6 Nele d det Ode en(159H Helmstäͤdt , Pader Hufbur ors1020. uten, bes 1. jig unter si astr sit dr ünkter 0 ines aus dn mmengestz Nrland, d. die Ritte 0„ auhu wershor Erster Zeitraum von 1492— 1789. 115 gleich, seit den Zeiten des 30jährigen Krieges, der vormalige kräftige Geist des dritten Standes in den reichen Städten Teutschlands immer mehr; besuchten und entweihten die Jesuiten auch den teutschen Boden, um den menschlichen Geist, vermittelst schlauer Dia— lektik, in die Unmündigkeit des Mittelalters zurück— zudrücken; so behauptete doch im Ganzen Teutsch— land, nach dem Geiste und der Cultur in seinem In— nern, und nach der Kraft, die es nach außen zeigen konnte, wenn es wollte, eine der ersten Stellen unter den Mächten dieser Zeit, welche den Ausschlag in den gaben. Dies fühlten Karl 5, Franz 1, Philipp 2, Wilhelm der Oranier, Elisa— beth, Heinrich 4, und später Gustav Adolph, Oxen-⸗ stierna, Richelieu und Mazarin! Weit abhängiger von auswärtiger Macht er— schien Italien in diesem Zeitabschnitte. Die Poli— tiker einzelner seiner Päpste, Fürsten und Republiken vermochte zwar die auswärtigen Mächte, welche nach Italiens Ländern lüstern waren, zu entzweien und zum Theile vom schönen Boden der Halbinsel zurück— zuweisen; ällein dem spanischen Prineipat und der Entscheidung Karls 5 in den wichtigsten Angelegen— heiten Italiens(1530) vermochte weder die Umsicht Venedigs, noch die Schlauheit des Vaticans aus— zuweichen. 39. Fort set unzg: 2. Smanien. Spanien war unter Karl5 die erste Macht im europäischen Staatensysteme, seit die christlichen Reiche, Kastilien und Aragonien, vereinigt, die 8 146 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Mauren besiegt, die Niederlande ererbt, Neapel und Sicilien von neuem verbunden, die Provinzen des spanischen Navarra der Monarchie einverleibt, und die reichen Länder des vierten Erdtheils entdeckt, er— obert und in spanische Provinzen verwandelt worden waren(§. 24.). Zu dieser unermeßlichen Erbschaft gab Karl seinem Sohne Philipp 2 noch das Her— zogthum Mailand. Wohin aber die absichtliche und völlige Verschließung eines mächtigen Reiches vor dem Lichte des Zeitalters, und der hartnäckige Kampf gegen die ins Völkerleben übergegangene Idee der religiösen und kirchlichen Freiheit zu führen ver— mag; das lehrt Spaniens Geschichte unter Philipp2 (1556— 1598). Denn alle Greuel der Inquisition (von Llorente mit archivalischer Treue aufgedeckt), die fortgesetzten Kriege gegen Frankreich und England, und der gescheiterte Versuch, die zur kirchlichen Frei— heit sich erhebenden Niederländer in die alten Abhän— gigkeitsverhältnisse zurückzudrücken, bezeugen es am Ende der Regierung Philipps 2, nach dem tiefen Sinken des innern Wohlständes und des Volks— geistes, und nach der verminderten Kraft in der äußern Ankündigung, wie furchtbar das Reac— tions system an den Staaten und Regierungen sich rächt, sobald es über 40 Jahre mit unerschütterlicher Folgerichtigkeit gehandhabt wird. Dazu kam die eng— herzige Behandlung der Kolonieen und der auch auf sie übergetragene Bekehrungseifer. Mochten daher immer Mexiko, Peru, die Ter ra firma, Neu⸗ Granada, Domingo, Cuba, die Philippi— nen und viele andere Inseln unter Spaniens Scep— ter stehen; sie blieben ohne eigentlichen Segen für das Mutterland, das nur der Ableiter, nicht der Mittel— punct, für die über das Weltmeer strömenden Reich— — imen 10 ö IIN Hndit 0 dl . C 0 Iml 0 N Hο I N. u M S Mil d PI S t I EII EI NIS 199 N Wus E W. Rensysten V 1, Musim Hrovingn d Werleibt, un entdect, dundelt wothy schen Ethshn noch dis H die abschlich Higen Rich er harmäch Hungene Ni fihren ver EPhilippt t Vahistt aufgedach N ugen es dem tif des Vak⸗ Fraft in x das Rett serungen st schutterch fam die eih 6r auch dl chten dahl ma, Nel philipo ens Cceb n slr det det Mithh den Rit⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 117 thümer ward. Selbst die gelungene Eroberung Por— tugals(1580) mußte, bei dem auf Portugal überge— tragenen Regierungs- und Verwaltungssysteme, bei⸗ den Reichen nachtheilig, und die Veranlassung wer— den, daß der lang verhaltene Groll der Portugiesen das spanische Joch(1640) abschüttelte.— Denn Spanien sank, nach Philipps 2 Tode, unter seinem Sohne und Enkel, Philipp 3(1598— 162ʃ), und Philipp4(1621— 1665) immer tiefer. Wäh— rend Philipps 3 Regierung leitete der Herzog von Lerma die Geschäfte des Staates. Er schloß Frieden mit England(1600, einen Waffenstillstand mit den schon damals stillschweigend als selbstständig an⸗ erkannten Niederlanden(1609), und entvölkerte Spanien durch die unkluge Vertreibung von 600,000 Moriskos(1609 f.N nach Afrika. Selbst als unter Philipp 4 der Herzog von Olivarez die äußere Staatskraft Spaniens von neuem zu spannen suchte, bewies der Abfall Portugals(1640), der erneuerte Kämpf gegen die Niederländer, der(1648) mit der Anerkennung ihrer Unabhängigkeit endigte, und der von Spanien, als Oestreichs Bundesgenosse, gegen Frankreich(seit 1635) geführte Krieg, der erst im pyrenäischen Frieden(7. Nov. 1650) beendigt ward, daß Spanien nicht mehr zu den Mächten des ersten politischen Ranges in Europa gehörte. Denn in jedem Friedensschlusse mußte Spanien Opfer bringen, und namentlich verlor es im pyrenäischen Frieden meh— rere feste Plätze in Belgien und die Festung Roussillon an Frankreich. Doch ward in diesem Frieden die Ver— mählung Ludwigs 14 mit der Infantin Maria The⸗ resia, der ältesten Tochter Philipps 4, verabredet. 118 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 40. S rt u un g. 3. MDrt u ga l. Die Zeit der Blüthe und Kraft Portugals siel in die Regierungstage des Königs Emanuel; denn während dieser ward die Macht Portugals in Ostindien begründet und Brasilien entdeckt. Ob nun gleich unter seinem Sohne, Johann 3(1521 — 1557), diese Besitzungen erweitert wurden; so hinderte doch die schlechte Finanzverwaltung die Ver— mehrung des Volkswöhlstandes, und die Sendung der Jesuiten in die Kolonieen das Emporblühen dieser. Der Enkel Johanns, Sebastian, von den Jesuiten gezogen, starb auf einem Kreuzzuge gegen die Muhamedaner in Afrika, in der Schlacht bei Aleassar(4. Aug. 1578). Mit seinem Großonkel und Nachfolger Heinrich 3(1578— 1580) erlosch der Mannsstamm des HausesF.— Unter den Kron— bewerbern siegte der mächtigste, der König Philipp2 von Spanien, der Sohn der ältesten Schwester Johanns 3. Für ihn eroberte Alba das Reich(1581). Allein Portugal, unter den drei spanischen Philip— pen(in Portugal Philipp 1, 2 und 3) in alle Käm— pfe Spaniens mit den nach Selbstständigkeit ringen— den Niederländern und mit England verflochten, ver— lor an die Niederländer Ceylon, die Molucken, Malacca, den Handel nach Japan, und Brasi— lien. Der Druck im Innern, besonders seit der absichtlichen Vernichtung der großen Vorrechte der portugiesischen Stände, und das Unglück von außen, bewirkte die Revolution vom 1. Dec. 1640, in welcher der Herzog von Braganza, ein Abkömmling Emänuels in weiblicher Linie, als iα V½ W zint IF i 0 3 Mym x A ieIe HE K Echt. lhthyj Lun ri H. ded 19 behsystenz„ — Gropont erlot den Kror Philipp! Schvesli h(155ʃ. Philip= alle Käh⸗ keit ringer⸗ chten, dr Nolucktn, D Brast 5 seit de xrechte der oon außen, 1040,/ Rya, shie' 0 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 119 Jo hann 4 den Thron bestieg und behäuptete. Br a— silien ward wieder gewonnen; die ostindischen Be— sitzungen aber blieben, bis auf Goa, Diu und einige Factoreien, verloren. Hatte nun gleich Por tugal seine Selbstständigkeit wieder errungen; so war doch, bei der Folge schwächer Regenten, bei den Mängeln der Verfassung und Verwältung des Innern, und bei der fehlerhaften Leitung der Kolonieen, die frühere Zeit der politischen Kraft und Macht für Portugal auf immer verschwunden. Seine Stellung zum euro— päischen Staatensysteme blieb unbedeutend und unter⸗ geordnet. 41. For tserung. 4. Frankreich. Frankreich, durch Lidwigs 11 Despotismus in seinem Innern beruhigt und durch Burgund vergrößert, strebte unter Karl 8, Ludwig 12 und Franz 1(t 1547) nach italischen Lndern. Ward gleich dieser Plan, nach oft erneuerten Kämpfen, vereitelt; so behauptete doch Frankreich unter Ludwig 12 und Franz 1 die nächste Stelle des politischen Ranges, neben Spanien, im Staatensysteme Europa's. Allein mit dem Tode Franz des ersten(1547) begann eine traurige Zeit für Frankreich, die herab bis auf Heinrich 4 reichte. Denn wenn gleich unter seinem Sohne, Heinrich 2(1547— 1559), die drei lothringischen Bisthümer, Metz, Verdun und Toul gewonnen wurden; so bildete sich doch bereits während dieser Zeit eine Maitressen- und Günstlings— regierung, welche in jedem Staate die Entwickelung des innern Lebens hemmt. Besonders gelangte das 120 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Haus der Prinzen von Guise zu bedeutendem Ein— flusse in der Verwaltung und im Felde, und ward, bei dem Anfange der kirchlichen Zwiste, das Haupt der katholischen, so wie das Haus Bourbon das Haupt der protestantischen Parthei. Der Verwandtschaft nach stand das Haus Bourbon dem Throne näher*), als das Haus Guise; daher die langjährige Eifersucht zwischen beiden. Der Krieg mit Spanien(1552— 1559) ward, erst nach Karls 5 Tode, im Frieden zu Chateau Cambresis(3. Apr. 1550) beendigt, in welchem Frankreich das den Britten entrissene Calais erhielt, und die von Spa— nien weggenommenen Grenzplätze zurückbekam. Gegen den Protestantismus“), dessen Spu⸗ ren bereits seit dem Jahre 1520 in Fränkreich sich zeig— *) Das Haus Bourbon stammte ab von Robert, dem jüngsten Sohne Ludwigs des Heiligen, der (1272) mit Beatrix von Bourbon sich vermählte. — Der Prinz Anton von Bourbon(dessen Bru— der der Prinz Ludwig von Condé war,) vermählte sich(1546) mit Johanna, der einzigen Tochter des Königs Heinrich 2 von Navarra und der Schwester von Franz 1 von Frankreich. Sie regierte über Navarra bis 1572. Sie ward, in ihrer Ehe, die Mutter Heinrichs 4.— Das Haus Guise stammte von dem Herzoge Renatus 2 von Lothrin⸗ gen, dessen Sohn die Güter des Hauses in Frank— reich bekam, welche 1627 zum Herzogthume Guise erhoben wurden. **) Sie hießen in Frankreich Hugonotten. Denn nach dem Thuanus hielten die Protestanten zu Tours ihre gottesdienstlichen Zusammenkünfte bei Nacht und außerhalb der Stadt, und die Einwohner meinten, der König Hugo reite des Nachts herum, und mißhandle die, welche er anträfe. Hioeu. O b 1ü83 0 0 ö E ic oe i Hgau ussn N Be Irit g h 0 6N Ge W scht m InN M Lungn lll. 15 m e ..3 hmg Ruusgy Uenden i K„ und ynd / „d à V Ml. C(V Hourh dObhut H. Denn MTanten zl sloste bei Hinwohnet 16 hetum, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 121 ten, und der später, nach Calvins Lehre, von Genf aus Eingang und Verbreitung fand, wirkte Franz1Unicht ohne Leidenschaftlichkeit, und Heinrich 2 erließ Edicte und Bücherverbote; auch fehlte es nicht an einzelnen Hinrichtungen. Allein der innere Meinungskampf wogte erst, nach dem frühzeitigen Tode Franz 2 (4 5. Dec. 1560), unter Heinrichs zweitem Sohne: Karl 9(1560— 157% auf, während dessen Min— derjährigkeit seine Mutter, die arglistige Katharina von Medici, die Regierung leitete. Die vier Reli— gions- und Bürgerkriege, mit Verstellung und Hinterlist vorbereitet, und mit Wortbrüchigkeit und kalter Grausamkeit(seit 1562) von Seiten des Ho— fes geführt, gingen zwar von kirchlichen Interessen aus, wurden aber bald auch zu Kämpfen um die höchste Gewalt bei der Schwäche der Regenten. Diese Kriege zerrissen die Bürger Frankreichs in zwei öffent— liche Partheien, zerstorten den Wohlstand und alle wesentliche Bedingungen des innern Volkslebens, zerrütteten die Finanzen, und brachten Frankreich, nach außen, um die im europäischen Staatensystem bis dahin behauptete Stelle. Denn so oft auch die Siege der Hugonotten es bewirkten, daß die Königin und die Prinzen von Guise zu Bewilligungen in Hin— sicht der kirchlichen Freiheit sich verstanden; so ward ihnen doch nie Wort gehalten. Dazu kamen von Philipp 2 in Spanien fortdauernd Anregungen zur Ausrottung aller Protestanten, besonders ihrer Häup— ter. Erklärte doch Alba(1565) der Königin-Mutter zu Bayonne in seines Königs Namen unumwunden: „ein Lachskopf sey mehr werth, als tausend Frosch— köpfe.“ Zwar wurden die Hugonotten in diesen Kämpfen von einzelnen gläubensverwandten Fürsten Teutschlands und von der Elisabeth von England,‚ .—— FFIII. ..... SFSISISSSSSI...... .—— 122 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. doch ohne Nachdruck, unterstützt. Im dritten Bürgerkriege fiel der Held des Protestantismus (1569), der Prinz von Condé, durch Meuchelmord. Der junge Heinrich von Navarra erklärte sich dar— auf für das Haupt der Hugonotten; ihr bester Feldherr seit dieser Zeit war aber der Admiral Coligny. Der Friede zu St. Germain(8. Aug. 1570) beendigte diesen dritten Kampf, sprach allgemeine Amnestie aus, überließ den Hugonotten vier feste Plätze(Rochelle, la Charité, Cognae und Mont— auban), und erklärte sie für fähig zu allen Staats— ämtern. Seit dieser Zeit suchte der Hof, die Hugonotten sicher zu machen. Bot doch Karl 9 dem Prinzen von Navarra seine Schwester zur Gemahlin, und dem Admiral Coligny den Oberbefehl im Kriege gegen die Niederlande an! Zwar starb Heinrichs Mutter zu Paris, wohin sie zur Berichtigung des Ehevertra— ges gekommen war, am Gifte(Apr. 1572); dennoch; erschienen Heinrich, Coligny und der junge Cond é in Paris. Die Vermählung des Königs erfolgte am 18. Aug. 1572; allein in der längst vor— bereiteten gräßlichen Bartholomäusnacht(24. Aug.) wurden, außer Coligny, allein in Paris gegen 5000 Protestanten ermordet, und viele Tau— send andere fielen gleichzeitig in den Provinzen. Die Prinzen von Navarra und Conds retteten sich durch augenblickliche Abschwörung des Protestantismus. Die christliche Welt schauderte vor diesen Blutscenen; nur der Papst Gregor 13 und Philipp 2 feierten des— halb öffentliche Dankfeste. Der innere Kampf be— gann darauf in Frankreich mit unverhaltener Wuth von neuem. Die Hugonotten behaupteten sich in ihren sesten Plätzen, namentlich in Rochelle. Während der Ht E fte E 6 9— rie k. funn scchandt; ö 4νꝗ Sun 3 WI— NN 3% Hiuspu. ulUn Aih WUH MWün HaH. hU I Lag 10⁰¹ Heihi sigm. MrD) Haad Kuig NE0 6 E esstFFFFfffFTFFFTT—— densystehz„ In drittez totestantemi Muchelmag, färt ssch de histt deldher Colign „Va. 1570 ch algemein en vier fest und Mon len Staatz Hugonottn dem Prinza nahlin, uud Krlege gegn richs Mum Chevertta dennoc der Junge —5 Königz langst vot acht(24. in Pari vitle Tuu gen, Di ssch uuch antisms lutsceneh, jerten did Fampf be⸗ Heł VPuth in ihte rend Erster Zeitraum von 1492— 1789. 223 Belagerung dieses Platzes erhielt der nachgebohrne Bruder des Königs, Heinrich von Anjou, die Nachricht von seiner Wahl zum Könige von Po— len. Dies führte zu einem Vergleiche mit den Be— lagerten(1. Jul. 1573), in welchem allgemeine Am— nestie und freie Religionsübung für die Protestänten in ihren Ortschaften festgesetzt ward. Vor seiner Ab— reise nach Polen, ließ Heinrich seine Rechte als französischer Prinz vom Parlamente bestätigen, und schon im nächsten Jahre machte er Gebrauch davon, als Karl 9(30. Mai 1574) an einer furchtbaren Krankheit, nicht älter als 23 Jahre, sein Leben en— digte.— Heimlich verließ Heinrich Polen; seine Reise über Wien und Turin glich einer förmlichen Flucht. Gewarnt in beiden Residenzen vor der Er— neuerung der Blutscenen in Frankreich, und aufge— fordert, alles zu vergessen, dachte doch seine Mutter anders, und er, der ausschweifende Schwächling, verstand wohl die Abgaben von 9 Mill. Livr. auf 32 zu steigern, nicht aber die mit Erbitterung sich gegen überstehenden kirchlich-bürgerlichen Partheien eines geoßen Volkes zu versöhnen. Mit stolzer Anmaßung leiteten die Brüder Guise die katholische Parthei, und rechneten, nach dem Tode des Herzogs von Alençon, des einzigen Bruders des Königs(10. Jun. 1584), selbst auf den Thron. Da entledigte sich Heinrich 3 des Herzogs Heinrich von Guise und seines Bruders, des Kardinals, durch gedungene Mörder(Dec. 1588), und erklärte, nach dieser Er— mordung, seiner Mutter:„Madame, nun bin ich König!“ Allein ihn traf der Bannfluch des Papstes; die Sorbonne entband das Volk des Eides der Treue; die Ligue entsetzte ihn des Thrones, und Philipp 2 stand auf Seiten der Ligue. Da warf sich Heinrich 3 124 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (1589) den Hugonotten in die Arme, und vereinigte sich mit seinem Schwäger, dem Könige Heinrich von Navarra. Während aber ihr Heer Paris belagerte, fiel Heinrich(4. Aug. 1589) durch den Meuchelmord des Dominicaners Clement). Nicht ohne individuelle Schwächen, allein mit Geist, politischem Tacte, reinem Wohlwollen gegen das Volk und ritterlicher Tapferkeit, erzogen in der Schule der Leiden, übernahm Heinrich 4(von Bourbon) die Regierung. Philipp von Spanien und die Jesuiten waren seine Feinde; die Macht der Ligue war selbst nach dem Siege bei Ivry(14. März 1590) nicht gebrochen. Erst dann versohnte sie sich mit ihm, als er(1593) zum katholischen Lehrbe— griffe übertrat. Nun öffnete sich ihm(22. März 1594) Paris; doch sprach er allgemeine Amnestie aus, und sicherte seinen vormaligen Gläubensgenossen(13. Apr. 1598) im Edicte zu Nantes völlig freie Religions— übung und Zutritt zu allen Aemtern. Selbst mit Spanien versöhnte er sich(1598) im Frieden zu Vervins, der auf die Unterlage des Friedens von Chateau Cambresis abgeschlossen ward; doch daß sich beide Könige ihre gegenseitigen Ansprüche auf Navarra und Burgund vorbehielten. Während eines Jahrzehends der Ruhe und der weisen Verwaltung des Ministers Sully entwickel— ten sich schnell und kräftig alle Keime des innern *) Außer dem de Thou— gehören zu dieser Zeit: H. C. Davila, istoria delle guerre civili di Francia(1559— 1598). Paris, 1644. 4.— Franzosisch, 3 Th. Paris, 1757. 4.— Charl. Lacretelle, histoire de France pendant les guerres de réligion. 5 Voll. Paris, 1914 sqq. 8.— Teutsch von Kiesewetter. 2 Thle. Lpz. 1815. 8. ¹u* U N 700 dĩ UU II 70. 5 + I 59* + Achsystenz y Ind Verat und vereingge Heintig Hler Mars NIun Murch da „ Wan mit Wolta gegen ejogen in der ich! voh on Spagien Moht der 4½MN hnte sie sch chen Khtbe— Mag150 lie aus, u n(13. At Mgions⸗ sedens von daß sic fMvarta und det ntwickek innett ieser Ziit civihiéSdi — Chaf. Want les 44 9.— 1015 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 125 Volkslebens. Das Gewühl der Partheien schwieg; der widerspenstige Adel ward beschränkt, der Solda— tenstand reducirt und reformirt; der Gewerbsfleiß und mit ihm der Handel stiegen; die Finanzen hoben sich durch weise Sparsamkeit, durch Abschaffung der Mißbräuche bei Erhebung der Steuern, die man seit langer Zeit wieder vermindern konnte, und durch Ab— bezahlung der Staatsschuld von 300 Mill. Livr. bis auf 50 Mill.; nur die Verkäuflichkeit(und dadurch Erblichkeit) der Aemter bei der Gerechtigkeitspflege bildete die einzige Schattenseite der neuen Verwaltung. Schon fühlte das Ausland die neue Stellung Frank— reichs gegen die europäischen Machte; mit Elisabeth von England, mit dem Freistaate der Niederlande stand Heinrich 4 in freundlichem Verkehre; allein gegen beide Linien des Hauses Habsburg waren seine politischen Plane, besonders der Entwurf einer echrist— lich-europäͤischen Republik von 15 gleich großen Staaten) gerichtet. Zweifelhaft bleibt *) Vergl.§. 32. Europa sollte in 15 ungefähr gleich große Staaten getheilt werden, die zu ihrer gegen— seitigen Erhaltung auf ewig sich verbänden, und deren Streitigkeiten durch einen Senat der christlichen Republik, aus 60 Personen be— stehend, nach Mehrheit der Stimmen entschieden werden sollten. Diese 15 Staaten sollten seyn: 5 Erbreiche, Frankreich, Spanien, Großbritan— nien, Schweden und die Lombardei; 6 Wahl— reiche, der Kirchenstaat, Teutschland, Ungarn, Böhmen, Polen und Dänemark; 2 demokrati⸗ sche Republiken, die Niederlande und die Schweiz; 2 aristokratische Republiken, Venedig, und die übrigen kleinen Städte und Staaten Italiens(Florenz, Genua, Lucca, Man— tua, Parma, Modena, Monaco). Mit dem Kir⸗ 126 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. es, wie weit dieser Plan hätte verwirklicht werden können, wenn Heinrich nicht(14. Mai 1610) durch Ravaillac's Messer gefallen wäre. Das aber ist über jeden Zweifel erhoben, daß nach ihm, während der Minderjährigkeit seines Sohnes Ludwig 13, unter der Regentschaft der Königin-Mutter, bis zu dem Eintritte des Bischoffs(nachmaligen Kardinals) Richelieu's(29. Apr. 1624) in den Staatsrath, das innere Leben wieder sank und die Partheien von neuem auflebten. nr beschränkte Richelieu die Macht der Hugonotten als politische Parthei, doch ohne Eingriff in ihre Religionsfreiheit, damit das Innere beruhigt würde; dann hielt er fest an Heinrichs 4 Plane, die Macht der beiden Linien des Hauses Habsburg in Spanien und Oestreich zu schwächen, und Frankreichs politisches Gewicht nach außen nicht nur herzustellen, sondern möglichst zu steigern. Deher. sein Bündniß mit Gustav Adolph, und nach ihm mit Oxen⸗ stierna und Bernhard von Weimar; daher der unverwandte Blick auf den Erwerb des E lsasses; daher(1635) die offene Kriegserklärung an Spanien. Zwar erlebten weder Richelieu(H4. Dec. 1642) noch Ludwig 13( 1643) das Ende dieses Kampfes; allein Mazärin leitete mit Richelieu's Umsicht und Kraft das bis dahin befolgte politische System wäh— rend der Minderjährigkeit Ludwigs 14, und bewirkte dadurch für Fränkreich die großen Erfolge des west— chenstaate sollte Neapel, mit Venedig Sicilien, mit Savoyen Mailand CZusammen das lombardische Königreich), und mit den Niederlanden Jülich, Cleve und Berg verbunden werden. Die Russen und die Türken wurden von dem Bunde ausge— schlossen; denn zu ihrer Entfernung aus Europa sollte die Gesammtmacht desselben aufgeboten werden. 9e Hälis b ö R 2 hr 2 N. uus; 0 Hlgte See n Gelar IId Hshs Chan RRe sn zn e Iv ld 1 1 Wbe sish⸗ * ucklicht nehy 101Ht V N, Whrendy * Wr Horenstellen ur herzustelet ein Bundii n mit Oren : daher de Elsasse U Spanie 16⁴½)Ruot Kampfes Umsicht und yem wiß und bewirt des veß dicllien, N. bardist. den Mlie e Russei nde aush us Eurg aien wths 1— aho ‚ Wabetr sste Erster Zeitraum von 1492— 4789. 127 phälischen Friedens in der Vergrößerung des Staates durch die Erwerbung des Elsasses und Sund— gaus, und in der übernommenen Gewährleistung der Bedingungen dieses denkwürdigen Friedens. 42. or t se bung. 5. Die Niederlande. England. Verweigerung der Gewissensfreiheit, bürger— licher Druck, Beschränkung wohlgegründeter ständi— scher Rechte und die Aussicht auf die Einführung der Inquisition, bewirkten die Vereinigung(23 Jan. 1579) und zwei Jahre später(26. Jul. 1581) die völlige Losreißung der Staaten von Holland, Seeland, Utrecht, Friesland, Brabant, Geldern, Flandern, Oberyssel, Mecheln und Zütphen von dem spanischen Scepter unter Philipp 2. Die damälige Vereinigung der Kronen Spaniens und Portugals brachte, wie die erste drohende Gefahr für den sich bildenden jungen Frei— staat vorüber war, bei der Fortsetzung des Kampfes gegen Spanien, viele reiche Kolonieen an die Niederlande, und diese Erwerbung entschied wieder über die Begründung der Seemacht und des Welt— handels, der in dieser Zeit an die bätavischen Küsten sich zog. Schon im Jahre 1602 erhielt die hollan— disch⸗ostindische Compagnie ihr Daseyn, ihr Handelsmonopol, und ihren Mittelpunct auf der Insel Java zu Batavia, wenn gleich ihre Verfassung, mit der Vermehrung der Kolonieen und der Vergrö— ßerung des Handels selbst, sich weiter ausbildete. Zwar wogten, bald nach dem Abschlusse des zwölfjäh— rigen Waffenstillstandes mit Spanien(1609), im 128 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Innern des Freistaats kirchlich-politische Spaltungen auf, die selbst nicht ohne blutige Opfer blieben; allein nach außen ward, selbst als Spanien den Waffen⸗ stillstand kündigte, die Selbstständigkeit des Staates behauptet, wenn gleich die feierliche Anerkennung der— selben von Spanien und Teutschland erst zu Münster (1648) erfolgte. Kurz vor der Entdeckung Amerika's zerrütteten heftige Kämpfe zwischen zwei nach dem Throne stre— benden Häusern(Lancaster und YVork) das innere Staatsleben Englands, wa Ihedrünrich(+1509) größtentheils beruhigte. Ihm folgte sein launenhafter Sohn Heinrich 8(4509—1640, der in seinen politischen Grundsätzen so oft, wie in der Ehe, wech— selte, gegen Lut hern schrieb, aber auch mit dem Pap ste zerfiel, die englische Kicche von Rom trennte, das Mönchsthum abschaffte, die Klöster einzog, und den Suprematseid sich schwören ließ, ob er gleich die Grundsätze der Kirchenverbesserung mit Heftigkeit verfolgte. Allein diese wurzelten unter seinem Nach— folger Eduard6(154/7— 1553) und unter des Erz⸗ bischoffs Cranmer weiser Leitung immer tiefer, bis nach seinem frühzeitigen Tode, unter seiner Schwester Maria(1553— 1558), der Gemahlin Philipps 2 von Spanien, das kirchliche Reactions system mit blutiger Strenge von ihr geübt ward. Zum Glücke Englands starb sie bald und kinderlos. Den Thron be— stieg ihre Halbschwester Elisabeth(1558— 1603). Bei vielen weiblichen Schwächen, gab Elisabeth doch dem Staate neue Haltung, im Innern durch die Annahme des Protestantismus, doch mit Bei⸗ behaltung der Formen des Episcopats, an dessen Spitze der Regent durch den ihm geleisteten Supre— matseid stand, und nach außen durch ihre umsichts⸗ m/ W 1 chmir HWAI ch 35 966901.8 AN Aiensyst UWMN Iuil m Thraont str das innett 67(1500 kaunenhaste der in seinen Che, veh⸗ uch mit dan Vam Ants Num trennt, „in: 10 ellzog, U 6 „ od er glah nit Heftigtt einem Naß⸗ nter des E⸗ sieftt, bis Schvestet Phillops system mi Zun Hlit en Tron de⸗ 60⁰v Hsabeth doc durch de ut Bi⸗ an dsen n Supt: umschtz Erster Zeitraum von 1492— 1789. 129 voll berechneten Widerstand gegen den übermächtigen Philipp 2, dem sie ihre Hand verweigert, und wel— chem der Papst das(freilich erst zu erobernde) König⸗ reich England geschenkt hatte. Denn nach dem Unter⸗ gange der unüberwindlichen Flotte(1588) liefen die englischen Flotten aus, und begründeten in jener Zeit den außereuropäischen Handel, der auf den Gewerbs— fleiß und den Verkehr im Innern mächtig zurückwirkte. Bereits im Jahre 1600(34. Dec.) erhielt die(ältere) ostindische Compagnie ihr Daseyn. Selbst die Erobe— rung von Ca dix(1596) durch die Engländer erlebte Philipp 2 noch zu seiner Demüthigung.— Der dun— kelste Punct in Elisabeths Regierung bleibt die Hin— richtung der Königin Maria von Schottland(S. Febr. 1587), deren Sohn, Jacob 14, der Elisa— beth(1603) in den nun, unter dem Namen Groß⸗ britannien, vereinigten Königreichen von Eng— land und Schottland folgte. Doch war die Regie— rungszeit des Hauses Stuart kein glücklicher Zeit— abschnitt in der Geschichte des Staates; denn die Hin— neigung dieses Hauses zum Katholicis mus stritt eben so gegen die kirchliche Grundlage Großbritan⸗ niens, wie das Streben desselben nach unbeschränk— ter Gewalt gegen die vierhundertjährigen Pfeiler der bürgerlichen Freiheit. Das Reactionssystem der Stuarte gegen beide ins brittische Staatsleben übergegangene Ideen der kirchlichen und bürgerlichen Freiheit wirkte eben so nachtheilig zurück auf die persön— liche Stellung der Könige Jacob des ersten und Karl des ersten(seit 1625) zum Parlamente und Volke, wie auf die unter Elisabeth begonnene Entwickelung des Volkswohlständes im Innern und des auswärti— gen Verkehrs. Die Entfremdung zwischen Karl 1 und dem Pärlamente führte zum Bürgerkriege, zum III. 9 130 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. mächtigen Aufwogen der Partheien, zum Kampfe zwischen den Engländern und Schotten, und zuletzt zur Enthauptung des Königs(30. Jan. 1640), und zu Cromwells Protectorate.— An den Küsten Nordamerika's erschienen bereits in Elisabeths letzten Regierungsjahren kühne englische Seefahrer; allein erst unter Jacob 1 bildeten sich die Handelsgesellschaf— ten dahin, so wie die in den Zeiten der innern Unruhen Ausgewänderten das Gedeihen der Kolonieen in Vir— ginien und Neuengland, und auf den antillischen In— seln bewirkten, wo die Eroberung von Jamaica (1655) einen neuen Markt für Großbritannien er— öffnete. 43. Fortsetun g. 6. Die nördlichen Reiche. Zur Zeit der Entdeckung des vierten Erdtheils bestand noch, der Form nach, die calmarische Union (1397 geschlossen), nach welcher die drei skandina— vischen Reiche, Dänemark, Norwegen und Schweden zusammengehörten. Mit Christian 1 hatte(1448) das Häus Oldenburg den dänischen Thron bestiegen; doch lähmte das Uebergewicht des Adels die Macht der Könige, so wie die Abneigung der Schweden gegen die calmarische Union bestän— dige Kämpfe zwischen Schweden und Dänemark ver— anlaßte, bis endlich, während Christian2(1513— 1523) regierte, Schweden von der Union sich trennte und zur Selbstständigkeit gelangte. Nach der Absetzung Christians 2 bestieg seines Vaters Bruder, Friedrich 1, Herzog von Schleswig und Holstein, den dänischen Thron(1523); allein an den damaligen — Hah den U EI SN I fih E 000% uun I 2 fschla. f 2 W. Iu fihene Hett lun r 42 ac n hunl Ind ge dut u sudahn aAnspsint i. Jum Hums , und zulch V V ö Mn. 1040, nden Kist Ashchs lehten 0 U de; dlen andelegeelschnr innern xruhy lonieen in V. antillischen ** ö on Jamain britannien: 7 . en Erdtheils ische Union i standim⸗ Hegen m hristian en dänisch gwicht V e Abnegu nion besii mamark ver 26513— Umun sch Mac der 15 Bruder, 0 Halstecn Domali9e Erster Zeitraum von 1492— 1789. 131 Weltbegebenheiten Theil zu nehmen, war Dänemark theils zu entfernt, theils zu schwach. Dies bewährte sich auch in der vorübergehenden politischen Rolle, welche Christian 4(1625) im Laufe des 30jähri— gen Krieges bis zum Frieden von Lübeck(1629)über— nahm, und in der Besiegung durch Torstenson(1643), als die Eifersucht auf Schwedens Fortschritte in Teutschland den König zu einem Angriffe auf Schwe— den veranlaßte, den er aber(1645) im Frieden von Brömsebroo mit der Abtretung von Jempteland, Herjedalen, und den Inseln Gothland und Oesel an Schweden büßte.— Die Kirchenverbesserung, frühzeitig in den drei nordischen Reichen bekannt, ward von ihnen mit allgemeinem Interesse ange— nommen. Für Schweden war sie zugleich von hoher poli— tischer Wichtigkeit. Denn nur durch die Einziehung der geistlichen Güter vermochte Gu stav Wasa, den neubegründeten schwedischen Königsthron zu stützen, den er(1523) durch die Wahl der Schweden bestiegen, und dadurch die Fesseln der calmarischen Union auf immer gelöset hatte. Die Thronverände— rung in Dänemark führte ihn(1524 zu einem Ver— gleiche mit Friedrich 1, dem Nachfolger des ent— setzten Christians 2. Sein heller Blick bestimmte bereits im Jahre 1527 die Aufnahme des Bürger— und Banernstandes unter die Reichsstände, wo— durch nicht nur die gesammte Nation vertreten, sondern auch das Ansehen des Königs gegen die Aristo— kratie gesichert und gesteigert ward. Däzu kam, daß Gustav Wasa eine nähere Händelsverbindung mit Holland und England anknüpfte, wodurch freilich das bisherige Handelsmonopol der Hansestädte verlor, der Ackerbau aber und der Gewerbsfleiß gewann.— 9 132 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Doch schon unter seinem ältesten Sohne Erich (1560— 4568) machte die freie Entwickelung im Innern Rückschritte, veranläßt durch nachtheilige Kriege mit Rußland, Dänemark und Polen, beson— ders mit letzterer Macht über den Besitz von Liefland und Esthland, und durch Erichs steigenden Wahn— sinn. Dies veranlaßte seine nachgebohrnen Brüder, Johann und Karl, ihn(1568) der Regierung unfähig zu erklären und zu verhaften. Allein mit Johanns 2 Thronbesteigung(1568— 1592) kam keine bessere Zeit. Er beabsichtigte die Herstellung des Katholicismus, nahm Jesuiten und päpst— liche Nuntien auf, ließ(1577) seinen gefangenen Bru— der vergiften, und trat selbst(1580) zum Katholicis— mus über. Die dumpfe Gährung deshalb kam zum Ausbruche, als sein Sohn Sigismund, bereits seit 1587 König von Polen, durch seine Abwe— senheit in Polen und durch den förmlichen Uebertritt zum Katholicismus die Schweden beleidigte. Da wählten(1595) die Stände des Reiches seinen Oheim, Karl, zum Reichsvorsteher in Abwesenheit des Kö— nigs, und zu Linköping(1600) zum Könige, wo Sigismund mit seinen Nachkommen für immer vom Throne ausgeschlossen ward. Die Folge dieses Schrit— tes war ein vieljähriger Krieg zwischen Polen und Schweden, der erst unter Karls Sohne, Gu stav Adolph(1611— 1632), durch einen von Richelieu vermittelten Waffenstillstand auf einige Zeit unterbro— chen ward, worauf Gustav Adolph in Teutschland (1630) als Held des Protestantismus erschien, dessen Sache, selbst nach seinem Tode bei Lützen(1632), von seinen Feldherren und Diplomaten erfolgreich fort— geführt ward bis zu den für Schweden so wichtigen Ergebnissen des westphälischen Friedens. shlt N Hulsl it iis Hunh I0 Aung gebrw W. Mahhny. sükt Wü Rhgl Aset R P H. preus tusuc Lansg W W 12 Hnlaye Kuetl 0 ihiuG Hallehg Die d 7 kensysten y E E i0 E h saen halg he des 5 Fonige, i. V Polen bd I, Hußtt von Rcchle 0 D V AMelblo⸗ . Zulschhac Hen, dise en 1 V2 greich fott j wichtige Erster Zeitraum von 1492— 1789. 133 44. Fortserun g. 7. Die östlichen Reiche. Die östlichen Reiche Europa's, mit alleiniger Ausnahme der Pforte, standen in diesem Zeitabschnitte in keinem Verkehre mit dem südwestlichen Staaten— systeme. Ueberhaupt waren die beiden Slaven— reiche, Polen und Ruß land, hinter der fort⸗ schreitenden Cultur des Süden und Westen bedeutend zurückgeblieben, weil ihnen der freie Bürgerstand und mit ihm die kräftige Entwickelung des städtischen Lebens fehlte, und das Volk vom Adel in die drücken— den Verhältnisse der Liibeigenschaft, auch ohne die Annähme des Lehnssystems der germanischen Völker, gebracht worden war. Polen, bereits im Mittelalter ein bedeutendes Reich, ermangelte einer festen Verfassung, und ward, zu seinem Unglücke, nach dem Erlöschen des Hauses der Jagellonen(15⁷ 2) mit Sigismund August, ein Wahlreich, in welchem der Adel eine mächtige Aristokratie bildete. Litthauen, das schon längst mit Polen unter Einem Regenten stand, ward erst 1569 mit Polen zu Einem Reiche verbunden. West— preußen kam im Frieden zu Thorn(1466) vom teutschen Orden an Polen; Ostpreußen ward im Cracauer Vertrage(1525) unter Albrecht von Bran— denburg ein lehnbares Herzogthum von Polen. Nach gleichen Grundsätzen erbiel der Heermeister Kettler(1561), als er Liefland an Polen abtrat, Kurland und Semgallen als ein von Polen lehnbares Herzogthum. Allein über Esthland be— gannen Kämpfe zwischen Polen und Schweden.— Die Dissidenten(Nichtkatholiken), frühzeitig in ——— —— —— —.— 134 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Polen verbreitet, bildeten in diesem Reiche nie eine eigene politische Parthei.— Nur wenige Monate war der zum Könige gewählte Prinz von Frankreich Heinrich von Anjou(Jan.— Jun. 1574) Regent von Polen, weil er das Reich nach seines Bruders Tode verließ, um die Krone Frankreichs zu überneh— men. Ihm folgte der Fürst Stephan Bathory von Siebenbürgen(1575— 1586), und diesem der schwedische Prinz Sigismund(1587— 4632), der über seine Rechte auf den schwedischen Thron mit Schweden in Krieg verwickelt, und, als Katholik, der schwedischen Krone entsetzt ward. Nach ihm regierten seine Söhne, zuerst Wladis lav 4(1632 — 1648), und dann Johann Kasimir(1648— 1668) über Polen; der erste thatenlos, der zweite in wiederhohlte Kämpfe mit Rußland und Schweden verwickelt. Preußen, im dreizehnten Jahrhunderte von dem aus Asien verdrängten teutschen Orden erobert und zum Christenthume gebracht, bildete einen Rit— terstaat, dessen Blüthe und Macht zunächst ins vierzehnte Jahrhundert fiel, wo er seinen Nachbarn furchtbar, und ein großer Theil des Ostseehandels in seinen Händen war. Allein im funfzehnten Jahrhun— derte war er dem Königreiche Polen nicht mehr ge— wachsen; er mußte Westpreußen(1466) demsel⸗ ben abtreten, und der Hochmeister für die übrige Hälfte des Landes dem Könige Polens den Vasalleneid leisten. Wegen der Verweigerung dieser Leistung (1512) von dem Hochmeister Albrecht von Bran— denburg begann der Kampf Polens gegen die Ritter. Als aber die Hülfe der Teutschen für den Orden aus— blieb, und Albrecht während seines Aufenthalts in Teutschland(1522) den gereinigten Lehrbegriff Wuna Rensystems Wil, VP.. eiche I¹ bhe Nentes dy HMenlge N‚ 3 4 hate Iin Frantrah 70 Mat sigte Brudet Ichi z dlenth⸗ an Iuhoth „ mRsen 5NIUH, hen Tyon ni als Kathol Noh iß Hundette vy R.en eroben einen Rit zunächst ins uNachbarn chandels in Jhrhun⸗ ht mehr ge 00 demseb Ibrige ase sa lleneid ser Kistu on Bral⸗ die Ritt Orden alb gthalts Rbegtif Erster Zeitraum von 1492— 1789. 135 näher kennen gelernt hatte; so führte er diesen im Lande ein, und schloß(9. Apr. 1525) mit Polen zu Cracau einen Vertrag, in welchem er Ostpreußen als ein erbliches, unter polnischer Oberhoheit stehen⸗ des, Herzogthum erhielt, worauf der Sitz des teutschen Ordens nach Mergentheim verlegt ward. Doch schon mit seinem blödsinnigen Sohne, Al— brecht Friedrich, erlosch(1618) seine Linie in Preußen, worauf das Herzogthum an die von Polen mitbelehnte brandenburgische Churlinie unter Johann Sigismund kam, welchem(1610) sein schwacher Sohn Georg Wilhelm(bis 1640), und diesem(der große Churfurst) Friedrich Wilhelm folgte, der sogleich im nächsten Zeitab⸗ schnitte für Preußen die Souverainertät erwarb. Rußland hatte kurz vor der Entdeckung des vierten Erdtheils(1477) unter dem Großfürsten Iwan Wassiljewitsch das mongolische Joch ab— geworfen; allein für die zeitgemäße Gestaltung des Innern konnte unter ihm und seinen Nachfolgern wenig geschehen, weil weder eine kirchliche noch eine politische Idee den Geist der einzelnen Völ— kermassen dieses Reiches belebte. Desto häufiger waren die Kriege mit den Polen, Schweden, Mon— golen und Tataren, in welchen Astracan(155 und Sibirien(1581) erworben wurden.— Nach dem Erlöschen des Hauses Rurik(1598) folgte ein Zeitraum tiefer innerer Zerrüttung, welche erst durch die Thronbesteigung des zum Czar gewählten*) Mi— chael Romanow(1613— 1645) gehoben, und von *) B. v. Wichmann, Urkunde über die Wahl Michael Romanow's zum Czar des russischen Reiches im Jahre 1613. Leipz. 1819. 4. 136 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ihm der Friede mit Schweden hergestellt ward, in welchem die russischen Besitzungen in Ingermanland an Schweden, und Smolensk, Czernichow und Se— verien an das damals siegreiche Polen kamen. Ihm folgte sein Sohn Alexei(1645— 1670). Der Untergang des ost römischen Reiches er— folgte mit der Erstürmung Konstantinopels 29. Mai 1453) von den osmanischen Türken unter Sultan Mahumed 2. Unter seinen kriegerischen Nachfol— gern Bajazet 2, besonders unter Selim 1 15ι² — 1519) und Solyman 2(1519— 566), zit⸗ terten die Nachbarstäaten vor dem siegreichen Halb— monde, der Syrien, Palästina, Aegypten„Arabien, viele Inseln des Archipelagus und des Mittelmeeres —— 7 die Moldau und Walachei, und selbst einen bedeu— tenden Theil von Ungarn sich unterwarf. Die See— macht der Pforte war in dieser Zeit eben so furcht— bar, wie ihre Landmacht. Denn nach der Eroberung der Insel Rhodus(1522), welche der Johanniter— orden nachdrucksvoll vertheidigte,(worauf er von Karl 5 im J. 1530 mit der Insel Maltha belehnt ward,) kamen auch die afrikanischen Küsten— länder, welche bis dahin theils unter arabischer, theils unter spanischer Herrschaft standen, durch die Eroberungen kühner Seeräuber unter die Oberhoheit der Pforte; so Algier(1517), so Tunis(1531), so Tripolis(1551). Nur Tunis entriß Karl 5 (1535) auf kurze Zeit diesen Räubern.— Wie aber bei allen despotischen Staaten, so sank auch nach Solymans Tode(1566) die drohende und kraftvolle äußere Ankündigung der Türken. U ngarn, wäh⸗ rend eines Jahrhunderts durch ihre Verheerungen und durch ihre Einmischung in die Thronfolge(seit 1527) erschöpft, gewann mehr Sicherheit vor diesem Nach— nier H1ʃ2mn lagu 1 Vutus. sst 11 stihnl f Wal I& M— shenth beng se N 601 bhl n sihenhl Atonsaa dlensystmz Maermaad I I* 2 chow und Lz Itam, 10 ramen, Ihn „ I 07 0). ö In N. I hen Rihezte⸗ Wopets(2. M Unter Eullun 9 rischen Nuchil eElim Altl 0007/ greichen Hah Ren, Nrabhn KUu, V bR MirtIHNIANN Makkelmeete 1 nen VN emen Oede (N Vie Oe cben so furg r Croberun Phannith drauf er vn tha beleht Küsten arabischer, „ durch die Oberhohel is(15H ttriß Karl Wes abe auch na 1 uftnl aru, Dä⸗ rungen und seit 157 sem Mo⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 137 bar, wenn gleich der Kampf zwischen beiden Reichen mehrmals erneuert ward. Die Seemacht der Pforte aber wärd durch den Sieg der Venetianer und Spa⸗ nier über die türkische Flotte bis Lepanto(7. Oet. 1572) gebrochen.— Die Kriege der Pforte gegen Ungarn unter Ferdinand üUim Zeitalter der Kirchen— verbesserung blieben zwar nicht ohne Rückwirkung auf Teutschland und auf das übrige europäische Staaten— system; allein selbst die Verbindung, welche Franz 1 frühzeitig mit der Pforte(1535) anknüpfte, war mehr auf den Handelsverkehr Frankreichs nach der Levante und auf die Angriffe der Pforte auf Ungarn berechnet, als daß die Pforte— eine außerchristliche Macht— auf die politischen Interessen des europäi— schen Staatensystems selbst einen bestimmten und blei— benden Einfluß hätte behaupten können. Dazu stand sie diesen Interessen durch örtliche Lage, durch die Stellung gegen ihre asiatischen und afrikanischen Er— oberungen(besonders Aegyptens), durch ihre aus frühern Nomadenverhältnissen, und aus Islamismus und Despotismus hervorgegangene Politik viel zu fern. War sie doch zu stolz, die besiegten Griechen mit sich zu Einem Volke zu verschmelzen und dadurch ihre Herrschäft für die Zukunft zu sichern! Was übrigens blos auf das Schwert gegründet wird, ohne nach der Eroberung eines Landes die Civilisation der Besiegten anzunehmen, kann auch nur durch das Schwert sich erhalten, und sinkt unaufhaltbar, sobald die in dem Geiste des Menschen enthaltenen Bedingungen des innern Staatslebens nicht zur freien Entwickelung der Volksthümlichkeit und zum Fortschritte des Ganzen führen! — ........ ..I. 4 138 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Zweiter Zeitabschnitt. Von dem westphälischen Frieden(1648) 3bis zum Jahre 1740. 45. A) Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Kann gleich der Zeitabschnitt von dem westphäli⸗ schen Frieden bis zur Thronbesteigung Friedrichs 2 in Preußen und der Maria Theresia in der öst— reichischen Monarchie an durchgreifenden politischen Ereignissen theils für die Gestaltung des innern Lebens der europäischen Staaten und Reiche, theils für die äußere Ankündigung und die Wechselwirkung derselben auf einänder, nicht mit den weltgeschicht⸗ lichen Begebenheiten des ersten Zeitabschnitts vergli— chen werden; so ist doch auch dieser Zeitabschnitt von 92 Jahren nicht ohne fruchtbare Ergebnisse und nicht ohne hohes Interesse für die Veränderung und Fort—⸗ bildung der politischen Verhältnisse in der Mitte des europäischen Staatensystems. Zwar erscheint die Idee der religiösen und kirch— lichen Freiheit, nach der Anerkennung und Gewähr— leistung der öffentlichen Gleichheit des Protestantis— mus mit dem Katholicismus im westphälischen Frie— den, während dieses Zeitabschnitts nicht mehr im Vordergrunde der Hauptbegebenheiten; allein entschie— den war nunmehr, daß fortan das alte und das neue System unvertilgbar neben einänder bestanden. Auch fand man, daß auf dem Boden Europa's eben so Platz vorhanden sey zum friedlichen Nebeneinander— bestehen der beiden christlich-kirchlichen Hauptsysteme, wie schon längst der Mosaismus und das Heidenthum, War Rund O fuugestn gachan spum d bunp: 6 thj n u bong Silg VWran ven Heb ätun Iuhrr uj 37 U 1 nitt den(1049 U. schnittz dem wesphil riedticht. ia in der i den politisch des inneth Neiche, thil Jechselwitk weltgeschih hritts vent ubschnitt sse und ni ig und Fut + Mitte di nund kitt⸗ d Gewähe Hrdtestante Ischen Fl ht meht in Lin etsht te und bestande ropos ch einande⸗ — E E — utsysen, videnthu, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 139 und selbst der Islam und das Christenthum neben einander auf dem Erdboden in unverkürzten politi— schen Rechten bestanden hatten. Selbst der politische Einfluß der kirchlich-religiösen Ideen verschwand nicht ganz, besonders so lange Schweden das im dreißigjährigen Kriege errungene politische Gewicht behauptete, und seit Preußen, als protestantischer Staat, doch zunächst am Anfange des dritten Zeit— abschnitts, in die Reihe der Mächte des ersten poli— tischen Ranges eintrat. Dägegen ward das Stre— ben nach äußerer Vergrößerung der Staa— ten, nach Ländererwerbungen und nach vor— theilhaften Familienvertragen immer sichtbarer, wenn gleich die Politik dieser Zeit noch nicht bis zu der Höhe der völligen Auflösung europäischer Staaten sich emporarbeitete. Die Plane Karl Gustavs, Ludwigs 14 und Peters 1 gingen unverkennbar aus der aufgefaßten Idee der Abrün— dung und Vergrößerung ihrer Reiche durch Erobe— rungen auf Kosten der Nachbarstaaten hervor. Zu— gleich lernte man in dieser Zeit in den Ergebnissen des spanischen Erbfolgekrieges, wie eine große europäische Monarchie durch Theilung in ihrem politischen Gewichte vermindert werden könnte, so wie derselbe Krieg, statt einen Habsburger, einen Bour— bon auf den Thron Spaniens brachte, wodurch die Stellung der Mächte im südwestlichen Staatensysteme gegen einander, wenigstens für die Folge, wesentlich verändert ward. Die Erhaltung des politischen Gleich— gewichts in Europa beruhte in diesem Zeitabschnitte zunächst auf dem Gegengewichte gegen das Stre— ben Frankreichs nach einer Dictatur in Europa. Denn auf die Unterlage des von Richelieu und Mazarin 140 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. für Frankreich erkämpften politischen Gewichts stützte Ludwig 14, während zweier Menschenalter, die Plane der Vergrößerung Frankreichs zunächst auf Kosten Spaniens und Teutschlands. So schwach nun auch die persönliche Ankündigung der Regenten dieser beiden Reiche während dieses Zeitabschnitts war, und so viel Ludwig 14 durch den Mangel an Einheit in den Maasregeln gegen ihn, und durch den Mangel an Einigkeit zwischen den zu seiner Bekämpfung auf— tretenden Feldherren gewann; so erkannten doch die Staatsmänner an der Spitze des nieder landi— schen Freistaates, besonders aber in der Folge der umsichtige und kraftvolle Wilhelm 3 an der Spitze der Niederlande und Englands, so wie der große Churfürst von Brandenburg, die Gefahr, welche den Niederlanden, Lothringen und Teutschland zunächst, im Ganzen aber auch dem übrigen Europa von Seiten Frankreichs drohte. Daher die großen Bündnisse gegen Ludwigs Uebermuth; daher die Frie— densschlüsse von Nimwegen, Ryßwick, hauptsächlich aber von Utrecht und Bäden; daher gegen das Ende der Regierung Ludwigs 14 die Demüthigungen, die er erfuhr, wenn gleich ein seltner Wechsel der Ver— hältnisse seinen Enkel Philipp auf dem spanischen Throne erhielt! 46. Gort sebung. Wie tief Spaniens Macht, die im sechszehn— ten Jahrhunderte Europa mit einem Principate be— drohte, gesunken war, zeigte(1659) der pyrenäi— sche Friede, und der Uebermuth, mit welchem Lud— wig 14, nach dem Tode seines Schwiegervaters, — x Iͤschnittz pa gel ar Eiht h den Mnl ampfung al inten doch ederländ et Folge x an der Sht „ 0 Wie d NIs MWe Oie O hauptsachl ue 1 Achh + chhl⸗ Relbalẽ be⸗ yrenäi⸗ schem Ad⸗ vattchz, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 441 Philipps 4(1665), seinem Schwager Karl 2 die spanischen Niederlande entreißen wollte. Was Spa— nien selbst zu retten zu ohnmächtig war, ward ihm erhalten durch einen Staat, der noch kein Jahrhun— dert von Spanien sich losgerissen hatte, durch den Freistaat der Niederlande, dessen Interessen allerdings durch die Nachbarschaft des erschöpften Spaniens weniger, als durch die Nachbarschaft Frankreichs, beeinträchtigt werden konnten. Noch demüthigender war es für den spanischen Stolz, daß, für den Fall des Erlöschens des habsburgischen Mannsstammes, das Ausland den künftigen Regenten Spaniens be— stimmen wollte, so wie daß, während des spanischen Erbfolgekrieges, der Wille und die Kraft der Spa— nier selbst am wenigsten die Thronfolge eines Bour— bons in Madrid entschied. Verlor übrigens gleich Spanien im Utrechter Frieden seine europäischen Ne— benländer; so trat es doch, nach der Anerkennung des bourbonischen Hauses von den europäischen Haupt— mächten, mit etwas mehr Einfluß, als unter den letzten Habsburgern, in die politischen Verhältnisse Europens von neuem ein, wenn es gleich sein früheres politisches Gewicht nicht wieder behaupten konnte. Portugal hingegen, obgleich das Haus Br a— ganza auf dem Throne sich erhielt, war, während dieses ganzen Zeitabschnitts, eine Rull im europäi— schen Staatensysteme und kam in sehr bestimmte Ab— hängigkeit von England. Die schönste Zeit seines Wohlstandes im Innern und seines politischen Gewichts nach außen verlebte aber damals der Freistaat der Niederlände. Denn kaum war die ihm von Frankreich her drohende Ge— fahr verschwunden und Wilhelm 3 als Statthalter an die Spitze der Geschäfte getreten, als sein Reich— 142 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. thum und seine Politik auf die Weltbegebenheiten so mächtig einwirkten, daß auf dem Boden der Republik die wichtigsten politischen Verhandlungen geleitet, und die folgenreichsten Friedensschlüsse unterzeichnet wurden. Dieses politische Gewicht erhielt sich auch während der Zeit, daß Wilhelm zugleich König von Großbritannien(seit 1689) war; nur daß dieses Gewicht von dem Freistaate, der im Utrechter Frieden sehr geringe Vortheile erwarb, zu hoch erkauft werden mußte. Das Gefühl davon wirkte auch so mächtig, daß Holland seit dieser Zeit nur einen verhältnißmäßig geringen Antheil an den Weltbege— benheiten nahm. Ganz anders verhielt es sich mit Großbritan— nien. Nach einem furchtbaren Bürgerkriege endigte Karl 1(649) auf dem Schaffote. Sein kühner Sieger, Cromwell, trat an die Spitze des neuge— schaffenen Freistaates, und gab ihm nach innen und nach außen neue Haltung; besonders legte er durch die Navigationsacte(1652) den Grund zur Größe der brittischen Marine und des Kolonialhandels. Als aber, wenige Monate nach seinem Tode,(1660) das Haus Stuart hergestellt, und von demselben das Streben nach unbeschränkter Gewalt und die Begün— stigung des Katholicismus erneuert ward; da gährte endlich die Unzufriedenheit so ernsthaft und folgenreich auf, daß Jacob 2 selbst den Thron verließ, und Wilhelm 3 ihn, nach Herstellung der in vorigen Jahrhunderten festbegründeten bürgerlichen Freiheit und aller Rechte des Protestantismus, bestieg. Nach diesen Grundsätzen regierten Anna und die George aus dem Hause Braunschweig, und die Weltbegeben— heiten bezeugen es, was die Seemächte seit Wilhelms Thronbesteigung im europäischen Staatensysteme gal— 0½ Handio; san LI 40. hldsle higs r Müi. mußso at Ie MM huod u Wü Im Dulkie Hide 30 ber hr anihe shass IA Kensystne kgebenhein 0 ν dor W, 0 Ider Rahs Naen gele Haen Oelette se nterihn echielt sch at Iglich Kört war; tut im Uhech⸗ zUhochetnn vickte auch it nur ein den Veltbe roßbtitn EAR onn Hrtege enelee y Euln In tuhn e des nebgh ich innen u er durch x d zur Graß Indels. M 4000) d nselben das V die Begun⸗ da gůhtk folgetteih tließ, nd 1 vokiget . VI 9.* Geotge Abegebei Wilhellrs seme gu⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 143 ten und vollbrachten, und wie zunächst durch sie Europa gerettet ward vor Ludwigs 14 Dictatur. 47. Fort seh n ulg. Minder erfreulich ist das Bild, das Teutsch— land in dieser Zeit gewährt. Es ist wahr, nur lang— sam konnten die Wunden eines dreißigjährigen Krie— ges vernarben, der auf dem verheerten Boden Teutsch— lands ausgekämpft worden war; denn ein ganzes Men— schengeschlecht war darüber abgestorben; die Felder lagen zertreten; der Gewerbsfleiß, der Handel, die Thätigkeit in den Kreisen der Wissenschaft und Kunst mußten fast ganz von neuem beginnen; die Städte hatten ihre Blüthe und Kraft, die Municipalitäten ihre frühere Bedeutung und die meisten ihre Rechte verloren; dafür lätete der Druck der Schulden und die Masse der stehenden Heere auf ihnen, die man nun auch im Frieden beibehielt. Die Kraft des Volkes ging unter in den durch den westphälischen Frieden nothdürftig gestütten Formen des heili— gen römischen Reiches; der dritte Stand ward allmählig von den höhern Aemtern im Staate ausge— schlossen; die Höfe umgaben sich mit einem glanzvol— len Adel; die Stände verloren ihren ehemaligen Einfluß, weil, nach dem Vorgange Ludwigs 14, die Begriffe von Souverainetät sich weiter ausbil— deten; die öffentlichen Bedürfnisse stiegen, bevor noch die Bevölkerung sich erhohlt hätte; der permanente Reichstag zu Regensburg wetteiferte mit den Reichs— gerichten an Langsamkeit der Verhandlungen und Ent— scheidungen; auf dem Kaiserthrone konnte Leopold1 zu keinem großen Entschlusse gebracht werden, und 144 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. sein Erstgebohrner, Joseph 1, lebte zu kurz und in einer zu stürmischen Zeit, um das vor ihm verflossene halbe Jahrhundert ersetzen zu können, so wie Leopolds zweiter Sohn, Karl 6, bei an sich beschränkten geistigen Krasten, durch seine Hausinteressen von den Angelegenheiten Tei itschlands zu sehr abgezogen ward. So geschah es, daß Teutschlands Feind im Westen sich auf des Reiches Kosten verstärkte, das Reich ver⸗ höhnte, plünderte und verwüstete, und wenigstens nicht durch teutsche Politik das Ergebniß des Friedens zu Utrecht und Baden vermittelt ward.— Dabei war es von unverkennbarer Rückwirkung auf Teutsch— land, daß früher ein Fürst von Zweibrücken, später ein Prinz von Hessen den n e Thron, der Churfürst von Sachsen den polnischen Wah 4 thron, der jüngste Churfürst des Reiches, der Chur— fürst von Hennsr den brittischen Erbtihron be— stieg, und der Churfürst von Brandenburg, Friedrich, welchem sein großer Vater in der erkämpften Sou⸗ verainetät von Preußen und in der Politik gegen Frankreich mit großem Erfolge vorgearbeitet hatte, zu Königsberg die preußische Königskrone sich selbst aufsetzte, wenn gleich die höhere Bedeutung der preußischen Macht erst dem folgenden Zeitabschnitte angehört. Italien blieb, fast wie Teutschland, während dieser Zeit in einem leidenden Zustande. Gering war der Antheil seiner Freistaaten und selbst des Pap⸗ stes an den Hauptereignissen des Zeitalters. Die vor— maligen spanischen Nebenländer in Italien kamen, nach dem Erlöschen der Habsburger in Spanien, auf die teutsche Linie dieses Hauses; doch gingen Neapel und Sicilien, nach kurzem Besitze, für Oestreich ver— loren. Die ihre Farben häufig wechselnde Politik der N0llttt gegg el hatte, 0 rone sh Neutung der tabschnitte „ wähtard [GIn . Oerllg V* V— st des NM Die vur⸗ an kamea, mien, aus 419* 0 Maph weich ve⸗ Halitik der tf Erster Zeitraum von 1492— 1789. 143 Herzoge von Savoyen ward im Frieden zu Utrecht mit einer Insel und einer Königskrone belohnt, das Haus Lothringen aber aus seinem Erblande, das Fleu⸗ ry's Klugheit für Frankreich erwarb, nach Toskana versetzt. 59. ö* Die Schweiz, zu Münster als selbstständig anerkannt, blieb frei und unabhängig, doch ohne in dieser ganzen Zeit die Spur einer höhern Lebenskraft zu zeigen. ö ö ů 48. Sich leu ß. Dagegen dauerte im Norden die Verbindung mit dem südwestlichen Staatensysteme fort; zunächst für Schweden; doch nahm auch Dänemark— schon aus Eifersucht auf Schweden— seit dieser Zeit mehr Antheil an den Weltbegebenheiten durch Bünd⸗ nisse und Verträge mit dem Auslande. Wenn der unerwartete Tod Karl Gustavs eine drohende Ge— fahr von Dänemark entfernte und zur Ausgleichung sehr vieler streitigen Interessen im Frieden zu Ol iva (4660) führte; so bestand doch das ältere Bündniß zwischen Schweden und Frankreich fort, weil beide Mächte einander bedurften. Zwar schien unter Karl 14 Schwedens Staatskraft geschwächt, beson— ders als der große Churfürst die Schweden bei Fehr⸗ bellin(1675) besiegt hatte; allein Karl 12 wußte den schwedischen Namen von neuem mit Glanz und Schrecken zu umgeben, bis mit seinem Tode(1718) Schweden völlig in politische Unbedeutenheit zurück⸗ trat. Polen blieb, seit sein Thron ein Wahlthron 11 hinter der politischen Entwickelung der übrigen 10 146 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. europäischen Reiche zurück; denn bei dem Zwiespalte der innern Partheien konnte keine Einheit in die An⸗ kündigung des innern und des äußern Lebens kommen. So geschah es, daß, bald nach der Eroffnung des nordischen Krieges,— berechnet von Polen, Ruß⸗ land und Dänemark auf die Verminderung der schwe⸗ dischen Macht,—. Karl 12 in Polen dem Könige August Weinen Gegenkönig aufstellen konnte, der freilich nur während des Glückes der schwedischen Waffen sich erhielt. Selbst nach Augusts 2 Tode (1733) begann über die neue Königswahl in Polen ein Krieg, der zwar in Polen selbst bald für Au gu st 3 entschieden ward, der aber, durch die Zeitverhält— nisse auch über Teutschland und Italien verbreitet, für die gegen Oestreich verbündeten Bourbone in Frankreich und Otanien mit bedeutenden Erwer⸗ 1 iendigte— 0 Allein schneller und⸗ kührer erhob sich in dieser Zeit; keine Macht, als die Macht Rußlands, seit Peter 1 seit 1089) diesem Riesenreiche eine neue Gestaltung im Innern gab, die verjüngte Kraft desselben in den Kämpfen gegen Schweden und die Pforte erprobte, und demselben an den Küsten der Ost⸗ see einen bedeutenden Zuwachs durch Liefland, Esth⸗ land und Ingermanland, so wie, durch die Begrün⸗ dung der neuen Hauptstadt Pete r sbur g, dem Gan⸗ zen einen bestimmten europäischen Charakter ertheilte. Dagegen war die Macht der Pforte im Sin⸗ ken; denn nur vorübergehend war das Erscheinen eines türkischen Heeres vor den Mauern Wiens und das Zeitalter der Kiupruli im Staatsrathe und im Felde. Bald bezeugten die Friedensschlüsse von Car— lowitz und Passarowitz das Uebergewicht der christ— lichen Mächte über die Tapferkeit der Janitscharen— —— — — — — — ——— I M RHip 6% 109 hn lian hma⁰ * Nuh hihhh fiedmnl a 001 U hgig ι hr ssi sins. 8 — 9U 10 uleshün. dem Zuiset ihit in duh Ubens kntn Enfftum Pelen, I Mrunt der st len dem Khh len konnte, der schwohsst lugusts 2A wahl in für Augi die Zetves⸗ lien vethut Buurbon Henden E h ssch in Flands iche eine u ruüngue M Lden und d ssen der N land, Esh di Vohri 9 dem Gn ster aiholt te in O Erschin Winns u rhe undi se von& der dn anitschan Erster Zeitraum von 1492— 1789. 147 Was aber bei dem erneuerten Türkenkriege(1736) Oestreichs Politik im Belgrader Frieden(1739) opferte, geschah aus ganz andern Rücksichten. 40. z. 9997— B3) Die Hauptbegebenheiten in diesem Zeitabschnitte. ö a) im sudwestlichen Staatensysteme. 1) Frankreichs Streben nach dem Principate. Ludwigs Abfichten auf Belgien. Mit Glanz, Vergrößerung und gesteigerter Macht war Frankreich aus dem dreißigjährigen Kriege getreten; unter ähnlichen Verhältnissen schloß es(7. Nov. 1659) den pyrenäischen Frieden*) mit Spanien, in welchem Perpignan, Roussillon, Artois und ein Theil von Flandern an Frankreich kamen; so wie dieser Friede zugleich die Vermählung Ludwigs 14 mit Maria Theresia, der ältesten Toch⸗ ter Philipps 4, einleitete. Was Richelieu und Mazarin(1 1651) in Hinsicht der auswärtigen Ver— hältnisse für Frankreich bewirkt hatten; das geschah für das Innere, für die Belebung des Gewerbswesens, des Handels und des Kolonialsystems, seit Colbert (1661) an der Spitze der Verwältung stand. Erhob⸗ sich gleich die Staatswirthschaft dieses Zeitalters nicht über die Grundsätze des sogenannten Merkantil— systems, nach welchem der Reichthum eines Staa— du Mont, T. 6. P. 2. p. 264 sꝗq. 10 4 148 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. tes zunächst in der vorhandenen Masse des baaren Geldes bestehen, und die Staatsklugheit nur zu be— rechnen haben soll, wie und wodurch die Vermehrung des Geldeapitals und die Verhinderung der Ausfuhr des baaren Geldes zu bewirken sey; so ward dieses einseitige System doch eben so gut in der Staatswirth⸗ schaft der Niederlande und Großbritanniens befolgt, wie in den von Colbert festgehaltenen Maasregeln. Unverkennbar war Frankreich in dieser Zeit reif ge— worden für die höhere Entwickelung des Gewerbs— wesens; auch flossen aus dem dadurch vergrößerten Handelsverkehre die Summen, welche Ludwig 14 zu seinen Kriegen und zu seinem glänzenden Hofstaate bedurfte, ob sie gleich nicht hinreichten, dem Reiche die Schulden zu ersparen. Denn der König, dessen Grundsatz es war: L'état cest moi, mochte wohl Minister und Maitressen in seiner Nähe, aber keine Stände des Reiches dulden, die ihn beratheten, weil durch ihn die, von den ersten Stuarts in Großbri— tannien bereits im Parlamente theoretisch aufge— stellte, Lehre von der unbeschränkten Regentengewalt practisch geübt ward; so wie er in den Verhält⸗ nissen zu dem Auslande der Erste seyn, und überall das Wort der Entscheidung führen wollte.* Der auf dem brittischen Throne hergestellte Stuart, Karl 2, trug gegen die Niederländer einen persönlichen Groll in sich, und kündigte ihnen(1665) den Krieg an, in welchem der Bischoff von Münster auf seine Seite trat. 1662 mit dem Freistaäte verbündet, den Bischoff zum Frieden nöthigte; so nahm es doch so wenig, wie Dänemark, an dem Kriege mit England ernsthaften Antheil, und der Freistaat sah sich— ungeachtet des von Ruyter auf der Themse erfochtenen Sieges— Ob nun gleich Frankreich, seit — E— dnsystng ees bunz hheit nur uh Dameh 10 de Aueth wurd d Enntent nniens hesth u Maerggt aeit tif⸗ des Gemirz vergrößten ldwig 14 den Hofstu „ dem Nh Känig, dst mochte uu He, abet ki Hatheten, n im Grostÿ tisch ash gentengenth L Verhil und iber Hergesih lander ene uen(thsij n Minstt nirlich, st Bschf penig/ M ernsthast kachtt E Siiges Erster Zeitraum von 14902— 1789. 149 veranlaßt, unter schwedischer Vermittelung den Frie— den zu Breda mit Großbritannien*) auf den bis⸗ herigen Besitzstand(31. Jul. 1667) abzuschließen, wobei Holland einige Befreiung von der Naviga— tionsacte in Hinsicht des Handels auf dem Rheine erhielt. Frankreich unterzeichnete an demselben Tage seinen besondern Frieden mit England, worin es Akadien zurückerhielt, und eben so Dänemark. Beschleunigt ward aber der Abschluß dieses Frie— dens durch einen Angriff Frankreichs(Mai 1667) auf die spanischen Niederlande, welche Ludwig 14, nach dem Tode seines Schwiegervaters Philipps 4 (1665), mit Ausdehnung des in Brabant und Namur in Privatverhältnissen geltenden juris devolutionis) auf ganz Belgien, in Anspruch nahm. Hätte Ludwig Belgien erworben; so ward der Handel des Freistaa— tes der Niederlande gelähmt, und Holland eine Pro⸗ vinz Frankreichs; auch wäre Teutschland dann am Niederrheine eben so von Frankreich bedroht worden, wie bereits am Oberrheine durch den Erwerb des El— sasses. Allein Spaniens Kraft war erschöpft, und Leopold 4blieb unthätig. Da bewirkte die Umsicht des de Witt im Haag, in Verbindung mit dem Ritter Temple und mit Dohna, die sogenannte Tri— pleallianz(23. Jan. 1668)*) zwischen den *)du Mont, T. 7. P. 1. p. 44 sꝗq. *) Nach diesem Rechte fiel, bei dem Tode eines Vaters, der Kinder aus mehreren Ehen hat, alles, was er in jeder Ehe erworben hatte, den Kindern dieser Ehe zu. Dieses Recht galt aber nie bei den nie— derländischen Fürsten; auch war es gegen Karls 5 Erbfolgeordnung, und gegen die Verzichtleistung der Maria Theresia bei ihrer Vermählung mit Ludwig 14. ) du Mont, T. 7. P. 1. p. 68 sqq. ö — ———— ————— 150 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Niederlanden, Großbritannien und Schweden, wo⸗ durch Ludwig 14 genöthigt ward, nachzugeben, und mit Spanien den Frieden zu Aachen*)(2. Mai 1668) zu schließen. In diesem Frieden behielt Frank— reich zwölf feste Plätze in Belgien(Tournay, Douai, Lille, Ryssel, Charleroi ꝛc.), gab aber die eroberte Franche Comte zurück. 4 ö 50. Fortsetzung. Ludwigs Rachekrieg gegen die Nieder⸗ ö lande. Bei dem tiefen Grolle, den Ludwig gegen die Niederländer wegen dieser Allianz gefaßt hatte, durfte weder die Abbrechung der frühern freundschaftlichen Verhältnisse mit denselben, noch der Racheplan be— fremden, den er entwarf. Doch mußte zuvor die Tripleallianz gesprengt werden, was bei der Indivi— dualität des Königs Karl 2 von England, und bei den Finanzverhältnissen Schwedens nicht schwer schien. Der Erfolg übertraf in der That Ludwigs Erwartun— gen; denn mit Großbritannien ward(1. Jun. 1670) ein geheimes Bündniß, berechnet auf den Unter⸗ gang des Freistaates und auf den Sturz der brittischen Verfassung, und(14. Apr. 1672) mit dem geldbedürftigen Schweden ein Sub— sidienvertrag abgeschlossen. Durch Geld wurden die Bischöffe von Köln, Osnabrück und Münster für Frankreichs Interesse gewonnen, der Herzog von Lothringen⸗) aber(1670) aus seinem Lande ver⸗ *)du Mont, T. 7. P. 1. p. 639 5. **) Der Herzog, der keine Kinder hätte, ließ sich bereits fisth U P. W mil iusysing chchn, 11 igcben, 170(%0 dchilt Int ma, Duu N uuhen N gegen A hatte, uf Ldschaftliz acheplan zuvor der Indih d„ und 6 wer schin Cwaftu n. 107⁰0 uUnter⸗ U Sturs (14. M. ein Sib urden di inster ft ö 3og 0 Hande vi⸗ ch a Erster Zeitraum von 1492.— 1789. 154 trieben, weil er den Niederländern 40,000 Mann Truppen angeboten hatte. Selbst der Kaiser Leopold ward(1. Nov. 1671).., durch die Einwirkung des französischen Gesandten Gremonville auf den Minister Fürsten von Lobkowitz, zu einem geheimen Ver⸗ trage mit Ludwig gebracht, worin Leopold versprach, an einem Kriege, der außer den Reichskreisen zwischen Frankreich, England, Schweden und den Nieder⸗ landen entstehen könnte, keinen Antheil zu nehmen. Nur der Churfürst Friedrich Wilhelm blieb für Ludwigs Anträge unzugänglich; denn er durchschaute Frankreichs Plan, und trat mit einem Heere von 20,000 Mann auf die Seite der Niederlande, wo der einsichtsvolle Rathspensionair de Witt nur die Bil⸗ dung der Landmacht, über der Ausrüstung der See— macht, zu sehr vernachlässigt hatte. Von dem Bünd⸗ nisse des Freistaates mit dem entkräfteten Spanien war wenig zu erwarten! ů 366*** Siegreich drangen die Heere Frankreichs in Geldern und Utrecht, und in Verbindung mit Kölln und Münster,(Mai 1672) in Oberyssel, Gröningen und Friesland vor; die wichtigsten Plätze sielen in unverzeihlicher Eile; doch Ruyter kämpfte.(Jun.) eine blutige Seeschlacht mit der brittischen Flotte. In einem Volksaufstande im Haag fielen(20. Aug.) die Brüder de Witt unter der Wuth des Pöbels; im Jahre 1662 von Frankreich zu einem Vertrage bewegen, in welchem er Lothringen an Frankreich gegen ein Jahrgeld von 700,000 Livres überlassen wollte, wobei Ludwig versprach, die Prinzen von Lothringen als königliche Prinzen zu behandeln. Allein Karl 5, des Herzogs Bruderssohn, und die Stände Lothringens widersprachen. *) du Mont, IJ. 7. P. 1. p. 154, 84. 152 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der junge Wilhelm 3 aber ward zum Statthal— ter ernannt, der Mann, in welchem Ludwigs kräf— tigster Gegner erwuchs.— Noch vorher(25. Jul. 1672)*) schloß Leopold, unter Brandenburgs Ver— mittelung, ein Subsidienbündniß mit den Generalstaa⸗ ten zur Aufrechthaltung des westphälischen Friedens, wornach ein östreichisches Heer von 12,000 Mann mit den Brandenburgern sich vereinigen sollte. Doch folgte Montecuculi den geheimen Befehlen, nicht gegen die Franzosen zu handeln. Als aber Ruyter und Tromp in drei Seeschlachten mit der brittisch⸗fran⸗ zosischen Flotte sich gemessen hatte, das brittische Par— lament dem Könige Karl 2 zu diesem Raubkriege keine Gelder weiter bewilligte, worauf(19. Febr. 1674) der Friede zwischen England und dem Freistaate auf den vorigen Besitzstand hergestellt ward, und Kölln und Münster, unter Leopolds Mitwirkung, mit Holland (1674) sich versoöhnten; da ward, nach vielfachen Ver⸗ letzungen des teutschen Bodens durch Frankreichs Heere und nach der Ueberwältigung der zehn Reichs⸗ städte im Elsaß, der Reichskrieg von Teutsch⸗ land(31. März 1674) an Frankreich erklärt. Der Churfurst von Brandenburg schloß(1. Jul. 1674 mit dem Kaiser, mit den Niederlanden und Spanien besondere Verträge, und versprach, für niederländi⸗ sche und spanische Subsidien, 16,000 Mann zu stel⸗ len; eben so schlossen Dänemark(10. Jul.) mit 16,000 Mann, und die Herzoge von Wolfenbüͤttel und Celle dem Bunde sich an. Allein auch Ludwig erschien mit drei mächtigen Heeren. Er selbst führte das eine, welches(Mai 1674) die Franche Comté du Mont, T. 7. P. 1. p. 20g sqq. +) ibid. p. 267 sꝗꝗ. 7 M düah 5030⁰ d sMM/ A 1ι 06 0*. I WN EI -U1 K WI A Pü M W H ug INII dim. umlor I uun XII dehath f O ö f V — 4m1 N nshstnt Stathil Udwigtih, ur(25, A Auburgs V NHeneralsur Hun Nihez 0Mn ni . Ducg „ nichtgeh luhter y ittisch⸗ft ittische üriege fl 1. 107⁰0¹ kuate au x D Kölla in nit Holas Hachen V * Frankreich i Richs⸗ Teut sch irt. Der 107⁰0˙ Spanier Iiderlärdi⸗ un z sth Nul.) M Wlenbitt ch Moc lhst fühce Comte Erster Zeitraum von 1492— 1789. 153 überwältigte; ein zweites, unter Condé6, stand in Belgien, wo ihm der Oranier, an der Spitze von 60,000 Oestreichern, Niederländern und Spaniern die blutige Schlacht bei Senef(14. Aug. 1674) lieferte; das dritte, am Oberrheine und im Churstaate Pfalz, führte Turenne. Dieser schlug(16. Jun. 1674) den Herzog von Lothringen bei Sinzheim, so wie(29. Dec.) die Oestreicher unter Bournonville und die Brandenburger unter Friedrich Wilhelm bei Mühlhausen.— Für Frankreichs Subsidien zog aber in dieser Zeit ein schwedisches Heer(Dec. 1674) unter Wrangel gegen Brändenburg; denn Ludwig wollte den Churfürsten, seinen gefährlichsten Gegner, vom Rheine entfernen. Allein dieser be— wirkte im Haag(Mai 1675) die Kriegserklärung der Niederlande, so wie auch Spaniens, an Schweden, worauf er in Eil den Schweden entgegen ging, und sie(18. Jun. 1675) bei Fehrbellin besiegte. Nach diesem Tage erklärten das teutsche Reich und Däne— mark den Krieg an Schweden, und Frankreich an Dänemark, worauf Friedrich Wilhelm, unterstützt von einem östreichischen und dänischen Corps, über Vorpommern sich verbreitete. In dem Rheinkriege fiel Turenne(27. Jul. 1675) beim Recognosciren der Stellung der Teutschen bei Saßbach, unweit Offenburg. Seit dieser Zeit ward der Krieg nur schläfrig geführt, und, unter Englands Vermittelung, zu Nimwegen*) beendigt, wo die französische % du Mont, J. 7. P. 1. p. 350 sqq. Actes et mé- moires des négotiations de la paix de Nimêgue. 4 T. à Amst. 1680. 6.— St. Didier(Gesandt— schaftssee. des Grafen d'Avaux), histoixé de la paix de Nimêgue. à Paris, 1697. g. 154 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Politik mit ihren Gegnern durch Separatver⸗ träge sich versohnte. Zuerst unter zeichneten die Niederlande(10. Aug. 1678) mit Frankreich auf den vorigen Besitzstand und auf Herstellung der vori⸗ gen Handelsverträge; dann(17. Sept. 1678) Sp a⸗ nien*), das an Frankreich die Franche Comté, mit Bisanz, und die festen Plätze Valencien⸗ nes, Buchain, Condé, Cambray, St. Om er, Vp ern, Maubeuge u. a. überlassen mußte; dar⸗ auf der Kaiser und das Reich(5. Febr. 1679) auf die Grundlage des westphälischen Friedens, doch mit Ueberlassung der Stadt Freyburg im Breisgau von Oestreich an Frankreich, wogegen Frankreich das Besatzungsrecht in Philippsburg zurückgab. Gleich— zeitig(5. Febr. 1679)) ward vom Kaiser und dem Reiche der Friede mit Schweden auf die Grund⸗ lage des Vertrages von Osnabrück abgeschlossen, und versprochen, Brandenburg und Dänemark bei der Fortsetzung des Krieges nicht zu unterstützen. Der große Churfurst, der seine gegen Schweden er⸗ rungenen Vortheile nicht aufopfern wollte, ward dar— auf(März 1679) durch ein in Cleve vordringendes französisches Heer zum Frieden mit Frankreich und Schweden zu St. Germain en Laye(29. Jun. 1679) genöthigt, in welchem er einen kleinen Land— strich am Ufer der Oder von Schweden, und von Frankreich 300,000 Kronen als Vergütung für die Kriegsschäden erhielt. Nach diesem Frieden unter— zeichnete auch Dänemark mit Fränkreich zu Fon⸗ — *) du Mont, I. 7. P. 1. p. 365 8. **) ibid. p. 376 sꝗq. ***) ibid. p. 389 sdd 2 laE N SIh Wiun. fl Iuhnn Hen SM 5 10 0 0¹⁰ RW iR U1 3i bu Hahn Ol ö . 24 k 0H Aparahge Lichnem y Runtrah Uung derm 1 En ache Cont Dalenggeg „S Oner nußt du be. o0he riedens, in Brathn rankreih x ab. Glch liset und in die Gund Hlossen, un F bei d. n. Dur hweden er⸗ ward dar⸗ hringendis freich und . In. nen Vnd⸗ und un 0 fir i den unta⸗ j S Erster Zeitraum von 1492— 1789. 155 tainebleau Q. Sept.)*), und zu Lund mit Schweden (20. Sept.)) auf den vorigen Besitzstand. Nur der Herzog von Lothringen verwarf die harten Be⸗ dingungen, unter welchen Frankreich ihn herstellen wollte; so blieb sein Land bis zum Ryßwicker 23— den in Frankreichs Händen. 3 en Fort setzung. Ludwigs Reunionskammern, und der pfäl⸗ zische Erbschaftskrieg. Es war der Politik Ludwigs gelungen, durch Separatverträge das Bündniß gegen ihn zu sprengen; dabei mußte ihm die Schwäche Spaniens und Teutsch— lands einleuchten. Mehr als der Krieg ihm verschafft hatte, wollte er nun im Frieden, und zwar unter dem Scheine des Rechts, erobern. So nöthigte er, gegen die n des W ien Friedens, (1679) die zehn Reichsstädte im Elsasse, ihm zu hul⸗ digen, maßte sich die Souverainetät über die Reichs— ritterschaft im Elsasse, und über die Lehen und Va— sallen der drei lothringischen Bisthümer an, welche außerhalb des Gebiets derselben lagen, und wohin Besitzungen der Bischöffe von Basel, Speyer und Straßburg, so wie der Grafen von Hanau„Leiningen u. a. gehörten, und errichtete zu Metß, Breysach und Bisanz(1680), unter dem Namen Reunions⸗- kammern, Gerichtshöfe, welche entscheiden sollten, was je zu den ihm zu Münster und Nimwegen abge— tretenen Ländern mit allen ihren Dependenzen *) du Mont, IJ. 7. P. 1. p. 419 59. *) ibid. p. 425 sꝗd. — — +* ö ů x 27 — ————— 156 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. gehört habe. Sein Uebermuth rechnete dahin ganze Fürstenthümer und Grafschaften(Zweibrücken, Saar⸗ brücken, Mömpelgard, Sponheim ꝛc.), und bemäch— tigte sich sogar durch Ueberfall(30. Sept. 1681) des Schlüssels zum Oberrheine, der Reichsstadt Straßburg. Da Teutschland in dieser Zeit weder gerüstet, noch einig, und Leopold in einen neuen Tür— kenkrieg verwickelt war; so schloß das Reich zu Re— gensburg(15. Aug. 1684) mit Ludwig einen Waf— fenstillstand auf 20 Jahre*), in welchem Frank— reich alles behielt, was es bis zum 1. Aug. 1684, mit Einschluß von Straßburg und Kehl, reunirt hatte. Allein bereits im Jahre 1685 erneuerte Ludwigs Habsucht ihre Forderungen unter einem neuen Vor— wande, nach dem Tode des Churfürsten Karl(26. Mai) von der Pfalz, dessen Schwester, Charlotte Elisabeth, an den Herzog von Orleans vermählt, und zur Allodialerbschaft ihres Bruders berechtigt war, weil mit ihm seine Linie erlosch, und die Chur⸗ würde mit den Churländern auf die Linie Pfalz-Neu- burg überging. Allein Ludwig rechnete ganze Länder— theile(die Fürstenthümer Simmern und Lautern, die halbe Grafschaft Sponheim ꝛc.) zu den Allodien, be⸗ handelte den neuen Churfürsten von der Pfalz mit keckem Uebermuthe, und verlangte, daß der Papst — nicht der Kaiser— die Angelegenheit entscheiden sollte. Gleichzeitig hob er(22. Oct. 1685)*½) das Edict von Nantes auf, wodurch er die Theil— nahme der Protestanten in Teutschland an dem Schick⸗ sale der Hugonotten erregte.— Da bildeten sich neue Bündnisse zwischen den Niederlanden, Schweden *) du Mont, P. 7. P. 2. p. 01 sqq. *) jhid. p. 117 sꝗdꝗ. 7 0 1 110 3 Shun NM Bgn In Hal07) hud hH Im W I up x Wi 0 erhot.) NI Vur E uhup ⁵½ I Rin 6 19 Rghz der RxW audeshyn WA9A N W 0 — — Me )R 9 en sysenz. . dahi V Rücken, Ein. Ind banth. 081) N Wichssah se dit pehe en nun Tis R. einen Daf Ichem Frunt Aug. 108, relnirt hatt lette Bdbwig uen Vn RKatl „, Chart Hmaht, i0 15 berth d die Ce Dalz⸗M me Lnder utten, de odien, be: Pah mi er Papf eulschide 57%%M de Vol om Sch N sich sit Schwedi Erster Zeitraum von 1492— 1789. 157 und Brandenburg; zwischen Brandenburg und dem Kaiser, und sodann der große Bund zu Augsburg (29. Jun. 1686)*) zwischen Oestreich, Spanien, Schweden, Chursachsen, Churbayern, und den Reichskreisen Franken, Oberrhein und Bayern zur Behauptung der Sicherheit Teutschlands und der letz⸗ ten Verträge. Die neue streitige Wahl im Erzstifte Kölln(1688), wo Ludwig den Bischoff von Straß⸗ burg Wilhelm Egon von Fürstenberg gegen den bayrischen Prinzen Joseph Clemens unterstützte, führte zum Kriege, welchen(24. Sept. 1688) Ludwig an Teutschland erklärte, der mit der Ueberschwemmung der pfälzischen, badenschen und wirtembergischen Län— der durch Frankreichs Heere, so wie mit dem Niederbren— nen(1689) der wichtigsten und schönsten Städte in den Rheingegenden,(Heidelbergs, Mannheims, Speyers, Worms ꝛc.) auf den Befehl des Kriegsministers Lou— vois, eröffnet ward. Zu Regensburg erklärte man, nach langer Ueberlegung, den Reichskrieg(14. Febr. 1689) gegen Frankreich, und Frankreich(den Garant des westphälischen Friedens) für den Reichs— feind. Folgenreicher aber, als diese Kriegserklä⸗ rung, war die Thronrevolution in England(Nov. 1688), durch welche Wilhelm 3 zur englischen Krone gelangte, und mit ihm, der nun an der Spitze der Seemächte stand, die europäische Politik sich anders gestaltete. Mit dem politischen Gewichte beider Staaten, die er leitete, bewirkte er(12. Mai 1689) zu Wien die große Allianz*3) mit dem Kaiser, Spanien und Savoyen gegen Frankreich; doch war Wilhelm *du Mont, IJ. 7. P. 2. p. 151 80g. *) ibid. p. 229 sqꝗ. W ö NMMN W ö 10 4 x N WNl HATI 6 I ö ö WAANMAAN . 0 40 ö NWMN * ö 1½0 W IR 0 V. i Ie .* l ö N MN WWNNN N W WII N WNNW N WN N W ö N N N 190//6 IWl x ö 6 W N MAMAAN W 0 WNNN MM 158 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. größer im Kabinete, als im Felde, wo die strategische Ueberlegenheit der Feldherren Frankreichs aus Turen⸗ ne's Schule oft den Sieg behauptete. Der Kampf ward auf dem Meere, in Belgien, Italien und in den Rheingegenden geführt. Der Marschall von Lupem-⸗ burg siegte über den Fürsten von Waldeck(1. Jul. 1690) bei Fleurus, wodurch Belgien, und, nach Catinats Siege bei Staffarda(18. Aug.), auch Sa⸗ voyen und Piemont von Frankreich besetzt und beide, nach der Schlacht bei Marsiglia, welche(4. Oet. 1693) Catinat gegen den Herzog von Savoyen ge— wann, behauptet wurden. Bei Steenkerken (3. Aug. 1692), und bei Neerwinden(29. Jul, 1603) bezwang Luxemburg den König Wilhelm selbst; das Reichsheer am Oberrheine kämpfte mit sehr abwechselndem Erfolge. Villeroi zerstörte durch Bombardement(13. Aug. 1695) 3000 Häuser zu Brüssel; Barcellona ward(1697) von den Fran⸗ zosen genommen. Bei allen Siegen der Feldherren Frankreichs fühlte doch Ludwig die Erschöpfung seiner Finanzen durch den Krieg; auch belebte Wilhelm 3 den Bund gegen ihn, der(1695) im Haag erneuert ward; dazu kam die Aussicht auf die baldige Erledigung des spa⸗ nischen Thrones. Dies alles führte Ludwig 14 zu gemäßigten Friedensbedingungen; doch gelang es ihm auch wieder zu Ryßwick, seine Gegner zu trennen und zu Separatver tragen zu bringen. Schon vorher unterzeichnete der Herzog von Savoyen den Frie⸗ den zu Turin)(29. Aug. 1696) auf Herstellung in seinen Ländern und auf den Erwerb von Pignerol. *)du Mont, IT. 7. P. 2. p. 368 sqꝗ. 90R Iand zuf ˖1 —1 H lbee WE duch M ghn Csisthn Iln L Dod Tuhun sid A Da Hal du H+ Ishat 18 huniun ul III sugt wuincy shrsn Anspsnz dit sinthih beshtud did LIIE Eun g Steenketkt Rden M. Lönt Oiht fanpt nit Arstitte du 0 Hus un den gez Frankuch Iir Fmnamm ben Bun ward; dan Ina des spa/ owig 14 lang trennen nd on dhl den dl Herstelhag VDM Erster Zeitraum von 1492— 1789. 1359 Zu Ryßwick n) schlossen die Niederlande, Eng⸗ land und Spanien(20. Sept. 1697) den Frieden auf die Grundlage des Vertrages von Nimwegen, auf die Herstellung der vorigen Verhäl tnisse, so wie auf die Anerkennung Wilhelms 3 in England; und eben daselbst, der Kaiser und eine Reichsdeputation von 32 Ständen(30. Oct. 1697)), auf die Ver⸗ träge von Münster und Nimwegen, so weit diese nicht durch neue Bestimmungen verändert würden. So geschah, daß Ludwig alles, was er a uß er halb des Elsasses reunirt hatte, so wie die Festungen Philipps⸗ burg und Kehl an das Reich, und Freyburg und Breysach an den Kaiser zurückgab, dagegen aber Straßburg und die Souverainetät uber die Reichs⸗ städte und die Reichsritterschaft im Elsaß behielt, Der Herzog Leopold Joseph Karl von Lothringen ward auf die politischen Verhältnisse des Jahres 1670 hergestellt; das Haus Orleans erhielt für die Ansprüche auf die pfälzische Allodialerbschaft— nach der Entscheidung des Papstes— 300,000 Thaler! — Dagegen war aber die in der Nacht vor der Unterzeichnung des Friedens dem vierten Artikel eingeschobene, Klausel ganz gegen den westphä⸗ lischen Frieden, nach welcher in allen von Frankreich zurückgegebenen Ortschaften die von Frankreich einge⸗ führte katholische Religion bleiben solle. Vergeb— — u Bbon 5. T. 7. P. à. p·599 s0·(Moetjens) Actes, mémoires et négotiations de la paix de Rylswick. 5 T. à la Haye, 1707. 12. Du Mont, mémoires politiques pour servir à la parfaite in- telligence de la paix de Rysswick. 4 T. 1696. 8• (gehen von 1648— 1676.) *ν) du Mont, TJ. 7. P,. 2. p. 42 1 sqq. ů ( ů V N N. +F0 * 3 WNN ö* 7˙0 6 4 V x AW IIA 4 M *0 VI +*4 WN WN V ů * N H IN 4* RIN 7 ö ö I. . 0 4 ½/ 1 V II 160 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. lich protestirten die evangelischen Deputirten dagegen (4. Nov.)). 11 ö 52. ö 1240• 6 2) Der spanische Erbfolgekrieg. Trat gleich Ludwigs 14 Politik mit bedeutenden Erwerbungen in Belgien und im Elsaß, und sein Heer mit ausgezeichnetem Ruhme aus den drei ge⸗ führten Kriegen; so hinderten doch wichtige Bünd⸗ nisse, deren Seele, besonders in späterer Zeit, der Oranier war, das politische Principat, nach wel⸗ chem Ludwig 14 strebte. Die Idee des politischen Gleichgewichts war practisch verwirklicht worden. 0 i Allein dieses Gleichgewicht ward von neuem durch das bevorstehende Erlöschen des habsburgischen Mannsstammes in Spanien*) bedroht, für wel⸗ chen Fall Ludwig zu Ryßwick im Voraus so gemäßigt erschienen war. Denn er nahm, als Gemahl der Maria Theresia, der ältesten Schwester Karls 2 von Spanien,(welche aber bei ihrer Vermählung auf alle spanischen Erbrechte feierlich verzichtet hatte,) die ganze Erbschaft für den zweiten Sohn des Dau⸗ phins, den Herzog Philipp von Anjou, der *) J. Jac. Moser, vollständiger Bericht von der so berühmten als fatalen clausula art. 4. pacis Rysw. Frankf. 1732. 4. 11 ö *½) de Lamberty, mémoires pour servir à['histoire du XVIII. siècle, contenant les négotiations, trai- tez, résolutions éto. concernant les affaires d'état. 14 Voll. à la Haye, 1724 sqq. 4. N. E. Amst. 1755.(von 1700— 1718.) Kgush er ĩ BN I I j L. b Las 110 ⁰ H H U AI —ν HH Hhn Eihle 30 filot Wihn n l 1 M N2 Is Wu IIIN. Int hy teni usag sm 6 luuns, „ Hultken zun Arkrig nit hbattw IWF„ uds 15 den ai g uihaiht Bim er Zal, de a, nuch wil ulitischt I a vun nan Hbebutzstz aht, fit u6 sgmüß Gemahl x Horls 2 nihlung u hut hatt de Dan⸗ Luhou, de Iyyn lüit Ilions, llal⸗ Hites Cetat „ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 161 Kaiser Leopold, Gemahl der Margaretha Theresia, der jüngern Schwester Karls, dieselbe für seinen zwei— ten Sohn, den Erzherzog Karl, und der Churfürst von Bayern für seinen unmündigen Sohn, den Chur— prinzen Joseph Ferdinand, den Enkel des Kai— sers von der spanischen Prinzessin, in Anspruch.— Allein die gesammte spanische Monarchie, so kraft— los sie auch in den letzten Zeitabschnitten im europäi— schen Staatensysteme sich angekündigt hatte, in Einer Hand, schien dem Oranier das politische Gleichgewicht zu bedrohen. Ob nun gleich zu Madrid für Frank— reich von dem gewandten Marquis Harcourt, und für Oestreich von dem Gräfen Harrach unterhandelt ward; so suchte doch Ludwigs 14 Schlauheit den Ora— nier durch die Unterzeichnung eines— ohne Spaniens Einwilligung abgeschlossenen— Theilungsvertra— ges der spanischen Monarchie(14. Oct. 1698)* zu täuschen, nach welchem der Churprinz von Bayern den Thron von Spanien und Indien besteigen, Neapel und Sicilien aber an den Dauphin, und Belgien und Mailand an den Erzherzog Karl kommen sollte. Wenn Karl 2, beleidigt durch diese Einmischung fremder Mächte in die spanische Erbfolge, sogleich darauf den Churprinzen von Bayern zum Nachfolger in der ganzen Monarchie erklärte; so führte doch dessen unerwarteter Tod(16. Febr. 1699) zu einem zwei⸗ ten Theilungs vertrage(25. März 1700).0 zwischen den Seemächten und Frankreich. Nach die— sem ward der Erzherzog Karl zum Throne von Spa— nien und Indien, mit Einschluß Belgiens, bestimmt; der Dauphin aber sollte Neapel, Sicilien und das, ) du Mont, T. 7. P. 2. p. 442 3qq;. 1) ibid. p. 477 sqq. III. 11 2 4.——....... 52 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. von dem lothringischen Hause gegen Mailand einge— tauschte, Herzogthum Lothringen erhalten. Allein mit diesem Theilungsplane war man in Madrid und Wien unzufrieden, und Karl 2, nachdem der östrei— chisch gesinnte Minister Oropeza gestürzt und der Kar— dinal Portocarrero sein Nachfolger geworden war, ernannte(2. Oct. 1700) in seinem Testamente den Enkel Ludwigs, den Herzog Philippe von Anjou, zum Erben der gesammten Monarchie, wogegen der Kaiser Leopold protestirte. Nach Karls 2 Tode(1. Nov. 1700) mußte Ludwig 14 entweder das Testa⸗ ment, oder den zweiten Theilungsvertrag anerkennen. Er wählte das erste, und erklärte:„es gebe fortan keine Pyrenäen mehr,“ ob er gleich einen neuen Krieg voraussehen mußte. Deshalb ward der Chur— fürst von Bayern Maximilian Emanuel, durch das Versprechen der beständigen Statthalter⸗ schaft in den Niederlanden für sich und seine Nach⸗ kommen, zum Bündnisse mit Frankreich gebracht, wel— chem sein Bruder, der Churfürst von Kölln, beitrat. Der, mit dem nordischen Kriege gleichzeitige, spanische Erbfolgekrieg begann damit, daß der Prinz Ludwig von Baden ein mäßiges östreichi⸗ sches Heer nach dem Rheine, und Eugen ein anderes, zur Besetzung des erledigten Reichslehns Maila n d,/ nach Italien führte. Hier aber erklärten sich die Her⸗ zoge von Savoyen und Mantua für Fräkreichs Interesse. Dagegen vereinigten sich(7. Sept. 1701 Oestreich, England und die Niederlande im Haag zur großen Allianz. Zwar erlebte Wilhelm(4. 49. März 1702) den Anfang des Kampfes nicht; allein sein System ward, unter seiner Nachfolgerin Anna, Mont, A. g. p. 1. p. 89 sdꝗ. GE Wtd Iud l,* 00 — Inn Hafhee. I W Iu Wv„ muc Reh N-I Huldn Hsatt yr An ½ lkeg y Iuist. HHN inH: W Fsn fishn OKE duless IMin Mn, I auMn de In Rm Re her gunden y N munn V I 0 WM bt nurchie, unt Lanbꝰ L0· Whr dis dst Wa ackennen gebe fut un meuen Hen ad det Chu Iun Enan n Suhh 1 seine M Hgchrach, u6 Hln, bitt glachzaitz hmit, di 105 asti nch arderts, VMailand sch de ha⸗ 12 Rrntrahs a t0 in Ha Hhn K sucht: allah nm Inn Erster Zeitraum von 1492— 1789. 163 in England durch Marlbourough?s), in den Niederlanden durch den Rathspensionair Heinsius, und von Seiten Oestreichs durch Eugen festgehal. ten. Der großen Allianz schlossen sich an Preußen (20. Jan. 1702), das teutsche Reich(6. Oet. 1702), Portugal(16. Mai 1703), und später sogar der Schwiegervater Philipps von An jou, der Herzog von Savoyen(1703), der das französische Interesse verließ. Sehr unklug war es von Ludwig, daß er das brittische Parlament, das Anfangs diesem Kriege nicht geneigt war, durch die Anerkennung des Prätendenten Jacob 3 aus dem Geschlechte Stuart reizte, nachdem dessen Vater, Jacob 2, zu St. Ger— main(16. Sept. 1701) gestorben war. Die Schauplätze des Krieges*) waren die Nie— derlande, Italien, Spanien, Teutschland; doch bil— dete der Kampf auf der pyrenäischen Halbinsel im Ganzen nur eine Seitenparthie, weil Philipp von Anjou von den Kastiliern, und der(erst 1704 dahin gekommene) Erzherzog Kärl nur von den Cataloniern anerkannt ward. In Italien siegte Eugen über Fremont bei Carpi(7. Jul. 1701), schlug den An— griff der Franzosen und Spanier unter Villeroi auf sein Lager bei Chiari(1. Sept.) zurück, und nahm den Marschall Villeroi(1. Febr. 1702) in Cremona gefangen. Darauf erschien Vendome mit einem frischen Heere in Italien, und siegte bei Vittoria (26. Jul. 1702) über die Oestreicher unter Visconti; *) W. Coxe, memoirs of J. Duke of Marlbourough. 6 Voll. Lond. 1820. g. *) Ernst Aug. Sörgel, Geschichte der europäischen Kriege des achtzehnten Jahrhunderts. 3 Thle. Alten— burg, 1793 ff. 8.(enthält blos den spanischen Erb— folgekrieg.) 11* 164 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. allein gegen Eugen blieb der Kampf bei Lu zzara (15. Aug.) unentschieden, und, nach dem Uebertritte des Herzogs von Savoyen auf Oestreichs Seite, ließ Vendome(29. Sept. 1703) die savoyischen Truppen entwaffnen, die Officiere gefangen setzen, und die Gemeinen unter das französische Heer vertheilen.— Am Oberrheine ging die Festung Landau(10. Sept. 1702) gleichzeitig an die Teutschen über, als der Churftrst von Bayern, im Geheimen mit Frankreich verbündet, Ulm angriff(8. Sept.). Der Prinz Ludwig von Bäden verhinderte, durch seinen Angriff auf Villars bei Friedlingen(14. Oct.), die Ver⸗ einigung der Franzosen und Bayern, und die östrei⸗ chischen Generale Schlick und Styrum drangen in Oberbayern und in der Oberpfalz vor. Allein der Churfürst siegte(44. März 1703) bei Schärding über Schlick, und vereinigte sich bei Duttlingen(12. Mai) mit Villars; nur daß der Angriff des Chur⸗ fürsten auf Tyrol mißglückte, ob er gleich, in Ver⸗ bindung mit Villars, den General Styrum bei Höch⸗ st ädt(20. Sept. 1703) schlug.— Als aber Marl⸗ bourough von den Niederlanden aus siegreich vor⸗ drang und bei Ulm(22. Jun. 470% mit Ludwig von Baden sich vereinigte, erstürmten beide(2. Jul.) die Verschanzungen der Franzosen und Bayern auf dem Schellenbergesbei Donauwerth, wodurch Marl⸗ bourough den Churfürsten und Tall lard(13. Aug.) bei Höchstädt(oder Bl lindheim) vo llig besiegte. Tallard ward, gefangen; der Churfürst floh nach Brüssel; Marlbourough ward! Reichsfürf t und mit der bayri⸗ schen Herrschaft Mindelheim ausgestattet, ganz Bayern aber von den Oestreichern besetzt.— Gleichzeitig ging(4. Aug. 1704) Gibraltar über an den brit⸗ tischen Admiral Rooke. dulensyste Iuhg un llcher Lalt, sanihn dun Ma, mv Aer uchn andun. Iu ile,&x en nt Fuht B.„ I Irchtin luf . Nr „, R ⸗ LILLAL Iũ. Nun x CHinin W f CHl⸗ ich, in Ve⸗ n hi höh⸗ aber Ma V Icgreich vor Wdiß vun „V) de Nun auf den Lurh Mu. 3. v bu. Tulad Missh dr ba⸗ II Bhern Hlachelg den hut Erster Zeitraum von 1492— 1789. 165 Leopolds 1 Tod(5. Mai 1705) bewirkte in dem Gange des Krieges keine Veränderung, weil ihm sein Sohn Joseph1 auf den Thronen Teutschlands und Oestreichs mit gleichen Grundsatzen, und mit mehr Geist und Kraft, folgte. Er sprach, wegen der fort⸗ dauernden Verbindung der Churfürsten von Bayern und Kölln mit Fränkreich,(29. Apr. 1706) über beide die Reichsacht aus, worauf Churpfalz die Oberpfalz zurück erhielt. Später ward auch der Her⸗ zog Karl 4 von Mantua(30. Jun. 1708) und der Herzog von Mirandola geächtet. An Savoyen kam Mantua's Antheil an Montferat; Oestreich behielt Mantua selbst; Mirandola aber gab der Kai— ser gegen eine Geldsumme an Modena.— In Ita⸗ lien, wo ein preußisches Heer von 8000 Mann, ge⸗ führt vom Prinzen von Dessau, mit Eugen sich ver⸗ bunden hatte, blieb die blutige Schlacht bei Cassano (16. Aug. 1705) zwischen Eugen und Vendome un⸗ entschieden. Als aber Feuillade an Vendome's Stelle trat, und Turin angriff, das der östreichische General Daun vertheidigte, erkämpfte der zum Ent⸗ satze Turins herbeieilende Eugen(7. Sept. 1706) einen so vollständigen Sieg über die Franzosen, daß diese (13. März 1707) in einer Gener a lcapitulation ganz Italien verlassen mußten. Der Kaiser belehnte seinen Bruder Karl(12. Jan. 1707) mit Mailand, bis auf die, dem Herzoge von Savoyen davon ver⸗ sprochenen, Landschaften, und Daun nahm(Jul. 1707) für den Erzherzog Karl auch von Neapel Besitz.— In den Niederlanden siegte Marlbourough, in Verbindung mit den Miederländern unter Ouwer— kerk, bei Ramillies(23. Mai 1706) über Ville⸗ roi; über den Herzog von Bourgogne und Vendome bei Oudenarde(11. Jul. 1708), und über Villars 166 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. bei Malplaquet(11. Sept. 1709).— In Spa⸗ nien landete der Erzherzog Karl, unterstützt von den Britten,(1705) bei Barcellona und wählte diese Stadt einstweilen zu seiner Residenz; auch ward von einem brittisch-portugiesischen Corps Philipp 5 aus Madrid verdrängt, und Karl als König daselbst an⸗ erkannt. Allein seine verzögerte Abreise dahin, und Berwicks Sieg bei Almanza(25. Apr. 1707) über die Britten und Portugiesen entschied über die Herrschaft des Bourbons in Spanien; denn Karl mußte sich bis zum Frieden blos auf Barcellona und Tarragona beschränken. Der alternde Ludwig 14 fühlte im Laufe dieses Krieges die Erschopfung seiner Finanzen, die häufigen Niederlagen seiner Heere, und die politische Kraft eines solchen Triumvirats, wie es Marlbourough, Heinsius und Eugen bildeten. Schon im Jahre 1705 that er zurückgewiesene Friedensvorschläge; später ward von ihm(1709) die Herausgabe der gesammten spa⸗ nischen Monarchie fur den Erzherzog Karl, und für Teutschland eine Unterhandlung auf die Grundlage des westphälischen Friedens verlangt, ja sogar daß Frankreich, dafern Philipp Spanien nicht verlassen wollte, ihn, gemeinschaftlich mit den Verbündeten, dazu zwänge. An diesem Ehrenpuncte scheiterte die Unterhandlung, worauf die große Minister-⸗ veränderung in London(Aug. 17410) und der frühzeitige Tod des Kaisers Jo seph 1(17. Apr. 1711), welchem sein Bruder Karl in allen Erb— staaten Oestreichs, so wie(12. Oct. 1741 auf dem Kaiserthrone folgte, zu einem Frieden führte, wie ihn Ludwig zwei Jahre früher nicht erwarten konnte. fi ay ie Rn WArenshster, V.— 2 uursigt un 10 rihlt h u varw Hiimp 3 Ninzhihn rise kun uy . MM Hschid i 7 denn x unelntd m Wuf diet , di huufgn allische Kf Mulbauruh, in J sutr mut ammten soe⸗ Il, Ind fit Grundlagt schat daß t Wlossen Nehindent, ete schätrt Muister 0%½ N alen Ei⸗ ö 1 ufbn sihttt, We in kum. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 107 53. 3) Der Friede zu Utrecht und Baden. Denn das brittische Ministerium, welches die Kronen Oestreichs und Spaniens auf Einem Haupte dem politischen Gleichgewichte gefährlich fand, unter⸗ zeichnete mit Frankreich(8. Oet. 1711) die Prälimi⸗ narien, welchen(14. Apr. 1713) zu Utrecht der Friede) Frankreichs mit Großbritannien, den Niederlanden, Preußen, Portugal und Savoyen folgte.— Zwischen Frankreich und Großbritannien ward festgesetzt, daß Frankreich und Spanien nie vereinigt würden; daß Frankreich den Prätendenten entfernte und die Nachfolge des Hauses Hannover auf dem brittischen Throne aner— kannte; den Hafen und die Festungswerke Dünkir⸗ chens schleifte, an Großbritannien die Hudsonsbay, die Rechte auf Terreneuve und ganz Akadien nach dessen alten Grenzen überließ. So trat Großbritan— nien mit der Erweiterung seines Kolonialsystems und seines Handels aus diesem Kampfe heraus, und beide Mächte erkannten im Utrechter Frieden für den Welt— händel den großen Grundsatz an: frei Schiff mache freies Gut).— In dem Vertrage mit den Niederlanden ward Belgien, wie es Karl 2 besessen hatte, den Niederländern übergeben, um sie *) du Mont, A. 8. b. z. 539 44— Actes, mémoires et autres pièces authentiques concer- nant la paix d'Utrecht. 6T. Utrecht, 1714. 12.— Hlistoire de tous les differents traitez à Utrecht. (von 1713— 1715.X) a la Hlaye, 1715. 12. **)(Biedermann) le traité d'Utrecht reclamé par la France. aà Leipsic, 1844. 8 168 Geschichte des europäischeu Staatensystems ꝛc. dem Kaiser Karl 6 zu überlassen, sobald dieser den Frieden angenommen, und mit den Riederländern zu ihrer Sicherheit einen Barrieretractat abge— schlossen hätte.— Im Frieden mit Preußen über⸗ ließ Ludwig, in Philipps 5 Namen, das Oberquartier von Geldern an Preußen, erkannte die preußische Königswürde und den Besitz von Neufchatel und Valengin an; dagegen überließ Preußen an Frank— reich, aus der Erbschaft Wilhelms 3, das Fürsten⸗ thum Orange und die oranischen Güter in der Graf⸗ schaft Burgund.— Mit Portugal ward der Friede auf die Verhältnisse vor dem Kriege und mit Grenz⸗ berichtigung in Südamerika abgeschlossen.— Zwi⸗ schen Frankreich und Savoyen wurden die Höhen der Alpen als künftige Grenzen zwischen Frankreich, Piemont und Nizza angenommen; auch sollte der Herzog, nach Uebereinstimmung Englands und Spa⸗ niens mit Frankreich, die Insel Sicilien mit der königlichen Würde, und das Recht der Na ch⸗ folge in Spanien, beim Erlöschen der Nachkom⸗ menschaft Philipps 5, erhalten. Diesem Friedensschlusse folgten am 13. July 1743*) zu Utrecht die Verträge zwischen Groß⸗ britannien und Spanien, und zwischen Spa— nien und Savoyen. Außer der Wiederhohlung der angeführten Bestimmungen, überließ Spanien noch außerdem Gibraltar und Minorca an Groß⸗ britannien, und bestätigte den zu Madrid(26. März 17143) abgeschlossenen Assie ntovertrag, nach welchem Großbritannien 30 Jahre das(früher von Frankreich besessene) Recht der Einführung von 4800 Negerskläven nach dem spanischen Amerika erhielt. aun Mont, I. 6. V. I. p. 393 sꝗꝗ. I l ( WAN deden doc I 4I MI R 40½˙ D V 6 K E Auurnshste, 10 8* Wnumin e Mxssch Mntud Ipen n Ruf⸗ „ds Zustn in r G der rid nt Gremn⸗ sen.— 30. Den die Hihn Heh Fantut ‚ duch sollt de N in Ev Hien nt d ͤet Rah⸗ aon⸗ 53. M un Hroß⸗ scen Spa⸗ Idethohlunz Eoenhn nG⸗ 25. MA 23, 6 ruher vn 0 achil. „Erster Zeitraum von 1492— 1789. 169 Nachdem die Seemächte in diesem Frieden ihre Bundesgenossen, den Kaiser und das teutsche Reich, verlassen hatten, steigerten die französischen Abge— sandten ihre Forderungen an diese, weshalb der kai⸗ serliche Gesandte, der Graf von Sinzendorf, Utrecht verließ, und der Krieg fortgesetzt ward. Allein Vil⸗ lars bemächtigte sich der Städte Worms, Speyer u. a., der Festung Landau, ging über den Rhein, und nahm Freyburg. Dies führte zu Rastadt zu den Präli⸗ minarien(6. März 1744) zwischen Eugen und Villars, auf welche der Friede zu Baden*)— vom Kaiser zugleich im Auftrage des Reiches—(7. Sept. 1744) zwischen Frankreich, Oestreich und Teutsch⸗ land auf die Grundläge der Verträge von Münster, Nimwegen und Ryßwick abgeschlossen ward. Ludwig behielt Landau; der Kaiser erhielt Freyburg und Brei⸗ sach, das Reich Kehl zurück. Die beiden geächteten Churfürsten von Bayern und Kölln wurden in ihren Rechten, Ländern und Würden hergestellt. Frank⸗ reich erkannte Karl 6 als Besitzer der spanischen Nie⸗ derlande(doch mit der bestimmten Barriere), Nea— pels, Mailands, Sardiniens, so wie der Häfen und Seeplätze an der Küste Toskana's an.— Mit den Niederlanden und Portugal unterzeichnete Spanien den Frieden; allein zwischen Oestreich und Spanien war noch die Spannung zu groß, um durch einen Frieden sich auszusöhnen. Für diese Ergebnisse hatte der Südwesten von Europa 13 Jahre gekämpft. Sie waren allerdings für das europäische Staatensystem und für das poli— tische Gleichgewicht von den wichtigsten Folgen. Denn dieser Friede ließ zwar bei Spanien die außereuropai⸗ *) du Mont, T. g. P. 1. p. 436. 170 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. schen Kolonieen, trennte aber die europäischen Neben— länder von demselben; er führte einen Bourbon auf den Thron Spaniens, und schien dadurch Frankreichs Macht in seiner Nähe zu verstärken; er brachte Oest⸗ reich zu dem Besitze schöner Länder in Italien, zu— gleich aber auch durch Belgien in die bedenkliche Mitte zwischen Frankreich und den Freistaat der Nieder— lande; er bestätigte endlich englands See- und Han— delsgewicht, und gewährte den Niederländen für alle Kriegskosten und Subsidien, im Ganzen für eine Schuldenlast von 350 Mill. Gulden, nichts weiter, als die Ehre, daß auf seinem Boden die politischen Unterhandlungen geleitet und beendigt wurden, und den Barrieretractat(15. Nov. 1715) im östreichischen Belgien gegen Frankreich.— Von einer Macht des ersten politischen Ranges trat der Freistaat seit dieser Zeit, selbst in der öffentlichen Meinung Europa's, in die Reihe der Mächte des zweiten Ranges.— Für Savoyen war die erlangte Königswürde mehr eine Belohnung seiner alle Farben wechselnden Politik, als die Anerkennung einer erreichten höhern politi— schen Macht!— Ward endlich so vieles zu Utrecht und Baden bewirkt; wie sollte nicht auch für Teutschland der Stand der Dinge wie im Frieden zu Münster, wenn man ernstlich gewollt hätte, durch— zusetzen gewesen seyn! 54. 4) Die Ereignisse im südwestlichen Staa⸗ tensysteme von 1714— 1733. Gleichzeitig, oder doch kurz vor und bald nach diesen Friedensschlüssen, veränderten sich die Regen— ten auf mehrern europäischen Thronen; unverkennbar gitt R l Ran n s U X. V. vis 20n I. 5 s fε Nuadt WE Hl lchun e b schon 17 Iutje uthrn herl. siut vald uf N un m ung urrnsstren wischn ghn i Buuttauf i Iz hagt g h, Laadheht aat Modg⸗ Seerud du Hlanden fit d umzen fir nicht wain di politche Wurden, 1 mstteichishe ner Mot d staat sit din u Curmpit 0s neht ein n Mllk, Hern polit 0 Hrch auc fur im ritden iul, dut) — V Stas bad rah Migen⸗ Nateutbof Erster Zeitraum von 1492— 1789. 171 wirkte diese Veränderung der Individualität auch auf die theilweise Veränderung des politischen Systems. In Oestreich und Teutschland folgte(1714 auf Jo⸗ seph sein Bruder Karl 6; in Frankreich war der erste Dauphin(1714), der zweite(29. Febr. 1712) und der dritte(8. März 1712) noch vor dem hochbe— jahrten Ludwig 14(1 4. Sept. 1715) gestorben; so daß diesem ein Kind, sein zweiter Urenkel, als Lu d⸗ wig 15, unter der Vormundschaft des ausschweifen⸗ den Herzogs Philipp von Orleans folgte.— In Großbritannien starb Anna(12. Aug. 1714), und, aller Versuche des Prätendenten ungeachtet, be— stieg mit Georg 1 das Haus Hanno ver den brit⸗ tischen Thron.— In Preußen folgte(1713) Friedrich Wilhelm 1 seinem Vater Friedrich 4; und wenige Jahre später(1718) blieb Karl 12 in den Laufgräben vor Friedrichshall. Die Politik Spaniens erhielt eine neue Richtung, seit Philipp 5, kaum auf dem schwänkenden Throne befestigt, zum zweitenmale mit der unternehmenden Elisabeth von Parma sich vermählte. ö Dies alles mußte zu vielfachen politischen Be— wegungen führen, wenn gleich kein europäischer Re⸗ gent in dieser Zeit geradezu kriegslustig war, und die vorübergehenden kriegerischen Versuche bald unter auswärtigen Einflüssen ausgeglichen wurden. Diese vermittelnde Rolle übernähm zunächst Georg 1 und sein rechtlicher Minister Walpole, theils aus indi⸗ vidueller Neigung zum Frieden, theils aus Rücksicht auf die Ansprüche des Prätendenten und dessen Par⸗ thei im Lande. Die Stellung des PrinzRegenten von Frankreich gegen seinen schwächlichen Neffen und, im Falle seines Todes, gegen Philipp 5 von Spa— nien, bewirkte die Entfremdung des Herzogs von 172 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Orleans gegen den spanischen Bourbon, und seine Annäherung an England und die Niederlande. Nach einem, mit beiden Mächten(4. Jan. 1717) abge⸗ schlossenen, Vertrage mußte Jacob 3 Avignon ver— lassen, und sich nach Rom begeben, wo ihn der Papst mit Freuden aufnahm. Bald aber sprachen die Seemächte auch in dem erneuerten Kampfe zwischen Spanien und Oestreich das Wort der Entscheidung. Denn kaum ward der Kaiser Karl 6 in einen Türkenkrieg(1716) verwickelt, als die Königin Elisabeth von Spanien, und ihr aus Parma mitgebrachter thätiger Minister Alberoni, den Plan auffaßten, für die Söhne Elisabeths, aus Philipps 5 zweiter Ehe, die vorma⸗ ligen Nebenländer Spaniens in Italien zu erobern. Eine spanische Flotte bemächtigte sich der Inseln Sardinien(Aug. 1717) und Sicilien (Jul. 1748), wovon die erste dem Kaiser, die zweite dem Herzoge von Savoyen zu Utrecht zugetheilt wor— den war. Da erschien eine brittische Flotte unter dem Admirale Byng im Mittelmeere, welche ein östrei⸗ chisches Heer von Neapel nach Sicilien führte, und den spanischen Admiral Castannada(11. Aug. 1718) beim Vorgebirge Passaro besiegte. Allein schon vorher(1747) hatten Großbritannien und Frankreich, als Gewährleister der Neutralität in Italien, dahin sich vereiniget: es solle Karl 6 auf Spanien und In⸗ dien, Philipp 5 aber auf Belgien und Italien ver— zichten; Sicilien solle der Kaiser gegen Sardinien ein⸗ tauschen, dagegen Sardinien, als Königreich, dem Herzoge von Savoyen überlassen, für diesen das Recht der Nachfolge in Spanien, nach Erlöschen des bour⸗ bonischen Mannsstammes, anerkennen, und dem älte⸗ sten Prinzen Karlos, aus Philipps 5 zweiter Ehe, (2 Ansssenn der, uhii Arlunde 0 hinmn M iit ndn Opin u ng Danfn irtahi. ich mEunn Hihzr Miit fit x E Ee, x um in Nulinz inn sh x 11 Sicilitt Ir, i Mahhellt vot⸗ unket dem ötre⸗ sihtte, und Iu 110 Wan schan Wunhah, Hn, di sien d Julin de⸗ uomien el Hreich, du IDtbcht bei olk⸗ doh at⸗ weler H/ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 173 die Anwartschaft auf die bald zu erledigenden Länder Toskana, Parma und Piacenza, als teutsche Reichs⸗ lehen, ertheilen. Der Kaiser trat zu London(2. Aug. 1718)*Ydiesem Plane zu, wodurch diese Verbin⸗ dung, weil man auf das Anschließen der Niederlande rechnete, den Namen der Quadrupleallianz erhielt. Der Herzog von Savoyen ging auf diesen Entwurf ein; nur Spanien verweigerte den Beitritt. Alberoni wollte sogar den Prätendenten mit einer Flotte nach Schottland senden, den Regenten Frankreichs aufheben, der Person Ludwigs 15 sich versichern, und für Philipp 5 die Regentschaft Frankreichs bestimmen lassen. Die Entdeckung dieses Entwurfs bewirkte die Kriegserklärung Großbritannniens(27. Dec. 1748) und Frankreichs(9. Jan. 1719) an Spanien, und Alberoni's Sturz(5. Dec. 1719), worauf Spanien (26. Jan. 1720) die Bedingungen der Quadruple⸗ allianz annahm. 5 35. Fortsetzung. Gleichzeitig beschäftigte das östreichische Erbfolge— gesetz Karls 6, die pragmatische Sanetion*) genannt, die europäische Politik. Karl 6, der letzte männl i che Sprößling seines Hauses, gewarnt durch den spanischen Erbfolgekrieg, wollte durch dieses Haus⸗ gesetz(19. Apr. 1713) die Theilung der östreichischen Länder, und einen Erbfolgekrieg nach seinem Tode verhindern. Dieses Hausgesetz enthielt daher die Bestimmung der Untheilbarkeit der gesammten *du Mont, T. g. P. 1. p. 551 sꝗq. ** Schmauss. corp. juris publ. p. 1554 894. 174 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. östreichischen Staaten, die Nachfolge seiner männ⸗ lichen, in deren Ermangelung aber seiner weiblichen Nachkommenschaft, so wie, nach deren Erlöschen, die Nachfolge der hinterlassenen Töchter sei— nes Bruders Joseph 1, und deren männlichen und weiblichen Nachkommen, immer nach dem Rechte der Erstgeburt und nach der Folge der einzelnen Linien auf einander. Bei der Vermählung der Töchter seines Bruders mit den Churprinzen von Sachsen(1749) und Bayern(1722) mußten diese zu Gunsten seiner männlichen und weiblichen Nachkommenschaft(er hatte zwei Töchter: Maria Theresia und Maria An⸗ na) feierlich auf die Erbfolge verzichten. Allmählig nahmen die einzelnen Staaten der östreichischen Monar⸗ chie dieses Gesetz an(1720— 1724). Allein auch die auswärtige Politik Karls 6 fand in der Anerkennung dieses Hausgesetzes ihren Mittelpunct. Nicht ohne einzelne Opfer brachte er es dahin, daß Spanien, Großbritannien, das teutsche Reich(doch mit Wider— spruch von Churbayern, Chursachsen und Churpfalz), Dänemark, Rußland, Frankreich, Sardinien und Neapel dasselbe anerkannten. Bevor noch diese Anerkennung von den meisten Mächten Europa's erfolgte, traten Mißverständnisse zwischen Oestreich und Großbritannien über die vom Kaiser zu Osten de(1722) bestätigte ost- und west⸗ indische Handelsgesellschaft ein, so wie eine große Entfremdung zwischen Spanien und Frankreich, als (1722) die spanische Infantin, für Ludwig 15 zur Gemahlin bestimmt, zurückgesandt, und Ludwig 15 mit der Tochter des Stanislaus Lesczinky von Polen vermählt ward. Vergeblich blieb die Eröffnung des Congresses zu Cambray(1725). Dagegen erfolgte zwischen Spanien und Oestreich zu Wien(1725) Wi 11 Wch 5ů0U u 10 1 0 MM m I dessuhen Wi * X f 90½% Wn upe IXI *V* Kunssi, sim 0 lan veibahz Hun Enhz V Uct Nam nüunch r rah Nyhih der anan L ELILUI iu Guftn sin masaf srftt in Nrinly cun. Vnihn LihihrNu „Mi ubv Aunnmin . Mo chn V Huunin, Hnnt Mier⸗ Chupalh, yDinien und den listr Warstärdrist Ihet die von I⸗ In Ws „st nfreich, al ig 15 l nig 1 oHelen frung des Iun kfͤgt * Erster Zeitraum von 1492— 1789. 175 eine plötzliche Aussöhnung und der bis dahin verzögerte Abschluß des Friedens. Als Gegenbündniß(die han⸗ növersche Allianz genannt,) traten aber(3. Sept. 1725) zu Herrenhausen Großbritannien, Frank⸗ reich und Preußen zusammen, welchen die Nieder⸗— lande, Schweden und Dänemark sich anschlossen, wogegen Rußland(6. Aug. 1726) zum Beitritte zur Wiener Allianz sich bestimmte, und Preußen zu Wusterhausen(12. Oct. 1726) durch einen geheimen Vertrag gleichfalls das erste Bündniß verließ, und für den Kaiser sich erklärte. Weil aber keine Macht den Ausbruch des Krieges wünschte; so vermittelte der Kardinal Fleury(31. Mai 1727) die Präli— minarien zu Paris zwischen Oestreich, Großbri⸗ tannien, Frankreich und den Niederlanden, worin der Kaiser die ostendische Handelsgesellschaft suspen— dirte. Doch schloß Spanien darauf(9. Nov. 1729) — ohne Zuziehung Oestreichs— zu Sevilla mit Großbritannien und Frankreich einen Vertrag, theils zur gegenseitigen Gewährleistung ihrer Staaten, theils daß der Infant Karlos bereits im Voraus die ihm in Italien zugedachten Länder, Toskana, Parma und Piacenza, mit 6000 Mann besetzen sollte. Ob nun gleich Karl 6 dadurch sich beleidigt fühlte; so willigte er doch darein, als die Seemächte in einem besondern Vertrage(16. März 1731) die pragmatische Sanction garantirten. 56. 5) Der polnische Thronfolgekrieg. Der Tod des Churfürsten von Sachsen und Kö— nigs von Polen August 2(1. Febr. 1733) veranlaßte eine streitige Königswahl in Polen, gleichzeitig aber 176 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. den Ausbruch eines Krieges im südwestlichen Staa— tensysteme. Denn während Oestreich und Rußland die Wahl(5. Oct. 1733) des Churfürsten von Sach⸗ sen(Augu st 3) unterstützten, der dafür die prag⸗ matische Sänction anerkannte, ward der vormalige König Stanislaus Lesezinsky von einem be— trächtlichen Theile der Polen, unter Leitung des Pri— mas Po tocki(12. Sept. 1733), gewählt, und da⸗ bei von seinem Schwiegersohne Ludwig 15 unterstützt. In Polen entschied die Einnahme Danzigs von den Russen und Sachsen(7. Jul. 1734) den Kampf. Dagegen ward von den verbündeten Mächten, Frank— reich, Spanien und Sardinien, der Krieg um Ländererwerb geführt. Ein französisches Heer besetzte Lothringen; ein anderes ging an den Oberrhein; ein drittes nach Italien, wo es, in Verbindung mit den Piemontesern, Mailand eroberte. Ein spanisches Heer führte der Infant Karlos, nachdem er Parma besetzt hatte, nach Neapel(15. Mai 1734), wo er die königliche Würde annahm, und bald darauf (Aug.) ward ihm auch Sicilien unterworfen. Die Seemächte blieben neutral; Teutschland aber führte einen schläfrigen Reichskrieg für Karls 6 Interesse.— Da brachte der Kaiser, in den Präliminarien des Wiener Friedens(3. Oct. 1735), der pragmatischen Sanction neue Opfer. Gegen die Anerkennung derselben, so wie des Churfürsten von Sachsen auf dem polnischen Throne, ward dem Sta⸗ nislaus Lesczinsky das Herzogthum Lothringen ertheilt, das, nach seinem Tode, an Frankreich fallen sollte, der Herzog von Lothringen aber, Franz *) Wenck, Cod. jur. gent. T. 1. p. 1 8ꝗꝗ. D Cteld. af. 1E M nit Hy aun A Hia Konte n Rit MW vni En n n 1 Bulh I dr H1 H M. Male HIM Rig unl b A In l NnS GW N. fir DU f. V 1 Hg 4HH, 4 W Uioe 00 I Lunistu. rnihnz ⁵ ad nd Ric rin pn u M D bui 'tym ünthz r hank I Rerahl, Mx rij uniit Dr R I Winn Zrutt liin, de Heih misshs h Ranolerhen Vubindulz u Ein sunishe XIII 1½0j hab durauf Nrsen. Die cher fihtt Aunrese.— 6n 7„ Hgen vuftte u 5 un E Ithringe 0 rankt bic e, 01„ H Ftanz Erster Zeitraum von 1492— 1789. 177 Stephan, der künftige Gemahl der Maria Theresia, auf Toskana angewiesen, der Infant Karlos als König von Neapel und Sieilien, mit Einschluß Elba's und des Stato degli Presidii anerkannt, von diesem dagegen Parma und Piacenza an den Kaiser abgetreten, und dem Könige von Sardinien Novarese und Tortonese mit vier lombardischen Herrschaften bestimmt. Doch ward festgesetzt, daß Neapel und Sicilien mit Spanien nie vereinigt werden, und, dafern Karlos zum spanischen Throne gelangte, auf dessen jüngern Bruder übergehen sollte; auch garantirte Karlos von Neapel die pragmatische Sanction. Nach der Annahme dieser Bedingungen von Sardinien(4. Mai 1736) und von Spanien(15. Nov. 1736), und nach dem Tode des letzten Medicäers, Johann Gasto, in Toskana 95. Jul. 1737), wurden die Präliminarien(18. Nov. 17 38) in einen förmlichen Frieden Vedasdelt. Wenn Karl 6 in diesem Frieden das große 2 von Neapel und Sicilien gegen Parma und Piacenza brachte; so war doch auch der Verlust Lothringens für Teutschland um so empfindlicher, weil es, von Stanislaus schon bei Lebzeiten an Frankreich überlaffen, die Macht dieses Staates an den immer mehr geschmälerten Grenzen Teutschlands bedeutend ründete und ver— stärkte. Noch nahm Karl 6, als Rußlands Bundes— genosse, Theil an einem Türkenkriege, der mit Verlust für ihn im Belgrader Frieden(1739), ein Jahr vor seinem Tode(20. Oct. 1740) be⸗ endigt ward. Wenige Monate vorher(31. Mai 1740) hatte Friedrich 2 den preußischen Thron bestiegen. III. 12 178 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 57. ö 30 90 b) Die Hauptbegebenheiten dieses 04 „ 7 daka) Seitäbschunirts im üdrdliche Staatensysteme. U 1) Kämpfe im Norden bis zum Frieden(OH% von Oliva. IOergoh „ ö ö S009½ Gustav Adolphs Tochter, Christina, regierte HE zur Zeit des westphälischen Friedens über Schweden, IIN das aus dem langen Kampfe in Teutschland mit be. 119 deutendem Ländergebiete und gesteigertem politischen 1 Einflusse heraustrat. Allein Christina entfremdete W 0 durch ihre Schwächen und Launen, so wie durch ihre fehlerhafte Verwaltung, die Nation von sich, udd Ga legte(1654) zur rechten Zeit die Krone nieder, W um zum Katholicismus überzugehen. Ihr Vetter, 1 j der Pfalzgraf von Zweibrücken, Karl Gu stav) oh folgte ihr(1654— 1660) auf dem Throne, mit dem RR Plane, durch Kämpfe mit den Nachbarn und auf süi ö Kosten derselben, ein großes nordisches Reich ü zu begründen. Zuerst warf er sich auf Polen uk (1655), weil Johann Kasimir ihn nicht anerkennen 0 ö wollte. Karl Gustav drang durch Liefland und Polen 0 vor und nahm Cracau und Warschau; der König N ö floh nach Schlesien; der Churfürst von Brandenburg, Wh Polens Vasall als Herzog von Preußen, schloß mit 1il ö den westpreußischen Städten ein Vertheidigungsbünd— niß auf den Fall eines schwedischen Angriffs. In 100 diesem Schritte erblickte Karl Gustav eine Kriegs⸗— erklärung, und nöthigte den Churfürsten zu Königs—*¹— Rch ) Sam. Pufendorf, de rebus gestis Caroli Gustavi H¹½ libri VII. Norimb. 1696. Fol. Cletthnshsz, ristina, ne HH1Schpedn Ichand mith Hlem poltich Ind entfrewd oie durch iy den sich, un Tont niedt * V Ir Vur UGustab! done, mit den Warn und aih 4 0894 sches Reid 0 f Mle Hanaakennet WWend Malet V Rer Koh * hurd Dunderbun , cf V„ Nesud NIotauHHDUI VartfE. Mali Fl 0 K⸗ Ol 0⁰⁵tl Erster Zeitraum von 1492— 1789. 179 berg zu einem Vertrage(17. Jan. 1656), in welchem er Preußen von Schweden zur Lehen nahm. Bald darauf kämpfte, mit der Aussicht auf reichliche Ent— schädigung in Polen, der Churfurst in Verbindung mit Karl Gustav die dreitägige Schlacht bei War— schau(18— 20. Jul. 1656), und erhielt dafür im Vertrage zu Labiau?)(10. Nov. 1656) die Souverainetaät über Ostpreußen nund Erme— land. Als aber die Niederländer und Däne— mark, eifersüchtig auf Schwedens Uebergewicht auf der Ostsee, so wie der Kaiser an Karl Gustav den Krieg erklärten, der gleichzeitig mit dem Czar Alexei von Rußland in Kampf verwickelt war; so söhnte sich Brandenburg mit Polen aus, und gewann(19. Sept. 1657) im Vertrage zu Welau“), nach der Verzichtleistung auf Ermeland, die Souverai— netät über das Herzogthum Preußen; zu⸗ gleich mußte der Churfürst 6000 Mann gegen Schwe— den stellen. Allein Karl Gustav griff zunächst Däne— mark an, und nöthigte Friedrich 3zum Frieden zu Roschild)(26. Febr. 1658), in welchem Dänemark dem Sieger Hälland, Schonen, Blekin— gen, Bahus, Drontheim und die Insel Bornholm überlassen mußte. Je leichter Karl Gustav diese— Vortheile, bei Dänemarks Schwäche, errungen hatte; desto schneller erneuerte er(Aug. 1658) den Krieg mit dem Plane der völligen Ueberwältigung Dänemarks. Doch Kopenhagen ward tapfer vertheidigt; Oestreich, Polen, Brandenburg und andere teutsche Fürsten *) du Mont, P. 6. P. 2. p. 146 sꝗgꝗ. **) ibid. p. 191 8gg. 4) äbid. p. 20 56. 180 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. zogen den Dänen zu Hülfe; besonders aber erschien eine niederländische Flotte, zur Aufrechthaltung des von Schweden bedrohten Handels, in der Ostsee, und schlug die schwedische Flotte. Karl Gustav hob die Belagerung Kopenhagens auf, und starb plötzlich (23. Febr. 1660). Fur den Norden führte sein Tod zur Beruhigung und Versohnung in dem Frieden zu Oliva*) zwischen Schweden und Polen, dem Kaiser und Brandenburg(3. Mai 1660). In diesem Frieden verzichtete Johann Kasimir auf alle seine Ansprüche auf Schweden, und überließ Liefland (mit Ausnahme des südlichen Theiles), Esthland und die Insel Oesel an Schweden. Preußens Unabhängigkeit ward von beiden Theilen bestätigt, und von Schweden auf Kurland verzichtet. Mit Dänemark unterzeichnete Schweden(27. Mai 1660) den Frieden zu Kopenhagen*3), unter der Vermittelung der Seemächte und Frankreichs, in welchem Drontheim und Bornholm an Dänemark zurückkamen. Mit Rußland endlich schloß Schwe— den(1661) den Frieden auf den vorigen Besitzstand. 58. 2) Der nordische Krieg. Unter der Regierung Karls 14, des Sohnes von Karl Gustav, nahm Schweden nur geringen Antheil an den Ereignissen im europäischen Staaten— systeme, und was es, für französische Subsidien, gegen *) du Mont, T. 6. P. 2. p. 303 sqq.— J. Gtlo. B6hme, acta pacis Olivensis inedita. 2 Tom. Vratisl. 1763 et 1765, 4. **) ibid. p. 519 sqq. Zn HelliA de von V amnte⸗ N. dele due K. Kul ö ssim Vete Ins IX ö Dar Rh dieul .h Arulr 0 Mlss str Molhr It e% un M Ifengg⸗ sli l Weh Chuuho iuan gi Ring H + . xů 2** WAatenshsten, V det N A Gustgy N Aue Utd Hloblih Hb.* n H A. Hm Vaneden NI N Ha,& Yoleh, den 0%½ Iu desn FHalle san Y Nefland PHHH „Csthland Trerdnn Preußens ½ 4⁴ llen bestatiar, Achtet Mo — Mui 11 I„ 6 ö V Mreschs, ODanematk 906 Schve⸗ Beshsard. V 4⁰ Woien, gegin Otb. . 2Loo, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 184 Brandenburg(1674Rthat, ward nicht nur bei Fehr— bellin(1675), sondern auch durch die Versetzung des Kriegsschauplatzes nach Schwedisch-Pommern von dem großen Churfürsten und seinen Verbündeten hart geahndet. Nur Frankreichs Dazwischenkunft konnte den Krieg mit einer kleinen Abtretung Schwe— dens an Brandenburg(1679) beendigen. Schwe— dens kräftige politische Stellung schien mit dem Tode Karl Gustavs geendigt zu haben. Der Wendepunct im nördlichen Staaten— systeme begann zunächst mit dem Regierungsantritte Peters 1 in Rußland, welcher dieses Reich im Innern völlig umgestaltete, und bald nach au ßen zu einem bis dahin nicht gekannten Einflusse erhob. Damit trafen aber fast gleichzeitig zusammen: die Thronbesteigung Karls 12(1697) in Schweden; die Königswahl Augusts von Sachsen in Polen(1697), und die neue Königswürde in Preußen(1701). In Peters Eigenthümlichkeit lag ein heller Verstand, verbunden mit einem festen Willen, dessen Entschlüsse nicht selten durch einen schnell aufbrausenden Zorn verdunkelt wurden; dagegen die Individualität Karls 12 reiche Talente, Beharr— lichkeit bis zum Eigensinne, mit heftigen Leidenschaf— ten verband. Wenn zwei Männer dieser Art in offenem Kampfe sich messen; so ist die Entscheidung, selbst bei ungleichen Streitkräften, schwierig. Des— halb endigte der nordische Krieg erst nach dem Tode Karls 12. Denn was Karln am Umfange des Staates abging; das fand er, als Hülfsmittel, in einem geübten Heere, in einer stattlichen Flotte und in einem von seinem Vater ererbten Schatze, wäh— rend Peter über ein großes Reich gebot, dessen Be— völkerung aber erst entwildert werden mußte. 182 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc Karls 12 Gegner wußten, was sie wollten. Peter 1 strebte nach Ausdehnung seines Reiches bis an die Ostsee; der König von Polen wollte, auf Patkuls*) Rath, das im Frieden von Oliva ab— getretene Liefland wieder erwerben; und Däne— mark, ohnedies gespannt mit dem Schwager Karls 12, dem Herzoge Friedrich von Holstein-Gottorp, beabsichtigte die Wiedereroberung seiner frühern Ver— luste an Schweden. Ein geheimes Bündniß(21. Nov. 1699) vereinigte die drei Fürsten gegen Karl 12. August 2 eröffnete(Febr. 1700) den Krieg mit dem Vordringen in Liefland; Dänemark mit einem An⸗ griffe(März 1700) auf Holstein und Schleswig. Peter 1 erklärte an Schweden(1. Sept. 1700) den Krieg, nach abgeschlossenem Frieden mit der Pforte. Allein Karl 12 warf sich zuerst auf Dänemark, lan⸗ dete auf Seeland, und nöthigte den König Friedrich 4 zum Frieden von Travendal(18. Aug. 1700), in welchem die vorigen Verhältnisse hergestellt wur— den. Dann schlug er bei Narva(30. Nov. 1700) mit 15,000 Lriesserreneen Schweden ein russisches Heer von 80,000 Mann. Darauf eilte er nach Po— len, wies alle Friedensverträge Augusts zurück, drang vor bis Warschau, nachdem er die Sachsen bei Riga (18. Jul. 1701), bei Clissow(19. Jul. 1702) und bei Pultusk(1. Mai 1703) geschlagen hatte, und bewirkte(12. Jul. 1704) die Königswahl des Woiwoden von Posen, Stanislaus Lesezinsky. Ob nun gleich der Krieg in Polen fortgesetzt ward; 6 *) J. R. v. Patkuls, Berichte an das Zarische Kabi— net in Moskau von seinem Gefandtschaftsposten bei August 2, König von Polen. 3 Theile. Berlin, 1792 2 ff. 8. sh I HI —* Vν Wallnsystinz Bundaiß(. Hchen Kall 1.. Nrieg mit den it enem In⸗ d Chlesoh h.. 1700 MN it der Wort ** Vl E Wemark„un. I Memart, Wl H⁷ T Ar IIi Mldlid V. 17⁰H aastelt wut⸗ M.. 1700) I tussiche nach Pe⸗ /½/½ Iruck, drang bei Riga X. C Ml. 17⁰⁰ 7 Vagen W INN7½ Hgewaht 010 6715 1 AWud * 79 Wald; 4Khi an bu (6. Dalih Erster Zeitraum von 1492— 1789. 183 ging doch Karl 12, nach Besiegung der Sachsen bei Fraustadt(13. Febr. 1706), nach Sachsen, und schrieb zu Altranstädt*)(24. Sept. 1706) die harten Bedingungen des Friedens vor, in welchem August, doch mit Beibehaltung der königlichen Würde, auf Polen verzichtete, das Bündniß mit Peter auf⸗ gab, Patkul auszuliefern versprach, und dem schwe— dischen Heere Winterquartiere, Sold und Unterhalt in Sachsen zugestand.— Wenn Karls 12 Leiden⸗ schaft den schwächern Gegner entwaffnete und seinen eigentlichen Feind verkannte; so büßte er dafüs, als Peter 1, im Rucken Karls, in Liefland und Inger— manland siegreich sich ausbreitete, auf erobertem Bo⸗ den St. Petersburg(27. Mai 1703) gründete, und, nach Karls Rückkehr aus Sachsen, denselben bei Pultawa(8. Jul. 1709) so besiegte, daß Karl nach Bender sich flüchten, und daselbst unter dem Schutze der Pforte(vom Sept. 1709— 40. Febr. 1713) leben mußte, welche er— doch nur zu einem kurzen Kriege— gegen Rußland(bis 4744) auf⸗ regte. Sogleich nach Karls Niederlage bei Pul⸗ tawa, durch welche Schwedens politisches Gewicht im Norden auf Rußland überging, kehrte August 2(1700) nach Polen zurück; Däne⸗ mark, Polen und Rußland erneuerten ihr Bündniß (Aug. 1709) und den Krieg gegen Schweden. Es galt jetzt der Eroberung der Provinzen Schwedens in Teutschland. Zwar suchten die Seemächte und der Kaiser Joseph 4, in Uebereinstimmung mit dem Reichs⸗ senate Schwedens, durch das Haager Concert (31. März 1740) die Reutralität dieser Provinzen zu bewirken; allein Karl 12 protestirte(30. Nov.) in „du Mont, T. 3. P. 1. p. 204 5894. 184 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Bender dagegen. Es konnte daher nicht befremden, daß die Könige von Dänemark und Polen, an welche Friedrich Wilhelm von Preußen(1713) wegen der übernommenen Sequestration von Stettin sich anschloß, alle schwedisch⸗teutsche Nebenländer, bis auf Stralsund, eroberten. Selbst Karls plötzliches Erscheinen in Stralsund(22. Nov. 1714) vermochte nicht, seine bisherigen politischen Mißgriffe auszu⸗ gleichen; besonders seit Dänemark das eroberte Bre— men und Verden(1715) an Hannover verkaufte, wodurch der König Georg 1 von England für das Interesse der Gegner Karls gewonnen ward. Trat gleich der Holstein-Gottorpische Minister, der vielsei⸗ tige Freiherr von Görz, in dieser Zeit in Karls Dienste, und ward von diesem mit seinem mächtigsten Gegner, Peter 1,(Mai 1718) auf Aaland eine geheime Unterhandlung eingeleitet, nach welcher Schweden für die Verluste an Rußland durch Nor— wegen und Hannover sich entschädigen sollte; so führte doch Karls 12 unbedauerter Tod(14. Dec. 1718) in den Laufgräben vor Friedrichshall zu ganz andern Ergebnissen. Seine Schwester, Ulrike Eleonore, vermählt an den Landgraf Friedrich von Hessen, folgte ihm durch Wahl(21. Febr. 1740) mit sehr beschränk⸗ ter Regentengewalt auf dem Throne, und die Sepa— ratverträge, welche mit den Gegnern abgeschlossen wurden, bewiesen die Erschöpfung Schwedens, das nur durch die seltenen Talente Gustav Adolphs, Oren— stierna's und Karl Gustav's, und durch ein schlagfer— tiges Heer eine vorübergehende und erkünstelte glän⸗ zende Rolle gespielt hatte.— In dem Vertrage mit Hannover(9. Nov. 1719) blieben Bremen und Verden bei Hannover; doch zahlte Hannover an Schweden eine Million Thaler. In dem Vertrage Iit U omme Isent Mule nat E. Ebagn Ren I 0010 Halch Imemht umt Huht9 vN N H-U Oue dast Hsth v cund stelt nů ö . ů ——2 im niht Mund in * vuhge 0 0⁰¹⁰ H M. ⁰ fihtte De. 1719 gunz andern Eleonote, Yssen, solgte . sträl⸗ Lage niit Hen d yft N Y* u Deend Erster Zeitraum von 1492— 1789. 185 mit Preußen(1. Febr. 1720) behielt Preußen Vor⸗ pommern bis an die Peene, Stettin, und die Inseln Usedom und Wollin, zahlte aber an Schweden zwei Millionen Thaler. In der Ausgleichung mit Däne— mark(14. Jul. 1720) gab Dänemark die gemachten Eroberungen an Schweden zuruck, wogegen Schwe— den auf die Zollfreiheit im Sunde verzichtete, und 600,000 Thaler zahlte. Der Waffenstillstand mit Polen“ 7. Nov. 1719), auf den vorigen Besitzstand unterzeichnet, ward erst im Jahre 1732 in einen förmlichen Frieden verwandelt. Die größten Opfer brachte aber Schweden(10. Sept. 1724) im Frie⸗ den zu Nystadt*) an Rußland, welches Leefland, Ingermanland, Carelen, und die Inseln Oesel, Dagoe und Moen behielt, und, außer der Hurdadehe der Eroberungen in Finnland, an Schwe— den 2 Millionen Thale er zahlte. Der Tag zu Nystadt bestätigte also den Tag zu Pultawa, und nicht ohne Grund nahm Peter, nach diesem F rieden, den kai⸗ serlichen Titel an. J. A. Nordberg, histoire de Charles XII. 4 T. à la Haye, 1744 sꝗdq. 4. Teut sch von Mur⸗ ray. Hamb. 1755. 8. de Voltaire, histoire de Charles XII. 1754. 4. Gust. Adlerfeld, histoire militaire de Char- les XII. 4 T. Amst. 1740. 8.(geht von 1700— 1709. Gerh. Ant. v. Halem, Leben Peters des Großen. 3 Theile. Münster, 1805. 8. C. L. F. v. H.(Zschackwitz), historische Nach— richt von dem nordischen Kriege. 6 Theile. Frey— stäadt, 1716 f. 8. *) du Mont, I. 8. P. 2. p. 56 84. 186 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 9. ö c) Die Hauptbegebenheiten dieses Zeit⸗ abschnitts im östlich en Staatensysteme. Die Macht der Pforte war nach Solymans 2 Tode(1566) gesunken; sie führte aber doch während dieses Zeitabschnitts mehrere Kämpfe mit den Nach— barn, besonders mit Oestreich und Rußland, theils veranlaßt durch den kriegerischen Geist einiger ausge— zeichneter Großveziere, theils durch die Aufregungen des Auslandes, we sches seine Gegner durch die Pforte beschäftigen wollte. So begann die Pforte(1662), deren Politik und Rüstungen unter dem Sultane Muhamed 4 der unternehmende Großvezier Achmet Kiupruli lei⸗ tete, den Krieg gegen den Kaiser Leopold 4, weil dieser den von den Siebenbürgen gewählten Fürsten Johann Kemeny unterstüͤtzte, wogegen die Pforte für den Michael Abaffi sich erklärte. Der nicht gerüstete Kaiser erhielt dabei Unterstützung von dem teutschen Reichstage, 6000 Mann von Ludwig 14, und 700,000 Gulden vom Papste. Ob nun gleich Montecuculi(1. Aug. 1664) bei St. Gott⸗ hard an der Raab den Kiu pruli besiegte; so war doch der zwischen beiden auf 20 Jahre(40. Aug.) abge⸗ schlossene Waffenstillstand zu Vasvar dem Kaiser nicht vortheilhaft. Denn Abaffi blieb Fürst von Sie— benbürgen und abhängig von der Pforte; die Pforte behielt die festen Plätze Großwaradein und Neuhäusel; dem Kaiser sollte aber freistehen, am Ufer der Waag eine neue Festung anzulegen.— Auch Venedig verlor(1669) Candien an die Pforte, und Polen (1676) die Ukraine und Podolien. Seit dem Abschlusse des Wafsfenstillstandes zu ——..—— mah * Rüthi InW hln IIR sit NI de bu W EN E U V 1 II 10 U6 hunn Holnt ergle finngs W; I NII XI bhn ö Iun wuchi HWWN DurH Dug H nan Amg Wniot hm deh 2 ie N Viedlensysttes; HA1 91734 3 46 Resetz ANlt. unensysen X. * mane IIAA Ohmans; abe N r ahrene Ni% Mit V. M., Vse Inn An Nach⸗ die Auftthunꝑ durch die Mu „daen Polit Maamed 4. Kiuprulil dpold 1/,0 nühlen Furn n M Oer nich uung von deih udwig 14, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 187 Vasvar gährte es in Ungarn, weil des Kaisers Keb— ling, Lobkowitz, die Steuern, ohne Bewilligung der Reichsstände, ausschrieb und erhöhte, die Protestan— ten durch die Jesuiten drücken ließ, teutsche Truppen nach Ungarn verlegte, und Ausländer in hohen Staats— ämtern anstellte. Zwar ward der Aufstand(1674 mit der Hinrichtung der Grafen Serini, Nadasti, Tettenbach und Frangipani niedergedrückt, bald aber von dem Grafen von Tökeli(1678) erneuert, der (1682) Ungarn dem Schutze der Pforte übergab, und dadurch die Kriegserklärung der Pforte gegen Oestreich bewirkte, welche der Großvezier Kara Mu— stapha in Verbindung mit dem Gesandten Frankreichs betrieben hatte. Eine Masse von 200,000 Türken bewegte sich durch Ungarn gegen Wien, das der Kaiser verließ, und Stahremberg gegen die Bela— gerung des Großveziers vertheidigte, bis der Chur— fürst Johann Georg 3 von Sachsen und der König von Polen(12. Sept. 1683) die Stadt entsetzten, und das türkische Lager mit 300 Kanonen erbeuteten. Darauf leitete Karl von Lothringen den Krieg in Ungarn, bemächtigte sich Ofens, der alten Hauptstadt des Reiches(1686), und siegte, in Verbindung mit Eugen von Savoyen, bei Mohacz(12. Aug. 1687), worauf nicht nur der Fürst von Siebenbürgen Abaffi (27. Oet. 1687) dem Kaiser als Vasall sich unter— warf, sondern auch, auf dem Reichstage zu Preß— burg,‚,(34. Oct. 1687) Ungarn in ein Erbreich des östreichischen Hauses verwandelt ward. Die Fort— setzung des Krieges geschah, wegen des gleichzeitigen Kampfes mit Frankreich, nicht lebhaft, bis der Prinz Ludwig von Baden bei Salenkemen(19. Aug. 1691) einen bedeutenden Sieg erfocht, und Eugen den noch größern bei Zentha(11. Sept. 1697½. 188 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Der gleichzeitige Friede von Ryßwick verstattete dem Kaiser, der sich mit Venedig und Rußland verbunden hatte, seine Macht ungetheilt gegen die Pforte zu wenden, und, unter Vermittelung der Seemächte, den Frieden zu Carlowitz?)(26. Jan. 1699) abzuschließen, in welchem ganz Ungarn, mit Sieben— bürgen(wo Abaffi resignirte) und Slavonien, in Oestreichs Besitze blieb; nur Temesvar behielt die Pforte. An Polen kam die Ukraine und Podolien zurück; Venedig behielt das eroberte Morea.— Der von dem Könige von Schweden Karl 12 gegen Rußland(1740) aufgeregte Krieg, ward schnell, und günstig für Rußland, im Frieden am Pruth (1711 beendigt. Zu den Sonderbarkeiten im politischen Systeme der Pforte gehört es, daß sie, während des ganzen spanischen Erbfolgekrieges, wo eine Bewegung von ihrer Seite gegen Ungarn von großen Folgen hätte seyn können, ruhig zusah, und erst, nach Europa's Beruhigung,(1744) den Venetianern, um ihnen Morea wieder zu entreißen, den Krieg ankündigte, worauf der Kaiser(Jul. 1716), als Garant des Carlowitzer Friedens, den Krieg gegen die Pforte aus— sprach. Der Großvezier erschien mit einem zahlrei⸗ chen Heere in Ungarn; allein er selbst, und mit ihm 30,000 Türken, sielen bei Peterwardein(5. Aug. 1716), wo Eugen befehligte. Ein zweites türki⸗ sches Heer schlug er(16. Aug. 1717) bei Belgrad, worauf(18. Aug.) Belgrad capitulirte. Unter Vermit⸗ telung der Seemächte schlossen darauf Oestreich, Vene⸗ dig und die Pforte den Vertrag zu Passarowitz*) ½%½u Mont, I. 7. F. L. p. 469 54. Hibid. T. 3. P. 1. Pp. 526 546. 46H4 90—8 — N de D ind Y Ids,. I Diot. Munhh 100 d W ö ghe WI 106% 6 Au e HuHE. In 6 Richr II 10 M Afle)e hun 1 W ö HN* 6 11D Hralhn Guwi à f Rehgr Ifngu Wer mufiy h Hulenshsaz. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 189 (21. Jul. 1748), in welchem die Pforte an Oestreich ganz Servien mit Belgrad, den Banat und die Festung Temeswar, die Walachei bis an die Aluta, den türkischen Antheil an Slavonien, und einen Theil von Croatien und Bosnien abtrat. Venedig behielt in diesem Frieden die eroberten Plätze in Dalmatien und Albanien; nur Morea kam an die Pforte zurück. So dehr er die beiden letzten Kämpfe gegen die Pforte für Karl 6 gewesen waren; so nachtheilig endigte doch der Türkenkrieg, in delchen er als Rußlands Bundesgenosse verwickelt ward. Schon seit dem Jahre 1736 kämpfte Rußland mit der Pforte, angeblich wegen der Streifzüge der Tataren aus der Keimm in die angrenzenden Provinzen Rußlands, zunächst aber wegen der schon von Peter 1 auf⸗ gefaßten Entwürfe aufs schrvaröe Meer. Münnich und Lascy standen icreich gegen die Türken; Asow und Oczakow waren gefallen. Da schloß Karl 6 an Rußland(1737) sich an, wahrscheinlich mit der Hoff— nung auf den rwerd von ganz Bosnien und der Walachei. Allein es fehlte Eugens strategischer Blick bei dem neugebildeten östreichischen Heere, und Ein— heit und Einigkeit unter den Feldherren. So ward Graf Wallis bei Krotzka(23. Jul. 1739) von dem Großveziere geschl agen, der darauf Belgrad belagerte. In dem Lager vor Belgrad unterzeichnete(mit geheimen e von der Maria Theresia und ihrem Gemahle, welche, 9. des Kaisers schwanken⸗ der Gesundheit/ dessen Tod, und einen Kampf nach demselben, voraussahen,) Graf Neiperg(18. Sept. 1739) den Frieden 3), in welchem Oestreich der *) Wenok, T. 1. p. 316 8. 100 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Pforte ganz Servien mit den Festungen Belgrad und Schabaz, so wie den Antheil an der Walachei mit Orsowa zurückgab. ö 60. C) Umrisse aus der besondern Geschichte der einzelnen Staaten und Reiche in diesem Zeit⸗ abschnitte. 1. Teutschland. Teutschland ward durch den westphälischen Frie— den gesetzlich, was es bereits, seit der Anerkennung der Territorialhoheit(1235) der reichsunmittelbaren Stände, factisch gewesen war, ein Staatenbund, aus mehr als 300 unmittelbaren Ständen bestehend, mit einem Kaiser, als Lehnsherrn und Oberhaupt des Ganzen, doch nur mit wenigen Reservatrechten, an der Spitze, so daß seit dieser Zeit Kaiser und Reich als zwei gleiche politische Größen erschienen, wogegen aber das Volk in dem Reiche sich verlor, und die höhere Kraft des innern Volkslebens durch die nachtheiligen Veränderungen in den ständischen Verfassungen, wo diese noch fortdauerten, durch die Erschöpfung der Städte, durch den Verlust vieler ihrer Rechte, durch den Druck der stehenden Heere, durch den gesteigerten Aufwand der Höfe, und durch die stillschweigende Ausschließung des dritten Standes von den höhern Staatsämtern mächtig erschüttert ward. Dafür konnte der(seit 1663) bleibende Reichs— tag zu Regensburg nicht als Ersatz dienen, der wohl Churfürsten, Fürsten, Reichsgrafen(in Curiatstim— men) und Reichsstände, nicht aber die Millionen des teutschen Bürger- und Bauernstandes repkäsentirte, Italien. ssuz Ahn W Ib u 0² t H1 O 5 bEH%U 170 Hii Oigi W I WU HiRy Resh uu Rütg 00 issel dg D 8² eluursste, n N a Wulchi WH ktn Hatr x. He I dn d A in Rin 7157½½/ Ai 6695* Nphdlischen In det Inerkennn XI Acheunmit 1¹⁷⁵ u Sunmittel I. +. Anhntd Inhun Ctaatenbul It 1944 ** dunden besthen 1 Mrhaut x Foiset und W erschener, schh vetle, Iushehs duch Kwischk Vn urc W e den n 6 M, Lrh Nurr Etndl chittttuut 0 ö ö* R 11. mian M Lonen 0 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 191 und bald durch Ursachen, die in seiner fehlerhaften Gestaltung lagen, in den nicht unverdienten Ruf der Langsamkeit, Schwerfälligkeit und Unthätigkeit kam. Denn da die Fürsten nicht, wie sonst, persönlich er— schienen; so konnten ihre Gesandten zu Regensburg auch nur der Nachhall ihrer Politik seyn, die aus den Residenzen schneller und bestimmter verlautete, als aus den Regensburger Sitzungen; die langen Ferien, die Förmlichkeiten und die Etikettenstreite der Gesand⸗ ten noch abgerechnet. Selbst die beiden Reichs ge— richte verloren durch die nun häufiger ertheilten Pri- vilegia de non appellando von ihrem frähern Ein⸗ slusse, wenn gleich das Kammergericht, ungeachtet seiner Langsamkeit, den Ruf der Gerechtigkeit bis zu seiner Auflösung behauptete. Ein halbes Jahrhundert mußte übrigens nach dem westphälischen Frieden ablaufen, bevor der teutsche Volksgeist sich wieder erhohlte, und in den Kreisen des Ackerbaues, des Gewerbswesens, des Handels, der Wissenschaft und der Kunst ein neues Leben begann. In kirchlicher Hinsicht bestand zwar seit dem westphälischen Frieden der Grundsatz der völligen Gleichheit; allein Ludwigs 14 Betragen in der über— wältigten Pfalz, die berüchtigte Ryßwicker Clausel, die Bedrückung der Protestanten in Ungarn und Oest— reich unter Leopold 1, so wie in Salzburg, wo 18,000 derselben im Jahre 1732 auswanderten, der Einfluß der Jesuiten auf die Religionsveränderung mehrerer Fürsten, und einige gehässige päpstliche Bullen waren doch noch einzelne Rückfälle in die Zeit vor dem dreißigjährigen Kriege! Unter besondern Zeitverhalt⸗ nissen bildete sich am Ende des siebenzehnten Jahr⸗ hunderts der Pietismus, und im Jahre 1722 die Brüdergemeinde zu Herrnhut.— Neue Hoch⸗ 4 192 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. schulen wurden in dieser Zeit nur wenige gegründet; zu Bamberg(1648), Duisburg(1655), Kiel (1665), Halle(1094)0, Fulda(1734), Göt⸗ tingen(1737), und Erlangen(1743). Nach außen stand Teutschland zwar in diesem Zeitabschnitte recht eigentlich in der Mitte des euro— päischen Staatensystems, weil Anfangs Schweden R und theilweise Dänemark, und später Rußland und Preußen an den Weltbegebenheiten Antheil ö nahmen, obgleich die Verbindung zwischen dem süd— westlichen und dem nordöstlichen Staatensysteme bis zum Jahre 1740 noch nicht so lebhaft war, wie in. dem folgenden Zeitabschnitte, wie dies der eigenthüm— Aug liche Charakter des spanischen Erbfolgekrieges bis zum xI Utrechter Frieden, und der des nordischen Krieges bis WMA zum Frieden von Nystadt beweiset, welche, wiewohl N gleichzeitig geführt, doch in ihren politischen In⸗ A 1 teressen nicht zusammentrafen. Allein von unver⸗ D kennbar nachtheiligen Folgen für die Stellung Teutsch⸗ Siun lands gegen das Ausland war es, daß, nächst dem Ie n bereits an Frankreich abgetretenen Elsaß, nun auch c ganz Lothringen diesem Reiche überlassen ward; daß die Churfürsten von Bayern und Kölln das warnende Wshe Beispiel der Verbindung mit Frankreich, während R der Zeit eines Reichskrieges gegen Frankreich gaben, und daß(seit 1710) Schweden als Reichsstand, I von andern Reichsständen bekriegt und der Fürsten— I thümer Bremen und Verden beraubt ward. Eben so AI wenig gewann die innere Einheit Teutschlands durch die Gelängung mehrerer Reichsfürsten zu auswärtigen Kronen. Das Schicksal vieler italischer Staaten ward in diesem Zeitabschnitte durch die Politik des Aus— landes, als Folge vorhergegangener Kriege, ent⸗ Vlitschen J on undos ng Tulsch nachst dem nun auch wald; daß warnende N. „ währerd Erster Zeitraum von 1492— 1789. 193 schieden. So kam das Herzogthum Mailand aus der spanischen Erbschaft, mit Ausnahme einiger an Piemont überlassenen Landschaften, nebst Mantua, dessen Herzog geächtet ward, an Oestreich. Néeapel und Sicilien blieben aber nur bis 1735 bei Oest— reich, wo Karl 6 beide Staaten an den spanischen Infänten Karlos abtrat, und dagegen mit Parma und Piacenza sich begnügte. Nach Toskana ward, beim Erlöschen der Medicäer, das Haus Lothringen versetzt. Der Herzog von Savoyen endlich, dessen geographische Lage ihn bei den Käm⸗ pfen in Italien zur politischen Wichtigkeit erhob, gewann die königliche Würde, die Insel Sar— dinien und einige oberitalische Landschaften. Die Freistaaten Italiens hingegen, besonders Vene— dig und Genua, enthielten sich des Antheils an den Kämpfen über Italien, außer daß Venedig zwei⸗ mal Krieg gegen die Pforte führen mußte. Der Kirchenstaat blieb in seinem frühern Umfange, und sein Regent suchte, was er nicht mehr durch geist— liche Gewalt gegen die öffentliche Meinung Europa's durchzusetzen vermochte, durch geheime Mittel, beson— ders durch die überall verstreuten und überall thätigen Jesuiten, zu bewirken. 61. Fortselung. * 322. Spanien. Portugal. Spanien war, nach dem westphälischen Frie— den, in seiner Stellung nach außen so tief gesunken, daß es, als Macht, von den übrigen europäischen Reichen wenig beachtet ward, und daß, um ihm Belgien gegen Ludwig 14 zu retten, selbst derjenige III. 13 194 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Freistaat seine Sache führen und vertheidigen mußte, der erst im Jahre 1648 nach seiner Selbstständigkeit von Spanien anerkannt worden war. Allein bei aller Unterstützung Spaniens durch andere Mächte, gingen doch während Karls 2 Regierung bedeutende Land⸗ schaften und feste Plätze in den spanischen Niederlan⸗ den an Frankreich verloren.— Wie Spaniens inne⸗ res Staatsleben und äußere Ankündigung sich gestal⸗ tet haben würde, wenn, nach Karls 2 Tode(1700), nicht Philipp von Anjou, sondern der Erzherzog Karl auf dem spanischen Throne sich durch den Utrechter Frieden behauptet hätte, liegt außer dem Kreise politischer Berechnung. Unverkennbar ent⸗ wickelte aber Spanien, unter der Regierung des ersten Bourbons)(bis 1746)— ungeachtet des Verlustes der europäischen Nebenländer,— mehr äußeres Leben, als unter Philipp 4 und Karl 2, wenn gleich die Politik der Elisabeth von Parma und des schlauen Alberoni nicht alle ihre Absichten er⸗ reichte, welche für Philipps 5 Söhne aus der zwei⸗ ten Ehe auf eigene Kronen rechnete. Zwar ver⸗ eitelte die Quadrupleallianz den Erwerb von Sardi— nien und Sicilien für den Infanten Karlos; es ward ihm aber Parma, Piacenza und Toskana für die Zukunft zugesichert, wofür er, im Wiener Frie⸗ den(1735) Neapel und Sicilien erhielt, die er, wäh⸗ rend des polnischen Thronfolgekrieges, mit dem von ihm nach Italien geführten spanischen Heere, erobert hatte.— In einem Anfalle von Krankheit legte *) William Coxe, memoirs of the Kings of Spain of the house of Bourbon, from the accession of Philipp V. to the death of Charles III.(von 1700— 1788.0 5 Voll. Ed. 2. Lond. 1615. 8. b nele hacdhen Hichn soEE Dinsw. vi in inm19% Ioss Glg in nW eigl sch mn alech. Hanshl Iu lagn f h Iu 3 dnjit Arinn r E Ui ν ain 29 H unshrhünn VEuun Ihurpi E 1τ Cn sch du x Haat ustt den Wacttundat uut iuung de ust Ids Dulun nh iljun 2„, angh ne innd de Msun d uu de jvei⸗ Ihur vr⸗ II Eudi⸗ Letlos; 6 V m fit Wn R H IU * utht H 1 669 Iin 39 V Icesll 01 400 ⁰⁰⁷ 54 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 195 Philipp 5(15. Jan. 1724) die Regierung nie⸗ der, die er seinem Erstgebohrnen aus der ersten Ehe, Ludwig, übertrug; doch übernahm er sie wieder, nach des jungen Königs baldigem Tode(4. Aug. 1724), auf Zureden der Geistlichkeit. Im Jahre 1739 kündigte Spanien an Großbritannien den Krieg, weil diese Macht ihr im Frieden zu Utrecht von Spa— nien erhaltenes Handelsprivilegium zu weit ausdehnte, und in Hinsicht des Schleichhandels nach Amerika zu sehr mißbräuchte. Portugal, seit der Revolution vom 1. Dec. 1640, welche den Herzog Johann von Braganza auf den Thron führte, wieder von Spanien getrennt, hatte während dieses Zeitabschnitts keine ausgezeichne— ten Regenten. Doch ward, gegen Spaniens er— neuerte Kämpfe, die Selbstständigkeit des Staates behauptet, und den Niederländern(1654) Brasi⸗ lien wieder entrissen. In Ostindien aber beschränkte sich das Kolonialsystem der Portugiesen auf Goa, Diu und einige kleine Niederlassungen; das übrige war, während der Verbindung mit Spanien, auf immer verloren gegangen.— Der schwache König Alphons 6(1656— 1667) verlor, unter dem Einflusse der Jesuiten, Krone und Gemahlin an seinen jungern Bruder Peter 2(1668— 4706); zugleich ward bereits in dieser Zeit die Handelsabhängig— keit Portugals von England begründet, die sich im ganzen achtzehnten Jahrhunderte erhielt, und alles frische Volksleben im Gewerbsfleiße und eignen Handel lähmte. Im spanischen Erbfolgekriege erklärte Portugal sich Anfangs für Philipp von Bourbon; allein Englands Einfluß bewirkte(1703) die Ver⸗ änderung des politischen Systems und das Anschlie— ßen Portugals an den Bund gegen Ludwig 14, wo⸗ 13* 196 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. für es im Utrechter Frieden, der unter Johanns 5 Regierung(1706— 1750) geschlossen ward, die Souverainetät über den Amazonenfluß, und die Ko— lonie S. Sacramento von Spanien zurückerhielt. 62. Fortsetzung. 339Ir a n tre i ch. Das Zeitalter Ludwigs 14 war es, wo Frank⸗ reich nach einem Principat in Europa und nach Ver— größerung auf Kosten seiner Nachbarn strebte. Die Politik Richelieu's und Mazarins, und die Ergeb— nisse des westphälischen Friedens hatten dazu vorge— arbeitet; Colberts umsichtige und tief berechnete Fi— nanzverwaltung, die neue Gestaltung der französischen Heere durch Louvois, so wie die von Turenne fort— gebildete und auf seine Schüler übergegangene Kriegs— kunst, beförderten diese Plane. So gewann Frank— reich impyrenäischen Frieden(1659) Roussillon, Artois und einen Theil von Flandern; im Vertrage von Aachen(1668), nach vereiteltem Plane der Erwerbung von ganz Belgien durch die Tripleallianz, mehrere feste Plätze im spanischen Niederlande; im Frieden von Nimwegen(1678) die Franche Comté und einige Landstriche in Belgien; im Waffenstill— stande mit Teutschland zu Regensburg(1684 die im Elsasse reunirten Districte und Städte mit Straß⸗ burg; im Utrechter Frieden(1713) die Be⸗ hauptung Philipps 5 auf dem spanischen Throne, und im Wiener Frieden(1735) das Herzogthum Lothringen. Zwar ward, seit Wilhelm der Oranier als Statthalter der Niederlande, und später zugleich auch denshite, WII Wall I V unm rulke Musilos, Vattagt Dane det Pleallianz, lundez in sche Lunt Daferil 10⁵¹ mi Et X + VIhun mnitt dl gahul Erster Zeitraum von 1492— 1789. 197 als König Großbritanniens auftrat, Ludwigs 14 Streben nach dem Principat vereitelt, und nament— lich machte er, als Greis, sehr schmerzhafte Erfah— rungen, die für keinen Eroberer verloren gehen soll⸗ ten; auch kamen, nach Colberts Tode, die Finanzen in Unordnung, so daß, bei der Beibehaltung und Vermehrung der stehenden Heere und bei dem Glanze des Hofes, 2600 Mill. Livres Schulden am Ende der Regierung Ludwigs 14 nicht befremden dürfen. Allein der mächtige Schwung des innern Wohl⸗ standes durch Colberts Thätigkeit erhielt fortdauernd Frankreichs bedeutungsvolle politische Stellung nach außen. Doch war der innere Wohlstand weniger auf die Blüthe des Ackerbaues, als auf das Empor⸗ kommen des Gewerbswesens und des Handels gegrün⸗ det; hauptsächlich fehlte ihm der Mittelpunet aller Kraft des innern Staatslebens, eine Verfassung, wie die brittische seit Wilhelm 3. Denn seit 1626 wurden keine Reichsstände mehr versammelt; die königliche Gewalt erschien unbeschränkt, nach Lud⸗ wigs 14 staatsrechtlichem Grundsatze:„der Staat, der binich!“ Selbst das Parlament war gewöhnlich ein folgsames Werkzeug in den Händen des Königs und der Minister. Dazu kamen, nach einer Krank— heit des Königs, der frömmelnde Ton am Hofe, der beichtväterliche und Maitressen-Einfluß, die Auf⸗ hebung des Edicts von Nantes(1685), die theologi⸗ schen Zankereien, und die Hofränke, besonders seit die Söhne der Montespan heranreiften. Alle diese Schattenseiten in Ludwigs 14 Regierung des Innern konnten nicht aufgewogen werden durch die zunächst auf Glanz berechneten Anstalten für Wissenschaften, Sprachen und Künste, durch die Verfeinerung der Sitten, durch die Reinigung und Vervollkommnung * 198 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der französischen Sprache, und durch die, seit Col— berts Verwaltung begründeten, Kolonieen in Akadien und Canada, so wie auf Guadeloupe, Martinique, und auf Madagaskar). Demungeachtet hielt Ludwig 14 noch auf den Anstand und auf Behauptung der äußern Würde. Allein auch diese schwanden nach seinem Tode(4715), als, bis zur Volljährigkeit ndwigs 15(bis 1723½, der Herzog Philipp von Orleans Regent war, und der sittenlose Kardinal Dubois auf den Regen— ten einen entscheidenden Einfluß behauptete, wenn gleich der Regent, nach seinen persönlichen Verhält⸗ nissen zu Philipp 5 von Spanien, in Hinsicht der auswärtigen Politik, auf die Seite der Seemächte gegen Spanien trat. Auf diese fehlerhafte Staatsver⸗ waltung, zu welcher auch die von dem Schottländer Law errichtete Zettelbank(1748) gehörte, welche durch ihre Verwandlung in eine Staatsbank gesprengt ward,(Orleans und Dubois starben 1723Nund auf die kurze Ministerschaft des Herzogs Ludwig von Bourbon(1723— 1726), während welcher Ludwig 15 mit der Tochter des Exkönigs Stanislaus von Polen sich vermählte, und die mit ihm verlobte spa⸗ nische Infantin nach Hause schickte, folgte das Mi⸗ nisterium des bejahrten Bischoffs Fleury(1726 — 1743), des ehemaligen Lehrers des Königs. So lang dieser Greis an der Spitze der Geschäfte war, herrschte Ordnung in den Finanzen und ein im Gan— zen richtiger politischer Tact, der während dieser Zeit die Vereinigung Lothringens mit Frankreich bewirkte. à Berlin, 1751. 12. *) de Voltaire, le sicle de Louis XIV. 2 Voll. 6 S vad ah dilardth muhad sisle f Ladg f vasM Ihg inssheh dasdheh, uf Helqh Sath + nshsz in Aun Mrran uf He n Didde aet9, (06, iegent par n Regen⸗ te, wenn Verhäl jnscht de Seemächt Snatsoet chottlände Iche durc gesptengt und auf Wwig von 2 Mddig aus von Ite spa⸗ dus M⸗ 10 8. O häste wat, im Gal⸗ st dt hnikkt. . 2 Voh. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 199 63. Fortsetzung. 4. Die Seemäch te. Der Freistaat der Niederlande verlebte, nach dem westphälischen Frieden, die Zeit seiner höchsten innern und äußern Kraft, der Blüthe seiner Kolönieen (wozu 1653 die Niederlassung auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung hinzukam), und seines größ⸗ ten politischen Einflusses. Nur beging der große Diplomat de Witt den einzigen Fehler, daß er ͤͤber der Seemacht die Landmacht vernachlässigte, was bei der drohenden Nachbarschaft der stehenden Heere Lud⸗ wigs 14 sehr bedenklich war, und 1672 zu de Witts eigenem Untergange führte. Durch den Freistaat ward aber Ludwigs 14 Plan auf die spanischen Nie⸗ derlande vereitelt, und dadurch sein er ster Versuch nach einem Principate in Europa hintertrieben. Da⸗ für sollte der Frei staat vernichtet werden, wie einst Venedig durch die Ligue von Cambray. Allein noch war die Zeit der Republiken; noch lag die Auf⸗ lösung eines ganzen europäischen Staates nicht im Gesichtskreise der europäischen Diplomaten. Nach⸗ dem daher der drohende Sturm von Ludwigs Rache auf Holland abgewehrt, und Wilhelm 3(1673) Statthälter von fünf Provinzen, so wie in der Folge König von Großbritannien geworden war; so gab die Politik der unter Einem Regenten vereinigten See⸗ mächte den Ausschlag in den erneuerten Kämpfen gegen Frankreich. Selbst nach Wilhelms 3 kinder⸗ losem Tode standen in den Niederlanden die Männer aus seiner politischen Schule an der Spitze der Ge— schäfte. Doch ruhte die von ihm bekleidete Statthal⸗ terwürde in den fünf Provinzen nach seinem Tode; 200 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. denn Wilhelms nächster Vetter, der Fürst Johann Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz, war nur Statthalter von Friesland und Geldern. Der Frei— staat gewann im Utrechter Frieden blos den gegen Frankreich schützenden, dem Hause Oestreich aber lästigen Barrieretractat, und neigte sich mit ihren politischen Interessen, wie bisher, zunächst auf Englands Seite, ob es gleich von diesem, in Hinsicht der zu Utrecht gemachten Erwerbungen und des seit dieser Zeit mächtig erweiterten brittischen Handels, überflügelt worden war.— Im Anfange des Zeitabschnitts wogte noch in Großbritannien ein mächtiger innerer Kampf, in welchem der König Karl 1(30. Jan. 164 auf dem Schaffote verblutete. Cromwell 5), nachdem er den über diese Hinrichtung ausgebrochenen Aufstand in Schottland und Irland gedämpft hatte(1650 und 51), so daß Karl 2 nach Frankreich entfloh, regierte als Protector den damaligen Freistaat Eng— land, an der Spitze eines aus seinen Geschöpfen ge⸗ bildeten Parlaments, nicht ohne im Innern Ord— nung, Ruhe und Wohlstand herzustellen, und nach außen das politische Gewicht Großbritanniens zu erneuern und zu steigern. Zunächst gegen die Nie— derländer, welche die vertriebenen Stuarte bei sich aufnahmen, gab er das Grundgesetz des brittischen auswärtigen Handels(1652), die Navigations⸗ acte, welche, als Unterlage des sich immer weiter ausbildenden Merkantilsystems, von Karl 2 *) Memoirs of the Protector Oliver Cromwell and of his sons Richard and Henry; by Oliver Crom- well, Esq. Lond. 1820. 4. vergl. Gött. Anz. 1822, N. 30 f. ö hoh In kist Ossim d in H1 H hudeoe Oitr 6 Re W veddld l W WueNE WigV. Mi e H Iu H. (HE — — S .. — + — S= . — — * — —3——38—3—3—38 Hsostt—. 8 4 4 Erster Zeitraum von 1402— 1789. 201 zurst f an(1660) bestätigt ward, und erst in den neuesten Zei— 1—0 een einige mildernde Einschränkungen erhielt. Sie Derdi⸗ bestimmte, daß fremde Schiffe keine andern Güter gn in brittische Häfen und in die Häfen der brittischen uih ch Kolonieen einführen sollten, als die Erzeugnisse des 0 sch m Landes, von welchem das Schiff käme. Brittische n Güter aber, oder auch Erzeugnisse aus Großbritan⸗ 1 niens Kolonieen, durften nur auf Schiffen ausgeführt und dee werden, die im brittischen Staate gebaut, und von n Hondit deren Mannschaft wenigstens zwei Drittheile und der Capitain Eingebohrne oder eingebürgerte Britten te noch i. wären. Zwar erklärte(1652) Holland deshalb den Kampf,i Krieg an Großbritannien; allein im Frieden(1654 Waufda mußte es die Navigationsacte anerkennen, und ver⸗ nachden sprechen, Karl den 2 nicht zu unterstützen.— Mit⸗ u Aussn ten im Frieden entriß Cromwell den Spaniern Ja⸗ (0⁵⁰0 maica. In dem darauf ausbrechenden Kriege „ tegleh(1655— 1658), in welchem Ludwig 14 mit Cromwell at Eng sich verband, ward Jamaica behauptet und Dün— hipfen ge kirchen genommen.— Nach seinem Tode(5. Sept. EI Od 1658), übernahm zwar sein Sohn Richard das ndnach Protectorat, verzichtete aber darauf nach einigen niens z Monaten(22. Apr. 1659). Die Befehlshaber der die Me⸗ Landtruppen beriefen dann ein Parlament zusammen, bi st löseten es aber im October 1659 auf, und setzten an hithscr dessen Stelle eine Sicherheitscommission von 23 Mit⸗ gatiots gliedern. In diesem Zeitpunete der Zerrüttung ging Wln der Statthalter von Schottland, General Monk, u Kall! mit einem Heere nach England, und bildete ein neues Parlament aus Anhängern der verdrängten Stuarti— schen Familie, welches(8. Mai 1660) Karl 2 auf Vand of den brittischen Thron berief. Er regierte von 1660— 1685 mit Mißtrauen, Schwäche und Willkühr, mit u. Au/ Hinneigung zur unbeschränkten Gewalt und zum Ka— 202 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. tholicismus. Sogar die ausgesprochene Amnestie, ward nicht gehalten; mit dem Parlamente stand er in beständigem Zwiste; allein mit Ludwig 14 blieb er in freundlichem Vernehmen, selbst zum wesentlichen Nachtheile der brittischen Staatsinteressen. Ein, nicht ohne Verluste mit den Niederlanden gefüͤhrter, Krieg(1664— 1667) verschaffte im Frieden zu Breda(34. Jul. 1667) dem Freistaate Surinam und einige Erleichterungen von der Navigationsacte. Doch standen im Ganzen während dieses Krieges beide Seemächte einander mit gleichen Kräften gegen über, was erst seit dem Utrechter Vertrage zum Vortheile Englands sich veränderte. Nur vorübergehend war Karls 2 Theilnahme an der Tripleallianz(1668), durch welche Ludwig 14 genöthigt ward, seinen Plan auf Belgien aufzugeben; denn in dem Kriege gegen die Niederlande(1672— 1674) trat er wieder auf Ludwigs Seite, bis Geld— mangel und die Abneigung des Parlaments gegen die— sen Kampf ihn zum Frieden von Westminster (19. Febr. 1674) mit Holland nöthigten.— Die Hinneigung des Königs zur unumschränkten Herr⸗ schaft, und der Uebergang seines Bruders Jacob zum Katholicismus bewirkten, daß das Parlament für die kirchliche Freiheit die Testacte(1673), und für die bürgerliche Freiheit die Habeas-Corpus- Acte(1679) durchsetzte. Doch bildeten sich seit die⸗ ser Zeit zwei politische Pärtheien: die Torys und die Whigs, vvn welchen die ersten die Verstärkung der königlichen Gewalt auf Kosten der Verfassung, die zweiten die strengste Beibehältung der politischen Ver— fassung Großbritanniens beabsichtigten. Die Whigs waren es, welche, drei Jahre nach der Thronbestei— — I —.ẽ—j I dui ö RUN nuhle 0 Rom lur U N d⁵ N Hagin Hus 6 f Rt f WRe Mht S Rcr 0 aushsent he ys, ke stardain 14 He vesentchn su Eh, gfihtte, den su Cutinan igatundamt es Kuich n Krasin trage zun Velnahm eadwil außugeben (10² bis Gad⸗ gegen die minster F kun Har⸗ 5 Iutel Porlamen W Corpus- h sit di 5dde runp der sung, de Hn Ver⸗ Vhigt wohist Erster Zeitraum von 1492— 1789. 203 gung Jacobs 259(1685), der sogleich die Testacte aufhob, zur Sicherstellung des Protestantismus und der Verfassung, den Schwiegersohn des Königs, Wilhelm 3, aus den Niederlanden beriefen, der (6. Nov. 1688) mit einem niederländischen Heere den brittischen Boden betrat, an welches sich die britti⸗ schen Truppen anschlossen. Dies bestimmte Jacob 2 zur Flucht nach Frankreich(24. Dec.), worauf die Engländer und Schotten(43. Febr. 1689) ihren Thron für erledigt erklärten*), und dem Prin⸗ zen Wilhelm von Oranien nebst seiner Ge⸗ mahlin Maria die Regierung übertrugen. Nur Irland mußte, wegen der überwiegenden Zahl der Katholiken(1694) durch Militairgewalt überwältigt werden. Mit Wilhelmz kam neue Eintracht zwischen Regierung und Volk; denn die beiden Grundlagen des innern Staatslebens, die unter den Stuarts so länge gefährdet gewesen waren, der Protestantis-⸗ mus und die burgerliche Freiheit, die beide in der steigenden Größe Großbritanniens seit dieser Zeit sich gegenseitig trugen und unterstützten, wurden völlig hergestellt, und die Verhältnisse des Parla⸗ ments zur Regierung von neuem gesetzlich und fest begründet. Selbst die Oppositionsparthei im Unterhäuse war seit dieser Zeit kein Kampf gegen die Regentengewalt, sondern nur der Ausdruck des fri⸗ *) Charles Fox, history of the early part of the reign of James the Second. Lond. 1808. 4.— Teutsch, von Soltau. Hamb. 1810. 8. ν) Geo. Moore, Geschichte der brittischen Revolu— tion von 1638. Aus dem Engl. mit Anmerk. von B. J. 5. v. Halem. Lpz. 1822. 8. ——— 2— ——.—.——— — —— 204 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. schen politischen Lebens in der Mitte der Vertreter eines freien Volkes. Wie hätten sonst Wil helm, Anna(unter welcher England und Schottland 1707 zu Einem Parlamente vereinigt wurden,) und die George aus dem Hause Hannover gegen die wieder— hohlten Versuche der von Frankreich unterstützten Prätendenten sich behaupten, und ihre großen Plane gegen Frankreichs Streben nach einem Principate im pfälzischen und spanischen Erbfolgekriege, in der Quadrupleallianz, und selbst bei den Unter⸗ handlungen im polnischen Thronfolgekriege durchführen können! Denn darin zeigte sich eben die Größe der neuen Regierung, daß, ungeachtet des im Handel vorherrschenden Merkantil- und Isolirungs— systems, dennoch der Gewerbsfleiß und mit ihm die Bevölkerung im Innern mächtig gesteigert, das Ko— lonialsystem durch neue Begründungen besonders in Nordamerika, so wie durch Erwerbungen in Frie— densschlüssen erweitert, der Grund der künftigen Meeresherrschaft gelegt, und bald durch diplomatische, bald durch kriegerische Dazwischenkunft der politisch⸗ Einfluß Großbritanniens auf alle wichtige Ereignisse im gesammten europäischen Staatensysteme gesichert ward. Dies zeigte sich bereits in dem Kriege gegen Lud— wig 14, welchen(1697) der Ryßwicker Friede beendigte; in dem Plane Wilhelms zur Theilung der spanischen Monarchie; in dem Kriege über Spanien, welchen Wilhelms Schwägerin Anna(1702— 1714) nachdrücklich begann, und im Utrechter Frle⸗ den ruhmvoll endigte. Ihr folgte— nach dem von Wilhelm(12. Jun. 1701) bewirkten Thronfolgegesetze, — das protestantische Haus Hannover mit Georg1 (1714— 1727), unter welchem, so wie unter Georg?, 0 U Wulto b Jul 1¹α Ibu- INhuh XI W sssahur hn h%6 d A 0 110 ½ nd usßh N. z Ilts KN n* Raw IüN nsppr er Vuh Vühn Hlamdy „ und x witde muustißen Raßn Paane Nünait in Igekrieg, iden luio gektiez ch eben d het des i IWlirungs nit ihn t, da K Rsander in ri fünftigen omatische, politich reignise gesichet Kzen du⸗ et Ireh eilunñ der Sonnien, 17⁰⁰ r Fnl⸗ demm von ggeh, heorg! heorgs Erster Zeitraum von 1492— 1789. 205 der Minister Walpole bis 1739 an der Spitze der Geschäfte mit Rechtlichkeit, Umsicht und stand. 64. Fortsetzung. 5. Die nördlichen Reiche. Die Tochter und Nachfolgerin des großen Gustav Adolphs von Schweden, die Königin Christina, erntete im westphälischen Frieden für ihr Reich die Früchte ihrer Helden und Diplomaten, ohne durch ihre Individualität dazu mitgewirkt zu haben. Ein richtiges Gefühl leitete sie, als sie(1654) die Re— gierung niederlegte, worauf sie zum Katholicismus überging.— Desto kriegerischer waren die sechs Jahre, in welchen Karl Gustav(1654— 4660) die Krone trug. Wenigstens lag es nicht an ihm, wenn nicht ganz Skandinavien und die gesammten Ostseeprovinzen, vielleicht selbst Polen, seinem Scep— ter gehorchten! Nach seinem frühzeitigen Tode ver— söhnte der Friede zu Oliva(1660) die streitigen Interessen der nördlichen Reiche.— Unter seinem Sohne Karl 11(1660— 4697) wechselte die schwe— dische Politik mehrmals die Farben, je nachdem die Subsidien des Auslandes geboten wurden, beson— ders nach Schwedens Stellung zu Frankreich, Nieder— land und Brandenburg, doch ohne die vorige Macht des Reiches geltend machen zu können. Dagegen überreizte Karl 12(1697— 4718) die Kräfte seines Staates in einem Kriege, der erst nach sei— nem Tode geendigt ward, und Schweden zur politi— schen Ohnmacht herabsetzte, weil in des Königs In— dividualität, mit ausgezeichneten Talenten und hoher 206 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Kraft, viel Starrsinn, Leidenschaft und Neigung zum Abenteuerlichen verbunden war. Denn, indem er seinen wahren Gegner erst nach dem Tage bei Pul⸗ tawa kennen lernte, bewirkte er, durch seine politi— schen Mißgriffe, die schnell steigende Macht Ruß— länds, ohne auf Polens Schicksal länger, als wäh— rend seiner persönlichen Anwesenheit, Einfluß be— haupten zu können. Die Folgen seiner Regierungs⸗ zeit waren daher unter seiner Schwester Ulrike Eleonore mit ihrem Gemahle, dem Erbprinzen Friedrich von Hessen, den die Stände als König anerkannten(1720— 4751), die Verluste Schwedens in den Friedensschlüssen mit dem Aus⸗ lande, besonders in dem Nystadter Frieden mit Ruß⸗ land, und die Beschränkung der königlichen Gewalt im Innern, welche zu einer drückenden Aristokratie des Reichssenats führte. Danemark kündigte, während dieses Zeitab— schnitts, sein äußeres politisches Leben zunächst durch Kämpfe gegen seinen mächtigen Nachbar und Nebenbuhler Schweden an, verlor aber mehrere Besitzungen an denselben im Frieden zu Ro schild (1658) und Kopenhagen(1660). Allein eben in diesen Kriegen trat die Fehlerhaftigkeit der dänischen Adelsaristokratie so bestimmt hervor, daß, unterstützt von der Geistlichkeit und dem Bürgerstande,(16. Oct. 1660) der König Friedrich 3 zur Er blich— keit der Krone und zur völligen Souveraine⸗ tät) gelangte, womit, als Folge, die Auflösung der ganzen ständischen Verfassung zusammenhing.— Unter Friedrichs Sohne, Christian 5(1670— *) Ludw. Tim. Spittler, Geschichte der dänischen Revolution im Jahre 1660. Berl. 1796. g. H. 100 Ide dil umk. L. M Cthitt&e sred ch In Vohh , bnn I I xH und Walgr H Uh Vade Gseln HU B r 10 ⁰ n 0l de N sh⸗ Häcynz ssen II Nha hn gu I Hie I0 s tane Mua ö nsst r Nähmin u, irhmn e Age bidi⸗ sine pult Moht Nß 4, ib vih⸗ Enfch be⸗ Mhrung der Ulritkte Exborinn tinde al ie Verlust dem Nus N mit Nuß Hen Gewal Masta sss Zitud unichst chbar und mehten loschild in eben in Nnischer Unterstüt de,(0 Erblich vetaine— Auflosurg hug 1000— Erster Zeitraum von 1492— 1789. 207 1699) fielen Oldenburg und Delmenhorst, nach dem Tode des letzten Grafen Adolph Günther, an Däne⸗ mark. Der Krieg gegen Schweden(1676— 4679 endigte auf den vorigen Besitzstand. Die vieljährige⸗ Erbitterung gegen Schweden führte aber den König Friedrich 4(1699— 4730) zur Theilnahme an dem Bündnisse mit Polen und Rußland gegen Karl 12, um die früher verlornen Besitzungen wieder zu gewinnen. Doch ward Dänemark, durch Karls 12 Angriff auf Kopenhagen, wobei ihn eine englisch— niederländische Flotte unterstützte, zum Frieden von Travendahl(18. Aug. 1700) genöthigt. Es erneuerte aber, nach der Schlacht bei Pultawa, den Krieg, und eroberte die Fürstenthümer Bremen und Verden, die es(1745) an Hannover verkaufte. Der Gefahr, Norwegen an Schweden zu verlieren, ent⸗ ging Dänemark durch Karls 12 Tod(1718) bei der Belagerung von Friedrichshall, worauf Dänemark im Frieden(1720), gegen die Zurückgabe der in Pommern gemachten Eroberungen, von dem schwedi⸗ schen Bundesgenossen, dem Herzoge von Holstein, den Besitz von ganz Schleswig erhielt. Die Regie⸗ rungszeit des frömmelnden Christians 6(1730— 1746) verfloß für Dänemark ohne Antheil an den gleichzeitigen Ereignissen im europäischen Staaten— systeme. In Polen verfloß die Regierung des Königs Johann Kasimir(1648— 4668) unter bedenk⸗ lichen Kämpfen mit Schweden; doch ward der Friede von Oliva ohne wesentliche Opfer geschlossen. Wäh— rend seiner Zeit unterwarfen sich(1654) die Kosa⸗ ken dem Schutze Rußlands, worüber er, im Kriege mit Rußland, Smolensk verlor. Dem bisherigen Lehnsherzoge von Preußen mußte er die Sou verai— 208 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. netät zugestehen. Nach der Niederlegung seiner Regierung bestieg ein bejahrter Piast, Michael Wisniowiezki(1669— 1673), den Wahlthron, der an die Pforte die Ukraine und Podolien verlor. Mehr Haltung brachte sein Nachfolger Johann Sobiesky(1674— 1696), der Befreier Wiens (1683), in die äußere Ankündigung des Reiches; allein die innern Gebrechen der Verfassung konnten weder er, noch seine beiden Nachfolger, August 2(bis 1733) und August 3(1733— 1763), aus dem sach⸗ sischen Hause, heben. Der erste, der(1700) Liefland wieder an Polen bringen wollte, mußte einige Jahre seinem Gegenkönige Stanis laus Lesezinsky (Oct. 1709) weichen, der nur durch Karls 12 Siege sich behaupten konnte; der zweite ward bei seiner Thronbesteigung(1733) von Rußland und Oestreich unterstützt. Zu der politischen Anarchie Polens kamen seit 1717 die Streitigkeiten mit den Dissidenten, die man während des Krieges mit Schweden als heimliche Freunde Schwedens betrachtete, weshalb sie unter jesuitischem Einflusse von den Reichstagen und allen hohen Staatsämtern ausgeschlossen wurden. Für Preußens künftige Größe entschied die Stellung Friedrichs Wilhelms in dem Kampfe zwischen Karl Gustav von Schweden und Johann Kasimir von Polen. Bei dem Wechsel seines Bünd— nisses mit beiden, ward nach einander iu besondern Verträgen von beiden, nach dem Werthe, den sie auf seinen Beitritt legten, die Souverainetät Preußens(1656 und 1657) anerkannt, und im Frieden von Oliva(1660) bestätigt. Doch erst sein Sohn, der Churfürst Friedrich 3, setzte sich, nach einem mit dem Kaiser deshalb abgeschlossenen Ver— trage(16. Nov. 1700), die Königskrone zu W I Ruch 1 IE siandh M Ri hn Nrtol hn g 8⁰ + — — aßsaun gun g „Nitul Wushn Nlinn uh. Phen Ifrir Nat Nicheilen fomin pir Wuus 2 f aubdimsit WWHfd tiigt Iihn Leschinek 15 1½ S 10 bei sinn ind Hesnit Wlens famu sidenten weden als vishalh si tagen und irden. schied di NKampfe Pham nis Dind besoidect „ den s ainettt ö ind in s seit ch ö nac nen De⸗ rone Erster Zeitraum von 1492— 1789. 209 zu Königsberg(18. Jan. 1701) auf, worauf er den Kaiser Lopold mit einem Heere im spanischen Erb— folgekriege unterstützte. Von unberechenbaren Folgen für Preußens Stellung zu dem südwestlichen und nördlichen Staatensysteme war es aber, daß Berlin die Residenz blieb, und nicht der Sitz der Regierung nach Königsberg verlegt ward! Aus der oranischen Erbschaft erwarb Friedrich 4 mehrere Besitzun⸗ gen; die Stände von Neufchatel und Valengin (1707) wählten ihn zum Regenten.— Ihm folgte sein Sohn: Friedrich Wilhelm 1(4713 1740), der Ordnung in die Finanzen, Zucht in das durch Werbungen im Auslande bedeutend vergrößerte Heer, und militärische Haltung in den ganzen Staats-⸗ organismus brachte. Im Utrechter Frieden(1743) gewann er einen Theil des Herzogthums Geldern, und im Stockholmer Frieden(1721), nach Karls 12 Tode, Stettin und Vorpommern bis an die Peene. Einen bedeutenden Schatz und ein schlägfertiges Heer vererbte er(31. Mai 1740) auf seinen großen Sohn Friedrich 2. Rußland, seit der Thronbesteigung des Hau— ses Romanow im Innern beruhigt, kämpfte, unter Alexei(1645— 1676), mit Schweden ohne Er— folg über Liefland, gewann aber in dem Kriege, der gegen Polen über die freiwillige Unterwerfung der Kosaken unter Rußland(1654) ausbrach, von Polen(1667) Smolensk und Severien. Nur kurz regierte Alexei's ältester Sohn Feodor 3(1676.— 1682), welchem seine Brüder, der blödsinnige IJwan und der noch unmündige Peter, Anfängs unter der Mitregentschaft ihrer herrschsüchtigen Schwester So— phia, folgten. Als aber Sophia ihren Bruder —19 ganz von der Regierung ausschließen wollte, III. 14—ꝑ87 210 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. schickte er sie ins Kloster, und regierte allein, obgleich Iwans Name bis zu dessen Tode(1696) noch öffentlich fortgeführt ward. Mit ungewöhnlicher Kraft des Verstandes und Willens, bei vernachlässigter Erziehung, und nicht ohne Härte und Willkühr im Einzelnen, ward er der Begründer der neuen Ord— nung der Dinge in Rußland, und des politischen Einflusses, welchen dieses Riesenreich seit der Zeit im europäischen Staatensysteme behauptete. Doch darf nicht vergessen werden, daß bei dieser Europaisi— rung eines Slavenreiches alle sämmtliche im euro— päischen Westen aus dem Lehnssysteme hervorgegangene Elemente der Civilisation, der dritte Stand, die blühenden Städte, die ständische Vertretung, die Hochschulen, so wie die Bedingungen des wissenschaft— lichen und Kunstlebens fehlten, und alles— im Ge— gensatze der gleichzeitigen politischen Re— volution in England(1688)— in Rußland auf Autokratie berechnet ward. Denn während in dieser Zeit der Grund zur politischen Größe Groß—⸗ britanniens, und zu seinem künftigen Einflusse auf mehr als einen Erdtheil, durch die unauflosliche Ver— bindung der burgerlichen und kirchlichen Freiheit unter dem Oranier gelegt, und dadurch das System einer beschränkten Monarchie mit einer repräsentativen Verfassung practisch ausgebildet ward, führte die von Peter 1 in Ruß⸗— land begonnene Civilisation, nach ihrem Charakter und nach allen mit ihr zusammenhängenden bürger— lichen und kirchlichen Einrichtungen, zum Systeme der unbeschränkten Selbstherrschaft. So traten die beiden entgegengesetzten Pole in Hin⸗ sicht auf das innere Staatsleben in einem und dem— selben Zeitpuncte ins europäische Staatensystem ein, felts M. Ialee. nsthun Irn H x land hEhn I1%½¹ 05⁰˙0 SUlum/ Wüe UbH A i Hgseren use u Hühfh HN I 0 siche Renr Iihhn Hlgeh I H¹¹ 6 IHι³⁴ Iud Au d r nsssnt y an, Hh 5H u llicht iß nachlässgn INNN Mlihr in Wlun Hor Nischen de di in Doh du VTopais, eim emn geganger 3und, d retung, wissenschet — in Hi schen R. Ruflant hahtend in Groß flasse au sche Ver⸗ clichen d ddurch chie nit purs in Auß Charakte birgt⸗ GOystne s. S⁰ in hin⸗ und den⸗ sem hh Erster Zeitraum von 1492— 1789. 2114 und konnten auch in der äußern Ankündigung beider Reiche nicht ohne die wichtigsten Folgen bleiben.— Als Stifter der neuen politischen Gestalt Rußlands brach Peter 1 die Macht der Strelitzen und schuf ein neues Heer; er rief Ausländer ins Reich, um einzelne Theile des innern Staatslebens umzubilden; er erkäm⸗ pfte sich im nordischen Kriege die, im Nystadter Frie— den an ihn abgetretenen, Ostseeprovinzen, Lief⸗ land, Esthland und Ingermanland, verlegte den Sitz der Regierung in das neugestiftete Peter s⸗ burg, baute Kronstadt, rettete sich(1711) durch den Frie den am Pruth aus einer bedenklichen Stellung im Kriege mit der Pforte, nahm(1721 den Titel eines Kaisers von ganz Rußland an, er⸗ richtete den dirigirenden Senat und, statt der von ihm aufgehobenen Würde eines Patriarchen, den hei— ligen Synod, ließ(1718) seinen Sohn Alexei enthaupten, und starb am 28. Jan. 1725.— Die nächsten Regenten Rußlands, Katharina 1(1725 — 1727), Peter 2, der Enkel Peters 1(1727— 1730), und Anna, die Tochter des blödsinnigen Iwan,(1730— 1740) wirkten weder im Innern, noch nach außen, in Peters 1 Geiste fort; doch ent⸗ wickelten, während der Regierungszeit der Anna, Ost ermann im Kabinette, und Münnich im Felde, besonders in dem Türkenkriege(1736— 1739) ausgezeichnete Talente. Nur beleidigte sie die Gro— ßen des Reiches durch die Begünstigung und den Ein⸗ fluß ihres Keblings, des Grafen Ern st von Biron, der durch ihre Vermittelung zum Herzoge von Kur— land erwählt ward, ein Land, das nach dem Er— löschen des Kettlerschen Mannsstammes(1737), in Hinsicht auf frühere Bestimmungen mit Polen ver⸗ bunden werden sollte. 14⁰ —.2 212 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 65. Jor see hun g. 6) Die östlichen Reiche. Wenn gleich in diesem Zeitabschnitte die Pfo rte mehrmals den Kampf in Ungarn erneuerte, und selbst ein türkisches Heer(1683) vor Wien erschien; so zeigten doch die Siege der Teutschen, besonders des großen Eugen, daß die beibehaltene asiatische Art des Kriegsführens neben der fortgebildeten europäischen Kriegskunst sich nicht behaupten konnte. Dies be— währten die großen Erfolge des Carlowitzer(1699) und Passarowitzer Friedens(1748); denn was Oestreich im Belgräder Frieden(1739) zurückgab, war ein Opfer der höhern Politik in diesem bedenk— lichen Zeitabschnitte. Während Ungarn, unter Oestreichs Scepter, seit diesen Siegen über die Türken, fester im Innern gestaltet, in ein Erbreich ver— wandelt, und auch das Fürstenthum Siebenbür⸗ gen(1699) durch die Pensionirung des Fürsten Abaffi gewonnen ward, blieb die Pforte durch— gehends bei den aus Asien mitgebrachten Grundsätzen stehen, und sank daher immer tiefer sowohl in Hin— sicht der innern Gestaltung der einzelnen Provinzen, als in Hinsicht der äußern Ankündigung in der Ver— bindung und Wechselwirkung mit den übrigen euro— päischen Staaten. 8* —.— shn u I. Inin uhe V u, M Ur abn ( e A 0 N 19 e END 0 %0 Dr Ir Ii I R N e M EAI EAI I schjz i issiny 2 de Pfotte „ Wseht eishia; d sondets die che Att ds Hopdischn Dies be⸗ t 1000 denn was Rrüchgth, em bidenk ru, umn Lirke, lich vr Henbür⸗ Firsten durc⸗ ndsaben in Hin⸗ rodinzen, der Vir⸗ n eun⸗ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 213 Dritter Zeitabschnitt. Von dem Jahre 1740 bis zur französi⸗ schen Revolution(1789). 66. A) Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Das Jahr 1740 ward für mehrere der wichtig⸗ sten europäischen Reiche der Wendepunct des innern und äußern Staatslebens; des innern, inwie⸗ fern, mit der steigenden Bevölkerung dieser Staaten, der Wohlstand und die Cultur derselben sich erhöhte; des äußern, inwiefern, durch die Fortbildung des innern Staatslebens, die Ankündigung derselben in ihrer Verbindung und Wechselwirkung mit andern Staaten bedeutender, kräftiger und folgenreicher ward. Hauptsachlich galt dies von Teutschland. Die Verheerungen des dreißigjährigen Krieges waren, nach einem Zeitabschnitte von neunzig Jahren, groß— tentheils ausgeglichen; die Bevölkerung hatte sich vermehrt; der Feldbau, der Gewerbsfleiß, der Han— del waren wieder in ihr gegenseitiges Verhältniß ge— treten; der Kreis der Wissenschaften erweiterte seine Grenzen; der Kunstsinn verbreitete sich, mit dem steigenden Wohlstande, von den Residenzen und den Höfen in die Wohnungen des dritten Standes; die teutsche Sprache, fortgebildet durch Klassiker in der Dichtkunst, Beredsamkeit und Prosa, that einen Riesenschritt vorwärts, und bemächtigte sich, in ihrer höhern Blüthe und beginnenden Reife, der Kanzeln, der Lehrstuhle, des Jugendunterrichts und des rasch sich erweiternden Buchhandels, wenn gleich noch nicht der Gerichtshöfe und der Studierstuben der Pedanten. 214 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Wie aber jede Sprache der Wiederschein der Cultur der Individuen und Völker ist, die sie reden; so kann auch von den Fortschritten der Sprache auf die Fort— schritte der Cultur mit Recht zurückgeschlossen werden. Zugleich führte diese fortschreitende Cultur der teut— schen Völkerstämme, weil sie zunächst vom dritten Stande ausging, zu den wichtigsten Veränderungen im gesellschaftichen und bürger lichen Leben, wo allmählig und im Stillen unzählige Formen des Mittelalters veralteten, und, mit der durch Gleich—⸗ mäßigkeit der Cultur bewirkten geistigen Verwandt— schaft der höhern und mittlern Stände, auch von selbst eine freiere Annäherung zwischen beiden, freilich unter vielfachen Schattirungen, sich bildete. Daß aber Teutschland dieser Höhe der Cultur und des Wohlstan— bes sich näherte, lag theils in dem gediegenen und kräftig fortschreitenden Geiste seiner einzelnen Haupt— völkerstämme, theils in dem glücklichen gleichzeitigen Zusammentreffen solcher ausgezeichneten Regenten, wie Maria Theresia und Joseph 2 für Oestreich, Friedrich 2 für Preußen, Friedrich August für Sachsen, die George für Hannover, Karl Friedrich für Baden, Ludwig für Darmstadt, Karl August für Weimar, Ernst 2 für Gotha, und mehrere andere teutsche Fürsten an der Spitze ihrer Länder, besonders in der Zeit nach dem huberts— burger Frieden, waren! Hauptsächlich war es Frie— drich 2, der während einer 46jährigen Regierung mächtig nicht blos auf sein Volk, sondern auf sein ganzes Zeitalter einwirkte. Denn nicht das, was er als Eroberer und Feldherr that, und wie er die Kriegskunst, die er vorfand, völlig neugestal⸗ tete; nicht das allein, was er als König für sein Volk wollte und vollbrachte; sondern daß er überall selbst —/‚i‚———9—.5 E—— 29 6 II der sid M AI. R SRMv e Ruuhn Iul h N DRn 106 i 4 6 sysem. ber lahr n; fan uf dierz sen verdg ut der tuuz on dritten Hahruge ichen bbn, Jormm d Ih Glih Verwand. von solhj lich unte Daß ah Vohsuz igenen u en Huuht Ascheinhn Ragenten, Ossteich, Augus „Karl armstadt, Goths, er Sise n hubert⸗ 6 Frit⸗ Noierulg auf sin 5, 0⁰⁵ nie er sugesl sinVol selhs Erster Zeitraum von 1492— 1789. 215 sah und selbst regierte, daß er, der berelts als Kronprinz den Antimaoechiave ll schrieb, auf dem Throne das große Beispiel der Vereinigung rastloser Thätigkeit mit der höchsten individuellen Bildung gab, und geistvoller, als Cäsar, die Geschichte seiner Zeit und seiner Regierung schrieb; das machte ihn zu dem ersten Regenten des achtzehnten Jahrhun⸗— derts. Wie er aber das Licht in seinem Reiche förderte, und wie sein Reich, eben durch dieses Licht und durch die freieste geistige Entwickelung zu der kraftvollen Ankündigung im ganzen europäischen Staatensysteme gelangte; das ging für die gleichzei⸗ tigen Fürsten nicht verloren, und wirkte in seinen Fol⸗ gen auf ganz Europa und auf das nächste Jahrhun⸗ dert in unzähligen Verhältnissen fort Y. Wichtig war es dabei, daß die Thronbestelgung Friedrichs 2 und der Märia Theresia“n) in Ein Jahr fiel; daß durch den Angriff Friedrichs auf *) Außer seinen mémoirès étc., worin er die Geschichte Brandenburgs bis auf seine Zeit schrieb, sind vor— züglich die oeuvres postiumes(15 Tom. à Berl. 1788. 8. Teutsch, in 15 Theilen. Ebend.) in den ersten fünf Theilen höchst wichtig für die Ge— schichte von 1740— 1778.— Ueber ihn: Chstn. Garve, Fragmente zur Schilderung des Geistes, des Charakters und der Regierung Friedrichs 2. 2Th. Bresl. 1798. 8. und Dohms Denkwürdigkeiten Ar Theil.— Zu vergleichen: Mirabeau, von der preußischen Monarchie unter Friedrich dem Gro⸗ ßen; teutsch von IJ. Mauvillon. 4Th. Braunschw. 1795— 1795: 8• *) Wilh. Coxe, Geschichte des Hauses Oestreichs, von Rudolph v. Habsburg bis auf Leopolds 2 Tod. Teutsch v. Dippold und Wagner. 4 Theile. Amst. u. Lpz. 1810 ff. 8. 216 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Schlesien, und durch den damit in Verbindung stehen— den östreichischen Erbfolgekrieg, Teutschland der eigent— liche Mittelpun et der europäischen Politik in dieser Zeit, daß in Preußen durch Friedrich eine Macht des ersten Ranges und zugleich die mächtigste Op po— sition gegen das Haus Habsburg gebildet, das In— teresse des nördlichen und südlichen Teutschlands da— durch allmählig getheilt, und in dem östreichischen Erb— folgekriege, in dem siebenjährigen Kriege, so wie in dem spätern bayrischen Erbfolgekriege, das bisherige System des politischen Gleichgewichts zwar im Einzelnen ver— ändert, im Gänzen aber erhalten und befestigt ward. Denn namentlich war es die große Aufgabe der practi⸗ schen Politik in dem letzten Jahrzehend der Regierung Friedrichs 2, die morsch gewordene teutsche Reichs⸗ verfassung durch die Erhaltung des innern Gleichge— wichts der Macht innerhalb Teutschlands, theils im Teschner Frieden, theils im Fürstenbunde, zu retten, weil die Diplomaten dieser Zeit es wenigstens dunkel fühlten, daß mit dem Sturze der politischen Verfas⸗ sung Teutschlands auch das ganze bis dahin bestandene System des politischen Gleichgewichts in Europa zu— sammenstürzen müsse. Nächst diesen Ereignissen in der Mitte Teutsch— lands, und nächst der dadurch gesteigerten politischen Stellung Oestreichs und Preußens im europäi— schen Staatensysteme,(weshalb dieser Zeitabschnitt nicht ohne Grund den Namen des teutschen ver— dient,) sind Großbritanniens steigende Größe in Ostindien, Rußlands Anwachs seit Katharina's 2 Regierung, die Theilung Polens und das Entstehen der nordamerikanischen Frei— stagten die wichtigsten Begebenheiten dieses Zeit— abschnitts. Die frühern vorherrschenden kirchlichen W hrin ö uumigg Aulst ug I ff% nshsintz a ddungsg⸗ nd derannt liik indie Mohtoz se Opye u, dus J schhnds d⸗ chishen Er owitinden i9e Sysin jelnen ver stigt ward der prach⸗ Nagitrun he Rihs U Hlichg⸗ Hheibein IV tatten, 6 dunkel Verfas⸗ estandene Hropa zu⸗ Vulsch⸗ Hltische eutopii tabscht Hen v⸗ Größe 1 na 2 ud das Frei⸗ 6 Zeit hlichen Erster Zeitraum von 1492— 1789. 217 Interessen traten allmählig in den Hintergrund der Politik; denn theils wich die vormalige Verfol— gungssucht der andern Kirchen dem Lichte der höhern Aufklärung, theils ward das System der Ver—⸗ größerung und Abrundung der Staaten und Reiche so lebhaft und ungescheut an die politische Tagesordnung gebracht, daß die übrigen Interessen allmählig diesen weichen mußten. 67. Forttfseh un g. Die steigende Handelsgröße und Seeherrschaft Großbritanniens in diesem Zeitabschnitte führt zurück bis auf den Frieden von Utrecht; allein die Friedens⸗ schlüsse von Aachen(1748) und Versailles(1763) mußten doch das sichern und erhöhen, was zu Utrecht begonnen worden war. Denn während der nieder— läandische Freistaat in diesem Zeitabschnitte von dem Antheile an den Weltbegebenheiten möglichst sich zurückzog, und im Innern durch die Anstrebungen der oranischen und antioranischen Parthei gegen einander nicht gewann, verfolgte Großbritannien, gestützt auf seine fundirte Schuld, in den Seekriegen den festen Weg zu seiner Größe und namentlich zu seiner am Ganges sich aufthürmenden Riesenmacht, und be— schäftigte, vermittelst wohlvertheilter Hülfsgelder an seine Bundesgenossen, seine Gegner auf dem Fest⸗ lande. Selbst daß die nordamerikanischen Provinzen von dem Mutterlande sich losrissen, war, wie der Erfolg bewies, kein Verlust für das Mutterland, ob gleich der darüber geführte Kampf die brittische Nationalschuld vermehrte. Denn Kolo— nieen, auf dem Standpuncte der Bevölkerung, des 218 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Wohlstandes, der Cultur und der politischen Kraft, wie die nordamerikanischen, sind kein Gewinn mehr für das Stammland, und streben instinctartig nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.— Wenn übrigens Großbritännien an dem östreichischen Erb— folgekriege, nach dem von ihm aufrecht erhaltenen Systeme des politischen Gleichgewichts, thätigen An— theil nahm; so suchte es dägegen während des sieben⸗ jährigen Krieges nur zunächst Frankreich in dem Landkriege durch seine Verbindung mit Preußen zu beschäftigen, und zog sich— zufrieden mit seinen, während des Seekrieges(1755— 1762 gemachten, Erwerbungen— nach dem Frieden von Versailles und Hubertsburg von den Angelegenheiten des Fest— landes bis zum Jahre 1785 immer mehr zurück. Mit großen Entwürfen stellte sich Frankreich in die Mitte der Verbindung zur Theilung der öst— reichischen Monarchie nach Karls 6 Tode, trat aber zu Aachen mit sehr geringen Ergebnissen aus diesem Kampfe heraus. Dasselbe war der Fall bei dem An⸗ theile am siebenjährigen Kriege; Frankreichs Ankün— digung während desselben diente nur zur Verherr— lichung Friedrichs 2. Denn Ludwigs 15 Hof und sein Volk standen eben so im Gegensatze der Grund— sätze und Sitten, wie die Verschwendung des ersten mit der jährlich erhöhten Schuldenlast des zweiten. Diese tief gewurzelten Uebel konnte selbst das System der Mäßigung und Milde nicht heilen, das mit Lud⸗ wigs 16 Regierungsantritte begann, besonders da sich die Politik Fränkreichs in der Unterstützung der nordamerikanischen Kolonieen in doppelter Hinsicht verrechnete. Denn nicht nur, daß Großbritannien durch die Selbstständigkeit Nordamerikä's nichts we— niger, als seinen Todesstoß erhielt, wie Frankreichs C———‚—J‚eses;—— źPFPFfFfFfF TT aulsho. 6 M WI 1³ N Wme lher hu EXI 2 . 10ũ530 WAI RNIH⁷ in af bH 9 ong n h Ia N shhm ö nsostene. ische f, Hwinnrth deatth dihen Eit Wechuhrn thitan M⸗ dd6s scher lich in di Meußen n mit seiner gemachter Verails en des res⸗ hric. rankreit ing der iß „nt abe aus diesem den An⸗ 96 Ankin⸗ Verher Hof ud det Grund des ersi des Wil u Osem 6 mit u nders d hung de * Hscht rtmmieh nichts w Rurtil Erster Zeitraum von 1492— 1789. 219 Ministerium meinte; es kamen auch, mit den aus dem Freiheitskriege zurückgekehrten Franzosen, neue Grund— sätze aus dem vierten Erdtheile nach Europa, die bald ins öffentliche Staatsleben übergingen. 4561 Spanien, Portugal und Italiens Staaten erschienen, während dieses ganzen Zeitab⸗ schnitts, nur in untergeordneten politischen Ver— hältnissen. Sie standen, wenn die Hauptmächte sich entschieden hatten, auf der Seite ihrer Bundesgenos— sen, ohne irgend den Ausschlag zu geben, und ohne irgend etwas Bedeutendes für sich zu gewinnen.— Dasselbe galt auch von Dänemark und Schwe⸗ den, wenn gleich für das innere Staatsleben D ä⸗ nemarks die Regierung Friedrichs 5, und für die von neuem etwas gesteigerte äußere politische Stel— lung Schwedens die öffentliche Ankündigung des vielseitigen Gustavs 3 nicht unbemerkt bleiben darf. 68. Sich lu ß. Dagegen erblickte Europa in der ersten Thei⸗ lung Polens(1772) das in der Geschichte der neuern Zeit noch nicht dagewesene Schauspiel der be— ginnenden Auflösung eines mächtigen, fast tausendjährigen Reiches, das freilich in seinem In— nern, durch seinen anarchischen Reichstag, durch seinen Wahlthron, und wegen des in der Mitte zwischen dem Adel und dem Leibeignen fehlenden Bür— gerthums, längst veraltet, und nach außen aus keinem Kampfe der letzten Zeit mit Ruhm und Erfolg hervorgetreten war. Allein unverkennbar war auch die erste Theilung Polens der erste Schritt zur Er— schütterung und spätern völligen Auflösung des Sy— 220 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. stems des politischen Gleichgewichts in Europa; denn dieses System beruhte zunächst auf der Erhaltung und dem rechtlich gesicherten Besitzstande aller neben ein— ander bestehenden europäischen Staaten, so daß dadurch im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts die Vernichtung des Freistaates Venedig(1509), und im dritten Viertheile des siebenzehnten Jahrhunderts (1672) die von Ludwig 14 beabsichtigte Auflösung des Freistaates der Niederlände gehindert ward, und alle in den drei letzten Jahrhunderten eingetretene poli⸗ tische Veränderungen nicht die Selbstständigkeit irgend eines rechtlich bestehenden Staates erschütterten. Wenn aber die erste Theilung Polens, in wel⸗ cher Friedrich 2 Westpreußen und den Netzdistrict erwarb, zum Theile aus der zerrissenen Lage der nord⸗ ötlichen Provinzen des, zu einer Macht des ersten Ranges erhobenen, Königreiches Preußen erklärbar ward; so lag doch entschieden auch ein zweiter Grund davon in der Erweiterung der Macht und Größe Rußlands, seit Katharina 2(1762) die von Peter 1 begonnene politische Wiedergeburt dieses Rie— senreiches von neuem auffaßte. Schon war durch den Erwerb der Ostseeprovinzen und durch die Verlegung der Residenz von Moskwa nach Petersburg dieses Reich mit dem übrigen europäischen Staatensysteme in nähere Berüheungen gekommen, und seit dem Ny⸗ stadter Frieden Schwedens politisches Gewicht im Norden auf Rußland übergegangen; schon war durch den Frieden zwischen Rußland und Preußen(1762) entschieden, daß beide, bisher feindselige, Mächte nehen einander mit sehr bedeutendem Gewichte im europäischen Staatensysteme bestehen könnten; als Katharina, Anfangs mit Preußen, später mit Oest— reich verbündet, auf ihre beiden schwachen Nachbar— sallb Gew r rl alanth Cush dihh Wüb GEusse. Fihel. M ndd 0% ö Ehln Rbhr ashn chlen I 6 IW 0%% lußhsira ⸗ Wlopa yn dhaltunih neben dr In, so Vychurder (1500J0 Nhthuats lufhsing d d„ und al retene pol Rkeit irgerh eeten. , in wel Madisin der nodd 1 des Lesin Merklatte Ier Grund nd Große die von ieses Ri⸗ durch den erlegung V ditses sosteme il dem M⸗ wicht in ar duch Molle IM. Gebichte annʒ dl nit Oesk Mohbat Erster Zeitraum von 1492— 1789. 221 staaten, Polen und die Türkei, mit so mächtigem Gewichte einwirkte, daß, auf Kosten beider, Ruß— lands Staatskraft bedeutend vermehrt und verstärkt ward, und Rußland, seit dem Teschner Frieden, an allen wichtigen Vorgängen im gesammten europäischen Staatensysteme einen wesentlichen Antheil nahm. So erschien daher, während der Regierungszeit Frie⸗ drichs 2 und Katharina's 2, das nordöstliche Staatensystem in sich eben so ausgebildet, wie bereits früher das südwestliche, die beide blos durch das, in ihrer Mitte gelegene, Teutschland von einander noch getrennt blieben, bis die Weltkämpfe beider Systeme in späterer Zeit zunächst auf teutschem Boden zur Entscheidung gebracht wurden. Neben diesem, mit Riesenschritten seiner hohen politischen Bestimmung entgegenstrebenden, Rußland erscheint die Türkei, während dieses ganzen Zeit— abschnitts in dem dunkeln Schatten der Unthätigkeit und der Erschöpfung, wenn gleich die Verwirklichung des sogenannten„griechischen Projects“ gegen das Ende dieses Zeitabschnitts, theils in sich selbst, theils in den übrigen europäischen Staatenverhältnis⸗ sen unübersteigliche Schwierigkeiten fand. 69. 5) Die Hauptbegebenheiten in diesem Zeitabschnitte. 1). Der östreichische Erbfolgekrieg, in Verbindung mit den beiden ersten schle— sischen Kriegen. Als der Kaiser Karl 6(20. Oct. 1740) starb, bestieg seine älteste Tochter, Maria Theresia, 222 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. gestützt auf die Garantieen der pragmatischen San— ction, in scheinbarer Ruhe den Thron. Sie erhob (24. Nov.) ihren Gemahl, den Großherzog Franz von Toskana, zum Mitregenten, damit er die böh— mische Churstimme, bei der neuen Kaiserwahl führen könnte; doch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß dadurch ihre eigene Regentengewalt so wenig, wie die pragmatische Sanction beeinträchtigt werden sollte. Der einzige teutsche Fürst, der diese nicht anerkannt hatte und die gesammte östreichische Monarchie in Anspruch nahm, war der Churfürst Karl Albrecht von Bayern, vermählt mit der zweiten Tochter des Kaisers Joseph 41. Er stützte seinen Anspruch auf seine Abstammung von dem Kaiser Ferdinand 1, des⸗ sen älteste Tochter Anna, bei ihrer Vermählung mit dem Herzoge Albrecht 5 von Bayern, zwar auf die östreichischen Länder zu Gunsten ihrer Brüder und deren männlicher Nachkommenschaft verzichtet, sich aber und ihren Nachkommen, beim Erlöschen des habsburgischen Mannsstammes, das Recht der Erb— folge(Regredienterbrecht) vorbehalten hatte. Einen Anspruch von ganz andrer Art stellte Friedrich 2 von Preußen auf, der seinem Vater (31. Mai 1740) auf dem Throne gefolgt war. Er erneuerte nämlich die Ansprüche seiner Vorfahren auf das schlesische Fürstenthum Jägerndorf, das Fer⸗ dinand 2 dem, während des dreißigjährigen Krieges mit der Reichsacht belegten, Besitzer entrissen, so wie auf die drei Fürstenthümer Liegnitz, Brieg und Wohlau, welche der Kaiser Leopold, nach dem Töde des letzten Herzogs Friedrich 2(1675) als er⸗ ledigte Lehen eingezogen hatte, obgleich das Haus Brandenburg mit dem Hause Liegnitz(seit(1537) in einer, freilich von Oestreich nicht bestätigten, Erb— nbril roßentl dahel llt 90 ů 15 III X. seh Dise N N N Ulsit X. Hpw Met 0 . Waog Ewun uuh, f6 insjs aiishn en 0 0 Rpg Her die H, hunahl fhmn Vimnn, sonnt, di aden soln cht auickamn Nonarchie! HAlbreit Lahter de laspruch u nand 1, mählung mi war auf N Mrider m chut, si lschen det der Erb⸗ en hatte. At stelti gem Vatet wat. E Hfihten uj „ du dr Kuge ssc, + Erster Zeitraum von 1492— 1789. 223 verbrüderung stand. Bereits seit den Zeiten des großen Churfürsten hatten über diese Länder ernsthafte Verhandlungen zwischen Oestreich und Brandenburg statt gefunden. Friedrich 2 faßte sie von neuem auf; er, der seine Monarchie, bei seinem Regierungs— antritte,„für einen Zwitter Ralg der mehr von der Natur des Churfürstenthums, als des Königreiches an sich hatte, so daß Ehre dabei zu gewinnen war, dieses zweifelhafte Geschöpf zu bestimmen*).“ Sei⸗ nen der Maria Theresia mitgetheilten Bedingungen mehr Nachdruck zu geben, eröffnete er den ersten schlesischen Krieg, indem er(16. Dec. 1740) ein Heer von 28,000 Mann nach Schlesien führte, Glogau eroberte(9. März 1741), die Oestreicher unter Neiperg bei Mollwitz(10. Apr. 1741) schlug, und Brieg(4. Mai) einnahm. Nach diesem Siege traten die übrigen Gegner der Maria Theresia auf; es schien doch, nach den frühern Erbfolgekriegen, wenigstens etwas aus der östreichischen Erbschaft gewonnen werden zu können! Spanien verlangte das Ganze, nach dem Vor— behalte Philipps 3 4617⁷ bei der Thronbesteigung des steyermärkischen Ferdinands. Nur freilich, daß im Jahre 1741 ein Bourbon, und kein Habsburger die Krone Spaniens trug; abgesehen von der Aner— kennung der pragmatischen Sanction! Doch galt es auch, spanischer Seits, zunächst nur der Erwerbung der Lombardei für den Infanten Philipp, den zwei⸗ ten Sohn der Königin Elisabeth!— Frankreich, ohne irgend einen Schein des Rechts, und, für den bedeutenden Erwerb Lothringens, Garant der pragma⸗ tischen Sanction, beabsichtigte dennoch die Zerstücke— 1)in s. hinterl. Werken, Th. 1, S. go. 224 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. lung der östreichischen Monarchie. Dies war der Plan des Marschalls von Belleisle, den aber der bejahrte Fleury nicht weiter, als mit 40,000 Mann Hülfstruppen für den Churfürsten von Bayern unterstützte, welcher(18. Mai 1741) mit Frankreich zu Nymphenburg) ein Bündniß ab⸗ schloß, so wie ähnliche Verträge von Frankreich mit Preußen, Sicilien, und den Churfürsten von der Pfalz und von Kölln unterzeichnet wurden. Für Maria Theresia erklärte sich blos Georg 2 von Groß— britannien, damit das politische Gleichgewicht in Europa erhalten würde. Gleichzeitig war er bereits (seit 1739) mit Spanien in einen Seekrieg verfloch— ten, der bald darauf, bei dem Bündnisse zwischen Frankreich und Spanien, auch in einen Krieg zwi— schen Großbritannien und Frankreich überging. Der friedliche Wälpole trat aus dem Ministerium; ihm folgte Carteret. Ein französisches Heer unter dem Marschalle Mallebois(Sept. 1741) nöthigte für den Augen⸗ blick die Niederlande und Hannover zur Neutralität; ein anderes verband sich(Sept. 1741) mit dem Chur⸗ fürsten von Bayern, der mit dem Titel eines kön i g⸗ lich französischen Generallieutenants den Oberbefehl desselben übernahm und an der Spitze desselben in Oberöstreich vordrang, wo er sich huldi— gen ließ. In dieser Zeit trat auch der Churfürst von Sachsen(19. Sept. 1741) dem Nymphenburger *) Vollständig ist dieser Vertrag nie erschienen. Aus— züge daraus in Olenschlagers Geschichte des Interregnums(4 Th. Frankf. 1742 ff.) Th. A, S. 1221 ff., die aber Frankreich nicht als echt anerken⸗ nen wollte. Gurdies Harar Kklirn varn N Moy. 9 dee.IV Lurge M Rumbch H imm xl 11H 06 Larthe IudM. RritW dieht bil I h⁴³i M. Hiit II Din, D Rrans uifRE dusn r hm unsssinz ⸗ chit, di leislaen ler, ale it huffirsten w 0u Bindaß r⸗ Nukruh nit sten un de Irden. du 2 von Gech hhewicht i r er beteit 11g verfloch usse wischn Krieg nu⸗ kging. De Mrium; in Muschall den Augen⸗ Hautralität; dem Chut⸗ s könig⸗ ants den de Sih sch hdi⸗ Urfürst vo phubutge Ren. M scihtt des Y.„,/6• 41 auetten Erster Zeitraum von 1492— 1789. 225 Bündnisse bei, indem er sich der übernommenen Garäntie der pragmatischen Sanction für entbunden erklärte, und 22,000 Mann nach Böhmen sandte, worauf die Franzosen, Bäyern und Sachsen(26. Nov.) Prag erstürmten, und Karl Albrecht(19. Dec.) die böhmische Krone annahm. Nach diesen Vorgängen schloß auch Friedrich 2(1. Nov.) dem Nymphenburger Bündnisse sich an, und am 24. Jan. 1742 ward, mit Suspension der böhmischen Chur— stimme, der Churfürst von Bayern zum Kaiser— Karl 7— gewählt. ö Groß war in dieser Zeit die Verlegenheit der Maria Theresia; doch erklärte sich die Treue der Ungarn mit bedeutenden Opfern für ihre Sache, und brittische und niederländische Hülfsgelder bewirkten die Errichtung zweier Heere, von welchen Kheven— hüller das eine nach Oberöstreich, Bärenklau das andere nach Bayern führte, und dadurch den Kaiser nöthigte, seine Residenz nach Frankfurt zu verlegen. Gleichzeitig trat, für brittische Sub— sidien, der König von Sardinien(1. Febr. 1742) auf Oestreichs Seite, um, in Verbindung mit einem östeeichischen Heere, Mailand gegen einen spanischen Angriff zu decken. Den König Karl von Neapel nöthigte(Aug. 1742) eine brittische Flotte zur NeutralitäcK. Eben so führte Friedrichs 2 Sieg bei Czaslau(17. Mai 1742) über Karl von Lothringen, unter brittischer Vermittelung, zu den Präliminarien zu Breslau*)(11. Jun. 1742) zwischen Oestreich und Preußen, auf welche der Friede zu Berlin)(28. Jul.) unterzeichnet, *) Wenok, T. 1. p. 754 sqq. *+) ibid. p. 739 sqq. III. 15 220 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. und in demselben an Preußen Nieder⸗- und Ober— Schlesien bis an die Oppa, als souverai⸗ nes und von Böhmen unabhängiges Her— zogthum, und die Grafschaft Glatz abge— treten ward. Wenn Preußen durch den Erwerb Schlesiens für seine neuübernommene Stellung im europäischen Staatensysteme viel gewann; so gewann auch Schlesien viel durch die geistige Freiheit und durch die zweckmäßige Leitung aller Zweige der Ver— waltung, die es unter Friedrichs Regierung erhielt. — In den Berliner Frieden ward der Churfürst von Sachsen, doch ohne irgend eine Entschädigung, einge— schlossen. (Geo. Rud. Fäsch,) Geschichte des östreichischen Erbfolgekrieges von 1740— 48. 2 Theile. Dresden, 1787. 8. ö J. Chstph. Adelung, pragmatische Staatsge— schichte Suropens von dem Ableben Kaisers Karls6 an bis auf die gegenwärtige Zeit. 3 Theile. Gotha, 1762 ff. 4,(geht von 1740— 1759. 70. Fortsetzung. Der Berliner Friede war für Maria Theresia von großen Folgen. Die Franzosen mußten Böhmen verlassen, wo(12. Mai 1743) Maria Theresia zu Prag die Krone empfing. Der auf kurze Zeit nach München zurückgekehrte Kaiser mußte, nach der von den Bayern verlornen Schlacht bei Sempach(9. Mai 1743) von neuem sein Erbland verlassen, und sein Feldherr Seckendorf mit Khevenhüller(27. Jun.) einen Neutralitäts⸗- und Evacuationsver⸗ trag über Bayern schließen, nach welchem Maria Theresia von den Ständen Bayerns und der Ober⸗ sih k un 6 Furl olil .) n rub ih An Hen Re 3% üe EUMl sind v uhde eN N Hm hte 18 lange 6— Wapir Hiffg ateggt lunsysre ttundhh somini giges un Glatz 0 hen Etnt Culln ir un; iunt Iuhit uh beige de N Ierung ithi Crfürsty Jung, einz 6 östteichist ile. Duahn sche Etonth Huistts Kon. Hall. Gocht Nig Das en Bühna TDhee II S. uuth di Y Mpath l0 clasen in VH lolsver⸗ hm Mori de Hxr Erster Zeitraum von 1492— 1789. 227 pfalz(Sept. 1743) die einstweilige Huldigung annahm. 9—— Gleichzeitig erschien der König Georg Wan der Spitze der sogenannten pragmatischen Armee in den Maingegenden, nöthigte den Churfürsten Karl Theodor von der Pfalz(März 1743) zur Neu⸗ tralität, und schlug, mit seinem Sohne, dem Her⸗ zoge von Cumberland, bei Dettingen(27. Jun. 1743) die Franzosen unter Noailles, worauf auch ein niederländisches Heer mit der pragmatischen Armee sich vereinigte.— Nach diesen Erfolgen unterzeich— neten Großbritannien und Oestreich zu Worms*) (13. Sept. 1743) einen neuen Vertrag mit Sar di⸗ nien, worin der König 45,000 Mann für Oestreich zu stellen versprach, wogegen er von Großbritannien Subsidien und von der Maria Theresia einige mai— ländische Gebiete erhalten sollte. Gleichzeitig trat auch Sachsen mit Maria Theresia durch zwei Ver— träge(20. Dec. 1743*) und 13. Mai 1744 88%0 näher zusammen, in welchem letztern beide Mächte den Besitzstand ihrer Länder sich gegenseitig garantirten. Dagegen nahm seit dieser Zeit Frankreich, nach Fleury's Tode, lebhaftern Antheil am Kriege, den es(Mörz— Mai 1744) förmlich an Großbritannien und Oestreich erklärte, nachdem es bis dahin blos als Hülfsmacht Bayerns gegolten hatte. Schon vorher hatten Frankreich und Spanien(25. Oet. 1743) zu Fontainebleau ππν) näher sich verbunden; doch führte „Wenck, T. 1. p. 677 sqq. *) ibid. p. 722 sqq. ) Fabers europ. Staatskanzlei, Th. 88. S. 296 ff. ) Flassan, diplom. frangaise, T. 5. p. 17 SHH. (d. 2.) 15* 228 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der Kampf in Italien zu keinen bedeutenden Ergeb— nissen; wohl aber drang, von Ludwig 15 selbst ge— führt, ein großes Heer gegen die Niederlande vor, um das Anschließen des Freistaates an Großbritan⸗ nien und Oestreich zu bestrafen. Allein der Ueber— gang der Oestreicher über den Rhein nöthigte bald 30,000 Mann Franzosen aus—— nach dem Elfaß. In diesem wichtigen Augenbliche eröffnete Frie⸗ drich 2, durch Oestreichs Siege wegen Schlesien be— sorgt, den zweiten schlesischen Krieg(25. Aug. 1744), nachdem er mit dem Kaiser Karl 7, dem Churftisten von der Pfalz und dem Könige von Schweden, als Landgrafen von Hessen-Kassel, die Frankfurter Union)2. Mai 1744) und mit Frankreich die Verträge vom 6. Jun. und 24. Jul.*—— abgeschlossen hatte. Friedrich drang in Böhmen vor, nöthigte(16. Sept.) Prag zur Capitulation, und dadurch das Heer Karls von Lothringen aus dem Elsasse nach Böhmen,‚ mit welchem 22,000 Sachsen, geführt vom Herzoge Johann Adolph von Weißenfels, sich verbanden. Der Abzug der Oestreicher aus dem Elsasse erleichterte das Vordringen der Franzosen, und Karls 7 Rückkehr nach München, wo er(20. Jan. 174⁵9 plötzlich starb. Er hatte der Kaiserkrone keinen Glanz, und sie ihm kein höheres politisches Ge— wicht gegeben; doch war es nicht ohne Bedeutung, daß diese Krone, obgleich auf kurze Zeit, vom Hause Oest⸗ reich auf das Haus Wittelsbach gekommen war. Sein Sohn, Maximilian Joseph, söhnte sich, nach der Schlacht bei Pfaffenhofen(15. Apr. 1745), — Wenck, Codex jur. gent. T. 2. p. 163 84. *τ Ko c h, table et recueil des traités etc. T. 1. Pp. 3695. WRIICNXIXXXN 6 95 Un der 7 m u, A 110 1 I. l imddir j.N i uh ehn Wach 0 chehe % bund Rgehn mi yn Hstun l aunty 6U0˙ H sht r 15 Nüi. U I 3 unspiaßy. lenden dyy⸗ 15 scbi y Herlande w, Hroßhrihr ln de Ule⸗ uchi u gen 10 Im keifnn Zrit Sclesint⸗ itg.M Lul 7, den Honge w n·Kassel, x nt 21J.0 Uin Whan Mahion, und Malls deln 0Sachsen, Beißenfels, aus den Iranzosen, 0 er(— Kaiserkrot slisches He utung M Huuse Osf ak. Oul sch, suh 1. 1 10 00 00⁵5 Erstet Zeitraum von 1492— 1789. 229 im Frieden zu Füßen(22. Apr. 1745)*) mit Maria Theresia aus, und erhielt, gegen Anerkennung der pragmatischen Sanction und gegen das Verspre— chen, ihrem Gemahle seine Stimme zur Kaiserwürde zu geben, seine Länder zurück. Gegen die Frankfurter Union ward bereits(8. Jan. 1745) zu Warschau n) ein Gegenbündniß von Oestreich, Großbritannien, Niederland und Sach⸗ sen, und bald darauf(18. Mai 1745) zu Le ipzig noch eine nähere Verbindung, zur Beschränkung der Macht Friedrichs in engere Grenzen, von Oestreich und Sachsen abgeschlossen. Unter Georgs 2 Mitwirkung ward, mit Suspension der pfälzischen und branden⸗ burgischen Churstimmen,(13. Sept. 1745) der Groß⸗ herzog Franz zum Kaiser gewählt; auch schloß er mit Friedrich 2 von Preußen, nachdem dieser die Oestreicher und Sachsen bei Hohenfried berg(4. Jun.) besiegt hatte, als Friedensvermitkeler eine Con⸗ vention zu Hannover(26. Aug.), auf deren Bedingungen aber Maria Theresia nicht eher einging, als bis Friedrich noch einmal bei Sovr(30. Sept.), und Leopold von Dessau bei Kesselsdo rf(15. Dec.) gesiegt hatte. Die Capitulation von Dresden, und der Abschluß des Friedens zu Dresden arn) zwischen Oestreich, Sachsen und Preußen(25. Dec.) war die Folge dieses Sieges. Der Breslauer Ver⸗ *) Wenck, T. 2. p. 180 sꝗꝗq. ka) ihid. p. 171 594 ů *++) Comte de Hertaberg, reeueil des déductions, maniféstés, déclarations, traitès éte. 3 T. Berl. 1788 sqq. 6.(T. 1. p. 26.5d. und de Mar- tens, supplement au recueil etc. T. 1. P. 270 sꝗꝗ. Eνν) Wenck, T. 2. Pp. 191 89g. * 230 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. trag ward bestätigt; Schlesien blieb bei Preußen; Friedrich 2 erkannte Franz 1 als Kaiser an; Maria Theresia garantirte dem Könige seine gesammten, er ihr die gesammten teutschen Staaten. Churbraun⸗ schweig, Hessen-Kassel und Churpfalz wurden in den Frieden eingeschlossen. Sachsen zahlte 1 Mill. Tha— ler an Preußen, und versprach, gegen anderweitige Entschädigung, die Abtretung Fürstenbergs, Schid— lo's und der dasigen Oderzölle an Preußen(die aber nicht erfolgte). Das teutsche Reich garantirte diesen Frieden(14. Mai 1751) 5. * 71. Beendigung des östreichischen Erbfolge— krieges. Nach der Beendigung des zweiten schlesischen Krieges beschränkte sich der Kampf auf Belgien und Italien. In Belgien stand der Graf Moritz von Sachsen an der Spitze der Franzosen. Er besiegte (11. Mai 1745) bei Fontenoi den Herzog von Cumberland, der den von Frankreich nur schwach unterstützten Prätendenten, Karl Eduard, nach dessen Landung in Schottland, bei Culloden(27. Apr. 1746) bezwang.— Eben so glücklich, wie gegen Cumberland, war der Graf von Sachsen bei Rau— coux(11. Oct. 1746) gegen Karl von Lothringen, und noch einmal gegen Cumberland bei Lawfeld (2 Jul. 1747). Er nahm Bergen op Zoom(16. Sept.) und belagerte Mastricht, nachdem bereits(Apr. 1747) die Franzosen unter Lowendahl im holländischen Flan— dern eingedrungen waren, welches die Folge hatte, )Wenck, T. 2. p. 529 sqq. Heihhg ue 00 Rit M S uh W WIU Il MI Et Higley Nh Rin, hu MI uid 660 n n. .h UW W E Ou). 4 EE tenshstnz Nuij Ni Rsammine Hubas ruden in 1UMl A madeihe hergs, Sd en(de d antitte diin Erbfash⸗ N schlessn Bgien ud Lorit von Er besiggt Vog von ur schwach nach dessen . Mu wie gega be Ral⸗ batheigel, ů awfeld 10.800 Yr. H1 ch Fan⸗ e hatte Erster Zeitraum von 1492— 1789. 231 daß in einem Volksaufstande der Statthalter Wil— helm 4 von Gröningen, Geldern und Friesland(Mai 1747) zum Statthalter, Generalcapitain und Admi⸗ ral aller Provinzen ernannt ward. Das Ueberge⸗ wicht der französischen Waffen in Belgien ward aber theilweise ausgeglichen durch die Siege des Fürsten von Liechtenstein uber die bourbonischen Heere in Ita— lien beiPiacenza(16. Jun. 1746) und bei Rotto⸗ fredo(10. Aug. 1746); durch die Einnahme des mit Oestreichs Feinden verbündeten Genua's(5. Sept.) von Browne, das er aber, wegen eines aus⸗ gebrochenen Aufstands(5. Dec.) verlassen mußte, und durch die fur brittische Subsidien*) nach dem Rheine bestimmten, nur aber bis Franken gekommenen, 37,000 Russen(Nov. 1747)— die erste Erscheinung eines russischen Heeres in den Maingegenden— nachdem Maria Theresia(22. Mai 1746) mit der. Kaiserin Elisabeth von Rußland zu Petersburg ein Verthei⸗ digungsbündniß abgeschlossen hatte. Aus Italien berief aber der König Ferdinand 6 von Spa⸗ nien, nach seinem Regierungsantritte/ seine mit den Oestreichern verbündeten Truppen(Sept. 1746) zurück. Von den, seit dem Oet. 1747 zu Aachen ver— sammelten Gesandten, ward zwischen Frankreich und den beiden Seemächten(30. Apr. 1748) der Pr äl i⸗ minarvertrag*²) geschloössen, und dieser(18. Oct.) nach seinen Bedingungen, in einen förmlichen Frieden verwandelt, welchem(20. Oet.) Spanien, Dieser Subsidienvertrag zwischen Rußland und Eng— land beim Wenck, T. 2. p. 244 5½4. *) de Martens, Supplement T. 1. p. 272 sꝗq. * Wenck, T. 2. p. 310 s844. 7 232 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 3. Oct.) Oestreich,(25. Oct.) Modena,(28. Oct.) Genua, und(7. Nov.) Sardinien beitraten. In diesem Frieden wärd der westphälische, Nimwegi— sche, Ryßwicker, Utrechter und Badner Vertrag, die Quadrupleallianz, der Wiener Friede, und die Garan— tie der pragmatischen Sanetion bestätigt, dem Könige von Preußen Schlesien und Glatz garantirt, und Parma, Piacenza und Guastalla dem In— fanten Philipp von Spanien zugetheilt. An Sardinien kamen, nach dem Wormser Vertrage, einige Mailändische Landschaften.— Das teutsche Reich, als Gesammtheit, hatte an diesem Frieden keinen Theil genommen. Im Seekriege schlug der Admiral Mathews(24. Febr. 1744) die vereinigte spanisch— französische Flotte, worauf die Britten das Mittel— meer behaupteten, und eben so in Ost- und West⸗ Indien siegreich waren, besonders als Admiral Hawke(1747) eine französische Flotte in den west⸗ indischen Gewässern geschlagen hatte. 72. 2) Der siebenjährige Land- und See— Krieg. Veränderte gleich der Aachner Friede das Sy⸗ stem des politischen Gleichgewichts nicht wesentlich; so hatte doch die Zeit selbst viel in demselben verän— dert. Großbritannien fand, daß selbst die größten Mächte des Festlandes zugänglich für seine Subsidien waren, und daß sein Antheil an den Landkriegen dazu diente, seine Macht auf den Meeren zu erweitern. Die Niederlande, deren Wohlstand und Handel hin— ter Großbritannien zurückblieb, enthielten sich der Theilnahme an den Weltbegebenheiten. Frankreich, 0 ¹ ind u sen △7 1 Hon runi 0 I IN wuhl ilnn In N X ug Rehn Dull H h— Hrotd Duls i. schhei E2 909 Ier WEH. mI a enssine. Noem ien Wn In , Nun⸗ Vtr 00, und die Gamn den Hair Harantit, d 11 Hhachtil. v autrage, eng lulsche Riit rieden keinen der Manrn nigte sparist das Mal t⸗ und M. as Mm n pest d See⸗— de ds S Wdsenlich Ilben Wi e graßten I Subidie friegen d ahlr hudalh hil⸗ sch de de Iuh Erster Zeitraum von 1492— 1789. 233 seit Fleury's Tode ohne Steuermann, stand, nach seiner Politik, unter dem Einflusse von Maitressen und Hofintriguen, denen selbst ein Mann wie Choi— seul oft sich unterordnen mußte. Spanien war un⸗ ter Ferdinand 6, wie Portugal schon längst, nur eine brittische Kolonie. Allein Rußland hatte den Weg nach dem Westen und den Schlüssel zur Politik des westlichen Europa kennen lernen, so wie Preußen, durch Schlesien verstärkt, noch stärker durch die In— dividualität seines Königs, seine doppelte Rolle, als europäische Macht und als teutscher Churstaat, mit solchem Erfolge behauptete, daß Oestreich und Sach⸗ sen, von ihm am meisten bedroht, nicht ohne Be⸗ sorgniß auf diese emporstrebende Macht blickten. Nur daß Kaunitz den großen König mehr begriff, als Brühl, und daß Kaunitz, nachdem England— seit 1755 mit Frankreich in Kolonialstreitigkeiten ver⸗ wickelt— mit Preußen zu Westminster einen Neu⸗ tralitäͤtsvertrag*)(16. Jan. 1756) gegen den Durchzug fremder Truppen durch teutsche Länder ab— geschlossen hatte, zwischen Oestreich und Frankreich ein Bündniß und einen Neutralitätsvertrag zu Versailles*)(1. Mai 1756) bewirkte, durch welchen von der einen Seite die französische Politik, wie sie seit Richelieu's Zeiten gewesen war, auf ein— mal in ihrem ganzen Wesen verändert ward, so wie von der andern Seite, Oestreich und Großbritannien die Verbindung trennten, die, für beide vortheilhaft, so lange bestanden hatte. Teutschland hatte, im Schatte n eines achtjähri⸗ gen Friedens, nothdürftig von dem vorhergegangenen *) Wencek, T. 35. p. 64 50. **²) ibid. p. 139 und p. 141 504. 234 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. achtjährigen Kriege sich erhohlt, als der Kolonial⸗ krieg(1756) zwischen Großbritannien und Frank⸗ reich über die Grenzen des von Frankreich im Utrech— ter Frieden an Großbritannien abgetretenen Akadiens, über die Grenzen Canada's, und über die von Frank⸗ reich am Ohio im Rücken der brittischen Kolonieen angelegten Forts ausbrach, so wie die Veränderung der Bündnisse unter den vier europäischen Hauptmäch— ten dieser Zeit bald auch zum Continentalkriege führ te. Denn Großbritannden, ob es gleich früher mit Rußland(30. Sept. 1755)), als mit Preußen, zur Deckung Hannovers sich verbunden hatte, ward, bei Bestucheffs Einflusse auf die Kaiserin Elisabeth, nach der Verbindung mit Preußen, von r getrennt, wogegen Rußland, schon seit dem 22. Mai 1746 mit Oestreich durch Leinen Defensivtrac⸗ tat) mit sechs geheimen Artikeln gegen Preußen, verbündet, dem östreichisch⸗französischen Vertrage am 31. Dec. 1756 beitrat). Chursachsen, i Jahre 14745 durch den Leipziger Vertrag mit Oest⸗ reich vereinigt, dessen Bedingungen aber durch den Dresdner Frieden aufgehoben worden waren, kännte zwar die geheimen Artikel des Bündnisses(von 17⁴6) zwischen Oestreich und Rußländ, hatte aber die wie⸗ derhohlte Einladung zum Beitritte zu diesem Bünd⸗ nisse abgelehnt. Dennoch wären die geheimen Artikel der Verträge von 1745 und 1746, durch die Ver⸗ rätherei des geheimen Kanzelisten Menzel zu Dres— den, dem dasigen preußischen Gesandten von Malzahn, *) Koch, table et recueil, T. 2. p. 1 8ꝗq. *) de Martens, Supplement T. 1. p. 272 sqꝗ. und Adelungs Staatsgesch. Th. 5. Beil. 2. *ν) de Martens, Supplement T. 3., p. 55 8. x — 7 Haulj 0 tus 00 uschn lͤe 8 · ri A berkch 115 Wf 00 ö Ha ö I N I 59• E i F e f i HU A Ie EE uinshsten, 4 Kolust und gat uih in lutz mon Akodenz un Fur hn Hunn eDen en Humich⸗ entalkrieg gliich frihr mit Preußen hatte, ward in Cisabct oon Rußlan dem 2. M fensivtru⸗ gn Preußeh Venmage an ch sen, in g mit Ois. durch den en, kannte en L0) Het die wie⸗ usen Bünd amen Ttk ch de H⸗ zel Drs V Moh 6 0 0 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 5 W235 bereits seit 4753, mitgetheilt worden, und Friedrich 2 beschloß, seinen Feinden zuvorzukommen*), als ein russisches Heer an der Grenze von Ostpreußen sich zusammenzog, und zwei östreichische Heere in Böh— men sich bildeten. Gun H53. So eröffnete Friedrich(29. Aug. 17560 den dritten schlesischen, oder den sogenannten sie⸗ benjährigen Krieg, als er, ohne voraus geschick⸗ tes Manifest, mit drei Heeresmassen(zusammen 60,000 Mann) in Sachsen eindrang, das Land in Depot nahm, und das säͤchsische Heer(14. Oct. 1756) beim Liliensteine zu einer harten Capitulation nöthigte, nachdem er die zur Hulfe sich nähernden Oestreicher bei Lowositz(1. Oet.) geschlagen hatte. Frankreich und Rußland traten nicht blos als Oest— reichs Bundesgenossen, sondern als Mächte gegen Friedrich auf; selbst Schweden, durch Frankreichs Subsidien gereizt, schloß sich(1757) an, um das verlorne Pommern wieder zu gewinnen, und das teutsche Reich stellte, nachdem der Reichstag auf den vom Kaiser angetragenen Achtsproceß wegen *) v. Hertzberg verfertigte zwar aus den, bei der Einnahme Dresdens, von den Preußen aus dem sächsischen Kabinetsarchive weggenommenen Papieren das mémoire raisonné sur la conduite des cours de Vienne et de Saxe, das in seinem recueil ete. T. 1. p. 1sqq. mit den dadurch veranlaßten Gegen— schriften sich findet; doch erklärte er selbst in s. mémoire historique sur la dernière année de Fré- déric II.(Berl. 1787. 8.) p. 18:„daß die, Preußen bedrohenden, Plane blos eventuell auf den Fall verabredet waren, wenn Friedrich 2 durch einen Angriff einen Krieg veranlasseu würde.“— Sachsen wenigstens war(1756) micht gerüstet. 236 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Verletzung des ewigen Landfriedens nicht eingegangen war, ein Erecutionsheer(17. Jan. 1757) gegen Brandenburg. Dagegen standen Großbri— tanniens Subsidien, und die Truppen von Hannover, Hessen und Braunschweig auf Preußens Seite, und Ferdinand von Braunschweig war der Mann, der die wichtigsten Seiten pa rthieen eines Weltkam⸗ kfes zu leiten verstand. IZu diesem Kriege gehören: 2— Fried ichs oeuvres posthumes, T. 3 et 4. IJ. F. S.(J. Fr. Seyfart), Geschichte des seit 1756 in Teutschland und angrenzenden Ländern geführten Krieges. 6 Thle. Frkf. u. Lpz. 1759 ff. 4. Lloyd, Geschichte des siebenjährigen Krieges in Teutschland. Aus dem Engl. übersetzt(und fortge— setzt) von G. F. v. Tempelhof. 6Theile. Berl. 1794— 1801. 4. Wilh. v. Adchenholz⸗ Geschichte des fiebes⸗ 87 jährigen Krieges in Teutschland. 2 Th. Berl. 1795. 8. 39½ 630u. Kuniaczo), Geständnisse eines östreichischen Deternus in politischer und militärischer Hinsicht aauuf das Verhältniß zwischen Oestreich und Preußen während der Regierung Friedrichs 2. 4 Th. Bresl. (Lpz⸗) 1794. 8. „ ů S lehrreich der siebenjährige Krieg für den Standpunet der Tactik und Strategie des achtzehnten Jahrhunderts ist; so wenig Stoff enthält er doch für die Politik, außer daß er zeigt, wie viel, bei ver⸗ hältnißmäßig geringen Mitteln, die geistige Krafteines Einzigen gegen die ihn bekriegenden europäischen Hauptmächte auszurichten vermag, obgleich dabei die Individualität der ihm gegen über stehenden Feld— N. Efteh ibash e ⁰⁴ rN h V II + M. HMAN Mastu NI I Rüht Huhhhn U ingt. —— H⁰⁰5 Higl E ble V g 5 Iu 1— 36 107* uensysen y ttitam Nn. Fyj adn Gui Iun Hanmn, Oiik, ul ir Muun, de eints Mkm: J. J et 4 Geschichte de enden Länden h. V50f en Kriegts u (und sorthe 5 Telle. Ial tt des sehiy Bonl. 195.0 Isteichische schet Hinsicht und Preußen H. Brell nieg sie du alhh ac fu iel, de du „Kastales curpischen ihvban hden 0 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 237 herren, besonders des zögernden Daun, des Reichs⸗ heeres und der Creaturen der Pompadour, so wie die Eifersucht zwischen den Russen und Oestreichern, nicht übersehen werden darf. Denn bei allen Hülfsmitteln, die Friedrich auf dem Schlachtfelde in sich selbst, in der Treue und Tapferkeit seiner Preußen, in dem besetzten Sachsen und in den brittischen Subsidien) fand, kämpfte er doch in der Schlacht bei Torgau für sein politisches Daseyn; so wie, nach Georgs 2 Tode, beim Austritte des ältern Pitts aus dem brittischen Ministerium, und nach dem Aufhören der brittischen Subsidien, der Tod der Kaiserin Elisabeth zur rech⸗ ten Zeit erfolgte, um Rußland von dem Bunde gegen Friedrich zu trennen, und Ostpreußen aus Freundes Hand zurück zu erhalten. So ruhmvoll und ohne Länderver lust aber auch Friedrich aus dem Con-— tinentalkriege heraustrat; so war doch der Gewinn Großbritanniens in dem gleichzeitigen Seekriege weit größer, den Pitt mit aller Umsicht und Kraft eines großen Staatsmanns führte, und in welchem Lord Clive neue Reiche in Ostindien für die Han⸗ delsgesellschaft an der Themse eroberte.— Von Sachsen aus versetzte Friedrich den Kampf (1757) nach Böhmen, wo er bei Prag(6. Mai 1757) über Karl von Lothringen und Daun siegte. Er belagerte Prag, erlitt aber(18. Jun.) von Daun eine Niederlage bei Collin. Friedrich mußte Böh— men verlassen, während gleichzeitig der russische Feld— herr Apraxin bei Großjägerndorf(30. Aug. 1757) die Preußen unter Lehwald schlug, worauf *) Der Subsidienvertrag vom 7. Dec. 1758 zwischen England und Preußen und mit Hessen-Kassel, bei Wenek, T. 5. p. 178 sqꝗ. und 201 sꝗq. 238 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. das unter dem Generale Fermor von den Russen furcht⸗ bar verheerte Preußen bis zum Frieden(1762) ver⸗ loren ging, und in dem Lande der Kaiserin Elisabeth (1758) der Huldigungseid geleistet ward. Doch ver— breiteten von dort aus die Russen(1758) sich nur längsam durch Pommern nach den Marken, während Friedrich(5. Nov. 1757) bei Roßbach die Franzo⸗ sen unter dem Prinzen Soubise und die Reichstruppen unter dem Prinzen Joseph von Hildburghausen zer— sprengte, und darauf nach Schlesien eilte, wo Schweid— nitz gefallen war, und wo er bei Leuthen(5. Dec. 1757) die vereinigten Massen unter Karl von Lothrin— gen, Nädasti und Daun besiegte. Im Jahre 1758 erkämpfte er, nachdem die Russen Küstrin eingeschossen hatten, über dieselben bei Zorndorf(25. Aug.) einen theuer erkauften Sieg; auch verlor er viel in Dauns nächtlichem Ueber— falle bei Hochkirchen(14. Oct.).— Im dritten Kriegsjahre schlug Soltikow bei Kay(23. Jul. 1759) die Preußen unter Wedel, und Friedrich selbst verlor (12. Aug. 1759) bei Kunersdorf die Schlacht gegen die Russen und Laudon, und später zwei Trup⸗ penmassen unter Fink bei May en(20. Nov. 1759), und unter Fouquet bei Landshut(23. Jun. 1760), welche in östreichische Gefangenschaft gerie— then. Vergebens suchte er, durch ein zerstörendes Bombardement(14— 19. Jul. 1760), Dresdens sich wieder zu bemächtigen, welches(4. Sept. 1759) an die Oestreicher und Reichstruppen übergegangen war; er mußte, bei Dauns Annäherung, Sachsen verlassen, worauf er(15. Aug. 1760) bei Liegnitz über kaudon, und(3. Nov. 1760) bei Torgau über Daun siegte. Während dieses Hauptkampfes ward der Krieg n Oin Ei uß V. urrssintt, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 239 mdustnith in den Rhein⸗, Weser⸗ und Maingegenden mit ab⸗ n Hhw wechselndem Glücke geführt. Anfangs besiegten die dhein Eisah Franzosen unter dem Marschalle d'Etrées die Alliirten 8. Docw unter dem Herzoge von Cumberland bei Hastenbeck +35 sh w(20. Jul. 1757), woräuf zwischen Richelieu und urnin, itmd Cumberland zu Kloster Seven(8. Sept.)*) eine NA Neutralitätsconvention abgeschlossen ward, die man it Ruhttmu weder in Paris noch in London bestätigte. Vielmehr butghausn trat Cieront an Richelieu's Stelle, und Fer di⸗ „ poSchh nand von Braunschweig an die Spitze der Ob⸗ then(. D. servätionsarmee. Mit dieser schlug er(23. Jun. 1758) Ivun Lthrü die Franzosen unter Clermont bei Creveld. Zwar erlitt er später, bei dem Angriffe auf das verschanzte Rnuchden&. Lager bei Bergen(15. Apr. 1759), gegen die Fran⸗ Iher deile zösen und Sachsen unter Broglio einen bedeutenden wun nlumn Verlust, behauptete aber doch die Weser, und siegte Wucemln über die Franzosen unter Contades und Broglio(1. Iur dlint Aug. 1759) bei Minden, und(31. Jul. 1760) bei . WN700 Märbur g.— Dagegen beschraänkte sich der Antheil sbtveln Schwedens am Kriege nur auf kleine Gefechte und „ clcch Streifzüge, und auf die fruchtlose Belagerung der Iun 1 Festung Colberg, bis diese(16. Dec. 1701 von W.. 4750 den Russen genommen ward. . N Das Jahr 1764 verfloß ohne kriegerische Haupt⸗ ereignisse; doch schloß Friedrich(22. März) ein Freund⸗ schafts- und Handelsbundniß**) mit der Pforte. Allein von großer Entscheidung war der Tod der hrstn Dretdens „ 60 Lenli Elisabeth von Rußland(5. Jan. 1762), 4 8 weil ihr Nachfolger Peter 3, schon längst der Be⸗ en wunderer und Freund Friedrichs, im Frieden zu 9/ Igni Ieguu ibe Wenak, I. J. h. 152 sqq. **) ibi. Pp. 270 suu. dder M 240 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Petersburg 5)(5. Mai 1762) ihm nicht nur Ost⸗ preußen ohne irgend eine Entschädigung zurückgab, sondern auch ein Bündniß mit ihm abschloß, nach welchem 20,000 Russen unter Czernischef mit Frie— drich sich vereinigen sollten. Gleichzeitig unterzeich— nete auch Schweden den Frieden zu Ham— burg.)(22. Mai 1762) auf den vorigen Besitz⸗ stand. Zwar schien die Thronbesteigung der Kaiserin Katharina 2(9. Jul. 1762) Friedrich von neuem zu bedrohen; sie bestätigte aber den abgeschlossenen Frie⸗ den; nur daß sie ihre Truppen von den Preußen zu— rückrief und für neutral sich erklärte. Nach einigen Gefechten zwischen den Oestreichern und Preußen in Sachsen, und nach Friedrichs Er— oberung von Schweidnitz(0. Oct. 1762), ward auch zwischen Oestreich und Preußen ein Waffenstillstand, und, nach der Neutralitätserklärung des teutschen Reiches(11. Febr. 1763), der Friede zu Huberts⸗- burg*)(15. Febr. 1763) zwischen Preußen und Oestreich, und zwischen Preußen und Sachsen auf die Grundlage des Dresdner Friedens und auf den vori— gen Besitzstand abgeschlossen. So große Opfer auch dieser Krieg der preußischen Monarchie gekostet hatte; so ward doch Schlesiens Besitz und Preußens Stelle unter den Mächten des ersten politischen Ranges be— hauptet. Vom Auslande mehr bewundert, gefürchtet, und nachgeahmt, als geliebt, galt seit der Zeit Frie— drichs 2 Wort in allen wichtigen Angelegenheiten des Erdtheils.— ) Wenck, T. 3. p. 299 8qq. *1) ibid. p. 307 sꝗqq. *x*) Beide Friedensschlüsse bei Wenck, T. 3 p. 368 8d9. bei Hertzberg, recueil, T. 1. p. 292 sqq. und bei Martens, T. 1. p. 136 sqq. ——————ßt—.— W hyih vuoshun scM II ö an bis Mienshsinen Nriht— iaung zu zrtz h ishf nit di hiag unteneh en zu Hn orign dst⸗ 10 det 0 Iern von neuen j losenen ii Meußen z uOesteiche driedrichs Er „ Wardah uffenstildurd des klulshn UHuberts Hreußen und chsen auf de uf den voki Opfer auch kostet hatte; ens Stile Runges h⸗ 1, gfirchth 1 Hit itx ⸗ Rnwinde des heh 5 ESEF——————— 3335555 535338383839 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 241 Im gleichzeitigen Seekriege verloren zwar die Britten(1756) Minorca; allein in Ostindien dehnten sie sich(seit 1757) mächtig aus, nahmen eine große Zahl französischer Kriegs- und Kauffahrthei schiffe, in Afrika Senegal(1758), in Amerika Cap Breton(1758), die französischen Niederlassungen am Ohio, Quebeck(1759), und die Insel Guade⸗ loupe.— Zwar trat, nach dem zwischen den Bour— bonen abgeschlossenen Familienvertrage(15. Aug. 1761), Spanien auf Frankreichs Seite, worauf Portugal für England sich erklärte; allein Großbri— tannien verdrängte, nach der Eroberung von Pon— dichery, die Franzosen(1761) ganz aus Ostindien, und bemächtigte sich in Westindien der Inseln Marti— nique, Dominique, Grenada, St. Vincent, St. Lucie und Tabago, so wie es von den Spaniern Havanna(14. Aug. 1762) und Manilla(6. Oct.) eroberte. Darauf wurden zu Fontainebleau) zwischen Großbritannien, Frankreich und Spanien (3. Nov. 1762) die Präliminarien unterzeichnet, wel⸗ chen(22. Nov.) Portugal beitrat, und auf diese(10. Febr. 4763) der Friede zu Paris). In die⸗ sem Frieden verzichtete Frankreich auf Akadien, und überließ ganz Canada und Cap Breton an England; doch behielt Frankreich das Recht der Fischerei bei Terreneuve, und bekam, für diese Fischerei, von Engländ die Inseln St. Pierre und Miquelon. Groß— britännien gab Guadeloupe, Martinique und St. Lucie an Frankreich zurück, behielt aber Grenada, Dominique und Tabago, so wie die Kolonie am Senegal, und bekam Minorca wieder. An Spanien ) Wenck I. 3. p. 3515. % übid. p. 529. III. 16 —— * * 1 1 242 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. erstattete Großbritannien Havanna, gewann aber ganz Florida von Spanien. Da für überließ Frank⸗ reich an Spanien Louisiana in einem besondern Vertrage. Für Portugal ward überall der vorige Besitzstand hergestellt.— Schon während dieses Krieges war über die wichtige Frage des Seerechts gestritten worden, ob neutrale Staaten den Kolo— nialhandel einer kriegfͤhrenden Macht unter ihrer eigenen Flagge und für eigene Rechnung treiben dürf⸗ ten. Frankreich, von seinen Kolonieen abgeschnitten, hatte sich dafur,— England, bei seiner begin— nenden Herrschaft auf den Meeren, dagegen erklärt, und die Wegnahme der neutralen Schiffe und des neutralen Eigenthums ausgesprochen. Weil nun dadurch der zu Utrecht festgesetzte Grundsatz: frei Schiff macht frei Gut, verworfen, und im Pariser Frieden die Frage nicht entschieden ward; so ist sie, über ein halbes Jahrhundert hindurch, bei allen See— kriegen erneuert worden und doch ohne Entscheidung geblieben. 74. ö 3). Vom Jahre 1763 bis zum Jahre 177½4, mit Einschluß der ersten Theilung Polens. Erschöft im Innern und nach außen trat Frankreich aus dem See- und Landkriege; seine ehe⸗ malige politische Stelle auf dem Festlande war auf seinen Bundesgenossen Oestreich übergegangen; auch gab der bourbonische Familienvertrag keinen Ersatz für das verlorne Gewicht im europäischen Staaten⸗ systeme. England, befriedigt durch seine Erwerbun— gen in zwei außereuropäischen Erdtheilen, zog von den Angelegenheiten des Festlandes sich zurück, beson— ö ————.—8————....——‚ 109 Hest/ VPüchn 10 V 0 büdl I * schtꝛr 10 snh u EI sin 0 U Ih 1133 1 — datenysn „gewar gh, berlichhaf unm bopon daul der ut rihund dt des Steht lacten da Kl acht um iyt n Hbendy nabgoschnit i seiner bej gegen erklä chiffe und! . Vil u Rundsaß: f und in Van dr so is V alen& Enschadon ahre 177˙ u8 Polert aupen 65 simrh ande wat ah, gangel; 0 uen Esch r Stactel⸗ VErberdur⸗ M, I muüc, bh Erster Zeitraum von 1492— 1789. 243 ders als kurz darauf der Krieg in Nordamerika seine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Dagegen standen Oestreich und Preußen im Vordergrunde der Weltbegebenheiten; auch sorgten die Regenten beider Staaten für die Bluthe des Ackerbaues, des Gewerbs⸗ fleißes, des Handels und für gute Staatswirthschaft; für die Aufklärung aber, nach welcher jetzt der Zeitabschnitt sogar genannt ward, Preußens Friedrich mehr, als Kaunitz, der Rathgeber der Maria The— resia. Doch darf in dieser Zeit der Einfluß der Schrif⸗ ten von Montesquieu, Rousseau, der Phy⸗ siokraten und der Eneyklopädisten auf die ge⸗ bildeten Stände in den meisten europäischen Reichen nicht übergangen werden! Bald nach dem Hubertsburger Frieden erfolgte (27. März 1764) die römische Königswahl Jo— sephs 2, welcher seinem Vater Franz 1(18. Aug. 1765) in der kaiserlichen Würde folgte, ob er gleich zur Regierung der östreichischen Erbländer erst nach dem Tode seiner Mutter(1780) gelängte. Friedrich? war aus dem siebenjährigen Kriege ohne Bundesgenossen getreten; ihm lag daher an der Verbindung mit Katharina 2 so viel, daß er(14. Apr. 176% in den geheimen Artikeln des mit ihr auf 8 Jahre geschlossenen(und 1772 auf 8 Jahre er— neuerten) Bündnisses Polen aufgab*), indem er in die Erhaltung der bisherigen polnischen Ver— fassung einwilligte. Denn unter dem Einflusse der Katharina geschah es, daß, nach dem Tode Augusts 3(5. Oct. 1763), der Graf Stanislaus Augustus Poniatowski(1764) zum Könige *) de Mertens, recueil ete. T. 1. p. 224. Wenck, T.) 3. p. 401. 16* ——⁴ Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. von Polen gewählt ward. Die russischen Truppen verließen Polen nicht, weil Katharina's Klugheit, durch die Unterstützung der in Polen seit 1747 ange— feindeten und gedrückten Dissidenten, eben so in der öffentlichen Meinung Europa's die Sache der Toleranz und der Aufklärung vertheidigte, wie sie dadurch die Leitung der innern Angelegenheiten Polens in ihren Händen behielt. Ihr Gesandter Repnin eröffnete einen Reichstag(1767) zu Warschau, wo er die ihm widersprechenden Bischöffe und Senatoren durch russische Soldaten verhaften und als Gefangene nach Rußland abführen ließ. Darauf ward den Dis— sidenten(24. Febr. 1768)*) völlige Gleichheit der Rechte mit den Katholiken bewilligt, zugleich aber auch durch die Bestätigung des liberum veto, und der Stimmeneinheit bei der Wahl eines Königs die bisherige Anarchie verewigt.— Gegen die den Dis⸗ sidenten bewilligten Rechte bildete sich zu Bar in Po— dolien, geleitet von dem Bischoffe Krasinski von Kaminiec, eine Conföderation, welche den Bürger— krieg, und die Vermehrung des russischen Heeres in Polen herbeiführte. Dazu kam die Pest in Volhy— nien, der Ukraine und Podolien. Vergeblich spra— chen die Conföderirten Oestreichs Hülfe an; allein die Pforte, welche wiederhohlt den Abzug des russi— schen Heeres aus Polen verlangt hatte und von Frank— reich gegen Rußland aufgereizt ward, erklärte(Oct. 1768) an Rußland den Krieg. Dieser Krieg ward von Rußland mit großen Erfolgen eröffnet und fortgeführt. Fürst Gali— *) Der Vertrag Rußlands mit Polen über die Religions— und Staatsangelegenheiten vom 24. Febr. 1768 in Martens recueil etc. T. 4. p. 582. * ö 9 2 W 0 Waf M Vanhl Henahr. S aheh I ; 0h 0 nlenshinz sshen Tug uus Kigt, u 171/ n ken, eben sut de Sich. Idate, ni st enheite Iulis ndter Repair Arschau, vot 10 Senaton s Gefanget dard den Di Geiichheit d zugleich ck um veto, 1 nes Königs& N die den I. Var in N asinskitu den Bürger Hen Heeres st in Volhy Hblich spte m/ allin d V des rus⸗ ven Fnk y HM ecklate(. mit afl zirst Goll Mligione: h. 60 K Erster Zeitraum von 1492— 1789. 245 zin nahm die Festung Chozim(20. Sept. 1760), und verbreitete sich in der Moldau und Walachei. Romanzow besiegte(17. Jul. 1770) am Pruth den Khan der Krimm, am Kagul(1. Aug.) den Großvezier, eroberte Ismail, und Panin(26. Sept.) Bender. Orlow, an der Spitze einer russi⸗ schen Flotte, zur Einnahme Griechenlands bestimmt, kämpfte bei Scio(5. Apr. 1770) mit der türkischen Flotte, und verbrannte diese im Hafen von Tschesme (7J. Jul.), wohin sie sich gefluchtet hatte. Diese großen Erfolge der russischen Waffen er— regten die Besorgnisse Oestreichs und Preußens*). Der Kaiser Joseph besuchte(1769) Friedrich 2 zu Neiße, und Friedrich(1770) den Kaiser zu Neustadt in Mähren; Fürst Kaunitz leitete aber die politischen Verhandlungen mit Friedrich. Der König blieb sei— nem Bündnisse mit Rußland treu, zahlte bei diesem Kriege die vertragsmäßigen Subsidien, und verstat⸗ tete seinen Officieren, als Freiwillige im russischen Heere zu dienen; allein er ging auch auf Kaunitzens Plan ein, die von der Pforte bei Oestreich und Preu— ßen nachgesuchte Vermittelung zum Frieden mit Ruß⸗ land, gemeinschaftlich mit Oestreich, zu übernehmen. Rur mußte, auf Rußlands Veranlassung, die Pforte selbst diese Vermittelung ablehnen. Wegen der in Po⸗ len ausgebrochenen Pest zogen darauf Rußland, Oest— reich und Preußen(1770) an den polnischen Grenzen einen Truppencordon, von welchem(1774) ein Theil in Polen selbst einrückte. Gleichzeitig verlangte Oest— reich die(1412) von Ungarn an Polen verpfändeten *) Von hier verdienen verglichen zu werden: Chstn. Wilh. v. Dohms Denkwürdigkeiten meiner Zeit. 5 Theile. Lemgo, 1814 ff. 8. 240 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 5— Zipser Städte zurück, und durch geheime Unterhand— lungen in Petersburg, wo(1774) der Prinz Hein— rich von Preußen*) sich befand, reifte daselbst der Plan zur ersten Theilung Polens), welche Heinrich seinem Bruder, dem Könige, und dieser dem Fürsten Kaunitz mittheilte, der es übernahm, das Gewissen der Maria Theresia deshalb zu beruhigen. Nach einem bereits am 17. Febr. 1772 deshalb zwi— schen Rußland und Preußen und am 5. März zwi⸗ schen Preußen und Oestreich abgeschlossenen Vertrage, ward(5. Aug. 1772) zu Petersburg der Theilungs— vertrag**) aller drei Mächte unterzeichnet. An Oestreich kamen die Zipser Städte zurück, welche mit Ungarn wieder verbunden wurden. Aus Rothreussen aber, der Hälfte des Palatinats von Cracau, den Her— zogthümern Zator und Oswiecim, und aus Theilen von Podolien, Sendomir u. a. ward ein besonderer Staat unter dem Namen: Galizien und Lodomerien gebildet.— Preußen erwarb das(1466) im Thor⸗ *+) Vie du Prince Henry de Prusse. Paris, 1809. 8. (wichtig für die Entstehung des Planes zur Theilung Polens.) **) Ueber diese Theilung: Friedrich 2 im Th. 5. s. hinterl. Werke.—((Comté de 66rz,) mémoi- res et actes autenthiques rélatifs aux négotiations, qui ont précédées le partage de la Pologne. T. 1. (Tubing.) 1610. 6.— Dohm, Th. 1, S. 453 ff.— *) Die officiellen Erklärungen der drei theilenden Mächte beim Martens, T. 2. p. 97 sqqo.— Der Vertrag zwischen Rußland und Oestreich, Ebend. p. 89 sꝗqꝗq. und zwischen Rußland und Preußen, p. 95 sqq.— Friedrichs Erklärung über seine An-⸗ sprüche an Polen beim Hertzberg, T. 1. p. 312 sꝗq. le In Whe II Wr soge W* 6 .. HW r E NI 7j RAf pi sih a MN. lensssag ne Uninn Prit r dasebiy 1), U ind diset x hunihm, v lnn rethub 3.WM u ien Vunm heilunh Achnet.) 4, welchen Ruthrast u, den he 5Theilun ondettr E do metl Hin Ar * 1009. ur Meilun n V. 3 17) meluol negotiaton Osogde. 1 S.+7 thellethe 7 0⁰ 0— 6„ Chend Puet sine 1 ö V. + Erster Zeitraum von 1492— 1789. 247 ner Vertrage an Polen gekommene W estpreußen, doch mit Ausnahme der Städte Danzig und Thorn, und den Netzdistriet.— Rußland endlich nahm das Land zwischen der Düna, dem Dnepr und Drutsch, ungefähr 2000 Quadratmeilen, angeblich zur Ver⸗ güung seiner erlittenen Schäden. Ein reichliches Drittheil Polens fiel in dieser Theilung den Nach⸗ baren zu; Europa staunte über dieses erste Beispiel der Abründungspolitik im Großen; doch that keine Macht einen Schritt dagegen, obgleich der Kö— nig und die Republik Polen den Beistand aller euro— päischen Mächte anriefen. Die drei theilenden Mächte garantirten sich gegenseitig ihre Erwerbungen, und setzten in geheimen Bedingungen fest, zur Behaup⸗ tung derselben selbst auf den Fall zusammen zu halten, wenn sie auch über andere Interessen sich entzweien sollten. Ein Ausschuß des polnischen Reichstages mußte(18. Sept. 1773) die drei Abtretungsver⸗ träge) unterzeichnen. Nach dieser Theilung Polens begann der Krieg zwischen Rußland und der Pforte(1773) mit neuer Lebhaftigkeit, und so zum Bortheile Rußlands, daß der Großvezier den Frieden*) im russischen Lager zu Kutschuk Kainardge, unweit Silistria, am 22. Jul. 1774 unterzeichnete. In diesem Frieden wurden die Tataren der Krimm und des Cubans für frei, unter ihrem eignen Khan, anerkannt; Ruß⸗ land gewann die freie Schiffahrt auf dem schwarzen Meere, behielt Asow, Theile der Krimm, das Land „) Der Vertrag mit Oestreich Martens, T. 4. p. 110;— mit Rußland T. 4. P. 135;— mit Preußen TJ. 1. p. 486. *Martens, I. 4. p. 606 sqꝗ: 248 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. zwischen dem Bog und Dnepr, gab aber die Moldau, Walachei, Bessarabien und die Inseln des Archipels zuruck, doch mit der Bedingung einer völligen Amne— stie, der Verwendung Rußlands für sie zu Konstanti— nopel, und der Schonung derselben in Hinsicht der Abgaben.— Zu den wichtigsten Ereignissen in dieser Zeit gehörte die Aufhebung des Jesuitenordens) (21. Jul. 1773) durch Clemens 14(Ganganelli), nachdem er schon in Portugal durch Pombal(1759) aufgehoben, aus Spanien(1767) durch Aranda und Campomanes, so wie aus Neapel und Parma (1768) verbannt,(1764) in Frankreich durch Choiseul und die Pompadour gestürzt, und auch aus Oestreich vertrieben worden war. Doch blieben die Exjesuiten als geheime Stützen der Hierarchie, und als die neue Unterlage des Ordens bei dessen glanzvoller Wiederherstellung im Jahre 18141 7⁵. 4) Die Entstehung des nordamerikani— schen Freistaates. Auf dem Boden Rordamerika's trafen allmählig Kolonisten aus sehr verschiedenen europäischen Ländern zusammen. Die Spanier entdeckten(15 12) Florid a, die Franzosen(15335) Canad a, die Britten bereits früher(1496) Neufownland. Während Elisabeth in England regierte, geschah die erste brittische An— siedelung in Virginien(1585); die im Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts begründeten Kolonieen von Carolina und Pensylvanien wurden häupt— — *„Martens, recueil etc. T. 2. P· 231. 1 II ln Wam in. • und ide 116; dun Hus 0 0n U I Ns. usssoy 10 um C. auhoe nh nahy Hl risch N Mne lulchge 0 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 249 + N oy 4 sächlich in der Zeit der politischen Stürme in England Vi vermehrt und verstärkt.— Die Franzosen, welche in Canada sich ausbreiteten, bauten(1608) Quebeck, und stifteten in Akadien eine Niederlassung. Nur vorübergehend waren die Ansiedelungen der Nieder— länder und der Schweden an den Küsten Nordameri— ka's; denn die Schweden wurden von den Miederlän— ö dern, und diese von den Britten vertrieben, welche Gangm aus Neubelgien die Provinzen New-VYork und New⸗ mbal(H. Jersey bildeten. Seit dieser Zeit behaupteten sich blos urch Ma noch Franzosen, Britten und Spanier in Nordamerika. und Parr Die brittischen Kolonieen blühten seit der Regie— kreich de rung des Oraniers, der seine Erziehung und Bildung und auch a einem Handelsstaate verdankte, zu höherm Wohl— blieben! stande auf. Allein eben dieser steigende Wohlstand t Hierarhi machte auch den Nordamerikanern die strenge Abhän— 5 bei de gigkeit von dem Mutterlande fühlbar, daß ihr euro— 146141 päischer Handel blos auf den mit dem Mut⸗ terlande beschränkt und der Schleichhan— del mit den französischen und spanischen Besitzungen sehr vermindert worden war. Dagegen verursachte die Beschützung und die Ver— waltung der Kolonieen dem Mutterlande bedeu— Ralnhl tende Kosten, weil besonders die letzten Kriege Ninbindn zum Theile wegen der Kolonieen geführt worden Ilorid, waren. Großbritanniens Minister, welche nach dem Ilm bult Frieden von Versailles(1763) das brittische Nord— DCihh amerika in vier Gouvernements(Canada, Gre⸗ Rh nada, Ost- und Westfloridä) getheilt hatten, 11 beabsichtigten daher eine Beschatzung der Kolonieen. So ward eine Stempeltaxe für Nordamerika(1765) bestimmt, und diese zwar— wegen der Unzufrie— denheit, die sie veranlaßte—(1766) wieder auf— gehoben, dagegen aber in der sogenannten declara— —— Dolligen Eiu Honshn jU Konsey in Hinsiht in dieser z enordent Rerikant uMfahe Foloeen Kuun u 7 en alhbt 250 Geschichte des europaischen Staatensystems ꝛc. torischen Acte die Oberherrschaft Englands und das Beschatzungsrecht der Kolonieen bestimmt ausge— sprochen, wodurch die Spannung in Nordamerika erhöht ward. Wenn die brittischen Minister darauf versuchten, durch indirecgte Steuern(auf Thee, Papier, Glas, Farben) dieses Recht(1767) zu üben; so versagten sich die Nordamerikaner, durch freiwillige Uebereinkunft, den Gebrauch der brittischen Waaren, und veranlaßten dadurch den Minister North(1770), diese indirecten Steuern, mit Ausnahme der einzigen auf den Thee, aufzuheben, in welcher zugleich eine Begünstigung der ostindischen Handelsgesellschaft lag. Allein eben diese Verfügung brachte die lang verhältene Spannung zum Ausbruche. Denn zu Boston ward (26. Dec. 1773) eine Theeladung angehalten, und ins Meer geworfen. Als die Thäter nicht besträft wurden, sperrte(1. Jul. 1774) Großbritannien den Hafen von Boston. 76. Sortseb u n g. Kaum hatte aber das Mutterland diese Maas⸗ regel ergriffen, als zwölf Kolonieen zu Philadelphia zu einem Generalcongresse zusammentraten, wo(5. Sept. 1774) die Einfuhr brittischer Erzeugnisse und alle Ausfuhr nach England verboten ward. Dagegen erklärte(9. Febr. 1775) Großbritanniens Parlament, geleitet von den Ministern, die Nordamerikaner für Rebellen. Dem Congresse derselben trat(1775) Georgien bei, worauf die Kolonieen sich die dreizehn vereinigten Provinzen nannten. Für den begin⸗ nenden Krieg, welchen Großbritannien als Angriffs-, Nordamerika als Vertheidigungskrieg führte, 22.222 II Bacnl I10 ½ sint N Hultu, ru uh . —.—— H Lüb hn z 0h¹ι¹ 3 Uu n V 4 sch l. Imem 2 ue p. Rgy gv: E IWsn I. I I heh W unshsne Eulnd Istimmt Modmnnz Wistr den arn(auf I HoHuin unt frairlh schin Dun Nurth(ln der einy zugleich i sellchaft l gverhalh doston n gehalten, u nicht hti Rtannien iese Maat Hladeh d, wo f. cugrise un d. Du Peranaa, Hhikanet. rat(l H dreijeh den hegil⸗ Nagifs 13 fiht, Erster Zeitraum von 1492— 1789. 2513 war der von den Provinzen ernannte General⸗ Washington der rechte Mann! Ohne ihn und Franklin gäbe es kein freies Nordamerika, wenig— stens nicht dieses! Zwei Individuen mit dieser Haltung und diesem Charakter hat kein südamerikani⸗ scher Staat am Anfange des neunzehnten Jahrhun⸗ derts gesehen!— Das erste Blut im Bürgerkriege floß bei Lerington(19. Apr. 1775), wo der brittische General Gages die Kriegsvorräthe der Amerikaner wegnehmen wollte. Ward nun auch der Angriff der Kolonisten unter Arnold und Montgommery(Oet. 1775), welche Canada durch Gewalt oder Güte zum Beitritte vermögen wollten, auf Quebeck vereitelt, als diese Stadt(1776) von den in englischen Sold ge⸗ nommenen Teutschen(Braunschweigern, Hessen, An⸗ spachern, Zerbstern und Waldeckern) entsetzt ward;—— so war doch bereits die öffentliche Stimmung für die völlige Trennung von Großbritannien. Es erklärten sich daher(4. Jul. 1776) dreizehn Provinzen(Rew⸗ hampshire, Massachusetsbay, Rhodeisland, Con⸗ necticut, New⸗York, New⸗-Versey, Pensylvanien, Delaware, Maryland, Virginien, Georgien, Nord⸗ carolina und Südcarolina,) für unabhängig ½3 ihre Conföderation unterzeichneten sie aber erst am 9. Jul. 1778, doch jede mit Beibehaltung ihrer eigenen bisherigen Verfassung. Bereits seit dem Jahre 1776 unterstützte Frankreich die Sache der Amerikaner; theils durch Geld; theils durch Begünstigung der Seerüstungen und der Ausfuhr von Munition aus französischen Häfen; theils durch die Erlaubniß(1777) an fran— *„Martens, recueil etc. T. 2. p. 461 8394. 252 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. zösische Officiere, als Freiwillige in Amerika zu die— nen. Als nun in dem, bis dahin ohne entscheidende Vorgänge geführten, Kriege der amerikanische Gene⸗ ral Gates den General Bourgoyne(17. Oct. 1777 mit 5700 brittisch-teutscher Truppen bei Saratoga gefangen genommen hatte, bewirkte Franklin in Paris(6. Febr. 1778) die Unterzeichnung eines Handels⸗ und Allianzvertrages*) zwischen Frankreich und Nordamerika, worauf, ohne förmliche Kriegserklärung, der Seekrieg zwischen Frankreich und Großbritannien begann. Denn eine französische Flotte ging unter d' Estaing von Toulon nach Ame— rika, und nahm(1779) die Inseln St. Vincent und Grenada, eine zweite unter d' Orvilliers lief von Brest aus, und verband sich mit der spanischen Flotte, weil Spanien, vermöge des bourbonischen Familien⸗ vertrages, auf Frankreichs Seite(16. Jun. 1779) getreten war. Ob nun gleich Rodney die spanische Flotte unter Langara(17. Jan. 1780) in der Nähe von Gibraltar schlug, und darauf auch die französische Flotte(Aug. 1780) aus Westindieu zum Rückzuge nöthigte; so wünschte doch England in die— ser Zeit einen Bundesgenossen auf dem Festlande gegen Frankreich. Allein Oestreich stand noch mit Frank⸗ reich in früherm Bündnisse, und Panin vereitelte die Anträge Großbritanniens in Petersburg dadurch, daß er die Kaiserin Katharina(28. Febr. 1780) zu dem Systeme der bewaffneten Neutra⸗ lität) vermochte, welchem Schweden(21. Jul. „Martens, recueil etc. T. 2. p. 687 sd. et p. 605 6. *π Martens, T. 3. p. 136 sq. Als Hauptgrund— sätze des Systems der bewaffneten Neutralität gal— ten: daß neutrale Schiffe frei von Hafen zu Hafen Gußls Hah I (. I Ich W MiI auchl 1 r runh n 900, 4 rüht uiz 00 Ns schig Lenssne Erster Zeitraum von 1492— 1789. 253 1 intrifn u, b Mai Vushen 1780), Dänemark(9. Jul. 1780), Preußen(8. Mai ustk ö 178170, Oestreich(9. Oct. 1781), und Portugal(13. Jul. 1782) beitraten, dessen Grundsätze Frankreich • und Spanien anerkannten, und welchem der Frei— e staat der Niederlande— nach bereits geschehener Fronklirt Weigerung der vertragsmäßigen Hülfsleistung an hnn n Großbritannien— sich anschließen wollte, als Groß— 25 britännien zuerst(17. Apr. 1780) alle mit dem Frei⸗ ohne sunih staate abgeschlossene Verträge) aufhob, und dann en Frunhih(20. Dec. 1780) demselben den Krieg erklarte, in ie framzost welchem England eine große Zahl holländischer Kauf— nuah* fahrtheischiffe aufbrachte und der niederländischen Ko— Vidcenti⸗ lonieen, St. Eustache, Demerary's, Essequebo's jers lify und Negapatnams sich bemächtigte. Dagegen ging mischen die Minorca(8. Febr. 1782) an die Spanier verloren; hen amin auch trat in Ostindien der Sultan der Maratten, . Jun. Hyder Aly, gegen die Britten auf; allein Gibral— die soanist tar ward, gegen die schwimmenden Batterien der, % in x& Franzosen und Spanier,(1782) von Elliot ver— uf auch 00 theidigt. sindien zun Wenn nun gleich im Seekriege Großbritannien land in die im Ganzen wesentliche Vortheile behauptete, wiewohl Hande gege Frankreich diesen Seekrieg mit mehr Ehre, als die mit Frart frühern, führte; so brachten doch die Vorgänge in vereilt Nordamerika selbst, und namentlich die Gefangen— un dauuh nehmung des Generals Cornwallis bei Norktown Febr. H Neutte⸗ und an den Küsten der kriegführenden Mächte fah— 1.. ren dürften; daß feindliches Eigenthum frei sey in E neutralen Schiffen, mit Ausnahme der Contrebande, die zunächst in Kriegsbedürfnissen bestehe; daß der H Begriff eines blokirten Hafens bestimmt festgesetzt, und dieses ganze System auf die Rechtmäßigkeit der Prisen angewandt werde. *), Martens, recueil etc. T. 3. p. 173. Huultöt Ha 254 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (19. Oct. 1781), die Sache zur Entscheidung. Der brittische Minister North trat(1782) aus dem Mini⸗ sterium, und Shelburne unterhandelte, unter russisch⸗ östreichischer Vermittelung, den Frieden zu Paris. Vorläufig erkannte(24. Sept. 1782) Großbritannien die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Provinzen an, worauf es(30. Nov. 1782) den Präliminar⸗ vertrag mit denselben*), und dann mit Frankreich und Spanien(20. Jan. 1783) zu Versailles**) unterzeichnete. Weil aber der Abschluß der Präliminarien mit den Niederlan⸗ den 33) sich bis zum 2. Sept. 1783 verzog; so er⸗ folgte auch der förmliche Friedensvertrag mit Frankreich, Spanien und Nordamerika erst am 3. Sept. 1783 zu Paris“), so wie der mit den Niederlanden am 20. Mai 1784 f)/ nachdem bereits am 23. Dec. 1783 William Pitt ins Ministerium getreten war. In diesem Frieden erkannte Großbritannien die dreizehn vereinigten Provinzen als freie, souveraine und unabhängige Staaten an, und entsägte allen An⸗ sprüchen auf dieselben. Zugleich wurden die Grenzen zwischen den Besitzungen beider Staaten und die freie Schiffahrt für beide auf dem Missisippi bestimmt.— Im Frieden mit Fränkreich erhielt dieses von Großbri⸗ tannien die Kolonie am Senegal, so wie St. Lucie, und die ostindischen Besitzungen zurück, das Eigen⸗ thumsrecht der beiden Inseln St. Pierre und Mique⸗ „Martens, recueil etc. T, 3. p. 497. un ibid. p. 503 et p. 510. ) ihid. p. 514. ö *nn) Alle drei Verträge ibid. p. 519. P. 54T. p. 555. 1) ibid. p. 560. l hengn hunt R. 19 E 0 Vahpr unsssrer Heidunt. dy us den u, „uter rust, den zu Par Wußhrümmt schn Puumn Pralininnn ud der u un. 7SN Veil aber! Niederl denoz: sy dertragn dedamets „ spn Nui 17Nʃ7 Hliam Y. itannien „Fouderah allen i. die Grenze und die fol smmt. vonraih; 1 S ds Eh Mi 501• P. 5 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 255 lon, und die Insel Tabago; dagegen gab Frankreich die eroberten Inseln(Grenada, St. Vincent, St. Christoph, Dominique u. a.) an England heraus.— Im Frieden mit Spanien überließ Großbritannien demselben Minorca und Ost- und Westflorida.— Von Holland aber gewann Großbritannien die Ko— lonie Negapatnam, und das Recht der freien Schiffahrt in allen indischen Meeren. Der amerikänische Congreß war bis dahin zu— nächst der Mittelpunct für die diplomatischen Ver— hältnisse mit dem Auslande gewesen. Die innere Staatsform des selbstständigen Freistaats erhielt dar⸗ auf seine Begründung(17. Sept. 1787) in der Con⸗ stitutionsacte, nebst den im Jahre 1789 dazugekom⸗ menen zwölf Artikeln*), welche die Souverainetäts⸗ rechte, das Recht, Krieg, Frieden und Verträge abzuschließen, Auflagen und Zoölle festzusetzen, An⸗ leihen zu machen, Fremde als Bürger aufzunehmen und die Landmacht und Marine zu leiten, dem Ge⸗ neralcongresse(seit 4801 in der neuerbauten Hauptstadt Washington) übertrug, der in die Kam— mer der Senatoren und in die Kammer der Reprä— sentanten zerfällt, und an dessen Spitze ein auf vier Jahre gewählter Präsident steht; eine Würde, die Washington bis zum Jahre 1797 durch erneuerte Wahl bekleidete. Jeder der einzelnen Staaten gab *) Diese Urkunde steht in Ramsay's Gesch. der ame⸗ rikan. Revolution, Th. 4, S. 238 ff. und die 12 Artikel von 1789 Ebend. S. 259 ff., so wie der⸗ selbe Band auch die Constitution von einzelnen (15) Staaten enthält(mit Einschluß von Georgien und Kentucky). 256 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Dav. Ramsay, the history of the american uuch dol ö revolution. 2 Voll. Lond. 1791.— Teut sch, Son 4 Theile. Berl. 1794 ff. 8. ö Edm. Burke, Jahrbücher der neuern Geschichte e der englischen Pflanzungen in Nordamerika seit dem ö bet v ö Jahre 1755. 4 Thle. Aus d. Engl. Danzig, 1777 ff. 8. De IJe 77. Chr se 5) Der bayrische Erbfolgekrieg.——— aupns Während des Kampfes der nordamerikanischen u 0 Kolonieen um ihre Unabhängigkeit und während des Caz darüber zwischen den westlichen Staaten Europens hutgimn ausgebrochenen Seekrieges, erlosch mit dem kinder⸗ 4 losen Tode des Churfürsten von Bayern, Maxi— uf, du milian Josephs,(30. Dec. 1777) der Wittels⸗ due dat 144 bachische Mannsstamm in Bayern. Der Kaiser Jo— tühn cn seph 2 fand darin eine Gelegenheit, die früher bei e ö der ersten Theilung Polens erfolgreich begonnene, und et i bei der Erwerbung der Bukowine(1777) fortge— Ue setzte, Abründungspolitik von neuem durch die bhn bis beabsichtigte Einverleibung Bayerns in den Umfang I. 6— II der östreichischen Monarchie zu versuchen, wobei einige um N aus den Archiven aufgefrischte unhaltbare Belege aus ie dem funfzehnten Jahrhunderte als staatsrechtliche Folie dienen sollten. Denn für Josephs Plan ward W der nächste Erbe Bayerns, der gleichfälls kinderlose e Churfürst Karl Theodor von der Pfalz, in der von e ihm genehmigten Wiener Convention)(3. Jan. 477⁸⁷ gewonnen. Allein Friedrichs 2 politische 0 Interessen 3) waren bei der Vergrößerung Oestreichs ö e Martens, P. 2. p. 562 sqq. ) Vergl. Friedrichs hinterl. Werke Th. 5.— 41 Hertzberg, T. 2. p. 1 580J.— Dohm, Th. 1, 5 uenshst, cbe nan 2 Lus, unerika seit y uyh IMj gektiez amerikanid währende — en Curop dem kinn hern, Nuj det Mat Ner Kaiser) die friht! sgonnene, u 777) forn im dutch den Umfa wobei einth Belege srechtlith 5Plan vun ll kudad „indren )3• 2 uh 0 Oh Erster Zeitraum von 1492— 4789. 257 durch Bayern anders, als bei der Theilung Polens. Von ihm veranlaßt, widersprach der muthmaßliche Erbe der Pfalz, der Herzog Karl von Zwei— brucken, der Wiener Convention, und rief dabei die Vermittelung des Königs von Preußen an. Auf gleiche Weise vertrat Friedrich die Ansprüche des Churfürsten von Sachsen auf die bayrische Allodialerbschaft, die man ebenfalls zu Wien anzuerkennen verweigerte, obgleich die Mutter des Churfürsten von Sachsen die Schwester des letzten Churfürsten von Bayern war. Selbst Mecklen— burg wandte sich an Preußen wegen einer(1502) vom Kaiser Maximilian 1 auf die Landgrafschaft Leuch— tenberg in der Oberpfalz erhaltenen Anwartschaft. Zugleich erklärte Friedrich, daß die Zerstückelung eines teutschen Churstaates gegen die Reichsverfassung sey, die er als Garant des westphälischen Friedens und als Reichsmitständ aufrecht erhalten müsse. Als die Unterhandlungen zwischen Preußen und Oestreich zu keinem Ergebnisse führten, eröffnete Friedrich(4. Jul. 1778) den bayrischen Erbfolgekrieg, in welchem Chursachsen— dessen Neutralität man in Wien anzuerkennen verweigerte,— ihm sich S. 23 ff. und Th. 3, S. üff.— Mémoire histo- rique de la négotiation en 1778, pour la succes— sion de la Bavière, confièe par le Roi de Prusse au Comte Eustache de Görtz. Franck. 1812. 8.—(Gtfr. Aug. Arndt,). Sammlung von Staatsschriften zum Behufe der bayrischen Geschichte nach erloschener Wilhelmischer Linie. 5 Theile. Frkf. und Lpz. 1778 f. 8.—(Hausen,) Abhandlun— gen und Materialien zum neuesten teutschen Staats— rechte und Rechtsgeschichte des Jahres 1778 und 1779. 6 Theile. Berl. und Lpz. 1778 ff. 8. III. 17 258 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. anschloß. Allein weder der hochbejahrte Friedrich wollte die frühern Lorbeeren aufs Spiel setzen, noch Maria Theresia einen weitaussehenden Krieg begin— nen, bei dessen Anfange bereits Joseph 2 zeigte, daß er nicht als Feldherr glänzen würde. Dazu kam, daß Frankreich, im Seekriege beschäftigt, Oestreich nicht unterstützte, Katharina 2 aber ihrem Bundes-⸗ genossen Friedrich ein Heer von 60,000 Mann zu senden versprach. Unter der Vermittelung Frank— reichs und Rußlands ward daher dieser Krieg ohne Schlacht im Frie den zu Teschen*)(13. Mai 1779) beendigt. In diesem Frieden trat Pfalz in den Besitz Bayerns, überließ aber das Innviertel mit Braunau an Oestreich, welches dagegen die künftige Vereinigung der beiden fränkischen Für— stenthümer Anspach und Bayreuth mit dem Churhause Brandenburg anzuerkennen versprach. Chur sach⸗ sen erhielt für die Alliodialerbschaft 6 Mill. Gulden, und die oberhoheitlichen Rechte über die Schönburgi⸗ schen Herrschaften bestätigt, so wie Mecklenburg das jus de non appellando. Das teutsche Reich trat diesem, auf den westphälischen abgeschlossenen, Frie⸗ den bei), und Frankreich und Rußländ, als Bun⸗ desgenossen Oestreichs und Preußens, garantirten denselben*). 78. 6) Der Uteutsche Fürstenbund. Bald nach dem Teschner Frieden folgte Jo— *) Hertaberg, T. 2. p. 267 sꝗi.— Martens, T. 2. p. 661 sqq. * Martens, T. 2. p. 685. *ν) ibid. p. 682. ——π———— 1. hK 05. et Hher WI du X Meb Iss Run oorlov 4N6 hem EI mihhhen u n Hul EN Kigr utenshse schtt 0 Al scharh N Krieg hh 00.Rigte . Dunn in Lstigt, Hest ihtem Bund 000 Man; ittelung un ser Krieg h 2)(13. ttat Pfah Innvien delches dagh nkischn R dem Chuth „Chursu Ml Oulr Schönbin cklenbutg che Riich 1 ssenen, In d, als Bu 70 „NI autrt Ibund, 4 fhlgtt N Martens eser———————————FFIIIEIEIEEEIE...‚‚‚‚‚ Erster Zeitraum von 1492— 4789. 259 seph 2 5) seiner Mutter Maria Theresia(29. Nov. 1780) auf den Thronen der östreichischen Monarchie. Seit Karls 5 Zeiten konnte keiner der folgenden Habsburger mit ihm verglichen werden; denn mit hoher Auszeichnung stand er durch Einsicht, durch große Plane für die Umbildung des innern Staats⸗ lebens, durch rastlose persönliche Thätigkeit und durch Kraft des Willens in der Mitte seiner Zeit und seiner Völker. Friedrich 2 war sein Vorbild; nur daß dieser weder mit dem Pfaffenthume, noch mit den bevorrechteten Ständen sehr verschiedenartiger Länder, wie Joseph, zu kämpfen hatte; auch daß Friedrich während einer 46jährigen Regierung die Welt mit seiner Größe versöhnte, und ein neues Geschlecht all— mählig an die Stelle dessen trat, das die ersten Zei— ten seiner Regierung gesehen hatte. So viel Einsicht, Größe und Kraft aber auch in Joseph lag; so ging er doch in seinen Veränderungen und Umbildungen des innern Staatslebens zu raschen Schrittes, ver— fuhr nicht selten zu eigenmächtig und willkührlich, und zu wenig schonend, und war von den politischen Lieb— lingsmeinungen seiner Zeit, von der Abründung der Staaten auf fremde Kosten, und von den stehenden Heeren als den wesentlichsten Stützpuncten der unbe— schränkten Regentengewalt, zu sehr ergriffen. Des— halb geschah, daß er von Vielen verkannt, sogar ge— haßt ward, und daß selbst seine Stellung gegen das Ausland ihn in Verhältnisse verwickelte, denen er zu⸗ letzt physisch unterlag. Doch hat er das mit den großen Männern der Weltgeschichte gemein, daß die Nachwelt ihn besser gewürdigt hat, als seine Zeit, und daß, je mehr die einzelnen Schatttenseiten seiner *) Briefe von Joseph dem zweiten. Lpz. 1821. 8. 260 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. I.. Individualität und seiner Regierung in die Vergan— I II genheit zurücktreten, die Lichtseiten beider desto heller hundin in der Geschichte Teutschlands und Oestreichs stralen. x lgeru — Denn Licht und Aufklärung wollte der Kaiser, RushE. als er die Fesseln der Preßfreiheit lüftete, das Tole— n N. ranzedict gab(13. Nov. 1781), über 600 Klöster im Iaahhr Umfange der Monarchie aufhob, den bürgerlichen Huwh Zustand der Protestanten, der nicht unirten Griechen i und der Juden verbesserte, und alle päpstliche Bullen Glchz der landesherrlichen Prüfung unterwarf. Selbst das W persönliche Erscheinen des Papstes Pius 6(März 1782) in Wien bewirkte keine Veränderung in den RIchad begonnenen Planen. ARu Dienm niederländischen Freistaate kündigte Joseph Wel (Nov. 1781) den seit dem Utrechter Frieden bestande— lunh nen Barrieretractat auf, und entfernte dessen Iul Truppen aus seinen belgischen Festungen. Als er aber Idbeisths auch den Plan der Eröffnung der Schelde Illhe (1785) durchführen wollte, stieß er auf Schwierig⸗ hg keiten, die ihn veranlaßten, unter Frankreichs Ver⸗ 4 mittelung, dafür eine Geldsumme anzunehmen. h Bei dem richtigen politischen Gefühle, daß eben 1171 Belgien die schwächste und verwundbarste Seite der östreichischen Monarchie sey, faßte er, selbst im NN Einverständnisse mit Katharina 2, den Entwurf, die 4 östreichischen Niederlande(doch mit Aus⸗— 4 nahme von Luremburg und Namur) gegen Bayern r an den Churfürsten von der Pfalz zu vertauschen), Wü *) Ueber diesen Gegenstand sind besonders Dohms tu Denkwürdigkeiten ꝛc. Th. 3. S. 33 ff. zu verglei⸗ lch chen, in welchem Bande auch Dohms Schrift: ö 0 über den teutschen Fürstenbund(zuerst Berl. 1735. DRN 8. erschienen) wieder abgedruckt worden ist.— ö 15 tensostyge * Erster Zeitraum von 1492— 1789. 261 die N münf⸗ dem zugleich der Titel eines Königs von Bur⸗ „irin gund angeboten ward. Der Churfürst hatte bereits 0 eingewilligt, und der Herzog von Zweibrücken ward i dafür von dem russischen Gesandten beim oberrheini⸗ RWHln schen Kreise, dem Grafen Romanzow/ bearbeitet. Rahn Allein der Herzog suchte, wie im Jahre 1778, die I Verwendung Friedrichs 2, der deshalb zu Petersburg nn Hh und Wien unterhandeln ließ. Als aber Josephs 2 *— Erklärung ihn nicht befriedigte, und überhaupt die Selbs Erhaltung der Verfassung Teutschlands dem könig— 6% N lichen Greise als für das Bestehen des politischen rung iu! Gleichgewichts dringend nöthig einleuchtete; da ward er der Stifter des teutschen Fürstenbundes 2, digte welcher(23. Jul. 1785) zu Berlin von Branden— dden besmn burg, Chursachsen und Churhannover unte zeichnet ierntt x. ward.— In diesem Vertrage verpflichteten sich die I drei Churfürsten zur Erhaltung und Befestigung des +Schll bisherigen Systems im teutschen Reiche auf die Grund— Schwit lagen des westphälischen Friedens, der kaiserlichen srich L Wahlcapitulation, und der übrigen geltenden Reichs— smen. gesetze. Sie verbanden sich zu einem vertraulichen „ daß eh. Briefwechsel über Teutschlands allgemeine und beson⸗ arste Sei dere Angelegenheiten, zur gemeinschaftlichen Erhal⸗ Fbsti tung der gesetzmäßigen Erhaltung der Reichsversamm— Rwulf,L lung und der Reichsgerichte, zur Verhinderung aller nt ordnungswidrigen Berathungen und Beschlüsse, und Bahel zur Behauptung der Gerechtsame und des bisherigen usher Besitzstandes aller einzelnen Reichsstände.— Des Außerdem gehört hieher: J. Müller, Darstellung n des Fürstenbundes. Lpz. 1787. 8.(auch abgedruckt 14 Veralel 2 N 4.— 11 100— im Th. 9 s. sämmtl. Werke, Tüb. 1811. 8. S. Tuff) *) Diese Urtunden beim Martens, recueiheto. T. 2. P. 553 84d. 262 Geschichte des europäischen Staatensystems e. beabsichtigten(und durch den teutschen Fürstenbund vereitelten) Tausches ward nur in den Separat⸗ artikeln gedacht.— Unbedenklich schlossen diesem Bunde sich an: der Churfurst von Mainz und sein Coadjutor Dalberg, die Herzoge von Mecklenburg Braunschweig, Weimar, Gotha und Zweibrücken, der Landgraf von Hessen⸗-Kassel, und die Fürsten von Anhalt und Osnabruck.— Es war das letzte öffentliche Werk Friedrichs 2. Er endigte am 17. Aug. 1786, im 75sten Lebens- und 47sten Re⸗ gierungsjahre. Schon war, bei seinem Tode, eine neue politische Ordnung der Dinge im Werden; allein der Sturm, der ihr vorausging, brausete erst nach dem Tode des Unvergeßlichen auf! 79. 7). Die politischen Gährungsstoffe von 1787— 1789 im europäischen Staaten⸗— systeme. Die Gährungsstoffe, welche diesem Sturme vorausgingen, zeigten sich in Frankreich, in den Niederlanden, in Belgien und in Lüttich; gleichzeitig in Polen. Dazu kam das von Kathä⸗ rina 2 und Joseph 2 aufgefaßte„griechische Pro— ject,“ oder die beabsichtigte Vertreibung der Turken aus Europa; der daraus entstandene Türkenkrieg; der kurze Krieg Schwedens gegen Rußland, und die bedeutend veränderte Stellung Preußens unter Friedrich Wilhelm 2 gegen Oestreich und Rußland. In Frankreich glühte bereits seit dem Jahre 1783 das Feuer unter der Asche. Calonne war nicht der Mann, der ein jährliches Finanzdeficit von I 0l. hlenE Ren 6 9ft 5 fll 1—4 ů10 Hüf lHn WI0n ͤst. sirdw —0 1. 755 Eühl ut. 00 W 1Hν sh l Fsndr 5• 4 uund V HI WAI HNHν Hige Imes b Wr Ehiln ö 3 3 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 203 1001 140 Mill. Lvres zu decken vermochte. Die Nota⸗ sn— blen des Reiches welche er im Jahre 17⁸⁰n zusam⸗ I.1 men berief, waren nicht gemeint, die Schulden des * Hofes als Nationalschuld anzuerkennen, und das De⸗ Mälnhg ficit durch neue Steuern aufzubringen. Calonne fiel, Rachih, und floh nach England. Sein Nachfolger aber, der Ie hulhen Graf von Brienne scheiterte an derselben Klippe dh hn der neuen Steuern, weil das Pariser Parlament end erklärte, daß diese nur von den gesammten Reichs⸗ sen ständen bewilligt werden könnten. Zwar hob ein Tde,„ Machtstreich des Ministers das Parlament auf, und erden ʒ al setzte eine cour plenière(S. Mai 1788) an dessen sete erst n Stelle; allein die öffentliche Meinung trat mit so ent⸗ scheidendem Gewichte in die Mitte, daß(25. Aug. 1788) Necker an Brienne's Stelle kam, der das Parlament herstellte, und einen allgemeinen Reichs— soffe n tag, zusammengesetzt aus 300 Adlichen, 300 Geist⸗ lichen, und 600 vom dritten Stande, zum Mai 1789 Lum zusammenberief. Im Freistaate der Niederlande bildete sich, bereits seit dem nachtheiligen Frieden mit Großbritän— i Stum ö ö 0. nien(1784), eine antioranische Parthei, die soge— H, in den küttich nannte Parthei der Patrioten. Der Erbstatthal— on Hho ter hatte Friedrichs 2 Vermittelung nachgesucht; allein ische dur Friedrichs Weisheit“) fand es nicht gerathen, in diese bhune e innern Zwistigkeiten eines Freistaates schiedsrichterlich aufa einzutreten. Erst sein Nachfolger, Friedrich Wil⸗ helm 2, verwandelte, nachdem seine Schwester, die pedeni— 7„„— himi Erbstatthalterin, von den Patrioten personlich belei— crastoell I26 *) Val. Dohms Denkwürdigkeiten, Th. 2, S. 247 ff.— den Jhn Calllard, méwoire sur la révolution de Hol- ii lande; in Segur histoire des principaux événe- mens etc. T. 1. p- 136— 5306. Neff 264 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. digt worden war, diese Familienangelegenheit in eine Staatssache, und unterdrückte(Sept. 1787) in kur— zer Zeit durch das, unter dem Herzoge von Braun— schweig in Holland eingerückte, preußische Heer die damalige Gährung; denn weder auf der Seite der Patrioten, noch der Oranier, stand ein ausgezeichne— ter Mann! Doch zeigten die folgenden Ereignisse, daß man politische Partheien leichter unterdrücken, als vernichten kann! ö Allein nicht blos in Frankreich und Niederland, auch in Belgien und Lüttich gährte der Volksgeist gleichzeitig auf. Seit Jahrhunderten bestanden in den östreichischen Niederlanden große Vorrechte der einzelnen Stände und Provinzen, die mit Eifersucht gegen die Eingriffe der Regenten bewacht und behaup— tet wurden. Joseph 2 verstieß daher gegen die offentliche Stimmung der Belgier, und reizte zunächst die dortige Geistlichkeit, als er die Klöster aufhob, die öffentlichen Processionen verbot, die Hochschule zu Hen in ein klosterähnliches Generalseminarium für alle belgische Studenten der Theologie verwandeln, und die belgische Regierung, Gerichtsverfassung und Finanzverwaltung ganz nach der Weise der übrigen Erbstaaten gestalten wollte. Zwar bestätigte Joseph (21. Sept. 1787) die alte Verfassung, worauf eine augenblickliche Ruhe erfolgte. Als er aber seine Um— bildungsplane von neuem auffaßte, und(1789) die bisherige Verfassung von Brabant eigenmächtig aufhob; da erfolgte ein Aufstand zu Tirlemont und Löwen, und zu Breda, wo sich die belgischen Pa— trioten versammelten, entwarf der Advocat van der Noot(24. Oct. 1789) ein Manifest, nach wel⸗ chem Brabant für unabhangig sich erklärte— Vergeblich war Josephs Zurücknahme seiner bisheri— ——————— wurfehmn (1. Al sung. von So 1H + . vuHN beschn die doh darohn flirachj lant v Kleieon 0 I sidic ꝑPIIIIFPFPFTFTFTFTFTTFTtt t'P'TFTTTTT— T'T'T'T————————— dlensystne, j huar Erster Zeitraum von 1492— 1789. 265 Kgent Inn gen Maasregeln; vergeblich die von ihm ausgespro⸗ an n chene Amnestie; der Aufstand verbreitete sich über alle Hihe 301 belgische Provinzen, doch über Luxemburg zuletzt. Die V a ostreichischen Truppen mußten das Land verlassen. Mut Die sogenannten neuen Stände versuchten sich, *— wie die Franzosen,(24. Dec. 1789) in dem Ent⸗ un wurfe einer Verfassung; die Leitung des Ganzen kam Rudritn(11. Jan. 1790) in die Hände eines sogenannten souverainen Congresses. So war Belgien — von Oestreich abgefallen, als Joseph(20. Febr.) M st arb. +1 Minder wichtig war der Aufstand in Lüttich) Denah gegen den Bischoff Constantin Franz, welcher die nit Eitei großen Vorrechte dieses kleinen geistlichen Staates zu ud dez beschränken suchte. Zwar mußte er(18. Aug. 1789) ahr Rn! die gethanen Schritte anei allein er ging . darauf nach Trier, und das Reichskammergericht er— löster auß klärte sich gegen die Lutticher„Rebellen.“ Es When erkannte die Vollziehung seines Ausspruches auf die minatium Kreisdirectoren in Westphalen, auf Preußen wegen verwandi, Cleve, Pfalz wegen Jülich, und auf Münster. Preu— assng V ßen verfuhr mit Schönung in der Sache. Dies be— de ihriz friedigte den Fürstbischoff nicht; deshalb rief das uUgte Vit Kammergericht zur Vollziehung seines Beschlusses worauf t den burgundischen Kreis auf, worauf ein östreichisches I sine l dalee Odn(Jan. 1791) von Brüssel aus in Luttich O die alte Ordnung der Dinge herstellte, und der Fürst— 4 bischoff mit dem Domcapitel(13. Febr.) nach Lüttich Iont U in scheinbarem Triumphe zurückkehrte. Bald aber schen d. verschlang der Sturm der Revolution sein Land. woak vet Der gleichzeitige politische Gährungsstoff in nuh vi ö erklättt*) Chstn. Wilh. v. Dohm, die Lütticher Revolution Hihen im Jahre 1789. Berl. 1790. 8. 266 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Polen machte seine Krise erst im nächsten Zeit⸗ raume. 5558. ö 5. n H Türkenkrieg. Schwedens Krieg gegen Authtand. Knatharina hatte, nach dem Ablaufe der Jahre für das Bündniß mit Preußen(1780), dasselbe nicht erneuert, sondern mit Oestreich sich verbündet, wofür Joseph 2 alles aufgeboten hatte. Bei der Zusammen⸗ kunft beider zu Cherson(1787) schien Katharina ihren Blick auf Konstantinopel, Joseph den seinigen auf Italien und Rom— zur gleichzeitigen Herstellung des östlichen und westlichen Kaiserreiches der alten Welt)— gerichtet zu haben. Die Pforte, dem ihr drohenden Schicksale zuvorzukommen, erklärte, unter brittischem und preußischem Einflusse*), an Rußland den Krieg. Mit Oestreich wünschte sie das, seit dem Belgrader Frieden bestandene, gute Vernehmen beizubehalten; allein Joseph erklärte, als Bundesgenosse Rußlands,(9. Febr. 1788) der Pforte den Krieg. In der Krimm und in Bes⸗ sarabien kämpften die Russen allein mit den Türken; in den Donauländern in Verbindung mit den Oest— reichern. Während Potemkin(17. Dec. 1788) Oczakow erstürmte, lagerte sich das östreichische Heer unter Joseph und Lascy, nach der Einnahme von Schabatsch(25. Apr. 1788) in einem übel⸗ berechneten und der Gesundheit nachtheiligen Grenz— *) Dohms Denkwürdigkeiten, Th. 4, S. 420 ff. *π Segur, histoire des principaux éveénemens du regne de Frédéric Guillaume II. p. 95. . cordon litten lugoh! lust, O guftk Hudd9; dekein x n 0 Si nhnn lls ud HeN r(H amgen 61.H.86 Wrint 8 nt Iun h AOe riez gezn mfe ke Ir dassche n undet, vi Zusamm charina ihn sehnigen u Herstelag hts der ul Iforte,& n, Aluh, Ise H/ u wüͤnscht f ndene, gu Irhlartt, al 7⁸⁰9) der nd in Bes Nen Vekey ut den O Due. I rhsch Eimnahme snem ileb gen Halh 47⁰. 2nedels Erster Zeitraum von 1492— 1789. 267 cordon den Türken gegen über. Die Oestreicher er— litten in dem nächtlichen Ueberfalle der Türken bei Lugosch(20. Sept. 1788) einen bedeutenden Ver— lust, und Joseph, körperlich und geistig sehr ange— griffen, verließ das Heer, dessen Oberbefehl erst Haddik, bald aber Laudon erhielt. In der Moldau vereinigte sich das östreichische Heer unter dem Prin-— zen von Coburg mit dem russischen unter Souwarow. Sie nahmen(19. Sept. 1788) Chotzim, und sieg⸗ ten über die Türken bei Fockschani(31. Jul. 1789) und bei Martinjestie(22. Sept), worauf Laudon Belgrad(8. Oet. 1789) erstürmte, und Orsowa belagerte. Die Russen bemächtigten sich der Festun— gen Gallaz(1. Mai 1789), Bender(15. Nov.), und Ismail(22. Dec. 1790).— Den Ungarn, die Joseph zu germanisiren versucht hatte, gab er(28. Jan. 1790), kurz vor seinem Tode, ihre angefochtenem Rechte zurück. Preußen aber schloß (31. Jan. 1790) mit der Pforte ein Bündniß), worin es derselben ihre Besitzungen garantirte, wie sie vor dem Kriege gewesen waren. Benachrichtigt von diesem Bündnisse suchte Joseph die Erneuerung der vormaligen Verbindung Oestreichs mit Großbri⸗ Hertzberg, recueil, T. 3. p. 44 sqq. und Mar- tens, T. 4. p. 466 sqq.— Der preußische Ab— geordnete zu Konstantinopel v. Dietz war nur zur Abschließung eines Defensivbündnisses be⸗ auftragt; er contrahirte aber eine übereilte Garan— tie, selbst der Krimm, ohne für Preußen irgend eine vortheilhafte Bedingung auszumitteln. Des— halb verzog sich 5 Monate lang die preußische Rati— fication, und diese enthielt sodann nur die Garan— tie der im gegenwärtigen Kriege verlornen Besitzun⸗ gen(nicht der Krimm). 268 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. tannien; allein Pitt wies nicht nur dieses Bündniß, sondern auch die Vermittelung zwischen Oestreich und der Pforte zurück; denn nur in Gemeinschaft mit seinen Bundesgenossen, Holland und Preußen, wollte England als Vermittler auftreten. Darüber erfolgte Josephs Tod. Das Uebergewicht Rußlands ward aber in die— ser Zeit nicht blos von den Polen und der Pforte ge— fühlt. Denn kaum hatte der Türkenkrieg von Seiten Rußlands und Oestreichs begonnen, als Gu stav 3 von Schweden(1788) an Rußland den Krieg er— klärte, und Petersburg selbst bedrohte. Zwar kam es ihm unerwartet, daß Dänemark, nach dem mit Rußland(1773) abgeschlossenen geheimen Bünd— nisse, von Norwegen aus Schweden angriff; allein in Kurzem neutralisirte Großbritännien Dänemarks Politik. Wichtiger aber war, nach der Eröffnung des Seekrieges mit der unentschiedenen Schlacht bei Hochland(17. Jul.) im finnischen Meerbusen, daß der Adel im schwedischen Heere gegen den König sich auflehnte, weil ein Angriffskrieg verfassungswidrig sey, und deshalb einen eigenmächtigen Waffenstillstand mit Rußland abschloß. Rußland gewann viel da— durch für den Augenblick; denn es verstärkte seine Streitkräfte, während Gustav, nach der Zusammen— berufung der Reichsstände, durch die Zustimmung der drei übrigen Stände gegen den Adel,(3. Apr. 1789) die königliche Gewält verfassungsmäßig bis zum Rechte des Krieges und Friedens erweiterte. Zwar ward der Landkrieg in Finnland ohne Erfolg geführt; desto kräftiger fochten aber die Scheerenflot— ten gegen einander, bis Gustav, nach seinem schwer erkauften Siege im Svenskasunde(9. Jul.) der Kai⸗ serin und ihren Friedensanträgen sich näherte, so daß Gulagz wasenth s sez nahalbj mlit he x letmm A Haeste Hares Ruslagt Bunoagh Polihs bostü y v% hardyl Raraus3s Hatpätsc sse. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 269 Jinj, der Friede zu Werelä?)(14. Aug. 1790) die d Verhältnisse zwischen beiden Mächten, wie vor dem nshu Kriege, herstellte, und Rußland die neue Form Vun, na der schwedischen Verfassung anerkannte. ber ust Uebrigens hatte sich in dieser Zeit die politische Stellung der europäischen Hauptmächte gegen einander de n wesentlich verändert. Preußen, seit Katharina 2 Nn das sechszehnjährige Bündniß nicht wieder erneuerte, von Cün näherte sich Großbritannien und Holland, und schloß Gusten! mit beiden eine Tripleallianz, worin sich Groß⸗ Kriegt. britannien und Preußen ihre gesammten Besitzungen var n gegenseitig, und dem oranischen Hause die Erbstatt⸗ dem ni halterwürde garantirten). Oestreich hatte mit en Vin⸗ Rußland sich genau verbündet; daher war das frühere riff; al Bündniß mit Frankreich schlaffer geworden. Mit dnmutt Polen schloß Preußen im nächsten Zeitabschnitte eine Cröffunz bestimmte Uebereinkunft, welche eben so schnell— Hact bi wie die Verbindung mit der Pforte— aufgegeben in, daß ward; denn die französische Revolution ward bald niz sh darauf der gemeinsame Mittelpunct der Politik der eurg europäischen Kabinette. Filltand— viel da⸗ bie sein*) Martens, T. 4. p. 517. summer*X*) Das Defensivbündniß zwischen Großbritannien und Niederland beim Martens, T. 4. p. 372.— ummunz n.** in 9 Das Defensivbündniß zwischen Preußen und Nie— 45 derland, eben d. p. 377.— Das Defensivbünd— ahig dis niß zwischen Großbritannien und Preußen, ebend. Pelltl P· 390. unfol⸗ 11 +** 0 schbet 40 r Kul III.* —— 270 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 81. C) Umrisse aus der besondern Ge⸗ schichte der einzelnen Staaten und Reiche in diesem Zeitabschnitte. 1) Teutschländ. Preußen. Italien. Die wichtigsten Ereignisse dieses Zeitabschnitts gehören dem Boden Teutschlands an, und, als solche, in die Darstellung der Hauptbegebenheiten: der östreichische Erbfolgekrieg mit den gleichzeitigen zwei schlesischen Kriegen; der siebenjährige Krieg; die erste Theilung Polens, in wiefern die beiden teutschen Hauptmächte an ihr Antheil nahmen; der bayrische Eebfolgekrieg;;der teutsche Fürstenbund; die Unruhen in Belgien und Lüttich, so wie der Türkenkrieg, so weit er Oestreichs politische Interessen betraf. Für Teutschland gingen, aus dieser Zeit, zwei wichtige Er gebnisse hervor: die rasch fortschrei⸗ tende geistige Entwickelung und Fortbildung des teutschen Volkes, besonders aber des dritten Stan— des unter dem Einflusse der ausgezeichneten teutschen Regenten, die Friedrichs 2 Vorgange folgten; und die politische Spaltung der Staatsinteres— sen Teutschlands, seit Preußen zu einer Macht des ersten politischen Ranges sich erhob, und ein halbes Jahrhundert hindurch die kräftigste Opposition gegen das Haus Oestreich bildete. Denn durch diese neue Stellung Preußens innerhalb Teutschlands ver— minderte sich das vormalige politische Gewicht der übrigen teutschen Churstaaten, und während sich, fast ohne Ausnahme, der Norden Teutschlands seit dem Hubertsburger Frieden auf die Seite Preußens neigte, trat zwischen dem Norden und Süden Teutschlands —ñ—m...... ane ichso 9909 in diesh druck! hers ss de M sit E Der Wi Gesan x al dat 88 9r in dad Wealt ea liße d und E pragur den 8 tulsh Mahlser 0 1* n 9 Wiek 190 ichn 97 nin 0 8 re. I. huics E br Hele Iy. 9 Preußfe shinw, üten nitte * Italien, Nuachäritt „ud, dl benheün lichzeithn Krieg; di⸗ teulschen banrisch 1e Muruhg nktigg,f f dit, we porshri⸗ Ibung dis En Stun⸗ tulschen ten; und interes ner Mith ein hube po lion X dese ands hel⸗ vicht der 0 f sit dem igt, schund Erster Zeitraum von 1492— 1789. 274 eine allmählige Trennung ein, deren Folgen im nächsten Zeitraume unverkennbar vorliegen und zur Auflösung des teutschen Reiches selbst führten. Schon in diesem Zeitabschnitte hing der Glanz und der Nach⸗ druck der Kaiserkrone zunächst von der Hausmacht ihres Besitzers ab; dies zeigte die kurze Regierung des Wittel sbachers Karl 7. Ein Reichskrieg ward seit dem Tage bei Roßbach nicht mehr gefürchtet! Der Reichstag, gebunden an die Instructionen der Gesandten von ihren Kabinetten, war nichts weniger als der gemeinsame Mittelpunct der teutschen Politik und des teutschen Staatslebens. Allein so schnell⸗ in dieser Zeit die Formen des teutschen Reiches veralteten; so kräftig erhob sich im Feldbaue, Gewerbs— fleiße und Handel, in den Kreisen der Wissenschaft und der Kunst, so wie in der zur Classicität ausge⸗ prägten teutschen Sprache, der Geist des fortschreiten⸗ den teutschen Volkes! Das Erziehungswesen erhielt in den meisten teutschen Staaten eine verbesserte Gestalt, und der Wohlstand, welchen der Landmann und Stadter durch höhere Betriebsamkeit in seinem Geschäfte und durch den gesteigerten Absatz seiner Erzeugnisse erreichte, wirkte folgenreich auf die Veredlung aller gesellschaft⸗ lichen Verhältnisse zurück! Preußen, zugleich eine teutsche und eine europaische Macht, ward während dieses Zeit— abschnittes, welchen, mit Ausnahme der drei letzten Jahre, die 46jährige Regierungszeit des großen Frie⸗ drichs ausfüllt, um die Hälfte seiner vormaligen Staatskraft vermehrt; doch blieb Schlesien die Perle der neuen Besitzungen, so wichtig auch übri— gens die Erwerbung Ostfrieslands, West— preußens und des Netzdistriets war. Unge— 272 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. achtet der streng autokratischen Regierungsform, bewegte sich der Geist des preußischen Volkes kräftig unter einem Könige, dessen Geist selbst zu den Seltenheiten des Jahrhunderts gehöͤrte, der die schwere Kunst des Selbstregierens— wie noch Keiner vor ihm— übte, der, ohne sein Volk zu drücken, die strengste Wirthschaftlichkeit festhielt, und durch Gesetzgebung, Gerechtigkeitspflege und Beförde— rung aller Zweige der Cultur den gleichzeitigen Fürsten voranging. Mag er dabei auf das stehende Heer vielleicht einen zu hohen Werth gelegt haben; so fühlte er doch auch, daß er nur durch dasselbe Mittel die errungene politische Stelle seiner Monarchie behaupten konnte, durch welches er dieselbe erreicht hatte. Die Staaten Italiens standen, während die— ses Zeitabschnitts, mit den Weltbegebenheiten in weniger Berührung. Der König Karl Emanuel von Sardinien, am Anfange des östreichischen Erbfolgekrieges gegen Maria Theresia verbündet, um ganz Mailand zu gewinnen, trat, als er wahr— nahm, daß Spanien dieses Herzogthum für den In— fanten Philipp beabsichtigte, zu Worms(1743) auf die Seite der Maria Theresia, und begnügte sich mit einigen Landschaften von diesem Herzogthume. In der friedlichen Zeit nach dem Aachner Frieden erhohlte sich sein Land von der langen Theilnahme an den vor— hergehenden Kämpfen. Ihm folgte(1773) sein Sohn Victor Amadeus 2.— Mailand und Mantua gehörten der Maria Theresia; nur Parma, Pia— cenza und Guastalla kamen(1748) an den Infanten Philipp von Spanien, den jüngern Sohn der Königin Elisabeth.— Toskan a, vom Kai— ser Franz 1von Wien aus regiert, kam, als Secundo- genitur des östreichischen Hauses,(1 76⁵ an Franzens ————— wu Veisl: enthie Gen (1½½ higt do Horseh) Lberphl er aHů Katk Halblot 5* u Mwof sullaho Bruzen den W von A 0 vuschyy den w nehri el sinenhnl 1 5 Isser. Erster Zeitraum von 1492— 1789. 273 iammm, zweiten Sohn, Peter Leopold, der es mit seltener Mis Weisheit regierte.— Der Pap st und Venedig?) sli enthielten sich alles Antheils an den Zeitereignissen. Hl, Genua, zu einer vorübergehenden Theilnahme uent(1746) an dem östreichischen Erbfolgekriege genö— n Rf thigt, verkaufte, wegen der beständigen Aufstände der sch ul Korsen,(1768) die Insel Korsika an Frankreich.— d Ueber Neapel und Sicilien regierte(seit 1735) Higen Firft der älteste Sohn der Königin Elisabeth von Spanien, nde hin Karl. Als dieser(1759), nach dem Tode seines f. so fiht Halbbruders Ferdinand 6, den spanischen Thron be— Mil di stieg, hätte ihm, nach den Entscheidungen des Aach⸗ bchauptn ner Friedens, sein Bruder Philipp von Parma in hatt. Neapel folgen und Parma an Oestreich zurückfallen vahtend di sollen; allein er bestimmte, mit Uebergehung seines derhätn i Bruders, seinem dritten Sohn Ferdinand 4 Emanui den Thron beider Sicilien, der auch auf demselben sichischn von den europäischen Mächten anerkannt ward. verbündet, 15r vaht⸗ 82. 1r den I Fortsetzung. Iub 2) Spanien. Portugal. 3 Das Haus Bourbon, das mit Philipp 5 den spanischen Thron bestiegen hatte, wechselte, wie seit n ethohte ö ů n eth dem Jahre 1714, auch während dieses Zeitabschnitts, den vol—7 41 + a mehrmals die Farben seiner Politik, ohne doch, durch 111 seinen Antheil an dem östreichischen Erbfolgekriege, im 90 Hi⸗ Aachner Frieden(1748) mehr zu erwerben, als na, h 0del fmgern*) J. Fr. le Bret, Staatsgesch. der Republik Vene⸗ hom Kal⸗ dig. 3 Theile.(der ate in 2 Abthl.) Lpz. und Riga, Zaud 1769 ff. 4.— P. Daru, histoire de la républi- ; in que de Venise. 7 Voll. Paris, 1819. 6. III. 18 274 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Parma, Piacenza und Guastalla für den Infanten Philipp.— Noch im Kaufe dieses Krieges folgte Ferdinand 6(1746) seinem Vater Philipp 5. Er war der Verbindung mit Frankreich abgeneigt, und rief sein Heer aus Italien zurück. Bei der gei— stigen Unthätigkeit des Königs behauptete seine portu— giesische Gemahlin Barbara, besonders durch den Günstling des Königs, den italienischen Sänger Farinelli, einen großen Einfluß auf ihren Gemahl. Die Staatsgeschäfte leitete Anfangs Carvajal, ein Mann von strenger Rechtlichkeit, doch dem In— teresse Englands zugethan; nach seinem Tode, En se— nada, der gestürzt ward, als er es im Geheimen darauf anlegte, daß es in Amerika zum Bruche mit England kommen sollte, und diesem ein gebohrner Irländer, Wall, der mit großen Einsichten die treue Anhänglichkeit an England verband, weshalb auch Spanien bei dem(1755) ausgebrochenen Seekriege zwischen Frankreich und England neutral blieb.— Als aber Ferdinand 6(1758) in unheilbaren Wahn— sinn fiel, kam sein Halbbruder, Karl von Nea— bel, nach Spanien, und folgte ihm(10. Aug. 1759) als Karl 3 auf dem Throne. Er nahm an den Re⸗ gierungsgeschäften mehr Antheil, als sein Bruder und Vater, obgleich das Vergnügen der Jagd ihm viele Zeit raubte. Während seiner Regierung gewann die Thätigkeit des Volkes und der Handel mit den Kolo— nieen; die Jesuiten vertrieb er, die Inquisition, der er abgeneigt war, beschränkte er, und ausgezeichnete Staatsmänner, wie der Graf von Aranda, Cam⸗ pomanes, und später der Graf von Florida Blanca, leitéeten die Geschäfte.— Schon von Neapel her dem brittischen Interesse abgeneigt, unter⸗ zeichnete er(15. Aug. 1761) den von Choiseul einge— litkte x 0 gegen tugal Hlh. N nilas Spanid: wuräck von In Gpand lund X . bhuph M O Hape 58 bewis ndesd un heß⸗ chnerne hegi, h 1 Kügez issser y Ba der seine pyrn: 15 dusch hen hen Ciupe den Ganah arpash, 5dem xY 45 de, Cuse Geheime Bruche n 144 Waebohtne ten die trat 16. 170 den Re⸗ ruder un ihm vic Rann 00 t den Ra⸗ ssion, de Hhicht 4, Cack Flollda von H, Andtl l Erster Zeitraum von 1492— 4789. 275 leiteten Familienvertrag der bourbonischen Häuser, und schloß sich an Frankreich im Seekriege gegen England an; auch erklärte er(1762) an Por⸗ tugal den Krieg, weil dieses im brittischen Interesse blieb. Allein die Eroberung der Havannah und Ma— nilla's von den Britten waren bedeutende Verluste für Spanien, ob es gleich dieselben(1763) im Frieden zurück und, für das an England überlassene Florida, von Frankreich Louisiana erhielt.— Ruhmvoller war Spaniens Theilnahme an dem Seekriege gegen Eng— land von 1779— 1783 in Verbindung mit Frank— reich; denn im Frieden zu Versailles(1783) behauptete Spanien sich im Besitze von Minorca und von Ost- und Westflorida.— Nach Karls 3 Tode (13. Dec. 1788) folgte ihm sein Sohn Karl 4 An⸗ fangs im Geiste der väterlichen Grundsätze; doch trat an die Stelle des entlassenen Ministers Florida Blanca(1792) der vormälige Minister Aranda.— Portugal, zunächst dem politischen Interesse Großbritanniens hingegeben, hob sich, während dieses Zeitabschnitts, so lange, unter der Regierung des Königs Joseph Emanuel(1750— 1777, der Minister Pombal an der Spitze der Geschäfte stand, ein Mann nicht ohne willkührliche durchgrei— fende Maasregeln, wie er bei der Verschwörung des Herzogs von Aveiro und des Marquis von Tavora (1758), und bei der Vertreibung der Jesuiten(1759) bewies, der aber den Ackerbau, Gewerbsfleiß und Handel belebte, den Finanzen aufhalf, die Inquisi⸗ tion beschränkte, die Klöster verminderte, den Be— wohnern Brasiliens gleiche Menschenrechte, wie den Portugiesen, ertheilte, den Verkehr mit dieser wich— tigen Kolonie erweiterte, und beim Ausbruche des Krieges mit Spanien(1762) die tief gesunkene Land— 18* 276 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. macht Portugals durch den Grafen von Schaumburg⸗ Lippe neu gestaltete. Pombal ward aber entlassen, als (1777) Maria Franziska ihrem Vater folgte, und die Verwaltung des Staates sank, unter dem Einflusse der Exjesuiten, wieder in die vorige Ohn⸗ macht zurück. ö 83. Forr k set uen g. 3) Frankreich. Bei der persönlichen Schwäche Ludwigs 15, auf welchen Maitressen und deren Günstlinge bis zu seinem unbeweinten Tode(10. Mai 1774) einwirkten, fiel das innere Staatsleben Frankreichs immer tiefer in Widersprüche und Zerrüttung, und nach außen ward, bald nach Fleury's Tode(1743), ein fehlerhaftes System befolgt. Die Regierung ver— lor, unter den Einflüssen der Maitressen, ihre Ach— tung beim Volke, und die geheime Polizei war so wenig, wie der Preßzwang und das Verbrennen vielgelesener Schriften, das Mittel, diese Achtung herzustellen. Bei dem Mangel aller Volksvertretung behaupteten die Parlamente— freilich ohne ge⸗ schichtlichen Grund— die Rechte derselben, und hatten, in Hinsicht der Opposition, die sie gegen die Willkühr der Regierung bildeten, die öffentliche Mei⸗ nung auf ihrer Seite. Ihre mehemaliglh Verwei⸗ sungen dienten nur zu ihrer Verherrlichung. Die Schuldenlast stieg, bei der erbärmlichen Verwaltung, immer höher, und führte zu einem unheilbaren jähr⸗ lichen Deficit. So standen, während Ludwigs 15 langer Regierung, Volk und Regierung im Gegen⸗ satze; nichts aber schadete der letzten so viel, als ihr von 0 sundeths jühigch. dunch N. Ruht e inmer 6 umge sch MI ind idi (5 wodun Lsch lun Mrandn milietse aupadne I ens Hud H duch; holitsch. 05 konnte lchen br + niheE nd sro Sidgs wade dys eeeeeeeeEeEeE———— ccccTc—— DEEEEee..ss.s R eushre 4 Erster Zeitraum von 1492— 1789. 277 Schuniht an offen hervortretende Charakterlosigkeit und Schwäche Vurr in von der einen, und ihre Willkühr und Strenge von „itty der andern Seitt. vi In den Verhältnissen nach außen gewann ö Frankreich nichts durch den kostspieligen Antheil an dem östreichischen Erbfolgekriege, wenn gleich Moritz von Sachsen die Ehre des französischen Krieger— standes erhielt; nichts durch den Antheil am sieben⸗ jährigen Landkriege, als Spott vom Auslande, und durch den Seekrieg erhöhte Schulden, wäͤhrend die viße Macht des gefürchteten Nebenbuhlers, Englands, ½ immer höher stieg, und selbst nur wenig in dem spä⸗ e 16 ö tern Kampfe, wo Frankreich mit den Nordamerikanern Anwiltn sich verbundete. Denn nachtheilig für Frankreich, ice imn und zunächst vortheilhaft für Oestreich, war das 1 l(1756) mit dieser Macht abgeschlossene Bündniß, 0 0 wodurch die von Richelieu bis auf Fleury in Frank⸗ Hitung reich bestandene auswärtige Politik in ihrem Innersten hre verändert ward. Selbst der Bourbonische Fa⸗— ligei milienvertrag(1761) gab Frankreich keinen neuen brenn Zuwachs an Macht und äußerm politischen Gewichte; Achun der einzige Gewinn davon floß aus dem spanischen decttetun Handel. Doch zeigte die Ministerschaft des Herzogs chne g von Choiseul(1758— 1770), so weit er nicht bin, u0 durch die Pompadour gebunden war, etwas mehr ggen N politische Haltung, als die seiner Vorgänger und liche M⸗ Nachfolger. Denn neben einer Gräfin du Barry Vamdt konnte er sich nicht erhalten.— Unter solchen bedenk— 1. Di lichen innern und äußern Verhältnissen bestieg der molung, Enkel Ludwigs 15, Ludwigs 16(1774 den Bour⸗ Iun scht⸗ bonischen Thron. Hätten personliches Wohlwollen wigs 15 und strenge Rechtlichkeit ausgereicht, die politischen G6l Sünden des letzten Jahrhunderts auszugleichen; es wäre durch ihn geschehen; denn vieles ward allerdings 278 Geschichte des europäͤischen Staatensystems ꝛc. verändert und verbessert. Auch gab Vergennes der äußern Politik eine neue Farbe und Haltung. Nur dem Krebsschaden der Finanzen war weder Tur⸗ got, noch Calonne, noch Necker gewachsen, und welche Richtung seit 30 Jahren die öffentliche Stim— mung im Reiche genommen, welche Bildung der dritte Stand sich angeeignet hatte; das war nicht zur Kenntniß des Kabinets gekommen. Daher die Ueber— raschung und die Unbehülflichkeit des Hofes und der höhern Stände beim Ausbruche der Revolution. ——— 84. For tise bung. 4). Freistaat der Niederlande. Großbri— tannien. Nur wenig erfuhr das europäische Staatensystem während dieses Zeitabschnitts von dem Freistaate der Niederlande, dessen große politische Rolle mit dem Utrechter Frieden begrenzt ward. Nur Eng— lands Aufregung bewirkte seine unbedeutende Theil— nahme am östreichischen Erbfolgekriege; doch führte der unmittelbare Angriff Frankreichs(1747) auf den— selben zu einem Aufstande, in welchem Wil helm 4 nicht nur allgemeiner Statthalter aller ver— einigten Provinzen ward, sondern auch, unter brittischem Einflusse und nach dem Willen des nieder— ländischen Adels, die Statthalterwürde erblich, und zwar in männlicher und weiblicher Kinie erhielt.— Dem Staate selbst ward dadurch nicht geholfen. Denn, nach Wilhelms 4 Tode(1751), führte, während Wilhelms 5 Minderjährigkeit (bis 1766), erst dessen Mutter Anna, und dann der Herzog Ludwig von Braunschweig die vormundschaft⸗ 0 l Staa b rieged) durt d voge 5 sand lui en i Eualhe durch Ilñ Hroch Hengnd wuchds lad LE/ U Stun 0 send osit x el Ir Hnst Hem A (4⁴9 ung Fuctz, Iotec diesehhz in E und Mäthns Vesahs Hausege dis x bE shsin. lergnz d Huag weder u duchen, v llche Stn Dauz u war nitti er Nelhe HS WM uion, taakenspser reistalt ische M Nur E nde Dil och siht auf den Kheln⸗ llet uch, ul dib nict⸗ Rblih, che! Inl ch ht (65¹) ö shuikel dum de undschh ——F—F ttFTFFTtTtt'f“TT“TFTITII——.———— ·— Erster Zeitraum von 1492— 1789. 279 liche Regierung; doch war es vortheilhaft, daß der Staat während des siebenjährigen Land- und See⸗ krieges(1756 ff.) seine Neutralitat behaupten durfte.— Bald aber nach diesem Kriege bildete sich, wegen der Anhänglichkeit des Erbstatthalters an Eng⸗ land, eine antioranische Parthei in den Patrioten, deren Einfluß sich, nach dem unglücklichen Kriege mit England(1780— 1784), verstärkte. Zwar ward durch ein preußisches Heer(1787) die offen ausge— brochene Spannung unterdrückt, und, nach Erwei— terung der Macht des Erbstatthalters, ein Bündniß zwischen ihm, Preußen und England abgeschlossen; allein kaum berührte der Revolutionskrieg die Gren⸗ zen des Freistaates, als auch er in den allgemeinen Sturm fortgerissen ward.— Georg 2 von Großbritannien hatte von seinem Vater den Grundsatz der Aufrechthaltung des politischen Gleichgewichts, als den ersten Grundsatz der brittischen Politik, ererbt; er machte ihn, wie einst der Oranier beim spanischen Erbfolgekriege, beim Ausbruche des östreichischen Erbfolgekrieges (1741) geltend, und bewirkte dadurch die Erhal—⸗ tung der östreichischen Monarchie im Aachner Frieden, mit alleiniger Ausnahme Schlesiens, das, unter seiner Vermittelung, bei Preußen blieb und diesem garantirt ward. Gleichzeitig(1739) ward ein Seekrieg gegen Spanien und Frankreich gekämpft, und der während desselben in Schottland gelandete Prätendent bei Culloden(1746) besiegt; der letzte Versuch eines Stuarts, die brittischen Kronen dem Hause Hannover zu entreißen. Mit Beibehaltung des politischen Gleichgewichts endigte auch der sieben⸗ jährige Ländkrieg, an welchem England blos wegen der Vertheidigung Hannovers gegen Frankreich in dem 280 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. gleichzeitigen Seekriege Theil nahm. Während die⸗ ses Krieges starb Georg 2(1760); allein sein Enkel Georg s setzte denselben im Geiste seines Vorgängers fort; nur daß die Subsidienbewilligungen für Preu⸗ ßen wegfielen, weil der Charakter des Krieges bereits damals für Großbritannien entschieden war. Der Friede zu Versailles(1763) erweiterte Groß⸗ britänniens Macht und Kolonialsystem in drei außer⸗ europäischen Erdtheilen, und mit beiden sein Han— delsübergewicht und seinen Wohlstand in dem Mut⸗ terlande. Vermehrte sich gleich durch diese Kriege die Nationalschuld; so war doch auch der Gewinn unermeßlich, der aus Ost- und West-Indien nach England strömte. Bei diesem Uebergewichte in seinen Kolonieen zog sich Großbritannien seit 1763 von den Angelegenheiten des Festlandes zurück, um die Haupt⸗ kraft seines innern Staatslebens auf Gewerbsfleiß und Handel zu stützen. Zwar verlor es, als Folge der engherzigen Kolonialpolitik seiner Minister, in einem mehrjährigen Kriege 13 nordamerikänische Ko⸗ lonieen, und mußte auch im Pariser Frieden(1783) zu einigen Abtretungen an Frankreich und Spanien sich verstehen; allein die Selbstständigkeit des jungen Freistaates war kein Verlust für England, denn bald neigte er sich mit vielfachen Interessen wieder zum Mutterlande hin. Beruhte übrigens die Stärke Groß⸗ britänniens auf der ihm eigenthümlichen, seit dem Oranier unerschüttert festgehaltenen, Verfassung fürs innere Staatsleben; so war zugleich der öffentliche Credit der Regierung die sicherste Unterlage dieser Stärke, und wieder dieser Eredit in den Händen von Ministern, welche die Stimmen des Parlaments und die Meinung Europa's für sich hatten, das Mit⸗ tel, die innere Staatskraft Großbritanniens bedeu⸗ NIII lend* Halten +4 det si Rezie dr wat die osin Haltu V 90 Mie eul 1¹1 mν mauf N 19,00 190 dy MH 3 hhift hher MN e W Ishe on Ilaest chag seth g ö müstez Bihre E n seindil Dag n fir Dun Hnihtz hirtt vn. dr Hatetzhun⸗ II sin hn. dem Mi iese Kriez et Gewint Wdien nag he in seinn 03 von he Hau xwerbefliß „als Johhe iuister, in mihe Kl⸗ I1⁹⁷ Chanien 5 jungen denn bad ieder zun tr Groß⸗ sit kn Aassung fenlich 0 Nst den von bHments u Ml⸗ Hidau⸗ SSSDSRRISIitfTT.......—.——— PIFPFPFTFIFTFPFPFIITFFFFTFT“ü::T:T·CT.T.cTcTcscTsc..TCGDGCCTCCTC CTCTC„„ Erster Zeitraum von 1492— 1789. 281 tend zu steigern und seinen Einfluß nach außen zu er⸗ halten und zu erhöhen. So verstand namentlich Pitt der jüngere(seit dem Dec. 1783) an der Spitze der Regierung die große Aufgabe seiner Stellung. Er war es, der der brittischen Macht in Ostindien durch die ostindische Bill(4. Aug. 1784) Ordnung und Haltung, und durch den Amortisationsfonds (1786) dem Staatscredite neue Sicherheit gab, so wie er durch das Bündniß mit Holland und Preußen (1788) für Großbritannien neue Beziehungen auf dem europäischen Festlande vermittelte, welche bald darauf von den wichtigsten Folgen waren. 85. Fortsetung 5. Schweden. Dänemark. Schwedens politisches Gewicht sank unter Karl 12, als er an Peter 1 die Schlacht bei Pultawa (1709) verlor. Nach seinem Tode(1718) ward, bei der Thronbesteigung seiner Schwester Ulrike Eleonore, die Macht des Königs so beschränkt, daß die Regie— rungsform mehr den Charäkter einer Aristokratie, als einer Monarchie, trug. So hieß zwar der Gemahl der Ulrike Eleonore, der Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel, seit dem 2. Mai 1720 König von Schweden, allein die beiden, unter dem schwe— dischen Adel entstandenen, Partheien, die Hüte und die Mützen, geleitet von den Grafen Gyllen— borg eund Horn, folgten dem Einflusse Frankreichs und Rußlands, und erschütterten durch ihre getheilten Interessen die letzte Kraft des innern Staatslebens. Deshalb endigte auch der gegen die Kaiserin Eli sa— beth von Rußland(1741) begonnene Krieg 282 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. im Frieden von Abo)(7. Aug. 1743) mit der Abtretung Finnlands bis an den Fluß Kymen an Rußland, und mit der von Rußland vermittelten Bestimmung, daß der Herzog von Holstein und Bi⸗ schoff von Lübeck, Adolph Friedrich, auf dem schwedischen Throne folgen sollte. Dies geschah bei Friedrichs Tode(6. Apr. 1751). Allein das Par⸗ theiengewühl dauerte fort, und die Gyllenborgische Parthei beschränkte die königliche Macht immer mehr, so wie sie auch Schwedens Antheil am Kriege gegen Friedrich 2(1757) bewirkte, der im Hambur⸗ ger Frieden(1762) ruhmlos für Schweden been⸗ digt ward.— Als aber Gustav 3(1771) seinem Vater auf dem Throne gefolgt war, ein Fürst von großen Talenten, Kenntnissen und Umsicht, der auf seinen Reisen die Welt, die Höfe und die Politik des Zeitalters kennen gelernt hatte, erschütterte er das Partheiengewühl in Schweden mit Einem Schlage, mit der Gefangennehmung des Reichssenats(19. Aug. 772), und mit der von ihm ausgesprochenen Her— stellung der Verfassung wie im Jahre 1680*˙, nach welcher der König die höchste Gewalt mit den vier Reichsständen theilte, indem er den Ständen die gesetzgebende Gewalt und das Zustimmungsrecht zu einem Angriffskriege gab, sich aber die vollziehende Gewalt vorbehielt. So ward nur der Reichsrath, nicht die ständische Verfassung gestürzt. Ob nun gleich im Geheimen gegen den kräftigen König der Groll der gedemüthigten aristokratischen Partheien Wenek, T. 2. p. 36. **) Karl Franz Sh eridan, Gesch. der letzten Staate⸗ veränderung in Schwedeu. Aus dem Engl. Berl. 1781. 8 ö 14⁰ übit 0 en Rußlah uftil 5 6 shlos Rb K +* 7⁵⁹ 1 un . V n aulh inen di versag Drei Gl Boeld aied mus r Büß Ge iht den Ind hal inbath ußlan U ullit siin und d. 0„ u o ui lin X Hlemnrtt immatmih, riige geqn Hambut veden been⸗ 70 Meuen First vn icht, det a ie Poltt ttertt et d em Schln * 15(10.A Erster Zeitraum von 1492— 1789. 283 fortwirkte; so gedieh doch unter ihm der Wohlstand des Reiches mit der Blüthe des Ackerbaues, des Ge⸗ werbsfleißes und des Handels. Daß die Kaiserin Rußländs mit dem neuen Systeme in Schweden nicht zufrieden war, erkannte Gustav, wenn ihm gleich das(1773) zwischen Rußland und Dänemark abge⸗ schlossene geheime Bündniß unbekannt blieb; des⸗ halb eröffnete er, nach dem zwischeu Rußland und der Pforte begonnenen Kriege, plötzlich(23. Jun. 788) den Kämpf gegen Rußland mit seinen Schee— renflotten, sah sich aber durch die Widersetzlichkeit des Adels in der Fortsetzung desselben so gehindert, daß er einen augenblicklichen für Rußland vortheil⸗ haften Waffenstillstand abschloß, während dessen er einen Reichstag zu Stockholm(22. Febr. 1789) versammelte, der ihm, bei dem Uebergewichte der drei Stände, der Geistlichkeit, der Bürger und der Bauern, über die Stimme des Adels, völlige Sou— verainetät und das Recht verschaffte, Krieg ohne Zu— stimmung der Stände anfangen zu dürfen, wogegen der Bürgerstand Zutritt zu den meisten Staatsämtern und Gleichheit der Rechte mit den Adlichen in Hin⸗ sicht der Besitzungen erhielt.— Nach diesem Er— gebnisse ward der Kampf gegen Rußland, zunächst als Seekrieg, fortgesetzt, bis der zwischen beiden Mächten schnell abgeschlossene Friede zu Werelä (14. Aug. 1790) den vorigen Besitzstand herstellte, Rußland die neue Staatsform Schwedens anerkannte, und bald darauf(19. Oct.) sogar ein Vertheidigungs— bündniß mit Gustav abschloß. Dänemark, das, als Rußlands Bundesgenosse, von Norwegen aus Schwe— den(1788) angegriffen hatte, ward durch die Drohun⸗ gen Großbritanniens und Preußens(1789) zur Neu⸗ tralität zurück gebracht. 284 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Dänemark, wo der weise Friedrich 5(1746). seinem Vater Christian 6 folgte, gedieh, unter der 12000 Leitung des edlen Bernstorffs, zu höherm Wohlstande 15401 im Innern, und vermied die Theilnahme an aus⸗(8.9 wärtigen Kriegen; denn der einzige Krieg, der ihm ihren vom Kaiser Peter 3 von Rußland, als Herzoge von Holstein,(1762) drohte, ward durch dessen Tod be— h6 60 seitigt. Die langen Zwiste aber zwischen Dänemark vnd, E und den Herzogen von Holstein hob Katharina 2, michln nachdem Christian7(1766) zur Regierung gelangt un war, dadurch, daß Dänemark die beiden Grafschaf⸗ W ten Oldenburg und Delmenhorst(1773) dem Groß— Icl fürsten Paul von Rußland überließ, und dagegen in flil ganz Holstein eintauschte. Paul hingegen schenkte Ral jene Länder*), welche der Kaiser Joseph(1776) zum(U Herzogthume erhob, der jüngern Gottorpischen schm s Linie, dem Fürstbischoffe von Lübeck.— Im Innern uusssah des dänischen Staates blieb das schnelle Steigen Nhre sx Struensee's zum Minister, so wie sein plötzlicher t Sturz und seine Hinrichtung(28. Apr. 1772) nicht shi ohne Einfluß aufs Ganze; doch wirkte das Guld⸗swascz bergische Ministerium günstig auf die Belebung I9n Pih des Gewerbsfleißes und des Handels, bis der Kron—. prinz Friedrich(14. Apr. 1784 sich für volljährig. erklärte, und eine Verwaltung organisirte, an deren llch t Spitze der jüngere Bernstorff trat. 86. Fortsetz ung. 6) Rußland. Polen. Türkei. Ein ähnlicher schöpferischer Geist, wie Peters 1, fehlte dem russischen Reiche bis zum Jahre 17623 1 ö u Martens, T. 2. p. 189. eufstaen i , Unty VBolsah 0 an fig, de in H m WI n Dinmut duthaint! ung gelaz Grofschaf dem Groß⸗ 1d dagege gen schent FHin Hothyrrishe I Imnan Een ylthlihee Muct 6* Gulb⸗ Belebung Kren⸗ vollüähti Iin den ꝑꝑꝑ;ꝑtFFTTTT;ccTT.'TTTTtTIPFTFTFTFTFTFTFTITTFI——tff TPTTJ-—rwC]]];';''T—u1nndOAdRssscTCc Erster Zeitraum von 1492— 1789. 285 denn weder Katharina 1(1725— 1727), noch Peter 2(1727— 1730), noch Anna(1730— 1740), noch die Vormünder für den jungen IJwan 3 (28. Oct. 1740 bis 6. Dec. 1741), welchen Anna zu ihrem Nachfolger bestimmt hatte, noch Eli sabeth, die Tochter Peters 4, welche durch einen Aufstand der Garden(6. Dec. 1741) auf den Thron erhoben ward, regierten nach den, das innere Staatsleben mächtig umgestaltenden und die äußern Ankündi⸗ gungen des Reiches kräftig emporgehobenen, Entwür⸗ fen Peters 1. Doch ward, während Elisabeths Regierung, von Schweden im Frieden zu Abo(1743) ein kleiner Theil von Finnland erworben; auch trat die Kaiserin, durch ein Bündniß mit Maria Theresia (1746), mit den politischen Interessen des europäi— schen Westen in nähere Berührung, wenn gleich das russische Heer, welches für brittische Subsidien im Jahre 1747 nach dem Rheine bestimmt war, wegen der Aussöhnung der kämpfenden Mächte zu Aachen, nur bis nach Franken kam. Desto ernsthafter und selbst leidenschaftlich war Rußlands Antheil an dem Kriege gegen Preußen(1757— 1762). Als aber Peter33) (HSerzog von Holstein-Gottorp und Enkel Peters 1 von seiner mit Katharina erzeugten Tochter) der Eli— sabeth(5. Jan. 1762) folgte, schloß er Frieden und Bündniß mit Friedrich 2, und gab Ostpreußen zu⸗ rück. Nur daß er selbst bereits am 9. Jul. 1762 den Thron**), und den 14. Jul. das Leben verlor. Ihm folgte seine Wittwe Katharina 2(1762— 796), *) Biographie Peters 3. 2 Th. Tüb. 1808. 8. *) Rulhière, histoire ou anecdotes sur la révolu- tion de Russie en l'année 1762. Paris, 1797. 6. Teutsch, Germanien, 1797. 8. 286 Geschichte des europäischen Staatensystems 10. mit der Erneuerung und weitern Fortführung der großen Plane Peters 1 in Hinsicht der Fortbildung im Innern des Reiches, und der Vergrößerung des⸗ selben nach außen. Bei allen weiblichen Schwächen wußte sie doch bestimmt, was sie wollte, und bis wie weit jedesmal ihre Thätigkeit reichen sollte. Sie rief Kolonisten ins Land, beförderte den Ackerbau und Gewerbsfleiß, begründete neue Städte, sorgte für Wissenschaften und Künste, hob Handel und Schif— fahrt, und gab dem Erziehungswesen, dem Militär und der Gerechtigkeitspflege eine bessere Form. Drückend war aber ihr politisches Gewicht für die Nachbarstaaten Polen und die Türkei. Unter ihrem Einflusse ward(7. Sept. 1764) Stanislaus Augustus Poniatowski König von Polen; ihre Heere blieben in Polen stehen, um— den Dissidenten die verlornen bürgerlichen Rechte wieder zu verschaffen; und, ungeachtet des gleichzeitigen Türkenkrieges, den sie(1768— 1774) mit großen Erfolgen führte, ward durch sie die erste Theilung(1772), in Verbin⸗ dung mit Preußen und Oestreich, vollzogen. So erweiterte sie bedeutend den Umfang ihrer Grenzen auf Kosten Polens(1772) und der Pforte(1774). Mit Friedrich 2 stand sie 16 Jahre hindurch(1764— 1780) im Bündnisse, und bewirkte durch ihr Wort die Entscheidung des Teschner Friedens, dessen Ga— rantie sie übernahmm. Gegen Englands angemaßte Seerechte stiftete sie, während des nordamerikanischen Krieges,(1780) die bewaffnete nordische Neutralität. Die Krimm verband sie(17840, als Königreich Taurien*), und gleichzeitig die ) Das Manifest der Kaiserin deshalb Marte ns, T. 3. p. 581. 3 r 231 ö Kuban Reiche. clius Bunde. gl Pportt M V00 die Au .— weit uů Bacben —* unsstu: ö Erster Zeitraum von 1492— 1789. 287 Afiiher Kuban unter dem Namen Kaukasien mit ihrem 4J Reiche. Ihr unterwarf sich(1783) der Fürst Hera— Rßrun clius von Georgien. Im Einverständnisse und Ehuide Bunde mit Joseph 2 beschloß sie die Verwirklichung I„bän des griechischen Projects), und führte den von der u silu. Ei Pforte ihr(1787) angekündigten Krieg mit Ernst aalun und Nachdruck, wiewohl sie gleichzeitig(1788.— u, snrfn 1790) auch gegen Schweden kämpfen mußte und AIind Et die Angelegenheiten Polens nicht aus den Augen ver—⸗ dem Miih lor. Doch gehört der Friede mit der Pforte und die sere Jon zweite und dritte Theilung Polens in den Kreis der icht für d Begebenheiten des nächsten Zeitraumes. dei Umn Züge zu einem Gemälde des russischen Reiches unter Staniela⸗ der Regierung von Kathaxina 2. s8. I. 1798. 8. zihre Potemkin; ein interessanter Beitrag zur Regie— Nssidenuen rungsgeschichte Katharinens 2. s. I. 1804. 8. rushff Russische Günstlinge. Tüb. 1809. 8. A. Rulhière, bistoire de l'anarchie de Po- ht wuld logne et du démembreément de cette république. Hürte u. 4 T. Paris, 1807. 8.(reicht nur bis 1772. RNeebth⸗„—— I Dan Histoire des trois démembremens de la. Pologne, ⁰¹n. C pour faire suite à l'histoire de l'anarchie de Po- + Grenzen x logne par Rulhière.(Vom Minister Grafen Fer— .— rand.) 5 Tom. Paris, 1620. 6. 5 964* e ö Hiht Vur) Dohm, Th. 2.— j disen Y 23 121 12 u½6 0 I 52404 Wnische tordische 24½½1 D. VN 106 de Rriges, de 08, I. 288 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. . 99& Der zweite Zeitraum zerfällt in drei Zeitabschnitte: a) von der franzöfischen Revolution, num recùι ö abte öů 43* Uhd. 3 weiter Zeitra u m. Ca ö 25. llr 5%½% Geschichte des europäischen Staatensy⸗ Col stems aus dem Standpuncte der Politik en seit der französischen Revolution bis Emn auf unsere Zeiten; ä aar E„ glst von 1789— 1823. E l 23 n² U Hande 87. sster — 7 nelte, Untertheile dieses Zeitraumes. t Deh Dut oder genauer: von der thatsachlichen Aufhebung des Lehns systems in Frankreich am 4. Aug. Doos 1789, bis zur Auflösung des teutschen Hoch Reiches im Jahre 1806(1789— 1806); 0. b) von der Auflösung des teutschen 3i Reiches im Jahre 1806, bis zu den Er geb— 1 nissen des Wiener Congresses im Jahre i 1815(1806— 1815);— m, c) von den Ergebnissen des Wiener NIlit Congresses im Jahre 1815 bis auf unsere e Tage(1815— 1823).* Aheg 88. W0n Zur Literatur desselben. R Von den§. 7. angeführten Urkundenssarm m⸗ ö 00 lungen reicht de Martens recueil etc. in.4 III EFIIFFFFFTFFFTFTFIFII“FFTI—————.— n. Sturtnj⸗ der dlaik HIutiar x. zumes, Zeiubshnte Vepolutti Iufhebuns em 4. Mg teutscher —4600) teutschen iErgeb in Jhr auf unsete ‚ densen, Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 289 7 Theilen, mit 8 Supplementbänden herab bis zum Jahre 1820.— Dann de Hertzberg, recueil etc.— Eben so gehört hieher: Koch, abrégé de Fhistoire des traités ete, neu bearbeitet und fortgeführt bis zum Jahre 1815 von Fr. Schöll; zusammen 15 Theile.— Von den 5. 7. angeführten Systemen und Compendien gehören noch hieher: v. Mar⸗ tens, Grundriß einer Geschichte der europäischen Staatshändel ꝛc.(reicht bis 1802);— de Flas- san, histoire générale de la diplomatie fran- gaise etc. 7 Theile;— Eichhorn, Gesch. der drei letzten Jahrhunderte, 6 Theile;— Heeren, Handb. der Geschichte des europäischen Staaten— systemsy;— Saalfeld, allgemeine Geschichte der neuesten Zeit, 4 Bände, jeder in 2 Abtheilungen (mit dem Jahre 18138 geschlossen);— v. Denkwürdigkeiten meiner Zeit, 5 Theile.— Daran schließen sich an: L. P. Segur, histoire des principaux événe- mens du rêgne de Frédéric Guillaume, roi de Prusse; et tableau politique de l'Europe s 1766 jusqu'en 1796. 3 T. Paris, 1800. 6. Chstn. Dan. Voß, Geist der merkwürdigsten Bündnisse u. Friedensschlüsse des neunzehnten Jahr— hunderts. 2 Theile. Gera, 1803. 8. G. G. Bredow, Grundriß einer Geschichte der merkwürdigsten Welthändel von 1799— 1810. Hamb. 1810. 8.— Dessen Chronik des neunzehnten Jahrhunderts. Die Jahre 1801 und 1802. Altona, 1805. 8.— Jahr 1803. Altona, 1805. 8.— Jahr 1804. Altona, 1806.— Jahr 1805. Alt. 1807.— Jahr 1806. Alt. 1809. 8.—— Vom Jahre 1807— 1819 von Karl Venturini, auch unter dem Titel: Geschichte unsrer Zeit, bearbeitet. Jedes Jahr ein Band. Alt. 1810— 4822. 8. Ernst Ludw. Posselt, Taschenbuch für die neueste Geschichte. 9 Jahrgänge.(bis 1803.) Nürnb. 1794 ff. 12.— Als Fortsetzung: Staatsgeschichte Europa's. III. 19 290 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 7Jahrgänge(davon nur der erste Jahrgang von Posselt; dann von Stegmann). Tüb. 1805— 1817. 12. K. J. Wedekind, Geist der Zeit. Jahrgänge 1808— 1811; in 4 Bänden. Freyburg, 1810fff. 8. (Ehrmann,) pragmatische Geschichte der euro— päischen Staaten seit dem Anfange der französischen Revolution. 3 Theile. Gotha, 1810 ff. 8. Karl Heinr. Ludw. Pölitz, die europäischen Völker und Staaten am Ende des 1gten und am Anfange des igten Jahrhunderts.(Auch Ergän⸗ ine der allgemeinen Weltgeschichte von IJ. Matth. Schröckh.) 2 Theile. Leipz. 1815 u. 4317. 8. Fr. Buchholz, Geschichte der europäischen Staa— ten seit dem Frieden von Wien. 10 Bändchen. Berl. 1814— 23. 12. Europa nach seinen politisch— erar Hiltben Ver⸗ änderungen, seit dem Ausbruche der französischen Revolution 1739 bis zu deren Beendigung, oder dem zweiten Pariser Frieden von 1815 und dem Schlusse des Wiener Congresses, in eilf Perioden dargestellt mit 11 Charten und statistischen Tabellen. 3 Hefte. Weimar, 1807. 18141 und 16. Fol. Joseph Freih. v. Hormayr, allgemeine- Ge— schichte der neuesten Zeit, vom Tode Friedrichs des Großen bis zum zweiten Pariser Frieden. 55 Theile. Wien, 1817— 19. 8. Ant. Chstn. Wedekind, ehronologisches Hand⸗ buch der neuesten Geschichte.(1805— 1815.) Luneb. 1817. 8. Fr. Saalfeld, Grundriß zu Vorlesungen über die Geschichte der neuesten Zeit vom Anfange der franz. Revolution bis jetzt. Gött. 1821. 8. (Unter den Tageblättern und Zeitschriften: der Moniteur seit 1789; die allgemeine Zei⸗ tung seit 1798; das politische Journal seit 1781; Häberlins Staatsarchiv(62 Hefte) seit 1796; die europäischen Annalen seit —— π⏑——— 1 Illgd 81 shaste + Q duntz, ished Ordug odet H Aiche kutwin Hugch von H Gumx shungl + herann Ie Malr Iu Enge r Do 7 Umgesn sung, Ip 10 er Ips bartsgt ammentu altr, n 0 Dugs 6.2 enshsiehev sinr Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 291 Jhrabr 1795; die Zeiten von Voß(1805— 1820) u. a.— inwiefern in diesen Zeitschriften gleich— 3. 0 zeitige Urkunden aufgenommen wurden.) u. Ihsty u ig1of. ö 89. shit 0„ 5.— 7„ N36 Allgemeine Einleitung in diesen Zeit⸗ ‚ 3* raum. ö due emista Das Wort Revolution wird in den Wissen⸗ aut En schaften der Geschichte und Politik in verschiedenarti⸗ Hashide v ger Bedeutung gebraucht). Bald versteht man bug. 3. darunter, im allgemeinen Sinne, die großen poli⸗ tischen Erschütterungen der bestehenden mlche Etn Ordnung der Dinge in einzelnen Reichen Runcm. Ir oder Erdtheilen(3. B. durch Cyrus, Alexander, Attila, Dschingiskan ꝛc.); bald, im beschränkten Sinne, nfihen V entweder Thronveränderungen(Pipin 752, 1 brnist Hugo Capet 987, Gustav Wasa 1523, Johann Hi von Braganza in Portugal 1640, Vertreibung der re Stuarts 1688, Entsetzung Peters 3 1762, Ent⸗ Ihn Tulln setzung Gustavs 4 1809 u. s. w.); oder Länder⸗ 4. xl veränderungen(Schweizerbund 1307, Losreißen hamane Gei der Niederlande von Spanien 1679, Nordamerika's ticdticht det von England 1776, Theilung Polens 1772 u. s. w.); 1. 5 Miil oder Verfässungsveränderungen, d. h. völlige . Umgestaltung des innern Staatslebens nach Verfas⸗ ichis t sung, Regierung und Verwaltung. 1010) En Die französische Revolution, mit welcher Hlsunger li der zweite Zeitraum anhebt, gehörte zunächst zu den Ansengt l. Verfassungsveränderungen, inwiefern nicht in der Zu⸗ 11.6 sammenberufung der Reichsstände Frankreichs durch 167R05 Recker, sondern in der von der ersten Nationalver⸗ Reine den H) Vergl. den ersten Theil dieser Staatswissenschaste S. 550— 540. ö Ilen s 38 292 Geschichte des europaischen Staatensystems ꝛc. sammlung am 4. Aug. 1789 beschlossenen und aus— geführten Aufhebung des Lehnssystems in einem Reiche von 25 Millionen Menschen, dieje— nige Thatsache enthalten war, welche man fran— zösische Revolution nennt. Denn seit der Völ— kerwanderung im Mittelalter bildete das Lehns⸗ system eben so die Unterlage des ganzen gesellschaft⸗ lichen und bürgerlichen Lebens bei allen Völkern teut⸗ scher Abkunft, wie, seit dem eilften Jahrhunderte, das System der Hierarchie die Unterlage des gesamm— ten religiösen und kirchlichen Lebens. So wie aber das System der kirchlichen Hierarchie durch die Kir— chenverbesserung erschüttert und in allen protestanti— schen Staaten und Reichen für immer gestürzt ward; so auch das Lehnssystem durch die plötzliche Aufhebung desselben in Frankreich am 4. Aug. 1789. Denn mit der Vernichtung des Lehnssystems mußte eine völ—⸗ lige Umgestaltung des innern Staatsle⸗ bens nach Verfassung, Regierung und Verwaltung entstehen, und namentlich mußte die neue Unter— lage des innern Staatslebens, welche an die Stelle des gestürzten Lehnssystems treten sollte, in der Ver— fassung, als Staatsgrundvertrag, ausgesprochen werden. ö So wenig daher auch die Geschichte, welche Thatsachen nach dem innern Zusammenhange der— selben darstellt, der Politik in der Beurtheilung und Würdigung der neuen, nach dem Umsturze, oder doch wenigstens nach der Erschütterung des Lehns— systems ins öffentliche Staatsleben eintretenden, Ver— fassungen vorgreifen darf; so wenig darf sie doch die Ursachen verschweigen, welche diesen Erschütte— rungen des innern Staatslebens vorausgingen, und die Folgen verhehlen, die damit in Verbindung . 706 sunden. tevolutt werden! lichel rakten von del linttittl Hafihel der Sl in pelal tanko wussseh fagenr Staatts Nohlho Kurpd 1000 des inn. Hlageng shlichh nhs dcht, Hlanuig echthh let, th? holitisch amerikf hiittr llche ifgeste ibein Maeksam, landen tunspsnt. suin uy u 00 stin ichen, dtz ie man sin n sit der Y 1 du Khnt Mzen geshlht⸗ Hen wut Iythudn e des geun S⁰ Wie urh die K. u protestan gestuützt wn he Aufhche 9. Damn Ißte eine vz Staatsl. E ut Uutr n die Stl uder Ver Wgesptoch⸗ cie, wih Renharged dtheiluz 1 suuge/ dr des Lhl⸗ undey Ne⸗ f si doh Esschitt⸗ ugen, N Vabindat Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 293 standen. Denn so gewiß allen innern Staats⸗ revolutionen durch zeitgemäße Reformen vorgebeugt werden kann; so gewiß hängt doch auch der öffent⸗ liche Charakter einer Revolution ab von dem Cha— rakter des Volkes, unter welchem sie beginnt, von dem Geiste des Zeitalters, in welchem sie eintritt, von örtlichen Verhältnissen, die sie her⸗ beiführen und ihre Ankundigung gestalten, und von der Stellung des Auslandes gegen den Staat, in welchem durch sie das innere Leben umgebildet wird. Je wichtiger daher die politische Stelle Frankreichs in der Mitte des europäischen Staa— tensystems seit drei Jahrhunderten gewesen war; desto folgenreicher mußte auch die Umbildung des innern Staatslebens in dieser Monarchie, zunächst für die Nachbarstaaten, und in der Folge für das gesammte europäische Staatensystem, erscheinen. Je tiefer seit 1400 Jahren das Lehnssystem in allen Verhältnissen des innern Staatslebens in Frankreich Wurzel ge— schlagen hatte; desto gewaltsamer mußte auch der plötzliche Umsturz dieses Systems sich ankündigen. Je mehr der Geist des Zeitalters schon längst vorher, theils durch politische Schriftsteller in Groß⸗ britannien und Frankreich in Hinsicht neuer staats— rechtlicher und staatswirthschaftlicher Theorieen bearbei: tet, theils durch das Entstehen und die selbstständige politische Gestaltung eines neuen Freistaates in Nord; amerika aufgeregt worden war; desto schneller ver— breiteten sich auch die wahren und irrigen Grundsätze,‚ welche damals in bunter Mischung in Frankreich aufgestellt wurden, über die gebildeten Volksklassen der übrigen civilisirten Staaten und Reiche. Je auf⸗ merksamer endlich die Regierungen des Aus⸗ landes die raschen Fortschritte des neuen Systems 29•4. Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. in Frankreich beobachteten und bald zu einem allge⸗ meinen Kampfe gegen dasselbe zusammentraten; desto schneller mußten auch, mit den Siegen der Verthei⸗ diger dieses Systems in Frankreich, die großen Ver⸗ änderungen in dem innern Staatsleben aller derjeni⸗ gen auswärtigen Staaten erfolgen, welche allmählig unter die Leitung Frankreichs kamen, so daß, was ursprünglich nur in Frankreich ins wirkli che Leben getreten, und Anfangs von da aus blos als Theorie dem Auslande bekannt geworden war, bald auch über eine große Anzahl europäischer Staaten als neue Gestaltung dest innern Staatslebens sich verbreitete. 90. Sortsean g. Daß aber, nach dem Anfange des großen Welt kampfes gegen das neue System des innern Staats⸗ lebens in Frankreich, die Theorie und Prapis die⸗ ses Systems in reißender Schnelle über so viele euro⸗ päische Staaten und Reiche kam, und in mehrern dersel⸗ ben eine mehr oder weniger äͤhnliche Umgestaltung des innern Staatslebens bewirkte, hatte seine Gründe weder allein in den Siegen der französischen Waffen, noch in dem bloßen Reize der Neuheit dieser 33778 und Praxis. Denn allerdings war 1) in vielen Reichen des europäischen Staaten⸗ ö systems theils die frühere ständische Verfassung derselben stillschweigend aufgehoben wor⸗ den, theils das Lehnssystem nach vielen seiner ursprünglichen Formen veraltet. 2) Dies zeigte sich theils in der Verwandlung früher durch Reichsstände beschränkter Monarchieen funh Vollhun Heuesoe und ule ien, R dul e. e undie Suche hungn des Euse Hestan gektess Uald insystt. en dn, Mraten er Vun Nurßen W. a un den dacht alnih „ uf klitrhen 6 U W 00 auch h Mals nei Hebens f • ohen Wit Nem Suak Dearis dee⸗ 0 rf Elto Vern dersel staltung det eGründt Hen Wassh, Isset Tyunt WI. fa MI 0 hen sol⸗ h sit Wwaldlong Wnarch Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 205 in Autokratieen; theils in der selbstständigen Entwickelung und Fortbildung des dritten Standes nach Kenntnissen, Sittlichkeit und Wohlstand; stheils in dem Gegensatze dieses dritten Standes gegen die sogenannten privilegirten Stände, des Adels und der Geistlichkeit; theils in der völli⸗ gen Veränderung des Kriegswesens durch Ein⸗ führung der stehenden Heere, während im Mittel⸗ alter das Lehns system und das Kriegswesen einander ö gegenseitig bedingten. 3) Das innere Staatsleben der in der Civili⸗ sation fortgeschrittenen europäischen Völker und Reiche bedurfte also allerdings einer verbesserten Grundlage und einer den Fortschritten der Völker in der Cultur angemessenen Fortbildung: nament—⸗ lich in Hinsicht einer alle wesentliche Bestandtheile des innern Staatslebens umschließenden Verfas⸗ sung; in Hinsicht der rechtlichen Stellung der Volksvertreter gegen die Regierung; in Hinsicht neuer Gesetzbücher, um allmählig die ausländischen und veralteten Rechte und Gerichtsformen zu besei⸗ tigen; in Hinsicht der überall vochandenen Schul⸗ denlast und der Unordnung in den Finanzen, so wie der Ungleichartigkeit in der Besteuerung bei den höher gestiegenen Bedürfnissen des Staates und bei der Nothwendigkeit der Cousolidirung der Staatsschulden; in Hinsiche der gleichen Berechti⸗ gung der würdigsten Mitglieder des dritten Stan⸗ des mit den Individuen der höhern Stände zum Staatsdienste; so wie in Hinsicht einer völlig neuen Gestaltung der über die Kräfte der Staaten gestei⸗ gerten stehenden Heere, nach den bis dahin üblichen Werbungen, der Aufnahme von Ausländern, und der persönlichen Behandlung des gemeinen Soldaten. * 296 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 4 Dazu kam der Blick der übrigen europäischen Völker auf das constitutionelle Großbritan⸗ nien, das, seit der Herstellung seiner bürgerlichen und kirchlichen Freiheit unter dem Oranier, an gei⸗ sstiger Bildung, an Wohlstand und Reichthum, an politischer Kraft und Haltung so weit über an⸗ dere Völker hervorragte, und einen so bedeutenden Einfluß nicht blos auf die Angelegenheiten des europäischen Staatensystems, sondern selbst auf die Schicksale der außereuropäischen Erdtheiles be⸗ hauptete; so wie der Blick auf das freigewordene Nordamerika, wo man die Grundlage des britti— schen Staatslebens mit einer republikanischen Re— gierungsform in Verbindung gebracht hatte. Wenn zunächst diese Verhältnisse es waren, welche, bei der Mehrheit der civilisirten europäischen Staaten in deminnern Leben derselben das Bedürf⸗ niß einer neuen Gestaltung angeregt hatten; so war auch gleichzeitig in der äͤußern Stellung und Wechselwirkung der europäischen Staaten und Reiche so manches zu einer bedeutenden Veränderung und Umbildung vorbereitet worden. Dahin gehörte zunächst III ö 1) die Erschütterung der bisherigen Grundlagen dieser Verbindungin dem Systeme des politischen Gleichgewichts, durch die, bei der ersten Theilung Polens (1772) im Großen verfu chte, Abrün⸗ dungspolitik. Denn bei allen frühern Be— drohungen dieses Gleichgewichts durch Spanien, Frankreich, und selbst durch Schweden, war doch, vermittelst des Gegengewichts der politischen Kräfte, das Gleichgewicht erhalten worden, und ö 3⁰ ö I. und 6 strach U+ll. 11 dls I schitg süͤtth peset otdx sene tte Landhen MI0 Kah Hernhu 10„0 Jlltos, lfolggei vesfii 9„i de, W Gahey — 7— lensssav. Reurnützn Geoftrh — wit, auH XXI 10 u, ö vii. 111 Igenhun W ern sahs Erdtheitk relgeworde des beitt anischen N. hatt. e ed Walh,* uropaishn D⁰5 Rl z 0 wal Aung und Haaten und eränderung in gehött —* 0 in den gerigt %Deles Abrun hern A Cyanien, wal L doch Rollischn den, d IPIIIFFfct.'tTPTTFTTPFTTFTT Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 297 namentlich hatte Großbrittannien dasselbe gerettet und gesichert am Ausgange des spanischen und des östreichischen Erbfolgekrieges. Allein mit der ersten Theilung Polens ward der erste Grundsatz die⸗ ses Systems: Heiligkeit des rechtlichen Besitzstan⸗ des und Gültigkeit der bestehenden Verträge er⸗ schüttert, mit welchem nothwendig das darauf ge⸗ stützte practische europäische Boltenterht wesentlich verändert werden mußte. 2) Dazu kam die neue Stellung des nordöstlichen europäischen Staatensy⸗ stems gegen das südwestliche. Begonnen hatte diese neue Stellung, seit Peter 1 Ruß⸗ lan deumschuf, Friedrich 2 Preußen zu einer Macht des ersten politischen Ranges erhob, und Katharina) die Schöpfungen Peters im In⸗ nern Rußlands fortsetzte, so wie nach außen auf Po⸗ len, die Türkei und selbst auf Schweden mächtig einwirkte. Allein erst nach der Auflösung Polens erfolgten zwischen dem nordöstlichen und dem süd— westlichen Staatonsysteme Europa's solche Reibun⸗ gen, daß, unter den Kämpfen beider gegen einan⸗ der, der bisherige Mittelpunet des politischen Gleichgewichts, das teutsche Reich, zusammen⸗ *) Seit Peter 1 wurden aller 20 Jahre Revisionen der Bevölkerung gehalten, Adel, Geistlichkeit und nomadische Völker aber dabei weggelassen. Im Jahre 1723 fanden sich unter are 1 13 Mill. Menschen; 1745. 14 Mill.; 1763. 17 Mill.; 1783. 27 Mill. Seit dieser Zeit mehrte—25 dure 0 Geburt die Be— völkerungszahl jährlich um 2 Mill., vorher hlos um 300,000 Menschen. Im Jahre 1805 hatte Rußland 40 Mill.; jetzt gegen 50 Mill.(Die Angaben schwanken zwischen 46 und 52 Mill.) 298 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. stürzte. Die neuen politischen Verhältnisse, welche dieses Ergebniß herbeiführten, entstanden seit der ersten Theilung Polens, wurden aber nach Frie⸗ dirichs 2 Tode immer verflochtener, als sich die damaligen Verbindungen zwischen den europäischen Hauptmächten wesentlich veränderten, als Rußland mit Oestreich, Preußen mit Großbritannien und »NMiederland zusammentrat, bis endlich diese Ver⸗ bindungen, nach mehrfachem Wechsel der politi⸗ schen Interessen, in die Coalition gegen — verschrolzen. 3) Vergessen darf endlich nicht werden, welche Lockungen zur Theilnahme an den Weltkämpfen in den dargebotenen Subsidien lagen, neben welchen doch die Politik der halben Maas⸗ lrhn im schreiendsten Kontraste erschien. e s 191. Sichel u Aus allem diesem erhellt, daß die meisten euro⸗ päischen Staaten und Reiche gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts am Zeitpuncte einer gro⸗ ßen Umbildung ihres innern Staatslebens und einer damit e r Veränderung ihrer gegen⸗— seitigen äußern Verhältnisse standen, wodurch— im aufbrausenden Weltkampfe— die räthselhaften Erscheinungen bewirkt wurden: daß Frankreich all— mählig ein das ganze anete bedrohendes und er— schütterndes Principat erlangte; Polen als Reich aus der Staatsgeographie Europens ganz verschwand und nach seinen Theilen in den drei Nachbärreichen auf— 557 ging; Teutschland als Reich aufhörte und als Staa⸗ tenbund sich gestaltete; die Freistaaten Venedig und ——— 0 * Henua ö Hateu Ind PI und Y Schvidls i die KH. Rit derk nit demd Mitt l WHι— Ihen ante i* hunkras schige oe Ries H Mite I Legitcht Jur I Zlit V. Frscherßz Pokerlag sllitisn. . I nihg 1N MI Uufug 10 90 Hesonnerg Hershg eien. Rgene Y. shih nd und ge bue) dlarder“ Kensystat; N uun Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 299 uh Genua endigten, wie Polen; das übrige Italien die mmur verschiedensten politischen Formen wechselte; Oestreich 0 rut f. und Preußen bedeutende Verluste erlitten; Spanien „ c und Portugal durchgreifende Umbildungen erfuhren; Muunüst Schweden und Dänemark in späterer Zeit gleichfalls Ih in die Kämpfe der Zeit verflochten wurden, das erste Drann mit dem Wechsel seines Regentenhauses, das zweite c M mit dem Verluste Norwegens; die Kraftlosigkeit der sc det t Pforte unverkennbar hervortrat; und nur Großbri— n Juufn tannien und Rußland, bei aller Theilnahme der⸗ selben an den Weltkämpfen, ungeschwächt sich er⸗ Den, wilt hielten, bis es ihnen und ihren Verbündeten gelang, Dalknppp Frankreichs Prineipat zu stürzen, und, bei der beab⸗ dien lahn sichtigten Herstellung der frühern Verhälcnisse, ein Iben Moit neues System des politischen Gleichgewichts in der cchie. Mitte der europäischen Staaten auf die Unterlage der Legitimität und Stabilitat zu begründen.— Führt man diesen Weltkampf, wie den ähnlichen im Zeitalter der Kirchenverbesserung, auf eine vor⸗ herrschende Idee zurück; so war es die ins öffentliche mnisn elt Völkerleben getretene Idee der bürgerlichen und Ende de politischen Freiheit, für und gegen welche einer g 25 Jahre hindurch gestritten ward. So wie es da— 6 und ein mals neben den Reformatoren, einen Storch, Münzer Huer gur und Johann von Leiden, und neben den geistigen woorh⸗ Waffen der gereinigten Lehre einen zügellosen Bauern⸗ n krieg gab; so sah auch die neueste Zeit, neben den uutuic l besonnenen Vertheidigern der burgerlichen Freiheit, ⸗ überspannte Ohnehosen und Ultra's auf beiden Par— iher theien. So wie aber damals das Bessere und Ge— bb diegene von dem Fehlerhaften und Unhaltbaren sich f schied, und schon in dem Passauer Vertrage das ältere 1 En und neuere System als gleichberechtigt neben I naß u einander sich behauptete; so hat auch ein zwanzigjäh— 300 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. riger Weltkampf das constitutionelle und das autokratische Princip als neben einander bestehend im europäischen Staatensysteme darge⸗ stellt, wenn gleich das Europa unsrer Zeit noch nicht zu derjenigen Ausgleichung beider Systeme gelangt ist, welche unser Erdtheil in der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts durch den weldhahischen Frieden terhielt!. Wenn am Anfange dieses Zeitraumes nur Groß⸗ ö britannien in Europa, und Nordamerika, diese europäische Pflanze auf dem transatlantischen Boden, geschriebene Verfassungen, als feierliche Staatsgrundverträge, hatten; so bestehen— abge⸗ sehen von den in mehrern europäischen und teutschen Staaten beibehaltenen, oder zeitgemäß verän⸗ derten, ständischen Formen— gegenwärtig Ver⸗ fassungen, als Grundlagen des verjüngten innern Staatslebens, in Frankreich, im Königreiche der Niederlande, in Schweden, Norwegen, Polen, im Freistaate Cracau, in den 22 Can⸗ tonen der Schweiz, in dem Kirchenstaate, in den sieben jonischen Inseln,(unentschie⸗ den in Spanien, Portugal und Griechen⸗ land,) und, innerhalb des teutschen Staatenbun⸗ des, in Bayern, Wirtemberg, Baden, im Großherzogthume Weimar und Hessen, in den Herzogthumern Nassau, Sachsen-Hildburg⸗ hausen, Sachsen-Coburg, im Fürstenthume Liechtenstein, so wie in der—— Stadt Frank⸗ furt am Main. VN rnH Dicls runtre e vht 11 Menoh selbssih Fermar sisumg ul lrnmnigV Him Hit, u Ruiis 430 n bie ssen S eudich R. Daurr gm sl d der glgen de 0 nlien% in der g et, In Galhgn 1 b3 uenssten, lte uhz n einam. steme de sen Zait m de Ostw Mey LIII 16 nur hris merika di sschen Bode il feierlit hen ch uund tulsh⸗ humäß vunt Wwättg V⸗ ingun innan inhraich de otwegen, hn NEn⸗ staate, i nentschie hriechen taatenbur aden, u en, I Hildhute tathune Iret Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 3014 Erster Zeitabschnitt. Von der französischen Revolution bis zur Auflösung des teutschen Reiches; von 1789— 1806. Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Vom Jahre 1626 bis zum Jahre 1789 waren in Frankreich keine Reichsstände versammelt gewesen. Vieles hatte sich in der innern und äußern Politik Frankreichs seit Richelieu's Zeiten verändert; noch mehr im Geiste des Volkes und in der öffentlichen Meinung. Kaum war die Nationalversammlung zur selbstständigen Wirksämkeit gelangt; so stürzten die Formen des Lehnssystems zusammen. Eine neue Ver— fassung sollte das neugestaltete innere Staatsleben fest vereinigen. Sie ward bekannt gemacht und beschwo— ren im Jahre 17913 allein sie trat nie völlig in Wirk⸗ lichkeit, und wich im Jahre 1793 einer vorübergehen— den völlig demokratischen, und im Jahre 1795 einer auf die Theilung der drei Staatsgewalten streng theo— retisch berechneten, aber in den wirklichen Verhält— nissen des Staates unausführbaren Verfassung, bis endlich die Verfassung vom Jahre 1799 zu einiger Dauer gelangte. Doch während dieses öftern Wech— sels der Verfassungen kämpfte Frankreich siegreich gegen das coalisirte Europa; die Niederlande und Italien wurden durch die Siege und politischen Theo— rieen der Republikaner an Frankreichs Interessen ge⸗ fesselt; Preußen und Spanien traten, nach zweijäh— rigem Kampfe, im Baseler Frieden von der ersten Coalition zurück, und Spanien gingssogar zum Bünd— — 302 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nisse mit der Republik über, in welcher drei Jahre früher Ludwig 16 auf dem Schaffote geblutet hatte; Oestreich sah sich zwei Jahre später zum Frieden von Campo Formio genöthigt. Allein der Congreß zu Rastädt zerschlug sich; von neuem wogte der Kampf zwischen Frankreich, Oestreich und Südteutschland auf, und erst nach Bonaparte's Rückkehr aus Aegypten und nach seiner Erhebung zur Würde des ersten Con— suls konnte der politische Sturm im Innern Frank— reichs beschworen, und bald auch nach außen der ehrenvolle Frieden von Luneville und Amiens erkämpft werden. Der Retter Frankreichs setzte die Kaiser— krone auf sein Haupt, nachdem der Papst Pius 7 ihn gesalbt hatte. Doch gnügte ihm die Krone Frank— reichs und Italiens nicht, und nicht sein entscheiden⸗ der Wille im Haag und zu Mädrid. Noch stand Großbritannien unbezwungen da, nund Pitt, ein Mann, wie ihn die Natur selten ausarbeitet, und ein Minister, wie ihn das Schicksal selten in ent⸗ scheidenden Augenblicken an die Spitze der Staaten stellt, verband Europa von neuem zu einer mächtigen Coalition gegen den ersten Kaiser der Franzosen. Diese Coalition ward aber an den Tagen von Ulm und Austerlitz gesprengt, und der Tag bei Trafalgar konnte sie nicht retten. Der Friede von Preßburg entschied über das europäische Festland; Pitt überlebte ihn nur vier Wochen; sieben Monate später stürzte das teutsche Reich bei der Stiftung des Rheinbundes, und mit ihm das längst erschütterte System des poli— tischen Gleichgewichts in Europa zusammen. 93. 19 Fortsetzu nig. 2— Frankreich, in mächtiger innerer Bewegung, ——————.————— sund K unde and v. ch 0 hne l3 Denhoß ingün i 1 und 1 u hth 0 I 1 pes/ Daun O Coo dardh desci d H Hant elin b 0„ fj 1 000 ln Po„ zr t Heergdh karssiü; —0 ihn annch ddat ö donn nun V uysu Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 303 stand, während dieses Zeitabschnitts, im Vorder— wlult pe, grunde der Weltbegebenheiten. Wild stürmten im dan Innern die Partheien; eine Million Streiter wälzte Lunguuß sich an die Grenzen, die edelsten Männer, und unter r A ihnen selbst Ludwig 16 fielen unter dem Beile der adteusch m Demagogen, bis auch diese die Nemesis ereilte, und ausUaen ein gemäßigteres System im Innern und nach außen 5sn CEh⸗ im Jahre 1795 begann. Allein das Directorium nnern Iuut und mit ihm die dritte Verfassung bestanden blos vier außen v Jahre. Bonaparte trat als erster Con sul, und 15 erHum später als Kaiser an Frankreichs Spitze, und übte die Kaise 15 Jahre hindurch ein mächtiges Principat.— vst Mus Spanien lösete, nach Ludwigs 16 Hinrichtung, die drone Itan Bande des bourbonischen Familienvertrages, trat zur ertschtde Coalition gegen Frankreich, überließ der Republik Not sth darauf das halbe Domingo, und ward der Bun— PDitt, desgenosse des republikanischen Frankreichs. Por— rheitt, u0 tugals Regentendynastie, in Englands Interesse, lten iml widerstand lang der Politik und Macht Frankreichs, Cuun zog es aber in der Folge vor, nach Brasilien zu gehen, „nähhhn als dem neuen Systeme, das von der Seine aus⸗ Imzen ging, sich anzuschließen.— In den Nieder lan⸗ vnn Un den erwachten die Gegner des oranischen Hauses, Vas die Patrioten, zu neuen Hoffnungen beim Ausbruche Purßan der französischen Revolution. Die republikanischen Wn Heere W z unter Pichegrü, die zugefrornen 9 Grenzflüsse; der Erbstatthalter floh nach England, * 1 und das Niederland fraternesirte nach Verfassung, 0 Sitte und Verwaltung mit dem republikanischen v Frankreich. So oft Frankreich die politische Farbe änderte; so oft auch Holland, bis es im Jahre 1806 — doch nur auf vier Jahre— ein Königreich für einen nachgebohrnen Bruder Napoleons ward.— l In Italien begann, mit Frankreichs Siegen, eine egun 30⁴ WAidihe des europäischen Staatensystems ꝛc. ganz neue Ordnung der Dinge. Der König von Sardinien, obgleich Anfangs(1796) im Frieden mit Frankreich ausgesohnt, verlor drei Jahre später alle Besitzungen auf dem Hestlande, und behielt blos seine Insel. Parma und Piacenza, so wie Toskana, das einige Jahre Königreich Etrurien geheißen hatte, und Genua wurden Frankreich selbst einverleibt. Venedig, ein tausendjähriger Freistaat, verschwand— noch schneller, als Po⸗ len— aus der Staatsgeographie Europa's, und kam Anfangs zum kleinen Theile an die neugestiftete cisalpinische Republik, zum größern Theile, als Ent⸗ schädigung für seine Abtretungen, an Oestreich. Der Preßburger Friede aber brachte auch den östreichischen Antheil von Venedig an das, aus der cisalpinischen und swpätern italienischen Republik hervorgegängene, Königreich IJtälien, das aus Mailand, Mantua, Venedig, Modena, und drei päpstlichen Legationen gebildet worden war. Der Kirchenstaat hingegen erhielt sich, außer dem Verluste dieser drei Provinzen und einer vorübergehenden Republikanisirung desselben, bis nach dem Umsturze der teutschen Reichsverfassung. Allein in Neapel führte der Preßburger Friede zu einer folgenreichen Thronveränderung. Das teutsche Reich, bereits seit den Zeiten, daß Preußen in die Reihe der Mächte des ersten politischen Ranges eintrat, in politischer Hinsicht keine Einheit mehr, kämpfte zwar, so lange Oest⸗ reich und Preußen gegen Frankreich verbündet waren, einen Reichskrieg gegen die junge Republik Frankreich; doch folgte der Norden Teutschlands dem Vorgange und dem Interesse Preußens, als dieses den Baseler Frieden und bald darauf für das nördliche Teutschland eine Demarcationslinie mil + * I. Frankreid tand dadt Ind, bos und Jalde Leohel ö nommerꝰ der Zodluj hon O System A gampen Prehen 1 zu die Honshech vu ibio dutsch dig schh der Keil Dolen W 1 Didantpw Hal en fu gaked dehn Nuce U dhen M ihen Ei Wiit; 31 I n Oem sungz x 1 m. III MVâ Al W Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 305 Riu Frankreich abschloß. Das südliche Teutschland in gen stand dagegen bis zum Frieden von Campo Formio, ahte sar und, bei dem erneuerten Kriege zwischen Oestreich Hchilths und Frankreich, auf des Kaisers Seite. Der Tod sy Leopolds 2(1792) bewirkte in dem zu Wien ange— 9 Kuum nommenen Systeme so wenig eine Veränderung, wie II der Tod Friedrich Wilhelms 2(1797) in dem eudihrat von Preußen seit dem Baseler Frieden behaupteten „ N Systeme der Neutralität. Allein die Abtretung des p5, u ganzen linken Rheinufers an Frankreich im Luneviller cugestft. Frieden führte zu großen politischen Veränderungen l En und zu den Säcularisationen im Reichsdeputa— A. Di tionshauptschlusse vom Jahre 1803. Noch teichsch war aber die neue innere Ordnung der Dinge in ahinihe Teutschland, die aus diesen Veränderungen nothwen— Rungt dig sich gestalten mußte, nicht zur Reife gelängt, als Mm der Krieg im Spätjahre 1805 zu dem verhangniß⸗ Soalione vollen Preßburger Frieden, und dieser, ein halbes gen Jahr später, zum Umsturze der teutschen Reichsver— Hroinze fassung führte. dessalben, Früher noch, als Teutschland, hörte Polen Rfasum auf, ein Reich zu seyn. Zwar schien für diesen, durch wide unheilbare Anarchie in seinem Innern zerrutteten, Staat, während des von Katharina 2 und Joseph 2 din gefuhrten Santent deden 2— 23tder n b8 uln Wiedergeburt gekommen zu seyn; denn viele edle i Polen fühlten, seit dem noch nicht verschmerzten Un⸗ glucke der ersten Theilung, das dringende Bedürfniß, Trnr durch eine zeitgemäße Verfassung das innere Staats— 5 leben zu verjungen, und nach außen, gegen den mäch— tigen Einfluß Rußlands, die ehemalige Selbststän— 2* digkeit zu erstreben. Preußen bot durch ein Bündniß unr zu beiden die Händ; eine neue Verfassung, wie sie it da ö dem sarmatischen Boden anzupassen schien, ward ini m III. 20 306 Geschichte des europäͤischen Staatensystems ꝛe. feierlich angenommen und selbst vom Könige beschwo⸗ ren. Allein zu Targowitz bildete sich dagegen eine von Rußland geschützte Reaction; Preußen, über dem Rheine und an der Weichsel zu gleicher Zeit beschäftigt, gab Polen auf, und theilte Polen mit Rußland zum zweitenmale, worauf, zwei Jahre päter, in der dritten Theilung, an welcher auch Oestreich Theil nahm, Polen sein politisches Daseyn verlor. Unter den Staaten des europäischen Festlan⸗ des erhob sich während dieses Zeitabschnitts Ruß— lands Macht und Einfluß immer höher. Zwar er— klärte sich Katharina 2 nachdrucksvoll gegen die an der Seine kühn ausgesprochenen Grundsätze; allein den östreichischen und preußischen Heeren schloß sich kein russisches an. Dagegen gewann Katharina von der Pforte im Frieden von Jassy Land und Bevolke⸗ rung, und noch weit mehr in der zweiten und dritten Theilung Polens. Als Zugabe dazu erfolgte die Einverleibung des Herzogthums Kurland. Weniger glücklich in der Vermittelung solcher Erfolge, aber kräftig und nachdrucksvoll war die Politik Pauls 1 während seiner fünftehalbjährigen Regierung. Da⸗ gegen versprach Alexander 1, bei seiner Thron⸗ besteigung, im Geiste der Grundsätze Katharina's zu regieren, und seine Heere erschienen im Spätjahre 1805 auf den Schlachtfeldern an der Donau und bei Austerlitz. Er verließ das letzte, ohne mit Frank⸗ reich sich zu versöhnen. Beharrlicher aber, als die Politik der Haupt⸗ mächte des europäischen Festlands, welche vom Glücke des Krieges und von ihrer gegenseitigen Stellung ab— hängig war, stand Großbritannien seit dem Jahre 1793— mit alleiniger Ausnahme eines einzi⸗ —— 31 en rin — in jegen?? hmn von St M. iigerth klich seh! W Fritde W. i Hasst roßhrtig. schtt, 73 Heberge Zen, Rih lande san auch dhe caß imny. Eschit uy ung db d Mation Gi Iittes drnderdyd uemundho⸗ siht Rahm gj Heil. X. ten Munzh n inn 9* Dnen D Dib sentdyg die lche 5 1 fe gynd hsae i0t Hst, agegen e ißen, iy he! Pelen nt Wii I K welhrh hes Dun NFeslu S Ruß Zwat et⸗ gen die e Her lch schloß s rina un vBal⸗ d dkittet folgte die Vaiige ge, abe hauls! 3. Do àHun 3n Spituht h ö I ö Hupt⸗ 0 Glcke ung b⸗ it den 5 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 307 gen Friedensjahres nach dem Vertrage von Amiens — in dem Mittelpuncte der Coalitionen gegen Frankreich; denn Pitts politischer Blick erkannte die drohende Gefahr eines Principats von Seiten Frankreichs, und sein mächtiger Wille steigerte die Mittel gegen Frankreich, je mehr Fränk— reich sein politisches Gewicht auf dem europäischen Festlände steigerte. Zwar vereitelte der Preßburger Friede mehr noch, als der zu Lüneville, Pitts Plane in Hinsicht des Continents; allein im Seekriege hatte Großbritannien die Marine aller seiner Feinde ver— nichtet, ihré meisten Kolonieen erobert, und das Uebergewicht auf den Meeren wirklich errun— gen, nach welchem Napoleon erst noch auf dem Fest— lände strebte.— Im Kleinen versuchte in dieser Zeit auch die Schweiz einen politischen Verjüngungspro— ceß im Innern; nach vielfachen innern und äußern Erschütterungen erhielt sie ihre neue politische Gestal— tung durch Bönaparte im Jahre 1803 in der Me— diationsacte. Schweden verlor am Anfange dieses Zeitab— schnittes seinen heldenmüthigen Gustav 3; allein der Bruder desselben, Karl von Südermanland, führte die vormundschaftl iche Regierung für Gustav 4 mit Um⸗ sicht in einer vielbewegten Zeit. Mit wenigem Glücke nahm Gustav 4 selbst an den Weltbegebenheiten Theil.— Dänemark genoß einer weise berechne— ten Neutralität, bis ein ungerechter Angriff der Brit— ten im Jahre 1801 auf Kopenhagen den Namen der Dänen mit Ehre und Glanz umgab. Die Pforte endlich, welche aus ihrem Kam— pfe mit Oestreich und Rußland nur mit Verlust gegen die letzte Macht heraustrat, nahm an dem Weltkam— pfe gegen Frankreich nicht eher Antheil, als bis sie, 20* 308 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nach der Besetzung Aegyptens von den Franzosen, unter fremdem Einflusse zu einer Kriegserklärung gegen die Republik genothigt ward. Die Erhaltung ihres politischen Daseyns lag in den Interessen der europäischen Hauptmächte; deshalb erhielt sie auch das, den Franzosen von den Britten entrissene, Aegyp— ten zurück. Am Ende des ersten Zeitabschnitts schwankte sie zwischen Frankreich und Rußland, die beide auf den Divan einwirkten, bis er sich endlich für Frank⸗ reich gegen Rußland entschied. 94. B) Die Hauptbegebenheiten in die⸗ sem Zeitabschnitte. 1) Die französische Revolution bis zum Kriege im Jahre 1792. Den innern Gebrechen Frankreichs, besonders einer Schuldenlast von fast 5000 Mill. Liv. und einem jährlichen Finanzdeficit von 140 Mill. Lvres abzu— helfen, hatte Necker(9. 79.) 1200 Deputirte(300 aus dem Adel, 300 aus der Geistlichkeit, 600 aus dem dritten Stande) zu einem Reichstage auf den 1. Mai 1789 zusammen berufen. Dieses Zahlenver— hältniß und das entfremdende Betragen der Deputir— ten aus den bevorrechteten Ständen gegen die Ver— treter des dritten Standes, unter welchen sich ausge— zeichnete Männer befanden, bewirkten am 17. Juny 1789, auf Sieyes Vorschlag, den Entschluß der letz— tern, als Nationalversammlung sich zu erklä— ren. Ihnen schloß sich(22. Jun.) die Mehrheit des geistlichen Standes, und— obgleich Ludwig 16 die Sitzungen der Nationalversammlung aufgehoben —3————— Ind am Sitzungl Mets u Hadnig uhi die Mnz gen mus bestand N vallgte slls Wr Isug A 10 E an Pof de Delh/ Maltyj Lafay 9 Man shoz ¹ llleits E 15 eineg cchrift h itt⸗—½ lusager— Dus d UD0)F stens 9 und d dienste I ale Zimm n Melhe 1 Epig 0HN Ium Hön sispadi 2 ind bis hu Hesondet⸗ und eineh hl N½⁴g · red uh I. Irte(30 900 aH uf den! uhlernt Dopult ½½. die Y ch duhe Werl⸗ htheit Wig 1 ihc Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 309 und am 23. Jun. den Reichstag in einer königlichen Sitzung eröffnet hatte,— die Minder zahl des Adels am 24. Jun. an, worauf am 27. Jun., auf Ludwigs Befehl, um die Trennung der Reichsstände zu verhindern, auch die übrige Mehrzahl des Adels und die Minderzahl der Geistlichkeit mit ihnen sich vereini— gen mußte. Die erste Nationalversammlung bestand vom 17. Jun. 1789 bis zum 30. Sept. 1791, verlegte aber(Oct. 1789) ihre Sitzungen von Ver— sailles nach Paris, nachdem, auf die plötzliche Ent— lassung Neckers(12. Jul.) und auf die Zusammen⸗ ziehung eines Lagers von 50,000 Mann in der Nähe von Paris, die Volkswuth der Pariser(14. Jul.) die Bastille zerstört, der König aber(16. Jul.) Neckern zurückberufen, das Lager aufgehoben, und Lafayette eine Nationalgarde von 34,000 mann gebildet hatte. Die Mitglieder der Nationalversammlung hatten bereits am 17. Jun. einander versprochen, nicht eher aus einander zu gehen, als bis das Reich eine neue schriftliche Verfassungsurkunde erhalten hätte, und bis— ohne Erhöhung der gegenwärtigen Auflagen— die Schulden des Staates gedeckt wären. Diese Zwecke zu erreichen, sprach sie(am 4. Aug. 1789) die völlige Abschaffung des Lehns sy— stems, so wie aller Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit aus; sie hob alle Frohn— dienste, Zehnten, Jagd-und Fischereigerechtigkeiten, alle Zunfte und Corporationen, und am 10. Jun. 1790 den Adel völlig auf; sie stellte die Menschenrechte an die Spitze der neuen Verfassung, legte(20. Sept. 789) dem Volke die höchste gesetzgebende Gewalt, dem Könige aber blos ein Votum suspensivum bei, suspendirte(3. Nov.) alle Parlamente und Gerichts- 310 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. höfe, so wie die bisherige Gerichtsverfassung; theilte (4. Nov.) das Reich in 83 Departemente, setzte die Civilliste des Königs auf 25 Mill. Livres, und er— klärte die königlichen Domainen, so wie(2. Nov.) die Güter der Geistlichkeit und der aufgehobenen Klo— ster für Nationalgüter, auf welche man Assig— nationen gab. Später beschloß sie(27. Nov. 1790), daß die Geistlichkeit den Bürgereid leisten sollte. Je mächtiger und gewaltsamer alle diese Be⸗ schlüsse das innere Staatsleben Frankreichs umbil— deten; desto größer ward die Unzufriedenheit der be⸗ vorrechteten Stände und die Zahl der Emigränten aus denselben, zu welchen selbst die Brüder des Königs gehörten. Unter dem Schutze des Chur— fürsten von Trier und seines Ministers Duminique bildete sich zu Coblenz*) ein sogenanntes aus⸗ wärtiges Frankreich, nächdem daselbst, von Turin aus, der Graf von Artois, und später auch sein älterer Bruder, der Graf von Provence (1791) angekommen war. Zu Coblenz, zu Worms, wo der Prinz Condé sich aufhielt, und zu Ettenheim, wo der Kardinal Rohan sich befand, ward die Be— waffnung der Emigranten betrieben; auch wurden die Höfe des Auslandes beschickt. Die Flucht des Kön nigs selbst aber(21. Jun. 1791) verunglückte. Er ward als Gefangener, auf Befehl der Nationalver⸗ sammlung, nach Paris gebracht. Doch bewirkte, ungeachtet der bereits in der Nationalversammlung deutlich sich ankündigenden politischen Partheien, der Einfluß mehrerer geachteten Mitglieder derselben(15. Jul. 1791) den Beschluß der Unverletzbarkeit ) Geheime Geschichte von Coblenz während der franz. Revolution. Frankf. und Lpz. 1795. 8. ö * des HI det W s ι treter Y diesr N nige— VV 30.Cl in die A Wake V csundin H%n e 97 Gchen d samm r wichtheu nuch N „0—⁷⁰ Isarsun tenod ditus: jus igl 010 44 Il 00 0l Vsienzn Iud hit le, shus ts, I ⸗ N beuen Kl. Ran Issih * V V. V Ah. Kista scke ditse Zr ihs Mi Klt der he migranta uder de des Chu Duminix Aes 911 Ilbst, y Ind soän kovenee Wepe, uheih, dle B Irden di des Hy t, 6 tionabe⸗ hebittt, sanmlune n, A an l. Hackeit fluny Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 311 des Königs, und Ludwig beschwor(14. Sept.) in der Nationalversammlung die neue Verfassung*) als Grundvertrag, welche die gesammten(747) Ver⸗ treter des Volkes in Einer Kammer vereinigte, und dieser die gesetzgebende Gewalt, so wie dem Kö⸗ nige die vollziehende Gewalt beilegte. Die erste Nationalversammlung lösete sich am 30. Sept 1791 auf, ohne daß ein Mitglied derselben in die neue(gesetzgebende) Versammlung eingetreten wäre, welche vom 1. Oct. 1791— 24. Sept. 1792 bestand, und zunächst die Bestimmung hatte, dieje⸗ nigen Gesetze zu entwerfen und einzuführen, durch welche die neue Verfassung ins Staatsleben über⸗ gehen sollte. Allein in dieser zweiten Nationalver⸗ sammlung wogte der Partheigeist und das Ueberge— wicht der Jakobiner mächtig auf, und sie war es, die, nach der Verbindung Preußens mit Oestreich(Febr. 1792), es bewirkte, daß Ludwig 16 dem Könige von Ungarn und Böhmen den Krieg erklärte. (G. Gebhard,) recueil des principaux trai- tés conclus entre la république française et les differents puissances de l'Furope dépuis 1792 jusqu'a la paix générale. 4 Tom.— T. et 2. Goetting. 1796. 8. T. 3 et 4. Hamb. 16803. 6 Centhält viele wichtige Staatsschriften aus dieser Zeit.) Ant. Fr. Bertrand de Molleville, histoire de la révolution de France. 10 Voll.(Die vier letzten von Michaud.) Paris, 1600 sꝗꝗ- 8.(ist die vollständige Ausgabe des zuerst in englischer Sprache zu London erschienenen Werkes.)— Mé- *) Sie steht in den Constitutionen der europ⸗ Staaten seit den letzten 25 Jahren, Th. 1, S. 58 ff. 312 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. moires particuliers, pour servir à l'histoire de ha. fin du règne de Louis XVI. 2 Voll. Paris, 1816, 8. Jean Louis Soule vie, mémoires historiques et politiques du règne de Louis XVI. dépuis son mariage jusqu'a sa mort. 6 Voll. Paris, 1801. 8. Ant. Fantin Desodoards, histoire philoso- phique de la révolution de France. N. E. 9 Tem. Paris, 1801. 6.— Teutsch, Züllichau, 1797. 6. Fr. Eman. Toulongeon, histoire de France dépuis la révolution de 1789. 3 T.(in 4.)— 5 T.(in 8.). Teutsch, von Petri. 6 Theile. Münster, 1804 ff. 8.(geht bis zum Ende des Na— tionalconvents.) Sur l'administration de M. Néecker, par lui- méme. 1791. 6.— Teutsch, Hildburgh. 1792. g. MadamedesStael-Holstein, consideérations sur la révolution française. 3 Voll.A4Paris, 1816.— Aus dem Franz. mit einer Vorerinnerung von Aug. Wilh. Schlegel. 6 Theile. Heidelb. 1818. 8. J. Chstu. Bailleul, examen critique de Pouvrage posthume de Madame la Baronne de Stael. 2 Voll. Paris, 1616. 8.— Teutsch mit Anmerk. und Zufätzen von Fr. Ludw. Lindner— 2 Th. Stuttg. 1819. 8. Mounier, Entwickelung der Ursachen, welche Frankreich gehindert haben, zur Freiheit zu gelan— gen. Mit Anmerk. und Zusätzen von Gentz. 2 Th. Berl. 1795. 8. Abbé Papon, vollständige Geschichte der franz. Revolution von ihrem Ausbruche im Jahre 1789 bis zum zweiten Pariser Frieden 1816. Aus dem Franz. 4 Thle.(jeder in 2 Abth.) Pesth, 1820. g. N** * Chstph. Girtanner, historische Nachrichten und politische Betrachtungen über die franz. Revolution. 16 Theile.(Th. 15 und 16 sind von Fr. Buch— holz.) Berl. 1791 ff. g. 772 Aug. Wilh. Rehberg, Untersuchungen über die franz. Revolution, nebst kritischen Nachrichten von * * — — — — 27 1 — 3 wirkttgin derlazt selbst 3* lase and. iheras boude lumeshy usptaz Liston 1 1 rlis 5. ire de Pnnt⸗ — 11. 5 M be dis N. t, pat lui V. 92. Isideration ru, igih- von 107 9* CrIιιùοσαe inni 4 utsch mit Andrne , Welch zu Reaa tz. 29 dir senß Jihte W Iui I Ictel 110 Hhl Vlttoh el HAIEAt . 5 c⸗ lbet di Hien v .ñ—FIFFFF FF II Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 313 den merkwürdigsten Schriften, welche darüber in Frankreich erschienen sind. 2 Th. Hannover, 1793. 8. Chstn. Ulr. Detlev v. Eggers, Denkwürdig⸗ keiten der französ. Revolution. 6 Theile. Kopenh, 1794 ff. 8. Edmund Burk e. reflexions on the tion in France. Lond. 1790. 8.— Teutsch von Gentz: Betrachtungen über die französische Revolution nach Burke. 2 Th. N. A. Berl. 1794. 8. Mallet du Pan, Betrachtungen über die Natur der französ. Revolution. Teutsch von Schatz. Lpz. 1794. 8. Thomas Payne, kurzer Abriß der Entstehung der franz. Revolution. Lpz. 1791. 8. (Fichte,) Beitrag zur Berichtigung der Urtheile des Publicums über die franz. Revolution. s. I. 2te Aufl. 1795. 8. Fr. Gentz, von dem politischen Zustande von Europa vor und nach der französ. Revolution. 2 Hefte. Berl. 1801. 8. Jul. Schültz, chronologische Darstellung der franz. Revolutionsgeschichte. te Auft. Jena, 1807. 8.— Entwurf einer Darstellung der Geschichte der franz. Revolution und der Entwickelung der gegenwärtigen Zeit aus ihren Folgen. Halle, 1820. 8. revolu- 95. 2) Die gleichzeitigen europäischen Zwiste. Die mächtige Volksbewegung in Frankreich wirkte bald, nach ihrem Ausbruche, auf die Nie— derlande, auf Belgien, auf Lüttich(§. 79.), selbst auf das kleine Genf(„ein Orcan in einem Glase Wasser“), und auf Polen. Das Aus⸗ land ward durch die Neuheit dieser Erscheinungen überrascht und befremdet; doch meinten Einzelne, besonders die Emigranten, der ausgebrochene Sturm könne so schnell, wie die Gährung in den Niederlan— 314 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. den durch das eingerückte preußische Heer(4787) gedämpft werden. Allein die europäischen Mächte waren in dieser Zeit selbst in gegenseitiger Spannung. Denn während Oestreich und Rußland die Pforte bekriegten, waren Preußen, Großbritannien und Niederland(1788) zu einem Bündnisse zusammenge⸗ treten. Preußen garantirte die Besitzungen der Pforte, und Gustav 3 von Schweden kämpfte gleichzeitig gegen Katharina 2, versohnte sich aber(1790) mit ihr im Frieden zu Werela. Joseph 2starb(20. Febr. 1790), bevor der Türkenkrieg beendigt und der Auf— stand in Belgien unterdrückt war. Noch während dieses Türkenkrieges dachten die Polen an eine Um— bildung ihrer Verfassung und des gesammten innern Staatslebens. Sie bedurften dabei eines auswärti— gen Bündnisses, und näherten sich Preußen, das, wegen der genauen Verbindung zwischen Oestreich und Rußland, bei der Selbstständigkeit Polens wesentlich interessirt war. Nach längen Unterhändlungen mit dem Könige und den Ständen Polens unterzeichnete (29. März 1790) Lucchesini einen Freundschafts-— und Bundesvertrag zwischen Preußen und Polen*), in welchem Friedrich Wilhelm 2 die Integrität Polens nach dem damaligen Besitzstande, und die neue Verfassung**) gewährleistete, welche am 3. Mai 1791 mit einem constitutionellen Erbkönige an der Spitze, mit der Bestimmung der Nachfolge des chursächsischen Hauses auf dem Throne, ) Herrzberg, T. 3. p. 1 8dg. Martens,. 6. p. 471.— Die Verhandlungen zwischen Preußen und Polen darüber im Jahre 1788 beim Herta- berg, T. 2. Pp. 476. n) Die europ. Constitutionen, Th. 2, S. 16ff. 45 —2. nit ded einer ö ruckschis, gemale V. und MNM auf V Seht. U. schß der Eah riege bie uS en 9 esdu Wufft 45 Conss Cuglahe C estretu fiedenken rige 1dig Rü genhh, augefty die Xhii ausgeschy + Umi bag Griss Aigr —. asre r WN ihn Lin E I unnin u Inn au de din, ihutzun Nmiihd 7 (N d det V 4h wähnt an ane V nten innt 5 audhhn tußen, W, Oesteih u Hosentt Huungn mi Haaczicn Hoschiftz UFe elm 2 N eschsurt vahrlestt üuthnh anmug r in Nh eus, hen Hertt „E. jf Zweiter Zeitraum von 4789— 1823. 315 mit der Vernichtung des liberum Veto, mit allge— meiner Religionsfreiheit, und mit zeitgemäßer Be— rücksichtigung des Bürger- und Bauernstandes bekannt gemacht ward. Kurz vor diesem Bündnisse zwischen Preußen und Polen folgte Leopold 2 seinem Bruder Joseph 2 auf den Thronen von Oestreich, und bald auch(30. Sept. 1790) von Teutschland. Bereits vorher rüstete sich Preußen, mit Großbritannien und Holland wegen der Erhaltung der Pforte einverstanden, zu einem Kriege gegen Oestreich, weshalb schon Joseph ein Heer in Böhmen zusammenzog, und England zu einem Kriege gegen Rußland. Allein Leopold war persönlich friedliebend; er fand Belgien noch im Aufstande und die Ungarn mißvergnügt. So kam es(26. Jun. 1790) zu den Unterhandlungen auf dem Congresse zu Reichenbach zwischen Preußen, England und Holland mit Oestreich, worauf(27. Jul.) die Convention?) daselbst zwischen Preußen und Oestreich unterzeichnet ward, in welcher Oestreich den Frieden mit der Pforte auf den Besitzstand vor dem Kriege abzuschließen versprach, wogegen Preußen und die Seemächte Oestreich in Belgien zu unterstützen zusicherten. Leopold stellte darauf die Ruhe in Bel⸗ gien her, theils durch ein vom Feldmarschalle Bender angeführtes Heer von 40,000 Mann, theils durch die Bestätigung der ältern Vorrechte und durch die ausgesprochene Amnestie(10. Dec.), so wie er auch den Ungarn(15. Nov.) das beschwor, was Maria *) Martens, T. 4. p. 500 sqd. Die Beitrittsacte Großbritanniens und Hollands. S. 507.— Die Verhandlungen zu Reichenbach bei Hertaberg, T. 5. P. 61 sꝗq. 316 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Theresia beschworen hatte. Mit der Pforte ließ er den Friedenscongreß zu Szistowa(30. Dec. 1790) eroffnen, worauf er, in dem daselbst unterzeichneten Frieden*)(4. Aug. 1791), der Pforte alle ge— machte Eroberungen mit Belgrad zurückgab, und in einem Nebenartikel blos den Flecken und Bezirk Alt— Orsowa bis an die Czerna, und einen Theil des Di— striets Unna von der Pforte erhielt, weil diese nur aus Irrthum von der Pforte nach dem Belgrader Frie⸗ den(1739) besetzt worden wären.— Katharina 2 beleidigt durch die Unterhaéndlungen zu Reichenbach, schloß den Frieden mit Schweden(§. 80), lehnte aber für ihren Frieden mit der Pforte die von Großbri— tannien und Preußen angebotene Vermittelung ab, und ließ die Präliminarien mit der Pforte am 11. Aug. 1791, den Frieden selbst zu Jassy)(9. Jan. 1702²⁵ unterzeichnen, in welchem Rußland Oczakow und das Land zwischen dem Dnepr und Dniester behielt, dagegen die übrigen Eroberungen zurückgab. 7 96. 3) Stellung der europäischen Mächte gegen Fräͤnkreich. Die erste öffentliche Spannung zwischen Frank— reich und Teutschland betraf die Beeinträchtigung der teutschen Reichsstände im Elsasse durch die neue Ordnung der Dinge in Frankreich, mit welcher die Bestimmungen des westphälischen Friedens un— vereinbar waren. Ludwig 16 und die Nationalver⸗ *Martens, T. 5. p. 16. *) ibid. p. 67. ——————c— + A . Verlus in Matl Runth Leopab + he b2 W hielt, V 7 Veh l H die buropa/ V daleftel kopoti Iad 1 die u Rügn fulgendE Deiln x ( NM an die xyu schaflch lage api Iherhaus slgte NAA IIg Higastn⸗ — asiery Mort i, ltereh R V te aler r N II clgrada gů Nutharm! Neichent UW „ehnte al on Großh fttelung Irte am f. Issy0 am Mupn Daepr unn Er Hheeungel VII let— uloh. 2 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 317 sammlung hatten den betheiligten Ständen für den Verlust dieser Rechte Entschädigung im Gelde oder in Nationalgütern versprochen, die Stände aber dies zurückgewiesen, und die Verwendung des Kaisers Leopold 2 deshalb nachgesucht, welcher in Paris das— selbe Versprechen der Schadloshaltung derselben er— hielt, statt daß sie die Wiederherstellung der vorigen Verhal tnisse verlangten“*).— Gleichzeitig regten die Emigranten, besonders von Coblenz aus, die europäischen Mächte zum Kampfe gegen das neue politische System in Frankreich auf, und während Leopold 2in Italien war, wo er seinem Sohne Fer⸗ dinand die Regierung Toskana's übertrug, veranlaßten die mißlungene Flucht Ludwigs 16 und die darauf folgenden„r der Nationalversammlung die Theilnahme aller Höfe. Leopold unterzeichnete daher (6. Jul. 1791) zu Padua ein Circularschreiben an die europäischen Höfe, worin er sie zu gemein— schäftlichen Maasregeln in Hinsicht der persönlichen Lage Ludwigs 16 und der Angelegenheiten Frankreichs überhaupt veranlaßte. Diesem öffentlichen Schritte folgte zu Wien(25. Jul.) ein Präliminarver— trag**) zwischen Oestreich und Preußen über diese Gegenstände, und im August die Zusammenkunft *) Die Beschwerden der teutschen Reichsstände deshalb beim Reichstage stehen in Reuß teutscher Staats— kanzlei, Th. 34 ff. Die Deerete aber, wodurch Frankreich Anfangs Entschädigung versprach, vom 28. Oct. 1790 und vom 19. Jun. 1791, so wie das spätere Widerrufungsdecret vom 16. Dec. 1792, beim Martens, T. 6. p. 392 sꝗq. ν) Martens, T. 5. p. 5. Die dazu gehörenden ge— heimen Artikel in Martens Supplem. IJ. 2. P. 171. 318 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. des Kaisers mit dem Könige von Preußen zu Pill— nitz, wo sich auch der Graf Artois, Calonne und andere Emigranten einfanden. In einer daselbst von Oestreich und Preußen(27. Aug.) erlassenen Er klä⸗ rung(mit 6 Separatartikeln)*) wurden theils alle seit dem Congresse zu Reichenbach noch zwischen bei— den Mächten nicht gehobene Mißverständnisse völlig beseitigt, theils in Hinsicht Frankreichs solche Maas⸗ regeln verabredet, die den König von Frankreich in den Stand setzen könnten,„mit völliger Freiheit die Grundlagen einer monarchischen Regierung zu befesti— gen, welche den Rechten des Souverains und dem Wohle der Nation gleich angemessen wären. Für diesen Zweck wären der Kaiser und der König ent— schlossen, mit der nöthigen Macht zu handeln. Sie hätten daher ihren Truppen Befehle gegeben, bereit zu seyn, sich in Thätigkeit zu setzen.“ Diese Erklä— rung ward dem Grafen Artois zugestellt; die gehei— men Artikel hingegen, welche der Pillnitzer Er— klärung beigefͤgt gewesen seyn sollen, haben Oestreich und Preußen nie zugestanden. 97⁷. 5 5 r h uen g. Bevor die Beantwortung des kaiserlichen Cir⸗ cularschreibens von den meisten europäischen Mächten zu Wien eintraf, schien Ludwigs 16 freiwilliger Eid auf die neue Verfassung in der Mitte der National— versammlung(16. Sept. 1791), und seine Mitthei— lung deshalb an alle europäische Mächte die Ver— hältnisse des Auslandes zu Frankreich wesentlich zu —— Martens, T. 5. p. 55. ———.———.— emm 0 Wande ö consti; fatt. He in zw schen + schten do dulngerh! e Vell den lah; lichs N dahe3 Heten.— Aodil fanntehe Gustaß! Zustag daß erM Hlte, G Rankraet Ussichengl 00 Russterg/ un Oyd/ dchen, y dem Ph I dieß versannnn argte Rgzisß xů HsimmiMN uu fyn V Rug ashien den zu xs WI UAlom *VNIII daselody sen Extlz VI Han a hen IRLAI mrst u ö; olh Ro 89 h Hettt ½ Hlichn U + Michth Mahu ½ N nlgget e %½ Mitondl Mhl 7. V. + V⸗ IIFFF IITTFFFFFITTFF SSSITTTTF Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 319 verändern; denn Ludwig 16 hatte dadurch für den constitutionellen König Frankreichs sich er— klärt. Deshalb erließ auch Leopold 2(12. Nov. 1791 ein zweites Circularschreiben an die europäi— schen Mächte, in welchem er erklärte,„daß die Ge— fahren, welche Ludwig 16 bedroht hätten, nicht mehr dringend wären, wenn sich gleich, bei der Neuheit der Verhältnisse, nicht im Voraus bestimmt entschei— den lasse, ob die Lage des Königs und des König— reiches für die Zukunft ein Gegenstand der gemein— samen Sache für die andern Mächte werde. Man möge daher bis zu dieser Entscheidung noch zusammen⸗— halten.“— Allein die andern Mächte waren mit Leopolds Ansicht nicht einverstanden, und viele er— kannten die neue Verfassung Frankreichs nicht an. Gustav 3 erklärte, er beträchte Lidwig 16 als im Zustande der Gefängenschaft; Karl 4 von Spanien, daß er den König von Frankreich nicht für völlig frei halte, und Katharina 2 verbot dem Geschäftsträger Frankreichs, am Hofe zu erscheinen, während der russische Minister, Graf Romanzow,(19. Sept. 1791) mit den Brüdern udwigs 16 im Namen der Kaiserin, so wie der Chevalier d'Onis für den König von Spanien zu Coblenz als Diplomaten unterhan— delten, und 60,000 bewaffnete Emigranten zwischen dem Rheine und der Grenze Frankreichs standen. In dieser Zeit(1. Oet.) trat die zweite National— versammlung in Paris zusammen. Frankreich ver— langte(1. Nov.) von dem Kaiser Leopold, gegen die französischen Ausgewanderten auf teutschem Boden bestimmte Maasregeln zu ergreifen; eben so erklärte sich der französische Gesandte zu Trier(18. Nov.)), *) Reuß, Staatskanzlei, Th. 55. S. 79 ff. 320 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. worauf aber der Churfürst nicht ohne Bitterkeit ant⸗ wortete, dem der Kaiser in einer Note(vom 21. Dec.) Unterstützung von Belgien aus zusicherte. Nach die⸗ sen, die gegenseitige Spannung steigernden, Unter⸗ handlungen veranlaßte endlich die Nationalversamm⸗ lung in einem Decrete(25. Jan. 1792) den König, von dem Kaiser eine entscheidende Antwort und vollige Genugthuung über die streitigen Puncte bis zum 1. März zu verlangen. Ludwig 16 verweigerte diesem Decrete die Bestätigung. Dagegen traten(7. Febr. 1792) Oestreich und Preußen zu Berlin zu einem Bündnisse) zusammen, in welchem sie gegenseitig den gegenwärtigen Besitzstand ihrer Staa— ten sich garantirten, und zur Unterstützung, auf den Fall eines Angriffes, sich verpflichteten, wobei sie die Verfassung Teutschlands nach ihrer Integrität aufrecht erhalten, und Rußland, Großbritannien, Holland und Chursachsen zum Beitritte zu ihrer Ver— bindung einladen wollten. Sogleich darauf(17. Febr.) erließ der Fürst Kaunitz eine Note an den kaiserlichen Gesandten in Paris, und(28. Febr.) der preußische Gesandte zu Paris eine Note an den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, während gleichzeitig (15 Febr.) Ludwig 16 dem Kaiser in einem Schreiben den im Elsasse betheiligten Reichsständen eine be⸗ stimmte Entschädigung und bis dahin die Beibehal— tung aller Einkünfte versprach, die sie seit dem 4. Aug. 1789 verloren hätten. Allein Leopold 2starb(1. März 1792) vor der Ankunft dieses Schreibens. Ihm folgte sein Sohn Franz? in Oestreich, und durch die Wahl *„Martens, T. 5. p. 77.(teutsch), besser(französisch) Supplem. T. 2. p. 172. 6.J Jil ruch di der fraff⸗ wige 0 (5•M Konig Flaruncll⸗ ReuerneR ten, bah uiegecl Iile i0H . ME Kritgs Bähnth simmllz Erobeibz Vashalt + VI N Franzou Lacknah chen zigß and ds — unspsazn, Bitt 1 dom Z „Mih⸗ uden, Uie anabhersam 2 hei N i bokt und Cte 631 I deigerte MIl ean Vprßst Msser glichyet uScreit eine l 1 Bbcl den 4 seit 1. 709 0 H + 1* (snit Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 321 (5. Jul. 1792) auch als teutscher Kaiser. Sogleich nach diesem Regierungswechsel übergab(14. März) der französische Gesandte in Wien ein Schreiben Lud⸗ vigs 16 nach gemäßigten Grundsätzen, worauf aber (18. März) der Furst Kaunitz antwortete, daß der König von Ungarn und Böhmen bei der letzten Er⸗ klärung seines Vaters beharre. Dumouriez, der neuernannte Minister 8 r auswärtigen Angel egenhei⸗ ten, betrachtete die Note des unn Kaunitz als eine Kriegserklarung, und behauptete, Oestreich habe durch seine bisherigen Schritte das Bünd niß vom Jahre 1756 gebrochen. Ludwig 16 sah sich daher genöthigt, (20. Apr. 1792) in der Nationalversammlung den Krieg gegen den König von Ungarn und Böhmen auszusprechen, wobei die Nationalver⸗ sammlung in einem Decrete erklärte, daß sie keinen Eroberungskrieg beabsichtigte, sondern blos einen Vertheidigungskrieg zur Behauptung ihrer Freiheit und Unabhängigkeit führe. 98. 4) Der Revolutionskampf von 1792•— 1 795. Der Kampf begann mit einem Angriffe der Franzosen unter Rochambeau, Lafayette und Luckner auf Belgien, wo sie aber von den Oestrei— chern zurückgewiesen wurden, und der erwartete Auf⸗ stand der Belgier nicht erfolgte. Preußen erließ (26. Jun.) eine Erklärung*) über seine Theilnahme am Kriege, und der Herzog von Bräunschweig führte (Jul.) 30,000 Preußen, mit welchen sich Oestreicher, 5 *) Reuß, Staatskanzlei, Th. 36. S. 937. III. 21 322 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Hessen und Emigranten verbunden hatten, gegen den Rhein, und unterzeichnete das in starken Ausdrücken (von dem Emigranten Dülimon) entworfene und von den verbündeten Fürsten genehmigte Manifestx) (25. Jul.). Darauf folgten in Paris die Schreckens— scenen des 10. Augusts, an welchem Tage die Schwei⸗ zergarde dem Pöbel der Pariser Vorstädte und den Föderirten von Marseille und Brest erlag, so wie der, mit seiner Familie in den Saal der Nationalversamm⸗ lung geflüchtete, König in seiner Würde suspen— dirt, und mit seiner Familie in den Tempelthurm als Gefangener gebracht ward. Lafayette, durch diesen Schritt empört, verließ das Heer, und ward als Gefangener von den Verbündeten(bis 1797) be— handelt. An seine Stelle trat Dumouriez, nach⸗ dem(19. Aug.) die Preußen die Grenze Lothringens überschritten, und gegen die Engpässe der Champagne sich gewendet hatten. Schnell fielen die Festungen Longwy(23. Aug.) und Verdun(1. Sept.); nur Thionville hielt sich gegen die Oestreicher. Du— mouriez ward(15. Sept.) bei Grandpr aus seiner Stellung von den Teutschen verdrängt; allein Keller⸗ mann hinderte(20. Sept.) bei Valmy das weitere Vordringen der Preußen, die, geschwächt durch Krank— heiten, ungünstige Witterung und Mangel, sich zu— rückogen, worauf Longwy und Verdun wieder von den Franzosen besetzt wurden. Gleichzeitig(21. Sept.) trat der Nationalconvent in Paris an die Stelle der zweiten Nationalversammlung. Er leitete, unter ab⸗ wechselndem Partheiengewühle, den Staat bis zum 27. Oct. 1795, und erklärte sogleich am Tage sei⸗ nes Zusammentritts Frankreich als Republik und polit. Journal, 1792, Aug. S. g70. —39.9.—.9.—. ˖.'—ß75.—.....——..—..—. 3 he Auf sem Tag rechnun am 5. + zischn! Bundnis Savoy, (St)/ ue Oul sundte sct it Beut Franppsd Rs abeh Vormd 22. Hl bee unt Hankfurtg D datchz 703), E f dul I Nec mit der g dst am Adoigs tonalamt s, lunspint h, henry in Mudth Rworfen Munifti Ehrethn uNEbn stadt uun l a,snx, Ionabesn de suspn Zempelthn sette, de „ ud u/ 1 17077 utiez, u Uhrine mar d Ssumgu „iut Hihn. Di sin Hlan Kilt das Weith urh Kun gel, shy RWikdet u. 40345 an ie E 6 innn it bis Re ublit in Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 323 die Aufhebung der Königswürde. Mit die⸗ sem Tage nahm die Republik sogar eine neue Zeit— rechnung an; doch ward der neue Kalender erst am 5. Oct. 1793 eingeführt. Schon vor diesen Ereignissen besetzte, nach dem zwischen Oestreich und Sardinien abgeschlossenen Bündnisse(25. Jul.), der General Montesquiou Savoyen, und der General Anselme Nizza (Sept.). Beide Länder erklärte der Convent für zwei neue Departemente der Republik. Gegen Belgien wandte sich Dumouriez, und besiegte, in Verbindung mit Beurnonville und Valence,(6. Nov.) bei Ge— mappe den Herzog von Sachsen-Teschen und Clair⸗ fait. Den größten Theil von Belgien, selbst Lüt— tich(27. Nov.) und Aachen(8. Dec.) besetzten die Franzosen. Dagegen wurden die Folgen von Custi— ne's abenteuerlichem Zuge, auf welchem er Speyer, Worms, Mainz(21. Oet.) und Frankfurt am Main (22. Oct.) genommen, den Zug an den Niederrhein aber unterlassen hatte, durch die Wiedereroberung Frankfurts(2. Dec.) von den Preußen und Hessen, und durch die Capitulation von Mainz(22. Jul. 1793), welche Kalkreuth bewirkte, ausgeglichen. Auf den Antrag des Kaisers beschloß(23. Nov. 1792) der Reichstag den Reichskrieg gegen Frankreich mit der Stellung des Dreifachen, erklärte ihn aber erst am 22. März 1793, nachdem bereits das Haupt Ludwigs 16, nach einem vor den Schranken des Na— tionalconvents mit zügelloser Willkühr geführten Pro— cesse),(21. Jan. 1793) unter der Guillotine gefal⸗ *) Ernst Ludwig Posselt, Proceß gegen den letzten König von Frankreich Ludwig 16 und dessen Ge— mahlin. ir Theil. Nürnb. 1802. 8.— de Seze, 21 324 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. len war. Diese Hinrichtung wirkte durch ganz Europa Erstaunen und Erbitterung. Die französischen Gesand⸗ ten wurden aus Madrid und London gewiesen. Da⸗ gegen erklärte der Nationalconvent(1. Febr.) an Großbritannien, und ale g an den Erbstatt⸗ halter der Niederlande, als brittischen Bundesge⸗ nossen, so wie(7. Marz) an Spanien den Krieg. Seit dieser Zeit ward Großbritannien der Mittelpunct der Verbindung gegen Frankreich, theils durch eigne Theilnahme an dem Kampfe, theils durch ansehnliche Hülfsgelder an viele europäische und teutsche Fürsten. So schloß Großbritannien Verträge mit Rußland (25. März), mit Sardinien(25. Apr.), mit Spanien(18. Mai), mit Neapel(12. Jul.), Preußen(14. Jul.), Oestreich(30. Aug.), Por⸗ stugal(26. Sept.), und besondere Subsidienver⸗ träge mit Hannover(6. März), Hessen⸗Kassel (10. Apr.), Baden(21. Sept.), Darmstadt (3. Oct.) und mit Braunschweig(S. Nov. 1794). Selbst der Papst und Toskana traten gegen Frank— reich auf; nur Schweden, Dänemark, die Schweiz, die Pforte und Nor damerita⸗ blie⸗ ben neutral. Der augenblickliche Erfolg, mit welchem Du⸗ mouriez den Feldzug im Jahre 1793 durch die Ein⸗ nahme von Breda(25. Febr.) und Gertruidenberg (A. Mäͤrz) eröffnete, ward vereitelt, als der Prinz von Coburg, der Herzog von Braunschweig und der Feld— marschall Freitag gegen die Mässen der Franzosen vordrangen, die Oestreicher(2. März) Aachen nahmen, Mastricht(3. März) entsetzten, bei Tongern(4. März) Vertheidigung Ludwigs 16. Aus dem Franz. Epz. 1795. 8. ö .... f. 60 1* wei bei L auf V0 aim d0 pege li Verb llig Dumdn absoy dem Isn egen 12 Mun n M W au iy siͤgten Festu yn 5½f bundd n de Eon Hrd Rab Kia Ichog Iten fahrge Bad M (61. 0 die ge 1 — 00. denyr 04 V jun lushsng duntem 4591 widt 11 . Vb: e. ehstit lrch anstcht lusch Fir̃ ui Außlu' 5. M.), 41 „ 10 Cuh soint ss E 1110 0 01 RaM vun Hmatk,“ netike vashem uu dieEi ertuldente dir a 11 Imi ehahmd, 6 W 10 Itunz.& Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 325 siegten, Luttich(5. März) besetzten, und Coburg in zwei Schlachten bei Neerwinden(18. März) und bei Löwen(22. März) den Dumouriez besiegte, wor— auf Belgien, das der Convent bereits der Republik⸗ einverleibt hatte, wieder erobert ward. Verdächtig wegen seiner Niederlagen und wegen seiner geheimen, Verbindung mit dem Herzoge von Orleéans, sollte Dumouriez durch Conventsdeputirte verhaftet werden; er aber nahm diese Deputirten gefangen und sandte sie dem Prinzen von Coburg. Allein wie er sein Heer gegen Paris führen wollte, blieben ihm kaum 1500 Mann, mit welchen er zu den Oestreichern flüchtete. In diesem Augenblicke bot Frankreich, äber vergebens, an Oestreich den vorigen Besitzstand an*). Coburg siegte darauf bei Famars 5. Mai), und nahm die Festungen Condé(10. Jul.) und Valeneiennes (28. Jul.). Die Preußen, und die mit ihnen ver⸗ bündeten Oestreicher und Teutschen, drangen, nach der Einnahme von Mainz(Jul.), gegen den Elsaß vor; die Spänier überschritten die Pyrenäen; Toulon ergab sich den Britten; die Vendée wogte im Bür⸗ gerkriege) auf. Im Convente selbst standen zwei Factionen einander gegen über; ein Theil der Depu— tirten bemächtigte sich, unter dem Namen des Wohl— fahrtsausschusses,(6. Apr.) der Regierung. Bald aber siegte, nach einem dreitäghigen B lutbade (31. Mai— 2. Jun.), die Parthei des Berges uber die gemäßigte, und Robespierre leitete das Ganze *)(v. Haller,) geheime Geschichte der Rastadter Frie— densunterhandlungen(s I 1799.½ 8 Th. 1, S. 40 f: de BourniseauRn, bistoire des guerres de la Vendée et des Chouans, depuis l'année 1792 jusqu'au 1615. 2 Tom. Paris, 1819. 326 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. mit der Macht eines Dictators bis zu seinem Sturze am 28. Jul. 1794. Eine zweite Verfassung), mit einem Vollziehungsrathe von 24 Mitgliedern, ward am 24. Jun. 1793 bekannt gemacht, bereits aber am 13. Aug. suspendirt, worauf der Wohlfahrts— ausschuß(16. Aug.) das französische Volk in Masse zum Kampfe aufrief, die Nationalgardeu mit den Linientruppen verschmolz, und 13 Heere gegen die andringenden Heere der Ausländer bildete. So ward Frankreich ein Feldlager, während in seinem Innern das Schreckenssystem wüthete. Die ganze bis dahin gewöhnliche Art, Krieg zu führen, veränderte sich*), und erst später lernte das Ausland sich in der neuen Strategie verstehen. Carnot ν, Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, leitete die Bewegungen der aufgebotenen Massen; Marseille und won, wo die Gegner des Wohlfahrtsausschusses sich behaupteten, wurden überwältigt; Toulon entriß Dugommier den Britten. Die Caoalisirten selbst trennten sich nach den erlittenen Verlusten. So verließen die Hanno⸗ veraner Flandern, nachdem Houchard bei Honts— cooten(S. Sept.) sie unter Freitag geschlagen hatte, um Dünkirchen zu erobern, und Jourdan besiegte den Prinzen von Coburg(15. und 16. Oet.) bei Wattigny. Zwar siegte der Herzog von Braun— schweig noch bei Pirmasens(14. Sept.) über Mo⸗ reau, und Wurmser erstürmte(13. Oct.) die Weis⸗ *) Sie steht in den Constitutionen der europ. Staaten, Th. 1, S. 114 fl. **) Bemerkungen über die französische Armee der neue— sten Zeit, oder der Epoche von 1792— 1807. Königsb. 1808. g. ö *rt) stirbt 1823 zu Magdeburg. . Vabihnn Herdoloe Mlefnn der Mr im und Hl 1704, 0 Rens sh duf dions h¹ Haus and au Derdg Wochrg den Aun die Rhh (0 krieg; brachtt —. — 4 Hushset.—.— ö Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 327 sinen y— ö Ih senburger Kinien; allein die neuen, nach dem 1 Elsasse gesandten, Feldherren, P ichegru und Ho che, — drückten, nach den Gefechten bei Bitsch und Bis⸗ Kidt. hont 1110 ü. 0 rm.mi Hatfersia von e un alkreuth na aiserslautern zurück, wo Ms die Preußen einen dreitägigen Angriff der Franzosen *(28.— 30. Nov.) auf ihr festes Lager zurückwiesen, 20 wn bis Pichegru(22. Dec.) die öͤstreichischen Linien bei * Freschweiler überwältigte, und dadurch den Rück⸗ saamm Jur zug der Oestreicher über den Rhein, und der Preußen u lis v bis in die Gegend von Mainz bewirkte. Wat sh Nach diesen entscheidenden Tagen erkaltete die in de un Verbindung zwischen Oestreich und Preußen. Der NVuidv Herzog von Braunschweig nahm seine Entlassung; igung Mollendorf erhielt(34. Jan. 1794) den Oberbefehl Hen, uv der Preußen. Zwar erneuerte Preußen(19. Apr.) bahupt im Haag den Subsidienvertrag mit Großbritannien dumr d und Holland; allein sein Antheil am Kampfe im Jahre uln sch uu 1794, der hauptsächlich der Wiedereroberung Bel— o Hun giens nach Macks Pläne 2 galt/ beschränkte sich 621 Hontz auf die Eroberung der französischen Verschanzungen Hhhen h bei Kaiserslautern(23. Mai) durch Mollendorf, dan bish und auf einzelne Gefechte, worauf die nachtheilige 6. D0) Wendung des Feldzuges in Belgien die Oestreicher, Reichstruppen und Preußen(Oct.) zum Rückzuge über den Rhein nöthigte, und die Franzosen(24. Dec.) die Rheinschanze bei Mannheim nahmen. ven 00) IbN Vii HMalt . V. X„ 8* 1 Im Innern Frankreichs wüthete der Bürger⸗ krieg; in Paris der wilde Kampf der Factionen. So 9H Ulttt brachte(5. Apr.) Robespierre seinen Gegner Danton d euh ö H*) Nähere Beleuchtung des dem ꝛc. v. Mack zugeschrie⸗ benen Operationsplanes für den Feldzug 1794 des östreich ⸗französischen Krieges. 5 Th. Berl. 1796. 8. 328 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. unter die Guillotine, unter welcher der lang Gefurch— tete selbst drei Monate später mit seinen vertrautesten Anhängern(28. Jul.) verblutete, worauf allmählig gemäßigtere Grundsätze im Convente die Oberhand gewannen. Während dieser Zeit sollte Macks Plan in Belgien verwirklicht werden. Der Kaiser Franz erschien beim Heere, das der Prinz von Coburg (17. Apr.) bei Chateau Cambresis, und(26. Apr.) bei Landrecy zum Siege führte. Doch Pi⸗ chegru's Vordringen in Westflandern, im Rücken der Verbündeten, nöthigte die Oestreicher, gegen ihn sich zu wenden, worauf er sie bei Tournay(22. Mai) besiegte, so wie Jourdan, nachdem er Char⸗ leroi(23. Jun.) genommen hatte, bei Fleurus (26. Jun.) den Prinzen von Coburg schlug, und dar⸗ auf mit Pichegru sich vereinigte. Die Coalisirten trennten sich; Jourdan folgte den Oestreichern, in deren Oberbefehle Clairfait an Coburgs Stelle trat, Pichegru den Britten, Niederländern und Hannove— ranern. Belgien und das ganze linke Rheinufer, bis auf Luremburg, das erst am 6. Jun. 1795 capitu⸗ lirte, kam in die Hände der Franzosen. Von Belgien aus drang Pichegru im holländischen Flandern vor; es fielen Sluis(24. Aug.), Herzogenbusch(12. Oct.) und Nimwegen(S. Nov.). Dann füͤhrte er in Heer(27. Dec.) über die zugefrornen holländischen Flüsse, und besetzte(24. Jan. 1795) Am ster dam, nachdem der Erbstatthalter(17. Jan.) nach Eng— land sich geflüchtet hatte. Die niederländischen Pa⸗ trioten schlossen sich sogleich den Franzosen an; der Freistäat der Niederlande erhielt eine demokratische Staatsform; die Erbstatthalterwürde, der Adel und die bürgerliche Ungleichheit in Hinsicht der kirchlichen Bekenntnisse ward aufgehoben, so wie ein Bünd⸗ 50. stletes Welched iün hangi Halun Mil. und Vic digung Iffnete. E 05 m icbenss Rurch Gi NeNh reich l folgte M (. Woch gelcgen Wriedensn shen Z . Mah 4nsl . Nias Iushg He Cog den.— . J Hem Si alensyse 7 4 aang Wuh Adettrrran * fa Wuf dume * WN Ha Obergh W 1 INE Mi „M N, in M I. 19597 Acer, W Hurnah l Nom v. em ECHN * 6eiTeum bel Vieutl Clele la, . Dnmn chufet, d 7 ˙ cahh Vun Belgu andern vol baschsch ann fühttee 1 Holan dschn M nstet 0 E 4 Cl doschen Y I h Issche —00 und 0 Icheh à Vind 1 PFPPIIF———— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 329 niß)(16. Mai) zwischen Frankreich und der neuge⸗ stalteten batavischen Republik abgeschlossen, in welchem Frankreich die Selbstständigkeit und Unab⸗ hängigkeit Bataviens, und die? hunoedung der Statt⸗ halterwürde b den aal te, wogegen Batavien 100 Mill. Fl. zahlte, das hol länd ische Flandern, Mastricht und Venloo, gegen ndas Versprechen künftiger Entschä⸗ digung, an Frankreich abtrat, und die Schelde er— öffnete. Schon nach dem Sturze des Robespierre trug das teutsche Reich beim Kaiser auf Einleitung eines Friedens an; der Kaiser aber bewirkte(13. Oct. 1794 durch ein Reichsgutachten die Stel lung des Fünffachen des Reichsheeres. Den ersten Frieden mit Frank⸗ reich schloß(9. Febr. 1795 Toskan a), ihm folgte der Friedensschluß mit Preußen zu Baselnnn) (5. Apr.), in welchem Preußen seine jenseits des Rheins gelegenen Länder in französischen Händen ließ, und die Friedensvermittelung zwischen Frankreich und den teut⸗ schen Fürsten ubernahm. Auf diesen Frieden ward (17. Mai) zwischen beiden Mächten eine Demarca⸗ tionslinie ½) abgeschlossen, welche dem nörd— lichen Teutschlande Neutralität und den Schutz Preu— ßens zusicherte, sobald die nördlichen Reichsstände ihre Contingente von dem Reichsheere abrufen wür— den.— Dem Frieden mit Preußen folgte zu Basel (22. Jul.) der Friede mit Spanien s), in wel⸗ chem Spanien seinen Antheil an Domingo an Frank⸗ stä AI *) Martens, T. 6. p. 532. *R*) ibid. p. 455. *) ibid. p. 495. öbid. p. 503: +) ibid. p. 542 330 Geschichte des europäischen Staatensystems reich abtrat, und(28. Aug.) der Friede mit Hessen— Kassel*), welches, bis zum allgemeinen Frieden, Rheinfels, St. Goar, und den auf dem linken Rhein⸗ ufer gelegenen Theil der Grafschaft Katzenellnbogen in Frankreichs Händen ließ. Waren gleich Groß— britannien und Oestreich über den preußischen Sepa— ratfrieden empfindlich; so benutzte das erste doch die Demarcationslinie für Hannover, und der Kaiser empfahl(19. Mai) die Einleitung zum Reichsfrieden, der aber nicht zu Stande kam, weil Fränkreich auf der Abtretung des linken Rheinufers, Teutschland auf den Bedingungen des westphälischen Friedens beharrte. So glänzend für die Waffen der Republikaner der Landkrieg geführt ward; so nachtheilig war für sie der Seekrieg, besonders weil die Officiere der französischen Marine größtentheils aus Adlichen be— standen, die auswanderten, und der Nationalcon⸗ vent die Kolonieen völlig vernachlässigte. Schon im Jahre 1793 bemächtigten sich die Britten Tabago's (15. Apr. 1793), Pondichery's in Ostindien(23. Aug.), des Hafens von Toulon(29. Aug.), des französischen Antheils an Domingo(Sept.), und im Jahre 1794 der Inseln Lu ceie, Guadeloupe, Martinique und Korsika. Auf der Höhe von Ouessant besiegte(1. Jun. 1794) der Admiral Howe den Viceadmiral Villaret-Joye use; in der Nähe von Savona(14. März 1795) Hotham die Touloner Flotte unter Martin; und Bredfort (23. Jun.) die Brester Flotte bei l'Orient unter Villaret⸗Joyeuse. Bis in die Mitte des Jah⸗ res 1795 hatten die Franzosen 40 Knienschiffe und 37 Fregatten verloren. Eine russische 51—½ unter *) Martens, T. 6. p. 546• — — 7 8 00 Chaniko ng b. Batabil auch die lon, dit ment lch hitge del hlation! Mdmiras t rau deshl 10 Diey Sen Rütudes N af war eing licher 1 der in z be Pp ung 0 nd mitz 0 Han Ni sthn cf 2 Uenspsiazn nit Hh minen Na, Runken M. Kumlten gih Hn tußiide Ey 5 eest Ml und du ün Reichnar Frankrach: kulschlard: dens behar Rwublik⸗ lig wat fi Ofieitte N 5 Michyrl Moosleu 4. Sin maibgt's Oündien 06)/ Sehl ‚ M Hadelonn de Nn oyeust MHIthn Brodsen Nieht Inll. Nient De mit un ot u Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 331 Chanikow(Jul. 1795), gegen Frankreich bestimmt, ging blos in den Kanal. Nach der Verbindung Bataviens mit Frankreich eroberten aber die Britten auch die niederländischen Flotten und Kolonieen(Cey— lon, die Molucken, Demerary und Essequebo)); na— mentlich brachte der Admiral Elrhinstone das Vorge— birge der guten Hoffnung(16. Sept. 1795) zur Capi⸗ tulation, und nöthigte später(16. Aug. 1796) den Admiral Lucas, der dasselbe wieder erobern sollte, mit neun Schiffen sich zu ergeben. Ernst Ludw. Posselt, Krieg der Franken gegen die wider sie verbündeten Mächte. 2 Theile. Frkf. 1795. 8. J. G. Pahl, Geschichte des französischen Revo— lutionskrieges. 3 Theile. Stuttg. 1799. 8. Fr. Gentz, über den Ursprung und Charakter des Krieges gegen die franz. Revolution. Berlin, 1801. 6. 99. 5) Die zweite und dritte Theilung Polens. Seit dem Jahre 1764 hatte Polen unter dem drückenden Einflusse Rußlands(§. 74.) gestanden; die erste Theilung dieses Staates im Jahre 1772 war eine Folge davon. Noch war in der Seele patrio— tischer Polen dieser Vorgang nicht verschmerzt, als der im Jahre 1787 zwischen Rußland, Oestreich und der Pforte ausgebrochene Krieg die Polen zu der Hoff— nung belebte, ihrem Staate eine neue Verfassung, und mit derselben verjüngte Kraft und Selbstständig— keit zu geben. Bei der damaligen Stellung Preußens gegen Rußland und Oestreich ward(29. März 1790) zwischen Preußen und Polen(§. 95.)Nein Freund— schafts- und Bundesvertrag unterzeichnet, in welchem 332 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Preußen die Integrität Polens nach dem da⸗ mäligen Besitzstande und die Bedingungen der neuen Verfassung gewährleistete, welche(3. Mai 1791) vom Könige und der Nation feierlich angenommen ward. Der Churfürst von Sachsen lehnte aber die für ihn, in dieser Verfassung ausgesprochene, erb— liche Thronfolge ab, und, bald nach dem von Katharina 2 mit der Pforte abgeschlossenen Frieden zu Jassy, bildete sich in der Targowitzer Con⸗ föderation(14. Mai 1792), geleitet von Felir Potocki und Branicki, das System der Reaction gegen die neue Verfassung und gegen die Aufhebung der Anarchie in Polen. Während Katharina(48. Mai) gegen die Republik Polen den Krieg aussprach, erließ sie gleichzeitig an die Polen die Erklärung, daß ihre Truppen als Freunde kämen, um die„vorige Freiheit“ der Republik herzustellen. Der polnische Reichstag suchte Oestreichs Vermittelung, welche ab— gelehnt ward, und Preußens vertragsmäßige Hülfe, worauf aber(8. Jun. 1792) Preußen erwiederte, daß, seit dem abgeschlossenen Bandniste, die Lage der Dinge in Hinsicht der neuen Verfassung Polens und in Hin⸗ sicht der Gesinnungen der patriotischen Parthei in die⸗ sem Reiche sehr sich verändert habe. Noch erließ(30. Mai) der polnische Reichstag einen Aufruf an die Nation zur Vertheidigung des Vaterlandes und der neuen Verfassung, worauf er sich vertagte. Ein russi⸗ sches Heer von mehr als 100,000 Mann überschritt die Grenzen Polens, und kämpfte mit den schwächern Massen unter Joseph Poniatowski, Kosciusko und Wiethorski. Allein der Koöͤnig selbst erklärte sich(23. Jul.) für die Targowitzer Conföderation, und befahl den polnischen Heeren, die Feindseligkeleen einzustel⸗ len. Darauf verließen 3 Ignaz Potocki, Malachowski, Cwiehh die polk +03%00 Druste uussstt G. Wl 3 Wil uise m in e lichtunt W. M NR/ 3Mil gallne Ihoh! sprücl Iui x Junghi aargh NA f%1 . lcher h N agte, g 0 enhr sist Urrsphet, uch R Eain der nun NDIN Mil —. Wrnn Wa l Hunf u Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 333 Sapieha und viele andere den Boden Polens. Gegen die pol ischen Jakobiner führte Möllendorf(16. Jan. 1793) ein preußisches Heer nach Großpolen; die Preußen besetzte u(24. Febr.) Danzig. Dem von russischen Truppen einge Os senen Reichstage zu Grodno erklärten(10. Apr.) die Ge sandten Rußl ands und Preußens, daß beide Mächte, im Einverständ⸗ nisse mit Oestreich, beschlossen hatten, die Republik in engere Grenzen einzuschließen, wodurch es leichter seyn würde, in dem Reste von Polen eine weise Verfassung zu gründen 1 18 zu e. Der Reichs⸗ tag zu Grodno mußte im Vertrage vom 13. Jul.) an R ußland(auf 4553 Q. Meilen mit mehr als 3 Mill. Menschen) das Land von der Spitze Sem⸗ gallens bis an die Grenze Galiziens und von da bis Jahorlik überlassen, wogegen Katharina allen An⸗ sprüchen auf das übrige Polen entfagte, und dessen Integrität gewährleistete, so wie sie diejenige Ver⸗ fassung, welche der jetzige Reichstag aufstellen würde, zu garantiren versprach. Eben so trat der Reichstag im Vertr 836 vom 25. Sept.) an Preußen (auf 1061 Q. M. mit 1,136,000 Einw.) Danzig, Thorn und den größten Theil von Großpolen ab, welcher den Namen Südpreußen erhielt, wogegen auch Preußen allen weitern Ansprüchen an Polen ent⸗ sagte, und, auf Verlangen, der Nation die Verfassung zu garantiren versprach, we lche der damalige Reichs— tag entwerfen würde. An Oestreich kam nichts bei dieser zweiten Theilung. Mit dem Reste von 22 20 schloß Katharina ) Martens, I. 3. p. 162 ) ibid. p. 202. 334 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (16. Oct. 1793) einen Unionsvertrag*), i welchem Polen versprechen mußte, die Leitung künfti ger Kriege Rußland zu überlassen, den Einmarsch russischer Truppen, auf vorherige Anzeige, in Polen zu verstatten, und nur mit Rußlands Einwilligung Verträge mit dem Auslände zu schließen. Seit die— ser Zeit regierte Igelström in Warschau; ein russisches Heer blieb in Polen stehen. Da wogte der polnische Freiheitssinn zum letztenmale auf unter Koseiusko, der Cracau(23. März 1794) nahm, und unter Madalinski in Südpreußen. In einem blutigen Aufstande(17. Apr.) wurden die Russen aus War— schau vertrieben, und der König suspendirt. Kosciusko schlug mehrere russische Heerestheile; die Preußen wurden zur Aufhebung der Belagerung von Warschau Lenöthigt. Allein es fehlte den Polen an Einheit im Innern und an Unterstützung vom Auslande; denn, außer den neuen Heeren Rußlands und Preußens, drängen, auf die Veranlassung beider Mächte, auch die Oestreicher(Jul. 179 in Polen vor. Kosciusko ward(10. Oct.) vom russischen Generale Fersen ge— schlagen und gefangen, und Praga(4. Nov.), die Vorstadt Warschaus, von Souwarow erstürmt. Zur dritten Theilung Polens vereinigten sich die drei Mächte durch besondere Verträge. Oestreich und Rußland unterzeichneten den ihrigen am 3. Jan. 1795%), Preußen den seinigen mit Oestreich und Rußland am 24. Oct. 1795*—— Der König von Polen verzichtete(25. Nov.)*) auf seine Würde, *) Martens, T. 5. p. 222. * ibid. T. 6. p. 699. ibid. p. 7o2. ibid. p. 714. * 00 1d lebl Pete N hausendhz Siathn EmnshlE Haen ddlachl 0 n M den Mon ö 1•l Frperbuß Besgaß Dohmwe Lithanchn gefaht d diese Tuu 17⁰⁷ 6 aushe 0j(E Rurlas ö Iu htne Ninshi, dttrag. Riung n Einh ht, in d6 8 fnil 1hn. Eh rehsh oate de Wast. r Koschuth N, und ul einem blutz ssen aus V Net. Koscis dit Prat onn Wuiia Eithth luslande: dan, I Mußtll, Mohte, ah Kosctuct ul Fersen g Mo//x dstürmt. d sch die 0 . dät on am 3. M Oisruih v Hit w W ———— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 335 und lebte als Pensionair der drei theilenden Mächte zu Petersburg(wo er 12. Apr. 1798 starb). In dieser dritten Theilung 5), seit welcher der tausendjährige Name Polens aus dem europäischen Staatensysteme verschwand, nahm Preußen, mit Einschluß Warschaus,(auf 977 Q. M. und 939,000 Einw.) den Rest von Rawa, Theile von Masovien,‚ Podlachien u. s. w. Es gestaltete die in den beiden letzten Theilungen gewonnenen polnischen Länder unter den Namen: Südpreußen, Neu-Ostpreußen und Neu-Schlesien.— Oestreich nannte seine neuen Erwerbungen(auf 800 Q. M. mit 1 Mill. Einw.) Westgalizien.— Rußland endlich gewann Volhynien, den größten Theil von Samogitien und Litthauen und einen Theil von Brzese und Chelm(un— gefähr 2000 Q. M. mit 1,200,000 E.).— Ueber diese Theilung erließen die drei Mächte am 25. Jul. 1797 eine gemeinschaftliche Erklärung*) an die teutsche Reichsversammlung.— Noch im Jahre 1795(18. März) hatte Katharina 2 das Herzogthum Kurland at) dem russischen Reiche einverleibt, und den letzten Herzog auf Pension gesetzt. Außer dem Rulhière gehören hieher: Franz Jos. Jekel, Polens Staatsveränderungen und letzte Verfassung. 6 Theile. Wien, 1803 ff. 8. (Kollowtay,) Vom Entstehen und Untergange ) Der Definitivvertrag zwischen Rußland und Preußen vom 26. Jan. 1797, Martens, T. 6. p. 707. so wie die Beitrittsacte Oestreichs zu diesem Definitiv— vertrage p. 715. *) ibid. I. 6. p. 717. 27) ibid. V. 6. P· 476. und T. 7. P· 508. FPPFPFII R. 336 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. der polnischen Constitution vom 3. Mai 1791. (Teutsch von Lin de.) s. J. 1793. 8.———⁷ Sirisa, Polens Ende. Warschau, 1797. 8. 2 3 100. 6) Der Revolutionskampf von 1795— 1797. Hatten gleich die drei Hauptmächte des Festlan⸗ des zur Theilung Polens sich vereinigt; so war doch, seit Preußens Separatfrieden zu Basel, zwischen Preußen und Oestreich Entfremdung eingetreten. Raß⸗ land nahm, unter Katharinga 2, außer donnernden Manifesten gegen den Jakobinismus, keinen wesent⸗ lichen Antheil am Kriege gegen Frankreich; Bata⸗ vien aber war seit 1795, als Schwesterrepublik, an die politischen Interessen des mächtigen Nachbarstaa— tes gekettet; Spanien schloß(19. Aug. 1706) ein Offensiv⸗ und Defensiobündniß*) mit der Republik Frankreich, und gleichzeitig(5. Aug. 1796) Preu⸗ ßen mit derselben einen geheimen Vertrag), in welchem Preußen vorläufig in die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich, Frankreich aber in die Entschädigungen für Preußen und für die Häuser Oranien und Hessen-Kassel willigte. Allein noch vor diesen letzten Ereignissen kündig⸗ ten, im Spätjahre 1795, Oestreich und das teutsche Reich den Waffenstillstand an Frankreich auf, und erneuerten den Krieg, nachdem Pitt neue Defensiv⸗ verträge mit Rußland(18. Febr. 1795)%, und. *) Martens, T. 6 p. 656. 20 ) ibid. p. 650. und Haberlins Staatsarchiv, Heft 14,/ S. 233• ö run) Martens, T. 674p5. 461. I mit 5 Gih und h. allin tahost Iosen l allein K den Bolr gemanst (15.0⁰ lgt sn Wassitsss Dit.) N Cauufcdh. 17⁰⁰⁰N Srno saschistw cton u Ugenblhil assunss ums C Dta Iebendens ins inr line MI —— — 0 Mang ) Coß 86. 10 J. 8 Fung Dafh M.X atenstr; * f. . M.a . M 9. 00 zu, 17⁷7 5 Hok. s dun dt , l %½% , NI AetveH N. t. O er Danner ver dahnt Eeins MMM „ kelnen Wei⸗ Au. VρH½ Vretung Hlich abet! ir die Häh hrissn kiche NN und das tad 44 F. H reich dul, M 117 Defense Hell& e 220), 1 0 90 Hathis, Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 337 mit Oestreich(20. Mai)), auf die gegenseitige Gewährleistung aller ihrer Besitzungen, abgeschlossen, und beide Bündnisse in der sogenannten Triple— allianz(28. Sept.) zu dem gemeinschaftlichen In— teresse aller drei Mächte vereiniget hatte. Die Fran— zosen gingen(Sept.) an drei Orten über den Rhein; allein Pichegru, im geheimen Einverständnisse mit den Bourbonen, wirkte mit Jourdan nicht nach einem gemeinschaftlichen Plane. Clairfait siegte bei Höchst (12. Oct.) und bei Mainz(29. Oct.), Wurmser über— wältigte Mannheim(22. Nov.), und überschritt den Rhein. Jourdan behäuptete nur noch Düsseldorf diesseits des Rheins. Ein Waffenstillständ(30. Dec.) beendigte den Feldzug des Jähres 1795; Clairfait legte den Oberbefehl nieder(10. Febr. 1799), den der Erzherzog Karl übernahm. Obgleich seit Robespierre's Hinrichtung die Faction der Jakobiner von der Leitung der Staats— geschäfte entfernt war; so wogte doch der Geist dieser Faction zu wiederholten malen in Paris auf, bis augenblicklich mit der Einführung der dritten Wer— fassung*n) und mit der Einsetzung des Directo— riums*) für die vollziehende Gewalt, und des Rathes der Fünfhundert und der Alten für die gesetz— gebende Gewalt,(27. Oct. 1795) eine neue Haltung ins innere Staatsleben Frankreichs kam, wenn gleich eine Verfassung, welche die höchste Gewalt, mit *) Martens, T. 6. p. 522. *) Constitutionen der europ. Staaten, Th. 1, SO. 137. **X*) J. C. G.=Schaumann, Geschichte der Republik Frankreich unter der Directorialregierung bis zum Definitivfrieden mit Oestreich. Halle, 1798. 8. III. ö 2² 338 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ängstlicher Festhaltung der Theorie, nach ihren beiden Hauptbestandtheilen völlig von einander trennte, auf die Dauer nicht bestehen konnte. Das Directorium mußte die, bis auf 40 Milliarden vermehrten, Assig⸗ naten ganz fallen lassen, und machte, zur Eröffnung des Feldzuges vom Jahre 1796, eine gezwungene Anleihe von 600 Mill. Franken, und ein neues Pa— piergeld unter dem Namen der Territorialmandate. Diieser Feldzug war, nach Carnots Plane, auf einen dreifachen Angriff Oestreichs berechnet, und sollte von Düsseldorf aus durch Jour dan, vom Oberrheine her durch Moreau, und in Italien durch Bonaparte*), ausgeführt werden. Bonaparte ubernahm(30. März 1796) zu Nizza den Oberbefehl über ein Heer, dem es an allen dringenden Bedürf— nissen fehlte; nach zwölf Monaten(18. Apr. 1797 unterzeichnete er die Präliminarien des Frieden mit Oestreich. Ihm standen an der Spitze der Oestreicher „Beaulieu, und der Piemonteser Colli gegen uber. Bei Voltri(11. Apr.) von den Oestreichern zurückgedrückt, siegte er(12. Apr.) y bei Montenotte, und(14. Apr.) bei Millesimo, worauf die Oest⸗ reicher sich von den Piemontesern trennten, um die Lombardei zu vertheidigen, während Bonaparte die letztern bei Ceva(20. Apr. Wund Mondovi(21. Apr.) warf, den König von Sardinien(28. Apr.) zum Waffenstillstande brachte, bei Piacenza(8. Mai) *“) Fr. Saalfeld, Geschichte Napoleon Buonaparte's. Lpz. u. Alt. 1815. 8. N. A. in 2 Theilen, 1817.— Chr. Aug. Fischer, collection générale de let- tres, proclamations, discours ete. de Napoléon. T. à Deipsic, 18025s. 6.(reicht bis zum Juny 1812.)— Authentische Geschichte des französ. Re⸗ volutionskrieges in Italien. Lpz. 1798. 8. V* 23————— Ihe der Filsfan Brück bardeie“ in Fri an ral nonts Rodeh Miland er L0 I sch Waffastis 0„ N0 Für. I. Mit dert Ragua! vum H. damdart Henuaf arna Jond deng Ien ssitden, Deullhn R. Du zuast du Rr10 1 —— 0 Marte ümg 15 ibid, x n 0 hih a , L HR V bream j X diaaun drnhhrn, I RrMifn „en nn Iud en mth ritbrunuhn IIE Im ö aurd„ Win Nunn 3 dul Riuudn S I 19 I. 1— 15 V. Hser Lil dn die Mnttront xufde N n, M VDl I —0 00 10 dumn II., 7½ Abtile de V. V 0 190 4y 13 suss 5 mit der Verzichtung auf Bologna, vom Kampfe im Waffenstill—(5. Jun.), und in dem darauf folgenden Frieden? Parma schloß(5. Nov.) f) Frieden, und Korsika in Italien um Mantua gekämpft, das Bonaparte (sseit dem Jul. 1796) belagerte. Wurmser drang, an vor. Bonaparte, in der Mitte zwischen beiden, schlug zuerst das eine unter Quosdanowich bei Brescia Martens, T. 6. p. 611. E-.——— ᷣIFIIIIFIĩJFTFIPI‚I‚I‚I‚‚II————— 1 12— Lrier Zeitraum von 1789— 1823. 339 über den Po ging, mit Parma(9. Mai) Waffen⸗ stillstand schloß, und durch den Uebergang über die Brücke von Lo di(10. Mai) das Schicksal der Lom⸗ bardei entschied. Der König von Sardinien überließ im Frieden 5)(15. Mai) Savoyen und Nizza an Frankreich, und einstweilen die festen Plätze Pie⸗ monts den französischen Truppen. Der Herzog von Modena schloß(17. Mai) Waffenstillstand; zu Mailand sprach(20. Mai) Bonaparte die Freiheit der Lombardei aus, während Beaulieu hinter die Etsch sich zog; der Papst erhielt(23. Jun.) einen Waffenstillstand, wie die Fürsten Oberitaliens, für Geld, Lieferungen und Kunstwerke, und später(19. Febr. 1797) den Frieden zu Tolentino) Ferrara, Ro⸗ magna und Avignon. Neapel trat ohne Opfer, 9 0. Ot.) W Genua suchte(9. Oct.) französischen Schutz), ward den Britten wieder entrissen. Noch ward aber Beaulieu's Stelle, von Tyrol aus mit zwei Heeren oder Lonado(3. Aug.), und dann(5. Aug.) Wurm⸗ sern selbst bei Ha lien Nach Tyrol zurückge⸗ **) ibid. p. 642. **) ibid. p. 636. wid. 5. 647. 1 ibid. P. 65 25. 7 22* 5 340 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. worfen rückte Wurmser doch von neuem vor, mugßte aber, bei Roveredo(4. Sept.) und bei Bassano (9. Sept.) besiegt, sich durch die Franzosen durchschla— gen(12. Sept.), um nach Mantua sich zu werfen. Darauf erschien Alvinzy mit einem neuen Heere in Italien; allein auch dieses ward von Bonaparte bei Arcole(15— 17. Nov.) und bei Rivoli(14. Jan. 1797) besiegt, 2. daß endlich Mantua(2. Febr.) fallen mußte. Nach—616 Ereignisse ging (März 1797) der Erzherzog Karl selbst vom Rheine nach Italien; doch Bonaparte drang unaufhaltbar über den Tagliamento, und in drei Heereshaufen über Laybach, Klagenfurt und Botzen vor, worauf (18. Apr. 1797) zu Leoben in Steyermark die Frie⸗ denspräliminiarien zwischen Frankreich und Destreich unterzeichnet wuürden. „Schon stand Bonaparte als Sieger in der Lom⸗ bardei, als Oestreich(21. Mai 1796) den Waffenstill⸗ stand am Rheine kundigte. Kleber und Lefebvre drangen(4. Jun.) bis in die Gegenden der Lahn; allein der Erzherzog Karl*) siegte bei Wetzlar(13. über Lfebyre. Schon war Dussel dorf bedroht, als Moreau bei Straßburg(24. Jun.) über den Rhein ging, die Oestreicher unter 1.0 bei Renchen(28. Jun.), unter Latour(5. Jul.) bei Rastadt, und unter dem herbeigeeilten Erzherzoge Karl(9. Jul.) bei Ettlingen schlug. Geschwächt am Niederrheine, mußten die Hestteicher dem von Düsseldorf aus vordringenden Jourdan weichen, wäh⸗ rend Bernadotte und Championet zwischen Nauwied *)(Erzherzog Karl,) Grundsätze der Stenegie⸗n er⸗ läutert durch Darstellung des Feldzuges von 170⁵ in Teutschland. 3 Theile. Wien, 1814. 8. 2— Ca Lalsch nd der Frarke solge, h 0 x vinsch V. Ng! friedel ide l slen W ssche! Stsverthg . bescht/ Iugost den Cx Demn un bishreng hnn Eih Kendich N lrück. g pl hrachgg ar ½ 0 utssier Wun ot M Bant 0 Rhsn durher zu pehh. Ereigrse V 70 O* H oMnN V. i9 unaufht A Hekreshe ten vor. ö KN Vei, Aermork Iis en ich und Mt 10 derHN ö V II V. Wfsl Wtsebvre Ner 0 Indene e N Ve Flat! shht Is U.) uber! + Siun RI 7* u 10 (5 VN„ Ien Enheis Gshum Icher den N 440 heichen, Lr cheh Manch Et nultgie/ ⸗ 0 N• 17 0j Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 341 und Coblenz über den Rhein gingen. Im südlichen Teutschlande schlossen der Herzog von Wirtemberg und der Markgraf von Baden Waffenstillstand mit Frankreich, welchem Beispiele der schwäbische Kreis folgte, worauf aber der Erzherzog Karl(29. Jul.) die schwäbischen Kreistruppen entwaffnen ließ und heimschickte. Demungeachtet schlossen Wirtemberg (J. Aug.)) und Baden(22. Aug.)) Separat⸗ friedensverträge mit Fränkreich zu Paris, worin beide auf alle ihre Besitzungen und Rechte auf dem linken Rheinufer verzichteten. Selbst der o ber säch— sische Kreis trat(13. Aug.) durch einen Neutrali⸗— tätsvertrag vom Kampfe zurück. Schon hatte Moreau (21. Aug.) Augsburg und Jourdan Amberg(19. Aug.) besetzt, als der Uebergang des Erzherzogs Karl bei Ingolstadt auf das linke Donauufer(17. Aug.) den Charakter des Krieges in Teutschland veränderte. Denn Jourdans rechter Flügel unter Bernadotte ward (22. und 23. Aug.) bei Neumark und Teining zersprengt, und Jourdan selbst, auf seinem Rückzuge, vom Erzherzoge(5. Sept.) bei Würzburg,(16. Sept.) bei Limburg, und(20. Sept.) bei Alten⸗ kirchen geschlagen. Blos Düusseldorf und Neuwied blieben den Franzosen am rechten Rheinufer. An Jourdans Stelle trat Hoche, der den Vendéekrieg beendigt hatte. Jourdans Niederlagen wirkten auf Moreau's Heer zurück. Zwar hatte Moreau, nach der Einnahme von Augsburg, den Lech überschritten und den Churfürsten von Pfalz⸗ Bayern(7. Sept.) zum Waffenstillstande allein sein Verlust im Kampfe bei Mün— 29 Wortene. p: 070, 27. ibid. p. 679. —.————— —.—.— ——— 342 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (1. Sept.) gegen Fröhlich, die Bewegungen er östreichischen Heere, ihn vom Rheine abzuschnei⸗ den, und der Aufstand der Landbewohner in Schwa⸗ ben bestimmten ihn zum Rückzuge an den Rhein, den er(seit dem 19. Sept.) unter größen Gefahren und fortdauernden Kämpfen, mit der größten Beson⸗ nenheit und Umsicht(26. Oet.) ehrenvoll beendigte. Kehl ward noch bis zum 9. Jan. 1797, Hunin⸗ gen bis zum 1. Febr. von den Franzosen vertheidigt, ehe beide an die Oestreicher übergingen. Zwischen Frankreich und Großbritannien zer⸗ schlugen sich die(Oct. 1796) zu Paris begonnenen Friedensunterhandlungen, weil Lord Malmesbury die Herausgabe Italiens und Belgiens verlängte. Allein Bonaparte's Siege führten, unter Vermitte— lung Neapels durch dessen Gesandten de Gallo zu Wien, zu den Präliminarien zu Leoben 5) (18. Apr. 1797), in welchen Oestreich auf Belgien und Mailand verzichtete, die Einleitung eines Con⸗ gresses zum Frieden mit Teutschland auf die Grund⸗ lage der Integrität desselben übernahm, sich aber in den geheimen Artikeln die Wiedererlan⸗ gung von Mantua, und eine Entschädigung durch einen Theil des venetianischen Staates vorbehielt, der dagegen die drei päpstlichen Lae en erhalten sollte. Doch in der Zwischenzeit zwischen diesen Präli⸗ minarien und der Unterzeichnung des Friedens ward nicht nur von Bonaparte(2. Jul.) die neue cis alpi⸗ nische Republik in ihrem Innern gestaltet, und „Martens, Supplem. T. 5. p. 126. Die 9 15. Artikel auch in Posselts Annalen, 1864, St. 12. . marh . von Er Ostreh) ratiemmn tete E Ihreb Kekamnhe „ of Smathe Nodad Hutiol . ist Lin Hani! ward. T Theizs saath Wurshtr* * Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 343 5 Genua(22. Mai) demokratisirt), sondern auch, 41½½ wegen eines in Verona(3. Mai) gegen die Franzosen 5 ausgebrochenen Aufstandes, die bisherige aristokrati⸗ M sche Staatsform Venedigs(12. Mai) demokrati⸗ r Hahn firt, dieser Freistaat aber im Frieden von Campo rün di⸗ Formio ganz auf gelöset, nachdem, vor diesem erdel M Vertrage,(4. Sept.) aus dem französischen Directo⸗ IV, Mis rium die gemäßigt gesinnten Directoren Carnot und asen dutdd Barthelemy von ihren Collegen ausgeschieden, und . die zu Rossel zwischen Frankreich und Großbritannien erneuerten Friedensunterhandlungen(5. Oct.) abge⸗ brochen worden waren. Daher erhielt der Friede *.— von Campo Formio„) zwischen Frankreich und Oestreich(17. Oct. 1797) manche von den Pralimi⸗ — 15 narien abweichende Bestimmung. Oestreich verzich⸗ if1m1½% tete auf Belgien(das vom Convente bereits im 44 1—3 Jahre 1793 Frankreich einverleibt worden war), und 47½N0 erkannte die neugestiftete eisalpinische Republik 1. n an, welche aus Mailand und Mantua, aus den n Staaten des, seiner Länder beraubten, Herzogs von 1 27 Modena, aus den drei vom Papste abgetretenen m, s Legationen, Bologna, Ferrara und Romagna, aus Bibre der von der Schweiz getrennten Landschaft Veltlin Rigunz 10 mit Bormio und Chiavenna, und aus dem vene⸗ ts verdoh tianischen Gebiete bis an die Etsch gebildet* anen ah ward. Dagegen erhielt Oestreich den größten Theil des aufgeloseten venetianischen Freiz R staates bis an die Etsch, mit der Stadt Vene⸗ Fd 1 lietisn*“) Der Vertrag vom 6. Jun. zwischen Frankreich und sallel, 12 Genua, Martens, T. 7. p. 190. ö Martens, T. 7. p. 206. Die geheimen Arti⸗ „ tel auch in(Hallers) geh. Gesch. der Rastadter 1 die 45 Friedensunterhandlungen, Th. 1, O. 845 ff.. 90/ 4 344 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. dig, Dalmatien, Istrien und den Mündungen des Cattaro. Die sieben jonischen Inseln kamen an Frankreich; den Herzog von Modena wollte Oest— reich durch den Breisgau entschädigen. Zu Rastadt sollte der Congreß zum Abschlusse des Friedens zwi— schen Frankreich und Teutschland sich versammeln. So traten Frankreich und Oestreich nach ihrem Län— dergebiete ab ger undet aus dem Kampfe der 22— Coalition heraus!— Hatte aber Preußen in dem geheimen Verkrage mit Frankreich vom 5. Aug. 1796 das Interesse Teutschlands verlassen; so geschah dies auch von Oest— reich in den geheimen Artikeln des Friedens von Campo Formio. Denn in denselben willigte Oestreich in die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich von Basel bis Andernach und Venloo, mit Einschluß von Mainz, so wie in die Ueberlassung des Frickthals und aller östreichischen überrheinischen Besitzungen, zwischen Zurzach und Basel, wogegen Oestreich Salzburg, und den zwischen Salzburg, Tyrol, dem Inn und der Salza gelegenen Theil von Bay ern erhal ten sollte. Zugleich versprachen beide sich gegenseitige Ausgleichung dessen, was sie noch außerdem im Reichsfrieden von Teut sch— land erwerben würden, und garantirten sich wech⸗ selsweise, daß Preußen keine neuen Erwerbungen machen sollte, wenn es seine Besitzungen am linken Rheinufer zurüc erhielte. Dagegen sollten die jen— seits des Rheins verlierenden Fürsten diesseits, und namentlich der Erbstatthalter entschädigt werden. Im fortgesetzten Kampfe auf den Meeren erklärte Spanien, nach dem(19. Aug. 1796) mit Frankreich abgeschlossenen Bündnisse,(5. Oet.) den Krieg an Großbritannien. Zwar ward, nach den Siegen e Batav awas Malkt D 1l . N1 Ne Hele Gsdg r aheh renpi Mn uselnhn Iun Lolt h 100. MM d pdut 0 seh wuum 111— Kamiunm 4.5 1* Wimen Lurv V e Aht IV Ih 4 V 18 uuch von A V — 11 U des Relldetb! * W Dldlcte Veste 9 9 7060 Iheinufets! Aenseishen W, ma hn EI Hgenen A ö 10 Mensrah desen, u von Teuts⸗ ten sich nh Erwethant Wen ah olan de se slts, MW Restelts, M/ Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 345 der Franzosen in Italien, und nach der Verbindung Bataviens und Spaniens mit Frankreich, Großbri⸗ tanniens Handel von vielen europäischen Häfen und Marktplätzen ausgeschlossen, auch mißlang die von Frankreich(Dec. 1796) beabsichtigte Landung in Irland; allein Jervis und Nelson schlugen (14. Febr. 1797) die spanische, von Cadix ausgelau⸗ fene, Flotte unter dem Admirale Cordova auf der Höhe von St. Vincent, und Duncan die batavische Flotte unter de Winter(14. Oct.) auf der Höhe von Egmond op Zee. Die spanischen Inseln Trini⸗ dad und Porto Rico wurden von den Britten erobert. ö 101. 7) Die politischen Ereignisse vom Frie⸗ den von Campo Formio bis zur Erneue⸗ rung des Krieges(1797— 1799). Der Congreß zu Rastadt) ward von einer aus zehn Mitgliedern bestehenden Reichsdeputation(9. Dec. 1797) eröffnet; doch hatten sich daselbst auch die Gesandten von Preußen, Batavien, Helvetien, Cisalpinien, Genua, Schweden, des Papstes und mehrerer teutscher Fürsten versammelt. Nach der ) Das Hauptwerk für diesen Congreß ist die schon an⸗ geführte(v. Haller'sche) geheime Gesch. der Ra— städter Friedensunterhandlungen in Verbindung mit den Staatshändeln dieser Zeit. 6 Th.(der fünfte in 2 Bänden.) Germanien, 1799. 8.— Münch v. Bellinghausen, Protocoll der Reichsfrie— densdeputation zu Rastadt. 5 Th. Rastadt, 17938 ff. A4.—(v. Schwarzkopf,) Handb. des Congres— ses zu Rastadt; nebst 2 Fortsetzungen. 1798 f. 8. 346 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Einladung des Kaisers(vom 1. Nov.) sollte auf die Integrität und Verfassung des Reiches unterhandelt werden; allein Bonaparte schloß daselbst mit Cobenzl (I. Dec.) einen geheimen Vertrag) über die Räu⸗ mung der Rheinländer und die Festungen Italiens ab, worauf französische Truppen(30. Dec.) Mainz, (25. Jan. 1798) die Rheinschanze bei Mannheim, und später(24. Jan. 1799) Ehrenbreitstein zur Uebergabe nöthigten, und die französischen Gesandten, Anfangs Treilhard und Bonnier, in der Folge Bon⸗ nier, Roberjot und Jean de Bry, blos auf die Ab⸗ tretung des linken Rheinufers unterhandeln wollten. Während die Unterhandlungen zu Rastadt, be⸗ sonders bei den getheilten Interessen zwischen den teut⸗ schen Fürsten, nur langsam fortschritten, bis endlich die Mehrheit der teutschen Abgeordneten(14. März 1798) in die Abtretung des linken Rheinufers ein⸗ willigte, und(4. Apr.) zur Entschädigung der verlie⸗ renden Fürsten den Grundsatz der Säcularisation an⸗ nahm, ward Rom und Neapel republikanisirt, Piemont besetzt, die alte Verfassung der Schweiz umgestoßen, und Aegypten erobert. In Rom entstand(28. Dec. 1797) vor dem Pallaste des französischen Gesandten Joseph Bona⸗ parte ein Auflauf, in welchem der General Duphot ermordet ward. Der Gesandte verließ Rom, und Berthier brach von Oberitalien gegen Rom auf, wo er(15. Febr. 1798) die römische Republik stif⸗ tete, in welcher man, bei Einführung neuer Formen, die Benennungen des alten Roms auffrischte. Der Papst Pius 6 ward als Gefangener abgeführt, und starb(29. Aug. 1799) zu Valence. — Martens, T. 7. p. 26. hashe blik, tl ns; Or 96 MI I6 deihe dbslel Iuen sie 10⁰9 sine uhx Ihen 95, Sepates Euntock) ein Mz niß Fresth Hch, X MR 99 H uunssin 1 siltegh La c nit Cin Whihr dit du stuun Mia Du Nun Nunsii, breitschr ichen Gawn der H d Los auf dil Wehn wolln Mistadt, wischen du l tten, bis ut en(II Vyufete dr der Henl alartattt roihnist LIIU Vonllt 0 nluet In ssescht. h * Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 347 In der Schweiz*) wogte, bereits seit der Umschaffung Frankreichs in eine demokratische Repu⸗ blik, die demokratische Parthei gegen den Aristokra⸗ tismus auf, der in den größern Cantonen vorherrschte. Der Druck der Herren von Bern und Freyburg auf das Waadtland brachte die Sache zum Ausbruche, als der General Menard(23. Jan. 1798) dieses Land als lemanische Republik aussprach. Nach meh⸗ rern für die Franzosen siegreichen Gefechten(März 1798) ward(12. Apr.) zu Aarau die Schweiz für die eine und untheilbare helvetische Republik, mit einem Directorium, einem großen Rathe und einem Senate, erklärt, nach der Unterwerfung der kleinen Cantone(4. Mai), zwischen Frankreich und Helvetien ein Angriffs- und Vertheidigungsbünd— niß)(19. Aug.) abgeschlossen, und der kleine Freistaat Genf)(26. Apr.) der Republik Frank⸗ reich, als Departement Leman, einverleibt. Noch folgenreicher war die Unternehmung gegen Aegypten, als der Admiral Brueyes(22. Mai 1798) mit einer Flotte von 13 Linienschiffen und 6 Fre⸗ gatten, auf welcher Bonaparte mit 35,000 Mann sich befand, von Toulon auslief. Maltha ward (12. Jun.)*) im Vorbeisegeln genommen und der — *) Mallet du Pan, Zerstörung des Schweizerbundes und der Schweizerfreiheit. Aus dem Franz. 2 Th. Lpz. 1799. 8. * Martens, T. 7. p. 279. Die vier geheimen Arti⸗ kel dazu beim SShö6II, T. 5. p. 155. **) Der Einverleibungsvertrag Genfs, Martens, T. 7. p. 2479. *n) Die Convention zwischen Frankreich und dem Großmeister von Hompesch, Martens, T. 7. py 431. 348 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Orden daselbst aufgehoben. Kaum an der ägyptischen Küste gelandet, besetzte Bonaparte(2. Jul.) Alepan⸗ drien, und, nach der Schlacht bei den Pyramiden (24. Jul.), Ca ir o(23. Jul.). Aegypten ward als französische Provinz gestaltet, obgleich Nelson in der Seeschlacht bei Abukir(1—3. Aug.) die fran⸗ zosische Flotte vernichtete. Dieser Sieg bewirkte aber die Kriegserklärung der Pforte an Frank⸗ reich(1. Sept.), worauf eine russische Flotte mit der türkischen(20. Sept.) sich verband, und beide der jonischen Inseln(4. März 1799)YR sich bemächtigten. Denn der Kaiser Paul 1 von Rußland, nahm, nach der Besetzung Maltha's von den Franzosen, den Maltheserorden unter seinen besondern Schutz(10. Sept.)*), und die, von dem Großpriorate des Or⸗ dens in Rußlands ihm angebotene, Großmeister⸗ würde desselben*)(13. Nov.) an; auch schloß er (29. Nop.) mit dem Könige von Neapel;), mit dem Sultane der Osmanen(23. Dec.)), und mit Großbritannien(29. Dec.) f), besondere Ver⸗ träge, so wie Großbritannien(1. Dec.) mit Neapel f) und(2. Jan. 1799) mit der Pforte srt), und Neapel(21. Jan. 1799) mit der Pforte sfff) sich verband. Denn Englands Levantehandel ward durch die Besetzung Aegyptens von den Franzosen mächtig Martens, T. 7. p. 444. **) ibid. p. 447. **X*) ibid. p. 305. *) ibid. p. 314.— 1) ibid. p. 518. 41) ibid. p. 507). Kxt) ibid. p. 550. ittt) ibid. p. 557 bedroht bung d parte orgalls doch k nach di hemäc af N Haschal g) Curoba II Wpmt Manpef Die Hl 1705f seiltsh 1 Wrank ung,; (0-N n Cint Gentrag dus Di Sarsh nisss g näthh und de — Yders ih 0 Alensiat igin V — VI.) M u pyenn lIeden watg li Rulsori 3AHfr iz Hui tte auhut sishe an „ und biux h bemacht , V m/ V. Nranzo sc, + Eh pr riet ale l Großmeist Hah 7½ * d ward die Wypsen migs Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 349 bedroht; deshalb trat es mit der Pforte zur Vertrei⸗ bung der Franzosen aus Aegypten zusammen. Bona⸗ parte aber drang, nachdem er Aegypten beruhigt und organisirt hatte,(Febr. 1799) nach Syrien vor; doch kehrte er nach Cairo zurück, als er Acre's nach dreimaligem Sturme(8— 10. Mai) sich nicht bemächtigen konnte. Noch besiegte er(23. Jul.) den auf der Halbinsel Abukir gelandeten Mustapha Pascha, übertrug den Oberbefehl über Aegypten(22. Aug.) dem Generale Kleber, und schiffte sich——5 Europa ein 5). Denn vieles hatte sich seit(einer Abreise nath Aegypten verändert. Der König Ferdinand 4 von Neapel beschloß, nach Nelsons Siege bei Abukir, die Herstellung des Kirchenstaates, und rief(6. Oet. 1798) den aredasde General Mack an die Spitze seines Heeres. Ohne den Anfang des, zum Früh⸗ jahre verabrehehn, allgemeinen Kampfes gegen Frankreich zu erwarten„drang er, ohne Kriegserklä⸗ rung,(Q3. Nov. 1708 ins romische Gebiet, besetzte (29. Nov.) Rom, und Wewonn mit den Brit⸗ ten Civita Vecchia und Kvorno. Der französische General Championet zog sich zurück. Darauf erklärte das Directoriuim(6. Dec.) an Neapel, so wie an Sardinien— wegen eines geheimen Einverstͤnd⸗ nisses mit Frankreichs Feinden,— den Krieg, und nöthigte den König Karl Emanuel von Sardinien, und dessen Bruder, Victor Emanuel, Herzog von Aosta, zu einer Entsagungsacte auf Piemont *) Berthier, Bericht von den Feldzügen Bouabalte⸗ 3 in Aegypten und Syrien.* dem 2—.561 1801. 8. 350 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (9. Dec.)*), worauf die Piemonteser mit den Franzosen sich vereinigen mußten, und der König mit den Garden nach Sardinien ging, der aber bereits am 3. März 1799 eine Protestation gegen seine Verzichtung auf Piemont erließ). Nach jenen Vorgängen drang der durch Truppen verstärkte Cham⸗ pionet siegreich vor, besetzte(13. Dec.) Rom, und, nach Ferdinands 4 Flucht nach Palermo,(23. Jan. 4799) Neapel. Dieses Königreich erhielt(25. Jan.) den Namen parthenop eische Republik und eine einstweilige demokratische Staatsform). Gleichzeitig besetzte und demokratisirte Serrurier Lucca. ů 102. 8) Vom Kriege im Jahre 1799 bis zum Frieden von Amiens 1802. Venn gleich Oestreich und Frankreich zu Rastadt (1. Dec. 1797) einen geheimen Vertrag abgeschlossen hatten; so begann doch bald eine Spannung zwischen beiden, weil Frankreich die in jenem Vertrage festge⸗ setzte Erwerbung Bayerns für Oestreich auf dem Con⸗ gresse nicht unterstützte, und den Geschäftsträgern des Erzherzogs Karl und der Erzherzogin Christine den Verkauf ihrer belgischen Güter erschwerte. Dazu kam ein Auflauf zu Wien, als der französische Ge— sandte Bernadotte vor seiner Wohnung(13. Apr. 1798) die dreifarbige Fahne aufpflanzte. Diese Miß⸗ verständnisse wurden in der Zusammenkunft zu Selz *„Martens, T. 7. p. 3512. Æ) Martens, Suppl. T. 4. P.99. ν) J. Gtfr. Pahl, Geschichte der parthenopeischen Republik. Frkf. a. M. 1801. 8. ———— 60.M Oestreij Falien (19.N Int die Er! Heer v nun dell ren eisel IRasth WA. Wselbean de vog sihrte K Munag nach Eh Mannr Hordtal Ma) A Ind Bn Rcg 9nd ves Hdung W IeN Stlans 100 Ru cher ez s P Men„I Pilhes Aun,* schrung Un, Aae itistruy Aur Kuunt I wer Ket dge . N uu Nun amo, Hp ich ethet che Rerth tuatsform te Sern 700QHi 18⁰². „ V Rich zu Mt chgsche muz wishe dampe Fbem E stetragern Gistine wettt. I mubssüd 1 D Wn Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 351 (30. Mai bis 6. Jul. 1798) nicht beseitigt; auch konnte Oestreich bei den Vorgängen in der Schweiz und in Italien nicht gleichgültig bleiben. Es schloß daher (19. Mai 1798) mit Neapel ein Bündniß*), und unterhändelte mit Großbritannien und Rußland über die Erneuerung des Krieges. Paul 1 versprach ein Heer von 60,000 Mann, und 12,000 Kosaken. Als nun der Vortrab dieses Heeres(Nov. 1798) in Mäh— ren erschien, verlangten die Gesandten Frankreichs zu Rastadt von dem östreichischen Gesandten und von der Reichsdeputation(2. Jan. 1799) die Rückkehr desselben von dem Gebiete des teutschen Reiches. Als aber von Wien aus keine Antwort deshalb erfolgte, führte Jourdan(4. März) ein Heer von 40,000 Mann zwischen Basel und Strasburg über den Rhein nach Schwaben, während Bernadotte(2. März) Mannheim nahm, und Ma ssena in Graubündten vordrang. Nun erst sprach das Directorium(12. März) den Krieg gegen den König von Ungarn und Böhmen und gegen seinen Bruder, den Groß— herzog Ferdinand von Toskana aus, welcher sein Land verließ, und nach Wien sich begab. Auf die Ein— ladung des Kaisers(12. Jul.) entschloß sich das süd⸗ liche Teutschland(16. Sept.) zum Reichskriege, zur Stellung des Fünffachen und zur Bewilligung von 100 Römermonaten; das nördliche Teutschland aber behauptete das System der Neutralität, wel—⸗ ches Preußen seit dem Baseler Frieden angenom— men, und nach dem Regierungsantritte Friedrich Wilhelms 3(Nov. 1797) unerschüttert beibehalten hatte, so groß auch von Seiten Rußlands die Auf— forderungen zur Theilnahme am Kriege waren. +π) Martens, T. 7. P. 253. 352 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Im süͤdlichen Teutschlande eröffnete der Erzher⸗ zog Karl den Kampf durch seine Siege an der Ostrach(21. März) und bei Stockach(25. März) über Jourdan, worauf dieser eine„retrograde Be— wegung“ nach dem Rheine machte, Massena aber, aus Graubundten von Hotze verdrängt, bei Zürich eine feste Stellung nahm. Nach diesen kriegerischen Ereignissen erklärte der östreichische Gesandte zu Ra⸗ stadt(8. Apr.) jede bisherige Verhandlung daselbst für ungültig; östreichische Husaren unter dem Obersten Barbaczy verbreiteten sich in der Nähe von Ra⸗ stadt; die Reichsdeputation beschloß(23. Apr.), ihre Unterhandlungen auszusetzen, und Frankreichs Ge⸗ sändte erklärten ihre Abreise nach Straßburg. Als diese aber(28. Apr.) erfolgte, wurden sie unweit der Stadt von Szekler Husaren überfallen, und Bon⸗ nier und Roberjot getödtet; nur Jean de Bry rettete das Leben. Die noch anwesenden Gesandten Teutschlands erklärten sich stark über diese Verletzung des Völkerrechts, und erhielten von Barbaczy die Erklärung,„daß er diese, unter dem Schutze der Nacht, durch einige raubsüchtige Gemeine begangene That bestrafen und die geretteten Franzosen über den Rhein bringen wolle.“ Darauf verließen sämmtliche Gesandtschaften(29. Apr.) Rastadt; die Sache selbst blieb aber auf sich beruhen). ö In Italien befehligte der unfähige Scherer die Franzosen. Ihn besiegte Kray bei Pastrengo *)(v. Dohm,) authentischer Bericht von dem an der französischen Friedensgesandtschaft verübten Meuchel⸗ů mord. 1799. 8.— C. U. D. v. Eggers, Briefe über die Auflösung des Rastadter Congresses, den Gesandtenmord und den Wiederausbruch des Krie⸗ ges im Jahre 1799. 2 Thle. Braunschw. 1809. 8. ö Masent in ö II. — 46. 9 Nagn ind M ber de Nusen:! Hsstkeic ei Cas Memont mit Mai aufhelst sh Hlen I) an nihte dbe an auf d 9nHert alf erschi tin Herre von Sau suhe der! dohder Ue Nach! nist zwvisch niher, un Acherhife tung ihe vatow y Kersakow besegte N unlr Koi de Hestri 9 HKal un. d Mattexu nuunsitzt. Fuur de sih Lih fHM 2„ Maa h. ing, U S dissn bimün Gesaun dung dh + demn V Mihe vund B. Mr.) Iuunkreich Straßhutz den sie Auwate Wen, And Nndedr uen Hsundt üse Vthn Brbochys 3460 60 em Ech MWine begal Rosen uber en samme D Sace Ca E6l II S PIPPIPIPPPPPI‚ITIFIFIII—— *—— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 333 (26. März), bei Verona(30. März) und bei Magnano(5. Apr.). Da ward Scherer abberufen, und Mo re au übernahm den einstweiligen Oberbefehl über das geschwächte Heer, dem sich nun auch die Russen unter Souwarow, in Verbindung mit den Oestreichern, entgegen stellten. Moreau mußte ihnen bei Cassano(20. Apr.) weichen, und zog sich nach Piemont zurück, worauf die cisalpinische Republik, mit Mailands Besetzung durch Melas(28. Apr.), aufgelöset ward. Macedonald, der sich von Neapel nach Oberitalien zog, kämpfte drei Tage(17— 19. Jun.) an der Trebia gegen Melas und Souwarow, mußte aber den Rest seines Heeres mit dem von Mo— reau auf dem Boden Genua's vereinigen. Die Festun— gen Oberitaliens fielen in die Hände der Sieger. Dar— auf erschien Joubert an der Spitze eines neugebilde— ten Heeres und drang bis Novi vor, wo er(15. Aug.) von Souwarow angegriffen ward. Er fiel am An— fange der Schlacht, die Moreau fortsetzte, sich aber vor der Uebermacht zurückziehen mußte. Nach dieser Schlacht bewirkten die Mißverständ— nisse zwischen den Heerführern der Russen und Oest— reicher, und die verschiedenen Ansichten der beiden Kaiserhöfe über das Schicksal Piemonts, die Tren— nung ihrer Heere. Melas blieb in Italien; Sou— warow zog nach der Schweiz zur Verbindung mit Korsakow gegen Massena. Bevor er aber ankam, besiegte Massena(25. und 26. Sept.) das Heer unter Korsakow bei Zürich, und Soult(25. Sept.) die Oestreicher unter Hotze. Dies nöthigte den Erz⸗ herzog Karl vom Rheine auf die Grenze der Schweiz zurück. Denn Souwarow hatte zwar(1. Oct.) bei Matten und Glarus die ihm entgegen gezogenen Massena und Lecourbe besiegt, mußte aber, wegen III. 2³ 354 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. seiner eignen und Korsakows Verluste, durch Grau⸗ bündten(5. Oet.) gegen Feldkirch und Lindau sich wen⸗ den, von wo er aus auf Pauls Befehl nach Rußland zurückkehrte.— Gleichzeitig ward der gemeinschaft⸗ liche Angriff der Britten und Russen unter dem Her⸗ zoge von Vork und dem Generale Herrmann auf die batavische Republik zurückgewiesen. Sie wur⸗ den von den Franzosen und Niederländern unter Brune und. Dändels bei Bergen(19. Sept.), bei Alk⸗ maar(2. Oet.), und bei Reverwyk(6. Oct.) be⸗ siegt worauf der Herzog von Vork in der Capitula— tion zu Alkmaar(18. Oet.) Batavien zu verlassen und 8000 von den Britten gefangene Franzosen frei zu. geben versprach.— Nur in Italien siegten Melas und Kray(4. und 5. Nov.) über Championet und Victor bei Savigliano und Genola mit solchem Erfolge, daß die Franzosen blos noch Genua und Nizzarbehauptetennns. 1⁰ n 103. F dr tesietz un g. Während dieses Kampfes nach außen wogten aber auch im Innern Frankreichs die Partheien von neuem auf. Das Directorium war so verhaßt, daß, außer Barras, die bisherigen Mitglieder desselben(Jun. 1799) austreten mußten, und unter den Neugewählten, Sieyes, Gohier, Roger Ducos und Moulins, blos der erste die öffentliche Meinung für sich hatte. Kaum war aber Bona⸗ parte aus Aegypten(15. Oct.) in Frankreich änge— kommen, als er, damals im Einverständnisse mit Sieyes, die dritte Verfassung Frankreichs stürzte, (am 9. Nov.— am achtzehnten Brumaire) ——9—————————— dn S taumen und R giernt am ⸗ dreien, Velchen Ernennt sandten, der meist Wgiun Ran Eehalt En Mi un Fu geben theile e Asten Hse. Be cher die wunn, s Pung; lten, Walungi u Gen Mann und Har Myste w dat chge wirden; 8 Latsdie Vhlirn — onsi uunssiar „, dubh iy adau str Auh Nuh xnnsht n Henmaunn diesen. Eier dernunmdn 401)„ l in der Cun x vrlaste tanhysen fi N sigin M Gampancti Wola ntsith dch Gaun in + 9 außen woß de Punthe vt so vasl Hen Mpch len, 0 M het ‚ Nt abel B — sudnist mi sttht, Buna Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 355 den Saal des Rathes der Fünfhundert militärisch räumen ließ, und vom Rathe der Alten, mit Sieyes und Roger Ducos, zur einstweiligen Consularre— gierung ernännt ward. Die vierte Verfassung 5, am 25. Dec. 1799 eingeführt, übergab die Regierung dreien, auf zehn Jahre gewählten, Consulen, von welchen aber dem ersten Consul(Bonaparte) die Ernennung der Minister, der Staatsräthe, der Ge— sandten, der Officiere der Land- und Seemacht und der meisten Beamteten in der Verwaltung, so wie der Regierung überhaupt die Initiative der Gesetze vorbehalten blieb. Neben der Regierung bestand ein Erhaltungssenat mit 80 lebenslänglich ernann— ten Mitgliedern; ein Tribunat mit 100, jährlich zum Fünftheile erneuerten, Individuen; ein gesetz⸗ gebender Körper mit 300, jährlich zum Fünf⸗ theile erneuerten, Mitgliedern, und ein, von dem ersten Consul abhängender, Staatsrath. Alle diese Behörden waren nicht verantwortlich, wohl aber die Minister.— Das Innere Frankreichs ge⸗ wann, seit dieser Zeit, durch den ersten Consul, neue Haltung; die Präfecten, Unterpräfecten und Maire leiteten, seit dem 4. März 1800, die innere Ver⸗ waltung in den Departementen, Bezirken und einzel⸗ nen Gemeinden; die Finanzen kamen allmählig in Ordnung; neue Gesetzbücher für das Civil, Straf⸗ und Handelsrecht erhielten ihr Daseyn; mit dem Papste ward für die gallikanische Kirche ein Concor— dat abgeschlossen; mehr als 20,000 Ausgewanderte wurden zurückgerufen, und, bei der Anstellung im Staatsdienste, die Männer aus den verschiedensten Partheien verschmolzen. Die neuerrichtete Gensd'ar— *) Constitutt. der europ. Staaten, Th. 1, S. sogff. 2 356 Geschichte des europaischen Staatensystems ꝛc. merie sorgte für innere Sicherheit und Ordnung; der Gewerbsfleiß und Handel ward neu belebt; für die Herstellung der Marine gesorgt; eine Bank(1800) und ein Amortisationsfonds errichtet; neue Heerstra— ßen und Kanäle, neue Festungen wurden gebaut, und das Religions- und Schulwesen zeitgemäß ge— staltet. Man fühlte den Einfluß einer kräfti— gen, Regierung, die nur in ihren Verordnungen den militärischen Charakter nicht immer verläugnen konnte. Bevor aber der erste Consul dies alles im Ein— zelnen zu verwirklichen vermochte, mußte er, nachdem Großbritannien die von ihm gemachten Friedensan— träge zweimal zurückgewiesen hatte(5. Jan. 1800), „den Frieden erobern.“ Er selbst führte die neuge— staltete Reservearmee über die Alpen, wo Massena in Genua bis zum 4. Jun. 1800 sich behauptete, und entschied(14. Jun.) in der Schlacht bei Marengo zum zweitenmale das Schicksal Italiens, wo er Mas⸗ sena zurückließ und nach Frankreich zurückging. Mit ähnlichem Erfolge verbreitete sich Moreau, seit dem 25. Apr. 1800, im südlichen Teutschlande gegen Kray und gegen die mit den Oestreichern verbündeten Bayern und Wirtemberger, nachdem er bei Engen(3. Mai), Mößkirch(5. Mai), Biberach(9. Mai) und Memmingen(10. Mai) gesiegt, und sich bis Mün⸗ chen, so wie mit den beiden Flügeln seines Heeres bis Regensburg und Feldkirch ausgedehnt hatte. Darauf folgte(15. Jul.) der Waffenstillstand zu Pars dorf. Als aber Oestreich, wegen des(20. Jun.) mit Groß— britannien abgeschlossenen neuen Subsidienver— trages*), den vom General St. Julien aus Paris „Martens. T. 7. p. 387. nitgell ten, Jub raf desscks W den, Ot) statt befehl. 6 4 u duh Der) bis zue D Msss Bllle x die Eij, b Ul Ir ten Con m ben 2* dn Han Rrüct nen H so pie j aufgelg ber hgiere Us abez Aangen S 9Men Nunssie n lbt; e l——(0 mn e 0 dsa u an 5 5 am his, in dum imme wap ditz altz n nußte u, ur n ri (5. N. 11 fuhri de nua 1,0 Mosautt Krunn, MI Mote HU 415„00 K +WM/ Ultum, W au, sitvr R K indeten Ba⸗ (9. MuN dsch hel Its Hantl h Dunt + ardol mit Ibsidiet hel⸗ I d Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 357 mitgebrachten, und von Bonaparte bereits bestätig⸗ ten, Präliminarfriedensvertrag vom 28. Jul.*) nicht annahm, kündigte Frankrelch den Waf— fenstillstand auf, willigte aber in die Verlängerung desselben auf 45 Tage(20. Sept.), als ihm dafür Philippsburg, Ulm und Ingolstadt überlassen wur— den. An Thuguts Stelle trat Graf Cobenzl(4. Oct.) als Minister der auswärtigen Angelegenheiten; statt Kray erhielt der Erzherzog Johann den Ober— befehl des Heeres. Bald aber entschied Moreau's Sieg bei Hohenlinden(3. Dec.) über den Krieg in Teutschland; denn nach demselben drang er(19. Dec.) bis Linz vor, von wo aus er Wien bedrohte, bis zu Steyer(25. Dec.) ein Waffenstillstand auf 30 Tage verabredet ward.— Gleichzeitig besiegte der, an Massena's Stelle getretene, Brune in Italien den Bellegarde am Mincio(2⁰. Dec.), und überschritt die Etsch, so wie Macdonald durch Graubündten bis Trient(7. Jan. 1801) vordrang.— Alle diese Vorgänge führten zur Auflösung der zwei⸗ ten Coalition, und zwischen Frankreich und Oestreich zum Frieden von Lüneville. Noch vor demsel— ben war, nach Macdonalds Abzuge aus Neapel, durch den Kardinal Ruffo, ehe Ferdinand 4 aus Sicilien zurückkehrte, in Neapel unter furchtbaren Blutsce— nen—( 799)N die vorige Ordnung der Dinge hergestellt, so wie die römische Republik, nach kurzer Dauer, aufgeloöset v worden.— In Aegypten schloß Kle— ber(24.J Jan. 1800) zu El-Arisch mit dem Groß— veziere einen Vertrag über die Räumung Aegyptens. Als aber der brittische Admiral Keith dabei die Kriegs— gefangenschaft der zurückkehrenden Franzosen verlängte, * Martens, I. 7. p. 407. 358 Geschichte des europäischen Staatensystems 20. erneuerte Kleber den Kampf, schlug(20. März) den Großvezier bei Heliopolis, und besetzte Aegypten von neuem. Allein nach seiner Ermordung zu Cairo (14. Jun. 1800) konnte sich der unfähige Menou gegen das unter Abercrombie gelandete brittische Heer, mit welchen die Türken sich verbanden, nicht behaupten; auch erhielt Menou fur seinen Abzug(Oet. 1801) nicht so vortheilhafte Bedingungen, wie der General Bel⸗ kiard, der Cairo so en ich verthei digte, daß ihm(7. Jun.) eine ehrenvolle Capitulation und Ein⸗ schiffung nach Frankreich zugestanden ward.— An Portugal, dessen Anhänglichkeit an Großbritannien es bewirkt hatte, daß der mit Frankreich bereits im Jahre 1797.% abgeschlossene Friede in Lssabon nicht bestätigt ward, erklärte Spanien(18. Febr. 1801), als Frankreichs Bundesgenosse, den Krieg, worauf Leclerc ein gegen Portugal bestimmtes mirr Heer über die Pyrenäen führte. Der Friedensfürst an der Spitze des spanischen Heeres, schloß aber, nach seinem Vordringen, einen scht eunigen Frieden zu Badajoz“ welchem das Gebiet von Ol iwenza mit Spanien ver⸗ einigt, dagegen aber die Integrität aller portugiesischen Besitzungen von Spanien garantirt ward. Bonaparte verweigerte diesem Frieden, obgleich sein Bruder, Lucian, als französischer Gesan dter in Spanien ihn unterzeichnet hatte, die Bestätigung, und schloß Frankreichs Frleden mit Portugal)(29. Sept. 1801) zu Madrid erst nach der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien mit England. Martens, T. 7. p. 201. ) Martens, Supplem. T. 2. b. 2 5 ) äbid. p. 559. ö*C + *)(6. Jun. 1801) mit Portugal, nach echiel Grenz 3 nien e nach t vermal Piom Wogege an Fro ch I8 N„ eht. Vberge Shsft dat pilßt daß P. 7⁰/ ulensystre .Min I — WWNS AH uuN Rirh NMNH, K. Frieden Dorgal, N Spanien“ pettgiesse . Bonab Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 359 erhielt in diesem Frieden eine Erweiterung seiner Grenzen in Guiana. i ennle Gleichzeitig ward zwischen Frankreich und Spa⸗ nien ein Vertrag)(21. März 1801) geschlossen, nach welchem der Erbprinz von Parma, Ludwig, vermählt mit einer Tochter Karls 4, Toskana und Piombino als Königreich Hetrurien erhielt, wogegen das Herzogthum Parma, und Louisiana an Frankreich kamen.(Das letztere verkaufte Frank⸗ reich 1803 an Nordamerika. ,. Im fortdauernden Seekriege, wo Maltha(5. Sept. 1800) an die Britten überging, drückte das Uebergewicht derselben auf den Meeren besonders die Schiffahrt der Neutralen. Da ward die Wegnahme der dänischen Feegatte Freya(Jul. 1800) und des preußischen Schiffes Triton(Oct.), die Veranlassung, daß Paul 1, auf die Unterlage der bereits im Jahre 1780 von Rußland bewirkten nordischen Neutralität, in einer Erklärung)(15, Aug. 1800) die nor⸗ dischen Höfe zur Vereinigung einlud, welcher(16. Dec. 1800) die Verträge mit Schweden und Dänemark nn), so wie mit Preußen) wegen Sicherstellung der neutralen Schiffahrt folgten, worauf die Ufer der Elbe, Weser und Ems von den Preußen und-Dänen, und die hannoverschen Pro⸗ vinzen(1801) von den Preußen besetzt wurden. Großbritannien hingegen legte Beschlag auf die Schiffe dieser Mächte, nahm die schwedischen und dänischen Kolonieen, und sandte eine Flotte gegen *„Martens; Supplem. I. 2. P. 329. *4) ibid. p. 568. Ser ½) ihid. p. 389. ναν) ibid. p. 406. 360 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Kopenhagen, vor dessen Hafen(2. Apr. 1801) eine blutige, den Dänen ehrenvolle Seeschlacht gelie— fert ward. Allein Pauls 1 plötzlicher Tod(23. März 1801) bewirkte(17. Jun.) eine Convention)) zwischen Rußland und Großbritannien, welcher Dä— nemark“)(23. Oct.), und später auch Schweden (30. März 1802)*), gegen Zurückgabe ihrer Kolo— nieen, beitraten. Schon am 23. Mai 1801 verließen die Dänen Hamburg und Lübeck, und(4. Jul.) die Preußen Bremen; Hannover aber erst(Nov. 1801) nach dem Abschlusse der Präliminarien zwischen Frank— reich und England. 104. 9) Die Friedensschlüsse von Lüneville und Amiens, nebst den Friedensschlüssen mit andern Mächten. Der Friede zwischen Frankreich 4— Orsreich ward(9. Febr. 1891) zu Lün eville) unter⸗ zeichnet, und das teutsche Reich in Densloen ein⸗ geschlossen. Im Ganzen bildeten der Friede von Campo Formio und die Bewilligungen der Reichs— deputation zu Rastadt die Grundlage desselben.— Oestreich überließ an Frankreich Belgien, das Frickthal mit der Landschaft zwischen Basel und Zur— zach(welche Frankreich 1802 an die Schweiz abtrat), erkannte die mit Mailand und Mantua ausgestattete cisalpinische Republik an, versprach die Entschä⸗ digung des Herzogs von M odena durch den Breis⸗ *)Martens, Supplem. T. 2. p. 482. **) ibid. T. 3. p. 193. **) ibid. p. 196. ) Martens, T. 7. p. 538. gal, mit di den 6 innerl gegen Staas Dalmi ekkanne vetentk ligen( 3 11 des N dadur in b dem In shidi vach j0 N alo 1 Id Be icneng rit in tung yj fahtt gc ind Iß Euschn tingen setto ů a huachte⸗ — — 0 Man —RTRRSSSS.———————5ʃ5—.‚‚FJIII *————— SISISPSPSIII 2 ESEE— V.* lasstae/ Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 361 1 gau, und willigte in die Uebertragung Toskana's hlacht mit der Insel Elba, als hetrurisches Königreich, an We den Erbprinzen von Parma, wofür der Großherzog wurtien innerhalb Teutschlands entschädigt werden sollte. Da— + gegen erwarb Oestreich den vormaligen venetianischen Hetu Staat bis zum Thalwege der Etsch, mit Istrien, dbeihn Fb Dalmatien und den Mündungen von Cattaro. Zugleich E erkannte Oestreich die Freistaaten Cisalpinien, Hel— (4VN vetien, Batavien und Ligurien nach ihren gegenwär— E tigen Gestaltungen an, und verzichtete auf die Reichs— dischen ze lehen in der letztern. Piemonts ward nicht gedacht.— In Hinsicht Teutschlands ward der Thalweg des Rheins die Grenze gegen Frankreich. Den ö dadurch entstehenden Verlust habe das teutsche Reich Herilseiß im Ganzen(collectivement) zu tragen. Die auf nenn dem linken Rheinufer verlierenden teutschen Er bfür— sten sollten„eine im Reichsgebiete genommene Ent— 0 OM schädigung erhalten, zufolge der Verfügungen, welche 21 utl⸗ nach jener Grundlage näher bestimmt werden würden.“ mnehnl In allen abgetretenen, erworbenen oder vertauschten zuden Ländern sollten die neuen Besitzer die auf dem Grunde Mit und Boden dieser Länder hypothecirten Schulden über— sseben nehmen; doch übernahm Frankreich blos die, welche gen, mit Bewilligung der Landstände und für die Verwal⸗ GAmds tung jener Lander gemacht worden waren. Die Schif⸗ li 10 fahrt auf dem Rheine sollte frei seyn für Teutschland wei und Frankreich; doch ward(1804), wegen der zur + Entschädigung mehrerer Fürsten und Stände aufzu— 1. bringenden Summen, eine Rhei nschiffahrts— octroi wieder festgesetzt. Das teutsche Reich bestä— tigte(7. März 1801) diesen Frieden durch ein Reichs— gutachten.— Frankreich schloß mit Pfalzbayern 5) *) Martens, Suppl. T. 2. p. 531. 362 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (24. Aug. 1801) und mit Wirtemberg*)(20. Mai 1802) besondere Friedensverträgeee. rn ͤZbischen Frankreich und Großbritannien ward, nach Pitts Austritte aus dem Ministerium, der Prä⸗ liminarvertrag'zu London)(1. Oct. 1800, und, auf die Bedingungen desselben,(27. März 1802 der Friede zu Amiens) zwischen Großbritan⸗ nien, Frankreich, Spanien und Batavien unterzeich⸗ net. Großbritannien gab, bis auf Trinidad und Ceh⸗ lon, alle Eroberungen an Frankreich, Spanien und Batavien zurück; der Hafen des Vorgebirgs der guten Hoffnung sollte dem Händel und der Schiffahrt aller den Vertrag abschließenden Mächte offen stehen; Mal⸗ Thtsollte dem Orden zurückgegeben, und dessen Unab⸗ hängigkeit von Frankreich, England, Oestreich, Sp a⸗ nion, Rußland und Preußen gärantirt werden; Aegypten sollte an die Pforte zürlckkommen, und das Gebiet der Pforte und Portugals nach seiner Integritat garantirt werden. Frankreich versprach die von Rußland und der Pforte gegründete Republik der sieben Inseln anzuerkennen, und Neapel und den Kirchenstaat zu räumen. An Piemont ward auch in diesem Frieden nicht gedacht; das Haus Oranien aber sollte eine Entschädigung in Teutschland erhalten. Gileichzeitig mit diesen beiden Hauptverträgen (sohnte sich Frankreich durch mehrere Friedensverttäge mit den übrigen Mächten aus. So(29. Sept. 1801 mit Portugal(H. 103.); somit Neapel(28. März 1801) zu Florenz)„worin Neapel die Insel 34½ 2— Martens, Suppl. T. 3. P. 225. 5* 12 ibid. J. 2. p. 548. ö 5092— nhmumn kAX*) ibid. p. 563.——— *) ibid. p. 3377 ε n E Elba, Piomb ward d Oct. 8 Untktye daß A. Republ gegen f keich in ufride Ihhn Wiedens Iu Bodi Al rat Vue Mächtt schaft schen Edn Mart 0 ind 10 ihig Wumnien u, d de n U I Hen Guiy irin wunt AII „Guns 2—5 1 ù s b Cüscht x III Vsn H MWah, E. Wait wd * 5 aunl N MWil Vuelx V watd M IsOran 1 Vund echult Nuptoattüz nvenn 1⁰0 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 363 Elba, den Stato degli Presidii und das Fürstenthum Piombino an Frankreich abtrat. Mit der Pfortte ward der Prtenmar deig*) zu Haris(9. Oet. 1801), der r. Sridde*) selbst am 25. Jun 1802 unterzeichnet. In densselben versprach Fralkreich, daß Zleghpeen an die Pforte zurlickkommen, und die Republik der si siebend Inseln anerkännt werden fol te; da⸗ gegen sollten alle ehemalige Verträge zwischen Frank⸗ reich und der Pforte erneuert werden, und die franzö⸗ sischen Schiffe dieselbe frei„Schifre auf dem schwarl zen Meere erhalten, welche die Mförte am 30. Obt. 1799 den Britten bewilligt Wate. Beide Mächte Newaährleisteern—.— zegen seutts bie IJ Int begrität ihrer Länder. i Mit Agas schloß Beurterh den Frie den Yam 8. Oct. 4861. Schon Paul 4 uti⸗ zufrieden über den Erß folg der Beldßüge vom Jahre ö 799 und über die Se eeherrschaft der Brittel„näherte sich bereits im Jahre 1800 dem ersten Consul, welcher, 7000 gefangene Russen une nigeldlich zur uckgabe Nach Pauls Tode verzoögerte sich Anfängs“ der Abschluß des Friedens, der auf den vovigen Befitzstand„und mit den Bedingungen unterzeichnet ward, daß Rußland die franzöͤsischen Emigranten zu entfernen versprach. Eine geheime Convention zwischen beiden Mächten(10. Oct. 1801) bestimmte die gemein⸗ schaftliche Anordnung der teutschen und itali⸗ schen Angelegenheiten, und daß der König von Sardinien entschädigt werden sollte. * 12i '—56565656—6—H——— 0 Martens, Suppl. P. 2. 5.5 Le) ibid. T: 3 P· 210..N 21 )ibid. T. 2. p. 351. 1aνπε 4II(5 304 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. 105. 10) Die wichtigern politischen Ereignisse ö von 1802— 1805. Durch diese Friedensschlüsse schien das übrige Europa mit Frankreich sich ausgesöhnt zu haben, das zwar aus dem zehnjährigen Kampfe mit einer gestei⸗ gerten Macht und mit einem bedeutenden Einflusse auf seine Nachbarstaaten, noch aber mit keiner Dicta— tur herausgetreten war. Als Anerkennung der innern und äußern Beruhigung Frankreichs, wohin für die neue Gestaltung des Kirchenwesens das mit dem Papste (15. Jul. 1801) abgeschlossene, und zu Ostern 1802 eingeführte, Concordat*) gehörte, ward, auf den Antrag der beiden andern Consuln, Bonaparte durch Senatus consultum) vom 2.Aug. 1802 zum Consul auf Lebenszeit ernannt, womit zugleich mehrere wesentliche Veränderungen in der Verfassung ausgesprochen wurden(3. B. völlige Auf— hebung der Volkswahlen; Verminderung des Tribu⸗ nats auf 50 Individuen; Errichtung von 31 Sena⸗ torerieen u. s. w.). Kurz zuvor(15. Mai 1802) stif⸗ tete Bonaparte die Ehrenlegion. Die Schweiz, in welcher zwei Pärtheien seit mehrern Jahren gegen einander angekämpft hatten, suchte die Vermittelung des ersten Consuls, und er⸗ hielt(19. Febr. 1803) in der sogenannten Media⸗ tionsacte ihre neue politische Gestaltung, ge— mischt aus beibehaltenen frühern und aufgenommenen neuen Formen, mit der Eintheilung des Ganzen in *„Martens, Suppl. T. 2. p. 519. *) Europ. Constitt. Th. 1, S. 235 ff. *π) Martens, Supplem. T. 3. p. 361. I Rund Schn rdne Per wa v (60 dankt un Hr re Mo hen b dens Kchiel F—————————————ü—— RPRISSEEEEEDEEEEEEEE...... 2—= 2————8— öTxxx'xx7 66————3333— assunt Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 365 19 Cantone. Von ihr ward(30. Aug. 1802) das Wal— Ereigrf liser Land, als eigner kleiner Freistaat, getrennt. In Italien ward in dieser Zeit vieles neu ge⸗ ordnet. Der Erbprinz Ludwigg von Parma regierte H über Toskana als Königreich Hetrurien, starb Ahhn, aber frühzeitig(1803), worauf seine Wittwe die vor⸗ sit iurg⸗ mundschaftliche Regierung über ihren minderjährigen Wen is Sohn Ludwig 2 übernahm. Das Herzogthum Par— feintt dtꝛ ma ward, nach dem Tode des Herzogs Ferdinand der imt(9. Oct. 1801), in Angemessenheit zu dem zwischen oohin fir! Frankreich und Spanien abgeschlossenen Vertrage, dem Pay von Frankreich besetzt, und später, unter dem Namen Mern 15 Taro, ein Departement Frankreichs. Der(14. votd, März 1800) neugewählte Papst Pius übernahm „Bunn den Kirchenstaat nach den Bestimmungen des Frie— . M 0 dens von Tolentino. Der kleine Freistaät Lucca mi, um erhielt(30. Dec. 1801) eine neue Verfassung, mit uun in x einem Gonfaloniere als Oberhaupt der Regierung. Wl Ms Eben so ward(26. Jun. 1802) die Verfassung Li gu⸗ 4U6 Wüi riens dähin verändert, daß ein auf sechs Jahre er au 31E nannter Doge die Staatsangelegenheiten mit einem 15008 Senate von 30 Individuen leitete. Der Schwieger⸗ 25 sohn und Erbe des Herzogs von Modena, der Erz— Whin herzog Ferdinand von Oestreich, nahm vom Breis— ö gau Besitz. Die cisalpinische Republik endlich, ms welche nach der Schlacht bei Marengo von Bonaparte 40 hergestellt worden war, nahm(26. Jan. 1802) zu n Nl, Non, wo sich ihre Consulta versammelte, eine neue 99 Verfassung, den Namen der italienischen m Republik an, und wählte den ersten Consul zu Ou ihrem Präsidenten. Obgleich dieses wichtige Ereigniß noch in die Zeit vor dem Abschlusse des Frie⸗ dens von Amiens fiel; so hatte es doch keinen Einfluß auf denselben. 366 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Von großer politischer Wichtigkeit war das Ent⸗ schädigungsgeschäft in Teutschland, in Beziehung auf die Bestimmungen des Lüneviller Frie⸗ dens. Eine Reichsdeputation war für diesen Zweck in Regensburg zusammengetreten; allein in Paris, wo unter Talleyrands Leitung Matthieu an einem Entschädigungsplane arbeitete, unterhandelten mehrere teutsche Fürsten deshalb, und schlossen(Mai 1802) Separatverträge darüber mit Frankreich. So Preu⸗ ßen, Oranien und Bayern. Als aber, nach der zwischen Frankreich und Rußland am 10. Oct. 1801 abgeschlossenen geheimen Convention, Ruß⸗ land Antheil an der Entscheidung dieser Angelegen⸗ heit verlangte; so ward dem russischen Gesandten Markoff(4. Jun. 1802) zu Paris der Entschädigungs⸗ plan mitgetheilt, und dieser(16. Jul.) vom Kaiser Alexander, doch mit dem Vorbehalte der vollständigen Entschädigung Oldenburgs und des Königs von Sar⸗ dinien, bestätigt. Darauf legten(18. Aug.) die Minister der beiden Mächte, Laforest, Klüpffel und v. Bühler, der Reichsdeputation den Entschädigungs⸗ plan vor, der zwar im Allgemeinen angenommen ward, gegen welchen aber im Einzelnen so viele Reclamatio⸗ nen eingingen, daß die vermittelnden Mächte(9. Oct.) der Deputation einen zweiten Plan mittheilten. Allein auch in diesem waren Oestreich und Toskana für ihre Verluste zu niedrig angesetzt, so daß deshalb Oestreich(26. Dec.) eine besondere Convention*) mit Frankreich abschloß, worauf endlich(25. Febr. 1803) der Reichsdeputationshauptschluß*)unter⸗ *) Martens, Supplem. T. 3. p. 226. *½0 ibid. p. 231.— J. V. Cämmerer, Hauptschluß der außerordentlichen Reichsdeputation. Nach den Rchten Agenol nit Va ccgunge sem Bl Rae sh Ind mil Vrilsths Dish 16 vnd hatra chie hitt. Waf . wurdentz Gehitte undes) ugeblhw fsum ni vewv, urhurg shar Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 367 der duln zeichnet, von der Reichsversammlung(24. März) Hlanh angenommen, und vom Kaiser bestätigt ward, doch menllte hr mit Vorbehalt der kaiserlichen Rechte und der Bestä⸗ Rsen Zui tigung des westphälischen Friedens, so weit sie in die⸗ i In De sem Beschlusse nicht verändert worden wären, mit itu m ein einer salvatorischen Clausel für die Reichsritterschaft, Dehnmhn und mit einstweiliger Suspension der vorgeschlagenen l Virilstimmen im Fürstenrathe. 2—8 I Die Bestimmungen dieses Reichsdeputationsschlus⸗ ahr, u ses waren eben so in geographisch-⸗ statistischer, wie in m 10. staatsrechtlicher Hinsicht höchst wichtig und folgenreich. un, Ru Sie hätten, wenn das teutsche Reich nicht drei Jahre Lag darauf aufgelöͤset worden wäre, zu einer neuen poli⸗ Gsind tischen Gestaltung desselben führen müssen; so aber Ischdiuun wurden sie wieder die Unterlage der durchgreifenden Vun Kul Gebietsveränderungen bei der Stiftung des Rhein⸗ WIsind bundes. Einige der verlierenden Fürsten wurden, 6uE angeblich wegen des nöthigen Gleichgewichts unter 0 5 den teutschen Staaten selbst, überreichlich„ andere auftl kaum nothdürftig entschädigt. Die beiden geistlichen tnuns Churwürden Trier und Kölln erloschen völlig; die .0 von Mainz veränderte ihren Namen, und erhielt Wchunc eine kärgliche Ausstattung. Dagegen traten vier neueweltliche Chur fürsten, Salzburg, Wir⸗ 4e 0•0%—„ e RN temberg, Baden und Hessen⸗Kassel, ins Churfürsten⸗ i collegium; die Häuser Toskana und Oranien wurden ̊ů— in Teutschland entschädigt; alle geistliche Mit— vñ d mun V—— ö——— j„ Originalacten. Regensb. 1804. 4. SanDesson i Protocoll der außerordentlichen Reichsdeputation. 2 Th. Regensb. 1803. 8.— Karl Ernst Adolph v. Hoff, das teutsche Reich vor der franz. Revolu— 760 tion und nach dem Frieden von Lüneville. 2 The ns Gotha, 1801 und 1805. g. 308 Geschichte des europͤischen Staatensystems ꝛe. glieder des Reichstages verschwanden bis auf den Churerzkanzler und den Hoch⸗ und Teutsch⸗ meister, und von 52 ehemaligen Reichsstädten(wo⸗ von Aachen, Köln, Worms und Speyer an Frank⸗ reich gekommen waren) behielten blos sechs ihre Selbstständigkeit: Augsburg, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg, Lübeck, Nürnberg. Oestreich erhielt die Bisthümer Trient und Bripen; der Herzog von Modena den von Oestreich abgetretenen Breisgau und die Ortenau; der Groß⸗ herzog von Toskana Salzburg, Berchtesgaden, Eichstädt und einen Theil von Passau; Preuß en Paderborn, Hildesheim, den größten Theil von Münster, das Eichsfeld, Erfurt, den mainzischen Theil von Treffurt, die Abteien Quedlinburg, Elten, Essen, Werden und Kappenberg, und die Reichs⸗ städte Mühlhausen, Nordhausen und Goslar; das Haus Oranien Fulda, Corvey, die Abtei Wein— garten und die Reichsstadt Dortmund; der Churfürst von Pfalz-Bayern(welcher, außer seinen über⸗ rheinischen Verlusten, auch auf die diesseits des Rheins gelegene Unterpfalz verzichtete,) die Bisthümer Würz⸗ burg(mit Ausnahme einiger Aemter), Bamberg, Augsburg, Freysingen, einen Theil von Passau, die Propstei Kempten und mehrere Abteien und Reichs⸗ städte; der Churerzkanzler, Primas von Teutschland, Aschaffenburg(aus den mainzischen Landern), die Reichsstädte Regensburg und Wetzlar, und einige Stifter; Churbraunschweig das Fürstenthum Osnabrück erblich; der Herzog von Wirtemberg die gefürstete Propstei Ellwangen, mehrere Abteien, Klöster und Reichsstädte; der Markgraf von Baden mehrere pfälzische Aemter mit Mannheim und Heidelberg, das Hochstift Kostnitz, 7 die dies⸗ ner Ei Meichs X Kasseh und dide sen⸗ nehrerdo Vurmea gensaden Brauns Reeimde Iu Rals manyshl che Nn Adeng stenthuth inige x hidtgt x Kythul en und Hohen ne Isd Tas Ahre& h Bis Diettis. gen undie Nalthz Reihs z deputgtonp Miche Micden, sun Dame rhilegiuß V f I. lusslar hun ud Lelst Wolüdtn, en Ru I scchs h u, Rufte er Tun i von Oent U der Hu erchtesgad Preuß uVil v mainzt bunz, Eit, R De Mol Glar; d IV M Or siet ben ibe⸗ ün sumtt Mi, Bubah Passu, Ind Mit inas U nuimstn Whe, weig d Hacheg lut„ de; 6 Iam hasni IEENSSNRSSESSESESESEEEE--——IFFIIF...————— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 369 die diesseits des Rheins gelegenen Reste der Bisthü— mer Speyer, Strasburg und Basel, und mehrere Reichsstädte und Abteien; der Landgraf von Hessen— Kassel mehrere mainzische Aemter, einige Stifter, und die Stadt Gelnhäusen; der Landgraf von Hes⸗ sen-Darmstadt das Herzogthum Westphalen, mehrere mainzische Aemter, den Rest des Bisthums Worms, die Reichsstadt Friedberg, die Abtei Seli⸗ genstadt und die Propstei Wimpfen; der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel die Abtei Gan— dersheim und die Prälatur zu Helmstädt; die Fürsten von Nassau-Usingen und Weilburg mehrere mainzische, trierische und kölnische, auch einige hessi— sche Aemter, so wie einige Abteien; der Herzog von Oldenburg das Bisthum kübeck als erbliches Für— stenthum, das hannöversche Amt Wildeshausen und einige münstersche Aemter. Außerdem wurden ent— schädigt: die Fürsten von Salm⸗-Salm, Salm— Kyrburg und Salm-Reiferscheid, die Für— sten und Grafen von Leiningen, der Fürst von Hohenlohe Bartenstein, der Fürst von Thurn und Taxis, das Haus Löwenstein, die Herzoge von Ahremberg und Croy, die Fürsten von Ligne, von Wied-Runkel, von Bretzenheim, von Dietrichstein, von Hohenzollern-Hechin— gen und Sigmaringen, der teutsche und der Maltheser-Orden, so wie die verlierenden Reichsgrafen. Zugleich bestimmte der Reichs— deputationshauptschluß die Pensionen der geistlichen Reichsstände und die Fortdauer ihrer personlichen Würden, ertheilte den vier neuen Churfürsten, Hes— sen⸗Darmstadt und dem Gesammthause Nassau das privilegium de non appellando, und erklärte im Voraus alle rbinnen einem Jahre von den Reichs— III. 24 370 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ständen vorzunehmende Ländertausche und Vergleiche für gültig. ö Kaum war aber diese wichtige Angelegenheit in Teutschland zur Entscheidung gebracht, als der Zwist zwischen Frankreich und Großbritannien über das, von dem letztern in Angemessenheit zum Frieden von Amiens herauszugebende, Maltha, und Großbri⸗ tanniens Eiferfucht auf Frankreichs neuaufblühende Marine und auf die Expedition nach Domingo, die Kriegserkläͤrung Großbritanniens an Frankreich(18. Mai 1803) bewirkte, worauf der erste Consul(Jun.) den Churstaat Hannover be⸗ setzen ließ. In diesem Kriege standen Batavien, und Spanien(seit 1804) auf Frankreichs Seite. Bonaparte drohte, vom Lager von Boulogne aus, mit einer Landung in England, und nöthigte dadurch England zu bedeutenden Rüstungen. Ein entdeckter Plan auf Bonaparte's Leben, den Georges aus⸗ führen wollte, in welchen zugleich Pichegru und Moreau verwickelt waren, führte ihn zu dem Ge— waltschritte der Hinrichtung des Herzogs d' Enghien (20. Marz 1804), bewirkte aber auch die erbliche Kaiserwürde Napoleons in dem organischen- Senatusconsultum*) vom 18. Mai 1804, welches die dadurch nöthig gewordenen Veränderungen in der vierten Verfassung bestimmte.— Bald darauf(11. Aug.) nahm Franz 2 den Titel eines Erbkaisers von Oestreich an).— Der Kaiser Napo⸗ leon, der, nach der Salbung von dem Papste, die Krone sich selbst(2. Dec.) aufsetzte, ward von der *) Europ. Constitt. Th. 1, S. 237. ö *X*) Das Patent deshalb beim Martens, Supplem. T. 4. Pp. 89. ö 2 nach italie lichh der Hx Kron zum i Anwer Einvisl staa 8 liches C Guaso vorher MaryS Gem 27 Frashe (nunl hatte mi verbund Napono dEngn punctegu —— ) Die 4t) Di S unge uussu Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 371 ind Nash nach Paris berufenen Deputation der Consulta der italienischen Republik(47. März 1805), zum erb— Hulgrhi lichen Könige von Italien) ernannt, worauf dber e der Kaiser, der sich(26. Mai) zu Mailand die eiserne nn ile v Krone aufsetzte, seinen Stiefsohn Eugen(7. Jun.) an raun zum Vicekönige von Italien erhob. Während seiner Anwesenheit in Italien ward von ihm(4. Jun.) die Heuadfeu Einverleibung des bisherigen ligurischen Frei— Duming staates in Frankreich bewirkt, so wie durch kaiser— uniens! liches Decret(21. Jul.) auch Parma, Piacenza und e, worai Guastalla mit Frankreich vereinigt wurden. Schon aunover vorher gab er das Fürstenthum Piombino(13. Batovi März 1805) seiner Schwester Elisans), und deren nreich Ei Gemahle Bacciochi(23. Jun.) das aus einem Bulogre u Fr⸗istaate in ein Fürstenthum verwandelte Lucca Uthült dur(nun Fürst von Lucca und Piombino). Piemont En endet hatte ein Senatusconsultum(1802) mit Frankreich 70 665 0 verbunden.— Europa erkannte, in welchem Sinne iaegtt ul Napoleon König von Italien hieß! bnU 1 106. ö NMat— Werll 10) Vom Kriege im Jahre 1805 bis zur mahnt Auflösung des teutschen Reiches. 904, Diese bedeutenden Veränderungen in den innern crungen und äußern Verhältnissen Frankreichs entgingen der ömas Aufmerksamkeit des Auslandes nicht. Rußland Erbeas war Frankreich entfremdet wegen der Hinrichtung Kustt M d'Enghiens, wegen der verweigerten Entschädigung Ms Sardiniens und wegen mehrerer andrer Reibungs— aurd I x puncte, und schloß deshälb(14. Apr. 1805) zu Peters⸗ *) Das Statut Martens, Suppl. T. 4. p. 136. erughn An) Die Acte deshalb Martens, Suppl. T. 4. p. 155. . d und wegen Lugca ibid. p. 13g. 24* — 372 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. burg einen Vertrag) mit Großbritannien, welchem (9. Aug.) Oestreich beitrat). Der König von Schweden, durch zwei besondere Verträge(34. Aug.) und 3. Oct.) an) mit Großbritannien ver— bunden, versprach, gegen brittische Hülfsgelder, 12,000 Schweden nach Pommern zu führen. Der Plan dieser dritten, von Pitt vermittelten, Co a⸗ kition war, eine halbe Million Streiter gegen Na— poleon aufzustellen, und dadurch die Räumung Han⸗ novers, die Herstellung der Unabhängigkeit Bata— viens und Helvetiens, die Herstellung und Vergröße— rung Sardiniens, die völlige Räumung Italiens von den Franzosen, und eine neue Ordnung der Dinge in Europa auf die Grundlage der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der einzelnen Staaten zu bewirken. Zugleich versprachen die Verbündeten einander,„alle Eroberungen erst nach Beendigung des Krieges zu theilen, und jeden Staat als Feind zu behandeln, der für Frankreich sich erklären würde.“ Preußen, vielfach zum Beitritte veranlaßt, blieb bei dem Sy— steme der Neutralität; dagegen drangen gelandete Rus⸗ sen und Britten von Neapel aus in Oberitalien vor, obgleich Ferdinand 4 einen Neutralitätsver— tragef) mit Napoleon geschlossen hatte. Nach Bayern und Schwaben führten der Erz— —— *) Martens, Supplem. T. 4. p. 160.— 8Schöll, ö N. 7. Pp 32. *π)) Martens, Suppl. T. 4. p. 169.— Sch6I, ö 2H. 7. p. 561. ö ö ) Martens, Suppl. T. 4. p. 177.— Schöll, I. 8. p. 83: t) Maht us Suppl. T. 4. p. 183.— Sehöll, T. 6. p. 67 1) Marten s, Suppl. T. 4. p. 106. 7 — * herzog 140/00 aus solt vordring sidlicher um im Britten, und den berechnet fuhrung. en Chur hach der i sch zu e berg u gen die Oestreich rücende fechten b (0. Oct) sich der Mack(1 (15. Oct. Wokauf Preuße neutraler dem fra schrieben den Dur erschienen schaften ———————— *) Von Gesch 10⁰63 ussur Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 373 +4. 550 herzog Ferdinand und Mack 80,000 Oestreicher; 0 in 110,000 der Erzherzog Karl nach Italien; von Tyrol n aus sollte der Erzherzog Johann nach der Schweiz munnienx vordringen, und russische Massen sollten theils im WN südlichen, theils im nördlichen Teutschlande auftreten, shen, A. um im letztern, in Verbindung mit Schweden und Lirn, Ei Britten, Hannover zu befreien, und nach Batavien Ar n und dem Rheine vorzugehen. So groß dieser Plan Iimufe berechnet war; so fehlte doch die Einheit in der Aus— gigkeit du führung. Schon daß das Mißtrauen gegen Oestreich 10 Vehri den Churfürsten von Pfalz-Bayenn bestimmte, Vulene v nach der ihm verweigerten Neutralität, mit Napoleon der Dingt sich zu verbinden, welchem Beispiele(Oet.) Wirtem⸗ ständigkeit v berg und Baden folgten! In raschem Zuge dran— h bewitt gen die Franzosen in Teutschland vor, umgingen die dander, A Oestreicher am Lech, und suchten sie Von den nach⸗ 2 Kugte rückenden Russen abzuschneiden. Nach einzelnen Ge⸗ fechten bei Wertingen(8. Oct.), bei Günzburg hn. 9. Oct.) und bei Elchingen(14. Oct.), trennten 4haden S sich der Erzherzog Ferdinand und Schwarzenberg von acharderd Mack(15. Oct.) und zogen nach Böhmen, während Waihln(15. Oct.) die Anhöhen von Ulm erstͤrmt wurden, zlitätz worauf(20. Oct.) Mack in Ulm capitulirte.— Preußen), beleidigt durch die Verletzung des unn neutralen Anspachischen Gebietes, übergab(14. Oet.) ö dem französischen Gesandten zu Berlin eine stark ge— 81 schriebene Note, und verstattete darauf den Russen Sebeh den Durchzug durch seine Provinzen(24. Oct); auch Sl erschienen besondere östreichische und brittische Gesandt— schaften in Berlin, den König zum Beitritte zur sebölh*) Von hier an müssen Lombards Materialien zur 7 Geschichte der Jahre 1805— 1807. Frankf. u. Lpz. 1803. 12. verglichen werden. -—ü———————————————————— 374 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Coalition zu vermögen. Zuletzt bewirkte die Ankunft des Kaisers Alexanders 1 die Convention zu Potsdam) 3. Nov), nach welcher Preußen zuerst als Vermittler zwischen den kriegführenden Mächten auf die Unterl 445. des ainn 6.5. auftreten, wollte, wenn das r neue von der Tussischen Grenze auf⸗ gebrochene Heer angekommen seyn würde. Einstwei⸗ len besetzten(27. Oet.) die Preußen den Churstaat Hannover, wodurch die Besetzung desselben von den Russen und Schweden verhindert ward. Im südlichen Teutschl ande drückte Bernadotte den General Kienmayer vom Lech nach dem Inn(16. Oct.) zurück, worauf dieser bei Braunau mit dem ersten russischen Heerestheile unter Kutusow sich verband, mit demselben aber, vor der Uebermacht der Franzosen, sich zurückzog. Die Franzosen und Bayern verbreiteten sich darauf über Salzburg, Kärnthen, Krain und Tyrol, wo Inspruck(6. Nov.) und Kuf⸗ stein(7. Nov.) besetzt wurden, während die französi— sche Hauptmacht unter Davoust, Lannes, Marmont und Murat die Straße nach Wien einschlug. Bei Krems ging Kutusow auf das linke Ufer der Donau (9. Nov.), wo er, nach einem heftigen Gefechte bei Dirnstein(11. Nov.) gegen Mortier, sich auf die russische Hauptmasse in Mähren zurückzog. Wien ward(13. Nov.) von den Franzosen besetzt, die von da aus nach Mähren vordrangen, wo, nach mehrern theilweisen Gefechten, der Tag von Au ster— litz(2. Dec.) über diesen Winterkampf und über Teutschländs Schicksal entschied; denn, nachdem Na— und Franz bei Saroschütz(A. Dec.) sich ge⸗ ) Sie ist K86 nirgends gedruckt. 5 sprochen stilstand ausgesohl in Preuß 6 (15. Des niß zwis Preußen! Preußen! chatel& vorige unt Maarchiꝛ Megeital burgt we; dingunget von Nah sem Ver! den Ver! daß Nar den mit Frieden nöthigt, trage dier ersten zuz Jalien vi dierd 6 Verhuste zurückzie Der! beendigtz Kaiser römisch Letreich— Mart lnsssr, de Ea Woentiiyg Nnoßen in n Mihh hert austrtz Yl nin hen Grekt Eni den Chusi desselben y rd. Bernade dem Vn l mau mit de Kumnsow st Uchenuht x Bauen , Humse, 20 Hf NNm 6, Mm sschug N Gefchth „ scha ku Mi V Iust H Hachen sch l Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 375 sprochen und beide Mächte(6. Dec.) einen Waffen⸗ stillstand abgeschlossen hatten, kehrte Alexander, un⸗ ausge sohnt mit Frankreich, nach Rußland zurück, und in Preußens Namen unterzeichnete Haugwitz zu Wien (15. Dec.) einen Vertrag, in welchem das Bünd⸗ niß zwischen Frankreich und Preußen erneuert, an Preußen der Churstaat Hannover überlassen, von Preußen ader dagegen Anspach, Cleve und Neuf⸗ chatel an Frankreich abgetreten, von Frankreich der vorige und neuerworbene Besitzstand der preußischen Monarchie garantirt, und von beiden Mächten die Integritat sämmtlicher Besitzungen der Pforte ver⸗ bürgt ward. Zwar war Haugwitz zu diesen Be⸗ dingungen nicht bevollmächtigt gewesen, ihm aber von Napoleon blos die Wahl zwischen Krieg und die— sem Vertrage gelassen worden. In Berlin wollte man den Vertrag nur unter der Bedingung unterzeichnen, daß Napoleon 4 die Abtretung Hannovers im Frie⸗ den mit Großbritannien bewirkte. Allein nach dem Frieden von Austerlitz sah Haugwitz zu Paris sich ge⸗ nöthigt,(15. Febr. 1806) in einem zw eiten Ver⸗ trage die noch genauer bestimmten Bedingungen des ersten zu erneuern.— Das östreichische Heer in Italien mußte, obgleich der Erzherzog Karl bei Cal⸗ dierd(30. Oct.) gluüͤcklich gefochten hatte, nach den Verlusten in Teutschland auf die Grenze Croatiens sich zurückziehen. Der Friede zu Preßburg)(26. Dec. 1805) beendigte den Krieg zwischen Frankeiich und dem Kaiser Teutschlands und Oestreichs(der römischen Kaiserwürde ward darin nicht gedacht). Oestreich überließ seinen zu uneville erworbenen An⸗ *) Martens, Suppl. T. 4. p. 212. 376 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. theil an Venedig dem Königreiche Italien, und erkannte alle von Napoleon in Italien getroffene Ver— änderungen und seine italische Königswürde an; doch sollten, nach Napoleons eigner Erklärung bei der An— nahme dieser Krone, in Zukunft die Kronen Frank— reichs und Italiens getrennt werden. Wenn Oestreich durch diese Bestimmungen seine Hausbesitzungen und die tausendjährigen Rechte des Kaisers in Italien aufgab; so bereiteten die übrigen Bedingungen des Friedens die wichtigsten Veränderungen in Teutsch— land vor. Die Churfürsten von Bayern und Wir⸗ temberg erhielten die Königswürde und Sou-⸗ verainetät, der Churfürst von Baden die Sou⸗ verainetaäͤt, obgleich diese Fürsten dadurch„nicht aufhören sollten, dem teutschen Staatenbunde anzugehören.“ Dabei gewann Bayern Tyrol mit Trient und Brixen, die vorarlbergischen Herrschaften, Burgau, den salzburgischen Antheil an Passau, Eich— städt, die Grafschaften Hohenems und Königsegg, die Herrschaften Tetnang und Argen, die Stadt Lindau, und die Reichsstädt Augsburg. Dafür überließ es dem Erzherzoge Ferdinand, welcher Sal zbur g und Berchtesgaden an Oestreich abtrat, Wür z⸗ burg, welches zum Churstaate erhoben ward. Der neue König von Wirtemberg erhielt die Landvoig⸗ tei Altorf, die Landgrafschaft Nellenburg, die Gral, schaft Hohenberg, die Grafschaft Bonndorf und meh— rere Städte. An Baden kamen der größte Theil des Breisgau mit der Ortenau, die Stadt Kostnitz und die Kommenthurei Meinau. Dem Erzherzogh Ferdinand, der den Breisgau verlor, ward eine voll— söndige Entschädigung in Teutschland versprochen, die er nicht bekam; ein östreichischer Prinz aber sollte die Hochmeisterwürde des teutschen Ordens erblich be⸗ *—— 3 sn Au lleiden. ser von hliebenen zum erst — Die halb lb der derselben (10. Dee Das Diesen Fr (1. Det ͤber die französie vielmehr sorechend Frieden( „die 5r und sandt Mutralite but schen“ um m sich sein zessin K. tivtochter zen Karl München Frankreic dingungen derativ orbehalt lentere * I Ralstyh osfenty dude an; W deider. Aunm Fraf Ven disth Sbesthunn — àin Inlo dingunger v J. 0 in Lells ruind W. de u Ci 5 ir 86 den MNC Ndurch„nt aatenbunh „ V ernL Hschoftr. Dusau, Cih⸗ nidstaz, de ů WEoHM TiN Vydah Ciadi Wau, Ir Ubtri s. Hbutne ut, Dih V ward N die dumah 0 V g, dieU erf und 6˙75 SI roßtt H Kith W Wilt ul wuftohen, (ahlt bhl Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 377 kleiden. Zugleich garantirte Napoleon die dem Kai⸗ ser von Oestreich und den Prinzen seines Hauses ge— bliebenen und neuzugetheilten Besitzungen; doch war zum erstenmale die Garantie nicht gegenseitig! — Die unmittelbare Reichsritterschaft inner— halb der drei südteutschen Staaten ward den Regenten derselben blos durch einen Militairbefehl Napoleons (49. Dec.) überwiesen. ö 107. 5der t se hnn g. Das Uebergewicht, zu welchem Napoleon durch diesen Frieden gelangte, konnte durch Nelsons Sieg (21. Oct. 1805) auf der Höhe von Trafalgar über die unter Villeneuve und Gravina vereinigte französisch-spanische Flotte nicht erschüttert werden; vielmehr entwickelten sich die Folgen desselben immer sprechender. Schon am Tage nach dem Preßburger Frieden(27. Dec.) sprach Napoleon zu Wien aus, „die Dynastie zu Neapel habe aufgehört zu regieren,“ und sandte ein Heer dahin, weil Ferdinand 4 den Neutralitätsvertrag gebrochen hatte. Die drei süd⸗ teutschen Fürsten traten durch eingeleitete Vermäh⸗ lungen mit ihm in Blutsverwandtschaft; so vermählte sich sein Stiefsohn Eugen mit der bayrischen Prin— zessin Auguste, sein Bruder Jerome mit der Prin— zessin Katharina von Wirtemberg, und seine Adop— tivtochter Stephanie Beauharnois mit dem Churprin⸗ zen Karl von Baden. Zugleich erklärte er, von München aus, in einem Schreiben an den Senat Frankreichs(12. Jan. 1806),„daß er sich die Be⸗ dingungen des gemeinschaftlichen Bandes al ler Fö— derativstaaten des französischen Reiches vorbehalte;“ denn seit der Zeit mußte genau zwischen 378 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Frankreich und dem französischen Reiche unterschieden werden, welches schon im Jahre 1806 alle Lander von der sicilischen Meerenge bis zum Main in Teutschland, und bis an die Küsten Hollands um⸗ schloß. So erklärte Napoleon(30. März) seinen Bruder Joseph zum Könige beider Sicilien(nur daß die Insel Sicilien nicht erobert ward); seinen Schwager Murat(30. März) zum Herzoge von Cleve und Berg(nachdem er Berg von Bayern für das ihm überlassene Anspach eingetauscht hatte); den Marschall Berthier(30. März) zum Fürsten von Neufehatel; seinen Bruder Ludwig(5. Jun.) zum Könige von Holland; den Minister Tal⸗ leyrand(5. Jun.) zum Fürsten von Benevent, und den Marschall Bernadotte(5. Jun.) zum Fürsten von Ponte Corvo. Eine Menge von Herzogthümern und Großlehen stiftete er zur Beloh⸗ nung seiner Marschälle und Getreuen, und erließ(30. März) ein denkwurdiges Familiengesetz). Gileichzeitig blieb ein mächtiges französisches Heer in Teutschland zurück; es behauptete die Festung Braunau, weil die Russen das von Oestreich mit Dalmatien abgetretene Cattaro besetzt hatten; die Stadt Frankfurt am Main mußte als Stapelplatz englischer Waaren(4. Febr.) eine Contribution von 4Mill. Franken entrichten; und der Churerzkanzler bestimmte(27. Mai) den Kardinal Fesch, des Kai⸗ sers Oheim, zu seinem Coadjutor, welche Ernen⸗ nung(5. Jun.) Napoleon bestätigte. Selbst Großbritannien schien, nach Pitts Tode(23. Jan. 1806) und seit Foxens Eintritte ins Ministerium, zum Frieden geneigt. Schon war Lord * Martens, Suppl. T. 4. Pp. 267. Huderda Paris el (13.86 Unterhar Grundso sie gleig behaupté reits( Friede chem dies binnen i Mohte d Iischa,e zu garaf ligte dis Rheinbi men, me des Köͤn Iuver, g. Kriegin erschien. N Köͤnige s wickelt des Kuz hatte, 1 burgischn der Besn die preuz die preu Mart Aunssun hen Mihe V Hun UHlards u „Nu süw Sichn si. word San lauscht hat um Firt vig 6•J. Muister L. Bentyer + —. * + 5. Jnn./ l Ii di in Hesteiche t hatten k Stm Huftoh 1u Md= nuu 7, Eimte Var Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 379 Lauderdale(2. Aug.) zur Abschließung desselben in Paris erschienen, als, nach Foxens baldigem Tode (13. Sept.), das neue Grenvillesche Ministerium die Unterhandlungen(30. Sept.) abbrach, und Pitts Grundsätze von neuem die Oberhand behielten, wenn sie gleich nicht mit seinem Geiste und seiner Kraft behauptet wurden. reits(20. Jul.) zwischen Clarke und Oubril der Friede*) zu Paris unterzeichnet worden, nach wel— chem die Russen Cattaro, die Franzosen Teutschland binnen drei Monaten verlassen sollten, und beide Mächte die Unabhängigkeit der Republik der jonischen Inseln, und die Integrität der Besitzungen der Pforte zu garantiren versprachen. Allein Alexander bestä⸗ tigte diesen Frieden nicht, nachdem die Stiftung des Rheinbundes bekannt geworden war. Preußen hätte, durch den Vertrag mit Frank— reich(15. Febr.), sich genöthigt gesehen,(1. Apr.) den Churstaat von Hannover in Besitz zu neh— men, worauf(20. Apr.) eine hart geschriebene Note des Königs von England, als Churfürsten von Han— nover, gegen Preußen, und später(11. Jun.) die Kriegserklärung Englands an Preußen erschien. Nur daß Preußen gleichzeitig auch mit dem Könige von Schweden in Mißverständnisse ver⸗ wickelt ward, der im Spätjahre 1805 an dem Gange des Krieges keinen wesentlichen Antheil genommen hatte, nun aber für brittische Subsidien das Lauen— burgische besetzt hielt, woraus ihn die Preußen, nach der Besetzung Hannovers, verdrängten, worauf er die preußischen Ostseehäfen sperren und Beschlag auf die preußischen Schiffe legen ließ. Erst, nachdem *) Martens, Suppl. T. 4. p. 306. Sogar mit Rußland war be⸗ 85 5————.—.—————.————.——————————.————— 380 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. Preußen(17. Aug.) wieder in die Besetzung des Lauen⸗ burgischen durch die Schweden eingewilligt hatte, nahm er seine feindlichen Maasregeln zurück, ohne doch an Preußens Rüstungen gegen Frankreich Theil zu nehmnnn. Lunn u. (die Umrisse aus der besondern Geschichte der einzelnen europäischen Staaten werden, am Ende des dritten Zeitabschnitts dieses Zeitraumes, im Zusammenhange gegeben.) 4 Zweiter Zeitabschnitt. Von der Auflösung des teutschen Reiches bis zu den Ergebnissen des Wiener Con gresses; 5 von 1806— 1815. 108. A) Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Dieser Zeitabschnitt umschließt das mächtige Uebergewicht Frankreichs bis zu dessen Erschütterung mit Napoleons Verzichtleistung auf die Throne Frankreichs und Italiens(14. Apr. 1814). Durch den Preßburger Frieden hatte er das Uebergewicht Frankreichs nach außen gegründet; der Umsturz der tausendjährigen Verfassung des teutschen Reiches bei der Stiftung des Rheinbundes war nur eine Folge und Ergänzung jenes Friedens. Damit sank der bisherige Mittelpunct des Systems des politischen Gleichge— wichts, und an die Stelle dieses Systems trat der Centralstaat Frankreich, umgeben von seinen Föderativstaaten und seinen Bundesgenossen. — Denn Y erweiter Teutschl doch so, Abtretul dem Rl zu Tilsi näkigen und befe Napoleo Kassel. lisch neng Rihe de tugiest unter bi Portuge sen verle Span. Karl 4 duf das. Throned Aus den beschräkt Grenel bidet un N ter Kra sette det so streng nes Sys Oef nier gege seine Ver iische S Renssin: Hng de Iun Aailligt e, uruck* e N ö ö RAINMNN Husttih V hetn Gatitt N Werder, ses Jitun gitt. hen Reic' Dienet Lr schnitts 2 666 das mäht uf die S 1½0. N ag W W —— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 381 Denn Preußens unglücklicher Kampf im Jahre 1806 erweiterte den Rheinbund über das ganze vormalige Teutschland, mit Ausnahme Oestreichs und Preußens, doch so, daß das, zum großen Theile aus preußischen Abtretungen gebildete, Königreich Westphalen dem Rheinbunde zugetheilt ward. Rußland trat zu Tilsit(1807) mit Frankreich, nach einem hart— näckigen Kampfe, zu genauer Freundschaft zusammen, und befestigte sie(1808) zu Erfurt. Schon regierten Napoléeons Brüder zu Neapel, im Haäg und zu Kassel. Da sollte auch die pyrenäische Halbinsel poli— tisch neugestaltet und nach ihren beiden Reichen in die Reihe der Föderativstaaten gestellt werden. Das por⸗ tugiesische Regentenhaus aber schiffte sich,(1807) unter brittischem Einflusse, nach Brasilien ein, und Portugal ging, nach kurzem Besitze, für die Franzo⸗ sen verloren; dagegen setzte Napoleon die Kronen von Spanien und Indien, auf welche zu Bayonne Karl 4 und Ferdinand 7(1808) verzichten mußten, auf das Haupt seines Bruders Josephs, dem auf dem Throne Neapels sein Schwager Joachim Murat folgte. Aus den Trümmern des vormaligen Polens trat, in beschränktem Umfange, ein neuer Staat an Rußlands Grenze hervor, das Herzogthum Warschau, ge⸗ bildet und anerkannt'im Tilsiter Frieden. Nur Großbritannien blieb, in ungeschwäch— ter Kraft, im Kriegsstande gegen Frankreich, und setzte dem Napoleonischen Continentalsysteme ein eben so streng berechnetes und nicht ohne Härte festgehalte⸗ nes System der Seeherrschaft entgegen. Oestreich, das während des Kampfes der Spa— nier gegen Napoleon die günstigste Aussicht erblickte, seine Verluste auszugleichen und seine vormalige poli— tische Stellung von neuem zu erringen, erschien im PFFFPIPIPIPIIFItFFFTTITFTftfTTfTfTfftTTT T T TT—— T————F—— ¶.— 382 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Jahre 1809, mächtig gerüttet, auf den Schlachtfel⸗ dern Teutschlands und Italiens; allein auch diesmal siegte Napoleons Strategie, und die östreichische Monarchie ward im Wiener Frieden noch einmal um 3 Millionen Menschen vermindert. Ein aus östreichischen Abtretungen neugeschaffner Staat, die illyrischen Provinzen, wurden für Napoleon verwaltet, der Kirchenstaat aufgelöͤset, das Her⸗ zogthum War schau vergrößert, und bald darauf (1810) das Königreich Holland und ein beträcht⸗ licher Theil des nördlichen Teutschlands Frank⸗ reich selbst einverleibt, dessen Bevölkerung, als Cen⸗ tralstaat, dadurch bis auf 42 Mill. Menschen gestei⸗ gert ward. Allein eben daß Napoleon nicht Maas und Ziel zu halten wußte in seinen riesenhaften Entwürfen; daß er, neben den Beleidigungen der Fürsten, auch die Völker, deren Geist er zu wenig kannte, gegen sich erbitterte; dass bereitete im Stillen seinen Unter⸗ gang vor, nachdem er, zerfallen mit Rußland„die Eröffnung des zweiten polnischen Krieges(181² ausgesprochen und diesen unter Siegen bis Moskwa fortgesetzt hatte. Denn kaum hatte der frühzeitige Winter den größten Theil seines mächtigen Heeres auf dem Ruckzuge von Moskwa vernichtet, als seine beisherigen Bundesgenossen gegen Rußland, Preu⸗ ßen und Oestreich, auf Rußlands Seite traten, Schwedens Heer in Teutschland erschien, der König von Bayern den Rheinbund verließ, und die Schlacht bei Leipzig das Schicksal Teutschlands, so wie der Kampf auf Montmartre das Schicksal Frankreichs entschied, wo die Bourbone, nach Napoleons Verzichtleistung, im Umfange des vormaligen französschen Königreiches hergestellt wurden. Dar⸗ EE auf tr. galt, pens A neues.S Herzul 5 pͤsschl größem türkisn rungenz nung Hrofs Einfbo. landel zu intxz das Y vinhnm kurzed I Reich ö ser Ir gewic 8 wesen x Wshg kr glei“ W. uunssrur Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 383 InEth auf trat, während Napoleon als Souverain von Elba Hh ve galt, der Wiener Congreß zusammen, um Euro⸗ Vssrethi pens neue politische Gestaltung zu bestimmen, und ein munh en neues System des politischen Gleichgewichts, auf die de. Li u herzustellenden Grundlagen des frühern, zu bewirken. Irn Sal, Neben diesen vorwiegenden Ereignissen im euro⸗ in fir Win päischen Staatensysteme gehören die bedeutende Ver— lst, du größerung Rußlands durch preußische, schwedische, d bud wu türkische und persische Provinzen, die Thronverände— ind ein herth rungen in Schweden und in der Türkei, die Tren— Hands dr nung Norwegens von Dänemark, die gesteigerte Macht Mung, al E Großbritanniens in andern Erdtheilen, und sein Moshhe g Einfluß auf die Angelegenheiten des europäischen Fest— landes, das rasche Fortschreiten Nordamerika's Mut ud zu innerm Wohlstande und politischer Macht, und n Ebihn das Freiwerden der südämerikanisch en Pro⸗ stu, A vinzen Spaniens zu den wichtigsten Vorgängen des I kurzen Zeitabschnitts von 1806— 1815. n Uth NMld N 109. EL B) Die Hauptbegebenheiten in die⸗ on He Msu sem Zeitabschnitte. ftihyeh ö ö ihn He 1) Der Umsturz des teutschen Reiches in hn, Aein der Stiftung des Rheinbundes. uland⸗M uplund, Unverkennbar hatte die Staatsform des teutschen 9 41 0 Reiches sich überlebt; allein die Aufrechthaltung die— Vh(. 6„ 2— 5 ½½ ser Form war für die Dauer des politischen Gleich— WeR ewichts im europäischen Staatensysteme nöthig ge— 6 0f 1 wesen, wie dies der helle Blick Friedrichs 2, bei der Laaut Abschließung des Fürstenbundes, richtig erkannte, ob 0 n er gleich durch die thatsachliche 46jährige Opposikion Hre Brändenburgs gegen Oestreich den Grund zu der un— au, Du uda 384 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. heilbaren politischen Spaltung des Nordens und Südens in Teutschland gelegt hatte, die seit der Theil⸗ nahme der beiden teutschen Hauptmächte an dem Re⸗ volutionskriege immer deutlicher hervortrat. Dazu kam, daß Teutschland bereits seit dem westphälischen Frieden mehr ein Staatenbund als ein Reich gewesen war, und daß die Souverainetät, die im Rheinbunde freigebig ausgesprochen ward, auf die Reichsunmittelbarkeit im westphälischen Frieden sich stütte. Endlich konnte ein, in politischer Hinsicht so wenig gestutzter, Mittelpunet des politischen Gleichgewichts, wie das teutsche Reich nach sei⸗ nen getheilten Interessen war, bei dem wiederhohlten Andrange des südwestlichen und des nordöstlichen Staatensystems gegen einander, zunächst bei den Riesenkämpfen zwischen Frankreich und Rußland, auf die Dauer nicht bestehen, und nach⸗ dem beide Mächte Anfangs(1802 und 1803) gemein⸗ schaftlich auf dessen Umgestaltung eingewirkt hatten, mußte, als beide sich entzweiten, das Schwert und die Diplomatie entscheiden, wem das Prot ectorat über Teutschland gehören sollte. Das Jahr 1806 entschied auf sieben Jahre für Frankreich. Die Sprengung der dritten Coalition im Jahre 4805 und der Preßburger Vertrag hatten dazu vorgearbeitet. Dennoch ward das diplomatische Europa überrascht, als es die Stiftung des Rheinbundes in der am 12. Jul. 1806 zu Paris von dem Kaiser von Frankreich und 16 bisherigen südteutschen Reichsständen unterzeichneten Con föde⸗ rationsacte) erfuhr. Rußlands Kaiser be— ) P. A. Winkopp, die rheinische Conföderationsacte, oder der am 12. Jul. 1806 zu Paris abgeschlossene dut fferfrn säͤtigtde abgeschst nienoe KaiserS auf ditr sch, nord h zu ver in bende schen M bilden ten= dem m. bei hay 4 burtsshon haltsscoo acte inmu ziehungꝰ in dieschen Protenn Ind die N bites 9 anerkan. 5 waren 10 bergzne des Buide —— NU llensstrzz Woda in Wsiit del r an dende uunnt. Iy ripphilsth ab an Nii Iinttüt, matd, un n Fride her Hnssh politische vich rach si videthchte uundistich sachst bei d ukreich in hen, Ind E ö vmen Wabitt hute, Zübol Debtecthle 7 n ih Uiten Can Vunnz sen 16 dlam tistun 0 09 I Hs n Coushe Hast ‚ Neget, Wentioh hshese Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 385 stätigte den von Oubril mit Frankreich am 20. Jul. abgeschlossenen Frieden nicht, und Großbritan— niens Friedensgesandter kehrte heim. Oestreichs Kaiser, des vorigen Kampfes eingedenk, verzichtete auf die Krone Teutschlands; Preußen aber rüstete sich, um die andere Hälfte Teutschlands zu einem nordischen Bunde unter seinem Protectorate zu vereinigen. Als ob die Maingegenden eine blei— bende Grenze zwischen zwei, aus dem zerrissenen teut— schen Reiche hervorgegangenen, Conföderationen hätten bilden können, und als ob Napoleon einen z wei⸗ ren Bund in Teutschland würde anerkannt haben, er, dem man wenigstens nicht vorwerfen konnte, daß er bei halben Maasregeln stehen blieb! Der Rheinbund umschloß bereits in seiner Ge⸗ burtsstunde mehr als neun Millionen Teutsche, und in— haltsschwer waren die 40 Artikel der Conföderations⸗ acte in statistischer, publicistischer und politischer Be— ziehung. Sechszehn bisherige Reichsstände erkannten in diesem Vertrage den Kaiser Frankreichs als ihren Protector an, der dafür ihre Souverainetät und die Mediatisirung aller innerhalb ihres Ge⸗ bietes gelegenen bisherigen Mitstände des Reiches anerkannte. Diese ersten Mitglieder des Bundes waren: die Könige von Bayern und Wirte m⸗ berg; der Churerzkanzler, nun Fürst Primas des Bundes; der Churfürst, nun Großherzog von Vertrag. Französisch und teutsch mit diplomatischer Genauigkeit abgedruckt, nebst allen denselben er⸗ läuternden und das Staatsrecht des rheinischen Bundes in seiner Gesammtheit bestimmenden Ur— kunden und Actenstücken, auch allen noch geltenden Gesetzen. Frkf. am M. 1808. 8.— Sie steht auch beim Martens, Supplem. T. 4. p. 313. III. 25 386 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ö 0 Baden; der Herzog von Cleve und Berg(M In nun Großherzog von Berg; der an 105050 Großherzog von Hessen⸗Darmstadt; der an 0 Fürst, nun Herzog von Nassau-Usingen; der ibrige Fürst von Nassau-Weilburg; die Fürsten von ö. Hohenzollern⸗-Hechingen und Sigmarin— uus, 4 4 gen; die Fürsten von Salm⸗Salm und Kyr⸗ 406. 0 burg; der Fürst von Isenburg-Birstein; der NM Herzog von Ahremberg; der Fürst von Lie chte n⸗ D sein, und der Graf, nun Fürst von der Leyen.. 0 — Alle Mitglieder des Bundes erhielten die Sou-— Wh 11 verainetät, welche in das Recht der Gesetzgebung Rech sih der obern Gerichtsbarkeit, der obern Polizei 961 ö raien militärischen Conseription und der Besteuerung gesetzt. ward. Des Rechtes, Bündnisse mit dem Auslande Snn 46 zu schließen, ward nicht gedacht; auch wurden die 264. 3 in den Bundesstaaten bestehenden ständischen Ver— In fassungen mit Sauschweigen adergargen. 3 Fisen desacte, ö dem französischen Reiche(empire français). 13 und den Bundesstaaten, sowohl in ihrer Gesammt— Reichsstal heit, als mit jedem einzelnen, ward ein Bündniß ausgesprochen, nach welchem ein Continentalkrieg des einen verbündeten Theiles für alle Verbündete zur x Bur gemeinsamen Sache ward. Das Bundesheer uuatisitt . ward für Frankreich auf 200,000 Mann, für die ö n 1 Mitglieder des Rheinbundes auf 63,000 Mann ge— Michsrit 10 setzt. Dem Kaiser Frankreichs legte die Acte, als Doheno . Protector, blos das Recht bei, den jedesmaligen drn . Nachfolger des Fürsten Primas zu ernennen; allein Häm, L Wa einige Wochen später erklärte Napoleon in zwei offi— gen, S ö ciellen Schreiben an den Fürsten Primas(11. Sept. von Hogz ö 1806) uud an den König von Bayern(21. Sept.) Castell, daß er mit dem Protectorate die doppelte Verbindlich⸗ n spar Adadte. ö keit übernommen habe, das Gebiet des Bundes gegen Di 4 ie Nleusssez, x ö sheer Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 387 n fremde Truppen, und das Gebiet eines jeden Mit⸗ Wiahlz gliedes des Bundes gegen die Unternehmungen der n übrigen zu sichern. Nie aber werde er sich in die Visn innern Angelegenheiten der Bundesstaaten mischen; 3.pisar auch sey er nicht, wie bis dahin der Kaiser Teutsch— Lihnn länds, der Oberlehnsherr der verbündeten Fürsten. In ud n In staatsrechtlicher Hinsicht entschied die Birsein Bundesacte über die Trennung der verbundeten Staa— mun liechn ten vom teutschen Reichsgebiete, über das Erlöschen det Lehl aller teutschen Reichsgesetze und aller auf das teutsche lin de Sul Reich sich beziehenden Titel innerhalb der Bundes— Geshgebung staaten, und über die Errichtung einer Bundes— 11 versammlung zu Frankfurt am Main, welche aus Wuuctung. zwei Collegien, dem königlichen und fürstlichen, be— den Md stehen sollte. uu wuuder In statistischer Hinsicht bestimmte die Bun— sundischen V desacte, außer der Abtretung mehrerer Grenzgebiete un zusche des einen Bundesstaates an seine Nachbarn, die mire sns Reichsstadt Nͤürnberg für Bayern, die Reichsstadt Iun Sunn Frankfurt für den Fürsten Primas, das Johanni⸗ 8 en Vun terfüstenthum Heitersheim für Baden, und die agk Burggräfschaft Friedberg für Darmstadt. Me— Vebündet; diatisirt wurden die Länder der gesammten schwäbi⸗ 8 Budth schen und fränkischen, und die Reste der rheinischen Numn, fi Reichsritterschaft, der Fürsten von Schwarzenberg, N Hohenlohe, Thurn und Taxis, Oettingen, Fugger, N M Truchseß⸗Waldburg, Fürstenberg, Metternich, Kraut— heim, Löwenstein, Oranien, Wied-Runkel, Leinin⸗ arl gen, Solms, Hessen⸗Homburg„und der Herzoge 7. Wf von Hooz und von Croy; die Grafschaften Isenburg, 1 + Castell, Erbach, Neuwied u. a. Die den Mediati— 1 ů 60 sirten sparsam gelassenen Rechte bestimmte die Bun— e desae ö I0l Die Bekanntmachung des Bundes geschah zu Pat 25.0 388 Gefchichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Regensburg(1. Aug.) in einer Note des fränzösischen Geschäftsträgers Bacher im Namen Napoleons, und in einem, von den Gesändten der verbündeten Sou⸗ veraine dem Reichstage mitgetheilten, Schreiben. In dem ersten erklärte zugleich der Kaiser:„daß er das Daseyn der teutschen Reichsverfassung nicht mehr an— erkenne, wohl aber die gänzliche und vollkommene Souverainetäͤt aller derjenigen Fürsten, aus deren Staaten Teutschland nunmehr bestehe, mit wel— chen er dieselben politischen Verhältnisse beibehalte, wie mit den andern unabhängigen europäischen Staa— ten.“ Die neuen Mitglieder des Bundes äußerten dabei in ihrem Schreiben, daß jedem bisheri— gen Reichsstande der Beitritt zu ihrer Verbindung offen stehe. In einer mit Ernst und Würde gehaltenen und zu Regensburg vorgelegten Denkschrift) verzich— tete sechs Tage später(6. Aug.) Franz 2 auf die römisch-teutsche Kaiserwürde, verwandelte den Reichshofrath in ein östreichisches Collegium, empfahl die Unterhaltung der Mitglieder des Reichs— kammergerichts den gewesenen Ständen, und erklärte, daß er fur die Zukunft seine gesammten teutschen Pro⸗ vinzen nur nach ihrer Verbindung mit dem Staats— körper der östreichischen Monarchie betrachte. Diese Niederlegung der teutschen Kaiserwürde zeigte, daß Oestreich jetzt nicht geneigt war, einen neuen Kampf mit Napoleon zu beginnen, weshalb es denn auch, beim Ausbruche des Krieges zwischen Frankreich und —*. *— ů— *) Diese Deutthrih, N. W. die beiden Nan vom 1. Aug., and Napoleons beide Schreiben an den Für— sten Primas und den König von Bayern(vom Sept.) stehen beim Winkopp. +72 + Rheinlat land Spannd Preuße“ Blekadz 1 Man ssstaty, stnig Wollen indetin Er uben.) „dade nicht nihr z Vlkomne „Sas dau , mit u. beibehal schen Stun e dußerte bishen u ihte chaltenen un ½ vetzith Af d vewaldele Culegun, dis Nitz und erklütz uuschen M dem Eilt hte. D Fat, M neuen V denn s untteih i un am. 0 U Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 389 Preußen, seine Neutralität aussprach, und zur Behauptung derselben ein Heer in den Grenzprovinzen aufstellte.— Sogleich nach der Stiftung des Rhein— bundes vereinigte der König von Dänemark(9. Sept.) sein teutsches Herzogthum Hol stein und Altong mit der dänischen Monarchie*). Marchese Luechesini, historische Entwickelung der Ursachen und des Rheinbundes. Aus dem Ital. von B. J. F. v. Halem. ur Th. und 2n Theiles ir Band. epz. 1621 f. 6. Ueber die Stiftung desselben ist zu vergleichen: (v. Gagern) mein Antheil an der Polittk. Th.. Stuttg. und Tüb. 1825. 8. S. 140 ff. Für die ganze Dauer des Rheinbundes anehal alle wichtige Actenstücke! P. A. Winkopp, der rheinische Bund. 66 Heste und 4 Supplemente. Frkf. am M. 1806 ff. 8. Aug. Fr. Wilh. Crome, und K. Jaup, Ger⸗ manien, eine Zeitschrift für Staatsrecht, Politik und Statistik von Teutschland. 4 Theile. Gießen, 1808 ff. 8. K. Heinr. Ludw. Pölitz, der Rheinbund, histo— risch und statistisch dargestellt. Lpz. 1811. 8. 110. 2) Der Krieg im Spätjahre 18 806 HWis zum Tilsiter Frieden. Preußen, überrascht durch die Stiftung des Rheinbundes, befand sich noch im Kriege mit Eng⸗ land wegen der Besitznahme. He und in Spannung mit Schweden. Doch hob England, bei Preußens Rüstungen, die Feindseligkeiten und die Blokade der Taer Häfen ul Lord Morpeth erschien 0 Iante9s⸗ Suppl. T. 4. p. 347. 390 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛe. (Oet.) im preußischen Hauptquartiere, und später ward zu Memel(28. Jan. 1807) der Friede zwi⸗ schen Preußen und Großbritannien) auf die Zurückgabe Hannovers abgeschlössen. Mit Schwe— den erfolgte eine halbe Aussöhnung(17. Aug.) durch Kalkreuths Unterhandlungen. Mit Frankreich aber bestanden Mißverständnisse seit dem von Haugwitz ab⸗ geschlossenen Vertrage, und seit Napoleon die von Preußen mit Cleve abgetretene Festung Wesel(29. Jul.) dem Norddeparment einverleibt, so wie Essen, Elten und Werden, als angebliche Bestandtheile von Berg, militärisch besetzt hatte. Dazu kam die Me⸗ diatisirung des Fürsten von Oranien bei der Stiftung des Rheinbundes. Zugleich beabsichtigte Preußen die Stiftung eines nordteutschen Bundes unter seinem Protectorate, worüber es an den Höfen von Dresden und Kassel unterhandelte. Krusemark ward nach Petersburg gesandt. Der Kaiser Alepxander verweigerte dem Frieden mit Frankreich die Bestäti— gung und ließ seine Heere zur Unterstützung Preußens aufbrechen; doch eröffnete er gleichzeitig(Nov. 1806) einen Krieg gegen die Pforte. Der preußische General von Knobelsdorf ver— langte, nach Beendigung der Rüstungen Preußens und nach der Verbindung von 22,000 Sachsen (Sept.) mit den Preußen(während Hessen⸗Hassel für neutral sich erklärte), zu Paris in seinem Ultima⸗ tum*)(1. Oct.), die Zurückkehr des französischen τ Martens, Suppl. T. 4. p. 411.— SchölI, . 6. p. 401. **) Diese Verhandlungen und Noten bis zum Kriege in Polen sind gesammelt in der Schrift: das wich— tigste Jahr der preußischen Monarchie. Th. 1. Berlin, 1808. 8.—— +* — ———— eerrr burg. 0.0⁰ (10.29˙ pelshthe erschan die phun Bernoc spren r Oet.) Ayn zu Pi näkigl. Blach die wiy Chwog für my und? Frine ——. is Churse —.— 11) 4 ushsiat ud suunt riedesh men MSh „ ut funkreih i. Hauzut oHeon dit w Wesel Mie Eso Idtheile v an die M du Cüfftu, Iut Pruß dundes ultt Hofeh y⸗ Imnt uit X N Miitl mn uh M x Halsduuf P 000 L ⸗ Niso uen lant ö mpsh cclih ö Gich' 4⁰ W Ralathht Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 391 Heeres aus Teutschland über den Rhein, die Tren⸗ nung Wesels von Frankreich, und die Anerkennung eines unter Preußens Protectorate stehenden nordischen Bundes, welcher alle, in der Urkunde des Rhein⸗ bundes nicht genannte, teutsche Staaten umschließen sollte.— Die Preußen und Sachsen standen in Thüringen; Napoleon verließ(25. Sept.) Paris; der Churfürst von Würzburg trat, in der Nähe der Heere Frankreichs, dem Rheinbunde bei). Der Krieg begann mit dem Vordringen des Großherzogs von Berg über die Saale bei Saal⸗ burg6(S. Oct.). Die Preußen und Sachsen mußten (9. Oet.) bei Schleiz weichen; bei Saalfeld fiel (10. Oct.) der Prinz Ludwig von Preußen. Die Dop. pelschlacht bei Jena und Auerstädt(14. Oet.) erschütterte an Einem Tage das preußische Heer und die preußische Monarchie; bei Halle siegte(17. Oet.) Bernadotte über Eugen von Wirtemberg. Die zer⸗ sprengten Reste der preußischen Heere capitulirten(15. Oct.) unter Möllendorf zu Erfurt, unter Hohenlohe zu Prenzlau(28. Oet.), und— nach dem hart⸗ näckigen Kampfe bei und in Lübeck(6. Nov.)— unter Blücher bei Ratkau(7. Nov.). Gleichzeitig fielen die wichtigsten Festungen in befremdender Eile. Den Churstaat Sachsen erklärte Napoleon(47. Oet.) für neutral; doch mußte er alle Lasten der Durchzüge und 25 Mill. Franken Kriegssteuer tragen, bevor der Friede zu Posen)(11. Dec.) zwischen Frank⸗ reich und Sachsen dem letztern die Integrität, bis auf einen kleinen Ländertausch, sicherte. Der Churfurst nahm die königliche Würde an, und *) Martens, Supplem. T. 4. p. 345. K) ibid. p. 304 392 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. trat dem Rheinbunde bei. Zugleich ward in diesem Frieden die Gleichheit der bürgerlichen Rechte für die Katholiken in Sachsen ausgesprochen. Bald darauf (15. Dec.) traten zu Posen die fünf Herzoge des Sach— sen⸗Ernestinischen Hauses, zu Warschau(18. Apr. 1807) die Häuser Anhalt, Schwarzburg, LAippe, Reuß und Waldeck zu dem Rheinbunde. Die beiden Herzoge von Mecklenburg und der Herzog von Oldenburg wurden erst im Jahre 1808 in denselben aufgenommen. ö Nach Napoleons Siegen zwischen dem Rheine, der Elbe und Oder, nahm er(23. Oct.) alle preußi⸗ schen Provinzen zwischen dem Rheine und der Elbe in Besitz, erklärte,„daß der Herzog von Braun⸗ schweig und der Fürst von Oranien-⸗Fulda nicht mehr regieren würden,“ bemächtigte sich des Churstaates Hessen(1. Nov.), ließ darauf den Churstaat Hannover(12. Nov.) und die Han⸗ sestädte besetzen, und sprach zu Berlin(24. Nov.) die Blokade der brittischen Inseln*) aus. Von seinem Hauptquartiere ging der Aufruf Dom⸗ browskis und Wybicki's an die Polen(3. Nov.) aus;„denn Frankreich habe die Theilungen Polens nie anerkannt.“ Zwar erschien gleichzeitig(16. Nov.) das russische Manifest gegen Frankreich; auch verweigerte der König von Preußen dem zwischen Duroc, Krucchesini und Zastrow zu Charlottenburg (16. Nov.) abgeschlossenen Waffenstillstande 8) die Bestätigung; allein der, jenseits der Weichsel von den Russen unter Kamenskji gegen die vorge— drungenen Franzosen begonnene und unter Bennigsen Dieses Decret beim Martens, Suppl. T. 4. p. 584. *1π) ibid. p. 382. 1( sortgese Czarn min( den Sel fühtte“ keiner rerer Fl von Da Kampf. Nun) de die Zusat Memen 2 Tissig reich 3 Franii In dilt Halfte g Departol dagegen! Jever 3 figung Südpterr hen und ⸗ thum 5 Sachs, wie dem eine neu! ——— Mar lich 0 Mart Ey nspsat. Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 393 n mn fortgesetzte, Kampf entschied in den Gefechten bei RnRM. Czarnowo, Nasielsk, Pultusk und Goly⸗ Bidui min(Dec.) für die Franzosen. Selbst als Bennigsen den Schauplatz des Krieges nach Ostpreußen verlegte, as führte die Schlacht bei Eylau(S. Febr. 1807) zu Hautshi keiner Entscheidung; denn erst nach dem Falle meh⸗ hithz rerer Festungen Schlesiens und nach der Capitulation Urg un von Danzig(24. Mai) gab, bei der Erneuerung des WJhh Kämpfes, Napoleons Sieg bei Friedland(14. Jun.) den Ausschlag. Ihm folgte ein Waffenstillstand, eim Mhain die Zusammenkunft beider Kaiser(25. Jun.) auf dem le ruß Niemen, und dann mit dem Könige von Preußen der Ci zu Tilsit, wo(8. Jul.) der Friede zwischen Frank— on Brauh reich und Rußland), und(9. Jul.) zwischen En⸗Zulh; Frankreich und Preußen) unterzeichnet ward. uunt sch In diesem Frieden verlor Preußen mehr als die Hhuufhn Hälfte seiner Bevölkerung. Das neuostpreußische ih de han Departement Bialystock kam an Rußland, das 101HM) dagegen in geheimen Bedingungen die Herrschaft IA Was Jever und die jonischen Inseln zu Napoleons Ver— uftuf du. fügung stellte. Aus dem übrigen Neu-⸗-Ostpreußen, 16.M Südpreußen, und einem großen Theile von Westpreu⸗ um Pel⸗ ßen und von dem Netzdistriete ward das He rzog⸗ 640.N• thum Warschau gebildet und der König von 171 0 Sachsen zu dessen erblichem Regenten ernannt(so Ul wie demselben zu Dresden 22. Jul.] von Napoleon Irin eine neue Verfassung n) gegeben). Die Stadt standi ů I + Mocht Martens, Supplem. T. 4. p. 436.(Die angeb⸗ D MM lichen geheimen Artikel dieses Friedens in der Allg. Zeit. 1822, N. 365. und im polit. Journale ö 1823, Jan. S. 71 ff.) 00**) Martens, Supplem. T. 4. p. 444. ö 4%*n) Europ. Constitutt. Th. 2, S. 34. ö 4 ——— 31 394 Geschichte des europͤischen Staatensystems ze. Danzig ward freie Hansestadt, und unter Preußens und Sachsens Schutz gestellt. Von Preußens Ab— tretungen zwischen dem Rheine und der Elbe ward (1807) Ostfriesland mit dem Königreiche Holland, und Münster, die Grafschaft Mark, Tecklenburg und Lngen, nebst den Abteien Essen, Elten und Werden, mit Berg verbunden. Aus der Altmark, Magde⸗ burg, Halberstadt, Mansfeld, Minden, Ravens⸗ berg, Hildesheim und Paderborn, so wie aus meh⸗ rern churhessischen, ehurhannöverscheu, oranischen und braunschweigischen Provinzen ging, für Jerome Napoleon, das neue Königreich Westpha⸗ len hervor, welches ein Mitglied des Rheinbundes und von Napoleon(15. Nov.) mit einer neuen Ver⸗ fassung*) ausgestattet ward. Das von Preußen abgetretene Fürstenthum Bayreuth erhielt Bayern (1810); allein Erfurt, Fulda, Hanau und Katzenellnbogen ließ Napoleon für sich selbst verwalten. An Sachsen kam der Cottbuser Kreis. Unter russischer Vermittelung wurden im Tilsiter Frieden die teutschen Fürstenhäuser Mecklenburg⸗ Schwerin, Oldenburg und Sachsen-Coburg herge— stellt. Rußland erkannte den Rheinbund und die neuen Könige von Neapel, Holland und Westphalen an. Frankreich und Rußland garantirten sich gegen⸗ seitig ihre sämmtlichen Besitzungen und die in diesen Frieden eingeschlossenen Staaten; zugleich übernahm Frankreich die Vermittelung des Friedens zwischen Rußland und der Pforte, und Rußland die Vermitte⸗ lung des Friedens zwischen Frankreich und Großbritan⸗ nien.— Noch blieben Stettin, Küstrin und Glogau bis zur Bezahlung von 140 Mill. Contribution besetzt. *) Eurov. Constitt. Th. 2, S. 117. ö. Theilit shng Sclaf Sept. E h disch Gustck nach i zu ein nit dee auf die x Ugten L 0 91 16 3 1 poleonts nes E und 60 Preuss: seinenß dudn ber dz galt al? thume 8 As abr⸗ seine M ssun. Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 393 Rut Eine Seitenparthie dieses Kampfes bildete die wußtub Theilnahme Schwedens an demselben. Zwar er— . 0 schien Gustav 4 nicht im Spätjahre 1806 auf den ihh Hulh Schlachtfeldern Teutschlands, er ging vielmehr(12. Lerhurz v Sept. 1806) nach Stockholm zurück; allein nachdem 1 Dex, Mortier Hannover, die Hansestädte und auch Sch we⸗ uk, Mul disch-Pommern(Jan. 1807) besetzt hatte, schickte u, Muud Gustav Verstärkung nach Stralsund. Doch kam es die aus ns nach einigen Gefechten(18. Apr.) zu Schlatkow oranishh zu einem Waffenstillstande, den Gustav, gleichzeitig Nrom mit den Verhändlungen zu Tilsit, aufkündigte, wor⸗ Desiphe auf die Franzosen sich Stralsunds(20. Aug.) bemäch⸗ Vonburd tigten, und die Insel Rügen(5. Sept.) besetzten. Reün Di.(v. Rühl,) Bericht eines Augenzeugen von dem et Mruft Feldzuge unter dem Fürsten von Hohenlohe. Tüb. Hilt Bom ⸗ t o Geschichte der Feldzüge Napoleons gegen Preußen, Hong u und Rußland. 2 Th. Zwickau, 1809. 8. sch siht Hast Hees, 111. in W 3) Bildung und Erweiterung des Con-— Malara⸗ tinentalsystems. hurg Beim Abschlusse des Tilsiter Friedens hatte Na— poleon den Culminationspunct seiner Macht und sei— nes Glückes erreicht. Europa war, bis auf England und und x E she, und Schweden, mit ihm versohnt; Oestreichs und 10 Preußens Staatskraft war vermindert, und das in * seinem Innern unbezwungene Rußland Frankreichs a Bundesgenosse geworden. Napoleon gebot nicht nur Rah über den Süden und Westen von Europa; sein Wort an galt auch bis an die Grenzen Rußlands im Herzog⸗ alh thume Warschau und bis an die Gestade der Ostsee. HAI Als aber der Unersättliche, gestützt auf sein Glück und seine Macht, den Thron Spaniens als ein Erbgut an 396 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. sein Geschlecht zu bringen, und Rußlands politisches Gewicht zu vermindern gedachte; da war das, was Napoleon von 1807— 1812 seiner äußern Macht ulegte, nur eine scheinbare Erweiterung und Steigerung derselben, die später um so rascher zu⸗ sammenstürzte, je schneller und gewaltsamer sie aus⸗ gedehnt worden war.—9—7 0 Unter Frankreichs Vermittelung ward(24. Aug. 1807) zu Slobosia ein Waffenstillstand in dem Kriege vermittelt, den die Pforte(7. Jan. 1807) an Ruß⸗ land erklärt hatte, nachdem von diesem die Moldau (Oct. 1806) besetzt worden war. Dagegen ward die geheime Verabredung zu Tilsit)zwischen Frankreich, und Rußland,„wo sich Rußland verpflichtete, im Fall England nicht unter Anerkennung der Freiheit der Meere den Frieden schließen wolle, gemeinschaft⸗ liche Sache mit Frankreich zu machen, und Schweden, Dänemark und Portugal zu gleichem Entschlusse zu bringen“, die Veranlassung zu dem brittischen Raubzuge gegen Kopenhagen, dessen Bom⸗ bardement(Sept. 1807) die Auslieferung der däni⸗ schen Flotte an England,— bald darauf aber auch das Bündniß Dänemarks mit Napoleo (34. Oct. 1807) bewirkte. 7 Das Continentalsystem, zunächst berechnet auf die Ausschließung der Britten und ihres Handels vom europäischen Festlande, bis Großbritannien im Frieden die allgemeine Freiheit der Meere anerkannt haben würde, hatte zwar seinen eigentlichen Stütz⸗ punct in Napoleons Einflusse auf alle Bundesstaaten Frankreichs und auf die Beschlüsse seiner Bundesge⸗ *) Heeren, Gesch. des europ. Staatensyst.(Ate Aufl.) Th. 2. S. 295. nossens bildu Nopche kanns rung.E von) in Waahe brikernn verbol d orrσ Yssche⸗ Hofenfs Mypot 1807½ den vj Groh und M ordes pbrachne so wie d die nich und eibs Wopola (17.9. ches d. entnath (19.9 Rssir dptie das, iherm M Aurung un vnshe p me si al π¹ dem Kri an Ruj ie Modau watd die Funttot ichtttl, i der drihe miinshas „Shpedez, nschlast zr Hittischen sa Dw⸗ 0 det 0 fabet u Napolen sthircht bis hudl Hunmienin Wanat 00 Cii⸗ dhelshun u Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 397 nossen auf dem Festlande; es erhielt aber seine Aus⸗ bildung und Steigerung durch die Decrete, welche Napoleon deshalb erließ, und durch die dagegen be— kannt gemachten Erklärungen der brittischen Regie⸗ rung. Denn nachdem Napoleon durch das Decret von Berlin(21. Nov. 1806) die brittischen Inseln in Blokadestand erklärt, den Handel mit brittischen Waaren verboten, und alle Erzeugnisse brittischer Fa— briken und Kolonieen zu confisciren befohlen hatte, verbot(7. Jan. 1807) eine brittische Kabinets— ordren*) jedem Schiffe das Einlaufen in einen fran— zösischen, oder unter Frankreichs Einflusse stehenden Hafen bei Strafe der Wegnahme. Darauf verfügte Napoleons Deeret von Warschau(25. Jan. 1807) die Confiscation aller brittischen Waaren in den von seinen Heeren besetzten Hansestädten, wogegen Großbritannien zunächst die Blokade der Elbe und Weser(11. März), und in einer Kabinets-— ordre*n)(11. Nov.) die Blokade aller Häfen aus⸗ sprach, von welchen die Britten ausgeschlossen wären, so wie die Wegnahme aller dahin gehenden Schiffe, die nicht vorher in einem brittischen Hafen gelandet und eine Abgabe bezahlt hätten. Dies erwiederte Napoleon in dem Decrete von Mailand) (17. Dec. 1807) dadurch, daß er jedes Schiff, wel— ches der brittischen Bedingung sich unterwürfe, für entnationalisirt und für Prise erklärte. Darauf folgte (19. Oct. 1810) das Decret von Fontaine— * bleauen), welches das Verbrennen aller brittischen Martens, Suppl. T. 5. p. 444. **) ibid. p. 446. **+) ibid. p. 452. rt) ibid. p. 522. ͥSSEEEEEEE— — 398 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Erzeugnisse im Umfange aller französischen Bundes⸗ staaten verordnete, obgleich durch das Decret von Trianon)(5. Aug. 1810) gemildert, nach wel⸗ chem die freie Einfuhr der Kolonialwaaren gegen eine Abgabe von 50 Procent ihres Werthes verstattet— und bald darauf ein förmlicher Handel mit Licenzen (gegen die selbstgegebenen Decrete) eröffnet ward. Ob nun gleich, als Folge dieses Continentalsystems, von der einen Seite der Gewerbsfleiß und der Wohlstand vieler Staaten des Festlandes bedeutend erhöht, so wie von der andern der Contrebandhandel beinahe zu einem Systeme ausge⸗ bildet ward; so litt doch, durch die Verordnungen beider Mächte, zunächst der neutrale Handel der Nordamerikaner, die deshalb den kräftigen(aber frei⸗ lich auf die Dauer nicht auszuführenden) Beschluß faßten, Embargo auf ihre eignen Schiffe zu legen, damit sie nicht von den beiden europäischen Mächten aufgebracht würden. 2 Dem Continentalsysteme folgten Italien, Holland und der Rheinbund schon durch ihre Stellung gegen Napoleon; Rußland und Preußen nahmen es zu Tilsit, Spanien 1808, Oestreich 1809, und Schweden 1810 an. 112. Die Angelegenheiten der pyrenäischen Halbinsel. Nach dem Tilsiter Frieden war es Napoleons Wille, das Continentalsystem auch über die pyre— näische Halbinsel auszubreiten. Portugals *„Martens, Suppl. T. 5. p⸗ 513. * Mhäm gen ins seldernns wareng hemmã nischen dauer& teutschn schigll solle w Deshat lungss und Su liche Pe haus e zu Gu Souvant mittle Sbpanthh sollte. „ ein Hen heineng welchers der Mu aufgeh) niens Lessäs rasz entwichs sabonz pal 9N 0 nsssaer Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 399 un do Anhänglichkeit an England, und Spaniens Rüstun— dertumn gen im Oct. 1806, als Napoleon auf den Schlacht— u, nach u feldern Thüringens den Preußen gegen über stand, rngen u waren ihm die nächsten Veranlassungen. Zwar asutrt- hemmte der Tag bei Jena und Auerstädt die spa— nt Erennt nischen Rüstungen, und Napoleon rief bei der Fort⸗ net vath A dauer des Krieges ein spanisches Hülfsheer nach Rord— sdemt, w teutschland; allein unvergessen blieb bei ihm der beab— fund y sichtigte Abfall Spaniens von seinem Bündnisse. Doch Iland sollte Spanien vorher Portugal bezwingen helfen. Aben de Deshalb ward(27. Oct. 1807) ein geheimer Thei— me ausg lungsvertrag Portugals?) zwischen Frankreich atdnun und Spanien unterhandelt, nach welchem das nörd— Hndel v liche Portugal, Lusitanien, an das hetrurische Königs— n chrft haus(gegen dessen Verzichtung auf Tosk ana 2 MO zu Gunsten Frankreichs, 10. Dec.)/ Algarbien mit 1 Soist Souvernainetät an den Friedensfürsten kommen, der arashn mittlere Theil aber bis zum Frieden sequestrirt, und 1. Spanien das Protectorat über alle drei Reiche führen Iu, Hüd sollte. ů Rluggn Durch diesen Vertrag ward Napoleon berechtigt, vam l ein Heer auf spanischem Boden gegen Portugal er— scheinen zu lassen, welches Junot führte, und mit welchem ein spanisches sich verband. Allein während der Moniteur verkündigte„das Haus Braganza habe aufgehört zu regieren,“ schiffte sich, auf Großbritan— niens Rath und auf brittischen Schiffen, das portu⸗ Rerlishe giesische Regentengeschlecht(30. Nov. 1807) nach Brasilien ein, wo neue politische Interessen sich 4000, V 60 entwickelten. Zwar besetzte(1. Dec.) Junot Lis⸗ ris sabon; bald aber gab der Familienzwist in der spa⸗ N II ö Nttle)Polit. Journ. 1808, Nov. S. 1186 f. ** Martens, Suppl. T. 4. p. 490. 400 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nischen Königsfamilie,— der bereits im Oet. 1807 unter einem gehässigen Lichte zur Kunde Europa's ge— kommen war,— die Veranlassung zur Einmischung Napoleons in denselben, dessen Heere(Febr. 1808) auf dem spanischen Boden sich vermehrten. Eine Gährung des Volkes brach(16. März) zu Madrid und Aranjuez gegen den Friedensfürsten über das Gerücht aus, daß der König nach Sevilla gehen wolle. Eine Folge davon war, daß Karl 4„seiner ein⸗ gewurzelten Gebrechlichkeiten halber, der schweren Last der Regierung entsagte,“ und sein Sohn Fer di⸗ nand? die Regierung übernahm. Allein an dem Tage(24. März), wo Ferdinand seinen Einzug in Madrid hielt, kam auch der Großherzog von Berg mit einem Theile des Heeees daselbst an. Es erschien eine, an Napoleon gerichtete, Prote st ation Karls 4 (21. März) gegen die ihm abgenöthigte Thronentsa⸗ gung, worauf, durch schlaue Unterhandlung Savary's, Ferdinand(20. Apr.) und Karl 4(30. Apr.) zu Bayonne bei Napoleon erschienen. Ein Volksauf⸗ stand zu Madrid gegen die Franzosen(2. Mai) be⸗ schleunigte Napoleons Plane. Denn Karl 4 unter⸗ zeichnete(5. Mai) den Vertrag), in welchem er alle Rechte seines Hauses auf Spanien und Indien in Napoleons Hände unter den beiden Bedingungen niederlegte, daß die Selbstständigkeit des Reiches erhalten würde, und die römisch⸗katholische Religion die einzige in Spanien seyn sollte. Dem Könige Karl 4, seiner Gemahlin, seiner Familie und dem Friedensfürsten, ward ein Aufenthalt und ein Jahres⸗ einkommen in Frankreich angewiesen. Diesem Ver⸗ *) Martens, Suppl. T. 5. P. 60.— Polit. Journ. 1808, Sept. S. 915. ö ö trage fl Kaisent der vo nen Si holt Napo V nach N sung,& flärte/o ten, sos sehen. wüͤrde. Joses Thronde nien u Versse Doch 4 gefühl⸗ bevor N stand eht öffentlä chen bale det algy, mit der bereits g nischenn —— 0 Ma E 18⁰ 1) Ma 20 En 0 MI III. iusstuz in f ö Enooct, Eimishy Vl. 10 2 I 4 Ib. M Iifirtni Sill gin seintreh shweren x n Ferdi ain an den àGnhygi 3en Esdllshn tionKutkt VYnnansy unh * 17 * * 0. Vr. MV.teggh. u Mkh M l pelchen⸗ *V* II Ind Iun Binzund N schꝛ MIl den Haz le dn Mhr „ W Nts, Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 401 trage folgte ein zweiter(10. Mai)*) zwischem dem Kaiser und dem Prinzen von Asturien, worin dieser der von Karl 4 geschehenen Verzichtung auf die Kro— nen Spaniens und Indiens beitrat, und seinen Aufent— halt zu Valençay angewiesen erhielt. In Angemessenheit zu diesen Verträgen berief Napoleon(20. Mai) die spanischen Notabeln nach Bayonne zur Begründung einer neuen Verfas⸗ sung, wobei er den Spaniern in einem Aufrufe er— klärte, daß er nicht selbst die Krone Spaniens behal— ten, sondern„sie auf das Haupt eines andern Ichs setzen,“ und ihre„altgewordene Monarchie erneuern“ würde. Am 6. Jun. ernannte er seinen Bruder Josephenn)— welchem Joachim Murat auf dem Throne von Neapel folgte— zum Könige von Spa⸗ nien und Indien, und am 6. Jul. ward die neue Verfassung der Monarchie„s) bekannt gemacht. Doch beleidigte dieser Dynastiewechsel das National— gefühl der Spanier in einem solchen Grade, daß noch bevor Joseph den Boden Spaniens betrat, der Auf⸗ stand aufwogte, und mehrere Junta's zur Leitung der öffentlichen Angelegenheiten sich bildeten, unter wel— chen bald die Junta zu Sevilla der Mittelpunct der allgemeinen Bewaffnung und der Verhandlungen mit dem Auslande ward. Denn England hatte bereits am 4. Jul. 1808„) Friede mit der spa⸗ nischen Nation geschlossen, worauf der Friedens-, Martens, Suppl. T. 5. Pp. 63.— Polit. Journ. 1390, Sept. S. 918. *) Martens, ibid. p. 66. ) Enrop. Censticutt. Th. 2, O. 5. ) Martens, Suppl. T. 5. P. 66. III. 26 402 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Freundschafts- und Bundesvertrag) 14. Jan. 1809) zwischen England und der spanischen Junta folgte, in welchem England versprach, keinen andern König in Spanien anzuerkennen, als Ferdi— nand 7 und dessen Erben, oder denjenigen Nachfol— ger, welchen die spanische Nation anerkennen würde. Schon vorher hatte Dupont(20. Jul.) gegen Castannos bei Baylen capituliren, und Joseph(1. Aug.) Madrid verlassen müssen. Gleichzeitig wogte der Aufstand gegen die Franzosen in Portugal auf, wo ein brittisches Heer erschien, das gegen Junot kämpfte, dem, nach dem Gefechte bei Vimeira(21. Aug.), eine ehrenvolle Capitulation zugestanden ward. Darauf brach Moore mit 20,000 Britten nach Spanien auf, und Baird führte ihm 15,000 Mann Verstärkung zu, die in Corunna landeten. Napoleon erkannte nun die Schwierigkeit, die pyrenäische Halb— insel zu bezwingen. Bevor er selbst dahin ging, sprach er(28. Sept.— 14. Oct.) zu Erfurt den Kaiser von Rußland und die Fürsten des Rheinbundes. Von hier aus ward(8. Oct.) noch einmal von Rußland und Frankreich der Friede dem Könige von England angeboten; allein England widersprach der Anerken— nung eines Königs von Spanien aus Napoleons Dynastie. Darauf drang Napoleon selbst, mit 200,000 Streitern, in Spanien vor. Nach meh— rern Schlachten capitulirte(4. Dec.) Madrid. Der Kaiser sprach— mit wenigen Ausnahmen— allgemei— ne Amnestie aus, hob die Inquisition, zwei Drittheile der spanischen Klöster, alle Lehnsrechte, die Patrimonialgerichtsbarkeit und allen Innungszwang auf, und kehrte, nach der Herstellung *) Martens, Suppl. T. 5. P. 163. 6 geistes n und aung in and Geistes dete(9 von mebs einer biz auf 400 leiteten Speckz Meinun 50* verungln — y. 0⁰0M v en I Mühl. KR. Hdααρ Iasche Hel V V Hrrelunz Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 403 Josephs in Madrid, nach Frankreich zurück, weil Oestreichs Rustungen seine Aufmerksamkeit er— „*„ 9—“ regten. Der Krieg in Spanien aber überdauerte so— gar die Zeit seiner eignen Herrschaft in Frankreich. Cevallos, Darstellung der Begebenheiten in Spanien im Jahre 1808; in den neuen Fackeln (Teutschland, 1813. 8.) Heft 1, S. 3g ff. de Pradt, mémoires historiques sur la révo- lution d'Espagne. Paris, 1816. 8. K. Venturini, Geschichte der spanisch-portu— giesischen Thronumkehr und des daraus entstandenen Krieges. 2 Theile. Altona, 1812 ff. 8. 113. 5) Der Krieg zwischen Oestreich und Frankreich im Jahre 1809. So wie in Spanien das Erwachen des Volks— geistes dem Kampfe gegen Napoleon den ernsthaften und ausdauernden Charakter gab; so regten sich auch in andern Reichen und Staaten die Spuren dieses Geistes. Mit freudiger Theilnahme des Volkes bil— dete(9. Jun. 1808) Oestreich eine Landwehr von mehr als 200,000 Streitern, und brachte, außer einer bedeutenden Reserve, auch das stehende Heer auf 400,000 Mann. In Tyrol und Vorarlberg leiteten, bei dem Ausbruche des Krieges, Hofer, Speckbacher, Schneider u. a. die öffentliche Meinung; und wie es auch im nördlichen Teutsch— lande bereits gährte, zeigten im Vorsommer 1809 die verunglückten Unternehmungen Schills und Dörn— bergs, so wie der Kriegszug des Herzogs von Braunschweig. Zu Er furt erschien(Sept. und Oct. 1808) kein Prinz des Hauses Oestreich, sondern nur der 26 2 404 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. General Graf von Vincent mit einem Schreiben, das Napoleon mit Stolz beantwortete.„In meiner Gewalt stand es, die Monarchie Ew. Maj. zu zer⸗ stückeln, oder sie doch weniger mächtig bestehen zu lassen. Ich habe es nicht gewollt. Was sie ist, ist sie durch mich und durch mein Wohlgefallen. Dies ist der augenscheinlichste Beweis, daß wir völlig mit einander abgerechnet haben, und daß ich nichts von Ihnen will. Ich bin stets bereit, die Integrität Ihrer Monarchie zu garantiren.“— Bei den fortgesetzten Rüstungen Oestreichs rief Napoleon, bereits von Spanien aus, die Fürsten des Rheinbundes zur Bewaffnung auf. Der Krieg be— gann am 9. Apr. Der Erzherzog Karl führte ein Heer, in neun Corps vertheilt, nach Bayern; der Erzherzog Johann befehligte in Italien und Tyrol; der Erzherzog Fer dinand drang von Ga— lizien aus im Herzogthume Wars chau vor. Ueberall wurden von den Heeren Oestreichs Aufrufe an die Völker Teutschlands, Italiens und War⸗ schau's verbreitet 5). Als Folge des Aufstandes der Tyroler ward Inspruck besetzt(12. Apr.); München(16. Apr.) und Warschau(21. Apr.) capitulirten; allein Na— poleons Siege in Bayern bei Abens berg(20. Apr.), bei Landshut(21. Apr.), bei Eckmühl(22. Apr.) und bei Regensburg(23. Apr.) entschieden in wenigen Tagen über den Charakter dieses Krieges, und über den Rückzug des, von der Donau abgeschnittenen, Erzherzogs Karls(24. Apr.) nach Böhmen, während die französischen Hauptmassen, unter steten Gefechten mit den zurückweichenden einzelnen östreichischen Hee— *) Sie stehen in Voß Zeiten, 1809. Apr.— Dec. 7...: so wits Stado kunfu lichenz Derpe uberihl 18⁰⁰— von 10 blkealde — lienA der CE beiE3 das uñ hans Frasse auf + bruch wähg Soms — 1 14 tespyster, 4 H-gEIlat Y estreichs ti Firsten de et Kriez rl sihttes V Faytenz Italien i Mung vn ur. Uenl ruft in die Mir Sund Wi Hulss Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 405 restheilen, die gerade Linie nach Wien verfolgten, und(12. Mai) diese Stadt besetzten. Von hier erließ Napoleon,— welcher schon am 2. Apr. 1808 dem Papste, der seine Häfen den Britten zu verschließen weigerte und dessen Gesandter zu Paris seine Pässe verlangte, Urbino, Ancona, Macerata und Camerino:) entrissen und mit dem Konigreiche i verbunden hatte, das De— cret*)(17. Mai), durch welches er die weltliche Macht des Pap stes aufhob, die Einverleibung des Restes vom Kirchenstaate ins französische Reich, so wie die Erhebung Roms zur kaiserlichen und freien Stadt aussprach, und dem Papste, außer den Ein— künften aus seinen Domainen und Gütern, ein zähr— liches reines Einkommen von 2 Mill. Fr. bestimmte. S — Der Papst erwiederte diesen Gewaltstreich durch den über Napoleon ausgesprochenen Bann(26. Jun. 1809), ward aber, unter militärischer Bedeckung, von Rom nach Savona, und später nach Fontaine— bleau gebracht. Napoleons Siege in Bayern wirkten auf Ita— lien, Tyrol und Warschau. Zwar hatte in Italien der Erzherzog Johann den Vicekönig Eugen(16. Apr.) bei Sacile besiegt; allein Eugen erstürmte(29. Apr.) das östreichische Lager bei Caldiero, worauf Jo— hann, bei der Nachricht von dem Vordringen der Franzosen gegen Wien, von dem Angriffe der Bayern auf Tyrol und Salzburg, und von Marmonts Auf— bruche aus Dalmatien, nach Ungarn sich zurückzog, während Eugen ihm folgte, und bei Bruck auf dem Sömmeringberge(27. Mai) mit dem französischen *0) Martens, Suppl. J. 5. p⸗ **) ibid. p. 341.— S66h6II, 323. T. 9. p. 300. 406 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Hauptheere sich vereinigte.— Mit noch größern Nachtheilen mußte der Erzherzog Ferdinand das Her— zogthum Warschäu verlassen; denn eine große Masse aufgerufener Polen folgte Poniatowski's Fahnen, der sein Heer auf dem rechten Weichselufer nach Gali— zien führte, und Westgalizien, und selbst Cracau (15. Jul.) besetzte. Ein russisches Hülfsheer unter dem Fürsten Gällizin folgte den vordringenden Polen nach, ohne wesentlichen Antheil an dem Kampfe zu nehmen. Nach der Besetzung Wiens führte Napoleon sein Heer bei Ebersdorf(20. Mai) über die Donau, und bestand im Marchfelde bei Aspern und Eß— lingen(21 und 22. Mai) eine zweitägige Schlacht gegen den Erzherzog Karl, der ihn, nach der Zer— störung der Donaubrücken, auf die Insel Lobau zu— rückdrückte. Doch gewann der Kaiser Zeit, sich zu erhohlen und durch die Sachsen und Bayern zu ver⸗ stärken, worauf er— nach dem Kampfe des Vice— königs(14. Jun.) bei Raab— noch einmal über die Donau ging, und den Sieg(6. Jul.) bei Wa⸗— gram erkämpfte. Das östreichische Heer, das auf die Ankunft des Erzherzogs Johänn vergeblich gerech— net hatte, zog sich, von Ungarn abgeschnitten, gegen Böhmen und Mähren. Nach einigen theilweisen Gefechten bei Hollabrunn(10. Jul.) und bei Znaym(11. Jul.), ward(12. Jul.) ein Waffen⸗ stillstand abgeschlossen, welchem(14. Oct.) der Wie— ner Friede folgte. Zu den Zwischenparthieen dieses großen Kam— pfes gehörte theils Schills Streifzug(1. Mai) gegen Wittenberg, und von da über Halle und Dömitz nach Stralsund, wo er(314. Mai) im Kampfe gegen die Holländer und Dänen unter Gratien und Ewald fiel; theils! schwe Elsfl shyft führte! Walch gens( kehrte. q wurden: von Oest mit Ber Jundie Bayery auf dat auf dig am rec sche Li eingesch Schwes der Ob. Sachsen Zamosk Cracau ufer, y ward; 400,06 als Bi zwische sondern 181⁰) „Mar ) ibid ö Korsad Hehsysterz Fnl N Kalnoft supoleon sei Dovau tu ud Ei nge Schlt nach de zr ö‚ 1 63 0 Iusel bau Au ꝗen pitten, en thelhe Vund I.) M Ve Mf VNMI V hßen Imh „M oche Dinh 00 Rad 471⁷ S Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 407 theils der rasche Zug des Herzogs von Braun— schweig-Oels durch Sachsen und Westphalen bis Elsfleth, wo er sich(7. Aug.) nach England ein— schiffte; theils die großangelegte, aber schlecht ausge— führte Expedition der Britten(30. Jul.) gegen Walcheren, welche— nach der Zerstörung Vliessin— gens(17. Aug.)— nach England(11. Nov.) zurück⸗ kehrte. Im Wiener Frieden*)(14. Oct. 1809) wurden gegen 2000 Q. Meilen mit 3 Mill. Menschen von Oestreich getrennt. Es verzichtete auf Salzburg mit Berchtesgaden, auf das Hausruckviertel und das Innviertel mit Braunau, welche Näpoleon später an Bayern gäb; auf den Villächer Kreis in Kärnthen, auf das Herzogthum Krain, auf das Triester Gebiet, auf die Grafschaft Görz und Friaul, auf Croatien am rechten Ufer der Sau, auf Fiume, auf das ungari— sche Littorale und Istrien; auf die in Graubündten eingeschlossene Herrschaft Razüns, welche mit der Schweiz verbunden ward; auf sechs böhmische, in der Oberlausitz eingeschlossene, Ortschaften, die an Sachsen kamen; auf ganz Westgalizien, auf den Zamosker Kreis in Ostgalizien, so wie auf die Stadt Cracau mit einem Bezirke auf dem rechten Weichsel— ufer, wodurch das Herzogthum Warschau vergrößert ward; und auf den Tarnopoler Kreis, überhaupt auf 400,000 Menschen in Ostgalizien, welche Rußland, als Bundesgenosse Frankreichs, erhielt. Doch ward zwischen Rußland und Oestreich kein besonderer Friede, sondern blos ein Abtretungsvertrag ë)(19. März 1810) über dieses Gebiet abgeschlossen. Außerdem *) Martens, Suppl. T. 5. p. 210. *+) ibid. p. 252. 408 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. begab sich der Erzherzog Anton der Hochmeisterwürde des teutschen Ordens, welchen Napoleon(24. Apr.) innerhalb des Rheinbundes aufgehoben, und dessen Be— sitzungen denjenigen Fürsten zugetheilt hatte, in deren Gebiete sie lagen. Zugleich erkannte Oestreich alle Veränderungen an, welche in Spanien, Portugal und Italien bereits erfolgt wären, oder noch erfolgen würden; auch trat es dem Continalsysteme bei bis zum Frieden mit England. Für alle diese Opfer garantirte Napoleon den Umfang der östreichischen Staaten, wie sie in diesem Frieden blieben.— So— gleich nach demselben(15. Oct.) bildete Napoleon den neuen Staat der illyrischen Provinzen aus dem Villacher Kreise, dem Herzogthume Krain, dem öst— reichischen Istrien, aus Fiume, Triest, dem Litto— rale, aus Croatien auf dem rechten Ufer der Sau,— so wie aus dem, vom Königreiche Italien getrennten, Dalmatien, Istrien, Ragusa und den dazu gehören— den Inseln; einen Staat, mit ungefähr 12 Mill. Men— schen, dessen politisches Schicksal unentschieden blieb, den aber Napoleon von einem Generalgouverneur nach französischen Gesetzen regieren ließ. Beobachtungen und historische Sammlungen wich— tiger Ereignisse aus dem Kriege zwischen Frankreich, dessen Verbündeten und Oestreich im Jahre 1809. 5 Heste. Weimar, 1809. 8. (Zschocke,) der Krieg Oestreichs gegen Frank— reich und den rheinischen Bund im Jahre 180g. Aarau, 1810. 8. 144. 6) Vom Wiener Frieden bis zum Kriege ö gegen Rußland. Kaum hatte Napoleon im Wiener Frieden mit Oestreich sich versöhnt, als er, nach der Auflösung seiner Erzher mählte Rom; innerhe heit zu Hestrei So wu tische F Inn⸗ von Ba len, U 170⁰⁰ und 30 getreter schädig verwan bebung demselb furt, Ital ie wobei R ven Hat Großher hanauif Könige⸗ Hannor im Hue l nigreich reichs reits am — 7 enshsien Vnesd Omeisters In(24. N Nesson „WMdessen Hatk, in dar 4 Guh Hieden dad, „nour 50 hudereut d Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 409 seiner Ehe mit Josephine(15. Dec. 1809), mit der Erzherzogin Marie Louise(2. Apr. 1810) sich ver— mählte, die ihm(20. März 1811) den König von Rom gebahr.— Mehrere statistische Veränderungen innerhalb des Rheinbundes erfolgten in Angemessen— heit zu Napoleons Zusicherungen vor dem Kriege mit Oestreich und zu den neueingetretenen Verhältnissen. So wurden(30. Jun. 1810) Bayreuth, das prima⸗ tische Fürstenthum Regensburg, Salzburg, und das Inn-⸗ und Hausruckviertel mit Bayern verbunden, von Bayern aber Südtyrol an das Königreich Ita— lien, Ulm mit einem Landstriche in Schwaben von 170,000 Menschen Bevölkerung an Wirtemberg, und 30,000 Einwohner in Franken an Würzburg ab— etreten, wogegen wieder Wirtemberg Bäden ent— 7 schädigen mußte. Den Staat des Fürsten Primas verwandelte Napoleon(1. März 1810]), mit Auf⸗ hebung der Coadjutorwürde des Kardinals Fesch in demselben, in das Großherzogthum Frank— furt, und bestimmte den Vicekönig Eugen von Italien zum erblichen Nachfolger in demselben, wobei Regensburg an Bayern, der größte Theil aber von Hanau und Fulda an Frankfurt kam. Der Großherzog von Hessen-Darmstadt erhielt einige hanauische und fuldaische Aemter;(1. März) das Königreich Westphalen aber den Rest des Churstaates Hannover, mit Ausnahme von 15,000 Einwohnern im Lauenburgischen. Allein bald darauf ward der Umfang dieses Kö— nigreiches, bei der Ausdehnung der Grenzen Frank— reichs über Nordteutschland, wieder vermindert. Be— reits am 3. März 1809 gab Napoleon, nach Murats *) Martens, Suppl. T. 5. p. 345. 410 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Versetzung nach Neapel, das Großherzogthum Berg an den ältesten, noch unmündigen, Sohn des Kö— nigs von Holland, ließ aber, bis zur Volljährigkeit, das Land verwalten. Mit seinem Bruder, dem Kö— nige Ludwig von Holland, der das Handelsinteresse seines Staates wahrnahm, war Napoleon längst unzufrieden). Er berief ihn deshalb, nach dem Wiener Frieden, nach Paris, vereinigte aber, bevor noch der König nach Amsterdam zurückkehrte,(16. März 1810) einen Theil Hollands mit 330,000 Ein⸗ wohnern mit Frankreich. Bald darauf brach ein französisches Corps unter Oudinot nach der holländi— schen Grenze auf, und zog gegen Amsterdam, wo plötzlich(1. Jul.) der König Ludwig auf die Re— gierung Hollands zu Gunsten seiner(noch min— derjährigen) beiden Söhne verzichtete*), und das Reich verließ, Napoleon aber(9. Jul.) die Vereinigung Hollands mit Frankreich) aussprach, weil des Königs Entsagung ohne Geneh— migung des Kaisers keine Gültigkeit, und des Königs ältester Sohn bereits das Großherzogthum Berg er— halten habe. Mit Schweden schloß Napoleon, nach der Thronbesteigung Karls 13,(6. Jan. 1810) Frie— den*), worin er Schwedisch-Pommern zu⸗ rückgab. Mit Rücksicht auf Napoleon, wenn gleich nicht nach seinem Wunsche, wählten die Reichsstände *) Documens historiques et réflexions sur le gouver- nement de la Hollande, par Louis Bonapart e, Exroi de Hollande. 3 T. Londr. 1820. 8. * Martens, Suppl. T. 5. P. 552. **½) ibid. p. 536. E) ibid. p· 232. Schns zen 4 franz Pon HDrol. Großu W Avigiß ufer/ie eigent& Einve lich ws (12². Dec.I der h Emeh band Dingy sey noz des Fin hätten gung Dee.)t. das Li Ko menL Mindi thum die H keich k bunde ⸗ )M 0 ib lenshsen shghun dn Echn del Whjihigt Dra, den Hundilonten Npoleen lin Ub, uuc v gtr abet, d ikkehrte, 300008 uf brach e det Hulad Wedam, auf die N. Atte 10 — chn Oetke⸗ Ne N 92 de Vommetsß „ Denl E Het 1 Na 101 gbust. 505te 0, 8· 19⁵⁰j³•9 Zweiter Zeitraum von 178— 1823. 411 Schwedens, nach dem plötzlichen Tode des Kronprin— zen Karl August von Holstein-— Schleswig, den französischen Marschall Bernad otte, Fürsten von Ponte Corvo(17. Aug. 1810), zum künftigen Thronfolger, nach dessen Ankunft Schweden an Großbritannien(17. Nov.) den Krieg erklärte. Im Laufe der letzten Zeit waren Savoyen, Nizza, Avignon, Belgien, Teutschland auf dem linken Rhein-⸗ ufer, Piemont, Genua, Parma und Toskana dem eigentlichen Frankreich selbst einverleibt worden. Diese Einverleibungen vollendete Napoleon, als er, angeb— lich wegen der Militairstraße über den Simplon,— (12. Dec. 1810) die Republik Wallis 5), und(13. Dec. A]) auch die gesammten Mündungen der Schelde, der Maas, des Rheins, der Ems, der Weser und Elbe mit Frankreich ver— band, wobei er erklärte,„eine neue Ordnung der Dinge regiere die Welt,“ und eine neue Garantie sey nöthig, weil die Beschlüsse der Britten in Hinsicht des Handels das Staatsrecht von Europa vernichtet hätten. Das kaiserliche Decret erhielt seine Bestäti— gung in einem organischen Senatusconsultum(18. Dec.), wodurch Holland, die Hansestädte, das Lauenburgische, und beträchtliche Theile des Königreiches Westphalen(Osnabrück, Bre— men, Verden, Hoya, Diepholz, und Theile von Minden und Lüneburg), so wie des Großherzog— thums Berg(Theile von Cleve und Münster, und die Grafschaften Tecklenburg und Lingen), an Frank— reich kamen. Die letztern Länder wurden vom Rhein— bunde getrennt, und die beiden Fürsten von Salm, Martens, Suppl. T. 5. P. 344. *1) ibid. p. 376. 412 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. so wie die beiden Herzoge von Oldenburg und Ahremberg ihrer Souverainetät beraubt. Die neu⸗ gezogene Linie umschloß alle Länder von der Nordsee bis zur Elbe oberhalb des Einflusses der Stecknitz in dieselbe. Für die vier neuen, aus teutschen Ländern gebildeten, Departemente Frankreichs ward(11. Jul. 1814) ein Generalgouvernement zu Hamburg errichtet, und Davoust übertragen. Beiläufig, und zunächst nur auf Rußland wegen Oldenburg berechnet, gedachte Napoleons Decret„der Entschä— digung derjenigen Fürsten, welche durch diese großen, von der Nothwendigkeit gebotenen, Maasregeln“ be— einträchtigt werden könnten. Rußland, obgleich bereits dem Bündnisse mit Frankreich durch die Vergrößerung des Herzogthums Warschau, durch die neue Ordnung der Dinge in Schweden, und durch die Ausdehnung des französi— schen Reiches bis an die Gestade der Ostsee, und besonders durch den Ukas(19. Dec. 1810) sehr ent⸗ fremdet, welcher die Einfuhr von Kolonial- und eng— lischen Waaren in Rußland, doch unter fremder Flagge, so wie die Ausfuhr russischer Erzeugnisse erlaubte, unterhandelte mit Napoleon über die Entschädigung des Herzogs von Oldenburg durch Warschau. 115. 7) Vom Kriege zwischen Frankreich und Rußland bis zum ersten Pariser Frieden (30. Mai 1814). Mächtige Rüstungen begannen in Frankreich und Rußland. Französische, polnische und teutsche Trup— penmassen zogen sich im Herzogthume Warschau, die Heere Rußlands an der Ostsee, und an den Grenzen Preust mit Fl den Hn den 18¹²⁰ werl gen,* cher( gegenf niß n reich Bünd f hen el) des Hoe tie Gß Vere für dix gleich u bestehae seyn so Vertres grität welchen die Geh nach x Utensstog, 0 Renburgih Oldenbe „der Enho diese große 0 IN Vevedet arel N W ; W„ . Honidl⸗ 2eeh siundet du gnisse elas Eutschadi 4 rscheu Ankeeich l 5 /½/ •7 EHενι Au Wahlitin Vylsche Iuh ül N Wuschau,W Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 413 Preußens und Warschau's zusammen. Dänemar, mit Frankreich verbündet, sammelte(1812) ein Heer in den Herzogthümern Holstein und Schleswig; Schwe— den aber trat in einem geheimen Vertrage(24. März 1812) auf Rußlands Seite, das ihm dafür den Er— werb Norwegens, entweder durch Unterhandlun— gen, oder durch Gewalt der Waffen, garantirte, wel— cher Garantie(3. Mai) Großbritannien beitrat. Da— gegen schloß Napoleon(24. Febr. 1812) ein Bünd—⸗ niß mit Preußen*), und(14. März) mit Oest⸗ reich*). In den geheimen Bedingungen dieser Bündnisse versprach Napoleon dem Könige von Preu— ßen eine Entschädigung an Ländergebiet für die Kosten des Krieges, und dem Kaiser von Oestreich die Garan— tie Galiziens, oder die Zurückgabe Illyriens bei der Vereinigung Galiziens mit Polen, so wie außerdem für die Kriegskosten eine Entschädigung,„welche zu— gleich ein Denkmal der, zwischen beiden Souverainen bestehenden, innigen und dauerhaften Verbindung seyn sollte.“ Unter den öffentlichen Bedingungen des Vertrages mit Oestreich war die Garantie der Inte— grität der europäischen Besitzungen der Pforte, mit welcher Rußland sich damals im Kriege befand, und die Garantie der Grundsätze der neutralen Schiffahrt nach den Bestimmungen des Utrechter Friedens. Bevor aber der zweite polnische Krieg (22. Jun. 1812) begann, versohnte sich Rußland, unter Englands und Schwedens Vermittelung, zu Bucharest(28. Mai 1812)) auf vortheilhafte Bedingungen mit der Pforte, worauf das gegen die *) Martens, Suppl. T. 5. P. 414. **) ibid. p. 427. ibid. I. 7. P. 697. 414 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Pforte gestandene Heer gegen Frankreichs Macht gebräucht ward. Gleichzeitig ward Rußlands Friede mit England zu Oerebro*)(18. Jul. 1812) auf die vorigen Verhältnisse, und ein Bündniß mit der spanischen Regentschaft in Cadir (20. Jul. 1812) zu Weliky Luky**) geschlossen. Der Plan Napoleons bei dem beginnenden Riesen— kampfe galt der Wiederherstellung des König— reiches Polen, und der Zurückführung der Macht Rußlands auf den politischen Standpunct, wie vor 50 Jahren. Ueber 500,000 Streiter waren zur Ver— wirklichung dieses Planes bestimmt. Von Dresden aus, wo Napoleon mit dem Kaiser von Oestreich und dem Könige von Preußen(Mai) zusammengetroffen war, sandte er den Erzbischoff von Mecheln, de Pradt), nach Warschau, nach dessen Ankunft der Ministerrath des Herzogthums einen allgemeinen Reichstag der polnischen Nation zusammenrief, wel— cher(28. Jun.) in eine Generalconföderation von Polen sich umbildete, und die Wiederherstellung des Königreiches Polen aussprach. Als Napoleon sein Heer über den Niemen führte, zogen sich, ohne bedeutenden Widerstand, die an den Grenzen aufgestellten Russen zurück. Er drang, wäh— rend die Preußen in Kurland einrückten, und die Oest— reicher und Sachsen unter dem Fürsten von Schwar— zenberg von dem Herzogthume Warschau aus die süd— liche Flanke seiner Bewegungen deckten, über Wilna (28. Jun.) nach Smolensk vor, wo Barclai de *„Martens, Suppl. T. 7. p. 226. *) ibid. p. 230. * de Pradt, histoire de l'ambassade dans le grand duché de Varsovie en 1612. Paris, 1815. 6. zeitig allen E dem le bedeuter dem K. er selb. die nei 5 181³ Kampf leon m ein neul aber d Kaiserij wesenhei und Iun dem V. reste de E dre vor, confode der pol. 1012); alle Polä 17— 7 Mar menden N i% besKeh ung der M. unct, vi! ren zür V Den Diidd Dastreich: ammengetrf WMahelu,! Dassen Mt Inen algemen m, x afidertttat Wichadesclun Moanen fist nd, die aun E drang,h MNII u, und Nr N, 1. Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 415 Tolly mit ihm kämpfte. Doch erst bei Borodin o, an den Ufern der Moskwa, stellte Kutusow(7. Sept.) ihm sich entgegen, der sich, nach einem hartnäckigen Kampfe, zurückzog, worauf die Franzosen(14. Sept.) Moskwa besetzten. Der Brand dieser Stadt aber (16. Sept.), und die von Alexander zurückgewiesenen Friedensvorschläge nöthigten ihn(19. Oct.) zum Rückzuge, auf welchem er eben so durch die früh⸗ zeitig eintretende Winterkälte, wie durch die ihn auf allen Seiten angreifenden Russen, besonders aber bei dem Uebergange über die Berezyna(27. Nov.), bedeutende Verluste erlitt. In Wilna übergab er dem Könige von Neapel die Leitung des Rückzuges; er selbst eilte über Dresden nach Paris zurück, um die neuen Rüstungen zu veranstalten. Während nun der französische Senat(10. Jan. 1813) 350,000 Mann Nationalgarden, selbst zum Kampfe außerhalb Frankreichs, bestimmte; Napo⸗— leon mit dem Papste sich versöhnte und(25. Jan.) eiu neues Concordat*) mit demselben schloß, das aber dieser bald darauf für ungültig erklärte; der Kaiserin die Regentschaft für die Zeit seiner Ab⸗ wesenheit und auf den Fall seines Todes übertrug, und, nach der Abberufung des Königs von Neapel, dem Vicekönige Eugen die Zurückführung der Ueber— reste des großen Heeres bis an die Saale anvertraute, — drangen die Russen im Herzogthume Warschau vor, und hinderten dadurch die von der General— conföderation ausgesprochene allgemeine Bewaffnung der polnischen Nation, so wie Alexander(24. Dec. 1812) eine, auf zwei Monate gültige, Amnestie für alle Polen bekannt machte. Gleichzeitig schloß(30. Martens, Suppl. T. 5. P. 552. — „ 416 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Dec.) der preußische General Mork in der Posche— Engle rungischen Mühle mit dem russischen Generale Die— ein bitsch eine Capitulation*), nach welcher das bunde preußische Corps für neutral erklärt, und den Russen ßische der Durchzug durch Preußen verstattet ward. Zwar tuscor bestätigte Friedrich Wilhelm 3 Anfangs diese Capi⸗ 10,00 tulatirn nicht, sondern befahl, den General Vork vor—0 ein Kriegsgericht zu stellenz bald aber führte die all— mit w gemeine Stimmung des preußischen Volkes gegen same! die Franzosen den König zu dem Entschlusse, den weise l Regierungssitz einstweilen(23. Jan. 1813) nach Bres⸗ von del lau zu verlegen, die Cantonbefreiung(9. Febr.) auf⸗ die Feß zuheben, und(28. Febr.) mit Rußland zu Ka lisch xen ein Bündniß) auf die Wiederherstellung der preu⸗ Befeh ßischen Monarchie nach dem Werthe ihres Länderbe⸗ Iũ 9. standes wie vor dem Kriege im Jahre 1806 abzu⸗ Paand schließen, worauf(14. März) Vork freigesprochen Ibsh ward. Es folgte(16. März) die Kriegserklä⸗ in we! rung Preußens gegen Frankreich, und(17. chn März) der Aufruf des Königs an sein Volk und an(. M das Heer, so wie die Bildung der Landwehr und des juge u. Landsturms. Nicht vergebens hatten Scharnhor st nig vo und Gneisenau im Stillen diese große Zeit des Völkerkampfes vorbereitet! Mecklenburg und Burz Hamburg folgten zunächst dem Beispiele der Preu⸗ Vebbiz ßen; doch Hamburg nicht ohne darauf folgende harte stilse Ahndung von Napoleon. Schweden, mit Ruß⸗ 10 0100 land bereits verbündet, schloß(3. März) für 30,000. Mann, die der Kronprinz selbst nach Teutschland 0 führen sollte, einen Subsidienvertrag) mit 1n *) Martens, Supplem. T. 5. P. 556. *1% Sch 6II, T. 10. p. 545 809.— Martens, Sup- ö l plem. T. 5. p. 234. ν Martens, Supplem. T. 5. P. 556.• 0) W. Itensysiez, Eidedh Generol 10 welchenz den N V VE 13) nach Hi 60 Iahr ö UB Veoe.) d 3466 udu Kan teut dor vyr Wallung det r Hres nderd ahre 1800 dl t 7½ ½s t W GSTkl NIHHSHHU „* el, W EHH„ M/ ů Hatorgn seln V Wa He und v Iwehr M Handwehe Ul ů — ah Scharsht 5% NeiN große de lendutg“ cispiele de xn IININI Af folaende aur olgehe 16 N den, mü *+ 5 %½r ½/0 Wori—.. ‚ ü½ Lalsch nach I 7 ⁷⁰ ‚ V 2 V UutensyO Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 417 England; Daänemark, auf Frankreichs Seite, stellte ein Heer in Holstein auf. Die Fürsten des Rhein⸗ bundes mußten ihre Heere ergänzen. Nach der preu⸗ ßischen Kriegserklärung rief ein französisches Sena— tusconsultum(3. Apr.) noch 180,000 Streiter und 10,000 Ehrengarden auf. Noch hatte aber Oestreich sich nicht erklärt, mit welchem der König von Sachsen) über gemein⸗ same Maasregeln unterhandelte, dessen Land theil⸗ weise von den zurückziehenden Franzosen, theilweise von den nachrückenden Preußen und Russen besetzt, die Festung Wittenberg aber in den Händen der Fran⸗ zosen war. Torgau hingegen sollte, auf des Königs Befehl, keiner fremden Macht geöffnet werden. In Prag erwartete der König von Sachsen, der über Plauen und Regensburg dahin gegangen war, den Abschluß der zu Wien begonnenen Unterhändlungen, in welchen er sich bereits zur Verzichtung auf War⸗ schau erboten hatte, als Näpoleons Sieg bei Lützen (2. Mai 1813) die Russen und Preußen zum Rück⸗ zuge über die Elbe, und Napoleons Drohung den Kö— nig von Sachsen(12. Mai) nach Dresden zurück⸗ nöthigte, worauf die Schlachttage bei Bauz en und Wurschen(20 und 21. Mai) den Rückzug der Verbündeten nach Schlesien, und in dem Waffen⸗ stillstande zu Poischwitz n)(5. Jun.) die völlige *) Ueber die Stellung und das Betragen Sachsens in dieser Zeit: Kohlschütter, Akten- und that⸗ mäßige Widerlegung einiger der gröbsten Unwahr— heiten, welche in der Schrift: Blicke auf Sachsen ꝛc. enthalten sind;(zuerst: Teutschland, 1815. 8. dann aufgenommen) in Lüders dipl. Archiv, fortges. v. Pölitz, 3 B. 2te Abthl.(Lpz. 1823. 8.) S. 391 ff. **) Martens, Suppl. T. 5. p. 562. III. 27 — 418 Geschichte des europäͤischen Staatensystems ꝛc. Räumung des von ihren Herren be⸗ wirkten..1133 ugène Labaume, relation circonstanciéëe de la campagne de Russie. Paris, 1614. 6. SII —2 Alliirten gegen Rußland 1812 und 1813. 4Theile. Epz. 1815 ff. 8. 51½U. Knesenbeck,) 45 Feldzug von 22235 bis ͤzum Waffenstillstande. s. 1.1815. 3. Nit . Müffling.,) die preußisch⸗russische Camz⸗ Hizordade⸗ im Jahre 1813, von der Tands bis zum Waffenstillstande vom 5. Jun. 8. I. 1813. 6. . K. Gtli. Bretschneider, der vierjährige Krieg der Verbündeten mit Napoleon Bonaparte in Ruß— land, Teutschland, Italien und Frankreich in den IJahren 1812— 1815. 2 Th. Annab. 1816. 8. K. Venturini, Geschichte des europäischen *— n in den Jahren 1812— 1814. 99 Th. Lpz. und Alt. 1815 ff. 6⸗ (Fick,‚,) Darstellung des Feldzuges der Verbün⸗ .0 deen—Hꝛ.. Napoleon im Jahre 1813. N. A. Ert. 491614. 6. Darstellung ꝛc. im Jahre 1814 bis zur ö Eroberung d von Paris. 2 Th. Erl. 1814 ff. 8.— Darstellung ꝛc. im Jahre 1815. Erl. 1815. 8. 110. Fortsietz ung. Verngeblich blieben die Zr zu Prag, worauf Oest r eich, das bereits(27. Jul.) vorläufig ein Bündniß mit Rußland und Preußen verabredet hatte,(12. Aug.) auf die Seite der Ver— bündeten trat und den Krieg gegen Frankreich aussprach. S hatte Napoleon während des Waf—⸗ fenstillstandes alte Truppen aus Spanien gerufen und neue Massen gebildet, so wie die Elblinie von Dres⸗ den bis Hamburg befestigt; auch war Dä nemärk, (Beck er,) der Krieg der Franzosen und ihrer neu geteen. gege vetsty der— Heer z trac (4. W tunmi Großls Nußlee Preufes Preuh x Mai gen st I poleong Heer Wan Marsi x Dresh. 66.A0 lungen g das ul reicher E 2) Mae „ lbid., 4* Ibie M ibii II. 9.20 It) ibit.“ Mutasssiny. en Huun itonstunchhl I0Ig. J Mppsn und ih NiR. ANN I% von 1015 U 0. Hꝛtussscht d rafnung bis y 10¹53. 6. wersihrige Kti Wudarte in N zurtrich in b. 1810. 0 du eutopist. n 1 ne I Vilt 19½ N 1&. n Fai Il. BizN Eil. 1015 U Zoeiter Zeitraum von 1789— 1823. 119 mit Norwegens Verluste bedroht,(10. Jul.) zu einem neuen Bündnisse5) mit Frankreich zusammen⸗ getreten, und erklärte den Krieg an Schweden; da— gegen hatten gleichfalls die Verbündeten sich bedeutend verstärkt, Moreau war im russischen Hauptquartiere, der Kronprinz von Schweden an der Spitze eines Heeres in Nordteutschland erschienen, und feste Ver— träge knüpften sie an einander. So verbanden sich (14. Jun.)) zu Reichenbach Preußen und Großbri⸗ tannien; zu Peterswalde(6. Jul.) n) Rußland und Großbritannien; zu Teplitz(9. Sept.) Oestreich und Rußland*); ebendaselbst(9. Sept.) Oestreich und Preußen f); und gleichfalls zu Teplitz(9. Sept.) Preußen und Rußland sf). Von Dresden eilte(12. Mai) der Vicekoöͤnig nach Italien; die Bayern aber zogen sich bei München in einem Lager zusammen. Nach abgeschlossenem Waffenstillstande griff Ra⸗ poleon(21. Aug.) bei Löwenberg das schlesische Heer unter Blücher an, welcher hinter die Katz bach zurückging, an diesem Flusse aber(26. Aug.) den Marschall Macdonald besiegte, weil Napoleon nach Dresden zuruckeilte, welches, nach Moreau's Plane, (26. Aug.) als Mittelpunet aller Napoleonischen Stel⸗ lungen angegriffen ward, wo der Kaiser(27. Aug.) das unter Schwarzenberg vereinigte Heer der Oest— reicher, Russen und Preußen besiegte. Allein mit *)Martens, Suppl. T. 5. p. 589. * ibid. p. 566. % b.P7. ipid. p. 595. 1) bic. p. 600.(der geheime Artikel dazn Sappl. VP. 7• p. 295.0 4) ibid. T. 5. p. 60. 27 2 IG 420 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. diesem Tage endigten Napoleons Siege auf teutschem Boden. Vandamme ward bei Culm(30. Aug.) geschlagen und gefangen; bei Großbeeren unter Oudinot(23. Aug.), und bei Dennewitz unter Ney (0. Sept.) der doppelte Versuch der Franzosen, nach Berlin vorzudringen, vereitelt; Napoleon selbst(17. Sept.) bei Nollendorf kräftig zurückgewiesen, und (3. Oct.) bei Wartenburg der Uebergang des schlesischen Heeres auf das linke Elbufer erzwungen, wohin auch, nach der dreimaligen Beschießung Wit— tenbergs, der Kronprinz von Schweden(5. Oet.) seine Truppen fuhrte, während zwei große Heeres⸗— massen von Böhmen aus über Chemnitz und Zwickau nach den Ebenen bei Leipzig vordrangen. So im Rücken und auf der Seite umgangen, mußte Napo⸗ leon(6. Oct.) Dresden verlassen, von wo auch der König von Sachsen(12. Oet.) nach Leipzig ging. Napoleon, der an der Mulde hinzog, wollte Magde⸗ burg zum neuen Mittelpuncte seiner Bewegungen in dem Lande zwischen der Elbe und Oder machen, als er zu Düben won dem Könige von Wirtemberg be⸗ nachrichtigt ward, daß der König von Bayern, in dem Vertrage zu Ried)(S. Oct.) mit Oestreich, auf die Seite der Verbündeten getreten sey. Dies bewirkte die-Veränderung des von Napoleon beabsich⸗ ten Planes, worauf er von Düben nach Leipzig ging. Zwar sührte die Schlacht bei Wach au(16. Oct.) zu keiner Entscheidung, nur daß an demselben Tage Blücher den Marschall Marmont bei Möckern be— siegte; allein, nach den(17. Oet.) vergeblichen Unter⸗ hadlungen zwischen Napoleon und den Verbündeten, entschied(18. Oet.) der Kampf in der ganzen Umge⸗ *) Martens, Suppl. T. 5. p. 610. bung Oct.) stürm von Gef! ser 31 und il errichs tung waltu von de (Woz Reck 104. (21.3 naue untelb den Bays Hest Mo.d Fran i. Wix Aaßs Wesoe Beri Vernn prest dtershhert 42¹ sn Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 421 n bung von Leipzig über Napoleons Rückzug(19. bhärer: Oct.), während dessen die Verbündeten Leipzig er— fmiin ö stüremten, worauf der Kaiser Alexander dem Könige vihiuttrN von Sachsen erklären ließ, daß er ihn als seinen Hf Gefangenen betrachte. Der König lebte seit die— dnschts ser Zeit bis zum Februar 1815 n in Berlin, Igtwiesn, und dann in Friedrichsfelde. Dür alle eroberte Lander Llhergan errichteten die Verbündeten eine Centralverwal⸗— 2 e tung unter dem Minister von Stein*); die Ver⸗ shießung A waltung Sachsens aber geschah Anfangs(Oet. 181³) den 65.M0 von dem russischen Fürsten Repnin, und in der Folge Roßt Hert(Nov. 1814) von dem preußischen Minister von der 0 ud Zuit Reck und dem Generale Gaudi. Nen. COoi Noch kämpfte Napoleon auf seinem Rückzuge , mußte u(21. Oct.) bei Freybung gegen Vork, und bei Ha⸗ on o auchx nau(30. Oct.) gegen die Oe streicher und Bayern 1 0 9 unter Wrede. Die Völkerschlacht bei Leipzig hatte bele Mode den Rheinbund aufgeloset. Nach dem Vorgange I 0n. Bayerns schlossen sich Wirtenb erg(2. Nov.), 0 uahn, Hessen⸗ Darmstädt(35. Nov.), Baden(17. Wimbanb Nov.) den Verbündeten an. Der Großherzog von Bohetti Frankfurt verzichtete(30. an. auf 15. weltliche lt Osut Würde, und zog sich in sein Bisthum Kostnitz zurück. a sc. V Außer Sachsen, wurden die Länder des Königs von Wpclen blß Westphalen, der Großh herzoge von Frankfurt und u Lh Berg, und der Fürsten von Isenburg und Leyen für die 90 Verbündeten verwaltet, während in den vormaligen mubn U. preußischen Provinzen zwischen der Elbe, der 1. een Weser und dem Rheine, in den Churstaaten Han⸗ w lhat⸗ nover und Hessen-Kass sel, in den Herzogthümern Ahd, Braunschweig und Oldenbu rg, und in den ung *) Die Centralverwaltung der Verbündeten unter dem Freiherrn v. Stein. Teutschland, 1814. 8. * taatensystems ꝛc. 422 Geschichte des europäischen S Hansestädten, so wie in Frankfurt am Main die alte Ordnung der Dinge hergestellt ward.— Eine Masse von 145,000 teutschen Streitern folgte den Heeren der Verbündeten; außerdem wurden Länd⸗ wehr und Landsturm errichtel⸗ Es war die schöne Zeit der Begeisterung für die Abwerfung eines vom Auslande aufgelegten Joches, voll des Glaubens/ daß es, nach Napoleons Bezwingung, besser werden müsse. Nur langsam wurden die von den Fransasen noch besetzten Festungen von Danzig bis an den9 Rhein zur Uebergabe gebracht; dagegen aber erkämpfte sich der Kronprinz von Schweden, der von Leipzig aus nach Holstein zog, gegen die Dänen das Königreich Norwegen, das ihm(14. Jan. 1814) im Kieler Frieden 20 gegen den Eintausch von Schwedisch— Pommern abgetreten, so wie ein dänisches Heer 00 10,000 Mann unter seine Befehle gegen Frankrei gestellt ward. Gleichzeitig zog der preußische General Bülow gegen die Grenze Hollands, das die Fran⸗ zosen verlassen mußten. Die von dem Präsidenten van der Hoop geleitete einstweilige Regierung(1. Dec.) gab dem Prinzen von Nassau-Oranien den Titel eines sou verainen Fürsten der vereinig⸗ ten Niederlande, welchen dieser(2. Dec.) an⸗ nahm, dem Volke eine zeitgemäße Verfassung ver— sprach, und(11. Dec.) der Verbindung gegen Frank— reich beitrat. In Italien mußte Eugen, nachdem die illyrischen Provinzen Oestreich sich Eertl ärten, auf einzelne Gefechte mit Bell Tealen und auf die Ver⸗ theidigung des Königreichs Italien sich beschränken. Während Napoleon von neuem die Kräfte Frank⸗ reichs zur Fortsetzung des Kampfes aufbot, unterhan— *) Martens, Suppl. T. 5. p. 666. delten; rode, Gefant von S reich st und de land, zichten solle, des Ha poleon meinen Frieden schlug Mettert handlu bevollm V keichs b Vitto so bela Frankre Vordein 13. Ju Nive, Noch v mit Fe einen X nig vor die Ent allen S hitten, Mar uussir Ittandu sü wan Etitern f h rurden 0 var die son funz dltz x die Galh „bosse vun Den Fang an den Al erkämpftsi a n au -e Königret im Kih on Sawehih nisches Ht tan Fk Hlische Heseld N Ium, dn N We . Hutz „Oraniens Ihi . Die) v fisan u tgel 0 Zweiter Zeitraum von 17⁸9— 1823. 423 delten zu Frankfurt die Minister Metternich, Nessel⸗ rode, Hardenberg und Lord Aberdeen mit dem in die Gefangenschaft der Verbündeten gefallenen Baron von St. Aignan auf die Bedingungen, daß Frank⸗ reich seine natürlichen Grenzen der Pyrenäen, Alpen und des Rheins behalten, e aber auf Teutsch⸗ land, die Elbdepartemente, Holland und Polen ver⸗ zichten, und über Italien weiter unterhandelt werden solle, wobei Großbritannien bereit sey, die Freihein des Handels und der Schiffahrt anzuerkennen. Na⸗ poleon nahm diese Bedingungen(2. Dee.) im Allge⸗ meinen an, zu deren Berichtigung in Mannheim ein Friedenscongreß sich versammeln sollte. Dieser zer⸗ schlug sich aber, als(8. Jan. 1844) der Minister Metternich erklärte, daß Lord Aberdeen zur Unter— handlung über die Grundlage eines Friedens nicht bevollmächtigt gewesen wäre. Bevor noch die Verbündeten den Boden Frank⸗ reichs betraten, 2— Wellington in Spanien bei Vittoria(2.3 Jul. 1812) den Marschall Marmont so bekämpft, daß der König Joseph(1813) nach Frankreich zurück ging. Selbst Soult konnte das Vordringen Wellingtons nicht aufhalten, der(10— 13. Jan. 1814) auf französischem Boden an der Nive, und später(10. Apr.) bei Toulouse siegte. Noch vor diesen letzten Vorgängen schloß Napoleon mit Ferdinand 7 zu Valençay(8S. Dec. 1813) einen Vertrag*), in welchem er denselben als Kö⸗ nig von Spanien anerkannte; doch sollte Ferdinand die Entfernung der Britten aus Spanien bewirken, allen Spaniern, welche dem Könige Joseph gedient 4605—6— ertheilen, und die Seerechte mach 29 Wnte W0 Suppl. T. 5. Pp. 654. 424 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. den Bestimmungen des Utrechter Friedens gegen Eng⸗ land behaupten. Die Regentschaft der Cortes or⸗ kannte aber diesen Vertrag nicht an, weil Ferdinand nicht frei, und ohne Großbritannien kein Friede zu schließen sey, weshalb Napoleon den König Ferdinand ohne Bedingungen nach Spanien entließ. Gleich⸗ zeitig(23. Jan. 1814) gab er dem Papste Rom und Trasimene zurück. Von bedeutendem Einflusse war der Uebertritt des Königs Joachim von Nea⸗ pel auf die Seite der Verbündeten in einem Ver⸗ trage mit Oestreich(14. Jan. 1814)), in wel⸗ chem ihm Oestreich seine gesammten damaligen Be— sitzungen gewährleistete, und ihm eine Vergrößerung derselben mit 400,000 Einwohnern im Kirchenstaate, so wie die Ausmittelung des Beitritts der übrigen Verbündeten zu dieser Garantie versprach. An Groß⸗ britannien überließ Murat, in einem Waffenstillstande, seine Flotte und einige kleine Inseln in der Nähe Nea— pels. Demungeachtet nahm Murat keinen haugen Antheil am erneuerten Kampfe. Dieser begann mit dem Durchzuge des böhmi⸗ schen Heeres durch das Gebiet der Schweiz, worauf es(21. Dec. 1813) bei Schafhausen und Basel, Blücher aber bei Caub(1. Jan. 1814 über den Rhein ging. Das erste Gefecht auf französischem Boden bestand Mortier bei Bar sur Aube—24. Jan.), worauf Napoleon bei Brienne(29. Jan.) gegen Blücher kämpfte, bei la Rothiere(1. Febr.) aber von Blücher, Wrede, Giulay und den Wirtember— gern zum Ruckzuge nach Troyes genöthigt ward. Doch siegte er(10. Febr.) bei Champ-»Aubert,(14. Febr.) bei Montmirail,(14. Febr.) bei Join⸗ )Martens, Suppl. T. 5. p. 660. — —.—...—.——.5ßÄ6FFF Hrch yille be M Bar gen st (. F. gresse! neuel bis al 21 ahlg. Verbün Ford lung v die N Arei und( mart. tulae Napon ner veã land c othite für dl reich n Maürhl Verbz tillon bunde —— NM au 1) ibi denssien, Run IN V π U dil anl tin Rrini Kinghadinn ntließ. Gltt Papste AV ndem Einij im von du einem Ve 9%7,/ in. amalgen B. Dasroßerm Kicheston —e det ülin rach. In G Vefinsillintd DH M M hinn hün Ruge de lihi beiz, ül en und MI über dud⸗ sthen? D b V Iu) . Iu Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 425 villers,(17. Febr.) bei Nangis, und(18. Febr.) be Montereau, worauf er Troyes(24. Febr.) und Bar sur Aube(27. Febr.) besetzte. Nach diesen Sie⸗ gen steigerte Napoleon seine Bedingungen auf dem (A. Febr.) zu Chatillon eröffneten Friedenscon⸗ gresse, weshalb Oestreich, Rußland, Preußen und Großbritannien zu Chaumont?*)(1. März) einen neuen Vertrag abschlossen, der ihre Verbindung bis auf 20 Jahre nach dem Frieden festsetzte, und jeder Theil sich verpflichtete, 150,000 Mann voll— zählig zu erhalten, während Großbritannien den drei Verbündeten jährlich 5 Mill. Pfd. Sterling für die Fortdauer des Krieges, zur gleichmäßigen Deh⸗ lung unter sich, zu zablen versprach. Kurz nach diesem Vertrage siegten(10. Marz) ö die Verbündeten bei Laon,(20— 22. März) bei Arcis,(25. März) bei FEre⸗Champenoise, und(30. März) durch die Erstürmung des Mont⸗ martre, worauf Marmont(31. März) die Ca pi⸗ tulation n) von Paris unterzeichnete, wodurch Napoleon, der den Kampf in den Rücken seiner Geg⸗ ner versetzen wollte, um die Verbündeten von Teutsch⸗ land abzuschneiden, nach Fontainebleau zu gehen ge⸗ nöthigt ward. Bereits in diesen letzten Monaten war für die Herstellung der Bourbone in Frank⸗ reich durch deae gewirkt, zu Bordeaup(12. März) die weiße Fahne aufgepflanzt, und von den Verbündeten(19. Marz) der Friedenscongreß 3 Cha⸗ tillon abgebrochen worden. Nach der Besetzung von Paris erklärten die Ver⸗ bündeten(31. März), weder mit Napoleon noch mit *) Martens, Suppl. T. 5. p. 683. **) ibid. p. 695. 426 Geschichte des europäischen Staatensystems 60. einem Gliede seiner Familie unterhandeln zu wollen. Talleyrand trat(4. Apr.) an die Spitze der gebildeten einstweiligen Regierung. Er berief den Senat zu⸗ sammen, welcher(2. Apr.) Napoleons Duosedeng aus⸗ sprach, und Volk und Heer des Eides der Treue; gegen ihn entband. Darauf stellte der Senat(6. Apr.). eine neue Verfassung*) auf, welche Ludwig 18 auf den Thron berief, die aber dieser, nach seinern Ankunft, nicht anerkannte, sondern die. tionelle Charte(4. Jun.)%) gab. ö Zwar gebot Napoleon zu Honteineelegir toch uber eine Masse von 70,000 Kriegern;z3 der Abfall⸗ mehrerer Marschälle bestimmte ihn aber(141Apr.) zu dem Vertrage*n) mit Oestreich, Rußland und Preußen(welchem Großbritannien mit einigen Ein— schränkungen beitrat), worin er auf Frankreich und Italien verzichtete, den kaiserlichen Titel nebst seiner Gemahlin Zeitlebens behielt, und für sich die Insel, Elba mit Souverainetät, mit Zugestehung einer Leibwache von 400 Mann, für seine Gemahlin und seinen Sohn aber die Herzogthümer Parma, Pig⸗ cenza und Guastalla erwarb. Die andern Bedingungen dieses Vertrages enthielten die jähr⸗ lichen Einkünfte für sich und die Mitglieder seiner Familie. Napoleon ging darauf nach Elba; seine Gemahlin und sein Sohn nach Wien. Der Graf— Artois,(12. Apr.) zum Statthalter des Königreiches ernannt, schloß(23. Apr.) mit den Verbündeten einen 5— tragk r) über die Räumung des alten Frank⸗ 0 Europ. Constitt. Th. 1, S. 2834. 2150 *) Ebend. S. 293. ) Martens, Suppl. T. 5. Pp. 695• ν) ibid. p. 706. reichs zwar tes n Vicek aufsta unterz mung Apr.) Einvet Bresci K aisehj nach R der Ge das H Ferd aus sei Lrd L malige Piacce Namer — ward in Oestreit demselb den Gt bietsve Rheinc anerkat bago un Spanie zurück. so wiel —— YMar Aunssirrr War zu rs AN ghn Em Wionga Ede du un Sant( ch HU , noch h dil Kons V 1 ½de Wfal Woland un ui eigen Ei n 1. 0 Rul ut Ein I Hlehuag elhe +ni W Parnt,N Dee aldn lm die sie ütglider sthl 0 1 . 01 d u (rbündell Huh 8 Saltes Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 427 reichs. Im Königreiche Italien beabsichtigte zwar der Senat(17. Apr.) die Fortdauer dieses Staa⸗ tes nach aret Sel Girsest unter dem bisherigen Vicekönige; allein Eugen ver 205 nach einem Volks-— aufstande zu Mailand(20. Apr.), Italien, und unterzeichnete mit Bellegarde die Verträge zur Räu— mung dieses Landes. Die Oestreicher besetzten(26. Apr.) Mailand, worauf Bellegarde(12. Jun.) die Einverleibung der Provinzen Mailand, Mantua, Brescia, Bergamo und Cremona in den ostreichischen Kaiserstaat erklärte. In dieser Zeit kehrte der Pa pst nach Rom, der König von Sardinien nach Turin, der Großherzog von Würzburg nach Florenz und das Haus Oestreich-Este nach Modena zurück. Ferdinand 4 erneuerte(24. Apr.) von Palermo aus seine Ansprüche auf Neapel. In Genua stellte Lord Bentinck, in Großbritanniens Namen, die vor⸗ malige Verfassung dieses Freistaates her. Parma, Piacenza und Guastalla wurden(20. Apr.) im Namen der Kaiserin Marie Luise in Besitz genommen. Der Pariser Friede vom 30. Mai 18140 ward in vier besondern Verträgen zwischen Frankreich, Oestreich, Rußland und Preußen abgeschlossen. In demsel lben ward Frankreich als Königreich, nach den Grenzen vom 1. Jan. 1792, und mit einer Ge— bietsvergrößerung in Savoyen, Belgien und den Rheingegenden, mit Einschluß der Festung Landau, anerkannt. Doch überließ es Isle de France, Ta— bago und St. Lucie an Großbritannien, und gab an Spanien den zu Basel erhaltenen Theil von Domingo zurück. Die übrigen Kolonieen gewann es von neuem, so wie Guadeloupe von Schweden. Für die vormals *)Martens, Suppl. T. 6. p. 1. 428 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. von Frankreich abhängigen Länder enthielt der Pari— ser Friede nur kurze allgemeine Bestimmungen, welche auf dem Wiener Congresse zur Entscheidung kommen sollten. So ward festgesetzt, daß die Staa— ten Teutschlands unabhängig seyn und durch ein Föderativband vereinigt werden sollten; der Schweiz ward die Unabhängigkeit, in den Niederlanden dem Hause Oranien die Souvernainetät mit einer Gebietsvergrößerung(Belgien), der Besitz Mal⸗ tha's für Großbritannien bestätigt/ und in Hinsicht Italiens bestimmt, daß es, außerhalb der an Oestreich kommenden känder aus souverainen Staa⸗ ten bestehen sollte. Bald nach dem Pariser Frieden erließ der in den Kirchenstaat zurückgekehrte Papst eine Bulle*) (7. Aug. 1814) für die Wiederher stellung der Jesuiten. Dritter Zeitabschnitt. Von den Ergebnissen des Wiener Con⸗ gresses bis zum Jahre 18233 von 1815— 1823. 117. A) Uebersicht dieses Zeitabschnitts. Noch hatte Europa keinen solchen Congreß gesehen, wie den zu Wien. Denn nicht nur daß hier die ersten Regenten und Diplomaten des Erd⸗ *) Martens, Suppl. T. 6. p. 46. cheils tige S des fo gewich schen Entsch Congr bereits Napo erschien wo ihimn dem ve Hesrußt vorigen zu vert sein S bündet terndes Beschd tigkeit, leiteten vier vor welchem Wasen Hauptr wardef — uunss ahilt E Dinmun, r Lusshetz , de Eu yn und durh n ünShnh Niedetlomn! uinttit mit e der Best W Ind in Os serhalb der d etainen Stu; den erltß der st eint Bullle krstellung x shnitt. Biener E. e18⁵⁵5 Itobschlt i Coht 6 . 10 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 429 theils zusammenkamen; es ward daselbst auch das künf⸗ tige Schicksal dieses Erdtheils und die neue Grundlage des fortan geltenden Systems des politischen Gleich— gewichts entschieden, das an die Stelle der französi⸗ schen Uebermacht treten sollte. Fast aber hätte die Entscheidung der sächsisch-polnischen Sache die ersten Congreßmächte von einander getrennt*). Doch war bereits eine Ausgleichung darüber verabredet, als Napoleon von neuem an den Küsten Frankreichs erschien, und binnen zwanzig Tagen Paris erreichte, wo ihm die Bourbone gewichen waren. Geächtet von dem versammelten Congresse, wagte er es doch, gestützt auf die Anhängl ichkeit des Heeres, seinem vorigen Glücke noch einmal auf den Schlachtfeldern zu vertrauen; allein am Tage bei Waterloo erlosch sein Stern auf immer. Als Gefangener der Ver— bündeten endigte er am 5. Mai 1821 sein welterschüt⸗ terndes Leben auf dem Felsen von St. Helena. Die Beschhusse des Wiener Congresses behielten ihre Gül⸗ tigkeit. Fünf Mächte des ersten politischen Ranges leiteten von da an die Angelegenheiten des Erdtheils; vier von ihnen gehörten zum heiligen Bunde, welchem fast alle europäische Staaten beitraten. Was nach dem zweiten Pariser Frieden von diesen Hauprmächten gemeinschaftlich beschlossen worden war, ward festgehalten, nach Grundsatz und Ausführung, *) Bereits ward am 6. Jan. 1815 zwischen Oestreich, Großbritannien und Frankreich ein Vertrag unter— zeichnet, welchem Baiern sich anschloß. Doch ist diese Urkunde nirgends gedruckt erschienen, und Lord Castlereagh erklärte darüber im Parlamente, daß sie blos ein histörisches Factum und durch die folgenden Verträge völlig beseitigt worden sey. 430 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. auf den Congressen zu 0 zu Troppau⸗ 1 und Zu Verona. H 25 108. 33.½ Die Hauptbegebenheiten in diesen Zeitabschnitte. 17 De⸗ Wiener Congreß und—— Er⸗ 5 1nn ders l te der Wiener Conhreß bereits am 1.—— 181½4 eröffnet werden; doch 1h Wilhe sich, durch die Reise Aleranders und Friedrich Wilhelms 3 nach Lon⸗ dön iind von da in ihre Erbstaaten, der Anfang der Unterhandlungen bis zum October, und die förmliche Eröffnüng bis zum 1. Nov. 1814½. Anwesend waren dié beiden Kaiser von Oestreich und Rußland, die Konige von Preußen, Danemark, Bayern und Wir⸗ temberg/ eine große Zahl von Fürsten, und die Ge⸗ sandten und Diplomaten aller europäischen Staaten, mit Austnahme der Pforte. Die am 9. Jun. 1 1815 uiter Zeichnete Congreßacte à) in 121 Artikeln 33 * rtens, Suppl. T. 6. p. 379.— Besonders * ri L. Klüber: Schlußacte des Wiener Con— gresses und Grundvertrag des teutschen Bundes; beide in der Ursprache, kritisch berichtigt, mit Vor— bericht, Uebersicht des Inhalts, und Anzeige ver⸗ schiedener D vollständig herausgegeben. Erl. 816. 8. Das Hauptwerk für den Wiener Tongteß mit allen wichtigen dahin gehörenden Ur— kunden sind: Kelüber's Acten des Wiener Con- 4an gresses. 31 Hefte. Erl. 1815 ff. 8.— Damit muß erglicben werden: Dessen Uebersicht der diplo⸗ malischen Verhandlungen des Wiener S 3 Abtheilungen. Frankf. a. M. 1816. 8.(de lildet Fürst europe * 0 päis von ei stände die V Preu Bevoll Rußle derlat mua, y Wein burg⸗ Sach durch Ferdi her zof Este i hielt de Westga⸗ Mantus Vorarh. don S6 zurüc„ Kndsch außerd⸗ mit de unmsssre ͤWSweiter Zeitraum von 1789— 1823. 431 Dpal- bildet seit der Zeit, nach dem eignen Ausspruche des Fürsten Metternich,„das heutige Grundgesetz des europäischen Staatensystems.“ Bei den Unterhandlungen wurden die eur o⸗ it Mif päischen und die reinteutschen Angelegenheiten von einander getrennt; so wie viele einzelne Gegen⸗ stände durch Commissionen bearbeitet. Durch nd seint d die Wiener Congreßacte wurden Oestreich und Preußen im Ganzen auf die politische Macht und Funst R. Bevölkerungszahl vom Jahre 18⁰ zurückgebracht, un l. A6 Rußland durch das Königreich Polen, die Nie— derlande durch Belgien, Sardinien durch Ge⸗ nuga, und unter den teutschen Staaten Hannover, Weimar, Oldenburg, Coburg und Mecklen⸗ burg⸗Strelitz durch Länderzuwachs vergrößert, Sacchsen getheilt, Bayenn für seine Abtretungen durch andere Provinzen entschädigt, und in Italien Ferdinand 4 in Neapel, der Papst, der Groß⸗ 0 herzog von Toskana und das Haus Oestreich⸗ I1,dt Este in Modena hergestellt. Denn Oestreich er⸗ wasche Eum bielt den Tarnopoler Kreis in Ostgalizien(nicht aber I, Lurch d On nach d dit Afanz xv und die fumith Anpesend xan VWard, A. . Byunn M. mg. Westgalizien), die illyrischen Provinzen, Mailand, 1 I Mantua, Venedig, und von Bayern Tyrol und Vorarlberg Cim Jahre 1816 auch den größten Theil — desernn von Salzburg, so wie das Inn- und Hausruckviertel) dts 2.½ zurück, und erwarb die mit Mailand verbundenen rrr. Landschaften Veltlin, Bormio und Chiavenna, und richtiut/ 48 außerdem Ragusa.— Preußen vereinigte wieder und Anhy 6 ö I. mit der Monarchie die an Warschau gekommenen 176— +9 B 444 utmn * Vunn Un Pradt,) du congrès de Vienne. 2 T. Paris, * 0 +* 6 a f 61 2815. 8. Teutsch, 2 Thu 3816. 8.—AKlü⸗ ½% M. ber's Staatsarchiv des teutschen Bundes.(blos Ru ns 6 Hefte.) Erl. 1616 ff. 8. Iqque —66(00 gib. 432 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Theilé von Westpreußen, Danzig und Thorn, die Altmark, Cottbus, Magdeburg, Halberstadt, Qued⸗ linburg, Mannsfeld mit Hohenstein, Erfurt, das Eichsfeld, die Städte Mühlhausen und Nordhausen, den Antheil an Treffurt und Dorla, Paderborn,, Meurs, die Grafschaften Mark, Werden und Essen, das Herzogthum Cleve mit Wesel, die vormaligen Stifter Elten und Kappenberg, Münster, Ravens⸗ berg, Tecklenburg, Herford und Neufchatel. Neu erwarb es das Großherzogthum Pio sen, das Her⸗ zogthum Sachsen*), das Großherzogthum Berg, das aus überrheinischen Ländern gebildete Großherzog⸗ thum Niederrhein, das Herzogthum We len!(von Darmstadt), die Städte Wetzlar und Dort⸗ mund, Corvey, die alten Familienländer des Hau⸗ ses Nassau⸗Dietz, und die Souverainetät über viele mediatisirte Lander.— An Rußland kam das Herzogthum Warschau(nach der Trennung Posens von demselben); die Stadt Cracau aber ward für eine freie Stadt erklärt, und unter den Schutz Oestreichs, Rußlands und Preußens gestellt.— Das neue Königreich Hannover(26. Oct.(1814) ward durch Hildesheim mit Goslar, durch Ostfriesland und einige preußische Aemter vergrößert, überließ aber dagegen Lauenburg auf dem rechten Elbufer an Preu⸗ ßen, welches dieses wieder an Dänemark, für den Erwerb von Sch wiedisch⸗-Pommern(4. Jun. 1813), vertauschte. Außer den Ländervermehrungen, erhielten die Häuser Oldenburg, Mecklenburg⸗Schwe⸗ rin und Strelitz und Weimar die großherzogliche * Zwischen Preußen und Sachsen ward deshalb am 18. Mai 13815 ein besonderer Friede abgeschlossen; Martens, Suppl. T. 6. p. 272. ö Wur thein Bay Main seine sen⸗ Landst nigr. luxe: und zu Verhal —Wô wurden Genu Miran Este, Beatri mit det und der gestellt. an die! an die v schied ei drei erf nicht a stadt kommen Toskan⸗ Kirchen Corvo, blos der sollte 1* 0 Cmmacch ward in! III. lenspier 10 Wun husidt,A „ Erurt, 1Nh , Muuren dden un Es die vemain istet, Rus schatl. A u, das h. thum Ben Großhern m Vesiph Hlur und du under der wunamnlit il Fland Em I W V ond sire Dehide — Du 461½)f0 Mftlelame berleß& hufet rnch Mi • Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 433 Würde. Würzburg, Aschaffenburg und ein über⸗ rheinischer Landstrich(Rheinbayern) kamen an Bayern. Die Hansestädte und Frankfurt am Main bildeten die vier freien teutschen Städte. Für seine Abtretungen erhielt der Großherzog von Hes⸗ sen-Därmstadt einen bedeutenden überrheinischen Landstrich. Belgien ward mit dem neuen Kö⸗ nigreiche der Nieder lande vereinigt; doch sollte Luxemburg ein besonderes Großherzogthum bilden und zum teutschen Bunde gehören. Die politischen Verhältnisse der Schweiz, welche drei neue Cantone — Wallis, Genf und Neufehatel— erhielt, wurden festgesetzt. In Italien kam der Freistaat Genua an Sardinien. In Modena, Reggio und Mirandola ward der Erzherzog Franz von Oestreich— Este, in Massa und Carrara die Erzherzogin Maria Beatrir, in Toskana der Großherzog Ferdinand, mit der Vergrößerung durch den stato degli presidii und der Souverainetät über Piombino und Elba, her— gestellt. Parma, Piacenza und Guastalla kamen an die vormalige Kaiserin von Frankreich, und Lucca an die vormälige Königin von Hetrurien.(Doch ent— schied ein späterer Vertrag 10. Jun. 18171], daß die drei ersten Herzogthümer, nach der Regentin Tode, nicht auf ihren Sohn(den Herzog von Reich— stadt] vererben, sondern an die Herzogin von Lucca kommen sollten, wogegen dann Lucca zum Anfalle an Toskana bestimmt ward.) Der Papst erhielt den Kirchenstaat, Ancona, Urbino, Benevent, Ponte Corvo, Bologna, Ferrara und Romagna zurück; blos der am linken Poufer gelegene Theil von Ferrara sollte, mit dem Besatzungsrechte in Ferrara und Comacchio, an Oestreich kommen. Ferdinand 4 ward in Neapel hergestellt; Olivenza sollte von Spa— III. 28 434 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. nien an Portugal, und das französische Guiana von Portugal an Frankreich zurückgegeben werden. Die Schlußartikel der Acte erklärten sich über die Rechte der freien Schiffahrt auf allen Strömen, die das Gebiet mehrerer Staaten berührten, und be⸗ stätigten alle Beschlüsse, welche über viele gegenseitige Abtretungen und Vertauschungen, und über den Rang der diplomatischen Agenten gefaßt worden warent Zugleich sprachen sie für die Abschaffung des Neger⸗ handels.**** 1 it A 119. 609˙— 2) Die teutsche Bundesacte Wenn das teutsche Reich bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 der Mittelpunct des europäischen Staatensystems gewesen war; so war für die neue Ge⸗ staltung Europa's die künftige politische Bestimmung Teutschlands von hoher Wichtigkeit. Es ward ein Staatenbund(kein Bundesstaat) in der am 8. Jun. 1815 zu Wien unterzeichneten teutschen Bundes⸗ acte, wovon die ersten eilf Artikel auch in die Con⸗ greßacte selbst aufgenommen wurden.(Wirtemberg und Baden traten später bei, datirten aber ihre Unter⸗ schrift zurück auf den 1. Sept. 1815 und auf den 26. Jul. 1815.1„fW 2—3294 Als Mitglieder des teutschen Bundes wurden aufgeführt: der Kaiser von Oestreich, der König von Preußen, nach allen ihren vormaligen und neuen teut⸗ schen Besitzungen; der König von Dänemark wegen Holstein und Lauenburg; der König der Niederlande wegen Luxemburg; die Könige von Bayern, Sachsen, Hannover und Wirtemberg; der Großherzog von Ba⸗ den; der Churfürst von Hessen⸗-Kassel; der Großher⸗ 30g v schwei die fü der G Anhal lippe! liechte der Lar Städt tung d und die jelnen gleiche Frankf net). der Ve im eng wie dii chender nen dii einzutre Bundes Die E Bunde schusset den. diatif einzelne staaten sung cristlih im Gen bewirket usstanr VHuan betden. V iherdit M Sinen, Ihten, udb itle Ryusth Iber dergig Vorden wat des M saete. tintt Ausdiiz kläsh siu de Hlt H Winmuh i d ut ½ n uhenInd in ditbb „(Viteas cbe ihtebe und aus d Bundes hll „uithu ll ͤZoeiter Zeitraum von 1789— 1823. 433 zog von Hessen-Darmstadt; die Herzoge von Braun⸗ schweig und Nassau; die beiden Häuser Mecklenburg; die fünf sächsischen Herzoge des Ernestinischen Hauses; der Großherzog von Oldenburg; die drei Herzoge von Anhalt; die beiden Fürsten von Schwarzburg, von Lippe und von Hohenzollern; die Fürsten von Waldeck, Liechtenstein; das Haus Reuß älterer und jüngerer Lnie; der Landgraf von Hessen-Homburg, und die vier freien Städte.— Der Zweck des Bundes sollte die Erhal— tung der äußern und innern Sicherheit Teutschlands, und die Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der ein— zelnen Staaten seyn. Alle Bundesglieder erhielten gleiche Rechte. Die Bundesversammlung sollte zu Frankfurt bestehen(sie ward am 5. Nov. 18416 eröff⸗ net). Die Stimmen der Mitglieder und die Formen der Verhandlungen beim Bundestage im Plenum und im engern Ausschusse, unter Oestreichs Präsidium, so wie die Verhältnisse des Bundes bei einem ausbre— chenden Kriege wurden näher bestimmt. Zwar kön— nen die Bundesglieder Bündnisse aller Art abschlie— ßen; sie verp flichteten sich aber, in keine Verbindung einzutreten, welche gegen die Sicherheit des ganzen Bundes oder einzelner Glieder desselben gerichtet ist. Die Streitigkeiten der Bundesglieder sollten beim Bundestage angebracht, und vermittelst eines Aus— schusses, oder einer Austrägalinstanz, beigelegt wer— den. Zugleich wurden die Rechte der seit 1806 me— diatisirten Reichsstände, so wie der Unterthanen der einzelnen Länder näher bestimmt. In allen Bundes— staaten„wird eine landständische Verfas— sung statt finden.“ Die Verschiedenheit der christlichen Religionspartheien sollte keinen Unterschied im Genusse der bürgerlichen und politischen Rechte bewirken, und die bürgerliche Verbesserung der Juden 28 2 436 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. berathen werden. Endlich sollte die Bundesversamm⸗ lung sich mit gleichformigen Bestimmungen über die Preßfreiheit und den Nachdruck beschäftigen, und über den inländischen Handel und die Schiffahrt Beschlüsse, nach dem Maasstabe der aen 38a in der Congreßacte, fassen. 120. 7 Kampf gegen Napoleon und Murat im Jahre 1815. Napoleon, benachrichtigt von der entstandenen Spannung auf dem Wiener Congresse und von den daselbst angebrachten und unterstützten Ansprüchen des Prinzen Ludovisi Buoncompagni auf die Insel Elba, verließ(26. Febr. 1815) diese Insel, landete(1. Marz) bei Cannes, und drang unaufhaltbar bis Paris vor, ob ihn gleich(6. März) Ludwig 18 für einen Rebellen und für vogelfrei erklärte. Er hielt(20. März) sei⸗ nen Einzug zu Paris, das der bourbonische Hof ver⸗ lassen hatte, und gab(22. Apr.) eine Ergänzungs acte*) zur vierten Verfassung vom Jahre 4799, mit zwei Kammern. Allein bereits am 13. März ward er in einer, von den Diplomaten der acht Hauptmachle des Congresses unterzeichneten, Erklärung“*²)„als Feind und Störer der Ruhe der Welt den öffentlichen Strafgerichten preisgegeben,“ worauf(25. März 1815) Oestreich, Rußland, Großbritannien und Preußen ihre Verbindung, auf die n u. des Vertrages von Chaumont, erneuerten); doch rati⸗ *) Eu ro p. Constitt. Th. 1, S. 307 ff. *τ) Martens, Suppl. T. 6. p. 110. *ν) ibid. p. 112. lussinur Indeöerin unn ibe bshistz dEhifty Dhlisei Murati eulsundent n ven N Imprüchen d de st E det A Hi um Mült WWMh Heise N Etginpl WN 13 Mi Haum aru uge 0 den saullch 0uH U 59 sr 11 0 ö Hun 01 NI 0 6 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 437 ficirte Großbritannien*) diesen Vertrag mit einer ein— schränkenden Bestimmung(15. Apr.). Eine beson⸗ dere Commission auf dem Congresse, bei der veränder⸗ ten Lage in Frankreich, dazu ernännt, bestätigte) (12. Mai) die Erkl lärung vom 13. März. Zu dieser⸗ neuen Verbindung der vier Hauptmächte traten Spa— nien, Niederland, die Schweiz, die teutschen Für— sten Dänemark und selbst Ludwig 18. Die Been⸗ digung der Congreßangelegenheiten ward übrigens seit Napoleons Wiedererscheinen in Frankreich be— schleunigt, und eine Masse von mehr als einer Million Streiter gegen ihn aufgeboten. Bevor aber der letzte Kampf gegen Napoleon begann, erklärte Oestreich an Joachim Murat von Neapel, wegen seiner zweideutigen Politik und seiner fortdauernden geheimen Verbindung mit Napoleon, (10. Apr. 1815) den Krieg. In wenigen Gefechten ward Murats Plan, Regent von ganz Italien zu werden, vereitelt. Er verließ(18. Mai) sein Heer, worauf der östreichische Feldherr Bianchi(20. Mai) zu Ca sa Lanzi) mit dem neapolitanischen Gene— rale Coletta einen Vertrag zur Herstellung Fer— dinands 4 in Neapel unterzeichnete, wobei aber Oestreich die Garäntie einer allgemeinen Amnestie übernahm, und der Gemahlin Murats mit ihren Kin— dern einen Aufenthaltsort anwies. Der nach Frank— reich geflüchtete und(Oct.) nach der calabrischen Küste von Korsika absegelnde Murat ward bei Pizzo ver— haftet, und(13. 50 auf Ferdinands 4 Befehl e er⸗ schossen. *) Martens, Suppl. I. 6. P. 116. K*) ibid. p. 263. Knt) ibid. p. 293. 438 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Gleichzeitig mit der Unterzeichnung der Wiener Congreßaete begann der Kampf Napoleons in Bel⸗ gien, wo zwei Heere unter Wellington und Blücher standen. Es gelang ihm, die Preußen unter Ziethen (15. Jun. 1815) von der Sambre bis Fleurus zurück zu drücken, und über drei preußische Heerestheile bei Ligny(10. Jun.) zu siegen, während Rey(16. Jun.) bei Quatrebras gegen das, unter Wellingtons Ober⸗ befehle stehende, Heer des Kronprinzen der Nieder⸗ lande und des Herzogs von Braunschweig kämpfte, der an diesem Tage fiel. Zwei Tage später aber(18. Jun.), wo Napoleon das Heer unter Wellington bei Lach(oder Mont St. Jean) angriff, ward r, nach der Ankunft der Preußen unter Bülöw, völli besiegt. Napoleon, von den beiden asem ten Kammern dazu genöthigt, verzichtete(22. Jun.) zum zweitenmale auf den Thron, doch zu Gunsten seines Sohnes. Die Sieger brachten(3. Jul.) Paris zur Capitulation. Die eingesetzte Regierungscommis⸗ sion, an deren Spitze Fouché stand, befahl dem vor⸗ maligen Kaiser, nach Amerika abzureisen. Die vor dem Hafen von Roche fort kreuzenden brittischen Schiffe vereitelten aber diesen Plan, worauf sich(15. Jul.) Napoleon der Großmuth des Prinz-Regenten von Großbritannien ergab, und nach Plymouth gebracht ward. In einem Vertr 1—1 der Verbündeten(2. Aug.)„Ybetrachteten sie ihn als ihren gemeinschaftli— chen Gefangenen, überließen aber die Wahl des Auf⸗ enthaltsortes und die Aufsicht über ihn der brittischen Regierung. So ward er— ob er gleich dagegen protestirte— nach St. Helena abgeführt, wo er am 5. Mai 1824 sein Leben endigte. *) Martens, Suppl. T. 6. p. 60565. 1 kusssunt g der Wi RIs in, n und Oth runtrgich. Nané ptt. Herrtshl. W(0.N0. Acttms det Mor wui kumg Ar aber( Bülngon stif, viß Uhttt Vlle⸗ Den derehm u Hanft VN h armt bchld Wiit sn. Din + nen sch 115.N Vegente x Wahe Verbi Iö llls L minte KBahld* +* 55 —— 5 4—— 0 * 7 „Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 439 I Fleury de Chaboulonymnémoires pour serr Vir à l'histoire dé la vie privée, du retour et du regne de Napoléon en 1815 4 T. Londr. 16²⁰. 38. Teutsch, im Auszuge v. Bergk. Lpz. 1820½ 8. v. Fain, Manuseript von 1814, gefunden in dem bei Waterloo genommenen kaiserlichen Wagen, enthält die Geschichte der letzten sechs Monate der 2dictirt, „Regierung Napoleons. Aus d. Franz. gekommen. einer Nachschrift von Krug. Lpz. 1817. 8. 4) Der zweite Pariser 8 chen, 1820. (Gegen Warden erschienen: of good hope. 3 Ed. (jeder in 2 Abth.) Aus dem Engl. besserten dem Franz. und vermischte Zusätz Gen. Montholon. Lpz. 1823. 8. Handschrift, auf unbekannte Art von St. Helena Aus dem Franz. Mit Anmerkungen u. Zdweite von St. Helena gekommene Handschrift. Aus dem Franz. von C. F. A. Müller. Mün⸗ William St. Helena. Warden, Napoleon Buonaparte auf Aus dem Engl. Frankf. 1817. 8. letters from the cape Lond. 1817, 8.) Barry E. O'meara, Napoleon in der Ver⸗ bannung, oder eine Stimme aus St. Helena. 2 Th. Stuttg. 1822. 8. Graf von las Cases, Denkwürdigkeiten von St. Helena. Aus dem Franz. 7 Theile. Stuttg. 1825. 8. Denkwürdigkeiten zur Geschichte Frankreichs unter Napoleon, von ihm zu St. Helena den Generalen die seine Gefangenschaft getheilt haben, und herausgegeben nach der eigenhändig von ihm ver— Handschrift. 1) Memoiren, nieder⸗ geschrieben vom Gen. Gourgaud. 2 Th. Aus Berl. 1823. 6. 2) Anmerkungen e. Niedergeschrieben vom 2 Th. Berl. 1825. 8. 12⁴4. zriede(20. Nov. 1815). Kaum hatten die Heere der Verbündeten Paris besetzt, als(9 Jul.) Ludwig 18 dahin zurückkehrte. 440 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Die Kaiser von Oestreich und Rußland, und der König von Preußen hielten(10. Jul.) ihren Einzug. Doch herrschte unter der französischen Nation eine bedenkliche Gährung, besonders als— ungeachtet der Erklärung Ludwigs 18 aus Gent(28. Jun.), die begangenen Regierungsfehler zu verbessern und allge⸗ meine Amnestie zu ertheilen— bald darauf viele von dieser Amnestie ausgeschlossen, und theils hingerichtet, theils verwiesen, theils ihrer Aemter entsetzt wurden. Dies, und die diesmal höher gesteigerten Forderungen der Verbündeten, verzöͤgerten den Abschluß des z wei— ten Pariser Friedens) bis zum 20. Nov. 1815, wo ihn, nach Talleyrands und Fouchés's Austritte aus dem Ministerium, der Herzog von Richelieu unter— zeichnete. Die Grenzen Frankreichs wurden vom Jahre 1790 festgesetzt, wodurch die Festungen Phi⸗ lippeville und Marienburg, das Herzogthum Bouil⸗ lon, Saarlouis und Saarbrück, das Land von der Saar bis zur Lauter mit Landau, und der bei Frank— reich gebliebene Theil von Savoyen mit Nizza und Monaco davon getrennt wurden, und an die Nieder⸗ lande, Preußen, Bayern und Sardinien kamen. Außerdem mußte Frankreich 700 Mill. Franken als Entschädigung für die Verbündeten), und die Deckung der Privatreclamationen in den von den Franzosen vormals besetzten Ländern übernehmen. Die geraubten Kunstwerke kehrten in ihre Heimath zurück, und 150,000 Mann, unter Wellingtons Be⸗ Martens, Suppl. T. 6. p. 682, wo auch die übri⸗ gen an diesem Tage unterzeichneten Verträge sich befinden. **) Das Protocoll über die Vertheilung dieser Summe: Martens, Suppl. T. 6. p. 676. ö nne sehler 181 ö heichtes Preu 1 sflheh Wiere) haltut g zen In und zur A falle bedtel A-r — 0 shlse Kaisex von gen A sgnirt hnse führt e⸗ ten v nisserien der(19 Land Hülfe xa nen u ½) Mi und, my Hen Enz ¹ Miin u XI (VIn) csern und y duruuf neln Ils hugertde anscht mu Horderung luß des zwei V. Wo. 18ʃf WMetrite u Nohlien uut. 5wurden un Isuun V. Ruthun Wu nd aun der W¹ Nu nd Myr. an de Mr dinien kun . Fruken“ 4%, N den vof n ibnthen in ihn Va ug H 10 6 0 O E Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 441 fehlen, besetzten Frankreichs Grenzprovinzen(bis 1818).— An demselben Tage(20. Nov.) unter⸗ zeichneten Oestreich, Rußland, Großbritannien und Preußen einen Vertrag auf die Grundlage ihrer frühern Verträge zu Chaumont(1 März 1814) und Wien(25 März 1815), worin sie sich zur Aufrecht⸗ haltung des zweiten Pariser Friedens nach seinem gan⸗ zen Inhalte, zur ewigen Ausschließung Napoleons und seiner Familie vom Throne Frankreichs, und zur Aufbietung ihrer ganzen Macht in dem Noth⸗ falle vereinigten, daß die Ruhe Europens von neuem bedroht würde. ö 15³ 1422. 6 5) Der heilige Bund. ö Bevor aber noch der zweite Pariser Friede ge⸗ schlossen ward, unterzeichneten(26. Sept. 1815) die Kaiser von Oestreich und Rußland und der König von Preußen per sönlich die Urkunde des heili⸗ gen Bundes), ohne daß ihre Minister sie contra⸗ signirten. Sie erklärten darin, durch die großen Er⸗ eignisse der drei letzten Jahre zu der Ueberzeugung ge— führt worden zu seyn, in der Verwaltung ihrer Staa— ten und in ihren wechselseitigen politischen Verhält— nissen mit jeder andern Regierung, nur die Vorschriften der Gerechtigkeit, der schristlichen Liebe und des Friedens zur Regel zu nehmen; sich, als Landsleute betrachtend, bei allen Gelegenheiten Hülfe und Beistand zu leisten; sich zu ihren Untertha— nen und Heeren als Familienväter betrachtend, *) Martens, Supplem. T. 6. p. 656. SꝗSSSSPSPSSSSTTIIII————— F SI———————— IREEEEEEE— P PSRRSRSRTRRITITFITTTTITTITITITII.. —.—————— .PPPPPPPPF.—— 442 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. dieselben im Geiste der Brüderlichkeit zu leiten, und überhaupt nur als Mitglieder Einer und derselben christlichen Nation sich zu behandeln.— Zu diesem heiligen Bunde, welcher die Vollendung der neuen politischen Gestaltung Europa's bewirken sollte, wur⸗ den, mit Ausnahme des Papstes und der Pforte, alle europaische und teutsche Staaten und selbst Nord⸗ amerika eingeladen. Sie traten auch sämmtlich bei, mit alleiniger Ausnahme Großbritanniens und Nord⸗ amerika's, die, ob sie gleich die aufgestellten Grund⸗ sätze billigten, durch die Verfassung ihrer Staaten an der Unterzeichnung gehindert würden. Die Frage, ob der heilige Bund geheime Artikel habe, ward im brittischen Parlamente zur Frage gebracht. 123. 6 Die wichtigsten Ereignisse seit de zweiten Pariser Frieden. Von dem in Frankreich zurück gebliebenen Be⸗ obachtungsheere kehrte, auf Frankreichs Unterhand⸗ lungen, ein Fünftheil bereits im Jahre 1817, und der Rest(1818) nach den Beschlüssen des am 9 Oet. 1818 eröffneten Congresses zu Aachen zurück, auf welchem(12. Nov.) Fränkreich in die Reihe der fünf Hauptmächte Europens aufgenommen ward. Das Protocoll der letzten Sitzung dieses Congresses, und die gleichzeitig erlassene Declaration an alle euro⸗ päische Mächte und Staaten(15. Nov.) ward darauf von den Ministern aller fünf Mächte unterzeichnet, in welcher sie aussprachen, daß die„verbündeten Souveraine sich nie, weder in ihren Verhältnissen zu sich, noch zu andern Staaten, von der genauesten dofeß sch fult urkuse lebens europhe hielten d cnl 1H urkur (24.8⁷ den 181⁴⁷ Alexase cau lothr⸗ Uunssent, , W.. ahth XI Idung de nn ien ste, 0 und di n, und sibs 0 summtiihil iens und M Felten Gruß t Staaten a De Frah kel habe, un Wͤrach. 11 seit hen edeh, Rbliheng. 5 hnd⸗ BU, W M 9 d3 en 9N Kachen in Urt, 0 di U die M 0 1 0. D nen vatd Casgt lists, Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 443 Befolgung der Grundsätze des Völkerrechts entfernen würden*).“ ö Noch dauerten aber in der Mite mancher Staa⸗ ten lebhafte Bewegungen fort, weil seit dem Jahre 1813 die Kräfte und Bedürfnisse der Völker selbst vielfach aufgeregt worden waren. Besonders zeigte sich fast überall das Verlangen nach Verfassungs⸗ urkunden zur neuen Gestaltung des innern Staats⸗ lebens. Dieses Verlangen ward auch in mehrern europäischen und teutschen Staaten erfüllt. So er— hielten(außer Frankreich, wo seit 1844 die constitu⸗ tionelle Charte galt,) geschriebene Verfassungs⸗ urkunden: das Königreich der Niederlande (24. Aug. 815⁵⁷), 2275 etwas früher) Schwe⸗ den(7. ane 1809), Norwegen(4 Nov. 1814), das Königreich Polen vom Kaiser Alerander(27. Nov. 1815) 1r½), die freie Stadt Cra⸗ cau(3. Mai 1815) ff), der Kirchenstaat(6. Jul. 18169 ttt), die jonischen Inseln durch England *) Die Resultate des Congresses zu Aachen in Lüders dipl. Archiv. Th. 2. Abth. 2, S. 721. **) Europ. Constitt. Th. 2, S. 494.— Ueber diese neuen, auch außereuropäischen, Constitutionen ist zu vergleichen: P. A. Dufau, J. B. Duvergier et J. Guadet, collection des chartes, lois fon- damentales et acts constitutionnels des peuples de I'Europe et des deux Ameriques. 6 Tom. Paris, 1621— 1825. 8.(geschlossen.) kait) Ebend. S. 432. *XXxX) Ebend. S. 469. 1) Ebend. S. 48. 4t) Ebend. S. 70. Itt) Lüders diplomat. Archiv, forges. von 29 Th. 3, Abth. 2. S. 645. 444 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. (1. Jan. 1818)—7—— das Königreich Bayern (26. Mai 1818)), Wirtemberg— Sept. 1810)*½½, Baden(22. Aug. 1818)%), das Großherzogthum Hesse n⸗Darmstadt(17. Dec. 1820)˙H%), das Großherzogthum Weimar(5. Mai 1810)4ft), das Herzogthum Nassau(2. Sept. 18149fff), das Füurstenthum Hildburghausen (27. Nov. 1817) ittt), das Fürstenthum Coburg⸗ Saalfeld(8. Aug. 1821) ½), das Fürstenthum Waldeck(19. Apr. 1816)), das Fürstenthum Liechtenstein(9. Nov. 1818) 5), und das Für⸗ stenthum Lippe⸗-Detmold(8. Jun. 1819, die aber noch nicht ins Leben getreten ist);). Zeitgemäße Herstellungen und Fortbildungen der frühern ständi⸗ schen Verfassungen erfol gten im Königreiche Han⸗ nover(7. Dec. 1819).6), im Herzogthume Braun⸗ schweig(25.W Apr. 1820) 5, in Tyrol(24. März 1816077 D im aduitreiche 140110(13. 1— —— +r —— *) Lüders Archiv, Th. 3.— 2. S. 725 ½ Europ. Constit t. Th. 3, S. 112. *ν) Ebend. S. 291.— EK) Ebend. O. 351. 1) Lüders Archiv, Th. 2. Abthl. 2. S. 580. 41) Europ. Constitt. Th. 2. S. 330.ͤ Irt) Ebend. S. 295. ffrr) Ebend. Th. 3. S. 388. ů— 1) Lüders Archiv, Th. 2. Abthl. 2. S. 441. 2) Europ. Constitt. Th. 3. S. 368. ) Ebend. S. 433. 4) Ebend. S. 416. 5) Ebend. S. 340. 6) Lüders Archiv, Th. 2. Abthl. 2. S. 2330— 7) Europ. Constitt. Th.». S. 105. 4. 1817½ Königs are Zhn Nn. 1 furt R 79. Staat Hauptut immer Y leit un aber( det wo namen d täten 10 dem Ki am 20 wurdelt= Wien n des teh⸗ der, Nn. 31⁰ Schlu⸗ Befes gehaßs spyrochig —— 2 Euse Elg 40 01 KErr) ) Eben üh AR= itt) Li, Nuenssien, rih Buyn 11N(. j iadt Hr A. eimer) N ssau(. Dßutghusn hum Cohig 8 Jirsinha Jursterthu und das Für 1. SII, d . Zigemij frihen sish figtiiche Hur hune Btau HIM 161 K1. Mr. H Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 445 1817)*), im lombardisch-venetianischen Königreiche(24. Apr. 1815) ½), im Fürstenthume Lippe⸗Schaumburg(15. Jan. 1816) jüim Fürstenthume Schwarzburg-Rudolstadt(8. Jan. 1816)„), und in der freien Stadt Frank⸗ furt am Main(18. Jul. 1816) ½). 34⁴⁴⁴ Die gereizte Stimmung der beiden in vielen Staaten einander gegen über stehenden politischen Hauptpartheien hielt in söffentlichen Schriften nicht immer Maas und Ziel, und erregte die Aufmerksam— keit und das Mißfallen mehrerer Regierungen. Als aber(23. März 1819) Kotzebue durch Sand ermor— det worden war, beschloß man ernsthafte Maasregeln, namentlich in Teutschland, in Hinsicht der Universi⸗ täten und der Preßfreiheit durchzuführen, welche auf dem Karlsbader Ministercongresse festgesetzt und am 20. Sept. 1810 zu Frankfurt bekannt gemacht wurden ‚f). Bald darauf trat(25. Nov. 1840) zu Wien ein neuer Ministercongreß aller Mitglieder des teutschen Bundes zusammen, dessen Ergebniß in der, am 15. Mai 1820 unterzeichneten und am 8. Jun. zu Frankfurt als allgemeines Gesetz aufgestellten, Schlußaete sfsf) der über Ausbildung und Befestigung des teutschen Bundes zu Wien gehaltenen Ministerialconferenzen ausge— sprochen ward. 1) CEurop. Sonstitt. Th. 3. S. 144. **) Ebend. Th. 3. S. 506. *V*) Ebend. Th. 3. S. 410. CEbend. Th. 2. S. 304. 1) Ebend. Th. 2. S. 385. 41) Allg. Zeit. 1819. N. 276 ff.. t7rt) Lüders Archiv, Th. 2. Abthl. 2. S. 595. 446 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Noch waren diese Beschlüsse zur festern Gestal— tung des teutschen Staatenbundes nicht in Gültigkeit getreten, als in Spanien,(März 1820) unter dem Einflusse des Heeres, der König Ferdinand 7 genö— thigt ward, die durch die Cortes am 19. März 1842 bekannt gemachte Verfa ssung anzunehmen. Die⸗ sun Vorgange folgte*) das neapolitanische Heer(2. Jul. 1820), so daß der König Ferdinand von Reapel gleichfalls die spanische Verfassung anneh⸗ men mußte. Beide Ereignisse veranlaßten die fünf Hauptmächte Europens, zu einem Congresse zusam⸗ menzutreten, der in Troppau(20. Oct. 1820) er⸗ öffnet, und sodann nach Laybach(6. Jan. 1821) verlegt ward. Obgleich Großbritannien*) mit eini⸗ gen auf diesem Congresse ausgesprochenen Grundsätzen nicht übereinstimmte; so sprach sich doch die gemein— schaftliche Declaration der östreichischen, russischen und preußischen Minister(12. Mai 1821)*) sehr nachdrücklich über jene Ereignisse aus, und ein östrei⸗ chisches Heer bewirkte bald in Neapel die Herstellung der vorigen Ordnung der Dinge(März und Apr. 1821). Allein in dem Augenblicke, wo Oestreichs Heere gegen Neapel zogen, begann auch(9. März 9 Für die ganze Geschichte Neapels, Siciliens, Spa⸗ niens ꝛc. seit 1816: Diplomat isches Archiv für die Zeit⸗ und Staatengeschichte. (teutsch und franz.) 3 Bände. Stuttg. und Tüb. 1821 ff. 8. **) Das Circularschreiben des Lord Castlereagh vom 19. Jan. 1821 an die brittischen Gesandtschaften an auswärtigen Höfen, in Lüders dipl. I Th. 3. S. 357. *n) Ebend. S. 361 und 364. 1520 it Annahm ein ostte ward. X war dag 18²⁰ 0 Hauptm. nachdrüch und für versamme n Ergebt eichnet v Preußens und wore Spanien ⁴ Aut der port n 10 Dit dieses 90 tigsten sammte S———. 2) Säd uunsstrer ssern Gi rtrn Güttt Wnten und/ u W Ruuchnn. V. inischr H.r serdinardin usissunz un maßten di fu Igtesse zsan O. IIO e (0. Vu 1hI ien nit eu nen Grurdiiht doch die gmnz chn, ussshe 100⁷fh histk 11 Mn u M. 00 ffri 1 60.Mic Oiclint, Eu ishit Nün I1rgishtl Zunmz 00 M. dlhs 41 *˙ Husünt 19 dett Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 447 1821) in Piemont eine ähnliche Revolution für die Annahme der spanischen Verfassung, die aber durch ein östreichisches Heer(Apr.) frühzeitig unterdrückt ward. Von weit längerer Dauer und größern Folgen war dagegen der Aufstand der Griechen(März 1821) gegen die Türken, obgleich die europäischen Hauptmächte ihre Mißbilligung darüber zu Laybach nachdrücklich aussprachen. Für diese Angelegenheit und für die fortdauernde Bewegung in Spanien versammelte sich zu Verona ein neuer Congreß, des⸗ sen Ergebnisse in einer Circulardepesche, unter zeichnet von den Ministern Oestreichs, Rußlands und Preußens(14. Dec. 1822) 5) mitgetheilt wurden, und worauf Frankreich(Apr. 1823) den Krieg gegen Spanien begann. Die portugiesische Revolution (24. Aug. 1820) hatte zwar eine neue Verfassung der portugiesischen Cortes zur Folge, stürzte aber (Jun. 1823) in sich selbst zusammen. 124. ) Umrisse aus der besondern Geschichte der einzelnen Staaten und Reiche in dem Zeitraume von 1789—1823. 1.5rankreich. Die Geschichte Frankreichs enthält während dieses ganzen Zeitraumes den Mittelpunct der wich— tigsten Begebenheiten, an welchen allmählig das ge— sammte europäische Staatensystem Theil nahm. Und diese Begebenheiten folgten sich in reißender Schnelle. *). Lüders dipl. Archiv, Th. 3. S. 372. 448 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Sie begannen mit dem Umsturze des Lehnssystems (4. Aug. 1789), worauf eine neue Verfassung mit Einer anmeh(1791) gegeben ward. Bald ward der Krieg an Ungarn und Böhmen angekündigt(Apr. 1792); ein halbes Jahr darauf Fränkreich Republik (Sept. 1792); Ludwigs 16 Haupt fiel(Jan. 1793) unter der Guillotine; die Schreckensregierung dauerte bis zu Robespierre's Sturze(Jul. 1794); doch sieg⸗ ten während derselben die republikanischen Heere. All⸗ mählig folgte die Aussohnung Frankreichs mit Preu— ßen, Spanien und mehrern Mächten. Allein die Gewaltschritte des Directoriums führten(1799) zu einem neuen Kriege, den Bonaparte als erster Consul(1801) glorreich beendigte. Seine Kaiser— regierung erhob Frankreich auf den höchsten Gipfel der Macht; doch ward diese durch den Rückzug aus Ruß⸗ land und die Völkerschlacht bei Leipzig erschüttert, so wie durch die Capitulation von Paris Ian Lud⸗ wig 18 übernahm(1814) Frankreich als Konigreich, und nur auf hundert Tage verdrängte ihn Napo—⸗ leon(1815) noch einmal aus demselben. Es gährte aber fortdauernd das alte und neue System nach Lud⸗ wigs 18 Rückkehr nach Frankreich, und die Verände⸗ rungen im Wahlgesetze, die Behandlung der Prote— stanten, so wie die häufigen Ministerialwechsel waren der Beweis, daß die innere Einheit des Ganzen fehlte. Zwar war die Ermordung des Herzogs von Berry durch Louvel(13. Febr. 1820) die blutige That eines Einzelnen; sie wirkte aber mächtig auf die öffentlichen Angelegenheiten. Bei der Herstellung vieler bereits seit 25 Jahren untergegangenen Formen im innern Staatsleben konnte es nicht an starken Gegensätzen und Reibungen fehlen, und der(Apr. 1823) gegen Spanien eröffnete Krieg ist, ungeachtet des Vordrin bis voré Auf dens best schen Re Veraltun Brandenb ing dwi ängetretet (1795), des nördl gen bis; Rheinbur gachdem sie ganze sands um Doh rur in der Vi Herstellun teut und der L schen kLand paren die kutscher wͤͤrde, w Hielt 4af II. hussste ui n Iussn M.. Dad in Aendigth aufteih N fO kagitrung dur 00 d n H. sichs mit du Allin un(E) arte dls at Sae Kast Chsin Gipftl uchug aus. ashit b, gfitt H W 065 3nihe hach Iugt ih MM . 6 Jhh WII nuch lub⸗ De Woalde au du Pral Hbbcchschwatz 65 Hahen f sthi scht. V 5 bon 500 lule Du 1 Wifrtün Ing N an 4 yrme u Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 449 Vordringens der Franzosen über Madrid, Sevilla bis vor Cadix, noch zu keiner Entscheidung gelangt. 125. 2. Ecustschl arm d. Auf die Bestimmungen des westphalischen Frie⸗ dens bestand noch im Jahre 1789 die Form des teut⸗ schen Reicher, wenn sie gleich das Gepräge der Veraltung an sich trug, so wie durch die Opposition Brandenburgs gegen Oestreich eine unheilbare Tren⸗ nung zwischen dem Norden und Süden Teutschlands eingetreten war. Dies zeigte sich im Baseler Frieden (1795), den Preußen schlof des nördlichen Teutschländs bei den erneuerten Krie— gen bis zum Jahre 1806, wo durch die Stiftung des Rheinbundes der; Suden vom Norden sich trennte, nachdem bereits der Deputationshauptschluß(1803) die ganze innere geogra phisch⸗ politische Gestalt Teutsch⸗ lands umgebildet hatte. Bald brachten die Nieder⸗ lagen Preußens im Spätjahre 1806 auch das nörd⸗ liche Teutschland zum Beitritte zum Rheinbunde, in dessen Mitte mit dem Königreiche Westphalen ein völ⸗ lig nach französischem Muster gestalteter Staat erschien. Doch nur sieben Jahre dauerte der Rheinbund, der in der Völkerschlacht bei Leipzig gesprengt ward. Die Herstellung Oestreichs und Preußens in ihren vorma⸗ ligen teutschen Ländern(mit Ausnahme Belgiens), und der Wiedererwerb eines großen Theiles der teut— schen Lander auf dem linken Rheinufer für Teutschland waren die Ergebnisse des ersten Pariser Friedens; ein teutscher Staatenbund, ohne Herstellung der Kaiser— würde, ward bereits zu Paris beschlossen, und er— hielt auf dem Wiener Congresse seine bestimmte Ge⸗ III. 29 oß, und in der Neutralität 450 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. staltung. Zu Frankfurt trat(5. Nov. 1816) der Bundestag in öffentliche Wirksamkeit, als Mittel⸗ punct der Verbindung von 39 Bundesgliedern. Der teutsche Staatenbund ward förmlich in der, zu Karls⸗ bad unterzeichneten, Schlußacte der teutschen Mi— nisterconferenzen als ein völkerrechtlicher Ver— ein, so wie, nach seiner Stellung gegen das Aus— land, als Gesammtmacht ausgesprochen. Zu— gleich ward die kriegerische Macht des Bundes, nach der angenommenen Gesammtbevölkerung desselben zu 30 Millionen Menschen, auf 300,943 Mann gesetzt, und diese Masse in zehn einzelne Corps vertheilt; die Reser ve dieses Heeres, nach der Hälfte der Haupt⸗ masse berechnet, soll sogleich in den Bundesstaaten aufgestellt werden, wenn das Bundesheer ausrückt. Als Bundesfestung war in der Wiener Congreßacte blos Luxemburg genannt; in den Pariser Protocol⸗ len(3. Nov. 1815) gab man Mainz und Landau dieselbe Bestimmung. Die Mehrheit der teutschen Staaten erhielt, in Angemessenheit zu dem dreizehnten Artikel der Bundesacte, neue, oder doch zeitgemäß fortgebildete ständische Verfassungen. Die Herstellung der östreichischen Monarchie auf dem Wiener Congresse hatte zur Folge, daß der Kaiser Franz 2(7. Apr. 1815) aus dem wiederge⸗ wonnenen Mailand, Mantua, Venedig, Veltlin, und Ferrara bis an den Po, das lombärdisch⸗ve— netianische Königreich stiftete, dasselbe in zwei Hauptgubernien theilte, und Mailand(7 März 1816) zum Sitze eines Vicekönigs bestimmte. Eben so er— hob er(10. Aug. 1816) die von Napoleon im Jahre 1809 zu einem besondern Staate vereinigten illyri⸗ schen Provinzen zum Königreiche Illyrien, von welchem⸗ trennt. stleen il Moden schen V zu Frant jahl vore reich, Er Tyrol, A. Mähres I Wienens Knder R in zehn u denbure Vesphto Das Fssr rükkamm und erlx 18190˙9 nach se z⸗ mit einẽ den Praz Sachse Niederrsn lu thhhe it, d M ogliern. v inN,As det teusthe R tlichet y gegen dis J esprochen. Bundes, u 0 dessiben Munn gesch vathelt; v ite der Hun Bundessunn Naher uuri net Cugrhhnt urse Pr Wlender auln Ahltt,x 1eu Il Nr Fsublbet Ren Wuuce Buge, ij N den widrg ig, Vi nb Itdis 0 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 451 welchem aber später das ungarische Küstenland ge— trennt und wieder mit Ungarn verbunden ward. Aus Dalmatien ward ein besonderes Gubernium gebil— det. Auf die Angelegenheiten Italiens behauptet Oestreich durch seine eignen italischen Lander, so wie durch die Familienverbindungen mit den Dyna— stieen in Neapel, Sardinien, Toskana, Parma und Modena, einen bedeutenden Einfluß. Zu dem teut— schen Bunde gehört Oestreich, nach der(6 Apr. 1818) zu Frankfurt abgegebenen Erklärung, mit einer Volks— zahl von 9,482,000 Menschen in den Provinzen Oest— reich, Steyermark, Krain, Kärnthen, Friaul, Triest, Tyrol, Trient und Brixen, Vorarlberg, Salzburg, Mähren, Böhmen und in dem Antheile an Schlesien. Der Wiederherstellung Preußens auf dem Wiener Congresse und dem Erwerbe mehrerer neuer Länder, folgte eine neue Eintheilung der Monarchie in zehn Provinzen: Ostpreußen, Westpreußen, Bran— denburg, Pommern, Schlesien, Posen, Sachsen, Westphalen, Jülich-Cleve-Berg, und Niederrhein. Das Fürstenthum Neufchatel, das an Preußen zu— rückkam, ward ein Canton des helvetischen Bundes, und erhielt eine besondere Verfassung(18. Jun. 1814)*). Zu dem teutschen Bunde gehört Preußen, nach seiner Erklärung zu Frankfurt(4 Mai 1818), mit einer Bevölkerung von 7,923,000 Menschen in den Provinzen Brandenburg, Schlesien, Pommern, Sachsen, Westphalen, Jülich-Cleve-Berg, und Niederrhein.— Für die ganze Monarchie erließ der König(22. Mai 1815) aus Wien eine Verord— nung**) zur Errichtung einer allgemeinen *) Sie steht in Usteri's Handbuch ꝛc. vgl. 5. 127. **) Preußische Gesetzsamml. 1815. St. 9. S. 103. 29* ö — S‚II‚IFFIFIIEI...—————.—— .—.— SPSPSPSISPSISSSISIPISIISIIIII‚I‚‚‚‚‚... 3 V V V—* +— + 4— 2 452 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. preußischen Nationalreprasentation, und zur Ausstellung einer schriftlichen Urkunde als Ver— fassung des preußischen Reiches. Da aber in dieser Verordnung zugleich die Herstellung und zweckmäßige Einrichtung der Provinzialstände ausgesprochen ward; so erschien(5 Jun. 1823) ein allgemeines Ge⸗ setz wegen Anordnung der Provinzialstände v). 126. 3. Ikalien. Zerstückelte Lander erfahren in Zeiträumen gro— ßer Umbildungen die folgenreichsten Veränderungen; so, nächst Teutschland, Italien seit 1789. Wenn damals Savoyen, Piemont und Nizza dem Könige von Sardinien, Mailand und Mantua zu Oestreich gehörten, in Toskana ein östreichischer Erzherzog, in Modena das Haus Este, und in Neapel, wie in Parma, ein Bourbon regierte, der Papst den Kir— chenstäat besaß, und, neben biesen monarchisch ge— formten Staaten, Venedig, Genua, Lucca, St. Marino und Ragusa als Freistaaten bestanden; so veränderte sich dies alles seit dem Jahre 1796 so schnell und mächtig, daß, vor Napoleons Sturze, in Italien blos noch zwischen den zu Frankreich selbst ge— schlagenen italischen Ländern, dem Königreiche Ita— lien und dem Königreiche Neapel unterschieden ward, die aber beide mit Frankreich in der genauesten Ver— bindung standen. Allein, nach den Beschlüssen des Wiener Congresses, welchen die Besiegung Murats (Apr. und Mai 1815) vorausging, und zum Theile nach den Bestimmungen des zweiten Pariser Friedens, *0 Gesebsannl. 2.). St. 13. S. 129f. trat der 6n les von! im Nan staat Ge Rom k ward en Mailan tianis Parme nur auf! gegeben; durch ein land un telbaren! gestellt, blieb. A cilien(+ nung bei⸗ lands K 1847 1610) u Sieili! néapolit Eat=. vom Kin mit den 1400 utenshsnt iutatiot, U Niude cbhn X ah in W und nteniz de ausgesyoht walgmunt. lsnde ꝛ) I Vraumen g Deranderunn⸗ 10, d n dem Kih rtun iu Hstt Eht Mn l Pupt de In Ho mundssh x I0, Ma, senden; 6 Yhe 00 6 40n Suuth Aukreich* Kangt n merhiean 90 haut V M den Büt Is Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 453 trat der König von Sardinien wieder in den Be— sitzz Savoyens, Piemonts, Nizzä's, und eines Thei— les von Mailand, wozu er noch den, von Lord Bentinck im Namen Großbritanniens(1814) erneuerten, Frei— staat Genua erhielt; nach Toskana, Modena und Rom kehrten die vorigen Regenten zurück; Venedig ward nicht wieder hergestellt, sondern bildete mit Mailand und Mantua das lombardisch-vene⸗ tianische Königreich, welches Oestreich stiftete; Parma ward an die Kaiserin von Frankreich(doch nur auf Lebenszeit), Lucca an das hetrurische Haus gegeben; die sieben Inseln wurden ein Freistaat, durch einen Vertrag Naber zwischen England, Ruß⸗ land und Oestreich(5. Nov. 1815) unter den unmit⸗ telbaren und ausschließenden Schutz Großbritanniens gestellt, in dessen Besitze auch die Insel Maltha blieb. Nach Neapel kehrte Ferdinand 4 aus Si⸗ cilien(1815) zurück, der, zur Beseitigung der Tren⸗ nung beider Reiche, die in der sicilischen, unter Eng⸗ lands Cinfluff e vermittelten, Verfassung vom Jahre 1812*⁷0) beabsichtigt worden war, beide(12. Dec. 1816) unter der Benennung: Konigr eich beider Sicilien wieder vereinigte.)— Die von dem neapolitanischen Heere(2. Jul. 1820) verlangte An-— nahme der spanischen Verfassung ward zwar vom Könige und dem Kronprinzen Franz(6. Jul.), mit den für Neapel nöthigen Veränderungen, zuge⸗ standen, worauf sich auch(1. Oct. 1820) das Parla— *) Martens, Suppl. T. 6. p. 665. **) Die Grundzüge der sicilischen Verfassung(durch Lord Bentinck) vom Jahre 1812 in den Europ. Constitt. Th. 3, S. 543- *εν) Ebend. S. 566. 454 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ment versammelte; allein nach der Berufung des Kö⸗ nigs zu dem Congresse in Laybach, und nach den Beschlüssen desselben, drang(6. Febr. 1821) ein e Heer unter Frimont gegen Neapel vor, und stellte, nach wenigen Gefechten(März), die vor⸗ malige Ordnung der Dinge beim Einzuge in die Hauptstadt(24. März) her. Die Insel Sicilien ward gleichfalls von den Oestreichern besetzt; der Kö— nig kehrte aber aus Oestreich erst im Jahre 1823 nach Neapel zurück*). Bereits im Jahre 1821 ward den Jesuiten die Leitung des öffentlichen Unterrichts übertragen. ö Noch schneller ward durch ein östreichisches Heer die Revolution in Piemont*) beendigt, die damit begann, daß(9. März 1821) die Besatzung von Alessandria die spanische Verfassung verlängte. Comte Gregoire Orloff, mémoires historiques, politiques et littéraires sur le royaume de Naples; ouvrage publié avec des notes et additions par A. Duval. 5 Tom. Paris, 1819 sg. 6.— Die Uebersetzung von Belmont enthält blos die beiden ersten Theile. Lpz. 1821. Die fünf merkwürdigsten Tage Neapels. Altenb. 1820. 8. ö ö Denkschristen über die geheimen Gesellschaften im mittäglichen Italien, und insbesondere über die Carbonari. Stuttg. und Tüb. 1822. 8. Wilh. Peépé, Darstellung der politischen und militärischen Ereignisse in Neapel in den Jahren 1820 und 1821. Ein Sendschreiben an den König beider Sicilien. Aus dem Franz. v. Fr. Krug. Ilmenau, 1822. 8. **)(Graf v. Santa Rosa)) über die piemontesische Revolution.— dem Franz. v. G. Hagnauer. Glarus, 1822. 8. Nachde dasselbe Emanu Abwese zen Ka ten. Enden (15. M widerso Karl; rin verl dem Si besetzte! bald do Orduur Fe lir (21. A 12j,000 wichtigf 4 0 99 ter fluc dem R wechsel reichs, bis er parte umzebi * Alg. lushiunr Zwelter Zeitraum von 1789— 1823. 455 Aing duf Nachdem die Besatzung und die Bevölkerung Turins m suhy dasselbe forderte, legte(12. März) der König Victor . N210t Emanuel die Regierung nieder, und ernannte, in der in Mucu Abwesenheit seines Bruders, Karl Felir, den Prin⸗ irh, dem zen Karl Albrecht von Carignan, zum Regen⸗ Einige hx ten. Dieser erklärte(am 15. März)*)„die beiden Vil Eh Enden Italiens vereinige Ein Geist“ und nahm Ksehtr ed(15. Marz) die spanische Verfassung an; allein dem e 1BM widersprach(16. März) von Modena aus der Herzog berdv Karl Felix, worauf der Prinz von Carignan Tu⸗ Mntenich rin verließ und die Regentschaft niederlegte. Nach dem Siege der Oestreicher bei Novara(10. Apr.) ahsches K besetzte Bubna Alessandria und Latour Turin, und bald darauf ward in Piemont und Genua die alte Ordnung der Dinge von dem neuen Könige Karl Felix mit Strenge hergestellt, der die Regierung (21. Apr.) übernahm. Ein ostreichisches Heer von 12,000 Mann blieb, wie in Neapel, so auch in den wichtigsten Festungen und Städten Piemonts zurück. Hbandigt,N die Besthnn sung wraang. Ites Lötoriqut une de Vplez Additions pil 127. .—111 30 7 2 0— . 4. Die Niederlande. Die Schweiz. uhalt los die 0 Durch Pichegrü's Siege wurden die Niederlande (1795) von den Franzosen erobert; der Erbstatthal⸗ Gutlscrn ter flüchtete nach England; der Freistaat ward, unter sonder ibe N dem Namen batavische Republik, demokratisirt, u.. wechselte aber mehrmals, nach dem Vorgange Frank⸗ müiteg reichs, die Formen seiner Verfassung und Regierung, u bis er endlich(5. Jun. 1806) für Ludwig Bona⸗— e ku parte in das erbliche Königreich Holland 7 umgebildet, dieses aber, nach vier Jahren, von Na⸗ N Ianlii „ Gig) Allg. Zeit. 1821. N. 95. 456 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. poleon(Jul. 1840) Frankreich selbst einverleibt ward. Doch zeigte sich der lang verhaltene Groll der Mieder⸗ länder gegen Frankreich, als, nach der Schlacht bei Leipzig, diesiegreichen Preußen in Holland vordran⸗ gen, und der Prinzwon Oranien(2. Dec. 1813) als souverainer Fürst der Niederlande aus England zukückkehrte. Salit, 113611W10 Durch die Beschlüsse des Wiener Congresses wurden Belgien(obgleich nicht nach den Wünschen seiner Bewohner) und Lüttich damit verbunden, und das Königreich der Niederlande, nach die⸗ sem Umfange, von den Congreßmächten anerkannt. Die königliche Würde nahm Wilhelm 1 am 16. März 1815 an, und gab dem Reiche(24. Aug. 1815) eine neue Verfassung als Fundamentalgesetz mit zwei Kammern und Provinzialständen. Dieselbe Verfassung gilt auch füͤr das Großherzogthum. Lar⸗ remburg, das, in Beziehung auf die Verzichtung des Königs auf seine teutschen Stammländer, zu einer Secundogenitur des oranischen Hauses erhoben, und in die Reihe der teutschen Bundesstaaten gestellt ward. — In Hinsicht der Koloniee ward zwischen Groß— britännien und Niederland(13. Aug. 1814 ein Ver⸗ strag*) geschlossen, nach welchem Großbritannien das Vorgebirge der guten Hoffnung, Demerary, Esse⸗ quebo und Berbice behielt, dagegen Batavia, die Molucken, Surinam, St. Eustach und Curagçao an die Niederlände zurückgab. H Die großen Umbildungen des Freistaates der Schweiz begannen mit der Gährung im Waadt⸗ lande(1797), das gegen seine Oberherren, die Cantone Bern und Freyburg, Schutz bei dem Dires⸗ 19771 Martens, Supplem. T. 6. p. 57. . Nee toriu sche 3 keit 11 zosen der Ns unterd⸗ rungo/ Ligeng wenie erhielhn kricistss allgels gelein a ten 441 thurne in de schumo ) Mi gema n⸗ Acke 14 bunde hobenn verbue neu schlosen und 18 612.18 Cantane fassunt 0 anfn Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 4357 H91 torium Frankreichs suchte, und bald als lemani⸗ 7 sche Republik ausgesprochen ward. Die Uneinig⸗* an keit unter den Schweizern selbst erleichterte den Fran— II lnd uum zosen(1799) den Sieg über dieselben; doch dauerte* (D der Meinungskampf zwischen dem Alten und Neuen, Rerlandi unter abwechselnd versuchten Verfassungs- und Regie⸗ rungsformen, fort bis zu der von dem ersten Consul 4 ur Ch Bonapärte gegebenen und bestätigten Mediations-— 3 den Müpt acte(19 Febr. 1803)*), nach welcher die Schweiz rburden in 19 Cantone getheilt ward, von welchen jeder seine , Hach R. eigene, der ältern Einrichtung ähnliche, mehr oder un auigfam weniger aristokratische oder demokrätische Verfassung m 1 em erhielt, die Vorrechte der einzelnen Städte und pa⸗ ö X. Mag. 155 tricischen Geschlechter aber aufgehoben blieben, und die nennagesch ut allgemeinen Angelegenheiten von einer Tagsatzung N N. Diah geleitet wurden, welche jährlich in den sechs sogenann— 1 egthum L ten Direetorialcantonen— Freyburg, Bern, Solo— 2 Dxnühnn thurn, Basel, Zürich und Lucern— wechselte. Das ladt, Na in der Mediationsacte befolgte System war eine Mi⸗ chcben, ud schung des Alten und Neuen nach rtlichen und zeit⸗ E Ngselt vat, gemäßen Berhältnissen.— Allein diese Mediations⸗ Wpschnuß⸗ acte ward(Dee. 1813), bei dem Vordringen der Ver⸗ en Ver⸗ bündeten gegen Frankreich durch die Schweiz, aufge⸗ 28 hirtaumin hoben, und, unter dem Einflusse der Gesandten der wst verbündeten Machte,(8. Sept. 181⁴ zu Zürich ein ö „BuurN neuer helvetischer Düudeddeisran. abge⸗ Ontun schlossen. Drei neue Cantone, Genf, Wallis 9 Int und das preußische Fürstenthum Neufchatel traten 41 ů (12. Sept. 1814) zu dem Bunde, der nun aus 22 I Uug Cantonen besteht, von welchen jeder seine eigene Ver— 7 fassung und Verwältungsform neu gestaltete.““). Die WI ö N *) Martens, Suppl. T. Z. p. 363. **) Usteri, Handbuch des schweizerischen Staatsrechts, 458 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Schwei e des Wiener Congresses wurden von den Schweizern angenommen, worin(20. Nov. 1815) die verbündeten Mächte den Schweizern eine immer— währende Neutralität zusicherten. Später trat der Freistaat, auf erfolgte Einladung, auch dem heiligen Bunde der Monarchen bei. 128. 5. Epanien. In Spanien, wo Karl 4(seit 1788) regierte, kam die gesammte Leitung der Staatsangelegenheiten (1794) in die Hände Godoi's, des Herzogs von Alcudia, des entschiedenen Günstlings des königlichen Paäres. Der von Spanien, nach Ludwigs 16 Hin⸗ richtung, an Fränkreich(1793) erklärte Krieg, nahm für Spanien bald eine so ungünstige Wendung, daß Dugommier, Moncey und Perignon über die Pyre⸗ näen vordrangen, und Spanien, nach dem Falle einiger Festungen, mit der Nachbarrepublik den Se— paratfrieden zu Basel(22. Jul. 1795), auf die Abtretung seines Antheils an Domingo, abschloß, bald darauf(19. Aug. 1796) mit Frankreich— auf die Unterlage des frühern bourbonischen Familienver⸗ trages— zu einem Angriffs- und Vertheidigungs⸗ bündnisse zusammentrat, und(5. Oct.) den Krieg an England erklärte. Der Friede zu Amiens(1802) kostete ihm die Insel Trinidad, die an Großbri⸗ tannien kam; dagegen hatte(1801) Spanien, nach enthaltend die Urkunden des Bundesvertrages und die Verfassungen der 22 souverainen Cantone der schweizerischen Eidsgenossenschaft. te Aufl. Aarau, 1821. 8. nördloe 2 siine V. Preus geblick 150717 legen einzuff rende ꝰ den siuri o Kl: nen 68 Werkoe nung nung Wähs⸗ If 8 pel(3. gann 18 kes, n leon, e zuletztre freiheig den fit Zeit d. schin e uunssstat, dutden vn y NWM. 60 len ine ind Syätt tut X 7eegiert Mglgerhutt àHug u des kiniglch Idrigs 10 · t Kritg, din Dedung, E ibe de u nuch din Hil mublk du E 0, 0, dsfl, sttiih— Femilierde⸗ Dechidium fn Hüg n b 6 bußht „ 00 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 459 dem kurzen Kampfe gegen Portugal, das Gebiet von Olivenza gewonnen, und der Schwiegersohn Karls 4, der Erbprinz Ludwig von Parma, im ⸗ neviller Frieden Toskana, als Königreich Hetrurien erhalten, das aber(1808) an Frankreich überlassen ward, als ein geheimer Vertrag(27. Oct. 1807) zwi— schen Frankreich und Spanien die Theilung Portugals, und die Versetzung des hetrurischen Königshauses ins nördliche Portugal bestimmte. Schon vor dem Tilsiter Frieden faßte Napoleon seine Plane auf Spanien. Kaum als Sieger aus Preußen(Jul. 1807) zurückgekehrt, bot ihm die an⸗ gebliche Verschwörung des Prinzen von Asturien(Oct. 1807) von selbst die Veranlassung dar, in die Ange— legenheiten Spaniens und des regierenden Hauses sich einzumischen. Wegen der gemeinschaftlich auszufüh— renden Theilung Portugals betraten Frankreichs Heere den spanischen Boden.— Die Vorgänge zu Bayonne, wo Karl 4 und Ferdinand7(Mai 1808) auf die Kro⸗ nen Spaniens und Indiens verzichteten, waren ein Werk der List und der Gewalt und der eigenen Span— nung in der königlichen Familie, so wie der Span— nung zwischen Ferdinand und dem Friedensfürsten. Während aber Ferdinand nach Valengay, Karl 4 Anfangs nach Marseille, dann nach Rom und Nea— pel(f1819), Joseph hingegen nach Madrid ging, be— gann der nachdrucksvolle Kampf des spanischen Vol— kes, unterstützt von Großbritännien, gegen Napo— leon, zwar Anfangs mit abwechselnden Erfolgen, doch zuletzt mit dem siegreichen Behaupten der National— freiheit und des einheimischen Regentenhauses gegen den fremdher aufgedrungenen Regenten. In dieser Zeit des Kampfes, während welcher die amerikani— schen Kolonieen vom Mutterlande sich trennten, bil— 460 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. deten sich Anfangs eigenmächtig provinzielle und örtliche Junten, unter welchen die von Sevilla(29. Mai 1808) die bedeutendste ward. Eine zu Aranjuez aus zwei Abgeordneten der Provinzialjunten zusammenge— tretene Centraljunta(25. Sept.) sank in der öf⸗ fentlichen Meinung. Sie ward, auf Verlangen Ro-— mana's und unter Wel lingtons Einflusse, Anfangs (Dec. 1809) durch ein Directorium von neun, dann aber(Jan. 1810) durch eine höchste Regent— schaft von fünf Individuen ersetzt, die, nach dem Zusammentreten der außerordentlichen Cor— tes(Sept. 1810) auf der Insel Leon, auf drei Mitglieder vermindert ward. Diese Regentschaft, mit England genau verbündet, handelte in Ferdi⸗ nands 7 Namen, während die versammelten Cortes die neue Verfassung) des Reiches(19. März 1812) als Grundgesetz bekannt machten, die da— mals von mehreren auswärtigen Mächten, bei der Abschließung ihres Bündnisses mit Spänien gegen Napoleon(1812 und 13), anerkannt ward?). Als aber Napoleon, nach seinen Niederlagen in Teutschland, mit Ferdinand 7(8S. Dec. 1813) einen Vertrag abschloß, nach welchem dieser nach Spanien zurückkehren sollte, verweigerte die Regentschäft die * Europ. Constitt. Th. 3. S. 35. ö *) von Rußland im Sren Artikel des Vertrages von Weliky Luky(12. Jun. 1812)(worüber aber die russische Note vom 26. Nov. 1822 aus Verona an den Grafen Bulgari in Madrid— in Lüders dipl. Archiv, Th. 3. S. 380— verglichen werden muß!]z von Schweden im zZten Artikel des zu Stockholm (15. März 1813), und von Preußen im 2ten Artikel des zu Basel(20. Jan. 1814) abgeschlossenen Ver— trages. Anerke Bedin erhiel zu M 10 12 8 Eid ar verwei Perse klärten der K ander gentsche bisthur Cortes (14.9 parthe ihn ber Gewal wie di! und v suiten heit au überall wurder unssine Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 461 ill uditz Anerkennung dieses Vertrags, worauf Ferdinand ohne lH Bedingung von Napoleon die Erlaubniß zur Rückkehr 4 Ln erhielt. Nach einem Beschlusse der im Januar 1814 in ennn zu Madrid versammelten ordentlichen Cortes sukuni sollte Ferdinand, vor seiner Ankunft in Madrid, den Dal Eid auf die neue Verfassung leisten. Allein der König fust, Maz verweigerte dies; 69 gewesene Cortes(die sogenannten on lun, du Perser) und General Elio mit 40,000 Mann er⸗ ste Regen klärten sich gegen die neue Verfassung, die(4. Mai) e, nach di der König in Valencia aufhob, dagegen aber eine ichen Cot andere zu geben versprach. Das Haupt der Re— on, auf dun gentschaft, der Kardinal Bourbon, ward in sein Erz— Mheulschis bisthum Toledo verwiesen, und ein großer Theil der lle in Ferdi Cortes verhaftet und verbannt. Der König kehrte Rmellen Cutt(14. Mai 1814) nach Madrid zurück, wo eine Hof— 65 10. M parthei(camerilla) den entschiedensten Einfluß auf hun, die dat ihn behauptete. Nach dem Rechte der unbeschränkten Ialn, Hr Gewalt wurden die Anhänger der Verfassung eben so, Saanien Roel wie die, welche unter Joseph gedient hatten, verfolge Dur) und verwiesen; die Inquisition, die Tortur, die Je⸗ Woayni suiten und die Mönchsorden hergestellt, die Preßfrei⸗* NE heit aufgehoben, und die Finanzen so zerrüttet)/ daß 0 Sranin überall Elend und Unzufriedenheit herrschte. Zwar 8 anch. wurden(1815) die Versuche Porlier's, Lasey's 2 und anderer, die Verfassung herzustellen, mit der großten Strenge geahndet; allein die Revolution) 35 “„) Die Gesammteinnahme Spaniens betrug 320 Mill. 8 Wlln t Realen(20 Realen gleich 2 Fl. 30 Xr. rheinisch), N die Ausgabe 660 Mill.;— daher ein Defieit W von 340 Mill. t n**)(v. Hügel,) Spanien und die Revolution. Leipz. 6 6 510 1821. 8.— 5. Meisel, Beiträge zur Geschichte 1 ue der spanischen Revolution. Lpz. 1821. 9.— de Wi Pradt, de la révolution actuelle de I'Espagne 462 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. des auf der Insel Leon und zwischen Cadir, Granada und Sevilla cantonnirenden, und zur Einschiffung nach Amerika bestimmten Heeres vom 1. Jan. 1820, geleitet von Quiroga und Riego, welche die Her— stellung der Versassung der Cortes verlangten, be— wirkte, bei der schnellen Weiterverbreitung dieser An— sicht bis Madrid, und nach der fruchtlosen Absendung des Generals Freyre gegen das nach Amerika be— stimmte Heer, die Annahme der Verfassung(7. März) von dem Könige, und seinen Eid(9. Jul.); auf dieselbe in der Mitte der neuversammelten Cortes. Die Inquisition und die Tortur wurden aufgehoben, die Jesuiten vertrieben, die Klöster eingezogen, die Freiheit der Presse hergestellt. ö Je rascher aber die Cortes die Umbildung des innern Staatslebens Spaniens durchzuführen ver— suchten; desto schärfer trat der Gegensatz und Kampf zwischen den Liberalen und Servilen, und die Abneigung des Königs gegen die Beschlüsse der Cortes hervor, während die Minister häufig wechselten. Eine gemäßigte Parthei, welche, in der Mitte zwischen den Anhängern der unbeschränkten Gewalt und den Vertheidigern der demokratischen Grundsätze der Ver— fassung, die Veränderung derselben beabsich— tigte und von Morillo geleitet ward, fand sich(Jul. et de ses suites. Paris, 1920. 6.— Graf To⸗ reno, historische Uebersicht der Staatsveränderun— gen Spaniens, vom ersten Ausbruche des Aufstan— des im J. 1808 bis zur Auflösung der Cortes. Aus dem Span. Dresden, 1821. 8.— Karl Venturini, Spaniens neueste Geschichte von der Anfertigung der neuen Constitution durch die Cor— tes im J. 1812 bis zur Bestätigung derselben durch den König im J. 1820. Altona, 1821. 8. 182²) den bls die S behielt schränht merksad auf sie zu Ve selbenl beleidilt Areses üibernns terhants indem von M. das Ma von ded da nack j E Freistan Gelangi hängigs sammt u begonn!: lonieg die Aul Die nä drängurz nischen mit Not Huussien , Ga Eischi Iu velhe xe h/ rlanzun Iunz dietrl osen Wedu Imrir Nurfasum EId(0. M hulten Cortes uufgchoben Rgepogen, N. Inbidurg&. Rurfühten v 0 und Kumpi len, We lüse de ts chselten. Eit Nm zrische pult uud den sihe de D⸗ hen dabschͤ ud sch l Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 463 1822) durch die Camerilla getäuscht, und trat, an den blutigen Tagen zu Madrid(5.— 7. Jul.), auf die Seite der Constitutionellen, welche die Oberhand behielten. Allein die seit dieser Zeit erfolgten Be— schränkungen der königlichen Familie zogen die Auf— merksamkeit der auswärtigen Mächte in dem Grade auf sich, daß die Schlußerklärung des Congresses zu Verona(14. Dec. 1822) die Gesinnungen der⸗ selben in Hinsicht Spaniens bestimmt aussprach. Die beleidigende Gegenerklärung Spaniens bewirkte die Abreise der fremden Gesandten, und Frankreich übernahm— nach Großbritanniens vergeblichen Un— terhandlungen— die Ausführung jener Beschlüsse, indem es(Apr. 1823) ein Heer unter dem Herzoge von Angouleme über die Pyrenäen vordringen ließ, das Madrid und Sevilla besetzte, während der König von den Cortes zur Abreise nach Sevilla, und von da nach Cadir genöthigt ward. 129. 6. Das spanische Amerika. So wie die Trennung der nordamerikanischen Freistäaten vom europäischen Mutterlande und die Gelangung derselben zur Selbstständigkeit und Unab— hängigkeit von den wichtigsten Folgen für das ge— sammte europäische Staatensystem war; so auch die begonnene Trennung der südamerikanischen Ko— lonieen Spaniens von ihrem Stammlande, und die Ausbildung neuer Staatsformen in denselben. Die nächste Veranlassung dazu gab(1808) die Ver— drängung des bourbonischen Regentenhauses vom spa— nischen Throne. Schon vorher, als noch Spanien mit Napoleon im Kriege gegen Großbritannien ver— 464 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛce. bündet war, strebte Buenos Ayres, unter britti⸗ scher Mitwirkung, nach Unabhängigkeit. Als aber (1806) Popham mit einer Flotte, und Beresford mit Landungstruppen daselbst erschienen waren, und(2. Jul.) die Stadt Buenos Ayres für die Britten erobert hatten, vertrieb der General Liniers(12. Aug. 1806) die Britten aus derselben, und nöthigte auch den mit Verstärkung angekommenen brittischen Gene⸗ ral Whiteloke(Jul. 1807), das ganze spanische Ame⸗ rika zu verlassen. Allein die Gesinnungen der Südamerikaner än⸗ derten sich, als Joseph Napoleon(1808) König von, Spanien und Indien ward, so schonend sich auch, (1809) Napoleon über das künftige Verhältniß der Kolonieen erklärte, und gleichzeitig die in Spanien gebildete Regierungsjunta die engherzigen Ansichten der Cadixer Kaufmannschaft in Hinsicht der Kolonieen berücksichtigtez und die Amerikaner für Rebellen er⸗ klärte; Grundsätze, welche selbst nach Ferdinands 7 Rückkehr nicht aufgegeben wurden.— Zuerst regte sich der Geist der Freiheit in der Provinz Caraccas. Die spanischen Beamten wurden eingeschifft; eine Junta von 25 Inländern vertrat(19. Apr. 1810) die Regierung. Sieben Provinzen nahmen den Na⸗ men der vereinigten Provinzen von Vene⸗ zuelg an. Eine ähnliche Umwandlung begann(12. Nov. 1817) in der Provinz Neu⸗-Granada. Doch ward in diesen Provinzen zwischen den Royalisten un⸗ ter Morillo und den Republikanern unter Bolivar (1815— 1820) lang gekämpft, bevor(17. Dec. 1819) die vereinigten Provinzen Venezuela und Neu— Granada den Namen: Freistaat Columbia an⸗ nahmen, das Land in die Provinzen Venezuela, Quito und Candinamara theilten, über eine, der no (2. Bolit 4%½5 nach 4 canarif Ayre vinze aber( nigte und vol mit ein. walt, zwei Kl brasili, vinz A diesemi die köns konig) dem&. dere Fii erklärth schien. —0 Hidat keit stj und sel welche! Uurshiet. 1 gt, Net d Buafay waren, Ind: dit Orittn Mits(Iuil nthghut rittichen de spanisch In Metlkaner au. VKinig vy Rend sich aut Verhlniß d in Spani Ihn Mische Tder Haanta r Robellg e⸗ Fadande Zurstuht Caraccas Vecht; lle I. 1810) en den W. VIN Veh 4⁰ 0 big I V ⁰ ahade V Nnen u Mon „Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 465 der nordamerikanischen nachgebildete, Verfassung (12. Jul. 1821)*) sich vereinigten, und den General Bolivar an die Spitze des Congresses stellten. Ein neuer Freistaat bildete sich am Plata, als, nach Abführung des spanischen Vicekönigs nach den canarischen Inseln,(9. Jul. 1816) zu Buenos Ayres die Unäbhängigkeit der vereinigten Pro-— vinzen am Plata ausgesprochen, dieser Name aber(3. Dec. 1817) vom Congresse in den: verei⸗ nigte Provinzen von Südamerika verwandelt, und von diesem(28. Mai 1819) eine Verfassung, mit einem Director als Haupt der vollziehenden Ge— walt, und einem gesetgebenden Krper, getheilt in zwei Kammern, aufgestellt ward. Doch besetzte der brasilische General Lecor(20. Jan. 1817) die Pro⸗ vinz Montevideo, als Unterpfand für Olivenza. Die Provinz Chili folgte(18. Sept. 1820) diesem Beispiele, wo San Martin(5. Apr. 1818) die königlichen Truppen, so wie später auch den Vice⸗ könig von Peru besiegte, und(15. Jul. 1821), mit dem Lord Cochrane, seinen Einzug in Lima hielt. Doch bildeten Chili und Peru) zwei beson⸗ — — dere Freistaaten. Selbst die Provinz Guatimala erklärte sich(24. Sept. 1824) für unabhängig, und schien einen eignen Freistaat bilden zu wollen.* In Mexiko leitete bereits 1810 der Priester Hidalgo die Parthei derer, welche nach Unabhängig— keit strebten. Er ward aber(1811) hingerichtet, und seine Anhänger zerstreuten sich in Streifpartheien, welche den Geist der Unabhängigkeit fortpflänzten, *)vgl. polit. Journ. 1822, Febr. ö *“*) Die Bedingungen der neuen Verfassung von Peru: Allg. Zeit. 1825. Beil. 94. III. 30 —— — — 4 —, 2———.— ——. ——— —————— * 466 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. bis(Febr. 1821) der Oberst Augustin Iturbide sie wieder vereinigte, mit dem spanischen Vicekönige Apodaca erfolgreich kämpfte, und mit dessen Nach⸗ folger O' Donojhu(24. Aug. 1821) eine Capitula⸗ tion abschloß. Am 28. Sept. 1824 nahm Iturbide den Titel eines Generalissimus des Kaiserthums Mexiko an, und ernannte eine Regentschaft von fünf Personen. Der souveraine Congreß von Mexiko sprach die Unabhängigkeit von dem Mutterlande aus, proclamirte(18. Mai)— doch gegen den Willen der Regentschaft— den Iturbide als Kaiser von Mexiko, und dessen Sohn, später, zum kaiserlichen Prinzen, wodurch die Regierung für erblich erklärt ward. Seine Regierung war aber so fehlerhaft, daß der(31. März 1823) neuzusammengetretene Congreß zu Mexiko die vollziehende Gewalt einer Regentschaft von drei Mitgliedern übertrug, worauf(19. Apr.) Iturbide seine Würde niederlegte, und, mit einer zu⸗ gesicherten Pension, nach Italien sich einschiffte. Die neue Staatsform Mexiko's ist noch im Werden. Die aus den spanischen Kolonieen hervorgegange— nen fünf Freistaaten: Mexiko(145,000 Q. M. mit gegen 7 Mill. Einw.), Columbia(130,000 Q. M. mit 3 Mill. Einw.), Buenos Ayres(144,000 Q. M. mit 1,200,000 Einw.), Chili(30,000 Q. M. mit 900,000 Einw.), und Peru(31,000 Q. M. mit 1,200,000 Einw.) beabsichtigen, neben ihrer in— dividuellen Selbstständigkeit, eine gemeinschaft⸗ liche amerikanische Conföderation*), de⸗ ren Unterhandlung aber noch nicht vollendet ist.— In der Provinz Montevideo streben die Einwoh— ner nach Unabhängigkeit; allein die Besatzung von *) Allg. Zeit. 1823. N. 132. — g. 5 thume K litlost dem 8 00 wo terestn und H an HN latte S unter. gesar abfüns die Yd gemeh und Y Fren einigð zosentie nahmæ an; s 9 180%3 stop 18⁰j 46 W rikan e nach syx sident.) Heim zu Car ulnsssun SZSoeiter Zeitraum von 1789— 1823. 467 Tin Anh S. Sacramento hat sich für das brasilische Kaiser— sshn Nastz thum erklärt.— int vsen du Dioch früher, als in allen diesen spanischen Ko⸗ Ham Lyst lonieen, begann in Domin go der Ausbruch der Revo⸗ Kuchn u lution und der Trennung von Europa. Denn, nach⸗ Kalserthut dem der Nationalconvent Frankreichs(1793) die Rhat unt Freiheit der Schwarzen ausgesprochen hatte, hreß vn Mi wogegen die weißen Bewohner Domingo's ihres In⸗ teresse wegen die Fortdauer der Sklaverei wünschten, und nachdem(1795) der spanische Antheil der Insel Kaiser u an Frankreich abgetreten worden war, trat der Mu⸗ am kaschh latte Toussaint an die Spitze der Neger. Mit ihm erblicheft unterhandelte(1801) der vom ersten Consul dahin gesandte General Leclere, der ihn nach Frankreich abführen ließ. Die Sklaverei ward hergestellt; allein die Neger verbanden sich mit den Farbigen. Beide gemeinschaftlich erneuerten den alten NRamen Hayker, Wutterlande d den Willena sehlechaft, x ctene Coh nur RgeH 1 und sprachen(1. Jan. 1804 die Insel Häyti als Freistaat aus. Der Neger Dessalines ver⸗ astf einigte die einzelnen Partheien; die Weißen und Fran⸗ 1155 zosen wurden von der Insel vertrieben. Dessalines 25.— nahm(Mai 1805) als Jakob 1 die Kaiserwürde an; unter ihm befehligten Pethion und Christo⸗ 300008 phe. Unter Pethions Theilnahme ward aber(16. Oet. res aih 1806) Dessalines ermordet, und der Neger Chri— 10 stophe von dem Volke und den Generalen(7. Febr. (310009% 1807) zum Präsidenten von Hayti ernannt. Da⸗ uthen hn gegen bildete Pethion im südwestlichen Theile der gentirste Insel einen besondern Freistaat nach nordame⸗ Tutiet)) rikanischer Form zu Port au Prince. Ihm folgte vladlis⸗ nach seinem Tode(27. März 1818) Boyer als Pra⸗ hn Nene sident. Christophe hingegen, der(4. Apr. 1811) als B Heinrich mdie königliche Würde annahm, regierte zu Cap Henri(Frangois), und gab dem Staate eine 30* — wꝓ D ˖ TF———— E 468 Geschichte des europaischen Staatensystems ꝛc. Verfassung 9. 5en ihn brach(6. Oet. 1 18200. 0 Verschwöͤrung der Truppen aus, worauf er(8. Oct.) sich erschoß. Ihm folgte, mit der Stiftung einer republ ikanischen Siotrefden, der General Boye im gesammten vormaligen französischen Theile der In⸗ sel, und, nach der Ws des spanischen Theils (21. Nov. 1820), als Präsident von ganz Häyti, der(2. Febr. 185 2) seinen Einzug in der Stadt Domingo hielt. 119 130. 7. Portugal und Brasilien. Die Politik Portugals war in dieser Zeit. zu⸗ nachst abhängig von Großbritannien. So erklärte der Prinz Johann von Brasilien, der(1792), wegen des unheilbaren Wahnsinns seiner Mutter, die Re⸗ gentschaft übernommen hatte, den Krieg gegen Frank⸗ reich(1793), und verweigerte, unter Englands Ein⸗ flusse, dem bereits(1797) wisthen Frankreich und Portugal zu Paris abgeschl ossenen Frieden seine Be⸗ stätigung. Dies bewirkte(1800 die Kriegserklärüng des mit Frankreich verbündeten Spaniens gegen Pör⸗ tugal. Doch ward dieser Krieg im Frieden von Ba⸗ dajoz(6. Jun. 1801) bald beendigt, in 08 Hn Portugal an Spanien Oliven nza berließ 5, und, im Frieden mit Frankreichzu Madrid(Q0. Sept. 18010, einen Theil von Guiana an Frankreich. Im Frieden zu Amiens(1802), garantirten Frankreich und. Eng⸗ land die Integrität Portugals. Nach der erneuerten Kriegserklärung Englands an Frankreich aber, und nach dem Rüsstz Frieden, — 1 *) Haytian papers. Lond. 1816. g. 14•1½½ 4.7 6 verlan tritt P 00 weiger Franzr tugal, 0 eim geichne in Ass⸗ seinen nach B leon erk regiere Portus in Sp 16808) Moore nien v fort bi selben tung, Brast dem T men d rika 3 Pern nach! nieen, des br ford Freir Hersa mit de Runnssiun N hhe Sruf CMn Geneal Duht n Deh soanishhn N Int von gih Eingig — silien. diser dt . Ey arln W Nuter, N i0 Han Englad El⸗ Fultach l Hhn siht N. Ffi I en Wu iden vnn D⸗ , i wfh Alleß, Ad, K NWE h. Milt tach E I Irolg Eultd 70 I Tuste uN Zdeiter Zeitraum von 1789— 1823. 469 verlangte Napoleon von Portugal(1807) den Bei⸗ tritt Portugals zum Continentalsysteme und zur Ver⸗ schließung seiner Häfen gegen England. Der Ver⸗ weigerung dieser Forderung folgte der Heereszug der Franzosen unter Junot und der Spanier gegen Por⸗ tugal, nachdem beide Mächte(Oct. 1807) einen ge⸗ heimen Theilungspertrag Portugals unter⸗ zeichnet hatten. Allein, vor dein Einrücken Junots in Assabon, ging der Prinz Regent mit seiner Mutter, seinen Schatzen und vielen portugiesischen Großen nach Brasilien(29. Nov. 1807), worauf Napo⸗ leon erklärte: das Haus Braganza habe aufgehört, zu regieren, und Junot im Namen des Kaisers von Portugal Besitz nahm. Bald aber bestimmte der Wechsel der Ereignisse in Spanien Portugals Schicksal. Junot mußte(Aug. 1808) Portugal räumen, und brittische Heere unter Moore und Wellingkon drängen von da aus in Spa⸗ nien vor. Portugals Theilnahme am Kampfe dauerte fort bis zu Napoleons Sturze. Doch selbst nach dem⸗ selben blieb das Land unter Großbritanniens Verwal⸗ tung, und der Prinz Regent, welcher(16, Dec. 1815 Brasilien zum Königreiche⸗ erhob, und nach dem Tode seiner Mutter(20. März 1816) den Na⸗ men Johann 6 annahm, schien nicht geneigt, Ame⸗ rika zu verlassen, besonders als auch in der Provinz Pernambuco(1817) die Spuren des Strebens nach Unabhangigkeit, wie in den amerikanischen Kolo: nieen, sich zeigten. In Portugal selbst, wo man des brittischen Druckes unter dem Marschall Beres-— ford müde war, leitete(Mai 1817) der Gencral Freire d'Andrade die Aufhebung der beittischen Herrschaft. Allein dieser Plan ward entdeckt, und mit der Hinrichtung des d' Andrade und zwolf sei⸗ ———38— ꝑPDR ꝗꝗNDRDRDFDIFIFIIIIIFF—.———— 328 Geschichte des europälschen Staatensystems ꝛc. ner Verbündeten(18 Oet.) streng geahndet, ohne die Erbitterung der portugiesischen Großen gegen Beres⸗ ford zu heben, der(4. Apr. 1820) nach Brasilien sich einschiffte, als die in Spanien mit Erfolg durch⸗ geführte Revolution nicht ohne Rückwirkung auf Por⸗ tugal blieb. So erfolgte zu Oporto(24. Aug. 18²⁰) ein ähnlicher Aufstand des dasel bst stehenden portugiesi⸗ schen Heerestheiles, wie in Spanien, theils zur Ent⸗ fernung der Britten, theils zur Annahme einer neuen Verfassung. Bei dem Vordringen dieser Trup⸗ pen gegen Lissabon erklärte sich die Hauptstadt für die neue Gestaltung des Reiches. Die neue Ver— fassung, deren Grundlage die spanische bilden sollte, ward(15. Sept. 1820) beschworen; die einstweilige Regentschaft rief die Cortes zusammen, welche(27. Jan. 1821) für die Zeit der Abwesenheit des Königs eine Regentschaft von fünf Individuen ernannten. Dies blieb nicht ohne Rückwirkung auf Bra⸗ silien. Die Provinz Para erklärte sich(1. Jan. 1811) für eine Verfassung; dasselbe geschah auf der Insel Madeir a, dann(10. Febr.) zu Bahia, und (6. März) zu Pernambuco. Da dieselbe Stim— mung sich in Rio Janeiro zeigte; so versprach der König(24. Febr.) Veränderungen in der Regierungs- form, ward aber bald darauf genöthigt, auch für Brasilien die portugiesische Verfassung anzunehmen, welche der Kronprinz Peter in seinem und seines Vaters Namen beschwor. Nach diesem Vorgange schiffte sich der König(26. Apr.) nach Portugal ein, wo er(4. Jul.) in der Versammlung der Cortes den Eid auf die neue(noch nicht vollendete) Verfassung leistete. So hörte die einstweilige Regentschaft auf, und der König bestätigte alle ihm von den Cortes vor⸗ —————————7—ß7—ꝛ— unssn. Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 474 — Ah, Ru gelegte Beschlüsse, bis endlich die(23. Sept. 1822) sin gun dz von den Cortes beendigte Verfassung vom Könige XII(1. Oct.) feierlich angenommen ward. Ob nun gleich mit Estghr der Angelegenheiten Portugals in den öffentlichen Er— ö vitugufp klärungen des Congresses zu Verona, mit Rücksicht* auf England, nicht gedacht ward; so weigerte sich doch Mg. 5W t die Königin, den Eid auf die Verfassung zu leisten,* man pmgi und der Graf Amarante stellte sich(1. März 1823) Heilezn d an die Spitze der Gegner der Verfassung. Bald aber er Rebt nach der Eröffnung des Krieges von Frankreich gegen Nst Teh Spanien, gab die Erklärung des köͤniglichen Prinzen humtsidtf Michael, der mit seiner Mutter einverstanden war, Die meue W.(29. Mai 1823) den Ausschlag zur schnellen Um— * ö——— c Uden sit stürzung(3. Jun.) der neuen Verfassung, die der 8 ö 2 75 Wnen König(5. Jun.) aufhob, dagegen aber(14. Jun.) vi eine Junta aus 14 Personen ernannte, um den Plan N Hetde Ht zu einer neuen Charte als Grundgesetz, unter dem aun munhn Vorsitze des Ministers Grafen von Palmela, zu ent⸗ werfen*).—4 47 15 Srasilktn aber beschloß, nach der Abreise des 0 60 Königs, die völlige Trennung vom Mutterlande und * eine besondere Verfassung des Reiches. Der Kron⸗* Basie prinz ward(25. Sept. 1822) als Peter 1 zum gon⸗ vashe Ein⸗ stitutionellen Kaiser von Brasilien aus⸗ varsru d. gerufen, und nahm(12. Oet.) diesen Titel und den 2 Waith eines immerwährenden Protectors von Brasilien an.. Hel, uhf Ueber die neue Verfassung Brasiliens erließ er(1823) 0 unheh eine Erklärung, worin er aussprach, daß durch die⸗ nem u selbe eben so dem Despotismus, wie der Demokratie ö Wsen Vun vorgebeugt werden solle. 10 W 3 UcttM*) Allg. Zeit. 1823, N. 215. und Ebend. Beil. 144. 00 Hrise* Nut e* mbeter 2 —— —2————— *Ee w-WF————2 ———————————————— S... 17² Ges⸗ chichte des eüröpais⸗ chen Staatenshstems ꝛc. 23 60 729 137˙5 ee 8. Grioo ß britannien. Als die französische Revolution ausbrach, ent⸗ hielt sich Großbritannien der Einmischung in die in— nern Angelegenheiten Frankreichs. Als aber(1. Febr. 1793) der Nationalconvent ihm den Krieg erklärte, trat auch Großbritannien in den Mittelpunct der Coa⸗ litionen gegen Frankreich, und beharrte dabei— mit Ausnahme des einzigen Friedensjahres nach dem Frie⸗ den von Amiens— bis zum Sturze Napoleons und dessen Wegführung nach St. Helena. So viel ihm auch dieser Weltkampf kostete, und so ungeheuer da⸗ durch die brittische Nationalschuld gesteigert ward; so vernichtete es doch während dieses Kampfes, oder er⸗ warb die Flotten und viele Kolonieen Frankreichs und seiner Verbündeten; es errang den Alleinhandel und die Herrschaft auf dem Meere, und sprach in den An⸗ gelegenheiten des europäischen Festlandes das Wött der Entscheidung. Gleichzeitig erweiterte es seine Riesenmacht in Ostindien, seit dem der britkische Hauprfeind daselbst, Tippo Saib, der Regent von heringapatnam erobert worden war. 4. Maltha, von den Franzosen weggenommen, Mysore(1799) bezwungen und dessen Hauptstadt kam, durch Aushungerung, in die Gewalt der Brit⸗ ten, die es behielten, wenn gleich Anfangs der Kaiser Paul 1 mit ihnen daruber zersiel, der sich (4800) an die Spitze der bewaffneten Reutralität stellte, welcher Schweden, Dänemark und Preußen sich anschlossen. Nur daß diese Verbindung gegen Großbritannien nach Pauls plötzlichem Tode(Marz 1804) und nach der Seeschlacht vor Kopenhagen(2. Apr. 1801) schnell wieder sich auflösete, und der . 4* Grun sondet. nien) Aeg 1 der Ft Ostint Zwisis scheit Ht slbst irländ schen 5 unter n welch! Alleim Hriedie gunge über) (1 8. tannis Repij 18⁰⁴ aulbuc, chung uM Ebl. Kiit H Hunct dedi. dobe nach dem th Wydleons un Eui nhene. liget pard; Rpses, dero Nrarkithent 0 0⁰ vach indu l Ides das Wüt eitette es sil de Hulsh MM dun Hunghhit V Walt ũ108 Q. ch: V ii. Rerftel, E 1 Rire 10 d 1 4 0 WMWi l 10 1 0 0 I 10 0 I 0 4 Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 47³ Grundsatz: frei Schiff macht freies Gut, in den be⸗ sonderen Conventionen dieser Mächte mit Großbritan⸗ nien gufgegeben ward. Eben so gelang es dem in Aegypten gekandeten brittischen Heere, den Abzug der Franzosen aus diesem Lande zu bewirken, das für Ostindien von so hoher Bedeutung ist. Der lange Zwist zwischen den großbritannischen und irländi⸗ scheen Parlamente ward durch die Union des letztern mit dem erstern(22. Jan. 1801) beseitigt; nur das selbst Pitt die vollige bürgerliche Gleichstellung der irländischen Katholiken mit den Bekennern der engli⸗ schen bischöfflichen Kirche nicht bewirken konnte, weil, außer den religiösen Ansichten Georgs 3, auch noch die öffentliche Stimme ausgezeichneter Staatsmän⸗ ner dagegen sich erklärte.“) Weil Pitt den vom Volke verlangten Frieden mit Frankreich nicht abschließen wollte; so trat Ad⸗ dington(Sidmouth) auf kurze Zeit an seine Stelle und unterhandelte den Frieden zu Amiens(1802), in welchem Engl and Ceylon und Trinidad gewann. Allein die Foptschritte der Macht Frankreichs nach dem Frieden, der Streit über Maltha, und die Beleidi⸗ gungen Englands in dem Reifeberichte Sebastiani's über die astatischen und afrikanischen Küsten, führten „18. Mai 1803) zur neuem Kriegserklärung Großbri⸗ tanniens an Frankreich. Die batavische und italische Republik mußten sogleich, Spanien später(Oct. „18040, gereizt durch die r seiner Geld⸗ schiffe aus Amerika durch die Britten, daran Antheil nehmen, nachdem Pitt(15. Mai 1804 von neuem ins Ministerium getreten war, der die dritte Coali⸗ —..———ß7——ßñ—ñꝛ *) D. G. Hegewisch, Uebersicht der irländischen Ge⸗ schichte. Altona, 1806. 8. ———————— (xwDFDFHFDDFFDFDFIFIIIIIIIIIII TTTTFTTTPTPTFTh ——— —.— — X —.;ꝛ 42— EENE —.—.—— 8—8— 7⁴⁰½4 — — 474 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. tion(1805) mit ihrem riesenhaften Plane vermittelte, wenn sie gleich bei Austerlitz gesprengt ward. Des⸗ halb konnte der große Seesieg Nelsons(21. Oct. 1805) bei Trafalgar, versiegelt mit dem Tode des Helden, die Folgen des Preßburger Friedens nicht aufwiegen. Starb gleich Pitt bald nach diesen schmerzhaften Er⸗ fahrungen(23. Jan. 1806); so glänzt doch sein Name mit unvergänglichem Ruhme in den Jahrbüchern der brittischen Geschichte. Keiner seiner Nachfolger hat ihn an Groöße und Tiefe der politischen Plane, so wie an Festigkeit in ihrer Verfolgung erreicht, geschweige übertroffen; noch ungerechnet die hohe Eigenthümlich⸗ keit, Klarheit, Fülle und Schwere seiner parlamen⸗ tarischen Beredsamkeit! Während der letzten Zeit ward in Ostindien der größte Theil von Oude (1801) erworben, der Nabob von Surate, von Ar⸗ cot, und der Rajah von Tanjore auf Pension gesetzt, so wie der Rajah Scindiah und Holkar(1804) be⸗ zwungen. ä ö Nur wenige Monate folgte Fox seinem großen Gegner in der Leitung der Staatsangelegenheiten; nach seinem Tode(13. Sept. 1806) ward die begon⸗ nene Unterhandlung des Friedens mit Frankreich ab— gebrochen; dagegen erfolgte die Aussöhnung mit Preußen zu Memel(28. Jan. 1807), an welches England(Jun. 1806) wegen der Besitznahme Han⸗ novers den Krieg erklärt hatte. Befremdend aber war es, daß England an dem Kampfe Preußens und Rußlands gegen Frankreich im Spätjahre 1806 so wenig Theil nahm; denn der mißlungene Zug des Admirals Duckworth(Febr. 1807) gegen Konstan⸗ rinopel, um die Pforte zur Coalition gegen Frankreich zuubringen, konnte kaum als eine Diversion zu Gun⸗ sten der Verbündeten gelten. Cben so erschien das nach 90 zu späß Oppres eitelte Sept. cst, of dänisch nemari den Krl lands E land ins nachdrx binets l Contꝰ tiger 1 die Poht reich(0 in Sil. brittisch sung( der Ren vur N aber ij Wali gegen u im Mx reagh lesley n Mai auswäg her(16 der Gu Regef Nlenshse ö lhr Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 475 Nun uumtth, ä Wum. v nach Pommern(Jul. 1807) bestimmte Landungsheer RN zu spät, um im Rücken des französischen Heeres in Ostpreußen zu wirken; denn der Tilsiter Friede ver⸗ liht uit eitelte diesen Plan. Dagegen ward nun(2.— 5. en Sept. 1807) Kopenhagen von den Britten be⸗ hindn schossen, und dadurch die Herausgabe der däni⸗ W schen Flotte als Depot, und die Zerstörung der Pat dänischen Schiffswerfte bewirkt. Rußland und Dä⸗ 42 10 nemark erklärten, nach dieser Unthat, an England 0 ahm den Krieg(1807); allein Schweden blieb auf Eng⸗ In lands Seite, so wenig auch, außer Subsidien, Eng⸗ 20n land in dem Kriege mit Rußland für ihn that. Desto aun Bünn nachdrücklicher erklärte sich Großbritannien in den Ka⸗ — binetsordren gegen Napoleons Decrete in Hinsicht des l vu Continentalsystems(H. 144.), und desto kräf⸗ 7½ tiger unterstützte es, seiner Handelsinteressen wegen, Dsn die Portugiesen und Spanier im Kampfe gegen Frank⸗ ur 1500. reich(1808— 181½0, und die bourbonische Dynastie in Sicilien gegen Murat in Neapel, obgleich der Zurste W‚lJ Surale, A „ selan gaßn brittische Einfluß auf die Regierung und neue Verfas⸗ Mlgageie sung Siciliens(1812) den König zur Uebertragung de Hgol⸗ der Regierung auf den Kronprinzen, und die Königin Funkräc ⸗ zur Abreise nach Wien veranlaßte. Erfolglos blieb schun w. aber im Ganzen die Expedition(Jul. 1809) gegen „ vhe Walcheren, als Diversion im Kriege Oestreichs shme He gegen Napoleon; doch führte sie zu einer Veränderung tenden 40 im Ministerium, aus welchem Canning und Castle⸗ Drutmn reagh schieden, an deren Stelle Perceval und Wel⸗ Rcht lesley traten, bis, nach Percevals Ermordung(11. l Mai 181², Castlereagh das Ministerium der Aandu auswärtigen Angelegenheiten übernahm. Schon vor⸗ F her(10. Jan. 181¹⁷ trat, bei Georgs 3 fortdauern⸗ Wornde der Gemüthskrankheit, der Prinz von Wales die h Regentschaft an. ——9‚—.——— — — —D‚‚‚‚ — ——— SS ———— ————— DIꝗDSDSDSSDS‚SS — SIIII““— 47 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Nur kurz und wenig ernstlich gemeint war die Sponnung zwischen.*9.—— und England, seit der Kriegserblarmg⸗ Schweren(18100 gegen Großbri⸗ tannien bewirkte; denn bald(12. Jul. 1842) ver⸗ söhnte sich Schweden im Frieden mit dieser Macht, und trat der großen Verbindung gegen Napoleon bei, welche Großbritannien(1813) durch reichliche Subsi⸗ dien unterstütte. Unverkennbar war daher auch Eng⸗ lands politischer Einfluß auf die Abbrechung der Un⸗ anelunde zu Frankfurt und Chatillon, auf die Herstellung der Bourbone in Frankreich, auf die Ver⸗ bindung Belgiens mit dem Königreiche der Nieder⸗ lande, und Genua's mit Sardinien, auf die Ver⸗ größerung des Königreiches Hannover, auf die Her⸗ stellung Ferdinands in Neapel, und auf die Entschei⸗ dung der Angelegenheiten Teutschlands und Italiens. Fur sich selbst behielt es Maltha; die französischen Kolonieen Tabago, St. Lucie und Isle de Francez die niederländischen Kolonieen des Vorgebirges der guten Hoffnung, Demerary, Essequebo und Berbice; und vertragsmäßig erwarb es die Schutzhoheit über die jonischen Inseln(4815). Ein Krieg mit Nordamerika(1812) ward(25. Dec. 1814) zu Gent auf die vorigen Verhältnisse zwischen beiden Mächten beendigt. Dagegen gewann es im Kieler Frieden mit Dänemark(14. Jan. 1814) die Insel Helgoland, und behielt die geraubte dänische Flotte, gab aber die dänischen K Kolonieen zurück.— In Ost⸗ indien vergrößerte sich die Macht und das Gebiet der ostindischen Gesellschaft bis zum Indus und bis zu dem Gebiete Thihets. Gebrochen ist die Macht der Marattenfürsten; dagegen grenzt das brittische Reich in Ostindien(mit 83 Mill. Menschen, ohne 11 Mill. ö in den! Ostpers gehört. starb( welcher und di I. Au Projeß samkeit willigen trauter das Lb in der rona, chenlan riumf Nege nenden nieen i Großbi ten(sei der bril lch, w in Irle x kein B wöhnlt daltst ware, Selbst unsssatr. Zoeiter Zeitraum von 1789— 1823. 477 miist veh Wund, sin t U Rign Husth . IIl in den Bündesstaaten) an das Reich der Afghanen in Ostpersien und an China, inwiefern Thibet zu diesem gehört.— Zu früh für die Hoffnungen des Landes starb(6. Nov. 1817) die Prinzessin Charlott e, welcher der Großvater Georg 3(29. Jan. 1820), 0 und die Mutter, die Königin Karoline, plötzlich 14½½%(7. Aug. 1821) im Tode nachfolgten, nachdem der bhlE Prozeß der letzten vor dem Oberhause die Aufmerk⸗ Heruut En samkeit Europens rege gemacht hatte. Durch frei⸗ chung—0 willigen Tod endigte(12. Aug. 1822) Georgs 4 ver⸗ lhn, auf d trauter Rathgeber, der Marquis von Londonderry, di Io das Leben, dem in einem sehr wichtigen Zeitpuncte, de Man in der Nähe des Anfanges des Congresses von Ve⸗ af N rona, der über die Verhältnisse Spaniens und Grie⸗ di chenlands entscheiden sollte, Canning im Ministe⸗ If d Ensh rium folgte.— Für die völlige Abschaffung des und Julin Negerhandels, dessen Fortdauer, nach dem war⸗ stanisshu nenden Beispiele Domingo's, den brittischen Kolo— i de Fmen nieen in Westindien gefährlich werden könnte, schloß Runchin u Großbritannien mit mehrern europäischen Hauptmäch— und Beh ten(seit 1815) besondere Verträge; die Forderungen ubhohat ibe der brittischen Radicalen waren aber nicht so bedenk⸗ Krieg nit lich, wie die Ausbrüche des lang verhaltenen Grolles N.c. I in Irland. 8 Wichen denn tcin Kitle ö 132. ö 10 R. M 9. Die noördamerikanischen Freistaaten. „Danisch Rt,—— ů— 10 Die Geschichte der ältern und neuern Zeit kennt 10 l ö kein Beispiel, daß ein neubegründeter Staat so unge⸗ Rad wöhnlich schnell an Bevölkerung, innerer Kraft und Mine politischer Bedeutung gegen das Ausland gestiegen Icg wäre, als Nordamerika seit der Anerkennung seiner N Selbstständigkeit(1783) im Pariser Frieden; ein „Mun 478 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. Staatenbund, der bis zu 24 einzelnen Staaten, die Territorien ungerechnet, und von zwei Millionen Menschen bis über zehn Millionen Menschen, beson⸗ ders auch durch fortdauernde Einwanderung aus Europa, angewachsen ist. Der zeitgemäße Charak⸗ ter seiner Verfassung, und kraftvolle Präsidenten (Washington bis 1797, Adams, Jefferson, Madisson, Monroe) trugen gleichmäßig das Ihrige zu dieser schnell steigenden Größe und zu der würdevollen Stellung der nordamerikanischen Staaten während der 25jährigen Kriege in Europa bei, die ihrem neutralen Handel höchst vortheilhaft waren. In die neuerbaute Bundes stadt Washington ward der Congreß(22. Nov. 1800) verlegt, und von Frankreich(30. Apr. 1803) Louisiang erkauft, das in die Reihe der Provinzen eintrat. Als in dem europätschen Weltkampfe Frankreich und Großbritannien(seit 1806) durch die gesteigerten Decrete in Hinsicht des Seehandels sich überboten und allen Handel der Neutralen gefährdeten, sprach der Congreß(22. Dec. 1807) ein Embar go auf dieeigenen Schiffe aus, um weder den Han⸗ delsvorschriften andrer Michte zu gehorchen, noch auch durch Widerstand einen Krieg zu veranlassen, oder die eignen Schiffe aufbringen zu lassen. Doch ward(1. März 1809) dieses Embargo durch die Freigebung des Handels mit Spanien, Neapel und Holland gemildert. Als aber in den Unterhandlun⸗ gen deshalb Frankreich Nachgiebigkeit, England hin⸗ Kegen Stolz und Anmaßung zeigte, erklärte(17. Jun. 1812) Nordamerika an Großbhitan⸗ nien den Krieg, den es mit einem mißlungenen Angriffe auf Canada eröffnete. Allein nachdem der brittische General Roß(24. Aug. 1814) in Molh sein 13 Gusiz litat h Dän ö nordiss doch 2. A. uussiur, ‚ Hun Eun, uiRün Rasha, A Hmiß n Pist 3„Nssenn! Hechnißg u toße und n nichen Sun Hope bel, ühr wun hington pu ligt, und u na trtufs u * pse Frertti Re gsstthrh sch ünten Hrn, sr Embat 9⁰ 0 den Hal⸗ buch, uh vunnlasth asee, dü ge durhN W, Nune Uunthndi , H 4 al. Wsbrle uun Riligee I uhun 1 0f1 „Zoweiter Zeitraum von 1789— 1823. 479 Washington das Capitol, die Wohnung des Prä⸗ sidenten und die Schiffswerfte zerstört hatte, nöthigte ihn die aufgeregte Rache der Amerikaner zur Ein⸗ schiffung, und Großbritannien, gleichzeitig auf dem Wiener Congresse beschäftigt, beschleunigte den Ab— schluß des Friedens zu Gent(25. Dec. 18140 mit Nordamerika auf die Verhältnisse, wie vor dem: Kriege. Ein Handelsvertrag zwischen beiden Staa— ten folgte(3. Jul. 1815) diesem Frieden.— Nach⸗ der Dynastieveränderung in Frankreich siedelten sich mehr als 18,000 bemittelte Franzosen in Nordamerika an; unter ihnen Joseph Bonaparte. Von Spanien wurden Ost- und Westflorida(1819) durch Kauf erworben; und mit den nach Selbstständigkeit stre⸗ benden südamerikanischen Staaten bildete sich ein freundlicher Verkehr.—— 133. 10. Schweden. Bei dem gegen Frankreich(1792 beabsichtigten Kampfe würde der König Gu stav 3 von Schweden — nach seiner Aussöhnung und Verbindung mit Rußland(1790)— an die Spitze der Heere der Coalition sich gestellt haben, wenn er nicht durch Meuchelmord(15. März 1792) gefallen und(29. März) gestorben wäre. Nach seinem Tode behauptete sein Bruder, Karl von Südermanland, während Gustavs 4 Minderjährigkeit(bis 1796) die Neutra⸗ lität Schwedens. Gu stav 4, ob er gleich, wie Dänemark, der von Paul 1 gegründeten bewaffneten nordischen Neutralität(1800) beigetreten war, blieb doch bei dem brittischen Angriffe auf Kopenhagen E. Apr. 1801) unthätig, näherte sich(1802) Eng⸗ SSSS ESEEEFEEFEEEfTFff—— DDPFFIITIIIII.s........——.—3— —, 4*——————— .*———— IX*— X*———.— V* 74— 13—— ‚.9„*. f 2* x— ‚ 8 1.—*—— — — ——— II *. ESESES‚‚ 6 x 45 23.— —.—.—.— 480 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. land, verkaufte die Stadt Wis mar(1803) an Mecklenburg, und reisete nach Teutschland, wo er mehrere öffentliche Erklärungen gegen Mapol eon er⸗ ließ, die nicht ohne bittere Erwiederung blieben. Für Englands Subsidien besetzte er im Spätjahre 4805 Lauenburg, und zerfiel mit Preußen, als dieses, nach der Besitznahme Hannovers, seine Truppen daraus verdrängte. Doch ward ihm Lauenburg von neuem überlassen, als Preußen gegen Frankreich sich erklärte. Im Laufe dieses Krieges ging Pommern für ihn(1807) verloren, zu dessen Rettung er mit zu geringen Hülfsmitteln und zu spät erschien. Sein zweideutiges Betragen bei der brittischen Landung auf Seeland(Aug. 1807) bewirkte die Kriegserklärung Rußlands und Dänemarks gegen Schweden, so wie seine völkerrechtswidrige Behandlung des russi⸗ schen Gesandten zu Stockholm die Einve rleibung des, von den Russen eroberten, Finnlands(20. Marz 1808) ins russische Reich). Der Ver⸗ such Armfelds, Norwegen zu erobern(Apr. 1808), scheiterte an der umsichtigen Vertheidigung desselben durch den Prinzen Christian August von Schleswig⸗ Holstein. Der unglückliche Gang dieses Krieges, die Erschöpfung der Finanzen und die drückenden Launen des Königs gegen seine Umgebungen und das Heer/ bewirkten(13. Apr. 18099 seine Ent⸗ an*) und seine e 93— Wad ——— * Alexanders Manifest deshalb Mertens, Supplem. 4. 5. p. 7. *x*) Historisches Gemälde der letzten Regierungsjahre des gewesenen Königs Gustav(4) Adolphs. Aus dem „Schwed. 2 Thle. Hamb. 1810 ff. 8.—(Hege⸗ wisch,) Geschichte der schwedischen Revolution, * pPpüfpPP TTTTTPTTTTTTTTT‚IIFFT TTTIRECE‚‚‚‚R ———.—?:..———'— ñ—— a Wuaspse„ Vũ. Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 484 10 auf den Thron?). Sein Oheim Karl übernahm 24½ die Regentschaft, und, nach dem Willen des Reichs⸗ * A tages, welcher Gustav 4 und dessen Nachkommen— 2— schaft auf immer vom schwedischen Throne ausschloß, 6 die königliche Wurde, als Karl 13. Doch ward die Macht des Königs in der neuen Verfassung sant un(7. Jun.) wesentlich beschränkt. Die Reichsstände duntun erwählten(18. Jul. 1809) den Prinzen Christian 1 August von Holstein— der Norwegen gegen % Pomne Schweden vertheidigt hatte zum Kronprinzen. uung er m An Rußland kamen im Frieden zu Friedrichs-— shien. Ei hamm) 17. Sept. 1809) Finnland, Ostboth⸗ n Vdunz nien und Westbothnien bis Torned, so wie die Alands⸗ Kuitgsecklimn inseln an der finnländischen Küste. Mit Dänemark gen Schuddg, ward(10. Dec. 1809) der Friede zu Jönkö⸗ Wdlung de nsß ping*n) auf den vorigen Besitzstand abgeschlossen. inverleibin Frankreich aber gab(6. Jan. 1840) im Frieden ünlandt zu Paris 33) Pommern und Rügen an Schweden 9˙). Da d. zurück, wogegen Schweden dem Continentalsysteme i Kr. V gegen Großbritannien sich anschloß. ö Diaunz desch Der Kronprinz, auf welchem so große Hoffnun⸗ un Ecln gen des Nordens ruhten, starb plötzlich(28. Mai ss Kuige 1810), nicht ohne den Verdacht der Vergiftung. de W Da wählten(28. Aug. 1810) die Reichsstände den Fürsten von Ponte Corvo zum Kronprinzen, ö dessen Ernennung Napoleon nur ungern bestätigte, Ihunger ae InReh ) sin“ Ing( bis zur Ankunft des Prinzen von Ponte Corvo. Kiel, 1811. 8. liten A.*) Diese Verzichtleistungsurkunde Martens, Sapplem. T. 5. P. 170 HI.**) ibid. p. 19. vh 0 20 ibid. p. 225. V V) üibid. p. 232. haihn III. 31 riiiiieeeeefTTTTTTTATDTTCTCTATATTTT TTTTTTTT EE 482 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. und den der König, wie seinen Vorgänger,(nun: Karl Johann) adoptirte. Zwar ward, nach sei— ner Ankunft in Schweden, der Krieg gegen England (17. Nov. 1810) erklärt; bald aber söhnte sich Schwe⸗ den(18. Jul. 1812) zu Oerebro*) mit England aus, um, für den zugesicherten Erwerb von Norwe— gen, auf teutschem Boden gegen Napoleon zu erschei⸗ nen, was doch erst im Jahre 1813 erfolgte, weil Rapoleon im Jahre 1812 siegreich im Innern Ruß⸗ lands vordrang. Der Kronprinz kämpfte gegen Na— poleons Heere bei Großbeeren(23. Aug. 1813), bei Dennewitz(6. Sept.), und bei Leipzig(18. und 19. Oct.). Dann zog er nicht gegen Frankreich, sondern, verstarkt durch mehrere Truppentheile der Verbünde— ten, nach Holstein und Schleswig, die er überwäl⸗ tigte(Dec. 1813), worauf der König von Dänemark lich genöthigt sah, im Frieden zu Kiel(14. Jan. 1814)*4) auf Norwegen zu verzichten, und—— Schwedisch-Pommern anzunehmen. Allein die Normänner selbst waren der Vereini⸗ gung mit Schweden abgeneigt, und erwählten den muthmaßlichen Thronfolger Dänemarks, den Prin⸗ zen Christian Friedrich von Holstein⸗ Schleswig(29. Mai 181½0, zu ihrem Könige, um ein selbststandiges Reich, mit einer neuen Ver⸗ fa ssung, zu bilden. Bald aber sahen sich die Nor— männer von jeder Unterstützung der übrigen Mächte verlassen; der Prinz verließ(16. Aug.) das Reich, das(21. Oct. 1814) mit Schweden vereiniget, ihm aber(4. Nov. 1814) eine besondere zeitgemäße *) Martens, Suppl. T. 5. p. 431. *) ibid. p. 666. sss:: —.——..— S..i.i¼, H6u tetehe bl aum fol. Kun ein im g zusc dems — * 6 — eIr—— ů**—— X I V N rsina ü Zweiter Zeitraum von 1789— 4823. 483 n, Verfassung*) gegeben ward.— In der Leitung Wuut der innern und auswärtigen Verhältnisse brachte der e Tod Karls 13(5. Febr. 1818) und die Thronfolge shen Karls 14 Johann keine Veränderung hervor. it u bon In 134. len ju g 11. Dän emm ar k. erfolgte, d Imnem Ruß Dänemark behauptete unter der Verwaltung des gegen M. Kronprinzen Friedrich, bei der unheilbaren Ge— 1615), müthskränkheit seines Vaters, während der ersten Wind 0 Zeit des fränzösischen Revolutionskrieges das System ach suden einer weise berechneten Neutralität, welches dem V Vabimde Handel und dem inländischen Gewerbsfleiße der däni— iben schen Provinzen ersprießlich war. Nachdem aber Groß— n Dinenut britannien die neutrale dänische Flägge beleidigt hatte, 11H. M. schloß sich Dänemark, von Paul 1 veranlaßt,(16. Dec. 1800) der nordischen bewaffneten Neutralität, so wie Schweden und Preußen, an. Ihm allein galt darauf der Angriff der brittischen, von Parker und Nelson geführten, Flotte(2. Apr. 1801) auf die im 3„ aft 01 Veeiu⸗ wuhhhn der 5 17—n Hafen von Kopenhagen gelegene Flotte; doch behaup— Helseis⸗ tete, bei einem bedeutenden Verluste, Fisher an diesem ini blutigen Tage die Ehre des dänischen Namens, wor— ö 11 auf, nach Pauls Tode, die Aussöhnung mit England gte folgte. ö ů 1 Neutral blieb Dänemark bei den erneuerten * 30 Kriegen im Jahre 1805 und 1806; es zog sich aber Ai. ein dänisches Heer, zur Behauptung der Neutralität, *˙ im Spätjahre 1806 in den dänischen Herzogthümern WII te Rin zusammen, als der preußische Krieg die Richtung nach dem Norden nahm. So war Seeland von Truppen *) Europ. Constitt. Th. 2, S. 4609 ff. 51 48⁴ Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. entbloßt, das die Britten(Aug. 1807) plötzlich über⸗ fielen, und nach der theilweisen Zerstörung Kopen— hagens(Sept.), die dänische Flotte wegführten n). Mächtig beleidigt durch diese Unthat, verband sich Dänemark mit Frankreich, und erklärte an England und an Schweden, den Bundesgenossen Englands, (Nov. 1807) den Krieg. Der Tod Christians 7 (13. März 1808), dessen Krone auf Friedrich 6 vererbte, bewirkte feine Veränderung des politischen Systems. Der Prinz Christian August von Hol— stein⸗Schleswig vertheidigte Norwegen mit Erfolg gegen einen schwedischen Angriff, und Gustavs 4 Entthronung führte zur Versöhnung Dänemarks mit Schweden im Frieden zu Jonköping(10. Dec. 1809.). Nur mit England dauerte der Zustend des Krieges fort, und als Dänemarks Unterhandlungen in London über die Erhaltung Norwegens— das die Verbündeten dem Kronprinzen von Schweden als den Preis seines Beitritts gegen Napoleon zugesichert hatten— vergeblich waren, unterzeichnete Dänemark (10. Jul. 1813) ein neues Bündniß zu Dresden mit Napoleon, nach welchem es an Schweden und Ruß— land(1813) den Krieg erklärte. Allein die Besiegung Napoleons bei Leipzig wirkte bald auf Dänemark zu— rück. Der Kronprinz von Schweden führte ein an— sehnliches Heer in die dänischen Herzogthümer, und bewirkte, nach der Eroberung derselben, im Frie— den zu Kiel(14. Jan. 1814) die Abtretung Nor— wegens an Schweden, gegen die Ueberlassung von Schwedisch-Pommern an Dänemark. Gleich— zeitig mußte im Kieler Frieden mit England *)(Münter,) Seeland im Sommer 1807. German. 1303. 8. — 2 SSSf... PFFFFF— 2n E SDSSSee 2— 22 nisna Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 485 WM(14. Jan. 1814) Dänemark Helgolannd den Brit⸗ ian H ten überlassen, wogegen es die len eelere die Ane wefhrn nieen zurückerhielt.— Mit Rußland erfolgte die Aus⸗ aaub st sohnung im Frieden zu Hannover(8. Febr. 1814).D, n H so wie mit Preußen im Frieden zu Berlin(25. en Eulnd, Aug.)). 7 Chrsiun; Ein späterer Vertrag mit Preußen(4. Jun. Friedrith 1815), zu Wien abgeschlossen*), bewirkte den 65 politstn Eintausch Preußens von Sch w edisch-Pommern st vn H mit Rügen, wogegen es an Dänemark den ihm mit Ershh von Hannover abgetretenen Theil des Herzogthums Gustos! Lauenburg überließ, der darauf mit Holstein ver⸗ momarks ni bunden ward. 19(0 dr. 1 35. 10 12. Polen. rhandlurge 55 — M Die von dem edlern Theile der Polen seit 1788 re l beabsichtigte Umbildung und Verjüngung ihres innern iuüsher Staatslebens vermittelst einer neuen Verfassung, wel⸗ nn che am 3. Mai 1791 vom Könige und den Ständen duan Mt des Reiches angenommen ward, führte bald darauf, Mß bei der gegen diese Verfassung von dem Targowitzer ö +4 E 2 ö eftrere B Bunde bewirkten Reaction und bei dem Zurücktreten Dii. Preußens von dem mit Polen abgeschlossenen Bünd⸗ mena nisse, in der zweiten und dritten Theilung 8 5 1(H. 99.) zur völligen Auflösung Polens(1793 und.. hintt I 41795).— Allein, eilf Jahre später, als Napo— 4* 10 leon, nach den Siegen über die Preußen in Thürin⸗ ö aug N gen, die Oder überschritt, erging aus seinem Haupt⸗ 10 quartiere(Nov. 1806) der Aufruf an die Polen zur ö rt Ge End* Ma rten 5„ Suppl. I. 5. p. 601. ö ö**) ibid. T. 6. p. 66. 1 Hanl ihid. p. 349. 486 Geschichte des europäͤischen Staatensystems ꝛc. Insurrection, und bald reihte sich ein neugebildetes poltisches Heer an die Massen der Franzosen. Im Tilsiter Frieden(S. und 9. Jul. 1807) trat Sarauh ein neuer Staat unter dem Namen: Herzogthum Warschau in den Kreis der europäischen Staaten. Sein erblicher Regent ward der König von Sachsen, und seine neue Verfassung(22. Jul. 1807) zu Dres⸗ den unterzeichnet. Dieser Staat erhielt bereits im Wiener Frieden(14. Oct. 1809) einen so bedeutenden Zuwachs durch Westgalizien und Theile von Ostgali⸗ zien, daß seine WErrietten bis 3 gen 4 Millionen Menschen anstieg. Noch Größeres beabschaigt Rapolson mit dem⸗ selben, als er(22. Jun. 1812) den zweiten pol— nischen Krieg gegen Rußland eröffnete. Allein die Niederlagen der Franzosen in Rußland, Teutschland und Frankreich, so wie die Verhandlungen auf dem Wiener Congresse, entschieden das Schicksal dieses Staates dahin, daß das Herzogthum War⸗ schau, unter dem Namen: Königreich Polen (1815) mit Rußland verbunden ward, nachdem das Großherzogthum Posen mit Danzig und Thorn davon getrennt und an Preußen gekommen, so wie Cracau für eine freie Stadt, doch stehend unter Rußlands, Oestreichs und Preußens Schutze, er⸗ klärt worden war. Der Kaiser Alexander gab dem Königreiche Polen(27. Nov. 1815) eine besondere Ber fassung. W 130 Seit dem Jahre 1762 bante Katharina 2 an Rußlands Größe; sie führte mit Umsicht, W und ast Magthiht Misn. I etsogthin Hen Einm. don Sahin, Ru I heritz n obedluterdn voH OMx Mllonen ton mit dem⸗ Heiten poh Alein di „Tulschund Hen auf dmn Hichal dists hum Mat⸗ 2 holen d„ machden De , se Hehend ult Schube, e⸗ dder gid da eine besordet 7 U Ithad 0 „ Wirn —ñ2ꝛ.—— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 487 Glüuck das fort, was Peter 1 begonnen hatte; sie brachte Rußlands Politik in die vielfachsten Berührun⸗ gen mit dem gesammten europäischen Staatensysteme, und sprach oft das Wort der Entscheidung, während sie die Grenzen ihres Reiches durch große Erwerbun— gen auf Kosten der Pforte und Polens eben so erweiterte, wie sie für die Gesittung und Fortbildung ihres Riesenreiches im Innern durch zweckmäßige Verordnungen und Anstalten sorgte. Bei ihrem Tode (16. Nov. 1796) war der größte Theil von Polen in den drei Theilungen an Rußland gekommen; Kur⸗ land galt fast nur als Zugabe zu demselben; die Pforte hatte zu großen Länderabtretungen in den Verträgen von Kutschuk-Kainardgeé und von Jassy (17½74 und 1792 sich verstehen müssen, und mitten im Frieden(1783) war die Krimm als Königreich Taurien erworben worden. Gegen Frankreichs Staatsumwälzung erließ sie drohende Manifeste; ihre Heere aber waren auf andern Puncten beschäftigt. Nach andern Ansichten und Grundsatzen handelte ihr Sohn Paul 1. Seine Eigenheiten und Launen beleidigten im Innern die Großen des Reiches; seine aus wärtige Politik, und sein Antheil an dem Kampfe gegen Frankreich(1799 f.) fuhrte wenigstens zu keinen Vortheilen für Rußland. Die befremdende Verbindung mit der Pforte bewirkte die gemeinschaft⸗ liche Begründung der Republik der jonischen Inseln(1800) von den beiden unumschränktesten Regenten Europa's. Sie ward unter den Schutz der Pforte gestellt. Ein größerer Plan, berechnet auf die Beschränkung der Seeherrschaft der Britten, herrschte vor in der von ihm gestifteten bewäffne— ten nordischen Neutralität(1800), zu deren Beitritte er die Nachbarstaaten vermochte, während SDSDSRSCSCSCFCSCTCTCTCTTTTTRTR * dure mit: lübe land taro und die jönischen Inseln) an Rußland brachte. Der gleichzeitige Krieg Rußlands mit der Pforte ö 97 3 — DPDIDDIEEEIEEEEEEEEttEEEE‚xEEEEEEEEEEIEIEEFEEFFEFfFFT.T D*DDIIEE; — sint Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 489 Munihrh Hansh (5. Jan: 1807) ruhte, nach dem von Frankreich zu Slobosia(24. Aug. 1807) vermittelten Waffenstill⸗ 64 stande, einige Zeit, ward aber(1809) erneuert, weil die Pforte die Ueberlassung der Moldau, der Wala⸗ Ry chei und Bessarabiens an Rußland verweigerte. Doch M als, nach abwechselnden Erfolgen im Gange dieses Eün Krieges, Kutusow(7. Sept. 1811) das türkische Lager dund ni bei Ruschtschuk erstürmt hattre, gewann Rußland(28. Her güfsh Mai 1812) im Frieden zu Bucharest*) den sit Mssey Pruth als Grenze, und dadurch den östlichen Theil due Finan. der Moldau mit Bessarabien.— Mit noch größern wättizes Erwerbungen trat Rußland aus dem(1808) gegen dischen My Schweden eröffneten Kriege, der ihm(§. 133.) Nland antte im Frieden von Friedrichshamm(17. Sept. rlith u 1809) Finnland, Ostbothnien, Westboth— Hen Vehüt! nien bis Torned und die Alandsinseln verschaffte. slihe King— Als Frankreichs Bundesgenosse im Kampfe gegen Oestreich 41809) kam im Wiener Frieden der Tar⸗ behn nopoler Kreis in Ostgalizien an Rußland; doch Himrihang gab es diesen(1845)Nan Oestreich zurück. Bedrohender für Rußland, als je ein vorher— Mhnd gegangener Krieg, war der Riesenkampf dos Jahres l. Die 1812 mit Frankreich und dessen Verbündeten. Die Nwelm, Schlacht an der Moskwa(7. Sept.) entschied für 2• Napoleon; allein der Brand der alten Hauptstadt der Czare Rußlands und der dadurch bewirkte Rückzug zwischen de — wilte vudt vod Lalot der Franzosen entfernte alle Gefahr von Rußland E selbst, und führte, nach dem Vordringen der Russen ualen ö durch Warschau und Ostpreußen, zur Verbindung 47˙7 mit Preußen, und später mit Oestreich(1813). Bei 205 Lützen, Bauzen, Dresden und Leipzig fochten Ruß— 960 lands Heere mit den Verbündeten; bald darauf betra— Iu uuhin*) Martens, Suppl. T. 7. p. 397. Ritdupen SSDSISISIIITTIITTTIITIITIIIIItt!tTFTfTT!.!TFATATATAT T—UIiDeDD‚D‚‚‚I‚‚RTRIRIt‚‚II 400 Gaschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ten sie auch(1814) zum erstenmale, und das Jahr (1815) zum zweitenmale den Boden Frankreichs. Die innige Verbindung Rußlands mit der in Frank⸗ reich hergestellten Dynastie der Bourbone war dem— selben eben so vortheilhaft, als die Erwerbung des Königreiches Polen auf dem Wiener Congresse, und als der, mit den übrigen vier Hauptmächten Euro⸗ pens gemeinschaftlich übernommene, Antheil an der Entscheidung aller wichtigen Angelegenheiten in den innern und äußern Verhältnissen der europäischen Staaten auf den Congressen zu Aachen, Troppau⸗ aybach und Verona. 19211 47 Dioch nicht blos im Westen vergrößerte sich das kolossale Rußland; auch von Persien erwarb es, nach einem glücklich geführten Kriege, im Frieden, der im russischen Lager am Flusse Seiwa in Gulistan (12. Oct. 1813) unterzeichnet ward, die Chanate Karabog, Ganschin, Schekin, Schirwan, Derbent, Kubin, Bakir und Tatischin, das ganze Daghestan, mit den Provinzen Imiretien, Gurien, Mingrelien und Abchasien, nebst allen Ländern zwischen diesen neuen Grenzen und der russisch-caucasischen Linie, so wie bedeutende Handelsvortheile, und das Recht, Kriegsschiffe auf dem kaspischen Meere halten zu dür⸗ fen. Dabei übernahm Rußland die Verpflichtung, denjenigen von den Söhnen des Schachs von Persien zu unterstützen, welchen dieser zum Nachfolger ernen⸗ nen würde.—. II NMicht ohne Wahrscheinlichkeit wird die gegen⸗ wärtige Gesammtbevölkerung des russischen Reiches gegen 54 Millionen Menschen berechnet; desto größer war, bei dieser Macht, die Mäßigung des Kaisers in seinem Betragen gegen die Pforte seit dem Jahre 1821. 0 ö ů ö 2— —— PFFIFFIFTFTFTTFTITITITTFIFITFTFTFTFII— Risial: OK.— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 491 dce) 0 re ů Puhtt N 1— duhan ö 14. Die Tükes. Wöhrend die ehristlichen Staaten Curopens in wualmi den drei letzten Jahrhunderten fest und kräftig in der n Inn Gesittung und in der Fortbildung der Formen des Bäthtnen innern Staatslebens fortschritten, blieben die Os⸗ lahhi aun manen, die durch kriegerische Jugendstärke das ost⸗ lien n römische Reich(1453) überwältigt hatten, bei den aus aurmpishn Asien mitgebrachten Formen der mahomedanischen Re⸗ „Tuppu⸗ ligion und der auf Despotismus und Janitscharenwillen gegründeten Staatsregierung stehen. Deshalb kann nt sih du dieses Reich auch nur im uneigentlichen Sinne zu dem .award h europäischen Staatensysteme gerechnet werden, so wie frieden es von dem Beitritte zum heiligen Bunde(1815) rin Hlin ö ausgeschlossen werden mußte. Allein was diesem die Chuntt Reiche an innerer Kraft zu seiner Erhaltung m, Derhah abgeht, ward ihm zum Theile durch die Politik des Dughesu, Auslandes ersetzt; denn man erkennt, der Sturz des Msarlle halben Mondes zu Hmii würde auf Europa fol— hichn den genreicher zurückwirken, als auf die nach Asien zurück— 10 c gewiesenen Osmanen. 36 Noh; Daß aber die Macht dieses Reiches im Sinken n zu du war, bewiesen die Verluste, die es an Ländern in pfihu den Kriegen mit Rußland(1768— 1774, 1787— o Pers 1792, und 1807— 181²) erlitt; in den kühnen hsgaen Empörungen übermüthiger Statthalter, die weniger mit Gewält, als durch Ueberlistung— und immer N nur schwer und spät— bezwungen wurden, und in P6 der nur noch dem Namen bestehenden Abhängigkeit sn 0 der entfernten Provinzen Asiens, Aegyptens und der 0t drei afrikanischen Raubstaaten vom Sultane der Os⸗ 0 manen. Zwär wollte Selim 3(1789— 1807) t N durch die Aufnahme europäischer Kultur und Sitten, WS.——————— I‚‚‚‚‚“‚‚‚“....—‚....————— E. 492 Geschichte des europäischen Stagtensystems ꝛc. besonders durch eine neue Gestaltung der kriegerischen Macht, seinem Reiche eine neue Haltung geben; allein das von dem Mufti und den Janitscharen gegen ihn durchgeführte System der Reaction stürzte ihn(29. Mai 1807) vom Throne. Nicht ohne richtige Wür— digung seiner Stellung gegen das übrige Europa be⸗ hauptete er, beim Ausbruche des französischen Revo⸗ lutionskrieges, das System der Neutralität, bis ihn die Wegnahme Aegyptens durch die Franzosen, unter brittischem und russischem Einflusse, zur Kriegser— klärung gegen Frankreich vermochte. Zeit(bis 1807) standen die von einer türkisch⸗russi⸗ schen Flotte(1798) eroberten jonischen Inseln als Freistaat, gegen ein aller drei Jahre zu ent— richtendes Schutzgeld von 75,000 Piastern, unter seiner Hoheit, und selbst die Verdrängung der Fran— zosen aus Aegypten war mehr ein Werk der Britten, als der kriegerischen Talente des nach Syrien und Aegypten gesandten Großvezirs. So wie schon früher Preußen es seiner Politik gemäß fand, während des von Rußland und Oestreich gegen die Pforte(1787) eröffneten Krieges, der letztern(1790) die Integrität ihrer Länder zu garantiren, woran sich aber Katha— rina 2 bei der Abschließung des Friedens zu Jassy (1792) keinesweges band; so ward auch zwischen Frankreich und England zu Amiens(27. März 1802) diese Integrität festgesetzt, und im Frieden Frank⸗ reichs mit der Pforte(25. Jun. 1802) förmlich ausgesprochen. Nach einigen Jahren der Ruhe schwänkte die Pforte, bearbeitet von Frankreich und Rußländ(1806) zu gleicher Zeit, auf welche Seite sie treten sollte. Sie erklärte darauf(5. Jan. 1807) den Krieg gegen Rußland, der im Waffenstillstande von Slobosia(24. Aug. 1807) nur auf kurze Zeit Nur auf kurze PPIEEPPP‚‚‚‚‚Exꝑ‚‚E‚EEEEEEEEETEEEEDEFEFfFFFTt.T..... Mßssient; huen Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 493 ames unterbrochen, dann aber(1809) erneuert ward, als 10 1 die Pforte die Abtretung der Moldau, Walachei und imin Bessarabiens an Rußland verweigerte. Den Frie⸗ 01n Uo den zu Bucharest(28. Mai 1812) erkaufte die Cunt Pforte mit der Ueberlassung der Hälfte der Moldau + und Bessarabiens an Rußland, wozu noch in einem ssshn besondern Vertrage(2. Sept. 1817) eine Erweiterung lit, eiß der russischen Grenze kam. Die gegen die Pforte(seit 00, u 1806) empörten Servier wurden von den Russen auf⸗ Krigen gegeben, und durch Waffengewalt(1813) in ihre in auffune vorige Abhängigkeit von der Pforte zurückgebracht. Hrisch⸗rusi Während des Krieges mit Rußland ward Se— en Juseh lim 3(29. Mai 1807) entthront, und im Serail h nr gefangen gehalten; ihm folgte Mu sta pha 4, der Riun, unn Sohn seines Bruders. Allein diesen stürzte der kühne ing dir Frur Pascha von Ruschtschuk, Mu stapha Bairactar, fde Bun, welcher Selim den Dritten herstellen wollte, und, nach Syrien und dessen Ermordung durch Mustapha 4, des letztern shun fiht jungern Bruder, Mahmud 2, Jul. 1808), auf vohtend de den Thron erhob. Mit fester Hand fuhrte der Groß— Hrt El./ vezir Mustapha Bairactar die Regierung. Als aber W die Auflösung der Janitscharen in seinem Plane lag, aher Kuchn empörten diese sich gegen ihn, und er endigte, nach —0 NIM einem hartnäckigen Kampfe(14.— 16. Nov. 1808) au wushe mit denselben, sein Leben. Während dieser Gährung N ließ Mahmud seinen ältern Bruder und Vorgänger Den drath Mustapha tödten, weil man an dessen Wiederherstel⸗ HDn lung auf dem Throne gedacht hatte. . N Wenn diese Thronrevolutionen zu Konstantinopel buhn auf das europäische Staatensystem keinen wesentlichen 10 Einfluß behaupteten; so wirkte desto mächtiger der 160⁵n plötliche Aufstand der Griechen“) März 4821) lh Biez*) M. C. D. Raffenel, Geschichte der Ereignisse in II. WWFII‚.‚ete‚DEEete———————.—— 494 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. theils in der Moldau, theils in Moreg gegen die —— auf ganz. Carra besonders aber auf die Gewormen hacten di ie! Griechen seit ungefähr dreißig Jahren an Wohl stand durch ihren erweiterten Han⸗ del, und an Cultur durch ihre Verbindung mit dem gebildeten europäischen Reichen, durch die Reisen und Studien junger Griechen, und durch die aufblühenden griechischen Bildungsanstalten zu Aivali(in Klein⸗ asien)/ zu Smyr na, Janina, Athen und in einigen Städten in Morea. Für diese Anstalten wirk⸗ ten, während des Wiener Congresses(1844), selbst der russische Minister Graf Ca po d Istrias und der Erzbischoff Ignatius, von welchen die Hetä⸗ ria gestiftet ward, die aber bald eine politische Richtung nahm. Denn nach dem Tode des Fürsten der Walachei, des Alexander Suzzo(10. Jan. 1821), brachen Unruhen und Gährung in diesem Lande aus. Bevor noch der neuernannte Hospodar Kallimachi daselbst erschien, rief der Fürst Alexrander Ypsilanti, vormals Generalmajor in russischen Diensten,(7. März 1821) in Jassy, der Hauptstadt der Moldau, gleich⸗ zeitig mit dem Vordringen der Oestreicher gegen Nea— pel und mit dem Aufstande in Piemont, die Griechen zum Kampfe für ihre Unabhängigkeit auf. Er, und Theodoro(Wladimiresko) beabsich⸗ tigten das Vordringen gegen Konstäntinopel, wo eine längst im Fanal vorbereitete geheime Verschwörung gleichzeitig ausbrechen sollte. Allein diese ward dem Griechenland, seit dem Ausbruche der ersten Unruhen bis zur Mitte dieses Jahres(1822). Aus dem Franz. von v. Halem. Lpz. 1822. 8. ö ** . lhhosint„ Ruu Zweiter Zeitraum von 1789·— 1823. 495 Hrirg III Divan entdeckt, und von der Pforte mit der größten Härte geahndet. Besonders traf ihr Haß und ihre 4—1 Rache den Patriarchen Gregorius(22. Apr.), mehrere Wsc diß andere Erzbischöffe und Bischöffe, und die griechischen 2 7 Fürstenfamilien in der Hauptstadt. Der Aufstand in mun der Moldau ward, nach mehrern hartnäckigen Gefech⸗ die Aisau ten und nach dem Abfalle und der Hinrichtung Theo⸗ ausühn doro's, gedämpft, und der aufs ͤͤstreichische Gebiet alis Ha geflüchtete Vpfilanti auf die Festung Munkatsch hen und gebracht; denn gegen diese Empörung hatten die ostalten witk zu Laybach versammelten Congreßmächte, besonders GI, schhr aber der Kaiser Alexander, nachdrucksvoll sich ausge⸗ Vrias W sprochen. ö ö ö un die Hheti Ernsthafter und langwieriger, als in der Mol⸗ politishe dau, war der Kampf der Griechen um ihre Unabhän⸗ gigkeit in Morea und auf den griechischen In⸗ de Dalhä, sehn; besonders behaupteten die Griechen im See⸗ 1),Pbahn kampfe eine bedeutende Ueberlegenheit über die tür⸗ aus, Bat kischen Flotten, wenn gleich die Türken die Stadt ach daht Aivali(15. Jun. 1821) vernichteten, und die In⸗ Miilont, sel Chios mit grenzenloser Wuth zerstörten. Die , I-Mih Versuche der Türken, Morea von neuem zu unter— Ihnl, gech werfen, wurden durch kuhne Gegenwehr zursickgewie⸗ n M. sen; doch war der Krieg auf dieser Halbinsel kein Ve Hreche regelmäßiger Kampf, wie in dem übrigen Europa; auch fehlte die Einheit in den politischen und kriegerischen Maasregeln der Griechen, wenn gleich zu Epidauros(1. Jan. 1822) eine provisorische gigktit u tto) hüsch node N Iahi S taat sverfässuns Griechenlands unter⸗ e vd En“) Sie steht in Lüders diplom. Archiv, Th. 3. S. 296 ff., und, nebst mehrern andern aus dem Neu⸗ he griechischen übersetzten Actenstücken in; Jos. Casp. t ess 6 0 v. Orelli, Sammlung der Verfassungsurkunden 2). A des befreiten Griechenlands. Zürich, 1822.78. 2. 0 496 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. zeichnet, und zu Korinth durch den Präsidenten der Regierung, den Fürsten Maurocordato, bekannt ge⸗ macht ward.— Durch die Unterhandlungen Oest⸗ reichs und Großbritanniens zu Konstantinopel konnte zwar nicht die zwischen Rußland und der Pforte ein⸗ getretene Spannung völlig beseitigt, doch aber der Ausbruch des Krieges verhindert werden, und auf dem Congresse zu Verona wurden die Abgeordneten der Griechen nicht zugelassen. Der gleichzeitig von Persien gegen die Pforte eröffnete Krieg schien An⸗ fangs die asiatischen Provinzen der Pforte mächtig zu bedrohen; allein auch diesem Kampfe mangelte in der Fortsetzung von beiden Theilen die eigentliche Schwer— kraft der Entscheidung. Er ward,(15. Jul. 1823) durch den Frieden zu Erzerum, auf die vorigen Verhaltnisse beendigt.— Doch liegt die Entwicke— lung der politischen Räthsel im Osten Europens im Dunkel der Zukunft. 138. Sich kusß. Eine unermeßliche Fülle geistiger Kraft und politischen Lebens entfaltete sich seit drei hundert Jah— ren in Europa; das tritt als unläugbares Ergebniß aus der Geschichte des europäischen Staatensystems während der beiden Zeiträume der neuen und neuesten Geschichte seit der Entdeckung des vierten Erdtheils hervor. Unter mächtigen Erschütterungen brauseten seit 1517 die Religionsstürme, unter noch fol⸗ genreichern und tiefer greifenden Erschütterungen seit 1789 die politischen Stür me durch die gesit— tetsten und kraftvollsten europäischen Staaten und Reiche, die letztern Stürme auch durch die vormali⸗ ——————— SFSSPSPIPIIITTFTEI.H....————.—————— unrifm. dn drsdemn odatu, dekrn Irhenn! austantu und det Pn i1, doc d werden, mr die Lyann Ir gleichmign & Kricg schin! Morte machti ININ Dewangelte in tigentlche dhn d,(15. Vl. V u, auf die un lgt dit Eert Osen Eurgen II à seit dret Rure Ausbarts“ Wlauseart ien Statt auchen +* ⁴ * I‚eeet.————.————————— Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 497 gen europäischen Kolonieen in Amerika. Wie vor dreihundert Jahren zwei entgegengesetzte kirchliche Systeme mit heftigster Erbitterung einen gegenseitig ich angedrohten Vernichtungskampf bestanden, bis die jüngere Zeit seit dem westphälischen Frieden über ihr friedliches Nebeneinanderbestehen entschied; so kämpfen in unsern Tagen zwei entgegengesetzte poli⸗ tische Systeme den Riesenkampf der Meinung und des Schwertes, bis endlich auch diese beiden Systeme — aber wann?— im europäischen und amerikani⸗ schen Staatensysteme friedlich neben einander bestehen werden! Denn, wenn gleich nach einem unveränder⸗ lichen Maturgesetze untergehen muß, was veraltet ist und seine Zeit, wie seine Formen, überlebt hat; so muß doch auch das ins Leben getretene Neue erst von allen unreinen, unreifen und gehaltlosen Theilen ent⸗ bunden werden, bevor es mit Selbstständigkeit, Kraft und Würde neben dem bestehen kann, was aus dem alten Systeme als gediegen und bewährt auf künftige Zeiten übergeht. Die schroffsten Gegensätze führen, — so verkündigt es der unverdächtigste Zeuge, die Geschichte der Menschheit seit 6000 Jahren,— Zuletzt zur Wahrheit, die für endliche Wesen in der Mitte zwischen den Extremen liegt. Nur die Ultra's bei⸗ der Theile tragen die Schuld, daß die Erreichung dieser Mitte, nach dem Zeugnisse der Geschichte, ge— wöhnlich erst einem spätern Geschlechte zufällt, das auf den Gräbern einer untergegangenen Zeit die Früchte einer blutgedüngten Aussaat erntet! Hart und stürmisch war der Zeitabschnitt der politischen Wiedergeburt des alternden Europa; nicht blos Millionen Individuen gingen in diesem Sturme unter; es stürzten ganze Reiche zusammen, und mit dem Untergange des tausendjährigen teutschen Rei— III. 32 498 Geschichte des europäischen Staatensystems ꝛc. ches ward auch das langsam ausgebildete und unter großen Anstrengungen erhaltene System des politischen Gleichgewichts vernichtet. Ein Mann, mit unge⸗ wöhnlicher Kraft ausgestattet, zertrümmerte in einem Zeitabschnitte von funfzehn Jahren mehr politische Formen im jüngern Europa, als seit der Völker— wanderung bis auf seine Zeit zusammengestürzt wa— ren; allein sein Fall hat warnend in die Diploma— tie des gegenwärtigen Europa die großen Lehren ein⸗ getragen: daß nur Mäßigung großer Kraft zum Ziele führt; daß die gesitteten Völker blos bis zu einem gewissen Puncte den Druck der Uebermacht ertragen; daß eine Universalmonarchie im europäischen Staa⸗ tensysteme auf die Dauer nicht bestehen kann; und daß die zeitgemäße und allmählige Fortbildung des Geistes der Völker und der gesammten Formen des innern und äußern Staatslebens das einzig wirksame Gegenmittel gegen alle Revolutionen, so wie die un— erschütterlichste Grundlage des neuversuchten Systems des politischen Gleichgewichts bleibt!— Höher aber noch, als diese politische Lehre, steht das ewige Gesetz der sittlichen Welt, daß das äußere Leben jedes Staates und Reiches, so wie dessen Ankündigung in der Mitte und Wechselwirkung mit andern Staaten und Reichen, an die Entwickelung, Fülle und Kraft seines innern Lebens geknüpft ist, und daß kein Volk, und kein Staat im Sturme der Zeiten ganz untergeht, dessen innere Lebenskraft zweckmäßig ge⸗ leitet, erhalten und erhöht wird. Aus diesem großen Gesichtspuncte gefaßt, darf daher die Geschichte des europäischen Staatensystems nie blos das äußere Leben der Staaten und Reiche verzeichnen; sie muß vielmehr mit der nothwendigen Wirkung, den Grund dieser Wirkung, die Gestaltung, Kraft und **. Ant sont zwe den erste Rat der des gur Sta all die! Thr kant änd Nat dem Ges net —. Inpiimt: ů Not Zweiter Zeitraum von 1789— 1823. 499 Hereu e„ min Ankündigung des innern Lebens verbinden. Denn un sonst würde es unerklärbar seyn, wie Staaten des zweiten und dritten politischen Ranges länger bestan— ment in eng aftiaer st undi HA den und kräftiger sich ankündigten, als Staaten des 1. hl. ersten, und wie mehrere Mächte des ersten politischen 4U Ranges(3. B. Spanien, die Türkei u. a.) im Abläufe ngeluf der drei letzten Jahrhunderte zu einer tiefen Stufe 0 Duan des politischen Ränges herabsinken konnten. Aen u Allein am höchsten steht, als Grundbedin— un. gung des aufgestellten sittlichen Gesetzes für alle die zu einem Staaten und Reiche, der Glaube aneine ewige, Wteuun alles zum Ziele führende Weltordnung, lichen Siu die durch keine irdische Diplomatie auf und neben den fum; ud Thronen in ihrer großen Bahn aufgehalten werden tbildurg is kann; in ihrer Bahn nach dem Grundsatze der unver⸗ virmn u änderlichsten Stabilitäͤt, deren Begründung und miz virkunt Nachbildung in dem innern und äußern Staatsleben nit de m dem Zwecke des Unendlichen mit dem menschlichen HenEpsins Geschlechte auf Erden entspricht. Denn nur in sei— Hihercbe nem Lichte sehen wir das Liht! i Hs en ss Huudigung it vern Cthall eud Hin nd dj iin Ziten gon wedniii v· ö desen gu Hesciat u kuth Leiptig, gedruckt mit Höhmschen Schriften. 6% H 2—teeeeecFeeF SSSeetTt!xxTxTT·T·TTTDTDTDCTDTDTDT.....FF...I..I.‚...—— Berichtigungen. Im ersten Theile der Staatswissenschaften: 56. 10 v. o. l. philosophiren 92 3. 12 v. u. l. Natur, Geschichte; st. Naturgeschichte. 240 3. 7 v. o. l. ver bessern st. verlassen 311 8. 9 v. u. l. vollendeten Verletzung. Im zweiten Theile: 105 8. 7 v. u. l. des Volkslebens, st. des Volkes Im dritten Theile: 13 3. 16 v. u. l. Cvon 1648— 1740) 70 3. 4 9. u. l. des Schneiderkönigs 64 3. 4 v. d. l. 9 rtleder 152 3 .12 v. o. l. hatteen S. 100 werde nachgetragen: Fr. Chstph. Schlosser, Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts in ge⸗ drängter Uebersicht. 2 Theile. Heidelb. 1825. g. 311 Z. 8 v. u. l. Mo le ville L enſcheſten: „Natorgeſcich ſen t4 z. Eoleſſtt rbunderts in e⸗ hadeh. 165 6 ——————— — ——y Magenta Biack Chart , ⸗ 5 S O —Ꝙ — 6 05 23 0