TTT EElikanp-)g gn Verſum einer geologiſHen Begründung des Aer- und Forſtweſens*). Vom Heren Profeſſor und Hofrath Hausmann zu Göttingen. CAus dem Lateiniſchen überſetzt vom Prof, Körte.) „Nicht jeder Boden vermag Jegliches zu tragen,!" ſagt Virgil**), eine Wahrheit, die ſich bei dem ' X) Dieſe Abhandlung wurde am 28ſten Mai 1818 in der Königl. Geſellſchaft der Wiſſenſchaften zu Göttingen von dem Herrn Verfäſſer=- einem der größten Mi- neralogen Deutſchlands-=- vorgeleſen, und uns vor nicht langer Zeit. von demſelben mitgetheilt, mit der Erlaubniß, ſolche für die Annalen zu überſeßen. Es verdient dieſe Abhandlung um ſo mehr einen Plaß I den Annalen der Landwirthſchaft, da es die erſie Arbeit dieſer Art iſt, welche, wenn die darin aufge- regten Jdeen und Anſichten von wiſſenſchaftlichen Landwirthen und den Geologen aufgefaßt werden, für die Landwirthſchaftswiſſenſchaft ſehr erſprießlich werden kann. d. R. XX) Landbau. I1. 150. --= 418=-- erſten Blicke in dem Acker- und Walbau überhaupt p| beſtatigt. Wenn es nun, wie der Dichter erinnert,"x unſere erſte Sorge ſeyn muß, zu erforſchen, welcher 40E das p 13 20 Boden einer Pflanzenart zuſagt und welcher nicht*),| rigen en ſo müſſen wir vor allen Dingen die phyſiſchen Be- moſp) ES va dingungen aufſuchen, die auf die Vegetation vom des 6 UN höchſten Einfluſſe ſind. gem€ GEIBSDUE Unſere Culturpflanzen ſind ohne Ausnahme un- rer die WILEN ſerem Ackerboden gleichſam gehörig worden. Mit den ſ = den Wurzeln, durch welche fie ihre Hauptnahrung ſprung aufnehmen, dringen ſie in die Erde, die ihnen theils| hung| 16 a zur feſten Baſis dienk, theils auch es ihnen mög- Pflanze = lich macht, ihre Nahrungsmittel ſowohl zu bereiten durch€ Y 3 als aufzubewahren.=- Mit dem den Wurzeln ent- den fin 207 gegengeſeßten Theile erheben ſie ſich in die Atmo- dD ſphäre, welche nicht nur zum Pflanzenleben ſelbſt nothwendig iſt, ſondern auch den Vegetabilien des n Lichts erwärmende und belebende Strahlen gewährt.„Ds (48: Hieraus erhellt, wie wichtig die verſchiedene Beſchaf- fert R H SIE fenheit des Bodens und der Atmoſphäre für das 2 Gedeihen unſerer Culturpflanzen ſeyn muß. Hodens Der Fruchtboden der Erde bildet die äußerſte vorzugl u ie Schicht der ſtarren Maſſe, aber er umgürtet ſie nicht fimmt, EE ununterbrochen, ſondern wird theils durch Waſſer, Geſtein 02 theils durch ewigen Schnee und ewiges Cis, theils der Er ; 5 durch die Abgründe der Gebirge unterbrochen. Wo=-- Ki 22087*) Nei, EIE x) Virgil Landbau. 1. 53. Af vag hq, haf das ſerſſe e wat Paſſt + hus ew IV ZE KE GE ZM -- 419- Ackerboden iſt, da bildet er das trennende Glied FEIN„hen dem Luftmeere und dem Geſtein, und iſt das poröſe Mittel, vermöge deſſen ſowohl die wäß» rigen als die elaſtiſchen(ätheriſchen) Theile der Ak- moſphäre bald mehr bald weniger auf die Oberfläche des Geſteins zu wirken vermögen. Sehr ſelten lie- gen Schichten von Fruchterde unter Schichten ande- rer dichter Stoffez3 wo ſie aber alſo gefunden wer- den, ſind die bedeckenden Schichten vulkaniſchen Ur» ſprungs. Vorzüglich merkwürdig iſt in dieſer Bezie- hung die Inſel Bourbon, auf welcher große von Pflanzen, ja ſelbſt von Wäldern bedeckte Strecken durch Schlackenſtröme verwüſtet und verſchüttet wor- den ſind*). Der Fruchtboden hängt, ſowohl hinſichtlich ſei- ner Lage als auch in Rückſicht ſeiner Beſtandtheile, von der Beſchaffenheit der Geſteinarten ab, welche die Rinde der feſten Maſſe der Erde bilden. Die Oberfläche der Geſteine bildet die Baſis des Frucht» bodens, und durch die äußere Form der erſtern wird vorzüglich die Form und Schichtung des leßtern be- ſtimmt. Der Fruchtboden iſt, im Vergleich mit der Geſteinark, aus welcher die Rinde der dichten Maſſe der Erde beſteht, ſtets ſecundairer Formation, denn x) Reiſe in die vier vorzüglichſten Inſeln der Meere von Afrika. Von Hrn. Bory de St. Vincent. Th. 11. pag. 274. 288. 394. ATZE == 420.-- die primitiven Beſtandtheile deſſelben ſind meiſt nur aus den, durch Verwitterung veränderten Theilen des Geſteins entſtanden. Auch übt die äußere Form der dichten Erdmaſſe einen mächtigen Einfluß auf die Thätigkeit der Atmoſphäre, und ſie bedingt in gewiſſer Rückſicht nicht ſelten die Verſchiedenheit der klimatiſchen Verhältniſſe.=- Aus allen dieſem geht hervor, wie die feſte Grundlage des Fruchtbodens auf verſchiedene Weiſe den mächtigſten Einfluß auf unſere Culturpflanzen habe, woraus dann folgt, daß geologiſche Kenntniſſe nothwendig ſind zum gründli- WEN IIE.G TET SE SIEG: : 4 EE Sä; SEE neien vs 2000 Ge== -uütril ebe; <= DETERIRIEE WE IEEE Site 1EAFERERERER> ae TAN MEI TENE -„äu I. Hei genden, deren Unfruchtbarkeit aber vorzüglich dem vulkaniſchen Urſprunge zuzuſchreiben iſt. Jsland z. B. giebt in dieſer Beziehung merkwürdige Beiſpiele. In manchen Theilen von Schweden; 8. B. Weſitgoth» land, vorzüglich in Bahuſian, habe ich viele hüge- lige Gegenden gefunden, in welchen man bedeutend ausgedehnte Gneis- und Granitfelſen ſieht, ohne alle Vegetation, Lichenen ausgenommen. In denſelben Provinzen habe ich Wieſen und Saatfelder gefun» den, die an verſchiedenen Stellen durch Felſen un- kerbrochen wurden, welche kaum über die Ackferober- fläche hervorragten, wodurch ihr Werth bedeutend verringerkf, die Bearbeitung hingegen bedeutend er» ſchwert wurde. 6.152, Da das nackte Geſtein der Vegetation ſo nach» theilig iſt; ſo muß auch die Entfernung, in welcher "die Felſen unter dem Acerboden ſtreichen, von der größeſten Wichtigkeit ſeyn. In den Ebenen des nördlichen Deutſchlands z. B. iſt die Tiefe, in wel- “ 438=- Beſtandtheile nicht entbehren, indem dieſe, theils zu der Befeſtigung der Wurzeln, theils zur Aufnahme und Aufbewahrung, ja ſelbſt zur Bearbeitung der Pflanzennahrungsmittel nothwendig ſind. Nach ge- nauen Beobachtungen können gewiſſe anorganiſche- Stoffe auf die Zerſeßung thieriſcher und vegetabili- ſcher Subſtanzen einwirken. Dieſe Wirkung iſt aber, nach der Maſſe und nach der verſchiedenen = = -=-" 447== 20:2.210; In die zweite Klaſſe gehört der dichte Kalk- ſtein, welcher zu der auf der Oberfläche der Erde am meiſten verbreiteten Geſteinark zu zählen iſt. Seine Beſtandtheile werden weder vom Waſſer, noch von der atkmoſpäriſchen Luft angegriffen, aber da ſei- ne Theile weniger Cohäſion haben und in einem be- deutenderen Grade von einander getrennt ſind, als jene Geſteinarten der erſten Klaſſe, ſo werden ſie auch leichter von mechaniſchen Kräften getrennt und gelöſt. In Gegenden, deren Unterlage Kalk iſt, kommt nur eine flache Schicht Erde und viel Stein- gerölle vor. Da die Erde, welche aus der Verwit- terung des Kalkſteins entſtanden iſt, viel Kalk entk- hält, ſo kann ſie weder der Vegetation überhaupt, noh dem großten Theile unſerer Culturpflanzen gün» ſtig ſeyn. Boden dieſer Art iſt ſehr hißig und ſtei- nig; es läßt ſich daraus erklären, warum Gegenden, wo der reine kohlenſaure Kalk vorherrſcht, ſehr oft unfruchtbar ſind. Ganz anders iſt dieſes aber, wo der Kalkſtein thonigte Beſtandtheile enthält 3 aus ſol- hen kann ein ſehr fruchtbarer Boden entſtehen 3 eben ſo wenn mit Lagen von reinem kohlenſauern Kalk: ſtein, Lagen von andern Geſteinarten wechſeln, wel- viel bedeutendern Grade zerſtörk werden. Auch löſt das Waſſer einige Theile des Gypſes auf, welches zu deſſen Zerſtörung beiträgt. Ein Boden aus die-| vs ſen beiden Geſteinarken entſtanden, iſt, was die" Haupteigenſchaften betrifft, dem aus Kalkſtein enk- haf ſtandenen Boden ähnlich, daher auch die Unfrucht-| ds barkeit erklärt werden kann, wie z. B. dieſes in ei»- in nigen aus Gyps beſiehenden Gebirgszügen des nörd» M lichen Deutſchlands; und in den Kreidegegenden von| ieſ Frankreich. der Fall iſt.- Die Fruchtbarkeit einiger| 1 Gegenden, in welchen Kreide die Baſis bildet(wie| pin z. B. auf der Inſel Rügen und Mön), iſt den der mit Kreide abwechſelnden Thon- und Mergelſchich-| Deh ten zuzuſchreiben, ſo wie der größern akmoſphäriſchen| de Feuchtigkeit, welche die Trockenheit und Wärme 0... mildert."Doa 6,21:| 500 In die vierte Klaſſe ſeße ich diejenigen Ge- der ſieinarten, welche aus heterogenen Beſtandtheilen. al chemiſch zuſammengeſeßt ſind, die dem Aeußeren nach vn ige wie el A hen ne 6 eus a) dicht zu ſeyn ſcheinen, die ſich aber dennoch ihren Spaltungen nach theilen, ob ſie gleich den mecha- niſchen Kräften widerſtehen. Nach und nach wer- den ſie durch diee, das Rothe- Tod-Liegende, vor allen aber Die verſchiedenen Sandſteinarten. Dieſe Geſteinarken ſind ſowohl hinſichtlich ihrer leichtern oder ſchwerern Zerſeßung, als auch in Hin- ſicht auf die Eigenthümlichfeiten der aus ihnen ent- ſtandenen Ackererde höchſt verſchieden, welche Eigen- thümlichfeiten vorzüglich von der Art des Bindungs- mittels( caementi) und von ſeinem Verhältniſſe zu den verbundenen Theilen(ad partes caementa- tos) abhängt. Die Zerſtörung dieſer Geſteinart pflegt um ſo leichter von ſtatten zu gehen, je grö- ßer die Maſſe des Bindungsmittels, um ſo weniger daſſelbe mit den übrigen Theilen verbunden iſt, und um ſo mehr die conglutinirke Steinart von der Na- kur der kryſtalliniſchen abweicht. Aus dieſem Grunde wird z. B. die Grauwacke viel ſchwerer in tragbare * BPM GEES ST See - ul Gn 227 ai -=. 452/== Erde verwandelt, als die gewöhnlichen Varietäten des Sandſteins. 7 Durch die Zerſeßung der Grauwacke wird ein lockerer und fruchtbarer Boden gebildet, in ſofern die quarzigen und thonigten Theile in einem„zweck- mäßigen Verhältniſſe zu einander ſtehen 3 dahingegen geht aus dem Rothen- Tod- Liegenden ein Boden hervor, der im Uebermaaße eiſenſchüſſigen Thon hat und in der Regel ſehr zähe und kalt iſt, wie dieſes in mehreren Gegenden am Fuße des Harzes und des Thüringerwaldes der Fall iſt. Durch die Zerſeßung des Sandſteins wird ein ſchr verſchiedenartiger Bo- den erzeugt. Der bunke Sandſiein, dem Mer» gel als Bindungsmittel dient, giebt nicht ſelten ei- nen ſehr fruchtbaren Boden, dahingegen der Dua» derſandſtein, in der Regel, einen ſandigen hei- ßen Boden giebt. Hiervon kann man ſich überzeu- gen, wenn man z. B. die Gegend':an der Weſer und Fulde, wo der bunte Sandſtein vorfommt, mit der um Blankenburg am Harze und einigen Gegen- den von Weſiphalen, wo der Ouaderſandſtein vor- fommt, vergleicht. iD 64.195. In die achte Klaſſe ſeße ich alle die einfa “HIGD r= mengt, und an den entfernteren Stellen veiner Sand mit Thonſchichten vor.- 5,5509: Der durch das Waſſer gebildete ſecundaire Bo- den erhält, nach der verſchiedenen Art wie daſſelbe eingewirkt hat, veränderte Geſtalten, die man in vier Hauptunterabtheilungen bringen kann. 1) Der Thalboden, welcher durch Regen- und Schneewaſſer, auch durch Bäche, die von den Berg- abhängen lockere Theile hinwegführen, angeſpuült iſt. Die Beſchaffenheit dieſes Bodens pflegt ſeinen näch- ſten Urſprung ſehr deutlich zu zeigen. An den tief- ſten Stellen des Thales iſt ſeine Mächtigkeit am größten, welche nach dem Abhange des Berges zu, nach und nach abnimmt. Der äußern irregulairen Form deſſelben pflegt die Jrregularität der verſchie- denen Schichten zu entſprechen. QOft kommen in demſelben Concavitäten vor, ſo daß die Oberfläche der verſchiedenen Schichten, wenn man ſie queer- durchſchneidet, bald mehr bald weniger krumme Li- nien giebt. 2) Der Flußboden, d. h. der, welcher in den Flußbetten vorkommt. Dieſer Boden iſt durch die beſtändig fortwälzende und abſpülende Gewalt der größern Flüſſe entſtanden. Zu ihm gehört: a) der Boden, in welchem bald größere bald klei- nere abgerundete Steine vorfommen, und ww Gan) Under Zu wie veſſel man In Hy Regens un) | den Ber geſpült ift, einen nac In den tief fgfeit anm Berges zu vegulateen x verſchie Om ſie quett umme welcher 18 1 iſt durch Gewalt de tt 34 hald fu wm = OU!"= der durch die Gewalt der reißenden Berg- ſtröme in ber Nähe der Gebirge entſtan- den iſtz b) die Erde in den Flußbekten, welche an den von dem Gebirge entfernten Orten abge- ſett iſt. Dieſe Bodenart hat im Verhältniß ſeiner Breite eine ſehr große Länge. Die Oberfläche deſſelben iſt meiſtens eben, ſeltner convex, ſo, daß er in der Mitte höher wäre, welches 3. B. der Fall iſt bei den vom Nile abgeſeßten Boden, ſo wie bei dem, welcher von den Flüſſen an den mitkäglichen Ber- gen der Alpen und Appeninen erzeugt worden. Die verſchiedenen Schichten dieſes Bodens zeigen weder die große JIrregularität des Thalbodens, noch die große Regularität des Sumpfbodens, die Qualitat deſſelben iſt aber ſowohl der Längen- als Breiten- ausdehnung nach ſehr verſchieden, 3) Der Sumpfboden, deſſen Maſſe ſich aus dem ſtehenden Waſſer abgelagert hat. Zu ihm iſt der Boden derjenigen Thalgründe zu rechnen, in wel»