ihrer Zeit und ſelbſt den beſonderen der Stifter dieſer Sammlung. Hier iſt die Venus Kallipygos, hier der gewaltige Herkules, das Vor- bild vieler Künſtler der Schule des Michelangelo z auch der Toro Farneſez man war im Begriffe, dieſe Gruppe am öffentlichen Spaziergange aufzu- ſtellen. Dieſe Werke genießen gegenwärtig geringer
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Gunſt 3 das Alterthum erſcheint uns von ſchöneren Seiten, als jenen Michelangeliſten, welche wohl überhaupt in den antiken Statuen nur eben nach Solchem ſuchten, was ihrer eigenen Richtung zu begegnen ſchien. Doch haben ihre Entſcheidungen bis auf Win&elmann und noch ſpätere Zeit dem Urtheil über den Kunſtwerth der antiken Werke zur Grundlage gedientz zum Nachtheil der Alterthums- wiſſenſchaft, und ſogar des Geſchmackes.
Beſondere Luſt machte mir in Neapel die opera buffa des Teatro fiorentino; ſie iſt hier recht eigentlich“ zu Hauſe. Alles friſcher, als an anderen Orten Italiensz der caratterista, oder buffone lebendiger und kühner; die parte Seria der Sache ſo gewohnt, daß ſie vermag, das Lachen zu ver- halten und ſic< zu ſtellen, als merke ſie von den Späßen auch ganz und gar nichts. Die Muſik war noch gutz das ſagt, ſie hatte noch Charakter, AusdruFX und Klang. Dazumal dachte Niemand an die Möglichkeit einer Schule, wie jene des Roſ- ſini. Doch ſollten wir erleben, daß ſie nicht allein eingelullt und betäubt, nein auch gefallen hatz ja,
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daß ſie geprieſen worden, als ſey ſie die beſſere und beſte und einzige.
Auf der Seefarth nach Päſtum ertappte uns ein localer Gewitterſturm, der unſerem Boote zu ſchwer war. Doch zeigte der Steuermann Einſicht, das Schiffsvolk große Ausdauer in höchſter Kraftan- ſtrengung, und glülich erreichten wir noch den Winkelhafen von Torre del Greco, wo 4794 ein Lavaſtro12 ſich den Scherz gemacht, die Hälfte des Ortes in ein modernes Herculanum zu verwandeln. Schade darum. Cine moderne napolitaniſche Land- ſtadt iſt der Ewigkeit unwerth. Wir begaben uns von hier zu Lande nach Päſtum. Dort ſahen wir, was Alle ſehn; auf dem Wege geſchah des Be- merkenswerthen nur wenig. Auf halber Höhe des Weges zum zertrümmerten Schloſſe von Salerno fanden wir eine gemiſchte Geſellſchaft auf dem Ra- ſen auf Türkiſch niedergelaſſen und in aller Fröh- lichkeit die Merenda haltend. Ich näherte mich, ward aufgenommen, nach dem Vaterlande befragt und, als Tedesco, nicht allein von den Herrn, nein auch von den Damen mit Nachdru>E geküßt, mit Blumen beſchenkt und bewirthet. So lieb
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war den Leuten dieſe Landsmannſchaft aus Haß der Franzoſen. In Salerno giebt es Schönheiten.
Eine herrliche, vom Wetter begünſtigte Ausflucht nach Iſchia und Capri. Beym Landen erſcheint die Inſel Iſchia reizend. Der Anbau der kleinen Ebene um die Stadt gleichen Namens iſt reich und ſcheint auf erſten Bli ſich weiter auszudehnen, als nach der Hand ſich beſtätigt. Auch iſt der Bulcan etwas maleriſcher geſtaltet, als jener Gipfel des Veſuv. Es gefiel mir dort nicht abel. Ergößlich war der Heimritt von Marano nach Iſchia auf ebener, wohlgebahnter Straße. Denn unaufgefor- dert ſebten ſich unſere Eſel in den ſchönſten Lauf und brachten im Umſehn uns zur Stelle. Der Lohnbediente, ein buffone, hatte ihnen Wein in den Hals gegoſſen und von dem guten, der auf dieſer Inſel gedeiht.
In Capri gefiel es mir indeß um Vieles beſſer. Welche ſchöne Felsgeſtaltung! Welche anmuthig begrünte Fle&hen von Fels zu Fels! Mag vom Tiber die Geſchichte erzählen, was ihr beliebt, ſo bleibt dom ſo Viel gewiß, daß er die Stelle gut gewählt. Ich möchte die Inſel auf römiſch einge-
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| zu finden. Dieſes/ wie ſelbſt die Veranlaſſung ſeiner Flucht aus Nom, mußte ihn ſeinen Landesleuten empfehlen. Gewiß ward
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angeſtellt. 1 Bey den Menſchen hat nicht bloß das Geſicht, R für nein auch das Schifal häufig eine Phyſiognomie, Cp| einen allgemeinen Charakter. So war denn auch 50| unſerem Pfarrer nicht vergönnt, des ruhigen Um- . laufes täglicher Pflichten auf lange froh zu ſeyn. dah Das Engadin gehört ſeit undenklicher Zeit in mſd kirchlicher Beziehung zum Bißthum von Chur. Nun bie mußte es damals irgend einer Civilautorität durch walt Z den Sinn fahren, das Ländchen, eigenmächtig und
ohne Vereinbarung mit den zukommenden Behör- vF den, dem Bißthume von Brixen unterzuordnen. BN Auch die Geiſtlichkeit hat ihre Legitimitätz und ), von wahrlich ſcheint es mir mindeſtens conſequent, daß R jene des Engadin der neuen Anordnung nicht ohne 1 Auf Roms und Churs Bewilligung ſich unterwerfen einen wollte. Das ganze Vorhaben war ohnehin nur Er eine jener vielfältigen Effloreſcenzen des Nivelli- ver rungs- und Arrondirungsſyſtemesz; doch könnte frey- ſelbſt lich der Biſchof von Chur der baieriſchen Regie- ußie rung Verdruß und Anſtoß gegeben haben, worüber
word Nichts überzeugendes zu meiner Kunde gelangt iſt.
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Thaney trat, wie zu erwarten ſtand, auf die Seite der Oppoſition, ward daher ſeiner Stelle entſeßt und genöthigt, ſich in das väterliche Haus zurüFzuziehn. Dort verſank er ganz in ſeine Stu- dien, und blieb auch nach Ausbruch des Krieges im Jahre 1809 verſchiedene Monathe ein ruhiger Zuſchauer jener ſtürmiſchen Ereigniſſe, welche be- kannt ſind. Endlich führte ihn ein Privatgeſchäft nach InnſpruE, wo eben damals Andreas Hofer mehr noc< das Idol, als der Führer des- Aufſtan- des war.
Dieſer höchſt merkwürdige, fromme, gute und edle Mann, welcher in der Zeit ſeines Anſehns viel Milde und Billigkeit gezeigt, der ohne Haß, Rache, Begierden, doch zugleich ungebildet, unerfahren und mäßig war, ließ was an Bericht und Befehl und Correſpondenzen in ſeinem eigenthümlichen Stabe vorkommen, oder nicht zu umgehen ſeyn mochte, durc; einen jungen Kaufmann aus Boken expedi- renz er hieß Giovanelli.
Von Giovanelli eingeführt, näherte ſich Thaney dem Manne des Tages und faßte für ihn ſo viel Liebe und Hochachtung, daß er beſchloß, ihm ſich
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wf vw| anzuſchließen, ihm durch ſeine größere Welt- und Giclt Geſchäfts- Erfahrung behülflich zu ſeyn. Die Sache Dus der Tyroler war damals bereits im Sinkenz daß ( Git Thaney nun erſt daran Theil nahm, mochte auf- Ss| fallen, erklärt ſich indeß befriedigend aus jener Bi- nühige zarrie des Charakters, welche in Rom ihn zu jenen wem| eigenthümlichen Unternehmungen verleitet hatte. Er 1:10 folgte keinem Plane, nur ſeinem Gefühle; welches Dofet nie lebhafter, nie aufgeregter war, als wann die Sache ſan: ſeiner Wahl beynahe verloren zu ſeyn ſchien. Ein [5 kluger, beſonnener Mann zeigt ſich ſtets im Ge- id| folge des GlüFesz3 ein Enthuſiaſt, wo Schläge zu z ve holen ſind. Rah), Thaney blieb bey Andreas Hofer bis zu dem ' un) Tage, als ihn die lekten verließenz auch dieſe längſt 0 un nicht mehr Aufgebot, nur junge, heerdloſe Leute. Il Vorher hatte er zwey Male in das Hauptquartier tt, des Vicekönigs von Italien ſich begeben, zweymal vedie in Auftrag eine Capitulation abgeſchloſſen, welche dem Hofer, zugleich mit der geſammten Landſchaft, neg Amneſtie, Sicherheit der Perſon und des Eigens viel thumes, gewährte. Allein in dem wilden Haufen,
„ſich der Hofern als einen Gefangenen hielt und um-
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gab, hatten bereits alle Bande ſich aufgelöſt. Je- der that, was ihm gefiel; weßhalb beide Male der Berträg von eigenwilligen Leuten gebrochen, das Feuer auf der ganzen Linie erneut wurde. Der Berzögerung müde, oder aufgebracht durch den zweymaligen Treubruch, ließ der franzöſiſche Be- fehlöhaber vorrüen; worauf das Geſindel ſchnell verſtob, auch Hofer und Thaney ſich flüchten, ver- bergen mußten. Der Pfarrer ſuchte ſeine Heimath zu erreichen; Hofer verbarg ſich im hohen Gebür- ge, wurde erſpäht, gefangen und zu Mantua er- ſchoſſen. Das Urtheil gründete ſich auf die Ver- leßung jener Verträgez die Abſicht war, ein Bey- ſpiel der Strenge zu geben und einen Namen zU vernichten, deſſen Klang noch immer gefährlich ſchien.;
Eugen hatte dem Könige von Baiern, ſeinem Schwiegervater, des Pfarrers Eifer gerühmt, den - Frieden, die Beruhigung des Landes ohne ferneres Unheil zu Stande zu bringen. Man war damals in Baiern aufmerkſam geworden auf Mißgriffe und Verſehen, welche unſtreitig den Aufſtand der Ty- rolex befördert hatten, ſuchte daher gut zu machen,
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KE| was etwa noch wieder einzurichten möglich war. Bew| Auch Thaney war verfolgt worden, hatte rechtmä- 108] ßige Vortheile eingebüßt. Zugleich als Entſchädi- nN, I gung und Gunſtbezeugung erhielt er daher ein mä- duch da ßiges Geldgeſchenk; aus deſſen Empfang auf Ver- he De hältniſſe geſchloſſen wurde, welche nie ſtatt gefun- e) ſam] den haben und an ſich ſelbſt aller Wahrſcheinlich- WW 4 keit entbehren. In ſolchen Zeiten, durchaus„miß- eim glücter Unternehmungen ſucht man gewöhnlich nach Yehit einem Gegenſtande jenes unbeſtimmten Mißmuthes, MEN den das Bewußtſeyn verſchwendeter Opfer hervor- wn zurufen pflegt. Nicht die Nothwendigkeit, nicht das 1 By Mißverhältniß materieller, oder geiſtiger Krafte z m ſondern Verſehen, Verräthereyen, Dummheiten, ein-
fond zelner Perſonen, ſollen an dem Mißlingen deſſen Schuld ſeyn, was nur mißlungen iſt, weil dieſe Frucht ſchon in dem Keime der That verborgen
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, den lag. Es erklärt fich daher ganz bequem, daß leicht- vw ſinnige Leute auch im Tyrol eine Weile geſagt und m wiederholt haben, daß Thaney den Hofer verra- und then. Allein ſehr bald iſt man von dieſem Gerede
Zy zurüfgekommen. Giovanelli, der wohl davon un-
A, terrichtet ſeyn konnte, hat mir, als ich ihn eben „EM:
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deßhalb zu Boken in ſeinem Weinberge beſuchte, die bündigſte Verſicherung gegeben: daß Nichts in der Welt erlogener ſeyn, der inneren Wahrſchein- lichkeit und äußerer Zeugniſſe gründlicher entbehren könne, als was Bartholdy in Bezug auf Thaney leichtſinnig aufgenommen und noch viel leichtſinni- ger in den Dru gegeben hat.
Thaney hat die Geſchichte des tyroler Aufſtan- des vom JI. 1809 geſchrieben; ſie iſt noc< unge- dru>tz; doch habe ich die Handſchrift geleſen. Lei- der beruhte ſeine deutſche Bildung einzig auf der Lectüre jener zahlreichen politiſhen Pamphlets, welche die unglüFlichen Ereigniſſe der Jahre 1805 und 41806 hervorgerufen hatten. Daher war er auf den unglücklichen Einfall gerathen, in dieſer Geſchichte die äußere Form der berufenen vertrau- ten Briefe nachzuahmen. Er war nicht davon ab- zubringen 3 und die auffallende Geſchmadloſigkeit jener überall den Faden abreiſſenden, inhaltleeren Erwiederungsbriefe, mag es ihm ſo ſ entſchloß ſich zur Heimkehr z; 0 dieſer Umſtand half mir zu einem ungemein er- m wünſchten Reiſegefährten. Wir ſchlugen über Flo-. y renz, Parma und Mayland die ſchweizeriſche Straße ein, weil TieX in S. Gallen, Zürich und Baſel dn Handſchriften einzuſehen hatte, ich ſelbſt mir willig ſp den neuen Weg gefallen ließ. FS
In dieſen Monathen unſeres Beyſammenſeyns G hatte ich Zeit und Gelegenheit den ganzen Umfang g! ſeiner geſelligen Tugenden Schritt für Schritt mir ih auSzumeſſen. Viel Herrſchaft über ſich ſelbſt, glei- Ot ce dem Andrea del Sarto.
In Mayland die Brera noch im Entſtehen. Die Sammlung Melzi zeigte mir deren noch lebender Begründer in Perſon. Sie iſt gegenwärtig im
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Beſiße ſeines Neffen. Das Abendmahl von Lio- nardo enthielt noch immer Einiges altes ſeitdem iſt es faſt ganz a guazzo übermalt worden. Ich habe in ſpäteren Jahren mich eine längere Zeit in Mayland aufgehalten; alſo davon ein anderes Mal.
Die Fahrt über den langen See, man ſollte ihn den winterlichen nennen, war mir ſehr unbehaglich. Der ſchre&liche ſchwarze Coloß des Hl. Carl Bor- romeo!=- Mein Gott, wie konnte man nur das Bildniß dieſes reinen und frommen Mannes gleich einer Vogelſcheuche in den Feldern aufſtellen? Wer kann, in der Nähe, an dem Dinge mehr ſehen, als etwas verwittertes Geſteinz und in der Ferne läßt er nun auch ganz abſcheulich. Um in großer Ferne coloſſale Gegenſtände erkennbar und erträg- lich ausſehn zu machen, muß man der Figur bey- nahe architectoniſche, ſehr ſcharf ausgemerkte Linea- mente'gebenz allein hier iſt auch gar nichts, als verworrenes, gleichſam maleriſches Gefälte.
Und als wenn Alles, woran der Name Borro- meo hängt, recht widrig ins Auge fallen müſſe, nun weiter oben die wunderlich zugeſchnißelten Ter- raſſeninſeln, isola madre und bella(welche lekte
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m Ui 4 ihren Namen mit Unrecht trägt) mit ihren ca- dem it ſernirten Paläſten und Gebäuden ſo blank und I na>t dem finſteren waldigen Gebürge gegenüber. R in Welch eine Geſchmaloſigkeit, Wildheit mit künſt-- 5 Ml leriſchen Verkrüppelungen ſo ganz ohne Uebergang Ute ihn zuſammenzuſtellen! Jogi, Das Thal des Ticino, eng, finſter, voll friſcher | Bor Felſentrümmer. Die Waſſerfälle bisweilen ſo hoch, 1 das daß ſie nicht bis zum Boden kommen und in der eich Luft ſich verflüchtigen. Oberwarts wird es immer Ver nördlicherz doch ward es mir beſſer in dem offneren ehem, Thale, wo magere Wieſengründe, dürftiger Tan- Fan nenwald, allein gelegentlich hübſche DurchbliXe auf große höhere, ganz entblößte Gebürgskuppen. Ich dachte eri: mir, wie dem Südländer zu Muthe ſeyn möge, 11 bey: der von dieſer Seite her gen Norden zieht. Ab- Qinegz wärts, die Reuß entlang, gewinnt das Land ein GB ſchöneres Anſchn. Die hohen Nußbäume in der
Nahe der Wirthſchaften beleben das Land ungemein. oo Sonſt ſieht man nur Nadelholz. Es war mir nicht ſe unlieb das deutſche Weſen wieder anzuſehn. Es Ie zeigt ſich hier nicht eben im ſchlimmſten Lichte.
lekte Cingeſchifft zu Flüelenz es iſt doch ein herrlich
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Berggewäſſer dieſer See der vier Waldſtätte; und nicht arm an Erinnerungen.= Wie klein der Punct ſeyn kann, von welchem die allgemeinſten Würkun- gen ausgehn!=- Hier geſtaltete ſich in neuerer Zeit der rechte Begriff vom Dienſte zu Fußz hier der von ländlicher Freyheitz denn früher kannte man nur ſtädtiſche.=- Ueber Zürich, St. Gallen, Con- ſtanz, die Waldſtädte, Baſel. Mit dem Beſuche des lekten Ortes war ich ſehr einverſtanden, weil Hanns Holbein hier eine lange Zeit gelebt und Vieles gearbeitet hat. Auf der öffentlichen Biblio- thek eine Sammlung von Zeichnungen und Gemäl- den ihres großen Mitbürgersz obwohl intereſſant, doch nicht durc| pd, dieſer Gelegenheit um Rath. Seine Mutter, ſchrieb| Hy| er, habe für ihn ein Capital an die Seite gelegt,| bie. von welchem er Reiſen machen und die Unkoſten| ij ſeines Aufenthaltes an irgend einem der bekannte- iD
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ftien Studienorte beſtreiten ſolle. Meyer rathe ihm, nach Dresden zu gehen. Doch habe er zu
ver Ted erfennen geglaubt, daß ich, in Bezug auf Land- wn fr ſchaftömalerey, dem Aufenthalte zu München den weh Vorzug einräume. Zugleich ergoß er ſich im Preiſe u fem der italieniſchen Natur, von welcher das bekannte dar dj liber veritatis ihm einen Vorſchma> beygebracht habe. mes It und durchräuchert. Denn es war ein beſonderer Punct, ihm den Tabaksdampf in die loFigen Haare zu blaſen und dann zu ſehn, wie ſolcher in Wirbeln wiederum daraus ſich zu befreyen ſuchte. Allein die Ermahnungen meiner Freunde vermochten auf keine Weiſe ihn mit der Vorſtellung auszuſöhnen, daß er ganz allein das weite Land, die unbekannte Sprache durchſchneiden ſolle.=- Wenige Leute wer- den mir Glauben beymeſſen, wenn ich bekenne, daß Mitleid mit jener unläugbar tadelnswerthen Unbe-
ze
173 W 6 hülflichfeit des guten Menſchen mich damals allein Om fi beſtimmte, meine Abneigung zu Überwinden und Vi Mis mit ihm nach Italien zu gehn. Es war nicht ein- ' Weihe mal Kunſtliebe 3 denn Horny gab damals nur ge- mv ringe Hoffnungen und beſaß namentlich das Ta- maſh lent, jeden gelegentlich ihm ertheilten Rath auch Sofi durchaus mißzuverſtehn. Uebrigens empfand ich für oft für ihn ein lebhaftes Wohlwollen. Er gehörte zu den ne wenigen ganz reinen Gemüthern, welche mir vor- nord: gekommen ſind, und erwiederte die geringen Boxr- (ch ihr theile und Ausſichten, welche ich dazumal ihm ge- ſehn, währen wollte und konnte, bis an ſeinen Tod durch 4 und eine wagchaft rührende Dankbarkeit. Iunt,; ote zu Biebeln EE REER SERGE Witt 1 auf "ne, annie wet: „daß linbe-
II. Reiſe über die Alpen.
Um ſo leichtſinnig, als ich, den Umſtänden nach- zugeben, muß man, entweder ganz willenlos ſeyn, was doch von mir nicht auszuſagen iſt, oder ſeinen Willen nicht eben auf die Erlangung äußerlicher Dinge und Zwee gerichtet haben, wie die Meiſten thun und freylich auch thun follen. Mir fehlte es gewiß an einem äußeren Anfnüpfungspuncte des Lebens und der Thätigkeitz und in dem Maße, daß ich ſogar auf das literariſche Handwerk, in welchem ich gegenwärtig mit einiger Rüſtigkeit mich rege, nur ganz zufällig, ohne Anſpruch, noch Ernſtlichkeit, verfallen binz daher noch immer bey den Zunftge- noſſen nur als ein Freygeſelle angeſehn werde. Ob man gute, ob ſchlechte Arbeit mache, darauf kommt's im Gewerke wenig an. Vielmehr ſieht man einzig darauf hin, ob einer die Lehr-, die Geſellen-, die Wander- Jahre gehörig durchgemacht, ſeine Schul-
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zeugmiſſe in nöthiger Ordnung habe. Es liegt in dem menſchlichen Weſen eine ganz unerſchöpfliche Fundgrube von Pedanterey und Formalismus. Viel gäbe ich darum, mit Sicherheit zu wiſſen, ob in dem künftigen Leben, Wahrheit und Innigkeit, von gleich geringem Belange ſeyn werden, als in die-
en md ſem. Es fehlt nicht an Leuten, welche ſogar den 05 ſem Himmel nur eben als eine Fortſeßung telluriſcher ! ſeinen Regelmäßigkeiten ſich vorſtellen und, auf Künftiges erliche weislich im Voraus Bedacht nehmend, Alles bereits Neiſten auf Stufenfolgen und Claſſenordnungen zurü&ge- ite es führt haben.
wt ds Zur Mitreiſe bis InnſpruX war mir ein Unbe- ße, daß kannter empfohlen worden, den ich nie wiedergeſehn, welchent auch ſeinen Namen vergeſſen habe. Er ſtellte ſich 6 m| vor Tagesanbruch in meiner Behauſung ein, und fiel Wf S- mir ſogleich in den Sinn, als ein nur ſchwacher unftge| Kenner menſchlicher Raſſencharaktere. Auf einem , breiten Ruhebette, welches in dem Zimmer ſtand, mmt's lag in dem Augenblike Horny, mit eigenthümlicher einzig Ungeſchlachtheit, bäuchlings hingeſtret, den Kopf -„, die etwas herumgebogen, wie die erſchlagenen Schwei- Schul: zer in Merian's Schlachtenbildern, und voll unbe=
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wußten Grimmes blaſend und ſchnarchend. Dem Unbekannten, welcher eine ſehr feine Erziehung ge- noſſen hatte und auf ſolche Erſcheinungen unvorbe- reitet war, fiel der Schlafende bedenklich auf; es lag in ſeinem halben Entſetzen für mich Etwas ſehr Verleitendes. Nicht unbeſorgt fragte er mich, nach- dem er ſeines Erſtaunens in einiger Beziehung Mei- ſter geworden: ob der Herr da ebenfalls zur Ge- ſellſchaft gehören werde? welcher Art und Gattung er angehöre? und wahrſcheinlich noc< Anderes und Beſtimmteres, was mir entfallen iſt.
Wer könnte, nach einer durchwachten Nacht, früh Morgens darauf eines muthwilligen Einfalles Herr und Meiſter werden? Verſuche es Jeder an ſich ſelbſt; genug, daß ich nicht widerſtand, ſondern un- verzüglich ihm antwortete: der ſeltſame Mann dort auf dem Ruhebette, welcher mit vielem Grunde ihm aufgefallen, ſey ein ungefährliches, unſchädli- t hatte, daß ſein Caraibe ſchon Etwas deutſch vn A rede, begann er eine Art Geſpräch einzuleiten, da- nen a bey ſichtlich bemüht, die Faſſungsgaben des halben ann dor Wilden nicht etwa zu Überſchreiten. Die Entfer- Grunde nung ſeines Baterlandes, deſſen Gebräuche und 1110 Sitten kamen in gehöriger Folge, eins nach dem je von anderen, zur Sprachez doch wurde aus Zartgefühl 1 als das Menſchenfreſſen kaum berührt; denn im Hauſe 7 00000 des Gehängten ſoll man nicht vom Stri>e reden. 0. ich Das blinde Glü> gab nun dem guten Horny, wel-
es ſpricht die treubrüchige Gattin, nachdem der Freund, nachdem die Hehler und Theilnehmer an ihrem Vergehen ſchon entſeelt umherliegen, der Gatte, den Dolch in der Hand, ihr Vorwürfe macht, ſie bedroht, wiederholt, anſtatt durch Thrä- nen und Bitten ihn zu begütigen, die hohldröhnen- den Worte: es justo.=- Alſo ganz aus dem Le- ben. Welche breite und ſichere Baſis in dieſen ſüd- lichen Gegenden auch das gemeinſte Leben dem poe- tiſchen Ausdrucke gewährt.
Von ſeiner Schilderung erſchöpft, verfiel der Schüler in jenen eigenthümlichen Halbſchlummer, welcher der Jugend ſo oft die loſeſten Streiche ſpielt. Denn ſo leiht man nun auch aus einem feſten, geſunden Schlafe vollkommen erwacht, ſo ſchwer iſt es bey jenem mit Sicherheit zu ermitt- len, inwiefern man ſchlafe, oder nicht. Weßhalb
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fet dz ſolche Schlummerlinge ſich nie recht zu entſcheiden in tiefen wiſſen, ob ſie dem Schlafe, ob ſie dem Wachen haft ex ganz ſich hingeben wollen, und oft ihr Leben lang haniſche in dieſem halben und mittlen Zuſtande dahinträu- ) los(03 men, bis es zu ſpät iſt, einzulenken. So ging es eſes Sit denn auch dem Erzähler. Denn, als der Berg- dem der wind ſich erhob und Alles zu den Schiffen eilte, Amer an blieb er, auch bey dem beſten Willen, aufzuwachen, 1, Der doch immer noch in ſeinem halben Schlummer be- wäre fangen, verfehlte daher bey dem Einſteigen den Zhi: rechten Weg in das Fahrzeug und fiel in das frey- ähn lich nur ſeichte, doch nichts deſto weniger ſehr kalte den Vs Waſſer des Gardaſees. Der arme Menſch dur<- ſen ſid: näßte ſeine Kleider und litt, es war in einer No- dem Dot: vembernacht und zwey Stunden vor Tagesanbruch,
erbärmlich von der italieniſchen Kälte. Fror es doch oefiel Des ſogar uns andere troFene Geſellen. Gern hätte ich ymmit, ihm, wie der Hl. Martin, die Hälfte meines Zie Mantels gegeben. Doch ſind wir nicht mehr in de- einem nen Zeiten 3 weßhalb ich vielmehr die Gelegenheit tt, fp wahrnahm, Einiges zum Lobe der Troenheit mir ze anzumerken. Schon andere Male war es mir auf-
gehhalb gefallen, daß TroFenheit zu den wünſchenswerthe-
gin 1 RE.. Menheit nennt, beyweitem mehr Begriffsver- wandſchaft.
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bezeich III.
0 Reiſe nac< Florenz.
. Von Bardolino in einem Kabriolett nach Bero- 4 naz mit Lebensgefahrz; denn es hatte das Pferd 11007 von den Wegen und Stegen ſeine ganz eigenen mgl Anſichten und war längſt darüber hinaus, noch
Net Zaum und Gebiß zu fühlen. Gleich dem Achilles und Seyfried, hatte es nur eine einzige verwund- bare Stelle, den Bauch. Dahin ward es zu An- fang der Reiſe vom beyzugalloppirenden Eigenthü- mer abwechſelnd mit einem ſehr handfeſten Wan- derſtabe geſchlagen. Doch mehr in der Nähe der Stadt ward dieſe Aufmunterung überflüſſig, weil in Erwartung des Stalles der Rappe den Zaum mit den Zähnen erfaßte, um mit aller der Behen- digkeit durchzugehn, welche ſeine ſchon vorgerücte Lebensſtufe ihm anzuwenden geſtattete. Wir liefen Gefahr, eine taube Betſchweſter zu überfahren, auch an einem antiken Gemäuer uns die Köpfe zu zer- ſchmettern.
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Die alte Stadt machte Würkung auf meinen Be- gleiter, und begeiſterte ihn am Abend zu dem Ver- ſuche, die maleriſche Lage des Städtchens Arco mit ſeiner nahen zerfallenen Felſenburg aus dem Ge- dächtniß auf das Papier zu bringen. Doch wollte es durchaus nicht gehn; die Arbeit war mir ganz merk- würdig, weßhalb ich ſie aufgehoben. Von Jugend auf ans Copiren gewöhnt und darin ſehr geſchickt, war Horny doch noch immer nicht im Stande, na- türlichen Erſcheinungen wenn auch nur das Gering- ſte abzulauſchen. Vergeblich hatte er ſchon ein Jahr lang ſich darum abgemüht z immer verfiel er wie: der auf die verzweifelte Baumrinde und ſelbſt in der Darſtellung dieſes armſeligen Gegenſtandes brachte er es nie weiter, als zur roheſten willkührlichſten Andeutung einiger Einſchnitte, welche aus dem Kopfe viel beſſer ausgefallen wären. Freilich haperte es nicht weniger mit der Production und Reproduction aus dem Gedächtniß.=- Deutlich bemerkte ich, daß nicht bloß die angenommene Geiſtesungelenkig- keit nach langer ganz mechaniſcher Beſchäftigung, nein daß auch ein kleiner Anflug von Schönheits-, oder beſſer Gegenſtandstheorie ihm behinderlich ward.
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(wo mit m Oe: wollte ; me: Tugend eſchidt, Nz wing: Jahr wie: WIN brachte (icften Kopfe te tion
391
Denn, während er ſo weit zurüE war, daß er aus jedem Unrath noch hätte lernen können, lief er viele Stunden umher, nach Schönem ſuchend, bis er endlich den Fliegen gleich zu Boden fiel, um nach- zuzeichnen, was er mit weniger Mühe ſchon vor ſeiner Thüre hätte auffinden können. Später habe ich bey mir auf dem Lande häufig den Malern ein Hoſpiz bereitet, damit ſie zu jeder Stunde des Ta- ges, ohne weit zu laufen, beobachten und ſtudiren mögen. Da verloren ſie denn ebenfalls ihre Zeit mit dem leidigen'Suchen nach Tableaux, und ver- ſicherten mir, daß ſie nichts haben auftreiben kön- nen. Sie waren von holländiſcher Schule; allein auch in dieſe Nichtung hat die Schönheitstheorie, bey veränderten Conventionen, ſeit lange ſich ein- gedrängt.=- Von Horny hätte man damals nicht denken ſollen, daß-ihm nahe bevorſtand, in der geſchma>voll genauen Nachbildung von Erſcheinun- gen, welche Wahl und Zufall ihm vor Augen brach- ten, das Ausgezeichnete und Bewunderte zu leiſten. Erſt nach ſeiner Ankunft in Rom kam es mit ihm zum Durcbruche.
Auf erſten Blik ſcheint es, als müſſe das weß-
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halb und wie bey dem künſtleriſchen Naturſtudio ganz leiht und bequem ſich angeben laſſen, und der Künſtler eben alsdann dem Irrthume am we- nigſten ausgeſeßt ſeyn, wenn er, den natürlichen Erſcheinungen gegenüber ſtehend, über ſie reflectirt und ſie nachbildet. Und dennoch habe ich in keiner Beziehung häufiger Mißgriffe begehen ſehn, als eben hierin. Eigentlich verwundert es mich nicht. Denn es drehet ſich der Fortſchritt der Kunſt von den be- ſcheidnen Anfangsſtufen bis zu jenen, welche wir die Höhe, oder den Gipfel nennen, genau beſehn, um nichts Anderes, als um die richtige Weiſe die Natur zu ſtudiren und ſie in die Kunſt hinüberzu- ziehn. Was wir in dieſen Fortſchritten Fortſchritte nennen, ſteht in genäueſter Verbindung mit jenen kleinen VorrüFungen und Ausdehnungen in der Kunſt, die Natur zu ſtudiren. Der eine erkennet dieſen, der andere erobert jenen anderen Theil der Geſtalt, oder auch der Geſeße, nach welchen ſie dem Auge erſcheintz und auf dieſe Weiſe hilft man ſich mühſam fort, bis der Mann kommt, welcher das Geheimniß ganz aufſchließt, das Vielfäl- tige dem Allgemeinen unterordnet und hiedurch
Naturk offen, un) Ie OM We: nathlichen fie zeſecht ) in Fnet 1, als eben pt. Denn 1 Den Des Ihe wir beſehn, veiſe die niht ortſchnitte nit jenen mode erfonnet heil der hen ſie fi man welcher Vielfal- hiedurh
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behender auch in ſeiner Einzelnheit es auffaſſen lehrt.
Ich überſehe nicht, daß es häufig dem Gefühle gelingt, auch hierin das rechte Maß zu treffen. Die Leiſtungen der beſten Künſtler unſerer Tage haben Zuſammenhang mit gewiſſen, zwar langſa- men, doch allmählich fortſchreitenden Verbeſſerungen in der Studienweiſe. Allein neben dieſen verlieren andere eben ſo gewiß eine unſchäßbare Jugendzeit durch die Vermengung der gründlichen, auf Allge- meines abzielenden Bemühung, mit dem heiteren, erwelichen Aufhaſchen vereinzelter Erſcheinungen.
Ich weiß nicht, ob man je darauf geachtet hat, daß in gewiſſem Sinne jeder einzelne Künſtler die geſammte Kunſtgeſchichte in ſeinem eigenen Streben und Würken wiederholen muß. Bald tritt ihm dieſe, bald wiederum jene andere an ſich ſelbſt we- nig bedeutende Schwürigkeit entgegen, mit welcher es ihm geht, wie Jenen mit dem Ey des Colum- bus; denn, wenn er's gefunden, bewundert er, daß es jemals ihm Mühe gemacht. Er hat 3. B. zu ringen, bis er das Princip der Rundung aufgeſun- denz ich habe ausgezeichnete, gereifte Männer ge-
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kannt, welche es nicht begriffen hatten. Auf einer ſolchen Stufe kann es ihm offenbar nüßlich ſeyn, eine Kugel, einen Topf, oder jeden anderen Ge- genſtand von gleich einfacher Grundform ins Auge zu faſſen, ihn nachzubilden, bis er das wie und wo des Runderſcheinens ermittelt hat. Später eben ſo mit den Geſetzen beſtimmter organiſcher Geſtaltun- genz hier das noch Dunkle im Ganzen und Ein- zelnen ſo lange verfolgt, bis man's weg hat. Stu- dien dieſer Art, jene elementariſchen ſowohl, als dieſe tiefer eindringenden, ſind offenbar ſauere, müh- ſame, dem wiſſenſchaftlichen Lernen und Denken nahe verwandte. Sollte man nun ſie nicht ganz ſo behandeln müſſen? Kann dabey jemals Phan- taſie, Gefühl, Befriedigung des Geſchma>es und Aehnliches in Frage kommen, was in der Arbeit des Künſtlers über die Arbeit hinaus ſchon in das Gebiet des Genuſſes hinüberſchweift?
Auf der anderen Seite eröffnet ſich dem Künſt- lex das weite Feld des Reizenden, Intereſſanten, hinreiſſend Schönen; dieſes oft in der Bewegung, im raſchen Vorübergehn.=- Wäre nun hier eine peinliche Gründlichkeit angebracht?=- So wenig
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als dort die poetiſche Flüchtigkeit. Nein, wenn der Künſtler aus dem flüchtigen Rauſche ſeines eigenen Entzü>ens, aus dem Bewegten und Fortgehenden ihm vor Augen tretender Erſcheinungen für künftige Productionen Gewinn ziehen will, muß er bey der Hand ſeyn, raſch zugreifen, nicht auch ſtudiren, nur haſchen, nur für ſein eignes Tichten und Trach- ten den Anknüpfungspunct auf's Papier bringen, flüchtig, geſtaltlos immerhin, wenn nur für ihn ſelbſt genügend hell,
In jener guten alten Zeit, von welcher die Rede geht, wußte man gar wohl, was man that und dabey wollte. Von den Handzeichnungen großer Meiſter ſind die Studien bald ſehr gründlich und dann ſtets auf einen erkennbaren einzelnen Punct gerichtet, bald wiederum geiſtreich und flüchtig, quattro tocchi, und nichts mehr, als nothig war, die Bewegung, Stellung oder Handlung, welche man geliebt, ſich aufzubewahren. Nun bliFe Einer einmal in die Studienbücher vieler heutigen Maler. Kein einziges Studium der Arbeit und des Erken- nens im Buche, aber ängſtlicher, reinlicher Fleiß in der Nachahmung deſſen, was eben ihnen gefal-
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lenz und nicht bloß deſſen, was ihnen darin gefal- len, ſondern auch alles Müſſigen und Zufälligen, was den gefälligen Gegenſtand eben begleitet hat. Kein Knopf zu wenig;z doch weil die Stüße des ſtrengen Studiums fehlt, in dem Kopfe vielleicht ein Auge verſeßt, die Perſpective verfehlt, oder die Bewegung des Armes, der Standort des Fußes, oder was ſonſt in jenem Gefälligen weſentlich war.
Zu Mantua im T. hatte ich meine Freude an der Empfänglichkeit meines jungen Begleiters für jene ſeltne Miſchung von Laune, Muthwillen und Ernſt, Tiefſinn und Lubricität.= Nach kurzem Aufenthalte zu Bologna, wo die heilige Cäcilie, damals noch in beſſerem Stande, und die Marcan- tons des Herrn de Luca die Zeit großentheils hin- wegnahmen, gelangten wir endlich nach Florenz, wo mein Begleiter bald darauf mich verließ, ich
- ſelbſt für längere Zeit mich einrichtete.
ann gefl
Zufälligen
Weitet hat,
Ztübe des LIV.
» Wielleicht 238 4 ee| Rückkehr nad Rom. Urkundliche 3 Suh, Forſchungen.
lih wa.| In Florenz ein trauriger Winter. Hungersnoth, ude an| Peſt, eine tödtliche Krankheit. Um mich zu erho- ers für+| len, Frühjahrs nach Rom.
mund 3 Nach zehnjähriger Abweſenheit langte im an ei- wm| nem ſehr kalten zweyten May wiederum bey den (auſ,| Römern an. Unglaublich hatte es ſich verändert Matcay- in dieſer kleinen Welt, wo ſeit einigen Jahrhunder- els hin:| ten die künſtleriſchen Beſtrebungen aller europäi- Flory| ſchen Nationen einen Vereinigungspunckt geſucht jeß; ih| und gefunden haben. In den Anſichten der Künſt-
| lex war Theilung eingetreten, aus dieſer einige | Spannung hervorgegangen; doch nicht bis zur Ver-
drängung der gegenſeitigen Anerkennung einleuch- | tender Verdienſte. Die Fruchtbarkeit der wahren | Talente dieſer Decennien überraſchte mich. Eben war das bekannte Zimmer im Hauſe des Preuſſi-
KARIES
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ſchen Generalconſuls theils ſchon vollendet, theils noch in Arbeit. Seit langer Zeit die erſte Male- rey a fresco 3; denn was in Oberdeutſchland und ſelbſt in Italien ſeit 1700 auf dieſe Weiſe gemalt worden, zeugt allerdings von Fertigkeit, iſt jedoch zu gehaltlos, um noch beachtet zu werden.
Unter den Zeichnungen, welche in Arbeit waren,
erinnere ich mich mit beſonderem Vergnügen des Ave Maria von Overbe&, welche in zwey Abthei- lungen auf demſelben Bogen geiſtreich und fleißig acquarellirt war, auch in den Zwikeln und ande- ren zu ermüſſigenden Räumen der hübſch verzierten Einfaſſung ſchöne Nebenfiguren enthielt. Ich machte Jagd auf dieſe vortreffliche Zeichnungz doch hielt Overbe> an ſein Verſprechen. - Ich verweilte den Sommer in Rom und kehrte erſt im Herbſte nach Florenz zurü&, um nun end- lich, nach einem in wechſelnden Genüſſen und Lei- den verlebten Jahre, an eine Arbeit die Hand zu legen, welche ſpäterhin zu höchſt verſchiedenen Mit- theilungen das Material geliefert hat. Ob ſie, we- nigſtens im Ganzen, genüßt habe, darüber wird die Zukunft entſcheiden.
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Den Vaſari wiederum durchnehmend und mit ſeinen Angaben die Dinge ſelbſt vergleichend, ent- dete ich ſchon im Verlaufe jenes traurigen erſten Winters, daß ihm Kritik, Gedächtniß und ſogar das Beſtreben nach hiſtoriſcher Genauigkeit durch- aus gefehlt habe. Die ſpäteren Schriftſteller, ich meine ſolche, welche der Welt verſprochen, jenen zu verbeſſern und zu ergänzen, konnten, ſah ich, bis- weilen recht haben z allein es fehlte ihnen an einem Standpuncte, von welchem aus ſie die Kunſt im Ganzen zu überſchen und zu ſuchen hatten, worin venn eigentlich Berichtigungen erwünſcht und nd- thig ſeyen. Sie machen oft mit Jammerlichkeiten das größte Geräuſch und ſind meiſtentheils, wie ſich's nach der Hand beſtätigte, nicht einmal in die- ſen Einzelnheiten ſo genau und zuverläſſig, als man von Berichtigern erwarten dürfte. In ganz: neuen Zeiten hat darin ſich Beſſerung gezeigt.
Nun galt es irgendwo den Anfang zu machenz und zuerſt niſtete ich mich ein in dem Archiv der Bauhütte(opera) des Domes zu Florenz. Ueber die Nollen hat man mich nicht gelaſſenz hingegen ſtanden ein Paarhundert gebundener Bücher in den
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Repoſitorien, genug, um zu finden, und genug, um mich zu üben, Sie beginnen um das Jahr 1300. Die kunſtgeſchichtlichen Sachen ſind meiſt in eige- nen Büchern beyſammen. Protocolle von Bera- thungen, den Dombau betreffenden, und, das ſchäß- barſte, ein Band von Notarialconcepten, welcher alle Verträge der Domverwaltung mit Künſtlern von 1430-- 80 einſchließt.
Zugang erlangte ich ferner in das Archiv der Brüderſchaft der Miſericordia. VWVerglic< einiges ſchon durch Follini Bekannte. In den riforma- gion, wo die. Ausbeute die größeſte ſeyn muß, machte der Archivar mir Schwuürigkeiten und in jenem der Contracte ſollte ich, ohne den Index ge- ſehn zu haben, erklären, was ich ſuche: und wolle,
Einmal verwielt in dieſe Zeit raubenden Stu- dien, 30g mich das Verlangen, ſie fortzuſeßen, nach „Siena. An dieſem Orte war mir jegliches, ſogar manches Privatarchiv zugänglich. In den rifor- magioni ſtellte ich ein ganzes Archiv wieder herz jenes der abgeſonderten Finanzverwaltung; eine der älteſten in den neuen europäiſchen Staaten.
Ich bin nicht zufrieden mit dem, was ich ge-
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than, und fühle, daß es mehr Werth erhält durch den Ueberbli> und die Einſicht, deren ich in Sa-
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arten ſchnell und richtig zu keſen, um das Weſent- liche, Dat und Gegenſtand, ſchnell aufzufinden. Dieſem Wunſche ſchien das Anerbieten des Hrn. B. Montini entgegenzukommen, eines Unternehmers von Häuſerausrüſtungen, welcher, um daraus Leim zu kochen, während der franzöſiſchen Herrſchaft bey- nahe das ganze Archiv des unterdrückten Carmeli- terordens erſtanden hatte; einen Sa> und eine Tonne voll Pergament. Ich ſuchte mir daraus eine Folge verſchiedener Notarialſchriften zuſammen, welche aus dem Trödel des Marktes zu Siena ver- mehrt wurde; auch nahm ich aus Montini's Vor- räthen einige Diplome von Pabſten und Kaiſern auf. In der Folge wurden mir dieſe Dinge, bey ſehr gehäuften Sammlungen aller Art, ganz über- läſtig, weßhalb ich ſie der Königl. Hofbibliothek zu Berlin überlaſſen habe, wo ſie an ihrer Stelle ſind, und den jungen Gelehrten, denen die Großmuth des Königes ſo häufig die Unternehmung wiſſenſchaft- licher Reiſen erleichtert, zur Vorübung gute Dienſte leiſten könnenz vorausgeſeßt, daß ihr Studium mit dieſen Dingen in einigem Zuſammenhange ſtehe. Der Umſchlag eines dieſer Contracte vom Jahre
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1437 war das erſte Blatt eines livianiſchen Codex aus dem zwölften Jahrhunderte. Spater, während meiner Abweſenheit in Deutſchland, haben auf dem Markte zu Siena verſchiedene Quaternionen derſel? ben Handſchrift ſich gezeigt, welche ein florentini- ſcher Abbate gekauft haben ſoll, deſſen Name mir nicht mehr erinnerlich iſt.=- I< erzähle dieſen Vorfall, um reiſende Gelehrte auch auf dieſe Form der Verſtümmelung laſſiſcher Handſchriften auf- merkſam zu machen.;
Im Verlaufe meiner häufigen Zwiſchenreiſen von Florenz nach Rom und zurü>, warf der preuſſiſche Geſandte, Geheimr. Niebuhr, deſſen Haus ich flei-
ßig beſuchte, einmal, ich weiß nicht auf welche
Veranlaſſung, die Frage auf: woher ich mir er- kläre, daß in dem nördlichen und mittlen Italien der Bauer, Colone, überall nur Zeitpächter und Lohnarbeiter ſey, und das erſte auf die erdenklich kürzeſte Friſt, auf halbjährige Kündigung. Die Colonia partiaria, war Niebuhr geneigt aus der Sors barbarica, der Epoche der Völkerwanderun- gen, zu erklären z was mich nicht überzeugte. In- deß ließ ich ſeine Anſicht zur Seite, und beant-
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wortete die vorangehende Frage durch die improvi- ſirte Vermuthung: daß in der Zeit demokratiſch or- ganiſirter Städteherrſchaften der Bauer durch An- wendung merkantiliſcher Anſichten auf ländliche Be- ſißesverhältniſſe'werde durch Operationen der Ca- pitaliſten aus ſeinem Beſike, wenn ein ſolcher da war, verdrängt worden ſeyn. Er bat mich, den Gegenſtand gelegentlich anderer Forſchungen in den Archiven weiter hinauszuverfolgen. Ich unterzog mich willig dieſer Bemühung, um Niebuhr gefällig zu ſeyn, den ich nicht weniger liebte, als ich ihn verehrte. J< habe beyweitem zu ſpät, als dieſes Studium bereits für mich ſein Intereſſe verloren, davon in einer eigenen Arbeit Rechenſchaft abge- legt. Die Redaction iſt nachläſſig 3 doch ſelbſt, wenn ſie beſſer wäre, möchte ſie überſehn worden ſeyn, weil ſie auf andere Reſultate führt, als man will und begehrt. Niebuhr war vielleicht der ein- zige, welcher ihr ſubſtantielles Intereſſe ganz ge- würdigt und noch von ſeinem Sterbelager mich ex- muntert hat, die Unterſuchung wieder aufzunehmen, wozu vor der Hand wenig Ausſicht vorhanden iſt.
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YZ Horny's Tod. Räuber.
Unmittelbar nach ſeiner Ankunft in Nom waren jene erkünſtelten Schranken und Hemmungen des Verſtändniſſes, welche ſo lange Zeit auch bey dem beſten Willen, dem guten Horny unmöglich ge- macht, den natürlichen Erſcheinungen ihren jedes- maligen Charakter abzugewinnen, plößlich und gleich- ſam in einem Schlage zuſammengebrochen. In den Skizzenbüchern Koch's muß noch eine Zeich- nung ſich finden(ein Bli auf die Thermen Dio- cletians), welche männlich, ſicher, richtig und ma- leriſch, die erſte, welce des Saales ſeinen Gegenſtand zu ſondern und abzutheilen dachte. Die Studien,
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welche Horny in dieſer beſtimmten Abſicht gemacht, verrathen durch ein gewiſſes großartiges Weſen ihre Beſtimmung, ohne deßhalb weniger ausführlich, oder maleriſch behandelt zu ſeyn. Wer nur ſie bey mir geſehen, hat immer eingeſtehen müſſen, daß ihm in dieſer Art und Beziehung nichts Aehnliches vorgekommen ſey. Horny war von dem Stoffe, aus welchem Maler der Art des Giovanni da Udine gemacht werden; das iſt, mehr geeignet, ein großes Genie kraftvoll zu unterſtüßen, als in der Entwi- Felung eigenthümlicher Gaben gleichſam eine Welt für ſich auszumachen. Allein nur Wenigen iſt es gegeben, über einige Durchſchnitts- Gedanken und Vorſtellungen hinauszugehen. Cornelius freylich verſtand und ſchäßte des Horny großes und damals ziemlich iſolirt daſtehendes Talent; andere hingegen tadelten ſchonungslos in ihm den Mangel an Phan- taſie und ſelbſtſtändiger Productionskraft(für wel- bilde den jungen Künſtlern häufig vorgezeigt, wollten vortreffliche Männer mich überreden, daß immer doch etwas daran ſey. I< bin eigentlich geneigt, dieſe Ge- ſchichte für eine jener ſo häufig ſich wiederho- lenden Doppelmyſtificationen zu halten, in welchen man damit anfängt, ſich ſelbſt zu betrügen und da- mit aufhört, die bereits aufgegebene Täuſchung nach Kräften auf andere Perſonen zu übertragen.
In dieſer Zeit war die Geſundheit des armen „Horny, bey vielleicht angeborener Diſpoſition, durch eine ſträflich von ihm vernachläſſigte Bruſtentzün- dung und deren Folgen, gehäufte Blutſtürze, durch- aus untergraben worden. Wie ſo viele jüngere Perſonen, verlor er ſein Leben unzeitig, weil er
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ſechs Wochen lang einen Katarrh mit ſich herum- geführt und ihn auf alle Weiſe durch Kaffeh- und Weintrinken, durch Genuß nahrhafter Speiſen, Her- umgehen bey jeder Witterung und Tageszeit heran- gefüttert hatte. Von Anbeginn Hunger und Waſ- ſertrinken, zu Hauſe bleiben, ſpat aufſtehn, ein leich- tes Zugpflaſter auf Bruſt und Na>enz; und wahr- ſcheinlich lebte er noch immer. Jeder Katarrh iſt eine anfangende Bruſtentzündung; und von Allem, was um uns iſt, können wir auch gar nichts weni- ger entbehren, als die Lungen; denn es zeigt die tägliche Erfahrung, daß wir des Herzens uns voöl- lig entſchlagen können, aus welchem Ariſtoteles, Plinius und andere Alte irriger Weiſe den Mittel- punkt. und das eigentliche Princip des animaliſchen Lebens gemacht haben.
Ich war eben in Olevano, als es mit dem Hor- ny ſo ſchlimm wurde, daß man ihn vom Caſſino, welches um einige hundert Schritte vom Orte ent- legen iſt, nach dem niedriger und dumpfiger bele- genen Stadtclich ſterben können. Weßhalb ich dem Arzte dafür recht dank- bar bin, daß er mich zeitig genug zu jener Verän- derung angetrieben hatte.
Man erzählt mir, daß von jenem Vorfalle mit den Räubern gedruckte Berichte in Umlauf gekom- men ſindz vorgekommen iſt mir davon Nichts. Doch kann nur die Kataſtrophe ſelbſt beſchrieben ſeyn, welche gewöhnlich und gleichgültig iſt. Die Um- ſtände, Veranlaſſung und Folgen, enthalten die Moral der Fabel. Und nach ſo viel anderen alten Geſchichten mag denn auch dieſe hier ein Plätßchen finden.
Mein Hauswirth und Gevatter, der weiland Herr Joſeph Baldi, hatte, nicht lange vor jenem Ereigniß, ſeinen Ziegenhirten zur Unterſuchung ziehn, das iſt nach römiſchen Nechtsgebrauche verhaften laſſen, weil ſolcher der böslichen Entwendung ver- ſchiedener Dinge angeklagt war. Von zwey, an zwey verſchiedenen Orten wohnenden Zeugen, hatte der eine ausgeſagt: er habe vortages am Thore
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Baldi Wein hervorholen und damit einige Eſel be- laden ſehn. Der andere: es habe der Ziegenhirt in dem nahen Civitella Lämmer verkauft; was ihm nicht zukam, da Baldi ſeinem Hirten deſſen geſeß- mäßigen Antheil am Lämmerfall für ſiebenzig Scudi Romani abgekauft hatte.
Zufällig wurden in der Zeit, da man dieſen Pro- ceß eingeleitet und die Verhaftung des Hirten ver-" fügt hatte, die Ortsrichter, governatori, da ums her überall vertauſcht und umgepflanzt, ich denke, um auf dem neuen Boden beſſere Früchte zu tra- gen, oder, um zu verhindern, daß ſie mit ihren Untergebenen nicht allzuvertraut werden, oder auch aus anderen Gründen. Gewiß war der neue Go- vernatore, ein gutmüthiger und wenig behülflicher Mann, des Ortes und der Geſchäfte, in welche man ihn verſekßt hatte, zum Bewundern unkundig.
Vor dieſem Manne erſchienen, wenig Tage nach ſeiner Inſtallation, zwey ihm unbekannte und ſehr obſcure Perſonen, und ſagten vor ihm aus, ſie haben den einen von jenen beiden Zeugen ſagen hören: er bedaure, gegen den Ziegenhirten gezeugt zu haben, denn es ſey falſch, was er bezeugt, er ſey dazu
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ſubornirt worden. Ein ſolches Bekenntniß aus dem Stegreif, welches den Ausſchwäßer einer pein- lichen Unterſuchung. geradezu entgegenführt, entbeh- ret offenbar aller inneren Wahrſcheinlichkeit. Indeß war der neue Governatore höchſt erfreut, ſeinen Oberen zu Rom ſchon unmittelbar nach dem An- tritt des neuen Poſtens einen ſchlagenden Beweis ſeines Amtseifers vorlegen zu können, berichtete da- her den Vorfall vielleicht mit einiger Färbung von eigner Hand und Manier, um in den Augen des Präſidenten ſeine Wichtigkeit zu erhöhen. Genug, daß er zur Antwort erhielt:
„Man ſolle den Ziegenhirten unverzüglih aus dem Gefängniſſe entlaſſen, hingegen den angeſchul- digten Zeugen zu Haft ziehen.“
Dieſer leßte entzog ſich der-ſchimpflichen Haft, bey ſo ungewiſſem Rechts- und Aus- gange, durch die Flucht in das Gebürge. Der Ziegenhirt aber benukte die ſo launiſch ihm gewährte Freyheit, um, das Gebürge durchſtreifend, für ſeine Rache Bun- desgenoſſen aufzuſuchen.
Dieſes war die erſte Veranlaſſung jenes Ueber- falles einer bis dahin ruhigen und gutgeſinnten Ge-
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"ß a gend; denn italieniſche Räuber wollen ſicher gehn 1er pe und vermeiden die Landſtriche, in welchen es ihnen entbeh: unter den guten, ruhigen Bürgern an Theilneh- . Iudeß mern und Einverſtandenen fehlt. Die Bande, welche „ ſünm mich beſuchte, beſtand aus den Ueberreſten der Ge- em Ay ſellſchaft des hocwerke des Caſſino führt eine äußere Treppe, auf welche ein räumiger Vorſaal ſich öffnet. In dem anftoßenden Zimmer. ſaß ich meinem Beſuche, Herrn Salathe aus Baſel, Hrn.
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Ramboux aus Trier, beiden Malern, gegenüber und hielt vor mir einen gar lieben Knaben, den nachge- laſſenen'Sohn des Arztes, welchen ich in früheren Jahren wohl einmal zu Rathe gezogen.- Ich un- terrichtete ihn in italieniſcher und lateiniſcher Spra- - ſal. Es iſt gefährlich boshaft zu ſeyn. Doch für den Augenbli entkamen ſie mit ihren Gefangenen, Herrn Salathe und dem Sohne meines Gevatters, Giovanni Baldi.;
Außerhalb Olevano begegneten mir verſchiedene Leute, unter dieſen der Stadtarzt mit dem Aus- rufe: Si faccia cavar del Sangue! Mit flugem Sinne wollte er ſogleich den Vorfall benußen;-oder auch meinte er im Ernſte, das ich einer Blutsver- änderung bedürfe. Ungeachtet ſeiner Androhung der ſchlimmſten Folgen ließ ich's beym Alten; und in
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der That bekam mir auch an dieſem Tage mein Mittagseſſen und habe ich von dem mir angemu- theten Entſeßen nie weitere Folgen geſpürt.
Auch die Gevatterin, Signora Caſtantina, war herbeigeeilt; ihr folgte die Hälfte der ganzen weib- lichen Bevölkerung. Sie war eine ſtattliche, große Frau von römiſcher Geſichtsbildung und tragiſcher Grandioſität- der Geberden. Wie ſie nun die Hände ganz maleriſch über dem Haupte rang und ein Mal Über das andere ausrief: 0 mio Üglio, mio Üg- ]io Giovanni!(er war nur Stiefſohn und nicht von den beſten) wie der Chorus, bald in den Jam- mer einſtimmte, bald ſehr ſchöne und tröſtliche Re- flexrionen hervorkehrte3 da ward es mir klar, daß den Alten der Chorus nicht ſo ganz als ein ſtyli- ſtiſches Kunſtſtük, daß er ihnen auch innerhalb ge- wiſſer Grenzen als natürlich und nothwendig er- ſcheinen mußte.
Genug, die armen Leute blieben entführt, und in der erſten Beſtürzung hatten die Dienerinnen der Gevatterin ſogar mein ſchon halbbereitetes Mahl. in den Ort hinabgetragen, als wenn nun auch den Forellen und übrigen Eßwürdigkeiten Gefahr drohe.
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na, war en weib: 6, große ragiſcher » Hände in Mal 0 fig- ) nicht 1 Jam- he Rer wt, daß m-fiyli: alb 4 dy er - und n der ahl.in zu machen, als den des Verdruſſes und Ekels.
Nach dieſem Vorfalle verweilte Horny noch ei-
nige Jahre in Olevano, woſelbſt er verſchieden iſt. Ich beſiße aus ſeinem Nachlaſſe Zeichnungen, welche andeuten, daß er geneigt war, in der Manier wie-
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derum auf die alte Spur zurückzukehren. In der Auffaſſung dieſer ſpäteren Zeichnungen wird mehr eigenthümlicher Geiſt ſichtbar, als in jenen frühſten und beſten. Seine Freunde hätten in dieſer Bezie- hung ſich etwas Geduld geben ſollen. Hingegen hatte er im Malen nicht eben gewonnen. Ob nicht überhaupt ein Theil ſeiner Schwankungen aus ſei- net Gemüthsart zu erklären wäre, deren Güte an Nachgiebigkeit und Schwäche grenzte? Man erlebt in dieſer Beziehung viel Wunderbares. Gute See- len finden ſo viel Genuß im Gefaälligſeyn, daß ich mir denfen kann, wie bey ſeinen Wunderlichkeiten er vornehmlich dieſes bezwe>t habe, Perſonen, welche er ſchäßte und liebte, die unſchuldige Freude zu machen, welche in dieſer Zeit gar Viele an be- ſtimmten ſicher höchſt gleichgültigen Manieren und Förmlichkeiten zu haben pflegten.
10.4
VI ZUUVSOEMAONNſ Mate.
Mehrmal im Verlaufe dieſes langen Aufenthal- tes jenſeit der Alpen gewährte mir das GlüE die Freude, Verwandte und Landzsleute bey mir ein- ſprechen zu ſehn. Es war mir Genuß mit ihnen zu beſehn, was ihnen neu war und hiedurch mir ſelbſt wenigſtens friſch erſchien. An einem Neujahrsabende 1820 oder 1821 waren nicht we- niger, als vierzehn holſteiniſche Gutsbeſißer, doch ihre Damen eingerechnet, bey mir vereinigt. Wir begingen einen frohen Abendz denn in der Fremde ſtimmen Alle jederzeit überein, welche dieſelbe Sprache reden, alſo doch eine gewiſſe Zahl von Begriffen und Gedanken umzutauſchen haben, welche nur ihrer eigenen, feiner anderen, Sprache angehören.
Unter dieſen Landsleuten kam häufig die Rede auf die Vorzüge des Geiſtes und des Herzens des Prinzen und der Prinzeſſin von Dänemark, deren
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Ankunft in Italien nahe bevorſtand und uns in große Spannung verſeßte. Endlich langten dieſe Herrſchaften in Florenz an, wo mir damals zuerſt das Glü>k ward, Ihnen aufzuwarten. Denn erſt ſeit kurzem und noch während dieſes langen Auf- enthaltes in Italien war unſere Provinz mit dem däniſchen Staate vereinigt worden, deſſen Regen- tenhaus mir daher noch unbekannt war. Meine lebhafteſten Erwartungen wurden durch den Ein- dru> des Gegenwärtigen weit übertroffen.
Der Prinz Chriſtian Frederic, ein noch jugendli- e in den Bewegungen der Lippen und Augenz ſeine Mitthei- lung geiſtreich und gütig; ſeine Kenntniſſe und In- tereſſen Vieles umfaſſend, Naturwiſſenſchaften, Kunſt, Hiſtorie, Statiſtik. Die Prinzeſſin Caroline Ama- lie in der Blüthe weiblicher Anmuth und, nach dem allgemeinen Ausſpruche, zu Rom und Florenz, wo damals zufällig aus ganz Europa berühmte Schön- heiten vereinigt waren, unter den ſchönen unbeſtreit- bar die ſchönſte. Doch läugne ich nicht, daß jene glülichſte Verſchmelzung von Anmuth und Würde,
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daß jener ungeſuchte, höchſt natürliche Ausdruc eines über den Beſiß, obwohl großer, doch nur du- ßerlicher Vorzüge weit erhabenen Geiſtes, das Schönheitsurtheil beſtechen mochte, wie's geſchieht. Denn nicht leicht wird man das Leben ganz ab- ſtract auf Form und Verhältniſſe anſehn. Große Tugenden, große Vorzüge des Geiſtes, werden ſtets das Urtheil über Formelles und Aeußerliches in eine gewiſſe Befangenheit verſeßen z was ich zur Beru- higung ſolcher Damen geſagt haben will, welche jener Zeit auf Schönheit und Rivalität gegründete Anſprüche zu beſißen geglaubt.
Nach einem längeren Aufenthalte in Neapel kehrte der Prinz nach Rom zurüf, wo mir das Glü> ward, einige Monathe lang täglich um ſeine Per- ſon zu feyn, wie um wenig ſpäter auch in Florenz. In dieſer Zeit feſſelte mich die Anerkennung der trefflichſten Eigenſchaften, die Dapkbarkeit für un- ausgeſeßt mir bewieſene Güte, für alle Zukunft an dieſe hohen Perſonen, für welche ich mehr als jene dürre Ehrfurcht, für welche ich treue Freundſchaft und Anhänglichkeit empfinde. Wiederholt habe ich ſeither in Copenhagen und Sorgenfrey Wochen und
Wuödrud nur dw 6, dW gſehieht, zan ab:
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Monathe als Gaſtfreund bey Ihnen verlebt und in Ihnen ſo gütige Wirthe gefunden, als das Privat- leben mir irgendwo gezeigt hat. Und wäre dieſes Alles auch nicht, wie und was es iſt, ſo würde mir doch unvergeßlich bleiben, wie Vieles in Ih- rem Umgange, in Ihren Geſprächen und Mitthei- lungen mir klarer, wie Vieles durch Sie in meiner Seele angeregt und erwe>t worden iſt.
Der Zufall, auch die Pflicht, hat nicht ſelten mit Perſonen, welche zur Herrſchaft geboren ſind, mich in eine nähere Beziehung verſeßt. Es war mir belehrend, zu ſehen, welche Vorzüge, und an- derentheils auch welche Nachtheile, eine ſo hohe Stellung der ſittlichen, der geiſtigen, und überhaupt der menſchlichen Entwi&elung theils zubringt, theils auch entgegenſtellt. Nicht, um die Vorurtheile der Zeitgenoſſen gegen das Principat zu bekämpfen, vielmehr aus freyer Neigung und nach meiner Art, Jegliches auf ſich ſelbſt anzuſehn, komme ich auf dieſen Gegenſtand.
Vieles im Menſchen iſt perſönlich, betreffe es ſei- nen Werth, oder Unwerth. Einiges indeß gehört nun einmal den Umſtänden an, Gutes und Schlim-
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mes. Nun erwäge man, welche Maſſe von Be- hinderungen einer freyen, vollbrüſtigen Gemüths- entwikelung das Schiſal bey den geborenen Für- ſten in einem Schlage hinwegräumt. Kleinliches Kümmern, Sorgen, Begehren, ärmliche Eiferſüch- teley und das ganze Heer der im Privatleben un- entbehrlichen Triebfedern jeglicher Thätigkeit und Anſtrengung, fallen hier von Grund aus hinweg. Daher bey den Fürſten: Großmuth, Verzeihlichkeit, Leihtnehmen des Unwichtigenz und nicht allein bey großer und ſtarker, nein auch bey ſchwacher Seele. Vergleichen wir ſie auf dieſem Puncte mit dem Uſurpator, welcher doch ſtets und nothwendig Talente beſikßt, ſo zeigt ſich's bald, daß jene Tu- genden das Erzeugniß der Stellung, in jeder an- deren ſogar den außerordentlihen Männern unexr- reichbar ſind. Nur abſtrahire man von Solchem, was aus fremdem Einfluſſe entſpringt. Denn aus der Annahme, daß Fürſten edel fühlen und groß- artig denken, wird auf die Geſinnungen der Höf- linge und Diener kein Schluß zu machen und an- dererſeits niemals zu verhindern ſeyn, daß nicht ein großer Theil von, unüberſehbar- unermeßlichen
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von Be: Geſchäften und Beziehungen durch die Hände von Vemithö: Perſonen gehen, welche alle Schwächen und Fehler non Für.des Privatlebens an ſich genommen haben.
einliche Wie hier das Gemüth, ſo wird dort wiederum Eifarſüch: der Geiſt auf eine wundervolle Weiſe durch die ehen un: Höhe der Stellung gehoben und emporgetragen. feit und Der Geiſt des Fürſten iſt Ueberbli>, ſeine Gelehr- hinweg ſamkeit der Beſiß von tauſend Anknüpfungspuncten Wichfett, für jene Unermeßlichkeit von Gegenſtänden und Ths- in bey tigkeiten, welche zu ihm in Beziehungen ſtehn, oder Seele, do< zu kommen verſprechen. Das iſt nicht die Ww dem Flachheit der Mancherleywiſſerey; nein, die nüßt nerdig den Fürſten ſo wenig, als allen übrigen Menſchenz jene Ju allein es iſt etwas demjenigen, welches Neuere bis- jeder an: weilen den wiſſenſchaftlichen Geiſt nennen, ſehr nahe Juhi verwandtes. I< weiß nicht, ob man mich ver- Zelden, ſtehen wird; doch was liegt mir daran?--- Wenn enn aus man nur ungefähr auffaßt, wie und weßhalb ein d groß geborener Fürſt für mich eine tröſtliche, eine erfreu-
« Hi liche Erſcheinung iſt. Ich fühle mich ihnen gegen- Über entbundener, freyerz weil in ihrer Nähe viele je ner Klammern und Klauben hinwegfallen, welche das Leben häufig zu einem ſo ängſtlichen Zuſtande machen.
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Cs iſt mir vorgekommen, daß man fürſtlichen Perſonen eingeworfen ,- ſie können etwa kein Exra- men machen, es fehle ihnen dieſe oder jene andere Kenntniß, auf welche der Tadler eben Gewicht legt, weil vielleicht er ſelbſt kein anderes Verdienſt beſikt. Nein aber, wie ungelenk der menſchliche Geiſt doch iſt! wie feſt ein Jeder in ſeiner eigenen Schachtel verpackt iſt, als ſike oben drauf das be- rüchtigte Siegel Salomonis!=- Sehn Sie denn nicht, Verehrter, daß Ihr Nachbar denſelben An- ſpruch machen könnte und ſo fort bis zum lekten? Wenn Sie ſich vorgeſeßt haben, in Ihrem eigenen Fache was Rechtes zu leiſten, ſo bringt Ihnen das alle Ehre. Allein folgt denn nicht eben aus demſelben Tüchtigkeitsprincipio: es ſolle der Fürſt, nicht etwa dieß oder das, ſondern ein rechter Fürſt
ſeyn? Und wer iſt das? Der mit feſtem Willen-
das Gerechte und Gute verfolgt; der mit bewun- dernswerthem Tacte in den Menſchen ihre eigen- thümlichen Tugenden und Fähigkeiten auffindet s der, für das Vortreffliche empfänglich, auch dafür zu begeiſtern weiß, ſo Leben und Thätigkeit erwet und nährt. Die Würkſamkeit guter Fürſten er-
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dieſen Erfahrungen, daß kein Lehrmeiſter dem Kna-| ſal ben zu gering iſt, wenn er nur reichliche Arbeit| Ve hat und practiſch dazu anweiſen kann. Wie wäre| ſen es nun, wenn man als Bedingung der Aufnahme| 6 in den öffentlichen Kunſtſchulen aufſtellte: es müſſe| 0 der Aufzunehmende in der Kunſtart, welche er zu| ve betreiben ſich vorgeſebt, ein bemerkliches techniſches| wi Geſchie entwickelt und erprobt haben? Würde hie- de durch nicht auch, von Anderem abgeſehn, der Ue- 6 bermehrung ganz hülfloſer Individuen vorgebeugt iW werden, in welcher die europäiſchen Akademieen ſo x ib fruchtbar ſind.:' leu:
Was nun aber können die Öffentlichen Kunſt- kur ſchulen dem ſchon Aufgenommenen gewähren? Nur ſir Wiſſenſchaftliches. Denn im Poetiſchen drohet ihm, de bey nothwendiger Verſchiedenheit und Durchkreu-| de zung in den Richtungen verſchiedener Lehrer, in den: an Akademieen ſtatt begeiſternder Anregung, vielmehr qu nur Verwirrung und Zerriſſenheit. Und in Anſe-(ho hung des rein Techniſchen haben wir uns bereits det verſtändigt. Ww
Nun frage i< ſämmtliche Akademieen Europas| Mi auf ihr Gewiſſen hin: ob irgendwo in dieſen An- y
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ſtalten die Anatomie mit derjenigen Strenge und Beharrlichkeit getrieben werde, welche dieſer Wiſ- Fenſchaft zukommt? I< frage ſie: ob irgendwo dem Erforſchen der Theile an den Leichnamen, die Be- obachtung ihrer Beſtimmung und Handlung bey verſchiedener Bewegung unmittelbar zugeſellt werdez wie ſich's gehört, wenn das anatomiſche Studium dem Maler nüßen, ihm zu Anderem dienen foll, als zu jener pedantiſchen Ruhmredigkeit, in welche ihrerzeit die Schüler des Michelangelo ſich verloren haben.= Allein auch in der Perſpective iſt man lauz und die Vorleſungen über die Künſtlerlitera- tur ſind, wo ſie überhaupt ſind, pedantiſch, zer- ſtreulich und von aller Anſchauung ihres eigentli- y's närriſchen Radirungen.= Doch for- dert Pflicht und Gewiſſen hier zu bemerken, daß die Akademie zu Copenhagen meinen beſcheidenen Wünſchen bereits in hohem Maße entſpricht. Niemals hatte ich auf Künſtler wenn auch nur
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den leichteſten Einfluß gewonnen. Mein Lob ſah man nicht ungern; doch nicht lieber, als jedes an- dere. Konnte ich aushelfen, ſehr wohl. Uebernahm ich es, Angegriffene zu vertheidigen, oder Verdienſte zu rühmen und zu empfehlen, ſo ward es gut auf- genommen. Allein Gehör ward mir nicht leicht gewährt; eher belehrte man mich, indem man mir jene allerliebſten Allgemeinheiten vorſagte, welche, wenn man ſie Einhundertmal gehört, zulekßt nach Speciellerem eine ganz unwiderſtehliche Sehnſucht erwe>en. Auf dieſe Weiſe durchaus zur Ruhe ver- wieſen, kam ich auf die Frage, ob es nicht mir ſelbſt, dem nachläſſigſten aller Dilettanten gelingen könne, unter ſo viel ungünſtigeren Umſtänden einen eige- nen Schüler zu erziehn.
Häufig beſuchten mich von Hamburg aus die jüngeren Künſtler, welche dort zahlreich ſind. Meine Sammlungen und mein Intereſſe an ihrer Beſchäf- tigung zogen ſie anz doch blieb ich auf ſie ohne Einfluß; ſie verſtanden mich nicht. Wer an jenes gergo von Allgemeinheiten einmal ſich gewöhnt hat, an welchem heutzutage nicht bloß die Künſtler, nein auch ſo viele andere Profeſſionen ſich's begnü-
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gen laſſen, dem erſcheint Jegliches genauer in die Sachen eingehende nicht bloß ſtörend, nein ſogar unverſtändlich. Es iſt ſo bequem, alle Mittelſtufen zu Überſpringen z ich verdenke es den Leuten keines? weges.=- Ein einziger war unter ihnen, welcher, ungleich weniger gebildet und beleſen, zudem nur in ſeinen Nebenſtunden mit der Kunſt beſchäftigt (denn gar nicht hoch hinaus wollte man mit ihm) offenbar für Belehrung ſehr empfänglich und zur Arbeit unendlich aufgelegt war. Er hatte den Va- ter frühe verloren, lebte bey ſehr entfernten Ber- wandten, welche ihn gern mir ganz überließen.
In ſeinem ſechzehnten Jahre kam Friedrich Nerly, vas iſt ſein Name, in mein Haus. Ziemlich groß, obwohl noch unausgewachſen, knabenhaft roh in feinen Manieren, in Allem, was die Kunſt betrifft der größte Neuling= auch darin, daß ihn die un- exmeßlichſte Begier erfüllte, ein tüchtiger, wo mbg- lich ein großer Künſtler zu werden. Das war das Holz, nach welchem ich geſucht. Er hat meine kühnſten Erwartungen übertroffen.
Durch ihn habe ich erprobt, daß es gut ſey, ſchon dem Knaben die Handhabung aller malert-
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ſchen Werkzeuge frühe und ſogleich methodiſch bey- zubringen. Auf Form und Proportion ward in den erſten Jahren gar wenig geachtet, doch ſireng auf die richtige Führung und Handhabung der Werkzeuge, vornehmlich der maleriſchen, gehalten. Hierin ſind Lehrer und Künſtler gleich unbeſorgt. Und dennoch iſt es nicht gleichgültig, auf welche Weiſe man ein Bild überhaupt, oder den Localton insbeſondere anlege, auf die Fläche bringe. Ueber- all ſicht man dabey herumfahren zur Rechten, zur Linken, gleich den Raketen und Feuerwerken. Da bleibt denn an der Stelle, wo der volle Pinſel zu- erſt auf der Leinwand anlangt, ein dier Kle>s ſiken; wo er aufhört aber, da kommt nichts auf das Tuch, als vieles Oel und wenige Farbe. Die- ſes Gekle>ſe wird nach der Hand gedrückt, ver- ſchoben, vertrieben, bis es einiger Maßen zuſam- mengeht, doc< auch taub und ſchmußig geworden iſt. Tronet eine ſolche Anlage auf, fo zeigen ſich überall unbede&>te Stellen z unangeſehn, daß die nächſte Lage von der unreinen ihr unterliegenden, mehr Schaden, als Vortheil hat. Hingegen zeigt das Licht der Natur, daß man, um einen halb-
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flüſſigen Stoff auf einer Fläche ebenmäßig mit dem Pinſel aufzutragen, dieſen mit Ruhe handhaben, ihn in kurzen Abſäßen bewegen muß. Auch wird dieſe Art, den Localton aufzutragen, oder zu deen, in horizontaler Richtung geſchehen müſſen, damit nicht etwa die Unebenheiten, welche nicht ganz zu vermeiden ſind, bey darauf fallendem- Lichte Tiefen und Schlageſchatten verurſachen. Dieſes lekte iſt ſelbſt bei Untermalungen zu berüſichtigenz ſowohl weil auf ihnen bey transverſaler Richtung der Un- ebenheiten ſchlecht zu malen iſt, als auch. weil die Untermalung und, was ihr anhängt, ſtets durch die Uebermalung hindurchſcheinen wird.
Gleich wichtig iſt, daß man des Künſtlers Hand an Leichtigkeit gewöhne, damit er Reflexe und Lich- ter und jegliche andere Präciſirung in jeder Rich- tung-in den naſſen, oder halbtroFenen Localton hineinſpielen könne, ohne zu quetſchen, in.die un- terliegende Farbe einzudrü>en, noch das friſch Auf- getragene ſelbſt ſogleich zu verſchieben. Ach Gott! wie viele Male ſieht man, in neucren Bildern auch von größtem Verdienſte, das Licht von dem zu ſchwer geführten Pinſel um ein Paar Linien
411 X X
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hinaus und von der Stelle gedrüt, wo's eigent- lich zu ſtehen die Neigung verſpürt hatte. Sehe man dagegen in ächten raphaeliſchen Bildern, wie da das Licht längs der Naſe ſcharf an ſeiner Stelle mit dem Borſt in den naſſen Localton hineingeſpielt iſtz und läugne mir noch, daß Künſtler, zum Prä- ciſiren und Aufſeßen, der allerleichteſten Hand be- dürfen.
Ich ließ meinen Schüler von Anbeginn nie aus- gehn, ohne vorher ſeine hirſchledernen Handſchuhe anzuziehn. Seine Hände waren damals ganz ver- nachläſſigt, wie bey ſo vielen jungen Künſtlern. Doch bald verbeſſerten ſie ſich und es erhielten ſeine Fingergelenke die unentbehrlihe Geſchmeidigkeit wieder. Eine Kleinigkeit, denkt man. Ja wohl eine Kleinigkeit, woran jedoch ſehr Vieles hängt; denn ohne Hände giebt es keine Maler, und ohne brauchbare, keine gute. Sein Auge ſtellte ſich durch fleißige Jagdübungen wieder herz denn es hatte durch Kleinarbeiten gelitten. Auch dieſes nur eine Kleinigkeit, doch eine weſentliche, meine werthen, höchſt tranſcendenten Zeitgenoſſen!
Doch werde ich zu umſtändlich, und nehme mix
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hiedurch den Raum, zu melden, wie der geſchi>te Knabe in der Folge ein ſehr einſichtsvoller Jüng- ling geworden iſt und der einſichtsvolle Jüngling in jenem großen Wendepuncte des Menſchenlebens, in welchem die Schauer der Begeiſterung einzutre- ten beginnen, freudig empfunden hat, daß ſeine Schwingen ſtark ſind und ihn weit hinaus zu tra- gen und hoch zu heben verſprechen.
Ungeachtet meines längſtgefaßten Mißtrauens ge- gen den Nuten des Copirens behuf der Einübung von techniſchen Fertigkeiten, ließ ich den Nerly an- fänglich einige Verſuche dieſer Art anſtellen, um doch nicht etwa die Rechnung zu voreilig abzu- ſchließen. Die Feder einzuüben, ließ ich ihn einige Radirungen copirenz er machte ſeine Sache vor- trefflich; allein die nächſtfolgenden Naturſtudien um ſo ſchlechter. Eben ſo gings mit einer kleinen Co- pie in Oel. Nach dieſen auf der Stelle als nach- theilig ſich erwieſenen Verſuchen, gab ich es auf, ſie zu wiederholen und ließ ihn ohne Ausnahme jegliche techniſche Fertigkeit gelegentlich ſeiner an- derweitigen Studien einüben. Er lernte dabey das Techniſche ſchneller zu einem gewiſſen Ziele
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zu führen, und gewann zugleich an poſitiver Kennt- niß und mannichfaltiger Erfahrung von den Geſe- ßen und angenehmen Zufälligkeiten der Erſcheinun- gen an ſich ſelbſt. Auch brachte es den Vortheil, daß er für die Vorzüge und Eigenthümlichkeiten wahrer Kunſtwerke eine größere Friſche und Em- pfänglichkeit des Sinnes behielt, als bey den Co- piſten anzutreffen iſt. Auch, daß er nicht verführt wurde, dur< Nachahmung der ſtets um Einiges nachgedunkelten alten Bilder in jenen dumpfen Halbton zu verfallen, welcher allen denen eigen- thümlich iſt, welche jemals viele Zeit auf das Co- piren verwendet haben. Hierin wird jedoch nicht geläugnet, daß Künſtlex nothwendig das Bortreff- liche ſtets in den Augen behalten, beobachten und damit wetteifern müſſen. Im Gegentheil, es wird nur mit um ſo beſſerem Erfolge geſchehn, je we- niger ihnen das Vortreffliche als Gegenſtand einer mechaniſchen Nachahmung Verdruß und Langeweile gemacht hat.
Eingeſchärft ward ferner, jedesmal dasjenige mit größtem Eifer vorzunehmen, was die Umſtände zu khun geſtatteten. Auf dem Lande ward den
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- 253
landſchaftlichen Erſcheinungen, den Geſtaltungen der Jagd- und Hausthiere und artigen Individualitäten des Menſchengeſchlechtes nachgehangen. In der Stadt aber ward der treffliche Arbeiter für mich auf Mo- nathe unſichtbar, weil er von früh auf bis ſpat Nachts im Hoſpitale der Anatomie oblag. Ich erinnere mich, daß er, als ich Frühjahrs einmal mit ihm von Hamburg aufs Land hinausfuhr, beym An- blife der Todtencapelle dortigen Hoſpitales Thra- nen vergoß.- So lieb kann denen, in welchen das heilige Feuer ſich entzündet hat, ſogar das Schauderhafte ſelbſt werden, wenn es zur Kennt- niß und zur Sicherheit des Gebrauches nothwen- diger Mittel führt!
Um den Jüngling unaufhörlich zum Bewußtſeyn und hiedurch“ zur Ergänzung und Berichtigung ei- gener Mängel und Schwächen anzuleiten, ließ ich ihn ohne Unterbrechung an Gemalden von eigener
Wahl, Erfindung oder Zuſammenſtellung arbeiten.
Denn ich hatte verſchiedentlich bemerkt, daß ſtudi- rende junge Künſtler, oft unwillkührlich, ſtets wie derum auf das Längſtbekannte zurükkommenz wie ſchlecht angeleitete Klavierſpieler auf daſſelbe Mu-
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ſikſtü, und wie eigenſinnige Fliegen auf denſelben Punct der Naſe. Wenn man aber ſie zu eigenen Arbeiten anhält, ſie verlo>t, dabey ſich zu über- heben, mehr zu unternehmen, als ſie eigentlich ſchon zu leiſten vermögenz ſo bringt man ihnen hundert Blößen und Leerheiten in ihrer Kenntniß und An- ſcelung einen günſtigen Einfluß auf| alely die Anſichten zu erleben, von welchem man bey der! ſehe Bildung junger Künſtler ausgeht. Man bedenke,| ga 3 daß Alles, was in Bezug auf meinen ausgezeich- in 1 neten Schüler ſtattgefunden hat, bey minder zer- 110 Ze ſtreulichem Leben, in der Werkſtätte eines thätigen, wah Vieles beſchaffenden Meiſters, bey wohlthätigem üb fehn
Wechſelverhältniß zu anderen, gleichmäßig angelei-
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zu loht ünali i i zu loben, teten Knaben und Jünglingen, mit noch ungleich
x 4 mehr Sicherheit des Erfolges müſſe zu betreiben 1) große ſeyn. Gewiß würde ich erſt dann mein Ziel für den Ne- gänzlich erreicht halten, wenn ich erleben ſollte, daß ſ mn Nerly's Beiſpiel zur Nachahmung ſeines Bildungs- lin fon» weges anreizt.
neuſs Uebrigens hat auch bey ihm ſich bewährt, daß it über Aufmerkſamkeit auf die Bildung des ſittlichen Cha- welches rakters und des Verſtandes, daß Hinweiſung auf | Jedes Grundſäße und moraliſche Conſequenz,-der Pro- ſpannt ductionskraft der Künſtler nur Vortheil bringen 0, der kann, wie andererſeits geſellige, oder äußerlich an- (WE genehme Sitten ſeinem Fortkommen unter den am Diy- Menſchen. Der tägliche Umgang mit dem wohl- ewohaus- geſitteten jungen Manne hat viele Jahre lang nicht fuß auf allein mir ſelbſt, nein meinem ganzen Hauſe das bey der Leben erheitertz und es macht mir Vergnügen, ſa- bedenty gen zu können, daß mein Maler, ſo nennt man weih ihn, weit und breit im Umkreiſe meiner Wohnung ot ze und Beſißung bey den Landleuten umher in ſo gutem tigen, Andenken iſt, daß ich von Zeit zu Zeit von ſeinem Leben gen und ſeinen Fortſchritten Kunde zu geben genöthigt bin.
angelt
42 GRINDER MEGANE
H. Urſprüngliche Beſtimmung und ſpä- tere Abänderung des Reiſeplanes.
Mein Schüler war nunmehr in der Kunſt ſo weit vorgerüEt, auch ſchon in dem Alter, in wel- dem man zu ahnden beginnt, daß man nicht bloß um zu erlernen lerne, vielmehr um freyer ſich in ſich ſelbſt zu bewegen, zu leben und würken. I< verſtand jene aufſteigende Sehnſucht nach begeiſtern- ven Eindrücken, welche der Künſtler ſtets in Ita- lien ſucht und wohl auch findet, entſchied mich da- her, ihn dahin zu begleitenz denn es ſchien mix gewagt eine ſo junge Seele ohne Uebergang ſich ſelbſt zu überlaſſen. Auch lag es mir längſt im Sinne, die früher unter dem Titel: Italieniſche Forſchungen, herausgegebenen Unterſuchungen in ſich abzuſchließen durch eine Arbeit über das Zeit- alter Raphaels, zu welcher ich hoffen durfte, an beſtimmten Orten vortreffliche und neue Materia-
einen ün
yen
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lien aufzufinden. So ward denn eine dritte Reiſe über die Berge hinaus beſchloſſen und langſam vor-
bereitet.
Es giebt omina, mag man ſagen, was man 10 ſhi: will. Schon in Mantua mußte es mir geſchehen, a1e8, daß ich durch einen Fehltritt mir den Fuß beſchä- digte.- In Folge dieſes Unfalles habe ich in Flo- ſufi fo renz zwey Monathe in gänzlicher Unthätigkeit hin-
In wel: bringen müſſen. t bloß Bey wiederholtem Aufenthalte in Berlin hatte ich in ich, Winter auf Winter, das Muſeum von den 1, Th Fundamenten aus, welche m!“ antizm Muth und ſen: Verſtande angelegt ſind, ak 2xmach' bis zu einer in it Kunſtvollendung ſich erheben ſchn, welche um ſo mhd- mehr überraſcht und hinreißt, als man des unmit- ien mit telbar vorangegangenen tiefſten Verfalles der Archi- ang fi tectur noch immer eingedenk iſt. Liebe und Vereh- nf: im rung des großen Mannes, welcher. ein ſolches Bau- jeniſche werk denken, durchdenken und mit erſtaunenswer- gen in ther Oekonomie der materiellen Mittel ausführen 3 Zeit: könnenz lebhaftes Intereſſe an einer Stiftung, wel- te anung, wel- e der Schule von Pe- rugia hervor, und fragte mich, ob ich glaube, daß es dem Könige, oder doch den berliniſchen Kunſt-
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freunden, Vergnügen machen werde. Es ſchien mir dem Gegenſtande und der Schule nach intereſ- ſant genug, worauf er daſſelbe, als ein Geſchenk, 'zu den übrigen Gemälden verpackte. I< fuhre die- ſen Umſtand hier an, weil eben dieſes aus kindli- t). Auch iſt es nicht mein eigener, ſondern Hrn. Meßz- ger's Einfall, es nach Berlin mit zu ſenden.
Mit dieſem Falle iſt ein anderer verwandt, deſ- ſen ich hier leider zu erwähnen habe. Bor vielen Jahren erkaufte ich zu Perugia vom Prior der Franciscaner drey Bildchen, welche ich verſchiedenen Perſonen gezeigt und dabey ihnen geſagt habe, daß ich dieſe Bildchen, welche offenbar Theile einer Als tarſtaffel geweſen ſind, für Theile deſſelben Gradino halte, welcher ehemals in der Gallerie Orleans zu ſehen war und durch das Bilverwerk des Crozat ſehr bekannt iſt. Gründliche Kenner und Beobach- ter neuerer Alterthümer wiſſen recht wohl, daß man die hiſtoriſchen Bilder ſolcher Altarſtaffeln durch Zwiſchentäfelchen abzuſondern pflegte, welche ge- wöhnlich einzelne Figuren, ſeltener eine Arabeske enthalten.
Im Verlaufe der Zeit kam ich auf den Gedan-
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ten, ſie an dem Geburtstage S. K. H. des Kron- prinzen von Preuſſen Höchſtdemſelben hübſch einge- rahmt zu verehren. Die Bildchen waren ſo aller- liebſt, vornehmlich das Mittelbild, eine Pieta, ſo rührend und ſchön, daß ſie die Freude erween mußten, welche S. K. H. mir ſogleich in einem Briefe mittheilte, worin die Vorzüge dieſes Bildes beſſer und anſchaulicher ausgeſprochen werden, als mir ſelbſt jemals gelingen könnte. Selbſt Hofrath Hirt fand dieſe Bilder ſehr hübſch, bis er gehört, von woher ſie in den Beſiß des Prinzen gelangt waren. Seitdem hat er nun wiederholt ſie zUr Zielſcheibe ſeiner Ausfälle gewählt und mit ſeiner eigenthümlichſten Virulenz beſudelt. Ich ſolle, ſagt er, dem Kronprinzen dieſelben für denſelben, ſub- ſtantiellen Gradino der Krönung der Jungfrau ge- geben haben, welcher im Vatican aufgeſtellt iſt und welchen S. K. H. dort mit Vergnügen mit eige- nen Augen geſehn hat. Ich habe ſie nicht einmal für etwanige Zwiſchenbildchen dieſes Gradino gege- ben, welche bekanntlich im Vatican nicht vorhan- den ſind, ſondern nur die Meinung und das ſub- jective Gefühl erwähnt, daß ſie von Raphael und
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Abſonderungen jener Bilder in der alten Gallerie Orleans ſey'mn. Dieſe ſet Vaſari unter das ſehr alterthümliche Bild der Nonnen von St. Antonio und mag es darunter geſehn, oder auch, gleich an- deren peruginiſchen Notizen, in der Erinnerung ver- wechſelt haben. Ich ſelbſt aber kann dem Vaſari nicht glauben, daß Bilder ſo viel neuerer Kunſt- form als Zugaben für jenes alterthümlichſte Bild gemalt ſeyen. Im Gegentheil halte ich die Bilder des Herzogs von Orleans mit allem Zubehör für den urſprünglihen Gradino der älteren Krönung der Maria im Batican und habe im dritten Theile der„Forſchungen daher in einer Note auf eine alte handſchriftliche Notiz aufmerkſam gemacht, welche den Gradino des Vatican einem gewiſſen Betto zu- theilt, welcher gelegentlich der verſpäteten Beendi- gung des Hauptbildes den Gradino ganz gemalt haben ſoll. Dieſer iſt zwar vortrefflich und raphae- liſch- peruginiſch, doch in einer ganz anderen Max- nier und Tendenz gemalt, als die Krönung ſelbſt. Mit dieſen noch unentwirrten Notizen trifft auch der Umſtand zuſammen, daß in den Bildchen, wel- machten. In Arezzo erwartete der Geh. R. Bunſen den Prin- zenz er hatte die Ehre, bis Neapel und auf der Rücreiſe bis Venedig S. K. H. zu begleiten.
TEESE SSSSSHHEGSF SSI SENNSCHNENNENSSNN GENESEN
u ſchn, 16 vomehmli) im weſen Sunſt Ihn aus dit untl ve tniß frühe: tenes Bi- 19, welche "ße ſorg: e werden m Nuthe lieben if, achte Mit- undeutliche laſſen hai. 1a, deſſen Ziefe 9e- Jen heite- machten, ven Prin: ) auf der eten.
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Wie Vieles drängt ſich nicht oftmals in dem engſten Zeitraume zuſammen? Wenn ich erwäge, was in den wenigen Tagen geſehn, gedacht, em- pfunden worden, was ich, wenn auch vor den be- kannteſten Gegenſtänden, theils mitempfand, theils neu zu denken gezwungen ward, um den Anſprü- hen jenes lebendigen, geiſtvollen Herrn doch eini- germaßen zu entſprechen z und wie doch Alles noch ſo klar mir vor den Sinnen liegt, daß ich darüber jeden Augenbli ein Tagebuch eröffnen könnte: ſo ſehe ich wohl, daß wir Menſchen, was die Zeit an- geht, in einer Art mathematiſcher Phantaſterey be- fangen ſind.=- Für uns giebt es keine Sonnenzeit z nur Pulsſchläge des Lebens. Nach dieſen ſollten wir unſere Zeit meſſen z nicht nach Sonn" und Mond, ſondern nach dem Auf- und Niedergange' unſeres Geiſtes, deſſen Nächte oftmals ſo lang ſind!
Mein Plan für den Winter umfaßte zunächſt einen längeren Aufenthalt zu Siena, wo in der ausgedehnten Briefſammlung Einiges zu thun mir übrig blieb. Dort waren, ſeit meiner Abweſenheit, einige junge Leute an die Stelle der alten Arc nach Rom zu gehnz vorausgeſeßt, daß ich zur Vaticana und vornehmlich zu gewiſſen Archiven mir einen ungehinderten Zutritt werde auswürken können. Doch lag es in der Beſtimmung, daß meine Pläne zu Waſſer würden, ſagt man, glaub? ich.
Der Kronprinz von Preuſſen hatte in Mayland ein verkäufliches Bild geſehn, welches mit größter
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neten, in ſch Diplomatiſchen Zukunft(o- 1 zu ſihmn it gefommit, , welde ih uf ein Yat je Notatial: "prache,= verfügen, ), beywel legt, aus welche Fra hat, Du dte id in zurü& nah jr Vatican mir einen 1 fönnen, jne Pläne
Nayland wt größte
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Schlauheit aufgeſtellt, nicht ungeſchi>t reſtaurirt, ſchon ſeit zehen Jahren bey vielen Reiſenden Ein- dru> gemacht, doch bisher keinen Käufer gefunden hat. Noch in Florenz war S. K. Hoheit in einem wahren Rauſche des Entzükens über den nun end- lich erreichten, ſehnlichen Wunſch, Italien zu ſehnz und da muß dieſe Stimmung jenem maylandiſchen Bilde allerdings merklich zu Hülfe gekommen ſeyn. Indeß hatte das Gefallen die Kritik nicht durchaus bewältigen können. Es waren dem Herrn verſchie- dene Zweifel aufgekommen, welche die mährc
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nN 4 Und nachdem er mir zugeſagt, daß S. M. der König, t“ 0 wenn es mit jenem angeblichen RE(00 eben Nichts "„eie ſeyn ſollte, andere etwa UED 350 Höchſtdemſelben ia ih vorgeſchlagene Bilder ſicherlich werde ankaufen -' laſſen, wich ich zuleßt der Vorſpiegelung, daß Graf | Segen" Shrewsbury auf jenen mayländiſchen Raphael ein Preu hen Abſehn habe und leicht mir zuvorkommen dürfe, NE wenn ich nicht ſtricte den ſechsten Januar ENG von Siena nach Mayland aufbreche. I< habe - ven Brief noch bey mir liegen.
* Mint, Nie in dem Verlaufe meines Lebens habe ich Binfey eine gleich widerliche Reiſe gemacht. Es war überall 9 Meilen Schnee gefallenz man weiß, was das ſagen will 1 Meinen in Italien. Unwegſame Straßen, ausgetretene ung aller Flüſſe, eingeſtürzte Felſen, jenſeit des Appenins auöſehet), zwey Fuß hoher Schnee. Es iſt ein Jammer ſo en ſe ſchöne Länder ſo zu ſehn und in den kürzeſten, be- ſeit bald deteſten Tagen zähneklappernd in italieniſchen Kir- y fannte chen, Paläſten und Bibliotheken ſich umzuthun. In Derſelbe der That habe ich es gebüßt, und die lette Hälfte unſches meines dreymonathlichen Verweilens in Mayland euſſiſche in dem Zimmer eines Gaſthofes zubringen müſſen, verſtand, in dem unwirthlichen, weltmänniſchen Orte ohne
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tröſtenden Freund. Doch verſah mich der treffliche Cattaneo mit Büchern. Eine große Wobhlthat z denn öffentliche Bibliotheken geben in Italien die ihrigen nicht aus.
Ueber den angeblichen Raphael, ein lombardi- ſches Cento, habe ich damals ſogleich Bericht ab- geſtattet. Nachgewieſen dem Herrn Geheimenrath Bunſen, zuerſt in dem Nachlaſſe des General Pino, ein Bild, über Leben, Chriſtus mit dem Kreuze und zwey Soldaten, von F. Sebaſtiano del Piombo, aus der Zeit ſeiner Nachahmung der ſpäteſten Kunſt- formen Raphaels. Dieſes ſchöne Bild foll in Spa- nien ſich zwey Male wiederholen. Doch kann hier nur von Replik die Rede ſeyn. Einige wohlfeil angeſchlagene Bilder(vier bologneſiſche Bildniſſe, ein hübſcher Ceſare da Seſto) würden unſtreitig, dazu geſchlagen, den Geſammtkauf zugleich verbeſ- ſert und erleichtert haben. Unter allen Umſtänden gewährte jener Chriſtus der berliner Gallerie die Ausfüllung einer in ihr ſehr ſchmerzlich fühlbaren Lü>e durch wenigſtens ein Bild von grandioſer Form und Manier. Die Forderung der Verkäufer war über- trieben, was indeß in Italien nie abſchre>en ſoll.
) der Eröff e Dohlthet; 1 Stalien die
m lombardt: Bericht ab Jeheimenrath meral Yin), em Kreuze | Piombo, en Kunſt in Spä- Fann hier ge wohlfel Bildniſſe, unſtteitig, ich verbeſ: Umſtänden WIerie die ren We orm und var über? fen ſoll,
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Später machte ich auf die Möglichkeit aufmerk- ſam, zwey lebensgroße Bildniſſe von jenem vor? trefflichen Morone da Bergamo zu erſtehen, da- ſelbſt bey dem Grafen Moroni, welcher auf mein indirectes Befragen keine entſchiedene Abneigung zeigte, ſie zu verkaufen. Dieſe Gemälde, beſonders das männliche Bildniß, ſind die ſchönſten, welche von der Hand jenes großen Bildnißmalers mir vorgekommen ſind. Zulekt ſchrieb ich ihm aus Venedig, daß im Hauſe Barberigo die beiden Na- turſfkizzen Tizians, der Prototyp ſeiner Bildniſſe Franz 1. und Philipp II. ſogleich zu erſtehen ſey'n. Dieſe gewiß billig. Indeß hatte Herr Geh. R. Bunſen mir bereits begütigend geſchrieben, daß jene damaligen Ueberſchwemmungsfälle S. M. den Kö- nig beſtimmen, vor der Hand ähnlichen Ankäufen zu entſagen. Reiſende mögen indeß ſich nicht ab- ſchre>en laſſen, die bezeichneten Bilder zu beſehenz ſie ſind auch an der Stelle der Beſichtigung werth.
Ich fühlte mich nunmehr wieder freyz denn bis dahin hatte der preuſſiſche Geſandte zu Rom mich, ich errathe nicht weßhalb, durch Bitten und Vorſtel- lungen in der Lombardey feſtzuhalten geſucht. Doch
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es währte die Freude nicht gar lange. Aus der Summe, welche S. M. der König von Preuſſen für den leßten Ankauf bewilligt hatte, war eine Kleinigkeit übrig geblieben, 117 Carolinen und einige Bajoc mix ein Gefäß von Bergkryſtall, ſpäte bezeichnete Arbeit des Valerio Vicentino mit reicher Faſſung von Ben- venuto Cellino, eines Tages zugetragen wurde. Ein ſo großes Stü der Art kommt nirgend vor. Man forderte dafür»n orrore, Allein ich kenne drü- ben meine Leute, wenn auch nicht hier zu Lande. Alſo ſagte ich dem Verkäufer mit Offenheit: Mein Herr, ich habe 117 Louisd'or und einige Bajocchi. Wollen Sie die da, 3 1a bonne heure. Doch wo nichts iſt, da hat der Kaiſer ſein Recht verloren. Machen Sie kurz.
Da hatte ich das Gefäß und große Freude daran. Vor vierzig Jahren wäre es in London ſeine 1000
e, Aus det von Preuſſen 8 war eint en Und einige fftag, obe der Geht: yen Verfü dafür fal: en Credit glüd mit ete Arbeit von Ben- unde. Ein vor. Man fonne div zu Land!, jet? Mein Do) wo verloren,
de daran. aine 1000
=
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Pfund werth geweſen. Allein nach der Luſt kam denn auch die Sorge, wie das Ding wohlbehalten nach Berlin zu fördern ſei. Konnte es nicht auch bei der ſorgfaltigſten Verpa>ung ſchlecht verladen, um- geworfen, in 8umma zerbrochen werden?
Dieſes verhängnißvolle Ding brachte mich nun vollends über die Alpen hinaus und nöthigte mich, über Berlin meinen Heimweg anzutreten.
In meiner Heimath fand ich zu bauen. Wah- rend dieſer verdrüßlichen Beſchäftigung'erhielt ich ein Schreiben von Sr. Ercellenz dem Staatsmini- ſter von Humboldt, in welchem die Meldung ent- halten war, daß S. K. H. der Kronprinz wün- ſchen, die von S. M. dem Könige ernannte Com- miſſion zur Auswahl und Anordnung der Gemälde u. ſ. f. möge zu mir ſich in Beziehungen ſtellenz weßhalb der Miniſter mir anzeigte, daß er mir die Sikungsprotocolle der Commiſſion-marginirt zuſen- den werde; was bald darauf wenigſtens mit dem erſten Statt gefunden hat. I< ſollte meine Be- merkungen an den Rand des Protocolls ſeen. In- deß bemerkte ich beim Durchleſen dieſes Actenſtü- Fes, daß ich im Einzelnen faſt überall mit den De-
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liberationen der Commiſſion vollkommen einverſtan- den war, hingegen im Ueberblie, im Allgemeinen, die Aufgabe ſo ganz verſchieden auffaßte, daß ich ſtatt einzelner Bemerkungen genöthigt ſeyn mußte, meine Anſichten vielmehr in einem ganz neuen Plane aufzuſtellen.
Unter allen Umſtänden iſt es ſchwürig, eine ſehr große Zahl von Gemälden verſchiedener Zeit und Schule, verſchiedenen Abſehns und Gegenſtandes, ſo geradezu nebeneinanderhinzuſtellen, ohne daß ſie ſich gegenſeitig ſchaden, ohne daß ſie den Beſchauer weder durch Verſtreuung verwirren, noch durch Claſſificirung ermüden und langweilen. In Pri- vatſammlungen bringt nicht ſelten der Geſchma> des Sammlers eine gewiſſe Harmonie in das man- nichfaltig zuſammengeſeßte Ganze. In öffentlichen aber, wo man theils von Allem Etwas aufzeigen will, theils auch dem Zufall mehr, als dem Plane verdankt, was darin vereinigt wird; da zeigen ſich Schwuürigkeiten, welche ſchwer zu beſeitigen, ſicher nirgendwo durchaus beſeitigt worden ſind. In ei- nigen Gallerieen, wo man nur eben darauf geſehen, ein jedes Bild für ſich ſelbſt in ſeinen beſten Vor-
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1(inverter theil zu ſeen, macht das Ganze den EindruE ei- Ulmen ner Bilderbude. In anderen, wo man hat claſſi- pie, daß ih ficiren wollen, ermüdet und erdrückt die unaufhör- fem wußte liche Reduplication des Gleichartigen in der Ma- gan) neun nier und in den Gegenſtänden: Ich ſeßte mir die Aufgabe, den äſthetiſchen Zwe> mit dem kunſthi- q, eine ſcht ſtoriſchen und ſyſtematiſchen zu verbinden, und will v Zeit und entwikeln, wie ſolches geſchehen könne und aus-
genſtand führbar ſey. e daß fie Vorerſt muß ich berichten, was in Berlin an Veſchauer Gemälden vorhanden war. Bey mehrjährigem faſt 0) durch ausſchließlichem Einfluſſe des Herrn Hofrath Hirt, M hatte zuerſt Herr Solly, wie man ſagt, wohl eine Geſchmat Million preuſſiſcher Thaler, in der Folge S. M. das man der König von Preuſſen offenbar nicht weniger in öffentlichen Gemalden angelegt, da allein der ſollyſche Ankauf, aufzeigen wie im Converſationslexicon(Supplement Heft Il. dem Mane Berliner Kunſtſammlungen) zu leſen iſt, 700,000 igen fich Reichsthaler gekoſtet hat, ohne die Giuſtinianigal- ', ſicher lerie und andere vereinzelte Ankäufe. Sollte man quel nun glauben, daß bey Verwendung ſo coloſſaler 5 geſchen, Summen auch nicht ein einziges Werk aus jenen
ſun Vor großen Jahrzehnten, von 1510 bis 1530, erwor-
v
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ben wurde? Man könnte nun wohl etwa den Boltraffio, ein ſchönes, ſeltenes und ſchäßbares Bild, für einen Cinquecentiſten ausgeben wollen. Allein es iſt nur in den Hauptlineamenten, in der Stellung und dem Style des Gefältes als ein Bild der höchſten Stufe neuerer Kunſt anzuerken- nenz nicht aber in der maleriſchen Ausbildung, welche vielmehr der nächſtvorangehenden Stufe noch angehört. Zudem zeigt es nur eine einzelne ſte- hende Figur ohne Handlung. Einige ſehr hübſche Venezianer zweyter und dritter Claſſe ſtehen eben- falls, entweder dem Alten noch zu nahe, oder be- reits jenſeit der Grenzlinie des Vortrefflichen, gleich jenem in ſeiner Art ſchäßbaren Paris Bordone. Der Raphael endlich, den man von Solly erkauft, iſt zwar ſichtlich ein Raphael, doch ein kindiſcherz dieſes Bild iſt mir ſtets vorgekommen, als ſte>e Raphael darin, wie der Schmetterling in ſeiner Verpuppung.=- Man ſieht, wie ſehr eine befrie- digende Aufſtellung der Gemälde durch den Um- ſtand erſchwert wurde, daß man zwar verſchiedene italieniſche Schulen durch ſehr hübſch beſeßte Stu- fenfolgen bis zur Epoche ihres höchſten Aufſchwun-
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ges, ihrer ſchönſten. und glanzvollſten Entwielung verfolgen konnte, doch hier mit einem Male Athem nehmen mußte, um über das fehlende Beſte hin- weg einen Salto mortale zu machen in die Re- gion der matten Nachahmer, bald auch der wider- derlichſten Manieriſten. Denn es hatte der Hof- rath Hirt, deſſen Gemäldekennerey auf dem Kunſt» griffe beruht, von Zeit zu Zeit aus dem Index des Lanzi einige Mandel ganz obſcurer und vergeſſener Künſtlernamen zu memoriren, dem Anſchein nach auf alle Weiſe dahin gewürkt, daß ſolches Gemäl- degeſindel in Berlin in größtmöglicher Zahl und Menge angehäuft werde. Ich erinnere mich, daß in Italien zur Zeit jener ſonderbaren Ankäufe dar- über viel Gelächter war und ein unablaſſiges Su- - ten, als in jenem der Tribune in den Uffizt zu Florenz; ferner die Gattin des Andrea, Naturſtu- dium des del Sarto, gewiß dort eines der geiſt- reichſten Bilder der ganzen italieniſchen Sammlung;
MmmmERRES
Wande, u nttehnt iets n, der Zahl mats den der aroßt Kaufen hau on, weßhalb Bezug auf auf: die ein ſcho- inis> Hinzuge- ſufe, durch yn: die Na ehr intetefs 10h immer ler8; durh ) der Jöre des Nad- Uffizi zu NRaturſtu- der geiſt ammlung;
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endlich ein Paar Griſaillen von demſelben, ein Bildniß von Franciabigio, ein anderes von Fra Sebaſtian del Piombo. Alles zuſammen macht nicht ſo Viel, als in hundert Privatſammlungen an Bildern dieſer Epoche ſich anfindet. Ohne Be- denken eine Anomalie. Man erinnere ſich auf dieſe Veranlaſſung an das, was ich zu Anfang dieſes Buches über die romantiſchen Extravaganzen der ſogenannten Begünſtiger des Elaſſiſchen angemerkt habe. Der Hofrath Hirt iſt eines der älteſten Opfer der Kritik und VPerſifſlage Schlegel's und verdankt dem Umſtande ſeines Martyrthumes ver? muthlich einen großen Theil der Gunſt, welche ſpäterhin die Freunde claſſiſcher Bildung ihm zuge wendet haben. Und eben derſelbe Hofrath Hirt hat dieſe Art der Einbildung und BVorſpiegelung ſo weit getrieben, daß Berlin durch ſeine Vermittelung ge? genwärtig der Stapelplaß und Mittelpunct alter TroFenheiten(vieilles croütes) und moderner Entartungen iſt. Allen Reſpect auch vor dieſenz doch fürchte ich, daß ihre tägliche und in gewiſſem Sinne ausſchließliche Geſellſchaft ermüden wird. Indeß war die Sammlung nun einmal wie ſie
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eben war, und es galt nicht ſie herzuſtellen, fon- dern auf eine Weiſe aufzuſtellen, welche im Gan- zen einen erträglichen EindruE, im Einzelnen we- nigſtens dem wiſſenſchaftlichen und reflectirenden Kunſtſinne Nahrung und Befriedigung gewähren könne.
Hiezu war zunächſt erforderlich, die große Maſſe von Curioſitäten, theils Alterthümern, theils auch ganz aſſröſen Meiſtern aus ſchon vorgerüter Zeit, in die rüFwärts belegenen kleinen Zimmer zu ver- legen, damit Niemand gleichſam gezwungen werde, im Vorbeygehn ſie anzuſehn. Denn nicht alle Leute haben die Curioſität, oder Grille, mit ſolchen Din- gen ſich ernſtlich abzugeben.
Unſtreitig mußte im Uebrigen aus den eben vor- handenen hiſtoriſchen Folgen Nußen gezogen, ſie auf eine Weiſe aufgeſtellt werden, daß aus den- ſelben der innere Zuſammenhang der Kunſtgeſchichte hervorleuchte.
Nun haben die Verfertiger von Compendien, Leitfäden und Kathedervorträgen unlängſt in die Kunſtgeſchichte die ſonderbarſten ſtatiſtiſch- geogra- phiſchen Abtheilungen eingeführt. Was ſie Schule
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nennen, iſt eigentlich nur Geburtslandz denn ob ein Künſtler dieſer, oder jener anderen Schule ange- höre, wird bey ihnen nicht durch geiſtige Einwür- kungen, nicht durch Lehre, oder Unterweiſung in techniſchen Dingen entſchieden, ſondern ganz allein durch den nackten und bloßen Taufſchein.=- Für die armſeligſte Lohnbehandlung der Kunſtgeſchichte mag eine ſolche materielle und bäuriſch grobe Hand- habe von unvergleichlichem Nuten ſeyn. Wer in- deß in Gallerieen ſie einführt, wo man den Mei- ſtern ſelbſt in ihren Werken gegenüber tritt; der iſt nothwendig ein tölpiſcher, ungelenker Dummkopf. Den Gemälden gegenüber will und ſoll man ſehn, in welchen Stüken, in welchen Zeiten und Per- ſönlichkeiten die verſchiedenen örtlichen Schulen ein- ander entgegenkommen, mit einander austauſchen, ſich gegenſeitig berühren, oder ganz verſchmelzen. Daher rieth ich die deutſche und italieniſche Samm- lung auf dem Puncte ſich begegnen zu laſſen, wo ſie einander entgegengekommen ſind, oder auf eine für die Kunſtentwi>elung entſcheidende Weiſe ſich berührt haben.- Zu den glüFlichen Griffen Solly's gehört, daß
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er den Genter Van Ey>X zu jedem Preiſe erkauft, auch für eine dreymalige Beſeßung des Antonello da Meſſina geſorgt hat. Hiedurch erhielt die Ber- liner öffentliche Gallerie den einzigen, allein daſte- henden Vorzug, auf eine ſchlagende Weiſe zeigen zu können: daß jene venezianiſche Schule, welche man gemeiniglich die venezianiſche ſchlechthin zu nennen pflegt(ich meine diejenige, welche von An- tonello auf die Belline und weiter hinaus ſich fort- gepflanzt hat), ſowohl die Technik der Oelmalerey, als beſonders ihre naturaliſtiſche Richtung, beide von den alten Niederländern empfangen hat. Es war daher unumgänglich den Antonello, Bellino und alles der Richtung und Manier nach Verwandte dem Genter Van Ey> ganz nahe zu bringen.
Von dieſem Puncte aus rieth ich, auf der einen Seite die Deutſchen(der oberen, wie der niederen Gegenden), auf der anderen die italieniſchen Schu- len, divergirend fortlaufen zu laſſenz wie ſie denn von der Zeit an auch weſentlich divergirt und nur zu ihrem Schaden und ausnahmweis bisweilen von neuem ſich berührt haben.
In Bezug auf die Deutſchen und Holländer ge-
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ſtattete ich mir nur vereinzelte Andeutungen; die Familienbildniſſe nach oben, unter ihnen jene Dar- ſtellungen aus dem gemeineren Menſchenleben auf- zuſtellen, welc ſind. 13**
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In ſo weit alſo hätten wir uns bereits ausein- andergeſeßt. Nun kommen wir aber auf den Punct, wo wir ernſthaft mit einander zu reden haben. Es iſt der Gegenſtand, der mich veranlaßt hat, dieſem hübſchen Buche ſo viele gleichgültige Thatſachen anzuhängen, welche voranſtehn mußten, wenn ich anders den Leuten deutlich machen ſollte, in wel- mäßig; ſo wären Sie ſchon, unzwei- felhaft, ein alberner Schreier und ſogar Etwas ſchlimmeres. Allein ſeßen wir aus Billigkeit und Ihnen zur Liebe: es taugen jene Bilder ganz und gar nichts, und die Anordnung der Gallerie noch weniger ſo bliebe doh, ſelbſt unter dieſer Voraus-
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ſezung, Ihnen Nachſtehendes ernſtlich in das Ge- wiſſen zu rufen.
1. Daß Sie, als ein in dieſen Angelegenheiten quiescirter Beamter nicht competent ſind, darüber publice abzuurtheilen; ja, daß es von ſeltener Un- verſchämtheit zeugt, wenn Sie Beranſtaltungen und Einrichtungen, welche, mit temporärer Uebergehung des betheiligten Miniſterii, unmittelbar von S: Majeſtät Ihrem gnädigſten Könige, und mit Zu- ziehung S. K. Hoheit des Kronprinzen, angenom- men, angeordnet, gebilligt, gutgeheißen, anerkannt und belohnt worden ſind, in Schriften angreifen, venen nicht ſo gar Viel abgeht, um den Charak- ter ſolenner Schmähſchriften zu verdienen.
IL. Daß, wenn nun auch Ihnen darüber im Ganzen ein Urtheil zukäme, Sie dennoch völlig im Jrrthum ſind, indem Sie mich für Veranſtaltun- gen und Einrichtungen zur Rechenſchaft ziehen wol- len, bey welchen ich nie eine Verpflichtung über- nommen, nur, auf Anfrage, meine Anſicht und meinen Rath abgegeben habe. Und für dieſen bin ich Niemand in der Welt Verantwortung ſchuldig,
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als meinem Gewiſſen.=-- Hoffentlich kennen Sie das Ding, Herr Hofrath Hirt?
Berantwortlich ſind a) für den Ankauf durch mich empfohlener Bilder, der Herr Geheimerath Bunſen, Kön. Preuſſiſcher Geſandter in Rom, Die- ner und für ſolche Beſorgungen ſpecieller Beauf- tragter Sr. Majeſtät des Königes von Preuſſen.
b. Für die Zweckmäßigkeit der Einrichtung der Gallerie, S. Excellenz der Herr Staatsminiſter von Humboldt, als Präſes, der Geheimeoberbau- rath Schinkel, der Director Waagen und die übri- gen geachteten Männer, welche auf Befehl Sr. M. des Königes die Commiſſion zur Auswahl der Gemälde und Anordnung der Gallerie ihrerzeit ge- bildet und ausgemacht haben.
Würden Sie nun wohl beachtet haben, mein lieber Hirt, daß Sie meine beſcheidenen Rath- ſchläge und ganz unmaßgeblichen Anſichten gar nicht angreifen, nicht ſchmähen, nicht herunterreißen können, ohne jene berühmten, anſehnlichen und achtbaren Herren auf das Gröbſte öffentlich zu be- ſchimpfen? j
Sehn Sie denn nicht, daß es noch Etwas ganz
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anderes und unermeßlich verzeihlicheres iſt, ohne alle amtliche Verpflichtung nach beſtem Wiſſen und Eewiſſen Anſichten auszuſprechen, Rathſchläge zu ertheilen, welche nichts taugen; als bey amtlicher Verpflichtung dieſe Rathſchläge leichtſmnig und un-
. geprüft anzunehmen, nun gar zu befolgen? Alſo
kann bey alle dem, was an der jeßigen Berfaſ- ſung der öffentlichen Gallerie zu Berlin, nach Ih- rem gefälligen Ausdruke, ſchlecht iſt, mich nur der kleinſte Theil jenes Schimpfes treffen, den Sie mir ganz allein zuwenden möchten. Wenn nun der K. preuſſ: Geſandte zu Rom, Geheime- rath Bunſen, wenn S. Excellenz der Herr Staats- miniſter von Humboldt, als Präſes, wenn der Ge- heimerath Schinkel und die übrigen Herren, als Mitglieder der mehrbenannten Commiſſion, ſich wollen gefallen laſſen, daß der Herr Hofrath Hirt Veranſtaltungen und Einrichtungen, welche ſie amt- lich beſorgt, geleitet und berathen haben, in öffent- lich unter ſeinem Namen ausgegebenen Schriften herunterreißt, mit groben und ehrenrührigen Cpi- theten belegt; daß folglih Herr Hofrath Hirt ihr Urtheil, ihre Sachkenntniſſe, ihren Dienſteiſer an-
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greift: ſo werde ich mir ebenfalls freylich gefallen laſſen können, einen gar kleinen Theil des Schim- pfes ſo berühmter, anſehnlicher und geachteter Per- ſonen auf meine Schultern zu nehmen.
Und nunmehr wollen wir, um nicht mit ſo ge- ringſchäßigen Gegenſtänden aufzuhören, einige nord- italieniſche Kunſtbemerkungen hier anſchließen, da- mit es auch künftig dem Hofrath Hirt nicht an den nöthigen Anknüpfungspuncten fehle für ſeine ſinnreich- zierliche Polemik, welche mir vergnüg- lich iſt.
Genua. Dom. Vorgothiſches Gebäude, mit go- thiſe zur Rechten, auf der Fläche, ein Engel in Marmorniello. Solche Arbeiten finden ſich um dieſe Zeit(um 1200) Über- all, wo das Material zur Hand war.
Unterwärts, an den Seitenſtemmen derſelben Thüre, Sculpturen, welche in das Derbe hinein- gehauen ſind, und der Manier des Nicolaus von Piſa ſich annähern
Dieſe Gegenſtände ſind nicht ſowohl an ſich ſelbſt bedeutend, als vielmehr in dem Sinne, daß ſie die Zahl der Belege vermehren für die frühe Ent- wikelung einer geſchiten Steinmekenſchule in der Nähe der Marmorbrüche dieſes Erdwinkels. Ber- gleiche Lucca und Piſa.=- Ohne Begünſtigung durch die Umſtände, was ſind, was bleiben wir?
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Ueberall begegnet man ſolchen Denkzeihen. Man-
könnte ſie auffaſſen, als Ermunterungen ſie zu be- nußen.
Das Schiff der Kirche geht aus demſelben Mo- tive hervor, als zu Rom S. Agneſe, worüber die Bilderwerke einzuſehn. Im Frieſe über der erſten Pilaſterreihe: MCCCXI?* FILIPPYS SNIGRO ET NICOLAVS DE GOANO REPARATO- RES HVIVS ECCLESIE FECERVAT RE- NXOVARI. Gegenüber eine andere Erneuerungs- inſchrift vom Jahre 1307. Dieſe Gedächtniſſe zeu- gen für das höhere Alter des Stammes der Kirche und erklären zugleich die gothiſchen Zuſäße.
Für das vorzüglichſte Gemälde dieſer Stadt gilt
mit Recht die Martyr des hl. Stephan in der
Kirche deſſelben Namens. Dieſes Bild iſt unmit- telbar nach Raphaels Tode gemalt, beweiſet daher bündiger, als irgend ein anderes des Giulio No- mano, deſſen ausgedehnte Theilnahme an den ſpa- teren Arbeiten Raphaels. Der betrübende Gegen- ſtand wird meiſt auf eine ſo unmögliche Weiſe dar- geſtellt, das Volk dem Heiligen ſo nahe gebracht, daß man dieſen überſieht und die Handlung ſelbſt
im" Im mehr einer Ueberſchüttung mit Steinen gleicht, als Ie zue einer Steinigung. Giulio hingegen hat den Hei- ligen in die Mitte des Bildes und weit vorausge- ben Mo ſtellt, zeigt ihn jugendlich, ſchön, ſiegend Über die vorüber die ſchlimmen äußeren Verhältniſſe; beieuchtet ihn hell de eiſen durch ein nur über ihn hereinbrechendes himmli-; SXI6GRO- ſches Licht. Ihm näher ſißt der Befehlshaberz die ARATO- weiter in den Grund geſeßten römiſchen Soidaten NT RE- werfen aus einiger Entfernung, zielen, folgen dem werungs- Wurfe mit dem Blide, wodurch dieſe Handlung niſſe zeu- Thätigkeit und Wahrheit erhalt, ohne doch als das et Kirche Hauptmoment zu erſcheinen, welches in der Figur ', des Heiligen und in deren vortrefflichem Ausdrue Stadt gilt- enthalten und ausgeſprochen iſt. nin der Im Palaſt Durazzo und in anderen, wo vor- | unmit treffliche Bildniſſe von Vandy>, ſchöne Dominichino jet daher und ähnliche, in moderner Art, claſſiſche Sachen zulio Noz hängen, machte ich die Bemerkung, daß in den den ſpä: räumigen und hohen Zimmern und Sälen neuerer Gegen: Paläſte die zierlichen Manieren und kleinlichen Di- eiſe dar menſionen ſowohl der altitalieniſchen, als der ſpa- gebracht, teren holländiſchen Art durchaus übel angebracht
u felbf ſind; daß hier ein breiter Vortrag, eine großmaſ-
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ſige Behandlung an der Stelle iſt, gleich jener der Spanier in ihrer beſten Zeit, oder des Anton Van- dy, oder anderer, welche mir nicht beyfallen. Die Prachtzimmer der Genueſer ſind nun allerdings un- gewöhnlich ho<. J< will daher nicht ſagen, daß man nur für dieſe und ähnliche zu malen habez nur daß man ſtets auch auf ſolche Fälle ſolle ein- gerichtet ſeyn.|
In Mayland habe ich mir Verſchiedenes ange- merkt. Man ſieht denn vornehmlich nach ſolchen Künſtlern ſich um, welche an der Stelle geblüht und gearbeitet haben. Hier intereſſirte mich daher beſonders, was man gemeiniglich die Schule des Lionardo da Vinci nennt, eigentlicher, die Nach- würkung, nennen ſollte. Denn es wird der Ein- fluß des Meiſters nur bey wenigen dieſer Maler recht bemerklich; dem Boltraffio, dem Melzoz; und dieſe fehlen eben.
Von Lionardo iſt nicht Viel übrigz das Abend- mahl gar nicht, ſogar ihm gegenüber die beiden Bildnißköpfe(unter dem Kruzifix: von Giov. Do- nao Montorniano, 1495) ſind abgeblättert. Die ſchönen Bücher voll Zeichnungen wären, ſagte man,
eich jener ver Inton Baye yfallen, Die erdings ue € ſagen, daß malen habe: We ſolle ein:
benes ant a) ſoldjen (ie geblüht mich daher Schule des die Neth: ird der Ei- dieſer Maker Melzo; und
das Abend- die beiden (ov. Do- attert. Die v ſagte man)
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in Paris geblieben, oder ſonſt verſchleudert worden, nur Manuſcripte vorhanden mit einigen erläutern- den Zeichnungen von geringer Bedeutung, als Kunſtwerke angeſehn. Merkwürdig noh in der Ambroſiana die Bildniſſe des Lodovico Sforza in dreyviertel Anſicht, etwas violett im Tone, in den
Schatten noch gedest, überhaupt von noch alter- thümelnder Kunſtart, doch fein und verſtandvoll in den Formen. Seine Gemahlin geringer. Dieſen Bildern gegenüber drängte ſich mir die Vermuthung auf, daß Lionardo zu Mayland mit niederdeutſchen Malern ſich berührt, von ihnen das Delmalen ge- lernt habe, welches zu Florenz vor ſeiner maylän- diſchen Reiſe nicht üblich, ja kaum hiſtoriſch be- kannt war. Hierin beſtärkte mich ein allerliebſtes kleines Bild beym Grafen Alberto Litta, Madonna mit dem Kinde. Das Motiv dieſes Bildes zeigt ſich in einer ſtark retouchirten Zeichnung des Lio-- nardo in ven Sammlungen der Gallerie der Uffiz] zu Florenz. Auch das Bild ſelbſt. hat in einigen Theilen gelittenz die Hand des Kindes die Laſuren eingebüßt. Doch ſieht man um ſo deutlicher, daß Lionardo damals die Schatten paſtos unterlegte,
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wie Überhaupt an der fein abgeriebenen Farbe, den ſorgfältigen und hellen Unterlagen, der Reinlichkeit in der Behandlung, ſehr viel Altniederländiſches.
In der Gallerie der Ambroſiana werden hinter Glas einige wunderherrliche Zeichnungen des Lio- nardo aufbewahrt, Bildniſſe und Compoſitionsfigu- ren, unter welchen ein weibliches Bildniß im Vol- len mir von jeher beſonders zugeſagt.
Unter den mayländiſchen Malern, welche der Schule des Lionardo beygezählt werden,[PSBer= nardino Lovino der bekannteſte, beliebteſte. Selten beſieht man indeß zu Mayland in dem Saale der Villa Reale die abgeſägten, ſehr aufgemalten Ge- ſchichten des alten Teſtaments, und daſelbſt in ei- nem Zimmer des Erdgeſchoſſes ein Bad junger Weiber und das Kaminſtü>, die Eſſe des Vulcan, dem Benus hausmütterlich bey der Arbeit hilft. Dieſes lekte angeblich aus dem Kaminzimmer des Kloſters la Pelucca auf halbem Wege von May- land nach Monza. In dieſen Bildern, nach Lovi- no's Art, die Glieder zwar proportionirt, doch ohne Ausbildung der einzelnen Formen. Die Anordnung erinnert an die antiken Mauerverzierungen.
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309
Sein Hauptwerk indeß bleibt jene berühmte Mauermalerey zu Saronno in S. Maria, wo links auf dem Pfeiler: BERNARDINYS LO- VINVS PINXIT MDXXVV. Id denke 1530. Auch hier iſt Alles in Guazzofarben übergangen worden, ſo daß gegenwärtig nur der Moſes in den Helldunkeln des Werkes urſprünglichen Werth und Charakter ganz rein darlegt. Die Regierung Eu- gens iſt die Epoche dieſer, wie der Erneterungen des Abendmahls und anderer Wandgemälde der Stadt und Gegend. Indeß hat man noch immer die ſchöne Compoſition und Bewegung der Figu- ren und die naive Auffaſſung des Gegenſtandes in ſeinem Ganzen, vornehmlich der Anbetung der Kö- nige, in deren Gefolge der Kopf des Schwerdträ- gers hinter dem alten Könige ganz erhalten und ſehr ſchön iſt. Hier, wie auch ſonſt in den häufig etwas gele>ten Oelgemälden des Lovino iſt mir deſſen Verwandtſchaft zum Giovann Antonio Razzi da Vercelli aufgefallen. In einem Mauergemälde des lavatojo der Karthäuſerkirche bey Pavia, wo die Madonna mit dem Kinde, welches eine Blume pflüft, glaubte ich auf erſten Bli> einen Razzi
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zu ſehen, wiewohl das Bild dem Lovino beyge- meſſen wird. Ob der lekte etwa in einer Zwiſchen- reiſe des Razzi mit ihm ſich berührt, von ihm an- genommen hätte?-- Zum Schüler des Lionardo ſcheint den Lovino weder ſeine ſpäte Blüthe, noch ſeine Formenunkenntniß recht eigentlich zu qualifi- ciren. Zu Venedig in der Gallerie Manfrin hängt ein bezeichnetes Altarbild des Lovino mit der Jah- reszahl 1512. Damals war er, wie dieſes Bild zeigt, ein altförmiger, dabey ziemlich ſtumpfer Max- ler, welcher nur erſt ſpäterhin durch Naturalismus und vieles HinbliXen auf Lionardo ſich heraufge- ſteigert zu haben mich bedünfen will. So veran- laßt, bemerke ich, daß von Razzi eine große Zahl von Studien und anderen Zeichnungen in der Samm- lung des padre Resta(Bibliothef Ambroſiana) verſtreuet vorkommt. 3. B. Vol. 84. no- 3, 8, 9, 11, 13, Vol. 85. no. 30, 32 u. ſ. f.=- Die Zeich- nungen dieſes Malers gehören zu den Seltenheiten.
In der Compoſition, im Charakter und in der Anmuth mehrfältiger dem Leben abgelauſchter Mo- tive ſtehen dem Lovino nach, ſowohl Gaudenzio Ferrari, als Ceſare da Seſto.
5„ih
10 beng:
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n Ihm an: 9 Uonardo (he, nod zu qualifi fein hangt der Jah- 'pſes Bt fer Ma- voliömus heraufge- 20 ven: roße Zahl x Sam brofiana) „2080 Die Zeich tenheiten, ) in de hter Mo- Zaudene
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Hingegen iſt der erſte im maleriſchen Reize und in der Formenkenntniß weit über“den Lovino hin- ausgegangen. In der Kirche St. Celſo, rechts über einem Seitenaltare, eine Taufe Chriſti, ober- halb ſchwebende Engel, welche heiter, lebendig, grazios und ſaftig gemalt ſind, und dem Coreggio ſehr nahe kommt. Der Gott Vater in den Wol- ken iſt abwärts und nicht ungeſchift verkürzt 3 was mich in der Vermuthung beſtärkt, daß Gaudenzio irgend einmal auf den Coreggio hingeſehn, oder mit ihm ſich ausgetauſcht habe, dem auch andere Theile des Bildes ahneln, wie, in den Schenkeln
'des Täuflings, die Lichtſpiele, der Localton des
Fleiſches, die Bildung der Kniee. In dem Gefaälte eine gewiſſe Schwankung von deutſcher Kleinlich- keit zum Aufgeblaſenen der Manier ſehr moderner Italiener. Ueberhaupt muß man von dieſer Schule ſich nie verſprechen, irgendwo ganz ſelbſtſtändige, in allen Theilen befriedigende Leiſtungen zu ſehn.-- In derſelben Kirche ein hübſches Bild mit dem Namen Paris Bordonus. Das Bild gehört zu ven ſaftigen des Meiſters, der in allen Hauptſachen
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bereits ſehr ſchwach iſt und bekanntlich der venezia- niſchen Schule angehört.
Gaudenzio, der noch in Saronno, an der Kup- pel, vortreffliche Arbeit geliefert, ward mit den Jahren ſchwach und maniert. In der Kirche della PasSSione zu Mayland iſt ein Abendmahl, in die Höhe, wo für die großgehaltenen Figuren Beob- achtung und Kenntniß dem Maler nicht ausgereicht. Es ging ihm, wie ſo vielen Malern jener Zeit, welche bey unzureichender Kenntniß, doch in der Größe der Dimenſionen nicht hinter den jüngeren zurückbleiben wollten.
Von Ceſare da Seſto das Hauptbild im Hauſe des Duca Scotti zu Mayland, Taufe Chriſti, ge- räumig durch die weite, fehr ausführliche Landſchaft. In dieſem Bilde iſt noch viel Lionardeskes; doch wird es dem Ceſare beygemeſſen und ich denke mit Grund. Die landſchaftlichen Theile halt man für Arbeit eines anderen. Im Hauſe des Duca Melzi eine Madonna, das Kind ganze Figur in hübſcher Landſchaft. Auch hier neigt ſich Einiges zum Lio- nardo. I< würde daher den Ceſare für deſſen
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„ der Aux vard mit den - Sirhe della mahl in di Tquren Beob: )t ausgereidt Jener Zit, o einer Fenſtermalerey.
Beide Bilder koſten dem Galleriefonds zuſammen
14
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70000 Zwanziger, alſo mehr als 23000 Kaiſer- gulden. Ich führe dieſen Umſtand an, damit man ſehe, daß in Italien für Bilder, auf welche man ſeinen Kopf geſeßt, noch immer Viel bezahlt werde. =- Und doch ſind dieſe Bilder nicht eigentlich claſ- ſiſche; man wollte ſie, um in der Nationalgallerie dieſe Meiſter zu repräſentiren.
Der Figino iſt ein ſchwacher, viel modernerer Meiſter. Von ihm in S. Ambruogio in der Kap»- pelle S. Giorgio, rechts vom Hauptaltare, ein Madonnenbild, in welchem der ſchlummernde Chri- ſtus und der kleine Johannes beide buchſtäblich aus der vierge au diademe entlehnt ſind. Das lekte Bild muß in dieſer Gegend ſich aufgehalten haben, ehe es nach Frankreich gelangte. Es erklärt ſich daher jene freye Nachahmung in älterer lombardi- ſcher Manier, bey Herrn Brocca in Mayland, wel- t dieſe Kunſt, als die
ſhe Borbet: ſt die bildys et Firche 6, ye vmwandt, in den Yue oll und niht ſagen, al abinettſif: rdey noc noch un: whme des weiblichen 1 der Gal
mich über ongobard!- en Genuß (arthauſe, xe Sün: en Bild- beweiſen)
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Malerey, in den lombardiſchen Schulen des fünf-
zehnten Jahrhunderts.=- Zu Pavia, im Hauſe
des Profeſſor Scarpa, neben intereſſanten Bildern,
ein Helm von Bronze mit Figuren, den der Be-
ſizer für Michelangelo hält, doh im Style des
Caradoſſo. Ein gutes Bildniß ſoll jenes raphaeli-
ſche des Tibaldeo ſeyn, deſſen Bembo in ſeinen
Briefen erwähnt(Lett. Sulla pitt. TL0. WE p:-
134. n. Ausg.). Für dieſen Namen iſt es zu in-
correct, allein auch Bembo keine unumſtößliche Au-
torität.;
Ich beſah mir ferner alle die unſäglich dürftigen Meiſter der alten lombardiſchen Schule zu Pavia, Mayland und überall, wo ſie vorkamen. Ein we- nig friſcher und kräftiger, Macrinus de Alba(im' Piemont) 41490,- auf einem. ſeiner Bilder in der
* Karthauſe bey Pavia. Uns Kennern wird feit' eiz*
nigen Jahrzehnden das Leben recht ſauer gemacht durch jene Unzahl gleichförmiger, matter, charatter- loſer Maler, welche der Localpatriotiömus und, auf deſſen Baſis, Lanzi zu Namen und Ehren gebracht. Früher mühte man ſich um moderne Schmierer z jebt um alte Vergolder. Was iſt nun das Beſte“
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-- Wegzuwerfen, von ſich zu ſtoßen, was in den Malereyen alles eigenen Lebens und Geiſtes ent- behrt, damit das Herz nicht einſchrumpfe, nicht un- fahig werde, das Starke, Große, Tiefe und In- nige in ſich aufzunehmen.--
Die Schule von Bergamo, in welcher Stadt ich einige Wochen lang mich aufgehalten, gewährte mir unter dieſen Umſtänden nicht geringen Troſt. Dieſe Stadt hatte in älteren Zeiten den Andrea Previtale hervorgebracht, einen ſehr tüchtigen Maler in Bel- lino's Manier; in Sto. Spirito daſelbſt der Seiten» altar linker Hand, in der Mitte St. Johannes“ Baptiſt auf einer Erhöhung, wie predigendz zu den Seiten St. Joſeph, St. Paul und zwey an- dere Heilige. Auf einem Blättchen zu den Füßen des Hl. Johannes: Andreas Preyvitalus pinxit.
"M.D.XV. Auf anderen Bildern nennt er ſich Andreas Berg.(Bergomaeus). Im obigen ein ſchönes, etwas ſtatuariſches ſich Gehaben, ein edler Charakter. Nichts Hinreiſſendesz allein das Rechte, Zufriedenſtellende.
Später, doch nur um wenig, der berühmte äl- tere Palma, von welchem hier nichts. vorkommt.
319 0 inde Dann: Eariano, deſſen Bilder häufig den Gior- Geiſtes an gione vorſtellen und erſeßen müſſen. Beym Conte fe nid ur Roncalli ein reizend geordnetes Familiengemälde, iefe und Ip etwas gelblich und ſchwach im Tone und, dem Anſehn nach, ohne Gründung auf die Leinwand er Stadt ih gemalt. Darunter die etwas beſchädigte Schrift: jewährte me Jo. Carianus Bergomeus MDXVIUI. Seine
roſt, Dieß hiſtoriſchen Bilder geringer. eq Previa Den Kreis beſchließt der vortrefflichſte aller Bild- er in Bel nißmaler, Io. B. Morone von Bergamo. Seine der Seitehs hiſtoriſchen Bilder ſind ſchwach und bereits etwas Jehmmnes' maniert. Hingegen ſeine Bildniſſe ſtets gut, und digend; zu bizweilen unvergleichbar. Im Hauſe des Grafen d zwey ns Moroni zwey lebensgroße Bildniſſe, ganze Figur. den Füßen Das weibliche ſikend in ſonderbar gedrehter Stel- 18 pinxit tung, ich denke um einen Fehler im Wuchſe zu it er ſich' verheimlichen. Das Ganze nimmt ſich vortrefflich
obigen ein aus, obwohl die Frau weder ſchön noch anziehend „ein edle iſt. Hingegen unterſtüßte den Künſtler bey dem 18 Recht, männlichen Bilde ſein Gegenſtand. Ein ſchöner und bedeutender junger Mann, deſſen blühende Geſichtsfarbe die Nachbarſchaft einer pfirſichblüth-
eühmte al färbigen, anliegenden ſpaniſchen Kleidung ohne
vorfomm!,
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Schaden erträgt. Sein Motto an der Mauer, welche den Grund bildet: mas el gaguero, que el primero. Am Rande des Bildes ganz unten lieſet man Jo. Bap. Moronus P.
Dieſe Bilder ſind durchaus und ſtärker impaſtirt, daher leuchtender, als das folgende in casa Brem- bati. Dieſes, ein Bruſtbild, ſtellt den Bartolomeo Bongas vor, einen Mann von hoher Geburt und geiſtlichen Würden, welche ſeine Kleidung nicht an- kündigt. Die Jahreszahl, 1584, iſt mit der An- gabe des Taſſi, daß Morone 41578 geſtorben ſey, unvereinbar. I< hatte nicht Zeit zu unterſuchen, ob nicht die Aufſchrift des Namens und der Titel des Dargeſtellten, ein Nachtrag ſey und die Jah- resSzahl auf deſſen Tod Bezug habe.. In dieſem Bilde ſind die fetteren, paſtoſeren Lichter ein wenig über die dünnaufgetragenen Mitteltinten hinausge- wachſen.
Ein recht widriger Maler dieſer Schule iſt Lo- renzo Lottoz ein ſo manierter, daß man nicht be- greift, wie man von 1510=- 25 einen ſolchen Ge- ſellen- nur hat ertragen können, ohne ihn zu ſteini- gen. I< kann mich nicht entſchließen, hier zu
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wiederholen, was ich in Bergamo über ihn aufge- zeichnet habe, wo in den Kirchen einige bezeichnete Bilder von ſeiner Hand vorkommen, voch keines, welches an den Werth der Exemplare reichte, wel- bisweilen auf gewiſſen eigen- thümlichen Gewaltſamkeiten der älteren Schulen be- ruht. Rumanino war auch mit den Deutſchen be- kannt, und folgte ihnen bisweilen in der Bizarrie der Coſtume. Dieſes Bild iſt nicht bezeichnet; doch ein anderes im Palaſt Manfrin zu Venedig, eben- falls eine Grablegung, worauf: Hieronymi Ru- manini Brixiani,
In demſelben Hauſe, jenem gegenüber, derſelbe Gegenſtand etwas größer von Moreto. Dieſen Meiſter lernt man nur in ſeiner Vaterſtadt kennen und würdigen 3 an entfernten Stellen bringt man gewöhnlich ſeine Bilder unter bekanntere Namen. So zu Mayland das Bildniß, welches Lunghi für Giorgione ausgab; zu Rom, in der Gallerie Feſch, die große Himmelfarth der Madonna, welche man für Tizian giebtz und zu Wien die Heilige mit dem
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Einhorn. In Breſcia befindet ſich von dieſem Mei- ſter eine große Zahl von Gemälden jeder Größe. In allen mehr Zeichnung, als Venezianern zuge- muthet wird, mehr allgemeiner Ton und Unterdrü- >ung der Localfarben. Der Ton neigt ſich zum Graubläulichen, oder violettlichen. Von Moreto zu Breſcia: in St. Nazario, in der Sacriſtey ein klei- nes Madonnenbild mit anſtoßenden zwey Bildchen, worin die Verkündigung. In der Kirche aber, auf einem Seitenaltare zur Linken, die Krönung der Madonna, unten vier Heilige. In dieſem Bilde iſt ein außerordentliches Studium, mehr, als in vielen anderen, welche ihm hier beygemeſſen wer- den. Im Eingange derſelben Kirche ſcheint neben einigen Guazzi des Rumanino die Verkündigung ebenfalls von Moreto gemalt zu ſeyn.= Im Hauſe des Conte Fenaroli ſchöne Bildniſſe, unter welchen eines in ganzer Figur von Moreto 3 von demſelben ebendort Venus und Amor an einer ſehr dunklen Fenſterwand.
In den Häuſern Toſi und Lecchi ſchöne und in- tereſſante Bilder 3 doch habe ich mir vorgeſekt nur das ganz vrtliche und einiger Maßen Neue zu be-
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rühren. So übergehe ich ſelbſt die intereſſanten Ausgrabungen einer alten Baſilika der Kaiſerzeit, welche man wunderlicher Weiſe einen Tempel nennt, und thörichter zu einem Muſeo reſtaurirt hat. Nächſt der berühmten, ſehr ſchönen Victorie von Bronze giebt es dort genug, um den frühen Verfall, oder die urſprünglihe Mattigkeit der Kunſt in den ent- legneren Provinzen des römiſchen Reiches von Grund aus zu ſtudiren. Ich wüßte nicht, wo mich je- mals ein bedrü&enderes Gefühl überraſcht hätte, als dieſen Büſten und Sächlein, als dieſen geſchwol- lenen Bergliederungsverzierungen gegenüber, mich befiel. Bey jenen höchſt cutioſen Madonnen von ganz barbariſcher Bildnerarbeit des achten bis eilf- ten Jahrhunderts ward mir guf gewiſſe Weiſe wie- derum beſſer. Sie machten Miene, als wüßten ſie's eben nicht anders und befänden ſich in- ihrer Weiſe ganz wohl.
Verona, Vicenza, Paduaz wer hätte es nicht ge- ſehn, wer nicht beſchrieben. In Padua werden in- deß die Scuole und Kirchlein neben dem Santo häufig, dieſem reich ausgeſtatteten Gebäude zu Liebe, weniger aufmerkſam durchgeſehn, obwohl in der
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Scuola detfa di Tiziano, vier Mauergemälde von vieſem in noch gutem Zuſtande, welche nach dem Coſtume der Bildnißfiguren um 1520 gemalt ſeyn müſſen. Merkwürdig in dem Kirchlein St. Gior- gio die Malereyen, welche Vaſari dem Jacopo d" Avanzi, dem Stefano und anderen Malern des vierzehnten Jahrhunderts beymißt und im Santo jene große Kappelle der des Hl. Anton gegenüber, wo nach dem Anonymus des Morelli Jacopo d" Avanzo und Alichieri von Berona 1376 gemalt ha- ben. Der Anon. folgt einer Inſchrift.
Es iſt eine Merkwürdigkeit, daß nach ſo geiſt- reihen, wenn auch nur höchſt einfach behandelten Sachen die Schule der Vivarini, Crivelli und was dahin gehört je einigen Beyfall hat erwerben kön- nen. Ich dächte, es wäre recht an der Zeit, in den Tendenzen und Productionen des ſogenannten Mittelalters das Vortreffliche und Gute, ſtreng vom Geringen und gänzlich verfehlten abzuſondern. Man verdirbt ſich zulebt den Genuß und verwirrt den Gegenſtand, in ſofern von ihm Belehrung begehrt wird, wenn man mit den Zeitaltern, Schulen und
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Perſönlichkeiten nun auch gar zu: ſummariſch um- geht. Schon än Bezug auf das claſſiſche Alter-
thum, dem der Geſchma> nie ausgeht, hatte man 6' Gleichgültigkeit hervorgebracht, weil man unterlaſ- nN ZE ſen, in den antiken Sachen das Geiſtreiche ſtreng„6' vom Mechaniſchen zu unterſcheiden. In dieſer mit- 4 teralterlichen Production aber iſt nicht allein der 8
Geiſt, nein ſelbſt der Geſchma> ſehr ungleich aus- 3 getheilt. Man weiß ja, denke ich, daß ich dieſen nach ſeinem eigenen Maße ermeſſe.
Von Venedig noc< etwas zu ſagen, ſchäme ich I 5 mich in Wahrheit. Es könnte nur das Reſultat|| erneuerter Forſchungen ſeyn in deſſen Archiven und N
Bibliotheken, wozu mir die Zeit gefehlt. Intereſ- E|| fant war es mir unter den Antiken im Palaſt des Dogen ein neues Stü(männliche Büſte) zu fin- den, welches mit dem mantuaniſchen, ganz man- tegnesfen Virgil und dem berühmten fauno colla macchia in der Bearbeitung, im Bruche und ſelbſt in dem ScheidewaſſerfleXe zum Erſtaunen überein- ſtimmt. Ich ſah zu Florenz einen Cherubskopf aus feinkörnigem griechiſchen Marmor bey Herrn Gre-
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hört. Ob Valerio Vicentino, ob irgend ein ande-
rer Arbeiter in harten Steinen, zu ſeinen vielen Täuſchungen der Liebhaber nicht auch noch dieſe gefügt hätte*?
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F. A. Brockhaus. 1832.
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C. F. von Rumohr.
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