——— ——- — X + ———— Eneyklopaͤdiſche Anſichten einiger Zweige der Gelehrſamkeit von ſT1 8 Chriſtian Jacob Kraus, öffentlichem Lehrer der praktiſchen Philoſophie, und der Cameralwiſſenſchaften auf der Univerſität zu Königsberg. — Nach deſſen Tode herausgegeben von Hans von Auerswald, geheimem Staatsrathe und Ober⸗ Präſidenten von Preußen, Curator der Univerſität zu Königsberg und Ritter des rothen Adlerordens. —⏑ʒ—ꝛ— 4—— Zweiter Theil. ——ꝛ—Lꝛ—X—⏑—— Koöonigsberg, bei Friedrich Nicolovius. 1809. —— — — nd zu von und — — y .——— „— ——— * Vermiſchte Schriften uͤber ſtaatswirthſchaftliche, philoſophiſche und andere wiſſenſchaftliche Gegenſtaͤnde von 5„„ 2 ◻ 4 Chriſtian Jacob Kraus, öffentlichem Lehrer der praktiſchen Philoſophie, und der Cameralwiſſenſchaften auf der Univerſitat zu Königsberg. Nach deſſen Tode herausgegeben von Hans von Auerswald, geheimem Staatsrathe und Ober⸗Präſidenten von Preußen, Curatöor der Univerſität zu Königsberg und Ritter des rothen Adlerordens. Vierter Theil. — N 3 e X d.„» 3— Konigsberg, bei Friedri Nicolovius. 1809. 2 —— —— —— — Bi dt K. dar es faſſers ohnt dem p dieſer; wägan Lachke ausarh nen, und da inzelne hingewor nung, T dn wͤnd dr betire dn Nar Vorrede. Bei der Redaktion des hiſtoriſchen Theils der Krauſiſchen allgemeinen Encyklopaͤdie war es Grundſatz, die Anſichten des Ver⸗ faſſers unveraͤndert, die Gedankenfolge ohne Einmiſchung fremder Bemerkungen, dem Publikum vorzulegen. Die Befolgung dieſer Vorſchrift, verbunden mit der Er⸗ waͤgung, wie der Mann von Geiſt und Sachkenntniß Hefte zu Vorleſungen ausarbeite, kann den Ausſtellungen begeg⸗ nen, zu denen ſich mancher Leſer hier und da verſucht fuͤhlen duͤrfte. Oft ſind einzelne Gedanken, Saͤtze ohne Uebergaͤnge, hingeworfen, mit Vorbehalt der Ausfuͤh⸗ rung, Verbindung, Ausſtattung, durch den muͤndlichen Vortrag. Bei Fortſetzung der Lektuͤre und des eignen Denkens wer— den Marginalien zu verſchiedenen Zeiten — —— VI—— nachgetragen, zu deren Aufnahme in den Zuſammenhang das Leben des freyen Vor⸗ trags unentbehrlich iſt. Es waͤre Belei⸗ digung fuͤr den Verfaſſer geweſen, die ſo entſtandnen logiſchen Luͤcken durch eigene Bemerkungen, ſelbſt mit Noten bezeichnet, ausfuͤllen zu wollen. Das allein haben wir uns, zur Bequemlichkeit des Leſers, erlaubt, die Materien genau zu rubriciren, und durch Zahlen und Buchſtaben zu un⸗ terſcheiden. In der Literatur hat der Verfaſſer,(der dieſe Vorleſungen ſeit dem Jahre 1789 gehalten hat,) einige Mal verſaͤumt, neuere und beſſere Werke nach⸗ zutragen. Wir haben auch hierin nichts geaͤndert, um uns alles Eignen zu ent⸗ halten, zumal da der Maͤngel weder viele, noch bedeutende, vorkommen. Koͤnigsberg im April 1809. Huͤllmann. Klaſſ Uebeng —ÿ————— Inhalr. Sinkeitung. Klaſſifikation der hiſtoriſchen Erkenntniſſe(im Gegenſatze der rationalen). Seite 3 I. Naturhiſtorie(im Rezenlähe der Na⸗ turwiſſenſchaft)..— 4 1. Naturbeſchreibung...... ebend⸗ 2. Naturgeſchichie.... ebend. II. Geſchichte..... ebend. 1. Beſchreibung alles degen, was Me en⸗ ſchenwerk iſt...... ebend. Ueberhaupt: A. Des Landes, nach ſeinem Kultur⸗ zuſtande.— 3 B. Der Menſchen in der bürgerli⸗ chen Geſellſchqat eebend. Nach Unterabtheilungen. a) Politiſche Geographie und Sta⸗ tiſtik...... ebend. b) Länder⸗ und T Völkerkunde. ebend. 2. Erzählung, wie das Beſchriebene geworden iſt..... ebend. A. Antiquitäten, oder Belchi⸗itna gewiſſer Zuſtände des Alterthums ebend B. Bloße Erzählung...„— 6 Ueberſicht des Feldes der Geſchiche.. ebend. I. Hiſtoriſche Propädentirkt. ebend. ——ꝛ—— VIII 7. Hiſtoriſche Kritit...... S. 6 2. Hiſtoriſche Kunnſt.. ebend. 1I. Geſchichte der Menſchheit.... ebend. 1 111. Geſchichte des Menſchengeſchlochts.— 7 1.8 x. Nach dem Umfange: Univerſalgeichichte....... ebend.. Specialgeſchichte........— 8 2. Nach der Zeit: Alte............ ebend.— Mittlere........ ebend. b Neue........... ebend. 3. Nach der Form:. Pragmatiſche......... ebend⸗„ Annaliſtiſche......... ebend. l. Hiſ Erörternde......... ebend. 1 4. Nach dem Gegenſtande: 1 A. Bürgerliche:.....— 9— Ueberhaupt Läͤnder⸗ Volker⸗ Geſchichte. ebend. Staaten⸗]. Insbeſondere Geſchichte einzelner Gegenden........ ebend. Geſellſchaften....... ebend. Anſtalten....... ebend. B. Religionsgeſchichte... ebend. Ueberhaupt: Geſchichte der religioͤſen Morſeelmgaatieh ebend. Verehrungsarten.... ebend. 4 Verhältniſſe der Religion zum Stagte ebend. 1 Insbeſondere: Kirchengeſchichte— 10 18 a) Geſellſchaftsgeſchichte.... ebend. 4 b) Dogmengeſchichte.. ebend. c) Verfaſſungsgeſchichte.... ebend. C. Kulturgeſchichte..... ebend. d 2) Geſchichte der Geiſteskultur und Literatur überhaupt.. ebend. 5 EEEEEEEEE— IX b) Geſchichte einzelner Wiſſenſchaften S. 10. c) Geſchichte der Gelehrten... ebend. d) Geſchichte des Bücherweſens ebend. Werth der Geſchichte.. ebend. r. Studium des Urſprungs alles Vorhand⸗ nen ſchließt die Natur des letztern auf ebend. 3. Bekanntſchaft mit abweichenden Vor⸗ ttellungsarten, Anfichten, Urtheilen, befördert die Aufklärung..— 12 (IV. Hiſtoriſche Hülfswiſſenſchaften.) Ausführung. I. Hiſtoriſche Propädeuttitt— 14 1. Hiſtoriſche Kritik.— Leitfaden zu deren Auffndung...... A. Unterſuchung, ob wir von 1 denn was uns gegenwärtig iſt, alles mitthei⸗ len wollen....— 16 B. Ob Alles mit dem übereinſtimme, was wir erfahren habeln— 17 c. Ob wir bei dem urſprünglichen Er⸗ fahren ſelbſt die Empfindung gehö⸗ rig aufgefaßt haben, keine Erſchlei⸗ chungsfehler vorgegangen ſind— ebend. Empfunden und durch Erfahrung erkannt werden können nicht a) das Nichtſenn—— 18 b) das Gemeinſame...— 19 o) das Weſentlichhe.. ebend. d) die Kauſalverknüpfung, Kräfte, Empfänglichkeiten, das Mögliche, Geſinnungen, Asſichten⸗ Cha⸗ raktere.....— 20 D. Bedingungen der Giauowindigkas der Zeugen:.... ebend. a) Tüchtigkeit,.....— 21 p) Aufrichtigkeit.. ebend. E. Grundſätze der Krititkt S. 21 Ueberhaupt... ebend. Nähere Anwendung— 22 a) Wo keine Quellen, da keine Ge⸗ ſchichte....... ebend. b) Wo Quellen ſind, kömmt es an auf deren Geneſis, auf die Sub⸗ jektivität und auf die Obiekti⸗ Vität.........— 23 aa. Geneſis: Urzeuge, Afterzeuge, Gerücht, Sage.... ebend. bb. Subjektivität: von der Glaub⸗ würdigkeit des Urzeugen häangt die Glaubwürdigkeit der That⸗ ſache ab.......— 24. cc. Objektivität: innere und äußere Möglichkeit der Sache..— 26 Anmerkungen.....— 28 c) Grade der Glaubwürdigkeit. ebend. Erſter Grad: Zuſammentreffen der Uebereinſtimmung aller Men⸗ ſchen in allen Zeitaltern mit den Erfahrungen, die wir fortdauernd in ähnlichen Fäl⸗ len machen...... ebend. Zweiter Grad: Uebereinſtimmung eigener und fremder Wahrneh⸗ mungen damit, daß eine Sache meiſtentheils ſo iſt, wie ſie von glaubwürdigen Zeugen vorgeſtellt wird— 29 Dritter Grad: Erzählung einer, in Anſehung der Natur der Dinge gleichgültigen, Sache, durch glaubwürdige Zeugen, denen nicht widerſprochen worden iſt— 30 2) Widerſpruch der Zeugen unter ſich, und mit der gemeinen Erfahrung ebend. — e) Falſche, wiewohl gewohnliche, Schätzung der Wahrſcheinlichkeit, herrührend von paſſiven Urſachen im menſchlichen Gemüth. f†) Klaſſiſikation der Geſchichtſchreiber 3 aus dem Geſichtspunkte der Glaubwurdigkeit..... aa. Solche, die ihre eigenen That⸗ ſachen beſchreiben... bb. Solche, die entweder ſelbſt an den Begebenheiten Antheil hatten, oder ihre Nachrichten von Augenzeugen erhalten haben..... cc. Solche, die aus authentiſchen Quellen ſchoöpfen. dd. Solche, die aus ſchon vorhand⸗ nen hiſtoriſchen Werken eine Geſchichte zuſammenſetzen, oder Geſchichte durch chronologi⸗ biographiſche Abkürzung, in end⸗ die ſche Stellung, Einkleidung, neue Formen bringen; lich die Geſchichtforſcher, Lieferer von Beiträgen. 2. Hiſtoriſche Kunſt.... a) Heuriſtik: Kunſt der Entdeckung, Auswahl, Kombination der Ma⸗ terialien...... b) Hiſtoriographie: Kunſt der Verar⸗ beitung hiſtoriſcher Materialien, zur Belehrung, wenigſtens zur Aufbewahrung eines relativ in⸗ tereſſanten Andenkens. aa. Pragmatiec... bb. Einheit der Kompoſition.. Erforderniſſe der hiſtoriſchen Darſtellung: Treue, Klarheit, Ordnung, Würde, Intereſſe ccC. — 34 ebend. — 36 ebend. ———= 7 XII 4 dd. Erforderniſſe des Geſchichtſchrei⸗ bers: Wahrheitsliebe, Ur⸗ theilskraft, Treue, politiſche und literariſche Kenntniſſe, 4 Weltkenntniß, Anthropologie, Beſonnenheit, Gabe der lehr⸗( reichen, nützlichen, fließenden Sblu Darſtellung, Geſchmak S. 45 —— 1, ee. Beiträge zur Geſchichte.— 47 x1. Annalen, Chroniken. ebend.— 2. Denkſchriften, Mémoires ebend. 3 3. Protokolle, Staatsſchriften, 3 acta publica, Zeitungen— 48 I 4. Kritiſche, antiquariſche, lite⸗ rarhiſtoriſche Aufſätze, Anek⸗ Li doten, Beiträge zu den 3 Hülfswiſſenſchaften.. ebend. III. G ff. Charakteriſtik der neuern Ge⸗ 4. ſchichtſchreibung. ebend. 8 9 II. Geſchichte der Menſchheit.— 49 A Vorbegriffe.. ebend. 6 Plan zu einer Geſchich te der Renſchheit— 352 1. Menſchen in Hinſicht auf Wohnplätze 3 und Stämme..(bend. 1 2. Auf das phyſiſche Leben;,. ebend. 1 3. Auf natürliche Verhältniſſe)— 53 4. Auf Kultur; ebend.— Stufengang in der Ausbildung der Völker: 4 K. Jägervölker.— 53 5 B. Hirtenvölker....... ebend. C. Ackerbauende Völker—— 55 5 5. Menſchen in Hinſicht auf geſellſchaft⸗ 6pe liche Verfaſung..... ebend. Liter Bemerkungen über Fortrücken des Men⸗ 1ug G ſchengeſchlechts—— 37 1 3. Ne 1. Keine Hoffnung dazuu.. ebend. Whe 2. Allerdings Verbeſſerlichkeit— 58 3 ‿—yy;—„1X⅛ 5—— —— XIII 3. Hiſtoriſche Deduktion. Wohlfahrt hängt ab von Gerechtigkeit, Wohl⸗ habenheit, Aufklärung S. 59 A. Gerechtigkeit.... ebend. B. Wohlhabenheit.—— 60 C. Anfélärung......— 61 Schlußvemerkungen.— 62 1. Es hat noch kein Kulturgrad beſtan⸗ den, dem unſrigen gleich,.. ebend. 2. Die zunehmende Kultur iſt für die Dugend nicht nachtheilig— 63 3. Die Grenze der ſittlichen Verbeſſe⸗ rung iſt nicht anzugeben; doch iſt Glaube an Verbeſſerlichkeit Pflicht— 65 Literattir......... ebend. III. Geſchichte des Menſchengeſchlechts..— 67 A. Bürgerliche Geſchichte..... ebend. Begriff... ebend. Literatur der buͤrge rlichen Univerſalge⸗ ſchichte......— 69 Abtheilung........— 71 Vorerinnerungen... ebend. 1. Urwelt, von Adam bis Noah— 72 . 2. Dunkle Welt, von Noah bis Moſes.. ebend. 3. Vorwelt, von Moſes bis Cyrus— 73 4. Alte Welt, von Cyrus bis Chlodwig ebend. 4 5. Mittlere Welt, von Chlodwig an . 3 rooo Jahre...... ebend. 3 6. Nelte Welt..— 75 Specialgeſchichten....— 76 Literatur derſelben.— 79 5 Allgemeine Anmerkungenn—— 34 B. Religionsgeſchichte...— 86 7 Aphoriſtiſche Vorbemerkungen über natür⸗ d. liche Religion und Polytheismus— 86 ff. 9 Begriff der Religion und ihrer Geſchichte— 39 XIV— Eintheilung der Religionen S. 92 Urſprung der Religion, nebſt allgemeinen anthropologiſchen Betrachtungen— 95 Hume’s Ideen über Poly⸗ und Mono⸗ theismiis.......— 1044 Kritiſche Bemerkungen über die Geſchichte der Religion...— 110 1. Zur Erkenntniß der Religionen iſt nöthig, ſich in die Denkart, Lage und das Zeitalter der Völker zu verſetzen... ebend⸗ 5 3. Leitende Ideen......—- 111 a) Religion und Mythologie ſind nicht einerlei... ebend. b) Beide waren nicht zu aller Zeit, und bei dem ganzen Volke, einerlei..... ebend. c) Von den Sitten der Völker gilt kein Schluß auf ihre Religion— 112 d) Geoffenbarte(auf heilige Bücher gegründete) Religio⸗ nen haben eine Dogmatik, und enthalten, als weſentli⸗ chen Theil, die Moral. In nicht geoffenbarten gehört der Inhalt von jener(Dogmatik) zur Philoſophie, und dieſe (Morah) zur Geſetzgebung ebend. e) Theologie des Alterthums iſt von der heutigen durchaus ver⸗ ſchieden........— 113 Sie iſt im Ganzen aa. Philoſophiſch. ebend. bb. Politiſch....— 114 cc. Mythiſch poetiſch. ebend. 3. Hyxotheſen über den Urſprung des Polytheismus und der Idololatrie— 115 4. Verehrungsarten....— 117 Erſtens: in Anſehung des Urſprungs. 1—— 4 N a) Natürliche..„ S. 117 b) Von Dichtern und Geſetzge⸗ bern erfundene.... ebend. c) Vom Fanatismus aufgebrachte ebend. d) Andern Volkern abgeborgte ebend. e) Aus Liebe zu Pracht und Ce⸗ remonien erfundene.. ebend. Zweitens: in Anſehung des Weſens— 118 a) Beſchauliches Leben.. ebend. b) Heilige Wuth ebend. c) Gebete, Gelübde.— 119 d) Spiele, Proceſſionen.. ebend. e) Gaben, Opfer... ebend. f) Gute Werke.— 121 *. g) Gnadenmittel, Myſterien ebend. Kirchenweſen.— 126 1. Oerter„ cbend⸗ 2. Prieſter. ebend⸗ 3. Feſte........ 128 Propheten und Oraketlt.— 129 1. Begeiſterte ebend. 2. Deuter....— 131 3. Wahrſager, Orakel„. ebend. Muſterung der Religionen..— 134 AA. Ohne heilige Bücher. 1. Griechiſche.... ebend. 2. Römiſche........ ebend. 3. Aegyptiſche.....— 135 4. Perſiſche.....— 136 5. Phöniciſche..... ebend. 6. Etruskiſche..... ebend. 7. Nordiſche....... ebend. 8. Religionen der rohen Völker— 137 BB. Mit heiligen Büchern. r. Hindoſtaner.. ebend. 2. Csinelen..... ebend. 3. Japauer...... 138 4. Mahomedaner.. ebend. 5. Iüdiſche......— 139 6. Chriftliche......— 14 1 XVI—— G. Literargeſchichte....S. 142 Allgemeine Anſicht.. ebend. Erhaltung und Fortpflanzung der Schrif⸗ ten der Altein......— 147 x. Schreibkinſt. ebend. 4. Bibliotheken— 148 3. Buchdreickerei..— 149 Veranlaſſung der Kultur einzelner Wiſ⸗ ſenſchaften...—4 132 Quellen der Literargeſchichte.—— 183 IV. Hiſtoriſche Hülfswiſſenſchaften— 158 A. Chronologie........— 139 Zweck...... ebend. Unterſchied des Stern⸗ und Sonnentags ebend. Tagesanfang— 163 Monate.....— 165 Sonnenjahr, ſideriſches und tropiſches— 167 Julianiſches Jahr...— 1r69 Form der Civiljahre bei verſchiedenen Polkern.—— 170 1. Römiſche Jahresform. Geſchichte unſers Kalenders..— 171 2. Griechiſche, vorzüglich rtiche— 174 3⸗ Jüdiſche..— 179 4. Aegypliſche.....— 181 s. Syrer cbend. 6. Perſer.... ceend. 7. Indoſtaner......— 182 8. Mahomedaner...— 184 Cykel..........— 189 1. Sonnencykel ebend. 2. Mondcykel.......ꝛ— 191 3. Indiktionscykel..— 192 Perioden. 192 Juligniſche ecebend. Aeren..........— 195 1. Chriſcliche.. bend. 3. Diokletianiſchhhy— 196 3. Nengriechiſche.„ ebend. 4. Antiochiſche......— 197 — XVII 14 5. Alerandriniſche. S. 197 bend. 6. Euſebiſche ecbend. 7. Jüdiſche......— 193 147 8. Mahomedaniſche....— 199 vend. 9. Alt⸗Griechiſche...... ebend. 148 10. Römiſche......— 202 149 11. Alt⸗ Aegyptiſche.....— 303 12. Chaldäiſch Syriſche. ebend. 152 13. Perſiſche......— 304 153 Reduktion der Mahomedaniſchen Jahre ebend. - 158 Epakten.......— 206 159 B. Geographie.......— 217 ebend. x. Mathematiſche.......— 218 ebend. a) Breite....... ebend. — 163 p) Länge...— 220 — 165 c) Größe und Geſtalt der Erde.— 225 — 167 d) Tags⸗ und Jahreszeiten.— 233 — 169 e) Verfertigung von Land⸗ und See⸗ Charten und Globen. Proiek⸗ — 170 tionen.— 234 f) Geſchichte der Charten und d Globen— 237 — 171 a. Phyſiſche........= 238 — 174 a) Land......... ebend. - 179 b) Waſſer.........— 339 — 181 Aa. Meer........ ebend. ebend. Bp. Quellen......„ ebend. ebend. Ce. Flüſſe...... ⸗ ebend. — 182 dd. Landſeen.......— 2 40 — 184. Moore, Sümpfe.... ebend. — 185 C) eufs.... bend ebend. d) Jahreszeiten, Witterung..— 241 — 191 e) Organiſche Weſen.. 242 — 192² f) Veranderung des Erdbodens.. ebend. — 192 g) Geogonie........ ebend. ebend. h) Veränderung in den Naturreichen ebend. — 195 3. Polit iſche.— 2433 ebend. 2) Naturbeſchaffenheit der Länder„ ebend. — 196 b) Geſellſchaftliche Verfaſſung— 244 ebend. 6) Bratleben....... 243 — 197 IV.** ——. ————— ———————————— XVIII r—— 8 d) Hälfsmittel der politiſchen Geo⸗ graphie.. S. 225 ) Literatur..——— 24 6 4. Alte Geographie.....— 230 C. Statiſtik....— 233 H. Geneglogie........— 234 E. Heraldik.....— 289 Oiplomatik..—— 262 F. G. Numismatik„......— 263 11. Epigraphit.......— 272 I. Archäologie der Kunſt..= 275 Ueber die Hoffnung, daß es beſſer werde mit dem Menſchengeſchlecht. Aus dem Pr Lateiniſchen des Profeſſor Kraus. S. 277 Geſchichte, ————————:— 3 Geſchi cht e 5 als zweiter Theil 8 5 der encyklopaͤdiſchen Anſichten einiger Zweige der Gelehrſamkeit. D B (im Vir dene, Seſc Ales ts ni venn tigene aus T derer I durch b 1 ills ei w he veſſ Aas N. maafen verden, Einleitung. — 1 Der Gegenſtand des hiſtoriſchen Wiſſens (im Gegenſatze des rationalen), iſt das Wirkliche, und zwar ſowohl das Vorhan⸗ dene, ſofern es ſich beſchreiben, als das Geſchehene, ſofern es ſich erzaͤhlen, laͤßt. Alles Wirkliche iſt individuell, man kann es nicht anders kennen, als entweder, wenn man es ſelbſt empfunden hat(durch eigene Erfahrung), oder wenn man es aus Beſchreibungen und Erzaͤhlungen An— derer vernimmt, die es empfunden haben (durch fremde Erfahrung). Da aber alles einzeln iſt, ſo kann, wo die Spra— che verſagt, die immer allgemein ſchildert, das Beſchriebene und Erzaͤhlte, gewiſſer⸗ maaßen durch Abbildungen individualiſirt werden. Doch geht das nicht ganz an A 2 — 4 bei Farben, Toͤnen, Geruͤchen, Gefuͤh⸗ len, und innern Empfindniſſen; ſelbſt Abbildungen von Geſtalten und Formen geben ſelten die rechte Vorſtellung, Mo⸗ delle ſind beſſer. Das Wirkliche, das ſo vieles, und ſo ſehr verſchiedenes, befaßt, laͤßt ſich doch fuͤglich in zwei Felder abtheilen, in das, der Natur, und das, der Freiheit. Daher: I. Naturhiſtorie(im Gegenſatze der Naturwiſſenſchaft), welche, in ſofern dieſelbe alles Wirkliche in der Natur, auch den Menſchen ſelbſt, als phyſiſches We⸗ ſen, ſchildert, nach allem, was ſich daran direkt oder indirekt wahrnehmen laͤßt, Naturbeſchreibung, und in ſofern ſie alles, wie es geworden iſt, erzaͤhlt, Naturgeſchichte heißen koͤnnte. Die letz— tere nennt Forſter eine Wiſſenſchaft fuͤr Goͤtter. II. Geſchichte begreift alles, was ſich auf die Menſchen, als nach Abſicht han⸗ delnde Weſen, bezieht. So gefaßt, wuͤrde die Geſchichte ſich abtheilen laſſen: 1) In Beſchreibung alles deſſen, was Menſchenwerk iſt, oder ſich als ſolches ſchr unt ſate djen anh „Ne daran ſißt 5 von irgend einer Seite anſehen laͤßt; alſo A. des Landes, ſofern es begraͤnzt, mit Feldern, Gaͤrten ꝛc. angebauet, mit Gebaͤuden beſetzt, und mit Kunſtproduk— ten angefuͤllt iſt; B. der Menſchen, ſofern ſie eine poli⸗ tiſche Verfaſſung haben, nach Staͤnden und Bezirken, Geſetzen, Gewohnhei— ten, Staats⸗ und Privatrecht, Polizei, Rechtspflege, Militaͤr, Finanzen, Lehr⸗ anſtalten, Religionsweſen, Sitten, Ge— braͤuchen, Meinungen, oͤffentlichem und Privatleben ꝛc. 2) In Erzaͤhlung, wie das Beſchriebne geworden iſt, und was Menſchen einzeln und verbunden gemacht und gethan haben. Gewoͤhnlich wird die Beſchreibung unter dem Namen von a. politiſcher Geographie und Stati⸗ ſtik oder Staatskunde, in Hinſicht auf kultivirte, und von b. Laͤnder⸗ und Voͤlkerkunde in Hin⸗ ſicht auf unkultivirte Menſchen, von der Geſchichte abgeſondert. Aehnliche Be⸗ ſchreibungen von alten Zeiten werden unter dem Namen Antiquitaͤten, bald —— — —— — „ — —— als Beſtandtheil, bald als Außenwerk oder Geſchichte, angeſehen; ſo daß end⸗ lich im engſten Sinne die Geſchichte ſelbſt auf bloße Erzaͤhlung beſchraͤnkt wird, ob⸗ gleich ſie nie der Beſchreibung entbehren kann. Nicht nach einem Prinzip aus der Natur der Sache, ſondern bloß durch zufaͤllige Anlaͤſſe, iſt ſowohl dieſe Abtheilung, als die weitere in buͤr⸗ gerliche, Religions- und Kulturgeſchichte, entſtanden.— Das ganze Fach der Hiſtorie wird ſich ſo uͤberſehen laſſen: I. Hiſtoriſche Propaͤdeutik. Wenn man die Grundſaͤtze der Beurtheilung und Benutzung des Hiſtcriſchen unter⸗ ſucht, ergiebt ſich eine doppelte Theorie: 1) hiſtoriſche Kritik, welche Hermeneu⸗ tik, und 2) hiſtoriſche Kunſt, welche Heuriſtik, vorausſetzt; dann folgt 3) Ueberſicht der Formen ihrer Be— handlungsart. II. Geſchichte der Menſchheit. Wenn man die allgemeinen Reſultate der Vergleichung hiſtoriſcher Notizen zu⸗ ſammenfaßt, um gleichſam eine Theorie 4 7 deeer Geſebe, welche in der Geſchichte des d 5 Menſchengeſchlechts ſich entdecken zu laſ⸗ ſt ſen ſcheinen, zu bilden, und leitende 1 b Ideen und Argumente zur Beurtheilung 1 V fuͤr die Spezialgeſchichte aufzufaſſen: ſo entſteht Geſchichte der Menſchheit. Ste— 3 wart nennt dieſe Geſchichte theoretiſche 1 V oder muthmaßliche Geſchichte, naͤmlich 3 b die Unterſuchung der Art, wie nach der bekannten Beſchaffenheit der Kraͤfte, die Sache habe zu Stande kommen koͤnnen. d Hume nennt ſie natuͤrliche Geſchichte. 1f III. Geſchichte des Menſchenge⸗ ng V ſchlechts. er V Man theilt ſie nach folgenden 4 Ge⸗ 8 V ſichtspunkten ab: eu— 1) Nach ihrem Umfange. Wenn V man, nach Maaßgabe der vorhandenen ſik hiſtoriſchen Quellen, von dem Menſchen⸗ V geſchlecht, als einem Inbegriff von Voͤl⸗ . kern und Staaten, die Begebenheiten, Schickſale und Veraͤnderungen, in ein Ganzes geordnet, darſtellt, ſo entſteht it. V Univerſalhiſtorie. Sie hat immer das Altrt Ganze vor Augen, und hebt nur die Sa⸗ aa chen aus, und ſtellt ſie ihrem Zuſammen—⸗ hen hange nach dar, die entweder auf das 8 Ganze eutſcheidenden Einfluß hatten, oder doch fuͤr einen betraͤchtlichen Theil von wwichtiget Folgen waren. Beſchreibt man nur die Geſchichte einzelner Staaten und dander⸗ ſo entſteht Spezialgeſchichte; nach dieſer ſteht die Geſchichte einzelner Anſtalten, Gegenſtaͤnde ꝛc., und endlich die Biographie, oder Lebensgeſchichte ein⸗ zelner Menſchen. 2) Nach der Zeit, in alte— von den aͤlteſten Zeiten bis Chriſtus, oder bis zur Voͤlkerwanderung 375;— mittlere— 5 bis 1492,— und neue, 1492 bis jeßt. 3) Nach der Form A. Pragmatiſche: der Pragmatiker forſcht oft in andern Welttheilen nach den Urſachen und Folgen ſeiner Bege⸗ benheit. B. Annaliſtiſche: der Annaliſt regi⸗ ſtirt ohne Verkettung und Parallelismus. C. Eroͤrternde. 4) Nach dem Gegenſtande, deſſen Ge⸗ ſchichte man erzaͤhlen will, ſo wohl, als nach dem Zwecke, der dadurch erreicht werden ſoll, ergeben ſich mancherlei Un⸗ terabtheilungen der buͤrgerlichen Religions⸗ und Kulturgeſchichte: * 4 — den ſani ( ſaltni ds tande der⸗, kann 3. et,“ gen, melzk danke —— 8 9 A. Die buͤrgerliche Geſchichte, civilis, deren Gegenſtand die politiſche Geſell⸗ ſchaft, in Anſehung ihres innern Zuſtan⸗ des(organisation) und ihrer aͤußern Ver⸗ haͤltniſſe iſt; nachdem man in ihr das Land, das Volk, oder den Staat, zum Gegen⸗ ſtande nimmt, und feſthaͤlt, entſteht Laͤn⸗ der⸗, Voͤlker⸗, Staatengeſchichte. Dann kann man ferner a. einzelne Landſtriche, Staͤdte, Oer⸗ ter, Kloͤſter, b. einzelne Geſellſchaften,— Zuͤnfte— Staatsmaͤnner— Privatperſonen; c. einzelne Anſtalten und Einrichtun⸗ gen, z. B. Adel, Feuerkataſtra, Kom⸗ merzkollegia, Kammer, Poſten, Wechſel, Banken ꝛe., hiſtoriſch beſchreiben. B. Die Religionsgeſchichte— ecclesi- astica,— bietet als Gegenſtaͤnde zur be⸗ ſondern Geſchichte dar: „ ⸗*. Geſchichte der Vorſtellungsarten von Gottheit, Natur, Menſchheit; b. Der Verehrungsarten, der Opfer, des Betens, mit Oertern, Perſonen, Zeiten, d. i. Tempeln, Feſten, Prieſtern. c. Verhaͤltniß der Religion zum Staat. — Ein Zweig der Religionsgeſchichte, die Kirchengeſchichte, befaßt: 10 a) Geſchichte der Kirche als Geſell⸗ ſchaft, die wieder in die, der Paͤbſte, der Hierarchie, der Synoden, Konzilien, der Orden ꝛc., zerfaͤllt. b) Geſchichte der Lehren im Ganzen,— Dogmengeſchichte,— oder im Einzeln, Symbole, Heiligendienſt, Meſſe, Ketzer. c) Geſchichte der religioͤſen Verfaſſung, und ihres Verhaͤltniſſes zum oͤffentlichen und Privatleben. C. Die Kulturgeſchichte enthaͤlt: a. Geſchichte der Geiſteskultur im Gan— zen, der Wiſſenſchaften im Einzelnen, der Lehranſtalten, Schulen, Akademien, Univerſitaͤten, der Verbreitung und An⸗ wendung der Kenntniſſe im Publikum; b. Geſchichte einzelner Wiſſenſchaften oder Lehrſaͤtze; c. der Gelehrten, Lehrer und Aiutoren d. des Buͤcherweſens. Werth der Hiſtorie. Alle Thatſachen, die uns nicht durch eigne Empfindung bekannt ſind, kennt man nur durch Erzaͤhlungen, Beſchrei— bungen, oder bildliche Darſtellung Ande⸗ rer, die es empfunden haben. Eigne Er⸗ —— ——y ſch Y h lſen mäͤge und Erfat Ande mit der Rnet ben rune wit derer chen, nittel wächer Kenat keſten De. hen gen, auf ma und vo dühmn, Baunh komnae 2 11 fahrung iſt freilich der Grund unſeres Wiſſens, und die Norm alles unſeres Urtheils; wir verſtehen ja nur, was wir leſen oder hoͤren oder abgebildet ſehen moͤgen, dadurch, daß wir den Worten und Bildern unſere aͤußern und innern Erfahrungen unterlegen; und die Urtheile Anderer leuchten uns nur ein, ſo fern ſie mit unſern intuitiven Urtheilen ſtimmen, oder ſofern wir uns an die Stelle An—⸗ derer geſetzt finden, daß wir ſie auch faͤl⸗ len muͤßten. Aber unſere eigne Erfah⸗ rung iſt doch aͤußerſt begraͤnzt, verglichen mit dem Aggregat der Erfahrungen An⸗ derer,— indem wir nur wenige Sa— chen, und an dieſen nur wenig ſelbſt un— mittelbar, erfahren. Geſchichte alſo be— reichert uns mit Stoff aller Art von Kenntniſſen, und beſonders der intereſſan⸗ teſten, naͤmlich der Menſchenkenntniß. Die Kenntniß der Geneſis aller menſchli— chen Einrichtungen und Hervorbringun— gen, ſie moͤgen ſich auf ſie einzeln, oder auf mannichfaltige Geſellſchaften, beziehen, und von Koͤrper⸗ und Geiſteskraͤften her⸗ ruͤhren, giebt die einzig wahre, und zur Beurtheilung ſowohl, als zur Vervoll— kommnung dienſame, Einſicht in dasjenige, deſſen Geneſis man genau weiß. Poſiti⸗ ves Recht und poſitive Theologie ſind ohne Kenntniß der Geneſis nur ſervile Studien, ſtatt, daß ſie, genetiſch ſtudirt, nicht nur wichtige Einſichten gewaͤhren, ſondern zugleich den Geiſt bilden. In ſofern iſt der Ausdruck recht: historia est philosophiae metropolis,— eine Mutter⸗ ſtadt, die Kolonien ausſchickt.— Denn jede Erkenntniß, und jede Sache, die er— kannt wird, iſt geworden; die Einſicht in den Gang, wie ſie geworden, ſchließt ihre Natur am beſten auf. Daher iſt es beſſer, Newtons Schriften zu leſen, als die Schriften ſeiner Ausleger und Ab— kuͤrzer. Beſonders wichtig iſt Geſchichte den „Staatsmaͤnnern, Geſetzgebern, Rechts⸗ gelehrten, um die Geneſis, und dadurch die ratio der Geſetze, zu wiſſen— (Reichsgeſchichte);— den Thoologen, deren Wiſſenſchaft in Thatſachen beſteht, den Philoſophen, den Dichtern, Rednern, um daraus die beſten Beiſpiele der Tu— gend und Weisheit zu ſchoͤpfen. Alle Urtheile, ſie moͤgen noch ſo ſubjektiv ſeyn, haͤlt von Natur jeder Menſch fuͤr ob⸗ jektiv; er kann nicht anders, als meinen, daß wirklich alles in Abſicht auf Wahr⸗ ——jÿꝛA— — 2 — 1 heit, Schoͤnheit, Guͤte, ſo ſey, wie es ihm ſcheint. In der Erkenntniß der Ur⸗ ſachen des Scheins, und in der Be⸗ freiung von dieſer Taͤuſchung, beſteht Aufklaͤrung; dieſe erlangt man nur durch Oppoſition, indem man vernimmt, daß andern Menſchen alles anders vorkomme. Daher hat das Studium der Reiſebe⸗ ſchreibungen, der Laͤnder⸗ und Voͤlker⸗ kunde, Epoche in unſern Zeiten gemacht, daher bildet ſich mit zunehmender Erfah⸗ rung im geſchaͤftigen Leben das Urtheil; daher reift es durch das Alter. Nur durch Widerſtreit entſteht Zweifel, und dubitatio initium sapientiae:— Ayvolac pvdiν doxn riõe αωsᷣναeᷣx. Das Umfaſ⸗ ſen aller Zeiten und Nationen allein kann das Problem: quid sumus, et quidnam futuri gignimur, außzuloͤſen Hoffnung ge⸗ ben.— Außer dem Nutzen: daß uns die Ge⸗ ſchichte materialiter lehrt, die Natur, zumal die poſitiven Wiſſenſchaften, beſſer zu kennen, und zu philoſophiren uͤber die Menſchheit, ſind die Menſchen von Natur zur Geſchichte aufgelegt; dazu haben ſie Neugier und Gedaͤchtniß, haben Neigung und Vergnuͤgen, ſich mitzuthei⸗ 14 len. Woher alſo die geringe Achtung, worin das Geſchichtsſtudium ſteht? Es liegt bloß an dem Mangel der richtigen Beurtheilung und Benutzung, wenn ſie jene vorher erwaͤhnten Vortheile nicht ge— waͤhrt. 6 Ausfuͤhrung. I. Hiſtoriſche Propaͤdeutik. 1. Hiſtoriſche Kritik. Leitfaden zur Auffindung derſelben. Man frage ſich ſelbſt, was fuͤr eine Kenntniß des Wirklichen es ſeyn werde, die aus unſerer eigenen aͤußern oder in⸗ nern Erfahrung, durch unſere Erzaͤhlung oder Beſchreibung, irgend einem andern, oder jedem andern, beigebracht werden kann? Auffaſſen von dem, was wir ihm durch Sprache oder Abbildung mittheilen, kann der Andere nur das, und nur ſo, was und wie er es durch Unterlegung ſeiner eigenen Ideen unter unſere Worte und Bilder ſich vorſtellen und denken kann. Nittheilen aber koͤnnen wir ihm nur M Vuunt Gul g. run weite ken, wiet etzähle dun ab, 4. 06 f tſeiens un dr That nd tichtg d ob un wit es meire lih alls ſ r en nitthe Vollen ie dagzttgſt lüitit ſur in de Vil des Enaßle Anyen unt n, auch Nrnunſt nodifzirt! Bel a bung, die kommts ung, Es igen ſie t ge⸗ tif. elben. eine verde, er in⸗ oͤhlung andern, werden vir ihm ttheilen, nur ſo, erlegung ) Worte denken wir ihm 15 nur das, was und wie wir es in dem Moment des Mittheilens in unſerer Seele gegenwaͤrtig haben. Die Frage nun weiter, ob das, was wir mitthei⸗ len, wirklich alles ſo geweſen ſey, wie wir es erzaͤhlen und beſchreiben, haͤngt da⸗ von ab, a. ob wir in dem Moment des Mit⸗ theilens uns noch alles deſſen, was wir in der That erfahren haben, vollſtaͤndig und richtig erinnern, und b. ob und wiefern wir, was und wie wir es meinen erfahren zu haben, wirk⸗ lich alles ſo erfahren haben moͤgen. Zu die— ſem mittheilen koͤnnen muß noch das Wollen kommen; die ſcharfe Urthei⸗ lungskraft muß die puͤnktlichſte Aufrich⸗ tigkeit zur Seite haben, die durch nichts in der Welt, ſelbſt nicht durch den Reiz des Erzaͤhlens, und die Freuden, einen Andern unterhalten oder reizen zu koͤn⸗ nen, auch nicht durch Ruͤckſichten auf Vernunft und Natur ſelbſt, im mindeſten modifizirt werden muß. Bei aller Erzaͤhlung und Beſchrei— bung, die wir ſelbſt fuͤr Andere machen, kommt es demnach, um endlich das Ei⸗ 16— gentliche, Wirkliche daraus abzunehmen, darauf an: A. ob und wiefern wir jemand,— die Mittheilungskunſt vorausgeſetzt,— von dem, was unſerm Geiſte gegenwaͤr⸗ tig iſt, alles, was und ſo wie es uns beiwohnt, mittheilen wollen, ohne Ver⸗ ſchweigung(toute verité), ohne Veraͤnde⸗ rung,(rien que la verité) d. i. ohne zu nuͤanciren, zu coloriren, zu outriren— (reine Unpartheilichkeit, wie aͤußerſt ſchwer!), und ohne Erdichtung. Noth⸗ wendig ſind alſo Motiven, die Wahrheit zu ſagen, und Abweſenheit aller Ruͤck⸗ ſichten, Bedenken, Anlaͤſſe, welche ein Verſchweigen, Erdichten, Veraͤndern, ver⸗ anlaſſen koͤnnten. Das Stillſchweigen iſt darum kein Beweis und kein Einwurf, weil es ſeyn kann, daß der Schweigende 1) nichts davon erfahren, 2) ſich des Erfahrnen nicht erinnert habe, 3) daß er es nicht habe ſagen wollen, weil er es nicht noͤthig, nicht zweckmaͤ— ßig fand. Hieraus kann man ſich man⸗ ches erklaͤren, z. E. daß Homer von dem Aetna und dem Veſuv, von der Schreibekunſt, vom Labyrinth in Kreta und ——— 17 und von den Pyramiden ſchweigt, daß die Griechen bis auf Longin von der Septuaginta ſchweigen, daß Polybius nicht an Archimedes Spiegel denkt ꝛc. B. Ob und wiefern, was wir im Mittheilen gegenwaͤrtig haben, mit dem ſtimme, was wir wirklich erfahren hat⸗ ten, das haͤngt nur davon ab, a) ob wir auf friſcher That, ſogleich, oder aus damals gemachtem ſchriftlichem Aufſatze, oder kraft oöͤfterer Wiedererinne⸗ rung, wozu wir vielfaͤltige Anlaͤſſe ge⸗ habt, erzaͤhlen und beſchreiben; b) ob wir dabei alles Discurſive vom Intuitiven, alles Gedachte vom Empfunde⸗ nen ſcharf unterſcheiden, kurz aller Er⸗ ſchleichungsfehler uns zu erwehren, Ge⸗ ſchick und Neigung haben. C. Ob und wie fern bei dem Akte des urſpruͤnglichen Erfahrens ſelbſt die richtige und beſtimmte Empfindung durch Attention und Reflexion gehoͤrig gefaßt, f und von allen darauf ſich beziehenden — Empfindniſſen(Erſtaunen, Liebe, Abſcheu, Furcht, Verlangen, ſchoͤn, edel, erha⸗ ben) und raisonnements, klar abgeſon⸗ dert gedacht werde. Intuitive Urtheile koͤnnen nicht unterbleiben, ſonſt weiß IV. 8 —— —— 2* — — ——— ——— 4 — — —— 18— man nicht, was man erfaͤhrt; aber Er⸗ ſch ſchleichungsfehler muͤſſen verhuͤtet werden, 7 ſonſt weiß man eben ſo wenig, was man A erfaͤhrt. nd Was das fuͤr Erſchleichungsfehler ſind, keich erkennen wir bald, wenn wir nachfor⸗ Bart ſchen, was eigentlich von uns erfahren werden kann, und was nicht. Erfahren het kann nur werden das Wirkliche oder das Den Exiſtirende, ſo fern es auf uns wirkt, den, unmittelbar, oder ſofern es auf andere dar, Dinge wirkt, die nun auf uns unmittel⸗ unte bar wirken. Locke's qualitates primariae, de sccundariae, et potentiae.— Alſo em⸗ Ba pfunden, und durch eigentliche Erfahrung de erkannt werden, kann nicht: diſ a. Das Nichtſeyn. Es iſt z. B. un⸗ ſtre richtig zu ſagen: ich habe geſehen, daß in mein der Kempelſchen Schachmaſchine kein ron 3 Menſch iſt; ich habe gehoͤrt, daß davon durc nicht geſprochen iſt, geſehen, daß es nicht gilt geblitzt hat, daß es nicht der Mann war wir auf der Redoute— nullum indicium in- dn initivum negat.— Nur etwas Affirma⸗— tives kann ich wahrnehmen, nie etwas u a Negatives; daher iſt es falſch, wenn man rg, behauptet: die Amerikaner haͤtten keinen ſeewa Bart, die Hottentottinnen keine Natur⸗ ſnge —— 19 ſchuͤrzen—(Barrow); es gaͤbe kein Suͤd⸗ polarland, keine Nordweſtpaſſage, keinen Kalk in Neuholland, kein Holz in Is⸗ land ꝛc. Der Satz muß poſitiv ausge⸗ druͤcht werden: kein Amerikaner hat einen Bart ꝛc. b. Das Gemeinſame, z. B. menſchli⸗ cher Charakter, Geſchaͤfte, Sachen ꝛc. Denn das Wirkliche, was wir empfin⸗ den, iſt durchaus individuel und ſingu⸗ laͤr,— omnimode determinatum.— Es iſt unrichtig, zu ſagen: ich habe geſehen, daß die Berliner, daß die Brandenburgiſchen Bauern, daß die Preußiſchen Offtziere, die Koͤnigsbergſchen Studenten ꝛc.——— Dieſes Fehlers machen ſich die Reiſebe⸗ ſchreiber ſchuldig. Die durch ſolche allge⸗ meine Ausdruͤcke bezeichneten Begriffe ſind von den Dingen verſchieden, und unſer durch den Begriff ausgedruͤcktes Urtheit gilt nur fuͤr individuelle Thatſachen, die wir empfunden haben.— Nullum iudi- eium intuitivum commune. c. Das Weſentliche. Es iſt unrichtig, zu ſagen: ich habe Gold, habe Schma⸗ ragd, habe Braunſtein geſehen, Selter⸗ ſeewaſſer getrunken, eine Menſchenſtimme ſingen gehoͤrt,(Papagey)— Herſchel „ 2 — —— ᷣwö-—————— .——————————————— 20 ſahe helle Punkte und ſchloß auf Vulkane im Monde, ſahe abwechſelnde Farben und ſchloß auf Sommer und Winter oder Schnee und Fruchtland im Mars. Man kann nur Beſchaffenheit, nicht aber We⸗ ſentliches, wahrnehmen:— sensatione modi tantum ct relationes cognos- cuntur, non essentialia et attributa. d. Die Cauſalverknüpfung, Kraͤfte, Empfaͤnglichkeiten, das Moͤgliche, das Kuͤnftige, Geſinnungen, Abſichten, Cha⸗ raktere ꝛc. Carver und Andere woll⸗ ten in den wilden Gegenden am Miſſi⸗ ſippi Ackerruͤcken und altes Pflugland ge⸗ ſehen haben, weil die Erde furchenartig gereift war, welches aber von den Ueber⸗ ſchwemmungen des Miſſiſippi herruͤhrte. Viele ſchrieben der Klapperſchlange Zau⸗ berkraft zu, weil ihr die Voͤgel nicht ent— fliehen koͤnnten; die Urſache davon iſt kein Zauber, ſondern die Voͤgel flattern aͤngſtlich um ihre Neſter, welche dieſe Schlange beſtaͤndig aufſucht. D. Alle Thatſachen, die wir nicht ſelbſt erfahren haben, kennen wir nur durch Zeugniſſe und durch Glauben. Die Glaubwuͤrdigkeit des Zeugen be⸗ ruht aſſͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤͤſſſ— 21 a. auf ſeiner Tuͤchtigkeit; daß er rich⸗ tig erfahren,————— ſich genau erinnert, und beſtimmt ſich mitgetheilt hat; b. auf ſeiner Aufrichtigkeit; daß er Verheelungen, Veraͤnderungen, Erdich⸗ tungen, zu vermeiden Geſchick und Wil⸗ len gehabt hat. E. Grundſaͤtze der Kritik. Ueberhaupt. Jeder zeugt von dem, was er weiß, nur ſo viel, als und ſo wie er will; es bleibt alſo immer Spielraum fuͤr die Un⸗ terſuchung, ob er gewollt habe. Keiner zeugt das wirklich Vorhandene oder Ge— ſchehene, ſondern ſeine Empfindungen und Vorſtellungen davon; es bleibt alſo die Unterſuchung frei, wie fern, was er erfahren haben will, wirklich erfahren, und nicht bloß gedacht ſey, und wie fern es mit dem Wirklichen in der That ſtimme, und es alſo offenbare, odoer nicht. Bei dieſer Unterſuchung giebt das Zeugniß, ſo unſtatthaft es auch in Hinſicht auf das Objekt ſey, gleichwohl in Hinſicht auf das Subjekt, ſo fern man die Gene— ſis der Vorſtellungsart und Geſinnung —õõõnn des Gewaͤhrsmannes einſieht, ſelbſt ein oft ſehr brauchbares hiſtoriſches Datum ab. Naͤhere Anwendung. a. Wo keine hiſtoriſche Quellen, d. i. Produkte von Menſchen, ſind(contes, monumenta, scripta, artefacta)— da iſt keine Geſchichte;— daher iſt Literatur, Kenntniß der Schriften und Denkmaͤler, das Erſte, was man zum Behuf der Ge⸗ ſchichte jeder Art wiſſen muß. Das heißt nicht, daß wir von alten Voͤlkern und Zeiten genau das wiſſen koͤnnen, was ſich in ihren Schriften und Kunſtſachen noch erhalten hat—(wie viel iſt verloren und untergegangen!— ſondern es will nur ſo viel ſagen: außer dem, was wir noch von andern Voͤlkern und Zeiten aus den Quellen, durch alle heuriſtiſche Kunſt⸗ griffe herausſchließen, oder beym Mangel aller Quellen durch Analogien der Ge— ſchichte der Menſchheit herausmuthmaßen koͤnnen,(und letzteres iſt immer nur Muthmaßung, nur allgemein, nicht ge⸗ wiß, nicht individuell,) muͤſſen wir uns beſcheiden, nichts zu wiſſen. Aude ne- scire. Gewaltig iſt unſere Unwiſſenheit, wenn man die Denkmaͤler von Naturre⸗ r na 8⁰ tig des uße iche 1 denn gen latus trfah enritt nr et die ſ die Neihe 23 volutionen, von Kunſtſachen(z. B. Py⸗ ramiden) erwaͤgt.— Selbſt noch in neuern Zeiten iſt ſie groß, denn mit Ti⸗ berius, der alles ins Kabinet zog, ging die roͤmiſche Geſchichte faſt unter. Von Trajan, Adrian, Antonin, haben wir eben ſo wenig. Blos Anek⸗ doten, duͤrre Fakta, und rhetoriſche Exer⸗ citia daruͤber. b. Wo Quellen ſind, da kommts dar⸗ auf an, ihre Geneſis zu erforſchen, und nach Maßgabe derſelben, ſowohl von Seiten des Subjekts, naͤmlich der Tuͤch⸗ tigkeit und Redlichkeit des Zeugen, als des Objekts, naͤmlich der innern und aͤußern Moͤglichkeit der Sache, das Wirk⸗ liche zu erkennen, oder das Zeugniß als Phaͤnomen der Menſchengeſchichte, zu benutzen. aa) Jede Thatſache muß ihren Urzeu⸗ gen fuͤr ſich haben. Urzeuge, testis oeu- latus, iſt, der ſelbſt, was er bezeugt, erfahren haben will; Afterzeuge, testis auritus, der bloß bezeugt, daß ein Ande⸗ rer etwas bezengt habe. Alle Grundſaͤtze, die fuͤr den Urzeugen, in Hinſicht auf die Sache, gelten, gelten auch fuͤr die Reihe Afterzeugen in Hinſicht auf den 42 7 24——* Urzeugen. Das Zeugniß noch ſo vieler Afterzeugen, die keinen Urzeugen haben,— 4 ein Geruͤcht, wenn ſie gleichzeitig ſind, eine Sage, kraditio, wenn ſie ſucceſſiv lAſe ſind: beides ein rumor sine capite, kei⸗ i, nes Glaubens werth. Geruͤchte ſind z. B. hee Caglioſtro's Kuren, der Betruͤger ui Baron Mortzini ꝛc. Sagen ſind die I ü Geſchichte des Regulus, Herkules, Aeneas, Numa ꝛc. a bb) Die Glaubwuͤrdigkeit des Urzeu⸗ i gen allein beſtimmt die Glaubwuͤrdigkeit 1 der Thatſache, ihre objektive innere und kan zußere Moͤglichkeit vorausgeſetzt. Denn alle Afterzeugen koͤnnen nur Zeugen, daß it Andere gezeugt haben. Millionen After⸗ fa zeugen koͤnnen daher nicht den gaͤnzlichen dülbe Mangel an Urzeugen erſetzen, oder die Nic Fehlerhaftigkeit der Urzeugen— von Seiten des Koͤnnens und Wollens aufhe⸗ an ben. Friedrichs II. eigne Beſchreibung a. von Schlachten, die er gewonnen, kann en, abſichtlich Unrichtigkeiten enthalten.— jen Friedrich II. ließ einmal abſichtlich er⸗ Ghxen dichtete Nachrichten von ungeheurem Ge— uns. witter und Hagel in die Berliner Zei⸗ hieri, tung ſetzen.— Scalich, der bei dem der 6 Herzog Albrecht von Preußen in ſol⸗ vihn .* 25 chem Anſehen ſtand, daß er von ihm Kreuzburg geſchenkt bekam, gab vor, von dem Fuͤrſtenhauſe Scala in Italien ab⸗ zuſtammen. Er reichte ſeine Stammtafel ein, und ließ ſie von einem deutſchen Peofeſſor fuͤr richtig erklaͤren. Niemand zweifelte daran wegen der Menge Zeugen, bis endlich ein Graf Truchſes bewies, daß er der Sohn eines Dorfſchulmeiſters in Croatien waͤre.— Die groͤßte Ge⸗ ſchicklichkeit und Redlichkeit, kurz, die moͤglichſte Auktoritaͤt der Afterzeugen, kann nicht den Mangel oder Fehler der Urzeugen erſetzen, und ihre Zeugniſſe glaub⸗ wuͤrdig machen. Barthold Schwarz iſt allgemein fuͤr den Erfinder des Schieß— pulvers angegeben, und die Menge und Wichtigkeit der Zeugen ließ an dieſer Thatſache gar nicht zweifeln. Gramm, ein Daͤne, hat uͤber die Wahrheit dieſer Angabe eine ſchoͤne Abhandlung geſchrie⸗ ben, die in den hiſtoriſchen Abhandlun— gen der Akademie der Wiſſenſchaften zu Copenhagen ſteht, und die Heinze ins Deutſche uͤberſetzt hat. Er zeigt hierin, daß der Schweizer Malleolus der Erſte ſey, der dieſe Erfindung er⸗ waͤhnt, und ſie nur von Andern gehoͤrt — — ——;—;— — — 26— hatte. Da Malleolus weder ſelbſt Urzeuge iſt, noch einen nennt, ſo iſt die ganze Sache nur rumor sine capite. Das Pulver war auch lange vor Schwarz bekannt; die Sineſen brauchten es zum Steinſprengen, und von ihnen haben wir es vermuthlich kennen gelernt. ec) Innere und aͤußere Moͤglichkeit der Sache. Erſt verſichert man ſich durch Kritik, was eigentlich der Zeuge, deſſen Zeugniß man hermeneutiſch richtig gefaßt hat, erfahren haben will; dann, ob man wirklich das Zeugniß recht verſtehe; end⸗ lich, ob es ein echtes Zeugniß ſey. Nun ſehe man, wie fern der Zeuge die Vor⸗ ſtellungsarten und Geſinnungen haben konnte, und erinnere ſich wohl, daß eigentlich ein Zeugniß nie Thatſachen, ſondern nur Empfindungen und Gedanken des Zeugen, ausſagt, wofern derſelbe noch Urzeuge iſt. Grundſatz. Die Natur der Dinge und des Menſchen bleibt dieſelbe; was den Prinzipien des Verſtandes widerſpricht, und undenkbar iſt, kann nicht wirklich ſeyn. Was den bis jetzt bekannten Na⸗ turgeſetzen widerſpricht, iſt eben ſo un— glaublich, als die Naturgeſetze gewiß ſind. Nlaud der wun dage der herr wir den ſie in ken d 27 Erzaͤhlungen von Wundern koͤnnen nie die Wahrheit einer Religion begruͤnden; man begeht einen Cirkel, wenn man ver⸗ langt, daß die Wunder um der Religion, und die Religion um der Wunder willen, geglaubt werden ſollen. Wahrheit einer Religion beruht auf ihrer Kraft, gut zu machen, nicht auf Nachrichten von Wun— dern. Wunder ſind etwas Subjektives, und beſtehen in Unwiſſenheit und Staunen. Nun iſt, wie Hume zeigt, der ganze Grund, warum Zeugniſſe glaublich ſeind, der, daß ihre Glaublichkeit der Menſchennatur ge— maͤß iſt; ſagt alſo das Zeugniß etwas aus, das der Natur der Dinge entgegen iſt, ſo muß ich aus demſelben Grunde, der alle Zeugniſſe guͤltig macht, dieß Zeugniß un⸗ glaublich finden, indem ich weiß, daß es der Erfahrung gemaͤß iſt, daß Menſchen wunderbare Sachen glauben und erzaͤhlen, dagegen aber nicht weiß, daß die Natur der Dinge von ihren Geſetzen abweiche. Herrlich ſagt Locke: unſer Beifall, den wir einer Offenbarung geben, muß nie den Grad der Evidenz uͤberſchreiten, daß ſie eine Offenbarung iſt, und daß wir ih⸗ ren Sinn richtig faſſen. Anmerkungen. 1) Alle erſten Annalen der Voͤlker ſind ſich aͤhnlich, und wimmeln von Wundern, wie in Japan, Island, Judaͤa ꝛc. Zur Zeit der Geburt Chriſti, und nachher, war die ganze Welt voll vermeinter Wun⸗ der, z. B. Scriptores historiae angustae, Ritterzeiten, Moͤnchschroniken, acta san- ctorum. Die Orientalen laſſen, wie der gemeine Mann, alles durch Gott thun. 2) In despotiſchen Regierungen, wo alles geheim im Kabinet verhandelt wird, und wahre Geſchichte nicht reden darf, pflegen Hofanekdoten die unbegreiflichſten Greuel zu beſchreiben—(Sueton).— Der Prinzeſſin Eliſabeth von Orleans Schilderung des Hofes Ludwigs XIV. mag doch wohl wahr ſeyn. c. Grade der Glaubwuͤrdigkei (Siehe Locke Buch 1V, Kap. 16.) aa. Eine Thatſache, die den beſtaͤndi— gen Wahrnehmungen gemaͤß iſt, welche wir ſelbſt, oder Andere in aͤhnlichem Falle, gemacht haben, und die wir durch den einfoͤrmigen Bericht aller derer, die ſie er⸗ zaͤhlen, bezeugt finden, wird von uns ſo leicht und ſo zuverſichtlich angenommen, wie eine Erkenntniß. Der hoͤchſte Grad EEEEEooo33ͤͤͤͤͤͤͤ]“ 29 der Glaubwuͤrdigkeit iſt alſo, wenn die allgemeine Uebereinſtimmung aller Men⸗ ſchen in allen Zeitaltern, ſo fern dieſelbe erkennbar iſt, mit der beſtaͤndigen und immerwaͤhrenden Erfahrung, die ein Menſch in einem aͤhnlichen Falle hat, zuſammen⸗ trifft, um die Wahrheit einer beſondern, durch aufrichtige Zeugen atteſtirten, That⸗ ſache zu beſtaͤtigen. Dergleichen ſind alle gemeinſamen Beſchaffenheiten der Koͤrper, und die in dem gewoͤhnlichen Laufe der Dinge ſich zeigende Verknuͤpfung der Ur⸗ ſachen und Wirkungen. Das nennen wir einen aus der Natur der Dinge herge⸗ nommenen Beweisgrund, und dieſe Art von Probabilitaͤt regiert alle unſere Hand⸗ lungen, und erzeugt einen Beifall, dem der Demonſtration gleich. Daß auf ho⸗ hen Gebirgen die Kaͤlte zunimmt, iſt fuͤr uns gewiß; daß aber das Waſſer ein feſter Koͤrper werden, und man darauf gehen und fahren koͤnne, war den Bewohnern der heißen Zone unglaublich. bb. Der zweite Grad der Glaubwuͤr⸗ digkeit iſt, wenn ich durch meine eigne Erfahrung, und durch den einmuͤthigen Bericht aller andern Menſchen, finde, daß eine Sache mehrentheils ſo iſt, wie 1 30 das beſondere Beiſpiel, welches verſchiede— ſen ne glaubwuͤrdige Zeugen davon gaben; u B. die ganze Geſchichte, und meine in eigne Erfahrung, lehrt, daß die meiſten TA Menſchen ihr eigenes Intereſſe dem öͤf⸗ nih. fentlichen vorziehen; alſo iſt es glaublich, uig was alle Hiſtoriker ſagen, daß auch Tiber nen 1 ſo verfahren habe. Glaublich wird es Gau aus demſelben Grunde, daß Moͤnche und viß Weiber vorzuͤglich grauſam ſind. d ce. Der dritte Grad iſt, wenn eine, znd in Hinſicht auf die Natur der Dinge d* gleichguͤltige, Sache, als, daß es in Ita— ten lien eine Stadt Rom giebt, wo vor 1800 4 Jahren ein Mann, Auguſtus, lebte, der lung als Feldherr gegen einen andern, Anto⸗ lite nius, eine Schlacht gewann, durch glaub⸗ ichen wuͤrdige Zeugen, denen nie widerſprochen d worden, erzaͤhlt wird.. aader d. Die bisherigen Gruͤnde der Glaub⸗ durch lichkeit laſſen dem Menſchen eben ſo wenig Erſat Freiheit, zu glauben oder nicht, als eine glaubt Demonſtration ihm Freiheit laͤßt, zu erken⸗ heer, nen oder nicht. Aber nun, wenn die Zeugen ¹ uns ko der gemeinen Erfahrung widerſprechen, oder Gerich unter einander uneins ſind? Dann koͤmmt kognose es darauf an, richtig den Beifall nach den von de zweien Gruͤnden der Glaublichkeit abzumeſ⸗ rom 9. — — 1— ſen, naͤmlich der gewoͤhnlichen Erfahrung in einem ſolchen Fall, und den beſondern Zeugniſſen in dem einzelnen Beiſpiel. Dieſe beiden Gruͤnde der Glaublichkeit ſind aber von faſt unuͤberſehlich mannig⸗ faltigen Verhaͤltniſſen und Modifikatio⸗ nen. Daher die Grade, welche man Glauben, Vermuthung, Zweifel, Unge⸗ wißheit, Mißtrauen, nennt.— Seltſam genug, daß ſogar Augenzeu⸗ gen dieſelbe Sache verſchieden erzaͤhlen; z. E. in Reiſebeſchreibungen, bei Schlach⸗ ten ꝛc. e. Falſche und doch gewoͤhnliche Schaͤz⸗ zung der Glaublichkeit oder Wahrſchein⸗ lichkeit, von paſſiven Urſachen im menſch⸗ lichen Gemuͤth herruͤhrend, ſind folgende: Die Zahl der Afterzeugen und das anderweitige Anſehen derſelben, laͤßt man, durch Sympathie verfuͤhrt, nicht nur als Erſatz der Urzeugen gelten, ſondern man glaubt gar, eine Sache ſey deſto glaubli— cher, durch je mehr Haͤnde ſie bis auf uns kommt. Mit Recht gilt in Englands Gerichtshoͤfen zwar eine vidimirte und re— kognoscirte Kopie, aber nicht eine Kopie von der Kopie. Je weiter eine Kopie vom Originale durch Zwiſchenkopien ent⸗ 32— fernt iſt, deſto verdaͤchtiger, alſo deſto we⸗ de niger beweiskraͤftig iſt ſie: eben ſo, je di weiter ein Zeugniß vom Urzeugen und 1 der urſpruͤnglichen Wahrheit, d. i. von 4 dem wirklichen Daſeyn und Geſchehen uc der Sache ſelbſt, durch Zwiſchenzeugen ab— An ſteht, deſto weniger glaubwuͤrdig iſt es, 1 1 weil Leidenſchaft, Intereſſe, Unachtſam⸗ deni keit, Mißverſtaͤndniß, und tauſend andre 3 Sachen machen koͤnnen, daß ein Menſch viſ ſelbſt ohne Wiſſen und Willen eines Andern m Zeugniß falſch eitirt und unrecht nachſagt. 84 Craig ſchloß hieraus, daß die ganze jetzige NR Geſchichte nach einiger Zeit ihre Glaub⸗ dei wuͤrdigkeit verlieren wuͤrde. Dazu iſt in⸗ rich deß kein Grund, wenn nur immer die kene Urzeugen angegeben werden koͤnnen. Umgekehrt aber ſieht der Menſch d ſ Sachen, die, ihrem Urgewaͤhrsmann nach, izer ſehr ungewiß ſind, fuͤr offenbare Wahr⸗ glu heiten an, wenn ſie durch viele und an— f ſehnliche Autoren nacherzaͤhlt, und von vie⸗ de G len Menſchen geglaubt ſind. Durch Sym⸗ wuͤrd pathie und Affekt verfuͤhrt, glaubt man aa eher den Zeugen gegen Erfahrung, als beſchre der Erfahrung gegen Zeugen, glaubt das, and i von den Geſetzen der Natur Abweichende, ten: weil es dem Gemuͤth als neu und wun— de pit derbar IV. 3 93 derbar behagt, auffaͤllt; kurz, man glaubt das Wunderbare, eben weil es wunder⸗ bar iſt, und nicht nur die Andacht nimmt an:„incredibile, ergo verum,“ ſondern auch die Philoſophie:„it is probable, be- cause it is curious.“ Daher glaubte man ſo leicht an Vergiftung des Nachtmahl⸗ weins, an Orakel, Augurien ꝛc. ꝛc. Doch giebt es in der Geſchichte ge⸗ wiſſe dubia vexata, die noch gar nicht ha⸗ ben ausgemittelt werden koͤnnen; z. E. K. Sebaſtian von Portugal zog gegen die Mahomedaner und ſtarb; nach einiger Zeit aber kam er wieder zuruͤck; in Frank⸗ reich die masque de fer, der Cyrus des Tenophon und Herodot ꝛc. Gegen Pyrrhonismus historicus, da er ſo ſelten und ſchwer iſt, hat man we⸗ niger Urſache zu warnen, als gegen Leicht⸗ glaͤubigkeit und Unkritik. f. Nach dieſen Prinzipien laſſen ſich die Geſchichtſchreiber in Hinſicht auf Glaub⸗ wuͤrdigkeit in folgende Klaſſen theilen: aa. Die, welche ihre eignen Thatſachen beſchreiben, wie Julius Caͤſar, Friedrich II, und die, leider verloren gegangenen, Schrif⸗ ten: Augustus, de vita sua, und Agrippa de vita sua; die mémoires der Feldher⸗ IV. C 34— herren, der Miniſter, gehoͤren auch dahin. Aber wohl zu merken, nur in Abſicht der 1 Sachen, die ſie ſelbſt verrichtet haben, 1 ſind ſie Zeugen vom erſten Nange,— A vorausgeſetzt ihre Wahrhaftigkeit, die man ll praͤſumirt, bis das Gegentheil erwieſen rie iſt. In Abſicht der andern Sachen, die ſie nur aus Zeugniſſen Anderer wiſſen, ſof iſt den Urzeugen, ſo unanſehnlich ſie ſeyn daß moͤgen, mehr zu glauben,— einem Gre⸗ tuͤc nadier mehr, als einem General, einem gn Subalternoffizianten mehr als einem Mi— 1 niſter. Manchmal enthalten ſogar die at urkundlichen Quellen falſche Angaben; 41 z. B. der Brief des Koͤnigs Friedrich Wil⸗ 1 a helm II. von Preußen an den Koͤnig von im Polen, betreffend die Aufhebung des For⸗ R doner Zolls 1790, enthaͤlt die Unrichtig⸗ keit, als waͤre die Aufhebung des Polni⸗ 1 ſchen Zolls in Koͤnigsberg den Polen zu Liebe, und erſt ſeit der Allianz, geſchehen. 51 bh. Die, welche an den Begebenheiten vß ſelbſt Antheil hatten, oder von denen ſam⸗ be melten, die Antheil hatten. Zu dieſer 8 6 Klaſſe gehoͤren die Evangeliſten. 54 cc. Die, welche ihre Nachrichten aus— authentiſchen Quellen ſchoͤpfen, als Ur⸗ e kunden, Akten, Ordres, Memoirs.— —.———-—ͤ ni⸗ Fu hen. iten an⸗ ſeſer m als s we⸗ 5.— ——— 35 Sie haben mehr oder weniger Werth, je nachdem ſie im Gebrauch ihrer Quellen mehr oder weniger Urtheilskraft beweiſen. Auch documenta publica— ex quibus solis Ernesti in dissertatione de fide histo- rica statuit, veram historiam a viris pru- dentibus conscribi posse,— ſind nur in ſofern glaubwuͤrdig, als man zeigen kann, daß die darin enthaltenen Sachen durch tuͤchtige ſowohl, als durch aufrichtige Zeu⸗ gen, bezeugt, und der Natur nicht entge⸗ gen ſind; daher auch hier die Geneſis aufgeſpuͤrt werden muß. Wie viele ſind aber falſch und taͤuſchend! z. B. die Har⸗ tungſche Zeitung zu Koͤnigsberg enthielt im Januar 1795 die Anzeige von einer Rede des Miniſters Oſtau, der aber we⸗ gen uͤblen Weges zu ſpaͤt von ſeinem Landgute hier eintraf, und die Rede nie gehalten hat; die Urkunde, welche den Halberſtaͤdtſchen Gewerbſchaften 1704 ge⸗ geben wurde, Indiigo zu bauen(ſie⸗ he Beckmanns Technologie); Scalichs Genealogie, auf der Wallenrodtſchen Bi— bliothek zu Koͤnigsberg; Mortezini's Do— kumente; die Kriminalakten uͤber Johann Calas ꝛc. C 2 36 dd. Die, welche aus ſchon vorhande⸗ d nen hiſtoriſchen Werken eine Geſchichte komponiren. Durch dieſe, wenn ſie heu⸗ riſtiſchen und philoſophiſchen Geiſt, nebſt 9 Erfahrungskenntniſſen von Staatsdingen, en Menſchen und Sachen haben, kann erſt ſch recht pragmatiſche Geſchichte entſtehen. ſch In eben die Klaſſe gehoͤren die, welche bei die Geſchichte in neue Form bringen, M durch chronologiſche Stellung,(Nepos kar chronica), durch biographiſche Einkleidung, d (Suetonii vitae), durch Abkuͤrzung,(Vel- leius Paterculus). Endlich gehoͤren dahin 3 die Geſchichtsforſcher, und die Lieferer von ſc Beitraͤgen. din M .. list 2. Hiſtoriſche Kunſt.— Zur Beurtheilung der Geſchichte ge⸗ hoͤrte Kritik,(Hermeneutik und Literatur Gr vorausgeſetzt); zur Benutzung gehoͤrt hiſto⸗ gen riſche Kunſt, die das doppelte Geſchaͤft and hat, die Materialien hhi a) zu beſchicken, ſie durch Kombina⸗ find tionsgeiſt zu bearbeiten, und richtig aus⸗ ule zuwaͤhlen, ſo daß noch ſo gangbare Ma— der terialien, wenn ſie nicht lehrreich ſind, lice kurz gefaßt oder übergangen, und andere ürin 37 dagegen hervorgeholt werden:— Heu⸗ riſtik;— b) ſie zum Behufe des Zweckes aller Geſchichte, d. i. zur Bereicherung der ech⸗ ten Erfahrungskenntniß und des, daraus ſich ergebenden, theoretiſchen und prakti⸗ ſchen Nutzens, zu einem Werke zu verar⸗ beiten— Hiſtoriographie—(Meuſel bi- bliotheca historica; Dionyſius von Hali⸗ karnas uͤber den Charakter des Thueydi⸗ des; Lucian: IIde der„edoeer Sociav, wo behauptet wird, die ſpaͤtern Griechen haͤt⸗ ten die Geſchichte als bloß xee 2ou⁵ be⸗ ſchrieben. Bollingbrocke uͤber das Stu⸗ dium und den Gebrauch der Geſchichte. Penzel de arte historica, Voſſius de arte historica, 1653. Weguelin VI Mémoires, in den Schriften der Berliner Akademie. a) Heuriſtik. Sie beruht auf dem Grundſatze, daß alles dasjenige wirklich geweſen ſeyn muͤſſe, ohne welches etwas anderes Wirkliches— phyſiſch, techniſch, philologiſch, politiſch— nicht haͤtte Statt finden koͤnnen, und ſtuͤtzt ſich auf die Po⸗ ſtulate, daß die Natur der Menſchen und der Dinge immer dieſelbe ſey, daß aͤhn⸗ liche Urſachen aͤhnliche Wirkungen hervor⸗ bringen. Sie benutzt alle Kunſtwerke 38 ohne Unterſchied, alle Schriften, nicht a nur hiſtoriſche, ſondern ſelbſt poetiſche, 3 ja Legenden, Viſionen, Mythen, Luͤgen, dt Traͤume; jeder Umſtand von Seiten der Ind Materie, der Form, der Vorſtellungsart, gric Urtheilsweiſe, Kompoſition, Diktion, kurz, Geſ jedes Wirkliche, giebt gleichſam einen Mit⸗ Vol telpunkt ab, von wo aus man ringsum hat ausſpaͤht, was alles damit ſo zuſammen⸗ Kor hange, daß man darauf fortſchließen koͤn⸗ Ste ne, und zwar jedes Wirkliche, ſowohl ked was die Denkmaͤler und Schriften, als nu was die Natur des Menſchen und der les Dinge darbieten, und was alſo auch zu erſe jeder Zeit, auf irgend eine Weiſe, wirk⸗ hen lich geweſen ſeyn muß. Dieſe Heuriſtik das iſt vorzuͤglich bei der Geſchichte fruͤherer dane Zeiten noͤthig, denn da haben wir keine Att eigentliche Geſchichtsdata. Die erſten An— uf nalen aller Voͤlker ſind gleich fabelhaft, ſc weil uͤberall Poeſie fruͤher als Proſa, gun Wundergeſchichten und Religionslegenden Fng fruͤher, als Menſchen- und Staatenge⸗ votd ſchichte, ſind. Livius ſelbſt nahm ſeine i9 Erzaͤhlung der aͤlteſten Geſchichte aus den Ver annales pontificales, die voll prodigia et Clo portenta waren. Alle bei einem Volke bei) gangbare Vorſtellungsarten wurden zuletzt lauen ——— 39 als Realitaͤten beſchrieben,— Hexen, Zauberer, Kirchen⸗ und Kloͤſterwunder;— das durch Lektuͤre Aufgefaßte fließt ein, und Hypotheſen werden Geſchichte. So graͤciſirten die roͤmiſchen Hiſtoriker ihre Geſchichte bona ſide;(denn wie unſere Vornehmen den Kopf voll Franzoͤſiſch, ſo hatten die ſpaͤteren vornehmen Roͤmer den Kopf voll Griechiſch; Aeneas mußte den Staat gruͤnden u. ſ. w.) die Chroni⸗ kenſchreiber im Mittelalter hebraiſirten und homeriſirten dagegen die ihrige. Al⸗ les was bei einem Volke zum erſtenmal erſchienen oder gemacht iſt, wird uͤbertrie⸗ ben groß und herrlich beſchrieben, denn das iſt relativ;— z. B. der Tempel Sa⸗ lamons, der Reichthum der Prinzen von Orchomenus ꝛc. Hier iſt durchaus Heu⸗ riſtik noͤthig, und vermittelſt ihrer iſt auch ſchon manche Entdeckung und Berichti⸗ gung gemacht; z. B. Salluſt ſagt: Cati⸗ lina's Armeen ſeyen betraͤchtlich verſtaͤrkt worden durch die Straͤßenraͤuber, welche in Roms Vorſtaͤdten hauſeten, und in Cicero pro Milone ſteht: haͤtte Milo den Clodius toͤdten wollen, ſo haͤtte er ihm bei Nacht nur in den Vorſtaͤdten auf⸗ lauern duͤrfen, wo es denn geheißenhaͤtte, 40— 1 — —. — die Straßenraͤuber haͤtten ihn umgebracht, und die Haͤufigkeit dieſer Vorfaͤlle haͤtte 1 u den Vorfall glaublich gemacht.—(Wie fj ſchlecht muß Roms Polizei geweſen ſeyn!) ſan Alle Todte wurden daſelbſt verbrannt. in Von einer Million Volksmenge ſtirbt ben, jaͤhrlich im Durchſchnitt eine ziemlich ee große Anzahl; nun laͤßt ſich berechnen, 4 eert. wie viel Holz dazu gebraucht wurde, und nach dann die Groͤße des Waldes, der dieſes ten jaͤhrlich liefern kann. Das Reſultat iſt: mat Rom muß mit einer ungeheuern Haide umgeben geweſen ſeyn.— Der als große we Weisheit ausgelegte Spruch Salomo's: N „Reichet mir ein Schwerdt, daß ich das Anl Kindlein theile,“ beweiſet den harten Des⸗ niſſe potismus der juͤdiſchen Regierung; denn Pra warum ſollte ſich ſonſt die rechte Mutter ſcich des Kindes ſo gefuͤrchtet haben?— Die Giſ babyloniſche Hure in der Apokalypſe laͤßt tul, auf Handelsnotizen ſchließen, da alle Kun Waaren des Luxus hier beſchrieben wer⸗ und den, die damals im Handel waren.— Hiſt So zeigte der Traum Joſephs, daß es zu Sta jenen Zeiten ſchon Hofchargen gab.— 8 geitl Aichmaaß der Juden am Altar.— ſchich b) Hiſtoriographie. Zweck aller i Geſchichte iſt zuletzt, Belehrung des Men— Statt — 41 ſchengeſchlechts durch wahrhafte Darſtel⸗ lung des Wirklichen, Erſatz der eigenen Erfahrung zur Menſchenkenntniß und Le⸗ bensweisheit. Es kann aber zunaͤchſt auch ein hiſtoriſcher Aufſatz nur den Zweck ha⸗ ben, ein Andenken, das bloß relativ in⸗ tereſſant iſt, aufzubewahren. Zu dem erſtern Endzweck dient die Geſchichte, je nachdem ſie mehr oder weniger von Sei⸗ ten des Stoffs oder der Behandlung prag⸗ matiſch iſt. aa) Pragmatiſch iſt die Geſchichte, wenn ſie das Wirkliche in der wirklichen Verknuͤpfung von Urſachen, Wirkungen, Anlaͤſſen, Abſichten, Umſtaͤnden, Verhaͤlt⸗ niſſen, darſtellt, die es hatte. Es iſt das Pragmatiſche nicht der politiſchen Ge⸗ ſchichte ausſchließlich eigen, ſondern jede Geſchichte, die der Religion, Kirche, Kul— tur, Gelehrſamkeit, jeder Wiſſenſchaft und Kunſt, jedes merkwuͤrdigen Mannes, kann und ſoll pragmatiſch behandelt werden. Hiſtoriſche Heuriſtik ſetzt bisweilen in den Stand, ſelbſt aus duͤrren Chroniken und geiſtloſen Annaliſten eine pragmatiſche Ge⸗ ſchichte zu bilden; ja in der Geſchichte der Philoſophie findet ein gewiſſes a priori Statt.— Vorzzuͤglich pragmatiſch aber 42 heißt die buͤrgerliche Geſchichte, wenn ſie unj in dem Geiſte bearbeitet wird. Bei der ie Bearbeitung laſſen ſich mehrere Wege ge⸗ 3 7 hen. Polybs Pragmatie iſt mehr poli⸗ V ſij iſch; Humes pſychologiſch und philoſo⸗ ai phiſch. Andere Arten ſind: Digreſſionen, V um die erſten Anlaͤſſe und Urſachen zu cdie zeigen, wie in Sallustii Catil. cap. 6; Ju- Sal gurtha cap. 5. Tacit. Annal. 4. 33; Tluu⸗ V und eydid. 1. 97; Darſtellungen des Zuſtan⸗ at des, wie Robertſons Carl V, Gibbon m. Band I; Reflexionen und Sentenzen, beſſe wovon Tacitus uͤberfließt. Aber es gehoͤ— neu ren nicht dahin Raiſonnements und Por⸗ b heſo 8 traits, oder Betrachtungen und Schilde⸗ brän rungen, die bloß die Phantaſie und das alles, Empfindungsvermoͤgen oder den Witz be⸗ fann, 1 dg ſchaͤftigen. Die Alten bedienten ſich zum b der G Behuf ihres Pragmatiſchen der Reden; ſchide durch dieſe zeigen ſie dem Leſer aufs le— und! bendigſte die Geſinnung der Parthei, und gen u 4 geben 5 moraliſche und politiſche Be⸗ V giſter 1 lehrung; ein unnatuͤrliches Gemiſch von nen V Wahrheit und Fiktion.— Dagegen koͤn— ¹lanis. nen in der Geſchichte der franzoͤſiſchen Gibbon Revolution die wahren Reden der Haupt⸗ Ihistoi aktoren in der assemblée nationale, in dh) dem Convent, in dem Jakobinerklubb ꝛc. die voll 43 und die Aktenſtuͤcke(zumal da damals Preß⸗ freiheit gleichſam die alliirte Macht der Revolutionaͤrs war) auf eine Art pragma⸗ tiſch benutzt werden, die einzig in der ganzen Geſchichte iſt.— Thucydides war der Erſte, der Reden gebrauchte, dann bedienten ſich ihrer meiſterhaft Livius und Salluſt,(man ſehe ſeine Rede Caͤſar's und Cato's). An der Stelle der Reden hat die neue Hiſtoriographie Abhandlun⸗ gen. Es iſt naͤmlich eine wichtige Ver⸗ beſſerung der hiſtoriſchen Kompoſition neuerlich darin vorgenommen, daß eine beſondere Aufmerkſamkeit auf Geſetze, Ge⸗ braͤuche, Handel, Religion, Literatur, und alles, was der Geiſt der Nation zeigen kann, verwandt wird. Sicherlich iſt, was der Geiſt des Menſchengeſchlechts in ver— ſchiedenen Perioden darſtellt, anziehender und lehrreicher, als das Detail von Sie— gen und Schlachten, oder das Namenre⸗ giſter von gekroͤnten Schlafmuͤtzen und ih— ren Vezieren. So Voltaire's siècle de Louis XIV, und histoire générale; Hmme, Gibbon, Suhm, Frederic II. mémoires de Phistoire de Brandenbourg. bb) Naͤchſt dem Pragmatiſchen muß die vollendete Geſchichte noch haben: Ein— — 44 heit der Kompoſition, ſo daß alle Theile nach einem Hauptzweck, zu einem Gan⸗ 1 zen, ſchicklich gruppirt ſind. Chronologi⸗ 4 K ſcher Zuſammenhang, der uͤbrigens nicht zu verſaͤumen iſt, muß dem Realzuſam— kn menhange nachgeſetzt werden, weil ſonſt dürc ein langweiliges Gemengſel von Sachen ſuc entſteht, wie im Thuan; ſtatt daß Ein— In heit und Haltung den Geiſt anlockt und dhe ſtaͤrkt, wie Herodot, Tenophons Anabaſis, beic Salluſt. In Geſchichten einzelner Bege⸗ den benheiten iſt Vernachlaͤſſigung der Einheit 1” unverzeihlich; in Abſicht der Hauptge⸗ ne ſchichten ganzer Staaten ſcheint Polyb 31 zuerſt eine ganz richtige Idee von Ein⸗ gen heit gehabt zu haben.— Die Methode ged des hiſtoriſchen Vortrages iſt uͤbrigens gllen chronologiſch, ſynchroniſtiſch, oder ethno— graphiſch. tin cc) Erforderniſſe der hiſtoriſchen Dar⸗ ſtellung ſelbſt ſind neben der Treue: thei 1) Klarheit, Ordnung, Haltung. Der ganz Hiſtoriker muß als Herr und Meiſter 2 ſeiner Sachen alles vor unſern Augen ent— m ſtehen laſſen. V 3 2) Ernſt und Wuͤrde, ſo daß nichts wigt Niedriges, Affektirtes von Witz und Muth⸗ chen willen, oder Hohn und Spott, unterlaufe. 9 45 3) Intereſſant wird die Erzaͤhlung theils durch den Mittelweg zwiſchen Ge⸗ draͤngtheit und Weitſchweifigkeit, theils durch ſchickliche Auswahl von individuel— len und maleriſchen Umſtaͤnden, theils durch den, aus der Erzaͤhlungsart hervor⸗ leuchtenden, Charakter des Hiſtorikers. Intereſſant iſt Herodot durch Naivitaͤt, Thucydides durch Staͤrke, Penophon durch Leichtigkeit, Livius durch maleriſches Schil⸗ dern und Detail, Tacitus, dieſer philoſo— phiſch⸗poetiſch⸗hiſtoriſche Kopf, durch kuͤh⸗ ne, treffende, auffallende und ruͤhrende Zuͤge, z. B. Rom beim Anzuge Othos ge⸗ gen Galba:„non tumultus, non quies, sed quale magni metus et magnae irae silentium est.“ dd) Die Erforderniſſe des guten Hiſto⸗ rikers ſind: 1) Er muß wahrliebend und unpar⸗ theiiſch ſeyn. Wie ſchwer iſt es, dieß ganz zu ſeyn! 2) Von ſcharfer Beurtheilungskraft, um die eigentliche Wahrheit auszumitteln. ) Treu in der Angabe, wiefern eine wichtige Sache zuverlaͤſſig oder bloß wahr⸗ ſcheinlich, oder ein bloßes Geruͤcht, ſey. 4) Er muß gruͤndliche Einſichten in V 46 Politik, Geſetze, Gewohnheiten, in die ſ Kuͤnſte und Wiſſenſchaften der Zeiten, die m er beſchreibt, und Kenntniſſe der Welt 4 3 und des menſchlichen Herzens haben. L nnj 5) Beſonnenheit und Unpartheilichkeit, 3 damit er nicht aus lebhafter Einbildungs— iſc kraft oder aus Raiſonnirſucht, um alles Knh erklaͤren zu koͤnnen, fehle. Daher die hi— 6 ſtoriſchen Centauren, die halb Geſchichte, Fhh halb Roman liefern, wie die Franzoſen, did (Feßler) und die ſogenannten neuen Prag⸗ ſ matiker, z. B. Schiller, Woltmann ꝛc. ſch 6) Er muß lehrreich und fic 7) Nuͤtzlich und daher Sachkenner R ſeyn. Niemand kann eine Geſchichte dc ſchreiben von Dingen, die er nicht kennt. er 8) Er muß der Sprache maͤchtig und biſch in der Erzaͤhlungskunſt erfahren ſeyn. e Mancher erzaͤhlt eine Sache ſo, daß man ſerſe ſie ganz anders verſteht, als er, welches fm theils von Undeutlichkeit der Erzoͤhlung, te al theils von Unrichtigkeit der Ausdruͤcke Niml herruͤhrt. 1) 9) Er muß Geſchmack haben, um das hen Intereſſante auszukennen und ſchoͤn dar— len tre zuſtellen. 2), Bedenkt man, was zu einer vollende— äͤhlunn ten pragmatiſchen Geſchichte gehoͤrt, ſo auf er 47 wird begreiflich, warum dieſelbe ſich im— mer als das letzte Produkt der Kultur einer Nation zeigt, die herrliche Dichter, große Redner, tiefe Philoſophen und Ge⸗ lehrte aller Art haben, und doch pragma⸗ tiſche Hiſtoriker ganz oder meiſtentheils entbehren kann.— Guicciardini Geſchich— te der Lombardei, Machiavel Geſchichte von Florenz, Paul Sarpi Geſchichte des Tridentiniſchen Conciliums, Hume Ge— ſchichte von England, und Robertſon Ge— ſchichte von Amerika:— beides Meiſter⸗ ſtuͤcke;— Gibbon(oft geziert), Ferguſon, Muͤllers Geſchichte der Eidgenoſſenſchaft, Schmidts Geſchichte der Deutſchen, Moͤ— ſer Geſchichte von Osnabruͤck, Friedrich II. Geſchichte. ee) Von den zwei Huuptarten der hi⸗ ſtoriſchen Kompoſition, deren erſte die foͤrmliche Hiſtorie befaßt, enthaͤlt die zwei— te alle Arten von Beitraͤgen zur Geſchichte Naͤmlich: 1) Annalen und Chroniken: Thatſa⸗ chen nach der Reihe geordnet. Sie ſol⸗ len treu, deutlich und ordentlich ſeyn. 2) Denkſchriften, Mémoires: bloße Er— zaͤhlung deſſen, was der Autor in Abſicht auf Perſonen und Verhandlungen weiß, —— 48 ohne hoͤhern hiſtoriſchen Zweck. Die froͤh⸗ liche franzoͤſiſche Nation hat ſeit 200 Jah⸗ ren eine Suͤndfluth ausgegoſſen, groͤßten⸗ cheils Tand, außer den Mémoires de Retz, de Sully ꝛc. 3) Tageregiſter—(d. i. Protokolle), Staatsſchriften, acta publica. In dieſen wird alles, wie es ſich zugetragen hat, berichtet; ſie entdecken nur das Aeußere der Begebenheiten, und werden, wenn ſie unter oͤffentlicher Auktoritaͤt publizirt ſind, zu hiſtoriſchen Beweiſen gebraucht,— oft weit uͤber ihre Beweiskraft. Selbſt Zeitungen gehoͤren dahin. 4) Eigentliche Beitraͤge, beſtehend in kritiſchen, antiquariſchen Aufſaͤtzen, Anek⸗ doten, Aufſaͤtzen zur Literatur der Geſchich⸗ te, uͤber Huͤlfswiſſenſchaften derſelben. f) Unſere neuere Hiſtoriographie iſt vorzuͤglich 1) Geſchichtsſtellung, wo man aus einer Menge Vorarbeiten die Materialien zieht, und zuſammenordnet, wie in Kom— pendien und vollſtaͤndigen Werken uͤber Geſchichte von Laͤndern, Staͤdten, Stif⸗ tern ꝛc. 2) Geſchichtsforſchung, wo alles auf Rechtsdeduktionen und Abhandlangen ex doeu- — ———— —— Liff 6 dl TT el dorl- 49 documentis et scriptoribus medii aevi an⸗ kommt,— voll Citaten, ohne Geiſt. II. Geſchichte der Menſchheit. Vorbegriffe. Geſchichte der Menſchheit, oder des Menſchen uͤberhaupt, hat das Menſchen⸗ geſchlecht, ohne Hinſicht auf deſſen einzel⸗ ne Schickſale, als ein Ganzes zu betrach⸗ ten, und deſſen Fortſchritte und Veraͤnde⸗ rungen zu erzaͤhlen. Sie ſteht mit der Anthropologie in Verbindung, und zwar mit der phyſiologiſchen ſowohl als prag⸗ matiſchen. Wenn philoſophiſcher Geiſt Einheit in die faſt unuͤberſehliche Mannigfaltigkeit hiſtoriſcher Angaben von Thatſachen, be⸗ treffend das menſchliche Geſchlecht, zu bringen ſucht;— wenn er, was Zweck aller Unterſuchungen iſt, die einzelnen Thatſachen als Phaͤnomene betrachtet, und durch Vergleichung auf allgemeine Begriffe und Regeln zuruͤckfuͤhrt: ſo er⸗ giebt ſich aus den Reſultaten aller dieſer Vergleichungen eine Erkenntniß, die ſich zur Geſchichte eben ſo verhaͤlt, wie die allgemeine Naturgeſchichte zur beſondern. IV. D5 1 1 50 Sie heißt Geſchichte der Menſchheit, und iſt, nicht bloß dem Worte nach, ein Werk neuerer Zeit. Sie beruht auf dem Prin⸗ zip, daß es eine Menſchennatur gebe, d. i. eine beſtimmte Geſetzlichkeit in Abſicht ſei⸗ nes Lebens, ſowohl des koͤrperlichen, als geiſtigen, und daß Menſchen ſowohl ein⸗ zeln, als gemeinſam, das haben, was man einen Charakter nennt, d. i. beſtimmte Gruͤnde, nach welchen alles an ihnen ſich geſetzlich herleiten und erklaͤren laͤßt. Er⸗ klären heißt aber weiter nichts, als eine allgemeine Regel angeben, unter welcher das zu erklaͤrende beſondere Faktum mitbe⸗ griffen iſt. Theoretiſche oder muthmaß⸗ liche Geſchichte nennt Stewart in Adam Smiths Leben die Unterſuchung der Art, wie nach der bekannten Beſchaffenheit der Kraͤfte, die Sachen haben zu Stande kom⸗ men koͤnnen. Adam Smiths Werke ent⸗ halten herrliche Data zu dieſer Geſchichte, die Hume auch die natuͤrliche nennt. Geſchichte der Menſchheit wuͤrde ſich von Anthropologie ſo unterſcheiden laſſen, daß jene immer nach der analytiſchen Me⸗ thode(der Erfindung) verfaͤhrt, naͤmlich von Beobachtung der Thatſachen zur Feſt⸗ ſetzung der Regel fortgeht, ſtatt daß dieſe ——. 51 nach der ſynthetiſchen Methode(der Be⸗ lehrung) von der Regel ausgeht, zu An⸗ wendungen im Einzelnen. Jene beweiſet a posteriori das Geſetz aus dem Faktum, das Allgemeine aus dem Beſondern; dieſe a priori das Faktum aus dem Geſetz, das Beſondere aus dem Allgemeinen; wie⸗ wohl am Ende alle Theorie, d. i. Aggre⸗ gate oder Syſteme von Regeln, gezogen aus Factis, und anwendbar zur Erklaͤrung oder Hervorbringung von Factis, auf Grund- Factis beruhen muͤſſen, d. i. ſol⸗ chen, die ſich nicht aus einer vorher bekann⸗ ten, und beſſer als ſie ſelbſt verſtandenen, Regel erklaͤren laſſen.— Die Vorausſetzung, worauf jede Theo⸗ rie des Menſchen beruht, daß naͤmlich al⸗ les, ſogar die ſelbſtthaͤtigſten Operationen des Geiſtes und Willens, als Phaͤ— nomen geſetzlich erklaͤrbar ſollen anzuſehen ſeyn, widerſpricht der moraliſchen Freiheit und der Selbſtthaͤtigkeit nicht. Verwandt und behuͤlflich zur Geſchichte der Menſch— heit iſt die Geſchichte oder vielmehr die Unterſuchung des Geiſtes, Genies und Charakters der Nationen.— Esprit des nations.— Castilhon considerations sur d 2 5 2 les causes de la diversité des nations. Berlin 1769.— Pauw.— Meiners.— Plan zu einer Geſchichte der Menſchheit. Ein ſolcher muͤßte aus anthropologi— ſchem Geſichtspunkte entworfen werden, ſo daß man erſt uͤberſaͤhe, was fuͤr Punkte in Betracht kaͤmen. Je einfacher die Le— bensart der Menſchen iſt, alſo je unkul⸗ tivirter dieſelben ſind, deſto aͤhnlicher ſind ſie einander, alſo deſto allgemeiner ſind die Bemerkungen, welche ſie darbieten. 1) Die Menſchen als Bewohner der Erde in Beziehung auf ihre Wohnplaͤtze,— nach ihrer Stammverſchiedenheit. 2) In Beziehung auf Nothwendigkei⸗ ten, Annehmlichkeiten und Vergnuͤgen des Lebens: Wohnung, Nahrung, Kleidung, Geraͤthe, Werkzeuge zur Erlangung und Bereitung alles deſſen, was a) zum Unterhalt gehoͤrt, d. i. Speiſe, Trank, Schlafſtelle, Kleidung, Wohnung, Fuhrwerk, Beſchaͤftigung, Geſellſchaft, und dieſes alles theils zur Nothwendigkeit, theils zum Vergnuͤgen, nach obigen drei Stufen: Putz, Ergoͤtzung durch thaͤtigen, „durch leidentlichen Genuß der Sinne, der 1 —,——— 53 Phantaſie, der Sympathie auf einzelne oder geſellige Weſen, des Geſchmacks, der Neigungen, Leidenſchaften, Geſinnungen. b) was zur Sicherheit gehoͤrt, innere und aͤußere Verfaſſung, Eigenthum, Wohl⸗ habenheit, Reichthum ꝛc. 3) Von Seiten der einfachſten natuͤr⸗ lichſten Verhaͤltniſſe: a) Der Geſchlechter, Ehen, Keuſchheit, Kaſtraten, Harem, Verhaͤltniß der Ge⸗ ſchlechter zu einander, wovon die Weiber bei den Wilden nur Hausthiere ſind; b) Der Eltern und Kinder, in ver⸗ ſchiedenen ehelichen Verhaͤltniſſen verſchie— den, elterliche Gewalt; c) Der Hausgenoſſen, Geſinde, Skla⸗ verei. 4) Von Seiten der Kultur: a) Denken, Kenntniſſe, Beurtheilung. b) Gefuͤhl, Geſchmack, Ehre und Schande. c) Geſchicklichkeit, Kuͤnſte, Gewerbe, Handlung, Erfindungen zur Anſchaffung der Beduͤrfniſſe, und zur Verbeſſerung des Lebens. d) Religion, Vorſtellungen, Vereh⸗ rungsart, Verfaſſung. — —— — —— — — 54 Der Stufengang der Entwickelung der Voͤlker iſt folgender: A. Jaͤgervoͤlker,. a) ſind wenig zahlreich, alſo aus hoͤchſt kleinen Schaaren beſtehend, die durch weite Reviere von einander getrennt ſind. Urſache davon iſt Mangel an Nahrung, da ſich ihre Menge nach der Menge des Wildes richtet; ſie kommen oft in Hun— gersnoth, toͤdten Alte, Kranke und Kinder. b) Sie ſind ohne Eigenthum; c) kriegeriſch, nicht mitleidig, aus Furcht; d) unſicher, und e) nicht gefaͤhrlich fuͤr Kultivirte, weil ihre Anzahl geringe iſt, und der Mangel an Nahrung ſie nicht große Zuͤge machen laͤßt. f) Sie ſind mit ihrem Zuſtande zu— frieden, ziehen ihn jedem andern vor. Man findet bei ihnen vorzuͤglich hohe Kultur der Sinne und lebhafte Erinne⸗ rung; die Wilden in Amerika finden den Weg im dicken Walde zuruͤck. B. Nomaden: patriarchaliſches Leben:— a) zahlreich, eng verbunden, despotiſch regiert und gerichtet, doch frei. Horden⸗ * 53 weiſe unter erblichen Haͤuptern.— Ge— nealogiſche Manie.— b) Gefaͤhrlich fuͤr reiche Voͤlker. C. Ackerbauende Voͤlker, oder ſchon po⸗ lieirte:— a) Aufzaͤhlung der vorzuͤglichſten Er— findungen in Abſicht auf Verbeſſerung des Lebens. b) Kenntniſſe, Wiſſenſchaften, Arznei, Geographie, Aſtronomie, Chronologie, Kosmogonie, Theogonie, Magie, Mantie, Poeſie. 9 c) Moraliſche Beurtheilung und Ge— ſinnung, was ehrenvoll, was ſchimpflich iſt, decorum— hartherzige, mitleidige freundſchaftliche Geſinnungen unter ſich, — gegen Andere; Sitten.— Voͤlker, von der Natur reichlich mit allem verſe⸗ hen, ſind nicht allemal ſanft, wie die Ota⸗ heiter, ſondern auch manchmal hart. Die Einſichten und Geſinnungen wirken maͤch— tig auf Religion, und dieſe, aus ſo alten unpaſſenden Zeiten, und ſo unfoͤrmlich ſie ſey, beſtimmt jene. d) Thaͤtigkeit, Muth, Beharrlichkeit, oder das Gegentheil. 5) Von Seiten der geſellſchaftlichen Verfaſſung; Konſtitutionen: Despotis⸗ —ꝛ—ꝛ—ÿ—ÿyO 4 — 5 Aℳ2 mus, Monarchie, Ariſtokratie, Demokra⸗ tie, Hierarchie. Geſetze und Herkommen erwachſen aus alten Uebereinſtimmungen. A. Ungleichheit in Abſicht auf Vermoͤ⸗ gen, auf Standesunterſchied, Adels⸗ und Prieſterkaſten. B. Organiſirung in Hinſicht auf mili⸗ tairiſche Einrichtung, auf Juſtiz, ſowohl Kriminal⸗als Civil⸗Juſtiz, auf Polizei in Wohnplaͤtzen, im Lande; auf Finan⸗ zen, Geld, Staatswirthſchaft, Lehr⸗ und Kirchenanſtalten, auf Freiheit oder Des⸗ potlsmus, auf Finſterniß oder Aufklaͤ⸗ rung. C. Nationalbeſtrebungen. Eine allge⸗ meine Charakteriſtik ergiebt ſich aus dem Bisherigen, und man uͤberſieht daraus leicht die von Bertola in der Philoſophie der Geſchichte angegebenen: a) Urſachen: Clima, Staat, Geſetze, Sitten, Religion, Nationalbeſtrebungen. b. Mittel: Krieg, Handel, Schifffahrt, Kolonien, Genies oder große Maͤnner. c) Wirkungen. Flor, Verfall, Erobe— rung, Revolution, Untergang. 57 Bemerkungen uͤber Fortruͤcken des Menſchengeſchlechts. Kosmopolitiſche Ideen und Ideale uͤber die Geſchichte des Menſchengeſchlechts zur Aufloͤſung des Problems, quid sumus, et quidnam futuri gignimur.— Entwe⸗ der Progreß zur immer hoͤhern Vollkom⸗ menheit, oder Cirkellauf ohne Vorruͤcken. Oscillation und Undulation, mit Fort⸗ G gang ohne Fortgang.—(Idee der hoͤch⸗ ſten Vollkommenheit, als Endzweck, waͤre 6 die beſte Staatsverfaſſung von Seiten des Rechts.) Spes faturae olim melioris vi- tae humanae conditionis. 1) Keine Hoffnung zur Verbeſſerung, ſondern fatum Sysipheum. Semper ea- dem, quamvis aliter.— Vetus fabula, novis actoribus. Nil novi sub sole.— Unterſchied zwiſchen phyſiſcher Verbeſſerung und moraliſcher, aͤußerer und innerer. Ar⸗ gumente derer, die alle Vervollkommnung bezweifeln: a) Die unveraͤnderliche Beſchaffenheit der menſchlichen Natur, welche, obgleich frei, doch an unabaͤnderliche Geſetze ge— bunden iſt, und nicht mit dem uns ange⸗ 58 bornen Verbeſſerungstriebe ſtimmt. Ins⸗ beſondere: aa) Der einzelne Menſch, und deſſen Stufen des Alters; jeder macht ſeine Schule von vorn. bb) Die Geſellſchaften, die Gemuͤther und die Sitten, ſind im Stande der rohen Wildheit anders, als bei feinerer Kultur, aber gleich fehlerhaft; daher Privatfrevel und Nationalkriege, in den geſchliffneren Staaten vollends ungerechte Geſetze und Juſtiz. b) Die wirklichen Thatſachen der Ge— ſchichte zeigen, daß nichts Neues mehr geſchieht, daß alle Begebenheiten ſchon erſchoͤpft ſind. 2. Aber die menſchliche Natur, an⸗ ders, als die, der Thiere, iſt perfektibel. Bienen bauen jetzt noch ſo, wie zu Vir— gils Zeiten, aber Preußen, Britten, Germanen, nicht wie damals. Freilich ſind unſere Vermoͤgen, auch die, auf welchen Humanitaͤt beruht, an Geſetze gebunden; aber ihr Gebrauch ſteht in unſerm Willen; zu welchem Zweck uns gegeben ſind: Vernunft, quae cognoscit verum, Freiheit, qua, quae cognoveri- muns, aa consnlto in usnm convertere 59 valemus. Vervollkommnungstrieb, der nur treibt zur Uebung der andern ſo— wohl, als vornehmlich der aufs Wahre, Schoͤne und Gute ſich beziehenden Kraͤfte; ferner: Geſelligkeit, durch Sprache und Mitgefuͤhl; große Maͤnner, endlich: Sammlung alles deſſen, was die vorher⸗ gehenden Geſchlechter erfunden haben, und Ueberlieferung an die folgenden Ge— ſchlechter, ſo daß das Menſchengeſchlecht, unſterblich, eben ſo im Laufe der Zeit kluͤger werden kann, als ein einzelner Menſch. 3. Hiſtoriſche Deduktion*). Die Wohlfahrt haͤngt ab von Gerechtigkeit, Wohlhabenheit, Aufklaͤrung. A. Buͤrgerliches Leben, verbreitet, nordwaͤrts z. B. uͤber die Linie von Capo ünis terrae bis an die Muͤndung des Amur, ſuͤdwaͤrts uͤber Amerika, Aegyp⸗ ten, Neuholland; verbeſſert z. B., durch a. Monarchien, in denen Geſetze an die Stelle der Willkuͤhr treten, und ein⸗ *) Das Folgende über Geſchichte der Menſch⸗ heit iſt von dem Verf auf einem ſpäter einge⸗ ſchalteten Blatte nachgetragen, durchaus apho⸗ riſtiſch hingeworfen, zu verſchiedenen Zeiten und ſehr undeutlich durch einander geſchrieben. Anmerk. d. Redakteurs. 1 60 Geſetz aller Geſetze, naͤmlich das Recht der Menſchheit erkannt wird. b. Repraͤſentative Demokratien, wie in England und einſt in Frankreich. Formen, wie die beiden eingefuͤhrten, kannte die alte Welt nicht. Trauriges Leben des landloſen Freimannes im alten roͤmiſchen Reiche.— Poſten, Buchdruk⸗ kerei, Telegraphen,— machen große Re— publiken moͤglich. B. Wohlhabenheit, beſtehend in Ver⸗ mehrung deſſen, was Natur und Kunſt hervorbringen. Die Mutter aller Wohl⸗ habenheit, die Induſtrie, nimmt zu mit der Sicherheit und dem Verkehr der Men— ſchen und Voͤlker unter einander. Ent⸗ deckung der neuern Welt und Fahrt ums Cap nach Suͤdaſien. Seitdem, obgleich nicht allein dadurch, Vervollkommnung a. der Landwirthſchaft, durch Ver⸗ pflanzung von Gewaͤchſen und Thieren, und durch Anlagen von ſolchen Kolonieen, wie ſie die alte Welt nicht hatte, z. B. in Weſtindien; b. der Kunſtgewerbe, durch Vermeh⸗ rung und Zuſammenfuͤhrung von Mate⸗ rialien, Vermannigfaltigung der Werk ſen raut Anſſe hin; ſprac ſchlec e — S= 61 zeuge, Vervollkommnung der Operationen, durch Muͤhlen, Maſchinen ꝛc. c. des Handels, durch Wechſel, Po⸗ ſten, Aſſekuranzen, Rhederei, Preisku⸗ ranten, Banken; dadurch entſtand eine unſichtbare Handelswelt. C. Aufklaͤrung. Neue und vervoll⸗ kommnete Wiſſenſchaften, mathematiſche und experimentale. Beſchreibung und Erklaͤrung der aͤußern Natur: Naturge⸗ ſchichte, Phyſik, Chemie, Technologie, und der menſchlichen Sachen: Geſchichte, Läaͤnder⸗ und Voͤlkerkunde, Statiſtik, Na⸗ turrecht, Staatsrecht, Staatswirthſchaft. Wie die Wiederherſtellung der Wiſſen⸗ ſchaften ſeit 1500 vom freien Beobachter und Denker herkam, ſo wird dieſe Ma— rime auch weiter fuͤhren. Neuere Huͤlfs— mittel zur Verbreitung der Kenntniſſe ſind: Papier, Buchdruckerei, Kupferſte⸗ cher⸗ und Holzſchneidekunſt, zu mathema⸗ tiſchen und naturhiſtoriſchen Abhandlun⸗ gen, und der Buchhandel. Vormals waren Wiſſenſchaften Ordensſache; Ge⸗ heimniſſe blieben im Handel noch ſpaͤter⸗ hin; jetzt wird gedruckt in der Mutter⸗ ſprache, faßlich fuͤr jedes Alter und Ge⸗ ſchlecht, jeden Stand und Beruf, uͤber 82 alles, was nuͤtzen und ergoͤtzen kann, und wird aufs aͤußerſte verbreitet, zumal durch Zeitungen, vermittelſt der Poſten. Von der andern Seite Leichtigkeit des Leſenlernens—(bei Druckerei),— ſelbſt Geſetze ſorgen dafuͤr. Nicht ſo in Rom und Griechenland.— Literariſche unſicht— bare Welt, oͤffentliche Meinung. Schlußbemerkungen. Aber warum alles ſo ſpaͤt?— Was heißt ſpaͤt bei dem unvergaͤnglichen Men⸗ ſchengeſchlecht, auf der unzerſtoͤrbaren, in ihrem ſichern Gange immer fortgehenden, Erde? Die Welt iſt neu. Es hat noch nicht ſolche Kultur gegeben, wie jetzt, ſonſt muͤßten die Verpflanzungen von Gewaͤch⸗ ſen und Thieren auch ſchon damals gewe⸗ ſen ſeyn.(Kirſchen, Seidenwuͤrmer.)— Die jetzige Kultur wird nicht untergehen; Athen, Sparta, Karthago, Indien, be⸗ weiſen nichts. Le Gentil erhielt von einem gelehrten Braminen Schriften, die er nach Europa brachte, und aus denen hervorgeht, daß die Braminen ſchon 3202 Jahre vor Chriſto den Stand des Mon⸗ des und der Planeten beobachtet haben; ————ÿ————— 4 63 alſo 702 Jahre vor der Suͤndfluth, die, wie man annimmt, 2500 Jahre vor Chriſto geſchahe. Siehe Robertſons hiſtor. Unterſuchung, betreffend die Kenntniß, welche die Alten von Indien hatten.)— Die Franzoſen fanden in Aegypten 2 Thierkreiſe, einen an der Decke eines Periſtyls zu Esne, den andern im gro⸗ ben Tempel zu Dendera; der erſte zeigt das Solstitium im Zeichen der Jungfrau, der andere, welcher neuer iſt, baſſelbe im Zeichen des Loͤwen. Beide Anfuͤhrungen beweiſen ebenfalls nichts; man muß auf das Ganze ſehen. Wo ſind jetzt die barbariſchen Nomaden, von denen etwas zu befuͤrchten waͤre? Artille⸗ rie und Flotten koͤnnen ſie nicht haben. Von Buͤrger⸗ und Staatskriegen iſt auch nichts zu fuͤrchten, bei den Zwecken, die jene jetzt haben, und bei den Koſten, den dieſe machen. Ueberdem iſt unzerſtoͤrbar jene zweifache Welt, die merkantiliſche und die literariſche, die jetzt auf allen Punkten der Erde mehr, als jemals, verbreitet iſt. Iſt nicht die zunehmende Kultur ſelbſt der Tugend hinderlich? Oder laͤßt es ſich durch irgend eine Anſtalt bewirken, daß 64 V die Menſchen beſſer, gluͤcklicher, weiſer werden, ſo daß Kriege und Verbrechen aufhoͤren, niemand laſterhaft, elend, b thoͤricht ſey, niemand ſich bethoͤre? Daß 8 kultivirte Zeitalter ſo uͤbel beruͤchtigt we⸗ 1 gen ihrer Sitten ſind, koͤmmt daher, dag weil die Kultur ſelbſt macht, daß man wah die Sitten ſchaͤrfer beobachtet, heftiger und mißbilligt, und lebendiger beſchreibt; freilich auch, daß in kultivirten Zeiten wie mehr Anläſſe zum Boͤſen ſind. Die, der Kultur angeſchuldigten, Laſter ruͤhren Pf von Reſten der Unkultur und von Maͤn⸗ zu geln der Kultur her, wie Baco ſagt: oht „ein wenig Philoſophie macht zum Gottes⸗ dur „laͤugner, viel Philoſophie macht recht⸗ „glaͤubig.“ Dagegen iſt es die Kultur, nd die das Urtheil uͤber das Wahre, Schoͤne Na und Gute, woraus alle Humanitaͤt be— auch ſteht, ausbildet, die edelſten Geſinnun— ſic gen erweckt und naͤhrt, nuͤtzliche Beſchaͤf⸗ dahe tigung vermannigfaltiget, und aufdringt oder empfiehlt, wodurch Thaͤtigkeit er— weckt, der Menſch gegen Verſuchungen bewahrt, und zu trefflichen Unterneh⸗ die? mungen angefeuert wird. Wo wird es mani zuletzt hinkommen? Aeußere Anſtalten grap koͤnnen uns eben ſo wenig Irrthum, Elend Iy 9 8 65 Elend und Laſter benehmen, als Weis— heit, Glaͤckſeligkeit und Sittlichkeit auf⸗ dringen: das ſind des Menſchen eigene Werke; hier heißt es: quod petis est in te. Aber Kultur giebt reichern Stoff zur Tugend, ſchaͤrft das Urtheil uͤber das wahre Gute, erweckt Geſchmack daran, und Verlangen darnach. Es laͤßt ſich alſo nicht feſt beſtimmen, wie weit die eigentliche ſittliche Verbeſſe⸗ rung gehen werde.— Indeſſen iſt es Pflicht, an die moraliſche Verbeſſerlichkeit zu glauben, und daran zu arbeiten, weil ohne dieſen Glauben die Pflicht wankt,— durch dieſen Glauben erſtaͤrkt.— Genug ſchon, daß ungerechte Geſetze und Anſtalten, und mit dieſen eine Menge Uebel, gehoben werden koͤnnen, auch eben darum, weil ſie ungerecht ſind, ſich ſpaͤterhin als ſchaͤdlich beweiſen, und daher von ſelbſt aufheben. Liteyatuyv. 1. Ueber das Phyſiſche: Kant, uͤber die Racen; Blumenbach, de generis hu- mani diversitate; Zimmermann, geo⸗ graphiſche Geſchichte des Menſchen. (. IV. * — ——— — — —— —— —= 66 2. Ueber das Politiſche: Ferguson history of humain society; Muͤller, uͤber den Unterſchied der Staͤnde; Rouſ— ſeau.— Krafts Sitten der Wilden. 3. Ueber einzelne Stuͤcke: Thomas, uͤber den Charakter der Frauen; Alex⸗ anders Geſchichte des weiblichen Ge⸗ ſchlechts; Montesquieu, Hume und Wallace, uͤber die Anzahl des Men— ſchengeſchlechts; Hume, uͤber National⸗ charakter. Esprit des nations, 1752. Zimmermann, vom Nationalſtolze. Castillon, considerations sur les causes plysiques et morales de la diversité ete., deutſch 1770. Demeunier l'esprit des usages et coutumes de differents peuples, 1777.(ſeicht.) Goguet de J'origine des loix, des arts et sciences, 1758, deutſch, 1760. 4. Allgemeine Werke: Home Ge⸗ ſchichte der Menſchen; Iſelins Ge⸗ ſchichte der Menſchheit. Jambaldi Saggi ete. Dunbar, Meiners, Herder, Philoſophie der Geſchichte,— dann umgearbeitet zu Ideen zur Philo⸗ ſophie der Geſchichte der Menſchheit. Adelungs Geſchichte der Kultur. Floͤ⸗ gels Geſchichte des menſchlichen Verſtan⸗ △ 57 des. Suhm, Verſuch eines Entwurfs einer Geſchichte der Entſtehung der Voͤl— ker. Leſſing, uͤber Erziehung des Menſchengeſchlechts. Adam S mith, im dritten Buche. Robertſons Karl V. Stewart, uͤber den Fortgang der europaͤiſchen Voͤlker von der Rohheit zur Verfeinerung. III. Geſchichte des Menſchengeſchlechts. A. Buͤrgerliche Geſchichte. Die Univerſalhiſtorie, oder die allge⸗ meine Welthiſtorie, erzaͤhlt und beſchreibt die Begebenheiten, Schickſale und Ver⸗ aͤnderungen des Menſchengeſchlechts, als eines Inbegriffs von Voͤlkern, durch alle Zeiten und Laͤnder, und zwar ſo, daß ſich alles auf ein Ganzes bezieht. Eben . dadurch, daß hier alles ſeinem Verhaͤlt⸗ niſſe nach zum Ganzen, und ſeinem Zu⸗ ſammenhange nach mit dem Ganzen, herausgehoben und dargeſtellt wird, unter⸗ ſcheidet ſie ſich von einem Aggregat von Specialgeſchichten. Sie iſt philoſophiſche Geographie des Erdbodens, und philoſophi⸗ ſche Genealogie des Menſchengeſchlechts.— E 2 68— Ihr Zweck iſt, die Urſachen der Veraͤn⸗ derungen, die die Menſchen in der Na⸗ tur—(Laͤnder, Thiere, Pflanzen), und die ſie unter und in ſich ſelbſt, hervorge⸗ bracht haben,(Kuͤnſte, Wiſſenſchaften, Verfaſſung, Geſetze, Werke, Thaten) zu entwickeln. Ihre Materie iſt jedes merkwuͤrdige d. i. auf das Ganze einflie⸗ ßende Factum, z. B. ohne Kartoffeln waͤren 1771 Millionen Deutſche umge⸗ kommen(Thee, Kaffee). Ihre Form iſt entweder ethnographiſch oder ſynchro⸗ niſtiſch. Sie faͤngt an mit dem Urſprunge und den Revolutionen der Erde, dem Urſprunge und den Veraͤnderungen der Menſchen, den Erfindungen alles deſſen, was kuͤnſtlich iſt.— Hausthiere, Feld⸗ und Gartenfruͤchte, Geraͤthe und Werk⸗ zeuge, Metalle, Geld, Schiffe. Erfin⸗ dungen von Geſetzen, Staatsverfaſſun⸗ gen; Herkunft und Abſtammung der Voͤlker; Politik, Kultur, Religion, Wiſ⸗ ſenſchaften. Zur Entwerfung der Form haben einige kosmopolitiſche Ideen vor⸗ geſchlagen.— Ihr Zweck iſt es, uns eine allgemeine Ueberſicht uͤber den Zuſtand des Men—⸗ ſchengeſchlechts in den verſchiedenen Zeit⸗ drm hro⸗ ung: dem der ſſen, Feld⸗ Verk⸗ Erfin⸗ aſſͤn⸗ g der Viſ Dn punkten jedes Weltalters, und uͤber die Schickſale des Menſchengeſchlechts der Reihe nach durch alle Weltalter, zu lie⸗ fern. Aus der Abſicht ergeben ſich die Erforderniſſe: die ganze Zeitreihe muß in verſchiedene Weltalter, und jedes derſel⸗ ben in natuͤrliche Perioden, abgetheilt werden. Von jeder Periode ſind nur die merkwuͤrdigſten Begebenheiten zu erzaͤhlen, aber auch keine fuͤr das Ganze wichtige zu uͤbergehen. Die Anordnung ſelbſt kann ethnographiſch oder geographiſch ſeyn, und muß neben dem chronologiſchen und ſynchroniſtiſchen vornehmlich Realzuſam⸗ menhang haben; bei jeder Periode muß der Zuſtand der Welt und jedes Volkes in Abſicht auf Geographie und Statiſtik, auf Erfindungen in Kuͤnſten, Wiſſenſchaf⸗ ten, Geſetzen, Einrichtungen, auf Reli— gion, Kultur, Charakter, lehrreich ge— ſchildert werden. Sonderbar, daß dieſe Erforderniſſe ſo ſpaͤt(ſeit Voltaire) erkannt ſind.— Ge⸗ ſchichte der Geſchichte—(Michaelis Hei- neccii historia historiae, 4to 1703. Po- pliniére histoire des histoires)— iſt lehrreich, vornehmlich aber die Geſchichte der Univerſalhiſtorie. Sie wurde, weil —Q—Q—C—ℳ———õ—— 70 die hebraͤiſche Geſchichte allein einen fort⸗ gehenden Faden abgiebt, Geſchichte des Volks Gottes, mit angehaͤngten 4 Mo⸗ narchien, die man nach Daniel II. und VII. modelte; und ſo nicht als scientia per se, ſondern als Subſidiarkenntniß der philosophia sacra et profana, ge⸗ braucht. Carionis Chronicum, auctum a Melanchthone, Stranchio, Schurzflei- schio et Sleidano, herrſchten in allen Schulen; daraus, und aus des Annius von Viterbo untergeſchobenen Schrif⸗ ten, hat ſich vieles ſelbſt bis auf unſere Zeiten in Buͤchern fortgepflanzt. Bei dieſer Methode werden wichtige und lehr— reiche Sachen uͤbergangen, dagegen un⸗ nuͤtze und unwichtige elend ausſtaffirt, als Aſſyrer, Babylonier, Chaldaͤer ꝛc. Dionysii Petavii rationarium temporis iſt die erſte rechte Univerſalhiſtorie; neue Verbeſſerungen von Gatterer, Schloͤzer ꝛc. Allgemeine Welthiſtorien: Guthry und Gray's allgemeine Weltgeſchichte.— Voltaire.— Eine gute chronologiſche Tafel, wie Schraders oder Koͤhlers. Beſtes Kompendium iſt Becks Voͤlkerge⸗ ſchichte. Geſchichte des Mittelalters iſt — — 271 in Robertſons Geſchichte Carls V. ſehr gut bearbeitet.— Abtheilung. Alte Geſchichte bis Klodovaͤus, mittlere bis Kolum⸗ bus, neuere bis jetzt. Der Form nach iſt die alte philologiſch oder philoſophiſch, die mittlere publiciſtiſch oder pragmatiſch, zu bearbeiten. Alte Univerſalhiſtorie, historia universalis antiqui aevi.— Die hebraͤi⸗ ſchen Quellen werden immer, waͤre es auch nur, weil ſie ein chronologiſches Ganzes geben, gern gebraucht werden. Aber man hindert alle hiſtoriſche Unter⸗ ſuchung, wenn man ſie anders, als jede der uͤbrigen Quellen anderer Voͤlker, be⸗ trachtet.— Jede Geſchichte, ſo auch die hebraͤiſche, hat und muß haben ihr tem- pus dso et Bvdν, bevor das 0ν- koͤmmt. Ferner muͤſſen echte Kritik, Her⸗ meneutik und Heuriſtik uͤber dieſen hebraͤi— ſchen Annalen ſo frei walten duͤrfen, als uͤber den Quellen der Profangeſchichte. Denn hier hat die Heiligkeit nichts zu thun; man muß ſie frei vergleichen duͤrfen mit Indianiſchen, Chineſiſchen, Aegypti⸗ ſchen, Babyloniſchen, Griechiſchen und Roͤmiſchen Quellen, d. i. Denkmaͤlern 72 oder Schriften; man muß ſie beurtheilen duͤrfen nach den Regeln der Geſchichte der Menſchheit, welche Regeln man von andern Voͤlkern abſtrahirt. Das Reſultat iſt: es giebt uͤber den Urſprung der wichtigſten Erfindungen, und uͤber die Herkunft der Voͤlker, nichts als Hypotheſengeſchiche— 75 1 aA—uas;— dann uͤber die folgenden Bege⸗ benheiten und Veraͤnderungen, Sagenge— ſchichte, Familienlegenden, 2— end⸗ lich die Geſchichte ſelbſt hat nichts Prag— matiſches, Kritiſches.— Das tempus historicum der alten Welt, durch Grie⸗ chen und Roͤmer beſchrieben, iſt ſowohl von Seiten des Inhalts—(groͤßte und zum Theil einzige Beiſpiele von buͤr⸗ gerlichen Tugenden, politiſcher Weisheit, gewaltigen Unternehmungen, kuͤhnen An⸗ ſchlaͤgen), als von Seiten der geiſtvollen und angenehmen Beſchreibung, hoͤchſt in⸗ tereſſant. 3 1) Urwelt, von Adam bis Noah. Die Urgeſchichte wird nur aus der Ge⸗ neſis des Moſes mittelſt Analogie ande— rer roher Voͤlker herausgeſchloſſen. 2) Dunkele Welt, von Noah bis Moſes; Abraham in der Mitte. Schim⸗ —— ————— —— 73 merlicht von Aegypten, Babylonien und icht⸗ Phoͤnicien. bon 2 3) Vorwelt, von Moſes bis Cyrus, 1000 Jahre, Troja in der Mitte. Haupt⸗ den voͤlker dieſer Vorwelt ſind: Aegypter, wo en, die Menſchheit jung geworden zu ſeyn hs ſcheint; Babylonier und Meder; Phoͤni— ureoe eier(Hollaͤnder der alten Welt, ihr ,g,c. Tyrus Amſterdam); Hebraͤer werden ein enge⸗ Staat, der ſich theilt, und zerſtoͤrt wird end⸗ durch Aſſyrer und Babylonier; Hetrurier,. drag⸗ Griechen. Rom und Karthago waren npus noch Doͤrfer. Grie⸗ 4) Alte Welt von Cyrus bis Chlo— wohl dewig, 1000 Jahre, Chriſtus in der und Mitte. Erſter großer Staat der Perſer; buͤr⸗ dann Macedonier. Indem Alexanders heit, Nachfolger ſich in Oſten bekriegen, kaͤm— An⸗ pfen in Weſten: die Roͤmer in Italien volen mit Karthaginenſern in Afrika. Am Ende ſtin⸗ waren gegen Chriſti Geburt drei Reiche: das Roͤmiſche, orbis terrarum, in einem vah. Sinne des Ausdrucks wahr; das Par⸗ Ge⸗ thiſche, vom Euphrat bis zum Indus; ande⸗ das Chineſiſche.— 5) Mittlere Welt, 1000 Jahre; ge⸗ b theilt durch Hildebrand. ¹ 74 A. Vor Hildebrand. Rom in das weſtliche und oͤſtliche getheilt; das weſt⸗ liche durch Germanen zerſtuͤckt, aus deren Mitte ſich Karl der Große erhebt, und als Reichsſtifter beruͤhmt wird; das oͤſtliche dauert bis zum Ende der Periode fort. Das parthiſche 900 jaͤhrige Reich, zerſtoͤrt durch Araber.— Araber, durch Muhamed ver⸗ einigt und begeiſtert, machen mit einer Geſchwindigkeit, die unerhoͤrt iſt, Erobe⸗ rungen bis Capo finis terrae, bis an den Gihon, wo die Tuͤrken ſaßen, bis an den Indus. China war 200 Jahre nach Chriſto zerfallen; Jamkien verei⸗ nigte es, als Franken in Weſten, Ara⸗ ber in Oſten, ſtuͤrmten. Karl der Große verhandelt mit Haraun al Ra— ſchid in Bagdad, und dieſer mit dem Himmelsſohn in Peking. Es treten auf: Slaven, Normannen, Ungern, Finnen, Tartarn. Geſchichte des Mit⸗ telalters iſt hoͤchſt wichtig, weil darin der Urſprung der jetzigen Staaten, ihrer Verfaſſungen, Gerechtſamen, ihrer mei⸗ ſten Gewohnheiten und Geſetze, und vie— ler Kuͤnſte, angetroffen wird. Publici— ſtiſcher, technologiſcher und philoſophiſcher Werth. Oe B. Nach Hildebrand. Wichtig iſt die Geſchichte der Hierarchie. Hilde⸗ brand, Stifter derſelben, brachte Ge⸗ meinſchaft und Disciplin unter alle euro⸗ paͤiſchen Staaten; er machte die Fuͤrſten zu Bruͤdern, indem er an ſie ſchrieb: carissime fili in Christo. Kultur und Aufklaͤrung, Verbreitung aller Natura⸗ lien, Pflanzen, Thiere, Handwerke, Kuͤnſte, Wiſſenſchaften, Sittlichkeit.— Selbſt die Kreuzzuͤge, ſelbſt der Kampf bey der Reformation gegen die Hierar⸗ chie, nutzten, indem ſie das Kraftgefuͤhl der Menſchen hoben. Der Pabſt war Obercenſor aller Hoͤfe, oft ſelbſt dumm und ſelbſt betrogen. Seldſchucken und Osmannen. Mongolen, vereint durch Dſchingischan. Mit einer Diviſion ſtuͤrmen ſie Japan, erobern China, mit einer andern ſiegen ſie bei Liegnitz, be— maͤchtigen ſich Rußlands, nehmen ſpaͤter⸗ hin Oſtindien ein. 6) Neue Welt. Enropa benutzt, be⸗ herrſcht, beſeelt alle Gegenden des Erd— bodens, und alle Voͤlker. Die europaͤi⸗ ſchen ſelbſt ſind kommerzialiſcher, politi⸗ ſcher, literariſcher Gemeinſchaft, durch Kompas, Aſtronomie, Pulver, mit ſtehenden Truppen, Buchdruckerei, mit Poſten.— Die Staaten ſelbſt in ihrem Innern organiſirt nach allen Debarte⸗ ments: Staatsrecht, Staatswirthſchaft, Staatskunſt, Kolonieen.— In die neuere Weltepoche faͤllt die Wiederherſtel⸗ lung der Wiſſenſchaften d. i., nicht das wieder auflebende Studium der Klaſſiker allein, ſondern das Studium der Natur und des Menſchen, aus unmittelbarer Erfahrung. Neuerdings hat man vorgeſchlagen, die Weltgeſchichte nach dem Plane zu be— arbeiten, daß man das Menſchengeſchlecht als fortſchreitend zu ſeiner politiſchen, geſelligen und privaten Verbeſſerung dar⸗ ſtellt, in Hinſicht auf politiſche Verfaſ⸗ ſung, und Aufklaͤrung. Nuͤtzlich iſt dieß, ſo fern man dadurch veranlaßt wird, mehr auf die wichtigen Erfindungen in Kuͤnſten, Wiſſenſchaften, Wohlſtand und Geſetzen, und mehr auf den Zuſammen— hang, zu ſehen. Specialge ſchichte eines Landes, Volkes, und daraus zuſammengeſetzte Aggregate unter dem Namen von Laͤnder⸗, Voͤlker-und Staatengeſchichte. Das Politiſche, das was den Verein der ſier atut arer agen du de ſchlecht iſchen, g dar⸗ berfaſ⸗ t dieß, wird agen in and und ſammm⸗ Lan zenglitt Laͤnder, DA erein N 77 7 * Menſchen angeht, iſt dabei immer das vornehmſte, und buͤrgerliche Verfaſſung, Ernaͤhrung, Familienleben, Religion und Kultur oder Gelehrſamkeit, werden dabei immer nur in Beziehung auf das Politi— ſche betrachtet. Ferner: einzelner Pro⸗ vinzen, Staͤdte, Stifter, einzelner Ge⸗ ſellſchaften, Gemeinden, Staatsmaͤnner, Privatperſonen.— Geſchichte einzelner Zeitpunkte und Vorfaͤlle, Anſtalten und Einrichtungen,— z. B. Siècle de Louis le Grand, dreißigjaͤhriger Krieg, Refor⸗ mation, Poſten, Wechſel, Banken, Adel, Buͤrger, Kommerzweſen ꝛc. Auch auf die alten Zeiten koͤnnen die Begriffe von Specialgeſchichte angewandt werden, obgleich man ſie gemeiniglich, auf die jetzigen Voͤlker, Staaten und Laͤnder, ausſchließlich anzuwenden pflegt. Und ſonach giebt es Geſchichte der He⸗ braͤer,(den Theologen meiſt allein uͤber⸗ laſſen) Geſchichte der alten Voͤlker, Aegyp⸗ ter, Aſſyrer, Meder, Babylonier, Kar⸗ thaginenſer—(ſehr wenig weiß man von dieſen). Allgemeine Welthiſtorie, Hum⸗ phry Prideaux Geſchichte der Juden und der benachbarten Voͤlker, 2 Voll. in 4t0o, 1721. Fortſetzung davon iſt —————————— —— 3 78 — ———— Basnage histoire des Juifs. Rollin histoire ancienne. Jackſon chronologiſche Alter⸗ thuͤmer. Marsham Canon, und Jablonski 1 Pantheum fuͤr Aegypten. Perizowius de c origg. Babyl. Brisson de regis Persarum d principatu. Schuckford Harmonie der 4 heiligen und Profangeſchichte. –– Die Geſchichte der Griechen ſtudirt m man am beſten, ſo wie auch die, der Roͤ—„ mer, aus den Quellen ſelbſt, es ſey in ſeo der Urſprache, oder in Ueberſetzungen. 1 Herodotus, Thucydides, Xenophon, Poly- 5 bius, Dionysius Halicarnassensis, Plutar- 1 chus, Appianus, Arrianus, Aelianus, Dio 1 Cassius, Herodianus, Caesar, Sallustius, 1 Livius, Tacitus, Suetonius, Velleius, G Valerius Maximus, Florus, Eutropius, 8 historiae Angustae scriptores IV. Nur ſe gute Charten, eine gute chronologiſche d Tafel, und allenfalls ein gutes Kompen⸗ dium dabei, zur Ueberſicht, wie Gold⸗ in ſchmidts Geſchichte der Griechen, des⸗ 6 gleichen der Roͤmer. Indeſſen hat eine P vollſtaͤndige Geſchichte den Vorzug, daß darin alle Quellen zuſammen benutzt ſeyn koͤnnen, z. B. Rollin histoire ancienme, histoire Romaine: mehr fuͤr Offiziere, 1 nae als Philoſophen, geſchrieben, aber rein ſelt — 29 im Styl und gutherzig in Geſinnungen. a. Beſſer iſt Ferguſon's Geſchichte der db roͤmiſchen Republik, und Gibbons Ge⸗ d. ſchichte des Verfalls und Untergangs des :m roͤmiſchen Staats. er Die Behandlung der europaͤiſchen Staatengeſchichte als eines Aggregats din nahm den Anfang mit einem Muſter von R⸗ Pufendorf in der Einleitung zur Hi⸗ in ſtorie der vornehmſten Staaten, noch an. 1762 aufgelegt. Dann kam Schmau⸗. 0F- ßens Begriff der vornehmſten europaͤi⸗ otan- ſchen Reiche, 1755. Dann Achen⸗ Dio wall, Gebauer, Meuſel Anleitung ting zur europaͤiſchen Staatenhiſtorie, nach ſeius Gebauerſcher Lehrart; ſehr zweckmaͤßig. hius, Von jedem Staate iſt die Geſchichte be— Nur ſonders behandelt, und zwar ſo, daß giſce voran die Literatur geht, naͤmlich: norn 1) Literarnotizen, d. i., Schriften, olh in welchen die Hiſtorienſchreiber des 5 Staats namhaft gemacht, und ihre reiu Werke beurtheilt werden; d 2) Quellenſammlungen; tſen 3) Syſtem und Compendien; 4) Beitraͤge aller Art. Dann folgt, jm nach Epochen abgetheilt, die Geſchichte ſelbſt in kurzen ſummariſchen Saͤtzen, en rz 80 mit der Chronologie zur Seite, und eingeſtreuten Buͤcheranzeigen. So von Preußen: 1) Literarnotizen. Braun, de scrip- torum Poloniae et Prussiae historicorum virtutibus et vitiis, catal. et iudicium; 1724 in 4to. 2) Quellen: Dogiel codex diploma- ticus. 3) Syſteme und Kompendien: Dusburg Chronicon, Schutzens Beſchreibung der Lande Preußens 1592. Hartknochs altes und neues Preußen. Friedrich II. Pauli allgem. preuß. Staatsgeſchichte, 8 Baͤnde in 4to. Buchholz. 4) Beitraͤge: Acta borussica. Serip- torum rerum polon. et prussic. collectio nova XV tractatus complectens, Dan- tisci, 4t0, 1753. Aber eine eigentliche vollſtaͤndige Sammlung von scriptoribus rerum borussic., dergleichen ſchon Sieg⸗ fried Baier herausgeben wollte, iſt nicht erſchienen, und wird es auch nicht, weil unſere Grunau e. zu ſchlecht ſind. Von jedem Staate nenne ich bloß die vollſtaͤndigſten Werke, und das beſte Kompendium. 1) Spa⸗ 2 ———— oma- Jhrg 3de aoch i G ſcice Krip- lectio Dan- utliche toribo Siti⸗ te, j Hait htiud bohd . ſf; 5 dhſ 31 1) Spanien: Ferrera, Pfarrers in Madrid, Geſchichte von Spanien, 13 Baͤnde.— Das Original hat 16; er arbeitete daran von 1700 bis 1727;— ganz ohne Einheit. Abrégé chronolo- gique, à Paris 1762; theils vom Praͤſi⸗ denten Henault, theils von Macquer und Lacombe. 2) Portugal. Gebauers portugie⸗ fiſche Geſchichte, 1759, 4to, reichhaltig, aber faſt ungenießbar. Guthrie's und Grays Welthiſtorie, 12ter Band. 3) Frankreich. Daniels Geſchichte, üͤberſetzt, 16 Baͤnde in 4to, geht bis 1715. Meuſel, fuͤr die Welthiſtorie, Band 35 bis 39. Millot élémens de l'histoire de France, 3 vol., 12mo; deutſch 1777. Henault abrégé chronologique, auch deutſch; Muſter fuͤr aͤhnliche Werke. 4) England. Histoire d'Angleterre par Rapin Thoyras, bis 1688, zu Haag, 9 vol. in 4to. Die erſte pragmatiſche Geſchichte Englands; ſie iſt ins Engliſche, auch ins Deutſche, uͤberſetzt. Hume. Goldſmiths Geſchichte Englands macht den 13. Band von der Welthiſtorie aus. Schottland, Robertſon. IV. 5 — — 4 1 —— —y—— 82 5) Niederlaͤnder. Wagenaars vader- landsche historie, deutſch von Toze in 8 vol., 460, 1756— 635. Offerhaus compendium historiae foederati Belgii, 1763, Svo. 6) Schweiz. Nuͤllers Geſchichte der Schweizer Eidgenoſſenſchaft. Simler de republ. Helvetiorum, adiunctum est compendium historiae, auctore Fueslino, 1734, 8vo. 7) Daͤnemark. Holbergs Daͤniſche Reichshiſtorie bis 1670, uͤberſetzt, 3 Theile in 4to. Mallet histoire de Dane- mare, deutſch mit der, zwei Baͤnde ſtar⸗ ken, Introduktion, 1764. Suhms Geſchichte von Daͤnemark, zum Beſten der Studirenden, deutſch 1777, ein Mei⸗ ſterſtuͤck. 8) Schweden. Olof Dalins Reichsgeſchichte von Schweden, bis 1611, uͤberſetzt in 4 Baͤnden, die 3 Theile ent⸗ halten. 4ato. Swen Lagerbrings Reichsgeſchichte von Schweden, 3 Theile, in 4to, gehen bis 1397, noch unuͤber⸗ ſetzt, aber deſſelben Kompendium uͤberſetzt 1776, 8. 9) Rußland. Des Fuͤrſten Schtſcher⸗ batow ruſſiſche Geſchichte von den aͤlte⸗ — vaden- ze in haus Igii, ichte unler n est An, niſche t, 3 Dane- de ſtar⸗ Ähms Beſten Mei⸗ aLins 5 1611, eile ent brings Thelt, umäͤber⸗ äͤbtrſeht htſchr den h “ 83 ſten Zeiten, in 5 vol., 4to, geht bis 1598; 2 Baͤnde davon ſind uͤberſetzt. Der Kaiſerin Katharina II. ruſſiſche Geſchichte fuͤr ihre Enkel. 10) Pohlen. Adam Naruszewitz noch unuͤberſetzte historia narodu pols- kiego.—(Elend iſt Solignac, und Wagner im Guthrie.) Abrégé chro- nologique, par Schmidt, auch deutſch, 1769, 8 11) Osmanniſches Reich. Kante⸗ mir, Fuͤrſt von der Moldau, Ge⸗ ſchichte des tuͤrkiſchen Reichs 1745, Ato. Mignot, deutſch 1774, 3 Baͤnde in 8. 12) Ungarn. Isthuanfii(1608) histo- ria.— Des Presburgiſchen Senators von Windiſch kurzgefaßte Geſchichte Ungarns 1778, in 8. Gebhardi 15. Band im Guthrie, enthaͤlt zugleich die Geſchichte der mit Ungarn verbundenen Staaten, Siebenbuͤrgen, Gallizien, Lo⸗ domerien, Rothreußen, Dalmatien, Croa⸗ tien, Slavonien, Servien und Rascien, Bosnien und Rama, wie auch Raguſa. 13) Italien. Muratorius bis 1500 und dann mit vielen Fortſetzungen, deutſch, 9 vol. in 4to. Lebret in der Welthiſtorie, Band 40— 43, geht erſt bis 2 — ÿ—·—·— 84 1362. Denina Staatsveraͤnderungen von Italien, 3 Baͤnde in 8. Fuͤr Nea⸗ pel, Giannon buͤrgerliche Geſchichte des Koͤnigreichs Neapel, deutſch, bis 1771, 4 Baͤnde, in Ato.(herrlich). Lebrer Geſchichte von Venedig, 3 Baͤnde, in 4to. Machiavelli historia fiorentina. 14) Deutſchland. Im Ganzen: Schmidts Geſchichte der Deutſchen. Pfeffel abrégé chronologique. Puͤtters Entwickelung des Deutſchen Staatsrechts, 3 Baͤnde, in 3. 15) Von andern Welttheilen. Des⸗ guignes Geſchichte der Hunnen. Du Halde Geſchichte von China. Dow Geſchichte von Hindoſtan. Kaͤmpfer Geſchichte von Japan. Charlevoir und Lafiteau Geſchichte von Amerika, deutſch, 2 Baͤnde, 4to. Allgemeine Anmerkungen. Je ſpecieller die Geſchichte iſt, deſto mehr kann ſie wahrhaft pragmatiſch, wirklicher Schatz von Erfahrung, in der That lehr⸗ reich ſeyn. Daher auch die groͤßeſten hiſtoriſchen Genies alter und neuer Zeit ſich nur in der Specialgeſchichte hervorge⸗ than haben. Das Allgemeine kann nur, ſofern es ſich auf individuelles Wirkliches —y——— /——öy— . A 4 Dr r⸗ e ten ran N 2 In n henel kan F- kand — 85 bezieht, richtig, und nur inſofern es dieß individuelle Wirkliche, woraus es gezo⸗ gen worden, dem Leſer darſtellt, lehr⸗ reich ſeyn.— Alſo je nachdem die Spe⸗ cialgeſchichte beſchaffen und bearbeitet iſt, wird es die General- und Univerſalge⸗ ſchichte ſeyn koͤnnen; die Verbeſſerung der letztern muß durchaus bei der Verbeſſe— rung der erſten anfangen. Specialgeſchichten von Provinzen an⸗ zufuͤhren, wie Moͤſer von Osnabruͤck, Spittlers Hannoͤverſche Geſchichte, oder von Oertern und Anſtalten, wie Puͤt⸗ ters Geſchichte der Poſten, oder von einzelnen Begebenheiten, wuͤrde zu weit gehen. Aber genauere Anzeigen verdie⸗ nen die Biographien. Wenn dieſe rechter Art ſind, naͤmlich entwickeln, was der Mann war, und wie er es wurde, ſo iſt dieſe Lektuͤre die allernuͤtzlichſte von der Welt, und wahrlich auch die angenehmſte. Daher iſt die buͤrgerliche Geſchichte ſonſt meiſtentheils Biographie der Regenten ge⸗ weſen. Plutarchus,(humanissimus scrip- tor)— Xenophontis Agesilaus, Nepos, Taciti Agricola. Der Brittiſche Plut⸗ arch, 6 Baͤnde, 8., 1764— 68. Rip- Pis biographia britannica, or the lives ——·õſſſſ““ 86 of the most eminent persons, who have flourishd in Great- Britain and Ireland, 9 vol., Fol. 1766; mit zweien Zugaben; iſt in alphabetiſcher Ordnung. Ein Aus⸗ zug ohne jene Ordnung, deutſch, zu Halle, 10 Baͤnde, 8. 1771. Granges biographical history of England 1769, 4 vol., in 4to. Perrault hommes céle- bres de la France. D'Alembert éloges des membres de l'académie. Schroͤckhe und Buͤſchings Biographien. Schilde⸗ rung großer Deutſchen von Klein, Man⸗ heim.(Schlecht. Schade um die Kup⸗ fer) Die Gelehrtenhiſtorie enthaͤlt noch die meiſten Biographien. Leben Me⸗ lanchthons, von Camerarius; Le⸗ ben des Peirescius, von Gaſſendi; Leben Swifts, von Orrery, neuer⸗ dings von Sheridan. Leben Hal⸗ lers, von Zimmermann. Eigene Le⸗ ben haben beſchrieben: Holberg, Sem⸗ ler, Buͤſching, Puͤtter. Schlich⸗ tegrolls Nekrolog. B. Religionsgeſchichte. (Aphoriſtiſche Vorbemerkungen.) Die buͤrgerliche Geſchichte beruͤhrt zwar auch das, was die Religion betrifft, aber 4 87 hars nur in Verbindung mit dem Politiſchen. dh) Wegen der Wichtigkeit und des mannig— en; p faltigen Intereſſe der Sache, iſt aus der j, Kirchengeſchichte, und aus der Religions⸗ zu V geſchichte, ein beſonderer Stamm gemacht. 3 Die natuͤrliche Religion entſpringt 9, aus Anlagen der menſchlichen Natur. . a) Gefuͤhl der Huͤlfloſigkeit und Ab⸗ ps heaͤngigkeit von der Natur und ihren the unnbekannten Kraͤften; lde b,) Furcht vor der Zukunft, vor dem Nan Zuſtande nach dem Tode;(timor primo- 2 deos fecit;) uucj c) Unwillkuͤhrlichkeit der Gewiſſens⸗ T biſſe uͤber begangene Verbrechen;— g, d) Wuͤnſche, von Krankheiten zu ge⸗ ndit neſen,(die man Daͤmonen oder Hexen uer zuſchreibt,) die Zukunft auch im Erfolge hal von Unternehmungen voraus zu wiſſen, nn g die zukuͤnftigen Begebenheiten nach ſei— 261 nem Willen zu lenken. Daher Magie, Mantie, Theurgie, Nekromantie. hlih⸗ Einſeitige, fehlerhafte Meinungen uͤber den Urſprung der Religionen, ſind fol⸗ hte gende: 1) Alle Religionen ſeyen bloß Mo⸗ ) difikationen der Urreligion der erſten 5 Menſchen oder der patriarchaliſchen; t, A 88— 2) Verſtuͤmmelte und verfaͤlſchte Nach⸗ bildungen des juͤdiſchen Gottesdienſtes und der juͤdiſchen Geſchichte, wie Huet meinet; 3) Aus Verehrung der Himmelskoͤrper, oder dem Sabaͤismus, entſtanden,(Pluͤ⸗ che Geſchichte des Himmels); 4) Aus Verehrung verſtorbener Men⸗ ſchen; welches nur auf Heroen paßt, und nicht allgemein iſt; 5) Aus Prieſterbetrug(Herbert von Cherbury, de religione gentilium); 6) Aus Zaubereien und Wahrſagereien. Die verſchiedenen Gattungen des Po⸗ lytheismus betreffen der Menſchen Leben hienieden und dort. a) Phyſiſche Theologie. aa) Fetiſchismus, Daͤmonismus, gute und boͤſe Geiſter. Von beiden finden ſich die Spuren noch jetzt bei rohen Menſchen, ſelbſt in gebildeten Laͤndern. Eine Gat⸗ tung davon iſt der Thierdienſt. bb) Perſonifizirte Naturkraͤfte, Goͤt⸗ ter des Donners, Sturmes, Meeres, der Unterwelt, oder des Grabes, der Quellen, Fluͤſſe, des Feuers, der Erde, der Himmelskoͤrper.— Sabaͤismus, Drya⸗ den, Faunen, Nymphen. 1 ——— ——— — oö—oö—ͤͤnn ———— 2—— ——— 89 och b) Mythiſche Theologie. ſes aa) Symboliſche Gottheiten: Sa⸗ let turn, Mars, Venus, Minerva, Muſen. Die erſten Gruͤbler, die mit Kosmogo— er, nien anfangen, druͤcken alles in Bildern i⸗ und allegoriſch aus, wegen Mangels an abſtrakten Ausdruͤcken. Allegoriſche Phi⸗ en⸗ loſopheme werden als Geſchichten ausge⸗ unn druͤckt. bb) Hiſtoriſche Legenden von den von wichtigſten Ereigniſſen und Perſonen des ¹ Volksſtammes und Landes: daher Ver⸗ reien. ehrungen von Menſchen, Heroen, Halb⸗ Pboe goͤttern.— Beide, naͤmlich ſymboliſche lelen und hiſtoriſche Mythen, werden von Dichtern ausgemahlt, und mannigfaltig zuſammengeſetzt. gqute ſch* di Begriff der Religion und ihrer Gn Geſchichte. Religion beſteht aus „Eit 1) Vorſtellungen von einer unſichtba⸗ Naxs, ren Macht, als einem Geiſte, d. i. den⸗ „ dr kenden und wollenden Weſen, und von de, N den Abſichten deſſelben in Hervorbrin⸗ Dye gung des Menſchen ſowohl, als der ge— ſammten Natur. 8—J——— ☛‿ 2— —— 90— 2) Vorſtellungen von dem Verhalten, welches der Menſch in ſeinem Thun und Laſſen in Anſehung dieſer Macht und ihrer Abſichten zu befolgen habe. 3) Hoffnungen beſonders nach dem Tode.— Alſo: credenda, agenda, spe- randa; die speranda befaßt man oft unter credenda. 3 4) Geſellſchaftliche Verfaſſungen der zu einer Religion ſich Bekennenden. Die Ueberzeugung, nach welcher jedermann in Religionsſachen ſtrebt, und die er ſelbſt zwar nur durch eigenes Meditiren erhaͤlt, wovon er aber ein Analogon dadurch er⸗ halten kann, daß er ſich zu den Vorſtel— lungsarten Anderer bequemt, oder ſeine Meinung Andern einfloͤßt, und das Ver⸗ langen, durch Theilnehmung und Bei⸗ ſpiel in ſeinen Verehrungsarten belebt und beſtaͤrkt zu werden, bringen Reli⸗ gionsgeſellſchaften hervor; die alſo einer⸗ ſeits auf Leichtglaͤubigkeit und Proſelyten⸗ eifer, andererſeits auf dem Beduͤrfniß be⸗ ruhen, durch Gemeinſchaft und Vereini⸗ gung mit andern Menſchen ſeine Empfin⸗ dungen zu beleben, und ſeine Ueberzeu⸗ gungen zu ſtaͤrken. 91 n„ Geeſſchichte der Religion beſteht alſo in 1nd Geſchichte nd 1) der Vorſtellungsarten von Seele (Menſchheit), Welt(Natur), und Gott⸗ m heit, und dem Verhaͤltniſſe der beiden 8 erſten unter ſich und zur letzten; et 2) der Verehrungsarten, und zwar theils der einſamen, theils der gemein⸗ de ſchaftlichen; die 3) des Kirchenweſens, naͤmlich der heiligen Oerter, Zeiten, Perſonen und lbſt ihrer Beſtimmung zu religioͤſen Zwecken; halt Liturgie, Kirchenrecht, Verhaͤltniß der eer⸗ Kirche zum Staat, der Religion zum ſeel Leben, nach allen Hauptereigniſſen des eine Lebens; ger.. 4) des Einfluſſes auf Privatcharakter, Bei⸗ Nationalbildung, und Staatseinrichtung, läbt nach allen Departements betrachtet, und Reli auf ius gentium.(Einſſuß auf Verſtand inet⸗ oder Abſurditaͤt, auf Heuchelei oder fte Wahrheit, auf Humanitaͤt oder Haͤrte be und Verfolgung.) Es koͤmmt viel darauf nin an, ob die Religionslehrer einen beſon⸗ 4 yfin⸗ dern Stand ausmachen, der vom Staat erzen⸗ oͤffentlich beſoldet wird, und ob der Staat— nur die Bekenner einer ſolchen herrſchen⸗ den Religion zu Aemtern befoͤrdert. 92 Eintheilung.— Neligion iſt ent⸗ weder natuͤrliche oder poſitive. Jene iſt entweder diejenige, welche der Philoſoph aus natuͤrlichen Gruͤnden— Vernunft, Menſchheit, Univerſum,— ableitet— (wo Naturreligion in eben dem Sinne genommen wird, wie Naturrecht);— oder ſie iſt diejenige, die der rohe Menſch hat, und auf die er von ſelbſt verfaͤllt, ehe noch Prieſter und Ge— geſetzgeber ſie geformt haben. Die poſi⸗ tiven Religionen ſind entweder auf heili⸗ gen Buͤchern beruhende,(geoffenbarte,) oder ohne heilige Buͤcher beſtehende(un⸗ geſchriebene); letztere nennt man auch wohl, im Gegenſatz der erſtern, natuͤrli— che. Alle Religionen ſind ferner entwe⸗ der urſpruͤngliche oder abgeleitete(wie bei Sprachen). Hauptreligionen, Ne⸗ benreligionen, Sekten; auch traͤgt man ſich mit der Idee von Urreligion,—(ſo wie von Urſprache)— unter welcher ent⸗ weder die ideale Naturreligion, d. i., diejenige, zu welcher der Philoſoph die Gruͤnde in der Menſchennatur findet, oder eine wirkliche, durch alte, de facto ſtatt habende, ungeoffenbarte Religionen durchlaufende, und zu denſelben als QAuelle — 9³ ſt en ſich verhaltende, gemeinet ſeyn muß. Die ene iſt Religionen ſind ferner entweder rohe oder ſoſoph gebildete, wie die Menſchen, denen ſie nunft, als Eigenthum oder Darlehn angehoͤren. ut— Die vortrefflichſte Religion artet in den Oinne Haͤnden unwiſſender und roher oder un⸗ .= ſittlicher Menſchen bald aus, bis ſie ihnen n uhr aͤhnlich wird; und die albernſte Religion on ſelſ veredelt ſich in den Haͤnden weiſer und nd Ge guter Menſchen. Das erſte erlaͤutert ſich da w durch den Zuſtand der chriſtlichen Religion da üd im Mittelalter ſowohl, als ſelbſt gegen⸗ afendand) waͤrtig unter dem Poͤbel der unkultivirte⸗ hende(ir ſten Laͤnder; das andere durch die Be⸗ nan uch muͤhung der griechiſchen Philoſophen nach 7, nüiti⸗ Chriſti Geburt, und der katholiſchen Theo⸗ nt envr⸗ logen jetzt, ihre Religion zu rechtfertigen, itete(wie vermittelſt des Praͤtertes:„sunt superis u, WN„sua iura, sunt sanctis wuli Wnohes.* oder ruͤg nu ſie zu verbeſſern. Es iſt uͤbel, daß in ,2 der Religion uti quid antiduissimun, ita nalce haberi solet sanctissimum, perversissima Uneht opinione, quia antiquitus tradita homi- puhe 6 num commenta non minus barbara fuisse 1 heiin debent, quam tune temporis homines. ſ 4 fuisse constat. Man kann daher unter⸗ ha ſcheiden die wirkliche Privatreligion jedes 89 Menſchen von der gangbaren Gemeinreli⸗ en ds 6 4 ———— 94 gion der Geſellſchaft. Thut man das, ſo wird ſich finden, daß die Religion der Aufgeklaͤrten, des Poͤbels, der Geiſtlich⸗ keit, faſt uͤberall dieſelbe iſt. Die unver⸗ kuͤnſtelten Naturmenſchen, und die gebil⸗ detſten Weiſen, ſind ſich aller Orten und zu allen Zeiten gleich; in jenen aͤußert ſich die menſchliche Natur, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, auf die einfachſte Weiſe, dieſe ſchoͤpfen nach einerlei Methode aus einer und der⸗ ſelben Quelle; daher ſind ſich in Religio⸗ nen, wie in andern natuͤrlichen Dingen, alte Pelasger und jetzige Chippiwaͤer, und Sokrates dem Locke, gleich. Was Unglauben und Aberglauben be⸗ trifft, ſo nennt oft Einer den Andern unglaͤubig oder aberglaͤubiſch, je nachdem er findet, daß etwas, was er glaubt, von dem Andern nicht geglaubt wird, oder daß etwas, was er nicht glaubt, von dem Andern geglaubt wird. Im erſten Falle nennt er ihn aberglaͤubiſch, im an— dern Falle unglaͤubig; ſo daß mithin dieſe Benennungen wechſelſeitig ſind, und A eben darum, weil er den B unglaͤubig ſindet, vom B fuͤr aberglaͤubiſch gehal⸗ ten wird. Abſolut hieße Unglaube Mangel an demjenigen Glauben, den die 95 Vernunft billigt und fordert; es mag der Mangel von Unwiſſenheit herruͤhren, oder von Verkehrtheit. Aberglaube abſolut hieße der Glaube, den die Vernunft nicht fordert noch billigt, oder gar als wider⸗ ſprechend verwirft, und mißbilligt. Da das richtige Glauben, ſo wie die echte Ueberzeugung, eine Folge von Gruͤnden iſt, ſo kann man mit Rabaut ſagen: la superstition n'est que la religion des ignorans; und weicht alſo von ſelbſt wie das Dunkel dem Licht, ſobald die Un⸗ wiſſenheit gehoben wird. Urſprung der Religion. So erſtaunlich mannigfaltig die reli— gioͤſen Vorſtellungen beider Art ſind, ſo ſieht man ſie doch, wenn man ſie bis an ihren Urſprung verfolgt, alle aus Einer Quelle entſpringen, naͤmlich aus dem Grundſatz: quidquid mens est in homine, id numen in miverso. Worauf beruht dieſer Grundſatz, und wie fließt daraus die Mannigfaltigkeit der religioͤſen Vor⸗ ſtellungen an allen Orten und zu allen Zeiten? a) Alle Bewegungen, Veraͤnderungen und Wirkungen, ſiehr der rohe Menſch als Folgen von einem, den Dingen, die ſich ſo veraͤndern, bewegen, und wirken, einwohnenden, Leben an; uͤberhaupt kann jeder Menſch ſich Kraft nicht anders, denn als ein Analogon von ſeiner eige⸗ nen Kraft, vorſtellen, in ſofern belebt er alſo und perſonificirt die ganze Natur, und ſofern die Wirkungen der Dinge ihm willkommen oder zuwider ſind, ſchreibt er ihren Kraͤften wohlwollende oder feindſe⸗ lige Abſichten zu, wie das Kind dem Tiſch, der choleriſche Mann dem Stein, woran er ſich ſtoͤßt, dem Sonnenſchein, dem Baum, dem Wein, der Kuhmilch, die ihn erquickt.— Denkt der Menſch nur etwas weiter nach, ſo erkennt er bald, daß ſein Leben mit allen ſeinen Kraͤften zu denken, zu empfinden, zu handeln ſowohl, als der Gebrauch aller der Dinge, durch die er ſich erhaͤlt, oder woran er ſich erfreut, aͤußerſt pre⸗ kaͤr und unzuverlaͤſſig iſt; und ſo ſieht er ſich gleichſam getragen und umringt von einer Macht, die ihm allgegenwaͤrtig und zugleich allverborgen iſt, und die zu kennen, da ſie ihn mehr als alles in Staunen, in Furcht und Hoffnung ſetzt, er die groͤßte Neugierde und das ſtaͤrkſte Ver⸗ ——— 97 Verlangen haben muß. Dieſem Verlau⸗ gen kann er nicht anders Genuͤge thun, als wenn er annimmt, was auch die Ver⸗ nunft anraͤth, daß jene alles Leben und Denken hervorbringende Macht ſelbſt lebendig und denkend, mithin eine Seele, ein Geiſt ſey, aͤhnlich dem ſeinigen, die alſo nach Abſichten handeln, und auch von ihm ein gewiſſes Verfahren beobach⸗ tet wiſſen will. Sonach beruht jener Grundſatz auf Vernunft, auf natuͤrlichem Verlangen, und auf Gefuͤhl unſerer Ab⸗ haͤngigkeit und Schwaͤche. Selbſt wenn man dem allen widerſtreiten wollte, muͤßte man doch den Grundſatz annehmen; denn Atheismus kann ſich nicht halten, ohne Materialismus, zum klaren Beweiſe: mentis in homine, et numinis in univer- so, parem esse rationem. Das Gewiſſen iſt auch eine QAuelle der Religion, ſelbſt im Naturmenſchen; denn die Vorwuͤrfe und Billigungen deſſelben ſind unwillkuͤhr⸗ lich, ſie entſtehen wider unſer Denken, behaupten ſich gegen unſern Willen. Bei den Gewiſſensoperationen, oder morali⸗ ſchen Urtheilen, denken wir uns immer einen Cenſor. WV. G —————— 98 b) Da die Menſchen nicht Gott, ſon— dern ſich ſelbſt an Gottes Stelle, denken, weil ſie nicht anders koͤnnen, und es ihnen doch daran liegt, Gott wenigſtens ſoweit zu erkennen, um zu wiſſen, was er will: ſo werden ſie natuͤrlich ihre eige⸗ nen Geſinnungen der Gottheit zuſchrei⸗ ben, und qualis homo, talis erit religio cuiusque, haud quidem, quam prae se ferat, sed quam intus in se habeat animo susceptam. Erlaͤuterung durch Beiſpiele aller Voͤlker von allen Graden der Kul⸗ tur, giebt weniger Licht, als eigene Er⸗ fahrung, d. i., Erinnerung deſſen, was wir ſelbſt zu verſchiedenen Zeiten fuͤr Re⸗ ligionsvorſtellungen gehabt, und was wir an Leuten aller Art beobachtet haben; wo ſich zeigt, daß gute und weiſe Menſchen ſelbſt eine boͤsartige und abſurde Religion zu entſchuldigen, zu verbeſſern ſuchen, und boͤſe und dumme Menſchen die beſte verderben. Keine Religion, außer der, die aus Tugend fließt, hat guten Einfluß auf Tugend. Denn ſobald der Menſch meint, daß er durch Erfuͤllung der Pflich⸗ ten gegen ſich und Andere zwar ſich und Andern wohlthue, aber nichts verrichte, was ſich unmittelbar auf Gott bezieht; ————— 99 ſone ſobald er daher außerdem etwas ſucht, ttan wodurch er ſich unmittelbar um Gott K gleichſam verdient machen koͤnne: ſo muß ens ihm zu dieſem Zweck am tauglichſten das daß vorkommen, was ihm am unnuͤtzeſten und ge⸗ beſchwerlichſten iſt, und was er doch fuͤr nie wichtiger, als alle Pflichten, halten wird. ügio Dieß wird geſchehen, nicht, weil man eK ſich Gott menſchenaͤhnlich denkt,— denn üno ſelbſt am Menſchen iſt ja nichts herrli⸗ piele cher, als Tugend,— auch nicht, weil Kul⸗ Tugend beſchwerlicher iſt, als Gottes⸗ e Er⸗ dienſt,— ſie wird vielmehr durch Uebung was immer angenehmer;— ſondern weil der Ne⸗ Menſch etwas thun will, das ganz allein wir ſich auf Gott beziehe. Wiewohl die Ver— wo irrung noch groͤßer wird, wenn er, ſelbſt ſchen herrſchſuͤchtig, rachgierig, eitel, ſich ſei— lgion nen Gott eben ſo denkt. Und ſo ge— l. uchen, ſchiehts auch, daß die armen Sterblichen, beſte bald um Gottes Gunſt zu erlangen, bald t der, um ſeinen Unwillen abzuwenden, theils 1 tirfluß ſich den Glauben an abſurde und myſte— Nuſch rioͤſe Grillen aufzwingen, bald ſich Muͤhe pfüch⸗ geben, quo aut pia extasi stupeant, aut h und factitio terrore contremiscant, aut sponte riche suscepta anxietate se alligant, bald zu giuh einer unmenſchlichen Einſamkeit oder hei⸗ G 2 1 —,— 4 — — 100— ligen Muße, bald zur ſklaviſchen Beob⸗ achtung unnuͤtzer und laͤſtiger Gebraͤuche, ſich verdammen; gluͤcklich, wenn ſie der heiligen Wuth entgehen, quo abrepti sub- inde ita placanda censuere numina, quemadmodum ne homines quidem sae- viunt. Der rohe Menſch hat zu viel mit ſei⸗ nen Beduͤrfniſſen zu thun, um zu den⸗ ken; Wohlthaten bringen ihn gar nicht zum Nachdenken, am wenigſten uͤber Gottheit, ſondern Furcht und Staunen, zumahl uͤber ungewoͤhnliche Naturbege— benheiten und Ungluͤcksfaͤlle. So ent⸗ ſteht zuerſt eine Art von Fetiſchismus oder Daͤmonismus. Es gehoͤren Generationen und glüͤckliche Zufaͤlle dazu, bis der Menſch weiter raiſonnirt: wer iſt denn der Fetiſch, und der Geiſt oder Daͤ— mon?— Die Gottheit iſt fuͤr den Men⸗ ſchen nichts, als ein unſichtbares Weſen, das mehr iſt, als Menſch, das maͤchtiger iſt, einen Koͤrper hat, aber nicht geſe⸗ hen werden kann; bis es ſich ſehen laſſen will. Folglich koͤnnen die Goͤtter Men— ſchengeſtalten annehmen, und haben men⸗ ſchenaͤhnliche, aber uͤbermenſchliche, Hand— lungen, Neigungen, Leidenſchaften. Dieſe —QQ—Q—QCQ—Cq—— — 101 50h.. dunkeln Weſen ſind nicht fuͤr die Dicht— ch, kunſt geſchaffen. derr Beſorgniß von phyſiſchem und morali— b- ſchem Uebel,—(Krankheiten, Tod, Un⸗ la, gluͤck,), Bewußtſeyn von Strafbarkeit e- und Schaͤndlichkeit, verbunden mit Un— wiſſenheit, erzeugt Polytheismus; Stau— ſei nen und Bewunderung mit Nachdenken,— en⸗ Begierde, Urſachen zu erforſchen,— er— ct zeugt Monotheismus... ber Daß Theismus oder die Meinung von gen, der Gottheit als Urheber der Natur,. ege⸗ nicht aus Vernunft und Betrachtung der ent⸗ Harmonie des Ganzen, ſondern aus Un⸗ der gluͤck und Plagen, entſtanden ſey, ſcheint dnen Humenn klar, weil der 1) Ein Theiſt, der alle Begebenheiten denn den allgemeinen Regierungsgeſetzen der Da⸗ Vorſehung zuſchreibt, fuͤr einen Atheiſten Mer⸗ gehalten wird. Die Kenntniß der Ge— deſe, ſetze der Natur macht den Glauben wan— Sticer ken, oder, wie Baco ſagt, ein wenig gee Philoſophie macht zum Atheiſten, aber lile die Einſicht, daß eben dieſe Geſetzlichkeit Au der ſtaͤrkſte Beweis fuͤr die Gottheit iſt, m- ſoͤhnt uns wieder aus mit der Religion. Hrnd 3 2) Weil das Volk nur die Wunder diſ den Gottheiten zuſchreibt. Alſo nur da⸗ durch, daß das Volk aus Begierde, ſich einem ſeiner Goͤtter recht zu empfehlen, ſein Lob, das mit Angſt und Noth zu⸗ nimmt, bis ins Unendliche treibt, macht es ihn zum wirklichen alleinigen Gott. So iſt Maria zur mundi domina, coe- lorum regina, geworden, ſo Jupiter aus Kreta zum optimus maximus, und ſo gehts Sklaven mit Despoten. Nicht allgemein wahr ſind Hume's, ſo wie Lukrezens, Saͤtze: 1) Timor primos fecit deos, wenn man nicht timor fuͤr Gefuͤhl von Abhaͤn⸗ gigkeit und Schwaͤche nimmt, und Furcht vor Strafe und Schande mit dabei denkt. 2) Jede Volksreligion ſey urſpruͤng⸗ lich eine Art von Daͤmonismus, indem die Furcht Vorſtellungen von graͤßlichen Goͤttern erzeugte, denen man dann nach und nach, mit einer, aus den Schrecken entſtandenen, Verehrung und Schmeiche⸗ lei, alle Vollkommenheit der Macht und des Wiſſens, aber nicht der Guͤte, zu⸗ ſchriebe, wodurch der Schrecken und die Schmeichelei zunehmen, ſo daß nun die natuͤrlichen Geſinnungen des Edelmuths, der Guͤte und Gerechtigkeit, mit den bar— bariſchen und granſamen Vorſtellungen —— —— — 103 ſch von Gott ſtreiten. Durch die fortgehen⸗ en, den Hochpreiſungen erhebe man endlich zu⸗ von den Goͤttern, die man ſich anfangs t menſchenaͤhnlich, durch Gaben und Bit— kt. ten erweichlich, und zwar als Regierer - des menſchlichen Schickſals, aber doch us dem fato und der Nothwendigkeit unter⸗ ſo worfen, dachte, Einen ſo hoch, bis man auf die Ideen von Unendlichkeit, Geiſtig⸗ 5, keit, Einfachheit, komme. Um dieſe Ideen, die alle Theilnehmung der Gott⸗ eun heit an den menſchlichen Dingen aufhe— han⸗ ben, mit ihrem Intereſſe zu vereinigen, urcht dichten die Menſchen Mittelweſen— ge— enkt. nios, semideos, heroes,— zwiſchen der ing⸗ hoͤchſten Gottheit und den Menſchen, wo— dem durch der, durch bruͤnſtige Hochpreiſung der chen furchtſamen Sterblichen aufgehobene Po⸗ nach lytheismus wiederkehrt. Dieſe polythei— jecken ſtiſchen Ideen, indem ſie taͤglich groͤber eiche werden, heben ſich endlich durch die nie— und drigen Begriffe von den Goͤttern unter zu einander ſelbſt auf, und fuͤhren das Ge— d de muͤth zum Theismus zuruͤck, ohne gleich— n di wohl den Hang zum Polytheismus heben uth zu koͤnnen. So ſchwebt der Menſch!— N bar⸗ ungen 1⁰4— Hume'’s Ideen. 1) Religion kann nicht, wie Ge⸗ ſchlechtstrieb und Kinderliebe, auf In⸗ ſtinkt beruhen, weil einige Voͤlker gar keine Religion haben, und kaum zwei Menſchen in ihrer Religion uͤberein⸗ ſtimmen. 2) Polytheismus iſt die urſpruͤngliche Menſchenreligion, denn a) vor 1700 Jahren war, Juden und Skeptiker ausgenommen, die ganze Welt polytheiſtiſch, und je hoͤher hinauf, deſto barbariſcher finden wir die Men— ſchen; Barbaren ſind noch jetzt uͤberall— Mahomedaner ausgenommen— Poly⸗ theiſten. b) Waͤre Monotheismus der erſte Glaube, ſo koͤnnte nie Polytheismus fol— gen, den uns gleichwohl die fruͤheſte Ge— ſchichte an allen Voͤlkern zeigt. 3) Monotheismus wuͤrde aus Be⸗ trachtung der Regelmaͤßigkeit und Schoͤn⸗ heit der Natur entſpringen; aber dieſe Regelmaͤßigkeit und Schoͤnheit der Na— tur erkennt der rohe Menſch nicht; oder weil er ſich daran gewoͤhnt, ruͤhrt ſie ihn nicht; z. B., woher Pflanzen, Thiere, Menſchen, das Univerſum ſeyen; dage⸗ 105 gen, was er erkennt, und was ihn ruͤhrt, Ge⸗ naͤmlich die einzelnen, zumal befremden— Ih den, gluͤcklichen und ungluͤcklichen Schick⸗ gar ſale und Vorfaͤlle, z. E., daß Stuͤrme vei zerſtoͤren, was die Sonne ernaͤhrt, Krieg in⸗ dem Einen guͤnſtig, dem Andern fatal iſt, Seuchen und Krankheiten den Jun⸗ licht gen und Starken niederwerfen, den Al⸗ ten und Schwachen verſchonen, Gluͤck den und Ueberfluß dem Taugenichts zu Theil anze wird, Ungluͤck und Mangel den Recht⸗ zauf, ſchaffenen verfolgen, fuͤhren ihn natuͤrlich Nen⸗ auf Polytheismus. Nämlich indem er 4— ſich in der Welt wie auf einer Schau⸗ Vlh⸗ 1 buͤhne umringt von unbekannten Urſa— chen ſieht, von denen er Leben oder Tod, erſte Krankheit oder Geſundheit, Noth oder fol Ueberfluß, erwartet, ſo iſt, waͤhrend der Ge⸗ Affekt von Furcht und Hoffnung arbei— tet, die Phantaſie geſchaͤftig, dieſe Urſa— Be⸗ chen zu Maͤchten auszubilden, die er ſich chön⸗ menſchenaͤhnlich denkt, und denen er ſeine deſe eigenen Geſinnungen zuſchreibt; und, ſo N gedacht, erklaͤrt er ſich zugleich den ſonſt der unerklaͤrbaren Gang der Begebenheiten tt ſi durch dieſe Phantome von Goͤttern, deren hir⸗ jeder ſein Departement bekoͤmmt, heute dag ſchuͤzt, morgen verlaͤßt, durch Gebet, 106— Opfer und Ceremonien ſich gewinnen und geneigt machen laͤßt. Je mehr vom Zu— fall abhaͤngig, deſto aberglaͤubiſcher ſind die Menſchen, wie Spieler, Fiſcher, Jaͤ— ger, Krieger; und was das Gemuͤth be⸗ unruhigt und ſchwaͤcht, befoͤrdert den Aberglauben, dem daher Weiber und Greiſe beſonders ausgeſetzt ſind, und den Prieſter durch die Topik von Kreuz und Leiden, und von Strafgericht und Hoͤlle, naͤhren. + Polytheiſten ſind aberglaͤubiſche Athei⸗ ſten, ihre Goͤtter ſind ihnen nicht Schoͤp— fer der Welt, ſondern etwas wie Feen, Sylphen und Gnomen, oder als phanta⸗ ſtiſche Weſen, der Naturnothwendigkeit unterthan, aus Nacht und Chaos ent— ſprungen. Die Chineſen ſchlagen ihre Goͤtter, Neapolitaniſche Weiber trotzen ihrem. So Januarius, Diomedes verwundet die Venus, Ariſtophanes und Plautus dramatiſiren die Schandthaten Jupiters.— 5) Formen des Polytheismus: a) Affekte, in welche das Gemuͤth der zumal ungebildeten Menſchen durch ge— wiſſe Dinge verſetzt wird, objektificiren und hypoſtaſiren ſich zu Goͤttern. Daher ——— una 107 und aa) der Fetiſchismus—(ſiehe oben). Su⸗ Pelasger hatten, nach Herodot, namen⸗“ ſind loſe Goͤtter, d. i., Fetiſche; ſelbſt unſere dä⸗ Kinder und unwiſſenden Leute ſcheinen be⸗ etwas Fetiſchaͤhnliches an Donnerkeil, en Storch, Wieſel, Heimchen, Lebenskraut, nd Allraun⸗Wurzel, Gruͤndonnerstagskrin⸗ den gel ꝛc. zu finden.— Belebung der Quel— und len, Baͤume, Haine, Einſiedeleien, mit le, Nymphen, Najaden, Dryaden, Faunen, Sylphen, Muſen. ti⸗ bb) Thierdienſt der Aegypter iſt nicht hp⸗ einzig: heilige, reine, unreine Thiere. pen, Man muß nicht deutliche Ideen von nna⸗ Goͤttern und Fantasmen der Menſchen keit verlangen, die ſie ſich ſelbſt nicht deut⸗ ent. lich dachten. ihre cc) Sterndienſt,— Sabaͤismus, 4 ten Sonne, Mond, Planeten. 1 des b) Allegoriſche und ſymboliſche Gott⸗ dnr heiten: ei aa) Saturn, Mars, Merkur, und alle mythiſche und poetiſche Weſen der Kosmo⸗ und Theogonien; 1 bb) Feuerdienſt; ae. ce) Verehrung des Lingam; p run dd) Heilige Hoſtie der Katholiken — — und ihre Reliquien. — 6 108 o) Verehrung der Menſchen: aa) der Vorfahren, als Halbgoͤtter und Heroen: Lares, Seelen der Vorfahren,— ſo wie der ſpaͤterhin konſekrirten divorum im klaſſiſchen Alterthum; dieſe ſind ganz pa⸗ rallel den Maͤrtyrern, Bekennern und ka noniſirten Heiligen; und Apotheoſe gleicht der Kanoniſation oder Seligſprechung. Da die Goͤtter ſelbſt nur menſchenaͤhn— liche Weſen waren, ſo darf die Vereh— rung der Menſchen nicht befremden. oysueic. bb) Lebender Menſchen, wie des großen Lama. ec) Theophanien, Menſchwer⸗ dung der Goͤtter. d) Bilderdienſt. Stilpo ward aus Athen verbannt, weil er geſagt hatte, die Minerva auf der Akropolis ſey ein Werk des Phidias. Diana zu Epheſus und andere doxsreie— Gnadenbilder, Sancta casa zu Loretto.— Statt daß andre Voͤlker ihre Goͤtzen aus allegori⸗ ſchen Abſichten monſtroͤs bilden—(wie Aegypter die Iſis, den Anubis, Indo⸗ ſtaner den Brama)— hatten die Helle— nen den guten Geſchmack, ſie als idea⸗ liſch ſchoͤne Menſchen zu bilden. —— wet⸗ aue atte, ein heſus idder daf gori⸗ (wie Indo⸗ Hele ſdes 109 e) Verehrung guter und boͤſer Geiſter, Genien und Daͤmonen, Teufel.— 6) Vergleichung des Monotheismus und Polytheismus in Abſicht. a) auf Vernunft und Ungereimtheit: Religion, ſcheint es, waͤre nicht Reli— gion, wenn ſie nicht weiter ginge, als Menſchenverſtand.(Geheimniſſe, Unbe⸗ greiflichkeit, Gefangennehmung der Ver⸗ nunft); b) auf Zweifel und Ueberzeugung(Ci⸗ ecero und Varro verglichen mit Kir⸗ chenvaͤtern); c) auf Herzerhebung und Niedertraͤch— tigkeit— guten geſelligen Geſchmack, und rohe truͤbſinnige Tuckmaͤuſerei; d) auf Verfolgung und Duldung, (alle Prinzipien des Handelns.) Mo⸗ notheismus verbreitet ſich durch Eifer und Waffen von Apoſteln; Polytheis⸗ mus durch Nachbarſchaft, Wanderungen, Siege, Verunreinigung, durch Umgang mit Menſchen, bei Aegyptern, Indoſta— nern, Bramen. Fremde zur Landesreli⸗ gion zu zwingen, davon giebt es kein Beiſpiel bei den alten Griechen. Es ge— hoͤrte zur Buͤrgerwuͤrde, an den Reli⸗ 110 gionsgebraͤuchen des Staats Theil zu nehmen. Kritiſche Bemerkungen uͤber die Geſchichte der Religion. 1) Religion der alten ſowohl, als neuern Voͤlker kann nur der richtig er⸗ kennen, der ſich in die Denkart ihrer Lage und ihres Zeitalters zu verſetzen weiß; wer das nicht kann, der verſteht nicht daruͤber zu denken, ſo vernuͤnftig er ſonſt ſeyn mag. Hier hilft beſonders Paralle⸗ lismus der Geſchichte, vermittelſt deſſen wir mehr von der Religionsgeſchichte, z. B. der Griechen, jetzt wiſſen koͤnnen, als vor 300 Jahren, ja als die Griechen ſelbſt. Es iſt aber hier eine doppelte Schwierigkeit: a) Die Religionen Anderer, zumal eine, von der Religion des Beobachters ganz abweichende, und eine Religion roher Menſchen, vollends deren Spra⸗ che man nicht verſteht, zu erfahren. b) Sie anzugeben und auszudruͤcken. Wie wird Omai ſeinen Otaheitern die Religion der Englaͤnder vorgeſtellt haben? Cook wußte nicht, was in Nootka Sund die geſchnitzten Figuren ſeyn ſoll⸗ ——y— 111 ten. Die Griechen bemerkten in Aegyp⸗ ten nur das, was ihnen, als von ihrer Religion abweichend, auffiel. 2) Leitende Ideen.. a) Es iſt ein großer Irrthum, Reli— gion und Mythologie fuͤr einerlei zu halten, oder b) zu meinen, daß beides bei einem Volke, z. B. den Griechen, zu aller Zeit, und bei dem ganzen Volke, einerlei ge⸗ weſen; beides war vielmehr nach Gra— den der Aufklaͤrung verſchieden, und dieſe Aufklaͤrung war, ſelbſt zu gleicher Zeit, nicht in allen Kantonen, ſelbſt nicht ein— mal in allen Staͤnden und Familien, einerlei. Die Religion der Griechen bie— tet alles dar, was nur irgend in einer Menſchenreligion vorkommen kann. Jede Familie, jeder Stamm, jede Horde, hatte ihren eignen Gott— lares, penates.— So wie eine Familie oder ein Stamm ſich zufaͤlliger Weiſe mehr bildete, andere be— herrſchte, wurde ihr Oess beſtimmter und uͤber die andern herrſchend; die letztern wurden Lokalgoͤtter.— Dazu kamen die in kosmogoniſchen und theogoniſchen Phi— loſophemen perſonificirten Symbole, als eben ſo viel Weſen; dann die von Aus— 112 laͤndern angenommenen, unverſtandenen Worte und die Bilderſchrift. Ferner die alten Vaͤter und Stifter der Staͤmme,“ deren Andenken ſich in wunderbare Phantasmen einhuͤllte, ioueie ioyeueie.— Politiſche Gemeinſchaft brachte dann eine Art von Gleichfoͤrmigkeit hervor, und Dichter— aalde— verſtaͤrkten dieſe Uebereinſtimmung. Es laͤßt ſich alſo nie etwas Allgemeines ſagen. c) So wenig in dem jetzigen Europa ſich von Sitten auf Religion ſchließen laͤßt, eben ſo wenig bei den Alten. Ein Volk kann verdorbene Sitten haben, ohne daß ſie die Religion autoriſirt. d) Die Theorie der chriſtlichen und vielleicht jeder geoffenbarten Religion, be⸗ ſteht theils in Dogmatik, d. i., einem Syſtem von Lehrſaͤtzen, theils in Exegeſe und Meinungen, durch philoſophiſches Raiſonnement beſtimmt, theils in Mo⸗ ral, d. i., einem Syſtem von Pflichten, zumal unerzwingbaren oder rein ethiſchen. Bei den alten Griechen, und vielleicht bei allen Voͤlkern, die keine heiligen Buͤ— cher haben, gehoͤrte das, was wir Reli⸗ gionslehren nennen, z. B. von Gottheit und ihren Eigenſchaften, von Urſprung und Natur 1 113 landenn Natur der Seele, Zuſtand nach dem rner ot Tode,— zur Philoſophie, ſo daß jeder rimme, daruͤber raiſonniren, dichten, ſprechen, ekbare und ſchreiben durfte, wie er wollte, ohne 6.— daß der Staat davon Notiz nahm. Un⸗ eine ſere Moral aber gehoͤrte bei den Alten And theils zur Geſetzgebung, wie noch die diſe Fragmente von Zaleukus nnd Cha⸗ ſo nie rondas zeigen, wo uͤber Undank, Un⸗ gehorſam gegen Aeltern, Geſetze vorkom⸗ Luropa men, theils zum gemeinen Menſchenver⸗ Güchen ſtand—(ouwa. eoia),— die jeder⸗ n. Ci mann bei einiger Reflexion erlangt, z. B. en, ohnt Begriffe von Tugend und Laſter, von Gottes Vorſehung, daß alles Gute und. fen und Schoͤne von Gott koͤmmt, und dieſer das un, be⸗ Gute liebt und belohnt, das Boͤſe haßt enem und beſtraft. 6 Oregeſ e) Die Alten hatten eine Theologie, oohichs die aber ganz etwas anders iſt, als die in N unſrige. Sie iſt im Ganzen—(da nach u pit dem Philoſophen Sallustius de diis c. 4, 8 atiön und Plutarchus, in amatoria ‚ die Lehrer duitt der Theologie theils Dichter, theils Ge— lignd⸗ ſetzgeber, theils Philoſophen, waren:) 1 4 5 aa) Philoſophiſch— Goeurn Oeaaoyia.— ett Die erſten Menſchen, die zu philoſophiren— 3 änfingen, philoſophirten uͤber Dinge der bie ir 5 — 114—— 1 Natur; aber pro more hominum imperi- torum, qui nesciunt, ubi incipiant, philo⸗ ſophirten ſie uͤber das Ganze,(Urſprung des Univerſums, Elemente der Dinge)— ohne die Theile zu erforſchen, und ſie gebahren Hypotheſen. bb) Politiſch— orrtn Osoxoyiæ.— Keine Nation kann beſtehen, ohne regel⸗ maͤßigen Gottesdienſt, wozu einige Begriffe durch Zufall ſich gebildet haben, die dann mit andern zuſammen von Geſetzgebern feſtgeſtellt ſind. Dazu kommen noch Ideen, die von den oͤlteſten Weiſen aufgeſtellt wor⸗ den ſind, obwohl dazu der Keim in jedem lag, naͤmlich die Idee von Blutſchuld, Aοs, auai, von Furien, von insreia; von denoc, von terminus, ſelbſt von Orakeln. cc) Mythiſch und poetiſch— 2ακàν1.— Die alten Philoſophen— ⁴ε*ο— konn⸗ ten in der, damals noch mit keinen ab⸗ ſtrakten Ausdruͤcken verſehenen, Sprache, kein Philoſophem ausdruͤcken, ohne daß es eine Erzaͤhlung, Fabel, ein Maͤhr⸗ chen— 2⁰96,— ward. Saturn von ſeinen Soͤhnen kaſtrirt, Platons My⸗ thus von der aærazernats. So ſind im erſten und zweiten Buche Moſis alles nur hiſto— riſch vorgetragene Philoſopheme. Die ———— 4 — 1—.——= 1— 2———————— ——— — y —,— inper. philo⸗ ſprung 9)— nd ſie ha.— ſe wigi Vegriffe ie dann tsaebern Ieen, ſellt wor in jeden ll, 2 oh- lhxae, n. 13aan.— — konn⸗ nen ai Spuic öhnt 1 u Mähr⸗ turn von ans N Wim tiſe ur h ' 4. N. — 113 eigentlichen Dichter benutzen dieſe Erzaͤh⸗ lungen, ohne auf das Philoſophiſche Ruͤckſicht zu nehmen. Hiermit verbinden ſich hiſtoriſche Sagen von der aͤlteſten Geſchichte des Volks, des Stammes, Landes, Orts, die von xo*‿os, alſo poe⸗ tiſch, erzaͤhlt wurden. Dieſe wurden an jene angereiht, und ſo entſtand ein eig— nes Gemiſch von Vorſtellungen und Er⸗ zaͤhlungen, die eine eigne Gattung fuͤr ſich ausmachen, aber oft mit den erſten verwechſelt werden. Es giebt aus dem Klafffchen Alter thum kein einziges Buch, das von Reli, gion handelte, noch weniger einen Kate⸗ chismus; aber einzelne erhabene und rich⸗ tige Ideen(Fragmente des Zaleukus und Charondas), nur nicht ſo unter dem Volke verbreitet, wie in unſern auf⸗ geklaͤrten Gegenden, und nicht ein ſo herrliches Syſtem, wie bei uns Chriſten. 3) Ungereimte Hypotheſen der Ge⸗ lehrten uͤber Urſprung des Polytheismus oder der Idololatrie. Eine Hypotheſe iſt, daß alle Religionen der Alten von der Ueberlieferung der erſten Menſchen(Ur⸗ religion) herruͤhren. Aber alle Nationen, die wir kennen, zeigt uns die Geſchichte, H 2 116 ihrem Urſprunge nach, als Wilde, und ihre Religion iſt aus ihrem Charakter vollkommen erklaͤrbar.— Eine andere, die Hypotheſe des Huetius, in demonstra- tione evangelica, alles aus der Geſchichte des Juͤdiſchen Volks, und der Beſchrei⸗ bung des Juͤdiſchen Gottesdienſtes, ſo wie beides in der heiligen Schrift befind⸗ lich iſt, herzuleiten. Ungereimt: denn das Juͤdiſche Volk war durch Sprache, Sitten, Geſetze, Religion, von allen Voͤlkern iſolirt. Auch iſts wahrlich nicht Ehre, alle Fratzen und Grillen von der hei⸗ ligen Schrift herzuleiten.— Eine dritte Hypotheſe iſt die Ableitung alles Poly⸗ theismus von Verehrung der Himmels⸗ koͤrper. Dieß paßt nur auf Chaldaͤa, und zum Theil auf Araber, Aegypter, Phoͤ⸗ nicier, Syrer, nicht auf Griechen und noͤrdliche Voͤlker.—(Pluche.) Vierte Hypotheſe: von der Verehrung verſtorbe⸗ ner Menſchen. Dieſe Hypotheſe hatte ſchon Euchemerus zu Caſſanders Zeit, in ſeinem Werke: leor Arayeac; ſie paßt nur auf die Heroen, nicht auf die gro⸗ ßen Goͤtter, und iſt nicht allgemein.— Fuͤnfte: von Prieſterbetrug: Prieſter haͤt⸗ ten ſo viele Goͤtter erfunden, da ſonſt — 117 an nur einer geweſen ſey. Herbert von rattt: Cherbury, de religione gentilium. e. Aber Prieſter hatten bei den Heiden stra V wenig Einfluß, und auch nur bei dem ſihte Poͤbel.— Sechſte: von Verehrung ſym⸗ ſchrei boliſcher und allegoriſcher Gottheiten: 1 ſ Saturn, Mars, perſonificirte Natur— defad⸗ kraͤfte, aus den Kosmogonien und Theo⸗ un gonien erſter Denker. prache, allen 0 Aufſtellung der Verehrungs⸗ h vicht arten. der hei⸗ Erſtens. In Anſehung des Urſprungs. e dritte a) Natuͤrliche. 5 Polh⸗ b) Von ao,Hoe und 20 αοεaic erfun⸗ nmels⸗ dene, theils als Mittel zur Kultur roher G a, und Menſchen, wie Opfermahlzeiten, apwnee, Phd Schauſpiele, Chortaͤnze, theils zur Be⸗ den und lehrung und zum Unterricht, wie die Viette reasra*, uUnd viele Feſtfeiern, theils zur derſtotbe⸗ Erinnerung, wie Handlungen und Be— ſe hote griffe ſymboliſch vorgeſtellt wurden. ers Zeit c) Vom Fanatismas erfundene, wie ſe dabt Dionysia, die Sacra Cybeles. die gre⸗ d) Von Fremden abgeborgt, und mein.- ohne Sinn und Gedanken nachgemacht. iſter hi. e) Aus Liebe zu Pracht und Cere⸗ da ſaui monie ſind allerlei ritus, beſonders fuͤr 118— das Auge, erfunden und gebildet; denn mit der Kultur ſteigt anfaͤnglich religioͤſer Pomp, dann aber, bei ausgebildetem Ge⸗ ſchmack, faͤllt er wieder. Zweitens. In Auſehung des We⸗ ſens. a) Das Glauben und Betrachten un⸗ glaublicher und myſterioͤſer Dinge, das beſchauliche Leben, andaͤchtige Gruͤbeln. b) Das Staunen und der Zuſtand, da man auhßer ſich iſt, Sacra enthusia- stica;— das Selbſtkaſteien, negative, durch Faſten, Verſagung der Geſchlechts⸗ gemeinſchaft—(Nonnen, Moͤnche, Der⸗ wiſche, Fakire, Bonzen),— der Welt ab⸗ ſterben, einſiedeln—(heilige Faulheit);— positive, durch allerlei Selbſtpeinigung. Die Abſicht iſt, theils Suͤnden zu tilgen, rheils ſich zu Offenbarungen zu heiligen; Theurgie, Teleſtis.— Dahin gehoͤ⸗ ren auch Reinigungen, Verunreinigun⸗ gen—(Frauenfluß, Geſchlechtsgemein⸗ ſchaft, Kranke, todte Menſchen, todte Thiere).— Alle Suͤnden und Beſchwer⸗ den glaubte man durch Reinigungsfeier⸗ lichkeiten abzuthun; Weihen und Ent— weihen. Alle Wilden denken Gott zu dienen, wenn ſie ſich in Wuth und Wahn⸗ 2——‧————— 119 denn ſinn ſetzen, durch Tabaksrauch, durch lgioſer Tanzen, Singen und Muſik. Sie fin⸗ Ge⸗ den auch eine Art Gluͤck darin, außer ſich, und ſich unbewußt, zu ſeyn. End⸗ Vee lich, Sacra Bacchi, Sacra Molochi, und alle Sacra des Orients, die auch bei Kul⸗ m tivirten Eingang finden. Die kultivirten „ d Griechen raiſonnirten daruͤber, und er⸗ eln. V kannten darin Begeiſterung der Prophe⸗ ſtand, ten und Dichter. Spaͤterhin ahmten hüsu- V Betruͤger es nach. gaiive, c) Gebete und Geluͤbde im Kurial— hlecht⸗ und Komplimentenſtyl, Loblieder, Lita— „ Dr⸗ neien, Gebete, als Zauberformeln durch 4 dät ab bloßes Ausſprechen wirkſam.— Roſen⸗ 4);-— kraͤnze bei den Hindus, Tibetanern und V ſgung. Kalmuͤcken, Bet⸗Inſtrumente. Abſicht V tilgen, iſt, Suͤnden zu tilgen, und erwuͤnſchte üggen; Zwecke zu erreichen. 4 n geh V d) Spiele, Aufzüͤge, Prozeſſionen, 3 iinigun Choragien, dramatiſche Vorſtellungen. zgemeine e) Gaben und Hpier,= donaria 4 ant xvaνματα— Bilder von geheilten Glie⸗ eſive⸗ dern⸗ von Werkzeugen, wodurch man ngsfin Gefahren entronnen, pin Koſtbarkeiren d Er Opfer von Trank, Speiſe, Fruͤchten, Gottä Verträide⸗ Naͤucherwerk, Thieren. Bei dWi V Thieropfern: V 4 1 — 120 aa) Erſtlinge der Jagd und des Fiſch⸗ fanges; bb) zahme Thiere—(Hausſchlach⸗ ten);— cc) Geſammtopfer im Namen gan⸗ zer Gemeinden und Nationen verrichtet durch Prieſter. Abſichten: Boͤſes abzu⸗ wenden, Gutes zu erlangen, zu denken. In der erſten Abſicht hat man, um Goͤt— ter zu verſoͤhnen, aus Angſt ſelbſt Men— ſchen geopfert— und wohl bei allen Na— tionen,— da denn ſelbſt ſpaͤt, nach ſchon erfolgter Kultur, der alte Gebrauch blieb. So opferte Erechtheus, Koͤnig von Athen, ſeine Tochter bei der Peſt, Jephta— (B. d. Richter II, 39.)— ebenfalls ſeine Tochter; Menſchenopfer in Karthago. Indeſſen geſchehen auch Menſchenopfer aus Verlangen, bald ſelig zu werden, und um die Verſtorbenen in die andere Welt zu begleiten—(Weiber in Hindoſtan),— oder ihre Diener mitzuſchicken,(wie bei den Scythen). Die Goͤtter geben nichts umſonſt, wie die Menſchen; bei allen Geſchaͤften und Unternehmungen muß da⸗ her mit Gaben und Geluͤbden angefangen werden.— Raffinement uͤber Opfer⸗ thiere, die nach verſchiedenen Zwecken an ———— —— —ÿ—x—:˖˖OO˖SZBO———:— — . — —ꝑ— —— —— y——————jj 4 121 Jſh. Zahl, Beſchafſenheit und Pruͤfung ver— ſchieden ſeyn muͤſſen; das Beſte gehoͤrt lach⸗ den Goͤttern: daher Extispicia. f) Gute Werke, als poſitives Ver⸗ gana dienſt, um dadurch Suͤnden gut zu ma— itet chen, und auf Seligkeit Anrecht zu er— böw⸗ langen. Wallfahrten, Bereicherung der nieau. Geiſtlichen, Kreuzzuͤge gegen Unglaͤubige, Got Verfolgung der Ketzer, Allmoſen, Wa⸗ Men⸗ ſchen, negative und poſitive Kaſteiungen. Na g) Gnadenmittel,— Sakramente, ſchon— TSASTæ&r.— bied. Um nicht unrichtig uͤber alle griechiſche Athen Myſterien zu denken, muß man ea= 1) nicht fragen, was ſich dabei etwa eine— denken laſſe, ſondern forſchen, was ſich hago. der Grieche wirklich dabei gedacht habe; r aus 2) die Zeiten und die Arten von My— und ſterien ſorgfaͤltig unterſcheiden, naͤmlich Vt aa) Myſterien der Kureten in Kreta, 9)- die mit denen der Korybanten in Phry— vie) gien ſtimmen; nids bb) Samothraciſche Myſterien; dn cc) Bacehiſche, oder Dionyſiſche; nuß da⸗ dd) Orphiſche; fangn ec) Eleuſiniſche. oyfr Es gab eine alte Art von Myſterien, kenn die in Pruͤfungen und Feierlichkeiten der 122 Aufnahme eines neuen Gliedes unter die Prieſter beſtand, wie noch jetzt bei den Jongleurs in Nordamerika, bei den Scha⸗ manen, und den alten Aegyptern. Eine andere Art beſtand in Vereinigung ge⸗ wiſſer feierlich aufgenommenen Menſchen, zu gewiſſen religioͤſen Gebraͤuchen; eine ſolche Geſellſchaft war geſtiftet theils von Politikern und Philoſophen, theils von ſelbſt betrogenen Fanatikern. Dazu kam ſpaͤter eine dritte Art, welche bloße Nach— ahmung, alſo eine Art von Orden, war, der oft einen Boͤſewicht an der Spitze hatte, und deſſen Glieder ſich zuſammen⸗ fanden, Muthwillen zu treiben.— Wie betruͤgt man ſich, wenn man die verſchie⸗ denen Arten von Myſterien nicht unter⸗ ſcheidet, ſondern alles unter einem Be⸗ griffe zuſammenfaßt! Die wichtigſte Art iſt die, der Myſterien, von Politikern und Philoſophen geſtiftet. Sie ruͤhrt aus den fruͤheſten Zeiten her, wo man fuͤr intellektuelle Dinge noch keine andern Ausdruͤcke hatte, als Symbole und Pan⸗ tomimen, wo alſo Lehren in Geſchichten und Dramen verwandelt, und pantomi⸗ miſch vorgeſtellt wurden. Dieſe, auf ſolche Art in Geſchichte verwandelten, und dra⸗ 123 ter d matiſch vorgeſtellten, Lehren bezogen ſich ei den 5 meiſtentheils auf Entſtehung der Welt, Scha Zeugungskraft der Natur, Palinge⸗ Eine neſie der Gewaͤchſe. Dazu brauchte ge⸗ man den Phallus(Lingam).— Dieſe hen, 1 ſymboliſchen Vorſtellungen forderten muͤnd⸗ eine liche Erklaͤrungen; die zur Feier ſolcher von Gebraͤuche und Belehrung uͤber den ſym— von boliſchen Sinn ſich vereinigten, mußten kam eben darum, weil ſie die Ritus und den Nach⸗ Sinn fuͤr ſich behielten, eine beſondre wat, geheimnißvolle Geſellſchaft ausmachen, in⸗ Spibe dem dieſe Ritus und ihr Sinn nur dem mmen⸗ anvertraut wurden, der aufgenommen Ve war. Natuͤrlich verbanden ferner die iſhie⸗ Stifter dieſes Ritus damit Feierlichkeiten, inter wodurch allein rohe Menſchen beherrſcht Be⸗ 3 werden, naͤmlich mit Hymnen, Taͤnzen, : Art Opfern, Pantomimen, und Anrufung der tikern Gottheit, welches alles anfangs einen rührt Sinn hatte, der aber ſpaͤterhin verloren w unn ging. Dazu fuͤgte man viele andere Ge⸗ Knder braͤuche ohne beſtimmten Sinn, bloß aus ym Grille, Fanatisme, oder Superſtition. gichen Und ſo waren die easra mit der Zeit rroni ſehr gemiſchte Dinge und Gebraͤuche, die ſ guten Sinn hatten, aber verſetzt mit an⸗ 4 84 dern, die ohne Sinn waren, und wo man „ 124 doch einen Sinn ſpaͤterhin ausgruͤbeln wollte.— Bei den griechiſchen Myſterien muß man auf dieſe Verſchiedenheiten der Zei⸗ ten und der Arten von Myſterien ſelbſt ſehen; es iſt nichts univerſell. So viel ſieht man: in den Eleuſinien und Or- phieis waren rohe Gebraͤuche, welche durch Aktion den Zuſtand der anfaͤngli⸗ chen Wildheit, den Anfang der beſſern Kultur, durch Getraide, Weinbau, Er⸗ findung von Kuͤnſten und Geſetzen, dar⸗ ſtellten. Geſetzgeber und alte Weiſe be— nutzten die Ritus, um den Menſchen die Erinnerung an die Vortheile dieſes Fort— ganges zur Kultur zu erneuern, und ein— zupraͤgen, indem ſie die alten rohen Ge— braͤuche mit Ceremonien verfeinerten, und mit denſelben, als Symbolen, Lehren verbanden, theils moraliſchen, theils philoſophiſchen Inhalts, naͤmlich von den Elementen und ihrem Streit, vom Alter der Welt; welche Symbole indeſſen zum Theil nicht mehr zu erklaͤren ſind. 3. B. in den Orphicis hieb man den Bacchus in Stuͤcken, und weckte ihn dann auf. Eben dahin gehoͤrt die Ent⸗ mannung des Xaauoe, die Geburt der — 125 Venus, u. ſ. w. Daß in den, der Ce- res frugifera, Qugyrue Jechwopogoe, d. i., legislatoria, gewidmeten Eleuſinien, die Verbeſſerung der Menſchen durch Acker⸗ bau, Geſetze und Religion gelehrt wurde, erhellt aus Cic. de legg. 2, 14, und in Verrem, 5, 72.— Daß alles geheim gehalten wurde, hat viele wunderliche Erklaͤrungen veran⸗ laßt. Aber im ganzen Alterthum fand ſich das Geheimhalten nicht— welches erſt ſpaͤter Statt hatte;— denn das Symboliſche hielt ſich ja von ſelbſt geheim. Lehren in den Orphicis: die ſehr heil— ſamen von Ayoc, Blutſchuld, lustratio- nes, expiationes, um Perſonen, Staͤmme und Staaten zu befreien. In den Eleu— ſinien: a) ixsg Oeuvy uscuαt σα Cio. de nat. deor. I. 42, II. 24. Tuscul. quaest. I. 12. 13. b) xadæoνe stuα ræο εioac uar rac Luxae: Platonis Phaedon. Cicero Verrina, 5, 72. Lehren von Unſterblichkeit der Seele, Be⸗ lohnung der Tugend, Beſtrafung des La— ſters(Plato vom goeßoooc).— Auch Lehren vom Urſprunge des Boͤſen.(Cic. fragm.) 126— Die von einigen generaliſirte Hypo⸗ theſe, daß in den Myſterien die Lehre: alle Goͤtter ſeyen einſt Menſchen gewe⸗ ſen, vorgetragen worden, iſt nur aus einzelnen datis gezogen, Cic. Tusc. I. 13. Von den, bei den Alten hin und wie⸗ der erzaͤhlten, Feierlichkeiten der Myſte⸗ rien, und namentlich der Eleuſiniſchen, wiſſen wir nicht, ob ſie zur Aufnahme, oder bloß zum Feſte, auch nicht, ob ſie zu den großen oder kleinen Eleuſinien, gehoͤrt haben. Kirchenweſen. 1) Oerter.— Menſchen waͤhlten ſol⸗ che Oerter zu Heiligthuͤmern, wie ſie ſelbſt zu Wohnplaͤtzen waͤhlten, naͤmlich: Hoͤhlen,—(das Alte bleibt in der Reli— gion)— Berge—(dem Himmel naͤher)— Waͤlder, endlich Tempel.— Altaͤre ſind Tiſche, heilige Geraͤthe, Sitiftshuͤtte, Asyla. 2) Prieſter ſind urſpruͤnglich die Kluͤgern, dann die Gelehrten, dann die Geiſtlichen; ſie hatten anfangs nichts mit dem Lehramt zu thun, nichts mit Taufe, Abendmahl, Einſegnung, Trauung, Lei⸗ chenweſen ꝛc. Daher hatten ſie weniger —— — 127 Einfluß auf Erziehung und Denkart, und der Prieſterbetrug war unmoͤglich.— Auch bekamen die alten griechiſchen Prieſter keine Beſoldung, ſondern ſie hatten bloß Antheil an Opfermahlzeiten, und Wohnung im ee⸗Hozoe des Tempels. Der Einfluß nahm zu, ſo fern Staats⸗ opfer geſchahen, mit extispiciis. Da die Deutung der Eingeweide auf den Staat Einfluß hatte, ſo waren Magiſtratsper⸗ ſonen zugleich Prieſter, oder vielmehr, ſie verſahen dieſe Funktion. Prieſter leg— ten Orakel an, auch wurden heilige Laͤn— dereien zum Tempel geſchlagen, verpach⸗ tet, und die Revenuen kamen den Prie— ſtern zu gute. Im Homer iſt jeder Haus⸗ vater ſelbſt Prieſter, und opfert ſelbſt; als aber Gebraͤuche und Ceremonien ent⸗ ſtanden, mußte man Leute haben, die ſie kannten, und beobachteten, und das ſind Prieſter. Sie machen entweder einen abgeſonderten Stand aus, oder nicht; und ſind im erſten Fall erblich, oder nicht. Prieſter⸗-Kaſten, Braminen, Le⸗ viten, Klerus; uranfaͤnglich Zauberer,— d. i., Aerzte,— und Wahrſager, Jong⸗ leurs, Schamanen, Propheten. 128 3) Feſte. Groͤßtentheils waren ſie nur Gedaͤchtnißtage; doch gab es ihrer immer drei Arten: a) Dankfeſte, bei den aͤlteſten Men⸗ ſchen, uͤblich wegen gewiſſer Begebenhei⸗ ten, theils gewoͤhnlicher, wie Erndte, Weinleſe, Jagd, theils außerordentlicher, wann die Nation beſonderes Gluͤck gehabt hatte, wie Sieg. Und was waren dieſe Feſte?— Nichts als Freudebezeugungen, in die ſich der Dank fuͤr die Goͤtter miſchte. Und wie bezeugte man den Dank? Indem manrden Goͤttern etwas abgab, als ihre Portion, axaexas, Erſt⸗ linge von den Produkten oder von der Beute. b) Erinnerungsfeſte. Es fielen gluͤck⸗ liche oder ungluͤckliche Begebenheiten vor, wovon die Menſchen lange das Anden⸗ ken behielten; man erinnerte ſich des Vorfalls viele Jahre, und erneuerte das Andenken daran, nach und nach wurde es ein Gebrauch, Mos, es wurden be— ſtimmte Ritus feſtgeſetzt; und ſo entſtehen Feſte. Auch bei uns waren Feſte meiſten⸗ theils Erinnerungstage, und ſind es noch; auch wurden die Paſſion, Geburt, Auf⸗ erſtehung und Himmelfahrt Chriſti, eben ſo tel 129 ken ſi ſo agirt, als bei den Griechen der Chor ihrer und die pompa. Oft verliert ſich her⸗ nach das Andenken, das man erhalten Nen⸗ wollte, und es bleiben nur die Ceremo⸗ nhei⸗ nien uͤbrig, und ſo entſtehen dte, c) Feſte, wo nichts als Ceremonien her, waren, ohne daß man den Urſprung, thabt oder das Andenken der Sache, wußte, dieſe das gefeiert werden ſollte. gen, Allen Feſten war bei den Griechen atter gemein: den a) das vacare laboribus; etwos b) ſich reinigen, vorbereiten, A᷑pseoen, Erf⸗ c) Sacra facere, gottesdienſtliche Ver⸗ - der richtungen, beſonders Opfer, und dabei ddie Opfermahlzeit; gluck d) das xs‿νμᷣεαν το Seov; vor, e) aycwvee; laden⸗ †) Ludi. h des te i Propheten und Orakel. nndt Es koͤmmt alles darauf an, die Zei⸗ den N ten zu unterſcheiden, und den rechten riihe Geſichtspunkt zu faſſen. nüfen 1) Die alten gavreie, die wir Prophe⸗ 6 uah; ten, Wahrſager, nennen, waren ehrliche „1 brave Leute, die bei ihrer ungebildeten 3 8 Sprache, und bei dem, rohen Leuten eig⸗ IV. 3 —- 130 nen, heftigen Affekt, ſo ſprachen, daß ſie alles in Geſtikulationen, als Factum vorſtellten, und außer ſich zu ſeyn ſchie⸗ nen. Noch jekzt iſts ſo bei den Wilden. Wer dann ſo heftig ſpricht, auf den wirkt die Heftigkeit ſelbſt ſo ſtark zurück, daß er gleichſam raſet, oder begeiſtert iſt. Die Leute koͤnnen nicht anders. Was man dem Volke in rohen Zeiten vorzu⸗ tragen hatte, bezog ſich hauptſaͤchlich auf Krieg, Unternehmungen, Einrichtungen, Geſetze, kurz immer auf Gegenſtaͤnde, wobei eine Suasio oder Dissuasio vorkam. Natuͤrlich koͤmmt bei jeder Suaſion und Disſuaſion der Erfolg in Betracht; alſo: das wird geſchehen, wann ihr es thut, und das, wenn ihr es nicht thut. Nun ſprachen die, welche wozu riethen, und wovon abriethen, und mithin den ganzen Erfolg von allem, was geſchehen wuͤrde, wenn das Volk ihnen folgte oder nicht, zeigten, in ihrer Heftigkeit ſo, als wenn es ſchon ein Factum waͤre; daher iſt Vor⸗ trag in Heldenzeiten immer Vaticina- tio. Daher war auch die allgemeine Verwechſelung der Begriffe von einem klugen Manne, und einem Manne, der die Zukunft ſieht, eϊ und ayris.— ₰ 131 77 d Gerade ſo iſt es mit den juͤdiſchen Pro— afhn pheten.— Weiſſagung— navreik— iſt ſcjie nicht Vorherſagung des Kuͤnftigen, was iden. Niemand wiſſen kann, ſondern bloß Vor⸗ den ſchlag und Rath im prophetiſchen Tone nrück, geſagt; prophetiſche Sprache iſt Poeſie, at ſſ. und eben durch die vates, gavrsae, Pro— Vss pheten der Alten, erzeugten ſich die erſten vorzu⸗ Dichter; daher gæersis und au*zo einerlei ich auf waren, aber der Fortgang der Kultur, ungen, trennte dieß. So wie nun bei rohen ſtände, Menſchen ſich zu allem Superſtition vortam. miſcht, ſo geſchah es auch, daß die νοσι ion und welche bloß einen Rath gaben, und den t; alſo: Erfolg vorſtellten, eine Menge Gebraͤuche e thut, beimiſchten, wodurch das Ganze etwas Nun Religioͤſes, aber auch Abſurdes, erhielt. , und Sie fuͤhrten naͤmlich Traͤume an, berie— ganzen fen ſich auf Prodigia, Ostenta, Omina, wuͤrde achteten auf Eingeweide der Opferthiere, er nich auf Vogelflug,— weil Voͤgel in Abſicht ls weng der Witterung viel Inſtinkt haben. iſ der 2) Die zweite Klaſſe, nach den alten gatiim- kavreie aufgekommen, ſind Deuter, ekeperat:, lgeneie welche die angezeigten Ereigniſſe auslegen, n eiver und ihren Erfolg zeigen. 3) Dazu kamen hernach Xeuroo)o, die ordentliche Xνse, Vaticinia, Pro⸗ J 5 — nne, N Larrh, ————,—— 3———— — 1 phezeihungen, machten, zu welchen ſpaͤter⸗ hin eine Menge von Superſtition kam, durch die man glaubte, die Zukunft vor— auszuſehen. Zu der Klaſſe der Xeuesoyo. laſſen ſich die Orakel zaͤhlen. Naͤmlich in den früheſten Zeiten ſind in Griechen— land ein Paar Tempel geweſen, in denen die Prieſter theils die Zukunft verkuͤndig⸗ ten, theils gewiſſe Phaͤnomene deuteten. Nach der Denkart der Zeiten kann man das nicht anſehen als Betrug oder Narrheit, ſondern als natuͤrliche Sa⸗ chen; denn damals konnte jeder auftre— ten, und kuͤnftige Dinge als wirklich er⸗ zaͤhlen, ohne fuͤr einen Betruͤger und Narren zu gelten. Aber ſpaͤterhin blieb Orakel ein bloßes beibehaltenes Herkom⸗ men, ob ſich gleich alle Begriffe ſchon ge— aͤndert hatten; da denn eine Nation deſto mehr auf Orakel hielt, je weniger ſie aufgeklaͤrt war. Noch zu Epaminondas Zeiten achteten die Spartaner auf Ora⸗ kel, und ſchon zu Themiſtokles Zeiten lachten die Athener daruͤber. Indeſſen bedienten ſich die Staatsklugen der Ora— kel, um Projekte durchzuſetzen, ohne daß ſie darum Betruͤger waren, wenn man auf die Denkart der Zeiten ſieht. Alle 1353 d ſoätn Geſetzgebung, Kolonienſtiftung, Veraͤn⸗ kam, derungen im Staate, hatten immer einen vor⸗ Orakelſpruch zum Grunde; Strabo 9, hoye, 646, 6. Lucianus de Astrolog. 23. End⸗ mlich lich die dritte Periode, da die Orakel chen⸗ bloß Betrug waren von einer Seite, deren und Leichtglaͤubigkeit von der andern. andig Wenn die Stoiker, und die Alt und 3 uteten. Neu⸗Platoniker als ausgemacht annah⸗ man men, es gebe Orakel, die uͤbernatuͤrliche et Dinge verkuͤndeten, und wenn ſie dieſe 6 Sa⸗ voermeinte Thatſache zu erklaͤren ſuchten: auftre ſo iſts den Kirchenvaͤtern zu verzeihen,. kklich er daß ſie, die den Teufel aus der Bibel her und kannten, ihn zum Orakelgeber machten. in blieb Van Dale de oraculis, hat gezeigt, daß Herkomm die Orakel nicht durchaus zu Chriſti Zeit, hon ge ſondern einige weit fruͤher, andere ſpaͤter, on deſt ſelbſt zu Honorius Zeiten, aufgehoͤrt iger ſ haben, ja einige gar erſt nach Chriſti ninonder Geburt entſtanden ſind. Orakel ſetzen auf on allemal ein unwiſſendes Volk voraus; 5 Züiten auch ſind ſie alle nur in unkultivirten Irdeſe Gegenden Griechenlands geweſen, in der Oi⸗ Boͤotien, Phocis, Epirus. Der große oöhne di Glanz der Orakel war nur in den aͤlte— eenn men ſten Zeiten, ſpaͤterhin bedienten ſich ihrer t. A nur einzelne aberglaͤubiſche Menſchen, J 134 und nicht Staaten. Seitdem Griechen⸗ land unter die Roͤmer kam, die eine an— dere Art von Divination hatten, naͤm— lich ſibylliniſche Buͤcher, Augurien und Extiſpicien, verloren die Orakel ihren Credit. Muſterung der verſchiedenen Religionen. AA. Ohne heilige Buͤcher: 1) Griechiſche, nach dreien Punkten: a) Theorie—(qHoaeun, ToA³ιια, ν91- *⁴).— Succeſſive Syſteme von der Gott⸗ heit; denn es iſt falſch, daß die Nation immer einerlei Goͤtter gehabt habe; ſie hatte Oeor æexair, und veαeτενεα οα. b) Verehrungsarten. c) Kirchenweſen. Das Vorzuͤglichſte iſt ſchon oben erzaͤhlt.— Potters Archaeo⸗ logie;— Dale dissertationes;— Gronovii thes.;— Montfaucon Antiquités;— Ovi- dii Metamorphos.— Mythologien nach einzelnen Dichtern, z. B. nach Homer, Pindar, einzelnen Dramatikern, u. ſ. w. 2) Roͤmer erhielten ihre Religion von Etruskern, dieſe von Pelasgern. Da⸗ her, und aus dem folgenden Gebrauche der griechiſchen Literatur, koͤmmt die große 135 echm Aehnlichkeit der Goͤtter, z. E. Hen“ und e an⸗ Juno, Veuue und Merkur. ram⸗ 3) Aegyptiſche Religion. Die Aegyp⸗ und ter hatten drei Ordnungen der Goͤtter— ren(Herodotus II. 145. 145, und caput 46.), welche, nach Herodot genau betrachtet, drei verſchiedene Syſteme aus verſchiede⸗ N nen Zeiten, oder von verſchiedenen Prie— ſtern, waren. Mémoires de l'académie des inscriptions, Tom. 36. p. 388 seqd.— ten: d Die erſte Ordnung beſtand aus 8 Gott— uue heiten, und das ſind die Kraͤfte der ſchaf— Gott⸗ fenden Natur. Die zweite Ordnung be⸗ Nation ſteht aus 12 Goͤttern, die von jenen 8 ſe abſtammen ſollten, und wahrſcheinlich nichts als Attribute und Wirkungen . der Sonne ſind. Die dritte Ordnung de iſ waren die neuen Goͤtter, wohin Iſis, haeo⸗ Oſiris und Typhon gehoͤrten, die dnovi ein neues Syſtem von Kosmogonie aus⸗ Ovi- wachten. Wie bei den alten Griechen, nach verdraͤngte das neue Syſtem das alte, omet, und nur dieß dritte Syſtem ward den Grie⸗ 4ſv. chen bekannt.— lablonski pantheum. n von Schmidt de saccrdot. et sacrificiis Aegypt. dr Meiners Verſuch uͤber Religionsge⸗ rauch ſchichte der aͤlteſten Voͤlker. Pauw Re- egrcß — —y— 136 cherches.— Thierdienſt, Diäͤt, Phalli, Pfaffenkaſte, Hieroglyphen. 4) Perſer,— Thom. Hyde historia religionis veterum Persarum. Herbelot bibliothéque orientale. Chardin. Zend- Avesta, par Anquetil du Perron, deutſch 3 voll., in 4to. Meiners Kritiken daruͤber in Comment. Götting. Von den Parsis oder Guebres ſiehe Char- din. Lerchs Reiſen in Buͤſchings Ma⸗ gazin. Richardſon uͤber morgenlaͤndi⸗ ſche Literatur.— Feuerdienſt. 5) Phoͤnicier. Cumberlands Sanchu- niathon, deutſch. Mignot Mémoires, in den Mémoires des inscriptions etc. 6) Etrusker. Heyne in Comment. Gottingens. 7) Nordiſche Voͤlker. Elias Schedius, de diis germanis. Reysler antiquit. se- lectae. Pelloutier histoire des Celtes. Macpherson crit. dissert. of the origin of the Caledonians. Deutſche: Grupen observv. rerum et antiquitt. germanic. Thunmanns Unterſuchung uͤber die Geſchichte der nordiſchen Voͤlker. Edda von Snorro Sturleſon und Saͤ⸗ mund 1215, geſchrieben, von Reh⸗ land lateiniſch herausgegeben. Phal storia belot gend- dätſch nuten Von Char- 5 Ma⸗ laͤndi⸗ enchn- ires, in 4 mment. nedius, n. se- Celtes origin Orapen ermalie. ber de Edda d Si⸗ Nen⸗ — — 137 8) Religionen der rohern Voͤlker in Aſien, Afrika und Amerika: Pallas, Georgi, Steller, Remer von Gui⸗ nea, Marsden von Sumatra. Allge⸗ meine Geſchichte der Laͤnder und Voͤlker von Amerika. Cook.— Bei zunehmen⸗ der Kritik, da man beſonders Zeiten und Perſonen unterſcheidet, und den Erzaͤhler wuͤrdigt, ſieht man ein, daß man immer weniger weiß. Meiſtentheils iſt die Re⸗ ligion ganz roher Voͤlker nur eine Art von Zauberei, auf Krankheiten berechnet, und auf Vorherſehung des kuͤnftigen Er⸗ folgs von wichtigen Unternehmungen. BB. Mit heiligen Buͤchern. 1) Hindoſtaner. Geſetzbuch der Gen⸗ toos, Leipz. Erſt 1789 hat ein engliſcher Offizier die wirklichen heiligen Buͤcher zu ſehen bekommen. Hollwells merkwuͤr⸗ dige hiſtoriſche Nachrichten, von Kleuker 1778, iſt unzuverlaͤſſig. Sinners Ver⸗ ſuch uͤber die Seelenwanderung, unkri⸗ tiſch.— Eigenthuͤmlich iſt Erblichkeit der Kaſten; Diaͤt, nichts Lebendes zu eſſen; Seelenwanderung, Fakirs und Heilige. 2) Chineſen, Confutsius(f 478 ante Christ.), Sinarum philos., studio patram 1 3 1 — ——— —— 138 societatis Ieſu.“ Paris 1687, fol.— Le Chouking, par Gaubil et des Guignes, Paris 1770, in 4to. Duhalde. Pauw. Die Behauptung, daß alle Gelehrten die⸗ ſer Nation Atheiſten waͤren, widerlegt ſich von ſelbſt bei der dummen Sprache, die alles Philoſophiren unmoͤglich macht. Religionen: a) des Konfutſe; b) des Laokjum oder Tautſe; die Moͤnche dieſer Sekte ſind Spielleute bei Opfern; c) des Foh oder Budha, welche die hoͤchſte Heiligkeit in Ertoͤdtung ſetzt, und deren Moͤnche die ſchlauſten Bettler ſind. Die jetzigen Herren von China ſind Lamas, die ihre Kutuktus haben. 3) Japaner; ſiehe Kaͤmpfer und Thunberg. 4) Mahomedaner. Mahomet, ge⸗ boren im J. 578 in Mekka, geſtorben 632 in Medina. Al Koran; aus dem Engliſchen von Sale.— Monotheism iſt darin als Prinzip angenommen, En⸗ gel, Heilige und Heiliginnen, Auferſte⸗ hung, Hoͤlle, Paradies, Fatum, Wa⸗ ſchen, Beten, Faſten(Ramadan), nicht Wein trinken, zur heiligen Kaaba wall⸗ 139 — L fahrten(Hadſchi's), Minarets, ignes, Imam's, Mufti, Fetwah. Prie⸗ Danr. ſter ſtellen Studierte vor, und Bewah⸗ die⸗ rer des Geſetzes. Feſte. Polygamiſch, tlegt ſtolz, verfolgend, intolerant. Proſely— ache, teneifer gegen ihre Unterthanen, nicht nacht. gegen Fremde, wohl aber gegen Feinde, denen ſie immer das Dilemma vorle⸗ gen:„Werdet Moslems, oder zahlt Tri⸗ dir„but.“ Zwei Hauptſekten: Ali mit te bei rothem, und Omar mit gruͤnem Tur⸗ ban, oder: Sonniten—(von Sonna, welce Tradition) und Schiiten. Im Ganzen g ſeßt ſollen 67 kleinere Sekten ſeyn. Bou⸗ Berter lainvilliers Leben Mahomets. hina 5) Juͤdiſche Religion. Originalitaͤt en ihres Monotheismus; ſie hat, nach und Mendelsſohn, keine Glaubenslehren oder Dogmatik, noch Katechism.— Gottes⸗ „, 8 dienſt, Opfer und Opfermahlzeiten, Be⸗ furde ſchneidung;— Lehrunterricht, Leviten, ue Prieſter, Propheten, Tempel, Heilig⸗ öthei thum. Charakter: iſolirt von allen 66 Voͤlkern, unwiſſend, menſchenſeindlich. Nach der Zerſtoͤrung des Reichs der Ju⸗ dse den, leben dieſe zerſtreut in allen 4 Welt⸗ . theilen. Urſachen der Erhaltung ihrer ; ni Religion ſind: 3 Wed 1 40 a) Alle Juden lernen ihre Thora, und dabei leſen; b) ſie ſind ganz iſolirt, und duͤrfen mit Chriſten ſelbſt nicht eſſen, noch ſich verheirathen.(Auch die Guebern in Hindoſtan, und die Zigeuner, er⸗ halten ſich.) Der Talmud beſteht: a) aus der Miſchna, herausgegeben von Surenhuſius, Amſterdam, 6 Vol.; uͤberſetzt von Rabe, 6 Theile in 4to. b) der Gemara, naͤmlich der baby⸗ loniſchen und der hieroſolymitaniſchen. Ein Traktat daraus, Namens Barchot, iſt von Rabe uͤberſetzt. Zu ihren Kir⸗ chenlichtern gehoͤrt Moſeh Ben Mai⸗ mon, geboren zu Kordua 1135, der zu Alexandrien ſtudirt hatte, und grie⸗ chiſch, arabiſch, Philoſophie, und Ma⸗ thematik, verſtand. Naͤchſt ihm Rabbi Abarbanel zu Liſſabon 1437.— Sekten ſind: Saddueraͤer und Phariſaͤer, verſchieden wie Sonniten und Schiiten; ſie beſtehen noch; die Saddueaͤer heißen jetzt Karaiten.— Richard Simon, céré- monies et coutumes, qui s'observent parmi les Juifs. Wolf, bibl. hebraic. Vol. IV., pag. 1069. 1086. Eſſaͤer exi⸗ Thorn nd dürfen noch ſic bern in ter, er⸗ sgegeben am, 6 in 4to. t bady⸗ aniſchen. archot, ten Kir⸗ Nai⸗ 5, der nd grie⸗ nd Ma⸗ Nabbi 437.— Dhariſit, Schlien, zer haüzen dn, chr⸗ obsertl- . Jehrdi Eſſäer j 141 ſtiren wohl nicht mehr. Kabbaliſten. (ſiehe Kleukers Preisſchrift uͤber das Emanationsſyſtem, und Knorr von Roſenroth Cabala denundata.) 6) Chriſtliche Religion.—(S. Eſchen⸗ burgs Wiſſenſchaftskunde.) Quellenreich, aber untreu, zum Theil aus Selbſtbetrug. Perioden: Konſtantin, Koncilium zu Nicaͤa 325, Gregor VII., Luther. Geſchichte der Lehrmeinungen, der Ver— ehrungsarten und des Kirchenweſens. Sie haben alle 3 auf einander gewirkt.— Ueberaus intereſſant ſind die Urſachen der Ausbreitung des Chriſtenthums; nach Gibbon: Eifer der Juden und Chri— ſten, Lehre von Unſterblichkeit, Wunder— thaͤtigkeit der erſten Kirche, Tugenden der erſten Chriſten, Thaͤtigkeit der Chri⸗ ſten in dem Kirchenweſen. Sehr wich— tig iſt der Einfluß der chriſtlichen Reli⸗ gion auf Europa, inſofern daſſelbe der aufgeklaͤrteſte und kenntnißreichſte, der kunſterfahrenſte, maͤchtigſte, politiſch freiſte und geſellſchaftlich vollkommenſte Theil der Welt iſt. Noͤſſelts Anleitung zur theologiſchen Literatur, Schroͤckh, Spittler und Henke. ——õ — — 142 C. Literarhiſtorie oder Geſchichte der Gelehrſamkeit. Allgemeine Anſicht. Baco von Verulam machte zuerſt auf das Studium der Literarhiſtorie recht aufmerkſam, durch ſein Werk: de dignitate et augmentis scientiarum. Abtheilung nach der Zeit. Alte Ge—⸗ lehrſamkeit bis zur Erfindung der Buch— druckerkunſt; von da an neue. Den erſten Abſchnitt kann man mit Chriſti Geburt, oder dem Untergange der roͤmi⸗ ſchen Freiheit, theilen.— Abtheilung nach Laͤndern, Staͤdten, hohen Schu⸗ len, nach Wiſſenſchaften, geiſtlichen und weltlichen Schriftſtellern. Jede Klaſſe einer Wiſſenſchaft giebt wieder Unterklaſ⸗ ſen. Zur Mierologia literaria gehoͤrt die Abtheilung nach Sprachen, worin die Schriftſteller geſchrieben haben, ferner nach Anonymis, Pseudonymis, Supposi- titiis, oder untergeſchobenen Homony- mis etc. Die Literargeſchichte beſteht in Erzaͤh⸗ lung des Urſprungs, des Anwachſes, und der Ausbreitung der Gelehrſamkeit, und in Beſchreibung des Zuſtandes der⸗ — 143 cicht ſelben, in jedem der Zeitpunkte, die man als Epochen feſtſetzt. Zuvoͤrderſt vom Stoffe: was fuͤr Kenntniſſe und Kuͤnſte allmaͤhlich erfun⸗ zuerſt den worden ſind?— Dann von der ſtorie. Form: von welcher Beſchaffenheit ſie ge— t de weſen?— — Von der Verbreitung. Lehrmethoden ite Ge⸗ und Lehranſtalten, von wem und auf welche Buch⸗ Art ſie gelehrt worden? gelehrte Erzie⸗ Den hungsweiſe. Von dem Einfluſſe, den ſie Corſti auf die Denkart und die Sitten der ver— er romi⸗ ſchiedenen Staͤnde jeder Nation, zumahl theilung des Volkes uͤberhaupt, gehabt haben? Schu⸗ Endlich von der Befoͤrderung: was der en und Gelehrſamkeit befoͤrderlich, was ihr hin— Klaſſ derlich geweſen; guͤnſtige und unguͤnſtige terklaſ Lage der Umſtaͤnde. att di din di Anmerkungen. fem 1) Eine Erfindung bereitet die andere Sunpai vor. Brillen im 13 Jahrhunderte, dar⸗ Iomonj- auf Teleskopen 1609, Pendeluhren 1657, Timekeeper. Erfindung von Kuͤnſten nerih und Entdeckungen in der Natur, ſind nhſ nicht immer von Gelehrten gemacht, aber Iimii von dieſen iſt die Theorie dazu ausgefun⸗ d N den. Die beſten Bereicherungen der ndes ee 144 Wiſſenſchaften ſind entſtanden auf Ver⸗ anlaſſung von Widerlegungen.(Des Cartes, Newton, Locke.)— Pa⸗ radoxe Koͤpfe ſind ſchaͤtzenswerth(Rouſ⸗ ſeau); daher Theologen viel geholfen haben. Montesquieu in den lettres Persannes behauptete, die alte Welt ſey ſtaͤrker bevoͤlkert geweſen, als die neue; daruͤber entſtand Suͤßmilchs Werk: goͤttliche Ordnung in den Veraͤnderungen des Menſchengeſchlechts. Es giebt herr⸗ liche, gelehrte, geiſtreiche Maͤnner, die nicht ſchreiben. Jedes Land kultivirt das, was ihm nuͤtzlich iſt. 2) Vieles laͤßt ſich nur aus der Zeit der Abfaſſung der Schriften a posteriori, oder aus der jedesmaligen Lage der Sa⸗ chen und Menſchen a priori, beurtheilen, z. B., ob vor Anaxagoras ſich kein Kopf zur Idee von Gott, als einem Geiſte, erhoben habe, wie Meiners in historia doctrinae de uno vero deo, be⸗- hauptet. 3) Die Verbreitung der Wiſſenſchaf⸗ ten geſchah entweder durch Menſchen, die ſich aus dem Lehren ein Gewerbe mach— ten, welches erſt ſpaͤter geſchah, oder durch Andere. Die erſten Weiſen und Philoſo⸗ auf Ve (De⸗ — Pa⸗ Nouſ⸗ eholfen lettres dät ſer je veues Verk erungen bt hert⸗ ner, de daltivirt s der zeit wokeriori der Sa⸗ utheilen, ſich kei ls einen leiners in deo, ke Wiſtnſte nſchen, R perbe wii hah, 0 Keſen n Py 143 Philoſophen Griechenlands waren nicht Profeſſoren der Philoſophie. Gelehrte Erziehung; Schwierigkeiten des Studie⸗ rens, theure Buͤcher, und theure Lehrer; Reiſen. Von Griechenland verbreiteten ſich Kenntniſſe durch Wanderungen der Pelasger nach Etrurien, durch Kolonien, durch Alexanders Zuͤge.— Rom ge⸗ langte ſpaͤt zu Kuͤnſten und Wiſſenſchaf⸗ ten. Die Chriſten brauchten erſt Wiſſen⸗ ſchaft, um Polytheimus zu zerſtoͤren. Nachdem ſie zur Herrſchaft gelangt waren, unterdruͤckten ſie griechiſche und roͤmiſche Literatur, unter dem Vorwande von sapientia saecularis. Spaͤterhin unter— druͤckte die Hierarchie alles, was ihr nachtheilig ſeyn koͤnnte. Der Pabſt Za⸗ charias verdammte den Vergilius, Biſchof von Salzburg, wegen der Antipoden; Galilaͤi mußte die Bewe⸗ gung der Erde abſchwoͤren. Das Wie⸗ deraufleben der Wiſſenſchaften fing in Italien an, nahm zu ſeit dem Aufange der Flucht gelehrter Griechen aus dem 1453 eroberten Byzanz; durch Buch⸗ druckerei, durch Reformation(Reuch⸗ lin, Erasmus, Melanchthon). WV. 8 b — — 4) Wiſſenſchaften waren gewiſſerma⸗ ßen geheime Ordensſache, theils ohne Abſicht, durch die Theurung der Buͤcher, die Schwierigkeit des Leſenlernens— (wieviel pro cent Roͤmer, Griechen, Aegypter, Juden, Indoſtaner, mochten wohl leſen und ſchreiben koͤnnen?) und durch die Muͤhſamkeit des Studirens; theils abſichtlich bei Voͤlkern, die eine Hierarchie, eine gelehrte Prieſterſchaft, hatten. Im Mittelalter war den Laien das Bibelleſen verboten, wie in Indo— ſtan das Leſen der heiligen Buͤcher den Suders. Daß die Gelehrſamkeit in einer, dem Volke fremden, Sprache ge⸗ trieben wird, macht ſie von ſelbſt zur Ordensſache. Bis auf Luther ſchrieb man in Deutſchland das Meiſte latei— niſch, ja ſelbſt Predigten. Erſt ſeit Thomaſius lehrt man auf Univerſitaͤ⸗ ten in deutſcher Sprache. Wie leicht iſt die Verbreitung der Wiſſenſchaften jetzt durch die Erſindung des Papiers, der Buchdruckerei, der Kupferſtiche, des Buch⸗ handels, der Poſten! 5) Freiheit und Aufklaͤrung, Wohl⸗ ſtand und Nationalſchwung, Kenntniſſe utd Wiſſenſchaften haͤngen zuſammen. bſſtm Erhaltung und Fortpflanzung ſeißs ofn der Schriften der Alten. Jihyr 1) Schreibkunſt. Erſindung und Aus⸗ tnens— breitung derſelben. Arten zu ſchreiben. Grichen, Materie, worauf man ſchrieb. Hiob 19. wNotten v. 24, wuͤnſcht, daß ſeine Reden auf Blei n-) wd und Stein gegraben wuͤrden; laut Mont- udirn faucon palaeographia veteris Graeciae die ene p. 16— ſind noch bleierne Buͤcher vor⸗ leerſchan, handen. den Laien Solons Geſetze waren auf hoͤlzerne in Indo⸗ Tafeln geſchrieben. Gellii noct. att. lib. Bächer de 2, cap. 12. Die Sibylle bei Virgil— iſamkeit in Aen. III. v. 444, ſchreibt auf Blaͤtter. Sprace ge⸗ Andere Materien: Baumrinde, Einge⸗ ſäͤft zur weide der Elephanten(Isidorus Hispal. thr ſchi lib. 4, cap. 7.). Werkzeuge zum Schrei⸗ reſte late⸗ ben waren: Stylus, Calamus, Federkiele, Ei ſit gewiß im 7ten Jahrhunderte ſchon ge— f Vriveri mein.(Isidori origines, 6. 14.) Chineſen De lait ſchreiben mit Pinſeln. Tinte, Purpur⸗, ſchrin nt Gold⸗ und Silberſchrift. Abſchreiber. aager, Die alten Schriftſteller, meiſtentheils rei⸗ He, dedi che Leute, hatten Sklaven zu Librariis. Calligraphis et Tachygraphis, welche letz⸗ 1ng, 8 tere ſich gewiſſer Abkuͤrzungen bedienten, Kani vie jetzt die Schnellſchreiber in London, / unm welche die Parlamentsreden nachſchreibez. auſathhhehe ₰ K 2 148— Auch brauchten ſie Privatperſonen, wel⸗ che die Buͤcher abſchreiben ließen und damit handelten; das waren zu Rom die Bibliopolae und deren Laͤden Tabernae librariae, Sammelplaͤtze von gelehrten Leuten.— Gellii noct. att., lib. 5, ca- put 4. Dann kamen die Moͤnche. Theu⸗ rer Preis der Buͤcher. 2) Bibliotheken. Des Aegyptiſchen Koͤnigs Oſymandyas JPoxuc argeiou, deren Diodor J. 49, gedenkt, iſt fabel⸗ haft. Ueber die vom Ptolemaͤus zu Alexandrien angelegte Bibliothek, ſiehe Bonamy’s Abhandlung in den Mémoires de l'académie des inscriptions, Tom. IX, p. 397. Ein Theil davon verbrannte in Caͤſars Kriege. Die Attaliſche Biblio⸗ thek zu Pergamus ließ der Triumvir Antonius nach Alexandrien brin⸗ gen, wo ſie die zweite Alexandriniſche Bibliothek wurde. Unter den Griechen hat die erſte Bibliothek Piſiſtratus zu Athen angelegt, aber Terxes fuͤhrte ſie nach Perſien. Nachher war des Ari⸗ ſtoteles Bibliothek beruͤhmt. In Rom waren Aemilius Paulus und Lucul⸗ lus die erſten Buͤcherſammler. Die erſte oͤffentliche Bibliothek wurde daſelbſt von , wei- en und Yom die abernae elehrten 5) cl- . Theu: gyptiſchen Karge, iſt ſabel⸗ waͤns zu chet, ſehe Mémoires Tom. X. brannte in je Biblid⸗ Diumoit jen bri⸗ randriniſt n Gritten ſißtratus rres fütee ar dir A In Nen ind Lucc . Die en daſtbt 149 Auguſtus unter der Aufſicht des Aſi⸗ nius Pollio angelegt, auf die her⸗ nach mehrere folgten. Im Mittelalter hatten beſonders Kloͤſter ihre Bibliothe⸗ ken, vornehmlich der Benediktiner⸗-Or⸗ den.— Muͤhſamkeit, Koſtbarkeit und Seltenheit der Handſchriften. Wieviel iſt verloren von Polybius, Livius, Dio Caſſius! Eine einzige Handſchrift zu Corvey rettete die fuͤnf erſten Buͤcher des Tacitus, eine einzige den Phaͤ⸗ drus. 3) Buchdruckerei. Naͤchſt der Erfindung der Schrift, iſt nichts Wichtigeres erfunden worden. Zuerſt machte man Druckformen, und druckte ſo ganze Seiten auf einmal, wie der Theuerdank auf der Koͤnigl. Schloß⸗ bibliothek zu Koͤnigsberg gedruckt iſt, und wie die Chineſen noch drucken. Die Er⸗ ſindung der Buchdruckerei iſt gemacht zu Strasburg von einem mainziſchen Edel⸗ mann Johann von Sorgenloch, ins⸗ gemein Johann Guttenberg genannt, der im Jahre 1439 mit drei Straßbur⸗ ger Buͤrgern einen Kontrakt wegen gehei— mer Kuͤnſte errichtete, worunter dieſe gewiß waͤr, deren Jubelfeier auch immer im 15⁰—— vierzigſten Jahre jedes Jahrhunderts ge⸗ ſchieht. Die Buchſtaben waren in Holz geſchnitten, natuͤrlich alle ungleich, aber doch beweglich, obſchon auch wohl meh⸗ rere ganze Worte, die oft vorkommen, in eins geſchnitten waren. Sie wurden mit einem Faden zuſammengebunden. Man gab die erſten Buͤcher für Hand⸗ ſchriften aus, und ſetzte daher weder Druckort, noch Namen, noch Jahrzahl darauf. Das erſte mit der Jahrzahl iſt von 1448. Anno 1450, verband ſich J. Guttenberg mit einem reichen Buͤrger J. Fauſt in Mainz. Er ver⸗ ſuchte nun, die Lettern aus Blei, dann aus Eiſen, zu machen, aber jene waren zu weich, dieſe zu ſcharf; endlich fiel er mit ſeinem Gehuͤlfen Peter Schoͤffer von Gernsheim auf eine Kompoſition. Dieſer P. Schoͤffer machte die wich⸗ tigſte Erfindung, die, der Matrizen. Nach dem erfand man auch Druckerfarbè. Fauſt verdraͤngte gerichtlich den Gut⸗ tenberg aus ſeiner Druckerei, und druckte ſeit— 1455 in Mainz allein. Das erſte Buch war Psalmorum codex per I. Faust et P. Schöffer de Gernsheim 1457; und ſo noch 12 Werke. Seit derts in Ha eich, gber vefl meg⸗ ronmen, e varden gebunden. ir Hand⸗ er weder Feſ zohl it dand ſüh rachen Er vr⸗ , dann ewaren fiel er aͤffer boſſtion. ie wich⸗ Natrizen. cerfunte Gut⸗ di, und* z allen odex p- ernsbeil St . 1 151 1467 koͤmmt auf den Buͤchern P. Schoͤf⸗ fer allein vor, deſſen letztes Buch, die Chronik der Saſſen, 1492 geprent, d. i., gedruckt iſt.— Der Harlemmer, Lau⸗ renz Koſter, hat auf keinen Fall mit gegoſſenen Lettern gedruckt; man kann ihm daher die Erfindung der Druckerei nicht beilegen.— Seit 1462 verbreiteten ſich Lehrlinge aus Fauſts und Schoͤf⸗ fers Werkſtaͤtte in alle Oerter; daher finden wir, daß die erſten Drucker uͤber⸗ all, ſelbſt in Rom, Palermo, Venedig, Nimwegen, lauter Deutſche ſind. Doch druckte Joh. Petersheim, ein Geſell von Fauſt, ſchon 1459 zu Frankfurt am Main. Das erſte griechiſche Buch iſt 1476 zu Mailand, und das erſte hebraͤiſche 1477 zu Peſaro, gedruckt. Mettaire's annales typographici, V. Tomi. 1733— 41. koͤnnten vielleicht lehrreicher ſeyn, wenn der Verfaſſer die Manuſkripte, von welchen jeder Abdruck gemacht iſt, charakteriſirt haͤtte.— Zu— ſätze dazu in großer Menge ſind eitirt in Hambergers zuverlaͤſſigen Nachrichten, I, 146; eben daſelbſt ein Verzeichniß der erſten Drucker. Der Werth der aͤlteſten Ausgaben iſt nicht gleich: 152 1) Weil die Drucker, um ihre Kunſt zu verbergen, keinen verſtaͤndigen Mann zu Rathe gezogen, und daher die fehler⸗ hafteſten Handſchriften genommen hatten, wie ſie ihnen in die Haͤnde fielen; 2) Weil diejenigen, die die Richtig— keit des Drucks beſorgen ſollten, ſich er— laubten, nach ihren ſchlechten Einſichten den Text zu aͤndern, um ihn verſtaͤndli⸗ cher zu machen. Wenn man nachſieht, was fuͤr Wiſ⸗ ſenſchaften, und nach welcher Methode, ſie ſucceſſive bei einer Nation vorzuͤglich bearbeitet worden, ſo bemerkt man bald, daß nicht ſowohl freie Wahl, und Beur— theilung des Werths, als vielmehr pſy— chologiſche Urſachen und Anlaͤſſe von Seiten der Situation der Geſellſchaft, und von beſondern Begebenheiten der Natur oder der Menſchen, beſtimmt ha— ben, was jedesmal, und wie es bearbei— tet worden. Koden⸗Wechſel und An⸗ ſteckung der Meinung, oder Nachah⸗ mungsſucht, zeigen ſich uͤberall. Vor— nehmlich ſehen wir, daß, ſo wie nach und nach ein großer Kopf nach dem an— dern in irgend einem Fache aufſteht, er den Geiſt ſeines Zeitalters beherrſcht. — 153 Kunſ Die Deutſchen, die ſich um die Litera— Mann tur aller Voͤlker bekuͤmmern, ſieht man fehler⸗ außerdem, daß ſie ſich von einheimiſchen atten, großen Autoren regieren laſſen, auch noch von auslaͤndiſchen ſtark beherrſcht. ctig Zu Anfange dieſes Jahrhunderts war Li⸗ ch a, terarhiſtorie herrſchend wegen Bayle, ſichten dann Philoſophie durch Wolf, dann taͤndli⸗ Aeſthetik durch Winkelmann, dann Päͤdagogik durch Rouſſeau, dann Vſ Statiſtik durch Buͤſching, dann Na⸗ ethode, turrecht und Politik durch die franzoͤſi⸗ tzüͤglich ſche Revolution; jetzt Staatswirthſchaft n bad, durch Smith. Noch beſſer ſieht man Beur⸗ es, wenn man ein einziges Fach, wie die r yſp⸗ 8 Dichtkunſt, betrachtet.— Eben daher vwon findet ſich faſt regelmaͤßig, daß, je groͤßer ſchaft, zu einer Zeit die Freiheit, und je kuͤhner n der die Nationalbeſtrebungen eines Volks ge⸗ nt he 8 weſen ſind, deſto mehr die Literatur deſ⸗ beaie ſelben gebluͤht hat. Widerlegungen haben nd An⸗ die meiſten Erfindungen veranlaßt. Die Nacihe Philoſophie iſt faſt ganz polemiſch: Alle Wor⸗ 9 philoſophiſche Schulen ſind durch Wider⸗ de nac legungen entſtanden. em ag Quellen der Literarhiſtorie ſind: Bi- ſt, n bliotheca universalis, anctore Conrad errtt Gesner. Tiguri 1545. Ein Auszug da⸗ 154— von iſt Bibliotheca instituta ac collecta primum a Conrado Gesnero, deinde in epitomen redacta etc., per Iosiam Sim- dlerum, jam ampliſicata per Frisium, Tiguri 1583 fol.(nicht ſo gut als Ges⸗ ners eigne Arbeit.) Bayle Dictionnaire historidque et critique. Tom. I— IV, erſte Ausgabe 1697; vierte Ausgabe zu Amſterdam und Leyden 1730 fol.; ins Deutſche und Engliſche uͤberſetzt.(ent⸗ halt nicht ſo viel Artikel als andre, ja faſt nur ſolche, die andre nicht haben, aber vortrefflich.) Nouveau Dictionnaire historique et critique pour servir de supplement ou de continuation au Die- tionnaire historique et critique de Pierre Bayle, par de Chaufepié. Tom. I— IV à Amstel. et à la Haye 1750(iſt mit gutem Urtheil geſchrieben)— Von Orientaliſchen Schriftſtellern: Ioh. Christoph. Wolfii Bibliotheca hebraea. IV. Voll., 4to. 1715— 1733.— Grie⸗ chen und Roͤmer: I. Albert. Fabricii Bibliotheca graeca, Voll. XIV. Hamburg. 1705— 28, jetzt neu aufgelegt. Ejus- dem Bibliotheca latina, Hamb. 2te Aus⸗ gabe, 1721, 8. 2 Voll., neu von Er⸗ neſti. Eiusdem Bibliotheca latina me- ——— 155 colle— diac et infmae latinitatis. IV. Voll. Hamb. Baben 1734— 46. 8. Gottfried Ephraim Shn. Muͤller hiſtoriſch⸗ kritiſche Einleitung Shin) zur Kenntniß und zum Gebrauche der es⸗ alten lateiniſchen Schriftſteller, 5 Theile, nuire in 8. 1747.— Frankreich: Histoire W litéraire de la France, ete. par de reli- de zu gienx Benedictins de la Congregation de ins St. Maur. Der erſte Band kam heraus (ent⸗ 1733 zu Paris, der 9te, der den An⸗ i fang des 12ten Jahrhunderts befaßt, aden, 1750, eben daſelbſt.— England: Bi- nnähre pliotheca Britanico— hibernica, auctore ir de Thoma Tannero, Londini 1748, fol.— e. Spanien: Nicolai Antonii Bibliotheca bene hispanica vetus ac nova.— Portu⸗ M gall: Bibliotheca Lusitana historica, wit critica et chronologica. Na qual se Von comprende etc., per Machado, Lisboa ern: IV. fol., 1741— 59.— Deutſchland: pracc, Hier fehlt ein Werk, wie es Frankreich Hrie⸗ hat. Reimanus, Verſuch einer Einlei⸗ ahrieci tung in die hiſtoriſche Literatur der Deut⸗ nburg ſchen. I— IV. Theil, Halle 1708. in Fjus 8., iſt ungenießbar. Kirchenſkriben⸗ Aus- ten: Bibliotheca ecelesiastica, ceurante vér J. Alb. Fabricio, Hamb. 1718. fol. Serip- tornm Scelesiasticorum historia literaria, 156— a Christo nato ad sacculum XIV, aue- tore Guilielmo Cave, editio novissima, 2 Voll. fol. Oxonii 1740; erſte Ausgabe Londini 1638. Nouvelle bibliothéque des antenrs ecclésiastiques par Ellies du Pin. Tom. I. à Paris 1698. 8. Vom Erzbiſchof von Paris gehindert, gab er die Folge ſtuͤckweiſe unter andern Titeln heraus, ſelbſt aber uͤberſetzte er ſie ins Lateiniſche: Nova Bibliotheca ecclesiasti- eorum auctorum, etc., auctore Ellies dn Pin, Tom. I= III. 4 Panis 1692. 4to. Casimir Oudini commentarius de scrip- toribus ecclesiae antiquis, illorumque scriptis. Francf. ad Moen. 1722⸗ t0l. Histoire générale des auteurs sacrés et ecclésiastiques, par Remy Ceiller, Tom. I— XVIII, à Paris 1729. 4to. Von Rechtsgelehrten: Les vies des plus eélébres Jurisconsultes des tontes les nations, tant anciens, due modernes, par Alb. Toisand, nouv. édit., à Paris 1737. Von Arzneigelehrten: Hiistoire de la medécine par Daniel le Clerc, nouv. édit. Amsterd. 1723. 4to. Le Clere war ſelbſt Arzt; ſein Werk aber geht nur bis in das zweite Jahrhundert; es muß alſo damit verbunden werden: Hie- 157 1 a toria medicinae a Galeni tempore usque nas ad initium sacculi XVI, anglice scripta. uogabe loan. Freind. M. Doct., latine conversa Nlegue a Ioan. Wigan. Keſtners mediziniſches les dn Gelehrten- Lexikon. Philoſophen: Von lac. Bruckeri historia critica philosophiae ah et a mundi incunabulis ad nostram actatem Titeln deducta. Tom. I— IV., Lips. 1742. 4to. ſee ins Geſchichtſchreiber: Gerhard. Ioh. eslasti- Vossius de historicis graecis, libri IV, lies dn Amst. 1697; de historicis latinis libri 2. 40 III, ibid., eod. fol. Von dieſen Werken, serip- in denen von allen, die in beiden Spra⸗ rumqhe chen uͤber Geſchichte geſchrieben haben, , t0 gehandelt wird, kam das erſte heraus res et 1624 in 4to, das andere 1627 in 4to. Tom. Fabricius ließ dazu in Hamburg Von 1709 Supplementa und Observationes in S plus 8. drucken. Bibliothéque universelle des es les historiens, par Ellies du Pin, Amst. 1708, 8, he 4to., geht nur bis auf Alexander den 7) Großen.— Zur allgemeinen Ueberſicht dire de dient: M. Chriſtoph Hamberger nour zuverlaͤſſige Nachrichten von den vornehm⸗ Elete ſten Schriftſtellern vom Anfange der Welt ght bis 1500, Lemgo, 4 Theile, 3. 1750. t; t Meusel bibliotheca historica etc. . F — 158 IV. Hiſtoriſche Huͤlfswiſſenſchaften. Von allen Begebenheiten und Thaten muß ſich beſtimmen laſſen, wann und wo ſie geſchehen ſind. Die erſte Beſtim⸗ mung iſt ein Gegenſtand der Zeitkunde oder A. Chronologie; die andre der Erd⸗ kunde oder B. Geographie, mit der am naͤch⸗ ſten die C. Statiſtik verbunden iſt.— Unter den Verhaͤltniſſen, worin die Menſchen, deren Thaten und Schickſale die Ge— ſchichte vornehmlich erzaͤhlt, ſtehen, iſt das natuͤrlichſte die Verwandtſchaft, wel⸗ ches wegen der Erblichkeit der Beſitzun— gen und Rechte zugleich hiſtoriſch und juridiſch ſehr wichtig wird. Die Kennt— niß davon giebt die— D. Genealogie, mit der ſehr nahe verbunden iſt E. die Heraldik. Endlich hat das Studium der hiſtoriſchen Quellen noch, in ſofern dieſelben entweder Urkunden, oder Denkmaͤler ſind, und letztere ent⸗ weder ſtumme oder beſchriebene, Inſchrif⸗ 5— ℳ fftn. ten oder Muͤnzen, als hiſtoriſche Huͤlfs⸗ wiſſenſchaften erzeugt: Thaten F. Diplomatik, d und G. Numismatik, und inſonderheic eſiim IHI. Epigraphik, und ttunde I. Archaͤologie. er Edd. A. Chronologie. Der Zweck der Chronologie iſt, die naͤc⸗ Zeiten zu meſſen, und zu unterſcheiden, den verſchiedenen Begebenheiten ihre Stell⸗ Unter in der Zeitordnung anzuweiſen, und zu enſchen, wiſſen von jeder Begebenheit, theils, ie Ge⸗ was fuͤr andere ihr vorhergegangen, und , iſ ihr gefolgt ſind,(Succeſſivitaͤt) theils, „wel⸗ welche zu gleicher Zeit ſich mit ihr ereig— ſtzun⸗ net haben.(Simultaneitaͤt, Synchronis- und mus.) Zu dem Behufe iſt es noͤthig, erſt ennt⸗ eine natuͤrliche Zeitordnung als Muſter aufzuſtellen, worauf ſich alle willkuͤhrliche nahe Zeitrechnungen zuruͤckfuͤhren laſſen. Der eine feſte Punkt am Himmel, t das Pol genannt, und unſer jedesmaliger rod Zenitvunkt, beſtimmen den Meridian. Inden, Die Zeit, welche vergeht, bis ein Fix⸗ eent ſtern, der eben durch den Meridian ge⸗ ſcrf gangen, wieder in den Meridian koͤmmt, alſo die Zeit von einer Kulminirung des 160 Firſterns bis zur andern,— iſt ein Sterntag, und dieſer iſt, da die Fix⸗ ſterne ihre Lage nicht yaͤndern, und das ſcheinbare Himmelsgewoͤlbe mit den Fix⸗ ſternen ſich gleichfoͤrmig umſchwingt, im— mer gleich, giebt alſo ein feſtes Maaß ab. Der aſtronomiſche Sterntag faͤngt an um Mittag, und wird eingetheilt in Stunden, Minuten, Sekunden. Die Zeit, welche verfließt, bis die, aus dem Meridian gehende, Sonne, wieder in den Meridian tritt, oder der Sonnentag, wuͤrde dem Sterntage gleich ſeyn, wenn die Sonne, wie ein Firxſtern, an Einem Punkte des Himmels unver⸗ aͤndert ſtehen bliebe. Aber waͤhrend einer Umwaͤlzung der Himmelskugel, oder waͤh⸗ rend eines Sterntages, ruͤckt die Sonne um etwa einen Grad nach Oſten vor, und da 10, in Sternzeit verwandelt, 4 Zeit-Minuten giebt, ſo iſt unter die— ſer Vorausſetzung der Sonnentag um 4 Sternzeit laͤnger, als der Sterntag. Wollten wir nach Sternzeit buͤrgerlich rechnen, und eine hiernach eingerichtete Uhr, wenn irgend ein Fiyxſtern culminirt, auf 12 Uhr Mittags ſtellen, ſo wuͤrde dieſelbe, weil der Fixſtern taͤglich um 4 Stern⸗ 161 iſt en Sternzeit fruͤher den Meridian erreicht, die Fir nach 30 Tagen 2 Stunden fruͤher, als nd das die Sonne, Mittag zeigen, und nach 6 Fr⸗ Monaten, um die Mitternachtzeit der „in⸗ Sonne, Mittag angeben. Maß Kein Sonnentag im ganzen Jahre fingt iſt dem andern gleich, aus doppeltem alt in Grunde: 1) weil die Sonne nicht im Him—⸗ die, melsaͤquator, nach welchem die gleich⸗ onne, foͤrmige Sternzeit gezaͤhlt wird, ſondern er der in ihrer, 23 ½° gegen den Aequator ge⸗ gleich neigten, Bahn ſich bewegt, ſo daß daher rſten, ihre Bewegung, auch wenn ſie gleichfoͤr⸗ unver⸗ mig waͤre, doch, auf den Aequator redu— einer zirt, ungleiche Bogen geben wuͤrde. wah⸗ 2) Weil ſie ſich ungleich, und zu vonne einer Jahreszeit 57 zu einer andern 61 vob Raum⸗Minuten, eaͤglich von Abend ge⸗ Fadel gen Morgen bewegt. Die mittlere ur di Zahl zwiſchen der groͤßten und kleinſten g m Bewegung iſt gerade 59 8“, und ſo⸗ renu nach heißt die Zeit, innerhalb welcher rnaic der ganze Aequator, und dieſe 59 8“, riori oder 3600 59/ 3“, durch den Meridian lminitt ruͤcken, ein mittlerer Sonnentag, und 1 ni deſſen 24ſter Theil eine mittlere Sonnen⸗ ſtunde. Eine Sekunde mittlere Sonnen⸗ u⸗ W. 8 Stnn —õx;— 4 —— — ——— 8 G 6 1 1 1 ——— ——— 2 8— 5 ————— 4 162 zeit iſt alſo= dem 86164ſten Theil der Dauerzeit zwiſchen 2 Kulminationen eines Fixſterns: und dieſe Dauerzeit iſt wieder= 23 St. 567 425“ mittlerer Sonnenzeit. Dieſe angenommene mitt⸗ lere Zeit iſt durchaus gleich, aber ſie iſt von der wahren oder ſcheinbaren, kurz von der wirklichen Zeit, die von einer Kulmination der Sonne bis zur naͤchſt⸗ folgenden verfließt, bald mehr, bald weniger verſchieden, weil wirklich bald mehr, bald weniger als 3600 594 8“ des Aequators von einer Kulmination der Sonne bis zur naͤchſtfolgenden durch den Meridian gehe. Man ſtelle ſich vor, daß außer der wirklichen Sonne, die in ihrer Ekliptik ihren ungleichfoͤrmigen Gang geht, ſich eine eingebildete Sonne im Aequator gleichfoͤrmig jeden Tag um 59 81 gegen Morgen dewege, ſo werden beide zugleich ihren Umlauf in einem Jahre vollendet haben;— aber inzwi— ſchen wird bald die eine, bald die andere, fruͤher kulminiren, ſo daß der Unterſchied zwiſchen beider Kulmination, d. i. der Unterſchied zwiſchen wahrer und mittle⸗ rer Zeit, den die Aſtronomen Zeitglei⸗ chung nennen, im Februar und Novem⸗ — 163 Th der bis auf 15 gehen kann, viermal ationen im Jahre aber, naͤmlich: den 15ten helt i April, 15ten Juni, 31ſten Auguſt und treuer a4ſten December, iſt er= o, wo ſolg⸗ mitt lich beide Sonnen zugleich im Meridian ſe iſ ſtehen wuͤrden, und die wahre Zeit mit khes der mittleren voͤllig uͤbereinkaͤme. Uhren, weiner als mechaniſche Werkzeuge, koͤnnen nur nächſt die gleichfoͤrmige mittlere Zeit zeigen; da— bald gegen Sonnenuhren weiſen die wahre bald oder wirkliche Zeit. Dieſen Begriff vom * 89 Tage, als Zeitmaaß, zum Grunde gelegt, on der bleibt es uͤbrigens willkuͤhrlich, wo man rch den den Anfangspunkt des Zeitmaaßes neh⸗ vor, men, und wie man daſſelbe eintheilen die in will. Gang Die Aſtronomen fangen den Tag von ne im der Kulminirung an, da die Sonne am An) hoͤchſten gekommen, und theilen ihn in werden 24 gleiche Theile,(dann in Minuten, Rmeinen Sekunden ꝛc.)— die ſie in eins fortzaͤh— r ia w len. Wir Europaͤer fangen ihn buͤrger⸗ ander, lich, wie die alten Roͤmer und Aegypter, nteſchi um Mitternacht an, theilen ihn in zwei . i. d gleiche Theile, und jeden wieder in 12 witt gleiche. So bedeutet den Zten Januar geud Morgens um 5 Uhr, nach bürgerli⸗ Jom cher Rechnung eben ſo viel als den 2ten L 2 .——“———. 8——3ððʒ—— 164 Januar 17 Stunden nach aſtronomiſcher Die alten Babylonier, Perſer, Syrer, wie die jetzigen Griechen und Majorka⸗ ner, fingen den Tag von Sonnenauf⸗ gang an, und zaͤhlten 24 gleiche Stun⸗ den in eins fort; doch die alten Baby— lonier zaͤhlten nur 12 Theile, alſo Dop⸗ pelſtunden, wie die alten Griechen, nach Herodots Zeugniß lib. I. Die alten Athener, wie die jetzigen Italiener und Chineſen, fangen den Tag mit Sonnen⸗ untergang an, und zaͤhlen 24 Stunden in eins fort; eben ſo vormals die Poh⸗ len und Boͤhmen. Die Juden fingen mit Sonnenuntergang an, und theilten vormals den natuͤrlichen Tag in 12 glei⸗ che Theile oder Stunden, ſo daß ihre Tagesſtunden im Sommer denen im Winter nicht gleich waren. Es ſſt leicht, jede dieſer Zeitberechnungen auf die an⸗ dern zu reduciren, weil man ſie alle auf die aſtronomiſche reduciren kann; ſo⸗ nach iſt man im Stande, jede in der Geſchichte eines Volks vorkommende Zeit⸗ beſtimmung, wenn man die Zaͤhlungsart und Abtheilung derſelben kennt, richtig zu verſtehen. Zeit kann in Bogen, und Bogen koͤnnen in Zeit, verwandelt wer⸗ 165 ſta den, z. E. den 18ten Julius 1753 ging dehe die Sonne in Berlin um 4 Uhr auf, Lajorka⸗ und um 8 Uhr unter. Eine Begeben⸗ vinuſ heit, die ſich fruͤh um 5 Uhr ereignet einn, hatte, gehoͤrte aſtronomiſch zum 17ten dut Julius 17 Stunden, und aſtronomiſch dop ging die Sonne 8 Stunden vor dem 18ten „nach Juli auf. Nach der Babyloniſchen Art alten zu rechnen, fing der 18te Julius um die rund Zeit an, die wir fruͤh um 4 Uhr nen⸗ unen⸗ nen, und der Mittag fiel in die 8te unden Stunde. Der italieniſche 18te Julius Poh⸗ ſing 4 Stunden vor Mitternacht an, der fingen Mittag fiel alſo in die 16te Stunde. heilten Der Mond giebt das naͤchſtfolgende eglei⸗ Zeitmaaß. Der Zeitraum von dem Au— jihre genblick, da der Mond mit einem Firſtern n in zugleich irgendwo kulminirt, bis zu dem Liicht, Augenblick, da er abermals mit demſel⸗ die an⸗ ben Stern kulminirt, heißt ein periodi— ſie all ſcher Monat,=— 27 Tage 7 Stunden nn; ſo 437 5“. Der Zeitraum von einer gleich⸗ 4* in der zeitigen Kulminirung des Mondes mit de det der Sonne bis zur naͤchſtfolgenden, heißt Gunzeu ein mittlerer ſynodiſcher Monat= 29 nit Tage 12 Stunden, 44 3“ 11“ mitr⸗ en, lerer Zeit. et m 1 4 1 8 r —õy——yy—— 166 Waͤre der mittlere ſynodiſche Monat, = 29 Tage 12 Stunden, d. i., 29 ¾ Tag, ſo wuͤrden, wenn man einem Mo— nate 29, dem andern 30 Tage, gaͤbe, 2 ſolcher buͤrgerlichen Monate 2 aſtrono⸗ miſchen gleich ſeyn. So aber iſt jeder dieſer buͤrgerlichen Monate noch um 44' 3 11“ zu kurz; das betraͤgt in 33 Monaten 1 Tag und 13/ 39“; giebt man dem 33ſten Monate, der nach dem Geſetze der Abwechſelung nur 29 Tage haͤtte, 30 Tage, ſo ſind 33 ſolcher buͤr— gerlichen Monate gleich 33 ſynodiſchen + 13“ 39“. Es wuͤrden alſo der 34ſte buͤrgerliche, und der Z34ſte ſynodiſche Mo⸗ nat, in Abſicht auf den Mond, faſt zu⸗ gleich anfangen. Und ſo koͤnnte man ſolche Perioden und Zaͤhlungsarten feſt⸗ ſetzen. Aber die 13 39“ werden ſich nach mehreren Perioden zu Stunden und Tagen gehaͤuft haben; naͤmlich von 106 ſolcher Perioden macht der Ueberſchuß aus, 1 Tag, 6 54“, weil 106 mal 137 39= 1 Tag 6 54“. Alſo muͤßte man in der 106ten Periode dieſen 1 Tag einſchalten. Bei der buͤrgerlichen Zeit⸗ rechnung will man alle aſtronomiſche Zeit⸗ raͤume mit ganzen Tagen ausmeſſen. Monat gaͤbe, rono⸗ jeder 144 n J giebt h dem Dagt t buͤr⸗ diſchen er 34ſt je Mo⸗ iſt zu⸗ man d feſt⸗ en ſich en und on 100 derſchlß nal 13, müͤßte 11 W n Zii⸗ he dii en. Die Sonne koͤmmt in der Chronolo⸗ gie am meiſten in Betracht. Die Zeit von einer gemeinſchaftlichen Kulmination derſelben mit einem Fixſterne bis zur naͤch— ſten gemeinſchaftlichen Kulmination mit demſelben Fixſterne, d. i. das ſideriſche Jahr, betraͤgt 365 Tage, 6 Stunden, 9 14“,946, nach von Zach, alſo bei⸗ nahe 365 ¾ Tag und 9½ Minuten. Die Vorruͤckung der Nachtgleichen betraͤgt 50½% Raum jaͤhrlich; um dieſe 50 ½“ Raummaaß zu durchlaufen, braucht die Sonne 20 26“ Zeit. Die Zeit, welche die Sonne braucht, um, nachdem ſie von einem Punkte der Ekliptik z. B., dem Aequinoctialpunkt, ausgegangen iſt, wieder zu demſelben Punkte zu kommen, oder das tropiſche Jahr, iſt 355 T. 5. St. 487 43 ,016 nach von Zach. Naͤhme man nun ein bhuͤrgerliches Jahr von 365 Tagen an, und ſetzte den An⸗ fang, wann die Sonne am Mittage an einem gewiſſen Punkte der Ekliptik ſtaͤnde: ſo wuͤrde am Mittage des erſten Tages im zweiten buͤrgerlichen Jahre die Sonne noch zuruͤckſtehen um einen Bogen von 3720, welcher in 5 Stunden 48 43“ durch den Meridian geht, und erſt Nach⸗ —2— 168 mittags faſt um 6 Uhr wuͤrde ſie in den Punkt der Ekliptik zu ſtehen kommen, wo ſie am erſten Tage des erſten Jahres Mit⸗ tags ſtand. Nach viermal 365 Tagen koͤmmt die Sonne erſt den 2ten Tag des erſten Jahres da zu ſtehen, wo ſie am erſten Tage des erſten Jahres zu Mittag ſtand. In 360 ſolchen Jahren, oder nach 360 mal 365 Tagen wuͤrde die Sonne noch 90 Tage brauchen, um an den Punkt der Ekliptik zu kommen, und nach 2 mal 360, d. i., 720 ſolchen Jahren waͤren die Jahreszeiten gerade opponirt; dann waͤre der Nutzen der Kalender, die Jahreszeiten zu bezeichnen, verloren; man wuͤrde nicht wiſſen, ob ein im Ju⸗ nius gehaltener Feldzug nicht eine Win— terkampagne geweſen ſey. Giebt man nun dem 4ten Jahre einen Tag mehr, ſo wird der Fehler groͤßtentheils gehoben. Die Sonne ſteht naͤmlich am Anfange des 5ten Jahres faſt eben da, wo ſie am Anfange des erſten ſtand. So wird die Sonne an einerlei Tagen des é6ten und des 2ten, des 7ten und des Zten, des 8ten und des 4ten Jahres, einerlei Stelle am Himmel einnehmen, und die⸗ ſes wird eine Periode von 4 Jahren ge⸗ * in der 1, wo Mit. agen des Lam üitn T Donne mden nach dahren ponirt; er, die Loren; n Ju⸗ Vin⸗ man mehr, hoben lufange wo ſſ o witd 5 öten 5 Zten, eineele ind de ren g. ——— 169 ben, nach deren jedesmaligem Ablaufe die Stellen der Sonne allemal wieder auf Einen Tag fallen. Das iſt das Julia— niſche Jahr, nach welchem man den Schalttag nach dem 2gſten Februar ein— ſchiebt. Das Julianiſche Jahr iſt zu groß gegen das wirkliche um 11/ 14 ½ (eigentlich 11 ¾ oder 11/ 11“,984). Wenn man alſo annimmt, daß nach 4 Julianiſchen Jahren die Sonne wieder um Mittag an demſelben Punkte der Ekliptik ſtehe, ſo iſt das unrichtig; ſie iſt ſchon 444 vor dem Mittag an dem Punkte geweſen;— alſo, weil 444=— 4 St.— ½: ſo wird ſie nach 4 mal 4 oder nach 16 Jahren, um 3 Stunden— *²“, folglich nach 8 mal 16, oder nach 128 Jahren um 24 Stunden— (y= 6 ˙) voraus ſeyn; d. i., wenn die Sonne am erſten Mittage des erſten Ju⸗ lianiſchen Jahres in A war, ſo iſt ſie, nach 128 Julianiſchen Jahren, am erſten Mittage des 129 Julianiſchen Jahres ſchon vorbei in b, ſo, daß ſie den Bo⸗ gen A b in 23 Stunden, 53 durchlau⸗ fen hat. Waͤre alſo die Sonne in einem Julianiſchen Jahre den 21ſten Maͤrz im Fruͤhlingsaͤquinoctio geweſen, ſo wuͤrde 170— ſie 128 Jahre darauf ſchon den 2oſten Maͤrz da ſeyn u. ſ. w. Da 100 Julia⸗ niſche Jahre um 1120= 138 Stunden 40 laͤnger ſind, als 100 tropiſche Jahre, ſo ſind 400 Julianiſche Jahre um 74 40, d. i., um 3 Tage 2 Stunden 40“ laͤnger. Was die Einſchaltungsmethode betrifft, ſo kann man entweder die Ju⸗ lianiſche beibehalten, und eine neue dazu anbringen, oder ohne die Julianiſche eine einzige ausdenken, wie in der Dſchelaleddinſchen Jahresform. Formen der Civiljahre bei ver⸗ ſchiedenen Voͤlkern. Dem natuͤrlichen Gange nach fangen die Menſchen an nach Monden zu zaͤh— len, bis dieſelbe Jahreszeit(wofern bei einem Volke die Jahreszeiten kenntlich unterſchieden ſind)— wiederkoͤmmt. Sie muͤſſen dann, wenn ſie Feſte auf Tage beſtimmen wollen, die Monde mit Tagen, und wenn die Feſte auf eine beſtimmte Jahreszeit zutreffen ſollen, das Sonnen⸗ jahr mit Monden, auszumeſſen ſuchen. Die Gleichfoͤrmigkeit ſolcher Zaͤhlungsar⸗ ten fuͤhrt bald auf die Nothwendigkeit, Einſchaltungsmethoden zu erfinden. Da⸗ „ n 2ofn * Jula dtunden Jahre, te dazu anſche n der m. ver⸗ fangen uzäͤh⸗ een bei euntlich t. Ete uf d TDamn, eſemmte Bonnene ſüchen lungsnr ndigken 7. O. — 171 her die Mannichfaltigkeit der Jahresfor⸗ men in Abſicht auf Dauer, Eintheilung und Anfang. 8* 1) Roͤmiſche Jahresform, die nach verſchiedenen Veraͤnderungen jetzt in Europa gilt. Nach Numa's Einrich⸗ tung ſollte das Jahr mit dem Solstitio brumali anfangen, und das Gemeinjahr aus 355 Tagen beſtehen, die unter 12 Monate, deren Namen außer dem Quin- tilis, d. i., Julius, und Sextilis, d. i., Auguſt, noch jetzt gebraͤuchlich ſind, ver⸗ ſchiedentlich zu 29 und 31 vertheilt wur⸗ den; und dann ſollte, damit das Jahr mit dem Solstitio brumali anfinge, im Februar eine Einſchaltung geſchehen, und zwar jedes zweite Jahr von 22, jedes vierte Jahr von 23, jedes ſechſte von 22, jedes achte von 23 Tagen ꝛc. Nun ſind 4 Jahre nach Numa's Einrichtung= 4 mal 355+ 22 23, oder 1465 Tagen; und 4 tropiſche Jahre ſind= 1460 Tagen 230 167. Daher kam ſpaͤter⸗ hin die Einrichtung, daß in jedes achte Jahr, ſtatt 23, nur 15 Tage eingeſchal⸗ tet werden ſollten. Die Pontifices, denen das Geſchaͤft oblag, verfuhren aus eigennuͤtzigen Abſichten hoͤchſt willkuͤhr⸗ 1 1 — — 172 lich.— Die alten Roͤmer, ſtatt, wie wir, die Tage in jedem Monate ſortzu⸗ zaͤhlen, und Wochen zu unterſcheiden, nannten den Iſten jedes Monats Calen- dae, dann den 5ten Nonae, und 8 Tage darauf, alſo den 13ten, Idus, und nun benannten ſie ruͤckwaͤrts die Tage nach dieſen 3 Punkten. Aber in 4 Monaten nannten ſie nicht den 5ten, ſondern den Iten Tag Nonae, und alſo 8 Tage dar⸗ auf den 15ten Idus, nach dem Verſe: Sex Maius nonas, October, lulius et Mars; Quatuor ar reliqui, dabit Idus quilibet octo-. Julius Caͤſar ließ im Jahr 43 vor Chriſti Geburt, durch den Griechi⸗ ſchen Gelehrten Soſigenes, das Ka⸗ lenderweſen verbeſſern. Das Sonnen⸗ jahr ward eingefuͤhrt, angenommen zu 365 Tagen, mit einem alle 4 Jahre fal— lenden Schalttage, der nach dem 23ſten Februar eingeruͤckt wurde. Dieß iſt das Weſen des Julianiſchen Kalenders. Es wird aber hier der Inhalt eines Son⸗ nenjahrs zu 365 Tagen und 6 vollen Stunden angenommen(die in 4 Jahren zu 24 angewachſen, den Schalttag ausma⸗ chen); da doch uͤber 11 Minuten daran ſehlen. Um ſo viel bleibt alſo jaͤhrlich t, wi fortzu eiden, alen- dage nun nach ananed en den e dar⸗ ſe: & Nars; bet octo. ahr 4 Frich 5 Ka⸗ zanen⸗ en zu re fal 23 ten ſſt das . 6 vollen Jahlen auöma⸗ dara helc 173 das Julianiſche Jahr hinter dem tropi⸗ ſchen zuruͤck. Dieſe jaͤhrlichen 11 Minu⸗ ten(und daruͤber) hatten ſich im Mittel— alter ſo angehaͤuft, daß der Pabſt Gre⸗ gor XIII. im Jahre 1.582 verordnete, 10 Tage auszulaſſen, naͤmlich ſtatt des 5ten Oktobers, ſogleich den 15ten zu ſchreiben, um das buͤrgerliche Jahr dem cropiſchen wieder gleich zu ſtellen. Da⸗ mit man in der Folge nicht von neuem zuruͤckbleibe, ließ er dem Kalender durch den Aſtronomen Aloyſius Lilius eine verbeſſerte Einrichtung geben, vermoͤge welcher am Ende dreier Jahrhunderte nach einander der Schalttag weggelaſſen, und bloß am Ende des vierten geſetzt wird. Dieß iſt der Gregorianiſche Ka⸗ lender. Im Jahre 1700, da der Unterſchied der Gregorianiſchen und Julianiſchen Rechnung, oder des alten und neuen Styls, ſchon 11 Tage groß war, ſchrie⸗ den die Proteſtanten in Deutſchland, Holland, Daͤnemark, der Schweiz, an⸗ ſtatt des 19ten Februars ſogleich den Iſten Maͤrz. England ließ im Jahre 1752 auf den 2oſten Auguſt ſogleich den Iſten September folgen, Schweden 1733 auf 174 den 17ten Februar den Iſten Maͤrz. Seit 1700 waren im chriſtlichen Europa dreierlei Kalender: 1) Der alte Julianiſche, dem jetzt die Ruſſen allein folgen. 2) Der Sregorianiſche der Katholiken. 3) Der neu verbeſſerte, der ſich vom Gregorianiſchen bloß in Beſtimmung des Oſterfeſtes, und der damit zuſammenhaͤn— genden Feſte, unterſchied, und den ſeit 1777 die Proteſtanten in Deutſchland und in der Schweiz wieder aufgegeben, wofuͤr ſie den Gregorianiſchen angenom⸗ men haben. Holland hatte dieß ſchon fruͤher gethan, und die andern proteſtan— tiſchen Europaͤer werden es wohl auch thun. 2) Griechiſche Jahresform. Die vorzuͤglichſte iſt die Attiſche. Da von den Opfern und Feſten der Athener einige an Neu⸗ und Vollmonde, andere an die 4 Jahreszeiten, gebunden waren, ſo richteten ſie ihre Monate nach dem Monde ein, und ihre Jahre nach der Sonne. Von Solon(Olymp. 46 4, oder 593 vor Chriſto) bis auf Caͤſars Kalenderverbeſſerung—(45 vor Chriſto)— — 175 M beſtand das Jahr der Athener, das auch Enropa— andere Griechen, aber nicht alle, annah⸗ . men, aus 12 Monaten, wechſelsweiſe jest von 29 und 30 Tagen,(alſo 6 mal 29 + 6 mal 30)— in allem aus 354 Ta⸗ liken. gen. Der Jahresanfang war derjenige hvon Neumond, deſſen Vollmond nach dem ng de Solstitio aestivo einfiel. Die Methode, enhän⸗ dieß Jahr mit den Jahreszeiten, oder eu ſeit dem Sonnenlauf, einſtimmig zu machen, ſchland war, daß ſie Schaltjahre von 13 Mona⸗ egeben, ten machten, welche Schaltjahre ſie aber gzenom⸗ nach und nach verſchieden beſtimmten. f ſchon Erſt ſchalteten ſie bloß alle 2 Jahre einen vtiſen⸗ zweiten oredsa“ von 22 Tagen ein, wel⸗ auch cher Cikel Kersele hieß. Dann erfan⸗ den ſie die richtigere Methode, alle 2 Jahre den zweiten zoxeed- von 22 Ta⸗ m. gen, und alle 4 Jahre denſelben von 23 2. DA Tagen, einzuſchalten. Hierauf, weil 8 Athenn mal 354= 2832 Tage+ 90 Schalt⸗ adea tage, 2922 Tage oder 8 Jahre, zu 365 varrn, Tagen, ausmachen, ſchalteten ſie Monate ch èm pom 30 Tagen im Zten, 5ten und Zten uha Jahre des Cyklus dεναιαε ein. Weil ℳ4 aber der 8 jaͤhrige Mondeytſud⸗ wie man Liſtn meinte, faſt 29231 Tage waͤre, ſo ver⸗ rih⸗ doppelte man den aarzerneae, woraus der 176 kjaͤhrige Cyklus entſtand, in welchem man die erſte Octaeteris zu 2922, und die zweite zu 2925 Tagen, annahm, und in dieſe alſo 3 Tage mehr einſchaltere. Nun ſind 2922+ 2925 gleich 5847 Tagen, oder 16 Atheniſchen Jahren, und dagegen ſind 16 tropiſche Jahre gleich 5843 Tagen, 210, 0“, 48. Daher ließen die Athener nach 10 mal 16 Jah⸗ ren einen Schaltmonat von 30 Tagen aus. Dieſer Einſchaltungs⸗Cyklus er⸗ hielt ſich in vielen Griechiſchen Staaten bis auf Caͤſars Zeiten. Von den Me⸗ tonſchen, Kalippiſchen und Hipparchiſchen Cyklen weiß man nicht, ob ſie zur buͤr⸗ gerlichen Zeitrechnung gebraucht worden, oder bloß als Privaterfindung der Aſtro⸗ nomen anzuſehen ſind. Meton—(432 vor Chriſto) fuͤhrte das Atheniſche Jahr auf ſeinen Anfang zuruͤck, und nahm eine Einſchaltungspe⸗ riode von 19 Jahren an, die den 15ten Julius 432 vor Chriſto ſanfing. In dieſem Cyklus war das 3te, 5te, gte, IIte, I4te, 16te, und 19te Jahr ein Schaltjahr; der letztern waren demnach 7, zu 354+ 30 Tagen. Die andern 12 waren gemeine Jahre zu 354 Tagen. Nun 177 welcn Nun ſind 19 mal 354+ 7 mal 30= 7, und 6936, wozu noch 4 Schalttage, ver⸗ n, unbd muthlich im Ften, 1oten, 15ten, und altete. 19ten eingeſchoben wurden; ſo daß der 547 Metonſche Chklus gleich 6940 Tagen ahren, war, die er alſo 19 mal 12+ 7= dech 235 ſynodiſchen Monaten und= 19 Dahſe Sonnenjahren ſetzte; da doch 235 mal 6 Jah⸗(29 Tage 44 3“ 11“°) oder 235 ſyno⸗ Tagen diſche Monate= 6939 Tagen, 160 32⸗ kus er⸗ 28% 5%, und 19 mal(365 Tage 50 Suaaten 43 480) oder 19 Sonnenjahre= 6939 den Me⸗ Tagen 140 277 12“. Dividirt man den archiſchen Metonſchen Cyklus von 6940 Tagen zur bur durch 235, ſo bekoͤmmt man heraus, wie worden, groß Meton den ſynodiſchen Monat Nſro⸗ gerechnet hat, und 6949 Tage= 365 Tage 6° 187 356 50 31“7“ ꝛc. iſt die Groͤße ) führt des Metonſchen Sonnenjahres. Der Infang Metonſche Cyklus, oder 6940 Tage, tungöye uͤbertrifft 235 ſynodiſche Monate um 7 en 1ön Stunden 27, 31 557(= 3), und g. 3 ſie uͤbertreffen 19 tropiſche Jahre um 9 te, g Stunden 32/ 48=— H). ¹ zuhr u Kalipp ſetzte daher 4 Metonſche denrah Cykeln weniger 1 Tag, oder 4 mal ie aodin 6940— 1, gleich 4 mal 235 ſynodi⸗ „1 daan ſchen Monaten,= 4 mal 19 tropiſchen 1 VV. M V V 6 178 Jahren. Nun iſt 4 A= 38 Stunden, 11, 12“,—= und 4—= 29, 50“, 71, 409. Hipparch endlich nahm an, daß 4 Kalippſche Cykeln weniger 1 Tag gleich ſeyen 4 mal 4 mal 235 ſynodiſchen Monaten, oder 4 mal 4 mal 19 Son⸗ nenjahren. Er hat die Nachtgleichen von 162 bis 128 vor Chriſto beobachtet. Hipparchs Sonnenjahr iſt 365 Tage, 50, 55, 12, alſo nur um 6, 24“ zu groß; ſein ſynodiſcher Monat iſt ge— nau ſo groß, als der, der neueſten Aſtro— nomen.— Seit Caͤſars Kalenderverbeſ⸗ ſerung—(45 vor Chriſto) gebrauchten die Athener, wie die andern Griechen, auch die Julianiſche Jahresform der Roͤ— mer, ihrer Herren.— Die Athener rech— neten den Tagesanfang vom Abend(die neuen Griechen vom Morgen). Die Eintheilung des Tages in 12 Doppel⸗ ſtunden lernten die Klein-Aſuatiſchen Griechen von den Babyloniern. Die Nacht theilten ſie in 4 Wachen(vaa- uar).— AnaximeneMs ſtellte die erſte Sonnenuhr auf zu Sparta 555 vor Chriſto. Spaͤterhin erfanden ſie auch die 179 tundn Waſſeruhren. Jeden Monat theilten ſie „ S0, in 3 Dekaden. 3) Juͤdiſche. Seit dem Ausgange daß 4 aus Aegypten hatten die Juden theils 1 Tag das Kirchenjahr, das mit dem erſten ldͤſſchen Neumond nach dem Aequinoctio vernali 1) Sin⸗ anfing—(2 Moſ. 12. v. 2.), theils das htglecahen/ buͤrgerliche Jahr, welches mit dem Ae— fobachtet quinoctio auctumnali anfing, und das ſie 65 Dage, ſchon aus Aegypten mitgebracht hatten. 6 24 Den Anfang des letztern fand man ſo— at iſt ge⸗ gleich, wenn man den Anfang des Kir⸗ ſten Ato chenjahres fand, der der Abib oder dervetbeſ Aehrenmond war. Hatte man naͤmlich auchten die 12 Neumonde, und unter dieſen den hen, auch 7ten, als den Anfang des Buͤrgerjahres, der Nb. feſtlicher als alle andern begangen— ener rech(denn alle wurden gefeiert: 4 Moſe 28, bend(di v. 11): ſo konnte man beim Anblick der n). A. Gerſtenfelder leicht ſehen, ob der 13te 2 Dauul oder erſt der 14te Mondmonat reife Aeh⸗ Arüte ren zum Opfer darbieten wuͤrde,— 2 ern. De Moſe 12 v. 2. Z3.— d. i., ob das zu hen tur Ende gehende Jahr ein gemeines von 12, oder ein Schaltjahr von 13 Monaten tte di ei 4— 1 ſeyn ſollte, und ob man alſo nach 12 25 b 59— 15 oder 13 Mondmonaten den Abib anfan⸗ gen ſollte. Der Sabbatzirkel und Jobel⸗ M 2 ———————x— 2 180 eirkel beſtanden nicht aus Kirchenjahren, die mit der Erndte, ſondern aus buͤrger⸗ lichen Jahren, die mit der Saat anfin— gen. Jedes te buͤrgerliche Jahr, wel⸗ ches alſo vom Herbſte des 7ten, bis zum Herbſte des 8ten Kirchenjahres ging, und Sabbatjahr hieß, war im Grunde nichts als Brachjahr, indem nichts geſaͤet wurde: jedes 49 buͤrgerliche Jahr, welches alſo vom Herbſte des 40ſten bis zum Herbſte des 5oſten Kirchenjahres ging, war zugleich Brach⸗ und Jobeljahr, d. i., Staatsepoche, wo alle Knechte juͤdiſcher Abkunft wieder frei, alle veraͤußerten Ae— cker an die alten Eigner zuruͤckgegeben wurden, und alle Schuldforderungen von ſelbſt erloſchen. Sonſt waren die Wo— chen der Juden von 7 Tagen, der An⸗ fang des Tages von Sonnenuntergang; ſie hatten keine Stunden. Das neujuͤdi⸗ ſche Jahr iſt auch ein Mondjahr, aus 12 Mondmonaten, und aus 13 im Schalt⸗ jahre, beſtehend, welches Schaltjahr in einem 19jaͤhrigen Cyklus das 3te, öte, Zte, I1te, 14te, 17te und 19te iſt. Der Anfang des Jahres iſt der Neumond nach dem Aequinoctio auctumnali. — 181 fahten, 4) Aegyptiſche. Das Aegyptiſche uͤrger⸗ Jahr von Nabonaſſar iſt ein Son—⸗ anfin⸗ nenjahr von 3635 Tagen. Es beſteht aus wel⸗ 12 Monaten, jeder von 30 Tagen, nach zum dderen Ablauf am Ende 5 Schalttage bei⸗ und gefuͤgt werden, d. i., aus 12 mal 30 dichts+ 5. Dieß Jahr weicht alſo gegen das pn. Julianiſche in 4 Julianiſchen Jahren um es alſt„1 Tag zuruͤck, und in 4 mal 365 oder heröſte 1460 Jahren, zieht es ſich durch alle war Jahreszeiten auf denſelben Tag des Ju— d. i, lianiſchen Jahres zuruͤck. Ptolemaͤus jädiſher bedient ſich deſſelben im Almageſt. kten Ne Nach Einfuͤhrung des Julianiſchen Ka— toyröen lenders behielten die Aegypter die Na⸗ hanvon bonaſſariſchen Monate mit den 5. ie Wo⸗ Schalttagen, und ſetzten nur im 4ten der An⸗ Jahre einen 6ten Schalttag zu. Der ergang Jahresanfang entſpricht dem 29ſten Au denſit guſt des Julianiſchen Jahres. gr, um 5) Die Syrer hatten auch die Na⸗ nitt bonaſſariſche Jahresform; ihr Anfang . des Julianiſchen Jahres, das ſie nachher iie annahmen, fiel auf den 1ſten Oktober n, 3 deſſelben. f an V 6) Die Perſer hatten die Nabonaſ⸗ n fariſche Jahresform, und ſeit der Herr⸗ 1. ſchaft der Seleueiden(312 vor Chriſto) 182 nahm ein Theil von ihnen das Macedo⸗ niſche Jahr an, welches ganz mit dem Attiſchen ſtimmte. Seit Yezdegerds Regierungsantritt(632 nach Chriſto), nahmen ſie wieder das Nabonaſeariſche Jahr an, welches ſie nun das Yezdegerd⸗ ſche nennen, um es vom Dſchelaled⸗ dinſchen zu unterſcheiden, welches 1079 nach Chriſto, vom Seldſchucken⸗Kai⸗ ſer Dſchelaleddin eingefuͤhrt wurde, und das vollkommenſte Sonnenjahr iſt. Es beſteht aus zwoͤlf 3otaͤgigen Mona⸗ ten, und 5 Zuſatztagen. Der éte Zu⸗ ſatztag im Schaltjahre wird nicht, wie bei uns, alle 4 Jahre beigefuͤgt, ſon⸗ dern wenn man die Einſchaltung in jedem 4ten Jahre 6 mal vorgenommen, ſo wird ſie hernach einmal auf das 5te Jahr verlegt, ſo daß der Neujahrstag, naurus, beſtaͤndig auf dem Fruͤhlings-Aequinoctio ſtehen bleibt, mit dem ſie das Jahr an— fangen. Die Laͤnge ihres Jahres iſt 3635 Tage, 59, 49“, 1.5, O“, 48˙74. 7) Die Brachmaniſchen Indo⸗ ſtaner fangen den Tag mit dem Mor⸗ gen an, und theilen ihn in 60 Theile, jeden Theil wieder in 60 ꝛc. Sie haben Wochen zu 7 Tagen, die ſie, wie Aegyp⸗ Maane nit dem gelds eſſto) ariſche degerd⸗ ed; à WW- n⸗Kai würde, hr iſ. Mera⸗ bte zu⸗ ht, wie ſt, ſon⸗ in jedem 2n, ſo e Jahr naurus, nmoctio gahr an⸗ siſ 3e 1000. Indd⸗ en Mat⸗ Thei ſe haben Tm — 183 ter, Roͤmer und wir, von den 7 Plane— ten benennen. Die ſuͤdlichen Indoſtaner haben tropiſche Sonnenmonate; ſie ver⸗ ſtehen darunter die Zeit, welche die Sonne braucht, um der Erkliptik, oder ein himmliſches Zeichen, zu durch— laufen, daher ſind ihre Sonnenmonate laͤnger, als ihre Wintermonate. Sie ſammeln die kleinen Zeittheile, und ſchalten ſie ein. Die Namen der 12 himmliſchen Zeichen ſind in ihrer Sprache von den unſrigen in der Bedeutung nicht unterſchieden, nur daß ſie Krokodill fuͤr Steinbock ſagen. Sie haben einen nicht genug bekannten 60jaͤhrigen Cyklus und 2 Aeren: 1) die Schakiſche faͤngt an 18 Jahr vor Chriſto, 2) die Kaljugiſche, 3101 vor Chriſto. Chineſen fangen den Tag mit der Mitternacht an, und theilen ihn in 12 Theile, die ſie mit Namen nennen, auch in 100, und wieder in 100 Theile, ſo daß ein Tag 10,00o ſolcher Theile hat. Sie haben ein Mondſonnenjahr, ein ge— meines, und ein Schaltjahr von 13 MNonaten. Jahresanfang iſt der Neu— mond zunaͤchſt nach dem 15ten Grade 184 des Waſſermanns. Sie haben keine Aera, ſondern eine Cykelrechnung von 60 Jahren, wo jedes Jahr ſeinen Na— men hat. Das erſte Jahr des erſten Cy— kels faͤllt auf das 2697 Jahr vor Chriſto, nach Desguignes. 8) Das Arabiſche und Tuͤrki⸗ ſche oder Mahomedaniſche Jahr, iſt ein Mondjahr aus 12 Monaten be⸗ ſtehend, die abwechſelnd Zo und 29 Tage haben, alſo von 354, im Schaltjahr 355 Tagen. In dem Einſchaltungsey⸗ klus von 30 Jahren,(weil die, uͤber 354 Tage uͤberſchuͤſſigen 8 Stunden, 48“, mit 30 multiplicirt, in ganzen Tagen aufgehen und 11 Tage ausmachen)— iſt das 2te, 5te, 7te, 10te, 13te, 15te, 18te, 2lſte, 24ſte, 26ſte und 29ſte, ein Schaltjahr, alſo 11 Schaltjahre und 19 gemeine. Ihre Jahrgraͤnze—(Epoche) iſt Muhameds Flucht—(Hedſchra) den 16ten Juli 622. nach Chriſto, an einem Freitage, alſo das erſte Mahome⸗ danſche Jahr faͤngt an am 196ſten Tage vom Iſten Januar 622 nach Chriſto. Den Monat rechnen ſie alſo zu 29 ½ Ta⸗ gen, 44“. 185 en kiu Von Cykeln. 3 W Die noch jetzt gebraͤuchlichen hat mei— 4 Ne, ſtentheils die Oſterrechnung erzeugt. Nach e O⸗ den angeblichen Satzungen des Nieaͤi⸗ hrſtko, ſchen Concilii ſoll das Oſterfeſt nie mit den Juden zuſammengefeiert werden, ſon— arii⸗ dern immer am Sonntage, der auf den Jahr Vollmond nach der Fruͤhlingsnachtgleiche aten be⸗ folgt, und wenn dieſer Vollmond auf 9 Tag. einen Sonntag faͤllt, den Sonntag dar— halfaht auf. ungsey. 1) Sonneneykel. Man nenne den , uͤbet Iſten Januar immer a, den 2ten b, den en, 49, Zten c, den 4ten d, den 5ten e, den éten dagen f, den 7ten g, den 3ten wieder a, den 2»)—- 9ten b, den Ioten c ꝛc. So gebe man „Iöke, jedem Tage durch den ganzen Kalender e, ein 4 ſeinen feſten unveraͤnderlichen Buchſtaben. und 19 Dem letzten Dezember wird, wie dem Eyoche) iſten Januar, a zukommen in einem ge⸗ ſchra) meinen Jahre, und damit jedes Datum d, n ſeinen unveraͤnderlichen Buchſtaben be⸗ aßen halte, giebt man im Schaltjahre dem u Tx Schalttage, d. i. dem 24ſten Februar, Den denſelben Buchſtaben, den der 23ſte Fe⸗ 4 d- bruar fuͤhrt, naͤmlich e, ſo daß der Iſte 7 Maͤrz ſein d behaͤlt. 3 —— E——— ͦ—?j 186 Problem. Was wird jedes Datum in jedem Jahre fuͤr ein Wochentag ſeyn? Erſter Satz. Eben der Wochentag, der das Jahr anfaͤngt, beſchließt es auch, oder der Iſte Januar und der letzte De⸗ zember ſind in einem gemeinen Jahre einerlei Wochentage, weil 365 Tage=— (52 ₰✕ 7)+ iſt. Im Schaltjahre ſind der letzte Dezember und der 2te Januar einerlei Wochentage. Zweiter Satz. Der Wochentag, auf welchen der 2te Januar eines gemeinen Jahres faͤllt, iſt eben derſelbe, auf den der Iſte Januar des folgenden Jahres faͤllt, und der Wochentag, auf welchen der 3te Januar eines Schaltjahrs faͤllt, iſt eben derſelbe, auf den der iſte Januar des folgenden Jahres faͤllt. Aus dem dwei⸗ ten Satze und jener Einleitung uͤber die Buchſtabenbenennung der Tage, ergiebt ſich der Sonntagsbuchſtabe eines jeden Jahres, auch das Geſetz der Abwechſe— lung. Nur merke man, daß im Schalt⸗ jahre der Buchſtabe der Sonntage vor dem Schalttage um 2, und nach dem Schalttage nur um 1 Buchſtaben ruͤck⸗ waͤrts von demjenigen abſtehen wird, den das vorige Jahr hatte, und daß folglich 187 Din das Schaltjahr 2 Sonntagsbuchſtaben ſeyn- hat.— Der Schalttag wird nach dem entag, 23ſten Februar eingeſchoben.— auch, Geſetzt, ein Schaltjahr finge mit de⸗ einem Montage an, ſo iſt ſein Sonn⸗ ahre tagsbuchſtabe G F; des folgenden Jahrs 6 Sonntagsbuchſtabe iſt E, des folgenden eſd D, und des folgenden C. Nun koͤmmt ein anat Schaltjahr mit B A, dann ein Jahr mit, G, das folgende mit F, und dann mit auf E. So fahre man fort, und man fin— winen det 7 ſolche Quartette, oder einen uij den Cyklus von 28 Jahren. Dionysins exi- bfäͤllt suus im 6ten Jahrhunderte, rechnete von er 3te einem der Jahre, deren Iſter Januar eben auf einen beſtimmten Wochentag fiel, des zuruͤck, um zu finden, auf was fuͤr einen zwei⸗ Wochentag der erſte Januar des Jahres er die gefallen ſeyn muͤßte, in welchem Chriſtus erxgiebt geboren ward, d. i., des Jahres vor jeden dem Jahr I, und fand, daß dieß Jahr vechſe⸗ ein Schaltjahr geweſen, und der Iſte Schal⸗ Januar deſſelben, auf einen Donnerſtag e dor gefallen ſey; daß alſo ſein Sonntagsbuch⸗ dem ſtabe D C ſeyn muͤßte. Von da rechnete rück er zuruͤck bis auf G F, und fand, daß G d, d F dem 9ten Jahre vor A. I. zukaͤme. ololc —nggpne— 188 Aus dieſen Saͤtzen, daß GF der Sonntagsbuchſtabe des 9ten Jahres vor dem Jahre 1, und das Jahr 4 nach Chriſto, ein Schaltjahr geweſen iſt, ergeben ſich leicht die Regeln, fuͤr jedes Jahr den Sonnencyklus, d. i., die Cykelzahl, ſammt dem Sonntagsbuchſtaben, und von jedem Jahre die Beſchaffenheit, ob es ein Schaltjahr ſey, oder nicht, zu finden. Julianiſcher Sonnencyklus. GTſ. BXſo. D0 . E6. G ro. B D 7. H[II. A 15. C r0. E 4.. Cs. E IIz. G16. B 20. D2 Da Gregor 1582 nach dem 4ten Okto⸗ ber gleich den 15ten Oktober ſchreiben ließ, und das Jahr 1582 die Zahl 23 zum Sonnencyklus(weil 1582+ 9: 28, den Reſt 23 laͤßt), folglich den Sonntagsbuchſtaben G hat, alſo der mit dem unveraͤnderlichen Buchſtaben d be⸗ zeichnete 4te Oktober, ein Donnerſtag, der mit dem unveraͤnderlichen Buchſtaben a bezeichnete 15te Oktober ein Freitag, und der mit C bezeichnete ein Sonntag war: ſo veraͤnderte ſich der, bei der Cy⸗ kluszahl 23 ſtehende, Sonntagsbuchſtabe G in C. folglich 24 B, 25 A C, 26 F, 13.1 4 . FTv vor den Thriſto, en ſich t den kahl, dvon 0b 6 finden. Okto⸗ greiben hl 23 1. 28, den der mit d be⸗ gerſag, hſender Freitag, onntah der Ly nchſto 11 189 27 E, 28 D; ferner 1 C B, 2 A, 3 G, 4 F etc. Die ſo konſtruirte neue Tafel gilt bis 1700.. Mit dem Jahre 1699 iſt ein voller Sonnencyklus abgelaufen; denn 1628+ 9 giebt 61 ohne Reſt, und das Jahr 1699 hat alſo, weil es die Cykluszahl 28 hat, zum Sonntagsbuch⸗ ſtaben D. Nun ſollte 1700 den Sonn⸗ tagsbuchſtaben CB haben; aber da es nach Gregors Einrichtung kein Schalt⸗ jahr iſt, ſo hat es bloß den Buchſtaben C, dem man der Gleichfoͤrmigkeit wegen den Sonntagsbuchſtaben des vorigen Jah⸗ res beiſchreiben kann. Nun entſteht dar⸗ aus folgende Tafel, die bis 1800 gilt. 35 1 EDſ2 8₰ 922 Das Jahr 1800 hatte, weil (E 9.49=— 64+ 23) ihm die Cykluszahl 17 zukoͤmmt, den Sonn⸗ tagsbuchſtaben E D; da es aber kein Schaltjahr ſeyn ſoll, hat es ſtatt deſ— ſen E, wozu man, der Gleichfoͤrmig⸗ keit wegen, den Buchſtaben—(von 1799) beifuͤgen kann. Nun mache man 2 00 190 ein Syſtem, indem man in die beige⸗ fuͤgte Tafel zum Jahre 17 F E ſetzt, und daraus findet, daß zum Jahre 1 D E ge⸗ hoͤrt.(Eine entwickelte Tabula perpetua ſiehe in Wolfii elem. Chron. pag. 140.)— Um zu finden, auf welchen Wochen⸗ tag ein Datum treffe, z. B. der 2oſte Februar 1762, nehme man die Jahrzahl 1761, ſetze die Zahl der darin enthalte⸗ nen Schaltjahre hinzu, naͤmlich 440, ziehe davon 12 Tage ab, und fuͤge nun dazu die Zahl der vom Iſten Januar bis zum 20ſten Februar verfloſſenen Tage; dieß macht 51. Die Summe dividire man durch 7, ſo zeigt der Reſt den Wo— chentag an, indem Null den Sonnabend, und 1 den Sonntag, bezeichnet. Beweis. Das Jahr Chriſti 2 faͤngt mit einem Sonntag an, weil deſſen Sonntagsbuch⸗ ſtabe A iſt—(im Julianiſchen Kalen⸗ der naͤmlich). Da nun jedes Jahr 52 Wochen und 1 Tag, und 1 Schaltjahr außerdem noch einen Tag hat, ſo ſind mit dem Jahre 1761 verfloſſen 52 mal 1761 Wochen, und 1761+ 440 Tage — 2201 Tage; nimmt man nun 1 Tag ab, weil erſt das Jahr Chriſti 2 mit einem Sonntag anfing, ſo faͤngt von den 191 e ben 2200 Tagen der erſte mit einem Sonn⸗ it, un tage an. Weil nun durch den Gregori— E g⸗⸗ aniſchen Kalender im 17ten Jahrhunderte rpetua jedes Datum um 11 Tage fruͤher einfaͤllt, *)— ſo ziehe man von der Zahl noch 11 ab; ſochen⸗ alſo in allem 12. aote 2) Mondceykel iſt die Reihe von ah zah Jahren, nach deren Verlauf die Neu— tthalte⸗ monde, alſo auch die Vollmonde, auf 440, daſſelbe Datum des Julianiſchen Kalen— ge nun ders wiederkommen. Er enthaͤlt 19 Ju⸗ lar di lianiſche Jahre, denn dieſe ſind gleich Tage; 6939 Tagen, 18 Stunden; und 235 dividire Monde enthalten 6939 Tage 16⁰, 32, e Vo⸗ 28, 5%. Gleichwohl uͤbertrifft die er— abend, ſtere Summe die andere um 10 27 31“ weis. 55; alſo weichen um ſo viel die Neu—⸗ einem monde zuruͤck. Dieſer Unterſchied betraͤgt gsbuch⸗ in 312 Jahren einen ganzen Tag, denn Kalen 315115: 5184000““(das iſt ein Tag) ahr ze— 19: 312. altihr Das Geburtsjahr Chriſti hat zur ſ ſid goldnen Zahl—(d. i., die Zahl, z nul welche anzeigt, das wievielſte ein gegebe— da nes Jahr im Mondeyklus ſey)— Eins; 1 Tg die goldne Zahl von Anno 1 iſt alſo 2. Daher ergiebt ſich die Regel, die goldne oi Zahl zu finden: naͤmlich man addire J, —õ— m 5—õſ—— — 192— und dividire durch 19, der Reſt giebt die goldne Zahl. Das Jahr des Nieaͤiſchen Concilii, A. 325, hat zur goldnen Zahl 3, nun faͤllt nach dem Julianiſchen Ka⸗ lender in dem Jahre, deſſen goldne Zahl 3 iſt, ein Neumond auf den Iſten Januar. Von dieſem Mondeyklus unterſchei⸗ det ſich der Metonſche nur darin, daß Meton(19 mal 12)+† 7 oder 235 Monden gleich ſetzte 19, nicht Juliani— ſchen, ſondern tropiſchen Jahren.— Naͤchſtdem werden in dem Mondeyklus von den 235 Monden 12 mal 19= 228 abwechſelnd von 29 und 30 Tagen gerechnet; dann bleiben noch 7 Monate, wovon im Mondeyklus nur 6 zu 30, und der letzte, wenn die goldne Zahl von 19 auf I geht, nur von 29 Tagen, gerechnet wird. 3) Der Indiktionsecykel iſt eine wiederkehrende Reihe von 15 Julianiſchen Jahren. Die Kaiſer nach Konſtantin be⸗ dienten ſich derſelben. Zuruͤckgerechnet fand man, daß das Geburtsjahr Chriſti das dritte eines ſolchen Cyklus war. Daher die Regel, die Indiktion zu ſinden: Man addire 193 geebt i. 44 addire 3, und dividire mit 15, den Reſt eiſhe zeigt die Indiktion. ahl Es giebt 3 Indiktionen: n Ka⸗ 1) die roͤmiſche, faͤngt vom Iſten Ja⸗ dahl nuar an; lſen 2) die konſtantinopolitaniſche, oder ſogenannte griechiſche, vom Iſten Sep⸗ dihe tember; d 3) die Konſtantiniſche vom a5ſten 1 3) September. uliaui⸗ en.— Von den Perioden. ndehflus(S. Wolff Elem. Chron. IV. 175.) = Julianiſche Periode(d. i. Inbe⸗ dahen griff von Cykeln) iſt eine Reihe Juliani⸗ Nunut, ſcher Jahre, die entſteht, wenn man den dl 30, Sonnen⸗, Mond⸗ und Indiktionseykel in hl von einander multiplicirt. Die Jahrgrenze Vagen, in dieſer Periode iſt der erſte Januar eines Julianiſchen Jahres. Alle Jahre iſ en der Periode laſſen ſich ſehr genau von aviſcen einander unterſcheiden, weil jedes Jahr antin be ihm ganz eigenthuͤmliche Cykelzahlen hat. Gaetfend Z. B. nur das erſte Jahr der Juliani— dsdiit ſchen Periode hat Sonneneykel 1, Mond⸗ dcher d cykel 1, und Indiktionscykel 1. Sca⸗ 8 M liger erfand dieſe Periode, indem er be— ah merkte, daß ſie ein gutes Mittel dar⸗ IV. JN. 194 4 biete, die Jahre einer gegebenen Epoche auf die Jahre einer andern ebenfalls ge⸗ gebenen Epoche zu reduciren.— Fuͤr ein beſtimmtes Jahr in der Julianiſchen Pe⸗ riode findet man den zugehoͤrigen Son⸗ nencykel, Mondeykel und Indiktionsey⸗ kel, aus dem Reſt, welcher bleibt, wenn man die Jahrzahl durch 19, durch 28, oder durch 15 dividirt. Die ganze Pe⸗ riode umfaßt 19 mal 28 mal 15= 7980 Jahre. Iſt nun z. B. das Jahr der Julianiſchen Periode 2895 gegeben, ſo wird der Sonnencykel 7, Mondeykel 11, Indiktionseykel o oder eigentlich 15.— Sind die Cykelzahlen eines Jahres ge— geben, und man fragt, das wievielſte der Julianiſchen Periode es ſey? ſo muß man den Mondcykel in 4200, den Sonnencykel in 4845, den Indiktions⸗ cykel in 6916 multipliciren, die Pro⸗ dukte ſummiren und die Summe durch 7930 dividiren. Der Reſt iſt das Jahr der Julianiſchen Periode. 3. B. das Jahr 1 nach Chriſti Geburt hatte den Sonneneykel 10, Mondeykel 2, Indik⸗ tionscykel 4: es war daher das Jahr 4714 der Julianiſchen Periode, und Chriſtus war den 25ſten Dezember des ——y——— y— 195 pochl V Jahres 4713 der Julianiſchen Periode 5 g,, geboren. ein pe⸗ Von den Aeren, on⸗ Aera iſt die beſtimmte Art, Jahre eh⸗ fortgehend zu zaͤhlen; der Anfangspunkt uhn der Aera heißt Epoche. Am beſten iſts, A, alle Epochen auf Punkte in der Juliani⸗ pr ſchen Periode zu reduciren. Kein Volk 7980 ſetzt gleich Anfangs Epochen feſt, ſondern jr der zaͤhlt nach Obrigkeiten oder andern Er⸗ , ſo eigniſſen. Erſt ſpaͤterhin bey fortgehender k n Kultur rechnen Gelehrte eine alte Epoche 35= zuruͤck und fuͤhren Aeren ein. ts gr Z. B. Epochen in unſerm Kalender. eielſte I.) Aera Christiana seu vulgaris der 1 ſ abendlaͤndiſchen Chriſten ruͤhrt vom roͤmi— den ſchen Abt Dionyſius Exiguus ums tttion Jahr 350 her; die Einrichtung aber, wie e Dr wir jetzt die Jahre zaͤhlen, erſt vom u dur Beda Venerabilis ums Jahr 720. Jih Dieſe unſere Grundaͤra faͤngt an vom 5 d Iſten Januar 4714 der Julianiſchen Pe⸗ riode, Sonnencyklus 10, Mondeyklus die V 2, Indiktion 4. Dieſes Jahr entſpricht 4 naͤmlich dem Jahre 1. Einige ſetzen es 6 I 22 Jahre fruͤher, andere 9 Jahre ſpaͤter, de/ 4, als Beda, und zwiſchen dieſen Extre— nber de N 2 196 men ſind wohl noch 8 mittlere Angaben beruͤhmt. Der Streit daruͤber iſt ganz unnuͤtz. 2) Die bei den Abeſſiniſchen und Kop⸗ tiſchen Chriſten noch uͤbliche Aera Dio- cletiana seu Martyrum, faͤngt an den 24ſten Auguſt 284 nach Chriſto, Son⸗ nencykel 13, Mondeykel 19, Indiktion 2. Die Abeſſiniſchen oder Aethiopiſchen Chri⸗ ſten nennen die ſo gezaͤhlten Jahre annos gratiae; die Araber nennen ſie die Aera der Kopten. 3) Aera Graecorum civilis seu Con- stantinopolitana, seu Romana— iſt vom Kaiſer Theodoſius an gebraͤuchlich, und iſt die Aera der jetzigen Griechiſchen Chriſten, vormals auch der Ruſſen. Das Jahr dieſer Aera iſt 5509; die Monate in den Jahren derſelben ſind alle Julia⸗ niſch. Die neuern Griechen rechnen den Tag vom Morgen an, haben Julianiſche Jahresform, fangen aber ihr buͤrgerliches Jahr vom Iſten September an, und ihr Kirchenjahr vom Sonntage nach dem unbeweglich auf den 14ten September fallenden Feſte der Kreuzeserhoͤhung. Oſtern berechnen ſie nach dem Juliani— ſchen Kalender. „. P„ 2—— 197 aben 4) Aera ecclesiastica, seu Antiochena Jan Graec., ruͤhrt vom Aegyptiſchen Moͤnch Panodorus im 5ten Jahrhunderte her. p⸗ Das Jahr I nach Chriſto faͤngt an den s5ten Monat des Jahres 5494 dieſer den Aera. Nach Gatterer faͤngt es mit di dem Iſten September, nach Wolf mit na dem 29ſten Auguſt an. Jhi⸗ 5) Kera historica seu Alexandrinica Unhn Graec. von Jul. Afrikanus im Zten Aera Jahrhundert aufgebracht. Das Jahr 5501 dieſer Aera iſt das Jahr nach Chriſti Con- Geburt 1. Die Aera iſt alſo von der fuun Aera Graec. civil. nur um 8 Jahre ver⸗ hüi, ſchieden, uͤbrigens in allem ihr aͤhnlich. ſihen 6) Aera mundi Eusebiana,— die Das man kennen muß, wenn man das Chro- nat V nicum Iuschii und Martyrologium roma- Iüne num leſen will,— zaͤhlt nach Juliani— en da ſchen Jahren, die mit dem Herbſt anfan— euſtt gen.„Das 520oſte Jahr der Welt iſt hihe das Geburtsjahr Chriſti. Merkwuͤrdige ud Epochen koͤnnte man noch annehmen, mn wie es unſer Kalender thut, z. B. das Jahr 1793, iſt von Karls des(Großen Aüan Kaiſerwuͤrde das 993ſte, von Einfuͤhrung * V des Gregorianiſchen Kalenders das 211te, V von Erfindung der Druckerei das 353ſte, 198 von Entdeckung der neuen Welt das 302te, von Erfindung der Fernglaͤſer das 134ſte, der Pendeluhren das 136ſte, von Erhe⸗ bung des Koͤnigreichs Preußen das 93ſte. 7) Juͤdiſche Aeren. 1) Vom Ausgang aus Aegypten, 1483 vor Chriſto. 2) Von Erbauung des erſten Tempels, 1002 vor Chriſto. 3) Von Anfang der Babyloniſchen Gefangenſchaft, 597 vor Chriſto. 4) Von Erbauung des zweiten Tem⸗ pels 503 vor Chriſto. 5) Die Aera contractuum iſt einerlei mit der Seleucidiſchen, 312 vor Chriſto. 5) Von der Befreiung durch die Makkabaͤer, oder Aera der Asmo⸗ naͤer, 143 vor Chriſto. Die Juden behielten bis zu ihrer Vertreibung aus dem Orient im I1ten Jahrhunderte nach Chriſto die Aera con- tractuum, und verbanden damit eine Zeit⸗ lang ihre jetzige Aera judaica von Er⸗ ſchaffung der Welt, bis dieſe letztere herr⸗ ſchend wurde. Die Epoche dieſer Aere faͤngt an den 7ten Oktober 3761 vor Chriſto, ſo daß Chriſtus im dritten Mo⸗ inerlei vot h die 5 Wo⸗ a ihre IItm Ia COl- ine et⸗ von E⸗ tere her ſſer Wn öt ten d. 199 nate des Jahres 3762 der Juͤdiſchen Aera geboren iſt. Die alten Juden hatten demnach keine Aera von der Schoͤpfung der Welt. Die Jahrform der neuen Juden kommt her von RNabbi Hillel, Anno Christi 358, vorgeſtellt im Babyloniſchen Taldmud, der Anno Christi 500 vollen⸗ det iſt. Der neujuͤdiſche Kalender iſt ſehr verwickelt. 8) Aera der Mahomedaner. Die Epoche(Hegira) Hedſchra oder Flucht Mahomeds iſt Freitags den 16ten Julius 622 nach Chriſto. Omar III. hat dieſe Aera eingefuͤhrt. Die Re— duktion eines Mahomedaniſchen Datums auf ein Julianiſches iſt ſchwer, weil das Mahomedaniſche Jahr ein Mondjahr iſt. Die Mahomedaner rechnen den Tag vom Abende, haben Wochen von 7 Tagen, die ſie aber ohne Namen bloß zaͤhlen. Die Monate wechſelsweiſe von 30 und 29 rechnen ſie von der erſten Abendphaſe des Neumondes. 9) Griechiſche Aeren. Die Grie⸗ chen zaͤhlten in buͤrgerlichen Sachen nach Obrigkeiten, ohne alle Aeren. Herodot ſetzte 3 peveas—(Geſchlechtsfolgen)— auf ein Jahrhundert. Dionyſius von Ha⸗ 200— likarnaſſus fuͤhrt bisweilen Geſchlechts⸗ folgen von 27 Jahren an; Herodot, Thucydides und Xenophon nen⸗ nen Olympiaden, aber ohne ſie als Aeren zu gebrauchen. Erſt Timaͤus, der zur Zeit des Ptolemaeus Philadelphus lebte, rechnet darnach; dann Eratosthenes, Polybius, Diodor. a. Die von Iphitus erneuerten Olympiſchen Spiele, welche nach deſſen Anordnung immer mit dem Anfange des 5ten Jahres, oder nach Ablauf einer Olympiade, d. i., nach 4 Jahren, ge⸗ feiert wurden, gaben durch die Chroniken, welche die Prieſter zu Olympia uͤber dieſe Spiele fuͤhrten, indem ſie den Sieger im Stadio als Sieger der Olympiade auf⸗ zeichneten, zu der Aera Anlaß. Die Epoche der erſten Olympias faͤllt in den Julius(zwiſchen dem 19ten und 23ſten) des Jahres Chriſti 776. b. Troja's Zerſtoͤrung faͤllt zwiſchen dem IIten und 12ten Junius in der Nacht, 33530 der Julianiſchen Periode, Sonneneykel 2, Mondeykel 15, Indik⸗ tionscykel 5, d. i., 1184 vor Chriſto. c. Aera Attica oder Aera der Pariſchen Marmorchronik. Der Verfaſſer, ein 201 thn V Athenienſer, entwarf ſie 264 vor Chriſto, dot, 4450 der Julianiſchen Periode, in der nen 129ſten Olympiade, im Jahre Urb. cond. ren 490, alſo im erſten Jahre des erſten zur— puniſchen Krieges. Von dieſem Jahre te, rechnet er ruͤckwaͤrts bis auf 1318 Jahre; 5, nur iſt zu merken, daß er von Cekrops bis zu den jaͤhrigen Archonten, d. i. bis rten 687 vor Chriſto, 4027 der Julianiſchen iſen Periode, alle Epochen 25 Jahre zu hoch des angegeben hat. ͤner d. Kalippiſche Aera. Sie ent⸗ e⸗ ſtand aus der von Kalipp erfundenen iken, Einſchaltungsperiode von 76 Jahren, wo⸗ dieſe von die erſte ihren Anfang am 29ſten r im Junius 330 vor Chriſto nahm. auf e. Alexander magnus ſtarb den 21ſten Die„April 323 vor Chriſto. Ptolemaͤus den hat einige Beobachtungen des Hipparch ſten) nach dieſer Aera angegeben. — 10. Roͤmiſche Aeren. ſchen a) Aera urb. cond. Nach Varro— der(ſo ſpaͤt!) iſt An. urb. cond. I gleich rvod, dem 3961ſten Jahre der Julianiſchen Pe⸗ nt. riode— 753 vor Chriſto. Die Epoche 4 iuxta fastos capitolinos, oder die Epocha ſſze Catoniana, faͤngt 1 Jahr ſpaͤter an. 6s —— — 202 b) Aera consularis faͤngt an im Jahre 245 Urb. cond., J. 4205 der Juliani⸗ ſchen Periode. c) Aera Antiochena von der wieder⸗ erlangten Freiheit der Stadt Antiochien. Sie faͤngt vom Herbſte an, 705 Urb. cond., 49 vor Chriſto. d) KAera Juliana, von Einfuͤhrung der Julianiſchen Jahresform. Das erſte Jahr dieſer Aera iſt das Jahr 400 Urb. cond., vor Chriſti Geburt 43. e) Aera Hispanica, von Einfuͤhrung des Julianiſchen Kalrnders in Spanien. Ihr Anfang iſt 716 Urb. cond., 38 vor Chriſto. f) Aera Actiaca, von der nach dem Siege bei Actium in folgendem Jahre geſchehenen Einfuͤhrung des Julianiſchen Kalenders in Aegypten. Ihr Anfang iſt 724 Urb. cond., 30 vor Chriſto, vom 29ſten Auguſt an. g) Aera, wornach die Anni Augusto- rum Romani gerechnet werden, vom Ur⸗ ſprung des Titels Angustus an. Das erſte Jahr dieſer Aera iſt 727 Urb. cond., 27 vor Chriſto. h) Aera agonum Capitolinorum(wel⸗ che fuͤnfjaͤhrige Spiele Domitian ein⸗ tong anjen. 1, 38 dem Jahre ſſchen ng iſ von gusto- m Ur. Das V. 1(wd in d 4 203 fuͤhrte). Das erſte Jahr iſt 830 Urb. cond., nach Chriſto 86. 11) Aegyptiſche Aeren. a) Aera Nabonassarea, vom Regie⸗ rungsantritte des erſten Babyloniſchen Koͤnigs Nabonaſſar, d. i. vom 26ten Februar 3067 periodus Jul.; 747 vor Chriſto; Urb. cond. 23 Olympiad. VIII. 2; Sonnencykel 19, Mondeykel 15, In⸗ diktionscykel 7. Die Jahre derſelben ſind Nabonaſſariſche. 1 b) Aera Philippica, seu Aera Lagi- darum, von dem Bruder Alexanders des Großen, Arrhidaͤus ſo genannt. Sie faͤngt an den 12ten November Ju⸗ lianiſcher Periode, 324 vor Chriſto, und die Jahre dieſer Aera ſind Nabonaſſari⸗ ſche Ruͤckjahre. c) Aera Actiaca, faͤngt an vom 29ſten Auguſt 30 Jahr vor Chriſto, und ihre Jahre ſind Julianiſche von 365 ⅞ Tagen. d) Aera der Kopten, oder Aera gratiae, seu Aera Diocletiana. e) Aera Alexandrina, ſiehe oben. 12) Aeren der Chaldaͤer und Syrer. a) Nabonaſſariſche. ——— 204 4 b) Aera Seleucidarum seu Alexan- drina, bei den Juden Aera contractuum genannt, faͤngt an den Iſten Okkober 312 vor Chriſto, 4402 period. Jul. c) Aera Antiochena, vom Herbſt des Jahres 4663. d) Mahomedaniſche. c) Aera ecclesiastica Graecorum. 13) Aeren der Perſer. a) Nabonaſſariſche. b) Yezdegerdiſche, seu Aera Per- sica, faͤngt an den 16ten Juni 632 nach Chriſto; die Jahre ſind Nabonaſſari⸗ ſche Ruͤckjahre. c) Dſchelaleddiniſche, oder we⸗ nigſtens Aſtronomiſche Jahrrechnungs⸗ Aera Anno Christi 1079, vom Aequinoc- tio aestivo an. Reduktion der Mahomedaniſchen Jahre. Der Mahomedaniſche Cyklus von 30 Mahomedaniſchen Jahren iſt= 354 ℳ 19+ 355%✕ 11= 10631 Tage, = 1518 Wochen+ 5 Tagen. Das erſte Mahomedaniſche Jahr faͤngt um 196 Tage ſpaͤter an, als das Julianiſche; jenes naͤmlich faͤngt an den 16ten Julius 622 Uexan. okunm lober des Per- nach ſari⸗ † we⸗ ungs⸗ moc- ſchen klus it= Tage, erſte „D jene 52— 205 nach Chriſto. Nun ſind 30 Mahomeda⸗ niſche Jahre= 30 Julianiſchen Jahren = 30 mal(10 Tage 210, 12)— 30 Julianiſchen Jahren— 30 Mal 261 ½ Stunden= 30 Julianiſchen Jahren— 7836 Stunden= 30— 3828 Juliani⸗ ſche Jahre(denn das Julianiſche Jahr iſt= 8766 Stunden= 30— 448 Ju⸗ lianiſche Jahre. Folglich ſind 30 mal 1461 Mahomedaniſche Jahre= 30 mal 1461— 13 Julianiſchen Jahren; oder 43,830 Mahomedaniſche Jahre= 42,524 Julianiſchen Jahren; oder 21,915 Ma⸗ homedaniſche Jahre ſind= 21,262 Ju⸗ lianiſchen Jahren. Um ein gegebenes Jahr der Hedſchra in das Jahr Chriſti, und umgekehrt, zu verwandeln, dazu dient folgender Satz. Ein Mahomedani⸗ ſches Jahr iſt=— 1 Julianiſchen Jahre— 10 Tage, 21 ½, alſo: 33 Julianiſche Jahre ſind— 33 Mahomedaniſchen Jah⸗ ren+ 339 Tage 30, 36/= 34 Ma⸗ homedaniſchen Jahren+† 4 Tage 1840; oder es ſind 165 Julianiſche Jahre=— 170 Mahomedaniſchen Jahren+ 24 Tage— 20. —— ———— — — nnnͤnͤͤſͤſſn— 206 Epakten. Problem. Angenommem, man wuͤßte von einem Julianiſchen Jahre A, die Nonatstage(das Datum), auf welche die Neumonde fallen; wie findet man daraus fuͤr jedes folgende Jahr die Monatstage, auf welche in jedem derſelben die Neu⸗ monde fallen? Der ſynodiſche Monat iſt S= ˖29 ½ Tagen 4425—= 30 Tagen— (110 1528); alſo 12 ſolcher Monate ſind=— 354 Tagen 840, 38 ½. Das gemeine Julianiſche Jahr enthaͤlt dem⸗ nach uͤber 12 Monate abwechſelnd von 30 und 29 Tagen, die alſo zuſammen 354 Tage ausmachen, noch E= 11 Tage— (840, 38 ½; es wird demnach im fol⸗ genden Julianiſchen Jahre der Neumond auf einen Tag fallen, der ſich beſtimmt durch 8— E. Im naͤchſtfolgenden Ju⸗ lianiſchen Jahre beſtimmt ſich dieſer Tag durch S— 2 E, und ſo fort im 3ten Jahre 8— 3 E, im 4ten§8— 4 E. Rechnet man nun ſtatt E mit vollen 11 Tagen, ſo waͤre das Datum der Neu⸗ monde in 4 Jahren um 4 mal(850, 38) zu weit hinausgeſetzt, d. i. um 35 ½ 3; dafuͤr wird nun im Schalt⸗ jahre(und das erſte Jahr in dem Mond⸗ vaißte die die aus ge, dan⸗ R ſ — nate Das dera⸗ à von 1354 ge— fol⸗ nond mmt i. um Schalt Mond 207 cyklus, d. i. das Geburtsjahr Chriſti, (naͤmlich das Jahr vor Anno I, iſt ein Schaltjahr) jedes Datum um einen Tag verruͤckt; der 60ſte Tag, der ſonſt der Iſte Maͤrz war, wird der letzte Februar; E wird dann 11 Tage+ 24 Stunden, und ſo wird das Datum wieder um 24 Stunden an das wirkliche Datum des Neumonds herangebracht, ſo daß der Ab⸗ ſtand nur noch iſt: 35, 3 ½0= 240 = 1140, 32= 3. Nun erwäͤchſt in den 4 Jahren aus 4 E mehr als ein ganzer Monat, und rechnet man den ſtatt S= 30 Tagen(— 119, 1523, volle 30 Tage, ſo iſt jener Unterſchied faſt ausgeglichen. Es erwachſen aber im Laufe von 19 Jahren aus den Epakten E nicht nur 4, ſondern 7 Monde; und in den 19 Jahren ſind das Iſte, 5te, gte, 13te, 17te,(und dann wieder das iſte), Schaltjahre; alſo in allem 5. Die aus dieſen 5 Schaltjahren ſich ergebende Differenz= g, wuͤrde nun durch 5 Monde, zu 30 Tagen, meiſtentheils ab⸗ ſorbirt ſeyn; da denn noch 2 Monate bleiben, wovon alſo, wenn der eine 30 208 Tage bekoͤmmt, der andere, d. i. der letzte im Cyklus, nur 29 bekommen kann. Kuͤrzer ſo: 19 Julianiſche Jahre ſind = 69394¾4 Tagen. Ferner 19 mal 12 Monate, abwechſelnd von 30 und von 29 Tagen+ 6 Monaten zu 30+ einem zu 29 Tagen= 6935 Tagen. Waͤren alſo alle Julianiſchen Jahre gemeine, ſo wuͤrde nach Ablauf derſelben das Da⸗ tum des Neumonds um 434 Tage vorge⸗ ſprungen ſeyn; um eben ſo viel iſts duͤrch die 44 ½ Schalttage zuͤruͤckgeſetzt.— Die Differenz zwiſchen einem Julianiſchen und einem Mondjahre von 354 Tagen, 840, 38 ½%, oder die wahre jaͤhrliche Epakte, iſt r0 Tage, 210, 11, 215. Nimmt man ſie alſo= 11 Tagen an, ſo iſt dieſe Annahme zu groß um 2 Stun— den, 43˙, 38 7— 2½° 33 ½. Das macht in 4 Jahren I1 ½° 2 ½, und in 3 Jahren= 8, 1I1. Um wieviel die Epakten zu groß an⸗ genommen ſind, um ſo viel rechnet man im folgenden Jahre zu fruͤh, daß der Neumond eintreffen werde. Rechnet man alſo die Epakten, wie wirklich geſchieht, um 240, 38 ½= X zu groß; ſo rechnet man in 4 Jahren um 4 Xα zu fruͤh; das Datum, — an, btun⸗ Das —Hin 3 iß an⸗ t man ſ der et man chüht rechut ; d Datan 209 Datum, an welchem ein Neumond ein⸗ fallen wird, d. i. der Mond, wird um 1140 2 ½ ſpaͤter eintreffen.— Dieſer Fehler wird gehoben, wenn man den, aus den Epakten geſammelten, Mond zu 30 Tagen anſchlaͤgt. In dem Cyklus von 19 Jahren wird der Fehler 4 4 mal begangen, und ſo auch durch 4 Monde gehoben. Den Fehler 3 x hebt der 5te Mond, und was der nicht ganz hilft, helfen daun die beiden folgenden, naͤmlich der 6te und 7te Mond, jener von 30, dieſer von 29, Tagen, welche beide gegen 2 ſynodiſche Monate zuſam⸗ mengenommen um etwa 8870“ zu klein ſind. Es machen 19 Julianiſche Jahre= 6939 ½ Tagen, meiſtentheils 235 Lunatio⸗ nen oder ſynodiſche Monate aus, als welche ſind= 6936 Tagen 160, 32„ 28 1, 507. Daher nach 312 Jahren der Cyklus den Neumond nicht mehr auf denſelben Tag zuruͤckbringt. Wenn alſo im erſten Jahre des Cyklus der Mond auf den Iſten Januar fiel, ſo faͤllt er im 312ten Jahre des Cyklus auf den letzten Dezember, und ſo alle Neumonde einen Tag fruͤher; damit er alſo wieder auf IV. O — 5 8 — ͦ— f 210 den Iſten Januar falle, muß man die Epakten fuͤr das Jahr 312 um 1 ver⸗ groͤßern, alſo= 12 fuͤr 11, 23 fuͤr 22, ſetzen; das nennt man Mondglei⸗ chung. Ferner da in 400 Gregoriani⸗ ſchen Jahren 3 Schalttage ausfallen, ſo ruͤckt, wegen jedes ausfallenden Schalt⸗ tages, der Neumond um einen Tag im Datum vor; um ihn alſo auf den rech⸗ ten Tag zuruͤckzubringen, muß man in ſolchem Falle die Epakte um 1 vermin⸗ dern.— Kurz, die Epakte fuͤr das Jahr B zeigt an das Alter, welches der letzte Neumond des vorhergehenden Jahres & am 1ſten Januar des Jahres B hat; nennt man nun uͤberhaupt die Epakte e, und die Laͤnge des ſynodiſchen Monats S, ſo iſt der Tag, an welchem im Januar des Jahres B der erſte Neumond faͤllt= §— e, welcher Tag dem Datum nach um 1 hinaufruͤckt zum Anfange des Jah⸗ res hin; wenn e um 1 vermehrt wird, und um 1 herunterruͤckt, ſo bald e um I vermindert wird. Nach Dionyſii Exigui Rechnung war in dem Jahre, dem die goldne Zahl 3 zukoͤmmt, der Neumond auf den Iſten Januar gefallen; alſo die Epakte fuͤr —,— 211 man de dieß Jahr= o; daraus erxgeben ſich, I bee, wenn man immer 11 addirt, und 6 mal Ir 22, eeinen Monat von 30 Tagen, das 7te glei, mal aber einen von 29 Tagen, abzieht, riani⸗ die uͤbrigen Epakten. Naͤmlich, wenn , ſo vom 19ten Jahre auf das erſte des fol⸗ Schait⸗ genden Cyklus gezaͤhlt wird, ſo wuͤrde, aag w da am erſten Januar vom 19ten Jahre en rech des Cyklus der Neumond XXVI Jahre nan in alt war, am 1ſten Januar des folgenden, verwin⸗ d. i. des erſten Jahres XXVI+ XI= 39, 6 Jähr oder, den Monat fuͤr 30 Tage gerechnet, der lette die Epakte, d. i. das Alter des Neumon⸗ Jahre des, 7 ſeyn. Es muß aber dieſer Mond B hat, nur zu 29 Tagen gerechnet werden, und pakte e daher iſt die Epakte 8. nats, Wenn in der Geburtsnacht Chriſti Januar den 25ſten Dezember Anno= o, wel⸗ filt chem Jahre die goldne Zahl= 1 ent⸗ um nach ſpricht, ein Neumond war, ſo war die des Jah Epakte dieſes Jahres genau 7, oder den uit Iſten Januar Anno I, war der Mond ld eun 7 Tage alt. Des folgenden Jahres 8 Epakte war 18, und die des naͤchſtfol⸗ gehuun V genden, dem alſo die goldne Zahl 3 Eht⸗ dne 30 ſprach, war 29. Hieraus bildet ſich alſo. dn lin ein Epaktencyklus. Es fragt ſich alſo, uir i was fuͤr eine Hypotheſis man annehmen O 2 212 ſolle, d. i. was fuͤr ein Jahr des Mond⸗ cyklus eine gegebene Epakte habe, um die Epakten fuͤr alle Zeiten, mit Ruͤckſicht auf die, alle 312 Jahre vorzehende, Veraͤnderung zu ſinden. Angenommen nun, daß in dem Zeitraume zu Diony⸗ ſius Zeit die Epakte des Jahres mit der goldnen Zahl Eins, 8 geweſen, in Chriſti Geburtsjahre aber 7, ſo wird, weil von Anno 1 bis 1583, viermal 312 verfloſſen ſind, jede Epakte der Tafel fuͤr das Jahr Chriſti I u. ſ. w., um 4 Tage vermehrt werden muͤſſen, und weil im Jahr 1382, 10 Tage ausfielen, ſo wird daher jede Epakte gedachter Tafel um 10 vermindert; alſo jede Epakte um— 10 + 4=— 56 veraͤndert werden muͤſſen, um eine Epaktentafel fuͤr die Gregoriani⸗ ſchen Jahre von 1583 bis 1700 zu be⸗ kommen. Natuͤrlich bekoͤmmt man aber auch dieſe Epaktentafel, wenn man in der Dionyſiusſchen, jede Epakte um 10+ 3—=— veraͤndert, oder 7 abzieht. Ja Goldne Zahl. Julianiſche Epakten. de, n 3—* oder XXX. Näͤckſich 4— XI. 1 3— XXII. gehende, 6— III. om. 2ö XIV. hane 6—— XXV. Diony⸗ 9 X— VI. 3 mi 10— XVII ns nit 11— XXVIII ſen, w 12— IX. ſi. 13— XX. ſo wid, 1— 1. mal 312 153— XII. 9 15b5— XXIII gafel fuͤr 17— IV 14 Dge 18.— XV. ſr 19— XXVI weil in 12— VIII. „ſo witd 2— XIX. el un 10 Wegen des Umſtandes, daß 1700, wel⸗ m 10 ches ein Schaltjahr ſeyn ſollte, ein ge⸗ niſſen, meines ward, vermindert ſich jede Epakte tegoriani- um 1, und das gilt bis 1800, da wie⸗ 00 zu b. der die Epakte um 1 vermindert werden man üt ſollte, weil 1800, das ein Schaltjahr zenn mm iſt, auch ein gemeines Jahr ſeyn ſollte; ede(heit doch aus einem andern Grunde,(weil art, dher naͤmlich Anno 1800, 6 mal 312 Jahre abgelaufen ſind,) muß die Epakte wieder um Eins vermehrt werden. Aus beiden Gruͤnden zuſammen bleibt ſie alſo unver⸗ aͤndert bis 1900. Von 1900 wird die Epakte wieder um 1 kleiner. ——— — 214 . Epakten 1 Pro Anno Beha vradane 1ISae 1535— Pro 1700. 1 7 8 1 0 2 18 109 12 11 3 29 0 23 22 4 1 11 3 5 21 22 155 6 ⸗ 2 3 26 25 2 3 14 7 8 21 25 18 17 9 5 6 29 28 10 16 17 10 9 11 27 28 21 20 12 8 9 2 1 13 19 20 13 12 14 0 1 24 23 15 11 12 5 16 22 23 16 15 1 3 4 2 26 18 134 15 7 19 25 26 19 8 1 7 8 1 0 Problem. Ein Julianiſches ſowohl, als ein Gregorianiſches, Calendarium per- petnum zu machen. Man mache 12 Kolumnen, fuͤr jeden Monat eine, trage darin vertikal die Ziffern der Monatstage ein(— der Februar bekoͤmmt nur 28 Tage)— ſetze jedem Tage ſeinen Buchſta⸗ —„31)3 ne, traye onatstage nur 2 Buchſ 215 ben bei, indem man vom Iſten Januar mit A anfaͤngt. Nun ſuche man, auf welchen Tag des Januars fuͤr jede goldne Zahl der erſte Neumond faͤllt; das findet man auf der Julianiſchen Epaktentafel. In dem dritten Jahre des Mondeyklus, oder in dem Jahre, deſſen goldne Zahl 3 iſt, faͤllt der Neumond auf den iſten Januar ſelbſt. In dem Jahre mit der goldnen Zahl 4 iſt die Epakte= XI; alſo iſt dann der Mond am erſten Januar XI Tage alt; folglich wird, weil jeder der Monden, den die Epakten hervorbringen, volle Z0 Tage hat, nach I1+ 19=— 30 Tagen, alſo, da der 12te Tag der Iſte Januar iſt, auf den 2oſten Januar, der erſte Neumond fallen. Man ſchreibe alſo bei dem 20ſten Januar die goldne Zahl 4. Im 5ten Jahre des Mondecyklus iſt die Epakte— 22, alſo der erſte Januar iſt der 23ſte Tag des Mondes; folglich koͤmmt nach dem Zoſten Tage der Neu⸗ mond auf den 9ten Januar. Kurz, man ziehe die Epakte jedes Jahres von 31 ab; der Reſt zeigt an, auf den wievielſten Januar der erſte Neumond in dem Ja— nuar des Jahres faͤllt, deſſen goldne Zahl der Epakte entſpricht, z. E. die Epakte 216 des 12ten Jahres im Mondeykel iſt 9, alſo faͤllt der erſte Neumond in dem Jahre auf den 31ſten— 9=— 22ſten Januar. Die Epakte des Iſten Jahres im Mond⸗ eykel iſt(aus den oben eroͤrterten Gruͤn⸗ den) 8, nicht 7; alſo faͤllt in dem Jahre der Neumond auf den 31ſten— 8— 23ſten Januar. Hat man auf dieſe Weiſe den erſten Neumondstag fuͤr jedes Jahr des Mondeyklus im Januar gefunden, und bei jedem ſeine goldne Zahl geſetzt, ſo notire man durch den ganzen Kalender die Tage, auf welche die folgenden Neu⸗ monde, in dem gegebenen Goldenzahl⸗ Jahre fallen. Sie fallen aber immer ſo, daß nach einem, der auf den Zoſten Tag faͤllt, einer folgt, der auf den 29ten faͤllt, welches Geſetz auch in Abſicht auf den, aus den Epakten geſammelten, Mo. nat von 30 Tagen gilt, ſo daß, wenn in einem Goldenzahl⸗Jahre die Epakten einen vollen Monat liefern, der zweite Neumond auf den 29ſten Tag vom erſten Neumond faͤllt. Da nun, nach der Vor⸗ ſchrift, jeder erſte Neumond fuͤr jedes Jahr der goldnen Zahl im Januar, aus den Epakten berechnet, zu Z0 Tagen an— genommen iſt, ſo muß jeder zweite Neu⸗ —eüüyy 1i Jahn nuar. Nond⸗ ruͤn⸗ zahre Wen ſe da hr des Und 6, ſo dender n Neu⸗ enzahl⸗ wer ſo, n Tag 20ten ht auf „No⸗ wenn Epakten zweite erſten tt Vor⸗ t jedes ar, als gen an te Ne —— 217 mond auf den 29ſten Tag vom erſten geſetzt werden; jeder dritte Neumond auf den Zoſten Tag vom 2ten an gerechnet, jeder vierte auf den 29ſten Tag vom dritten Neumond an gerechnet, und ſo fort. So iſt der Iulianiſche Kalender fertig.— Um einen Gregorianiſchen zu machen, richte man alles ein, wie vor⸗ her, nur ſtatt der goldnen Zahlen ſchreibe man die Epakten. Da aber dieſe fuͤr verſchiedene terna Saccula verſchieden aus⸗ fallen, ſo iſt, wenn der Gregorianiſche Kalender wirklich immerwaͤhrend ſeyn ſoll, eine Tabula epactarnm expansa noͤthig.(Siehe Wolfii Chron.) B. Geographie. Sie iſt die Kenntniß der Erde; und je nachdem ſie die Erde betrachtet, ent⸗ weder als Himmelskoͤrper, oder als In⸗ begriff von Naturalien, oder als Wohn⸗ ſitz von Menſchen, die Voͤlker und Staa— ten ausmachen, iſt ſie mathematiſche, phyſiſche, hiſtoriſche, oder, weil das Wort hiſtoriſch nur von vergangener Zeit gebraucht wird, politiſche. —————— 218 Die mathematiſche Geogra⸗ phie ſtuͤtzt ſich ganz auf Aſtronomie, die ihrerſeits den Halbmeſſer der Erde als Maaßſtab noͤthig hat, folglich die Groͤße der Erde erforſchen muß; und die auch die Geſtalt der Erde zu manchen ihrer Unterſuchungen zu wiſſen braucht. Es enthaͤlt nun die mathematiſche Geogra⸗ phie die Methoden zur Beſtimmung der Stellen jedes Orts auf der Erde. Gege⸗ ben hat die Natur die Pole; dadurch be— ſtimmt ſich der Aequator; eben ſo ſind gegeben das Zenith und Nadir jedes Orts, dadurch beſtimmen ſich des Orts Meridian und Horizont. a) Breite eines Orts heißt eigentlich der Winkel ZCA, den die, durch des Orts Zenith gehende, Erdaxe ZC mit der, in des Ortes Meridianflaͤche liegen⸗ den, Aequator⸗Axe AC macht. Jedes Orts Breite iſt ſeiner Polhoͤhe gleich; denn fuͤr beide iſt der Abſtand des Ze⸗ niths vom Pol die Ergaͤnzung zu einem rechten Winkel. Auch iſt die Breite jedes Orts auf der Erde(ACL) gleich dem Abſtande, den am Himmel das Zenith vom Aequator hat.(Figur I.) 3 1 2og e, die e als Rroͤße auch ihrer 8 Kograe ng der Gege⸗ ch be⸗ ſ ſind jedes 5 Otts entlich h des mit jegen⸗ Jedes gleich; es Ze einem jedes h dem zenith Anmerkung. Da die Firſterne, aus jedem Orte der Erde betrachtet, gleich weit von einander erſcheinen, oder in unverruͤckter Stellung bleiben, ſo iſt es⸗ in Abſicht auf ſie einerlei, ob wir ſie aus dem Mittelpunkte der Erde, oder aus dem Orte der Oberflaͤche L, beob⸗ achten; naͤmlich es fallen aL mit A C, und p E mit P C zuſammen, oder, wenn man ſie doch unterſcheiden will, ſo ſind a L mit A C, und p L mit P C, parallel. Es iſt einerlei, ob man die Hoͤhe der ☛ 220 Sonne, oder eines Sterns uͤber unſerm Horizont, und deren Abſtand, von unſerm Zenith, mißt. b) Die Laͤnge des Ortes L.(Fig. II.)— c Se iſt der Winkel AP B, den dieſes Orts Meridian PL Bp mit dem fuͤr den erſten angenommenen Meridian p P A—(der in der Flaͤche des Papiers liegt)— macht, oder das Maaß dieſes Winkels, naͤmlich der Bogen des Aequators A B, der von Abend gegen Morgen in einem fort bis 3600 gezaͤhlt wird, wenn man nicht oͤſt⸗ liche und weſtliche Laͤnge unterſcheiden will, wo von A nach Oſten und Weſten, nur — 4 Orts erſten (der nacht, zmlich von tt bis t oͤß⸗ wil, nnt — — 221— bis 1800 gezaͤhlt wird. Denn erſten Meridian zog man durch die Inſel Ferro, weil da die Ligne sans declinaison mag- netique damals durchging, und man ſich einbildete, die Laͤnge der Oerter ſtehe mit der Abweichung, die die Magnetna⸗ del bei ihnen habe, in Proportion. Heute nimmt man als den erſten Meridian den an, welcher 200 von Paris=— 170 41 von Greenwich, liegt. Dieß ruͤhrt von Ludwig XIII. her. Da die Sonne ihren taͤglichen Schein⸗ umlauf von Mittag bis abermals Mit⸗ tag in 24 Stunden vollendet, ſo koͤmmt ſie in einen Meridian, der 2 vom Ae⸗ quator, d. i. 38= 150 weſtlicher liegt, als ein anderer, um Eine Stunde ſpaͤter, und ſo immer im Verhaͤltniß des Win⸗ kels, den der weſtliche Meridian mit dem erſtern macht. Alle Oerter unter dem weſtlichen Meridian ſind daher mit ihrer Zeit an derjenigen Uhr, die beim Kulmini⸗— ren genau Mittag oder 12 zeigt, um ſo⸗ viel gegen den erſten zuruͤck, als der Winkel beider Meridiane betraͤgt, wenn man fuͤr 150 eine Stunde rechnet. Da⸗ her verlieren Reiſende, wenn ſie die Erde von Oſten nach Weſten ganz umfahren, 222 * einen Tag, und gewinnen eben ſo viel, wenn ſie von Weſten nach Oſten die Erde umſegeln.— Alle Methoden, die Laͤnge zu finden, beruhen darauf, daß man Himmelsbege⸗ benheiten an zweien, oſt⸗ und weſtwaͤrts verſchiedenen, Oertern, nach wahrer Zeit beobachtet, und daraus den Unterſchied der Zeit findet, die alle 150 eine Stunde betraͤgt. Es giebt drei Methoden, die Laͤnge zu finden: 1) Sonnen⸗ und Mond⸗Finſterniſſe, und Durchgaͤnge des& oder der 7 durch die Sonne. 2) Jupiters⸗ Trabanten⸗ Finſterniſſe 3) Monddiſtanz, d. i. Bedeckung und Abſtand der Planeten und Fixſterne vom Monde.(Mayer uͤberreichte 1760 ſeine Mondtafeln den brittiſchen Commissio- ners of the board of longitude, wofuͤr ſeine Erben 3000 Pfund Sterling be⸗ kamen.) Man mißt die Diſtanz des Mondes von einem bekannten nahen Fix⸗ ſterne in einer beſtimmten Zeit—(die Zeit hat man an der Uhr dadurch, daß man alle Mittage Sonnenhoͤhe nimmt, wodurch man die Zeit des Mittages fin⸗ ſchied tunde tnge rwiſſ, durch iſſe und vom ſelne 1SSo- ofuͤr g be⸗ des Fir⸗ (ie daß immt, s fin⸗ 223 det, auch durch die Hoͤhe der Sterne bei Nacht). Dann geben auch die Mondta⸗ feln genau an, wie groß die Weite die⸗ ſes Sterns von einem Orte zu eben der Zeit ſey.— So giebt ſich die Laͤnge; z. E. man faͤnde um 11 Uhr auf dem Schiffe, daß der Mond eine Diſtanz habe, die er zu Greenwich um 10 Uhr hat. Nun werde eine Erſcheinung, die ſich allen Erdbewohnern zu gleicher Zeit zeigt,—(z. E. der Aufang oder das Ende einer Mondfinſterniß, der Eintritt, eines Mondfleckens in den Schatten, oder ſein Austritt, die Verfinſterung oder Wiedererſcheinung eines Jupiters⸗ Trabanten)— an zweien Oertern unter verſchiedenen Meridianen beobachtet. Ge⸗ ſetzt, am Orte A zeige ſie ſich um 10 Uhr 12 Minuten Abends, am Orte B um 1 Uhr 50“ des naͤchſten Morgens, wo alſo Zeitunterſchied 3 Stunden 338 Minuten iſt: ſo iſt der Laͤngenunterſchied, um welchen B weſtlicher liegt, 540 30. Weiß man nun die Laͤnge des einen Orts in Abſicht auf den erſten Meridian, ſo weiß man auch die Laͤnge des andern. Hat man eine unter allen Umſtaͤnden im⸗ mer gleichfoͤrmig richtig gehende Uhr, 224 ſtellt ſie nach eines Orts A wahrem Mit⸗ tage, und nimmt ſie nach einem andern Orte B mit, ſo wird ſie hier die Zeit weiſen, die man in A zaͤhlt. Ver⸗ gleicht man nun dieſe mit der wirklich in B ſtatt habenden Zeit, ſo hat man den Unterſchied der Zeiten, und damit auch den Unterſchied der Laͤnge. Harriſon bekam fuͤr ſeine Uhr 10,000 Pfund Ster⸗ ling vom Engliſchen Parlamente; die Erben des Tobias Mayer zerhielten fuͤr ſeine Mondtafeln 3000 Pfund Ster⸗ ling.— Jetzt ſind Chronometer—(time— keepers)— von Emery haͤufiger, und genauer. In der Schifffahrt iſt es zu mißlich, ſich auf ein wandelbares Inſtru⸗ ment allein zu verlaſſen; daher Obſer⸗ vationen immer noͤthig bleiben.(Siehe Haſſenkamps Geſchichte der Bemuͤ⸗ hungen, die Laͤnge zu finden.)— Zur Beſtimmung der Laͤnge der Oerter dienen noch die Weltgegenden. Horizont iſt die, auf dem, durch das Zenith gehenden, Erddurchmeſſer ſenkrecht ſtehende, Ebene; ſie gehe durch den Ort—(ſcheinbarer Horizont)— oder durch das Erdcentrum— (wirklicher).— Der Horizont theilt ſich in 4 gleiche Theile durch die zwei Punkte, worin — 225 rem N worin der Meridian, und durch die 2, andenn worin der Aequator, ihn ſchneiden. die Zeit Windroſe— 32 Windſtriche— deren Ver⸗ Benennung. kich in c) Methode, die Groͤße und an den Geſtalt der Erde zu finden. AB ait auch ſtelle einen Erdmeridianbogen vor; dieſer rriſen werde aufs Genaueſte gemeſſen, naͤmlich nd Stur⸗ ſeiner Laͤnge nach; er werde=— n Toiſen, te; die oder anderes Maaßes gefunden. An den rhielten Endpunkten A und B beobachte man eines à Ster⸗ und eben deſſelben Sterns Abſtand vom -(dme- Zenith im Meridian, naͤmlich die Winkel er, und ZAS, XBS, wo, wegen der großen ſſt es zu Entfernung des Sterns, AS und B Sfuͤr Inſtru⸗ parallel zu halten ſind. Nun iſt A CB obſer⸗= w— u= XBS— ZAs, gleich (Siehe dem Unterſchiede der Entfernungen des Bemi⸗ Sterns vom Zenith. Man mache alſo — zur die Proportion wie A CB zu 3600, ſo e dienen die Laͤnge des Bogens AB zur Laͤnge des t ſt di Umfangs der Erde, die alſo dadurch ge⸗ thendn, funden wird, wie aus ihr der Erdhalb— cbune; meſſer A C. Freilich iſt dieſe Operation erter die ſchwerſte in der praktiſchen Geome— tnnn⸗ trie. Der Bogen AB— CFigur III.) hrit i 1w. P Puntt, worn muß wenigſtens einen Grad groß ſeyn, weil ſonſt der etwanige Fehler zu ſehr anwaͤchſt. Eine Entfernung von wenig⸗ ſtens 15 Meilen zu meſſen, iſt nicht leicht. Eigentlich ſoll hier der Abſtand der, durch die aͤußerſten Punkte A und B ge⸗ henden, Parallelkreiſe gefunden werden. Zu dem Behufe muß man mehrere Standpunkte laͤngs und neben der Mit⸗ tagslinie nehmen, und ihre Lage gegen einander, und gegen die Mittagslinie, ſcharf beſtimmen, indem man die Dreiecke —— . 227 zwiſchen ihnen an einander haͤngt, und mißt, vermittelſt hoͤchſt genau gemeſſener j Baſen und Winkel. Die erſte genaue Meſſung der Art geſchah von Picard im Jahre 1669. Er maaß bei Paris eine Baſis 5663 Toiſen(Klaftern zu 6 Fuß)— haͤngte immer ein Dreieck an das andere, bis nach Amiens, und fand durch trigo⸗ nometriſche Berechnung dieſer Dreiecke den Abſtand der Parallelkreiſe des noͤrd⸗ lichſten und ſuͤdlichſten Standortes 78,350 Toiſen, folglich, da der Un⸗ / terſchied der Breiten 10 22 55“ groß I wahrgenommen war, machen 57,057 Toiſen hier Einen Grad aus. Picard ß ſeyn,— fand nach einer andern Vergleichung zu ſehr 57,064, und nahm daher als das Mit⸗ a wenig⸗ tel 57,060 an. Caſſini zu Anfange iht laict des vorigen Jahrhunderts, verlaͤngerte and der, den Meridian, und fand die Entfernung und B ge⸗ von der Pariſer Sternwarte bis an den n werden Parallelkreis durch Collioure unweit der nehrire ſpaniſchen Graͤnze 360,648 Toiſen, und der Mi nach der Reduktion auf die Meeresflaͤche Lage aö 360,614. Da nun der Unterſchied der dtrgalui Breite 62 I8 5 betraͤgt, ſo folgt, daß ie Drih ein Grad 57,097 Toiſen lang iſt, alſo H 2 N ☛ 228 37 Toiſen mehr, als nach Picard. Im Jahre 1713 verlaͤngerte man den Meridian bis nach Duͤnkerken, und fand den Abſtand der Parallelkreiſe durch Paris und Duͤnkirchen 125,454 Toiſen, den Unterſchied der Breiten 20 12/ 9½, alſo die Groͤße eines Grades 56,960, d. i. 100 Toiſen weni— ger, als nach Picard. Wenn der Meridian ein vollkommner Kreis iſt, ſo muͤſſen alle ſeine Grade gleich lang ſeyn, und umgekehrt. Vorausgeſetzt alſo, die Groͤße eines Grades, wie ſie ſich aus dem Abſtande der Parallelen von Collioure und Duͤnkirchen ergiebt, naͤmlich 57,060 Toiſen, ſey uͤberall gleich, und der Me⸗ ridian ſey ein Kreis, und die Erde eine Kugel: ſo laͤßt ſich leicht ihr Umfang— (naͤmlich 360 mal 57,060 Toiſen),— und ihr Halbmeſſer, ihre Flaͤche, und ihr Inhalt berechnen. Dagegen ſchien es, nach den ungleich befundenen Groͤ— ßen eines Grades, die Erde ſey keine vollkommene Kugel, ſondern nach den Polen zu krummer, weil die Grade nach Norden hin kleiner werden. Denn ein kleinerer Zirkel hat eine groͤßere Kruͤm⸗ mung, ein groͤßerer eine kleinere. Da 229 leaw.. w gleichwohl aus phyſiſchen Gruͤnden die aus Erde nach dem Aequator hin krummer, kraſ nach den Polen hin flacher, ſeyn ſollte, n3 ſo ging Maupertuis mit ſeiner Ge⸗ zun ſellſchaft nach Lappland, wo er im Jahre 1736, in einer Breite von 660 die Groͤße wii ee Grades 57,438 Toiſen fand, wo⸗ de 497 16 wegen der Strahlenbrechung 5, ſ weazicon ſind, ſo daß der nordiſche ſehn, Toiſe Naut Toiſen lang, folglich 362 8, d n ängen iſt, als der mittlere fran— Lolliourt warenerſe ee elldaa, vand eherg h0f nede een 1741 mit ihrer Arbeit fertig, h n vn en 3 von mehr als 3 Graden in d an danhe d Thal der Cordilleras bei ang— der eef Gude 4— nnias dſiſ 115 der e d rad der Breite 56,753 Toiſen S n unttaden alſo 30⸗ Toiſen kuͤrzer, als der 1 3* Pac⸗ e franzoͤſiſche Grad. La Caille 3 naaß am Kap 1751 einen Grad der nen Gi’, Erde; Boscowich und le Maire ſeh kinn 1735 2 Grade zwiſchen Rimini und Rom; nat den Liesganig 1766 faſt 3 Grade von peide ich Sobieſchuͤtz, unweit Bruͤnn in Maͤh Maͤhren, dam i bis Warasdin und Croatien. Der Eng⸗ ere di liſche General le Roy maß eine Baſis gen. A mit Glasroͤhren, 18 Fuß lang, frei uͤber 230— der Erde; Mechain und de Lambre maßen von Barcellona bis Duͤnkirchen. Die Attraktion der Gebirge macht Schwierigkeit; ſie ziehen naͤmlich das Loth an; das empfanden Bouguer und Liesganig. Maskelyne maß 1774 die Anziehung des Berges Shehallien; naͤmlich: es wurde geometriſch die Baſis des Berges zwiſchen zwei Punkten von N nach S gemeſſen, welche 2 Punkte, aſtronomiſch beſtimmt, durch den Unter⸗ ſchied ihrer Breite, eine laͤngere Linie geben, als ſie die Meſſung gab, und zwar daher, weil der Berg durch die Anziehung des Loths die Winkel vergroͤ— ßert hatte. Die Geodaͤtiſche Meſſung gab 436425 Fuß, und der, dieſer Meſ⸗ ſung korreſpondirende, Bogen betraͤgt nur 42“; dagegen fand Maske⸗ lyne durch 337 Obſervatlonen, indem er den Abſtand vom 43 Sternen vom Zenith maß, den Unterſchied der Breite zwiſchen den zwei Punkten 5455“, alſo 1156“ größer, weil der Berg das Loth an jedem Ende der Grundlinie gegen ſich angezogen hatte. Alſo war 1145“ der Effekt der doppelten Anziehung. mbte rchen. macht das und 7774 len; Daſſ n von unkte, Anter⸗ Anie , und ih die gergro⸗ eſſung Meſ⸗ etraͤgt aske⸗ dem er Zenith wiſchen I! 5 jedem geogen fekt d — 231 Hieraus wird klar, die Erde ſey ein, um die Pole eingedruͤcktes, Sphaͤroid.— Aber anſtatt, daß die Erde, wenn ſie ganz aus Waſſer beſtaͤnde, durch Umdre⸗ hung um ihre Are ein elliptiſches Sphaͤ⸗ roid ſeyn wuͤrde, ſo findet ſich, daß der Meridian keine Ellipſe iſt. Denn zwei gemeſſene Grade beſtimmen die Ellipſe. Allein die Meſſungen in Frankreich und Peru gaben das Verhaͤltniß der großen und kleinen Are, wie 311: 310, die in Frankreich und Lappland, wie 129: 128, die in Peru und Lappland wie 215: 214. Kluͤgel berechnete das Geſetz fuͤr eine krumme Linie, in welche ſich 7 gemeſſene Grade fuͤgen. In dieſer iſt der Durch— meſſer des Aequators 6,559,981 Toiſen, die Erdaxe 6,524,894; der Unterſchied= 35,087, welcher, wenn man 3800 Toi⸗ ſen—(22,800 Pariſer Fuß)— auf eine deutſche Meile rechnet, etwa 92 Meile betraͤgt. Das Verhaͤltniß des Aequatoreal⸗ und Polardurchmeſſers iſt bei⸗ nahe 187: 186; in der von Bouguer berechneten Curve iſt es 179: 178. Die Mittelzahl von dem Umfange eines Meridians und des Aequators in der Kluͤgelſchen Curve iſt 20,582,394 232— Toiſen. Der Durchmeſſer eines Kreiſes, deſſen Umfang ſo groß iſt, als dieſer mitt⸗ lere, betraͤgt 6,551,580 Toiſen. Man pflegt einem Aequatorgrade 15 deutſche oder geographiſche Meilen zu geben, wo⸗ von alſo der Umfang des Aequators 5,400, und der Durchmeſſer beinahe 1719 hat. Eine ſolche Meile iſt auf der, fuͤr den Durchmeſſer zu 6,551,580 Toiſen ange⸗ nommenen, Kugel, 23,6,58 rheiniſche Fuß groß. Die Oberflaͤche der Erde ent⸗ haͤlt 9,281,916 geographiſche Quadrat⸗ meilen. Der koͤrperliche Inhalt derſel⸗ ben betraͤgt uͤber 2,659 Millionen Kubik⸗ meilen. Anmerkung 1. Eratoſthenes— (etwa 200 vor Chriſto)— maß zwiſchen Syene und Alexandria 7 Grad. Auch Hipparch 106 vor Chriſto und Poſido⸗ nius 80 vor Chriſto, berechneten die Groͤße der Erde. Araber thaten dieß um das Jahr 800; Fernel in Frankreich 1550, Snell in Holland 1617, Nor⸗ word in England 1635, Riccioli in Italien 1643. Anmerkung 2. Richers Erfah⸗ rung an den Penduln zu Cayenne ſeit ——— 5— ſchen Auch ſido⸗ n die eß um nkreich Por⸗ bli in Etfah d ſiit — ₰ 233 1671, brachte auf den Gedanken von der ſphaͤroidiſchen Geſtalt der Erde. d) Phaͤnomene des Sonnen⸗ ſtandes oder der Tages⸗ und Jah⸗ reszeiten an den verſchiedenen Orten der Erde.— Kreiſe, durch die Punkte, in welchen die Sonne am weiteſten vom Aequator ſuͤdwaͤrts und nordwaͤrts ab⸗ ſteht, parallel mit dem Aequator gezogen, heißen die Wendekreiſe. Eben ſo heißen die, in gleichem Abſtande vom Aequator (23 0) auf der Erde gezogenen Parallel⸗ kreiſe. Die in eben demſelben Abſtande von den Polen gezogenen Kreiſe, heißen Polarkreiſe: der noͤrdliche und ſuͤdliche. Dadurch beſtimmen ſich die fuͤnf Zonen. Theilt man die ganze Erdoberflaͤche in 10,000 gleiche Theile, ſo kommen auf die heiße Zone 3982, auf beide gemaͤßigte 5191, auf beide kalte 827 Theile. Die Erleuchtungsgraͤnze halbirt allemal den Aequator, aber ſie theilt die Parallelkreiſe in deſto ungleichere Theile, je mehr ſie uͤber einen Pol hinaus, und vom andern zuruͤckgeht, und je naͤher die Parallelkreiſe dem Pole liegen. Die Alten zogen durch jeden Punkt, wo der laͤngſte Tage um eine halbe Stunde zunimmt, Parallel— 234— kreiſe, und theilten die Erde dadurch in Klimate ein.—(Man rechnete ihrer 30, wovon aber die 6 letztern uneigentlich ſo hießen.)— In der gemaͤßigten Zone giebt es 4 Jahreszeiten, in der kalten nur 2, in der heißen iſts anders. Poerioeci, Antoeci, Antipodes. e) Methoden zur Verferti⸗ gung von Land⸗ und Seecharten, und Globen. Bei Verfertigung der Charten und Globen koͤmmt es darauf an, die Netze zu zeichnen, und die Oerter einzutragen. Erſt traͤgt man diejenigen Oerter ein, deren Stelle aſtronomiſch ge— funden iſt, dann die andern, deren Lage gegen jene durch Meſſung und Schaͤtzung bekannt iſt. Die Graͤnzen der Laͤnder, d. i. die Kuͤſten, den Lauf der Fluͤſſe, den Zug der Gebirge, muß man theils aus Meſſungen, theils aus Nachrichten An— derer, zeichnen. Eine Landcharte iſt ein perſpektiviſcher Entwurf eines Theils der Erdflaͤche. Iſt das Stuͤck der Erdflaͤche klein genug, um fuͤr eben gelten zu koͤnnen, ſo wird es geometriſch aufgetragen— (Zeichnung, Riß,) indem man links und rechts die geographiſche Breite aufzeichnet, dann oben und unten die Laͤngen nach dem trch u 1 30) ich ſo giebt r2, veci, et eten, S der arauf Derter evigen ſch ge Lage tzung inder, den 3 aus n An⸗ iſt ein ils der dſlche Punen, ſen— ks und eichnen ich den — 4 24 — 235 Verhaͤltniß des Coſinus der Breiten.— Große Theile der Erde darzuſtellen, hat man folgende Arten: 1) Die orthographiſche Projektion, wo⸗ bei von jedem Punkte der Erdflaͤche auf die ſie beruͤhrende Ebne Perpendikel gezo— gen werden, welche die, ihnen zugehoͤri— gen, Punkte abbilden. Am leichteſten wird dabei die Polarprojektion, wenn die Projektionsebne den einen Pol beruͤhrt. 2) Die ſtereographiſche, wo die Pro⸗ jektionsebne durch den Mittelpunkt der Kugel geht, das Auge in dem Pol des, in der Ebne befindlichen, Kreiſes, ſteht, und die jenſeitige Kugelflaͤche ſo entwor⸗ fen wird, als wenn das Auge die innere hohle Seite betrachtete. Nimmt man die Grade der Parallelkreiſe immer gleich groß, und vergroͤßert dagegen die Grade der Meridiane in eben dem Verhaͤltniſſe, in welchem auf der Kugel die Grade der Parallelkreiſe gegen die Grade der Meri⸗ diane kleiner werden, ſo bekoͤommt man die Charten, die man reducirte nennt, oder Charten mit wachſenden Breiten, auch Merkators⸗—(der zuerſt 1569 eine ſolche herausgab)— oder Wrights⸗ Charten. Man braucht ſie zur See; aber 236 auch groͤßere Laͤnder, wie Deutſchland, Frankreich, laſſen ſich natuͤrlich genug nach dieſer Methode zeichnen. 3) Die Centralprojektion. Das Auge befindet ſich im Centro, und aus ihm wird durch jeden Ort eine Linie nach einer beruͤhrenden Ebne gezogen; ſo iſts bei Sterncharten. 4) Projektion auf einer Kugelftäͤche, die in einem, mitten durch das Land ge⸗ henden, Parallelkreiſe, die Kugelflaͤche beruͤhrt, und uͤber dem Pol den Kegel⸗ ſcheitel hat.(Murdoch.) Globen ſtellen am richtigſten die Lage und Proportion der Theile auf der Erd⸗ flaͤche vor, und dienen zur Aufloͤſung vieler Probleme. Neueſte Verbeſſerungen der Charten 1) nach Richtigkeit. 2) Illumination nach Terrain, wie Youngs Charte von Trantraich. und preußiſche Charte. Stereometriſche Darſtellung des Lan⸗ des, wie Pfeiffer, wie ein Bauer in Schleſien, wie jetzt in Bern. Nach Ber⸗ lin iſt Anno 1805 nicht Pfeiffers, ſondern eines gewiſſen Muͤllers in Stein hland genug Auge ihm ner dei ache, ge⸗ aͤche egel⸗ Lage Erd⸗ ſung n 1) wie und Lan⸗ tr in Ber⸗ erb, Stein 237 ꝛc. gearbeitete Abbildung der Schweiz gekommen. Schriften. Lulofs Einleitung zur mathematiſchen und phyſiſchen Kenntniß der Erdkugel, aus dem Hollaͤndſchen, 1755, 4. Mallets allgemeine oder mathema⸗ tiſche Beſchreibung der Erdkugel, uͤber⸗ ſetzt von Roͤhe 1774.(Das aͤlteſte Werk iſt: Varenii Geographia generalis, edit. Newton.) f) Geſchichte der Charten und Globen. Diogenes Laërtius ſchreibt die erſten Charten dem Anaxi— mander, aus Thales Schule, zu. Propertius erwaͤhnt Charten. Die, bei Ptolemaͤus befindlichen, ſind nicht von dieſem, ſondern von einem Aga⸗ thodaͤmon im 5ten Jahrhunderte.— Die Peutingerſche Tafel, etwa aus dem 4ten Jahrhunderte, hat den Namen von dem 1547 in Augsburg geſtorbenen kaiſerlichen Rathe Peutinger, in deſ⸗ ſen Nachlaß man ſie fand; am beſten herausgegeben von Scheyb zu Wien 1753 fol. Eginhard gedenkt einer ſil⸗ bernen Charte von Karl dem Großen.— Haubers Verſuch einer Geſchichte der Landcharten. Bonami in den Mémoires 238. de l'Académie des Inscript. Tom. XXV. Sprengel. Die Originalcharten moͤgen ſich zu den Kopien oder Nachſtichen ver— halten, wie 1 zu 10. Gatterer nahm im Jahre 1775 an, es gebe etwa in allem 16000 Charten(Kopien mitbegrif⸗ fen.)— Kritik der Charten. Neuerdings machen ſich die Staaten daraus eine An⸗ gelegenheit, ſich richtige Charten von ihrem Gebiete zu verſchaffen, ſtatt daß dieß ſonſt bloße Privatſache der Gelehr⸗ ten war. 2) Die phyſiſche Geographie enthaͤlt die Keuntniß der Erde als Inbe⸗ griffs von Naturalien. a. Land: ſeine Begraͤnzung mit dem Meere; Continent, Inſeln, Halbinſeln, Iſthmus, Straßen, Buſen, Vorgebirge oder Landſpitzen, Archipele; ferner ſeine Struktur oder Geſtalt, Gebirge, und deren Arten und Klaſſen, Stellung, Bergreihen, Hoͤhen, ſowohl der Berge, als des Bodens ſelbſt, uͤber der Meeres⸗ flaͤche; Abdachungen nach den Floſſen be⸗ urtheilt, Thaͤler, Flachland, Steppen, Hoͤhlen, endlich ſeine chemiſche Beſchaf— fenheit, Arten des Geſteins, des Erd⸗ reichs, und der Mineralien uͤberhaupt; —& n2 dem ſeln, irge ſeine und lung, zerge eerts: in be⸗ vden, ſchef Er⸗ aupt; 239 Verſteinerungen; Vulkane, alle hart an der See— manche ſogar im Meer— haben Inſeln hervorgebracht— Pico.— Schroͤtters Selenotopographiſche Fragmente— Hoͤhe der Mondberge. b. Waſſer. aa) Das Meer, ſeine Begraͤnzung mit dem Lande, umnaͤndiſche und inlaͤndiſche Meere, letztere Seen genannt.(Nimmt das Meer ab, und das Land zu?)— Meeresboden, Geſtalt und Beſchaffenheit, ſein Waſſer, deſſen Beſchaffenheit, geſal⸗ zen und bitter in verſchiedenem Grade nach Tiefe und Gegend; warm und kalt, nach Tiefe und Gegend;— Eisfelder.— Durchſichtigkeit, Groͤße und Tiefe, Be⸗ wegung, Brandungen, regelmaͤßige Ebbe und Fluth, Stroͤmungen, Stromgaͤnge, Wellen; Treibholz, Wirbel, Riffs, Stra⸗ ßen, Seehaͤfen, Farbe und Leuchten des Meeres,— Buſen und opponirte Stroͤ— mungen in den Straßen. bb) Quellen. Arten von Waſſer, z. E. Mineralwaſſer, Bauwerk der Erdſchichten zum Behuf der Quellen. ce) Fluͤſſe. Urſprung und Verbin⸗ dung; Flußgebiet, Flußbette: 240 1) Nach Richtung, Geſtalt, Windun⸗ gen, Schmaͤlerung, Verbreitung; 2) Nach der Tiefe, Geſchwindigkeit, verſchieden nach dem Abſtande vom Ufer, nach der Tiefe der Waſſerſchichten; Ge⸗ faͤlle, Waſſerfaͤlle. dd) Landſeen,— geſalzene,(Baikal⸗ ſee)— ihre Hoͤhe, Groͤße, Tiefe, Ver⸗ bindung mit Fluͤſſen. ee) Moore und Suͤmpfe— hochgele⸗ gen— enthalten oft alte unverweſete geologiſche Reſte. c. Luft. 1) Veranderungen ihres Drucks und ihrer Elaſticitaͤt(Barome⸗ ter)— ihrer Waͤrme(Thermometer)— ihrer Trockenheit, Feuchtigkeit(Hygrome⸗ ter)— ihrer chemiſchen Beſchaffenheit, z. E. Durchſichtigkeit, Geſundheit,(Eu⸗ diometer) Reinheit.— 2) Bewegung;— Winde:— Zeit derſelben, Monſoons und beſtaͤndige Paſſatwinde; See⸗ und Landwinde, zu⸗ mal in der heißen Zone,— Winde von oben— Geſchwindigkeit; ein ſanfter Wind laͤuft 10 Fuß in einer Sekunde; geht er 60 Fuß in einer Sekunde, ſo iſt er ſchon ein europaͤiſcher Orkan, der mit der Kraft von 5 ¾ Pfunden auf jeden Quadrat⸗ 241 QAuadratfuß wirkt. Orkane, Wirbelwinde, Waſſerhoſen. Beſondere Winde, wie der hoͤchſt austrocknende, aber kuͤhle und geſunde, Harmattan in Guinea, der auch hoͤchſt trockne, aber erſtickend heiße Cham— ſin in Aegypten, der Samum und der Samiel in Arabien und Perſien, der Sirocco in Unteritalien, Siciljen und Sardinien. d. Jahreszeiten und Witterung, in den heißen, den gemaͤßigten, den kalten Zonen. Die Temperatur haͤngt ab von der Hoͤhe und Richtung der Gebirge, wiefern ſie ein Land ſchuͤtzen oder nicht, von der Hoͤhe des Landes ſelbſt, von der Nachbarſchaft der Seen und des Mee⸗ res, von der Beſchaffenheit des Bodens, von Waͤldern, Moraͤſten ꝛc. Die Kaͤlte nimmt mit der Hoͤhe zu, in der Tiefe, im Innern der Erde, bleibt die Waͤrme ſich ſehr gleich.— Der harte Winter 1709 war in Ireland und Schottland ſehr gelinde; der von 1740 war es an Norwegens und Groͤnlands Kuͤſten.— Alſo, was heißt ein harter Winter? Man muß hinzuſetzen, wo er hart war.— Nebel, Hoͤherauch. IV. Q 242— e. Organiſche Weſen, oder Zuſammen⸗ hang der verſchiedenen Gegenden des Erdbodens und der verſchiedenen Gewaͤſ⸗ ſer mit den Gewaͤchſen und Thieren. f. Veraͤnderung des Erdbodens durch phyſiſche Urſachen, Entbloͤßungen, Ein— ſtuͤrzungen, veraͤnderte Meeresgraͤnze, Einbruͤche der See, Verſteinerungen, Seeprodukte auf Bergen: Neptuniſche, Vulkaniſche Geologie. g. Geogonie, Entſtehungsgeſchichte der Erde nach Perioden, Bildung der Ge⸗ birge, Thaͤler, Erdſchichten, Gewaͤchſe, Thiere. h. Veraͤnderungen, welche die Men⸗ ſchen auf der Erde vornehmen, ſowohl was das Mineralreich, als vornehmlich, was das Reich der organiſchen Weſen betrifft. Hauptſchriften ſind: Lulof; Berg⸗ manns phyſiſche Beſchreibung der Erd⸗ kugel, aus dem Schwediſchen, von Roͤhl; de Luͤc phyſiſche und moraliſche Briefe uͤber die Geſchichte der Erde und der Menſchen. Pallas Beobachtungen uͤber die Gebirge. Zimmermanns geographiſche Geſchichte des Menſchen und ——— 243 umen. der vierfuͤßigen Thiere; Mitterpachers dee phyſikaliſche Erdbeſchreibung. rwaͤſ⸗ 3) Politiſche Geographie; Be⸗ ſchreibung des Erdbodens als Wohnſitzes urch der Menſchen. Ein— Eintheilung der Erdflaͤche in Stuͤcke, aage d. h. Laͤnder, nach Staaten, ſofern naͤm— oen, lich die Einwohner zu einerlei Staate niſcht, gehoͤren; nach Voͤlkern, ſofern ſie Eines Stammes oder Einer Sprache ſind. Nach te der Religionen, oder nach gewiſſen Stufen t Gt⸗ der Kultur, ſie einzutheilen, waͤre un⸗ waͤchſ nuͤtz.— Eintheilung der Erdflaͤche nach dem Umfange: Chorographie, To⸗ Men⸗ pvographie.— Geographie einzelner ſowohl Laͤnder, und allgemeine aller Laͤnder, jmüch, d. i., Aggregat von jenen. Endlich Ein⸗ Weſen theilung nach Zeiten, wie die Geſchichte. Inhalt der neuen Geographie. Sie Berg⸗ handelt kritiſch von eines jeden Landes er Ede Charten, Land⸗ und Reiſebeſchreibungen, Rihl; und andern Quellen. Die Einleitung in ſe Brieft die Geographie handelt von mathemati⸗ und de ſcher und phyſiſcher Geographie, dann dtung Statiſtik. Hierauf koͤmmt eigentlich poli⸗ emann⸗ tiſche Geographie, naͤmlich Grenzen, chn m Lage, Stellung, Flaͤchengroͤße— Qua⸗ dratmeilen.— Phyſiſche Beſchaffenheit, 9 Oᷣ 2 — 244 in Abſicht auf Boden, Klima, Witte⸗ rung, und Waͤſſerung.— Verkehrwege, Kommunikation, natuͤrliche und kuͤnſtliche; Beurbarung, Urland, Bruͤcher, Moore, Suͤmpfe, Waͤlder, Pflugland, mehr oder weniger urbar; Beſetzung oder Anbau mit Bauerhoͤfen, Doͤrfern, Flecken, Staͤd⸗ ten, verſchieden in Abſicht auf Bauart, Zuſammenhang, Groͤße, oͤffentliche Ge⸗ baͤude, Merkwuͤrdigkeiten.— Das Correlatum von der Beſchreibung eines Landes als Wohnſitzes von Men⸗ ſchen, die Beſchreibung der Bewohner deſſelben in Abſicht auf ihre geſellſchaft⸗ liche Verfaſſung und ihr Privatleben, nimmt die politiſche Geographie mit. Dieſe beſchreibt alſo im Allgemeinen die Staatsverfaſſung in Abſicht auf Geſetz-, gebung, Gerichtsweſen, Regierung— (vollziehende Gewalt—) Militair, Re— ligion, Lehrweſen, Finanzen, Polizei, Staatswirthſchaft; und die Organiſation oder Eintheilung des Allen nach Spren⸗ geln und Sachen, und die Unterordnung. Hiemit haͤngen zuſammen die verſchiede— nen Rechte der Perſonen—(Staͤnde) und Sachen. 245 Wi Im Allgemeinen: die Privatwirth⸗ wege, ſchaft der Menſchen, Produktion, Fabri— lich; kation, Umſatz,— Vermoͤgen, Einkom— vore, men; ferner ihre Sitten, Sprache, Ge— oder braͤuche, Kultur. In Abſicht auf Sitten nbau und Gebraͤuche haben zwar die chriſtliche R⸗ Religion, und das große Verkehr der auadt, Europaͤer unter einander, eine große e Ge⸗ Uebereinſtimmung in allen Laͤndern Euro⸗ pa's hervorgebracht; doch iſt der Unter⸗ eibung ſchied auffallend, der von der Religion— Men⸗(katholiſch, proteſtantiſch—) von der wohner Verfaſſung—(Despotie oder populaͤre elſchaft Regierung—) und von der Kultur, her⸗ ntleben, ruͤhrt. e mit. Dieſe Notizen nimmt nur die politi⸗ nen die ſche Geographie in der Laͤnderbeſchreibung Geſet⸗ mit, indem ſie die politiſche Eintheilung ung- des Landes zum Grunde legt, und bei e, Se den Ortsbeſchreibungen zugleich das, was Paliei ſich darin zur Staatsorganiſation Gehoͤ⸗ zaniſatin rendes oder geſetzlich Merkwuͤrdiges ſo— 2 wohl, als zum Gewerbe und Einkom⸗ nedrung men der Einwohner Gehoͤriges, vorfin— rrſide det, richtig und lehrreich beſchreibt. (Stin Am beſten faͤngt man an mit Topo⸗ V graphien, eigentlich topiſchen Monogra⸗ phien; denn die regiſtermaͤßigen Verzeich⸗ 246— niſſe aller, auch der kleinſten, Ortſchaf⸗ ten nach den Sprengeln, wohin ſie kirch⸗ lich, juridiſch, eigenthuͤmlich, oder poli⸗ zeilich gehoͤren, ſollten eigentlich anders heißen, wiewohl einige auch wahre Topo⸗ graphien enthalten.— Von den preußiſchen Provinzen haben faſt alle ihre Topogra⸗ phen gefunden. Die Nicolaiſche Be⸗ ſchreibung von Berlin und Potsdam kann, wie die Bruͤggemannſche von Pom⸗ mern, zum Muſter dienen.— Auf topo⸗ graphiſche Monographien beziehen ſich Grundriſſe und Aufriſſe oder Anſichten; auf Chorographien beziehen ſich Zeichnun⸗ gen, Riſſe, Spezialcharten, z. B. von der Niederung bei Tilſit, und von den Seeen im Natangiſchen, in den Notizen von Preußen.— Landbeſchreibung. Da⸗ zu muß die Regierung Notizen und Riſſe, welche ſie haben mag, hergeben, und auf eigne Koſten genauere Unterſuchun⸗ gen, betreffend zumal das Mathemati⸗ ſche, Phyſiſche und Naturhiſtoriſche, ver⸗ anſtalten. Schriften. Epoche machte Buͤ⸗ ſching. Gatterer ergaͤnzt ihn eini⸗ germaßen. Norrmann(est male labo- riosus); Gaspari, Fabri, Erſch tſchi kirch poli⸗ ders opo⸗ hen Nen⸗ 2 M kann, Pom⸗ topo⸗ ſich ichten; chnun⸗ 5, von n den otizen Da⸗ 247 Repertorium uͤber die allgemeinen deut⸗ ſchen Journale fuͤr Geographie, Geſchichte ꝛc. 1791. Leonhardi Geographie von Preußen,(hoͤchſt ſchlecht)— Spren⸗ gels Geſchichte der geographiſchen Ent⸗ deckungen.— Ueberſicht der Fortſchritte verſchiedener Theile der geographiſchen Wiſſenſchaften, ſeit dem letzten Drittel des 18ten Jahrhunderts bis 1790; Anno 1795, von Käaͤſtner, Bruns und Zimmermann. Laͤnder, die ſelbſt Schriftſteller haben, koͤnnen auch Beſchreiber finden; wiewohl auch dieſe das Land bereiſen ſollten, und zwar nach vollendeter Beſchreibung; und wiewohl auch von dieſen Laͤndern fremde Reiſende rechter Art oft lehrreichere Be⸗ ſchreibungen machen koͤnnen, als Einge— borne. Aber Laͤnder ohne Schriftſteller kennt man nur aus Beſchreibungen frem⸗ der Reiſenden. Studium der Reiſebeſchrei⸗ dungen.(Stucks Verzeichniß der aͤltern und neuern Reiſebeſchreibungen, Halle 1784.)— Ueberſetzungen, Samm⸗ lungen und Auszuͤge, als: Allgemeine Hiſtorie der Reiſen zu Waſſer und zu Lande, von 1747 an, in 4. Samm⸗ —— —:—O—ÿ—᷑—᷑—ꝛ—⸗—⁊&XBͦB——— lung der beſten Reiſebeſchreibungen in Auszuͤgen, Berlin. Sammlung merk— wuͤrdiger Reiſen, Goͤttingen 1750— 57. 10 Theile. Sprengels Beitraͤge zur Laͤnder- und Voͤlkerkunde. Reinhold Forſters Magazin der Reiſebeſchreibun⸗ gen, wird fortgeſetzt. Natuͤrlich konnten auch die ſchreiben⸗ den Voͤlker des Alterthums nur durch Reiſen den Erdboden kennen, und ihre Kenntniß der Nachwelt uͤberliefern. Die eigentliche neuere Geographie aber, deren Epoche die Entdeckung der neuen Welt und der Fahrt um das Kap nach Hindo⸗ ſtan iſt, faͤngt an mit dem, was dazu einigermaßen Anlaß gab, mit den Reiſen des Marco Polo und des Rubru⸗ quis, und beruht, wenigſtens was die fuͤr uns ſchriftloſen Laͤnder und Gegenden betrifft, ganz auf Reiſebeſchreibungen. Hauptwerk hieruͤber iſt, Sprengels Geſchichte der geographiſchen Entdeckun⸗ gen.— Uebrigens muß man die Reiſe⸗ beſchreibungen unterſcheiden in Abſicht auf ihr Alter,(denn vieles iſt veraͤnder⸗ lich,, und ihren Werth. Die Wahrhaf— tigkeit vorausgeſetzt, koͤmmt es darauf an, was die Reiſebeſchreiber fuͤr einen ————— 249 nn eigentlichen Zweck gehabt haben, was ſie meti zu deſſen Erreichung fuͤr Vorkenntniſſe F. 1 und Geſchicklichkeiten, mitbrachten, und zur was ſie dazu fuͤr Gelegenheit, Mittel 9ld und Zeit hatten;—(Bekanntſchaften, un. Landesſchriften). Der Zweck kann ſeyn: nautiſch, aſtronomiſch, naturhiſtoriſch, de ſelbſt noch enger: botaniſch oder minera— dutch logiſch; ferner: politiſch, insbeſondere ihte militairiſch, juridiſch, kirchlich; dann Die ſtaatswirthſchaftlich und gewerblich, oͤko— deren nomiſch, technologiſch und kommercial; Welt auch aͤſthetiſch, auf Kunſtſachen merkend; indo⸗ bibliognoſtiſch, archaͤologiſch, anthropolo⸗ dazu giſch. eiſen Merkwuͤrdig iſt, daß, je aufgeklaͤrter ru⸗ die Reiſebeſchreiber werden, deſto mehr die findet ſich, daß wilde Bewohner neu ent⸗ uden deckter Laͤnder bei weitem nicht ſo boͤſe n. ſind, als vormals barbariſche Reiſende gel⸗ ſie gefunden haben wuͤrden. Es giebt in rtun Abſicht auf gewiſſe Laͤnder und beſtimmte giſe Zwecke, Reiſebeſchreibungen, die man bſcßt klaſſiſch nennen koͤnnte, wie Chardin nder von Perſien, Kaͤmpfer von Japan, the Pococke vom Morgenlande, Pallas aruf von Sibirien, Cook von den Laͤndern eine des ſtillen Oceans, und Niebuhr von „„„———— 3—— 7 N———— —** —— 8——— ———————————Jöe;ʒ7 ——— 250 Arabien. Nuͤtzlich ſind auch ſolche Bear⸗ beitungen, wie Volkmann von Ita⸗ lien, Frankreich, England und Holland, gemacht hat. Anmerkung 1. Es giebt Reiſen, die ganz erdichtet ſind, wie Marshalls, Carvers—(ungewiß),— Pagés, Pſalmanazars. 3 2. Manchem Reiſenden fehlt es an Vorkenntniß, Gelegenheit, beſtimmtem Zweck; daher muͤßiges Raiſonnement, Beſchreibung von Gefuͤhlen, politiſcher Eifer. 3. Regierungen haben wenig zur Laͤn⸗ derkunde beigetragen. Die engliſchen Seereiſen, und Niebuhrs Reiſe, ſind wohl die einzigen. 4. In England iſt eine Societaͤt zur Entdeckung des Innern von Afrika zuſammengetreten. Mungo Park,— Bruce, Hornemann. 4) Alte Geographie. Wenn man ihr, wie der alten Geſchichte, die Voͤl— kerwanderung zur Graͤnze ſetzt, ſo muß man die Gesgraphie jedes denkwuͤrdigen alten Landes wieder eintheilen und unter⸗ ſcheiden nach den verſchiedenen Zeiten, (Griechenland ſah anders aus zu Ho⸗ 251 mers, als zu Ariſtoteles Zeiten) und 31' nach den Autoren, aus denen man ſchoͤpft land,(z. B. Aegypten nach Herodot und nach Ptolemaͤus). ofe Alte Werke. Geographiae veteris ls, scriptt. Graec. minor. ex editione Hud- ei, son. 4 Baͤnde.— Strabo(zu Auguſt's Zeit) edid. Almeloveen, Ptolemaeus, 5 Kn(unter Antoninus Pius)— Geographiae ntem lib. VIII. Pausanias descrsptio Grae- nent, ciac; Steph. Byzantinus(gegen das Ende iſche des 5ten Seculi)— dictionar. geogra- phic. Pomponius Mela,— Plinius,— Lin⸗ Solinus. Dann die Hiſtoriker, Griechen ſchen ſowohl als Roͤmer. Neuere Werke: ſind Cellarii notitia orbis antiqui, 2 Voll. 4to. Mannert Geographie der Griechen letät und Roͤmer. Kruſe hiſtoriſcher Atlas. ffrika D' Anville Handbuch der alten Geo⸗ ,— graphie, von Bruns. Charten der alten Welt: Koͤh⸗ man lers Atlas alter Charten. D'Anville Völ Charten, nachgeſtochen in Nuͤrnberg und muß zum Theil in Berlin. Haſe hiſtoriſche digen Charten der alten Reiche. Rennel Geo- unter graphy of Herodot. 4 ete Geographie des Mittelalters 51 ſſſt noch nicht genug bearbeitet: Koͤhlers 252 Einleitung in die alte und mittlere Geo— graphie, 1730. D' Anville Handbuch der mittlern Geographie, 1782. 8. Benjamin ben Jona, von Tude⸗ la in Spanien 1173 hinterließ eine he— braͤiſche Beſchreibung ſeiner(angeblichen) Reiſen durch Europa, Aſien— bis China,— und Afrika. Sie erſchien he⸗ braͤiſch zu Konſtantinopel 1543 in 8., dann lateiniſch uͤberſetzt von Arias Montanus zu Antwerpen 1575, 8. Franzoͤſiſch in: Voyages, faits principa- lement en Asie; par P. Bergeron, 1735, 4to. Auch von Baratier uͤberſetzt.— Abulfeda von Reiske.— Geogra⸗ phiſche Wöterbuͤcher. Bruzen de la Martiniero grand Dictionn. geographique et critique. T. 9. Amstelod. 1726— 39. tol; deutſch in 13 foll. Huͤbners Staats⸗Zeitungs⸗ und Konverſationsle⸗ lerikon. Die Alten machten mehr Landreiſen, als zur neuern Zeit geſchieht. Daß ſie Fluͤſſe und Gebirge verwechſelten, den Nil mit dem Indus, den Po mit der Donau, den Schwarzwald mit dem Harze, und daß daher ein Fluß mehrere Namen an verſchiedenen Stellen, z. E. 253 Waal und Rhein, Werra, Fulda und Weſer, dagegen verſchiedene Fluͤſſe einer⸗ lei Namen haben, z. E. Roͤr, Mulde in Sachſen; auch, daß verſchiedene Voͤlker Einen, und Ein Volk verſchiedene, Na— men haben, erklaͤrt, ſich leicht. C. Staatenkunde, Statſſtik. Statiſtik, in Deutſchland als beſon— dere Diſciplin behandelt, iſt Kenntniß der Kraͤfte eines Staats, d. i., einer regierten Nation. 1) Die Nation wird betrachtet, nach a. ihrer Menge, b. ihrem Gebiet, c. ihrem Vermoͤgenszuſtande in Ab⸗ ſicht auf Nahrung, Wohnung, Kleidung, Bequemlichkeit, Wohlleben. Beſchreibung der, Gewerbe aller Art; Eintheilung des Volks in Klaſſen nach ihren Einnahme⸗ quellen. Verhaͤltniſſe derſelben. 2) Regierung. Konſtitution und Or⸗ ganiſation in Abſicht auf alle Staats⸗ zwecke,— innere und aͤußere.— Aem— terbeſetzung, Perſonenrechte, Sachen— rechte. 254 3) Verwaltung. Geſetze und deren Vollziehung. Verhaͤltniß zwiſchen Geographie und Statiſtik. Jene betrachtet die Bewohner des Landes nur ſo weit, als es zur Kennt⸗ niß des Landes nothwendig iſt, dieſe hin— gegen betrachtet das Land, bloß um der Bewohner willen. Anmerkung I. Steatiſtik iſt eine immer veraͤnderliche Wiſſenſchaft, wie die Staaten ſelbſt, und die Quellen es ſind. 2. Statt der Plane, wornach ſie von Achenwall, Toze, Remer, Spren⸗ gel, behandelt iſt, ſollte ſie nach einem andern Plan gelehret werden, der mehr die Nation ſelbſt, als den Hof oder den Staat, zum Zwecke nimmt; dazu gehoͤrt Staatswirthſchaft. 3. Ihre Quellen erfordern große Be⸗ urtheilung. D. Genealogie. Geſchlechtskunde iſt Kenntniß der merkwuͤrdigen Perſonen in Abſicht auf ihre Stammverhaͤltniſſe. Sofern Ver⸗ wandtſchaft theils durch Erbrecht zu Ver⸗ ———— dera Und hner int⸗ ßin⸗ — 255 moͤgen und Machtanſehen bringt, theils durch Vorliebe zu Blutsfreunden auf Mittheilung von Macht und Vermoͤgen wirkt, iſt ſie ein Haupterkenntnißgrund hiſtoriſcher Begebenheiten, und zwar ſo— wohl in der alten Geſchichte, als in der mittlern und neuern; vollends aber, in ſofern als in der mittlern und neuern Zeit die Verwandtſchaft Erbrechte auf ganze Staaten, oder, nach der Lehnsver⸗ faſſung, auf Laͤnder und Aemter, auf oͤffentliches Vermoͤgen und Machtanſehen, gab; und in ſofern ſich gewiſſe Familien ausſchließlich, theils zu Stiftern erwaͤhl⸗ bar,— theils gewiſſer Orden und Aem— ter empfaͤnglich, theils gewiſſe Grund⸗ ſtuͤcke zu beſitzen faͤhig, machten. In ſofern endlich alle europaͤiſche Fuͤrſten durch Heirathen unter einander Verbin⸗ dungen eingehen, und die privilegirten Geſchlechter anderer Laͤnder gegenſeitig für ſolche anerkennen, iſt es fuͤr die mittlere und neuere Zeit noch erheblicher, Genealogie zu kennen.— Man kann in der Genealogie unterſcheiden die Theo— rie, und die hiſtoriſche Kenntniß der Fa⸗ milien ſelbſt. — ꝑ— 256 1) Theorie. Geburt macht den Grund aus. Hauptlinien, Nebenlinien, Sei⸗ tenlinien, geordnet nach maͤnnlichem Ge⸗ ſchlechte allein, oder nach maͤnnlichem und weiblichem— ohne Unterſchied, zur successio linealis cognatica. Grade der Verwandtſchaft, Ahnentafel; Darſtellung von 16 Ahnen; Stammbaum. Der Ahnenſtolz geht in das tempus mythicum obscurum zuruͤck. Neuerdings giebt es Luͤgen fuͤr Geld. Die Juden, Erzgenealogen, fuͤhrten alles bis auf die Erzvaͤter hinauf, die Griechen und Roͤmer bis auf die Goͤtter—(Ziopene bei Apol⸗ lodor)— die neuern Europaͤer bis auf Karl den Großen. Alle unſre jetzigen europaͤiſchen Regenten ſind deutſchen Stammes. Unterſcheidung des Adels in hohen und niedern, in betitelten und unbetitel— ten, in urſpruͤnglichen und gemachten.— Begriff vom Adel; in jedem Lande iſt er etwas anders. Sein Weſen beſteht in Privilegien, d. i. Rechten, die andere nicht haben. Alter Adel iſt alter Reich⸗ thum oder altes Machtanſehen. Alter Adel beſtand urſpruͤnglich: a) aus 257 8₰ Gnn a) aus Grundeignern, Dynaſten, Ba⸗ Sä ronen, Freiherren, Erbherren, die vor Ge⸗ und nach Einfuͤhrung des Lehnrechts ichem Richter und Heerfuͤhrer, Geſetzgeber und zur Regenten ihrer Einſaſſen waren, und es der hier und da noch ſind. lang b) Aus oͤffentlichen Beamten, wie Herzogen— Woiwoden, Duces, Doge,— upuS Grafen, d. i., Richtern aller Art: Graͤnz⸗, ings Burg⸗, Pfalz⸗, Vicegrafen. den⸗ c) Aus Hofbeamten, Truchſeß, Kaͤm⸗ de merern, Marſchaͤllen. daͤmer In jedem Lande ſind mit den Namen Pho andere Verhaͤltniſſe bezeichnet, daher ſoll⸗ 3 auf ten die Namen unuͤberſetzt bleiben. Die gen Stifts⸗, Ordens⸗ und Amtsrechte der Ad⸗ ſten lichen ſind ſehr ungleich zu verſchiedenen Zeiten, und in verſchiedenen Laͤndern. Standeserhoͤhungen und das Adeln Vuhm ſind neu. Der erſte bekannte Adelsbrief beit war der, welchen Philipp III. 1272 hen.- ſeinem Orfoͤvre gab. Unter Hein⸗ ude rich IV. adelte ſelbſt die Generallieute— iithtn nantsſtelle nicht, ſo wenig, als vormals Knde die Kanzlerſtelle. Man rechnete ſonſt in daich Frankreich 50,000 Adliche, das waͤren Aer des Volks, wenn bloß Perſonen, und nicht Familien, zu verſtehen waͤren. n IV. R 9 258 2 Ziemlich neu ſind die Geſchlechtsna⸗ men und die Wappen der Adlichen. a) Der hohe Adel ſowohl als der niedere, begnuͤgte ſich mit Taufnamen, und wenn gleichnamige Perſonen zu unter⸗ ſcheiden waren, ſo unterſchied man ſie durch: Rothbart, Vinkler, Loͤwe, Baͤr, Wolf, Reuß, durch: der junge, der alte, der ſchwarze, der weiße ꝛc. vor⸗ nehmlich aber nach der Heimath. So gingen mit der Zeit die Namen der Laͤn⸗ der und Guͤter auf die Eigenthuͤmer uͤber, und wurden allmaͤhlich vererbt, wie jene zufaͤlligen Benennungen. Das Beiwort von ſtand natuͤrlich vor dem Namen, der vom Eigenthum entlehnt war.(In Polen iſt das ski dem deutſchen ſchen gleich, z. B. Posnanski, der Poſenſche, naͤmlich Kaſtellan, oder der Herr von Poſen.) Daher wurde auch Anfangs das von nicht gebraucht bei ſolchen Namen, die von andern Umſtaͤnden entlehnt waren. Manche Familien, wie die Borke in Pommern, die Riedeſel in Heſſen, verſchmaͤhen es noch. In Eſtors Ah⸗ nenprobe iſt p. 425 angemerkt, daß Heinrich de Sinna, der in einer Urkunde von 1062 vorkoͤmmt, der erſte geweſen ſey, der ſich mit einem Ge⸗ NNO—DTTqC ütön ſchlechtsnamen genannt habe. Vor dem elften Jahrhunderte kommen keine Ge⸗ der ſchlechtsnamen des niedern Adels vor, imen, und noch lange nachher waren ſie wan— nter⸗ delbar. Denn wenn ſie von Guͤtern her⸗ 1 ſe genommen waren, ſo entſtanden bei bruͤ⸗ di, derlicher Theilung ſo viel neue Namen, de als beſondere Ortſchaften beſondere Erb⸗ . Wle⸗ theile ausmachten. 8! Noch im 14ten Jahrhunderte hatte Lin⸗ die Gewohnheit, bloße Taufnamen zu über fuͤhren, in manchen Gegenden Deutſch— die jene lands nicht aufgehoͤrt.— zeiwortt Aber mit den Nichtadlichen war es wamen, vielleicht auch ſo, und mit den Kloſter⸗ (In geiſtlichen iſt es noch ſo. ſchen— nſche E. Heraldik. r von Heraldik(von Herold), Wap⸗ ds dIS penkunde(von Waffen), Blason, iſt die damen, Wiſſenſchaft der Regeln und des Rechts unn. der Wappen. Die Wappen, als bildliche tke in 4 Unterſcheidungszeichen, gehoͤren einem hiſtr, Lande, einer Herrſchaft, einem Amte, 5 A' einer Geſellſchaft,(Kommune, Stadt), t, d einer Familie, einer Perſon, zu.— n ein Ihre Verwilligung iſt entweder ausdruͤck⸗ dr eſ lich—(Wappenbrief)— oder ſtillſchwei⸗ m Ge M2 * 260 gend. Der Urſpeung iſt zu ſuchen in alten Zeichen bei den Deutſchen,(Tac. Germ. cap. 6) vorzuͤglich in den Tour⸗ nieren, wozu nur Adliche kommen ſollten, und in den Kreuzzuͤgen, die, weil man damals keine Montur hatte, Fahnen und Schildzeichen noͤthig machten. Zu den Wappen gehoͤren weſentliche und zufaͤllige Stuͤcke. 1) Die weſentlichen Stuͤcke beſtehen in dem Schilde und dem Helm. a) Schild oder Feld; dieſes iſt ver⸗ ſchieden: aa. nach der Geſtalt; und zwar nach Nationen, nach Stellung, nach Range; bb. nach der Farbe oder Tinktur. Ghrafftemna zu Metall und Farbe ſind: e Silber. Roth. Blau. K 5 1 Gruͤn. Purpur. Schwarz. B 261 jen ec. nach den Figuren oder Kleinodien, (Tx. Ehrenſtücken, und allerlei Zeuge, wie Tony| Fetiſche, deren Zahl, RangZ Stellung, Iten, Verſchränfung 2c. man b) Helmz bei dieſem betrachtet man und aa. den Helm ſelbſt 3 offener, geſchloſ- ſener 3 föniglicher, gemeiner, Roſt=- we Giſier)= mit wie vielen Reiffen. bb. Die Helmkleinodien, als Hörner, ſtehen Flügel, Schweife, Federn, Helmdecke. 2) Zufällige Wappenſtücke ſind: R vet a) Standeszeichen, als: Kronen, Hüte, Müßen. x nd| b) Ordenszeichen, z. B. Ketten. ange c) Schildhalter. inftur, d) Wappenmäntel. ſind; In Wappen ſucht man Gedächtniß und Anſprüche zu bewahren, wie in T!- teln. Siegel, Münzen und Urkunden ſind Quellen und Beweismittel der He- raldif, - Die erblichen Wappen ſind nicht ſo ) alt, als die Geſchlechtsnamenz3 ſie wa- | ren eben ſo veränderiich, Zeichen hatte | man lange, aber nicht erbliche. und un- wandelbare, worin eigentlich das Weſen des Wappens beſteht 3 vollends, wenn ſie Wahrzeichen eines Geſchlechts werden, 2,62 emmemmenmnnenen da ſie ſonſt nur Zeichen von Perſonen ſind. Vor dem 1xten Jahrhunderte fin- det man wenig herzogliche, und vor dem T2ten faſt' keine gräfliche, Siegel, ſon- dern die Herzoge bedienten ſich, wie die Kaiſer, ihrer Bildniſſe zu Pferde, allen- falls mit Fahne und Helm, Die Gra- fen machten es ihnen nach; endlich nahm auch der niedere Adel Waypen an, von welchem indeſſen das älteſte bekannte Siegel erſt von 1220 iſt,(Eſtors Ah- nenprobe, Pag. 445.)= Nichts iſt im I3ten Jahrhunderte gebräuchlicher, als daß der niedere Adel ſich des Siegels eines Landesherrn, Domkapitels, oder' ſeines gleichen, bevient, weil er, wie er „ſagt, fein eignes habe. Im JI4ten Jahr- hunderte wurden die Wappen, in Sie- geln wenigſtens, gemeiner 3 aber manche alte Geſchlechter hatten, wie es ſcheint, ſelbſt im 1 5ten noch keines, die Schlie- ben 3. B. nicht vor 1444. PD velo m a tit. Sie iſt die Wiſſenſchaft, Diplome, d.|. öffentliche, zur Ertheilung gewiſſer NEN WE IT SOE PN te füt t dein ſon: ? die lenz Oles vhm ; von fannt 5 Ahr fin u, M Siegels , vde wie er Jahr- Stew mand! ſcheiny 1118 Ipo) gwiſt EZ Ie= 2663 Rechte, oder zum Andenken gewiſſer Be- gebenheiten ausgeſtellte, Schriften, 1) richtig leſen, 2) vollfommen verſtehen, 3) in Abſicht auf Aechtheit und Un- vorfälſchtheit gehörig beurtheilen zu kön- nen; und zwar ſo, daß das alles bewie- ſen werden kann.? Ein' vievter- Zwe, nämlich die Di- plome gehörig zu benußen, gehört eigent- lich zur Hiſtoriomathie. Im weitern Sinne könnte man den Diplomen noch alle private Handſchrif- ten, und alle, aus dem Alterthum noch auf irgend welchen Denkmälern vorhan- dene, Schriften zugeſellenz aber die er- ſtern ſind zu unwichtig, und dienen da- her nur als Mittel zu'den Diplomen, und die lekßtern gehören in die Epigraphik und Numismatif. Zum Leſen dienen als Häülfsmittel die Werke, in welchen die Schriftzüge, Abbreviaturen, Monogramme, die in verſchiedenen Zeiten und Gegenden üblich geweſen, verzeichnet ſind, wie?! Mabillon de re diplomatica, Paris 1709, tol. und Göttingen 3747. Nouvean iraite de diplomatique par deux Teligienx Peue- z> (CE GEETE 264 ur dictins(Toustain et Tassin). a Paris 1755 egg. 6 Voll. 4t0; überſeßt von Adelung, 9 Bändeuim 4./ 1759.20. Zum Verſtehen dient die“ Kenntniß der Sprachen des Mittelaltexs, welche die Gloſſarien erleichtern, wie du Cange- und Andere. Zur Beurtheilung dienen alle, bei jeder Ausfertigung vorfommende, innere und äußere Umſtände. a) Aeußere Umſtände, als? Materie, worauf geſchrieben, Papyrus, Perga- ment, Seiden-, Kattun-, Leinenſilz: die Materie, womit geſchrieben, als: Pig- mente, ſchwarze oder rothe, Goldſchrift, „( GEETE ſk, 267 anders geſucht werden muß. ECben ſo führt auch das Aeſthetiſche zu Schlüſſen über die Kultur der Völker, die ſolche Münzen verfertigt haben. Jber vor- nehmlich benußt die Geſchichte alles das-' jenige, was ſich in dem Gepräge. der Münzen Lehrreiches finden läßt. Natur des Geldes, Schritte der Erfindung.-= Die fragmentariſchen Nach- richten der Alten laſſen ſich herrlich durch Parallelismus neuerer Zeiten erläutern. Homer Wias 9, 473, ſagt? woro Axzor=-(ſie kauften Wein ein)= ä&8a20: (ze» XE, Zaros SE GiSyom, daat de Biyorg=- (Felle 0. Leder),==&Aa2u Ze PBosuEW, dA 3 zvdeuxuderon Etwas Aehnliches ſagt die Stelle: Ulias b, 259.“ Aber an einem andern Orte ſagt Homer: Des Diome- des Rüſtung von Erz habe nur 9 Ochſen gefoſtet, des Glaucus goldne aber 100 Ochſen, Herodot ſagt 1. 94; mewr2: 3e Zugeuwor TW vapris Bv, 0 Audor veopigug xeuors xat Zeyuen wobarusvra ExenGArTO Die Stelle läßt einen dreifachen Sinn zu.=- Aelianus variae historiae XII. 10, ſagt: Phidon Argivus habe zuerſt gemünzt; aber auch dieſe Stelle iſt vieldeutig. So- nach iſt mit der Kupfermünze in Berlin, 268 GE 3 worauf HAcoy ſteht,==(Begeri Thes. antiquit. Brandenburg I. p. 279g.)-- zumal da' es mehrere des Namens gegeben haben kann, nicht zu prahlen. Numismatiſche Kritik iſt um ſo nöthi- ger, da die BVerfertigung falſcher alter Münzen ſo viel einbringen kann. Nach Maaßgabe der unbezweifelt echten prüft man andere zweifelhaften.=- Die beru- fenen Peduaniſchen Münzen ſind nach dem Stempel wirklich antiker Münzen geprägt; andere ſind von antiken abge- formt, und nachgegoſſen 3; andere ſind aus zwei antiken zuſammengefügt, um da- durch ſeltne auffallende Stücke zu ma- denz andre antife Münzen ſind. im Ge- präge verändert.* Die älteſten, die man kennt, ſind die puniſchen oder eigentlich die mit punit- ſcher Schrift.=- Dorvillii res Siculae, "Tom. 2. Von den Griechiſchen ſind die älte- ſien eigentlich macedoniſch, von Amyn- tas, abavns Alexandri Magni, zu Cy- rus Zeit.--(Semlers Zuſäße zur Welthiſtorie, Theil 4, S. 3.=) Dann Cyrenäiſche Goldmünze von Demonax zu Mantinea zur Zeit des Piſiſtra-- - Ee --=-- 269 tus.=(Warduin, Memoires de Tre- vqux, 1727, Pag- 1444.)= Bei den Perſern prägte Darius Hyſtaspis=- (nac Herodot. IV, 166.=-) goldne Mün- zen, Darici genannt--(an Werth 20 Drachmen.)= Bei den Römern gebrauchte man Kupfer, welches erſt ſeit Ser- vius Tullius geprägt wurde; Silber erſt Anno 485 vu. c., lege Ogulinia; Gold erſt 547 u. c. j Im Ganzen ſchäßt man die Anzahl der jekt befannten antiken griechiſchen und römiſchen Münzen. ungefähr auf 40,000, und darunter die goldnen auf 3009, die ſilbernen auf 6000, und die ehernen auf 31,000. Nüßklich ſind 1) Kabinette von Münzen mit lehr- reichen Beſchreibungen. 2) Abdrücke in Hauſenblaſe. 3) Kupferſtiche. - Eſchenburgs Handbuch der klaſſi- ſchen Literatur giebt über das griechiſche „Münzweſen S. 47, und über das römi- ſſale der Menſchheit nach, auf ww|! der einen Seite durch die Geſchichte der aafs: 8 Vergangenheit, auf der andern durch rung ſeine eigne Vernunft erleuchtet, will er auch nicht bloß das Cinzelne erforſchen, ſon- hier dern alles unter einanderßvergleichen und alg auf ein gewiſſes Reſultat zurückführen: Pelt- ſo muß er nothwendig auch auf jene be- 9 zu rühmte und vornehmlich in unſern Tagen har, oft aufgeworfene Frage gerathen, ob. - man hoffen dürfe, daß der Wechſel der Begebenheiten allgemach einen beſſern Zuſtand des Menſchengeſchlechtes herbei- n führen werde, oder ob man mit mehr Recht dieſe Hoffnung für eitel erklären und annehmen müſſe, das Loos unſeres Geſchlechtes werde troß der Umwälzung » ' ZGF TTTE EZ SS ESSE EEE SSEN SENN SESIS SIS SESIS NEENEN Z E.<== nan 282 der Dinge, kroß dem Wechſel der Be- gebenheiten daſſelbe bleiben, das es bis- herwar? Dieſe Frage, wenn auch nicht zu ent- ſcheiden, dom zu erörtern und durch einige Bemerkungen zu erläutern, iſt der Zweck dieſes Vortrages. Viele Menſchen überreden ſich, es ſey nan einmal das Schickſal aller menſchli der Geſellſchaf- ten, zumal, wenn man unterſucht, wel- =... mr.*„5 PES. Mn IEE: me A SIEREN RET Re 4 254 SI E67 me RISE 288 LL entfliehen ſuchen oder, ihn zu dulden ſich weigern, ſie für ſtraffällig von demſelben Gericht erklärt werden, das ſonſt derglei- t; ſo muß die Wohlhabenheit dadurch nothwendig um vieles erhöht ſeyn. Das zweite Mit- tel die Induſtrie zu vermehren, iſt der allgemeinere wechſelſeitige Verfehr der Menſchen und Völker. In dieſer Hin- ſicht konnte ſich vielleicht nichts Wunder- bareres für das Menſchengeſchlecht ereig- nen, als was vor 300 Jahren geſchah, wo eine neue Welt, gleichſam ein uner- meßliches, bisher verſchloſſenes Natura- lienfkabinet, angefüllt mit den ſeltenſten Dingen, eröffnet ward und beinahe zu gleicher Zeit der reichſte Theil der alten Welt, Südaſien/"den Europäern ſo lange faſt unzugänglich, durch einen neuen Weg ſich ihm aufſchloß, So viel iſt gewiß, daß ſeit dieſer Zeit, wenn auch nicht bloß „aus dieſem, ſondern mehr noch aus jenem erſtern Grunde, Landbau, Kunſtſleiß, Handel und überhaupt Gewerbe aller Art 304, mehr aufgeblüht iſt, und die Natur- und Kunſterzeugniſſe«nicht bloß- in Europa, ſondern auch in den entlegenſten Ländern beträchtlich vermehrt ſind. Denn was zuvörderſt den Landbau betrifft, ſo wur- den ſogleich, nachdem man den. Erdball umſchifft hatte, die nükßlichen Gewächs- und Thierarten aus ihrer Heimath nach andern Gegenden, wo ſie bis dahin nie geweſen,. verpflanzt und daſelbſt ver- mehrt=- Anfangs zwar wur eine Unter- nehmung einzelner. Privatperſonen, jekt aber öffentliche Anordnung ganzer Staa- ten. So dürfen wir hoffen, es werden einſt, wo nur irgend auf der Erde nüß- liche Gewächſe und Thiere ſind, die auch anderswo fortfommen können, dieſe da- hin verſeßt und da fortgepflanzt werden, und auf dieſe Weiſe jene unvergänglichen Geſchenfe der Natur, die mehr als alles atzdre zur Wohlhabenheit beitragen, nach allen Seiten verbreitet und vervielfältigt, das Menſchengeſchlecht bereichern*). I< ſchweige von den zumal in der neuen iv:) Welt *) Abgerechnet eiwa, was ſich bloß auf Ge: ſt, um naturhinoriſche Kenntniſſe zu berichtigen und zu erweitern. Man legte daturalienkabinette an, dergieichen man im Alterthum nicht fannte. Anm; d, Verf, IVZ U Yen 308 feit der Maſchinen und Werkzeuge, deren man ſich bedient, oder endlich die durch unzähliche Erfindungen verbeſſerten Operationen ſelbſt. Dazu kommt noch die Hoffnung, daß ſie mit dem Laufe der Zeit noch immer mehr ſich aufnehmen und vervollkommnen werden. Wie ſehr endlich der Handel nach" allen ſeinen Zweigen in neuern Zeiten immer mehr ſich erweitert und"vervollfommnet hat, fann ich hier nicht ausführen; nur einige der vorzüglichſten Hülfsmittel will ich nen* nen, die ihm erſt neuerdings zu Hülfe gefommen ſind. Dahin gehört der Ge- brauch und vornehmlich das Giriren der Wechſel, die in allen Ländern ſelbſt Pri- vatperſonen und Fremden zu Statten fommenden Poſtenanſtalten, die mancher- lei zur Sicherheit und Bequemlichkeit der Schifffahrt getroffenen Einrichtungen, die Kundbarkeit der auf kaufmänniſche Ange- legenheiten ſich beziehenden Notizen, die man ehedem geheimnißvoll bewahrte u. dsl. m. Durch dieſe Vorkehrungen ſchei- nen nunmehr ſämmtliche Handelsleute aller Völker gleichſam eine unſichtbare Handelswelt auszumacendes, welche alle | die große Mutter Natur mit gleicher Liebe 4. und Sorgfalt umfaßt und gleicher Rechte 4- und Hoffnungen froh mächt. Man maß doch bei allem, was einem einzelnen Volke zuſtößt, auf den Einfluß merken, welchen eine ſolen. 5-70: 23. 0-Piſie 524 Ge IE / der ehemaligen. Rohheit liegen; mithin aus Unfultur entſtehen. Dagegen kann es feinem Zweifel unterworfen. ſeyn, wie ſehr wahre Kultur die Tugend. befördere, denn fie giebt jenes richtige„Urtheil über das Wahre, Schöne und Gute, ohne welches feine Humanitär möglich it, ſie weät und nährt die edelſten Gefühle der Seele, ſie erzeugt und empfiehlt die man- . „ ain dee eg Er EI IEE Gäb» ed Men MERSIN 329 Mein Mit Unrecht beklagt ſich das Menſchenge- wend' ſchlecht,-daß es ſo unvermögend ſey, und M MEI nur eine ſo“ kurze Zeit lebe, und. daß "ſv 3 der Zufall ungleich mehr ausrichte als vn das Talent; denn im Gegentheil wird nh' k man beim Nachdenken finden, daß es ww nichts Erhabeneres und Herrlicheres giebt lange' und daß es dem Menſchen, nach den Ein- 5 richtungen der Natur, nicht ſowohl an Kön Kraft oder Zeit als an Thätigkeit fehlt. de Trachteten die Menſchen mit eben dem |"= 3. Nn 5 Eifer nach, dem Guten, mit welchem ſie fin,; HOREEN . nach Dingen ſtreben, die ſie nichts ange- M hen, ihnen nicht frommen, oft wohl gar 5" gefährlich find, ſo würden wir mehr Herren in als Sklaven des Zufalls, und ungleich beſſer« und glücklicher ſeyn, als wir es 1017(1.4 H.« Jeßt jeyn föntnen, dieſe ndig Ti" TeYum tanta Cura eSSCt, quanto Studio aliena ac nihil: profutura multinangque etiam - und) Periculosa Ppetunt, non Tegerentur mags hn, quam Yegercnt GIS wanns; auifndes ename new 4".„re? ? ,„ 00) 5. „.“af war ui.-D net Übenden LILI HER: m IIR , EY mmer tanie mn we Ier RERE V 5 — Goiour& Grey Cortroſ Chart Blue Cyan Green Vellow HRed Magenta Wnite SGfey- Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black