n. Encyklopaͤdiſche Anſichten einiger Zweige der Gelehrſamkeit 8 von .* QꝘœ 7„ Chriſtian Jacob Kraus, öffentlichem Lehrer der praktiſchen Philoſophie, und⸗ der Cameralwiſſenſchaften auf der Univerſität zu Koͤnigsberg. Nach deſſen Tode herausgegeben von Hans von Auerswald, geheimem Staatsrathe und Ober⸗Präſidenten von Preußen, Curator der Univerſität zu Königsberg und Nitter des rothen Adlerordens. /·¶m ¶— 8 Erſter Theil. Koͤnigsberg, bei Friedrich Nicolovius. 1809. 2 and öffen der gehe Preu 4 4 4 4 — 2 —₰ 8 * Vermiſchte Schriften uͤber ſtaatswirthſchaftliche, philoſophiſche und andere wiſſenſchaftliche Gegenſtaͤnde von Chriſtian Jacob Kraus, der öffentlichem Lehrer der praktiſchen Philoſophie, und Cameralwiſſenſchaften auf der Univerſität zu Königsberg. Nach deſſen Tode herausgegeben von Hans von Auerswald, geheimem Staatsrathe und Ober⸗Präſidenten von Preußen, Curator der Univerſität zu Königsberg und— Nitter des rothen Adlerordens. — 7 4 Dritter Thei 8 II. Koͤnigsberg, bei Friedrich Nicolovius. 1809. —,.— Une Prif. 8 huf all gen, we gt, ſ ton Jah glat d Fäner mi tr, wod — tolſtänd Da Schtffte manches he inth dagll Vorbericht. ——— Unter den nachgelaſſenen Papieren des Prof. Kraus fanden ſich mehrere zum Be⸗ huf allgemein⸗ encyklopaͤdiſcher Vorleſun⸗ gen, welche derſelbe, anfangs nach Sul⸗ zer, ſpaͤter nach Eſchenburg, eine Reihe von Jahren hindurch gehalten hatte, an⸗ gelegte Hefte, nebſt einem Nachtrage ein— zelner mit Anmerkungen beſchriebenen Blaͤt⸗ ter, wodurch jene von Zeit zu Teit ver⸗ vollſtaͤndigt waren. Der Herr Herausgeber der Krauſiſchen Schriften glaubte, daß auch in ihnen manches oͤffentlicher Bekanntmachung Wer⸗ the enthalten ſey, zumal da eben dieſe encyklopaͤdiſchen Vorleſungen großen Bei⸗ X 2 — —————— V 1—;—— fall erhalten hatten und immer zahlreich waren beſucht worden. Auch mir ſchien es, nach genauerer 3 Durchſicht ihres betraͤchtlichſten Theiles, der Muͤhe werth, ſie wenigſtens nicht ganz der Kenntniß des literariſchen Publikums vorzuenthalten, beſonders von dem gleich zu beſtimmenden Geſichtspunkte betrachtet. Kraus beſchraͤnkte ſich, wie bekannt iſt, nicht auf den Anbau derjenigen Wiſſen⸗ ſchaften allein, als deren Lehrer er ange⸗ ſtellt war, ſondern mit einem unerſaͤttli⸗ chen Triebe, beinah mit wiſſenſchaftlicher Neugierde, ſtrebte er nach Allem, was nur zu wiſſen und zu kennen war, und hatte ſich einen großen Reichthum mannigfalti⸗ ger Kenntniſſe aus allen Faͤchern erwor⸗ ben, den er taͤglich vermehrte. So wie die Beweglichkeit und das leichte Zuſam⸗ menwirken ſeiner intellektuellen Kraͤfte in dieſem unermuͤdeten Auffaſſen und Aneig⸗ nen ihm außerordentlich zu Huͤlfe kam, ſo erzeugte es auch jene lebendige Klarheit, womit er das ſchnell Gefaß te und in ſeine Geͤen drüll dſen Kantni „Dur durch d Tleg dr bor berſtit dter T So lar bliden Pole f vwein in den rin ſoe il u Elſchi Ns re reäſe ſtzung und Fr n abn Ac VII Gedankenform Gegoſſene ausdruͤckte und darſtellte, ſo daß ſein Geiſt in einem raſt⸗ loſen Anziehn, Bilden, Wiedergeben von Kenntniſſen begriffen war. „Durch ſeine Gelehrſamkeit nun, ſo wie durch die Agilitaͤt ſeines Geiſtes und ſein Talegt der Mittheilung war Kraus einer der vorzuͤglichſten Lehrer der hieſigen Uni⸗ verſitaͤt und in ſeiner Art von nicht min⸗ derer Bedeutung fuͤr dieſelbe, als Kant. So lange naͤmlich Kant noch geiſtig lebte, bildete er und Kraus gleichſam die beiden Pole fuͤr die Studien derſelben, als einer gemeinſchaftlichen Sphaͤre, indem jener, in den Tiefen des Geiſtes wohnend, das rein ſpekulative, dieſer, weit in der Außen⸗ welt umher ſein Auge werfend und ihre Erſcheinungen philoſophiſch combinirend, das realiſtiſch⸗ rationale Princip fuͤr ſie repraͤſentirte. Dieſe relative Entgegen— ſetzung Beider druͤckte ſich bis in Kants und Krauſe's perſoͤnliche Beziehungen aus, da abweſend Einer vom Andern mit gro⸗ ßer Achtung ſprach, jeder ſeine Zuhorer VIII— auch des Andern Zuhoͤrer zu werden er⸗ e munterte, in unmittelbare Beruͤhrung aber Beide nicht kommen, ohne einander zu⸗ ruͤckzuſtoßen, und ohne gelehrten Streit in Geſellſchaft nicht beiſammen ſeyn konnten. In den Studien der Univerſttaͤt aber brachte dieß Verhaͤltniß ihrer Hauptleh⸗ rer eine gewiſſe richtige Organiſation und ein Gleichgewicht hervor, das ſich erſt bei Kants zunehmender Altersſchwaͤche auf⸗ loͤſte, ſo daß von der Zeit an Kraus in Lehre und Anſehn ein unlaͤugbares Ueber⸗ gewicht auf derſelben bekam und ſpaͤterhin auch behauptete. Iſt demzufolge die Bekanntſchaft mit Kraus, als einem umfaſſenden Gelehrten, an ſich intereſſant, iſt ſie zum Verſtaͤnd⸗ niß des wiſſenſchaftlichen Lebens der hieſi⸗ gen Univerſitaͤt, lange faſt der aͤußerſten literaͤriſchen Kolonie im Nordoſten Deutſch⸗ lands, und damit zur Erklaͤrung der in den letzten Jahrzehenden von da ausge⸗ gangenen Bildung, ſelbſt mancher Erſchei⸗ nung in der Geſetzgebung und Verwal⸗ in 3 bon d Krauſe rem l trwech ſicht. te, da l ſehte, nß, bon niſati gben in de nißte daath ke N did. — 1X tung des Preußiſchen Staats, wichtig; ſo giebt ohne Zweifel einer der erheblich⸗ ſten Beitraͤge zu ihr die Bekanntmachung von Papieren, die, wenn auch nicht in Krauſe's Hoͤeſaal verſetzen, nicht von ſei⸗ em lebendigen Vortrage eine Vorſtellung erwecken koͤnnen, doch uͤber die Grundan— ſicht, womit er die Wiſſenſchaften betrach⸗ tete, uͤber die Art, wie er ſie behandelte, den letzten Zweck, den er ihrem Studium ſetzte, den Werth, den er einer jeden bei⸗ maß, Aufſchluß, und von der Summe, von dem Zuſammenhange und der Orga⸗ niſation ſeiner Kenntniſſe einen Begriff zu geben im Stande ſind— nicht zu geden⸗ ken der fruchtbaren Winke uͤber noch ver⸗ mißte zweckmaͤßigere und vollſtaͤndigere Bearbeitung einzelner Zweige oder ſpeciel⸗ ler Materien, die man in ihnen finden wird. Um dieſen Beitrag zu geben, war es aber unnothig, alle ſeine encyklopaͤdiſchen Hefte abdrucken zu laſſen, deren einige, z. B. uͤber die poſitiven und die mathe⸗ 1 X matiſchen Wiſſenſchaften, auch zu kom⸗ pendiariſch ausgearbeitet waren. Das Weſentliche ſeiner wiſſenſchaftlichen Grund⸗ ſaͤtze und Anſichten liegt in der Einlei⸗ tung, in der Encyklopaͤdie der Philologie, der ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften und der Geſchichte. Dieſe demnach auszuhe⸗ ben und unter den gewaͤhlten Ueberſchrif⸗ ten in die Sammlung ſeiner hinterlaſſe⸗ nen Werke aufzunehmen, wurde beſchloſſen. Die Reviſion derſelben uͤbernahm ich, hatte auch die Einleitung, und die Ency— klopaͤdie der Philologie und der ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften beendigt, als meine vermehrten Geſchaͤfte mich noͤthig⸗ ten, die Arbeit an Hrn Prof. Huͤllmann abzugeben, welcher die Encyklopaͤdie der Geſchichte bearbeitet hat. Dem abgedruckten Texte liegen zum Grunde Krauſe's eigene Handſchriften, die mit Nachſchriften ſeiner Vortraͤge ſorgfaͤl⸗ tig verglichen und aus ihnen ergaͤnzt ſind. Grundgeſetz der Redaktion mußte natuͤr⸗ lich ſeyn, rein zu geben was Krauſe's won m, ſ Iig ig ggeich Jls it teten nußte berden. litrarn ratterſ dad ſ binden veiter geihn, Kraus Alam — — XI war. Dieß iſt gewiſſenhaft befolgt wor⸗ den, ſo daß keiner der Redaktoren ſo we⸗ nig irgend etwas Vortreffliches und Aus⸗ gezeichnetes ſich anzumaaßen berechtigt, als irgend etwas minder Gutes zu ver⸗ treten verpflichtet iſt. Nur in der Form mußte ihnen groͤßre Freiheit verſtattet verden. Ueberfluͤſſiges, z. B. bekannte Literarnotizen, wenn ſie nicht anders cha⸗ rakteriſtiſche oder neue Urtheile enthielten, war wegzuſtreichen, harte Uebergaͤnge wa⸗ ren zu mildern, abgerißne Saͤtze zu ver⸗ binden, kurz angedeutete Gedanken zu er— weitern. Hiebei iſt aber ſorgfaͤltig dahin geſehn, daß nichts Weſentliches und Kraus Eigenthuͤmliches verwiſcht, nichts ihm Fremdes hineingetragen und jede Er⸗ weiterung in ſeinem Geiſte gemacht wuͤrd Die Unverhaͤltnißmaͤßigkeit in der Aus⸗ fuͤhrung der Theile ließ aber ohne ein Verfahren, wozu man nicht berechtigt war, ſich nicht abſtellen. Auch viel Un⸗ bedeutendes mußte ſtehn bleiben, um den Zuſammenhang mit dem Bedeutenden nicht XII zu zerreißen. Denn das bloß Lernens⸗ werthe haͤtte ſich auch wohl aphoriſtiſch geben laſſen, aber das Charakteriſtiſche, worauf es hier eben ſo ſehr ankam, liegt zum Theil im Ganzen. Die in letzterer Hinſicht ſich ergebenden Reſultate zu ziehn, uͤberlaͤßt man, wie billig, dem verſtaͤndi⸗ gen Leſer. Suͤvern. —.ꝛ— Ener Allzer dn Ale Gele 8⸗ h 3. t 3 — Inhalt. Encyklopädiſche Anſichten einiger Zweige der Gelehrſamkeit. Allgemeine ee e iſch⸗ Anſichten und Grundſätze..„. S. 3 Allgemeine Encyklopädie, was ſe iſt.. ebend. Gelehrſamkeit, objektive und ſubjektive.. 5 Polyhiſtorie iſt vielleicht jetzt nur noch denkbar...... ebend. e Literatur bat in neuern Zeiten eine faſt unermeßliche Ausdehnung erhalten— Urſachen davon. 56 Nutzen davon für die Gelehrſamkeit ebend. Beim Umfange und Reichthume der Gelehrſamkeit kann kein Gelehrter in allen Theilen derſelben gleich erfah⸗ ren, doch muß er in keinem Fache ganz unwiſſend ſen. oobend. Woher ein Gelehrter dieſe Ueberſicht al⸗ Di ler Fächer erhalten kann.... 2 Nutzen der khehr gydir der Wiſfen⸗ ſchaften... ebend. Bei jeder Wiſfenſchaft kämn nt es an I. auf ihre Natur:......„ —-—— EEEEE— 4 V 4 Hierbei muß man wiſſen 1) das Obiekt, 2) den Zweck, V 8 3) das Prinzip, 4) den weſentlichen Inhalt der⸗ ſr 4 hie 8 ſelben S.. II. auf ihre Methode.. 9 4 Dieſe iſt 1) ſynthetiſch und„ 1 2) anatytiſch... 0 t TII. auf ihren Werth:..... I1 Dieſer iſt a) ſubijektiv und b) objektiv... ebend. IV. auf ihre Literatur.... 16 Eintheilung der Wiſſenſchaften oder der formalen Encyklo⸗ dde......... 17 1. Sprachkenntniſſe........ ebend. 1 II. Sachkenntniſſe........ ebend. A. Natürliche Wiſſenſchaften— Ein⸗ theilung derſelben..... ebend. B. Poſitive Wiſſenſchaften— Einthei⸗ lung derſelben........ 18 Wie man alle Wiſſenſchaften treiben kann ebend. Grundprinzip des aufgeklärten Denkens. 19 4 Alle Wiſſenſchaften müſſen immer mehr vervollkommnet werden... ebend.. Generalmaximen in Abſicht des Studiums der Wiſſen⸗ Lchaften....... 20 — 4 Encyklopädiſche Anſicht der Philologie. Philologie, Definition derſelben im weite⸗ ſten Sinttte........ 23 1 4 .— 8—— 1————— Eintheilung der Philologie:. I. Allgemeine Philologie. Dieſe beſchäftigt ſich 1, Mit der Sprache an ſich. Hier kommt in Betracht A. die Natur der menſchlichen Spraäche.... B. der Urſprung derſelben.. Meinungen über denſelben; die Sprache kann nicht ſeyn x. angeborne Sprache. Dieſe beſteht aus a) Modulatign der Stimme b) Geberdei... c) Mienen.... 2. erfundene Sprache.. — Dieſe ſetzt voraus 4) Vernunft..... b) Zwei Perſonen. 3. von der Gottheit mitge⸗ theilte Sprache. Gründe, um deren willen dieß nicht ſtatt finden kann Gründe für allmähliche Er⸗ findung der Sprache. Eine Urſprache giebt es nicht Woher die Aehnlichkeit zwi⸗ ſchen allen Sprachen komme C. ihre Mannigfaltigkeit. Hier kommt in Betrachtung a) der Stoff, b) die Form, c) der Kreis der Sprachen Die Sprachen ſind 3 5 1. urſprünglich verſchiedene Stammſprachen, oder abge⸗ XV S. 23 ebend. . 24 . 25 ebend. . 26 ebend. . 27 . 28 ebend. . 29 . 30 ebend. . 34 . 35 . 36 . 39 ebend. ——— —— XVI . Vſi do leitete Tochterſprachen oder Mund⸗ Muͤau arten....... S. 39 3 2 2. reine, oder gemiſchte, und Allemanns⸗ 1) Ah ſprachen..... ebend.)a 3. ſchriftfeſte oder ſchriftloſe..... 46 deg 4. gebildete, rohe, reiche, arme... ebend. Chi 3. ausgebreitete oder enge..... ebend. 6. heilige und Hofſprachen..... 41„ 7. ausgeſtorbene........ ebend. Bei Sprachvergleichungen iſt nöthig Acj ritik in Abſicht 1 a) auf den Stoff der Sprachen. ebend. b) auf die Form derſelben... 43 m c) auf den Kreis, in welchem ſie 3 3 5. de ſprochen werden... ebend. a Angabe der vorzüglichſten Stamm⸗ und Tochterſprachen.... 42 ff. Dtt Die Sprachen ſind einſylbig oder nehr Nar K ſylbig— Angabe derſelben.... 46 1 Die Sprachen ſind roh oder gebildet.. 47 D. ihr Werth oder ihre Vollkommenheit- I. in Abſicht auf den Stoff— worin dieſer beſteht.... 48 11. in Abſicht auf die Form oder die 4 Grammatik— worin dieſe beſteht. 49. III. in Abſicht auf den Kreis... 350 b 1 Welche Sprachen ſind in Europa die 3 ausgebildetſten... ebend. N Wovon hängt der Sprachkreis ab. ebend. d — 3. II Beſe Nutzen der Glottologie.. ebend. de 9 Ae — 1: 2) Mit der Eiehrchſchreibetun oder 4.4 der Sch rif......„ 62 1 h Vera nlaſſung zur Er Efindr ung der Schrift, 1. Lite A. der Bilderſchri ift ebend. di 2 RKrit Dieſe l — —— XVII Dieſe hat zwei Stufen: a) Ganze Gemälde ſichtbarer Dinge, und Symbole für unſichtbare.. S. 64 b) Abgekürzte Zeichen ebend. Aegyptiſche Hieroglyphen.. ebend. Chineſiſche Zeichenſchrift 67 Nachtheile aller Sachſchrift.... 68 B. der Ton⸗ oder Alphabetſchrift 69 Was man ſich bei dieſem Worte zu denken hat. cbend. Der Erfinder derſelben iſt nicht bekannt. 70 Materien zum Schreiben.. 72 Vortheile der Tonſchrift..... 73 Anmerkung dazu... 75 Von Uniserſglchgratteriſter giebt es in Europa nur 4 Proben. 78 Eine beſondre Art von Schrift iſt die Geheimſchrift oder Chiffre... 79 Telegraphie......... 80 Natur der Schrift...... ebend. Nutzen der Schrift.... 51 Lebendiger Vortrag iſt faßlicher, träf. tiger, erinnerlicher als das Leſen. 82 I11I. Beſondere Philologie.... 33 1) Aeltere Philologie. 84 2 r. Pibliſche........ 35 s. Klaſſiſche........ ebend. Hierzu gehört 1. Literatur.......... 86 2. Kritik......... 988 III. 1¼ XVIII—. Dieſe iſt 8p a. philologiſche Kritikt.. S. 3 Einige Regeln der Wortkritik 923 p. hiſtoriſche oder Real⸗ oder Sach⸗ kritik... 93 c. äſthetiſche Kritik... 94 3. Archäologie........... 95 a. philologiſche........ 96 Ihre Queklen....... ebend. Ihr Inhalt....... ebend. v. pragmatiſche....... 99 Das Alterthum verdient pragma⸗ tiſch ſtudirt zu werden: 4.) in Hinſicht auf Staatsverfaſſung, Geſetzgebung ꝛc...... ebend. 6) in Hinſicht auf Technologie und Ge⸗ werbe....... ebend. y) in Hinſicht auf ſchöne Kunſt.. ebend. Allgemeine Anmerkung.. 100 4. Sprachkunde........ ebend. Dazu gehört a) ein gutes Lexikon... ebend. Grundregel und beſondere Regeln der Lexikographie... ebend⸗ Beſondere Arten von Wörterbüchern 103 b) eine gute Grammatik... ebend. Die Grammatik enthält A. Partes orationis 194 B. Flexionem nominum et ver- borum etc........ 105 C. Compositionem, Syntaxin. ebend. Haupimomente der Vergleichung „der alten und meiſten neuern europäiſchen Sprachen in grammatiſcher Hinſicht.. ebend. Nachtheile der neuern Sprachen 107 b 3. Auslegekunſt, Hermeneutik...... 108 Grundſate derſelben. 109 b0 22ͤ— ———;—;—ꝛ—’—’—·—˖V——— XIX Specielle Ueberſicht der Sprachen.„ S. 110 3 I. Orientaliſche Philologie ebend. 9 11. Klaſſiſche Philologie. 113 93 1 Griechiſche Sprache..... ebend. 99 Römiſche Sprache..... 1713 5 Werth des Studiums der Alten in 8 Abſicht nd. 1 1. auf den Inhalt... r14 99 3. auf den Vortrag.. 116 3. auf Bildung des Geiſies, ebend. Eigenheiten der Griechen.... 117 Vergleich der Alten und Neuern 118 ind. Urſachen des Vorzugs der Alten 122 Einige Fragen in Abſicht des Stu⸗ end. diums der alten Sprachen derd. und der Phitologie.... 123 . 100 Welche Alten ſoll man leſen?.. 126 ebend. Wie ſoll man ſie leſen?. 126 bend. Hauptkautelen beim Leſen der Allen..„ ebend. bend.— 103 ebend. 11) Neuere Philologie...... 137 . 1⁰4 Die deutſche Sprache iſt Leigial. Ihre 8 Bildſamkeit zeigt ſich . 105 a. in Zuſammenſetzungen.... 129 bbend. b. in Ableitungen. ebend. Was iſt Hochdeutſch?. 131 Deutſche diteratur kbend. bend. Franzöſiſche Sprache und Literatur 132 d0 Engliſche Sprache und Literatur.. 194 1109 Italieniſche Sprache und Literatur, ebend. Spaniſche Sprache und Literatur Portugieſiſche Sprache und Literatur S. 135 Holländiſche Literatur.. ebend. Däniſche Literatur....... 136 Isländiſche Literatur..„» ebend. Schwediſche Sprache und eitcratur. ebend. Warum ſich die Holländiſche, Däni⸗ ſche und Schwediſche National⸗ Literatur nicht heben kann. 137 Polniſche Sprache und Literatur.. ebend. Ruſſiſche Literatur... ebend. Aſiatiſche Literatir.... 138 Nordamerika liefert herrliche Werke in engliſcher Sprache. 139 Das ſpaniſche und portugieſiſche Ame⸗ rika liefert faſt gar keine Schrift⸗ ſiedler........ ebend⸗ Encyklopädiſche Anſicht der Künſte und ſchoönen Wiſſenſchaften. Von den Künſten überhaupt. Kunſt, was iſt ſie obiektive und ſubjektive, was im Gegenſatze gegen Natur und gegen Wiſſenſchafft)· S. 143 Eintheilung der Künſte: T. hervorbringende....... 144 2. verrichtende. ebend. Was unterſcheidet man von Kunſt? ebend. Wenn wird ein jedes hervorbringen⸗ des Kunſtgewerbe fabrikenmäßig betrieben?...... ebend. Was verſteht man unter Gewerhe?. 145 Fernere Eintheilung der Künſte in ei I— XXI ns V 1. mechaniſche und 2nd. V 2. ſchöne, oder freie, oder äſthetiſche. S. 143 336 8 Zweck von beiden Arten.... ebend. nd. Eintheilung der Kunſtgewerbe, nd. A. zur Produktion— genetiſche Künſte — was dazu gehort..... 146 B. zur Fabrikation— was dazu ge⸗ 4 337 3 h’E t...... cbend. end. Von jedem Kunſtgewerbe muß man wiſſen end. r. die Materialien....... 147 135 2. die Werkzeuge und Geräthe aller Art ebend. 3. die Operationen nach Zeit, Maaß, 39 Ordnung ꝛc..-.... ebend. 4. die Waaren oder fertigen Sachen 148 Was außer dieſem noch dazu gehört ebend. end, Produktive Gewerbe..... ebend. Formirende Gewerereeh. ebend. Was iſt Technologie?...... 149 Schickliche Klaſſificirung aller oder doch der meiſten Kunſtgewerbe wäre zu iſte wünſchen— welchen Verſuch man deshalb gemacht hat ebend. Welche Anordnung vielleicht die beſte wäre 150 . 143. Von den ſchönen Künſten und ſchönen Wiſſenſchaften ins⸗ 144 beſondere. hond 4 bend. Hauptzweck derſelben...... 151 ebend. Die Lehre von denſelben zerfällt in zwei — Theile:. d 1 Erſter Theil: Aeſthetik. ebend. Dieſe betrachtet das Schöne 145 a) ſubjektid......... 152 b) obiektiv.......... 153 . XXII— Alſo a) ſub ektiv. Hier wied gehan⸗ delt: A. Vom Geſchmack... S. 153 Wichtigkeit der Bildung des Geſchmacks 154 An demſelben betrachtet man 1. feine Natur...... ebend. Es giebt drei Arten des Spiels der Vorſtellungenn....... 152 Bei dem Aeſthetiſchen kommt es an auf Stoff, Form und Ausdruck ebend⸗ Jeder Verfertiger eines Geſchmacks⸗ werks muß ſorgen a. für negative Schönheit... 158 b. für poſitive Schönheit. ebend. Der Stoff des Aeſthetiſchen wird ge⸗ nommen 1) aus den Gegenſtänden unſerer Sinne......„. chend. 2) aus den Gegenſtänden unſeres Gefühlvermögens... 1359 a. leidenſchaftliche Gefühle ebend. b. ſitkliche Gefühle.... 160 3) aus der Phantaſie..... 161 Von der Phantaſie erzeugt iſt a. das Lächerliche. ebend. b. das Feierliche.. ebend. Aller äſthetiſche Stof muß Neuheit Haben...„ ebend⸗ Wenn liegt das Ueberraſchende im Neuen?.... ebend. Was iſt das Wunderbare im en⸗ gen, engern und engſten Sinne? 162 Unterſchied zwiſchen Verwunderung, Bewunderung und Staunen ebend. 4 — XXIII Vas heißt Abentheuerlich, Ungeheuer, Romanhaft, Grotesk?.. S. 163 153 Bei allem Neuen muß der äſthetiſche 154 Stoff natürlich ſeyn.... ebend. Was heißt die Natur nachahmen? ebend. end. Auf die Form des Aeſthetiſchen wirkt a. Mannigfaltigkeit und Reichthum 1644 157 b. Vollkommenheit. Dazu gehört 4 a. Einfall. 5.. 165 end. 6. Einheit......... 160 V 1„. Ganzheit..... cbend. 3. Gleichfoörmigkeit ebend. 158 5. Symmetrie........ 167 end. E. Eurhythmie....» ebend. 2. ſeine Bildung, Verbeſſerung ebend. 3 Dieſe entſteht bend. V a. durch Uebung...... ebend. b. durch Vergleichung...... 168 159 c. durch Nachdenken und kritiſche Auf⸗ 5ed. merkſamfeit...... 169 160 3. ſeine Vollkommenheit... ebend. 161 Dieſe beſteht a. in Feinheit— Delzkateſſe ebend. egend. b. in Richtigkeit— Korrektheit.. ebend. ebend. Nach dem Grade der Voulkommen⸗ heit des Geſchmacks iſt man ent⸗ weder Liebhaber, oder Kenner, bbend. oder Kunſtrichter... ebend. I 4. ſeine dabei ſtatt habende Abwechſelung ebend. und ſein Richtmaaß....„ 170 Was man dabei zu merken hat.. ebend. in B. Von der äſthetiſchen Kritik.. 172 lend Wie ſie entſteht und wozu die Regeln derſelben dienen..... ebend. 1 4. XXIV Das Studium der Regeln der Kritik iſt fruchtbar......... S. 173 C. Vom Genie.... 174 Zu demſelben gehͤrt I. rege und warme Empfindung und 2. reiche, lebhafte Einbildungskraft. ebend. Daſſelbe arbeitet a. mit Begeiſterung— was man dar⸗ unter Lerſteht....... 175 b. mit Laune— was man darunter verſteht......„. ebend⸗ 5) Das Schoͤne objektiv betrachtet, iſt die Darſtellung...... 176 Bei derſelben kommt es an F. auf den Stoff... ebend. 2. auf die Ordnuung.....„ 177 3. auf den Ausdruck..... ebend. Der Ausdruck muß ſeyn a. richtig und treffen„ebend. Was heißt Styl 7 .) bei einem Kunſtwerke. 178 §) in den redenden Kuͤnſten. ebend. „) in den bildenden Kuͤnſten. 129 b. den zu erregenden Gedanken und Empfindungen angemeſſen.. ebend. Zweiter Theil: Theorie der ein⸗ zelnen ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften. Eintheilung der Kuͤnſte.... 180 *) Die ſchoͤnen Kuͤnſte, welche ſprachlos wirken, 4) Durch ſichtbare Mittel: A. Durch Geſtalten: ——ö——— 180 I. Zeichnende Kuͤnſte. Die Malerei befaßt A. Zench ttn g...„.. Zur Zeichnung gehoͤrt 1. Erfindung des Inhalts Die Zeichnung ſelbſt iſt a. Kopie und Portrait. b. Idee, Phantaſie. 2. Anbrdnang...... 3. Ausdruck.„ Hierbei kommt es an a. auf Richtigkeit in der Per⸗ ſpektive, in Licht und Schat⸗ . * XXV ebend. ebend. 92 * 03 ebend. ten c........ ebend. b. auf Wirkſamkeit.... ebend. B. Kolorit oder Farbengebung. ebend. Dazu gehoͤrt a. Erleuchtung und Lichtverthei⸗ lung e...... echond, b. Wahl der Tinten..... ebend. Arten von Malerei. a. Nach dem Mechaniſchen: T. in Oel...... ebend. 2. in Leimwaſſer und Gummi. 184 3. Malerei al frescoao.. ebend. 4. Moſais.....„ chend. 5. Email⸗ oder Schmelz⸗, Por⸗ cellau⸗ und Fayancemalerei ebend. 6. Wachsmalerei... ecbend. Die Alten hatten drei Arten derſelben...... ebend. 7. Paſtellmalerei... .„ 185 XXVI— b. Nach dem Inhalt: I. Hiſtorienmalerei, 2. Landſchafts⸗, 3. Thiermalerei ꝛc. ꝛcc..... S. 185 Geſchichte der Malerei..... ebend. Welches die, ſeit Wiederherſtellung der Kuͤnſte wieder aufgefunde⸗ nen, Denkmaͤler der alten Male⸗ rei ſind........ 137 Die ſeit Wiederherſtellung des Ge⸗ ſchmacks entſtandenen Schulen der Malerei: 1. Die Florentiniſche...... 188 2. Die Roͤmiſche... ebend. 3. Die Lombardiſche...... 189 4. Die Venetianiſche..... ebend. 5. Die Deutſche...... ebend. 6. Die Hollaͤndiſche... ebend. 7. Die Flandriſche oder Flaͤmiſche ebend. 3. Die Franzdſiſchhe.. 190 9. Die Engliſche...... ebend. Zu den zeichnenden Kuͤnſten gehö⸗ ren noch: a. Die Formſchneidekunſt.. ebend. p. Die Kupferſtecherkunſt.. ebend. Zur Kupferſtecherkunſt gehd⸗ ren: 1) Die Gravierkunſt. ebend. 2) Das Aetzen oder Ra⸗ diren....„ 191 3) Die gehaͤmmerten Ku⸗ pferſtiche. ebend. 4) Die ſchwarze Kunſt. ebend. 5) Die Manier à la gra- ——— —— 5) ehd. end. =— XXVII vure en lavis oder in adua tinta.... S. 192 6) Der Gemaͤldedrucs.. ebend. II. Bildende Kuͤnſte. Ihre Werke ſind A. Alllſeitige.......... 193 B. Halberhobene(Basreliefs)).. ebend. Aus welchen Maſſen beide beſtehen, ebend. C. Vertieft gearbeitete: a) Stempel, zu Muͤnzen. ebend. b) Intaglios, zum Siegeln... 194 Vor allen Arbeiten der bildenden Kuͤnſte geht das Modelliren her; wie es geſchieht ebend. Bei jeder der genannten Kuͤnſte muß man unterſcheiden A) Das Techniſche oder Materielle. ebend. Dieſes iſt verſchieden. a. nach der Beſchaffenheit und Groͤße der Maſioen...„ chend. b. nach der Behandlung„* ⸗ ebetnd. Materialien zur Skulptur 195 Die Werke ſelbſt unterſcheiden ſich 1. an Groͤße; koloſſal— gleichmaͤßig— klein..... ebend. 2. an Inhalt, a. einfache; Statuen— Buͤſten — Hermen ebend. b. zuſammengeſetzte.. 1906 B) Das Aeſthetiſche. ebend. Geſchichte der bildenden Kuͤnſte. ebend. In der griechiſchen Kunſt unterſchei⸗ det man vier Epochen. ebend. XXVIII Ueberreſte der bildenden Kuͤnſte S. 198 In welchen Materialien die Bildgraͤ⸗ berei arbeitet..... ebend. Ihre Kunſt heißt Steinſchneide⸗ kunſt; ihre Werke heißen Gem⸗ men...„ ecbend. Beſtimmung der Gemmen 200 III. Ordnende Küͤnſte. 4A. Schoͤne Baukum ſt... ebend. 1. gemeine oder mechaniſche. ebend. 2. gelehrte oder ſchoöne...... 201 Verſchiedene Arten der Gebaͤude.. ebend. Jedes Gebaͤude muß haben I. Feſtigkeit— materielle— mechaniſche.. ecbend. 2. Zweckmaͤßigkeit— was dazu gehbrt...... 202 3. Schoͤnheit— negative— Hoſttiöovde...... 203 Die Schoͤnheit eines Gebaͤudes iſt: a. weſentlich— Einfachheit— Einheit— Ganzheit— Gleichfͤrmigkeit ebend. b. zufaͤllig— dem Charakter des Ganzen gemaͤße Ver⸗ zierungen...... 204 Die Verzierungen ſind die Saͤulenordnungen. ebend. Was zu einer Saͤule ge⸗ hoͤrt...... ebend. Saͤulenordnungen ſind fuͤnfe — ihr Unterſchied.. ebend. B. Schöne Gartenkunſt. 206 Ihr Zweck— ihre Foderungen. ebend. Ihr Geſchmack iſt ——— ——. — 5 ☛e 2=2 98 a) der Franzoͤſiſchehehe. b) der Hollaͤndiſche... c) der Engliſche...... chend. B. Durch Bewegung und Stellung des Koͤrpers. Die hieher gehoͤrenden Kuͤnſte ſind: A. Orcheſtik oder Tanzkunſt.„ 207 Das Aeſthetiſche derſelben liegt I. in den Bewegungen... bend. 2. in den Stellungen und Haltungen ebend. 3. in den Geberdungen des Koͤrpers ebend. B. Mimik........ 208 Unterſchied zwiſchen Mimik und Pan⸗ tomime...... ebend⸗ Die Schauſpielkunſt beſteht a. in der richtigen und ſchoͤnen Ge⸗ berdang... ebend. b. in dem richtigen und ſchoͤnen Aus⸗ ſvrechen...... lebend. B) Durch hoͤrbare Mittel. Tonkunſt oder Muſik Sie theilt ſich in 1. Harmonis * 2.** 209 .*. 2 4. 2 2 210 r— oder Syſtem— ver⸗ ſchiedene Tonarten— Akkor⸗ de— Folge der Akkorde— Generalbas.. ebend. 2. Melodik.. . ... ebend Ihr. Inhalt. cbend. —— 3. Was zum Komponiren gehört.. 211 8) Die ſchoͤnen Kuͤnſte, welche durch die Sprache wirken, ſchoͤne Redekuͤnſte. Jeder Vortrag verlangt 1 1 1 XXX Gelbſidenken..„S. 211 Denkart— Empfindungs⸗ und Begeh⸗ rungsart— Ned⸗ oder Schreibart ebend. Bei Schriftwerken kommt in Betracht 1. Die Materie oder der Inhalt 212 2. Die Art dieſen Inhalt zu ordnen und zu verbinden*.... ⸗..⁴ ebend. 3. denſelben zu bezeichnen oder auszu⸗ drucken— Styoy.„. ebend. Der Styl iſt verſchieden A. nach den Abſichten des Vortrags— fuͤnf Arten deſſelben..... 213 B. nach dem beſtaͤndigen Charakter oder der jedesmaligen Laune des Schrei⸗ benden bei jeder dieſer Abſichten— verſchiedene Arten deſſelben.. ebend. Allgemeiner Zweck aller Rede⸗ und Schriftwerke........ 214 Allgemeine Eigenſchaften des vollkomm⸗ nen Styls........ ebend. Bei allen Schriftwerken und Vortraͤ⸗ gen kommt es auf drei Haupt⸗ punkte an......„. ebend. Erforderniſſe in Abſicht auf Dirtion und Kompoſition oder Bau der Saͤtze.. 216 A. Die Diktion deutſcher Werke der Redekunſt muß ſeyn: 1. Nein Hochdeutſch— alſo frei von Archaismen— Provinzialismen und Vulgarismen Peregri⸗ nismen— Neologismen. 217 2* Sprachrichtig******. 218 Genius der Sprache— Idiotismen ebend. 3. Schicklich, anſtaͤndig und edel. 219 Wornach ſich die Wuͤrde des Styls richtenmußß... ebend. 8 ———yw .—— hau — XXXI 1 4. Treffebn S. 219 Wenn wird der Ausdruck untreffend? 220 3 Pleonasmus— Tavtologie— Praͤciſion 221 Die iinvollſtaͤndigkeit im Ausdruck zeigt 1 ſich auf dreifache Art.. ebend. 8. Eigenſchaften der Saͤtze in der Kompo⸗ ſition.........„„ebend, Die Saͤtze ſind, . in Abſicht auf die Materie, einfache oder zuſammengeſetzte; beide Ar⸗ ten ſind wieder dreifach: nackte, ausgebildete, erweiterte Saͤtze 222 2. in Abſicht auf die Form, erzaͤhlende, unterrichtende, bittende c. 223 ö. Wenn entſteht eine Periode?.. ebend. Wofuͤr in jeder Periode geſorgt wer⸗ 4 den muß...... ebend. Eigenſchaften gutgebildeter Perioden 22 d. 1. Klarheit....... ebend. 2. Einheit........ 2258 3. Staͤrke, Nachdruck... 230 4 1 4. Wohlplang....... 233 6 Was dem Wohlklang entgegen ſteht........ 234 Was heißt Numerusese ebend. Erforderniſſe des Wohldlangs in Hinſicht auf ganze Aufſaͤtze und Schriftwerke 230 n Hauptgrund der Eintheilung der Arten 8 des Shls....... 227 I. Erſter Theilungspunkt. Be⸗ 3 ſondere Arten des Styls fuͤr die 1 einzelnen Seelenkraͤfte. ebend. A. Styl fuͤr die Sinnlichkeit 236 ——————— XXXII 1. Styl fuͤr die Einbildungskraft„S. 239 Mittel des Styls fuͤr die Einbil⸗ dungskraft und Angabe der Fi⸗ guren fuͤr die Einbildung.. ebend. 2. Styl fuͤr die Empfindungen.. 241 Worauf ſich dieſe beziehen... ebend. Mittel des. Styls fuͤr die Empfin⸗ dungen. 242 Beſondere Formen der Sprache der Empfindung uͤberhaupt 243 Der Styl fuͤr die Empfindungen iſt dreifach: a. ruͤhrend.. 244 P. pathetiſch........ 245 c. erhaben. ebend. 3. Styl fuͤr Witz und Scharfſinn 2427 Mittel des Styls fuͤr den Witz und Scharffiimn... 243 Eigenthuͤmliche Figuren fuͤr den Witz ebend⸗ Der Styl fuͤr den Witz und Scharf⸗ ſinn iſt a. der muntere und aufgeweckte 25 b. der komiſche. 251 Worin das Laͤcherliche liegt.. ebend. Unterſchiede des Laͤcherlichen 252 Unterſchied des proſaiſchen und poe⸗ tiſchen Stylſs 255 B. Styl fuͤr den Verſtand oder fuͤr die obern Seelenkraͤfte. 258 Dazu gehoͤrt 1) der hiſtoriſche Stul.... ebend. Erforderniſſe deſſelben.... ebend. Erforderniſſe der Erzaͤhlung. 259 Eintheilung des hiſtoriſchen Styls in Hinſicht auf die Form.. 260 7) N di Erſorde ) Dr 6 Hruyter Gattun 4 fü 8 ſäͤ I Sweite Wmcted ſn Fot 4 8% A. 3 die Ff . Ne NeeSrſ. ereddſ nae De Hau Frredtſ aued G ce 429 hil⸗ F⸗ „ebend. .. 4 „ ebend. i⸗ 1 a42 dr 243 1* 244 A5 „ ekend. M u .. A „Tr eben. pyrr 1 250 .. 1l ttend. boe⸗ . 155 ir di . 255 . terd. zend. II. 2) der didaktiſche Styyy. Erforderniſſe deſſelben... 3) Der Geſchäftsſtyok...... Haupterforderniß deſſlben. Gattungen deſſelben A. fuͤr offentliche Geſchaͤfte. B. fuͤr Privatgeſchaͤfte. Zweiter Theilungspunkt. Un⸗ terſchied der Schriftwerke nach der aͤu⸗ keru Forim...„....... A. die dialogiſche Form.. B. die epiſtolariſche Form.. 6. die redneriſche Form.... Beredtſamkeit— Deſinition derſelben nach der gewoͤhnlichen Errlaͤrung Die Rede beſteht nach der ſchulge⸗ rechten Form aus fuͤnf Theilen Hauptſaͤchlichſte Arten der Reden. Beredtſamkeit iſt jetzt ſchlecht geachtet Zweck derſelben... Erforderniſſe zu dieſem Zwec. Gattungen der radtſndeits I. paueghriſche und komplimentariſche 2. drrstſche....... 2 5 — a. in Volksverſammlungen. b. auf Kanzelt..... Erforderniſſe der Beredtſamkeit Griechiſche Beredtſamseit.. Dreierlei Arten von Reden zu Rom und in Griechenland. Roͤmiſche Beredtſamkeit. Ausarten der Beredtſamkeit bei Griechen und Römern... AA* III. XXXIII ebend. ebend. ebend. ebend. . 2265 ebend. 267 ebend. ebend. ebend. . 268 ebend. 00 XXXIV— Kanzel⸗Veredtſamkeit.. S. 273 Beredtſarnkeit in Frankreich und England 224 Die vornehmſten Urſachen des Un⸗ terſchiedes der Beredtſamkeit in alten und neuern Zeiten. S. 275 Speckelle Urſachen davon... ebend. Die Alten theilten alle Reden in drei Genera ab.. 276 Heut zu Tage giebts dreierlei Arten von Reden. ebend. Erforderniſſe bei Reden vor Volks⸗ verſammlungen, wenn man ſeinen Zweck erreichen will ebend. Kanzelberedtſamkeit hat Vortheile, aber auch Nachtheile— ihre Erforderniſſe...... 277 Worauf der Prediger bei der Wahl der Materien zu ſehen hat...... ebend. Was er bei der Behandlung der Materien zu beobachten hat 278 f. Erforderniſſe bei den Theilen der Rede: „bei der Einleitug]..279 2. bei der Satztheilung. 2380 3. bei der Narration, Erklaͤrung ebend. 4. bei der Argumentation. ebend. 5. bei der pathetiſchen Perora⸗ Kion...... 2 Vortrag in Ton, Blick und Geberden. 2 Mittel zur Beredtſamkeit zu gelangen. 2 4æ — —y— ——— E zwe Encyklopaͤdiſche Anſichten einiger Zweige der Gelehrſamkeit. Erſter Theil. Allgemeine encyklopaͤdiſche Anſichten und Grundſaͤtze. D D ie allgemeine Encyklopaͤdie iſt eine Dar⸗ ſtellung aller Theile der Gelehrſamkeit, nach ihrer Natur, ihrem Werthe und der Methode, ſie zu ſtudiren, mit beigefuͤgter Literatur eines jeden Theiles. Alle Er⸗ kenntniſſe von Umfang und Gewicht, alle Wiſſenſchaften, deren Gebiet vorzuͤglich groß, und durchgaͤng angebaut iſt, Alles, worauf die Menſchen ihren Forſchungs⸗ geiſt gewandt haben, was durch ſeinen Reiz, oder Einfluß, allgemein bekannt ge⸗ worden iſt, uͤberall Gebrauch und An⸗ wendung verſtattet, muß darin aufgeſtellt ſeyn. Das Kurioͤſe, das Kleinliche und Unnuͤtze wird daraus verwieſen. Wenn aber nur das unnuͤtz iſt, woraus nichts gebaut, nichts geſchloſſen werden kann, ſo moͤchte wohl nicht ſo leicht ein Gegen⸗ 1 2 4 ſtand zuruͤckgewieſen werden duͤrfen. Was kann z. B. leerer ſeyn, als Beſchreibun⸗ gen von Aufzuͤgen, Hoffeierlichkeiten, Moden ꝛc.! Und doch kann ſelbſt die Kenntniß davon Aufſchluͤſſe geben uͤber den Geſchmack der Nationen, ihre groͤßere oder geringere Empfaͤnglichkeit fuͤr Pracht und Etikette, ihr ſtaͤrkeres oder ſchwaͤche⸗ res Halten am Herkommen, ihre unver⸗ aͤnderliche Steifigkeit, ihre leichte Ge⸗ ſchmeidigkeit, und die Vorſtellungen davon leiten, berichtigen, beſtaͤtigen. Wer wird nicht froh ſeyn, daß der Aberglaube, und die Hirngeſpinſte des barbariſchen Mittel⸗ alters immer mehr und mehr vergeſſen werden! Aber eine hiſtoriſche Kenntniß dieſer traurigen Verirrungen der menſch⸗ lichen Vernunft kann lehrreich fuͤr uns werden, und bleibt immer, als ein wich— tiges Dokument zur Geſchichte der Menſch⸗ heit, denkwuͤrdig. Alles, was erkannt werden kann, verdient erwogen zu wer⸗ deu. Weiſen wir es veraͤchtlich ab, ſo duͤrfen wir leicht in den Fall kommen, auch manches andre als unentbehrlich an— zuſehn, und bornirt in unſern Einſich⸗ ten, rhapſodiſtiſch in unſern Kennt⸗ niſſen zu bleiben. ————. Pa bun⸗ ten, die uͤber pere racht ͤche⸗ wver⸗ Ge⸗ awon wid „und Rittel⸗ rgeſſen intniß rkauut u wer⸗ b, ſ omwen, ſich an— Erſich⸗ Kenni⸗ 5 Gelehrſamkeit, objective, iſt der In— begriff aller wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe; Gelehrſamkeit, ſubjective, iſt der Beſitz dieſer Kenntniſſe. Dieſe verſchiedenen Kenntniſſe nun leiden große Veraͤnderun⸗ gen; einige fallen in unſrer Zeit, als wahrhaft unnuͤtz ganz weg, z. E. Po⸗ lemik, andre treten hervor, z. B. Stati⸗ ſtik, Chemie, und die meiſten machen große Fortſchritte. Univerſelle Gelehrſam⸗ keit im jetzigen Zuſtande, iſt fuͤr einen Menſchen nicht mehr zu faſſen. Dem Gelehrten iſt daher eine Generalcharte von allen Wiſſenſchaften unentbehrlich. Denn das Reich der Gelehrſamkeit iſt ſo erweitert, daß, wer ſich uͤberall lang auf⸗ halten wollte, nirgends zu Hauſe ſeyn wuͤrde. In den vorhergehenden Jahr⸗ hunderten ambitionirten mehrere den Na⸗ men eines Polyhiſtors. Es waren indeß nur Literatoren, die eine hiſto⸗ riſche Kenntniß von den Wiſſenſchaften hatten, die Geſchichte der beruͤhmteſten Maͤnner und ihrer Schriften wußten, und kannten, wie Montaigne ſagt, nur die Haͤuſer von außen, wie die Fuhrleute. In dieſem Sinn iſt vielleicht jetzt noch Polyhiſtorie denkbar, wiewohl die 6— Literatur in neuern Zeiten eine faſt un⸗ 1 ermeßliche Ausdehnung erhalten hat, de⸗ n ren Urſachen folgende ſinr: 3 Fän 1) Die in neuern Zeiten erweiterte n Kommunikation der Gelehrten(durch Po ile ſten, Zeitungen, Journale ꝛc.) ſowohl Hidee unter einander in allen Laͤndern, als auch mit dem groͤßern Publiko, mittelſt der und lebenden Sprachen, wodurch das Nach⸗ Fani forſchen und der Wetteifer geſchaͤrft wird.. 1 2) Die vielen Geſellſchaften der Wiſ⸗ e ſenſchaften, Kuͤnſte u. ſ. w.. ſer 3) Die durch erweiterte Lektuͤre ent⸗ ſtandne Theilnahmne der Gelehrten an ge⸗ hen meinnuͤtzigen Sachen und n 4) Die Theilnahme ſo vieler prakti⸗ ll ſchen Geſchaͤftsmaͤnner, Kuͤnſtler, Arbei⸗ 1 ter ꝛc. an der Schriftſtellerei. GSun Hierdurch iſt die Gelehrſamkeit ieſe 1) Mit neuen Gattungen bereichert. 2) Schon vorhandne Gattungen ſind Ken durch Erfindungen erweitert. Vne 3) Allen iſt eine beſſere Form gegeben ſür in Abſicht auf kritiſche Richtigkeit, ge⸗ meinnuͤtzige Brauchbarkeit, und ſyſtema⸗ un, tiſche Vollendung. ſehru Bei dieſem Umfange und Reichthume ller der Gelehrſamkeit, iſt es ein eitles Unter⸗ —— 4—— ———— 5 nehmen, in allen Theilen derſelben gleich erfahren ſeyn zu wollen. Aber ein recht⸗ ſchaffener Gelehrter muß in keinem Fache ganz unwiſſend ſeyn; und eine Ueberſicht aller Faͤcher giebt ihm eben die Encyklo⸗ paͤdie der Wiſſenſchaften. Der Nutzen derſelben iſt ſehr groß, und laͤßt ſich etwa auf folgende Punkte zuruͤckfuͤhren: 1) Sie erweitert Begriffe, und indem ſie den Kombinationsgeiſt befoͤrdert, laͤßt ſie uns nicht einſeitig bleiben. 2) Sie berichtigt Beurtheilung und bewahrt vor Ueberſchaͤtzung oder Verach⸗ tung von Wiſſenſchaften, weil man ſie allein, oder gar nicht kennt. 3,) Sie giebt Anlaß zur Wahl eines Studiums, und zeigt die beſte Methode deſſelben. 4) Man gewinnt durch die vorlaͤufige Kenntniß, welche die Eneyklopaͤdie von einer Wiſſenſchaft gewaͤhrt, ein Intereſſe fuͤr ihr Studium. 5) Man wird brauchbarer fuͤr den Umgang, empfanglicher fuͤr weitere Be⸗ lehrung, und beſſer verſorgt fuͤr das Alter. ————— 9— S Bei jeder Wiſſenſchaft kommt es vor⸗ tan⸗ zuͤglich darauf an, von ihrer Natur, u Methode, ihrem Werthe d. h. ihrer 1 kabt Annaͤherung zur Vollkommenheit, und von atn ihrer Literatur richtige Begriffe und nied helle Vorſtellungen zu haben. nm I. Natur. Um die Natur einer Wiſ⸗ es ſenſchaft zu kennen, muͤſſen wir wiſſen mie, 1) Das Objekt derſelben oder den 4 Gegenſtand, den ſie bearbeitet. Dieß halt waͤre z. E. in der Mathematik der Raum, d und deſſen Verhaͤltniſſe; im Naturrecht gſt waͤren es die Zwangspflichten. 2) Den Zweck, z. E. in der Ma⸗ log thematik, Himmel und Erde zu meſſen, Fn und alle Bewegungen zu ſchaͤtzen; im tine Naturrecht, Ruhe, Ordnung und Frieden Liſſ zu foͤrdern durch Beſtimmung der Rechte ds und Pflichten des einzelnen und geſelligen darch Menſchen.— ſesn 3) Ihr Prinzip, aus dem alle ihre Lehren abzuleiten ſeyn muͤſſen. Dieß icht Prinzip muß einfach und einzig ſeyn; deſ wo ſchon mehrere ſind, da iſt in Wahr⸗ in heit keins. Es muß a priori feſt ſtehen, und jeder Theil der Wiſſenſchaft, daraus auft von ſelbſt fließen. In der Mathematik iſt es Konſtruktion der Begriffe. Es iſt 9 keine ſo leichte Aufgabe, das Prinzip ei⸗ ner Wiſſenſchaft aufzufinden. Nur erſt neuerlich hat man das Prinzip fuͤr das Naturrecht gefunden. So hat die Che⸗ mie durch Lavoiſier ein neues Prinzip be⸗ kommen, indem er das Gewicht als ſol— ches annahm. So die phyſiſche Aſtrono⸗ mie, und die Staatswirthſchaft. 4) Den weſentlichen In⸗ halt. Es iſt wichtig, ein vollſtaͤndiges Re— giſter uͤber die Hauptmaterien, die in jeder Wiſſenſchaft abgehandelt werden, und eine logiſche Klaſſiſikation derſelben zu haben. Freilich erhalten wir damit nichts mehr, als eine Anzeige der Materien, die zu dieſer Wiſſenſchaft gehoͤren, und das Geruͤſte, das Fachwerk derſelben; aber eben da⸗ durch uͤberſehen wir mit einem Blick al⸗ les das, was uns gelehrt wird, lernen wo wir noͤthigenfalls Rath und Unter⸗ richt zu holen haben, wiſſen, woran wir dieſe oder jene Kenntniß, die uns Um⸗ gang, Lektuͤre, oder ſonſt ein Ungefaͤhr zugefuͤhret hat, anknuͤpfen, wo wir ſie aufſtellen, und bewahren koͤnnen. II. Methode iſt eine gewiſſe Ord⸗ 10— nung, die in Zuſammenſetzung einer Wiſ⸗ von ſenſchaft beobachtet wird. Sie iſt 1 . 1) ſynthetiſch, wenn ſie vom Ein⸗ ae fachen zum Zuſammengeſetzten uͤbergeht, ut ſo wie die Arithmetik, oder vom Allgemei⸗ läger nen zum Beſondern, wie beim Staats⸗ Und recht. wißh Sie iſt: trug 2) analytiſch, wenn ſie vom Be⸗ 28H ſondern zum Allgemeinen, und vom Zu⸗ mmi ſammengeſetzten zum Einfachen uͤbergeht. des Die Methode kann ferner ſeyn gene⸗ Na tiſch, die gleichſam die erſten noch un— d bekannten Quellen der Wiſſenſchaften auf⸗ her ſucht, und uns zeigt, wie dieſe oder jene Wiſſenſchaft entſtanden iſt, oder doch jetzt ſt entſtehen koͤnnte, wenn ſie noch nicht kul— ſütſe tivirt waͤre;— oder kritiſch, die den r Grad der Gewißheit unterſucht. Kritik a hat zwar den groͤßten Zerſtoͤrungsgeiſt, an und geht nur darauf aus, Alles unſicher nan und ſchwankend zu machen, was wir bis⸗ vein her angenommen, und ſo feſt geglaubt nen hatten. Aber gerade deshalb iſt ſie von aͤußerſter Wichtigkeit. Sie ſichtet die Ma Wiſſenſchaften, und wenn ſie die Reich— md thuͤmer der Gelehrſamkeit vermindert, ſo döje erhoͤht ſie ihren Werth, ſie hat ſie nur gm? 11 von der Spreu gereinigt. Was ſie uns an Kenntniſſen raubt, das erſetzt ſie uns an Einſichten. Sie raͤumt vor uns auf, entkraͤftet verjaͤhrte Meinungen, entlarvt Luͤgen, wirft Vorurtheile zu Boden, ſetzt uns ins Klare, und wo ſie uns in Unge⸗ wißheit laͤßt, ſichert ſie uns doch vor Be⸗ trug, und haͤlt den Irrthum von uns ab. So oft ſie den Glauben erſchuͤttert, iſt es, um ihn in Freiheit zu ſetzen. Zweifel iſt die Morgenroͤthe der Wahrheit, die die Wolken bricht, und die erſten Strahlen des reinen, unverfaͤlſchten Lichtes zu uns herablenkt. III. Der Werth der Wiſſeenſchaften iſt entweder ſubjektiv, oder objektiv. Der ſubjektive Werth haͤngt ab vom Einfluſſe der Kenntniſſe auf das Gemuͤth ihres Verehrers. Der Grad, in welchem ſie meine Kraͤfte und Faͤhigkeiten entwickelt, meine Talente hervorzieht, uͤbt und ſtaͤrkt, meinen Charakter bildet und feſtſetzt, mei⸗ nen Geiſt naͤhrt, meine Aufklaͤrungen foͤr⸗ dert, meine Veredlung bewirkt, iſt das Maaß, nach welchem ich ihren innern und ſubjektiven Werth beſtimme. Der objektive beruht auf der mannigfalti⸗ gen Anwendung, auf dem wichtigen, un⸗ 12 entbehrlichen, oder gleichguͤltigen, unbe⸗ deutenden Gebrauch, der davon zu ma⸗ chen iſt. So hat die Mathematik, außer ihrem unbeſchreiblich großen ſubjektiven Nutzen(indem ſie die Aufmerkſamkeit fixirt, den Geiſt gleichſam gliederlos, ſeine Vorſtellungen winkelrecht macht) einen ſehr ausgebreiteten objektiven Nutzen, weil ſie zur Meſſung der Hoͤhen, Berge und Waͤlder, zur Berechnung der Kraͤfte, zum Bau, zur Kriegskunſt und zu tauſend an⸗ dern Dingen unentbehrlich nothwendig iſt. Auch kann er nie ganz berech⸗ net werden, weil noch immer neue Anwendungen, bei neuen entſtehenden Gelegenheiten moöͤglich ſind. Der ſub⸗ jektive Nutzen iſt bei weitem der wichtigſte, denn das hoͤchſte Gut des Menſchen be⸗ ſteht in Vervollkommnung ſeines Den— kens, Empfindens und Handelns, ſeiner Vernunft, ſeines Geſchmacks, ſeines Gewiſſens in Hinſicht auf das Wahre, Schoͤne und Gute, und hierauf hat die Gelehrſamkeit unleugbar einen Einfluß. Sie iſt naͤmlich ein Behaͤltniß alles desjenigen(ſo fern es ſich noch erhal— ten hat), was die beſten Koͤpfe aller Zeiten 4 13 1) beobachtet und erfahren haben, ſo daß man durch ſie gleichſam mit allen Voͤlkern und Zeiten lebt; 2) was ſie gedacht, entdeckt und er⸗ funden haben, ſo daß man, da ſich das Menſchengeſchlecht hienieden in allem ſelbſt rathen und helfen muß, die Weis⸗ heit und Fehler der Vorgaͤnger benutzen kann. Dieſen ſubjektiven Nutzen ſprach Rouſſeau, alles Ernſtes, den geſammten Wiſſenſchaften ab. Weit gluͤcklicher und beſſer wuͤrde nach ihm der Naturmenſch in Waͤldern und Einſiedeleien ſeyn. Sicht⸗ barlich ſchwebte ihm, indem er uns den Zoͤgling der Natur, der nichts von Wiſ— ſenſchaften weiß, ſchildern wollte, das Bild des durch Wiſſenſchaften verfeiner⸗ ten, durch Kunſt und Fleiß geuͤbten, zur Erkenntniß des Wahren, zur Beurthei⸗ lung des Schoͤnen, zur Realiſirung des Guten gewoͤhnten Menſchen, immer vor Augen, und lag allen ſeinen Schilderun⸗ gen zum Grunde. Wenn er nun dieſen, nach allen ſeinen Kraͤften und Faͤhigkeiten ausgebildeten Menſchen, in den Schooß der Natur verſetzt, ihn im Nimbus der reizenden Unſchuld, der urſpruͤnglichen Reinheit der Sitten, der edlen Denkungs⸗ 1————— ———— ſ —— —— —— ———, 14—— art und Handlungsweiſe, die nur das Eigenthum des fruͤhen, unverſuchten, in Ueberfluß und Ruhe hinfließenden Zeital⸗ ters ſeyn konnte, ſtrahlen laͤßt; wenn er ihn mit der unbefangenen, argwohnloſen Offenheit, dem heroiſchen Muthe, dem kuͤhnen feſten Freiheitsſinn ausruͤſtet, der nur von Unabhaͤngigkeit, und der erſten noch geſetzloſen Freiheit erzeugt wird, ſo mußte freilich ſein Naturmenſch intereſſi— ren, mußte den Wunſch in uns wecken, daß wir dieſe Zuͤge in unſerm Charakter wiederfaͤnden, und das Reſultat konnte nicht anders ausfallen, als daß die Wiſ⸗ ſenſchaften zu verbannen waͤren, damit wir frei und froh an der Hand der Na⸗ tur wandeln koͤnnten. Denken wir hin⸗ gegen, daß die Kultur, trotz aller Fehler und Laſter, die in ihrem Gefolge ſeyn moͤgen, es dennoch allein iſt, die den eigenthuͤmlichen Charakter der Menſchheit entwickelt, die uns aus blos leidenden, zu thaͤtigen ſelbſtſtaͤndi⸗ gen Weſen macht, alle Faͤhigkeiten und Gaben weckt und ausbildet, alle Kraͤfte beſchaͤftigt, und in ein reges Spiel ſetzt; ſtellen wir uns den ungebildeten, ſich ſelbſt uͤberlaßnen Menſchen ſo vor, wie auch lintren Numa fanden er wirklich iſt, als einen Halbmenſchen, in dem der edelſte Theil ſchlummert, der roh und wild, ohne Urtheil, ohne Ueber⸗ legung, ohne Selbſtbewußtſeyn, mehr ve⸗ getirt, als lebt; ſo werden wir geſte⸗ hen muͤſſen, der Menſch ſey beſtimmt, ſich dem Gaͤngelbande der Natur zu ent⸗ reißen, und durch tauſend Verſuche und Fehltritte allein gehen zu lernen. Iſt doch alles Gute an ihm Werk der Kunſt, hat doch der Gebildete, wenn er mehr Irrthuͤmer hegt, auch tauſend mal mehr Vorſtellungen, und allein richtige Urtheilel Kann man es nicht leug⸗ nen, daß er mehr Fehler begeht, ſo iſt er auch allein der Tugend faͤhig. Rouſ⸗ ſeau's Paradoxen in ſeiner Preisſchrit beruhen aber: 1) Auf Mißkennung deſſen, was dem Menſchen natuͤrlich ſey, und 2) Auf der Vorausſetzung, daß der Menſch urſpruͤnglich gut ſey, und alles Unmoraliſche von der Kultur herſtamme, ſo daß, wenn dieſe aufgehoben wuͤrde, auch ſofort Unſchuld und Zufriedenheit eintreten moͤchte. Aber auch Wilde und Nomaden hat man falſch und boͤſe ge⸗ funden; und die Ausflucht, daß auch dieſe ſchon verdorben ſeyen, iſt ein Bekennt⸗ niß, daß Falſchheit und Bosheit von et⸗ was anderm, als von der Kultur ab⸗ hange. Hingegen auch unter kultivirten Voͤlkern, und faſt unter dieſen allein, giebt es wahrhaft tugendhafte, und es iſt ſonach Kultur nicht nothwendige Urſache von impotentia libidinum(Beduͤrfniſſen), und daher rührender Immoralitaͤt. Rouſ⸗ ſeau's Ideen haben Aehnlichkeit mit den Ideen der alten Philoſophen, und Dich⸗ ter vom Stande der Unſchuld, und vom goldnen Zeitalter. Gewiß indeſſen iſt es auch, daß Gelehrſamkeit, objektive be⸗ trachtet, nicht phyſiſch auf den Menſchen wirkt, daß ſubjektives Wiſſen von mancherlei Art, das Herz und den Charakter nicht beſ⸗ ſert— denn auch mit Talent und Genie begabt, kann man ein Boͤſewicht ſeyn. IV. Literatur der Wiſſenſchaften be⸗ ſteht in Aufzaͤhlung der Hauptſtufen der Wiſſenſchaft, ihrer Haupt-statores und auctores, ihrer vorzuͤglichſten Kompendien, doch bei weitem nicht aller Buͤcher. Denn — beaucoup de livres, peu d'auteurs— hier giebt es, wie bei den Landkarten, eine unzaͤhlige Menge, aber wenige Originale. Ein⸗ Ein. Al ſiſtot gihen Begtif Einzel den h then ſe Oprach Indeſ land Anotd allzun iiliche u dal heguemſ 1 8' 18 4 ekennt on et⸗ * ab⸗ pirten lein, 6ö iſt tſache ſen) Nouſ⸗ den dich⸗ dom ſt es de be⸗ enſchen ſherlei ſtbeſ⸗ Gevit ehn. ten be⸗ fen der es Und pendien :. Dant uteurs— rten, eun vonal Ei⸗ 17 Eintheilung der Wiſſenſchaften oder der formalen Encyklopaͤdie. Alle unſre Erkenntniſſe ſind entweder hiſtoriſch oder rational. Jene be⸗ ziehen ſich auf Anſchauungen, dieſe auf Begriffe; jene beſchaͤftigen ſich mit dem Einzelnen, dieſe mit dem Allgemeinen. Zu den hiſtoriſchen Kenntniſſen gehoͤrt nun eben ſowohl die Kenntniß der einzelnen Sprachen, als die Kenntniß der Geſetze. Indeſſen mag es, zum Behuf des eney⸗ klopaͤdiſchen Unterrichts, nuͤtzlich ſeyn, die Anordnung ſo zu machen, daß ſie nicht allzuweit von der im gemeinen Leben uͤblichen Abtheilung ſich entferne. Dem zu Folge ſcheint ſolgende Anorͤnung die bequemſte: I. Sprachkenntniſſe II. Sachkenntniſſe, A. Natuͤrliche Wiſſenſchaften oder freie A. hiſtoriſche: a) beſchreibende; b) erzaͤhlende; B. rationale: a) mathematiſche, b) philoſophiſche; III. B — —— 18 1) reine Philoſophie, 2) empiriſche Philoſophie; a) authropologiſche Wiſſenſchaf⸗ ten, L 6) phyſikaliſche Wiſſenſchaften— darunter auch Medicin. B. Poſitive Wiſſenſchaften: 1) poſitive Jurisprudenz, 2) poſitive Theologie. Man kann alle Wiſſenſchaften auf eine freie— liberale, oder knechtiſche— ſervile— Art treiben. Liberal iſt, was zur Bildung der Perſoͤnlichkeit beitraͤgt, ſervil, was dieſe nicht foͤrdert, ſondern wohl gar hindert, das Denken, Pruͤfen, Ueberlegen unterdruͤckt und aufhaͤlt. Da⸗ her iſt Aufklaͤrung von Gelehr⸗ ſam keit unterſchieden, und eins kann ohne das andre ſehr wohl beſtehen. Im erſten Sinne waͤre ein Gelehrter, einer der paſſiv gelehrt worden iſt. Man kann Gelehrſamkeit beſitzen, ohne aufgeklaͤrt zu ſeyn, z. B. ein unaufgeklaͤrter Theolog, Hiſtoriker ſeyn. Aufklaͤrung iſt kein Wiſ⸗ ſen, ſondern das Prinzip des Denkens, der eignen Beurtheilung. Sie graͤnzt oft an Duͤnkel und Wahn, doch ohne ſie hat Gelehrſamkeit keinen Werth. Nur etwas 6' kns znchr üͤberh er es Alls ſagen, Ran es die ſt dr Erwag unſers nene l Abſct 1) 2) 9) Cs ſinnt, 19 aus ſich ſelbſt geſponnen, durch eignes Nachdenken gefunden, durch eignes Ur⸗ haf⸗ theil erkannt zu haben, iſt mehr werth, als alle durch andre erlernte Weisheit. Daher ſind auch Dummheit und Gelehr⸗ ſamkeit einander nicht entgegen. Viel⸗ mehr ſteht der Gelehrſamkeit Unwiſſen⸗ beit, der Aufklaͤrung Dummheit gegen⸗ uͤber. ine Grundprinzip des aufgeklaͤrten Deu⸗ — kens iſt: Alles Objektive als ſubjektiv an⸗ dad 4 zuſehn, zu fragen: was kann der Menſch agt, uͤberhaupt wiſſen, und in wie fern weiß dern er es? Der Weg zur Aufklaͤrung iſt: fen Alles bezweifeln, unterſuchen, ſich ſtets Oa⸗ ſagen, was man weiß, und in wie fern hr⸗ man es weiß. ann Die Vollkommenheit der Wiſſenſchaft In iſt der Hauptpunkt, den wir immer in einer Erwaͤgung ziehn wollen. Es iſt der Geiſt kaun unſers Zeitalters, allen Wiſſenſchaften eine dt in neue beſſere Bearbeitung zu geben in eolog, Abſicht Viſ 1) kritiſcher Richtigkeit, kens, 2) gemeinnuͤtziger Brauchbarkeit und it oft 3) ſyſtematiſcher Vollendung. ſe hat Es ſind gleichſam die Graͤnzen be⸗ etwas ſtimmt, wie weit dieſe und jene Wiſſen⸗ O 2 20— ſchaft, wie weit das ganze Feld der menſchlichen Erkenntniß gehn kann.— Das iſt aber nur in rationalen Wiſſen⸗ ſchaften, und zwar in ſo fern ſie Speku— lationen ſind, moͤglich; das Gebiet der praktiſchen Vernunft iſt unbegraͤnzt, wie die Erfahrung mit allen Wiſſenſchaften, die ſich auf ſie gruͤnden. Generalmaximen in Abſicht des Studiums der Wiſſenſchaften: 1) Amor omnia vincit. 2) Attentio mater studiorum.— Du- bitatio et admiratio initium disquisitionis. 3) Ne speres magis futurum, ut aliena opera fias doctus, quam aliena virtute bonus. Aude sapere. 4) Mentis facultates simul exercendae. 5) Discendum quicquid occasio fert. T dh un. I Liſen⸗ Jyeku⸗— tder 3 Eneyklopaͤdiſche Anſicht peftn, der ſluns Philologie. — Dr- itionis aliena ritute cendae. 1o felt. ʒ Phils Anbegrff dn Viſe de allg. dn. Di und Sch ainzelner 1 4 Ee 1) m. zemeintn, logie. 2) N 1. 8 — Philologie im weiteſten Sinne iſt der Inbegriff der ſich auf Sprachen beziehen⸗ den Wiſſenſchaften. Man koͤnnte ſie in die allgemeine und beſondre thei⸗ len. Die allgemeine wuͤrde von Sprachen und Schrift uͤberhaupt, die beſondre von einzelnen Sprachen handeln. J. Allgemeine Philologie. Sie beſchaͤftigt ſich 1.) mit der Sprache an ſich im All⸗ gemeinen, Sprachkunde, Glotro⸗ logie. 2) Mit der Sprachſchreibekunſt. 1. Von der Sprache an ſich. Hier kommen vier Stuͤcke in Be⸗ tracht: a) Natur, b) Urſprung, c) Mannigfaltigkeit, d) Werth. A. Natur. Die Natur der menſch⸗ lichen Sprache beſteht in einer ſolchen Verknuͤpfung der Vorſtellungen mit arti⸗ kulirten Toͤnen, daß beide ſich wechſels— weiſe reproduciren, und man die einen ſtatt der andern ſetzen kann. Artikulirte Toͤne ſind Laute, die durch das Steigen oder Fallen der Stimme modificirt, und zu andern auf dieſe oder jene Art gefuͤgt, und mit mehrern zugleich ausgeſprochen werden koͤnnen. Dieſe artikulirten Toͤne ſind dem Menſchen nicht allein eigen, auch manche Voͤgel ſind ihrer faͤhig; aber noch durch keine Maſchine iſt es gelun— gen, auch nur einen artikulirten Ton her⸗ vorzubringen. Die Natur der Sprache beruht nun auf Aſſociation zwiſchen dem Ar⸗ tikulationsgeſchaͤfte, oder den Lauten und den Vorſtellungen wechſelſeitig, und bei der Schrift auf Aſſociation zwiſchen dem An⸗ blicke der Schrift und der Ausſprache der⸗ ſelben, und vermittelſt der Ausſprache zwiſchen den Vorſtellungen. Dieſe doppelte Aſſociation geht ſo weit, daß ſie unwillkuͤhrlich wird. Wir koͤnnen nicht leſen, ſelbſt nicht denken, ohne zu ſprechen; das Kind ſagt daher, ſtatt ich denke, ich ſage, der Hebraͤer Vayomer 1 7 Ar gen; daß ſey. Mel inden unwit der, non den heen vell ſe ſ Gott kelbar ſt an 1 nicht Eine ce T beüͤle alle ſih: turſt derſtaͤn 25 c und der Grieche Oauu, oft in eben der 6 Bedeutung. 4 2 B. Urſprung. Ueber den Urſprung 1 4 der Sprachen ſind zwei Hauptmeinun— n gen; denn daruͤber hat man ſich geeinigt, 4 daß ſie dem Menſchen nicht angeboren, n ſey. Aber nun behaupten die einen, die d Menſchen haͤtten die Sprache erfunden, 4 indem ſie vielleicht dieſen oder jenen Ton n unwillkuͤhrlich bei Erblickung des einen it oder andern Gegenſtandes ausſtießen, dieſen N, nun immer bei Wiedererſcheinung des Ge⸗ det genſtandes wiederholten, und ſo zum Zei⸗ un⸗ chen deſſelben machten; die andern, unter her welchen ſich Rouſſeau auszeichnet, meinen, che ſie ſey ein unmittelbares Geſchenk Nr. Gottes. Daß die Sprache ein unmit— mnd telbares Geſchenk Gottes ſey, behaupten det ſie aus folgenden Gruͤnden: An⸗ 1I. Angeboren koͤnne die Sprache der⸗ nicht ſeyn, ſonſt muͤßten alle Menſchen acht Eine Sprache haben, gleiche Worte, glei⸗ che Beugungen, ſo wie alle Loͤwen gleich vei, bruͤllen, alle Nachtigallen gleich ſingen, una) alle Hunde gleich bellen. Auch iſt wirk— tau lich eine angeborne Sprache, die Na⸗ ih turſprache da, welche allen Menſchen” erx verſtaͤndlich iſt. Dieſe natuͤrliche Sprache 6 8 6 ——— —— — 26— beſteht aus Modulationen der Stimme, aus Geberden, aus Mienen. a) Modulation der Stimme. Ueberall iſt das Geſchrei der Angſt, das Stoͤhnen, Schluchzen, Seufzen, Jam⸗ mern des Entkraͤfteten, des Unterdruͤckten, des Verwundeten, das Toben des Jorns, das Poltern des Schreckenden, das Jauch⸗ zen der Luſt, das Frohlocken der Frende verſtaͤndlich, und uͤberall wird es verſtan⸗ den. Man wuͤrde ein Drama auf die Art geben koͤnnen, daß man von den ſpielenden Perſonen nichts ſaͤhe, weil der herabgelaßne Vorhang ſie verbuͤrge, kei⸗ nes ihrer Worte verſtaͤnde, indem man ſie eine unbekannte Sprache reden ließe: dennoch wuͤrde man am lauten Geſchrei, oder leiſen Gefluͤſter, an der ſanften, ge⸗ ſchmeidigen, oder rauhen, heftigen und polternden Stimme jede Situation erken— nen, und das Sujet des Stuͤckes erra⸗ then. So ging es wohl den Britten, die mit Macartney in Peking chineſiſche Dramen anſahen. b) Geberden. Jeder Preofeſſioniſt z. B. hat einen eignen Gang und eigne Manieren. Jeder Zuſtand der Seele V Ind! Opiel Oeel den g Und ander den i ſſt er däht, nun, in ſ aler poſcti borbri Nuhe dergeſſ Gehei berger Jhyſ der ſe gema dieſe anders dh. ſetig und rken. en ſitten eſſche ſenſt ·äne Sre 27 druͤckt ſich aus in Stellung, Haltung, Bewegung der Gliedmaßen. 4 c) Mienen. Noch ausdrucksvoller und verſtaͤndlicher iſt das verraͤtheriſche Spiel der Mienen. Alle Bewegungen der Seele ſcheinen ſich in ihnen nachzuziehen, den ganzen Charakter darin abzudruͤcken. Und wenn auch der Heuchler einen ganz andern Sinn in ſeine Mienen legt, als den in ihm herrſchenden, ſo iſt doch, ſo oft er ſich abſpannt, und ſich ſelbſt uͤber⸗ laͤßt, das Spiel der Mienen und Geſin⸗ nungen harmoniſch. Die Saite nun, die in ſeiner Seele am oͤfterſten toͤnt, wird allerdings auch in den Mienen eine Dis— poſition zu aͤhnlichen Schwingungen her— vorbringen, die, ſo oft als die Seele in Ruhe iſt, und er ſeine Verſtellungskunſt vergeſſen hat, nachtoͤnen, und uns das Geheimniß verrathen, das er ſo gerne ver— bergen moͤchte. Hierauf hat man die Phyſiognomik gegruͤndet, eine Kunſt, von der ſchon zu Sokrates Zeiten Profeſſion gemacht wurde, aber noch niemanden iſt dieſe Kunſt vollkommen gegluͤckt. Ganz anders iſt es mit der Pathognomik, d. h. der Kunſt, aus den Mienen den jetzigen Zuſtand der Seele zu errathen. — 28 Am meiſten koͤmmt hierbei das Auge in Betracht, denn dieſes iſt der Spiegel der Seele, das Fenſter des menſchlichen Her— zens. In Otaheite, wie bei uns, geht der Blick des Luͤgners in die Queere, oͤff⸗ net ſich beim Staunenden, verengt ſich und ſieht ſcheel beim Neidiſchen, leuchtet mit freundlichem Glanze beim liebreichen, gefaͤlligen Menſchen, oder ſchreckt mit Finſterniß beim Muͤrriſchen. Die feinen Kuͤnſte des Malers, Muſikers, und Schauſpielers, ſo weit ſie ausdruͤckend ſind, ſind nichts als die Sprache der Na— tur, die wir mit uns auf die Welt brach— ten, aber nur durch zarten Geſchmack, feineres Urtheil und viel Sorgfalt, recht ausbilden lernten. Dieſe Sprache nun darf nicht erlernt werden, wohl aber die kuͤnſtliche, welche die natuͤrliche vorausſetzt. 2. Erfunden koͤnne die Sprache auch nicht ſeyn, denn zur Sprache ge— hoͤre Verbindung und Trennung der Moͤrter, Klaſſificirung, Dispoſition, Tak⸗ tik; alles dieſes ſetze: a) Vernunft voraus. Nun ſey aber Vernunft blos eine Folge der Spra⸗ che, und koͤnne nicht ohne Sprache exiſti— mn. Vor badungen mt Re gr ſd urgrn d u uwi tnan 4 Fitm or in frem= ſeicen, aeen, d Auge in viegel der hen Her⸗ ns, geht ſeere, oͤff⸗ engt ſich leuchtet öteichen, eckt mit efeinen , und druͤckend der Na⸗ lt brach⸗ ſchmack , recht e nun ber die rliche Sprache che ge⸗ ig der , Tuk⸗ un ſey erre eriſti⸗ 29 ren. Vor ihr ſind nur ſinnliche An⸗ ſchauungen moͤglich, und kaum wuͤrden dunkle Ideen uns ihrer erinnern koͤnnen. Wir ſind nicht eher im Stande, Vorſtel⸗ lungen, die unſerm Gemuͤthe vorſchweben, zu entwickeln, bis wir ſie mit irgend einem gluͤcklichen Laut erhaſcht und be⸗ zeichnet haben; dadurch erſt bekommen ſie ihre Konſiſtenz, dann erſt koͤnnen wir ſie fixiren— begreifen— mit andern ver— gleichen, und mit jenen verbinden, d. h. denken, von dieſen trennen, d. h. urthei⸗ len, koͤnnen ſie zum Gegenſtande unſerer Betrachtung machen, ſie pruͤfen. Auch ſoll dieſes Philoſophem, durch die Ge⸗ ſchichte der Menſchen, die man unter Thieren wild aufwachſen fand, beſtaͤtigt werden. Das Maͤdchen von Champagne 1731 im Walde bei Songi, nahe bei Chalons gefangen, der heſſiſche Knabe 1554 unter Woͤlfen, und der litthauiſche Knabe 1661 unter Baͤren angetroffen, der hannoͤvriſche von 1724, die 2 Pyre⸗ naͤiſchen von 1779 ſind die bekannteſten. Alle waren ohne Sprache, alle ohne Vernunft. b) Damit man ſprechen koͤnne, muͤſſen wenigſtens zwei Perſonen einen ———— 30— und denſelben Namen fuͤr die Sache ha⸗ ben. Ueber dieſen Namen, womit ſie einen gewiſſen Gegenſtand benennen wol⸗ len, muͤſſen ſie ſich einigen. Dieß iſt ohne Verabredung nicht moͤglich, Verab⸗ redung aber ſetzt Sprache voraus; ſo kann die Sprache ſo wenig erfunden, als angeboren ſeyn, und daher ſagt Rouſ⸗ ſeau, ſie iſt ein unmittelbares Geſchenk Gottes. 3. Mitgetheilt von der Gott⸗ heit durch ein Wunder, dem Menſchen kann die Sprache aber auch nicht ſeyn. Denn: a) Die Menſchen haͤtten, wenn die Gottheit ihnen eine Sprache ſchenken wollte, ſie nicht annehmen koͤnnen, weil es ihnen an Faſſungskraft dazu fehlte. Sprache iſt zum Theil Ausdruck fuͤr das, was in uns bei Gelegenheit aͤußerer Er⸗ ſcheinungen vorgeht. Wenn ihnen nun dieſe mangelten, wenn in dem kleinen Kreiſe der Dinge, die ſie umgeben, nur wenig Gegenſtaͤnde ihre Aufmerkſamkeit reizen konnten, wie ſollten ſie Anſchauun⸗ gen und Vorſtellungen von Dingen, die ihnen noch gaͤnzlich unbekannt waren, wie Namen fuͤr noch nicht exiſtirende Begriffe tung Vera ſichn te ——— 3 I haben? Die Sache muß eher ſeyn, als ihr Zeichen. Sie kannten die Sache nicht, waren nicht vermoͤgend ſich eine Vorſtellung davon zu machen, und ſollten doch Ausdruͤcke fuͤr Gedanken, Unterſchie⸗ de ꝛc. haben, die ſie erſt ſpaͤt, vielleicht nie machen wuͤrden? b) Jedes Volk hat ſeine Sprache, und zwar iſt dieſe immer dem Grad der Kultur, auf welchem das Volk ſteht, dem Kreiſe von Erkenntniſſen, den es ſich er⸗ worben, den Beduͤrfniſſen, die es ſich machte, der Lebensart, die es fuͤhrt, auf das genaueſte angemeſſen, immer nach ſeinem Temperamente, Charakter, ſeiner Thaͤtigkeit, ſeinen Beſchaͤftigungen und Vergnuͤgungen gemodelt. Sind die Men⸗ ſchen roh und unwiſſend, ſo iſt die Spra⸗ che ohne Kultur. Leben ſie ohne Beduͤrf⸗ niſſe, ohne Begierden, ohne Arbeiten, in Ruh und Frieden, ſo werden ſie auch fuͤr nichts, als fuͤr ihre Lieblingsbeſchaͤfti⸗ gungen Ausdruͤcke haben. Aber dieſe werden auch von allen Seiten betrachtet, und in allen Abſtufungen und Schatti— rungen, in allen moͤglichen Geſtalten und Veraͤnderungen, durch eigne Worte be⸗ zeichnet. Ihre Sprache, im Ganzen aͤu⸗ — — 32 ßerſt arm, wird fuͤr dieſe Dinge Ueber— hu fluß und Reichthum haben. Herrſcht bei 6 einem Volke die Phantaſie, ſo ſind ſeine Ausdruͤcke immer ſymboliſch, praͤgnant, ni vieldeutig; ſeine Verbindungen kuͤhn, ſei⸗ ſügt ne Unterſcheidungen willkuͤhrlich, ſeine terog Beziehungen raͤthſelhaft. Iſt das Volk ih thaͤtig, unternehmend, induſtrioͤs und das Syr Nachdenken rege bei ihm, ſo wird die fide Sprache auch reich, und ſich uͤberall glei— ennd cher und feſter ſeyn. Es wird mehr tn Worte beſitzen, um das Allgemeine der w Dinge, um abſtrakte Begriffe auszudruͤcken. SAo Es wird feinere Unterſcheidungen, engere V ſch Verbindungen, leichte Vergleichungen, en weniger bildliche Ausdruͤcke haben; es Unen wird beſonders alle moͤglichen Beziehun— aͤer gen der Begriffe, bald durch beſtimmte et Endesbeugungen, bald durch beſondre Par⸗ ſer tikeln anzuzeigen wiſſen. Wie jedes Volk V teht einen eignen Gang in ſeinem Denken, V und eine eigne Art, die Dinge anzuſehn, und ander zu behandeln, einen eignen Geiſt hat, V und! ſo hat auch die Sprache ihren eignen mr Schwung, eigne Wendungen und Re⸗ Mtie densarten, kurz einen ganz eignen Ge⸗ V elſeit nius, der auf eine abgeſonderte Entſte⸗ mol hung ine E A V — 33 hung und Bildung der Hauptzweige der Sprache hindeutet. c) Je roher die Menſchen ſind, deſto mehr Sprachen haben ſie. Strabo z. E. ſagt, nach Dioskurias waͤren 300 He⸗ teroglotten gekommen, und Bosmann er⸗ zaͤhlt von Guinea, daß ſich dort viele Sprachen in einem kleinen Naume be⸗ finden. Je kultivirtere Menſchen ein Lans bewohnen, deſto weniger ſind Spra⸗ chen in demſelben. Rohe Voͤlker haben wenig Verkehr, leben und weben auf dem Boden, der ihre Huͤtten umgiebt, ohne ſich um die Nachbarn weiter zu bekuͤm⸗ mern, ſie koͤnnen alſo auch nichts von ihnen lannehmen. Fuͤr alles machen ſie ſich daher eigne Namen, und auf dem Bezirk einer Meile, wird dieſelbe Sache mit tauſend Namen belegt. Durch den Ver⸗ kehr naͤhern ſich Sprachen immer mehr und mehr. Ein Volk nimmt von dem andern Worte, Ausdruͤcke, Wendungen an, und leiht ihm wieder eben ſo viel, oder mehr, aus dem Seinigen. Sind endlich Nationen durch Krieg, oder lange wech⸗ ſelſeitige Verheirathungen in eins ge⸗ ſchmolzen, ſo verliert ſich allmaͤhlich die eine Sprache in die andre. Die Karai⸗ III. C ———— — V b — —— —— —— —— — — 3— — 54 ben auf den Antilliſchen Inſeln haben Heine eigne Sprache, die von der Sprache 4 ihrer Weiber ganz verſchieden iſt. Die Maͤnner naͤmlich ſprechen galibiſch, oder nit die Sprache der Karaiben auf Terra fir- ma. Von hier waren ſie ausgewandert, ſe hatten die Inſeln unterworfen, und nichts nig verſchont als die Weiber, die nachher we⸗ den gen des wenigen Umgangs mit ihren neuen Maͤnnern und Herren, die alte di Landesſprache beibehielten, und auf ihre Toͤchter fortpflanzten. Ein kleiner Diſtrikt 6 von Amerika oder Afrika hat mehr Spra⸗ chen als ganz Europa. Die deutſche 3 Sprache ſcheint den groͤßten Kreis zu in haben. 16 Dieſe Menge der Sprachen, ihre 1 Eigenheiten, Fehler, Veraͤnderungen,— beweiſen zu deutlich den menſchlichen fund Antheil an Schoͤpfung und Bildung ſt der Sprache, als daß wir noch einen e andern Urheber zu ſuchen brauchten. ahe Sprachfaͤhigkeit brachte der Menſch im umi Bau ſeiner Organe auf die Welt, und m. wenn man will, ein Sprachvermoͤgen in biß ſeiner Vernunft, aber keine Sprache. V Die Gruͤnde fuͤr allmaͤhliche Er⸗ uin findung der Sprache ſind folgende: dn 23 — 1) Nichts iſt ſo leicht erinnerlich als Toͤne, und unter allen moͤglichen Mitteln ſeine Gedanken zu bezeichnen, und andern mitzutheilen, ſind die artikulirten Laute die bequemſten, wegen der Leichtigkeit ſie hervorzubringen, wegen ihrer Man— nigfaltigkeit und Befeindiiten Verſchie⸗ denheit. 2) Der Menſch iſt das nachahmendſte Thier; 3) Er iſt zugleich das geſelligſte Ge⸗ ſchoͤpf, das die ſtaͤrkſte Sympathie beſitzt. 4) Er hat Vernunft und Witz, aber er brauchte, um Sprache zu erfinden, ih⸗ ren kuͤnſtlichen Bau ſo wenig zu kennen, als den Borelli de motu animalium gele⸗ ſen zu haben, um gehn zu koͤnnen. Aber wenn nun auch die Sprache er⸗ funden iſt, ſo koͤnnte man noch fragen, iſt ſie nur einmal erfunden, und giebt es eine Urſprache oder nicht? Es giebt aber keine Urſprache; die Sprache iſt unzaͤhlige Male erfunden, und jedes Volk hat etwas dabei gethan. Selbſt wenn es, beſiegt oder als Sieger, die Sprache des andern zahlreichern, groͤßern Volkes an⸗ nahm, behielt es noch immer genug eigne Worte, die uns noch jetzt zeigen, daß ſeine C 2 30— neue Sprache aus zwei oder mehrern Sprachen zuſammengeſchmolzen iſt. Woher denn aber die Aehnlichkeit zwi⸗ ſchen allen Sprachen, der perſiſchen und hebraͤiſchen, griechiſchen, lateiniſchen und deutſchen ꝛc.? Vater z. B., Bruder, Schweſter ſind Worte, die in vielen neuern, und mehrern alten gleichklingen, und gleiche Bedeutungen haben. Auch die Regeln der Grammatik ſtimmen uͤber⸗ all ſo, daß man die Grammatik des einen Volks ſehr leicht auf die Sprache des an⸗ dern anwenden kann. Alle Sprachen ſind doch durch daſſelbe Werkzeug, den Mund, der in ſeinen Toͤ⸗ nen begraͤnzt, und ungefaͤhr auf 30 Laute eingeſchraͤnkt iſt, durch dieſelbe Kuͤnſt⸗ lerin, die Vernunft, die allenthalben ih⸗ ren eignen, unabaͤnderlichen Geſetzen fol⸗ gen muß, auf dieſelben Veranlaſſungen, zu einerlei Zweck, und unter ſehr aͤhnli⸗ chen Umſtaͤnden erfunden, und gebildet worden. Es mußte alſo eine große Aehnlichkeit in der Materie, und eine noch groͤßere in der Form der Sprache, in den Woͤrtern und der Grammatik, ſtatt finden. 37 Wie aber die Menſchen dazu gekom⸗ men ſind, dieſe oder jene beſtimmte Sache, ſo und nicht anders zu nennen, lohnt ſchwerlich der Muͤhe des Unterſuchens. Soviel iſt gewiß, daß 1) Individueller Dinge Benennungen generaliſirt ſind. 2) Fuͤr abſtrakte Begriffe, und intel⸗ lektuelle Dinge hat man Benennungen ſinnlicher Sachen und Handlungen, und Verhaͤltniſſe entlehnt. Z. E. Vernunft, von vernehmen, Begriffe, von begreifen, und greifen, Vorſatz von ſetzen, und Ent⸗ ſchluß von ſchließen. De Brosses in ſei⸗ nem bekannten Werke— Traité de la formation méchanique des langues et des principes physiques de l'étymologie— hat den Grundſatz aufgeſtellt, daß, da die Zunge ſich beſtrebe, der Bewegung eines Gegenſtandes aͤhnlich zu ſeyn, auch das hoͤrbare Zeichen fuͤr dieſen Gegenſtand, der Ton ihm aͤhnlich geworden waͤre. So habe die Bewegung, welche die Zunge habe machen muͤſſen, um ſluere, fließen, fluid, glatt zu ſagen, mit der Bewegung der dadurch bezeichneten Gegenſtaͤnde Aehn⸗ lichkeit. Eben ſo Donner, tonitru, geouru, Sturz, Schleichen ꝛc. ——— Woher denn aber„Rock,“ im Deut⸗ ſchen ein Kleid, im Polniſchen ein Jahr? In den mittlern Zeiten, wo nach einer langen Dauer der Barbarei, die Li⸗ teratur wieder erwachte, nahm man, weil man die Natur der Sprachen wenig kannte, die hebraͤiſche Sprache als Ur⸗ ſprache an, aus der man alle andern ableitete. Die Burtorfiſche Schule iſt hierin bekannt. Selbſt Vossius in ſeiner Etymologia leitet das meiſte aus dem He⸗ braͤiſchen her. Ja, ſo oft von dem Ur⸗ ſprunge eines aͤcht deutſchen Wortes die Rede war, ſo glaubte man ihn im He— braͤiſchen zu finden. Goropius Becanus wollte das Hollaͤndiſche, und Rudbeck ſo— gar das Schwediſche als Urſprache ange⸗ nommen wiſſen. In den neuern Zeiten hat man den Schluͤſſel zu allen Spra⸗ chen in der alten celtiſchen, dieſe aber, in ihrer groͤßten Reinheit, bei den Bra⸗ minen zu finden geglaubt, deren heilige Sprache Sanscritta, die eigentliche gaͤli⸗ ſche oder celtiſche ſeyn ſoll. Das vor⸗ nehmſte, was wir von dieſer Sprache wiſ⸗ ſen, ſteht in der Vorrede zum Geſetzbuche der Gontoos. —ÿ— — brHͦ————— 39 C. Mannigfaltigkeit der Spra⸗ chen. Bei dieſer betrachten wir den Stoff, die Form und den Kreis der Sprache. Stoff heißt ihr Woͤrterſchatz, Form ihre grammatiſche Bildung, und Kreis der Umfang, in dem ſie geſprochen wird. Die Sprachen ſind: 1. Urſpruͤnglich verſchiedene Stamm⸗ ſprachen, oder abgeleitete Tochter⸗ ſprachenoder Mundarten. Mund⸗ arten ſind diejenigen, welche im Grunde einerlei Form d. i. einerlei Ausbruck ha⸗ ben, obgleich a) Die Ausſprache, nach gewiſſen Ana⸗ togien des Ausſprechens(wie z. E. zaͤhe, und lag, Zeug, und lieg ꝛc.); b) Die Bedeutung, nach gewiſſen Analogien, oder Vorſtellungen, abgebo⸗ gen, oder veraͤndert iſt, z. E. Fahrzeug fuͤr Schiff, Holz fuͤr Wald ꝛc. c) Sie muͤſſen einerlei grammatiſche Einrichtung haben. Eigentlich iſt der Unterſchied zwiſchen Tochterſprache, und Dialekt ſchwer zu beſtimmen. 2. Reine, oder gemiſchte, und Allemannsſprachen. Bei der Mi⸗ ſchung des Stoffs zweier Sprachen, wird zugleich das Grammatiſche aufgehoben, 40 ſoweit es widerſtreitend iſt, und daher immer einfacher, zuletzt wird daraus eine Allemannsſprache oder lingua franca, wo die Grammatik faſt Null iſt. Die vorzuͤglichſten Allemannsſprachen ſind: 1) Die Levantiſche. 2) Die Maura in Indoſtan. 3) Die Kreoliſche in Weſtindien. 4) Die Lappiſche an Cihzbeh⸗n Graͤnzen. 5) Zum Theil die Indiſche und zu⸗ letzt 6) Die Schifferſprache. 3. Schriftfeſte, oder Schrift⸗ loſe. Bei immer erweiterter Kultur, wird eine Mundart, als Schriftſprache herrſchend, z. E. das Hochdeutſche, der Dialectus communis im Griechiſchen ſeit Polybii Zeit; alsdann ſind alle andern Dialekte ſchriftlos. Die franzoͤſiſche Schriftſprache ſoll der Dialekt von Orleans ſeyn. Die Italieniſche iſt der Toskaniſche. 4. Gebildete, rohe, reiche, arme. 5. Von Seiten des Kreiſes, ausge⸗ breitete oder enge. ——4 ——— ——————— — ————— V — iiſ ——ÿõÿ——nörümymömn—r——m—— ———————C—— — 41 daher 6. Noch giebt es heilige Sprachen,” raus und Hofſprachen, verſchieden von ä.. Volksſprachen. de 7. Ausgeſtorbene, wie die Kornwal⸗ liſche und Preußiſche Sprache. Alle Sprachvergleichungen ſetzen voraus, daß die Data ihre voͤllige Rich⸗ 1 — tigkeit haben. Um ſich von dieſer Rich⸗ 6 ens tigkeit zu verſichern, kommt es auf fol⸗ gende kritiſche Grundſaͤtze an, welche be⸗ wa ſonders bei ſchriftloſen Sprachen, welche 1 3 man aus dem Munde roher Menſchen u aufnehmen will, genau angewandt wer— rift. den muͤſſen. Nemlich es iſt noͤthig Kri⸗ ſcur tik in Abſicht 1 ahe a) auf Stoff, damit jeder Ausdruck e nach Laut und Sinn richtig niederge⸗ ſeit ſchrieben werde; die Schwierigkeiten da⸗ derr bei, ſowohl von Seiten des Examinators als des Examinandus, ſind groß. Denn, Ader moͤgen beide eine Gemeinſprache haben oder nicht, ſo ſind Mißverſtaͤndniſſe un— ſce vermeidlich. Pocttarorurincuroac heißt eich, gewiß nicht drei, bei jenem rohen Volke, wie uns ein Reiſender erzaͤhlt— viel⸗ unrx„ leicht: Herr laſſen ſie mich ungeſchoren!— Daraus entſtand auch, daß einige Rei⸗. 4 ſende den Patagoniern und Hottentotten 42 ſtatt Sprache ein Truthahngeſchrei bei⸗ legten; denn uͤberhaupt haͤlt jeder Hete⸗ roglotte die Sprache des andern Hete⸗ roglotten fuͤr unorganiſch. b) Auf Form. Nicht jede Sprache hat alle Modos, Tempora, Kaſus und Partikeln der andern; der rohe Exami⸗ nandus, der ſeine Sprache ſo wenig als ſeinen Mund, nach ihren Elementen kennt, kann nicht analyſiren, oder alles ſo angeben, wie man es haben will. c) Auf Kreis. Wie verſichert man ſich: I. daß der Examinandus ſeine Spra⸗ che rein ſpricht? und 2. kein Abentheurer iſt? Wie verſi⸗ chert man ſich, und wie beſtimmt man die Voͤlker, deren Sprache er zu ſprechen ſcheint? Verſchiedne Voͤlker haben einen Namen, und ein Volk mehrere. Die vorzuͤglichſten Stamm⸗ und Toch⸗ terſprachen ſind folgende: 1. Von der ausgeſtorbenen lateini⸗ ſchen Sprache hat das Italieniſche, Spaniſche, Franzoͤſiſche, und Wallachi⸗ ſche, die ſtaͤrkſte Tinktur behalten. 2. Griechiſch iſt ebenfalls ausgeſtor⸗ ben, nnd verſchieden vom heutigen Grie⸗ —— ————— 3—ÿÿõÿõä——————— —-—————————ÿʒ—————ͤͤ— 43 chiſch, das doch Aehnlichkeit mit ihm hat. 8. Vom Altmacedoniſchen ſoll das Albaniſche eine Tochter ſeyn. 4. Von dem Altgermaniſchen ſtammt die heutige deutſche, hollaͤndiſche, daͤniſche, ſchwediſche, islaͤndiſche, und zum Theil auch engliſche Sprache her. 5. Celtiſche Sprache. Es wird noch das Gaͤliſche— ob es das alte Galliſche iſt?— in Schottland von den Hochlaͤndern, die ſich Cael, oder Gal, und ihre Sprache Calic auch Ersisch nennen, von den Rymri oder Rumri im Fuͤrſtenthum Wallis, und von dem Rymr in Basbretague geredet; auf das Irlaͤn⸗ diſche iſt damit verwandt. 6. Das Sarmatiſche iſt Mutter der Ruſſiſchen, Boͤhmiſchen, Maͤhriſchen, Wendiſchen— in der Lauſitz— Kaſſubi⸗ ſchen, Illyriſchen, Slavoniſchen und Bulgariſchen Sprache, des Lettiſchen, Curiſchen ꝛc. 7. Von dem Finniſchen ſtammt das Ehſtiſche, Liefſche, Lapplaͤndiſche, Unga⸗ riſche, und alle Mundarten, welche die Wogulen, Korjaͤcken, Sirjanen, Bermek⸗ ken, Mordwinen und Raudiſchen Oſtjaken ——.—— 44— ſprechen. Siehe Georgi's Beſchreibung der Voͤlker des Ruſſiſchen Reichs. 8. Die tartariſche Sprache wird in Europa von den Luͤrken, und in Si⸗ birien von den Barabizen, Teleuten, Sojeti, Jakuten, Abinzi, Birgaßen, Mati, Komkuten ꝛc. geſprochen. 9. Das Mogoliſche wird von vie⸗ len Voͤlkern in der Tartarei geſprochen, wiewohl jedes ſeinen eignen Dialekt hat. 10. Das Tunguſiſche iſt eine Ab⸗ ſtammung davon, und außer dem großen Strich Landes, den die Koni, Olemi, Subuji⸗Tunguſen bewohnen, noch die Hofſprache in China. 11. Das Tibetaniſche wird in ganz Tibet und Hindoſtan, vom Indus bis zum Buramputer geſprochen. 12. Das Oſtindiſche, Tamuliſche, Telugiſche, Malabariſche und die Saus- ceritta- Sprache. 13. Das Malaiſche iſt ſehr aus⸗ gebreitet, faſt auf allen Inſeln des ſtil— len Meeres. 14. Das Perſiſche wird jetzt das Kurdiſche genannt, und iſt von dem alten Perſiſchen ſehr abgewichen. ———,— —*—— ————j— 45 15. Das Chineſiſche, Japani⸗ ſche, Kambodjiſche. 16. Das Koptiſche iſt, wie das Altpreußiſche, gegen Ende des vori⸗ gen Jahrhunderts ausgeſtorben, ſagt Lu- dolphe in comment. Aethiop. p. 443. Die noch vorhandenen 3000 Familien ſprechen eine Sprache, die ſich zur alten, wie die kitthauſcha zur preußiſchen verhal⸗ ten mag. 17. Vom Hebraiſchen iſt ein Dia⸗ lekt das Abyſſiniſche. 18. Das Arabiſche iſt am ausge⸗ breitetſten. 3 19. Die Hottentotte mſotache zeichnet ſich durch ein eignes Schnalzen aus, iſt ſonſt ziemlich gebildet. 20. Eine Welt von Negerſprache. 21. Nordamerikaniſche Spra⸗ chen, vorzuͤglich die der Tſippivaͤer. 22. Das Menikamäſch⸗ iſt ſehr unterſchieden vom 23. Peruaniſchen. 24. Ein Chaos von Sprachen in der Mitte von Suͤdamerika. 25. Die Sprachen der Suͤdſeein⸗ ſulaner. ——— —,, 46 Die wenigſten dieſer Sprachen ſind ſchriftfeſt, die meiſten ſchriftlos, und alſo nicht fixirt. Eine ſchriftloſe an Schrift, wohl gar an eine andre zu binden, hat viele und große Schwierigkeiten, denn jede hat einige eigenthuͤmliche Laute, welche ſich mit den Buchſtaben der andern ſchwer ſchreiben laſſen. Dazu wechſelt die Aus⸗ ſprache derer, denen man Worte abfragt, ſo ſehr ab, daß ſie faſt in jedem Worte anders klingen. Iſt vollends die ſchrift⸗ loſe Sprache dem, der ſie ſchreiben will, wenig oder gar nicht bekannt, wie dieß der Fall bei den Europaͤern in fremden Welttheilen iſt, ſo ſind Mißverſtaͤndniſſe aller Art unvermeidlich. Dann ſieht man bald ganze Phraſen fuͤr einzelne Worte an, und ſpricht von langen Worten, und giebt Nationen ein Truthahnsgeſchrei. Die Sprachen ſind entweder einſyl⸗ big, oder mehrſylbig; jene haben unbeugbare Worte. Es ſind ihrer meh⸗ rere, nehmlich I. Die Mandarinenſprache in Sina, hat den Buchſtabener nicht, und leidet keine zwei Konſonanten hinter ein⸗ ander. Die Dialekte einzelner Provin⸗ niſ Tye gut/ 5 inmer Nate Beſc ihte ihn ſſt, ohne in at fen, nitax ſid j 42 zen ſind verſchieden, und haben faſt durchgaͤngig das r. 2. Das Tunkineſiſche, welches auch die Conchinchineſen reden, hat das r, und ſetzt mehrere Konſonanten zuſammen. 3. Das Siamiſche. Außer dieſer Volksſprache, bedienen ſich noch die Ge⸗ lehrten in Siam der Baliſchen Spra⸗ che, die im Koͤnigreich Baos einheimiſch ſeyn ſoll. 4. Das Peguaniſche. 5. Die Bormaniſche oder Boma⸗ niſche herrſchend in Ava, Arrakam, Tipon, und Nepal, auch jetzt in Pegu. 6. Das Tiberaniſche, oder Tam⸗ gutſche. 221 Die Sprachen ſind, roh oder gebildet immer ein treuer Spiegel des Geiſtes der Nation, denn die phyſiſche und moraliſche Beſchaffenheit einer Nation wirkt auf ihre Sprache, und dieſe hinwieder auf ihre Meinungen. Roher Voͤlker Sprache iſt, wie ihre Vorſtellungen, arm, ſinnlich ohne Abſtraktion. Erhebt ſich ein Volk zu abſtrakten und intellektuellen Begrif⸗ fen, ſo muß es dafuͤr ſymboliſche oder metaphoriſche Ausdruͤcke brauchen. Auch ſind in den gebildetſten Sprachen alle 48 Ausdruͤcke fuͤr Abſtrakte, urſpruͤnglich, etymologiſch betrachtet ganz ſinnlich, z. E. Tugend, Vorſehung, Recht, Vernunft, Begriff, Ueberlegung tt. D. Werth oder Vollkommen⸗ heit der Sprachen. Bei jeder Spra⸗ che ſieht man 1. auf ihren Stoff durch Laute des Mundes, ſofern ſie Vorſtellungen bezeich⸗ nen— Aekie—. 2. auf ihre Form, ihren Bau, ihre Be⸗ wegungen, Fuͤgungen, und Wendungen— Tęadauarien. 3 3. auf ihren Kreis, den Umfang der Ge⸗ genden, wo, oder vielmehr die Bewoh⸗ ner, von denen ſie geſprochen wird. I. Die Vollkommenheit in Ab⸗ ſicht auf den Stoff beſteht ay in Wortfuͤlle, Wohllaut, und Reichthum, und der beſtimmten Verſchie⸗ denheit der Woͤrter von Seiten des Lauts,— daß ſie nicht nur hohe und tiefe Sylben haben, ſondern auch lange und kurze, alſo das Proſodiſche. Der Deutſche durch ſeine immer wiederkehren⸗ den Artikel, Huͤlfswoͤrter und Prono- mina verbalia, ingleichen, durch die gleichfoͤrmigen Endigungen der Infinitive, ſteht mat ) andern hältne lich J ale; Thun geben, Nuſe dſchen vohlte dem da U 4 45 ſteht in dieſem Stuͤck, ſo wie viele neue Sprachen, tief unter der griechiſchen. In Abſicht auf Sinn und Bedeutung beſteht die Vollkommenheit b) in Reichthum von Ausdruͤcken, ſo daß ſelbſt Abſtufungen und Schattirun⸗ gen gehoͤrig bezeichnet werden koͤnnen, wobei vieles auf die Bildſamkeit der Sprache ankoͤmmt; 1 c) In Menge von Partikeln, um alle, auch die feinſten, Beziehungen ſcharf angeben zu koͤnnen; endlich d) in der beſtimmten Bedeutung der Woͤrter. II. Vollkommenheit der Gram⸗ matik beſteht a) in genugſamen und kenntlichen Ab⸗ aͤnderungen der Stammwoͤrter, um Ver— haͤltniſſe ohne Partikeln leicht und deut— lich auszudruͤcken— b) in Beugung der Zeitwoͤrter, um alle Zeitbeſtimmungen und Modos von Thun und Leiden kurz und treffend anzu⸗ geben. Die griechiſche iſt hievon ein Muſter. Daher iſt ſie auch zum perio⸗ diſchen Bau ſo tauglich, ſo leicht und wohlklingend, ſo kurz und kraͤftig, naͤchſt⸗ dem das Lateiniſche. Eben weil die deut⸗ III. D 1 — ——õ—— —— — ——x- 59 ſche und vollends die franzoͤſiſche und eng⸗ liſche Sprache das nicht hat, iſt ſie an eine unabaͤnderliche Stellung der Woͤrter gebunden. Bernoulli in der ars conjee- tandi beweiſet, der Vers: „Tot tihi sunt dotes, virgo, quot si- dera coelo“ laſſe ſich 3312 mal ſo verſetzen, daß er noch immer ein Hexameter bleibt, ob er gleich nicht immer Caͤſur hat. Doch auch im Deutſchen ſind mehrfache Verſetzungen der Worte moͤglich. HI. In Abſicht auf den Kreis, moͤgte die arabiſche vielleicht alle uͤbertref⸗ fen; in Europa die franzoͤſiſche; ſehr ausgebildet und ausgebreitet iſt das Deut⸗ ſche. Die ungebildeten Sprachen haben kleine Kreiſe. Der Sprachkreis haͤngt ab, von der Ausbreitung des Volkes durch Eroberung, Koloniſirung und Ver⸗ kehr. Nutzen der Glottologie. 1. Sie vermehrt die Kenntniſſe von dem menſchlichen Geiſte, und zeigt uns die Geſetze, nach denen derſelbe Vorſtel⸗ dungs gen, Vülte fikatie logiee gebrac undbe verſch duß n eſache —— 51 deug lungen auffaßt und behandelt, zeichner e an und ausdruͤckt. Natur und Charakter Pͤtter der Sprachen, iſt Natur und Charakter jec- des menſchlichen Geiſtes; ſie iſt Abdruck des Verſtandes, der die Geſetze, nach td- denen er handeln muß, vielleicht nicht ahnen wuͤrde, wenn er ſie nicht in dem aß er Spiegel der Sprache erblickte. b er 2. Die Kenntniß von mehrern Spra⸗ auch chen giebt Anlaß zur Berichtigung und ngen Bereicherung unſerer Mutterſprache und Mundart, indem ſie gleichſam ein Ideal reit, aufſtellt und unſern Vorſtellungen Viel⸗ atc. ſeitigkeit giebt; ſie berichtiget unſer Ur⸗ ſehe theil uͤber ihre Vorzuͤge und Maͤngel: deuu⸗ ſte verſchafft uns mehr Gewalt und libe⸗ ben raleren Gebrauch derſelben. ugt 3. Sie dient als Hevriſtik— Erfin⸗ ltes dungskunſt— zu hiſtoriſchen Entdeckun⸗ Ver gen. Sofern die Uebereinſtimmung zweier Voͤlker in Laut und Sinn— die Modi— fikationen der Ausſprache, und die Ana⸗ logieen der Bedeutungen, mit in Anſchlag gebracht— von Woͤrtern, die auf eine unuͤberſehbare Art— mannigfaltig und dbon verſchieden ſeyn koͤnnten, klar iſt, ſo tuns muß man, wenn ſie ſich aus natuͤrlichen orſtl⸗ Urſachen nicht erklaͤren laͤßt, auf poſitive D 2 52² Urſachen, alſo auf Gemeinſchaft ſchließen. Dieſe Gemeinſchaft kann dreifach ſeyn: a) des Stammes, b) des Verkehrs und c) der Mittheilung. Zum Schluß auf die erſte Art der Ge— meinſchaft berechtigt vornehmlich unzwei⸗— felhafte Uebereinſtimmung im Bau, oder dem Grammatiſchen der Sprache, welche auch bei der zweiten Art der Gemein⸗ ſchaft Statt finden muß. Dieſe letztere hat unter andern Gallicismen im Deut⸗ ſchen hervorgebracht. Das Grammatiſche haftet ſehr ſtark an, wie der Hang der Deutſchen, in allen Sprachen Germanismen zu begehn, be⸗ weiſet. Auf die dritte Art entſteht Ge⸗ meinſchaft durch Reiſende, Miſſiona⸗ rien, Kaufleute, Schriftwechſel ꝛc. oder Empfang von fremden Sachen und Be⸗ griffen. Die Frage, wie groß, und welcher Art die Sprachaͤhnlichkeiten ſeyn muͤſſen, um hier anf Verwandtſchaft, dort auf Handelsverkehr, oder gelehrte und wiſ⸗ ſenſchaftliche Verbindungen ſchließen zu laſſen, iſt ſchwer zu beantworten; die Lo⸗ gik des Wahrſcheinlichen behaͤlt hier freies hen, “ 53 Feld. Viele auffallende Aehnlichkeiten ſind zufaͤllig, und erlauben keinen Schluß, viele verſteckte fuͤhren richtig. Die glot— tologiſchen Schluͤſſe haben aber: I. beſſern Grund, als die aus Aehn⸗ lichkeit der Sitten und Gebraͤuche. Da⸗ zu kommt, 2. daß ſie weit uͤber alle Nachrichten und Denkmaͤhler der Geſchichte hinaus⸗ reichen. Denn es iſt zum Erſtaunen, wie lange ſich eine Sprache erhaͤlt, nicht nur eine geſchriebene, z. B. Hebraͤiſch, ſondern ſelbſt ohne Schrift, wie bei dem gemeinen Volke der Neugriechen. Selbſt wenn ein Volk ſich mit andern vermiſcht, behaͤlt es nach Proportion ſeiner Zahl zum Ganzen einen Antheil an der ge⸗ miſchten Sprache.* Leibnitz in ſeiner Brevis designatio meditationum de originibus gentium, in Misc. Berol. zeigte zuerſt den Weg, aus der Sprache der Voͤlker auf ihren Ur⸗ ſprung zu ſchließen, und vermittelſt dieſer Erfindung ſind ſchon folgende richtige Be⸗ merkungen gemacht: 1. Die Zigeuner ſtammen aus Oſt⸗ indien. 54— 2. Die Ungarn haben mit dem Lap⸗ pen einen, alſo finniſchen, Urſprung. 3. Sprachvergleichungen haben gelehrt, daß die jetzigen Beherrſcher von China eigentlich Tunguſen ſind. 4. Staͤnder fuͤhrt in ſeiner lettiſchen Grammatik eine Erzaͤhlung an, von ruſ⸗ ſiſchen Offizieren, daß die Bielgorodſchen Tartaren am Bach Bereſon, der in den Liman faͤllt, lettiſch ſpraͤchen. 5. Die 13 Gemeinen, die um Verona und Vicenza deutſch ſprechen, ſind wohl nicht Cimbern von Marius Zeiten her; ſie ſprechen oberdeutſch. 6. Auch die Uhlanen in der Krim ſprechen deutſch nach Busbeck und zwar niederteutſch. Oſtgothen und Gruntun⸗ ger, ſaßen an der Muͤndung der Donau, Wiſigothen und Thoringer weſtwaͤrts vor dieſen; von den Hunnen gedraͤngt, er⸗ flehten ſie vom Kaiſer Valens einen Sitz in Thracien und Moͤſien, daher in jenen Gegenden noch viele Spuren von Deutſchen ſind. Um dieſe Zeit uͤberſetzte Ulphilas— Wolf— die Bibel— ausgenommen die Buͤcher der Koͤnige, in das ſogenannte Moͤſogothiſche. Vieles davon iſt verloren, der groͤßte Theil der — der den habe Rt ſc ſeit ſche den wal als ate 1 .— 55 Evangeliſten aber iſt in der filbernen Handſchrift zu Upſala enthalten. 7. Die Sprachen der Inſelbewohner, im ſtillen Meere ſtimmen mit den Malai— ſchen bis auf die Sandwich-und Oſter⸗ inſel uͤberein. 8. Die Aringer um Krasnojar ſpre⸗ chen Bomaniſch. 4„ 9. Die Sprache la basque oder Vas- euenza in Biscaja, Guipuscoa und Alava im Spaniſchen, und im Franzoͤſiſchen Navarra, und in den Provinzen Labour und Soule hat mit keiner andern Aehn⸗ lichkeit, als mit der Sprache der Amina auf der Goldkuͤſte.— Es iſt die Sprache der alten Cantabrer.— Gascogne ſcheint den Namen von dieſen Vasconiern zu haben, die anfaͤnglich von der Suͤdſeite der Pyrenaͤen, in Spanien wohnten und ſich im ſechsten Jahrhunderte an die Nord⸗ ſeite von Frankreich zogen, ſich den fraͤnki⸗ ſchen Koͤnigen unterwerfen mußten, unter den Karolingern ſich einen eignen Herzog waͤhlten, und nachdem deſſen Familie ausgeſtorben war, im eilften Jahrhunderte unter die Herzoͤge von Aquitanien kamen. 10. Hieronymus erwaͤhnt, daß die 55 Galater ſo ſpraͤchen, wie die um Trier, d. i. wie die Deutſchen. 1I. Das Perſiſche enthaͤlt viele deut⸗ ſche Woͤrter, z. E. Choda— Gott, Pa- der— Vater— Mader, Dokhter, Bera- der ꝛc. Die Perſer waren naͤmlich ſtark mit Parthern vermiſcht, und dieſe waren vielleicht Deutſche. 12. Shaw fand um Tunis blonde Menſchen; er muthmaßte, ſie moͤchten Abkoͤmmlinge der Vandalen ſeyn, die im fuͤnften Jahrhunderte bis hieher kamen. 3. Wie es auch damit ſey, ſo waͤre es doch artig zu wiſſen, was die Morla⸗ chen fuͤr eine Sprache haͤtten, von denen Buͤſching in ſeiner Geographie ſagt: die in den Thaͤlern von Chotar, und in den Ebenen von Scodra und Rain wohnen, ſind faſt alle blond mit blauen Augen, weitem Munde, platter Naſe und ſind hoͤflich und gelehrig, hingegen die in den Gegenden von Duore und Vergoratz wohnen, haben braunes Haar, ſind oli⸗ venfarbig, laͤnglichen Geſichts, ſonſt gut gewachſen, und ſind unbeugſam, kuͤhn und raubbegierig. 14. Nach Long's See⸗ und Landreiſe, (Hamb. 1791.) die vollſtaͤndige Nachrichten iſe, ten 5⁷ von Nordamerikaniſchen Sprachen liefert, wird das Tſippenwaͤiſche, welches mit dem Algonkiniſchen als Mundart uͤbereinkoͤmmt, uͤberall von den Haͤuptern der Verſamm⸗ lung der Voͤlker geſprochen, die weſtlich bis zum Miſſiſippi, ſuͤdlich bis zum Ohio und noͤrdlich bis zum Hudſon woh⸗ nen, obgleich manche Voͤlker auf dieſem Landſtriche in ihrem Umgange eine andre Sprache haben. Verwandt damit iſt das Mohegomiſche und Schawaneſiſche. Auch ſcheint wirklich die Sprache der Delawa⸗ res in Penſilvanien, der Pennobſcots an Neuſchottland, und der Indianer zu St. Francis in Kanada von einer Mut⸗ terſprache zu ſtammen. Von dieſen weicht ganz ab die Sprache der Jrokeſen oder Mohawis, welche ausſchließlich von 5 oder 6 Nationen Indianern geſprochen wird. 15. Die Koraliten in Labrador und die Groͤnlaͤnder, haben Eine Sprache, und damit ſtimmen viele Worte der Una⸗ laſchker. 16. Die Karaiben ſprechen galibiſch, und ſtammen alſo aus Terra firma her. Sprachvergleichungen lehren uns auch die Wanderung der Begriffe, Geſchicklich— 58 keiten oder Kuͤnſte. Jede Sprache iſt am reichſten in Ausdruͤcken fuͤr ſolche Dinge, womit ſie ſich am meiſten be⸗ ſchaͤftigt; das Deutſche fuͤr den Bergbau und die Jagd; das Hollaͤndiſche fuͤr den Schiffsbau und die Schiffskunſt; das Fran⸗ zoͤſiſche fuͤr die Kriegskunſt und das geſel⸗ lige Leben; das Italieniſche fuͤr Muſik, Mahlerei und Baukunſt. Gemeiniglich hat ein Volk fuͤr dasjenige, was es von dem andern angenommen und gelernt hat, auch zugleich die Benennung dieſes andern Volkes behalten. Daher iſt die Sprache der Kanzel morgenlaͤndiſch, der Boͤrſe Italieniſch, der Schiffswerfte hol— laͤndiſch, des Paradeplatzes franzoͤſiſch, und der Gerichtshoͤfe roͤmiſch. Die Po⸗ len haben fuͤr die mehrſten Handwerke deutſche Namen, auch ſind alle termini proprii beym Gewehr, beim Wagen bis auf den Hufnagel deutſch. Dennoch lernt bisweilen ein Volk vom andern eine Kunſt, oder erhaͤlt ein Naturprodukt ohne das fremde Wort aufzunehmen. So nennen die Ehſtlaͤnder das Schrei⸗ ben Ririas ponema d. i. Zackenmachen, und die Sandwichsinſulaner, wuͤrden es wohl Ripparée d. i. Zeugmachen nennen. WWMW—oO ę E/dj W —— 59 Wir haben viele Benennungen von den Roͤmern angenommen, und es ſind ge⸗ wiß Niederdeutſche geweſen, mit denen die Roͤmer das meiſte Verkehr hatten, denn ihre Worte haben die meiſte Aehn⸗ lichkeit mit roͤmiſchen. Auch weiſet uns die Sprache oft das Vaterland vieler Gewaͤchſe und Thiere an, indem ein Volk meiſt nur fuͤr ein— heimiſche Naturerzeugniſſe eigne urſpruͤng⸗ liche Namen hat— Aprikoſen, mala epi- rotica— kommen von Epirus, Kirſchen, cerasi— von Cereſunt in Pontus; Kaf⸗ fee iſt ein arabiſches Wort— Zucker ſoll vom indianiſchen Schaggri herkommen.— Nach Ferguſon heißt im Bengaliſchen der Zucker Legga, auch Messerie— Indigo, der beſte wird noch jetzt in Hindoſtan bereitet. Tabak von Tabago, einer Pro⸗ vinz in Yncatan, wo ihn die Spanier zuerſt fanden. Aloe— die beſte von Socotorah— iſt vermuthlich ein arabi⸗ ſches Wort. Tulpen haben wir von den Tuͤrken, die dieſe Blume Tulipan nen⸗ nen. Lein, linum, ano, und Hanf, can- nabis, avvaßo“, von Tangur bis an die Wolga; Apfelſine, oder Pomeſine, ver⸗ raͤth das Vaterland des Gewaͤchſes in — 60 China.— Ob Pomeranzen auch aus China ſind? So viel iſt gewiß, daß ſie da auch wachſen.— 1 Doch muß man auch bemerken, daß der Name oft nur anzeige, von welchem Volke man eine Sache zuerſt erhalten habe, ohne darum anzuzeigen, wo die Sache urſpruͤnglich ſey. Die Ehſt⸗ laͤnder nennen den Reis Saksama suurma d. i. ſaͤchſiſche Gritze; Alkali kommt nicht aus Arabien, ſondern aus Spanien; das ſpaniſche Rohr koͤmmt aus Neu⸗Mexiko und Hindoſtan; der tuͤrkiſche Waitzen aus Amerika;— er mag im Deutſchen, von den einem Turban aͤhnlich geform⸗ ten Blaͤttern, womit die Aehre um⸗ wachſen iſt, ſeinen Namen haben;— Chinarinde kommt nicht aus China, ſon⸗ dern aus Peru, und heißt eigentlich Rin- kina d. i. Rinde der Rinden.— Keine euro⸗ paͤiſche Sprache, die ſlaviſche ausgenom⸗ men, hat ein Wort fuͤr Elephant; die alten Roͤmer nannten ihn Luca bos, als ſie ihn zuerſt beim Pyrrhus in Lukanien ſahen. Fuͤr Hund hat jede Sprache ein eignes Wort. Rennthiere und Elend ſcheinen original deutſch zu ſeyn;— nicht wohl engliſch rein oder franzoͤſiſch 601 renne; Blumenbach ſchreibt Rehnthier.— Olen, heißt das Elend ruſſiſch. Endlich fuͤhren manche Eigenheiten der Sprache auf den Charakter des Volkes. Wenn der Araber 500 Woͤrter fuͤr den Loͤwen, und 1000 fuͤr das Schwerd hat, wenn der Deutſche 39 Woͤrter fuͤr ſchlagen, und 30 fuͤr Trinken hat, wenn der Franzoſe allein, die Worte fuͤr Komplimente, Mode, Galan⸗ terie hergiebt, wenn der Deutſche ſoviel Titel und Curialien— eine Folge des Feudalſyſtems— hat, und in ſeinen An⸗ reden ſoviel Unterſchiede macht, wenn er eine edle und unedle Sprache hat, kurz wenn eine Sprache etwas hat, das in einer andern Sprache unuͤberſehbar iſt— wie die meiſten jetzt genannten, ſich weder ins Griechiſche noch Lateiniſche uͤberſetzen laſſen,— ſo giebt das Cha⸗ rakterzuͤge vom Volk ab, das die Sprache ſpricht. Charakteriſtiſch iſt noch die Bemer⸗ kung, daß nur die neuern Sprachen die Woͤrter fuͤr glaͤubig, unglaͤubig, rechtglaͤubig, Ketzer, Zunft, Mei⸗ ſter, Geſell, Lehrburſch ec. haben. Auf Arabiſch heißen die Rechtglaͤubigen 62 Moslemim, die Unglaͤubigen Guebres, Ketzer Schüters. 2. Von der Schrift. Das Verlangen und Beduͤrfniß, ſich nach Belieben gewiſſer Sachen erinnern zu koͤnnen, veranlaßt den Naturmenſchen zur Erfindung von allerlei Denkzeichen; die gemeinen Leute ſogar, die nicht ſchrei⸗ ben koͤnnen, machen oft allerlei Zeichen mit Kreide. Prinz Libu— ſiehe Wil—⸗ ſons Reiſe— fuͤhrte uͤber die Merkwuͤr⸗ digkeiten der Reiſe eine Art Journal, das in allerlei verſchiedentlich bezeichneten Staͤbchen beſtand, woran er von Zeit zu Zeit ſtudirte, um ſich die Erinnerung der Zeichen gelaͤufig zu machen. Die Pe⸗ ruaner hatten und haben wohl noch— ihre Quipos, Buͤndel von Schnuͤren, von allen Farben mit mancherlei Knoten bezeichnet, woraus unter andern die Tempelannalen beſtanden. Die Wilden in Nordamerika gebrauchen zu aͤhnlichem Zweck ihre Wampoos. Andere Voͤlker haben andere Zeichen— man denke Die- tatores clavi figendi causa!— welche Zeichen aber insgeſammt wegen ihrer Einfachheit, entweder von hoͤchſt einge— 63 ebres ſchraͤnktem Gebrauch fuͤr andre, oder nur dem allein verſtaͤndlich ſind, der ſie fuͤr ſich macht und ſie ſich ſorgfaͤltig einpraͤgt. Das Beduͤrfniß, ſich Abweſenden mitzu⸗ ſc theilen ſowohl, als das Andenken von den Dingen fuͤr die Nachkommen aufzubewah⸗ hen ren, veranlaßten die Erfindung der hen; Schrift und zwar: rei⸗ A. der Bilderſchrift, und dann hen 4 B. der Tonſchrift. di A. Nichts iſt natuͤrlicher, als ſicht⸗ vuͤr bare Dinge durch Abzeichnung, und un⸗ rnal, ſichtbare durch Symbole d. i. durch Bil— neten der, welche irgend eine Art von Bezie⸗ zit hung auf die unſichtbaren Dinge haben, 1 auszudruͤcken. In dem hiſtoriſchen Por⸗ h tefeuille von 1787. 2ter Theil S. 33. iſt — ein hieroglyphiſcher Bericht, den ein Iro— en, keſe von einem Feldzuge gegen die eng— üen liſchen Kolonien im Buͤndniſſe mit Frank⸗ de reich abgeſtattet hat, in Kupfer, wobey iden geſagt wird, daß die amerikaniſchen Wil⸗ ſchen den, wenn ſie von einem Streifzuge zu⸗ äſkr ruͤckkommen, jedesmal dem kommandiren⸗ Di⸗ den General der Europaͤer, mit denen rice ſie alliirt ſind, Bericht davon in ſolch her einer ſymboliſchen Zeichnung abſtatten. xe Dergleichen Bilderſchriften ſieht man in . ͤͤõäãͤqͤͤͤͤͤ„ ———— 64 Krafts Sitten der Wilden. Die Mexi⸗ kaniſche in den Kupfern zu Robertſons Geſchichte von Amerika, enthaͤlt ſchon abgekuͤrztere Hieroglyphen als jene, im aͤgyptiſchen Geſchmack. Die zwei Giuſen der Bilderſchrift ſind: a) Ganze 1. Gemaͤlde ſichtbarer Dinge, 2. Symbole fuͤr unſichtbare Dinge. b) Abgekuͤrzte Zeichen der Bilder, durch bloße Linearfiguren, wie die 6 ſiſche Zeichenſchrift. Die erſte Schrift ſieht man noch bei den Wilden, und ſie war vornehmlich bei den Aegyptern; die zweite iſt bei den Chi⸗ neſern und Japaneſen noch im Gebrauch, desgleichen bey den Choraͤern und Tun⸗ quineſen. Aegyptiſche Hieroglyphen ſind, gleich der Bilderſchrift der Wilden, eine rohe Erfindung der fruͤhen Welt und nichts weniger als ſchlau erſonnene Chif⸗ fern, worin die aͤgyptiſchen Prieſter tiefe Geheimniſſe verhuͤllen wollten. Frei⸗ lich, nachdem Alphabetſchrift ſchon erfun— den war, behielten die Prieſter noch Hie⸗ roglyphik, als ein altes Heiligthum bei, vielleicht auch als eine ſchulgerechte Me⸗ thode, — — Meri ſons chon imu rift mge. Rr, iwe⸗ bei h bei Chi⸗ ich, un⸗ ind, eine und Ehſf eſter Frii⸗ efun⸗ Hie⸗ bei, Me⸗ — 65 thode, und ſo fanden es die Griechen, die bey ihrem Mangel an Laͤnder⸗ und Voͤlkerkunde und Geſchichte der Menſch⸗ heit, ſich einbildeten, Tonſchrift ſey dem Menſchen natuͤrlich, und Hieroglyphik muͤſſe daher eine abſichtlich erſonnene Art von Chiffern oder Geheimniß ſeyn. Wenn es richtig iſt z. B. daß der bekannte Stein von Roſette in ſeiner Hierogly⸗ phenſchrift daſſelbe, was die auf ihm be⸗ findliche Schrift, ſagt, ſo kann man dar⸗ aus ſehen, daß nicht immer nur tieffin⸗ nige Philoſopheme durch Hieroglyphen bezeichnet wurden. Allein Araber— Er— finder der Chemie und Kreuzfahrer, miß⸗ deuteten die Nachrichten der Alten von der Weisheit und den Kuͤnſten der Aegyp⸗ ter, Liebestraͤnke, Gold und Tinkturen der Unſterblichkeit, woran in Aſien ſo viel laborirt wird, zu machen und glaubten, die Rezepte zu dem allen ſeyen in den Hieroglyphen der Iſiſchen Tafel und der Obelisken eingehuͤllt. Nun haben wir endlich Hoffnung, den Sinn dieſer Hieroglyphen zu ent⸗ ziffern, durch die Entdeckung des er— waͤhnten Steins von Roſette, deſſen Ge⸗ ſchichte kuͤrzlich folgende iſt:„In einer 111.. E — —— ʒ;ʒnn::ʒ————— 56 Sitzung des Nationalinſtituts 1800 wurde gemeldet, d' Hautpoult habe beim Nach⸗ graben in der Gegend von Roſette, einen Stein gefunden, von ſchoͤnem ſchwarzem Granit, 36“ hoch, 28“ breit, und 9 bis 10“ dick. Eine polirte Seite hat 3 Inſchriften, die von einander getrennt und parallel ſind. Die oberſte iſt hiero⸗ glyphiſch, und hat 14 Zeilen; die andere mit Buchſtaben, die man fuͤr ſyriſch haͤlt, die aber wohl koptiſch ſind, nimmt 32 Zeilen ein, und die dritte griechiſch, be⸗ ſteht aus 54 Zeilen, und iſt noch gut erhalten. In dieſer heißt es, daß Pto⸗ lemaͤus Philopator alle Kanaͤle habe oͤff⸗ nen und repariren laſſen, und dazu ſehr viele Arbeitern, große Summe, und 8 Jahr gebraucht habe, wofuͤr die Prieſter ihm oͤffentlich Dank abſtatteten.“ Ohne Zweifel iſt die hieroglyphiſche Schrift gleichen Inhalts, und vielleicht laͤßt ſie ſich einſt entziffern, ſo wie Barthe⸗ lemy des palmireniſche Alphabet, durch die, neben den palmireniſch-ſyriſchen In⸗ ſchriften ſtehenden griechiſchen entraͤthſelt hat. Aber ob die Hieroglyphen von der Zeit der Ptolemaͤer auch mit denen der alten Zeit einerlei ſind, iſt noch die Frage. — . ————:— a 3 n In⸗ thſet on der en der Frage⸗ — 67 Unter dem Arme einer Mumie fand man eine ziemlich ſtarke Nolle von Hierogly⸗ phen. Ueber die Symbole, die die Aegypter waͤhlten, findet ſich einiges Licht in des Horus oder Horapollo Hieroglyphica.— Nach ihm bezeichnete das Auge Kenntniß; ein Zirkel die Ewigkeit; eine Fliege die Unverſchaͤmtheit; eine Ameiſe Weisheit; eine Viper die Undankbarkeit; der Loͤwe Muth; der Adler Sieg; der Storch Kin⸗ desliebe; der Aal Scheuſal, weil ihn die Aegypter ſo wenig als die Juden ſpei⸗, ſeten; bisweilen zuſammengeſetzt, als eine Schlange mit einem Adlerskopf, bezeichnete Gottes Vorſehung; verſchlun⸗ gene Haͤnde Eintracht; Pfeile gegen ein⸗ ander Krieg. Die zweite Art, naͤmlich die chineſi— ſche Zeichenſchrift, iſt nichts als eine hie— roglyphiſche Current⸗ oder Abbreviatur⸗ ſchrift, und ihrem weſentlichen Charakter nach, da ſie nicht Laute des Mundes, ſondern Vorſtellungen der Seele bezeich⸗ net, mit den vorigen Arten ganz einer⸗ lei. Was Runen ſind, iſt nicht unklar, ſie ſind Ton⸗ und Alphabetſchrift. 7. N E 2 68— Nachtheile aller Sachſchrift. 1. Es iſt nicht wohl moͤglich, die Ver⸗ haͤltniſſe und Beziehungen zwiſchen den Be⸗ griffen und Sachen, die man abbildet, bildlich auszudruͤcken. Man verſuche die kleinſte Geſchichte, oder das kleinſte Nai⸗ ſonnement(z. B. animum rege, qui nisi paret imperat!) in Sachſchrift verſtaͤnd⸗ lich darzulegen! Und doch beſteht eben in den Beziehungen der Geiſt der Sprache, das eigentliche Denken, welches man gleich einſieht, wenn man ſich vorſtellt, daß in der Sprache das Dekliniren, Konjugiren, die Pronomina personalia, die Praͤpoſitionen und Konjunktionen wegfallen ſollten. 2. Die uͤberaus große Menge von Zeichen— es muͤſſen ihrer mehr als Woͤrter ſeyn, weil oft ein Wort meh⸗ rere Ideen, hingegen jedes Zeichen nur eine Idee ausdruͤcken kann— macht eine Uebereinſtimmung in dieſen Zeichen ſehr ſchwer; es entſtehen alſo mehrere Schriftarten, die nicht ſo, wie die ver⸗ ſchiedenen Haͤnde in der Alphabetſchrift, in welchen der Zeichen nur etliche zwan⸗ zig ſind, ſich durch ſich ſelbſt dechiffriren Ver⸗ Be⸗ det, die Nai⸗ nisi ind— in che, man ſellt iiren, Ialia onen von als meh⸗ nur macht eichen tehrete ſe ver⸗ ſcrit zwan⸗ ffriren laſſen. Die Ungleichheit und Menge der Zeichen macht nun, daß die Menſchen ſich an der Erlernung derſelben imbeeill und lſtupid machen. Ein ganzes Leben gehoͤrt dazu, um leſen zu lernen, in China z. B., wo man 70,000 Charak⸗ tere rechnet— alles Wiſſen wird dadurch Gedaͤchtnißwerk. 3. Die Sachſchrift, da ſie mit der Sprache in keiner Verbindung ſteht, traͤgt nichts zur Fixirung der Sprache bei, die nun ſich ſelbſt uͤberlaſſen, nach der Ana⸗ logie der Ausſprache und Bedeutung, in unzaͤhliche, zuletzt ganz unkenntliche, Dialekte ausartet. 4. Noch ſchlimmer iſt, daß die Sach⸗ ſchrift nie unter dem gemeinen Volke ein Kommunikationsmittel werden kann. B. Ton⸗oder Alphabetsſchrift. Sie iſt Bezeichnung der Laute uͤber⸗ haupt, und artikulirter Laute, dergleichen der Menſch durch keine Maſchine nachzu⸗ ahmen im Stande iſt. Die Zahl der moͤg⸗ lichen Artikulationen uͤberhaupt iſt durch die Struktur der Sprachorgane begraͤnzt; dann aber iſt auch jede beſondere Sprache, von vielen wohl moͤglichen, und in einer andern Sprache auch wohl wirklichen Arti⸗ O—— kulationen befreit; nicht jede Sprache umfaßt alle der Natur der Sprachorgane nach wohl moͤglichen Artikulationen. Vermuthlich fielen die handelnden Phoͤnizier darauf, ihre Zahlen mit Zei⸗ chen zu ſchreiben, und nahmen dieſe Zei— chen, als Sylbenſchrift fuͤr die Laute an. Dieſe iſt alſo wahrſcheinlich zuerſt erfun⸗ den. Aber iſt das Hebraͤiſche auch Syl⸗ benſchrift? Heißt z. B. Z ba, be, bi, bo? Wenn 2 alle dieſe Sylben bezeichnen kann, ſo bezeichnet es offenbar keine da⸗ von ausſchließend, ſondern blos den Buch⸗ ſtaben b allein. In Siam ſoll man noch Sylbenſchrift ſchreiben. Von der Tonſchrift kennt man nicht den Erfinder, nicht das Volk, unter dem er lebte, nicht die Zeit der Erfindung. Auch davon ſagt die Geſchichte nichts, ob Sylbenſchrift oder Buchſtabenſchrift vor⸗ hergegangen. Das erſte Muſter aller Sylbenſchrift ſoll die Samſtkrdamiſche ſeyn, wovon die Tibelaniſche, Mogoli⸗ ſche, Siamiſche, Malaiſche Zweige ſind. Von Alphabetſchrift iſt das alteſte und einzige Muſter die Phoͤniziſche. Grie⸗ chenland erhielt die ſeinige von Kadmus d. h. von einem Morgenlaͤnder, der nur PvRRMf fn Jbfo-;I—— EEEEE —————ᷣ;⸗————————————;3—— —— 7 I vrach 16 Buchſtaben dorthin gebracht haben Dan⸗ ſoll. Eines der aͤlteſten Muſter griechi⸗ ſcher Schriftart iſt die Amyklaͤiſche In⸗ aden ſchrift, die Abt Fourmont im Jahr 1728 dei⸗ zu Sklaerbochori, dem alten Amyclae, dei entdeckte. Es waren eigentlich 40 uralte . Steinſchriften, worunter dieſe furchen⸗ th weiſe—(gssοαρνρ)— geſchriebene die Syl aͤlteſe war. Sie beſteht aus 2 In⸗ bo! ſchriften, die vielleicht nicht zuſammenge⸗ pven hoͤren, und enthaͤlt nur Namen von d⸗ Prieſterinnen; ſie iſt ungefaͤhr 1000 Jahr Buch⸗ vor Chriſto gemacht. Eins der aͤlteſten voch Monumente griechiſcher Schrift iſt aber die Sigaͤiſche Inſchrift, die in der Ge⸗ nicht gend von Teja entdeckt wurde, und von dem. Chishull bekannt gemacht iſt. ung. Die merkwuͤrdigſten roͤmiſchen In⸗ , 0 ſchriften ſind: Columna Duillii v. Chr. vor⸗ 494 geſetzt, und 1565 ansgegraben; die allet Inſchrift auf L. Corn. Scipio Consul, wiſch geſetzt vor Chr. 495, ausgegraben 1615; dogoli⸗ Senatus Consultum de Bacchanalibus e ſind. vom Jahr 566 vor Chr., bei Abruzzo de und entdeckt. Tafel von Bronze von 623 v. grie Chr. zu Rom, enthaͤlt ein Fragment eines aöuhus Buͤndniſſes zwiſchen den Roͤmern und ek nlr 22— Thermeſſenſern in Piſidien in Klein⸗ aſien. Materien zum Schreiben waren Holz, Stein, Muſcheln, Ziegel, metallene Tafeln— Wachstafeln, Palmpblaͤtter, Baumrinden— ꝙρ‿½αᷣ— Nilrohr und Thierhaͤute oder Pergament— zu Per- gamum unter Koͤnig Eumenes.— Eu- stathius ſchreibt ad Odyss., p. 1319 lin. 41. ed. Rom., daß man zu ſeiner Zeit— im 12. Jahrhunderte— den Gebrauch des Nilpapiers aufgegeben habe. Es fin⸗ det ſich davon noch ein einziges Buch in der Abtei St. Germain des Prèês, und Diplome zu Wien und Korvey. Den Urſprung des Kottonpapieres ſetzt Mont- faucon— Palaeographia p. 19.— in das 9. Jahrhundert. Die Griechen be⸗ dienten ſich deſſen haͤufig, und es kom— men griechiſche Buͤcher auf Kottonpapier vom 13. und 14. Jahrhunderte haͤufig vor. Den Gebrauch des Leinenpapiers findet Montfaucon gedacht in einem Buche vom 12. Jahrhunderte. Nach dem nou- veau traité de Diplomatique I. p. 522. sedd. giebt es keine gewiſſe Probe davon vor dem 14. Jahrhunderte. Die aͤlteſte bekannte Urkunde iſt von 1339.— Die —n. —.,—— —— — 43 dlein erſte Papiermuͤhle war zu Baſel im 16. Jahrhundert. ten In den erſten Zeiten der Schrifter⸗ lene findung wurde natuͤrlich nur ein ſeltner urr., Gebrauch davon gemacht. Nur bei Ge⸗ und 5 ſetzen, oͤffentlichen Verhandlungen und der- 3 Tempel⸗ oder andern Inſchriften kam Lu- G ſie anfangs vor. Die Zahl der Buchſta⸗ lin 4 ben war nicht gleich vollſtaͤndig, ihre Ge⸗ ſtalt wurde erſt allmählig ausgebildet, nuch auch ihre Richtung erſt nach und nach fin⸗ fixirt, indem man bald furchenweiſe von hin der Rechten zur Linken und dann wieder und umgekehrt, bald columnenweiſe von oben Dey nach unten ſchrieb, von welchen Arten ont- einzelne bei verſchiedenen Voͤlkern erhal— in ten ſind, z. E. die Griechen behielten die be⸗ Richtung von der Rechten zur Linken, kom⸗ die Hebraͤer von der Linken zur Rechten. aper Die Vortheile der Tonſchrift ſind groß, aufg und etwa folgende: pietts 1. Sofern man dadurch alle Woͤrter Duche ihrer Ausſprache nach bezeichnet, ſo kann nol- man alle, auch die intellektuellſten, Ideen von Beziehungen und Verhaͤltniſſen, kurz dwon man kann alles das, und ſo, dem Auge altſe durch Schrift verſtaͤndlich machen, was 74 und wie es dem Ohr durch Sprache ver⸗ ſtaͤndlich wird. 2. Die Schrift, da ſie nur etwa aus V 20 oder 30 Zeichen beſteht, iſt leicht gleichfoͤrmig zu erhalten, und laͤßt ſich auch, wenn ſie ungleichfoͤrmig geworden d iſt, ohne Schwierigkeiten anerkennen(De⸗ 4 chiffrirkunſt der Tonſchrift), laͤßt ſich leicht lernen, leicht lehren, und wird dadurch ein faßliches Kommunikationsmittel auch d fuͤr das gemeine Volk.— Sie iſt eine goͤttlich ſchoͤne Erfindung, ſie giebt dem Menſchen gleichſam einen neuen Sinn, b eine uͤbernatuͤrliche Kraft, auf Millionen Menſchen durch Jahrhunderte und Welttheile hindurch zu wirken. Was ſ waͤre das Menſchengeſchlecht ohne Ton⸗. 1 ſchrift! Keinen Homer, keinen Plato, 1 kein Evangelium und kein Beckerſches' Huͤlfsbuͤchlein haͤtte es!— de 3. Tonſchrift fixirt die Sprache, in⸗ 1 dem nun die gebildetern Volksklaſſen A (wenn einmal Schrift ganz gebraͤuchlich 1 iſt, denn ſonſt gehts wie in den Urkun⸗ den des medii aevi, wo die Schrift ſich nach der Ausſprache richtet), in der Aus⸗ V ſprache ſowohl als in der Bedeurung der ii Woͤrter ſich nach den klaſſiſchen Autoren fht ———— 3 75 richten. Oder wenn auch die Ausſprache wechſelt, ſo ſtellt ſie doch durch Beibehal⸗ tung einer gleichfoͤrmigen und herkoͤmmli— chen Orthographie eine unveraͤnderliche Norm auf. Man laſſe dieſelbe Geſchichte, die ein Schweizer, ein Schwabe, ein Oſtfrieſe, ein Luͤneburger, ein Leipziger, ein Pommer auf einerlei Art ſchreiben wuͤrde, unmuͤndlich erzaͤhlen, wie verſchie⸗ den wuͤrde es klingen, ſogar wenn ſie ſich bemuͤhten, der Schriftform gemaͤß zu ſprechen! wie verſchieden vollends, wenn jeder ſo ſpraͤche wie ſein Volk! Kein Zweifel daß das Engliſche und Franzoͤſi⸗ ſche nicht eben ſo geleſen worden, wie es jetzt noch geſchrieben wird. Es fehlt weiter nichts, als daß die Deutſchen, mit Beibehaltung ihrer jetzigen Orthogra⸗ phie, die weit ſanftere und richtigere nie— derſaͤchſiſche Sprachart annaͤhmen, ſo wuͤrde ſich die deutſche Orthographie, zur Ausſprache, wie die franzoͤſiſche und eng⸗ liſche zur ihrigen verhalten. Anmerkung. Eine ſchriftloſe Sp ache durch Schrift einer fremden Sprache zu baͤndigen, iſt ſehr ſchwer, ſogar wenn es Mutterſprache ——-nnn——— 76— iſt. Der Moͤnch Otfried, von dem noch eine Paraphraſe uͤber die Evangelien in altfraͤnkiſchen Reimen in Schilteri the- saurus antiq. Tom. I. vorhanden iſt, klagt uͤber die unuͤberwindliche Schwie⸗ rigkeit, die ungeheuern deutſchen Laute durch lateiniſche Buchſtaben auszudruͤcken. Noch ſchwerer iſt es bei ganz fremden Sprachen; daher heißt es in Cooks Rei⸗ ſen, wenn 6 Englaͤnder ein Wort der Suͤdſeeinſulaner aufſchrieben, haͤtte jeder es anders buchſtabirt. Es reicht kein Al⸗ phabet zu, alle Sprachen, oder alle Dia⸗ lekte Einer Sprache beſtimmt zu bezeich⸗ nen, und eben ſo wenig reicht es zu, in einer andern Sprache zu ſchreiben.— Wenn es heißt, verſchiedene nordamerika⸗ niſche Nationen koͤnnen unſer 1, 1, En, his nicht ausſprechen; die Kalifornier nicht unſer O, F, G, L, X, Z und S; die Braſilianer nicht unſer 1, L, S, Z; die Chineſen nicht unſer A. B, D. O, R, X und 2: ſo braucht man nicht ſo weit zu gehn; unſere Oberlaͤnder— das Koͤn⸗ nen bei Seite geſetzt— ſprechen wirk⸗ lich kein A, kein Oe, kein U, kein G; die Oberſachſen kein G und kein D, kein p; die Schleſier kein Ei; die Franzoſen noch en in the- iſ, vie⸗ zute ken. den Rei⸗ der der A Dia⸗ eich⸗ „in — ſka⸗ Gn, gcht — 77 koͤnnen nicht ſchreiben das deutſche: ich habe, die Deutſchen nicht die franzoͤſi⸗ ſchen Woͤrter genie, compliment, grace ſchreiben oder ſprechen; bei dem deutſchen Worte„angefangen“ und dergl. iſt die letzte Sylbe nicht orthographiſch darzu⸗ ſtellen.— Die Alphabetſchrift iſt zwar nicht ſo ſchnellen und ſchlimmen, als die hieroglyphiſche, aber doch auch großen Revolutionen und Veraͤnderungen ausge⸗ ſetzt, indem die Grundſchriftart eines Volks ſich auch umzubilden, und in an⸗ dre Zuͤge uͤberzugehen pflegt. Verſchie⸗ denheiten der Zuͤge derſelben Charaktere z. B. ſind in der Tuͤrkei und Perſien durch eine Art von Wohlſtandsgeſetz re⸗ gulirt.— In der Tuͤrkei giebt es vier Schriftarten: Neskhi fuͤr wiſſenſchaftli⸗ che Werke; dieſe wird in der Druckerei gebraucht, Tealik fuͤr poetiſche, Divani fuͤr die Firmans; Subas fuͤr Aufſchriften, Deviſen und oͤffentliche Anſchlaͤge.— So weiland die Frakturſchrift im Kanzleiſtil. Die Araber haben faſt fuͤr jeden Buchſtaben 4 Figuren. Das Syriſche hat 3 Schrift⸗ arten, die Mendaͤiſche, Nabathaͤiſche und Eſtrangelo. Die Runenſchrift iſt ordent— liche Buchſtabenſchrift, und aus der ver⸗ 78 ſtuͤmmelten lateiniſchen oder griechiſchen entſtanden. Nach Buͤttners Vergleichungs⸗ tafeln der Schriftzuͤge verſchiedner Voͤlker iſt alle Buchſtabenſchrift der bekannten Sprachen aus einer Quelle gefloſſen, z. B. deutſch iſt Moͤnchslatein, wie Leichen⸗ ſchriften und Handſchriften lateiniſcher Werke zeigen. Aus beſſeren Monumen⸗ ten nahm man bald durch die Erfindung der Druckerei die jetzige ſchoͤnere roͤmiſche Schrift an, deren ſich bald Italien, Por⸗ tugal, Spanien, Frankreich, ſpaͤterhin England, Holland, Polen, Schweden, Daͤnemark zu ſeinen Sprachen bedienten; nur wir Deutſche plagen uns noch, zu⸗ mal in Currentſchrift, mit der fuͤr Namen unpaſſenden Moͤnchsſchrift. Von Univerſalcharakteriſtik giebt es in Europa nur vier Proben, 1) an den muſikaliſchen Zeichen, 2) an den mathematiſchen, nehmlich den Ziffern ſowohl als den Operationszeichen, 3) an den chemiſchen oder pharma⸗ ceutiſchen, 4) ferner an den Kalenderzeichen. Wer dieſe Zeichen einmal gefaßt hat, kann die Muſikalien und Rechnungen al⸗ ler europaͤiſchen Nationen verſtehen, ohne —————ʒ—ʒ—ʒ—ʒ—ʒ—ʒ—·—···õÿõ—ꝛ—ꝛꝛꝛñõõ 79 ſchen ihre Sprache zu kennen. Zur Erſparung ngs⸗ der erſtaunlich vielen Zeit und Muͤhe, leer welche die Erlernung der Sprachen koſtet, ten und welche beſſer auf Sachen verwendet 5 wuͤrde, waͤre es alſo erwuͤnſcht, aͤhnliche hen⸗ Univerſalcharaktere als man fuͤr Muſik ſchet und Mathematik hat, fuͤr alle andern nen⸗ Perceptionen und Ideen zu erfinden; dng und das waͤre es, was der Biſchof Wil⸗ ſche kins in ſeinem essai towards a real Cha- dor⸗ racter and philosophical language(Lon- thin 4 don 1668) und in der Folge Leibnitz bis eden, an ſein Ende ſuchte. Es laͤßt ſich leicht nten; zeigen, daß ſolche einfache Zeichen, als zu⸗ fuͤr die einfachen muſikaliſchen und ma⸗ men thematiſchen Verhaͤltniſſe paſſen, ſich fuͤr die andern Perceptionen und Ideen nicht ſit finden laſſen, und daß von der andern Seite ſolche komplieirte und dabei doch immer unverſtaͤndliche Zeichen, als die Uni⸗ hden verſalcharakteriſtik erfordern wuͤrde, gleich ichen, der chineſiſchen Hieroglyphik, dem vorge⸗ aema⸗ ſetzten Falle gar nicht entſprechen wuͤrden. Eine beſondre, auf poſitiver Konven— tion beruhende Art von Schrift iſt die t hat, Geheimſchrift, oder Chiffre, und die Kunſt nc ſie zu loͤſen iſt Dechiffrirkunſt. Wer dieſe ohne Schrift verſtehn will, braucht dazu des 80 Schluͤſſels. Die Diplomatik und die Ka⸗ binette bedienen ſich noch der Chiffern, und zwar verſchiedener. 1 Neu erfunden iſt die Telegraphie oder Fernſchreibekunſt, eine Art der Sig⸗ nalkunſt, die ſchon ſehr lange bekannt iſt. Schon Polybius lib. X.(p. 611 Casaub. 1609) erzaͤhlt und beſchreibt die Ilooαεn d. i. die Signalkunſt durch Fa⸗ ckeln, und Vaillant ſahe auch eine Sig— nalkunſt, bei den Huswannahs durch Feuer. pelte Aſſociation zwiſchen Vorſtel⸗ lung und Ausſprache, und zwiſchen Aus⸗ ſprache und Anblick der Schrift.— Taub⸗ ſtumme werden, wie Heinicke richtig ge⸗ gen den Abt l'Epée bemerkt, niemals durch bloßes Anſehn oder Zeichnen von Schrift denken lernen, aber wohl durch das Ausſprechen der Woͤrter und Reden, indem ſich dann mit dem Actus des ob⸗ gleich fuͤr ſie unhoͤrbaren Sprechens die Begriffe aſſociiren. 1 2. Gewalt der Aſſociation da, wie Burke bemerkt, der Menſch wirklich das, was er ſpricht und lieſet, verſtehen, und gleichwohl die den Worten zugehoͤri⸗ gen Natur der Schrift. 1. Dop⸗ niſ⸗ rung hält dahe Scht wiſſ wie rechn ben, durch als ei die k Il ie Ka⸗ iffern, hie Sig⸗ anut bill ͤt die Fa. Sig⸗ durch Doy Vorſte m Aus⸗ Taub⸗ ig ge, emals vor durch Raden, des o⸗ ens die jon do witiich eſtthen duelbit gen 8¹ gen Ideen ſeiner Seele nicht vergegen⸗ waͤrtigt haben kann. 3. Aſſociation des Leſens, Sprechens und Denkens. Uun⸗ geuͤbte koͤnnen nicht anders als laut le— ſen, und finden, durch die Beſchwerde des Leſens, das Verſtehen ſelbſt erſchwert. Umgekehrt, man kann eine Sprache ſtill leſend trefflich verſtehen, ohne ſie ſprechen zu koͤnnen. Alles wie man ſich gewoͤhnt. Nutzen der Schrift, voollends ſeit Erfindung der Druckerei: I. Ausgebreitetere Kommuni⸗ kation— Voltaire theilt ſich 100000 Menſchen auf einmal mit. 2. Aufbewahrung der Kennr⸗ niſſe und davon abhaͤngende Vermeh⸗ rung derſelben. Tradition ohne Schrift hilft nichts in hiſtoriſchen Dingen— daher faͤngt alle Geſchichte erſt mit Schriften an— noch weniger hilft ſie in wiſſenſchaftlichen Sachen, wo allenfalls, wie bei den Bramen, Regeln zur Be⸗ rechnung der Eklipſen, die Reſultate blei— ben, aber die Gruͤnde verloren gehn. Erſt durch Schrift iſt Gelehrſamkeit moͤglich, als eine Aufſammlung alles deſſen, was die kluͤgſten Koͤpfe aller Zeiten beobach⸗ III. F tet und gedacht, erfahren und erfunden haben. 3., Beim Leſen kann man durch Abſetzen und Wiederholen gemaͤchlicher denken und unterſuchen. Lebendiger Vortrag hingegen iſt: I. faßlicher, durch Modulationen, Geberden und Mienen; 2. kraͤftiger durch eben jene ſinn⸗ lichen Ausdruͤcke, und durch Sympathie: einem Grobheiten ſchreiben und ſie ihm ſagen, iſt eben ſo zweierlei, als ſie ihm deutſch oder lateiniſch ſagen; 3. erinnerlicher eben wegen ſeiner beiden erſtgenannten Eigenſchaften. Soviel uͤber allgemeine Philologie und ihren doppelten Gegenſtand, Sprache und Schrift uͤberhaupt. Die Methode muß rein kritiſch ſeyn, ſo daß man, ohne ſich an Behauptungen und Raiſonne⸗ ments zu kehren, die reinen Data, gene⸗ tiſch gewuͤrdigt, vor ſich nimmt, und elbſt durch freie Kombinationen und Rai⸗ ſonnements Reſultate ſucht. Der Werth dieſer Wiſſenſchaft iſt 1. negativ, uns vor glottologiſchen Schwuͤrmereien und Thorheiten— wie des Court de Guebelin, des Rudbek und ſch ger ent ſe hern Rr,S rem, gewit der Geiſ zu h bei te Dau de du zefim —; 83 2 unden Goropius und ſo vieler Etymologen, zu bewahren; durch 2. poſitiv, Bereicherung der Men⸗ ſicher ſchen- und Voͤlkerkunde. miſt: 8.. onen, II. Beſondere Philologit. Der Zweck aller Sprachforſchungen ſinn⸗ iſt die Kenntniß der Sprachen und zwar thie: bei allen, auch ſelbſt bei ſchriftloſen ihm Sprachen, in der Abſicht, ſie als Spiegel ihm des Geiſtes und als Urkunde der Ge⸗ ſchichte des Volks zu betrachten, bei eini⸗ ſeine: gen, beſonders aber bei ſchriftfeſten, entweder zu objektivem Zweck, um durch fe und ſie zu Sachkenntniſſen in einzelnen Faͤ⸗ rache chern des Wiſſens zu gelangen, oder auch hode der Konverſation wegen, oder zu ſubjekti⸗ ühre vem, um an Geiſtesbildung dadurch zu ſount⸗ gewinnen, oder auch zu beiden Zwecken. „nns Bei ſchriftfeſten, ſie ſeyen lebendig , und oder todt, koͤnnen jene Abſichten, ſie als d Na Geiſtesſpiegel und als Nationalurkunde Nerih zu benutzen, auch eintreten, und zwar bei todten Sprachen, weil hier Stoff und ogſühn Bau durch die Schrift begraͤnzt iſt, auf pie die durch die in ihnen verfaßten Schriften bik und beſtimmte Weiſe. Indeſſen ſindet doch J 2 84 eigentlich beim Studium todter Sprachen kein andrer Zweck ſtatt, als die Sprachen um der Schriften willen zu erlernen, und da moͤchten wohl ſchwerlich ohne beſonde⸗ res, zumal Religionsintereſſe jemals Menſchen eine todte Sprache ſtudiren!! Aber obgleich todte Sprachen um der Schriften willen zu lernen ſind, ſo iſt es doch nothwendig, daß eine Klaſſe von Ge⸗ lehrten umgekehrt die Schriften ſammele, pruͤfe, ſtudire, um der Sprache willen— weil ſonſt der erſte Zweck nicht erreicht werden kann,— und dann die auf ſolchs Weiſe aufgefaßte Sprachkunde wieder an⸗ wende zum Verſtehen und zweckmaͤßigen Benutzen der Schriften. Auf gleiche Weiſe iſt es bei lebenden Sprachen noͤthig— nicht nur zum Beſten der Heteroglotten, die ſie erlernen, und die darin enthaltnen Schriften benutzen wollen, ſondern auch zum Beſten der eignen Schriftſteller, die ſie rein und ſchoͤn zum Gebrauch haben wollen— daß ſie kritiſch dem Stoff und Baue nach bearbeitet, und die Reſultate der Unterſuchungen in Schriften bekannt gemacht werden. Dem zufolge haben wir alſo I. Aeltere Philologie. 85 rachen I. Bibliſche oder heilige, die das rachen Centrum von einer weit umfaſſenden, „ und naͤmlich der orientaliſchen Litera⸗ onde⸗ tur iſt. emals 2. Klaſſiſche Philologie in Bezie⸗ al! hung auf die gelehrten Sprachen, die grie⸗ m der chiſche und roͤmiſche, und die in beiden iſt es verfaßten Schriften. Umfaßt wird ſie n Ge⸗ von der weitſchichtigern humaniſtiſchen mele, Philologie, als welche zugleich alle 1 n— zur Bildung des Geſchmacks und Geiſtes ereicht dienſame Werke neuerer Zeiten in Bezie⸗ jſolchs hung auf die klaſſiſchen Muſter mit ein— der au⸗ ſchließt. Wer die dahin gehoͤrigen Kennt⸗ nuͤßigen 1 niſſe beſitzt, heißt ein Humaniſt. Weiſ II. Neuere Philologie iſt Lingui⸗ ſig— ſtik, Literatur und Kritik der Sprachen lotten, des Mittelalters zum Behuf der Geſchichte, altnen und der neuern Sprachen, zum Behuf. 4 en auch der Kultur uͤberhaupt.—. er, di Der heiligen Philologie oder dem Re⸗ hobin ligionsintereſſe haben wir die klaſſiſche und df un alle Disciplinen zu danken, die man jetzt Feſutme unter dem Namen Philologie zuſammen⸗ gekan faßt. Denn die bibliſche Philologie be⸗ darf der orientaliſchen, bedarf der griechi⸗ ſchen und roͤmiſchen Sprache, bedarf aller philologiſchen Kenntniſſe und Wiſſenſchaf⸗ ten, deren Studium demnach beim Ent⸗ ſtehen der gelehrten Theolögi⸗ mit t aufle⸗ ben mußte. Offenbar kann Kenntuſß der ausge⸗ ſorbenen Sprachen nicht ſtatt finden ohne Kenntniß der in denſelben vorhandenen Schriften, ohne Berichtigung derſelben im Ganzen oder Einzelnen, und ohne Erfor⸗ ſchung der darin ausgedruͤckten Vorſtellun⸗ gen und Sachen, oder ohne Literatur, Kritik und Archaͤologie, welche da⸗ her mit der eigentlichen Sprach⸗ kunde, d. i. Kenntniß der Woͤrter, ih⸗ rer Formen und Verbindungsarten, die alte Philologie ausmachen. Alle vier wir⸗ ken in einander. In dem Sinne als Erudition bildete ſich Philologie zuerſt am Hofe der Ptolemaͤer zu Alexandrien unter dem Namen Grammatik. 1. Literatur iſt die Kenntniß der Schriften, nach ihrer Entſtehung, kriti⸗ ſchen Beſchaffenheit, ihrem innern Werth, von Seiten des Inhalts, Vortrags, Gei⸗ ſtes, ferner nach den Ausgaben und Huͤlfs⸗ mitteln zur Berichtigung und zum Ver⸗ ſtaͤndniſſe derſelben, oder zum Emendiren und Interpretiren. Sie wird abgehan⸗ delt nach Zeiten— nach Voͤlkern— nach — 87 n Ens Wiſſenſchaften, und dabei immer nach Au⸗ aufle⸗ toren und deren Ideenſphaͤre— daher Specialbenennungen, z. B. alte klaſſiſche zusge⸗ roͤmiſche Literatur der Geſchichte, der Poe⸗ oöhne ſie u. ſ. w. Noch umfaſſender iſt die Ge⸗ denen lehrtengeſchichte oder Literargeſchichte, ſo⸗ en im fern man ſich darunter denkt, die Ge⸗ Erfor⸗ ſchichte der Entſtehung der Kuͤnſte und kellun⸗ Wiſſenſchaften, des Grades der Vollkom⸗ ntut, menheit, wozu ſie gelangt ſind, des Ein⸗ e da⸗ fluſſes, den ſie auf die Nationen, und eah⸗ durch welche Anſtalten und Einrichtungen ee, ih⸗ ſie ihn gehabt haben, die Schriftſteller n, di aus jeder Periode mit der Verfaſſung, in jer wir welcher jeder gelebt hat, die Schriften je— ne als des Autors und die hiſtoriſchen Umſtaͤnde ſt im davon. Der Philolog kann ihrer nicht unter entbehren, ſie wird aber fuͤglicher unter Geſchichte ausfuͤhrlich erklaͤrt.— ß der Nicht alle alten Autoren ſind aber „ ktit klaſſiſche, ſondern nur diejenigen, welche Dan als Muſter den hoͤchſten Grad eigenthuͤm⸗ 8, Ge licher wiſſenſchaftlicher oder aͤſthetiſcher dils⸗ Bildung der beiden klaſſiſchen Voͤlker des in Ver Alterthums bezeichnen. Die Benennung nendien iſt von der erſten der ſechs Klaſſen des bathen roͤmiſchen Volks hergenommen, deren Mit⸗ — nach glieder bekanntlich claflei hießen, die uͤbri⸗ 88 gen waren infra claſſem.— Nach Ver— ſchiedenheit der Abſicht beim Studio wird das Studium ſelbſt verſchieden ſeyn. Der Humaniſt dringt in alles tiefer, und um— faßt das ganze Gebiet der alten Literatur, nicht allein die klaſſiſchen Schriften. 2. Kritik iſt die durch reife Erfah⸗ rung, viele Kenntniſſe und großen Witz oder Kombinationsgabe erlangte Kunſt, Werke zu beurtheilen, in Abſicht auf Aechtheit, Wahrheit und Schoͤnheit. Wir koͤnnen daher unterſcheiden philo— logiſche, hiſtoriſche oder Real- und aͤſthe— tiſche Kritik. Alle drei fließen auf einan— der ein, aber man kann ſie doch in der Abſtraktion unterſcheiden. Die Kritik pruͤfet alſo zuerſt die Aecht⸗ heit, ſowohl ganzer Schriften, als einzel— ner Worte und Stellen darin. In wie— fern ſie ſich mit jenen beſchaͤftigt, heißt ſie hoͤhere, in wiefern ſie nur dieſe zum Gegenſtande hat, niedere oder Wortkritik. Der Philolog, welcher die Kritik erſter Art uͤbt, fragt: Was habe ich fuͤr Be⸗ weiſe, daß das, was ich da leſe oder be⸗ trachte— der Pſalm, das Kapitel im Je— ſaias, die Iliade, die Rede pro M. Mar- eello, die Muͤnze, das Bauwerk— in — ———— ————————— 89 Da der angenommenen Meinung, es ruͤhre wict von dem und dem Urheber her, auch wirk⸗ Der lich von ihm herkomme? Daß ich alles, um⸗ was ich leſe oder ſehe, noch vollkommen dtur, ſo vor mir habe, wie der Urheber es machte? Die Beantwortung dieſer Fragen Erſah⸗ iſt der Gegenſtand der philologiſchen Kri⸗ Viß tik, und man abſtrahirt hier von Wahr⸗ punſt heit oder Luͤge, Schoͤnheit oder Haͤßlich⸗ auf keit des Inhalts oder der Sache. Dieſe Kritik wurde ſchon fruͤh durch b⸗ Verfaͤlſchungen der Schriften und Werke aſthe⸗ des Alterthums herbeigefuͤhrt. Schon zu einan⸗ Herodots Zeiten wurde Onomakritus be— in der ſchuldigt, ſeine eignen Machwerke fuͤr al— ter beruͤhmter Maͤnner Arbeit ausgegeben Nechr zu haben; ihm ſchreibt man die Orphica, nzel⸗ die wir noch haben, zu. Spaͤterhin, da wie⸗ es ein wichtiges Gewerbe wurde, mit Co— heiß dicibus zu handeln, ſchmuͤckten Autoren, e zum die ſelbſt unter ihrem eignen Namen ihre tkritt. Schriften los zu werden ſich nicht getrau— ertn ten, dieſe ihre Schriften mit beruͤhmten ar Ve⸗ Namen, und brachten ſie ſo in Umlauf, der be welches bei dem damaligen Mangel an in ge gelehrten Zeitungen ꝛc. um ſo leichter an— Nr- ging. Die zweite Epoche der allerſtaͤrk⸗ „ ſten Unterſchiebungen und Verfalſchungen ————— 90 war die Zeit des Kampfs und Triumphs der chriſtlichen Religion uͤber die heidni⸗ ſche und der Ketzerpartheien unter einan⸗ der. Aus den ſybilliniſchen Buͤchern, die wir noch jetzt haben, ſagt Gesner, ſind kaum 30 Verſe aͤcht; die Stelle von Chri⸗ ſto im Joſephus iſt wohl falſch; und ſo giebt es unaͤchte Evangelien, untergeſchobne Stellen in den aͤchten, und eine Menge falſcher Urkunden, auf welche die wichtig⸗ ſten Behauptungen und Anmaßungen ſich ſtuͤtzten, z. B. die Dekretalen des falſchen Iſidors, die angebliche Schenkungsurkunde des Patrimonii Petri von Konſtantin u. dgl. Die dritte Periode war die Zeit der Erfindung der Druckerei, da ſich un⸗ ter andern der Dominikanermoͤnch Annius von Viterbo durch ſeinen Berosus, Ma- netho ꝛc. als Verfaͤlſcher zeigte. Dagegen erfand ebenfalls ſchon fruͤh das herrliche Volk der Griechen— und ſie allein— Kritik, welche Wiſſenſchaft indeſſen unter allen am ſpaͤteſten reift.— Muſter alter Kritik ſind unter andern Galenus kuͤhne Kommentarien daruͤber, ob die Buͤcher des Hippokrates von dem⸗ ſelben waͤren.— In neuerer Zeit lebte ſie auf nach der Reſormation, in einem lumphe großen Wetteifer, die Falſifikation, worauf heidni die Hierarchie ſich gruͤndete, zu offenbaren. einan⸗ Und ſeitdem iſt ſie zu einem hohen Grade , die der Vollkommenheit geſtiegen. ſind Um die Kritik gluͤcklich zu uͤben, muß Gi⸗ man eine vertraute Bekanntſchaft mit den und ſo Handſchriften von alten Autoren ſich er— ſchobne werben, die Formen der Buchſtaben, die Wenge Schreibmanier, ſowohl in Buͤchern als ichtig⸗ auf Muͤnzen und ſteinernen Monumen⸗, en ſich ten, und die Arten von Schreibmateria⸗ alſchen lien, nach ihren verſchiedenen Perioden erkunde genau zu unterſcheiden wiſſen, weil dar⸗ ntin u aus ſich das Alter, mithin auch die Aucto— wie Zeit ritaͤt eines Codex beſtimmen laͤßt. Die ich un⸗ aͤlteſten Codices ſind mit Unzialbuchſtaben lnnius ohne Diſtinktionszeichen und ſelbſt ohne Ma- Wortabtheilung geſchrieben, z. B. die fio⸗ rentiniſchen Pandekten und der Terenz. a frih Von der Zeit vor Chriſti Geburt haben — und wir keinen Codex, wegen der Barbarei, enſchiſt und weil Gregorius Magnus ſehr viele reiſt- Autoren verbrennen ließ. Der aͤlteſte andern von allen noch vorhandenen Codicibus ſoll datüörn ſeyn der Codex Bibl. Vaticanae No. 3226. ME Von einzelnen Autoren muß man die ir le Genealogie der Handſchriften, ſo wie der Teintn. Ausgaben, oder eine Geſchichte des Tertes 92 ableiten, darin anfangen ſo viel moͤglich von ſeiner urſpruͤnglichen Geſtalt, in wie— weit dieſe aus Zeit-⸗ und Lokalumſtaͤnden, aus Stellen andrer Alten, und aus Ex⸗ eerpten, die ſich in ihnen finden, auszu⸗ mitteln iſt. Außer dem Gebrauch der Handſchrif⸗ ten gruͤndet ſich die Krtiik weniger auf Regeln, als auf ein ſogenanntes kritiſches Gefuͤhl, das doch auch taͤuſchend und un⸗ uͤberzeugend iſt, daher ſo viele kritiſche Naͤthſel und unausgemachte Probleme. Ihre Regeln entlehnt ſie aus dem Bau und der Beſchaffenheit der Sprache— daher ſoll Eſra die Buͤcher Moſes nicht gemacht, daher ſoll Moſes den Hiob ge— macht haben— aus dem eigenthuͤmlichen Charakter der Sprache, in der Zeit und an dem Ort, wo das Buch ſoll geſchrie— ben ſeyn; aus der Natur des Gegenſtan⸗ des, den der Schriftſteller bearbeitete, dem Zwecke, den er hatte, der Manier, die ihm eigen iſt. Einige Regeln der Wortkritik ſind fol⸗ gende: 1. Man halte das Ausgeſuchteſte fuͤr das Richtigſte; oft wird der Autor da⸗ durch verſchoͤnert, wie Horaz durch Bentley. ““ 93 müglih 2. Man muß bedenken, daß auch die in ni alten Autoren Fehler hatten, und daß es anden, mißlich iſt, auf die Art, wie Erneſti den us Er⸗ Cicero nach der Theorie der Consecutio auszu⸗ temporum, zu emendiren, da die ganze Theorie ihre Richtigkeit erſt an Cicero— ſchrif⸗ und der Vernunft freilich auch beweiſen k auf muß. iſchen 3. So wenig als moͤglich weiche man un⸗ vom Codex ab. tiſche Aunmerk. I. Es koͤnnen Schriften Aeme. unaͤcht ſeyn, wenn ſich gleich im Styl Vau unnd in den Sachen keine Spur von Falſch⸗ he— heit zeigt. Der ganze habitus z. B. macht nicht Cebes Gemaͤlde verdaͤchtig, daß es Werk oh ge— eines Sophiſten iſt. lihen 2. Es koͤnnen Schriften voller Zei⸗ und chen von Unaͤchtheit ſeyn, und der Stamm ſchrie der Schrift iſt doch aͤcht, z. E. manche nſtan⸗ Hymne des Orpheus, Oſſians Lieder. , dem Ferner pruͤft die Kritik die Wahr⸗ —, di heit des in den Schriften Enthaltenen. Sie iſt in ſofern Sachkritik, und die nd fol hiſtoriſche Kritik iſt ein Zweig von ihr. Dieſe unterſucht ſtreitige Fragen, wie ſe fi z. B. folgende: ir da⸗ Iſt das wahr, was Livius in der roͤ— entie miſchen Geſchichte der erſten 500 Jahre 94— erzaͤhlt?— Tacitus ſagt vom Vespaſian, er habe durch Beruͤhrung Blinde geheilt. — Herodots Erzaͤhlungen von den ſma⸗ ragdenen Saͤulen zu Tyrus, von der Umſeeglung des Kap und dem Fluſſe Ni⸗ ger.— Archimedes Brennſpiegel.— Tha⸗ les Sonnenfinſterniß.— Plinius Anek⸗ dote vom Loͤwen und von andern Thieren.— Von hiſtoriſcher Kritik aber wird im Folgenden ausfuͤhrlich die Rede ſeyn, die, ſo wie die chemiſche Waſſerprobe, ein Auf⸗ gebot aller chemiſchen, ein Aufgebot aller Kenntniſſe erfordert.— Die Sachkritik mathematiſcher, phyſtkali⸗ ſcher, geographiſcher, naturhiſtoriſcher und auch ſpekulativer Behauptungen laͤßt ſich faſt befriedigend vollenden. Von Sitten, Einrich⸗ tungen, Lebensweiſe, Beluſtigungen, Kunſt⸗ produkten und Handlungsgeſchicklichkeiten iſt’s ſchwerer. Zur Sachkritik koͤnnte man noch rech⸗ nen die Beurtheilung, in wieferne Philo⸗ ſopheme wahr, Beobachtungen richtig, praktiſche Regeln z. E. in den scriptori- pus vei rusticae bewaͤhrt ſeyen. Der dritte Gegenſtand der Kritik iſt der aͤſthetiſche Werth der Schriften und Werke des Alterthums. In wiefern ““ 95 daſtan, ſie dieſe beurtheilt, iſt ſie aͤſthetiſche eheilt Kritik. Das unerlaßliche Erforderuiß ſma⸗ zur Ausuͤbung derſelben iſt ein kraͤfttger der und geſunder, mit feinem Gefuͤhl verbun⸗ Ni⸗ dener, durch Uebung geſchaͤrfter, durch Tha⸗ Vergleichungen vervollkommneter, und von Ane⸗ allen Vorurtheilen gelaͤuterter Sinn. n.— Theorie des Schoͤnen und Vollkomme⸗ im nen bildet ſich aus den Muſtern, und die, dient wieder umgekehrt, das Urtheil uͤber Auf⸗ die Muſter ſowohl als andre Werke zu ller leiten— oder wenigſtens die Data zum Urtheil richtig aufzufaſſen... ſtali 3. Archaͤologie oder Studium des rund Alterthums. Die Alten ſchrieben fuͤr ihre fak Zeitgenoſſen und ihre Landsleute, ſchrie⸗ A rich ben alſo in der ihnen eignen Ideenſphaͤre. A unſt⸗ Um z. E. den Moſes ganz zu verſte⸗ 1 dten hen oder bei Leſung deſſelben voͤllig das 1 zu denken, was ſie dachten, und es ſo zu roch⸗ denken, wie ſie es dachten, muß man den Philo⸗ ganzen Geiſt und alle Umſtaͤnde der Zeit ic ig. jedes Schriftſtellers kennen. Die aus Dtor⸗ zerſtreuten Winken zuſammengeholten, durch Vergleichung unter einander ſowoh! it i als mit der unveraͤnderlichen Natur der fte Menſchen und Dinge berichtigten, Noti⸗ ———— 96 zen von dem geſammten Zuſtande der al⸗ ten Voͤlker bilden a. die philologiſche Archaͤologie. Sie ſtudirt das Alterthum zum Zweck der Sprachkunde und des Verſtehens der Autoren, und der vollſtaͤndigen und wahr⸗ haften Erklaͤrung derſelben. Ihre Quel⸗ len ſind: 1. Die Natur in Hinſicht auf Klima, Boden, Thiere, Pflanzen mit Parallelis⸗ mus desjenigen, was noch Voͤlkerkunde von Menſchen in aͤhnlichen Klimaten zeigt; 2. die Denkmaͤhler, als: Schriften, Kunſtſachen, Statuen, Muͤnzen, Gebaͤude, Mahlerei, Inſchriften, Urkunden ꝛc. Ihr Inhalt iſt: 1. Geſchichte des Volks und des Lan⸗ des. 2. Geographie, Chorographie— Na⸗ turgeſchichte— nach mehrern Epochen, oder beſſer nach verſchiedenen Schriftſtel⸗ lern. 3. Alterthuͤmer. a. Antiquitas rerum publicarum. x. Innere Verhaͤltniſſe, Staats⸗ verfaſſung, Klaſſen der Staatsbuͤrger und Men⸗ 97 4 dra Menſchen im Staate nach Rechten— ogi⸗ Theil an der hoͤchſten Gewalt, Organiſa⸗ 3 tion, Geſetzgebung. Zweck 1) Zur Sicherheit. no der aa. Militair⸗Organiſirung, vahr⸗ Gemeine, Offtziere, Infanterie, Kavalle⸗ Aul⸗ rie, Waffen, Zeichen, Angriff, Vertheidi⸗ 4 gung, Taktik, Belohnung, Rekrutirung, ilimn, Disciplin zu Waſſer, zu Lande, Schiff⸗ illelis⸗ bau, Flotte,— kunde bb. Juſtiz, Civil⸗ und Crimi⸗ waden nalgeſetze, Rechtspflege, Juſtizbeamten, wechſelnd oder bleibend— hfriften, cc. Polizey— Gefaͤngniſſe und ebäude, Korrektionsanſtalten, Armenweſen, Medi⸗ . zinalpolizei, Anſtalten gegen Thiers⸗ ge⸗ gen Naturſchaͤden ꝛc.— s Lan⸗ 2) Zum Wohlſtande, aa. zum Vermoͤgen— Wege, — Rn Kanaͤle, Bruͤcken,— kpochen, bb. zur Geiſrbeſdein— Re⸗ hriftſtl ligionsmeinungen, Mythologie und Ritus, Goͤtter mit ihren Legenden, Verehrungs⸗ arten, nach Oertern als Tempel; nach arum. Zeiten als Feſte, Kalender; Andachtsuͤbun— Stnatta gen, als Opfer, Luſtriren, Tanzen, Thea— per und ter- und Nationalſpiele, wie die olympi⸗ Men⸗ ſchen, kirchliches Weſen, Prieſter, Ordens⸗ III. G — 2— 5——— ————————————— 98 geiſtliche ꝛe. Schulen, Lehranſtalten und Aufklaͤrungsſachen; vornehmlich Anſtalten zur Bildung des Geſchmacks; Geſchichte der Kunſt, Denkmaͤhler und deren Werke. — Die Kenntniß von den letztern nennt man vorzugsweiſe Archaͤologie.— 6. Aeußere Verhaͤltniſſe. Voͤlker⸗ recht und Staatskunde.. b. Antiquitas rerum privatarum— haͤusliche Geſellſchaft in Hinſicht 1) des Verhaͤltniſſes der Perſo⸗ nen unter einander— Mann, Frau, Kinder, Dienſtleute, Ehen, Erziehung, Anſiedelung, Geſetze, Gebraͤuche bei Ge⸗ burt, Heirath, Tod und Begraͤbniß.— 2) Wirthſchaftsgeſchaͤfte oder Auskommen— Handthierungen, Land⸗ und Gartenbau, Kunſtgewerbe, aa. Betreibungsart, Operatio⸗ nen und Werkzeuge; bb. Stoffe und Materien; co. fertige Werke.— 3) Ergoͤtzungen und Vergnuͤ⸗ gungen. 4) Geiſtesbildung: aa. literariſche Kultur; bb. religioͤſe Kultur. 3 Dieſes alles nun muß kritiſch berich⸗ — 99 Panͤ tigt dargeſtellt werden, wie es verſchieden alten— war an einerlei Ort, nach verſchiedenen ichte Zeiten, und an verſchiedenen Orten zu ern. gleicher Zeit. unt b. Pragmatiſche Archaͤologie. . Da iſt der Zweck umgekehrt, man ſtudirt ülti⸗ das Alterthum, theils um Kenntniſſe von Menſchen und Dingen zu erlangen, und 1 vom Alterthum fuͤr die neuern Zeiten zu lernen, theils zur Bildung des Geſchmacks. erſo— Zu dieſem Behuf ſind Vergleichungen Kran, des Neuen mit dem Alten, Theorieen und hurg, reine Urtheile noͤthig.— In drei Punk⸗ i Gt⸗ ten vornehmlich verdient das Alterthum 5 pragmatiſch ſtudirt zu werden: oder 1) in Hinſicht auf Staatsverfaſſung, Land⸗ Geſetzgebung, Polizeianordnungen, Finanz⸗ und Kriegseinrichtungen, uͤber welche ſchon ratio⸗ viele vortreffliche Unterſuchungen angeſtellt ſind; en; 2) in Hinſicht auf Technologie und Gewerbe, wo noch ſehr vieles zu thun ergnu⸗ iſt; und 3) in Hinſicht auf ſchoͤne Kunſt. Auch aus dem Privatleben der alten Voͤlke koͤnnen noch manche Punkte, z. B. die Erziehungskunſt, lehrreich fuͤr uns bear⸗ berich⸗ beitet werden. 100 Allgemeine Anmerkung. Durch ſolche Anſichten wird das Stu⸗ dinm des Alterthums veredelt, indem man aus dem Wuſt von Kleinigkeiten und deren Notizen, das Lehrreiche, Nuͤtzliche, Kurioͤſe aushebt, und nicht blos in Hin⸗ ſicht auf die alten Schriften, ſondern in Hinſicht auf Sachen und Menſchen, ſtu— dirt.— So hat ſich unter andern das Studium der Antike zu einem ſchoͤnen eignen Zweige der Archaͤologie erhoben, indem man jetzt die Denkmaͤhler der Kunſt, zum Behuf des Geſchmacks und der Kunſt ſtudirt— ſeit Winkelmann— ſtatt daß die Hollaͤnder ſie ſonſt blos als Antiquitaͤt ſtudirten. 4. Sprachkunde, zu deren Behuf der Philolog Literatur, Kritik und Ar⸗ chaͤologie braucht; ſo wie umgekehrt wie— der die fuͤr ſich als Zweck ausgearbeitete Sprachkunde zum Behuf jener Diseipli⸗ nen dient. Dieſe Sprachkunde erfordert zuerſt, daß der Stoff der Sprache, d. h. alle Ausdruͤcke nach Laut und Sinn und grammatiſcher Natur richtig aufgeſam⸗ melt werde in ein Lexikon. Grund⸗ regel der Lexikographie, ſowohl lebender als todter Sprachen iſt, daß ein Woͤr⸗ 101 terbuch vollſtaͤndig ſey, mithin alle Aus⸗ Stu⸗ druͤcke enthalte, und zwar richtig, nach man Laut, Sinn und Natur. Alſo: und 1I. Es muß die Bedeutungen alle rich— iche, tig angeben— erſt den sensus proprius, Hin⸗ dann die Nebenbedeutungen und ſiguͤrli⸗ en in chen, auch von Woͤrtern, die ſich in der ſtu— andern Sprache nicht wieder woͤrtlich das uͤberſetzen laſſen— und deren giebt es viele nen in jeder Sprache— den Sinn richtig ben, entwickeln und durch Beiſpiele deutlich der machen. und 2. Es muß die Synonymik gehoͤrig an— beruͤckſichtigen, und ſinnverwandte Woͤrter s als genau von einander unterſcheiden. ᷓ 3. Die Wuͤrde jedes Worts muß es ehuf beſtimmen, ob es edel oder unedel, poe⸗ Ar⸗ tiſch oder nur in Proſa gebraͤuchlich, ob wie⸗ es neugemacht oder veraltet ſey. eitete 4. Die Kunſtwoͤrter, wohin auch die zeiyxl⸗ verba propria gehoͤren, bei der Jagd, ordert Handwerken ꝛc. muͤſſen in ihm nicht feh⸗ 5 len, und jeder techniſche oder beſondre n und Gebrauch irgend eines andern Worts gſon ſorgfaͤltig angemerkt ſeyn. Vund 5. Es muͤſſen die Idiotismen und ender Idiome nicht uͤbergangen ſeyn. Idiome Per ſind aber beſondre, einer gewiſſen Sprache —— ʃ—————————— ———————— v 3—— 1 ,,——————————B————.—— 4102— ganz eigne Redensarten. Idiotismen ſind Ausdruͤcke, die blos in gewiſſen Provin⸗ zen, aber nur vom gemeinen Volke ge⸗ braucht werden, oder genau genommen a) Provinzialausdruͤcke, die vom Schriſtdialekt verſchieden ſind; b) Ausdruͤcke, die dem Sinne nach ganz etwas anderes bedeuten, als den Worten nach, z. B. Singt euch um die Ewigkeit. 6. Die Konſtruktionsweiſe jedes Worts muß angegeben ſeyn. Quellen der Lexikographie ſind: bei todten Sprachen und bei lebenden Spra⸗ chen Schriften und der Redegebrauch. Etymologie hilft wenig, wegen der am Faden der Analogie des Lauts und Sin⸗ nes oft bis zur Unkenntlichkeit gehenden Veraͤnderung. Doch iſt ſie nicht zu ver⸗ nachlaͤſſigen. Alle obengedachten ſechs Punkte muͤſſen aus dieſen Quellen erwie⸗ ſen oder beglaubigt werden. Ein vollkommnes Woͤrterbuch hat einen hohen Werth. Es iſt ein Schatz, wor⸗ an einer Nation viel gelegen iſt; an einem vollkommnen Woͤrterbuche todter gelehrter Sprachen aber iſt der ganzen kultivirten Welt gelegen. E erfordert 1” — 103 en ſin aber auch Einſichten in alle Arten von robin⸗ Wiſſenſchaften, Kenntniß von allen Ge— te ge⸗ werben, Kuͤnſten, Sitten, Einrichtungen, nen naͤchſtdem große Beleſenheit, endlich phi⸗ vom loſophiſchen Scharfſinn.— Beſondre Arten von Woͤrterbuͤchern : nach ſind: den I. Onomastica, worin die Woͤrter in die nach Hauptbegriffen geordnet ſind. 2. Etymologica, welche die Stamm⸗ Totts woͤrter enthalten. 3. ldiotica, welche nur die Idiotis⸗ d bei men verzeichnen. Sora⸗ 4. Glossaria, zum Verſtaͤndniß von ürauch 4 Schhriften und Urkunden gewiſſer Zeital⸗ er am ter, e. g. des Mittelalters, oder einzelner Sin⸗ Autoren;— enden Das zweite Fundament der Sprach⸗ ver⸗ kunde iſt die Grammatik. Dieſe han⸗ ſech delt vom Bau der Sprachen. Die groͤß⸗ erwie⸗ ten Maͤnner des Alterthums beſchaͤftigen ſich mit ihr, von der man ſagen kann: teinien Non tam praeclarum scire, qyuam turpe „Nuyp nescire.— Nach den griechiſchen Gram⸗ 3 u matiken— feine Erfindung!— ſind die toͤter Grammatiken aller andern Sprachen ge⸗ gnnze modelt. fatdert —— ———— 104 Die Grammatik enthaͤlt: A. Partes orationis, oder die ver— ſchiedenen Arten von Woͤrtern; ſie druͤ⸗ cken aus I. Dinge, propria, appellativa ‚, abs- tracta, oder Pronomina, welche letztere die Subſtanzen nicht geradezu, ſondern in Beziehung auf Gegenwart oder Ab— weſenheit oder andere aͤußere Relationen anzeigen. Dahin gehoͤren die Unterſu— chungen uͤber das genus der Woͤrter, worin ſich die tiefſte Logik offenbart. II. Attributa, welche anzeigen das, was wir von den Dingen ſagen, und zwar: a. Adjectiva, welche den Dingen anhaftende Eigenſchaften anzeigen. b. Participia ſind Adjectiva mit Zeit verbunden. c. Verba druͤcken aus 1I. Aeußerungen des Redenden, als: behaupten, befehlen, wuͤnſchen, ent⸗ weder beſtimmt oder sub hypothesi, wel⸗ ches der Konjunktiv ausdruͤckt; 2. Handlung; 3. Perſon; 4. Exiſtenz; 5. Zeit. 1 105 Adverbium iſt Beſtimmung des Verbi. ver⸗ III. Die Beziehungen und Verhaͤlt⸗ druͦ⸗ niſſe werden theils a) durch Flexionen, theils 3bs- b) durch Praͤpoſitionen ausgedruͤckt. ehtere Die Konjunktionen aber druͤcken die ndern Beziehungen zwiſchen Saͤtzen aus. A⸗ B. Flexionem nominum et verborum onen— declinationes et conjugationes— nu- erſu⸗ meros, genera et casus. Hier wird be⸗ Nier, ſtimmt, was die Casus alles ausdruͤcken, z. B. der Genitivus. das, C. Compositio, Syntaxis, wo und gezeigt wird, in wiefern die Wortverbin⸗ dung einer Sprache auf die allgemeinen innen logiſchen Regeln gegruͤndet iſt, und in wiefern ſie von ihr abweicht. mit Hauptmomente der Vergleichung der griechiſchen und roͤmiſchen Sprache mit den meiſten neuern europaͤiſchen, in gram— nden, matiſcher Hinſicht. , mt. 1. Die hoͤchſt abgezognen und feinen wel⸗ Verhaͤltnißbegriffe, die durch die Casus ausgedruͤckt wurden, ſind jetzt durch be⸗ ſondre Woͤrterchen bezeichnet. Die Men— ſchen fingen mit Dekliniren an; als ſie damit nicht auslangten, erfanden ſie Praͤ⸗ poſitionen dazu. Nun fanden es die „ 106— Barbaren leichter, Praͤpoſitionen zu brau⸗ chen, als Deklinationen, leichter di Ro- ma, ä Roma, als Romae, Romam, Ro- ma zu ſagen. 2. Das Adjectivum, das im Engli⸗ ſchen unveraͤnderlich und im Deutſchen doppelt, konkreseirt oder abſolut iſt(als: das Reich iſt groß und das große Reich,) wird im Lateiniſchen und Griechiſchen als verbunden mit dem Nomen beſtimmt de⸗ klinirt. Nicht ſo in einigen neuern Sprachen. 3. Die Griechen hatten beim Verb mehr als 3 tempora, 4 modos— außer dem Infinitiv, der eigentlich eine bloße Idee, und daher als nomen brauchbar iſt— 3 voces, naͤmlich Activum, Passi- vum und Medium. Daher kann der La⸗ keiner und Grieche in einem Worte ſo⸗ viel ausdruͤcken, z. E. in dem Worte amavissem liegt I. die Perſon: ich; 2. die Handlung; 3. Bejahung; 4. vergangene Zeit; 5. Bedingung. Dagegen neuere Sprachen haben we⸗ nige Endigungen, wenig tempora. Per⸗ ſonalworte und Huͤlfsverba dienen ihnen, alles auszudruͤcken durch Zuſammenſetzung, i. E. iu avesti amato, iu aurois aimé, * 107 ju brau thou wouldst have lored. Sie haben di Ro- kein eigenthuͤmliches Passivum durch Fle uI, Ro- rion, ſondern ihr Passivmm wird durchs Participiumm und die Huͤlfswoͤrter ge⸗ Lrgli bildet. eutſchen. 4. Praͤpoſitionen und Konjunktionen, ſt(als: die das Fundament alles Raiſonnements Riich,) ausmachen, das in Verbindung der Ge⸗ hen ab danken beſteht, haben die Griechen uͤber⸗ imt de⸗ aus viele, neuere Sprachen weniger. neuern Nachtheile der neuern Spra⸗ chen: Verbo 1. Sie haben einen laͤſtigen Ueberfluß außee an kleinen Woͤrtchen, die immer wieder⸗ e hloße kommen, und die Sprache langweilig und duchbar kraftlos machen; eben das geſchieht durch Dassi⸗ die vielen Huͤlfszeitwoͤrter. Die Stärke er La⸗ des Ausdrucks beruht auf Kuͤrze. rte ſo⸗ 2. Der Wohlklang geht verloren durch Worte den Mangel an Verſchiedenheit der Ter⸗ 2. die minationen. angene 3. Die Stellung der Worte iſt ſehr begraͤnzt, weil die Beziehung derſelben ben we nicht durch Endungen beſtimmt aus⸗ per gedruͤckt iſt.— Die Wortſtellung im ihnen, Franzoͤſiſchen iſt ſehr mechaniſch, und das ſebung, Engliſche erlaubt faſt gar keinen Perib⸗ s ame, denbau. 108 Grammatik erfordert tiefe Bekannt⸗ ſchaft mit den Sprachen durch Lektuͤre und Umgang,— feinen Beobachtungs⸗ geiſt in Wahrnehmung des Eigenthuͤmli⸗ chen, großen Scharfſinn in Feſtſetzung und Beſtimmung der Regeln und in ih— ren Ausnahmen. Die Richtigkeit aller grammatiſchen Behauptungen und Lehren muß bewieſen werden durch„Belege aus dem Sprachgebrauch, durch Analogie, Etymologie und Euphonie. Noch kann man zur Philologie rech⸗ nen, die mit Literatur, Kritik, Archaͤolo⸗ gie und Sprachkunde ausgeruͤſtete Kunſt, den Sinn eines Schriftſtellers richtig zu faſſen, und deutlich zu erklaͤren, d. i. die Auslege⸗ oder Interpretations⸗ kunſt, Hermeneutik. Sie macht auf⸗ merkſam auf die Schwierigkeiten, die das Verſtehen hindern, und zeigt die ſicherſte und leichteſte Methode, ſie zu heben. Sie wird modifizirt nach Verſchiedenheit des zu erklaͤrenden Autors, oder Objekts. Ihr Zweck iſt, alles zu denken, was, und ſo zu denken, wie, es der Antor ge⸗ dacht hat. Grundſaͤtze der Hermeneutik ſind: — 109 zekannt⸗ 1. Verſchiedene Sprachen entſprechen Lektuͤre ſich einander nicht in allen einzelnen tungs⸗ Ausdruͤcken und deren Bedeutungen ge⸗ tumli⸗ nau. Daher ſey man nicht aͤngſtlich, al⸗ ſetung les woͤrtlich zu uͤberſetzen. in ih⸗ 2. Man rechne nicht fuͤr Emphaſe, t aller was blos Phraſe iſt, z. B. die Aus⸗ Lehren druͤcke: des Todes ſterben, geſchrieben ins e aus Herz, und aͤhnliche. nlogie, 3 3. Die Bedeutung dunkier und viel⸗ deutiger Ausdruͤcke— casus, fortuna, fa- rech⸗ tum, honestum, religio, sapiens, ſuche rchäͤolo⸗ man nach der Verbindung, worin ſie an Kunſt, jeder Stelle ſtehn, genau zu beſtimmen. ctig zu 4. Man unterſcheide Sektenſprache. „i. die 5. Man unterſcheide figurirten Styl. ions⸗ 6. Man muß nicht verlangen, aus t auf— einem Autor deutliche Begriffe, buͤn⸗ die das dige Raiſonnements zu entwickeln, die er ſcherſe ſelbſt nicht hatte, wie aus dem Aeſchylus heben und dem Propheten Heſekiel. Man lernt edenhet 1 dieſe Interpretationskunſt am beſten aus Oöjeir guten Ausgaben, aus den Vorleſungen dos, un guter Lehrer und durch eigne Uebung. utor ſe enrneuti 110— Specielle Ueberſicht der Sprachen. IJ. Orientaliſche Philologie. Das Hebraͤſſche iſt unentbehrlich fuͤr Theologie und wichtig fuͤr Geſchichts⸗ forſchung und Sprachphiloſophie, obgleich die von Bochart in ſeinem Phaleg und Canaan angefangene und von Fourmont in den Réflexions sur l'origine, l'histoire et la succession des anciens peuples, wei⸗ ter getriebene Behauptung, und Bemuͤ— hung, in den Namen von Voͤlkern, Ge⸗ genden, Staͤdten, Oertern noch Spuren des Hebraͤiſchen, und mithin Beweiſe ih⸗ rer Abſtammung zu finden, fruchtlos iſt, weil theils auf Etymologie gar nicht zu bauen iſt, theils aͤhnliche Laute ſich in allen Sprachen auffinden laſſen, ohne das Mindeſte fuͤr Gemeinſchaft zu bewei⸗ ſen. Die Sprache iſt gewiß original, und ob es die aͤlteſte Sprache iſt, iſt keine Frage. Sie iſt hoͤchſt arm, hat nicht uͤber 500 Wurzelwoͤrter, und faßt daher unter Linem Ausdruck erſtaunlich viel, und oft ganz entgegengeſetzte Bedeu⸗ tungen zu nenedan. Sie hat faſt gar keine Par ulicain, viele Konjugationen, und ttelſt der Praͤfixen und Suf⸗ —2 25 ₰.— — † ι 2 8 fire Bi jicj ſöbo Volde S 8 Port heru Nabt und daas uu D G hes von 4 8 — — 111 hen. fixren. Ihre Literatur iſt ganz in der Bibel alten Teſtaments enthalten. Kri⸗ jie, tiſch iſt unendlich viel uͤber die Sprache ehelich ſowohl als die Archaͤologie des juͤdiſchen jichts⸗ Volks gearbeiteit. ögleich Die Sprachkunde ſelbſt hat große g und Schwierigkeiten, auch nur den Sinn der rmont Worte zu verſtehn. Denn die Lexica Stoire beruhen auf bloßen Traditionen; die wei⸗ Rabbinen ſind unwiſſend und ſehr jung, demü⸗ und die Ueberſetzungen, ſowohl die Sep- „Gr⸗ tuaginta, als andre, irren oft. Doch yuren muß man alle dieſe Huͤlfsmittel benutzen. iiſe ih⸗ Das Beſte aber iſt Kenntniß der mit dem cos iſh Hebraͤiſchen zuſammenhaͤngenden Mund⸗ iht zu arten, und die Benutzung der darin vor⸗ ich in handenen Ueberſetzungen, als ohxe 1. Des Arabiſchen, einer ſehr ſinnli⸗ dewei⸗ chen und lebhaften Sprache, welche be⸗ iginal, ſonders ſeit Schultens fuͤr das Studium ſt, it des Hebraͤiſchen benutzt worden iſt, 05⸗ ,, ha gleich man das Etymologiſiren aus ihr nd ſaß auch uͤbertrieben hat. aunlich 2. Des Syriſchen. bnh 3. Des Samaritaniſchen, wel⸗ Vf ches mehr in Buchſtaben, als in Worten in vom Hebraͤiſchen verſchieden iſt. wen, Uhd 2 m Sif⸗ 112 4. Des Armeniſchen, das ſehr ſtark abweichen ſoll. 5. Des Chaldaͤiſchen, welches gleichſam platt hebraͤiſch iſt. 6. Des Aethiopiſchen, welches jetzt in Abeſſynien geſprochen wird. 7. Des Palmyreniſchen, das mit dem Syriſchen einerlei iſt, wie die In⸗ ſchriften zeigen, unter welche die griechi⸗ ſche Ueberſetzung geſetzt iſt. 8. Des Phoͤniziſchen, wovon Barthelemy das Alphabet entdeckt hat, und Swinton die Zahlzeichen und Inſchriften auf Malta. 9. Des Koptiſchen oder Aegyp⸗ tiſchen, welches zum Theil noch lebt. Denn noch jetzt wohnen in Aegypten etwa 30000 Familien Kopten, die aber nur von der Zeit der roͤmiſchen Herr— ſchaft her ſind, und deren Sprache mit der griechiſchen vermengt iſt; ſie ſind Chriſten, die ſonſt 82 Biſchoͤfe maͤſte⸗ ten, jetzt aber kaum eilfen Brod geben koͤnnen. 1 II. Claſſiſche Philologie. Die griechiſche Sprache iſt die allerreichſte, allerbeſtimmteſte, allerbild— ſamſte, allerwohlklingendſte der Sprachen des des ft illg jende 0 4 als: Dei thun ſg weck di a füg thei Vot die waͤre 7 ämm kläng griec durch dam uͤber Ihr in a nell, groͤßt tuxge II N 7 11½ as ſch des Menſchengeſchlechts. Ihre Literatur iſt die originellſte, die reichhaltigſte und 1 velches ausgezeichneteſte in allen Zweigen der re⸗ . denden Kunſt und des Wiſſens. velches In ihrer Kritik, ſowohl der hoͤhern . als Wortkritik, bleibt, ohngeachtet ſchon das mit Betraͤchtliches geleiſtet iſt, doch noch viel zu ie In⸗ thun uͤbrig. Die Archaͤologie iſt muͤhſe— grjechi⸗ lig und bis jetzt noch nicht im Ganzen zweckmaͤßig bearbeitet. Die Sprache ſelbſt, wovon die einer philoſophiſchen Bearbeitung vor— t, und zͤglich faͤhig iſt, wird ihrer immer mehr hriften theilhaftig. Von nicht zu berechnendem Vortheile waͤre es geweſen, wenn ſie legyp⸗ die gelehrte Sprache Europa's geworden h lebt. waͤre. gypten Die roͤmiſche Sprache iſt be⸗ aber ſtimmt und gebildet, kraͤftig und wohl⸗ Herr⸗ klingend im Ausdruck, doch ſteht ſie der che wit griechiſchen nach. Rom fuͤhrte ſie erſt ſe ſid durch ſeine Legionen und Imperatoren, maͤßte dann durch ſeine Moͤnche und Praͤlaten d gben uͤberall ein; daher ihre große Ausbreitung. Ihre Literatur iſt zwar ſehr reichhaltig ie⸗ in allen Faͤchern, aber doch weder origi⸗ ſt di nell, ſondern von griechiſchen Muſtern allebib⸗ groͤßtentheils abhaͤngig, noch auch ſo na⸗ Jnchen turgemaͤß zuſammenhaͤngend und ausge⸗ des III. H 114— bildet wie die griechiſche. In Abſicht auf Kritik, Archaͤologie, Lexikographie und Grammatik, iſt man ſchon tief in das roͤmiſche Alterthum eingedruͤngen, doch koͤnnen einzelne Faͤcher, z. B. die My⸗ thologie, noch tiefer erforſcht, andre noch pragmatiſcher bearbeitet werden. Werth des Studiums der Al⸗ ten und Verſchiedenheit der Zwecke da⸗ bei in Abſicht: 1. Auf den Inhalt. a. Unſre Religion, die gegruͤndet iſt auf Schriften aus alten Zeiten, welche nicht anders verſtanden werden koͤnnen, als wenn man ſie im Geiſte des Zeital⸗ ters lieſt, macht uns das Studium der Alten noͤthig. 4 b. Verſchiedene Theorien und Wiſſen⸗ ſchaften koͤnnen nicht gehoͤrig eingeſehen und beurtheilt werden, wenn man nicht ihre Geneſis und Bildung weiß, und dieſe kann man nur durch das Studium der Alten wiſſen. c. Sie ſind Lehrer und Meiſter in Menſchenkenntniß„Welterfahrung, Phi⸗ loſophie des Lebens ſowohl, als in ſpeku⸗ lativen Raiſonnements; vieler Sach⸗ kenntniſſe nicht zu gedenken, naͤmlich der K der fan ande Eute Gri und F ſid und nich B8 Ku Na riͦc ann lnd udn dr get nich an. 115 ſicht an Kenntniſſe von Geſchichte det Natur und hie und der Menſchen. Alles was von Gelehr⸗ in das ſamkeit je geweſen iſt, bei Roͤmern und doch andern Nationen, ſelbſt bei uns jetzt in ie My⸗ Europa, verdankt man urſpruͤnglich den dre noch Griechen, dieſen Erfindern, Ausbildern und Vollendern faſt aller Kuͤnſte und er Al⸗ Wiſſenſchaften. Alle andern Nationen ece da⸗ ſind durch andre Voͤlker kultivirt worden, und auf eine dem menſchlichen Geiſte nicht immer angemeſſene Weiſe. Zum ndet ſt Beiſpiel unter uns Deutſchen ſing die welche Kultur mit Metaphyſik, Scholaſtik und konnen, Andacht und Heiligkeit an, und iſt dann s Feitaſ⸗ ruͤckwaͤrts zum Geſchmack und zur Ver⸗ jzum der nunft gegangen. Umgekehrt in Griechen⸗ land, fing, wie die Natur es mit Indi⸗ Wiſen⸗ viduen macht, die Kultur mit Bildung ageſehen der Phantaſie, mit Gedichten, mit thaͤti⸗ an vicht ger Menſchentugend und Patriotismus, und diſe nicht mit himmliſchem Leben auf Erden dium dr an. Sodann ging unſere Kultur durch die Sklaverei, den Zwang und die ſteilen däſtren Formen des Feudalismus; die griechiſche g, Nh durch Feinheit und Liberalitat. Ferner, in ſiek uns wurde die Kultur aufgedrungen von er Sr. außen; die Griechen bildeten ſich ſelbſt anich dr auf originale Art, ſo daß, menn ſie auch H 2 116 die erſten Data von Phoͤniziern und Aegyptern empfingen, alles bei ihnen eine andre Geſtalt gewann.— Eigentlich kann kein Volk ſich ſelbſt bilden!— 2. Auf den Vortrag. Die Alten ſind Muſter der Methode und des Stils, in Abſicht auf ſcharfes und regelmaͤßiges Denken, und in Abſicht auf Anmuth und Geſchmack. Die alten Griechen ſind ori⸗ ginal, und nativ ſchoͤn; denn ihre Dichter hatten os rotundum und eine ſo lebhafte als geregelte Phantaſie; ihre Redner Geiſt und Leben; ihre Phi⸗ loſophen, eine gebildete Form des Vortrags, die erſt dichteriſch, dann dialo⸗ giſch, ſeit Ariſtoteles Zeiten akroamatiſch, und logiſch ſtrenge war. Ihre Ma⸗ thematiker hatten eine klare ſyntheti⸗ ſche Methode, doch Diophantus auch die analytiſche. 3. Auf Bildung des Geiſtes. Zur hoͤhern Geiſtesbildung fuͤhrt eine vertraute Kenntniß der voorzuͤglichſten Menſchen aller Zeiten, und ihrer Werke, deren Einfluß man unvermerkt aufnimmt. Und beſonders beſteht die eigenthuͤmliche Wirkung des Studiums der Alten in der Entaͤußerung alles Konventionellen in Hin⸗ 117 16 und ſicht auf das Schoͤne, Gute, Wahre, in en eint der Erweckung des Geiſtes, und der Er— hentlich werbung der Methode, dieß alles ſelbſt 5 durch eigne Thaͤtigkeit einzuſehen, ſtatt Nlan daß bei uns alles verfuͤhrt, das Schoͤne, Süls, Wahre und Gute, als etwas Konventio— nͤßiges nellen oder Poſitives zu betrachten. Durch th und die Alten haben alle großen Koͤpfe politi⸗ nd oii— ſchen Freiheitsgeiſt in ſich erweckt, oder ihte bewahrt, und Staͤrke zum Denken ge⸗ deine naͤhrt. Das iſt das Weſen der Aufklaͤ— ihre rung, daß man von religioͤſer und politi⸗ Phj⸗ ſcher Vormundſchaft ſeinen Geiſt frei m det mache. dialo⸗ Drei Dinge ſind den Griechen vor natiſch/ allen Aſiaten und Afrikanern eigen:. Ma⸗ Werke des Geſchmacks und der Kritik, ntheti⸗ der Mathematik, der Philoſophie— me— ach die thodiſcher und ſyſtematiſcher— und dieſe nach allgemeinem Geſchmack und allge⸗ eiſts. meiner Vernunft, theoretiſch ſowohl als et eine praktiſch fuͤr Privatleben und Staatsver— glicſter faſſung bearbeitet. Aber Geſchmack und Wer Vernunft, theoretiſch und praktiſch, macht fniwm gerade das aus, was Humanitaͤt hei⸗ pünſche ßen kann, Eigenthum des Menſchen vor in det allen Thieren! Daher die zur klaſſiſchen n hin Philologie gehoͤrenden Wiſſenſchaften mit —————— ͦ— Recht humaniora benannt werden. Als Studium der Humanitaͤt trieben Roͤmer die griechiſche Literatur, und ſo bildeten ſich die großen Maͤnner gegen das Ende der roͤmiſchen Republik. Dieſe und die großen Griechen von der Zeit des perſi⸗ ſchen Krieges an, bis auf den Untergang der Freiheit— Alexander den Großen— zuſammen ſind es, die wir unter den Al⸗ ten verſtehen. Schon Vellejus Patercu- lus macht die Anmerkung, daß die großen Maͤnner immer gruppenweiſe erſcheinen, indem er ſagt— Lib. I. cap. 16.— Quis abunde mirari potest, quod emi- nentissima eujusque professionis ingenia in eandem formam et in idem artati temperis congruére spatium. Und ſo er⸗ ſchienen auch wieder um das 15. Jahr⸗ hundert große Schriftſteller und Kuͤnſtler in Italien, unter Ludwig XIV. in Frank⸗ reich und unter Anna in England. Vergleich der Alten und Neuern. Perrault in ſeinem Gedicht: siécle de Louis le Grand, gab Anlaß zu dem be⸗ ruͤhmten Streite uͤber den Vorzug der Alten oder Neuern. Denn da er, um ſeine Tadler abzufertigen, die Parallèles des Anciens et Modernes(1688 in 4 ————! ———˖LOOQOCQC—S—OꝰOQ᷑ñ—VBCʒ—— y—— 1 — 119 1. Y Oktavbaͤnden) herausgab, gerieth alles in Rima Aufruhr. Perrault und La Motte ſtrit⸗ ildeten ten fuͤr die Neuern; Boileau und Ma— Ende dame Dacier fuͤr die Alten. Bald nah— nd die G men auch Englaͤnder Parthei; Temple erſi⸗ ſchrieb fuͤr die Alten, Swift ſatyriſirte tergang uͤber den Streit.— Unbegreiflich daß ßen— Menſchen ſo raſend ſtreiten konnten, ohne en A- den rechten Punkt zu ſehen. Das Fak⸗ tercu- tum, daß die alten Klaſſiker, bei allen Jooßen Maͤngeln, in dem Beſitz des Lobes und hainen, der Bewunderung aller beſten Koͤpfe, aus 16.— allen Zeiten ſind, iſt ein entſcheidender d emi- Beweis, daß dieſe Klaſſiker an aͤchter ingenia Schoͤnheit und Geiſt hervorragen. Denn artati in Sachen des Geſchmacks kann ſich das ſo er⸗ Menſchengeſchlecht nicht wie in Sachen Jahr⸗ der Wahrheit irren. Philoſopheme im aͤnſtler Ariſtoteles moͤgen unwahr, aber Darſtel⸗ Frank⸗ lungen in der Iliade und Aeneide koͤnnen nicht anders als ſchoͤn ſeyn. Und nicht eerw etwa Erziehungsvorurtheil hat den Klaſ⸗ jecde d ſikern ihren ausgebreiteten und tiefbe⸗ den be gruͤndeten Ruhm verſchafft. Denn wo⸗ aug dr durch haben ſie ſich in Schulen und Aka⸗ er, un demien eingedraͤngt? Und doch ſchon zu ruldes Juvenals Zeiten waren Horaz und Vir⸗ Bi gil Schulbuͤcher. Ihrer eignen Vortreff⸗ 120 lichkeit iſt das zuzuſchreiben, denn in Hinſicht auf Vernunftwiſſenſchaften iſt den Alten eigen Originalitaͤt, Beſtimmt⸗ heit, Kuͤhnheit. Ihre Mathematiker ſind erſte Erfinder. So auch ihre Philoſo⸗ phen, ihre Dichter und Politiker. Und ſie alle waren nicht etwa Philoſophen, Mathematiker u. ſ. w. fuͤrs Katheder, oder die Leipziger Meſſe, ſondern unmit⸗ telbar fuͤrs Leben. Darum eben ſprechen ſie uns auch ſo lebendig an, und zwin⸗ gen zur Achtung. Hohe Achtung fuͤr die erſten Schriftſteller des Alterthums un⸗ terſcheidet ſich aber ſehr von einer ſteifen Verachtung alles deſſen, was nicht grie— chiſch oder lateiniſch iſt. Die lesteie iſt Pedanterie! Um indeſſen den Streit richtig zu be⸗ urtheilen, erwaͤge man folgendes.— Zweierlei Wiſſenſchaften koͤnnen und muͤſſen durch den Lauf der Zeit ge⸗ winnen: I. die auf Beobachtung und Erfah⸗ rung beruhen. Hiezu gehoͤren a. Naturgeſchichte und Beſchreibung der Natur; b. Menſchengeſchichte, Geographie, Laͤnder- und Voͤlkerkunde, Beſchreibung enn in en iſt immt⸗ er ſind hilbſo⸗ Und ophen, theder, rnmit⸗ techen zwin⸗ ur die 6 un⸗ ſteifen t grie⸗ tere iſt u be⸗ n und it ge⸗ Effah⸗ reibung grwyhie reibung 121 von Einrichtungen, Verfaſſungen, Sit⸗ ten, Anſtalten, Handlung und Gewerbe, Landbau und Literatuir. 2. Die auf fortgeſetzten Schluͤſſen, mathematiſchen und experimentativen be⸗ ruhen. Hiezu gehoͤrt: a. Mathematik, Naturlehre, Chemie und andre verwandte Wiſſenſchaften; b. Anthropologie, praktiſche Philoſo⸗ phie, Rechtswiſſenſchaft, Staatswiſſen⸗ ſchaft, Staatswirthſchaft. Alſo bleiben nur a) Sachen des Geſchmacks und der Kuͤnſte; b) Der Spekulation und c) Der Pragmatik uͤbrig, in welchen die Griechen und Roͤmer ſchon weiter ſeyn konnten, als wir es ſind. Aber auch in Sachen des Geſchmacks und Geiſtes wollte Perrault den Neuern den Vorzug zu⸗ ſprechen, und eben daruͤber war der Streit; der Vergleichspunkt der Alten und Neuern war in die Werke des Gei— ſtes, Witzes und Geſchmacks, in ſchoͤne Wiſſenſchaften und Kuͤnſte geſetzt.— Nun aber werden die Alten wohl von den Neuen uͤbertroffen an Kenntniſſen und Wiſſenſchaften, ſofern ſelbige von Er— ————— — ———————— „₰ 122 7 weiterung der Erfahrung— Experimen⸗ ten und Beobachtungen— von Vermeh⸗ rung des Stoffs hiſtoriſcher und politi⸗ ſcher Art, auch ſofern ſie auf Fortſchluͤſ⸗ ſen wie in der Mathematik beruhen, ſelbſt in der Praͤciſion des Raiſonne⸗ ments. Vielleicht eben ſo, was Werke des Geſchmacks und Geiſtes betrifft, moͤ⸗ gen die Neuern an Korrektheit und De⸗ likateſſe auch in der Dramatik, zum Bei⸗ ſpiel in Mannigfaltigkeit der Charaktere, in Beibehaltung der Wahrſcheinlichkeit, Schuͤrzung des Knotens, Bewahrung des Dekorums, den Vorzug haben.— Aber wer ſein Genie naͤhren, ſeinen Geſchmack bilden will, leſe die Klaſſiker. Man muß ſich ſelbſt bedauern, wenn man nicht viel Vorzuͤge an ihnen findet. Auch ſieht man bei Nationen Geſchmack und gute Kom⸗ poſition bluͤhen oder fallen, je nachdem das Studium der Klaſſiker bei ihnen bluͤht oder erſchlafft. Urſachen des Vorzugs der Alten ſind: I. Sie ſchrieben oder ſtudirten fuͤr ihre Nation, hatten die groͤßte Ehre, die das Genie haben kann. Herodot las bei den olympiſchen Spielen ſeine Geſchichte vor, und ward gekroͤnt.— 1 derjmen. germeh⸗ politi⸗ tſchluͤſ⸗ eruhen, aſſonne⸗ Werfe t, moͤ⸗ 1d De⸗ Vei⸗ aetere, ichkeit, ing des Aer ſchmack n mup ht viel tman Kom⸗ achdem ihnen n ſind: ten fir re, de las bei ſſcichte 123 2. Hoͤchſte Kommunikation in Athen, wo alles redete. 3. Freiheit von Feſſeln der Religion, der Politik, der Etikette und Konvention, — lauter Natur. 3 4. Die Gelehrſamkeit koſtete ihnen mehr Arbeit; ſie mußten reiſen, ſie pflo⸗ gen Umgang mit den beruͤhmteſten Prie⸗ ſtern, Dichtern, Philoſophen. Es iſt pſychologiſch unmoͤglich, daß es jetzt in Europa ſolche Redner und ſolche Dichter gebe, als das alte Grie⸗ chenland hatte. Bei uns iſt alles Schoͤne, Wahre, Gute konventionell oder gar poſitiv. Aber da das Studium der alten Sprachen und Philologie ſo viel Zeit wegnimmt, die beſſer auf Realkenntniſſe angewandt wuͤrden, ſo fragt ſich: 1. Ob das Leſen der Alten nicht ganz entbehrt werden kann, vornehmlich in der Erziehung?— Zur Praxis waͤre es un— noͤthig, aber Religion, Rechte, Philologie koͤnnen es nicht entbehren. 2. Ob alles Wiſſenswuͤrdige aus der Alten ſich nicht in ein Syſtem bringen, und ſo leichter und kuͤrzer faſſen ließe?— Nein, die Sachen ſind nach den Zeiten und Autoren gar zu verſchieden. 3. Ob man nicht durch Ueberſetzungen das alles eben ſo gut benutzen koͤnne?— Dazu muͤßten doch die Alten ſtudirt wer⸗ den. Ueberſetzungen, die zur Vervoll⸗ kommnung der Sprache und Literatur eines Volkes dienen— weshalb mit Recht Koͤnig Friedrich II. ſie den Deut⸗ ſchen empfahl— erreichen in darſtellen— den Schriften nie, und in lehrenden ſelten, das Original. Sie ſind entwe— der woͤrtlich, erklaͤrend, oder genau. Keine zwei Sprachen entſprechen ſich aber genau, wie ſchon bemerkt worden, weder in Ausdruͤcken noch in Wendungen, we— der in Diktion noch in Kompoſition— Lieſet man nun das Original, ſo findet man ſich leichter in den Geiſt des Schrift⸗ ſtellers verſetzt, als wenn man die Ueber⸗ ſetzung lieſt. 4. Ob es nicht beſſer waͤre, todte Sprachen auf Baſedows Art, durch Sprechen zu lernen?— Das iſt zweck⸗ widrig, denn man will ja nicht die Alten leſen, um Latein zu lernen, ſondern die Lektuͤre der Alten iſt Zweck, und zum Verſtaͤndniß der Alten, um ſich durch ſie 125 8 Zelten Geiſt und Geſchmack zu bilden, kann das Latein, dergleichen man durch Sprechen ungen erlernen wuͤrde, nicht zureichen. 7— Es bleibt alſo dabei, wir muͤſſen die wer⸗ klaſſiſchen Kenntniſſe aus der Lektuͤre der ervol⸗ Alten ſelbſt, ſo zerſtreut ſie auch darin eratur liegen, aufſammeln, und ſie dann wieder mit zum Verſtaͤndniſſe der Alten anwenden. Deut Aber 1. welche Alten ſoll man leſen? ellen⸗— Es giebt mittelmaͤßige, es giebt auch enden ganz ſchlechte, die gleichwohl ihren gram⸗ ntwe⸗. matiſchen, hiſtoriſchen und philoſophiſchen genan. Nutzen haben koͤnnen. Es koͤmmt bei haber der Wahl der Alten auf den Zweck an. weder— Bei allen den Zwecken bleibt aber im⸗ we⸗ mer die Regel: die Hauptſchriftſteller 4= muͤſſen zuerſt geleſen werden. Das ſind indet unter den Roͤmern: Cicero's rhetoriſche hrift⸗ und philoſophiſche Schriften, Livius, Sal⸗ Ueber⸗ luſtius, Tacitus, Plinius der Aeltere und Seneka, und unter den Dichtern Virgil, todte Horatius, Ovidius, Lukretius; unter den durch Griechen Plato, Xenophon, Ariſtoteles, zweck Plutarch, Epiktet, Arrian, Thucvydides, Ar Herodot, Homer, Heſiod, Pindar, So⸗ en di phokles, Euripides, Aeſchylus, Ariſtopha⸗ d zm nes, Dionys von Halikarnaß; die Red⸗ ſ ner, die Alexandriner, Theokrit, Lucian. 126 8 2. Wie ſoll man ſie leſen?— Eine lectio elementaris zum Behuf der Sprach⸗ kenntniſſe— in welcher es auch mehrere Stufen giebt, je nachdem man tiefer in das Genie und die Feinheit der Sprache eindringen will— iſt ganz verſchieden von der Lektuͤre zur Bildung des Ge⸗ ſchmacks und Geiſtes, da man den Autor lieſet, um ſeine Gedanken, ſeine Beweiſe, ſeine ganze Kompoſition und Diktion, und ſeinen Geiſt zu faſſen, wo man die Rich⸗ tigkeit der Gedanken, und das Ganze der Ausfuͤhrung pruͤft, ſo wie die Einkleidung und den Ausdruck der Gedanken. Aber Hauptkautelen beim Leſen ſind: 1. daß man gehoͤrig vorbereitet ſey; 2. daß man im Leſen mit Beharrlich⸗ keit anhalte, damit durch Wohlgelingen das Gemuͤth ermuntert werde. Selbſt im Fall man der Sprache nicht maͤchtig iſt, um die Originale ſelbſt zu leſen, iſt es doch beſſer, die Alten in guten Ueberſetzungen zu ſtudiren, als die Reſultate von ihnen aus der dritten Hand zu empfangen. Alle jetzigen euro⸗ paͤiſchen Sprachen haben wohl vornehmlich durch Ueberſetzungen der Klaſſiker Bil⸗ ——, — ——————— —,——— 1—— 127 - Eine dung erhalten. In Deutſchland ſind Sprach⸗ ſpaͤter, als in Frankreich und England, gute nehrere Ueberſetzungen erſchienen. iefer in 8 Sprache ſchieden. 3 des Ge⸗ Neuere Philologie. „ Autor Es verbreitete ſich von Rom aus durch zeweiſe, Hierarchie und lateiniſche Schriften das n, und Latein uͤber ganz Europa, und nament⸗ Rich⸗ lich in Deutſchland. Durch Sprechen anze der lernten die Kinder Latein, denn die erſten kleidung lateiniſchen Grammatiken ſind lateiniſch, ſo wie die griechiſchen griechiſch geſchrie⸗ en ſind: ben. Man lehrtee tt ſey; I. auf allen Univerſttaͤten lateiniſch, garrlih⸗ bis Chriſt. Thomaſius auf der Halliſchen gelingen Univerſitaͤt deutſche Vorleſungen einfuͤhrte, und in Holland und auf katholiſchen Uni⸗ Spracht verſitaͤten werden ſie noch lateiniſch gehal⸗ ale ſobi ten. Man predigte lateiniſch, man ſchrieb Alten in die Akten lateiniſch, wie einſt die Re⸗ ls di publik Polen, und noch jetzt(zur Zeit, . diun wo dieſe Vorleſungen gehalten wurden!) gen ein die Reichskanzelei, Ungarn und Sieben⸗ rneßnlch buͤrgen, ja man verfaßte alle Buͤcher la⸗ ſte Bi⸗ teiniſch. Nur Baͤnkelſaͤnger und Minne⸗ ſaͤnger dichteten fuͤr das große Publikum. 128 Dadurch ſind nun die meiſten europaͤiſchen Sprachen, die italieniſche, ſpaniſche, por⸗ tugieſiſche, franzoͤſiſche, meiſt auch die eng— liſche, die ihrer Natur nach empfaͤnglich waren, durchs Latein bereichert zu wer— den, bereichert, und als unter den Medi⸗ eaͤern in Italien, Carl V. in Spanien, Emanuel dem Großen in Portugall, Franz I. in Frankreich, und unter Eliſa⸗ beth in England, Schhriftſteller aufſtan⸗ den, fanden ſie eine aller Vermehrung empfaͤngliche und durch Hof und Haupt⸗ ſtadt fixirte Sprache. Anders ging es den Deutſchen.. Anmerk. 1. Die Literatur der neuern lebendigen Sprachen geht blos auf die in dieſen neuern Sprachen verfaßten Werke des Geiſtes, mit Abzug der in todten Sprachen von neuern Gelehrten geſchrie⸗ benen Schriften. Die italieniſche Litera⸗ tur befaßt z. B. nicht alle Schriften der Italiener, ſondern die italieniſche Sprache, waͤre es auch in von Nicht⸗Italienern ge⸗ ſchriebenen Schriften. 2. Die Kultur der heutigen Sprachen iſt in dieſer Ordnung geſchehen: erſt die Italieniſche— und die Provenzalen— dann das Spaniſche, das Frannzoͤſiſche, Eng⸗ 129 paͤſſche Engliſche, Deutſche, Daͤniſche, Schwedi⸗ he, por⸗ ſche, Polniſche, Ruſſiſche, Ungariſche ꝛc. die eng⸗ Die deutſche Sprache iſt origi⸗ faͤnglich nal, iſt uͤberaus bildſam, aber durchaus zu wer⸗ unvermiſchbar. Ihre Bildſamkeit iſt ſehr Meͤi⸗ groß: panien, a. In Zuſammenſetzung artugal, I. Subſtantiv mit Subſtantiv, als Eliſa⸗ Theebluͤten, Bluͤtenthee, Blumenfeld, ufſtan⸗ Feldblumen, Kriegsfuhrweſen; ehrung 2. Subſtantiv mit Adjektiv, als Ge⸗ Haupte meingarten, Rothbart, Kohlkopf; ging es 3. Subſtantiv mit Praͤpoſitionen, als Oberherr, Unterſaß, Vorreiter; eneuern 4. Subſtantiv mit Verbis, als Stoß— jdie in hammer, Schreibzeug, Naͤhnadel. Eben Werke ſo der Adjektiven mit Verbis, Subſtan⸗ todten tivis und Praͤpoſitionen, als argliſtig, zſchrie ruhmredig 1 redſelig, ſchwindſuͤchtig, kauf⸗ Ltern luſtig, vorſchnell, unterſaͤtzig. frn d b. In Ableitung, als Chriſten⸗ Sprage thum, Chriſtenheit, Empfindlichkeit, Em⸗ pfindſamkeit, Einkellern, Ueberfluͤgeln. leri d Die Sprache hat keine Adverbia qua- 4 litativa, die von Adjectivis unterſchieden 5 waͤren. Auch hat ſie Mangel an Parti⸗ ef keln und Participien, wodurch ſie unbe⸗ huͤlflich gemacht wird. Bis auf Luthern 38 III. ₰ ———— 130 gab es keinen Schriftdialekt, ſondern ſo⸗ wohl Urkunden als Buͤcher verfertigte man in jeder Provinz nach dem Provin⸗ zialdialekt. Luthers in dem armen und ſchlechten oberſaͤchſiſchen Dialekt abgefaßte Bibeluͤberſetzung und Schrift, und die darauf folgende Menge von deutſchen Schriften aller Proteſtanten, die in Lu— thers Mundart ſchrieben, mittlerweile das katholiſche Suͤddeutſchland faſt nichts deutſch ſchrieb, fixirten jenen Dialekt zur Schriftſprache. Das iſt das ſoge⸗ nannte Hochdeutſch. Der 30jaͤhrige Krieg, der Mangel an einem glaͤnzenden, geſchmackvollem Hofe, an einer gemein⸗ ſchaftlichen Hauptſtadt, und der verkehrte Gang, daß nicht Dichter die Sprache zuerſt bearbeiteten, ſondern Theologen, machten, daß die Sprache zu keiner Fe— ſtigkeit kam; und da man ſeit etwa 1700 in Schulen und Univerſitaͤten alles deutſch trieb, wurde das Deutſche aufs haͤßlichſte mit franzoͤſiſchen und lateiniſchen Brocken durchſpickt, wovon jedoch die Schweiz frei blieb. Den Schweden ging's wie den Deutſchen. Naͤhere Bekanntſchaft mit der franzoͤſiſchen— fruͤher wurde die Ita— lieniſche bearbeitet— und engliſchen Li⸗ —— 131 dern ſ teratur, und Sachſens Auguſte halſen ſie fferiy wiederum empor, und Gottſched fuͤhrte Drovin⸗ den Purismus ein. Nach ihm iſt, ob⸗ en und gleich auf anderm Wege, als den er ein— gefaßte ſchlug, durch Grammatiker, Kritiker, und die Dichter, Philoſophen, Redner und Ge⸗ eutſchen ſchichtſchreibee, die deutſche Sprache zu in Lu⸗ einem hohen Grade der Vollkommenheit lerweile gebracht worden, wiewohl nach Adelung nichts ihr goldnes Zeitalter vorbei iſt. Dialekt Was iſt Hochdeutſch, oder the stan- z ſoge⸗ dart of language?— Nichts anders ojährige als der Redegebrauch der beſten Schrift⸗ zenden, ſteller. gemein⸗ Soviel iſt gewiß, das Schriftdeutſch erkehrte iſt nun nach gerade fixirt, und der Nie⸗ Oprache derdeutſche, Schweizer und Oberdeutſche ologen, muß ſeine Mundart verleugnen und zer Fe⸗ ſchreiben wie Wieland. a 1700 Literatur. Man bildete ſich durch deutſch Ueberſetzungen aus klaſſiſchen alten und aßlicſt neuen Sprachen. Faſt alle Faͤcher ſind Brocken vorzuͤglich bearbeitet, und man ſchreibt weiz fti jetzt faſt nichts mehr Latein. Gegen wie dir 10,000 Mann ſtark iſt dermalen das ait mi deutſche Schriftſtellerheer, darunter aber die In eine Menge Sudler, Ausſchreiber und ſchm u” Nachahmer. Durch Buͤchermeſſen, welche △ ₰ 2 „ 132 Deutſchland allein von allen Laͤndern Eu⸗ ropa's hat, gelehrte Journale und Zei⸗ tungen, wird Gutem und Schlechtem in der Literatur Vorſchub gethan. 4 Die Sprachkunde hat mehrere vor⸗ treffliche, kritiſche, grammatiſche, lexiko⸗ graphiſche Werke aufzuweiſen, und iſt durch geſundes Studium der Forſcher in vielen Punkten auf ſichre philoſophiſche Regeln gebracht worden, aber auch der Verunſtaltung in Orthographie, Diktion und Syntax durch ignoraute Neuerungs⸗ ſucht mehr als eine neueuropaͤiſche Spra⸗ che unterworfen. Das Franzoͤſiſche erhielt von den Griechen ſchon ſehr fruͤhe Bildung in Marſeille; dann ſeit Caͤſar unter den Imperatoren. Vom erſten bis fuͤnften Jahrhunderte galt die lateiniſche Sprache, bis etwa 420 die Franken das Land ein⸗ nahmen. Nachgehends blieb zwar das Deutſche Hofſprache— denn Karl der Große ſelbſt inchoavit grammaticam pa- trii sermonis, ſagt Eginhardt, und noch Karl der Kahle beſchwor 842 den Bund mit ſeinem Bruder Ludwig dem Deut⸗ ſchen, deutſch. Aber wie immer ſo muß— ten auch hier die barbariſchen Eroberer 8’— ᷓ᷑ẽͥ ᷑—Anmnnn 133 dern eu am Ende doch eine Sprache annehmen, und 3i die, ſo wie die franzoͤſiſche Nation, aus echtem in dem Celtiſchen, Roͤmiſchen und Deutſchen gemiſcht iſt.— Franz J., père des let- rere bor⸗ tres, ſtellte die Pariſer Univerſitaͤt her, lnio ſetzte 1539 Sprachlehrer an, und berief und iſ Gelehrte.— Richelieu und Ludwig XIV. lſcher in ſchickten an alle Hoͤfe Sprachmeiſter, ihr ſophiſche Zeitalter war fruchtbar fuͤr die franzoͤſi⸗ 3 uch der ſche Literatur und Sprache, und deren dittion Ausbreitung durch ganz Europa. Denn gerungs⸗ ſo wie im Politiſchen ein Hof das e Spra⸗ Uebergewicht bekoͤmmt, wird er auch — Muſter im Sittlichen und Schoͤnen. von den Die Sprache wurde klaſſiſch durch eine dung in Menge Redner, Dichter, Geſchichtſchrei⸗ ter den ber und Miscellanſchriftſteller. Was hent fuͤnften zu Tage gefallen ſoll, muß in der Spra— Sprache, che dieſer Schriftſteller verfaßt ſeyn.— and ei⸗ Hier waͤre alſo wirklich ein goldnes Zeit— var deß alter. Allein auch die Folgezeit, noch das Karl der 18. Jahrhundert, hat vorzuͤgliche Auto⸗ lcam pe- ren in Frankreich hervorgebracht, einen und noc Voltaire— Montesquien— die Eney⸗ den Bund klopaͤdiſten— deren Werk ein großes, m Daut und fuͤr die franzoͤſiſche Literatur und rſ wi Freiheit wichtiges Unternehmen iſt, und Erobere deren Haͤupter Diderot und D'Alembert ————— 134— waren— einen Raynal— und die Feuerkoͤpfe Rouſſeau und Mirabeau; und zuletzt die Revolution mußte nothwendig auf die Sprache den tiefſten Einfluß ha⸗ ben, und hat ihn ſchon gehabt. Die engliſche Sprache iſt, wie das Volk, gemiſcht, in ihrem Bau die allereinfachſte— aber empfaͤnglich aller erdenklichen Vermehrung aus andern Sprachen. Sie wurde fruͤh durch Dich⸗ ter gebildet, dann, geregelt durch Ueber⸗ ſetzungen der Klaſſiker, fand ſie ihr gleich⸗ ſam goldnes Zeitalter unter der Koͤnigin Anna, da Swift, Addiſon, Steele, Locke, Pope ſchrieben, denen ſpaͤterhin andre große Maͤnner folgten. In ihrer Literatur iſt am glaͤnzend— ſten, neben der Dichtkunſt, welche wahre Originalgenies aufſtellt, Philoſophie, Po⸗ litik und Geſchichte beſetzt. In Deutſch— land breitete ſich engliſche Literatur aus, ſeit das Haus Hannover in England thront. Das Italieniſche iſt ſingbar, har— moniſch, ganz fixirt, und beinahe keiner Vermehrung oder Erweiterung empfaͤng⸗ lich. Die erſte Kultur empfing es durch Dante Alighieri, dann durch Petrarka, und dit 3 und wendig uß ha⸗ , wie Bau die h aller andern Dich⸗ Ueber⸗ gleich⸗ Koͤnigin Locke, andre inzend⸗ wahre , Pe⸗ deutſch⸗ ur aus, England ar, har. de keine moflng 6s durch detrarke 135 Arioſt, Taſſo Guarrini, und andre. Das goldne Zeitalter der Sprache war das 14. und 15. Jahrhundert. Ihr Schrift⸗ dialekt iſt der Toskaniſche. Sie hat das erſte Nationallexikon einer europaͤiſchen Sprache aufzuweiſen, das Dizzionario dell' Academia della Crusca zu Florenz, an welchem die Aka⸗ demie 40 Jahre lang gearbeitet hat, das aber hernach von dem franzoͤſiſchen weit uͤbertroffen iſt. Die ſpaniſche Sprache iſt roͤmiſch, durch Schwaben und Gothen mit Arti⸗ keln und Auxiliaren verſehen, und ſtark mit Arabiſchem vermiſcht. Zur Zeit des Nationalflors hatte ſie gute Geſchücht⸗ ſchreiber und Dichter. Das Portugieſiſche hat den ein⸗ zigen erheblichen Autor Luiz Cimoens, der die Eroberung Aſiens durch die Portu⸗ gieſen beſungen hat, und einige Juriſten, aufzuweiſen. Die Hollaͤndiſche Literatur iſt da⸗ durch, daß alle guten Koͤpfe entweder la⸗ teiniſch oder franzoͤſiſch ſchreiben, und daß die Dordrechter Synodalſchluͤſſe alle Auf⸗ klaͤrung in religioͤſen Dingen zuruͤckhal⸗ ten, ſehr unangebaut. Man uͤberſetzt viel 136 deutſche und darunter auch ſehr ſchlechte Buͤcher. Dagegen hat Holland von Sei⸗ ten ſeiner Rechtslehrer, Philologen und Naturkundigen unſterbliche Verdienſte um Wiſſenſchaften. Die Daͤniſche Literatur. Holberg ſchrieb zuerſt ſchoͤn und allgemeinintereſ⸗ ſant, war auch der erſte Autor, den man aus dem Daͤniſchen zu uͤberſetzen der Muͤhe werth hielt. Ein zweiter Holberg iſt der Kammerherr Suhm, der durch eigne Schriften ſowohl, als durch Auf⸗ munterung und Freigebigkeit in Unter— ſtuͤtzung guter Koͤpfe, ſeine vaterlaͤndiſche Literatur zu heben ſuchte. Von neuern Dichtern zeichnen ſich noch Ewald und Baggeſen aus; von Hiſtorikern Gramm und andre, deren zum Theil meiſterhafte Aufſaͤtze man uͤberſetzt findet in Heintze Ueberſetzung der hiſtoriſchen Aufſaͤtze aus den Schriften der Akademie der Wiſſen⸗ ſchaften zu Koppenhagen. Die Islaͤndiſche Literatur, ſo klein ſie iſt, ſo iſt ſie fuͤr nordiſche Geſchichte und Mythologie(Edda) doch intereſſant. Das Schwediſche. Seit der Stif⸗ tung der Akademie der Wiſſenſchaften iſt chlechte Sei⸗ 1 Und te um olberg ntereſ⸗ mman der lberg durch Arf⸗ Anter⸗ ndiſche reuern und amm hafte eintze e aus diſſen⸗ klein chichte eſſant. Sti ten iſt ————˖——:— 137 erſt die ſonſt ganz mit franzoͤſiſchen und lateiniſchen Phraſen verunſtaltete ſchwe⸗ diſche Sprache gereinigt. Sie hat keinen großen Dichter und Redner, aber ſie hat gute Hiſtoriker und vorzuͤgliche Naturfor⸗ ſcher aufzuweiſen. Die Hollaͤndiſche, Daͤniſche, Schwe— diſche National-Literatur kann ſich nicht heben: I. weil die Schriftſteller eine gar zu kleine Leſewelt, alſo auch ſchlechtes Hono⸗ rar finden, und 2. weil in allen dreien religioͤſe Auf⸗ klaͤrung durch ſymboliſche Buͤcher ge⸗ ſperrt iſt. Das Polniſche. Im Lateiniſchen haben die Polen Nationaldichter und Ge⸗ ſchichtſchreiber, die nicht ſchlecht ſind; in der Nationalſprache ſcheint erſt neuerdings durch Adam Naruszewitz und den Bi⸗ ſchof Kraſicki ein guter Anfang gemacht zu ſeyn. Man behilft ſich mit Ueberſe⸗ tzungen aus dem Deutſchen ꝛc. Die Le⸗ ſewelt iſt ſehr klein. Das Ruſſiſche. An ruſſiſchen Ori⸗ ginalſchriften— wenn man die Kirchen⸗ buͤcher ausnimmt— wird man nicht bis — ——— 138 1000 zaͤhlen koͤnnen. der Petersburger Akademie der Wiſſen⸗ ſchaften enthaͤlt hoͤchſtens 3000 Baͤnde in und davon ſind die meiſten bloße Ueberſetzungen zum Theil von Kindern gemacht, und nicht einmal aus der Urſprache, ſondern wie z. E. Pa⸗ mela aus dem Franzoͤſiſchen, Reiſen aus dem Deutſchen. lerei bringt weder Ehre Alle Journale gerathen in Stecken, auch der auf kaiſerlichen Befehl unternomme⸗ nen Ueberſetzung von Buffon nicht beſſer gehn.— auch gewiß daran, weil die gottesdienſt⸗ liche Sprache nicht die griechiſche, ſondern die ſlavoniſche iſt. ruſſiſcher Sprache, Die Bibliothek Aſiatiſche Literatur. Das Tuͤrkiſche iſt der gebildetſte Dialekt des Tartariſchen. Das jetzige Perſiſche, ſagt Ri⸗ chardſon, iſt nach Abzug von* Arabiſch, altperfiſch. Das Sineſiſche iſt noch wenig ver⸗ ſtanden und erklaͤrt. Siegfried Bayers Klinkers⸗ Schriftſtel⸗ noch Gewinn. wird es Es liegt zum Theil bliothe Wiſſen⸗ nde in nd die Theil einmal E. Pa⸗ elinkers iftſkel⸗ winn. „auch omme⸗ ird es n Theil djenſ⸗ ondern aildetſte gt Ri rabiſch nig vet Bapels VuNr 139 Museum Sinicum, und deſſen großes Woͤr⸗ terbuch ſind auf der hieſigen Stadtbiblio⸗ thek. Eine Menge chineſiſcher Buͤcher ſind auf der koͤniglichen Bibliothek in Paris. Desguignes will ſie verſtehen, und niemand kann es ihm abſtreiten. Oſtindiſche Literatur hat großes Intereſſe an ſich ſelbſt und in hiſtoriſcher Nuͤckſicht. Durch die Englaͤnder faͤngt ſie an aufgeklaͤrt zu werden. Die oſtindiſche Kompagnie erlaubt keinem jungen Mann in ihre Dienſte zu treten, und nach In— dien zu gehn, der nicht die oſtindiſche lingua franca, arabiſch und perſiſch ge⸗ lernt hat. Großes Verdienſt hat ſich die Asiatie society zu Calcutta und ihr Praͤ⸗ ſident, der gelehrte Jones, ſchon er⸗ worben. Nordamerika liefert herrliche Werke in engliſcher Sprache, z. E. Franklin, und die Kolonie in Neuſuͤdwallis— Jacſons— bay— verſpricht fuͤr die Zukunft viel. Das ſpaniſche und portugieſi⸗ che Amerika dagegen liefert faſt gar keine Schriftſteller. Dieß iſt nicht zu ——A 3 4 4 1 1 8 9 —— — 1 — ——— 140 verwundern, da ja auch die Mutterlaͤn⸗ der deren wenig genug haben. Die Inquiſition und Cenſur ſind Hauptur⸗ ſachen davon. ———— ——— tterlan⸗ Die auptur⸗ Encyklopaͤdiſche Aanſäßi der Kuͤnſte und ſchoͤnen Wiſſenſchaften. Von den Kuͤnſten uͤberhaupt. Kunſt, ſubjektive, iſt die durch Uebung erlangte Fertigkeit, etwas Zweck⸗ maͤßiges zu thun oder zu machen; ob⸗ jektive iſt es die Theorie, oder der In⸗ begriff der Regeln und Kenntniſſe, welche noͤthig ſind, um etwas Zweckmaͤßiges zu thun oder zu machen. Kunſt im Gegen⸗ ſatz gegen Natur iſt das, was abſicht⸗ lich und freiwillig hervorgebracht wird. Im Gegenſatz gegen Wiſſenſchaft heißt Kunſt eine Geſchicklichkeit, d. h. Leichtigkeit und Fertigkeit etwas hervor⸗ zubringen; da Wiſſenſchaft aufs Erkennen geht, geht Kunſt aufs Thun oder Ma— chen, und ſelbſt die Theorie der Kunſt hat mehr das Praktiſche zum Gegen⸗ ſtande. 144 Die Kuͤnſte ſind I. hervorbringende, machende, die wirkliche Sachen verfertigen, wie Malerei, Skulptur⸗, Drechsler⸗ und Klemp⸗ nerkunſt, oder 2. verrichtende, thuende, die blos voruͤbergehende Handlungen leiſten, wie Tonkunſt, Tanzkunſt, Kriegs⸗, Steuer⸗ manns⸗, Reit⸗, Schauſpielkunſt. Noch unterſcheidet man von Kunſt, theils die gemeinen Handarbeiten und Dienſte,— die gleichwohl darum nicht weniger Kuͤnſte bleiben— wie Fuhr⸗ mannskunſt, Teichgraͤberarbeit ꝛc. theils die Handthierungen, wie Brauen, Bren⸗ nen, Spinnen, theils die Handwerke, welchen man den Namen von Kuͤnſten giebt, die eben nicht beſondre Nebenkennt⸗ niſſe, oder vorzuͤgliche Talente, oder be— traͤchtlichen Verlag erfordern. Das Zunft⸗ weſen hat hier viel Willkuͤhrliches einge⸗ fuͤhrt.— hervorbringendes Kunſtgewerbe betrieben, 1. wenn es nicht ſowohl Waaren fuͤr den unmittelbaren Verbraucher, als Kauf⸗ mannsgut fuͤr den Zwiſchenhaͤndler oder fuͤr Magazin und Boden liefert; 3 2. wenn —— ——— Fabrikenmaͤßig wird ein jedes ————, 145 nachend, 2. wenn von einem Unternehmer, er 1, Wi ſey eine phyſiſche oder myſtiſche Perſon, dlenp⸗ die Verfertigung von Kaufmannsgut ver⸗ anſtaltet wird, entweder dadurch, daß er „de ih mehrere Kunſtſleißige, die uͤbrigens unab⸗ fen, Ni haͤngig fuͤr ſich arbeiten, mit Materialien „ Srur und Bezahlung verſieht, oder daß er ſie in einem Werkhauſe zuſammenarbeiten kaf laͤßt. M anufaktur heißt eine Fabrik, hen und die in Fadenſtoffen arbeitet. Gewerbe heißt ein Geſchaͤft, Ar⸗ 3 7 beit, Dienſt, Handthierung, Kunſt— in 4 ſo fern es in der Abſicht getrieben wird, this um von andern damit etwas zu verdie⸗ en, Bia nen; wohin alſo nicht gehoͤrt, andune a) was man fuͤr ſich ſelbſt, oder Häuſen b) was man aus Gefaͤlligkeit umſonſt entennte fuͤr andre thut, oder macht. ddet be⸗ Die letzte Eintheilung der Kuͤnſte iſt: as Junſt n. in mechaniſche, und es eg 2. ſchone oder freie, oder aͤſthe⸗ tiſche. ein jei Die letztern haben zum Zweck: Be⸗ betried friedigung des Geſchmacks oder zacren ein allgemeinguͤltiges Wohlge⸗ als Ku fallen, verſchieden vom Genießbaren ndler tde oder Nuͤtzlichen. Die erſtern und zwar t; die machenden, von denen hier allein die 2, went III. K * Rede iſt, beſchaͤftigen ſich mit Hervor⸗ bringung, und mit Verarbeitung der Na⸗ turerzeugniſſe zur Befriedigung menſchli⸗ cher Beduͤrfniſſe aller Art. Eintheilung der Kunſtgewerbe, A. Zur Produktion— genetiſche Kuͤnſte— gehoͤren: I. Erlangung der Mineralien d. i. unorganiſchen Stoffe— Bergbau, bis Torf⸗ und Lehmgraͤberei. 2. Erlangung der organiſchen rohen Naturalien, z. E. wilde Fiſcherei, Jaͤge⸗ rei aller Art, Benutzung der Gehoͤlze und Gewaͤchſe; 3. Thierzucht aller Art; 4. Gewaͤchsbau aller Art, im Kleinen und Großen, in Gaͤrten und Feldern, zuſammen Landwirthſchaft.— B. Zur Fabrikation gehoͤrt die Verar⸗ beitung der Naturalien durch Huͤlfe che⸗ miſcher und mechaniſcher Kraͤfte und Mit— tel;— Oben ward das Mechaniſche dem Aeſthetiſchen, hier wird es dem Chemi— ſchen entgegengeſetzt,— wogegen die Landwirthſchaft mit organiſchen Kraͤften im Gewaͤchs⸗ und Thierreich vornehmlich zu thun hat. —-——— 147 Henn⸗ Von jedem dieſer Gewerbe muß man er Na wiſſen, wenn man es kennen ſoll, fol⸗ —nſchli gende 4 Stuͤcke, die mehr oder weniger bei jedem vorkommen: dede, 1. Die Materialien ſowohl als Zu⸗ tiſche thaten oder Zubehoͤr— materia techno- lopgica vel occonomica— ſammt den be⸗ 1 d. ſondenn guten und fehlerhaften Eigen⸗ „ dis ſchaften, die ſie nach ihren verſchiednen Handlungsnamen haben, und den Urſa⸗ rohen chen, wovon ſolche Eigenſchaften herruͤh⸗ Iagr⸗ ren; wiefern alſo von dieſen Stoffen und ae und Zuthaten ſich eine fuͤr die andre ſubſtitui⸗ ren laͤßt, oder durch gewiſſe Mittel ver⸗ beſſerlich iſt, oder nicht. Kleinen. 2. Die Werkzeuge und Geraͤthe aller eldern, Art— Werkſtatt— und die guten und nachtheiligen Einrichtungen, ſammt den Vern, Urſachen und Huͤlfsmitteln dagegen; da— lfe che⸗ hin gehoͤren auch die Arbeiter ihrer An⸗ d Ni⸗ zahl und Geſchicklichkeit nach. he den 3. Die Operationen nach Zeit, Maaß, Chemi Ordnung, ſo daß man das ganze Verfah⸗ en de ren, wie aus dem rohen Stoff die fertige Keifen Waare wird, ſtufenweiſe jenen Beſtim⸗ nenich mungen nach kenne, ſammt den guten und ſchlechten Folgen, die jede Verſchie⸗ denheit der Operation nach ſich zieht, in K ——— ———— 148 Abſicht auf Aufwand— an Geld, Kraft, Zeit— ſowohl als in Abſicht auf Gäte der Waaren. 4. Die Waaren oder fertigen Sachen nach ihren mancherlei Tugenden und Feh⸗ lern, ſammt deren Urſachen, die natuͤrlich liegen muͤſſen, entweder in den Materia⸗ lien, oder Zuthaten, oder in den Geraͤ⸗ then, oder den Operationen. Bei allen dieſen Punkten iſt die Ter⸗ minologie der Gewerbe unentbehrlich. Vornehmlich aber gehoͤrt auch noch zur vollſtaͤndigen Kenntniß des allen: 1. Eine hiſtoriſche, aber pragmatiſche Kenntniß der Gewerbe; wie ſie nach den angefuͤhrten 4 Punkten bei den beruͤhm⸗ teſten Voͤlkern am gluͤcklichſten getrieben werden; 1 2. eine hinlaͤngliche Vorkenntniß von Naturgeſchichte, von Chemie, von Mathe⸗ matik und Naturlehre. Die produktiven Gewerbe pfle⸗ gen jedes beſonders unter ſeinem Namen behandelt zu werden, und ſo hat man eine Landwirthſchafts⸗, Garten«, Forſt⸗ und Jagdkunde. Die formirenden Gewerbe au⸗ ßerdem, daß man ſie einzeln bearbeitet, ein we wi ken —————ℳ—nP⏑—⏑⸗⏑—:-——⏑⸗⸗—— 149 d, Kuſ hat man auch zuſammengefaßt, unter dem duf Gin Namen Technologie. Dieſe iſt alſo 1 die Wiſſenſchaft, welche die Verarbeitung Sachen der rohen Materialien lehrt, und zwar und Fel⸗ wiſſenſchaftlich aus Erfahrung und Gruͤn⸗ nataͤrlich den, wodurch ſie ſich denn eben von der Materia⸗ in Werkſtaͤtten uͤblichen Lehrart, wo alles een Geri⸗ durch Abſehn und Nachmachen,— Rou⸗ tine, Schlendrian— erlernt werden ſoll, die Ter⸗ unterſcheidet. tbehrlich. Zur faßlichen Ueberſicht waͤre wohl noch zur eine ſchickliche Klaſſificirung aller, oder . wenigſtens der meiſten, Kunſtgewerbe zu aomatiſhe wuͤnſchen. Man hat dergleichen verſucht nach den I. nach den Materialien, wie Arbei⸗ berüim⸗ ten in Stein, Metall, Erdarten, Holz ꝛc. getrieben 2. nach dem Gebrauch, zur Nah⸗ rung, Wohnung, Kleidung, Schmuck ꝛc. tuiß von 3. nach den Gerechtſamen, Mathe oder der Verfaſſung der Kunſt⸗ arbeiter, ſofern ſie zu Zuͤnften und erbe wfe Aemtern gehoͤren— welche ſind n Nmn a. geſchenkte, hot nm b. geſperite, 1 3 , Nri c. geſchloßne oder nicht— und ſofern ſie unzuͤnftig ſind. Aber bei Klaſſificirung erſter und zweiter Art kommen hoͤchſt ver— erbe au- ter 1— ſchiedene Gewerbe zuſammen, und ſehr bearbeite 14————·————— ———.,———— 4 ————— 2——————xꝗõ—ͤJdDdDdDJ—8—ebdböbebe44 74 ——ͤͤ aͤhnliche werden dagegen aus einander ge⸗ riſſen, und die dritte iſt ganz willkuͤhr⸗ lich.— Die beſte Anordnung waͤre viel⸗ leicht I. nach den Bereitungsarten, dann 2. die Unterabtheilungen nach den Stoffen und Waaren, und 3. bei den weitern Eintheilungen, die einfachen Kunſtgewerbe zuerſt, und die kuͤnſtlichen zuletzt, alſo: I. Chemiſche Arbeiten. 1. Gaäͤhrungen, geiſtige, ſaure, faule, Bier⸗, Wein⸗, Eſſigbereitung; Deſtillirung,— Lederbearbeitung; 2. Salzbereitungen, auch Pott⸗ aſche, Vitriol, Alaun, Zucker, Bleiche⸗ reien, Seifenſiedereien, Beitzen; 3. Extraktbereitungen, Stearke, Waid, Indigo, Lackmus, Tuſch, Karmin; Anwendung von 2 und 3 auf Faͤrbereien; 4. Phlogurgie, darunter Backen, Brennen oder Gluͤhen, Sublimiren, Schmelzen, Glaschemie, Metallurgie. II. Mechaniſche. 1. Handbereitungen. a. Fadenſtoffe, 3 Fn ander e willküht. aͤre viel⸗ dann ſach den neen, die und ofe n. , ſaure, ereitung; 9 ich Pott⸗ Bleiche⸗ Staärke, Karmin; rdereſen, Backen, blimiren, llurgie 2. 151 b. weiche Flachſtoffe, als Papier, Zeug, Leder; c. harte Stoffe, als Holz, Horn, Knochen, Stein, Metall, Glas a. ſchneiden, g. drehen, y. zuſammenſetzen. 2. Maſchinenbereitungen, Muͤh⸗ lenwerke, zum Hammern, Zermalmen, Drechſeln, Schneiden, Drathziehn. III. Chemiſch⸗Mechaniſche. I. Mit fluͤſſigen Materien, Druckereien, Malereien; Plaſtik; 3. mit Metallen, Glas⸗, Schmie⸗ de⸗, Blech⸗ und Dratharbeiten. Von den ſchoͤnen Kuͤnſten und ſchoͤnen Wiſſenſchaften insbeſondere. Ihr Hauptzweck iſt Schoͤnheit der Darſtellung. Aber ſo wie die Natur durch ihre Schoͤnheiten uns zur Empfind⸗ ſamkeit bilden, und dadurch zur Thaͤtig⸗ keit bringen wollte, ſo ſollen auch die 2. mit naßweichen Stoffen, ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften nicht blos vergnuͤgen, ſondern durch ihre Werke alle Gemuͤthskraͤfte uͤben und bilden, Ge⸗ ſelligkeit befoͤrdern, Wahrheit und Tugend gefaͤllig und eindringlich machen. Immer aber bleibt Schoͤnheit, und das dadurch bewirkte Wohlgefallen, der unmittelbare Zweck, der bei geringern Kunſtwerken auch faſt der einzige iſt.— Die Lehre von den ſchoͤnen Kuͤnſten und Wiſſen⸗ ſchaften zerfaͤllt in zwei Theile. I. Aeſthetik, d. i. Philoſophie des Schoͤnen, oder Theorie von der Na⸗ tur, und den Urſachen des Schoͤnen uͤber⸗ haupt; 2. Theorie der einzelnen ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften. F. Aefthetik. Sie detrachtet das Schoͤne 1. ſubjektiv, indem ſie die verſchie⸗ denen Quellen, Beſtandtheile und Arten des Schoͤnen und Erhabenen ſowohl, als die Gemuͤthskraͤfte, die zur Beurtheilung und Hervorbringung des Schoͤnen gehoͤ⸗ ren, darlegt. 153 en nict 2. objektiv, indem ſie die Eigen⸗ e Werke ſchaften ſchoͤner Werke ſammt ihren Feh⸗ en, Ge⸗ lern und Tugenden und den Mitteln, Tagend Regeln und Grundſaͤtzen derſelben an⸗ Immer giebt: alſo betrachtet ſie das Schoͤne, wie⸗ dadurch fern es zwahrgenommen und dargeſtellt aittelbare wird. iſtwerken Dazu kommt eine Ueberſicht und all⸗ ie Lehr⸗ gemeine VBergleichung der verſchiedenen Viſſen⸗ ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften nach Lörem Charakter, Umfang und Zweſ phie des Ihr erſter Theil handelt: der Na⸗ A. vom Geſchmack, B. von aͤſthetiſcher Kritik, fhänen C. vom Genie. A. Es giebt Urtheile uͤber Schoͤnheit und Erhabenheit, die objektiv und allge⸗ meinguͤltig ſind, ſo gut wie Urtheile uͤber Wahrheit und Sittlichkeit. Das Vermoͤgen, das Schoͤne mit dem gehoͤri⸗ gen Grade des Wohlgefallens zu empfin⸗ zen uͤber⸗ verſchie⸗ den, und daruͤber Gruͤnde augeben zu nd Atten koͤnnen, oder kurz, das Vermoͤgen, das vohl, ab Schoͤne richtig zu beurtheilen, heißt Ge⸗ rtheilung ſchmack. Er iſt, ſoweit ſich das Schoͤne ren 9o analyſiren laͤßt, Empfindung mit Urtheils⸗ kraft verbunden. Er iſt das Band zwi⸗ —————— 154— ſchen Sinnlichkeit und Verſtand, ohne eines von beiden ſelbſt zu ſeyn, und er vereinigt das Intereſſe aller Seelenkraͤfte, der Phantaſie, des Witzes, des Gefuͤhls, des Herzens und des Verſtandes.— Die Bildung des Geſchmacks iſt wichtig, nicht nur a) fuͤr Kuͤnſtler oder Liebhaber und jeden Menſchen, um das Schoͤne gehoͤ⸗ rig zu wuͤrdigen und zu epſinden⸗ ſon⸗ dern auch b) in ſofern ein gebildeter Geſchmack, d. i. ein richtiges Gefuͤhl fuͤr Ordnung, Schoͤnheit, Uebereinſtimmung, und folg⸗ lich ein Mißfallen an allem Schlechten, Haͤßlichen, Unordentlichen, die Vernunft und die Sittlichkeit vervollkommnet.— Wir betrachten am Geſchmack I. ſeine Natur, 2. Verbeſſerung, 3. Vollkommenheit, und 4. die dabei ſtatt habenden Abwechſelungen und Richtmaaße. I. Natur des Geſchmacks. Er iſt nicht einerlei mit dem Vermoͤgen, die Wahrheit und die Mittel zum Zweck zu finden; alſo das Wahre und das Nuͤtz⸗ liche iſt verſchieden vom Schoͤnen. Auch — 155 5, ohr iſt das, was recht und gut iſt, mit dem und an Schoͤnen nicht einerlei, ſonach unterſchei⸗ enkeaͤft, det ſich auch der Geſchmack von dem Ver— Hefuͤhls, moͤgen der ſittlichen Billigung. Endlich des.— iſt der Geſchmack nicht einerlei mit dem wichtg, thieriſchen Gefuͤhlsvermoͤgen, wodurch wir das Angenehme empfinden. Das vom ber und Annehmen, vom Sittlichen, vom e gehd⸗ Nuͤtzlichen und vom Wahren ver⸗ , ſon⸗ ſchiedene Schoͤne, ſoviel Veraͤnde⸗ rungen es auch dem Grade und der ſchmack Art nach zulaͤßt, ſchließt immer in ſich Ndnung, a. etwas Sinnliches, ind folg⸗ b. etwas Geiſtiges, glechten, ſofern beides objektiv oder gemeinguͤltig ernunſt iſt, und der Geſchmack, oder das Vermoͤ— net.— gen zu fuͤhlen und zu beurtheilen, beſteht demnach aus einer Zuſammenſtimmung des Verſtandes und des Gefuͤhls. Das aus Sinnlichem und Geiſtigem 4 zuſammengeſetzte Schoͤne, d. i. was dem ender Geſchmacke gefaͤllt— absit circulus in naoße. definiendo— iſt nun theils von ſuͤßer, 86. E holder, ſanfter, lieblicher und en, di anmuthiger, theils von herber, wetk großer, ſtarker, erhabner und s Nb⸗ feierlicher Art, je nachdem es, wie Burke darthut, mehr auf den Lebenstrieb — ————ͤ——————— ———————————ÿ——————— ——ę—ꝭO/O&ẽ—ñ—CQ——O—= 156 oder auf den Erhaltungstrieb wirkt.— Schoͤn iſt, was, indem es eine ange⸗ nehme innere oder aͤußere Empfindung hervorbringt, zugleich den Geiſt beſchaͤf⸗ tigt, durch Erregung von Gefuͤhlen— Affekten, Geſinnungen, Strebungen— oder durch Erzeugung von Erkenntniſſen, oder durch beides, zumal wenn die Phan⸗ taſie dabei in ſelbſtthaͤtiges Spiel geſetzt wird.— Kant ſagt: Das durch das Vorſtellen ſelbſt, ohne Ruͤckſicht auf den Inhalt der Vorſtellungen erweckte, ſpeei⸗ fiſch eigne geiſtige Lebensgefuͤhl ſey das aͤſthetiſche oder Geſchmacks⸗Gefuͤhl; denn das Vorſtellen an ſich ſey angenehm, wenn Vorſtellungen, waͤren ſie auch dem Inhalte nach noch ſo gleichguͤltig, mir Lebhaftigkeit und Staͤrke frei und ſchnell wechſeln.— Sofern bei dem Spiele des Vorſtellens der Inhalt der Vorſtel— lungen fuͤr ſich ſelbſt irgendwie angenehm, oder unangenehm iſt, ſo iſt das Gefuͤhl nicht mehr ein reines, unintereſſirtes, ſondern ein gemiſchtes, intereſſirtes Ge— ſchmacksgefuͤhl, wobei ſich zeigt, daß a. das Vergnuͤgen am Inhalt und das Vergnuͤgen, welches von dem Spiel 157 Li. der aufgeregten Erkenntnißkraͤfte herruͤhrt, wane einander erhalten und erhoͤhen, und daß, adung b. wenn auch das erſtere verſchwindet, Küiſbif doch das letztere fortdauern kann. fihen Es giebt 3 Arten des Spiels der Ungd e Vorſtellungen, die durch ihren Inhalt enntſe Intereſſe gewaͤhren, denen aber auch durch de Phen das bloße Spiel des Vorſtellens etwas del giett Aeſthetiſches beigemiſcht iſt: utch dis 1. Das Spiel der aͤußern Empfindun⸗ t ui den gen, der Farbe, Bewegungen, Toͤne. te, ſdeei 2. Das Spiel der innern Empfindun⸗ ſey das gen, die mittelſt Vorſtellungen erweckt ol; demn werden, wie im Kartenſpiel, Schauſpiel; neenehm, 3. Das Spiel der Gedanken, die ꝛuch den freie Folge von Gedanken, die auch fuͤr 9, mit das Subjekt Intereſſe häͤben⸗ wie das ſchnell Laͤcherliche, Naive. Spiele Es kommt bei dem Aeſthetiſchen an Vorſte⸗ 1. auf Stoff, genehm, 2. auf Form oder Anordnung, Gefüh 3. auf Ausdruck. reſſitte, Vielleicht kann man gar an dem In⸗ etes Gr⸗ halt ſowohl, als am Ausdruck, Form und daß Stoff unterſcheiden. In aller Abſicht alt un muß jeder Verfertiger eines Geſchmacks⸗ n Spfe Werks ſorgen 5—ÿy— 1————————— —,——————————— — 2—— 2—— 1 158— 1I. fuͤr negative Schoͤnheit in Abſicht des Inhalts ſowohl als des Aus⸗ drucks. Sie beſteht in Entfernung alles Fehlerhaften, Schwuͤlſtigen, Froſtigen, Laͤppiſchen, Geſuchten, Steifen, Trocknen. Zierlichkeit iſt wie Reinlichkeit dem Putz entgegen; mit dem Zierrath verhaͤlt es ſich anders; dieſer kann oft uͤbel angebrach⸗ ter Putz ſeyn. 2. fuͤr poſitive Schoͤnheit; dieſe deſteht in Klarheit, Faßlichkeit, Lebhaf⸗ tigkeit. Der Stoff des Atſthatiſchen wird genommen theils I. aus den Gegenſtänden un⸗ ſerer Sinne; 2. theils aus den Gegenſtaͤnden unſeres Gefuͤhlvermoͤgens; 3. theils aus der Phancaſie, und er muß neu, reich, mannigfaltig, und wahr ſeyn. Was den Stoff erſter Art betrifft, ſo laſſen nur 1I. Ohr und Auge bei Vorſtellungen, die ſie unſerer Seele zufuͤhren, ihr zu— gleich freie Selbſtbeſchaͤftigung.— Die reinen Perceptionen des Ohrs und Au⸗ ges an ſich koͤnnen zwar nur eigentlich angenehm, und zwar von der anmu⸗ 159 heit u thigen, reizenden, oder von der es Aus⸗ auffallenden, ſtarken Art ſeyn, ug alls aber gleichwohl kann auch der Geiſt da⸗ ſtigen, bei ein Analogon vom Schoͤnen und Er⸗ woeinen. habenen empfinden, wie Nachtigallen⸗ em Puß ſchlag, Donnerſchlaͤge— junges Gruͤn haͤlt es der Auen, milde Erleuchtung, oder eine gebrach⸗ brennende Stadt, oder ein Vulkan— das Rieſeln eines Bachs und der Sturz z dieſe eines Niagara— Geſtalten, Bewegun⸗ Lehaf⸗ gen, als Schwalbenflug, Spiel der Flam⸗ men, und dagegen Anblick des Oceans, n witd von gewaltigen Hoͤhen oder Tiefen, von unabſehlichen Ebenen, Wuͤſten,— dicke n un⸗ Dunkelheit, todtes Schweigen, Einſam⸗ b keit.— Man unterſcheide ſorgfaͤltig die nden ſiunlichen Perceptionen ſelbſt, und die dazu tretenden vergeſellſchafteten Phan⸗ aſie, tasmen und Gefuͤhle. faltig, 2) Innere Gefuͤhle gewaͤhren Stoff erſer dem Aeſthetiſchen, und zwar a. Leidenſchaftliche, theils auf angen, Selbſtliebe, theils auf Sympathie ſich be— hr zu ziehende, beides phyſiſch ſowohl als .De ſittlich; d Ae⸗ x. von der ruͤhrenden, ſanften, unti zaͤrtlichen Art, die zu Liebe und Achtung nau— gehoͤren, V 160 6. von der furchtbaren, heftigen, tragiſchen Art— das Pathetiſche ge⸗ nannt— wiewohl auch das Nuͤhrende zu einem hohen Grade der Staͤrke ſtei⸗ gen kann; 7. froͤhliche, leichte, flüchtige Em⸗ pfindungen. Ueberhaupt gehoͤren hieher alle Ge⸗ fuͤhle anderer, ſofern ſie unſere Sympa⸗ thie und unſern Trieb nach Geiſtesunter⸗ haltung beſchaͤftigen, da denn ſelbſt die unangenehmen Empfindungen der han⸗ delnden Perſonen angenehm von uns durch das Medium der Phantaſie und der Sympathie gefuͤhlt werden, z. B. Getuͤmmel der Schlacht, Noth eines Seeſturms, Kampf um Freiheit und Recht. b. Sittliche, betreffend die Denk⸗ art, Geſinnung und Handlungsweiſe mo⸗ raliſcher Weſen, ſofern dabei keine merk⸗ lich ſtarken Leidenſchaften ſich aͤußern. Das Sittliche erweckt mehr Gedanken, als Empfindung, ſtatt daß es ſich mit dem Leidenſchaftlichen umgekehrt verhaͤlt. Auch dieß iſt theils von der edeln Art, theils von der erhabenen, ſo wie das Gegentheil theils von der veraͤchtli⸗ chen —— — 161 „ heſtge chen Art, theils von der abſcheuli⸗ etiſche„ chen und ſtraͤflichen. Zu eben dem Nüͤhrn Sittlichen gehoͤrig, oder auch Stäͤrke ſ 3) von der Phantaſie erzeugt iſt a. das Laͤcherliche; Klaſſen da⸗ ictige en von: Parodie, das Poßierliche— San— cho Panſa— Scherz, Spott, Ironie, all Ge. das Naive— Somya⸗ b. das Feierliche, was bewun⸗ ſtesunter /· dernde Erwartung rege macht, das Praͤch⸗ ſelbſt die tige, was Reichthum mit Groͤße in der han⸗ einem Gegenſtande enthaͤlt. von uns Aller aͤſthetiſche Stoff, ſofern er leb⸗ ttaſie und haften Eindruck machen und die Aufmerk⸗ , B ſamkeit beſchaͤftigen ſoll, muß Neuheit th eines haben, denn dadurch belebt er das Ge— heit und muͤth, und erweckt durch die Verknuͤpfung mit andern Ideen, Erwartungen und ie Denk⸗ Spiele von andern Vorſtellungen. Gaͤnz— veiſe mo⸗ lich unbekannt aber darf es nicht ſeyn, ine mett⸗ ſondern muß ſich an ſchon bekannte Ideen zußern anſchließen, um Wirkung zu thun. Neu Gedanken, kann ſeyn entweder der Gegenſtand ſch mi ſelbſt, oder die Vortragsart. Das t verhilt Ueberraſchende, welches im Neuen eln Axtk. nur dann liegt, wenn es unerwartet iſt, wie dus und welches trefflich dazu dient, die Auf⸗ riotli⸗ merkſamkeit zu ſpannen, muß man mit 41 III. L ————————— * 162— Beurtheilung brauchen, denn man wiell nicht immer uͤberraſcht ſeyn. Das Wun⸗ derbare iſt a)’ das Neue und Unerwartete, ſofern es außerordentlich, der Art oder dem Grade nach, unbegreiflich iſt, ohne gleich⸗ wohl unwahrſcheinlich zu ſeyn, und uͤber welches wir uns verwundern. Ver⸗ wunderung iſt ein Affekt aus der Vorſtellung der Neuheit, die die Erwar⸗ tung uͤbertrifft. Sie iſt ein Anſtoß des Gemuͤths an der Unvereinbarkeit einer Vorſtellung und der durch ſie gegebnen Regel, mit den ſchon im Gemuͤthe liegen⸗ den Principien, wobei alſo ein Zweifel entſteht, ob man auch recht geſehn und geurtheilt habe. Bewunderung iſt eine immer wiederkommende Verwunde⸗ rung, ohngeachtet der Verſchwindung je⸗ 3 4 nes Zweifels: ſie hoͤrt alſo mit dem Ver⸗ luſt der Neuheit nicht auf. Staunen iſt ein hoͤherer Grad der Verwunderung. Das Wunderbare b) im engern Sinne iſt das in Er⸗ dichtungen, und c) im engſten Sinne, das in Er⸗ dichtungen Uebernatuͤrliche. ——— 3 6 X— .————, 8 1 r———. 8— m —— ſ——. ——————— — 163. man uſ Das falſche Wunderbare, dem as Vun es an poetiſcher Wahrſcheinlichkeit fehlt, heißt das Abentheuerliche, Unge⸗ tete, ſofern heure, wovon eine Art der Poeſie das dder den Romanhafte, und eine Art in den ohne gli zeichnenden Kuͤnſten, das Groteske jund ühe heißt. Aber der aͤſthetiſche Stoff muß „ Ver⸗ bei allem Neuen, und ſelbſt beim Wun⸗ aus der derbaren, immer natuͤrlich, d. i. mit ſje Erwar⸗ den Kraͤften und Geſetzen der Dinge, nſtoß des und zumal der Menſchen, wie wir ſie neit eine aus Erfahrung kennen, uͤbereinſtimmend, gegebnen oder wenigſtens vereinbar ſeyn. Die Na⸗ the liegen tur nachahmen heißt nicht ſie kopi⸗ in Zweifel ren. Man kann, da die Natur nicht eſehn und blos auf Schoͤnheit, ſondern auf andre rung iſt Zwecke mit Bedacht genommen, indem erwunde⸗ man, was ſich auf letztere bezieht, weg⸗ dung je⸗ laͤßt, ihre Werke verſchoͤnern— idealiſi⸗ dem Ver⸗ ren— wie in der Landſchaftsmalerei und Ztaunen Gartenkunſt. Nicht alles Wirkliche kommt underung der gemeinen Erfahrung, auf die der Aeſthetiker alles berechnen muß, natuͤrlich as in E. vor— wogegen ihr manches Unvirkliche aus demſelben Grunde natuͤrlich vor⸗ a in Er kommt, wie die mythiſchen Weſen aller Art.— Nicht alles Natuͤrliche iſt in⸗ tereſſant, noch weniger alles Wirkliche und 2 ——————— Wahre.— Die Aehnlichkeit, wie wenn ein Gemaͤlde nicht nur die Geſtalten und Farben, ſondern auch die Entfernungen, und ſelbſt die Empfindungen und Cha— raktere, darſtellt, wenn eine Muſik die Modulation einer empfindungsvollen Nede zu hoͤren giebt, vergnuͤgt theils durch die Uebereinſtimmung des Vorbildes, welches immer, wenigſtens im Allgemeinen, be⸗ kannt ſeyn muß, mit dem Nachbilde, theils durch die Bewunderung der Kunſt ſelbſt, die ſo etwas zu leiſten vermochte. Uebrigens ruͤhrt die Aehnlichkeit deſto leb⸗ hafter, je heterogener das Nachahmungs⸗ mittel und das Vorbild ſind, wie z. B. bei Tropen und Gleichniſſen ein großer Theil des Vergnuͤgens ſich von dem wei— ten Abſtande des Vorbildes und Nach⸗ bildes herſchreibt. Aber die Aehnlichkeit ſelbſt muß nicht entfernt, weit hergehohlt, oder erzwungen ſeyn, ſonſt wird die Ver⸗ gleichung froſtig. Was die Form des Aeſthetiſchen, oder die Beziehung deſſelben auf die Vor⸗ ſtellungskraͤfte betrifft, ſo wirkt auf ſelbige vorzuͤglich:— a. Mannigfaltigkeit und Reich⸗ haltigkeit; denn Abwechſelung iſt ein 165 „wie ner natuͤrliches Beduͤrfniß, und zugleich ein ſtalten un Befoͤrderungsmittel der Thaͤtigkeit; aber tfernunga, das Mannigfaltige ohne Ordnung und und Chr Wahl ermuͤdet, wie z. B. Sammlungen Nuſſk de von allerhand Gedanken— Sinngedichte vollen Nee— Artikel eines Realwoͤrterbuchs. ls durch di b. Vollkommenheit, d. i. durch⸗ es, weſches gaͤngige Zweckmaͤßigkeit, ſowohl in Ab⸗ einen, he— ſicht auf Wahl der Gegenſtaͤnde, als auf Nachbidde, ihre Anordnung und Darſtellung. Sie der Kunſt ſchließt aus nicht nur alles Zweckwidrige, vermochte ſondern auch alles Zweckloſe, ſowohl dem t deſto leb⸗ Grade, als der Beſchaffenheit nach, ſo⸗ hahmungs⸗ wohl was Materie, als was Form, Ord⸗ wie z. B. nung und Vortrag betrifft. Es ge⸗ ein grifer hoͤrt dazu: den wei⸗ 3 a. Einfall, eine der edelſten Eigen—⸗ d Nach⸗ ſchaften eines Kunſtwerks. Zu ihr ge⸗ ehrlichket hoͤrt ein einfacher Plan, Auswahl des dergehohle weſentlich Zweckmaͤßigen, natuͤrlichſte und d die Va⸗ wirkſamſte Verbindung aller Theile, ſo daß die Abſicht auf dem geradeſten und ſthtithn natuͤrlichſten Wege erreicht wird— die f die du Ilias, und vollends die Werke der Na— auf fhi tur ſind hierin große Muſter.— Dem Einfachen ſteht entgegen theils das Ver⸗ ud Neic wickelte, theils das Geſuchte, Ueber⸗ ung iſt ein ———————————— 166 fluͤſſige, Willkuͤhrliche, Ge⸗ zwungene. e. Einheit; fie iſt das, was meh⸗ 1 rere Theile zu einem Ganzen bildet. Der Einheit iſt entgegen, wenn iſolirte und unverbundne Theile vorkommen, 1 oder wenn mehrere gar nicht verbun⸗ dene, oder nur zufaͤllig zuſam⸗ . mengeheftete Hauptvorſtellun⸗ gen— Parthieen, Maſſen, Gruppen, Seenen in ein Werk vergeſellt werden, wodurch das Intereſſe Kätheilt und ge⸗ ſchwaͤcht wird. v. Ganzheit— Vollendung— iſt dem Luͤckenhaften entgegen. Der V Kuͤnſtler faßt den Gegenſtand, aus einem beſtimmten Geſichtspunkte, laͤßt alles, was V nicht zu ſeiner Abſicht gehoͤrt, weg, und 4 macht dadurch ſein Werk zu einem von. b allen erwa damit zuſammenhangenden 1 Dingen abgeſonderten, und fuͤr ſich beſte⸗ henden Ganzen; denn alles Abgebroch⸗ b ne, Abgerißne, Unbeſtimmte iſt unan⸗ genehm. V 9. Gleichförmigkeit, um die Auffaſſung des Mannigfaltigen zu er⸗ leichtern, und die Seele einzuwiegen. So Metrum in der Poeſie, Takt in der — 167 Ge Muſik, ſo Gleichheit der Saͤulen in einer Colonade. 6 Meh). Symmetrie— Ebenmaaß, Gleich⸗ t Der maaß— iſt Uebereinſtimmung aͤhnlicher olirte Theile auf beiden Seiten eines gewoͤhn⸗ ommen, lich unaͤhnlichen Mitteltheils. So iſt erbun⸗ die aͤußere Form der thieriſchen Koͤrper uſam⸗ durchgehends ſymmetriſch, und oft wie llun⸗ genau, z. B. an Schmetterlings⸗ und uppen, Punktenkaͤferfluͤgeln! Wo keine aͤhnliche verden, Theile noͤthig ſind, iſt auch keine Sym— ind ge⸗ metrie noͤthig. . Eurhythmie— Schoͤnmaaß— ung— iſt das ſchickliche Verhaͤltniß der Groͤßen Der jedes Theils zur Groͤße des Ganzen. einem Dadurch bekommen die mannigfaltigen „was Theile eines Gegenſtandes ihr Gleichge⸗ und wicht, daß keins zum Nachtheil des an⸗ n von dern ſich auszeichnet, oder ſeiner Beſtim⸗ genden mung widerſpricht. Eurhythmie erſtreckt beſte⸗ ſich eben ſo auf das kleinſte Partialganze, ebroch⸗ als auf das große Hauptganze. unan⸗ 2. Bildung, Verbeſſerung des Geſchmacks entſteht: n die a. durch Uebung. Durch ſie werden u a theils die Sinne vielfaſſender, ſchaͤrfer, iegen. ſeiner, reizjbarer— Augenmaaß, Maler⸗ n der blick, muſikaliſches Gehoͤr wird kultivirt— EEEEEEoEEToQ—s 168 theils die innern Gefuͤhle reger und be⸗ ſtimmter. So bildet ſich der Geſchmack, als munbih betrachtet, durch Uebung, d. i. durch aufmerkſames Aufnehmen der Wuukung, die die verſchiednen Muſter des Schoͤnen hervorbringen. Aber zum Ge⸗ ſchmack gehoͤrt auch Urtheilskraft, betref⸗ fend ſowohl den Stoff als die Form im Plan— d. i. im Zweck, die Mittel der Anordnung— und in der Ausfuͤhrung, wiefern beides gemein und alltaͤglich, un⸗ natuͤrlich gezwungen, armſelig und ſchaal, zweckwidrig uͤberladen, verwickelt und un⸗ faßlich, abgeriſſen und unbeſtimmt, ſchwuͤl⸗ ſtig, froſtig, ſteif, trocken, laͤppiſch, uͤber⸗ ziert oder das Gegentheil ſey. So wie bunte Farben und ſuͤßes Geleier, ſo koͤn— nen falſche Schoͤnheiten, unnatuͤrliche Charaktere und Geſinnungen, und affek⸗ tirter Styl uns wohl eine Weile gefal— len, aber nicht laͤnger, als bis durch Uebung der Geſchmack ſich gebildet hat. b. durch Vergleichung der ſchoͤ⸗ nen Kunſtwerke und Geiſteserzeugniſſe aller gebildeten Voͤlker, zumal der Alten, wird der Geſchmack verbeſſert— perfected by comparison.— —————— ————— 169 c. durch Nachdenken und durch kritiſche Aufmerkſamkeit, auf alle noch ſo mannigfaltigen und verſchiedenen Schoͤnheiten wird er gelaͤutert von allem Vorurtheil— cleared of all preju- dice- 3. Vollkommenheit des Ge⸗ ſchmacks. Sie beſteht a. in Feinheit— Delikateſſe— und b. in Richtigkeit— Korrektheit.— Das erſte bezieht ſich auf die Empfin— dung, ſofern ſie uns auch verborgene Schoͤnheiten finden laͤßt.— Beiſpiel von feinem Sinngeſchmack iſt, da jemand im Wein Leder, ein andrer Eiſen ſchmeckte, und ſich zuletzt auf dem Boden des Ge⸗ faͤßes ein Schluͤſſel mit einem Riemen fand.— Das zweite bezieht ſich auf die Urtheilskraft, ſofern man ſich durch keine unaͤchte Schoͤnheit taͤuſchen, und durch jede Art von komparativer Schoͤn⸗ heit nicht mehr nicht weniger, als es ſich gehoͤrt, vergnuͤgen laͤßt. Beide, Delika⸗ teſſe und Korrektheit wirken auf einander wechſelſeitig. Nach dem Grade der Voll⸗ kommenheit des Geſchmacks iſt man ent— weder Liebhaber oder Kenner oder Kunſt⸗ richter. Der Liebhaber— Dilettant ——— nnnn—õ—᷑—ͤͤͤ 17⁰ — hat blos lebhaftes Gefuͤhl fuͤr Kunſt— werke; der Kenner weiß ſie nach dem Grade ihrer Vollkommenheit zu ſchaͤtzen; der Kunſtrichter beſitzt außerdem noch alle Kenntniſſe des Kuͤnſtlers, die prakti⸗ ſche Fertigkeit ausgenommen.— Vor⸗ nehmlich gehoͤrt zu einem Kenner und Kunſtrichter, die Kenntniß der Kunſt des Alterthums und der Antike oder alten Ueberbleibſel. 4. Richtmaaß— Aiche des guten Ge⸗ ſchmacks. Giebt es ein ſolches Richt⸗ maaß?— Ja! denn ſonſt waͤre jeder Geſchmack gleich gut, Kanzeleiſtyl und Schreibart des Taritus, ein Lapplaͤnder⸗ lied und ein Wielandſches Gedieht diric ſchoͤn. Man merke: a. es giebt Verſchiedenheiten des Se ſchmacks, ohne daß er darum aufhoͤrte gut zu ſeyn. Die Wahrheit iſt nur eine; die Schoͤnheit kleidet ſich in mancherlei Gewaͤnder. Ein Juͤngling liebt den Ovid, ein Mann den Horaz, einer liebt mehr das Erhabene, der andre das Zaͤrt⸗ liche, einer liebt mehr Korrektheit, der andre mehr Feuer, einer mehr Einfalt, der andre mehr Schmuck. Aber: — 171 Kun b. wenn uͤber denſelben Gegenſtand h den die Geſchmacksurtheile zweier Menſchen äten; nicht dem Grade des Wohlgefallens nach noch wechſeln, ſondern ſich widerſprechen, ſo akti⸗ hat der eine keinen, oder einen falſchen, Vor⸗ unrichtigen Geſchmack. Worin beſtehr und ſnun das Richtmaaß?— Strong sense, ſt des ünited to delicate sentiment, improved alten by practice, perfectecl by comparison, cleared of all prejudice makes a man of Ge⸗ taste; and thie joint verdict of such cri- Richt⸗ ties is the true standart of taste and jeder beauty;— alſo das feinſte Gefuͤhl, l und verbunden mit der richtigſten inder Urtheilskraft, iſt das Richtmaaß. Jleich Was einem Manne von ſolchen Eigen⸗ ſchaften gefaͤllt, das, kann man ſagen, Ge⸗ gefaͤllt allgemein, und iſt ſchoͤn in eben hörte dem Sinne, wie, was logiſch richtig eine iſt, allgemeinen Beifall bekoͤmmt, und herlei wahr iſt.— dn e. Geſchmack wird gemodelt durch Re⸗ leebt ligion, Regierung, Geſellſchaft, Lektuͤre; Jatt gleichwohl behauptet die Natur ihre „d Rechte. afelt d. In Sachen des Geſchmacks giebt es unentſchiedene Streitigkeiten, gleich⸗ wohl giebt es darin auch ganz ausge⸗ —————— ———— άᷣ-— 172 machte Urtheile. In Abſicht dieſer bei⸗ den Punkte iſt die Philoſophie und Ver⸗ nunft in gleichem Fall.— Reſultat: Geſchmack iſt nichts Willkuͤhrliches noch Schwankendes; er hat ſeinen Grund in der menſchlichen Natur; es giebt ewige Schoͤnheiten, wie ewige Wahrheiten und Tugenden, und auch im Aeſthetiſchen heißt es: opinionum commenta delet dies, naturae judicia confirmat. B. Aeſthetiſche Kritik— auch var, eogm Kritik genannt— entſteht nicht a priori, ſondern iſt ganz gegruͤn⸗ det auf Erfahrung und Bemerkung ſol⸗ cher Schoͤnheiten, die dem Richtmaaß am naͤchſten kommen. So hat Ariſtote⸗ les ſeine Poetik abſtrahirt von Muſtern. Es giebt unbefugte Kritiker, wie unbefugte Philoſophen; aber deshalb die Kritik ſelbſt anklagen zu wollen, iſt ungerecht. Die Regeln der Kritik helfen Fehler ent⸗ decken und verbeſſern, und ſind nuͤtzlich, die Aufmerkſamkeit zu dirigiren, aber das Schoͤne hervorzubringen helfen ſie nicht; das iſt Sache des Genies, welches, indem es der Natur ſolgt, Regeln bejole⸗ ohne es zu wiſſen. — 173 ſei Doch iſt das Studium der Regeln ſo uae wenig fuͤr den Verfertiger als den Beur⸗ 8 nn theiler ſchoͤner Kunſtwerke unfruchtbar. ed Denn Regeln ſind praktiſche Folgerungen Ieue aus einer nicht willkuͤhrlichen, ſondern in 3 der Natur gegebnen Theorie, d. i. Folge⸗ en und rungen aus der Entwickelung deſſen, was klſchen ein Werk, in ſeiner Art, und nach ſeinem ees Zweck, vollkommen macht. Ohne Regeln waͤre ein Kunſtwerk das Produkt des In⸗ auch ſtinkts oder des Zufalls. Je mehr man riſahe uͤber die Natur einer Sache nachgedacht ſgräu⸗ hat, deſto geſchickter wird man zur Aus⸗ u ſc fuͤhrung derſelben; willkuͤhrliche und un— tmaaß richtige Regeln aber ſind unnuͤtz und iſtote ſchaͤblich. Ueberhaupt dienen Regeln, ſtern. wenn nicht zur Erfindung, doch zur Len⸗ ffugte kung des Geiſtes, zur Beurtheilung, Kritit Wahl, Anordnung, Ausfuͤhrung.— Re⸗ recht gelmaͤßigkeit indeſſen geht nur auf er ent die Form, nicht auf die Materie, und zuͤslic bewirkt ein geringes Wohlgefallen, iſt zer deo nicht ſowohl Schoͤnheit, als Abweſenheit nicht; des Anſtoͤßigen. Ein Werk kann den Fehler indem der Unregelmaͤßigkeit durch hoͤhere Schoͤn⸗ „ ohnt 1 heiten bedecken; beſſer aber waͤre es doch, wenn es zugleich regelmaͤßig waͤre. ————— 174 C. Genie iſt Naturgabe der Er⸗ findungskraft in Hervorbringung ſolcher Werke, zu welchen ſich keine beſtimmte Anweiſung, wie zu mechaniſchen Kuͤnſten, geben laͤßt. Die Werke des Genies ſind ſeibſt Regeln und Muſter fuͤr die freie Nachahmung. Das Genie kann verbeſ⸗ ſert, aber nicht erſetzt werden. Obgleich Geſchmack ohne Genie ſeyn kann, ſo iſt Genie niemals ohne Geſchmack. Indeſ⸗ ſen zeigt ſich, ſelbſt bei geringem Ge⸗ ſchmack und bei Mangel an Korrektheit, durch kraͤftige feurige Ausfuͤhrung, das Genie in rohen Zeiten hervorſtechender, als in geſchliffenen, wie Homer, Shake⸗ ſpeare. Zum Genie gehoͤrt 1. rege und warme Empfindung, und 2. reiche, lebhafte Einbildungskraft, ohne welche ein Werk nie das freie, na⸗ tuͤrliche Anſehn bekommen wird, worin das Gepraͤge des Genies beſteht. Doch vereinigt auch Genie noch Scharfſinn, Witz, Verſtand und Urtheilskraft. Uni⸗ verſalgenies giebt es nicht, ſelbſt Leibnitz und Ariſtoteles waren es nicht; aber es giebt wiſſenſchaftliche Genies. Man un⸗ terſcheide von Genie, deſſen eigenthuͤmli⸗ ches Merkmahl Erfindungskraft iſt, das 175 der C⸗ Talent, d. i. eine vorzuͤgliche Geſchick⸗ ſolte lichkeit irgend etwas zu begreifen, oder ſtimme zu machen, z. B. in Wiſſenſchaften, Kuͤn⸗ Rünſtn ſten, Geſchaͤften— und zwar leicht, ſicher es ſih und richtig. ſe frii Das Genie arbeitet, je nachdem ſeine berbeſ Werke zu der ernſten und erhabnen, oder ögleic zu der ſanften und froͤhlichen Klaſſe ge⸗ ſo iſt hoͤren, mit Begeiſterung, oder mit Indeſe Laune.— Begeiſterung iſt die erhoͤhte Ge⸗ Wirkſamkeit des Geiſtes, die ſich zeigt, ktheit entweder in dem Gefuͤhls⸗ oder Begeh⸗ , das rungsvermoͤgen, oder in den Erkenntniß⸗ ender, kraͤften. Im erſten Fall, da die Seele Shake nicht ſowohl den Gegenſtand ſelbſt, als vielmehr deſſen Wirkungen fuͤhlt, draͤngt „und ſich in ihr alles, was damit irgend verge⸗ 3 kraft, ſellt iſt, maͤchtig hervor, und giebt dem Na⸗ Ausdrucke Leichtigkeit, Schnelle, Staͤrke, worin und den Ideen ſeltſame Kombinationen. Doch Im andern Fall ſtrengt die Seele ſich ffſinn, an, alles an dem ſie begeiſternden Ge⸗ Un- genſtande aufs Klaͤrſte zu ſehn, ihn ganz eibnit zu faſſen und zu entwickeln; ſo entſtehn btr 6 erſt lichtvolle Konceptionen, und dann ur eben ſo lichtvolle, kraͤftige, natuͤrliche inü Darſtellungen.— Laune iſt der Zuſtand da der Seele, da ſie, ohne von einem Ge⸗ ——————— — 2 7 7— ͤͤͤͤ u —rüf——————— 228E„fH„ genſtande beſonders geruͤhrt zu ſeyn, ſich aufgelegt fuͤhlt, alles von einer ergoͤtzli⸗ chen oder verdrießlichen Seite anzuſehn und thaͤtig zu behandeln. Die Vorſtel⸗ lungskraft bekommt dadurch eine eigne Richtung; die Reden und Handlungen erhalten etwas Sonderbares und Cha⸗ rakteriſtiſches. Laune iſt Wuͤrze des Ko⸗ miſchen im Schauſpiel. Das Schoͤne, objektiv betrachtet, iſt die Darſtellung. Der Philoſoph entwickelt und erklaͤrt es, der Kuͤnſtler ſtellt es dar. Bei der Darſtellung koͤmmt es an. I. auf Stoff, 2. Ordnung, 3. Ausdruck. Der Plan in Abſicht des allen, be⸗ ſtimmt ſich durch den Endzweck; denn aus der Hauptwirkung, die das Werk thun ſoll, ergiebt ſich der Hauptcharakter deſſelben. Um dieſe Wirkung zu erhalten, muß man a. die Mittel oder Materialien erfin⸗ den, und daraus mit Entfernung alles Ueberfluͤſſigen und Unwahrſcheinlichen, blos das Treffendſte und Wirkſamſte auswaͤh⸗ len. Dann muß man b. alle da gen der Inte mer Or. lich zelt Otj den de yn, ſch ergaͤti nzuſehn Vorſtel e eigne dlungen d Cha⸗ des Ko⸗ achtet, lloſoph dͤnſtlet koͤmmt I, be⸗ denn 3 Weri harattet rhalten, en etfi ng alls en, blo ruswih⸗ h. all 177 b. alle dieſe Materialien ſo anordnen, daß ſie, jede einzeln, und alle zuſammen⸗ genommen, den Zweck des Ganzen aufs vortheilhafteſte befoͤrdern, und zugleich unter ſich in einem natuͤrlichen Zuſam⸗ menhange faßlich daſtehn. Denn die Ordnung erweckt Aufmerkſamkeit, Faß⸗ lichkeit im Ganzen und Klarheit im Ein⸗ zelnen, indem ſie den Beurtheiler in den Stand ſetzet, den Inhalt beſtimmt zu er⸗ kennen, das Hauptintereſſe zu bemerken, die Haupttheile zu unterſcheiden, und eines jeden Beziehung und Wirkung aufs Ganze wahrzunehmen, und dieß, bis auf die kleinſten Theile fortgeſetzt, wirkt Ge⸗ fallen und praͤgt den Gegenſtand dem Vorſtellungsvermoͤgen ein. Endlich c. muß der Ausdruck richtig und tref⸗ fend ſeyn. Der Ausdruck befaßt alle Mittel, welche die ſchoͤnen Kuͤnſte haben, Vorſtellungen zu erwecken. Dieſe ſind in den Redekuͤnſten die Woͤrter und Redeſaͤtze; in der Muſik die Toͤne und Tonſaͤtze; in den zeichnenden Kuͤn⸗ ſten Umriſſe, Zuͤge, Stellungen, Ge⸗ behrden, Kolorit; im Tanze Stellun⸗ gen, Geberden, Bewegung. Die Kunſt des Ausdrucks iſt die Haͤlfte deſſen, was III. M —— ———x — 128 ein Kuͤnſtler beſitzen muß. Richtig⸗ keit iſt die Fehlerloſigkeit in dem ſinnli⸗ chen Ausdruck— im Mechaniſchen— der Kunſt, als im Grammatiſchen, im Versbau, in der Perſpektive, in der Har⸗ monie der Muſik. Das Treffende, oder Eigenthuͤmliche des Ausdrucks haͤngt ganz mit den Konceptionen zuſammen. Die ganze Art, wie die Gedan⸗ ken und der Inhalt eines Kunſtwerks ausgedruͤckt und dargeſtellt ſind, heißt Styl deſſelben. Der Styl wirkt entwe⸗ der auf die Phantaſie— indem er die Hauptvorſtellung durch Nebenvorſtellun⸗ gen bereichert, das Ganze in ſeine Theile entfaltet, das Abſtrakte und Geiſtige ver⸗ ſinnlicht, das Abweſende vergegenwaͤr⸗ tigt,— oder auf die Empfindung— indem er entweder einen Zuſtand dar⸗ ſtellt, der andre Empfindungen erwecken ſoll, als in den Gegenſtand des Kunſt⸗ werks ſelbſt hineingelegt oder gedacht werden, oder indem er in dieſem denſel⸗ ben Gemuͤthszuſtand abbildet, der in der Seele des Betrachters hervorgebracht wer⸗ den ſoll. Zuerſt in redenden Kuͤnſten be⸗ ſteht er, theils in der Beſchaffenheit der Nebenvorſtellungen, wozu das gehoͤrt, was — 179 ü man Einkleidung, Wendung, Schwung 8— der Gedanken nennt, theils im Aus⸗ druck— Diktion, Kompoſition.— Auf d, in den Nebenvorſtellungen beruhen vornehm⸗ t Har⸗ lich die Gattungen der Schreibart, die dder ſimple, fließende, lebhafte, ſanfte, edle, Jt gn feierliche, erhabne.— Auch in den bil— . denden Kuͤnſten iſt Styl das Verhaͤlt⸗ Heden⸗ niß der Nebenvorſtellungen, die das Werk tvelts erregt, zu der bezweckten Hauptvorſtel⸗ heißt lung.— Miwe Der Ausdruck ſoll den Gedanken und tt die Empfindungen, die erregt werden ſollen, ſtelun⸗ angemeſſen ſeyn. Große und erhabene Tyeil Vorſtellungen erfordern wenige, eigenthuͤm⸗ ge ver⸗ liche, kraftvolle und recht geſtellte Worte. enwit, Edle Gedanken muͤſſen nicht durch un⸗ ng— edle, d. i. mit niedrigen Nebenbegriffen dar⸗ behaftete, Ausdruͤcke geſchwaͤcht werden, wecken wogegen das Gemeine durch einen edeln Kunſ⸗ Ausdruck gehoben werden kann. Fuͤr gddacht ernſthaften Vortrag ſchicken ſich laͤngere deuſi Perioden und nachdruͤckliche volltoͤnende in der Worte. Starke Gedanken erſchuͤttern ct wer⸗ bald durch die Kuͤrze des Ausdrucks, bald ſten be⸗ durch ungewoͤhnliche maleriſche Worte, hat der bald durch ſinnliche Bilder. Lebhafte Vor⸗ et, va ſtellungen vertragen nicht den Zwang zu⸗ M 2 .——————— 136—— ſammengeſetzter Perioden, ſanfte aͤußern ſich durch fließenden, einſchmeichelnden Ausdruck.— Fehler des Ausdrucks ſind, 1. wenn er ſteif und trocken, 2. wenn er laͤppiſch, geputzt, ſchwuͤl⸗ ſiig, froſtig iſt. Eintheilung der Kuͤnſte. I. Die ſchoͤnen Kuͤnſte, die ſprachlos wirken, wirken A. Durch ſichtbare Mittel: a. Durch Geſtalten, 1. Auf Fläaͤchen, zeichnende Kuͤnſte, a, unmittelbar, Malerei, Moſaik; g. mittelbar, Knupferſtecher⸗ kunſt, Formſchneidekunſt. 2. Durch Koöoͤrper, bildende Kuͤnſte, a. aus harten Maſſen, Bild⸗ hauerei, 6. aus weichen, Bildformerei, oder Boſſirkunſt, y. aus gießbaren, Bildgie⸗ ßerei. dan ——Y 181 aͤnßen 3. Ordnende Kuͤnſte: helnoͤen x. ſchoͤne Baukunſt, s ſind, 6. ſchoͤne Gartenkunſt. b. Durch Bewegungen: ſchwul⸗ I. Orcheſtik— Tanzkunſt. 2. Mimik— Schauſpielkunſt. B. Durch hoͤrbare Mittel: Mu⸗ ſik oder Tonkunſt. II. Die ſchoͤnen Kuͤnſte, die durch prachlor Sprache wirken: I. Dichtkunſt, 2. Beredtſamkeit. fe. hnende Maleri Unter den ohne das Mittel der Rede wirkenden und beſonders auf den Sinn eſtecher des Geſichts ſich beziehenden Kuͤnſten neh⸗ 1 men den erſten Platz ein, diejenigen, iidenne welche ruhende Geſtalten herborhringeß. Dieſe ſind en, Si I. Die zeichnen den Kuͤnſte. dfornen, Die Malerei befaßt Zeichnung und Farbengebung. Ft⸗ A. Die Zeichnung, die auch unab⸗ 4 haͤngig von dem Kolorit, oder bei einerlei Farbe— Monochroma, Camayen— ———————— 2—————— 182 die beſten und auch mittelbare Werke, d. h. Werke, die nicht unmittelbar auf dem Papier, ſondern erſt vermittelſt Platten und Formen, worin ſie unnittelbar her⸗ vorgebracht ſind, entworfen werden, lie⸗ fern kann, iſt der Grund von aller Dar⸗ ſtellung der zeichnenden und bildenden Kuͤnſte ſowohl, als ſelbſt der Orcheſtik und Mimik, ſoweit ſie Geſtalten darſtel— len. Zur Zeichnung gehoͤrt I. Erfindung des Inhalts, 2. Anordnung, 3. Ausdruck. Was 5 1. die Erfindung anlangt, ſo kann Zeichnung auch die geiſtige unſichtbare Natur darſtellen, ſofern dieſe ſich durch natuͤrliche Zeichen aͤußert, oder durch ſinnbildliche andeuten laͤßt. Die Zeich⸗ nung ſelbſt iſt entweder a. Kopie und Portrait, Ebenbild, oder b. Idee, Phantaſie; Ideal iſt ver⸗ ſchoͤnerte und verſtaͤrkte Natur. Zweckmaͤßige Wahl aller Partien, Ent⸗ ſernung alles Unnuͤtzen, alles Matten, der praͤgnantſte Moment, die intereſſan⸗ teſten Stellungen und Formen, Mannig⸗ n — 183 ere, faltigkeit, Reichthum, Zweckmaͤßigkeit ſind zuf den ihr Hauptaugenmerk. Dlatten 2. In Hinſicht der Anordnung ar her⸗ iſt kraͤftige Zuſammenſetzung, ſymmetriſche n, lie⸗ Gruppirung, Einheit, Einfachheit, Ganz⸗ e Dat⸗ heit, Haltung und Ton zu beachten. denden 3. Beim Ausdruck kommt es an rcheſtie a. auf Richtigkeit in der Perſpektive, darſtel⸗ in Licht und Schatten, in den Umriſſen, in der Stellung; ts, b. auf Wirkſamkeit, durch Bedeut⸗ ſamkeit, Fuͤlle und Reiz. B. Zum Kolorit gehoͤrt a. Erleuchtung und Lichtverthei⸗ o kaun lung, Drapperie, Ton; ichthare b. Wahl der Tinten. durch Es koͤmmt dabei an durch 1. aufs Mechaniſche oder Materielle, Zeich⸗ 2. aufs Aeſthetiſche. In Abſicht auf beides, und was Zeich⸗ benbid, nung ſowohl als Kolorit betrifft, giebt es verſchiedene Arten von Styl und Ma⸗ it ve nieren. 1 Arten von Malerei. hun a. Nach dem Mechaniſchen: terſan⸗ 1. in Oel. Nicht von Johann van Paani Eyck 1400, ſondern ſchon zu Theophi⸗ ————õ—õ—õ—-A——— 184 V lus Presbyter Zeit ward Oelmalerei er⸗ V it funden. Die Alten ſcheinen Oelmalerei nicht gekannt zu haben. 5⁰ 2. In Leimwaſſer und Gummi. dij 3. Die Malerei al fresco— mit ſen Milch— auf naſſem ſowohl als trocknem ſin Grunde. de 4. Muſtviſche Arbeit, oder Moſaik, we war ſchon den Alten bekannt. t 5. Email⸗, oder Schmelz⸗, Porzellan⸗ N und Fayancemalerei iſt neu, Glasmalerei naͤ wohl auch. vo 6. Wachsmalerei, die Enkauſtik der Alten iſt aus Plin. XXXV. cap. 40. 41. dunkel zu entnehmen. Sie hatten, ſcheint es, drei Arten derſelben: . ussεασ, da in Elfenbein mit einem* Griffel— vesooc, veruculum— die Um⸗ bo. riſſe gegraben, und dann die Farben auf⸗ po getragen wurden;— he 8. Auftragung des gefaͤrbten Wachſes n durch Huͤlfe des Feuers und der Werk⸗ zeuge, canteria genannt; 3. dhe 7. Malerei mit fluͤſſigem Wachs, mit⸗ we telſt Pinſel. Ft Die erſten Spuren dieſer Malerei me kommen auf den Binden der Mumien hen vor, wo das blendende Weiß nichs anders ten —— ÿ— 185 etei e iſt, als Kreide durch einen Wachsuͤberzug maler vor der Luft geſchuͤtzt. Das Oel bei Oelgemaͤlden wird bei dem Zutritt des Lichts und der aus Metalloxyden beſte⸗ — Rit henden Farben geſchwaͤrzt, das Wachs rocknem hingegen durch die Luft gebleicht, und es zieht das Oxygen aus den Metalloxyden Noſaik, weniger an. Frabboni loͤſete weißes ve⸗ netianiſches Wachs in hoͤchſt rektificirter ellan⸗ Naphta auf, und die damit gemalten Ge⸗ galerei maͤlde, mit einem Tuch abgerieben, waren vortrefflich. kauſtik 7. Paſtellmalerei. p. 40. b. Nach dem Inhalt: jatten, I. Hiſtorienmalerei, 2. Landſchaften, 3. Thiere, 4. Fruͤchte, 5. Blumen, 6. Bau⸗ einem ſtuͤcke, 7. Schlacht⸗, 8. See⸗, 9. Jasd⸗, Um⸗ 10. Nachtſtuͤcke ꝛc. dieſe alle koͤnnen ſeyn auf⸗ Portraite, Ebenbilder oder Ideen. Kopie heißt auch ein von einem idealiſchen Ge⸗ zachſe maͤlde genommnes zweites Gemaͤlde.— Vurt⸗ Geſchichte der Malerei. Wel⸗ ches Volk ſie zuerſt erfunden, und auf 5, nt. welche Veranlaſſung iſt eine thoͤrichte Frage— obgleich Plinius, und nach ihm Maere mehrere, z. B. Eſchenburg, daruͤber ſchwa⸗ wunen tzen.— Die griechiſchen Maler brauch⸗ Inders 6 ten nur 4 Farben, weiß, gelb, roth, 186— ſchwarz— melinum, atticum, sinopis pontica und atramentum. Plin. XXXV, 7.— Die Alten kannten nicht Oelfarbe, malten auf Holz— voorzuͤglich auf la— rix— ſeltner auf Leinwand, am gewoͤhn⸗ lichſten auf naſſen ſowohl als vornehm⸗ lich, trocknen wohlgeglaͤtteten Kalk— al fresco— mit einer Art Leimwaſſer, und endlich enkauſtiſch, mit Wachs auf Elfen⸗ bein. Ob ſie Perſpektive verſtanden ha⸗ ben und worin endlich ihre hochgeprieſe⸗ nen Verdienſte beſtehen, wiſſen wir nicht recht. Unter den Griechen gab es 4 be⸗ ruͤhmte Schulen der Malerei, die zu Si— cyon, Korinth, Rhodus und Athen. Die bluͤhendſte Epoche war zu Alexanders des Großen Zeit, da lebten Zeuxis, Timan⸗ thes, Eupompus, Parrhaſius, Apelles, Protogenes, Pamphilus, Polygnotus.— In Italien uͤbten fruͤh Hetrurier die Malerei auf ihren Gefaͤßen. Auch von einheimiſchen, roͤmiſchen Malern nennt Plinius verſchiedene. Die muſiviſche oder moſaiſche Arbeit kam von den Griechen zu den Roͤmern zu Sulla's Zeiten. Plin. XXXVI, G4. Man machte ſie erſt von farbi⸗ gen Steinen, und ſeit Auguſts Zeit von gefaͤrbtem—!!!— Glaſe. Die Byzan⸗ d 187 eua tiner arbeiteten darin ſpaͤt, und von da b kam dieſe Kunſt wieder nach Venedig und ai de, Italien. Die Alten machten ihre Mo⸗ auj l- ſaik— opus musivum, tessellatum, ver- deuihn miculatum— aus Thon, Glas, Mar⸗ ernhn mor oder Edelſteinen und Perlen. Die 1A eingelegten Stuͤcke waren oft ſo klein, , und daß ein Quadratzoll 130 Stuͤcke enthielt. Elia⸗ Soſus war einer der beruͤhmteſten Kuͤnſt⸗ in ha— ler in der Moſaik, die zur Zeit des Kai⸗ prieſe⸗ ſers Clandius ſehr im Gange war.— nicht Unter den alten muſiviſchen Kunſtwerken 4 be iſt ein zu Tivoli gefundnes, das 4 Tau⸗ au Ei⸗ ben an dem Rande einer Waſſerſchaale . Die vorſtellt, das ſchoͤnſte, und die ſogenannte ts des Praͤneſtiſche Moſaik, eine Vorſtellung iman⸗ eines aͤgyptiſchen Feſtes, das ehemals im elles, Fußboden des Fortunatempels zu Praͤneſte 5.— war, das groͤßeſte. Zu den, ſeit Wieder⸗ er die herſtellung der Kuͤnſte wieder aufgefun⸗ h von denen, Denkmaͤlern der alten Malerei ge⸗ nennt hoͤren: he oder a. die an der Piramyde des C. Ce⸗ riechen ſtius gefundenen Gemaͤlde aus Auguſts Pln Zeit; nfetbi⸗ b. einige Ueberreſte von Gemaͤlden an et bon den Waͤnden des Pallaſts und in den Pyian⸗ 8 188 Baͤdern des Titus, wovon einige jetzt im Eskurial zu Madrid ſind; c. auch noch einige antike Malereien in den Pallaͤſten Farneſe, Barberini u. ſ⸗ w. in Rom; d. am merkwuͤrdigſten ſind die in der Gruft der Naſonen 1675 entdeckten Ge⸗ maͤlde, die in Kupfer geſtochen von Bar— toli und Bellori mit andern aͤhnlichen zu Rom herausgekommen ſind; e. aus den verſchuͤttet geweſenen Staͤdten Herkulanum, Pompeji und Sta⸗ biaͤ ſind jetzt in dem antiquariſchen Mu⸗ ſeum zu Portici uͤber tauſend Stück be⸗ findlich, die meiſt auf trocknem Kalke— a tempera— gemalt ſind, einige wenige auf naſſem Grunde. Seit Wiederherſtellung des Geſchmacks rechnet man folgende Schulen: I. Die Florentiniſche von Leo⸗ nardo da Vinci † 1520. Michael Au⸗ gelo(Agnuolo) Buonarotti † 1563. 2. Die Roͤmiſche von Raphael d'Ur⸗ bino † 1520. Sein Hauptgemaͤlde iſt die Verklaͤrung Chriſti zu Rom, ſo wie des Michael Angelo das juͤngſte Gericht in der Sixtiniſchen Kapelle 60 Fuß hoch, ———ll 2 2——xxqè 189 Ft n 40 Fuß breit auf naſſem Kalke ge⸗ alereien malen V— wi uſ 3. Die Lombardiſche von Anton Allegri, von ſeinem Geburtsort genannt u n Correggio † 1534. Sein beruͤhmteſtes Stuͤck iſt die Geburt Jeſu, Corregio's heilige ten be Nacht, die, ſo wie ſein heiliger Georg, in D jetzt in Dresden iſt. Zu eben dieſer chn u Schule gehoͤren die 3 Caracci's aus Bologna. veſenen 4. Die Venetianiſche vom Titian d Sta⸗(† 1576) einem Schuͤler der Bellini; von —n Nu— ihm iſt eine ruhende Venus in Dresden. tück be⸗ 5. Die Deu⸗ſche; Albert Duͤrer alte— † 1528. Hans Hollbein † 1574 zu wenige London. 6. Die Hollaͤndiſche, von Lucas macks van Leyden(† 1533), Erfinder des Luft⸗ perſpektivs; Rembrand van Ryn † 1674; n Leo⸗ Peter de Laar(† 16735), Erſinder der ſo⸗ Au⸗ genannten Bambocciaden— ſo nennt 1 man Gemaͤlde, welche Raͤuberbanden, Zi⸗ el dur⸗ geunerfamilien, Jagden, Marktplaͤtze u. iſt die dergl. darſtellen— Wouvermann † 1688, wie deo van der Werf † 1727. ſcht in 7. Die Flandriſche oder Flaͤmi⸗ jſoc, ſche; Franz Floris † 1570; Paul Ruübens † 1640; Anton van Dyck † 1640. 190 8. Die Franzoͤſiſche; Simon Vouet(t 1641), mit ſeinen Schuͤlern Sueur und Lebrun; Pouſſin † 1663; David. 9. Die Engliſche; Joſua Reynolds, Weſt. Zu den zeichnenden Kuͤnſten gehoͤ⸗ ren noch: a) Die Formſchneidekunſt, oder die Kunſt, Holzſchnitte, auch Metall⸗ ſchnitte zu machen; b) die Kupferſtecherkunſt. Das aͤlteſſe Blatt von einem Holzſchnitt iſt von 1423. Spielkarten wurden vielleicht in Deutſchland zuerſt fuͤr die Soldaten in Holz geſchnitten— wenn gleich fruͤher in Spanien, vielleicht von den Arabern her gemalt— dann auch Heiligenbilder. Zur Kupferſtecherkunſt gehoͤrt: 1) Die Gravierkunſtz ſie iſt ur⸗ alt, aber der Gedanke, Abdruͤcke von Gravuͤren zu machen, iſt vielleicht erſt im 15. Jahrhunderte entſtanden; denn erſt mit Michael Wohlgemuth, einem Nuͤrnber⸗ giſchen Maler und Kupferſtecher(† 1519), — der Albert Duͤrers Lehrer geweſen, faͤngt dieſe Kunſt an hiſtoriſch gewiß zu werden. Sinan Schuͤlern 1663; eynolde, gehi , odet yetall⸗ Das nitt iſ jelleicht daten fruͤher abern ilder. ſt ur⸗ e von rſt im n erſ enber⸗ 159) weſen, rij i — 191 2) Das Aetzen oder Radiren hat ſchon Duͤrer 1512 ausgeuͤbt. 3) Die gehaͤmmerten Kupfer⸗ ſtiche, da nach Art der Goldſchmiede, mittelſt ſogenannter Punzen, Zeichnun⸗ gen in Kupferplatten eingehaͤmmert wer⸗ den, ſo daß zwar einige Striche gepickelt und geſchroten, die meiſten aber durch kleine ſehr dicht an einander geſetzte Puͤnkt⸗ chen hervorgebracht werden, und wo viel Schatten ſeyn muß, mit ſtumpfen Spitz⸗ punzen in die Platte geſchlagen wird, ſind ſeit 1560 in Italien bekannt. 4) Die ſchwarze Kunſt, metſtich, mezzo tinto, gravure en ma- niere noire, die ſich vom Kupferſtich darin unterſcheidet, daß man bei dieſer letzten Arbeit den Schatten, bei jener erſtern aber das Licht in das Kupfer arbeitet, durch Schaben, womit man das Aetzen kluͤglich verbinden kann. Sie iſt erfun— den oder wenigſtens zuerſt verſucht von dem Heſſenkaſſelſchen Obriſtlieutenant von Siegen oder von Siechen, der 1643 das Bildniß der Landgraͤſin ſo ausarbeitete. Von dieſem lernte dieſe Kunſt der chur— pfaͤlziſche Prinz Robert, der ſie nach Eng⸗ land brachte. Sam⸗— b b d 8 1u..- 8 d v L X 1 1 192— 5) Die Manier à la gravure en la- vis; oder auch in aqua tinta genannt, welche die getuſchten Zeichnungen ſo voll⸗ kommen nachahmt, daß man ſie kaum vom Original unterſcheiden kann. Sie iſt von dem Franzoſen le Prince erfun⸗ den, von dem Englaͤnder Sandby verbeſ⸗ ſert. Dieſe Manier wird mittelſt einer mit dem Pinſel auf der Kupferplatte auf— getragenen Beitze, die freilich ſehr ver⸗ ſchieden zubereitet werden kann, aus⸗ geuͤbt. Zu gleicher Zeit brachte der Abt Saintenon aͤhnliche Kupferzeichnungen, mittelſt in die Platte eingedruͤckter Koͤr⸗ ner, und noch auf eine andre Art de la Fosse, hervor. 6) Der Gemaͤldedruck. Schon Hugo de Carpi, der zu Raphaels Zeiten lebte, und dem man die Erfindung der Holzſchnitte mit drei Stoͤcken— Paß⸗ formen?— zuſchreibt, verſuchte kolorirte Holzſchnitte zu drucken. Der Maler Pe⸗ ter Harlem zu Anfang des 17. Jahrhun⸗ derts, verſuchte auf aͤhnliche Art Kupfer⸗ ſtiche abzudrucken. Beſſer als ihm ge— lang es im 18. Jahrhunderte dem Ku⸗ pferſtecher le Blond aus Frankfurt am Main, der in London, wo er ſich 1737 auf⸗ 193 re en h. aufhielt, ein Buch— Harmony of co- genannt lowring— herausgab, in welchem er ſo bol ſein Verfahren beſchrieb. Er druckte mit ſe knun 3 Platten, jede mit einer Grundfarbe be⸗ mu. 8' ſtrichen, wozu er, um alle Farben heraus⸗ nee erfun zubringen, das Papier, worauf er ab⸗ by vellſ druckte, von einer andern Farbe waͤhlte.— klſt eim Erſt 1751 gelang es dem Franzoſen Pal⸗ ſatte auſ meus ſtatt der ſchwarzen Farbe, die ſonſt ſehr ver⸗ allein zu Kupferſtichen gebraucht wurde, d, ald⸗ auch blaue und hernach rothe, zu be⸗ der At reiten. hnungen, 1 fter Kor II. Bildende Kuͤnſte. Art de h Ihre Werke ſind: A. Allſeitige, oder rundumſichtige Schon Figuren, d. i. Statuen;— s Zeiten B. Halb erhobene, und mehr oder eung der weniger, als halb erhobene, kurz einſeitig = Paß ſichtbare, Basreliefs. Beide ſind ent— koloriit weder Raler Ne a) in harter Maſſe geſchnitzt und Jahrhi gehauen, oder it Kuuſr b) aus weicher Maſſee, boſſirt, oder ihm a c) aus geſchmolzenen Maſſen ge⸗ dem K goſſen.— nkfut u C. Vertieft gearbeitete. ſc yg a) Stempel zu Muͤnzen, und a III. N 194 b) Intaglios, zum Siegeln, aus harten Maſſen. Vor allen ſolchen Arbeiten geht das Modelliren, ein gleichſam ſtereogra⸗ phiſches Zeichnen, auf Thon, Wachs, Gyps vorher. Es kann das Modelliren in Miniatur geſchehn, aber auch in ebenmäaͤßiger Groͤße. Dann muß man bei jeder dieſer Kuͤnſte unterſcheiden: A. Das Techniſche oder Materielle, verſchieden a. nach der Beſchaffenheit und Groͤße der Maſſen, und b. nach der Behandlung, da beim Schnitzen und Hauen, und eben ſo auch beim Bildgraben, das Werk ſelbſt un⸗ mittelbar, beim Boſſiren und Gießen aber die Form oder Patrone unmittel⸗ bar, und das Werk nur mittelbar der Gegenſtand der Kunſt iſt; wiewohl auch beim Boſſiren und Gießen das Hauen und Schnitzen mit zur Huͤlfe kommen kann. Auf jedem dieſer 3 Wege, des Hauſens, Boſſirens und Gießens, koͤnnen ſowohl Statuen, als Basreliefs verfertigt werden. Die Materialien zum Bildhauen— Skulptur— waren und ſind noch —yy — — 195 ‚AIn, a a. Holzarten; g. Elffenbein— des Phidias olym⸗ ht das piſcher Jupiter war von Elfenbein, womit tereogra⸗ ein hoͤlzerner Kern uͤberlegt war;— Wache, p. Steine, Marmor, Granit, Ba⸗ codelliren ſalt, man ſetzte auch aus mehrern Stuͤ⸗ auch in cken, die mittelſt eines Kitts— Aoxozaa— un muſ verbunden wurden, Statuen zuſammen; cheiden: 3. Erz. Zum Gießen diente Metall. tterielle Die Alten hatten beſondere Miſchungen, die ſich mittelſt chemiſcher Analyſe muͤß⸗ eit und ten erkennen laſſen. *. Zur Plaſtik und zum Boſſiren da bein brauchte man Thon, terra cotta, Porzel⸗ ſo auch lan. Die alten Etrusker waren darin lſt un— große Meiſter; Auch ganze Statuen BGießen werden boſſirt. Gyps wird mehr ge⸗ nmittel goſſen.— bar der Die Werke ſelbſt unterſcheiden ſich: ehl auch 1. an Groͤße, „Haun a. koloſſal— der Koloß von konner Rhodus, ehern, 150 Fuß hoch, fabel⸗ ege, di haft,— ießen b. gleichmäßig— eixoymo, ayaA- 7— Daeiie e. klein— sigilla— alien zan 8 8 Kren un 2. an Inhalt, a. einfache: N 2 ·. Statuen mannigfaltig beklei⸗ det oder nackt, ſitzend, liegend, ſtehend, ruhig oder thaͤtig, 8. Buͤſten, 7. Hermen. b. zuſammengeſetzte Gruppen oft, zumal in Basreliefs, aͤußerſt ge⸗ draͤngt voll. B. Das Aeſthetiſche, worauf eigent⸗ lich hier alles ankoͤmmt; es beſteht in ſchoͤner richtiger Darſtellung intereſſanter Sujets. Geſchichte der bildenden Kuͤnſte. Nichts von Erfindung, denn die iſt tauſendmal gemacht. In der griechiſchen Kunſt unterſcheidet man, ob zwar ziem⸗ lich willkuͤhrlich, 4 Epochen: 1. die des aͤltern Styls, bis auf Phi⸗ dias 450 vor Chriſto; 2. die des großen und hohen Styls, bis auf Alexander den Großen 350 vor Chriſto, oder bis auf Praxiteles; 3. die des ſchoͤnen Styls, vom Pra⸗ xiteles bis auf den Anfang der roͤmiſchen Monarchie; 4. die des verfallenden Styls. ————————— ————————ÿꝛxx, ——Q—Qÿ⏑—B—L—L—;O—V—:—:—BO:—F—:—:—:·—-—Q——QOB᷑ñ;ñU=ę˖ͦ˖jp———— — ig beile nu In dem zweiten Zeitalter hob ſich die Kunſt ſchon ſehr in und durch die Kunſtſchulen in Sicyon, Korinth und Aegina. Der Geſchmack der Griechen Ernnun ward durch Meiſterwerke erweckt, und be⸗ uut 3 geiſterte wieder Kuͤnſtler. Erſtaunlich haͤu⸗ ſiger und ehrenvoller Gebrauch wurde heigan von Kunſtwerken g macht, zum Schmuck 25 und zu Geſchenken, an Tempeln, an oͤffent— ſht in lichen Gebaͤuden, an Privatwerken und reſſanter im Zimmerſchmuck. Phidias Meiſterwerke waren: der olympiſche Jupiter von El⸗ Küͤnft. fenbein, und die Minerva auf der Akro⸗ polis. Die bekannteſten Kuͤnſtler des mn diei hohen Styls waren Alkamenes, Agorakri— ſeciſhen tus, Polyklet, Myron, Skopas. Des dat ziem⸗ Praxiteles Meiſterwerk war eine Venus. In ſein Zeitalter gehoͤren Lyſipp, Chares ui Phi⸗ und Laches.— Die Roͤmer haben wenig ſelbſt ge— Styli macht, aber griechiſche Kuͤnſtler, die ſich 350 bor nach Rom wandten, beſchaͤftigt; auch hatten ſie eine große Menge von Sta— om Pio tuen. Das Kapitol, vornehmlich die romiſche daſelbſt befindliche Cella Jovis, die Arca capitolina, das Comitium, die Rostra wa⸗ 6. ren zahlreich mit Statuen beſetzt, daher Waͤchter— PTulelarii und an Tempeln 1 4 5 ————— Aeditui— welches Waͤchteramt hernach obrigkeitlich wurde. Der Senat, und ſelbſt Municipien, errichteten zu Ehren der Kai⸗ ſer oder aus Schmeichelei Statuen. Ueberreſte. Trotz der vielen Zer⸗ ſtoͤrungen hat man doch ſeit der Wieder⸗ herſtellung des Geſchmacks viele Kunſtdenk⸗ maͤler aufgefunden, geſammelt und be⸗ ſchrieben. Die wenigſten aber ſind un⸗ verſtuͤmmelt oder unbeſchaͤdigt gefunden; man hat ſie daher ergaͤnzt, in welcher Arbeit Cavaceppi am gluͤcklichſten geweſen. Auch iſt ſelbſt der Unterſchied der antiken Werke von neuern, und vollends die Be⸗ ſtimmung des Kuͤnſtlers, der ein antikes Werk gemacht hat, trotz mancher Inſchrift hoͤchſt unſicher. Die beruͤhmteſten von noch vorhande⸗ nen Denkmaͤlern ſind in Eſchenburgs Handbuch der klaſſiſchen Literatur er⸗ waͤhnt. Was die Bildgraäͤberei insbeſon⸗ dere betrifft, ſo arbeitet ſie in Metall, Elfenbein, Muſcheln, Kryſtall, und vor⸗ nehmlich in Edelſteinen, wo die Kunſt Steinſchneidekunſt, und ihre Werke Gemmen heißen. hernacd ind ſelbſt der Kai⸗ en. len Zer⸗ Wieder⸗ unſtdend und be⸗ ſind un⸗ funden; welcher geweſen. „antiker die Be⸗ antikes Inſchrit rhande⸗ denburgs atur er⸗ insbeſon⸗ Metal, und vor, de Kunü re Vit 199 In Anſehung der Materien, die den griechiſchen und roͤmiſchen Kuͤnſtlern dien⸗ ten, iſt zu merken, daß die neuere Na⸗ turgeſchichte Steine mit alten Namen nennt, unter welchen ſich die Alten oft etwas ganz andres dachten. Ob die Al⸗ ten in Diamant geſchnitten, iſt ungewiß, auch die Politur dieſes Steines wußten ſie nicht, oder ſie hatte ſich verloren, bis 1476 Ludwig von Berguen aus Brixen ſie wieder erfand. In den Steinen ſind nun die Figuren entweder vertieft, oder hervorragend geſchnitten. Jene heißen Intaglios— gravures en creux, gemmae diaglyphicae,— dieſe Camei — camées, gemmae ectypae, exscalptae, anaglyphicae.— Die Alten ſcheinen in der mechaniſchen Behandlung Vortheile gehabt zu haben, die den Neuern unbe⸗ kannt ſind, daher die große Reinheit, Tiefe, Freiheit, Glaͤtte des Schnitts. Indeſſen haben manche neuere Kuͤnſtler die Alten vom zweiten Range darin ſo uͤbertroffen, daß es nicht immer leicht iſt, die aͤchten antiken Gemmen von neuen zu unterſcheiden. Im Aeſthetiſchen aber eichnen ſich die antiken Gemmen aus durch Schoͤnheit der Zeichnung, weiſeſte —————y———— 2——— —O——— —y—j —— 200 und edelſte Zuſammenſetzung des Ganzen, angenehmſte Mannigfaltigkeit des In⸗ halts ſowohl, als der Darſtellungsar⸗ ten.— Die Beſtimmung der Gem⸗ men war a. zu Siegeln, auch ſtatt der Schluͤſſel, b. zum Schmuck. Zu beider Abſicht wurden ſie gewoͤhnlich in Ringe gefaßt. Unter die beruͤhmteſten der alten Steinſchneider gehoͤren Pyrgoteles, der einzige, der Alexanders Bildniß in Stein ſchneiden durfte; auch mit Sostra⸗ tus Namen ſind einige der ſchoͤnſten noch vorhandenen Gemmen bezeichnet. III. Ordnende Kuͤnſte. A. Schoͤne Baukunſt. Baukunſt iſt die Wiſſenſchaft, ein Gebaͤude dauer⸗ haft oder feſt, ſchicklich, zweckmaͤßig, wohl⸗ feil und ſchoͤn aufzufuͤhren. Sie iſt theils die gemeine oder mechaniſche, und dieſe begreift I. die gute und feſte Zuſammenſetzung der Baumaterialien, 2. die Anordnung der gewoͤhnlichſten und einfachſten Gebaͤude, und 3. die Geſchicklichkeit, den Bau aufs wohlfeilſte zu vollfuͤhren; theils die ge⸗ 201 14 lehrte oder ſcho ne Bauku n ſt, wel⸗ elungr che beſteht in Erfindung vollkommner Ge⸗ 4il baͤude aller Arten, beſonders der großen der Em und wichtigen.— Staͤrke, aͤußere Form, und ſelbſt die aͤußern und innern Ver⸗ Scüſſt haͤltniſſe und Verzierungen muͤſſen in ihr aus der Beſtimmung des Gebaͤudes mit ewihulih Urtheil und Geſchmack feſtgeſetzt werden. lteſten der rgoteles, Arten der Gebaͤude aber ſind: dniß in a. Wohnhaͤuſer, gemeine, mittlere, Sostea. praͤchtige, ſten noch b. oͤkonomiſche zu ſtaͤdtiſchen und laͤnd⸗ . lichen Gewerben, c. oͤffentliche Gebaͤude, d. Gebaͤude, worin Maſchinen befind⸗ te. Baukunſt lich ſind, e dauere e. Bruͤcken, Schleuſen, Kanaͤle ꝛc. g, wohl Der Plan eines jeden Gebaͤudes iſt, iſt theils es zu entwerfen nach den Forderungen der he, ud Feſtigkeit, Zweckmaͤßigkeit und Schoͤnheit. ꝛenſebung I. Feſtigkeit, die theils materiel, ’ von der Beſchaffenheit der Materialien, hulichn der Bauſteine und des Noͤrtels, des Bauholzes und der Metalle abhaͤngig, Bau ufß theils mechaniſch, d. i. von der Zuſam⸗ de ge⸗ menſetzung der Materialien abhaͤngig, iſt. 202 Die letztere entſteht durch das Gleichge— wicht des Drucks und Gegendrucks aller Theile eines Gebaͤudes, vermittelſt ihrer Verbindung ſowohl unter einander, als mit dem Grunde. Hiezu ge⸗ hoͤrt . der Grundbau in allerlei Boden— NB. Es iſt gut, wenn der Grundbau zu⸗ gleich gemacht wird, und erſt ſich im Ganzen ſenkt, ehe das Gebaͤude aufge— fuͤhrt wird; 5. Feſtigkeit des obern Mauerwerks, als der Gewoͤlbe; y. mechaniſche Feſtigkeit des Zimmer— werks, z. E. an Kuppeln oder Danen. 2. Zweckmaͤßigkeit, wozu gehoͤrt a. das Anſehn von der Außenſeite, b. die Nebeneinanderſtellung der Haupt⸗ theile, c. die innere Einrichtung, Verbindung der Zimmer in jeder Etage, a. unter einander mit der Kuͤche, Ge⸗ ſindeſtube, Garderobe, Souterrain; 6. der Etagen, Treppen, Halbgeſchoß, belle étage; „. Dach, Dachſtuben, Oeil de boent. Mansarde. +———:— 203 Gleiche 3. Schoͤnheit. Dieſe iſt cks alle a. negative, daß alles im Gebaͤude ſſt ihrer feſt, bequem, angemeſſen dem Zweck und ander, der Beſtimmung ſey, ſezn ge⸗ b. poſitive. Die Schoͤnheit eines Gebaͤudes beruht doden— mit auf der Zweckmaͤßigkeit und Feſtigkeit, dbau zu⸗ fordert aber uͤberdem, daß kein Theil zum ſich im Schaden des Ganzen hervorſtehe, noch aufge⸗ Mangel und Unvollkommenheit die Auf⸗ merkſamkeit ſtoͤre, und daß kein Theil zerwerks, oder Zierrath da ſey, der nicht eine be— ſtimmte Abſicht habe. Alles Unnuͤtze, Un⸗ 3 zimmer beſtimmte, Widerſprechende, Verworrene danen. iſt zu vermeiden.— Das Gebaͤude in gehoͤt dieſer Hinſicht muß haben: ſeite, I. Einfachheit, d. i. nichts Ver⸗ Hauyt⸗ worrenes, 2. Einheit, d. i. alles muß ſich auf 9 dindung einander beziehn, 1 3. Ganzheit, d. i. es muß nichts iche, Ge fehlen, 4 9. 4. Gleichfoͤrmigkeit, Symme⸗* ktrſciß trie. Dieſe geht auch auf die Ueberein⸗ 8 ſtimmung des ganzen Gebaͤudes, mit ſei⸗ de Neus ner Beſtimmung, ſo wie auf das Gleich— 2 gewicht der einzelnen Theile in Abſicht auf die Verzierung. 204 In dieſen Stuͤcken beſteht die we⸗ ſentliche Schoͤnheit. Die zufaͤl⸗ lige aber beſteht in den, dem Charakter des Ganzen gemaͤßen, Verzierungen. Zu dieſen Verzierungen haben uns die Alten eine Menge ſchoͤner Maaße hinterlaſſen, die unter dem Namen der Saͤulen⸗ ordnungen bekannt ſind. Zur Saͤule gehoͤrt: 1. Der Saͤulenſtuhl, und dieſer be— ſteht aus dem Grundſtein, dem Wuͤr— fel, dem Deckel oder Simſe; 2. der Schaft; 3. der Knauf; 4. das Gebaͤlke, beſtehend aus dem Architrab, dem Fries oder Barten und dem Kranz oder Karnies. Die meiſten Theile beſtehen aus Glie— dern von verſchiedner Figur, ebenen und runden, theils erhoben, theils hohl, theils geſchweift, und von verſchiedener Groͤße. Zum Maaßſtabe braucht man den halben Durchmeſſer des Schafts, unten am Fuße; er heißt Modul. Man zaͤhlt der Saͤulenordnungen fuͤnfe, naͤmlich die Tos⸗ kaniſche, Doriſche, Joniſche, Korinthiſche und Roͤmiſche. Sie unterſcheiden ſich theils nach dem Maaße der Hauptthelle, — 205 die we⸗ theils nach der Menge und Groͤße der e zufaͤl— Nebentheile. Eine Gothiſche Ordnung Charakter findet ſich an dem Marienburger Schloſſe. uann. 30 Vignola giebt der Toskaniſchen Saͤule die Aten 14 Modul, der Doriſchen 16, der Joni⸗ inetaſ, ſchen 18, der Korinthiſchen und Roͤmi⸗ Säͤnlen. ſchen 20. Dem Saͤulenſtuhl giebt er den zur Eiut dritten Theil der Saͤule zur Hoͤhe, dem Gebaͤlke den vierten. Scamozzi wieder ditſe be anders.— Ein Gebaͤnde, das auch keine en Vuͤr Saͤulen oder Wandpfeiler hat, gehoͤrt 3 doch gleichſam zu einer gewiſſen Ord⸗ nung, wenn die Verhaͤltniſſe der Theile mit den Verhaͤltniſſen in dieſer uͤberein⸗ ſtimmen, und die Zierrathen eben daher entlehnt ſind. Gekuppelte Saͤulen haben kein freies Anſehn. Karyatiden, d. i. weibliche Bildſaͤulen, welche die Griechen zur Unterſtuͤtzung eines Gebaͤlkes brauchten, weil ſie dadurch das Anden⸗ ken der an den Einwohnern von Ka⸗ d aus dem er Barten aus Glie⸗ enen und öol, theid er Gi rya fuͤr deren Treuloſigkeit ausgeuͤbte en hilen Strafe erhalten woll ten, ſind in un— unten an ſern Zeiten unſchicklich; ſo wie auch die näͤglt Perſer, eine Nachahmung der Karyati⸗ de8s den.— Sehr gebraͤuchlich war bei den M oritzſ Alten der Portikus ,eine Saͤulenlaube, L d. i. ein bedeckter Gang zwiſchen zwei Hauptthelle⸗ 206 Reihen Saͤulen, oder zwiſchen einer Wand und einer Reihe Saͤulen. Die Baukunſt bluͤhte am ſchoͤnſten in Griechenland und Italien, und ſo viele auch von ihren Werken zerſtoͤrt ſind, ſo haben ſich doch die erſtaunungswuͤrdigſten Monumente und Mnſter noch erhalten. B. Schoͤne Gartenkunſt. Der Zweck dieſer Kunſt iſt, einer Gegend alle landſchaftliche Annehmlichkeiten zu geben, deren ſie nur faͤhig iſt. Sie fordert 1. ein Studium deſſen, was an na⸗ tuͤrlichen Landſchaften gefaͤllt, und 2. Beurtheilung, wie ſich die laͤndli⸗ chen Schoͤnheiten am beſten fuͤr einen ge⸗ gebnen Bezirk auswaͤhlen und zuſammen⸗ ſetzen laſſen. Die Auswahl beſtimmt ſich zunaͤchſt durch den Naturcharakter einer Gegend; dabei findet aber Idealiſirung ſtatt, ſo wie auch bei der Zuſammen⸗ ſetzung keine aͤngſtliche Regelmaͤßigkeit ein⸗ treten muß.— Zu den laͤndlichen Schoͤu⸗ heiten laſſen ſich gar wohl geſellen Werke der Baukunſt aller Art, und der Skulptur. Verſchiedener Geſchmack herrſcht in der Gartenkunſt: 1. der franzoͤſiſche liebt abgezir⸗ kelte Blumenſtuͤcke und Alleen; iner Tan ponſten in dſo viele t ſid, ſo swütdigſen erhalten. nſt. De Hegend all zu geben dert as an na und die laͤndi⸗ t einen ge zuſamma ftimmt ſ kter einen dealiſitung Zuſamme pigkeit en hen Sci“ ellen Vei e Skultt ſcht in d dit ugir 3 — 207 2. der hollaͤndiſche kolorirte Gaͤn⸗ ge, Pfauen und Affen aus Buchsbaum; 3. der engliſche iſt romantiſch und kommt der Natur am naͤchſten. Unter den ohne das Mittel der Spra⸗ che und beſonders auf den Sinn des Ge⸗ ſichts wirkenden Kuͤnſten nehmen den zweiten Platz ein die, welche Schoͤnheit in den Bewegungen und Stellungen des Koͤrpers hervorbringen. Dieſe ſind: A. Orcheſtik oder Tanzkunſt. Das Aeſthetiſche liegt: 1. in Bewegungen, theils a. was die Linien, die auf dem Bo⸗ den, und die Richtungen, in denen ſie be⸗ ſchrieben werden, theils b. was den Takt oder die Zeitmaaße der Bewegungen einzelner ſowohl als mehrerer gruppirter Perſonen betrifft; 2. in den Stellungen und Haltungen, und 3. in den Geberdungen des Koͤrpers. Die Geberdungskunſt iſt die eigent⸗ liche Mimik, die man von der Tanz⸗ kunſt unterſcheiden muß, weil ſie fuͤr ſich allein beſtehn kann, nehmlich auch ohne Tanz, wiewohl ſie mit Tanz ver⸗ 208 bunden werden kann, da ſie denn das Ballet der Neuern ausmacht. Bei den Griechen war der Tanz durchaus charakte⸗ riſtiſch, und die Choregie eine Art Gottesdienſt. Sulzer meint, es koͤnnten noch wohl durch Tanz manche gute und erhabene Vorſtellungen ausgedruͤckt wer⸗ den. Aber jetzt dient der Tanz nur zur Beluſtigung und vornehmlich auf Thea⸗ tern zum ergoͤtzenden Zuſchauen.— Das Wohlgefallen am Zuſehn des Tanzens entſpringt theils aus der Schoͤnheit der Bewegungen nach Figuren oder Zeitmaaß und Gruppen, theils aus Sympathie. B. Mimik. Siie gruͤndet ſich auf die Analyſe der Geberden nach ihrem Be⸗ deutenden und Schoͤnen. Darſtellung ganzer Dramen durch bloße Geberden iſt Pantomime. Mit Deklamation ver⸗ bunden tritt die Mimik im Schau⸗ ſpiele auf. Die Schauſpielkunſt beſteht naͤmlich: a. in der richtigen und ſchöͤnen Geberdung und b. in dem richtigen und ſcho⸗ nen Ausſprechen— Deklamiren— weſches letztere auch eine Art Mimit iſt, naͤmlich eine in Abſicht 1. auf 299 enn des I. auf Staͤrke und Sachtheit, Bei den 2. auf Modulation und Schnelle, harakte⸗ 3. auf Modulation und Interpunktion. ne Art Die Tanz⸗ wie die Schauſpielkunſt ſind könatn zuſammengeſetzte Kuͤnſte. Die Tanz⸗ oder gute und aͤſthetiſche Selbſtbewegungs-Kunſt kann ickt wer zwar fuͤr ſich allein beſtehn, iſt aber voll⸗ nur zur kommen erſt in Verbindung mit der Mu⸗ f Thea⸗ ſik, welche ſie lenkt, und die Bedeutung — Dr der ſichtbaren Bewegungen auch fuͤr das Tonzens Gehoͤr ausdruͤckt. Die Schauſpielkunſt nheit de iſt an ſich ſchon zuſammengeſetzter Natur eitnaa und vereinigt ſich in den Balletten mit tthie der Tanzkunſt und Muſik. Bei den al⸗ ſch auf ten Griechen waren die Kunſt des Tan— rem De⸗ zes, der Muſik und des Geſanges nie fkellung von einander getrennt. tden iſt Die ſchoͤne Kunſt, welche auf den on der⸗ Sinn des Gehoͤrs wirkt, iſt die Schau Tonkunſt oder Muſik. t beſtih Sie iſt die Theorie des Angenehmen und Schoͤnen in unartikulirten Toͤnen ſchoͤnen— nicht Lauten, nicht Schaͤllen.— Sie theilt ſich in 1. Harmonik und ¹ 9 2. Melodik— Melopoeie;— Kom⸗ Mi⸗ f poſition, Vortrag. Nind III. 0 J. auf 210— 1. Harmonik iſt einer ganz mathe⸗ matiſchen Behandlung faͤhig. Denn a. Sie ſetzt feſt die beſte Tonleiter— Skala— oder Syſtem;— b. Sie beſtimmt die verſchiedenen Tonarten; c. Sie lehrt, was gleichzeitig hervor— gebrachte Toͤne— Accorde ſowohl, als hinter einander folgende— Folge der Ak⸗ korde— nach ihrer Verſchiedenheit fuͤr verſchiedene Wirkung thun— General⸗ baß.— 1 2. Melodik handelt von dem Schoͤ⸗ nen des Geſanges, oder der Hauptſtimme fuͤr ſich allein, und in Verbindung mit mehrern Stimmen— Duett, Terzett— auch mit der Inſtrumentalbegleitung. Ihr Inhalt iſt a. Eigenſchaften und Wirkungen des Takts; b. Eigenſchaften einer Melodie in Ab— ſicht auf Rhythmen, Perioden und Figu— ren des Geſanges; c. ſchoͤne, d. i. nicht blos richtige, ſondern auch treffende, bedeutende Aus⸗ druͤckung beſtimmter Empfindungen— muſikaliſche Gedanken— die den Geiſt der Melodie und Muſik ausmachen. un- 3 manhe enn eiter— hiedenen F hervor⸗ öhl, ale der N. heit füͤt Heneral⸗ imn Sch⸗ ptſtimme dung mit erzett- ng. Ih gen des ſe in” ud Fiol⸗ richtige ende A— mgen den Geiſ hen 211 d. Unterſuchung uͤber verſchiedene Ar⸗ ten der Geſaͤnge und Kompoſitionen, Ver⸗ ſchiedenheit des Styls nach ihrem Zweck, Kirchenſtyl, Opernſtyl, Konzert, Sympho⸗ nie, Rondeau ꝛc.. Zum Komponiren gehoͤrt uͤberdem zweckmaͤßige Wahl der Inſtrumente, und der Begleitung, die die Melodie nur un⸗ terſtuͤtzen und hervorheben, nicht begra— ben, uͤbertoͤnen, verdunkeln ſoll.— Das hoͤchſte Produkt der Harmonik iſt eine Fuge, der Melodik eine Oper oder ein Oratorium. Die durch das Mittel der Rede wir⸗ kenden Kuͤnſte nennen wir ſchoͤne Re⸗ dekuͤnſte, von deren Grundſaͤtzen im All⸗ gemeinen wir reden wollen. Der Zweck alles Vortrags iſt, zu be⸗ wirken, daß der Zuhoͤrer oder Leſer deſſel⸗ ben eben das denkt, was ich denke, und es eben ſo denkt, wie ich es denke. Sein erſtes Erforderniß iſt demnach das Selbſt⸗ denken. Die Art und Weiſe, wie wir etwas uns vorſtellen, begreifen, zuſammendenken, iſt unſere Denkart. Die Art, wie bei unſern Vorſtellungen, Begriffen und Ge— danken oder auch ohne ſie, Luſt und Un⸗ 9 2 — 1 212 luſt, aͤußere Begehrungen oder Verab⸗ ſcheuungen, ſich in uns regen, iſt unſere Gemuͤthsart— Empfindungsart.— Die Art und Weiſe, wie wir unſere Vorſtellungs⸗, Empfindungs⸗ und Begeh⸗ rungsart aͤußern, iſt der Styl— Redart oder Schreibart. Bei Schriftwerken kommt in Be⸗ tracht: 1. Die Materie oder der Inhalt, d. h. Gedanken, Empfindungen und Be⸗ gehrungen; 2. die Art dieſen Inhalt zu ordnen und zu verbinden, und 3. ihn zu bezeichnen und auszu⸗ druͤcken und in dieſem letztern beſteht eigentlich der Styl. Aber auch von dem Inhalte gehoͤrt etwas zum Styl. Naͤmlich alle Gedanken und Ausdruͤcke, welche in der Materie ſelbſt und in ihr allein ſchon liegen, der Verfaſſer ſey da— bei von welchem Charakter und von wel⸗ cher Seelbeſtimmung er wolle, gehoͤren lediglich zum Inhalte des Werks. Aber ſofern der Verfaſſer in dem Gegenſtande zugleich ſich ſelbſt darſtellt, die ihm eigen— thuͤmliche Art zu erkennen, zu empfinden, zu begehren ausdruͤckt, es mag dieſe Art —2—=— g.———— —————— 213 Dan ihm uͤberhaupt eigen, oder in Hinſicht ſt unſene auf beſondere Materien nach ſeiner jedes⸗ at.— maligen beſondern Gemuͤthslage beſon⸗ unſete ders eigen ſeyn, ſo gehoͤrt dieß mit zur d Den Schreibart. Die Lehre vom Styl be⸗ Nedat faßt alſo nicht blos die aͤußere Schreib— art— den Ausdruck— ſondern auch in Be⸗ die innere Art der Gedanken⸗Bildung und Verknuͤpfung. Inhalt, Der Styl iſt verſchieden und Be⸗ A. nach den Abſichten des Vor⸗ trags, welche ſind: halt zu a. Belehrung und Ueberzeugung; „und b. Ueberredung;— auszu⸗ c. Ruͤhrung; en beſteht d. Unterhaltung der Einbildungskraft; zuch von c. Beluſtigungen ꝛc. n Styl. B. nach dem beſtaͤndigen Cha⸗ dnsdruͤckt rakter, oder der jedesmaligen Lau⸗ ad in i ne des Schreibenden, bei jeder dieſer Ab⸗ et ſy de ſichten. So kann der Styl ſeyn, diffus, von we conciſe, ſchwach, ſtark, trocken, bluͤhend, „ gehöre ſchwer, plan, nette, elegant ꝛc. ks. Ahr Die Vollkommenheit der Schreibart egenſud beſteht uͤberhaupt in ihrer Uebereinſtim⸗ Un imn mung als Mittel zum Zweck. Der all⸗ enrinden gemeine Zweck aller Rede⸗ und Schrift⸗ Mheg werke iſ, —. 2 ———————;——— 214 I. verſtanden zu werden, und zwar 2. mit Wohlgefallen, ſowohl negati⸗ vem als poſitivem, naͤmlich ohne Unluſt, und mit wirklicher Luſt. Dite allgemeine Etgenſchaft des voll⸗ kommnen, d. i. ſeinem Zwecke angemeſ⸗ ſenſten Styls, iſt folglich I. Verſtaͤndlichkeit, 4 2. Schoͤnheit, Wirkſamkeit. Alſo treffen zuſammen Erforderniſſe des Ver⸗ ſtandes und Geſchmacks, da denn die erſteren nie fehlen duͤrfen, die letzteren ohne die erſteren aber nie ſtatt haben koͤnnen. Bei allen Schriftwerken— und Vor⸗ traͤgen— kommt es auf drei Haupt— punkte an: I. Auf das Quid?— Invention und Meditation— beſtimmt wiſſen, was man ſagen, und was fuͤr eine Abſicht man er⸗ reichen will, iſt das Erſte. Es muͤſſen die Gedanken mit der Natur der Sache, der Ausdruck mit den Gedanken ſtimmen. Ueberzeugende, anſchauliche, gefuͤhlvolle Conception der Sache, und natuͤrliche, richtige und kraͤftige Ausdruͤckung und Darſtellung muß zuſammen ſeyn. Was zur Erreichung der Abſicht nichts beitraͤgt, ——Q⏑Q⏑——:— —,—.,—— ——— ———.⸗, d zwat lnegati Unluſt, des vol⸗ angem it. N des Vet⸗ denn die e letzteren att hoben und Vor⸗ Hauyr⸗ tion und vas man man er⸗ nüſſen die ache, der ſtmmen. efühlvole natüͤrlice eung Und n. Pas bäitragt 215 oder gar ihr hinderlich iſt, muß, ſo ſchoͤn es ſonſt ſeyn mag, wegbleiben; aber es ſoll auch nichts, was dazu dient, uͤber⸗ gangen werden. Je beſtimmter, richtiger, klarer man das Ganze ſowohl als ſeine Theile gedacht hat, deſto richtiger, nach— druͤcklicher und deutlicher wird auch die Darſtellung. 2. Quo quidque loco, auf die Dispo⸗ ſition, daß die Theile gehoͤrig auf und aus einander folgen, wo jedes Argument an der Stelle ſteht, wo es am wirkſam— ſten iſt, zum Zwecke des Ganzen. 3. Quomodo— auf Diktion und Kom⸗ poſition, daß alles ſo, und in der Verbin— dung geſagt iſt, wie es am deutlichſten, faßlichſten, kraͤftigſten, wohlgefaͤlligſten fuͤr den Leſer und Hoͤrer ſeyn muß. Der Styl geht eigentlich nur auf dieſes dritte Stuͤck, und ſetzt alſo, was die beiden er— ſtern fordern, voraus, naͤmlich Meiſter der Sachen ſeyn, und die Sprache voͤllig in ſeiner Gewalt haben. Die vollkom— menſte Schreibart iſt die, welche die groͤßte Fuͤlle von richtigen und intereſſanten Ge⸗ danken am ſchnellſten und anfrs leichteſte und lebendigſte in die Seele bringt. Der Leſer und Zuhoͤrer muß ohne allen An⸗ 216⸗ ſtoß, ohne den Ausdruck und die Worte zu bemerken, gleichſam unmittelbar alle Gedanken des Schreibenden, und zwar mit der groͤßten Klarheit, Leichtigkeit und Luſt ſelbſt denken, ſo wie jener ſie ſich gedacht hat. Daraus ergeben ſich die Erforderniſſe in Abſicht auf Diktion und Kompoſition oder Bau der Saͤtze. Die Diktion muß ſeyn in der beſten herrſchenden Schrift⸗ und Umgangsſprache, rein, ſprachrichtig und ſchicklich. Außerdem iſt ſie anſtoͤßig wegen Barbarismen, Soloͤcismen— Feh⸗ ler im Syntax— Vulgarismen— un— edeln Ausdruͤcken.— Dieß ſind aber nur die negativen Tugenden der Diktion. Die affirmative iſt, daß ſie treffend— angemeſſen, beſtimmt— ſey, d. i. nichts anderes, nichts mehreres, nichts wenige— res, als das ſage, was geſagt werden ſoll, und dieß aufs kuͤrzeſte, lebhafteſte und genauſte. Die Kompoſition oder der Bau der Saͤtze erfordert Klarheit, Einheit und Faßlichkeit, Staͤrke und Lebhaftigkeit, Harmonie und Numerus oder gehoͤrige Wahl und Abwechſelung der Perioden und einfachen Saͤtze. — —— Vort bar all d zwat keit und ſe ſch orderniſſe npoſition lion muß Schrift⸗ achrichtig anſtoͤßig n= Fec⸗ g— un— ſind aber Diktion. effend— i. nichts wexige⸗ t werden lebhafteſt Bau der üheit und bhaftigkel e gühöni Prroden ——;—ͦ—ͦ —— 217 A. Die Diktion deutſcher Wer⸗ ke der Redekunſt alſo muß ſeyn: 1. Rein hochdeutſch demnach frei, a. von Archaismen, ſowohl in Woͤrtern als Redensarten und Wendungen. Wie jede lebendige Sprache, ſo auch die deutſche, entladet ſich mancher Ausdruͤcke, theils unbedingt, wenn dieſe Ausdruͤcke etwas Verſtuͤmmeltes oder in Abſicht auf Abſtammung Unkenntliches, oder etwas Widriges, Anſtoͤßiges in Form oder Klang haben; theils bedingt, wenn andere beſ⸗ ſere, ſinnverwandte oder ſinnaͤhnliche an die Stelle kommen. Aber viele Aus⸗ druͤcke veralten unverdienter Weiſe, und ſind manchmal treffender als eder andere Ausdruck. Der Dichter und Komiker reizt durch ſie zur Aufmerkſamkeit. Im Gerichtsſtyl und Kanfleiſtyl findet man ſie am meiſten; doch ſind die hier vor— kommenden in den edlern Styl nicht zu— zulaſſen. b. Von Provinzialismen und Vulgarismen, im Genus, in Be⸗ zeichnungsarten und in eigenen Woͤrtern und Wendungen. Aber die Schriftſprache kann dadurch noch bereichert werden. 213 c. Von Peregrinismen; Lati⸗ nismen, als: Es fehlte ſoviel, daß er ſich haͤtte erbitten laſſen, daß er mich viel⸗ mehr grauſam behandelte; die ſie aus dem naͤmlichen Jahrhunderte zu ſeyn ur— theilten ꝛc., Gallicismen, als: Er machte ihn tanzen ꝛc. Aber man kann den Purismus in Worten zu weit trei⸗ ben, indem man fuͤr fremde Ausdruͤcke ſolche deutſche braucht, die unverſtaͤndlich und ſchielend, und fuͤr die Aufmerkſam⸗ keit ſtoͤrender ſind, als fremde, z. B. ſtatt Sansculotte— Baarſchenkler, ſtatt Kon⸗ ſul— Volksberather.„ d. Von Neologismen; fuͤr neue Begriffe und Modiſikationen von Begrif⸗ fen iſt es wohl beſſer, neue Ausdruͤcke zu praͤgen, als Homonymen zu haͤufen, oder Umſchreibungen zu brauchen. Der neue Ausdruck muß aber verſtaͤndlich, wohlklin⸗ gend und kurz ſeyn. 2. Sprachrichtig, d. i. dem Sprach⸗ gebrauch gemaͤß und analog. Dieſer, ſo⸗ 4 fern er von dem Sprachgebrauch anderer 1 Voͤlker abweicht, macht das Eigenthuͤm— liche— den Genius— ſofern er in einzelnen Faͤllen abweicht, die Eigenheiten — Idiotismen— der Sprache aus Lati daß en ich viel⸗ ſe aus ſeyn ur⸗ al: Er an kann eit trei⸗ usdruͤcke raͤndlich nerkſam⸗ B. ſtatt att Kon, fuͤr neue Begrif ricke zu /, odet e neve ohlklin⸗ Sorach ſer, ſ anderer enthün⸗ n er in enheiten che aud — 8 — in der Syntax oder Konſtruktion, wie in der Orthographie. 3. Schicklich, anſtaͤndig und edel, d. i. nicht dem ſittlichen Gefuͤhl, oder dem feinern Geſchmack zuwider, nicht ſchmutzig, poͤbelhaft, ekelhaft, luͤderlich. Abſolut unedel iſt, was unter allen Um⸗ ſtaͤnden anſtoͤßig ſeyn muß; relativ un— edel kann etwas in Hinſicht auf eine be⸗ ſondere Gattung von Schreibart ſeyn. Denn man unterſcheidet den vertrau— lichen— niedern, mittlern und hoͤhern — den glaͤnzenden, bluͤhenden, maleriſchen und naiven Styl. Die Wuͤrde des Styls muß ſich richten, nach dem Stande und der Wuͤrde a. deſſen, der da ſpricht, b. derer, zu denen er ſpricht, c. des Gegenſtandes, woruͤber er ſpricht.— Sinkt er darunter, ſo wird er matt; ſteigt er hoͤher, ſo iſt er hoch— trabend, affektirt. 4. Treffend, paſſend, d. i. er muß beſtehn a. aus eigenthuͤmlichen, beſtimmten, abgemeſſenen, b. vielſagenden, darſtellenden Aus druͤcken. 220 Die Beſtimmtheit im Ausdruck ſetzt voraus, Beſtimmtheit im Denken und tiefe Sachkenntniß. Der uneigent⸗ liche Ausdruck ſagt nicht den rechten Ge⸗ danken, ſondern einen damit verwand⸗ ten, oder er ſagt ihn nicht vollſtaͤndig. Der unabgemeſſene— unpraͤciſe— Ausdruck ſagt den Gedanken nicht rein und ſcharf gezeichnet, ſondern bringt Ne— benvorſtellungen hervor, die den Gedan⸗ ken laxe und ſchwankend machen. Das Untreffende des Ausdrucks verdun⸗ kelt und ſchwaͤcht den Gedanken. Der Ausdruck wird untreffend, wenn man a. unter mehrern Arten der Darſtel— lung, deren ein Begriff faͤhig iſt, dieje— nige verfehlt, welche fuͤr die jedesmalige Abſicht und Stelle, die meiſten und klaͤr⸗ ſten Merkmahle hat, und folglich die be— ſtimmteſte iſt; b. wenn der Hauptbegriff durch Ne⸗ benbegriffe verdunkelt und geſchwaͤcht wird. Auch entſpringt dieſer, dem praͤciſen ent⸗ gegengeſetzte, Styl noch c. aus Ueberfluß von Worten, womit ſchwache Schriftſteller dem Mangel an Praͤciſion abhelfen wollen; —õ———— — 221 ruck ſeit d. aus Fehlbrauch der Synonymen.— ken und Pleonasmus entſteht, wenn zur eigent⸗ Bezeichnung der Gedanken mehr Woͤrter jten Ge⸗ verſchwendet werden, als noͤthig ſind: verwand. Tavtologie aber wiederholt einerlei llſtndin Gedanken mit verſchiedenen Ausdruͤcken, raͤriſe— ſagt daſſelbe zwei⸗ oder mehreremal. Ihr icht rein entgegen iſt gedrungene, fruchtbare Kuͤrze. ngt Ne Aber Praͤciſion muß den Styl nicht kahl Gedan⸗ und trocken machen; ſie laͤßt Fuͤlle und . Das Schmuck zu, und es kommt an auf Ma— derdun⸗ terie und Zweck, wie kurz und gedrungen, . Der oder mit welchem Aufwande an redneri⸗ enn man ſchem Schmuck zu ſchreiben iſt. Das Darſel Treffende entfernt ſich, ſo wie einerſeits t, diej⸗ Ueberfluß, ſo andrerſeits Unvollſtaͤn⸗ esmalige digkeit im Ausdruck vorhanden iſt.— d klät⸗ Dieſe iſt die de⸗ a. grammatiſch, wenn man Parti⸗ keln, Woͤrter auslaͤßt; nch Ne b. logiſch, wenn Begriffe fehlen, ct wird die zum Verſtaͤndniß des Ganzen erfor— ſen ent⸗ derlich ſind; c. aͤſthetiſch, wenn nicht der ganze „voni Gedanke, und mit Wohlgefallen ver⸗ ngel an ſtanden wird. B. Eigenſchaften der Saͤtze in der Kompoſition. Ein Gedanke, ——— 2—— ——— k——,—— 2922 der das Verhaͤltniß zweier Hauptbegriffe, oder des Subjekts und Praͤdikats enthaͤlt, in Worten ausgedruͤckt, iſt ein Rede⸗ ſatz. Die Saͤtze ſind 1. in Abſicht auf die Materie, d. i. die Vorſtellungen, a. einfach, wenn ein Satz blos aus dem Subjekt und ſeinem Praͤdikat be⸗ ſteht, oder b. zuſammengeſetzt, wenn ein einziger Satz aus zwei oder mehr in ihm verbundenen Saͤtzen beſteht.— Beide Arten, die einfachen ſowohl als die zu⸗ ſammengeſetzten ſind dreifach: z. nackte Saͤtze, wenn Subjekt und Praͤdikat ohne alle naͤhere Beſtimmung ausgedruͤckt werden; 8. ausgebildete, wenn Subjekt und Praͤdikat nach ihren Eigenſchaften, Verhaͤltniſſen und Umſtaͤnden ausgebildet werden; 7. erweiterte, wo die naͤhere Be⸗ ſtimmung des Subjekts und Praͤdikats, oder ihres Verhaͤltniſſes, nicht blos durch einzelne Redetheile, ſondern durch ganze eingeſchobene oder angehaͤngte Saͤtze— Nebenſaͤtze— geſchieht. köegife, enthaͤl, Rede⸗ aterit, blos zus dikat de⸗ enn ein in ihm Veide die zu⸗ hjekt und immung Jubjekt haften, gebildet ere Be⸗ adikats, os durch ch gan 25 * 569 Dabe— —O——C—C—ę—F=ꝛ——OQ⏑QS—B—B—L—Z—õ—:—:— 223 2. In Abſicht auf Form, d. i. Gemuͤthslage des Sprechenden, ſind ſie erzaͤhlend, unterrichtend, bit⸗ tend, befehlend, fragend, wuͤn⸗ ſchend, ausrufend. Oft kommen in einem Satze mehrere dieſer For⸗ men vor. Die Zuſammenſetzung der Saͤtze ge⸗ ſchieht durch Konjunktionen, die die Ver⸗ häͤltniſſe bezeichnen.— Wird ein Satz, er ſey einfach oder zuſammengeſetzt, durch Nebenſaͤtze erweitert, und der Sinn ſuspendirt, ſo entſteht daraus eine Pe⸗ riode. Die Wortfolge iſt nicht in allen Sprachen einerlei. Die deutſche folgt darin den Geſetzen des Verſtandes, das Unbeſtimmte geht voran, das Beſtim⸗ mende folgt nach; indeſſen iſt Inverſion nicht nur erlaubt, ſondern auch ſprach⸗ gerecht. In jeder Periode muß geſorgt werden: I. fuͤr logiſche Richtigkeit und leichte Verſtaͤndlichkeit; 2. fuͤr Einheit, d. i. fuͤr die ge⸗ naueſte Verwandtſchaft der Theile; 3. fuͤr Wahl und Anordnung der verſchiedenen Woͤrter und Glieder, 224 daß mit Klarheit und Einheit ſich Schoͤn⸗ heit und Staͤrke vereinige; 4. die Periode muß nicht allzulaug ſeyn, nicht zu viele und zu lange Saͤtze enthalten;— jede Periode laͤßt ſich mit einem Gemaͤlde vergleichen. Aus der Beobachtung dieſer Forderungen, gehn rioden hervor. I. Klarheit, iſt die Eigenſchaft, da der ganze Gedanke rein durch den Sprach⸗ ausdruck hindurch leuchtet. Das Gegen⸗ theil iſt, Undeutlichkeit, Unverſtaͤndlich⸗ ter Sinn, mit Gewißheit, ohne Zweifel und Schwanken, und auf eine leichte Art entnommen werden koͤnnen. Alſo muß. a, in dem Vortrage wirklicher Sinn ſeyn. Einzelne Woͤrter haben eine Bedeutung, aber nicht das, was man Verſtand nennt. Verſtand kann nur in ganzen Saͤtzen und Urtheilen lie⸗ gen, Das Wort Sinn druͤckt das Ge⸗ nus fuͤr Bedeutung und Verſtand aus; entgegen iſt ihm Nonſenſe, Unſinn. Gelehrte ſchreiben oft Nonſenſe, ohne es zu wiſſen, und Leſer leſen Nonſenſe, ohne es b 1 1 — folgende Eigenſchaften gut gebildeter Pe⸗ keit, Unfaßlichkeit. Es muß ein beſtimm⸗ ) Schin zulang ge Saͤtz t ſich mit Aus dei en, gehl ſddeter M ſchaft, d Sprach as Geger⸗ erſtändlic, beſtimu⸗ ne Zweiſt ine leichte n. A eklicher ter haben das, was rand kan teilen l⸗ t das 6 jand ald- Unſinn. e, dhne e enſe oh 225 es zu merken. Man eoͤnnte unter⸗ ſcheiden, a. den redneriſchen und dich⸗ teriſchen Nonſens, deſſen Quelle liegt in der Verworrenheit der Gedan⸗ ken, in Bildkraͤmerei, in Affektation des Koſtbaren, Originalen, Neuen, Witzigen, Tiefſinnigen, kurz des Auſſerordentlichen, z. B. meine Beſinnungskraft war wenig⸗ ſtens 36 Stunden hinter meinem Be⸗ wußtſeyn zuruͤck; Schickſal, du biſt doch ein wunderliches Ding, im Spiele des Knaben finde ich deinen Schattenriß;, wenn eine Ulrika befiehlt, entbloͤßt ſich die noch undurchſuchte Natur in China; wenn das Woͤrterbuch der Zunge eine Luͤcke hat, ſo iſt es Blasphemie, ſie aus⸗ zufuͤllen; ein Chriſt und ein weiſer Mann iſt allemal das, was er iſt— ein Narr auch;— eine Wanne, davon nur we⸗ nige einen Tropfen zu fuͤhlen vermoͤgen und dergl.. g. den wiſſenſchaftlichen gruͤb⸗ leriſchen Nonſens, da Dinge von ſehr verwickelter Natur, ohne Analyſe und deutliche Konception nach dunkeln Gefuͤhlen oder nach Kunſtwoͤrtern quasi gedacht, eigentlich geahnt, und nun III. ꝓ * 1 226— entweder in hochtoͤnenden Phraſen, oder in ſtrenger methodiſcher Form vorgetragen werden, wie viele myſtiſche, ſpekulative, politiſche, kritiſche und artiſtiſche Schrift— ſteller thun. y. den ſaalbadrigen Nonſens, wo mit allgemeinen, ſehr vieldeutigen Ausdruͤcken nichts geſagt, obgleich viel ge— ſchwatzt wird, wie in Poſtillen und man⸗ chen Predigten. b. Es muß nur ein Sinn in dem, was geſagt wird, ſeyn. Alles Zwei⸗ oder Vieldeutige, Schwankende, Ungewiſſe muß vermieden werden. Der Schreibende muß ſeine Vorſtellungen ſo ausdruͤcken und die Ausdruͤcke ſo ordnen, daß gerade die Ge⸗ danken, die er erwecken wollte, und keine andern bei dem Leſer erweckt werden. Die Zweideutigkeit iſt zwiefach: α.. entweder ſind die einzelnen Woͤrter zweideutig— aͤquivoke, homo— nymiſche Ausdruͤcke,— und das ſind die meiſten in jeder Sprache; dieſe muͤſſen nur ſo gebraucht werden, daß der einzige rechte Sinn klar durch die Verbindung mit andern Woͤrtern, in dem Redeſatz beſtimmt werde; * 227 dnnn e. oder die Woͤrter eines Redeſatzes ge werden ſo geſtellt und verbunden, daß etilgti mehr als Ein Sinn herauskommt— Schrit ambiguitas— Der Ambiguitaͤt ſind am meiſten ausgeſetzt konſens a. die Bezugswoͤrter, pronomina ietdetgn relativa, possessiva und personalia. Es c vitl g muß ganz unzweifelhaft, und ganz leicht und man⸗ zu finden ſeyn, auf welches von den meh⸗ reren vorausgegangenen Subſtantiven, win den, ſich dieſe Beziehungswoͤrter wirklich be⸗ zwei, odn ziehn, z. E. zweideutig iſt der Satz: ewiſe mui Ich habe ihn ſchon als Kind gekannt ꝛc. bende mif 6. die gleichlautenden Kaſus en und di— Nominativ und Accuſativ, Genitiv de die Ge⸗ und Dativ— der Nennwoͤrter und Fuͤr⸗ und keine woͤrter; werden. y. viele Beſtimmungswoͤrter, als nur, fach: wenigſtens, doch. Dieſe muͤſſen ſo nzelnen geſtellt werden, daß ſie nicht den Sinn fe, hom⸗ ſchielend oder zweifelhaft machen. as ſind di c. Der Sinn muß leicht faßlich ſſe mͤſen ſeyn; man muß dem Leſer alle Muͤhe der einzig des Verſtehens erſparen, ſonſt geht der getbindung Eindruck verloren.— Alles, was des n Neeſat Leſers Aufmerkſamkeit von dem Inhalt ab auf den Ausdruck ziehet, und ihn gleichſam noͤthigt, den Maͤngeln deſſelben P 2 228 abzuhelfen, iſt Fehler, Verworren⸗ heit, Dunkelheit. Man klage nicht die Verworrenheit und Dunkelheit der Naterie an; denn was man daruͤber zu ſagen hat, muß deutlich und lichtvoll ſeyn. Quellen der Dunkelheit ſind außer der Einmiſchung der Archais⸗ men, Provinzialismen, Peregrinismen, Neologismen, Kunſtwoͤrter und unge— woͤhnlicher Ausdruͤcke, Unbeſtaͤndigkeit im Gebrauch dieſer Woͤrter, ungeſchickte und gar zu haͤufige Participialkonſtruktionen, vornehmlich ungewoͤhnliche Wortfolge und mehrere in einander geſchobene Genitive. Verworrenheit aber, und folglich auch Dunkelheit, in Saͤtzen und Perioden, entſteht aus Mangel an Einheit. 2. Einheit. Vermoͤge dieſer Eigen⸗ ſchaft ſind die Theile einer guten Pe⸗ riode Theile von einem Hauptgedanken, der hervorſticht, und mit dem alle Theile, durch ein einziges Band zuſammenhaͤn⸗ gen. Daraus entſpringen folgende Re⸗ geln: 4 a. Waͤhrend dem Lauf der Periode ſollte die Scene nicht veraͤndert werden, ſondern die Perſon oder Sache, die im hellſten Licht— in casu recto— ſteht, orren. und auf die ſich alles beziehn ſoll, ſollte j nich auch immer im hellſten Lichte bleiben. eit der b. Nie müͤſſen in einen Satz Dinge dtuͤber hineingebracht werden, die zu wenig, oder lihtol gar nicht zu einander gehoͤren. Dieſen elhtit fatalen Fehler zu vermeiden, mache man Archais lieber kleine Saͤtze, jeden beſonders, ob⸗ nismen, gleich dieß auch ein Fehler werden kann. unge⸗ c. Parentheſen, die bisweilen als neu— keit im geborne Einfaͤlle gut ſind, vermeide man, tte und ſie ſind meiſt Raͤder in den Raͤdern. ktionen d. Der Satz, oder die Periode muß lge und einen gehoͤrigen Schluß haben, nicht un— zenitir vollendet ſeyn, aber auch nicht am Schluß j an noch etwas nachſchleppen,. B. kein erioden, Menſch kann ſich ruͤhmen, daß er ſich nie eine Uebereilung, die er vorher an andern Eigen⸗ getadelt hatte, vorzuwerfen gehabt, er ſey en NPe⸗ auch wer er wolle. dune e. Vermeide die Anakoluthie, wenn dhet Nachſatz mit Vorderſatz nicht zuſammen⸗ ſi ſtimmt, und was als Schluß geſagt iſt, dibat kein Schluß iſt, z. B. wenn die Ausfuhr d It der Baumwolle wieder nachgegeben wor— Peryte den, ſo wird ſolches bekannt gemacht. f. Vermeide Gedankenſpruͤnge, Man⸗ manen gel an Zwiſchenſaͤtzen, die ſich nicht leicht 8 ſuppliren laſſen. 2206 g. Vor allen Dingen unterſcheide man Saß und Beweis, und frage bei allen Theilen, wozu ſie in Hinſicht auf an- dere Theile, oder auf das Ganze dienen. 3. Stärke, Nachdruck. Säßke fönnen Klarheit uud Einheit haben, und doch fraftlos ſeyn. Die Stärke hängt ab: a. Negativ: von der Schnelligkeit, womit der Ausdruck die Gedanken in die Seele führt. Regeln dazu: a. entlade die Periode oder den Saß von- allen überflüſſigen Worten. Was nicht hilft, das ſcks. Regel dazu: Bemächtige dich eines Gedankens in ſeiner vollen Klarheit, ehe du an die Einkleidung denkſt; wiſſe erſt ſelbſt recht„“was: du ſa- gen willſt; dann ſiehe zu, ob und wie- fern der Gedanfe zum Ganzen oder zum Zwecke gehöre; und nun erſt wähle den rechten Ausdruck und das gehörige Licht, und glaube nicht, daß der beſte Ausdruck auf den erſten Wurf gelinge, ſondern daß Proſa. ſoviel Mühe koſte als Poeſie. ß. Von dem rechten Gebrauch der Konjunktionen und Rela- tionen, die gleichſam die Nerven der Sprache ſindz 7. von der rechten Stellung der Worte. Das Hauptwort ſtelle dahin, wo es am meiſten auffällt, zuerſt oder aine EEN pr] | 233 Weihen zuleßt; daher Inverſion. Die latei- Gedan, niſche und griechiſche Sprache hat in ſſe von dem Stück viel mehr Ge kehrs Noc< fafo:"dient dazu, jteiche- 3. im climax die Glieder zu ſieigdtn len au und tadeln-€ die Säle mit bedeutenden Worten, und nicht mit Adverbien. und unwichtigen Worten zu ſchließen; auch“- 15 138 3 2. beim Kontraſt und der Verglei- wähtige chung paria paribus referre, aber nicht x vollen] Antitheſen zu häufen. ofleidung| Ueberhaupt dunkle, verworrene Sätze 6 dy ſv entſpringen aus dunfelt, verwirrten Ge- nd wiv|/“danken."Sprache und Gedanfen, Logik Dey zum und Rhetorif wirken auf einmal, 117177008 ZIG 4. Wohlklang. Das Wohlgefallen e Licht, des Ohrs=- auch bei ſtillgeleſenen Schrift- (ugdrud ſtellern= reizt die Aufmerkſamkeit, noch ſondern mehr beim mündlichen Vortrage. Wobhl- 3 Pooſt klang iſt brand a. qualitativer, Sonorität, leicht Rel: auszuſprechende und fürs Ohr angeneh- wen de| x me Miſchung von Vokalen und Konſo- - nanten. aug de b. quantitativer, Miſchurkg von e dohity langen und furzen theils Sylben, theils Wf dir Mörtern, theils Säßen„and Perioden, MT SIE! MEET;'; --Zaill TEN SES SEE an ie än ER ES I ere EEN 234---- wobey das Ohr und der Geiſt Wohlge- fallen empfinden. Der quantitative Wohl- flang macht den Numerus aus. a. Der Sonorität ſtehen ente gegen:; avedie DEU ed, Schwierigkeit der Ausſprache; Man vermeide daher harte Zuſammenziehungen von Wörtern," und den Zuſammenſtoß vieler und harter Konſonanten, am Ende des einen und Anfang des andern Worts; 8. der Mißlaut, durch Zuſammen- ſtoß von einerlei oder verſchiedenen Vo- kalen, Hiatus;, 7. der Gleichlaut, wenn mehrere nahe auf einander folgende, einfache oder zuſammengeſeßte Töne, d. i, Sylben, einen Klang haden. bd. Numerus heißt a. ein bequemes Verhältniß mehrerer Abſäße in Raum oder in der Zeit= Rhythmus=- und in ſofern beſteht er in verhältnißmäßigen Abmeſ- ſungen der verſchiedenen Glieder der Säke und Perioden, daß ſie dem Geiſte, dem Ohre und dem Athemholen desjeni- gen bequem fallen, der da redet, der ihm öithört, der ihn lieſet, wobei die zwe>mä- 2. Zu ae M EE 2335 olg ßigſce Ahwechſelung ftatt haben ann Bohl: und ſoll; 8. der angenehmere Schlußfall be| einer Periode ſowohl als ihrer Glieder, " wodurch die Gedanfen mit einem gewiſ- S Weeigiel ſen Schwunge und Gewicht:auf das Ohr ! deze und Gemüth des Zuhörers fallenz Orten, 7. endlich heißt es auch ſoviel als hattet Metrum oder Sylbenmaaß, und; 0 und auch in Abſicht deſſen ſoll Proſe wohl?| lingend ſeyn. 6 men Die beiden erſten Arten des Nume- 1m Vos rus gehören für Poeſie ſowohl als Proſa; M4 die lekte“Art: aber iſt. ia der Poeſie nehreren gleichförmig in Zeilen allein, oder zugleich:' 'e oder in Strophen, in der Proſa aber zweck- ylben, mäßig abwechſelnd und ungleichförmig.=- Mannigfaltigkeit von langen und furzen Wörtern, betonten und unbetonten Syl- tniß ben in gehöriger Verbindung unter ein- der in ander bringt den Numerus hervor. Cin ſofern wahrer Fehler iſt Monotonie, d. i. Einer- Khmel keiheit in Abſicht auf die 3 Arten von w.;dent Numerus, beſonders in Abſicht auf die Geiſte, dritte Art 3 wogegen Mangel an Nume- egjen) rus nur eine Abweſenheit der Schönheit + ihm iſt.= Die Art von Wohlklang, da die eme Töne ihrer Qualität ſowohl, als Quan- “-- Fp von , Wortfolge, Redeform. '. Intereſſe, Neuheit im Iuhalt, in der Darſiellung, in Ausdrücken und Wen- dungenz3 dieſe beſchränft der Sprachge- brauch. Außer dieſen allgemeinen Eigen- ſchaften der vollkommnen Schreibart, die unbedingt nothwendig. ſind, giebt es noch andre, nur in gewiſſen Graden nothwen- dige Eigenſchaften, welche von der Ab- ſicht des Schreibenden abhängen und zu x | I ſie bey 1 nennt = muß ; Gpie: Yohl- e Auf, ; woraus 5 man höhen, ſchaftli- e Reiche [ Man» vtfolge, lt, im | Ven: rachge: Eigey- vt, die 6 noh (hon ir dh nb zu "a Wo] 237 den verſchiedenen Gattungen des Styls gehören. Der Hauptgrund der Eintheiluag der Arten des Styls iſt die Abſicht in De- tracht des JInhalts ſowohl, als der Form, I. Erſter Theilungspunkt. Bes ſondere Arten des Styls für die ein- zelnen Seelenfkräfte, und zwar A.“ für die Sinnlichfeit; dazu gehört| r. Styl für die Einbildungs- kraft, oder figürlicher, bildli- Herz' vir m: 2. Styl für die Empfindungen, a. für die ſc 3. Styl für“ Wiß und Scarf- fimms a. der muntre und aufgewecte, b. der fomiſche Styl.= Un- terſchied des proſaiſehen und poetiſchen Styls. SSI IN 338 B. für die obern Seelenkräfte; dazu gehört:| I. der hiſtoriſche Styl, 2. der didaktiſche Styl, 3. der Geſchäftsſtyl. 1. Zweiter Theilungspunfr: Gattungen des Styls nach Verſchiedenheit der äußern Form:*. A. Geſpräche, B.„Briefe; C.. Reden. 1. A. Styl für die Sinnlichkeit. Die allgemeine Eigenſchaft des Aus- drucks, welche auf die Sinnlichfeit ſtark wirkt, iſt Anſchaulichfeit und Leb- haftigfeit, Die Erwe>ung der Auf- merfſamfeit, d. i. des Zuſtandes, da die Seele ſich einer Sache lebhafter als al- les übrigen bewußt iſt, iſt ein Erforder- niß, ohne welches der Vortrag“auf keine Seelenkraft“ recht wirken kann. Die Aufmerkſamkeit zu erwecken dient negativ, die Entfernung alles deſſen, was ſie zerſtreut oder ermüdet, und af- firmativ, die Anwendung alles deſſen, was ſie anzieht und unterhält; unter an- dern dienen auch dazu die Figuren, welche * uft; denheit fei, Aus! | tart ſeb: Auf 1 die val eder feine Die dient ſet) daf: ſſe) a elch 239 urſprünglich Sprache der Natur, nehm- lich der Empfindung und Phantaſie ſind. 1... Mittel des Styls für die Eimbikdungskrafty"d. iunfür das Vermögen, welches theils angenommen abweſende Gegenſtände vergegenwärtigt, theils nicht wahrgenommene neu ſchafft, theils ſelbſt geiſtige und unſinnliche Be- griſfe'verſinnlicht und in Bilder kleidet, und die wirkſamſte Seelenkfraft zumal für die ſchönen Künſte iſt.= Die Figuren für die Einbildung gehen alle auf Leb- haftigfeit des Ausdrucs ,. die darin be- ſteht, daß derſelbe eine Menge von Vor? ſtellungen überaus anſchaulich darſtellt. Dahin gehören a. die emphatiſchen, vielſagen- den, prägnanten Ausdrüce, die viele wichtige Nebenvorſtellungen zur Ver- ſtärfkung des Hauptbegriſſs enthalten; „b. die äſthetiſchen Epitheten, ſo fern ſie neu, intereſſant, paſſend und darſtellend ſind. Dann ce. die Umſchreibung=- Periphraſe, nicht Paraphraſe=- da ein Ding, ſtatt ſeines Namens, durch eine oder mehrere ſeiner Beſtimmungen=- Züge=- bezeich- net wird.;' 2 4 O= m G+ Die Beſchreibung und Schil- derung. ei Die EREN DAN-= Indivi- dualiſirung. Darſtellung des abstracti in concreto,=- das Beiſpiel.; f. Erweckung ähnlicher Vor- ſtellungen, wie durch Anſpielungen und Gleichniß. Auch das Intellektuelle fann zum für das Sinnliche dienen. Jedes Gleichniß muß neu, tref- fend, wirkſam, nehmlich belehrend oder belebend und edel ſeyn. g. Tropen, d. i. Figuren) da ſtatt der einen Vorſtellung eine andere geſeßt wird, um eine minder anſchauliche und ſinn- liche, durch dieſen Umtauſch anſchaulicher und ſinnlicher zu: machen. Hiezu gehören die Metapher, Synekdoche, Metonymie, Allegorie, Perſonififation. ZH BERHEGEUNNBLFIN EG zu wel- bald den' Charakter des Rüh- venden, bald den des Pathetiſchen an; im erſtern Falle macht die einfachſte Ein- fieidung' den ſtärkſten Effekt. Auch das ſittliche Böſe kann, ſofern es einen hohen arti M2 SR! kg bi je! dirh Macht; eſes das tin der ſhlecht/ ww at, Zs hr ſeyn; wird es e, und 4 ſeyn, 0 des d Gro- 6 zu ht bringen, Gefühle 1 ſeyn, ade yns ing und der Ne 19 au! nme der es Rih- hen 40; hſw Ein: ud das 4 hohe 247 Grad von Geiſteskraft offenbart, erhaben ſeyn. Fehler ſind hier: 3. das Geſuchte im Schmut, oder das+Afektirte= Unredliche=- im Ausdruck ,-: welches Schwulſt, Bombaſt giebt; :b. das dem-Schwulſt entgegen- ſtehende Pathos, Gemeine oder Kriechende. 2 4Styl af ur WB und S- lichfeit, Neuheit, Intereſſe. Der Wik hat außer den Figuren der Einbildungsfraft noch einige eigenthüm. liche, die man mit dem allgemeinen Worte des Gegenſaßkes bezeichnen fannm. Da- : hin gehören:: vat Der Komwtr aſt. &. Im weiteren Sinne iſt er Zuſammenſtellung entgegengeſeßter Vor- ſtellungen. Die kontraſtirenden Mexrk- male betreffen entweder die Größe oder die Beſchaffenheit= Quantität oder Qualität 3<= je unähnlicher gleiche und je gleicher unähnliche Dinge ſind, deſto mehr fontraſtiren ſie. Der Kontraſt iſt aber 22. Der vollfommne, der aus Ent- gegenſeßung gänz widerſtreitender Deſchaf- 249 3 if fenheiten, oder Größen entſpringt, indem id ToMhy, man Extreme den Extremen, oder Vdil- 9 des fommenheiten den Unvollfommenheiten Phan: entgegenjeßt.: dtaus bb. Die zweite Art beſteht in Zu- Id en ſammenſiellung'gleichartiger oder unähn- HE licher Gegenſtände. danfen ECH Die: dwibt er Mr eau der as iſt= gleichheit der gerade ähnlichen Beſchaf hid, fenheiten.; N 8. Antitheſe im engern' Sinne iſt,; m der wenn die. entgegengeſeßten Begriffe, die tüm mit einander verbunden werden, verſchie- Yotte den lautende Namen haben; haben ſie „DN: gleichlautende Namen, ſo nennt man es Paronomatſie. b. Die Paralleiec, welche in dem- ſer ſelben Redeſaßk Bild und Gegenbild YPot- gleich neben einander ſteilt, Das Gleich- Mott; niß iſt eine ausgefährte Parallele. obe! Dias Unerwartete, n eder a. Im engern Sinne die Hinter- »(nd gehung unſerer Erwartung, wenn das deſeo nicht. erfolgt, was wir vermuthen, oder mf gerade das Gegentheil; 8. Das Paradoxe, d. i. ein wahrer „ut: und intereſſanter Widerſpruch gegen ange- nommene Meinungen, 1008 | ZZ Bee VIN NIE TERT. 29 wm mb di 250 7. Das Naive iſt ein Unexwarketes, das aus unſchuldiger Oſſenherzigkeit ent- ſpringt, ein Ausbruch der der Menſchheit urſprünglich natürlichen Aufrichtigkeit ge- gen die zur Natur gewordtne EREN lungsfunſt. d. Denkſprüche, Sümitönadity Ma ximent; 1d. i.. wahre, klare, edle, u und STELE Lehren. Schlechte Wißeleien fund; Doppelſinn, das SRE EIER a Räthſel, auch am, unrechten Orte ge- brauchte Sprüchwörter. Vorzüglich äußern ſich Wiß und Scharf- ſinn bei der Abſicht des Schriftſtellers zu, :., beluſiigen. In dem Betracht kann man unterſcheiden 2... Den muntern ſcherzhaften Styl. Es werden aber Scherze entwe- der nur beiläufig gebraucht, oder es wetr- den ganze Werke ſcherzhaft verfertigt. Scherz beſteht darin, daß man et- was Luſtiges thut oder ſagt, in der Ab-. ſicht, Andere damit zu beluſtiigen, Der Scherz muß treffend und fein ſeyn=- ſalzig;-- froſtig. iſt er, wenn er beiuſti- gen will durch Wendungen und Verglei- hungen, deren: Ungrund ſich bei gerin- fete, eit: heit 92 ſe[: Ru fury «der das te 9: harf 6 zu man ten wt wet: tigt, el Vb De y"- eyfil u em == 251 gem Nachdenken offenbart; grob und plump iſt er, wenn grobe und ſinnliche Bilder dazu' ſo gebraucht werden, wie ſie auch dem" gemeinſten Manne einfallen; abgeſchma>t und geſchroben. wird er, wenn er auf Künſteleion und Wort- ſpielen beruht."Ohne feinen Umfang läßt ſich Urbanität nicht erlangen.; Db. Den komiſchen Styl. Das Lä- erliche iſt die unerwartete und harmloſe Abweichung von einer herrſchenden Ana- logie vernünftiger oder vernünftigen- ähn- licher“ Weſen. Das Lächerliche vergnügt, indem es theils die Lebensgeiſter lebhaft bewogt, theils die Vorſtellungsfraft in Spiel ſekt, theils auch wohl manc x 253 das äſthetiſch- Lächerliche=- wie bei Lau- ne, Naivität, Wortſpiel. Noch kann man unterſcheiden a. das Lächerliche dur< bloße Zuſammenſtellung, da Dinge, die att ſich nichts Lächerliches enthalten, durch bloßes Nebeneinanderſeyn, oder Aufein- anderfolgen lächerlich werden; b. das Lächerliche des Zuſam- menhanges,/ da Dinge vereint wer- den, deren Vereinigung nach unſern Be- griffen unmöglich. oder unbegreiflich, oder höc“Su 2220.- 5222001 20 MIR 00 ue" K7 ) nur Yoy In: ſhy (ns ibuny Ger 10 War, SH EEE 255 gebildeten Klaſſe=- worin eben das Edle beſteht= ab, und erlaubt ſich in den Vorſtellungen und Ausdrücken, ſelbſt im Grammatiſchen, alles was nur Effekt macht. Verſchiedene Arten davon ſind: das Poſſierliche, die Poſſe, die Fraße, das Groteske u. ſ. w. aber nie ſollten doH Sc unter- geordnet und-auf ihn bezogen iſt, nie- mals aber demſelben nachtheilig ſeyn muß. Die Hauptſache iſt, daß man alles vermeide, was dem gebiideten Leſer an- ſtößig ſeyn, oder ſeine Aufmerkſamkeit ſts- ven oder zerſtreuen möchte; alſo ſorge man für Reinigkeit und Richtigkeit der Sprache, verhüte alle Dunkelheit und Verwirrung, erlaube ſich nur die ruhigen Figuren, die die Aufmerkſamkeit unterhal- ten, und auf den Gegenſtand heften. 1) Dex hiſtoriſche Styl findet. An- wendung im Erzählen"und Beſchreiben, der Zwe> iſt Wahrheit zur Belehrung der Menſchen. Daher die Erforderniſſe: a. Treue, nichts als Wahrheit und d, oder 'äftv, Weitery ſn, zu | Gharf: tt Styl he zum Dſhh d+wo jl: pfinduny Gunten iſt, iv lig ſem nan alls Ceſar aus nfeit füh ſv ſorge feit. der X un ruhigen mecha fte, det Aw reiben; ehrung demiſſe felt und 7 die ganze Wahrheit, Unpartheilichkeit und Genauigkeit; b. das Lehrreiche und Nüsliche, es mag in dem Stoff oder in der Be- handlung liegen. Der Hiſtoriker ſoll den Mangel der Erfahrung erſeßen, ſoll ſich alſo an den Verſtand, nicht an die Phantaſie wenden, ſolzlich Ernſt und Würde behaupten, uwd alien damit unverträglichen Schmuck und Wiß verſchmähen.=- Die Erzählung muß haben:: j 9. Klarheit, Ordnung, Verfknäc pfung 3 als Meiſter ſeiner Erzählung mus der Hiftorifer alles vor unſern Augen entſtehen laſſen, muß alles in große GSruppen ordnen, und durch ſchi>liche Uebergänge verknüpfen. Es muß wenig- ſtens theilweiſe Einheit des Plans hexr- ſchen.' 2. Ernſt und Würde; 3. Intereſſe. Die Werke, die im hiſtoriſchen Style geſchrieben ſeyn ſollten, ſind vielfach, aus- führliche Geſchichtswerke, Annalen, Denfk- ſchriften, Biographieen, erdichtete Ge- ſchichten, als Erzählungen, Mährchen, ER 2 . << mun iv " ASHER R 260 Novellen, Romane, theils ernſthafte, theils komiſche, theils Ritterromane. In Hinſicht auf die Form iſt der hi- ſtoriſche Styl entweder blos erzählend, oder dialogiſirt, vder beides zugleich, oder in Briefen abhzefaßt. Der Styl verträgt mehr Schmuck und Malerei, ſofern er mehr auf Unterhaltung für die Sinnlich- keit berechnet iſt; aber nie ſollte ex Wahr- ſcheinlichfeit verleßen. Anm. 1. Die menſchliche Seele hat einen Hang ſich Welten zu ſchaffen, nach ihrem Sinn, um ihre Sehnſucht zu ſtil- len= Accommodando rerum simulacra ad animi desideria, wie Baco ſagt, non Svbmittendo animum rebus;' quod ratio facit et historia. Ein Beweis von der Würde und Vortrefflichfeit der menſchli- erreicht wird,-war- um man redet oder ſchreibt. Ihr Zweck == 266 iſt aber zu belehren, zu vergnügen, zu vermögen-- d. h. zum Handeln zu bewegen, persuadere, oder überhaupt auf jeine. Mitmenſchen zu wirken."Wer ſei- nen Ausdru> dem Zwe am. ange- meſjſenſten einrichtet, iſt der bered- teſte, Bei allen Materien findet Beredt- ſamkeit ſtatt, in. Geſchichte, ſogar in Phi- loſophie.=- Aber der wichtigſte Gegen- ſtand des Redens iſt Handlung, alſo auch der Hauptzwe> Perſuaſion=- Len- kung der Gemüther.=- Da nun Abſicht der Reden iſt, Andre zum Beifall, oder zum Entſchluß zu bringen, oder zu er- gößen nach den 3 Funktionen des Gei- ſtes: Denken, Handeln, Empfinden 3; ſo- folgt, daß zu dieſem Zwecke hSchis ſind: T.-itrift ige Gründe 2. Slare Methode,. Zl Ch a va kit exv.0.1 Rechtſchafs fenheit im Sprechen, verbunden mit Annehmlichfeit des Styls und Vortrags, wodurch die Aufmerkſamkeit angezogen wird. Richtiger Verſtand-- bon 80118== iſt der Grund von allem; den Thoren können. nur Thoren überreden Ueberzeugen.iſt verſchieden von Ueber- reden, Bereden. Lekteres begreift das Be lürleefg en eite Nhe, deln zu pt auf 0. ſei: er „hemd; deredt- Phi Yegen: ) auch ye (bſicht oder u et Gel: 1; ſd ſind: haſe |. mit 1098, zogen bon den weden, jehen dib 267 mit, daß die Neigung zum Handeln ge- wonnen und geſtärkt werde. Beredtſam- keit fkanm gemißbraucht werden 3 Vernunft auch!" Gebt der Wahrheit und Tugend dieſelben Waſſen, die die Falſchheit und das Laſter. haben, ſie werden ſiegen.== Beredtſamfkeit iſt keine Schulerfin- dung; jedermann iſt beredt, wenn er im Eifer iſt. Die Kunſt ſoll hier bloß der Natur nachhelfen, und je mehr wir die ächte ſtudiren, deſto beſſer werden wir ſie von falſcher nnterſcheiden. Drei Gattungen der Beredtſamkeit giebt es: 1. Panegyriſche und komplimen- täriſche, nach dem Zwe der Kunſt zu ergößen; k 2. Didaskaliſche Beredtſamfeit nach dem Zweck zu iütereſſiren, zu rüh- ren und fortzuveiſſen, ſo daß wir lieben, hafen, begehren, wollen, was der Redner - will. Das lekte gilt in Volksverſamms- lungen und auf Kanzeln. Wahre Be- redtſamkfeit iſt nicht ohne Wärme und Empfindung, daher das Verädchtliche aller falſchen Kunſt 3 fein Sfeptiker, kein Miethling kann mit Wärme und wahrer nakürlicher Empfindung reden. 268-- Beredtſamkeit fordert natürliche Talente und künſtliche Ausbildung, Richtigkeit des Verſtandes, Bekanntſchaft mit der menſchlichen Natur, ſtarfe Em- pfindlichfeit, lebhafte Einbildungskraft, forreftes Urtheil und Gewalt über die Sprache, Hohe männliche und gewaltige Be- redtſamfeit iſt nur bei politiſcher Freiheit zu ſuchen. Anderwärts fehlt ſie aus Mangel an Gewöhnung und an Scene. Beredtſamkeit roher und wilder Völker iſt-nichts als poetiſcher Enthuſias- mus. Bei einer Zuſammenkunft mit einigen Gliedern der Virginiſchen Regie- rung drücten die Abgeordneten der In- dianer ihre friedlichen Geſinnungen alſo aus?„Dicke Väter! möge der große Geiſt die Kette unſerer Freundſchaft poli- ren, und möge der Füßpfad zwiſchen uns dergeſtalt erhalten werden, daß ein kleines Kind ihn finden kann ,, wenn die Sonne in ihrer Bettde>e, unter den weſtlichen Gewäſſern ſchläft.“=- Die griechiſchen Republiken waren das weiteſte Feld für die Beredtſamkeit.=- Der Flor. der grie- mäßig, wirkſam, um den Staat zu regieren. In Staatsge- fahr und Noth, wenn der Herold rief: Ts Axyeiw Purera! durfte fein ſeichter De- klamator auftreten, Demoſthenes zitterte und bebte, denn die Redner mußten für, den Ausgang des gegebnen Raths mit Gut und Blut ſtehen. So entſtand naive und vigoureuſe Beredtſamkeit aus dem Zwiſt von Partheigeiſt und Freiheit, Staatshändeln und geſchäftigem Leben, und nicht aus Muſe und Spekulation.=- Dreierlei Arten von Reden kannte man zu Rom und. in Griechenland: Staats-, | 270--- Gerichts- und Lobreden, wie Perikles Lei- < anklagen und vertheidigen.=- „Heut zu Tage giebts. I. Reden vor Volksverſammlungen, 2, vorm Gerichtsſtuhl, 3, auf der Kanzel.= In Reden erſter Art wird nie der Zwe erreicht, ohne vorher a. die„Zuhörer ſcharf zu überzeugen durch» Verſtand z' denn bei Geſchäften fFommets vie an auf Schmuck, ſondern auf Einſicht= Good ſenſe an ſolid je: in 1 M Dd po: hwär! Kirche Über; Zeiten theils 1 das "und rathen 18== gen, nie der tzeuzen ſchaften ſondern 1 Solid 277 thought;==- man muß ſich an die Sa- en, wende ſich beſtändig an die Zu- hörer und ahme nicht nach. 6. Der Styl ſey nicht tavtologiſch, nicht poetiſch"= matz fange an mit Schreiben und Auswendiglernen, und gehe über. ins„Extemporiren, leſe ja nicht ab. Was die Theile der RN betrifft, ſo muß die Einleitung. 2. natürlich, leicht. aus den Sachen ſelbſt entſprungen ſeyn, alſo erſt nach überdachter Sache z 1 | E| / 4 3 14 280 b.: ſie. muß forreft, ce. beſcheiden ſeyn, nicht zu viel ver- ſprechen, d. ruhig ſeyn. - Saß, Theilung muß ,a diſtinfte Theile haben, ſicht.) zuekſt- von den Vortheilen der 254 überhaupt. und dann itnsbeſondere von der Gerechtigkeit und Mäßigkeit teden wollen; - b. die Theile müſſen den Saß er WARE ſie müſſen präcis ausgedrückt ſeyn. 3: 5 Die Noar ration CET€ lärung muß klar, glaublich, gedrungen feyn. 4. In Betreff der Argumentation vedenfe man:/ a. Exfindung iſt feine Sache der Kunſt3 die Topif der Alten iſt falſch, genüs, Species, causa, effectus, antece- dens, conseqnens, Similiindines, contra- rietafes, deſinitiones, cireumſtantiae tem- porum et loci, personarum et rerum, ſind wohl zu berückſichtigen, aber nicht in.,ſtei- fer Folge, und nur nach Erfordern der Umſtände== Loci waren allgemeine [ve gend von beden „7 ſeyn, Un, ion der ſch, (ece- nfra- fem- ſind „ſtei: . der neine 281 Sdeen, applifabel um Materie und Stoff zur Rede zu finden. b. Die Stellung und Führung der Argumente ſey entweder'analytiſch, went! der Redner ſeine Abſicht verbirgt, daß er die Folge ziehn kann; oder ſynthe- tiſch. e. Um die Argumente treffend-zu wäh- len, ſtelle man- ſich in die Stelle des Hörers und Leſers, vermiſche nicht: die Argumente, ſondern iſolire ſie, wahr falſch, recht unrecht, nüßlich ſchädlich ſoll bewieſen werden, jedes diſtinkft, auch nicht zu, viel, 215. Pratt he tiſchen Peror ati vn..Die Alten machten zum Behuf derſelben große Theoreme über Leidenſchaften=- Ariſtote- les.= Für uns iſt eine Rührung oder Erſchütterung, wie ſie gewöhnlich im lek- ten Theile der Predigten, der Applika- tion, angebracht wird, nicht immer noth- wendig. a. Man: ſehe, ob die Säche ſie zu- (BEES 1192 b. man gehe nicht insbeſondere aufs Rühren ausz === M" war R en u- erze<23 fs„ät 0er ig 282 c. es iſt ein großer- Unterſchied, den Zuhörern zeigen, daß ſie gerührt ſeyn ſollten, und ſie wirklich rühren,- Das leßte ſdil der Prediger, wenn es die Sache erlaubt, und die Umſtände for- dernz| d. dazu muß er ſelbſt gerührt ſeynz e. man ſehe auf rechte Sprache der Leidenſchaften, d. i, rede ungeſchwächt; f. man ſpreche nicht zu lange und nichts Heterogenes,= Vortrag in Ton, Bli>, Ge- berden.-- Der Ton muß verſtänd- lich ſeyn, alſo laut, diſtinkt, artifulirt, langſam, mit gehöriger Accentuation. Im predigen pflegt man anders zu accentui- ren als gewöhnlich, aber falſch,=“ Fer«- ner ſey er zwe>mäßig in Emphaſis, Pauſe, Geberden; Emphaſis iſt ſtärkerer Ton, dieſer giebt Leben. Gut angebrachte Emphaſen ſind Hauptbeweis von richti- gem Geſchmack, zumal in Reden. Pauſe; man muß„ſich durchaus nicht gewiſſe- Pauſen angewöhnen ,. ohne Rückſicht auf den Itihaltz hier maß man die Natur im gemeinen Leben nachahmen, und. nicht nach den Zeichen in Büchern gehn.=- 283 din Die Modulation der Stimme muß ſich pv| tach dem Inhalte richten. Die Natar Ds| treibt uns. ſchon dazu, den Ton des die Zorns, der Liebe, des Ernſtes nachzuah- for: men, wenn man in dieſe und ähnliche Stimmungen wirklich verſeßt iſt; em- ſeynz- pfindſamer und lebhafter. Umgang. hilft. der Aber da meint. man, auf der Kanzel f; müſſe man ſiudirt ſprechen und einen und) andern Ton haben. Man folge getroſt - der Natur, und ſtelle ſich vor, man rede Or 1 in Geſellſchaft. Im den Geberdungen and: haben Franzoſen, Italiener den bezeich- litt nendſten und lebhafteſten Ausdruck. Auch- Zm hier leitet die Natur und feines richtiges: neui: Gefühl zu treffender Begleitung der Worte Fer! mit Mienen und Geſten. Man muß oſis,? ſich nichts angewöhnen, ſich in der Faſ- 77.2008? ſung erhalten, und nie, nie aſſeftiren!' achte Mittel zur Beredtſamfeit zu- (chti/ gelangen ſind: uſe; I. Perſönlicher Charakter und Lage. wiſe' Non pos8se oratofem es5e, 30381 bonam vi- iu rum, ſagt Cicero. Die Meinung der Zu- umme hörer von unſerer Redlichkeit hilft zur niht) Ueberzeugung. Tugend iſt den Wiſſen- nE ſchaften hold, ſie giebt Wetteifer, gewöhnt en engen mwg 170 : 40. VOII Em 0 ER R ZI AG att Emſigfeit, hält die Seele ruhig.von Leidenſchaften cund niedern Beſtrebungen, ſie giebt die wirkſamſten Geſinnungen und die ſtärfſte Sprache-- 2. Goad Sense and Bnowledge;. 3. habitus et industyia; 4. Muſter 3. nicht Kompendien muß. man ſtudiren, ſondern die guten Red- ney»ſelbſt!| Sbon ngen, m und muß Red⸗ Coiour X Grey Gortrol Chart Blue Cyan Green Vellow Heod Magenta Wnite Grey 1—.—— Grey 3 Grey 4 Black