„.Bibi. lSiessen 6. 39 DI I DE ere eng - Meine Erfahrungen in der e - höhern Schaafzucht von I. G. Elsner. Stuttgart und Tübingen, in der 3, G, Cottäa'ſ Einleitung: wennn Seit a durch die Hände gingen, verſchafften mir nach und nac eine Ueberſicht, die ich in der eigenen Schäferei in mehr denn fünfzig Jahren nicht hätte erlangen können. Id) konnte die fremden Erfahrungen an. die meinigen anreihen; ich hatte Heerden vor Augen, die ſchon eine Menge Ge- nerationen hinter ſich hatten; wiederum bekam ich an-- dere in die Hände, die noch auf der erſten Stufe ſtanden und die unter meinen Augen vorwärts gin- gen; ich konnte Vergleichungen machen, wie dieß oder jenes Verfahren zu einem günſtigen oder ungünſtigen Erfolge geleitet hatte; ic) ſah Schäfereien, die mit dem größten Koſtenaufwande in langer Zeit wenig vorwärts geſchritten, wogegen andere weniger Geld 4 und weniger Zeit gebraucht hatten, und dod) eben ſo wei gekommen waren. Wie Trift und Fütterung, Wartung und Behandlung auf Wolle und Geſundheit der Scaafe Einfluß gehabt hatte, konnte ich in man- nigfältigen Fällen beobachten. Wenn mir alljährlich mehr denn 30,000 Echaafe durch die Hände gingenz SAE2 FM" WWP DE wenn ich bei meiner Vorliebe für die. Sache nicht allein auf die verſchiedene Ausbildung der Wolle mit Aufmerkſamkeit und. Sorgfalt achtete; ſondern auch den, körperlichen. und Geſundheitszuſtand der Thiere genau in's Auge faßte; wenn man mir, da man mei- nen Rath verlangte, auch die ganze Behandlung, die Züchtungsgrundſäße, die gemachten Erfahrungen“ und die Erfolge, die man gehabt hatte, ofſen mittheiltez wenn ich an alle dieſe Mittheilungen die Beobach- tungen, die ich in meiner eigenen, aus 2000 Stü beſtehenden Schäferei gemacht hatte, anſchloß: ſo mußte ich, wein ic irgend Sinn und Faſſungskraft für die Sache hatte, wohl zu einer Ueberſicht gelan- gen, die einem Shaafzüchter, und hätte er auc mehr denn 10,000 Schaafe und dieſe mehr denn 30 Jahre unter eigener Leitung, nicht zu erlangen möglich ſeyn dürfte, weil er wohl ſchwerlich unter dieſen Heerden ſo verſchiedenartige Stämme haben und ein ſo ver- ſchiedenartiges Verfahren beobachten kann und wird, als dieß bei'der Menge grdßerer und kleinerer Heer» den, die ich zur Durchſicht bekomme, der Fall iſt. Das Urtheil über dieſe Einleitung bitte ich meine Leſer aufzuſchieben, bis ſie das Ganze meiner Er- 1* WEM /. Kfm 8 fahrungen+geleſen“ haben, und'dann' mdgen ſie erſt entſcheiden ,“ ob ich den“ Vorwurf der Anmaßung ver- diene, oder ob ich durch die Mittheilungen jener Er- fahrungen etwas nicht“ganz Unverdienſtliches gethan habe. i' T. Anfang und Fortgang Y'-8:p Veredlung einer Shäferei. Vom erſten Anfange der Veredlung einer Schaaf heerde hängt-der raſche Fortgang derſelben ganz beſon? ders ab. Macht man da ſogleic) Mißgriffe, ſo rü>t man nicht allein langſam fort, ſondern man muß, weil man ſich eine Menge Fehler in die Heerde gebildet hat, oft wieder umkehren und faſt von vorn anfangen. Mir ſind ſehr viele Shäfereien bekannt, wo man keinen Auf- wand ſcheute, um die Veredlung. mit Nachdru> zu be- treiben, und wo man denno< in langer Zeit wenig ere reicht hatte. Die Wahl der Zuchtwidder, wenn man nämlich nur durc) dieſe die Heerde veredeln wollte., war oft ſo unglücklich, daß man, anſtatt Vollkommenheit durch ſie zu erlangen, vielmehr nur Fehler entſtehen ſah. Leider wird wohl jeßt noch, vorzüglich aber in früheren Zeiten, in manchen Schäfereien, welche Zuchtwidder ver» kaufen, mit zu wenig Sorgfalt bei der Züchtung ver- fahren. Ich will gar nicht. einmal von der Gewiſſenlo- ſigkeit ſprechen, wenn man Widder, die nur väterlicher Seits von edlem Blute ſtammen, mütterlicher Seits bg gn aber von nicht einmal halb veredeltem, als reine Meri- no's verkauft. Leider iſt dieß oft genug geſchehen, und ich habe Heerden unter den Händen gehabt, die ſich durch ſolche Thiere mehrere Jahrgänge verdorben hatten. Es iſt Jammerſchade, wenn eine Schäferei, die ſchön | ziemlich vorgeſchritten iſt, durch dergleichen Illegalität wieder zurü& geworfen wird. Es iſt noc< ſchlimm ge- nug, wenn man ohne Auswahl alle Widder gehen, läßt, und glaubt, von edlem Blute müſſe unbedingt wieder edles abſtammen und weiter vererben. Es kommen in den edelſten Heerden Rückſchritte vor, und achtet man nicht ſorgfältig auf dieſelben, und leitet man die Natur nicht auf den Weg des Vollkommnen zurüX 3 ſo wird man jene Heerden ſehr bald ausgeartet ſehen und kaum wieder erkennen. Eine Menge Erfahrungen ſprechen für die Sache. Widder ſollen demnach nur von voll- kommnen Eltern abſtammen, und ein rechtlicher und verſtändiger Schaafzüchter wird auch mit Sorgfalt dar- auf halten, und er wird ſich durch Saumſeligkeit hierin nicht um ſeinen guten Ruf bringen wollen. Wenn aber Zuchtwidder von väterlicher und mütterlicher Seite die Probe halten, d. h. wenn ihr Vater und ihre Mutter eine edle Wolle, die im Handel in die erſten Sortimente gehört, tragen; wenn ſie aus einer Heerde ſtammen, die ſtets darauf geſehen hat, daß nur Edles zur Zucht gelaſſen wird, dann iſt man für ihre Vererbung ſicher, und man wird ſolche Thiere ſelbſt für hohen Preis nicht zu theuer gekauft haben. Cin Widder, der die eben an- gegebenen Erforderniſſe nicht hat, iſt, ſelbſt wenn er RWE WRE auch eine edle Wolle trägt ,. doch als Zuchtthier von keis nem Werthe, indem er ſeinen Nachkommen ſeine unedle Natur, die er aus ſeiner Abſtammung hat, einpflanzt, und der Heerde alſo mehr ſchabet als nüßt. Es iſt daher für den, welcher Widder zur Veredlung. ſeiner Schäferei ſucht, nothwendig, darauf ſein Hauptaugen- merk zu richten, daß dieſe aus edlem Blute und von vorzüglichen Ahnen ſtammen. Beim erſten Anfange der Veredlung iſt es weniger nothwendig, daß ein Widder gerade von der höchſten Qualität ſey. Nur muß man ganz beſonders darauf ſehen, daß er keinen entſchiedenen Fehler in der Wolle habe, als z- B. Zwirnen, oder verworrenes Vließ als Folge unächter Wollhaare, oder Hundshaare an der Keule, oder entſchieden rauhes Genick, was bis auf das Widerräſt geht, und was vorzugsweiſe fehlerhaft iſt, wenn die Wolle auf dieſem Theile einen andern Charakter hat, als auf dem ganzen Kdrperz beſonders muß er nicht eine überall wechſelnde Wolle haben, die Stücweiſe fein und wieder grob, au einzelnen Stel- len kurz, an andern wieder lang gewachſen iſt. Thiere, welche die gedachten Fehler haben, vererben dieſelben ungemein ſehr, und ich habe Heerden geſehen, wo der größte Theil"der Schaafe von ſolchen Fehlern ange- ſtet war. I< habe da oft, wenn ich die Heerde durchſah, ziemlich ſicher gewußt, welche Fehler die Sprungwidder hatten. Man hat folglich bei einer Schäferei, die noch auf den erſten Stufen der Bered- lung ſteht, hauptſächlich auf Fehlerloſigkeit und Gleich il HI ap artigkeit der Wolle durch's ganze Vließ zu ſehen. Iſt dieſe auc) dem Feinheitögrade na nur in's zweite Sortiment paſſend, ſo hat dieß nichts zu ſagen, und der Erfolg wird gewiß dennoch ſehr erfreulich) ſeyn. Ein ſolcher Widder wird bei der Klaſſifikation Prima genannt, und wenn:auch, wie dies bei keinem Schaafe der Fall iſt, nicht die ganze Wolle in's Prima-Sor- timent paßt; ſo gehdrt doch der Mehrtheil derſelben dahin. Aus der Mutterheerde muß aber, wenn' die Vered- lung Fortgang haben ſoll, auch eine Auswahl getroffen und für's Erſte das entſchieden Schlechte nicht mehr zur Zucht gebraucht werden. Jh werde in dem Ab- ſchnitte„von der Klaſſifikation und deren Erfolge“ weitläufiger hierüber ſprechen. Hat man auch nicht gleich Thiere, die man in die erſten Klaſſen ſetzen kaunz ſo iſt es immer ſchon ein Gewinn, wenn man nur die beſſeren zuzulaſſen ndthig hat, und die entſchieden ſchleh- ten ſogleich merzt.; Hat man dieſe Vorſicht gebraucht, ſo iſt der Er- folg oft ſchon in der erſten Generation überraſchend. Freilich) hat man mitunter in der folgenden wieder RöFſchlag, durch den man ſich aber nicht irre machen laſſen darf. Nur muß man ein gleichmäßiges Ver- ) fahren fortwährend beobachten, und beſonders ſo viel als möglich gleiche Race und gleiche Eigenſchaften der Zugwidder beibehalten. Jh kenne Heerden, die bei dieſer Verfahrungsart ſo ſchnelle Fortſchritte gemacht haben, daß ſie in nicht gar langer Zeit eine Wolle er- 5 100...455 zeugten, die faſt den doppelten Werth der frühern hatte. Mein eigenes Beiſpiel mit der auf dem Meier- hofe(Vorwerk) Viehhdf ſtehenden Metisheerde darf ich hier nur zur' Beſtätigung anführen: Dieſe Heerde iſt aus dem Stamme gebildet, den ich hier beim Antritte meiner Pacht(im Jahre 1822) vorfand. Dieſer war ſo ſchlecht, daß der Ctur. Wolle nie über 40 Th. ge- golten' hatte. J< wählte. das Beſſere zur Zucht aus, und ſchafſte das entſchieden Schlechte weg. Die Wid- der wählte ic nach. der oben gegebenen Regel. Die auf ſolche Weiſe gezogenen Nachkömmlinge waren ihren Eltern ſo überlegen, daß man ſie in gar keinen Ver- gleich mit ihnen ſtellen konnte, und die zweite Genera- tion, die nun heranwächst, zeigt keinen Rückſchlag, vielmehr hat ſie ſchon im Aeußern ein Anſehen von Race, und trägt eine Wolle, die man ſchon zur edlen zählen kann. Freilich ſtehen mir aus meiner Elektoral- heerde Widder zu Gebote, wie ſie nicht jeder haben kann. JI) ſetze etwas darein, dieſe Metisheerde in einigen Jahren«zu einer hohen Vollkommenheit hinauf? zubilden, und dann die beſonderen dabei vorgekommenen Erſcheinungen bekannt zu machen. Wenn man nun aber einen glücklichen Anfang in der Veredlung einer Scaafheerde gemacht hat, ſo muß man ſich auch nicht täuſchen laſſen. durch den ſcheinbar günſtigen erſten Erfolg. Dieſer iſt meiſtentheils viel ſicherer, als dor fernere Fortgang. Es iſt unendlich leichter, eine Schäferei von der niederſten Stufe auf eine mittlere, als ſie von dieſer auf eine hohe zu hes ab 40-554 ben. Wenn man, wie ich oben gezeigt habe, bei der erſten Veredlung nicht entſchiedene Mißgrifſe. macht, ſo rü>t man in der Wollgüte und im Preiſe oft in einigen Jahren um mehr denn 30% vorwärts. Nun glauben dann viele Schaafzüchter, ſie wären dein Ziele ſchon ganz nahe gekommen, werden aber auf die un- angenehmſte Weiſe aus ihrer ſüßen Täuſchung gewet, wenn ſie nach mehreren Jahren keine höheren, ja oft kaum noch die alten Wollpreiſe erhalten. Unbedeutend ſcheinende Mißgriffe, die ſie begangen, haben dieß zu . Wege gebracht. Sie ſind freilich) alsdann nicht ge- neigt, ſich ſelbſt die Schuld zuzuſchreiben; ſondern hal- ten es für Unglück beim Wollverkaufe, oder für Un- Fenntniß der Wollkäufer, die ihnen für eine, ihrer Meinung nach beſſere Waare nunmehr weniger geben. Nachdem ich nun gezeigt habe, wie man bei der erſten Veredlung zu verfahren habe, und zu welchem Reſultate man dann kommen wird, will ich auch eine, ſo viel mir immer möglich, klare Darſtellung davon geben, wie die Wolle ſic) in dem erſten Grade der Veredlung gewödhnlich auf ſehr verſchiedene Art dar- ſiellt. Y In der Regel fallen, beſonders wenn man ſehr ſanftwollige Bbc>e gebraucht, die meiſten Lämmer ſchon ziemlich fein gekräuſelt. Jedoch iſt auch der Kontraſt wiederum ſehr groß, wenn man andere daneben ſo rauh, wie ein Hund, zur Welt kommen ſieht. Leßtere befommen entſchieden eine grobe Wolle, obgleich erſtere nicht allemal fein werden, Man kann ſich bei dieſen a I= oft gar ſehr täuſchen; denn ſie ſehen zuweilen glätter und fein gekräuſelter aus, als andere von reinem Mes rinoſtamme. Das ſanfte Streichen mit der flachen Hand ni>wärts über die Haut dieſer Lämmer gibt aber in der Regel die beſte Probe, wenn man es ne- ben anderen von reinem Stamme verſucht. Man em- pfindet dann mehr Rauhigkeit. Auch bemerkt man, "wenn man ein ſolches Lamm gegen das Licht hält, eine Art ſcharfer Spißen an den LöFXchen, die, je äl- ter das Lamm wird. immer mehr hervortreten. Cine Art Hundskopf, mit rückwärts ſtehenden borſtigen Haaren, gibt nun vollends die Gewißheit, daß das Thier eine rauhe Wolle bekommen wird. Wächst die Wolle mehr heran, dann zeichnet ſich die edle vor der unedlen immer mehr aus, indem erſtere einen reinen und klaren, letztere aber immer einen etwas getrübten Glanz zeigt. Es kommen" zwar auch Ausnahmen vor, jedoch ſind ſie ſelten. Beim zweiten Wollwuchſe zeigt ſich in der Regel bei Thieren, die no< in der erſten Generation der Veredlung ſtehen, eine große Verſchiedenheit über den ganzen Körper. Nicht daß etwa nur die verſchiede- - nen Ködrpertheile in der Wolle abweichen, wie dieß auch bei edlen Thieren der Fall iſt; ſondern es wedh)- ſelt die Wolle oft auf ganz kleine Diſtanzen, und man findet ſie zuweilen da beſſer, wo bei den Merino's' die geringere Sorte ſteht, ſo wie umgekehrt da wieder ſchlecht, wo ſonſt die gute wächst. Man könnte ſagen: man bemerkt den Kampf der edlen mit der unedlen bl. 40,0, Natur. Auffallend vererben ſich aber alle Fehler des Widders, und zwar wohl deshalb, weil da das Unedle mit gleicßem zuſammenkommt und vorzugsweiſe her- vortritt. I< habe 3. B. einen Widder zum Sprunge auf Meſtizen gebraucht; der bei ſonſtiger hoher Voll- kommenheit blos im Geni> bis an's Widerrüſt rauhe Wolle trug, und jeßt no) wäre ich im Stande, alle ſeine Nachkömmlinge herauszufinden, wenn ich ihnen nur nac) dieſer Partie ſehe. Außer den gedachten Schaafen mit ſo wechſelnden Fle>en der Wolle im Vließe gibt es wiederum andere, die ein ſolches Gemiſch von Wollhaaren haben, vaß man aus jeder einzelnen Flo>e mehrere Sortimente herausfinden könnte. Bei dieſen ſcheint durc) die Ver- edlung der Organismus der Haut nur zur Hälfte um- gebildet zu ſeyn. Die Bildung ſolcher Wolle iſt ver- worren und ihr Werth ſehs» gering, auc) hat ſie den Fehler, daß ſie durc; das Reiben der Thiere ſpinnt, d. h. in herabhängenden Schnüren an den Seiten der Schaafe herausgeht. Judividuen der Art geben aber, wenn ſie nur mit Böen derſelben Race, als ihr Va- ter war, gepaart werden, gewohnlich gute Nachkom- men, und meiſt ſehr ſanftwollige Thiere. Brau.>= ACE und. veredelter Heerden eingeſchlichen, und die Schaaf- züchter wurden erſt darauf aufmerkſam,„als er bereits ſo überhand genommen. hatte, daß. er ſchwer wieder herauszubringen war. So häufig er nun aber quch vorkam, und ſo ſehr ex auch von den Käufern geta- delt wurde, wenn die Wolle auf den Markt kam; ſo belehrten doch leßtere die Producenten über deſſen Na- tur und Erſcheinung, viel. zu wenig, um ſie ſicher zur ſchnellen Ausrottung zu leiten. Die Urſache davov lag wohl hauptſächlich. darin, daß die Käufer die Wolle nur als Handelswagre, wie ſie zu Markte kommt, richtig zu beurtheilen verſtehen, als rohes Produkt auf den Schaafen aber bei der Auſicht zehnmal unſicherer ſind, als der nur einigermaaßen geübte Schaafzücter. Aufgeklärte Wollhändler geſtehen dieß auch ſelber ein, aumaßende dagegen ſprechen freilich in der Regel über alles ab, und haben manchen Schaafzüchter, der ihre Worte für Evangelien hielt, ſehr ixre geleitet. Es gibt deren freilich auch, welche die Wolle im rohen wie im gewaſchenen Zuſtande richtig zu beurtheilen verſtehen, und die ſic) durch beiderlei Uebung darin eine große Fertigkeit erworben haben. Jedoch ſind ſie in der That immer noh ſelten. Soviel mir bekannt, iſt ſchriftlich noc<& keine genügende Erklärung über ge- zwirnte Wolle vorhanden, die alle Kennzeichen ſo be- ſtimmt angäbe, daß der, welcher ſie auc) noh nicht genau kenut, durch dieſelbe zur Klarheit gelangen könnte. I< will daher hier verſuchen, dieſe Luce auszufüllen, und alsdann auch die Urſachen, die nach - 24== meiner Meinung der gezwirnten Wolle zum-- 6 liegen, anführen. ' Man nennt eine Wolle alsdann gezwirnt, wenn ihre Stapel oder kleinen Bündelchen, in welche ſich dieſelbe im Vließe zuſammenhält, ſich allzuſcharf an einander anſchließen, und dann oben, anſtatt daß die Wollhaare parallel neben einander bis zur Spike fort- laufen ſollten, dieſe in einander verſchlungen und bei- nahe um einander herumgewiFelt ſind. Die Wolle formirt alsdann gleichſam Schnüre, die in ihren Spi- ßen, wenn der Fehler recht entſchieden da iſt, wieder- um ſich in einander verwikeln. Sucht man die ein- zelnen Haare dieſer Schnüre zu trennen, ſo reißen ſie, wenn man nicht mit der größten Behutſamkeit zu Werke geht, an den Spißen ab, und es bleibt zuleßt ein Knoten übrig. Wie nachtheilig dieſe Eigenſchaft der Wolle bei ihrer Verarbeitung ſey, leuchtet von ſelbſt ein.„Wird ſie in mineraliſchem(hartem) Waſſer ge- waſchen, ſo wird der Fehler noch grdßer- Sie läßt ſich alsdann nur ſehr ſchwer trennen, und iſt auf den Maſchinen faſt gar nicht zu bearbeiten. Zieht man eine FloXe davon aus einander, ſo fählt man eine Empfindung in den Händen, als ſtriche man mit Harz über eine Schnur, auch hbrt man deutlich eine Art von Pfeifen. Die Wollhändler nennen ſie deshalb auch muſikaliſch. Jedoch kann dieſe Bezeihnung auch auf eine Wolle paſſen, die nicht grade gezwirnt iſt, die aber ſchon in ihren Stapeln ſehr hohe Bogen bildet, alſo zum Zwirnen neigt, und bei der Wäſche entweder demum== Rm NEE, ams zu ſchnell in Luft und Sonne getro>net, oder durch hartes Waſſer gegangen iſt. Da die gedachte Eigenſchaft ein Hauptfehler einer Wolle iſt, und da dieſer dem Schaafzüchter ſo großen Nach- theil bringt, indem mit demſelben auch allemal Woll- armuth verbunden iſt; ſo muß es von der hbct man dieſen Fehler, wenn er ſi) in der Wolle einfinden will? Schaafe mit gezwirnter Wolle haben gewdhnlich als Lämmer ſehr feine, aber in die Runde ſchneken- artig gewundene LFchen, die, wenn man ſie in die Höhe heben will, gleich Sprungfedern zurück ſchnellen. Dieſe Ld>ce zwiſchen den Fingern ſpannt und daun losläßt. Sie tritt dann nicht, wie die ſanfte Wolle, allmälig in ihre natürliche Lage zurüX, ſondern dieß geſchieht. mit einem gewaltſamen Schnellen. 4 Fragen wir nun nach den Urſachen dieſes Sprode- werdens, ſo finde ich ſie nach meinen Beobachtungen in Folgendem: 1) Hat eine gar zu ſchnell betriebene Ueberfei- nerung der Wolle in manchen Heerden dieſen Fehler erzeugt. Man hat ihn daher eine Ueberbildung des Wollhaares genannt- Man würde aber einen großen Trugſchluß machen, wenn man annehmen wollte, die- ſer Fehler ſey'bei einer Steigerung der Schäferei zur höchſten Feinheit durchaus unvermeidlich. Eine Menge Heerden ſtellen bereits das Gegentheil auf. Nah meiner Anſicht beging man in früheren Zeiten haupt- ſächlich darin einen großen Fehler, daß: man fich durc) den Schein blenden ließ, und eine Wolle mit hohen 13. A68 7 dn Bogen, die in der Regel dünn ſteht, und vermdge des freien Zutrittes des Lichtes beim Aufſchlagen des Vließes einen Glanz und ein Anſehen gibt, die der Halbkundige für einen ſehr hohen Feinheitsgrad nimmt,' für beſonders gut hielt. Eine ſehr gedrängt ſtehende Wolle hat dieſen beſtehenden Anbli> nicht ſogleich, daher man dieſe früher geringer achtete. Nun hat aber jede Wolle, deren Stapel hohe Bogen bilden, je- desmal weniger Geſchmeidigkeit, als eine andere mit flacheren Bogen. Weil man jene aber für beſſer und feiner hielt, ſo befliß man ſich ihrer ganz beſonders, und erzeugte auf dieſe Weiſe gezwirnte Wolle, die man auch ſo lange für ſehr ſchön hielt, bis man durch die Käufer auf ihre Fehler aufmerkſam gemacht wurde. Auch jetzt gibt es noh hie und da unkundige Schaaf. züchter, die eine dergleichen Wolle ſchdn finden zur größten Freude derer, die ſich ſolcher Thiere gern ent- ledigen wollen. Wie kommt es nun wohl aber, daß der Fehler des Zwirnens gewdhnlich, wenn man ihm nicht ernſtlich entgegen arbeitet, von Generation zu Generation zu- nimmt? Die Antwort hierauf iſt wohl folgende: Die: oben beſchriebene, zum Zwirnen geneigte Wolle ſteht faſt immer dünn; ein Anfang zur Sprödigkeit iſt ſchon in ihr, wie die hohen Bogen verrathen. Vermdge ihres dünnen Standes kann Licht und Luft ſtark auf die Wolle wirken, die Haare ſchwitzen alſo von ihrem inne- habenden Oele zu viel aus; dieſes verdi>kt ſich auch [ENE SOD zum Theil bei der Ausdünſtung und bleibt ſo an den Wänden des Wollhaares, das nun, da ſeine innere hohle Röhre ſich faſt ausfüllt, nothwendig an ſeiner Biegſamkeit und Geſchmeidigkeit verlieren muß.+ Was dieſe Theorie beſtätigen hilft, iſt die Erfahrung, daß zur Zwirnwolle geneigte Schaafe, wenn man ſie ſtets im Stalle behält, bei weitem ein beſſeres Produkt tra» gen, als wenn ſie auf die Weide gehen. Ihr ganzes Vließ ſcheint ſich, wenn ſie letzteres thun müſſen, zum Nachtheile zu verändern.*) Es haben früherhin Wollhändler, zum größten Herzeleid der Schaafzüchter, die in ihren hochedeln - Heerden den Fehler des Zwirnens einreißen ſahen, be- hauptet 2 man fände die gezwirnte Wolle weit mehr und dfter in Meſtiz- als in reinen Merinoheerden. Sollte auc) Wahrheit in dieſer Behauptung liegen, ſo würde doch jederzeit der Schluß falſch ſeyn, daß Schaafe mit gezwirnter Wolle, die ſich in einer Heerde vorfinden, den Verdacht begründeten, als ſey dieſelbe nicht von reinem Blute. Wahr iſt es übrigens, daß mehr Zwirnwolle findet, als in reinen Merinoheerden. Die Urſache hievon habe ich in früherer Zeit nach meiner Anſicht zu entwi>eln geſucht, und im Jahre 1825. dem mähriſch- ſchleſiſchen Schaafzüchterverein in *) So wie ſich nun der Fehler der Dünnwolligkeit immer wei? ter forterbt, ſo muß denn- auch das Zwirnen immer mehr zunehmen. Brünn mitgetheilt. I< will ſie hier nur ganz kurz andeuten, Wenn man auf ganz gewöhnliche Landſchaafe ſo- gleich hochfeine und edle Widder braucht, ſo iſt die Umformung des ganzen Organismus der Nachkbmm- linge ſo ſchnell und gewaltſam, daß unmdglich ſogleich etwas Vollkommenes erzielt werden kann, Das Zellen- gewebe der Haut wird vielleicht'nach dem Vater ge- bildet, und dennoch imprägnirt die gemeine Natur der Mutter dieſem Zellengewebe ihre groben Säfte. Dieſe ſteigen in dem fein hervorgewachſenen Wollhaare in die Höhe, überfüllen es, und können, da ſie nicht ge- nug feine vlige Subſtanz haben, dieſem Haare auch nicht die Biegſamkeit und Geſchmeidigkeit verleihen, die es nach ſeinem Feinheitsgrade wohl haben ſollte; es muß alſo in ſeinen Windungen, der Folge der Ge- ſchmeidigkeit, Unregelmäßigkeiten bekommen, und dieſe ſind, wie oben gezeigt, der Anfang des Zwirnens. In allen Heerden iſt Freilich dieſe Urſache nicht vor- handen, da man jedoch, wenn dieſer Fehler ſich in denſelben findet, ihn gewdhnlich, wie im oben bewie- ſen habe, durch falſche Anſichten und fehlerhafte Lei- tung erzeugt hat, und da auch in den beſten Heerden, bei Mangel an Einſicht und Aufmerkſamkeit, ſich leicht Fehler einfinden und dieſelben, entde>t man ſi nicht zeitig genug, und arbeitet ihnen nicht mit. Anſtrengung entgegen, bald ſehr überhand nehmen; ſo kann das Zwirnen wohl leicht in den alleredelſten Heerden ohne Vermiſchung mit unreinem Blute entſtanden ſeyn. KEENE, MCH Wenn man nun in Hinſicht der Erſcheinung und der Erkennung des Zwirnens ziemlich im Klaren iſt, ſo hat man ſich vor dem andern Extreme ſehr zu hüten, nämlich, daß man eine Wolle nicht für ge- zwirnt halte, die es in der That nicht iſt, und daß man nicht auf dieſe einen geringern Werth lege, als fie verdient. Es gibt nämlich hochfeine Wolle, die etwas dünn auf den Schaafen ſteht, und deren Sta- pel ſich in getrennte FloFen abſondern, und eine hän- gende Geſtalt bekommen. Madt man aber mit der- ſelben die oben angegebene Probe, ſo wird man zu- erſt, wenn man ſie genau anſieht, finden, daß die Biegungen der Stapel bis an die Spitze herauf ſich gleich bleiben, alſo nicht auslaufen und mehrere in eine große Krümmung übergehen. Ferner wenn man ſie von unten herauf theilt, wird man finden, daß ſie ſich ohne Widerſtand trennt, und daß alſo die Woll- haare, nicht wie bei der gezwirnten Wolle, oben ab- reißen, und daß zuleßt kein Knoten übrig bleibt. Für den Wollhändler und Fabrikanten iſt ſie ein ſehr ſcen dieſe Neigung des Zuſpitzens, wogegen die eben genannte gutartige ſtets ſtumpfe Stapel-Enden zeigt. Vorſicht iſt jedo< bei Thieran mit ſolcher Wolle zu gebrauchen, va man leiht Zwirner in den folgenden Generationen aus ihnen züchten könnte. Auch haben ſolche Thiere gewbhnlich ſchon große Anlage dazu,, wie die Wolle auf ihrem Widerrüſt beweist, die gewöhnlich ſchon wirklich gezwirnt iſt. Ich komme nun dazu, die Mittel anzugeben, wo- durch man den Fehler des Zwirnens, wenn er einmal in einer Heerde überhand genommen hat, am leichte- ſten wieder heraushringen kann. Manche haben ihn durc) ſehr ſtumpf geſtapelte, dicht- aber hartwollige Widder zu vertilgen geſucht, haben aber ſtatt Eines Fehlers ſich einen zweiten, oft noch ſchlimmern in die Schäferei gebracht. Da das Zwirnen eine zu raſch allzuweit getriebene Verfeinerung der Wolle zum Grunde hat, ſo wirkte man auf dieſe Weiſe geradezu gewalt- ſam entgegen. Dergleichen Eingriffe in ihre Rechte beſtraft aber die Natur gewöhnlich empfindlich. Schaaf- züchter, die dieſen Weg einſchlugen, vergrdberten ſich ihre Heerden zuſehends, und bekamen überdieß eine Wolle, die keine Ausgleichung des Haares hatte, und verworren und filzig wurde. Wollhändler, die früher- dieſe Spuren gehabt hatten, erkannten ſie nach einigen Jahren wl IR 4 Jahren nicht wieder, und mußten ihren frühern Tadel mit einem andern, oft noh grdßern verwechſeln. Am beſten wirkx man dem Zwirnen der Wolle in der Nachkommenſchaft entgegen, wenn man Widder von dem ſanfteſten Wollcharakter mit möglichſter Gedrängt- heit'des Vließes zur Zucht wählt. Iſt man in dieſer Wahl glücklich; ſo bringt man den Fehler bis auf we- nige Eremplare oft ſchon in der erſten. Generation her- aus, JT kenne Heerden, denen dieß auf die erfreu- licmſte Weiſe geglückt iſt. Aus der eigenen Heerde dieſe Zuchtwidder zu wählen, iſt aber deshalb bedenklich, weil ſie von ihren Voreltern den gedachten Fehler zum Theil im Blute haben, und leicht wieder auf ihre Nach- kommen vererben. Man hat ſodann immer noch ein Schwanken durc mehrere Generationen auszuhalten. Widder aber, die aus einer anerkannt immer dicht- und ſanftwollig gebliebenen Schäferei ſtammen, und deren Adel in ihnen ſelbſt unverkennbar iſt, haben für eine in's Zwirnen übergegangene Heerde einen unſchäßbaren Werth, und heben dieſelbe in kurzer Zeit in ihrent-Rein- ertrage auf's Doppelte. Doch es iſt Zeit, daß ich aufhöre, von dem Fehler des Zwirnens der Wolle zu ſprechen. Daß ich hier weitläufiger war, als ich es bei andern Woll- Eigen- ſchaften ſeyn werde, kommt daher, weil er eine Sch&- ferei in gar zu großen Nachtheil bringen kann und aud) gar zu ſchnell überhand nimmt. Eine andere nachtheilige Ausbildung der Wolle ſind die Spißen. Auch dieſe wiſſen nicht alle Schaafzüchter Glöners Schagfzucht., 3 | „2 kick E-- richtig zu unterſcheiden. Man bezeichnet mit dieſem Ausdruck eine Wolle, die zwar unten gut, aber in ihren Spitzen rauh und ſprdde iſt. Nach der Wäſche iſt die- ſer Fehler am beſten genau zu erkennen. Denn im un- gewaſchenen Zuſtande kann man ihn oft der Wolle ohne Grund beilegen, und ihn auch dagegen wieder überſehen. Hat ſie ihn aber, ſo iſt ſie von folgender Art: Die übern Enden der Stapel ſtehen pfriemartig aufwärts, und das Wollhaar'hat ungefähr auf dem ſechsten "Theile ſeiner ganzen Länge am obern Ende keine Ge- ſchmeidigkeit mehr, was man an dem Mangel der bo- genartigen Windungen ſieht. Zieht man aus einer Flo- Fe einzelne Hagre herqus, ſo ſtehen ſie oben ſtruppig empor. Anſtatt daß ſie„auf der Spitze, wenn man ſie „durch's Mikroſkop betrachtet, eine ebene Fläche bilden ſollen, ſind ſie zugeſpitzt. Dadurc haben ſich die empor ſteigenden Säfte, die nach oben keinen Ausgang zur Verdunſtung finden, angehäuft und verhärtet, und die Starrheit des Haares hervorgebracht. Sie hat dann in dieſen Spißen: die Natur der unveredelten Landwölle. Daß dieſer Fehler bei der Verarbeitung ſich hd gänzlich verfehlen. Gleiche Feinheit und gleiche Sanftheit des Wollhaares in ſeine1 ganzen Länge herauf iſt alſo eine nothwendige Eigen- ſchaft an einem Widder, den man in dem angeregten Falle brauchen muß. Rühren aber die Spißen nur von der Haltung der Schaafe her; ſo hat man, wie ſic) wohl von ſelbſt verſteht, die Sache durch Verbeſſerung derſelben in ſei- ner Gewalt. Sekt man z. B, die Schaafe bald nach der Schur ei- ner zu rauhen und ungünſtigen Witterung aus, ſo iſt es leicht zu erklären, daß die eben abgeſchnittenen und in dieſem Abſchnitte noch nicht wieder ganz geſchloſſenen Wollhaare leicht eine Stdrung in ihrer Bildung erleiden, wodurch dann die Spiße ihre Geſchmeidigkeit verlieren muß. Abgeſehen davon, daß eine dergleichen Witte: rung ſchon ſehr nachtheilig auf den Geſundheitszuſtand der Schaafe wirkt, ſo hat man auch den Schaden einer verringerten Wollqualität dadurch. Auch kbnnen Spißen inder Wolle dadurd) entſtehen, wenn man die Schaafe dem Staube und Regen allzuſehr ausſeßt. Das vhlige Fett, was die Geſchmeidigkeit des een an nome eme mamma. eemmmmeen erge=< us 8.2 Wollhaares ganz beſonders befördert, wird da allzuſehr ausgewaſchen und abſorbirt, und dieß trifft hauptſächlich den obern Theil der Wolle. Dergleichen Nachtheile zu vermeiden, hat aber der Schaafzüchter ganz in ſeiner Gewalt. 4 Eine beſonders nachtheilige Ausbildung der Wolle iſt es aber ferner, wenn ſie bodig oder bodenſäßig wird. Sie verfilzt dann dermaaßen, daß ſie gar nicht mehr zu trennen iſt und dem gewalkten Filze der Hüte faſt ganz ähnlich wird. Dieſen Fehler hat ſie aber keineswegs bei ein und demſelben Thiere alle Jahre; vielmehr kann ſie oft ganz frei davon ſeyn. Eine Neigung dazu liegt frei: lich allemal in der Natur der Wolle. Denn es ſetzt im- mer eine Unausgeglichenheit der Wollhaare unter ein- ander voraus, wenn dieſer Fehler eintritt. Iſt er in dem beſchriebenen Grade vorhanden, ſo hat die Wolle faſt gar keinen Werth, und der Käufer leidet, wenn er de- ren viele unbewußt in einer Schur mitgekauft hat, be- deutenden Schaden. Es bildet ſich aber das Bodigwerden der Wolle bei ſchon beſtehender Anlage zur Verworrenheit und Filzigkeit bei einem Thiere alsdann ganz beſonders aus, wenn die Schaafe in ſehr warmen Ställen gehalten werden, und bei'm Herausgehen zur Tränke ihre ſtarke Transpiration pldtlich durch die äußere kalte Luft gehemmt wird. Be- ſonders habe ich es oft in Ställen mit ſteinernen Mauern gefunden, die wenig oder gar nicht mit Kalk bewor- fen waren. Das Zuſammentreffen der Wärme und Kälte an ſolchen Mauern, was ſich durch das ſtarke |: et wn == ieren -e- DEr IE Bren u mg 1 RR mb SSE "„= YI =. 85= Schwikßen derſelben verräth, mag wshl die Häuptürſä- , was durch die Brechung der Lichtſtrahlen, die ſich bei dem Umdre- hen der Seiten der Wollhaare verändert, entſteht. Cin völlig rundes Haar behält dagegen, man mag es drehen wie man will, ſtets gleichen Glanz und man ſieht keine Veränderung an demſelben, ſo daß es das Anſehen hat, “ als bewegte es ſich gar nicht. Jedoch muß man das Wollhaar, ehe man dieſe Probe macht, erſt entfettet haben„ſonſt wird man durch den Glanz dieſes Fettes ge- täuſcht. Mangel an Rundung des Wollhaares iſt faſt immer ein Zeichen einer unedlen Wolle. Dieſer Mangel ſetzt eine Wolle ſehr herab, indem == 441.= die aus ihr verfertigten Zeuge keinen reinen Glanz bekom- men, auch die darauf gegebenen Farben ſich nicht ganz ſo klar zeigen, wie auf einer tadelloſen runden Wolle. An der Keule haben faſt alle Schaafe, beſonders aber die Widder eine Stelle, wo ſie dieſe Wolle, die durch das Liegen platt gedrükt wird, tragen. Im Ge- ni findet man ſie bei beſonders muntern und kräftigen Thieren auch, aber mehr in vieleckiger, als platter Form. Durch die raſchen, aufwärts ſtrebenden Bewegungen mit dem Kopfe wird ſie bei ſolchen Thieren erzeugt. Darum iſt aber auch die Lenden- oder Keulen- Wolle, auch wenn ſie an Feinheit wenig oder gar nicht zurü ſchlägt, ſtets von geringerem Werthe. Tragen Schaafe dergleichen Wolle am ganzen Körper, ſo, ſtehen ſie, ſelbſt wenn ſie auch fein wäre, doch gegen andere minder feine, aber tadelloſe Thiere zurück. Nach der Wäſche iſt eine der- gleichen Wolle am beſten zu erkennen, wenn man eine Flocke zwiſchen den Fingern ſpannt, und die Haare der- ſelben über einen Finger weglaufen läßt. Der glasartige Glanz, den ſie da zeigt-, verräth ihren Fehler. Nachdem ich nun die, mir in meiner Praxis vorge- kommenen, fehlerhaften Ausbildungen der Wolle dur er TG «Bili 8 zae So wie nun aber eine zu dürftige Fütterung nach- theilig auf die Güte der Wolle wirkt, eben ſo wenig muß -3) dieſelbe durch übermäßiges Futter und Max- ſtung verdorben werden. Es iſt in der That hden auszuſchneiden, dieſe ſo- wohl roh als gewaſchen nach Feinheit und Gefühl ge- nau zu prüfen, und dann, wenn man ſic) von der vdllig gleichen Güte überzeugt hat, die Paarung erſt zu beſtimmen. Wer aber nicht Uebung und Kennt- niß genug hierin hat, um ſeinem eigenen Urtheile un- bedingt trauen zu können, der rhut immer am beſten, ſim des Rathes eines verſtändigen und erfahrnen Schaafzüchters zu bedienen. Denn obgleich die vor- zügliche Vererbung eines Widders hauptſächlich äuf ſeiner edlen Abſtammung beruht, ſo kann dieſe Verer- bung doh noch ungleich günſtiger dadurch werden, wenn nan ihm Mütter mit gleichartiger Wolle zugibt. Dar- um haben auch faſt alle vorzüglichen Widder einen relativen Werth, und ihre richtige oder unrichtige Wahl erhöht oder vermindert denſelben. 5) Die Wollhaare müſſen unter einander gleiche Feinheit und Geſchmeidigkeit haben, was ſich durch ihre regelmäßige Stapelbildung kund thut. Der Gegenſatz von dieſer guten Eigenſchaft iſt eine verworrene Wolle. Wenn nämlich die Wollhaare un- rer einander ungleiche Feinheit haben, ſo reihen ſich dieſelben den kleinen Stapeln oder Wollſchnürc BE man ſie nennen kdnnte, nicht gleichmäßig an. Dieje- nigen ,. deren Feinheit und Geſchmeidigkeit gleichmä- ßig iſt, halten regelmäßig zuſammen; die aber, wel- dhe abweichen, nehmen andere Richtungen an, durc- Freuzen auf dieſe Weiſe jene Stapelhen und bilden ein ungeregeltes und verworrenes Vließ. Kreuzungen verſchiedener Racen oder Mißgriffe bei der Paarung geben gewbhnlidm Nachkommen, welche dieſen Fehler haben. Dieß liegt wohl auch in dex Natur der Sa- dhe. Denn von ihren Eltern erben ſie einen verſchie- denen Orgänismus des Zellengewebes der Haut, und ſo- nach kann ihre Wolle nicht gleichmäßig und geregelt werden. 6) Es müſſen keine falſchen Haare in der Wolle ſeyn, die theils als Binder, theils als Ueberwuchs zum Vorſcheine kommen. Dieſer Satz iſt zum Theil ſchon im vorigen ent- halten. Dieſe falſchen Haare durchkreuzen die Wolle, weil ihre Bildung von derſelben weſentli) abweicht. Zieht man ſie ſorgfältig heraus, ſo findet man, daß ihre Biegungen ganz unregelmäßig, bald hoh, bald niedrig, bald weit, bald eng ſind. Nach den Spitzen zu hdren dieſe gewöhnlich faſt ganz auf und dieſe Haare werden ganz ſtarr. Fährt man mit dem Fin- ger zwiſchen den Stapeln eines ſolchen Vließes durd), ſo bleiben einem Schnürchen von ſolchen Haaren dar- an hängen. Sie heißen Binder, weil ſie die Sta- pelchen gleichſam zuſammenbinden. Bei engem Stande der Scwärts anſchließen, die Stapelchen verbinden und das Vließ zuſammenhalten. Zieht man derglei- hen ächte Haare vorſichtig aus und vergleicht ſie mit denen in den Stapeln, ſo wird man finden, daß ſie dieſen an Feinheit und Geſchmeidigkeit vollkommen gleich ſind.. Ueberwuchs bilden aber jene falſchen Haare, wenn ſie in Menge vorhanden ſind. Sie wachſen alsdann, weil ſie ſtärker und rauher ſind, und durch wenigere Biegungen auch weniger verftrzt werden, über die Oberfläche des Vließes empor, und überziehen es zu- weilen, wenn ſie in Menge vorhanden ſind, faſt ganz. Bei der Shwemme laufen ſie dann noch dichter in einander und bilden eine Art Filz. Dergleichen Wolle hat, wenn auch der Mehrtheil ihrer Haare fein iſt, doch einen geringen Werth; weil der Faden des dar? aus bereiteten Geſpinnſtes nicht fein und auch rauh wird. Ueberdieß haben Schaafe mit ſolcher Wolle auch ſtets ein ſchlechtes Anſehen. Wer nur einigermaaßen die Schaafzucht mit Kenntniß und Sorgfalt betreibt, wird Zuchtthiere mit ſolcher Wolle jederzeit merzen. 7) Die Wolle muß, beſonders bei den Zuchtwid- dern, ſo viel als möglich über den"ganzen Körper gleich artig ſeyn. en, anders an den Seiten und anders an den Schenkeln aus. Prüft man ſie genau durch Auzeinanderſchlagen des Vließes, dann finder man, daß ihre Bildung verſchieden iſt. Sie weicht in den Windungen der Stapel(Wollſchnürce fär die Tücher gibt. Wollte man ein un- gefähres Maaß als Norm angeben, ſo würde die Wolle zwiſchen 1--2 Zoll im natürlichen, und 2--2"; Zoll im ausgedehnten Zuſtande lang ſeyn dürfen. Ueberſtiege die Länge dieſes Maaß, dann wärde ſie ſich zu man» chen feinen Fabrikaten ſchon nicht mehr gut eignen, Spitzen an der Wolle nennt man das, wenn die obern Enden die Geſchmeidigkeit verloren haben, und ſtarr und ohne Biegungen auslaufen. Wenn dieß ſehr überhand genommen hat, ſo müſſen dieſelben abgeſchnit- ten werden, und es entſteht außer dem großen Zeitauf- wande noch ein bedeutender Verluſt an Wolle dabei. I< habe ſchon oben von dieſem Fehler weitläufiger geſprochen. In. Einfluß der Fütterung der Schaafe auf ihre Wolle,*) Man hat über die Fütterung der Schaafe, be-- ſonders der Merino's, manches behauptet und ver- worfen; man hat Beſtimmungen gegeben, wie viel ein richtiges Maaß von Futter betragen müſſe, wenn die Schaafe ſtets bei gutem Gedeihen bleiben und den möglich hdhſten Wollertrag liefern ſollen; man hat die und jene Art von Futter vorgezogen und ihre ge- genſeitige Nahrungsfähigkeit auszumitteln geſucht. Aber wie das Verhältniß des gegebenen Futters zur Woll- Erzeugung ſtehe und wie es auf die Qualität derſelben wirke, darüber iſt noch wenig vorhanden, mir wenigſtens iſt noch wenig Genügendes zu Geſichte gefommen. In der Regel rechnet man zwei Pfund gutes Heu,-vder deſſen Aequivalent in Körnern, Kartoffeln oder Stroh, auf die vollkommene tägliche Nahrung +) Bruchſtü> aus einem Werk jährlich 39, bis 4 Pf. und drüber geben. Alle"Erfahrungen aber, die ich darüber geſammelt habe, und die genaueſten Beobachtungen haben midy be- lehrt, daß dieſes Quantum als Mehrertrag nie erreicht worden iſt, und daß es ſelten mehr als den vierten Theil, ſtatt der Hälfte, betrug. Ich muß mich hier, ehe ich) das aufgeſtellte Beiſpiel weiter ausführe, gegen einen Einwand ſichern. Man kann nämlich ſagen, daß es viel Scäfereien gibt, die den gedachten Wollgewinn liefern, und mitunter ihn auch wohl noch übertreffen. Da muß ich aber darauf aufmerkſam machen, daß ich von hochfeinen Schaa- fen ſpreche, und daß beſondere Verhältniſſe von Trift , us= 58:"Ein und Weide hierin eine große Entſcheidung geben, die aber doh nie zur allgemeinen Regel werden können. Veber dieſe beſondern Verhältniſſe ſind mir hb, ſo iſt die Qualität des großern Wollertrags noch in Be- trachtung zu ziehen. Für's erſte wird der Käufer ſich mindeſtens bei dem angebotenen Preiſe 10% auf ſtär- Fern Abgang bei der Fabrikwäſche, wegen des mehrern Fettes, zu gute behalten, dann wird er für den ge- ringern Feinheitsgrad faſt eben ſo viel weniger geben, und der Produzent wird ſonach für einen Mehrauf- wand von Futter, der 50%, beträgt, nur 5% oder im beſten Falle vielleicht 10% Mehrgewinn haben. Er muß ſich dann den größern Aufwand auf den mehr erzeugten Dünger rechnen, der ihm in dieſem Falle wohl doch gar zu hoch zu ſtehen kommen dürfte. Nun will ich auch den entgegengeſeßten Fall auf- ſtellen. Wir nehmen an, die oben angeführten Schaafe bekämen ſtatt 2 Pf. Heubetrag täglich deſſen nur 1"/, Pf. Sie würden dabei nicht gerade verhungern und auch dem Anſcheine nach nicht gar zu wenig Wolle tragen. Die Schur würde, nach dem, was ich darüber beob- achtet habe, ſtatt 2, bis 3 Pf. ungefähr 1, bis 2 Pf. betragen. Die Qualität der Wolle würde für den er- ſten Anblick nicht verloren haben, ja ſie würde ſogar ein ungeübtes Auge beſtechen. Sie hat ſich aber den- noch, wie oben geſagt, verſchlechtert. Wir wollen dieß m Di wr auf 40% annehmen, was wohl ziemlich zutreffen würde. Dieß, mit dem verminderten Wollgewinn zuſammenge- rechnet, gäbe einen Nachtheil von ungefähr 42% ge- gen die richtige Fütterung. Da nun das gegebene Fut- ter nur 40% weniger betrug, ſo hat man offenbaren Nachtheil ſchon im Wollertrage- Der grdßere mit- telbare Schaden entſteht aber ans der größern Sterb- lichfeit, die in ſolHen immer wieder geſchont werden. Daſſelbe gilt für den ganzen Som- mer, alſo auch für die Stoppelweide. 2) Der Uebergang von einer Fütterung zur andern muß allmälig geſchehen. Vorzüglich muß dieß der Fall von der Winterfütterung zum Weidegange ſeyn. Letzterer kann, ſobald man nur vollauf Weide hat, ſobald als möglich im Frühjahr angeſangen werden, weil es die Friſche und Sanftheit der Wolle ſehr ver- mehren hilft, wenn die Schaafe ſchon eine lange Zeit vor ver Schur die Weide genoſſen haben, und der freien Luft ausgeſeßt geweſen ſind. Den allmäligen Uebergang bewirkt man am beſten, wenn man Anfangs zur Hälfte im Stalle und zur Hälfte auf der Weide das Vieh ſättigen läßt. 3) Bei der Winterfütterung muß eine regelmäßige Eintheilung ſtatt finden, die Tag für Tag ununter- brochen beibehalten wird. Heu, Stroh, Kartofſeln müſſen mit einander abwechſeln. Es muß den Schaa- fen nie zu viel auf einmal eingelegt werden, weil ſonſt Futter verwüſtet wird. Hochtragende„und ſäugende Mutterſchaafe müſſen eine Zulage erhalten, um das zu erſeßen, was ſie an die Lämmer abgeben. 4) Klares Waſſer iſt das beſte Getränk für Schaafe. Sie müſſen vor jedem Futter dazu gelaſſen werden, weil ſie nur nach befriedigtem Durſte mit Appetit freſz ſen und gutes Gedeihen- haben. Sie mit Schrot, Salz und dergl. zum- Trinken zu reizen, halte ich für ſchädlich. 5) Ein Abwiegen des Strohes und Nachwiegen deſſen, was ſie zurüFlaſſen, einigemal im Anfange wiederholt, bringt am ſicherſten zur Berechnung deſ- ſen, was es ihnen an Heu- Erſaß liefert, wenn man die Hälfte des Gewichts mehr annimmt. Dieſe Regeln, pünktlich befolgt, reichen nach mei- ner Ueberzeugung vollkommen aus, die Schaafe ſtets in gutem Zuſtande zu erhalten, und ein dem Wuchſe nach untadeliges Wollprodukt zu Markte zu bringen. Was wärmere oder kältere Temperatur der Ställe auf die Farbe und den Schweiß der Wolle und ihre vermehrte oder verminderte Güte für Einfluß haben, das kommt in einem andern Abſchnitte vor; eben ſo wie die Regeln, welche für die dauernde Geſundheit der Schaafe zu beobachten ſind. Hier, war es nur darum zu thun, zu zeigen, was die Fütterung für ei- nen Einfluß auf die Wolle ausübe. IV. Woll-Ertrag. Neben einer preiswürdigen Waare kommt es nun aber dem Schaafzüchter auch ganz beſonders auf die erzeugte Menge derſelben an. Dem Wollekäufer iſt dieß natürlich ganz gleichgültig, wie ergiebig die Schur iſt, nicht ſo dem Erzeuger. Bei der Menge der zu produzirenden Wolle kommt es aber auf zweierlei an: nämlich auf Fütterung und' auf natürlichen Wollreicthum der Schaafe. Was erſtens die Fütterung betrifft: ſo kann man durch dieſelbe auf den hdhern oder geringern Gewinn der Wolle ſehr wirken, nur geſchieht dieß, wenn man dieſelbe im Uebermaaße betreibt, nicht in demſelben Grade, als das mehr gegebene Futter austrägt, wie ich dieß im vorigen Abſchnitte bewieſen habe. Jedoch wirken auch hierbei manche Futterarten ſtärker, wie andere. Es ſcheint, als ob die verdaulichſten den gün- ſtigſten Erfolg hätten. So wird man 3. B. bei Kör- nerfutter immer die Bemerkung machen, daß man bei Gerſte und Hafer einen reichern Wollertrag hat, als bei Roggen. Dieſe leichtere Verdaulichkeit-hat dann ohne Zweifel Einfluß auf das Zellengewebe der . an EE FRESE diz - 597| 7 UP ADG Haut, was durch nichts in ſeiner regelmäßigen Dige- ſtion der Säfte, die es an die Wollhaare abſeßt, unterbrochen wird. Darauf mag es denn wohl auc< beruhen, daß manche Triften auf eine ganz beſonders reiche Schur wirken. Meiſt und faſt immer ſind dieſe in Gegenden, die eine vorzüglich geſunde und ſtets reichliche Weide haben. Daß ſolche Triften auf einen reichern Wollwuchs Einfluß haben, iſt keineswegs Ein- bildung. Denn ich weiß Beiſpiele, daß Schaafe, vie man aus derſelben in andere Gegenden brachte, und dort eben ſo reichlich nährte, dennoch im Woll-Ertrage bedeutend zurüFſchlugen; wogegen andere, aus ſonſt auch reichlichem Futter auf jene günſtigen Triſten ver? ſetzt, eine reichere Schur gaben. Gewdhnlich geben dieſe noch nebenbei ein gutes Produkt und der Mehr? ertrag wird nicht durch die verritgerte Qualität herab» geſeßt. Es wird hier niht am unrechten Orte ſeyn, wenn ich etwas über den- Einfluß der Triften und des Futz ters auf die Qualität der Wolle überhaupt anführe. Es iſt bekannt genug, wie getheilt hierüber die Meiz- nungen uoch ſind. Auf dem Leipziger Wolkonvente waren die meiſten Stimmen dafür, daß Trift und Futter wenig oder keinen Einfluß auf die Qualität der Wolle hätten, und daß das Klima auch wenig zur Veränderung der Wolle beitrage- J< habe in meiner Schaafzichter-Laufbahn eine große Menge von Meinungen über dieſen Gegenſtand gehdrt; ich habe an dieſe Ausſagen meine genaueſten Beobachtungen und ſorgfältig geſammelten Erfahrungen angereihet, und das Reſultat herausgebrächt, daß wohl Trift, Futter und Klima einen großen Einfluß auf die günſtige Ausbildung der Wolle ha- ben und auf ihre Qualität, ja auh auf die Quantität weſentlic< wirken. I< führe Be- weiſe an: In Schleſien hatten in den frühern Zeiten, wo die Veredlung noch wenig bekannt war, und die Wolle faſt nur im Lande verarbeitet wurde, einige Kreiſe ei- zen ganz beſonders guten Ruf bei den Tuchmacern für ihre Wolle. Dieß ging ſo weit, daß dieſelben ſchon günſtig für eine Partie derſelben geſtimmt waren, wenn ſie den Namen eines dieſer Kreiſe nennen hörten. Mildigkeit, feines Haar, gute Walkfähigkeit und eine Art von beſonderer Ergiebigkeit bei der Verarbeitung war es, was ſie der Wolle derſelben nachrühmten. Daß die Sache nicht auf bloßer Einbildung beruhte, beweist ſich dadurch, daß dieſe Tuchmacher eine Wolle, die ihnen, als aus jenen günſtigen Diſtrikten ſtammend, bisweilen untergeſchoben wurde, das folgende Jahr nicht wieder ſuchten, dagegen ſtets begierig nah der, die ſich als von dorther bewährte, fragten. Ferner: alle Wollhändler und Fabrikanten behaup- ten, daß eine Wolle von Schaafen, die auf einem ſchwarzen, viel üppige Kräuter tragenden Boden ge- nährt werden, weniger gut ſey, als eine andere von ſandigem Boden. Die Schäfereien im Odenbruche kann man zu ſolchen zählen. Von dieſen iſt es als bekannt ange=- -= 09=== angenommen, daß, wenn aud für ſie in jeder Art daſ- ſelbe gethan wird, als für die auf der ſandigen Hd- he, ihre Wolle dieſer doch nie gleich) kommt. Was nun diejenigen, welche die Wolle verarbei- ten, ſo vielfac< und feſt behaupten, das kann doch wohl nicht auf bloßer Einbildung beruhen. Es entſteht nun, wenn man dieß zugeben muß, die Frage: kann man dieſem Nachtheile auf keine Weiſe abhelfen? Die Antwort darauf wäre wohl: daß man dur<“ Anbau von Futterkräutern den Wuchs der wild vorhandenen zurüFſeen, und durch eine nicht zu reich: liche Zutheilung, die aber ſtets gleichmäßig ſeyn muß, der gar zu geilen Ernährung der Schaafe vorbeugte. I< glaube bei mir, da ich auch einen ſehr vppigen, zwar nicht ſchwarzen, Boden kultivire, durch dieſes Ver- fahren viel erreicht zu haben. Wenigſtens erzeuge ich hier eine Wolle, die ſtets Beifall findet, und noch kei- nem Tadel der obigen Art ausgeſeßt geweſen iſt. Aber auch das Klima hat Einfluß auf die gün ſtige Ausbildung der Wolle. Der Einwand, daß man edlere Wolle jetzt in Deutſchland erzeugt, als in Spa» nien, und daß die Merino's ſelbſt in Schweden und Rußland günſtigen Fortgang haben und dort eine ta- delloſe Wolle tragen, läßt ſich leicht entkräften, wenn man entgegnet, daß in den gedachten ndrdlichen Län- dern mit mehr Sorgfalt bei der Züchtung der Merino's zu Werke gegangen wird, wie in Spanien. Tſt auch dieſe Behauptung auf Schweden und Rußland nicht auf das Allgemeine auszudehnen, ſo gilt ſie doch von Elöners Schaafzucht. 5 einzelnen Fällen, und bei dieſen mde verleiten läßt, und ſie ohne jene allgemeine Prüfung ſchon für ſeine Heerde für vollkommen brauchbar erach- tet, der wird ſehr leiht Mißgriffen ausgeſeßt ſeyn. Eine Menge von Beiſpielen ſind mir vorgekommen, wo in Heerden, die dem größten Theile nach ſich zur bar- ſcheren und klebrigfetten oder Infantado-Wolle neigten, denno< ausgezeichnete Thiere, mit Wolle von der hdc<ſten Sanftheit und Feinheit, die reine Elektorals waren, vorkamen, deren Vererbung aber ihre Race ver- rieth, indem Nachkdmmlinge mit pechartiger Ober- fläße in Menge von ihnen fielen. Wählt man ſolche ' Sprungwidder, ſo haf man, bei richtiger Einſicht in die Sache, doh den großen Nachtheil, daß man ſtets eine Menge aus der Art ſchlagende junge Thiere mer- zen muß; iſt man aber dabei nicht bedenklich, und überläßt die Sache mehr der Natur, ſo kommt man in wenigen Generationen aus der Art, und wundert ſiH dann, wenn die Käufer die Wolle von Jahr zu Jahr ſchlechter finden. Gleiches Blut und gleicher Wollharakter dokfumen- tiren ſic) aber vorzüglich durch äußeres Anſehen, Länge und Bildung der Wolle. Niemals halte ich es für ."75== gut, den Fehler der allzugroßen Kurzwolligkeit ſogleich durch den vollkommenen Gegenſaß einer ſehr langen Wolle verbeſſern zu wollen, Man geht immer viel ſiche- rer, wenn man allmählig einlenkt, und z. B. auf Mät- ter, deren Wolle im jährlichen Wachsthum nicht über einen Zoll beträgt, nur Bde mit Wolle von hdſichtiget bleiben muß, verſteht ſich von ſelbſt. Ein verſtändiger Scaafzüchter wird ohnedieß für einen Widder, der wo möglich ſeine Mut- terheerde, wenn ſie auch zu den edelſten gehörte, an Vorzügen noch übertrifft, nicht leicht einen Preis zu hoch achten. Ueber Zuchtviehpreiſe überhaupt ſpreche ich noch in einem andern Abſchnitte. Man kann zwar wohl auch durch Vermiſchungen verſchiedenen Blutes, wenn man dieß nur durch mehrere Generationen mit richtiger Einſicht fortſeßt,'oft ſehr vorzügliche Reſul- tate hervorbringen, und durch Konſtanz dieſer Vermi- ſchungen neue Racen erzeugen. Aber immer gehdrt dazu. viel Aufmerkſamkeit und Einſicht. Eine derglei- chen gelungene Vermiſchung iſt in Schleſien die fürſt- lich Lycen gekreuzt haben, und in denen man den Charakter der Lychnowskyſchen auch findet. Wenn er dort weniger hervortritt, ſo rührt dieß einmal davon her, daß das eingemiſchte Blut ſich mehr verlor, da es nur durch einzelne Bd>e hineingebracht wurde; daß man dort die ganze Züchtung nicht mit der ſtrengen Aufmerk- ſamkeit betrieb; und daß die dortige Haltung der Schaa- fe, die weniger ſorgfältig iſt, der Oberfläche ein weni- ger geregeltes Anſehen gibt. Werden dieſe Schaafe w- 79 vw aber in andere Schäfereien gebra gar niht, und wird ſtets die Käufer eher ab- ſtoßen als anlo>en. Es muß daher ein Schäferei-Be- ſißer vor allen Dingen ſich eine gute Wäſche einzurich- ten ſuchen. In Flüſſen und Strdmen befommt zwar Eitners Schaafzucht. 6 -...-82=... die Wolle meiſt eine ziemliche Weiße, jedoch verliert ſie darin oft an ihrer Sanftheit und Elaſticität. Dieß wird ganz beſonders dann der Fall ſeyn, wenn man des. Guten nicht zu viel thun zu können glaubt, und der Wolle eine blühende Weiße zu geben ſich bemüht. Es entgeht ihr alsdann faſt alles Fett, und man hatneben g dem Schaden der Gewichtsverminderung noch den der herz abgeſeßten Qualität. Weniger wird man dieſer Ge- fahr im ſtehenden Waſſer ausgeſetzt ſeyn, und ſelbſt wenn auch aus dieſem die Schaafe eben ſo weiß her- ansgehen, wie aus dem Fluſſe, ſo wird die Wolle doch unendlich mehr von ihrer Sauſtheit behalten ha ben, wie bei der Flußwäſche, beſonders in reißendem Waſſer. Wollte man aber die verlorene Sanftheit und das entgangene Fett durc) ein längeres Gehen der Schaafe nach. der Schwemme ſich wieder finden laſſen, ſoy wird die Wolle trübe und bekomm ein unempfeh- lendes Auſehen. Am ſchönſten ſowohl in der Weiße, als auch im milden Gefühl wird die Wolle allemal in Waſſer, was eine Zeitlang der Luft und Sonne ausgeſetzt geweſen iſt, und worin eine Menge Schaafe hinter einander geſchwemmt worden. Es bildet ſich alsdann auf dem- ſelben ein ſeifenartiger Schaum, und wenn dieß der Fall iſt, dann dürfen dieſe Thiere lange nicht mehr ſo oft duren von 80 Fuß Länge, 40 Fuß Breite und 4 Fuß Tiefe. Es werden jedesmal 500 Stück zugleich geſchwemmt. Die biin EEE: aht geringere Klaſſe kommt zuerſt daran. Jede Partie wird immer erſt geſchoren, ehe die andere zur Schwemme kommt. Sobleibt das Waſſer immer wieder 3--4 Tage ſtehen und nimmt ſelbſt zuleßzt einen üblen Geruch an, wäſcht aber alsdann gerade am beſten. Es fließt aber immer reines Waſſer zu, um das verdunſtete und in die Erde gezogene zu erſezen. Die Schwemme iſt un- ten ganz mit einer Graäsnarbe überzogen, da ſie außer der Zeit der Schaafwäſche das ganze Jahr hindurd) troden liegt. Die Schaafe werden blos dreimal beim Einweichen und dreimal beim Reinwaſchen durnen anfangen. Viele Schaafzüchter haben den Glauben, man müſſe, um in die Wolle die durch die Wäſche abgegangene Fet- rigkeit erſt wieder zu bringen, die' Schaafe nod) meh- rere Tage nac der Schwemme gehen laſſen, ſelbſt wenn fie auch vollfommen abgetro&net ſind. Dadurch aber machen ſie, daß eine auch noh ſo rein gewaſchene Wolle doch wieder trübe wird. Denn es iſt bei aller Sorgfalt und bei noch ſo ſtarker Einſtreu im Stalle dennoch nicht möglich, es ganz zu verhüten, daß ſich die Schaafe wieder beſchmußen. So wiedie Wolle gänzlich abge- rroner iſt, wird bei mir geſchoren und ich habe nie- with.| SE MEEN:., pet mals die Erfahrung gemacht, daß ſic tro>en oder dürr im Gefühl geweſen wäre. Die Schaafe des Nachts während des AbtroF'nens in einen Stall ganz eus zuſammen zu ſperren, und dann alle Oeffnungen zu verſchließen, damit ſie zum Schwi- ßen kommen und die Wolle im Gewicht zunehme, was wohl Manche thun, iſt eben ſo grauſam als gemein. Die es thun, werden gewöhnlich für ihre Illegalität beſtraft, indem ſie oft Schaafe dabei verlieren, und am Ende für die Wolle im Preiſe ſo viel weniger er- halten, als ſie am Gewichte mehr ſcheeren, Sind nun die Schaafe vollkommen troden, ſo muß bei der Schur mit der grbößten Sorgfalt verfahren wer? den. Bei edlen Heerden hat man wohl jest meiſt be- ſondere Scurtennen. Da wo man es aber noch auf den Scheuertennen thun muß, da iſt die größte Reinlich- keit ndthig, und es iſt gut, wenn glatt gehobelte Bret- ter auf beiden Seiten, w9 die Scheerer ſitzen, gelegt werden. Die Vließe müſſen ganz zuſammenhängend abgeſchoren werden. Zu dem Ende wird mitten am Bauche angefangen, an der einen Seite hinunter bis an die Schenkel, und von dort herauf bis an die agus- gehenden Rückenwirbel gegangen; dann auf dem RüFen herauf nach vorn zu, die Seite mit eingeſchloſſen, geſchv- ven. Wenn ſo die eine Hälfte ganz fertig iſt, wird das Schaaf mit Vorſicht umgewendet und auf der an- dern Seite in umgekehrter Ordnung wreder bis an die Mitt I des Bauches fortgefahren. Wenn ſodann das Vließ aufgenommen wird, dann muß es ſy zufammen« en halten, daß man ſich darein wie in einen Mantel hül- [en fann. „Die Vließe werden nun auf einen Tiſch gelegt und ausgebreitet. Sind Löcher hinein geriſſen, ſo zieht man von der einen Seite deſſelben eine Flo>ke herüber nach der andern, ſte>t ſie dort zwiſchen den Stapeln durch und verbindet auf dieſe Weiſe die Theile wieder. Denn es iſt nothwendig, daß das Vließ durc<) und durch zu- ſammenhänge. Alles, was an den Extremiräten ſcenwolle gethan. Nur muß man dieß ja nicht zu weit treiben; denn man ſchadet ſich ſonſt gar ſehr. Sind die Schaafe nicht erwa ganz bei der Haltung vernachläſſigt, ſo daß der Na>en bis auf den Rücken voller Unrath ſteckt, und die Hintertheile und der Bauch in allzuſcen ſind aber wieder die Stücken zu unter- ſcheiden. Es gibt nämlich manche Scheerer, die, troß aller Aufficht, dennoMm das Vließ nicht genug zuſam- men halten, und die, wenn. ſie hinten und vorn hinkom- men, leicht durchſchneiden, und Stellen ſtehen laſſen, die ſie erſt nachſcheeren. Dadurc< machen ſie Stücke, die oft dem ganzen Vließe vollkommen an Güte gleich ſind. Es gibt auch manche Schaafe, deren Wolle nicht genug zuſammenhält, und wo, ungeachtet aller Vorſicht, dennody) große Stüen abreißen. Dieſe müſſen dann in die Vließe eingelegt werden. Denn man würde ſich bin EE EIL ſehr ſchaden, wenn man ſie mit in die LoF>en werfen wollte. Wenn nun das Vließ„gehdrig geordnet iſt, dann werden die beiden Seiten deſſelben über einander geſchla- gen und das Ganze in ein Bällchen zuſammengewickelt. Ich habe ſonſt die Methode beobachtet, deren man ſich in Sachſen und zum Theil in der Mark Brandenburg bedient, nämlich mehrere Vließe, oft 4--6 zuſammen zu legen, ſie dann in einen großen Ballen zu wickeln und kreuzweis zu binden. Da wo die Wollkäufer in's Haus kommen und nah abgeſchloſſenem Kaufe ſich die Wolle ſelbſt in Säcke pa>en, geht dieß an; wo man ſie aber auf den Markt bringen und wie z. B. in Bres- lau in langen Säen eng zuſammen ſtellen muß, hat dieſe Methode viel Unbequemes. JI ſtellte ſie zwar dort zur beſſern Anſicht in einem Laden in den Bunz- den auf und verpackte ſie erſt nac) dem Verkaufe. Dieß führte aber ſo viel Beſchwerlichkeit mit ſich, daß ich nunmehr die Art, ſie in einzelnen Vließen zu rol- len und ungebunden in viere>ige SäFe zu packen, weit bequemer finde. Dieſe Sä>e können leicht ant einer ganzen Seite aufgeſchnitten werden, und die Kaufluſtigen können nach Belieben dieſes Aufſchnei- den vornehmen und eine Menge ſolche Bällchen her- ausholen, um die Wolle richtig zu beurtheilen. Da dieſe Bällchen reihenweiſe gelegt ſind, jo nehmen ſie ſic) leicht heraus, und man hat dieſe Art der Ver- | paFung beſonders nachher auf dem Sortirboden ſehr 0) IIM gerühmt und ſie der in großen gebundenen Ballen weit vorgezogen. Läßt man dieſe einzeln gewielten Bließe aber in lange Sä>e zuſammentreten, ſo zerreißen ſie zum Theil, die Wolle kommt ſodann äuf dem Sortirbo- den ganz unſcheinlich aus dem Sa>e und die Arbeit des Sortirens iſt viel beſchwerlicher. In ſolche viere>ige Sä>e gehen ungefähr 3 Ctnr. Sie ſind an allen Seiten beinahe 4 Fuß lang und handhaben ſich ſehr bequem. EIE<< 21055 gie mmenenenneeggriä mazine Meant VI: Beurtheilung der Wolle. Dem Anſdhjeine nach ſollte man gar nicht glauben, welch ein ſchwieriges Geſchäft es iſt, die Wolle in je- dem Zuſtande richtig zu beurtheilen. Es gibt eine Menge andere Produkte, wo zur richtigen Scäßung ihres Feinheitsgrades ein ſehr geübtes und ſcharfes Auge. erforderlich iſt. Z- B- geſponnene Seide und Seidenzeuge, feines Garn und die daraus gewebten Waaren, als Batiſt, Schleier, Leinwand 2c. 5 ferner andere feine Arbeiten mannigfaltiger Art. Bei allen aber wird man es gewiß leichter zur Fertigkeit und Richtigkeit bei der Beurtheilung bringen, als bei der Wolle. Dieß kommt daher, weil bei ihr die Natur eine Menge Abweichungen hervorbringt, die ſo mannigfal- tig ſind, daß oft Woile von ganz gleichem Feinheits- grade dennoch, beſonders im rohen Zuſtande, ein ganz verſchiedenes Anſehen hat. Außerdem influirt noch auf dieſelbe der kdrperliche Zuſtand der Scaafe ſowohl als auch die verſchiedene Temperatur, in welcher ſie gehalten werden, und das, ob man ſie mehr odey meets, me pan < 5 0094-2. weniger der Witterung ausſeßt. Weil aber die Beur- theilung der Wolle im rohen Zuſtande ſo ſchwierig iſt, und weil ſie ſich nach der Wäſche oft ſo bedeutend ver- ändert, ſo haben auch viele, oft recht erfahrne Schaaf- züchter Mißgriffe gethan, wo ſie es nicht glaubten und zu ſpät einſahen, wie ſie ſich geſchadet hatten. Wenn aber auch aufmerkſame Schäfereibeſikßer in ihrer eige-| nen Heerde, wie man ſagt, ganz zu Hauſe ſind; wenn ſie auch dort den Werth der Thiere nah ihrer Wolle ganz richtig zu würdigen verſtehen, ſo ſind ſie doch meiſt nicht im Stande, eine fremde Heerde zu beurtheilen, beſonders wenn dieſe im Wollcharakter von der ihrigen abweicht. Sie ſchätzen ſie dann entweder zu hoch oder zu gering, und wenn ſie auch ganz frei ſind von der Eigenliebe, die immer nur das Ihrige für das Vollkom- menſte hält, ſo ſezen ſie dennoch oft eine fremde Heerde gegen die ihrige herab, die do) in der That über der- ſelben ſteht, oder ſie halten ſie auch für beſſer, wenn ſie gleich von geringerem Werth iſt. Der Fall iſt mir in allen Abweichungen vorgekommen. Ob nun gleich die Wolle, wenn ſie gewaſchen iſt und als Waare an den Markt kommt, weniger ſchwie: rig zu beurtheilen iſt, weil ſich danu ſchon manche Ab- weichungen in der Wäſche ausgeglichen haben, als z. B. gelber oder weißer Schweiß, ſchwarze oder graue Ober- fläche 2c., ſo iſt doch auch dieß kein leichtes Geſchäft. Jedoch iſt bei der Schätzung derſelben, mit ſcharfem Auge, leichter die Uebung erlangt, und die Mißgriffe ſind ſeltener. Was ich nun durch lange und thätige WASEN- TEE Praxis in Beurtheilung der Wolle gelernt habe, das ſoll jetzt folgen. JI) betrachte ſie 4. Im rohen Zuſtande. Unter dieſem verſtehe ich, wie ich wohl kaum erſt bemerken darf, wie die Wolle auf den Schaafen, und zwar ungewaſchen, ſteht. Um ſie in dieſem Zuſtande richtig zu beurtheilen, muß ſie erſt ausgewachſen, das heißt, ſie muß wenigſtens 8 Monate ſeit der Schur alt ſeyn. Früher wird man ſich ſtets täuſchen. Eine lange Wolle, beſonders mit etwas hohen Bogen, ſieht im hal- ben Wachsrhume, weun ſie 5--6 Monate alt iſt, oft vortheilhafter aus, als wenn ſie ganz ausgewacſen iſtz dagegen empfiehlt ſich eine kurze in dieſem Alter gar nicht. Zur Beurtheilung ihres Feinheitsgrades ſind, wie bekannt, die Windungen oder Bogen der kleinen Sta- pel ein Anhaltpunkt. Man hat angenommen, daß bei 30 ſolcher Windungen auf einen Zoll die Wolle die Feinheit habe, um Elekta oder wie die Wollhändler ſagen, Elektoral zu ſeyn. Bei noh mehreren Bogen auf dieſelbe Länge wird ſie Super-Elekra. Wenn man jedoch) dieſe Beſtimmungen der Feinheit allein gelten laſſen wollte, ſo wurde man zweierlei Nachtheilen ausge- ſet ſeyn. Einmal wird man dann eine Wolle mit hoch- geſtellten Bogen(deren immer mehr auf eine beſtimmte Länge gehen, als von den weniger hohen, wenn auch die Feinheit bei beiden ganz gleich iſt) vorzugsweiſe be- günſtigen. Nun iſt aber gerade eine Wolle mit allzuho- hen Bogen nicht die beſte, indem ihr die hohe Sanft? heit nicht in gleichem Grade beiwohnt, als der mit flacheren. Dann ſtellen ſich auch meiſt bei einer dünnen Wolle die Bogen enger, als bei einer dichten, indem ſich die erſtere mehr zuſammenzieht und verkürzt, und alſo ſchon deshalb auf eine gegebene Länge mehr jener Bogen fallen läßt. Wählt man nun bei ſeinen Zucht- thieren gerade immer die aus, die man nac dieſer Zählung für die feinſten hält, ſo bekommt man von Generation zu Generation weniger und geringere Wolle und hat auf die ſorgfaltigſte Art auf's Zwirnen hinge- arbeitet. Cs ſind dieß nicht etwa Theorien, die ich hier aufſtelle, ſondern es iſt faſt die wdrtliche Erzäh- lung der Erfahrung einiger Schaafzüchter, die nach je- nen Zählungen bei der Behandlung ihrer Schäfereien verfuhren. Schwieriger wird allerdings die richtige Schäßung des Feinheitsgrades, wenn jenes Hülfsmittel nicht au- zuwenden iſt. Regeln, wie man dieſen alsdann ganz richtig zu ſchäßen im Stande ſeyn wird, laſſen ſich freilich nicht viele geben, und man kann nur durch fort- geſetzte vielfache Uebung ſich die Fertigkeit erwerben, die Feinheit der Wolle bei deren Anblicke ſogleich und richtig zu beſtimmen. Wenn man dieſelbe auf den Thieren aus einander ſchlägt, ſo iſt der erſte Eindruck, den ſie auf das Auge macht, ihre Farbe. Sie iſt dann entweder ganz dun- kel-, faſt rothgelb, oder hellgelb, over weißlich, oder auch glänzend weiß. Mit letzterer Farbe empfiehlt ſie ſich am meiſten, und ſie beſticht das Auge quf den erſten Anblick ſogleich. Man muß ſich jedoch dadurch nicht verleiten laſſen, der Wolle mit dieſem Glanze unbedingt den Vorzug vor jeder andern zu geben. Denn es gibt deren, die troß deſſelben dennoch von geringer Qualität iſt. Bei meinen Schaaffklaſſifikationen iſt mir der Fall unendlich oft vorgekommen, daß die Heerdenbeſißer 1e- desmal, wenn ſolche Wolle vorkam, hod) erfreut dar- über waren, und ſich ſehr verwunderten, wenn ich ſie nicht ſogleich in die höchſte Klaſſe ſetzte. Oftmals hat aber dieſe Wolle gar nicht einmal den ächten Glanz. Sie hat ein gewäſſertes Anſehen und ihre Windungen ſind inſofern geregelt, als ſie ſich in gleicher Art geſtal- ten. Unterſucht man aber das Ganze genau, ſo findet man, daß die Stapel gegen einander wie geklebt liegen, und daß die Windungen nach oben zu immer weiter werden. Dieß iſt ein Zeichen, daß die Wolle nicht in der ganzen Länge herauf gleiche Feinheit behalt, und daß ihr auch) der hohe Grad von Sanftheit und Zart- heit mangelt, den man von einer Wolle der erſten Sorte verlangt. Der Analogie nach ſollte man ſchlie- ßen können, ſie müſſe, wegen ihres natürlichen, ſchd- nen, weißen Glanzes eine vorzügliche Wäſche anneh- men. Aber auh dieß iſt nicht allemal ver Fall, viel- mehr wird ſie in derſelben oft trübe und verliert jenen Glanz. Mit dem Geſagten will ſich aber keinesweges be- weiſen, als müſſe die Wolle dieſen weißen Glanz nicht haben. Vielmehr möchte ich behaupten, daß ihn ge- rade die allerausgezeichnetſte meiſt hat. Er iſt aber als- == LOBE: 22 dann von jenen trügeriſchen dadurch unterſchieden, daß der ächte dem von ganz feinen weißen Battiſt, und der unächte dem von geglätteter Leinwand ähnlich iſt. In wiefern es der Schaafzüchter in ſeiner Gewalt hat, daß die Wolle auf den Schaafen weißen oder gelben Schweiß und Farbe trägt, das werde ich, indem ich die verſchiedenen Farben der Wolle durchgehe, anführen. Wolle mit hellgelber Farbe beſticht zwar das Auge weniger, hat aber deshalb keinen geringern Werth. Sie hat in den meiſten Fällen den Vortheil vor der weißen voraus, daß ſie ſich beſſer wäſcht. Denn die- ſes hellgelbe Fett iſt grade das, was ſich am leichte- ſten aufldst. Die Feinheit ſolcher Wolle läßt ſich faſt noch leichter und richtiger finden, als bei der ganz weißen, weil das Auge von ihr weniger geblendet wird. Die ſächſiſhen Schäfereien, beſonders die edelſten, haben faſt alle dieſe hellgelbe Farbe in der Wolle. Die Urſache davon ſind ihre etwas dunkeln und engen Ställe. So wie man ſie in hellere und geräumigere bringt, wird dieſe Farbe weißer. Ich habe mit Schaafen aus meiner Eleftoralheerde meh- rere Jahre hinter einander den Verſuch über die Ver- änderung dieſer Farbe gemacht und jedesmal iſt der Erfolg derſelbe geweſen. In zwei verſchiedenen Stäl- len nämlich, wovon der eine nach alter Bauart mit mä- Bigem Lichte und ſehr warm iſt, weshalb auch in ihm ſtets die Lämmer ſtehen, wird jedesmal der Schweiß der Wolle gelb, ſobald die Schaafe nur einige Wo- den hinter einander darin bleiben; dagegen wird er FERN. BAD in einiger Zeit wieder weiß, wenn ſie in einem andern, aus einer Scheuer eingerichteten und ſehr luftigen Stalle ſtehen. Vergleicht man dänn die aus beiden Ställen mit einander, ſo iſt es, als ob ſie nicht zu ein und derſelben Räce gehdrten. Bei der Wäſche werden aber jedesmal in demſelben Waſſer die mit gelbem Schweiße eher rein, als die mit weißem. Ein Andres iſt es freilich, wenn die Wolle roth- gelb ausfieht und förmliche Fetctklumpen an ihren Sta- peln hängen, und wenn dieſes Fett noch dazu klebrig und talgartig iſt. Dann verrathen die Schaafe das Blut der Infantado's. Es gibt freilich deren auch mit weißem Fett und weißem Glanze. Beide waſchen fich aber äußerſt ſchwer, und ſelten wird die Wolle in der kalten Wäſche auf dem Körper ganz rein. Wenn man eine Flocke dieſer Wolle zwiſchen die Fin- ger drückt, und zieht dieſe dann leiſe aus einander, ſv bleibt ſie im Anfange an denſelben hängen, bis ſie erſt weiter gedffnet werden. Dieß thut aber die Elek- toralwolle bei der üppigſten Fütterung und im ſtärke: ſten Fette memals. Denn wenn auch in dieſem Falle die Schaafe bei noch dazu kommender ſehr warmer Hal- tung im Stalle ein ſchwarzes Anſehen gleich) den Jn- fantado's bekommen, ſo iſt es keinesweges der pech- artige Ueberzug, den dieſe haben. Oft kommt aber auch der Fall vor, daß die Wolle jenen rothgelben Schweiß bekommt, ohne daß grade die Schaafe zu den Infantado's gehdren. Wenn ſie in ſteinernen Ställen gehalten werden, deren Mauern emagin 7 I: HE ſchwißen, oder vielleicht im Anfange nicht recht aus- getro>net ſind, wenn in dieſen Ställen eine ſehr war- me Temperatur herrſcht, und wenn bei dieſen Um- ſtänden die Schaafe dann noch oft in die freie Luft fommen, ſo läuft die Wolle förmlich an, und befommt ein roſtiges. Anſehen. Die Dünſte des Stalls, der Wechſel der Temperatur, kräftiges Futter dazu, brin- gen dieſe Erſcheinung hervor. Id) habe in dieſer Art Beobachtungen gemacht, die hh<ſt lehrreich) waren. In einer Schäferei, die ic) klaſſificirte, und deren Werth ich nach ihren Wollpreiſen kannte, fand ich die Wolle ſo ſchlecht ausſehend, daß ic) Anfangs ganz ſtußzig wurde. Die Spißen derſelben waren rauh und borſtig von weitem anzuſehen, inwendig im Vließe ſah ſie braunroth und roſtig aus, an. den untern Theilen des Bauches und an den Schenkeln war ſie zum Theil filzig und bodig. Mit Einem Worte, man hielt ſie für eine der ſchlechteſten Mittelwollen. Als ich den Stall genauer unterſuchte, fand ich, daß er aus, Feld- ſteinen erbaut war, die ſo ſchwitzten, daß das Waſſer an den Mauern herunterlief. Auch war in denſelben eine etwas zu warme und dunſtige Luft. Als ich die Wolle nach der Schur wieder ſah, hatte ſie am An- ſehen zwar gewonnen; jedoch ging ihr der reine Glanz und die Geſchmeidigkeit ab, auch waren die Spitzen etwas gelblich. Auf einem andern Gute war ein neuer, pracht- voller Schaafſtall gebaut und die Elite der Schäfereien von der ganzen Herrſchaft hineingeſtellt worden. Der Bau 0 NI Bau war ſehr beeilt, und die Mauern noch nicht ganz ausgetro>net, als ihn die Schaafe bezogen. Dieß war voriges Jahr. I< ſah ſie dieß Frühjahr und erfannte ſie kaum wieder. Sprungwidder, die ich vor zwei Jahren bewundert hatte, Mutterſchaafe, die da- mals die Blüthe der Shaafzucht genannt werden konu- ten, hatten, wenn man ihr Vließ aufſcen, ſo verändert ſie nicht blos ihren äußern Anbli>, ſondern ſie hat auch, wenn man ſie aus einander blättert, ein anderes Anſehen be- Elöners Schaafzucht. 7 Se I 0 fommen. Sie ſcheint da ſanfter und feiner geworden zu ſeyn. Was das ſauftere Gefühl betrifſt, ſo beruht dieß nur auf einer Tänſchung, weil es einen ſcharfen Gegenſaß zu der hart und kruſtig gewordenen Oberflä- e immer zugleich die übrigen guten Wolleigen- ſchaften, die die hdhere oder mindere Sorte /mit be- ſtimmen helfen, angibt.« Sie läßt ſim nicht lehren, ſondern nur erwerben. Aber dieſe Erwerbung kanu durch Angabe verſchiedener Vortheile und Hülfsmittel erleihtert werden. Jd will deren einige hier angeben. 1) Den Feinheitsgrad einer Wolle kann man durch folgende Vergleicjung am leichteſten hergusbringen. Man nimmt von einer Probe, die von hoher Elekta iſt, zwanzig. Wollhaare und dreht ſie in einen Faden zuſammen. Dann zählt man deren zwanzig von der zu vergleichenden Wolle. Beide Faden gut ausge- ſpannt gegen einander gehalten, werden nun leicht an- geben, um wie viel die eine ſtärker iſt, als die andere. Denn was im einzelnen Haare dem unbewaffneten Auge als Differenz nicht zu erkennen iſt, das wird gewiß, wenn es verzwanzigfacht iſt, deutlicher hervortreten. Auch wenn man dieſen Verſuch nur mit zehn Woll- haaren macht, wird er in den meiſten Fällen ausreichen. Legt man dann dieſe zuſammengedrehten und ausge- ſpannten Faden neben einander auf einen dunklen Ge- genſtand, ſo wird ſich die mehrere oder geringere Fein- heit von beiden leicht herausfinden laſſen. Nur muß man zu mehrerer. Sicherheit mit der Lage derſelben jedesmal wechſeln, weil es oft ſehr darauf ankommt, auf welcher Seite jeder von. beiden Faden liegt, indem das. Auffallen der Lichtſtrahlen einen großen Einfluß darauf ausübt, wie ſie dem Auge erſcheinen.'Da aber --* = 100-- auch das Fett der Wollhaare, welches dur das Zu- ſammendrehen derſelben beſonders hervortritt, leicht eine Täuſchung über ihrer Stärke bewirkt; ſo iſt es gut, wenn man dieſe Faden erſt durch feines Löſch- papier zieht, um ſie zu entfetten. 9) Wenn man die Feinheit der Wolle nach ihren Windungen beurtheilen will, ſo wird man vor der Täuſchung, in die man leicht durch zu hohe und des- halb enger ſtehende' Bogen verfallen kann, dadurch verwahrt werden, daß man von zwei verſchiedenen Wollarten, wovon die eine hohe und die andere fla- e von derſelben zwiſchen den Fingern aus einander zieht; ſo müſſen ſich die Haare nicht bald ſo von einander trennen, daß ſie Löcher bilden, ſon- dern die Wolle muß ſich gleich einem Spinngewebe zie- hen, und immer durchſichtiger werden, obgleich erſt ſpät. kleine ſichtbare Oeffnungen entſtehen. Auf den Schaa- fen ſteht ſie nicht ſteif und wie glatt abgeſchoren in ihren Stapeln, ſondern vielmehr in lauter kleinen aber ganz regelmäßigen Erhöhungen und Vertiefungen, und wenn man mit den ausgeſpreizten Fingern darauf drückt; ſo behält ſie, gleich einem Teige, die Cindrü- de eine Zeitlang. Wolle, die dieſe Probe aushält, braucht man oft gar nicht erſt aufzuſchlagen, weil man ihre hohe Qualität ſchon von Außen erkennt. Streicht man über eine dergleichen Wolle mit der flächen Hand rüFwärts, ſo bleiben ihre Stapelſpitzen eine Zeitlang -=-= 103- in der dadurch gegebenen Richtung und haben beinahe das Anſehen von rüXwärts gebogenen Federn. 7) Da eine Wolle der vorzüglichen Art auch frei ſeyn muß von Spitßen, wovon ich oben bei Il. ſchon geſprochen habe, ſo hole ich zur Ergänzung hier nur noch nach, daß man zur richtigen Beurtheilung dieſes Fehlers nur folgenden. Verſuch zu machen braucht: Man zieht die Wollhaare an ihren oberen Enden aus einander und hält ſie gegen das Limt. Stehen dieſel- ben grade auf, und zwar ſo, daß man gar keine Bie- gung an denſelben bemerkt, ſo iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß die Wolle dieſe fehlerhaften Spi- ßen habe, die dann auch nach der Wäſche recht deut- lich hervortreten. Sind aber blos ihre Stapel zuge- ſpißt, wie es deren denn auch von der edelſten Gat- tung gibt, bei welcher dieß vorkommt, und man findet bei der Trennung der Wollhaare, wenn man ſie gegen das Licht halt, daß dieſelben bis oben herauf geſchmei- dig ſind,=- was ihre Biegungen bis in die Spiße zei- gen,=- dann hat die Wolle den gedachten Fehler nichr; auch erſcheinen gewdhnlich) nach der Wäſche die Stapel weit weniger ſpißig. 8) Ein gänzliches Freiſeyn von Spitzen, und eine vdl- lig regelmäßige Bildung der Wolle ſowohl, als auc< ihre Ausgeglichenheit der Wollhaare unter einander wird auch allemal einen ſowohl in den kleinen Stapelhen gut geordneten Wuchs als auch im Ganzen einen re- gelmäßigen Stapel geben. Man kann allerdings in den Forderungen an denſelben zu weit gehen; jedo< wer MOK== wird ohne ſeine Regelmäßigkeit, ſey er nun ſpitz oder ſtumpf, der Wolle immer die Beſorgniß einiger Unächt- heit anhängen. Weil man darauf früher zu wenig* achtete, ſo ſchweift man jeßt, nachdem man darauf aufmerkſam gemacht worden iſt, auc hie und da darin aus. Dieſen regelmäßigen Stapel hat aber be- ſonders die gezwirnte Wolle gar nicht. 9) Zur Unterſcheidung der gezwirnten Wolle darf ich meines Bedünkens zu dem, was ich oben bei 11. geſagt habe, nur hinzufügen, daß man auch nicht zu weit gehen müſſe, und am Ende eine Wolle, die die- ſen Fehler nur zu haben ſcheint, nicht gleich mit dem- ſelben belegt. Was ich am angeführten Orte weitläu- fig darüber geſagt habe, wird gewiß, wenn man es Alles genau erwägt, vor dieſem Mißgriffe ſchüßen. 10) Die Krümpkraft, welcher eine edle Wolle nie entbehren kann, erkennt man am beſten dann, weun man ſie ſpannt und' in ihre natürliche Lage zurüctre- ten läßt. Der Grad von Elaſtizität, den ſie da ver- rath, beſtimmt den Grad ihrer Krümpkraft. Da nun derſelbe, wenn er zu ſtark wäre, eben ſo wenig taugt, als wenn er zu ſchwach iſt, ſo muß man auch darin das rechte Maaß kennen. Die Wolle wird aber die- ſes haben, wenn ſie nac) der Spannung nicht allzu- ſchnell, gleihſam ſchnappend, ſondern vielmehr all- mählig und mit gleicher Geſchwindigkeit in ihre na- türliche Lage zurücktritt. Iſt ſie gewaſchen als Han- delswaare, ſo bläht ſie ſic) nac) dem Drucke gleich einem Federballe auf. Die ſanfteſte und feinſte Wolle ==. 4098=- hat in der Regel dieſe Kraft in dem wünſchenswerthe- ſten Grade, daher gibt es auch Wollhändler und Fa- brikanten, die eine Wolle nur dann ſchnell und rich- tig zu beurtheilen wiſſen, wenn ſie feſt eingepa>t ge- weſen iſt. Mir ſelbſt machte einmal einer derſelben die Bemerkung, daß er ſich durchaus nicht getraue, meine Wolle richtig zu ſchäßen, weil: ich ſie nicht feſt gepa>t, ſondern in Bunden offen liegen hatte. I< ſage, in der Regel hat die ſanfteſte und feinſte Wolle dieſe Krümpkraft grade in dem wünſchenswer? theſten Grade; jedoch gibt es auch) Ausnahmen von dieſer Regel, die zwar ſelten, aber doch bisweilen vor- kommen, wo eine dergleicgen Wolle ſchlaff iſt, entwe- der wegen Schwächlichkeit der Schaafe oder wegen feuch- ter und wäſſeriger Trift, welche die Wolle ſchlaff und ſchwammig macht. Alsdann iſt ſie aber nur zu glat- ren Zeugen zu brauchen, gibt aber auch ein ſeidenähn- lices Produkt. Von dieſer Art ſind mir Schaafe vor- gekommen, die, wenn ſie in Menge vorhanden wären und eine Quantität von Wolle lieferten, die den Ver- ſuch lohnte, ein Produkt liefern würden, was der Sei- de gleich geſeßt werden und dieſelbe in manchen Mo- deartikeln verdrängen kdnnte. Leider ſind ſie aber von dieſer hohen Feinheit und Zartheit ſelten, und es möchte große Mühe koſten, auch mur einige Centner Wolle dieſer Art aus den größten Quantitäten herauszufinden. 11) Abſäge in der Wolle zu entde>en, dazu be- darf es keiner beſondern Anweiſung, weil ſie auch ei- nem ſchwachen Auge ſogleich, durch die veränderte -- 106-- Farbe und den matten Glanz ſolcher Wollſtellen, be- merkbar ſind. Die angegebenen Hülfsmittel werden, wenn man ſie zur Erlangung von Uebung Anfangs mit der grbß-' ten Aufmerkſamkeit anwendet, ausreichen, um es bei fortgeſeßter Mühe in der Beurtheilung der Wolle zur ziemlichen Sicherheit und Fertigkeit zu bringen. Alle, die ich ſonſt noch anführen kdifhte, ſind oben bei I1. von der verſchiedenen Ausbildung der Wolle ſchon ent- halten, als z. B., wie Binder oder Querhaare, filzige Wolle 2c. zu unterſcheiden ſind. IH komme nun B. Zur Beurtheilung der Wolle nach' der Wäſche, wo ſie als Waare in den Handel kommt. Bald nad) der Schwemme, wo ſie noch naß iſt, wird ſich wohl noch kein Wollkenner augemaaßt haben, eine Schätzung derſelben geben zu kbnnen. Ihr ganzer Bau iſt dann zerſtdrt, die Stapel hängen herab, ächte und unächte Haare liegen meiſt durc) einander, und auch die vorzüglichſte Wolle ſieht dft einer fehlerhaften ſo ähnlich, beſonders wenn ſie im Hauptcharakter nicht grade abweicht, daß man der erſten wenig Vorzug vor der lezten geben würde. Wenn ſie auf den Schaafen getro&net iſt, dann hat ſie ſich ſchon wieder geregelt und man kann eher ſehen, was an derſelben iſt. Jedoch geſtehe ich ganz vffen, daß ich mir auch da noch kein richtiges Urtheil über dieſelbe abzugeben getraue. Beſonders iſt man ſehr bald über ihren Feinheitögrad ungewiß, wenn man ez--“um auch ihre übrigen preiswürdigen Eigenſchaften ziemlich genau angeben kann. Wenn ſie dann aber geſchoren iſt und als Han- delswaare erſcheint, dann iſt ihre Würdigung leichter, als in jedem andern Zuſtande.-Die Schaafzüchter ſind zwar meiſtentheils nicht dieſer Meinung, und viele, welche die Wolle auf den Schaafen ungewaſchen recht genau zu ſchäßen wiſſen, geſtehen ihre vollige Unwiſ- ſenheit und Unkfenntniß bei der gewaſchenen und geſchor- nen Wolle ein. Das macht aber, es' fehlt ihnen hier- in an Uebung und an der Kenntniß der Kriterien, nach denen ſie ihr Urtheil zu beſtimmen hätten. Bei dieſen glaube ich mir nun vorzüglich Dank zu verdienen, wenn ich ihnen hierüber einigen Aufſchluß gebe. Was 4) die Biegungen* der kleinen Stapel betrifft: ſo ſind ſie bei der gewaſchenen Wolle nicht mehr als Norm anzunehmen, indem ſie zum Theil verlaufen, zum Theil auch nicht mehr die Regelmäßigkeit, wie im natürli- t ſodann ziem- lich genau ſowohl die Feinheit der Haare im Ganzen, als auch ihre Ausgleichung unter einander. Ihre Güte noch genauer zu beſtimmen, läßt man ſie dann in ih- ien natürlichen Zuſtand aus der Spannung zurücktre- ten, und ſieht, ob ſie auch da noch ihren feinen und ächten AnbliX behält. 3) Wenn man das Vließ auf dem Tiſche ausbrei- tet, ſo entſcheidet dann, da- die Seite der Haut im- mer unten gelegt wird, die Oberfläche derſelben über ſeinen' Werth. Iſt die Wolle ganz ächt, ſo zeigen ſich auf dieſer weder überlaufende Haare, noch gelbe Spißen, noc< zuſammengedrehte"Knoten, noch ſonſt eine Makel. Sieht man horizontal über dieſe Ober- fläche, ſo iſt ſie ganz geebnet. Iſt die Wolle von ganz vorzüglicher Qualität, ſo kann man oft kaum unter- ſcheiden, welches die obere oder untere Seite des Vlie- ßes iſt. Man kann ſie, wie ich ſchon oben bemerkte, auf den Kopf ſtellen. Wenn man die Stapel etwas zuſammendrängt, ſo ſieht ſie aus wie Blumenkohl. Solche Vließe bedürfen weiter keiner langen Unterſu- hung, und gehören, ſelbſt wenn ſie auch nicht den -=--= 109== hd<<ſten Feinheitsgrad haben, doch allemal in die Elek- toral-Sorte. Sie ſind auch niemals dem Tadel aus- geſeßt, den man mitunter einer kurzen, gedrängten und ſtumpfgeſtapelten Wolle macht, daß ſie nämlich ſehr ſel- ten von dem Fehler frei ſey, nach oben zu ſtärker und rau- her zu werden. Da dieſer Vorwurf leicht zu Irrun- gen unter den Schaafzüchtern und Wollkäufern führen kann, ſo will ich einige Aufklärungen über dieſen Ge- genſtand hier beifügen. Das eigentlich reine Elektoralſchaaf neigt in ſeinem Wollwuchſe mehr zur Länge und Schütterheit, als zur Kürze und Gedrängtheit. Daß man es vom Anfange an in Sachſen, wo es einheimiſch wurde, dieſer Nei- gung überließ, ward die Urſache der Vorzüglichkeit der ſächſiſchen Wolle. Denn alle Thiere, welche dieſe et- was lange und dünne Wolle tragen, ſind von jener Race in der Regel fein. Wie nun aber dieſe Fein- heit durch allzugroße Duünnwolligkeit zuleßt gn Fehler- haftigkeit überging, ſo wollte man gegen dieſe einlen- fen, und ſah ſich nach dichtwolligen Bd>en um. Dieſe fand man unter den Elektorals ſelten, und man kreuzte deshalb mit andern Merinowiddern, die oft nichts für ſich als ſeyn ſollende Originalität und dichten Woll- ſtand hatten. Der Erfolg dieſer Kreuzung konnte nur etwas Unvollkommenes ſeyn. Erreichte man auch die Wollvermehrung, ſo war dieß erzeugte Produkt doh ſchlechter. Nach oben zu zeigte ſich der in die Wolle gebrachte Fehler am erſten, indem da das Haar an Stärke ſichtbar zunahm. Ueberhaupt iſt dieß bei je- = gf40:=- der Wolle der Fall, die noh nicht in ſich ſelbſt zur hdc<ſten Vollkommenheit gebracht iſt. Jede Meſtiz- wolle hat, ſo lange ſie nicht durch viele Generationen hindurch veredelt iſt, dieſen Fehler. In. den erſten Veredlungsgraden tritt er.am meiſten vo''s Auge. Selbſt das Wollhaar ganz unveredelter Schaafe iſt gegen die Haut zu allemal feiner, wie nach der Spitze. Das wahrhaft Cdle einer Wolle iſt ſonach hauptſächlich an der ganz gleichen Feinheit des Wollhaars von der Wur- zel bis zur Spiße zu erkennen. Wenn man nun nicht blos in Sachſen, ſondern aud) in andern Provinzen, namentlic) in Schleſien und Mähren, der Dünnwolligkeit auf gleiche. Weiſe entge- genarbeiten wollte; wenn dort beſonders in manchen Heerden das Negrettiblut noc) vorwaltete, und man nun mit Aehnlichem den dünnen Wollſtand zu beheben ſuchte, ſo war es wohl natürlich, daß die Nachkbmm- linge ſolcher Züchtung noh nichts. Vollkommenes von Wolle tragen konnten. Rechnet man dazu noch, daß die Schaafzüchter durch das dichte, im Stapel abge- rundete Vließ.erfreut wurden, daß der täuſchende Glanz, den eine dergleichen Wolle beim Aufſchlage beſonders nach der Haut zu gewährt, den Schaafzüchter beſtach und verleitete, derſelben einen höhern Feinheitsgrad bei- zumeſſen als ſie wirklich hat; ſo iſt es kein Wunder, daß man hier einer Täuſchung. unterlag, und daß die Wollerzeuger und Verbraucher einander, wie ſo oft, miß- verſtanden.; Wenn aber manche Wollhändler, und Fabrikanten -“ 111- behaupten wollen, es gebe keine ganz vollkommene Wolle, die kurz gewachſen und dicht und ſtumpf ge- ſtapelt ſey; ſo beweiſen ſie ihre Beſchränktheit im Ueberbli&e der deutſchen Merinozucht. Man kann aus den reinen Elektorals Thiere von der hb<ſten Quali- tät bilden, die jenen Typus tragen, und ihre Wolle iſt ſodann das Vollendctſte, was bis jetzt die Meri- no's aufzuweiſen haben. Cs weiß dieß Niemand beſ- ſer als die Engländer, die ſo ziemlich allenthalben das Beſte immer zuerſt auffinden. Dieſe wurden kaum eine dergleichen Wolle gewahr, als ſie dieſelbe auch begie- rig kauften, und Preiſe dafür bewilligten, die den ra- tionellen Schaafzüchter wohl zu ihrer Erzeugung er- muthigen konnten. Wir Deutſche haben den Ruhm, daß wir uns dur Verſtand, Fleiß und Ausdauer wohl Lorbeeren zu erringen wiſſen, aber daneben auch den Fehler, daß wir auf dieſen Lorbeeren zu leicht und zu lange ausruhen, und uns dann den Gewinn von Fremden entreißen laſſen. So geht es den deutſchen Wollfäa- brifanten, die das vollkommene Produkt einer kurzen, gedrängt ſtehenden hochfeinen Wolle dem Ausländer über- laſſen, und dieſem den Markt für ein geſuchtes und vollendetes Fabrikat räumen, den ſie zuerſt, als an der Quelle ſißzend, hätten einnehmen kbnnen. 4) Muß man ſich bei der Beurtheilung der gewa- ſchenen und abgeſchorenen Wolle nicht durch die Seite, die auf der Haut ſaß, oder die Wurzel-Enden täuſchen laſſen. Denn dort hat ſie allemal dann ein günſtige- res Ausſehen als oben, wenn ihre Haare nicht ganz “ = 412-- gleiche Feinheit in der Länge herauf. haben. Zudem ſieht ſie auch auf dieſer Seite allemal weißer und glän- zender aus. Es iſt daher allezeit ndthig, ſie auf bei- ven Seiten zu betrachten, und ihre Abweichungen zu beobachten. Je geringer dieſe dann ſind, um ſo vor- züglicher wird die Wolle bei übrigens gleicher Fein- heit ſeyn. 5) Den Zug oder Fluß der Wolle prüft man nach der Wäſche und Schur ganz auf gleiche Weiſe, wie bei der 6ten Bemerkung über die Beurtheilung der rohen Wolle geſagt iſt. 6) Die Fertigkeit, den Feinheitsgrad der gewaſche- nen Wolle ſchnell und richtig zu beurtheilen, kann man ſich nur durch viele Vergleichungen erwerben. Man ſammelt ſic) zu dem Ende mehrere Muſter von ver- ſchiedenen Wollcharakteren und von den verſchiedenen Sortimenten, vergleicht dieſelben bei klarem und gemä- ßigtem Lichte, ausgeſpannt ſowohl, als in der natür- lichen Lage; läßt ſich, wenn man ſchon einige Uebung hat, dieſelben verwechſeln, und beſtimmt dann ſelbſt nach eigener Ueberzeugung die Sorten, in welche ſie gehdren. Irrt man ch auch Anfangs oft darin, ſo wird dieß, bei fortgeſeßter Uebung, immer weniger der Fall werden, bis man zuleßt ganz ſicher iſt. Da nun aber nad) dem verſchiedenen Bedarfe der Fabriken, und nach den verſchiedenen Ländern auch die Sortimente anders geſtellt werden; ſo muß der Schaaf- züchter natürlich ſich hauptſächlich die Kenntniß davon zu erwerben ſuchen, von welchen ſeine Wolle vorzugs- weiſe BEINE n ae H warts n Sp NE=. weiſe gekauft wird. Denn eine- allgemeine Ueberſicht iſt“ für die wenigſten zu erlangen möglich. Für Eng- land“ werden 3. B; die Sortimente vielfacher und gez nauer geſchieden, als für Frankreich; für dieſes wird wieder anders ſortirt, als für die Niederlande. Die deutſt worden wäre, ſo würde ſich ihre Beſchafz- fenheit natürlicher Weiſe noch mehr verringert haben: Tlöners S] AM 1-- Sie bekommt aber dieſes ſchlechtere Anſehen theils durch das Zuſammenkleben der WollfloXen, theils durch das Starrwerden des Wollhaares wegen'der Verhär- tung des natürlichen inwohnenden Fettes. Iſt ſie übrigens gut behandelt, ſo gibt ihr die Fabrikwäſche ihre natürliche Güte zurück. Nur die Wollhändler kaufen ſie weniger gern, weil ſie, wegen ihres wenis ger günſtigen Anbli>s, fich nicht ſo gut verkauft, wie die friſche. Iſt aber die Wolle mit zu viel Schmutz beladen, ſo ſelt ſich dieſer durch das Liegen derſelben unge- mein feſt, und die Fabrikwäſche bringt ihn nur ſchwer heraus. Ihr Anſehen iſt alsdann noch weit ungün- ſtiger, und der Begehr darnach wird geringer, mithin ihr Preis ſchlechter. Jedoch kann eine zu weiße Wäſche für eine Wolle, die auf dem Lager bleibt, auch nach- rheilig werden, indem durch die allzugroße Entfettung dieſelbe beim Altwerden ganz vertrodnet, und dann bei der nachfolgenden Fabrikwäſche ihr die Geſchmei- digkeit abgeht. Bei- der Beurtheilung ſolcher alt gewordenen Wolle muß man daher ſehr vorſichtig ſeyn, um ſie in.Ber- gleic) mit friſcher nicht für zu gering anzuſprechen. Für den Schaafzüchter bleibt es aber immer ein guter Rath, wenn er lieber auf den baldigen Verkauf ſeiner Wolle denkt, als wenn er ſich verleiten läßt, dieſelbe auf Spekulation aufzuheben. Alle, die dieß noh ge- than haben, fanden faſt ohne Ausnahme Urſache, es zu bereuen. NN Re VI. Schaaf-Klaſſifikationen. Zu den Mitteln, eine Schaafheerde ſehr ſchnell und ſicher auf einen hohen Standpunkt zu bringen, gehdrt auch vorzüglich ihre richtige Klaſſifikation. Was ich un- ter derſelben verſtehe und wie ſie vollzogen werde müſſe, das will ich ſo klar, als es mir nur möglich ſeyn wird, darzuſtellen ſuchen. In den Schäfereien vom höchſten bis zum nie- drigſten Range findet man eine große Abweichung der Wolle. Iſt ſie auch in den gewöhnlichen Landheerden weniger in's Auge fallend, ſo iſt ſie doch bei genaue- rer Aufmerkſamkeit nicht zu verkennen. In den ädh- ten Merinoheerden aber ſowohl wie bei den Meſtizen iſt ſie ſogleic) bemerkbar. Wer ſich rühmen wollte, eine Schäferei zu einer Konſtanz gebracht zu haben, wo gar keine Abweichung in den Jndividuen der Nachzucht mehr vorkäme, dem würde: der Beweis zu führen doch wohl ſchon bei der Beſichtigung einer geringen Anzahl unmöglich werden. Da nun dieſe Abweichung ſowohl im Wollharakter als in der Feinheir vorkommt: ſo iſt 8* - 116-=- es Sache des Schaafzücters, darauf ſorgfältig zu acſichten leiten läßt,» begeht eine Menge Mißgriſſe-«und thut beſſer, nicht zu klaſſificiren,; Wie man dieſe Klaſſen nennen will, ob die erſte, zweite, dritte 2c. oder Elekta, Prima, Sekunda 2c., das iſt ganz: gleich, wenn nur ihre Abſtufung richtig ge- halten iſt. Da jedoch die erſte Klaſſe den Mehrtheil der Wolle tragen muß, die im Handel Elekta genannt wird, und da dieß auch bei den übrigen Klaſſen nad) den ihnen beigelegten Namen ſtatt findet, ſo bleibt es immer am bequemſten, die Benennungen der im engliſchen Wollhandel üblichen Sortimente anzuneh- =“ 117-“ men und die Klaſſen von Elekta herab bis zu Quarta zu beſtimmen. Um nun eine dergleichen Klaſſifikation unterneh- men zu können, bedarf es nicht allein einer ſehr ge- nauen und richtigen Wollkenntniß, ſondern auch einer vielſeitigen Erfahrung in der Schatfzucht, beſonders in der verſchiedenen Ausbildung der Wolle. Wer die manderlei Erſcheinungen, die bei dem Wachsthum der Wolle in ihrer Geſtalt und Farbe, in ihrem Gefühl und Zuge vorkommen, nicht vielfach beobachtet hat, wird auf eine Menge Schwierigkeiten ſtoßen, die er nicht vorausſah; er wird ſich vielerlei, was ihm vor- kommt, nicht erklären können. Was er in dem einen Jahre für gut hielt, wird ihm bei veränderter Geſtalt im ändern als ſchlecht erſcheinen. Ueberhaupt wird er zu keiner Sicherheit und Feſtigkeit gelangen. Dieß Geſchäft aber mit Hülfe eines Wollmeſſers zu vollziehen, würde ei- ner Beſchwerlichfeit unterliegen, der ſich wohl ſo leicht Niemand unterziehen dürfte. Denn dieß erforderte, wenn man auch von jedem einzelnen Schaaf die Wolle nur von einer Stelle meſſen wollte, einen großen Zeit- aufwand. Nun müßte ſie aber doch auf mehreren Stellen gemeſſen werden, und man würde ſonach mit einer bedeutenden Heerde Wochen lange Arbeit haben, noch zu geſchweigen der mannigfaltigen Täuſchungen, denen man bei einem ſolchen Inſtrument ausgeſeßt iſt, wenn man nicht geübt damit umzugehen weiß. Dieſe Schwierigkeiten muß derjenige, welcher ſeine eigene oder eine fremde Schaafheerde klaſſificiren will, genau Nie 2 "mid=< erwägen, und die Arbeit lieber unterlaſſen, als ſie unrichtig vollziehen. Ich könnte eine Menge Beiſpiele anführen, wo Schäfereien durch eine falſche Klaſſifi- kation ganz verdorben worden waren, wo man grade das Beſte gemerzt, weil es unrichtig in eine niedere Klaſſe geſtellt worden war, und wo man aus gleicher - Urſache das Schlechte in der Heerde behalten hatte. Der Wichtigkeit der Sache wegen habe ich dieſe Bemerkungen hier voraus geſchi>t, und gehe nunmehr zu dem Verfahren bei der Klaſſifikation über. Es ge- ſchieht auf folgende Weiſe: Das Schaaf wird auf einen etwas erhdhten Ge- genſtand(auf einen. Tiſch oder ein Bund Stroh) ge- ſtellt, damit man es bequem und ohne das Auge un- ndthiger Weiſe zu ſtark anzugreifen, von allen Seiten anſehen kann. Die Wolle deſſelben wird auf allen Körperſtellen geprüft, und die Totalität derſelben ent- ſcheidet ſodann für die Klaſſe: des Schaafs. Trüge es nun 3. B. auch auf den Seiten hochfeine Wolle, dagegen aber am Halſe, über den Rücen und an den Hintertheilen eine geringe Sorte, ſo könnte es ſchon nicht in die erſte Klaſſe zurüFgeſtellt werden. Wäre dagegen die Wolle an den Seiten anch um einen Grad weniger fein, das Thier aber über den ganzen Ködr- per ausgeglichen, d. h- wiche die Wolle auf den übri- gen Körpertheilen wenig ab, ſo könnte das Schaaf unbedenklich in die erſte Klaſſe, d. i. in Elekta geſtellt werden. Denn könnte auch aus dem abgeſchornen Vließe deſſelben feine Super-Elekta-Wolle genommen worden, -=* 4149-=-- ſo gehdrte doch der grbßte Theil deſſelben in die gewdhn- liche Elekta und ſie wird allemal eine gute Wolle ſeyn, weil eine Ausgeglichenheit über den ganzen Körper auch immer eine völlige Gleichheit und Aechtheit der Woll- haare vorausſeßt. Daſſelbe wie bei der erſten Klaſſe gilt nun auch bei den folgenden. In Quarta werden alle Schaafe geſtellt, die eine unedle, grobe und tadelhafte Wolle tragen. Keine Heerde, die richtig klaſſificirt iſt, darf Quarta-Schaafe dulden, ſondern muß dieſelben ſogleich, ohne alle Rö>ſicht auf Jugend, Geſtalt und ſonſtige Eigenſchaften merzen. Denn nur dadurch gewinnt die ganze Schur an Werth und nur dadurch iſt ein ſicheres Aufwärtsſteigen der Schäferei möglich. So wie die Klaſſe eines Schaafes beſtimmt iſt, muß ihm dieſelbe durch ein Zeichen im Ohre bemerkt werden. Welches man dazu wählt, iſt ganz gleichgülz tig, nur muß es von der Art ſeyn, daß nicht leicht eine Verwechslung oder ein Umändern deſſelben mdg- lich iſt. Bei der Schur. iſt es gut, wenn die Wolle von jeder Klaſſe beſonders gehalten wird, weil dieß dem Käufer die Ueberſicht erleichtert und den wahren Werth der Wolle ſicherer beſtimmen läßt. In Schleſien mach- ten die Wollhändler und Fabrikanten Anfangs Ausſtel- lungen, wenn die Wolle nach den verſchiedenen Klaſſen beſonders verpa>t war. Dazu hatten ſie aber verſchies dene Bewegungsgründe. Einmal gab es mehrere Schäfereien, wo die Klaſſifikation ohne Einſicht und Kenntniß gemacht worden war. Die Käufer fanden - 120'= vaher oft, wo man ihnen Elekta- und"Prima-Wolle angab, kaum Sekunda und Tertia und' hie und da nur ein gutes Vließ. Die'geringern"Klaſſen dagegen ent- hielten oft die beſte'Waare. Dadurch wurden ſie dann natürlicher Weiſe in grdßere Ungewißheit verſeßt, als wenn die Wolle der ganzen Heerde ſo verpackt geweſen wäre, wie“ der Zufall ſie bei der Schur geſtellt hätte. Die Verkäufer dagegen lebten in der ſüßen Täuſchung, als hätten ſte eine hochfeine- Wolle. Wenn ſie nun dazu noFH die Preisangabe von den großen Handels- plätzen von Elekta- und Prima- Wolle leſen, ſo glaub- ten ſie ſic) zu hohen Forderungen berechtigt, und ſcha- deten ſich durch dieſelben ſehr, indem ſie entweder ein dem wahren Werthe der Waare angemeſſenes Gebot nicht annahmen,'vder ſich wegen“ihrer überſpannten Forderung von den Käufern mußten verſpotten laſſen. Zweitens gibt es aber auch viele Wollkäufer„die aus falſch verſtandenem Intereſſe den Schaafzüchter. gern im Dunkeln über den Werth ſeines Produkts laſſen wol- jein, weil ſie dabei mehr zu gewinnen hoffen. Dieſe waren nun unbedingt gegen die Kläſſifikation und ſpot- teten über die prunfenden Aufſchriften auf den Woll- ſäen, wo Elekta und Prima mit ſtarker Schrift her- vorgehoben war. Eine Thorheit iſt und bleibt es'im- mer, wann dieß der Schaafzüchter auch bei der richtige ſten Klaſſifikation ſeiner Heerde thut."Denn auch das vorzüglichſte Schaaf trägt nicht über den ganzen Kör- per Elekta-Wolle; eben ſo wenig, wie ein's aus der zweiten Klaſſe lauter-Prima-Wolle hat.| Wenn nun -“ 11=- ein Käufer eine Hand voll Wolle aus einem mit. Elekta überſchriebenen Sae zog, und dieſe zufällig vom Na- den vder von der Keule und vom Scen-Wolle), dann wird er Elekta A. Daß dergleichen Thiere ſel- ten ſind, iſt dem erfahrnen Schaafzüchter bekannt, und wird ihm nach den hohen Forderungen, die man an die- ſelben macht, ganz klar. Sie kommen jedody) vor, und wenn ihre Abſtammung ihrem eigenen Vließe entſpricht, dann ſind ſie von unſchäßbarem Werthe. Wenn ich ein Jdeal einer Merinoheerde aufſtellen ſollte, ſo würde ich ſagen, alle darin befindlichen Individuen müſſen nur Elekta A. ſeyn. Daß dieß Ideal zu erreichen mdg- lich ſey, das iſt deshalb erweislich, weil das, was in einzelnen Individuen ausgebildet erſcheint, auch in einer Menge vorkommen kann, ob es aber erreicht zu werden wahrſcheinlich iſt, das iſt deshalb für jetzt noch uemnientinn.." -- 123-- zu bezweifeln, weil es wohl noch keine Heerde ſelbſt von geringer Zahl gibt, wo alle darin befindlichen Thiere dieſe Vollkommenheit haben. Aber ein hohes Ziel iſt dadurch dem rationellen Schaafzüchter geſte>t, nach deſſen Erreichung er mit aller Anſtrengung ſtreben muß. Wer demſelben am nächſten rü>t, der wird ſtets den größten Lohn ſeiner Mähe in dem ſchnellen Abſatze ſei- nes Erzeugniſſes und in dem hohen Preiſe deſſelben erndten. Nächſt der Feinheit iſt aber bei der Klaſſifikation auch hauptſählic) auf den Wollcharakter zu achten. Ein allzugroßes Gemiſch in einer Heerde von langer und kurzer, dichter und dünner Wolle führt langſam zu einer vdlligen Ausgleichjung und erſchwert den Fort- gang zur höchſten Vollkoramenheit ungemein. Daher muß man, ſo wie man in den Klaſſen ihrer Feinheit nach nur einigermaaßen vorrüt, beim Merzen gauz beſonders darauf ſehen, alles, was vom Hauptten Ziele führen müſſe; wenn es ſich auch nicht a posteriori ſchon ſo vielfach beſtätigt hätte. 4) Lernt man bei der Klaſſifikation auch den Zu- ſtand der ganzen Heerde am beſten kennen. Indem da Stü> für Stü durch die Hände geht, kann man den Geſundheitszuſtand, die Behandlung derſelben, die vorgekommenen Mißbräuche 2c. auf's genaueſte kennen lernen. An einigen Orten habe ich es erlebt, daß die Heerdenbeſitzer grade bei dieſer Gelegenheit ihre guten von den ſchlechten Schäfern unterſcheiden lernten, leß- tere wegſchiten, und die zum grdßten Nachtheile der Schäferei eingeſchlichenen Mißbräuche abſchafften. 5) Erwirbt ſich der Shaafzüchter, wenn er mit Auf- merkſamkeit der Klaſſifikation beiwohnt, und ſpäterhin auch für ſich die Klaſſen ſorgfälrig vergleicht, eigene viel- leicht noch nicht beſeſſene Kenntniß in Beurtheilung des Werthes der Thiere, und kann die ſpäter zuwachſenden Geſchlechter ſelbſt in ihre Klaſſen verſezen. Die Luſt zur Sache erwacht bei ihm, weil ſie ihm Stoff zum Nachdenken und Beobachten darbietet. Sehr häufig iſt es mir vorgekommen, daß dadurd) nicht allein die Schä- ferei, ſondern auch die ganze Wirthſchaft eine vortheil- haftere Geſtalt und einen beſſern Umſchwung gewann; weil der Beſitzer, der ſonſt wenig Jutereſſe am Ganzen nahm, nunmehr mit Eifer dafür erfüllt ward. Ehe ich dieſen Abſchnitt ſchließe, will ich nur noch die Bemerkung machen, warum ich ein ſolches Ordnen einer Schäferei niemals eine Sortirung, ſondern immer PADS ep eine Klaſſifikation nenne. Der Ausdruck Schaafſorti- rung hat zu Mißdeutungen Veranlaſſung gegeben, in- dem es viele für eine Wollſortirung hielten, was es doch keinesweges iſt. Denn wird auch die Wolle'von jeder Klaſſe der Schaafe allein gehalten, ſo iſt ſie des- halb noh nicht ſortirt. Dieß wird ſie erſt auf dem Boden des Wollhändlers, wo die Vließe zerriſſen und jedes Theil derſelben in die Sorte geworfen wird, in welche es ſeiner Feinheit und übrigen Güte nach ge- hdrt. Wollte dieß der Shaafzüchter thun, ſo würde er großen Schaden haben, denn einmal hätte er nicht von allen Sorten ſo viel, daß eine Quantität davon zu- ſammen käme, die man ein Sortiment nennt, und zwei- tens verdürbe er dem Wollhändler ſein Geſchäft, in- dem dieſer am beſten die Bedurfniſſe des Begehrs'kennt, und nach denſelben ſeine Sortirung beſtimmt. Jeder Producent, der no) jemals eine ſolche Sortirung ſeis net Schur verſuchte, hatte Urſache, dieß bitter zu' bes reuen. Er muß die. Vließe,- wie ſie ihm das Schaaf liefert, unzerſtü>t an den, Markt bringen, und die Trennung derſelben nach den Klaſſen der Schaafe kann dann dem Käufer nur willkommen ſeyn, weil er da- durch am beſten in Stand geſeßt wird, ſich einen Ue- berſchlag zu machen, wie viel er für jedes Sortiment daraus gewinnen wird. Dann iſt auch der Ausdru> Schaafſortirung der Bedeutung nah unrichtig. Denn Sorten könnte man nur nach dem Geſchlecht und Al» ter aus denſelben machen. Der Schäfer ſortirt ſeine Schaafe, wenn er ſie bei einer Uebergabe; ihrem Alter und Ee; u Kn CC===<&aie<< < Ex 1"RET wien und Geſchlecht nach zuſammenſtellt, um dieß mit der geführten Rechnung zu vergleichen. In Klaſſen aber werden ſie nach ihrem relativen Werthe in Bezug auf die tragende Rente geſtellt, und was dieſe am hdchſten abwirft, gehdrt in die höchſte Klaſſe, ſo wie umge kehrt. Da nun das feinſte Schaaf bis jeßt durc Wolle und Nachzucht nod) immer den hd<<ſten Gewinn gebracht hat, ſo gebührt ihm auch der Klaſſe nach der höchſte Rang. Stellten ſich einmal die Verhältniſſe anders, und hielte man die Schaafe mehr als Fleiſch-, denn als Wollträger, ſo würde allemal den größten und zum Fettanſaß am meiſten geeigneten die hdc<ſte Klaſſe gegeben werden müſſen; ungefähr ſo wi? die Fleiſcher ihr Maſtvieh würdigen. Es gibt freilid) wohl auch noh, obgleich) nur wenige Schäfereien in Deutſd- land, wo man nach dieſer Art klaſſifizirt. Wer dabei ſeine Rechnung beſſer findet, als wenn er die Feinheit der Wolle entſcheiden läßt, den kann man nicht tadeln. Jeder muß in ſeiner Lage und ſeinen Verhältniſſen alle- zeit am beſten wiſſen, was ihm am meiſten frommt. Elsners Scaafzucht. O VIII. MENT. M aL Aen Vor allen Dingen muß ich, ehe ich über deſſen Verſchiedenheit ſpreche, eine Erklärung über den Aus- dru>k„Wollcharakter geben.“ Man verſteht darunter die Eigenthümlichkeit der Wolle, in ihrem Wachsthume eine verſchiedene und mannigfaltige Geſtaltung anzunehmen. Die Fran- zoſen bezeichnen daſſelbe mit dem Ausdru>k„„Natur der Wolle„“ der eigentlich die Sache von innen heraus, fo wie der deutſche, von außen hinein bezeichnet. Bildet ſich aun die Wolle von Natur ſowohl im einzelnen Haare ſehr ſanft, als in der Vereinigung der- ſelben zu Büſcheln oder Stapeln, und in der Länge pder Kürze ihres Wachsthumes ſo aus, daß ſte zu einer Menge von Fabrikaren ſich beſonders gut eignet, dau iſt ſie von gutem Charakter oder guter Natur. Iſt dieſe Ausbildung von der Art, daß ſie nur zu wenigen, und vorzüglich nur zu geringen Waaren taugt, dann iſt ſie von ſchlechtem Charakter. Hat ſie aber darin etwas Eigenthümliches, was ſie zu manden Manufak- - 4131»= ten ganz vorzüglich gut, zu andern abex wenig oder gar nicht eignet, ſo hat ſie einen beſondern Charakter. Bei dieſen verſchiedenen Beſtimmungen des Wollcha- rakters fällt mir ein, wie ſehr mich die Schaafztchter verlachen werden, deren ich hie und da getroffen habe, die es höchſt ſpaßhaft fanden, wenn man bei Wolle von Charakter ſprechen will. Ih laſſe ihnen die Freude und mir die Genugthuung, daß der wiſſenſchaftlich ge- bildete Landwirth auf meine Seite treten und die Sa- de wichtig genug finden wird, ihr einiges Nachden- fen zu widmen. Nach der gegebenen Hauptdefinition gehe id) et- was mehr in's Beſondere über. Jh) ſpreche, wie oben, zuerſt von einem guten Wollcharakter. Der-beite iſt der, welchen eine faſt allgemein begehrte Waare, d. i. Wolle von gedrängtem Wuchſe, mit hoher Feinheit, engen und mehr flachen als hohen Haarbiegungen, und nicht allzugroßer Länge hat. Der Charakter der Wolle ſchließt aber noch Feineswegs abſolut die Aechtheit des Haares in ſich. Es kann z+ B. eine Wolle den ge- dachten Charakter haben, und dennoch nicht ganz ächt im Haare ſeyn, d. h. ſie kann nach oben ſtärker, wie unten auf der Haut, auch in der Menge der Wollhaare niht ganz ausgeglichen ſeyn. Daher iſt das Hinuar- beiten zu einem beſtimmten Wollharakter etwas Ande- res, als das nach Feinheit und Aechtheit der Wolle. Der Charakter bildet ſich durch die Eigenthümlichfeit der gezüchteten Schaafrace; Feinheit und Aehtheit aber durch) die kluge Auswahl der Zuchtthiere, die dieſe gu- 9* di 132'=- ten Eigenſchaften in großer Vollkommenheit beſißen. Der Schaafzüchter muß daher beide Zeitpunkte rich- rig in's Auge faſſen, wenn er ſchnell und glücklich das vorgeſte>te Ziel erreichen will. Wenn ich bei dem guten Wollcharakter auch die Kurze der Wolle angab, ſo muß ich, ob ich dieß gleich ſchon oben bei Il. gethan habe, doch hier noch wiederholen und zum Theil ergänzen, daß dieſe Kürze ungefähr' 4-- 1'/, Zoll im natürlichen Zuſtande betragen kann. Solche Wolle hat einen eigenthümlich hohen Grad von Dehnbarkeit, und ſie läßt ſich meiſt, über das Dop- velte ihrer natürlichen Länge ausſtireXen. Dann er- ſcheint ſie aber viel feiner und ihr hoher Werth tritt erſt recht hervor. Jedoch muß man es auch mit die- ſer Kürze nicht übertreiben, weil man ſonſt leicht eine ſo knappe Wolle bekommt, die einen bedeutenden Rü>- ſchlag in der Schur bewirkt, und am Ende auch von ihrem hohen Werthe verliert. Ein ſchlechter Wollcharakter iſt es, wenigſtens nach den gegenwärtig beſtehenden Bedürfniſſen zu Wollma- nufaktren, wenn die Wolle lang gedehnt, oder gezwirnt, oder zum Verfilzen geneigt iſt. Sie wird alsdann zu einer Menge guter Wollenwaaren gar nicht, oder nur zum Nachtheile der Qualität derſelben angewandt wer- den können. Sonach iſt denn. auch ihr Werth gering und ihre Erzeugung zu vermeiden. Einen beſondern Charafrer hat aber Zz. B. die Wolle, welche mit einem natürlichen hohen Glanze verſehen iſt, ſich in ihren Büſchelchen in ſo flache Bie: EE ISEG -- 133-- gungen windet, daß man dieſe kaum bemerkt und deshalb eine lang gedehnte"Geſtalt annimmt. Man könnte ſie eine Zwittergeſtalt zwiſchen Merino- und Kämmwolle nennen. Zu Zeugen, die wenig Dede aber viel Glanz brauchen, iſt ſie beſonders gut, und ſte wäre vielleicht, wenn man große Mühe auf aus- gezeichnete Feinheit bei ihr verwendete, gerade am al- lerbeſten geeignet, die Stelle der Seide zu erſeßen und dieſe zum Theil zu verdrängen. Dieſer Charakter ſcheint mir aber, nach meinen darüber gemachten Be- obachtungen und Erfahrungen, weniger aus der Natur der Schaafe, als aus beſondern Verhältniſſen des Kli- ma's'und der Weidetriften zu entſpringen. Nach der Natur des Wollhaares bildet ſich denn auch die Oberfläche des ganzen Wollvließes, und man beſtimmt daher auch nach dieſer den verſchiedenen Woll- Hharakter. So iſt er z. B. ein anderer bei lang ge- wachſener und hochgeſtapelter, als bei Furzer und nie- driggeſtapelter; wieder ein anderer bei abgerundetem und gedrängtem, als bei ſpigzigem und lo>erem Sta- pel. Ev, iſt ein anderer bei Wolle, die hohe Biegun- gen in ihren Büſchelchen, als bei der, die flache hat. Bei erſterer erſcheint die Oberfläche mehr einer Maſſe kleiner Lbc>- lich erreicht und es zu einer wirklichen Race gebracht 20<-=-=- 2 0 ff We Eames rr <== 5 4"; ji|] M TEENS |,"N 187/ 0 j 0 MED. 205 haben. Dieß iſt z. B- bei der ſächſiſchen und bei der fürſtlich Lycte Ziel durc) große Aufmerkſamkeit und Sorg- falt. Man wollte nämlich die Gedrungenheit und Kraft der Negretti mit der Sanftheit und Feinheit der ſächſiſchen Wolle vereinigen. Dieſe Vereinigung iſt in allen ächten Individuen derſelben unverkennbar, und nur die fortgeſeßte aufmerkſame und verſtändige Züchtung derſelben beugt dem Hervortreten des kräf- tigeren Negretti-Charakters vor. Daher haben auch, wie im in manchen Heerden geſehen habe, ausgezeich= nete Elektoral-Widder dieſe Race verbeſſert und zu grd- ßerer Sicherheit bei der folgeuden Züchtung gehoben, Wenn nun eine auf die angeführte Weiſe ausge- bildete Race zu einer ſolchen Vollkommenheit gebracht iſt, daß ſich ihre eigenthümlichen Eigenſchaften auf ihre Nachkommen ſicher vererben, dann kann man ihr Konſtanz beilegen. Unter dieſem Ausdrucke verſteht man => 143= nämlich die ſichere Forterbung aller guten Eigen- ſchaften eines Schaafſtammes. Ob es möglich ſey, dieſe Konſtanz in einem ſolden Grade in eine Scha- ferei zu bringen, daß man für die entfernteſte Zukunft vor einem Rücgange oder einer Ausartung derſelben überhaupt geſichert wäre,--- das muß der fernere ratio- nelle Gang der Schaafzüchter und beſonders der deut- ſchen, an welchen ſich dann lange Erfahrungen an- ſchließen müſſen, erſt beweiſen. Noch dürfte ſie ge- genwärtig wohl nirgends vorhanden ſeyn, und erfah- rene Schaafzüchter können über die ſanguiniſchen und windigen Aeußerungen mancher Neulinge nur lg- cheln, wenn dieſe behaupten, ſie könnten darauf wet- ten, was für Nachkömmlinge aus dieſer oder jener Paarung eines Widders mit einem Mutterſchaafe noth- wendig entſprießen müßten.-- Hier ſey mir eine Abſchweifung erlaubt, die ich nothwendig machen muß, um nicht mißverſtanden und eines Widerſpruchs beſchuldigt zu werden. I< habe oben beim 11. Abſchnitt geſagt(wo ich die Frage; wie lange man wohl Zeit zur Veredlung brauche, um eine Echaafheerde zu den hochveredelten zu zählen, beant- wortete):„„die Intelligenz des Saafzüchters, ver- bunden mit den ndthigen Mitteln, ſich die dem Blute und der Abſtammung nach edelſten Widder ſtets an- ſchaffen zu können, wird den Zeitraum, den manche auf 30 Generationen(aus gutem oder bbdſem Willen?) hinausgeſett haben, auf weniger als ein Drittheil ver- fürzen fönnen.““ Ob ich nun gleid) hier nur von hoch- | j j' 4 | " -“- 144-+ veredelten und dabei nicht von konſtanten Schaafheer- den ſpreche, ſo ſchließt das Hochveredelte do einer vermehr- ten Schur und einer geſuchteren Wolle erreicht. Es iſt nämlich) ſehr häufig der Fall, daß von Elektoralmut- terſchaafen, die mit Negrettibd>en zugelaſſen werden, die Nachkommen eine ſehr friſche und glanzreiche Wolle bekommen, die beſonders im rohen Zuſtande ſogleich beim Aufſchläge einen ſchönen Anbli> gewährt. Daß ſie nach den Spißen zu ſtärker und barſcher wird, be- merkt der Unfundige niht. Nur durc) Nachhülfe mit reinen Elektoralbö>en konnte man dieſen ſich einſchlei:- henden Fehler bei einer ſolchen Kreuzung wieder heraus: bringen. That man dieß aber nicht, brauchte man viel- mehr noch in den folgenden Generationen Negrettibd>e, ſo veränderte ſich die Qualität der Wolle immer mehr, bis man zuleßt ein hd<ſt tadelhaftes Produkt hatte. Zu einem ſichereren Ziele gelangte man freilich, wenn man aus den Elektoralheerden die kurz- und dicht- wolligen Jundividuen zu einem Stamme auswählte und deren Nachkommen in ſich ſelbſt fortzüchtete. Einzel- nen Heerden, die dieß gethan haben, iſt dadurch ge- lungen,“eine Wolle zu erzeugen, die nichts zu wün- ſchen übrig läßt, und die auch jederzeit den hb<ſten Preis im Handel erhält. Da es eine Menge Beiſpiele gibt, daß Schaäfe- -- 154-- reien, die ſchon auf einer hohen Stufe der Vollkom- menheit ſtanden, durc Kreuzungen verſchlechtert wur- den, ſo iſt bei denſelben die grdßte Vorſicht zu em- pfehlen, und hauptſächlich) zu rathen, daß man ſie nicht bald zu ſehr im Großen vornehme. Ndthig und heilſam ſind ſie aber, wenn ſich ein entſchiedener Fehler in der Wolle der ganzen Heerde eingeſchlichen hat. Dieſe Fehler können 3. B. ſeyn: das Zwirnen der Wolle. Um jedoch dieſen Fehler, wenn er ſich eingeſchlichen hat, wieder herauszubrin- gen, wird es, anſtatt der Kreuzung mit anderem Blute, immer beſſer ſeyn, von derſelben Race Zuchtwidder, aber nur ſolHhe, zu wählen, die durchaus frei von äller Anlage zu demſelben ſind. Ob es gleich im Allgemeinen nicht zu den Kreu- zuugen gezählt werden kann, wenn man einen Fehler, der ſich bei Zuchtthieren in einer Schäferei eingeſchli- chen hat, wieder herausbringen will, ſo bin ich doch der Meinung, daß das Verfahren, welches man da- bei zu beobachten hat, hier an ſeinem Platze ſteht. Um eine zu laug wachſende Wolle zu verbeſſern, bedient man fich oft ällzukurzwolliger Widder. Man erreicht durch dieſelben zwar ſeinen ZweX., kommt jedoch in der Ergiebigkeit der Schur allzuſehr zurü&, beſonders wenn die lange Wolle zugleich dünn ſtand. Beſſer iſt es dann immer, Widder mit Wolle von mittle- rer Wolle und dichtem Stande zu gebrauchen, und wenn wan: es für ndthig und gerathen findet, bei der fol- genden Generation mit der Verkürzung der Wolle fort- -- 152= zufahren. Immer aber rathe ich, dieß nicht zu über- treiben, weil ſonſt nur ſchwerlich die geringere gewon- nene Quantität durch die beſſere Qualität erſeßt wer- den durfte. j Auf dünnwollige Schaafe wähle man zwar dicht- wollige Widder, beobachte aber dabei, daß dieſe in der Feinheit gegen jene nicht ſehr zurückſtehen."Iſs dieß der Fall, dann bekommt man zwar bei den Nach- köwmlingen mehr, aber auch ſchlechtere Wolle. Sie wird dann auegeglichen im Haare, und hat deßhalb geringen Werth. Derſelbe Fall tritt auch ein, wenn man dünnwollige feine Widder auf dichtwollige grobe Schaafe braucht. Dieſem iſt man zwar bei jeder fort- ſchreitenden Veredlung ausgeſeßt, wird es aber weni- ger ſeyn, wenn man bei verſchiedenem Feinheitsgrade der Zuchtthiere ſo viel als es ſic nur thun läßt, auf gleichen Wollcharakter ſieht. Wenn man in einer Schäferei von größerer Anzahl Widder von verſchiedenem Wollcharakter hat, ſo ſucht man gewdhnlich das Mangelhafte- durch die Zuthei- lung derſelben zu den Mutterſchaafen zu erſezen. Man gibt nämlich denen mit dichter Wolle Widder mit dün- ner, denen mit langer, Widder mit, kurzer. Die ge- zwirnten päaaret man mit derb- und ſchlichtwolligen, die filzigen mit ſolchen, die eine ganz äce nicht ſcheut, und den dadurch er- reichten Wollcharakter und Woll»Reichthum feſtzuhal- ten ſucht. hen+= Züchtungs- Grundſäße überhaupt. So verſchieden als die Anſichten der Scaaf- züchter ſind, eben ſo verſchieden ſind auch ihre Grund- ſätze bei der betreibenden Schagfzucht. Da dieſelben in neuerer Zeit jedoch ſich ſo ſehr gegen die der früheren geändert haben, und da man die Sache mit immer mehrerem Eifer und Verſtande betreibt, ſo nähert man ſich in denſelben doch mehr als je, und es ſteht zu er: warten, daß man endlich faſt allgemein übereinſtimmend verfahren werde.; Zu den Grundſätzen der Züchtung gehdren aber folgende Punkre: 1) Die Fütterung und Haltung der Scaafe. Ju früheren Zeiten war man darin gerade nicht ſonderlich beſorgt. So wie es nur der Frühling erlaubte, wo dann auch meiſt die für den Winter beſtimmten Futtervor- räthe aufgezehrt waren, wurden die Schaafe auf die Weide gebracht. An vielen Orten dienten dazu die Wieſen zuerſt. Auf den AeFern, die bei der Dreifel- derwirthſchaft unter dem Namen Brache begriffen wer- den, fanden ſie gewdhnlich eine kümmerliche Weide, -.. 455-=- und. wenn dieſe durch den Umbruch immer mehr beſchränkt wurde, dann geriethen die Schaafe nicht ſelten in große Noth und litten drü>enden Mangel. Das Winterfutter beſtand auch mehr in Stroh als Heu, und ſo lange der Herbſt nur immer das Austreiben geſtattete, durfte von demſelben, weil es meiſt auch ſehr Fnapp zuge meſſen war, nichts angegriffen werden. Iſt dieß auch vielleicht no< in manchen Schäfereien der Fall, die man nicht gerade zu den gemeinen und unveredelten zäh- len darf, ſo wird es doch immer ſeltener. Man ſorgt vielmehr im Sommer, durch Anſäung der AeFer mit Klee und Gräſern, für eine kräftige, hinlängliche und geſunde Weide, und ſucht ſich auch für den Winter eine Quantität Futter zu erbauen, die ein reichliczges Aus- kommen bis in den Frühling hinaus ſichert. Ueber die verſchiedenen Fütterungen,, ſo wie über die den Schaafen am zuträglichſten Weidenpflanzen, herrſchey jedoch unter den rationellen Schaafzüchtern noch abweichende Meinungen. Beſonders treffen dieſe aber den Klee und die Kartoffeln. Viele glauben, daß der erſtere zu“ hißig und zu aufblähend für die Schaafe ſei, um in großen Maſſen ohne Gefahr gefüttert zu werden. Es iſt zwar nicht zu läugnen, daß manu, bevor ſich die Schaafe ganz an denſelben gewöhnt haben, ſehr vorſichtig ſeyn muß; jedoch richten ſie ſich bald darauf ein und befinden ſich ſtets ſehr wohl dabei. Bei meiner Schäferei macht die grüne und troFXene Kleefütterung das ganze Jahr hindurch einen Hauptbeſtandtheil aus, und ſie befindet ſich dabei allezeit im beſten Geſundheitszuſtande, -=. 156= Mehr noch als der Klee ſind die Kartoffeln als Schaaffutter angeoriffen worden. Man hat ihnen nicht allein einen üblen Einfluß auf das körperliche Wohlbe-. finden, ſondern auch hauptſächlich eine ſchlechte Ausbil- dung der Wolle beimeſſen wollen. Daß man darin Unrecht hatte, beweiſen eine Menge ESchäfereien in Schleſien, der Mark Brandenburg, Mecklenburg und Pommern, in welchen ſie in Maſſen gefüttert werden, ohne daß man jene Nachtheile erfährt. Ice, welcher bereits 4 Jahr alt und ſchon zwei Fahr in meiner Heerde gebraucht worden war, abließ. Er gab ihm 150 Mütter zu und bekam von dieſen 440 Lämmer. Der Bo> blieb geſund und bewährte in folgendem Jahre auf gleiche Meiſe ſeine Zeugungskraft. Auf dieſe Art gelangt man dann freiz lich ſchnell zu einer gleichartigen Heerde. 5) Das Belegen aus der Hand. Zur Sicderheit ver Nachzucht und zur Schonung des Widders iſt dieß Verfahren ganz beſonders geeignet. Dadurc) nur allein iſt es mdglich, irgend einen feſten Wollcharakter herzu- ſtellen. Man kann dabei am beſten gegen die in der Heerde vorhandenen Mängel wirken, und dieſelben nach ZL* -- 464== und nach ganz vertilgen, iſt aber alle- mal, daß der Schaafzüchter, welcher nach ſolchen ratio- nellen Grundſäßen verfährt, auch genau zu beurtheilen verſtehen wird ,. welche Individuen er mit einander am 'zweirmäßigſten paaren muß, um eines günſtigen Er- folgs gewiß zu ſeyn. Um diejenigen Mütter, welche den Widder begehren, am beſten herauszufinden, läßt man gewöhnlich einen von geringerer Klaſſe mit einer Schürze unter dem Mutterhaufen als Probierwidder. Jedes brünſtige Schaaf, was er anzeigt, wird dann bezeichnet und des Abends vder Mittags im Stalle mit dem ihm zugedachten Widder zuſammengebracht.- Hie und da habe ich jedoch über dieſe Methode deßhalb kla- gen gehört, weil oft ſehr viel Schgafe gelte oder göſte bleiben.; Aehnlich kann man die Sache betreiben, wenn man alle für einen Widder beſtimmten Mutterſchaafe mit demjelben zur Sprungzeit in einem Haufen gehen läßt. Die Beſorgniß, daß er ſich unndthiger Weiſe dabei zu ſehr angreift, indem er den Müttern mehr Sprünge gibt, als zur Befruchtung nöthig ſind, halte ich für ungegründet, wenigſtens habe ich dieſen Nachtheil bei meinen Widdern nie verſpürt. Die einzige Unbequem- lichkeit beſteht nur darin: daß man während der Sprung- zeit zu viel Hirten braucht, weil jede ſo kleine Partie allein gehütet werden muß. 6) Ein-Hauptgrundſatz bei.der mit Verſtande betrie- benen Schaafzucht- muß aber auch der ſeyn, bei den Zuchtthieren, beſonders aber bei den- Widdern, neben -=-“ 165= ihren ſonſtigen guten Eigenſchaften und Vollkommen- heiten auch genau auf ihre Abſtammung zu achten. Dem zu Folge bekommt allemal, bei zwei gleich vollkommenen Thieren, dasjenige den Vorzug, deſſen Eltern den Vor- zug behaupteten. Wenn dieſe bei dem einen Elekta, bei dem andern aber nur Prima waren, ſo iſt die Wahl ſogleich für das erſte entſchieden. Nach dieſem Grund- ſaße würde ich das erſte dem zweiten faſt gleich ſeßen, wenn es auch ſeiner Individualität nah dieſem um eine Klaſſe nachſtünde. Achtet man auf dieſe Abſtammung nicht, ſo wird man nie mit Sicherheit auf eine gute Vererbung rechnen können. Beobachtet man es aber mehrere Generationen hindur<4, ſo iſt man derſelben ſtets gewiß. Darin aber beſteht ein Hauptvortheil einer tichtig vollzogenen Klaſſifikation einer Schäferei. 7) Was von der Auffriſc)ung des Bluts zu halten ſei, darüber iſt man guch noch nicht ganz einig. Manche halten ſie für unumgänglich nothwendig, während andere meinen, ſie ſei rein überflüſſig. Wie überall im Leben, liegt wohl aud) hier die Wahrheit in der Mitte. Wenn man mit dieſer Auffriſchung ſolche Fehler begeht, daß man ganz fremdartiges Blut in die Schäferei miſcht, dann iſt ſie ein großer Mißgriff; wenn man dagegen durch fortgeſezte Inzucht entweder eine immer ſchwä- here Nachzucht bekommt, und am Ende noch Erbfehler ſo feſt in die Heerde pflanzt, daß ſie kaum mehr auszuz- rotten ſind, dann ſchadet man ſich eben ſo ſehr. Kann man von gleichem Blute und gleichem Adel aus geſunden und Fräfrig ausgebildeten Heerden Thiere. von gleicher --= 1466= Vollkommenheit, wie man ſie ſelbſt aufzuweiſen hat, bekommen; dann würde ich doch zu einer bisweiligen Einmiſchung fremden(nicht fremdartigen) Blutes rathen. Ohne jene Vorausſeßzungen'aber würde ich dieß nie wagen ,, ſondern ſtets bei der eigenen zur Vollkommen- heit ausgebildeten Race bleiben. | | 1 | | | | AI. Verhältniß der Größe und des Woll- Ertra* ges, und ſomit der ganzen Rente von ed* ſeit u'd Unedlen Schäafen. Die wenigen Landwirthe, welche entweder aus IJundv- lenz over Mängel an pekuniären Kräften nicht für die hb- here Veredlung der Schaafzuht ſtimmen, mädchen ihr ges wöhnlich das zum Vorwurfe, daß män dabei viel weniger Wolle gewänne, und daß auch das aus derſelben an den Fleiſcher zu verkaufende Schlachtvieh kleiner und weni- ger maſtfähig ſei, als von unveredelten Schäafen, und weniger mäſtfähig ſei, als von unveredelten Schääfen, und daß dadurch die Rente einer feinen Scaferei micht um ſo viel höher ſei, als wie män es dem Anſcheine nach vermäthet. Th will zuerſt den Vorwurf des geringen Wollet- trages näher beleuchten, und ſodann auch den Über geringeren Fleiſch- und Fettäanſaß unterſuchen. Nimmt man zum Ver gleich der gewonnenen Wollmen- ge die beiden Ertreme, nämlich eine hödjedle und eine ganz gemeine Candſchäferei, ſo werden fich die Zwiſchen- Abſtufungen'alsdänn beinähe von Felbſt finden. Bei der -=-= 163== erſteren wird es jederzeit eine gute Schur genannt wer- den können, wenn man von 400 Stü> im Durchſchnitt etwas über 2 Ctr. Preuß. oder ohngefähr 2 Ctr. Oeſterrei- ſtellen, da nach dieſem Saße ſich denn jede Berechnung eines größern Stammes leicht macht. Nach den jest beſtehenden Verhältniſſen wird man 100 Schaafe aus einer reinen und edlen Heerde, wenn ſie auch erſt 3== 4 Jahr alt ſind, zu 40= 12 Rthlr. Preuß. Cour. kaufen können. I< ſee dabei immer vor- aus, daß man nur den Werth der Waare und nicht den Ruf zugleich mit bezahlt. Die Auslage wäre demnach im theuerſten Falle 1200 Rthlr. Zu 100 Mutterſchaa- fen ſind zwei Widder erforderlich). Wir rechnen ſie von der beſten und ſeltenen Qualität von 450 Rthlr. das StüX an. Mithin beträgt die ganze Auslage 1500 Rthlr. Anſtatt dieſer neu angeſchafften 100 Schaafe werden andere 400 Stü> vom alten Stamme für 2 Rthlr. das Stü, und 2 Widder a 10 RNthlr. verkauft. Die Looſung hiervon von dem Kapital von 1500 Rthlr. abgezogen, bleibt eine reine Auslage von 1280 Rthlr. Nun rechnen wir, daß die Wolle von den abgeſchaff- ten mit 40 Rthlr. der Centner bezahlt worden iſt, und daß die vom neuen Stamme 110 Rthlr. gilt.(Ihr Werth wird ſich in der Folge bedeutend heben, weil die eme nnen ae EEN ==."486;<-; Nachzucht ungleich beſſer werden wird, als der Ankauf.) Wir wollen auch noch auf-die höhere Feinheit*/2 Ctr. Ge- wichtsverminderung annehmen, und es werden alsdanmn vom neuen Stamme 2 Ctx., vom alten aber 2*/2-Ctr. Wolle geſchoren. Der Geldwerth der erſten iſt alsdann 220 Rthlr. und der letzten 300 Rthlr. Wollte ic. nun auch gelten laſſen, was die Anfechter der höhern Veredlung noh anführen würden, daß die beſſere Haltung und Fut- terung bei den edlen Schaafen auf 100 Stü>. wohl noh 10 Rthlr. betragen kbnnye, ſo bleibt dennoch. ein Veberſchuß von 100 Rthlr. Auf das Anlagekapital rech- ne ich 62/5.-.Zinſen, alſo 76*%/5. Rthlr., mithin bleibt Mehrertrag bei dem neuen Stamme 33*/5 Rthlr. Wenn alſo auch kein Zuchtviehverkauf berechnet wird, und das Merzvieh nur an den Fleiſcher verkauft werden müßte, ſo würde eine Heerde 3. B. von 1000 Stü einen Mehr- ertrag von 335 Rthlr. bringen. Bei einem ſo edlen Stamme. wäre jedoch, beſonders wenn er mit Verſtand und Sorgfalt gezüchtet würde, auf einen ſehr einträg- lichen Verkauf von Zuchtvieh zu rechnen. Wenn nun von demſelben jährlich auch nur von 100 Schaafen 80 Läm- mer gezogen würden, ſo kämen, ſelbſt, wenn wir von dieſen wieder 5?/o Abgang, eben ſo wie von der- ganzen Heerde eine gleiche Anzahl. Sterbefälle annehmen, den- no?) 72 StüF zum Verkaufe. Wenn da die Hälfte Mut- *) I< nehme abſichtlich nur. die Hälfte des Ankaufpreiſes an, weil, wegen vermehrten Angebots von edlem Zucht- viehe, deſſen Preis immer mehr fallen muß, -- 177= Muttervieh mit 36 Stü a 6 Rthlr. berechnet wird, ſo gibt dieß 216 Rthlr. Von den Bolämmern rechne ich von 36 Stück nur 10+, die als Widder verkauft werden können, und wovon das Stü mit 20 Rthlr. bezahlt wird, macht 200 Rthlr. Die andern 26 kommen als Hammel mit 2 Rthlr. zum Verkauf und gelten zuſammen 52 Rthlr. Sämmtliches Verkaufsvieh hätte alſo 468 Rthlr. eingebracht. Bei der unedlen Heerde waren dagegen alle 72 überkompleten Stü nur für den Hammelpreis anzubringen geweſen, und hätten mithin 144 Rthlr. ge- golten. Der edle Stamm hat ſonachy hier 324 Rthlr. und mit Zurechnung des. Mehrgewinns von der Wolle im Ganzen 357*/5 Rthlr. mehr eingetragen. Bei der Stärke von 4000 Stü würde alſo eine ſolche Schäfe- rei, wenn wir bei einer Heerde von dieſer Anzahl den 4ten Theil als lämmerbringendes Muttervieh, und zwar zu obigem Sage mit 80 vom Hundert annehmen, für verkauftes Zuchtvieh 1165 Rthlr. und für die Wolle 335 Rthlr. in Summa 1500 Rthlr. höhern Ertrag bringen, als eine unedle, deren Wolle, wie oben berechnet wurde, nur 40 Rthlr. der Ctr. gilt. Ein ſolcher Mehrgewinn kann aber manchen Landwirth, bei den jeßigen drüFenden Zeit- verhältniſſen vom Untergang retten. Wie aber, wenn man ſchon eine Schaafheerde hat, deren Wolle zu der veredelten gehdrt und ohngefähr mit 60-- 70 Rthlr. bezahlt wird? Sollte es da wohl auch noch lohnen, dieſe abzuſchaffen, und eine ganz edle an die Stelle zu ſeen?=- Wer einmal ſo weit iſt, wird immer wohl thun, das Beſte aus der vorhandenen Heerde Elönexs Schafzucht. 17 176= auszuwählen, dieß durc) Widder von der höchſten Qua- lität no neu- angekauften Viehes, 100 zum Verkauf kommenden Schäafe wohl wieder als Zuchtvieh, wenigſtens für 3 Rthlr. angebracht werden könnten, wodurch gegen oben das Anlagekapital um 160 Rthlr. vermindert würde. Wenn nun zu dem hohern Wollpreiſe noch einiger Ver- kauf von Widdern und Mutterſchaafen aus dem edlen Stamme kommt, ſo wird ſich wohl ſelten ein Kapital ſo hoch verzinſen, als das, was auf dieſen angelegt wurde. Geſeßzt aber auch, man ſcheut die Koſten zur Anle- gung eines ſolchen edlen Stanimes, ſo wird es doch durch- aus unerläßlich ſeyn, ſeine bereits habende Heerde ſtets durch edle Bd>e in ſich zu veredeln. Denn wenn dieß nicht geſchieht„ſo. geht ſie erſtens ſehr bald in ſich ſelbſt EE SEESEN 47908 zurü&, und dann wird ſie, auch wenn dieß nicht ge- ſchähe, einen immer geringern Geld- Ertrag liefern: weil die Forderungen der Wollhändler und Fabrikanten immer ſirenger werden, nach welchen eine Waare, die dieß Jahr z. B. noch 100 Rthlr. gilt, in 10 Jahren kaum nod) 80 mehr gelten wird. Durch den ungemeinen Wett- eifer der Wollproducenten in der höhern Veredlung ſind dieſe Forderungen entſtanden, und wer nicht in dieſem raſchen Fortſchreiten mit begriffen iſt, der bleibt zurück und darf ſich dann nicht wundern, wenn man ihm ein Product, was nicht gerade ſchlechter geworden iſt, doch ſchlechter bezahlt. Bis wie weit aber dieſer Eifer in der Veredlung getrieben werden könne, und welch' ein ent- ferntes hohes Ziel man zu erreichen habe, das ſtellte ich oben auf, wenn ich das Ideal einer Schäferei darin fand, wenn alle darin befindlichen Thiere nur Elekta A wären. Nicht oft genug kann es übrigens wiederholt werden, daß Deutſchlands Merino- oder(vielleicht beſſer geſagt) edle Schaafzucht nur dann ein lohnender Zweig der Land- wirthſchaft bleiben, und ſie mit ihrem Erzeugniſſe der Wolle nur dann den Weltmarkt behaupten kann und wird, wenn jener Wetteifer fortdauert, und wenn ſich die deutſchen Schaafzüchter durd) feine(vorübergehende) ungünſtige Konjunktur irre machen laſſen. Seßen wir eine gewiſſe Ehre darein, in dieſem Kulturzweige die er- ſten zu ſeyn und zu bleiben, dann iſt uns der Lohn gewiß. Ich komme nun, bei der Vergleichung des Ertra- ges einer edlen und unedlen Schäferei, auf deren Ver- waltung. 12* -- 480-- Wo man immer noch das Vorurtheil hegt, eine Schaafheerde kbnne nur dann gut verſorg: werden, wenn der Schäfer einen Theil des Ertrages derſelben zu beziehen hat, dä gibt man freilich bei einer edlen Heerde demſelben eine ſo hohe Beſoldung, daß in dieſer ein nicht geringer Theil des Reinertrages aufgeht. Id kenne Schäfereien, wobei der Schäfer ſich ungleich beſſer ſteht, als der Wirthſchaftsverwalter, und wo er in einigen Jahren ſich ſo viel erwirbt, daß er Kapitalien zurücklegen kann. Dieß iſt namentlich) in Sachſen der Fall. Dort haben die Schäfer außer einer Menge an Emolumenten, Tantieme 2c. noch ihr Vorvieh. Da ſie nun von dieſem oft für recht ſchbne Preiſe Zuchtvieh ver- kaufen, ſo kommen ſie.in ihren Cinnahmen ſo hoch, daß ſich manche für ihre Perſon, wie mir verſichert ward, außer ihrer freien Koſt, jährlich) auf 400 Rthlr. und darüber ſtehen. Dabei kann freilich eine Schäferei nicht die Rente bringen, die ſie ſonſt wohl bringen würde. Aber, ſagt man, unter andern Bedingungen bekommt man entweder gar keine, oder doch wenigſtens keinen guten Schäfer. Darauf kaun ich aber nach meinen vieljährigen Erfah- rungen nur antworten; daß dieß gar nicht ſo ſchwer halt, und daß, ſeitdem ich meine Schäfer auf ein beſtimmtes feſtes Lohn nach der Anzahl der Heerde geſeßt habe, ich mit denſelben weit zufriedener ſeyn kann, wie in frühe- rer Zeit, wo ich Antheilſchäfer hatte. Man ſagt zwar immer 7 das Intereſſe, was ein Schäfer hat, wenn er --“ 481= ſeinen Autheil au der Heerde beſißt und genießt, macht ihn aufmerkſam und fleißig, und man hat viel weniger zu beſorgen, daß ex aus Saumſeligkeit oder Muthwil- len die Heerde zu Grunde richten wird, als ohne dieſes. Man kann aber unbedingt behaupten, daß der Schäfer, welcher als Lohnſchäfer ſchlecht iſt, es auch als Antheil- ſchäfer ſeyn wird. Ia ich habe ſogar gefunden, daß er es in letztem Falle noch mehr war; weil er mehr ſeinem eigenen Willen folgen konnte. In Schleſien, wo eine Menge edler Schäfereien den Antheil in den Schäfereien auf einen feſten Lohn geſtellt haben, weiß ich, daß man dabei allgemein beſſer daran iſt, und daß gerade die Schäfereien, welche dieß gethan haben, im Geſundheits- zuſtande jetzt beſſer ſind, wie ſonſt. Auf welche Weiſe ich meine Schäfer geſtellt habe, das findet ſich in dem kleinen Werkchen:„Beſchreibung meiner Wirthſchaft“'1c. Prag, bei Calve. XIV. Sind edle Schaafe mehr Krankheiten unter- worfen, als unedle? Vorſtehende Frage iſt ohne Zweifel bei der Berech- nung des gegenſeitigen Reinertrages einer edlen und* unedlen Schäferei von großer Erheblichkeit. Wenn es auch nicht zu läugnen iſt, daß in edlen Schäfereien mehr und verſchiedenere Krankheiten be- kannt worden ſind, als in unedlen, ſo iſt daraus noch nicht ganz mit Grunde zu folgern, daß dieſe Krankhei- ten unedle Schaafe entweder früher nicht getroffen hät- ten, oder auch jeßt nicht träfen. Ein Hauptgrund, warum dieſelben bei letztern weniger bekannt geworden ſind, liegt in folgenden" beiden Urſachen. 1) Atete man den Verluſt eines Schaafes in frü- hern Zeiten, wo ſein Werth oft kaum einen Reichs- thaler betrug, für viel zu gering, als daß man lange nach der Urſache ſeines Todes geforſcht hätte./ 2) Belegten unwiſſende Schaafmeiſter die verſchie- denartigſten Krankheiten mit einerlei Namen, und daher kam es denn, daß man deren nicht viele wußte. So „Rs 5. wad. ez 2. M865:"= z. B. wurde vie Traberkrankheit mit dem Namen Kreuz? drehen belegt, weil das Schaaf aus Schwäde am Kreuze hinten zuſammenftel. I< erinüere mich ſehr genau, ganz vidinäre Landſchaafe vor mehr denn 20 Jahren von der vollkommen ausgebildeten Traberkrank- heit befallen geſehen zu haben. Neu und früher unbekannt iſt aber wohl die bdsar- tige Klauenſeuche. Das zartere und weichere Horn'des Hufs bei edlen Schaafen ſcheint ſie dieſer Krankheit mehr auszuſeßen, wie dieß bei unedlen der Fall i(t. Doch es liegt außer meinem Platte, eine Geſchichte von Schaäafkrankheiten zu ſchreiben, die mir nod) dazu veßhalb ſchlecht gelingen würde, weit ich glücklicher: weiſe in meiner Schäferei von keinen erblichen Krank- heiten heimgeſucht werde: Nur'was die Ueberſchrift dieſes Abſchnittes erfordert, will ich hier erdrtern. Geſekßt nun auch, edle Schaäfe wären wegen ihrer zarteren Konſtitution mehreren Krankheiten unterworfen, - als unedle, ſo iſt dieß keineSweges ſv ärg, wie wohl manche glauben mögen. Die große Vermehrung und Zunahme der edlen Schsfereien iſt ja aud) der ſpre- en. Noch mehr gewöhnen ſie ſich aber an dieſen Feh- ler, wenn der Schäfer aus Saumſeligkeit das Eiter, ſobald als nur das Lamm geboren iſt, nicht ſogleich von der Wolle reinigt. Indem es die Ziße ſucht, kommt ihm die Wolle in den Mund, und ſo ſucht es denn nach dieſer und geht immer weiter, bis es das Schaaf endlich ami ganzen Hintertheile na>end macht. "1486"<- Dieſer Fehler hat manicherlei Nachtheile. Die wäh.| mer leiden dabei an ihrer Geſundheit und wenn ſich die Wollknoten, die ſie hinunterſchluXen, in den Ein- geweiden verſetzen, ſo ſterben ſie daran. Mir iſt der Fall vorgekommen, daß bei der Sektion eines halb- jährigen Lammes die ganzen Eingeweide entzündet wa- ren und beinahe in Brand übergingen und wovon der- gleichen verhärtete Wollkugeln die einzige Urſache wa- ren. Man verliert aber auch bei dieſem Uebel eine- Menge Wolle. I< habe erſt vorigen Winter eine Schaafheerde geſehen, wo die Mutterſchaafe beinahe zur Hälfte, und zwar der größte Theil derſelben, von den Lämmern auf dieſe Weiſe kahl gemacht worden waren. Das Schlimmſte iſt noch, daß eine derglei- “ Mir ſelbſt iſt es fräherhin zuweilen ſo gegangen, daß ich nicht die beſte Meinung von dieſer oder jener Schäfe- rei bekam, weil ich Zuchtthiere aus denſelben in andern Heerden ſah, die käum mittelmäßig zur nennen waren. Als ich die Schäfereien ſelbſt ſah, bekam ich einen weit vortheilhafteren Begriff von denſelben. Fragen wir nun? welchen Vortheil haben diejenigen, welche fremde Heerden gefliſſentlich herabſezen?= fo iſt die Antwort wohl keine andere, als einen ſehr geringen. Wir ſind in Deutſchland in der Schaafzucht ſo weit vor- geſchritten, die Begriffe und Kenntniſſe von dem, was wirklich edel in derſelben iſt, haben ſich ſo aufgeklärt, daß ein abſichtliches Verdunkeln fremden Gutes zuleßzt nur das eigene in Schatten ſtellen kann. Die deutſchen Schaafzüchter müſſen, wenn ſie ihren wahren und dauern- den Vortheil richtig wünſchen, ſich gegenſeitig mit Offen- heit begegnen; ſie müſſen ſich ihre gemachten Erfahrun- gen und erworbenen Kenntniſſe freimüthig mittheilen; damit ſie in ihrem Gewerbe immer weiter vorrüFen und ein Product fortwährend erzeugen, das an Vollkommen- heit zunimmt, und ſo ſtets den erſten Plaz auf dem Weltmarkte behauptet. Dazu müſſen auch die Woll- händler die Hand bieten, wie dieß die verſtändigen ſchon jekt thun. Es hat die Schäafzucht lange Zeit und lange genug ſich zwiſchen ungewiſſen und unbeſtimmten Gren- zen bewegt; es haben die Schaafzüchter lange und viel genug theures Lehrgeld bezahlt, und wir nähern uns end- lich dem Zeitpunkte, wo richtige Anſichten und feſte Grundſäße jedem dieſes Gewerbe leichter, angenehmer -- 200=- und einträglicher machen müſſen.: Wozu dann noch länger dem.Obſcurantismus huldigen? Als Beleg, daß die Anſichten über Wolle und die Grundſäße bei ihrer Erzeugung ſich immer mehr auf eine feſte und ſichere Baſis ſtellen, will ich hier ein Beiſpiel erzählen, was mir im hden. Andere wollten'die entſtehende Lä>e durch den Verkauf von Zuchtvieh ausfällen, und ließen ſich daher, wenn es nur gut bezahlt wurde, das Beſte aus der Heerde - 24= ausleſen.- Dadurch ward nun der Sächſiſchen Schaaf- zucht auf eine doppelt empfindliche Weiſe geſchadet. Die Forderungen an eine edle Wolle nahmen zu, und anſtatt in Qualität ſich zu verbeſſern, verſchlechterte ſich die Sächſiſche eher. Die Klagen von den Wollhändlern hielten die Schaafzüchter anfangs für ungegründet, und wenn auch Einzelne die Sache aus einem richtigeren Ge- ſichtspunkte anſahen, ſo konnten ſie dem überhand genom- menen Uebel doh nicht kräftig genug entgegenwirken. Troß dem aber kann Sachſen, ſobald ein aufmerkſames und ſyſtematiſches Verfahren in der Schaafzucht nur allgemein wird, ſeinen alten Ruf fortwährend behaupten und bald wieder vor allen andern deutſchen Provinzen geltend'ma- kam zwei Jahr ſpäter an. Ich klaſſificirte ſie im Winter von 182/27, und bin es der Wahrheit ſchuldig,'zu erklä- ren, daß dieſe den erſten ſehr nachſtanden. Denn es waren unter ihnen mehrere, die Hundshaare in Menge am Halſe und an der Keule trügen. JIhre Geſtalt war zwar der vom'erſten Transporte ähnlich/ aber ich ſelbſt ward verleitet, ſie für Meſtizen zuhalten, bis der Di- rector der Großherzoglich Badiſchen Schsfereien dffent- lich erklärte, es ſeyen dieſelben reineOriginals und durch- aus edles Blut.' N Fern von allen hämiſchen Nebenabſichten habeich- dieſe Sache ganz unparteiiſch-und der ſtrengſten Wahrheit ge- mäßerzählt, und dabei keinen andern Endzwe gehabt, als den, zu beweiſen, daß die deutſche'Schaafzucht ſich weit über die ſpaniſche emporgeſchwungen hat, und daß alle diejenigen, welche glauben, vein ſpaniſcher Originale zu bedürfen, um ihre Schäfereien auf den höchſten Grad der feinen und edlen Wolle zu bringen, im Jrrchum be- fangen ſind.! Die gedachten Badiſchen Schaafe aber halten in Ge- ſtalt faſt gerade das Mittel zwiſchen den Electorals und Infantado's. Sie haben die Länge und die etwas hohen Beine der erſten, und wiederum den ſtarken Körper und'ei- nige Halsfalten von den leßtern. Ihre Wolle neigt ſich in der Sanftheit und dem wenig klebrigen Fette mehr der der Electorals. Fragen wir nun,- nach dieſer vergleichenden Ueber- ſicht, die uns das Zunehmen der deutſchen Shaafzucht in Quantität und Qualität zeigt: wird und muß dieß nicht zu einer Ueberfüllung des Marktes und einer großen Erniedrigung des Werthes der Wolle wirken?-- ſo kann die Antwort nur folgende ſeyn: Deutſchland kann ſeine Wolle auch noch weit unter ihrem gegenwärtigen Preiſe produciren. Denn je mehr Intelligenz bei der Schaaf- zucht, ſo wie bei jedem andern Gewerbe, angewandt =“ 11=, wird, deſto wohlfeiler producirt man. Der Ankauf von edlem Zuchtviehe wird immer leichter, weil bei der zu- nehmenden Menge deſſelben ſein Preis heruntergeht; das Futter erbaut der rationelle Landwirth viel wohlfeiler als der Schlendrianiſt; die Schaafzucht hebt den AFXerbau und wirkt mittelbar zu ſeinem größern Flore und Ertrage. Da alle dieſe Vortheile der Wollproduction zu gute kom- men,. ſo wird ſie leichter und wohlfeiler, und gerade da- durch kann die deutſche Schaafzucht ſich erhalten und den erſten"Plaß behaupten, daß ſte ſtets ein beſſeres Pro- duct zu Markte bringt, und dieſes für gleichen Preis ver- kaufen kann, wie Andere ihr geringeres. XVII. Koſtenpreis der erzeugten Wolle, Der Preis, welchen der Schaafzüchter für ſeine er- zeugte Wolle bekommen muß, um für den Aufwand, die Auslagen und angewandte Mühe entſchädigt zu wer= den, kann keineswegs auf einen gleichen Saß angege- ben werden. Denn er iſt nah den verſchiedenen Ver- hältniſſen gar zu ſehr verſchieden. Theurer oder wohl- feiler Ankauf des Grundeigenthums; hohe oder niedere Pachtrente; grdßerer oder geringerer Fleiß; hbhere oder niedrigere angewandte Intelligenz; theuer oder wohlfeil gemachter Ankauf von Zuchtvieh und noh mehreres-An- dere modificiren dieſen Preis. Es iſt mit der Wolle in dieſem Falle ganz ſo wie mit dem Getreide, nur daß bei ihr noh) mehr Prämiſſen ſtatt finden. In früheren Zeiten kaufte man Zachtſchaafe für un- gleich höhere Preiſe, wie jet, ob dieſe gleich vor jenen Zeiten, als die Merinozucht in Deutſchland noch in ihrer Kindheit war, weit geringer waren. Nur erſt als die feine Wolle ein Gegenſtand des Welthandels: wurde, und die Preiſe derſelben immer mehr ſtiegen, hoben ſich die des Zuchtviehes zugleich) mit. Dieß ging bald ſo weit, daß = 29= daß es in eine Art von Sucht ausartete. Beſonders war dieß in den dſterreichiſchen Staaten der Fall. Für Widder, auf welche man beſonders fiel, bezahlte man Summen, die man in der Folgezeit für Fabel halten wird. Denn man kaufte deren bis zu 12,000 Floren. Daß ſie dieſen Werth nicht wirklich) hatten, ſondern daß er, wie bei den holländiſchen Tulpenzwiebeln, nur imaginär war, liegt in der Natur der Sache. Auch bewies man durch die Anwendung dieſer Widder, daß man ihnen jenen Werth in der That nicht beilegte., Denn wenn Schäfe- reien, die vor 10 Jahren noch für ſold)e Preiſe kauften, jekt noch nicht weiter vorgerü&t ſind, als daß ſie eine hd<ſt mittelmäßige Wolle an den. Warkt bringen, ſo iſt dieß wohl Beweis genug dafür. Iſt man nun gleich jeßt'von jener Sucht ſo ziemlich geheilt, ſo gibt es doch noc Schaafzücter genug, die nur an den Orten gut kaufen zu können glauben, ro Alles hinſtrdmt, und wo man den Ruf in der Regel eben ſo hoh, wie die Waare bezahlt. Das Sclimmſte bei der Sache iſt dann noch dieß: daß man gewöhnlich dort zu etwas Vollkommnem zu ſpät kommt, und ſich mit Mit- telgute begnügen muß. Zwar halten dergleichen Re- nommiſten(von Renommee abgeleitet) immer eine Partie Widder in Reſerve, die für ihre eigenen Sprungbd>e gelten, und die dann nur aus Gefälligkeit, verſteht ſich aber für ſehr hohe Preiſe, abgelaſſen werden. Mit Vorſtehendem will ich aber keinesweges ſagen, man ſolle ſtets nur nach dem Wohlfeilen gehen. Oft iſt dieß gerade das Theuerſte, Beſonders bei Widdern iſt Elöners Schaafzucht, 15 FE nn =. 24= nie ein Preis zu hoch, wenn es Thiere von vorzüglicher Pollkommenheit ſind, deren edle Abſtammung ſowohl als ihre eigenen vorzüglichen Eigenſchaften eine gute Vererbung verbürgen. I< könnte Beiſpiele anfähren, vo Thiere der Art für den Preis von 300 Rthlr. und dar- über bezahlt wurden, wo aber der Gewinn, den ſie der Heerde in ihrer Nachzucht brachten, mehr als das Dreifache betrug. Wenn nun aber auch wirklich dergleichen Exemplare dieſen hohen Werth haben, ſo ſind ſie doch jet nicht mehr ſo ſelten, daß man ſie nicht auch zu billigen Prei- ſen faufen kdönnte, und es iſt dann die Schuld des Käu- fers, wenn er mehr ausgibt, als er ndthig gehabt härte. Wernundie Zeitumſtände zu benußzen verſteht, und die Anſchaffung einer edlen Heerde nicht mit übertriebenen Koſten beginnt; wer ferner ſeine ganze Landwirthſchaft ſo einzurichten im Stande iſt, daß ihm das erbaute Fut- ter in ſo fern wenig oder gar nichts über die Gewinnungs- koſten zu ſtehen kommt, indem es ihn im Anbau anderer verkäuflichen Producte nicht zurüſegt; wer ſeine Schäfereiverwaltung nicht über die Gebühr koſtſpielig ein-, richtet; wer nicht durch prachtvolle theure Gebäude, die oft gar nicht einmal die Bequemlichkeiten und Vortheile von einfachen und wohlfeilen darbieten, ein hohes Kapital anwendet, deſſen Zinſen er ſich zu berechnen hat5 wer dann über die gute Haltung, Wartung und Pflege ſeiner' Schäferei wacht, ſo daß er nicht durch große Verluſte durd) Sterblichkeit in Schaden kommt, der wird gewiß bald|! die Ueberzeugung aus ſeinen genau Zeimachten Berech- "' -- 215= nungen gewinnen, daß der Ertrag der Schöferei an rei- ner Rente bis jeßt noch alle andern landwirthſchaftlichen Zweige weit überbietet.== Katn auch nicht jeder auf hohe Einnahme vom Zuchtviehe rechnen, muß er auch das auszumerzende nur an den Fleiſcher verkaufen, ſo wird der erhaltene Wollpreis doch gewiß noch immer bedeutend höher ſeyn, als ſämmtliche Koſten ihrer Pro- duction betragen.-- Gleichen Gewinn können frei- lich nicht Alle haben; dieß iſt ja auch bei keinem Ge- werbe der Fall. Wer etwas micht ſo anfängt, wie es an- gefangen werden muß, der hat ſich den Schaden ſelbſt zu- zuſchreiben. Wenn meine hier mitgetheilten Erfahrungen in der hdhern Schaafzucht Veranlaſſung zu ähnlichen Mirtheilun- gen von rationellen Schaafzächtern werden, ſo habe ich meine Abſicht doppelt erreicht. Der deutſchen S