Univ.-Bibi. — aen Gibersicht der europäiſchen veredelten Schafzucht von JI GG Bli ner, Erſter Band; SG. Calve*ſche Buchhandlung, D87 282 , A (9), 6,4 kho 4 fjv das Inalfen WT WANSIWN 3 3 e N Radhufing NNCH GH? 4 M: hl 1) UHV TWIN GU f DLLWU FI DIE€ 6 OWN DU /% E€ Biandrunfs. KE NUNGEN N mik Ray Ayy IO be Kt „iets Ni, DI Ue wen u OMAN(4 vwyy wy/l vv! * (O4 Fpa44< wi NACL 41] PMF anN a ""“ FW| e(|, /AN 4 ſ Ohne) 1 Vn I EI x 2 EEE ee I m EEG GESESES 6: ND EHE ue aine re Änneren ÄN IUR PI IIIINS a ede I APEN Safien 7 11 0 0- MEL x 4 025174 4) Maßregeln, welche die MBB, zur Ver- beſſerung der Schafzucht nehmen,. IB ZUTAT EHE DENE) 2) Die verſchiedene Art und Weiſe, wie die ver- | | | Wurm EL EEESENIEN VI beſſerte Schafzucht von den Landwirthen quf- genommen und in Ausübung gebracht wurde 3) Die allmähligen Fortſchritte der veredelten Scafzuht bis zu ihrem jetzigen Standpunkte Die verſchiedenen Grundſäße, welche man bei der veredelten Schafzucht befolgt hat.; Die Urſachen, welche die veredelte Schafzucht be- ſonders hefördert haben:.; Scafzüchtervereine« 8+. Literatur der Schafzucht 4. R Cc. Allmählige Entwiklung der Wollkenntniß„. D. Der Wollhandel,.: 2; Wollmärkte; 4. R 6. Von den Meinungen, Anſichten, Verſuchen und Verfahrungsarten, welche bei der europäi- ſchen Schafzucht ſo vielfach vorgekommen und aufgeſtellt worden ſind ,.:+ Ob die Merinos mehr und beſſeres Futter brauchen, als Landſchafe N+ Ob dieſe wenigeren Krankheiten unterworfen findr als jene:+. N; Kreuzungen oder Vermiſchungen dex Racen Stallfütterung.... E Welche Fütterungsarten am beſten auf den Körper und die Wolle der Schafe. wirken Sorgloſe Behandlung+; N Verpflegung dev Schafe. N Kartoffelfütterung N N;+ ErdſcXen(Topinambours). N Ablohnung dex Schäfer 5 R x Auffriſhung des Blutes.++ Gebrauc< von Widdern+ 5 Z Frühes Lammen+.% N EF. Von oinigen Abarten der veredelten Schafe. G, Woher kommt es, daß manche junge Schaf- züchter alte erfahrne ſo ſchnell und mitunter ſo weit übertroffen haben?, Ä Seite, 83 bis 94 94- 404 104- 117 117 NAST ESSE ZUZZE 123- 144 145- 160 160- 194 1 82:71 4193 194.122 227 494- 495 1496- 497 198- 499 4199- 205 205 2.209 909: 225910 2112 22917 94:2. 722015 245; 27-2416 MATE 25221 2 I2..2.23 EN 20200 WA E70) Gm 234 23421237 ai it DIe et langt, 1 ws 4. vb UX er | Dae We Y wih Nur" WENN= KE q C NNOE W' d&r> 2,5 2 ag Ke€„ur cy„X 160 TWIiie ist die europaäische Schafzucht dahin ge- M. äs langt, wo wir sie jetzt finden? 5 7 40 SBenn wir den Zuſtand der Schafzucht, wie ſie vor Jahr- 40 hunderten in Europa, beſonder3 im nördlichen Theile des- 007 ſelben war, mit dem vergleichen, wie ſie jekt iſt: ſo finden 4= 495 wir eine ſo große Verſchiedenheit, daß es wohl der Mühe werth iſt, zu vergleichen, wie ſie das endlich geworden ſeyn EIT kann. Wir werden bei dieſer Vergleichung meiſtentheils ;- 199 3 2: 0) 4% Gelegenheit haben, die Bemerkung zu machen, daß mit der Zunahme der Civiliſation auch die Verbeſſerung der Schaf- - 209 zucht faſt auf gleiche Weiſe vorſchritt.. Denn iſt dies auch TO >> (am) 18 bei den übrigen Gattungen der Hausthiere mehr oder we- ;. niger der Fall: ſo findet es doch gewiß vorzugsweiſe bei den 4 17.216 Schafen Anwendung. Die Urſache hievon liegt wohl un- 74 201 ſtreitig in der Verfeinerung der Genüſſe und Lebensbedürf- :(7 niſſe, die mit erhöhter Civiliſation ſtets gleichen Schritt ;= hält. Daß bei dieſem Fortgange der Menſchen in der höhern ; 234 Ausbildung die Schafzucht beſonders in den nordiſchen Län- dern große Fortſchritte machte, liegt in dem Bedürfniſſe der wärmern Bekleidung, die das Klima nöthig macht. Elsner's Ueberſ, d, europ, Schafz« I. Bd, A 2 Denn nur bei ganz rohen Völkern wird das Schaf bloß um ſeines Fleiſches und ſeiner Haut willen gehalten, bei den gebildeten dagegen iſt die Wolle ſtets der Hauptgegenſtand ſeiner Nußung geblieben. Wie nun die höhere Bildung der Völker auch mehr Geſc an feinerer Bekleidung fand; ſo ſuchte man auch vorzugsweiſe Schafe zu haben, welche die andern ihrer Gattung an Feinwolligkeit übertrafen. In Europa waren in den älteſten Zeiten die Griechen und Rö- mer die gebildeteſten Nationen, und wir finden bei ihnen ſchon Spuren von beſonderer Sorgfalt, die ſie der Schafzucht widmeten. Zwar waren die Länder, welche ſie bewohnten, ſüdlich genug gelegen, um nicht zu allen Jahreszeiten wol- lene Bekleidungen am wünſchenswertheſten zu machen, aber dennoch bedurften ſie deren in den kältern Monaten, und bei dem zunehmenden Reichthume, deſſen ſie ſich erfreuten, und bei dem daraus hervorgehenden Luxus, mußten ſie das Feinſte in der Bekleidung allemal dem Minderfeinen vorziehen, Haben wir nun auch keine zuverläſſigen Nachrichten darüber, von welcher hohen Qualität die Wolle war, welche man ſchon damals erzeugte: ſo mußte ſie dies doch) gewiß ſeyn, weil man ſie ſchon zu vielen LuruSartikeln verarbeitete, und ihr die koſtbarſien Farben gab. Ob man ſchon damals die Merinos gekannt habe, iſt deshalb nicht ganz zu bezweifeln, weil dieſe zuerſt in Aſien einheimiſch waren, und die beiden gedachten Völker durch ihre daſigen Beſikßungen ſie leicht kennen lernen konnten. Won Aſien kamen ſie über Afrika nac< Europa, und zwar wahrſcheinlich durch die Mauren zuerſt nac; Spanien. Denn wenn auß Don Pedro A[lV., König von Caſtilien, im. 1. 4ten Jahrhunderte Merinos aus bi wir I der Berberei kommen ließ: ſo that er dies wohl vorzüglich en| deshalb, weil er dieſe edlen Thiere bereits im Lande kannte, ")d und den ſchon vorhandenen Stamm vermehren und auffriſchen 2 7 wollte. Da dieſe Merinos aber die edelſien unter allen ſo| Schafracen ſind, da ſie auf Landwirthſchaft, Gewerbe und ie| Handel einen ſo bedeutenden Einfluß in Europa auzüben: 1| ſo bleiben auh ſie jederzeit der Hauptgegenſtand alles deſſen, ): was über Schafzucht geſagt und geſchrieben wird, und ſind 1| mithin auch hier die Hauptgattung, von der vorzugsweiſe gehandelt werden ſoll. Nach dieſer Einleitung mache" ich nun folgende Abtheilungen, um die oben geſiellte Frage ge- nügend zu beantworten, c. En EETÄÜÄNGRERRENENEN WIRE na kc zeil. Üb A, Allgemeine Aufſtellung des frühern Ganges der Schafzucht in Europa, Spanien. Wir fangen mit dieſer an dem äußerſten Ende von Kund - l| Europa, und zwar der Natur der Sache gemäß, mit r Spanien an. Hier aber haben wir Gelegenheit, gerade e| die umgekehrte Beobachtung davon zu machen, als wir ſie || in Deutſchland zu machen haben werden. Nämlich in Spa- n| nien iſt zwiſchen dem Jekßt und Chemals ein ſehr großer Unter- t| ſchied rüFwärts, das heißt, dort iſt man jekt bei weitem iq| nicht mehr ſo hoc oben, wie man in frühern Zeiten war. n Die Urſachen davon ſind hauptſächlich die zerſtörenden Kriege * in den lebten 20 Jahren, und die ſpaniſche Indolenz, die 13 es nicht der Mühe werth achtet, auf einen Gegenſtand alle : A 9 4 Aufmerkſamkeit zu verwenden, der doch für das ganze Land von ſo hoher Wichtigkeit war. Denn ſieht man auch deſſen Werth ein, hat auch ſelbſt die Regierung die ſtrengſten Ver- bote wegen Ausfuhr von Merinos ergehen laſſen: ſo ſind die ſpaniſchen Heerdenbeſiker do< noch weit davon entfernt, mit jener Sorgfalt und mit jenem Verſtande die Schafzucht zu behandeln, die wir in Deutſchland ſo allgemein darauf verwenden ſehen. Ob die Zahl der Merinos im Verhältniß zu den Landſchafen(Churros) in Spanien eben ſo abge- nommen habe, wie deren gute Qualität, das läßt ſich bei dem zerrütteten Zuſtande, in welchem ſich dieſes Land ſchon ſeit - langer Zeit befindet, nicht genau ausmitteln, ſo viel iſt aber gewiß, daß die Merinozucht in Spanien in einem ſolHen Verfalle iſt, daß das Einkommen, welches ſie dem Lande gewährt, bei weitem nicht mehr die Hälfte von dem beträgt, was es in frühern Zeiten war.. Denn auch abge- ſehen davon, daß die Zahl der Merinos ſich ſo bedeutend vermindert hat, ſo iſt auc< die von ihnen erzeugte Wolle in ihrer Güte ſo tief herabgeſunken, daß ſie faſt mit keiner aus andern Ländern von Europa mehr in Concurrenz treten kann. Die Vergleichung der Preiſe von ſpaniſcher, fran- zöſiſcher und deutſcher Merinowolle, welhe Herr Derneaux aufgeſtellt hat, gibt uns hierüber die klarſte Anſicht. Ich führe ſie hier an, weil ſie mir den beſten Maßſtab zur Ver- gleichung der Schafzucht und ihres Fortganges in den ge- nannten drei Ländern gibt, Nach dieſer Vergleichung ſtellten ſich die Preiſe der Merinowolle von 3304 bis zu 1327 auf folgende Weiſe. &n Im Jahr 1804 galt die allerfeinſte ſpaniſche Has: Kilogramm 4 4. 4 LIT TENSE ALONE - franzöſiſche 13 EEA LGES DEES TFEWNfMeE 2 MOE Im Jahr 13x10 galt die allerfeinſte ſpaniſche 20- M EZ= VFRANZO[T Me 2197002 SEE TIER ſächſiſche%0Z Im Jahr 3326 galt die allerfeinſte ſpaniſche 36- ZZ ZS FCQUZO Me 2120= 8 52. 8 Fächſiſche: 25 x IM Jahre 2.820.2.= 512.2.„ſpaniſc- als Fortſchritte gemacht, dagegen hat ſih Deutſchland und namentlich Sachſen ſo ho< emporge- ſc, als die obige von Herrn Terneaur gegebene Vergleichung zeigt. Und dieſe Kernwolle war es auch, welche die öſterreichiſchen Schaf- züchter zur damaligen Zeit vorzugsweiſe zu erzeugen ſtrebten, und von welcher ſie erſt ablenkten, als die Nachfrage dar- nach immer geringer ward, wie ich weiter unten noch weit2 läufiger anführen werde. Wenn ſich nun das Bedürfniß der feinen. Wolle in der frühern Zeit eben ſo nach den Foderungen der Mode, die mit der Civiliſation faſt ſtets gleichen Schritt gegangen iſt, richtete: ſo lag es in der Natur der Sache, daß die ſpaniſche vorzugsweiſe geſu verkauft haben, und höhere Preiſe erhielten, wenn die Thiere vollwollig, als wenn ſie armwollig waren, Daher ließ man auch vorzugsweiſe alle etwas haarig ge- bornen Lämmer zur Zucht gehen, weil die Erfahrung ge- lehrt hatte, daß dieſe in der Regel dichte Vließe bekamen. Eine gleich falſche Anſicht ſchien ſich noch vor kurzem 12 bei den deutſchen Schafzüchtern einſchleichen zu wollen. Man ſtrebte hauptſächlich darnach, die Maſſe der Wolle zu ver- mehren, und verſäumte darüber die höhere Qualität im Auge zu behalten. BWerkehrte Conjuncturen, durch unſin- nige Speculationen herbeigeführt, hatten zu dieſem Abwege verleitet, weil man Mittelzut über den Werth, und ein ausgezeichnetes Product nicht ganz demſelben gemäß bezahlt erhielt. Eine gewaltige Kriſis hat aber vor kurzem dieſen Mißgriffen große Einbuße auferlegt, und die Schafzucht hat die Lehre bekommen, daß es ſtets am lohnendſten bleiben wird, ſich jederzeit des Vollkommenſten zu befleißen. No< muß ich bei dem frühern Gange, den die ſpa- niſche Schafzucht nahm, die Maßregeln anführen, welche der Staat traf, ſie ſtets im Flor zu erhalten. Die Meſta, das iſt das Vorrecht, nach welchem eine Menge Magnaten den Vortheil genoßen, Schafe auf Koſten fremder Grund- beſißer zu halten 3 das Vorrecht, na 8= m<<< / nl"EIL x*“. We 2 a ae GEE er efeunubg NES zal. I dd en är b 19 dies Necht aber beſchränkt und zuleßt aufgehoben ward, da kam die Schafzucht immer mehr in Verfall? Man war nicht gewohnt, für Futtervorräthe zu ſorgen; was auch etwa erzeugt ward, das ging im Sommer auf, weil man die Schafe nicht mehr auf fremde Koſten ernähren konnte. Erhungerte Thiere und ſchlechte Wollnußung war hiervon die natürliche Folge. Die Wolle war auch im Ganzen von ſo ſchlechter Art, daß ihr geringer Preis unmöglich zu ihrer Erzeugung ſonderlich anreizen konnte. Als dann*) im Jahre 1736 ein Stamm-von 400 Stü> Merinos auf Koſten der Regierung eingebracht wurde, ſo ward derſelbe auf der Domaine Rambouillet für deren Rechnung unterhalten, Nach welchen Grundſätzen man ihn dort züchtete, iſt am beſten aus dem Erfolge klar. Denn no< jekt iſt die Ramboulleter Wolle bei weitem der feinen deutſchen nicht gleich, auch erfüllen von dort bezogene Thiere FeineSwegs die Foderungen, die der deutſche verſtändige Schafzüchter an Schafe von hochfeiner Gattung macht. Man überließ ſchon damals die ganze Leitung der Schäferei mehr dem Unterperſonale, und es konnte daher kein ſo erwünſchter Fortgang ſtatt finden. Auch ſoll die feuchte Trift und tiefe Lage der höhern Schafzucht in Rambouillet nicht gerade ſonderlich günſtig ſeyn. Als bei dem Basler Frieden die franzöſiſche Regierung ſih von Spanien die Erlaubniß be- *) Im Jahre 4776 machten die Herren Trüdaine den erſten Ver- ſuc mit der Einführung der Merinos in Frankreich. Ob er glei nicht mißlang, da beſonders der berühmte Schafzüchter Daubenton ſih der Sache ſehr annahm, ſo war deſſen Erfolg doch für das Land gering, B2 €<= a... ii;<< SIe

Ze< Sad ee ENEN RENN E42 I IEOHNDUGHUENGENSEIDENGIER AER CHa 0 td ag Sine Ee& WAY TERENTEN WERLTE 0 FSZ 1 Y [] | 20 dung, wieder 5000 Merinos von dort nach Frankreich wm, bringen zu dürfen: ſo wurden dieſe nach mehreren Verzö- nindiſ gerungen und auch nicht einmal die volle Zahl auf einige mds Domainen vertheilt, der Hauptſtamm aber nach Perpignan 22: M R gebracht.“ Von dieſen Depots verbreiteten ſie ſich dann' wa ß weiter im Lande 3; jedoch ging dies bei einer Menge zu be- apt kämpfender Vorurtheile nicht günſtiger, als in andern Län- den 9! dern. Dies iſt am beſten daraus erſichtlich), daß nach vom einem Berichte des Miniſters des Innern an Napoleon im Hede Jahr 1311 ungefähr 5 Millionen veredelter Schafe an-(aſſe, genommen wurden, So groß dieſe Zahl auch erſcheint: ſo NEN iſt ſie doc<; gering, wenn man bedenkt, daß darunter alle| ſelbſt be von Merinowiddern und Landſchafen erzeugten Nachkommen; ſe. mit eingeſchloſſen ſind. Denn die Anzahl der Widder,| Venel welche ſchon von den drei eingebrachten Stämmen in dieſem langen Zeitraume hätten erzeugt werden können, hätte in dem gedachten Jahre ſchon ſo groß geweſen ſeyn müſſen,; daß ſie faſt zur Belegung der Hälfte von ſämmtlichen in Frank-[EB reich vorhandenen Mutterſchafen hätten ausreichen können.| Na< dem angeführten Berichte bedurfte Frankreich' jährlich 6 Millionen Kilogramm fremder Wolle, wozu Spa-| nien und Deutſchland faſt gleiche Theile beitrugen. Um| | ten b dieſe Inportation los zu werden und dem Lande jährlich k"3 eine Summe von 57 Millionen Franken zu erhalten, erließ|% Napoleon ein Decret, nach welchem in den Jahren 1311|. Aiden und 1312 ſec Denn dort ſind 57 Millionen angegeben und hier nur 35 Millionen. Wenn an beiden Orten kein Irrthum in den. Angaben ſtatt findet: ſo müßten die Wollen-Manufacturen DEN ſeit jener Zeit in Verfall gekommen ſeyn, weil bei vermin-“ derter eigener Erzeugung die Einfuhr von Wolle geringer Üprigen geworden iſt. Im Ganzen hat aber der Zeitraum von 10 DENE Jahren den großen Erfolg nicht gehabt, den man von jenen| au durchgreifenden Maßregeln wohl hätte erwarten können.| jun Denn in mehrern deutſchen Provinzen hat die Schafzucht| Cit in gleichem Zeitraume ſich mehr als um 50 Procent in ihrem| die ab Geldertrage vermehrt, ohne daß von Seiten der betreffenden| ſher w Regierungen ſolc vermehrt hatte. Die Räudekrankheit, die neue Einrichtung, die Ungewohntheit der Sache mochten wohl brun d jedes das Seinige zu dieſem Zurücbleiben beigetragen haben,|""" Bei dieſer zweiten Beziehung hatte man die Idee,|| Schafe aus der Berberei kommen zu laſſen 3 da aber, nach jen „jow v LEINE ſ< Wen Ch! | FEIERE RR ZZ- de: BEE pn 29 den desfalls eingezogenen Erkundigungen, dies großen Schwie- rigkeiten unterworfen geweſen ſeyn würde; ſo wandte man ſim wieder nach Spanien. Ehe man jedoch die Sache in38 Work richtete, wurden erſt Berathſchlagungen gehalten, wohin die neu anzuſchaf- fende Heerde gebracht werden ſollte. Nach mehreren De- batten ward Lohmen hierzu für am tauglichſten befunden. Ferner ſtellten einige das Bedenken auf, daß, wenn man die Veredlung der Schäfereien allzu ſtark betriebe, am Ende die grobe Wolle fehlen würde, und dies um ſo mehr, als die inländiſchen Manufacturen meiſtentheils nur ſolche ver- arbeiteten. Dazu kam noch, daß Preußen zu jener Zeit die Ausfuhr von Wolle aus ſeinen Staaten verboten hatte, und daß namentlich die Tuchmacher aus der Oberlauſiß da- durch ſehr ins Gedränge kamen, da ſie z. B. im Jahre 1764 von Breslau allein 16,000 Stein Wolle bezogen hatten. Da ſich jedoch ergab, daß Sachſen aus Medlen- burg und aus Niederſachſen ſeinen fehlenden Bedarf zu ſehr mäßigen Preiſen erhalten konnte, und da man ſich über- zeugte, es ſey beſſer fürs Land, wenn der Uiberſchuß von feiner Wolle theuer ins Ausland verkauft, und das Feh- lende an grober wohlfeil vom Auslande bezogen werde 3 da man ferner wohl einſah, daß die Tuchfabrikanten ſich leicht darauf einrichten würden, auch eine feinere Wolle zu ver- arbeiten, und dabei mehr zu verdienen: ſo ſtand der Aus- führung des Beſchluſſes zur Anſchaffung einer neuen Heerde ſpaniſcher Schafe nichts mehr im Wege. Die Bewilligung zur Ausführung dieſes neuen Tran3- portes erlangte Sachſen vom ſpaniſchen Hofe durch den I TG IEE mi Id WE 7 Ann 5 SEISER an amin Tlihe ZY TZ ( | 39 Grafen von Florida Blanca, und zwar durch beſondere Bemü- hung des Legations-Secretärs Be&>er. Es ward demnach von der ſächſiſchen Negierung durch ein Reſcript vom 7. Decem- ber 1777 befohlen, 200 Stähre und 200 Mutterſchafe einzukaufen. Die Leitung dieſes Transporkes ward einem gewiſſen Vogel, Kammerdiener des Conferenz- Miniſters, Grafen Einſiedel, übertragen. In ſeiner Inſtruction ward ihm be- ſonders empfohlen: beim Einkauf auf Geſundheit, guten Wuchs, feine Wolle und auch darauf zu ſehen, daß kein Stü>E über zwei Jahre alt ſey. So wie der erſte Trans- port, ſollten die Schafe in Cadix ein- und in Hamburg ausgeſchifft werden. Zum Begleiter ward Vogeln außer ein Paar ſächſiſchen Schäfern, ein gewiſſer Frenzel als Rechnungsführer mitgegeben, Die Abreiſe geſk ſollten aus andern Heerden ge- ſucht werden. Vogel meldete, daß bei dem erſten Trans- porte, der vor 13 Jahren geholt worden war, ein könig- licher Befehl an alle Majorals ergangen ſey, nach welchem - „- 32 jeder bei achtjähriger Gefängnißſtrafe angewieſen worden ſey, die beſten Stü>e zu geben. Daraus iſt denn-leicht zu er- klären, daß faſt nie weder vor noch nach jenem Träns- porte ein ähnlicher aus Spanien gewandert iſt. Vor ein Paar Jahren, ſo ſchrieb. Vogel weiter, ſeyen in das Oeſterreichiſche ebenfalls auf königliche Erlaubniß ſpaniſche Schafe gegangen, zu denen ein großer Theil auch von der Cavagne der Herren d"Iranda gekauft worden ſey. Von Sevilla ſchrieb Vogel unterm 5. Mai 17783, daß er ſeinen Einkauf gemacht habe, und zwar in feol- gender Art: 156 Schafe von der Cavagne des Marquis d' Iranda, 20 Schafe von der Comteſſe de Cuenca. 82. 176 Schafe, 21 Stähre aus der Cavagne des Grafen Villa Paterna, TENEN 7- ZIE 9 VLQU10/01 FEUERT-- ZUM(Ee: AEI>: z„ Cuenca Sa. 100 Stähre, Sämmtliches Vieh war 3 Jahr 5 Monat alt. Der Cuenta- oder Cuenia- Stamm gehörte zu den Sorianern und war von ſehr niederer Qualität. Nac< Vogels mündlicher Aeußerung war der Majoral von Paular ein ſehr gefälliger Mann, und ſeine Heerden die erſten, die er antraf. Bon ihm würde Manches zu erwarten geweſen ſeyn. Weil Vo gel aber ohne gehörige Vorkenntniſſe war, ſo benußte er die ſchöne Gelegenheit nicht, und nahm von dieſer Heerde keine Schafe, was um ſo mehr zu bedauern ai PEE=< 32 ; tfh war, da auch das erſte Mal von derſelben keine mitge- 1908. 77 kommen waren. Die Einmiſchung der Stü&e von Cuenca eoßen richtete großen Schaden an. Vogel und Frenzel|. WUs hatten ſie nicht ſelbſt geholt, ſondern ſie waren ihnen von j lt, dem Majoral von der Iranda- Schäferei aus Gefälligkeit 55 herbeigeſchafft worden. Es drängt ſich hierbei der Gedanke„MB. pi auf, ob nicht dieſer Majoral dabei die Liſt anwenden wollte,| H durch Vermiſchung mit ſchlechterem Viehe den Grund zur Un-.| gleichheit und Mangelhaftigkeit bei dem in Sachſen zu grün-“| denden Stamme zu legen, ab: Nach mehrerem Ungemache, welches ſie auch beſonders Du in Spanien durch ſchlechtes Wetter ausgeſtanden hatten, u kam die Heerde am 26. September 17783 in Zikſchen, jb einem Privatgute des Hofraths von Schönberger an, der u ſich zu deren Aufnahme erboten, weil er ſeine Schäferei ab-| NM geſchafft hatte.( Sie war den 26. Juni in Cadirx einge-| a; ſchifft worden, und kam den 1. Auguſt zu Blankenſee, M zwei Meilen von Hamburg, an.)' dorf für) In Zibſchen blieb ſie bis zum nächſten Jahre, und R] kam dann am 23. Mai 1779 nach Thiergarten. Sie be-| dDlſchet ſtand jeßt nur no< aus 164 Schafen und 55 Stähren. im Da3 übrige war bis dahin theils auf der Reiſe, theils den und zw Winter hindurch gefallen. Die Schafe hatten, ſo wie die| frirgung erſten, wieder die Räude mitgebracht.| 7000 it Der ſämmtliche Koſtenbetrag dafür war 20995 Nthlr,.| hiſt 15 Sgr.: man rechnete ſich aber auf die geſchorne Wolle| Autſhlan) 611 Rthlr. Dieſe galt aber, nachdem ſie nach Amſterdam,| Un Joer 9 Lüneburg und Leipzig zum Verkauf gebracht worden und| et fy nicht weggegangen war, in Oſchaß, wo ſie verkauft wurde,.|(m nido | Elöppin EIIIE<< 95 der Centner 56 Nthlr.(im Schmuße) und es kamen, da 10 Ctr. 23 Pfd, geſchoren worden waren, nach Abzug einer großen Menge Unkoſten, nur 253 Nthlr. 19 Gr. heraus, ſe daß nach Abzug dieſer Summe die Heerde auf 20,736 Rthlr. 20 Gr. kam. Es koſtete alſo ein Stü> von denen, die nach Thiergarten gekommen waren, über 40 Rthlr. So wie dieſer neue Transport nach Thiergarten kam, ging der frühere nach Hohenſtein ab. Im Jahre 1733 aber kamen dieſe nach Lohmen, und die Heerde war damals 581 Mutterſchafe, 94 Hammel und 1432 Stähre ſtark. Seit- dem hat einige Jahre nachher zwiſchen Nennersdorf(deſſen Schäferei von Stolpen aus durch Stähre und den Uiber- ſchuß von Merinos veredelt worden war) und Lohmen ein Umtauſch von Stähren ſtatt gefunden. Die Thiergarten- Schäferei aber iſt in ſich ſelbſt fortgezühtet worden. Seit Anfang des Jahres 1790 hat jener Umtauſch von Stähren zwiſchen Nennersdorf und Lohmen aufgehört, und in RNenners- dorf ſind nur Stolpner Stähre gebraucht worden. I< glaube, mir durch die weitläufige Mittheilung dieſer Thatſachen das Mißfallen meiner Leſer um ſo weniger zuge- zogen zu haben, als die Sache von großem Intereſſe iſt,* und zwar vorzüglich desShalb, weil einmal über die Ein- bringung der gedachten Schafe mancherlei unrichtige Nach- richten im Umlaufe ſind, und weil zweitens die ſächſiſche Schafzucht wegen ihres großen Einfluſſes auf das übrige Deutſchland und wegen des beſondern Rufes ihrer Wolle von hoher Wichtigkeit iſt. Der fernere Gang derſelben, nachdem die eingebrach- ten ſpaniſchen Schafe naturaliſirt waren, war wie überall Elsner's Uiberſ, d, europ, Schafz, I. Bd, C 6 34 ſchwankend. Man betrieb die Sache nicht allenthalben mit gleicher An- und Einſicht, Dies beweiſt ſchon der gegen- wärtige Stand der verſchiedenen Heerden, die nach obigen Nachrichten die erſten ſpaniſchen Stähre bekamen. Manche dieſer Schäfereien haben ſich eine hohe Celebrität erworben und erhalten, andere dagegen ſind weniger berühmt ge- worden, ja manche ſogar in Dunkelheit verfallen. Zu den erſtern gehören Gersdorf, Klipphauſen, Wol- kenburg, Dahlen, Dreſchkau. Auffallend iſt aber die ſchwache Vermehrung des aus Spanien eingeführten erſten Stammes. Denn es kamen im Jahre 1765 doh 1238 junge Mutterſchafe an, die man mindeſtens vier Jahre zur Zucht brauchen konnte, und dennoch war nach 18 Jahren bei-der Uiberſiedlung die Heerde nur 5812 Mutterſchafe ſtark. Die wahrſcheinlichen Utſachen hiervon habe ich ſchon oben angegeben. Durch die Widder aus dieſen beiden Stämmen ward aber allmählig die Schafzucht des ganzen Landes veredelt, und e3 vergingen von jener Zeit an, wo die beiden ſpa- niſchen Schäfereien in Sachſen nun förmlich eingerichtet waren und in regelmäßigen Gang kamen(von 1735 an), kaum zwei Jahrzehende: ſo bekam die ganze ſächſiſche Schaf- zucht ſchon hohen und ausgebreiteten Ruf, und ihre Wolle ward ein Gegenſtand des ausländiſchen Handels. Dies kam aber erſt im Anfange des jebigen Jahrhunderts recht eigent- lich in Gang, und die oben gegebene Vergleichung der Preiſe ſächſiſcher hochfeiner Wolle mit der ſpaniſchen und franzöſiſchen zeigt, daß ſie mit dem Jahre 1310 ſchon der ſpaniſchen gleich ſtand, dieſelbe aber in dor Folge immer mehr übertraf- 55 Es fragt ſich nun, ob die ſächſiſche Wolle wirklich ſich in dem Grade fortwährend veredelt habe, wie ihr erhöhter Preis wohl zu beweiſen ſcheint. Dann wäre aber der Tadel, welcher der ſächſiſchen Schafzucht hie und da ſchön öffentlich gemacht worden iſt, und der auch auf dem Leipziger Wollcon- vente im Jahre 1323 gehört wurde, unverdient geweſen. Die Sache verdient daher, da ſie noc< nicht genug im Klaren iſt, dom wohl eine genauere Beleuchtung. Ich werde ſie anführen, wie ſie in der Wirklichkeit iſt, und mich aller Partheilichkeit aufs ſtrengſte enthalten. Die Vorwürfe, welche man aufgebracht hat, ſind ungefähr folgende: Auswärtige Schafzüchter werfen den Sachſen vor, daß. ſie ihren Heerden bei weitem nicht die große Sorgfalt widmeten, die ſie wegen ihrer hohen Qualität verdienten. Wenn z. B. ſchleſiſche und öſterreichiſ Gat Leia em IE mn Daa 2 1."mti ee EREN 5 a. de vs" -- nE bi.. p i. u. vie -» 0 901 aus Sachſen mit der Aeußerung zurü&, ſie hätten dort nichts Gute3 von Schafen getroffen, und die Reiſe dorthin habe vj T ? einzig und allein den Nutzen für ſie gehabt, einzuſehen, wie t w hoch ihre Heerden über den ſächſiſchen ſtänden.| mw Außer den gerügten Mißbräuchen, die aus den no< mä beſtehenden Servituten entſtehen, hat die ſächſiſche Schafzucht Geh? auch durch den Krieg von 1313 bedeutend gelitten. Viele woa ſehr edle Heerden mußten flüchten, und verloren dabei einen zin G großen Theil ihres Viehes, andere wurden eine Beute des angefan Feinde38 und beinahe ganz aufgerieben 3 viele verkaufte man ſn 00) großentheils, weil es an Futter und Gebäuden zu ihrer Unter- Cop bringung bei der großen Verwüſtung mancher Gegenden fehlte. jaben| Zwar haben ſich dieſe Heerden wieder erholt, aber dennoc< Deere| währte es lange, ehe ſie wieder zum alten Flor gelangen konnten. Reh in Wenn nun nach ſolchen Calamitäten die ſächſiſche, ud das Wolle dennoch jeht wieder wie ein Stern erſter Größe am Gay merkantiliſchen Himmel glänzt: ſo muß der Verfall der ſäch- ifder ſiſchen Schafzucht doch nicht ſo groß ſeyn, wie Unkundige Mm der; glauben, und ſich ſo gern überreden laſſen. Der Tadel W hat in Sachſen das ſehr Gute gewirkt, daß er die Schaf- der Ritt züchter aufmerkſam gemacht und zu einem verſtändigen Ber- won fahren geleitet hat. Wer es mit der deutſ We A ENES RIEN 1-47 Ka igefa ae aha 2 2heiaile„aL udnk arenen LAU III 1 ede EE Mm Rn» u Ein Mn. 40 Weiſe zu ſtreben, die faſt unerſ gegangen ſeyn konnten, auf folgende Weiſe erklärt werden. Mumme f gm EEL I„Ii IIS DE ws Ze Wiel ZT | Erſtens iſt man in der Auswahl und Beſtimmung von Electa- Wolle jekt viel ſtrenger als früherhin, und was ſonſt ſchon in dies Sortiment genommen ward, gilt jekt nur noch für gute Prima, Dieſe größere Strenge, und der da- durch verwöhnte Geſchma&> der Manufacturiſien, beſonders in England, hat auc) hauptſächlich der ſpaniſchen Wolle den Hauptſtoß gegeben. Zweitens wurde gerade zu der Zeit, als jener Vorwurf der ſächſiſchen Wolle am meiſten gemacht ward, die kurze hochfeine Electoral-Wolle vorzugsweiſe beliebt. Nun hatten aber die meiſten Schäfereien ſich mehr auf die frühere Nach» frage, d. i. auf eine lange feine Wolle eingerichtet, und dieſe ward jekt, auch bei der höchſten Qualität der kürzern, wenn beide in der Feinheit gleith waren, nachgeſeßt. Und endlich drittens war dies auch gerade die Periode, wo die gezwirnte Wolle in Verruf gekommen war. Um nun dieſe auszurotten, hatten viele Schafzüchter mit Widdern von ſehr dichter, aber weniger feiner Wolle gekreuzt, und waren dadurch in der hohen Qualität bedeutend heruntergerü>t. Jedoch kann bei einem verſtändigen und conſequent fortge- ſezten Verfahren dieſe Verminderung der Feinheit der Heer- den bei ihrer guten und edlen Grundlage bald wieder aus- geglichen werden, und es können ſich dann Stämme bil- den, die alle, auch die ſtrengſten Foderungen an höhere Schafzucht erfüllen. Mehr aber, als der öffentlich ausgeſprohene Tadel hat wohl eine gewiſſe Lobhudelei der ſächſiſchen Schafzucht geſchadet. Denn e3 fühlten ſich hie und da Manche berufen, höhe „ſt (ſandy fand| ſehnt Darl) 4] v 19; k> 43 das Lob derſelben ſtet8 mit Poſaunenton zu verbreiten, ohne daß ſie eigentlich ſelbſt remäßigſten Anordnungen traf, ſah, daß die vurch ſeine Fürſorge empor gekommenen Manufacturen und Fabriken nur dann vorzüglich blühen könnten, wenn ſie in der Beziehung des rohen Materials ſoviel als mögtich vom Auslande unabhängig wären: traf er auch Anſtalten zur Verbeſſerung und Veredlung der Schaf- wolle. Leider hatte die Anſchaffung eines Stammes von Merino3s wenig Erfolg. Die verderbliche Räude, die ſie mitbrachten, verſchaffte ihnen bei den Landwirthen gleich an- fangs eine höchſt ungünſtige Aufnahme, und dieſe thaten daher alles, was in ihren Kräften ſtand, davon verſchont zu bleiben. So war der Erfolg dieſer wohlthätigen Maß- regel ſo gering, daß man naH einigen Jahren nur noch ge- ringe Spuren davon ſah. Wenig trug es übrigens zur Er- muthigung für die Verbeſſerung der Schafzucht bei, daß jener große König, von etwas einſeitiger Politik geleitet, die Manufacturen vorzugsweiſe dadurch zu begünſtigen ſuchte, daß er die Ausfuhr der rohen Wolle aus ſeinen Staaten verbot. Dadurch blieb der Preis derſelben ſtets ſehr herab- gedrüFt, und es lohnte den Landwirthen nicht, große Aus- lagen zur Verbeſſerung ihrer Schäfereien zu machen. Daß dies eine Haupturſache war, daß zur damaligen Zeit gerade in Preußen, wo alles Beſſere im Staate Aufmunterung und Unterſtüßung fand, die Schafzucht die geringſten Fort- ſchritte machte, das wird auch beſonders durch) den Umſtand außer Zweifel geſeßt, daß in demſelben Staate in der neuern Fahn /! 45 Zeit, nachdem der drü>ende Ausfuhrzoll in eine unbe- deutende Abgabe verwandelt wurde, dieſelbe ſich ſo' ſchnell vervollkommnete, daß die Ausländer über ihre reißenden Fortſchritte erſtaunten. Denn nunmehr wurden die preu- ßiſchen Wollmärkte von einer Menge auswärtiger Groß- händler beſucht, und Urſache und Wirkung ſteigerten ſich gegenſeitig, das heißt, je ſtärker die Nachfrage, deſto größer der Eifer, dieſe zu befriedigen, und jemehr dieſer zunahm, um ſo mehr fand jene ihre Rechnung. Nicht glüFlicher als der erſte gelang in Preußen ein zweiter Verſuch, Merinos zu Anfang des jekßigen Jahr- hunderts einzuführen. I< meine den Ankauf, welchen der Herr Präſident Vink für den Grafen von Podewils na; Guſow machte, Die Thiere gefielen nicht, und hatten, wie die frühern, gleiches Uibel mitgebracht. Indeß fingen mehrere Privatbeſizker doc< ſchon in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an, Schafe, die durch Merinos veredelt waren, aus den benachbarten Provinzen zu beziehen, Waren auch die erſten Fortſchritte nur gering, ſo nahmen ſie doch bald zu, und es verging kein Jahrzehend, wo ſchon edle Wolle nag Breslau und Berlin auf den Markt kam. In Scleſien war es Graf Magnis in der Grafſchaft Gl az, und in Oberſchleſien Graf Haug- wiß, die hierin kräftig auftraten. Ihnen folgten Mehrere und auc< in der Mark Brandenburg entſtanden allmählig edle Heerden, In Sachſen fing man im Anfange des zweiten Jahr- zehends des gegenwärtigen Jahrhunderts an, bedeutende Ein- käufe für die ſchleſiſchen Schäfereien zu machen, und es 46 gründeten ſich eine Menge neuer Heerden. Beſonders ging man ſehr häufig naß Noch sburgz ſo daß jekt noch eine Menge edler Heerden vorhanden ſind, die ſich vom gedach- ten Orte angeſtammt haben. Nach dem zweiten franzöſiſchen Feldzuge ließ die preu- fiſche Regierung eine bedeutende Anzahl von Merinos in Frankreich aufkaufen und beſtimmte dieſelben zur Anlage einiger Stammſchäfereien, die auf Koſten des Staates zum Beſien des Landes errichtet und erhalten werden ſollten. Kam auch dieſe Maßregel dem Anſcheine nach ſchon etwas ſpät, ſo hat ſie ihren Zwe> doch noch nicht ganz verfehlt, ob ſie gleich, früher getroffen, zum ſchnellern Emporkommen der edlen Schafzucht in Preußen viel beigetragen haben würde. Unter der Leitung des Staatsrath8 Thaer ſtehend, mußten dieſe Inſtitute ſc hätte, wenn er ſich der Verbeſſerung der Schafzucht annahm. Die Einführung gwon Merinos dur< Friedrich den Großen erfuhr ſchon dieſes Schifal. Und die königlichen Stammſchäfereien haben, wenn ſie auch guten Fortgang hatten, doch keine gegründete Anſprüche darauf, zu behaupten, daß ohne ſie die höhere Schafzicht jeßt noch nicht auf der Stufe ſtehen würde, auf der ſie ſteht. Sie haben theilweiſe genükt, das iſt nicht abzu- ſprechen, aber ſie ſiehen nicht vollendeter da, als viele Privatſchäfereien. Ihre Wohlthätigkeit iſt dadurch geſchmälert worden, daß man in ihnen ſo theuer und faſt theurer kaufte, als in Privatheerden. Da3. Verbot, daß an keinen Ausländer etwas daraus verabfolgt werden durfte, war nicht hinlänglich und wurde auch gar nicht einmal ſtreng genug ge- halten. Wollte man, ich komme noh einmal darauf zurü, die Widder aus derſelben auch nicht unentgeltlich) an unbe- mittelte Schafzüchter zum Sprunge geben, ſo konnte-man einen beſtimmten und zwar niedrigen Preis für dieſelben feſt- ſehen, ſie dann in die verſchiedenen Kreiſe vertheilen, und die Verwaltungen derſelben konnten darüber verfügen. Jekt ſind ſie, wie die Erfahrung lehrt, ganz in die Kategorie von Privatinſtituten zurü& getreten, die bloß noch ſo lange beſtehen, als man bei der darauf begründeten Speculation ſeine Rechnung findet. Es hat ſich in Preu- ßen aufs neue beſtätigt, daß der Staat bei Handel und Gewerbe nur jedem das laissex nous faire geſtatten darf, und daß es dann immer am beſten geht. Reißende Fortſchritte machte aber die Schafzucht in den Provinzen des preußiſchen Staates, beſonders aber in der Mark Brandenburg und Schleſien, ſeit dem Jahre' 2. 316. Man könntegda in dieſes Jahr die Gründung der Staats- Stammſchäfereien fällt, vermuthen, daß ſie beſonders dar- auf eingewirkt haben müßten. Dem iſt aber nicht alſo. Der freiere Wollverkehr und die erhöhten Preiſe derſelben gaben den Hauptimpuls. Große Einkäufe in Mähren und Sachſen begründeten neue edle Heerden mit einer 1 Zhi D.- BENNIE wminmmmicttnteen ließ.„,Die Authenticität dieſer Nachrichten kann ich verbürgen, da der ſürſilihe Be- ſizver der auserleſenen Schafheerde, deren Geſchichte und Eigenthümlichkeit hier dargelegt wird, ſelbſt die Güte gehabt hat, dieſelbe anzuerkennen.“ Der Bericht lautet wie folgt: „„Bei der nun einreißenden Gewohnheit, daß jeder, dr zus furz ſamer vem 51 der zur Veredlung ſeiner Schafzucht oft auch erſt nur ſeit Kurzem etwas leiſtete, ſich zu geſchwinderer Hereinbringung ſeiner Koſten, oder aus Gewinnſucht, ſogleich als Verkäufer reiner Merinos ankündigt, und nur zu oft noch Käufer findet, die theils aus Unkenntniß, theils des mindern Prei- ſes wegen, größtentheil3 aber in dem Wahn, als ob die erſte Veredlung bei dem Landviehe auch durch ſogenannte Meſtizen oder veredelte Böe bewirkt werden könne, ſich zu Erkaufung ſolcher Stähre beſtimmen laſſen 3 hält man es nicht für überflüſſig, durch eine einfache Darſtellung ſich über die Entſtehung der hieſigen veredelten Schafzucht aus- zuweiſen, und andere zu einer ähnlichen Handlungsweiſe aufzufordern.“ „Bor ungefähr 12 Jahren wurde zuerſt zur Verbeſ- ſerung des zweiſchürigen groben Landviehes eine kleine Par- thie Stähre von dem als Vater der öſterreichiſchen Schaf- zucht rühmlichſt bekannten Herrn von Geißlern auf Hoſch- til erkauft, dann dieſen bald darauf eine anſehnliche Heerde Holitſ aufgenommen wird." „„Hier zeigte es ſich nun aus Erfahrung, daß, ſo ſehr man auch Anfangs mit den orignal ſpaniſchen Stähren zu- frieden zu ſeyn Urſache hatte, ſie dennoch in der Folge durch einen ſächſiſchen, vermuthlich glüklicher gewählten Stähr, der noch dermalen in voller Kraft exiſtirt, an Feinheit und Reinheit übertroffen wurden, und dieſer ſich auch in ſeinen Nachkommen vorzüglich auszeichnete.' „Da nun aber mit einem Mal der Geſchmak an fal- tigen, am Kragen und oft über dem ganzen Körper mit hervorſtehenden Ringen verſehenen Vieh überhand nahm, welches aber nur, wie aus Thaers Annalen zu erſehen, eine unh Wworf Jener Mitkt Vith wrde Simm Oraue Fänzed 33 eigene Viehgattung iſt, und unter welcher vielleicht weniger reines durchaus feines Vieh änzutreffen ſeyn dürfte, als in den Merinos ohne Falten z; ſo glaubte man, ſich dem Ge- ſmäßigen Eingreifen der Regierung, hat dort der Schafzucht ſo vielen Vorſchub geleiſtet, daß nur daraus ihr allgemeiner und glü&licher Fortgang erklärt werden kann. Die erſte bekannte Anſchaffung von ſpaniſchen Merinos fällt in das Jahr 1775, wo Maria Thereſia einen ZZ<< 2 2222222222226.“ yeh 1 ey link ie LN EUERE= -= :“ ER TT<< LLL ZL WEZ ZEI- wig 97 Ankauf. in Spanien machen ließ, der, wie oben ſchon be- merkt worden, meiſtentheils aus den Heerden der Grafen von Iranda geſchah. Zwar waren die Folgen dieſer wohlthätigen Maßregel, wie an andern Orten, auch hier nicht gleich ſichtbar 3 jedoch ward dadurch der Grund zu der jekt faſt im ganzen öſterreichiſchen Staate bemerkbaren Ver- edlung der Schäfereien gelegt. Auch in Ungarn gewann man bald BVorliebe für die Sache, und die vielen edlen Stämme, die ſic) dort ſcheinbar aus ſich ſelbſt herausgez: bildet haben, verdanken ihre Grundlage wohl jenem erſten und einigen etwas ſpäter nachgeholten ſpaniſchen Schaf- ſtämmen. Dä ich einmal von Ungarn ſpreche: fo will ich auch, als von einem Theile der öſterreichiſchen Monarchie, noc< einiges davon hier beifügen. Man hat nicht allein in Deutſchland, ſondern auch in andern europäiſchen Ländern einen ſehr unrichtigen Begriff von der Schafzucht dieſes Landes. Auch der Engländer Lucco> theilt dieſe Beſchränkt- heit der Anſicht. Indem er von dem Fortgange der Schaf- zucht in Schweden und Rußland ſpricht, macht er die Be- merkung:„ſelbſt in Ungarn ſind die Verbeſſerungen der Schafheerden nicht undeutlih wahrzunehmen.“ Nach dieſer Aeußerung ſollte man glauben, Ungarn ſey unter allen europäiſchen Ländern in der Schafzucht am weiteſten zurü. Und dennoch findet man dort Schäfereien, die mit den edel- ſten Heerden Deutſchlands in die Schranken treten können. Der Eifer der daſigen Grundbeſißer iſt ſo groß, daß ſie auch die höchſten Preiſe beim Ankaufe von Zuchtvieh nicht ſcheuten, ſobald ſie überzeugt waren, durch dergleichen Er- werbungen ihre Heerden auf eine höhere Stufe zu bringen, 50 Die Schäfereien der Herrſchaft Altenburg, der Fürſten Eſterhazy und Palffy, des Grafen Feſtetics, des Baron Gaal und vieler Andern verdienen im erſien Range aufgeſtellt zu werden, und können ſie auch weaen ihrer großen Zahl nicht alle gleich edel ſeyn; ſo ſteht doch ein großer Theil davon auf einer ſo hohen Stufe der Fein- heit, daß viele Wolle davon unter der Firma von Electoral ins Ausland geht. Ungarn iſt und bleibt der gefährlichſte Rival von Deutſchland, weil es ſeine Wolle zu wohlfeil produciren, und dann, wenn dieſe einmal edel iſt, mit jedem andern Lande leiht Concurrenz halten kann, Unter allen öſterreichiſchen Provinzen hat ſich aber Mähren in der Schafzucht am höchſten empor geſchwungen. Die intellectuellen Mittel, durch welche es dies vorzüglich bewerkſtelligt hat, führe ih in einem folgenden Abſchnitte an. Die phyſiſchen waren nicht günſtiger, als bei andern Ländern. Der Eifer für höhere Schafzucht erwachte vor ungefähr zwei Jahrzehenden mit aller Macht, und die Heerden, welche bereits damals ſchon edel waren, wie z- B. die des Baron Geißlern auf Hoſchtiß, und die kai- ſerlihen Stammſchäfereien zu Holitſc< und Mannersdorf fanden beſonders in den mähriſchen Scafzüchtern gute Ab- nehmer. So entſtanden mit reißender Schnelligkeit eine Menge edler Heerden, und ließ man ſich au< durch be- ſchränkte Anſichten und einſeitige Urtheile von Wollhändlern und Manufacturiſten zu manchen Abwegen verleiten: ſo wußte man bei der ſorgfältigen Leitung und den richtigen Einſichten bald wieder auf den rechten Weg einzulenken. . Iſt auch hier das Grundeigenthum nicht in ſo großen Strichen ih) akt(et mſam u ſü wen| bei die au(fel außer) Nhyr nit Vet bes affäre 3 der u Wine ven a Itſieh des ſien "en ich Fein: toral ift feil mit aber gen, ich nitte be achte ) die wie kai: dorf e Uh- : eine h be- dern 1: ſd figen nf eien 99 vertheilt, wie in Ungarn: ſo waren dort die zwar kleinern aber ſehr edlen Heerden von der Art, daß ſie die Auf- merkſamkeit der Schafzüchter ſowohl, als der Wollkäufer auf ſich zogen, und beide der Wolle und dem Zuchtvieh einen guten und ſichern Abſatz verſchafften. Es entſtanden bei dieſem allgemeinen Eifer eine Menge edler Heerden faſt zu gleicher Zeit, und es wird ſchwer, einzelne vorzugsweiſe anzuführen. Dem Baron Geißlern blieb aber der Nuhm, im Eifer und in der Conſequenz des Verfahrens nicht zu ermüden und dadurch eine Heerde aufzuſtellen, die bei Be- wahrung ihrer Race- Eigenthümlichkeit ſtet8 die Foderungen der Wollkäufer zufrieden geſtellt hat. Wenn ich noch N a- mieſt, Reiß, Quaſſiß u. a. nenne: ſo will ich keines- wegs die nicht genannten zurüFſeßen. In den erſten zwei Dezennien des jehigen Jahrhunderts huldigte man auch in Mähren den impoſanten Figuren der Merinos, und fand die am ſchönſten, welche die meiſten Koder und Kragen hatten, nächſidem aber eine reiche dichte und ſehr üppig gewachſene Wolle trugen. Das Bedürfniß der damaligen Zeit, beſonders der inländiſchen Fabriken, begünſtigte aber gerade eine dergleichen Wolle, und da ſie außerdem an Maſſe die ergiebigſte war: ſo wäre es ein Mißgriff der Schafzüchter geweſen, wenn ſie ſich derſelben nicht hätten befleißigen wollen. Darauf ſtüßte ſich auch die Art des Verkaufs von Merinoſchafen, welchen der. Wirth- ſchaftsrath Petri eine zeitlang beibehielt, nämlich den Preis der Thiere nach dem Gewicht, was ihr Vließ hielt, zu beſtimmen. Jekt würde freilich dieſe Art von Abſchätzung wenig gelten, da man ſich überzeugt hat, daß vorzügliche eeünzuzugneneentäili.- emma I 60 Vollwolligkeit ſelten mit hoher Feinheit verbunden iſt. nö ur Leizere aber muß jekt gerade das- ganze Streben des höhern| m Schafzüchters leiten. ZieM Die aus Spanien direct bezogenen Merinos des Herrn ze m Petri machten eine zeitlang Epoche in der öſterreichiſchen denn Schafzucht und das mit vollem Rechte. Die Mühe und ſehen die Gefahren, die er bei der Einbringung derſelben über- Die) nommen hatte, mußten ihren Lohn finden. Sein Werk: 3 uh „das Ganze der Schafzucht" hat zu ſeiner Zeit viel genüßt, ſp wel aber, um ihm dieſe Gemeinnüßigkeit zu erhalten, hätte die Zi - zweite Ausgabe desſelben mehr mit der Zeit fortgehen ſollen. und) Es wäre keine8wegs eine Verläugnung ſeiner frühern An- ging ſihten und Uiberzeugungen geweſen, wenn er auch dem fänden Gange des Wollhandels, der allemal durch die Manufacte auh geleitet wird, gehuldigt, und manche früher als höchſt brauch- yn bar anerkannte Züchtung8grundſäße jekt als nieln werde. Böhmen hat, wie Ungarn, die Landesverfaſſung, vaß das Grundeigenthum in ſehr großen Portionen vertheilt iſt. Kommt man dort erſt auf eine Herrſchaft, ſo reiſt man ge- wöhnlich meilenweit, ehe man wieder eine andere betritt. Dieſe Größe der Beſizungen, wovon noch gewöhnlich meh- rere ein und demſetben Herrn gehören, machen die Uiberſicht ſchwer, und erfodern, daß der Beſiker ſie der Verwaltung fremder Perſonen überläßt. Was aber ein Mietbling thue, des die Schafe nicht eigen ſind, das lehrt uns ſchon die Bibel. Aber es ſey fern von, mir, über den Stand der Wirthſchaftsbeamten in Böhmen aburtheilen zu wollen. Ich EE nnd 4 ) Zu n=TENRDUE Ne=en, weil deſſen Civiliſation allzu Keiper prt.- M dy namen dn FB Nr WEC en DSH FAME»."EAEEE! dne chun GE aN bleiben wollte. Dieſer Uibermuth hat ſich vielfach auch bei übertrieben hohen Ankäufen von Zuchtviehe docu- mentirt. Die Niederlande trieben von jeher Schafzucht als LüEenbüßerei, daher ward auch ihre edle nicht mehr. Ita- lien vergaß über ſeinen ſchönen Himmel an die Veredlung der Schafzucht anhaltend und ernſtlich zu denken, Polen betrachtete die veredelte Schafzucht als ultimum remedium gegen den Untergang ſeiner Landwirthe. Rußland aber erfaßte ſie als ein neues Mittel, ſich in eine große und kräftige, von allen andern unabhängige Welt zu bilden. Schweden und Dä- nemark verſuchte, was ſich thun ließe, ermüdete und lebte wieder auf, und gewann am Ende durch veredelte Scafzucht doch ſo viel, ſich in dieſem Zweige vom Auslande unab- hängig zu maden. B. Welche Urſachen haben zum Empor- kommen, oder auc, on oben und gelang es ihm auch nicht, direct ſo viel zum Empor- 7 kommen der Schafzucht zu bewirken, ſo wurde doch indirect 03 M der Eifer dafür erregt, und es hat jekt die große Genug- ungen thuung, in der erſten Reihe der Länder zu ſtehen, welche hoct iſt. So wie dieſer und noc SIS<<< AI<<<<Ä 5 36 züglichkeit im Großhandel mit denen anderer Länder wett- eifern konnten. Jedoch verarbeiteten ſie die jeht im Lande erzeugte edle Wolle nicht ganz, und es bildete ſich mit der- ſelben ein Handel nach dem Auslande. Dieſer beſteht nun jekt ſchon ſeit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhun- derts, und hat eine Menge Handlungshäuſer reich gemacht, und der ſächſiſchen Wolle eine Celebrität verſchafft, um welche ſpäter alle übrigen deutſ und Aufſehen machte: ſo fing man auch erſt dann (ein an, ernſtlich auf Naheiferung zu ſinnen. Was auch früher es a die Regierungen, z. B. in Preußen, gethan hatten, das ward „(ußere wenig beachtet und nur geringe Spuren blieben zurück, die dann 0 voll wohl, als der Eifer erwachte, wieder aufgenommen wurden. arten, Hier ermannte man ſich aber plößlich, und es war in dieſem ſinfen Zweige, als ob der Geiſt Friedrich des Großen auf einmal au in das Ganze zurükgekehrt wäre. Man hatte kaum den zen und Vortheil der veredelten Schafzucht richtig erkannt, als man ſich . andern auch desſelben mit aller Kraft zu bemächtigen ſtrebte. Daher eſe eit kam es, daß kaum zehn Jahre vergingen, wo ſchon be- Baaten, rühmte Heerden in dieſem Staate, namentlich in Scle- , Fein ſien, auftraten. Dieſe Revolution ging im Anfange des ; einen jekigen Jahrhunderts vor. Der Eifer nahm immer*mehr % wd zu, und man benüßte den Vortheil der Nähe von Sachſen | auf alle Weiſe. Die Wollmärkte von Breslau und Berlin s ZA A<<<<= 90 bewieſen von Jahr zu Jahr mehr, welche Fortſchritte man machte. Die Nachfrage vermehrte ſich, je mehr edle Wolle an den Markt kam, und indem ſich das früher aufgebrachte Quantum mehr als. verdoppelt hatte, waren nebenbei die Preiſe immer höher gegangen. So kam es, daß durch die qualitative und quantitative Vermehrung der Schafzucht der Breslauer Wollmarkt zu einer Bedeutung ſtieg, die noch ſelten ein Markt erreicht hat. Doch dies gehört in einen andern Abſchnitt. In Frankreich fand die verbeſſerte Schafzucht anfangs eine noch ſchlechtere Aufnahme als in Deutſchland. Der Verſuch der Herren Srudaine, der durch den Eifer und Verſtand eines Daubenton unterſtüßt ward, hätte, wenn man aus dem Geiſte, der Lebendigkeit und Empfänglichkeit der Franzoſen einen Schluß ziehen wollte, unendlich mehr GlüX machen müſſen, als er gemacht hat. Zehn Jahre ward er fortgeſeßt, ehe die Negierung den Gegenſiand ihrer Aufmerkſamkeit würdigte, und nun zum Emporkommen der franzöſiſchen Schafzucht ſelbſt thätig eingriff. Aber aucen ein Käufer ein- mat) fand, oder wenn man ſie dieſem antragen mußte: ſo war dwirthe man meiſt genöthigt, um jeden Preis loszuſchlagen. Dazu „lich kam und kommt jeßt noch die Ungewißheit beim Verkauf. 3 man Man ſceln und hinlänglichen Lohn e Gale für ſeine Mühe finden kann. im vet Aus dem Grunde aber, daß die Veredlung der Scliche Gedeihen der einzu- führenden Beredlung ſeiner Schafzucht folgende ſehr gün- ſtige Umſtände: Erſtens war das Land nicht ſo groß, als daß es nicht, wenn vom Mittelpunkte aus auf die einzelnen Theile ge- wirkt wurde, die erſprießlichſten Folgen hätte ſchnell em- pfinden ſollen. Seine größern Gutsbeſizer lebten zum Theil am Hofe, und konnten den günſtigen oder ungünſtigen Erfolg von den eingeführten Merinos genau beobachten 3 ſie waren alſo auch nahe an der Quelle, um ſogleich daraus ſchöpfen zu können, ſobald der erwartete Nußen davon ins Leben trat. Dies geſchah auch ziemlich zeitig, und das Jahr and die Schäfereien, wann und wohin ſpaniſche Wid- 99 jed DE ſehr bald wanderten, beweiſt, daß es nicht lange dauerte, “. bis wo man an den verſchiedenſten Orten die Vered- Mte lung durch dieſelben begann. Dazu kam die von Natur y nicht ſchlechte Wolle der Landſchafe, vermöge welcher die Qlihen Veredlung viel ſchneller erzielt ward, als in vielen an- 0 dern Ländern, 'reufen Zweitens hatten ſim in Sachſen ſchon ſeit langer Zeit ! u eine Menge Wollmanufacturiſten niedergelaſſen, und obgleich em fie dieſelben anfangs mit dieſer edlen ſpaniſchen Wolle nicht ge- bringen rade ganz gut umzugehen wußten: ſo lernten ſie ihre Vor- pB, züge doH ſehr bald kennen und ſchäßen. Die Waaren, 1 bette: welche ſie aus den durch ſpaniſche Widder veredelten Schu- | niht ren verfertigten, fanden bald guten„Markt, und das Aus- 1, die land ward aufmerkſam auf das rohe Product, das ſo voll- ſonders kommene Waare gab. Dadurch bildete ſich der große ſäch ſiſche Wollhandel. int Drittens iſt Sachſen für den Handel ſehr gelegen. t güne Seine ſchon ſo lange berühmte Leipziger Meſſe war der vor- trefflichſte Stapelplaß für Waaren aller Art, alſo auch niht, für gute Wollmanufacte und für rohe Wolle. Seine Kauf- iW R leute lernten den Gewinn, der ihnen aus dieſem Handel vn eme entſprang, ſehr bald nach Werth ſchäßen, und da ſie gleich en zum anfangs auf reelle Bedienung hielten: ſo wuchs ihr Credit jnffigen und der Gewinn machte ſie ſehr bald wohlhabend. Da man hten; Überdies die geringen Sorten der rohen Wolle im Lande be- daraus: hielt: ſo gründete ſi< auf dieſe Weiſe der hohe Ruf der on 10 ſächſiſchen oder Electoralwolle im Auslande, der ſich bis jet nd ds troßß aller Fluctuationen, die durc< Handel und Mode ent- je Did ſtanden, ſo feſt behauptet hat. G 2 100 Macke nun die veredelte Schafzu gehabt hatte, das Vorzüglichſte dieſer Race zu bekommen: ſo war es ſehr weiſe gehandelt, ſich dieſes nicht durch Einmiſchung fremden Blutes zu verderben, Was an dem Adel dieſer in Sachſen einheimiſch gewordenen Me- rinos ſey, beweiſt ſich am beſten dadurch, daß ihre Wolle ſich allen Bedürfniſſen des geſtiegenen Luxus und der Mode ſo leiht fügt, und daß es nur die Schuld der Schafzüchter EN 0 m. | 101 N en bei; ee| 4 M ai wenn ſie DUDEN daß ſie ſic na dieſen[SOHErUNgen| "" mehl SOI und die Auswahl ihrer Zuchtthiere darnach( j 4 nicht beſtimmen wollten, dem Tadel der Wollhändler aus-| IE geſeßt wurden.| ") u Waren nun aber auch in den Provinzen des preußi- j d gegen ſchen Staates die Fortſchritte in der veredelten Schafzucht me der nicht ſo raſch: ſo holten dieſe in der Folge das Verſäumte 0 den nach Möglichkeit wieder ein. Schon oben habe ich geſagt, „Ihr daß in den frühern Zeiten die Beſchränkung des Handels : mit roher Wolle den Preis derſelben niedrig hielt. Die ſeine Landezregierung wollte damit die Manufacturen begünſtigen. edelten Sie erreichte ihren Zwe> aus dem ganz einfachen Grunde velhe nicht: daß unter dieſen Umſtänden die Landwirthe zur Exr- mmer zeugung der edlen Wolle nicht angereizt wurden, Wenn y Re dieſelbe nun nur in unbedeutenden Parthien erzeugt ward: in et ſo mußten die Manufacturiſten entweder das rohe Product dientv, vom Auslande beziehen, wenn ſie gegen dieſes in den Vor- 1 Ins zügen ihrer Waare nicht zurübleiben wollten, oder ſie Sac- mußten darauf verzichten, und demſelben den Markt dafür volle, allein überlaſſen. Jn beiden Fällen aber entſtand kein Ge« Gy winn für das Land. So beſtätigte ſich auch hier, was ſich 8 des 3 noch immer als wahr bewieſen hat: daß jede Beſchränkung „Rae des Handels, ſey es mit rohen oder Kunſtproducten, dem dieſes Lande, welchem ſie nüßen ſoll, ſchadet, und daß nur dann Nas die verſchiedenen Staaten von Europa ſich am wohlſten Me: fühlen werden, wenn ein völlig ungehemmter Handelsverkehr Rolle zwiſchen allen ſtatt finden wird, de ſ0 Schwankender als in irgend einem andern europäiſchen chte Staate war der Fortgang der veredelten Schafzucht in Nene eitämmel Die Länge der Wolle half dazu am meiſten, und nächſtdem! 103 die Geſchloſſenheit und Derbheit des Vließes. Aber auch die Größe der Thiere war eine Hauptbedingung für die zu vermehrende Wollmaſſe. Das Streben des Scſichtigt. Da man zu jener Zeit noh in Hinſicht der hohen Feinheit der Wolle nicht ſo gewählt war, wie jeßt, und man ſich damit begnügte, eine edle Wolle, d. i. eine ſolche zu erhalten, deren Haar geſchmeidig und in ſeiner ganzen Vereinigung ächt und ausgeglichen war: ſo waren die Schafzüchter bei der Auswahl ihrer Zuchtthiere weniger in Verlegenheit, als wir es jeßt ſind, wenn wir Wollreihthum mit hoher Feinheit vereinigen wollen. Man gab daher Thieren, beſonders Widdern, mit ſehr dichtem „5 1 ij 1 fer 1 hafen, zebigtt ten ! ſp muß miha Reöſibel an WW dergl Impoſt Dortheil fahndet ſchwarz für ſe der&; zum Zh ſehen 4 nict ged ſait 4 geſuht: 3 tägezel Drip H Fehl hl! built 1 im ht: (of my L09 "ber aus) Vließe einen entſchiedenen Vorzug vor andern mit ſchüt- fr Die zu terem, wenn auch dieſe die erſten„an Feinheit weit über- fiihters trafen. Daher kam es, daß man dieſelben nach der Er? ſe rhe giebigkeit ihrer Schur bezahlte, und deren Preis faſt nach gt zwar 4 den Lothen, die ſie an Wolle mehr lieferten, erhöhte. zu fragen, Was nun die Größe dieſer feinwolligen Schafe betraf, dieſe An- ſo mußte man um ſo mehr darauf ſehen, als große Thiere hafe aufs mehr Körperfläche bieten, worauf die Wolle wachſen kann. ſhwanden Nebſtbei ſah man aber auch bei denſelben auf Vollwolligkeik hum det an allen, ſelbſt den äußerſten Theilen des Körpers. Um 93 natlit: dergleihen Schafe deſto mehr zu empfehlen, ſtach ihr H erreichte impoſantes Anſehen vor den gemeinen Schafen zum größten jolt man Vortheile für ſie ab. Die Größe und Kraft und das auf- Sachuten fallende Aeußere, das ihnen ihre viele, dabei von Fett vinfniſſen ſchwarz angelaufene Wolle gab, nahmen auf den erſten Blik ih Texten, für ſie ein. Bernhard Petris Werk:„Das Ganze ; Gevid der Schafzucht'' verdankte ſeine ſo ſehr günſtige Aufnahme "N hfo zum Theil jenen Anſichten, und den impoſanten in dem- ſelben gezeichneten Figuren. Damals hätte man freilich de neben nicht geahndet, daß in ſo kurzer Zeit dieſe niht mehr ge- ſchäkßt, ſondern ſogar als eine zu barſche und gar nicht mehr " geſuchte Wolle tragend, vermieden werden würden. dle Bolle In Oeſterreich und Frankreich huldigte man dieſen eldig und ausgezeichneten Geſtalten vorzugsweiſe, und man bezahlte war; ſd Preiſe für Thiere dieſer Art, die man in der Folge für „ahtthiett Fabel halten wird. So galten z. B. die Widder in Ram- DET. bouillet, wo man dergleichen Geſtalten beſonders begünſtigte, EN im Jahr 1811 im Durchſchnitt beinahe 400 Franken, ſo 8- daß man die beſten wenigſtens 5 mal ſo theuer rechnen 110 muß, da die geringern wohl um 100 Franken weggingen. Die Mutterſchafe kamen im Durchſchnitt auf 217 Franken. In Holitſc< aus der kaiſerlich öſterreichiſchen Stammſchä- ferei wurde der theuerſte Widder im Jahr 1312 mit 1925 fl., und ein zweiter mit 1300 fl. bezahlt. Auch Herr Petri bekam für ſeine bekoderten und grandios ſich zeigenden Thiere faſt eben ſo hohe Preiſe. Ich werde auf dieſen Ge- genſtand beim zweiten Abſchnitte, wo ich über Zuchtvieh2 preiſe ſpreche, noen ſeyn. Denn die gemeine Wolle der Landſchafe konnte ihre natür- liche TroFenheit und ihren Mangel an Fett, was die Ge- ſc » der Dol Gaſol (ehe f! und Gewin! mit. 2 115 füddeutſchen Manufacturen ſind noh. jeht für eine dergleichen Wolle, wie dies beſonder8 Herr Moro in Klagenfurt erſt voriges Jahr no< deutlich ausgeſprochen hat, Weniger ſtimmen ihm die Niederländer und Engländer bei, welche ein kurze, ſanfte und hochfeine Wolle jener weit vorziehen. Mit dieſer Wollart beginnt die dritte Periode, Den Uibergang zu derſelben bildete vorzüglich die ſächſiſche Schaf- zucht. Dort hatte man, indem man ſich der langen Wolle der zweiten Periode befleißigte, einen Fehler in dieſelbe be- kommen, der bald von den Manufacturiſten erkannt und bitter getadelt wurde. I< meine das Zwirnen, Die hohe Feinheit, welche man ſtets im Auge behielt, und die man hie und da allzu ſchnell erreichen wollte, war wohl die erſte Urſache hievon. I< ſage, man wollte dieſe hohe Feinheit oft allzu ſchnell erreichen; dadurc arbeitern 3 Ausſtellung von Schafen und deren Beurtheilung, zu deren Behuf jedesmal eine Beſchau- Commiſſion ange- ſtelt wird 3; Verhandlungen nach dieſer Beſchau, die ſich beſonders auf Woll- Beurtheilungen und Züchtungsgrund»- ſäße beziehen,: Dieſer Verein hat ſich zeither alle Jahre in der erſten Hälfte des Mai's verſammelt, und die fortwährende rege Sheilnahme an demſelben beweiſt am beſten, wie ſehr man von ſeiner Nüklichkeit überzeugt iſt, Die Beſchau der aufgeſtellten Thiere, welche eigentli am lehrreichſien für alle Anweſende und zwar vorzüglich de8halb iſt, weil über deren gute oder üble Eigenſchaften nach derſelben geurtheilt wird, geſchieht ſo, daß die Mitglieder derſelben ihre Mei- nung über dieſe Thiere entweder ſogleich ausſprechen, oder dieſelbe auch zurü&halten und dann privatim abgeben, je erfochtene 4 war die bewirken, 8 ſeitdem ffm be ſind nech von An- dern Wf: Jeilungen Dollvets hen, ſion ant? 1, die ſich ngegrundz dar erſin BIN 8 ſehr man boſch der öfter für weil über geurteilt ihre Mate hen ed ogeben, 1 1109 nachdem das eine oder das andere von dem Eigenthümer gewünſcht wird, Mane der hieher gebrachten Schafe ſind auch zur bloßen Anſicht hergeſtellt, ohne daß maneine be- ſondere ausgeſprochene Beurtheilung derſelben verlangt. Die hier aufgeſtellten Thiere beſtehen meiſt aus einer wahren Blüthe der Schafzucht, und wenn auch jeder nur einigermaßen erfahrne Schafzüchter ſehr wohl einſieht, daß die Heerden, aus welchen dieſe Muſterthiere genommen worden ſind, nicht im Durchſchnitt ſo ſeyn können: ſo iſt es doh eine erfreulihe Erſcheinung, die man hier von Jahr zu Jahr wahrnimmt, daß faſt allemal etwas Vollkomm- neres zu dieſer Ausſtellung gebracht wird. Ein fernerer Zwe dieſes Vereins war es auch, den Schafzüchtern Gelegenheit zu geben, zu verfaufende Zucht- thiere hier aufſtellen zu können. Diejenigen, welche der- gleihen wünſchten, hatten nun nicht nöthig, auf langen und koſtſpieligen Reifen zu ſuchen, was ſie hier vereinigt fanden, und woraus ſie für ſich eine leichte und zwe&mäßige Wahl treffen konnten. Ic desſelben war, wie auch aus ſeinen Verhandlungen hervorging: die Anſichten über Wolle und deren Beurtheilung aus ihren ungewiſſen Zuſtande in einen ſiherern zu bringen. Zu dem Ende mußten ſich deren Erzeuger und Verbraucher vereinigen, und beiderſeits die Hand dazu bieten, und die ſchwankenden Begriffe, die bis jekt noch über die guten und ſchlechten Eigenſchaften dieſes Products herrſchten, in feſte und klare zu verwandeln. So erze»- FE nus etatiunki Si<= wan) yd wh hit dW gen hin Nit wan di dym) zya "WETLLLEN [Mi 4321 wenig nun auch ein einziger ſolcher Convent alle dabei vorkommenden Schwierigkeiten beſeitigen konnte: ſo hat er doch unendlich viel Licht über die veredelte Schafzucht ver- breitet, und zur Vorzeichnung der richtigen Bahn, welche der höhere Schafzüchter betreten und fortwandeln muß, un- gemein viel beigetragen. Mehrere der erſten deutſchen Woll- händler und Fabrikanten vereinigten ſi< hier mit einer Menge ſehr intelligenter Schafzüchter. Die Verhandlungen waren unpartheiiſc iſt deshalb auch ganz paſſend, weil Thiere dieſer Art ganz beſonders die Wolle tragen, welche im Wollhandel unter dem Na- men Electoralwolle ſchon längſt bekannt war. Da nun aus der Heerde von Infantado in Spanien beſonders viele Thiere, welche die zweite Wollart trugen, nam Deutſchland ge- kommen waren: ſo war deren hier vorgeſchlagene Benen- nung au<ß nicht ganz unpaſſend. Uibrigens wußten die hier verſammelten Wollzüchter und Wollverbraucher ſehr wohl, daß dieſe beiden Benen- nungen keineSweges ganz hinlänglich waren, um alle vor- kommende veredelte Wolle damit zu bezeichnen. Der Uiber- gang von der einen zur andern bildet ſich in ſo unendlich vielen und oft unbedeutenden Abſtufungen, daß es ſchwer iſt, ihn im Einzelnen überall genau zu bemerken, und mit ganz paſſenden AusdrüFen zu belegen. Die mannichfaltigen Anſichten der Schafzüchter, und ihr daraus folgendes ſehr verſchiedenartiges Verfahren bei der Züchtung; die fremd- artigſte Vermiſchung der Racen, die man da und dort vor- nahm, ſelbſt der Einfluß der verſchiedenen Triften bildeten ein ſo verſchiedenartiges Wollproduct ſowohl, als auch eine Menge Abweichungen der Geſtaltungen der Schafe, daß es in der That ſehr ſchwierig, wo nicht faſt unmöglich iſt/ NIE I SES SEESEN EE SS EE R RR R RR RR GGG<= GZ=====<=. 125 t mit den SFA hn, An alle die daraus entſtandenen Abarten mit einzelnen Haupt- Mine namen genau zu bezeichnen. 0.) ünſioß: 2 jl j Ein anderer auf dem Wollconvente zur Sprache ge- vs gde; ZE;. iden brachter Gegenſtand betraf die Beurtheilung der Lämmer bald nach ihrer Geburt. Es iſt in der That eine auffal- lende Erſcheinung, daß man, troß der vielen genauen und mit großer Sorgfalt angeſtellten Beobachtungen doch ſelbſt jekt eben ſo wenig im Stande iſt, mit Gewißheit anzugeben, * die andern It deöhalh beſonder dim Na- EE E: 2; 7 wie die Wolle ſich bei den Schafen entwi>eln werde, wenn 0 nun aus::- GE. EITE ſie bei den Lämmern ſo oder ſo ausſicht. Die Herren eie Spier, Girod und Perault de Jotems haben in Naz Dland. ae: S» fe.. FEE ſehr viel Aufmerkſamkeit auf dieſen Gegenſtand verwandt, ' Denen ſind aber, nach ihrem eigenen Geſtändniß, dom noh zu keinem ganz ſichern Reſultate gekommen. Die. Zahl der eher LöFchen auf einer gegebenen Fläche, z. B. auf einem Qua» 1 Dine dratzolle, zu zählen, und nac) der Menge derſelben den 1 ale vor: Feinheit8grad der Wolle, die das Schaf künftig tragen Der Udet werde, zu beſtimmen, hat einige Richtigkeit 3 nur kann unendii man leider damit ſehr bald in den Fehler gerathen, in es ſhwer den die Schafzüchter verfielen, welche die Feinheit der „wd mit Wolle nach der Zahl der Biegungen der kleinen Stapel wi faltigen auf eine gewiſſe Länge beſtimmten. Sie geriethen un- gendes Kapr vermerkt mit ihren Heerden in den Fehler des Zwirnens z die fremd weil gerade eine Wolle mit dieſem Fehler mehr Biegungen Dort Wot auf gleicher Länge zählt, als eine andere, die denſelben ) bildeten nicht hat. Es liegt außer dem Plane dieſes Werkes, auh ain? mich hierüber ſo weitläufig zu äußern, wie ich dies wohl , vas könnte, und ich hatte die Sache nur geſchice hatten. So entſtand eine dergleichen Vereinigung in Ungarn, in Niederſachſen, in Thüringen 2c, Freilich iſt der Wirkungskrei3 nach der Theilnahme, die ſie erregten, beſtimmt worden, aber alle haben do im Auge, Frankreich in dem Erzeug- niſſe der langen Kämmwolle vom Auslande unabhängig zu machen 3 und dazu mag wohl die ſeit Jahrhunderten beſte- hende Nivalität zwiſchen ihm und England das ihrige bei- tragen. Wenn man aber die franzöſiſchen Einfuhrliſten von feiner Merinowolle mit denen von den Zeugen, zu welchen man Kämmwolle braucht, vergleicht: ſo kommt man auf die Bemerkung, daß Frankreich wohl thun wird, wenn es über der Einführung der langen Kämmwolle nicht die höhere Veredlung ſeiner Merino- und Meſtizheerden vergißt, und durch deren Hintanſekung niht am Ende dem Auslande tributbarer wird, als es durch die Einführung jener es ſchon iſt. Die vielen verſuchten Kreuzungen langwolliger Schafe mit Merino3 erinnern den aufmerkſamen rationellen Schafzüchter unwillkürlich an das erſte Verfahren bei der Einführung der Merinos, und ich habe oben klar genug an- gegeben, warum Frankreich in der Züchtung dieſer von Deutſchland ſo weit überflügelt worden iſt. So ſehr auch in England alles, was den Landbau bunt nuvy ſudet zi m ein! er 1277 "4(us fs 2 3»', blue betrifft„ mit dem regſten Sinne aufgefaßt iſt, ſo viel Er- muthigungen auch für den engliſchen Landwirth in dem be- DEINE ſondern Schutße liegen, deſſen ſich dort der Landbau im-All- B aufgefüht, gemeinen erfreut: ſo fanden doch dort bis jekt noc< keine mit beſondern Statuten begründete Vereine der Schaf- jen dl Nets pv | EE ; Wönders "hen lanhe züchter ſtatt. Jeder iſt dort, als Landwirth, im allge- ! womit, meinſten Sinne des Wortes, ſelbſtſtändig, die rohen Erzeug- mut, und niſſe aller Art finden ſtets eine geſicherte Abnahme bei ihren fel am Manufacturen und Fabriken 3 die Koſten dieſer Erzeugniſſe en großen ſind ſonach ſtets durct: ſo m Erzeug daß es dort weniger als ſonſt irgendwo der gegenſeitigen yy zu Ermuthigung und Kraftvereinigung der Landwirthe unter fon beſter einander bedarf, um irgend ein vorgeſte>tes Ziel leichter zu ige bei erreichen. Das Bedürfniß der Manufacturen und Fabriken ſen ven iſt den Producenten ſo nahe, daß ſie es leicht kennen lernen, u welchen und zu deſſen Befriedigung zu ihrem eigenen größten Ge- : man Auf winn immer auf dem kürzeſten und leichteſten Wege wirken , wenn& können. Darum bedürfen ſie ſol... - 4 wre is | 4 | | 4 x Se„h en 1283 in dieſem wichtigen Zweige verdrängt zu werden, Aber Nationalität und politiſt. Den erſten Impuls zu jenen Vereinen gaben die von dem Hofrath C. Ch. Andre redigirten, und in Prag herauskommenden Oekonomiſchen Neuigkeiten und Verhand- lungen. Sie beſchäftigten ſich gleich vom erſten Anfange an vorzugöweiſe mit der höhern Schafzucht, und ſie gaben durch ihre vielfachen Bekanntmachungen von einer Menge Erfahrungen in dieſem Zweige der Landwirthſchaft einen Uiberblik von ſeinem Stande und Fortgange, und. erregten SINE &, Ry Ahe (egen. iefen Om und nte, in 3 ex machina 19t Hell8 u Inet, als hafiichtern (gerung, ſo ' hochfeinen en örigen dieſen ſ0 und deme yt da eine (lle durch Ordnung je ſch auf ben die von din Drag d Verhand“ en Unfange ) ſie gaben er Menze haſt einen nd. erregim 129 immer mehr den Eifer für denſelben. Sie wurden das Organ, deſſen ſich viele Schafzüchter bedienten, ihre Er- fahrungen der Welt mitzutheilen, die ohne dasſelbe, für das Ganze verloren gegangen wären. Wenn nun auch dieſe Mittheilungen hie und da noch den Zuſtand der Kindheit in der höhern Schafzucht verriethen: ſo waren ſie doch nichts deſto weniger von großem Nußen, weil ſie zum Nachdenken aufmunterten und zu Debatten veranlaßten, die das beſte Mittel wurden, manches bisher undurchdringlich ſcheinende Dunkel aufzuklären. Da dieſe Blätter in ununterbrochener Folge fortgingen, da. ſie dasſelbe Thema oft ſo vielſeitig beleuchteten, und wenn es ganz zur Klarheit gebracht war, wieder aufnahmen: ſo hatten ſie vor andern Schriften, die nur Einmal erſchienen, einen weſentlichen Vorzug, und zwar auch ganz beſonders deshalb: weil ſie auf dieſe Weiſe mit der Zeit fortgehen konnten. E35 iſt daher höchſt intereſſant, ſie von ihrem erſten Erſcheinen an(131232) bis auf die jeßige Zeit in dieſem oder jenem Gegenſtande, und haupt- ſächlich in der Schafzucht zu- verfolgen. Man ſieht in ihnen den augenſcheinlichen Fortgang, der aber durch man- , als ſie gegen die ihn in der Natur umgebenden auf eine ſo vortheilhafte Weiſe abſtachen. Hier ward ihm das goldne Vließ gezeigt, und der Weg angegeben, auf welchem er ſich desſelben bemächtigen könne. Kein Wunder, daß man mit großer Begierde darnach griſſ, und dies um ſo mehr, als man die Hoffnung hatte, nicht allein an Preiswürdigkeit des erzeugten Productes, ſondern auch an deſſen Menge überſchwenglich zu gewinnen,=-' "Zweitens enthielt dieſes Buch auch ſo viel Neues über Be- handlung, Fütterung, Wäſche 2c. der Schafe, daß es ſchon deshalb begierig geleſen werden mußte. Und dies traf gerade zu einer Zeit, wo der Sinn für höhere Schafzucht durch die ſo ſehr lohnenden Preiſe der feinen Wolle ganz beſonders aufgeregt war.=- Es iſt keines8wegs meine Ab- ſicht, dieſem Werke ſein Verdienſt abſprechen zu wollen. Die Zeit hat dasſelbe am richtigſten gewürdigt. Es machte im Anfange ungemeine Epoche, hatte einen unverkennbaren Einfluß auf die Züchtungsgrundſäkße von einer Menge deut- ſcher rationeller Schäfzüchter, ſank aber in ſeinem Rufe, als die Thiere, welche es beſonders empfohlen und deren Anzucht es beſonders veranlaßt hatte, deswegen von ihrem Serthe verloren, weil die Manufacturen anfingen, deren Wolle nicht mehr ſo zu preiſen, und vielmehr derſelben eine andere vorzuziehen. Dieſe andere war die mehr ſanfte mit weniger klebrigem Fette durchdrungene, mit einem Worte, die Electoralwolle. Die großen, breiten, von Herrn Petri empfohlenen Geſtalten trugen dieſe Wolle nicht, und je mehr dieſelbe in Aufnahme kam, deſto mehr mußten 1,53 P [0, ondern Nhn 34 VN>> 3 ver Bes aß 68 ſch, vB 8 Jon nge Deut: N IT M m anfte mit 1 Porte, 1 Yeti 155 jene an Rufe und Werthe verlieren. I< kann der Kürze halber nur andeuten, und habe weiter oben ſchon über dieſen Gegenſtand geſprochen. Herr Petri fühlte wohl, was bei einer neuen Ausgabe ſeines Werkes zu berücſichtigen ſey: er lenkte auch ein, aber nicht genug, und daher fand die- ſelbe nicht die ſo ſehr günſtige Aufnahme der erſten, Nicht geringeres Verdienſt erwarb ſich Laſteyrie durch die Bekanntmachung der Reſultate ſeiner Reiſen, die er im Auf- trage der franzöſiſchen Regierung durc< mehrere Länder von Europa in der Abſicht machte, um ſich über die Einführung der Merinos in denſelben und über deren Zuſtand zu unterrichten. Der Titel ſeines Werkes: Geſchichte der Einführung der feinwolligen Schafe in die verſchiedenen europäiſchen Länder 2c.(überſeßt von Friedrich Herzog zu Schleswig- Holſtein- Be) iſt deshalb nicht ganz mit dem Werke über- einſtimmend, weil neben dieſer Geſchichte auch der damalige Zuſtand dieſer Schafe ziemlich ausführlich abgehandelt“wird. Mangelhaft bleiben dergleihen Werke faſt immer, und zwar: einmal, weil die Verfaſſer derſelben auf ihren Reiſen oft zu eilig ſind, und manches, was ſie bloß vom Hören- ſagen haben, für authentiſch ausgeben z zweitens aber auch hauptſächlich deshalb, weil ſie nicht allemal mit der Menge von praktiſchen und theoretiſig, daß die original- ſpaniſche Merinowolle vor jeder andern, die außerhalb Spanien erzeugt ſey, den Vorzug be- haupte. Dieſes Vorurtheil iſt in unſerer Zeit aufs ſatt- ſamſte widerlegt und zwar dergeſtalt, daß es vielleicht nicht lange mehr dauern wird, wo dasſelbe gegen die original- ſpaniſche Wolle ſich eben ſo äußern wird, wie es ſich da- mals für dieſelbe ausſprach. Daß übrigens die Schafzüchter anfangs der Meinung » 3505 waren, die Merino3 würden ingandern Ländern weniger ge- deihen, als in Spanien, das war wohl ganz natürlih. Man fürchtete vors erſte, daß ein rauheres Klima, eine geringere Weidetrift, und eine beſchränktere Freiheit auf denſelben nicht anders als nachtheilig auf ſie einwirken würden. Dann kam hierzu die frühere ſorgloſe Behandlung der Schafe, die man in den meiſten Landwirthſchaften nur als Lükenbüßer betrachtete, ſie auch als ſolche keiner Aufmerk- ſamkeit würdigte, und ſie in Behandlung und Fütterung ſo ſchlecht hielt, daß es ein Wunder war, wenn nicht alljähr- lich die Hälfte davon dahin ſtarb. Bei einem gewohnten Verhalten der Art konnte eine vernünftige, den Thieren ſelbſt in allem zuträgliche Behandlung nicht ſogleich ſtatt finden, und es war daher kein Wunder, wenn manche aus Spanien nach den übrigen europäiſchen Ländern gewanderte Merinoſtämme dort keinen günſtigen Fortgang fanden, und wenn ſich daraus das Vorurtheil begründete, daß dieſe ein ſo rauhes Klima und ſo ungewohnte Triften nicht ertrügen. Daher war man in Sachſen bei der Anſchaffung der erſten Merinos ſo. weiſe, einen ſpaniſchen Oberſchäfer mitkommen zu laſſen, um in der Wartung und Behandlung dieſer koſt- baren Thiere keine Mißgriffe zu machen. Troß dem aber, daß nun hier die Merinos ſich trefflich befanden, troß dem, daß ihre Wolle endlich die ſpaniſche erreichte, war man doch noch nicht überzeugt, daß dies in den übrigen Ländern von Europa eben ſo glüFlich der Fall ſeyn könnte. Man ſchrieb jenes Gedeihen den beſonders günſtigen Weidetriften Sach- ſens zu 3 und ſelbſt jekt noch glauben viele franzöſiſche Schafzüchter, wie ſchon oben angeführt worden, daß dies ein (4 5 4 '*F || 4 || EK Te m än 27 wiren H “> “2 ZZzZ=z=- ====... . Dw: 2 REISE Wa A: EEE Ill wr SEE ea mme 18) x 482 un 1.30.+ Hauptgrund zur beſondern„Güte der ſächſiſchen Wolle ſey. Schon aber haben die Nachbarn von Sachſen auf allen Seiten angefangen, in der That zu beweiſen, daß es lediglich die Art und Weiſe der Züchtung, d. i. die mehr oder weniger angewandte Intelligenz bei der Haltung der Merinos8 ſey, die den Werth ihrer Wolle erhöht oder vermindert. Unter mehrerern Handbüchern und Anweiſungen für die feinwollige Schafzucht führe ich nur das vom Staat3- rath Thaer vom Jahre 1311 an. So nüßlich dies zu ſeiner Zeit auch war, und ſo tief es auch in die damaligen Verhältniſſe der Schafzuc „wine bin 58 140 y w" 4! | brauch und hat in ſo fern auch für den Schafzüchter im All- imm| 14) gemeinen großes Intereſſe.| nN 1] Es würde mich viel zu weit führen, wenn ich alle ii: / 1 Bücer, welche ſeit ungefähr vier Dezennien, als ſeit wel- ve 0/4:daß- ſte lie? wenig Nuten ſtifteten und faſt eben ſo ſchnell vergeſſen„us waren, als ſie ins Publikum kamen. Nur diejenigen mußte ich vorzugsweiſe würdigen, welche auf den Fortgang der pt veredelten Schafzucht in Europa einen beſondern Einfluß dine gehabt haben. Dieſen ſind, außer den bereits angeführten funde noch beizufügen? Pictet„Beobachtungen und Erfah- ſhort rungen über die ſpaniſchen Merinoſchafe, die Feinheit ihrer nſch Wolle und das Kreuzen derſelben mit gemeinen Racen,/' Ww ein Buch, das jedem, der mit gehörigen Vorkenntniſſen eizi und Erfahrungen ausgerüſtet, es lieſt, in ſo fern recten Ziele, nämlich eine edle und mit hohen Preiſen bezahlte Wolle zu erzeugen, ganz nahe gerüdt iſt, während ſich der andere immer mehr von demſelben entfernt hat. Wenden wir nun dies auf ganze Provinzen und Länder an, ſo wird es begreiflich, daß die Schafzucht in dem einen ſo große Fortſchritte machen konnte, während ſie in dem andern ſchwankte und zurüblieb- Da3 Beiſpiel wirkt hier zu ſehr ins Große. Was der eine, auf deſſen Verſtand und Einſicht in das Fach man Vertrauen hat, thut, wird hundertfach nakenz ſondern das Bedürfniß war, nach den Manufacten, welche ſie daraus bereiteten, verſchieden. In der Natur der Sache lag es zwar wohl ſchon, daß es ein ſo vollkommenes und vollendetes Woll- product geben müſſe, das jedem genügen und auch die ſtrengſten Foderungen erfüllen würde, aber dies war theils nur in ſehr kleinen Parthien vorhanden, theils waren auch die Wollmanufacturen noh lange nicht alle in den Zuſtand der Vollkommenheit gebracht, daß ſie ein dergleichen Pro- duct ganz nach Würden hätten ſchäßen und behandeln önnen. Zweitens war aber auch die Sache nicht ſo ſchnell ausgeführt. Denn wenn der Schafzüchter erſt einſehen ge- lernt hat, was das Beſſere in ſeiner Heerde ſey: ſo muß er dies zuvörderſt beſonders vorziehen und auswählen. Nun iſt deſſen aber wohl nicht gleich anfangs ſo viel, daß er ſich des Geringern ſogleich ganz entledigen könnte. Es ver- gehen daher mehrere Jahre, ehe er dies ganz zur Aus- führung bringt. Bei dem Einlenken zur Vollkommenheit aber bedarf er wieder mehrere Jahre, ehe er die erſte Ge- verbraucher ?(obte, der ies Hafen en, um die zu leiten Bedürfnig bet eitete", ar wohl 5 Voll- auh vie Zuſand jen Pro handelt (6 ſynah ehen ge ; ſv muß m Dun 6 er ſich (3 ver- it Aube mmenhel! eſte di 51 neration ſeiner verſtändigen Züchtung ſieht, aus dieſer aber wird er wieder eine Menge Thiere entfernen müſſen, die in die alte Fehlerhaftigkeit zurükſchlagen. Cs vergeht daher, ehe er die ganze Schäferei dahin gebracht hat, daß ſie nur lauter Gutes enthält, ein bedeutender Zeitraum, der mit 10 bis 12 Jahren gar nicht zu lang angeſekt iſt. Wir wollen nun dieſen a priori gefolgerten Gang der Wollkenntniß mit dem zuſammenſtellen, wie er ſich in der Wirklichkeit gezeigt hat. Wie ſchon bemerkt, war man anfangs bei der Einführung der Merinos in die verſchiedenen Länder von Europa faſt ohne alle Anweiſung über dieſen wichtigen Gegenſtand. Ihn ſelbſt ſogleich richtig aufzufaſſen, war de8halb nicht möglich, weil, wie ſc eier 4. DE 7 CEI a AIRS p | NEELZ 45| |( 5E 18. NN ? 4 | 1- 4% 7 1 j, 1:3 4 1 1,82 gleich anfangs aufgefaßten und ſtet8 feſt gehaltenen Prin- cipien dürften es wohl vorzugsweiſe ſeyn, denen die ſäch- ſiſche Wolle ihren ausgezeichneten Charakter und daraus folgende große Nachfrage und Preiswürdigkeit erworben hat. Ihr zeitiges Auftreten im Großhandel und der ihr dadurch geſicherte Abſaß zu guten Preiſen ermunterte zum eifrigen Fortgange auf der betretenen Bahn. Anders war es in Schweden, Frankreich und Oeſter- reiß. Die natürliche Hinleitung auf die hohe Sanftheit der Wolle war hier nicht ſo vorhanden, wie in Sachſen, auch wurde dieſelbe in dieſen Ländern von den eigenen Ma- nufacturen verarbeitet, und da dieſe in ihren Foderun- gen weniger delicat waren: ſo hatten auch die Schaf- züchter weniger Aufforderung, auf eine beſondere hohe Qua- lität hinzuarbeiten. Es handelte ſich hier vielmehr um die Menge, um den Begehr zu befriedigen. Dabei mußten denn die Producenten doppelt gewinnen, indem ſie bei hohen Preiſen durch die geſteigerte Menge der Wolle die Rente ihrer Schäfereien außerordentlich erhöhten. Daher kam es denn auch, daß man gerade in dieſen Ländern für Zucht- thiere, welche jene Menge beſonders zu begründen und zu liefern verſprachen, ſo unglaublich hohe Preiſe bezahlte, wel- en darf, viel zu kurze Zeit mit derſelben um. Denn die Zeit zwiſchen der Schur und dem Verkaufe dauert nicht lange, und bleibt ſie ihm auch vielleicht einmal ein Jahr liegen: ſo iſt ſie verpa>t, und er ſieht ſich dieſelbe wenig mehr an. Dazsſelbe gilt" im umgekehrten Verhältniſſe von den Woll- händlern und Manufacturiſten. Sie haben wenig Gelegen- heit, die Wolle im rohen Zuſtande auf den Schafen zu ſehen, und mangelt ihnen daher alle Uibung, ſie in demſelben richtig zu beurtheilen. Daher verfallen auch beide Theile in die größten Irrthümer, wenn ſie aus ihrem Fache in der Wollbeurtheilung heraustreten. Der Producent weiß dann eben ſo wenig, welchen Werth die gewaſchene Wolle habe, wie der Conſument von der ungewaſchenen. Lehktere haben daher auch meiſt müſſen theures Lehrgeld geben, wenn ſie die Wolle zuweilen ſchon auf den Schafen kauften, Daß man aber ällmählig in der Wollkenntniß auf beiden Seiten weiter gekommen ſey, das beweiſt von den Producenten die richtige Verfahrungsart bei der Erzeugung und Behandlung der Wolle, und bei den Verbrauchern die immer vollfommnere und köſilichere Waare, die ſie aus der- ſelben liefern. Ganz dem natürlichen Gange gemäß kann ich nunmehr | D. ven Wollhandel folgen laſſen. So wenig auch verſelbe die Schafzucht direct angeht, ſo wichtig iſt er indirect für dieſelbe, und ſein leb- hafter oder flauer Gang trug jedesmal ganz beſonders zum Fu que jed >= nn den Boll. 1; mg Gelegen: Schafen zu in demſelben beide Theile « Fachs in do MV 4+H e'. Voh, und jew jeh RITA. eon zm 161 Fortgange oder Stillſtande in der Veredlung derſelben bei. Inſofern hätte dieſer Abſchnitt freilich unter den beſondern Urſachen aufgezählt werden ſollen, welche die Veredlung der Scafzucht befördert oder gehemmt haben. Ic habe ihn aber deShalb nicht mit dorthin gezogen, weil er einmal für ſich eine zu große Rolle bei der veredelten Schafzucht in Europa ſpielt, und zweitens weil er dieſelbe nicht unmit- telbax berührt, Es wird aber jedes Natur- oder Kunſtproduct erſt allemal dann ein Gegenſtand des Handels, wenn es 1,) in einer bedeutenden Menge, 2) von einer Qualität, die es für den Verkauf angenehm und beſonders geeignet mächt, und 5.) in einem Preiſe erzeugt wird, den andere Länder nicht halten können, nach denen es dann verführt wird, oder aber auch 4.) wenn es von"der Art iſt, daß andere Länder es gar nicht erzeugen können, Für die veredelte “Wolle gelten nur die erſten drei Punkte, denn es iſt nach den ſeit langer Zeit ſo mannigfaltig angeſtelten Verſuchen faſt erwieſen, daß das veredelte Schaf überall da fortkommt und gedeiht, wo man deſſen Wolle zur Bekleidung des Menſchen anwendet, Gehen wir in der angegebenen Ordnung die drei Punkte durch, ſo findet ſich bei 3.) überall beſtätigt, daß nur dann der Wollhandel auflebte, wenn in einem Lande die Menge der veredelten Wolle ſo zugenommen hatte, daß es mehreren Kaufleuten lohnte, ſich mit demſelben zu befaſſen. Denn ſo lange deren nur noch ſo wenig iſt, daß ſie noc: lange nicht den inländiſchen Bedarf deEt, ſo lange wird es Niemanden ſo leicht einfallen, ſie für den auswärtigen Elsnex's Uiberſ, d, europ, Schafz,[. Bd, BL GETS ÄEIEG 102 Handel aufkaufen zu wollen, weil er vermöge der hohen Preiſe, die er für eine, aus jenem Grunde ſehr geſuchte, Waare bezahlen müßte, eine ſchlechte Ausſicht auf einigen Gewinn haben würde, Außerdem bedarf jeder Handel, beſonder3 wenn er für beide Theile, d. h. für Käufer und Verkäufer ermuthigend werden ſoll, der Concurrenz. So lange der Einkauf das Monopol eines oder einiger Einzel- nen bleibt, werden ſie den Preis der Waare über die Ge- bühr herabdrüen, und es wird dies dann den Producenten nicht ſonderlich aufmuntern, die Erzeugung ſeines Products nach Menge und Güte zu vermehren. Er wird dies auch um ſo weniger können, jemehr er dazu bedeutende Mittel nöthig hat, die ihm durch jenes Herabdrü>en des Preiſes geſchmälert werden. Im andern Falle gilt ein Gleiches. Sind nur Wenige, die ein Product zum Verkaufe anbieten: ſo haben ſie die Preisbeſtimmung in ihrer Gewalt, und ſie können dieſen bis zu einer Höhe ſteigern, wo dem Käufer keine Ausſicht auf Gewinn mehr bleibt, was ihm denn das Geſchäft verleidet und dasſelbe am Ende ganz ſtört. Auch iſt es zu dem Credit, dem eine Waare im Auslande erlangen muß, unumgänglich nothwendig, daß ſie erſt in bedeutender Menge dahin gebracht werde. Denn nur da- durch wird die Aufmerkſamkeit der Bevölkerung darauf gezogen, und zu ihrem Verbrauche aufgemuntert. Dies hat ſich in Hinſicht der Wolle aufs Augen- ſcheinlichſte bewieſen, Der Handel mit ihr konnte ſich aber nur meiſt auf die edlern Sorten beſchränken, weil die ge- meinen überall in Menge und zwar ohne etwa beſondere Mühe und Aufmerkſamkeit erzeugt werden, und weil bei 4 A a“« dele TITER GET TTI ZINN SE nern emen NI 9 in. 163 An ihnen, gerade wegen dleſes Umſtandes und wegen ihres ſehr . niedrigen Preiſes es nicht möglich iſt, ſehr großen Gewinn NER EFT in dem Handel mit ihnen zu machen. 17 el, Der erſte bedeutende Wollhandel gründete ſich in Spa- ipſo und nien. Ehe man im übrigen Europa die Merinos einge- ae 06; E führt hatte, war dies auch das einzige Land, aus welchem m Einzel: man die edle Wolle bezog. Die Holländer und vor ihnen über die Or- ſchon die Venetianer und Genueſer holten ſie in den | Preduenten blühendſten Zeiten ihres Handels und verarbeiteten ſie zu mis Product Zeugen, die der Seide gleichgeſhäßt wurden. Später folg- wird dies auß ten jenen die Franzoſen und Engländer. Die lekteren tende Mittel waren es, bei denen ſich der Wollhandel bald im Großen des Preiſes gründete, und die nunmehr die Hauptkäufer der feinen in Gleiche, Wolle in Europa ſind. In Spanien ward dieſer Handel we dien: aber von jeher ſo betrieben, daß man die Wolle pr. Kopf walt, un ſi bezahlte, und einen um ſo höhern Preis bewilligte, je woll- ) dem Fäufe! reicher die Thiere waren, ohne daß man grade ſonderlich Am denn das auf den höhern oder niedern Feinheitsgrad derſelben ſah: ganz fürt, weil man nämlich vorausſeßte, durch die Menge die etwa im Auslandt geringere Güte reichlich wieder erſet zu ſehen. Dieſe Art FETEN EN des Handels hat die ſpaniſchen Schafzüchter auch in ihren Dem mr Dr Grundſäßen beſonders geleitet, und zu dem Verfahren ver- erung Autduf anlaßt, nur Lämmer, welche mit Haaren geboren werden, “ aufzuziehen, weil dieſe ſtets Reichwolligkeit verſprechen, da- ij Jugen- gegen die ganz glatt gebornen, als armwollig werdend, nie ſieh ade ſogleich zu tödten. weil die zi Seit einiger Zeit iſt ohne Zweifel der Wollhandel in va beſonde! Deutſcung der Koſien dem Unternehmer noch einen Gewinn ſichern ſoll. Der Woll- handel iſt daher für alle jene Länder ſtets ein Activhandel geblieben, in denen entweder das Grundeigenthum noch nicht in einem überſpannt hohen Preiſe ſteht, oder die durch be- ſondere begünſtigende Umſtände Fortſchritte in der Schafzucht machten, und nicht durch allzukoſtſpielige Anſchaffungen von Schafſtämmen die Wolle zu theuer erzeugten, um damit einen gewinnreichen Handel nach außen treiben zu können, Nach dieſen Vorausſeßungen mag nun der geſchichtliche Gang des Wollhandels folgen, und zwar beſonders, wie er ſic in den lekßten 50 Jahren geſtaltet hat, Wie ſchon bemerkt worden: ſo kauften in frühern Zeiten beſonders die Holländer in der Periode ihres blühenden Handels die Merinowolle in Spanien ſchr häufig. Der Preis derſelben nn 0 6 I SS d I “Deko were ic... > ZZ din 2 ASEN IDR ab; <3 GIE 20a I Cee wie> =. damit zu machen, weil es lange dauert, eine unter neuer Firma auftretende Waare neben einer andern ſhon lange in beſon- derm Rufe ſtehenden vortheilhaft an Mann zu bringen. Es wären daher fürs erſte Opfer nöthig geweſen, Wer hätte dieſe bringen ſollen?--- Der Wollhändler würde ſich ſc ging, bis er ſich allmählig wieder hob, Leßkteres geſchah von 1803 an, und das Steigen dauerte allmählig fort bis zu 1311, wo eine Schwankung rüswärts ſtatt fand, die aber lange nicht von der Art war, wie die ſpäter vorkommenden. Im Jahre 1315 war die Sache wieder dergeſtalt hergeſtellt, daß«die Preiſe bedeutend höher ſtanden, als früherhin. Dieſes Steigen ward bloß 1817 etwas unterbrochen, nahm aber im Jahr 1313 auf eine Weiſe zu, die man früher auc<4 in den kühnſten Hoffnungen nicht erwartet hatte. Doh da mit dieſen lekßten beiden Jahren die zweite Periode beginnt 3 ſo werden ſie auch bei derſelben erſt vorkommen. Die erſte umfaßt alſo einen Zeitraum von 26 Jahren, wenn wir von 1800 anfangen und bis zu 1826, dies Jahr mit eingeſchloſſen, zählen. Von dieſer kann man ' 5+ GE re Är an 4 FEEEAEE>r DETE Eee eS td 37. A 7 3:05 vf im Ay: ſagen, daß ſich in ihr die Größe der Erzeugung der Wolle, "1 Gm ab, ſo wie deren Verbrauch erſt ausbildete. In ihr trat Eng- em Biſe land vorzüglich auf eine ſo kräftige Weiſe auf, daß es bald "brauchs, De anfing, die Wollpreiſe zu beſtimmen. I< habe oben ſchon Nd New Eraby geſagt, daß bei der zunehmenden Erzeugung edler Wolle ' Ute Vylogen auch deren Verbrauch ſich vermehrte. Denn die erhöhte robe Yrodyct Menge und Güte der Waare reizte zu ihrer Verarbeitung, 3 Inhet zy zumal da mit derſelben ein ſo ſicherer Gewinn verbunden mech Fal war. Ein Hauptumſtand iſt aber in dieſer Periode nicht erſie eriede, zu überſehen: dies iſt die Vermehrung und Vervollkomms 0000 wir Die.nung der Maſchinen bei der Verarbeitung der Wolle, Da bi Nile durch dieſe der Arbeitslohn ſich faſt niedrieger als auf die feine Bille Hälfte des frühern ſtellte, ſo mußten die Wollenwaaren Zang gegen ſonſt ungemein wohlfeil werden, wenn man bedenkt, 9 mid ind, daß die Arbeit wenigſtens ein Drittheil des ganzen Preiſes WER derſelben, ganz beſonders der feinen beträgt. Wenn nun dies ein? Drittheil ſich dadurch, daß die Arbeit durch die Maſchinen um die Hälfte niedriger ward, auf ein Sechs8- theil verminderte, ſo konnten die ganzen Waaren um ein Sechstheil wohlfeiler werden. Die Koſten der Anlage der Maſchinen wurden durch die vermehrte Producirung erſekt, 3„do Tommenden, 4 Qt EE DetaeNe, 100) indem durch dieſelbe der etwas verminderte Gewinn bei der hen, ma Fabrikation wieder ausgeglichen ward. Dieſe größere Wohl- man füher feilheit vermehrte dann natürlich auh ihren Verbrauch, der NE ohnehin durch die immerfort im Zunehmen begriffene Be- Periode völkerung faſt aller Länder auf dem Erdboden auch in gleihem porfommen« Grade zunimmt. Die vielen Kriege der in Rede ſtehenden j: Periode trugen das ihrige ebenfalls zum Verbrauche aller“ 1636, Vs Kleidungsſtüke, beſonders auch der wollenen, reichlich bei. fan 100 19 Jahren vrf. Da ſich nun in dieſer Periode der Wollhandel erſt recht eigentlich ausbildete, da ihm in derſelben ſo reiche Nahrung theils durch die Menge und zunehmende Güte der Wolle, theils deren fortwährend ſteigenden Preis gegeben ward: ſo trug derſelbe gerade zu dieſem Steigen und Feſt» halten desſelben bei, indem nunmehr die Wolle mehr ein Lagerartikel als früher ward, wodurch man deren zu raſches Fallen eher verhüten konnte, als wenn bei einer einmal ein- tretenden verminderten Nachfrage dieſelbe um jeden Preis von ven Producenten hingegeben wird. Daß übrigens die Woll- händler dieſen Preis auch nicht allemal halten konnten, werden wir in der zweiten und dritten Periode ſehen. Wir werden aber auch dort die Urſachen kennen lernen, warum dieſe faſt außer aller gewöhnlichen Ordnung liegenden Fälle vorkommen. In die erſte Periode, von der ich hier rede, fällt die Gründung einer Menge von deutſchen Wollhand2 lung8häuſern. In Sachſen entſtanden deren, außer Leip- zig und Dresden, in mehreren kleinen Städten, die zur Verſendung der Wolle an ſchiffbaren Flüſſen beſonders gut gelegen waren. So 3. B. in Naumburg an der Saale, Pirna u. a. In Preußen befaßten ſich in Breslau mehrere Häuſer anfangs mehr mit dem Zwiſchen- als mit dem directen Handel mit Wolle, bis ſie endlich leßtern ihnen angemeſſener und vortheilhafter fanden, In Oeſterreich finden wir in dieſer Periode einige bedeutende Wollhand- lungöhäuſer in Wien, Brünn und Prag genannt. Jedoch blieb der Wollhandel dort meiſt noch in erſter Hand, d. h. die Manufacturiſten kauften größtentheils direct von den Er- zeugern. Die Sache hatte auch ihren natürlichen Grund. Wandel eſ Ww 1 veiche de Oie der rel hinm m und Zl: e mehr ein 1 zu toſches einmal ein: 1 Dreis von 13 die Voll: m fonnten, ſehen, Mit 1, warum nden Fäle het tde, |. Bohhand- außer Leipe 1, die zur ſonders gut ver Saale, (am wehtete (3 mit dem leßtern Amen ) Deſtetteih » Bolland? t, Jedoch and, d- h on den Et hen Grund: 1770 Denn obgleich dort die Production der feinen Wolle in jener Zeit ſchon ziemlich bedeutend war: ſo ſtellte ſich der Bedarf der inländiſchen Wolle doc< meiſtentheils nom mit derſelben ins Gleichgewicht. Die Größe der Monarchie, ihre Ver- bindung mit den öſtlihen und nordöſtlichen Ländern von Europa und mit Italien ſicherten den Manufacturen ſtets einen ſo bedeutenden Abſaß, daß ſie mehr als in irgend einem Lande des Continents floriren konnten. Haben ſie dies nicht allemal: ſo liegt die Schuld wohl meiſt darin, daß ſie ſich von andern hie und da den Nang haben ablaufen und ſim vom Markte verdrängen laſſen. Der erſte Wollhandel aus der öſterreichiſchen Monarchie ging meiſt nach Frankfurt am Main, von wo aus die Wolle zum Theil nach den Niederlanden, zum Theil nach Frankreich ging. Den Weg nach England fand ſie erſt ſpäter, wie wir weiter unten ſehen werden. Wie während der gedachten Periode der Wollhandel in Spanien ging, entnehmen wir am ſicherſten aus der zu Anfang angeführten von Herrn Terneaux aufgeſtellten Ver- gleihung der Preiſe der ſpaniſchen, franzöſiſchen und ſäch- ſiſchen Wolle. Nach dieſer fiel die ſpaniſche von 2304=- 1316 das Kilogramm von 24 Franken auf 26 Franken, während die ſächſiſ nien noh Man We war, Git, Wd fie '.h.„ ben mä, 0 an Jedem e mimt nad 1[0 atofer m nun ans ten Eigen- Nachfrage ren Werthe einander x nehmen Berfes vo yd die Nies Denn das ' zuweilen Wefühgeten qupt nur ſo langt rinownt 77: eingeführt. Wie ſehr dies im Laufe der Zeit zugenommen hat, beweiſen die Einfuhrliſten dieſes Reiches. Denn 13090 betrug die Einfuhr deutſcher Wolle nac< Großbritannien nicht viel über 1000 Ballen(a 4 Centner) und im Jahre 1325 über 34000 ſolcende des Gewinnes bei demſelben hatte ihn da und dort in ſo unkundige Hände gebracht, daß das ganze Geſchäft in Gefahr gerieth, in Verfall zu kommen. Man ſandte Wolle ins Ausland, die den Sorten, welche auf die Ballen geſchrieben waren, nicht im mindeſien ent- ſprach. Selbſt alte Wollhandlungen ließen ſich hie und da verleiten, ihren Ruf weniger,'als einen augenblilichen Gewinn im Auge zu behalten. Daher kam es denn, daß ein großes Mißtrauen bei den Manufacturiſten des Aus- landes, namentlich Englands, erregt ward, was nicht andere als ſehr nachtheilige Wirkungen auf den deutſchen Woll- handel äußern konnte, Da man die Sache nicht ſogleich allgemein aus dem richtigen Geſichtspunkte anſah, ſo glaub- ten viele derſelben, die deutſche Schafzucht ſey zurükge- gangen, und dies hätte, wenn nicht glülicherweiſe jene unbeſonnenen Speculanten durch harte Verluſte wären be- ſtraft und für die Zukunft von einem ähnlichen Verfahren abgeſchreXt worden, den ſehr großen gar nicht zu überſe- henden Nactheil für die deutſche Sung ihres Bedarfs im Ernſte beſorgt(nt wurden. Die des Continent8 und namentlich der Nieder- wn lande und Frankreichs eiferten, ſo viel ſie konnten, nach, lit und die Ausſicht nach dem frei gewordenen Amerika, nörd- not) licher und ſüdlicher Hemiſphäre, ſteigerten dieſen Bedarf im| höchſten Grade. Kein Wunder, daß man deshalb bei hatten Zeiten darauf ſann, ſich zu verſorgen. Die Nachfrage be- warm gann mit ungewohnter Lebhaftigkeit. Eine Menge Agenten, Ww die ſtets dem Großhändler folgen, wie die Hyäne dem dn Löwen, war mit Eifer thätig, und zum Einkauf behilflich. verh Alle3, was von Wolle noh in erſter Hand befindlich war, fmt wurde ſchnell aufgekauft, und eine Menge Contracte wurden welt auf die Wolle, die noh auf den Schafen ſtand, geſchloſſen. Vel Dieſe Nachfrage erhielt ſich bis in die erſten 4 Monate des(4 Jahres 1325. Im fünften fing man ſchon an, ſtußig zu M" werden, Die engliſchen und niederländiſchen Manttfac- un turiſten ſahen aus der bedeutenden Zufuhr, die nor von| leih! alter Wolle erfolgte, daß die Noth noch nicht ſo groß ſey. vie Zudem beſtätigten die aus Amerika eingehenden Nachrichten 109 gar nicht die allzu ſanquiniſchen Hoffnungen, die man für af die dortigen Märkte gehegt hatte. Eine Folge davon war, en ein eintretender Stillſtand im Wollhandel. Dieſer erzeugte det ven und ſenden Wife SEE ber 8 bes NUN M den Manta noch von 0ß ſey+ „richten nan für on wan erze vi LET gar bald ein Zurü>gehen der Preiſe, und ehe noch ein halbes Jahr verging, war eine Conjunctur in demſelben, die noch nie ſo ungünſtig geweſen war: gerade, wie a getreten war: ſo zeigten ſich hie und da auch ſchon die guten Folgen der frühern Jahre, d. h. man überzeugte ſich, daß eine ſo unſinnige Art zu ſpeculiren, wie ſie im Jahre 3.325 geherrſcht hatte, „ für den Erzeuger der Wolle ſowohl, als für den Ver- braucher nachtheilig iſt, und daß eine empfangene harte Lehre doch als ſolc 0 in, den Ver- arieQehre Vytk kal SU NN, a veſt: wegn 16 0) . 3 Uy weil es ſchon ſeit ſo langer Zeit weit mehr Wolle erzeugt, als es im eigenen Lande verbraucht. Jedoch hatte es ſonſt das Monopol mit ſeiner Wolle, und da dieſe nur hier faſt allein und vorzugsweiſe zu finden war 2 ſo ſuchte man ſie von ſelbſt beim Producenten auf, ohne daß dieſer erſt nöthig hatte, ſie auf einem Markte feil zu bieten. Wir haben Aehnliches in Sachſen ſonſt geſehen. Denn obgleich dieſes ſeinen Wollmarkt in Leipzig hatte: ſo kam dennoch ein ganz unbedeutender Theil der edlen im Lande erzeugten Wolle dahin. Immer ſuchten die Wollhändler die Producenten in ihrer Heimath auf, und kauften das Product daſelbſt. Lekteren blieb dieſer Verkauf auch ſtet8 geſichert, weil Erſtere, wollten ſie anders ihre Geſchäfte noch ferner betreiben, genöthigt waren, der Wolle nach zu reiſen, da man ſie ihnen nicht freiwillig nachbrachte. Nachdem aber andere Provinzen mit Sachſen in der Erzeugung der edlen Wolle wetteiferten, als die IPollhändler dort das mühſam geſuchte Product in Menge zur beliebigen Auswahl, und noch dazu, wegen der Con- currenz des Angebots, in billigern Preiſen fanden: da ex- ſparten ſie ſich immer mehr die Koſten einer langen und weitläufigen Reiſe, und die ſächſiſhen Wollproducentet mußten ſich gleich ſo vielen in andern Provinzen bequemen, ihre erzeugte Waare an den öffentlichen Markt zu bringen. Ganz dasſelbe SchiFſal, wie dieſe, haben nunmehr die öſterreichiſchen Schafzüchter. Wie ſchon bemerkt, ging eine lange Zeit die in den öſterreichiſchen Staaten erzeugte edle Wolle in dem innern Bedarf auf, ſo daß auch deshalb der Wollhandel ſich nicht im Großen ausbilden konnte. So lange dies nun der Fall war, ſuchte man dieſes geſchäkte DOA Product am Drte der Erzeugung auf, und ſehr häufig war es, ſelbſt wenn es auF die Schafe noe gebracht werden, Rechnen wir nun dieſe zu 3=-4 Gentner, ſo beträgt dies Quantum etwa 15000 Centner, nicht viel über den vierten Theil deſſen, was in Breslau aufgebracht wird. Da der eben genannte Breslauer Wollmarkt wohl ohne alle Frage nach der an Umfang und Werth dorthin gebrachten Wolle der bedeutendſte auf dem Erdballe iſt: ſo will ich von ihm auch zuerſt ausführlicher ſprechen. E3 beſteht dieſer Markt ſchon ſeit eiten Zeiten, und er fing bald nach der Beſiknahme Schleſiens durch Preußen an, ſich immer mehr zu heben. Neben ihm wurden von jeher in einer Menge von Provinzialſtädten, faſt in jeder Kreisöſtadt, deren abgehalten, die zum Theil nicht unbedeu- tend waren. Beſonders war der in Scweidniß in der frühern Zeit oft nicht viel geringer als der in Breslau, Als aber die höhere Veredlung der Schafzucht in Schleſien immer mehr überhand nahm, da vermehrie ſic auch das Quantum der auf den Breslauer Markt gebrachten Wolle alljährlich, und dies loFte immer mehrere auswärtige Käu- fer an. Viele hindernde Gebräuche, 3. B. das Vorkauſs- recht der Inländer bis zu einer gewiſſen Zeit während des va 13000 nN, W08 10 4 Mrs v vreußen urden von | In jeder FE unkedel- JV KWNNNYM- ; m.(| 4 hten Wo rtige Kau ) MENN | Vortau "(aus de) dnn DOT Markts wurden abgeſchafft. Auch blieb ſeine Dauer nicht mehr auf den kurzen Raum von zwei Tagen beſchränkt z ſondern er dehnte ſim bald auf eine ganze Woche aus. Jemehr nun dieſer Markt zunahm, deſto geringer wurden die in den Provinzialſtädten, bis ſie zuleßt ſo unbedeutend geworden ſind, daß ſie kaum mehr der Erwähnung verdienen, indem ſie auf die ſich bildenden Preiſe der Wolle faſt gar keinen Einfluß mehr haben. Deſto größer iſt aber dieſer bei dem Breslauer, denn faſt nur nach ihm bilden und regeln ſich die Preiſe der Wolle für das ganze Jahr, da er der erſte und größte unter allen übrigen deutſchen Wollmärkten iſt. Das hier aufgehäufte Wollquantum hat ſih ſchon bis auf 60000 Centner belaufen, und deſſen Werth, oberflächlich geſchäßt, hat dann gegen 4 Millionen Reichsthaler betragen. Ehemals wurde, bevor die neue Maß- und Gewichts- regulirung in den preußiſchen Staaten eingeführt ward, die Wolle nac< Stein a 24 Pfund berechnet und verkauft, jekt aber werden alle Rechnungen auf Centner geſtellt. Da der jekige Centner zu 5 Stein a 2 2 Pfund berechnet wird, da aber dieſe 2 2 Pfund neues Gewicht ſchwerer ſind, als die ehemaligen 24 Pfund, ſo verloren die Producenten bei dieſer Umänderung, wenn ſie ſich den Preis nach Steinen ſchäßten. Im Anfange der großen Zunahme des Breslauer Wollmarktes beſuchten als Ausländer denſelben hauptſächlich die ſächſiſchen und niederländiſchen Wollhändler und Manu- facturiſten. Endlich aber wurden die Engländer durch die aus Sachſen bezogene ſchleſiſche Wolle aufmerkſam, und ſie erſchienen perſönlich auf dieſem Plaße, Dies iſi 2 3350 ſeit ungefähr x 0 Jahren der Fall, und ihre Zahl nimmt faſt alle Jahre zu. Auch Wollhändler aus Nord- Amerika hat man ſeit einigen Jahren dort geſehen. Die Art und Weiſe der Aufſtellung der hieher ge- brachten Wolle, ſo wie der Kaufabſchluß verdienen noc< angeführt zu werden. Die ganze ungeheure Maſſe iſt auf einem Raum von ungefähr 400 Quadratruthen(a 2144 -Quadratfuß) die Häuſer mit eingeſchloſſen, zuſammenge- drängt, Sämmtliche Wolle iſt in Säcken(Züchen) gepa>t, die zur Anſicht der Waare an einer Nath aufgeſchnitten werden. Der Mangel einer genauen Uiberſicht und darauf gegründeten richtigen Beurtheilung derſelben leuchtet um ſo mehr ein, als bei der ungeheuern vorliegenden Maſſe dem Käufer nicht Zeit genug übrig bleibt, um eine Parthie von mehreren Seiten und in allen SäFen zu durcen. Den- noch aber kommt ein ſolcher nur höchſt ſelten vor, wie aus den wenigen bis jeßt noch erhobenen Klagen deutlich genug einleuchtet. Zur Abhilfe für dergleichen Klagen iſt ſeit einigen Jahren ein Wollmarkt5-Jury eingerichtet, beſtehend aus einem Rechtsgelehrten, zwei Wollkäufern und zwei Ver- käufern, die jeden dergleichen Handel. ſogleich ſchlichtet. Die ganze hieher gebrachte Wollmaſſe iſt zum Theil in den am Markte befindlichen Häuſern, zum Theil aber auch unter freiem Himmel untergebracht. Seit einigen Jahren haben die Eigenthümer von Wolle der guten Qualität ſich Zelte gebaut, und ſie unter denſelben ins TroFne gebracht. Die im Freien liegende wird, ehe ſie zur Wage kommt, in un- geheure Haufen(Rollen genannt) aufgeſchichtet. ahl mimt v-Amerifg | hiehtt des dienen nh aſe if auf '"(4 144 ſammenge- n) Awad, NN, 7% 6. (Alle vem ttbie vont n iß ſeit ht, Die iur 139 Beim Abſchluß des Kaufes findet, auc< wenn der Gegenſtand viele tauſend Reichsthaler beträgt, weiter gar keine Förmlichkeit ſtatt. Der Käufer und Verkäufer no- tiren ſich bloß den bedungenen Preis jeder für ſih, Erſterer ſchreibt ſodann ſeinen Namen auf den ihm übergebenen Wagezettel, und beſcheidet den Verkäufer zur Abholung des Geldes, nachdem er die Wolle hat in Empfang nehmen laſſen. Troß dieſer Einfachheit und des großen Gewühles des Marktes iſt noch nie ein Fall bekannt worden, daß ein Käufer den bedungenen Preis nicht hätte halten wollen, wenn er anders nicht durch begründete Ausſtellungen, daß die Waare der geſehenen Probe nicht in allen StüFen gleich geweſen ſey, dazu berechtigt worden wäre. Der Wollmarkt in Breslau wird alle Jahre zweimal, und zwar einmal im Frühjahre und einmal im Herbſte ab- gehalten. Leßterer wird jedom immer geringer, da auf ihn meiſt nur die zweiſchürige Wolle gebracht wird, die bei der zunehmenden Veredlung der Heerden zuleßt ganz auf- hören wird. In frühern Zeiten war er nicht viel unbedeu- tender, als der im Frühjahr. Zuweilen trifft es ſich, daß von dieſem eine Menge Wolle liegen bleibt. Dieſe wird dann im Herbſte zum Verkauf geſtellt, und hilft ſo dieſen Markt vergrößern. Der zweite Hauptwollmarkt in Deutſchland iſt der von Berlin. Wenn er auch den Breslauer in der Menge der aufgebrachten Wolle nicht erreicht: ſo ſteht er ihm doch in der Qualität derſelben niht nam. Das dorthin gebrachte bis jekt als größtes bekannte Quantum an Wolle hat zwiſchen 30 und 40000 Centner betragen. Troß dem 190 aber imponirt dieſer Markt keine8wegs ſo, wie der Brez- nig lauer, weil die aufgebrachte Wolle nicht ſo auf einem Plate hunbaung aufgehäuft, ſondern vielmehr in einem Theile der großen Dem Stadt zerſtreut liegt. Er iſt von jeher nach dem Bres8- aden lauer Frühjahröwollmarkte abgehalten worden, und meiſt da L haben ſich auf ihm die Preiſe günſtiger geſtellt, als auf men dieſem. Das kommt aber wohl unſtreitig daher, daß die fihet1 Verkäufer hier die Verſendung nog näher und bequemer Mit haben, und deswegen deren auch no< mehrere zuſammen- hide Fommen. Was in Hinſicht der auf dem Berliner Woll- räſen markte ſtatt gefundenen Conjuncturen zu bemerken wäre, Zeit das iſt ganz dasſelbe wie beim Breslauer. nit; Bei der zunehmenden Erzeugung der veredelten Wolle ſy bf fand man für nöthig, no< an mehreren Orten neue Woll- 7 märkte zu gründen.'So enſtanden erſt vor einigen Jahren Ve die in Stettin und Dreöden, Beide ſtehen dem erſt ge- in nannten jn der Wollmaſſe bedeutend nach, obgleich lekßterer"der 7 wegen der Güte der Waare faſt immer einen ſehr lebhaften peo) Verkehr und Abſatz gebracht hat. Dole Schon oben habe ich bemerkt, daß der Verſuch, in ſnund Wien einen Wollmarkt zu gründen, fehl ſchlug, auch habe ich die Urſachen hiervon angeführt, So ſehr auch die Maſſe mir der veredelten Wolle in der öſterreichiſchen Monarchie zu- 1 ſul nimmt, und ſo ſicher man eben deswegen glauben ſollte,' daß Wollmärkte da gerade recht wohlthätig ſeyn müßten: Main ſo iſt dem doch nicht alſo. Wie ſchon bemerkt, verarbeiten fund) dort die inländiſchen Manufacturen einen großen Theil der wa 7 erzeugten Wolle, und die auch in den auswärtigen Handel beday kommt, fand biöher meiſt ihre Käufer zu Hauſe, Es haben Dolle CEWIRTIG ee. AM. SECH-=o gm Emm igt nämlich in den öſterreichiſFgen. Staaten einige große Woll- handlungshäuſer, welche ſig mit ihrer erkauften Waare den Weg nah Frankreich, den Niederländen und na< England ſuchten, gleißſam eine Art von Monopol beim Einkaufe der Wolle. Die Geldgeſchäftsverbindungen, in welchen? mehrere der Wollproducenten mit ihnen zugleich ſiehen, ſichern dieſen Häuſern faſt immer den Ankauf der Wolle, Daher mußte es auF kommen, daß ausländiſ kommen, wie wahrſcheinlich es ſey, daß die eben angeführte Meinung noch lange nicht in Erfüllung gehen werde. Viele aber, welche entweder zu vorſichtig oder zu träge ſind, etwas Beſſeres ſogleich bei ſeinem Bekanntwerden zu ergreifen, haben ſich auch überredet, es ſey gefährlich, ſich der Beredlung der Schafzucht hinzugeben, indem man da- durch endlich eine ſchwächere und für ſehr viele Krankheiten empfänglichere Viehgattung aufſtellen würde. Weil hie und da, durch verkehrte Behandlungsart vielleicht, in ver- edelten Schäfereien mehr Schafe ſtarben als in gemeinen: ſo glaubten ſie ihre Meinung ſchon völlig beſtätigt zu. ſehen. Derzleichen Menſt. Neben dieſem Haubtſtreben aber machten ſie ſiets e dt noch eine Menge Verſuche in Kreuzungen aller Art, und offtett« erreichten auf dieſe Weiſe oft ein Ziel, welches ihren Eifer davon aufs herrlichſte belohnte, d. h. ſie bildeten eine Wolle aus, em Die die den Manufacturiſten zur Erfindung-und Verfertigung vetrieh neuer Zeuche und Modewaaren höchſt wilkommen war. vurh die* Zu den Verſußen müſſen wir es aber auch zählen, vn Ös wenn viele Schafzüchter, beſonders aber in Deutſchland, an- ju fingen, anſtatt des Weideganges, die Schafe den ganzen | Sommer hindurch im Stalle zu füttern. Man war dar- : über anfangs ſo bedenklich, daß man glaubte, es wäre dur<- N aus unmöglich, dieſe Thiere, die beſonders in Spanien faſt « nur an Weide gewöhnt waren, bei Stallfütterung das ganze 200; Jahr geſund zu erhalten. Nun glaubten aber manche rationelle Schafzüchter, es könne den Schafen unmöglich ſchaden, wenn ſie auch nicht den ganzen Tag der Bewe- gung in der freien Luft genößen, ſondern dies nur einige- mal des Tages könnten, Dazu kam, daß ſie bei der Stall- fütterung viel regelmäßiger genährt und vor dem zu viel und zu wenig bewahrt werden konnten. Eine Menge an=- geſtellter Verſuche fielen auch höchſt vortheilhaft aus, und die Heerden, mit denen man die Sommerſtallfütterung trieb, befanden ſich ſehr wohl, Eine andere Frage war freilich aber no.- d- d=..... EE M 20-0 |' | Zweitens gibt es ſehr viele Güter, die elne Menge 4 a || Weidetriften haben, deren knapper und dabei ſo ſehr ge- 4 y 0] ſunder GrasSwuHs ſie von der Natur ganz eigentlich zu ng vy Scafweiden beſtimmt hat. Wollte man es hier darauf hſt ankommen laſſen, daß dieſe Weiden ſo weit in ihrer Vege- ind tation gelangen ſollten, bis man das Gras davon abmähen oh könnte: ſo"würde man oft vergebli< darauf warten, weil“* die Tro>enheit dies leicht verhindern" möchte, Wer würde führ aber einen ſo augenſcheinlichen Vortheil, als den ſolche nel Weiden geben, fahren laſſen, bloß um den Verſuch zu maa gu 205 Ape Metz Bei den Verſuchen in der veredelten Schafzucht habe | fd fehr" ich auch von denen zu ſprechen, welche man gemacht hat, (igentih zu um zu erfahren, auf welnen wechſeln. Im- mer verfielen ſie auf ſolchen im Herbſte in die Egelkrank- heit: ſo wie ſie auf allen den Triften, die bei ſonſt tro>- ner Lage doc<-eine Menge verde&ter Aerquellen haben, auf denen üppige und ſcharfe Gräſer wachſen, ſehr häufig vom Blutſchlage betroffen werden, Die hierüber geſam- melten Erfahrungen geben daher die Lehre, auf dergleichen Triften die größte Vorſicht anzuwenden, ſolche verborgene Quellen abzuleiten, oder, wo dies nicht thunlich iſt, ſie von den Schafen nie betreten zu laſſen. Bei durchaus naſſen Triften iſt es leichter möglich, den Schafen mit tronen Zwiſchenfutter und Präſervativen zu Hilfe zu kommen, jj | ] | 207 Und gewöhnt Fragen wir aber, welchen Einfluß dergleichen Triften auf bit, Zus die Wolle geäußert haben? ſo wäre darauf wohl zu ant- Wg, da Das worten, daß derſelbe weniger nachtheilig war, als manche Wid Jpn glaubten, do 5 A iſwemu= >= ie BEE== . 297, KOHEUZ EIE N [) k . v j 4 ||( '|] I 3 p|] |] 1] EI :.) ml ui. | 203 ob es auch rathſam und vkonomiſch vortheilhaft ſey, auf ſolchen Triften große Kapitalien zur Anſchaffung von edlen Merinoheerden zu verwenden? Denkende und rechnende Land- wirthe haben ſich die Frage vorgelegt, und gefunden, daß troß dem Nachtheile, in welchem ſie hierin gegen die Bez ſitzer von Höhentriften ſtehen, es dennoch ſehr reichlich lohne, edle Schäfereien auf Niederungen anzulegen, und daß, wenn ſie auch die höchſte Qualität zu erreichen faſt aufgeben müſſen, ſie dennoch bei der Haltung von edlen Schafen ihre Rechnung noch beſſer fanden, als bei allen übrigen Zweigen der Landwirthſchaft. Ein Anderes würde es freilich ſeyn, wenn, wie in England, das Fleiſch einen ſo hohen Preis hätte, daß die Wolle mehr zum Neben- und nicht, wie in Deutſchland, zum Hauptertrage gerechnet werden müßte, wo es dann bei ihnen mehr auf die Größe der Schafe, als auf die Feinheit der Wolle ankommen würde, Eine Frage kommt aber hier von ſelbſt, nämlich: ob e3. auf ſolchen Triften nicht beſſer ſeyn würde, die gänzliche Stanfütterung bei den Schafen einzuführen? Man würde dabei vielleicht der allzugeilen Ernährung der Schafe, und ſomit dem allzuüppigen Wahsthum der Wolle eher vorbeus- gen. Dies zugegeben, ſo hat, wie oben angegeben, die Sommerſtallfütterung ihre nicht geringen Schwierigkeiten, und am Ende würde bej der Uippigkeit des Futters im Ganzen für die Wolle auch nicht viel dabei gewonnen. Es ſind, wie wohl von ſelbſt zu vermuthen iſt, dergleichen Verſuche gemacht, aber großentheils wieder aufgegeben worden. Zu erwarten ſieht übrigens, daß män in der Folge auch mit den langwolligen engliſchen Schafen Ver- + S' Des N DB kp wan FSE aufwei, Z> in Sheen tier HIESSE FEIER GA ADS ZDESES EE me eS EREN. vam 209 3100 ſuche auf ſolhen Triften machen werde, die dann gewiz ene nd. günſtig ausfallen müſſen, Bn Wenn ich nun auch von den Verſuchen mit ſorgloſer 463. Dehann umg[vrowe ſo(18 dieſe, wie ſchon M wohl reihig ohm weniger abſichtlich, als vielmehr aus u 229e! an Sin für " Ö vi die Sache gemacht worden. Man hat freilich oft nicht nö- ie I thig, nach ſolchen Verſuchen ſich weit umzuſehen, da ſie 3: überall noch zu finden ſind.=- Wenn man die Schafe rie jeder Witterung, Regen und Schnee, Sturm, Kälte und Afee Hiße, Mangel und Uiberfluß abwechſelnd ausſekßt, ſo ſind fei vn dies wohl dergleichen Verſuche. Auch das Pferhen und Joe Al Horden bei Nacht, beſonders in ſpäter Jahreszeit, gehört A, wie In hieher. Daß die Merinos, und die durch dieſelben ver- en müht edelten Meſtiz- Schafe dies alles ertragen, zeigt von ihrer Cy, 66 nicht ſchwachen Conſtitution, und daß auch deren Wolle dabei nicht allzu viel leidet, iſt ebenfalls eine Empfehlung für dieſelben. Man hat zwar in neuerer Zeit dieſe edlen Thiere immer mehr in Obhut genommen z; man hat, da an würde man einſehen lernte, daß ſie die ſtüßenden Pfeiler der Schafe, und ganzen Landwirthſchaft ſind, ſim ihrer Pflege mehr unter- he ves zogen, aber dennoch ſind ſie nor manchen Mißhandlungen 0600, di ausgeſeßt, die man ihnen erſparen könnte. Wenn für ſie Owierigfelten das Winterfutter ſo ſparſam beſorgt iſt, daß es mit dem Ende 3 Suffes Im des Märzes, und noch dazu in rauhen Gegenden, aufge? | Juon zehrt wird 3 wenn man ſie dann auf ſumpfigen Wieſen und | vrzkichen kahlen Angern weiden läßtz wenn ſie mit Aufgang der aufgegeben Sonne aus dem Stalle in den Thau hineingejagt werden, vielleicht damit ſie weniger Zeit haben, an ihren Hunger zu denken, und dann den ganzen Tag ſich um ihr höchſt O man in dit » Dow = hafen Dir . Y 1 Els8nerx's Uiberſ, d, europ, Schafz, I. Bd, ==emzmu <5 N Zum=D Ie= GEES m mimt SIe ur DE--- SRO; .. wee JWgBgpgR TT RO JIA EEENENENNNEE . EEA HET 210 kärgliches Mahl bemühen müſſen z; wenn ſie der RNohheit von Schäfern, die ſie auf jede Weiſe mißhandeln, ohne alle Auf- ſicht übergeben ſind: dann ſind dies Verſuche, die man mit ihnen macht, welche wohl nicht gerade allemal vortheilhaft aus- fallen können. Wo es aber nicht Verſuche ſind, wo es bloß Folge von Mangel an Intereſſe für die Sache iſt z wo man zwar den Gewinn, aber nicht die Mühe haben will: da läßt ſich freilich wenig ſagen, und nur bemerken, daß die Thiere, welche in ſol? vw gimaofuhet " au WU „walt unf ema) und &(ZyMando- ! Canan 5“ oh! das 1 07 8 ua. as Jprednen, ; Why OI SON IAN „tts 6 VENN fe Jie Ie! 4 der new 2153 Zeit hat man ſie wieder aufgenommen... Die Urſachen dieſer Erſcheinung liegen darin, daß die Wollhändler die längſte Zeit behaupteten, es habe dieſe Fütterung einen nachtheis ligen Einfluß auf die Wolle, Auf dieſen Ausſpruch bauend, gaben die meiſten ſächſiſchen Schafzüchter dieſelbe wieder auf, oder führten ſie auch gar nicht erſt ein, Weniger achteten hierauf die in der Mark Brandenburg. Die Noth trieb ſie an, dieſes Futter in Maſſe zu bauen, und es ihren Schafen zu geben. Ohne dasſelbe hätten ſie deren viel we- niger aushalten können. Wenn alſo auch wirklich die Behaup- tung der Wollhändler richtig geweſen wäre: ſo mußten die Schafzüchter ſich lieber eine Herabſeßung der Qualität ihrer er- zeugten Wolle gefallen laſſen, als daß ſie ihre ganze Schafhal- tung beſchränken, und einen ſo einträglichen Zweig für ihre ganze Wirthſchaft hätten nicht mit aller Kraft erfaſſen ſollen. In Scleſien geſchah dasſelbe, wenn auch nicht in ſo aus- gedehntem Maße, weil dieſe Provinz wegen des großen Bodenreichthums in vielen Theilen derſelben andere. Futter- kräuter, als Klee, Lucerne, Wien 2c. in großen Maſſen erzeugen kann. Die öſterreichiſchen Provinzen gewöhnten ſich auch lange nicht daran, den Kartoffelbau zum ver- mehrten Schaffutter ins Große zu betreiben, Die innern Hilfsquellen, welche das Land in dieſem Reiche darbietet, waren wohl die Haupturſache davon, weil man deshalb nicht nöthig hatte, ſehr auf beſondere Zuſchüſſe an Futter für die vorhandenen Viehbeſtände zu denken, Aber man fängt jekt auch dort damit an, und die Wohlthätigkeit der Kartoffeln vermehrt ſich immer mehr, indem ſie die Nah- rungösmittel für die fortwährend ſteigende Bevölkerung aller 214 Länder ſo ſehr vermehren helfen, und dadurch, daß ſie als Scaffutter in ſo großen Maſſen erzeugt werden, auch für die Bekleidung dieſer Bevölkerung in gleichem Maße för- verlich ſind, Wenn nun aber von Seiten der Wollhändler und auch hie und da der Manufacturiſten der Kartoffelfütterung bei den Schafen der Vorwurf gemacht wurde, als habe ſie einen nachtheiligen Einfluß auf die Ausbildung der Wolle: ſo iſt es von großer Wichtigkeit, zu unterſuchen, ob dieſer Vorwurf gegründet ſey oder niht. Er ward zwar auf vem Leipziger Wollconvente ſhon zum Theil beſeitigt, jedoch iſt er immer noc< nicht genug entkräftet, beſonders, da es no- „dE andern aus. Beſonders macht man aber die Bemerkung, ee; daß alle die Schäfereien, in welchen Kartoffeln gefüttert JC werden, glü>liher im Erziehen der Lämmer ſind, als die, ie welche keine bekommen. Die Mutterſchafe erhalten von (0;" denſelben mehr Milch, und nähren darum ihre Lämmer viel beſſer. Ein anderes Futter waren die Erdſchoken oder To- pinamburs(Helianthus iuberosus), Dieſe erbaute.man " machten, * am erfennen 3“ Entefpfl " GRI 216 weniger ihrer Wurzelknollen, als vielmehr ihres Laubes wegen. Man fing in Scleſien zuerſt damit an, und der Bekanntmacher dieſes Schaffutters, der Wirthſchaft3- In- ſpector Kade, hat ſien, ja ſchon beinahe in Vergeſſenheit gekommen. Die Schwierigkeit der Ausrottung dieſer Frucht von den Stellen, wo ſie einmal erbaut worden iſt, verbunden mik der ſpäten Erndte des Laubes(October und November), wo es denn zuweilen verdirbt, hat, neben dem Umſtande, daß ſie doc< nicht die große und nahrhafte Maſſe an Futter gewährt, wie man anfangs glaubte, dies zu Wege gebracht. So gewiß iſt es, daß das praktiſch Brauchbare, ſelbſt wenn es anfangs gar nicht geachtet oder verdächtig gemacht wird(wie z. B. die Kartoffeln), dennoch zulekt in ſeinem ganzen Werthe hervortritt, wogegen das ſcheinbar Nüßliche, auch wenn es im Anfange noh ſo viele Vortheile verſpricht, doch bald wieder den Plas räumen muß. In der Verpflegung der Schäfereien machte man aber ſehr große Fortſchritte und Verbeſſerungen, ſobald die Ver- edlung immer mehr betrieben ward, und der Eiſer dafür durc; immer lohnendere Wollpreiſe fort und fort angeregt wurde, Man ſorgte nunmehr im Allgemeinen für weit beſſeres und reichlicßeres Futter, und dadurch hat der ganze Landbau eine höchſt wohlthätige Umformung erlitten, wie ENE hae Y jen Gt ah zi qöj wel als Ve ſpönſ tagm wet den? fer befün ihren m, f (iges Witten Het, der hat ſelbe al menu rr 20200 TGA getr=>. es<. 5& N do 23 7 ! j Caube ich im zweiten Theile zeigen werde. Dieſes reichlichere und 0... R wt beſſere Futter ward auch mit mehr Ordnung und alſo für SEN den Geſundheitszuſtand der Schafe weit zwe&>mäßiger ver- AN pe abreicht.== Auf dieſe Weiſe vermehrte ſich denn die Schaf- EM Veſuh: zucht intenſiv und extenſiv, d. h. man hatte geſünderes, ji“a voi, größeres und kräftigeres Vieh, und deſſen Zahl nahm zu, Men wo, weil es niht an Nahrung zur Aushaltung einer größern, Gn Zehe von als der bisherigen Zahl, fehlte. Wergleichen wir die Zahl ) Nad wide in allen den Ländern, wo man die Schafzucht: mit Jeton Verſtand und Liebe umfaßte, der gegenwärtigen mit der 7] frühern Zeit, ſo finden wir ſie in manchen derſelben faſt (er mt verdoppelt. Dieſe Länder haben aber auch darin ihren 10) ſchönſten Lohn gefunden, Denn troß dieſer Vermehrung Wnftande, tragen die Schafe ihnen fortwährend den höchſten Gewinn em Zum Unter allen übrigen Zweigen der Landwirthſchaft und ſie helfen x geraht, den Nationalwohlſtand erhalten, der in andern, die ſich jenes are, JE Eifers nicht rühmen können, gar ſehr zu ſchwinden anfängt. fig gewagt Der Beſorgung der Schäfereien aber fing man auch in ſeine an, größere Aufmerkſamkeit zu widmen. Wenn es früher- , hin ſo ziemlich in der Ordnung war, daß der Cigenthümer eſp, einer Schafheerde ſich faſt das ganze Jahr nicht um dieſelbe bekümmerte, außer wenn ſie geſchoren ward, und nun » man aht ihren Tribut bezahlte: ſo fingen jekt ſehr viele derſelben h die bers-"* an, ſich der Sache perſönlich anzunehmen, und durch ihr zip deft eignes Beiſpiel die Schafmeiſter aufzumuntern. Dieſe angeregt hatten ſeit uralten Zeiten einen gewiſſen Antheil in der r wait Heerde gehabt. Ihre Ablohnung ähnelte der des Fröhners, der bei dem Antritte ſeines ſcheinbaren Beſikthumes für das- ſelbe als Kaufſchilling die Verpflichtung erlegte, daß er um 2:70 ai <<< zue- 241.5 einen geringen Lohn beſtimmte Zeiten arbeiten mußte, m und ſich in denſelben dem Dienſte ſeines Herrn, von dem eien er den Beſiß überkam, unter keinem Vorwande entziehen Ghaſnt durfte, So war es mit den Schafmeiſtern. Die Heerde NO ward ihnen übergeben, zwar als Eigenthum des Herrn,- wy aber doch als ſolches, an welchem ſie unter gewiſſen Bes benen dingungen einen Mitgenuß hatten. Yeh Eine kleine Anzahl von Schafen in der Heerde gehörte( ihnen ausſchließlic) unter dem Namen von Vorvieh, und Ope außerdem hatten ſie noch einen gewiſſen Antheil von dem deutli Ertrage der ganzen Heerde. So lange nun dieſe aus luny Thieren der niedrigen Art beſtand, und ſo lange ihr eben eine 7 deShalb auch ihre Verſorgung an Futter, Stallung 2c, einer 8 kärglich zugemeſſen ward: ſo lange ging dies ohne großen 2 Nachtheil für die Eigenthümer ab. Wenn dieſer aber an- brand fing, Ausgaben für die Veredlung der Schäferei zu machen, rung wenn er mit Aufopferung für mehreres und beſſeres Futter,- bli und für ein bequemeres und dem Viehe geſünderes Unter-| wirkte kommen ſorgte, dann fing die Sache an, ihre beſondern| ght Schwierigkeiten darzubieten. Zwar war wohl der Schafz-| auſ meiſter verpflichtet, nam Maßgabe ſeines Renten- Antheil3| henſg auch zu dieſen außerordentlichen Aus8gaben beizutragen, aber ſann dennoch geſchah dies nicht in dem Grade, daß der Eigen- nidt thümer nicht immer dabei im Nachtheile geblieben wäre. Heetde Außerdem entſtanden nun eine Menge von Betrügereien fen und Mißbräu Een< aun nige nz idg 219 Ni pd; EN;:; pt lieben gebahren konnten: ſo kam es, wie vorn hinweg zu JRE erwarten iſt, zu Betrug in jeder Art, Das Vorvieh der 0 eien Schäfer ſtirbt nicht, war ein bekanntes Sprichwort. Starb es. auch ein Stü davon: ſo ward es leicht für ein herrſchaftliches NGEN! ausgegeben, und an einem von dieſem das Zeichen des geſtor- Bur benen angebracht. Ein Gleiches galt bei Austauſchungen, Verkäufen auf eigene Hand 2. is Jö E3 gibt ganze Gegenden, wo man die Folgen dieſer a un Operationen noch jekt in faſt allen Bauern- Schäfereien fhei bon Dem deutlich genug ſieht, Denn obgleich in dieſen für Vered- un dieſe aus lung faſt gar nichts gethan wurde: ſo ſicht man dennoch inge Ur eben eine Menge Thiere darin, die unverkennbar die Spuren alu% einer edlen Abſtammung tragen. ehm geoßen Dieſe der Landescultur ſo verderblichen groben Miß- jet Abet as bräuche erregten am Ende die Aufmerkſamkeit der Regie- 4 zu mehr"), rungen, und dieſe griffen durch Verordnungen ein, die ſeres Futfer, endlich dem Unweſen ein Ende machen ſollten. Am meiſten deres Unterz wirkte aber wohl die eigene Einſicht und Uiberzeugung. Es re beſonder gehörte wenig Sharfſinn dazu, um inne zu werden, welch? / der Cchaf- große WVortheile und welch? reihen Gewinn man bei der ten- Unthls herrſchenden üblihen Weiſe aus den Händen gab. Man uta abet ſann daher auf Mittel zur Abänderung. Dies ging freilich aß der Eijent“ nicht allzu raſch, und nd< jekt gibt es ſelbſt in ſehr edlen bltehen wäre Heerden Deutſchlands Vorvieh. In den meiſten aber Betrigereien iſt es nun wohl abgeſchafft. Man möchte fragen, wie es 24afmiſiet, möglich ſey, daß der Menſch, der den eigenen Vortheil doch glohnung Dt? ſonſt wohl ſo ziemlich immer zuerſt im Auge hat, ihn hier waren u ſo blind überſehen kann? wenn man nicht daneben bedächte, 7 mh daß die Liebe zur Bequemlichkeit, die ſich ſo gern an die 2320 Beibehaltung des Althergebrachten anſchließt, auch eine gil| mächtige Triebfeder in der Handlungs8weiſe der Menſchen 0500, iſt.=- Dieſe beiden waren es, welche die Schafzüchter mE beſtimmten, ſich zu überreden, daß nur dann, wenn der Schaf- FMV meiſter ſeinen Antheil an der Nutung der Heerde habe, er dieſelbe ganz mit aller Sorgfalt behandeln könne. Sie Mit vergaßen aber zu bedenken, und hatten nicht beobachtet, daß A die Wohlhabenheit, in welche dieſe Menſchen dadurch, beſon- das ders bei veredelten Heerden verſeßt wurden, dieſelben gemäch- win lich und ruheliebend machte, daß ſie de3halb die Beſorgung der Schäferei ihren Dienſtboten überließen, und ſich derſelben nur Om in ſo weit unterzogen, als es die Nothwendigkeit des äußern lang, Scheines gebot.=- Daher kam es ja gerade, daß alle die- Gd jenigen Schäfereien, in welchen man Vorvieh und Schäfer- aaa antheil aufhob, und dies auf eine feſte Einnahme für den pan Scafmeiſter zurü&brachte, am beſten gehalten waren, und von in ihrer Wartung und Pflege bei weitem den Vorzug vor Ia jenen Antheilſchäfereien hatten.=- Und welch? eine Menge pan Hinderniſſe beim Fortgange zur höhern Veredlung wurden wl durcH dieſe Abänderung zugleich beſeitigt! Augenſcheinlich Wen war der Gewinn, und man kann dreiſt behaupten, daß my nur dabei der höchſte Punkt in der Güte der Schäferei ſo- bile wohl, als in deren Rein- Ertrage erreicht werden könne, zuleh Feindſelig mußte natürlicherweiſe jener alte Mißbrauch die| auch dem entgegen treten, der ſich perſönlich um ſeine S< ET EHEN 221 Freilich kann dies nur von einzelnen Provinzen gerühmt werden. Man erkennt dieſe ſchon, ohne ſie zu nennen, an dem vorzüglichen Producte, das ſie an den Markt bringen, und wodurc< ſie ſich ſo ſehr vor den andern auszeichnen. Schon oben habe ich bemerkt, daß ſich in der neuern Zeit, d, i, in den lekten drei Decennien, eine eigentliche Literatur der Schafzucht bildete, Dieſe ward ganz beſon- ders mit den Bekanntmachungen der Erfahrungen ſolcher aufmerkſamer und fleißiger Schafzüchter bereichert, Mehrere Hauptthemata kamen bei ihnen zur Sprache. Eins der erſten war die Frage, ob die Schafe, wenn ſie lange in der eigenen Zucht, oder im eigenen Blute in allen Graden der Verwandtſchaft ſich fortpflanzten, nicht zulekt ausarten, und ſowohl im Körper als in der Wolle zurück- gehen würden? Man leitete die Beantwortung dieſer Frage von andern Thiergattungen her, und bejahte ſie deshalb,.=- Darum bemühte man ſich, ſeine Schafheerde zuweilen durch fremde eingemiſchte Thiere aufzufriſchen. Dies that man vorzüglich durc< Widder. Bei der noch nicht ganz gere- gelten und zur vollen Klarheit gekommenen Wollkenntniß entging man aber dabei manchen Mißgriffen niht. Man bildete ſich ein Gemiſch in ſeine Heerde, aus dem man ſich zulet faſt ſelbſt niht mehr herausfand. Weniger geſchah dies denen, die mit einer gewiſſen Conſequenz nur ſiet3 aus gleichartigen Stämmen ihre Ankäufe machten. Hierin lag ein Hauptgrund der Verſchiedenheit des Fortganges man- cher Heerden, die zugleich die Veredlung angefangen, und ſich vor Erreichung des Ziels ſo weit von einander entfernt hatten. Wegen dieſer Auffriſchung des Blutes iſt man noch || N ;' 22,8 jeßt nicht ganz einer übereinſtimmenden Meinung. Viele tifip ſcharfſinnige Schafzüchter, die ihr Ziel richtig aufgefaßt nis auh | haben, gehen ruhig ihren Gang in der eigenen Inzucht fort, ba Weh | und haben es dabei ſo weit gebracht, daß ſie von unzäh- hw m |||. ligen unerreicht da ſtehen. Die mit ihnen nicht gleiche An- fem [.) ſicht theilen, prophezeihen ihnen freilich ein entnervtes, für Gim N( alle Krankheiten empfängliches Geſchleen laſſen me wollen.=- Man muß ihnen hierin um ſo mehr beipflichten, Chaſe als jene Bedenklichkeit noch gar nicht einmal begründet iſt. man in Noch ſind jene Heerden, wie geſagt, nicht mehreren Krank- EE heiten unterworfen, noch ſind ſie nicht ſchwächlicher, als Gig 3 andere, bei denen man die Blutauffriſchung ſtets wieder- fami holt hat. Daß übrigens nur die Heerden eine innere- Wiagin | | KT Zb SR Meme mm<= PE 2200008 2 a. =-==>== 25 ve;„Bik kräftige Aufforderung zur ſtrengen Inzucht haben, die be- "9 Wyefaht reits auf einer ſehr hohen Stufe der Vollkommenheit ſtehen, Np fert, das liegt in der Natur der Sact z ihre Lämmer ähnelten jungen Rehen; 1) mhle ihre Wolle war ſanft, zwar mit Fett durchzogen, das aber (07) Hettichen flüſſig war, und ſich jedem mit ihm in Berührung kommen- den Gegenſtande ſchnell mittheilte, ſo daß es ihn, wenn er porös war, ſc zu bezeichnen:(hm Zwiſchen dieſen inne liegt aber eine ſo große und geg verſchiedene Menge von Schafarten, daß man nur die vor- züglichſten derſelben ſchnell herausfinden und näher bezeich- der( nen kann. So nenne ich z. B. bei.den Electorals: den| 2.007) Rochsburger Stamm. Er entſprang aus den ſächſiſchen hh Merinos, die aus den in den Jahren 1765 und 1778 aus weh Spanien nach Sachſen gekommenen Schafen gezüchtet waren. woh) Der Gründer dieſes Stämmes, der verſtorbene Graf Schön- denn burg auf Rochsburg, wandte einen ſolchen Eifer und ſo Man große Sorgfalt auf deſſen Züchtung, daß ihm ein ausge- Güte zeichneter Erfolg nothwendig werden mußte, Sein Schaf-| Dolly ſtamm zeichnete ſich durch Körpergröße aus, und dennoch| Dibe behielt die Wolle desſelben ihre hohe Qualität. Sie ward| mi" auch ſtets zu den erſien in Deutſchland gezählt, bis das| tif 23 L " ee veränderte Bedürfniß der Mode eine kürzer gewachſene vor- 0 Gache 309, und der, vermöge kräftiger Körperform und befondere mit Fate Pflege lang gewachſenen Nochsburger Ausſtellungen machte. Ie wit de Da glaubten denn viele, welche die Sache nicht aus dem py Diete:: wahren Geſichtspunkte betrachteten, die Roct, die Beine im Verhältnis zum Körper hoch, ohne ſtelzig zu feyn. Es iſt bewollt bis unter die Augen, und bis an die Knie. Zartheit des Wollhaares, die von hoher Sanftheit unzertrennlich iſt, zeichnet ſeine Wolle aus. Allie Vermi- ſchungen von andern Merinos mit ihm haben ſeine Geſtalt etwas umgeformt, ſeine Wollqualität aber mehr oder weni- ger den von ihm erzeugten Individuen mitgetheilt. Dies iſt namentlich auch mit der fürſtlich Lychnowskyſchen Race der Fall. Sie ward, wie aus dem oben angegebenen oſfi- ciellen Berichte erſichtlich, durch ſächſiſche oder Electoral- ONE out NN je Zu bm mi mn Ei Mi “3 Vs vt» WW R wn f 'Y hyauk 1; t x VIA, UN)» ymda 4; Laß ande zu Rechiyy "0 brtwn'. d euren anfingen ET M UO 517.0 01 die Chafity FEET UU ot auf die Nepp» Doaraklta, Malls ms DFSQbiien Wohlen 14 Mya+ 6 Verpachtungen| En mandie ON e er Wife Jebr zum ten, 3 zeit m ſo aus, wn Pals gefireät wv iq, ohne fielzig 1 zen, und bis an?! von hoher Sanft 13, Alle Dim paben ſeine 9 ber mehr oder m tgetheilt,[079 hnowöfyfchen uy en angegebent! q' he oder Wei? 233 Midder aus Meſtizen und öſterreichiſchen Merinos gebildet. Jemehr das ſächſiſche Blut vorwaltete, deſto höher ward die Wollqualität derſelben. Die innige Vereinigung des- ſelben mit dem jener Merinos hat einen neuen ſie ſehr empfehlenden Typus hervorgebra<< 008 ETHER IEDET SOE TE EINEIN GT ZINT THP€ 234 ſind eine unendlihe Menge von Abweichungen der Schafe unter einander entſtanden, lang- und kurzwollige, ſiumpf- und ſpißgeſtapelte, glanz- und mattwollige, Schafe mit dichtem, andere mit ſchlafſem fladdrigem Bließe, kurz eine Menze Varietäten, die kaum alle herzuzählen ſind. Es würde mich zu weit führen, wenn ich dieſen Ge- genſtand noch weiter verfolgen wollte. Das Bedürfniß der Manufaeturen hat jederzeit am beſten beſtimmt, welche Schaf» und Wollart den Züchtern am meiſien eintragen kann. Da nun die Schafzucht ſo bildſam iſt, da man bei Verſtand, Fleiß und Aufmerkſamkeit ſo manches zuvor kaum für möglich Gehaltene darin zu Stande bringen kann: ſo iſt leicht zu erklären, was ich im folgenden Abſchnitte ab- handeln will, nämlich G. Woher kommt es, daß manche junge Schtfzühter.“alte-erfahrne.. ſo" ſ machen und zum erwünfchten Ziele gelangen kann: eben ſo NEN ET wenig und vielleicht noch weniger wird der, welcher hart- rung nädig auf vorgefaßten Meinungen, auf liebgeworvenen An- ver Deiſter da mit ſichten und lange beibehaltenen Verfahrungsarten beharrt, Sturge d AanNt immer den rechten Weg gehen. Die Erfahrung zeigt uns, wenn er anders daß 3. B. ſeit den 60 Jahren, ſeit die Merinos in Deutſch- ea het, jh in die land eingeführt worden ſind, die Anſichten über, und die "aa Gefahtungen Foderungen an deren Wollproduct bei den Manufacturiſten dim wühſen mannigfach gewechſelt haben. Erſt wollte man nur eine im Haare feine und ſanfte Wolle, ohne Unterſchied auf 9)2-0, ey? >= ; eam vu NEGONORIENY 256 deren Länge z dann verlangte man, daß ſie ſehr lang ſeyn ſolle 3; wieder ſc<äkßte man ſie nur alsdann für vorzüglich, wenn ſie viel natürliches Fett enthielt. Bald aber tadelte man dies Fett, ſo wie jene Länge wieder, und man wollte eine kurze, feine, ſanfte, ſehr elaſtiſche Wolle. Bei dieſer Foderung ſtehen wir jebt. Solche Wolle iſt das Ideal, nach dem wir zu ſtreben haben, der für ſie bezahlte Preis über- trifft den für jede andere, und gleiht Mühe und Koſten, die auf ihre Erzeugung verwandt werden, ſehr reichlich aus. Was ferner noc< alles ſeyn, und was die Bildſamkeit der Schafzuc bleibt, und gelinde geſagt, iſt es dann ſonderbar, wenn er darüber ein Geſchrei erhebt, und alle diejenigen, welche ihm vorbei eilen, der Charlatanerie/ und weiß Gott; was alles beſchuldigt. Allemal hat der, welcher mit ſeiner Zeit fort gegangen iſt, den Gewinn gehabt. Wer ſiehen bleibt, ſteht am Ende allein, und ſieht in dumpfem Staunen den Andern na<, und begreift nit bei C. W, Medau in Leitmeris, - H Ww - IS D u, in der Anmerkung leſe man wogegen ſtatt 3+ Vs OEZ ZU ALIEE 40+ vz 9. es 6770, Ue- A3.820 1:7- ADE VE 065355 DEU- 44 V205- 155 ZM- SWE EEN GES AE AGOS ENN" 8 VUE 55 SELIGER RESS- FUEf eh ee. dagegen. Cuenia leſe man Ctenca., Chrzeliß ſtatt Chozeliß, war- wWur'es ſichern konnte ſtatt ſichern, ſahen ſtatt ſehen. Gewebe- Gewerbe, derſelben ſtatt denſelben. Luccok Z- DUC 0-0ILZ EIN Zein en 1210 Gm eiknes Immer mehr» nimmermehr. ſanguiniſchenſtattſanquiniſchen übertraf z- Üb ePEra fen umzugeſtalten- umzuſtalten, derſelben“denſelben In der Verlagshandlung dieſes Werkes ſind auch folgende empfehlungswerthe Werke erſchienen: Andre, Rudolf, Anleitung zur Veredlung des Scmäßigſte Uibergang von der Drei = rx M fgIWer Zu ZUr Wechſelwirthſchaft in kurzer Zeitfriſt ol! +» t Wo» ne Nachtheil des Getreidebaues, und ohne hierzu erforder- liches beſonderes Kapital nach dem beigefügten Maßſtabe der Feldereintheilung ſichtbar gemacht wird. Von einem praktiſchen Oekonomen in Böhmen. Zweite, mit einem Nachtrag vermehrte Ausgabe, gr. 8, 1825. Broſchirt 30 kr. C. M.(8 ggr.): Jragmente über Sckt,) gr. 4, 1825. Broſchirt 1 fl, C, M. (18 ggr.) Peterka, I., Verſuch einer ſyſtematiſcer, S.v., praktiſcher Unterricht für Oeko* nomen, über die Erkenntniß und Heilung der Klauen- ſeuche bei den Schafen. 8, 14821. 48 kr. GC. M. (12 ggr.) Verrichtungen, monatliche, landwivthſc