— Ua Bibl. 5 1 1 [Giessen] — D- / (5 (85.4 Landwirthſchaftliche Reiſe dur< Schleſien nebſt 1! 307 f einigen Ausflügen na< der Mark Brandenburg, >. Sachſen, Mähren und Oeſterreich, in Briefen beſchrieben von I. G., Elsner, . Ehrenmitgliede der ökonomiſch- patriotiſchen Geſellſchaft der Fürſtenthümer Shweidnis und Jauer, Zweiten Bandes, erſte Abtheilung, - 6a. AEGI“ 17 EIE Breslau 1823, auf Koſten des Verfaſſers, *.* 1] Acht und zwanzigſter Brief. Wi: fommen nunmehr in eine Gegend, wd in neuerer Zeit der AFerbau ſehr große und höchſt erfreuliche Fört- ſchritte gemacht-hat: Ein allgemeiner Wetteifer, ver: bunden mit einem hohen Grade von Intelligenz und mit der größten Aufmerkſamkeit geſammelten landwirthſchaft- "lichen Erfahrungen, iſt die Urſache, daß man hier ſo ſchnell vorwärts ſchreitet. Das Gelingen des Beſſern, was man hier ſo vielfac< ſieht, reißt auch den Träs '„gen, mit fortzugehen, wozu ihn auch das Ehrgefühl ans* ſpornt; Das Frukern hielte, wo er Kraut , und Kartoffeln 76. baute?==„Die bleiben zu Somme- rung.“=- Und hinter dieſer?=-„Bisweilen nehme ich denn Winterung, oftmals abet zwey Jahre hinter einander Klee.“= Nun dann haben ſie jä eine Schlä- ge- und keine Dreyfelderwirthſc= Wou= mite -- 5 wean In Zobel finden'wir an dem Wirthſchaftsbeamten Hoppe einen Veteran derLandwirthſchaft und einen wür- 'digen Schüler des in frühern Zeiten um den AFerbau ſehr verdient gewordenen Herrn v, Arndt. Die von die- ſem erfundenen und mit der Zeit immer mehr verbeſſer- ten AFermaſchinen werden hier noch fortwährend, und wie mir Herr Hoppe verſicherte, mit dem beſten Erfolge gebraucht, Jedoch aber eignen ſie ſich, wie dieſex ſelbſt . eingeſtand, mehr für einen leichten-und durchlaſſenden, als für einen ſtrengen und ſehr waſſerhaltenden Boden. Rindvieh- und Schaafzucht ſind in Zobel im be- ſten Zuſtande. Die Wolle der lektern aber hat ſich noch nicht über den Mittelgrad von Feinheit gehoben: Die ganze Wirkhſchaft zeigt aber ſonſt von Verſtande und Kraft, mit welchen ſie geführt wird. ü Dey Boden iſt hier ſchr wechſelnd, und geht oft von einem magern Sandlande in nicht gar großer Ent- fernung in einen guten Weißenboden über. Erſterer hat in ſofern einen um ſo geringern Werth, weil der Re- genfall in hieſiger Gegend grade nicht der bedeutendſte iſt. Die Entfernung vom Gebirge ſowohl, als von einem bedeutenden Fluſſe, mag hiervon wohl die Haupturſache ſeyn.; Von hier wenden wir uns nach Dürſchwiß. Die Erſcheinung des ſo ſehr verſchiedenen Bodens an den bei- den Ufern eines Baches finden wir hier wieder z denn die Güte deſſelben ſteht auf dem linken Ufer der hier fließen- den Leiſebach weit über der des rechten Ufer3. Auf der linken Seite iſt ein reicher Lehmboden, der bei guter Kul- tur die reihlihſten Weißenerndten trägtz während auf der linken hie und da kiefige Anhöhen ſind, und ein leich- tex und'magerer Boden vorkommt. Ze 06 02 Herr Kunze weiß indeß dieſen verſchiedenartigen Boden ganz nac< Würden zu behandeln, und gewinnt, indem er jedem ſein Recht widerfahren läßt, alljährlich reichere. Erndten. Sein Aderſyſtem iſt, der Verſchie- denartigkeit der Ae>er wegen, nicht gleich. Wo es ihm am vortheilhafteſten dünkt, no< Dreyfelderwirthſc ſchiert. Nur Schade, daß bei dieſer guten Futterung die Wolle nicht feiner iſt, und nur.als Mittel- Sorte gelten kann. Hr. K. fürchtet, durc< Kreukung ſeiner Heerde mit allzufei- nen Böen das an der Wollmenge zu verlieren, was er an der Feinheit gewinnen würde, und iſt deshalb mit dem Ankaufe derſelben ſehr vorſichtig. I rieth ihm zu der Negretti-Nace in der Stammſchäferei zu Panthen. Denn bei der Kreuzung mit dieſen, glaube ich, daß ſei- ne Heerde weder an Größe der Geſtalt, nocer haben hier nämlich, mei- ſtentheils bei einer an ſich ſehr guten Beſchaffenheit und nicht geringem Reichthume meiſt eine durchlaſſende Un- terlage, und einen eben ſolchen Untergrund, und es/iſt deshalb für jede Frühjahrsſaat beſſer, ſie zeitig in die "Erde zu bringen, um die Winterfeuchtigkeit in der A>er- Frumme deſto länger zu erhalten. Glücklicherweiſe hat dieſe viel waſſerhaltende Kraft, und der Aer leidet nicht ſo leicht an Dürre, als man es, ſeiner Unterlage nach, wohl erwarten ſollte. ; Merkwürdig iſt der hieſige ausgedehnte Gemüſe- bau. Ausgezeichnet iſt darin die Vorſtadt von Liegnitz, welche die Jauergaſſc heißt. Die Maſſe des hier erbau- ten Gemüſes, welches in Schleſien alldemein mit dem Namen Grünzeug benannt wird, iſt ſo groß, daß von hier aus ein großer Theil des Gebirges, namentlich die Gegend von Hirſchberg bis nach Schweidnit hin verſorgt wird. Den, dem Ader durch dieſen immer wiederhol- ten Anbau entzogenen Dünger, erſeßt man durch im- merwährende Zufuhr aus der Stadt. Der in Liegniß wöchentlich abgehaltene Getreide- markt iſt nur dann von großer Erheblichkeit, wenn ſtar- Fe Ausfuhr nach Sachſen ſtattfindet. Alsdann werden bedeutende Geſchäfte gemacht, und die hieher kommen- den Getreidehändler kaufen ſehr große Quantitäten auf einmal. Iſt aber dieſe Ausfuhr nicht, dann beſchränkt ſich der Abſaß meiſt nur auf die Stadt und Umgegend und quf einigen Zwiſchenhandel nach Löwenberg und nach v -- 9 emma einigen ändern Plätzen. ſteht diefer Markt in der Lebhaftigkeit des Verkehrs weit hinter dem von Jauer. Von noch geringerer Bedeutung ſind die alljährlich im Frühjahr und Herbſte hier gehaltenen Wollmärkte. Es geht mit. diefen eben ſo, wie mit den vielen andern in den Provinzial- Städten. In dem Maaße, als der Breslauer zunimmt, nehmen dieſe ab. Von Wichtigkeit und ſchr belehrend für den Woll- producenten ſind aber die Wollſpinnereien und Tuchma- nufacturen des Herrn Kommerzienrath Ruffer, In der- gleichen Anſtalten wirdeinem recht klar, daß dem Deut- ſchen meiſt nur der Hebel fehlt, um in dieſer Art daſſel- be zu leiſten, was man in England findet. Bilden ſich, wie zu erwarten ſteht, allmählig mehrere derglei- zu erreichen man ſich in den Königlichen Stammſct, eine reine und konſtante Race zu begründen, die aber auch unter ällen, dur< Dertlichkeit begründeten Umſtän- ' den muß rein erhalten, und zum höchſt möglichen Rein- Erträge gebracht werden können. Daſſelbe Ziel können aber die genännten Stammſchäfereien nicht einzig und allein befolgen z vielmehr haben ſie ganz andere Neben- Rüſichten zu nehmen, die bei Privatheerden ganz weg- fallen. Denn ſie ſollen in ſich das erzeugen, was zur Emporbringung der Schaafheerden, in einer ganzen Provinz frommt, und dieſen Zwe> müſſen ſie verfolgen; ſelbſt wenn ſie nach ihrer beſſern Ueberzeugung auf einem ändern Wege eine höhere Vollkommenheit in ſich ſelbſt und daraus hervorgehenden höhern Rein- Ertrag aud weit gewiſſer zu erreichen hoffen könnten.- Denn ich darf das, was än ſo vielen und ſo unzähligen Orten ſchon geſagt worden iſt', wohl nicht erſt wiederholen, daß zur ſchnelleſten Emporbringung der Schaafzuce, die leicht über 5 Pfund ge- waſchene Wolle geben konnten, und dieſe auch wirklich bei der.Schur gegeben hatten, wie ich nachher von Käu- fern derſelben erfuhr. Ware aber noch etwas zu wün- ſchenz ſo wäre es»allenfalls dies, daß man die Böe lieber erſt mit zwey Jahren zum Verkaufe ſtellt z weil x es alsdann für die Adminiſtration leichter und ſicherer „wäre, die Klaſſen genau zu beſtimmen, und weil auch beſonders für die Käufer eine weit größere Zuverläßigkeit bei ihrem Ankaufe hieraus entſtünde. Die dann zu groß werdende Menge der Stähre mag wohl allein Urſach ſeyn, daß man dies nicht thut.: Die äußere Einrichtung dieſer Schäferei iſt hö, dagegen alles Uebrige nur Mittel iſtz ſo ſind doch alle übrigen Zweige auch in einem Zuſtande und in einer Ordnung, an der nichts auszuſeßen- iſt. Die hieſige Feldmark iſt ſehr verſchieden: Ein Theil derſelben hat einen guten und dankdaren Boden; der recht lohnende Erndten trägt; der andere dagegen iſt höchſt ſchleen, wo mitun- ter Flugſand iſt. Auf erſterem hat Hr. Th. regelmäßi- gen Fruchtwechſel mit zweyjährigem Klee, alſo 7 Schlä: ge. Die Früchte in denſelben ſtanden unvergleichlich ſchön und ſprachen ganz für die Zwe>mäßigkeit dieſes Syſtems. Auf den Sändländereien wird mehrere Jah- re-hindurch Weide gehalten, die mit weißem Klee einge- ſät iſt, und dann bisweilen eine Roggenerndte genom- men 3 folglich Koppelwirthſchaft getrieben. Da aber Ldw, R, 11. Thl, x, Abth; 2 5“'% X dieſe Weide, beſonders bei TroFenheit, nicht hinreichend ſeyn würde z ſo muß der zweyjährige Klee aushelfen. Die an der Kazbach liegenden, hierher gehdrigen Wieſen bringen zwar ein gutes Gras, jedoch iſt bei der Heuerndte große Aufmerkſamkeit nöthig, um ſie in Zei- ten zu vollenden und ſich vor dem Wegſchwemmen zu ſichern. - Ih habe vielfach die Aeußerung gehört, daß eine Wirthſchaft, wie dieſe, ſich ſehr leicht führe, weil man eine Königliche Kaſſe zum Zuge häbe. Es iſt dies aber ein Irrthum; denn es muß von der Berwaltung erſt vie früher von dem Gute bezahlte Pachtrente entrichtet werden, bevor man an Verwendung von Kapitalien in der Wirthſchaft denken kann. Was aber an Ueber- ſchuß herauskommt, das wird zur Verbeſſerung ver- wandt. Daß aber bei den hohen Woll- und Zuchtvieh- Preiſen die Ueberſchüſſe bedeutend ſind, iſt wohl gewiß. Eine Schäferei die unter den guten der Provinz aufgezählt zu werden verdient, finden wir auch in Pohl- Schildern. Da ich jedoch aus derſelben nur einzelne Thiere geſehen habe; ſo enthalte ich mich auch alles Ur- theils darüber, und bemerke blos, daß die Wollpreiſe derſelben ſchon ſeit einigen Jahren ſich den höchſten ſehr näherten., Wenden wir uns nun weſtlich 3 ſo haben wir zu- vörderſt bedeutende Waldungen zu durchſchneiden, die unter dem Nämen der Liegnitzer- Heide bekannt ſind. Der tiefe Sand in derſelben macht. die Reiſe, die durch das Dede der Gegend ohnehin höchſt ermüdend iſt, nur noch langweiliger, und man iſt ſehr erfreut, wenn man endlich aus dieſer Verſchloſſenheit heraustritt. Die AFerländereien enthalten hier faſt überall nur einen mitte --“ 19=> lern Sandboden, auf dem der Roggen die lohnenbſie Frucht iſt. Negen Fleiß und hohe Intelligenz zeigen die Felder von Kuchelberg, und, der Hof mit ſeinen Umge- bungen ſcheint den ſprechendſten Beweis zu liefern, daß dieſs beiden Tugenden nicht ohne Belohnung geblie- ben ſind. Wir eilen nun vorwärts und kommen auf das Do- mainen- Amt Kaltwaſſer. Wenn ich Ihnen den Namen von Raumer nennez3 ſo habe ich Ihnen einen Mann ge- nannt, der mit allem Rechte zu den erſten unſers Faches gehört. Größere landwirthſchaftliche Thätigkeit, höhe- rer Enthuſia8mus, verbunden mit großem Scarfſinn, unermüdeteres und raſtloſeres Streben nach größerer Vervollkommnung ſeines Gewerbes, und dabei ein ſy hoher Grad von Humanität und Beſcheidenheit, dürften wohl ſchwerlich oft in einer Perſon vereinigt ſeyn. Sei- ' ne vielſeitige Ausbildung muß jedem, demn Gebildeten ſowohl wie dem Ungebildeten, ſehr anziehend ſeynz ſo . wie e8 gewiß für jeden, der dem Landbaue aufrichtig wohl will, höchſt angenehm iſt, ihn in ſeinem lebendi- gen Wirken zu ſehen; denn ob er gleich vorzüglich eifri- ger Schaafzüchter iſt, ſo verdient er doh nichts deſto- weniger auch als ausübender Landwirth aller übrigen Theile der Landwirthſchaft allen Ruhm.; Beſuchen wir nun zuerſt mit ihm ſeine Lieblinge, die Schaafe. BVor's erſte erregt der ſo elegant und zwe>mäßig eingerichtete Schaafſtall unſre Aufmerkſam- keit. Hr. v. R. hat bei der Anlage deſſelben an alles gedacht z denn es möchte wohl ſehr ſchwer, wo nicht gar unmöglich ſeyn, an demſelben noh eine Verbeſſerung anzubringen. Er kann alſo ohne alles Bedenken zum Muſter eines Gebäudes dieſer Art genommen werden. 2% Sun ir 51= Dies alles aber vergißt der Freund'der Schaafzucht über ven in dieſem Stalle ſtehenden Thieren.- Hr. v. R. hat hier am Orte blos die Stähre ſtehen. Unter dieſen giebt es eine Menge Thiere, die alle Forderungen, welche man an das Vollkommene-dieſer Art machen kann, erfüllen. Die Heerde ſtammt urſprünglich von Pdtniß bei Deſſau, und ihre Abſtammung iſt im größten Theile: der Nach- kommenſchaft noc< unverkenübarz denn ſie gehört ent ſchieden zu der langgeſtapelten Eskurial- Raſſe. Des- wegen iſt ſie doch aber ziemlich gedrängtwollig und-giebt eine Überaus reiche Schur.“ Ueberhaupt hatte im mehr: fache Gelegenheit zu bemerken, daß die aus Pötniß an- geſtammten Heerden hohe Feinheit und Fehlerloſigkeit der Wolle auch in den folgenden Generationen beibehielten und dadurch für die ächte Raſſe ihrer Abſtammung zeug- ten. Ausgeglichenheit der Wollhaare unter einander, verbunden mit hoher Sanftheit, iſt eine Haupteigenſchaft dieſer Naſſe. Den Kern ſeiner Heerde hat Hr v. R. auf dem Borwerke Helle.„Hier finden fich denn aber auch eine Menge Thiere, die wohl ſo leicht nicht übertroffen werden dürften. Bei der hohen Intelligenz dieſes Schaafzüch- ter3 und bei ſeinem unermüdeten Fleiße wäre es auch ei- ne unerwartete Erſcheinung, wenn er das höchſte nicht erreichen ſollte, beſonders da er ſchon ſeit einem Dezen- nio die Sache mit dieſer großen Vorliebe betreibt. Wie unermüdet er aber nach einem einmal' vorgeſte>ten Ziele ſtrebt, davon geben die in den Möglinſchen Annalen mitgetheilten Verſuche, die er über die Wirkungen ver- ſchiedener Futterungsarten bei.Schaafen anſtellte, den ſprechendſten Beweis. Während der Zeit dieſer Verſuche feſſelte er ſich recht eigentlich an ſeinen Wirthſchaftshof 3 denn bei keinem Futtervorlegen blieb er weg, und wenn er auch einen Beſuch in der Nachbarſchaft machte, ſo war er dennoch zur Stunde immer wieder zu Hauſe. Ein ſolcher Eifer, geſtehen Sie wohl ſelbſt ein, iſt nicht jedem gegeben.„Er verdient aber auch für denſelben den Dank des landwirthſchaftlihen, beſonders aber des ſchaafzüchtenden Publikums. Zu wünſchen bleibt uns aber-noc&nen Boden haben. Im Ganzeniiſt aber dieſer Bo- den ſehr wechſelnd, und geht auf den. zum hieſigen Domai- nen- Amte gehörigen Ae>ern faſt alle Gradationen durch. In der Nähe des Hofes hält Hr. v.N. ſogenannte Haus- koppeln. Auf dieſen ſah ich. gegen das Ende des Aprils den Klee ſchon vollkommen zum Mähen ſtark genug, Seine Ae>ev zeichnen ſich in. der Kraft ſo aus, daß man jeden derſelben ſchon von weitem erkennt. Es beſtätigt ſich alſo hier abermals, was wohl erſt keines weitern Beweiſes bedarf, daß jeder Landwirth, der ein eifriger Schaaf- und überhaupt. Viehzüchter iſt, auch indirecte zum Emporkommen des Landbaues ganz beſonders wirkt, === 29"== und daß die immer'mehr zunehmende und verſtändiger betriebene Schaaf- und Viehzucht vie Maſſe'der erzeug- ten menſchlichen Nahrungsmittel bedeutend vermehrt, und ein Land auch bei ſteigender Bevölkerung vor Man- gel mehr als jedes andere Mittel fichert.; Hr. v. R. führt auf naßkalten"Sandboden, der verque>t iſt,'Schaafmiſt, läßt diefen ziemlich tief un» terpflügen, und vertilgt'auf dieſe Weiſe'die Queen. Ich geſtehe, daßich durch ieſe Verfahrungsart die Que- Fen eher vermehrt als vertilgt habe.'Der'Sandboden, den ich düngte, war freilich ein'thätigerer, als der ge- "dachte. Immer fcheint mir die Sache äber mißlic) und nach meiner Meynung kann ſie mur unter beſondern'Um- ſtänden gelingen, und zwar nur dadurc<<;, daß dieſer Dünger die fchnellere'Fäulniß der Queen befördert. Nachahmungswerth find aber die Düngungskarten dieſes ausgezeichneten Landwirths. Er bezeichnet auf denſelben die Grenzen der Felder ganz genau, und giebt durch verſchiedene Farben die Düngung, welche die Fel- der erhalten haben,"an. Bei dieſen Farben wird dann, wie fich wohl von ſelbſt verſteht, jedesmal der Jährgang bemerkt, in welchem die Düngung gegeben worden iſt. Die Wahl der Farben iſt übrigens willführlich. Hr.'v-R. iſt ein Freund der Beete, und läßt die- ſelben von mittlerer Breite und regelmäßig, aber wenig, abrunden. Für ſeinen Boden ſind dieſelben dann gewiß vie zwe>mäßigſte Beſtellungsart, und dem Ebenpflügen eben ſo ſehr, als den ganz ſchmalen in hieſiger Gegend bei den kleinen Grundbeſißern üblichen ſechsfurchichen Beeten, vorzuziehen.; Eben ſo ſehr,'als wie die Anſicht ſeiner ganzen Wirthſchaft ergdzt uns auch die Unterhaltung mit einem | | : eau“ BIT 23 mau Manne, der ſeinFach mit ſolcher Liebe und einem ſolchen Eifer betreibt. Da iſt kein Zweig der ſämmtlichen Land- wirthſchaft, den er nicht genau kennte. Eine Menge Reiſen, die er in frühern Zeiten zu Fuß durch faſi ganz Deutſchland, die Niederlande und einen Theil von Frankreich machte, gaben ihm eine ſo vielſeitige Bildung, daß er für den Ungebildeten eben ſo unterhaltend iſt als für den Gebildeten, Bei dieſen Reiſen ſcheute er keine Beſchwerde, wenn er nur ſeinen Zwe: Befriedigung ſeiner Wißbegierde, erreichte. Nicht jedem iſt es gege- ben, ſo äuszuharren, und die meiſten ſchreken bei den erſten Verſuchen der Art zurüf. Da, wie Sie wiſſen, ich meine landwirthſchaftliche Reiſe auch meiſt zu Fuße gemacht habe; ſo kann im Ihnen einige Bemerkungen über dergleichen Reiſen nicht vorenthalten. Bei dem größten Theile des landwirthſchaftlichen Publikums erregt es Boxrurtheile, wenn man mit dem Sto>e in der Hand angewandert kommt. Der ſchiefe Begriff von reiſenden Oekonomen tritt da ſogleich in's Leben und.'man hat eine kleine Herabſeßung erft auszu- halten, ehe die Unterhaltung in Gang kommt. So- bald dieſe aber nur einige Minuten gedauert hatte, wur- 'de mir jedoch jedesmal die Genugthuung, daß die Ge- fälligkeit und das Zuvorkommen zunahm, und daß man mir die größte Gaſtfreundſchaft erwies. Sprechende Beweiſe davon ſind denn auch die vielen und offenen Mittheilungen, die man mir faſt überall machte, wo- von Sie ſich aus dieſen Briefen am beſten überzeugen können. I< ſtieß zwar freilich auch auf Individuen, die eigentlich gar nicht reht wußten, was ſie aus mir machen ſollten, und die,„weil ſie ſelbſt lieber in Gemäch- lichkeit zu Hauſe bleiben. und den väterlichen Heexd hü- [ = 924==> ten, gar nicht begreifen konnten, was für eine Grille es von mir wäre, ſo in der Welt herumzureiſen, und Sa- zu ſehen, zu welcher Klaſſe der Reiſende gehdrt. Zur Ehre meiner Lanösleute, der Schleſier, muß ich aber hier öffentlich bekennen, daß ich von ihnen doch im Ganzen am beſten und humanſten aufgenommen ward. Denn weniger offen und herzlich war dieſe Aufs- nahme meiſtentheils in andern Provinzen, 7 Nach dieſer Digreſſion, die Sie mir hoffentlich ver- zeihen werden, führe ich Sie von hier ſüdweſtlich. Wir kommen da auf die Güter des Herrn Baron von Noth- kirh. Hier wollte zu meinem größten Bedauern, mein Unſtern, daß ich dieſen als Landwirth und-beſonders als Scaafzühter ausgezeichneten Mann zweymal nicht zu Hauſe traf. I< kann Ihnen daher nur einiges Ober- flächliche von der Bewirthſchaftung dieſer Güter ſagen. Man hat auf denſelben Fruchtwechſelwirthſchaft, und die Scaafe werden großentheils den Sommer hindurch im Stalle gefüttert. Dieſe ſind von Herrn Wagner ſortirt und gehören zu den Heerden des erſten Ranges in der Provinz. Vielleicht bin ich fo glülich ſpäterhin durch eigene Anſicht dieſer intereſſanten Wirthſchaften in den Stand-geſeßt, Ihnen manches Belehrende von denſel- ben ſagen zu können. Dreyßigſtex Brief, Wenn ich Ihnen ſage, daß wir jeßt nach Schierau kommen z ſo iſt ohne Zweifel Ihre ganze Aufmerkſam- keit geſpannt. Die einfache und wahrt Erzählung al- le3 deſſen, was ich hier ſah und lernte, mag Ihnen als 5,22 118 6 menen Beweis-dienon,„ob der Herx. Amtsrath Blo> den Ruf verdient, den er ſich ſeit einigen Jahren erworben hat. Ih traf ihn bei meiner Ankunft eben damit be- ſchäftigt, in ſeiner Schaafwaſchanſtalt die ſteinernen Tonnen einzuſetßen, in welchen die Menſchen bei dem Schwemmen der Scaafe ſtehen. Dieſe Anſtalt.iſt ein ovales Be>en, mit einer„Scheidewand in ver Mitte z jedoch iſt leßtere nur ſo lang, daß vorn und hinten Raum genug übrig bleibt zu einem Durchgange für die Schaafe. Das Been wird aus dem oberhalb fließenden Mühlgra- ben durch;eine Sturzrinne gefüllt, und zwar erſt dann, wenn die Schäaafe, die einen Auflauf hinab in die Schwemme„getrieben werden, bereits darin ſind. Die Menge des Waſſers füllt das Been in einigen Minuten und die Schaafe fangen nun an zu ſchwimmen ,- und werden hierbei von den in den Tonnen ſtehenden Men- ſchen in der Runde herum«geleitet. Die Tonnen aber ſtehen an den Wänden und an der mittlern Scheide- wand in der Entfernung von etwa 4= 6 Fuß,;. Zu- leßt roerden die Schaafe unter dem Waſſerſturze hindurch gezogen und auf dieſe Weiſe aller Shmuß vollends her- ausgebracht. Sie werden zu zweyenmalen in die Schwemme gebracht.- Herr Bl. verſicherte aber,.daß ſie ohne große Schwierigkeit auch auf einen Gang völlig rein gewaſchen werden könnten. Das Beden iſt von ver Größe, daß jedesmal 50 Stü> hineingetrieben wer- den können.: Die Wirkung dieſer Wäſche iſt außerordentlich gut, und die-Schierauer Wolle zeichnet ſich in der. Regel von jeder andern auf dem Breslauer Wollmarkte aus. Der Ruf dieſer Wolle iſt Ihnen bekannt, wesShalb e3 wohl überflüſſig ſeyn würde, uoch etwas darüber zu NS ES UU -- 29=- 'fagen.„Die Heerde iſt ſächſiſchen Urſprungs und aus mehrerern Heerden angeſtammt. Herr Bl. als ſo ver- ſtändiger Scer. und die, Fruchtfolge auf denſelben iſt dieſe. Er hat dieſelben in drey Abthei- lungen gebracht., Eine davon iſt in 5, zwey aber in 4 Schläge getheilt. Die eine zu fünfen umfaßt die am höchſten gelegenen Ae>er, auf denen die Früchte auf die? ſe Weiſe wechſeln: 1) Roggen gedüngt. 2) Hafrüchte, 3) Gerſte, 4). 5) Klee.; „Die Rotation von 4 Schlägen umfaßt die tiefer liegenden AeXer. Die Früchte darin folgen in diefer Ordnung; 1) Roggen gedüngt. 2) Hülſenfrüchte,| 3) Hafer. 4) Klee,; Dann ſind noch ein Theil Wieſenä>er, die in vier Scläage getheilt, folgende Früchte tragen: 1) HaFfrxüchte. a --“ 29-=-- 2) Gerſte oder Hafer. ZY): Kle 4) Weißen oder Roggen. Wie ſehr dieſe Eintheilungen auf Futter- Erzeit: gung berechnet ſind, iſt auf den erſten Anbli> klar. Denn es iſt mehr*als der vierte Theil ſämmtlicher Ae>er zu Klee beſtimmt. Außerdem iſt aber ohngefähr 5; mit Hafrüchten und beinah%, mit Hülſenfrüchten bebaut. Für einen Boden, wie ver hieſige, dürfte es aber wohl, wie ich weiter unten zeigen werde, nicht leicht eine zwe>- mäßigere Bewirthſchaftungsart geben, als dieſe. Denn troß dem vielen Futterbaue iſt dennoch der Anbau des. Getreides nicht allzuſehr zurüFgeſeßt, und da derſelbe überall in ein gut vorbereitetes und ſtark gedüngtes Land kommt; ſo ſind die Erndten gewiß weit reichlicher, als ſie bei der Dreyfelderwirthſchaft oder irgend einem an- dern Syſteme ſeyn dürften. Eins iſt allenfalls dabei zu erinnern, was auch Hr. Bl. ſelbſt fürchtet, d. i. daß das zu ofte Wiederkehren des Klees auf denſelben Plaſz zulekßt ſein. Gedeihen weniger ſicher machen kann. Jes doch hat er auh daran ſchon gedacht, und ſich vorberei- tet. Er will ſodann Weideſchläge anlegen, und die . Sommerſtallfütterung der Schaafe aufheben. Ueber- haupt kann ein Landwirth wie dieſer, der ſeine ganze Wirthſcer ausbreiten. Dann wird der Aer im Frühjahre geegget, und das Stroh, was ſich da zuſam- menzieht, wieder in den Hof gebracht. Hr. Bl. em- pfiehlt dieſe Methode ſehr, und ſagt ,. daß die Früchte dabei beſſer ſtünden, als wenn man den Miſt im Herbſte unterfährt- Man hat überhaupt in der ganzen Gegend ir 5 ir die Gewohnheit, viel, beſonder3 über Winter oben auf- zudüngen. Meine Meinung hierüber habe ich Ihnen ſchon im gten Briefe mitgetheilt. So wie es hinſichtlich des Nußens in ſeiner ganzen Wirthſchaft beſtellt iſt, ſo iſt es auch in Anſehung der Bequemlichkeit und Annehmlichkeit. Seine ſämmtli- mäßigſte einge- richtet. Troß der undurchlaſſenden Unterlage und dem- ſelben Untergrunde ſeiner andern Ländereien fehlt es hier doch ſehr an Waſſer. Mit großer Mühe und Arbeit und mit vieler Kunſt hat er daher erſt neuerlich eine Waſſerlei- tung bis in ſeinen Wirthſcern zweyjährigen Klee, weil es wohl vorkommen kann, daß in einem dürren Jahre der Klee nicht auf- geht. Hülſenfrüchte konnte er aus demſelben Grunde nicht auf dieſe Ae>er bringen. Sehr zwe>mäßig wird aber auch auf denſelben nicht zu den Ha>ftüchten, ſon- dern zu dem Roggen gedüngt. Denn es iſt wohl noch keinem aufmerkſamen Landwirthe entgangen, daß man bei einem ſolchen thätigen Boden durch den Dünger die- ſe Thätigkeit in hohem Grade vermehrt ,, und durch die Wärme den Sommer hindurch dann eine Ueberthätigkeit entſteht, die dem Gedeihen der Früchte hinderlich iſt, und den Nußen des Düngers vermindert. Ganz anders iſt es aber, wenn ein ſolcher AFer im Herbſte gedüngt und mit Winterſaat beſtellt wird. Denn da wird dieſe Thätigkeit mehr gemäßigt, indem bei angehender Wär- me die Frucht theils ſchon einen großen Theil ihres Nah- rungsſtoffes ſich angeeignetz theils auch der Boden ſich ſchon mehr geſeßt hat und für die allzuſtarke und nach? theilige Einwirkung der Wärme ſchon mehr verſchloſſen iſt. Daher kommt es denn auc, was dur vielfache Erfahrung beſtättigt iſt, daß Kartoffeln und andere HaFfrüchte auf ſolchem Boden als zweyte Frucht weit| beſſer gedeihen. Da,'wo Hr. Bl. 4 Schläge hat, iſt die Unter- lage und der Untergrund. des Bodens undurchlaſſend: Hier gedeihen denn auch Hülſenfrüchte recht gut, Der Hafer iſt auf ſolchem Boden faſt immer gut, eben ſo ſagt derſelbe auch dem Klee beſonders zu. Hafrüchte wür- ven hier weniger an ihrem Platze ſeyn, ama N Ee. 7 ANT IEREE Auf ven Wieſenä>ern werden im HaFfruchtſhlage Rüben und Kraut gebaut. Die Aeer eignen ſich hierzu auch ganz beſonders, und in dieſer Rotation iſt es, wo Herr Bl. den Miſt über Winter auf dem geſtürzten Aer ausgebreitet liegen läßt.] Auf dieſe Weiſe ordnen ſich nun die einzelnen Thei? le zu einem geſchloſſenen Ganzen, und jedes wird nach ſei- ner Art auf die zwe>&mäßigſte Weiſe benußt. ' Doch ich komme nunmehr darauf, was Hr. Bl; auch zur Annehmlichkeit ſeines ländlichen Beſihthums ges than hat- Richt weit vom Hofe iſt ein kleines Gehölz. Dieſes iſt ſo nett und mannigfaltig angelegt, daß man darüber die Kleinheit deſſelben vergißt und in hohem Ge- nuſſe ſchwelgt. Allerlei Holzarten wechſeln und geben dem Ganzen Mannigfaltigkeit. An allen Rändern und leeren Pläßen iſt Reſeda: Saamen hingeſtreut, und die- ſe beſcheidene Pflänze gewährt mit ihren ſüß und fern: duftenden Blüten einen der herrlichſten Genüße. Wans- derte ein Fremder hier durE mit. Den Brand im Weißen ſchreibt er vorzüglich einem überwiegenden Eiſengehalte im Boden zu. Er iſt der Meinung, hat auch Verſuche angeſtellt, welche dieſe Meinung beſtättigen, daß man durch Ueberſättigung des - Bodens mit Eiſentheilen lauter Bränd aus Weißtzn er- „zeugen könne,- Die Aehnlichkeit des Brandſtaubes mit Ldw, R, I, Thl, x, Abth, 3 vem Roſtſtaube des Eiſens ſcheint dieſer Vermuthung- auch das Wort zu reden. Ob ich glei) glaube, daß es allerdings möglich ſei, durch die gedachte Vermiſchung. des Eiſens mit der AFererde, lauter Brand zu erzeugen z ſo iſt es wohl eben ſo gewiß, daß man auch ohne dieſe Beimiſchung Brand haben kann. Dies beweiſt wohl vorzüglich das,-daß auf Boden, der bei derten Körner ging auf, und der Weißen trieb ſogar eine Aehre, in welcher ſechs Körner ſich ent* wicelten, wovon drey einige Vollkommenheit erlangten. Dieſe ſtete er wieder, und eins davon trieb eine Pflan-, ze, die, als ſich ſie ſah, ziemliche Freudigkeit, zeigte. Vom Klee kam nur ein einziges Korn auf, was anfangs Fehr kümmerte ,/ nachher ſich erholte und ziemlich freu- dig ſtand. Durch dieſe Verſuche ſind die, den rationellen Landwirthen ſchon bekannten mächtigen Einwirkungen des Waſſers, bei der Vegetation der Pflanzen augen- ſcheinlich bewieſen. Ob aber das Waſſer als abſolutes „und nicht vielmehr al8 mitwirkendes Mittel, auch auf dieſen gänzlich von: Pflanzen- Nahrungs- Theilen ent- blößten Sände., zur Beförderung der Vegetation>zu be- trachten ſei,x bleibt wohl den Unterſuchungen der Phyſik anheimgeſtellt. Denn das zum/Begießen dieſes Sandes angewandte: Waſſer iſt do< erſtens keinesweges.alstmäachen des Bodens zur mehrern Aneignung. dieſer. in der Luft befindlichen Theile 3*X iſt eine für den rationellen Landbau zu löſende Aufgabe aber zugleich iſt es auch eine Sache, welche die Statik des AFerbaues noh länge ſchwankend erhalten wird. Uebrigens3 iſt es aber. wohl ausgemächt, daß das Waſſer, auch alss Beobachtungen bedarf eine Kuh das Aequivalent von 7 4% Pfund Roggen zu ihrer täglichen hinlänglihen Nahrung. Sobald dies ausgemittelt iſt, darf nur die Zahl des Rindvjehes und der zum Hüten berechtigten Tage berecte An- weiſung in engliſcher Sprache konnte ihm wenig nüken, Durch unzählige, wochenlang fortgeſeßte Verſuche ge- lang es ihm endlich, den richtigen Gebrau deſſelben zu entdefen. Bei dieſer Unermüdlichkeit iſt es denn wohl natürlich, daß er auf manche EntdeFungen in dieſem jeßt mit ſo viel Fleiße und wahrer Wiſſenſchaft betriebe- nen Fache ſtieß. So iſt, ſoviel mir bekannt, er auch der erſte geweſen, der die Beobachtung machte, daß die Wollhaare, die, wie bekannt, inwendig hohl ſind, nicht alle gleich ſtarke Seitenwände haben, und daß die meh- rere oder geringere Geſchmeidigkeit dieſer Haare von der größern oder geringern Stärke dieſer Wände abhinge. Auch machte er, wenn ich nicht irre, die EntdeFung für ſich,- daß nicht alle Wollhaare rund, ſondern manche platt ſind, oder überhaupt eine unregelmäßige Cylinder- form haben; obgleich dies den geübten Wollhändlern und Wollſortirern nicht unbekannt iſt. „Eine Bemerkung von ihm, die ich ſelbſt früher auch ſchon gemacht hatte, und die den meiſten verſtändi2 gen Schaafzüchtern wohl nicht unbekannt iſt, war auch dieſe, daß eigentlihe Haaxe, wenn ſie abgeſchnitten werden, ſich nach oben zu bei ihrem erneuerten Wachs: thum verlängern, und bald wieder eine ſpißige Form ans nehmen; wogegen feine Wollhaare den Schnitt, wie er einmal geſchehen iſt, beibehalten, er mag nun horizon- kal oder ſchief geſchehen ſeyn. Dies kann man durch ein gutes Vergrößerungsglas ziemlich genau ſehen. Daß, aber eigentliche Haare, wozu man eine grobe Landwolle wohl unbedingt reec Cin Wollhändler ſah auf dem Berliner Wollmarkte eine Poſt Wolle an, wo die Schaafe gar beine Kartoffeln bekommen hatten, und wo der Beſißer der Heerde grade„aus dem Grunde, ſich die Wolle vicht zu verderben, dieſer Fütterung ganz ab- geneigt war. Ja! ſagte er, die Wolle wäre ſchon gut, wenn die Schaafe keine Kartoffeln bekommen hätten: denn damit iſt ſie verdorben und ganz barſch worden. Ein Nachbar, der dabei ſtand, lachte den Verkäufer und Käufer aus. Bald darauf kam Leßterer zu ihm, und fand ſeine Wolle vorzüglich deshalb ſehr ſchön, weil kei- ne Kartoffeln gefüttert worden wären. Und es waren .-- 42= grade in dieſex Heerde recht viele gegeben worden... Dies iſt ein Beweis, wie manche Kaufer blos, tadeln, weil ſie glauben, es gehöre zur Sache, und daß ſie oft Fehler in der Wolle zu finden glauben, die gar nicht darin ſindz oder wenn ſie da ſind, ſie ganz andern Urfachen zuſchrei- ben, als wie ſie wirklich haben. Es iſt ſeltener, bei einem Wollhändler nur einige richtige Einſicht in die Schaafzucht zu finden, als es iſt, bei einem Schaafs züchter richtige Kenntniß der Wolle, beſonders vor der Wäſche und vor der Schur anzutreſfen,' Um zu einem nur etwas genügenden Reſultate über die vortheilhaften oder nachtheiligen Wirkungen der Kartoffelfütterung auf die Wolle in Vergleich zu andern Fütterungsarten zu kommen, werde ich künftigen Win- ter Verſuche mit Schaafen von ganz gleicher Wollquali- tät machen. Den einen werde ich faſt lauter Kartoffeln, ven andern aber lauter gutes Heu reichen laſſen. Der Ausſpruch eines vorurtheilsfreien und verſtändigen Woll- händlers ſoll ſodann den Ausſchlag geben. Jedoch wev- de ich demſelben bei Vorzeigung der Vließe erſt nachdem er ſein Urtheil abgegeben haben wird, ſagen, welches Kartoffel- und welches Heu- Wolle iſt. Denn es könn- te doch ſonſt wohl kommen, daß er aus Partheilichkeit die Kartoffelwolle herabſeßtez weil faſt alle ein Borur- theil gegen dieſelbe haben., Weil man unter Haaren gewöhnlich dasjenige ver- ſteht, was eine Abweichung von feiner Wolle iſt z ſo hat Hr. Bl. verſuc, und dieſer Mangel führt zu mancherlei Unbequemlichkeiten. Dennoch aber kann man denſelben nicht auf Koſten des richtigen Sprachgebrauchs "ergänzen, ohne eine noc< größere Verwirrung der Be- griffe zu veranlaſſen. Die Franzoſen haben hierin mehr Sprach- Reichthum: denn ſie haken den AusdruE poil für feine Haare aller Art. Jedoch würde ihnen zumUn-| terſchiede für feine Wolle, und eigentliche Haare dennoch ein Ausdru> fehlen. Denn für lektere crins oder gar cheveux zu gebrauchen, wäre ein Verſtoß gegen die erſten Begriffe dieſer Worte. Wir müſſen alſo wohl uns mit dem Mangethaften behelfen, und allenfalls bei feis ner Wolle von Wollhaaren und bei ar R I blos von Haaren ſprechen. Zwei und dreyßigſter Brief. Laſſen Sie uns nun einen kleinen Abſtecher ſeit- wärts machen, um einen alten Dreyfelderwirth zu beſu- er wird man ſchwerlich finden. Dieſer Boden- Neichthum rührt aber hier nicht von dem beobachteten AFerſyſteme herz; ſondern er iſt eine Folge von immerwährender Zufuhr von Dünger. Denn da es dieſem Landwirthe nicht an Mitteln und gutem Willen fehlt, die Nähe von Liegniß zur Düngerfuhve von dort» her zu benußen, und da er dies alljährlich wiederholt; ſo muß er bei einem an ſich nicht undankbaren Boden wohl endlich die Erſcheinungen hervorbringen, die manchen in Erſtaunen ſehen. Iſt nun der Aer erſt einmal in die- ſen Reichthum verſeßt, und wird er dann, was hier ge- ſchieht, mit Fleiß und Sorgfalt beſtellt; ſo muß er wohl reichliche Früchte tragen. Die ausgezeichneten - Erndten, die Hr. T. ſchon ſeit langer Zeit hier gemacht hat, helfen dann die Kraft des Bodens immer wieder herſtellen, und es geht hier, wie es unter ähnlichen Bor- ausſeßungen wohl überall gehen würde, wie bei dem Reichthum an Gelde: iſt da erſt ein bedeutender Fond, vorhanden; ſo hilft dieſer arbeiten und die Vermehrung geht in geometriſcher Progreſſion fort. Bon dieſer kräftigen Dreyfelderwirthſchaft aber den Schluß machen zu wollen/ daß man bei derſelben den Aer eben ſo ſchnell und ſicher in Kraft und Reichthum ſeßen könne, wie beim Fruchtwechſel: das möchte wohl ein Trugſchluß ſeyn, der ſich ſehr bald zeigen würde. Denn nicht jedem und nicht an jedem Orte liegen die Mit- tel ſo nahe. Ueberhaupt kann zur Vermehrung der Kraft und des Reichthums des Bodens in der Nähe großer Städte unendlich viel gethan werden, was an andern Orten unmöglich iſt. Wo aber dieſe günſtigen Verhält» niſſe für den AFerbau ſtatt finden, da würde es nach mei"er Meinung eine große Thorheit ſeyn, wenn man durch ein anderes A>erbauſyſtem, als ein ſolches, wo man die meiſten verkäuflichen Producte erzeugt, dieſe günſtige Lage nicht benußen, und den Dünger, den man wohlfeil haben kann, in der eigenen Wirthſchaft theurer produciren wollte, Umgekehrt iſt freilich der Mißgriff noch größer und beſtraft fich noch, härter. IG meine, wenn man ohne alle Möglichkeit, von außen hex den AeXern Dünger zuzuführen, dennoch die Erzeugung deſſelben in der eigenen Wirthſchaft hintanſeßt, und nur immer auf die Hervorbringung von verkäuflichen Produc- ten bedacht iſt. Nach dieſem kleinen Abſtecher gehen wir wieder rü>wärts. Auf der Höhe von Baudmannsdorf verwei- len wir bei dem Denkmale des hier durch Vater Blücher errungenen Sieges, und ſchauen rund um in eine ange: nehme und ziemlich fruchtbare Landſchaft. Eine Men- ge ſchöner und neugebäuter Gehöfte leuchtet uns von al- len Seiten entgegen. Auf den erſten Augenbli> ſchließen wir auf großen Wohlſtand der Einwohner, wenn uns nicht das Denkmal, vor dem wir ſtehen, an.den Krieg und deſſen Folgen mahnte; denn dieſer verwüſtete die Gegend, und die Flamme zehrte jene jeßt. wieder freundlich leuchtenden Häuſer auf. Die Folgen dieſes Krieges für den Landmann der hieſigen Gegend ſind ſehr verſchieden. Manchen wette er aus einer Art von Schläfrigkeit, mit welchem er vorher ſeinem Gewerbe obgelegen hatte, und machte ihn auf Hülfsquellen aufmerkſam,' an die ex zuz vor gar nicht gedacht hattez andere dagegen traf er ſo hart, daß ſie ihr, ohnehin verſchuldetes Eigenthum ver- laſſen, und ſic< andere Wohnungen ſuchen mußten. Mane wiederum wurden ſogar reich dabei: nur waren dies wohl meiſt ſolche, deren moraliſche Grundſäge in " manchen Stüen nicht allzuſtreng waren. Was er aber weſentlich und folgereich Gutes verurſacht hat, das iſt: das Emporkommen und Verbreiten der hochfeinen Schaaf- zucht.' Die hier befindlichen Schaafheerden gingen im Kriege meiſt zu Grunde. Wer es nach demſelben beim Wiederantritt ſeines Beſitzes nur irgend möglich machen konnte, der kaufte ſich doch lieber eine feine äls eine gr0? be Heerde, und ſo bildeten ſich eine Menge hochfeine Schäfereien, die ſonſt wohl nicht, oder wenigſtens doch nicht ſo bald das geworden wären, was ſie nun ſind. So iſt denn auch hier die alte, in der Geſchichte ves Menſchen ſchon ſo viel tauſendfach begründete Lehre" beſtättigt, daß kein Uebel ſo groß iſt, was nicht zu et- was Gutem führe, und daß die Vorſehung dem Men- ſchen oft nur deswegen ein Uebel zuſtoßen läßt, um,ihn auf etwas/Beſſeres zu leiten. A Freilich wurde es nicht allen ſo gut, und manche traf der Krieg ſo-hart, daß ſie ihr Eigenthum in fremde Hände gehen und ſich an den Bettelſtab verſeßt ſahen5' oder wenn es auch nicht ſo weit'mit ihnen kam, ſo ſind die Ausfichten doch noch fern, wo ſie dieſe Schläge ver? winden werden,; Nachvem wir den mannigfaltigen Empfindungen, die auf einem ſolchen Plaße vie Bruſt erfüllen, noh eini- -ge Minuten Raum gegeben haben, ſteigen wir von der Höhe herunter nach Haynau zu. Da wir hier in land- wirthſchaftlicher Hinſicht grade nichts Ausgezeichnetes finden 3 ſo machen wir von hier aus einen Abſtecher rechts nac< Göllſhau. Mit dem Beſiker deſſelben ,. Herrn Bieder, machte ich Sie ſchon im neunten Briefe bekannt. Was ich Ihnen von gut eingerichteter Wirthſchaft, aus- gezeichneten Viehſtämmen und zwe&ämäßigen.wirthſchaft? lichen Einrichtungen dort von Schönfeld ſagte, das gilt auch hier. Will man die Bekanntſchaft eines Länd- wirth38 machen, der, wenn es auf das Erkennen und Durchſeßen des Beſſern ankommt, jede engherzige Rü>- ſicht bei Seite ſeht, ſo iſt man hier an den rechten Mann gekommen. Er hat ſein Fach ganz durchdrungen und emmemee 4 7--- umfaßt, daher muß au< ſein Geiſt ſiets nach einem 4ro» pen Wirkungskreiſe in demſelben ſtreben. Der Aufent? halt bei ihm, als einem ſo gebildeten Landwirthe, und die Beſichtigung ſeiner ſich über alle Theile der Dekono- mie ausbreitenden Wirthſchaft, iſthöchſt unterhaltend und belehrend. Es dürfte wohl wenig Pläße geben, wo man die Landwirthſchaft ſo in ihrer Allgemeinheit und nach ſo rationellen Grundſäßen betrieben finden wird, wie hier, und es würde für den Landwirth, der da reiſt, um zu beobachten und ſich zu belehren, ein großer Ver- büſt ſeyn, wenn er Göllſchau überginge. Ich führe Sie nun wieder rüFwärts und zwar nach Peter3dorf. Das nett und groß gebaute Gebäude, was wir hier zuerſt ſehen, iſt der Schaafſtall. Werth ſind es aber auc die darin lebenden Thiere/ daß man ihnen eine gute Wohnung anwies. Herr Ober- Amtmann Bieß., Beſitzer derſelben, kaufte ſie aus den beſten ſach? ſiſchen Heerden. Ihr Urſprung iſt auch unverkennbar, und dex Escurial- Charakter zeigt ſich im Bau der Thie- xe eben ſowohl, wie in der Wolle. Jeden Falls kann. man dieſe Heerde zu denen des erſten Ranges zählen. Die Nettigkeit und Eleganz, die wir am Schaaf- ſtalle ſahen, finden wir am ganzen Gehöfte, deſſen La- ge außerdem noch überaus romantiſch iſt. Hr. B. hat aber auch alles, was die Natur hier zur. Annehmlichkeit darbot, auf eine kluge Weiſe zu benußen-verſtanden. Auf ſeinen Feldern ſieht man den thätigen Land- wirth, der auch die richtige Behandlung derſelben leicht zu finden verſtand. Aus der Dreyfelderwirthſchaft ging er am bequemſten auf folgende Weiſe in den Fruchtwech- ſel über. Er läßt nach ſtark gedüngter Winterung Hä>- früchte folgen. Nach dieſen baut er Hülſenfrüchte, ſo- dann wieder Winterung, die ſchwäch gedunzen wirds dann Sommerung mit Klee eingeſät, welchen er zwey- jährig werden läßt, Auf dieſen folgt dann Winterung und züleßt Weide. Es iſt dies eigentlich daſſelbe, was viele Landwirthe irrigerweiſe eine Dreyfelderwirthſchaft mit vielem Futterbaue nennen, Die Ha>früchte kommen nehmlich in das ſogenann: t6 Symmerfelv. Da dieſes nach derſelben nicht, wie in det Dreyfelderwirthſchaft, Bräche liegen kann; ſo kom- men Brachfrüchte, d. i. Erbſen hinein. Da iſt denn die Ordnung der Dreyfelder wieder da, die auch im vierten durch Winterung und im fünften durch Sommerung bei- behalten wird. Im ſechſten ſteht dann in der Brache Klee. Im ſiebenten iſt die Abweichung, daß ſtatt Win- terung der Klee ſtehen bleibt, im achten kommt dann anſtatt Winterung: Sommerung, und im neunten iſt in der Ordnung wieder Brachweide: Da der neunte Theil mit Ha&früchten, eben ſo viel mit Hülſenfrüchten und 4 mit Klee bebaut ſindz ſo kann es an Futter nie feh- len. Der ganze Unterſchied von der Dreyfelderwirth- ſchaft beſteht darin, daß hier% Sommerung weniger erbaut wird, als in jener. Uebrigens folgen die Früch- te ſich ziemlich naturgemäß, und der Ausfall an Getrei- ve dürfte gegen den Ertrag der Dreyfelder wohl hd<ſt un- bedeutend ſeyn. Die Haupteintheilung der Felder bleibt aber dieſelbe, und die 3 Felder werden nür jedes wieder in 3 Theile, und ſomit das Ganze in 9 Schläge ge- theilt.; Gehen wir von hieraus füdweſtlich 3; ſo kommen wir nach Steinsdorf, Heerden, wie auf Spaniens Fluren, ſehen wir hier auf den Triften. Wir fragen nach ihrem Eigenthümer und hören den Herrn'von John- fton nennen. Die Aeer zeigen regen Fleiß und-verſtän» dige Beſtellung z darum gewähren auch die auf ihnen. ſtehenden Früchte einen ſo freudigen Anbli>. Kommen wir nach dem obern Theile dieſes Dorfes 3 fo finden wir an dem Bruder des Herrn Amtsrath BlvE wieder einen ſehr denkenden Landwirth. Leider raubte dieſem in der That ſehr gründlichen und um den Landbau nicht unverdienten Manne der leßte zerſtörende Krieg eis nen großen Theil der Mittel, wodurch er in den Stand geſeßt. wäre, das für das Beſte Erkannte auch allemal mit Kraft auszuführen. Seine Hofe- Rhede ward ihm verbrannt, das nicht hinweggebrachte Vieh geraubt und die Felder verwüſtet. Dennoch hat er im Verhältnis der wenigen ihm verbliebenen Mittel ſchon wieder ſehr viel geleiſtet, und bewieſen, daß Verſtand und Talente fich überall zu helfen wiſſen.| Einen Theil der entfernten und magern Ae>er läßt er vorläufig als Weidekoppeln liegen, und beobachtet dagegen auf den näher gelegenen und in guter Kultur und Düngung gehaltenen folgenden Fruchtwechſel: x) Winterung, ſtark gedüngt. 2) HaEfrüchte. 3) Ger- ſte. 4) 5) Klee. 6) Winterung. 7) Hülſenfrüchte. Wie ſein Bruder, liebt es Herr Bl. nicht, dis Ha&früchte in den erſten Schlag und in friſche Düngung zu bringen. Gewiß iſt es auch) wohl, daß es wenige Fälle geben: wird, 1wo dieſelben nicht als zweyte Frucht nach einer ſtarken Düngung beſſer gerathen werden, als wenn man ſiealserſte nimmt."Nur kommt der Klee in "dieſem Falle in ein nicht ſo kräftiges Land! Jedoch wirs er immer einen ſehr geſegneten Ertrag geben, wenn der Boden: nur irgend für ihn geeignet iſt, und wenn man Ldw, R. Il, Ihl, 7, Aybth, 4 Gipsdüngung vermehrt. So ſehr Hr. Bl. für die lektere iſt, ſv wenig hält er auf Kalkdüngung auf den AeFern..- Er nennt dieſe ei- nen Wechſel, den.man auf die Felder ausſtellt, und den man ſehr bald mit hohen Zinſen einlöſen muß. Ueber- treibt man dieſe Düngung, ſo hat er allerdings recht. Wendet man ſie aber mäßig. an ,. ſo wird ſie das Mittel, ſein Kapital ſchneller mit guten Zinſen umzuſeßen, und gleicht einem ſehr vortheilhaften Disconto. Die Entwäſſerung ſeiner Ländereien hat Hr. Bl. mit. vieler Umſicht geleitet, und dabei ganz beſonders auch den richtigen Weg. eingeſchlagen, die AFerquellen in der Nähe ihrer Entſtehung abzufangen.„Leider fehs Lea hierin noch viele Landwirthe, und ſie machen die Waſſerleitungen da, wo die Quellen zu Tage kommen. Dadurch erreichen ſie nun zwar den Zwe, daß das aus ftrömende Waſſer nicht über die unterhalb liegenden Aek- Yer fließt, aber die ſogenannten Gallen, die beſonders bei naſſen Jahren ſich ſo weit verbreiten, bringen ſie nicht weg, und wundern ſich dann, daß ihre Mühe von fo wenigem Erfolge iſt.; Hr. Bl. ſagte mir ſcherzend, daß, wenn er Vater Shaers rationelle Landwirthſchaft früher gehabt hätte, fo würde er haben 20 Rthlr. mehr für dieſelbe geben kön2 pen. Denn dieſe harte ihm wegen einer dergleichen Waſ- ferleitung erſt die Augen geöffnet, und er mußte einen großen Graben., den er zu weit:unten an einem Abhange geſchlagen hatte, wieder ausfüllen und weiter oben'in der Nähe de3 Urſprungs der Quellen einen andern ma. eben laſſen.- Unverſtändige.lachten ihnaus,“ als er dies anfing. Da man aber in der-Tiefe auf. das-Waſſer kam, noh, wie dies hier/geſchieht, ſein Wadhsthunr dur die, [2 6 und das AFerſtüu> in kurzer Zeit troFen ward: da zeigte fich erſt, wer am klügſten geweſen war. Als Schaafzüchter verdient aber Hr. Bl, eben ſo - viel Lob, als wie er dies als Landwirth verdient.- Sei- ne Heerde iſt, troß dem, daß ernicht die Mittel hatte, ſie gleihſam mit einem Schlage zu einer guten zu ma- hen, denno< ſehr gut zu nennen, und enthält ſehr vie- les, was man zu dem Vorzüglichſten zählen kann. Ueber Stähre- Zucht hat Hr. Bl. ſehr richtige Ans ſichten, und er iſt der Meinung, worin ihm wohl auch jeder verſtändige Schaafzüchter beipflichten wird, daß es höe hätten ſie gegen 30 Kloben zu 24 Pfund, und das Pfund verkauften ſie zu 2-- PFör., Die Zahl der Scho>e iſt nicht übertrieben, aber die Zahl und das Gewicht der Kloben iſt'eine ſo große Lüge, daß- ich dem Manne darüber in's Geficht lachte. Wahr- ſcheinlich hatte ex die Abſicht, mir etwas aufbinden zu wollen, weil er glaubte, ich wüßte von der ganzen Sa- ern, wo man eine Übertriebene ſtarke Düngung giebt, ein ſo hoher Rein+ Ertrag, wie ich Ihnen dort angab, gewonnen wird. Ein Freund von mir, der den Röthebau auch verſuchte, machte die Erfahrung, daß nur bei der allergünſtigſten Erndte je- ner Rein- Ertrag hervorgehe, und daß man überhaupt die Röthe auch beym beſten Wachsthume nur zweymal beziehen(niedertreten und mit Erde behäufeln) könne,, Drey und dreyßigſter Brief. 3 Ehe wir uns weiter ſüdlich gegen den uns hier im- mer begleitenden Grädikberg wenden, theile ih Ihnen noer noc< deſſelben z mit der Gerſte zögert man jedoch mehr, da- mit ſich der Aer nach dem Ruhren erſt etwas feße. Die Herbſtſaat beſtellt man zeitig, und ich ſah hier ſchon in der erſten Hälfte des Septembers grüne Saat. In dem beſten Striche dieſer Gegend weidet man im Früh- linge die Schaafe bis gegen Georgis auf den Saaten, und dennoch ſieht man in der Mitte des Mais dieſe in hohem Grade üppig ſtehen. N Den Flachs baut man in die Brache„als dritte Frucht. Dann wird mit Kalke zu Roggen gedüngt, Dadurch bringt man die Kalkdüngung, die dem Flachſe nie günſtig iſt, ſo-weit als möglich entfernt von ihm. Man düngt auf dieſe Weiſe alle ſet und belebt: einmal der allezeit gute und vortheilhafte Abſatz der.ländlichen Producte, die in hieſiger Gegend faſt immer mit den höchſten Preis haben, und-zweytens der Lohn der Mühe und Anſtrengung, den der hieſige Boden nach ſeiner Beſchaffenheit nie ſchuldig bleibt, Sie ſehen, daß ſich hier ſo mancherlei vereinigt, was.den Landbau heben hilft, und daß, wenn es:auch den Landwirthen zur großen Ehre gereicht, ſo weit in ihrem Gewerbe vorgerüt.zu ſeyn, dieſe dennoch deshalb ſich nicht grade überheben, und allzuſtolz auf andere Ges genden bli>en müſſen, die aus Mangel jener günſtigen Verhältniſſe noh gegen ſie zurü ſtehen. Mit vielem Fleiße und Berſtande finden wir die Wirthſchaft in Grädikberg eingerichtet. Zu den Gräflich Hochbergiſchen Gütern gehörig, iſt hier das Syſtem deſ- ſelben, wie äuf den übrigen. Sehr ſorgfältig beſtellte AeFer und üppig auf dieſen wuchernde Saaten, ergößen den vorüberwandelnden Landwirth. Eine Kalkbrennes rei ſieht zwar in keiner directen Verbindung mit dem AFerbaue, hilft dieſen jedoHm fördern, weil man die Kalkdüngung hier mit entſchiedenem Vortheile an- wendet. So wie die Saaten find auch die Viehheerden. Munter und kräftig hüpfen ſie auf muntexer und kräfti- ger Weide. Die Wolletragende Heerde liefert ſhon ein SHEET HAUEN eiii Product, was. mehr als mittelmäßig zu'nennen iſt. Ninder inländiſcher Zucht machen dieſer keine Sande, und wenn ſie auch:in Stattlichkeit des Gebäudes hinter- ausländiſchen ſtehen; ſo meſſen ſie ſich vielleicht mit dies Gewinn, den ſie der Wirthſchaft bringen. Ro» mantiſch liegen, ſteht man auf dem Gipfel des Grädik» berges, die Fluren der Gegend getäfelt, und geſtreift um dieſen herum. Hier muß man Virgils Georgicon oder Geßners Idyllen leſen, um dieſe Dichter zu verſte» hen und in ihren Gefühlen zu ſchwelgen. Der Character des hieſigen Landvolkes fängt ſer und Wieſen; vdllig ungangbar gewordene Wege) waren die traurigen Spuren dieſer Na- tuv- Erſcheinung. Jahre langer Fleiß gehört dazu, um ſie wieder zu verwiſchen. Graſegärten mit Wieſen in der Nähe der Gehöfte, die als Gräſerei zum Futter im Sommer dienen, ſieht man hier, wie im höhern Gebirge. Viel Aehnlichkeit hat übrigens die hieſige Gegend mit der von Friedland, weil hier wie dort, der röthliche Boden in einiger Ents- fernung in weißlichen übergeht. Der Sandſtein, auf dem die Erdſchi dar.- Alle Wege ſind mit Kirſchbäumen beſekt, die zur Zeit der Blüte Geſicht und Geruch erqui>en.„Berg und Thal wechſelt aufs mannigfaltigſte; auch iſt der Bo- den zu dem fruchtbaren zu zählen.. -&n Neuland intereſſirt uns beſonders das hier lies gende mächtige Gipslager. Die Herrſchaft des Orts benußt dieſes aber nicht allein 3 ſondern ein Bauer, deſ- ſen Haus auf Gipsfelſen ſteht, rivaliſirt hierin mit der- ſelben. Hierdurch entſteht aber für die Käufer dieſes ſo wohlthätigen Düngungsmittels ein größerer Vortheil, als für die Verkäufer.- Der hieſige Gips iſt mehr als wahrer Gips, nam». lich als ſchwefelſaurer Kalk zu betrachten, als wie der bei Dirſchel in Ober- Schleſien, von dem ich Ihnen ſpä- terhin ſagen werde, Er wird ſehr weit, beſonders über Jauer verfahren. Da nun die Fuhrleute auf dem Nü>- wege von dieſem Orte Getreide nach Löwenberg laden, ſo iſt die Fracht ſehr geringe und der Gips in Jauer ziemlich wohlfeil zu haben. Dies und ſeine immer mehr fich zeigenden guten Wirkungen iſt denn auch die Urſach, baß-diefe Düngung von Jahr zu Jahr immer allgemeis ner wird. Von Löwenberg herüber nach Bunzlau iſt meiſt ein mittlerer Böden, der zum Weitenbau ſich wenig eignet, auch wenig dazu angezogen wird. Das Terrein iſt hie und da mit Waldſtre>en dur<ſchnitten. Größer ſind bieſe aber unterhalb Bunzlau, und nur am Bober hin- unter finden wir das rege landwirthſchaftliche Leben noh, was wir um Haynau und Goldberg verließen. Rechts von dieſen anmuthigen und fruchtbaren Thälern ziehen fich große Schwarzwälder auf ſandigem Boden hin. Schwer und düſter geht der Pfad und man fühlt ein großes Wohlbehagen, wenn man endlich wiez der einmal. in's Freie kommt. Nachdem man bis nach Modlau vorgedrungen iſt, ſieht man wieder fruchtbare Felder, und ein freundliches, Wohlhabenheit zeigendes Dorf. Die Felder haben größtentheils ein röthliches Anſehen, was ihnen aber eben ſo wohl der aus rothbrüs? er, bei der natürlichen Beſchaffenheit derfelben, weit geringer feyn. Trägt auch der Boden keinen Weißenz ſo trägt er doch die andern Getreideaxten ſehr lohnend. Was feine Beſtellung aber ſchwierig macht, das iſt ſeine un- durchlaſſende Unterlage. Um dieſem Uebel abzuhelfen ſind eine Menge Entwäöäſſerungsfure, von mehr denn dreyßig Morgen, wo der Hu- musreichſte Boden mehrere Fuß tief lag ,. und.ds einen RIENER RERE ERR WENGE WON mu"ST mus Sumpf bildete, in welchem däs Vieh faſt'ſte>en blieb, lag ungenütßt. Denn was fie an Weide gab, war kaum der Anſtrengung werth, die das Vieh nöthig hat- te, um ſie zu erhaſchen. Durch TröFetilegung eines ſolchen Plaßes würde es möglich, dieſen Reichthum her- auszuholen und damit die ſehr nahe liegende Armuth der dürftigen Ae>er zu bedeXen. Doch vielleicht haben auch hier einige Wenige das'Necht der Weide/ und ſie nüßen dieſe jährlich für einige Pfennige und mit einem'Gewitine von einigen Groſchen, während Kapitalien damit gewon- nen werden könnten, wenn ſie genußt würde, wozu ſie ſich eignet. Nachdem wir noh einen Strich Waldes durcer nicht die höchſte Intelligenz und den größten Fleiß, und. ob ſie gleich nicht grade zu den fruchtbarſien gehören 3 ſo dünkt mich doh, daß üppigere Früchte auf ihnen ſtehen, und reichere Erndten-von ih- nen gezogen werden könnten, als ich darauf ſah. Beſonders aber. würden die hier an der Sprotta herunter liegenden Anger bei beſſerer Anlage und benuß» ter Bewäſſerung, die hier ſo leiht möglich wäre, die herrlichſten- Wieſen gewähren.- Es können allerdings Urſachen da ſeyn, warum ſie dazu nicht benußt ſind 5 aber den fremden Vorüberreiſenden bleibt es doch auch unverwehrt, die Meinung zu haben, daß es unverzeih- lich ſei, in einer Gegend, wo das' Viehfutter wegen Schwierigkeit ſeiner Erbauung einen ſo hohen Werth hat, auf die Hervorbringung deſſelben ſo wenig: Mühe und Sorgfalt zu verwenden. Das Vieh iſt in ſolchen Ge: genden freilich meiſt an den Mangel gewöhnt, und es kann ſeyn, daß man es für gefährlich hält, es aus die? ſer ſchönen Tugend zu bringen. Aber dennoch iſt e8-zu verwundern, daß es nicht hie und da einen Kekzer giebt, . der frei genug denkt, und gegen dieſe herrſchende Mei- nung handelt. Doch. ich ſprach hier von Bewäſſerungen und ver» gaß darüber, daß die gedachten Anger ſoviel Waſſer hat- ten, daß ich große Mühe hatte, darüber zu kommen, und hie und da mehr als einen Fuß tief im Waſſer ging. Wo dies der Fall-war,- ds- waren ſie verſumpft uny -"63-- brachten ſaure Gräſer, während nicht, weit; davon.die Tro&enheit, wenig aufkommen ließ, Vielleicht befür<2- tet man von einer Bewäſſerung, daß man allgemein nicht mehr darauf paſſiren würde können. Sie zwe>- mäßig, wo es Noth thut, zu be- und wiederum zu ent- wäſſern, muß man no< nicht kennen. Wie hoch muß nur die Bevölkerung noh ſteigen, ehe es, bei der verſtän- digſten und zwe>maßigſten Benukung jedes Plaßes. ſo weit kommen wird, daß man nicht mehr genug für Men» ſchen und-Vieh erbauen kann!= Vier und dreyßigſter Brief, In die Gedanken vertieft, mit welchen ich meinen vorigen Brief ſchloß, ging ich weiter, und wurde. ſchnell durc< den Anbli> höchſt üppiger Kornfelder aus denſel- bengewe>Xt, Da wogte und wallte dichtſtehender Wei- ken neben dicht ſtehendem Roggen, da glänzte wuchernde Gerſte neben Fräftig aufgeſchoſſenem Hafer,- Waſſer» Ableitungen mit Aufwand und Umſicht gemacht, durch» ſchnitten in geraden Linien die Felder. Eine Schaaf» heerde hüpffe mir entgegen„die.bey'm entfernten Anbli> ſchon viel verſprach und in der Nähe noh mehr war, als was ich erwartete. Pötniker und ſächſiſchen Urſprungs, alſo von höchſt edlem Blute, macht ſie ihrer Abſtam- mung keine Schande.- Rinder qusländiſcher Art, groß, kräftigund ſchön, ſchienen mir die Frage vorlegen zu wole- len, ob es wohl recht ſei, ihnen einen ehrenvollen Plat in der Landwirthſchaft zu verweigern, ſeitdem das Vließ der Schaafe ſich hie und da beinah in ein,. wenn auch nicht goldenes, doch ſehr einträgliches verwandelt hat. Sie fragen, wo ich dies alles ſahe? Es war in Braunau. Beftoen iſt meine Aeußerung über die bie- fige Wirthſchaft um ſo weniger, da ich durc< den kalten und fremdartigen Empfang des Beſitzers beinah abge: ſchreXt worden wäre, no< weiter nach etwas zu fragen» Da ich jedoch bei meiner Reiſe das Ziel unverrüft im Auge behielt: mich nichts abſchre&>en zu laſſen, wo ich etwas Belehrendes fand 3 ſv gab ſich die Sache auch hier, und gefällige Mittheilung trät bald an die Stelle ver kalten Aufnahme.(444 ; Sieht man es auch hier ſogleich der ganzen Wirth ſchaft an, daß es dem Beſißer, Herrn Schwabe, nicht an Mitteln fehlt, das für gut Erkannte auch mit Nach- druE und Kraft auszuführen 3 ſo bietet der hieſige Bo- den doch' eine Menge Schwierigkeiten bei ſeiner Bewirth- ſchaftung dar, die anderwärts wohl nicht bald ſo'groß ſind. S; Das Terrein beſteht* nämlich"aus einem Gemiſch von leichtem Sandboden, der hie und da zum Flugſande wird, und ſumpfigen Stre>en, deren Oberkrumme ein humoſer, mehr und weniger mit Thon vermiſerbau-Sy2 ſtem. Er führte nämlich ſogleich eine Weidekoppelwirth- ſchaft ein. Da der Boden, vermöge der in ihm bleiben? den Näſſe ſehr graswüchſig iſt, ſo hatte er auch eine recht reichliche Weide, Aber anders ſtand es anfangs mit der Güte derſelben. Denn die undurchlaſſende Unterlage und derſelbe Untergrund mächten, daß ſich Säure im Boden erzeugte, wodurc< und dur< mehrere AFerzuellen die Weide verdorben ward. Um dieſem Uebelſtande abzuhelfen war die Entwäſ? ſerung das Nothwendigſte. Darauf war auch Hr. Sh. am allererſten bedacht. Sie war aber ſchwieriger als e8 im Anfange ſchien. Denn wie ich ſchon erinnerte, die - flache Lage geſtattete dem Waſſer nicht nach allen Seiten Abzugz da jedoch keine Mühe und keine Koſten ge? ſcheut wurden, ſo kam man bald genug damit zu Stan: de. Ein Vertiefen der AXerkrumme war das zweyte. Dadur< wurde der Aer auf zwiefache Art verbeſſert. Einmal dadur<, daß er durch die von unten her aufge» brachte Erdſchicht mehr Bindung bekam, und zweytens, daß er nunmehr die Feuchtigkeit beſſer aufnahm und auch länger behielt. Nachdem Hr. S<. mit der allgemeinen Vorberei: tung des AFers fertig war, ſo ging er zu dem zu beob- ächtenden Syſteme über.- Nach zwey bis dreyjähriger Weide wird der Aker im Herbſte umgebrochen und bleibt in rauher Furche liegen. Wenn er im Frühjahre eben geegget iſt, dann wird er in lauter'-Dämme gefahren, nach Art der Beetrüfen, So bleibt er bis nach Johan- nis liegen. Bei dieſem Verfähren hat Hr. Sch. einen doppelten ZweE: den einen, daß er den Shaafen eine „geſunde Weide auf dieſen hohen Furchen zubereiten will, Ldw, R, I[, Thl. 1, Abth, 5 (46 6 veel den andern aber, daß die Eggen die Queen mehr fäſſen können, indem, wenn dieſe Inſtrumente ſcharf ſind, ſie in die hohen Furchen, die aus leichtem Sandboden befte- hen, tief eingreifen, und alle Graswurzeln beſſer faſſen und herausreißen können, als bei einem flach liegenden A&er. Der Erfolg ſoll auch dieſer EEE gänz beſon- der3 das Wort reden. | Waz3 jedoch das erſte, eine beſſere und geſündere Schaafweide anbelangt, ſo möchte ich doch wohl das Be- denken haben, daß ſie nur für gut genährte Schaafe, wie die hieſigen allerdings ſind, dieſen Vortheil gewäh- ren wird. Denn kämen die Schaafe etwas hungrig dar- aufz ſo könnten ſie ſich leicht an der auf den Dämmen ſo geil und in den Tiefen wiederum nicht ſonderlich geſund wachſenden Weide den Tod holen. Hinſichts des Herausbringens der Queen aber überzeugte ih mich durch den Augenſchein, daß dieſe Me- thode ſchr zwe>mäßig ſei. Nehmen wir jekt unſere Nichtung gegen Raudten, ſo finden wir wieder ſehr anſehnliche Waldſtre>en. Der Boden iſt auch hier von der Art, daß er zu Holze wohl unſtreitig am beſten genußt wird. Hie und da ſind in dieſen Wäldern Dörfer und Kolonien. Wenig Grund- eigenthum, ziemlicher Fleiß. Da man den Klee und andre Futterkräuter hier ſchwerlich aufbringt, ſo nimmt man ſeine Zuflucht zum Spörgel. Dieſer und die Erd- äpfel ſind es auc), was die Natur ſolchen Gegenden zur beſondern Wohlthat angewieſen hat. ME Näher an Raubten- bekommt der Boden eine etwas beſſere Beſchaffenheit. In Tarnau wenden wir einige Stunden ſehr nüßlich dazu an, vie Wirthſchaft- Füh- = 67== rung des Hrn. Ober- Amtmann Düring etwas kennen zu lernen.; Obgleich nicht grade ſtrenger Fruchtwechſelwirth, ſo hat er doch längſt die Ueberzeugung gewonnen, daß eine reine Dreyfelderwirthſchaft für ſeinen Boden eben ſ9 wenig päßt, äls wie ſie den Rein: Ertrag des ganzett Gutes allmählig immer mehr herabſeßen würde. Exr hat deshalb ſeine ganze Wirthſchaft ſo eingerichtet, daß er weder Mangel an Futter zu fürchten hat, noch auch zu wenig Getreide erbaut. Da ſein Boden zwar den rothen Klee recht lohnend trägt, derſelbe aber dennoch nicht in allen Jahrgängen ſicher genug iſt, ſo läßt er imz mer einen Theil zweyjährig werden, um ſich in jedent Falle-gegen Futtermangel zu ſichern. Von den Getreiz dearten, die er baut, rühmte er mir ganz beſonders deit böhmiſchen Stauden- Roggen. In der That ſtand er auch vorzüglich ſchön, und verſprach den reichlichſtett Ertrag. Hr. D. iſt ein beſonderer Freund von der Katrtoffel- pflanzung in's Quadrat. Er beobachtet dabei dieſelbe Methode, die Hr. v. Rieben in Tſchileſen anwendet, Den Erfolg rühmt er eben ſo wie jenerz auch war dex Aer ungemein gut zugerichtet, und ſchon bei der zwey?- ten Bearbeitung der Kartoffeln ſtanden dieſe ſehr freudig. Ich könnte Ihnen daher hier nur wiederholen, was ich Ihnen über dieſelbe Methode bei Tſchileſen geſägt habe. Der hieſige Boden gehört?zwär nicht zum geringen, jedoch haben ſeine Bebauer mit ungemein viel Steinen von allen Größen zu kämpfen. Dieſe Steine findet män hier in einem weiten Diſtricte, der von Parhwiß herun- ' ter bis unterhalb Raudten gegen Köben hin geht. Es find nur Geſchiebe und meiſt Granit,» Felſen, die na- 5* -- 683=- he an der Oberfläche der Erde liegen, ſind dagegen ſelten. Von Raudten nach Köben iſt das Land ſehr hüg-. licht, abwechſelnd mit Gebüſch unterbrochen. Die An- ſichten ſind daher mit unter höchſt romantiſ<. Meiſt recht gut bebautes Land erhöht den Reiß des Ganzen.| Wenn wir uns jekt der Oder nähern, ſehen wir vor uns ein ſehr elegant gebautes weitläuftiges Gehöfte. Es iſt Nerſchüß. Der Beſiter deſſelben, Herr Ober- Amtmann Kunzendorf, vereinigt in einer Perſon, was man einen alten praktiſchen und einen rationellen Land- wirth nennt. Vielfache Erfahrungen in der Landwirth- ſchaft kommen ihm bei dem Fortgange mit der neuern Zeit zu ſtätten. Daher iſt denn auch ſein landwirth- ſchaftliches Verfahren eben ſo belehrend als zweEmäßig. Er hat einen ſehr verſchiedenartigen Boden zu be- handeln. Höhen, die Flugſand, das wahre noli me tangere der Landwirthſchaft enthalten, und Tiefen, wo ein ſtrenger faſt undurchlaſſender Boden iſt, findet man auf ſeiner Feldmark. Dazwiſchen aber liegt auch ein mittlerer, recht eigentlicher Roggenboden. Es iſt zwar eine ſolche Feldmark, wenn ſie ihr Bebauer gehörig, zu würdigen verſteht, nicht grade ganz unbequem zu be- wirthſchaften, jedoch iſt nicht Jedem gegeben, ſo ver- ſchiedenartige Theile zu einem zwe>mäßig in einander greifenden Ganzen zu ordnen; verſteht man dies aber, ſo iſt auch eine ſolche Wirthſchaft oft das Muſter einer vorzüglichen. ddp Hr. K, hat die Höhen faſt ganz zu Schaafweide beſtimmt, und behandelt ſie meiſt|nür als ſechsjähriges Roggenland. Was aber hauptſächlich hierbei zu thun« iſt, das iſt die Verbeſſerung dieſer Weide. Denn ſie --- 69= läßt beſonders bei tro&ener Witterung oft ſo nach, daß ſie faſt für nichts zu rechnen iſt. Durch Auffahrung von Schlamm-und. Lehm wird ſie wohl aber bald in den Zuſtand verſeßt werden, daß ſie weißen Klee und andre Weidegräſer trägt. Der ſtrengere Boden kommt aber hier zum Anbaue von Klee und Grünfutter ſehr zu ſtatten. Erſteren trägt er bei guter Kultur und Düngung ungemein reichlich, und dieſer hilft dann die Kraft des AFers mittelbar und unz mittelbar ſehr vermehren. Hr. K. wird auf dieſen Aek- kern einen angemeſſenen Fruchtwechſel einführen,„Dies wird er um ſo eher können, da er hier keine Weide zu laſſen nöthig hat. Was die Wirthſchaftsführung in hieſiger Gegend aber ſehr erſchwert, das ſoll die Trägheit und Indolenz der Arbeiter ſeyn. Iſt Dürftigkeit eine Folge von Träg- heit und Lüderlichkeit, ſo müſſen dieſe beiden Laſter hier ſehr herrſchen 3 denn zerfallene Gebäude, elendes Vieh und Zerlumptheit zeugen wohl von keiner Wohl- habenheit. Und dennoch verſicherte mir Hr. K., daß e3 vor ſeinem Antritte der hieſigen Wirthſchaft no< elen- der ausgeſehen habe. Iſt auch der Boden nicht der loh- nendſtez ſo gehört er doch nicht zum ganz undankbaren. Es müſſen alſo doch wohl innere oder äußere Urſachen zu dieſer Dürftigkeit da ſeyn. Innere nenne ic< die, wel- und andern Urſachen zu ſuchen ſind. Sieſtim- men aber gewiß mit mir darin überein, daß es eine ſehr läſtige und unangenehme Sache ſei, an Orten leben und wirken zu müſſen, wo dieſe Armuth herrſern wenig kannte und triebz der Boden aber an ſich nicht zu den reichen gehört, er al- ſo auch ohne beſondere Aushülfe keine fehr reiche Erndten bringen konntez die Düngermaſſe mithin eher abs als zunahmz das Vieh alſo aus demſelben Grunde immer ſchlechter werden mußte, ſo iſt auch wohl aus dieſen Um- ſtänden die hieſige Dürftigkeit zum Theil zu erklären. Kommt nun dazu noch der aus der Schwierigkeit des größern Erwerbes natürlich entſtehende Hang zur Lüder- Jichkeitz ſo iſt die Sache wohl ſo gar befremdend nicht mehr. Gutes Beiſpiel und eigene Verſuche einer beſſern Wirthſchaftsart werden auch hier mit der Zeit wohlthätig wirken. Man gebraucht in der hieſigen Gegend ſehr viele Zugochſen, und hält deren in der Regel zu jedem Zuge oder Geſpann acht, die immer abwechſelnd einen halben Tag gehen. Wo große Hutungen find, die freilich wohl meiſt beſſer benußt werden könnten, da iſt ſo etwas allenfalls anwendbar; wo dieſe aber fehlen, und man das Futter für dieſes viele Zugvieh auf den Ae>ern oder Wieſen erbauen muß, da iſt und bleibt dies die theuerſte Art der Feldbeſtellung. Denn es iſt wohl höchſt ſelten, und am allerwenigſten fand ich es hier beſtättigt, daß Ochſen eben ſo raſch arbeiten, als gute Pferde. Spannt man nun von erſtern noch vier vor einen Pflug und läßt ſie nur einen halben Tag arbeiten, da machen ac= auch die Mittel nicht fehlen, wie dies hier der Fall iſt, läßt-ſich denn auch erwarten, daß er die andern Vieh» ſtämme nicht zurü> ſtehen laſſen wird. So iſt z. B. ſein Rindvieh durch Schweißer Stiere veredelt, und kann kühn in die Schranken mit andern dieſer Raſſe treten. Außerdem hat Hr. L. noch eine Stutterei, worin man Fhiere ſieht, die ſelbſt Kenner zu den ſchönen und vorzüglichen diefer Gattung zählen, Ueberhaupt iſt aber die ganze Wirthſchaft in einer Ordnung, und jedem Zweige derſelben eine ſolche Auf- merkſamkeit gewidmet, daß es nur Freude machen kann, ſie zu ſehen. Dies iſt denn auch ſchon der Fall,' wenn man nur einen Fuß in's Gehöfte ſet.- Nettigkeit und Zweckmäßigkeit dex Gebäude ſprechen jeden da ſogleich angenehm an. In allem aber erkennt man den beſonnenen, ruhi- gen und praktiſchen Landwirth, der aber ſeine Praxis nach den verſtändigſten Grundſäßen regelt, und nicht eiwa, wie wohl ſo manche, die ſich mit einem gewiſſen Stolze praktiſche Landwirthe nennen, alles andere oft Beſſere verwirft, weil er es nicht yon Jugend auf geſe- hen und ſelbſt getrieben hat. Solche Männer,-“wie dieſer, ſind es eigentlich, die zwiſchen den hartnäEigen Anhängern am Alten(wenn auch dies oft gar nicht mehr für die jekigen Zeitverhältniſſe paßt) und den Verehrern des Neuen,(was ſie meiſt ohne Ueberlegung annehmen und mit großem Schaden ausüben,„weil ſie nicht zu bes urtheilen wiſſen, wie und wo das Neue paßt,) in dex Mitte ſtehen, und weil ſie ruhig und mit Ueberlegung handeln, nicht gleich den Stab. weder über das Alte noc: das Neue'brechen.“ Solche Männer ſind es auch, pres 106. ui deren Beiſpiel auf ihre Umgebungen höchſt wohlthätig wirkt, und dieſe warnt, zu ihrem Schaden weder zu hartnädig am Alten zu kleben, noch unüberlegt das Neue «anzunehmen. Wenn man ſich von Burkau aus nac< Glogau wendet, ſo führt der Pfad über einen ſehr ausgedehnten Weideanger, der einen ſehr guten Boden enthält, und „der zur Erzeugung von Getreide ſich ungleich mehr eig: nen würde als zu Weide, die überdies, da ſie nie ge- ſchont wird, noh gar nicht einmal zu Kräften kommt, und von geringer Beſchaffenheit iſt, Durch Ablöſung der gegenſeitigen Servitute und Aufhebung ſo vieler läſtiger Obſervanzen, werden dem Ganzen tauſend Vor- theile erwachſen, und man wird ſich in ſpätern Zeiten wundern, wie es möglich war, daß dergleichen Feſſeln, die dem Landbaue angelegt waren, nicht früher zerbro- der Felder davon überzeugt hätte. Der Flachs- bau trug ihnen in frühern Zeiten oft mehr, als die Zin- ſen von ihren Gütern, und was Weißen und ändetes Getreide brachte, das warf über die gewöhnlichen Wirth- ſchaft3- Ausgaben noch manchen ſchönen Thaler ab. Freilich hat ſich dies in jeßiger Zeit etwas geändert, aber immer gehören ſie wohl noch zu denjenigen, die nicht zu» erſt zu Grunde gehen werden. Den Fläenheit und Näſſe nicht ſo leiht. Er eignet ſich faſt zu allen Früchten, und. bringt beſonders Futterkräuter faſt aller Art, Wie leicht es ſich auf einem ſolchen Boden, auch ohne viele Wieſen, wirthſchafte, wiſſen Sie. Den Kleebau treibt man hier ſehr bedeutend. i Wendet man ſich weiter ſüdlich gegen Sprottau, ſo nimmt dieſer gute Boden gar bald ab, und die Ge- gend iſt wieder mit Steinen und Sande geſegnet. An ''der Sprotta hinauf iſt eine große Menge Bruchland, das die Wieſen erſest. Iſt auch dieſer Erſaß nicht ſonder- lich, ſo iſt er doch beſſer als keiner, Das hier gewonne? ne Gras iſt ſehr ſcharf und ſchilfig. Da jedoch die ganze Gegend wenig Wieſen hat, ſo miethet man vo einzelne Stüce dieſes Bruchlandes ziemlich theuer, und holt ſich vas hier gewonnene Heu auf weite StreFen. Da die Sprotta meiſtentheils ſehr flache Ufer, die Gegend. aber überhaupt ſchon wieder den Eiſenſtein.zur Unterlage hat, ſo iſt die TroFenlegung dieſer Brüche wohl höchſt ſchwierig, wo nicht unmöglich. Bei dem geringen Ertrage der Felder iſt ver Man- "gel an Strohe auch gar bald da. Dieſem ſucersdorf hielt, wird Ihnen das Räthſel leicht löſen.- Ich fragte, woher es käme, daß die Bauern nicht zeitiger anfingen, die Brache umzubrehen?== Ja! war die Antwort: ſie dürfen niht. Das iſt doch ſonder- bar, erwiederte ich, wenn ihnen das Land gehört, muß es ihnen doch frei ſtehen, damit zu machen, was ſie wollen. DO nein! war die Antwort, die Herrſchaft hat das Recht der Schaafhutung, und ehe nicht Stoppelweide iſt, müſſen wir die Brache liegen laſſen.= Es kann ſeyn,. daß ſie übertreiben, und die Sache nicht ſo wört- lich wahr iſt. Etwas muß aber doh daran ſeyn, weil ſonſt doh wohl ein und der andere ſein Feld würde be- ſtellt haben.=-- I< fragte ſie ferner, warum ſie ſich nicht ablöſten. Wir möchten es gern, erwiederten ſie, aber die Herrſchaft will ni mit 14=- 76 Rthlx. Solcher Flachs giebt dann das Gebund einen halben Klo- ben, das Schot alſo 30 Kloben zu 8 Pfund. Bei die- ſem Handel iſt denn, wenn der Kloben, wie gewöhnlich, nur I5= I8 ſgr. gilt, nicht allzuviel zu gewinnen, und nur der Lein kann die darauf zu verwendende Mühe belohnen. Wenn ich Ihnen nun oben geſagt habe, daß die Bauern ſo viele Roboth haben, und daß jeder außer ei- ner Menge Spanndienſten und Fuhren noch täglich den Sommer hindurch eine Perſon zur Handarbeit auf den herrſchaftlichen Hof ſchien muß, ſo wundern Sie: Sich gewiß, daß dennoch ein Bauergut von einer Hube, was nur einigermaaßen im Stande iſt, mit 2000 Rthlr. be- 6 F ypinamburs in Menge einz ſo könnte man jener Verſtüm- erar. Kaen eg zahlt wird, und dies in einem Boden, der kaum mehr als ein mittlerer Roggenboden genannt werden kann. Die Sache erklärt ſich aber ſehr leicht, wenn man erfährt, daß hier die Huben gegen 100 Morgen groß ſind, folg- lich beinah doppelt ſo viel enthalten, wie anderwärts,. Weniger läſtig, wie die Frohnen der Bauern, ſind die der Freiſtellenbeſißer und Häuslerz denn bei denen beſchränken ſie ſich doc< wenigſtens auf eine beſtimmte Anzahl Tage. Ihre Beſitzungen ſind freilich auch von ſehr geringer Bedeutung, und die der Häusler beſtehen nur in einem kleinen Gartenſtüfhen, oft von nicht ei- 'nem-halben Morgen. Für dieſe würde die Ablöſung weniger'wünſchenswerth ſeyn, weil ſie die zu leiſtenden Dienſte nebenbei mit abmachenz wogegen ihnen das Ab- Idſungskapital ſ durch die Menge Obſtalleen die allenthalben an den Wegen gepflanzt ſi ind. Etwas wird zwar dieſer angenehme Anblik durch die dazwiſchen laufenden Rei- hen von Laubholzbäumen geſtöhrt, die beſonders in den erſten Jahren eine Art von verſtüummelten Körpern zu ſeyn ſcheinen. Wenn ſie denn nach zwey bis drey Jah- ren nach ihrer Abholzung wieder bewachſen und begrünt find, ſo ſehen ſie wieder ziemlich freundlich aus. " Führte man hier den Anbau der Erdäpfel oder.To- melungen leicht entübrigt ſeyn. Und für einen Boden, wie der hieſige, ſind ſie grade die größte Wohlthat, die die Natur den Landbebauern darbietet. Denn hier giebt es nicht unbedeutende Strecken, die zu perennirenden Anla- gen für dieſelben ganz beſonders geeignet wären. Ein«- zelne Verſuche werden gar bald“ das Wohlthätige dieſes Anbaues zeigen, und wenn. vielleicht in zwanzig Jahren etwas über den Landbau der hieſigen Gegend geſchrieben wird; ſd ſteht dann wahrſcheinlich oben an, daß die Erd» äpfel hier in Menge gebaut werden, und dadur< die Viehzucht und der AFerbau außerordentlim empor ze- bracht worden ſind. Hätte man vor etwa 60 Jahren dieſelbe Prophezeihung von den Kartoffeln geſchrieben, ſo wäre man vielleicht ausgelacht worden, und doh giebt es jet keine Wirthſchaft mehr, die man ſich ohne Kar- koffeln gut durcen verſandet werden 3 ſo iſt dies gegen den Nuten ,' den das übrige einpfängt, doh immer nur ge- ring. Solche Ueberſchwemmungen wie 1303, wo auch - SEE GSG IN ZIGEER IIIS = ee MORI ein Theil der Stadt Sagan zerſtöhrt wurde, machen freilich großen Schaden, und überſchütten ganze Strek2 ken mit Ellentiefem Sande und Steinen 3 jedoch ſind ſie zum Glü ſelten und kehren immer in Jahrhunderten kaum einmal wieder.; Die Aeer in der Nähe dieſer Wieſen, und die noch im Boberthale liegen, ſind ſehr friedle und fra gen auch lohnenden Weißen, der ſonſt in der hieſigen Gegend eben nicht häufig gebaut wird. Hier werden dann auch die Beſißungen wieder theurer verkauft, und man bezahlt da die halbe große Hube, die etwa 30 Mors». gen enthält mit 2000 Rthlr. Auch ſind die Güter am Bober herunter höher kataſtrirt, und zahlen mithin auch, „Höhere Steuern, wie die auf der Höhe. Ier mehr Thongehalt, und man kann ihn einen guten ſandigen Lehmboden nennen, Dieſer iſt dem Anbaue des rothen Klees ſc ſolcher koloſſalen Schaafe angeneh- mer iſt, als wie kleiner Verderblinge.; Mit Vergnügen ſieht man ſie im Stalle und auf dem Felde, und ihr kel: ker Gang verräth ihre innere Kraft. Undankbar iſt es aber auch von manchen Schaafzüchtern,; die ſich aus dies: ſen Heerden früher angeſtammt haben, daß ſie dies jekt vielleicht nicht mehr gern anerkennen wollen; weil ſie in -..8+= Her Wollfeinheit ihrer ArtſtammungSheerbe, den Rang ab- gelaufen haben. Ien darf, ſo honnet, als hier.“ Denn hier wird mit. der Kraft und dem Reichthume des Bodens ſo wenig geknäuſert, daß bei einem„ungeheuern Borrathe derſelben deſſen doH no< immer mehr angehäuft wird. Um mich verſtändlich zu machen, ſage ich Ihnen, daß hier bei einer eilfſchlägigen Wirthſchaft deren 5 als Klee- und Weideſhläge liegen. Bei einem magern und entfräfteten Boden würde dies höchſt zwe&mäßig, und eis ne andere Wirthſchaftsart eher tadelhaft ſeynz| hier wird dieſe aber auf einem ſändigen, ſonſt guten Lehm boden ausgeübt, und zwar ſchon ſeit längerer Zeit aus? geübt, ſo daß ſich der bereits im Boden geſammelte Reiche thum von Jahr zu Jahre häuft und endlich eine Art von Hyperſthenie erzeugen muß. Auf den ſechs Schlägen, die alljährlich unter dem Pfluge ſind, wird aber nicht etwa gradezu auf Ausſau- gung hingearbeitet; ſondern es tragen deren zwey Be- ha>te- und Hülſenfrüchte, und vier Halmfrüchte, näm- lich zwey Winterung und zwey Sommerung. Unter Winterung iſt'aber hier nur Roggen und unter Somme» rung nur Hafer zu verſtehen. Weißen und Gerſte wird nicht etwa deshalb nicht gebaut; weil der Boden ſie nicht tragen würde; ſondern weil der Herr Graf ſeine beſon- dern Gründe dafür hat. Er iſt nämlich der Meinung, „daß ſeine Dienſtboten, als Schaffer 2c. bei Weißen und Gerſte mehr Unterſchleif machen, weil ſich dieſe Getreide- arten zu ſo mancherlei Zwe>en gebrauchen laſſen; und daß ſich denn auh die Auf- und Ueberſicht leichter führe, wenn ſtatt vier Getreidefrüchten deren nur zwey gebaut werden. Znwiefern er hierin Recht habe, kann jeden ſeine eigene Praxis am beſten lehren. Aber thunlich dürf- te es doch wohl nicht allenthalben ſeyn, dies nachzu- ahmen. Es wird hier viel Sommer- Roggen gebaut, und ich ſah dieſen hier in einer Länge und Stärke des Halms, daß ich ihn beinah für Winter- Roggen angeſehen hätte. Bei der außerordentlichen Kraft des Boden3 iſt die Sa- dhe wohl auch nicht ſo gar außerordentlich. Was aber den Herrn Grafen als Landwirth vor unzähligen andern auszeichnet, iſt: daß er nicht der Die- ner der Landwirthſchaft; ſondern dieſe ſeine Dienerin ge: nannt werden muß. Mehr oder weniger beherrſchen wohl auch andere Landwirthe ihr Gewerbe, aber dieſes Übt doch immer ſeine TüEe wieder aus, und ſtellt ihnen ſcmergeln, und mit der mehrfachen Wiederholung des Mergelns über die allertro>enſte Witterung einen- vollkfommnen Sieg davon trägt 2c- Wer ſo etwas mit, Zuverſicht behaupten kann, der iſt ein eben ſo großer und noch größerer Wohlthäter ves Menſcenſte Witterung einen vollkommnen Sieg davon zu tragen, ſo braucht man das ganze Jahr keinen Regenz und welcher Landwirth würde nicht gern das angenehme Loos haben, alle ſeine Arbeiten und länd- lichen Beſchäftigungen bei immerwährendem Sonnen- ſcheine zu machen. Der Beſitzer von Ober- Streydelwisz hat es nun zwar auf ſeinem ſonſt geringen Boden ſchon ſehr weit ge- bracht, und gewinnt Erndten auf demſelben, die man ſolchem AFer früher gar nicht zutraute, aber die große TroFenheit hat er doch noh nicht beſiegen können, und eine Reiſe nach Frauenmark iſt für ihn das Einzige, was er noh zu thun hat, um es ſo weit zu bringen, als nur 2dw, R, IT. Thl, 1, Abth, 7 ſeine kühnſten Wünſche reichen. Dann wird man, wenn erſt dieſes Licht weiter verbreitet iſt, einen guten Boden, dem die Dürre von Natur weniger ſchadet, jedem gern überlaſſen, der ihn theurer, als einen leichten"humoſen Sandboden kaufen will, und alle AFerarten werden gar bald in gleichem Werthe ſtehen." Wenn. dann nicht das goldene Zeitalter für die Landwirthſchaft eintritt, ſo er- lebt es das Menſchengeſchlecht auf dieſer Erde nie, - Die Ruſtical- Beſißungen in hieſiger Gegend ſind faſt alle von keiner ſonderlichen Größe. Selten enthal- ten ſie über 40=- 50 Morgen Aerland. Große Frei- | Scholtiſeyen findet man wenig, und auch dieſe enthal- ten nur höchſtens 4=- 5 Hufen, während man im Breslauiſchen deren von 10=- 12 Hufen antrifft. In und um Fürſtenau findet man viel Eiſenſtein, ver hier überall aufgeſucht und von den Bauern bis nach Neuſalz an die Oder gefahren wird. Dadurc< verdienen fie ein ziemliches Fuhrlohn, und es iſt dies ein nicht unbe» deutender Erwerbszweig für die ganze Umgegend. Sie befommen von dieſem Transporte, der ein und eine hals be Meile Entfernung beträgt, vom Kaſten 25 ſgr., und laden bei gutem Wege auf zwey Pferde einen Kaſten. Von Neuſalz gehen dieſe Erze zu Schiffe nach Berlin. Aber nicht blos für die Verfahrenden entſteht hier- aus ein Gewinn, ſondern auch für diejenigen, auf deren Feldern dieſer Eiſenſtein liegt. Es giebt, wie mir ver- ſichert ward, Bauern, die jährlich einige hundert Kaſten ſolcher Erze ausgraben und verkaufen, und für den Ka- ſten 6 ſgr. bekommen. Der Schaden, der durch dieſes Ausgraben dem Lande zugefügt wird, iſt de8halb höchſt unbedeutend, weil die Pläße, wo dieſe Erze gefunden 5 werden, die.noH dazu nahe an der Oberfläche liegen, ohnedies wenig Werth haben. Was ich allenthalben traf, das hörte ich auch hier beſtättigt, daß nämlich die Unterthanen unter geiſtlicher Herrſchaft weniger zu leiſten hätten, und ſich deshalb beſſer befänden als unter weltlicher. Die Haupt- Sommerfrüchte, die man hier in den Kreiſen von Freiſtadt, Sagan und Grünberg findet, ſind Heidekorn und Hirſe, auch baut man hie und da Somz mer- Roggen. Als Futterkraut baut man ſehr häufig das Spörgelgras. Den Anbau der Erdäpfel oder To- pinamburs fand ich faſt gar nicht, An Mühe und Fleiß laſſen es ſonſt die kleinen Grundbeſiker der hieſigen Gegend nicht fehlen. So fand ich überall Kinder und alte Leute auf den Straßen, die den Dünger ſammelten, den das vorübergehende Vieh hatte fallen laſſen. Häusler und Klein- Stellen- Beſißer bearbeiten ihre kleinen AFerflächen mit vieler Sorgfalt, und bebauen Plätze, die ihre Mühe ſelten reichlich loh- nen. Bei Grünberg findet man ſchon auf mehrerern Dörfern den Weinbau, Er macht zwar hier den Winz zer nicht reich, bringt aber, wenn der Jahrgang nur nicht allzurauh iſt, dennomäßig geweſen ſeynz weil da das Land einen weniger hohen Werth hat- --“ 103== te; weil man da wohl nicht den vierten Theil ſo viel Vieh hielt; und weil das Holz damals oft für weniger als nichts gehalten wurde. Da giebt es nun aber ſo ver- nünftig und konſequent ſchließende Leute, die da ſagen: was ſo viele Jahrhunderte beſtanden hat, und gut ge- weſeniſt, das muß es auch ferner ſeyn. Wir laſſen ſie in ihrer ſüßen Täuſchung und bedauern nur, daß uns dieſe Hutung nicht gehört, um verſuchen zu können, ob ſich dieſelbe' nicht beſſer nußen laſſe. Ein ſtarker Plaßregen nöthigte mich, eine halbe Meile von Beuthen in dem Wirthshauſe eines Dorfes Schuß zu ſuchen. Hier traf ich einige Bauern, die, als ſie mich ein wenig ausgeholt hatten, was wohl der Zwe ſeyn könnte, nach welchem ich ſo bei günſtigem und ungünſtigem Wetter liefe, ſehr bald zutraulich wur- den und manche ihrer ländlichen Verhältniſſe laut werden ließen. So kam unter andern die Rederauch bald auf die Frohnen, die ſie der Herrſchaft zu leiſten hätten. Wir wollten uns, meinten ſie, die Frohnen und Dien- ſte, die wir zu thun haben gern gefallen kaſſen, wenn wir nur nicht auf unſern Ae>ern durch die Schaafhu«- tung, die wir dulden müſſen, ſo beſchränkt wären. Wir können deshalb erſt im July brachen und auch den Miſt erſt nach Johannis hinausfahren. Dadurch meinten ſie ferner, haben wir nicht allein Nachtheil in der AFerbe- ſtellung, daß wir ſpäter damit anfangen und ſie nicht ſo vollfommen ausführen könnens ſondern ein großer Scha- den iſt auch dies, daß wir den Dünger erſt ſo ſpät hin? ausbringen und nicht im Frühjahre zu Brachfrüchten fah- ren können. Denn, meinten ſie ferner, ſie verldren hierbei nicht allein an der Menge des Düngers, ſondern auch an der Beſchaffenheit z weil ein ſo ſehr zergangener Miſt nicht auf allen ihren AeFern grade ſehr gut wirke. Da ſie einen ſandigen Lehmboden haben, ſo mag der all- zuſehr zergangene Miſt ſich vielleicht darin vertorfen, be- ſonders wenn er grade in der größten Hike untergefahren werden muß. y Dieſe genauen Beobachtungen aber zeigten von. Liebe zu ihrem Fache, und machten mir die Unterhaltung mit dieſen Landleuten ſehr angenehm.- I< tröſtete ſie, daß ſie dieſe Laſten jekt bald los werden würden, weil ja das Edict über die Gemein- heitstheilung bereits erſchienen fey. Da brachte ich ſie denn. auf ein Thema, was ſie bereits mehrmal discutirt haben mochten, und wodurch ſie nur näher an mich-her- angebracht wurden.- Ja! ſagten ſie, das Edict kann| recht gut ſeyn, wir verſtehen es aber niht, und die Gro-| ßen werden doch die Freiheit wieder nicht herausgeben. I< ſuchte ſie zu überzeugen daß nach unſrer Geſeßgebung und Verfaſſung dies gar nicht ſtatt finden könnte, aber ſie ſchüttelten ungläubig die Köpfe. Ja! meinten ſie, wenn einer aus unſerm Stande wäre, der die Sache recht verſtünde, und zu dem wir Zutrauen hätten, der bei der Commiſſion wäre, da würde es wohl ge- hen!=; Eine originelle Aeußerung thaten ſie über die Ark der Aufhebung der Frohnen. Site ſagten: die Herr- ſchaften ſollten nichts dafür bekommen 3 ſondern der Kö- j nig ſollte ſich dieſelben vergütigen laſſen, da könnte er| ſein ganzes Land bezahlen.] x| Dieſe Bemerkungen theile ih Ihnen deshalb mit, um den Sinn und Geiſt der Landleute kennen zu lernen und richtig würdigen zu können. Anhänglichkeit an König und Vaterland z dagegen Mißtrauen und Ab- - 105= neigung gegen die Grundherrſchaft, die ſie für ihre Zwingherrn anſehen, ſpricht fich unverkennbar darin aus. Aeußerungen hörte ich in andern Gegen- den. Soz. B. wurde ich an mehrern Orten wegen der vom Könige geſchenkten Freiheit gefragt, und dazu ward bald geſeßt, daß ſie die Herrſchaften wieder nicht heraus- geben würden. Bei dieſen Vorſtellungen iſt es aber nas türlich, daß ſie mit den Ablöſungen ihrer Dienſte nicht zufrieden ſeyn können, weil ſie die Meinung hegen, der Sinn. des Edicts ſei der, daß ſie ohne alle Entſchädigung ihrer ſammtlichen Verpflichtungen entbunden ſeyn ſollten. ES liegt aber hierin ein Fingerzeig, welche Vorſicht bei Publicationen ſolcher Edicte.ndthig iſt, um den gemei- nen Mann nicht in Irrthum zu bringen und Erwartun- gen in ihm zu erregen, die, wenn ſie nicht in Erfüllung gehen können, Bitterkeit und Widerſpenſtigkeit in ihm - erzeugen. ; Neun und dreyßigſter Brief. Meinem frühern Plane gemäß ſollte ich Sie nun- mehr, nachdem wir den niedern Theil von. Schleſien durcer ſind verque>t, die Ent- wäſſerung detſelben iſt ſchlecht eingeleitet, und doch wä2 re ſie wegen der undurchlaſſenden Unterlage des Bodens ſo höchſt nöthig. Wir fehen hier Kartoffel- AeFer mit Winterung beſtellt! Dieſen. Verſtoß gegen eine beſſere Fruchtfolge beſtraft aber nicht blos die Natur durc< ſchlechtes Gedeihen, ſondern auch wilde Schweine geben dieſen Landwirthen eine Erinnerung, daß ſie die Beſäa ung ſolcher Ae>er lieber bis zum Frühjahr hätten aufs ſparen ſollen 3 denn ſie haben die Saaten ſo zerwühlt, daß hie und da, beſonders in'der Nähe des Waldes, wes nig von ihnen übrig geblieben iſt. Es iſt in der That eine auffallende Erſcheinung im Wirken und Treiben des Menſchen, daß er ſo häufig einen Schaden erſt mehrmals und auf die empfindlichſte Weiſe erlitten haben muß, ehe er darauf aufmerkſam wird ,/ daß er dur< ein anderes Verfahren demſelben ſehr leicht entgehen kann. In hie ſiger Gegend kommt zu dieſer natürlichen Indolenz noc< ein hergebrachter Schlendrian, eine angeerbte Armuth und vorherrſchende Liebe zum Trunke.“ I< ſage eine angeerbte Armuth, und glaube dieſen Ausdru> grade am paſſendſten brauchen zu könnenz denn von Wohl- habenheit haben die hieſigen Landbebauer wenig Vorſtel- lung, bringen es auch höchſt ſelten dazu, weil ihnen ſo zu ſagen, hange zu ſeyn ſcheint, wenn ſie etwas vor ſich brächten, was ſie damit machen ſollten. Aus dieſer Verlegenheit reißen ſie ſich dann auch ſelbſt durch den. Brandwein,- Dieſelbe Erſcheinung kommt aber hier nicht allein vor; ſondern überall kehrt ſie wieder, wo der Boden an ſich nicht der dankbarſte iſt, und wo früher beſtandene oder noch beſtehende drüFende Verhältniſſe für den Landbau obwalten. Sie iſt auch in der moraliſchen Natur des Menſchen begründet; denn dieſer wird ge- wöhnlich ein Verſchwender, wenn er ſieht, daß es lange dauern würde, ehe er was vor ſich brächte. Das Vieh in den hieſigen kleinen Wirthſchaften ge- währt eben keinen ſonderlich erfreuenden Anbli>k. Da man wenig für Erbauung des Futters auf den Ae>ern bedacht iſtz das Gras auf den Wieſen aber meiſt ſauer und von ſchlechter Beſchaffenheit iſtz die Erndten aber ſo ſparſam ſind, daß man den Bedarf für den Menſchen kaum gewinnt, ſo iſt die Sache wohl ſehr natürlich: Und doh könnte dies alles anders und beſſer ſeyn. Der Boden iſt keinesweges von ſo gar ſchlechter Art. Er iſt ein ziemlich reicher Sandboden mit undurchlaſſender Un- terlage. Eine ſchnelle VerqueEung deſſelben folgt zwar hieraus. Dieſer wäre aber durch gute Kultur leicht vor- zubeugen, und der Boden wäre durch eine ſorgſältigere und beſonders tiefere Bearbeitung in ſeiner Tragbarkeit um vieles höher zu bringen. Futterkräuter würden, wie wir auch bald. in der Erfahrung beſtättigt finden wer- den, ſehr gut gedeihen, und der ganze Landbau würde ſich heben. Beſonders wäre dies auch durch die nicht SEHE RUien ET-<205= SEEN ar . PETER DE ES GERÄTES << IZ Hien- KBr=> --“ 108== grade ſc&nen nach der Klappmeierſchen Me- thode brennt. Bei dieſem Futter befinden ſie ſich aber auch vorzüglich und nähren ihre Lämmer beſonders ſo gut, daß dieſe beim Abſeken ſchon. Jährlingen gleichen. Die Lämmer werden alsdann wiederum ſo gut gefüttert und gehalten, daß man Jährlinge beim erſten Anbli> für zweyjährige hält.“ Sie kommen das erſte Jahr nicht » ks des zehn- ten Bandes der Möglinſchen Annalen verſuchten Heil: methode durch das Brennen mit, Gleich nachdem ich je- nes Mittel geleſen hatte, ließ ich vier Dreher, die ich in * meiner Heerde hatte, brennen. Sie waren aber leider in dieſer Krankheit ſchon ſo weit vorgerü>t, daß ich mir wenig Erfolg dieſer Kur verſprechen konnte. Der eine davon lag faſt immer im Stalle, und es zog ihm den Kopf nach der rechten Seite. Die andern gingen zwar noch mit der Heerde, wurden aber beſonders bei ſtürmi- ſcher Witterung ſo von dem Uebel befallen, daß ſie oft die ganz entgegengeſeßte Richtung der Heerde nahmen. Den No. 1. welchem es den Kopf ſo nach der Seite 309g, brannte ich auf 3 Stellen, nämlich vorn auf dem Obertheil der Stirn, an der Seite, wohin es ihm den Kopf zog über dem Ohre, und oben, beinah mitten auf die Hirnſchaale. Es blieb jedoch'alles fruchtlos, und nach 5 Tagen ließ ich ihn, da keine Hoffnung zur Beſſe- rung war, tödten, und den Kopf ſeciren. Da fand ich denn ganz unter dem Gehirn die Waſſerblaſe mit einer Menge jenes Griesartigen Anſaßes. Hier mußte alſo <- 2 Zübben Ane KE EGER. Ine EEE TIT - EHI ==" ILO. mmm das Brennen, ſelbſt wenn es früher geſchehen wäre, durchaus ohne Erfolg bleiben.< No. 2. ging zwar noc< mit der Heerde, drehte aber auch ſchon ſeit langer Zeit, I< fand bei ſorgfälti- ger Unterſuchung eine weiche Stelle mitten auf der Hirn- ſchaale. Hier brannte ich ihn denn ziemlich ſtark. Je- doch erfolgte kein Eitern, auch blieb die Haut feſt liegen. Es erfolgte keine Beſſerung, und das Thier ſtarb naß 10 Tagen. I< ließ die Hirnſchaale öffnen(das Bren- nen hatte ſie etwas geröthet) und auf dentobern Theile des Gehirn3 war nicht das mindeſte zu ſehen. Nachdem aber eine Lage, von etwa* Zoll ſtark von demſelben heruntergenommen war, fand ſich eine Blaſe von der Größe eines kleinen Hünerei's, die mit ganz klarem Waſſer angefüllt war. Von dem Griesartigen Anſaße war keine Spur da, und die Haut der Blaſe war völlig rein und weiß. Hätte hier das Brennen nüßen ſollen, ſo hätte das Gehirn müſſen durchgebrannt, oder mit an- dern Worten das Thier getödtet werden. Hier hätte das Trepaniren eher helfen können. Die andern beiden leben nom, aber mit wenig Hoffnung zur Beſſerung. I< gebe nun zwar gern zu, daß hier das Mittel zu ſpät angewandt ward, aber/-bei dem Siße des Uebels in No. x. und 2. hätte es auch bei früherer Anwendung nichts nüßen können. Aus dieſen Beobachtungen aber geht meines Erach- tens das für den Schaafzüchter ſehr traurige Reſultat hervor, daß das Brennen wohl vielleicht in einzelnen Fällen helfen kann, daß es aber wohl eben ſo oft frucht- lo8 ſeyn wird. Es als Präſervativ anzuwenden, dazu kann ich mich ſchwer entſchließen, weil ich bei dem Man- gel des hinlänglichen Vertrauens doch einige Beſorgniſſe enen. anna ale 22 u.-7 2858**..L1. 582% m.-<=er. Zwar ſind dieſe Wieſen nicht alle von der vor- züglichſten Qualität, aber er hat zu ihrer Verbeſſerung ſchon ſehr viel gethan. Da er nun daneben noern eine Menge Futter erbaut, ſo kann-es nicht fehlen, daß er den größten Ueberfluß haben muß. Seine Felder zeichnen ſich aber auch auf eine ſo auffallende Weiſe aus, daß, geht man auch ohne Führer durch die Feldmark, man ſeine Ae>er doch alle aus denen der Dorf- Inſaſſen leicht herausfindet. Er hat die hier üblichen hohen und ſcharfen Beetrü>en mehr geebnet, und 2 WA. ßroßen Vortheil davon geſpürt, Denn bei dieſen bleibt, da die Unterlage des Bodens undutchlaſſend iſt, in der Furche und an den Rändern der.Beete das Waſſer ſtehen, und die Früchte verſauern, wogegen bei Hrn. H-=-8 Ver: fahren der Boden vertieft wird und mehr gleichmäßig zu liegen. kommt; mithin die Frucht auch einen viel gleich? mäßſigern Stand annimmt, '"Da die undurchlaſſende Unterlage meiſt aus Letten, hie: kid da auch wohl aus Eiſenſtein beſteht, ſo theilt ſie dem Boden viel Kälte mit, weshalb es denn vortheilhäft iſt, im Herbſte mit der Beſtellung der Säat foviel als möglich zu eilen,» bagegen bei ver Frühjahrsfaat erſt die Durcer im Frühjahr ſpät ab, und oft, wenn ſie oben auch tro>en ausſehen, ſinkt das Zug-' vieh, wenn es darauf kommt, doch noch tief ein. | Herx H, hät die Dreyfelder- Wirthſchäft beibehal- | ten. Dä er, wegen des verhältnißmäßig außerordentz || lich hohen Viehſtandes, den er aus ven angeführten ] Gründen haben kann, ſo ſehr viel Dünger erzeugt, fo 1, find ſeine Felder aum dabei in einer außerordentlichen | Kraft und gewähren die reichſten Erndten. Es iſt in hieſiger Gegend Sitte, das Geſinde faſt fämmtlich auf Deputat zu ſeen. Es-hat dies ſein Vor? theilhaftes und Nachtheiliges: Lekzteres(ME bei hohen Getreidepreiſen, weil bei Deputat: doh in der Re- | gel mehr gegeben wird, als bei einer wöchentlichen regelz 2dWw, R, I, Thl, 1, Abth, 8 mäßigen Vertheilung nöthig iſtz Erſteres, weil die Herrſchaft aller Sorge auf einmal los wird. - Die Häuſer der Landleute, werden hier faſt alle, wie im Gebirge, von Sct. Frühere Behandlung und läſtender Dru> mögen dazu weſentlich beigetragen haben. Ihre Mundart'iſt ſlaviſc, Leß- terer iſt aber wenigſtens nicht größer als an unzähligen andern Orten; denn idie Bäuern haben zwar viele Ro- both oder Frohnen, dennoch aber ſind ſie Herren ihres Eigenthums. Es muß älſo die erſtere Urſach mitwir- ken. Annehinen läßt ſich zwar wohl auch, daß An- hänglichkeit än's Alte und Indolenz die iminer gehabten ſchlechten Pferde auch ferner beibehalten läßt, Hie und da hat man äber doh dieſe Gößen vont Throne geſtoßen, und'ihnen zum Troß ſtarkes und gutes Zugvieh ange? ſchafft. Auffallend beſſer beſtellt und beſtanden waren äber auch die Felder, wo ich ſolche Thiere ärbeiten ſah. ' Indem wir in Ober- Glogau den herrſchaftlichen Hof beſuchen wollen, haben wir uns durch ein Gewühl von Menſchen und hieven hindurch zu arbeiten, wobei Unſre geſunden Gliedmaßen, ja unſer Leben in nicht ge- 8+ =;"WIGE== ringe Gefahr kommen, Es iſt nämlich Viehmarkt,-Die-* ſer wird auf einem engen Plaße, der nicht mehr als eine ' Gaſſe“ iſt, abgehalten.- Das Pflaſtern dieſes Plates. wird dem darauf geführten Viehe überlaſſen, und mit Wohlbehagen kann. der Landwirth,- als Verehrer von geilem Boden, hier bis über die Knöchel darin waden. Wir arbeiten uns zwiſchen Pferden:hindurch und haben blos deshalb nicht das Unglü>- von diefen zu Krüppeln geſchlagen zu werden, weil ſie ſo enge beiſammen ſtehen, daß ihnen kein Spielraum zum Schlagen übrig iſt. Wie vortheilhaft: dies aber für. den, Verkäufer iſt, ſehen Sie ſchr bald. Denn welcher Käufer iſt da wohl im Stande, ein Pferd genau zu ſehen und zu beurtheilen,- Wird es auch aus. dieſem Gewühl herausgearbeitet, ſo iſt wieder- um Fein Platz da, um es zu prüfen und laufen zu ſehen. Man hat aber dieſen großen Uebelſtand endlich eingeſe- hen, und, wie ich gehört habe, abgeſchafft; indem man für einen geraumigern Ort zur Abhaltung dieſes Marktes geſorgt hat. Beim Eintritte in den herrſchaftlichen Hof ſpricht uns die hier herrſchende Ordnung ſogleich freundlich an. Die Düngerſtätten ſind aufs zwe>mäßigſte und nach Schweißer- Art angelegt. Die Ställe zeigen die größte Bequemlichkeit und Nettigkeit 3 aber in denſelben ver- geſſen wir alles übrige bey'm Anbli>e des unvergleichlich ſchönen Nindviehes.. Es iſt Schweißer- Race, und es ſtehen mehreve Original- Stüe hier, die aus den beſten Heerden der Schweiß ausgeſucht worden ſind. Und dennoch werden ſie von vielen hier gezogenen Übertroffen. Wir ſehen hier Thiere, die für das Vollendet'ſte in ihrer Art anzunehmen ſind,| Eine Eigenthümlichkeit der -=- 117== Schweißer- Kühe zeigt ſich auch hier ſehr häufig: es iſt die, daß ſie oft Zwillingskälber gebähren.| Die zur Herrſchaft" Ober- Glogau gehdrigen Schaafheerden ſtehen aber auf andern Vorwerken, und namentlich findet ſich die Elite in Glögelhen. Sie find von Herrn Wagner klaſſificirt und werden ſtreng nach den Klaſſen geſchieden gehalten, und ſind nach dieſen auf den Gütern vertheilt. Mein Unſtern»wollte es, daß ich, anſtatt nach Glögelchen nach Frebel kam, und dort nur die dritte Klaſſe ſah. Von der Anſicht dieſer allein iſt es mir denn nicht möglich, ein kompetentes Urtheil über die ganzen Heerden zu fällen, Etwas, was mich in hieſiger Gegend befremdete, war dies, daß man, troß dem ſchönen Boden, der„ſich faſt durhaus zum Weizen- Anbaue eignen muß, denſel? ben doch kaum auf dem dritten Theile deſſelben betreibt, Jedoch ſoll er, wie ich vernahm, in neuern Zeiten be- deutend zunehmen. Die geringe Maſſe von Dünger, die man wahrſcheinlich früher bei wenigerem Futterbaue, und den wenigen Wieſen, welcF hönen Wieſen geworden. Große Anſtrengungen,'und unſägliche Arbeiten waren nöthig, dies zu bewirken. Es mußten tiefe Graben geführt; es mußten der Stradune ihre tü>iſchen Anfälle verboten 5 es mußten Vertiefungen ausgefüllt, Höhen geebnet werden: ehe man mit dem „Werke zu Stande kam, und es dahin brachte, daß der ==" 1833=r Boden, den Tritt 1des Zugviehes ertrug... Jeßt wurden fie umgebrochen, mit Futtergemenge beſät, und das. andre Jahy ward unter dieſes, oder unter eine Halm?» frucht, je nachdem man-es am vortheilhafteſten achtete, Grasſaamen geſtreut. Da man dieſen von den edelſten Sorten nahm, und die auffommenden Gräſer mit der größten Sorgfalt pflegte, fo hatte man das dritte Jahr ſchon eine ſchöne Wieſe, und im vierten einen ſehr reich- „lichen Heugewinn.;; Nun glauben“ Sie abey wohl, daß dieſe Anſtren- gungen einen ziemlichen Kapitals- Aufwand. erforderten. Er iſt aber dennoch weit geringer, als wie ſich der, wels - cher aus Gemächlichkeit vor ſo etwas ſcheu-iſt, wohl vor- ſtellen magz denn es kommt der Morgen von den Wie? ſen, die die allermeiſte Arbeit erfordert haben, nicht über 15 Rthlx. zu ſtehen, Rechnen wir nun, daß ex früher niht 20 Nthkr, werth wav, und. nunmehr für 80 Rthlr. noch wohlfeil gekauft würde, ſo iſt denn doch die Mühe und Anſtrengung auf die reichlichſte Weiſe belohnt. Dieſe verbeſſerten Wieſen werden theils aus einem Bache, theils auch mit der überfließenden Jauche der Düngerſtätten gewäſſert. Dieſe ſind nämlich ganz nach Schweißer- Art angelegt, und jede mit einer Pumpe verſehen, wodurch die. Jauche über den ganzen Haufen gebracht wird. Was nun unten aus demſelben heraus» ſikert, das geht durc<.ein Ninnenwerk aus dem Hofe über den Bach hinweg auf- die Wieſen. Dey Düngev wird übrigens vom Rindvieh und den Pferden unter ein- * ander gebracht und gleichmäßig vertheilt, Not,- und es herrſcht auf dieſe Weiſe immer die größte TroFenheit und Rein- lichkeit im Stalle. Ueberhaupt gehören die ſämmtlichen hiefigen wirthſchafflichen Einrichtungen zu-“denjenigen, wo es auch dem Tadel ſuchenden ſchwer werden dürfte, einen zu finden.; Nächdem ich Sie nun mit der ſämmtlichen innern Einrichtung der hieſigen Wirthſchäft bekannt gemacht habe, führe ich Sie auch auf die Aeer. Hr. v. Pr. fand bei ſeiner Uebernahme die Güter in der elendeſten Dreyfelderwirthſker ſehr außer Düngung waren, folgt von ſelbſt. Es wär alſo hier zunächſt die Aufgabe zu löſen, wie man dieſem Mangel auf die ſchnellſte und wirkſamſte Art abhelfen könnte. In den Fruchtwechſel überzugehen, hatte Hr. v. Prittwiß zwey abhaltende Urſachen. Die eine und wohl höchſt wichtige war die, daß bei dem Mangel an Dünger unmöglich der Fruchtwechfel in den erſten Jah- - xen ein ſehr genügendes Reſultat liefern konnte; da be- ſonver3 mit dieſem Mangel auch no< ſchlechte Kultur verbunden war. Die andere war die RüFſicht, daß ex = 12225 125 enällen, bei ſeinen Gähnen nicht gern ſich in den Fall ſeßen wollte, eine Rotation hindurM, wo ihm die Landwirthſchaft noch Freude machte, wenig Früchte zu erzeugen, und dieſe erſt dann zu erndten, wenn höheres Alter das große Intereſſe an der Landwirthſchaft. geſchwächt hätte. - Dies. bewog ihn denn, ſein Wirthſchaftſyſiem der beſtehenden Dreyfelderwirthſchaft ſo gut als möglich an- zupaſſen 3 ohne jedoch den Hauptzwek deſſelben: Ver- mehrung der Viehzucht und der Bodenkraft, aus vem Äu- ge zu verlieren: Er läßt deshalb die Hälfte des Som- merfeldes mit Klee einſäen, und nüht dieſen im Brach-. jahre zu zwey auch wohl drey Schnitten: Nach dieſem wird er einführig zur Winterung beſtellt. Es iſt aber dieſe einführige Beſtellung in dem hieſigen gebundenen Lehmboden, aller Erfahrung zu Folge für die Winterung beſſer, als wenn man zwey auch wohl drey Furchen giebt, und ſich noch obenein um die höhere Benußung des Klees bringt. Die Urſach liegt wohl ſehr nahe. Zu Queen hat der Boden wenig Neigung, und ſie ſinden * fich bei nur einigermaßen ſorgfältiger Beſtellung faſt - gar nicht. Nun hat dieſer Boden einen ſehr gemäßig- ten Grad von Thätigkeit. Durch eine mehrfahrige Be- ſtellung werden die Kleeſtoppeln im Zerſeßen geſtöhrt; was bei einfahriger nicht der Fall iſt. Außerdem erhal-- ten die unter der Furche zu liegen kommenden Kleeſtop- peln den Aer lo>er. und verwahren ihn vor dem zu fe- ſten Zuſammenſeßen, was bei einem Boden von dieſer Art ſehr weſentlich iſt, Die andere Hälfte der Brache wird gedüngt und ein Theil davon mit Erbſen beſät. *Was nicht beſät iſt, wird.noc< vor Johannis umgebro: „hen und im Herbſte mit Weißen beſtellt. Nach dieſer Hälfte folgt dann nach der Winterung Gerſte mit Klee M 1730== und im' dtitten Jähre wird' die Ordnung umgekehrt: das heißt, es iſt nunmehr reine Brache und Erbſenſaat da, wo vor drey Jähren Klee ſtand, und. dieſer ſteht jeßt da wo reine Brache und Erbſenſaat war.„ Hier- durch entſteht venn eine fechsſchlägige Witthſcer, etwä den 5ten bis 4ten Theil abgeſchnitten, und dieſen dazu beſtimmt hat, im erſten Jahre Kartoffeln gedüngt, dann Erbſen und dann Korn zu trägen. In leßteres wird weißer Klee und Grasſaamen geſät, und.dann bleibt das Feld zu dreijähri- ger Weide liegen. Dieſe ſechs Weide- Koppelſchläge tra- gen denn auh ihre Rente ſehr ſicher. Wenigſtens war Die Weide, die ich darauf ſah, ausgezeichnet, und es konnte der Morgen leiht 10 Scer ziemlich gut und bearbeiten ihn überhaupt beſſer, als wie man dies anderwärts zu ſehen gewohnt iſt:. Sie ſollen dies jedoch, wie wohl überall, nicht eben mit der ſonderlichſten Luſt thun, und ſich bisweilen etwas aufs- fägig beweiſen. Uebrigens find ſie faſt alle wohl habend..(deu Ns Große Vortheile erwachſen äber dieſen Gütern, ſo wie der ganzen Gegend, aus der Nähe des Gipſes ,- der von hier aus nur einige Meilen weit zu holen iſt„und von" dem ich Ihnen in der. Folge noch, ſage, wenn wir nach Dirſchel zu den Gipsbrüchen kommen. Er wirkt hier beſonders gut auf den Klee. Man wendet ihn auch auf andere Blatkfrüchte an, ob man dies aber auh, wie in der Gegend von Nimptſch auf Halmfrüchte thut, habe ich nicht erfahren können.;( Außerdem aber findet man häufig Mergel und Mo»- ver in den Thalſchluchten zwiſchen den Lehmbergen. Hier in Gröbnig liegt ein reicher Kalkmergel, der gegen 89 --- 90 pro Cent Kalkgehalt hat, und der auf dem hieſi- gen gebundenen Lehmboden ſehr vortheilhaft wirkt. Ein und vierzigſter Brief. Der milde und reiche Lehmboden, den wir bei Leobſchüß finden, nimmt allmählig ab, wenn wir uns- weiter gegen Jägerndorf wenden. Von hieraus ſüdlich, zieht ſich nämlich"das ſogenannte Mähriſche Geſenke,; ..--. T20= d. i:- eine' etwas verflachte Gebirgskette, und es iſt eine Bemerkung, die ich faſt überall beſtättigt fand, daß da, wo der ſüdweſtlich an Scleſien hinlagernde Gebirg8zug ſich ſenkt, auch die Gegenden, die mit ihm parallel lau- fen,“einen geringern Boden haben. 4 - Sndeß iſt die Abnahme.der Güte des hieſigen Bo- dens nicht ſo'groß, daß er nicht noh ſollte zu den guten Aferarten gezählt werden können. Es iſt noch ein Lehm- boden; nur etwas ſtrenger und weniger reichz. auch ha- ben die Höhen; hie: und da' ſchon Sand und Kies. An Wieſen iſt kein ſonderlicher Ueberfluß, Dies vermißt man: aber nicht; ſo gar ſehr, da der" Boden guten Klee trägt. Dieſen baut man ſehr häufig; ſo wie es die Bauern der hieſigen Gegend überhaupt an Fleiß nicht; fehlen laſſen. So fahren ſie z.B. aus einer Entfernung von 2.-=='3 Meilen den Moder, unter dem'Namett Schlamm. an.- Es liegen nämlich in den engen Thälern von: Wonawißt und der. Umgegend mächtige Läger: von zuſammengeſchwemmten Moder. Dieſer iſt weder ver2" torft, noch mit überflüßiger Säure angefüllt, und wird däher mit dem größten Vortheile ſogleich auf die-Ae>er gefahren: Man bezahlt für das Fuder etwa 8 Ggr. Dieſer Preis iſt freilich nicht zu hoch; rechnet man jedoch die Fuhre dazu, ſo kommt er doch ziemlich theuer: Deſ=: ſen ungeachtet ſcheut man es nicht, ihn ſo viel nur immer die Zeit geſtattet ,- heränzufahren. Die Gegend nahert ſich ſchon dem Gebirge, und in dieſem iſt fäſt überalt der Fleiß größer, als im flachen Lande, !„In-Löwißz finden wir"an dem Herrn Grafen von 'Sedlinißky einen eben ſo intelligenten als thätigen Land» - wirth. Seine Felder gewähren durch ihre ſorgfältige Beſtellung, und„die durch. reihen Mergel vermehrte -.22dwe R, I], Thl; 3, Abth, 7: 258 +"--/ -. 130== Düngung einen eben ſo erfreulichen Anbli> ais reichen Ertrag. Die Viehzucht iſt eben ſo gut beſtellt, und ſteht auch die Schaafheerde nicht auf der hdhſten Stufe, ' ſo gehdrt ſie doch ſchon zu den guten. Wä hier aber nicht allein, ſondern in der gänzen Gegend den freien Betrieb der WirthſcEten Früchten. 7) Wien und Erbſen.| 8) Roggen mit weißem Klee eingeſät. 9) Weide. r0) Roggen. LT) Hafer.. 9* -- 132=- Sie werden bey'm erſien Ueberbli> diefer Frucht- folge ſogleich) das ausſeßen, daß bei ihr zu wenig auf Erbauung von Stroh und Körnern Rüſicht genommen iſt; denn da in eilf Jahren nur fünf Halmfrüchte vor- kommen,, ſo iſt, wenn man den Brachſchlag abrechnet, die Hälfte des ganzen AFers auf Futter verwandt. Iſt nun auch gewiß, daß bei einer unter ſolchen Umſtänden erbauten überwiegenden Futtermaſſe der Aer in eine Überſchwengliche Kraft verſeßt werden kann, und daß die aufihm erzeugten Früchte bei dieſer Kraft einen außer-- ordentlich reichen Ertrag geben müſſen, ſo giebt es doch auch hierin ein non plus ultra. 7 Damit will ich nun aber nicht widerlegen, daß man auch bei der geringern Fläche, worauf hier Halmfrüchte erbaut werden, deren eben ſo viel und auch noch mehr gewinnen kann, als bei einer magern Dreyfelderwirthſchaftz; aber nur das iſt zu bemerken, daß man deren hier auch wirklich bedeutend mehr erbauen muß, um ſich in Hinſicht des Strohbedarfs bei einer ſo reichlichen und kräftigen Viehzucht in's gehd- xige Gleichgewicht zu ſeken. Vebrigens iſt wohl nicht zu leugnen, daß alle Früchte, wie ſie hier auf einander folgen, beinah gera- then müſſen und nur bei höchſt ungünſtigen Jahren zu- rüFſchlagen werden. Deshalb iſt auch der Fruchtfolge an ſich nichts auszuſeßen, ob ſie ſich gleihwohl, zur ſchneller und ſicherer eingehenden höhern Rente, etwas anders ordnen ließe. n Von hier herüber naec< Troppau trifft man faſt lauter guten Lehmboden an. Die Beſtellung deſſelben wird mit nicht geringer Sorgfalt verrichtet, Man ſeßt den Ruhrhaken fleißig in Bewegung, der hier beinah ein Mittelding iſt zwiſchen dem, den man im flachen Lande und dem, den man im Gebirge anwendet. Er hat näm« j ; 4ich wie ver erſte, ein Vordergeſtelle mit Rädern, iſt abey 'hinten in dev Krümmung zwiſchen den Sterzen und un- ten am Schaare, wie letzterer gebaut. Weißen erzeugt man in der Gegend viel. Der :Kleebau'iſt allgemein, auch bei ven Bauern. Die Mo-- derung und Mergelung betreibt man ſehr fleißig. Man arbeitet den AFer in ſehr breite Beete, die meiſt die (Breite von zwey und mehrern Ruthen haben. - Die Lage der Gegend iſt hoch und das Terrein wel- lenförmig. Der Winter tritt früher ein und hört ſpäter auf; als wie einige Meilen nord-öſtlich in den Niederun- gen. Denno liebt man im Herbſte eine ſpäte Saatbe- ſtellung, weil-man Dieſe faſt jedesmal vortheilhafter be- Funden haben will, Näher an Troppau hat man jedoch dieſen Glauben nicht, undeilt im Herbſte ſo viel als mög- lich. mit der Einſaat. Wahrſcheinlich iſt hergebrachte Gewohnheit mehr Urſacnen des AFers und die ſpäter eintretende Wärme keine zeitige Einfaat. Man ſät faſt alles oben auf, und nur ſehr ſelten ypflügt.man „den Saamen unter. Die Gebäude der Landleute ſind von Holz und Lehm, meiſt mit Stroh gede>t. Die Dominial- Gebäu- - de leuchten dagegen faſt überall ſchön, mitunter prächtig aus den Dörfern hervor. Beſonders hat man viel auf Erbauung von guten und ſchönen Schaafſtällen ver- wandt, ALB; Der Volksen unterhalten haben, ſo gebe ich Ihnen hier noch als Zugabe ein wahres Muſter einer landſchaftlichen Taxe. Das Gut, wovon vie Rede iſt, liegt nicht weit vom Rieſengebirge, in einer gebirgigen Gegend. Die Acer deſſelben ſind ein guter Mittelboden für eine ſolche Gegend zu nennenz jedo< kommen in demſelben nicht unbedeutende Stre>en vor, die mit Steingerölle ſo überſät ſind, daß ſich die Saat durch daſſelbe hindurch drängen muß. Von dieſem Gute beſteht aus.den 9oger Jahren des. vorigen Jahrhunderts- folgende Abſchäßung. Mehr als ein Drittheil davon iſt als Weißenboden. gewürdigt und zu 6 Korn Ertrag angeſchlagen. | Das andere zu Roggen a 5 Korn. zu Gerſte a 5 Korn. zu Hafer a 5 Korn. zu Erbſen a 5 Korn. Eine Kuh jährlich zu 8/ Nthlr.' Ein Schaaf jährlich zu x Rthlr. Die Wäldnükung iſt höher angenömmen, ats fie auch bei dem allerſtärkſten Holz- Einſchlage jemals zu bringen iſt. Die Ausgabett dägegen kann ſich jede Wirthſchaft zum Muſtex nehmen; Sie ſind folgendermaßen bes rechnet: x) Beſoldungen x60 Rthlr.(NB. davon wird gegen? wärtig ein Amtmann für 260 Rthir., ein Schreiber für 50 Nthlr. und ein Förſter für 100 Rthlr. unterhalten.) 2) Geſindelohn 69 Nthlr.(Es ſind gegenwärtig da: ein Vogt, mit jährlichem Lohne von 40 Rthlt., 5 Knechte, jeder mit x58 Rthlr./ 5 Mägde, jede mit 12 Nthlr. und 5 Jungen, jedet mit 9 Rthlr,) 3) Witrthſchäftsnothdurft 60 Nthlr.!!! 4) Schäferei- Unkoſten 30 Rthlr,(NB; auf 650 Stü>.) 5) Insgemein 51 Rthlr.! Weiter läßt ſich die Billigkeit füglich nicht treiben. Dadurch iſt aber auch das Gut auf mehr als 90,000 NRthlr. abgeſchäßt, ind würde bei jetziger beſſerer Kültur, als dämals, dennoch mit 60,600 Rthlr. nicht zu wohl: feil gekauft werden. Wenn män im Gebirge den Weiken zu 6 Korn und älle übrigen Früchte zu 5 Korn Ertrag annehmen kann, ſs muß man mit ſehr fruchtbaren Ideen an's Werk gegan- gen ſeyn: Welch? ein ſchäßbares Buch könnten äber ſolche Taxätoren über wohlfeile Bewirthſchaftung eines Gutes von mehr als 90,060 Nthlr. nach dieſer Taxe an Wers the, ſchreiben, wenn ſie därin bewieſen, däß mani yus die in derſelben angegebenen Ausgaben nöthig habe; und tie verdient könnten ſie ſich dadur< um die Land- wirthſchaft in unſern Zeiten mähen, wo wir mehr als = 136 wtf jemals eine ſolche wohlfeile-Bewirthſchaftungsart nd- thig haben!=: Gi Für diejenigen aber, welche dann ſehr gut und wohlfeil zu kaufen glauben, wenn ſie für ein Gut nicht mehr als die landſchaftliche Täxe bezahlen, ſind derglei- zu obiger Abſchäßung könnte ein, Gut dienen, was in einer andern Gegend und zwar im fruchtbarſten Theile des flachen Landes liegt, was land- ſchaftlich auf 26,000 Rthlr. abgeſchäßt und'vor nicht gar langer Zeit für 64,000 Rthlr.(nach der Ausſage“ ſehr vieler Sachverſtändigen) gar nicht zu theuer gekauft worden iſt.' 44 Ich kenne zwey Güter, die in ihren Revenlten wiä- nig verſchieden ſind, und die auch faſt ganz gleiche mo*. natliche Steuer zahlen 3- wovon aber das eine zu: I5,000 Rthlr,. und“ das andere zu 32,000 Rthlr. landſchaftlich vori ein und denſelben Taxatoren-abgeſchäßt-worden. iſt: Dieſe Beiſpiele ſind aber, wie mich dünkt, Be: weiſes genug, auf wie unſichern Grundlagen man- die? ſes Geſchäft noch betreiben muß.- Esiſt zwar in neu-; ern Zeiten ſehr viel zur Abhülfe des Mangelhaften in dieſer Sache gethan, und dergleichen ſchreiende Miß- griffe. werden nunmehr wohl nicht ſo leicht vorfommenz aber doch iſt- eine dergleichen Abſchäßung immer noch nicht ſo zuverläſſig, daß man ſie mit unbedingtem Ber- trauen bei einem Anfauf-zur Richtſchnur nehmen. könnte. In meinen nächſten Briefen führe ich Sie nach der Mark Brandenburg, und von da vurch das. Deſſauiſche:“ nach Sachſen,' -- 137= Nacht re ai84 IT< habe in der zweyten Abtheilung des erſten Ban: des dieſer Reiſen bei Beſchreibung der Gegend von Guh- rau einer über alle maaßen ſchlechten Bauern- Schäferei erwähnt. Da es mir mehr Freude gewährt, von mei- nem Vaterlande etwas Gutes als etwas Nachtheiliges zu ſagen, ſo iſt es mir beſonders angenehm, bemerken zu können, daß ich bei einer ſpätern Reiſe durch dieſe Ge- gend eine Bauern- Wirthſchaft kennen gelernt habe, die in jeder Hinſicht der Aufmerkſamkeit des Landwirthes werth iſt. Der»Mann, welcher dieſelbe führt, heißt Jäckel, iſt Beſißer eines Freibauer- Gutes in Jaſtersheim, und bewirthſchaft daſſelbe ſo muſterhaft, daß ich ihm meine größte Achtung öffentlich hierdurh zu bezeugen, um ſo weniger Anſtand nehme, da er dur< ſein gutes Beiſpiel auf die übrigen Dorf- Inſaſſen höchſt wohlthä- tig wirkt. Er beſtellt ſeine Felder nach richtigen rationellen Grundſäßen, welches er um ſo mehr im Stande iſt, da ihm die neuere ökonomiſche Literatur gar nicht fremd iſt. So hat er Thaers Schriften geleſen, und von dem erſten Bande meiner landwirthſchaftlichen Reiſe wußte er ſo vie- les, daß er mich durch Anführung einzelner Stellen aus mehrern Briefen ziemlich in Verlegenheit brachte. Den Futterbau betreibt er ſehr ausgebreitet,-und der gute Zu- ſtand ſeines Viehes iſt ihm der erfreulichſte Lohn für die hierbei angewändte Intelligenz und Mühe. Auf dem Boden ſeines Schaafftalles fand ich in der Mitte des Fe- bruärs. noh nicht unbedeutende Vorräthe von ſehr ſchö- nem Kleehen. Seine Schaafheerde war im beſten Zu- ſtande, und in jeder Art das gerade Gegentheil von ge- wöhnlichen Bauernſchaafen. Denn ihre Wolle hat l -- 138,== ſchon eine ziemliche Güte, und galt auf den lekten Bres- lauer Wollmärkten ſchon mehr als das Doppelte der ganz 11,58; er keine Koſten auf gute Böe und Mutterſchaafe. Auch | hat er ſich ſchon ſehr richtige Kenntniſſe in Hinſicht der Scaafzucht erworben, und es iſt mit Recht zu erwarten, daß er gar bald eine kleine Heerde ſehr vorzüglicher Scaafe aufzuweiſen haben wird.' Dur Beiſpiel und Aufmunterung hat er ſeine Mit- bauern dahin gebracht, daß ſie jeßt faſt alle mit Eifer | nach dem Beſſern ſtreben. So hüten ſie z. B. den Som- 44 mer hindurch bis zu den Stoppeln nicht mehr mit ihrem Rindvieh auf den Feldern, und betreiben überhaupt den Futterbau ſo ſtark, daß es faſt allen möglich wird, ne- ben der Sommer- Stallfütterung nicht unbedeutende Quantitäten Kleeheu zu gewinnen. Wie wohlthätig würde es für unzählige Dörfer ſeyn, wenn ein Mann wie Jä>el mit ſeinem Beiſpiele voran- ginge, und dadurch die andern zu einer beſſern Wirth- ſchaft- Führung aufmunterte! Denn grade von ſeines Gleichen will der ſchlichte Landmann am liebſten belehrt ſeyn, und grade ſeines Gleichen macht er am erſten et- was nach., women Berichtigung. Ueber die im lezten Briefe angegebene landſchaftliche Taxe habe ich hier nachzuholen, daß dieſelbe, wie ich ſpäter erfahren habe, auf den Grund vorgelegter Wirth- ſchafts- Rechnungen angefertigt worden, mithin wider- legt iſt, daß ſie zu hoch ſeyn könnte. ordinären. Um ſie aber immer weiter zu bringen, ſcheut- 0eI8 1000/6 enuh eeßeh P08 mollex 1210