Uniw-Bib,. Siess en 5 Geſ zu erziehen übrig bleiben, dem beweiſe dieſe Mdgs lichkeit, wer da kann und will ,..ich„vermag es nicht,“Für. die„Wahrheit der. in dieſem Buche erzählten Dinge glaube ich mich ver? bürgen zu"können, einige wenige mir ganz unbekannte-ausgenommen; X LIT Ein Umſand bewog mich, hier uur den erſten Theil der Preſſe zu übergeben; ich fand nemlich das vierte Kapitel, welches von der Schaafzucht in den preußiſchen Staaten han? delt, ſehr unvollſtändig, Seit Hr. Laſieyrie ſeine Reiſe machte, wobey er die preußiſchen Staaten kaum berührte, iſt in denſelben viel für die-Veredlung der Schaafzucht geſchehen z ſie macht hie und da, beſonders in Weſt- und Südpreußen, raſche Fortſchritte, und wird ſie 'hoffentlich auch in Oſt-Preußen machen. JIn den Marken, in Pommern, in Schleſien, im Anſpachiſchen, im Magdeburgiſchen wird mit mehr oder weniger Eifer daran gearbeitet, I 37. Viertes Kapitel, Eaſen. S 5 3 S. 38= 48. Fünftes Kapitel. Die Preußiſchen Staaten.. S. 49= 58, Sechſtes Kapitel. Die Oeſterreichiſchen Staaten und. andere Gegenden, Deutſchlands. Ä S, 539= 65. Frankteich« 4. Siebentes Käpitel, . S, 66-- 137. Achtes Kapitel. Holland. 9 S. 158= 164. Neuntes Kapitel. Das Vorgebürge der guten Hoffnung. Zehentes Kapitel, ?""'S"170 Italien. S. 165 Eilftes Kapitel. Großbritannien, S. 136 -- 169: 185+ 23 Geſchichte L der Einführung der ſpaniſchen feinwolligen Schaafe in die verſchiedenen europäiſchen Länder und auf das Vorgebürge der s guten Hoſſnung. Erſter Theil, Crſtes Kapitel, Akigemeine Ueberſicht der Naturaliſirung der Merinos. k: 5 Vortheile, welche für die Landwirthſchaft und den Handel eines Staates aus der Vered- lung der Schaafzucht entſpringen, waren denen Regierungen in Europa ſeit langer Zeit bekannt; allein Unwiſſenheit und Vorurtheile ſtanden ihren Abſichten im Wege, und es verfloß eine lange Reihe von Jahren, ehe man ſuchte einen Ge- danken auszuführen, an deſſen Ausführbarkeit beynahe allgemein gezweifelt wurde, Minner, deren Vaterlandsliebe und deren Kenntniſſe ſie gleich ehrwürdig machen, bemühe- ten ſich endlich mit raſtloſem Eifer, ihre Mitbür- ger über dieſen Punkt aufzuklären, und ihnen durc Thatſachen zu beweiſen? daß die Natur 8 dem Gedeihen der feinwolligen Shaafe in keis nem von dem ihrigen verſchiedenen Clima entge? gen arbeite, ſondern vielmehr die Verſuche des Kunſtfleißes zu begünſtigen ſcheine, Unter den verſchiedenen Männern, welche ſic; ein großes Verdienſt um ihr Vaterland in dieſer Hinſicht erworben haben, verdienen Alſird- mer in Schweden, Kdnig in Sachſen, Fink in Preußen,*) Graf von Magnis in Schleſien, Daubenton und Gilbert in Frankreich, Tweut in Holland und Nelſon in Dännemark genannt zu werden. Schon beynahe vor einem Jahrhundert führte Schweden ſuperfeinwollige ſpaniſche Schaafe oder Merinos bey ſich einz ſie ſind in jenemrau- 7) Herr Fink iſt eigentlich Pächter in Cöſiß im An- halt-Cöthenſch-n und hat erſt lange, nachdem er die Veredlung ſeiner Schäferey unternomyzen hat, das königlich preußiſche Domainen-Amt Peters? berg in Pacht erhalten. Doch ſchwächt dieſes nicht ſein großes Verdienſt um die Veredlung der Schaafzucht im Preußiſchen, 5 hHeiw Elima einheimiſch geworden, Norwegen und andere nördliche Länder in Europa thaten vor ohngefähr 50 Jahren, zu einer Zeit, da man jene Nationen in Frankreich' Barbaren nannte, ein Gleiches mit ähnlich glüFlichem Erfolge, Ein verdorbener, verſchwenderiſcher Hof verlei- tete die Franzoſen zum Luxus und zum Vergnüs- gen; ſie ließen ſich durch den falſchen Schein einer eitlen Größe verblenden, und vernachläſſig- ten die Srudien und Arbeiten, welche den Wohl- ſtand und die Dauer der Staaten begründen. So ſehr Frankreich von der Natur begünſtigt iſt, ſo war und iſt daſſelbe uoch auf manche Art in Rückſicht des Kunſtfleißes gegen andere Län- der zurück. Man wird aus der Darſtellung der folgen? den auf die Veredlung der Wolle Bezug habens den Thatſachen erſehen, wie viele Zeit und welche Mäühe es uns koſtete, auf den Punkt zu gelan? gen, den wir endlich erreicht haben, Leſer, welche wiſſen, was fremden Ländern in dieſer Hinſicht geſchah, werden erſtaunt ſeyn, daß ſo große Hinderniſſe eintreten konnten, die 6 es nicht erlaubten, auch hier dasjenige auszufüh» ren, welches eine lange Erfahrung bey einigen Bölkern als wahr bewieſen hatte, mit denen wir in der engſten politiſchen Verbindung ſiehen z; allein, wie ich ſolches in dieſem Werke noch ver- ſchiedentlich zu zeigen Gelegenheit haben werde? die Völker ſind noch nicht genug aufgeklärt, und manchen Regierungen liegt das allgemeine Wohl noch nicht genug am Herzen, um zu wahrhaft nüßlichen Verbeſſerungen aufzufor2 dern, und dieſe zu beſchleunigen. Doch iſt der ſeit einiger Zeit glüFliche Forte gang der Anzucht der Merinos in manchen Länz dern verſchiedenen Regenten aufgefallen; ſeitdem haben ſie dieſen wichtigen Zweig der Landwirth- ſchaft mächtig unterſtüßt, indem ſie entweder Schaafe dieſer Art in ihre Länder eingeführt, oder die Vermehrung der ſchon darin befindlichen einheimiſch gewordenen begünſtigt haben. Man bemerkt in Deutſchland, daß das Beſtreben die? fen' Zweig der Landwirthſchaft ſeiner Vollkom- menheit immer näher zu bringen, täglich unter den Landwirthen allgemeiner wird, 7 I< glaube in meiner"Abhandlung von den Schaafen 2) bewieſen zu haben, daß die Fein? heit der Wolle in Spanien weder von denen Wanderungen, nog von der Beſchaffenheit des Bodens, noch vom Clima, noch von denen Weis den abhängt; ſondern daß ſie andern Urſachen zugeſchrieben werden muß; und daß es in Frank- reich ſowohl als in andern Ländern möglich iſt? Wolle von eben der Güte wie in Spanien zu gewinnen. Die auf meiner Reiſe durc) das ndrdliche Europa geſammelten Erfahrungen ha? ben mir dieſe Wahrheit aufs Neue bewieſen. In den mehreſten Schäfereyen, deren Heerden ich genau unterſucht habe, habe ich Wollen ges funden, welche ſowohl dem Anſehn als dem 2) Dieſe Abhandlung führt im franzöſiſchen fol? genden Titel: Traite Sur les betes 3 laine d'Espagne, Paris, chez Madame Huzard, an VII; ſie iſt ins Deutſche von Herrn Hübhe unter dem Titel überſeßt: C. P. Laſteyrius 26. Abhandlung über das ſpaniſche Schaafvieh u. l. w. Hamburg, bey Villaume, 1800, A. d. U. 8 Gefühle nach, än Feinheit und Schönheit der Segowiſchen und Leoneſiſchen gleichkommen, der? geſtalt, daß man meines Erachtens nie von ſpaniſcher Race verkaufen wür? den; es wurde auch von gedachtem Jahre an bis 17809 auf den Verkauf feiner Wolle von gu- ter Beſchaffenheit eine Prämie von 25 Procent bezahlt.“ Im Jahr. 1780 wurde ſie auf 15 Proz cent, 1786 auf 12 herabgeſeßt, und endlich) 1792 ganz aufgehoben, Rach denen mir von dem Herrn Schulzen? heim, einem Mitgliede der Academie der Wiſ- ſenſchaften zu Sto&Xholm, mitgetheilten Anga? ben iſt es gewiß, daß die von 1755 in die dffent- lichen Magazine: und an die Manufacturen in Schweden verkaufte inländiſche feine Wolle einen Werth von 3,4902, 961 Franken*) betragen, 6) Ein Franke(Franc) enthält 10 Decimen zu 10 Centimenz und der Werth eines Livre iſt 9 Decimen, 9 Centimenz; im Cours gelten beide gleich. 4 Franken machen ohngefähr einen Tha- ler Preußtſc<) Courant aus; dieſe Summe-be- trägt alſo ohngefähr 850, 740 Nthl. Prßl. Cou- rant. A, 16 X4 und daß die Regierung in eben dieſem Zeitraume 3, 413,459 Franken 7) zur Aufnahme dieſes Kunſifleißes verwendet hat, Es iſt aber in die? ſem Zeitraume weit mehr feine Wolle in Schwe- den gewonnen worden; allein ein Theil derſele ben iſt bey den Landleuten', welche dort ihren Bedarf an Tuch und andern Wollenzeugen ſelbſt verfertigen, verarbeitet worden. Ueberdem iſt die Entfernung derer Magazine, woſelbſt die Landleute ihre Wolle, um Prämien zu erhalten, abliefern müſſen, und die allmählige Vermindes rung dieſer Prämien Schuld geweſen, daß die abgelieferte Wolle mit der wirklich gewonnenen in gar keinem Verhältn ſſe geſtanden hat, Es verdient bemerkt zu werden, daß die Eins fuhr der Wolle aus Spanien in dieſem Zeitraum von 40 Jahren in Schweden nicht mehr als den Werth von 2,023,040 Franken 8) betragen, daß folglich der Werth der im Lande gewonnenen 7) oder 353362 Rthlr. Pr6l. Cour, A, d. Uy. 8) oder 655760 Nthlr. Prßl, Cour, A, d. un 35 feinen Wolle den der eingeführten.um 779,92 Franken*) übertroffen hat. Obgleich die Verfertigung feiner Tücher ſich in: Schweden vermehrt hat, ſo hat fich doch die Einfuhr der Wolle aus Spanien ſeit 1790 aufs Neue ſehr vermindert. Man wird ſich vielleicht wundern, daß die in Schweden einheimiſch gewordenen Merinos ſich ſeit ohngefähr 60 Jahren nicht hinlänglich genug vermehrt haben, um denen Manufactu? ren den ganzen Bedarf an feiner Wolle zu lie-' ſern. Allein außer denen hiezu beytragenden; hier zu entwikeln zu weitläuftigen politiſchen Urſachen, kann man dieſe langſame Vermehrung auch noh andern moraliſchen und phyſiſchen Urs ſachen zuſchreiben. Hier, wie an andern Orten, veranlaßt der- Eigennutz die Woll- und Tuchhändler die inlän- diſche feine Wolle herab zu würdigen; und es wird ihnen leicht ſie im Handel unter ihrem Wer- 9) oder 194980 NRthl, Prßl. Cour, 16 the zu halten. Der mäßige Preiß einiger deut- ſcher feiner Wollarten, beſonders der Eiderſtädt- ſchen, welche leicht einzubringen iſt, ſteht der Vermehrung der Merinos auch ſehr im Wege. Größtentheils haben ſich nur reiche Gutsbe- ſitzer mit der Erziehung feinwolliger Schaafe abgegeben.. Der Bauer beſit in Schweden ge- wöhnlich uur wenige Schaafe, und verfertigt: ſeinen Bedarf an wollenen Zeugen ſelbſt; er mußte alſo ſeine alte Schaafrace*) beybehalten, weil er nar von dieſer die ihm unumgänglich ndthige lange und grobe Wolle erhalten kann, Es iſt übrigens in Schweden ſo gegangen, wie wir es auch bey uns ſehen. Troß aller vielfältigen Beweiſe des Gegentheils glauben noc< 10) Derſelbe Fall findet in den mehreſten Ländern, wenigſtens in ſehr vielen ſtatt, und wird wahr- ſcheinlich noch lange ſtatt finden; denn der Bauer bildet ſich ein, die grobe lange Wolle ſey wärmer als die fürzere feine ſpaniſche. Doch wird ſich dieſes mit der Zeit gewiß ändern, ſo wie es ſic ſchon in England geändert hat, A, d,|U. 17: noc< manche Menſchen heute, daß die Race dex Merinos gar nicht geägnet iſt, dort im Lande fortzufommen. Andere im Gegentheil bilden ſich ein, daß dieſe Schaafe ſich ſelbſt überlaſſen werden können, und gar keine ſorgfältige War- tung verlangen z; ſie behandeln ſie ganz, wie man die dortigen Landſchaafe zu behandeln gewohnt iſt, das heißt: man ſperrt ſie in dumpfige, feuchte, ſhmußige Ställe ein, in welchen die Luft durch eine übermäßige Hiße noch mehr ver- dorben wird; man ernährt ſie darin einen Theil des Jahres hindurc<& mit einer unzureichenden Menge ſchlechten Strohes oder verdorbenen Heues, und weidet ſie den andern Theil in Wäl- dern oder an den Rändern der Sümpfe, und auf naſſen, magern Weiden, wo ſie weder hinläng- liche noch geſunde Weide finden. Man hat aber doch bemerkt, daß die ſpaniſchen Schaafe bey dieſer fehlerhaften Behandlung da, wo ſie ſtatt findet, nach und nach unmerkli< ausarten, und daß die Wolle weniger fein, im Anfählen rau- her wird und ihre Länge verliert, IT< habe ſehr viele Heerden von ſpaniſcher Race in Schweden geſchen, und ich habe deutlich BV 18 bemerkt, daß dieſe Thiere allemal da an Schdn- heit und Feinheit der Wölle verloren hatten, wo ſie unachtſamen, nachläſſigen Schäfern überlaſ- ſen geweſen oder noch waren; da ſie hingegen bey denen Beſitzern, die ſorgfältiger damit um- giengen, Wolle trugen, die ganz die urſprüng- liche Schönheit beybehalten hat. Da ich dies ſelbe Bemerkung in Holland und in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands gemacht habe, wie ich es weiterhin erzählen werde, auch die beſien Wirthe in dieſen verſchiedenen Ländern, welche ich darüber befragt habe, dieſe Ausartung den angeführten Urſachen zuſchreiben, ſo rathe ich denen franzöſiſchen Schaafzüchtern, welche ſich mit der Erziehung der Merinos abgeben, ſich nicht durch die Meynung einiger Leute irre füh: ren zu laſſen, welche in dem Wahne ſiehen, daß dieſe Race ſelbſt bey der fehlerhafteſten Be- handlung die Schönheit der Wolle beybehält, und daß man ſie der Unwiſſenheit und Sorglo- ſigkeit ungeſtraft preißgeben dürfe, Man hat zwar eines oder zwey Beyſpiele zum Beweiſe der Meynung, welche ich hier beſtreite, aufge- ſiellt; allein dieſe Beyſpiele, wäre ihre Wahr 19 heit auch ganz bewieſen, ſind bey weitem nicht hinreichend, eine große Menge anderer, von den beſten Landwirthen anderer Länder, beurkundeter Beyſpiele zu entfräften. Wenn es ndthig wäre, Xdunte ich mich hier auf meine Abhandlung von denen Schgafen in Spanien bezie- hen, in welcher ich verſchiedene Beweiſe ange- führt habe: daß die Merinos ſelbſt in Spanien ausarten, wenn. ſie vernachläſſigt werden. I< habe in Spanien ähnliche Reſultate geſehen, wie die, von denen ich in Spanien Augenzeuge geweſen bin. In beiden Ländern habe ich Schaafe von derſelben Race, in denſelben Gegen- den geſehen, von denen einige Heerden die ur- ſprüngliche Schduheit der Wolle ganz beybehals ten hatten, andere aber weit ſchlechtere lieferten. Dieſe Verſchiedenheit beweiſet, daß beynahe unter allen Umſtänden die Natur dann nur un? ſere Unternehmungen begünſtigt, weun wir ſie in ihren Wirkungen beobachten, ihren Gang bes folgen, und ſie vernünftig unterſiüßen, Die Begierde, dieſe ſchäßbare Race von Schaafen in Frankreich ſchnell fortzupflanzen, kann die Freunde des allgemeinen Wohls zu 20 weit führen 3; mdchten ſie daher doh ja beden- fen, daß man, indem man zu viel beweiſen will, oft gar nichts beweiſet, und daß es immer gefährlich iſt, Theorien aufzuſtellen, deren An- wendung den Fortſchritten der Kunſt ſchädlich werden kann, Die ohne Unterſchied vorgenommene Vermis- ſchung der Merinos ſowohl als ihrer halbſchlär gigen Nachkommen mit den gewdhnlichen Land- ſchaafen hat viel zu der Ausartung der ſchönen Race, welche man bereits in Schweden gezogen hatte, und welche man bey größerer Sorgfalt leicht hätte fortpflanzen können, beygetragen. Eine zweyte Urſache, welche die Fortpflan- züng der Merinos in Schweden ſehr erſchwerte, iſt die Unzulänglichkeit des Winterfutters. Der Unterhalt des Viehes, beſonders der Schaafe, iſt in Schweden weit koſtſpieliger als in den mittäglichen Ländern; man iſt wegen rauhen Clima's gezwungen, die Schaafe ſechs bis ſie- ben Monate im Stalle zu füttern; nur fünf bis ſechs Monate können ſie auf die Weide gehen. Der Landwirth muß alſo einen Ueberfluß an Futter haben, um ſeine Heerden den langen 25. Winter-hindurch zu erhalten; Dieſe Nothwens digkeit erſchwert ihren Unterhalt, und macht ihn Foſtbarer. Die Zucht der Merinos verſchafft demohn? geachtet einen weit größeren Vortheil als die der Landſchaafe; da es aber an manchen Orten an gutem oder an hinlänglichem Futter fehlt, und es überdem ſchwer hält, den Landmann von ſei» nen alten Gewohnheiten abzubringen, beſonders wenn er Hinderniſſe zu überwinden findet, ſo iſt die Zucht der feinwolligen ſpaniſchen Schaafe in Schweden nicht mit der Thätigkeit betrieben worden, welche ſowohl das allgemeine Beſte, als der Privatvortheil erfordert hätten, Im Jahr 1764 zählte man in Schweden 65,369 Schaafe rein ſpaniſcher und 23,384 ver? miſchter Race, welche eine gute Art Wolle ga- ben. Ihre jetzige Zahl zu beſtimmen würde ſehr ſchwer ſeyn, weil, ſeitdem die Prämien aufge? hdrt haben, keine gründliche Nachrichten darüber vorhanden ſind; man weiß aber, daß ſich ihre Anzahl noch immer vermehrt; und wenn gleich die Manufacturen der feinen Tücher, da ſie des xen jeo mehr als ſonſt verfertigen, nicht ganz 22 aus dem Lande mit Wolle verſorgt werden, ſs iſt dennoch die Einfuhr fremder Wolle in den leßz- ten Jahren von wenig Bedeutung geweſen. Wenn man nun von der Menge der verarbeite- ten Wolle auf die Anzahl der rein ſpaniſchen oder veredelten Shaafe ſchließt: ſo kann man ſie in dieſem Augenbli> ohngefähr zu 100,000 anneh- men. Dieſes würde etwan den 25ten Theil der Scaafe aller Art aus8machen, welches im Ver- hältniß mit denen Bedürfniſſen und in Rückſicht des Zuſtandes der Landwirthſchaft in dieſem Lande ſehr viel iſt. Die Merinos in Schweden haben ganz ihre urſprüngliche Geſtalt beybehalten 3 ſie ſind ſtark mit Wolle bewachſen und die Fädchen ſißen ſehr dicht an einander. Die Wolle hat weder an Feinheit, noh an Länge, noch an Elaſticität verloren, und bey guter angemeſſener Nahrung liefern ſie ſo viel Wolle, als man in Spanien erhält. Es hat Bd>e gegeben, deren Pelz 13 Pfund gewogen hat**), I< habe bemerkt, 11) Das ſchwediſche Pfund Victualien- oder Schaal- gewicht iſt größer als das Berliner Pfund. 100 23 daß dieſe an das Clima gewöhnten Schaafe grdſe ſer und ſtärker ſind als die in Spanien, Zu Gronſoe, in der Provinz Upland, bes dem Herrn Schulzenheim fand ich eine Heerde von Abkömmlingen, aus Spanien vor 55 Jah- ren angekommener Merinos, deren Wolle der, neuerdings aus Spanien angekommenen, wenn man ſie mit einander genau verglich, weder an Schönheit noch an Feinheit nachſtand. Herr Schulzenheim hat zu ſechs verſchiede- nen Malen Bde aus Spanien in der Abſicht kommen laſſen, ſeine Heerde wo möglich zu einer noF größeren Vollkommenheit zu bringen. Man hat aber gefunden, daß ſie alle, außer Pfund ſce durch die Vorſorge des ſchwediſchen. Couſuls zu Madrid, Herrn Gahy, eines Neffen des Herrn Schul2 zenheim, mit großer Sorgfalt ausgewählt waren. Eine gleiche Beobachtung hat män in Frankreich-**) gemacht. Die in Spanien durch Herrn Gilbert, dieſen großen Kenner, ausge- wählten Schaafe haben eine minder ſchöne Wolle, als man ſie bey einigen aus der Heerde zu Ram? bouillet findet. 12) Auch zu Stolpen in Sachſen hat man dieſelbe Erfahrung gemacht, wie es der Verfaſſer im 4ten Kapitel erzählt. Mehrere glaubwürdige Perſo» nen haben mir auch verſichert, daß die Wolle der vom Herrn Präſidenten von Vink aus Spanien gebrachten ſehr ſchönen Merinos nicht beſſer ſeyn ſoll, als die der beſten ſpaniſchen odev voll- kommen veredelten Heerden im nördlichen Deutſch- land. Einige erhaltene Proben beſtätigen mir dieſes. ; 9. d, U. 25 Sch muß nöke zu, welcher vor länger als funfzig Jahren an der weſtlichen Küſte von Norwegen eingeführt wurde. Dieſe Veredlung breitete ſich aber eben ſo wenig in die übrigen Theile"des Landes aus, als ſie zu dem möglichſten Grad von Vollkommenheit gebracht wurde; hieran war ſowohl die Sorg- loſigkeit der Einwohner, als die ſchlechte Behand? lung der Schaafe überhaupt Schuld, Dieſe Thiere ſind einen Theil des Jahres dem Hun» ger qusgeſeßt, den Winter hindurch) werden ſie in finſtere ſc, ſahen milchfar- big aus, und waren undurchſichtig; ſie ſcheinen mit 16) Einigen Leſern dürfte es angenehm ſeyn, die Vergleichung des neuen franzöſiſchen Maaßes mit dem Alten hier zu finden; ich ſeße ſie alſo aus dem.Berliniſchen Hand- und Schreib-Calen- der auf 1804 hieher; und bemerke noh, daß ein Metre gleich iſt 3, 1862 Brandenburgſchen oder rheinländiſchen Duodecimal-Fuß, oder ohngefähr 3x Fuß; und Livre oder Filogramme 2/1353 Pfund„oder ohngefähr 2x.4Pfund! Berliniſches Hau- lichfeit zu mit dem ſogenannten Hundehaar CJarre) Aehn2- haben, Die zweyte Art iſt weniger lang, 1x bis 13 Decimetre.(4 bis 5 Zoll.) Die Fäden ſehen wie mittelmäßige Wolle aus, und haben einen ſilbergrauen Schein, Die dritte Handelsgewi das und Gewicht. IX oder 2. 1795» Metre Si td nin Lal LI P€ Z|Nov. 18051 ausger Ww| R] ZS! drückt. /IF.1|5.|S| Linien SITZE-<==== = Metre Metre I EO PE 17296 S| Palme|Decimetre“| o,1=|= 13| 8,336 Doigt Centimetre 9,0|=|-| 4,433 Trait[Millimetre 0,001 5.5 bei 0443 tL Cubif- S2|=...e Decime- ZZ 1 Z|" Z tre deſtil-|S| 2 S| 5 lirtes Waſ-| S :: ſer ſchwer.- L= SE Ne 1 wad 240 535,15 Zz Once I|Hectogramme| 0,1 1913 110,72 O| Gros|Decagramme| 0,01 21,2 12.4.4427 Denier Gramme 0,001 Zz 118/327, rain|Decigramme| 0,0001|-|"lz 1% 1/3882 € 34 Art iſt. nur 5 bis-8 Centimetre:(2bis 13 Zoll) lang und kömmt;-an Feinheit. der ſchduſten ſpas -niſchen Wolle gleich, Sie iſt elaſtiſch, weich und ſanft anzufühlen, I< habe nicht Gelegen? heit gehabt, das eigentliche Verhältniß dieſer verſchiedenen Arten von Hagren oder Wolle in einem Pelze auszumitteln; iM weiß nur, daß in Jsland ein Pelz, der zwey Pfund wiegt, fünf Unzen grobe Wolle oder Hundehaare, vier und zwanzig Unzen gewdhnliche Wolle und. neunzehn Unzen ſuperfeine„giebt."*7) Die Schaafe von der isländiſchen Race, die ich ge- ſehen habe, hatten nur eine geringe Ouantität feine ſeidenartige Wolle. I< fand auch. in eini- gen Gegenden von Norwegen Schaafe, in deren 37) Hier vermuthe i< im franzöſiſchen Original einen Druckfehler, wenn der Verfaſſer von Nor- wegiſchen Pfunden ſpricht. Dieſe, welche bey Victualien gelten, enthalten 16 Unzen oder 32 Loth. Die. oben angeführten 48 Unzen betra- gen alſo“ 3 Pfund. Uebrigens ſind 100 Pfund däniſches und norwegiſches Handels-Gewicht gleich 106-227 Berliner Pfunden, 35 Wolle ſich die drey verſchiedenen Arten Fädchen befinden; die kurze ſeidenartige Wolle, die dar? unter iſt, gehdrt in die- Claſſe der ſuperfeinſten Wollarten. Sie kdmmt der von den Schaafen der Schetländiſchen Inſeln bey; ſo viel ich nach den aus Schottland erhaltenen Proben ſchließen kanu, Jn England ſortirt man dieſe ſchetlänz diſche-Wolle, und verfertigt Strümpfe daraus, welche gewöhnlich für zehen Guineen verkauft werden. Durch genaues-Sortiren würde man aus den Pelzen der isländiſchen ſowohl als einiger norwegiſcher Racen eine eben ſo feine ſeidenars tige Wolle hergus bringen als die ſchetländiſche, Durch das Beyſpiel der Schweden aufge muntert, ließ man vor etwan fünf und zwanzig Jahren-Schaafe von ſpaniſcher Race aus'Schwee den nach Dännemark kommen, deren Nachkome men noh heutiges Tages, aber in kleiner Ans zahl vorhanden ſind. Man ſagte mir, daß ſich einige ihrer Nachs kommen ganz in, der urſprünglichen Schönheit der Race. erhalten hätten; andere aber aus den bereits angeführten Gründen ganz ausgeartet 36 wären. Auf dem kdniglihen Domainen- Gute Eſſerum ſah ich eine Heerde von ſpaniſcher Race, die vor mehreren Jahren aus Schweden geholt war. Ihre Wolle war von ziemlicher Güte. Im Jahre 1797 hat die däniſche Regierung drey hundert Merinos agus Spanien kommen laſſen, welche nach Eſſerum, ae und zweyhundert dergleichen Mut- terſchaafe, Ein Theil derſelben kam in diee und Schaafe an die Einſaſſen des Landes verkauft; da aber auch die beſten Unternehmungen allezeit Widerſpruch finden, ſo entſtanden auch bey dieſem Verkauf ſo viele Schwierigkeiten, daß die Regierung ſich veran? laßt fand, es denen Pächtern der landesherrli2 e und zweyhundert Mutterſchaafe aus Spanien holen, von welchen ein Theil für den Einkaufspreis mit Inbegriff der Transport- koſten verkauft wurde.; Um die Fortpflanzung dieſer vortreflichen Race zu ſichern und zu beſchleunigen, fand man es nothwendig, die bereits aus ächt ſpaniſchem 42 Vieh beſtehende Heerde zu Stolpen zu vermeh- ren, Dieſe Vermehrung wurde nach und nach bewerkſtelligt; auch in den übrigen genannten Schäfereyen zu Stande gebracht, dergeſtalt, daß dieſe hurfürſtlichen Schäfereyen gegenwärz- tig 3499 Stü> Sc werden jährlich daraus öffentlich verkauft, dieſe Anzahl befriedigt aber bey weitem nicht die Nachfrage, obgleich man ſc rein ſpaniſcher und völlig veredelter Racen,**) Man rechnet, daß im Durchſchnitt hundert 21) Bey den großen Fortſchritten, die die Vered- lung der Schaafzucht in Sachſen macht, iſt es wahrſcheinlich, daß es jeßo 1804, vier Jahre ſpä- ter, als der Verfaſſer dort war, weit über 100,000 ſpaniſche und veredelte Schaafe beſißt. A. d, 1. 47 Schaafe"ailf Stein gewaſchner Wolle oder 242 Pfund Handels- Gewicht“, das Pfund zu 32 Loth, geben. Der Mittelpreiß dieſer Wolle iſt 74.-Reichsthaler: ſächſiſch für.den Stein oder 55 Franken für 22 Pfund Handels-Gewicht; welz e und zweyhundert Mutterſchagfe aus Spa- den folgenden Regierungen fortgedauert hat, hat Preußen,*) ein von Natur unfruchtbares Land, ſeine Erzeugniſſe, ſeine Bevölkerung, ſeine Stärke und ſeine militäriſche Größe ſo ſehr ver- ſtärken können, Es iſt zu bedauern, daß derglei- ersdorf wohnt, hat gegenwärtig 9000 Stü> Schaafe auf dieſen Gütern, welche er durch ungariſche und ſpani- ſche Racen veredelt hat. Als dieſer eifrige Pa? triot den Hof verließ, um ſich der Landwirth- ſchaft zu widmen, fand er auf ſeinen Gütern dreytauſend Schaafe, deren Ertrag auf 1,209 Rthlr. oder 4,800 Franken geſchäßt wurde, Er hat ſeine Heerden aber nicht nur vermehrt, ſon- dern ſie in ſo hohem Grade veredelt, daß ſie ihm jährlich einen Ertrag von 105,000 Franken (oder 26,250 Rthlr.) bringen, Anfänglich ſuchte der Graf von Magnis nur die inländiſche kleine ſchleſiſche Schaafrace durc) die großen ungariſchen Racen zu vergrößern. Seit einiger Zeit aber hat er ſic) bemüht, eine Race zu bilden, welche Größe des Körpers mit Reichthum an Wolle und Feinheit derſelben ver- bindet, In dieſer Abſicht hat er ſich die ſchdn- 56 ſten ſpaniſchen BdXe und Schaafe aus allen Gegenden Deutſchlands, wo erſie nur auftreiben konnte, angeſchafft. Er bezahlt oft 1000 bis 1200 Franken(250 bis 300 Rthlr.) für einen einzigen BoFX. Zwar hat die Veredlung der Schaafe in den Heerden des Grafen von Mag» nis noch nicht den höchſtmdglice zur Zucht das Stü für 72 Franken(18 Rthlr.) und Mutterſchaafe für 36 Franken.(9 Rthlr.) Den ganzen Ertrag ſei? ner Heerde rechnet man auf 105/009 Franken. (oder 26,259 Rthlr.) Dieſer helldenkende Landwirth, welcher die? ſes ganze Werk mit einer bewunderungswürdi» gen Ordnung und einer über jedes Lob erhabe- nen Sachkenntniß ſelbſt leitet, iſt ganz von den ſonſt in Schleſien üblichen Gebräuchen der Land- wirthe bey ſeinen Schäfereyen abgegangen. Er hat die Schwierigkeiten, welche ein undankba- xer Boden ihm entgegen ſtellte, überwunden, und er hat es möglich gemacht, 9000 Schaafe in einem Lande zu ernähren, wo die Strenge des Clima's die Weide denen Heerden ſechs Monate des Jahres entzieht. Der glückliche Fortgang, welchen die Vered- lung der Schaafzucht in den preußiſchen Staa- ten bisSher gehabt habt, und die Auſmerkſamfkeit, welche eine weiſe Regierung dieſer Quelle des landwirthſchaftlichen Reichthums widmet, laſſen 58 vermuthen, daß die Anzahl der Merinos und der veredelten Schaafe ſich fortdauernd vermehren, und mit der Zeit genug feine Wolle gewonnen werden wird, um die im Preußiſchen täglich zu- nehmenden Manufacturen hinlänglich damit zu verſorgen, 27) omen enno morn 27) Seit dreyzehn Jahren haben ſich die Tuch- manufacturen in den Preußiſchen Staaten um das Dreyſache vermehrt. Dieſes Beyſpiel einer guten Staatsverwaltung iſt nicht das Einzige, welhes man zum Lobe der beyden königlichen Staatsminiſter, des Freyherrn von Heynis und des Herrn von Struenſee anführen kann, Sie ſind es, auf deren Veranlaſſung Herr von Vink gegenwärtig in Spauien tauſend Schaafe einz kauft. I< ergreife dieſe Gelegenheit, dieſen bey- den Miniſteru weine Dankbarkeit für die Güte zu bezeigen, mit welcher Sie mich in Berlin auf- genommen haben, A. d. V. Sechſtes Kapitel. Die Oeſterreichiſhen Staaten und'andere Gegenden Deutſchlands, Der Krieg, welcher in Europa wüthete, wäh- rend ich die nördlichen Länder durchreiſete, er2 laubte mir nicht, die dſterreichſchen Gränzen zu betreten. Die Nachrichten, welche im von dem gegenwärtigen Zuſtande der Schaafe von ſpani- ſcher Race aus jenen Gegenden geben kaun, ſind daher nur ſehr unvollkommen. Im Jahr 1775 ließ die Kayſerin Maria Thereſia dreyhundert Merinos aus Spanien holen, welche auf die kayſerliche Schäferey nach Marcopail kamen, woſelbſt auch eine Schäfer? ſchule errichtet wurde, Man machte den Unter- 60 richt gemeinnüßig, und ſchi>te denen Schäfereys beſitzern, welche es verlangten, Schäfer. Wenn politiſche Urſachen die Fortſchritte der Landwirthſchaft im Oeſterreichiſchen nicht auf- hielten, wie ich ſolMmes im zweyten Theile die- ſes Buchs auseinander ſezen werde: ſo müßte die Anzahl der feinwolligen Schaafe in dieſem AugenbliFX ſchon ſehr groß ſeyn, da die Regies rung ſowohl als viele reiche Gutsbeſißer große Koſten und Mühe auf die Veredlung der inlänz diſchen Race gewendet haben. Obgleich der Er» folg der erſten Verſuche nicht glänzend war, ſv findet man doch gegenwärtig in den öſterreichi- ſchen„Staaten, und vorzüglich in Ungarn und Böhmen viele Heerden von ächt ſpaniſcher und veredelter Race, und das Beyſpiel von Sachs ſen und Schleſien ſcheint die Aufmerkſamkeit der Regierung erregt zu haben, Oeſterreich hat zwey Heerden Merinos in den leßten Jahren aus Spanien erhalten, Dieſe wurden zu Alicänte eingeſchifft und nach Trieſte gebracht. Der erſte Transport, der vor etwa zwanzig Jahren geholt wurde, beſtand aus drey- 6x Bis[vierhundert Schaafen, der zweyte aus vier- bis fünfhundert. In dem Augenbli, da. ich.die- ſes ſchreibe, befindet ſich ein Agent der vſterrei- chiſchen Regierung in Spanien, um eine Heerde von acht- bis neunhundert StüF Merinos anzus- kaufen. Auch in den Markgrafſchaften Auſpäch und Bayreuth beſchäftigt man ſich mit Veredlung der Schaafe. Es wurde im Jahr 1788 eine Schä ferſchule errichtet, und vierzig Bd>e von ſäch- ſiſch- ſpaniſcher Race wurden augeſchafft. Im Jahre 1799 wurde eine andere Heerde aus Spa- nien und aus Rouſſillon geholt und in Rolen- hoff untergebracht. Durch dieſe hat man die ſchöne dort befindliche Race ſo weit fortgepflanzt, daß es wenig Eigenthümer mehr giebt, deren Heerden nicht ſchon einigermaßen veredelt ſeyn ſollten. Im Jahr 1797 befanden ſich in der Schä- ferey zu Rolenhoff vierhundert fünf und zwan- zig Schaafe rein.ſpaniſcher Race;. und in bey- den Fürſtenthümern überhaupt achttauſend ein» hundert ein und neunzig veredelte Schaafe, 62 Da der Verkauf der halbſchlägigen Schafe erſter, zweyter und dritter Generation aus denen Privatſchäfereyen die Erwartungen der Land- wirthe getäuſcht hatte, und die Fortſchritte der Vervollkommnung der Veredlung hemmte, ſo ſuchte die Regierung dieſem Uebel dadurch abzu- helfen, daß ſie einen Unterricht über die Vered- lung bekannt machen ließ und die Orte anzeigte, von wo man die zur Fortpflanzung der ächten Race ſchi>lichen Sc..yem Erfolg die Aufnah» me der Laadwirthſchaft angelegen ſeyn ließ, 63 Faſſete im Jahr 1786 den Entſchluß; feinwollige ſpaniſche Schaafe in ſeinen Ländern einzufäh- ren. Er ließ zu dieſer Zeit-hundert Bd&e aus Spanien und Rouſſillon kommen, zund ſchiäte zwey Schäfer zu Daubenton, um dort Unter- richt in ihrer Kunſt zu erhalten. Im folgen- den Jahre ſchickte er einen ſeiner Rathe ab, wel- angewachſen iſt. Durch den jährlich Statt findenden Verkauf hat dieſe Heerde ſchon merklich zur Veredlung der Lan2 desrace beygetragen. Die zwey und dreyßig Schaafe, welche der tapfere und geſchi&te Moreau der AFerbauge- ſellſchaft zu Straßburg geſchenkt hat, ſtammen 64 aus der Heerde des Herzogs von Würteme berg her; die proviſoriſchen Stände des Her- zogthums hatten iſie dieſem General freywillig geſchenkt. Gegenwärtig befindet ſich dieſe kleine Heerde zu Sulz bey Strasburg, unter Aufſicht der Geſellſchaft, deren Mitglieder ſich ſowohl durch ihre Kenntniſſe als durch nüßliche Umer- nehmungen und Arbeiten-aguszeichnen und ver- dient machen. Die Veredlung der Schaafzucht findet'auch in verſchiedenen andern Gegenden Deutſchlands Statt. Der Kammerherr und Jägermeiſter von Moltke, welcher im Meklen- burg anſehnliche Güter beſißt, hat eine beträcht- liche Anzahl Merinos kommen laſſen, deren Fortpflanzung er mit Glück betreibt.'Die Land- wirthſchafts- Geſellſchaft zu Zelle unterhält auf ihre Koſten eine im höchſten Grad vollkommen veredelte Heerde im Lüneburgſchen. Mehrere Heerden im Churfürſtenthum Han» nover, im Herzogthum Braunſchweig, im Ba- denſchen u. ſ. w, ſind durc Anſchaffung von Merinos veredelt worden, Dieſe Race iſt im Jahr 1783 nac< Braunſchweig und nach Schwes 65 Schwaben, im Jahr 1788 aber na) dem Baa- denſchen gekommen, Der Markgraf ſchi>te zu dieſer Zeit den Herrn Volz ab, um die ſchöne jetzo zu Pforzheim ſich befindende Heerde zu taufen. Siebentes Kapitel. Frankreich. Seit langer Zeit hat man in Frankreich die Vortheile, w.1s, mit Inbegriff des Regiſcers im dritten Theile; ſie enthält eine Menge Kupferſtiche. Eine gute Ueberſeßung dieſes Werks wäre zu wünſchen. Die angeführte Stelle ſtehet in dieſer lezten Aufiage, S. 299. A::5. 5 68 „vermehren ſich ſehr, zumal da dieſes Land wäro „mer, beſſer und freyer iſt, als England. Es „iſt alſo leicht dieſem Beyſpiel zu folgen, und ». dieſe Race bey uns allgemein zu verbreiten. „Durch ihre Grdße und Stärke, durch die »„Scdnheit der Lämmer und Bd>e, durch ihre „Fruchtbarkeit, ihre Milch und die Würde und »„Schdnheit der Wolle wird ſie uns doppelten „und dreyfahen Nußpen gewähren.“ Dieſe Stelle iſt das Einzige, was ich in unſern Schriften über eine frühere Einführung der Mex rinos finde. Man bemerkt übrigens keine Spur von Veredlung durch Merinos in unſern Schä? fereyen, obgleich der Verfaſſer deren erwähnt. Herr von Perce machte in der Mitte des leß? ten Jahrhunderts in dem Park zu Chambord Verſuche, die glüFlich ausfielen 2*) oder doch wenigſtens die allgemeine Auſmerkſamkeit erreg- ten und die Mittel vorbereiteten, welche die Ver- edlung ſo weit befördert haben, als ſie gegen- wärtig endlich gediehen iſt. 29) Gazette de France, du 30 Dec. 1752. M1 50,20 69 Seitdem beſchäftigte man ſich mit neuem Eifer mit Verfeinerung der Wolle, die Theil» nahme hieran wurde lebhafter, und man wäre früher zum Ziele gekommen, wenn man anſtatt Syſteme zu bilden, die Urſachen, welche ſuper- feine Wolle verſchaffen, und die Mittel, welche die Erlangung und Erhaltung guter Racen be- günſtigen, in der Natur ſelbſt aufgeſucht hätte. Carlins ſagt:?*)„Diejenigen, welche Vors »ſchläge über die Art unſere Wolle zu verfeinern »gemacht haben, ſind nicht alle von demſelben „-"Geſichtspunkt ausgegangen. Warmer Eifer „und lebhafte Einbildungskraft haben manche »ſo weit verleitet, daß ihre Speculationen mehr „ſonderbar als gründlich waren, und ob ſie gleich „nüßlich ſchienen, doh in der Anwendung ohne » Nuten blieben. Andere, welche dieſen Gegen? „ſtand mit weniger günſtigen Augen betrachten, „leugnen ſtandhaft die Möglichkeit, in Franka 30) Memoires Sur les Jaines, Bruxelles, 1755. Pag. 99» A. d. 8. 79 zeich Wolle zu erhalten, welche der ſpaniſchen zund engliſchen an Schönheit gleich kdmmt.“ Endlich trat unter uns ein kluger und geüb- ter Beobachter auf; dieſer brachte die Veredlung der Wolle ſehr bald ſo weit, daß wir ihm die Hoffnung verdanken, ſie bald bis an die Grän2 zen derjenigen Vollkommenheit zu bringen, die er bis ans Ende ſeines thätigen Lebens immer weiter hinaus zu rüden nie aufgehdrt hat. Wenn man ſich einigermaßen mit Gegen- fiänden beſchäftigt hat, welche einen großen dffentlichen Nutzen zum Zwecke haben, ſo muß man es vorherſehen, daß ich Daubenton meyne, welcher ſich mit ſo glüFlichem Erfolg als großer Beharrlichkeit mit der Hervorbringung einer Race von Thieren beſchäftigt hat, die für unſere Landwirthſchaft, unſern Unterhalt, unſere Be- Lleidung und für eine Menge der zu unſern Be? därfniſſen unentbehrlich gewordenen Künſte, gleich nothwendig iſt. Auf keine reinere und ſeinen Verdienſten angemeſſenere Art kann ich dieſem Gelehrten meine innige Verehrung bezei- gen, als wenn ich ſeine eigenen Worte aus ſei: 7T nem Buche: Institutions pour es bergers 3*) entlehne, Der Leſer wird aus der Stelle, wels en es auch ſeyn mag, zumal wenn es 74 »Beide Herren erhielten für mic) durch den- „General- Controlenr der Finanzen, Herrn von „Laverdy, alles, was zu meinem Verſuche nd- »thig war. Die Regierung ließ nach und nach „Bö>e und Mutterſchaafe aus Rouſſillon, Flan« „dern, England, Marocco, Thibet und Spa- „nien kommen, Alle dieſe Schaafe von ſo ver- ſchou in dieſem Clima geboren iſt. Das neueſte Beyſpiel unter einer Menge älterer giebt. uns das; glü>kliche Fortkommen der Sce paarte ich mit den „Mutterſchaafen, welche die gröbſte Wolle und „eben ſo viel Hundehaare als Wolle hatten, um >,gus dieſen Extremen den Einfluß kennen zu lers „nen, den die Wolle des Bo&s auf die des Lamo „mes hat. Ich erſigunte, da-einer derer aus „dieſer Vermiſchung erzogenen Bd>e ſuperfeine „Wolle hatte. Dieſegroße Veredlung vermehrte „meine Hoffnung auf einen glüFlichen Fortgang „meines Unternehmens um ſo mehr, da ſie durch) „einen rouſſillonſchen Bo> entſtanden war, denn „moch hätte ich keine ſpaniſchen Bd>e« 76 „Dieſe erhielt-.ich nebſt Mutterſchaafen im „Jahre 1776; nun hatte ich ſieben Racen von „ſehr beſtimmt unterſchiedener Wolle, mit Jube- „„VSriff derer aus der Grafſchaft Auxois, worin „meine Schäferey liegt. „Dieſe ſieben Racen habeich bis jetzo theils une „vermiſcht erhalten, um zu ſehen, wie ſie in mei- „ver Schäferey fortkommen würden; theils habe „ich ſie alle untereinander. vermiſcht, um neue „V„albſchlägige veredelte Racen zu erziehen, und „den Einfluß der einen auf die andern in Anſe- »hung der Veredlung der Wolle zu entdecken. „Durch dieſe mit der g1dpeſten Sorgfalt an- »„Seſtellten Verſuche, wobey alles vermieden »„vurde, was Zweifel oder Zweydeutigkeiten ver? „anlaſſen konnte, habe ich alle Racen meiner „„Schäfercy dahin gebracht, daß ihre Wolle der „ſpaniſchen an Feinheit gar nicht nachſtand, ohne »daß ich. weiter friſche Bde aus Spanien oder „Rouſſillon erhalten hätte.“ Als Daubenton nun durc) mehrmals angee fiellte und wiederholte Verſuche und Verglei- hungen überzeugt war, daß die Wolle ſeiner Heerden der Wolle der ſchönſten ſpaniſchen vdllig 7 an Schdnheit und Feinheit gleich komme, ließ er im Jahr 1783 von der ſeinigen Tuch verfer- tigen; er gebrauchte hiezu aber blos die Rüken- wolle, und ſchitt davon 404 Kilogrammen G32 Pf.) an die Manufacturen zu Chateau dü Parc, bei'Chateauroux in Berry. Der Fabri2 kant erbot ſich, nachdem er Tücher von verſchie- dener Farbe gemacht hatte, dieſe Wolle zu den hd<ſten Preiſen der nach) Frankreich eingebrach- ten ſpaniſchen Wolle zu bezahlen. Man machte im folgenden Jahre einen zweyten Verſuch, bei welchem die Tücher weicher wurden, und ſo ſanft anzufühlen waren, wie die von der allerbeſten ſpaniſchen Wolle/ und man hat bemerkt, daß die veredelte*Wolle merklich kräftiger und ſtärs ker war, als die ſpaniſche. Van- Robais zu Abbeville, und Decretot zu Louviers verfertigten gleichfalls Tücher von der Daubentonſchen Wolle von gleicher Vollkommenheit und Schönheit als die zu einem Vergleich aus ſuperfeiner ſpaniſcher verfertigten. Die Verſuche endlich in der Julie- niſchen Gobelins Manufactur hatren einen gleiz hen Erfolg, und die Tücher nahmen eine ſchöne Scharlachfaärbe an, 78 Die ſpaniſchen Schäafe, welche Daubenton zur Veredlung ſeiner Schäferey erhielt, waren von denen, welche Trudaine 1776 aus Spanien kom- men ließ. Dieſe erſte aus Spanien nach Frank? reich gekommene Heerde beſtand aus 200 Sce, unter Aufſicht eines Mayorals und dreyer anderer Schäfer, aus Spanien ab. Dieſe Heerde machte ſehr kleine Tagereiſen; ſie brachte den Winter in den Haidegegenden bey Geſchäft vollkommen zu vollenden. Eine Aus- artung iſt immer die gerechte Strafe einer be- gangenen Nachläſſigkeit. . 4,0. U. 83 Bordeaux zu, und langte, im Frühjahre zu Rambouillet au.?s) Von dem Tage ihrer Abreiſe bis zu ihrer Ankunft ſtarben ohngefähr ſechszig Schaafe. 36) Die gegenwärtige Anſtalt zu Rattbouillet be- . findet ſi< auf dem vor der Revolution zu dem königlihen Schloſſe daſelbſt gehörig geweſenen Pachthofe. Es iſt zu bedauern, daß Herr Teſz: ſier, der daſelbſt eine Reihe von Verſuchen nnge- ſtellt hatte, in ſeinen nüßlichen Arbeiten unter- brochen iſt, und daß die Umſtände ihn gehindert haben;: Reſultate- daraus zu ziehen, welche ohne Zweifel einen großen Einfluß auf die Vervoll- fFommnung unſeres Ackerbaues gehabt haben würden. ES befinden ſich zu Rambouillet etwan 20 Büffel 3; dreyßig Kühe und Ferſen,(Kalben, Stärken) welthe von Schweizer Kühen und einem Stier(Bollen) ohne Hörner gefallen ſind; Kühe aus NRontanien z; ein toskaniſcher Eſel, einige Hengſte und endlich die ganz reine unvermiſchte ſpaniſche Schaafheerde. Liebhaber der Landwirth- ſchaft ſehen es mit Bedauern, daß dieſer zu Verſuchen aller Art im Großen ſo ſehr geeig: nete Pachthof blos zur Zucht ſo weniger Thiere beſtimmt iſt, A. d, V. 84 Hhngefähr fünf- Wochen nach“Ankunft, der Heerde an ihrem neuen Beſtimmungsorte- be? merkte man,“ daß ſich Po>en- darin äußerten, Dieſe Krankheit würde die, Heerde aufgeries ben haben, wenn man nicht alleVorſicht' dage? gen angewendet hätte. Dennoch raffte ſie fünf und dreyßig Mutterſchaafe und ſechszig Lämmer weg. Seit dieſer Zeit aber hat ſich dieſe Kranke heit nicht wieder in der Heerde gezeigt, weil alle Gemeinſchaft mit den benachbarten Heerden auf das ſorgfältigſte vermieden wurde, und man ſie ganz von der Gemein» oder Koppelweide zurü& hielt. Die Heerde blieb ſehs Monate unter Auf- ficht der ſpaniſchen Schäfer, welche ſie auch mit franzdſiſchen gemeinſchaftlich hüteten. Nach Abreiſe der Erſteren wurde ſie den franzöſiſchen Schäfern anvertraut, und Herr Bourgeois der Wirthſchafter dieſes Pachthofes, ein Mann, wel- her landwirthſchaftliche Kenntniſſe mit einem entſchiedenen Talente zu Verbeſſerungen und Verſuchen, woran er großes Vergnügen findet, beſißzet, wurde Oberaufſeher derſelben, 85 Die aus Spanien angekommene Heerde, von welcher die jeßo zu Rambouillet befindliche ab» ſtammt, beſiand aus Schaafen, welche alle, bisher zu verſchiedenen Zeiten: von dorther eine gebrachten, an außerordentlicher Schönheit bey weitem übertrafenz ſie waren alle aus einer großen Menge verſchiedener Heerden, aus man? cherley Gegenden ausgewählt, deren. drtliche Unterſcheidungszeichen auch dieſe Schaafe unter einander'auszeichneten.| So wenig. nun dieſe Verſchiedenheit den weſentlichen Vorzug dieſer Schaafe verminderte, ſo war der Anbli> einer ſo verſchiedenartigen Heerde doch fürs Auge nicht angenehm. Durch die Vermiſchung aller dieſer Thiere unter einander. ſind indeſſen alle die+ Unterſcheidungszeichen der wverſchiedenen Racen ſo zuſammengeſchmolzen, daß nur Eine Race daraus. entſtanden iſt, welche vielleicht keis ner derer ganz ähnlich iſt, woraus die Stamm? heerde zuſammengeſeßet'war, welche aber den ſchönſten derſelben weder im Körperbau der Schaafe, noch an Feinheit. und. Schönheit. der Wolle und: an Menge derſelben nachſicht., 86 Die Heerde zu Rämbouillet hat ſich nach und nach ſo weit vermehrt, bis ſie zahlreich ge- nug wurde, um jährlich eine beſtimmte Anzahl brauchbarer Schaafe' in die verſchiedenen Ge- genden der Republik daraus verkaufen zu köna nen. Anfänglich wurden ſowohl Böe als Scaafe an Privatperſonen unentgeldlich ver? theilt; man bemerkte aber, daß die Schaafe, eben durch dieſe unentgeldliche Vertheilung, in den Augen mancher Landwirthe ihren Werth ver? loren, und hielt es daher rathſamer, deren jähr- lich eine beſtimmte Anzahl zu verkaufen. Die damaligen Provincial-Verwaltungen verlangten viele von dieſen Schaafen, und erhielten den Vorzug vor den Käufern, Es kamen von die? ſen Schaafen nach Burgund, Breſſe, Dau2 Phine, der Normandie, nac< Berry, Poitou, Brie, Beauce, der Picardie u. ſ+ w. Gleich im Anfange der Revolution wurde die Heerde zu Rambouillet der beſondern Auf ſicht einer A&erbau- Commiſſion anvertraut, wel2 e Schaafe 60 Frku, 80 Frkn, 120 Franken 20000 Franken 610 3 Kilogrammen 5 Hectogrammen 4 Kilogrammen 10 Franken 50 Centimen 1 Franke 50 Centimen 15 Franken 78 Centimen | 2 Franken 10 Centimen I Franke 15 Centimen I Franke 10 Centimen Böd>e Schaafe 60 Frkn, 78 Frkn, 150 Franken 469 Es waren dieß Jahr 76 StüFX nah Pom- padour geſchickt. 50 Centimen 4 Kilogrammen 24 Franken 2 Frauken 99 Centimen 1 Frauke 40 Centimen . BdFe Schaafe Böd&>e Schaafe 80 Frkn. 68 Frkn, 120 Franken 44x Bd>e Z31 Frkn. 30 Centimen Schaafe 209 Frkn, 88 Centimen 510 Franken 4 Kilogrammen 5x Hectogrammen 27 Franken 95 Centimen 2 Franken 88 Centimen 1 Franke 60 Centimen Pl Franke 75 Centimen Böe Schaafe 412 Frkn, 25 Centimen Böd>e Schaafe 236 Frkn. 630 Franken des dffentlichhen Wohls, wären: die Herren Ber- tholet, Heritier, Cels, Vilmorin, Dubois, Gil2 bert, Huzard, Parmentier, Rougier- Laberge? rie, welchen noh in der Folge Herr Teſſter beys geſellt wurde. I< füge hier eine Tabelle bey, welche den Zuſtand der Heerde in den Jahren der Republik 5 his 10 darſtellt. Dieſes war der Zeitraum worin die Heerde am ſchnellſten anwuchs, und in welchem die franzöſiſchen Landwirthe die Hälfsquellen recht ſc<äßzen lernten, weiche dieſe Heerde der Landwirthſchaft und den Wollfabrie ken darbot. Es erhellet aus dieſer Tabelle, daß die Wolle der Merinos bey jedem zu Rambouillet ange? ſtellten Verkauf weit theurer bezahlt worden iſt, als die von denen bisher für die beſien gehaltee nen franzdſiſchen Racen 3; daß der Preiß jährlich geſtiegen, und daß er im lezten Jahre dem ges wöhnlichen Handelspreiſe der aus Spanien Xommenden. ſuperfeinen Wolle gleich gewe- ſen iſt. Hiebey verdient bemerkt zu werden, daß die Kaufleute jederzeit übereingekommen waren, 87'- 83 dieſe Wolle zu verachten, um' zu verhindern, daß ſie nicht nach dem wahren Werthe bezahlt wür- dez ferner, daß. der Handel immer-in baarem Gelde und nicht auf Papier abgeſchloſſen wurde; daß der im Handel gewöhnliche Abzug von vier aufs Hundert nicht Statt fand; daß die mit ungleich mehrerem Fett als die Landwolle ange füllte Wolle der Merinos in der Wäſche.mehr als jene am Gewicht verliert; daß zu Rams bonillet nur die Bauchwolle aus den Velzen aus- geſondert wird, welches auf. jeden Pelz einen Abgang von nicht mehr als zwey Hektogram2- men(6 Unzen) beträgt, anſtatt daß bei dem Sortiren der Wolle in Spanieu- drei oder vier Sorten gemacht werden,?7) und daß endlich vor den drei beſten ſpaniſchen Sorten, die allein in den auswärtigen Handel kommen, die zweite und dritte, allezeit einen Franken oder einen hals ben weniger gilt, als die erſte Sorte. 37) Man ſehe hierüber Traits Sur les betes a * laine d' Espagne, pag. 67 1. f. Qaſteyrie's Ab- handlung über das ſpaniſche Schaafvieh. Hamburg, bei Villaume. 1820, S. 103, u, f. unter Nr. 4.) ; A..d, UU. 89 .) Alles bisher geſagte beweiſet: das die Wolle- von der Heerde zu Rambouillet eben ſo viel und vielleicht mehr werth iſt, als die beſte ſpaniſche; und daß alſo die. Anzucht der Merinos allezeit einen weit größern Gewinn gewähren wird, als» die.der Landracen.| Die Merinos geben nicht nur eine feinere, ſondern auch weit mehrere Wolle, wie mau es ſehen kann, wenn man die in der Tabelle angegebenen Gewichte mit denen der Landſchaafwolle vergleiht, Der Mitteler- trag an Wolle von einem Schaafe iſt 33 bis 4 Kilogrammen,(7 bis 8 Pfund) es giebt aber Schaafe, die 6 Kilogrammen(12 Pfund) ges ben; 28) die Landſchaafe der Gegend um Ram- 38) Jn dieſem Jahre X1(1802) wurde zu Ram- bouillet ein Bo> geſchoren, welcher 8 Kilogram- men(16 Pfund) Wolle gab. Einige Schaafe in Privatſchäfereyen haben gleichfalls Pelze yon eben dieſem Gewicht gehabt.*) A. d. V.' *) Hier muß ich meine Leſer aufmerkſam machen, . daß die Schaafe in Frankreich, ſo wie in Spa- nien aus dem Fett, das heißt, ungewaſchen ge2 ſchoren werden. Weiterhin finden wir, daß man 902 bouillet geben iniht mehr als 1X bis 2 Kilo2 grammen;(3 bis 4 Pfund) dieſe Wolle wird in gewöhnlichen Jahren nicht theurer bezahlt, als 40 bis 50 Centimen für 5 Kilogrammen,(10 Pfund) welches auf die ſuperfeine einen Gez winn von 75, auf die halbſchlägige aber von 50, wenigſtens 35 Procent betrögt. in Frankreic<-den Abgang des Gewichts nach der Wäſche und dem Tro>uen der Wolle auf drey Fünftheile berechnet. Der Pelz des vom Ver- faſſer erwähnten Bocks hat alſo gewaſchen nur 6* Pfund gewogen; dieſes iſx uicht viel. I< habe einen Bock in E>ers8dorf bey dem Herrn Grafen von Magnis geſehen, 1 welcher zwey Jahre nach einander 11 Breßlauer oder 10-22 Berli- nex Pfund gewaſchne Wolle gegeben hat. Die mehreſten meiner ſächſiſch- ſpaniſchen und ganz veredelten Bd>e geben 6 Berliner Pfund und darüber. Einer meiner Böe, den ich aus Cöſik von dem Amtmaun Fink gekauft habe, gab nach dreymaligem Schwemmen und völligem Abtro>- nen, im Jahre 1802, 7 Pfund 16 Loth, und im Jahre 1803, 7 Pfund 31 Loth Berliner Gewicht ſuperfeine Wolle. A,d.U. 91 Der hohe Gewinn, den die Schäferey zu. Rambouillet ſowohl, als verſchiedene Privat? ſchäfereyen aus dem Verkauf der feinen Wolle ziehen, ſollte doch wohl die Aufmerkſamkeit der Landwirthe rege machen, und ſie bewegen, ſich Schaafe dieſer Race zu verſchaffen. Dieſer Ges winn kann zwar nic icht der Menge nichts verliert, ,**) Man hat zu Rambvyuillet nicht wahrgenom? men, daß die zu dieſen Verſuchen. beſtimmten Schaafe ſehr viel durch Hitze gelitten, oder daß es ihrer Geſundheit auf- andere Art Zeſchadet hätte. Man hat nur bemerkt, daß den Läma mern das Saugen dadurch erſchwert wurde, weil die langen WollfloXen das Euter der"Mutter - 41) Man wird ſich erinnern, daß auch in Deutſche land, namentlich auf Veranlaſſung der Märki- ſchen dfvn, Geſellſchaft ähnliche Verſuche ge-| macht ſind, I< ſelbſt wollte dieſen Verſuch im Jahre 1802 anfangen, allein dieſe Schagfe ſtar? ben im Winter 1802 an den Pocken. Meine - Lämmer ſind im Sommer 1803 nicht geſchoren) und ich bin Willens, 10 bis 12 davon nicht eher als 1895 ſcheeren. zu laſſen, A. d.|, 6“ 98 ganz verde>ten. Man glaubt, daß die Wolle, welche die Schaafe zwey oder drey Jahre auf ſich getragen haben, mit großem Vortheil zu verſchiedenen Arbeiten, beſonders zu Verferti- gung.der Cafimire wird gebraucht werden kön? nen; wie man dieſes auch ſchon mit der Wolle gus Rambouillet verſucht hat 3; man müßte aber einer ganzen Heerde die Wolle zwey oder drey Jahre wachſen laſſen, um über den Vortheil oder den Schaden dieſes Verfahrens richtig ur? theilen zu können.**) Es wöre auch ſehr wich» 42) Ih glaube, daß man eine ſpaniſche oder ganz veredelte Heerde bis drey Jahre ungeſchoren ges hen laſſen kann, ohne Gefahr zu laufen, daß ſie die Wolle verlieren 3 aber mit unſern Landſchaa= fen dürfte es gefährlicher ſeyn. Erſtere verlieren die Wolle=- wenigſtens im erſten Jahre nicht leicht 3 wie leicht ſie dagegen unſere Landſchaafe verlie- ren, weiß jeder Landwirth. Es iſt aber Krank* beitszuſtand, wenn die Schaafe die Wolle abſtoſ2 ſen ziim Winter iſt gewöhnlich Hunger, den ſie ha» ben erdulden müſſen, Schuld daranz unter ſolchem Umſtänden verlieren ſie aber auch die ſpaniſchen 3 - gllein die Landſchaafe verlieren ſie auch, felbſt wenn ſie im beſten Stande ſind, im Sommer, wenn 9a 99 tig auszumitteln: ob eine beſtimmte Anzahl alſo behandelter Schaafe nicht eine größere Menge Futter erfordern, ob ſie nicht dfters und mehres ren Krankheiten ausgeſeßt ſeyn würden; ob das Austreiben und Weiden derſelben nicht mehr Schwierigkeiten machen würde, und. ob ſich einige andere Unannehmlichkeiten ereignen möch- ten, welchen man leicht zuvorkommen kaun, oder welchen man bei einem Verſuch mit einzelnen Schaafen gar nicht ausgeſeßt iſt? Wahrſcheins lich überſteigen die Nachtheile einer zwey- oder dreyjährigen Schur die etwanigen, Vortheile bey weiten. iv Wi ſpät geſchoren werden, zuweilen. Da ſie längere and weniger dichte Wolle haben als die ſpaniſchen, ſo retpen ſie ſich aber an den|Sträuchern und Zäunen die Wolle auch leichter ab. Nichtige Verſuche können uns hierüber allein hinlänglich belehren. Ob die Schaafe mehrere und beſſere Nahrung erfordern möchten, wenn ſie alle 3wep Jahre geſchoren würden, bezweifle ich, denn alles Vieh friſſet bey ſtarker Kälte, wenn es nur nicht ſo erſtarret iſt, daß es gar nicht freſſen kaun, am begierigſten, Y, 0, 1, 1003 Es iſt auch) zu Rambouillet verſucht: ob'Vor- fheil dabey“iſt, die Lämmer anſtatt; wiegewdhnlich, in'ſechſten' Monate-, erſt im zweyten Jähre zu ſcheeren 2.Dicſe-Lämmer haben eben ſo viel Wolle: gegeben, als wenn ſie zweymal waren geſchoren worden; ihre Wolle war ſtärker, län- ger und hatte an Werth im Handel gewonnen: Dieſes ſind die von denen Herren Teſſier und Huzard dem'Inſtitute vorgelegten Reſultate. « Herr: Dvard/ welcher gausgebreitete land- wirthſchaftliche Kenntniſſe mit warmem Eifer für die Fortſchritte-dieſer Kunſt vereinigt, hat' gleich falls Verſuche angeſtellt, welche aber denen zu Rambouillet gemachten Crfahrungen zu wider? ſprechen ſcheinen: Er hielt es, um beſiimmte Erfahrungen zu mächen, nicht hinlänglich, eini» gen Lämmern die Wolle bis ins zweyte Jahr ſiehen zu laſſen, und den Ertrag ihrer Wolle nachher mit der zweymaligen Schur der übrigen Lämmer zu vergleichen, welche ſchlechter gefütz der Verſuch angeſtellt wird. Er vermied alles dieſes, indem er vier Lämmer nahm, und ſie im erſten und zweyten Jahre, der' Länge des Kör tert oder ſchwächer ſeyn können als die, womit pers na, nur auf.einer Seite ſcheeren ließ; die Wolle von der andern Seite wurde erſt im zweyten Jahre beſonders geſchoren. Ein im I. 9(1801) halb Pf, Unz. geſchornes Lamm' hat von diefer Hälfte gegeben 113 Unzen.' Die Wolle vondieſer Hälfs te betrug im J. 10(1822) 5 Pf. x 1 Unzen, alſo zu- ſammen.. 6 67) Die im Jahr- 1801.nicht| geſchorne Hälfte gab im SUNE-1892 8 ze 4 5 22 Das zweyte Lamm gab 1301 von der Hälfte 123 „« 4 Unzen: 1802 von derſelben 4 Pf. 14% Unz. EEN PND) 1802 von der 1801 nicht N geſchornen'Hälfte..[5 102) Das dritte. Lamm gab 1801 von der Halfte 82 Unzen, Vortheil der zweymaligen * Schur, TI Pf, 4Unz. u en : u IOQL Pf. Unze, Vortheil der zweymaligen j Schur. 1802 von derſelben 4 Pf. 9x Unz. 5. I14 7802 die 1801 nicht ge- x* 84 Unz. ſchotne Hälfte,++ 4 9) Das vierte Lamm gab 1801 von der Hälfte 83 Unze. x.802 von derſelben 3 Pf. 30 Unz. tien 4 231. 1302 von der 1801 nicht et AN geſchornen Hälfte,« 3 43) Der Total-Vortheil*?) derjähr- lichen Schar betrug alſo bey allen 4 Lämmern. PIN 2,Pf. 73 2 Das Reſultat, welches Herr Yvard aus einem Verſuche erhalten hat, beweiſet alſo: daß es vortheilhafter ſey, die Lämmex gleich im 43) In obiger Berechnung befinden ſich beym zweyten und dritten Lamme Rechnungsfehler; = | ID z 2 ZE ZT “2 2 = E| = = vV I+ Ww W S |] > WD Ind > < 87 S E we = S .2 A = [OR S 3 > [9] = VW 2» 2 <= *S< ZS I = 8 = = [4 EE > I- R "= 5 ſie kommt anders heraus. Das Pfund enthält 26 Unzen. 3tes Lamm, ates Lamm, z3tes Lamm, kes kamin, die Hälfte 1801 112 Unz. 123 nz. 83. Unz. BEBnd« dieſelbe 1803 P5Pf,11 4Pf. 14% 7 4Pf. 9X- 3Pf. 10 6 103« te Hälfte gab We ET En 5; 103- Vorthell der zwepmwa? 4 ligen Schur 1ER F> Total: Vortheil der zweymaligen Schur 2 Pfuzd 115 Unzen, 9. db. 1. 104 zwey Jahre läßt, wie ich ſolches ſchon vorhin geſagt habe. Man könnte indeſſen dieſe Reſultate entkräfs ven, wenn man einwendete, daß die Ausdüna ſtungen, welche den Wachsthum der Wolle bes Fordern, ſich mehr auf die geſchorne Seite wer? fen, und dä den Wäachsthum der Wolle zum Nachtheile der nngeſchornen Seite begünſtigen. Dieſe ungegründet ſcheinende Vorausſezung würde aber. zugleich beweiſen, daß das Abſcheea ren dev Wolle ihr Wachsthum befördert, und daher für den Verſuch des Herrn Yvard ſpres laſſen, ein Mittel wäre, ſie für das Drehen oder Drehnigtwerden zu bewahren,*) N..d,-V. 2x) I< glaube dieſes nicht, und halte es beynahe für unmöglich. Wer mit den Eigenſchaften der Ur: ſache diefer Krankheit, nemlic) mit denen im Gehirn det drehnigten Schaafe befindlichen Blqa ſenbandwürmern genau bekannt iſt, muß über» zeugt ſeyn, daß dieſe Würmer nur aus den Eyern, welche die alten Würmer abſeßen, enk» ſiehen, und ſich aus dieſen nirgend anders als au dem ihnen von der Natur beſtimmten Wohn» orte, nemlich im'Gehirn der Schaafe entwi>eln können. Dieſe Eper wüſſey, da ſie äußerſt fein ſind, durch die Cironlation des Blutes und der Säfte im ganzen Thiere verbreitet werden, und werden dem Embryo bey ſeinem Entſtehen mit- getheilt, können ſich aber in dieſem auch nur ents wikeln, wenn ſie eben dure nicht leicht eher, als bis ſie ſchon ſehr alt ſind. Jede ſo. falſch behandelte Axt Thiere muß ſchlechtes Fleiſch geben. Uebri- geus, haben die grobwolligen Schaafe in Spa- nien kein zarteres Fleiſch, als die Merinos, und ich habe in Spanien Fleiſch von letzteren gegeſ- ſen,»welches ſo ſaftig als das der franzdſiſchen Hammel war.: Die von. denen Herren Teſſier und Huzard hierüber geſammelten Beobachtungen beſtätigen dasjenige, was ich hier angeführt habe. I< „werde dieſe Beobachtungen aus dem dem Inſti- tute im Jahre 8(1722) abgeſtatteten Bericht hier mittheilen,; 110 „Die bis jeßzo mit dem Fettmachen ſpaniſcher „Merinos von uns angeſtellten Verſuche waretr „nicht genau genug beobachtet worden. Es war „zwar bewieſen, daß alle dazu gewählten Thiers „fett geworden waren, und daß ihr Fleiſch wes „nigſtens eben ſo zart und ſcmäßiger, wenn dieſer Markt einen Monat ſpäter in oder bey Paris gehalten werden möchte.“2 Da die mehreſten- ganz ächten“oder-veredel- ten Heerden ſich“ in der Nähe von Paris"befin- den,-ſo würden die Landwirthe, welche ohnehin 118 der fes ihrer gewdhnlichen Geſchäfte wegen oft dahin kommen müſſen, ihre Wolle ohne anderweitige Koſten abſetzen können, Man könnte uoch ein Mittel, den Verkauf Wolle mächtig zu beförden, anwenden; die- wäre 2 die Anlage eines Waſchhauſes nach ſpaniſcher Art 2?) zum Gebrauch des Land2 mannes. Nach und uach müßten auc Waſch- 49) Auch hieraus erſichet mau, daß die Merinos in Fraufreich, ſo wie es beynahe durchgehends in Spanien geſchiehet, aus dem Fett, das heißt: ohne vorher gewaſchen oder geſchwenunt worden zu ſeyu, geſchoren werden. Ju meinem Vert= fuch über die Schaafzuht in Preußen, S. 52» habe ich mich zwar gegen das Sct. Dieſe Anſtalt wird jelzo aber durch Ausbreitung der ſuperfeinen Race weit nüßli- cher werden, da dieſe nach und nach in die Stelle der in den benachbarten Departements befindli- hen ſchlechten Racen treten wird. Dieſe Heerde zu Pompadour beſtehet in die? ſem AugenbliX aus zweyhundert neun und vier? zig Schaafen, und ſiehet unter der Auſſicht eines in der Schäferſchule zu Rambouillet aus? gelernten Schäfers, Hier iſt der Beſtand dieſer Heerde im Jahre 10.(180x) Bd>e von verſchiedenem Alter- 75 Lammbd>ke vom Jahre 10(1802) 39 Mutterſchaafe von verſchiedenem Alter: 2 s 57 Zeitſchaafe oder zweyjährige 2,4. 29 Mutterjährlinge::„20 Mutterlämmer vom Jahr 10(1802) 33 Summa 249 St>. Die Heerde zu Perpignan wurde aus einem Theile der durch Herrn Gilbert aus Spanien 123 gebrachten Shaafen zuſammengeſeßt.: Er hatte den Vorſchlag gemacht, dieſe Schäferey zu Per- pignan anzulegen, weil er überzeugt war, daß dort die Fortpflanzung der ſpaniſchen Schaafe weniger Schwierigkeiten, und alſo in jenen Ge2 genden Frankreichs weit raſchere Fortſchritte ma djen würde, theils weil die Einwohner mit dem äußeren Anſehen dieſer Schaafe bekannt waren und den Werth dieſer vortreflichen Race beſſer zu ſchätzen wußten; theils weil die drtlichen Umſtände der Unterhaltung einer Heerde dieſe? Art dort günſtiger als anderwärts waren, Nachdem die Regierung dieſen Vorſchlag ge- nehmigſt hatte, wurde befohlen, zu Perpignan die nöthigen Anſtalten zur Aufnahme dieſer Heerde zu treffen, und es wurde zu ihrem Empfange ein Schäfer aus Rambouillet dort- hin geſchit, der ihr auch weiterhin vor2 ſtehen ſollte. Bey ihrer Ankunft beſtand die Heerde aus dreyhundert und ſechszig Schaafen, Bis zum Jahre 9(1802) hat ſie ſich um dreys hundert fünf und achtzig vermehrt, Hier iſt der Beſtand: 124 Rus Spanien gekommene Bd>Xe 16 -- Mutters 352 ſhaafe- 2 334) hier gebohrne Boklämmer Ig "p z z Möutterlämmer 30) 385 Totalzahl der. im Jahr 9 (3802) in der Heerde zu Per-( pignan befindlichen Schaafe 735'St>. Es bleibt mir noch übrig von der veredelten Heerde-zu. Alfort zu ſprechen;:um den Leſer mit allen dffentlichen? zur Veredlung der. Schaafe beſtimmten Anſtalten bekannt zu machen, Die jeßo zu Alfort befindliche Heerde wurde zuerſt zu Sceaux zuſammengebracht, und dann nach Verſailles verſeßt, Es iſt bekannt, daß der Park zu Sceaux durch einen Beſchluß vom x6ten Floreal des Jahres 2(den bten May 1793) zu einer Expes rimental-Wirthſchaft beſtimmt wurde; da aber politiſche oder wenigſtens dafür gehaltene Grün- de den Verkauf von Sceaux nothwendig gemacht hatten, das Directorium' gleichwohl durch“ die 125 in'dem.bey dieſer Gelegenheit.abgeſiatteten Bes richte des Inſtituts 53) enthaltenen gegründe- ten Bemerkungen von der Wichtigkeit eines land» wirthſchaftlichen National.- Inſtituts überzeugt wurde, ſo verlegte daſſelbe die Anſtalt von Scequx nach Verſailles. 53) Dieſen Bericht findet man in denen Knnales de!' Agriculture frangoise, im vierten Theil, S. 289 u, f. abgedru>t. Die Commiſſaire ſind die Bürger Cels, Fourcroix, Gilbert, Parmen- tier, Huzard- und Teſſier.*) : A. d. V. *) Auch dieſe Annalen, die ſo viel Gutes und Merkwürdiges enthalten, welches auch für deutz ſche Wirthe wiſſenswerth iſt, ſind, ſo viel ich weiß, noch nicht überſeßt. Möchte ſich doch ein guter, ſachkundiger Ueberſeßer wenigſtens für die uns Deutſchen wichtigſten Aufſäße finden! Die Franzoſen ſtrengen alle Kräfte an, ihre Land- wirthſchaft gründlich zu verbeſſern; dieſe Anſtren= gung fann Deutſchland, beſonders aber den Län- dern an der Oſtſee, durc< Verminderung ihres „Abſatzes von Getraide ſehr nacerbaugeſellſchaft, worin ſie ihn erſuchte, der Regierung eine anderweitige Bitte vorzulegen, aus einander geſetzt wurden. „Wenn die Landwirthſchaft die erſte aller „Künſte iſt;(ſagt das National-Inſtitut in ſeis „nem Bericht) wenn ſie nur durch Verſuche ver» »„2ollfommnet werden kann; wenn dieſe Verſuche »ein dazu beſtimmtes National- Grundſtä> ers pfordern, wenn es wahr iſt, wie es ein um die „Landwirthſchaft äußerſt verdienter Mann ver- „ſichert,„daß es einer Regierung, die keine -„ſolche Anſtalt beſißt, an einer der wichtigſten »Eiurichtungen fehlet;“ wenn endlich die Mena ferner: die Bemerkungen der Geſellſchaft; und den Bericht des National: Inſtituts über denſel-, ben Gegenſtand; drey jn den M&moires de 1a Societe d* Agriculture, an IX, 802) Tome Second, pag. 79 etc.*) A. d. V. 2) Auch viele Aufſäße dieſer MEmoires gy, ſ, 1y, verdienen eine gute Ueberſeßung, A, d, YU. 128 „Serie zu Verſailles das einzige zu dieſem Zweck »„taugliche Nationalgut iſt, und man kein Be- „denken trägt, das gegenwärtige Verhältniß die- vſer beſtehenden Anſtalt zu zerſidren; welche „dffentliche Anſtalten, werden dann wohl ver»? „ſchont bleiben? Unter welchen Umſiänden wird „dann wohl die öffentliche Wohlfahrt über das »Privat- Intereſſe, den Sieg erringen?“ Die am x12ten Meſſidor des Jahres 8(den aten Julius 1800) von Verſailles nach Alfort gebrachte veredelte Heerde war urſprünglich bes ſtimmt, durch ſie die Wirkung der Vers miſchung der verſchiedenen Racen zu beob? achten, und die verſchiedenen Wollgattunz- gen zu erzeugen, welche wir zur Verfertigung unſerer Tücher und anderer den vornehmſten Handelszweig nach der Levante gusmachender Zeuge ſo nothwendig gebrauchen. Dieſe Heerde, welche aus 245 alten Schaa- fen und 63 Lämmern beſtand, verlor 27 Stu bald nach ihrer Ankunft zu Alford; ſie beſteht gegenwärtig gegen das Ende des Jahres 10(im Sommer 1802) aus 296 Schaafen von ver- ſchiedenem Alter und verſchiedenen Racen, wie man T29 man aus der dieſem Artikel weiterhin beygefügs ten Tabelle erſehen kann. -“ Die Walliſer Schaafe, welche an Grdße und Stärke unſere franzöſiſchen Racen übertreffen,) haben eine ſehr rauhe(ſcharfe) dem Ziegenhaar ähnliche, vier und zwanzig bis dreyßig Centi- metre 5*)(gegen I1 Zoll) lange, aber in der Länge und Die ſehr verſchiedene Wolle. Die aus Bearn 558) ſind weniger groß als die vorgenannten, haben eine eben ſo lange, aber 'grdbere Wolle mit ſogenannten Hundehgaren ver- miſcht. Jn beider Pelze findet man eine Menge kürzere, um ein vieles feinere Fäden, als die langen, von denen eben die Rede war, | Die Wolle der Race aus Beauce 57) iſt wes | niger lang, trofen, hgarig, ſprdde, mit Hunz 55) Der Centimetre hält 4,433 Pariſer Linien. Dreyßig Centimetre betragen demnach 132999 Pariſer Linien, H, d. y. 56) Im Departement der NiedersPprenden. A. d. U. 57) Im Departement der Eure und Loire. A. d. U. JI 130 dehaaren vermiſcht 3 aber gleichartiger, als die der erſten Racen. "Die Boulogneſiſchen*2) Schaafe ſind kraft» voller 3; ſie haben in der Geſtalt und Geſichtsbil- dung Aehnlichkeit mit einigen engliſchen Racen; obgleich ihre Wolle von grober Art iſt, ſo iſt ſie doc) etwas elaſtiſch und weich. Die engliſche Race aus Lincolnſhire, welche man zu Alfort beſißt, iſt von ein und funfzig bis vier und funfzig Centimetre(18 bis 19Z Zoll) hoch. Sie iſt wohl gebaut, hät einen kurzen unterſetzten Körper, die Lippen und Naſe, und beſißt eine dauerhafte Geſundheit; ihre Wolle iſi weich und wenig elaſtiſch. Die Race von Sologne**) iſt die kleinſte, die wir in Frankreich haben; ſie zeichnet ſich durch kurze, dünne Beine, einen kleinen geſtre>? ten Kopf, durch ſchwarze und graue FleFXen an 58) Im Departement Pas de Calais. 9. d. U. 59) Im Departement des Loiret, A. d. U-. I31 den Beinen und am Kopf aus;;ſie haben kleine Ohren, und ähre kurze gekräuſelte Wolle gehdrt zu den beſten inländiſchen Wollen der zweyten Klaſſe. Die Schaafe ans Rouſſillon 52?) ſind ges wdhnlkich kleiner als die Merinos. Jhre Wolle kömmt ziemlich der ſpaniſchen von der andern Seite der Pyrenäen an Feinheit gleich, Sie weicht darin von dieſer ab, daß ſie weniger dicht, in ibrer ganzen Länge ſpiralfdrmig gewunden iſt, und ſich auf dem Leibe in Flocken theilt. Die rouſſilonſchen Schaafe ſind wegen. ihrer ſtark gelblichen und mit vielem Fett angefüllten Wolle merkwürdig. Durch die Paarung dieſer ſieben erwähnten Scaafracen mit ſpaniſchen Bd>en hat man ver- miſchte Raceu erhalten, die eine feinere oder grdbere Wolle geben, welche der Wolle der Mex rinos mehr oder weniger ähnlich iſt. Dieſe Wollen haben immer etwas an ſich, was die Race der Mutter, von der das Lamm gefallen 60) Im Departement dvr Oſt: Pyrenäen. ; A. d. UU, 132 '*" den iſt, verräth 3; ſie erlangen einen neuen'Grad det Vollkommenheit, je dfter man die Räcen bis zur vierten Generation kreuzet 3**) in welcher ſie Grad der beſondern Veredlung erhalten ha? ben, deſſen fie fähig find, Eine jede Race veredelt 61) Dieſes heißet ſo viel: daß die jungen Mutz terſchagfe erſter, zweyter und dritter Genera? tion jederzeit mit ganz äce erzieht, als er-gebraucht. Doch dieſes iſt. befaunt,-oder ſollte wenigſtens jedem befannt ſeyn, der die Veredlung ſeiner Heerde. unter- nimmt, damit man nicht die Folgen einer fal- ſchen Behandlung für Folgen einer andern Urſa2 de halte.: A. d. U. 133 ſich umſo leichter, Je feirker ihre eigenthümlics e Wolle-an ſich iſt, Die Veredlung dauert fort; wenn.mandieſe Shaafe untereinander vermiſcht; ohne daß.man ndthig hätte, aufs Neue zu ſpas niſchen BdFen ſeine Zuflucht zu nehmen. 7*) Wenn man einen ſpaniſchen Bo> mit einem Langwolligen Schäafe paart, ſo bekdömmt das davon fallende Lamm längere Wolle, als der Vater; es bekömmt kürzere, wenn die Mutter kurze Wolle hat. Die Länge vermindert ſich im erſten, und'vermehret ſich im leßtern Fall in jeder folgenden Generation mehr und mehr, der- geſtalt,'daß in der vierten Generation'kein merk: licher Unterſchied mehr Statt findet, Ein halbſchlägiges Schaaf bekdmmt deſts nichr Wölle, je wollreicher die»Mutter iſt. 62) Maawerſtehe dieſes ja nicht allgemein, und. beherzige die vorige Aumerkung. Obgleich rich nicht glaube, daß Verwandtſchaft der gepaarten Böcke und"Schaafe' bey guter Wartung ſchadet; ſo halte ic< es doh ſicherer, ſie.zu vermeiden. A.>d.1U. 134 &e mehr und je beſſer Futter ein Schaaf ebs Hält, je wollreicher wird es. Von Schaafen, die nicht gut und reichlich gefüttert werden; kann man keine reiche Wollſchur erwarten, Schaafe, die aus der Vermiſchung eines ſpaniſchen Boes mit einem Mutterſchaafe von einer andern, gleichviel welcher Race fallen, ger winnen oder verlieren an Grdße und Stärke, je nachdem das Mutterſchaaf von grdßerer oder kleinerer Race iſt. Wer gerne große halbſchläz gige Racen erziehen will, muß den ſpaniſchen Bd>en größere Mutterſchaafe geben ,,. als ſie ſelbſt ſind; dagegen derjenige, dex ſeiner Weide wegen die kleinern Racen vorziehen muß, wohl * thut, kleinere Mutterſchöafe auszuſuchen, als die Bde>ke ſind. Da der männliche Einfluß bey der Erzeugung grdßer iſt, als der weibliche, ſy» iſt es wichtig, grdßere oder kleinere Bd&e aus- zuwählen, um eine Heerde von ſolcher Beſchaf2 ſenheit zu erhalten, wie man ſie haben will. Die veredelten Schaafe können ſo gut als alle Thierarten, ſowohl in Anſehung der Wolle, als des Fleiſches und der Geſtalt u: ſ, w- ver 235 gollfommnet werden. Zu der möglichſten Voll- kommeuheit der Veredlung kann man nur ge- langen, wenn man bey jeder neuen Generation nur blos die Shaafe auswählt, welche die vers längten Eigenſchaften im höchſten Grade vor den übrigen beſigen, um ſie zur Zucht zu ges brauchen. Die hier geſchilderten ſieben Racen ſind ges ſunder und dauerhafter Natur, ausgenommen die aus Sologne, welche vielen Krankheiten un- terworfen iſt; die davon fallenden veredelten Schaafe haben ein beſſeres Temperament. Sie werden ſchwerer fett, als die veredelten von den boulogneſiſchen, engliſchen, Beauciſchen und walliſer Racen. Denſelben Fehler haben die Bearnſchen und Rouſſillonſchen Racen. Die am leichteſten zu veredelnden Racen ſind die von Boulogne, Sologne, die engliſche und vorzüglich die rouſſillonſche, weil dieſe ſchon an Schvnheit den ächten Merinos beynahe gleich Fdmmt. Die aus Bearn iſt leichter 8?) zu ver? 63) Mit Verguügen ſehe ich es,"daß die Race der preußiſchen Landſchaafe, welche ich beſiße, der 156 iw bel, üls die waliſiſche, obgleich die Woll- fäden beider Racen gleich grob, und mehr Hündehäare in'der Wolle der leßtern find. Ich "- Henmüthe, daß die Racen, deren Wolle theils Veredlung ſehr leicht fähig iſt. I< beſiße bes reits Schaafe zweyter Generation, welce der äte Leute werden dort angelernt. Die Präs fecte der Departements bezahlen für jeden 36 Franken monatlich. Dafür wird er gekleidet, geſpeiſet und in allem unterhalten, und die nds thigen-Bücher und Inſtrumente werden ihm angeſchafft. Die Privatperſonen zahlen für alles dieſes nur 22 Franken,**) Die Sehäfer ſpei- 65) Alfort liegt nahe bey Charentön an der Mac» ne, zwey Meilen von Paris, im Departement von Paris, A. d. UU. 66) Welche lobeuswürdige Freygebigkeit der Re- gierung, daß ſie mehr fär einen Zögling in die- ſex Schäferſchule bezahlt, als der Privatmann. Gewöhnlich iſt dieſes in andern ähnlichen Juſti- 5 tuten umgekehrt. A. d, U, T39 fen und wohnen mit den Lehrlingen der Thier- Arzneyſchule zuſammen, und ſtehen unter der- ſelben Aufſicht und Zucht. Der Unterricht der Zöglinge der Schäfer- ſchule dauert ein Jahr, und zerfällt in drey Theile. In den erſten vier Monaten werden die Anfangsgründe der Anatomie der Schaafe, die Grundſätze der Phyſiologie, der Naturlehre u. ſ. w. gelehrt. Die folgenden vier Monate werden zur Erlernung der Lehre von der Diät, von Erhaltung der Geſundheit der Schaafe und Verhütung der Krankheiten, der Raturgeſchichte derſelben und der Lehre von Veredlung der Racen angewendet, dabey wird gelehrt, wie die Ställe beſchaffen ſeyn und die Schaafe darin gehalten, wie ſie gefüttert, gehordet und gewartet wer? den müſſen. In den letzten vier Monaten erler- nen die Zdglinge die Behandlung der Krankhei- ten, deuen die Schaafe unterworfen ſind, die vorkommendene zu ver- edeln 3; 3. B. die aus dem Texel, aus Frieß land, der Moldau und dem Paduäniſchen,**) 67) In dem Verfolge dieſes Buchs kann man ſehen, was ich von dieſen verſchiedenen Racen geſagt habe. A. d, V. 68) Mit den Paduaniſchen Sechaafen iſt die VeWe edlung dur ſpaniſche Bd>e ſchon in Matcopail in Ungarn und in mehreren Privatheerden in den öſterreichiſchen Erblanden, auch, wo ich nicht irre, ſelbſt in E>ersdorf, mit glüklichem Erfolg unternommen ivorden. Eine ſolche Probe bin ich im Begriff, mit einer'in'der Danziger Nie- "'dermig anzutreffenden Schäafrace zu machen. „Dieſe“Schaafe ſind ſehr:groß und gedrungen. Der. Kopf, die: Füße, der Bauch und-der Schwanz „Zu Seite 141, nn ee a Ine(NINGINW WELBGÜNN CDi 7. 7 06% SSD I WRE hk du ASH HEER BEE EA Vergleichungs- Tabelle der Höhe der Schaafe, der Länge der Wolle, des Mittel- Gewichts der Pelze und der Anzahl dir Schaafe der verſchiedenen zu Alford befindlichen Racen. Mittelgewicht der nicht/ Anzahl der Schaafe im gewaſchenen Pelze. Jahre 10. ;: ilogrammen oder Centimeter Centimeter 3 Spfund Racen. Höhe der Schaafe. Länge der Wolle. Walliſer 65 bis 72 24 bis 30 nR RR 3 us vin Aus Bearn 4.8: 288: 30 vir Aus Beauce 59 Dr 17 Boulogneſiſche 48€ 16 20 Engliſche Er 14 15.86 vin 20|O PIEGA|N GW Im Sologuottiſche 40 8's 10 Sv d= Aus Roußillon 44 IZ 14 2 09 vi= Spaniſche 48 0:59 Summa aller Schaafe der Heerde zu Alford 269 14t Die erheblichen Vortheile, welche die Nation aus der Heerde zu Rämbouillet ziehen wird, ſind nicht mehr zweifelhaft, Diejenigen, welche wir von der Anſtalt zu Alfort erwarten kdnnen, - find zwar weniger beträchtlich, aber nicht min- der gründlich. Es iſt nur zu bedauern, daß eine ſo merkwürdige Schäferey an. einem Orte iſt, wo ſie keine Hufe eigenen Landes beſißzet; und daß Schaafe, welche zu Verſuchen beſtimmt ſind, die eine anhaltende ununterbrochene Aufs merkſamkeit und Sorgfalt erfordern, auf gemie-. theten Weiden gehütet werden müſſen. Ich füge hier eine Vergleichungstabelle der Grdße der Schagfe, der Länge ihrer Wolle, des Mittelgewichtes ihrer Pelze, und die Anzahl ſind ohne Wolle, mit Haaren bewachſen. Die Wolle bede>t den Hals von den Ohren an und den Rüden bis an die Beine; ſie iſt grob und tro>en, aber ziemlich elaſtiſch. Dieſe Schaafe bringen, ſo wie die Eyderſtädtſchen aus der Wyl- ſtermarſch in Holſtein gewöhnlich zwey, oft drey Lämmer. I< halte dieſe Fruchtbarkeit für Folge der guten kräftigen Weide, A. d. U. 142" der verſchiedenen Racen bey, welche die zu Alfort befindliche Schäferey agusmachen. Außer den Nationalheerden zu Rambouillet, Perpignan, Pompadour und Alfort befindet ſich noch eine große Menge 1heils ächt ſpaniſcher, theils im vollfommenſten Grade veredelter *>Schaafe in Frankreich. Die leßten aus denen Departements eingegangenen Berichte beweiſen s daß die Anzahl der in allen Theilen der Repub lif befindlichen Schgafe dieſer Art über eine Mil- lion beträgt; wäre dieſe Anzahl auch vielleicht übertrieben, ſo iſt es doch gewiß, daß ſie. ſich im den leßten Jahren beträchtlich vermehrt hat. Es iſt; nicht zu bezweifeln, daß ſie ſich noch ſchneller vermehren wird, wenn mgn den Eifer ſiehet, mit welchem die Merinos geſucht, 58") wenn man den Preiß bedenkt, zu dem ſie bezahlt 69) Man kann dieſes mit der Sce erhalten wird... Das Directorium vernahläſ- ſigte aber eine Zeitlang die Ausübung dieſes Rechts, welches der franzöſiſchen Landwirth- ſchaft und Induſtrie ſo wichtige Vortheile dar- bot. Im Jahre 6(1797) las der Bürger Gil- bert, dem das allgemeine Beſte ausſchließliche Leidenſchaft war, eine Abhjandlung im Natio- nal-- Inſtitute über den Zuſtand der Heerde zu Rambouillet vor, worin er ſeine Meynung über dieſen Gegenſtand aus einander ſeßte, und worin er den Gang ſchilderte, den er zu Einbringung und zur Auswahl dieſer Schaafe, ſv wie zur Beförderung ihrer Fortpflanzung in Fraukreich für. den leichteſten, nüßlichſten und ſicherſten hielt. Er ſagte in dieſer Abhandlung: die Re- gierung müſſe dieſes Geſchäft für ihre Rechnung unternehmen, und ſich vor allen Dingen hüten, Privatperſonen, welche es etwan übernehmen wollten, in ihre Rechte treten zu laſſen; er fügte hinzu; daß die Regierung ihrem Endzweck ent2 K 146 gegen handeln würde, wenn ſie mit einem Male einen ſo beträchtlichen Ankauf machte. Ich widerlegte dieſe Meynung des Herrn Gilbert in meiner Abhandlung von den ſpaniſchen Schaa- fen,(Traite des betes 4 laine espagnoles, pag. t51.) welche kurz nach der Erſcheinung jener im Suſtitut vorgeleſenen Abhandlung herauskam, und ſagte' folgendes:„Ich glaube, daß die „Regierung ſich nicht;widerſeßen müßte, wein „einige Privatperſonen Schaafe wollten kommet „laſſen, es ſey, um ſie zu behalten oder wieder »„zu verkaufen. So groß die Anzahl der aus „Spanien eingebrachten auch feyn mag, 71) ſo 71) In der bereits angeführten deutſchen Ueber: ſezung befindet ſich dieſe Stelle in der Anmer= kung, Seite 257. In diefer tteberſezung heißt es alſo;„Manmag davon ausführen ſo viel als man „wil, ſo wird die Veredlung unſerer feinwolti- „gen Race davon keinen Schaden leiden.“ Der Ausdru>k im franzöſiſchen Original:„quelque „grand que Soit le nombre qu'on en exporte „etc.“ beziehet ſich offenbar auf Spanien; der Ausdru> in der Ueberſeßzung kann aber auch fo viel heißen;„Man mag davon wieder aus Frank- „würde doch die Vervollkommnung der feinwolli- „gen“ Race nicht darunter leiden, Diejenigen, „welcheſie kommen laſſen ſowohl, als die, welche „ſie aus ver zweyten Hand kaufen, verwenden“ „"ihre Kapitale, ſo klein ſte auch ſeyn mögen, nur »in der Abficht darauf, Um Nuten davon zu »haben; man kann aber dieſen Nutzen nur dann »daraus ziehen, wenn man alle mögliche Sorg- „falt auf dieſe Schaafe wendet, welche ſie erfor „dern, Alſo, änſtätt der bereits angefangenen „Veredlung zu ſchaden, würde dieſe durch jene „reich ausführen u. ſ. w.“ und dieſes hat Laſteps rie gewiß nicht gemeynt, Hätte er nur die Möglichkeit geahndet, daß mancher die S verfehlt wer- den köunte, Er hielt es alſo beſſer, ſie nach und nach kommen zu laſſen, um der Veredlung öfter eineu neuen Schwung zu geben, A. d.|. 143 „Spekulation, wenn ſie ausgeführt werden ſollte, „offenbar befördert werden, und eSiſt zu vermus „then, daß unſere Manufacturen ſich in wenig „Jahren ganz ohne Wolle aus Spanien würden „behelfen können.“ Die von Gilbert. vorgeſchlagenen. Maaßre- geln wurden zwar angenommen, allein die Re- gierung entſchloß. ſich, eine Heerde-von fünftau- ſend, fünfhundert und funfzig. Merinvs aufähre Koſten kommen zu laſſen, und ſchite Gilbert. nach Spanien, um dort dieſe Schaafe: auszu2 wählen und zu kaufen. Es iſt zu bedauern, daß die Regierung 72) dieſes Unternehmen nicht memmmenenmmmmngn, 72) Die Regierung hat wenigſtens ein-Drittheil bey dem Wiederverkauf dieſer aus Spanien ge- zogenen Schaafe. verloren. Dieſes Beyſpiel und eine Menge anderer, welche man leicht aunfüh= xen könnte, beweiſen: daß die Regierung ſich vicht eines Geſchäftes. unterziehen ſollte/ welches durch Privatperſonen äusgeführt werden kann. Sie muß ſich. begnügen, die Sache zu begünſti- gen, und zu bezahlen, wenn: es nöthig iſt, aber nicht die Individuen, welche ſie ausrichten. Mit wonig Unfoſten könnte die NRegieruny den Wiſ- » 749 Privatperſonen überlaſſen hat; wäre dieſes gez ſchehen, ſo hätte der unglüFliche Gilbert nicht den Kummer erlebt, ſich im Laufe ſeiner müh ſamen Sendung verlaſſen zu ſehen, die Lands wirthſchaft dürfte nicht um einen ihrer aufge? ſenſchaften, dem AFerbau, dem Handel u. ſ. w. mächtige Unterſtüßungen angedeihen laſſen, und der Armuth zu Hülfe kommen, wenn ſie durch Kenntniſſe, Rechtſchaffenheit und Eifer ſich aus- zeichnende Bürger aufforderte, unabhängige Ge» ſellſ 5 Pf. im Durchſchnitt ſcheeren, ſo „gewinnen wir 5 Millionen Pfand Wolle im „Fett, welen „von inländiſcher, im Lande geſponnener, ges »„webter und verarbeiteter Wolle erſcheinen; die »„Herren dürfen auch nur in ganz wollener Kleiz „dung, die Strümpfe allein ausgenommen, da- »hin kommen. Uebrigens ſind hier Seide und »„ Wolle verbannt.“ Lord Sommerville, Präſi- dent des AFerbaurathes zu London, hat ein Beyſpiel gegeben, welches von unſern hb<ſten Staatsbeamten und allen von der Nation beſols deten Männern befolgt zu ſehen erfreulich ſeyn würde; da dieſen die Pflicht am mehreſten ob- liegt, dem franzöſiſchen Kunſtfleiß die ihm fo nöthige Ermunterung angedeihen zu laſſen, Lord Sommerville ſagt in einer Adreſſe an den Ackerbaurath, Seite 1; 77)„J< bin entſchloſ- 77) Dieſe engliſche Schrift führt den Titel: Lord Sommenrville's Adreſs to the Board of agricul- ture, on the 5ubject of Sheep and wool. 1799- A, d,. V. 157 „ſen, kein Tuch und keinen Caſimir von fremder „Wolle künftig mehr zu tragen.“ Die mit der franzöſiſchen Frdlichkeit vero bundenen patriotiſchen Geſinnungen bieten der Welt ein, einer ſo großen Nation würdiges, Schauſpiel dar. 72) 738) Man vergleiche mit denen hier von dem Vers faſſer gegebenen Nachrichten den äußerſt intereſz ſanten Aufſas in dex Landwirthſchaftlichen Zei- tung, Nr. 3! und 32, vom 4ten und 1aten Au- guſt 1803, von dem jeßigen Kammerpräſidenten Herrn von Vink. Ju dieſem Aufſaße findet man auch eine Nachricht von dem zu frühen Tode des verdienſtvollen Gilbert. A. di U. Achtes Kapitel. - Holland. De Unterſchied des Bodens und der Tempera- tur der Luft iſt zwiſchen wenig europäiſchen Län? vern ſo auffallend merklich und groß, als zwi- ſchen Spanien und Holland, Nichts deſto weni- ger aber haben die aus dem heißen ſpaniſchen Clima in dieſes ſo kalte moraſtige Land verſeß- ten ſpaniſchen Schaaſe auch hier die ſie von andern Racen auszeichnenden Eigenſchaften bey- behalten, und ſind--geſund uud Fraftvoll gee blieben. Ein gleiches Schi>ſal, wie in den übrigen Theilen von Europa, erfuhren auch hier die zuerſt aus Spanien gebrachten Schaafe bey ihrer Ankunft, nemlich ſie arteten durch Nach- läſſigkeit ihrer Beſitzer aus, Die zu verſchie- 159 denen Zeiten vor dem Jahre 1'789 eingebrachten wenigen Merinos haben daher eine Nachkom- menſchaft hinterlaſſen, welche die urſprüngliche Schönheit der Wolle ganz verloren hat. Erſt ſeit dem Jahre 1789 hat ſich die fein= wollige Race in Holland erhalten. Herr Twent, durch deſſen Güte ich folgende Nachrichten er: halten habe, ließ im gedachten Jahre zwey Bd>e und vier Mutterſchaafe aus Spanien kommen, und brachte ſie auf ſein zwiſchen Leyden und deni Haag gelegenes Gut Raaphorlt, Der Boden dieſes Gutes iſt theils ſandig, und be- ſieht aus Dünen, worauf nur wenig Gras wächſet; theils giebt es daſelbſt auch Wieſen, niedrig liegende AeFer, Geſträuche und Wald. Die Scke ſeiner Heerde ge- ben 9 bis 12, die Mutterſchaafe 6 bis 9 Pfund ungewaſchene Wolle, Dieſer Ertrag überſieigt den der allerſtärkſten holländiſchen Racen, welche nur 8 bis 10 Pfand geben, und die Wolle.die- ſer Heerde gilt im Handel doppelt ſo viel als die ver beſten inländiſchen Race. Sie verliert in der Wäſche die Hälfte ihres Gewichts,. Seit 1791 werden davon viele Tücher gemacht, welche denen von ſuperfeiner ſpaniſcher Wolle gemach? ten an Schönheit nichts nachgeben, Zum Beweiſe. der Güte der Wolle ſeiner Heerde machte Herr Twent einen Verſuch, den ich ſelbſt ſchon gemacht hatte, um(mich auf. die, ſicherſte' Art von der verſchiedenen Güte der Wol- len aus: Rambouillet, Schweden, Spanien u. ſ. ww.'zu überzeugen,: ſo wie ich es in meiner Abs handlung von den ſpaniſchen Schaafen geſagt habe. Ich will dasjenige, was er/mir dgrüber geſchrieben hat, herſelßzen, „Die I6r „Die Wolle meinex Heerde Merinos iſt bis- „Je80 noch nicht ausgeartet: hier iſt der Beweis „davon. I< legte neun Proben Wolle von ver- „ſchiedenen jungen Bd>en auf ein Stück ſchwarz „zes Tuch, uyd fügre dieſen eine Probe der bes „ſten ſuperfeinen Wolle, die ich mir durch einen „Fabrikanten verſchafft hatte, bey. Ich numes „rte die Proben, verzeichnete die Nummern auf » einem Zettel, und bemerkte dabey, von wels? „hem Schaafe eine jede war z; das Papier vet? „ſiegelte ich, und gab es mit den Proben dem „Käufrtanne, welcher meine Wolle gewöhnlich »Fauft; nachdem er ſie mit Aufmerkſamkeit unz » terſucht und ſein Urtheil. gefällt hatte, fand es „ſich: daß er fünfen von meinen Proben den „Vorzug vor der ſuperfeinen ſpaniſchen gegeben „hatte,“ Heyr Twent, welcher den Gang der Vered- lung der Schaafe in ſeinein Baterlande mit Eifer und Einſicht beobachret, hat ſich nicht be- gnügt, eine Heerde reiner Merinos zu haben, ſondern er hat auch durch die ſpaniſche Race die inländiſchen, nemlich die aus dem Texel und g 162 aus Frießland 7*) veredelt z und dieſe Vered- lung beider Racen durch Merinos ſcheint große Vortheile zu verſprechen. Vor kurzem habe ich von dieſem Landwirth durch ein Schreiben die Nachricht bekommen, daß ſeine zuleßt erzo- genen veredelten Schaafe Wolle haben, welche eben ſo fein und noch beſſer iſt, als die der Merinos. Er hat bemerkt, daß die Wolle der auf einem fetten Boden erzogenen veredelten Schaafe weniger fein iſt, als die Wolle der auf einem leichtern Boden erzogenen, ; Auf Erſuchen der dkonomiſchen Nationals Gez ſellſchaft zu Harlem: aufs Neue Merinos aus. Spanien kommen zu laſſen, hat Herr Twent durch Vermittelung des ſpaniſchen Geſandten nochmals drey Bd>e und vier Mutterſchaafe, im Jahre 1792 aus Spanien erhalten, Herr Cuperus erhielt in demſelben Jahre einige Mexinos, deren Nachkommen ich auf ſei- nem Landgute bey Leyden geſehen habe, wo ſie 79) Von beiden Racen wird im 2ten Theile die- ſes Buchs ein mehreres geſagt werden. A. d, V. 163 fm der guten Jahreszeit eine reichliche aber feuchte Weide haben. Die hier aus der Veredlung der Landſchaafe durch ſpaniſche BdXe erhaltene Race giebt beynahe ſo feine Wolle als die Merinos, Auch Herr Kops erziehet in den Dünen bey Harlem eine Heerde von vermiſcht ſpaniſchen, frieſiſchen Racen, und der aus dem Texel. Ich habe dieſe ſchon bis zur dritten Generation ge- langte neue Race geſehen, und glaube, daß ſie glückliche Reſultate darbieten wird. Die Heerden derer Herren Twent und Cupe- rus haben denen Gutsbeſitern, welche die inlän» biſchen Racen in verſchiedenen Gegenden von Holland haben veredeln wollen, Böe geliefert. Herr Collot erzieht"in dieſem Augenbli>k eine kleine, aber ſehr ſchöne veredelte Heerde von 55 Stü auf ſeinem Gute beym Haag. Der Geiſt der Veredlung der Schaafzucht, welcher in Hol» land 22) ſo allgemein als bey allen civiliſirten 80) Die vor einem Jahre erſchienene holländiſche Ueberſezung meiner Abhandlung über die Schaafe in Spanien, iſt ein Beweis, daß ſich die Hollan: 164 Nationen in Europa herrſcht, läßt erwarten, daß die feinwollige Race die gemeinen Landracen bald verdrängen. wird, 2?) der mit Veredlung ihrer inländiſchen Schaaſracoz beſchäftigen. A. d. V. “ 81) Ich glaube, daß es nicht einmal gut wäre, wenn die Veredlung allgemein würde, da zu vie: len Zeugen grobe Wolle nothwendig iſt. So ge- ſchwinde wird die Veredlung auch nicht allgemein werden; es gehdren gewiß mehrere Jahrhunderte dazu. 9, 0. 1). Neuntes Kapitel, Das Vorgebürge der guten Hoffnung. Zum Anfange dieſes Kapitels will ich eine Stelle aus der ſchon erwähnien Schrift des Lord Sommerville anführen. »„Das Kriegsſchiff, das Cameel, welches „eben vom Vorgebürge der guten Hoffnung an- »„fdmmt, bringt mir Wollproben von ſpaniſchen 7Scaafen mit, welche ſeit achtzehn Jahren auf „.dem Cap einheimiſch geworden ſind. Es hat „ſie mir ein großer Wollkenner geſchikt, der mir „folgendes ſchreibt:“ „Herr van Runen beſißt tauſend Schaafe; „vierhundert derſelben ſind von reiner ſpaniſcher „Race, welt hatte, hierher 766 „Jebracht ſind. Ein ſpaniſcher Hammel wiegt „60 bis 89 Pfund. Die Wolle hat auf dem „Eap an Feinheit eher gewonnen, als verlo2 4„renz“ 87% 82) Die auf dem Vorgebürge der guten Hoffnung einheimiſchen Shaafe ſind. von der breitſchwänz zigen Race, welche auf der ganzen Erde am meh? reſten verbreitet iſt. Sie haben eine äußerſt grobe Wolle, welche der unter den großen Bor ſten der Schweine ſtßenden ſeidenartigen Wolle ähnlich iſt. Der Schwanz käuft in eine dünne aufgebogene Spißs gus. Obgleich einige Schrift ſteller] behaupten, daß man jm Königreich Mas rocco feinwollige Schaafracen finde, ſo befinden ſich doch in allen, ſelbſt in deuen am mittellän» diſchen Meere gelegenen Theilen von Afrika, keine andern als grobwollige Racen 3; doch iſt es wahrſcheinlic<, daß zur Zeit der Mauren, als die Künſte und der A>erbau dort im Flor was ren, feinwollige Schaafe in Marocco geweſen ſind« Die Schaafracen ſind, ſo.wie der Charakter det Menſchen, unter der Herrſchaft der wilden, un- wiſſenden und abergläubiſchen Beherrſcher aus der Barbarey ausgeartet und herabgeſunken, YA, d, V. 167 Die beſten franzdſiſchen Landwirthe und alle diejenigen, welche ſich mit der Veredlung der Schaafzucht und Vermiſchung ihrer Racen am mehreſten beſchäftigt haben, ſind der Meynung: daß die Race in ſich ſowohl, als dur<) Vermie ſchung mit andern ſchlechter werde, wenn man Schaafe aus ndrdlichen Ländern nach ſüdlichern, alſo aus einem kälteren in ein wärmeres Clima bringt; daß dagegen die Schaafe aus wärmeren Gegenden in kälteren jederzeit die Racen verbeſ- ſern, mit denen man ſie vermiſcht, Verſchiedene Thatſachen ſtreiten aber gegen dieſe Meynung; kind es iſt übrigens leicht zu be- weiſen, daß die Ausartungen, welche ſtatt ge2 funden haben, oft von gauz andern als denen Urſachen herrühren, welchen man ſie zuſchreibt. Wenn einſt richtigere Beobachter hinlängliche Verſuche hierüber werden angeſtellt haben, wird man finden, daß der Mangel an Einſichten, und Sorgfalt, ſchlechte Auswahl der Zuchtſchaafe und ſchlechtes Futter eben ſo viel und mehr Antheil an dem Augarten der Racen. haben, gls der mehrere oder mindere Grad der Hiz2 168 3e, 22) welcher untex den verſchiedenen Graden der Breite herrſcht. Doch hier iſt nicht der Ort, dieſe Materie aus einander zu ſetzen, y Meine in Spanien ſelbſt angeſtellten Beob- achtungen über die Racey der dortigen Schaafe, 83) Det Grad der Hiße, welcher unter den ver- ſchiedenen Breiten herrſcht, kann an ſich den Scaafen ſchwerlich ſchaden, denn in Rußland, Preußen, Schweden u. ſ. w. ſteigt er oft ſo hoch, als in Spanien, nur iſt dort die Hike uicht ſo auhaltend, als in Spanien; und ich glaube, daß Schaafen, die matt z. B. aus Schweden nach Spanien brächte, nur die anhalkende Hitze im Sommer ſowohl, als die gelinde oft ſehr feuchte Witterung im Frühjahr und Herbſte eher ſcha-' den würde, als die nordiſche Kälte den ſpauiſchen Scaafett ſchaden möchte, wenn ſie in luftigen, dber nicht kalten dem Zugwinde ausgeſekten Ställen gehalten werden, und gutes, geſundes Futter bekommen. Ob eine Verſeßung von Nor* den nach Süden der Wolle ſchadet, weiß ich nicht,| ich bezweifle es aber mit Herrn Laſteprie. Daß| eine Verſeßung von Süden nac< Norden weder| den Schaafen ſelbſt, noc< der Wolle ſchadet, iſt hinlänglich erwieſen, Meine eignen aus Sach» 169 und die Art, fie zu behandeln, über die Eigen- ſchaften des Bodens und Clima's haben mich Überzeugt, daß die Feinheit der Wolle nicht von den Urſachen abhängt, denen man ſie gewdhn- lic) zuſchreibt. Die unveränderte Erhaltung der ſpaniſchen Nacezauf dem Vorgebürge der guten Hoffnung, in den ſumpfigten Gegenden von Holland und in dem rauhen ſchwediſchen Clima beſtätigt aufs Neue die Richtigkeit deſſen, was ich in meiner Abhandlung. über die Schaafe geſagt habe, uewlich? daß man an allen Orten die feinwollige Race von S der beſten Schaafe von Sego- „vien aus Spanien zu führen; der Prinz Maſſe» »„rono machte die Auswahl; ſie kamen theils auf ».da8 Domainengut Mandria, theils wurden ſie „einigen Gutsbeſitzern überlaſſen,* 172 „Der Krieg, welcher in Piemont zu der Zeit »„würhete, verſtattete nicht, daß die Regierung „für die Aufnahme dieſer neuen Anſtalt ſorgen „onnte, Der Fall des Miniſters hätte ſie zu „Grunde gerichtet, wenn nicht die Sorgfalt der » Academie des Akerbaues und einiger Perſonen, „die ſich eines Theils der Heerden annahmen, ſie »durch ein halbes Wunder geretter, die Race „in ihrer vollkommenen Reinheit erhalten, und „die Anzahl der Schaafe bis auf ohngefähr 5000 „Stü> vermehrt hätte, wovon ein Dritttheil „reiner unvermiſchter Race, die übrigen aber von „ſpaniſchen Böcken mit rdmiſchen, neapolitani- „ſchen und paduaniſchen Mättern erzeugte Halb- „ſchläger waren, »Bey ſo geſtalteter Lage der Dinge vereinige „ten ſich beynahe alle Beſitzer einzelner Heerden „zu einer Schäfergeſellſchaft, und ſchlugen im »„leßt verfloſſenen Jahr der Regierung vor, ge- „gen feſtgeſeßte Bedingungen die Anſtalt zu „Mandrija zu übernehmen; zum Anfange daſelbſt „zweytauſend ſuperfeinwollige Schaafe zuſam- „men zu bringen, dieſe Anzahl bis auf 6200 zu „vermehren, unterdeſſen aber eine Anzahl Bd>e »„zu Fortpflanzung der Race in den Privatſchä» „fereyen bereit zu halten. »„'Man kaun die Anzahl der dort in eine „Heerde zuſammengebrachten Schaafe dennoch „mit Jubegriff der im Laufe deſſelben Jahres »„gebohrnen Lämmer äuf dreytauſend Stück bes „rechnen; ferner muß man die prächtige, funſ- »zehn hundert Schaafe ſtarke Heerde des Bür- „ger Collegno mitrechnen. Seiner einſichtsvol» „len Theorie, tnd ſeiner ſtrengen Befolgung und »Ausübung derſelben verdankt man grdßtentheils „den glüFlichen Erfolg des ganzen Unterneh- „mens; Die übrigen minder beträchtlichen Heer- » den machen den Yeberreſt der oben berechneten „fünftauſend Schaafe aus. „Wix wollen hier einen Bericht über beide »Racen abſtatten, Die erſtere(nemlich die ächt »ſpaniſche) hat in Anſehung der Feinheit, Ela» »„ſticiät und Stärke der Wolle, wie es die von „der aus Spanien gekommenen Heerde genom- „menen aufbewahyten Wollproben unumſtdßlich „beweiſen, nichts verloren; die Schaafe haben „ganz die alte Geſiglt beybehalten, an Größe 174 „aber haben ſie einen bis zwey Zoll zugenom- „men; die Menge der Wolle kann nicht vergli- „en, Ham- „meln und Mutterſchaafen auf neun Pfund 3*) »„Markgewicht zu zwdlf Unzen annehmen, Eis „nige Bd>e geben ſechszehn, einige Mutters „ſchaafe bis zwölf Pfund. 2*) „Das Fleiſch der Merinosi iſt ungleich ſchma>- „hafter, als das der inländiſchen Schaafe, 84) 126x5 Turiner Pfund Markgewicht betragen 100 Berliner Pfund. 12 Turiner Pfund betragen ohngefähr 92 Berliner Pfund; und 9 Turiner Pfund betragen ohngefähr 73 Berliner Pfund. A. d. U. 85) Das hier angeführte Gewicht iſt wiederum das der im Fett geſt iſt; 38) die übrigen Theile des, „Leibes ſind davon beynahe entblößt. Auch ge- „ben die italiäniſchen, ob ſie gleich größer ſind, „ein Dritttheil Wolle weniger, als die ſpani- „ſchen. »„3) Die Haut bey den Veredelten fängt an „fleiſchfarben auszuſchen, wie bey der ächten „Race. 86) Dieſe Räce ſcheint Aehnlichkeit mit der von mir angeführten aus der Danziger Niederung zu haben. A. d. U. 126- „4) Die neue Race zeigt auszeichnende Spu- „ren der Aehnlichkeit mit den Stammvätern, und „entfernt ſich von dem Bau der Mätter. Sie „hat weniger lange Köpfe als dieſe, einen ge? „drungenen Rumpf, kürzere Beine u, ſ. w. „5) Die zweyte Generation kömmt der rei- „nen Race verhältnißmäßig näher als die erſte. „b) Die dritte und vierte Generation end- „lich laſſen durchgängig in Anſehung der Fein- „heit der Wolle, des Gewichtes der ganzen Pelze „und der kbrperlichen Bildung ſo wenig zu wün- „ſchen übrig, daß man ein äußerſt feiner Kenner „ſeyn muß, um den ſehr geringen Unterſchied „währzunehmen.“ Hier laſſe ich jeßo die zur Erhaltung und Fortpflanzung der Merinos in Piemontk* ergan? genen Vorſchriften folgen, ſo wie ſie in der ange» führten Abhandlung enthalten ſind. „1) Es wird ein General: Conſervator aller „Schaafheerden ernannt werden. „2) In jedem Departement ſollen von den!- „ſelben unmittelbar abhängende Auſſeher befind- „lich ſeyn. »„3) Es 177 „3) Es wird in jedem Departement eine „Zählung der oberwähnten Schaafe ſtatt finden, »4) Es ſollen daſelbſt Regiſter geführt wers „ven, welche folgende Nachweiſungen enthalten; a) Die Namen derer Schaafmeiſter, wel» e bes ſtimmen. »5) Kein Beſitzer einer Heerde, welcher „Klaſſe er auch ſey, darf ſich in derſelben ände- „rer BöFe als der von der neuen Race be- „dieneu. „b) Die Aufſeher werden diejenigen, welche „dagegen handeln, an Gelde ſtrafen, und dare »auf genan Acht haben, daß die BoFXlämmer M 178 »,von der Race der Einſaſſen vox dem fechſien »»Monat gehammelt werden, 7) Im Monat März jeden Jahres foll „eine General s Verſammlung aller Beſitzer der „Heerden und Schäfer zu Mandria de Chivas*7) „gehalten werden. Diejenigen, welche nicht ſelbſt „erſcheinen können, müſſen irgend jemand mit „ihren Vollmachten verſehen. Der General-Con- „ſervator führt den Vorſit. Es wird bey die- »„ſer Verſammlung für die Erfüllung aller zum „Vortheil ynd zur Fortpflanzung der neuen Race „dienenden Borſchläge geſorgt werden. „Die Schäfer wüſſen mit einem Zeugniſſe „ihrer Aufſeher verſehen ſeyn, woraus ihre Auf- 87) Ich finde den Ort Mandria weder im Büſching, noc< auf einigen ſehr guten Charten z; vielleicht iſt er guf der Charte von Chauchard zu finden, die ich nicht zur Hand hatte. Da hier Mandrig de Chivas geſagt iſt, fo muß er nahe bey Turin, in einer Art von Niederung am Vo liegen. Daß die Schaafe daſelbſt fette Weiden haben, ſieht manu aus dem vorerwähnten Zunamen der Größe der neuen Nace. A, d, UU. 179 »führung, der Zuſtand ihrer Heerde und die »Fortſchritte der Veredlung derſelben zu erſehen „ſind z diejenigen, welche das beſte Zeugniß haz „ben, und die ſchönſten Wollgroben vorzeigen „werden, werden durch den General: Conſerpaz „for im Nämen der Nation Auszeichnungen „und Belöhnungen erhalten, „Dey Gelegenheit dieſer Verſammlung ſoil „die Vertheilung der Böke nach Maaßgabe der »geſchehenen Forderungen. und des Gutachtens zzder Aufſeher erfolgen, „Dieſe Vertheilung ſoll durchs Loys ßeſches "hen; doch ſollen die ſich ausgezeichnet habenden »Schäfer einigen Vorzug erhalten; in Anſehnng zider Preiſe und der Bezahlung ſollen zur Er- vleichterung und zu Gunſien derſelben Maaßre- „geln ergriffen werden. »8) Zu der Hin- und RüFreiſe werden die »'Schäfer Marſchröuten erhalten; »9) Zum Gebrauch der Privatperſonen werz den auf Verlangen der Aufſeher Bö>e in die z»Departements geſchi>t werden, und zwar näch „Verhältniß der in ihren reſpectiven Kreiſen bes „findlichen Anzahl Schaafe, 1892 „710) BdFe, von denen aus Mandria erhal? „tenen, dürfen, wenn ſie zum Gebrauch untauglich „geworden, nicht verkauft werden, Der Cigen- „thümer kann ſich ihrer nicht entledigen, bevor „es dem Aufſeher gemeldet worden, und dieſer „es nachgegeben hat, Wenn ein Bo ſtirbt, ſo „wird der Kopf dem Aufſeher geſchi>t, welcher „einen Schein darüber ertheilt. „I1) Wenn ein erfolgter Abgang nicht bis „zu der General: Verſammlung ohne Erſaßz blei? „ben kann, ſo muß dieſer auf. Verlangen der »„Aufſeher durch die Directoren zu Mandria ſo» „fort erfolgen, „12) Es ſoll durch die Aufſeher ein Regi- „ſter über die Namen aller derjenigen geführt „werden, welche Böcke erhalten haben. Zu „Mandria wird hievon ein Duplicat geführt, „1I3) Bey ihrem Anzuge in einem Departe- „ment müſſen ſich die Schäfer bey dem Auffſe- „her melden, und dürfen nicht'in ein anderes I81 „Departement ziehen, ohne angezeigt zu haben, „wie viel Schaafe ſie mitnehmen. 88) »„24) Die Aufſeher ſchien alle Monate „einen Bericht über den Zuſtand der Heerden pünd der einzelnen in ihren Kreiſen befindlichen »,Schaafe ein, halten genau auf die pünktliche » Befolgung dieſer Vorſchrift, und unterhalten » eine ununterbrochene Verbindung mit dem Ges „neral- Conſervator,* Man erlaube mir hier einige Bemerkungen über die. in Anſehung der Zucht und Fortpflans zung der Merinos in Piemoot vorgeſchlagene Verordnung. Vaterlandsliebe und der Wunſch, die Fort« ſchritte dieſes wichtigen Zweiges der Landwirth2 88) Hieraus erſiehet man, daß in Piemont niche nur viele Heerden den Schaafmeiſtern eigen ge- bören, wie iu Medlenburg; ſondern daß auch die Schäfer, wie in Deutſchland, Preußen u. ſ. w. Mengevieh oder Vorvieh haben. Seit eini- ger Zeit iſt es in den königl, preuß. Landen be? fohlen, daß die Schäfer zwar Antheil an der Heerde, aber kein Mengevieh haben ſolleu. A. d, PU. 1382 ſchaft und zugleich einer für das Wohl des Lan, des ſehr nüßliehen Art Fabriken zu befördern, haben ſichtbar bey dem Entwurfe dieſer Vor2 ſchrift die Feder geführt, demohngeachtet ſcheint ſie mir unrichtige und mißliche Maaßregeln zu enthalten. Es wird darin vorgeſchlagen, einen General2 Conſervator und Aufſcher zu ernennen, um die Aufſicht über die neuerrichtete Anſtalt zu fühz- ren, und für deren Erhaltung zu ſorgen. Man ſollte ſich hiebey doch der Gerichtöhdfe La Mesta in Spanien und di Foggia 29) im Königreich Neapolis erinnert haben, welche einen ähnlichen Urſprung mit der in Piemont beabſichtigten Ein- richtung hatten; und in der Folge der Zeit die Geißel der Landwirthſchaft und Induſtrie in bei 39) Man kann hierüber das 3te und 12te Kapi- tel des franzöſiſchen Originals, ſy wie der deut- ſchen Ueberſeßung des ältern Werks unſers Ver- faſſers über die Schaafe in Spanien nachſchlas gen; in der Ueberfeßung befindet ſich das. hiehet gehörige Seite 136 und 228. A. d. U. 183 den Reichen wurden. Zwar kdnnen dergleichen gefährliche Mißbräuche ohne Zweifel in einem Zeitalter, wo das Eigenthumsreen zu veredeln, ſind drüdend 5 ſie verlezen das Eigenthumsrecht, und erreichen ſelten den beabſichtigten Endzwe>, weil ſie leicht fruchtlos gemacht werden können. Eigner Vortheil wirkt mehr als Zwang. ES iſt hmreichend, auf jenen aufmerkſam zu machen, 184 gute Anweiſungen über die Erziehung der fein? wolligen Schaafe zu verbreiten, den Landmann dazu aufmuntern, und ihm die Erlangung dero jenigen Hülfsmittel zu erleichtern, welche er ſich nicht ſelbſt verſchaffen- kann, Der Wetteifer, welchen man ſowohl unter den Schäfern als den Beſitzern der Heerden an- zufachen ſucht, iſt ldblich, und muß gute Fols gen haben. Dagegen ſcheint mir die Art der Vertheilung amd des Verkaufs der Bd>e fehlerhaft; ſie ers zeuget Ränke, und befdrdert Begünſtigungen. Durch dffentlichen Verkauf im Wege des Auss rufs, wie es zu Rambouillet geſchiehet, werden alle Mißbräuche vermieden; und die Erfahrung beweiſet, daß dieſe Art des Verkaufs jeder ans dern vorzuziehen ſey, Ohne Zweifel werden. die in Piemont zur Verſicherung des Fortganges der Veredlung ergriffenen Maaßregeln den gehofften glüli2 hen Erfolg haben, beſonders wenn die Auss 185 führung des dem Genera! 2 Adminiſtrator von Seiten der Schäfergeſellſchaft zu Mandria vor2 gelegten Projects: eine Feintucer- baugeſelſchaften haben Denkmünzeu auf ihn prä- gen laſſen, um feinen Namen zu verewigen. A. d. V, 198 „hältniß mit der Wolle, nemlich die Schaäfe mit »furzer Wolle haben ein derbes, ſchweres,ſehr wohl? „ſchme&endes Fleiſch; das Fleiſch der langwollis „gen hingegen iſt loFerer, leichter, und weniger ge2 „ſchäßiy man nennt es: Fabrikanten= Fleiſch, mund ſalzet es zum Bedarf der Schiffe ein, „Ein jeder, der England in Rücſicht auf „die Schaafzucht zu uüterſüchen ſich die Mühe „gegeben hat, wird eingeſtehen, daß wenigſtens „die Hälfte unſerer Weiden den kurzwolligen „Schaafen angemeſſen ſind; und wir wiſſen es „jeßo aus Erfahrung, daß in unſerm Clima, „von dem ndrdlichſten Ende Schottlands bis an „das ſüdlichſte von England, ſuperfeine Wolle „erzeugt werden kann; aber ungeachtet des hdz „heren Werthes, den die kurze Wolle zum Vore- „theil unſers Handels hat, und dbgleich un2 „ſere Weiden zu Erzeugung dieſer Wolle vor? „theilhaft ſind, ſo beſchäftigen ſich doch unſere „Pächter und Schaafzüchter ſeit dreyßig Jahs „ren ausſchließlich mit Vervollkommnung der „grob- und langwolligen Racen von Lincoln, » Cottwold, Romney und beſonders von Leiceſter, „Die Geſtalt der.Schgafe iſt zu einent ſo „hohen Grade der Vollkommenheit gebracht, „daß nichts bewunderungswürdiger ſeyn kann, „Es ſcheint, man habe einem, in allen Stücken, „vollkommen, in Thon geformten Thiere Leben „gegeben. Die Kunſt Schaafe zu mäſten, iſt »„zu gleicher Zeit zu einem außerordentlich hohen »Grade gediehen, Seit einigen Jahren hat man »„Ausdrüce neu geſchaffen, die bis dahin ganz „unbekannt waren z; welche aber jelzo allgemein „angenommen ſind; als; Vorder-Dünnung vder »„Ribben,(fore fank) das Küſſen(cushion) 11, „f-:0% „Gern würde ich meiner Neigung folgen, „und diejenigen loben, denen es geglückt iſt, die „Vervollkommnung der Racen in Anſehung der „Fähigkeit des Fcttwerdens ſo weit gebracht zu „haben; viele Leute würden mich mit, Vergyüe „gen anhdren; allein ich halte es für meine „Pflicht, ſelbſt auf die Gefahr gegen manniche »faltiges Privat- Intereſſe zu verſtoßen, die » Wahrheit zu ſagen, und die Landwirthe auf „einen für den Nationalwohlſtand ſo unendlich „wichtigen Gegenſtand gufmerkſam zu machen, 192 „In der dem Departement des AFerbaues „von mir übergebenen Adreſſe habe ich mich vor- »züglich bemüht, die Landwirthe zu erinnern 7 „daß ſie nicht darauf denken möchten, Scaafe, „welcher Art ſie auch ſeyn mögen, in einer Ges „gend zu erziehen, deren Boden und Tempera „tur dieſen Thieren nicht günſtig iſt; daß ſi ſie „bey dem Beſtreben, die Racen nur in Anſe- „hung des leichtern Fettwerdens zu vervolls „ommnen, nicht vergeſſen möchten? daß der „Pelz einer der wichtigſien Theile des Schaas „fes iſt; daß, was man auch ſagen mdge, die „Verbeſſerung des einen Artikels nicht. die Vero „edlung des andern ausſchließe, und daß diejes „nige Schaafrace, welche auf einer beſtimmten „Aerfläche, in einem beſtimmten Zeitraume „die größte Menge Fleiſch und Wolle, beides von „der vorzüglichſten Güte liefern würde, daß „dieſe Race, ſage ich, vor jeder andern, woher „ſie auch ſtamme, und welche des „Unwillens, welchen ſole wurden aus einer „Heerde von zweyhundert als die vorzüglich »ſchönſten ausgewählt; da man überhaupt alle »„Bd>e, den Manſo, oder Glo>enträger, oder »Zeithammel ausgenommen, unverſchnitten läßt, „weil ſie, wie man behauptet, mehr Wolle, als »die Hammel haben. Die Mutterſchaafe wurz- „den aus zahlreichen Heerden, ſo wie einige „Hammel genommen, 22) Die Reiſe, welche 91) Hier ſcheint ſich L, Sommetrville zu widerſpre- e mitkommen laſſen, um wahrſcheinlich ihre Anlage zum Fett: werden zu unterſuchen. Ax 8.8. 197. welches merkwürdig iſt, bedenkt? daß. dieſe „Scaafe die erſte Reiſe antreten, wenn die „Lämmer'erſt höchſtens vier Monate alt ſind. » I< behaupte, daß ſchwerlich eine unſerer Lans z„desracen einen ſolchen Verſuch überſtehen würs „de, ohne entweder an Geſtalt oder an Länge ».der Wolle zu verlieren; denn was dem einen „diefer Dinge ſchadet, ſchadet auch dem andern, »Da die Merinos allgemein in dem Ruf „ſtehen, daß ihr Bau nicht zum Fettwerden „tauge, ſo erwartete ich es, ſie in dieſem Bez „tracht fehlerhafter zu finden, als ſie es in der „That nicht ſind. Man muß ſich auch nicht „wundern, daß die Spanier auf einen in dieſer vRüſicht beſſern. Bau wenigen Werth legen. »Die zum Fettwerden vortheilhafteſte Geſtalt, „welche man durc< anhaltende Sorgfalt viel? „leicht erzwingen könnte, würde in Spanien nie „Linen der Wolle zu vergleichenden Werth haben. „Aber ein Schaafzüchter, welcher mit Aufmerk2 „ſamkeit und Ueberlegung zu Werke gienge, »„„würde es gewiß dahin bringen, jene Geſtalt „hervorzubringen, ohne daß die Wolle an Shdns „heit verldre,| 398 „Die Merinos beſißzen zwey Hörner hat, das Schaaf aber ungehörnt „iſt. Hieraus erſiehet man, daß man die Wolle „unſerer gehdrnten Schaafe durch die Vermi» „ſchung mit ſpaniſchen Böden. veredeln könnte, „ohne daß die Hdrner, die: den Pächtern ſo ſehr „am Herzen liegen, dadurch verloren gehen wür- „den; denn man muß bemerken, daß gehdrnte „Mutterſchaafe von einem ungehdrnten Bo> ge? „wöhnlich gehdrute Bo&klämmer und ungehörnte „Mutterlämmer zeugen, Es iſt übrigens mdg- „lich, daß es nicht bey allen Racen eben der „Fall iſt; allein ich habe es verſucht, und Leie „(eſter Bd>e mit Dorſeter Mutterſchaafen, auch „dieſe mit Böen aus Hampton in der Abſicht „hierüber Gewißheit zu erlangen, gepaart, „Der Einfluß eines ſpaniſchen Bo>s auf „alle gehdruten Racen, welche man mit ihm be? „Fgattet, als die aus- Dorſet, Wiltſhire, Nor? „folk, Dartmoor u. ſ. w. wird eine merkliche Ver- „mehrung des Wollgewinnes bewirken, ohne daß ».die Halbſchläger etwas von der Eigenſchaft des 199 „Fettwerdens verlieren 3; wenn man nun bedenkt, „daß der Pelz als jährliche Zinſen eines Capi- „tals betrachtet werden muß, der Körper aber „dieſes Capital iſt, welches nur einmal veräuſ» „ſert werden kann, ſo weiß man nicht: ob man „ſich über die unbegreifliche Gleichgültigkeit der „Gutsbeſißer und Pächter mehr wundern, oder „dieſe mehr bedauern ſoll, „Ein zweytes ausgezeichnetes Kennzeichen „der Mexinos iſt der mehr oder minder ſtark her? „gbhängeude häutige Hals, oder der ſogenannte „Kader. Dieſen hält man in England- für ein „ſchlechtes Kennzeichen, in Spanien hingegen „für einen Vorzug. Wir können über dieſen „Punkt Recht haben, die Spanier gleichfalls. „Ich kenne nur eine Race in England, bey wel- „her ein ſtarker Kader nicht das Zeichen eines „ſchlechten Schaafes wäre; dieſes iſt die Race „von Ryeland.» Die Wolle derſelben iſt, ſo wie die der ſpaniſchen, von ſo hohem Werthe, daß der Kader ihn ſelbſt nicht in den Augen der »„Pächter vermindert. Die Haut der ryeländi» „ſchen Schaafe iſt roſenfarbig, wie bey den ſpa- zwiſchen; dieſes ſcheint mir ſehr wichtig zu ſeyn, 209 „denn es-iſt ein Zeichen von: Kraft und von »„Anlage zum Fettwerden. Dieſſpaniſchen Schäe „ſer ſeven einen ſehr höhen Werth auf die rothe „Farbe der Haut; ſie halten ſie für das Zeichen „einer dauerhaften Geſundheit, und: für eine An- „zeige von vieler Wolle.“ Dieſe Farbe der Haut „iſt bey alleu einzelnen Schaafen ſo wie bey gau? „zen Racen ein vortheilhaftes Kennzeichen, und „da ſie unabänderlich eine Anlage zum leichten »Fettwerden anzeigt, ſo müſſen verſtändige Beur- „theiler ,- da wo, ſie ſelbige antreffen, Formen „der Bildung überſehen- welche nicht für- die „beſten gehalten werden, „In manchem andern Betracht hat dieſe „Race Aehnlichkeit mit einigen unſerer engliſchen „Racen. „Man ſagt: daß ſie im Anfange des vier- „zehnten Jahrhunderts aus England nach Spa- „nien gekommen ſey z; es wäre wohl Zeit, daß „ſie zu uns zurück käme. „In dem ſo eben erſchienenen neuen-Calender „für Pächter(New Farmer's Calendar) drückt „man ſich folgendergeſtalt über die.Wolle aus 3 201 „Wir müſſen die Menge unſerer Landwolle, „aber noch mehr die der ſuperfeinen vermehren, „um uns unabhängig vom Auslande zu machen. »„Es iſt äußerſt wichtig für die Nation, auf das »»baldmöglichſte Heerden von ſpaniſcher Race zu „erhalten. Neuere Thatſachen ſind in dieſer „Hinſicht ſehr ermunternd. Der Bürger Laſtey» „rie beſtätigt ia einem Schreiben an die phylo- „matiſche Geſellſchaft in Frankreich die Mey- „nung des Doctor Anderſon vollkommen, Die „ſpaniſchen Schaafe, welche die feinſte Wolle »„haben, leben und gedeihen in den ſümpfigſten „Ländern und in dem ſtrengſten Clima. In „Holland und in Schweden hat man die Erfah- „rung, daß die Wolle dieſer Race ſic) ohne „irgend eine Veränderung bis in die vierte Gene- „ration 22) erhält. Man findet daſelbſt ſehr 92) Die Beyſpiele aus Holland, no< mehr aber aus Sachſen und Schweden ſind allerdings ent- ſcheidend. Sie beweiſen no< weit mehr, als hier geſagt iſt. Wenn wir zwey Jahre auf eine neue Generation der Schaafe rechnen, ſo ſind ſeit 1789 in Holland deren, als Herr Laſteyrie ſchrieb, (1302) ſchon ſecte, ſtattete dieſe folgens „den Bericht ab.“ „Die von dem Lord Somnierville aus Spa? „nien erhaltenen Schaafe ſind mit mannichſals „tigen Schwierigkeiten, mit vieler Mühe und „großen Unkoſien zuſammengebracht; die Wolle „ſcheint von außerordentlicher Schdnheit zu ſeyn, - yer veredelt die Racen von Ryeland und Souths „down durch ſpaniſche Bd>e,“ „Die Mutterſchaafe, von denen hier die Rede „iſt, ſind mit großer Sorgfalt in Herfordſhire „und Suſſex ausgewählt; die von ihnen erzeugs „fen veredelten Lämmer werden bald die Vor- „theile oder Nachtheile dieſes Unternehmens be- „weiſen« Bis jeßo gehet meine Abſicht nur das „dahin, die Wolle der halbſchlägigen Schaasfe „ſo weit zu veredeln, und ihney eine ſo viel mdgs „lich roſenfarbige Hant zu geben, als es wird „geſchehen können, ohne daß die Geſtalt und die „eigemthümlichen Eigenſchaften der Mätter das „durch verändert werden. Andere aber werden „ſehr wohl thun, die Veredlung ſo weit zu treiz -„ben, als es möglich iſt, um ſie dem vdllig ſpas- „niſchen Blute zu nähern, Meine ſpaniſche Heerds 209 „Heerde hat hier'im Ganzen vielen Beyfall gez „funden, und man hat mir verſchiedene Anträge „gemacht, um von mir Böke zu erhalten 5 allein „wenn es darauf ankommt, ein recht tief einge: zwurzeltes Vorurtheil zu überwinden, ſo kann „man nicht vorſichtig genug. zu Werke gehen, 95) »„Ie haben, einen gusgenommen, keine Hörz mer, undibey dieſem einen ſind ſie auch nur „ſehr klein;. und; es iſt wahrſcheinlich,'daß ſie „in der folgeuden-Geueration- ganz- verſchieden 96) Hierin hat Lord Sommerville ſehr Recht. Man kann es ällen denen, die ihre Schaafe durch ſuperfeine Böcke veredlen wollen, nicht genug wiederholen, daß ſie keine veredelten Böcke erſter, zweyter. und dritter Generation zur Zucht ge: brauchen dürfen, wenn die Veredlung nicht fehl ſchlagen. ſoll, und..daß ,- wenn dieſes geſchiehet, die Schuld an ihnen-ſelbſt, und nicht an. den ge- kauften Böcken. liegt, wenn ſie anders mit dieſen nicht betrogen ſiud, A.,.d,:U, DO 210 „werden. Der Pächter Ridgeway, welcher in „Anſehung der Wolle,die ſchönſte Heerde in Her? „fordſhire beſißet, hat ein gleiches beobachtet. „Seine veredelte Heerde ſtammt von einem ſpa> niſchen Bo&X, und ryeländiſchen Müttern ab. „Folgende Umſtände werden es beweiſen, vb „dieſe Halbſchläger an Beleibtheit verloren ha- „ben, und zum Fettwerden untguglich geworden „ſind, weil ſie aus gedachter Vermiſchung ab- „ſtammen. Herr Ridgeway, welcher im Jahre „1798 einen dreyjährigen Halbſchläger hatte „ſchlachten laſſen, hat mir folgende Nachrichten „ſelbſt mitgetheilt. Er erhielt davon? 8 Pf. Wolle, dieſe wurde verkauft L;St, S. P. der Stein*7) für 1:.2470.3 86 Pf. Fleiſ?=:- 2-15 16 Pf. Talg-„: 511 01007 541443, 2:3 97) Ein Stein oder Ston enthält 14 Pf. Wolle nach Gerhardts allgemeinen Comtoriſt. Th. 1. S. 121. Das engliſche Pfund iſt leichter als das Berliner. 103525 Londoner Pfund machen 100 „Verliner Pfand, x 8. St,(Pfand Sterling) 211 Im Jahre 1805 wurde ein dreyjähriger Halbſchläger geſchlachtet und gab RSt)+..S;<1-P. 34 Pf. Wolle, der Stein für I 2 6 80 Pf. Fleiſe, welche von der „möglichſt ſchönſten. Nace waren. 98) Ein Fa- 98) Es iſt zu bedauern, daß hier nicht bemerkt iſt, ob dieſe Jährlinge, ſo wie die übrigen nach dem Antauf gebohrnen Lämmer von ächt ſpaniſchen oder von veredelten Bd>en, und Landmüttern oder von veredelten Mutterſchaafen, und von der wie» vielſten Generation dex erſteren ſowohl, als der lepteren ſie gefallen ſind. Sind ſie von ſpani2 ſchen Bd>en und Müttern„der erſten oder zwey? ten, vielleicht wohl gar der“ dritten Generation „brikaut" aus Cdimburg, dem man dieſe Wolle „von den veredelten Schaafen zeigte, ſagte, daß „ſie der ſchduſten ſpaniſchen Wolle, die er je ge? „ſehen hätte, zu vergleichen wäre.“ Obgleich die angeführten Dinge hinlänglich beweiſen, daß die ſpaniſchen Schaafe in Groß- britannien ſehr gut fortkommen, ſo glaube ich doch uoch einige Nachrichten beyfügen zu müſ- fen, welche man in einer Schrift des Herrn Banks, über die dem Könige von England gehds rige Heerde Mexinos, findet, Ich will dieſe Schrift überſetzen, deren Titel folgender iſt: „Vorſchlag, die feinwolligen ſpani- gefallen, ſo iſt es nichts ſeltenes, daß ſie ſolche feine Wolle haben. Sind ſie. aber von veredel- ten Vätern der drey erſten Generationen gefal- len, ſo können ſie=- was für Mütter ſie auc< haben mögen= ſehr ſchön ſeyn; dieſe Schön- heit wird ſic< aber mit der ganzen Veredlung in wenig Generationen verlieren, und die Er- wartungen des edlen Lords werden getäuſcht ſeyn, AY, d. U. 214 ſchen Shaafe, welche gegenwärtig „Sr. Maj. dem Könige gehdren,in alle „Theile von Großbritannien zu ver» „breiten.“ Eine aus Spanien herüber gebrachte Heerde von der Race der Merinos(ſagt Hr. Banks) iſt auf königlichen Befehl ſeit einigen Jahren zu Verſuchen beſtimmt geweſen, welche beweiſen daß die Wolle in keinem Betracht: unter dem engliſchen Clima verloren hat, und daß die Mutterſchaafe der verſchiedenen inländiſchen Ra- cen mit kurzer Wolle, beſonders die von South- vown, Herefort und Devonſhire, von den ſpanis ſchen Böen Lämmer erzeugen, deren Wolle mehx wiegt, und von beſſerer Würde iſt, als die von Lämmern ganz inländiſcher Race. Nach hiers über erlangter genugſamer Gewißheit entſchloſſen ſich Se. Majeſtät, aufs Neue Merinos aus dez nen der Feinheit ihrer Wolle wegen berühmteſten Heerden Spaniens kommen zu laſſen, und ga- ben dem Lord Aufland, nach ſeiner Rückkehr von ſeiner Geſandtſchaft zu Madrid, hierüber die nd- khigen Aufträge, Zu Folge einiger an ſie vox 215 Lord Aukland erlaſſenen Briefe machte die Maro quiſin von Campo Alange dem Könige ein Ge2 ſchenk von fünf Bd>en, und füuf und dreyßig Mutterſchaafen, aus ihrer unter dem Namen Negrextti wegen vorzüglicher Schönheit und Feinheit der Wolle berühmten Heerde; worauf Se. Majeſtät zum Beweiſe ihrer Dankbarkeit für dieſes Geſchenk der Marquiſin ein Geſpann von acht der auserleſen ſchönſten Wagenpferde überſchi>ten. Von dieſen im Jahr 1792 eingebrachten Me2 rinos ſtammt die jeßo im Park des Herzogs von York zu Oatland befindliche Heerde ab, deren Race mit der grdßeſten Sorgfalt unvermiſcht er? Halten iſt. Obgleich die Manufakturiſten die Wolle dies ſex Rachkömmlinge ächt ſpaniſcher, ſo wie die der früher angefommenen Schaafe, der aus Spanien Xommendeu ſuperfeinen Wolle, dem Anſehen nach, ganz ähnlich anerkannt haben, ſo haben ſie ſich doch geweigert, ſelbige zu eben den Preiſen, als die aus Spanien erhaltene zu bezahlen; weil ſie, wiel ſie ſagen, befürchten, 216 daß ſie beym Verarbeiten kein eben ſo ſchönes Tuch geben möchte. Um ſich nun zu verſichern, ob dieſe Wolle denn auch wirklich Tuch von der ſuperfeinſten Art geben könne, war es ndthig, ſie auf königliche Koſten verarbeiten zu laſſen, Dieſe Verarbeitung hat jährlich mit gleich glück» lichem Erfolg ſtatt gefunden, Die Kaufleute, welchen man aufs Neue die Wolle dieſer Heerde zum Verkauf anbot, ſchlu- gen ſie wiederum aus; ſie ſagten: daß, obgleich die Verſuche vollkommen gelungen wären, und die Würde. der vorigen Wolle gut geweſen ſey, es doch möglich wäre, daß die Wolle der lezten Schur ausgeartet ſeyn könne, Damit die Fabrikanten aus eigener Erfah» rung die Würde dieſer Wolle kennen lernen möch» ten, wurde im Jahre 1796 beſchloſſen, ſie ihnen für den gebotenen Preiß, ſollte dieſer auch dem wahren Werthe der Wolle nicht angemeſſen ſeyn, zu verkaufen, Das Pfund wurde in ge? dachtem Jahre für einen Schilling, im Jahre 217 1797 aber ſchon für'zwey Scillinge ſechs Pence verkauft,**) Da dieſe Wolle aber in der Folge nah der Meynung der Fabrikanten einen grdßeren Werth erhielt, ſo wurde ſie im Jahre 1798, nachdem ſie nach ſpaniſcher Art gewaſchen worden, ſo verkauft, wie folgende Berechnung es ausweiſet, 99) Alſo der Berliner Stein von 22 Pfund im erſten iJahre etwan für 7 Rthkr., im zweyten für ohngefähr 18 Rthlr. Der erſte Preiß iſt lächerlic< niedrig, der zweyte kaum erträglich. Ein neuer Beytrag zu den Beweiſen, was Vors urtheile und Privatintereſſe vermögen, Hier in Preußen hat man mir für den hieſigen Stein von 33 Berliner Pfund 15 bis 16 Rthlr. geboten z im Jahre 1803 habe ich für meine Fuperfeine Wolle von dem königlichen Lagerhauſe zu Berlin für den leichten Stein von 22 Pfund 16 Rthlr. erhalten, und die Wolle war noch nicht ſo rein, als ſie es ſeyn ſollte, obgleich die Schaafe En rere Male geſhwemmt waren, A. d, Uy. 218 89 vor der Schur 129) gewaſcheue Pelze von Hammeln und Schaa- j fen 222) gaben an Wolle- 295 Pf. 1] Abgang bey der zweyten Wäſhe 92- Betrag der ganz reinen Wolle- 203 Pf: Davon waren au verſchiedenen Sorten; ſuperfeine x67 Pf, 35 Schilling das Pf: Feine 23'|:8.25214- 6 Pence dritte AS. 4 22 2(0305, Summa 203 Pf. 47 Guinees 102) 8 P. 41 100) Dieſes iſt nicht nach ſpaniſcher Art gewa? ſchen 3 die Merinos werden dort nie vor der Schur gewaſchea. Man ſehe nach: Laſceyrie über das ſpaniſche Schaafvieh u, ſ. w. Hamburg vey Villaume. 1809. RK. d. U, 101) Dieſes beträgt auf den Pelz im Durchſchnitt nur 328 Pfund. Londoner Gewicht; für Schaafe beſter äce von zwey Schuren gaben an Wolle 2 2 P EB 314 Pf, Abgang bey der zweyten Wäſche 99- Ertrag der reinen Wolle.- 215 Pf, 103) Aufs Stück alſo 3542 Pfund[Wolle, A, d, vy. 220 Davon waren an verſchiedenen Sorten fuperfeine 381 Pf, 3 4 Sch, 6P. das Pf feine“ 0622 1210208.. 5-5 0,52), 0120.06 dritte os 12. 9 23 27==... 2.2 Summa 215 Pf. 45 Guinees 15 P. Um fich die ungewdhnlich hohen Preiſe der Wolle von dieſen ſpaniſchen Schaafen im Jahr x799 zu erklären, muß man wiſſen, daß die aus Speſttfen gekommene Wolle in gedachtem Jahre zu einem noch nie erreichten Preiſe geſtie- gen war; denn die beſte wurde mit 5 Schillin- gen 6 Pence, bezahltz eine kleine Parthie ausge2 nommen, wovon das Pfund, wie man ſagt, mit 5 Sch. 9 P. bezahlt worden ſeyn ſoll. Der König hat mehr als hundert Bd>e, und einige Mutterſchaafe an Perſonen verſchenkt, welche die Veredlung der inländiſchen Racen durch ſpaniſche verſuchen wollten. Damit aber die aus dieſer Berbeſſerung erfolgenden Vor? theile einem. jeden zu Gute kämen, haben Se. Majeſtät. befohlen, daß jährlich eine Anzahl 221 Bd> ound Schaafe verkauft werden ſollen, und den Preiß der Bd>Xe zu 5 Guineen, den der Schaafe aber zu 2 Guineen beſtimmt. Man hofft, daß die Käufer. durch die Vortheile der zu erreichenden Veredlung. ihrer Heerden reichlich fär ihre Auslagen werden entſchädigt ſeyn. Obgleich das Fleiſch der ſpaniſchen Hammel ſehr ſaftreich und von angenehmem Geſchmack iſt, ſo weicht doch ihre Geſtalt ſehr von denen ab, welchen die heutige Mode den Vorzug zu geben ſcheint. Aber auch in dieſer RüFſicht hat man eine merkliche Verbeſſerung erreicht, indem man zur Zucht Bd>e und Mutterſchaafe ausge- wählt hat, welche fähig ſchienen, eine zum ſchlachten vorzüglich taugliche Race zu erzeugen, und es iſt gewiß, daß man mit der. Zeit durch Nachdenken und Sorgfalt eine Race hervorbrin2 gen wird, welche mit der Feinheit der Wolle die Geſtalt verbindet, auf welche die Landwirthe ſowohl, als die Fleiſcher einen gewiſſen Werth ſetzen,*2*) k 104) Die verſchiedenen Racen der Thiere haben vvn der Natur eigenthümliche Eigenſchaften er> 222 Hier habe iH nun diejenigen Nachrichten über die Merinos mitgetheilt, welche ich aus denen in England über die Landwirthſchaft her- y' ausgekommenen Schriften habe entlehnen kdön- ; nen,*25) J< hatte nach dieſem Lande geſchrie- | ben, um beſtimmte und ausführliche Nachrichten halten, wodur< ſie von einander unterſchieden find, und fähig werden, den Bedürfniſſen, dem Geſchma&, und ſelbſt dem Eigenſinu des Menz ſcheu zu genügen. Die Engländer haben be merkt, daß gewiſſe Schaafracen im Vergleich mit den übrigen Theilen des Körpers, fleiſ ſten Grade beſaßen, und hiedurc< haben ſie neue Racen hervorgebracht, die ihnen vielen Vortheil gewähren. A. d. V. 105) Man erinnere ſich, daß der Krieg den Ver- faſſer verhinderte, nach England zu gehen, als er ſeine Reiſe zu Unterſuchung der Schaafzucht in die nördlichen Länder von Europa machte. A. d. U. 223 über den gegenwärtigen Zuſtand der Schaafzucht zu erhalten; ich habe zwar keine unmittelbare Antwort auf die von mir vorgelegten Frageu be- kommen, ich habe aber doh das Vergnügen ge- habt, dieſe Fragen mit Anworten des Hun. Arthur Young in Nr. 158 S., 263 der Brittiſchen Bi- bliothek zu finden. I<) werde dieſe Stelle hier abſchreiben, und ſie mit meinen Anmerkungen begleiten. Schreiben an Arthur Young von Stephan Wowet. M einigen Tagen habe ich durch meinen Cerz refpondenten in Paris“ folgende Fragen über die ſpaniſchen Schaafe erhalten. Da ich ſchlechter- dings nicht im Stande bin, ſie zu beantworten, ſo wende ich mich an Sie, mein Herr, um Sie zu erſuchen, mir die Beantwortung dieſer ue gen zukommen zu laſſen. Iſte Frage, Zu welchen verſchiedenen Zeiten, und auf weſſen Koſten hat man Schaafe aus Spanieu nach England kommen laſ- ſein? - Ants 225 Antwort. Vor etwan zwanzig Jahren ließ der Kdnig ſpaniſche Schaafe nach Eng- land kommen, ſeitdem haben einige Pri- vatperſonen welche kommen laſſen, 2te Frage. Hat ſich die, dieſe Race aqus- zeichnende Schönheit und Feinheit der Wolle bey ihren Nachkommen erhalten, oder ſind dieſe ausgeartet? 3te Frage. Welches ſind im letzten Falle die Urſachen, denen man die Ausartung zus ſchreiben ſoll? iſt es Mangel an Sorgfalt und guter Nahrung? Antwort auf 2 und 3, Die Feinheit der Wolle hat ſich vollkommen erhalten, qte Frage, Welches iſt wohl die wahrſcheins liche Anzahl der Schaafe von ſpaniſcher Race in England? und wer ſind die Bes ſißer ſolt ſiß abex nur auf die reine Race. YA. d. V. 107) Dieſes iſt das Gewicht der gewaſchenen Wolle. A. d. U. 708) I< hatte auch gefragt: ob ihr Unterhalt koſt- barer ſey? Da die Axtwort beſagt, daß er bey, den ſpaniſchen und inländiſchen gleich iſt, ſo kann man, wie ich es ſchön oft in dieſem Buche geſagt habe, daraus ſchließen, daß der Unterhalt der Merinos nicht mehr koſtet, als der von Lande 223 „ gte Frage. Was für Weide und Futter evo halten ſie? Antwort. Trockne Weide und Heu. ſ WIE Be WEITE: 5250 O 4+ Dortmorenatts- dito M TEE EIS. 13 Miene 27% 9* DEL. FERN 5. Exmovr BEE EHI 12.68.52 BEEDHETEE 10 EEE : 6. Heath 7- ite 3++- 654. 2122 18 5 43 IRE 7. Dorſetſhire, kurze oder gekrazte' 4,2 WEENER Wolle dito 3- 732.20= 16X- 3X- 8. Herefortſhire-- dito FEE N AUE 244 2 EEE 142 9. South= Down 80. 23.2 BERGEN 1221 ZIN SENSE BEE; ; 10. Norfolk-- dito Us- 5- 16- 16x€ 25- 5 TEROEEEE| l IT. Herdwik 5- dito 2 z BE 1- 4: 9 5 AE SES 7 12. Cheviot 22 2:1 ZO ZI Ehe CH EEE I EEE= DT DUnfaced= ve dio IN IE in(35 1 P.. 24 41 DBE-; as TETE 14. Schettlad==(lito DE DUNG 28.24 EEE ME= 15. In Europa einheimiſch gewor-== dene Merinos. LIESSE DAZ 0008 18... m SS IEUNEE NEE 2) t<:-T+T-=--===3 Die vie emen S. 7 Anm. Z. 3 von unten, Laſteyrie's, für: Laſteyrius. == 5 Z. 3 von unten, was in fremden, für: was fremden. == 12 unterſte Zeile: Geldes, für Goldes. -- 19 3..10! Schweden für Spanien. = 20 Z. 6 von unten, wegen d es rauhen, für: wegen rauhen. =- 32 Anmerk. 3. 2 von unten, Kilogramma, für: Filogramma. =- 54 Anm. Z. 2 von unten, 16Loth, für: 36L, -- 64 Z. 12 in, für: im. -- 67 Anm. Z. 3 fehlt nach: bekannte,=-A uf- lage. =-- 69,3. 9 Carlier, für: Carlins. -- 81 Z. 1 Anzucht, für: Anzahl. ————— O14 eeed