[Urn Sl. Ciessen » R ADANDA . uber die | Fellenbergiſche Landwirthſchaft . zu Hofwyl. ZUutemc:, bey Orell, Füßli und Comvagnie 1808. Zürich den 24. May 1808, Sie wünſchen, mein Freund! daß ih Ihnen meine Gedanken, mein Urtheil über Hofwyl, und alle dortigen von Herr Fellenberg getroffenen Anſtalten und Einrich- tungen mittheile, Die Aufgabe iſt ein wenig ſchwierig; denn fie umfaßt mehrere Gegenſtände, und dieſe Gegenſtände ſind ver= ſchiedenen RüFſichten unterworfen; zu dem, wenn es überhaupt ſ Die Saat war kräftig und gleich.= Dieſe beyden Um- ſtände gewährten mir Befriedigung, denn wo bey dem Kornbau, das Unkraut ausgerottet iſt und die Shma- xoßer- Pflanzen, welche der Saat einen Theil der Nah- rung rauben, entfernt ſind, ſo iſt ſcon eine der weſent- lihſten Forderungen des Landwirthes erfüllt.= Die Kraft und Gleichheit der Saat zeuget von guter Be- bauungs- Methode, und ſorgfältiger AusSſaat. Herr Fellenberg hat auf ſeinem Gut die vierfeldrige Wecſelwirthſhaft eingeführt, welert wird, verliert ſeine Feuchtigkeit. Dur< häufiges Tief Pflügen wird viel Unkrautſaamen an die Luft gebracht, der dann, wenn man friſch zur Saat pflüget, im Ge- traide ſchwer zu zerſidren iſt. Das auf immer gleiche tiefe Pflügen taugt überhaupt darum nicht, weil die untere Lage der immer gleichen Pflug- Furche dur< den Tritt des Zugviehes und durch den Dru&. des Pfluges ſich zu ner feſten Borke bildet, wo dann bey naſſer vi Initterung das Waſſer zwiſchen. der. gelo>erten und jener ungeloFerten Erde ſio>t. Das Entſiehen einer ſolchen Borke kann man durch abwechſelnd tief und wie- der fla<ß pflügen verhindern. Die Oberfläche düngen. und. ſie dann 2. Shuh. tief fur 4. Jahre lang vergraben, ſcheint mir. ein koſtſpieli- ger Aufwand des Dungers, welcher, wenn er auch den Nactheil nicht hätte ,- daß während den 4. Jahren vie: les von der Kraft des-Dungers tiefer in die- Erde hin- eindringt und dadur< verlohren geht, denno<) immer den Nachtheil des Verlurſis, der vierjährigen Intereſſen deſſen was mich der 4« Jahre lang unnüß in der Erde liegende Dunger koſtet, mit ſich bringt. Auch die Koſten welche das ſo ſtarke Tief- Pflügen erfordert, indem beſondere Pflüge da müßen angeſ'. Vieh zu dieſem Pflügen erforderlich ſind“, müßen da in Anſchlag gebraer zu machen, ſie von allem Unkraut zu reinigen und.um alle unebenen Stellen in den Feldern auszuebnen, ſie hat . GEIS Ea IT 8 dreyzehn Fuße, woran 6 in der erſten Reihe und 7 in der zweyten ſo ſtehen, daß die vordern in dem Abſtand von einem Schuh allemal zwiſchen die zwey hintern zu ſichen kommen, und auf dieſe Art der Boden ganz durchgearbeitet wird, wo ſonſt bey einer einzeln Reihe der Boden zwiſchen den Furchen allemal ruhig. bleiben würde. Der Nuten dieſer Maſce iſt von mannigfaltige- xem Nußen, und eigentlich für die engliſhe Drill- Wirthſchaft, oder für das Pflanzen aller Gewächſe in Reihen'oder Zwiſhenyäumen beſtimmt. Herr Fellenberg hat dieſe Trill- Wirthſhaft nur für Bohnen, Erbſen, Oelſaamen oder Lewat, für Rüben, Erdapfel und an- dere Wurzelgewächſe angenommenz da fie ſonſt in En- gelland faſt allgemein auß auf die Halm= Früchte aus- gedehnt wird. I< will trachten, Ihnen mein Freund! dieſe Trill- Wirthſchaft und den damit verbundenen Gebrauch der Pferde- HaFe ſo viel möglich begreiflich zun machen. Denken Sie ſich einen einzelnen Eggenbaum in welchem 6. eiſerne Eggen- Zähne angebracht ſind, welche von der Mitte ihrer. Länge an in einem eiſernen Schuh oder Leiſt auslaufen. Wenn das Feld nur mit dem Pflug gehörig bear. beitet und mit der Egge eben gemacht iſt, wird ſolce befahren, von welcher die 6. Füße weggethan und durch ein einzelnes Eiſen erſeßt werden, das den breiten Meſ- ſern gleihet, womit man gewöhnlich die Gartenwege ſäubert 3 dieſes ohngefähr einen, oder anderthalb Shuh lange und% Zoll breite Eiſen, geht 3; Zoll tief in den Boden nnd ſchneidet alle Wurzeln des in den Zwiſchen- räumen befindlihen Unkrautes ab, oder lo&ert dieſes auf, eine kleine hinten an dem Meſſer angebrachte eiſerne Egge, die vornen ſpißig zuläuft, und hinten eben ſo breit als das: Meſſer iſt, verebnet den Boden und bringt das Unkraut oben auf, damit es verdorre. Nach einiger Zeit, wenn die Pflanzen ſtärker heran- gewachſen ſind, ſo daß ſie das Zuhäuflen ertragen mö- gen, was allen Pflanzen darum gut thut, weil ſie dann Seiten- oder Kronwurzeln treiben, wel erhalten die 20. bis 30. Arbeiter, welche die Erdapfel auf dem wohl bearbeiteten und rein geeggeten Feld in die Löcher bringen ſollen, eine lange Schnur, welche, je na< Maßgabe der Entfernung im welcher man die Erdapfel von einander legen will, zu 1); oder zu 2. Schuhen einen Knoten hat: Unten und oben ſieht ein Meiſierkneht, oder Auffſeher, welhe die Schnur » u| gehdrig dirigieren, und von denen jeder den Raum von 9- Knoten. für ſih nimmt, von den andern Arbeitern aber jedem den Naum von. 10. Knoten giebt, die Auf- ſeher müßen nur 9. Löcher machen, weil die Direction der Schnur ihnen die Zeit von einem Lo< wegnimmt, die andern alle müßen 10. Löcher machen. Sind nun die an beyden Enden ſtehenden Meiſterknechte mit ihren 9. Löchern fertig ſo rufen ſie ſih zu, um die Schnur vorzurü&en, und, alle andern Arbeiter müßen dann mit ihren 10. Löchern fertig ſeyn z welcher es nicht iſt, dem wird etwas an ſeinem Lohn abgezogen. Sie ſehen, daß auf dieſe Art alle gezwungen ſind gleich fleiſſig zu ſeyn. Der Nußen der kleinen Pferde- HaFe beſchränkt ſich aber nicht allein auf die Trill- Wirthſchaft oder auf die Reihen= Pflanzung ſondern wenn das Feld micht gar zu ſchwer iſt," ſo kann man ſich derſelben au< mit großem Vortheil, ſtatt des»Extirpators, oder der gro- ßen Pferde- Ha>e zur Vertreibung des Unkrautes bedienen.| Es werden dann 7. Füße genommen, Z. in der vordern und 4. in der hinteren Reihe, das gepflügte und geeggte Feld auf welchem ſich Unkraut zeigt, wird mit dieſer Pferde- Ha>e befahren und ſo theils lo&er gemacht, theils vom Unkraut geſäubert. Einen" eben ſo weſentlichen Nußen ſcheint ſie mir als Furchenzieher bey der gewöhnlichen Saatbeſtellung zu leiſten: Wenn der Böden gehdrig mit dem Pflug bearbeitet und dur< die Eggen geebnet iſt, ſo befährt man den A&er mit dieſer 6. oder 7. füßigen Pferde- HaFe, welche'man zwe>mäßiger dann Furcenzieher heiſſen könnte„ und ziehet mit derſelben 6. oder 7-+ 12 Furchen auf einmal, welche ganz gleiß ſind, und die man na< Maaßgabe der Tiefe, welche der einzuſtreuende Saame fordert, mehr oder minder tief machen kann. Die Gleichheit der Furchen, ihre beſtimmte Tiefe erleichtern die Ausſaat, die von Hand geſchieht, ſo ſehr, daß dadurc< bei einem erfahrnen Säemann die große Säde- Maſchine faſt entbehrlih wird, denn wenig Körner verlieren ſich, wie ſonſt geſchiehet, in den tiefen Furchen des gewöhnlichen Pfluges, beſonders wenn wan dann das Feld in die Breite eggetz und da jede Art von Gewächsſaame ihre gehörige Tiefe erhält, ſo geht ſelbiger leiht und ſicher auf. Da ich der großen Säe= Maſchine gedacht habe, ſo werden Sie wünſchen daß ih mich au< über dieſelbe ein wenig näher erkläre. Ihr Mecanismus iſt ohne anders ſinnreih, allein er ddrfte wohl zu compliciert ſeyn und er ſcheint Herr Fellenberg ſelbſt no< nicht"ganz zu genügen, beſonders müſſen die großen Koſten derſelben einſtweilen no< von ihrer Nachahmung abſhreFen. Herr Fellenberg hofft aber no< duren gelegt werde, und daß weder verborgene, unterirdiſche, no< offen liegende Quellen' ſeine Bebauung behindern. Dieſen Grundſaß hat Herr Fellenberg richtig befolgt, allein es ſcheint mir die dabey angewandte Arbeit ſey zu koſibar, und zeuge mehr von jenem Geiſt der Ordnung, Pünktlichkeit, und „Jeſtellt werden, zum Grund liegen ſoll; ig; werde wei-= 15 von jener Vorliebe zu allem was ſ<ön iſt, welhe dem reichen Partikularen als Liebhaber der Landwirthſchaft ſo wohl ſicht, als aber von der Berehnu.ig der möge lihſten Koſten- Erſparniß, welche bey allen Landwirth- ſhaftlihen Unternehmungen, die zur Nachahmung aufz- ter unten, wenn ich von den Wieſen rede dieſer unter: irdiſhen Waſſerleitung, die man im Canton Bern Ak- ten, in unſerm Canton Dollen heißt, noFH mit einigen Worten gedenken. Indem ich glaube Ihnen mein Freund! alle diejeni- gen Bemerkungen mitgetheilt zu haben, die iG über die Beſtellung der Felder von Hofwyl zu machen im Stande war, ſchließe i< dieſen ohnehin ſhon allzulan- gen Brief, und verſpare die weitere Auskunft über die andern Gegenſtände, auf eine gelegnere Zeit. Den 26. Mäy. Js nehme, mein Freund! den Faden da wieder auf, wo ich ihn lesthin gelaſſen hatte, undz unterhalte Sie mit dem Wieſenbau zu Hofwyl. Die Wieſen des Herrn Fellenbergs theilen ſich in 2. Arten in gewöhnliche Wäſſerwieſen, und in gewöhnliche Moor- oder Torf- wieſen. Die erſtern ſind da angebracht, wo ſie ihrer Natur nach hingehdren, in den Niederungen, unten an den Feldern, und werden zum Theil von einem Bach, zum Theil von dem Waſſer bewäſſert, welches Herr Fellen- berg durch Akten oder Dollen aus ſeinen AeFern abge- leitet hat. Mehrere dieſer Leitungen gehen unter'den Wieſen durc<, und Herr Fellenberg hat ſolche dahin benußen wollen, die-Wieſen von unten herauf zu be- wäſſern: ih muß Ihnen dieſes neue Experiment näher erklären. Denken Sie ſi< eine große Wieſe, wenn Sie wollen, von 20. oder 60. Morgen, dur welche in einem Abſtand von 1005 bis 260. Fuß unterirdiſche Waſſerleitungen gehen. Am Ende der Wieſe, befindet ſi, der ganzen Breite nach ein tiefer Graben, in welchen das Waſſer dieſer Leitungen fließt, wenige Schritte von dem Graben wird das Waſſer der Leitung durch einen hölzernen Kennel geführt, in welchem ſich ein vierekigtes Loch von circa einem halben Schuh im Durchſchnitt befindet, in dieſes Loch wird ein paſſender Pflo> hineingeſte>t, ſobald ich verhindern will, daß das Waſſer der Leitung nicht mehr in den Graben aus- laufe 3 dadurc< ſt werden, daß in kurzen die Oeffnung derſelben nöthig ſeyn wird, was allemal viele Koſten und Arbeit verurſacht. Die Torfwieſen hat Herr Fellenberg für-ſeinen Be- darf zwe>mäßig behandelt, einen Theil daran hat er mit ſchwerer Erde hoh überführen laſſen, dadur< tro- Fen gelegt und zur Erzeugung. guter GraSarten fähig gemacht. Sie kennen dieſe Art der Behandlung. Bey einem andern Theil: hat er den Torf einen Stich tief ausgraben, die obere Erde, die keinen Torf hat, über= werfen und ausebnen laſſen, das Stü& Land ein wenig abhängig, alſo zur Bewäſſerung tauglih gemaer abwirft, hätte man mit größerm Nußen das ausgegrabene Torfland„- tief lie- gen laſſen, und niht ausgetro>net, ſondern durch zwe&- „mäßige Einrihtung zu einem Streueriedt angelegt, wel: hes gehdrig bewäſſert einen großen Vorrath von Dün- gungsmiaterialien abgegeben hätte. I<. kann mich nicht enthalten, hier gegen Sie der Idee zu erwähnen, welche Herr Fellenberg in'ſeiuen Blättern von Hofwyl aufgeſtellt hat; daß es vortheil- haft ſeyn dürfte, die Wöäſſerwieſen auszubrehen, und' nur mit einer Grasart, oder mit mehreren zu gleicher Zeit reifenden Grasarten zu beſäen. Es liegt etwas ſcheinbares in dieſer Jdee, gewiß bringt die ungleiche Zeitigung der verſchiedenen Futterkräuter einer Wieſe einigen Nachtheil: Die früher verdorrenden Kräuter bringen wenigen Nußen, ja dadur<, daß der Saame dieſer früheren Pflanze zur Zeitigung kommt, wird dem Boden mehr Kraft entzogen, weil die Zeitigung des Saamens von allen Gewächſen die meiſte produktive Kraft fordert: Allein ſhon die gänzliche Umwälzung der Methode würde einen einſtweiligen ſo großen Nah- theil bringen, daß der folgende Nuten kaum im Stande wäre ſolchen zu erſeßen. Man denke) ſiß ein Stu> Wieſenland von 100. Morgen, dieſes würde umgebro- mäßige Einrichtung getroffen, daß ſolche durc<. Dampf gekocht werden. Ueber einen großen küpfernen Keſſel wird eine holz zerne Kuffe geſtellt, die unten breiter als oben ſtatt dem hölzernen Boden ein eiſernes Gitter hat, durc< welches der Dampf von dem im Keſſel koern taugt er weit weniger, er bewirkt das nicht was der nur halb- gegohrne bewirkt; bey welchem das Stroh nod nicht ver- fault, ſondern no< lange iſt, daß nämlich der Boden lo&er gemacht werde, und weit mehr Empfänglichkeit erhält, die befruchtenden Theile aus der Atmosphäre an ſich zu ziehen. Es freute mich hierüber ganz mit Hexru Fellenberg einverſtanden zu ſeyn. Es gab große engliſche Landwirthe welche behaupte-| ten, daß der Dünger keinen andern Vortheil gewähre, als daß er die Erde durch Lo>erheit empfänglicher mache, die Nahrungstheile aus der Atmosphäre einzuſaugen« 22 Allein ſo irrig dieſes Syſtem auch iſt. ſo gewiß iſt hinge- gen, daß auf jedem Boden, vorzüglich aber auf dem lei- migten oder thonigten, der Dunger, die Befruchtung der Erde, nicht allein dur< die Theile die er ſelbſt ent= hält, ſondern auch beſonders dur< ihre AufloFerung und daher entſtehende größere Leichtigkeit, die Nahrungstheile aus der Luft an ſih zu ziehen, befördert. Der Behälter für naſſen Dünger hat Hr. Fellenberg eine große Menge, ich dürfte faſt ſagen nur zu viele, weil ihre Beſorgung viele Zeit fordert; zum mindeſten nur zu große, denn der Gewinn in kleinern Behältern iſt darum größer, weil die Jauche oder Gülle in denſelben weit bälder gährt; doh ſind die größten Behälter eigentlic nur Sammler aus welchen die kleinern dann wieder zu- gefüllt werden. Um ſeine Scheuern herum hat Herr Fel- lenberg beſchloſſene Gallerien errichtet, welche die Be- ſtimmung haben, bey einer allfälligen naſſen Erndte die Feldfrüchte unter Dach zu nehmen und da vor dem Ver- derben zu bewahren. Die Fenſter werden dann geöfnet und Zugluft tro&net die Früchte. So ſorgfältig auch dieſe Einrichtung iſt, ſo wollte mir doH ſcheinen, ſie paſſe eher für einen kleinen Hof, als aber für ein großes Gut. Die ganze Erndte oder einen größern Theil derſelben kann man doh da nicht aufbewahren, und die Koſten der Bauten, ſo wie die Koſten der Einſammlung und Beſorgung in den Galle- rien, dörften wohl bey einer genauen Beremäßig eingerichtet ſind. Es iſt gewiß, daß wenn die eint oder andere der Maſchinen, deren ſich Herr Fellenberg in ſeiner Land- wirthſchaft bedient, in dieſer oder jener Gegend der Schweiz angenommen und eingeführt wird, diejenigen, welche ſich aus den Werkſtätten von Hofwyl damit verſe- hen können, einen großen Vortheil dadur< erlangen. Denn es iſt äuſſerſt ſchwierig eine vollkommene Maſchine nach den vorhandenen Beſchreibungen oder kleinen Mo- dellen gleich im erſten Verſuch zu verfertigen, indem ein kleiner unmerkbarer Fehler oft den nüßlihen Gebrauch des dem Schein nach in der größten Vollkommenheit ver- fertigten Geräthes hindert. Dieſer Fehler wird die Ur- ſache, daß man den Gebrauh derſelben überhaupt un- zwe&>mäßig findet, und ſolches gänzlich verwirft: Es werden viele vergebliche Koſten von den oft fähigen Hand- werkern verwendet, viel Holz und Ciſen vergeudet, wo hingegen, wenn dieſe Maſchine unter der Aufſicht.ihres Er- finders, Verbeſſerers oder Nachahmers verfertigt werden, ſie dem gehofften Endzwe> gewiß weit eher entſprechen müßen. Erſt dann, wenn in mehrern Gegenden und Ortſchaften dergleihen Maſchinen, die aus der erſien Hand ohne Fehler kommen ſollen„ eingeführt ſind, wer- den die geſhi>ten Arbeiter in dieſen Ortſchaften ſie mit Erfolg nachahmen, weil ſie nach vollkommnern Muſtern und nicht nach Modellen arbeiten können. Yuch der wichtige Umſtand, daß die meiſten dieſer AFerbaugeräthſchaften gegdſſenen Eiſens bedürfen, welz- - mäßige Verbeſſerungen angebracht, wie 3. B. dieſes bey den Pferdeha>en der Fall iſt, wo die Füße, die nach den engliſhen Modellen verfertigt waren, unten flach find, und die Form einer breiten Haue hatten, da hingegen die angebrachte Verbeſſerung ihnen die Form eines Fußes mit einem hohen Riſt gaben, wodur< die Dur<ſchneidung und AufloFerung der Erde erleichtert, und ihr Tieferge- hen möglich gemacht wird. No< eine Menge anderer AFergeräthſchaften habe ich auſſer den bezeihneten und weiter oben ſchon zum Theil beſhriebenen in dem Attelier des Herrn Fellenberg vor- gefunden, als verſchiedene hölzerne und ſteinerne Walzen, leßtre von circa 3 Fuß im Dur über das Ganze inſoweit ſich erwerbe, daß er verſtehe, welches die ergiebigſte Art der Verpachtung ſey, und wie er aus ſeinen Forſten den höhſt nüßlihen Gewinn ziehen könne. Die genauere Kenntniß der vortheilhafteſten AFerbe- ſiellung, des vorzüglimäßigen Anſtalten des Herrn Fellenbergs kom- men, wenn“ man da lernt, wie das Geſinde und, der Ar- beiter immer unter gehöriger Aufſickmäßigen Bildung ſeinen Sohn demſelben anvertrauen darf, und es muß der weſentlihe Vortheil einer beſſern Kultur in mancher Gegend durc daſſelbe gewonnen werden. 32 I< hoffe indeſſen niht dahin mißverſtanden zu werden. als ob ich wähnte, kein Schweizer bedürfe eines ſolchen Unterrichts. Dieſer Gedanke ſey ferne von mir z denn auch der ſchweizeriſche Güterbeſizer bedarf der Kenntniſſe in den obgenannten Wiſſenſchaften= auch ihm wird die Beobachtung der Fellenbergiſcſiht genommen werden kann, und endlich weil=- wie ich oben ſchon bemerkt habe, in der Schweiz nur wenige Landwirthe ſind, deren Gü- ter einen ſo großem Umfang haben, daß der Werth der- ſelben einen ſo koſtbaren Unterricht ertragen möchte. Es dürfte. ſih, wenn dieſes Inſtitut zu Stande kommt, mit der Einrichtung deſſelben wahrſcheinlih kaum vertragen, daß nur Curſe von 2 bis 5 Monaten ge-= mamäßig und mit jener ausdauernden Geduld geleitet wird, die allein einem ſolHen Unternehmen das Gedeihen verſpricht, für die Schweiz oder für den Canton, in welchem ſie exiſtirt, erwachſen müßen, daß der Fremde gewiß nicht vorzüglich begünſtigt iſt. Oder berehnen Sie einmal die Fortſchritte die ein ſolhes Inſtitut in dem prak tiſchen Theil des Landbaues machen muß= wie alle Jdeen, alle Syſteme, alle neuern Erfindungen von allen andern Ländern da müßen anäliſirt, und ihre mehrere oder min- dere Anwendbarkeit auf dieſe oder jene Gegend geprüft und beſtimmt werden. Berechnen Sie dieſe Summen, die dur< den Aufenthalt begüterter Jünglinge ins Land kom- nien müßen; und vor allem aus berehnen Sie das Ehren- volle, das der Shweiz zu Theil wird, wenn in ihrem Schooße der junge Mann auf die höchſte Stuffe der Bil: dung zu demjenigen Stande gebra&mäßiger Beſchäftigung der Kin- der dur< Feldarbeiten, dermalen niht berühren. I< wünſchte nicht, daß dieſes lektere, ſo philantropiſch und gutmüthig es auch gedacht und entworfen ſeyn mag, dem erſtern vorgezogen würde, und zwar aus dem gedoppel- 36 Grunde: veil erſtens der Nutzen dieſer zweyten Anſtalt nicht ſo groß ſo ausgedehnt ſeyn könnte, als jener der erſtern(denn ſelbiger würde ſich einſtweilen nur auf. die armen Kinder der um Hofwyl herumliegenden Gemeinden beſhränfen, und müßte man gewärtig ſeyn, ob da oder dort ein zweyter Herr Fellenberg ſich zeigen würde, der eine ſolche, gewiß an ſich edle und gute, aber ſchwierige Ein- rihtung nachahmen würde.) Zweytens=- weil gerade die koſibare Einrihtung zu Hofwyl, der Aufwand, den die Verſuche aller Art forderten, die beſtimmte Abſicht an- zudeuten ſchienen, andere begüterte Landwirthe zu unterz richten, nnd in dieſem Unterricht ſelbſt eine etwelcer„und Wieſen unter anderen Bez fißungen, wie dieſes in der Nähe eines Dorfes der Fall iſt, gewähren zwar den Vortheil, daß bey einem allfälz Ligen Verkauf dieſe Güter einen größern Geldwerth haben, weil ſie andern Liebhabern auch gut gelegen ſind, ja es geſchicht. gar oft, daß zwey Ae>er von gleicher Güte des Bodens in ihrem verkäuflihen Werth um die Hälfte verſchieden ſind, weil der eine dem Dorfe näher liegt, als der andere. Die Entfernung der Güter von einander vermindert oft die Gefahr des Beſißers'"bey einem Hagelwetter, allein dieſe kleinen zufälligen Vortheile wiegen keines= wegs den Nachtheil auf, der aus dieſer Zerſtülung füv den Landwirth entſteht. m 9 Ein"zuſammenhängendes Gut erleichtert die Bear» beitung des Bodens ungemein. I< kann meinen Aer bald in die Länge, bald in die Breite pflügen, welches von'großem' Nuten für die gute Beſtellung deſſelben iſt z ich kann dem Waſſer die Ableitung geben, wie ich will 3 ich erſpare mehrere Furchen; ich bin in der Cultur keineswegs dadur< gehindert, daß ih dem Nachbar einen offenen Weg in ſein StuF> Land und Raum für die Pflü- gung" deſſelben, da wo ſolcher an das meinige anſtdßt, läſſen muß', wie dieſes bey den Zelgen der Fall iſt. Die Wechſelwirthſchaft, die in 4. 6. oder 8. Felder eingetheilt' iſt, kann auf dieſem zuſammenhängenden Gut ohne'Hinderniß eingeführt werden, welches hingegen bes der"Abtheilung der AeEer in mehrere Theile, beſonders bey“ dem Zelgenremäßigſte 3; ſie wäre es, naH meinen Begriffen, für alle Güter, bey welchen der AFerbau der Hauptzweig der Cultur iſt;= allein, wie i<ß ſchon verdeutet habe, bey einigen iſt ſie faſt gar nicht möglich, bey“ andern ſchwierig. Der größte Vortheil der Wecſelwirthſerung und fruhzei- tige»Vertilgung des Unkrautes» im Durnen und naſſen Düngers, worinn die. Shweiz gegenwärtig einen ſo großen Vorzug hat, ſind zu Hof? wyl ganz zwe>mäßig", und kommen dem beften dießfälli- gen mir bekannten Anſtalten gleich. Da das Elima dem Rebbau nicht günſtigriſt, fo kbn- nen über dieſen Theil/der Cultur, der für mandhe Ges genden der Schweiz ſo wichtig iſt, keine Verſuche dort angeſtellt: werden. Die Baumzucht ſchien mir anfänglich auf dieſem Gut vergeſſen 1 zu ſeyn. Allein“'warum zu viel fordern, dachte ich; auch dieſen Zweig der Landwirthſchaft wird 43 gewiß. Heren Fellenberg noß nachhohlen, wenn die anz= dern einmal gehörig beſorgt ſind. Alles wünſchbare auf einmal einrichten, anordnen, erzwingen wollen, bringt Verwirrung und Sto&en in das Geſchäft. Die auf dem Gut vorhandenen Bäume find gut beſorgt I< faſſe mein Urtheil über das Gut zu Hofwyl zu: ſammen und erkläre mich: Daß ſolches ein ſchönes, wohlbearbeitetes Gut iſt, das ſeinem Beſißer Shre bringt 3 daß“ das auf demſelben eingeführte Syſtem für ſeine Lage, Clima und Boden vorzüglimäſe- fig eingerichtet ſind. Il. Da ic< in der Beantwortung der erſten Frage das Sut zur Hofwyl ein fc< ö.nes Gut geheiſſen hatte, ſo faßte im dabey ſchon die 3 weyte Frage ins Auge: Ob nämlich ſelbiges, in ſeiner gegenwärtigen Eine- richtung die Koſten trage, die Herr, Fellenberg darauf verwendet hat? Es liegt für die Bewerbung eines Gutes. und ſeinen höhern. und mindern reinen Gewinn ſchon ein großer Unterſchied darinn, wer der Beſißer deſſelben ſey; ob ſolcher“ ein Mann ſey, der durHh Geburt, Stand und Erziehung zur gebildeten Welt gehbre,: ob er GeſchmaF beſiße, und Sinn für das ſ<öne habe, oder ob er ein Landmann ſey, der dur beſtändigen Aufent- halt auf dem Lande mit der Verfeinerung der Sitten un- bekannt geblieben, noH< immer die alten Bedürfniſſe, Sitten und Gewohnheiten beybehalten habe. Der-erſte wird und muß, 1er'mag auch no< ſo ſehr dem Grundſaß- der ſtrengſten Einfachheit huldigen, den- 44 no< in alle ſeine Unternehmungen ," Einrihtungen und Verbeſſerungen, jenes Anſtändige, das ſein Stand und ſeine Geburt fordern, jenen Sinn für das ſ immer huldigen, und mit ſivoller mache, als die hö<ſte Nothwendigkeit fordern würde= das wird ja nicht ſo viel ſagen= die Koſten ſind ja-nicht viel größer=- man muß doH dem Hauſe, den Oeconomie- Gebäuden, den Gütern anſehen, ob der Beſiter, Ord- nung und Reinlichkeit liebe, ob er Sinn für das ſchöne habe„ oder niht. Dieſer Gedanke wird ihn bey allen ſeinen Unternehmungen leiten ,' und ihn unvermerkt zu vielen wichtigen Ausgaben führen= ſein Gut muß ein ſchönes Gut ſeyn; und, wenn er ſchon allen Pracht ſorg- fältig vermeidet, und man keinen Luxus weder in Wohn- gebäuden und ſeiner Meublierung, nalichen Aeuſſern, immer ein anderer", als derjenige"des erſten/ er wird durch ein? 43 andere Erziehung, dur< andere, Sitten und Lebensart beſtimmt; es genügt ihm, daß alles bequem ſey, und faſt allen ſeinen Unternehmnngen gehet die Frage voran. Bezahlet mir ſolche in der Folge meine Auslagen 2? oder iſt ſie durhaus ſo koſibar nöthig? konnte ich ſie nicht wohlfeiler machen? Wenn ein großer Unterſchied ſhon in der Perſon des Beſißers oder in ſeinem Stand, Erziehung und Lebens- weiſe liegt, ſo liegt no< ein größerer in ſeinem Charak- ter, oder vielmehr in ſeinen Neigungen. Sind dieſelben lebhaft, ſo beſhäftiget ihn jede neue Jdee, er geht der- ſelben na<, und glaubt er in ihrer Ausführung etwas gutes zu finden, ſo ſcen ihn die lei vortheilhaft ſeyn dürfte. Hat er ein gutes Herz und denkt gemeinnüßig, ſo muntert ihn dieſe Denkungsart nah mehr zu Unternehmungen und Verſuchen auf; der Gedanke ſeines eignen Vortheiles verbindet ſi< mit dem- jenigen, daß auce berechnet waren= bey dem Aufwand an fremdem zugekauften Dunger oder Düngungs Materialien, welhen es Herrn 48 Fellenberg koſtete, um ſein Gut in dem kurzen Zeitraume von 6 bis 8 Jahren auf denjenigen Grad' von Cultur zu bringen, den ſolches nun hat=- das Gut zu Hof- wyl weder jeßt no< zu keinen Zeiten, in ſoferne ſolches nur als ein landwirthſchaftlihes Gut angeſehen und be- handelt, und feine andere ſiHh aus dieſen Einrichtungen ableitende Anſtalt damit verbunden wird', die ge- wöhnlichen Intereſſen von dem Capital tragen kann, das nebſt dem Ankaufspreis dahin iſt verwendet worden z daß hingegen, wenn die projectierte Bildungsanſtalt ſo zu Stande kommt, daß ſie den beſtimmten Zwe hinläng- li< erfullt,(wobey dann dieſes Gut als ein nöthiges für jeden andern zu koſibares Hilfsmittel gebraucht wird) ſelbiges dur< dieſe Vereinigung von Zwe> und Mitteln die Auslagen und Unkoſten dem Herrn Fellenberg hin- länglih wieder zu erſezen geeignet ſey. Das Gut iſt ſhön und beſtens eingerichtet, das ein- geführte Syſtem iſt zweF&mäßig; allein die Einführung ward mit einer Liebhaberey und einem Eifer betrieben, der, um das Werk bald vollendet zu ſehen, keine Ko- ften ſheute, und bey wel, daß die allgemeine freywillige Einführung irgend eines landwirthſer eines Dorfes in den meiſten AFerbau treibenden Gegenden der Schweiz und 4 auyarrae I0 Deutſchlands in 3 verſchiedene Maſien zuſammengewor- fen, und jährlich naß einem gewiſſen Syſtem behandelt wurden, dem. zufolge man im erſten Jahre Waizen oder Korn, im zweyten, Roggen, Hafer, Gerſte oder Hülſenfrüchte pflanzte, das dritte Jahr aber'der Brache überlaſſen war. Durch die Einführung vom Kleebau ward zwar in den leßtern Zeiten die Brache ſchon an den meiſten Orten aufgehoben; man pflanzte, dur< die Ver- mehrung des Düngers, die der Kleebau gewährte, hie- zu aufgemuntert, im dritten oder Brachjahre naH an- dere Früchte, als Kartoffeln, Lewat, Wien. u. ſ. f- Dieſes konnte gehen, weil die alte Einführung der Zelgen dadurch noch nicht geftört ward, und immer war dabey ſcen-Cultur gemaer ausdehnen; wäre es au< nur, um ſein Saatkorn darauf zu erzielen, das' bey dieſer Cultur reiner und ſtärker erzeugt wird, und daher beſſer aufs- wächst, und beſſere Saat liefert. Au< da wo das Falz len des Korns oder das ſogeheiſſene Lagerkorn zu beſor: gen iſt, nüßt dieſe Cultur, weil ſie ſtärkere Halme er- zeugt. Für diejenigen Gegenden, wo der AFerbau gleich- ſam als Garten-Cultur betrieben wird, wie dieß der Fall in den Alpenländern und in einigen wenigen Rebgegenden iſt, würde ſich die kleine Pferdeha>e, die in gut bearbei- tetem Boden auh von einem Eſel kann gezogen werden, vorzügli< eignen. Nach der Wehſel- und Pferdeha>en-Wirthſhaft wird man von dem Syſiem des Herrn Fellenberg mit Erfolg das bedäſamſte empfehlen, und zwar um ſo da mehr, weil nur ein ganz kleiner Theil der Sc&t maßen. I< bin auch. überzeugt, daß wenn die Schweiz überhaupt, ſelbſt den flächern Theil derſelben niht ausgenommen, ihr vorzügliches Augenmerk auf die Vergrößerung und Veredlung der Viehzucht wirft, und deßnahen den na- türlihen und künſtlihen Wieſenbau vorzüglich begünſtigt, ſie den reinſten und ſicherſten Gewinn aus ihrem Boden ziehen wird. Nach dieſen Grundſäßen werden Sie zwar mein Freund! mir ſagen,, ſollte ich überhaupt dem Fellenbergiſhen Syſtem das vorzüglih auf den AdFerbau geht, das Wort nicht reden== allein meine Grundſäße und meine Empfehlung können bey der ſtärkſten Begünſtigung 57 der Viehzucht ganz gut neben einander beſiehen. Nie würde es möglig und au< nüßlich ſeyn, den AFerbau ganz zu entfernen; und. ſo lange dieſer, da oder dort, im klei- nern oder größern Umfang beſteht, iſt es gut, wenn er mit der höchſt möglihen Aufmerkſamkeit und Vollkom- menheit getrieben wird. Derjenige Theil des Cantons Bern, der ſein Augen- merk vorzüglie- Cultur, ohne an die vierfeldrige Wechſelwirthſ