e„ des Staatskanzlers zuͤrſten von Hardenberg. Fortſetzung der Schrift: Nein Punkt aufs J c. die Berwaltung 9—————,——— 4 3 ———— 7————————————— 28 Eee ———— 4 —— 3 lka, Buch- un d „ 5 7 8 Musikhandlungh von T. Trault wein Brüderstrasse Nr. 19 ke des Petrikirchplatzes. — 4* M. 0.0.08 die Verwaltung ; des Staatskanzlers Fürſten von Hardenberg, FoLtſc RUN: der Schrift: EIN. DWürt aufs 3 Ww. SE ÄN ig HERR Än ene än von 1%,1)(INDE KEN IA A NDBAULS 74) MOEGLIN, UE gens E, von Bülow EC uml Gu mom 8.008 ZuG bb Is in. Gommiſſiomw ber A. Fühſek LA2T. a Sebi 1 MS aine 63. Fb nan D LE 2 002 EREN 74 än Vorrede, In dieſer Fortſezung meiner Schrift ,, Ein Punkt auf's 3 erhalten nun meine Leſer eine kurze Ueber- ſicht der wichtigſten Geſeße und Einrichtungen, die die preußiſche Monarchie während der Verwaltung des Staatskanzlers Fürſten von Hardenberg erhal- ten hat, nebſt einigen Bemerkungen über ihren Ein- fluß auf die Gegenwart und Zukunft, Dex Stand- punkt, von welchem ich die Dinge beträchtet habe, iſt ays den alten Provinzen genommen. Die Ver- hältniſſe der neuen Provinzen kenne ich zu wenig, um mir über den Einfluß der Geſeße auf ihre-Ver- *2 IV hältniſſe ein Urtheil anmaßen zu dürfen, Einige Punkte habe ich aus Gründen, die Jeder anerkennen wird, nicht ganz ausgeführt. Welche Scwierig- keiten es hat, über lebende Perſonen und über Ver«- hältniſſe zu ſchreiben, in denen man lebt, wird, wie ich glaube, Jeder fühlen. Der ſpätere Geſchicht- ſchreiber haf leichteres Spiel 3; er trägt zuſammen, was bis zu ihm über die Perſonen oder über die Zeiz ten, welche die Gegenſtände ſeiner Geſchichtberzäh- lung ſind, geſagt iſt, und ſehr häufig behält der- ſelbe nur Necht, weil niemand mehr da iſt, der ihm zu widerſprechen vermag.- Der Zeitgenoſſe, der über lebende Verhältniſſe wahrhaft ſchreibt,“ verleßt mit jedem Worte, welches ſeiner Feder entfährt, die Perſönlichkeit des einen oder des andern Theiles, und wohl ganz beſonders in ſo bewegten Zeiten, als die jekigen es ſind. Die Veranlaſſung zu dieſem Werke habe ich ſchon im erſten Theile. genannt. Der Zwe, den ich mir weiter vorgeſeßt habe, iſt, zu"zeigen; 1 aiich mae. Ba äl won wrde wö verwen<< 0 Wm ne iE] wie nothwendig es ſey, daß der Thron in Kraft und Würden bleibe; wie Unordnung in den Fi-. nanzen-; Willführ der Beamten und dev Verkauf der Domainen die Kraft der Krone fcnäce: ferner, worin der wahre Adel beſtehe, wodurch dieſer herzuſtellen ſey und welcher Plaß ihm in einer auf"Dauer berechneten Verfaſſung gebühre z wie die Geſeßbgebung in vieler Hinſicht auf den Wohlſtand und auf die Geſinnung der Untertha- nen gewirkt habe; wie viel Gutes angefangen, aber unvollendet geblieben ſeyz endlich, daß Mo- narch., Adel und Bürgerſtand, ihrem wahren In- tereſſe naH, nicht feindſelig, ſondern ſchüßend über und neben einander ſtehen müſſen, und daß die richtige Stellung jedes einzelnen Theiles nuv dann in Gefahr geräth, wenn dieſer nach mehr Macht und Einfluß ftrebt, als ihm in ſeiner Stellung gebührt, Gelingt es mir, über dieſe wichtigen Ges genſtände mehr Klarheit zu verbreiten und die VYVI Anſichten:„der Gutgeſinnten über gewiſſe Punkte zu„vereinigen, ſo wird dies Büchlein nicht ohne 1 Nußen geſchrieben ſeyn, Den 6ten Juni 1810 übertrug der König dem Stäats2 kanzler, Freiherrn von Hardenberg, die Führung der Geſchäfte, und wohl ſelten hat ein Miniſter unter ſchwierigern Umſtänden das Ruder eines Staates über- nommen. Drei' Hauptzweige der Verwaltung waren in ſeine Hände gelegt: die auswärtigen Angelegenheiten, die Fintanz- Verwaltung, und die innere Geſeßgebung. Drei Miniſter hätten ſich unſterblichen Ruhm er- werben können, wenn ſie verſtänden hätten, in jedem dieſer drei verſchiedenen Zweige das auszuführen, was dem Staatskanzler allein übertragen war. Am mißlichſten befand ſich die politiſche Stellung Preußens, beſonders in Beziehung auf Frankreich. Naz poleon hatte im Frieden von Tilſit öffenbär einen grof- ſen Fehler“ gemacht, den er bald einſah und bereuete, Um Preußen zu ſchwächen, hatte er die neuen Provin- zen und'alle iſolirte Theile des Reichs von Preußen gez trennt, aber eben dadurch war Preußen mächtiger ges worden, als vorher, denn nur Ein Wille blieb jekt in der ganzen Nation, nämlich, das verhaßte Joch abzu- ſchütteln, In eben dem Maaß aber, wie dies ſeine 4 3 Beſorgniß erregte, ward ſeine Eitelkeit verlekzt, daß Preußen, welches. er ſo ſchnell erobert hafte, ſich auf keine. Weiſe vor ihm demüthigen wollte, ſondern ihn Lkalt und mit Würde“ zurückſtieß. Sein Haß gegen Preußen ward dadurch immer ſtärker und unverſöhn- licher. Nur einem vollendeten Staat5mann konnte es gelingen, unter dieſen Umſtänden, und bei ſo mancher- lei, Napoleon kränkenden Veranlaſſungen, ihn immer zu beſchwichtigen und jeden Ausbruch, zu verhindern, und doch.eine ehren= und würdevolle Stellung zu- bez halten, die bei der ganzen Welt die Ucberzeugung er- hielt, Preußen warte nur auf eine Gelegenheit, um mit der.„größten Entſchloſſenheit gegen Napoleon aufzu- treten. Nicht minder ſchwierig.war die Lage der Finanzen, Preußen hatte durch. den Krieg ſo. unendlich viel gelitz ten, daß man es für völlig erſchöpft halten mußte; das bei gab es Anforderungen ohne Ende, Frankreich forderte die Zahlung einer großen Kriee ges- Contribution ,, die franzöſiſchen Truppen in..den Oder.- Feſtungen. ihre Verpflegungen, viele entlaſſene Militaix- Perſonen und Civil- Beamte Lebensuntexrhalt, die Staatsgläubiger ihre rückſtändigen Zinſen, die Mi- norennen die Rückgabe der ausgegebenen. Depoſiten- Gelder ,. der Krieges- Miniſter. die- Anſchaffung, neuer Krieges=Vorräthe. Wo. follte alles Geld hergenommen werden., um, dieſe verſchiedenen Anſprüche zu befriedis gen, da, die geringe, Fruchtbarkeit des preußiſchen Lanz des,„und die niedxige Stufe, guf. der„dex A>erbayu. in 3 den meiſten Provinzen ſtand, nur wenige Hälfsquellen gewährten.| Verwiekelter noch als die Finanzen des Staats wa- ren die inneren Verhältniſſe, und nur große Umſicht, viel Zärtheit, verbunden mit beſonderer Willensſtärke, waren im Stande, ſie zu ordnen. Bis zum Jahr IT 808 hatten ſich die früheren Cinrichtungen des Staats ganz in den alten Formen erhalten, wie ſie uns von dem vorigen Jahrhunderte überliefert waren 3 allein die Zeit erwies die Nothwendigkeit, manche der beſtehenden Inſtitutionen zu ändern, wie denn auch ſchon unter der Verwaltung'des Miniſters Stein der Anfang ge- macht war; allein ſtatt den gordiſchen Knoten zu löſen, hatte man bereits begonnen ihn zu zcrhauen. Es blieb daher unter dieſen Umſtänden dem Kanzler keine Wahl übrig; denn ſtehen zu bleiben, oder das Alte zurück zu rufen, war unmöglich. Sollte aber die neue Ordnung der Dinge das Wohl - des Staats begründen, ſollte dadurch ein ſicheres Fün- dament auch für dieZukunft gelegt werden; ſo mußte der Geiſt der alten Inſtitutionen bewahrt werden, in denen tiefere Weisheit lag, als ſo man- -mößigere Kopfſteuer eingeführt, auch wurden die kleinen Städte dem Lande gleichgeſtellt,; **) Im Februar I81I9g wurden die frühern hohen Abgaben von Branntwein und von jBraumalz jedoch wieder auf dem Lande eingeführt, und zugleich eine Ab- gabe auf die Tabacksblätter und den Weinmoſt gelegt. Die Abgabe von dem Branntwein wurde durch den Blaſenzins erhoben; ſie trifft die Gutsbeſiter ſchr hart, welche früher das Recht zu brennen beſaßen. Demohngeachtet gehörten dieſe Abgaben zu den beſ- fern, wenn nur das Einſchwärzen des Branntweins ge- hindert werden konnte, Die Erhebung der Steuern durch den Blaſenzins iſt ſchr verwerflich. Dieſex / *) Durcsblätter. 9 Wettſtreit, wey in der ſchnellen Fabrikation den andern übertreffen werde, dieſe anhaltenden Arbeiten bei Tag und bei Nacht, und die daraus für die Geſundheit ents ſpringenden“ Nachtheile, die darin gelegte AnloFung „zur Defraude, die davon unzertrennlichen Chikanen, machten dieſe Beſteuerungsart höchſt verwerflich, auch würden== wenn ſelbige länger gedauert hätten=- die großen Brennereien die kleinen ganz unterdrückt ha- ben. Die ganz kürzlich dagegen eingeführte Maiſch- peſteuerung iſt ohnſtreitig viel zweckmäßiger, inzwi- ſchen ſind die Sake zu hoch, und können auf Io Pfen- nige ſchr füglich ermäßiget werden, ohne daß die Staats- kaſſen gegen bisher einen Ausfall erleiden würden. Dergleichen übergroße Säße zwingen immer die Gewerbetreibenden, auf die Defraude zu ſinnen, denn wer geht gern freiwillig zu Grunde? Was die Brau- Malz- Beſteuerung betrifft, ſo gibt es feinen denkbaren Grund, warum Familien unter zehn Perſonen frey, und über zehn VYerſonen den Ab- gaben untezxworfen ſeyn ſollen. Nicht die Abgabe allein iſt es, die hier drü>t, ſondern weit mehr die Ungerech- tigkeit des Grundſaßes. Die Abgabe von Tabacksblättern ift eine ſchwere Grundſteuer, die den Einzelnen auferlegt iſt. Sonſt ward die Abgabe von dem Conſumenten entrichtet, als der Kaufmann ſie bezahlte; jekt trägt ſie der Täba&spflanzer allein. Warum ſoll denn ir- gend ein einzelnes Gewerbe allein beſteuert werden? 10 *) Im Auguſt 1820 wurden die bisherigen Kopf- ſteuern aufgehoben, desgleichen die Conſumtionsſteuern auf, dem Lande vom Schlachtvieh und, in den kleinen und mittlern Städten, die bis zu dieſem Zeitraume be- ſrandene Schlachtſteuer und Mahlacciſe.; Die hier angeordnete Klaſſenſteuer gehört ohnſtrei- tig zu den Abgaben, von denen zwar zu bedauern iſt, daß ſie ndöthig waren, die übrigens aber viel einbringt, und wenig Erhebungs- Koſten verurſacht. Zu tadeln iſt, daß zu wenig Klaſſen ſind, und daß alle Provinzen gleich behandelt werden, wodurch die ärmern Provinzen überlaſtet ſind. Der reichſte Beſitzer vieler Güter in den beſten Ge-2 genden des. Staats, der 50 bis 80000 Thaler Revenuen hat, und der Pächter eines Guts in Pommern, wel- %*), Am zten Auguſt 1820 erſchien eine Cabinetsordre, die Ein- richtung des Abgaben- Syſtems betreffend. In ſelbigem wird beſtimmt die Einführung einer Klaſſenſteuer für das Land und die kleinen Städte, Die Einwohner ſind in 5 Claſſen eingetheilt» Das Haupt der Familie giebt für ſich und die Seinigen in der erſten Klaſſe jährlich 45 Thilr.- in der 2ten 24 Thir,, in der' Nen 12 Thlr. in der aten 4 Thir., und in der z5ten 2 Thlr. In dew groſ: ſen Städten wird ſtatt der Klaſſenſteuer eine Mahl- und Schlactacciſe entrichtet. Endlich wird in dieſem Geſeß die Gewerbeſteuer allgemein eingeführt, aber“ nur folgende(Gewerbe bleiben der Steuer verpflichtet. Der- Handel, die Gaſtwirthſchaft, das Verfertigen von Waa- xen auf den. Kauf, der Betrieb von Handwerkern mit meh- zxeren Gehülfen, der Betrieb von Mühlenwerken, die Gewer- be der Schiffer, der Fracht: und Lohnfuhrleute- der Pferde: verleiher, und diejenigen, die von herumgehenden Perſonen bes trieben werden, E"- WEINE SEES 11 er da in Pacht hat, wo 9 M. Morgen kaum ſo viel bringen, wie bey Magdeburg ein oder zwey Morgen, giebt eben ſo viel, als der reiche Bauer an den Ufern eines: geſeg- neten Stroms, der 50 M. Morgen beſitzt. Von dieſen und ähnlichen Vorwürfen muß ſich das Geſeß noch frei machen, ſo wie davon, daß der Handwerker und Ta- gelöhner in den aymen Provinzen eben ſo viel zahlt, ' wie ſein Gewerbsgenoß in einer Gegend; wo Tagelohn und Handwerkslohn weit höher iſt. Bey der Conſum= tionsſteuer gleicht ſich das noch gewiſſermaßen aus, der Arme beſchränkt ſeine Conſumtion, und hungert es ſich ab, jedoch bey der Klaſſenſteuer kann er dies nicht thun, und dadurch wird ſie drüFend, wenn die Vertheilung nicht mit BerüFſichtigung der Gegend geſchieht. * Während die innern Conſumtionsſteuern von den erſten Lebensbedürfniſſen dieſe Veränderungen erlitten, war inzwiſchen ſchon im Juli 1312 der Gold- und Sil- berſtempel aufgehoben, und im März 18x14 die Luxus- ſteuer, beide, weil ſie wenig einbrachten. *) Die Verordnungen vom Juni t816 und vom Mai 18x18 verwandelten nun förmlich das ganze Ab- gaben- Syſtem.. *) Den xx1ten Juni 1816. wurden in den alten Provinzen der Monarchie ſämmtliche Waſſer-, Binnen- und Provinzial«Zölle aufgehoben; um den innern Verkehr zu erleichtern 3. dagegen die Eingangs- Zölle der Flüſſe nac<ß dem Oder Tarif erhöht, Den 26ſten Mai 1818 erſchien das Geſes über den Zoll und die Verbrauchſteuer von ausländiſchen Waaren, und über EZ; Sie höben alle Waſſer-/ Binnen- und Provineial=' Zölle auf und ziehen um den Staat, auf deſſen vielſei: ger Grenze, eine Zolllinie, an welcher diejenigen Ge- fälle entrichtet werden müſſen, die ein ganz veränder- ter Tarif näher beſtimmt.? Es ſcheint hier ndthig zu ſeyn, etwas über den Ein- fluß und über die Nachtheile dieſer Geſetze zu reden. Der Verfaſſer des Buchs? die Verwaltung des Staatskanzlers, lobt ganz ungemein die ſtü&weiſe Ein- führung des neuen Abgabe- Syſtems. Mir ſcheint hier- in kein Vorzug. zu liegen; denn offenbar hat ſelbiges mehrere Nachtheile gebracht." Dig Staatskaſſen muß- ten ohnfehlbar während einer allmähligen Ausführung große Ausfälle haben, woraus ſich wahrſcheinlich auch den Verkehr zwiſchen den Provinzen, nebſt einer Zoll- und. Verbrauchsordnung, und einer Verordnung über die tranſito- "riſchen Beſtimmungen in Abſicht des innern Verkehrs und der RNachſteuer von ausländiſchen Waaren. In dieſem Geſeß wird um den Staat eine Zolllinie gozo- gen, und die Beſchränkungen des freien Verkehrs zwiſ, die man auf die Beſetzung ſo weitläuftiger Grenzen verwandt hat, können wahrlich nur dann Entſchuldigung verdienen, wenn dadurch große Zwecke erreicht werden."Das ſcheint aber gegen- wärtig noch nicht der Fall zu ſeyn, denn ſehr wahrſchein: lich bringt die Arciſe'nach Abzug der Koſten verhältniß- mäßig wenig ein. Die Nothwendigkeit, das Land mit hzeuen Abgaben zu belaſten/ und die. neuen Anleihen, ſcheinen dies zu beſtätigen. Sehr unrecht hat man gethan, die Abgaben von Zu&ker, Kaffee,'Wein u: ſ. w. zu ermäßigen. x Warum iſt dies geſchehen? Unſere theoretiſchen Finanziers be- hauptenz es werde weniger" contrebandiret', wenn es weniger lohne; dies iſt aber nur unter der Bedingung wahr, daß es überhaupt nicht mehrt lohne zu betrügen. Allein die Abgabe iſt immer noch ſo bedeutend, daß das Contrebandiren der Mühe werth bleibt, und daher'hat dies Gewerbe nicht aufgehört; es iſt nur ſchlechter geworden; dies Schiſal aber theilt es mit ollentübrigen. Wenn es aber'auch'gegründet wäre, daß durch die Verminderung der Aeciſe von dieſen Gegenſtänden wirklich die Defrauden gemindert werden, ſo hat fie dägegen den“ großen Nachtheil, daß Zucker und Kaffee und ähnlicheArtikel nun- mehr eonſumirt werden, wie vorher, weil ſie wohlfeiler geworden ſind, und daß nur-noc< mehr Geld außer M“ gebet, als früher. Ich berufe mich auf jedöfHausvater, ob nicht mehr von den Sachen gebraucht wird, wenn ſie wohlfeil, als . ) ' L5 wenn ſie theuer ſindz und beweiſet nicht die/große Ver- mehrung der. ZukerbäFer und Anffechſiſt in Berlimp daſſelbe? Ein anderer großer Zwe, der durch die Grünibe- ſezung erreicht werden: könnte, iſt, daß unſere inlänz diſchen Gewerbe mehr gegen'das Ausland geſchützt wers den könnten, indem. man die Einfuhr fremder Waavew ſtärker belegte. Wie die,Lage des Inlandes: zum Aus» lande-jeßt iſt, ſo geht alles;zu Grunde, der-A>erbau, alle Gewerbe, mit ſammt dem Handelz2, Alle: öſtlich von der Hauptſtadt gelegene Stamm=Provinzen theis' len daſſelbe Schickſal, und die Urſache liegt:z"außer iw den hohen Abgaben, hauptſächlich in den; fehlerhaften ſtaatswirthſchaftlichen Grundſäßen, die wir angenom= men haben. Der preußiſche Staat, der:callenthalbem das Ausland nahe hat, ſteht jetzt gegen alle ſeine, Nach barn, die frei, oder gegen eine unbedeutende Abgabe auf ſeinen Märkten erſcheinen, in den: unglüFlichſten Verhältniſſen 3 denn ſie alle produciren wohlfeiler, wie wir, weil ihr Boden, ihr Klima beſſer, weil die gute Kultur des AFers bei ihnen älter iſt*)„weil ſie kein Steuerſyſtem- haben, das die ganze Laſt: der: Abgaben bloß auf die Producenten wirft; weil ihr&-Geſetgebung und alle Einrichtungen nicht ſo veränderlich)-geweſen ſind, wie. bei uns; weil. ſie nicht den Cie a allein R. 2024 4); Hier„iſt. von den, Propinzun Mark, Minn WENN „und einem Theil von Sclefien die Rede z einzelne„Theile der “ätten. Provinzen ſind ſo fkultivirt, wie es nür die Nachbar . ſtaaten. ſeyn können,)) j| x GC Zie Je CES AI 16 in dem Grade begünſtigen, daß der Geldverkehr der einzige einträgliche bleibt und endlich, weil ſic kein ſo theures Adminiſtrationsſyſtem und Perſonal beſißen. Da gewiß die größte Zahl der Einwohner des Lan- des. dem beipflichten wird, was ich hier ſage, ſo glaube ich: nicht nbthig zu haben, die falſche Theorie theoretiſch noch weiter zu bekämpfen; auch ſind viele achtbare Staatsbeamten ſchon längſt in Oppoſition gegen dieſe neue Lehre geweſen, ufd ich glaube, das Land kann mit Zuverſicht erwarten, daß der Kanzkey unſerm Monarchen in dieſer Hinſicht, recht bald. entſcheidende Schritte vorſchlagen wird. Ehe ich jedoch dieſen Gegenſtand verlaſſe, muß ich noch über unſern Scehandel einige Worte ſagen. Frü- Hex verdienten die Küſtenländer des preußiſchen Staats viel Geld mit Schiffsfracht; jekt ſtehen wir in ſo nach- theiligen Handelsverbindungen mit dem Auslande, daß unſere Schiffe in den Häfen verfaulen, und wir nicht einmal ſelbſt die Fracht von den Producten verdienen, die wir vom Auslande beziehen, ſondern auch dieſen Gewinnſt dem Auslande überlaſſen müſſen. Sollte es denn nicht“möglich ſeyn, Engländ und die anderen Seemächte zu bewegen und zu nbthigen, uns dieſelben Rechte einzuräumen, die wir ihnen zuge- ſtehen? Sollte nicht wenigſtens der Zoll aufgehoben oder vermindert werden, den preußiſche Schiffer ent2 richten, die-zus- und einlaufen? Sollte es denn nicht möglich ſeyn, unſerm Handel auch die Schifffahrt nach dem Mittelländiſchen Meere zu öffnen 2"Ich glaube, 37 50,000/Thäler jährlichen Tribut koſtet es Schweden; und eben ſo viel Dännemarf, um von den Raubſtaa- ten die Sicherheit der Flagge zu erkaufen, und Preußen ſollte nicht eine ſolche Summe daran zu wagen haben? Die preußiſchen Häfen frieren im Winter zu; da nun 1.die preußiſchen Schiffe weſtlich ſich nur bis zum Canal wagen dürfen, ſo iſt die Zeit, wo die preußi- ſchen Schiffer fahren, ſehr kurz. Würde ihnen aber der Anbli>k der afrikaniſchen Küſte nicht verderblich, ſo könnten ſie auch den Winter durch Fracht finden, könn» ten eine Ladung Weizen nach*Catalonien bringen„-und wären mit der Rückladung im. Frühjahr eben ſo bald wieder in der Heimath, als ſie jekt der Jahreszeit wegen nur irgend auslaufen können. In dem Vorhergehenden: habe ich nun die Haupt» veränderungen genannt, die das Abgabe- Syſtem in den leßten IT Jahren erlitten hat. Das Edict vom 17ten Januar-1820 lehrt uns; daß der Bedarf mit, Einſchluß von 24 Million zur Til- gung der Schulden 50,863,1 50 Thaler-fordert. Da nun vor dem Kriege von 1806, wo der Staat im Bes ſitz eines-hlühenden Handels war, die Abgaben ohnges fahr 37 bis 38 Millionen einbrachten-( Beſſelt. gibt zwar 40 Millionen an, die Angabe iſt jedoch viel zu boch), ſo werden jetzt, obgleich das Heer viel kleiner iſt, 12,863,150 Thaler mehr gebraucht, als. damals. Welche Klaſſe der Einwohner dieſe Vermehrung der Auflagen beſonders trifft, halt nicht ſchwer, finden, zZ 18 - Der ganzen Claſſe der Rentiers, der ſich im Wohl- ſtande befindenden Staatsbürger mit Einſchluß aller derer, die im Dienſte des Staats oder von Privatpex- ſonen ſich einer bedeutenden jährlichen Einnahme er- freuen,"iſt. durch die Verminderung der Aceiſe vom Kaffee, Wein, Zu>er; durch die Aufhebung der Sil- ber-, Juwelen= und Lurusſteuer, ein bedeutender di- recter Erlaß der Abgäben zu Theil geworden, und ein indirecter durch die Erlaubniß der Einfuhr fremder Ma- nufactur- Waaren, welche gegenwärtig ſehr viel wohl- feiler ſind, als ehedem./ Den Bewohnern der großen Städte; die Hhupt- ſächlich die oben benannten Claſſen bilden, ſind außer- dem eine Menge kleiner Abgaben, namentlich die Thor- Yceiſe 2e. erlaſſen', die zuſammen ohne allen Zweifel mehr, als die Erhöhung des Stenipels ,' des Salzprei- ſes und der Gewerbeſteuer beträgen, welche als neue Abgaben der Städter betrachtet werden können. Eben dahin ſcheint noch'die Verordnung vom 23ſten Juni zu gehören*), durch welche die ſtädtiſche Acciſe erhöhet wird; allein der Ueberſchuß fließt nicht in die Staatskaſſen, ſondern wird zum Beſten der ſtädtiſchen Commune und zur Bezahlung ihrer Schulden verwandt; dies iſt daher keinesweges als- eine Vermehrung ihrer Ab- gaben zu betrachten, ſondern offenbar eine Begünſtiz gung auf Koſten des Landmantnes.- Dieſen führt nämz BEESE -*) Den 23ſten Juni 1814 ward die ſtädtiſche Acciſe. auf mio rere Objecte erhöhet, jedoch nur zur Unterſtügung der ſtädti: ſchen Commune,: 39 lich ſein Gewerbe häufig in die Stadt, io er'nun, in- dem er etwäs'verzehrt, für die.Stadt mit ſteuern muß. Ueberdies ſind es ja.des Landmannes Producte,“die beſteuert werden. Nie habe ich gehört, daß ſie irgend? wo, in Folge dieſer Erhöhung, theurer geworden wä- xen. Der Landmann zahlt alſo auch hier wieder für die Städter, In den Provinzen gab es an den ehemaligen groz ßen Militairſtraßen Etappen- Plätze, die aus zwei oder drei zuſammengelegenen Dörfern gebildet waren.- Die Beſitzer und Einwohner dieſer Etappen- Pläte haben durch die Einquartirung eben ſo viel gelitten; wie anz devwärts die Städte, die in gleicher Lage waren 3 dieſe äber erheben nunmehr Acciſe zur Bezahlung ihrer Schul- Hein wozu jene noch mit beitragen, und ſelber beinahe nichts erſeßt erhalten haben: denn nur die kleinere Augs- lage der Lieferungen iſt erſeßt 3- die erdrüEende Natu- ral- Einquartirung iſt gar nicht, oder ſo gut wie gar nicht vergütet.: Die Schulden der Städte ſind jekt zum Theil ge- tilgt; viele'der Grundbeſitzer, die außer Stand ge- kommen ſind, ihre Schuldner prompt zu befriedigen, werden durch hohe Proceßkoſten völlig zu Grunde ge: richtet, und obenein wirft ihnen gleichſam zum Spotte vor: wenn ſie prompter ihre Schuldverpflichtungen er- füllt hätten,“ würden ſie ihr jeßiges Schi>ſal nicht er- fahren haben. Den Bewohnern der mittlern und kleinen Städte iſt durch den Erlaß der Conſumtionsſteuern und die 2*» 20 Verwandlung dieſer Abgaben in vine“Claſſenfteuer“ eine bedeutende Erleichterung,. dem Landmann dagegen die gänze Laſt der neuen Abgaben, ſo wie dex Erlaß ,: deu die übrigen Claſſen der Staatsbürger erfahren haben; aufgebürdet, und ihm keine weitere Erleichterung gez worden als daß die Natural- Getreide= Lieferung für das Heer und die Verpflichtung zum ar rpg aufge: hört haben.; .Zu leßterm waren jedoch nur die Bautern„ und bez ſonders die Domainen- Bauern, verpflichtet; dieſe Er- Leichterung Fann daher auch nicht als eine“ allgemeine; ſondern nur als eine partielle betrachtet werden. 4 Was nun die Wirkungen des Steuerſyſtems auf 1? den innert Zuſtänd des Landes betrifft, ſo: ſind ſie nur zurſichtbar.- Wir finden, daß der-Landmann verarmt, da es ihm unmöglich iſt, auf den eignen, Märkten mit den Ausländern, die weniger, Akgaben zahlen,„und ein geſegnetes Land bewohnen, Preis zu halten z;--daß der Fabrikant und der Kaufmann ſcin Schikſal theilen, und'daß nur Cine Claſſe von Einwohnern reicher wird, nämlich die Geldbeſizer, welche den Staat und das| ganze Land durch den höhern Zinsſaß gleichſam in Con- tribution erhalten. Zu dieſem kömmt noch, daß jahr- Jich eine größere Summe baaren Geldes aus'dem Lande geht, indem die Verringerung der Abgaben vom Zucker,, Kaffee 2x: die Conſumtion dieſer Artikel vermehrt; die Seiden- und Baumwollenzeuge aber, die aus denſelz ben: Gründen wohlfeiler ſind, als ſonſt, bis in die uns terſten Claſſen als Mode ſich verbreiten, und die einz 21 heimiſchen Leinen- und Wollenzeuge verdrängen, und noch mancherlei andere Umſtände dahin wirken, das Geld aus den Preußiſchen Staaten zu vertreiben, von deucy wir doch uns ganz und gar abhängig gemacht haben. Ehe ich jedoch das Steuerſyſtem ganz verlaſſe, muß ich noch auf eine Steuer zurüFkommen, die ſo oft ge- nannt wird, und mit der man cwig dem Grundbeſitzer droht,' und ihm dadurch, indem man ſeinen Credit unz tergräbt, ſchon einen Theil des Schadens wirklich zus fügt, den' die Einführung haben würde. Ich meine die Grundſteuer, die alle Feinde der großen Grundbeſißer und der Ruhe-im Staate ſo ſehn- lich wünſchen; ſie alle'führen das Geſe: vom 27ſten Detober 1 3x0 an, und ſagen, damals habe der König die Einführüng verſprochen. In dem Geſeke heißt es „„auch ſolle die Gleichſtellung der Grunds- „ſteuern'erfolgen, die jedoch„nur eine „AußSgleichung und niemals eine Erh6s- „hung ſeyn ſollte“; als Bewegungsgrund wird die Gerechtigkeit angeführt, die in einer vbl- ligen Gleichheit beruhe. AYuch wird verſprochen, daß die Königlichen Domainen die beſtehen- den Gruündſteuern mit übernehmen ſollten, Der hier erwähnte Inhalt zeigt nun ſchon, daß nicht, wie Herr Benzenbevg und'der Anti- Be n»- zenberg uns gern einbilden möchte, von der Er- höhung der Grundſteuer die Rede iſt, ſondern" einzig von der Gleichſtellung derſelben, mit der feſten. Zuſicherung, daß ſie ohne alle Erhöhung geſchehen ſolte.. 22 Warum? fteht zugleich niedergeſchrieben, nämlich, weil die Gerechtigkeit eine Gleichheit fordere, Worte ,- wie dieſe, konnten dem Geſetßgeber wohl entſchlüpfen; ein ſolcher Grundſatz aber konnte-nie zur Ausführung koms=, men, denn die Gerechtigkeit fordert Sicherung des Ci- genthums, niemals Theilung mit dem, der. weniger hat. Eine ſolche Theilung geſchicht ja aber offenbar, wenn einer die Schulden eines andern übernehmen ſoll, und: daß die Grundſteuer nichts weiter, als eine auf das Grundſtü> übernommene Schuld iſt, werde ich gleich zeigen).: In frühern Zeiten beſtritten die Fürſten ihre Aus: gaben aus) ihren Domainen. Als aber vermehrte Bez dürfniſſe auch vermehrte Einnahme erforderten, nahz men ſie ihre Zuflücht zu ihren Ständen, von denen ſie Geldbewilligungen erhielten, und zwar von jedem: ein- zelnen Stande auf eigenthümliche Weiſe und nach, be- ſondern'Uebereinkünften.> Bei: ſolchen Gelegenheiten vereinigten ſich: die Ritter, um ihre) Steuerfreiheit zu bewahren„“ mit den Fürſten dahin; daß ihre Bauern jene Abgaben entrichten ſollten, und verſprachen, dieſe dagegen ſchonender zu behandeln, ſo daß die: Bauern - immer fähig bleiben ſollten, obige Abgaben zu leiſten, die. ſie. zugleich diejenigen Gutsbeſiker- aber, die nicht ſo viel Bauern beſaßen, dieſen die Steuern auflegen zu können, oder diejenigen, die ſpäz, terhin Bauernhöfe einzogen, übernahmen entweder gleich oder nachmals einen Theil der Steuern auf ihre 23 Rittergüter„und, machten dieſe dadurch. contribuabel» oder zu einer Grundſteuer verpflichtet. Solite-nun, wie jenes Geſeß es beiläufig andeutet, derjenige, welcher ſeine Steuern dadurch abgekauft hatte, daß ex dagegen ſeine Bauern dem Landesberrn zur Beſteuerung überlicß, jeßt dem andern, der entz weder keine Bauern hatte, oder die von ihm eingezoge- nen vertreten muß, gleichgeſtellt werden, ſo würde hierin die größte Ungerechtigkeit liegen. Ich. überlaſſe die Entſcheidung dem unpartheiiſchen Leſer, und freue mich, daß ſich die Gelegenheit gefunden hat, ſich öffent- lich über dieſen Gegenſtand auszuſprechen, und den Irrthum zu berichtigen. Wie weit übrigens in jenem Geſetz eine mißverſtandene Gerechtigkeit geht, beweiſet die hier vom Könige gemachte Zuſicherung, daß auch die Domainen die Grundſteuer mit übernehmen ſollten. So trefflich' die Abſicht iſt, ſo verderblich wirken dergleichen Aeußerungen auf den großen Haufen, Es werden dadurch unrichtige Begriffe von den Verhaältniſ- ſen des Monarchen zum Volk erregt, welche Anmaßun- gen erzeugen, die demnächſt keine-Grenzen kennen. Denn, iſt der Monarch mit ſeinem Eigenthum dem Staate zinsbar, ſo'iſt er, der Idee nach, dem Staate untergeordnet; ſo wird man bald zu beweiſen wiſſen, daß der Monarch nicht das Oberhaupt ſey, ſondern nur der erſte Grundbeſißer, erſte Staatsbeamte, U- ſ. w. So bedeutend nun auch, wie ich gezeigt habe, die Abgaben ſeit dem Jahre 13x10 geſtiegen ſind, ſo reich» men ne IREE-- Ne Ek 0 RE REEHEPEELR GEREDE amen.<0rgl On N mE Ender ZIE AEEREGEHEE Bonztanenmer geen fen dieſe dennoch bei weitem nicht hin, um die Ausga- ben zu de>en ,- ſondern der Staat mußte auf andere Weiſe ſuchen den Ausfall zu erſeßen. Daher, wurde im October 1. 8x0 der Verkauf der Domainen beſchloſſen; auch gleichzeitig die Sekulariſirung der geiſtlichen Güs- ter, Domſtifte und. Ritterorden verordnet, Zur Rechtfertigung wird das Beiſpiel anderer Läng der angeführt*).; ie i *) Ueber die Seculariſirung dev geiſtlihen Güter 2c. 1äßt ſich eigentlich ſehr viel und ſehr wenig ſagen. Daß Verlegenheit den Einzelnen oft zu Handlungen beſtimmt, die nur ſie ent- ſchuldigen kann, ift bekannt, ſo auch die Staaten. Daß aber der angeblih gute Zwe nicht die Mittel heilige, iſt wohl außer Zweifel/ auch iſt es wenigſtens nicht öffentlih bekannt geworden, daß Schulen u, ſow. davon dotirt wären. Die Gerechtigkeit der Maaßregel ſucſichten; theils Fonnten leicht die vielen Domainen, die der Preußiſche Monarch beſaß, noch ein AnloFungsmittel mehr für Napoleon werden, Preußen wegzunehmen.* Wenn aber eine Menge von ſpätern Verordnungen immer noch von dem Verkauf der Domainen reden; wenn in der Verordnung vom 1gten März 1819 geſagt wird, daß die Domainen in den wieder eroberten und neu ex? worbenen Provinzen von dem durch den König Friedrich Wilhelm geſtifteten und dürch das Hausgeſch vom T7ten December 1 308 beſtätigten Thron- Familien- Fideicemmis ausgeſchloſſen bleiben ſollten z; wenn end- lich in dem Edicte vom I7ten Juni 1820 nun ſämmt2 liche Domainen, mit Augnahme eines Theils, der be- len Geſinnungen des Kanzlers, gewiß nicht unbedeutende Entſchädigungen bewilligt. Ein wichtiger Umſtand aber darf hier nicht vergeſſen werden, Indem nämlich der Monar< früher au ſo ſich dazu eignet, in Ae>er und Wieſen verwanz delt und auf gleiche Weiſe vererbpachtet würde, und der Kdnig reſervirte ſich nur die vorzüglichſten Domai- nen zur Zeitverpachtung, und die ſchönſten und zum Abſatz am beſten gelegenen Forſten zur eigenen Ver- waltung, üm den Bedarf des Landes einigermaz- Ben zu ſichern, und vertraute die Sorge für beide nicht großen Collegten, ſondern einigen practiſchen Män» nern an, dann. würde dieſer Vorwurf bald beſeitigt ſeyn, und der Tilgungsfond könnte ohne neue Abgg= ben bedeutend vermehrt werden. Obgleich nun durch den bis jetzt erfolgten Verkauf dek Domäainen eine nicht unbedeutende Suninie aufger bracht ward, ſo de&te dieſe doch immer nicht den durch den Krieg und die nachherigen Zeitumſtände veranläßsz ten Bedarf," ſo wenig als die im Jahre'1 312.5äuS8ge= ſchriebene Vermögenſteuer von 3 pro Cent, und die gleichzeitig geforderte Perſonenſteuer), 5), oder die von Frankreich zurügezahlte Contribution, ſondern es häufte ſich in einem kurzen Zeitraum eine Schuld, welz c=uil truma 54 ein dritter übrig hat, ſo haben ſich die Menſchen geei- nigt, irgend einem Dinge einen ſo allgemeinen. dauern? den Werth zu geben;- daß jeder, der etwas abzulaſſen hat, dieſen Werth anerkennt, und das Seinige dage- gen bereitwillig vertauſcht, weil er die vollkommenſte Ueberzeugung hat, er könne durch ſelbiges wieder je- des Bedürfniß und zu jeder Zeit befriedigen. Zu einem- ſolchen allgemeinen Austauſchungsmittel ſind nun durch eine gewiſſe Zärtlichkeit der Menſchen die edlen Metalle gewählt, und dieſe Wahl iſt durch die dieſem Zwe ſo angemeſſenen Eigenſchaften der Metalle: ganz gerecht: fertiget 3 denn die Unzerſtörbarkeit derſelben, ihre Theil: barkeit, ihre Seltenheit, und die Bequemlichkeit, ſic fortzuſchaffen, erfüllen alle Anforderungen,.die man an ſie zu machen hat.; In frühern Zeiten und bis dahin, daß uns die eue Welt ihre Gold- und Silberquellen öffnete, wurde das Metallgeld vorzüglich zum Welthandel gebraucht: Dagegen hatte man fich zu dem innern Verkehr in den Ländern, und beſonders zur Betreibung des AFerbaues, über andre Ausgleichungsmittel geeiniget; man be- zahlte ſich Dienſte durch Land, überließ die Benu- gungen von Grund und Boden, von Secn und Tei- chen gegen Naturalpächte, mit einem Worte, man vergütete ſich Leiſtungen jeder Art durch Gegenleiſtunz gen*)z und wenn gleich dieſe Art des Austauſches drt ln *») Der große Grundbeſißer bezahlte ſeine Frohfen mit Land z “inde mir Speiſe und ſeibſtgemachter Kleidungz die ihm nöthigen Handwerker mit Korn, mit-Holzz"' den Lan-: 35 nicht ſo' bequem war,«ls wenn man ſich dabei des Mes kallgeldes bedient hätte, ſo gewährte ſclbige auf der andern Seite wieder den großen Vorzug, daß die Wohlfahrt auf Mitteln beruhete, die ſich „Jederzeit in den Händen derer befanden, die ſie brauchten. Plötzlich erſchien nun das Metallgeld in großer Maſſe auf dem europäiſchen Markt, und veränderte die Geſtalt der Dinge." Die Beſitßnahme der neuen Welt durch die Spanier und Portugieſen machten dieſe Bölker gleichſam zu den Rentiers von Europa, die ſich nun nicht weiter ſehr bemühten, ihre Bedürfniſſe ſelbſt zu gewinnen, ſondern einen großen Theil derſelben von den andern Nationen erkauften. Der vermehrte Abſaß aber, den dieſe dadurch für ihre Producte fanden, erweEte bei ihnen einen großen Kunſkfleiß, und entwielte in dem Innern der Stag2- ten eine Menge Kräfte,' die bis dahin geruht hatten. Während ſo der vermehrte Abſaß der Erzeugniſſe und die vergrößerte Thätigkeit den Wohlſtand befürder- ten, ſammelte ſich in den verſchiedenen europäiſchen Staaten inimer mehr Geld an, welches einen ſteigen- den Werth aller übrigen Dinge bewirkte, aus dem wies der ein Reichthum entſprang, der die Geſtalt eines großen Theils der Erde veränderte, die Wüſten Ruß- desherrn dur< perſönliche Dienſte 5 den Seelſorger mit Lebens- mitteln aller Art; Bei den Städtern hatte ſich für manche Fälle ein ähnliches Verhältniß gebildet, o9gleich ſie immer mehr mit dem- Gelde zu thun hatten, als der Landmann, 53* MIEDEN SINE EE a ene“SIEGE 75- lands und die Wälder von Norvamerika bevölkerte, und auf den Ocean ſchwimmende Städte zauberte, die alle Theile der Welt mit einander in Berührung brachten.] So wohlthätig aber die Vermehrung des Metall? geldes auf den A>erbau, auf die Bevölkerung und den Handel wirkte," ſv fehr ſelbige auch zur Vermehrung der Annehmlichkeiten des Lebens beitrug, beſonders nachdem man gelernt hatte, durch Papier daffelbe zu repräſentiren und alſo noch zu vervielfältigen; ſo ges fährlich ward doch dieſe Vermehrung für die Ruhe von Europa, Durch cben dieſen wachſenden Reichthum der Staaten. nämlich wurden dem Europäer nicht blos vie Erzeugniſſe aller Theile der Welt zum täglichen Bedürfniß, ſondern es ward auch möglich, ſtehende Heere zu halten, den kräftigſten Theil der Nation unz "thätig zu laſſen, mit ungeheuren Maſſen lange Kriege zu führen, und die Zukunft im Voraus zu verzehren. Wie gefährlich indeſſen alles dieſes in ſeinen Fol? gen ſchon war und werden konnte, ſo waren doch in- zwiſchen viel nachtheiligere Dinge geſchehen. Man hatte nämlich, der Bequemlichkeit und des augenbli>li- chen Vortheils wegen, die meiſten jener Einrichtungen vernichtet-, und zum Theil(wie bei uns) ſelbſt verbo- ten, durch welche die Vorfahren, unabhängig vom Gelde, die Verhältniſſe des zahlreichſten und unent: behrlichſten Theils ſeiner Bewohner== der Acker- bauer== ſicher geſtellt hatten, und übergab ſich in gallen Verhältniſſen und die ganze Wohlfahrt der Völ- 37 ker einam Metalle; deſſen Haupkquellenicht bei uns einheimiſch iſt, und welches nur die Trägheit einer an- dern Nation uns: für. einige Zeit hatte zufließen laſſen. Kaum aber war dies geſchehen ,:-ſo vergaß man, welche. Wichtigkeit man dem Metalle beigelegt. hatte, und verſchwendete„es rückſichtslos. Wie es aber. den„Menſchen immer gehet, wenn ſie ſich einen Götzen erwählen, und ſich ihm. übergeben, ſo auch: jekt.„Denn nachdem ſie ihre Bedürfniſſe ver-: größert und bereits die Zukunft verzehrt haben, und" nachdem der ganze innere:und äußere Verkehr der Staa- ten allein dem Gelde übertragen und ,auf dieſes baſirt iſt, vermindert ſich auf einmal die Zuſtrömung aus den Gold- und Silberminen, der neuen Welt„1. die Ausſird> mung aber für die uns zum Bedürfniß gewordenen Erz; zeugniſſe der Oſt- Welt„dauert fort 3...und zugleich ver: theilt ſich das zurüFbleibende Geld: immex mehr in alle Eleine Wirthſchaften. von: Curopa. Die nachtheiliz gen. Folgen hiervon ſind nun„+: daß dem bei uns zurügebliebenen Gelde"mehr Geſchäfte. Übertragen ſind, als es verſchen kann; daß ihm eine ſchnellere Reiſe durch die Taſchen der Menſchn zugemuthet wird, als möglich iſt z" und daß ſelbiges durch“ eine ſolche Maſſe von Papier vepräſentirt werden ſoll; daß man? es nur hin und-wieder noch erxfenntz“ wo dieſe Erken- nung aber mangelt, den Repräſentanten verwirft. Nur die-unſerm Zeitalter ganz eigne Kurzſichtigkeit“ erklärt, daß wir erſt jeßt anfangen zu ahnen, worin eigentlich die Urſache der allgemeinen Verwirrung liegt, die ganz Eutopa erfährt, nachdem ſclbige eine Höhe ers reicht hat, die kaum mehr eine Rü&kehr zuläßt. Ohne durch magnetiſche Künſte ein Hellſchender geworden. zu ſeyn, kann man'Europa das Prognoſticon ſtellen: daß, wenn es ſich nicht ſchnell von der Tyrannei.des: Geldes frei macht, wenn es nicht'der Verſchwendung: des Metallgeldes nach Indien und'dem Luxus des Ver- goldens und Silberplattirens Grenzen ſeßtz wenn es nicht die-Beſchäftigung des Metällgeldes! auf alle Weiſe mindert,'durch Anhäufung der Geld- maſſen in Landesbänken die'dem Papier übertragene: Repräſcntation"erleichtert,' die Bedürfniſſe' für» die Heere und für die Verwaltung beſchränkt, und,. ſo: viel es thunlich.iſt ,-zu naturgemäßeren Ausgleichungs= mitteln zurückkehrt; ſo wird Europa ſchr bald die hef- tigſten Convulſionen erfahren, und in dieſen wird es ſeine Civiliſation, ſeinen Kunſtfleiß, ſeinen Wohlſtand, einen Theil ſeiner Bevölkerung, und ſelbſt ſeine Fr ei- Heit einbüßen; denn- nicht durch gewaltſame Bewe- gungen, nicht durch Krieg und Aufruhr, ſondern durch Worte im Frieden geſprochen, befeſtigen oder Fen zen die Völker ihre Freiheit. 0 Um auf das Geſeß vom 27ſten October 4 8x. 0 wies der zurüFzukommen ,' ſo finden wir hier einen erſten Schritt, um die Beſchäftigung des Geldes zu mindern z es bedarf jekt keiner Summen Geldes mehr, um die: Staats- Schuldverſchreibungen zu realiſiren/ ſondern die ehemals dazu erforderlichen Summen fließen jekt: den übrigen Gewerben wieder zu, wo ſieſo unentbehr- 39 lich ſind, ynd wo ſie einen ſo großen. Einfluß auf den Reichthun oder auf die Armuth- des Landes und ſeiner Bewohner äußern.: Wo Geld ſchnſuchtsvoll: geſucht wird, da hält der Wuchcrgeiſt es an ſich, oder die Furcht- es mdge, einmal ausgegeben, nicht zur rechten Zeit wiederfehren, verbirgt esz dadurch vermehrt ſich das Uebel, das Geld wird immer theurer, Arbeit und» Producte immer wohlfeiler; und da dieſe wieder als die Renten eincs Capitals betrachtet werden können, ſo wird in dem Augenblicke, wo die Rente geringer wird, auch. das Capital kleiner, und es ſinket dergeſtalt der Wohlſtand in einer ſtarken Progreſſion immer tiefer und tiefer, So gewiß. dies iſt,- ſo wichtig wird es, auch das jenige Geld, welches jeht noch erfordert wird, die große Maſſe der Schulden aller Grundbeſitzer(in ſofern ſie nicht ſchon in Pfandbriefe umgeſchrieben ſind) einzeln zu realiſiren, dieſer Beſchäftigung zu überheben, und ſelbiges den Gewerben und dem Markte wieder. zuzu- wenden, welches ihrer ſo ſchr bedarf. Ich glaube, daß durch eine ſolche Maaßregel den nachtheiligen Folgen des jezigen Geldmangels ſchr ab- geholfen, und der geſunkene Werth der Dinge bedeutend gehoben) werden kann.) Das größte-Hinderniß' dabei liegt darin, daß die jetzigen Schuldverſchreibungen, mit Augnahme der Pfandbriefe bei den Rittergütern auf baare Zahlung lauten, und. daß alſo eine Einrichtung: getroffen wer- den. muß, wodurch die Gläubiger ,- die ſich. nicht gleich überzeugen können, daß ihr Intereſſe durch dieſe Ein-. xichtung nicht gefährdet, ſondern befördert wird, bez friedigt werden können, welches nicht ſchwer halten Fann, ſobald die größere Maſſe der Grundbeſitzer ſich zu dieſem Zwecke vereiniget, und die Regierung ihrer» ſeits ſie durch Einführung eines verbeſſerten Concurs2 verfahrens unterſtüßt. Da dieſer Gegenſtand viel zu wichtig iſt, um mit wenigen Worten ganz abgemacht werden zu können, und da wahrſcheinlich ganz Deutſchland daſſelbe Be- Dürfniß fühlt: ſo werde ich mir die weitere Ausführung auf ein anderes Mal verſparen, und nächſtens meine Erfahrungen und Anſichten über dieſen Gegenſtand der Prüfung des Publikums in einer beſondern Schrift vorlegen. TD Ueber die innern Verhältniſſe des Landes, ſeiner Bewohner und ihres Eigenthums. In der Einleitung habe ich bereits erwähnt, daß bis zum Jahre 13x10 die Städte beinahe allein die Laſt der Abgaben traf; durch die Darſtellung der Ge- feßgebung über die Finanzen habe ich dagegen nachge- wieſen, wie ſich dieſer Zuſtand ſeitdem verändert hat, und- wie gegenwärtig das flache Land; namentlich in den örmern Provinzen des Preußiſchen Staats, zu 41 ſtark mit Abgaben belegt wird. Dieſes iſt jedoch auch nur in ſofern wahr, als gegenwärtig durch vie äußern Verhältniſſe und durch Fehlgriffe in der Geſeßgebung die Landbewohner leiden, und beſonders den großen Gutsbeſißern in Preußen und Pommern das zum Be- triebe ihrer Wirthſchaft nöthige Geld entzogen wird. Der Staatskanzler hatte es gleich anfangs ſehr wohl eingeſehen, daß er die Erwerbsmittel vermehren müßte, wenn er mehr Steuern fordern wollte, und dahin richtete er nun auch ganz ſeine Geſeßgebung, ohne daß er es jedoch verhindern konnte oder wollte, daß ſich in ſelbige auch manches einmiſchte, was als eine Huldigung der neuen, durch die franzbſiſche Re- volution verbreiteten, Grundſäße betrachtet werden konnte. In wiefern nun der eigentliche Zwe des Kanzlers erreicht, was durch die neue Geſeßgebung wirklich Großes geſtiftet oder eingeleitet iſt, welche Nachtheile aus ſelbiger entſprungen ſind und welche Beſorgniſſe ſie erregt, das wolien wir in möglicher Kürze zeigen. Den 28ſten October x. 8x0 erfolgte ein Geſeß, durch welches der Mahlzwang und der Getränkezwang aufgehoben ward z; die dadurch Benachtheiligten ſollten durch den Fiscus entſchädiget werden. Eins der härteſten Geſetze iſt das vorſtehende. Es wurden in dieſem, ohne weitere Rüſicht auf Privat- eigenthum, den Müllern und Gutsherren ihre Gerecht- Jame genommen, 42, Ohnſtreizig war es ſehr unbequem, wenn Commys nen gezwutigen waren, nur auf-einer beſtimmten Mühle zu mahlen, und mancher Mißbrauch entſkand daraus; allein die Müller waren in vielen Fällen nur durch die Zuſicherung des Mahlzwangs:bewogen worden, ihre Mühlen zu bauen oder zu kaufen, hatten alſo, im Ver-! trauen auf die Sicherheit der Verträge, ihr Geld daran gewagt.„Daher hätte man den Mißbrauch zwar bez ſchränken, die bisherige Verpflichtung aber nur durch. Verträge löſen laſſen, und den Belaſteten, nicht aber dem Fiscus,' den Erſatz auferlegen ſollen. Nur wenn der cine oder der andere Theil ſich durchaus nicht hätte bequemen wollen, dann erſt ſtand es vielleicht der Re- gierung zu, ſie aus einander zu ſeen und den Benach- theiligten entſchädigen zu laſſen. Die Entſchädigung, die den Müllern in dem Geſetze vom 15ten September 13183*), alſo erſt 8 Jahr nachher, zugeſichert wird, *) Den 15tem September 1818 erſchien die Verordnung wegen der für die Aufhebung des Mahl- und Getränke- Zwanges nach - vem Edict vom 28ſten October 1810 zu leiſtenden Entſchädi: * quag«, 4€ Das Gefeß geht von dem unrichtigen Geſichtspuncte ausy daß) dur- 49 daher manchen Schuldigen frei== wenn er nicht ohne allen Zweifel überführt iſt== den die Gewerbegenoſ- ſen äusgeſtoßen haben würden, weil ihnen da kein Zweifel bleibt, wo der Richter noch zweifeln muß. Ich weiß viele verderbliche Beiſpiele dieſer Art, und mit der Zeit macht ſich die Sache immer noch ſchlimmer, denn wie bald lernen die Menſchen es, ſich ſo zu betragen, daß ihnen vor dem Richter nichts erwieſen werden kann. Nachdem nun der Kanzler durch die Aufhebung der Zünfte 2c. die Gewerbe frei gemacht batte, richtete er ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf, diejenigen Feſſeln zu löſen, welche den AFXerbau in dem größten Theile der alten Provinzen ſo tief herunter drückten, Es war die wichtigſte und ſchwierigſ?e Aufgabe, die wohl je einem Staatsmanne geworden iſt, So wie Lage damals war, konnte ſie nicht länger bleiben. Abgeſehen davon, daß durch die beinahe gang allgemeine Communion, in welcher Ae>er, Wieſen, Weiden 2c. Jagen, daß"durch den Frohndienſt und durch eine bis dahin durchgeführte Cinmiſchung des Staats in die Art der Benußung des Grundes und Bodens dieſer kaum den dritten Theil ſeiner Produ ctions- Fähigkeit erreicht hatte, und mithin zwei Dritt- theile des National- Reichthums unbenußt blieben, ſo gab es noch andere Aufforderungen für dcn Kanzler in dieſer Angelegenheit, raſch und auf eine entſchiedene Weiſe vorzuſchreiten. Dieſe waren, 4 4 erſtens, daß im-Jahre 1808 den Gutsherren die Erlaubniß gegeben war, ihre Bauernhöfe einzuziee hen, wodutch vie. Eriſtenz eines großen Theils des Bauernſtandes bedrohet ward, ohne großen Nutzen für die Gutsheſiker, und mit einem unberechenba- ren Nachtheile für den Staat und für die Entwicke- lung des Landreichthums; zweitens, die Nothwendigkeit, die Landbewohner überhaupt ſchnell in eine beſſere Lage zu bringen, damit ſie die neuen Abgaben, die'auf ſie gelegt wer- ven mußten, tragen koanten, und drittens, weil es bei dem Kampfe, zu dem der Mo- narch fich gegen Frankreich vorbereitete, nüßlich ſchien, die zahlreiche Elaſſe der Landbewohner noch näher au das Intereſſe. des Landes zu ketten, und ſie durch Hoffnung einer beſſern Zukunft anzureizen, die Uebel ver Gegenwart zu tragen. So entſtand das Geſeß vom r4ten Septemtler 1311, in welchem den bisherigen Dienſt= und Pacht- bauern das Eigenthum ihrer Höfe überlaſſen wurde, und der Gutsherr als Entſchädigung einen. Theil des Bauerhofes zurück erhielt... Dieſes,"nebſt der Declara- tion vom-Jahre 1816, der Verordnung wegen Bil- dung der General- Commiſſion. zur Auseinanderſeßung der Gutgsherren und Bauern, die zugleich bei Streitfalz len die"erſtt Inſtanz ausmachte, der Ernennung noch zwei anderer Inſtanzen, zund der Inſtruction für die Gencral- Commiſſarien, ſind diejenigen Geſetze, durch “51 w elche der Kanzler jene wichtigen Zweeke zu erreichen ſarebte: i Von allen Geſeßen„die das Land ſeinem Monar- lichen Verhält- niſſe der Grundbeſiger-in einigen dieſer Provinzen ge- nau gekannt hat, weiß, wie ehemals in manchen Ge- genden, die Benutzung des Aers,- der Wieſen, der Weiden, oft auch des Holzes durch die Communionen geſchmälert ward, wie die Hälfte des Grundes und Bo- dens zur Weide einer zahlreichem aber nußloſen Heerde von- Pferden und Rindvieh diente; jeder, der vielleicht ſelbſt erfahren hat,„wie ſchwer, wie, langwierig und wie koſtbar es war, ſich aus ſolchen Verhältniſſen her- auszuſeßen, wird mit mir die großen Vortheile aner- Fennen, die daraus hervorgehen, daß nun.alle dieſe Verhältniſſe gelöſet. ſind, daß der Grund und. Boden „wieder einem Herrn zugetheilt, und die dunkle Grenze, wo die Rechte und der Beſikſtand. des einen Theils anfingen, die des andern Theils aufhörten, klax gezogen iſt, daß vielleicht hundertjährige Proceſſe da- durch vermieden, und. daß endlich jezt durch ſchriftliche, hbündige Verträge die wechſelſeitigen Berechtigungen be- fimmt ausgedrückt ſind.' Wenn man nun ferner bedenkt, wie der Staat durch dieſe Einrichtung einen zahlreichen Stamm von Xleinen Grundbeſitzern erhält, der ihm fehlte, wie dies ſeine innere Stärke befeſtiget, wohlverſtanden, wenn er ihn unverſchuldet erhält, und micht zugiebt/ daß jn 53 ex ſich in lauter kleine Tagelöhner- Beſißungen zerſplit- tern darf, wie endlich die Verleihung eines Eigenthums und die Aufhebung der Frohndienſte auf den Fleiß und die ſittliche Bildung des gemeinen Landmannes und auf ſeine Glü>ſeligkeit günſtig einwirkt, ſo muß man dieſe Einrichtung als die größte. und wohlthätigſte anz erkennen, die dex Kanzler dem Monaxchen je anrathen konnte. Jnzwiſchen iſt, nicht zu leugnen, daß dieſe Einrichtung in anderer Hinſicht auch Nachtheile hat, deren Folgen vorgebeugt. werden muß. Als die erſte betrachte ich den moraliſchen Eindru>, den es auf di ganze Maſſe des Volks macht, daß den Bauern von der Regierung etwas geſchenkt iſt, was ihnen eigentlich nicht gehörte. Es ſchme>t gar zu wohl, von/verbotee nen Früchten zu koſten, als daß das Beiſpiel nicht den Appetit der Andern reizen ſollte, Daß dies leider richtig iſt, beweiſet auch ſchon der Umſtand, daß hin und wieder, und namentlich in Pommern, die Tagelöhner ſich einbilden, ihnen werde nächſtens auch ein Eigenthum geſchenkt, es fordern und aus der Analogie das Recht dazu herleiten wollen, ja ſelbſt die Räumung der Micthswohnung aus dieſem Grunde-verweigern und oftmals nur durch Rechtshülfe zum Abzug gezwungen werden können. Durch Mißgriffe der Polizei- Behörden iſt dieſer Wahn noch vcrmehrt, und es wird dadurch ein Geiſt hervorgebracht, der ſich lange als ein Geſpenſt herum treiben kann, worüber ein jeder ſpottet, dereinſt aber der Sicherheit des Staats gefährlich wird, wenn vielz leicht: irgend. eine Cuiſſs in den Weltverhältniſſen"H ven preußiſchen Staat bedroht. Meiner Ueberzeugüng'näch würde es nöthig ſeyn, daß: der' Monarch ſich'zum Volke über dieſen Gegen? ſtand„auf: irgend eine Weiſe ausſpräche, und cine rich2 tigere Anſicht über die Bewegungsgründe der Eigen? thums- Verleihung der Bauernhöfe verbreitete. Ein anderer Vorwurf, den man dieſem Geſcke machen kann, iſt, daß man den Gutsherrn, nachdem man ihn zur Aufhebung der Dienſte und zur Zurück- nahme eincs Theils des Bauernlandes gezwungen hat, zu deſſen zweckmäßiger Bewirthſchaftung er aber nicht das nböthige Betriebs= Capital beſißt, ſeinem Sch ikſale überläßt, ja ohne Weitcres der Strenge der unter ganz andern Verhältniſſen entworfenen Schuldgeſcke Preis giebt, und ſomit manchem Gutsbeſißer nicht nur die Vortheile dieſer Einrichtung entzicht, ſondern ihn mit Schimpf und Spott durch Adminiſtratoren und Ge- richts- Crecutoren aus ſeinem Beſikßſtand vertreibt. Es iſt kaum zu begreifen, daß dieſelbe preußiſche Regie- rung, welche ſo viele Millionen hingegeben hat, um die auf ein Drittel reducirte weſtphäliſche Staatsſchuld für voll zu realiſiren, die eine ſeit 530 Fahren faſt ver- geſſene holländiſche Schuld bezahlt, ihre eigenen Un- terthanen mit ſolcher Härte behandelt. Der Haß ge- gen den Adel erklärt dies inzwiſchen. Wahrlich es iſt Schade, daß eine ſo treffliche und große Sache noch zwei ſolche Fle>en hat. 95 Da ſchön in mehrern öFentlichen Blättern diejeni- gen Männer genannt ſind, die den Kanzler-bei dieſer Angelegenheit unterſtüßt haben ſollen, allein abfichtlich oder aus Jrrthum dabei nicht denen die Chre geworden iy denen ſie gebührt, ſo glaube ich es der Gerechtig- keit ſchuldig zu ſeyn, dieſe zu nennen, und ihre Na? men und ihren Antheil an dieſer Sache dex Geſchichte aufzubewahren. Der Vortrag in der Sache.der Bauern war beim Kanzler dem Staatsrath Scharn weber von die: ſem übertragen, und es iſt keinem Zweifel unterworz fen, daß ihm ſehr großes Lob in dieſer Sa- X in der höchſt möglichen Bevölkerung ſucht, alles nur nach Kopfzahl berechnet, der da glaubt, daß durch eine ganz gleich- föxmige Miſchung der Geſellſchaft ein-ſo ſeliger Zuſtand hervorgebracht werde, daß nun aller Hader aufhöre; dieſer kann ſich freilich kein höheres. Ziel denken,-als durch die möglichſte Zertheilung dds Grundes und Bo- dens. die: größte Bevölkerung zuwege zu bringen. Andere dagegen glauben, daß nicht: in der Maſſe der vegetivenden. Perſonen, ſondern in der Zufriedenheit und dem Glüce der Einzelnen und des Ganzen, und in. der„Sicherung dieſes Zuſtandes, die wahre Wohl- fahrt liege: Um aber zufrieden und glülich zu ſeyn, um; eine-ſorgenloſe geſicherte Exiſtenz zu haben, müſ- ſem Wohlhabenheit und Reichthum im Staate zu Hauſe ſeymz aber nicht der veränderliche Geldreichthuim, ſon- 59 verweitn. umwandelbaver) Landreichthum'*).. Dieſer,„ſo nothwendig--er iſt, ſchließt jedoch eine bedeutende Be? völkerung nicht aus, im Gegentheil'ſezt er einen ge- wiſſen Grad der Bevölkerung vorausz iſt: dieſey noch nicht erreicht, ſind die Grundſtücke noh zu groß, um; den;gehvrigen Ertrag gewähren zu können, ſo befördert, die Vereinzelung eines) Theiles des. Grundes und Bo- dens den. Ertrag des andern, weil nun/die Kräfte mehx auf ſelbigem concentrirt. werden. können, In den Stammprovinzen von: Preußen iſt"bis jekt noch) die Bevölkerung zu klein, die großen Güter zu groß ,. um unter den beſtehenden Verhältniſſen, gut: genußt werden zu können z; daher denn auch ſowohl das Geſetz. wegen Eigenthums- Erklärung der Bauerhöfe, als die Befug- niß: zu einer Parcellirung jekt wohlthätig für dieſen Zwe& wirken. Allein, nvthig iſt es, die Grenzen: wes nigſtens einigermaßen zu ziehen, wie weit die Zerſplit- terung gehen darf: und, ſind dieſe erreicht, die weitere Zerſtückelung zu unterſagen, damit wir Menſchen be- halten, die ſich des Lebens und ſeiner Annehmlichkeiten erfreuen die nicht, gleich verhungern oder auswandern müſſens wenn. eine Ernte mißräthz3- damit wir nicht We 288.44 ZIG +) Unter Landreichthum verſtehe ich, daß der Grund und Boden nicht nur ſo reich an Erzeugniß gemacht werde,-als es die Beſchaf- fenheit des Bodens und die Localität zuläßt 3 ſondern daß die Beſt: ber auch wohlhabend ſizd, mitzin die Verſchuldung nicht zu hoch iſt, und die Vereinzelung der Grundſtücke nicht zu weit getrie- ben wird, ſo daß der. Ertrag in guten Jahren nur zur Ernäh- rung zureic hoch zu benußen, und indem ſie denjeniz gen, die durch ihr Alter oder andere Verhältniſſe gehin2 dert werden, ſelbſt ein Gewerbe zu treiben, eine gute Gelegenheit giebt, ihre Capitalien ſicher unterzubrins genz; eine' hohe Verſchuldung hingegen hindert die kräf- tige Betreibung des AFerbaues, erregt Verwirrung, und iſt ein Krebs an dem Glücke der Einwohner. Dies gilt von den Domainen der Krone, von den Gü- tern des Adels, von den Grundſtücken der Städter, und von den Höfen der Bauern. Die Begründung des Landreichthums hat der Kanz ler durch obige Geſetze begonnen; er vollende das Werk zweiter Hälfte, und ſeine Schlacht von belle Alliance iſt gewonnen. 61 Mit dem Culturgeſegze ſchloß ſichmun die Reihe der2 Jenigen Geſegze des-Kanzlers, welche der bkonomiſche Ge- ſichtspunkt vor, dem großen Befreiungskriege veranlaßt hatte; unbedenklich würde durch dieſe Geſetze derſelbe Zwe erreicht worden ſeyn, und ſelbſt noch ein weit höherer, wenn ſie, mit] mehr.Schonung der beſtehenden Verhältniſſe und des Rechtszuſtändes gegeben worden wären, und ewig merkwürdig:wird;es in.der Geſchichte bleiben, daß, während Preußen ſich vor gallen. Natio» „zien des Continents mit- der größten Erbitterung gegen Frankreich auflehnte, es, dieſelben Grundſätze annahm, gegen die es do<= der allgemeinen: Jdee nach=> kämpfte, und/ſie quf eine Weiſe von oben herab durc und/ der durch ſelbigen errungene herrliche Erfolg bis dahin al: 168, was dabei verſchen ſeyn mochte, Aber von dem Augenblie an, w9 Preußen frei!war, und ſich mit dem. Schwerdte die Selbſiſtändigkeit wieder erkämpft hatte, mußte ein anderes Syſtem eintreten, alle-revoe ſutionare Beimiſchungen mußten von dieſem Augen- blie an weichen, undſo wie der preußiſche Monarch mit den übrigen Monarchen die Legitimität als die Grundlage des politiſchen Syſtems, von Curopa aner= Lkannte, ſo mußte auch. die. rechtmäßige Ordnung der Dinge, als das Fundament im Innern des Reichs, anz örfannt und hergeſtellt werden, oder, wo dies nicht möglich oder nicht vathſam war„" mußten die Benach- theiligten wenigſtens die vollkfommenſie Entſchädigung erhalten.! Dies geſchah jedoch nicht,“ ſondern die Geſeßgebung und Verwaltung ſchritt in jenem Geiſte vor, der unſe- "rer Zeit ſo ganz eigen iſt; und welcher ſich beſtrebt, lle Banden zu lökern. oder zu löſen,-ganz verkehrte Ideen von Gleichheit und Mündigkeit des Volks'in alle Maaßregeln hineinzuſchieben ,/ dabei aber die Nation immer ſtärker zu bevormunden.“Die wahrhaft großen Maaßregeln und die Sparſamkeit'im Staatshaushalt, welche bis zum Jahre 1813 ſichtbar geworden wären, Hätten ſich verloren, und es iſt nicht zu verkennen, daß durch die häufigen Entfernungen des Kanzlers von Ber- lin und durch ſeine diplomatiſchen Geſchäfte die ihm übertragene Verwaltung des. Innern nun auf! Ändere überkommen ſeyn' muß, die andere Abſichten hatten) oder"zu ſchwach waren ,- ihre Untergebenen zu zur geln'=- 3' daher“thalte"ich«üch die vermeintlichen Rückſchritte"die der. Herr B. dem Kanzler- zuſchreibt, füvhichts weiter) als für Beweiſe;'daß-der'Kanzler ſich. von“ Zeit“ zu“Zeit'bewußt''geworden iſt, wie die Verwaltung eine ganz andere Linie. genommen habe, als die von'ihm beabſichtigte,“ und dann Halt'ge- rufen'hatz um“ als“ ein erfahrner Pilot wieder auf den rechten Cours:'zu ſteuern,»und nicht in- einen Hafen einzulaufew/'" in welchem das Smäßigſten Einrichtun- gen geſchaffen waren, um mit kleinen Mitteln außer- ordentliche Dinge zu leiſten. Ia, die Perioden vom Jahre 1813 und 1814 ge- währen in jeder Hinſicht einen ſo hellen Punct in der preußiſchen Geſchichte, daß dieſer Moment vielleicht der größte bleiben wird, den Preußen je erreicht, und daß er noch in ſpäten Jahrhunderten der Nation zum Yorbilde dienen kann. Wer wird ſich nicht gern das ganze Bild noch einmal ins Gedächtniß rufen, wie Preußen anfänglich Heynichtet ſchien, und mit dem Übrigen Europa Napoleons.Feſſeln-.trug, wie dann der Zeitpunct nahete, wo der preußiſche Monarch den Krieg der Befreiung beſchließt und wie dieſer durch die Verei- nigung eines preußiſchen Heeres mit dem ruſſiſchen gleichſam unwillführlich erklärt wird; wie indeſſen der König mit dem Ihm angeſtammten Muthe ruhig in ſeiner von den Feinden beſeßten Hauptſtadt einzeln umhergeht, mit frommen Sinne ſeinen erſtgebornen Prinzen die Confirmation empfangen läßt, dieſe heiz lige Handlung auch nicht um eine Stunde zu beſchleu- nigen erlaubt, dann aber nach Schleſien aufbricht, von dort fein Volk durch einen wahrhaft Küniglichen Zuruf entflammt, ihm ein eiſernes Kreuz als Symbol der Zeit und der damaligen Geſinnungen vorhält, wie al- les zu den Waffen ſtrömt, wie die zuerſt geſammelte kleine Schaar der herrlichſten Krieger ſich den Feinden entgegen wirft, und in zwei verlornen Schlachten dem übermächtigen Sieger eine ſolche Ehrfurcht einprägt, daß er die Waffenruhe wünſcht; wie dieſe endlich ab- läuft, und Preußens Heer nun gerüſtet und ſo zahlreich da ſteht, daß ces den Feind aus dem Lande vertreibt, und mit ſeinen Allürten die Freiheit von Europa in Pa- ris ausruft? Ob indeſſen Preußen nicht, nachdem es den ſchön- ften Lorbeerkranz errungen, vielleicht zu viel von den Einrichtungen behalten habe, die damals eine gebieterie ſche unglüFliche Zeit'für den Augenbli> forderte, ob dicſe ſich eben ſo bewährt für die Dauer beweiſen wer- den, als fie im erften Entſtehen ſich gezeigt haben, ob 73 es gut ſey; daß das ſtehende Heer eigentlich nur die Kriegsſchule bilde, und die Landwehr in Hinſicht. des gemeinen Soldaten als der Kern des Heeres betrachtet werden könne, während der Kern des Officier= Corps wohl unbedenklich in dem ſtehenden Heere zu finden ſeyn würde 3 dies alles vermag ich nicht zu beurtheilen, ſondern will es nur als Fragen hinwerfen, um das Nachvenken über dieſe Gegenſtände zu reizen. Wir hae ben es ſchon einmal erfahren, wie verderblich es werden kann, mit Sicherheit auf frühern Lorbeern zu ruhen, als daß wir wieder in dieſen Fehler verfallen ſollten, I< ſtelle geradehin den Grundſatz auf? nichts in der Welt iſt ſo gut, daß es ewig taugt. Der lezte Punkt, der mir zu beleuchten bleibt, iſt die Verfaſſungs- Angelegenheit, was in dieſer Hinſicht geſchehen iſt, und was der Monarch ſeinem Volke ver- ſprochen hat, Es giebt keinen wichtigern Gegenſtand, als dieſen; über keinen ſind die Meinungen mehr getheilt, über keinen die Wünſche verſchiedener. Inzwiſchen würde ſich dieſes bald regeln laſſen, wenn nur nicht eine Ver- wirrung der Sprache und der Ideen eingeriſſen wäre, welche bei der Leidenſchaft, mit der die Sachen behan- delt werden, die Berichtigung erſchwert, und viele Men- ſchen dahin führt, daß ſie ſelbſt nicht wiſſen, was ſie ſind und was ſie wollen, und ſich daher blind der cr- ſten beſten Parthei anſchließen, Iin Grunde iſt das Intereſſe der Mehrzahl gar nicht verſchieden, ſondern ein und daſſelbe. Dieſe wünſcht Sicherheit des Eigenthums, Schuß vor Will- führ, und daß man ſich ſo wenig als möglich um ſie befümmern möge, ſo lange fie fich in den geſeßlichen Schranken bewegt. Der Mehrzahl ſtehen die Wünſche derer entgegen, die nichts haben oder unzufrieden mit dem ſind, was ſie haben, im Begehren kein Ziel ken- nen, ſondern ſich immer mehr von dem äneignen wol- len, was Andern gehört. Gegen dicſe kleine Zahl hat ſich die Mehrzahl zu ſchüßen;- daß fich aber diejenigen befeinden, wie es gegenwärtig geſchieht, die ein und daſſelbe Intereſſe haben, dazu iſt kein innerer Grund vorhanden, ſo lange nicht der eine oder andere Theil aus ſeinem Verhältniſſe heraustreten will. Dies weiſt nun allen und jedem die Schranken an, in der ſie ſich zu halten haben; wer die Rechte der Uebrigen anerkennt, ſchüßt ſeine eigenen dadurch am ſicherſten 3; wer das Eigenthum des Andern erobern will, der bringt ſein eigenes in Gefahr. Suum cuique möchte ich an jeden Palaſt und än jede Hütte mit goldenen Buchſtaben, und zugleich in jede Bruſt einſchreiben. Wird das Verhältniß der Fürſten und Völker aus dieſem Geſichtspuncte betrach- tet, wird ihr Verhältniß nach dieſem Grundſatze gere- gelt, ſo nimmt jeder ſeinen Platz ein, ſo findet keiner die Stellung des ändern feindlich, ſondern ſchüßend. Der Monarch wird als das von Gott gegebene Obcrhaupt betrachtet, welcher zum Wohl des Ganzen 75 die dvei Gewalten, die geſeßgebende,„die. richter- liche und die ausübende in ſich allein vereiniget, der nicht dem Volke, ſondern nur Gott und ſeinem Gewiſ- ſen Rechenſchaft ſchuldig iſt. Der Monarch fühlt und erkennt? daß er zwar. der Herr, aber nicht der. Despot ſey, daß, da nur Gott allwiſſend iſt, er als Menſch ſeine Kinder jederzeit hören müſſe, ehe er über ihre Verhältniſſe richtet, und daß ihr Cigenthum ein Heiligthum ſey, welches zu bes rühren ſein Eigenthum in Gefahr bringt. Der Adel, durch großen Grundbeſitz baſixt, wird dann ohne Neid und ohne Sorge als ein nothwendiger, vermittelnder und ſchüßender Stand anerkannt und be- trachtet werden.:| Der Adel wird fühlen, daß das höchſte perſvnliche Vorrecht jederzeit darin liegt, edel zu handeln, er wird in dem Ruhme, der ihm von ſei- nen Vätern überkommen iſt, die Aufforderung finden, dieſes Erbtheil ſeinen Kindern unbefle>t zu erhalten, er wird durch Seelenadel den Geld- und den Dienſt- Adel in ſeine Schränken weiſen. Im Kriege der erſte, in den bürgerlichen Verhältniſſen der beſcheidenſte, wird. er allen ein Vorbild, kein Gegenftand der Bex feindung ſeyn. Der dritte Stand und die verſchiedenen Zweige, die ihn bilden, werden dann begreifen, worauf ihre Ehre und ihr GlüEX beruühet, und daß ſie nur in der ihnen angewieſcnen Stellung wahrhaft groß werden können. Der gelehrte Stand wird fühlen, daß es ſcin hoher Bexuf iſt,"die geiſtigen Fähigkeiten der Menſchen zu 76 entwi&eln, die übrigen Stände zu belehren, ſie mit dem Schöpfer, mit ſeinen Geboten und mit den Wun- dern der Schöpfung bekannt zu machen, nicht aber, wie ſich jekt viele erlauben, die Stände unter ſich und 'degen ihre Fürſten zu verheßen, und ihnen durch Fa- ſeleien über Volksſouverainität die Köpfe zu verdrehen. Der Handelſtand, die'Gewerbtreibenden, der Bauernſtand werden fühlen, daß ihre Ehre darin be- ſteht, ihr Gewerbe am vollkommenſten zu treiben, daß dies zugleich die Baſis ihres Wohlftandes, ihres Glücks iſt. Daß ſie ſtreben ſollen, jeder unter ſeinen Zunftgenoſſen der beſſere zu ſeyn, daß jede Anma- ßung über ihre Sphäre ſie ſelbſt unglülich machen, und daß jede gewaltſame Bewegung immer für ſie am verderblichſten ausfallen muß. Nach dieſer Darſtellung über das wahre Intereſſe des. Monarchen und ſeiner Stände und der Verhältz- niſſe, die nach meiner Anſicht allein die Baſis ſeyn können, aus welcher mit der Zeit ſich eine Verfaſſung bilden kann,"die die Cigenthümlichkeit der verſchieden- artigen Subſtanzen ergreift, aus denen Preußen zu- ſammengeſeßt iſt, wende ich mich nun zu dem, was bis jetzt in dieſcr Hinſicht durch die Geſeßgebung geſche- hen iſt, wobei ich ganz vorzüglich meine Unterſuchung darauf richten werde, ob der Monarch dem Lande eine Volksvertretung verheißen hat, oder ob in den Verhei- ßungen über die Verfaſſung die Grundſäge enthalten ſind, die ich ſo eben aufgeſtellt habe, 77 Das erſte Geſetz über dieſen Gegenſtand iſt vom 7ten September t 81x53 in ſelbigem wird verordnet, daß die zur Regulirung der Provinzial- und Commut- nal- Kriegs- Schulden beſtimmte General- Commiſſion ſogleich ihren Anfang nehmen ſolle, um auszumitteln, welche von den getragenen Kriegsleiſtungen einzelne Theile für den Staat übernommen haben, und daher ſelbigen zur Laſt fallen, und um unter Aufſicht des Staats zwe&mäßige Anſtalten zur Bezahlung des Ca2 pitals und der Zinſen der dann noch verbleibenden Provinzial: und Communal-Schulden zu treffen. Fer- ner wird in dieſem Edict geſagt: daß,'um dem Wun- ſche der getreuen Stände nachzukommen, Depus= tirte von den Rittergutsbeſißern, dem platz ten Lande und den Städten erwählt, und unter Vorſitz eines vom Monarchen ernannten Chefs und ihm zugeordneter Mitglieder nicht nur dieſe General- Com- miſſion bilden, ſondern auch einſtweilen. die Stelle ei- ner National= Repräſentation vertreten ſollten. Und in der Inſtruction vom gten Juli 1812 wird feſtge- ſekt: daß die Landes= Deputirten nur nach eigener Ue2 berzeugung ſtimmen ſollten. Hier finden wir nun ſchon deutlich die Verwirrung der Sprache und der Ideen, welche allein zu ſo. vielen Mißdeutungen Anlaß"gegeben hat.„Zwei Deputirte der'Ritter- gutgbeſißzer, ein Deputirter der Städte, und ein Deputirter des platten Landes wurden in jeder Provinz„gewählt; es war mithin dieſes eine Ver- ſammlung von ſtändiſchen Deputirten, welcher dex 78 unrichtige Name National- Repräſentation" beigelegt wurde. Den Zoſten Juli t312 erſchien ein Edict, welches die his dahin beſtandene, wenn gleich mangelhafte Ver- faſſung, völlig aufhebt, und folgende Beſtimmungen enthält. Die bisherige Lazdes- und Kreis- Einthei- lung wird aufgehoben, und eine neue, geographiſch abgerundete, möglichſt gleiche Eintheiluug erſet ſel: bige.-Die bis dahin verfaſſungsmäßig beſtandene Ber- tretung der Stände durch die Landräthe hört auf; die Landräthe werden.nicht mehr von den Ständen aus ih- ren Mitten gewählt, ſondern vom Könige ernannt, und ſollen nur als Staatsdiener betrachtet werden, die in den Kreisſtädten reſidiren. Cben daſclbſt ſollen quch Land- und Stadtgerichte errichtet werden. Statt der bigherigen Kreisverſammlung der Rit- tergutsbeſißer, wenn es irgend etwas zu berathen gab, wurde eine Kreis- Verwaltungs- Behörde ernannt, die aus zwei gewählten Deputirten der Rittergutsbeſißer, zwei der Städte, im Kreiſe, und zwei der kleinen Ei- genthümer'beſtehen, ſich unter dem Vorſitz des Land- raths verſammeln, und dieſen in manchen Theilen ſei ner Geſchäfte unterſtüßen, aber auch controlliren ſol: len. Dieſer Kreisverwaltung ward zugleich eine zu ers richtende Communal- Caſſe anvertraut, und das Recht eingeräumt, die Beiträge dazu einzufordern, und überz- haupt in allen Stü>en die Rechte der Kreis- Einſaſſen zu vertreten;; 79 Durch ein Cabinetsſchreiben des Königs':an die ruppiniſchen Kreisſtände ward jedoch dieſes, Geſetz wiez der ſuſpendirt, und iſt überhaupt nur theilweiſe ausge- führt; am vollkommenſten glaube ich in Pommern, wo es bei der dortigen Regierung viele Vorliebe fand*). Wäre dieſes Geſeßz' wirklich allgemein und auf die Dauer ausgeführt, ſo würde zugleich der Einfluß des Adels auch als großer Grundbeſißer völlig aufge- hbrt haben. Denn durch dieſe Einrichtung wäre der- ſelbe für immer in die Minorität geſeßt, und könnte nur dadurch Einfluß erhalten, wenn er ſeine bisherige Stellung aufgeben und ſich dem Intereſſe des dritten Standes ganz anſchließen wollte. Eine unbezweifelte Folge hiervon würde aber die Veränderung der Monar- ermündiſche Kreis bes ſteht aus Wäldern, auc< hatte der Monarc auf Vitte der Stände die Bildung unterſagt, und fie iſt nicht erfolgt,: Ia ich weiß einen Fall, wo, der allgemeinen Meinung zufolge== die Grenze eines Regierxungs- Departements verändert worden ſeyn ſoll, weil ein Landrath einem Rittergutsbeſiter niht ge- wogen war, und ihn nicht im Kreiſe behalten wollte,'. 80 in Verbindung bleiben ſollen. Die Folge iſt, daß beide ſich einander nähern müſſen; der Monarch ſteigt daher entweder zum Volke herab, oder das Volk ſekt ſich nes ben ihm auf den Thron. Daß dem wirklich ſo iſt, erfahren wir jekt in ſo vielen Reichen 3 und daher muß es deutlich gedacht und ohne alle Einkleidung zur Sprache gebracht werden, was man will und was die Wohlfahrt des Ganzen for- dert. Es handelt ſich darum: ſoll der Adel als ſolcher bleiben odex nicht? Im lekten Falle bedarf es weiter nichts, als daß man die Dinge gehen laſſe, wie ſie ſind; ich bin Bürge dafür, dieſer Stand tritt in ganz kurzer Zeit von ſelbſt ab, und miſcht ſich unter die übrigen Gewerbetreibenden. Viele vom Adel ſind ſchon längſt auf den Gedanken gekommen, daß es ih- nen weit beſſer ergehen würde, wenn ſie ſich unter die Bürger miſchten; dort kann ihnen Anſehen und Einfluß nicht entgehen 3; dort erwerben ſie, während ſie gegen= wärtig nur die Opfer ſind und zum Gegenſtande der Befeindung dienen. Die vom Adel, welche nicht noch ein Reſt von dem adlichen Sinn, der nur ſeine Pflicht kennt, und alles An- dere verachtet, zurü&hält, gehen mit Freuden zu dem drit- ten Stande über, der ſie gern' aufnimmt, weil dieſer theils thöricht genug iſt, ſeinen eignen Vortheil ſo wenig zu verſtehen, theils durch den Gleichheits- und Volks 2 Souverginitäts- Schwindel ſich den Kopf hat verdrehen laſſen. 381 Soll aber der Adel erhalten werden, ſo muß ex felbſt damit anfangen, ſich wieder zu baſiren. Um ſeine Beſtimmung erfüllen zu können,'muß der Adel in pecuniairer Hinſicht unabhängig ſtehen, mithin muß er reich ſeyn. Sein Reichthum muß ihn aber auch an das Wohlergehen ſeines Vaterlandes feſſeln, daher muß ſein Reichthum in Grund und Boden beſtehen. Soll der Reichthum aber der Familie verbleiben, wel- ter: dazu iſt als der Bürgerliche. Inzwiſchen kenne ic<, Bürger= liche, die bei vortrefflichen geiſtigen Anlagen ſich vorurtheils- frei.-erhälten haben, die beſcheiden Jedem ſeine Ehre läſſen, und die keinen Stand befeinden, ſondern die Thorheiten in allen Ständen tadeln 3 dieſe verdienen hervorgezogen zu wer: den, weil ſie den wahren Seelenadel beſißen 3 dieſe werden fich ewig gleich bleiben, und nicht, wie Grunoxr, die Farbe verändern. RENE: 83 Ich kann nicht umhin, bei dieſer Gelegenheit noch zur Entfernung jeder Mißdeutung zu bemerken) wie ich darin den Herrn Benzenberg und mehrern beiſtim- mey däß das Feudal.- Verhältniß des Adels nicht. her- zuſtellen ſey; und wenn ſie unter Grundadel ſo viel verſtehen, als daß nur der Grundbeſiß verbundene Adel gewiſſe: verfaſſungsmäßige Vorrechte fordern könne, ſo bim ich!:auch hierin ihrer Meinung.| Aber gänz“ unbez denflich liegt außerdem. in der Jdee des(Geburtsadels etwas Höheres,"etwas Edlercs/' wodurch das Indivi- duum, welches dieſen. Vor zug fühlt,' die Kraft erhält, ſich über ſich jelbſt zu erheben, und einen:gewiſſen in- nern Halt erhält, den ihm niemand rauben kann. So. lange daher der Adel ſelbſt noch dieſen. ädlichen Siun: bewahrt, ſo lange er ſich nicht ſelbſt aufgiebt, wird ihm jederzeit auch ein: perſönlicher Vorzug verblei: ben den ohne geſetßliche' Beſtimmung ſeine-Mitbürger unwillkührlich anerkennen müſſen. Den“ 22ſten Mai 1815 erſchien die Verordnung über die zu bildende Repräſentation. /Jmdieſer wird feftgeſelzt';-+ daß»die Provinzialſtände. hergeſtellt oder neue angeordnet-werden ſollen.“ Aus den! Prövinzial- ſtänden! ſoll die Verſämmlung der"Landes=Repräſen- tanten; gewählt werden; dexey Geſchäfte, die, Berathung über"älle Gegenſtände"der Geſezgebung ſeyn ſoll, wels cen. Damit aber das allgemeine Intereſſe nicht darunter leide, ſo will er zu den Berathungen über die/allgemeinen Gegenſtände Generalſtände in Berlin verſammeln, und ſo allen Bedürfniſſen, den beſondern und den allgemeinen, genügen; drittens, daß der Monarch die drei Gewalten, welz mäßig, Provinzial-.Stände zu bilden, damit ſich die verſchiedenen Eigenthümlichkeiten al: lenthalben auf eigne Weiſe bewegen könnenz ja mir ſcheint es, als wenn man nothwendig den Rheinprovinzen eine an: dere Verfaſſung geben müßte, als den übrigen Provinzen, Ic ſehe ſelbſt niht ein, warum man ihnen niht den Willen thun ſollte, ihnen zwei Kammern zu erlauben 3 das Ober- haus iſt ſchon da, die Berathung könnte ſich natürli? nur über provinzielle Gegenſtände erſtre>en 3 ich ſehe dabei kei- nen Scaden, nur den Nuten, den es haben würde. Die Menſchen ſind Kindex, thut man ihnen in einem Punkte den Willen, ſo hat man ſie fic) auf immer ver- bunden. Auf jeden Fall ſeßt dies aber voraus, daß vorher die Finanzen geordnet, die Schulden reguliret, die Beiträge der verſchiedenen Provinzen zu den Staatsabgaben feſtgeſest ſind, end die Verwaltung Provinzial- Miniſtern anvertrauet iſis t wer- den,= Niemand kann mehr durchdrungen von der Nothwen- digkeit ſeyn, daß die Rechte des-Throns auch nicht um ein Haar gekränkt werden dürfen, als i des Volks und ihr Wohlſtand nicht den zufälligen Theorien der an der Spiße der einzelnen Verwaltungen ſtehenden Miniſter, veren Räthen oder deren Rathe Preis gegeben iſt, wie jekt, und die Bevormundung-aufhört, welche ſich die Verwaltung allenthalben bis in das Innere dcr Häuſer ſo gern erlaubt*). enemeemelnmeeenemn +) Die Verordnung vom„1ſten Zuni 1815 ſeht die Verhält niſſe der vormaligen deutſchen Reichsſtände im preußiſchen Staate feſt, Nachſtehende Rechte werden ihm geſichert und zugeſtanden: 1) der Rang des hohen deutſchen Adels, nebſt der bis jekt damit verbunden geweſenen Ebenbürtigkeit 3 2) ſollen die Häupter dex Familien als die erſten Stan- desherren im Staate betrachtet-werden 3 3) verbleiben ihnen alle bisherigen Rechte, die nicht zur Staatsgewalt oder zu den obern Regierungsrehten gehören, Dahin werden beſonders gerechnet: Ausübung der Ge- richtspflege in erſtex Inſtanz, wenn die Beſizung groß genug iſt; in zweiter Inſtanz: Forſtgerichtsbarkeit, Ortspolizet, Aufſiht über Kirchen- und Sculſaen konnten. Hierdurch und durch ſo viele andere Dinge wurde das Syſtem Friedrichs vbllig untergraben. Dem Scheine einer Nebenſonne gleich, erhielt es ſich zwar bis zum Jahre 1897, mußte ſich aber' nothwendig endlich in nichtsyauflöſen, weil ihm alle ſeine Stüßpuncte genomz- men waren*). emm anemenm emer , 5). Dies iſt ſo wahr, daß/män es nicht oft genug wiederholen kann, denn viele gutgeſinnte Menſchen täuſchen“ſich noh im- mer mit dem Gedanken der Möglichkeit einer Rückkehr. Ich bitte do<, den Verſuch zu machen uah einen Plän gußszuden- XOL Mit der. Rückgabe des-/Reichs- nach: dem Frieden von Tilſitz» begann nun..eine neue“ Verwaltung, und durch dieſe ein neues Verwaltungsſyſtem. Auf-England richtete, ein, Theil, auf Frankreich der andere ſeinen forſchenden BliE; von beiden Staaten, die damals die höchſte Aufmerkſamkeit auf ſich zogen, wurde bei der Geſeßgebung in Königsberg etwas entz Lehnt. Von Frankreich die Grundſäße der Gewerbe» Freiheit, und diejenigen, welche die pcrſvbnlichen Vero hältniſſe feſtſezten. Won England cinige Steuer- Cins richtungen(Silberſtewpelung 2x.). Beſonders aber war das Geſetz wegen Einziehükg'der Bauerngüter und Bil- dung von Erbpachtsgütern einer gewiſſen Größe; eine nus England entlehnte Einrichrung. Die Jdec'des Reinertrages, die damals viel Ver» ehrer zählte, lag dabei zum Grunde, das beißt, die Berechnung, auf welche Weiſe der Aker nach Abzug der Wirthſchaftskoſten den größten Geldertrag liefepe, wobei" ganz vergeſſen war daß es dem Staate wenig ſtens- nicht auf den erften' Abſchluß der Rechnung des Beſitzers, ſondern auf den lezten Abſchluß ankommen könney und daß außer der beonvmiſchen Rückſicht im Staate noch+viele/ andere gleich wichtige genommen werden müſſen. Die kurze Dauer der Verwaltung. des„Miniſters von Stein, der“ der Schöpfer der neuen Ordnung der ken, durch. welchen es bewerkſtelligt werden ſoll, I< halte es für eben ſo leiht, daß der 300 Jahre alte Eichbaum wieder in die Eichel zurü&kehre, 1062 Dinze wär," machte es denſelben unmöglich, ſein Werk zu vollenden, Die Verlegung der Reſidenz aus Preußen nach der Mark, und die Veränderung des er- ſtcn MWiiniſters, veränderte weſentlich das erſte Syſtem. Schon oft hat der Eroberer dem Ueberwundenen ſeine Waffen geliehen, ihn ſelbſt zu bezwingen. So Hat die franzöſiſche Revolution der preußiſchen Monar- chie die Waffen geborgt, womit das gleichſam in Re2 volutionsſtand verſeßte Preußen das franzöſiſche Kai- Ferthum bezwingen half. Friedrich der Große concentrirte durch Zwang die ganze Kraft der Nation in ſich, dadurch ward er ſtark genug, halb Europa zu ſchlagen, welches ohne ſo gewaltige Anſtrengungen, als jeßt. üblich ſind, Krieg mit ihm führte. Der preußiſche Miniſter hin- gegen ſuchte durch Entfeſſelung aller Kräfte,. ohne Rückſicht auf irgend ein beſtehendes Verhältniß, die ſchlummernde Thätigkeit mächtig zu entwickeln, alles zu erregen, alles zu bewegen, um die Nation in den fie- berhaften Zuſtand zu bringen, der ihm nöthig ſchien, Die fremde Tyrannei über den Haufen zu werfen, Sehr wohl begriff das preußiſche Volk, und ganz beſonders der preußiſche Adel, von welchem Opfer über Opfer gefordert wurden, was der Miniſter wollte, was der Miniſter that, und obgleich viele der neuen Einrichz tungen hätten zu Stande gebracht werden können, wenn man auch den Rechtszuſtand niemals aus dem Auge verloren hätte, ſo vergaß doch jeder ſich und ſeinen 105 Värtheil über dem größen Zwee, Kdnig und Vaterland zu retten. Endlich kam. der Tag' des höchſten Triumphs für Preußen,"für ſeinen König! für alle: Helden, und für alle Einzelne, die ſelbigen beforderi hatten: Beſonders größ ſtand der Stäatskanzler da,':und"alles, was in den bisherigen Regierungs': Maaßregeln etwa Unrech» tes läg, alle Mißgriffe, die'gemacht waren, erſchienen in dieſem" Augenbli. Unbedeutend, waren vergeſſen über dem Siege, der'zum Theil als Folge jener Einrich» tungen betrachtet werden konnte."Inzwiſchen hätte 'hier die Grenze ſeyn ſolten ,“ und von dem Täge des Friedens an mußte jede.'xevolutionäire Beimiſchung verbannt bleiben.">; 7439 Keinesweges brauchten deshalb Verhältniſſe zurüs geführt zu werden, die.einmal veraltet waren;/vur ein feſter und geſicherter Rechtszuſtand mußte eintreten, nicht'dem Namen und'der Form nach, ſondern in der That.' Die Benachtheiligten mußten entſchädigt. wer- den 5 der'herrliche Geiſt, der in ſo mancher Einrichtung der Vorfahren lag, brauchte nicht deshalb verworfen zu werden weil dieſe alt waren 3 in die Finanzen mußte Ordnung zurü&fkehren 5. um den Unterthanen die Laſk der“'Abgäben zu mildern. Endlich mußte, das Wort ves Königs in Erfüllung gehen und die Stimme der Stände wieder gehdrt werden. Sonderbar genug iſt es, daß der Kanzler, den jeßt nichts mchr hinderte, die großen Pläne zu vollenden, die er: unter ſo ſchwierigen Umſtänden gefaßt hatte, . dies unterließ, und daß Er,"detfrüher die, Begebenhöäs ten beherrſchte, als dieſe Alles zu beherrſchen ſchienen, ſich anſcheineud;von ihnen Lenken ließ„nachdem ſie nur in ſeiner Handc was am allerauffaly kendſten“ iſt== oft/den größten Cinflüß quf.die Dinge denjenigen Perſonen.verſtattete ,/. welche ſo. ganz von ' andern“ Anſichten, ausgingen:,. dls ex; jq ſeinen ganzen 4||| Ruhin, der inder Vollendung der begounenen Staatsre- | N form beſtand, aufs Spiel ſekzte„.andem er nicht ſelten | gerade den, größten Gegnern ſeines, Syſtems die Ausz | Fführungudeſſelben anvertrauete.-+ | 4:7 Der äußere Friede ward in Paris Inh aber | Dex jinnere“Friede. blieb fern, ja 998, was früher dem | Gift ein Gegengiſt geweſen war, mußte jekt nothwen- dig zumf Gifte ſelbſt werden. vs„1 KEngland,, Frankreich, Oeſterreich: ſuchten, nach | Beendigung des Krieges auch die-Ruhe im Innern wie- | der herzuſtellen, und ihre Finanzen, zu beſſeyn,, von-dez 1] ren Ordnung die innere Wohlfahrt ſo abhängig iſt. | 1111 England ward dies am ſchwerſten, es beſchränkte ni zwar ſeine, Ausgaben und minderte die Abgaben; vallein die ganze-Stätke; die ihm ſeine Verfaſſung giebt, reichte bis jezt kaum zu, eine gewaltſame Umwälzung zu-hin- tertreiben„) und; die großen Talente, die dort an der Spitze der-Regierung ſtehen, vermögen kaum das künſt- | Liche Getriebe zu lenken. Englands großer Geldreich- (| thum'und verhältnißmäßig geringer Landreichthum, das 7! große Capital, welches die Nation den Einzelnen ſchul- dig.iſt, die Höhe,.der deshalb ndthigen Abgaben haben 2105 Hort. eine-Theurung bewirkt, die Fo. groß iſt. daß bei: naheykein-Landarbeiter und kein Fabrikarbeiter, ſich mehr durch.ſeiner- Hände Arbeit ernähren kann, ſondern, ob- gleich er 4m Schweiße ſeines Angeſichts; ſich. abmühet, noch, Almoſen zu nehmen. gendthiget iſt, Dies muß von der einen,. Seite, das, Ehrgefühl abſtumpfen,„und von. der„andern, Unzufriedenheit und Revolutionsluſt erzeugen. Frankreich-ſchien am. weiteſten von dem innern Frieden. entfernt zu ſeyn z allein, nie hat ein Land mehr innere Größe durch Abwendung Fritiſcher Ver- hältniſſe gezeigt: als» Frankreich ſeit. zwei Jahren, Seine.„Finanzen haben- ſich. verbeſſert, die Abgaben mindern„ſich„das Vertrauen ſtellt ſich her, die Par» theien beruhigen„ſich. mehr, ſeitdem in der Verfaſſung das ariſtokratiſche Princip ſich, zu befeſtigen, ſcheint, und Frankreich, wird die innere Ruhe vielleicht bald ganz gewonnen haben.; Oeſterreich, ewig durch Erſchütterungen von außen bedroht„hatte ſeinen innern Frieden eigentlich nie-ver- Loren„denn; ev. liegt in ſeinem Landreichthum und-in den Geſinnungen der. Nation tief verwurzelt; aber mit „Recht beſchränkt es ſeine Ausgaben auf alle Weiſe. Preußen allein ſchritt nicht zu jenem Syſtem. der Einſchränkung; im Gegentheil, es vermehrte nach dem Frieden durch. eine Menge ſich folgender Verordnungen die Verwaltungsbehbrden, und dadurch und durch, ſo manche andere Dinge ſeine Ausgabcen, und in Folge de- rer die Abgaben; und da--dieſe, doch nicht zureichten, 4. DUH! jene zu deen, ſeine Schuldenlaſt.“ Ein neues Steuer? Syſtem vergrößerte die Erſchütterung, die das Land ſchdn erfahren Hatte; die ganze Laſt'der Abgaben fiel durch ſie'auf: die Gewerbe, beſonders aufdas des Lands mannes.-* Die'Geſeße, welche zur Beförberung der Landescultur gegeben waren, und die Eigenthums- Ver- Leihüng der Bauernhdfe;"konnten ihren Einfluß nicht ſs ſchnell äußern, um ein Gegengewicht abzugeben, wie dies der Kanzker gehofft hatte; unterdeſſen nahm die Willkähr in der Verwaltung immer mehr zu; und ward um ſo ſtärker empfunden, da die Einführung der Stände immer länger verſchoben blieb. Die Fortſchritte des Awerbaues ſeit der Verwaltung des Kanzlers, alſo in 10 Jahren, waren unleügbar ſo groß, wie zu einer andern Zeit man ſie ſelten in einem Yahrhunderte finden würde. Allein, der Mangel än Betriebs- Capital, der Mangel an Abſaßz der Producte, indem die Landleute von dem eignen Markt und von Der Verpflegung des eignen Heeres durch die Ausländer verdrängt werden; und der Wucher, dem. die Geldbe- 'dürftigen ausgeſeßt ſind, haben'die' Wirkungen jener Einrichtungen"geſchwächt und die Hoffnungen zerſtört, zu denen das Land in dem öſtlichen Theile des Reichs von dieſer“Seite unter ſo vielen andern trüben Ausſiche ten berechtiget war. Wenn aber ein Theil'eines Körpers erkrankt, leiz den alle anderen mit, wenn außerdem auch keine Ur- ſache dazu vorhanden iſt.* Die Bedrängniſſe der Land- keute haben: daher“ ihren Einfluß auc< auf den Handel 107 und quf.-die ſtädtiſchen Gewerbe geäußert;!. Dieſe zah- len" zwar nicht mehr Abgaben, wie ehemals, aber den- noch veyarmen ſie mit; der Handel ſteht verwäiſet da, nachdem fremde Staaten ihm ſeine Quellen abgeſchnite ken häben; und die Gewerbe, welche ſich durch die ih- nen gewährte Freiheit-neu beleben. ſollten, ſind zwar von. den frühern nachtheiligen Einwirkungen-befreiet, leiden aber wieder quf der andern Seite, indem ſich ſv viele Pfuſcher in ſie hineindrängen, ſo daß die übrigen Lein Brod mehr behalten.“ Blos die Geldbeſißer und die Gewerbe in der Reſidenz blühen immer mehr auf. Lektere, weil dort alles Geld-zuſammenfließt, und-auf Koſten des Ganzen ein großer" Reichthum erzeugt wird, der, da jeder Reichthum relativ iſt, um ſo größer Scheint, je-niedriger diejenigen Producte im Preiſe ſte- Hen, die die Städter dem Landmanne abkaufen müſſen. Erſtere dagegen gaben'durch die hohe Nutung ihres Ca- pitals ſelbiges um“die ganze Höhe der- Staatsſchuld:und um alle diejenigen Schulden vermehrt, die die Grund- beſitzer“ und Corporationen zu.machen gezwungen waz xen.- Gern könnte. man ihnen ihren Wohlſtand“ gön- nen, wenn nur nicht alles Geld dem Ländbau und den Gewerben entzogen und zum Handel mit Staatspapie- xen und zum Speculiren in fremden Fonds gebraucht würde. Wenn wir nun mit einem Blicke die gegenwärtige Lage der Dinge zuſammen Faſſen, ſo finden wir, daß ; Preußen mit großem Kraftaufwande ein Gebäude bes „'gonnen hat,. welches. bis jezt unvollendet geblieben iſt, 4.08 und ſtatt, nach) dem Willen:-des:Monarchen„ feinem S3olfe,.im Sturme Schutz. zu- gewähren, eine, Ruine,zu werden droht, 1.in welcher ſich. böſe„Geiſter. einniſten wollen«, Unbedenflich.iſt gie lie jekt wirde; in einer ole ſo gefährlichen Criſis,„als in den Jahren 3 807, 10, I2 und„4813, eben ſo gefährlich weil. ſie. nicht ſo ſichtbar iſt.; Preußens/innere- Verhältniſſe ſind erſchüttert, Die Stüßen.-auf welchen früher die, Wohlfahrt ruhte, hat die, Zeit-Untergraben, hat dieGeſeßgebung niedergeriſ= fen.„Gleichgültigkeit, gegen„die Religion, eine in.bei- nahe lauter; ändividuellen Glauben, übergegangene,Neli- gion, läßt. die Nation| dieſen,mächtigen gemeinſchaftli- chen Stüßpunkt entbehren. Die Macht,„das Anſehen der Krone» iſt. auf. manche-Weiſe:geſchwächt 5; der Adel, ſo weites von„der Geſezgebung abhängig. war,“ vernichz tet3-alle- Bande, die den Bürgerſtand, unter/ſich den Landmann mit ſeinem Obergrundherrn.verhanden,. ſind ganz. gelöſet 9der gelo>ertz falſche Theorien über Frei- beit„- Gleichheit; Volkserziehung„''Volksthümlichkeit, BVolksſoyverainität haben um ſo-gefährlicher. die Köpfe „der Menſchen verdreht, als in dieſen Begriffen zugleich das Heiligſte, was die Menſchen beſizen, mit den Quellen vermiſcht iſt, aus welchen vnabſchhneg Elend entſpringt. Noch iſt Hülfe möglichy vielleicht nicht 2000 ſo Ächwer, als man.denkt„noch ruhen die Mittel in des Königs Hands Alle Elemente zu einer guten und; zu 104 ener böſen Zukunft ſind bei uns vorhanden 3. zu beiden liegen die Würfel vor uns; die Hand, in welche ſie kommen„ entſcheidet den Wurf. Noch hat'der'Strus- del, in welchem ſich das ſüdliche und das weſtliche Eus ropa drehen, Preußen nicht ergriffen. Aber" ſeine äußerſten Wellenkreiſe drohen uns zu erreichen, und es bleibt nur die Wahl, mit fortgeriſſen zu werden und es Gott und dem Zufall zu überlaſſen, wohin auch wir geriſſen werden, oder ihm einen feſten Damm ent2 gegen zu ſtellen. Stille bleiben bringt eben ſs gewiß Verderben, als ſich hineinſtürzen. Die Herſtellung der Finanz- Verhältniſſe iſt die nächſte und nothwendigſte Maaßregel;'- Durch Ord= nung und Sparſamkeit auf'der einen Seite, und durch Fichtige Würdigung der Geldverhältniſſe“ und Herſtel: füng des Wohlſtandes der Unterthanen auf der andern Seitel, wird dieſer Zwe erreicht werden. Die Einführung einer"einfachen nicht koſtbaren Verwaltung, die-Vereinfächung' des Geſchäftsganges; die Wiederherſtellung/ einer ſtändiſchen Verfaſſung, eine Reviſion des Landvechts, und'verbeſſerte Credit 2 Suyſtitutionen, würden, verbunden mit“ guten“ Fi- nanz- Einrichtungen, die'Macht'des Staats ſtär-2 ken und vermehren;' den Wohlſtand' der Einwohs2 ner herſtellen, die Unzufriedenheit entfernen und. das Tntereſſe der Unterthanen' und des Monarchen ſo eng an einander ketten;'däß Preußen die Stürme von außen ruhig toben hören könnte, indem es wirklich einen Damm bildete, an welchem ſich die revolutio- 110 nairen, Wellen, die uns. dex Weſten zuſendet, bres elungen im Jahre 1813 die Bewunderung der Welt verdient. Aber ſo groß. dieſe Dinge einzeln ſind und erſchei- nen, ſo hat ein unerforſchliches. Schi>ſal die Anforde- rung. an ihn noch höher geſtellt. und. in einer gußeror- dentlichen Verkettung der Dinge liegt es, daß alles Große, was bisher unter ſeiner Mitwirkung geſchehen iſt, nur Fragmente bleiben, bis der Schlußſtein da iſtz ZIR denn von dieſem hängt die Sicherheit des Throns und das Glü> des Staats und ſeiner Bewohner ab, von dieſem das Maaß des Danks und der Bewundernng ſeiner Zeitgenoſſen und die-Stufe des Ruhms bei ſeinen Nachkommen. ENLWN.J.V.V.W. GN. KN N — EE 88 *———— 8 8 8 8 8 4 —⁵ —————— 000900 1 A 2 4 6000600 — ——— ......H...H.ͤͤßHßßß.ß.ßß“ Zerbſt, gedruckt bei Andreas Füchſel. 4,424649644767466065,7944496443,57464744,787,1458,971596944,64886865457844668 w999eeeeeedeee ae aanss S d 2 5 ———————————0 8 ssdasgedoedodanasonaneeenesssanedheeen an Gaacecaeeas0eeeeee eee AA 3 ** 8 300903669090060,2,39 5 8— n Hardenberg. ratskanzlers ig der Schrift: MOIISAX u010 AO onlg OIG 10100/8 lUM 2ldeehN 8 S0euue 3