[Uav-Bibi. iessen — Practische Anleitung zur Fabrikation | eines Sehr wohlfeilen und wohlschmeckendeh Mee Mop aus der Arzneygel. Doctor, Königl. Preuſs, Professor, Lehrer der Naturwissenschaften am ökonom. Institute zu Mögelin, Mitgliede mehrerer gelehrter Gesgellscbhaften 4 etc. REER NEE MET Berblisiü, gedruckt bei Carl Friedrich Amelang DOI: 2 Der Syrup aus Pflaumen und aus Moorrüben. In der gegenwärtigen Zeit, wo ein jeder, wel- cher Sich dazu berufen fühlt, bei den Mangel an Produkten des Auslandes und dem übermäßig theuren Preisen, in welchem Sie jetzt Stehen, auf gute Ersatzmittel derselben spekulirt, wird es für jede größere oder kleinere Haushaltung wichtig Seyn, wenn ich hier meine Erfahrungen über die Fabrikation eines Zuckersyrups aus Pflaumen und * eee eee== Moorrüben getreu mittheile. Ich sage aber nicht ohne Ursache;,, gute Ersatzmittel", denn es kann nicht fehlen, dals bei dem allgemeinen Drange, Surrogate ausländischer Produkte aus einheimischen Materialien zu liefern, auch man- ches aus verschiedenen Rücksichten nicht zu empfehlende, oder wirklich Schlechte Ersatzmittel oft mit lauter Stimme angepriesen wird; und dann iet immer statt des Vortheils, Verlust auf der Seite des Publikums, indem es zuerst jene un- rechtmäßigen Anpreisungen bezahlen muſ, und nachher doch noch für Sein Geld betrogen wird. Ezxempla Sunt odiosal»- Sonst könnte ich meh- rere Bogen mit der Rüge Solcher Betrügereien füllen. Ferner Sagte ich auch nicht ohne Ur- Sache, man müsse Seine Erfahrungen über diese Gegenstände getreu mittheilen, denn nichts ver- ringert den frühern guten Ruf einer an Sich gu- ten Sache mehr, als wenn man den, von ihr zu gewinnenden Vortheil über die Maaſszen erhebt, auch in diezem Falle wird das Publikum getäuscht, und es liegt darin der Grund, dals man gegen jedes empfohlene Surrogat Widerwillen und Zwei- fel Sich erheben Sieht. Diese wenigen Worte, in denen ich meine Meinung über diesen Gegen Stand deutlich genug an den Tag gelegt zu baben glaube, mögen meine Leser überzeugen, daſs ich hier zwei gute Surrogate des Zuckersyrups em- pfehlen, und meine Erfahrungen über die Berei- rung derselben genau mittheilen, 80 wie die Yor- theile, welche Sie uns gewähren können, getreu und ohne sie zu übertreiben, auseinander Setzen werde. 2 M] 1, Meine neuesten Erfahrungen über die Zubereitung des Pflaumensyrups. Es ist bekannt, daſs die Frucht des gewöhn- lichen Pflaumenbaums("Prunus domestica), die SOgenannte blaue Pflaume oder Zwetschke, vie- len Zuckerstoff enthält. Bereits im Herbste(1810) machte ich einen kleinen Versuch, um aus'die- Sen Früchten einen brauchbaren Syrup, oder viel- leicht Selbst Zucker zu gewinnen, und er gelang SO gut, daſs ich mich entschloſs im Herbst 1811 meine Arbeit zu wiederholen; die Regultate des- gelben theilte ich Hrn. Geh. R. Hermbstädt mit, welcher sie in der Kürze in Seinem Bulletin mittheilte, und auch ich habe ihrer Schon(in mei- nem Handbuche der Naturgeschichte für Land- wirthe 2. Theils, 2. Band. pag. 692) bei-Gele- genheit des Pflaumenbaums erwähnt. Zu glei- cher Zeit fand ich in den Gffentlichen Blättern, daſs auch Hr. Dr. John einen ähnlichen Ver- zuch gemacht hatte, welcher befriedigende Resul- tate lieferte Kurz darauf verfertigte auch ein Chemiker in Westphalen Syrup und Zucker aus Pflaumen, und erhielt dafür, wie uns öffertliche Blätter berichten, eine Gratifikation yom Könige von Westphalen. Es ist mir aber noch keine genaue Beschreibung des Verfahrens dieser bei- den Chemiker bei der Bearbeitung des Pflaumen- Syrups bekannt; ich werde deshalb das meinige genau mittheilen, um einen jeden in den Stand zu Setzen, meinen Weg zu verfolgen. Vorläufig muſs ich noch erinnern, daſs es bei der ganzen Sache sehr auf die Zeit ankommt, in welcher man die Pflaumen einsammelt. Ich *'o habe aus den zuerst abgenommenen(also noch nicht zur Periode ihrer völligen Reife gelangten), und aus den zuletzt eingesammelten Pflaumen Syrup bereitet, und dabei die Erfahrung ge- macht, daſs von den letztern beinahe noch ein- mal 50 viel Syrup gewonnen wurde, wie von den ersteren. Man wird also, wenn man die höchste Quantität des Syrups, und ihn Selbst von der besten Beschaffenheit zu erhalten wünscht, die Periode wählen müssen, in welcher die Pflaumen Schon anfangen, an den Stielen einzuschrumpfen. 1) Geräthschaften und einige andere nothwendige Bedürfnisse, zur Berei- tung dieses SYyrups. Die Geräthschaften bestehen, wenn man nur einigermalsen ins Groſe arbeiten will: 1. In einer Presse; am besten halte ich hiezu eine Schraubenpresse, mit vertikal herab- gehender Schraube. Ihre nähere Beschreibung übergehe ich hier, da Sie einem jeden meiner Leser bekannt Seyn wird. 2. Ein(oder einige) wie ein S geschlun- genes Schneideeisen, dessen man Sich zum Zer- Stolſzen der Wurzeln und in den Haushaltungen zu bedienen pflegt. 3. Einige hölzerne, unten flache Keulen zum zerstampfen. 4. Einige Zober von verschiedener Gröſße. 5. Einen kupfernen Kessel von ohngefähr 12 bis 20 Eimer Inhalt. Man kann hiezu die ge- wöhnlich eingemauerten grofsen Waschkessel ehr gut gebrauchen. S 6. Ein Sieb mit einem 50 genannten Mosko- viter Boden. Einige Seihetücher von Flanell. Einige Tenakel, Schaumlöffel, Kellen etc. Auſserdem hat man noch eine(nach Ver- Schiedenheit der Quantität Pflaumen, welche man bearbeitet, zu bestimmende) Quantität gepulverter Kreide, oder Statt dieser, guten gebrannten und gelöschten Kalk nöthig. Ferner eine Quantität frischer, abgerahmter Milch, und etwas Lakmus- Papier zur Prüfung des Pflaumensafits. 2) Vom Zerkleinern und Auspressen der Pflaumen. Die Pflaumen werden zuerst einige Male ge- waschen, um Sie von allen ihnen anhängenden VUnreinigkeiten zu reinigen. Alsdann werden Sie ausgekernt; diese Arbeit ist etwas müh- Sam, geht aber um so schneller und leichter, je reifer die Pflaumen Sind, weil Sich dann der Kern um 50 besser löst. Am besten ist es, Sie bloſs durch Hülfe der Hand von ihren Kernen zu befreien, und nur bei denen, welche nicht gut vom Kerne loſslassen wollen, das Messer zu ge- brauchen. Die Pflaumen enthalten nämlich, wie die mehrsten Früchte, etwas freie Säure, von welcher vorzüglich das Eisen leicht angegriffen wird, welches dann dem Syrup leicht einen klei- nen Beigeschmack giebt. Man kann daher die, welche Sich 50 nicht vom Kerne trennen wollen, zurückwerfen, und sie nachher für Sich ausschnei- den lassen. Da diese Arbeit, wenn man nur 5 bis 6 Scheffel bearbeitet, Schon einigen Zeitauf- wand verursacht, 50 thut man wohl, 5so viel Ar- 6 beiter wie möglich dazu zu nehmen, und zie am Abend oder Nachmittage vor dem Tage, an welchem man die Pflaumen pressen will, vorzu- nehmen; 12 Personen, wozu man Selbst Kinder yon 10 bis 12 Jahren vehmen kann, pflegen in 2 bis 3 Stunden 6 Scheffel auszukernen. Die Kerne hebt man entweder zum Pflanzen oder zu anderweitigen Benutzung, auf welche ich nachher noch zurückkommen werde, auf. Die ausgekernten Pflaumen wirft man in ei- nem Zober oder in einem grofsen Badetroge zusammen, und läſst Sie, wenn man die Arbeit des Auskernens am Abend unternommen hat, die Nacht hindurch an einem Kühlen Orte Stehen. Hierbei kann ich nicht unberührt lassen, dals man für dichte Gefälßze Sorgen muls, in denen man diese Pflaumen hinstellt, denn Schon nach dieser Operation fließst eine Quantität Sehr Sülsen Saftes zusammen, welcher bei der Vernachläſsi- gung jener Vorsicht verloren geht. Am andern Morgen Sschreitet man zum Zer- Stampfen und Auspressen der Pflaumen, wobei ich ſolgendes Verfahren für das zweck- mälsigste befunden habe. Die ausgekernten Pflau- men werden in kleinen Quantitäten(ohngefähr zur Zeit ein halber Scheffel) in einem dazu pals- lichen Zober zuerst mit einem Schneideeisen zer- Stolzen, und dann noch mit einer hölzernen Keule zerstampft. Sind Sie auf diese Weise genugsam zerkleinert, 50 füllt man Sie in einen nebenste- henden Zober und verfährt mit den übrigen Pflau- men eben 50. Während eine Person diese Arbeit verrichtet, schreiten einige andere zum Pressen 7 der zerquetschten Pflaumen. Es werden nämlich diese zerquetschten Pflaumen in den lei- neuen Preſsbeutel(welcher nach Maaſsgabe der Presse eine verschiedene Gröſfse haben wird) mit grofsen hölzernen Löffeln gefüllt, unter die Presse gebracht, und nun gelinde ausgeprelst. j Hierbei habe ich aber noch mehrere Bemer» kungen zu machen, die ich wohl zu beherzigen bitte. Einmal rathe ich alles Metall so viel als möglich zu vermeiden; daher dürfen auch die Stolzeisen ja nicht in dem Zober liegen bleiben, in welchen man die Pflaumen zerquetscht, Son- dern man lege Sie, wenn Sie nicht gebraucht werden, bei Seite und trockne Sie ab. Zam Ausfüllen der zerquetschten Pflaumen bediene man Sich nur hölzerne Löffel. Die Presse kann freilich ohne Metall nicht konstruirt werden, aber um den Saft möglichst rein zu erhalten, lasse man die kupferne Preſsschaale verzinnen und Sorge auch dafür, daſs der hölzerne Preſsdeckel mit verzinntem Eisenblech umschlagen 5ey- Zweitens rathe' ich die zerquetschten Pflau- men zuerst nur gelinde zu pressen, weil im ent- gegengestzien Falle unfehlbar jedesmal der Bentel zerreissen würde. Man wird nämlich. bemerken, daſs der Pflaumenbrei sehr schleimig ist, und Seinen Saft Schwer von Sich giebt, indem die Schleimtheile Sich vor die Poren des Leinens Setzen und diese verstopfen. Es wird oft vor- kommen, daſs ein Beutel reißst, deshalb muſs man gleich mehrere bei der Hand haben, damit bei der Arbeit kein Stillstand eintritt. Auch ist es am besten, mehrere(vielleicht 2 bis 3) Leute bei der Presse anzustellen, einen die Beutei fül- len, einen pressen und einen dritten die ausge- preſsten Pflaumen aus dem Beutel Schaffen zu lasszen, damit die Arbeit ihren ununterbrochenen Fortgang behalte. Drittens rathe ich, die einmal ausgeprelſsten Pflaumen von einer Person in einen hölzernen Zober Schaffen, Sie hier mit einer Quantität Wasser übergieſsen, und Sie damit tüchtig durch arbeiten zu lassen. Auf einen Scheffel Pflaumen kann man hierbei ohngefähr einen Eimer Wasser nehmen. ISt dieses geschehen, S0 läſst man diesen entstandenen Brei wieder in die Beutel füllen, und ihn noch einmal durchpressen. Diese Arbeit Ist freilich zeitraubend, aber Sie ist nöthig, wenn man das höchste Quantum gewinnen will, und man würde wenigstens x des ganzen Ertrages an Syrup verlieren, wenn Sie nicht vorgenommen würde. W..- Auf diese vorhin beschriebene Art verfährt man nun mit allen ausgekernten Pflaumen. Es ist hierbei höchst nöthig, daſs die Arbeit rasch von Statten gehe, damit der ausgepreſste Saft, wo möglich noch am Nachmittage weiter bear- beitet werden kann. Bleibt nämlich der ausge- preſste rohe Saft nur eine kurze Zeit, vielleicht einen Tag über stehend, So hebt gleich eine Gährung in ihm an, und man leidet auf jeden Fall Verlust. Ich habe deshalb nicht mehr als 5 bis 6 Scheffel mit einemmale auspressen lassen, und 50 viele Menschen als Sich dabei gut beschäf- ügen lieſszen, dabei angestellt. Sicher wäre es 9 noch vortheilhafter, wenn man 2 Preszen hätte, weil das Auspressen immer den gröſlsten Aufent- halt macht; allein dieses würde zu Kostspielig Seyn, und man muſs Sich mit einer zu behelfen Suchen. Um die Arbeit rascher zu beendigen, kann man Sich allenfalls noch eine Hebelpresse verfertigen lassen, oder in Ermangelung derselben eine Flachsbreche nehmen, und dabei einige Leute anstellen, welche ebenfalls darin den Pflau- menbrei auspressen. Zwar wirken diese nicht 50 gut, wie eine Schraubenpresse, aber wenn man den einmal ausgeprelsten Brei noch einmal nach- waschen und zum zweitenmale durchpressen läſst, 50 ist kein grofser Verlust dabei, und die Arbeit rückt rascher vorwärts. Die nun zum zweitenmale dürchgepreſsten Pflaumen, Schüttet man in einem hölzernen Zober zusammen, und läſst Sie hier zu anderweitiger Benutzung, auf welche ich nachher noch zurück- kommen werde, stehen. Die Preſsbeutel müssen zwischendurch, we- gen der Sich innen vorsetzenden Schleimtheile, ausgewaschen werden. Weil sie aber eine Menge Saft in Sich gesogen haben, 50 nimmt man dieses Abwaschewasser, welches derselbe in Sich nimmt, zum Auswaschen und Durcharbeiten der erst ein- mal ausgepreſsten Pflaumen. Ein Scheffel guter Pflaumen liefert an reinem, nicht mit Wasser verdünnten Safte, ohngefähr 15 Berliner Quart; und der Saft selbst besizt, wenn man reinlich gearbeitet hat, eine bräunliche Farbe, eine dickliche Konsistenz, und einen angenehm Sülzen Geschmak. 10 3) Weitere Verarbeitung des ausgepreſs- j ten Safts zum Syrup. Der auf die vorhin beschriebene Weise ge- wonnene Saft, enthält aufser dem Zuckerstof nun noch etwas freie Aepfelsäure, Eiweiſsstoff, Schleim und einige beim Pressen mit durchgegangene fasrige oder fleischige Theile, von welchen er 50 viel als möglich gereinigt werden muſs, um in einen wohlschmeckenden Syrup verwandelt zu werden. Hierzu halte ich nun folgendes Verfah- ren für das zweckmälsigste. Man bringe den Ssämmittlich erhaltenen Saft (oder wäre die ganze Portion für den Kessel zu groß, So theile man ihn und bearbeite beide Portionen nach einander, welches aber mehrere Mühe verursacht) in den früher erwähnten, glatt gescheuerten kupfernen Kessel. Die ganze Saſt- masse muſs jedoch nur ohngefähr 50 viel betra- gen, daſs der Kessel nicht über 3 höchstens 3 zeines Inhalts voll wird. Hätte man die Pflaumen nicht nach meiner angegebenen Weise behandelt, Sondern Sie bloſs ausgepreßst, nicht nachgewa- Schen, und daher reinen unverdünnten Saſt ge- wonnen, 50 müſsite er nun nothwendig mit der Hälfte Seines Volumens an Wasser verdünnt wer- den, weil er zu der weiteren Bearbeitung zu Schleimig wäre; dieses ist aber, wenn man meine angegebene Methode befolgt, natürlich nicht mehr nöthig. Hierauf bringe man ihn nun bei gelinden, allmählig etwas verstärkten Feuer zum gelinden Kochen. Hierbei werden Sich die in dem Saſte enthaltenen Eiweiſstheile durch die Wärme ver- dicken, und zugleich mit einigen anderen Unrei- IT nigkeiten in Gestalt eines käsigten Schaumes auf der Oberfläche erscheinen, von welcher man 510 mit einer Schaumkelle abfällt, und mit dem ge Hnden Aufkochen und Abschäumen 50 lange fort- fahrt, bis Sich wenig oder nichts mehr absondert. Diesen abgenommenen Schaum Sammelt man in einem irdenen oder hölzernen Gefälse, und Stellt ihn zum weiteren Gebrauche hin. Alsdann macht man das Feuer etwas mäſziger, nimmt nun die(vorhin Schon gepulverte oder geriebene) Kreide zur Hand, und Schüttet in kleinen Quantitäten(ohngefähr zur Zeit 5 bis 5 Pfund) 50 lange davon zu, bis kein Aufbrausen mehr erfolgt, oder bis ein hineingetauchtes Stückchen blaues Lakmuspapier nicht mehr leb haft geröthet wird. Diese ganze Operation geschieht, um die dem Saſte noch anhängende freie Aepfelsäure, welche, wenn man Sie ihm lieſßse, ihm einen unangeneh= men Nebengeschmack ertheilen, und dem leich teren Verderben aussetzen würde, fortzuschalften. Die Kreide besteht nämlich aus Kohlensäure und Kalk; die freie Aepfelsäure des Safts hat aber eine nähere Verwandtschaft zum Kalk, als dieser zur Kohlensäure hat; Sie verbindet Sich daher mit ihm zu einem unauflöslichen Körper, dem äpfelsauren Kalk, welcher zu Boden fällt, woge- gen die Kohlensäure in Luftgestalt mit Aufbrausen ausgeschieden wird. Dieser Behandlung des Safts mit Kreide muſs nothwendig die eben erwähnte Scheidung des Eiweilsstoffes vorausgehen, depn läſst man diezen dabei und Setzt gleich Kreide hinzu, 50 treten I2 der äpfelsaure Kalk und der Eiweilsstoff zusam- men, und es entsteht eine grolse Menge einer krümlich Kkäseartigen Masse, welche Sich nachher nur mit Mühe und langes Absetzen von der oben- Stehenden Flüssigkeit trennen läßt. Das Zuschütten der gepulverten Kreide muls nur unter kleinen Portionen, bei gelindem Feuer, und unter beständigen Umrühren geschehen, denn es entwickelt Sich hierbei eine bedeutende Menge kohlensaures Gas, welches, bei unvorsichtiger Behandlung, leicht ein Uebersteigen der ganzen Masse bewirken kann. Auch muſs man immer erst eine Weile warten, wenn man Kreide hinzu- geschüttet hat, ehe man wieder eine neue Por- tion hineinträgt, damit Sich die hineingetragene Quantität gehörig Sättigen könne. Die Quantität der zum Sättigen erforderlichen Kreide läſst Sich nicht genau bestimmen, weil es yon der Beschaffenheit der Reife der Pflaumen abhängt, wie viel man gebraucht. Bei ganz ge- reiften Pflaumen hat man natürlich nicht 50 viel nöthig, als bei den noch nicht völlig rei- fen. Ich habe im Durchschnitte gefunden, dals 1 Pfund Kreide hinlänglich war, um den Saft von 1 Berl. Scheffel Pflaumen zu entsäuren. Das Lakmuspapier, oder eine genaue Aufmerksamkeit auf das Aufbrausen, giebt hier den besten Maals- Stab; wird das erstere nicht mehr geröthet, und hört das letztere beim Zuschütten der Kreide auf, 'S0 Iist dieses ein Zeichen, daſs die Sättigung vol- Jendet Sey. Uebrigens wird man immer besser thun, lieber etwas zu viel, als zu wenig Kreide zu nehmen; denn die überflüssig zugesetzte fällt IZ als ein unauflösliches Pulver zu Boden, Sondert Sich daher als eine unnachtheilige Substanz Selbst ab; etwas überstehende Säure kann aber immer den Safte einen Beigeschmack ertheilen. Ich empfehle hier die Kreide und nicht den Kalk, weil ich die erstere immer angewandt habe, und dabei einen Sehr guten Syrup erhielt, und weil Sie dem, in chemischen Arbeiten Ungeübten, einen Maaſßsstab an die Hand giebt, durch das Nachlassen des Aufbrausens dgn Sättigungspunkt zu bestimmen. Der gebrannte und nachher ge- löschte Kalk, wird Sicher dieselben Dienste leisten, aber einmal kann man Seine Quantität nicht 50 genau bestimmen, zweitens bemerkt man kein Auf- brausen dabei, weil er von Kohlensäure frei ist, und endlich soll er dem Safte leicht einen gerin- gen unangenehmen Beischmack geben. Jedoch kann ich über das letztere nicht genau urtheilen, weil ich ihn nicht angewendet habe. Uebrigens ist die Ausgabe für Kreide im Ganzen genommen S0 geringe, dals man diese leicht nehmen kann. Ist nun die Sättigung vollendet, so läſlst man das Feuer unter dem Kessel wegnehmen, und füllt nun die ganze in ihm enthaltene Flüssigkeit in ein zur Hand gestelltes Fals. Am besten ver- fährt man immer, wenn man hierzu ein hohes, mit mehreren Zapflöchern versehenes Fals(ein S0genanntes Decantirfaſs) nimmt; aber in Erman- gelung desselben kann man Sich auch eines jeden anderen Faſlszes oder einer Wanne bedienen, nur ;orge man dafür, daſs das Verhältniſs der Höhe dieses Faſses gröſser Sey, als das der Breite und nicht umgekehrt, weil im letzteren Falle beim nachherigen Abschüpfen des Saftes der Bodensatz leicht aufgerührt wird und die Flüssigkeit trübt. Das Ausfüllen des gekochien Saftes aus dem kupfernen Kessel muſs gleich geschehen, und man darf ja nicht 80 nachlässig Seyn, ihn vielleicht eine Nacht oder einige Siunden darin Stehen zu laszen, weil dieses leicht eine Sehr Schädliche Verunreinigung mit Kupfer Dach Sich ziehen könnte. In der Siedehitze wird das rein ge- Scheuerte Kupfer nicht von dem Safte, Selbst wenn er noch etwas freie Säure enthält, ange- griffen, aber ist man 80 unvorsichtig, ihn nicht gehörig reinigen zu lassen, 50 wird das an ihm hängende Kupferoxyd gleich aufgelöst; und eben so würde gich auch dieses Kupferoxyd bald erzeugen, wenn man den Saft im Kessel wollte stehen lassSen, und es würde nachher von ihm aufgelöst werden. Eben deshalb* muſs auch der Kessel gleich nach dem Ausfüllen gereinigt, und noch warm, trocken ausgewischt werden, damit Keine Feuchtigkeit in ihm hängen bleibe, welche Ssonst leicht eine Bil- dung von Kupferoxyd zur Folge hat. In dem Absetzegefälse läſst man nun den aus- gefüllten Saft, an einem kühlen Orte, wenigstens 24 bis 36 Stunden zum AbsSetzen ruhig Stehen. Man wird ihn schon am andern Morgen ziemlich klar finden, indessen halte ich es immer für bes- Ser, ihn die angegebene Zeit hindurch stehen zu lassen. Hat Sich nun der Saſt gehörig geklärt, und der äpfelsaure Kalk abgesetzt, 50 Schreitet man(vielleicht am zweiten Morgen, wenn man die Sättigung am Nachmittage oder Abead vornahm) zur weiteren Bearbeitung des Saftes. 15 Hat man ein Decantirfaſs, 80 läſlst man den geklärten Saft, 50 lange er noch klar läuft, in ein anderes Gefäls ablaufen. Hat man aber ein gewöhnliches Fals oder Wanne genommen, 50 kann man ihn entweder yorsichtig vom Bodensatze abschüpfen, oder mit einem Heber abnehmen. Das Abgielgen mögte ich nicht anrathen, weil hierbei der Bodensatz leicht wieder aufgerührt und die Flüssigkeit getrübt wird. Alsdann gielst man ihn durch ein, über einen Tenakel gespanntes flanellenes Tuch, wodurch er leichter schnell lau- fen wird, um ihn von den, etwa in ihm schwim- menden Upreinigkeiten zu befreien. Hiermit fahrt man fort, bis der klare Saft 50 weit wie möglich abgeschöpft ist. Der Rückstand(wenn man mehrere Gefälze zum Absetzen hingestellt haite, 50 gielst man den Rückstand zusammen) laßt man nun entweder ruhig Stehen, damit sich der mit ihm verbundene Saft noch ferner abkläre, oder gielst ihn in einen fanellenen Spitzbeutel, um ihn durch diesen klar laufen zu lassen. Das Abschöpfen muſs 50 behutsam wie mög lich geschehen, damit der Bodensatz nicht aufge- rührt werde, denn Ssonst Setzt Sich dieser in die Tücher, erschwert das Durchlauten erstaunlich, und yerlängert die Arbeit. In Hinzsicht des Fla- nells habe ich noch zu bemerken, dals man Ja keinen neuen Flanell nehme, ohne ihn vorher in heiſzen Wasser einigemale ausgewaschea zu haben. Es hängen diesem Zeuge immer von Seiner Bear- beitung her noch Glige Theile an, welche Sonst der durchgegossenen Flüssigkeit Sehr leicht einen üblen Geschmack mittheilen. Wollene Tücher 16 zind übrigens zum Durchgiessen immer besser als leinene, denn einmal läuft die Flüssigkeit leichter hindurch, und zweitens nehmen Sie in ihrer haarigen Oberfläche die Unreinigkeiten besser- aut, als jene. Den durchgegossenen Saft kann man nun wieder in den grofsen kupfernen Kessel bringen und ihn hier bis zur Syrupsdicke einsieden. Will man aber den Syrup von der besten Beschaffen- heis haben, 50 rathe ich noch folgendes Verfahren mit ihm vorzunehmen. Man Setze nämlich dem durchgegosSenen Safte 50 viele frische abgerahmte Kuhmilch hinzu, daſs auf den Saft von einem Scheffel, ohngefähr 13 Berl. Quart Milch zu ste- hen kommen. Diese Milch vermischt man kalt mit dem Kalten abgeklärten Safte genau, gielst dieses Gemisch wieder in den Kessel, und bringt es hier durch untergelegtes gelindes Feuer, all- mählig zum gelinden Kochen. Es werden hierbei die käsigten Theile der Milch gerinnen, und Sich mit dem größten Theile des noch mit dem Safte verbundenen Schleims und etwanigen Eiweilsstoffs, in Gestalt eines genau käsigten Schaums auf sei- ner Oberfläche absondern. Von hier kann dieser nun gröſstentheils mit einer Schaumkelle abge- nommen werden, der andere Theil muſs aber noch wo möglich daraus entfernt werden, weil er Sonst den Saft verunreinigen würde. Das Durch giessen durch flanellene Tücher oder einen Spitz- beutel von dieszem Zeuge, wäre nun freilich das beste und Sicherste Mittel, aber dieses macht vie- len Aufenthalt. und vermehrt die Arbeit, welche beide in einer guten Wirthschaft 50 viel als mög- lich yermieden werden müssen. Ich 17 Ich habe deshalb diesen Saft. durch ein feines Sieb, mit einem sogenannien Moskowiter Boden von| Pferdehaaren, gieſsen lassen, wobei er hin- reichend klar durchlief, und. die ganze Arbeit Schnell von Statten gieng, 80 dals der Saft von circa 6 Schefieln, wenigstens in LZ-bis 2 Stunden durchgelaufen war.. Will man-.Sich die Mühe machen, 580 kann man.ihn durch Flanell gießen, „aber denn wird bei dieser Arbeit(wenn man ohngefähr die eben erwähnte Portion bearbeitet) wenigsleus ein Tag hingehen. Die geronnenen Theile Sammlet man in einem irdenen oder hö!- zernen.: Gefälse, und stellt Sie zum weiteren Ge- brauche hin. Man kann Sie, um. die Anfüllung vieler Gefälse zu, vermeiden, gleich, zu dem frü- ber abgenowmenen Eiweilsstoffe schütten. Ist nun„der Saft auf diese Weise„völlig ge- klärt, So. Schüttet. man ihn wieder in den Kessel, und, läßt ihn. hier bei gelindem Sieden bis zur mäſsigen Syrupsdicke abdunsten, ohne,„darin zu rühren., Es wird. Sich hierbei immer.noch etwas Schaum,„absetzen, den man mit einer Schaum- kelle abnehmen,, und zu den gesammleten Ab- fällen A Eiweils/ und Schleim) schütten Kann. Hierauf füllt man ihn gleich in vorher wohl aus- getrocknete und erwärmte Steintöpfe, und bringt ihn dann aus diesen in einen kleineren„ flachen, zum Abrauchen bestimmten, inwendig verzinnten Kessel, worin man ihn bis zur völligen Syrups- dicke bei. gelindem, Feuer abdunsten läſßst; oder groſs genug ist, um die ganze Masse zu ſassen,- gleich in diesen und yerfährt wie yorher, Hat er hierin &k* man füllt ihn, wenn der Abdamptfekessel 18 nun Seine völlige Konsistenz erhalten, 60 füllt man ihn noch warm in die erwärmten Steintöpfe, Jäſst diese S0 lange offen oder mäßig bedeckt, bis der Syrup völlig abgekühlt ist, verbindet 519 dann mit Papier oder einer andern dichten Be- deckung, und bewahrt den Syrup an einem küh- Jen Orte zum Gebrauche auf. Hat man nach der hier angegebenen Weise 50 wird man einen Sehr wohl- genau gearbeitet, Schmeckenden Syrup erhalten, welcher Statt des gewöhnlichen Zuckersyrups vollkommen zur. Ver- Süßung der SpeiSen benutzt werden Kann. Sorgt man nur dafür, daſs die Gefälge, in welchen man ihn aufbewahrt, vollkommen trocken 4; waren, S0 kann man Sicher dafür Seyn, daſs er nicht sclimmle oder auf andere Art verderbe. Es versteht Sich aber von Sselbst, daſs man ihn an einem kühlen Orte, etwa in einer Speisekammer oder im Keller aufbewahren muſs, weil er in Starker Wärme, wie jeder andere SyrTüp, ir Gäb- rung geräth. Er verbessert Sich vielmehr durch das Stehen noch wesentlich und wird Süßßer, in- dem der geringe Theil des noch fein in ihm zer- | heilten äpfelsauren Kalks, welcher Sich früher 1 Wielleicht nicht vollkommen aus ihm absetzte, beri dem ruhigen Stehen aus ihm zu Boden fällt. Ueber die Quantität, welche man an Syrup er- hält, werde ich späterhin noch reden. | 1:4 EaBe es vergucht“ aus dem vollig'geklär- j ten Safte durch langsames Abdunsten Kkrystallisir- | baren Zucker zu gewinnen, aber es gelang auf | Jede Weise nicht. Ich zweißle zwar nicht, daſs man bei einer anderen BeHändlungsweise Zucker wut 1 2 ün ZINNI 2 19 daraus wird darstellen können, indesgen frägt es Sich, ob dieses nicht zu viele Umstände für den in chemischen Arbeiten Ungeübten macht, und ob überhaupt Vortheil dabei herauskomme. Wir haben ja Schon Sehr viel gewonnen, wenn wir uns nur einen wohlschmeckenden Syrup zu gerin- geren Preisen verschaffen können, als den gemei- nen Zuckerstoff, und dieses gelingt auf die ange- zeigte Weise vollkommen. 4) Von der Benutzung der Rückstände. Bei der Bereitung des Pflaumensyrups, nach meiner Verfahrungsart, erhält man eine bedeu- tende Menge Abfälle, welche man noch auf ver- zchiedene Weise Sehr vortheilhaft in den Haus- haltungen benutzen kann. I. Gewinnt man bei dem Auskernen eine Menge Pflaumenkerpe, welche theils zum Ver- pflanzen gebraucht, theils wie ich nachher zeigen werde, zur Bereitung eines wohlschmeckenden Branntweins mit den übrigen Rückständen ver- braucht werden können. 2. Bleiben bei dem Auspressen der Pflaumen eine Menge markiger, faseriger und häutiger Theile übrig, welche dem Volumen nach wenig- Stens die Hälfte der zum Pressen angewandten Pflaumen betragen. 3. Hat man Sowohl den Eiweilsstof, als auch den übrigen Schaum beim weiteren Einsieden des Safts gesammlet. Diese Rückstände kann' man nun auf ver- schiedene Weise benuizen. ** [2] a) Zur Bereitung von Branntwein. Dazu würde ich rathen, die Rückstände 2 und 3 mit einander zu vermischen, allenfalls wenn das Gemisch noch nicht flüssig genug wäre, etwas warmes Wasser hinzu zu Setzen; dann ohngefähr den vierten Theil der gewonnenen Kerne zer- stoſgen zu lassen, auch diese darunter zu mischen, die ganze Masse gähren zu Jassen, den Zeitpunkt der Weingährung abzuwarten und Sie dann auf die Destillirblase zu bringen und abzuziehen. Ich bin gewils, daſs man auf diese Weise einen Sehr gut Schmeckenden Branntwein gewinnen wird. Selbst, habe ich diese Benutzungsart Dicht versucht, weil es mir an einer Blase fehlte; aber ;ch habe bemerkt, daſs die zur Essiggährung hin- gestellte Maße in einigen Tagen in eine Sehr angenehm riechende Weingährung gerieth, und es leidet keinen Zweifel,: daſs ich einen Sehr guten Branntwein daraus würde gewonnen haben, wenn ich die Masse hätte destilliren könen. In Pollen wendet man die Pflaumen häufig zum Branntweinbrennen an, nimmt einen Theil der Kerne hinzu, und gewinnt eine Sorte Branntwein daraus, welche man dem Fruchtbranntwein Vor- ziehet. Zwar ist bei unserer Behandlung der Zucker gröſstentheils aus den Pflaumen geschieden, aber es läßt Sich nicht läugnen, daſs noch etwas zu- rück bleibt. Außerdem aber bestelien die Bück- Stände Sämmtlich aus So!chen Substan2zen(Schleim, Schleimiger Faser und Eiweiſs), welche, unter den zur Gährung nöthigen Bedingungen, leicht 21 in die Weingährung„und von dieser zur Essig- gährung übergehen. b) Zur Bereitung Yon Obstess31g. Hat man keine Destillirblase, 30 rathe ich, die Rückstände zu Obstessig zu benutzen. Dieses Täſst Sich ohne viele Umstände bewerkstelligen. Man verfährt wie vorhin, Schüttet die 8Sämmtlichen Riückstände zusammen, nimmt aber die Kerne vicht hinzu, und läſst Sie(vielleicht indem man, wenn der Brei zu dick wäre, noch etwas Wasser hinzusetzt) in einem weiten, hölzernen Gefäle gähren. Ist die Essiggährung vollkommen einge- weten, 50 preſszt man die ganze Masse aus, wel- ches, da der Schleim nun schon aufgeläst und durch die Gährung umgewandelt ist, viel leichter gehen wird, als das Auspreszen der frischen Pflau- men. Die gewonnene Flüssigkeit bringt man entweder für Sich auf Ankerfäſzer ader mischt ihr in jedem Ankerfaſse 1 bis 2 Berl. Quart Brannt- wein zu, und läſst Sie damit weiter gähren, bis der Essig nicht mehr an Säure weiter zunimmt. Auf diese Art wird man einen Sehr. guten Essig gewinnen. Wie grofs die Ausbeute des aus die- zen Rückständen bereiteten Essigs, und wie Stark er Selbst Seyn wird, kann ich noch nicht genau bestimmen, da die damit angefüllten Fässer ihre Essiggährung noch nicht vollendet haben und noch immer an Säure zunehmen. Daſs man die Rückstände auch zur Viehfütte- rung anwenden könnte, bedarf wohl meiner Er- innerung nicht,;ndessgen wäre dieses unter allep gewils die unvortheilhafteste Benutzungsart. 22 5) Rezultate. Der Ertrag an Syrup, welchen ich aus den Sämmtlich bearbeiteten Pflaumen erhielt, war Sehr verschieden, indem mir die zuletzt bearbeiteten beinahe noch einmal 50 viel desselben lieferten, als die ersten. Dieses Schreibe ich theils der Be- Schaffenheit der Pflaumen, theils meiner frühern noch nicht ganz zweckmäßigen Bearbeitungsweise zu, indem ich durch mehrere Versuche nach und nach erst auf den besten Weg gelangen mußte. So lieferten mir z. B. zuerst 3 Scheffel(Berliner) nur 20 Pfund Syrup, also der Scheffel nur 6 Pf. 21Z* Loth. Nachher erhielt ich aus 5 Scheffeln Pflaumen 50 Pfund Syrup, also 10 Pfund vom Scheffel. Die noch später bearbeiteten lieferten 14 Pfund vom Scheffel, und die letzten 16 Pfund Syrup vom Scheffel. Dieser Syrup war von der Dichtigkeit, dals ein Berl. Quart 3 Pfund an Gewichte hielt. Im Ganzen genommen wurden 20 Scheffel bearbeitet, und aus diesen 161 Pfund Syrup gewonnen. Die Durchschnittszahl würde also in diesem Falle vom Scheffel 3 Pfund betra- gen. Wie gesagt, war aber der Ertrag Sehr ver- Schieden und ich bin gewiſs, daſs, wenn man die Pflaumen im gerechten Zeitpunkte ihrer Reife nimmt, und völlig nach meiner angezeigten Weise arbeitet, man den Ertrag wenigstens auf 10 bis 12 Pfund vom Scheffel berechnen kann. Um 1in- dessen zu beweisen, daſs Schon bei' dem Ertrage, den ich bei meiner zum Theil unvollkommnen Bearbeitung(indem ich mit den ersten Portionen Versuche machen muſste, um die beste Behand- lungsweise aufzufinden,) erhielt, ein bedeutender Vortheil Statt findet, werde ich eine Berechnung der Kosten ſolgen lassen. Den Berliner Schefiel Pflaumen rechne ich: zu dem, nicht geringen DIE eL20n 40: 6- OB MUDZe 4 20 804 PT Courant. 20 Scheffel Pflaumen 4 20 Gr. 16 Thlr. 16 Gr. Cr& Für Arbeitslohn, Feuerung Preſsbeutel, Kreide und Milch: 5 Thir. 16 Gr. Nnze 3 ws u ENIE TW REA 66 115 FS 73 NEO«1 Summa 20 Thlr. 10 Gr. Crt. Wenn also 160 Pf. Syrup in Summa 20 Thlr. 10 Gr. kosten, 50 beträgt dieses für das Pfund 325 Gr. Ich habe hier die Zinsen des Kapitals für die Anschaffung der Presse, des Kessels und der übrigen Geräthsachaſften nicht mit berechnet, weil ebenfalls der Gewinn. an Branntwein oder Essig aus den Rückständen, welcher diese Zinsen weit übersteigen wird, nicht mit berechnet ist-. Kann man Sich für 3+ Or. Schon. einen Sehr guten, wohlschmeckenden, brauchbaren Syrup verschaffen, 350. wird man Schon bedeutend ge- winnen, indem guter Zuckersyrup jetzt wenig- Stens das Pfund. 8: bis 10 Gr. Crt. kostet!--- Noch bedeutend höher wird der Gewinn,, wenn wir den. Ertrag an Syrup aus einem Scheffel auf 10 Pfand berechnen. Denn. ip diesem Falle würde das Pfund Syrup noch nicht auf 2x Gr., bei 12 Pfund Ertrag hingegen, welche ich bei einer guten Bearbeitung und aus guten Pflaumen mit völliger Sicherheit versprechen kann, würde das Pfad zur+ auf 2,00 aum stcehen:kommen! 5: [8] 5X Es bedarf wohl dieze Benutzungsart der Pflau- men meiner weiteren Empfehlung nicht, da der Vortheil derselben einem Jeden zu überzeugend in die Augen springen muls. Ich bin zufrieden, hier. dem Publiko eine genaue Anleitung zur Selbstbereitung eines für unsern Haucshaltungen 80 wichtigen Produkts mitgetheilt zu haben. Wenn wir annehmen, wie bedeutend schon der Ertrag ist, welcher jährlich an Pflaumen in den deutschen Staaten gewonnen wird,"und wie Sehr leicht dieser' Ertrag durch einen vermehrten Anbau des überall, ohne grofse Sorgfalt ünd Selbst auf Schlechten Boden fortkommenden Pflaumen- baums, noch bedeutend erhöht werden könnte, SO ergiebt es Sich von selbst, welche Vortheile daraus für den Staat. hervorgehen, und welche bedeutende Summen dadurch erspart werden könnten, welche wir jetzt dem Auslande für Seine Produkte zollen müssen. 1. Meine neuesten Erfahrungen über die Zubereitung eines Zuckersyrups aus Möhrep. Unter unsern Wurzelgewächsen zeichnen Sich die Wurzeln der Möhren oder Moorrüben( Daueus Carota TL.) vorzüglich durch ihren Sülzen Geschmack aus, und es liels Sich vermuthen, daſs auch sie zur Bereitung eines Schmackhaften Zuckersyrups wür- den zu benuizen. ITch Sstellte daher einige Versuche in dieser Hinsicht an, welche vollkom- men befriedigend ausfielen; ich werde deshalb die Beschreibung und Reguliate derselben dem 25 vorgehenden Aufsatze folgen lassen, weil ich auch den Möhrensyrup als ein vortrefliches Ersatzmittel des Zuckersyrups, welches man Sich beinahe noch mit leichterer Mühe und für geringere Kosten, wie den Pflaumensyrup verschaffen kann, aus voller Ueberzeugung empfehlen kann. Mein würdiger Vorgänger Einhof hat uns eine chemische Analyse der Möhren hinterlassen, wonach diese zusämmengesetzt Sind aus: wälſsri- gen Theilen 86, 38 p+ Ct., Eiweilsstoff 0,86 p. Ct. Schleimzucker 8,13 p- Ct. und Faser 4,63 p., Ct.; es ergiebt Sich" also Schon aus dieser Analyse, daß Sie eine bedeutende Menge Schleimzucker enthalten müssen, und es kam nur noch darauf an, zu erweisen, ob die Scheidung desselben leicht und ob Sie vortheilhaft 5ey. Daſs man Sich aus den Möhren ein Soge- nanntes Muuls bereitet, indem man die Möhren zerschneidet, kocht, auspreſst und die erhaltene Flüssigkeit einsiedet, ist bekannt; man erhält aber auf diese Weise ein dickes, schleimiges Munls, und keinen reinen Zuckersyrup, indem nicht al- lein während dem Kochen alle Bestandtheile der Möhren innig mit einander verbunden, Sondern auch noch schleimige Theile der Faser anfgelöst werden, welche die sSchleimige Beschaffenheit des Produkts noch vermehren. Dieses Muunulſs hat einen nicht unangenehm, aber doch den eigen- thümlichen Möhrengeschmack, und Kann freilich in den Haushaltungen auf mannigfalüige Weis? benutzt, aber doch nicht siatt des Zuckersyrups angewendet werden. Nur kam es darauf an, den Syrup 650 rein zu erhalten, daſs er statt des 26 Zuckersyrups benutzt werden könnte, und dazu mulste ich ein anderes Verfahren wählen. 1. Geräthschaften und andere nothwen- dige Bedürfnisse zur Bereitung dieses Syrups- Die Geräthschaſten Sind größstentheils diesel- ben, welche ich bei der Bearbeitung des;Pflau- MeunsyTups angegeben habe; nur mit dem Unter- Schiede, daſs man hier Statt des Schneideeisens einige Reibeeisen nöthig hat, um die Möhren zu zerkleinern... und. daß. man Deim Reinigen des Safts des Siebes nicht bedarf. Etwas Kalk oder besser:. Kreide:,.. muſs an; Sich auch vorräthig halten, weil auch dem Möhrensafte einige freie Säure anhängt, welche abgestumpft werden mals, wenn man den Saft von vorzüglich reinem Ge- achmack erhalten will. o. Vom. Zerkleinern und Auspressen der Möhren. Vor: dem Zerkleinern der Möhren müssen diese erst gewaschen und von ihrer äulsern Rinde befreit werden. Diese letztere Arbeit, welche Sehr leicht auf die bekannte Weise durch Schaben mit einem verrichtet werden kann, halte ich deshalb für nöthig, weil in dieser Rinde ein gewisser harziger Stoff vorzüglich 5ei- nen Sitz hat, welcher in hohem Grade den eigen- hiümlichen Möhrengeschmack, und. eine Stark gelbfärbende Eigenschaft besitzt. Einhof er- wähnt seiner Schon bei der vorhingenannten che- mischen. Analyse(in Thaers Anvalen B. 7- pP. 46-- 47.) Da man die Rinde und zugleich mit ihr dieses Harz auf eine leichte, wenig Kost- Spielige Weise fortschaffen kann, 80 wülste ich zicht, warum man Sich dieser Arbeit überheben wollte, da man ohnehin dadurch den Syrup rei- Der und schmackhafter erhält. Alsdann werden diese Möhren auf gewöhn- lichen Reibeeisen gerieben; wollte man die Ar- beit in's Große treiben, 50 könnte man Sich frei- lich dazu einer der, zu einem ähnlichen Zweck bestimmten,(in„Hermbstädt's Anleitung zur Fabrikation des. Runkelrübenzuckers" p. 31 etc.) beschriebenen und zugleich dort abgebildeten Reibemaschinen, bedienen; indessen geht die Arbeit auf gewöhnlichen Hand- Reibeeisen Schnell und gut, und wie ich nachher durch meine Be- rechnung beweisen/ werde, ohne viele Kosten von Statten, 50 daſs ich den kleinern Haushaltungen nicht zur Anschaffung jenes Apparats rathen, 80n- dern diese bekanntere Methode empfehlen mögte. Sechs Weiber können in einem Tage 6 Scheffel Möhren Schälen und zerreiben, und wenn man nun die Tagearbeit einer Frau auf 3-- 4 Gr. Münze berechnet, 50 ergiebt es Sich, dals da- durch die Kosten des Produkts nur Sehr wenig vermehrt werden. Man kann die Möhren 80 zerrieben ohne Nachtheil eine Nacht oder einen Tag Stehen las- zen, ehe man Sie auspreſst, wenn man nur die Vorsicht beobachtet, zie an einem kühlen Orte hinzustellen. Hierauf folgt nun die Arbeit des Auspressens des Möhrensaftes, die map vielleicht am andern Morgen, wen man die Möhren am Tage zuvor zerrieben hat, vornehmen kann. Im Ganzen genommen verfährt man dabei eben 50, wie bei dem Auspressen des Pflaumenbreies, nur mit dem ÜUnterschiede, daſs man die zerriebenen Möhren nur einmal auszupressen nöthig hat. Sie enthalten nämlich weniger Schleim als die Pflau= men und entlassen ihren Saft Sehr leicht, 80 daſs man mit einmaligem Pressen den Saft hinlänglich herausbringt. Der Saft pflegt ziemlich dünnflüssig, gelbröthlich and von Sülsem Geschmack zu Seyn. In der Regel beträgt die Quantität des Saſfts aus einem Scheffel 12 Berl: Quart.| Ohne Zweifel würde man"etwas mehr Syrup gewinnen, wenn man die nun“ zurückbleibende gelbe Faser(wie ich es bei den Pflaumen angegeben habe) mit Wasser auswaschen, und noch einmal durchpres- zen wollte; ich zweifle aber daran, daſs dieses Verfahren vortheilhaft wäre, denn einmal wird dadurch die Arbeit bedeutend vermehrt, und zweitens“ erbält man weit mehr Flüssigkeit, muſs den Saft längere Zeit Sieden lassen, und bedarf dazu einer größern Quantität Feuerung. Ich hab& daher die zurückbleibende Faser dem Rind- vieh verfüttern lassen, welches Sie Sehr gern friſst und dem Sie ein gutes Nahrungsmittel liefert, da es bekannt ist, daſs die Faser der Wurzelgewächse grölstentheils aus erhärtetem Schleim(mit etwas Eiweiß) besteht, welcher Sich nur durch Sieden mit Wasser auflögen läſst, von dem thierischen Magen aber Sehr gut aufgelöst wird. 209 3. Weitere Verarbeitung des ausgepreſs- ten Saftes zum Syrup. Der gewonnene Möhrensaft enthält nun Schleim- zucker, Eiweilsstoff, etwas von dem vorgenannten harzigen Stoffe, und eine geringe Menge freier Aepfelsäure; von den letzteren drei Bestandthei- len, und auch so viel als möglich yom Schleime, muſs man ihn zu'befreien Suchen, wenn man einem. reinen, wohlschmeckenden Syrup erhalien will, und hiezu habe ich nun folgendes Ver- fahren angewandt, welches ich mit. Zuversicht empfehlen kann. Man bringt ihn in den vorhingenannten ku- pfernen Siedekessel, und vermischt iha hier gleich kalt mit 50 vieler abgerahmter Milch, dals auf den Saft von jedem Schefiel Möhren(also ohn- gefähr auf 12 Quart) 1 höchstens 13 Berl. Quart kommen. Alsdann legt man gelindes Feuer unter und| läſst dieses allmählig bis zum Sieden der Flüssigkeit verstärken. Hierbei werden nun 5so- wohl der in dem Saſte enthaltene Eiweilsstof, als auch der käsigte Theil der Milch gerinnen, und einen Theil des Harzes, mit durchgepreſse faserige. Theile und andere dem Safte anhängende UVpreinigkeiten mit Sich in die Höhe führen, und hier in der Gestalt eines gelben käsigen Schau- mes erscheinen, den man, s0 lange Seine Abson- derung dauert, mit einer Schaumkelle abnehmen muls. Hat die Absonderung des Schaumes- aufge- hört, 50'Setzt man nun, unter Beobachtung eben der Vorsichtswalsregeln, welche ich früher hier beim Pflaumensyrup angegeben habe, so lange 30 gepulverte Kreide hinzu, bis das blaue Lakmus- Papier nicht mehr geröthet wird, oder bis man kein Aufbrausen mehr bemerkt. Man wird hinzu nur eine geringe Menge nöthig haben; bei mei- nen Versuchen reichte ich in der Regel mit 3 bis 3 Pfand Kreide auf den Saft yon 3 Scheffeln Möhren aus; höchstens wird man zu einer sol- chen Quantität 1 Pfund nöthig haben. Hierdurch wird nun nicht allein die freie Säure fortgeschaft, welche, wenn Sie in der Mischung bliebe, dem Syrup einen unangenehmen Geschmack mitthei- len würde, Sondern es wird dadurch zugleich die vollkommne Absonderung des gelben Harzes be- wirkt. Man wird nämlich gleich nach dem Zu- Schütten der Kreide wieder einen gelben Schaum auf der Oberfläche der Flüssigkeit bemerken, den wan mit einer Schaumkelle Sorgfältig abnehmen muß. Ist nun die Sättigung der freien Säure mit der Kreide auf diese Weise vollendet, und s0n- dert Sich weiter kein gelber Schaum ab, So füllt man die Flüssigkeit in die früher beschriebenen Absetzefässer oder Wannen und läſst Sie hierin ruhig einen Tag(oder wenn man die Behand- Jung mit Kreide am Mittage oder Nachmittage vornahm) nur bis zum folgenden Morgen Stehen. Der Möhrensaft bedarf nämlich zum Ab- Setzen der längeren Ruhe nicht, welche man dem Pflaumensafte lassen muſs, da dieser letztere weit schleimiger ist, und daher auch die schwe- ren Kalktheile langsamer in ihm zu Boden Sinken. Man wird den Möhrensaft Schon am andern Mor- gen völlig klar, und am Grunde der Gefäſse einen gelblich weiſen Bodensatz finden. Von 3x diesem gieſßst oder schöpft man ihn nun 50 vor- zichtig wie möglich ab, gieſst ihn, wenn noch etwas darin Schwimmen Sollte, durch ein fanell- nes Tuch, wodurch er leicht laufen wird, und Siedet ihn allmählig bis zur Syrupskonsistenz, ohne irgend eine anderweitige Behandlung, ein. Man wird auf diese Weise einen Sehr angenelim Schmeckenden Syrup gewinnen, der in Hinsicht Seines Zuckergehalts dem Pflaumensyrup nur we- nig nachsteht, und=<- wenn man auf" die ange- gebene Weise ärbeitete-- beinahe gar Keinen Möhrengeschmack mehr besitzen wird, So daſs man /ihn vollkommen“ S0 gut als den gemeinen Zuckersyrup zur Versäſßung der Speisen auch benutzen kann. Hat man ihn weit genug einge- Sotten, und bewahrt man ihn in völlig ausge- trockneten Steintüpfen oder hölzernen Gefäſlsen an einem kühlen Orte auf, So Kann man Sicher Seyn, dafs er nicht verderbe. Im Gegentheil verbesgert Sich dieser Syrup, So wie der Pflau- menusyrup(wie Iich bemerkt habe) durch das längere Stehen beträchtlich, vielleicht indem er noch einigen äpfelsauren Kalk absetzt, und er- hält nachher eimen 50 reinen, angenehmen Ge- Schmack, daß man ihn kaum von dem gemeinen Zuckersyrup, den er in Hinsicht der Reinheit von fFremdarigen Beimischungen noch übertrifft, unterscheiden kann. 4. Benutzung der Rückstände. Wie ich vorhin Schon angegeben habe, wurde hier die nach dem einmaligen AuspresSen der zerriebenen Möhren zurückgebliebene Faser bloſs 32 zur Viehfütterung benutzt. r Ich zweifle aber nicht daran, daſs man auch Sie zur Branntweinbereitung anwenden Könnte,|; Aus Mangel einer Blase konnte ich keine darüber anstellen. Zur. Essigbereitung palst Sie wahrscheinlich nicht SO gut, als die Rückstände der Pflaumen, da Sie Schwerlich hierbei den eigenthümlichen Möhren- geschmack ganz verlieren, und diesen daher, dem entstandenen Essig mittheilen wird. Dem Brannt- wein wird Sie. wahrscheinlich diesepn. Geschmack picht. mittheilen.: Wenn man Sie aber: auch nur zur Viehfütterung verwendet, 50 wird sie doch noch einen nicht geringen Werth haben, denn aus 1. Scheffel.= 100 Pfund, wurden an Safte 12 Quart, das Q: zu.25 Pfund= 30 Pfund gewon- nen; nun Sind aber nach Einhofs Analyse in 100. Theilen hüchstens: 5 Theile. Faser enthalten, der Rückstand; muſs'also noch eine bedeutende Menge Schleim und Eiweilsstolf. enthalten, welche als Sehr nahrhaſte Substanzen beKkavnt sind. 5. Riegultatse: Es wurden bis jetzt im Ganzen genommen 12 Scheffel Möhren zu verschiedenen Malen ver- arbeitet, deren Ertrag an Syrup ich gröſsten- theils gleich blieb, indem vielleicht das eine Mal nur ein oder zwei Pfund an Syrup mehr oder weniger gewonnen wurden, als das andere Mal. Ich werde deshalb hier dep Gesammtertrag angeben,: um| darnach meine: Berechnung zu machen. Aus zwölf Scheffeln Möhren- nommen, wurden an guten konsistenten Syrup ge- 3. 33 gewonnen 45 Pfund, als0 aus dem Scheffel bei- nahe 4 Pfund. Das Arbeitslohn hierbei, 50 wie die Kosten für Feuerung, Milch, Kreide etc. betrugen in Summa 2 Thlr. 8 Gr. Crt., 12 Scheffel] Möhren a 6 Gr. 3---- Summa:. 45. Thir. 83 Gr. Crt. Aus 12 Scheffel Möhren wurden 45 Pfund Syrup gewonnen; wenn num die Sämmtlichen Kosten bierbei 5 Thlir. 3 Gr. betragen, 50 Kostet das Pfund dieses Syrups. 2 Gr. 10 Pf., also nicht völlig 3 Gr. Hierbei ist die Benutzung der Rück- Stände wieder nicht berechnet. Die Möhren sind zu einem Solchen Preise angeschlagen, für den man 8ie in Masse Kaufen Kann; ein Landwirth kann Sie, zur eignen Consumtion Hatürlich 50 hoch nicht anrechnen. Der Ertrag der Möhren ist oft erstaunlich; es wurden noch den verwichenen Sommer in Moegelin von noch nicht 23 Magdeb. Morgen rajolten Landes 17 Winspel, also von dem Mor- gen ohngefähr 2338 Scheffel gewonnen; überdem war zwischen die Möhren Mohn gesäet, welcher über 5 Scheffel Saamen lieferte. Rechnet man aber auch nur den Ertrag eines Morgens mit Möhren bestellt Sehr gering zu 70 Scheffel, berechhet nun, dals hieraus(wenn 12 Scheffel Möhren 45 Pfund Syrup liefern) 2622 Pfund Syrup gewonnen werden können, und rechnet man nun das Pfund dieses Syrups nur zu dem Sehr mäßigen Preise von 4 Gr. Crt.(denn man muß jetzt den gemeinen"Zuckersyrup mit 8 Gr. Crt. bezahlen), s0 benutzt man auf diese 34 Weise den Magdeb. Morgen zu 43 Thlr. 18 Gr. Courant; wobei noch 50 wenig die Rückstände nach dem Auspressen der Möhren, als die Früchte, welche man zwischen die Möhren säen kann, in Anschlag gebracht Sind. Zieht man nun von dieser Summe für die Bestellungskosten der Möh- ren und für Bodenrente zusammengenommen (wenn ich Sehr hoch rechne) 14 Thaler pr. Mor- gen und für die Zubereitungskosten der Möhren, wenn sie bei 12 Scheffeln 2 Thir. 8 Gr. betra- gen, für 70 Scheffel. 13, Thlr. 15'Gr./ alo in Summa 27 Thir. 15 Gr. ab, So bleibt noch ein völlig reiner Ertrag von 16 Thir. 3 Gr. pr. Mor- gen; womit man in der That Ursache hat zufrie- den zu Seyn. Gewils bedarf auch diese Benutzungsart der Möhren meiner weitern Empfehlung nicht, da die Vortheile derselben zu deutlich vor Augen liegen. Ein jeder wird Sich leicht durch einen kleinen Versuch vor der Richtigkeit meiner An- gaben über:eugen können. Er wird, wenn er genau nach meiner Vorschrift und reinlich ar- beitet, einen Sehr angenehm Schmeckenden Syrup gewinnen, der, wenn auch noch nicht im Han- del, wo Solche Produkte gewöhnlich zuerst mit dem Vorurtheile kämpfen müssen, doch in der Haushaltung vollkommen die Stelle des gemeinen Zuckersyrups vertreten kann. Und 5so Schließe ich diese wenigen Blätter mit dem Wunsche, dals recht viele meiner Mitbürger aus den Pflaumen und Möhren die Vortheile ziehen mögen, die Sie nach der angegebenen Weise gewähren, und daſs dadurch dem Staate beträchtliche Summen, welche Sonst für die Kolonialwaaren in's Ausland gehen, erspart werden mögen. **=erememaeeen 57 gL leoe