— — r-Bibl. — — — t — .—— A 14 5 5 39—? 9—4 Kea. —.-——— —4ÿÿ Anbau der Feldgewächſe/ S. des Getreides, der Hülſenfrüchte, der Wurzel? und Knollengewächſe, und der verſchiedenen Ab- theilungen der Handelöpflanzen. KEES EREN Deren Behandlung während der Vegetation, Beſchüßung vor Unfällen, ihre Erndte, Zugutemachung und Bereitung zu Kaufmannswaaxe, und Aufbewahrung derſelben, bearbeitet ' von Heinrich Scmäßig, die zu Samen beſtimmten Pflanzen beſonders und dünner zu ſäen. Da die Wauſamen ſehr Xlein ſind und mur eine ganz ſchwache Bede>ung mit Erde ver- tragen, ſo muß der Acker vor der Sädat- ſo klar als möglich ge- eggt ſeyn, und nach der Saat darf der Same nur mit einer leichten Harke untergebracht werden, oder der Boden wird mit der Walze überzogen. Obgleich die Ausſaat wegen Kleinheit des Samens nicht allzu ſtark erfolgen darf, ſo muß man doch dahin trachten, daß die Pflanzen einen dichten, geſchloſſenen Stand baben; denn je geſchloſſener die Pflanzen ſtehen, ſo daß ſie nicht ZU ſtark werden, deſto beſſer ſind ſie zur Farbe.- Man kann. da- ber annehmen, daß 10 bis 12 Pfund Samen auf den Magdepur- ger Morgen nothwendig ſind. Um eine gleichförmige Saat zu erhalten, iſt es gerathen, den Samen mit trockner Erde oder Aſche vermiſcht, in die Länge und in die Quere des„Feldes. aus- zuſaen. Man ſäet den Wau, wie oben bemerkt worden iſt, im July oder Auguſt,| Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. July, (248) Gewürzpflanzen, Der Kümmel, Carum carvi. Dieſe allgemein bekannte Pflanze, deren Same als Gewürz allgemein beliebt iſt, wird auch gemeiner Kümmel, Feldkümmel, Wieſenkümmel, Karbe genannt.'Der Kümmel iſt eine einhei- miſche zweyjährige Pflanze, die man auf Weiden, Graspläten, Acerrändern, beſonders auf nicht zu feuchten Wieſen, die mehr boch zwiſchen Feldern liegen, bäufig findet. Dieſer wildwachſende Kümmel wird zwar überall, wo ex ſich findet, geſammelt z; allein er iſt weit unvollkommener, als der cultivirte, weniger gewürz= reich, und er wird im Ganzen in ſo geringer Menge gefunden, daß er nur einen ſehr kleinen Theil des Bedarfs befriedigt, Bey dem ſo allgemein verbreiteten Gebrauch des Kümmels und dem daraus entſpringenden ſichern Abſaße deſſelben, iſi der Kümmel- ve Ep ein ſehr empfehlenswerther und einträglicher Gegen= and, Wahl des Bodens und des Climas. Der Kümmel liebt vorzugsweiſe einen lehmigten reichen Bo- den,.der weder zu ſtreng y noch zu leicht, nicht naß aber doch erforderlich feucht, und rein von Unkraut iſt. In dem ſtrengen bindigen Boden, der zu wenig Lebensthätigkeit bat, bekommen die ſpindelförmigen Witzzeln nicht Nahrung genug, ſie können ſich nicht gehörig ausbreiten und in den Boden eindringen, und die Pflanzen werden klein, und geben wenig und unvollkomm- nen Samen. Jm leichten Boden kommt der Kümmel nur dann gut. fort, wenn derſelbe eine feuchte Unterlage hat, oder wenn das Clima mehr feucht iſt, ſo das es nicht am erforderlichen Niederſchlage der Feuchtigkeit-:aus der Atmoſphäre ermangelt. Niederungen im Felde, die im Winter und im Frühjahre über- ſchwemmt werden, wenn ſie einen mehr leichten Boden haben und nicht verſauert ſind, eignen ſich recht gut zum Kümmelbau z denn der Kümmel leidet von dergleichen Ueberſchwemmungen, ſelbſt wenn ſie auch im Sommer Statt finden und nicht zu anz Haltend ſind, nicht leicht, I< hatte Gelegenheit, mehrere Jahre Hindurch eine Wieſe zu beobachten, auf der ſich viel Kümmel erzeugte, die gewöhnlich iim Winter und im Frühjahre, oft wo- 6 Zoll von einander entfernt ſeyn müſſen. Wenn man guten vollſtändigen Samen bat, ſo wird man mit etwas mehr, gls dem doppelten Maaße deſſen, was man auf eine gleiche Fläche an Nübſamen ausſäet, langen. Der Same darf nur flach unter: gebracht werden, und man wählt am liebſten einen Zeitpunct dazu, wo der Boden einen erforderlichen Grad von Feuchtigkeit hat, und auch) die Witterung mehr feucht iſt; indem der Kümmel dann um ſo ſchneller aufgeht. Man kann den Kümmel ſchon im Früh- jahre, wenn keine Fröſte mehr zu befürchten ſind, ſäen, ſpätſtens muß man die Saat im Auguſt einbringen. Der nachfolgenden Behandlung wegen iſt die Neihenſaat- des Kümmels der breitwürfigen Saat vorzuziehen, indew dadurch nicht Bau der Feldfrächte.--«7, Abſchu,„July, (250)| nur das LoFXexn des„Bodens und... die Wertilgung des; Unkrauts erleichtert wird, ſondern man auc zu dieſem Behuf Geſpannwerk= zeuge in. Anwendung bringen„kann, wodureh) die Koſten beym Kümmelbau, vermindert werden.. Man macht die Reihen 6-12 Zoll von einander entfernt und richtet die Saat. ſv ein, daß. die Pflanzen 6 Zoll von einander in den Reihen kommen. Da der Kümmel als eine zweyjährige- Pflanze erſt im zwey- , ten Jahre die Früchte bringt, ſo ſagen Viele im erſien Jahre Müh- ren,„Mohn,-Lein, auch Sommergetreide unter den Kümmel, oder pflanzen zwiſchen die Reiben Kohl und Rüben. Obwohl man be- hauptet, daß dieß dem Kümmel. weſentlich nicht ſchade, ſo iſt es doch wohl nur in einem ſehr reichen Boden, zu empfehlen, weil ſonſt dem Küwramel, zu viel.Nahrung entzogen wird. Wenn man andere Feldfrüchte unter den Kümmel ſäen will, ſo muß man ihn ſv zeitig als möglich im Frühjahr ſäen, Man zieht jedoch die Saat im Auguſt vor, indem man dabey nicht nur den Boden auch noch anderweitig benutzen kann, mehr Zeit in einer günſtigeren Periode zur Zurichtung des Bodens bat, und der im Auguſt ge- ſuete Kümmel eben» ſo gut geräth, äls'der im Frühjahr geſäete. Wenn man den Kümmel verpflanzen will, ſo ſäet man den Sämen entweder im April oder zu Ende September in beſondere Pflanzenbeete beträchtlich dichter, als bey der breitwürfigen Saat, ſo daß die Pflanzen nur etwas Über einen Zoll von einander'ent- fernt kommen. Die Pflanzen von der erſten Saat werden gewöhn- lich im Juny oder July verpflanzt z die der andern bleiben dage- gen den Winter über in den Pflanzenbeeten und werden erſt im Xünftigen Frühjahr verpflanzt. Vor dem Verpflanzen verſchneidet man“ die Wurzeln ſo, daß die Hauptwurzel 1x Zoll, die Nebenwur- wurzeln ganz verſchont bleiben. Man nimmt zugleich den Pflan= zen die Überſlüfſigen Blätter, ſchont aber mit aller Sorgfalt die Herzblätter, denn alf der Erbaltung des Herzens beruht der alü>k- liche Erfolg der Pflanzung. Das Pflanzen geſchieht mit dem Pflan- zenſeßyvlze, und man beachtet dabey, die Erde um die Wurzeln Herum etwas anzudrücken. Die'Neihen der Pflanzen kommen 6 bis 12 Zoll, und die Pflanzen in den Reihen 6 Zoll von einandex xkentfernt. Platz im Feldbau und Fruchtfolge. Der Platz, den der Kümmel.im Feldbau erhalten ſoll, beſtimmt fich theils nach der Ausſaatzeit/ theils dana<, ober allein, oder mit andern Früchten zufammengeſäet wird. Ihn mit andern Ge- wächſen zuſammenzubauett, iſt, wie ſchon angeführt, nicht zu empfehlen; und abgeſehen von dem obigen Grunde, iſt auch gewiß, daß der Kümmel, allein geſäet, einen viel höhern Ertrag giebt, als der Ertrag von ihm und von dem andern Gewächſe im glücklich ſten Falle nur betragen kann. Wenn der Kümmel im Frühjahr geſäet wird, ſo nimmt er das Feld vollkommen zwey Jahre ein, Und eben ſo iſt es, wenn er im Frühjahr verpflanzt wird, Wird er jedoch im Auguſt geſaet, ſo iſt er der Winterung, beſonders dem Nübſamen gleich zu achten; Es iſt, da er eben ſo gut ge- räth, wenn ey im July gepflanzt und im Auguſt geſäet wird, als wenn dieß zeitiger erfolgt, und da es'nicht zu empfehlen iſt, ihn mit andern(5ewächſen zuſammenzubaven, kein Grund vorhanden, der für die„Frühjahrsſgat und Pflanzung beſtimmt z und daher Vegekation der" Feldgewächſe, Der Mais. (251) wohl'zu änpfehlen, ihn ſpäter ins Feld zu bringen, indem daſſelbe vorher moch mit andern Früchten benutt, und dem Kümmel eine min- dere Bodenrente zur Laſt geſchrieben werden kann. Dieſer Gründe wegen, und da der Kümmel, außer dein Lein, keine ſchädliche Vox- frucht unter den gewöhnlichen Feldgewächſen hat, und. auch nach ihm jede Frucht gebaut werden kann, die nicht ſehr viel Düngeſtoff verlangt, indem er in Hinſicht deſſen, was er dem Boden entzieht, dem Weizen gleich zu rechnen iſt, ſo'wurd er wohlbey der Drey- felderwirtbſchaft am beſten ſeinen Platz nach Braachrübſamen/ oder Raps finden /. nach denen der Boden locker iſt., und«uch ihrer zeitigen Aberndtung wegen die Saat des Kümmels nicht zu ſehr verſpätet wird. Der Kümmel würde dann die Stelle des Stoppel: winterroagens vertreten. Baut man keinen Rübſatmen oder Raps, ſo wird man wohl thun, die Braache im vorhergehenden Herbſt, ſobald die Sommerung abgeerndtet iſt,= man wähle beſonders diejenigen Plätze, wo Gerſte geſtanden hat, weil der Boden nach ibr, der ſorgfältigen Bearbeitung wegen, am lo&erſten iſt;== mit Dünger zu befahren, und nvch einige Bearbeitungsfurchen-er- folgen zu laſſen. Jm Frühjahr wird Gemenge geſärt, dieſes ſo zeitig als möglich abgebracht, ſo daß noch Zeit verbleibt, den Bo- den zum'Kümmel gehörig zu lo>ern, und vann dieſer anſtatt Win terung geſäet. Dadurch'wird man mit dem Feldumbruch nicht in Unordnung kommen, und der Boden wird auch indem Zuſtande der Lockerheit und Kraft ſeyn, wie ihn der Kümmel verlangt. Vebrigens kann man den Kümmel auch in Neubruch und nach Klee ſäen, und er geräth dann ganz vorzüglich» Bey einem an: dern Wirthſchaftsſyſtem läßt ſich biernacdy ſein Platz ſehr leicht beſtimmen, Vegetation der Feldgewächſe, Behandlung während der Vegetation und Beſchüßung vor Unfälien. Der Emmer. Vegetation und Behandlung während der Vegeta- „Ition'bis zur Ern.dte. Im Weſentlichſten. gilt hier das, was über dieſen Gegen- ſtand beym Dinkel geſagt worden iſt. Da der Emmer jedod) nicht lagert, ſo iſt-auch bey ſeinem Uppigſien Wuchſe das Schröz pfen micht nöthig. Es ſcheint, daß er im tro&nen und warmen Sommer beſſer und ſicherer geräth, als in kalien und feuchten, wenigſtens wird er in letztern viel ſpäter reif. Mais. Vegetationund Behandlung während der Vegeta- tion bi8 zur Erndte. Der Mais iſt während ſeiner Vegetation manchen Unfällen und Krankheiten unterworfen und er verlangt daher bis zur Erndte eine unausgeſezte Aufmerkſamkeit. Gleich nach der Saat. ſtellen ihm verſchiedene Vögel ſehr nach, die durch die oben.aufiiegenden Samenkörner angelo>t werden, und wenn ſie deren nicht mehr finden, die leicht bedeckten Samen ausſcharren. Ja die ſelbſt ſchon 5 bis 6 Zoll hoben Pflanzen werden von den Bögeln ausgezogen. ö 3 Bau der-Feldfrüchte. 7. Abſchn. July. (252 Man hat'deßbalb mehrere Mittel angewendet, den Samen mit ſolchen Gegenſtänden zu ſchhwängern, welche die"Vegetation nicht hindern, aber den Vögeln, die dergleichen Samen freſſen, verderb» lich oder gar tödtlich werden z allein dergleichen Mittel ſind nicht zu empfehlen, denn der durch die Vögel verurſachte Schaden im Maisfelde wird durch deren Tödtung nicht hergeſtellt; die Tödtung mancher dieſer Vögel iſt aber nicht anzurathen, weil ſie durch Ver- tilgung von Inſecten auf andere Weiſe wieder ſehr nüblich ſind. Ues berdieß helfen dieſe Mittel nicht lange, indem ſie entweder bald ver- dunſten, oder den aufgetriebenen Keimen doch keine giftige Eigen= ſchaft verleihen. Zwekmäßiger iſt die Anwendung ſolcher Mittel, welche die Vögel abhalten. In dieſer Beziehung empfiehlt B ur» ger, in ſeiner vollſtändigen Abhandlung über die Na- turgeſchichte, Cultur und Benubung des Mais S. 191, jedes pben aufliegende Maiskorn dem Geſicht der räuberiſchen Vögel zu entrücken und mit Erde wohl zu bedecken, weil dieß das FEE leichteſte und zuverläſſigſte Mittel iſt, ſeine Maisſaat vor den Nachſtellungen derſelben zu ſchüzen. Man muß daber näch der Saat und beſonders nach einem nach derſelben folgenden Regen, die Reihen, in welche der Mais gekommen iſt, durcen. Burger ſagt, daß in ſeiner Wirtbſchaft, die in einer obſtreichen Gegend liegt, und von den Vögeln häufig beſucht wird, dieſes Mittel immer hinlänglich ge- weſen ſey, ſeine Maisſaaten unverleßt zu erhalten, indeſſen in de- nen ſeiner Nachbarn große Verheerungen durch die Vögel ange: richtet wurden. Obſchon die Zwe>mäßigkeit dieſes Mittels gar nicht in Abrede zu ſtellen iſt, ſo iſt es doch gerathen, ſich nicht auf ein einziges Mittel zur Verſcheuchung der Vögel zu verlaſſen, Indem ſich die Vögel ſehr bald an daſſelbe gewöhnen, ſondern mit mehreren ſolcelungsproceß ungeſtört fort, und wie groß müſſe der Froſt ſeyn, wenn er ſo tief in die Erde eindringen, und ſo frieren ma- te den Mais, ſv-wie er im freyen Felde, um die Mitte des Monat May. Reife, die gegen Ende May, oder im Anfang des Juny Statt fanden, ſchadeten meinem im Sarten, ſo wie| dem des Gärtners auf dem Felde gebauten Mais nicht, aber bey. einem Froſt, wo die Waſſerpfüzen auf dem Felde mit Eis überzogen waren, im Garten dagegen dieſer Froſt ſic) nur 49 | Bau. der Feldfrüchte. 7. Abſchn, July. (254) als Neif gezeigt hatte, indem wohl alles weiß belegt, auf dem Waſſer aber keine Syur von Eis zu finden war, wurde jener auf dem Felde gebaute" Mais größtentheils zerſtört, wogegen der im Garten gebauete ſich nach einigem Kränkeln wieder erholte. Da übrigens. nicht alle auf dem Felde geſtandenen Maispflanzen vom Froſte zerſtört worden ſind, ſondern, ſich eine Anzahl noch völlig erholt hatte, ſo ſcheint es hieraus bervorzugehen, daß der Mais unter gewiſſen Umſtänden vom Froſt nicht leicht leidet. Der Mais verlangt, wenn er vollkommen gerathen ſoll, eit wiederholtes Lo>ern des Bodens und ein Anhäufen deſſelben um den Stängel herum. Das erſte Lo>ern erfolgt, wenn der Mais eine Hand hoch über der Erde iſt, wobey auf die Vertilgung"' des Unkraüts8. Bedacht genommen wird, Man verrichtet es gewöhn: lich mit der Handhbacke ,- man kann aber auch den Mais eggen, zu welchenr Endzwe> man den AFer nach der Saat in rauber Furche liegen läßt. Wo ſich nach dieſem erſten Lo>kern des Bo- dens leere Stellen im Maisfelde finden., werden Maispflanzen an den Stellen, wo ſie zu dicht ſtehen, als Ergänzung, nachge- ſeßt. Der Mais verträgt dieſes Verpflanzen recht gut; nur ges ben dergleichen Pflanzen nie einen ſo boben Ertrag, als diejent gen, welche unverrüct ſtehen geblieben ſind, und die Samen werden auc durch den Aufenthalt im Wachsthum, den die Pflanze durch das Verpflanzen erleidet, minder vollkommen. Hierauf folgt. ein nochmaliges AufloFern des Bodens, wozu man fich bey den in Reiben geſäeten Mais der Pferdeha>e bedienen kann, und wenn die Pflanzen die Höhe eines Fußes erreicht haben, erfolgt das Behbäufeln mittelſt des Schaufelpäuges. Das Behäufeln trägt ſehr weſentlich zum Gerathen des Mais bey, indem derſelbe ein ſehr ſtarkes Wurzelorgan hat, und über den eigentlichen Wur- zeln, aus den erſten Gelenken noch mehrere Kronenwurzeln treibt, die fich, wenn ſie angebäufelt und mit Erde bede>r werden, ſehr bald befeſtigen und: dem Stängel viel Nahrung zuführen.„Daher giebt der behäufelte Mais, weil die fruchtbare Erde mehr um» deſſen Wurzeln concentrirt wird, und die Kronenwurzeln durch die Bedeckung mit Erde ſich um ſo ſicherer verbreiten und die im Boden enthaltene Nahrung einſaugen können, reichere Erüdten an vollkommnern Samen, als der nicht behäufelte. Das Behäu- feln gewährt, aber auch noch einen anderweitigen Vortheil, näm? lich! den, daß die Maisptlanzen dadurch einen um ſo feſtern Stand erhalten, und daber bey ſtarken Winden minder leiden. Burger behandelt nach dem oben angeführten Werke ſeinen Mais folgendermaßen. Wenn die: Pflanzen eine Höhe von 9 bis 12 Zoll erreicht und 6 bis 8. Blätter entwickelt haben, wird der Mais mit der Pferdehacke durchfahren, wobey alles Unkraut, wel: hes ſich in den Reihen zeigt, und mit der Pferdehacte nicht er: reicht werden kann ,- durch Nachhülfe mit der Handhae vertilgt wird. Vierzehn Tage nach dem erſten Beha>en wird. das Mais- feld“ zum zweytenmal mit dem. Schäufel flug durchfahren, wobey die Handarbeit gewöhnlich ganz! wegfällt,„oder nur ſehr unbedeu: tend iſt. Bey kalter und. najjer Witterung wird das Bebacen noch zum drittenmal wiederholt. Acht bis zwölf Tage nach dem zweyten Bebacken wird der Mais das erſtemal mit dem Häufel: pflug behäufelt, wodurch ndv>< allemal das dritte Beha>en er: ſpart worden iſt. Haben'die Pflänzen eine Höhe von zwey bis > Vegetation der Feldgewächfe. Mais. (255) drey Fuß erreicht, ſo werden ſie zum zweytenmal behäufelt, Bey dem Beha>en mid Bebäufeln muß man einen Zeitpunct wahr- nehmen, wo ſowohl der Boden, als die Witterung tro>en ſind. ! Während der Vegetativn ſchadet dem Mais der häufige Wech- ſel der Witterung, nach Burger in ſeinem oben angeführten Werke S. 236, weniger, als den andern Getreidearten. Die anbaltende Näſfe, vorausgeſctt, daß das Waſſer nicht auf dem Felde ſtehen bleibt, ſchadet ihm ſelbſt während der Blüthbe nicht, und eben ſv verträgt er anhaltende Dürre. Am nachtheiligſten iſt dem Mais anhaltend kalte Witterung, wv er ſich nicht vollkommen augbilden kann und ſeine Reifung in die ſpätere Jahreszeit fällt, wo die Witterung minder günſtig iſt. Am nachtheiligſten ſind dem Mais zur Zeit der Blüthe, wo er bereits eine ziemliche Höhe erreicht hat, und die Pflanzenſtängel mürbe ſind, die Winde. Burger ſagt in ſeinem ſchon oft angeführten Werke S. 238:„Die Winde. ſind es, welche die Maisäcker prüfen,'ob ſie.gehörig be- pflanzt und bearbeitet worden ſind; jeder Fehler wird von ihnen ſtreng gerügt.= Stehen die Pflanzen zu. dicht und zu eng ant einander, ſo ſind ſie dünnſtänglich, hoch, und werden auf die leichteſte Art von einem mittelmäßigen Regenwinde niedergewor- fen und gefnict; iſt zu wenig gehöufelt worden, ſo kann der Wind eine größere Gewalt an den Stängeln augsüben, weil der Hebel länger iſt; er ſchwankt mehr und bricht eber. Es mog aber das Maisfeld nach einem ſolchen Winde ausſehen, wie es will, ſo muß man doc erſt ſo lange'abwarten, bis die Blätter der Pflanze völlig abgetrocknet ſind, und ſich jener Schwere ent- ledigt haben, die ſie größtentbeits niedergebogen erhielt, ehe man irgend eine Maaßregel ergreift, den verurſachten Schaden wieder auszubeſſern« Länger darf man aber auch nicht zaudern, wenn man die verbogenen Pflanzen wieder aufrichten will, weil ſie=die Lage, in die ſie durch den Sturm verſetzt worden ſind, ſehr bald annehmen und ſich darin befeſtigen. Man richtet die Reihen der Maixpflanzen, die unordentlich im Acker auf- und ineinander liegen, gewöhnlich ohne alle Inſtrumente wieder auf, indem man ſie mit der Hand vorſichtig auseinander löſt, in die Höhe richtet und die Erde an die gelo>erte Wurzel mit dem Fuße feſt andrückt. Obwohl dieſe Stürme den Mais gewöhnlich zur Zeit ſeines Blü- bens, das iſt, in der gefährlichſten Epoche b« len, und man des Schadens wegen, den ſie verurſachen ,' genötbigt iſt, in den Acer bineinzugehen, was gewiß ſehr gefährlich iſt/ und wenn es nicht mit Vorſicht geſchieht, oft mehr Schaden bringt, als der Wind ſelbſt, ſo habe ich doch nie beobachtet, daß in ſolchen Reihen, die wieder aufgerichtet wurden, ein auffallender Unterz ſchied gegen die unverletzten Reihen bätte waßrz können; auch habe ich im Ganzen, troß alle wahrnehmbaren Abbruch in der Quantität Wenn man ſich bey dieſer Arbeit-nu greifen,-oder ſte ſtark gegen andere Kö Befruchtung nicht geſtört, und die Aebre % 1 ime, nie einen Findte"erlitten. die Piſtille anzu- reiben, ſo wird die 11€ 7. Abſchn. Bau der Feldfrüchte. July, (256) Später, nach. der. Blüthe, ſind die Pflanzen den Nachtheilen durch die Winde weniger unterworfen, weil ſie dann mehr erhär: ten, und denſelben leichter widerſtehen können. Da der Mais, wenn er üppig wächſt, nahe- bey der Erde einige Schoſſen austreibt, die nur ſchwache, meiſt gar keine Kol: ben tragen, und ſowohl dem Hauptſtamme Kraft enehmen, als auch den Boden exſchöpfen, ſo reißt man daher die Seitenſchoſſen ab, und' läßt fie dem Vieh, als ein ſehr gutes Futter, zu Theil werden.. Auch ſchneidet man, nachdem die Befruchtung erfolgt iſt, den Wipfel mit der männlichen Blüthe ab, ſo wie man auch die überflüſſigen Kolben, oder Aehren, dexen-man in kräftigem Boden nur.etwa drey läßt, abnimmt und ſie ebenfalls als Vieh- futter benutzt. Dieſe verſchiedenen Arbeiten nimmt man gewöhn- lich auf einmal vor. Burger ſagt über das Abſchneiden der Wi= pfel und Blätter des Mais, welche Operation man auch das Entfahnen nennt/'in ſeinem ſchon oft angeführten Werke über ven Mais'S. 230, daß man dabey zweyerley Abſichten habe: eine roße Portion Grünfutter zu gewinnen ,. und der Sonne einen Eeehtn Zutritt zu den Aehren zu verſchäſfen,: damit ſie in kältern Climaten dadurch früher zur Reife befördert werden, Man kön- ne beide Abſichten durch dieſe Operation erreichen, wenn man ſie mit den nöthigen Vorſichtsmaßregeln ausführe, und es käme dabey alles darauf an, genau den Zeitpunct zu beſtimmen, wann die Fahne des Mais, ohne der Ausbildung der Körner zu ſcha- den, und ohne ſelbſt ſchon vertrocknet zu ſeyn„ mit Sicherheit abgenommen werden dürfe, Die Befruchtung. des Mais ſcheine langſamer vor ſich: zu gehen, als bey vielen andern Pflanzen, we2 nigſtens ſähe mon noch viele Tage, nachdem der Blumenſtaub ſchon ganz entleert ſey, die Piſtille noch eben ſo glänzend und friſch, wie zu Anfange ihrer Erſcheinung. Es vergingen wohl 12 bis 14 Tage, bis dieſe ſilberfarbenen oder roſenrothen Fäden ſchlapp und welk wurden und endlich zu vertro>nen anfingen. Die Blumenrispe ſey um dieſe Zeit ſchon todt und farblos, und alles- Leben der Pflanze ſey in der Aehre concentrirt, um die be- fruchteten Körner auszubilden.- Vierzehn Tage nach dem Ver- blüben haben dieſe ſchon eine ſo beträchtliche Größe, daß ſie zur Hälfte aus ihren Bälglein herausſähen und nach Verlauf von 4 Wochen ſeyen fie in Hinſicht ihrer Größe vollkommen ausge» bildet. Würde man die Pflanze ihrer Fahne oder Blätter früher berauben, ehe noch das Korn ſich vollkowmen entwickelt babe, ſo nähme man ihr die nöthigen Kräfte zur Ausbildung der Frucht» körner. Nur dann, wenn die Körner der Aehre vollkommen ents= wickelt und ausgebildet ſeyen, und ihnen, außer Feſtigkeit, nichts mehr mangele, dürfe man die Fahnen abſchneiden, und könne ver ſichert ſeyn, daß hierdurch'dem Ertrage der Erndte oder der Bolls Fommenheit des Korns kein Schaden zugefügt werde, Ob Üübris gens der Stängel dicht über der Fruchtähre weggeſchnitten wür- de, oder ob über der lebten Aehre noch ein Blatt ſtehen bliebe, ſey ganz gleich, wenn dieſe Operation nur erſt dann erfolge, wenn ſich das Satnenkorn zu ſeiner völligen Größe ausgebildet habe; Da Übrigens der Herr Verfaſſer die Fahnen und Blätter ſeines Mais ſogleich grün verfütterte, ſo ließ er täglich nur ſo viel ab- ſchneiden, äls er zu verfüttern im Stande war. Anfangs wur- den bloß die Wipfel allein abgeſchnitten und alle aydern Blätter Vegetation der Feldgewächſe. Mais. (257) dem Stamme gelaſſen 3 in der Folge aber, wenn bin und wieder ſchon ganz reife Aehren bemerkt wurden, und die Körner im Ganzen ſchon eine größere Dichtigkeit erlangt hatten, wurden die Fahnen und auch alle übrigen, unter und an der Aehre befindlichen Blätter abgeſchnitten. Bey der Fütterung zeigten ſich die grü- nen Abgänge vom Mais als ein vorzügliches Milchfutter 3 beſon= ders wurden ſie gern von den Ochſen gefreſſen, die“ es dem ſchmackhafteſten Heu vorzogen und ſich in voller Arbeit dabey beſſer erhielten, als bey anderem Futter. Vier Ochſen oder ſechs Kübe konnten von einem ein öſterreichiſches Joch großen Aer durch einen ganzen Monat vollauf im Stalle gefüttert werden. Im grünen Zuſtande ſeyen dieſe Abgänge ein viel beſſeres Futter, als getro>net. Nächſt dem Vortheil der grünen Fütterung ge- währt das Entfahnen auch ganz beſonders den Vortheil, daß es das frühere Reifwerden der Aehren befördert, In Rüdfſichten der Krankheiten, denen der Mais während ſeiner Vegetation ausgeſetzt iſt, ſagt Burger in ſeiner exwähn= ten Abhandlung über den Mais S. 242., hat er hierin einen beträchtlichen Vorzug vor den übrigen Getreidearten, daß er we- der dem Noß, Ruß oder Brand ausgeſetzt iſt, die uns öfter mehr als die Hälfte des Ertrags der Getreidefelder rauben. Nur eine einzige Krankheit, die aber dieſer Pflanzengattung ausſchließlich ei- gen zu ſeyn ſcheint, hat man bis jetzt an ihr entde>t, nämlich die Brandbeule, wobey irgend ein Theil der Maispflanze, am g2= wöhnlichſten die Aehre, aufſchwillt, mit einer ſilberfarb- glänzen- den Haut überzogen, und im Innern mit einer wäßrigen Feuch- tigkeit gefüllt iſt, die ſich mit der Zeit in ein ſchwarzes Pulver verwandelt. Dieſe Krankheit kommt übrigens nur ſelten vor, äußert nach angeſtellten Verſuchen keine nachtheilige Wirkung auf die Geſundheit, und die Maiskörner, die mit dieſem Staube um geben ſind, bringen, wenn ſie geſäet ſind, keine kranken Pflanzen bervor. S< werz ſagt im 2. Bande ſeiner Anleitung zum prak- tiſchen Akerbau S. 293, daß er im Elſaß im Sandboden noch eine andre Krankheit des Mais gefunden habe, welche in einem brandigen, braungefärbten, wie ein breitblättriger Buſch hervor- ragenden, wahrhaft monſtröſen Auswuchs beſtände, wodurch ein Theil oder das Ganze des Kolbens zerſtört werde. In„guten Maisjahren ſtelle ſich dieſe Krankheit häufiger ein, als in ſchled)- ten. Da aber immer nur einige Stö>e davon befallen würden, ſo ſey der Verluſt nicht beträchtlich. Auch wird nach S, wird ſehr bald vom Unkraut überwachſen, und ſchlägt dann leicht zurü&>.'Er- härtet der Boden nach einem Regen auf der Oberfläche zu einer Kruſte, ſo muß dieſelbe bald mit der Egge gebrochen werden, weil ſonſt der Dun in kurzer Zeit verſchwindet. Wenn auch der Hirfe in der erſten Vegetationsperiode unſcheinlich iſt, ſo geräth er dennoch zuweilen noch ganz vorzüglich 3; ſich aber darauf zu verlaſſen, beißt eine Sache aufs Ungewiſſe ſtellen. Es gehet mit dem Hirſe, ſo wie mit dem Winterweizen. Oft a>ert man den» ſelben um, weil er keinen Ertrag verſpricht, einige nicht umge- pflügte Beete geben aber noch einen ſehr reichlichen Ertrag, ſv daß man ſeine Voreiligkeit mit dem Umpflügen hinterber bereuet. Geht man aber auf die allgemeinen Erfahrungen zurück, ſo wird man unter 10 Fällen kaum einen finden, wo eine ganz unſchein«- liche Saat noch eine reiche Erndte gegeben hat. Man wird da- her immer am angemeſſenſten thun, den Hirſe, wenn er nad) 49 bis 12 Tagen, nachdem er aufgegangen iſt, noch ſehr uns ſcheinlich iſt, umzupflügen, als in der Erwartung,. daß er ſich noh erholen wird, das Land durch das Unkraut entkräften zu laſſen, oder die ſehr beträchtlichen Koſten des Jätens umſonſt zu verwenden. Sobald als ſich unter dem aufgegangenen Hirſe Unkraut zeigt, muß'gejätet werden, und nicht ſelten muß das Jäten ein- oder auch zweymal wiederholt werden. Bey dem Jäten werten auch alle ju dicht ſtehenden Pflanzen ARCNFRVgEn ſo daß dieſelben nur in er Entfernung von einem halben Fuß von einander kommen. Wirkſamer, leichter, ausführbarer und dem Wachsrhum des Hirſe beſonders förderlich iſt das ſogenannte Bekraßen, welches mit beſondern dazu geeigneten Kratmeſſern geſchieht, oder das Be» Betten mit kleinen ſpißigen Haen. Dadurch wird nicht nur das nkraut vertilgt, ſondern auch der geſchloſſene Boden gelockert, was dem Hirſe ganz beſonders zuſagt. Man backt das erſtemal, wenn die Pflanzen zwey Zoll über dem Boden ſind, und wieder- holt es, wenn dieſelben die Höhe von 4-- 6 Zoll erreicht haben, Bey dieſem Beha>en werden zugleich die zu dicht ſtehenden Pflanzen gelichtet,| Burger ſagt im 2ten Bande ſeines Lehrbuchs der Land- wirthſchaft S.-66:„„Die Unkoſten der Cultur werden vermin: dert, wenn man das Auflo>kern des Bodens entweder ganz, oder nm Theil durch die Egge vornimmt. Das Uebereggen des Hir: ea>ers iſt in Kärnthen eine allgemein übliche Arbeit, nur wird fie ſelten irgendwo ausgiebig genug verrichtet; auch iſt der Aer meiſtentheils zu«unrein, ſv daß einmal- nebſt dem Beha>en auch gejätet werden muß. Wenn der Aer aber wohl vorberei: tet, und nicht zu früh, ſondern erſt um die Mitte May beſäet "worden iſt, und das erſie Eggen ſehr ausgiebig, bey tro>ner, war- pr. Vegetation der Feldgewächſe, Runkelrübe. (2593) mer Witterung und. wohl ausgetro>netem Bodeti vorgenommen wird, ſo erhält ſich der A>or rein von Unkraut, es iſt kein Jä« ten nothwendig ,/ und beym zweyten Eggen ſind die Pflanzen ſchon ſo feſt im Boden befeſtiget, daß keine mehr durch die Egge ausgerauft wird, was beym erſten häufig geſchieht, im Grunde aber nicht ſchadet, weil die Hirſepflänzen nur dünn ſteben dürs fen, wenn die Erndte reichlich ausfallen ſoll,=- Es iſt mir und Andern mehr als einmal gelungen, auf dieſe Art ein wohlbeſebs tes und reines Hirſefeld zu erhalten, ohne daß wir die Hands baue anzuwenden für nöthig fanden.=- Die Drillmethode würds bey der Hirſecultur gewiß ſehr zwe&mäßig ſeyn. Jc< habe einett Verſuch damit gemacht, der mich beſtimmt, in der Folge noh mehrere anzuſtellen, um mich zu überzeugen, ob ſie vor der ſs eben beſchriebenen bleibende Vorzüge habe.“ Eine Hauprkrankheit, der der Hirſe ſehr unterworfen iſt, iſt der Brand, der ſich nicht ſelten ſo ſtark findet, daß man kaum den Samen erndtet. Man hat noch kein Mittel gegen dieſe Krankheit aufgefunden. Bey einer ſorgfältigen Auswahl des Samens, und wie Viele behaupten, wenn man zum Hirſe nichs friſch düngt, zeigt ſich dieſe Krankheit in geringerem Grade. Zu ſeinem Gedeihen verlangt der Hirſe mehr tro>ne und warmes Witterung, und er geräth daber, wenigſtens im nördlichen Deutſchland, in tronen, warmen Sommern am beſten. Sobald die Samen zu reifen anfangen, ſtellen ihnen die Vögel ſehr nach, und man bat dann alle Mittel anzuwenden, dieſelben zu verw ſcheuchen. Hülſenfrüchte. Die Feldphaſeole, Vegetation und Behandlung während der Vegeta» tion bis zur Erndte., Die Feldphaſeole liebt nach der Saat eine mäßig feuchte uns warme Witterung, um baldigſt aufgehen zu können, denn man betrachtet ihr baldiges Aufgeben als ein günſtiges Zeichen ihres Gerathenys. Iſt die Feldpbaſeole zwiſchen andere Gewächſe ge- ſäet, ſy richtet ſich ihre Behandlung während der Vegetation nach dieſen; iſt ſie dagegen allein geſäet, ſo wird ſie während ihrer Vegetation eben ſo behandelt, wie die Buffbohne, in wele- - nen warmen Jahren beſſer, als in kalten und naſſen. Außer der Kälte und ſtarken Näſſe ſind die Widerwärtigkeiten, die dieſer Fruchtart während der Vegetation drohen, unbedeutend.; Kohl-; Wurzel- und Knollengewächſe. Die Rüunkelrübe. Vegetation und Behandlung während der Vege: tation bis zur Erndte.; Es iſt den Runkelrüben ſehr zuträglich, went bald nach ih: rem Verpflanzen ein warmer Regen eintritt, wodurch ihre Anz wurzelung beſchleunigt wird, Wenn die Pflanzen zu treiben 17* 15 Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn. July. (260) anfangen, ſo werden ſie mit der Handhac>e beha>t, wobey zu- gleich alles Unkraut herausgezogen wird. Bevor ſie die Blätter augbreiten und das Feld überziehen, werden ſie noch. ein- oder zweymal beha>t. Thaer empfiehlt im 4. Bde. ſeiner rationellen Landwirthſch, S. 228, dieſes zweyte und dritte LoFern des Bodens mit dem Schaufelpfluge zu verrichten, und ſagt, daß ihnen ein gelindes Anhäufeln gegen die Meinung Einiger ſehr nütlich ſey. Es giebt in der That Viele, die gegen das Behäufeln der Run- kelrüben ſind, und ſich von den Nachtheilen deſſelben durch ge- machte Erfahrungen überzeugt haben wollen. Dagegen bebaup- ten Andere, ebenfalls auf Erfahrungen gegründet, daß durch ein mäßiges Behäufeln ſowohl der Ertrag, als auch der Zukerge- halt der Runkelrüben vermehrt würde. Sch werz ſagt in ſei- ner Anleitung zum praktiſchen' Aerbau Theil 2, S. 582: „„Das Entblößen der Pflanzen von Erde, wie bey den Waſſerrü- ben, halte ich der Erfahrung nach für überflüſſig, Im Jahre 1823 ließ ich einen Theil anhäufen, ohne Nachtheil davon zu bemex- ken, Sie waren im Nachſommer auffallend. laubiger und kräfti- ger von Anſehn, als die nicht gehäuften. Im Erirage gaben eide einander nichts nac<. Da die behäuften um zwey Wochen ſpöter, als die andern gepflanzt worden waren, ſo bin ich geneigt zu glauben, daß“ ſie unter gleichen Umſtänden die nicht gehäufel* ten übertroffen haben würden.“= Scmalz ſagt im 1ſten Bande ſeiner Erfahrungen im Gebiete der Landwirthſchaft S. 159: „Auch das Runkelrübenfeld habe ich mit Pferdeinſtrumenten mit Vortheil bearbeiten laſſen.“ Leopold ſagt im Syſtem der tbü- ringiſchen Landwirthſchaft des 19ten Jahrhunderts' 2te Abthei- lung S. 53:„„Ehemals ſchlug man vor, bey dem Bebacen die Erde nicht an die Wurzeln anzuhäufeln, ſondern vielmehr da- von abzuziehen, um das Hervorſtreben der Wurzeln über die Erde zu befördern z; allein davon iſt man abgekommen; man hat geradezu, und läßt doch viel' lieber Erde an die Wurzeln ſich hinſchütten, als daß man ſie davon abziehen ſollte. Denn die- jenigen Wurzeln, welche geneigt ſind, über der Erde zu wach- ſen, werden es dennoch thun, und die, welche lieber in der Erde bleiben, werden doch nicht herauswachſen.“ Achard ſagt in der europäiſchen Zu>erfabrication S. 50, 6. 107:„Das Reinigen der bepflanzten Beete, welches man mit der möglichſt tiefen Auf- loFerung des Bodens zugleich verbindet, geſchieht mit der Kraut- hac>e, mit der man zugleich den Boden an die Pflanzen' zieht, - und ſie damit leicht behäufelt. Das Abziehen des Bodens von den Pflanzen muß man, wie ſchon. bemerkt, ſo wie die Verle- bung der Pflanzen, ſorgfältig vermeiden.“ Wenn ſchon die hier angeführten Autoritäten, welche alle auf praktiſche Erfahrung gegründet ſind, es außer Zweifel laſſen, daß ein mäßiges Be- bhäufeln den Runkelrüben dienlich ſey, ſo ſcheint es auch noch beſonders aus Folgendem hervorzugehen, Durch das Behäufeln wird die fruchtbare Erde, welche, in den Zwiſchenräumen zwi- ſchen den Pflanzen iſt, und denſelben von ihren nährenden Be- ſtandtheilen nichts abgiebt, weil ſie von den Wurzeln zu entfernt iſt, um die Wurzeln berangebracht, und dieſelben erbalten da- durch, indem die nährenden Beſtandtheile in ihrer Nähe mehr concentrirt ſind, um ſo mehr Nahrungstheile, und können ſich vollkfommner ausbilden, Die Anwendung des Schaufelpfluges Vegetation der Feldgewähſe, Runkelrübe. (261). zum Behäufeln iſt um ſo mehr zu empfehlen, da dadurch die Culturkoſten beträchtlich vermindert werden. Nach dem Beha>en wachſen die Runkelrüben um ſo beſſer, und bald breiten ſie ſich mit ihrem großen Blatte ſo aus, daß ſie das Unkraut unter» drücken. Die ſtarkbalmigen Unkräuter, die ungeachtet des Beha- Fens und Behäufelns ſich finden, müſſen ausgezogen werden. Die Runkelrüben ſind während der Vegetation keinen beſon- dern Unfällen ausgeſett. Nur wenn die Dürre ſebr groß iſt, werden ſowohl die Blätter, als auch die Wurzeln klein. Wenn die Wurzeln ihre Vollkommenheit erlangt haben, ſo ſtellen ihnen die Mäuſe nach, die ſie ganz aushöhlen. Der dadurch verur- ſachte Verluſt iſt aber ſelbſt in dem-Falle, daß ſich in einem Herbſt viel Mäuſe finden, nicht beträchtlich, Das Abblatten der Runkelrüben. Es iſt ſehr gewöhnlich, daß man die Blätter der Runkelrü- ben, wenn dieſelben ihre gehörige Größe erlangt haben, die Wur- zeln aber noch nicht vollkommen ausgebildet ſind, ein oder auch mehrmals abbricht, um ſie als Viehfutter zu benutzen, und Viele ſchätzen dieſelben als ſolches ganz vorzüglich und behaupten, da- durch von den Runkelrüben die größte Maſſe von Futter zu ge- winnen. Es iſt eine ausgemachte Sache, daß die Wurzeln, wenn ihnen die Blätter vor vollendeter Augübildung entnommen wer- den, um ſo kleiner bleiben, und unvollkommner werden, beſon- ders weniger Zuerſtoff enthalten, indem die Blätter bey jeder Pflanze weſentlich zu ihrer vollkommnen Augbildung beytragen. In feuchten Jahren ſchadet das Abnehmen der Blätter den Wur- zeln weniger, und man gewinnt dann eine um ſo größere Maſſe von Blättern; in tronen Jahren aber werden die der Blätter beraubten Wurzeln ſehr unvollkommen und klein. Nach ungez fähren Berechnungen überwiegt zuweilen der Blätterertrag, der Maſſe nach, den Ertrag der Wurzeln; allein die größere Maſſe der Blätter vermag für die Qualität der geringern Maſſe der Wurzeln als Viebfutter nicht zu entſchädigen; denn das Vieh frißt zwar dieſe Blätter, bat aber keine» beſondere Neigung da- zu, und nach vielſeitigen aufmerkſamen Beobachtungen haben die vor geböriger Ausbildung der Wurzel entnommenen Blätter we- der als Milch:, noh als Maſtfutter einen beſondern Werth. Diejenigen Blätter dagegen, die dann abgenommen werden, wenn die Wurzeln ihre Ausbildung vollendet haben, ſind nahrhafter, indem ſie reifer ſind. Es ſind daher Viele gegen das Abblatten der Runkelrüben, Jn dieſer Beziebung iſt beſonders dasjenige ſehr beachtungswerth, was S< werz in ſeiner Anleitung ur Kenntniß der belgiſchen Landwirthſchaft B. 2. S. 68. ſagt:„„Die Blätter der Runfkelrüben, von deren mehrmaliger Benutung man ſo viel Weſens gemacht hat, ſind, außer bey den Schweiz nen und allenfalls bzy dem Federvieh, bey jedem andern Vieh von ſo geringem Werthe, daß ſie die Koſten des Blattens nicht bezahlen. I< nehme hiervon die Blättex aus, welche die nicht abgeblatteten Runkelrüben bey der Wurzelerndte ſelbſt geben, welches in eine Zeit fällt, wo es an anderm grünen Futter für das Milchvieh fehlt, und wo dieſe Blätter reifer, folglich auch nahrhafter ſind, als im Sommer. Und eben da trifft es ſich, daß die nicht geblatteten gerade noch einmal ſo viel Futter ab- 17 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſers aus denſelben Hie Stoffe, welche ſeine Gewinnung erſchweren, ſo wie ſeine Qualität herabſetzen, dadurch vermehrt wird. Es iſt aus dem Geſagten wohl einleuchtend, daß das Abblat- ken der Runfelrüben vor. vollendeter Wurzelausbildung ,/ außer bey einem entſchiedenen Mangel von Grünfutter nicht zu empfeb- len iſt, ſondern daß es zweckmäßiger bleibt, die Blätter erſt dann u entnehmen, wenn die Wurzeln ihre Ausbildung vollendet ha- en. Dieſe Blätter ſind im Herbſt, wo es an grünem Futter bereits mangelt, ein ſehr willkommenes Futter. Wenn übrigens Vegetation der Feldgewäcerbereituug durch das Abblatten vor vollen2 deter Wurzelausbildung verſchlechtert, geht daraus hervor, daß der Kopf der Rübe durch das wiederholte Abblatten ſich zwar verlängert, aber holzig und von geringem Futterwertb wird, und die ganze Rübe zwar an mehr wäßrigem Schleim zunimmt, dagegen aber qn Zuerſtoff beträchtlich verliert, Die Möhre, Vegetationund Behandlung während der Vegeta- tion bis zur Errwdte; Wenn die Möhren zwiſchen andern Früchten gebaut werden, ſo richtet ſich die Behandlung derſelben während der Vegetation ganz nach dieſen, indem es immer ſolche Früchte ſind, welche das Teld früher räumen, und den ſchon berangewahſenen Möh- ren Platz zu ibrer weitern Ausbildung laſſen. Sobald dieſe Früchte das Feld geräumt baben, werden die Möhren geeggt. Sind die Mobren zwiſchen Raps geſäet worden, ſo muß man die ſtarken Stoppeln deſſelben, die die Egge nicht herausgeriſſen bat, aus: ziceben, weil dieſe Stoppeln noch einige Zeit vegetiren und den oden entkräften. Ueber die Reihencultur der Möhren und über ihre Behandlung dabey haben wir bereits im 4. Bande der En- cyklopädie S. 306 und folgende das Nöthige erwähnt. Wir ha- ben daber bier von der Behandlung der Möhren wäbrend ihrer Vegetation, wenn ſie allein geſäet werden, zu bandeln. Begünſtigt das Aufgehen des Möhbrenſamens nicht feuchte und warme Witterung, ſo dauert es oft mehrere Wochen, ehe die Möbren ſichtbar werden, Die Pflänzchen ſind beym Aufge- ben ſehr fein, und der AFer iſt bis dahin, ehe ſie ſichtbar wer- den, ſchon ganz mit Unkraut überzogen. Man muß daher, damit die zarten Pflänzchen nicht gleich beym Aufgehen von Un- kraut unterdrückt werden, noh ehe ſie ſichtbar werden, jäten. „Es baben-- ſagt Thaer im 4. Band der rationellen Land- wirthſchaft S. 244. Einige das Jäten durch das Eggen mit Er- folg faſt erſpart; es muß aber wohl ein beſonders günſtiger Zeite punct getroffen. werden, um das Unkraut dadurch zu zerſtören, obne den gekeimten Pflänzchen zu nachtbeilig zu werden.“ Wenn die Möhren etwas empor getrieben haben, und ſich durch ihre krauſen Blätter bemerklich genug machen, ſo empfiehlt man, um ibr Gedeihen zu befördern, ſie zu bekrazen, welches mit einem beſondern Kraßmeſſer geſchieht, oder ſie mit der ſpizen Hande baue zu behacken. Dabey verdünnt. man zugleich alle zu dicht ſtehenden Pflanzen, läßt ſie aber noch immer dichter ſtehen, als es nöthig iſt, Wenn die Möhren ſich mit ihren Blättern mehr auszubreiten anfangen, wird das Bekraßen oder Beha>en noch 19 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn, Zuly. (264) einmal wiederholt, wobey die Pflanzen abermals ſo verdünnt wer- den, daß ſie um 9 Zoll von einander entfernt kommen. Thaer ſagt im 4. Bande ſeiner rationellen Landwirthſchaft S..244, über das Bekraten und Behacken der Möhren:„„„Es iſt beynahe un- glaublich, wie ſehr der Ertrag der Möhren hiervon abhängt. Ich habe den comparativen Verſuch mehrere Male gemacht, und von andern. machen ſehen, daß ein Theil des Möbhrenfeldes nach ge- wöhnlicher Gärtnermanier behandelt, wo erſt gejätet und dann die Möhren durch Aufziehen verdünnt, der andere Theil aber zu rechter Zeit beha>t wurde, wo dann der leztere hernach wenig- ſtens das Dreyfache gab. Dieß Behacken aber erfordert Uebung und Umſicht und macht alſo den Anbau ſchwierig und koſtſpielig. Indeſſen verlohnt es ſich des reichlichen Ertrages wegen.“ Die Möbren erfordern zu ihrem Gerathen mehr feuchte und warme, als tro>ne und kalte Witterung. Jn ſebr trocknen Jab- ren bleiben ſie klein und werden nicht ſelten im Geſch mace ſcharf und beißig. Beſondern Unfällen ſind ſie während ihres Wachs- thums nicht unterworfen, und nur, wenn ſie ihre Vollkommen- beit erlangt haben, werden die Wurzeln von den Mäuſen ange- nagt, der dadurch verurſachte Schaden iſt aber höchſt unbedeutend. Die Paſtinake. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation bis zur Erndte, Die Paſtinake, ein den Möhren zunächſt verwandtes Ge- ſchlecht, kommt in Hinſicht der Behandlung während der Vege- tation ſehr mit den Möhren überein. Die Samen gehen zwar ſchneller auf, als die der Möhren, deſſen ungeachtet iſt das Jä- ten unerlaßlich, und' auch"das zweymalige Behacken trägt we- ſentlich zur Vervollkommnung des Gewächſes bey. Man kann die Paſtinaken mehrmals abblatten, und ſie treiben immer wie- der ein ſtarkes Laub aus; allein das Abblatten erfolgt auf Un- koſten der Wurzelausbildung, und es kommt nur darauf an, ob das Kraut, welches allerdings ein recht gutes Futter iſt, mehr und beſſere Futtermaſſe giebt, als die Wurzeln, wenn ſie nicht geblattet werden. Das Kraut der Paſtinaken wurzelt ſich ſogar leicht ein, und es kommt ſehr darauf an, ob man ſie nicht als Fut- tergewächs, bloß des Krautes wegen, bauen könnte. Die Paſti- nake geräth bey einer mäßig feuchten Witterung beſſer, als wenn es ſehr tro>en iſt, Beſondern Unfällen iſt ſie nicht unterworfen. Topinambur, Vegetation und Behandlung während der Vege- tation bis zur Erndte. Die knolligte Sonnenroſe verlangt zu ihrem Aufgehen eine mäßig feuchte und warme Witterung. Bey kaltem und tronem Wetter geht ſie oft erſt nach 4 Wochen auf. Bis zu Johannis baben die Pflanzen", wenn nicht ſehr warme und mäßig feuchte Witterung und ein ſehr kräftiger, thätiger Boden ihr Wachsthum befördert, gewöhnlich ein ſchwächliches und kräntliches Anſehen und wachſen nur langſam. Nach Johannis bekommen ſie eine dunkelgrüne Farbe und fangen ſichtbar zu wachſen anz aber am ſtärkſten zeigt ſich ihre Vegetation im Auguſt. In der erſten Zeir ihres Wachsthums, wo ſich viel Unkraut eingefunden ezeee mu Vegetation der Feldgewächſe, Lein, (26535) und der Boden ſich feſt geſchloſſen hat, iſt das Jäten des Un- krautes und das Lo>ern des Bodens ſehr nöthig. Um den Knol- lenertrag zu vermehren, empfiehlt man auch das Behäufeln. Nach Übereinſtimmenden Nachrichten geben die behäufelten Pflanzen einen größern Knollenertrag z dagegen die nicht behäufelten, ſon- dern bloß geloFerten, oder auch nicht geloFerten um ſo ſtärker im Stängel wachſen. Je nachdem man nun mehr den Ertrag des Krautes oder den der Knollen beabſichtigt, kann man ent- weder das bloße LoXern oder das Bebäufeln wählen. Das Auf- lo>ern geſchieht gewöhnlich mit der Handhae, zum Behäufeln kann man den Schaufelpflug anwenden. Dabey werden die zu dicht ſtebenden Pflanzen gelichtet, und die leer gebliebenen Stel- len bepflanzt. Dieſe verpflanzten Pflanzen bleiben aber gegen die andern ſehr merklich zurü&, Sind die Pflanzen mebr herange: wachſen, ſo unterdril>en ſie das Unkraut und bedürfen weiter keine Pflege mehr. Nach den angeſtellten Beobachtungen über dieſes Gewächs im verwilderten Zuſtande, verlangt es zu ſeinem Gedeihen mehr warme und nur mäßig feuchte Witterung. Jn naſſen und in kalten Jahren ſeen weniger Knollen an, und ſo- wohl dieſe, als die Stängel bleiben klein. Beſondern Nachthei: len ſcheint dieſes Gewächs nicht unterworfen zu ſeyn, H'amd.e 4 5 376 Wa: 0. Gewebepflanzen. Der Lein. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation bis zur Erndte, .„Bey warmer und feuchter Witterung keimt das Leinkorn ſchon in 24 Stunden und geht nach 5 oder 6 Tagen auf. Bey troc>- ner Witterung geht der Same oft erſt in 14 Tagen auf. Fin- det man nach dem Verlauf dieſer Zeit, daß gar nichts emporge- keimt iſt, ſo ſicht es um die Leinſaat mißlich aus, und liegt die Urſache davon nicht darin, daß der Boden auf der Oberfläche zu einer Kruſte erhärtet iſt, durch die der Keim nicht durchzu- brechen vermag, ſo hat der Same Schuld, und es bleibt dann nichts übrig, als eine neue Saat zu machen. Man bricht die Kruſte entweder mit einer ſpitigen Handha>e oder durch das Eg- genz am beſten iſt aber die Anwendung einer mäßig ſchweren, dicht mit Stacheln beſetzten Walze, weil durch die Anwendung derſelbey dem gefeimten Leinkorn der wenigſte Schaden zugefügt wird, Während der erſten Vegetation verlangt der Lein zu ſei- nem Gerathen eine mehr feuchte und mäßig warme Witterung. Die Pflanzen treiben dann ſtark und mächtig empor, beſchatten den Boden und unterdrücken das Unkraut. Iſt dagegen die Wit- terung ſehr warm und feucht, ſo überwächſt ſich der Lein im Anfange, und treibt nur ſchwächliche kurze Pflanzen. Iſt aber die Witterung ſehr tro>en, ſo bleibt die Leinſaat ſehr zurück, und hat ſelbſt bey“nachfolgender günſtiger Witterung lange zu thun, ebe ſie ſich erholt. Sehr gefährlich ſind die Erdflöhe der jungen Saat, und man muß dann, wenn ſie ſich zeigen, mit der Ueberſtreuung mit Gyps, Aſche oder Taubenmiſt nicht zögern. ZU 22 Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn, July, (266) Die hauptſächlichſte Arbeit während der"Vegetation iſt das Fäten. Es muß dieſes ſogleich vorgenommen werden, als ſich Das Unkraut auszubreiten anfängt, und' die Leinpflanzen no< Xurz. ſind. In einem verunkräuteten Boden muß es mehrmals wiederholt werden. Das erſte Jäten erfolgt, wenn die Leinpflan2 a eine Höhe von 2 bis 4 Zoll erreicht haben, TJſt der Lein zu ieſer Höbe dicht geſchloſſen emporgewachſen, das Unkraut iſt nod) ganz klein, und der Boden ſonſt nicht verunkrautet, ſo kann man das Jäten auch unterlaſſen, weil der Lein dann einen zu großen Vorſprung hat und das Unkraut unterdrückt, Starkhal- mige, den' Lein überwachſende Unkräuter müſſen aber ſorgfältig ausgezogen werden. Die hauyptſächlichſten Unkräuter, welche den Flachs ſehr beeinträchtigen, ſind Leindotter, das Klebkraut oder Klebrig, der-Hedrich, die gelbe Wucherblume und die Flachsſeide, deren letzterer wir bereits bey den Wien im 4. Bande der Encyklopädie S. 279 Erwähnung gethan haben. Beym Jäten hat man Folgendes*-zu beobachten, Bey naſſer Witterung darf man es nicht unternehmen, und iſt es ſehr trocken und man iſt zum Jäten genvthigt, ſo müſſen die Jäter dort, wo ſie Unkraut heraus reißen, die Erde etwas mit der Hand andrücken, damit die durch das Ausziehen des Unkrauts entblößt werdenden Wurzeln des Leins nicht von der Sonne leiden. Um das Ver» treten und Beſchädigen der Leinpflanzen zu verhindern, muß man es zu verhüten ſuchen, daß ſich die Arbeiter nicht auflegen, ſon2 dern die Arbeit ſtehend verrichten, und“ dabey entweder barfuß oder in Strümpfen ſind. Die Arbeiter haben ihren Stand zwi- ſchen. den Beetfurchen. Bey der Anſtellung der Arbeiter batman darauf zu ſehen, daß ſie gleichmäßig erfolgt, und daß gleichmäz- ßig fortgejätet wird, damit keine ungejäteten Lücken verbleiben. Man muß das Jäten immer gegen den Wind verrichten laſſen, damit ſich die umgebogenen Pflanzen um ſo leichter wieder auf- richten. Das Unkraut muß dicht am Boden ergrifſen und voll» Xommen- ausgeriſſen werden, weil es, beſonders wenn es ſehr zung iſt, leicht abreißt, und wieder ausſchlägt, wodurch das SEN ten vergeblich gemacht wird, und wiederholt werden muß. Zeigt ſich nach dem erſten Jäten noch viel Unkraut, ſo muß es wieder- 6 werden, und ſelbſt dann noch, wenn der Lein ſchon mehr erangewachſen iſt, und derſelve/dadurch etwas beſchädigt werden ſollte, weil die Unkroutſtängel nicht nur viel Flachs verdrängen, ſondern denſelben auch verunreinigen, wenn ſie gerbeartige oder färbende Stoffe enthalten, den Flachs beym Röſten verderben, die nachherige Bearbeitung des Flachſes erſchweren, und viel Abgang dabey verurſachen. Die Jaterinnen müſſen mit Gragstü2 &en, und ſich deſſelben an den Rändern er Beete entledigen, wenn ſie eine volle Bürde haben. In manchen Gegenden hält man es für vortheilhaft, wenn die Ärbeiter beym- Jäten liegen und auf den Boden fortrutſchen, und wie man ſich Daſelbſt ausdrüct, den Flachs biegeln. Man führt als Grund dafür an, daß es dem Flachs ſebr dienlich ſey, wenn der gelo>ert geweſene Boden dadurch angedrü>t würde, und"daß die niedergedrüäten und gebrochenen Pflänzehen am Bruch einen Knoten bildeten, und dann einen längern und ſtärz kern Stängel trieben, der feineres Baſt gebe/ als andere Stän- Vegetation der Feldgewächſe." Lein, (267) gel. Die Nichtigkeit dieſer Gründe ſpringt von ſelbſt in die Au- en, weiin man bedenkt, daß viele Pflanzen durch„dieſes Ver- abren gänzlich zerſtört werven, und die gekni>ten, die, wirklich einen Knoten bilden, in ibrem Wachsthume ſehr aufgehalten werden, Das Andrücen des Bodens erreicht man zwec>mäßiger durchs Walzen, und dünne lange Stängel erreicht man ſicherer durch eine dichte Saat im kräftigen Boden. Einzelne dünne und lange Stängel zwiſchen kurzen und dien verbeſſern den Flachs nicht, es erfolgt vielmehr dadurch eine Ungleichheit in der Nö- ſtung und Bearbeitung. In den Niederlanden, wo man auf die Flachscultur ſehr große Aufmerkſamkeit verwendet, iſt man gegen jedes Vertreten ſo ſehr eingenommen, daß man das Jäten ſogar auf Bänken, auf welchen die Arbeiter liegen, verrichten läßt. Wenn ſich das Unkraut in beträchtlicher Menge zeigt, ſo ha- ben 10 Perſonen einen ganzen Tag vollkommen zu thun, um et- nen Magdeburger Morgen zu 180 OQO. Ruthen Rheiniſch zu jäten. Ich weiß mich zu"erinnern, daß dieſe Perſonen das Jäten eines Morgens in einem Tage noch nicht gezwungen haben. Wenn das zweytdmal das Jäten nöthig iſt, ſo iſt die Hälfte obiger? Perſonen für den Morgen nöthig. Aus der beträchtlichen Aus= lage, die dieſe Arbeit verurſacht, möge man die Notbwendigkeity erſehen, den Lein in von Unkraut reines Land zu bringen. Die das fernere Wachsthum des Leins begünſtigende Witte» xung muß mäßig warm und feucht ſeyn. Cs iſt für den Lein; günſtig, wenn die Einwirkung der Sonne durc) öfiere Wolken» Üüge gemindert wird. Man nimmt gewöhnlich an, daß„'wenn ie Witterung vorher mehr kühl geweſen, der Flachs bis zum Eintritt der Blütbhe die Hälfte ſeiner Höhe erreicht habe; und oft: findet dieſes Statt, wiewohl er noh öfter die Hälfte ſeines Wachs-1 tbums vollendet bat. Nach der Blüthe iſt mehr tro&ne und warme: Witterung zu-wünſchen, damit ſich der Flachs nicht lagere, weil: die nunmehr angeſetzten Samenknoten bey Statt findender Feuch-- tigkeit, die ſie leicht einſaugen, durch ihre Schwere den Flachs: niederzieben und deſſen Lagerung verurſachen. Man überläßt nach dem Jäten gewöhnlich den Flachs ſeinem Wachstbume, ohne weiter etwas für ihn zu thun 3; aber er leidet in kräftigem Boden, wo. er hoch, üppig und dünnhalmig wächſt, noch ſehr oft dadurch Schaden, daß er durch Stürme und Platzregen niedergedrückt wird, oder ſich auch vermöge ſeines zu üppigen Wuchſes, wenn er dicht eſäet worden, und dünnhalmig aufgewachſen iſt, ohne große Zeranlaſſung leicht lagert. Der Flachs liegt dann über einander und verfault, weil die untern Lagen' nicht abtrocknen können. Das Stängeln oder Ländern des Flachſes. Um dem Schaden vorzubeugen, der durch das Lagern ent- ſtebt, iſt es zu empfeblen, den Flächs zu ſtängeln oder zu län- dern, wodurch man ihm eine Unterſtüßung giebt, durch welche das Lagern gehindert wird. Viele halten dieß zwar nur für eine Überflüſſige Spielerey, weil ſich der Flachs nicht alle Jahre lagere, und dem. Lagern durch eine dünne-Saat vorgebeugt werden könne, auch dadurch die Koſten der Flachscultur nur unnöthiger Weiſe vermehrt würden; allein dieſe Meinung iſt völlig ungegründet und berubt bloß auf Vorurtbeilen und Gleichgültigkeit. Der in magern Boden dünn geſäete Lein lagert freilich nicht leicht 3 wer 23 24 Bau der Feldfrüchte, 7. Abſhn. July, (268) aber gutes Baſt gewinnen und lohnenden Ertrag vom Leinbau Haben will, der wird ſeine Leinſaat nicht in mageres Land brin- gen, und ſie nicht dünn machen; er wird aber auch kein Mittel unverſucht laſſen dürfen, ſelbſt wenn es mit einigen Koſten ver- bunden iſt, den gut ſtehenden Flachs vor Schaden zu bewahreu, denn die Koſten werden dann durch den reichlichen Ertrag hin- länglich gede>t. Wer aber von der Leincultur keinen großen Er- trag erwartet, und den Lein in mageres Land dünn ſäet, der wird ſich allerdings nicht geneigt fühlen, etwas weiteres für den Lein zu thun, um ſich einen höhern Ertrag zu ſichern, was nur in wenigen Jahren nöthig ſeyn, und die vermehrten Koſten nur ſelten dürch einen höhern Ertrag de>en würde; er wird vielmehr ſeine Saat ganz unbekümmert den einwirkenden Verhältniſſen Überlaſſen und von dem'Ungefähr ſein Ziel erwarten, Die Lein- ſaat unter übrigens günſtigen Verhältniſſen, um das Lagern zu verhüten, dünn zu machen, wäre nichts anders, als ſeinen Vor- theil zu verkennen. Das Ländern des Flachſes vermehrt zwar allerdings die Arbeit und. die Koſten der Flachsculturz allein man ſtellt ſich die Sache gewöhnlich viel ſchwieriger und koſtſpieliger vor, als ſie iſt. Der im Uebertretungsfalle entſtehende Schaden, bey einem gut ſtehenden Fiachſe, iſt viel größer, als die Koſten dieſer Verrichtung betragen. Das„dazu benöthigte Holz wird nur von dem Brennholzhaufen entlehnt, wohin es, nachdem es die beabſichtigten Dienſte geleiſtet hat, wieder zurücktehrt und pe durch den Gebrauch nur etwas verſchlechtertes Brenn- olz wird. 3 Das Ländern, nach Niederländer Art, geſchieht folgender: maßen. Es wird vorgenommenz wenn der Flachs zu einer Höhe von 6 bis 8 Zoll erwachſen iſt. Um das Ländern zwe>mäßig und insbeſondere zu gehöriger Zeit vornehmen zu können, muß bereits im vorhergehenden Winter das erforderliche Holz, Gabelſtöke,- Belegſtangen und Belegreiſig beſorgt und gehörig vorbereitet wer- den. Birkenholz im mittlern Wachsthum, oder auch anderes Laubholz, iſt am brauchbarſten z es muß jedoch vor dem Ausbrüch der Blätter abgehauen werden 3; und wenn dieſer Zeitpunct ver- ſäumt worden wäre, ſo müſſen alle Blätter ſorgfältig abgeſtreift werden, weil dieſelben Fäulniß verurſachen würden. Die Ga- velſtöe unter der Gabel, 18 bis 20 Zoll lang, werden am. un- tern Ende ſpitig zugehauen, damit ſie in die loFere Erde 8 Zoll tief und gebörig feſt eingeſteXt werden können; ſie werden in ei- ner Dide von 2 bis 3 Zoll aus den dien Aeſten und Gipfeln des Beſtängelungsholzes ausgebauen. Die Belegſtangen werden wenigſtens 3 Ellen lang und 2 bis 3 Zoll di> aus den Stäm:- men des Beſtängelungsholzes ausgehauen, müſſen jedoch, wenn in Ermangelung von Laubholz, dazu Nadelholz verwendet wer- den muß, vor dem Gebrauch abgeſchält werden. Das Belegrei- ſig, wozu die dünnen Aeſte und Zweige verwendet werden, muß nach dem Aughauen eine Zeitlang auf Haufen gelegt, und durch Auflagen von Vretern und Steinen dicht zuſammen gepreßt werz- den, damit alle Zweige eine flache Lage annehmen und dadurch um ſo mehr zur Bildung einer neßartigen De>e über dem Flachs- Felde geſchi>t werden. Das Verfahren beym Beſtängeln iſt fol- gendes: Die Gabelſtöcke werden. in gerader Linie nach der- Länge und Breite des Flachsfeldes(man macht in den Niederlanden Vegetation der Feldgewächſe, Lein, l(269) keine Beete zum Flachs) 2 bis 3 Ellen weit von einander, in den Erdboden feſt eingeſte>t; auf dieſe werden die Belegſtangen nach der Länge und Breite dergeſtalt gelegt, daß dadurch ein Ge- rüſte gebildet wird, worauf das Belegreiſig gelegt werden kann. Das Auflegen der Belegreiſer geſchieht ebenfalls nach der Länge und Breite, wobey aber genau darauf zu achten, daß das Be= legreiſig eine ununterbrochene netzartige Bede>ung bilde, und keine Zweige oder Gipfel unterhalb des Gerüſtes gegen den dar- Unter wachſenden Flachs gekehrt werden, weil dadurch der Flachs am geraden Emporſchießen gehindert und Knie zu bilden gez zwungen würde.) Die vollendete Beſtängelung bildet eine netzartige De&e über das ganze Flachsfeld, durch welche die zarten Flachspflanzen bhin- durch wachſen, und in einer Höhe von 12 bis 16 Zoll über der Erde eine Unterſtüzung erbalten; und indem dadurch da3 Nie- derfallen der zarten Pflanzen bey Regen und Wind gebindert wird, ſo wird zugleich ein freyer Luftzug am untern Theile un= terhalten und die Verderbniß auch ſelbſt in dem Falle abgewen= det, wenn der Flachs wegen ſeiner zarten und langen Halme ſich auf die Reiſigde>e gelagert baben ſollte. Obwohl es auch nicht obne Vortheil ſeyn mag„ das Flachs= feld in Beete abzutheilen,«und jedes Bcet einzeln zu beſtän= geln, ſo ſcheint es doch rathſam, eine gewiſſe Fläche im Ganzen zu beſtängeln, weil eine größere mit Flachs durchwachſene De>e dem Abwerfen durch Sturmwinde weniger ausgeſetzt iſt, als mehr kleinere, oder durch leere Furchen unterbrochene. Man wählt auc deßhalb die geſchloſſene Fläche, weil der an den Rändern der Luft mehr ausgeſetzt“Flachs ſtarkbalmiger und grob- faſeriger wird, und von dem andern“in der Mitte ſtehenden ab- geſondert werden muß. IT) babe dieſe Beſtängelungsart einmal, bey einer Ausſaat von 4 Berliner Scheffel auf den Magdeburger Morgen vorge= nommen, und der Flachs wurde ſehr ſchön; aber ich bin nicht vermögend, eine Berechnung des Koſtenbetrags dieſer Verrichtung auf eine beſtimmte Fläche anzugeben, weil der Verſuch zu ſehr im Kleinen gemacht wurde. Auch vermag ich nicht zu beſtimmen, ob ſich dieſe Verrichtung durch die gewonnene Qualität des Flachſes verhältnißmäßig bezahlt gemacht, da ich den Werth des gewonnenen Flachſes in Vergleich zu anderm nicht zu ermitteln im Stande war. Um das Lagern des nicht zum" Ländern geſäeten Flachſes zu verhindern, veranſtaltete ich Folgendes: I< wählte von Reiſig= bolze, ehe es kurz geha>t wurde, die ſtärkern, kürzern, und wenig geraden Stücke zu Pfählen, welche 13 Elle gemacht wurz den.= Alles Uebrige, was gleich war, und als Stange dienen konnte, wenn es auch am dünnen Ende nur etwas über einen halben Zoll ſtärk war, wurde beſonders auszeſucht. Es wurde hierzu das Weidenholz und Haſelnußholz hauptſachlich gewählt, weil dieſes am gleichmäßigſten, dünnſten und längſten wächſt. Die Pfähle wurden, nachdem ſie etwas zugeſpißt waren, noch ebe der Flachs blühte, nachdem vorher mit einem beſon- dern unten ſpitzen Pfahl von bartem Holze ein Loch gemacht war, in den Boden geſteckt, dieſer um denſelben mit dem Fuße feſtgetreten, und der Pfahl ſelbſt noch mit einigen Schlä- 25 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſe bildete. Dieſe Querſtangen hatten keine beſtimmte Länge, und Xamen daher, nachdem ſie länger vder kürzer waren, mehr oder weniger ſchräg Über das Beet, ſv daß die Dreye>e bald ſpiß» winkliger, bald ſtumpfwinkliger wurden, Es konnte nun ein Regen herkommen, woher er wollte, ſo fand der Flachs nach als len Richrungen hin eine Stüße. Wurde der Flachs ſehr lang, ſo daß er über die Stangen überzuhängen begann, ſo wurden die Längenſtangen etwas höher ,/ je nachdem es nöthig war, ges bunden, wodurch auch die Stangen ſchräg übergehoben wurden. Dieſes Stängeln leiſtete. mir die vollkommenſten Dienſte, Das Holz war nicht in Anſchlag zu bringen, weil es nachher als Brennholz benubt wurde. Das Aushauen der Pfähle und Stanz en ,. ſo wie das Ländern ſelbſt beſorgten für die Fläche eines Magdeburger Morgens 2 Leute ſehr gut in einem Tage« Der Hanf. Vegelation und Behandlung während der Vege- tativn bis zur Erndte, Der Hanf geht bey genugſamer Feuchtigkeit des Bodens und bey warmer Witterung ſehr bald aufz nur wenn es ſehr tro>en iſt, bleibt er zuweilen aus, und es iſt in dieſem Falle ein gro- ßer Vortheil, wenn man das Hanffeld wäſſern kann, Bildet der Boden bald nach der Saat eine harte Rinde auf der Oberfläche, ſv muß dieſe, ſo wie beym Lein angeführt. worden, dur) eine Stachelwalze gebrochen werden z denn der Hanffeim kann. nur durch ganz lo>eres Erdreich durchbrechen, da er die Samenhülſe mit empor treibt. Dieſer emportreibenden Samenhülſen wegen ſtellen dem Hanf beym Aufgeben die Vögel ſehr nach, und man mnß dann alle Mittel anwenden, dieſe ungebetenen Gäſte zu ver- ſcheuchen. Wenn der Boden nicht verunfrautet iſt, und die Witterung nur einigermaßen das Wachsthum des Hanfes begün- ſtigt, ſv iſt bey dem ſchnellen Wuchſe des Hanfes, wodurch er alles Unkraut unterdrückt, das Jäten nicht nothwendig. Zeigt ſüch jedoch in dem jungen Hanfe viel Unkraut, ſo muß man es dann ausjäten, wenn der Hanf 3 bis 4 Zoll hoch geworden iſt. Man wählt dazu den Zeitpunct nach einem ſanften“ Regeu, und vermeidet wo möglich tro>ene Witterung; und iſt man in der= ſelben zum Jäten genötbigt, ſv muß man es vermeiden, die Hanfwurzeln von Erde zu entblößen. Die Arbeit muß mit der größten Vorſicht geſchehen z denn wenn ſich die Pflanzen unter? einander verwirren und verwickeln, vder durch Unachtſamkeit. der Jäter niedergedrückt und umgebrochen worden ſo richten ſie ſich Hicht wieder auf. Ein dem Hanf ſehr nachtheiliges Untraut iſt Vegetation der Feldgewäcerung des Bodens von Zeit zu Zeit nicht nur nicht erforderlich iſt, da ſie mit ihren vielen Wurzeln den Boden lo>er erbält,, ſondern auch wegen ihrer flachverbreiteten IWurs eln nicht erfolgen kann, ohne derſelben Nachrheil zuzufügen. Belänbern Unfällen iſt die Neſſel nicht unterworfen. Zu ihrem Gedeihen erforderr ſie mäßig feuchte und warme Witterung. Die Syriſche Seidenpflanze. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation.: Der Same geht etwa nach Verlauf von 8 Tagen auf; So wie ſich Unkraut zeigt, muß die Saat gejätet und damit den ganzen Sommer fortgefahren werden. Wenn die Pflanzen etwa die Höhe eines halben Fußes erlangt haben, ſo können ſie auch behact werden.- Auch das Behäufeln ſoll ihnen ſehr zuträglich ſeyn, und man kann ſich dazu, wenn ſie in Neihen geſäet wer= den, der Geſpannwerkzeuge bedienen. Wenn auch die Samen ſchon im erſten Jahre Pflanzen von ziemlicher Höhe geben, ſo erfolgt doch noch keine Erndte, weil die Wurzeln noch zu ſchwach ſind. Hat man die Seidenpflanze durch Wurzeln fortgepflanzt, und es kommen viele Schößlinge aus dem Stoke, ſo kni>t man, ſobald ſich Blüthen an dem Hauptſtängel zeigen, die ſchwächſten bis auf die Hälfte ein und ſchneidet ſie, wenn ſie vertro&net ſind, ſo weit ab. Auch aus dem Hauptſtängel läßt man nur die 4 bis 5 Unterſten Blumenbüſchel zur Reife kommen.-Die Wunde aber, die man dem Stängel durchs Abbrechen oder Schneiden zufügt, muß man mit Erde verſtreichen, um hierdurch den zu ſtarken Ausfluß des Milchſaftes zu verbindern. In jedem Frühjahr muß man den Boden lo>ern, wobey man jedoch die Beſchädigung der Wurzeln verhüten, und alle Sorgfalt auf die Vertilgung des Unkrauts verwenden muß, Die in der Plantage eingegangenen M7 28 Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn, July. (272) Stö>Xe muß man durch Nachpflanzung ergänzen. Die Seiden- pflanze findet in tro>nen Jahren ein beſſeres Gedeihen, als in naſſen 3 in leptern werden die Pflanzen leicht von Fäulniß er- griffen. Färbepflanzen. Rothfärbende Pflanzen. Der Krapp. Vegetation und Behandlung während der Vege tation bis zur Erndte, Zach dem Verpflanzen der Röthe muß das ſich zeigende Un- kraut ſorgfältig ausgejätet werden. Hat ſich der Boden ſehr gez ſeht und iſt«uf der Oberfläche zu feſt geworden, ſo muß man ihn durchs Behacken lo>ern 3 dieß iſt in einem Sommer oft mehr- mals nothwendig. Sind die Pflanzen angewachſen, ſo wird aus den Beetfurchen die Erde ausgeſchaufelt und um die Pflanzen herum angeworfen, ſo vaß nun die Plantage in erhöhete Beete getheilt iſt. Im September oder October ha>&t man die Erde zwiſchen den Stöden nochmals auf, biegt und ſtreckt die grü- nen Stängel und Aeſte, ohne davon etwas abzuſchneiden, in die kleinen Grübchen, und bede&t ſie im November 3 bis'4 Zoll hoch mit Erde.. Hierdurch gewinnt man ſowohl an Färbematerial, als auch mehr Fechſer und Schößlinge- Auch befördert das An- werfen der aus den Furchen geſchaufelten Erde an die Pflanzen den Farbeertrag der Wurzeln. Bey eintretendem Winter bede>t man die Erde mit Miſt. Dieſer wird im Frühjahr wieder abge- harkt und flach in die Beetfürchen vergraben. Zugleich wird im Anfange des April, wenn die jungen Pflanzen anfangen her- vor zu kommen, das Beet mit einem Rechen überfahren, um das junge Unkraut auszurotten, und die Oberfläche glatt und mürbe zu machen„ damit die Keime um ſo beſſer hervor kommen xönnen. Uebrigens muß die Röthe im zweyten Sommer ganz ſo behandelt werden, wie im erſten. Jm September oder Octo2 ber werden abermals die grünen Stängel geſtre>t und im No- vember mit Erde bede>t, wozu die in den Furchen aus dem Miſt entſtandene fette Erde gewonnen wird. Hierdurch wird die Wohnung der Pflanzen gleichſam vergrößert und ſowohl der Haupt: vder Mittelwurzel, als den Nebenwurzeln mehr Nab- rung und Raum zum Augsbreiten verſchafft. Auch im dritten oder lezten Sommer wird der Krapp bis zur Erndte fleißig ge- iätet und behackt. Einige ſchneiden in jedem Herbſt, oder auch im Sommer, das Kraut der NRöthe ab und verfüttern es mit dem Vieh; allein es iſt dieß nicht zu empfehlen, weil man bes= merkt hat, daß die Pflanzen dann eine um ſo größere Neigung, Kraut zu treiben, bekommen, und die Wurzeln ſchwächer werden. Im letzten Jahre vor der Erndte kann jedoch das Kraut abge= mähet, und entweder grün verfüttert, oder getro>net werden. Da die Röthepflanzen im erſten Jahre ſchwach pleiben, ſo benus ben Einige die Zwiſchenräume mit andern Gewächſen, welches war der Röthe nicht ſchadet, wenn der Boden genugſam reich iſt, aber den Boden ſtark erſchöpft. Vegetation der Feldgewächſe, Krapp. (273) In Schleſien, wo man meiſtens die im Frühjahre gelegte Röthe ſchon im folgenden Herbſt erndtet, verfährt man bey der Behandlung derſelben folgendermaßen: Wenn ſich Unkraut zeigt, ſo wird es im Junius und Julius ſorgfältig mit der Hacke aus- erottet, jedoch behutſam, damit die jungen Wurzeln nicht bes ſchädigt oder zerriſſen werden: Man nennt dieß das Aufkrölen der Röthe. Durch dieß Aufkrölen wird aber das Beet nicht al- lein vom Unkraut gereinigt, ſondern es wird yuch der beym. Le- gen der Röthe in die Furchen gefallene Boden aufgekraßt und aufs Beet geworfen. Vier oder fünf Wochen nach dem Auffkrö- len wird die Nöthe geſtre>kt. Dieß geſchieht auf folgende Art, Am Ende des Beetes, wohin die Röthekeime den Hang häben, „und wo nach der früher(Siehe Encyklopädie Band V. S,. 271) angeführten Art des Legens, ein Raum von einem Fuß leer ge= blieben, räumt ein Arbeiter hinter den Pflanzen die Erde weg, ſv daß eine Furche entſteht. In dieſe Furche drü>t er mit dem Haenſtiele die Pflanzen nieder, ſo daß nur die Spitzen derſel- ben am Rande der Furchen emporragen 3; nun holt er mit der Hake den Boden unter den Pflanzen in der zweyten Reihe her2 vor, und bringt ihn auf die in die zuerſt gezogene Furche geleg= ten Pflanzen, tritt ihn mit dem einen Fuße feſt, und ſchreitet mit dem andern Fuße in der neuen Furche fort; iſt die neue Furche fer- tig, ſo drückt er die Keime mit dem Haenſtiele in dieſelbe nieder, und bedec>t ſie mit dem Boden aus der folgenden Furche, und auf die eben beſchriebene Art, So wird fortgefahren, nachdem zuvor der auf die geſtre>te Röthe gebrachte Boden geebnet worden, bis das Beet zu Ende iſt. Wenn der Arbeiter den Boden ebnet, ſo geht er in der neuen Furche jedesmal zurück, tritt aber den zum Ebnen nachgeholten Boden aus der neuen Furche nicht feſt, ſon= dern bleibt mit beiden Füßen in der neuen Furche, Nach der verbeſſerten Art des Legens des Krapps, die wir. aus Sch werz Belgiſcher Landwirthſchaft Theil 2, S. 203 u. WiR (Encyklopädie Band V. S. 272) mitgetheilt haben, wird derſelbe folgendermaßen behandelt: Die Pflanzen werden nicht gejätet, ſon- dern mit einer Hacke mit nicht zu ſtarken Zinken behakt, wobey ein Mann mehr vollbringt, als zwey bey den andern Methoden, den Krapp zu pflanzen. Die Zwiſchenräume der Linien werden mit einem Schaufelpfluge gereinigt. Später werden die Pflanzen mit dem doppelten Streichbretpfluge, der jedoch die Streichbretev etwas mehr geſpannt haben muß, als ſie zum Zieben der Furchen waren, angehäufelt und vor Winters mit eben dieſem Werkzeuge bedeXt. Sv wird alle Jahre fortgefahren 3; und dur das Se= ben der Furchen erbält der doppelte Streichbretpflug immer Bo- den genug in den Furchen zum Anhäufeln. Wenn der Boden nicht reich genug iſt, ſo muß auch bey dieſer Methode, Krapp zu bauen, im erſten Winter der Aer mit gut gefaultem Dünger Überſtreut werden, Der Krapp liebt mehr mäßig feuchte und warme Witterung. In naſſen Jahren werden die Wurzeln nicht nur weniger far- |. DIEN ſondern ſie faulen auch leicht, beſonders im fetten oden. VII. 13 30 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. Zuly.; Gelbfärbende Pflanzen; Der Wau. Vegetation und Behandlung während der Veges tation bis zur Erndte. 58 Wauſamen geht 8 bis 14 Tage nach der Saat auf; und die Pflanzen ſehen anfänglich den Rapunzeln ſebr ähnlich. Die Pflanzen überziehen den Acker, wenn ſie nur einigermaßen dicht ſtehen, bald ſo, daß kein Unkraut, außer dem ſtarkſtänglichen; auffommt. Man muß dieſe ſtarkhalmigen Unkräuter augziehen 5 ſonſt bedarf aber der Wau während ſeiner Vegetation weiter kei2 net Pflege: Die Blätter der Pflanzen bilden für den Winter eine ſchügende De&e und man muß dafür ſorgen, daß dieſe De>e nicht verletzt wird. Bevor die Blätter kein Froſt betroffen, wer- ven ſie zwar ihres unangenehmen Geruchs wegen vom Vieb nicht leicht gefreſſen; aber nach eingetretenem Froſt freſſen ſie die Schafe gern, weßhalb dieſe den Winter hindurch ſorgfältig vom Waufelde abgehalten werden müſſen, indem die ihrer Blätter be- raubte Saat leicht vom Froſt beſchädigt wird. In naſſen Win2 tern fault der Wart leicht. Im Frühjahr ſchoſſen die Pflanzen ſehr bäld in den Stängel und fangen Ende Juny, ſobald der Raps abgeblühet hat, zu blühen an. Die Blürhenzeit dauert ge? gen drey Wochen, und die Blüthen werden ſehr gern von den Bienen beſucht, denen ſie viel Ausbeute an Honig geben. Der Wau liebt zu ſeinem Gerathen eine mäßig feuchte, aber recht warme Witterung. In ſehr tro>nen Jahren wird er zwar farz benreicher, er giebt dann äber nur eine geringe Quantität. In naſſen Jahren werden die Pflanzen zwar groß, aber ſie enthalten dann nur wenig Färbematerial. Am ſchlechteſten: wird der Wars zu abwechſelnd kalten und naſſen Jahren. (274) Selgewächſe. Der Leindotter, Vegetation und Behandlung während der Veges tation bis zur Erndte. Da der Leindotter eine einheimiſche. Pflanze iſt, die ſchnell ermporwächſt, und einen ſo kräftigen Wuchs bat, daß ſie.das Unkraut leicht unterdrückt, ſo überläßt man ſie gewöhnlich ihrem Wachsthum, obne beſondere Nachhülfe. Nur die ſehr ſtarkhalmiz= gen Unkräuter, die ſich auch durch die kräftigſte Leindotterſaat durche arbeiten„ müſſen ausgerauft werden. Findet ſich jedoch viel Un-= fraut, ehe ſich der Leindotter zu ſchließen anfängt, ſo muß gejä: tet werden. Die dem Lein und den Witken ſo nachtheilige Flachs- ſeide iſt auch dem Leindotter ein ſehr gefährliches Unfraut. In feuchten Jahren geräth der Leindotter beſſer, als in tro>nen. Derne Witterung ein, ſo müſſen die Setzlinge täglich, des Morgens und des Abends, be- goſſen werden, wozu man entweder ſtebendes, oder Flußwaſſer nimmt. Zeigen ſich, nachdem die Setzlinge allgemein ausgetrie: ben haben, in der Hopfenplantage Lü>en, ſo müſſen dieſelben durch die zum Nachſeen aufbewahrten Setzlinge ergänzt werden: Haben die Pflanzen eine Hohe von 3' bis 4 Zoll erreicht, ſv muß durch ſorgfältiges BehaFXen nicht nur das Unkraut vertilgt, ſon-' dern auch der Boden gelo&Fert werden, wobey man jedoch ſehr vorſichtig ſeyn muß, daß keine Wurzeln beſchädigt werden. Haben die Pflanzen einen Trieb von 1 bis 2 Fuß gemacht, ſo werden die Stangen eingeſteckt. Da die Hopfenpflanzen ſchon im erſten Jahre eine beträchtliche Höbe erreichen, ſo muß man ihnen gleich die? jenigen Stangen beyſezen, welche man für den völlig ausgewach: ſenen Hopfen beſtimmt hat. Man nimmt bie Stangen von der- jenigen Holzart, welche am woblfeilſten zu haben iſt; Am beſten find die von Fichtenholz, indem ſie am leichteſten ſind: Die Stangen müſſen gerade ſeyn, und ſich nicht in der Höhe zuſam- menneigen, weil ſich Jonſt der Hopfen an den Spißen in einander krankt, und dadurch das Wegnehmen des Hopfens bey der Erndte 10€ 32 Bau der Feldfrüchte. 7, Abſchn, July, (276) erſchwert wird. Auch müſſen die Stangen eine gehörige Stärke unten wenigſtens 22 Zoll haben, damit ſie nicht abbrechen. Ehe die Stangen zum Gebrauch kommen, müſſen ſie gehörig ausgetro>- net und von der Rinde befreyt ſeyn, weil ſie dann länger halten. Die Länge der Stangen richtet ſich nach der Triebfähigkeit des Hopfens 3 da derſelbe jedoch auch im minder kräftigen Boden in günſtigen Jahren eine ſehr bedeutende Höhe erreicht, ſo»iſt es ges rathen, möglichſt länge Stangen zu wählen. Die Stangen werz den, ehe man ſie einſetzt, unten zugeſpibt, und von unten drey Fuß bebrannt, um ſie in der Erde und ein Stück über derſel: ben, wo ſie am leichteſten faulen, vor Fäulniß zu ſchüßen.| Das Einſeten der Stangen erfolgt folgendermaßen: Man zieht den Stab, der als Merkzeichen eingeſte>t worden, behutſam ber- aus, erweitert das Loch vorſichtig mit einem Pfahleiſen, um die Wur- zeln des Hopfens nicht zu beſchädigen, ſte&Xt die Stange hinein, und macht ſie durch wiederholtes Stoßen und behutſames Antreten-des Bodens feſt, Einige geben einem Sto>e mehreke Stangen, und laſ= ſen an jeder nur eine Ranke auflaufen. Andere geben jedem Sto>e nur eine Stange und- laſſen mehrere Ranken daran hinauf laufen. Jn den Plantagen vermehrt erſteres den Ertrag nicht immer und in Betracht der Koſtſpieligkeit der Stangen, und daß durch viele Stans gen die Einwirkung der Sonne und der Luft mehr gehindert wird, wodurch leichter Krankheiten entſtehen, iſt es nicht zu empfehlen. Bey einer Stange darf man nicht mehr, als 2, höchſtens 3 Ho- pfenranken hinauflaufen laſſen z denn nicht durch die Vielheit der Ranken, ſondern durch ihre Kräftigkeit wird der Ertrag bewirkt, und viele Nankeni aus einem Sto>e können nicht ſo kräftig wer» den„ als wenigere. Ueberbaupt iſt es wohl ein Fehler in vielen Plantagen, daß man durch viele Ranken und Stöcke den Ertrag zu vermehren ſucht, während die Erfahrung und der Augenſchein ehren, daß einzelne, weit von einander ſtehende Stöcke einen weit höheren und ſichern Ertrag geben.“ Um das Koſtſpielige der Anſchaffung der Stangen beym Hopfenbau zu vermindern, baben einige empfohlen, denſelben ohne 4200 1 zu bauen, und zu dieſem Behuf vorgeſchlagen, Gerüſte zu bauen oder Bäume zwie- ſchen den Hopfenanlagen anzupflanzen, an denen der Hopfen SE ſoll. Alle dieſe Vorſchläge ſind nicht minder koſt» pielig, als die Stangen ſelbſt, oder ſie ſind dem Gedeihen des Hopfens nachtheilig, ſo daß es am zuträglichſten iſt, den Hopfen an Stangen zu bauen, E - Sind die Stangen in der Hopfenanlage geſte>t, ſo müſſen die ſich um die Stangen ſchlingenden Pflanzen angebunden wer- den, weil ſie ſonſt bey der Glätte der Stangen, wenn fie von dem ausgetriebenen Laube beſchwert werden, herabrutſchen wür» den. Man bedient ſich dazu des feucht gemachten Baſtes, naſ- ſen Strobes, oder auch groben Garnes. Da ſich der Hopfen nach ſeiner natürlichen Neigung immer von der linken Seite zur rechten ſchlingt, ſo muß er auch nach dieſer Richtung angebunz= den werden. Man muß hbierbey ſehr behutſam, verfahren, um den Ranken keinen Schäden zuzufügen, aber doch muß man Lo- Ferbeit vermeiden, und die Ranken ſo feſt als möglich an die Stange ſchmiegen. Am beſten iſt zum Binden“ Baſt, welches vermöge ſeiner Breite nicht in die Ranken einſchneidet. Auch darf man die Ranken nicht über einander legen, weil ſonſt ein Vegetatſon der Feldgewächſe. Hopfen. 4 Q77) widernatürlicher Dru>E entſteht und, hierdurch eine Hemmung des Saftes erfolgt. Um das Herabrutſchen des Bandes von der gläte ten Stange zu verhüten, macht man einen Kerb in die Stange, in welchen das Band kommt.| 4 Man läßt zwar, wie bereits angeführt worden iſt, von jes dem Sto>e nur 2, höchſtens 3 Ranken laufen, und ſchneidet die ans dern getriebenen Schößlinge mit einem ſcharfen Meſſer abs da jedoch die eine oder die andere Ranke Schaden leiden kann, ſo läßt man noch eine oder zwey Reſerveranken, welche man an dem Boden hinlaufen läßt, um ſich derſelben im Nothfalle be- dienen zu können. Findet man nach Verlauf von etwa 14 Tagen bey den angebundenen Ranken einen gehörigen Trieb, ſo ſchneidet man auch die Reſerveranken ab. Diejenigen Ranken, welche ihre Spitze verloren haben, müſſen ſogleich weggeſchnitten werden, hs ſie nur Nebenſchoſſe und Büſche treiben, die ohne Nuten ſind. Wenn die Hopfenranke 5 bis 6 Fuß“ herangewachſen ſind, fo müſſen ſie abermals angebunden werden, wobey man auch alle Nebenſchoſſen abſchneidet. Bey dieſer Gelegenheit, gewöhn» lich gegen Ende Juny, wird der Hopfen zum zweytenmal bebha>t, wobey jedoch aus den Zwiſchenräumen Boden um den Stoc> her- aufgeſchafft wird. Man kann dieſes Bebäufeln auch mit dem Schaufelpfluge verrichten, wobey' jedoch immer mit der Hae nachgeholfen werden muß. Hierbey iſt beſondere Vorſicht nöthig, damit die Wurzeln nicht beſchädigt werden. Während des Wachsthumes muß der Hopfen noch mehrmals angebunden werden, weil die vielen Blätter ſonſt die Ranken niederzieben würden. Man muß hierzu beſondere Gartenleitern Pb Zum Anbinden wählt man in heißen Tagen die Mittags- unde, wo die Ranken etwas welk ſind. Jn kühlen und feuch- ten Tagen und des Morgens nac ein ordentlicher Hügel kommt. Die Größe der Hügel läßt ſich im Allgemeinen nicht genau beſtimmen. Auf niedrigem und mehr feuchtem Boden müſſen ſie höher und größer, in tro>nem und hochliegendem Boden aber kleiner Gwen werden, Höhere Hügel machen höhere Wurzeln und Ranken, und liefern daher gewöhn- lich einen höheren Ertrag und beſſere Setzlinge. - Während nun der Hopfen fortwächſt, darf man die Plantage nicht außer Acht laſſen, beſonders muß man nach Stürmen und Gußregen nachſehen, ob die Ranken noc< von den Stangen ge- hörig angelaufen ſind, und wenn dieß nicht geſchehen, ſo. muß man alsbald nachhelfen. Auch muß man darauf ſehen,„daß die Stangen immer in gleicher Richtung bleiben und ſich nicht mit den Spiten an einander neigen, weil ſonſt die Hopfenranken vben zuſammenwachſen, durch jede Bewegung der Stange leicht beſchädigt werden können und dadurch das Abnehmen der Stan«- gen und die Erndte des Hopfens erſchwert. wird./ Der Hopfen blüht im July, oder Anfangs Auguſt. Die Blüthe dauert 12 bis 14 Tage, während welcher Zeit warmes und trocnes Wetter zu wünſchen iſt, Im erſten Jahre bringt 33 „Bau der Felpfcüchte.. 7. Abſcha,:-Jutly. (278) der Hopfen nur wenig Blütben hervor; Es pflegen, deßhalb Meh» rere im erſten Jahre zwiſchen dem Hopfen Gemüſe zu bauen; als lein es iſt dieß durchaus zu widerratben, weil dieſe Gewächſe dem Hopfen Nabrung entziehen, die Einwirkung der Sonne, dex Luft, des Thaues und des Regens auf den Hopfenacker, ja ſelbſt die Lockerung des Bodens und das Behäufeln zum Theil hinz dern, Ueberdieß geräth das Gemüſe in dem Schatten unter dem Hopfen nicht gut, und man thut daher dem Hopfen mehr Schas den, als nian von dem zwiſchen ihm. gebauten Gemüſe beym beſten Gorathen deſſelben gewinnen kann, Behandlung des Hopfens nah der Erndte im zweyten und den folgenden Jähren. Nachdem die Hopfenranken in der Erndte abaeſchnitten woro ven ſind, ſo wird der an den Wurzeln gelaſſene Theil der Nank2 in einen Knoten gebunden. Man empfieblt dieß, um die Ho pfenſtöde im Frühjahr um ſo leichter zu finden, und um das Eindringen der Feuchtigkeit durch die Röhre der Nanke bis zu den Wurzeln, wodurch dieſe leicht in Fäulniß übergeben können, zu verhindern, Bey eintretendem Winter zieht man die Erde von den Hügeln, welche um die Stöcke der Pflanzen gebäufelt worden ſind, ewas berunter und dvedeckt die Sro>e mit verfaultem Miſt. Im folgenden Frühjahr, wenn keine Fröſte mehr zu beſorgen ſind, bringt man den Miſt herunter, thut ihn neben den Hügel, und beſchneidet nun die Stöcke, Das Beſchneiden geſchiehet dann, wenn die Keime an den Stöcken 12 bis 2 Fuß lang herangewachſen ſind, gewöhnlich in der Mitte Aprils folgendermaßen. Die Hopfenſtö>e werden mit der Ziehbaue geräumt, das iſt, der Boden wird von den Wurz zeln des Sto>es behutſam weggenommen, ſo daß. der Sto> ganz zu Tage liegt. Man mengt das weggeſchaffte Erdreich mit»dem auf die Seite gezognen Dünger. Bey dem Räumen iſt Vorſicht nöthig, daß dem Stoc> und ſeinen Wurzeln kein Schaden zuge- fügt werde, und man darf dieſe Arbeit nur geübten Arbeitern anvertrauten, Hierauf wird nachgeſehen, ob der Sto> feſt ſteht, und ob er eine tiefe, ſenkrecht eindringende Hauptwurzel hat. Diejenigen Stöcke, die nicht feſt ſtehen, indem ſie keine tief ein= dringende Hauptwurzel baben, ſo wie diejenigen), die nicht ganz geſund ſind, ſondern FaulfieFe haben, oder gar inwendig abge: ſtorben ſind, muß man herausnehmen und neue Schößlinge ant ihre Stelle legen, denn dergleichen StöFe treiben zwar alle Jahxe Nanken, kommen aber nicht zum Blühen. Die Stö>e werden nun bis aufs Haupt, däs iſt, bis nabe an den alten Sebling, jedoch ſo, daß noh einige Augen über demſelben bleiben ,- abge- ſchnitten, alle nebenaus laufenden Thauwurzeln und Faſern eben ſo ſorgfältig weggeſchnitten, und dex Sto> davon gereinigt.'Diejent- gen Wurzeln äver, welche in- die Erde hineingewachſen ſind, die Hauptwurzeln, dürfen. durchaus nicht abgeſchnitten werden, weil Dieſe dem Stocke die feſte Haltung geben und die meiſte Nahrung Wufühn. Die alten Wurzeln ſind rotb und die jungen Schößs- inge weiß, folglich ſehr leicht zu unterſcheiden. Das Abſchnei»- den muß mit einem ſcharfen Gartenmeſſer in einem Zuge geſchehen, damit der Sto> nicht angeriſſen wird. Um den Stock“der ihm nachtbeiligen Einwirkung der ſcharfen Frühjahrsluft nicht zu lan- Vegetatiott der Feldgewächſe. Hopfen. 35 (279) ge auszuſetzen; iſt es anzurathen,. zum Beſchneiden der Stöd>e rey Perſonen anzuſtellen, wovon die eine die Erde vom Sto>e wegräumt, die andere denſelben beſchneidet, unddie dritte ihn alsa bald drey Zoll boch mit Erde überde>t. Die abgeſchnittenen Keime können als Gemüſe genoſſen werden, und ſind als ſolches in vielen Gegenden ſehr. beliebt.; Auch im zweyten Jahre läßt man nicht mehr als zwey, höchſtens drey Ranken. von jedem Sto>e in die Höbe laufen, und„verfährt beym Stängeln'des Hopfens eben ſo, wie bey der Bebandlung im erſten» Jahre ge ſagt worden. Im zweyten Jahre wächſt nun der Hopfen zu ſei ner vollfommenen Höhe, und man muß nun für angemeſſene bobe Stangen Sorge tragen. Uebrigens ſind die Meinungen über die Höhe der Stangen getheilt. Einige behaupten, man könne die Stangen nicht hoch genug haben, damit die Hopfen» ranten ſo boch wachſen können„als. möglich, indem ſie an ihren obern Enden die meiſten Blüthen. und die beſten Früchte am ſi- t und kön« hen um ſo mehr Widerſtand leiſten. 1. Es iſt daher gerathen, dem Hopfen die nach Beſchaffenheit ſeiner Triebkraft nöthig langen Stangen zu geben. Längere Stans gen, als 20 bis 30 Fuß lang, verwendet man zum Hopfenbau nicht, weil ſie dann zu ſchwer zum Handhaben ſind, Iſt jedoch ein wirkliches Ueberwachſen des Hopfens zu befürh» ten, was jedoch nur in ſolchen Plantagen Statt finden kann, wo der Hopfen ſehr eng und im Verbande gepflanzt iſt, wo die Ranken wegen Mangel an Platz, friſcher Luft, Licht und Sonnenwärme ſich unten nicht in Seitenäſte ausbreiten können, ſondern ihre ganze Triebkraft nach der Höhe verwenden, wodurch ſie ſce ein ordentlicher Hügel, welchen man auch den Stuhl nennt, angehäuft iſt. Man empfiehlt es, dieſe Hügel im feuchten und mehr gebun- denen Boden höher und ſpitziger, im mehr trockenen und loſen Bos den dagegen breiter und nicht zu hoch zu machen. Sind die Ran» ken höher gewachſen, ſo werden von unten bis zu einer Höhe von 6 Fuß nach und nach alle Blätter und Nebenranken oder Räuber weggeſchnitten; indem erſtere den friſchen Luftzug und die Ein- wirkung der Wärme und des Lichts hindern, zur Nahrung der Pflanzen aber nichts mehr, beytragen, letztere aber die Pflanzen ſchwächen. Das Abſchneiden erfolgt mit Vorſicht mit einer ſcharfen Scheere, Zugleich mit dem Abblatten wird unterſucht, ob der alte Stoc> wieder neue Keime oder Lohden getrieben hat, welche ſo» fort mit abgeſchnitten werden. Uebrigens iſt die Behandlung wie im- erſten Jahre, nur daß es dann nicht mehr nöthig iſt, den Sto> den Winter über mit Dünger zu bedeXen, Jm drit= ten und den folgenden Jahren iſt die Behandlung, wie ange» führt worden iſt. Wenn man Miſt genug hat, ſo bringt man etwas davon, ſobald der Froſt im Frühjahr aus der Erde heraus iſt, in die Zwiſchenräume zwiſchen den Stö>en, bede>t ihn-hier: auf beym Beſchneiden des Stocks mit der weggeſchafften Erde, ſo daß er ſich zerſezt, und zieht ihn dann beym Bebäufeln um die Pflanze herum. Viele düngen den Hopfen nur über das-andere oder aud) nur alle 3 Jahre. Gehörig gefaulte und mit Waſſer GEE Vegetation der Feldgewächſe, Hopfen, (281) verdünnte Jauche, nach dem Beſchneiden auf die Hopfenſtöcke ges goſſen, thut eine ſehr gute Wirkung. j Man kann das Beſchneiden der Stö>ke auch im Herbſt vor- nehmen; es wird jedoch das Beſchneiden im Frübjahr allgemein vorgezogen. In einem Boden, der vom Froſt leicht in die Höhe ezogen wird, empfiehlt man es, die Hopfenſtöcke, außer den über ni Ai Behäufeln angehäuften Haufen, noc< mit Erde zu Üüberde>en. Von den Krankheiten der Hopfenpflanzen und den derſelben ſchädlichen Thieren. Der Hopfen iſt im wilden Zuſtande manchen Unfällen unter- worfen, um ſo mehr leidet der durch Cultur, Düngung, und, bes ſonders durch das enge Zuſammenſtehen verzärtelte angebaute Ho» pfen.. Schon die Einflüſſe der Witterung ſchaden dem Hopfen man» nichfaltig. Große dauernde Hiße, oder anhaltende Näſſe, ſpäte Nachtfröſte, kalte anhaltende Nord- und Oſtwinde im Frühjahr, ſchnelle Abwechſelung der Wärme und Kälte im Sommer, wenn der Hopfen ſchon ausgewachſen iſt, Regen während des Sonnen:- e etwas ſpä2 ter, als zu früh erfolgt. Werden die Hopfenſtöcke vor der Blütbe vom Hagel getroffen, und es folgt bald darauf warmer Sonnen- ſchein, ſo hat es nicht viel zu bedeuten; gefährlicher iſt der Hagel nach der Blüthe, und tritt dann nicht noch ſehr günſtige Witterung ein, ſo erſetzen ſchwache Hopfenpflanzen den Schaden nicht, wo- ee ihn kräftige Hopfenſtöe noch zuweilen durch Nachwuchs erjeben, Der Honig- und Mehlthau, ſo wie eine andere dergleichen Krankheit, die rothe Lohe genannt, wo die Blätter das Anſehn von Gerberlohe bekommen, ſuchen den Hopfen öfters heim. Man empfiehlt es, wenn ſich dieſe Uebel vor der Mitte Junius einſtel- len, die Ranken abzublatten; kommen ſie ſpäter, jo fruchtet das Abblatten nichts mehr. Eine anderweitige Krankheit, der ſchwarze Brand, wo die Ranken, beſonders die Spitzen derſelben, und die Blätter ſchwarz werden, als wenn ſie mit Nuß überſtveut wären, und zuſammenſchrumpfen, ſcheint beſonders bey ſolchen Lagen der Hopfenpflanzungen Statt zu finden, wo Mangel an Zutritt friſcher Luft iſt, Sie befällt die Stöcke dann, wenn fie noch ganz Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn. Zuly. (282) jung ſind, und gewöhnlich nur einzelne. Iſt die Witterung nach dieſer Krankheit noch günſtig, ſv erholen ſich die kräftigen. Stö>e und geben noch einen genügenden Ertrag.|; Die Krankheiten finden ſich in enggepflanzten Hopfenplantas gen, und bey wenig kräftigen Stöcken weit häufiger, als in ſols e kräftig ſind. Bor der Blüthezeit haben ſie weniger zu bedeuten, weil die Stö>e dann noch nachtreiben, ſpäter aber ſind fie gefährlich. Einzeln ſtebende und die ſich an den Rändern der Plantage: befindlichen StöFe leiden von Krankheiten weniger, als die in der Mitte ſtehenden, ein Wink, daß es um des Extrags an Hopfen wegen wohl angemeſſen ſeyn dürfte, die StöFe, anſtatt in Plantagen in eng an einander ſchließenden Reißen, in einzel» nen weit von einander abſtehenden Reiben zu pflanzen. . Unter den Thieren, welche dem Hopfen nachtheilig ſind, iſt eine Raupe, welche mit dem Mehlwurm Aehnlichkeit hat, gelb: weiß, am Kopfe und an deim erſten Ringe gelbbraun, an den übri» gen Ringen aber mit kleinen ſce müſſen tiefer als gewöhnlich beſchnitten werden. Erdflöbe, Blattläuſe, Schnekken und die Engerlinge gebören ebenfalls zu den Feinden des Hopfens. Kräftige, geſunde Pflan- zen und häufiges und tiefes AufloFern des Bodens, wodurch dieſe Thiere und deren Larven aus ihren Schluypfwinkeln herauf2 ebracht und getödtet werden, ſind die ſicherſten Mittel gegen ieſe Feinde. Dey Kümmel. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation, Iſt der Kümmel aufgegangen, ſo muß man nachſehen, ob die Saat überall gleichmäßig ſteht, und wenn dieß nicht der Fall iſt, durch Lichten der Pflanzen an denjenigen Stellen, wo ſie zu dicht ſtehen, ſie verdünnen, und ſie an den Orten, wo ſie zu dünn ſtehen, durchs Verpflanzen ergänzen," Sobald als ſich Unkraut zeigt, muß daſſelbe ſowohl im erſten, als im zweyten Jahre ſorgfältig vertilgt werden. Das Behacken, wobey man um vie Pflanzen et= was Boden anziehet, bekommt dem Kümmel überaus wohl; und je weniger man mit der AufloFerung des Bodens ſparſam iſt, inen um ſo größern Ertrag hat man zu erwarten. Zum Beha- >en ſowohl, als zum Jäten, muß man trv>ne Witterung wählen, wo möglich den Zeitpunct kurz vor einem Regen. Scheint das Wetter anhaltend dürr werden zu wollen, ſo muß man das Be- haFen nur in den Abendſtunden vornebmen, wo dann der Thau durch den geloFerten Boden um ſo leichter Eingang zu den Pflan- zenwurzeln findet, und ſie für die Folge ſtärkt. Betondern Krank- heiten iſt der Kümmel nicht unterworfen. Der ſogenannte Pfeiz fer fügt ihm manchmal beträchtlichen Schaden zu, Den Wurzeln ſtellen die Schweine"u nach, und den jungen Pflanzen ſind die Haſen ſehr gefährlich, die fie bis aufs Herz abfreſſen. Cine kleine Vegetation der Feldwächſe,. ;(2383) Kümmelpflanzung, die ich hier. im freyen Felde, jedoch in der Nähe des Wirthſchaftshofes angelegt hatte, wurde, ungeachtet der gegen die Haſen aufgeſtellten Scheuchen, ſo gänzlich verwüſtet, das fich nur wenige Pflanzen erhalten hatten. Es wird übrigens nur in wenigen Gegenden ein ſolcher Haſenunfug exiſtirxen, als in hieſiger Umgegend. Zu ſeinem Gedeihen verlangt der Kümmel mehr feuchte, als tro&ne Witterung. Der Schwarzkümmel. Vegetation und Behandlung während der Vege: tation. Was im Vorſtehenden von der Behandlung des Kümmels ge: ſagt worden iſt, gilt auch vom Schwarzkümmel.( Kaffeeſurrogate. Die Erdmandel. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation, Die gleich ins Feld gelegten Knollen geben bey tro&>ner Wit- terung ſchwer auf, und man empfiedblt es daber, ſie einmal, nach Beſchaffenheit der Umſtände auch mehrmals mit Flußwaſſer zu bes gießen. Sind die Pflanzen 3 bis 4 Zoll boch herangewachſen, ſo durchgeht man die Reiben, hebt die Pflanzen dort, wo ſie zu dicht ſtehen, aus, und verpflanzt ſie dahin, wo ſie ausgeblieben ſind, oder auch auf beſondere Beete, Sind die Pflanzen im Allgemei- nen ſehr dünn, ſo kann man eine Vermehrung derſelben dadurch bewertſtielligen, daß man im Anfange bis zur Mitte des July die häufig vorkommenden Seitenſproſſen von der Hauptpflanze ablöſt und abermals verpflanzt. Dieſe Sproſſen müſſen nach dem Ver- pflanzen mehrmals begoſſen werden, Sie geben nie den Ertrag, als die gelegten Knollen, und ſind daher nur im Nothfall zu empfeblen. Die Pflanzen müſſen während der Vegetation mebr- mals beha&t und auch behäufelt werden, wobey auch jedes Uns kraut ſorgfältig vertilgt wird. Das Behacken, muß nicht tief, und 2 Ib geſchehen, damit die Seitenſproſſen nicht vertilgt werden.; “ Sind die Erdmandeln in kalten Miſtbeeten erzogen und ver» pflanzt worden, ſo iſt es nöthig, die verſetzten Pflanzen anfäng= lich einmäl, und wenn troc>ne Witterung, iſt, auch mebrmals zu begießen. Während der Vegetation«werden ſie eben ſo, wie die gelegten Erdmandeln behandelt. Das Bebäufeln kann man auch mit dem Häufelpfluge mit ſchmalem Schaar und eng zu ſtellenden Streichbretern verrichten. In mäßig feuchten und warmen Jahs- xen gerathen die Erdmandeln am beſten. Die Cichorie. Vegetation und Behändlung während dex Vege: ; tation. Bald nach dem Aufgehen des Cichvrienſamen8 muß man die Pflanzen dort, wo ſie zu dicht ſtehen, vereinzeln, E;obald ſich Unkraut zeigt, muß ſorgfältig gejätet werden, und ſelten wird ein einmaliges Täten hinlänglich ſeyn 3; denn die Cichorienpflanzen 39 40 Ban der Feldfrüchte. 7. Abſe. Vegetation und VHLENDTUNg während der Vege- tation, Bey tro>ner Witterung gebt der Same ſchwer auf, und man muß daher deſſen Keime durch Begießen befördern. Wenn die Pflanzen 1 bis 2 Zoll hoch geworden, und wenn ſich früher Un- Fraut zeigt, auc noch eher, müſſen ſie ſorgfältigge jätet werden. Auch muß man den Boden wiederholt durchs Bebac>en aufloc>ern, und zu Anfange Junius etwäs behäufeln. Die Blüthe erſcheint im Juny. Die Kaſfeewi>e liebt zu ihrem Gedeihen mäßig feuchte und warme Witterung. In ſehr tro>enen Jahren wißräth ße gewöhnlich. Erndte und Zugutemathung der Feldgewächſe. Die Art und Weiſe der Erndte der verſchiedenen Feldgewächſe iſt ſehr mannichfaltig 3 do< beruht das Erndtegeſchäft im Ganzen auf allgemeinen Grundſäßen. Die Zugutemachung der verſchie: denen Feldgewächſe, das heißt ihre Bereitung bis zu demjenigen Zuſtande, in welchem ſie vom Landwirth als Marktartikel ver» langt werden, iſt noch mannichfaltiger, als die Art und Weiſe ihrer Erndte. Die Erndte und die Zugutemachung der verſchie: denen Feldgewächſe bilden zwar zwey ganz verſchiedene Kapitel 3 da ſich jedoch bey vielen Feldgewächſen die letztere unmittelbar an die erſtere anreiht, und bey mehreren ſchon in der Erndte ein Theil der Zugutemachung enthalten iſt, ſo wollen wir ſie, um Weitläuftigkeiten und Unterbrechungen im Vortrage zu vermei: den, bey den betreffenden Feldgewächſen in einem Kapitel behan- deln, Die Zugutemachung einzelner Feldgewächſe, welche nicht mit der Erndte unmittelbar zuſammenhängt ,/ oder in wiefern ſie auf Feldgewächſe gemeinſchaftlich in Anwendung zu bringen iſt, als z. B. das Ausdreſchen und Reinigen der Samen, werden wir als einzelne Kapitel dort, wo es näch Maßgabe der Einthei: lung gegenwärtiger Arbeit der Naum geſtattet, vortragen. Da die Getreideerndte die Haupterndte iſt, und in dieſem Mo- nate beginnt, ſo wollen wir hier das Nöthige über dieſelbe, was ſowobl auf ſie, als auch im Allgemeinen auf andere Feldgewächſe Beziehung hat, erwähnen und bey ver Erndte der einzelnen Feld- gewächſe nur dasjenige anführen ,/ was ganz ſpeciell iſt. " u Erndke u, Allgemeine Vorbereitungen zur Erndte. Die Erndte iſt, einer der wichtigſten Theile beym Ackerbau, nd nur erſt nach glücklicher Vollbringung. derſelben kann der Landwirth, gleich drohenden Fahrt mit der Ladung in den Hafen eingelaufen iſt, mit Sicherheit auf den gewiſſen Beſitz der Feldproduction, unz abhängig von den nachtheiligen Einwirkungen der Natur rechnen z wenigſtens ſtehen ihm dann die vielfältigſten Mittel zu Gebote, Nachtheile von den gewonnenen Producten abzuwenden. Dage= gen ſind Arbeit und Mübe, und die günſtigſten Einwirkungen auf die Vegetation der Pflanzen nußlos, wenn die Erndte miß- Sobald daher die Erndte beginnt, ſo iſt dieſe das Haupt: MUR welchem alle andern landwirthſchaftlichen Arbeiten nach- glückt. ehen müſſen, un nden Mitteln dieſelbe möglichſt ſchnell vollführen. Nicht mit “2 nde iſt die B durch die Art und ob Ordnung, ſchaft ſey. wird durch die Witterung bald früher, als gewöhnlich, herbeyge: führt, bald wieder verzögert; doch kann der Landwirth nach den Statt findenden Umſtänden den Eintritt derſelben mit ziemlicher Ges wißheit vorausſehen. Zu dieſem Zeitpuncte müſſen alle andern wichtigen landwirthſchaftlichen Ar eiten, die nicht unterbrochen werden dürfen, beſeitigt ſeyn, ſo daß nur einige Nebenarbeiten bleiben, welche man in denjenigen Zwiſchenſtunden, die die Ernd« tearbeit geſtattet, verrichten kann, obne daß deßhalb die Erndtes arbeiter und das poſition ohne großen Zeitverluſt, gehindert werden, und ohne gefangene Arbeit durch Unterbrechung gefährdet wird. j ndtearbeit ſowohl beym Menſchen, als beym Zugviehe oft einen großen Grad von Kraft und Anſtrengung in Anſpruch ſtände es nöthig machen, beſonders bey der Ge» daß die an Da die Er nimmt, und Um treideerndte, oft lan ſen, ſo gönne man ſich zu dieſer der Erndte bedürfe ſam beobachtet; erkennung des geſteigert wird. Die Erndte tri Aufmerkſamkeit und Thätigkeit in einer Wirth- wichtigen und ſchweren Arbeit ſtärken können, ſorge aber auch dabey, daß von ihnen alle Geräthſchaften, deren ſie bey irfen, in gehörigen Stand geſetzt werden. So» wohl bey dem dienenden Geſinde, als bey den Lohnarbeitern, und bey den Frohnarbeitern unterlaſſe man einige Zeit vor der Erndte alle nöthigen Rügen, und zeige ibnen nur, daß man ſie aufmerk= man erlaſſe ſelbſt kleine Strafen, mit der Bedin» gung, daß man- deßhalb einen um ſo größern Fleiß, in der Erndte erwarte, Hierdurch wird ein reger Sinn zur Arbeit entflammt, und es müßte einer ein unverbeſſerlicher Starrkopf ſeyn, bey dem ſelbſt Zwangsmittel vergeblich ſind, wenn er nicht für die erlaſz ſene Strafe ſich in der»Erndte um ſo thätiger zeigte, und wenn er nicht durch um ſo größere Thätigkeit in der Erndte der ver- dienten Rüge oder Strafe entgehen wollte. Man zeige denen, welche eine Rüge oder Strafe verdient baben, in der Erndte, daß man ſie genau beobachte, und man verſage ihnen nicht die An- gezeigten Fleißes, wodurch der Trieb zur Arbeit Nach der Erndte kann man ja noch immer der Zugukemachung der Feldgewächſe. (2385) dem Schiffer, der nach einer viele Gefahren d man muß dann mit allen zu Gebote ſte- ebhauptung vieler Landwirthe, daß man es Weiſe des Erndtegeſchäfts beurtheilen könne, tt nicht alle Jahre gleichmäßig ein, ſondern ugvieh in einer augenbliklichen leichten Dig» ge über die gewöhnliche Zeit arbeiten zu müſz den Arbeitern vorher einige Ruhe, damit ſie Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. July. (2386) verdient geweſenen' Rüge oder Strafe Erwähnung tbun, und ſie mit Anerkennung des in der Erndte gezeigten Verhaltens mins dern oder gar erlaſſen.; .. Dem Zugviehe gönne fnan ebenfalis bor dem Beginnen der Erndte einige Ruhe, und ſtärke es beſonders durch eine Futter? zulage, die man ſchon einige Zeit vorber, und durch die Zeit der Getreideerndte, damit es kräftig bleibt, giebt: Leider findet in vielen Wirthſchaften der ſebr nachtbeilige Umſtand Statt, daß das Pferdefutter um die Zeit der Getreideerndte ſ9 knapp iſt; daß man den Pferden keine Zulage geben kann, oder in Erman? gelung anderes Futters ſie mit friſchen Getreidegarben füttert? Dieſe an und für ſich den Pferden nachtheilige Fütterung wird ihnen durch die große Anſtrengung bey vft außerordentlicher Hiße; oder bey dem plößlichen Wechſel der Temperatur, der durch die in dieſer Zeit häufigen Bewitter verurſacht wird, noc< nachtbei: liger. Ich weiß mehr als einen Fall, beſonders in großen Wirth: ſchaften, wo die Pferde bey mangelndem Futter durch das Füt? tern init friſchen Getreidegarben und durch übermäßige Anſtrens gung ſchon vor der Beendigung der Getreideerndte erſchöpft was ren 7 wodurch nicht nur der lette Theil der Getreideerndte ſehr verzögert wurde, und dadurch nicht nur beträchtlicher Verluſt entſtand, ſondern auch noch der Nachtheil verurſacht wurde; daß die Pferde in Krankheiten verfielen, ſo daß ein Theil der Herbſtſaat unbeſtellt liegen blieb. Diejenigen Wege, welche man während der Erndte befahren muß, müſſen vorher in einen guten Zuſtand geſest werden: Sind ſie mit Bäumen bepflanzt, ſo müſſen alle Aeſte, welche bis zu dem beladenen Erndtewagen herunter reichen, ſorgfältig ausgehauen werden. Inſtandſetzung der bey der Erndte nöthigen Werks zeuge, Geräthſchaften und ſonſtigen Gegene- ſtände:; Diejenigen Werkzeuge; Geräthſchaften und ſonſtigen Gegen- ſtände, weiche Bebufs des Erndtegeſchäfts nöthig ſind, müſſen nicht nur vor dem Beginnen der Erndte in einen guten Zuſtand geſetzt und gefertigt werden; ſöndern es iſt auch bey der unver- meidlichen Abnußung derſelben, um keinen Aufenthalt bey güti- ſtiger Witterung zu erleiden, nötbig, ſie in erforderlicher Anzahl zu haben, um einen entſtandenen Verluſt ſogleich erſeßen zu können. Bey der Getreideerndte ſind hauptſächlich folgende Gegen- ſtände zu berückſichtigen.;:; Zum Binden des Getreides ſind die erforderlichen Stroh- bänder nötbig. In einigen Gegenden macht man die Bänder aus Schilf oder Weidenruthen+" Hat man dieſe nicht, ſo wird jes der aufmertſame Wirth den nötbigen Vorrath vön Strobbändern aus dem längſten und ſtärtſten Strob ſchon einige Zeit vor dem Beginnen der Erndte anfertigen laſſen, und ſie bis zum Gebrauch an einem Orte aufbewahren, wohin die Mäuſe nicht kommen können, weil dieſelben die Aehren leicht anfreſſen, wodurch die Bänder aus einander geben. Das beſte Stroh zu den Bändern iſt Noggenſtrob; Nicht ſelten tritt der Umſtand ein/ daß man von der vorjährigen Erndte weder genug haltbares, noch genug Vorbereitung zur Erndte. .(287) langes Stroh zu den Bändern auszuſuchen vermag. Man fepe tigt deren; in, dieſem Falle, wenn das Stroh von der zu erwar: tenden Erndte beſſer zu ſeyn verſpricht, nut ſo viel„als man zur erſten Erndte bedarf, und erſegt die fehlenden durch das erſte; durch den Druſch gewonnene Stroh. Da Rübs- und Rapsſa= men, Wintergerſte und Winterroggen und Frühſommergerſte zu2 erſt zur Erndte gelangen, ſo muß man in jedem Falle zu ihrer Einerndtung die nöthigen Bänder in Vorrath haben; denn nicht ſelten wird die Roggenerndte durch anhaltend gutes Wetter ſo begünſtigt, ſo daß man bis zu ihrer Vollendung gar keine Zeit zum Dreſchen und Binden der Strohſeile Übrig behält, und eine dadurd) verurſachte Zögerung, bey dem plötßlichen Wechſel der Witterung, großen Schaden zufügen kann. n „"Nächſtdem ſetzt man die Ern dtewagen in guten Zuſtand, ſorgt dafür, daß deren, beſonders in großen Wirtbſchaften, meb2 rere in Vorrath ſind, als man braucht, und daß auch zugleich von jeden einzelnen Theilen des Wagens mehrere StüFe vor- handen. ſind, ſo daß ein entſtehender Verluſt ohne weitern Aufents halt leicht erſezt werden kann. Es iſt zu dieſem Bebuf ſebr zweck- mäßig, wenn man hauptſächlich die Räder, aber auch alle andern Theile des Wagens, nach einem Maaße fertigen läßt, ſo daß ſie zu; jedem Wagenypaſjen.; Das Riemzeug der Pferde, und beſonders die Anſpann- ſtrike, müſſen in einen vollkommenen guten Zuſtand verſetzt werden, weil die Erndtefubren häufigſchwerer, als die gewöhnlichen Fuhren ſind. Man nimmt zu den Erndtefuhren am beſten die Sillengeſchirre, weil die leeren Fuhren gewöhnlich im Trabe uns oft Über ganz. rauhen Aker geben, wo durch das Holpern des 43 Wagens eine ſchütternde Bewegung am Geſchirr verurſacht wird,' die bey den Sillengeſchirren den Pferden weniger empfindlich iſt, als bey Kummtgeſchirren,; Auch die andern mannigfaltigen Werkzeuge, welche zum Vollbringen der Erndte nöthig ſind, deren wir, was die Getrei- deerndte anlangt, hier weiter unten, und dann bey der Erpdte der einzelnen Gewächſe Erwähnung thun werden, müſſen in voll kömmenen Zuſtand geſeßt, und in erförderlicher Anzahl, ſo daß jeder Verluſt leicht exſezt werden kann, angeſchafft werden. Reinigung, Luftung und Inſtandſeßung der Auf- bewahrunggorte der Feldgewächſe, insbeſondere der Scheunen. Die Aufbewahrungsorte, in denen die geerndteten Feldfrüchte eintweder bis zu ihrem Verbrauch, oder bis zu ihrer Zugutemachung aufbewahrt, werden, und hierunter beſonders die Scheutien, müſ- ſen vor der Erndte in den Zuſtand geſeßt werden, damit die auf» bewahrten Gegenſtände nicht leiden, Vor allem müſſen bey dern Scheunen die Reparaturen an den Tennen vor der Erndte nicht nur beendigt ſeyn, ſondern dieſelben müſſen auch, wenn ſie von Lehm ſind, gehörig ausgetrocknet ſeyn. Auch die anderweitigen Reparaturen an dem Dache, den Forſten u. ſ. w- müſſen vor dem Eintritt der Erndte beendigt feyn.; . Sodann müſſen die Banſen der Sceunen eine gehörige Zeit vor. der Erndte ausgeräumt werden. Man„muß dieß nicht oberflächlich thun, ſondern, wenn ſich vom verweſeten Stroh viet Von den Erndtearbeitern. (289) I< kann hier einer Art, die Banſen zu behandeln, wodurch das Dumpfigwerden des Getreides verhindert, und die Mäuſe, die ſonſt dem Getreide vielen Schaden zugefügt hatten, gänzlich abgehalten wurden, nicht unerwähnt iaſſen. Icen waren, mehrmals ausräuchern. Durch den ſich ällgemein verbreitenden Dampf wurde jeder dumpfige Gez ruch aus der Scheune entfernt, Hierauf ließ ich einige Zeit vor der Erndte eine Quantität Wachhölderſträucher umhouen, und ſie kurz vor der Erndte in die Banſen ſchaffen, wo ſie, ſo ditht ge- legt wurden, daß ſie den gänzen Grund des Banſen dicht bes de>ten. Die feinen, ſteifen und ſehr ſpizigen Nadeln, mit de- nen der Wachholder dichter als ein anderes Nadelholz beſetzt iſt, hielten die Mäuſe, die fonſt viel Verheerungen- in dem eingebanſe- ten Setreide angerichtet hatten, ſo vollkymmen ab, daß nicht der geringſte Mäuſefraß an dem untern Betreide zu ſpüren war. Die Mäuſe wußten in ihrer Noth keinen andern Weg zu dem Ge- treide, als. an den Wänden der Scheune bis unter das Dach zu kriechen, wovon ſie aber durch Leiſten ſehr leicht abgehalten werden können, oder über die Tenne, wo deren eine große Zahl durch die in der Scheune eingeſperrten Katen und eine gefangene Eule vörtilgt wurden.>Die WachholderſtöFe, wenn ſie, ſobald dey Bänſen geräumt iſt, umgelegt und etwas gelo>ert werden, thun mehrere Jahre ihre Dienſte. Ich kann mich hier der Bemerkung nicht enthalten, daß es ſehr unrecht iſt, daß man in neuern Zeiz ten den Wachholder, dieſen in vielfacher Beziehung ſo nütlichen Strauch in vielen Waldungen gänzlich vertilgt hat. Der buſchigte Strauch, den der Wachholder bildet, verhindert zwar allerdings das Auftreiben andern Holzes, wenn er ſehr dicht ſteht, und er verbreitet ſic ſebr ſtark, und es geht an ſein Augroden Nie- mand gern; allein Duldung in gehörigem Maaße verdient er deß= halb um ſ9 mehr, da er durch ſeine Vorzüge die verurſachten Nachtheile vergütet, Viele behaupten auch, daß der Blüthen2 ſtaub des Wachholders den. Schafen nachtheilig ſey. Von dem Blüthenſtaube anderer Nadelhölzer will ich es nicht in Abrede ſtellen; allein von der Blüthe des Wachholderſtrauches möchte ich das Gegentheil behaupten,; ſicht zu nehmen, ſich einer größern Anzahl von Arbeitern zu ver- ſichern, damit die Erndte in einem kürzern Zeitraume vollbracht werden kann; im letztern Falle wird man die Erndte auch mit einer geringern Anzahl von Arbeitern gehörig vollenden können. „ Zweytens. In manchen Jahren reifen die verſchiedenen Feld2 früchte faſt zu gleicher Zeit. Gewöhnlich reift unter den Getrei- dearten die Wintergerſie zuerſt 3 dann folgt"der. Winterroggen z3 dann kommen die Sommergerſte und der Winterweizen, und den Beſchluß machen Heidekorn und Hafer. Oft tritt aber die Reife aller dieſer Gewächſe faſt zu gleicher Zeit ein, oder ſie folgt ſo ſchnell hintereinander, daß man nicht weiß, wo man zuerſt an fangen ſoll, und man nimmt ſie dann in der Reihenfolge zur Erndte, daß diejenigen, die durc Ueberſtändigkeit weniger leiden, oder diejenigen, die einen geringern Werth baben, zulett geerndtet werden. Auf ſolchen Gütern, wo eine beſtimmte Anzahl Fröhner täglich arbeiten, und es die Obſervanzverhältniſſe nicht geſtatten, Lohnarbeiter anzunehmen, erfolgt hierdurch oft ſebr großer Ver- luſt. In dieſem Falle, daß die Neifung der verſchiedenen Gez treidearten ſchnell auf einander, oder zu gleicher Zeit erfolgt, muß man dafür ſorgen, daß man die möglichſt größte Zahl von Arbeitern bekommt, ſelbſt wenn man einen etwas höheren Lohn bezahlen mußz denn der durch Verzögerung der Erndte verurs ſachte Verluſt iſt immer viel beträchtlicher, als der böchſte Ar- beitslohn beträgt. Werden dagegen die verſchiedenen Früchte in angemeſſenen Zwiſchenräumen reif, ſo wird man die Erndte auch mit weniger Arbeitern gehörig vollenden können. In vielen Wirthſchaften richtet man auch die Saat der Getreidearten ſchon ſo ein, daß ein gleichzeitiges Reifen derſelben nicht erfolgen kann. Obgleich es nicht zu, empfehlen iſt, einen günſtigen'Zeitpunct der Saat zu verſäumen, wenn man mit' der Zurichtung des Bo- dens fertig iſt, ſo kann es doch ein entſchiedener Mangel an Arbeitern. nöthig machen. In dieſem Falle ſollte der Landwirth keine Mühe und Koſten ſcheuen, ſich von den verſchiedenen Ges treideſorten, nach Beſchafſenheit der Umſtände, früh reifende und ſpäter reifende Arten anzuſchaffen, und dieſelben in einem ſolchen Verhältniſſe ſäen, als es nach den Statt findenden Umſtänden nöthig iſt.; Um die Anzahl der nöthigen Arbeiter zur Beſtreitung der Erndte zu beſtimmen, hat man verſchiedene allgemeine Annab:= men, die aber ſelbſt auf die örtlichen Verhältniſſe, für die ſie entworfen ſind, nicht paſſen. Sicherer iſt es, den Anſchlag nach Maßgabe der Leiſtung der einzelnen Perſon zu machen, Hier- nach kann man Folgendes annehmen.] “Wenn die Winterung gebauen und abgerafft wird; dieſelbe nicht zu ſehr gelagert, oder durc) Sturm und Regen in einander Von den Erndtearbeitern. (291) verwirrt iſt, oder wenn das Hauen nicht durch Vogelwi&en und dergleichen zu ſehr erſchwert wird, ſo kann ein nur einigermaßen Fräftiger und-geübter Hauer mit der Senſe in einem Tage 3x Magdeburger' Morgen, den Morgen zu 180 Nheiniſchen Quas dratruthen, oder 20 ſiebenfurchige Beere 7 das Beet zwey mäßige Schritte breit und 200 mäßige Schritte lang, abhauen und eine Frauensperſon abraffen. Ich, der ich dieſe Arbeit keiness weges in der Uebung batte und dieſelbe nicht gewohnt war, habe ohne große Anſtrengung, bey ſehr dicht ſtehendem, aber gleichent RKorne, in einem Nachmittage, in 5 Arbeitsſtunden, 9 ſolcher oben angegebener Beete gehauen. Ein Ackerknecht, dem das Führen der Senſe keine gewohnte Arbeit war, hatte von demſels ben Roggen in einem Vormittage in 7 Arbeitsſtunden, eine halbe Stunde Frühſtü> mit eingerechnet, 12 ſolcher oben angegebeyen Beete, und des Nachmittags mit mir zugleich noch die 9 Beete, und außerdem noch» ein Beet, alſo im Ganzen 32 Magdeburger Morgen gehauen. Geübte Hauer bringen bis, 4 Magdeburger Morgen in einem Tage ab, wovon ich mehrere Beyſpiele weiß. Liegt das Getreide ſehr, oder iſt es anderer Urſachen wegen ſchwer“ zu hauen, ſo bringt ein Hauer nur 3, auch wohl unter 3 Morgen in einem Tage ab. Mit der Sichel kann eine Perſon in einem Tage, je nachs dem das Getreide dichter oder dünner ſteht, länger oder kürzer iſt, gleich ſteht, oder mehr liegt u. ſ. w., nach den gewöhnlichen Annahmen 13 bis 1z Morgen abbringen, Dieſe Annahme iſt vſfenbär zu gering. In Oberſchleſien, wo das Schneiden mit der Sichel nicht gebräuchlich war, ließ ich des Verſuchs wegen eine Magd in dicht geſtandenem und zum Theil etwas gelegenen Roge gen mit der Sichelſſchneiden. Dieſelbe ſchnitt in. 11 Arbeitse ſtunden, incl. etwa einer Stunde Frübſtü> und Vegper, 2 Mags deburger Morgen. Mir haben Landwirthe in ſolchen Gegenden, wo das Schneiden mit der Sichel gebräuchlich iſt, die Verſiches zung gegeben, daß geübte Schnitter täglich bis 22 Magdebur« ger Morgen, ſchneiden. Beym Trocknen, Aufbinden und Zuſame menſtellen des Getreides in Mandeln, Stiegen, oder wie die Haufen, in welche das gebundene Getreide geſezt wird, ſonſt heißen mögen, kommt es auf die gebräuchliche Erndtemethode, worauf wir weiter unten hin verweiſen, an, Bindet man das Getreide gleich nach dem Abbringen, und läßt es in den zuſam= mengeſeßren Haufen trocken werden, ſo können, je nachdem das Getreide dichter oder dünner liegt, auf 4 Morgen 3 bis 4 Pers ſonen, worunter eine männliche, gerechnet werden, die das Ges treide ſammeln, binden, in Haufen ſtellen und zugleich die auf dem Felde herumliegenden Getreidehalme zuſammenrechen. Wird jedoch das Getreide in den Gelegen, das heißt, in den einzelnen Partien, in welche das abgebrachte Wintergetreide auf dem Felde Hingelegt wird ,. getro>net, und nicht eher aufgebunden, bis es troc>en iſt, wdbey nach der Beſchaffenbeit der Witterung,„und je nachdem das Getreide mehr oder weniger Gras bat, ein öfte» res Wenden der Gelegen nöthig iſt, ſo muß man auf 3. More gen obiger Arbeit 3 bis 6 Perſonen, je nachdem'das Getreide dichter oder dünner liegt, rechnen.; Beym Einfahren rechnet man auf 2 Geſpanne, wenn ſie mit den Wechſelwagen einfahren, zum Aufladen einen Mann z ſind 19* Bau der Feldfrüchte, 7, Abſchn; July. (292) die Felder weit entfernt, auch auf 3 Geſpann einen Mann und eine Frauengperſon zum Zuſammenrechen des Getreides, wo die Haufen geſtanden haben, Zum Abladen und Einbanſen des Ge- treides ſind, je nachdem die Banſen länger oder kürzer ſind, auf 2 Geſpayne mit dem Wechſelwagen 2 bis 3 Männer und 3 Frauen sperſonen nöthig. Beym Sommergetreide, wenn es nicht abgerafft, ſondern in Schwaden gehauen wird, nimmt man nach Beſchaffenheit des Standes deſſelben an, daß ein Hauer x bis 3 mehr in einem Tage abbrinät, als von Winterung. Bindet man das Sommer- getreide alsbald nach dem Abbringen, ſo bedarf man auf die gleiche Fläche, welche beym Sammeln, Binden u. ſ, w, der Winterung angegeben war, den 4ten Theil an Perſonen weniger, und daſſelbe iſt auch der Fall, wenn man die Sommerung auf den Schwaden, wie die«Winterung in den Gelegen tro>nen läßt, wo ein wiederholtes Wenden der Schwaden nötbig ſeyn kann. Nach dieſen Anſätzen kann man nad)„den Statt findenden Verhältniſſen den täglichen Bedarf an Arbeitern, um die Getrei- deerndte, ohne daß das Getreide überſtändig wird, vollenden zu können, am ſicherſten ermitteln. Es iſt hierbey jedoch zu be- rückſichtigen, daß die Arbeiter nicht. in allen Gegenden gleich ſind 3 denn ich kenne Gegenden, wo die Arbeiter mehr leiſten, als die angegebenen Sätze beſagen 3 ich kenne aber auch Gegen- den, wo ſie die Arbeiter zu erfüllen nicht im Stande ſind. Im Ganzen genommen wird man, da einzelne Arbeiter durch Krank- beiten abgehalten werden, und ſich' auch mannichfaltige- an- dere abhaltende Umſtände ereignen können, einige Arbeiter täg= lich mehr in Anſchlag bringen müſſen. Es iſt beſſer, daß man deren zu viel hat, indem man ſie dann immer anderweitig be- ſchäftigen kann, als daß deren zu wenig ſind, und die Erndte dadurch verzögert wird und Verluſt erfolgt, Am koſtſpieligſten ſind die Erndtearbeiter gewöhnlich dann, wenn ſie ums Tagelohn-arbeiten. Die Gewißheit, das bedunz gene Tagelohn, auch bey geringer Arbeit zu erhalten, iſt ihnen eher ein Antrieb zur Faulheit, als zum Fleiß, und ſelbſt in dem Falle, daß es bedungen iſt, was für ein Arbeitspenſum ſie für das Tagelohn täglich verrichten müſſen, ſo wiſſen ſie doch, in dem Bewußtſeyn ihrer Unentbehrlichkeit, eine große Menge Schwie- rigkeiten hervor zu bringen, um das tägliche Arbeitspenſum da- durch zu verringern. Es giebt viele Gegenden, wo Arbeiter nicht anders, als ums Tagelohn arbeiten, und in dieſem Falle bleibt nichts übrig, als einen rüſtigen Arbeiter mit einer rüſti- gen Frau, oder mit einer rüſtigen Magd durch beſonders zuge= ſtandene Vortheile zu gewinnen, und dieſe als Vorarbeiter, de- nen die andern nacharbeiten müſſen, anzuſtellen,|: Beſſer iſt es, die Erndtearbeit im-Ganzen yach dem Flä» , In allen Gegenden, wo man keine Zwangsarbeiter hat, ſollte man dazu aufmuntern, daß ſich ſolche Entrepreneurs bilden. Um ſich die nöthigen Arbeiter in der Erndte zu ſichern„ iſt es auch in vielen Gegenden gebräuchlich, den Arbeitern ein Stü>X Land zu vermiethen, welches ſie unter der Bedingung" mit ge- wiſſen Früchten beſtellen können, daß ſie das Miethgeld für das Land in der Erndte nach bedungenen Säßen abarbeiten müſſen, widrigenfalls die Früchte verfallen, ſind. Man ſorge vor der Erndte für eine Quantität von Erfri- ſchungsmittein, als Bier und Schnaps für die Arbeiter, Ein zU ſeiner Zeit verabreichtes Bier, und ein zu ſeiner Zeit gegebe- ner Schnaps wirken ſowohl bey Zwangs- als bey Lohnarbeitern 49 mehr, als Strenge, gute Worte, und ſelbſt die Zuſicherung ei-.. nes erhöheten Lohns, Von der Reife der Feldfrüchte. Da von einigen Früchten die Samen ſammt dem Stroh, von andern nur einzelne Theile-, durch welche ſie nüßlich ſind, zur Erndte gelangen, ſo iſt es unmöglich, hier den' Zuſtand der Neife jeder einzelnen Frucht, oder desjenigen Theiles, um deſ- ſentwegen ſte gebaut wird, anzugeben, wir müſſen vielmehr in dieſer Hinficht bier anf die einzelnen Früchte ſelbſt verweiſen 3 nur ſey es uns vergönnt, hier im Allgemeinen Einiges über das Beginnen der Getreideerndte zu ſagen. Gewöhnlich reift.die Wintergerſte zuerſt, dann der Winter- roggen, und oft mit ihm zugleich die Frühſommergerſte. Da Wintergerſte nur ſelten gebaut wird, ſo können wir das eigent: liche Beginnen dey Erndte mit dem Roggen annehmen. Der Roggen iſt in Deutſchland“ unſtreitig die hauptſächlich ſte Brodfrucht, und der größte Theil der Winterung beſteht aus Roggen, und er verurſacht den Haupttheil der Erndte, Wenn auch der Noggen in ſehr verſchiedenen durch viele Tage von ein- änder getrennten Zwiſchenräumen geſäet worden iſt, ſü folgt dod) die Neifung der verſchiedenen Saaten ſehr ſchnell auf einan- der. Man kann nach den allgemeinen Beobachtungen in gewöhn- lichen Jahren annehmen, daß der im Herbſt in einem Zeitraume Bau der Feldfrühte. 7. Abſchn. July, (294) von 5 Wochen, in verſchiedenen Saaten beſtellte Roggen, von einerley Art in 8 Tagen ſämmtlich hintereinander reif wird. In vielen Jahren folgt die Reifung noch ſchneller bintereinander. Wollte man nun die vollkommene Reife des zuerſt zeitigenden Moggens abwarten, ſo würde man in einer Wirthſchaft von nur einigermaßen bedeutendem Umfange weder Zeit, noch Arbeiter ge- nug baben, um die ſämmtliche Noggenerndte ſo ſchnell beendi- ßen zu können, daß man an dem letzten Theile nicht einen ſehr eträchtlichen Verluſt durch Körnerausfall und Einbrechen der Überreifen Halme erleiden würde. Man muß daher die Erndte vor vollendeter Reife beginnen, denn der dadurch verurſachte Ver» [uſt iſt geringer, als der, welchen man durch nachherigen Ausfall von Körnern erleidet. 4 Nun kommt es aber darauf an, einen ſolchen Zeitpunct zum Beginnen der Erndte zu wählen, daß man dabey den wenigſten Verluſt erleidet. Dieſer Zeitpunct iſt nach der ſpätern oder frü2 bern Zeitigung der verſchiedenen Saaten ſehr verſchieden, und man muß bald früher, bald ſpäter beginnen. In jedem Falle giebt es aber einen Zuſtand, bevor der ſich nicht eingeſtellt hat, man die Erndte nicht beginnen darf, Dieſer Zuſtand iſt der, daß das Strob, oder wenigſtens der größte Theil der Halme die Function der Lebensthätigkeit eingeſtellt hat, gelb und ſaftlos iſt, und daß die Samen wenigſtens eine ſolche Härte erlangt haben, daß ſie bey dem Biegen über die Kante des Nagels. ſich nicht breit biegen, ſondern brechen. Sobald ſich Roggen in ſolchem uſtande findet, muß die Erndte beginnen. Dieſer Roggen nen der Samen auf den Schwaden, oder in den Gelegen abzuwarten; denn will man dieß auf dem Halme abwarten, ſv würde man Ausfall beym Ab» bringen und Sammeln, Einbinden und Einfahren erleiden, wähs rend man doch durch ſofortiges Abbringen den Ausfall beym Schnitte vermeidet.| Was hier in Beziehung auf den Roggen geſagt worden iſt, gilt im Allgemeinen auch von der Erndte anderer Getreidearten, wenn-ſie in großer Ausdehnung gebaut werden, Werden ſie je» doch nur in geringer Ausdehnung gebaut. ſo daß ihre Erndte mit den vorhandenen Arbeitskräften auf einmal vollbracht wer- den kann; ſo kann man den gehörigen Grad ihrer Reife ruhig abwarten.;|; 4 In manchen Fahren reifen die Feldfrüchte ſehr ungleich. Ein Theil hat bereits ſeine vollkommene Neife, während der ändere Von der Reife der Feldfrüchte. (295) noh ſo unvollkommen, daß, ehe er zur Reife gelangt, der zuerſt gereifte Theil vollkommen Üüberreif NE Boy der Getreideerndte, wo bey der Ueberreifung gänzlicher Körnerausfall, erfolgt, erlei= det man durch das ungleiche Reifen oft nicht unbeträchtlichen Verluſt. Bey andern Feldgewächſen, die nur durd) einzelne Theile der Pflanze nüßen, ſchadet in Beziehung auf die Erndte die ungleiche Reifung weniger, indem man da die Nachreifung abwarten kann, da nicht die ganze Pflanze auf einmal geerndtet wird. Man bat bey der ungleichen Reife des Getreides darauf beym Beginnen der Erndte»Nüc>kſicht zu nehmen, welcher Theil der größere iſt, derjenige, der bereits reif iſt, oder derjenige, deſz ſen Reifung noch zu erwarten ſteht. Iſt der bereits reife Theil der überwiegende, ſo beginnt man die Erndte ſofort. Sind beide Theile, der reife und der unreife ſil) gleich, ſo nimmt man mit dem Beginnen der Erndte ebenfalls keinen Anſtand 3; denn ge- wöhnlich ſind die zuerſt'reifenden Feldfrüchte vollfommener, als die ſpäter reifenden von derſelben Saat. Iſt derjenige Theil je» doch der überwiegende, welcher noh zur Reife gelangen ſoll, ſo wartet man mit dem Beginnen der Erndte bis zu deſſen Reife, Es iſt in dieſer Hinſicht eine genaue Unterſuchung notbig, die man am ſicherſten dadurch veranſtaltet, wenn man an verſchiede= nen Orten einer Feldbreite, die zu einer Zeit geſäet worden iſt, eine Hand voll Halme ausrauft, und die bereits reifen Halme mit den unreifen durch Zählung vergleicht. Man hat hierbey aber auch zu berückſichtigen, in wiefern die Vollkommenheit der bereits gereiften Halme, ſowohl in Beziehung auf die Körner, als auch die Anzahl derſelben in einer Aehre, ſich zu der Vollfom2 menbeit und Anzahl der Körner derer Halme verhält, deren Rei- fung noch zu erwarten ſteht. Sind die Halme, deren Reifung noch zu erwarten ſteht, unvollkommen, baben ſie kleine Aehren, und darin wenig und unvollkommene Körner, ſo würde man, wenn ſie auch die Mehrzahl, wenn dieſe nur nicht, zu überwie- gend iſt, bilden; ſehr Unrecht tbun, wenn man die Erndte bis zu ihrer Reifung aufſchieben wollte z denn dieſe unvollkommenen Körner gehen durch frühe Aberndtung nicht verloren, ſie reifen vielmehr auf den Schwaden nach, und geben doch wenigſtens noch einigen Ertrag; während die bereits reifen Körner durch Verzögerung der Erndte größtentheils ausfallen," Um hierin ge- hörig unterſcheiden. zu können, iſt ein ſcharfer Ueberbli>k, mit praktiſcher Uebung verbunden, nöthig. Man findet es nicht ſel- ten, beſonders bey bergigen Ländereyen, vaß auf derſelben Feld» breite das Getreide von einer Saat an einem Orte reifer iſt, als an andern; in dieſem Falle muß man mit dem Abbringen dort anfangen, wo es reifer iſt.| ß Viele Landwirtbe halten ſehr darauf, ſämmtliches Getreide abzubringen, ehe noch die Körner völlig reif ſind, um es auf den Schwaden nachreifen zu laſſen, und dadurch weniger Kör nerausfall zu erleiden. Sie laſſen es- daher abbringen, wenn die Körner noch ganz weich ſind, und noch einiges Leben im Stroh iſt. Das Stroh des abgebrachten Getreides wird zwar in eint- en Tagen ganz troen, ſo wie auch die Körner nach, einigen agen auf den Schwaden knochenhart werden 3 08 iſt aber ein gro» ex Unterſchied zwiſchen der Reife und der Härte, die ſie auf dem tängel erlangen, wenn derſelbe ſeine Lebensfunction eingeſtellt . 51 52 Bau der Feldfrüchte. 7, Abſchn, July, (296) hat, und zwiſchen der Reife und der Härte, die ſie auf den Schwaden annehmen. Reife Körner behalten ihre Vollkommen- heit auch alsdann, wenn ſie knochenhart geworden ſind; unreife dagegen ſchrumpfen zuſammen, geben beym Augdruſche eine ge- vingere Scheffelzahl, laſſen ſich nicht ganz rein ausdreſchen, und enthalten weniger und ſchlechteres Mehl. Man hat zwar von. demjenigen Getreide, welches vor vollendeter Reife abge- bracht worden iſt, allerdings bey der Erndte einen geringern Kör- nerverluſt, als von dem, deſſen Reife man abgewartet hat; al- lein dafür iſc auf dex andern Seite der Verluſt, den man durch das Zuſammenſchrumpfen der Körner, und das wenigere und ſchlechtere Mehl, welches ſie enthalten, erleidet, um ſo größer. iEs iſt daher dieſes Verfahren nicht zu billigen. Uebrigens bemerken wir hier, daß man auf der einen Seite mit dem Abbringen des Getreides nicht zu lange Anſtand nehmen darf z- daß man aber auch auf der andern Seite das Abbringen nicht übereilen muß. Alle Vorſchriften über den rechten Zeitpunct des Abbringens des Getreides ſind übrigens unzulänglich; nur die. aufmerkſamſte Beobachtung iſt hier die beſte Lehrmeiſterin. Das zum Samen beſtimmte Getreide muß man ſeine voll- kommene Reife erlangen laſſen, und max muß während der Erndte dasjenige dazu ausſuchen, welches die vollkommenſten Körner Hat, und am reinſten von Unkraut iſt, Die Erwdtemethoden, In der Art und Weiſe der Einerndtung der verſchiedenen Früchte hat faſt jede Gegend etwas Eigenthümliches, und daher giebt es ſehr verſchiedene Methoden, die Erndte zu vollbringen. Dieſe Methoden baben bald in dieſen,“bald in jenen Stücken et- was Borzügliches., oder Mangelhaftes, ſie greifen aber gewöhn- lich bey allen Operationen in der Erndte ſo in einander, daß faſt alles abgeändert werden muß, wenn man eins ändern will. Alle einheimiſchen Arbeiter ſind» an die Statt findende Rethenfolge der Erndteoperationen, ſo wie an die dabey Statt findenden Handgriffe ſv ſehr gewöhnt, und hängen mit ſo großen Vorurtheilen an denſelben, daß es ſchwer hält, ſelbſt“in dem Falle Aenderungen zu machen, daß ihnen dadurch die Arbeit erleichtert wird. Jede Aenderung, in der gewohnten Art zu arbeiten, macht die“ Ar- beiter auf dem Lande, wenigſtens im Anfange, verdroſſen, und ſie unterſtüßen dieſe durch das Beſtreben, ſich in die neue Art und Weiſe einzuarbeiten, nur wenig» vielmehr fuchen ſie ſie durch Verzögerung der Arbeit zu hindern. Zudem ſind dieſe Menſchen, beſonders die ältern, trotz. des beſten Willens, nicht. leicht an neue Handgriffe zu gewöhnen, und ſie erlangen in denſelben, wenn ſie auch die Arbeit erleichtern, oft nicht die Fertigkeit, ſo ſchnell zu arbeiten, als bey den gewohnten alten Handgriffen, Es iſt daher bey-einer-Veränderung der Statt findenden einzelnen Opera» tionen in der Erndte Vorſicht und Ueberlegurkg nötbig, wenn man ſich nicht den größten Schaden zufügen will.„Will man da- ber in dieſer Hinſicht eine Aenderung„einführen, ſo muß man ſowohl die männlichen, als die weiblichen Vorarbeiter in dem Neuen gehörig einüben; vor Allem aber muß man einen Arbeits- aufſeher anſtellen, der die Sache auch in den kleinſten Handgrif- fen vollkommen verſteht, Auch muß man die Arbeiter durch kleine Das-Abbringen des Getreides. (297) Geſchenke oder Verſprechungen, und beſonders durch mehrmalige Verabreichung von Bier oder Schnaps gutwillig machen. Was die. verſchiedenen Erndtemethoden des Getreides anlangt, ſo wol- len wir im Nachfolgenden das Weſentlichſte darüber angeben z Übrigens uns aber auf die Beſchreibung der einzelnen Handgriffe nicht einlaſſen, da dieſelben. durch Beſchreibung nicht erlernt werden, ſondern durch Anſicht und Selbſtmachen begriffen werden. Das Abbringen des Getreides, Das Abbringen des Getreides erfolgt entweder durch das Hauen oder Mähen mit der Senſe, oder durch das Schneiden mit der Sichel. Was die bey der Getreideerndte üblichen und zwe>- mäßigen Senſen und Sicheln anbetrifft, ſo müſſen wir auf die landwirthſchaftliche Maſchinen- und Baukunde verweiſen, Das Hauen. mit der Senſe erfolgt auf zweyerley Weiſe. Mit der ſogenannten Geſtell:, Rüſt: oder Nüffelſenſe, oder was ſie ſonſt für eine örtliche Benennung haben mag, wird auf der rechten Seite des Getreides eingehauen, und: das Getreide auf den abgehauenen leeren Platz in Schwaden, Zeilen oder Maiden, oder auch wohl anders, genannt, gelegt.„Dieſe Art des Hauens wird gewöhnlich bey der Sommerung und bey der Winterung, wenn dieſelbe nicht ſehr lang und dicht iſt, in Anwendung ges: bracht. Es iſt dabey beſonders darauf Nüſicht zu nehmen, daß das Getreide gleichmäßig in den Schwoden gelegt wird, weil dadurch das Zuſammenharken erleichtert wird.-Mit der Senſe ohne Ge- ſtell vder Gerüſte wird auf der linken Seite eingehauen, und das abgehauene Getreide an vas noch ſtehende angelegt. Hinter je- dem Hauer folgt ein Abraffer, der das abgehauene Getreide zu- ſammenräfft, und auf kleine Haufen, Gelegen oder Fröſche ſo hinlegt', daß es etwas aus einander gezogen und dünn zu liegen kommt, damit es um ſo beſſer austro>nen kann. Sind zur Winterung ſchmale und hohe Beete gemacht worden, ſo darf man das Getreide nicht quer über die Beete legen, weil ſonſt die Aehren und die Sturzelenden in die Furche kommen, und weni- ger leicht austro>nen und bey naſſer Witterung'die Körner in den erſteren leicht auswachſen würden. Die Abraffer erleichtern ſich die Arbeit mit Hülfe einer- alten ſtumpfen Sichel. Dieſe Art des Hauens wird gewöhnlich bey' der Winterung ,. und bes ſonders, wenn dieſelbe ſehr lang iſt, dicht ſteht und liegt, zu- weilen auch bey ſehr langer und- dichter Sommerung, in An2 wendung gebracht. - Beym Hauen in den Schwaden mit der Nüſtſenſe exfolgt eine größere Erſchütterung des Getreides, mithin ein größerer Körnerausfall, Da jedoch dabey der Abraffer erſpart wird, ſo braucht man dazu weniger Leute, Bey dem Hauen mit der gez wöhnlichen Senſe und dem Anlegen des Getreides an das noch ſtehende wird das Getreide mehr geſchont, und es folgt weniz ger Ausfallz dafür ſind aber des Abraffens wegen doppelte Per- ſonen nöthig. Das Schneiden mit der Sichel erfolgt nur auf einerley Weiſe, und“man hat in einigen Gegenden größere, in andern kleinere Sicheln. Gewöhnlich wird das Schneiden, ſelbſt in denjenigen Gegenden, wo die Sicheln ſehr gebräuchlich ſind, nur bey der 53 64 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſerung des Bodens. nüblich wird, weniger'in Be» tracht kommt; dagegen in. dem leichten Boden bey kurzem Stroh ſebr in Erwägung zu ziehen iſt z daß das Schneiden mit der Sichel, ſelbſt wenn das Hauen mit der Senſe durch Umſtände erſchwert wird, immer viel langſamer erfolgt, indem eine Perſon unter keinen Um- ſtänden mit der Sichel ſo viel abzubringen vermag, als mit der Senſe, KE Der Hauptvortheil des Hauens beſteht daher in einem ſchnel: len Fördern des Abbringens des Getreides, und in der Gewin:- nung eines längern und futterreichen Strohs 3; der Hauptvorzug des Schneidens mit der Sichel dagegen iſt in der ſchonenden Behandlung des Getreides und mithin im verminderten Körner: ausfall zu finden. 2 Bey dieſer Zuſammenſtellung der Vortheile und der Nach- tbeile des Hauens mit der Senſe und des Schneidens mit der Sichel iſt bloß das Hauen mit der Rüſtſenſe in Schwaden ge- meint; denn wenn das Getreide mit der Senſe ohne Gerüſte ge- hauen und abgerafft wird, ſo ergiebt ſich ſelbſt nach den gewöhn: lichen Annahmen, daß ein Schnitter nur 135 Morgen, ein Hauer mit der Senſe aber 3 Morgen abbringt, kein Vortheil in Bez ziehung auf Schnelligkeit des Abbringens mit der Senſe, indem die beiden Perſonen, die zum Hauen und Abraffen erforderlich ſind, mit der Sichel eben ſo viel abbringen 3 vielmehr wird ſich bey geübten Schnittern das Verhältniß der Mehrleiſtung beym Abbringen für das Schneiden mit der Sichel ſtellen. Wenn alſo nicht in Schwaden gebauen wird, und nicht gehauen werden Xann, weil das Getreide zu lang iſt und liegt: ſo ergiebt ſich für das Hauen mit der Senſe kein anderer Vortheil/ als der, daß man längeres und futterreicheres Stroh gewinnt; wogegen man aber, beſonders wenn das Getreide ſehr reif geworden, um ſo mehr Körnerausfall erleidet, weil- die Erſchütterung beym Hauen viel ſtärker iſt, als beym Schneiden mit der Sichel. Es ergiebt ſich alſo demnach, daß das Hauen mit der Senſe nicht ſo unbedingte Vorthbeile gewährt, daß deßhalb das Schnei: den mit der Sichel ganz verkannt werden muß; es giebt viel: mehr viele Fälle, wo das Schneiden mit der Sichel unbedingt vortheilbafter iſt, und jeder Landwirth wird daher wobl thun, ſich bey der Winterungserndte eben ſo gut auf das Schneiden mit der Sichel, als auf das Hauen mit der Senſe gefaßt zu machen.' Der Grund, warum das Hauen mit der Senſe in vies len Gegenden, wo ſonſt das Schneiden der Winterung mit„der Sichel gebräuchlich war, ſich ſo allgemein verbreitet bat, liegt- nach meinen Beobachtungen nur darin, daß den Männern das Bücen beym Schneiden beſchwerlicher wird, als das angeſtreng- teſte Hauen, und„dieſelben immer eine größere Bereitwilligkeit zum Hauen mit der Senſe, als zum Schneiden mit der Sie el zeigen. ! In Betreff des Sommergetreides, welches nur ſelten ſo boch wächſt, daß es nicht in Schwaden gehauen werden könnte, iſt man«m Allgemeinen darüber einig, daß“ es„beſſer iſt, es mit der Senſe zu hauen; und mir ſind in Deutſchland nur we- nig Gegenden bekannt„ wo daſſelbe geſchnitten wird, Bau der Feldfrüchte, 7, Abſchn; July. (300) Was nun die Anwendung der Senſe oder der Sichel beym Abhringen des Wintergetreides anlangt, ſo laſſen ſich darüber folgende Annahmen aufftellen: Wenn die Winterung nicht lang und nicht ſehr gelagert iſt, ſo wird man äm zweckmäßigſten dieſelbe mit der Gerüſtſenſe in Schwaden hauen laſſen. In. dem tro>nen und mehr leichten Boden, wo das Stroh der Winterung gewöhnlich nicht ſebr lang wird, und wo in den Wirthſchaften meiſtens Strohmangel Statt findet, wird das Ab- bringen mit der Senſe zwe>mäßiger ſeyn, als mit der Sichel, weil der dadurch vergrößerte Strohgewinn von. zu wichtigem Bes lange iſt, indem das in der Wirthſchaft fehlende Stroh oft auf eine andere Weiſe nicht erſekt werden kann. Wo ſich in dem Winterungs- Getreide viel grünes Futter, es ſeyen mehr hochwachſende Gräſer oder Kräuter, die nach dem Abmähen bald wieder ausſchlagen, ſo daß die Stoppelhutung noch immer reichlich wird, findet, und wo man bey mangelndem Heuſchlage Mangel an tro>enem, nahrhaftem Winterfutter hat, Da wird das Hauen mit der Senſe, wo es nur immer Statt finden Xann, es ſey in Schwaden, oder mit einem Abraffer, immer zu empfehlen ſeyn,|. Wenn die Reife der verſchiedenen Getreidearten ſo ſchnell auf einander folgt, daß man mit dem Abbringen möglichſt eilen muß, ſo wird d«s Abbringen mit der Senſe immer rathſam ſeyn; denn was man auf der einen Seite durch das Abbringen mit der Senſe, ſelbſt unter ſolchen Umſtänden, wo das Schnei- den mit der Sichel zwe>mäßiger wäre, verliert, gewinnt man auf der ändern Seite dadurch, daß man durch ein ſchnelleres Einbringen des Getreides einen um ſo geringern Verluſt an Köxnerausfall erleidet, als wenn das Getreide überreif geworden wäre. Wenn dagegen das Getreide ſehr liegt und verwirrt iſt, mit vielen Vogelwi>en durchwachſen iſt, ſo wird man zwe&mäßiger thun, es mit der Sichel abzubringen. In dem bindigen und reichen Boden, wo das Getreide hoch wächſt, wo man immer viel Stroh erndtet, und keinen Mangel an demſelben leidet, wo aber eine untergepflügte hohe Stoppel durch LoFerung. des Bodens zu höherer Lebensthätigkeit deſſelben beyträgt, wird man am zwemäßigſten das Abbringen mit der Sichel vollführen. Wenn die Winterung der Näſſe des Bodens wegen auf ho- rüFige, ſä)male Beete geſäet worden, wird man immer beſſer fahren, ſich der Sichel zu bedienen.:; In manchen Gegenden Deutſchlands bedient man ſich beym Abbringen des Getreides einer ganz kurzſtieligen Senſe, der gleich? die man gewöhnlich zum Abbringen der Erbſen und-Wicken an? wendet, die man Siget nennt, und die mitunter auch einen wölbenförmigen Stiel bat,- Man befeſtigt. ſie an der rechten „Händ und führt daneben in der linken einen langen ſpitigen Haken, den man den Maaßhaken nennt. Wenn nun mit dem Siget gehauen wird, ſo wälzt der Mäher mit dem Maaßhatken die Fröſche oder Belegen zu den Garben ſelbſt zuſammey, und zwar auf die Art, daß er erſt eine abgemeſſene Strecke von etwa 6-38 Schritten, von der linken nach der-rechten Hand zu, vor Das Abbrinzen des' Getreides. (301) dem Felde heraus und dann wieder eben ſo weit von der rechten zur linken zurükmähet, bey dem erſten Mähen das Gemäheie an das Ungemähete ſich lehnen läßt, bey dem zweyten Mähen aber das in beiden Gängen Gemähete mit dem Maaßhaken zuſammen= wälzt, und am Ende mit dem Haken auf der einen und mit dem Siget.auf der andern Seite in der Mitte, ergreift und mit Hülfe des rechten Beines ausſeßt oder hinter ſich legt. In denjenia gen Gegenden, wo das Siget ganz gebräuchlich iſt, werden zwar alle Früchte mit demſelben gemähet; doch ſcheint vaſſelbe, außer bey den Hülſenfrüchten, ganz beſonders bey gelagertem Getreide empfehlengwerth zu ſeyn.]: Man mag nun das Getreide mit der Sichel ſchneiden oder mit der Senſe mähen, ſo kommt es hauptſächlich auf eine gehörige Anſtellung und Vertheilung der Arbeiter an, damit die Arbeit am ſchnellſten vollführt wird. Wenn die ganze Erndtearbeit in Verding gegeben worden iſt, ſo-hat man dieß zwar nicht nöthig, weil dann jeder der Arbeiter ſchon in dem andern einen gehöriz gen Aufſeher und Antreiber hat; um ſo nöthiger iſt dieß aber bey den Frohn- und Lohnarbeitern.| Zuerſt ſehe man darauf, daß man die Arbeiter auf angemeſ= ſenen Breiten, das iſt, ſo anſtellt, daß ſie eine gehörig lange Stre= &e hintereinander zu hauem" haben, weil die Arbeit dadurch geför= dert wird, Es8 ſcheint zwar ganz gleichgültig zu ſeyn, ob einer auf einer langen oder kurzen Strec>e angeſtellt iſt, indem er im erſten“Falle, wenn erz. B. auf einer Länge von 200 Schritten ange ſtellt iſt, dieſe Zahl von Schritten beym Zurückgehen und Wiederanz fangen zurüdlegen muß 3; wenn“ der dagegen nur 100 Schritte lang haut, bey einem zweymaligen Zurückkehren auch nicht mehr als 200 Schritte zurücklegt und dieſelbe Länge gehauen hat; oder wenn auf der einen Seite berauf und auf der andern herunter gehauen wird, auf großen und kleinen Breiten beym Umwenden immer dieſelbe Anzahl von Schritten zurückgelegt werden muß z allein nicht durch dieß ZurüFkzehen, welches unvermeidlich iſt, wird der Aufenthalt in der Arbeit verurſacht, ſondern dadurch, daß ſich die Arbeiter, wenn ſie an Ort und Stelle gekommen ſind, ehe ſie wieder einhauen, troß alles Antreibens, ſehr Zeit nehmen, und deßhalb bey einem öftern Umwenden viel Zeit verloren geht. Man hat deßhalb in vieken Gegenden die Felder in beſtimmte Breiten oder Gewende eingetheilt. Unter 200 langen Schritten ſollte man kein Gewende abtheilen. Man muß nicht zu viel Arbeiter an einen Platz anſtellen, weil man dieſelben weniger unter Aufſicht haben kann, und wenn bey einem eine Verzögerung vorfällt, um ſo mehr Aufentz= halt erfolgt. Wird mit der Senſe ohne Gerüſte gehauen, und es folgt dem Hauer ein Abraffer; ſo iſt der nöthige Zwiſchenraum von einem Hauer zum andern um ſo größer, und man muß da- her auf derſelben Breite um ſo weniger Hauer anſtellen, Wird dagegen mit der Rüſtſenſe in Schwaden gehauen, ſo folgen die Hauer dichter auf einander, und man kann dann derſelben auf einer Breite um ſo mehr anſtellen. Im erſten Fall ſollte man auf einem Plate nie mehr als 4, höchſtens 6 Hauer anſtellen, im zweyten Falle dagegen nie mehr als 8 Hauer, Hat man viele Arbeiter, ſo ſtelle man dieſelben in einzelnen Trupps an, und gebe jedem Trupp einen rüſtigen Arbeiter, den 597 7, Abſchn. Bau der Feldfrüchte, July. (302) man für ſich gewonnen hat, als Vorarbeiter, Jedem Trupp ſchreitet oder. mißt man mit der Stange=- wo gleichmäßige Beete ſind, braucht man nur die Beete abzuzählen=- den Täg vorher ſein beſtimmtes Penſum ab, und macht ein Zeichen für die abgemeſſene Fläche dadurch/ daß man eine Hand voll Halme in einen Knoten zuſammenbindet. Bey- dieſem Abmeſſen iſt zu berü&ſichtigen, wie breit ein Hauer nach der Beſchaffenheit des Getreides greifen kann, und wie viel Mal er durch die Länge des Gewänds hauen kann. Wenn-das Feld nicht in egal breite Beete beſtellt geweſen iſt, wo dann jeder Hauer ſein angefangenes Beet abhauen muß, ſondern daſſelbe in eine Fläche gepſilügt wor. den, oder wenn man querüber hauen läßt, ſo muß man die Hauer von Zeit zu Zeit controlliren, daß ſie am Ende auf der entgegengeſebten Seite den Hieb. mit der Senſe nicht ſchmäler gemacht haben, als beym Anfange, was ſie ſehr gern thun, und wodurch eine beträchtlich geringere Fläche abgehauen wird. Man muß daher am Ende, wo die Hauer zu hauen aufhören, von Zeit zu Zeit nachmeſſen, und findet man, daß ſie daſelbſt ſchmä- Ier gehauen haben, ſo muß man ſie zu dem Nachhauen des ſtehen- gelaſſenen Streifens ohne weiteres, abgeſehen. von dem täglichen Arbeitspenſum, anhalten. Hat man dieß nur einigemal wiederholt, ſo kann man gewiß ſeyn, daß ein Arbeiter auf den andern Achtung giebt, daß jeder in der gehörigen Breite des Hiebes bleibe. Das Hauen der Winterung, wenn es mit dex glatten Senſe vollführt und abgeraſft* wird, erfolgt, wenn das Getreide nicht liegt, und dadurch die Nichtung, in welcher es gehauen werden muß, nicht beſtimmt wird, gewöhnlich nach der Länge, ſo wie epflügt worden iſt. Wenn die Hauer durchs Gewende durch ind„-ſo gehen ſie dorthin zurü>, wo ſie angefangen haben und hauen ſo fort. Das Hauen mit der Rüſtſenſe in Schwaden, wenn es nicht durch das Liegen des Getreides anders beſtimmt wird, ex- folgt gewöhnlich querüber. Die Hauer hauen auf der einen Seite bin, auf der andern zurück, Es iſt dann bey dem Vorhauer darauf zu ſehen, daß er die gegen einander fallenden Schwaden nicht auf einander legt. Was hier von der Anſtellung und dem Vertheilen der Ar- beiter beym Hauen mit der Senſe geſagt worden iſt, gilt auch in derſelben Beziehung von dem Schneiden mit der Sichel. Beym Hauen mit der Senſe ſowohl," als beym Schneiden mit der Sichel, iſt darauf zu achten, daß die Stoppeln ſo niedrig gemacht werden, als nur möglich. Beym Häuen mit der Senſe iſt beſonders darauf zu achten, daß die Senſe ſo wenig, als mögz lich im Bogen geführt wird, weil im entgegengeſeßten Fall die Stoypel zu hobe Kämme bildet und viel Stroh zurückbleibt. Sobald es zu regnen beginnt, muß man mit dem Schneiden und Hauen aufhören, weil das Getreide auf dem Halme ſchneller abs trocknet, als in Gelegen! oder Schwaden, und in lettern liegend bey anbaltendem Regenwetter die Arbeit durch öfteres nöthiges Wenden vermehrt, und dennoch leicht auswächſt. Das Sammeln, Binden und Einfahren des Ges treides, So wie bey dem Abbringen des Getreides Verſchiedenheiten Statt finden, eben ſo iſt es beym Sammeln und Binden, In Sammeln, Binden und Cinfahren des Getreides. (303) einigen Gegenden iſt es gebräuchlich, das Getreide gleich hinter der Senſe oder Sichel zu binden; in manchen Gegenden geſchieht dieß bloß bey. der Winterung 3; in andern Gegenden läßt man das Getreide erſt in den Gelegen oder Schwaden tro>en werden, und ſammelt und bindet es erſt nachber,. Die erſte Art, das Getreide gleich hinter der Senſe oder Sichel zu binden, hat den Vorzug, daß dabey ein geringerer Körnerverluſt erfolgt. Sie iſt jedoch nur dann zu empfehlen, wenn das Getreide von Gras rein und- nicht ſchr doppelwüchſig iſt, obwohl man ſie in manchen Gegenden, das Getreide mag von Gras rein ſeyn, oder deſſen noch ſo viel enthalten, allgemein findet. Wird das Getreide, welches viel Gras oder viel unreife grüne Halme enthält, alsbald gebunden, ſo erfolgt zwar, wenn das Getreide in Haufen zuſammengeſtellt wird, ſo wie beym Brennheu eine Erbipung im Innern der Gebunde, wodurch alles Grüne bald abſtirbt 3; allein es kann beym Getreide nicht der Um» ſtand Statt finden, den man wohl als weſentlich, beym Brennheu betrachtet; daß man es vor dem Einfahren noch dünn in der Luft ausbreitet, und es iſt vaher bey dem gleich aufgebundenen gragreichen, oder ſehr doppelwüchſigen Getreide unvermeidlich, daß nicht ein großer Theil ſchinmlig und dumpfig wird. Auch nimmt dergleichen Getreide durch das Brennen eine bräunliche Farbe an, und dieſe iſt auf allen mir bekannten Getreidemärkten ein Grund zum Tadel und einen geringern Preis zu gewähren. Hat dagegen das Getreide kein Gras, und es iſt nicht ſehr dop- pelwüchſig, ſv leidet es durch das alsbaldige Aufbinden gar nicht 3; ja man erreicht dadurch nächſt dem verminderten Körner» ausfall noch den Vortheil, daß das Getreide bey ſchlechter Ernde tewitterung weniger gefährdet iſt, als wenns auf dem Schwae- . den oder in Gelegen liegt. Wenn man„das Getreide unmittelbar nach dem Abbringen aufbinden-läßt, ſo iſt es nöthig, hinter den Hauern ſo viel Are beiter zum Sammeln und Binden anzuſtellen, als nötbhig ſind, um mit jenen gleichen Schritt zu halten. Gewöhnlich nimmt man hierbey Folgendes an: Wenn das Getreide nicht zu dicht ſtebt und in Schwaden gehauen wird, ſo rechnet man hinter drey Hauern drey Perſonen zum Zuſammenrechen der Schwaden, zwey Perſonen zum Sammeln der zuſammengerechten Haufen oder Ge: legen in Gebunde, einen Mann zum Binden, einen Mann zunt Zuſammentragen der Gebunde in Haufen, und eine Perſon, die die nach dem Sammeln und Aufbinden nod) verbleibenden Hals me mit dem Rechen zuſammenrecht. Dieß leidet jedoch nach Bee ſchaffenbeit der Umſtände mancherley Modificationen. Wenn ae- bauen und abgerafft wird, ſo rechnet man hinter drey Hauern vier Perſonen zum Sammeln, zwey Männer zum Binden, einen Mann zum Zuſammentragen des gebundenen Getreides, und eine Perſon zum Nachrechen. Daſſelbe, was hier beym Binden un- mittelbar nach ver Senſe geſagt worden, gilt auch, nach Maßz- gabe der angeführten Grundſätze zur Berechnung der nöthigen Arbeiter, beym Aufbinden unmittelbar nach dem Schneiden mit der Sichel,: Das gleich nac) dem Abbringen aufgebundene Getreide darf nicht gleich eingefahren werden, ſondern es muß erſt einige Tage in den Haufen ſtehen, um gehörig auszuſchwizen. In manchen 59 60 Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn. July. (304) Wirthſchaften iſt es gebräuchlich, das ſämmtliche Getreide einer- ley Art vorher abzubringen, aufzuſammeln/ zu binden und in Haufen aufzuſtellen, und erſt dann einzufahren. Man führt als Grund dafür an, daß man bey günſtiger Witterung alle dispo- niblen Arbeitskräfte zum Abbringen und Aufbinden verwenden xönne, und ſey man damit fertig, dem Einfahren des Getreides um ſo mehr Aufmerkſamkeit widmen, und dazu die nöthigen Leute verwenden könne, ohne deßhalb die Arbeiter dem ander- weitigen Erndtegeſchäfte zu entziehen. Viele ſehen es gern, wenn das Getreide in den Haufen auf dem Felde beregnet, und halten dafür, daß das vom Regen feucht gewordene und wieder ausge- trocknete Getreide ſich in der Scheune um ſo beſſer haite, beſon- ders aber um ſo" leichter und reiner dreſchen laſſe. Dieſes Ber- fahren kann in dem Fall, daß das Getreide durch Witterung ſehr ſchnell hinter einander. zur Reife gebracht wird, und die Witterung das Erndtegeſchäft begünſiigt, zu empfehlen ſeyn z denn man bringt dann das Getreide viel ſchneller ab, es wird weniger Überſtändig, und man verliert dann weniger am Körner2 ausfall, ſowohl dadurch, daß man das Getreide vor erfolgter Ueberreife abbringt, als auch dadurch, daß das Überreife Getreiz= de, ſv lange es auf dem Halme ſteht, immer noch zäher iſt, als wenn es einige Zeit auf den Schwaden oder in Gelegen ge- tro>net hat, und man dann beym. Aufſammeln und Aufbinden weniger Körner verliert; und dann auch, daß, wenn das Getreide erſt in den Haufen tronet, ein geringerer Körnerausfall erfolgt, indem die fich abſondernden Körner in die Gärben fallen und ſich in dieſen verhalten. Auf der andern Seite känn aber au) durch dieſes Verfahren der Nachtheil erfolgen, daß das Einfahren durch ſchlechte Witterung ſo lange Zeit verzögert wird, daß ein grov= ßer Theil des Getreides in den Haufen auf dem Felde verdirbt, und man dann- an der ſämmtlichen Erndte Verluſt erleidet, während man, wenn man das trockne Getreide eingefahren hätte, den Verluſt nur an einem Theile der Erndte empfinden würde, wäh- rend der andere vollkommen eingebracht wäre: I<, nach meiner Erfahrung und Ueberzeugung, würde daher rathen, das trockne Getreide, wenn es nur irgend möglich iſt, ſofort einzufahren 3 hat man es in der Scheune, ſo hat man es in Sicherheit, Ueber- dieß wird bey dem Einfahren des Getreides zu den dabey benü- thigten Arbeiten hauptſächlich das Hofgeſinde in Anſpruch ge- nommen, und man entzieht daher dem anderweitigen“ Erndtege- ſchäft, zu welchem das Geſinde gewöhnlich nicht verwendet wird, nicht zu viel Arbeiter. Es wird daher in vielen Gegenden das Geſinde ſchon unter der Bedingung gemiethet, nächſt ſeinen an- derweitigen Arbeiten, auch die beym Einfahren des Getreides nd= tbigen Arbeiten zu verrichten, und daſſelbe hat dann in der Erndte doppelt zu thun.| S Bey dem Binden unmittelbar hinter dem Abbringen, ems pfiehlt man kleine Gebunde zu machen, und dieſelben nicht zu feſt zu binden, weil dieſe beſſer austro>nen.- Gebräuchlicher iſt es, das Getreide erſt dann aufzubinden, wenn es in Schwaden oder in Gelegen gehörig abgetro>net iſt. Es iſt dieß auch bey ſehr doppelwüchſigem und viel Gras ent- haltendem Getreide zu empfehlen. Man gewinnt bey dieſer Art ein beſſeres Viehfutter, und in denzenigen Gegenden, wo man Sammeln, Binden und Cinfahren des Getreides. (305) für die Schafe auf ein gut eingebrachtes Strohfutter Bedacht nehmen muß, bindet man ſelbſt das nicht ſehr viel Gras enthal tende Getreide nicht eher, als bevor es in Schwaden oder in Gelegen gebörig ausgetro>net iſt. Man hat bey dieſer Art das Getreide einzubringen ,„ und beſonders dann, wenn es ſehr reif geworden iſt, allerdings einen größern Körnerverluſt, als bey der vorigen, und im Ganzen wird auch, wenn ſchlechte Witte xung und vieles Gras öfteres Wenden nöthig, macht, die Arbeit vermehrt; allein ſie gewährt dafür, außer der Gewinnung beſſern Futterſtrohs, noch andere Vortheile, Erſtlich, es wird das noh nicht völlig reife Getreide in der freyen Luft durch das Nachreis fen in Schwaden oder in den Gelegen viel beſſer und vollfom- mener, als wenn es durch die Erhitzung in den Haufen zur Härte gelangt, wo es ungemein zuſammenſchrumpft und nicht ſelten gänzlich verdirbt. Dann läßt ſich auch das in Schwaden vder in den Gelegen getro>nete Getreide leichter und reiner dreſchen, während- von. dem in Haufen trocken gewordenen viele Körner und beſonders dieienigen, welche nicht zur völligen Neife gekom» men ſind, in den Aebren ſißen bleiben. Ferner kommt aber auch hierbey folgender ſehr zu berückſichtigender Umſtand in Erwägung. Wenn das Getreide dann aufgebunden wird, wenn es auf den Schwaden oder in Gelegen gehörig tro>en geworden iſt, ſo iſt es aud) allgemein gebräuchlich, daß das tro>ne aufgebundene Getreide auch alsbald eingefahren wird. Dieß iſt auch unter allen Umſtänden zu empfehlen, wenn man ſich nicht durch das Abtroc>nen des in Haufen zuſammengeſtellten, bereits tro>en ges weſenen und hierauf naß FSI Getreides vermehrte Arbeit Suzichun will. Dadurch bekommt man'nun gleich zu Anfang er Erndte tro>nes Getreide in die Scheune, welches alsbald gedroſchen werden kann z und tritt nun in der Erndtezeit ſchlechte Witterung ein, ſo daß dieſelbe vielleicht mehrere„Tage unter brochen wird, ſo kann man die Arbeiter in der Zwiſchenzeit mit dem Dreſchen beſchäftigen, und erlangt- dadurch bey der Win- terung Samengetreide, um das man ,' beſonders in großen Wirthſchaften nicht ſelten in Verlegenheit kommt, weil man ſpäter bey der Erndte der verſchiedenen andern Feldgewächſe, nicht Leute genug zum Dreſchen bekommen kann. Man kann zwar das gleich nach dem Abbringen aufgebundene Getreide auch einfahren, ſobald es in den Haufen tro>en geworden z; allein das in Haufen getro&nete Getreide braucht nicht nur längere Zeit, ehe es trocken wird, als wenn es auf dem Schwaden oder in Gelegen getro>net wird, ſondern es kann auch nicht ſogleich ges droſchen werden, weil es in der Scheune mehrere Tage lang ſehr ſtark ſchwitzt., wobey die Körner weich ſind. Es kann daher der Umſtand Statt finden, daß man, bey durch ſchlechte Witterung unterbrochener Erndte, die Arbeiter mehrere Tage gar nicht bes ſchäftigen kann, und durch die dadurch verzögerte Erndte dann um ſo kürzere Zeit zum Samendruſch der Winterung übrig be- hält. I<, nacmäßigſte Art; das Getreide auf den Schwaden oder in Gelegen abtroc>nen zu laſſen, und das gebundene, tro>en geweſene Getreide alsbald einzufahren, VI. 20 61 62 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. Zuly. (306) Man muß mit dem Abbringen und mit dem Aufbinden mög» lichſt gleichen Schritt halten, und ſich hierin nach der Witterun richten, ſo daß nie große Flächen Getreide liegen, weil man ſon bey einfallender ſchlechter Witterung zuviel mit dem Wenden des Getreides zu thun bekommt.- Hat das Getreide viel Gras und es liegt in den Schwaden' und in den Gelegen ſehr"dicht, ſo würde es zu lange dauern, wenn man deſſen gänzliches Tro>en- werden ruhig abwarten wollte, und man muß dann, um das Trockenwerden zu beſchleunigen, daſſelbe wenden, Liegt das Ge- treide in Gelegen, ſv erfolgt das Wenden mit der Hand, indem man die Gelegen zuſammenrafft, und ſo mit Behutſamkeit auf die andere Seite umwendet und etwas aus einander zieht. Dieſe Arbeit geht ſehr ſchnell, und man. hat nur darauf zu ſehen, daß das Getreide beym Wenden nicht verwirrt und ſehr geworfen wird. Wenn das Getreide in Schwaden liegt, ſo geſchieht das Wenden mit dem Rechen, indem man den Nechenſtiel etwas un: terhalb der Aehren unter den Schwaden ſteckt, und den Schwa- den auf den Sturzelenden umwendet. Was nun das Specielle beym Sammeln, Binden, Zuſam- mentragen in Haufen und Einfahren des Getreides anlangt, ſo haben wir im Allgemeinen Folgendes zu gedenken, . Bey dem Sammeln des Getreides findet zweyerley att: Wenn das Getreide in Schwaden gehauen worden, ſo wer- den die Schwaden in Fröſche oder Gelegen zuſammengerecht. Hierbey iſt Folgendes zu beobachten: Es wird auf der einen Seite mit dem Zuſammenrechen des Schwadens angefangen, und es wird mit dem Nechen ſo viel vom Schwaden auf einen Hau- fen zuſammengewälzt, als die Perſon mit dem Nechen zu band- haben vermag. Hierauf wird von der andern Seite des Schwa» dens eben ſo verfahren, ſo daß ein gehöriger Haufen Getreide zuſaminen kommt. Hierauf wird mit den Zähnen des Rechens ſo weit, als möglich, unter den Haufen ganz dicht am Boden nach innen des Haufens hereingefahren, auf der entgegengeſetten Seite der Fuß ſo unter den Haufen geſchoben, daß auch die un- terſten Halme. des Haufens gehoben werden, und der Haufen mit dem Rechen und Fuße umgewendet, ſo daß er ganz lo>er auf die Stoppeln zu liegen kommt, und dann beym Binden um ſo reiner aufgerafft werden kann. Bey dieſem Zuſammenrechen der Schwaden muß darauf geſehen werden, daß es möglichſt. rein erfolgt, daß keine Halme zurückbleiben z- auch muß man darauf ſehen, daß die Getreidehalme nicht verwirrt werden, ſondern in einer gleichmäßigen Richtung bleiben, und wo der Schwaden nicht gleichmäßig liegt, die gleiche Nichtung der Halme durch Hülfe des Fußes und Rechens zugleich befördern laſſen. Die zuſammengerechten Haufen müſſen in gleicher Richtung hins= ter einander liegen, weil dadurch das Binden erleichtert wird. Beym Binden werden nur ſo viel dieſer Haufen zuſammengetra- gen, als zu einem Gebunde erforderlich ſind, wobey darauf gee ſehen werden muß, daß die Haufen rein aufgerafft werden. Liegt das Getreide in Gelegen, ſo erfolgt das Zuſammentra- gen der Gelegen zu Gebunden in der Art, daß die Gelegen von der. Seite, mehr nach den Sturzelenden zu, mit der Hand zu- Sammeln, Binden und Einfahren des Getreides. (397) ſammengerafft. werden; wobey ebenfalls darauf zu achten iſt, daß das Zuſammenraffen möglichſt rein, ohne Zurüclaſſung von Halmen, erfolgt. Veym Binden des Getreides iſt Folgendes zu beob- achten: d ; In einigen Gegenden iſt es gebräuchlich, das ſämmtliche Ge- treide, wenn es nicht zu kurz iſt, oder nur die Winterung, oder auch nur den Winterroggen nicht mit Strohbändern zu binden, ſondern man macht das Band aus den Getreidehalmen. Wenn das Getreide gehauen und abgerafft wird, ſo muß die Abraſſerin, nebſt dem Abraffer, des gehauenen Getreides-auch zugleich das Bin- den der Seile beſorgen, und die Seile unter diejenigen Gelegen legen, auf welche die andern, um ein gehöriges Gebund zu befom- men, gelegt werden. Dieſes Binden mit Getreideſeilen iſt nur bey einem ſo großen Mangel an Stroh, daß deſſen gar keins zum Binden von Seilen übrig verblieb, oder bey dem gänzlichen Man- gel anderer Gegenſtände zum Fertigen der Bänder, zu rechtferti- HE denn es erfolgt dadurch ein bedeutender Körnerverluſt. Die zandwirthe, wo dieß Verfahren gebräuchlich iſt, behaupten zwar, daß der Verluſt unbeträchtlich ſey; allein dem 1ſt nicht ſo. J< habe eine Anzahl von Roggenähren von ſolchen Bändern und eine glei en iſt, und treffe zugleich alle Anſtalten zum ſofortigen Einfahren des gebundenen Getreides. Zu keiner Zeit iſt die Vorherbeſtim- mung der Witterung für den Landmann wichtiger, als in der Gez: treideerndte, um ſich mit ſeinen Arbeiten danach einrichten zu können, und man beobachtet in dieſer Zeit alle möglichen muth- maßlichen Anzeigen des Wetters, beſonders um ſich hiernach mit dem Binden und Einfahren zu richten, Einige der gewöhnlichen Anzeigen ſind folgende: Anhaltende Weſtwinde im July und Auguſt bringen gewöhn- lich Strichregen. Nordwinde bringen gutes Wetter und trocknen und kühlen die Luft aus. Südwinde jind gewöhnlich von hefti- ger Hitze und ſchweren Gewittern und Orkanen begleitet, Geht die Sonne klar unter, ſo folgt' den andern Tag ſchönes Wetter z verbirgt ſie ſich aber beym Untergehen hinter dunkle Wolken, ſo 20% 63 64 Bau det Feldfrüchte. 7, Abſchn. July. (303) iſt den folgenden Tag ſchlechtes Wetter zu erwarten, und mat fährt mit dem Einfahren des aufgebundenen Getreides ſo lange fort, bis alles herein iſt, oder ſo lange als möglich. Thauet es des Abends ſtark, ſo iſt den folgenden Tag gutes Wetter zu ere warten z findet ſich dagegen des Morgens kein Thau, ſo vermu- thet man noch an demſelben Tage Regen. Iſt es am Tage trübe und kübl, ſo iſt nicht leicht Regen zu befürchten, und die End» tegeſcne Getreide aufzubinden und einzufahren. Kniſtert der in Schwaden oder-Ges legen liegende Roggen, ſo iſt Regen zu befürchten. Dieſe Anzei- en geben zwar nicht immer, aber doch ſehr bäufig eine Richt- chnur, das Wetter vorher zu beſtimmen. Iſt die Witterung günſtig, ſo fängt man ſchon Vormittags, ſobald der Thau abgetro>net iſt, mit dem Binden an, und beginnt auch alsbald das Einfahren. Liegt das Getreide in Schwaden, ſo fäpgt man Vormittags an, die Schwaden zuſammenzurechen, ſo daß das Binden alsbald Nachmittags beginnen kann z; bindet auch wohl ſchon einen Theil des Vörmittags, damit das Zugvieh mit dem Einfahren um ſv früher beginnen kann, Was die Anſtellung der Leute beym Binden anlangt, ſo ver fährt man damit folgendermaßen: Iſt das Getreide in Schwaden gehauen geweſen, ſo ſind die zuſammen gerechten Haufen größer, als die Gelegen, wenn das Getreide abgerafft worden. Man ſtellt dann auf jeder Reihe ſol» teſten Arbeiterinnen an. Die andere Sammlerin rafft die beiden Haufen vor dem, unter welchem das Seil iſt, rein auf, und thut ſie auf den in das Seil eingerafften Haufen, wobey ſie dieſelben mit dem Knie zuſammendrückt. Die zweyte Sammlerin hat beym Zuſam» menlegen der Haufen darauf zu achten, daß ſie jeden der zwey folgenden Haufen mit den Sturzelenden etwas gegen die Aehren DEE auf den erſten legt, weil ſonſt das Gebund an dem dünnen heile gegen die Aehren zuſammengebunden würde, wodurch daſſelbe leicht aus einander fährt, Uebrigens nimmt man äu), je nachdem die Haufen ſind, vier und mebr ſolcher Haufen zu et» nem Gebunde, und die das Seil legende Sammlerin muß ſich hiernach richten. Der Binder hat darauf zu ſehen, daß er das Gebund mit dem Seile(SE EEG daß es weder nach den Aehren, noch an den Sturzeln einen zu großen Bauch bildet, weil ſonſt Sammeln, Binden und Einfahren des Getreides. s.(309) das Gebund leicht ausfährt. Auch iſt es zu empfehlen, daß er mit einem Knebel verſehen iſt, um das(Sebund knebeln zu kön»: nen, weil die nicht geknebelten Gebunde beym Zuſammentragen in„Haufen, beym Auf- und Abladen und beym Einbanſen in der Scheune leicht aufgehen und Aufenthalt verurſachen. Man muß jedoch darauf ſehen, daß die Gebunde nicht zu feſt geknebelt wera den, weil die Bänder dann in der Hiße leicht platzen. Liegt das Getreide in Gelegen, ſo ſtellt man drey Sammler und einen Binder zuſammen und nennt dieſelben einen John, auch wohl provinziell anders, Die drey Sammlerinnen werden an drey Neiben der Gelegen angeftellt, wovon die eine, welche das Gebund Seile hat, an die mittelſte Reihe kommt. Dieſe, indem ie es- zu beurtheiken wiſſen muß, wie viel Gelegen zu einem Ges unde erforderlich ſind, rafft hiernach von Entfernung zu Ents fernung eine Gelege in das Seil, und die beiden andern Samme lexinnen raffen die daneben, davor und dahinter liegenden Gelegen uſammen, und thun ſie auf diejenige Gelege, unter welcher as Seil iſt, in ein Gebund zuſammen, Hierbey, ſo wie beym Binden, iſt eben das zu beobachten, was im Vorſtehenden ge? ſagt worden iſt. Hat das Getreide ſehr dicht geſtanden, ſo daß ie Gelegen ſehr dicht liegen und groß ſind, und ein Binder nicht ſo. viel zuſammenzubinden vermag, als drey Sammlerinnen ſam- meln, ſy ſtellt man auch nur zwey Sammlerinnen und einen Binder zuſammen, Im Gegentheil, wenn das Getreide ſehr dünn liegt, v haben auch 4 Sammlerinnen zu thun, um einen Binder zu eſchäftigen. Man ſtellt gewöhnlich zum Binden nicht gen mehr Leute an, als das vorhandene Zugvieh noen geweſene Getreide in den Haufen, in welche es zuſammengetragen wird, naß, ſo tro&net es weniger leicht aus, als wenn es auf den Schwaden oder in Ges legen liegt, und man hat dann die beſondere Arbeit, die Gebunde der Haufen zum Tro>nen augeinander zu ſtelken- Nur wenn man ganz beſtimmt gutes Wetter voraus ſiebt, bindet man ſoviel, als man vermag, und fängt den folgenden Tag mit dem Einfahren um ſo früher an. Hat man viele Arbeiter, ſo ſtellt man dieſelben nicht an eis nem Plate zum Binden auf, weil ſonſt viel Zeit durc< das lange Hin: und Hergehen beym Umwenden an das Gewende verſchwen- det wird, ſondern man vertheilt dieſelben an mehrere Pläße, und theilt jedem Trupp ſo viel zu, als er aufzubringen vermag, weßhalb man vorher einen genauen Peberſchlag machen muß, Sind die Felder nicht zu entfernt, und liegt das Getreide nicht zu dicht, ſo nimmt man an, daß 9 Sammlerinnen und 3 Binder ſos viel Wintergetreide aufbinden, als zwey 4ſpännige Geſpanne mit dem Wechſelwagen in einem Nachmittage einzufahren vermögen. Was nun die Größe der Sebunde anlangt, ſo findet man 1:0 eine große Verſchiedenheit. In vielen Gegenden, und bes onders, wo man in Getreideſeile bindet, werden ſo Kleine Ge» bunde gemacht, daß deren auf einen zweyſpännigen Wagen bis 4 Scho> geladen werden können. In andern Gegenden hat man es in der Gewohnheit, die Gebunde ſo groß zu maden, als nur das Seil zu faſſen vermag, und bedient fich, wenn das Stroh 65 66 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſ dieſes Zu- ſammentragens des gebundenen Getreides iſt doppelt: einmal, um das Aufladen zu erleichtern, und um ejne leichtere Ueberſicht der Anzahl der aufgebundenen Gebunde' zu bekommen, und dann, um das aufgebundene Getreide vor den.nachtheiligen Einflüſſen dex naſſen Witterung zu bewahren, Das Zuſammentragen erfolgt, wenn das Getreide dicht in den zuſammengerechten Haufen oder Gelegen liegt, in der Art, daß hinter den Bindern ein Mann hergeht, der die Gebunde von den Reihen auf der mittelſten Reihe in Haufen zuſammenſett. Dieſe Haufen, die man Mandeln, Stiegen, auch wohl anders be- nennt, werden von verſchiedener Größe gemacht, je nachdem man das eingeerndtete Getreide zu zählen gewohnt iſt. Bald werden 15 bis 16 Gebund, eine große oder kleine Mandel, in einen Hau- fen zuſammengeſtellt, bald eine größere, bald eine geringere Anzahl von Gebunden, und man nennt einen ſolchen Haufen nach der An» zahl der enthaltenden Gebunde, eine große vder kleine Stiege. Der Suſammentrager hat den Auftrag, die Gebunde jedes Haufens zu zählen, und in einen Haufen ſo viel Gebunde zu thun, als in den andern, um danach die Gebunde berechnen zu können. Liegt das Getreide ſehr dünn, und die Reihen der Gebunde kommen weit von einander entfernt, ſo läßt man, um. die Arbeit nicht durch das weite Hin: und Hertragen zu vermehren, nur die Ge- bunde von zwey Reihen zuſammentragen und die Haufen dann kleiner machen. Bey dem Zuſammentragen iſt dahin zu ſehen, daß die Gebunde nicht auf der Erde geſchleppt und zu ſtark auf den Haufen geworfen werden, weil ſonſt viel Körnerverluſt erfolgt. Man mag nun die Erndte nach Schocken, Hunderten, oder wie es nur immer ſey, zählen, ſo muß der Arbeiter, der das Zuſame mentragen beſorgt, gehörig unterrichtet ſeyn, daß, wenn er eine beſtimmte Anzahl von Gebunden zuſammengetragen bar, es durch einen lauten Nuf bemerklich macht, Der Aufſeher über die Ar- Sammeln, Binden und Einfahren des Getreides. (310) beiter, der mit einem Meſſer und. Kerbeſto> verſehen iſt, macht bierbey einen Kerb, und des Abends wird nach der Anzahl der gemachten Kerbe die geerndtete Quantität des Getreides ins Ernds teregiſter eingetragen. In denjenigen Gegenden, wo nach Scho» &en gerechnet wird, wird bey jeder Mandel, 1e nachdem man große Mandeln zu 16 Gebund, oder kleine Mandeln zu 15 Ges bund macht, gerufen. Die drey erſten Mandeln iwerden mit gleichlaufenden Kerben angekerbt,«die vierte, als Zeichen des Scho>es, quer über dieſe drey. 7 MEINDE Fall, daß das Getreide ſehr überſtändig war und leicht ausfällt, ſo unterläßt man auch das Zuſammentragen in Haufen und ladet gleich von den Zeilen weg. Der Mandelſetev ladet dann mit auf, und zählt die aufgeladenen Gebunde eben ſo gut, als wenn ex ſie in Haufen zuſammenträgt. k Wird das Getreide gleich nach dem Binden eingefahren, ſo macht man nur gewöhnliche Haufen ,. vom denen das Getreide gut aufgeladen werden kann. Wird aber das Getreide gleich nach dem Abbringen aufgebunden, oder vermuthet man, daß das tro>en aufgebundene Getreide nod) vor dem Einfahren bes regnet würde, ſo ſeht man die Haufen ſo, daß die Aehren vor der Näſſe geſchüßt ſind. Man nennt dieſe Haufen Regenmane deln, Regenſtiegen, oder auch anders, und verfährt bey ihrem Aufſtellen auf mant. Oben auf den Haufen werden eine oder mebrere beſondere De>garben ſo gelegt, daß ſie mit den Aehren nach der Wetterſeite zu hängen, damit das Regenwaſſer bald ab» laufen kann, oder man überde>t auch den Haufen mit einer Gar? be, wo das Band mehr nach den Aehren zu geſchoben iſt, in der Art, daß die Aehren in die Höhe ſtehen, und der andere Theil gleich einem Regenſchirm den Haufen überde&t. Auch ſeht man die Haufen auf dieſelbe Weiſe, aber nur im Dreye&. Kommt anhaltende Näſſe, ſo erfüllen dieſe Regenmandeln den Zwe, das Getreide vor Näſſe zu bewahren, nicht gänzlich 3 denn die unter- ſte Garbe liegt mit ihren Aehren auf dem Boden, und die Kör- ner derſelben wachſen daher leicht aus. Aud) können ſich die Garben nicht ſo de&en, daß alle Aehren überde>t ſind, und es bleibt daher ein großer Theil der unmittelbaren Einwirkung der Näſſe ausgeſett. Man hat auch noch andere Arten,, Regenmans deln? aufzuſeten 3 allein ſie erfüllen ebenfalls den Zwe, die Näſſe und das durch dieſelbe verurſachte Verderben vom Getreide abzu- halten, nur unvollkommen. Die beſten Regenmandeln ſind fol endermaßen zuſammengeſezt: Man nimmt eine Garbe und ſtellt ie auf die Sturzelenden 3; an dieſe Garbe lehnt man im Kreiſe herum, nach der Größe der Garben, eine größere oder gerin- gere Anzahl von Garben ſo an, daß ſie mit den Aebren oben 2300107 und mit den Sturzeln auswärts ſtehen. Ueber einen vlchen Haufen de&t man eine, wie ein Regenſchirm ausge- ſpreizte Garbe, ſo daß die Sturzelenden den Haufen bede&en, die Aehren aber frey in die Höhe ſtehen. Damit die Ueberde&ung gehörig erfolgt, macht man den Haufen nicht größer, als daß ihn eine Garbe vollkommen zu überde&en vermag. Man macht Bau der Feldfrüchte, 7. Abſchn. July. (312) auch; wenn man ſolche Regenmandeln aufzuſeßen beabſichtigt, unter einer gewiſſen Anzahl von Garben eine, die zur De>garbe beſtimmt iſt, größer, als die andern, und zieht bey derſelben das Seil mehr gegen die Aehren zu ganz feſt zuſammen, und dieß iſt ganz beſonders zu empfehlen. 3 Die Hauptrückſichten, die man bey dem Seten ſolcher Haufen ju nehmen bat, ſind: daß der Haufen keinen ſchiefen Stand be- ommt, weil ihn ſonſt der Wind leicht einwerfen kann; daß die im Kreiſe angelehnten Garben einen gehörig feſten Stand baben, und nicht mit den Sturzelenden ausrutſchen können; und daß die DeFgarbe den Haufen gehörig bedeckt und feſt auf demſelben ſibt. Um die Dec>garbe auf den Haufen zu befeſtigen, bedient man ſich folgendes Verfahrens: Man zieht von der. De>garbe mehrere Halme an den Sturzelenden, von denen, die ſich mehr am äußern Rande befinden, ſo weit beraus, bis man merkt, daß die Aehren dort, wo die Garbe zuſammengebünden iſt, Wi- derſtand leiſten. Von einer der im Kreiſe angelehnten Garben ziebt man ebenfalls am Sturzelende einige Halme ſo weit her» aus, als es der Widerſtand der Yehren geſtattet, und bindet die Halme der DeFgarbe und die der untern zuſammen. Dieß thut man an mehrern Orten im Umkreiſe des Häufens, und erlangt dadurch), daß die DeFgarben nicht leicht vom Sturm abgeworfen werden können. Dieſe Aufſtellung der. Regenmandeln erfordert Uebung, und verurſacht allerdings einigen Arbeitsaufwand 3; allein das Getreide iſt dafür gegen die Einwirkung der Näſſe geſchüßt, indem alles Regenwaſſer an den äußern Halmen des Haufens, wie, von einem Dache herabgeleitet wird, ohne daß, es in die Mits te des Haufens einziehen kann. Nur die DeFgarbe iſt der Witz: terung preisgegeben z dieſelbe tro&net aber, da ſie hoch und frey ſteht, ſehr bald wieder ab. Nach einem ſtarken Sturm muß man auf dem Felde nachſehen, ob ſolche Haufen eingeworfen worden ſind, und dieſelben, wenn die naß gewordenen Garben ausgetro>net ſind, wieder aufſeten. Wenn man wegen Ungeſchi>lichkeit der Arbeiter, die aller dings in manchen Gegenden bewunderungswürdig iſt, das gehörige Aufſeßen ſolcher Haufen nicht bewirken zu können glaubt, und man will das aufgebundene Getreide möglichſt vor der Witterung geſchüßt haben, ſo läßt man kleine Gebunde binden, und ſtellt dieſe auf die Sturzeln, aber mit den Aehren an einander, ſo daß ſie ſich ſtüßen,- in kleinen Zwiſchenräumen von einander ent» fernt, damit die Luft durch ſolche aufgeſtellte Haufen durchſtreis , und man muß deßbalb eine Perſon anſtellen, die dieſelben. zuſammenrecht und auf den Wagen bringt. Hat man nicht genugſame Arbeiter, und man muß mit dem Einbrin2 gen des Getreides eilen, ſo vollführt man das Nachrechen erſt dann, wenn ein ganzes Feld abgeräumt iſt. War das gehauene Getreide in Gelegen abgerafft, ſo erfolgt das Nachrechen„» nachdem eine gehörige Breite des Feldes abge- räumt worden iſt, über das ganze Feld. Man bedient ſich hier eines großen Rechens, den man den Nachrechen, die Hunger- bharke, faule Magd u. ſ. w. nennt, welcher vermittelſt eines Bandes, an dem eine Schleife befeſtigt iſt, die über die Schul- tern genommen wird, über das Feld, Strich neben Strich, ge- zogen wird. Sobald der Rechen voll iſt, wird. er ausgehoben, und hierbey iſt zu beobachten, daß das Abheben immer in gleis daß der Schäfer das Nachrechen der Winterung, ſo. wie den Ausdruſch der Nachreche beſorgen muß, und dafür, und für die Verbindlichkeit, beym Einbanſen des Getreides be: hülflich zu ſeyn, die Hälfte oder einen andern Antheil der aus«e gedroſchenen Körner bekommt, Puch überläßt man das Nachre- nen müſſen, oder iſt das in Gelegen oder“Schwaden getro>nete aufgebundene Ge- treide wieder naß geworden: ſo muß man erſt eine/ genaue Unter» ſuchung anſtellen, ob das einzufahrende Getreide gehörig tro>en iſt; denn naß eingefahrnes Getreide verdirbt nicht nur im Bane ſen, ſondern-es erhitt ſich auch ſehr ſtark, fängt an zu rauchen, und muß dann ſchleunigſt umgeſeßt werden, wenn man Feuers- gefahr vermeiden will. Bey. der. Unierſuchung wird folgenderwa- ßen verfahren: Man nimmt ein Gebund aus dem aufgeſtellten Haufen, vorzüglich aus der Mitte deſſelben, und befühlt zuerſt die Rehren. Findet man dieſe gehörig tro>en, dann unterſucht man zugleich die Mitte des Gebundes unter dem Bindſeile, ob auch bier alles tro>en ſey. Iſt dieß der Fall, ſo kehrt man das untere oder die Sturzenden aufwärts, und erforſcht genau, ob auch das darin befindliche Gras tro>en iſt, Was nun die Beur- Sammeln, Binden und Einfahren des Getreides. (315) theilung anlangt, ob das Gras gehörig tro>ken ſey, ſo muß die 71 Erfahrung die beſte Lehrmeiſterin ſeyn. Iſt man ſeiner Sache, nicht ganz gewiß, ſo nimmt man einige Grashalme und dreht ſie wie ein Seil zuſammen. Kommt bey dem ſtarken Zuſammene drehen kein Saft mehr aus den Halmen heraus, und ſpringen die Halme leicht ab, ſo iſt das Gras trogen genug, Beym Aufladen auf dem Felde muß man die nöthigen Aufs lader beſorgen. Wird vierſpännig eingefahren, ſo iſt gewöhnlich bey jedem Geſpann ein Knecht und ein Pferdejunge, und der er» ſtere ladet, und der letztere reicht die Garben von den Haufen. Sind die Wege"ganz eben, ſo daß keine Gefahr des Umwerfens vorhanden. iſt, ſo bleibt der Knecht auf demFelde und verrichtet das Aufladen bey mehreren Geſpannen, während die Knechte dex andern Geſpanne anderweitig angeſtellt werden. Stand das Ge- treide ſehr dicht, die Haufen ſind ſehr nahe beyſammen, und das Feld«iſt nicht weit vom Hofe entfernt, ſo kann es zur Beſchleus nigung des Einfahrens rathſam ſeyn, auch zwey Garbenreicher und zwey Lader, die aber in dieſem Laden beſonders geübt ſeyn müſſen, bey einem Wagen anzuſtellen. Sind die Wege ſchlecht und die Gefahr des Umwerfens vorhanden, ſo läßt man beym vierſpännigen Geſpanne den Knecht den Wagen begleiten. Bey einer mäßigen Entfernung des Feldes rechnet man auf zwey viero ſpännige oder drey zweyſpännige Pferdegeſpanne einen Auflader. Sind die Felder entfernt,„auch nur auf drey vierſpännige, odey vier zweyſpännige Pferdegeſpanne, nach Umſtänden auch wohl noch auf mehr, einen Lader, Bey dem Aufladen hat man darauf zu' ſehen, daß die Ges bunde nicht ſehr geworfen werden und die Fuder gehörig gleich geladen werden, ſo daß nichts beym Hereinfahren herunterfällt. Wenn der Weg nicht gleich iſt, ſo muß man das geladene Ge- treide durch den Wieſenbaum befeſtigen, oder anſtatt deſſen über das geladene Fuder ein Seil ziehen, wodurch die obern Garben feſt gehalten werden. In manchen Gegenden iſt es gebräuchlich, ſogenannte runde Fuder zu laden, wo diejenige Ladung, die über die Leiterbäume hinausgeht, gleich den Steinen in einem Ge» wölbe gelegt iſt und eine gleiche Rundung bildet; und wenn ein Lader dieſe Art zu laden gehörig verſteht, ſo fällt auch. bey dem ſchlechteſten Wege eben ſo wenig etwas herunter, als wenn man den Wieſenbaum auf das geladene Getreide befeſtigt, oder über daſſelbe eine Leine gezogen hat, und man iſt dann des großen Aufenthalts, den das Auflegen des Wieſenbaums und Abnehmen deſſelben beym Abladen, oder das Ueberziehen und Aufziehen des Seiles verurſacht, überhoben. Wenn hohe Fuder geladen wer» den, ſo iſt eine Gabel zum Aufladen nötbig. Man muß immer darauf ſehen, daß der Wagen auf dem Wege nach dem Hofe zu voll geladen wird, weil das Wenden mit dem vollen Wagen bes ſchwerlich iſt.] Beym Abfahren vom Felde muß es durchaus vermieden wers den, daß mit dem beladenen Wagen quer oder ſchräg über die Beete gefahren wird. Kann man nicht geradeaus auf. den Bee- ten fortfahren, ſo müſſen alle Wendungen mit dem beladenen Was gen, auf den die Bewende trennenden Anwenden gemacht werden. Man muß ſo viel als möglich immer denſelben Weg wählen, aus 72 Bau der Feldfrüchte, 7,.. Abſce dazu, daß die ausgefallenen Körner nicht zerquetſcht werden. Beym Einfahren auf die Tenne iſt dare auf zu halten, daß der Wagen möglichſt nahe an die Tennen- wand kommt, an welcher abgeladen wird. Zum Abladen müſſen ſo viel Perſonen angeſtellt ſeyn, als nötbig ſind, einen Wagen abzuladen, und denſelben vor die Scheune zu bringen, bis der andere Wagen ankommt. Sind die Felder nicht weit entfernt, und die Wagen folgen ſchnell auf eina ander, ſo müſſen auf jeden Wagen zwey Ablader gerechnet wers den. Auf jeder Tenne, wo eingefahren wird, muß eine Leiter vorhanden ſeyn, damit die Ablader ſchnell auf das eingefahrne Fuder gelangen können. In Gegenden, wo man ſehr große Gebunde bindet, bat man auch, wenn das abgeladene Getreide hoch hinauf gereicht werden Muß, zum. Ablayen beſondere Hebemaſchinen. Dieß' hält die Ar«- beit ſehr auf, und wo es thunlich iſt, ſchaffe man die Gewohns beit, zu große Gebunde zu binden, ab. Große Entfernung der Felder, oder:auch die beſtimmte Auss- ſicht auf einen folgenden Regentag, macht es nicht ſelten noth» wendig, bis ſpät in die Nacht einzufahren. Damit nun nicht, wegen Mangel an Licht, Zögerung und Unordnung beym Abla- den und Einbanſen erfolgt, ſo muß man Sorge tragen, daß die nöthigen, gut verwahrten und genugſames Licht verbreitenden Laternen vorhanden ſind. Man bringt eine dieſer Laternen ſo an, daß ſie den Banſen erleuchtet, die andere aber ſo, daß ſie der Tenne genugſaimes Licht giebt, Um eine um ſo genauere Ueberſicht über das eingebrachte Getreide zu erhalten, läßt man daſſelbe auch in der Scheune beym Abladen zählen und ankerben, und vergleicht dann dieſe Zählung mit der auf dem Felde vorgenommenen, wodurch man leicht ermitteln kann; ob Feiddiebſtahl Statt findet, Das Einbanſen des Getreides. Ehe noch die Erndte beginnt, iſt es nöthig, nach einem une gefähren Ueberſchlage der zu hoffenden Erndte, jeder Getreideart, ſo wie jeder anderen Feldfrucht, die eingeſcheunt wird, einen be- ſtimmten Plat in der Scheune anzuweiſen. Da die Winterung den größten Theil der Scheune füllt, ſo wäblt man für ſie die grüß= ten Scheunen und die größten Banſen. Iſt man mit dem Rau« mme in der Scheune beſchränkt, ſo daß man jeden Naum benuten und daher verſchiedene Früchte über einänder legen muß, ſo muß man dabey darauf Rüſicht nehmen, daß diejenige Frucht, deren Körner einen größern Werth haben, auf diejenige kommt, deren Körner einen geringern Werth haben, weil im umgekehrten Fall Das Einbanſen des Getreides. (3179 durch die ausgefallenen Körner der weniger Werth habenden Frucht, die von vem Stroh der darunter liegenden aufgenpmmen werden, dieſe verunreinigt und im Werth vermindert wird. Auch hat man darauf zu achten, daß diejenigen Früchte, welche zur Saat beſtimmt ſind, welche zu einer Zeit geſäet werden, nicht über einander kommen, weil die ausgefallenen Körner der einen nur als Unkraut in der andern aufireiben. Den Platz über der Tenne, wo die Feldfrüchte am freyeſten, am wenigſten dicht übereinander liegen und dem freyen Zuge der Luft aw meiſten ausgeſebt ſind, beſtimmt. man für ſolche Früchs te, die nicht gehörig trocken eingebracht worden ſind. Hat man dergleichen Getreide, ſv bringt-man es dorthin z gewöhnlich iſt aber dieſer Platz für die Hülſenfrüchte beſtimmt, In Jahren, wo die Erndte ſehr ergiebig iſt, ſind oft die Scheunen nicht binreichend, um alle einzuſcheunenden Feldfrüchte aufzunehmen, und man muß dann, ſeine Zuflucht zum Auſſeben von Feimen oder Diemen nehmen. Man wählt zum Aufſeven in Feimen gewöhnlich) den Hafer, weil deſſen Körner am feſteſten am Halme ſien, und weil er untey allen einzuſcheunenden Frücha ten diejenige iſt, welche gewöhnlich den niedrigſten Wextb behaup- tet. Ueber die Feime wollen wir in einem andern Monat, wo uns mehr Raum geſtattet ſeyn wird„ handeln. Zum Einbanſen wählt man einen, kräftigen und flinfen Ar2 beiter, der in dieſer Arbeit bereiis einige Uebung hat. Zu den Garbenreichern, deren, je nachdem die Banſen länger oder küra zer ſind, mehr oder weniger erforderlich ſind, wählt man ebena falls kräftige und rüſtige Perſonen. Beym Einbanſen iſt Folgendes zu beobachten: Die erſten Ges bunde werden ganz ſchräg mit den Aehren vben an die Tennen= wand angelehnt; die nächſten Gebunde werden ebenfalls ſchräg an dieſe angelehnt, und ſo wird fortgefahren, bis über den gan= zen Banſen eine Schicht Gebunde verbreitet iſt, von denen imz mer eins ſchräg auf dem andern und zwar mit den Aehren auf deſſen Halmen liegt. Die Gebunde müſſen ſo eng an einander und ſo gleichmäßig, als möglich, kommen. Eine ſolcerer liegt, die Zugluft durch das untere Alter um ſo beſſer durchſtreichen kann, und das Duwmpfigwerden um ſo mehr verhütet wird. Auf die erſte Schicht folgt nun die weyte, die an der Scheunenwand, die der Tennenwand gegenüber iſt, angefangen wird, und bey der die Gebunde ebenfalls etwas ſchräg und zwar ſo gelegt werden, daß, während. die in der er- ſten Schicht mit den Aehren nach der Tennenwand zu„liegen, die in der zweyten Schicht mit den Sturzelenden gegen die Tens nenwand kommen. Hierauf kommt die dritte Schicht, mit den Aehren wieder gegen die Tennenwand zu gerichtet, dann die vierte mit den Sturzelenden gegen die Tennenwand gerichtet, und ſo 2 Gs Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. July. (318) immer abwechſelnd fort. Bey denjenigen Schichten, die über der Tennenwand kommen, müſſen diejenigen Gebunde, welche zu- nächſt an der Tenne liegen, immer mit den Sturzelenden heraus- gekehrt werden, und man muß darauf achten, daß ſie ſo gleichmä- ßig gelegt werden; daß ſie eine glatte Wand.bilden, damit das Dreſchen nicht gehindert wird. Die Geſchiklichkeit beym Ein- banſen beſteht darin, daß immer regelmäßig eine Schicht auf die andere folgt, und daß die Gebunde in jeder Schicht ſo gleichmä- ßig und eng aneinander, als möglich, gelegt werden. Auch muß derjenige, der das Banſen beſorgt, darauf ſehen, daß die Garben- reicher jedes Gevund, was aufgeht, zuſammenbinden, Es ver- bleibt denſelben hierzu Zeit genug, indem das Einbanſen, wenn es ſic) der Tennenwand nähert, weniger Garbenreicher erfordert, und ſich dann immer einer abmüſſigen kann, die auf die Seite gelegten aufgegangenen Gebunde zuſammenzubinden. Es kann dann beym Dreſchen ein gleichmäßiges Wegnehmen der Gebunde erfolgen, ohne daß viel Wirrſtroh wird, und es bleibt dann auch die Scheunenrechnung beym Augdruſch in gehöriger Ordnung. Wer das Einbanſen recht verſteht, bringt in einen Banſen viel mehr Betreide, als derjenige, der in dieſer Arbeit nicht geübt iſt. Sind auf dem Wagen zwey Ablader, ſo müſſen auch nebſt den nöthigen Garbenreichern zwey Perſonen zum Einbanſen vorhan- den ſeyn. Wenn man einen Banſen zu zwey verſchiedenen Früchten theilen muß, ſo erfolgt die Theilung der Länge nach von der Tennenwand an. Beym Einbanſen hat man dann darauf zu ſehen, daß die Gebunde der verſchiedenen Früchte ſich nur mit den Sturzelenden berühren, und daß; das Einbanſen ſo gleichmäßig erfolgt, daß kein Theil der einen Frucht auf die an= dere herüberhängt, und auf dieſe fallen könnte. Bey dem Einbanſen der verſchiedenen Früchte iſt darauf Rück: ſicht zu nehmen, daß keine Frucht in den Banſen ſo verlegt wird, daß man- ſie nicht ſogleich erreichen könne. Füllt das Getreide einer Art mehr, als einen Banſen, ſo banſet man in dem erſten Banſen bis etwas über die Balken hinauf, und fängt dann mit dem Einbanſen des zweyten Banſen an, und banſet in demſel» ben das Getreide eben ſo hoch, In der Zwiſchenzeit hat ſich in dem erſten Banſen das Getreide durch ſeine Schwere zuſammen geſebt, und man füllt nun dieſen Banſen voll, wodurch man um ſo mehr Getreide in der Scheune unterzubringen vermag. Auch bey dem Einbanſen findet Verſchiedenheit Statt, und nächſt der oben angeführten, wohl am häufigſten Statt finden= den Art, iſt auc folgende Art ſehr gebräuchlich. Man ſtellt in der Mitte des Banſens 6 bis 8 Gebunde um einen eingeſchlage» nen Pfahl von 4 bis 5 Fuß Höhe über dem Boden ſo zuſam= men, daß die Sturzelendenyunten und die Aehren oben ſtehen z oder man bindet eine gleiche Anzahl Gebunde zuſammen und ſtellt ſie ohne Pfahl in die Mitte. Um dieſe legt oder ſeht man nun immer in die Runde herum ſo lange Garben, bis man an die Wände gekommey iſt; doch müſſen immer die Aehren in der Mitte liegen, damit ſie auf. den Halmen der vorigen Gebunde liegen. Jſt man bis an die Grenzen des Banſens rund berum gefommen, dann werden die Gebunde ſchon ziemlich flach liegen, und dann ſorgt man dafür, daß beſonders die E>en gehörig voll gepa>t werden, welches ein geübter Banſer ſchon dadurch zu Vertheilung und'Crhebung des Zehends. ;(319) machen weiß, daß er bier die Garben einſchiebt und mit den Händen und Knieen. derb niederdrü>t. Nun wird an den Wän- den oder Seiten mit der zweyten Lage wiederangefangen. Die erſte Reihe der Gebunde wird wieder rundümher mit den Sturz zelenden auswärts gelegi. Auf das Band der Geöunde dieſer Reihe kommen die Sturzelenden der folgenden Neive, und ſo eht es weiter fort bis- in die Mitte. Iſt der Banſen groß„ſo ellt man zwey Banſer an, welche gegen einander ein, oder beia derſeits mit Hülfe der Nachbanſer, wozu man ſchon mindex geübte brauchen kann, nach dem Mittelpuncte zu arveiten, und giebt jedem eine Reihe Zureicher, damit die Arbeit deſio ſchnel: ler gebe. Jſt die zweyte Lage bis in die Mitte gebanſet worden, dann wird die dritte Lage wieder von den Wänden des Banſens an bis zur Mitte hingelegt, und ſo immer fortgefahren, auch - immer auf die genaue Vollpa>ung der E>en geſehen. „Auch bey der größten Vorſicht iſt es nicht immer zu ver: meiden, daß uicht mitunter etwas feuchtes Getreide in den Ban- ſen eingepakt iſt; und es iſt daher wenigſtens in den erſten acht Tagen erforderlich, genaue Unterſuchungen anzuſtellen, ob ſich das eingebanſete Getreide nicht erhibt. Dieſe Unterſuchung muß jedoch nach der Mitte hinein erfolgen, da die Erhitzung vorn am Banſen am wenigſten zu bemerken iſt. Um dieſe Unterſuchung nach der Mitte zu bewerkſtelligen, nimmt man eine glatte ſpibige Stange, die bis etwa in die Mitte des Banſens reichen kann, ſtößt dieſe in das eingebanſete Getreide, und läßt ſie etwa ſechs Stunden lang darin ſteFen. Findet man.dieſe bey dem Herausziehen gar nicht, vder nur ein wenig warm, denn. etwas erwärmt ſich das Gee treide beym Schwitzen immer im Banſen, ſo kann man unbe: 75 ſorgt ſeyn. Iſt dieſelbe dagegen beym Herausziehen ganz warm,, dann muß man die Prüfung mit der größten Achtſamkeit fortſe- ßen, um zu erfahren, ob die Erhitzung zunimmt, Iſt die Stange aber beym Herausziehen heiß, dann muß man eilen, das Ge: treide augeinander und an die freye Luft zu bringen, damit, wo nicht förmliche Feuersbrunſt, do) wenigſtens das Verderben des Getreides verhütet werde. Obwohl es nicht viel zu bedeuten hat, wenn das gebundene Getreide im Thau eingefahren wird, ſo muß man ſid) dagegen hüten, die Schwaden im Thau, zuſammenzurechen, oder im Thau zu binden; denn dergleichen Getreide erhibt ſich immer ſehr ſtark. Auch das von einem Nebel feucht gewordene und vor "Pe PgEr Abtro>nung aufgebundene Getreide erhitzt ſich im Ban«- en ſehr ſtark. Von der Vertheilung und Erhebung des ; Zehends,. In vielen Gegenden iſt es gebräuchlich, daß das Erndtege= ſchäft im Winter- und Sommerfelde, oder auch nur bey gewiſſen Früchten gegen einen gewiſſen Antheil der Erndte verrichtet wird, als gegen das 10,, 11., 12, u. ſ. w. Sebund. Wo dieſe Einrich= tung gebräuchlich iſt, wird folgendes Verfahren beobachtet. Da- mit die Arbeiter diejenigen Gebunde, welche auf ihren An= theil kommen, nicht größer, als die andern machen, ſo läßt man die Vertheilung durch das Loos beſtimmen, Man läßt Bau der Feldfräcnet wird; allein in den meiſten Gegenden Deutſch- lands möchte dieſe Einrichtung, der zu hohen Holzpreiſe wegen, wohl zu koſtſpielig ſeyn. Auch ohne dieſe Vorrichtungen vermag der Landwirth, wenn er nur aufmerkſam iſt, Mühe und Arbeit nicht ſcheut, und das richtige Verfahren anwendet, am Ende ſein Getreide noch ziemlich unbeſchädigt einzubringen, und findet auch einiger Verluſt Statt, ſo muß, er ſich damit tröſten, daß er nicht der einzige Verlierende iſt, indem ſchlechte Erndtewitterung nicht einen Ort, ſondern ausgebreitete Länderſtriche trifft. Erndteverfahren bey naſſer Witterung. 4(321) Wir wollen nun das Hauptſächlichſte des Verfahrens der Erndte bey ſchlechter Witterung, was ſich durch die Erfahrung bewährt hat, anführen. Hat das Getreide ſeine Reife erlangt, das Beginnen der Erndte iſt aber durch naſſe Witterung gehindert worden, ſo fängt es an, auch auf dem Halme auszuwachſen und einzubrechen, Man muß daher mit dem Beginnen der Erndte bey nur einiger: maßen geeigneter Witterung nie zögern 3; denn man kann nicht wiſſen, wie lange man durch ſchlechte Witterung aufgehalten wird, und man hätte, wenn man in gehöriger Zeit mit dem Ab2 bringen angefangen hätte, in denjenigen, wenn auch oft nur kurzen Zwiſchenräumen, wo das Wetter gut iſt, manches ein: bringen können. Während des Regens darf man das Getreide weder hauen, noch ſchneiden, denn das naß abgebrachte Getreide tro>net in Schwaden und in den Gelegen viel ſpäter ab, als auf dem Hal: me. Sobald aber der Regen aufgehört hat, und das Getreide auf dem Halme etwas abgetro>net iſt, ſo muß man mit allen Arbeitern an das Abbringen gehen, ſelbſt in. dem Fall, wenn man wieder Regen vermuthen kann.. Am ſchlimmſten iſt man dann mit demjenigen Getreide daran, welches ſich ſebr gelagert bat, indem daſſelbe nur-ſchwer von der Luft ausgetro>knet wird. Man muß däſſelbe, ſelbſt: dann, wenn es noh nicht ganz tro:= Fen iſt, abbringen; weil es dur das Aufrühren beym Abſchnei: den, und das Ausbreiten mit den Sturzelenden gegen den Wind, noh immer ſchneller austro>net, als wenn es gelagert überein: ander liegen bleibt, Bringt man es nicht ab, ſo lagert es ſich bey anhaltender naſſer Witterung noch mehr“ an deit Boden, und tro>net dann noch weniger, ſondern fault im Gegentheile um ſo leichter. Bey dem Abbritigen iſt darauf zu ſehen ,“ daß die Stoppeln hoch gemacht werden, eines Theils, dämit wenig Gras ins Ge- treide kommt, und daſſelbe um ſo eher zum Aufbinden abtro>: netz anderntheils, damit das Getreide durch die hohle Lage auf den bohen Stoppeln dem Eindringen der Luft uin ſo mehr Raunt geſtattet, wodurch deſſen Austro>nung befördert wird. Auch verhindern die hoben Stoppeln, daß die Aehren den Erd- boden berühren können, wodurch das Auswachſen der Körner gehindert wird, Bey ncaſſer Witterung iſt es gerathen, üur das- jenige Getreide, welches dünn ſteht und nicht viel Gras enthält, in Schwäden zu hauen 3; denn liegen die Schwaden di>, ſo tro>- net das Getreide um ſv ſchwerer aus. Alles dicht ſtehende und viel Gras enthaltende Getreide muß, entweder mit der Sichel ge= ſchnitten, oder gehauen und abgerafft werden. Die Gelege wer- den ganz dünn auf die Stoppel ausgebreitet, und ſo viel als möglich mit den Sturzelenden gegen den Wind gerichtet. Ent- hält das Getreide, ungeachtet die Stoppeln hoch gemacht wor- den, noh viel Gras, ſo läßt man die Schnitter gleich beym Schneiden, oder die Abräfferinnen beym Abraffen, das Gras aus- ſchütteln und opfert lieber einen Theil des Futters, um nur das Austroc>nen des Getreides zu befördern. Sobald das abgebrachte Getreide nur einigermaßen abgetro>- jet iſt, ſchreitet män ſofort zum Aufbinden, Beym Binden ach: VI. 21 77 Bau der Feldfrüchte. 7. Abſchn. July. (322) tet man darauf, daß die Gebunde nicht groß gemacht, und nicht ſehr feſt gebunden werden, damit der Luft um ſo leichterer Zu- tritt ins Innere der Gebunde geſtattet iſt. Gleich nach dem Bin- den ſtellt man das Getreide in die früher bezeichneten Negenman:- deln, wo die: Gebunde gegen einander aufgeſtellt und mit einem Gebunde, gleichwie mit einer Kappe, überde&>t werden. Einige binden das Getreide gar nicht, ſondern ſtellen es nur armvoll bey armvoll gegen einen gerade aufgeſtellten Armvoll Getreide, oben mit den Aehren gegen einander, in ſpibe Haufen, und ſe- ben auf jeden Haufen ein Gebund, wie eine Kappe auf, wie es bey dem Aufſeßen der Regenmandeln bereits angegeben worden iſt. Einige fertigen, bey genugſamem Strohvorrath, dieſe Kappen aus Stroh, und damit dieſelbe vom Winde nicht abgeworfen wird, befeſtigen ſie ſie durch das Einſtecken von Neifigſtöken an den Haufen. Einige laſſen auch zwiſchen das in ſolche Haufen aufs= geſeßte Getreide Neiſig legen, damit es hohl liegt, und der Luft um ſo freyern Zutritt geſtattet. Hat man das Getreide einmal in ſolchen Haufen, gebunden oder ungebunden, ſo iſt es gegen die nachtbeiligen Einwirkungen der Näſſe ſo ziemlich geſchützt, und wenn man nur nachſiebt, daß die Haufen in gebörigem Zu- ſtande bieiben, daß nämlich kein Regen eindringen kann, ſo kann es ſehr lange, ohne zu leiden, ſchlechte Witterung aughalten. Das nicht ganz gebörig tro&en geweſene, in«ſolche Haufen ges packte Getreide bietet zwar, wie wir bereits früher beym Aufs binden gleich nach dem-Abbringen bemerkt haben, keine ſo guten Körner dar, indem dieſelben durch das Brennen der Haufen im- mer etwas leiden; allein man erhält doch dadurch Futter und Körner, und verhindert den großen Schaden, der durchs Aus» wachſen des Getreides oder durch Körnerausfall erfolgt. Sobald ,. als die Witterung tro>en und beſtändig geworden iſt, werden die Kappen von den Haufen abgenommen, und das Getreide wird nun aufgebunden. Das bereits aufgebundene wird augeinander geſtellt, und zwar mit derjenigen Seite, wo es am meiſten naß geworden, gegen den. Wind zu, Sobald es tro>en iſt, wird es eingefahren. Liegt. das Getreide in Schwaden, oder in Gelegen, und es folgt ſchlechte Witterung, ſo muß man jede günſtige Stunde wahrnehmen, das Getreide zu wenden. Sieht man auch vorhex, daß es vor dem Eintritt des Regens nicht ſo abtro&nen würde, daß es gebunden werden kann, ſo verhütet man doch dadurch das Auswachfen der Körner. Bey kaltem naſſen Wetter wächſt das Getreide nicht leicht" aus, wenn nur die YAehren an der Be- rübrung mit der Erde gehindert werden; bey warmer und naſſer Witterung wächſt es aber dagegen um ſo ſchneller aus, und man muß dann um ſo fleißiger wenden. Zum Aufbinden und Ein- fahren des Getreides muß man jede günſtige Stunde wahrneh- men. War das Getreide aufgebunden., nicht in Regenmandeln geſeßt, und es wird naß, was bey den im July und Auguſt häufig Statt findenden Gewitterregen oft vorkommt, ſo muß man die Gebunde gleich nach dem Regen ausgeinander ſtellen, und zwar mit derjenigen Seite,»die am näſſeſten iſt, gegen die Luft zu. Sind die Gebunde von einem anhaltenden ſtarken Re- gen bis in die Mitte durchnäßt, ſo muß man dieſelben, wenn fie in Haufen liegen, ſobald als möglich auf die Sturzelenden Roggenerndte. 3 G ſtellen/ damit die Körner der am Boden liegenden Aehren nicht auswachſen.. Sobald die Witterung tro>en. iſt, muß man die völlig durchnäßten'Gebunde augeinänder binden und tro>en werden laſſen; denn es würde zu lange dauern, ehe das Gez treide in den Gebunden ſelbſt austro>nete. Beſonders' aufmerkſam muß man das u naſſer Erndte- Witterung eingebrächte Getreide im Banſen beobachten. Sobald ſich einige Erhitzung zeigt, kann man mit Gewißheit vorausſe- ben, daß dieſelbe zunehmen wird, und man muß dann eilen, es aus dem Banſen. auf die-Tenne, und wenn es die Witterung ges ſtattet, vor die Scheune zu bringen. Nicht ſelten iſt ein wieder- holtes Umbanſen nöthig. Bey ſchlechter Erndte- Witterung müſſen die Arbeitsaufſeher und der Wirthſchaftsdirigent ganz beſonders auf- das Betragen gegen die Arbeiter Rückſicht nehmen. Man muß nie verdrießliche Laune und Muthloſigkeit zeigen, weil ſich dieſe den Leuten ſehr bald mittheilt, und dadurch die, Thätigkeit gelähmt wird. Man muß obne Uebereilung und. Unruhe mit einem guten Beyſpiel in der Thätigkeit vorangeben. Um den. Leuten das Arbeiten bey naſſer und kalter Witterung nicht zu beſchwerlich zu machen., ſo ſey man da, wo es- nöthig iſt, mit.der Verabreichung eines Schnapſes nicht geizig: Man ſpornt dadurch die Leute zur Ar= beit an, und erhält ihnen dadurch nicht ſelten die Geſundheit. Getreideerndte, Roggen. Man erkennt die Reife des Roggens aus dem Verbleichen des Strohs., indem die. gegen die Reife ſich zeigende gelbe Farbe des Strohs bey der völligen Reife ſich mehr ins Weiße um- wandelt, und ſich auch zunächſt den Knoten nichts Grünes mehr zeigt. Die Körner müſſen die gehörige Härte erlangt haben, bey dem Biegen über den Nagel brechen, und ſich löſen und aus: fallen, wenn man ſtark an die Aehre ſcen zu haben, hohe Stoppeln. machen. Nach der Erndte, wenn das. Gras noch mehr beragügewachſen iſt, läßt man ſo niedrig, als möglich bauen, und troFnet das Gehauene wie das Heu. Da bey der Erndte des Roggens weiter nichts vorkommt, was nicht bey der. Erndte im Allgemeinen zu beob- achten. wäre, ſo verweiſen wir hier auf das vorſtehende Kapitel, die Erndte. Was das Ausdreſchen des Roggens anlangt, ſo verweiſen wir in einem der nachfolgenden Bände auf das Kapitel über das Dreſchen. Ertrag., „Da der Roggen in dem größten Theile von Deutſchland die Hauptbrodfrucht iſt, und derſelbe auch wohl unter allen Getrei- )earten in der größten Ausdehnung' gebaut wird, ſo nimmt man hn gewöhnlich als den Maaßſtab an, nach welchem der Werth 21 X 79 80 Bau der Feldfrüchte. 7, Abſchn. July. (324); anderer Feldfrüchte, unter gleichen Verhältniſſen gebaut, ange: nommen wird. Unter den verſchiedenen Umſtänden, unter welchen der Nog» gen gebaut wird, iſt der Ertrag, ſelbſt, wenn man einen Mittel: durchſchnitt nach den verſchiedenen Jahrgängen annimmt, ſehr verſchieden? v. Schwerz giebt in ſeiner Anleitung zum praktiſchen Aer- bau Band 2, S. 172, den Durchſchnitts- Ertrag an Körnern von verſchiedenen Gegenden zu 22,25 Hektoliter vom Hektar an. Da- ſelbſt: ſind als der höchſte Ertrag angegeben: In Brabant bey Dierexſen im lehmigen Sande, nach Weizen, Wintergerſte, Lein, Klee gedüngt, im Durchſchnitt von 2 Jahren 36,00 Hektoliter vom Hektar. In Flandern zu Voorde, in gutem ſandigen Thon, nach . Wintergerſte, Weizen, zweyte und dritte Tracht 33,00 Hektoliter vom Hektar. In Altenburg, in guter Gegend, nach reiner Braache, manchmal, aber nicht immer, erſte Tracht, 32,00 Hektoliter vom Hektar. Als der niedrigſte Ertrag ſind angegeben: In der Kurmark im Sandboden zur zweyten Tracht 9,40 Hektoliter vom Hektar, In Altenburg, ſchlechte Gegend, nach Kartoffeln, 11,00 Hektoliter vom Hektar, Burger giebt den Ertrag in ſeinem Lehrbuche der Land- wirthſchaft Band 2. S. 33 folgendermaßen'an: In ſeiner Wirtbo ſchaft im Levantthale, im fünfjährigen Durchſchnitt, auf je- nen Feldern, wo der Noggen im 4ten oder 5ten Jahre nach dem Dünger kam, 175 Wiener Meten vom Oeſtreichiſchen Joch z wo-er aber in dem zweyten„Jahre nach Dünger kam, 24 Metzen vom Joch im Durchſchnitt. In Harbach aber, auf leichtem Boden, bekam er im 8jährigen Durchſchnitt, in welchem Zeitz DE aber zwey völlige Mißjahre waren, nur 152 Metzen vom och. Thaer giebt in der Beſchreibung ſeiner Wirthſchaft zu “ Möglin nach einem Durchſchnitt von 8 Jahren den Ertrag von 991 Magdeburger Morgen, a Morgen zu 180 Rheiniſchen Quadratruthen, zu 5637 Berliner Scheffeln, 5,73 Scheffel per Morgen, an. Man nimmt bäufig an, daß der Ertrag unter 3 Berliner Scheffeln vom Magdeburger Morgen Mißwachs ſey 3; dennoch kenne ich aber Gegenden, wo der Roggen, auf Außenfeldern gebaut, ges wöhnlich unter: 3 Scheffeln vom Morgen giebt, In vielen Ge- genden würde der Landwirth bey dieſem Ertrage nicht auf die Productionskoſten kommen; allein Ueberfluß an Spanndienſten und Handdienſten, geringer Arbeitslobhn und Wobhlfeilheit aller in der Wirthbſchaft benöthigten Gegenſtände machen es. möglich, den Roggenbau iu dieſen Gegenden ohne Verluſt zu betreiben. Der höchſte mir bekannte Ertrag vom Roggen, in einem überaus günſtigen Noggenboden, zur 1ſten Tracht, nach reiner Braache geſäet, in einem nach der allgemeinen Annahme ſehr guten Jahre, Roggenerndte, ;(325) wo der Roggen im Septbr. zur Saat gedroſchen wurde, waren 20x Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen. In guten Roggengegenden hat man mir verſichert, daß man in günſtigen Jahren öfters über 25 Scheffel vom Morgen geerndtet habe, Als eine beſondere Ausnahme kann ein ſolcher Ertrag wobl Statt fin- den z; allein daß dieß öfters der Fall ſey, möchte ic beſonders aus dem Grunde bezweifeln, daß ſich viele Landwirtbe ganz be» ſonders in Uebertreibungen gefallen. Der Berliner Scheffel ge- hörig gereinigter Noggen wiegt gewöhnlich zwiſchen 74 bis 84 Berliner Pfund. „Ueber den Strohertrag ſagt Thaer im 1ſten Bande ſeiner xationellen Landwirthſchaft S. 270, daß das Strohverhältniß beym«Roggen zum Körnerertrage dem Gewicht nach, wie 100 zu 38 und 42 ſchwanke. Burger ſagt in ſeinem Lehrbuche der Landwirthſchaft B. 2. S. 34, daß er zweymal den Roggen vor und nach dem Dreſchen gewogen, und den Ertrag an Korn und Stroh, dem Gewicht nach, in beiden Fällen nicht ſehr abweichend, aber verſchieden von. obiger Angabe gefunden have. - Im Jahre 1807 hatte er 22,38 Wiener Metzen vom DOeſt- reichiſchen Joch Körnerertrag und an Stroh 3310 Pfund, wo- nach das Verhältniß 54: 100, Im Jahre 1812 hatte er 21 Metzen Körnerertrag vom Joch und vom Stroh 3360 Pfund, wonach das Verhältniß 51: 160, Andere geben das Verhältniß des Körnererirags zum Stroh wie 100: 31; aber auch, wohl übertrieben, wie 100: 80 an. Localumſtände geben hierin ſehr abweichende Verhältniſſe, die nod) dadurd) abweichender werden, daß in manchen Jahren der Roggen ganz außerordentlich ins Stroh wächſt, aber nur ſehr wenig Körner giebt; dagegen in andern Jahren ſehr gering im Stroh iſt, aber außerordentlich viel Körner enthält. Zudem kommt es ſehr darauf an, ob der Roggen nach reiner Braache, HIE lezten Tracht nach mehreren Halmfrüchten gebaut wor- en iſt, Bemerkung über den Roggenbau. Obgleich der Roggen in neuern Zeiten durch die allgemeine Ausbreitung der Kartoffeln ſehr an Werth verloren hat, ſo' be- hauptet er dennoch in Deutſchland einen ſehr großen Werth, da er die allgemeinſte Brodfrucht iſt, Er gewährt auch nicht nur den ſicherſten Abſatz, ſondern er regulirt auch den Preis der mei- ſten übrigen Feldproducte, und ſelbſt durch den des Arbeitslohns zum Theil den Preis mancher Fabrikate. Obgleich er dem Weizen, da er weniger-Nahrungstheile enthält, an Werth nach- ſteht, ſo behauptet er doch nicht ſelten einen dieſem faſt gleichen Preis, wie dieß 3. B. in den Jahren 1827 und 1828 in Sachſen der Fall war, wo der Dresdner Schefſel Roggen nur mit 4 Gro- ſchen geringer bezahlt wurde, als der Weizen. Unter allen Ge- treidearten giebt der Roggen, da er am längſten wächſt, den größten Strohertrag, und erſet, wenn das Stroh gehörig zu Miſt gemacht wird, die dem Boden entnommene Kraft mehr, wie ein anderes Getreide. Das Roggenſtroh iſt, da es ſich zu 81 Bau der Feldfrüchte. 7, Abſchn. July. (326) allen Bedürfniſſen in der Wirthſchaft am meiſten eignet, am uns entbehrlichſten. Der Rosögen wird demnach unter allen Umſtän- den im Allgemeinen immer ſeinen Werth behaupten, und da ex die ſicherſte Frucht iſt, ſo wird er, einige Gegenden, wo hquptas ſächlich Weizen gebaut wird, ausgenommen, der Maaßſtab blei: ben, nach welchem der Ertrag anderer Früchte angenommen wird. Nach Thaers Annahmen in der rationellen Landwirthſchaft zieht er 30 Procent Kraft aus dem Boden, Wintergerſte, Was die Erndte und den Ertrag der Wintergerſte- anlangt, "die gewöhnlich in dieſem Monat reif wird, ſo verweiſen wir ve im nächſtfolgenden Monat guf die Erndte der Sommer2 gerſte, Bau der Feldfrüchte, emmmuommenenn 2074.01. Ms Der Auguſt gehört zwar noch zu unſern wärmſten Monaien, die Beſtändigkeit der Witterung nimmt jedoch gegen Ende deſſel: ben ſchon ſehr merklich ab.:| 4 Im Anfange dieſes Monats ſtellen ſich häufig Gewitter ein, welche nicht ſelten die Exndte ſehr beſchwerlich machen. Gegen das Ende deſſelben kommen ſchon zuweilen Reife und ſtarke Nez» bel- vor, und die Luft wird, des ſtärkern Thaues wegen„ feucht und kalt. Man hat zwar auch Ausnahmen, wo der Auguſt, be- ſonders- wenn der July kalt und feucht geweſen, ſehr tro&en und warm iſtz; allein dieſe Ausnahmen ſind nicht ſo häufig. 3 Sowohl im ſüdlichen, als im nördlichen Deutſchland fällt die Erndte des größten Theiles der Feldgewächſe in dieſen Monat, und er iſt daher der eigentliche Erndtemonat. Feldgewgchſe, die ſich erſt ſpät ausbilden, verlangen noch eine aufmerkſame Be- handlung. Gegen das Ende des Monats wird die Erndte vieler Gewächſe ſchon ſehr beſchwerlich, indem man mit der Feuchtig- keit zu kämpfen hat, wodurch das Tro>enwerden des Strohes ſehr erſchwert wird.; Nicht minder beginnt in dieſem Monate auch ſchon die Herbſt- ſaat zeitiger Wintergewächſe, und die Behandlung der ſich ſpä-, ter ausbildenden Gewächſe, die Erndte, der Samendruſch, die Herbſtſaat und viele'andere landwirthſchaftliche Arbeiten, nehmen die Thätigkeit des Landwirths in dieſem Monate hauptſächlich in Anſpruch. Bey einer verſpäteten Erndte und Verzögerung derſel: ben bey naſſer Witterung kommt er nicht ſelten ſo ins Gedränge mit ſeinen Arbeitskräften, das er nicht weiß, wo er beginnen ſoll. Bey dem häufigen Wechſel der Temperatur, muß man ſo- wohl auf Menſchen, als auf das Zugvieh beſonders aufmerkſam ſeyn, wenn ſich nicht beträchtliche Krankheiten einſtellen ſollen. „Wir haben demnach in dieſem Monate der Behandlung der- jenigen Feldgewächſe Erwähnung zu thun, deren Pflege in ihn 84 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn, Auguſt. (286)/ fällt, und dann der Erndte und Zugutemachung derjenigen, die zur Reife gelangen, ſo wie der Saat derer, die nun geſäet wer- den müſſen. Wollten wir der Erndte aller derer Feldgewächſe Erwähnung thun, die.im Auguſt reif werden, ſo würde der Inhalt dieſes Monats zu groß werden, und wir können daher nur diejenigen abhandeln, deren Erndte hauptſächlich in den erſten Theil deſſel» ben fällt, und müſſen auch diejenigen, deren Erndte ſich nicht ſel-| ten bis in den September verſchiebt, in den folgenden Monat verweiſen.„Auch müſſen wir, was die Zugutemachung anlangt, in vielex Hinſicht auf ſpätere Monate hinweiſen. NESSE ISET 5 Ine„->< PEM 8. Uh Achter Abſchnitt, Anbau der Feldgewächſe, Getreide. Winterroggen. Es giebt mehrere Arten des Winterroggens, die ſehr zeitig geſäet werden, und unter dieſen findet man ganz beſonders eine Art Staudenroggen, die um Bartholomäus, den 24ſten Auguſt, ausgeſäet wird, ſehr häufig. Dieſe zeitigen Noggenarten können im laufenden Herbſt noch zu Futter gemäht, oder abgehütet wer- den, und werden deßhalb von Vielen ſehr geſchätzt, In der Culz- tur kommen ſie mit den ſpätern Roggenarten Überein, und wir verweiſen deßhalb auf die Cultur des Roggens im September, Handelsgewähſe. Fabrikpflanzen. Die Kaäardendiſtel, Verpflanzen der Kardenpflanzen, Wir haben bereits im Monat April(S, Encyklopädie B. IV. S. 329 und 330), über die verſchiedenen Culturarten der. Kar« dendiſtel und über das Erziehen der Kardenpflanzen in Samen» beeten gehandelt, und haben nunmehr hier des Verpflanzens der / erzogenen Pflanzen zu gedenken, Gewöhnlich erfolgt das Ver» pflanzen nach der Roggenerhdte, um Jacobi, den 25ſten Julius, vder wenigſtens nicht lange nachher. Bey einem lo>ern und von Unkraut reinen Boden werden die Roggen- und Gerſtenſtoppeln, gleich nach der Erndte, etwas tief umgebrohen und die Pflanzen ſofort auf das umgepflügte Land verpfianzt. 3] Das Verpflanzen geſchieht nun folgendermaßen: Die Pflatt- zen werden, ihrer langen Wurzeln wegen, mit einem Grabſcheit ausgeſtochen, wozu man am beſten einen Zeitpunct nach einem Regen wählt. Man beſchneidet vorſichtig die Wurzeln und Blät: ter der ausgezogenen Pflanzen. Behufs des Einſegens der Pflan: 4) zen macht man in der Entfernung, in welcher die Karden ſtehen ſollen, mit einem Seßholze Löcher in geraden Linien.(Im kräf: „ tigen Boden kommen die Pflanzen 2 Fuß, im minder kräftigen 11 Anbau der Feldgewächſe. Raps und Rübſen, 85 (287) 17 Fuß weit von einander.) Die Löcher müſſen gerade herunter gehend gemacht werden, weil die Pflanzen in ſchiefen Löchern weniger leicht einwurzeln und nicht ſchoſſen. Man ſtet die Pflanzen in die Löcher hinein und drückt den Boden mit dem Setzholze ſo an, daß eine Vertiefung an dem Stängel der Pflanze bleibt, damit ſich die Feuchtigkeit in dieſer um ſo leichter ſam- meln und den Pflanzenwurzeln zu Theil werden kann, Iſt die Witterung beym Verpflanzen tro>en, ſv iſt, beſonders im leich: ten Boden, das Vorgießen beym Verpflanzen, wobey in das mit dem Setßholze gemachte Loch Waſſer gegoſſen und die Pflanze dann eingeſte>t wird, zu empfehlen. Im vindigen Boden iſt es beſſer, nach dem Verpflanzen zu gießen, weil dieſer Boden, wenn er beym Verpfianzen zu feucht iſt, fich um die Wurzeln ſchmiert, und nach erfolgter Erhärtung das Angehen der Wurzeln gehin2 dert wird. Einige Zeit nach dem Begießen muß der Boden ges lodert werden/ weil er ſonſt zu feſt wird. Män muß das Vor? gießen und Nachgießen beym Verpflanzen möglichſt vermeiden, und nur im höchſten Nothfal anwenden, weil die Pflanzen da» durch ſchwädchlicher werden. Die Pflanzen bewurzeln ſich auch in einem ziemlich tronen Boden, nur muß man dann auf ein vermehrtes Nachpflanzen gefaßt ſeyn. In dem Pflanzenbeete muß man eine Anzahl von Pflanzen zurülaſſen, um die nad) dem Verpflanzen eingehenden davon erſehen zu können. - In Beziehung auf das Verpflanzen der Karden können wir hier nicht unerwähnt laſſen, daß dieſelben, 1wenn die Pflanzen in Miſtbeeten erzogen und im Frühjahre verpflanzt werden, noh im laufenden Jahre die Erndte der Samenköpfe geben ſollen. Soa wohl im dritten Hefte des neuen Wochenblattes des landwirth» ſchaftlichen Vereins in Bayern, S,. 201, als auch in dem erſten Jahrgange der landwirthſchaftlichen Zeitung für Kurheſſen, S. 95 wird dieß beſtätigt.. Jedenfalls verdient dieſe Sache genauere Verſuche, Denn könnte man die Karden auf dieſe Weiſe in einem Sommer zur Vollkommenheit bringen, ſo würde ihnen nicht nur eine mindere Bodenrente zur Laſt fallen, ſondern ſie würden dann auch einen viel ſicherern Ertrag geben 3; indem den Wintex hindurch ſehr häufig viele Pflanzen gänzlich zu Grunde gehen, Oelgewächſe. Der Rapsſamen, Braszsica oleracea. . Der Rapsſamen und der Nübſamen(Rübſen), von dem wir im folgenden Monate handeln werden, ſind diejenigen Oelge- wächſe, welche am häufigſten, und nur ausſchließlich der Oelge» winnung wegen, gebaut werden, indem ihr Strohertrag nicht bedeutend iſt. Oft werden dieſe beiden Gewächſe verwechſelt, oder für ein und daſſelbe gehalten, oder untereinander gemengt ange- troffen; ſie unterſcheiden ſich aber weſentlich von einander, obz wohl ſie in der Cultur vieles Gemeinſchaftliche haben. Der Raps iſt ein? Kohlart und hat große hellgrüne Blätter, hellgelbe Blüthen, einen ſtärtern Wurzelſtamm, der faſt cylin- derartig iſt, ſtärkeren und höheren Stängel, der ſeine Aeſte mehr nach oberwärts treibt, welche weniger in die Höhe ſtehen, ſondern ſich mehr horizontal verbreiten, Auch hat der Rapsſa- Bau der Feldfrüchte, 8. Abſen viele der zarten Keime, weil ſie nicht durchbrechen können. Bey offenem Froſt ſowohl, als bey großer Trockniß, bekommt dieſer Boden große Riſſe, und die Pflanzen, deren Wurzeln dadurch von Erde entblößt werden, ſind unrett= bar verloren. Der Raps leidet in dieſem Falle weit mehr, als das Getreide, weil von den Wurzelfaſern des Getreideſto>es nicht alle entblößt werden, und die bede>Xt gebliebenen dem Sto>e noch das Leben erhalten und deſſen vollkommene Einwur- zelung in der Folge noct, und da ſie ſich nur die in ihrer unmit=- telbaren Nähe befindliche leicht auflösliche Nahrung aneignen kann, durch die ganze Akertkrume gleichmäßig eine große Menge leicht aufiöslicher Nahrung verbreitet ſeyn muß, wenn bey der breitwürfigen Saat, jede Rapspflanze auf ihrem Standpuncte die zur vollkommenen YAusgbildung"nöthige Nahrung vorfinden ſoll. Der von Natur humusreiche Boden enthält nun zwar in ſeiner Krume, ganz gleichmäßig verbreitet, eine große Menge Pflan»- zen nährender Materie; allein der ältere Humus iſt weniger leicht "auflöslich, Und bietet däher den Rapswurzeln, die keine hinläng= lich größe Lebensthätigkeit haben, um ſich auch die weniger leicht auflösliche Pflanzen nährende Materie in genugſamer Maaße als Nahrung anzueignen","nicht ſo viel Nährung dar, als zur voll: Fomimnen Ausbildung der Pflanze nöthig iſt, und deßhalb iſt die friſche Stallmiſrdüngung zum Raps beſonders zu empfehlen 3 theils damit die Akerkrume mit einer um ſy größern Maſſe leicht auflöslicher zum unmittelbaren Uebergange in die Rapswurzeln geeigneter Nahrung verſehen ſey, theils damit durch die nach ei- ner friſchen Düngung erhöbte Lebenschätigkeit des Bodens um ſv mehr-alter Humus zu- leicht einzunehmender Pflänzennahrungs- materie aufgelöſt wird. Je geringere Lebensthätigkeit der Boden pat? um ſo ſtärker muß die Düngung zum Naps gemacht wer- en, und der Ertrag des- Rapſes ſteht in ſolchem Boden im Verhältniſſe mit der Menge des aufgebrachten Miſtes. Nur in einem ſebr thätigen warmer? Boden, der ſebr reich iſt, kann man den Raps auch ohne friſche Düngung bauen, und er giebt einen lohnenden Ertrag z aber auch in dieſem Boden wird das Düngen zum Raps zu empfehlen ſeyn, weil der Raps die Geilheit der friſchen Düngung beſſer, als viele andere Gewächſe, verträgt, die in dieſem Falle leicht lagern und einen geringen Ertrag geben, hingegen nach dem Raps um ſo beſſer gerathen.; Der Raps liebt vorzüglich den mehr zergangenen Miſt, und da der untergebrachte Miſt gehörig mit der AFerkrume durch- mengt ſeyn muß, ſo bringt man die Miſtdüngung gleich mit der erſten Bearbeitungsfurche unter: Unter den verſchiedenen Miſt- arten iſt ihm, beſonders in dem mehr gebundenen Boden, der Schafmiſt am zuträglichſten. Eine vorzügliche Wirkung äußert der Schafpferc< ,/ wenn er nicht 3u ſchwach karz vor der Saat "VII: 19 87 8. Abſern und vom Unkraut reinen Boden kann man den Naps auch in die Stoppeln des zeitig abgeerndteten Getreides ohne Nachtheil ſäen, indem Jauer der Aberndtung des Getreides und der Saat des Rap» es binlängliche Zeit zur erforderlichen Bearbeitung des Bodens verbleibt. Auch in die Kleeſtoppeln, wenn der Klee gehörig geſchloſſen geſtanden bat, kann man den Raps ſäen, und ex geräth" dann gewöhnlich ganz vorzüglich. In der Umgegend von Dres8den, die auf der linken Seite der Elbe größtentheils Weizenboden hat, wo faſt gar keine Braache gehalten wird, ſäet man den Raps ſowohl, der jedoch hier weniger gebaut wird, als der Rübſamen, gewöhnlich in die Stoppeln des Winterroggens. Man bringt gleich nach der Aberndtung des Noggens Miſt auf die Stoppeln, bälkt dieſelben mit dem Haken unter, eggt die Stürze nach einiger Zeit, und pflügt dann zur Saat. Der Raps gerätb hier nach meinen gemachten Beobachtungen eben ſo gut, als. in andern Gegenden, wo ex nach'einer vollkommenen Braach- bearbeitung in die Braache geſäet wird. Zu bemerken iſt bierbey jedoch, daß der Boden in hieſiger Umgegend durch den ſehr be- trächtlichen Zuſchuß von fettem Stadtdünger, eine ſehr loc>ere Krume hat. Der Boden iſt zwar, da nur hauptſächlich Getreide gebaut wird, nicht rein von Unkraut, aber der Raps wächſt ſo Üppig, daß er kein Unkraut aufkommen läßt, und man iſt daher bier der Meinung, daß er vollkommen die Stelle der Braache vert Nach dem Raps folgt Weizen, der immer vorzüglich gerätb. Aber auch dort, wo die Umſtände eine vermehrte Bearbei-* tung des Bodens zum Naps erbheiſchen,.iſt es nicht nothwendig, eine vollkommene reine Braache zu halten, man kann vielmehr in der Braache, vor dem Raps, eine Gemengefrucht nehmen, in- dem man Zeit genug übrig bebält, den Boden vor der Gemenge- Anbau der Feldgewäcen zu mähen und zu Heu zu troc>knen. Die Wien in dieſem Zuſtande gemähet, erſezen nicht nur dem Boden durch die zurülaſſenden Wurz zeln das, was ſie ihm an Reichthum entnommen haben, ſon« dern ſie geben auch eine beträchtliche Menge Düngermaterial, welches die Düngungsmaſſe der geſammten Wirthſchaft bereiz ern Boden in die Getreideſtoppeln, ſo muß mindeſtens eine zweyfur2 er in eine-Fläche zu pflügen, indem der obne Unterbrehung der Beetfurchen geſGinſſen ſtebende Raps bey der Durchwinterung weniger lei- et. Jſt der Boden feucht, und man befürchtet eine zu ſtarke Anſammlung von Waſſer, ſo muß man das Land in gewölbte Beete pflügen, und die Furchen zwiſchen den Beeten mit dem Pfluge ausſtreichen, damit ein um ſo leichterer Abfluß der Feuchtigkeit erfolgen kann,- 19 X 89 0 Bau der Feldfrüchte: 3. Abſchn."Angüſt: (292) Samen und Säat. Das Saatgeſchäft erfolgt beym Raps auf verſchiedene Art. Man ſäet ihn breitwürfig, oder man ſäet. ihn in Pflanzenbeete und verpflanzt ihn, oder man Tzillt ihn. Samen, 'Man hat bey der Rapsſaat ganz beſonders auf einen gehörig gereiften und vollkommenen Samen Rückſicht zu nehmen. Da man beym Raps nicht ,-ſv wie bey andern Früchten, den voll: komimenſten. Samen ſchon auf dem Felde ausſuchen kann, indem ſelbſt die Samen' jeder einzelnen Pflanze nicht zugleich reifen, ſv muß männ, um vollkommenen Samen zu gewinnen, ſchon beym Wurfen in der Scheune. den vorderſten und ſchwerſten Sa- men abſondern und denſelben noch durch wiederboltes Fegen auf einer Windfege mit ſtarkem Luftzuge von den leichten unvollkom- menen Samenkörnern befxeyen. Man wählt am liebſten den Sa- men. von der Erndte deſſelben Jahres, oder höchſtens, einjährigen. Spbald der Same gereinigt iſt; muß er auf dem Schüttboden dünn aufgeſchüttet und bis. zur«Saat wiederholt umgevühbrt werden, weil er ſonſt leicht dumpfig, wird. Eint guter Same muß von: egaler dunkelbrauner Farbe, glänzend und voll ſeyn; und inwendig einen, feinen öligen Kern haben: Breitwürfige Saat, Bey der breitwürfigen. Saat giebt man die Saatfurche unmits telbar vor der Saat, und eggr den Aer alsbald gut vor. Die Saat erfolgt gewöhnlich im Laufe des Monats Auguſt. Jn ei- nem warmen Clima kann. man. den Naps auch noch im Anfange Septembers. obne Nachtheil ſäen. Der Same wird auf den gut vorgeeggten Acter, geſäet und dann mit. leichten Eggen mit einem Striche, wo möglich im Trabe, untergebracht; indem der kleine Same keine ſtaxke BedeXung mit Erde verträgt: Das Maaß der Einſaat. richtet ſich hauptſächlich nach. der Güte des Samens. Von vollfommenem Samen nimmt man an, daß. der funfzehnte Theil deſſen, was man dem Maaße nach an Noggen ausſäet, hinlänglich ſey, um, ein volltommen beſtandenes Rapsfeld zu er- halten. Von unvollkommenen Samen muß man eine größere Quantität nehmen. Eine zu ſtarke Saat muß man beym Raps vermeiden, weil der zu"gedrängte Stand der Pflanzen ſie im Wachstbume bindert?“ fie-dann' ſchwächlich in den Winter kom- men und leicht zu Grünve gehen. Auch fault eine dichte Säat unter der-SchneedeXe ſebr leicht. Eine zu dünne Saat giebt zwar ſehr vollkommene Pflayzen, die umſo beſſer der nachrhei: ligen Einwirkung der Witterung widerſtehen, und mit ibren Veſten fich im Frühbjahre gehörig ausbreiten 3 allein da der Naps nicht, wie die Getreidearten, aus dem Wurzelſtv>e mehrere Halme emportreibt, ſo' vermag auch in dem kräftigſten Boden eine zu dünne Saat keinen vollkömmenen dichten Stand der Pflanzen zu Wege zu bringen; der Raps giebt daber keinen genug 1ob- nenden Ertrag, und wegen mangelnder Beſchattung verwildert der Boden, und die wohlthätige Wirkung des Räpſes als Vor- frucht auf die nachfolgenden Früchte gebt verloren. Um eine gleichmäßige"Saat des Räpſes'zu bekommen, iſt es auch bey geübtern Säeleuten zu empfehlen, die Samenquantität 1n zwey / Anbau:.der Feldgewächſe.. Raps und Rübſett. (233) Hälften! zu theilen, und eine Hälfte in die Länge, die andere in die Quere ſäen zu laſſen."Die Saat muß bey tro&nem Wetter vorgenommen werden, am beſten, wenn der Boden nach, einem Regen etwas feucht iſt. Naſſe Einſaat iſt ſehr ſchädlich.- Folgt bald nach der Saat, ſtarker Regen, durch den der Boden feſt ge- ſchlämmt wird, und erhärtet der Boden bey hierauf folgender Troenhbeit, ſo muß derſelbe, bevor der Same gelaufen iſt, leicht aufgeegagt werden. Iſt der Acker vor. der. Saat kloßig,/ ſo muß er mit einer ſchweren Walze gewalzt werden; iſt. er dagegen nach der Saat zu pulverig„ſoy empfieblt man das. Ueberwalzen mir einer leichten Walze.| Das Erziehen der Pflanzen und Verpflanzen derſelben. Das Verpflanzen des Rapſes iſt in den Rheingegenden.,.. in den. Niederlanden und auch in einigen Theilen Englands. ſehr gebräuchlich. Thaer ſagt bierüber im 4ten Bande ſeiner ratio- nellen Landwirthſchaft, S. 159,.:.,,Wo der Werth des fruchtba- ren Akers groß im Verhaltniſſe des Arbeitspreiſes. iſt, hat man dieſe Methode wohl hauptſächlich aus der Urſache allgemein; ein- geführt, weil ein Theil des AFers. nur in dem Pflanzenjahre vorher noch benutzt und dann in gehörigen Stand geſeßt werden kann.“= In Beziehung auf das. Verpflanzen. des Rapſes. ver- weiſt man allgemein. auf dasjenige, was. S< werz hierüber in ſeiner Anleitung zur Kenntniß der. belgiſchen Landwirthſchaft Band 2. S. 147 und folgend ſagt, und„wir. ermangeln. micht, das Hauptſächlichſte des vort Geſagten hier mitzutheilen. Das. Verpflanzen erfolgt in Belgien entweder mit dem Pflu- ge, oder mit- dem) Grabſcheit„ oder mit dem Pflanzſtoc>ke.; Zum ,Verpflanzen mit. dem Pfluge gehört'vor Allem eine gute Pflanzſchuyle. Dazu iſt ein von Natur gutes. Land,"kurzer reicher Dünger, ein möglichſt.mürbe' gemachter A>er und: eine nicht'zu- dicht gemachte Ausſaat nothwendig. Das dichie Säen der Pflanzen iſt der größte Fehler, den man dabey begehen kann z denn iſt der Boden mager, ſo bleiben ſie klein und elend,“ und iſt er fett,'fo- giebt er lauter bo, wenn der Stamm: an.“der Erde von Neuem ausſchlägt. Die beſten Pflanzen ſind die kurzſtämmigen, welche die Nebenſproſſen, um Fall fie deren baven, kurz an der Erde anſetzen! Hat man. das Unglück,» ſchlechte Pflanzen zu baben, ſo. müſſen ſie entweder auf eine andere Weiſe verpflanzt werden, oder man muß auf das Verpflanzen hinter dem Pfluge gänzlich verzichten, und das zu Raps beſtimmte Feld in Zeiten mit einer andern Winterfrucht beſtellen.- Um gute Pflanzen zu erzielen, ſatt man den Raps- ſamen vor: der„Mitte des Julius in das wohl zuberetiete» und gut gedünzte: Land, und zwar in der Maaße, daß. der.Same etwas dünner, als der Winterrübſamen, und etwas dichter, als der Same der Bragchrüben, gleichmäßig ausgeſtreuet wird. Wenn ſich zwiſchen den Pflanzen Unkraut- zeigt, ſo wird, daſſelbe ſorgfältig ausgejätet. Gegen die Zeit, wo die Beſtellung des 91 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſchn. Auguſt, (294) Wintergetreides zu Ende gehet, alſo im October, werden die flanzen ausgezogen/ wobey die Vorſicht nöthig iſt, daß man ie ganz kurz an der Erde anfaſſe, damit ſie nicht zerriſſen und abgebrochen werden. Man ſchlägt die ausgezogenen Pflänzen behutſam gegen den Schuh, damit alle Erde abfalle, und legt ſie dann reihenweiſe auf den Boden nieder. Indeſſen wird das Land, wo die Pflanzen eingelegt werden ſollen, zubereitet, wel» e, die ſie beſezen muß. Die Pflanzen müſſen eber etwas zu tief, als zu boch liegen, weil der aufgeworfene Boden noch zuſammenſinkt und die zu boch liegenden Pflanzen dadurch von Erde entblößt werden. Bey langen Pflanzen iſt beſonders die Vorſicht zu gebrauchen, ſie etwas ſchief einzulegen, d. h,. in einem Winkel, deſſen Spite nicht gegen den Pflug hin, ſondern von ihm abgekehrt iſt. Die Pflanzen, oder ihre Wurzeln, ſind oft ſo lang, daß, wenn man ſie ſenkrecht legen wollte, ſie nicht tief genug in den Boden kommen würden, und bätten ſie auch bey dem Anlegen die Tiefe einer gehörigen Lage, ſo würde ſie der Pflug beym De>en doch immer etwas in die Höhe ſtoßen, Eben daſſelbe würde geſcheben, wenn man ſie zwar ſchief, aber mit der Wurzel nach dem Pflug- ſchaar legen. wollte; ſtatt daß, wenn ſie von ihm abgekehrt ſind, ſie ungeſtört liegen bleiben, indem das Streichbret ſchon einen Anbau der Feldgewächſe. Raps und Rübſen. (295) Theil der Erde auf ihren Stamm geworfen hat, noh ehe des Schaars Spitze das Ende der Wurzel erreicht. Der Boden muß der Regel nach den Stamm bis an ſeine Krone deen, Die Entfernung der Pflanzen wird durch ihre Stärke beſtimmt, und kann von 6 bis 18 Zoll ſeyn. Da die Furchen alle beſezt wer- deti, ſo kommen die Reihen einen Fuß von einander zu ſtehen. Der belgiſche- oder Stelzenpflug iſt ganz für dieſe Arbeit gemacht, weil er das Land nicht, wie die gewöhnlichen Räder- pflüge mit flachem Streichbrete, bloß nach der Seite ſchiebt, ſon- dern es in der Wölbung des ſeinigen bis zu einer gewiſſen Höhe erhebt, und über die Pflanzen hinlegt 3; dann auch, weil die Pferde an dem Pflugkamme, den man bey dieſer Gelegenheit umkehrt, ſo weit nach der Landſeite eingehängt werden könne, daß keins von ihnen in die Furche zu treten braucht, wodurch ſonſt unausbleiblich die großen Pflanzen in ihrer Lage geſtört werden würden. Die Pferde haben dabey keinen Handführer nötbig, und gewöhnen ſich leicht, längs der Furche hinzugeben. Iſt das Feld überdüngt worden, ſo folgt dem Pfluge ein Mann mit der Harke, um den Miſt ein wenig in der Furche zu ord nen, Da die Pferde es in der Arbeit nicht ſo lange augshalten, als die Pflanzer, ſo muß man zu 14 Pflanzern zwey Geſpanne bereit halten, welche mit einander abwechſeln. Mit 14 Pflan- zern und 4 Pferden, werden 2 und ein halber Morgen bepflanzt. Will man aber 20 Pflanzer und zwey Pflüge zugleich anſtellen, ſo ſind die Koſten des Verpflanzens noch etwas geringer, denn man kann alsdann ſieben Morgen in 15 Stunden Zeit beſtellen. Eine ſehr gute Vorrichtung bey dem verpflanzten Rayſe, die aber nur auf ſchmalen AFerbeeten Statt finden kann, iſt die, den Raps, ſobald er eingewurzelt iſt, und ſeine Blätter erhoben hat, mit dem Erdreiche der Furchen vermittelſt des Spatens durchzu- ſchießen, wodurch alle Pflanzen,“ die zu ſehr entblößt waren, wie- der bedeXt werden. Dadurch gewinnt auch das Winterwaſſer ſeinen Ablauf. Wenn ſchmale Aerbeete irgendwo recht nüblich ſind, ſo ſind ſie es beym Raps. Einige laſſen auch. die Walze über den verpflanzten Raps gehen; Sch werz iſt aber der Mei- nung, das dieſes nur auf äußerſt ſprödem Boden von Nuten ſeyn könne, und empfiehlt dagegen, daß es beſſer ſey, wenn die Pflanzer die Furche jedesmal etwas mit dem Fuße andrückten. Vortheilhafter und hauptſächlich noch weniger Arbeitskoſten verurſachend iſt das Verpflanzen des Rapſes mit dem Spaten und dem Pflanzenſto>e." Es ſind nehml*< beym Verpflanzen hinter dem Pfluge nur ſtarke Pflanzen mit Vortbeil zu gebrauchen, welche nur in einem gut gedüngten und wohl zubereiteten Bo den, bey einer frühen Ausſaat in der Braache gezogen werden können. Um nun des koſtſpieligen Erziehens der Pflanzen in einer gedüngten Braache, wo das Land vom Winter bis zur Mitte des Julius unbeſtellt liegen bleiben muß, und wozu, da eine beſtimmte Fläche Pflanzenbeete nur die Pflanzen zu einer noc< einmal ſo großen Fläche zum Verpflanzen giebt, viel Land erforderlich iſt, überhoben zu ſeyn, und um zugleich eine rei- nere Arbeit mit weniger Koſtenaufwand zu machen, wählten die Belgier das Verpflanzen mit dem Spaten und erfanden ſich zum Verpflanzen des Rapſes einen beſondern PflanzſtoX, eine Methode, die in jeder Rückſicht bey dem Rapſe den Vorzug verz 93 94 Bau der Feldfrüchte, 8, Abſchn, Auguſt./ (298); dient, und. daher mit Recht immer mehr und mehr Aufnahwe findet. Bey dieſer Methode iſt zum Erziehen der Pflanzen keine Braache nöthbig„' weil man. keine großen Pflanzen nöthig bat, vielmehr die Mittelſorte allen andern vorzieht. Ein Land, das in demſelben Sommer. Flachs oder verpflanz- ten Raps getragen hat, in welchem leptern Falle man bald-nach der Erndte die Rapsſtoppeln'ganz ſeicht umpflügt, oder ſcharf äufeggt, wo dann die ausgefallenen Rapsſamen. aufgeben, giebt bier die: Pflanzſchule ab, Da beide Gewächsarten das Feld. ſehr früh räumen, ſo ſcheinen ſie ſebr geſchi>t, die Vorgänger der Pflanzen zu ſeyn, die als zweyte Frucht ſtatt der Nüben und Möhren auf ein ſolches Feld kommen. Sie ſchlagen aber auch manchmal darauf fehl, namentlich auf dem Flachslande, bey ſehr troFner„Witterung 3 und. nach dem Rapſe ſelbſt, wenn ir- gend ein Zufall einen Theil der Rapsſamen ausgeſchlagen bat, wodarch ſie ſo dicht wie Gras in einander wachſen. Man, ziebt daher. in. den Jahren, wo. die Getreideerndte früber einfällt, eine gute Roggenſtoppel, beſonders wenn dem Noggen Klee vor= bergegangen war, vor. Solche Pflanzen mißrathen nicht leicht. Das beſte Land. aber für eine Pflanzſchule iſt ein Kleeland. Wird der Naps in keiner großen Augdehnung gebaut, ſo ſäet man auch den„Napsſamen mit zden Stoppelrüben aus, indem das frühere Auszieben. der Rapspflanzen den Stoppelrüben nicht. ſcha- det. Das zwiſchen den. Pflanzen ſich zeigende„Unkraut muß ſorgfältig. auggejätet werden. Das-'Verpflanzen erfolgt zu Ende Septembers, oder zu An- fang Octobers, und dieſes frühe Verſetzen trägt nicht wenig zur Erhaltung des Rapſes im Winter bey. Die Pflanzen werden denſelben Tag, wo ſie ausgezogen worden, oder doh ſobald als möglich verpflanzt. Die Zubereitung des Bodens, in welz- hen der Naps. verpflanzt werden ſoll, geſchieht folgendermaßen. Im leichten-Boden werden gegen die Zeit, wo,.das Verpflanzen vor ſich. geben ſoll, die Getreideſtoppeln aufgeeggt, und dann mit der Schleife wieder glatt gezogen, die aus der Erde geriſſe- nen Stoppeln und Unkfrautwurzeln mit Handrechen. in Häufchen zuſammengebarkt, dann auf den Karren geladen. und nach dem Stalle Hefahran Das Land. wird von neuem aufgeeggt, geſchleift und üÜberharktt; doch„da.dießmal.des Unkrautes nicht mehr ſo viel iſt, ſo begnügt man ſich, es mit dem Rechen in die Nigolen der alten Beeie zu ziehen. Nun wird kurzer Miſt aufgebracht, derſelbe in kleine Haufen geſchlagen, das Land 6 Zoll tief ge- pflügt, und der Miſt mit der Forke in die Furchen gebreitet, Mit dieſer Pflugart-wird das Land zugleich in neue Beete ge- legt, die mit den alten, worauf das Wintergetreide ſtand, ab- wechſeln, d. bh. ihre Höhen da erhalten, wo dieſe ihre Verties fungen batten. Das umgea>erte Land wird nicht geeggt. Wenn der Boden etwas ſchwer iſt, und der Raps auf Hafer folgt, ſo wird das Stoppelland zuerſt mit dem Pfluge, geſchält, geeggt, abgeharkt und ver Miſt aufgefahren. Um den Miſt unterzu- bringen, pflügt man nicht über die Länge, ſondern üver die Breite des Stü&>es her. Das Land wird geeggt und von neuem gepflügt.. Der Pflug befährt nun die Beete der Länge nach, und giebt ihnen die gehörige Geſtalt. Vor dem Verpflanzen wird nicht geeggt. Anbau der Feldgewächſe. Raps und Rübſen. (297) Wird mit dem Spaten gepflanzt, wozu jeder: gewöhnliche Spaten gebraucht werden kann, ſo nimmt jeder Vorſteher, wozu ein Mann erforderlich iſt, ein Beet vor, und ſtößt den Spaten, den er mit beiden Händen an der Krücke faßt, vier- oder fünfs mal neben einander über die Breite des Beetes. Bey jedem Stiche macht er mit dem Spaten eine Bewegung von ſich weg, und eine auf ſich zu, wodurch ſich die Oeffnung des Stiches erweitert und offen ſtehen bleibt, Darauf tritt er. rü>wärts, und ſtößt wieder ſo ein, und ſo fort, bis ans Ende des Beetes Drey Pflayzer werden erfordert, um ihm zu folgen. Sie rut» ſchen auf den Knieen vor ihm hin und legen zwey Pflanzen in jedes Loch, nämlich: in jeden Winkel. des Stiches eine. Sie- drücken mit den, Händen- oder dem Knie zwiſchen den. beiden Vflanzen den Boden ein, und befeſtigen ſie dadurch.. DasNutsz ſchen über die Pflanzen ſchadet denſelben nicht. Von drey Pflan- 22x1 ,' wozu Kinder gebraucht werden. können, baben zwey. jedes zwey Stiche zu bedienen, das dritte':nur einen, weßhalb es die Pflanzen aus der Furche nehmen und aufs Beet ſtreuen muß, vamit es keinen Aufenthalt in der Arbeit giebt. Die Pflanzen fallen ungefähr in 6-Neihen, die Neiben 42 Zoll von einander. Eiy Vorſiecher! und: drey Knaben beenden:in einem Tage 216 bis 231 Berliner NRuthen. Das Verpflanzen mit dem Pflanzſtoc>e*) geſchieht auf gleiche Weiſe, wie mit dem Spaten, nur mit dem Unterſchiede, daß man mit dem Pflanzſto>e nur einmal einſtoßen'darf.' Dä die Löcher ſich beym Gebrauch des PflanzſioXes weiter bffnen, als wenn ſie mit dem Spaten geſtoßen werden, ſo können die Pflan- zer bey der Arbeit ſtehen und die Pflanzen mit dem Fuße an- treten. Das Inſtrument iſt leichter zu führen, als der Spaten, und kann bey jedem Gewächs beym Pflanzen angewendet werden. Sobald ſich die Rapspflanzen eingewurzelt und erholt haben, wird aus den Beetfurchen etwas Erde ausgeſchaufelt und die- ſelbe um die Pflanzen geſtreuet. Wenn man von dieſem Raps eine ganz vorzügliche Erndte baben will, ſo muß man ihn wäh- rend des Froſtes mit Jauche begießen. Die Zwiſchenräume wer- den bey dem verpflanzten Naps im Frühjahr beharkt. Das Verpflanzen gewährt riicht nur den Vortheil, daß der Raps minder leicht im Winter leidet, als wenn. er breitwürfig geſäet wird, ſondern er giebt auch einen um ſo höheren Ertrag und iſt dem Erdfloh minder auggeſett. Cin vorzüglicher Vorz theil iſt es aber, daß beſonders bey dem Pflanzen mit dem Spa» ten oder mit dem Pflanzſto>e keine Braache nothwendig iſt, und daß man, da das-Verpflanzen ſpäter, als das Säen- erfolgt, den Boden mebr anderweitig benutzen kann. Jn Gegenden ,/.wo ein ſtarker Kartoffelbau Statt findet, wird das Verpflanzen, da es in die Kärtoffelerndte trifft, ſehr erſ iſt abgebildet in S< worz Belgiſcher Landwirthſchaft Band 1. Taf 7. Fig. 5. und beſchrieben Band 2, S. 160,; auch Eucyklop« Bd. 4. S..184>- Taf. RV. Fig. 9% 95 96 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (298) arbeitet ihn mit der'Pferdeha>e mehrmals, und behauptet, daß er dadurch gegen die Winternäſſe und den Froſt am beſten ge- ſichert ſey. Einen genauen Verſuch theilt hierüber Schwerz im 2ten Bande ſeiner belgiſchen Landwirthſchaft S. 163 u. f. mit. Es wurde die Noggenſtoppel eines zeitig gehauenen Rog gens, während noct. Die Winterfeuchtigkeit konnte auf die- ſen Käminen nicht ſtehen bleiben, der Schnee blieb dagegen in den Furchen, und ſchüßt die Wurzel und den Stamm der Pflanze vor dem Froſt. Das Behäufeln im Frühjahr hatte zur Abſicht, den Pflanzen wieder friſchen Erdboden zu geben, und die Stämme ſpäterhin gegen Windſtöße zu befeſtigen. Dieſer Verſuch lohnte über alle Erwartung. Nach einer Vergleichung der Unkoſten und des Reinertrags des gedrillten und gepflanzten Rapſes ſtellt NU 3 überwiegender Vortheil auf die Seite des gedrillten apſes. "Ehaer ſagt im 4ten Bande ſeiner rationellen Landwirth- ſchaft S. 160. über das Drikien des Rapſes Folgendes:„„I< kenne die Methode, den Raps in Reiben zu ſäen, nach langer Erfahrung, und ich werde wabrſcheinlich nie Raps zum Samen auf eine andere Weiſe bauen, Ich ziehe mit dem Marqueur Fur- e angehäuft. Der Hedrich in den Reiben wird, wenn er in die Blüthe tritt, ausgerauft; anderes Unkraut iſt ſelten da, Zweymal vor Winter anzuhäufen, babe ich nicht nöthig gefun den, es kann aber nüblich ſeyn. Auch war weder Verdünnen, noc< Nachpflanzen nöthig. Der Raps iſt durch die angehäufte Erde gegen die Gefahr, vom Froſte aus der Erde gehoben zu werden, und durch die Furchen, welche der Anhäufelungspflug macht, gegen alle Näſſe geſichert, wenn das Feld anders gehö: rigen Abzug hat. J< glaube alſo, daß er auf keine Weiſe im Winter verunglücken könne, Jm Frühjahr, ſobald die Pflanzen zu treiben anfangen, wird er wieder angebäuft, Man hat einen iemlichen Spielraum für die Zeit der Ausſaat von Anfang July is zur Mitte Auguſts, Man balte den Acer fertig und nehme dann eine gerechte Zoit der Ausſaat wahr, damit die Pflanzen m ſo ſchneller hervorkommen und gegen den Erdfloh geſichert ſeyen. Der weiten Entfernung der Saatreihen ungeachtet, ver- breitet ſich der Naps ſv ſtark mit ſeinen Zweigen, daß das Feld ſo dicht als möglich geſchloſſen iſt,“ Spezerey- und Gewürzpflanzen, Der Safran, Crocus sativus. Der Safkan iſt ein Zwiebelgewächs, mit unten etwas abge» platteter Zwiebel, von welcher bräunliche Wurzelfaſern ausgehen. Dieſer ächte oder zahme Safran, deſſen Vaterland die hohen Ge- birge des ſüdlichen Europas, des nördlichen Afrikas und des nordweſtlichen Theils von Aſien ſind, iſt nicht mit dem ſvoge- nannten Frühlingsſafran, Crocus(Crocus vernus), der auf den Gebirgswieſen des ſüdlichen Deutſchlands im bumoſen Boden wild wächſt, zu verwechſeln, Von dem zahmen Safran giebt die Narbe der Blüthe den ſogenannten Safran, der ſowohl als Gewürz, als auch als gelbfärbendes Material gebraucht wird, wogegen die geruchsloſe Narbe des Frühlingsſafrans nicht zu ge- brauchen iſt, und er daher nur als Zierpfianze in den Gärten gezogen wird, „Der zahme Safran, yon deſſen Cultur wir hier handeln, wird in Deutſchland, hauptſächlich in Oeſterreich gebaut, und der Öſterreichiſche Safran iſt nicht nur der vorzüglichſte in Deutſch: land gebaute Safran, ſondern derſelbe kommt auch an Güte dem ausländiſchen gleich. ' brkiig Kraut des Safrans kann als Viehfutter verwendet verden. Wahl des Bodens und des Climas, Der Safran kommt faſt in jedem Boden fort, wenn derſelbe nur nicht zu arm an Humus, rein von Unkraut, nicht zu ſandig, oder zu gebunden, nicht zu naß iſt, und eine ebene, oder gegen Mittag etwas abhängige Lage hat, und vor den rauhen Winden geſchütßt iſt. Auch muß der Boden eine ſolche Lage und Beſchaf- fenheit haben, daß er vollkommen entwäſſert werden kann, weil 97 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (300) bey großer Feuchtigkeit die Zwiebeln, des Safrans leicht faulen. Moor oder. Torfboden, und jeder. Boden, der eine ſoler und rein von Unkräaur binterlaſſen. Vorzüglich geräth er aber nach Klee und behac>ten Früchten. Einige nehmen auch vor dem Säfran eine Wickengemengefrucht, und wird der Boden nur bald nach Abbringung derſelben umgebrochen, ſo thut dieß dem Safran keinen Eintrag. Nach dem Safran- kann jede Frucht, ſelbſt Weizen gebaut werden, indem er, da er nicht zum Samentragen kommt, den Reichthum des Bodens nicht ſehr erſchöpft, er müßte denn lange Zeit auf demſelben Platze ſtehen bleiben. Auswahl und Neinigung der Säfranzwiebeln, und Legen derſelben, - Der Safrati wird nicht durch ſeine Samen, ſondern durch die Zwiebeln, die er biüidet, die man auch Kiele nennr, fortge- pflanzt; indem die Blüthen. nicht zum Samentragen gelangen, ſondexn deren. Narbe der Ertragsgegenſtand des Safrans iſt. Man wählt zum Legen die mittelgroßen Zwiebeln, vermeidet aber dabey; die langgeſpivten zu wählen. Die von Inſecten an- gefreſſenen, gefaulten, beſchädigten, oder von ihren Häutchen"bis auf das weiße Fleiſch enthlüößten Zwiebeln taugen nicht zur Fortpflanzung."Die Zwiebeln müſſen. vor dem Legen'von allem Unrath, den alten Häuten, von der Mutterzwiebel und allen Faſern gereinigt werden; auch muß das Plättchen an der untern Seite, nach' deſſen Wegnahme ſich eine Vertiefung zeigt, abge- löſt werden. Das gebörige'Abputzen der Zwiebeln iſt von großer Wichtigkeit, indem es zum Gedeihen des Safrans weſentlich vey- trägt; man muß aber dabey ſehr vorſichtig zu Werke gehen, da- mit die eigentlichen Häute der Zwiebel nicht beſchädigt werden. Die Zwiebeln vermehren ſich berrächtlich, denn jede derſelben bringt. in 6 Monaten, von der Zeit des Legens an, bis zum künfrigen Frühjahr, 2 bis 4 neue Zwiebeln ,. wobey jedoch die Mutterzwiebel zu:Grunde gebt: Das Augsnehmen der Zwiebeln erfolgt eher, als ſie gelegt werden, und ſie müſſen daber, damit ſie in dieſer Zwiſchenzeit nicht vom Schimmel ergriffen werden, auch ſonſt nicht leiden, auf einem rroFnen, luftigen Boden, dünn aufgeſdyürtet/ aufbewahrt werden. "Das' Legen, der Zwiebeln geſchiebt folgendermaßen. Man theilt mittelſt einer Gartenſchnur jedes Beet in Reihen, die drey bis vier Zoll von einander kommen: Auf jedem Beete wird ein Mann mit einer nach unten gleichmäßig breit zugehenden Hade, einer Nadehaue gleich, angeſtellt, der in der beſtimmten Reihe den Boden 6 Zoll tief aushebt, ſo daß eine 6 Zoll tiefe Ninne entſteht ,/' und denſelben an den Nand des Beeies thut. Hinker jedem Hauer geht ein Leger, welcher die Zwiebeln in einem Hand- korbe hat, legt dieſelben in einer Entfernung von 3 Zoll von einander, und drückt ſie etwas in die eine Seitenwand der Rinne,' und nach unten zu etwas an. Man muß die Zwiebeln Fenau in die Lage bringen, daß die ſpitzigen Enden nach oben kommen, weil die Wurzelbildung an dem. abgeplaiteten Theile der Zwie: beln erfolgt. Wenn nun eine Reihe gelegt iſt, ſo fängr der 100 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſchn. Auguſt. (302) Hauer die zweyte Reihe an, bede>t die gelegten Zwiebeln mit dem ausgehauenen Erdboden in der erſien Rinne, u. ſ. f. Das Legen der Safranzwiebeln erfolgt um die Mitte Auguſts, und man muß dazu einen Zeitpun& wählen, wo der Boden weder zu troden, no< zu naß iſt. Um die Plantage vor dem Ueber- ſchwemmen bey plößlichen Gußregen, welches den Pflanzen böchſt nachtbeilig iſt, zu ſichern, muß man das, Safranfeld mit tüchti- gen EUERE verſehen, durch welche das Waſſer ſich ſchnell ableitet. 7 Vegetation der Feldgewächſe, Behandlung während der Vegetation und Beſchüßung"vor Unfällen. Das Heidekorn, Vegetation und Behandlung während der Vege: tation. Unter unſeren Feldgewächſen hängt das Gerathen keines des- ſelben ſo ſehr von der Witterung ab, als das des Buchweizens. Da er ſehr ſchnell wächſt und ſeine Blüthe ſich ſebr ſchnell ent- wickelt, ſo iſt die Friſt der günſtigen Witterung, die ſein Geraz then entſcheidet, nur auf einige wenige Tage beſchränkt, und wenn. in dieſen ihm nachtheilige Witterung eintritt, ſo vermag die ſonſt ſeiner Vegetation am meiſten zuſagende Witterung die erfolgten Nachtheile nicht mehr auszugleichen. Es iſt hier je- doh nur vom Körnerertrage die Rede, denn im Stroh geräth der Buchweizen bey nur einigermaßen feuchter und warmer Wit- terung immer gut, wogegen der Körnerertrag oft bey dem Üppig= ſten Buchweizen höchſt unbedeutend iſt. Die Hauptmomente, worauf es beym Wachsthum des Buchweizens ankommt, ſind folgende: Der Buchweizen geht zwar auch bey ſehr trv>ner und warmer Witterung bald auf, doch befördert eine mäßig feuchte und. warme Witterung ſeine erſte Ausbildung ſehr. Kälte und naſſe Witterung bält ihn im Wachsthum ſehr zurü&F, und der in ſolcher Witterung aufgegangene Buchweizen giebt ſelbſt eine geringere'Stroherndte, weil er weniger Aeſte treibt, und weniz: ger hoch wird. Hat jedoch der Buchweizen ſein drittes Blatt entwickelt, ſo verlangt er einen warmen Liegen, damit er ſich gebörig in Aeſte ausbreiten und ſeine Blätter entwickeln kann, ebe die Blüthe austreibt, welche ſehr bald nachfolgt. Die Blüthe iſt von verſchiedener Farbe, bald gelblich oder bläu- lich weiß, bald blaß, oder mehr hochrotb, und giebt den Bienen eine ſebr willkommne Nahrung. Man hält es in vielen Gegen= den dafür, daß es in Abſicht auf das Gerathen des Buchweizens beſſer ſey, wenn er weiß blühe; ich weiß jedoch Beyſpiele vom Gegentheil. Die Blüthenzeit dauert über 14 Tage, aber nur von dem reichlichen Anſatze der erſten Blüthe hängt der vollz kommne Körnerertrag ab. Die Witterung, welche den Körner» anſatz der Blüthe begünſtiget, muß abwechſelnder Regen mit warmem Sonnenſchein ſeyn. Anhaltendes Regenwetter, beſon- ders wenn es kalt dabey iſt, iſt der Blüthe ſchädlich, weil die dadurch in ihr enthaltenen Samenkörnhen taub bleiben. Der: ſelbe Fall iſt es bey anhaltender Dürre, und bey ſcharfen Oſt- Vegetation der Feldgewächſe. Der Kohl, 101 (303) winden tro>net die Blütbe zuſammen, ohne anzuſehen. Auch das Wetterleuchten ohne Negen und der ſtark elektriſche Zuſtand der Luft ohne Regen während der Blüthe, ſelbſt wenn einige Zeit darauf Negen erfolgt, wirken nachtheilig auf das Anſetzen der Körner. Einige bezweifeln. dieß zwar; ith habe jedod) nach mebrſeitiß angeſtellten Beobachtungen Urſache, es zu glauben, Ein Gewitter", ſobald es nur mit Regen begleitet iſt, ſchadet dagegen dem Anſeßen der Blüthe nicht. Sobald die Blüthen abgefallen ſind, zeigen ſich hellgrüne, dreye>kige, dem Buche>er= ſamen ähnliche Körner, die in kurzer Zeit eine dunklere Farbe annehmen, und gegen die Zeit der Neife ſchwarzbraun werden. Um die Zeit der Reife verlangt der Buchweizen tro>ne Witte- rung. Sonſt bedarf der Buchweizen weiter keine Pflege; denn ſobald er nur ſeine Blätter entwickelt hat: ſo beſchattet es den Boden ſo ſtark, daß kein. Unkraut auffommt. Ein Erbfeind des Buchweizens iſt der Hedrich, der ſich ſchneller entwickelt und den Buchweizen nicht ſelten ganz unterdrüEt." In einem Boden, der viel Hedrich enthält, iſt alle Mühe vergeblich, dieſes Unkraut aus dem Buchweizen herauszubringen, und es iſt dann anzu- rathen, den Buchweizen ſammt dem Hedrich, vor dem Anſetzen der Samen, als grüne Düngung unterzupflügen, oder“ ſie zu Heu zu machen. Kohl-, Wurzel- und Knollengewächſe. Der Kohl. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation. Man muß einen erforderlichen Vorrath von Pflanzen im Pflanzenbeete zurückbehalten haben, um davon die eingehenden Pflanzen ergänzen zu können, deren Anzahl bey der großen Wär- me und Trockniß, die in der vorgerückten Jahreszeit, wo das Kraut angepflanzt wird, oft ſehr beträchtlich iſt. Etwa in 3 bis 4 Wochen, und wenn ſich das Unkraut ſtark zeigt, auch noch frü: ber, wird das Kraut zum erſtenmale beha>t, Bey dieſem erſten Behac>ken wird hauptſächlich die Vertilgung des Unkrautes und die LoFerung des ſich, beſonders wenn bey dem Verpflanzen ge- goſſen worden iſt, feſtgeſetzten Bodens, bezwe>t. Man muß dabey ſehr vorſichtig ſeyn, daß die Pflanzen nicht aus ihrer Stellung gerü>t werden, weil ſie dann leicht eingehen. In ei- nigen Gegenden pflegt man auch, beſonders bey trockner Witte- rung, bey dem erſten Beha>en, die Pflanzen mit verdünnter Miſt- jauche zu begießen, und die Wirkung davon iſt auf das Wachs- thum der Pflanzen ſehr groß. Dieſes Begießen- geht ſehr ſchnell von Statten,. Es wird das gefüllte Jauchenfaß aufs Krautfeld gefahren, die Jauche in einen Zuber gelaſſen und den Gießern nachgetragen, die dieſelbe mit Töpfchen ausſchöpfen und an die Pflanzen gießen. Dieſe Operation findet zu einem Zeitpuncte Statt, wo man mit andern landwirtbſchaftlichen Arbeiten nicht Überhäuft iſt. Wenn man keinen außerordentlichen reichen Bo» den hat, und wenn man nicht ſtark genug zum Kraute düngen konnte, dann iſt das Begießen des Krautes mit Jauche beym erſten Beha>en ganz beſonders zu empfehlen z denn der dadurch verurſachte Arbeitsaufwand und die dazu verwendete Jauche 102 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſ bekommen, iſt ganz'ungegründet. Das zweyte Beha>en erfolgt gewöhnlich vor dem Beginnen der" Getreideerndte; um in dieſer durch keine anderweitigen Ar- beiten abgehalten zu werden: Bey dieſem Behacken wirv ſo viel Erde. als. möglich um„den'Krautſtrunk angehäufelt. Dieſes Be: bäufeln“befördert den Ertrag des Krautes ſehr weſentlich; denn der'mit Erde bede>te«Theil des Strunkes ſchlägt Seitenwurzeln aus, und es werden dadurch nicht nur der Pflanze.mehr Nah- xungstheile zugeführt, ſondern die Nahrungstheile/ die die ſich wenig“ verbreitenden Wurzeln nicht weit ſuchen können, werden durch das Bebäufeln um ſo mehr concentrirt, und kommen den Wurzeln um ſo gewiſſer zu gute, Bey tro>ner Witterung- und in dem weniger feuchten Boden, muß das Behäufeln des Kraus= tes in mehr breite, als hobe Kämme erfolgen, weil der Boden in ſpizen Kämmen zu“leicht austro&net;.im naſſen Boden und bey feuchter Witterung iſt dagegen das Behäufeln in mehr ſchmäte und ſpive Kämme. zu empfehlen. Hat man den Kohl in regelmäßigen Reihen gepflanzt; ſo kann man auch die Reihen mit dem Schaufelpfluge durchfahren, wodurch zugleich auch das Behäufeln beſorgr wird. Man muß dann aber. nichts deſtoweniger erſt die Neihen," in welchen die Pflanzen ſtehen, beha>en; und das Unkraut in dieſen heraus- zieben, weil dieſen Theil des Landes der Schaufelpflug nicht 1o0&ert, und auch derſelbe das Unkraur nicht herausbringtr, ſon- dern nur verdeXt. Man muß bey dem Schaufeln darauf ſehen, daß Feine Krautpflanze mit Erde überworfen" wird, weil ſie dann leicht fault, und kommt der Erdboden in das Herz der Kraut«- pflanze/ ſo ſchließt der Kopfkohl keinen ordentlichen Kopf. Der Kohl liebt zu ſeinem Gedeiben eine mehr feuchte, als tro>ne Witterung, beſonders liebt er es, wenn er bal) nach dem Verpflanzen einen mäßigen Regen bekommt ,/ damit er um ſo ſchneller einwurzelt:'Auch nach dem zweyten Beha>en verlangt er feuchte Witterung, damit er ſich um ſo ſchneller augbreiten und das Unkraut unterdrüXen könne. Bey ſehr feuchter Wirte» rung wächſt zwar der Kohl ſtärk in die Blätter, er fault aber auch dann ſehr leicht, und ſchließt weniger und minder feſte Köpfe. In'ſehr tronen Jahren treibt der Kobl weniger Blätter, wird kleiner, viele Pflanzen ſchließen ſich gar nicht in Köpfe, ſondern werden Schalke, und diejenigen, welche ſich ſchließen, bilden nur kleine Kopfe: Dieſe Köpfe find zwar gewöhnlich ſehr derb; allein ſie ſind doch nicht ausgiebig genug. Die Hauptaus« bildung der Köpfe erfolgt erſt im Herbſt, wenn die Tage kürzer, die. Nächte kühler) und- die Atmoſphäre feuchter werden. Der Kobl wächſt bis zu Ende Octobers. Ein ſehr tro>ner Herbſt iſt ſeiner vollkommenen Ausbildung hinderlich. Gefährliche Feinde; die im den Kopfkohlpflanzungen oft große Verheerungen anrichten ,' ſind die Naupen. Man bat kein gänz ſicheres Mittel zur Vertilgung und Abpaltung derſe!ben. Scwe- feldämpfe ſollen dieſelbzir« vertilgen 3 allein die Anwendung der- ſelben iſt rmanchen Schwierigkeiten unzerworfen. Auch das Bez faen der Ränder des, Krautfeldes mit Hanf, deſſen Geruch die kee PEI VE Reg elne; SIRI SE I a Zia e en a(in. ', Vegetation der Feldgewächſe. Die Kohlrübe, 103 (305) Vögel aus einer weiten Entfernung an ſich zieht, die die Kraute- raupen verzehren, trägt zu ihrer Vertilgung bey 3; ſind aber die Raupen in ſehr großer Anzahl vorhanden, ſo hilft auch dieſes Mittel nicht viel, In der Nähe von Obſtbäumen und Heken, leidet das Kraut von den Raupen mehr, als im freyen Felde. Mebhlthau und Blattläuſe beſonderer Art fügen dem Kohl manch- mal großen Schaden zu, ſo wie auch mancherley Würmer und die ſogenannten Engerlinge die Wurzel des Kohls benagen. Alle dieſe Uebel finden ſich in tro&nen Jahren und in einem mehr tro>nen Clima am häufigſten.;; Das Abblatten des Kohls darf nicht eher erfolgen, als bis er von ſelbſt anfängt, die Blätter abzuwerfen, oder dieſelben gelb werden, wenn es nicht auf Unkoſten ſeiner vollkommenen Aus- bildung geſchehen ſoll. Dieſe Blätter werden von dem Vieh nicht ſehr geachtet, welches zu dieſer Zeit noch anderweitiges grünes Futter hat, und ſie geben auch der Butter einen unangenehmen Geſchma&>. Man empfiehlt es mehrſeitig, den Kohl nach dem Abblatten noch einmal zu beha&Fen, wo er dann neue Blätter hervortreibt. Einige Staudenkoblarten zeichnen ſich dadurch aus, daß ſie ohne Nachtheil mehrmals abgeblattet werden können, und dadurch eine beträchtliche Maſſe ſehr guten Futters zu ver- ſchiedenen Zeiten geben.; Die Kohlrübe, Vegetation und BEP EN LIENS während der Vege- DATON<< 4 Die Kohlrüben kommen ,/ in Hinſicht der Behandlung wäh rend der Vegetation, den Runkelrüben gleich. Viele behandeln ſie auch wie das Kraut,.neben welchem ſie gewöhnlich ihren Platz haben. Das Behäufeln der Koblrüben iſt weſentlich nöthig, wenn ſie nicht an dem über der Erde ſtehenden Theile ſehr hol- zig werden ſollen. Man muß jedoch dabey vorſichtig verfahren, damit die Blätter nicht mit Erde Überſchüttet werden. Man beha>t daher die Kohlrüben nicht ſo hoch, als das Kraut. Ein öfteres Beha>en der Kohlrüben iſt deßhalb ſehr nöthig, weil ſie “ mit ihren Bläitern den Boden nicht ſo volltommen beſchatten, daß es dem Unkraute nicht vergönnt wäre, in den Zwiſchenräu- men aufzuſchießen. Das Begießen der Kohlrüben mit verdünn- ter Jauche während der Vegetation befördert ſehr ihr Wachs2- thum. Man kann«die Reihen auch mit dem Scaufelpfluge durchfahren; man muß denſelben aber möglichſt flach ſtellen, weil die Koblrüben in den hohen Kämmen zu wenig Feuchtig= keit“ zu ihrem Gedeihen finden. Nur bey ſehr naſſer Witterung und in naſſem Boden iſt es zu empfehlen, höhere Kämme zu machen; wobey-aber darauf Rückſicht zu nehmen iſt, daß der Kamm oben nicht zu ſpitz wird, weil ſonſt das Kraut verſchüt- tet wird, und die Rübe leicht von der zu flachen Bede>ung mit Erde entblößt werden kann. Die Witterung, welche dem Kraute günſtig iſt, befördert auch das Wachsthum der Kohlrüben, Sy wie die Krautblätter, ſo leiden„auch die Kohlrübenblätter durch Raupen und anderes Ungeziefer. Den ſehr ſüßen Kohlrüben ſtellen auch die Mäuſe nach, die ſie oft ganz aushöhlen. In der Mitte Septembers können die Blätter ohne Nachtheil abgez nommen werden z ſie geben ein ſehr gedeihliches Viehfutter. Sehr VIII. 20 104 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt, (306) gedeihlich iſt es den Kohlrüben, wenn ſie noch dem Abblatten noch etwas behäufelt werden. . Die Sqatrübe, Vegetation und Behandlung während der Vege» tation. Das Gedeihen der Saatrüben hängt davon ab, daß, wenn der Boden durch vorbergegangene naſſe Witterung nicht Feuch» tigkeit genug bat, bald nach der Saat eim mäßiger Regen folgt. Sie treiben dann ſehr bald empor, und entwi>eln ſchnell ihre Blät- ter. Fällt dagegen nach. der Saat große Dürre ein, ſo keimen die Samen gar nicht, odev der Keim vertro>net. Es bleibt dann weiter nichts übrig„+ als eine neue Saat zu machen, wenn es bey den Stoppelrüben nicht ſchon zu ſpät iſt. Außer dem Ent- behren des Futters iſt der Verluſt dabey nicht beträchtlich, denn der verwendete Same koſtet nur wenig, und die gegebene Feld» beſtellung kommt einer andern Frucht zu gute, Haben die Nüben einmal ibre Blätter entwi>elt, ſo- haben ſie ſich auch bereits feſt eingewurzelt. Gewöhnlich läßt man den Rüben nach der Saat gar keine weitere Pflege angedeihen, man verdüunt ſie nur dort, wo ſie zu dicht ſtehen.“ Stehen. die Aüben dann nicht gleichinä: ßig dicht genug, ſo daß ſie mit ihren Blättern den Boden nicht genugſam beſchatten, ſo verwildert das Land, und wird durch das austreibende Unkräut erſchöpft. Es pflegen zwar einige das Unkraut zwiſchen den Rüben auszuraufen, aber gewöhnlich ſteht in dieſem Falle der Ertrag der Rüben in keinem Verhältniſſe zu den Koſten des Jätens. In England und auch in einigen Thei- len Deutſchlands, in lezterm aber nur beym Anbau im Kleinen, und zwar bauptſächlich nur zur Speiſung für Menſchen, beha>t man die Rüben 3; aber dieſes Behaen, obwobl es den Nüben ſehr wobl bekommt, würde wohl in den meiſten Verhältniſſen beynr Anbau der Rüben auf größern Flächen zu koſtſpielig ſey1, und man würde auch, ſowohl bey den Braachrüben, als bey den Stopyelrüben, nicht genug Arbeiter dazu verwenden können z;' in- dem das Beha>en der erſtern in die Geireideerndte fiele„/das der letztern zu einer Zeit Statt finden würde, wo man“ mit andern Feldarbeiten und mit dem Samendruſch vollkommen beſchäftigt iſt. In England, und auc in einigen Theilen im Elſaß, wo die Nüben beha>t werden, hält man es für weſentlich nöthbig zum Gedeihen derſelben, daß dex Erdboden um ſie herum wegs geha>t wird, ſo daß ſie von Erde entblößt, nur mit dem untern Theile der Wurzel im Erdboden befeſtigt, gleichſam in einem Bes >en ſtehen, und vom Winde leicht hin und'her bewegt werden kön= ten. Die ſv von Erde entblößten Nüben erholen ſich in einigen Tagen, und wachſen dann um ſo freudiger. Der um die Rüben weggenommene Voden wird in die Zwiſchenräume der Pflanzen verbreitet und damit das Unkrant überde>t und erſti>t.„Bey eitig geſäeten Nüben wird dieſes Behacken noch einmal wieder» holt, Es gehört zu dieſem BehaFen der Rüben eine beſondere Geſchi>lichkeit und Fertigkeit, damit die Pflanzen nicht beſchs- digt werden. Mat? verdünnt dabey auch die zu dicht ſtehen= den Pflanzen, und läßt deren ſoviel ſtehen, daß ſie mit ihrem Laube die Statt findenden Zwiſchenräume vollkommen über-= ſehaiten;.| Vegetation der Feldgewächſe. Die Saatrübe. 105 ;(307) Wenn auch nicht ganz denſelben Vortheil gewährend, aber den Verhältniſſen der deutſchen Landwirthſchaft entſprechender und minder koſtſpielig und leicht ausführbar, iſt das Eggen der Rüben, ſobald ſie ibr Kraut genugſam entwickelt und ſich feſt eingewurzelt baben. Dieſes, Eggen, welches in den Niederlanden gebräuchlich iſt, wird allgemein ſehr empfohlen. Nach einiger Zeit wird das Eggen wiederholt. 5 Burger ſagt im zweyten Bande, ſeines Lehrbuchs der Land wirtbſchaft über das Eggen der Nüben Folgendes:„Das Verfah- ren der; Niederländer, die Rüben, ſtatt zu beha>en, zweymal zu Übereggen, hat nach meinen eignen, nun ins-8. Jahr fortgeſet- ten Verſuchen ſo große Vorzüge ,„ daß es allgemein nachgeahmt zu Werden verdient. Sobald die Rüben ſechs Blätte? haben, und ihr Kraut eine Hand lang iſt, werden. ſie mit der gew öhnlis hen viere>igen Egge, die im Winkel gezogen wird, übereggt, wobey allerdings eine Menge von Pflanzen zerſtört wird, was äber nothwendig iſt, weil ſie ſonſt zu dicht geſianden ſeyn würz den. In 8 oder 10 Tagen wird dieſes Eggen wiederholt,“ Nach Se durchfahren, wodur< das Unkraut ganz dicht an den Reihen der Nübenpflanzen abgeſchnitten und zus: gleich die Sohle des Zwiſchenraums gereinigt wird. Unmittelbar nach dem Durchfahren mit der Pferdeha>e, werden Leute mit Handbacken angeſtellt, welche die in den Reihen zu dicht ſtehen= den Rüben verdünnen, und den Boden von den Rüben etwas abzieben. Dieſe Arbeit gebt bey den auf Kämmen ſich befindli- en, Zeigt ſich nachher noch viel Unkraut*ſy wen: det man die Pferdehac>ke nod) einmal an, außerdem bedarf es nur einer zweyten Bearbeitung mit der Handba>e, wenn die Furchenrücken geebnet werden. Manchmal iſt ein drittes Beha- &en erforderlich, welches jedoch ſehr flüchtig erfolgt. Zulett wendet man noh einen kleinen Pflug mit zwey Streichbretern 20* 106 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (308) 1 an, um die Erde an den Pflanzen änzuhäufeln. Die auf dieſe Weiſe behandelten Rübenfelder ſind vollkommen rein von Unkraut und gewähren den Anblick eines gut cultivirten Sartens, Wo der Boden vollkommen tro>en und ſehr gut zubereitet worden iſt, haben mehrere Landwirthe in neuern Zeiten den kleinen Pflug nicht mehr angewendet, und den Raum zwiſchen den Reihen bloß mit der Pferde--und Handha&e rein erhalten. Wird aber der Boden entweder durch Quellen durchnäßt, oder iſt er:ſo eben, daß das auf der Oberfläche angeſammelte. Waſſer keinen guten Abfluß hat, ſo iſt es immer zwed>mäßig, noch zuletzt die Rüben anzuhäufen z auch iſt es immer nüblich, die Furchen mit dem Pfluge auszuſtreichen, ſobald Que>en und anderes Unkraut vor der Saat nicht gehörig ausgebracht worden ſind.“ Während der Vegetation ſind die Erdflöbe den Rüben ſehr gefährlich. Die zeitig geſäeten Braachrüben leiden zwar mehr davon, doch ſind die Stoppelrüben bey tro&nen Nachſommern auch nicht verſchont. Nächſt den gewöhnlichen Mitteln zur Ab- haltung des Erdflohes, nämlich daß man Ruß, Kalk und Aſche unter den Samen miſcht, empfiehlt man auch folgende Mittel 2 Man nimmt zur gleichen Hälfte ältern und ganz friſchen Samen, weicht von» jedem die Hälfte 3 bis 4 Stunden in Waſſer ein, miſcht dann den eingeweichten und uneingeweichten Samen zuU= ſammen und ſäet ihn aus. Da nun dieſe verſchiedenen Samen früber oder ſpäter keimen, ſo hat man eine vierfache Saat, und die Ausſicht, daß wenigſtens eine der Saaten vor der Verheerung durch den Erdfloh geſichert iſt. Ein anderweitiges Mittel beſteht darin, daß man unter den Rübenſamen eingeweihten Radis8chen- ſamen mengt, und ihn mit dieſem ausſäet, indem man gefunden hat, vor der Erdſloh das Kraut der Radischen den der Rüben vorzieht. Nächſt dem Erdfloh iſt auch eine kleine Schneenart den Rüben zefährlich, und man empfiehlt, um dieſelben zu vertilgen, das Nübenfeld, wenn die Nüben noch nicht ſehr berangewachſen ſind, in der Nacht zu walzen.“ Auch werden die Rüben„- wenn ſie ſchon mehr herangewachſen ſind, von einer Raupenart heim- geſucht, die das Kraut abfrißt. Gegen Michaelis zieht man die kleinen Rüben zu Futter aus, wenn die Rüben etwas dicht ſtehen, läßt aber die andern bis zur Erndte im Lande. Die Kartoffel. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation, So. mannichfaltig die Art und Weiſe der Fortpflanzung der Kartoffeln und das Legen derſelben iſt, ſo mannichfaltig iſt auch die Behandlung während der Vegetation, und es herrſchen über die Vorzüge der einen oder der andern Behandlungsart die ver- ſchiedenſten Meinungen, die allerdings auf manche Localverhält- niſſe gegründet ſind. Alle Behandlungsarten bezwecen, während der Vegetation der Kartoffeln, eine LoFerung des Bodens, Ver- tilgung des aufkeimenden Unkrautes, und als den Kartoffeln bes ſonders zuträglich, das Anbäufeln derſelben. Wir wollen hier einige der verſchiedenen Behandlungsarten, um dieſe Zwecke zu erreichen/ anführen. Vegetation der Feldgewächſe, Die Kartoffel, (3069) Das Behandeln der Kartoffeln mit Handwerk- - zeugen.: Wenn die Kartoffeln mit dew Spaten, mit der Handhak>e, oder mit dem Pfahl gelegt worden ſind, ſo werden ſie während ihrer Vegetation nun mit den Handwerkzeugen behandelt, Sie ſind dann gewöhnlich in abgetheilte Beete, in Neihen quex über die Beete gelegt, ſo daß die Bearbeitung mit Geſpannwerkzeu- gen nicht Statt finden kann. Das gewöhnliche Verfahren bey der Behandlung mit den Handwerkzeugen iſt dann Folgendes: Da die Kartoffeln oft, wenn die Witterung tro>en iſt, erſt in 4 Wochen aufgehen, ſo findet ſich in dieſer Zeit gewöhnlich viel Unkraut ein. Dieſes Unkraut wird, wenn die Kartoffeln nicht beraus ſind, durchs Jäten weggeſchafft, weil man die Handhad>e nicht in Anwendung bringen kann, da man die Plätze, wo die Kartoffelkeime zum Vorſchein kommen werden, nicht genau wiſ- ſen kann, und die Keime leicht beſchädigen könnte. Gewöhnlich wartet man aber mit der Wegſchaffung des Unkrautes, bis die Kartoffeln ganz heraus ſind, wo man es dann mit der Hand- hae vertilgt, wobey zugleich der Boden um die Pflanzen herum gelo>ert und angehäuft wird. Einige pflegen auch die Kartoffeln, ſobäld ſie mit ihren Spiken herauskommen, mit Erdboden, der aus den Furchen zwiſchen den Beeten ausgeſtochen wird, zu Üüberwerfen, ſo daß die emporgekeimten Kartoffelſpißken und das Unkraut bede>t werden. Nach mehrſeitigen Beovachtungen geben dergleichen überworfene Kartoffelpflanzungen, die in der Folge noch beha>t und behäufelt werden, einen größern Ertrag, als diejenigen, die unter dergleichen Verbältniſſen gelegt, nicht über= worfen worden ſind. Durch das Ueberwerfen wird nicht nur eine größere Menge fruchtbarer Erde über die Kartoffeln gebracht, die ſonſt ungenützt in den Beetfurchen geblieben wäre, aus wel: ner Witte: rung, iſt das wiederholte Bebäufeln nicht onzurathen, weil da- durch der Boden zu ſehr der den Kartoffeln zu ibrer Ausbildung nöthigen Feuchtigkeit beraubt wird. In dem mehr bindigen Bo- den iſt ein wiederholtes LoXern und Behäufeln der Kartoffeln ſehr zuträglich. Jm leichten und tro&nen Boden behäufelt man die Kartoffeln nicht ſehr hoch, weil dieſer in bohe Kämme auf- geha>te Boden zu leicht austro&net. Im mehr bindigen und emhaten Boden macht man beym Bebaden die Haufen höher und ſpitiger, weil dann die überflüſſige Feuchtigkeit um ſo leichter austroFnet. Man muß zu dem Behäufeln einen Zuſtand 107 Bay dey Feldfrüchte, 8, Abſchn, Auguſt. (340) des Bodens wählen, 4vo derſelbe nicht zu naß iſt, am beſten kurz vox einem Regen. Dieſe-Art, die“ Kartoffeln zu behandeln, findet gewöhnlich nur beym Anbau im Kleinen Statt z beym Anbau der Kartoffeln in großen Flächen, halten ſie die meiſten Landwirthe für zu Eoſtſpielig, ſo wie es auch in vielen Verhältniſſen an den zu dies ſer Arbeit nöthigen Arbeitern fehlen würde, Dennoch findet man nod) Gegenden in Deutſchland, wo auch die mit dem,Pfluge und dem Haken, und hauptſächlich die erſtern in Reihen gelegs ten Kartoffeln mit der Handha>e bearbeitet werden. Sicher iſt es, daß bey der größern Regelmäßigkeit und Genauigkeit, mit welcher» die Arbeit des Behäufelns mit der Handha>e erfolgt, die auf dieſe Weiſe behandelten Kartoffeln unter gleichen Ver- bältniſſen einen größern" Ertrag geben, als die mit den Geſpann2 werkzeugen bearbeiteten; denn das Hereinbringen von Erde zwi ſchen die Stängel des Kartoffelſtokes, was den Ertrag der Kara toffeln ſo- weſentlich erhöht, kann mit“ den«Geſpannwerkzeugen nicht ſo vollſtändig erfolgen, als mit der Handha>e; und es iſt daher kein Landwirib zu taveln, wenn er bey dieſer älteſten Be: handlunggart der Kartoffeln während der Vegetation- verharrt, wenn Ertrag und Arbeit in einem gerechten Verhältniß ſtehen. Das Behandeln der Kartoffeln mit Geſpannwerk-: zeugen. Die allgemeine Anerkennung ver Nütßlichkeit der Kartoffeln und die Verbreitung ihres Anbvaues in ausgedehnten Flächen, 20) Veranlaſſung, die Operation der Behandlung der Kartoffeln dur) Geſpannwerkzeuge während der Vegetation zu beſchleuni1z gen und minder koſtſpielig zu machen. Durch die Anwendung ver Geſpannwerkzeuge iſt es möglich geworden, die Kartoffeln in ſo großer Ausdehnung zu bauen, daß ſie faſt"in allen größern und kleinern Wirthſchaften einer der Haupthebel ſind, auf wel: ert und ſeiner Feuchtigkeit beräubt. iſt, und wenn um die Zeit des Legens der Kartsffeln ſehr tro>ne Witterung: Statt findet, ſs iſt das Walzen des Bodens, die Kartoffeln mögen nun hinter dem Pfluge gelegt. worden. ſeyn, wo der Kartoffela>er eine mehr gleiche) Fläche. bildet, oder ſie mögen mit dem Haken gelegt worden ſeyn, wo der Kartoſfela>er Vegetation der Feldgewächſe, Die Kartoffel. 109 G11 Kämme bildet 7 zu empfehlen. Der ſehr lo>ere Boden wird das durch befeſtigt und verdunſtet die Feuchtigkeit minder leicht. Be- ſonders in Sandgegenden ſollte man das Walzen, und beſonders dann, wenn die Kartoffeln mit dem Haken gelegt worden ſind, nie unterlaſſen. Die Kämme, unter welchen die Kartoffeln lies gen, werden, wenn der Sand tro>en geworden,'vom Winde leicht verwebt, ſo daß die Kartoffeln endlich nur unter ,einer ſehr flachen loſen BedeFXung liegen, und es ihnen an der zum Aufz geben erforderlichen Feuchtigkeit mangelt. Werden“ die Kämme aber durch die Walze niedergedrüEt, ſo haben die Kartoffeln mehr conſiſtenten Boden über ſich, der nicht ſo leicht'verweht werden kann, und ſeine Feuchtigkeit länger erhält. Auch"in dem mehr loſen Moorboden iſt das Walzen zu empfehlen. Sehr gebräuchlich iſt das Eggen- der Kartoffeln. Man bes- zwe>t dadurch nicht nur LoFXerung des Bodens und Vertilgung des Unkrautes, ſondern auch, daß die Kämme, welche das Kar toffelland bildet, geebnet werden, damit hinlängliche Erde beym Behäufeln der Kartoffeln mit den Geſpannwerkzeugen aus den Furchen geſtrichen werden kann. In einem Boden, der bey tro>ner Witterung leicht erhärtet, eggt man ſchoy einige Tage nach dem Legen der Kartoſſeln, und wiederholt das Eggen wenn die Kartoffeln heraus ſind, zum zweyten- au) zum drittenmal. Gewöhnlich wartet man aber mit dem Eggen, bis die Kartoffeln berauszukommen anfangen, es müßte ſich denn vorher eine zu große Menge Unkraut zeigen. So ſehr das Cggen zur Vertilz gung des Unkrautes und durch Lo&erung des Bodens zum ſchnel- lern Entwickeln des Kartoffelkrautes beyträgt; und ſo leicht man dieſe Zwecke durch das Eggen erreichen kann, ſo iſt es doch nicht zu leugnen, daß dadurch viele Kartoffelkämme ſebr beſchädigt und" berausgeriſſen werden, und daß dadurch manche Lücke in den Kartoffelreihen entſteht, ſo wie daduynet dabey in den" aufgeworfenen Kämmen zu ſehr aus. Schwerz ſaat im zweyten Bande ſei: ner Anleitung zum praktiſchen AFXerbau S, 633 in dieſer Be- ziehung:„„Maäan thut dann beſſer, wie bey den Runkelrüben, das Land nur flach' zu beha>en. In den Sandländern Belgiens kommt dieſes oft vor,“ Auch denjenigen Kartoffelſorten, welche ihre Wurzeln mehr flach zur Seite ausſtoßen, iſt das Behäufeln nicht zuträglich. In der Monographie der Kartoffeln von Dr. Putſche und Dr. Bertuch S. 91 wird hierüber Folgendes geſagt:„„Für dieſe Sorten iſt das wiederholte Beba>en ſowohl, als das Bebäufeln eber ſchädlich, als-nüblich. Durch jenes werden die Wurzeln ſebr leicht beſchädigt, und durch dieſes gar abgeha>t und folglich das Anſetzen ihrer Knollen gehindert. Kommt nun noch dazu ein ſchwerer Boden und ein troc>knes Jahr, ſo iſt der Nachtheil des 2ten Beha>kens und Behäufelns noch größer, In ſolchen dürren Jahren iſt man froh, wenn nur zuweilen ein Regen er- folgt. Durch das Behäufeln aber kann er den Kartoffeln nicht einmal zu gute kommen, denn das Waſſer fließt von den Hau- fen ab, ohne in dieſelben eindringen zu können, und dieſes ver: urſacht bey tro&ner Witterung, ungeachtet die Säfte durch die Blätter und Stängel bey Thau und Regen den-„Wurzelknollen zugeführt werden, mehr Schaden, wie man glaubt, da die Sonne noch weit mehr Macht hat, einen ſolcnen, als ein anderes Gewächs, welches in glatter tiefer Erde ſteckt.“ Man verrichtet das Behäufeln in einigen Begenden mit dem Pfluge, in andern mit dem gewöhnlichen Ruhrhaken, am gewöhn: lichſten mit dem dazu beſtimmten Kartoffelhaken. Die Kartofſſel- reihen werden mit dieſem Haken, vor welchen nur ein Zug Vieh geſpannt. wird, durchfahren, und dadurch wird nicht nur das in den Zwiſchenräumen der Reihen ſich befindliche Unkraut ver- tilgt/ ſondern es erfolgt auch ein Behäufeln der Kartoffelpflan- en. Wenn der Boden und die Witterung nicht zu tro&en ſind, ſo wird das Behäufeln ein: oder auch zweymal wiederholt. Das erſte Bebäufeln erfolgt gewöhnlich dann, wenn die Kartoffel: pflanzen eine Höhe von 4 bis 5 Zoll erreicht haben. Es erfolgt nur flach, damit der Haken beym folgenden Bebäufeln noch Erde enug zum Ausſtreichen aus den Furchen behält, Iſt man gez onnen, die Kartoffeln nur einmal zu behäufeln, ſo wartet man, bis die Kartoffelpflanzen ſich noch mehr entwickelt haben, und den Boden genugſam beſchatten, und ſtellt dann gleich den Ha-= ken zur vollkommenen Tiefe. Beym Ee und drittoa Behäu- feln wird der Haken tiefer geſtellt, Das Behäufeln muß vor dem Eintritt der Blüthe vollendet ſeyn. Man wählt zum Behbäufeln einen Zeitpunct, wo der Boden und die Witterung troken ſind. Naſſes Behäufeln iſt beſonders in dem bindigen Boden den Kar- Vegetation der Feldgewächſe, Die Kartoffel. (313) toffeln ſehr nachtheilig. Bey dem Behäufeln der Kartoffeln hat man darauf zu ſehen, daß der Boden aus den Furchen bis an die. Kartoffelpflanzen gehoben wird, Sind die Kartoffeln der Länge und der. Quere nach in gleiche Reihen. gelegt worden, ſo erfolgt das Behäufeln der Kartoffeln in die Länge und Quere, ſo- daß jeder Sto> ſeinen eignen. Hügel bekommt, Dieſe Metho- de iſt nur im mehr bindigen und feuchten Boden anwendbar, im tronen leichten Boden aber nicht zu empfehlen..Da durch das Behäufeln der Kartoffeln mit"Geſpannwerkzeugen, das ſich unmittelbar in der Nähe der Kartoffelpflanzen' und. in deren Reihen befindliche Unkraut nicht ſo genugſam mit Erde Über= ſchüttet wird, daß es erſtiken müßte, ſo muß man vor dem Be-= bäufeln das Unkraut in den Kartoffelreihen und dasjenige, was ſich IE in der Nähe der Kartoffelpflanzen befindet, aus= täten laſſen. Bey dem Behäufeln der Kartoffeln wird häufig der Fehler begangen, daß man, um das Unkraut gehörig zu überſchütten, ſo daß es erſtien muß, den Kartoffelhaken zu tief ſtellt, wo» durch die Kartoffeln in mehr ſchmalen und hohen Kämmen zu ſtehen kommen. In dieſen ſchmalen und hohen Kämmen leiden die Kartoffeln nicht nur bey großer Tro>niß im Allgemeinen gar ſehr, ſondern diejenigen Sorten, welche neſterweiſe wachſen, und mehr über, als unter ſich treiben, können in dieſen ſchmalen Käm- men ſich nicht genug mit ihren Wurzeln verbreiten und Knollen anſetzen, es werden vielmehr bey dem lezten Behäufeln die Wur- ium vieler Kartoffelpflanzen von Erde entblößt, oder beſchädigt. ey den ſich mehr flach verbreitenden Kartoffelſorten ſchaden die hohen Kämme noch mehr. Auch wird das Unkraut, beſon- " ders das ſtark treibende Wurzelunkraut, durch das Ueberdec>en mit Erde nicht genugſam vertilgt, ſo daß man im mehr feuchten Boden, und in mehr feuchten Jahren, bevor die Kartoffeln ihr Kraut genugſam entwi>elt haben und den Boden genugſam beſchatten, und das Unkraut erſticken, die Kartoffelkämme und die Furchen zwiſchen den Kämmen ganz mit Unkraut überzogen finden wird, wodurch der A>ker bedeutend ausgeſogen wird. Man hilft ſich dann zwar durch ein oft wiederholtes Behäufeln; allein man verleidet dann bey zu hoben Kämmen die.obenangeführ- ten Nachtheile in nod größrer Maße.'Es iſt daher zur Vertil- gung des Unkrautes, während des Wachsthums der Kartoffeln, die in einigen Gegenden Sachſens gebräuchliche Furchenegge, die auch daſelbjt Jgel genannt wird, beſonders zu empfehlen. Dieſe Furthenegge beſteht aus drey Balken. Der mittelſte Balten hat vorn einen Kopf, in welchem ſich ein Rädchen befindet und der Haken zum Anſpannen befeſtigt iſt, und am hintern Theil 2 Sterzen zum Handhaben des Inſtruments. Die beiden Seiten= balken ſind vorn an den Kopf des mittelſten Balkens ſo befeſtigt, daß ſie enger oder weiter geſtellt werden können, und dieſe Stellung wird hinten durch zwey eiſerne Schienen, welche mit Löchern verſehen ſind und auf einen Stift im mittelſten Balken aufgeſte>&t werden, bewerkſtelligt. Dieſe Furchenegge bildet dem: nach ein Dreye&>, welches vermöge der Beweglichkeit der Seiten- balken mehr oder weniger ſpizwinklicht gemacht werden kaun. In jedem Balken befinden ſich 4 bis 6 Zinten ,/ die gewöhnlich die Geſtalt eines Sechs haben. Im feuchten Boden, der ſehr 111 112 Bau der Feldfrüchte. Auguſt. 8. Abſchn, (314) viel Unkraut treibt, hat man auch,"anſtatt dieſer Zinken, fuß- oder ſchaarartige Zinken, Wenn die Kartoffeln, mit dem Kar«- koffelhaken bearbeitet ſind, ſo werden die Reihen, ſobald fich Un: kraut zeigt, mit dieſer Furchenegge durchfahren, wodur< das Unkraut zerſtört und der Boden gelo>ert wird, ohne daß den- Pflanzenreihen geſchadet wird.» Auch die Zwiſchenräume anderer in Reihen gebauten Früchte werden mit dieſer-Furchenegge durch: fahren, Abbildungen und Beſchreibungen derſelben findet man im Januarheft des Archivs der deutſchen Landwirthſchaft von 1817 und in den Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Ge- ſellſchaft im Königreich Sachſen in der 14ten Lieferung, Auf einer Reiſe durch einige Gegenden, wo die Furchenesge gebräuchlich iſt, habe ich deren Anwendung beym KartoFelbau mebrſeitig beobachtet und mich von- der großen Zwe&mäßigkeit dieſes Inſtruments überzeugt. In einem lehmigren oder zum Verunfrauten ſehr geneigten Boden hade ich folgende Bebande- lung der Kartoffeln gefunden, die mir ſebr zwe>mäßig ſcheint, und ſich durch einen ſehr beträchtlichen Kartofſelertrag bewährt. Die hinter.dem Pfluge gelegten Kartoffeln werden, bevor ſie noch aufgegangen ſind, geeggt. Sobald die Kartoffelpflanzen eine angemeſſene Höhe erreicht haben, werden ſie mit dem Kar- toffelhaken, der zur mittlern Tiefe geſteht wird, behäufelt«, So» bald ſich auf den Kartoffelkämmen Unkraut zeigt, werden dieſel: ben mit der Furchenegge mit fußartigen Zinken, die ganz eng geſtellt wird, in der Maße befahren, daß dieſelbe nur die eine Hälfte eines Kammes und die dazwiſchen liegende Furche bes ſtreicht, Dadurch wird alles Unkraut vollkommen zerſtört und der Boden gehörig gelo>ert, obne daß den Wurzeln der Kartof= felpflanzen Schaden zugefügt wird. Das Unkraut auf den Käm- men, welches, ohne die Kartoffelpflanzen zu beſchädigen, nicht ergriffen werden kann, wird ausgerauft. Zeigt ſich vor der Blü- the noch Unkraut, ſo wird die Furchenegge wiederholt angewendet. Die Kartoffeln, welche nach der in den Schriften und Ver- handlungen der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreich Sachſen 19ten Liefzrung. angegebenen, und in der Encyklopädie Band V. S. 239. mitgetheilten Art hinter dem'Pfluge gelegt worden ſind, werden folgendermaßen behandelt. Sobald als die erſten Keime der Kartoffeln bervorbrechen, wird der ſtehen gebliebene Rain mit dem Pfluge getheilt ,“ indem mit dem Pfluge einmal berauf und herunter gefahren und der Rain halb rechts und halb links auf das nächſte Beet geſchlagen wird. Dadurch wird das Beet träfz tig erſchüttert und aufgelo>ert, das gekfeimte Unkraut zerſtört und die' keimenden Kartoffeln werden überde>t, Dieſes Ue- berde>en der herauskommenden Kartoffelkeime bekommt, wie wir bereits früher angeführt haben, den Kartofſeln„ſehr wobl, indem die Kartoſſelpflanzen dadurch kräftiger werden und einen größern Sto> treiben. Es ſcheint daher wohl empfehlenswerther zu ſeyn, die Kartoſfeln, anſtatt dieſelben beym Herauskommen zu eggen und von Erde zu entblößen, dieſelben mit Erde zuen. Die ſo bede&>ten KartoFeln brechen bald mit friſcher Kraft und doppelten Keimen bervor. Bald nad) dem Heraus- xXommen der Kartoffeln läßt man gern die Egge folgen, Wozu man ſich einer ſchmalen, aus zwey Hälften beſiehenden Egge be- dient, deren jede Hälfte die Hälfte des Beetes beſtreicht. So» Vegetation. der Feldgewächſo.. Die Kartoffel, (315) bald die KartoFeln 6 Zoll hoch gewachſen ſind, werden ſie mit dem Pfluge, auch mit dem Pfluge mit doppeltem Streichbret, an«- gebhäufelt.;! 7 2 Sind die Kartoffeln mit. dem Pfluge gelegt worden, wie dieß nach Thaers rationeller Landwirthſchaft S, 238, Band Y. dey Encyklopädie angegeben worden iſt, ſo werden ſie nach'Thaers rationeller Landwirthſchaft Band 4. S. 216. folgendermaßen bes handelt, Näch 8 Tagen wird das Kartoffelland geeggt. Wenn ſich einige Spitzen der Kartoffelpflanzen zeigen, wird. das Kar« toffelland flach mit dem Exſtirpator überzogen, und dann, wenn alle Kartoffeln heraus ſind, wird das Land. glatt geeggt. Die erſte Bearbeitung giebt man den Kartoffeln in der Nichtung des Marqueurs mit der kleinen Pferdehocke 3; die zweyte in der Riche tung des Pflug?8 mit der großen Pferdeha>e; Und das iſt in den meiſten Fällen genug. Das Kraut hat nun das ganze Feld bede>t und beſchattet. Iſt bin und wieder noch eine Unkraut» pflanze neben einer Kartoffel herausgekommen, ſo wird ſie voy der Blüthe ausgerauft, Will man noch ein drittes Pferdehacken geben, ſo thut man es in der Nichtung des. letztern. Die aufge» worfenen Furchen zu durchbrechen, würde ſchwierig ſeyn, wenn die Kartoffeln ſchon herangewachſen ſind. Die Fellenberg'ſcer mit dem Exſtirpator überfahren; ſobald aber die Kartoffeln 6 Zoll hoch herangewachſen ſind, ſo werden ſie mit der fünffüßigen Pferdeba>e gerade über das Kreuz und quer hin- durch mit dem dreyfüßigen Cultivator bearbeitet" ſy oft es er: forderlich ſeyn mag, bis der Häufelpflug ſeiner Beſtimmung: ge- mäß auch gerade über das Kreuz angewendet werden darf. Nach einer jeden Bearbeitung wird aber immex wenigſtens 14 Tage oder drey Wochen gewartet, bevor eine andere vorgenommen wird; die Kartoſſeln befinden ſies dadurch ſo angebäufelt, daß das ganze Feld durchaus mit tiefen Gräben und hoch aufgethürm: ten Haufen durchſchnitten erſcheint. Zuleßt wird es völlig dicht überwachſen. Es iſt nicht zu leugnen, daß ſich die Kartoffeln bey dieſer Behandlung der Regel nach, durch die jede Pflanze, um= gebenden, unter den Pflanzgruben vertieften Gräben gegen die Näſſe und durch eine große Menge angebäufter Erde gegen die Troc>kniß, verwahrt finden. Gleichſam in einen großen Compoſt- baufen verſetzt, gedeiht jede Pflanze zu einem erſtaunlichen Ertragez die Erndte wirv dadurch erleichtert, daß die Kartoffeln haufenweis beyſammentiegen, und mit dem Karſte leichter und mit geringe= rem Rülaſſe ausgegraben werden können, als wenn das ganze Feld durchgegraben werden müßte. Für den A&er ſelbſt wird die gusſaugende Eigenſchaft der Kartoffeln durch dieſe Cultur unſchäde lich gemacht, indem fie die Erde“ der atmoſphäriſchen Befeuch- tung, wie auch der Einwirkung der Sonne, zu einer großen Tiefe aufſchließt,- und die geſammte Ackerfrume durch öftere wieder- holte AufioFerung, für jeden äußern Einfluß empfänglich macht.“ =- Viele ſind der Meinung, daß dieſe Behandlungsart der Kar: toſſeln in einem loc>ern und trocknen Boden nicht ſy angemeſſen ſey, als in-einem mehr bindigen und feuchten Boden. 413 114 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſchn, Auguſt. (316) Zwiſchenpflanzen, Dp Um vom Boden einen um ſo größern Ertrag zu erreichen,| pflegen Einige zwiſchen den Kartoffeln nock ſind ,/ erſtiken würde, ſo gewinnt man von dieſen Swiſchenpflanzen, ohne daß die Kartoffeln weſentlich beeinträch= tigt werden, einen ſehr anſehnlichen Ertrag. Vermehrung des Kartoffelertrages.| Es wird hierüber in der Monographie der Kartoffeln von Putſche und Bertuch S. 93. im Wefentlichſten Folgendes geſagt:„Es findet im Ertrage der Kartoffeln ein großer Unter- ſchied Statt. Einige Sorten treiben ſpärlich und nur höchſtens 6 bis 10 Wurzelknollen, andere hingegen wuchern ſo außeror- Ddentlich, daß ſie ſogar außerhalb der Erde an den Stängeln Knollen. anſezen. Dieſe Erſcheinung gab zu einigen Verſüchen Anlaß, bey welchen man-ven Ertrag dieſer Frucht bis zum 64ſten Korn trieb, Sobald nämlich die Kartoffeln aufgegangen und zu einer Länge von 6 Zoll herangewachſen ſind, legt man die Stän- gel nach allen Richtungen= denn die meiſten haben mehrere Schößlinge= nieder und bedeckt ſie ſo weit mit Erde, daß die Spitzen etwa einen Zoll hervorragen. Nach kurzer Zeit wachſen dieſe Spitzen wieder bis 6 Zoll und darüber empor ,' und man legt ſie daher abermals nach allen Richtungen bin nieder, und be- de>t ſie, wie das erſiemal, mit Erde, der Hauptſto> und die Zweige aber, welche zuerſt niedergelegt und mit Erde bede>t worden ſind, werden behäufelt, ſo weit es die darum liegende Erde zuläßt.=- Sind nun die Spitzen wieder über 6-Zoll em- vorgewachſen, ſo legt man ſie von neuem nieder, und behäufelt ſie, wie die vorigenmale,“ Herx Dr. Putſche hat dieſes Verfahren verſucht z; allein der Erfolg bat den Erwartungen nicht entſprochen, und war nicht bey allen Sorten gleich, Die lange rothe Nierenkartoffel und die Gurkenkartoffel ſehten an den niedergelegten Stängeln gar keine Knollen an, und er erndtete von ihnen nicht mehr, als von den auf gewöhnliche Weiſe behandelten. Die große Vieh- kartofſel hatte aber eine Menge Knollen von verſchiedener Größe angeſebt. Er glaubt daher, daß dieſe Methode nicht bey allen Sortew anwendbar ſey und auch ſchwerlich beym Anbau.im Gro- ßen auszuführen ſeyn würde. Viele Landwirthe glauben auch, den Ertrag der Kartoffeln dadurch zu vermehren, daß ſie das Kraut, ſobald es gelb zu wer- den anfängt ,„„umdrehen. Allein dieſes Verfahren iſt nur nach- theilig. weil die Kartoffeln, mittelſt des-Laubes, eine beträcht- liche Menge Nahrung aus der Atmoſphäre ziehen. Wird nun das Kraut umgedreht, ſo wird die Verbindung, in welcher die Vegetation-der Feldgewächſe. Die Kartoffel. 115 (317) Wurzelknollen mit der Atmoſphäre ſtehen, ſogleich unterbrochen, und dieß hat einen nachtheiligen Einfluß auf ihre völlige Aus- bildung. Reberdieß erfolgt das Vergelben des Krautes nicht auf einmal, ſondern fängt von unten an, und ſteigt nach und nach an den Stängeln aufwärts, ſo daß die Function der oberſten Blätter, den Knollen atmoſphäriſche Nahrung- zuzuführen, noch fortdauert, wenn bereits die unterſten abgeſtorben ſind. Abbrechen der Blüthenknospen, Viele balten das Abbrechen der Blüthenknospen der Kar- toffelpflanzen für weſentlich nöthig, um einen um ſo größern Er- trag an Knollen zu gewinnen. Cs iſt wohl nicht zu bezweifeln, daß die Ausbildung der Samenäpfel an den Kartoffelſtängeln eis nen Theil der Nahrung der Kartoffelpflanze in Anſpruch nimmt, die, wenn dieſe Samenäpfel nicht vorhanden ſind, den Knollen zu gute kommt; allein es ſcheint auch auf der andern Seite der Umſtand Statt zu finden, daß durch die Verlezung der Kar2 toffelpflanze beym Abbrechen der Blüthen ein nachtbeiliger Ein- fluß, aus unbekannter Urſache, auf die Ausbildung der Knollen erfolgen kann, wie dieß manche Verſuche dargetban baben, wo der Knollenertrag von den Pflanzen, denen die Blüthen abge2 brochen worden, geringer war ,/ als von denen, welchen die Blütben gelaſſen worden waren. Daß Übrigens aber der Ertrag der Knollen durch das Abbrechen der Blüthen ſo ſehr erhöht werden könne, als nach manchen Angaben behauptet wird, ſcheint durchaus übertrieben zu ſeyn. Nach den Angaben der Über die- ſen Gegenſtand angeſtellten. Verſuche, haben, Einige Nachtbheile, Einige weder Vortheile, noh Nachrheile, Andere dagegen Vor- theile davon gebabt. Hiernach bleibt alſo der Nuten des Ab= brechens der Blütben problematiſch, und deßhalb ijt es alſo zu empfehlen, einen Gegenſtand- zu unterlaſſen, der nicht weſentlich ſchaden, aber auch nicht weſentlich nütßen kann, und die darauf verwendete Arbeit lieber einem zwe&mäßigern Gegenſtande zu Theil werden zu laſſen. j Abſchneiden des Krautes. - Da die Kartoffeln durch das Kraut einen nicht unbeträcht: lichen Theil atmoſphäriſcher Nahrung ſich aneignen, ſo geht es von ſelbſt hervor, daß das Hinwegnehmen des Krautes, wenn daſſelbe noch grün iſt, nur einen ungünſtigen Einfluß auf die Fortz bildung der Knollen haben kann, Es iſt daher eine ſehr üble Ge- wohnbeit? in manchen Gegenden, das Kartoffelkraut ſchon im Sep2 tember behufs der Fütterung äbzuſchneiden. Dennoch findet auch dieſes Verfahren ſeine Vertheidiger, wiewohl die dießfallſigen An- gaben größtentheils ungegründet ſind. Mir iſt nur ein Umſtand bekannt, wo das Abſchneiden des grünen Krautes den Kartoffeln zuträglich iſt, nämlich: wenn das Kraut durch einen zu feuch- ten und warmen Sommer zu üppig gewachſen iſt, und fich) darauf im September anhaltend feuchte und kalte Witterung einz ſtellt. Der Boden kann dann unter der dichten Beſchattung des Kartoffelkrautes nicht genugſam austro>nen, und. die Kälte und Näſſe hindert eher die Augbildung der Knollen, als ſie dieſelbe befördert. Wird dagegen das Kraut abgeſchnitten, ſo trocknet der Boden um ſo leichter aus, und derſelbe wird durch die Eitt- wirkung der Sonne um ſo leichter erwärmt, und die Kartoffel: 116 Bau dex Feldfrüchte,“ 8. Abſchw». Auguſt, (318) knollen, deren völlige Ausbildung, wenn es nicht frühzeitige Svrten, ſind, durch die Witterung im September noniß; doch blei- ben bey großer Dürre viele Keime gänzlich aus. Sind die Pflan- zen heraus und haben bereits ihre Blätter entwi>kelt, ſo iſt es für das- Anſehen der Knollen erwünſcht, wenn mehr troFne und mäßig warme Witterung eintritt, weil ſich dann um ſo mehr Wurzelſtränge und. Knollen anſetzen. Wenn ſich die Blüthen zu entwickeln anfangen, verlangen die Kartoffeln warme Witterung mit abwechſelndem Regen. Ganz vorzüglich wichtig für ihr Gez rathen iſt in unſerm nördlichen Clima ,. und wohl mit wenigen Augsnahmen in ganz Deutſchland, dte Witterung in der ketten Hälfte des Auguſts und im September. Iſt die Witterung in dieſer Zeit warm, und es kommt von Zeit zu Zeit ein Regen, ſo gelangen auch die ſpäter angeſeßten Knollen, die zu dieſer Zeit noch klein ſind, zu einer beträchtlichen Größe, und man gewinnt dann eine reichliche Knollenerndte von vorzüglicher Qualität, Iſt die Witterung in dieſer Zeit ſehr tro>en, ſo bilden ſich zwär die bis. dabin ſchon mehr vollkommenen Knollen noch aus, und werden von vorzüglicher Qualität 3 allein die kleinen bleiben un- vollfommen und von ſchlechter Qualität. Tritt kalte und naſſe Witterung ein, ſo werden die größern Knollen wäßrig, und die kleinern bleiben in der Ausbildung zurü&, und werden in der Qualität noch ſchlechter, als die bey trockner Witterung. Starker Hagel, der die Kartoffeln in der Jugend trifft, ſcha- det ihnen zwar ſehr; doch erholen ſich bey günſtiger Witterung die meiſten Pflanzen ſehr bald,-und geben noch eine mittelmäßige Erndte. Trifft ſie dagegen der Hagel in der Blüthe, ſv hat man keinen beſondern Ertrag an Knollen zu erwarten, und dieſelben gelangen zu keiner beſondern Größe, Späte Fröſte wirken zwar nachtheilig aufs Kraut; doch ſchaden ſie dem Sto>e nicht leicht, und dieſer treibt bald neues Kraut hervyor. Weniger gefähr- lich iſt der Froſt, wenn er ſie noch ſebr jung trifft, als wenn ſie' ſchon etwas mehr herangewachſen ſind. I< habe es vor« theilhaft gefunden, die vom Froſt getroffenen Kartoffeln ein paar Tage nachher, che noch: das erfrorne Kraut zu faulen anfängt, zu eggen und bald darauf zu behäufeln:? Von Krankbeiten ſind hauptſächlich zwey zu bemerken, Die erſte derſelben iſt der Roſt, wo ſich auf den Blättern des Krau- tes roſtfarbige Flecken zeigen, die zwar anfänglich klein ſind, nach und nach abex immer weiter um ſich) greifen, und zulebt Vegetation der Feldgewächſe. Die Kartoffel. 117 (319) das ganze Blatt einnehmen. Da durch dieſe Krankheit die Aus dünſtung der Blätter gehemmt wird, ſo werden. die Stängel mager, zehren ſich aus und vertro>nen zuletzt ganz zwo dieß aber nicht geſchieht, da bekommen die Wurzelknollen in“ dem Fleiſche eine Art von ſchwarzen Knöpfen, welche Beulen glei: dien und härter und fadiger, als- das Übrige Fleiſch ſind. Die Urſachen dieſer Krankheit ſind unbekannt. Oft iſt dieſe Krank2 heit von keiner langen Dauer, und wird' durch einen warmen Regen gehoben, ſo daß dem Knollenertrage nicht viel Abbruch, geſchieht, Greift die Krankheit aber ſehr um ſich, und droht, di Pflanzen ganz zu zerſtören, ſo empfiehlt man, wenn die Stänz gel nocig, bier und da mit Roſtfle>en beſetzt, welche bis ins Mark eindringen, ſo daß daſſelbe.nicht weiß, ſondern roſtfarbig ud bigweilen ſchwarz avsſiebt. Die Blätter ſind nicht ſo glatt auf der Oberfläche wie die Blätter anderer Kartoffelſorten, fon dern rauh, runzlich, mager,“kraus und verſchrumpft. Sie ſind nicht weit vom Stängel aus und an einem proporrionirien Stiel gewachſen, ſondern ſiven nahe an dem Stängel. Die Farbe dera ſelben iſt nicht bräunlich“oder dunkelgrün, wie die Blätter der geſunden Stö>e, ſondern gleichſam eine abgeſonderte Zuſämmens ſebung dieſer verſchiedenen!|Farben, ſo daß im Bräunlichgrün bell: und gelblichgrüne Fle&Xen ſind. Es fällt in die Augen, daß der ganze innere Bau dieſer Pflanze unregelmäßig ſey, und daß die natürlichen Wege zum Umlauf, wie auch der Anſaug- und Ausſaugung der Säfte, welche die Pflanzen nähren müſſen, nichts weniger, als in der gehörigen Ordnung und Proportion ſtehen, Däabey findet man oftmals das Mark in ihnen gleichſam vers röſtet und ausgetroEnet, auch ſelbſt ſchon in den Keimen. Das her entſteht dann das Verſchrumpfen, das kleine elende Gewächs, welches ſehr früb im Herbſt gelb wird, und zu einer Zeit abs ſtirbt, wo das ſtärkſte Wachsthum der Frucht in der Erde vor2 geben ſoll, Die wenigen, an. den Wurzeln befindlichen Knollen ſolcher kranken, frühzeitig abgeſtorbenen Kartoffeltanden ſind unz ſchma>haft, ſeifig, weil ſie unreif ſind, und für Menſchen faſt ungenießbar, indem ſie nach dem Genuſſe ein Scharren im Halſe zurülaſſen, und niemals gut bekommen, wie jede verdorbene unreife Frucht, Selbſt die äußere Farbe der Schale dieſer Frucht iſt verſchieden. Zum Theil iſt ſie braun, zum Theil fablgelb, an einer und even derſelben Frucht, und öfrers ſind beide Farben gleichſam unter einander zerfloſſen. Angeſtellte Verſuche haben gezeigt, daß einige Kartoffelſorten dieſer Krankheit mehr ausge- ſet ſind, als die andern z daß die Kartoffeln auf Bergen ihr we- niger unterworfen ſind, als in den Ebenen, beſonders in'!Niede- rungen, wo häufige ſtarke Ausdünſtungen Statt finden, und daß die runden: und langen rothen leichter in dieſelbe fallen, 118 Bau der Feldfrüchte, 8, Abſen ſchon den zehnten vder zwölften Tag nach dem Verpflanzen vornehmen. Man wählt dazu weder zu trockne, noh zu naſſe Witterung,/ Das Behacen geſchieht am beſten mit zweyzinkigen Ha>en, mit welchen man, ohne den Pflanzen Schaden zuzufügen, beſſer um dieſelben herum- greifen kann. Vor dem Behac>en muß man die vertro>neten Blätter, ſo wie die zwey unterſten, welche, weil ſie in zu naher Berührung mit der Erde ſtehen, keinen guten Tabak liefern, mit Behutſamkeit abbrechen, Durch das Hinwegnehmen dieſer Blät- ter kommt der Nahrungsſaft der Pflanze den andern Blättern zu gute. In der Nähe der Pflanzen muß das Behac>en nur flach und mit Behutſamteit erfolgen, damit die Wurzeln*nicht beſchä- digt werden, Sind einige Pflanzen beym Verſepen, zu tief gefkom- (321) men, wodurch deren Blätter während der Arbeit und beym Re» genwetter leicht mit Erde beworfen werden können, was einen nachtheiligen Einfluß auf die Qualität der Blätter hat, ſo müſſen ſolche beym BehaFen gehoben werden, welches in der Art ge: ſchiebt, daß man die Ha>e eine Hand breit, mit möglichſter Vor: ſicht, jenſeits der Pflanze einſett, dieſe ſammt der Erde in die Höhe hebt, und lo&>ern Erdboden dorunter ha>t. Treibt der Aer viel Unkraut, ſo muß das Beha>ken wiederholt werden. Wenn die Pflanzen die Höhe von 6 bis 7 Zoll erreicht haben, bey angemeſſener Witterung in etwa drey Wochen nach dem Ver» pflanzen, müſſen die Pflanzen beha&t werden, um die durch den Wind und Regen von der Erde entblößten Wurzeln wieder zu be- de>en, dieſelben vor AustroXnung zu ſchüßen, die Pflanzen mehr u befeſtigen und um zugleich eine um ſo größere Menge frucht» 440% Erde über den Wurzeln anzuhäufen, damit ihnen um ſo mebhy Nahrungstheile zu Theil werden. Man vollführt das Be- bäufeln gewöhnlich mit der Handha>e z man kann ſich aber auc dazu der Beſpannwerkzeuge bedienen, und findet deren Anwen- dung auch Jett ſehr allgemein bey größern Tabaksplantagen. In dem leichten loſen Boden muß man das Anhäufeln des Tabaks tiefer bewerkſtelligen, weil von den um die Pflanzen gebildeten Hügeln oder Kämmen im Laufe des Sommers bey tro>ner Wit» terung noch viel Erdreich weggewebt wird, und die Tabakspflan- zen dann, wenn ſie nicht hoch genug vehäufelt worden ſind, einen zu lo>kern Stand bekommen, oder wobl gar, wenn ein ſtarker Wind in ibre großen Blätter eingreift, umgeworfen werden können. Bey dem Behäufeln iſt große Behutſamkeit'nöthig, damit keine Blätter abgebrochen werden. In einigen Gegenden. pflanzt man im leichten und tronen Boden den Tabak in Ninnen, weil die Pflanzen in denſelben die zum Anwurzeln nöthige Feuchtigkeit um ſ& ſicherer finden, Durch das Verwebhen des Windes erfolgt dann zum Theil das Bebäufeln. der Pflanzen von ſelbſt; es wird aber auch beym Bee haFen das Erdreich der Kämme zwiſchen den Ninnen an die Pflan» zen herangezogen, ſo daß nach vollendeter Behandlung des Ta- baks, während der Vegetation das Tabaksfeld eine gleiche Fläche bildet, in welcher ſich die Feuchtigkeit um ſo beſſer erbält. Wenn die Tabakspflanzen eine Höhe von 2 bis 3 Fus erreicht baben, welches in der fünften bis ſechsten 8Bodhe nach dem Aus- pflanzen erfolgt, ſo köpft, gipfelt oder verbricht man die Pflanzen. Es beſteht dieſe Operation dhrin, daß die überflüſſigen Blätter und die Samenkrone abgebrochen werden, damit die ſämmtlichen Nahrungsſäfte dem andern-Theile der Pflanze zu gute kommen. Wöllte man die Tabakspflanzen nach ihrer Willkühr fortwachſen laſſen, ſv würden ſie ſofort in den Samen ſchießen, und zwar Blätter treiben, die eine anſehnliche Größe erlangten z aber der Erfahrung ttrach, haben dieſe Blätter kein Gewicht, mithin keine Güte, weil es ihnen an Fettigkeit mangelt. In manchen Gegenden läßt man zwar den Samen zur Reife elangen.und benußt denſelben zu Oel, wodurch man den geringern Srtrag an Blättern de&t z allein es iſt dieß nur dann zu empfeh- len, wenn der Ertrag des Oels und der Blätter den Überſteigt, den man von den lebtern allein erhält, wenn dieſe zur Vollkommens VIII. 21 Vegetation der Feldgewächſe. Der Tabak, 119 120 Ban der Feldfrüchte. 8. Abſknens nicht bezahlt. Den größten Nachtbeil fügt man ſich aber zu, wenn man ſich durch Habſucht verleiten läßt, die Geizblätter unter die andern Tabaksblätter zu mengen, weil ſie dieſe, wenn ſie dieſelben auch im Gewicht vermehren, doch ſo verſchlechtern, daß man mit ſeiner Vegetation der Feldgewächſe, Der Tabak. 421 (323) Waare"in Mißcredit. kommt, und einen geringern Preis dafür erhält, als ſie im Verhältnis werth iſt. Während der Vegetation iſt der Tabak manchen Unfällen un2 terworfen, gegen welche man ihn nur zunr Theil ſchüßen kann. Unter den Thieren ſchaden dem ausgepflanzten Tabak Schne- &en, Maulwürfe und allerhand Gewürme, gegen die man die Tabaksplantage durch alle die Mittel, welche dem Landwirtbe nur immer zu Gebote ſtehen, zu ſchüßen bemüht ſeyn muß, Um die Würmer abzuhalten, iſt die Ueberſtreuung der Plantage mit Aſche, mit in der Luft gelöſchtem Kalk, oder mit Eichenlohe zu empfeh- len. Gegen die SchneFen verwahrt man ſich, wenn man die Plan» tage mit einem ein paar Fuß weiten Rande von lo&erem Sande mit Aſche gemengt umgiebt, und denſelben ſo oft erneuert, als er durch Regengüſſe feſt werden ſollte; auch iſt es zu empfehlen, dieſe Umgebung mit Gerſtenſpreu zu überde>en, die der inbhaben- den Grannen wegen die Schne&en abhält. Auch zeigt ſich im Tabaksſtängel nicht ſelten eine Made, die große Verheerungen anrichiet, die häufig ſchon in den Pflanzen aus dem Miſtbeete Ke Feld gebracht wird, gegen die man kein Abhülfsmittel ennt:: Unter den Krankheiten iſt die gefährlichſte der Roſt, welcher die Blätter gewöhnlich dann befällt, wenn ſie in der beſten Aus2 bildung begriffen ſind. Man erkennt dieſe Krankheit daran, daß die Blätter mit gelbrothen, roſtfarbenen Fle>en bede>t werden, die ſich auf ſelbigen immer mehr verbreiten. Die Blätter werden dadurch allmählig verzehrt, trocknen immer mebr ein, werden leicht zerreibbar und ſind zu keinem Gebrauch tauglich, Man bat bisber noch kein Mittel aufgefunden, durch welches dieſe Krank: beit geheilt werden könnte; nach angeſtellten Beobachtungen kann man ſie nur dadurch zum Theil verhüten, wenn. man bey Anles gung der Miſtbeete nur von dem Erdreich nimmt, auf welches die pflanzen in der Folge zu ſtehen kommen; daß man ſich keiner andern, als nur ſelbſt erzogener Pflanzen bedient; und daß man es ſorgfältig vermeidet, während der Regenzeit in der Plantage arbeiten zu laſſen, weil dann die ſehr ſpröden Blätter bey einer nur leichten Berübrung Niſſe bekommen, die nach angeſtellten Beobachtungen ſehr häufig den Brand verurſachen ſollen, oder doch wenigſtens besördern. Selbſt diejenigen Blätter, welche nur erſt vom Brande ergriffen worden ſind, ſind von ſo ſchlechter Be» ſchaffenheit, daß man ſie nicht mehr als verkaufbare Waare be« trachten darf. Gegen die ſchädlichen Einwirkungen der Stürme kann man ſich zum Theil durch hobes Bebäufeln ſchüßen, Gegen Hagel und Froſt empfiehlt man, die Plantage mit Hecken zu umgeben, die durch Stangen- oder Laufbohnen, oder Phiſolen gebildet ſind, Dieſe ſchüßen zum Theil nicht nur die Tabakspflanzen, ſondern die Bobnenerndte entſchädigt auch für die verwendete Arbeit, In Holland iſt dieſer Gebrauch allgemein. Bey warmer und fruchtbarer Witterung wächſt der Tabak ſchnell fortz bey der Kälte bleibt er dagegen ſebr zurü>. Der wichtigſte Zeitpunet, der über ſein Gerathen entſcheidet, iſt der Monat Auguſt. Wenn auch die Pflanzen vorher zurückgeblieben ſind, und ſie bekommen dann“noch warme und mäßig feuchte Wit: terung, ſo erholen ſie fich noch zum Erſtaunen ſchnell, Beſonders 21* 122 Bau der Feldfrüchte. 8, Abſ&t. Im Sanzen liebt der Tabak mehr warme und mäßig feuchte Witterung. In naſſen Sohren wird-er von geringerer Qualität, und, ganz beſonders fuslig. Die Kardendiſtel. Vegetation und Behandlung während der Vege- tation, Während der Vegetation müſſen die Karden rein von Unkraut erhalten werden, was, da ihnen Lo>erung des Bodens ſehr zu- träglich iſt, durchs Beba>en am beſten erfolgt. Auch das Be- häufeln, wozu man ſich der Geſpannwerkzeuge bedienen kann, iſt, ibnen ſehr zuträglich, obwohl nicht weſentlich nothwendig. Schießen die Karden im erſten Jahre bey günſtiger Witterkng zu ſtark aufwärts, was auf Koſten der Bewurzelung und der Blü- then erfolgt, wodurch die Pflanzen um ſv leichter erfrieren, ſö empfiehlt man, die Karden gleich dem Tabak zu geizen, indem man gegen die Mitte des Sommers die Gipfel abkneipt,'Dadurch wird der Höhentrieb vermindert, die Säfte nach unten geleitet und der Seitentrieb befördert, welches eine ſtärkere Anwurzelung und kräftigere, damit im Verhältniß ſtebende Entwickelung der Pflanze und ihrer edlern Theile, der Blüthen und Früchte, und mithin auch der Karden zur Folge hat, 100 Bey den im Auguſt verpflanzten Karden muß man fleißig nachſehen, ob Pflanzen eingegangen ſind, und dieſelben alsbald durch die im Pflanzenbeete zurü&gelaſſenen Pflanzen ergänzen» Bey dieſen Pflanzen findet die Gefahr des Ueberwachſens vor dem Winter nur ſelten Statt und nur in dem Falle, daß die warme Witterung ſchr lange im Herbſt aushält, treiben ſie ſo ſtark, daß ein Abkneipen der Gipfel anzurathen ſeyn dürfte, 7 In den Blättern der Karden, die gegen den Stängel bin wie Schalen gebildet ſind, ſammelt ſich ſebr leicht Waſſer, wel- ce erhalten. Diejenigen Pflanzen aber, welche im erſten Jahre ſiark geſchoßt haben, leiden ſelbſt bey einer ſtarken Schnee de&Xe ſehr vom Froſt. Geben ſie auch nicht immer gänzlich zu Grunde, ſo erfriert doch der geſchoßte Theil der Pflanze, der dann zwar im Frühjahr recht viele Stängel treibt, aber nar ſchwache, wenig taugliche Diſteln bervorbringt. Da die Karden im Winter oft erfrieren, ſv haben Mehrere empfohlen, die Pflanzen den Winter Über mit Laub oder Stroh Vegetation der Feldgewächfe. Die Kardendiſtel. 123 (325) zu bedeXen, um ſie dadurch vor dem Froſt zu ſchüßen; allein da die nichtgeſchoßten auch die ſtrengſte Kälte aushalten ,. die geſhoßten aber nicht bede&t werden können, ſo- iſt dieß ganz wecklos. ? Große Näſſe im Frühjahr ſchadet den Karden, weil ſie dann zu faulen anfangen. Man muß im Frühjahr große Aufmerkſam- keit darauf verwenden, daß die Näſſe gebörig und baldigſt von dem Kardena>er abgeleitet wird. Späte Fröſte ſchaden den Kar- den nicht, wenn ſie dieſelben noch in der erſten Ausbildung treffen, werden aber gefährlicher, wenn dieſelben bereits 82: ſchoßt baben.' Sobald dex Boden im. Frühjahr durchwärmt iſt, und ſich Unkraut zeigt, muß geha>t werden, und nach Umſtänden muß das. Beha>en einmal oder auch zweymal wiederholt werden. Sobald die Karden einmal ausgewachſen ſind, ſo zeigt ſich auch alsbald die Blüthe zuerſt an der Spie des Stängels, ſpäter an den Seitenzweigen und mehr nach unten. Die Blüthe zeigt ſich in einem Kranze um den Samenkopf, der ſich immer weiter nach- dem Stiele herunter zieht, welches mehrere Tage lang. dauert. Zu Gewinnung vollkommener Karden/ empfieblt man das Auggei- zen oder Auebrechen der Pflanzen zu der Zeit, wenn die oberſten Sawmnenköpfe in die Blüthbe zu treten anfangen. Dieſes Augsgeizen beſtebt darin,'daß. alle ſchwächlichen ſpäten Nebentriebe, ſo wie diejenigen Blätter, welche ſich unten am Stamme, bis dort, wo ſich derſelbe in Seitenäſte verbreitet, be- finden, weggebrochen werden. Zuweilen bekommen die oberſten Köpfe der Pflanzen eine monſtröſe Bildung, und ſind dann un- tauglich. Dergleichen monſtröſe Köpfe müſſen ſofort ausgebrochen werden, damit ſie den andern nicht die Nahrung. rauben, Eine Hauptkrankheit der Karden iſt die Kernfäule, welche ih: ren Siß in dem Marke des Kopfes hat, der, davon befallen, bey einem leichten Druck berſiet und zum Gebrauch ganz untauglich iſt, Dieſe Krankheit findet ſich am häufigſten in naſſen Jahren, und man beobachtet, daß ſie ſich dort bäufiger findet, wo man das Aufſchliten der Blätter unterläßt, Man hält dafür, daß dieſe Krankheit dadurch entſteht, daß der Kopf eine zu große Menge Feuchtigkeit einſaugt, die eine Zerſezung des Markes verurſacht, und empfiehlt zu deren Verhütung, nächſt dem Schliten der Blät- ter, die Pflanzen nach einem ſtarken Regen, wenn ſich kein Wind einſtellt, durch Schütteln von dem Waſſer zu befreyen.- . Eine andere Krankheit, die ſich aber nur ſelten einſtellt, iſt die Bleichſucht, wo die Blätter vor der Zeit gelb werden„und ab- fallen,-die Stängel allmählig verwelken, und bald die ganze Pflanze abſtirbt. Man kennt weder die Urſachen dieſer Krankheit, noh weiß man Mittel zu ihrer Hebung. Bey einem ſchnellen Wechſel der Witterung werden die Kar- den oft vom Mehlthau befallen, der das Wachsthum der Pflan- zen zurückhält und die Erndte. verringert.„Iſt in Folge der Wit- terung eine Unterbrechung. des Wachsthums der Karden erfolgt, ſo finden ſich auf denſelben Läuſe, welche die Blätter zernagen, wo dann die Köpfe klein bleiben und ein röthliches' Anſehen be- Fommen, welches ſie ſchwer verkäuflich macht.. Kräftige Pflanzen im kräftigen Boden überwinden dieſe Unfälle leichter, als ſchwäch- liche Pflanzen im magern Boden. Finden fich im Herbſt viele 124 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſeln können, den Böden vorſichtig lockern, damit die Keime nicht beſchädigt wer2 den. Man vertilgt dabey zugleich das Unkraut, Zeigt ſich in der Folge noc< Unkraut, ſo muß daſſelbe ausgerauft werden, Weiter geſchieht nun in der Safranplantage bis zur Erndte nichts, als daß man dieſelbe vor dem Wilde, welches dem jungen Saf- rän ſehr nachgeht, ſchüßt. Wenn man Weiden zu beha>en bat, oder das Holz nicht zu theuer iſt, ſo geſchieht dieß am beſten durch einen Zaun. Wo das Holz zu theuer iſt, muß man die Plantage durch Wildſcheuchen ſchüßen, welche jedoch den Zwe>k nur unvollkommen erfüllen. Im September oder October erz ſcheint der Blüthenſtängel ſammt der Blüthe, und in der Zeit kommen auch die Blätter zum Vorſchein. Es iſt in dieſer Zeit warmes und tro>nes Wetter zu wünſchen, Wenn die Blüthen ihre Vollkommenheit erlangt haben, beginnt die Erndte. Da nun aber der Safran mehrere Jahre im Boden bleibt, ſo muß man ihm auch nach der Erndte beſondere Aufmerkſamkeit widmen. „Im laufenden Jahre nach der Erndte hat man nun weitev nichts-. zu thun, als darauf zu achten, daß die Blätter des Safs rans nicht abgeweidet werden. Sie erhalten ſich den Winter bin- durch grün, und fangen erſt gegen Johannis im folgenden Jahre an abzuſterben. Sie geben dann noch ein für die Kühe milchrei«a kert werden. Es geſchieht dieß dadurch, daß der Boden mit einer Ha>e durchhaXt wird, welches, da die Zwiebeln 6 Zoll tief gelegt worden ſind, nicht über 4 Zoll tief erfolgen kann, weil ſonſt die Zwiebeln beſchädigt würden. Findet ſich in der Folge nochmals. Unkraut, ſo muß auch dieſes wieder durchs Hacken vertilgt werden, wobey man jedoch ſebr vorſichtig ſeyn muß, daß dieß nicht zu tief erfolgt, weil die Keime der Zwiebeln inzwi ſchen ſchon getrieben haben, und dieſelben ſonſt beſchädigt und vernichtet werden könnten. Wenn die Plantage kurz vor der Blüthe ſehr mit Unkraut bewachſen iſt, ſo muß zwar daſſelbe zum Drittenmal vertilgt werden; dieß geſchieht aber nux durchs Jäten mit der Hand, Die Erndte erfolgt im zweyten Jahre, wie Vegekatton der Feldgewächſe. Dex Safran. 125 ?(32. im erſten, im September oder October. Nach der Erndte im zw« ten Jahre und während ſeines Wachsthums im dritten Jahre, wird der Safran ganz ſo behandelt, wie im erſten und zweyten Jahre; und man findet nach der Erndte im dritten Jahre in der Megel nicht mehr Zwiebeln, als im zweyten Jahre, welches wobl daher rühren mag, daß des engen Legens wegen die Zwiebeln ich nicht weiter ausbreiten können, und von den angeſetzten Zwies eln nur die ſtarken fortkommen und die ſchwachen unterdrü>en,= Man bat deßbalb, um mehr Zwiebeln und einen um ſo ſtärkern Auftrieb an Safranſtängeln zu erhalten, die Zwiebeln im Anz-2 fange weiter von einander zu legen empfohlen, wodurch im drit- ten Jahre eine um ſo größere Erndte erfolgt, und dann noch eine vierte und mehr Erndten zu nehmen, wo dann die Pflanzen fünf oder mehrere Jahre dauern würden. Ob dadurch ein höherer Er- trag des Safrans bewerkſtelligt wird, iſt ſehr zu bezweifeln z; denn es würde nicht nur im erſten Jahre die Erndte weit geringer ſeyn, weil des weitern Voneinanderliegens der Zwiebeln wegen dieſe um ſo weniger Blüthenſtängel auf einer beſtimmten Fläche trei: ben würden, ſondern auch im zweyten Jahre, weil die von-ein- ander gelegten Mutterzwiebeln, doh auch nicht mehr Zwiebeln anſetzen, als die“ in der angegebenen Entfernung gelegten, und auch im zweyten Jahre weniger Blütbenſtängel auf einer gleichen Fläche ſeyn würden, und mithin der Ertrag geringer ſeyn würde. Im dritten Jahre würde nun zwar der Boden mit ſo vielen Zwiebeln angefüllt ſeyn, als er zu tragen vermag; da dieß jedoch bey den enger gepflanzten Zwiebeln auch der Fall iſt, ſo würde darum der Ertrag nicht größer ſeyn, als von dieſen; nur die Blüthen könnten vollkommener werden, indem die Zwiebeln mehr Raum gehabt hätten, ſich vollkommen auszubilden. Im vierten und in den folgenden Jahren könnte nun zwar der Verluſt des Ertrages vom erſten und zweyten Jahre nachgeholt werden z al- lein die Erfahrungen der meiſten Safranbauer ſtimmen darin Überein, daß der Ertrag dieſer Pflanze im vierten„und in den folgenden Jahren, wenn man nicht ganz vorzüglichen Boden hat, unſicher iſt, und daß überhaupt nicht rätblich ſey, eine vierte vder mehrere Erndten von einer Safranplantage zu nehmen, in- dem ſich der Boden zu ſehr austrüge und. erſchöpft würde, Aus- ßerdem hält man es aber auch deßhalb für rathſam, nicht mehr als drey Erndten von den Zwiebeln zu nehmen, weil, dieſelben mebreren Krankheiten unterworfen ſind, welche ſich durch An» ſte&ung weiter verbreiten, wodurch man endlich, wenn die Zwies beln noch länger in der Erde gelaſſen würden, einen zu großen Verluſt an denſelben erleiden würde. Endlich widerrätb man es auch deßhalb, weil die Zwiebeln des Safrans nicht unterwärts, ſondern an der Seite, meiſt über ſich, die jungen Zwiebeln an- ſeven, wodurch endlich die Safrankeime ſo unregelmäßig, und ſo wenig in Reihen kommen würden, daß gar keine Gänge mehr blieben, und daß es beym BehaFen und beym Sammeln der Blüthen unvermeidlich würde, eine Menge Pflanzen zu zertreten, Durd) das Anſetßen der Zwiebeln über ſich, kommen dieſelben im- mer höher, wodurch der Boden, um denſelben keinen Schaden zuzufügen, immer flacher behar, mithin weniger geloFert und vom Unkraut gereinigt werden könnte, und ſo verhärtet und vers wildert, daß er das Wachsthum der Pflanzen wenig befördert. 126 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſchn. Auguſt. (328) Im Oefſterreichiſchen, wo die Cultur des Safrans unſtreitig am ſorgſamſten betrieben wird, nimmt man im Allgemeinen nie mehr als drey Erndten von einer Plantage, mit unter auch wohl nur . zwey Erntten. Im vierten Jahre werden die Safranzwiebeln, ſobald die Blätter abgeſtorben ſind, aus der Erde genommen, welches mit einem Spaten geſchieht, indem man die Reiben der Länge nach aufſticht, wobey man jedoch ſehr vorſichtig ſeyn muß, damit ſo wenig als möglich Zwiebeln beſchädigt werden, Die ausgenom- menen Zwiebeln werden bis zur Zeit des Verſeens auf einem luftigen Boden aufgeboben.| : Der Safran wird bauptſächlich von drey Krankheiten heim- geſucht. Die erſte beſteht in einer Fäulniß der Zwiebel, die, ohne daß man ſelbige an der äußern Haut bemerkt, ſich an den Körper der Zwiebel ſelbſt anſeßt, und dieſe nach und nach ganz in eine Art Eiterung verwandelt. Die zweyte Krankheit beſteht in einem rübenförmigen Aus- wuchſe, der ſich meiſt unterwäörts anſeßt, und an den die meiſte Nahrung der Zwiebel ſo verſchwendet wird, daß ſie ſelbſt endlich gänzlich verzehrt wird. ' Dieſe beiden Krankbeiten kommen nicht bäufig vor, und man Fann ſie größtentbei!8s dadurch vermeiden, wenn man eine ſorg» fältige Auswahl der Legezwiebeln trifft, ſie gehörig von den al- ten Häuten reinigt, und diejenigen, die ſich weicher als die an= dern anfühlen, nicht zum Legen nimmt. Die dritte Krankheit iſt der Tod oder Brand. Ein ſchwamm- artiger Körper umftri>t die Zwiebeln, dringt in ſie ein und töd- tet ſie, Eine dergleichen Zwiebel, oder auch nur eine Schaufel voll Erde aus der Nähe der kranken Zwiebeln genomniten, kann in einer geſunden Plantage die Krantbeit verbreiten. Man bes- merkt dieſe Krankheit am ſicherſten im Herbſt, wenn zu der Zeit, wo die Keime kommen, an mebrern Plätzen der Plantage die Safranblätter wegbleiben. Die kablen Pläße ſind rund, indem die Krankheit ſich nach allen Seiten hin zugleich verbreitet. Wenn im Frühjahr die Safranblätter an mebrern Orten mager und gelb zu werden anfangen, während die übrigen ein friſches grÜs nes Anſehen haben, ſo muß man dieſe Orte genau unterſuchen. Oft ſind Mäuſe die Urſache davon; entde>Xt man aber ſchwarze Löcher in den Zwiebeln, als wenn ſie mit Kienruß beſtäubt wor- den, oder ganze Zwiebeln auf dieſe Weiſe gleichſam ausgebrannt, ſo iſt die Krankheit ganz beſtimmt da. Gegen dieſe Krankheit hat man nur ein Mittel: nämlich die Zwiebeln auszugraben und ſie an einen andern Ort zu ver- ſeen. Um das ſchnelle Verbreiten der Krankheit möglichſt zu verhindern, empfiehlt man, diejenigen Plätze, wo ſich die Krank- Prit zeigt, mit einem einen Fuß tiefen und eben. ſo breiten Gra: en zu umgeben, und den ausgeworfenen Erdboden über die Franken Pflanzen zu häufen, An einem ſolchen Orte, wo die Zwiebeln den Brand gehabt baben, darf unter 15 Jahren kein Safran wieder gebaut werden, wenn man nicht die Krankheit wieder in der Plantage verbreitet ſchen" will, Nächſt dem Wilde ſchaden dem Safran auch Mäuſe, Maul» würfe und Engerlinge, Die Mäuſe freſſen die Zwiebeln ſehr Erndto 1, Zugukemacen die Blätter mit der aufgeworfenen Erde, worunter dieſe faulen und auc die Zwiebeln angeſteckt werden. Die Engerlinge freſſen die Zwiebeln. Durch eine ſorgfältige und gehörig tiefe Bearbei«- tung vertilgt und verſcheucht man dieſes Ungeziefer; und um es in der Folge abzubalten, empfiehlt man, die Safranplantage mit einem gehörig tiefen Graben zu umgeben. Von der Erndte und Zugutemachung der Feld»- gewächſe. O1 074 EED 67 Der Weizen. Da der Weizen im Frühjahre ſpäter zu treiben anfängt, als der Roggen, indem er dazu einen größern Grad von Wärme hba- ben muß, ſo erfolgt auch ſeine Erndte um ſo ſpäter, als die des MRoggens. Wenn der Weizen durch kalte Witterung im Frühjahr ſebr zurüFgehalten worden iſt, ſo wird ſeine Erndte in Deutſch2 land nicht ſelten bis ſpät in den Auguſt verſchoben. Sind durch die Witterung im Winter viele Pflanzen zurückgeblieben, die ſich erſt bey der ſpätern Frühjahrswärme erholen, ſo reift der Wei: zen ſehr ungleich, und man iſt dann genöthigt, die Erndte zu be- ginnen, wenn der größte Theil der ſich zuerſt ausgebildeten Pflan= zen ſeine Vollkommenheit erlangt hat, weil nur dieſe die voll- ommenſten Früchte geben. Man iſt allgemein der Meinung, daß) der Weizen gemäht werden müſſe, ebe er noch ſeine völlige Reife erreicht hat,, und zwar ſowohl aus dem Grunde, weil die Körner dann, wenn ſie völlig reif geworden ſind, hornig oder glaſig werden, und dann kein ſo weißes und feines Mehl geben, als auch aus dem Grunde, weil der Weizen dann, wenn er ſeine völlige Reife erlangt hat, ſebr leicht ausfällt. Man kann zwar den hornigen Weizen das durch als Marktartikel verbeſſern, wenn man ihn etwas-anfeuch= tet; aber doh wird dergleichen Weizen auf allen Märkten gerin= ger geſchätzt, und nur in Ermangelung andern Weizens gekauft. en zum Samen beſtimmten Weizen muß man j?doch zur völz ligen Reife gelangen laſſen. Der Zeitpunct der Mähereife des Weizens, der nicht zu Samen beſtimmt iſt, tritt dann ein, wenn die Körner zwar ihr Mehl gebildet haben und nicht mehr milz nen Witterung im July und Auguſt an, von oben gelb zu werden, und das Weizenfeld erſcheint dann in einem vollkommen reifen Zuſtande, während die Körner noh ganz milchigt ſind. Auch trifft es ſich wohl, daß bey feuchter Witterung das Stroh, noch ein ſehr grünes Anſehen hat, wäh- rend die Körner bereits den Zuſtand der Mähreife erlangt haben. Im erſten Falle bat zwar die Lebenstbätigteit der Wurzeln bes reits aufgehört 3 allein man würde durch das Nachreifen auf den 128 Ban der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (330) Schwaden oder in Gelegen, unvollkommnere Körner erhalten, als wenn man dieſelben auf dem Halme ſtebend, den Zuſtand der Mäh-eife erlangen läßt, wei! dieſelben im letztern Falle der Einwirkung der Luft und der Sonne mehr ausgeſett ſind, als auf den Schwaden vder in Selegen über'-dem Haufen liegend, und alſo beym Nachreifen vollkommner werden. Im zweyten Falle, wo das Stroh noch grün iſt, die Körner aber ſchon den Zuſtand dev Mähreife haben, iſt es beſſer, das Stroh von den Wurzeln zu trennen, weil dann ein um ſo ſchnelleres Abtroc>s nen des Strohes erfolgt, ohne daß man einen beträchtlichen Kör» nerverluſt und Verluſt am Marktpreiſe durch kein vollkommenes Reifwerden der Körner erleidet. Fällt die Weizenerndte bey- ſehy tro>ner Witterung mit der Roggenerndte zugleich, ſo muß man Hl eber den Weizen erndten, weil derſelbe viel leichter agusſaurl. Das Abbringen des Weizens erfolgt am gewöhnlichſten mit ver Sichel, und nux in dem Falle, daß der Weizen ſebr kurz und dünn ſteht, iſt das Abbringen mit der Senſe zu empfehlen, Liegt der Weizen etwas, ſo iſt unter allen Umſtänden das Ah- bringen mit der Sichel:anzuratben, weil durch das Hauen mit der Senſe zu großer Körnerverluſt erfolgen würde. Während der Erndte muß man den Weizen ſehr ſchonend behandeln, und finden ſich beym Abbringen noch viele grüne Halme, ſo muß man, damit dieſelben um ſo beſſer und ſchneller austro&nen können, etwas höhere Stoppeln machen. Da bey der Erndte des Weizens nichts weiter beſonderes vorkommt, was wir nicht bey der Erndte im Allgemeinen geſagt hätten, ſo verweiſen wir in dieſer Beziehung in dem vorhergehenden Bande auf das Ka- pitel 3 die Erndte., ; Ertrag.. Da der Weizen eine urſprünglich mehr ſüdliche Frucht iſt, durch die Cultur aber auch in mehr nördliche Gegenden ver» pflanzt worden iſt; da nächſt den climäatiſchen Verhältniſſen vas Gerathen des Weizens„auch von der Jahreswitterung ſehr abhängig iſtz da der Weizen in ſehr verſchiedenartigem Boden gebaut wird ,. und da man vom Weizen eine große Menge mehr odder weniger ergiebige Abarten findet, ſo iſt ſein Ertrag ſowohl in Stroh, als in den'Körnern ſehr verſchieden. Unter gleichen Bodenverbältniſſen giebt der Weizen im ſüdlichen Deutſchland, wv das Clima wärmer iſt, einen höberen Ertrag, als im nörd= lichen Deutſchland."Dagegen hat man im nördlichen Deutſche Jand in verſchiedenen Gegenden Bodenarten, die dem Weizen ſo außerordentlich zuſagen, daß er ungeachtet des weniger war» men Climas einen eben ſo hohen Ertrag giebt, als man nur immmer nach den höheren Angaben im ſüdlichen Deutſchland fin- det. Dieſe Gegenden ſind die Weichſelniederungen, die Gegend um Frankenſtein in'Schleſien, die Elbniederungen, die Gegend um Lommaßtſch in Sachſen und einige Gegenden in Thüringen 1, NAP: Da der Weizen, vermöge ſeiner außerordentlichen Beſto- Ceungsfäbigkeit, bey einer geringern Einſaat, auf einer gleichen Fläche eine eben ſo große- Menge von Halmen treibt, als der Roggen, und da die Weizenähren oft dieſelbe Länge erlangen, Häufig aber in einer Achre mehr Körner enthalten, als der Nog- Erndto u. Zugutemachung der Feldgewächſe, Weizen. 429 (331) gen, die auch beträchtlich größer ſind, ſo iſt im Allgemeinen der Kürnerertrag vom Weizen von einer gleichen Fläche größer, als der vom Roggen, Er giebt aud), nächſt dem Hafer, wohl den höchſten Körnerertrag unter den Getreidearten; wenigſtens gewinnt man bey der großen Menge von Nahrungsſtoff, die der Weizen enthält, die größte Maſſe von nahrungsfäbiger Ma- terie, Dennoch iſt der Ertrag an Körnern vom Weizen im San- en genommen ſchwankender und unſicherer, als vom Roggen z r er bey der Durchwinterung, hauptſächlich im nördlichen Deutſchland, mehr leidet, als der Roggen z; da die Witterung im Verlaufe des Sommers einen größern. Einfluß auf die Qualität und, Quantität des Körnerertrags beym Weizen bat, als beym Roggen; und da er von einer Krankheit, dem Brand, oft mehr leidet, als die andern Getreidearten durch alle nur möglichen ſie betreffenden Unfälle, Es giebt zwar Gegenden, wo der Brand nur ſelten Statt findet; dagegen giebt es wieder Gegenden, wo dex Weizen alle Jahre brandig wird, und. oft. ſo ſehr vom Brande angeſte>t iſt, daß man kaum den Samen wieder gewinnt, Das ber kommt es, daß der Ertrag des Weizens unſicherer und ſchwankender iſt, als der einer andern Getreideart, in manchen Gegenden etwa die Gerſte ausgenommen. Burger giebt in ſeinem Lehrbuche der Landwirthſchaft B. 2. S. 16, den 5jährigen Durchſchnittsertrag von ſeiner Wirthſchaft im Levantthale zu 18,7 Wiener Metzen vom öſterreichiſchen Joh an. Sein ſtärtſter Ertrag waren 29x Wiener Meßen vom öſterreichiſchen Joh. In der Umgegend von St. Florian in Oberöſterreich, einer ſehr fruchtbaren, fleißig cultivirten Gegend, rechnet man als gewöhnliches Ertragniß 18 Wiener Metzen vom Joch; in yorzüglich cultivirten AeXern und guten Jahren 24 Meßen. Erxndten von 30 und mehr Meten ſind Seltenheiten., Schmalz giebt im 3ten Bande ſeiner Erfahrungen im Ge: biete der Landwirthſchaft, S. 147, den Ertrag des Weizens nach Raps, bey x Berliner Scheffel Ausſaat auf den Magdeburger Morgen, zu 180 rheiniſchen Quadratruthen, zu-28 Korn Ertrag an. Einer ſeiner Vorgänger erbaute aber das dreyßigſte Korn, Thaer ſagt in ſeiner rationellen Landwirthſchaft Band 4. S. 62:„Man kann bis 24 Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen zu 180 rheiniſchen Quadratruthen bey gewöhnlicher Cul- tur auf ſebr gutem Boden in glücklichen Jahren gewinnen. In England Es: man bey der Drillcultur oder bey ſorgfältigem Hand- kacken viel höhere Angaben. In der Regel werden aber 12 Schefz2 fel ein guter, 8 Scheffel ein geringer Ertrag genannt 3 das Mitt« lere iſt alſo 10 Scheffel auf gutem Weizenboden und üblich guter Beſtellung,“; In der Umgegend von Dregsden, auf der linken Seite der Elbe, rechnet man in denjenigen Ortſchaften, die einen vorzÜgs lichen Weizenboden haben, den allgemeinen Durchſchnittsertrag nach vieljährigen Annahmen an Körnern vom Magdeburger Mor» en, zu 180 rbeiniſchen Quadratruthen, zu 14 Berliner Scheffeln, tach fünfjährigen Erfahrungen habe ich den Ertrag böher und zwar faſt zu 17 Berliner Scheffeln vom Magdeburger Morgen gefunden, In einigen vorzüglichen Weizengegenden im nördli- Garben. Den Scheffel Weizen kann man, des u oft wiederkehrenden Körnerbaues wegen, ohne Braachhaltung, ey einer übrigens ſehr reichlichen Düngung im Durchſchnitt, nicht höher, als zu 85 Pfund im Gewicht annehmen, mithin gewinnt man vom Morgen 1190 Pfund Weizen. Die 5 SchoF Garben geben nach dem Abdreſchen, die Wirrgebunde mit eingerechnet, Erndte u. Zugutemac. Von dieſen wurden au8gedroſchen 14 ſchle- ſiſche Scheel oder 19x Berliner.+ Wegen einer großen Menge geringen Weizens, konnte man denſelben nicht höher, als 80 Pfund den Berliner Scheffel rechnen. Von dem Weizenſtroh wurden nac< dem Druſch, incl. dex Wirrgebunde, aufgebunden 34 Gebund a 20 Pfund. Es wurden alſo gewonnen 1540 Pfd. Kör» ner und 5780 Pfd. Stroh.. Im Jahre 1818 wurden ebenfalls von nicht brandigem Weizen geerndtet 412 Scho> Garben. Von dieſen wurden ausgedroſchen 16. ſchleſiſche Scheffel»oder 22 Berliner, den, Berliner Scheffel a 80 Pfund, 1769 Pfund. Von den Garben wur- den nach dem Dreſchen aufgebunden, incl. der Wirrgebunde, vom Scho> 34 Gebund Strob a Gebund 20 Pfund. Es wurden alſo gewonnen 1760 Pfund Köxrnex, und 7990 Pfund Stroh. In ſolchen Bodenarten, wo die Trespe ſehr eingewuchert iſt, iſt das Verbältniß des Strohes gegen die Körner noch grö- ßer, indem vie Trespe unter den Aftrich fällt. Bemerkung über den Weizenbau, Der Weizen. behauptet unter den Getreidearten. den größten Werth, weil er in einem gleichen Gewichte mehrere und kräftigere Nahrungstbeile enthält, als irgend eine andere Getreidegattung: Das Gewicht des Weizens ſchwankt pro Berliner Scheffel zwt- ichen 80 und 96 Pfund. Sein Marktpreis iſt gewöhnlich um 3 oder um 3 pro Scheffel höher, als der des Roggens, und in ſolchen Gegenden ,, wo der Weizen unſicher gerärh, nur in geringer Ausdehnung gebaut wird, und die von den Gegenden, wy viel Weizen gebant wird, weit entfernt ſind, noch höher. Jn mai: e nach, und richten oft große Verwüſtungen darin an. Alle dieſe Inſecten- ſchaden zwar aucly dem Winterweizen 3 doch dieſem weit weniger, als dem Sommeriweizen« Der Winterſpelz. Der Spelz gelangt im ſüdlichen Deutſchland in der erſiett Hälfte des Auguſts zur Reife, im nördlichen Deutſchland etwas ſpäter. Die Erndte des Spelzes beginnt, wenn die Halme weiß erſcheinen. Man hat dabey zu beobachten, daß man das Mähen noch eher beginnt, als bis die Aehren ein vollfommen reifes Anſehen haben und die Körner ganz hart werden, weil die Ach- ren dann leicht durchbrechen und man großen Verluſt erlyidet, Auch werden die Körner des vor völliger Reife gemäheten Spelz: es eben ſo, wie die des Weizens, beſſer. Hat der Spelz den Zu: Hand der Mähereife erlangt, ſo muß man mit dem Abbringen und Einbringen eilen, weil er bey naſſer Witterung ſchneller, als irgend ein anderes Getreide, auswächſt. Er kann ſowohl mit ? (337) der Senſe, als mit der Sichel gemähet werden.„Viele empfeh- len, das Abbringen, der Sprödigkeit der Aehren wegen, mit der Sichel zu bewerkſtelligen, Bey tro>ner Witterung wird der Spelz an einigen Orten im Thau des Morgens geſchnitten, und wenn er nicht viel Gras enthält, des Abends in die Scheune gebracht,, um Körnerverluſt zu vermeiden, Iſt der Spelz dagegen mit Gras durchwachſen, oder es ſind noch viele Aebren nicht völlig reif, ſo läßt man ihn einige Tage liegen, bevor er gebunden wird, Beym Einfahren iſt, des Zerbrechens der Aehren' wegen, ein mit Leinwand überſpannter Wagen zu empfehlen. Der Spelz kann, ſo bald er vom Felde kommt, gedroſchen werden, in welcher Be: ziehung und deſſen fernere Behandlung wir auf das Zugutema- kern, nie aber im Durchſhnitt von ſeinem ganzen Areal be- zogen habe, zu 15 Scheffel vom Morgen, oder vom Hektar 84 Hektoliter. Bey guten Erndten, ſagt er, und auf guten, Fel: dern bekommt" man gewöhnlich im Medium vom Hektar 53,60 Hektoliter. 4 In Hohenheim war der höchſte Ertrag im Jahre 1821 vom Hektar 56,27 Hektoliter. Der geringſte 1820 vom- Hektar 43,24 Hektoliter. 4 Der Durchſchnitt der angeführten Angaben beträgt vom Hektar 48,47 Hektoliter. Sturm giebt in ſeinem Lehrbuche„der Landwirthſchaft, Bd. 1. S. 183, den Ertrag des Spelzes zu 15 bis 20 Koxn an, In Reicharts Land- und Gartenſchatz, Theil 3. S. 170, wird geſagt, daß der Spelz einen eben ſo reichen, oft noc) reiz: erbau, S. 113, im Weſent- lichſten Folgendes: s Man giebt dem Spelz den Namen einer Halbfrucht, weil er noch nach dem Abdruſche in ſeinen Hülſen Feſt ſißen bleibt und mit dieſen aufgemeſſen wird; daher iſt ſein Ertrag größer, als der irgend eines andern Getreides, Der Ertrag an reinem Korne kann nur erſt nach dem Enthülſen ermittelt werden, und es zeigt ſich dann, daß die Körner dem Maaße nach nicht die Hälfte der Maſſe betragen. Der enthülſete Dinkel führt im ſüdlichen Deutſch land den Namen Kern. Von den Landwirthen wird er gewöhn lich unenthülſet auf den Markt gebracht. Um das Quantum von Körnern und Mehl auszumitteln, welches“man ſich ungefähr von einem würtembergiſchen Scheffel Spelz, gleich 177,22 Liter, zu verſprechen habe, ſind verſchiedene Mahlgerben, von denen zwey auf einer eignen Mühle in Ho- benbeim mit großer Pünctlichkeit gemacht worden ſind, in einer Tabelle angegeben, wonach der Durchſchnitt Kilvgr..| Kilogr.|Kilogr.|Kilvgr. Liter|Kilogr.|Kilvgr. Spelz Hül:| Ab:| Ferne|Kerne|Mehl|Kleye ſen| gang yer. Scheffel|74,86, 17,66| 3,5 154,62 74,63(49,18| 5,00 yer Hektoliter(42,24 110,0| 2,0[30,82 42,411 127,75 41-3500 Nach dieſer Tabelle betrug das Gewicht eines würtemberger Scheffels Spelz im ausgeſchälten Zuſtande oder die 177,22 Liter zum geringſten. 8.« 71,5 Kilogr« zum höchſten. r N.. 7:8 0 702 11 DUATPO[Ob GE 748.2 1009 2085 2 080 2m Durchſchnittsgewicht für den Hektoliter 42,24=- Im geſchälten oder enthülſeten Zuſtande gab dem Maaße nach ein Scheffel Spelz an Kernen: zum geringſten s 8 ö s 63,45 Liter, zum höchſten«. ö 5. TTJ0E: im Durchſchnitt p'<% 74,63= Durchſchnittsmaaß für den Hektoliter 42,11= Nan kann demnach einen Kilogramm Spelz einent Liter Kernen gleich ſeßen 3 oder mit andern Worten, von einem Sa Spelz, der 100 Kilogramme wiegt, darf man ſich im Durchſchnitt einen Hektoliter Kerne verſprechen:' Da ſich nach der Tabelle der Gewichtsdurchſchnitt des Spel- zes zu dem Gewichtsdurchſchnitt der. davon gekommenen Kerne Ungefähr verhält, wie 74 zu 54: ſo folgt, daß man 20 Kilv- gramm Kerne„weniger zu erwarten hat, als das Gewicht des Scheffels Spelz, und etwas über 100 Liter weniger, als'ſein » Erndte u. Zygutemachung d. Feldgewächſe. Winterſpelz. 4137 (339) Maaß betrug. Es verſteht ſich, daß beides nach den Jahren und dem Boden mehr, auch weniger ausmachen könne, Um den Spelz näher zu würdigen, baben wir ſeinen Ertrag an Kernen und Mehl mit dem des Weizens zuſammengehalten. Nach den bereits früher gegebenen Angaben giebt ein Hektar im Durchſchnitt 48 Hektoliter Spelz; dieſs 48 Hektoliter wiegen 2027,5 Kilogramme, dieſe geben 20,21 Hektoliter Kerne, dieſe wiegen 1479,4 Kilogramme. Die Kerne geben 1332 Kilogramme Mehl: Der Weizenertrag iſt im Durchſchnitt zu 22 Hektoliter vom Hektar angenommen. Demnach wäre der Ertrag deſſelben dem Maaße nach um 7 srößer, als der der Spelzkerne. Es 4500 nun nod) der beiderſeitige Mehlertrag gegen einander zu alten. E Nach der monuture economique de Paris giebt der Hekto- liter Weizen, 77 Kilogramme wiegend, 57,75 Kilogramme Mehl. Nah Jacob Syrington giebt er 60,2, Nach einem Ausſchreiben des franz. Miniſters der Gewerbe vom 20. May 1812 dürfte er gar nur 53,33 geben. Alle dieſe Angaben ſind zu gering, ſelbſt die Syrington'ſche, wenn man ſie mit Schnee's Handbuch(un- ter dem Artikel: Mehl), ſo wie mit Lüzers Angabe(Burgers Lehrbuch der Landwirthſchaft, Band 2, S, 22) vergleicht. Nach dieſen, geben 85 Pfund Weizen 71 Pfund Mehl; der Hektoliter alſo, 77 Kilogr. wiegend, 64,32 Kilogr. Mehl, mithin 1,52 Ki- logramm weniger, als der Kern des Spelzes giebt. Der Mehl- ertrag eines Hektars Weizen aber=beläuft ſich auf 1415, ſtatt daß der des Spelzes nur 1332 wiegt, jener alſo 83 Kilogr. Mehl mehr, als dieſer. Der Unterſchied zwiſchen beiden thut nach dem Mebrerträg nur 2, ſtatt daß er näch den Körnern 2+ thut. Was die Güte des Spelzmehls betrifft, ſo ziehen Einige ſolches dem Weizenmehl vor, weil es feiner und weißer ſeyn ſoll z An- dere ſeen es ihm nach, weil das daraus geba>ene Brod ſpröder iſt und ſchneller, als das Weizenbrod, austrocknet. Die Wahr- beit möchte alſo wohl auch hier in der Mitte liegen und ſich für die Gleichheit an Güte für beide Theile z3usſprechen. Nad) den in einer Tabelle gegebenen Fruchtpreiſen in Wür- Aben von 1766 bis 1815, jtellen ſich die Preiſe folgender: maßen: Ein Scheffel Roggen iſt an Geldwerth zleich 17, ; E"REWE SE 01-1) 15 40084 106| 8 Ww; 40437 a Ei. 8 Spelz" s 2:[] 5 10, : E58+ Mfr RE 8.= 8 Faßt man alle Vortheile und Eigenheiten des Spelzes im Vergleich mit denen des Weizens zuſammen, ſo ergiebt ſich, nach Abweiſung einiger irrigen Begriffe, welche diejenigen auf- ; gefaßt oder Andern nachgeſchrieben haben, die ſeine Cultur nicht aus eigner Erfahrung kennen: ; 1) Daß der Spelz auf ſchlechterm und erſchöpfterm Boden nür ſchlecht fortkommt; dennoch auch einer ſolchen verträgt, der : für Weizen etwas zu leicht oder gu tröäen iſtz3 auf rechten ; Weizenböden aber am beſten gedeibt. " 2) Daß er dieſelbe Feldbeſtellung erfordert, wie der Weizen; ; dabey aber das ſpäte Düngen, ſo wie das Ueberdüngen beſ- " ſex verträgt, als dieſer; 22* 138 Ban der Feldfrüchke.- 8. Abſchn, Auguſt. (340)' 3) Daß er ſich mit weniger Dünger behilft und weniger alte Kraft im Boden erfordert, als der Weizen. 4) Daß er ungleich verträglicher mit ſich ſelbſt und mit an- dern Gewächſen in der Fruchtfolge iſt, als der Weizen; WAVE weil er den Boden weniger erſchöpft, als ieſer. 5) Daß er den Krankheiten, namentlich dem Brand, weit we- . niger unterworfen iſt, als der Weizen. NEE er von dem Vogelfraß auf dem Felde wenig oder nichts eidet. 7) Daß er aber dem Lagern und Abbrechen der Spelzen, daher von dieſer Seite der Gefahr des Verluſtes nicht weniger, als der Weizen ausgeſett iſt. 8) Daß dem geſchnittenen Spelz die Näſſe nicht minder nach2 theilig iſt, als dem Weizen; dagegen aber ein ſchnelleres ze und Einſcheuern gleich hinter der Sichel verträgt, als dieſer. 9) Daß ex leichter abzudreſchen iſt, auf dem Boden zwar einen großen Raum erfordert, ſich aber beſſer darauf, als der Weizen erhält.. 10) Daß der Spelz im Mehlertrage letzterem wenig nachſteht. 11) Daß ſich aus Spelz zwar ein feineres Mebl, als aus Weiz en, hervorbringen läßt; daß aber das daraus verfertigte Ge- ä>e ſpröder iſt, und ſich weniger«friſch erhalte, als das vom Weizenmehl angefertigte, H, M 12) Daß das Spelzſtroh zwar etwas ſteifer iſt, als das des Weizens, daß es aber demungeachtet nicht allein ein treſſz liches HäFſel für die Pferde*), ſondern auch ein gutes Lang» futter für das Hornvieh giebt. Aus dem Angegebenen ergiebt ſich, welche große Vortheile der Anbau des Spelzes gewähre, und wie ſehr der ſchwäbiſche Landwirth Necht habe, dabey ſtehen zu bleiben. Wenn der Spelz nicht allenthalben, in ſo weit ſich die climatiſchen Verhältniſſe dazu eignen, eben ſo ſehr anzurathen iſt: ſo-liegt das mehr am Abgang zwe&mäßiger Vorrichtungen an den beſtehenden Müh» len,' als am innern Werthe dieſer edlen Frucht. Da uns die Erfahrungen Über den Spelz gänzlich mangeln, ſo müſſen wir es Jedem„überlaſſen, ſeine Meinungen Über den Spolzbau nach den vorſtehenden ſehr ſchäzbaren Angaben des Hrn. von Sern, auf denen ich dieſe Frucht baue, nicht mehr als 14 Wiener Metzen vom öſterreichiſchen Joch geerndtet, ob= glei die Saat nach gedüngten und beha>ien Früchten zu ſtehen am.“ „Zu Kreug in Kärnthen, eine Wirthſchaft im Mittelgebirge und gutem Boden, erndtete man im Jahre 1308 vom Joche 25% Meten, im folgenden Jahre aber, bey gleicher Vorrichtung des Bodens, nur 12,62 Meßen vom Joche, Es waren beide Jahr- gänge fruchtbar,“ „„Zu Bleiburg auf der herrſchaftlichen Meierey erhielt man per Joh: vom Winterroggen: vom Sommerroggaen* 1315--1316, 38 Metzen, 9 Maßl. 7 Metzen, 10 Maßl. 1816-- 1817, 12 Metzen, 12 Maßl. 10 Metzen, 6 Maßl. 1817= 1818. 12 Meßen. 11 Meßen. . Ueberall kam der Winterrogen in die ſpätern Jahre nach dem Dünger, der Sommerroggen in das 2te oder 3te.“ - In mehrern Wirthſchaften in der Umgegend Dres8dens hat ſeit mehreren Jahren eine ſich ſehr ſtark beſtaudende Art des Sommerroggens Eingang gefunden, und noner der Zeitpunct während ihrer Saatzeit und einige Zeit nachher war, um ſo doppelwüchſiger iſt ſie. Auf den Nachwuchs iſt in den meiſten Fällen nicht viel zu rechnen, und man muß daher zur Erndte ſchreiten, wenn der erſte Aufſchuß ſeine Mäh» reife erlangt bat. Der Zeitpunct der Mäbreife muß bey der Gerſte ſorgfältig beobachtet werden, und. man muß ſie nie ihre vollkommene Neife erlangen laſſen, weil ſonſt ihre an ſehr düns= nen Stielen hängenden Aehren, die bey völliger Reife ſebr ſpröde werden, leicht abfallen. Man empfiehlt daher die Gerſte, bevor ſie nocne Witterung ein, ſo reift die Gerſte ſehr plößblich, und man muß dann vor Allem der Gerſte zueilen, weil man bey trockner Witterung an ihr den größten Verluſt erleidet. Iſt es ſehr troFen, ſo iſt es ſogar rathſam, ſie nur des Morgens Im Thau zu mähen, wo die Halme etwas zäh ſind, weil ſonſt durch die Erſchütterung beym Mähen ein großer Theil der Aeh- ren abſpringt. Die Gerſte wird gewöhnlich mit der Senſe in Schwaden gemäht, und wegen der Kürze ihres Strohes eignet ſie fich unter allen Getreidearten am wenigſten zum Schneiden mit der Sichel. Nur ſelten gelangt die Gerſte zu einer ſolchen Länge im Stroh, daß ſie beym Hauen abgeraffit werden muß, und mir iſt nur ein dergleichen Fall bekannt. Einige bringen FWRr die Serſte gleich nach dem Abbringen in die Scheune; ale ein es iſt dieß nicht zu empfehlen,-weil dann nicht nur ein gro- Erndte u, Zugutemachung d, Feldgewächſe, Gerſte. 141 (343) ßer Theil der noh ſehr weichen Körner, bey einer ſehr ſtarken Er- hivung, verdirbt, und die andern ein röthliches Anſehen bekom: men, was ſie als Marktartikel weniger preiswürdig macht, ſon» dern weil ſich auch die nicht gehörig im Schwaden abgetro&nete Gerſte ſchwer rein dreſchen läßt. Uebrigens erhitt ſich auch feucht eingebrachte Gerſte in der Scheune leichter, als eine andere Ge: treideart, und kann leicht Gefahr verurſachen. Es iſt daher zu empfehlen, die Gerſte vor dem Einbringen gehörig auf dem Schwa- den abtroc>nen zu laſſen. Viele ſehen es gern, wenn die Gerſte, im Schwaden liegend, ein Regenſchauer trifft, wo dann die Körz= ner aufſchwellen und ein beſſeres Anſehen bekommen. Trifft. die Gerſte auf dem Schwaden anhaltende naſſe Witterung, ſo leidet ſie ſehr großen Schaden z denn die Körner wachſen nicht nur ſehr leicht aus, ſondern die Aehren der naßgewordnen und wieder ab= getro>neten Gerſte ſpringen um ſo leichter ab, Das Stroh der Gerſte leidet wegen ſeiner Weichheit bey der Näſſe mehr, als das einer andern Getreideart, und verdirbt oft ſo, daß es kaum zu Futter tauglich iſt. Während aller Operationen in der Erndte, muß die Gerſte, wenn man nicht einen großen Verluſt erleiden will, ſehr ſcho» nend behandelt werden. Bey tro>ner Witterung recht man die Schwaden nur im Thaue in Haufen, und ſtellt die gebundene Gerſte nicht in Lademandeln, ſondern ladet die: Gebunde gleich von den>Reiben auf. In einigen Gegenden wird die Gerſte gar nicht gebunden. Schwerz ſagt im 2ten Bande ſeiner Anlei= tung zum praktiſchen A>erbau, S. 213:„„Im Ellaß wird die Gerſte nicht gebunden, ſondern an dem Tage vor dein Einbrin«- gen mit Gabeln in kleine Haufen gebracht, des andern Morgens beym Thau aufgeladen und eingefahren. Zu dieſem Ende wird der Erndtewagen mit einem großen Tuche bekleidet. Die.Hun- gerbarke(Nachrechen) holt nad), was nothwendig bey dem Auf- ſtechen liegen geblieben. Mehr Verluſt iſt dabey, als wenn die Gerſte aufgebunden wird 3 allein man findet, daß die Erſparniß an Arbeitskoſten jenen Verluſt überwiegt,“ In der Scheune muß man der Gerſte einen möglichſt lufti- gen Platz anweiſen, weil ſie, wenn ſie auc noch ſo tro>en ein- . gebracht worden, dennoch eine große Menge weicher Körner und zäher Halme enthält, die ein ſtarkes Schwibtven„verurſachen. an empfiehlt auch beym Einbanſen in der Mitte der Gerſte eine ſenkrechte. Oeffnung, gleich einem Schornſteine /- zu laſſen, durch welche die Dämpfe aufziehen können. Bey der eingeſcjeune= ten Gerſte iſt anfänglich wiederholtes aufmerkſames Nachſehen erforderlich, damit ſie ſich nicht zu ſtark erhibt und verdirbt, oder doch wenigſtens nicht dumpfig wird. Oft iſt es nöthig, die Gerſte im Banſen umzulegen. In ſo vielen Wirthſchaften, als ich kennen zu lernen Gelegenheit gehabt babe, bave ich gefunden, daß am häufigſten das Gerſtenſtroh dumpfig war. Ertrag. Bey der großen Menge verſchiedener Gerſtenarten und unter den mannigfaltigen Verhältniſſen, unter welchen die Gerſte Fe- baut wird, iſt auch der Ertrag ſehr verſchieden.„Wir haben hier des Ertrages der kleinen vierzeiligen und der großen zweyzeiligen Gerſte zu gedenken, da wir über den Erirag der andern, am 142 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (344) bauptſächlichſten gebauten Arten bereits im 3ten Bande bey der Cultur der Gerſte gehandelt haben, Scten Früch:= ten oder im friſchen Dünger, war während der Jahre 18038, 9 und 10, 24 Wiener Metzen vom öſterreichiſchen Jo<. Zu Kreug im Mittelgebirge, bey der gleichen Behandlung, 21" Mebßen. Zu Bleiburg im leichten Kalkboden, 17 Meßen.“ Auf der linken Elbſeite in der Umgegend von Dresden, un» ter allerdings zum Gerſtenbau ſehr geeigneten Umſtänden, indem es dem lehmigten Boden weder an Lo>erheit, noch an genugſa» mer leichtauflöslicher Nahrung mangelt, indem ſich ſowohl der Boden, als die Atmoſphäre immer in einem mäßig feuchten Zu- ſtande erhalten, rechnet man im Durchſchnitt von der großen zweyzeiligen Gerſte 18 Berliner Scheffel vom Magdeburger Mor» gen zu 130 rheiniſchen Quadratruthen. In günſtigen Jahren erndtet man 24 Scheffel, Bey dem faſt gänzlichen Mangel an Braachhaltung und häufig wiederkehrenden Körnerbau, geben bier Gerſte und Hafer im Verhältniſſe den höchſten Ertrag unter den Getreidearten. Ueber den Strobertrag ſagt Burger in ſeinem Lehrbuche der Landwirthſchaft Band 2. S. 43, daß derſelbe in einem der Gerſte angemeſſenen Boden zwiſchen 2000 und 2500 Wiener Pfund vom öſterreichiſchen Joch wechſele. Thaer ſagt im 1ſten Bande ſeiner rationellen Landwirtb- ſchaft S. 270, daß bey der Gerſte. das Verhältniß des Kornes zum Stroh zwiſchen 62 und 64 zu 100 ſchwanke.| Unſtreitig läßt ſich wohl bey keiner Getreideart im Verhält- niß zwiſchen Strob und Körner eine allgemeine Beſtimmung über den Strohertrag ſchwieriger feſtſezen, als bey der Gerſte, Oft bleibt die Gerſte im Stroh außerordentlich kurz, und giebt doch bey einer günſtigen Periode während des. Körneranſatzes einen ſehr lohnenden Körnerertrag. In feuchten Jahren wächſt dagegen das Stroh ziemlich lang, bey einer ungünſtigen Periode während des Körneranſaes aber iſt der Körnerertrag ſehr gering. In allen Bodenarten, die mehr feucht ſind, wo auch das Clima mehr feucht iſt, die Bodenkrume aber nicht gleichmäßig mit einex ers forderlichen Menge leichtauflöslicher Nahrung durchmengt iſt, wird im ps 0 4 gegen den Körnerertrag, der Strohertrag am. höchſten ſtehen; weil viele Gerſtenbalme zwar eine beträcht» (345) liche Stärke. und Höhe erlangen, aber mangelnder Nahrung im Boden wegen nur wenige und ſehr unvollkommene Körner an= ſeven. Daher wird man bey der Gerſte finden, daß der'Aus- druſch ſo ſehr verſchieden iſt.. Nach ungefährer Annahme erndtet man in der Umgegend von Dregsden etwa 4 ShoX Garben vom Magdeburger Morgen, bey der großen Gerſte. Davon werden nach dem Druſche etwa 22 Gebund Stroh, 3 Gebund 20 Pfund, vom ShoX aufgebun= den. Nimmt man. den Ertrag zu 18 Berliner Scheſffeln vom Morgen, und das Gewicht der Gerſte zu 75 Pfund an, ſo ge- winnt man vom Morgen 1760 Pfund Stroh und 1350 Pfund Körner. Nach ſechsjährigen Beobachtungen glaube ich jedoch, daß man den Strobertrag beträchtlich höher annehmen kann, da in allen dieſen Jahren die Gerſte eine ziemliche Länge im Stroh erlangt hatte. Was die Wintergerſte anlangt, ſo giebt Thaex in ſei- ner rationellen Landwirthſchaft, Band 4, S. 88, deren Ertrag in reichen Niederungsgegenden bis zu 28 Berliner Scheffeln pro Mag- deburger Morgen, in der Regel zu 22 Scheffeln an. S< werz giebt im 2ten Bande ſeiner Anleitung zum prak- tiſchen Akerbau, S. 173, nach mehrern Angaben aus verſchiedenen Gegenden, den Durchſchnittgertrag der Wintergerſte zu 38 Hek»- toliter pro Hektar an, wonach nach zuverläſſigen Angaben der höchſte Ertrag in Weſtflandern zu 45 Hektoliter vom Hektar. Der Strobertrag iſt von der Wintergerſte gewöhnlich höher, als der von der zweyzeiligen Sommergerſte, da ſie länger aus2 wächſt, und im Stängel ſtärker wird.; 6 250 Da ſie ſehr zeitig zur Erndte gelangt, ſo wird ſie anfänglich von den Brauern ſehr gut bezahlt; ſpäter ſteht ſie aber im Preiſe geringer, als die zweyzeilige Sommergerſte, da ſie in Körnern gewöhnlich geringer iſt, und auch gewöhnlich weniger wiegt. Vebrigens wintert ſie nicht ſelten gänzlich aus. Den Ertrag der kleinen vierzeiligen Gerſte rehnet man gewöhnlich, ſowohl im Stroh, als in den Körnern,.um 3 bis x geringer, als den der großen zweyzeiligen Gerſte. Bemerkungen über den Gerſtenbau,. Der Werth der Gerſte ſteht'nach ihrernen. Sobald der Hafer gehörig abgetrocknet iſt, muß man mit dem Aufbinden eilen, wenn man nicht großen Verluſt an den vollkommenſten Körnern erleiden will. Wenn den Hafer auf dem Schwaden ein mäßiger Regen| trifft, ſo iſt dieß in ſofern ſehr erwünſcht, weil er ſich dann um ſo leichtex ausdreſchen läßt, Wenn dann aber der Hafer abgetro>net iſt; ſo muß er ſchläunigſt aufgebunden werden, weil er ſehr ausfällt. Eine ſehr fehlerhafte Methode iſt es, den gehauenen Hafer gleichſam auf dem Schwaden röſten zu laſſen, damit er ſich um ſo leich» ter ausdreſchen laſſe. Es iſt mir bekannt, daß man den Hafer ſo lange auf dem Felde ließ, bis er ausgewachſen war. Man verliert dann nicht nur die vollkommenſten Körner, ſondern es verdirbt auch das Stroh. Es iſt zwar wahr, daß derjenige Ha- fer, der zwar gehörig tro>en eingebracht worden, aber nicht lange auf dem Schwaden gelegen hat z- ſich ſchwer dreſchen läßt, und daß viele der unvollſtändigen Körner gar nicht auszubringen ſind 3 allein es iſt doch beſſer, daß man die vollkommenſten Körner er- hält, während die im Stroh ſiven gebliebenen unvollkommenen daſſelbe um ſo nahrhafter machen und dem Viebe zu gute kom- men. Es iſt beym Hafer ganz beſonders zu empfeblen, denſel- ben bald nach dem Mähen aufzubinden, ihn in die bey der Erndte im vorigen Monat beſchriebenen Regenmandeln zu ſeven, und ihn in dieſen bis zum Einfahren zu laſſen. Ertrag. Da der Hafer ſowohl im ganz leichten Sandboden, als in den magerſten und abgeſäeten Feldern, dann aber wieder in dem ſtrengſten, kräftigſten Weizenboden gebaut wird, da man auf die Cultur des Hafers bald größere, bald geringere Sorgfalt verwen- det, ſo iſt es ganz natürlich, daß man einen ſehr verſchiedenen Ertrag- erhält. Hierzu kommen noh die vielerley Arten des Ha= fexs, von denen die eine mehr, die andere weniger ergiebig iſt, S< werz giebt im zweyten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>erbau S. 253, das Medium des Körnerertrags beym Hafer in den Niederlanden zu 50,66 Hektoliter vom Hektar an. Der höchſte Ertrag daſelbſt auf Marſch- oder ſonſt ſehr gutem Boden 356 bis 67 Hektoliter vom Hettar. Burger ſagt im 2ten Bande ſeines Lehrbuches der Land- wirthſchaft S. 53. Folgendes über den Ertrag des Hafers an Körnern,„Sein Ertrag in angemeſſenem Boden, wechſelt nach der darin vorfindigen Kraft und einer anpaſſenden Cultur zwi- ſchen 30 und 50 Wiener Metzen vom öſterreichiſchen Joch. Im Sandboden aber, bey geringer Cultur, oder in ausgetragenen AeFern, kann man nicht mehr, wie 20 bis 30 Metzen rechnen.“ „Jn unſern Thälern, ſelbſt in den Bergen, gewinnt man bey reichlicher Düngung nicht ſelten 50 bis 609 Meten vom Joh. Einer meiner Freunde erhielt im Mittelgebirge noh reichlich ge- düngten Kartoſfeln, im Jahre 1816, 46 bis 62 Metzen vom Joch. Erndte u, Zugutemachung d, Feldgewächſe, un 147 j(349 Sonſt aber iſt der Ertrag des Hafers bey uns, bey der geringen Cultur, die man auf ihn verwendet, indem er nur eine Pflug- furche erhält, nur 28 bis 30 Metzen. Zu Hungerbrunn in Kärn2 tben, im" Durchſchnitte dreyer Jahre, 28 /11; zu Kreug: 29,25 Mebten, obgleich er entweder in friſchen Dünger, oder-“in die zweyte Tracht kam,“; In der Umgegend. von Dresden auf dem linken Elbufer in gutem Boden/ wo der Hafer gewöhnlich zur 3ten oder 4ten Tracht geſäet wird, rechnet man als Durchſchnittsertrag an Körnern, 20 bis 22 Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen' zu 180 rheiniſchen Quadratruthen. Bekommt der Hafer einen beſſern Platz, was wohl zuweilen vorkommt, ſo erndtet man auc< über 360 Berliner Scheffel. In einem zu Weizen zubereiteten und gut gedüngten Boden, wo aber wegen zu großer Näſſe im Herbſt die Weizenſaat unterbleiben mußie, und im nächſten Frühjahr Hafer geſäet wurde, erndtete man von dieſem 38 Berliner Schef2 fel vom Magdeburger Morgen. T< kenne aber auch Gegenden, wo man int Durchſchnitt kaum 4 Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen erndtet. Ein großer Theil der Haltne wird ſo unvollſtändig, daß ſie ſich nicht in Seitenäſte auszubreiten vermögen, ſondern ihre ganze Kraft durch ein einziges Korn erſchöpft wird, welches ſich an der Spiße des Halmes anſetzt, wodurc< die Haferpflanze das Anſehen eines Dreſchflegels hat, worauf ſich das-in einigen Ge: genden gebräuchliche Sprüchwort gründet, daß der Hafer nur dreſchflegele, In Hinſicht des Strobertrages nimmt Thaer in ſeiner rae tionellen Landwirthſchaft Band 1, S. 270. das Verhältniß des Kornes zum Stroh zwiſchen 60 und. 62 zu 100.an, wonach daſſelbe nicht viel verſchieden von dem bey der Gerſte iſt. Bur- ger ſagt bingegen im 2ten Bande ſeines Lehrbuches der Land- wirthſchaft S. 54., daß ein ſo geringer Strohertrag nur im Sandboden in ebenen Ländern Statt hat.' Burger nimmt am angeführten Orte in ebenen und ſandigen Ländern den Stroh» ertrag vom Öſterreichiſchen Joch, bey guter Erndte, zwiſchen 20 und 30 Centner, in ausgetragenen Ae>ern zwiſchen 15 und 20 Centner an. In Hügel- und Bergländern in guter Lage 40 bis 60 Centner, in mittelmäßiger 30 bis 40 Centner vom Joche an. Nac) einer verläßlichen Rechnung iſt der Haferertrag vom gemeiz nen weißen Hafer per Joch angegeben 50 Metzen, a Mete 533% Pfund, 100 Pfund Afterkörner, 75 Pfund Spreu, 5050 Pfund Stroh, wonach. das Verhältniß der Körner zum Stroh 52: 100. Beym Fahnenhbafer 62x Metzen, a Meße 5575 Pfund, 100 Pfund Afterkörner, 100 Pfund Spreu, 6900 Pfund Stroh, wonad) das Verhältniß der Körner zum Stroh 49: 100. In der Umgegend von Dresden bindet man vom Morgen etwa 4 Scho> Hafer auf. Dieſe geben nach dem Druſche 24 Ge- bund Stroh, a Gebund zu 22 Pfund, mithin 2112 Pfund Stroh. Nimmt man den Körnerertrag zu 21 Scheffel, den Scheffel zu 52 Pfund, ſo.würde dieß 1092 Pfund Körner betragen. In feuchtem Boden und in feuchtem Clima iſt das Verhält» niß des Strohes zu den Körnern noch größer; am größten babe ich es in Teichländereyen gefunden, wo mitunter das Verhält- 148 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſen nad) Hauſe geſchafft, Beym Anbau im Großen iſt dieß zwar nicht ausführbar; doch empfiehlt man, den zum Samen nd-= thigen Hirſe auf dieſe Weiſe zu gewinnen. Der Hirſe wird bes butſam mit der Sichel geſchnitten. Man läßt ihn nicht auf den Schwaden liegen, weil er ſonſt zu ſehr ausfallen würde, wenn er Regen bekäme und wieder tro>nen würde, ſondern bindet ihn ſofort auf und bringt ihn auf einem mit einem Tuche überſpanns ten Wagen in die Scheune, wo er alsbald gedroſchen wird. Da der no< nicht völlig reife Hirſe nicht leicht abgeht, ſo empfeh len Einige, den eingebrachten Hirſe einige Tage im Haufen auf der Tenne liegen zu laſſen, damit er ſich erwärme, worauf die Körner um ſo beſſer abgehen, und zum Theil von ſelbſt aus» fallen; Einige laſſen den Hirſe nicht ausdreſchen, ſondern durchs Vieh austreten. Das advgedroſchene Stroh muß alsbald ſorg fältig zum Tronen augsgebreitet werden. Der ausgedroſchene Same wird ganz dünn auf dem Boden auxgebreitet, und öfters mit dem Rechen- durchrecht, bis er vollkommen tro>en iſt, weil er ſich ſonſt erhibt und danach bitter wird, Vor dem Gebrauch müſſen die Körner enthülſet werden, was am gewöhnlichſten auf einer Stampfe erfolgt, deren man in ſolchen Gegenden, wo der Hirſe eine gewöhnliche Speiſe iſt, faſt in jeder Wirthſchaft hat, Ertrag: Der Ertrag an Körnern wechſelt nach Burger, deſſen Lehr- bud) der Landwirthſchaft Band 2. S. 67, zwiſchen 20 und 30 Wiener Metzen vom öſterreichiſchen Joch. Auf Neubruch und gut gedüngten Ae>ern erhielt man 34 bis 375 Wiener Meten vom Joch. Nach eingezogenen Erkundigungen hat man mir in der Um- gegend von Dresden als den höchſten Körnerertrag vom Hirſe zu 16 Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen zu 180 Qugz dratruthen rheiniſch angegeben. „„Wenn man, ſagt Burger, am angeführten Orte, 24 Me- ben als Erträgniß annimmt, ſo wiegt die Erndte an Körnern, die Meße zu 77 Pfund, 1848 Pfund. Nach der Kärnthneriſchen Mühlenordnung, muß der Müller von einer Metze Hirſe zu 77 Pfund, 48 Pfund Brein und 26 Pfund Mintken ſtellen;- Ges ben alſo 24 Metzen 1152 Pfund Brein. Das Durchſchnittserz trägniß des Weizens im Weizenboden iſt 17 Meten, a 823 Pfd., 1402 Pfund. Nach derſelben Mühlenordnung erhält man von der Metze, wenn er das obige Gewicht bat, 30 Pfund Semmel: und 31x Pfund Pohlmehl, 18 Pfund Kleyen- Hiernach erhält man voni einem Joche Weizen 1062x Pfund Mehl. Hält man aber den Geldwerth des Breins zum Geldwerth des Weizenmebls, ſo iſt der Nohertrag des Hirſena>ers größer, als der des Weizens 3 150 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſnet, und wendet den Schwaden, wenn er ſehr di> iſt. Hierauf wird er in Gebündcen geworden. Wenn bey einer Kappe das Band geſprungen-und ſie augeinandex gefallen iſt, oder dieſelbe vom Winde umgeworfen worden iſt, was je= doh bey nur einigermaßen geübten Arbeitern ſelten vorfällt, ſo Erfolgt ein wiederholtes Aufrichten. An dem Mörgen degjenis gen Tages, wo der Buchweizen eingefahren werden ſoll,.werden dieſe Kappen umgeſtürzt, ſo daß ſie mit den Sturzelenden ge= gen den Wind kommen. Nachmittags, wird eingefahren. Die Rappen werden gleich von den Reiben auf den Wagen geladen. In dieſen Kappen kann der Buchweizen ſehr lange auf dem Felde gelaſſen werden, und er tro&net endlich aud) bey der wechſelnd» ſien Witterung gehörig“ aus, ohne daß man einen erheblichen Körnerausfall erleidet, In der Scheune muß man dem Buchweiz: zen einen möglichſt luftigen Plat anwälſen z gewöhnlich kommt er über die Tenne, Ertrag. Der Ertrag-des Buchweizens in Körtiern iſt ſehr ſchwankend. Wird er als erſte Frucht gebaut, ſo rechnet man alle 3 Jahre eine gute Erndte 3 wird er dagegen in die Stoppeln geſäer, ſo rechnet man nur alle 7 Jahre eine gute Erndte. Burger giebt in ſeinem Lehrbuche dex Landwirthſchaft, Bd. 2. S., 91, den 17jährigen Durchſchnittsertrag, worunter 3 allgemeine-Mißjahre, zu 11 Wiener Metzen pro öſterreichiſches Joch, an. Wenn man aber die 3 Mißjahre in Anſchlag bringt; die man nur als außerordentliche Erſcheinungen betrachten, kei= yeswegs aber in einen Anſchlag bringen kann, ſo wäre das Durchſchnittsertragniß von 14 Jahren 13 Mebzen vom Joch. S< werz ſagt im 2, Bande ſeiner Anleitung zum prakti- ſchen AFerbau S. 387, daß ein Ungenannter in den würtember= giſchen Annalen, 1319 drey Haidekornhalme ausgezogen und auf einem 197, auf dem andern 285 und am dritten, 307 Körner ge= zählt babe. Dagegen wurden von ihm im Jahre 1818, wo die erite Blüthe durch die zu lange anhaltende Dürre ganz verloren ging, am ſtärkſten Halme kaum 6 bis 8 Körner gefunden, Ein Durchſchnittsertrag der Körner des Buchweizens läßt ſich nur durch eine ſehr. vieljährige Function ermitteln. Daß der Buchweizen zuweilen ganz außerordentlichen Ers trag giebt, davon iſt mir ein Beyſpiel bekannt, wo ein Bauer in Oberſchleſien von einem etwa 23 Magdeburger Morgen gro» VII. 23 Erndte u, Zugutemächung d. Feldgewächſe, Buchweizen, 151 4152 Ban der Feldfrlichte. 8. Abſchn. Auguſt. (354). ßen friſcnet werden.' Man thut ihn zu dieſem Ende in den Bacofen, ſobald das Brod heraus iſt, und läßt ihn in demſel: Erndte u. Zugntemachung d. Feldgewächſe, Lein, (355) ben ſo lange, bis er gehörig gedörrt iſt,"Der Scheffel Buchs weizen giebt den vierten Theil ſeines Maaßes an Grüße, und nur in ſolchen Jahren, wo er eine beſondere Vollkommenheit er- langt hat, mehr. Unter allen verſchiedenen Grüßearten ſteht die Buchweizengrüße äm höchſten im Preiſe, und empfiehlt fich vor allen dadurch, daß fie wenig bläht. Handelsgewächſe, Gewebepflanzen. Der Lein, Die Samen werden gewöhnlich in der 11ten bis 13ten Wo» zu trennen, färbt aber beym Röſien den Flachs dunkler, während der vor vollendeter Samenreife geraufte Flachs eine weiße Farbe behält. Obgleich ſch Übrigens der Flachs, der die Samen zur Reife gebracht hat, eſſer bearbeiten. läßt,[9 fallen doch, wegen der großen Sprüdig- keit des Gummis und wegen der mindern Haltbarkeit der Fa- ſern, weit mehr verſöiben unter die Breche, als bey Bearbeitung des vor vollendeter Samenreife gerauften Flachſes, wenn näm« lich beide vollkommen geröſiet werden. Wer alſo Flachs von großer Feinheit erlangen will, der muß denſelben vor vollendeter Samenreife raufen.. Am feinſten iſt der» der etwa 14 Tage nach dem Abblühen gerauft wird 3 von früher gerauftem Flachſe ſind die Faſern noh zu unreif, und ſind noch init den Holztheilen und mit der Ninde ſo zuſaminengewachſen, daß eine Trennung nur höchſt ſchwierig wird, und. da die Fa- ſern noch nicht die gehörige Haltbarkeit haben, ſo fällt das meiſie unter die Breche. Cin ſo frühes Raufen iſt aber-nur" bey einem dicht geſchloſſenen und langen Flachs anwendbar 3 denn von ei» nem dünn ſtehenden kurzen Flachs gewinnt man nicht nur ein ſchlechreres Material, ſondern dergleichen Flachs fällt auch, zei- tig gerauft, ſehr unter die Breche, und die mehreren Bearbei: tungskoſten bezahlen ſich nicht. Da man nicht lauter feinen Flachs braucht, der feine Flachs auch nicht überall nach ſeinem wahren Werthe gewürdigt wird; ſo muß es jedem Flachsbauer ganz allein überlaſſen bleiben,- den Zuſtand, in welchem der Flachs gerauft werden ſoll» nach Be- Füſicotigung der Statt findenden Verbältniſſe zu beſtimmen. Wer nächſt dem Baſte auch einigen Samenertrag erlangen will; der muß allerdings mit. dem NRaufen bis zur Reifung der Sa? men warten, Es wird gewöhnlich bey der Leincultür der große Fehler be- gangen, daß man den Flachs erſt dann razitt, wenn bereits alle Samen ihre Reife erlangt haben. Der mehr gewonnene Somen entſchädigt nicht für den Ausfall an Flachs und deſſen ſchlech: tere, gröbere Qualität. Mag man doch immer behaupten, daß dieſer Flachs, welcher das Garn zu der am meiſten gebuchten Mittelleinwand giebt, der geſuhteſte ſey, wie es bey den jeßi= gen Preiſen der Leinwand allerdings der Fall iſt; es gebt aber Feineswegs daraus hervor, daß ein beſſerer Flachs, very fei: nere und haltbarere Leinwand giebt, minder geſucht ſeyn würde, wenn er zu demſelben Preiſe oder noh wohlfeiler geliefert würde: Und berüFſichtigt man alle bey der Cultur des Landes zu berüc&z- ſichtigenden Umſtände, ſo kann auch in der That beſſerer Flachs wohlfeiler geliefert werden, als es zeither der Fall iſt. Raufen des Flachſes und Behandlung deſſelbet bis zum Einbringen. Wenn dex Flachs zgeländert worden war, dem Raufen das Geländer mit Behutſamkeit wegnehmen. Matt einen Leuten in ei- nimimt es nur ſo weit wes, als man mit ſ(„ei nem Tage zu raufen im Stande iſt. Wenn der Flachs gehörig ſo muß man vor Erndte u. Zugutenmtacnen, weil er, im feuchten Zuſtande zuſammengepa>bv, ſchwitt ,. was dem Baſte. keineswegs zuträglich iſt. Iſt das Petter windſtill und beiter, ſo kann man. den Flachs in dünz nen Gelegen auf. den Erdboden ausbreiten, ſo daß er mit den NOU Regen die Sonne kommt. Iſt der Flachs auf einer Seite abgetroFnet, ſo wendet man ihn, und iſt er auch auf der andern Seite trocken, ſo bindet man ibn und bringt ihn ein. Iſt das Wetter unbeſtändig und windig, ſo läßt man den Flachs nur ſo lange in den Gelegen, bis er etwas lufttro>en iſt, und bindet ihn in kleine Gebünder zuſammen, und ſtellt dieſe Gebündchen auf die Wurzelenden mit den Köpfen ges geneinander. In dieſen Gebändchen läßt man ihn vollends ab: trocknen, und legt dieſelben vor dem Einbringen ſo auf die Erde, daß die Wurzelenden gegen den Wind kommen, der dieſelben durchſtreiht und vollends austroXnet. Wenn ſtarker Wind iſt, der die aufgeſieliten Gebündchen umreißen, fortführen und den Flachs. verwirren würde, ſo legt man dieſelben auf den Aker nebeneinander, ſo. das ſie mit den Köpfen gegen den Wind kom- men, der dann um ſo leichter über ſie wegſtreicht. Man bringt zu dieſem Ende auch das Band näher-an die Köpfe, und ziehet -es etwas feſter zuſammen, ſo daß das Sebund daſelbſi etwas dünner wird. Vor dem Einbringen muß man aber: die Gebünd- - net war. Wenn man dagegen den Lein nicht der SERAEEnnng, ſondern der Baſtgewinnung wegen baut, und'erſiere nur als unbedeutende Nebenſache betrachtet, ſo kann man das Abtro>- nen des Flachſes auf dem Felde ganz ruhig abwarten, weil man durc den Verluſt des Samens nicht viel verliert, Der Flachs röſtet zwar, wenn er auf dem Felde länger liegen muß, dieſes Röſten aber, obwohl es in Abſicht der Faſern auch nicht ganz zU« tröglid) iſt, iſt doch weniger nachtheilig, als das Schwiten und Brennen des Flachſes. Es entſpringt alſo in dieſer Beziehung ein nicht unbeträchtlicher Vortheil, wenn man die Samengewine nung bey der Baſtgewinnung nur als Nebenſache betrachtet. Bey der Behandlung des Flachſes auf dem Felde ſowohl, als beym Einbringen, muß man ſorgfältig darauf achten, daß der Flachs immer in gleichen Lagen bleibt und nicht verwirrt wird, weil man ſonſt viel Abgang bey der nachherigen Bearbei tung hat. Das Rüffeln des Flachſes, Der eingebrachte Flachs wird nun zunächſt von den Samen:- knoten getrennt. Mebrſeitige GN 4440 aben mich überzeugt,- daß dieß durch das NRüffeln am beſten geſchieht. Man verliert zwar dadurch etwas an Flachs, weil mitunter ziemlich lange Stiele von demſelben mit den Knoten abgeriſſen werden 3; allein es entſpringt daraus ein anderer Vortheil. Der mehr an den Samenknoten ſich befindende Theil des Stängels, wo ſich die Faſern endigen und am feinſtey ſind, iſt durch die gummiartige Materie am Mi hen untereinander verbunden. Dieſe gummiar- tige Materie iſt am ſchwerſten zu löſen, und wenn der Flachs«- ftängel ſonſt ſchon die Röſte vollendet hat, ſo iſt dieſer obere Theil noch nicht vollſtändig geröſtet, und die den Faſern daſelbſt anhängenden feinen Annen machen bey der Bearbeitung, wenn man ſie ganz entfernen will, viel zu ſchaffen. Auch ſind die Fa« ſern dann oberhalb ſpröder als unten, was den Flachs unegal Erndke u. Zugutemachung d. Feldgewächſe. Lein. (359) macht. Durch das Abreißen der Samenköpfe, mittelſt des Rüf: felns, wird der obere Theil des Stängels geſpalten, die Feuch: tigkeit kann dann leichter eindringen, und die Röſte, ſie mag nun im Thau oder im Waſſer gemacht werden, geht an dieſem obern Theile ſchneller von ſtatten, ſo daß die Flachsſtängel überall gleichmäßig geröſtet und die Faſern egal ſind. Ich habe einigen Flachs mit den Samenknoten geröſtet, und während ſich der untere Theil der Stängel gut brechen und ſchwingen ließ, wurde der obere Theil eher abgeſchlagen, als von den feinen Annen gereinigt. Der gerüffelte Flachs wird in Gebunde gebunden. Ferneres Verfahren mit dem Flachſe, Nach dem Rüffeln wird nun der Flachs gewöhnlich zur Röſte gebracht. In einigen Gegenden befaßt ſich der Landwirtb„mit der fernern Behandlung des Flachſes, außer eines geringen Theils zu ſeiner häuslichen Conſumtion, nicht weiter, theils weil es ihm an Gelegenheit mangelt, große Quantitäten des Flachſes zu röſten und zu bearbeiten, theils weil es einmal ein eingeführter Gebrauch iſt. Es finden ſich dann beſondere Unternehmer, die den Flachs aufkaufen und ferner behandeln, wiewohl der Flachs mitunter auch ſchon auf dem Felde verkauft wird.' Sicherer für Käufer und Verkäufer iſt das Verkaufen nach dem Rüffeln, weil dann der Flachs ſich nach der Gebundzahl beſſer ſchätzen läßt. Wenn der Landwirth nicht ganz gute Gelegenheit zum Röſten bat, ſo iſt es allerdings für die Erzeugung guten Flachſes viel beſſer, wenn ſich ſolche Unternehmer finden, die zu ihrem Unter- nehmen einen Ort wählen können, wo alle Verhältniſſe zum Rö- ſten günſtig ſind. Dieſe Unternehmer können auf die ganze Flachsbereitung eine größere Aufmerkſamkeit verwenden 3 ſie kön» nen den verſchiedenen Flachs gleich ſortiren und jede Sorte be- ſonders angemeſſen behandeln, wodurch ein egales Geſpinnſima» terial in großen Quantitäten zu Wege gebracht wird, während ſonſt das Spinnmaterial von den verſchiedenſten Behandlungen zuſammenkommt, höchſt unegal wird, und das ungleichſte Ge- ſpinnſt giebt, welches auf die Beſchaffenbeit der daraus gefertig- ten Producte einen höchſt nachtbeiligen Einfluß hat. Ich habe auf Flachsmärkten, oft unter einer großen Menge Flachs, nur wenige Kloben egalen Flachſes gefunden, häufig aber auch in jedem Kloben verſchiedenen Flachs, wenn auch der Flachs von einem Felde war. Auch babe ich bey Flachshändlern, die den Flachs ſpinnen ließen, und dabey Garnhandel trieben, ges funden, daß einer Spinnerin der ungleichartigſte Flachs zugew0- gen wurde, wodurch dann ein Geſpinnſt entſtand, was an eimer Stelle aus lauter dünnen, feinen Faſern, an einer andern aus lauter groben Faſern zuſammengedrebt war. An jener Stelle wurde der Flachs verſchwendet, der Garnfaden hatte eine zu große Feſtigkeit, während er an einer andern Stelle nur wenig Haltbarkeit hatte, weil er nur aus einigen groben Faſern beſtand. Sowohl beym Bleichen der Leinwand, als beym Bleichen des Garns ſtellt ſich nun eine Ungleichheit dar, und die Bleiche wird einzelner Stellen wegen verzögert. Jeder der Hemden trägt, wird gefunden haben, daß die Leinwand oft an einer Stelle ent= zwey gebt, wo ſie am wenigſten leidet, und das Hemd theil- 138 Bau der Feldfrüchte, 8, Abſchn. Auguſt. (360) weiſe unbrauchbar wird, während der andere Theil, ſelbſt der mehr leidende, no<+ eine große Feſtigkeit hat, Das Sortiren des Flachſes, nah ſeiner Beſchaffenheit, ſchon im ungeröſteten Zuſtande, iſt eine böchſt nöthige Sache; und wird es auch von Vielen als eine höchſt unnötbige Spielerey betrachtet, ſo iſt es doch von eben ſo weſentlichem Nuten,'als das Sortiren der Wolle, welches nunmehr wohl Niemand mehr für eine Spiele- Dutt; ſo ſehr man es auch anfänglich lächerlich zu machen uchte. Dem Landwirthe kann durch den Verkauf des rohen"Flachſes gar kein Nachtheil erwachſen, denn er bekommt ſeinen Flachs nah ſeinem Werthe bezahlt. Verkauft er ja doch ſeinen Noggen und Weizen auch nicht gleich als Brod oder Semmel, Ein ſol- cher Unternehmer kann ſogar den Flachs noch böber bezahlen, als ihn. der Landwirth berechnet, weil er durch den Betrieb der nachherigen Behandlung im Großen, wo die Sache fabrikmäßig geht, beträchtlich an Koſten erſpart, und er den Flachs zu eben dem Preiſe, vielleicht no< woblfeiler, zu liefern vermag, als der Landwirth, wenn er ſeine'quf die Arbeit verwendeten Koſten in Anſchlag bringt. „Man bringt.den Flachs gewöhnlich unmittelbar nach dem Rüffeln zum Röſten, wiewohl es eine ausgemachte Erfahrung iſt, daß es dem Flachſe zuträglicher iſt, wenn er vor dem Röſten noch eine Zeit lang aufbewahrt wird, wodurch die ihm inwoh»- nende Feuchtigkeit ausſchwitzt und ſich verflüchtigt, die, wenn ſie vor dem Röſten zurückbleibt, den Flachs beym Röſten um ſo mehr färbt. Auch conſolidirt ſich, durch ein längeres Liegenlaſ- ſen des Flachſes vor dem Nöſten, der den Faſern MWPHRenbs Pflanzenleimſtoff um ſo mehr, er wird bey der Nöſte weniger an- gegriffen, und die Flachsfaſern bekommen eine größere Feſtigkeit, mehr Glanz und Kern. Es verſteht ſich jedoch, daß der Flachs gehörig tro>en ſeyn muß, und daß nicht von dem Ausſchwiten erjenigen Feuchtigkeit die Rede iſt, die der Flachs in Folge feuchter Witterung eingeſogen hat, ſondern. von derjenigen, die ihm von Natur inwohnt, Ertrag vom Flachſe. I< habe im Durchſchnitt von drey Jahren, von geſtängeltem und ungeſtängeltem, längerem und kürzerem, fein- und grob- balmigem Flachſe, in einem kräftigen Boden, zur 2ten und 8ten Tranet, damit die Blätter leicht losgehen, und datin auf der Tenne zum Dreſchen gebracht. Zugutemachung der-Neſſel. Um von der Neſſel Baſt zu gewinnen, wird eben ſo ver- fahren, wie beym Hanf, auf den wir im folgenden Monat ver- weiſen. Da ſich der Baſt von der Neſſel ſchwerer trennt, ſo verurſacht die Baſtgewinnung vermehrte Arbeit. Man empfiehlt, um die Baſtgewinnung zu erleichtern, zuerſt die Stängel zu erquetſchen, ſo. daß das Holz aus der Mitte herausgeht, und es Rinde, die dann ein grünes Werg iſt, weiter als Flachs zu ereiten; Bemerkung über den Neſſelvau. Seitdem der Gebrauch des Neſſeltuchs mehr aus der Mode gekommen iſt, iſt der Werth der Neſſel als Gewebpflanze ver- mindert worden. Da Übrigens ihre Cultur ſehr einfach iſt, da ſie nicht leicht mißräth, und da ſie in einem Boden fortkommt, der zur Cultur anderer Gewächſe nicht geeignet iſt: ſo verdient unter vielen Verhältnißen der Anbau der Neſſel einer beſondern Berückſichtigung. Sie giebt. zwar nicht ſo viel Baſt, als der Hanf 3 allein dieſer Baſt iſt ebenſowohl zu feinen, als zu groben Arbeiten tauglich. Der gewonnene Baſt gewährt, nach Abzug der Cultur- und Gewinnungskoſten, einen angemeſſenen Extrag, Oelgewähſe, Der Mohn. | Der Mohn reift gewöhnlich ungleich. Schon im July kot: " men reife Köpfe vor, die Hauptzeit der Reife iſt aber der Aus- ga. Die Reife macht ſich dadurch bemerklich, daß die Samen= öpfe beym Anfühlen hart und dürr erſcheinen, und daß der Same darin klappert, wenn man ſie ſchüttelt. Man muß die nach und nach reifenden Köpfe einzeln ſammeln, wenn man nicht bey Ueberreifung durch Mäuſe und Vögel großen Verluſt erlei: den will, Man muß daher das Mohnfeld von Zeit zu Zeit durchgeben, und die reifen Köpfe 1333 am Stängel abbrechen. Man. ſammelt ſie in einem Sa&>, und damit ſie vollends aus» 180 Bau der Feldfrlihte.. 8. Abſchn. Augyuſk. (362) tronen, breitet man fie dünn auf einem luftigen Boden aus. Reift der Mohn zu gleicher Zeit, was hauptſächlich durch eine zeitige Saat bewirkt werden kann, ſo werden, die Mobhnſtängel,| über der Erde abgeſchnitten, in Gebunde gebunden und in die|| Scheune gebracht. Hier werden die Köpfe, denen man nur kurs| ze Stiele laßt, abgehauen, und dann an einem tro>nen luftigen Orte vollends abgetro>net, Man hat hierzu auch bede>te Ge« rüſte, auf welche die Mohnköpfe ausgebreitet werden, wo ſie, ihrer Stiele wegen, nicht zu dicht auf einander kommen. Sind die reifen Mohnköpfe dur< einen Regen naß geworden, ſo muß man mit der Erndte warten, bis ſie vollkommen abgetro>net ſind, weil die feuchten Moöhnköpfe, wenn ſie über den Haufen lies gen, ſich leicht, erbiven und dann der Same zu Grunde gebt. Man muß ſich ſehr hüten, den Mohn vor ſeiner volltymmnen Reife zu erndten, weil dann die Samen einen widerlichen bittern Geſchma> bekommen, und dieſen auch dem Oel mittbeilen. Wenn der Mohn ungleich reift, ſo iſt es eine beſchwerliche Arbeit, in der Getreideerndte die einzelnen Köpfe zu ſammeln. Bey dem Schüttwohn tritk der Zeitpunct der Erndte dann ein, wenn ſich die Köpfe anfangen unter der Krone zu öffnen. Dann muß man mit dem Einſammeln eilen, weil ihn ſonſt der Wind ausſchlägt. Das Erndten bey dieſem Mohn geſchieht folgendermaßen. Man nimmt ſo viel Menſchen, als man ane ſtellen kann, läßt ſie die Mohnſtängel unter dem Kopfe anfaſſen und einzeln behutſam ausziehn, Hinter 4 oder 6 Perſonen gebt eine, welche die ausgezogenen Mohnſtängel zuſammenbindet, wo- bey jedoch) Vorſicht nöthig iſt, damit ſie nicht geknickt werden. Die abgebrochenen Mohnköpfe werden beſonders geſammelt und getrv(>s net. Hinter den Leuten, welche den Mohn ausziehen und binden, geben andere, welche die Gebunde nehmen, ſie mit den Köpfen über einen Korb, der mit Leinwand ausgeſchlagen iſt, halten, und mit der Hand, jedoch nicht zu ſtark, damit die Stängel nicht geknickt werden, auf dieſelben ſchlagen, wodurd der Same aus den bereits offenen Kapſeln" herausfällt. Hierauf ſtellt man die abgeklopften Gebunde auf den A>ey in Haufen, mit den Kdö- pfen zuſammen und den Wurzelenden etwas auswärts, dac- mit ſie der Wind nicht umwerfen kann, und umzieht die Haufen zu dieſem Behuf noch mit einem Strohſeile. Ju dieſem Haufen bleibt der Mohn bey gutem Wetter gewöhnlirch drey bis vier Tage ſtehen, nach welcher Zeit ſich die meiſten Köpfe geöffnet haben. Die Gebunde, werden nun abermals über den Korb gehalten und ausgeſchlagen; und wenn noch Köpfe ungeöffnet bleiben, noc vollkommen, wenn| man die obere Seite jenes Einſchnitts zu einer Art von Schirmdach über die untere macht, Sobald alles Opium von der einen Seite des Kopfes abgenommen worden iſt, werden nun die Einſchnitte auch auf der andern Seite deſſelben gemacht, und ebenfalls ſo verfahren. '' Nicht zu verwechſeln mit dem auf dieſe Weiſe gewonnenen Opium iſt der Extract aus der Pflanze, wie auch'der ausge= preßte und eingedi>te Saft aus ihr, der eine viel geringere Wire tung hat. Das auf oben genannte Weiſe gewonnene Opium ſoll nicht nur in mediciniſcher Hinſicht dem orientaliſchen ganz gleich ſeyn, ſondern es ſoll auch in Hinſicht der größern Reinheit Vor» züge vor dieſem haben. Man hat berechnet, daß ein Magdebur- ger Morgen gehörig dicht mit Mobn beſtanden, in dem Falle, daß jede Mohnpflanze nur einen Mohnkopf treibt, und die Köpfe 162 Bau der Feldfrüchte. 8. Abſchn. Auguſt. (364) nicht ſehr- reichhaltig an Saft ſind, bey dem niedrigſten Preiſe des Opiums, nach Abzug aller Unkoſten) einen Ertrag von% Thalern bloß durd) das gewonnene Opjum giebt, Ertrag. Burger giebt im zweyten. Bande ſeines Lehrbuchs der Land» wirthſchaft S. 164 den Ertrag im Allgemeinen zu>10 bis 15 Wies ner Meten pro Öſterreichiſches Jod an. Der höchſte daſelbſt angegebene Ertrag ſind 19x Meten und 15x Metßen. Das Ge» wicht der Meße iſt zu 67 bis 83 Wiener Pfund angegeben. In] einem nicht vorzüglichen Gartenboden wurden bier im Jahre 1827 bey einer nicht zu ſtarken Düngung und einer Zwiſchen? faat von Möhren zwiſchen dem Mohn, von 2 rbein. Quadrat: rutben an blauem Mohn gewonnen, 2 Berliner Meven gehörig gereinigter und vollkommener Mohnſamen, thut per Morgen zu 130 LQuadratruthen, 11x Berliner Scheffel. Die Metze wog 4 Pfund, thut pro Scheffel 76 Pfund. Im Jahre 1828 wurden unter gleichen Verbältniſſey gewonnen, von 2 Quädratruthen, 23 Metzen vollkommen gereinigter und noch vollkommnerer Mohn» ſamen- thut per Morgen 17 Scheffel, Die Meße wog reichlich 5 Pfund, thut pro Scheffel 80 Pfund. Die Möhrenerndte war in beiden Jahren nicht unergiebig, und der Stand"der Mobn- pflanzen von der Art, daß füglic) noch einmal ſo viel Pflanzen vollkommen Raum gehabt hätten. Der blaue Mohn ſoll um x mehr Samen geben, als der weiße Mohn; dagegen iſt der weiße Mohn ſchwerer im Gewichte und ölreicher, Ein beſtimmter Preis läßt ſich für den Mohn nicht angeben, da derſelbe nur in wenigen Gegenden, und auch dort nur in geringer Quantität Marktartikel iſt, Burger ſagt am oben angeführten Orte, daß man„von der Metze 18 bis 30 Pfund Oel gewinne. Einige nehmen den Oelexs trag höher an. Im Durchſchnitte kann man bey. der größern oder geringern Vollkommenheit des Mobnſamens wohl rechnen, daß er dem Gewichte nach x an Oel giebt. Bemerkungen über den Mohnbau. Unſtreitig verdient der Mohnbau eine größere Aufmerkſattt- keit, als ihm zeither in dem größten Theile Deutſchlands ge- widmet worden iſt. Da der Mohn durch kein Inſect leidet, da ſein Ertrag immer gleichförmig und ſicher iſt, da ex das Land ünr einen Semmer hindurch einnimmt, und den Ausfall au Stroh durch ein oder das andere mit ihm zu erzielende Futter- gewächs zu de>en geſtattet,.und da der Mohn ſebr reichhaltig an Oel iſt, und ein vorzügliches Oel giebt, ſo iſt es wohl obne Zweifel, daß er allett andern Oelgewächſen den Rang ſtreitig u machen im Stande"iſt. Auch iſt es wohl ohne Zweifel, daß er Mohn bey ſeinem ſeht ſtarken Blattorgan bey einem gleichen Ertragniß weniger erſchöpft, als Raps. und Rübſamen, Nimmt anan an, daß der Mohn im Durchſchnitt, unter. geeigneten BVer- bältniſſen, 20 Berliner Scheffel vom Magdeburger Morgen giebt,- eine nach meiner Ueberzeugung ſchr mäßige Annahme, und daß der Scheffel 26 Pfund Oel giebt, ſo gewinnt mon vom Morgen 520 Pfund Oel. Rechnet man das Pfund'Oel nur zu 8 Gro- 4"24 affe aui" gand 50d Eindte u. Zugutemacen werden, oder. man läßt ihn im Schwa-| den abtro&nen. Man kann dieß, ohne Verluſt an Körnerausfall|| befürchten zu dürfen, ohne Gefahr thun, indem die Schoten|| nicht. ſo leicht oufplayen, Wenn die Pflanzen gehörig tro>en find, ſo werden ſie in die Scheune gebracht, auf die gewöhnliche Art gedroſchen, und der Same durchs Sieben gereiniget. ( 6 Ertrag.| Der Körnerertrag des Oelrettigs wird ſehr verſchieden an? gegeben. Einige ſeen ihn über den des Rüb- und Rapsſamens-||| Andere beträchtlich niedriger. Daß der Oelrettig unter günſtigen| Umſtänden wohl zuweilen den Rübſamen im Körnerertrage über- treFen kann, iſt ſehr wahrſcheinlich, im Durchſchnitte ſtebt er aber demſelben beträchtlich nach. Dafür. ſind aber die Körner des Oelrettigs ölhalriger, als die des Rüb- und NRapsſamens. Bemerkungen über den Oelrettigbau, Obgleich in frühern Zeiten Viele, und ſelbſt Be&Xmann in ſeiner Landwirthſchaft, den Oelrettigbau ſehr empfohlen, und ihn über Rüb- und Rapsſamen geſetzt haben, ſo hat ſich“der Anbau deſſelben doch nicht ſehr verbreitet, Bringt man in Ere wägung, daß der Oelrettig durch den Erdfloh ſehr leidet; daß| die Maden des Pfeifers in den Schoten oft große Verheerungen| anrichten, was wir im vergangenen Monat bey der Vegetation des Oelrettigs zu erwähnen überſehen hatten; daß die Cultur des Oelrettigs des Beha>ens und des Stüßens wegen koſtſpie- liger iſt, als die des Rüb- und Napsſamens, und daß er end» lich im Körnerertrage dieſen beträchtlich nachſteht: ſo möchte wohl der Oelrettig keinen Vorzug vor jenen beiden Oelgewächſen behaupten, ſondern ihnen nachſtehen, Dagegen bat der Oelrettig entſchiedene Vorzüge vor dem Sommerrübſamen, und möchte wohl unter allen Umſtänden dieſem vorzuziehen ſeyn. Das Stroh 7 ene freſſen die Schafe; die Spreu giebt man dem| Nindvjieh.| Der Senf, Der Zeitpunct der Erndte tritt ve dem ſchwärzen Senf ein, wenn ſich die Schoten und Stängel braun, beym weißen Senf dagegen gelb zu färben anfangen, gewöhnlich im Auguſt. Man kann ibn entweder raufen, zpder mit der Sichel ſchneiden. Der weiße Senf kann auf dem Schwaden getro>net werden; bey dem ſchwarzen iſt es aber, da deſſen Schoten leicht aufſpringen, räth- lich, ihn in Gebunde zu binden, dieſe auf die Sturzelenden auf- zuſtellen und“ihn ſo tro&en werden zu laſſen. Er wird in der Scheune gedroſchen, und ſo wie der Nüb- und Rapsſamen gereiniget. Ertrag. „. Der Ertrag an Körnern wird beym Senf im Durchſchnitt böber, als beym Nüb: und Rapsſamen angenommen, da er wäh- . Erndte u. Zugutentacer mit Senf und läßt ihn abhüten. Auch das Stroh iſt als Viehfutter zu gebrauchen. Wenn auch der Senf nicht den Ertrag giebt, als Rüb: und Rapsſamen, ſo fällt ihm dagegen eine mindere Bodenrente zur Laſt, und er erſchöpft den Boden beträchtlich geringer. Färbepflanzen. Saflor, Die Blütben des Saſlors kommen in den Monaten July und Auguſt zum, Vorſchein. Dieſe ſind vey ihrer Oeffnung, ſo wie ihre Staubbeutel, gelb, werden aber nach und nach roth. Wenn dieſes Roth ins Dunkle übergeht, und ſich die Blüthen über den runden Samenkopf gelegt haben, ſo iſt es Zeit, ſie zu ſammeln. Man thut dieß gern nach einem Regen, wenn die Blütben wie- der abgetro>net ſind, weil ſie dann um ſo dunkler werden, was eine ſehr geſchätte Eigenſchaft an ihnen iſt. Man muß die Blü- then täglich, je nachdem ſie zur Vollkommenheit gelangen, ſam- meln und die Erndte dauert gewöhnlich 3 bis 5 Wochen. Bey naſſer Witterung unterläßt man jedoch das Sammeln, weil die naſſen Blüthen leicht ſchimmlig und ſchwarz werden. Auch des Morgens im Thau unterläßt man aus dieſem Grunde das Sam: meln der Blüthen; vermeidet es aber auch bey zu großer Hitze, wo die Faſern der Blütbe tro>en ſind. Das Sammeln der Blüthe erfolgt in der Art, daß man mittelſt eines ſtumpfen Meſſers umd des Daumens die Blumenblätter aus dem Kopfe | SENDE und ſie in einen vor ſich habenden Handkorb ſam- melt. Die Stängel bleiben ſo lange auf dem Felde ſtehen, bis dex von den ſpäter ſich entwi>elnden Blüthen angeſetzte Same ge- reift iſt, welches Ende Septembers oder Anfangs Octobers ex- folgt. Dann werden die Stängel ausgerauft, getro>net und ge- droſchen. Der ausgedroſchene-Same wird auf einen luftigen Boden dünn aufgeſchüttet und getro>net, 41466 Bau der Feldfrüchte, 8. Abſchn, Auguſt; (368) Zugutema chung der Saflorblüthen, Die geſammelten Blükhen werden auf einen tro&nen, luftis gen Boden ganz dünn aufgeſchüttet und getrv>net. Am beſten iſt es, bey geeigneter Witterung ſie gleich auf dem Felde auf Tücher auszubreiten und an der Sonne zu trorknen. Der ge- trocknete Saflor wird feſt in Sä>e gepackt, und in dieſen bis zum Verkauf aufbewahrt. Man pflegt auch die reifen Blüthert mit Salzwaſſer auszuwaſchen, in Ballen zu kneten und dieſe langſam an der Luft im Schatten zu tro>nen. Man verliert da- durch zwar än Sewicht; aber der Farbeſtoff wird dadurch um ſo mehr concentrirt und leichter auflöslich, und ſolcher Saflot wird um ſo'theurer bezahlt. Dex orientaliſche Säflor wird nag Niebuhrs Neiſebeſchrei- - bung durc Arabien, Bd. 1. S, 150, auf eine ähnliche Weiſe be: handelt. Aus den geſammelten Blumen wird durch zwey über- einandergelegte Steine der Saft ausgedrü>tz; alsdann werden die- ſelben mehrmals mit Salzwaſſer gewaſchen, mit den Händen ge» hörig ausgedrü&t, auf Niatten ausgebreitet, des Tags über be: de>t gebalten, damit die Sonne nicht ſo ſtark trockne, während der Nacht aber dem Thau ausgeſezt, von Zeit zu“ Zeit gewendet, und wenn ſie zum Pa>en genugſam trv>en geworden ſind, unter dem Namen Safronen verkauft. Cin guter Saflor hat kurze, zärte, krauſe Fäden und ein ſchönes dunkelrothes Anſehen. Sind aber gelbe Fäden darunter, ſo iſt ex minder preiswürdig. Der mit Salz gewaſchene Saflor bekommt ein“dunkleres Anſehen und ſelbſt die gelben Föäden-bekommen ein röthliches Anſehen 3; es iſt daber derjenige Safloyr, der bloß getro>net worden iſt und ein ſchönes rothes Anſehen hat, dem gewaſchenen vorzuziehen, Ertrag: Der Ertrag an Blüthen iſt, da ihr Gerathen voti einer war: men; mitunter etwas feuchten, im Ganzen aber fruchtbaren Wit- terung abhängt, ſehr unbeſtimmt. Unbeſtimmter im nördliche Dettſchland, als im ſüdlichen. Oft finder man an einem Stängel 60 bis 80 Blüthenküpfe 3; oft aber auch nur 20 bis 30. Nimmt man bloß die zeitigen Saflorblüthen, welche die vollkommenſten ſind, da ſie ſich bey der größten Wärme entwickeln, zu Ende Ju2- lys und Anfangs Auguſt, und läßt die ſpätern Samen anſeßen; wo dänn guch die Samenerndte noch ziemlich reichhaltig iſt, ſo kann man im Durchſchnitt 50 bis 60 Pfund getfo>nete Saflor- blüthen vom Magdeburger Morgen zu 180 rheiniſchen Quadrat: ruthen rechnen; Unter dem Saflorbau günſtigen Verhältniſſen kann man aud) 80 Pfund Ertrag annehmen. Der Samenertrag iſt noch unbeſtimmter, als deryBlüthener- trag. Fällt während dex Reifung naſſe Witterung ein, ſo ver2 derben viele'Samen, da ſie die Feuchtigkeit leicht einſaugen. Main rechnet jedoch im Durchſchnitt, wenn man nämlich nur die erſten Blüthen nimmt, auf 8 Berliner Scheffel Sämenertrag vom Mag:- deburger Morgen: Bemerkungen über den Saflorbau; ."Der Saflor entzieht dem Boden nicht viel, und erſeht bey einem nicht unbeträchtlichen Strohertrage, welches ein gutes ü Erndte u. Zugutemachung d. Feldgewächſe. Wau. 167 (369) Winterfutter für die. Schafe iſt, das Entnommene, Nimmt man an, daß der gewonnene Same, der zwar nicht ſehr ölreich iſt, aber ein ſehr gutes Oel giebt, die Culturfoſten und die Bodenrente deFXt, was zwar in manchen Jahren nicht Statt finden, in andern äber wieder mehr betragen wird, ſo kann man den Saflorertrag von einem Magdeburger Morgen, 3 60 Pfund, das Pfund zu 8 Groſchen, mindeſtens zu 20 Thaler annehmen, Der Wau, Bey einen günſtigen warmen Sommer fällt die Wauerndte oft ſchon in das Ende des Julys, oft aber auch erſt in den An» fang des Auguſt. Ehe noch der Wau gehörig abgeblüht hat, und die zuerſt angeſehten Samen reif ſind, fangen die Stängel ſchon von unten an, gelb zu werden, Man ſchreitet dann ſofort zur Erndte. Er wird wie der Flachs gerauft, und man muß mit Bee utſamkeit die Erde von den Wurzeln und die Unreinigkeit von er Pflanze abſchütteln. Man wählt tro>ene Witterung zur Erndte, Der geraufte Wau wird bandvollweiſe ausgebreitet, um zu Übertro>nen, und dann in kleine Gebunde gebunden, in denen man ihn vollends austro>nen läßt, Wenn während des Tro>nens ungünſtige Witterung eintritt, ſo iſt es eine ſehr beſchwerliche Ar- beit, indem man dann, um keinen Verluſt an Blättern zu erlei: den, oder durch die Fäulniß die ganze Pflanze zu verlieren, ſeine Sau dazu nehmen muß, ihn zu Hauſe in Schuppen, auf oden und wo es ſonſt ein Raum unter Dach und Fach geſtats tet, zu tro&nen, was beym Anbau im Großen oft unausführbar iſt, wenn man nicht beſondere Tro>enſchuppen hat, Dex Wau muß | Übrigens zum Tro>knen ganz dünn ausgebreitet werden, auch müſſen die Gebündchen nur lo>er gebunden werden, weil er ſich ſonſt leicht erhißt, eine ſchwarze Farbe bekommt und dann nur ſchwer verkäuflich iſt. Der abgetro>nete Wau iſt Kaufmanns- waare, Sobald der Wau gehörig getro>net iſt, ſo wird der leicht ausgehende Same über einem ausgebreiteten Tuche aus den Gebündchen herausgeklopft und gereinigt. Ertrag. Der Ertrag des Wau iſt ſich nicht gleich. In feuchten Jahe ren erhält man deſſen eine beträchtliche Menge, aber von geringe: rer Qualität, in tro&nen Jahren dagegen weniger, aber von beſ: ſerer Qualität, In kraftvollen Boden rechnet man, im- Durch- ſchnitte an getro&neten Wauſtängeln 10 bis 12 Centner Ertrag vom Magdeburger Morgen zu 180 rbeiniſchen Quadratruthen. Der Samenertrag iſt ſehr ſchwankend ,' indem er davon ab» hängt, ob die zuerſt ſich entwi&elnden, oder die ſpäter kommen-= den Blüthen die Mehrzahl bilden. Im erſten Falle iſt die Sa- menerndte reichlicher, im zweyten Falle geringer, weil die von den ſpäten Blüthen angeſetzten Samen nicht zur Volkkommenheit gelangen. Sie können zum Delſchlagen gebraucht werden und ge: ben ebenſoviel und ſo gutes Oel, als der Leindotter. Bemerkungen über den Waubau. Der Wau verdient unter den Handelsgewächſen einer beſon- dern Empfehlung, da ſeine Cultur weder mit großen Koſten noch Schwierigkeiten verbunden iſt, da er ohne. weitere Behandlung VII. 24 168 Bau det. Feldfrüchke, 8. Abſchn. Anguſt, (370) Kaufmanns8waare iſt ,' und einen fichern Abſay gewährt. Der Preis des getro&neten Waus ſchwankt, nach der Veſchaffenbeit ſeiner Güte, zwiſchen 4 und 8 Thlr.- Nimmt man nun 8 Centner vom Morgen, und einen Durchſchnittspreis von 6 Thlr, pro Entr., ſo giebt der Morgen obne die Samen einen Ertrag von 48 Thlr. Uebrigens erſchöpft der Wau den Boden nicht nur ſebr beträchtlich, ſondern da er auch durch Düngermaterial gar nichts erſetzt, ſo findet ſein Betrieb gänzlich auf Unkoſten des Düngungss- Verhältniſſes der Wirthſchäft Statt, und ſein Anbau iſt nur dann zu empfehlen; wenn man Dünger vollauf hat. Der Waid. Wenn die Blätter des Waids über eine Spanne herangewach- ſen ſind, und die unterſten anfangen, gelb zu werden, ſo erfolgt die Erndte. Beym Winterwaid iſt dieß gewöhnlich Ende Mays vder Anfangs Junius, beym Symmerwaid-“in der Mitte Junys«. Die Erxrndte geſchieht folgentermaßen: Ein Arbeiter faßt mit der linken Hand ſämmtliche Blätter einer jeden Pflanze zuſammen und ſtößt mit einem erforderlich ſcharfen Stoßeiſen mit der rech- ten Hand dieſelben ab, jedoch ſy, daß die Krone der Pflanzen ganz flach und die Nebenkeime der Wurzeln gar nicht hinweg= genomwnen werden, Es iſt hierbey ganz beſondere Vorſicht zu empfehlen. Sobald die erſte Waiderndte vorüber iſt, wird das Land ge- lodert und von Unkraut gereinigt. Bey der breitwürfigen Saat ge*- ſchieht das mit dem Schurreiſen, welches der ſogenannten Wege? ſchaufel, die man zum Reinigen der Gänge in Gärten braucht, ähn» lich iſt, in der Art, daß ein Arbeiter mit demſelben das Land in den Zwiſchenräumen durchſtößt, und ſo den Boden lo&ert, und das Untraut vertilgt. Das Land wird hierauf mit einer leichten Egge überzogen, wenn. das abgeſtoßene Unkraut welk geworden 1ſt. Spannt man vor die Eggen Zugvieh, ſo muß daſſelbe in den Fur- ern des Bodens und Vertilgung des Untkrautes, Behandlung der Waidblätter zu Kaufmanns waäare, Die rohen Waidblätter ſind gewöhnlich kein Gegenſtand des Handels. Um'den Waid zu Kaufmannswaare zu bereiten, hat man zwey Wege; entweder Indigofarbe daraus zu bereiten, oder die ſogenannten Waidballen daraus zu machen.“ In der Beret- tung des Indigo aus Waid hat man noch nicht ſo genugſame Ver- vollfommnungen gemacht, daß dieſelbe lohnend wäre, und ſie kann auch nicht der Segenſtand des Landwirths ſeyn. Die Waidbal- Erndte u. Zugukemachung d. Feldgewächſe. Waid. 169 (3714) len dagegen, welche als Zuſatzmittel beym Färben mit Indigo ge= braucht: werden, werden gewöhnlich von dem Waidbauer ſchon zubereitet verlangt, obwohl' es auch ſchon in einigen Gegenden beſondere Anſtalten giebt, welche ſich damit beſchäftigen, und die rohen Waidblätter kaufen. Die Bereitung der Waidballen geſchieht folgendermaßen: Die abgeſtoßenen Blätter werden in einen Korb gethan und in dem- ſelben gehörig von allem Unrath abgewaſchen. Dann breitet man ſie auf einen keinen Raſen, damit ſie etwas' abtroenen und ab- welken. Sodann werden die Blätter zur Waidmühble gebracht. Die Waidmühle beſteht aus zwey aufrecht oder ſenkrecht ſtehenden ſtarken Säulen, welche oben, durch einen Querbalken mit einander verbunden ſind, ſo daß das Ganze die Bildung von einem zwey- fäuligen Galgen hat. In dem Mittelpuncte dieſer Säulen liegt ein großer, in ſeinem Centrum mit einem Loche verſehener Sand« vder Mühlſtein, aber beträchtlich größer, als die Mühlſteine, Die- ſen Stein ttennt man den Lieger, In der Mitte deſſelben ſtebt eine ſtarke bewegliche Walze, welche oben mit einem Zapfen in dem Mittelpüncte des obgedachten Querbalkens läuft; ſie iſt in einiger Entfernung von dem Lieger mit einem ganz horizontal ſtez henden Arm verſeben 3 an dieſen wird ein anderer großer Stein von der Maſſe des vorigen geſchoben, ſo daß er ſich wie ein Rad am Wagen um ſeine Achſe bewegt. Er hat auf ſeinem äußern Umfange große ausgerundete Niefen oder Furchen, und wird mit- telſt eines großen Nagels, welchen man vor ihm durch den be- ſchriebenen Arm ſchlägt, gehalten, daß er nicht von dem Arme, welcher eigentlich ſeine Achſe bildet, rutſchen kann. Dieſer Stein wird, indem er auf ſeiner hohen Kante fortbewegt wird, der Laufe? genannt, Will man nün Waid mahlen, ſo. legt man die Blätter auf den ſogenannten Lieger in jener Gegend, in welcher dev Laufer, wenn er in Beivegung geſeßt wird, ſeine Bahn nehmen muß. Sodann. treten zwey Menſchen an den Vorſprung des gedachten Armes, ergreifen ihn mit den Händen, gehen im Kreiſe um den Lieger herum und zerquetſchen mittelſt des ſich um ſeine Achſe berumwälzenden und der zirfelrunden Bahn folgenden Laufers die untergelegten Blätter. Man bat übrigens auch noch andere Vor- richtungen zum Zerquetſchen der Waidblätter. Die zerquetſchten Blätter werden an einem luftigen, ſchattigen Orte in oben ganz kleine ſpite Haufen geſetzt, die jedoch eine Be- de&ung erhalten müſſen, durch die ſie vor Regen geſchütt ſind. In dieſen Haufen überläßt man nun die Waidblätter ſo lange der GSährung, bis ſich äußerlich eine blaue Kruſte zeigt, welches nach Verſchiedenheit der Temperatur in 8 bis 12 Tagen erfolgt. Man muß jedoch dabey ſehr vorſichtig ſeyn, daß die Waidblätter in dieſen Haufen nur die ſaure Gährung erleiden, aber nicht die faule Gährung überhand nimmt, weil ſonſt die Mäſſe verderben und als Färbematerial unbrauchbar werden würde. Hierauf wird die ganze Maſſe mit der ſich außen angeſetzten Kruſte gehörig durchgemengt und mit der Hand-in Ballen geformt, Die Waidballen werden nun auf Gerüſten getro>net. Dieſe Gerüſte, in welchen die Waidballen auf Horden von Ruthen zu lie: gen kommen, müſſen eine Bedeung baben, welde die zu trocknen: den Waidvallen ſowohl vox dem Regen, als auch vor der Sonne 24* Bau der Feldfrüchte, 8. Abſnen dürfen, Die ges tro>neten Waidballen ſind nun Kaufmannswaare. Je älter die- ſelben werden, um ſo mehr verbeſſern ſie ſich. Ertrag, Man nimmt eine mittelmäßige Erndte in gutem Boden im Durchſchnitt zu 140 bis 160 Centner an friſchen Blättern von dem im Herbſt geſäeten Waid, vom Magdeburger Morgen zu 180 rhein. Quadratruthen, an. Man kann zwar den Ertrag noch dadurch erhöben, daß man im Herbſt die Blätter, wenn ſie noch keine genugſame Größe erlangt haben, nicht abnimmt, ſondern den Winter hindurch ſteben läßt, wo ſie dann im folgenden Früh: jahr noch eine Erndte geben; allein es iſt dieß nicht zu empfeh- len, weil dieſer gewonnene Waid, der Komſtwaid heißt, nicht viel taugt, und man das Land der Beſtellung mit Winterfrucht entzieht.- Die Waidblätter verlieren durch die Bereitung zu Waid- ballen ſehr beträchtlich an Gewicht. Man nimmt an, daß 100 Ctnur, grüne, Waidblätter. nur 12 Ctnr. getro>nete Waidballen geben. Rechnet man den Ertrag vom Magdeburger Morgen im Durchſchnitt zu 150 Ctnr. Blätter, ſo gewinnt man von einem Morgen 18 Ctnr. getro>nete Waidballen, Bemerkungen über den Waidbau, - Obgleich der in neueren Zeiten ſehr im Preiſe geſunkene In- digo den Gebrauch des Waids zum Blaufärben ſehr beſchränkt hat, ſo werden doch noch immer bey der Blaufärberey mit In- digo, als Zuſaß, viele Waidballen gebraucht. Die beſten deut: ſchen Waidballen kommen aus der privilegirten Waidballenfabrik bey Gotha, Nimmt man den Preis des Centner Waidballen nuwzu 3 Thalern an, obwobl der Thüringſche und„Languedoc'ſche bedeu- tend theurer bezahlt werden, ſo gäbe dieß, bey emem Ertrage von 18 Centner Waidballen, 54 Thaler pro Magdeburger Morgen. Nimmt'man nun noch an, daß der Waid, da nur die Blätter von ihm genommen werden-, und er keine Früchte anſebt, den Boden nicht ſehr erſchöpft, ſo iſt der Waidbau, bey genugſamem Abſatz der Waidballen, wohl ein zu empfehlendex Gegenſtand des Feldbaues, Specerey- und Gewürzpflanzen. Coriander, Der Coriander gelangt Ende Julys oder Anfangs Auguſt zur Reife, Da die Samen ungleich reifen, ſo muß wan einen Zeitpunct zur Erndte wählen, wo der größte Theil der Samen reif iſt. Da der Corianderſame leicht ausfällt, ſo muß man zur Erndte einen beitern Tag wählen, und dieſelbe des Morgens im Thau vornehmen. Der Coriander wird gerauft, oder mit der Sichel geſchnitten, und unmittelbar nach dem Abbringen in kleine Gebunde gebunden, die mit den Köpfen gegeneinander aufgeſtellt werden. Man läßt ibn ſo über den Mittag ſtehen, und des Nachmittags, wo er genugſam tro>en geworden iſt, werden die Körner. ausgebracht. Man breitet zu dieſem- Ende ein großes Tuch auf dem Felde aus, nimmt die Gebunde behutſam, trägt Erndte u. Zugutemachung d, Feldgewächſe, Anis. 174 (373) fie auf dieſes und klopft den leicht ausgehenden Samen aus, Der Same wird dann gereinigt, und an einem luftigen Orte dünn aufgeſchüttet, oft umgewendet, bis er gehörig troen iſt, und dann an einem vor Mäuſen geſicherten Orte aufbewahrt. Ertrag. Man nimmt den Durchſchnittsertrag an gebörig ausgetro>- neten Corianderſamen, vom Magdeburger Morgen zu 180 rhein. Oitadratruthen, zu 16 bis 20 Berliner Scheffel an. Der Schef- fel wiegt zwiſchen 45 bis 48 Pfund. Bemerkungen über den Corianderbau, Der Centner Coriander wird mit 5 bis 6 Thaler im Preiſe angenommen» Nimmt man 17 Scheffel, a Scheffel zu 46 Pfund vom Morgen, oder 7x Ctnr., und den Mittelpreis zu 5 Thaler 12 Groſchen, ſo würde der Morgen einen Ertrag von 41 Thalern gewähren. Das Corianderſtroh kann als Schaffutter benutzt wer- den. Den' Boden ſaugt der Coriander in dem Grade aus, als Weizen. Obgleich. der Coriander überall bekannt iſt, ſo iſt doch ſein Gebrauch nicht ſehr beträchtlich, und man muß daber, bevor man zu ſeinem Anbau ſchreitet, ſich den Abſatz geſichert haben. Anis. Wenn die Anisſtängel anfangen, gelb zu werden, und der Same an den mittlern Sternen braun wird, im Auguſt, ſo muß der Anis geerndtet werden. Man rauft ihn gewöhnlich; er kann aber auch geſchnitten werden. Der Anis muß gehörig austro>- nen, theils damit die noch nicht ganz vollkommnen Samen nad- reifen, theils damit die ſchwer ausgebenden Samen um ſo leich: ter gedroſchen werden können. Kleine Anisbauer binden den Anis in kleine Gebunde, und hängen ſie zu Hauſe auf dem Bo- den an Stri>en oder Stangen auf, oder ſie ſtellen dieſe auf dem Boden neben einander auf, und ſeen und legen ſie oft um, da- mit keine Erhizung oder Schimmligwerden erfolgt." Man kann aber auch das AbtroFXnen auf dem Felde erfolgen laſſet z; zu wel: den, ſo kann man das Dreſchen alsbald vornehmen z driſcht ſich jedoch der Anis ſehr ſchwer, ſo verſchiebt man das Dreſchen bis zum Froſt. Der ausgedroſchene Anis wird durchs Wurfen und Sie- ben gehörig gereinigt, dann auf einen luftigen Boden dünn auf- geſchüttet, und bis er gehörig tro&en geworden, mehrmals ge wendet, Ertrag. - Obgleich der Anis dem Mißratben ſehr unterworfen iſt, ſo giebt er doch wieder, wenn er geräth, einen außerordentlichen Ertrag. Man kann annehmen, daß man im Durchſchnitt von einem Magdeburger Morgen 12 Berliner Scheffel Anis, 3 Sen iſt, erndtet. 472) Ban det Feldfrüchte. 8. Abſen geworden, ſo bringt man ihn entweder auf einen mit einem Tuche überſpannten Wagen in die Scheune und driſcht ihn alsbald, oder man vollführt das Dreſchen gleich auf( dem Felde/ auf einem ausgcebreiteten Tuche, wie dieß bey der Erndte des Raps: und Rüblamen angegeben worden, Der aus- gedroſchene Kümmelſame. wird ſorgfältig gereinigt, auß emen luftigen Boden nicht zu di> zum Troc>nen aufgeſchüttet, und öfters umgewendet, bis er tro&en iſt. Hierauf wird er in Ton- nen gepo>t, und wenn er gehörig ausgeiro>net iſt, ſo erhält ex ſidd) viele Jahre lang vollkommen gut, Ertrag. Man rechnet- im Durſchnitt den Körnerertrag vom Kümmel vom Mogdeburger Morgen, zu 13 bis 14 Berliner Schfi, Der Schfl. wiegt zwiſchen 60 Und 68 Pfund; der Morgen giebt mit- hin, wenn man 13 Schfl. und das Mittelgewicht des Schfls. zu 84 Pfd. annimmt, 73 Ctnr,- Unter Verhältniſſen, die dem Küm» melbau günſtig ſind, kann man einen beträchtlich böhern Durch- ſchnittsertrag annehmen. Erndte 8. Zugutemachung d, Feldgewächſe. Kaffeewi>ke. 4173 ;(375) Bemerkungen über den Kümmelbau, Der Kümmel gewährt ſeines ausgedehnten Bedarfs wegen Überall einen ſichern und guten Abſatz. Der Durchſchnittspreis pro, Ctnr. iſt zu 6 Thalern anzunehmen, mithin der Geldertrag vom Morgen 45 Thaler. Dem Boden entnimmt der Kümmel faſt eben ſo viel, als Weizen, Das Kümmelſtroßs wird 2war ae- wöhnlich nur als Streumittel benußt, es, giebt jedoch den Scha- fen, wenn auch kein reichliches-, doch ein gewöhnliches Futier. Schwarzkümmel, Man. erkennt die Reife des Schwarzkümmels daran, wenn fich die Kapſeln aufthun wollen, und die Samen'ein ſcnen ausgebreitet. Die Kör- ner ſigen in den, Schoten ſo feſt, daß ſie durchs Dreſchen nur dann ausgebracht werden können, wenn die Schoten längere Zeit recht heißem Sonnenſchein ausgeſetzt geweſen ſind, Man bringt daher die Körner gewöhnlich auf folgende Weiſe aus den Scho- ten. Man übergießt die Schoten mit ſiedendem Waſſer, und läßt ſie in dieſem eite Stunde lang ſtehen. Hierauf werden ſie auf ein Tuch zum Trocknen ausgebreitet, und wenn ſie gehörig abzetro>netk ſind, ſo laſſen ſich die Körner leicht zwiſchen den Fingerp ausdrü>en. Man empfiehlt das Uebergießen mit ſieden- dem aſſer hauptſächlich auch deßhalb, weil die Körner dadurch den ihnen eigenthümlichen rohen Geruch verlieren, Bemerkungen über den Bau der Kaffeewic>e, Ueber den Körnerertrag und den Preis der Kaffeewicke läßt ſich zur Zeit noch nichts beſtimmen, da es noc< nicht ſebr lange iſt, daß ihr Anbau in Deutſchland eingeführt iſt. Sollte ſich dies« ſelbe als ein vorzügliches Kaſfeeſurrogat überall bewähren und verbreiten, ſo iſt wohl anzunehmen, daß ihr Anbau lohnend ſeyn würde. Ob ſie ſich jedoch zum Anbau im Großen eignen wird, iſt ſehr die Frage, FT ee Bau der Feldfrüchte, 8, Abſhn. Auguſt, 76) Arzneygewächſe. Die römiſche Chamille, Von der römiſchen Chamille werden nur die Blüthen geernde- ket, die immer wieder austreiben, wenn man ſie abgepflükt hat. Die erſte Blüthe erſcheint bereits im Juny, und wird, wenn ſie ſich vollkommen ausgebildet hat, abgepflükt, Man kann ſie in günſtigen Jahren bis fünfmal erndten, Die Blüthen werden entweder friſch verkauft, oder getro>net. Bemerkungen über den Bau der römiſchen Chamilie, . Der Ertrag von dieſen? Gewächs iſt ſebr bedeutend, denn in mehrern„Gegenden, wo ihr Anbau Statt findet, erhalten ſich viele Familien„„bey einem hohen Pacht des Aers, hauptſächlich durch ihren Anbau. Man hät Fälle, daß eine vorzügliche Erndte dieſer Pflanze einen ſo hohen Ertrag gegeben hat, als der Werth des Ackers betrug, auf dem ſie erbaut wurde. Bau der Feldfrüchte. September, Der Anfang dieſes Monats iſt ziemlich warm und gewitter- haft, oft auch ſehr tro>en 3; gegen die Mitte deſſelben ſtellt ſich äber ſchon kühle Herbſtwitterung, von kühlen Nächten, Regen, ſtarkem Thau, Reif und nicht ſelten von Froſt begleitet, ein. Wenn das Wetter um Michaelis ſchön iſt, ſo ſoll es, nach den alten Bayerregeln, 4 Wochen aushalten, und ſehr bäufig trifft dieß ein. Zieben die Vögel vor Michaelis no nicht fort, und halten ſich die Schwalben, welche gewöhnlich im Anfange dieſes Monats !m nördlichen Deutſchland wegziehen, yoc< lange auf, ſo iſt ein ſpätes Einwintern und ein ſchlaffer Winter vor Weihnachten zu vermuthen. Stellen ſich dagegen die Großvögel und unter dieſen beſonders die Seidenſchwänze zeitig auf. ihrer Durchreiſe von Norden nach dem Süden ein, ſo vermuthet man ein baldiges Einwintern und einen ſtrengen Winter. Ein großer Theil der Feldgewächſe wird in dieſem Monate geerndtet. Diejenigen Früchte, welche mit den Halmen auf dem Felde tro>&nen müſſen, ſo wie diejenigen, welche nach ihrer Ab- eindtung eine ſorgfältige Abtro>nung verlangen, müſſen ſo viel als möglich im Anfange dieſes Monats geerndtet werden, weil bey der ſpätern feuchten Witterung die Abtro>nung ſchwierig iſt, und die Früchte leicht verderben können. Auch mit der Erndte derjenigen Gewächſe, welche von Froſt leiden, muß man eilen, daß, ſie in der erſten Hälfte dieſes Monats eingebracht werden.: Die Herbſtſaat iſt in dieſem Monate ſo recht eigentlich im Gange, und in kältern Gegenden beeilt man ſich, ſie in dieſem Monate zu beſchließen; wogegen ſie in den warmen Gegenden erſt mit dem Ende dieſes Monats recht beginnt. 3 Wir haben nun in dieſem Monate der Saat derjenigen Ge- wächſe Erwähnung zu thun, welche hauptſächſich geſäet werden, und der Erndte derjenigen, welche zum Theil im vergangenen, oft aber auch in dieſem Monate zur Reife gelangen, zu gedenken, 176 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (318) Da jedoch die Erndte mehrerer Gewächſe zwar in dieſen Monat| fällt, ſehr bäufig aber in den nächſten Monat verſchoben wird, ſo wollen wir, um den Inhalt dieſes Monats nicht zu ſehr aus:| b! zudehnen, derjenigen Gewächſe, welche auch im künftigen Monat k geerndtet werden, in jenem erſt gedenken. Auch in Beziehung|! auf die Zugutemachung mancher Gewächſe müſſen wir auf die bt Folge verweiſen. 0 Neunter Abſchnitt. Anbau der Feldgewächſe, Getreide. Roggen, Secale cereale. Der Roggen iſt in Deutſchland die allgemeinſte und wichtigſte Brodfrucht, und wird unſtreitig unter allen Getreidearten am häufigſten gebaut. Man nennt den Roggen in vielen Gegenden auch Korn, obwohl in andern Gegenden, wo Weizen-und Spelz die Hauptbrodfrüchte ſind, auch dieſen der Name Korn beyge: legt wird. In den meiſten Begenden Deutſchlands iſt das Nog» genbrod die hauptſächlichſte Nahrung der Menſchen, und wer an| dieſes von Jugend an gewöhnt iſt, ziebt es-dem Weizenbrod uns» bedingt vor, indem man ſich letzteres bald zum Ueberdruß ißt. Das Weizenbrod iſt zwar nahrhafter und die Aerzte empfehlen es auch als leichter verdaulich und weniger blähend, vor dew| SSS NNN NR 8"ep«Lay 648 ZS ROUTES" Gz Roggenbrvode; doh ſcheint auf der andern Seite das Weizenbrov viel mehr Verſtopfung zu verurſachen, Das Roggenbrod hat, went es aus dem Backofen herauskommt, einen höchſt aromatiſchen und ſtärkenden Geruch, und einen ſehr kräftigen Geſchmack, und| bält ſich" übrigens viel länger friſch, als das Weizenbrod. Uebet| die Vorzüge des Noggens haben wir im vergangenen Monate, bey der Erndte des Weizens, unter der Ueberſchrift„Bemerkuns gen über den Weizenbau ,“ gehandelt.| Ueber das Vaterland des Roggens läßt ſich ſo wenig etwas| beſtimmtes angeben, als über das Vaterland vieler anderer Ges| treidearten; doch iſt es unzweifelhaft, daß er einen mehr nörd- lichen Urſprung hat, und daher auch hauptſächlich für die mehr nördlichen Gegenden paßt. Er ſcheint urſprünglich eine zweyjäh« rige Pflanze geweſen zu ſeyn, da der Sommerroggen Über Win- ter geſäet werden kann, der Winterroggen dagegen, im Frühjahr geſaet, im laufenden Jahre keine Körnererndte giebt, Wäre da- gegen der Roggen ein Sommergewächs, ſo ſcheint es, daß der umgekehrte Fall Statt finden müßte. Auch giebt der Winterrog- gen im Allgemeinen imuter ſicherere und reichlichere Erndte, als der Sommerroggen. Man hat verſchiedene Abarten des Rvoggens, von denen wir die Sommerroggenarten bereits im zweyten Bande der Ency- dlopädie behandelt haben, aber älle dieſe verſchiedenen Abarten des Roggens unterſcheiden ſich nicht durch ein botaniſches Merk: mal, ſo daß es im Allgemeinen nur eine Roggengattung giebt, ſondern ſie ſind blos durch ihre verſchiedene Natur; die ſie zum Theil in Folge des Climas; des Bodens und der Cultur ange- Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 177 (3123 nommen, und dadurch gleichſam ein verſchiedenes Temperament bekommen baben, zu unterſcheiden. Uebrigens iſt hier zu bemer- ken, daß von Landwirthen mancher Getreideart der Name Rog* zen, oder auch, wo man Korn anſtatt des Wortes Moggen g?- hraucht, Korn beygelegt wird/ die entweder unter den Weizen, oder unter die Gerſte gehört.; Folgende Abarten des Winterroggens ſind für den Landwirrh intereſſant. Der Staudenroggen. Er hat eine größere Beſtaudungs- fähigkeit, als der gewöhnliche Winterroggen ,/ und treibt, unzer gleich günſtigen Umſtänden, ſtärkere, längere, Halme, mit größern Aehren, die mehr größere und mehlreichere Körner enthaltev, Er muß zeitig, in kältern Gegenden ſchon im Auguſt, in war- mern Gegenden im Anfange Septembers geſäer, werden. Man ſäet, dem Maaße nach„"“den vierten Theil weniger, als vom g= wöhnlichen Roggen. Er kann im Herbſt ohne Nochrtheil obge: mähet oder abgehütet werden z er iſt gegen die nachtbeiligen Ein- flüſſe der Winterwitterung weniger empfindlich, lagert nichr fo leicht, als der gemeine Roggen, braucht dagegen gewöhnlich im folgenden Sommer eine längere Zeit zu ſeiner Auebpildung, und gelangt daher ſpäter zur Erndte. Er hat unbezweifelte Vorzüge vor dem andern Roggen, und wird deßhalb allgemein ſehr ge- ſchätzt 3 doh verliert er dieſe Vorzüge im magern Boden und bey einer ſpäten Saat, und artet endlich in den gewöhnlichen Roggen aus. Wird er lange in demſelben Boden gebaut, ſo ar: tet er ebenfals aus, und man muß daher von Zeit zu Zeit den Samen erneuern. Dex wallachiſche Roggen. Er iſt eine Art Staudenrog- gen, hat in neuern Zeiten ſein Glü> gemacht, und ſich durch ſeine Tragbarkeit empfoblen. Er muß ebenfalls zeitig geſuet wer- den, und ſein Sto> vervielfältigt ſich ſchon im Herbſt, no mebr aber im Frühjahr, weßbalb er nur ſehr dünn geſäet werden do:f. Er verlangt einen ſehr kräftigen Boden, und wird noch dünner, als der Staudenroggen, nämlich dem Maaße nach um 3 Achtel w?- niger, als vom/gewöhnlichen Roggen, geſäet. In kräftigem Boden uny bey günſtiger Witterung treibt er einen ſehr langen Hälm, und nicht ſelten 6 bis 8 Zoll lange Aehren, die viele große und ſehr mehlreiche Körner enthalten, Wenn er jedoch einige Jahre an einem Orte angebaut worden, dann artet er aus, und man muß wie- der friſchen Samen anſchaffen? Derjenige Roggen den man Ar- ner Witterung im Frühjahr feſt zuſammen, ſo bleibt er kurz und dünnhalmig; denn die Roggenwurzeln haben nicht die Kraft und Lebensthätigkeit, wie die Weizenwurzeln, ſich in dem feſten Boden ausbreiten, und ſich die feſter eingeſchloſſene pflanz zennährende Materie aneignen zu können. Gerath er übrigens in ſolchem Boden, ſo giebt er im Verhältniß immer mehr Stroh, als Körner, und letztere ſind ſehr di>ſchälig. Der Noggen liebt vaher den leichten, lo&ern Boden und kommt in einem Boden, der 85 Procent Sand hat, recht aut fort. Selbſt in dem Sandboden, der nicht gerade Flugſand iſt, wo ſelbſt der Buchweizen nicht gut fortkommt, gedeiht der Roggen dennod, und lohnt die auf ihn verwendete Mühe, In vielen Sandge- genden des nördlichen Deutſchlands iſt der Roggen die einzige Körnerfrucht die gebaut werden kann, und für diele Gegenden 2. Wr Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 179 (321 das größte Geſchenk Sottes. Uebrigens gedeiht der Roggen. lehmigem Boden, wenn derſelbe mürde iſt, leicht zerfällt und ſich nicht leicht feſt ſchließt, um ſo beſſer, und giebt einen größern Erträg an Körnern und Stroh. Derjenige Boden, den man Gauſtenboden nennt, in welchem der Klee ganz beſonders gut gedeiht, und in weichem auch' der„Weizen mit Vortheil gebaut werden Fann, giebt die reichlichſten RNoggenerndten, beſonders bey den Staudenroggenarten. Beſonders gedeiht der Noggen in ſolchen Bodenarten, wenn ſie eine Zumiſchung von Kalf odex Mergel haben, wodurch ihre Krume um ſo lockerer bleibt, Uebri= gens ſind die in einem überwiegend Sand enthaltenden Boden genotnmänen Noggenkörner feinhülſfiger, mehlveicher, und im Ges wicht ſchwerer, als die im mehr Thon enthaltenden Boden gebaue ten 3 der Ertrag an Stroh iſt aber geringer, wenn dergleichen leichter Boden nicht eine feuchte Lage hat, oder ein mehr feuch2 tes Clima Statt findet, Naſſer Boden, beſonders wenn derſelbe im Winter von Näſſe Überfüllt oder wohl gar unter Waſſer geſetzt wird, iſt dem Roge gen nicht zuträglich, denn er winiert dann ſehr leicht aus, und iſt in dieſer Hinſicht empfindlicher, als der Weizen. Dagegen verz trägt der Noggen einen ziemlichen Sräad von Säure im Boden, die dem Weizen und der Gerſte zuwider iſt, und ex kann im Moorvoden, wenn dieſer gehörig abgewäſſert iſt, ſo wie im Heiz deboden, gebaut werden. Je reicher der Boden an Humus,'um ſo kräftiger wächſt dex Roggen, aver ex nimmt auch mit armem Boden, wo Weizen und Gerſie nicht gedeihen, und nur nöch das Heidekorn und der Hafer fortkommen, vorlieb. Hat ein erſchöpfter Boden eine Reihe von Jahren gerühet, ſo ſammelt er wieder Kräfte genug, um eine, wenn auc) ärmliche, äber doch, wenn auch nicht durch die 62: wonnenen Körner, doch durch das erzielte Stroh, noch der Cul- zurkoſten lohnende Erndte zu tragen. Man hat in vielen Geget- den nicht unbeträchtliche Ländereyen, die, des mangelnden Dün- gers wegen, nicht gedüngt werden können, und nur alle 6,7,8 u. ſ. w. Jahre einmal mit Noggen beſäet werden, und nennt dies ſelben“ nach, der Reihe von Jahren, die ſie unbeſäet liegen bleiben, 6:, 7:, 8: U. ſ, Ww. jährige Roggenländer. In dem mehr gebunz denen Boden, der eine geringere Lebensthätigkeit hat, muß jedoch im Verhältniſſe der Humugsgehalt größer ſeyn, um eine Roggen= erndte zu gewinnen, als ein leichterer, lebensthätigerer Boden, der den Reſt ſeines Humusgehalies leichter ausziehen läßt. Der Roggen verträgt auch die ſtrengſte Winterkälte 3; nür wenn er im Aebren geſchoßt iſt, wird er vom Froſt zerſtört: Er kann daber auch in Den kälteſten Climaten gebaut werden, wenn nur die Periode der warmen Witterung ſo lange dauert, daß ex ſeine Reife erlangen kann. 5 In den wärmern, ebenern Gegenden des nördlichen Deutſch: lands, kann man annehmen, daß der Winterroggen um die Mitte des März zu treiben anfängt, wo dann aber, wegen ſich noch einſtellender kalter Witterung, die Vegetation bis gegen die Mitte April ſehr oft unterbrochen wird, ſo daß man das ununter- brochene Fortwachſen, er1x von der Mitte April an annehmen kann. Die Roggenerndte erfolgt dann gewöhnlich um die Mitte Taly, und derſelbe bedarf 4 Monate zu ſeiner Ausdildung; würde IX. 21 t r 180 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (322) aber die Witterung vom erſten Treiben an ununterbrochen warm ſeyn, ſo würde er in 32 Monaten, zeitigen. Berückſichtigt man nun den im kältern Clima gewöhnlich Statt findenden Umſtand, daß die Wärme dann, wenn ſie einmal eingetreten iſt, unun= terbrochen fortdauert, und daß dann alle Pflanzen ihre Entwi>k-| lung in einer weit kürzern Periode vollenden, wie dieß Jeden der Augenſchein in hohen kalten Gebirgsgegenden lehren kann,“] wo der Zeitpunct der Erndte, gegen niedere warme Gegenden, keineswegs um ſo viel Tage zurücſteht, als der Winter länger dauert, ſo kann man 1n Deutſchland wohl annehmen, daß der Winterroggen Überall da mit Sicherheit gebaut werden kann, wo| man mit Gewißheit rechnen kann, daß die warme, die Vegeta- Hoy 0 30 Witterung ununterbrochen 3 Monate lang auert. Burger ſagt im 2, Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirth- ſchaft S. 28:„In Kärnthen baut man Winterroggen auf den höchſten Bergen, wo oft die Ae>er mit-den Alpenwieſen zuſam menſtoßen, aber freilich nur in ſonniger Lage. St. Johann am Hohen- Preſſen, 3822 Wiener Fuß über dem Meere, hat. vor» züglich ſchönen Nvggen. In Tweng, am Fuße des Nadſtädter Tauren, 3499 pariſer Fuß über dem Meete, wird der Winter- 103gen als die ſicherſte Frucht betrachtet, da der Hafer nicht mehr zeitig wird.“ In dem kältern Theile des ſächſiſchen Erzgebirges", wo man früber der Meinung war, daß der Winterroggen nicht fortkomme, verbreitet fich ſein Anbau immer mehr. Der Roggen kommt zwar auch in dem warmen und tronen Clima fortz doch iſt ſein Ertrag, beſonders wenn der Boden ſebr leicht iſt, ſowohl in Körnern, als im Stroh, um ſo größer, wenn das Clima mäßig feucht und warm iſt. Düngung. Der Roggen kommt zwar, wie wir oben angeführt haben, auch in dem magern Boden fort; doch verträgt er nicht nur die friſche Düngung, ſondern er giebt auch nach dem Verhältniß der ver- wendeten Düngung eine um ſo reichlichere Körnererndte. Wo der Roggen die Hauptwinterfrucht iſt, wird er auch gewöhnlich, ſo weit-der Miſtvorrath reicht, in friſche Düngung geſäet.„4 der Boden ſehr erſchöpft, ſo giebt zwar der Roggen nach einer friſchen Düngung einen anſehnlichen Strohertrag, aber einen ge»| ringen Körnerertrag.| Man muß übrigens im kräftigen Boden nicht zu ſtark, und nicht ſo ſtark zum Roggen düngen, als zum Weizen, weil er, und ſelbſt der Staudenroggen, bey einem zu Üppigen Wuchſe im Herbſt, im Winter leicht fault, im Frühjahr dagegen leicht lagert. Wo der Roggen als Hauptfrucht gebaut wird, iſt eine öftere und ſchwächere Düngung der ſeltnern und ſtärkern Düngung vorzuziehen. Die Stärke der Düngung richtet ſich nach dem Boden. In dem mehr gebundenen und kalten Boden muß ſie ſtärker ſeyn, wenn ſie eine gleiche Wirkung hervorbringen ſoll, als in dem wärmern und leichrern Boden; weil ſich im erſtern der Dünger minder ſchnell zerſeht, und die pflanzennährende Materie, wegen der geringern Lebensthätigkeit des Bodens, wenn ſie nicht in ſehr großer Menge gleichmäßig verbreitet iſt, den Roggenwur- Anbau dex Feldgewächſe, Roggen. (323) zeln weniger leicht zu Theil wird; dagegen im leichten Boden der Miſt ſchnell zerſest wird, und derſelbe die pflanzennährende Materie ſehr leicht den Roggenwurzeln zu Theil werden läßt. Der Noggen verträgt zwar alle Miſtarten; doch findet beym Roggen vor allen Getreidearten hauptſächlich der Umſtand daß derſelbe im Schaf: und Pferdemiſt feinhülſigere un nen Boden wirkt der unmittelbar vor der Saat untergebrachte Miſt allerdings nicht ganz vortbeilhaft auf den Roggen, und beſonders dann, wenn derſelbe auf der Miſtſtelle not, in ſolchem Boden dem Roggen zu- träglich, wenn man dabey die Roggenſgat nicht zu zeitig im Herbſt macht. I< habe überall im mehr kalten und gebundenen Boden gefunden, daß der Noggen,. der auf den,'den Somme! bindurch aemachten, und im Herbſt mit der Saatfurche unterge: brachten Miſt geſäet war, ſich vor dem augzeichnete, der auf den mit der erſten Braachfurche untergebrachten Miſt geſäet worden war. Nur da, wyo unzergangener, ſtrxohiger Miſt hingekommen war, zeigten ſich Lücken in der Saat; indem ſich) dahin die Mäuſe gezogen hatten, die Erhizung des Mi- ſtes im Boden nachtheilig auf die Roggenyflanzen wirkte, und durch die durch den ſtrohigen Miſt zum Theil'gebildeten hoh- len Räume, unter den Pflugſchnitten, das Eingehen der Pflans zen verurſacht wurde, wenn dieſelben mit ihren Wurzeln auf dieſe hohlen Räume ſtießen. Platzim Feldbau und Fruchtfolge, In der Dreyfelderwirthſchaft findet der Noggen ſeinen Plat im Winterfelde, nach reiner Braache oder nach einer Braachfrucht. In vielen Dreyfelderwirthſchaften findet man aber auch einen nicht unbeträchtlichen Theil des Sommerfeldes mit Winterrogaen beſtellt, der entweder in die Stoppel der Oelgewächſe, des Wei» zens, oder in“ ſeine eigenen Stoppeln geſäet worden iſt, und man nennt dieſe Roggenſaat gewöhnlich Stoppelroggen. Man findet dieſen Stoppelroggen hauptſächlich in Wirthſchaften, die einen ſehr leichten Boden haben, wo das Gedeihen der Sommerg?2: treidefrüchte gefährdet iſt, oder in ſolchen Wirthſchaften, die kei: nen ſehr kräftigen Boden haben, wo er anſtatt der Sommerung hauptſächlich, des größern Strobertrags wegen, gebaut wird, Aber auch in dem Falle, wo man im Sommerfeld&> unter eine Sommerfrucht Klee geſäet, dieſen in der Braache, und veranlaſ« ſender Umſtände wegen, auch im Winterfelde geſchnitten hat, und man glaubt die kräftigen Kleeſtoppeln nur durch Beſäung mit Winterroggen am höchſten nutzen zu können, findet man den«- ſelben im Sommerfelde, wiewohl man in dieſem Falle, wenn der Boden geeignet iſt, ſehr häufig auch Winterweizen findet, Da in der Dreyfelderwirthſchaft in der Braache verſchiedene Früchte gebaut werden, da der Noggen im Allgemeinen in ſehr großer Ausdehnung gebaut wird; ſo iſt es natürlich, daß er nicht nur in der Dreyfelderwirthſchaft, ſondern auch in der Schlag:, Koppel- und Fruchtwechſelwirthſchaft, ſowohl der Nach: folger der verſchiedenſten Gewächſe, als auch der Vorgänger ſehr vieler Früchte iſt. Was den Roggen als Vorgänger anlangt, ſo haben wir darüber bey der Fruchtfolge der verſchiedenen Gewächſe bereits das Nötbige erwähnt. Er iſt unter den Getreidearten, nächſt dem Hafer, unſtreitig die günſtigſte Vorfrucht, und unter man«- erbeit behalte, um den zur Vegetation erforderlichen äußeren Einwirkungen den nöthigen Zutritt zu geſtatten. Der Roggen verlangt es ganz beſonders, daß ein ſolcher Boden genugſam gelo>ert wird, weil ſeine Wurzeln, wie bereits an» geführt worden iſt, weit weniger Lebensthätigkeit haben, als die des Weizens, in einem harten Boden ſich genugſam augzubrei- ten, und ſich die feſter eingeſchloſſene Nahrung anzueignen. Es ſind demnach in ſolchem Boden'alle diejenigen Gewächſe, wel- dhe denſelben ſehr lange einnehmen, ſo daß nicht mehr genug Zeit zur erforderlichen Bearbeitung deſſelben übrig bleibt, wenn jie auch ſonſt den Reichthum des Bodens nicht ſehr in An- ſpruch nehmen, keine günſtigen Vorfrüchte für den Roggen. Auch ſind diejenigen Gewächſe, welche einen dergleichen Bo= den zu ſehr geloFXert und gepulvert hinterlaſſen, zumal wenn ihre Aberndtung ſpät erfolgt, dem Roggen keine günſtigen Vor- früchte, weil der zu ſehr geyulverte, 1honigte Boden bey der Näſſe breyartig zuſammenläuft, bey eintretender Troäniß aber um ſo mehr erhärtet und die Lebensthätigkeit verſchließt. Im leichten Boden erfolgt dagegen, weil Wärme und Luft um ſo leichter einwirken können, auch ohne eine wiederholte Be- aFerung eine um ſo leichtere Zerſehung aller pflanzennährenden 184 Bay der Feldfrüchte. 9, Abſchn. Sept. (326) Theile, und dieſer Boden bleibt auch ſtets lo>er genug, um in einer beſtändigen Wechſeiwirkung mit der Atmoſphäre zu verblei: ben, ſo daß von der vorhandenen Nahrung dem Roggen um ſo mehr zu Theil wird. Auch kann ein ſolcher Boden im Frühjahr mit den Vorgängern des Roggens um ſo eher beſtelit werden, da er von der Winterfeuchtigkeit früher abtro&net, und es er- folgt daher nicht nur aus dieſem Umſtande, ſondern au< aus dem Grunde, weil durch naſſe Witterung das Reifen der Früchte minder verzögert wird, als im bindigen Boden, eine um 10 frühere Aberndtung, ſo daß dann nocerer, und ſich weniger leicht bindend, als einen eine geringere Menge Thon enthaltenden Boden. In dem bindigen Boden iſt unſtreitig die reine Braache die beſte Vorbereitung zum Roggen, indem dieſer Boden nur durch die vollſtändige Braachbearbeitung in den dem Roggen erwünſch- ten Zuſtand verſeht werden kann. In dergleichen Boden giebt der in die reine Braache geſäete Noggen nicht nur den ſicherſten Ertrag, ſondern er giebt auch einen größern Ertrag an Stroh und Körnern, welche letztere ſich immer durch Schwere und Voll- kommenheit auszeichnen, als nach jeder andern Vorbereitungsart. Wir wollen nun der hauptſächlichſten Vorgänger des Nog- gens und des Einfluſſes, welchen ſie auf iht augsüben, gedenken. Der Raps- und der Rübſamen, und erſterer beſonders dann, wenn er verpflanzt war, ſind dem Roggen günſtige Vor- früchte, wenn ſie in genugſam loXerm und kräftigem Boden und bey genugſamer Düngung gebaut werden. Sie gelangen zeitig zur Reife und hinterlaſſen den Boden in einem genugſam kräf- tigen Zuſtande zurüs, ſo daß zur Vorbereitung des Bodens zum Roagen hinlängliche Zeit verbleibt und derſelbe ſich vollkommen augbilden kann, ohne daß er ſich leicht lagert. Günſtiger iſt noch der Rübſamen, als der Napsſamen, da er im leichtern Boden ge- baut wird, und ſeine Aberndtung früher erfolgt, mithin alſo noch längere Zeit zur Vorbereitung des Bodens zum Noggen verbleibt, Iſt der Raps in ſtrengerem Boden gebaut, ſo läßt man lieber Weizen auf ihn folgen, indem dieſer no ſicherer nach ihm aeräth, als Noggen. In mehr leichtem Boden ſteht der nach dieſen Gewächſen gebaute Roggen dem reinen Braachroggen wenig oder gar nicht nach.; Der Sommerrübſamen iſt zwar ebenfalls eine dem Rog- gen günſtige Vorfrucht, allein ſchon aus dem Grunde weniger günſtig, als die vorher angeführten Oelſaaten, weil er viel ſpä: ter abgeerndtet wird, und mithin weniger Zeit zur Vorbereitung des Bodens verbleibt.- Hierzu kommt noch, daß der Sommer- rübſamen meiſtens ohne friſche Düngung gebaut wird, und mit: bin den Boden in geringerer Kraft hinterläßt, und daß er nicht ſelten mißrätb, wo dann bey einem dünnen Stande, bey man- gelnder Beſchattung, der Boden mehr verwildert iſt. Anbau der Feldgewächſe. Roggen, 185. (327) Der Tabak iſt nah einſtimmigen Nachrichten im leichten Boden ein ſehr guter Vorgänger des Roggens, der gegen den Braachroggen nur einen ſehr geringen Rüſchlag giebt, der jedoch immer weniger bemerklich wird ,' je ſandiger der Boden iſt, Wenn man zum Tabak genugſam düngen kann,[9 hat man im bindigen Boden keinen zwe>mäßigern Umlauf, als Tabak und Weizen, ſo wie im ſandigen Boden Tabak und Roggen. Der Lein wird allgemein für einen ſchlechten Vorgänger des Roggens gehalten, und nach der gewöhnlichen Art und Weiſe, wie der Flachsbau betrieben wird, ſchlägt der Roggen nach ihm auch ſtets beträchtlich zurü&. Je dünner der Lein geſäet war, und je mehr er ſeine Samenreife vollendet hat, um ſo ſchlechter iſt der darauf folgende Roggen 3 wogegen ein geringerer RüE- ſchlag erfolgt, wenn man den Lein nah einer angemeſſenen Vors frucht gebracht, ihn dicht geſäet, und vor vollendeter Samenreife geerndtet hat. Der Klee gehört ſeiner Natur nach, indem er den Boden kräftig und rein binterläßt, vorausgeſeßt, daß er gut geſchloſſen geſtanden hat, unter die dem Roggen günſtigen Vorfrüchte; gün- ſtiger iſt er im leichten Boden, als im gebundenen, wo er haupt- ſächlich als günſtige Vorfrucht für den Weizen betrachtet wird. Es iſt jedoch Bedingung, daß, ſoll der Roggen gut gerathen, der Klee zeitig im Sommer umgebrochen, und die Kleebraache mehrmals bearbeitet wird. Der Roggen verhält ſich in dieſer Hinſicht anders, als der Weizen, der auf die im Herbſt umge brochene Kleeſchwarte geſäet werden kann. Die Urſache hiervon liegt wobl unſtreitig darin, daß die umgebrochene Kleeſchwarte für den Roggen zu zäh iſt und bleibt, indem der mit Klee be- ſtandene Boden, weil er lange nicht gerührt wird, ſich' immer feſt zuſammenſeßt und durch eine Fürche nicht ſo genugſam ge- lo&ert wird, als daß er ſich nicht wieder ſehr bald zu feſt zuſam- menſeßen ſollte, und der Noggen ſich mithin mit ſeinen wenigen Fräftigen Wurzeln minder ausbreiten kann, als der Weizen. Auch vermögen ſich die im Herbſt untergepflügten Blätter und Stän- gel des Klees, ſo wie deſſen Wurzeln, bis zum Frühjahr, wo die Beſtaudung des NRoggens eintritt, die im kräftigen Boden um ſo ſtärker erfolgt, und eine Hauptbedingung des Gerathens des Roggens iſt, nicht ſo genugſam zu zerſeßen, daß ſie in dieſer Periode dem Noggen, als vollkommen geeignete Nahrung zu Theil werden könnten, wogegen dieſe Zerſetzung bey dem im Frühjahr viel ſpäter ins Leben. tretenden Weizen dann, wenn. derſelbe ſich zu beſtauden anfängt, bereits erfolgt iſt. I< babe hier, und' auch anderwärts gefunden, daß der auf den im Herbſt umgebrochenen Klee geſäete. Roggen ſich dadurch augzeichnete, daß er dünner, äls anderer Roggen ſtand, dagegen aber gut kör- nerte und vollkommnere und mehlreichere Körner gab. Bey der geringern Anzahl von Scho&en aber war dod) der Körnerertrag beträchtlich geringer, als der von anderem Roggen, und der Strobausfall und die minder gewonnene Scheffelzahl wurden keineswegs durch die größere Vollkommenheit der Körner gedec>t, Wird dagegen der Klee zeitig umgebrochen, und es erfolgt eine - gehörige Bearbeitung, ſo daß ſich die Blätter, Stängel und Wur- zeln. deſſelben bis zur Einſaat des Roggens gehörig zerſetzt ha- ben, ſo treibt der Noggen, nicht nur um ſo kräftiger im, Herbſt, Bay der Feldfrüchte. 9, Abſchn, Sept. (328) und deſſen Pflanzen kommen in einem um ſo fkräftigern Zuſtande in den Winter, ſondern der Noggen giebt dann auch, wenn der Klee gehörig geſchloſſen geſtanden hat und der Boden kräftig iſt, einen eben ſo vollkommenen Ertrag, als der Roggen nach rei- ner Braache, In ſolchen Wirthſchafsen, wo man den Klee nur einen Sommer hindurch ſtehen läßt, und deſſen Umbruch, des lezten Schnittes wegen, ſo lange als möglich verſchiebt, wird man daher weit angemeſſener auf den Klee, eine andere Frucht folgen laſſen, als den Roggen. Eine Augnahme von dem vorſtehend Geſagten findet jedoch Statt in einem ſehr leichten, ſehr: thätigen und durch ſorgfäl- tige Cultur in großer Kraft ſichenden Boden, der in einem war- men und mäßig feuchten Elima liegt, In einem ſolchen Boden, der bey minder ſorgfältiger Cultur keinen Klee hervorbringen würde, kann man den Noggen ungefährdet auf» den im. Herbſt umgebrochenen Klee ſäen, indem bey der Leichtigkeit und Thäs tigkeit des Bodens, bey genugſamer Feuchtigkeit, und bey der ſpäter einwirkenden Winterkälte eine ſehr ſchnelle Zerſezung. der Stängel, Blätter und Wurzein des Ktees erfolgt, und daher der Noggen ſowohl vor Winter, als nach Winter, hinlängliche leicht aufzunehmende Nahrung findet. Auch wird ein folcher Boden durd) den einfährigen Umbruch des Klees genugſam ge- Jo>kert, um den Roggenwurzeln ihre möglichſte Ausbreitung zu geſtatten. Servau S. 131 an, daß man in dem ſandigen Boden des Waeslandes und in der Gegend von Ant- werpen, den Roggen nach Klee nur auf eine Furche ſäe. In den ſandigen Ländern an den Ufern der Elbe, in'der Nähe von Dregsden, die vermöge des reichlichen Stadtdüngers in guter Cultur ſiehen, eine warme Lage, und wegen der Augdünſtungen der Elbe eine mehr feuchte Luft baben, babe ich bäufig, nach dem mit einer Furche umgebrochenen Klee, ſchönen Roggen gefunden. Der Spergel(Spergula arvensis) wird in ſandigen Ge» NI genden ſehr häufig in der Braache gebaut, und iſt der Vorgän-» ger des Roggens. Man nimmt an, daß grün abgemäheter oder abgeweideter Spergel dem Acker eine merkliche Kraftvermehrung iebt, und hält ihn daher für eine dew Roggen ſehr günſtige Vorfrucht, Koppe führt dagegen in der Reviſion der A>erbau- ſyſteme S. 105 an, daß ihm der Syergel bisher immer ſchlecha ten Noggen veranlaßt, habe, ſo daß er dadurd) bewogen worden, ihn niemols wieder vorher zu bauen, Er ſagt:„Selbſt wenn man das zu Roagen gead&erte Land bloß deßhalb mit Spergel beſäet hat, um eine gute Weide zu erhalten, wird der Noggen ſchlechter nach dieſer Beweidung werden, als wenn man das Land ohne die Dazwiſchenkunft des Spergels mit Roggen beſäet hatte. Will man aber aus guten Gründen dennoc< eine Sper- gelweide von dem für Roggen beſtimmten Lande haben, ſo ſäe man den Spergelſamen früh aus, damit das Land zu Anfange Septembers gepflügt werden könne. In ſüdlichen Gegenden fin- det dieſe Regel keine Anwenbung.'““ Hingegen ſagt Schwerz im zweyten. Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>erbau S. 130: daß der Spergel eine gute Vorfrucht für den Roggen ſey 3 jedoch ſey dieſes nur im Sandboden und von abgetüderten, aber nicht abgemähetem Spergel zu verſtehen. Unwiderſprechlich Pao» 0524227.2.22-.222. Zz zz" Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 187 (329) zeuge die allgemeine Erfahrung der Sandländer Belgiens und Weſtphalens dafür; allein wahr ſey es, daß dieſe Gegenden ein ſpätes Einſöen des Roggens erlauben. Es ſcheint hiernach, daß der Spergel nur in dem Falle eine gute Vorfrucht für den Roggen ſey, wenn er gleich dem Klee zeitig umgebrochen werden kann, oder venn das Clima ſehr warm iſt, und der Roggen eine verſpätete Ausſaat verträgt. Die Bohnen ſind, wenn ſie in weniger bindigen Boden gebaut werden, und ihre Aberndtung'nicht zu ſpät erfolgt, eine günſtige Vorfrucht für den Joggen, da fie den Boden kräftig Und loFer hinterlaſſen. Da die Bohnen jedoch hauptſächlich in einem mehr dem Weizen zuſagenden Boden gebaut, werden, ſo betrachtet man ſie hauptſächlich, als günſtige Vorfrucht für dieſen. „Die. andern Hülſenfrüchte, hauptſächlich Erbſen und Wieken, werden allzemein für günſtige Vorfrüchte des Noggens gehalten, und man hat dahex in neuern Zeiten vorzugsweiſe die: ſen Früchten ihren Play in der Braache angewieſen, und läßt meijtens Roggen auf ſie folgen. Von den Erbſen, die in einem loſern Boden fortkommen, mag dieß mehr gelten, als von den Wien, die einen gebundenern Boden verlangen, von beiden gber überhaupt nur in dem Falle, wenn ſie in einem nicht ſehr gebundenen und gut zubereiteten Boden gebaut werden, und wenn die Verhältniſſe deren zeitige Ausſaat geſtatten, ſo.daß ſie zeitig abgeernbtet werden können, und wenn ſie vollkommen dicht geſtanden und den Boden unter ihrer dichten Decke gehörig mürbe gemacht baben. Finden dieſe Bedingungen nicht Statt, ſy wird man an dem Roggen nach Hülſenfrüchten, ſelbſt in einem rei- hen Boden, immer einen beträchtlichen Rückſchlag erleiden. Wir haben in Beziehung auf die Fruchtfolge nach Hülſenfrüch- ten im 3ten Bande der Encyklopädie S.'335 u. f. bey der Frucht- folge der Erbſen ausführlich gehandelt, verweiſen"daher darauf, DU bemerten nur noch Folgendes hier in Beziehung auf den oggen. . Daß der Roggen bey einer ſpätern Aberndtung dieſer Früchte nicht gedeiht; bat ſeinen Grund hauptſächlich in Folgendem: Je ſpäter hinaus die Erndte der Hülſenfrüchte ſich verſchiebt, um ſo ungleicher reifen ſie, Die feuchte Witterung in der ſpä- tern Jahreszeit giebt dem obern Theile„ihrer Ranken neues Lez ben, und dieſelben wachſen noch fort, wenn bereits der untere Theil derſelben größtentheils abgeſtorben iſt, und die untern Blätter abgefallen, und die untern Schoten aufgeſprungen ſind. Dadurch folgt eine weniger dichte De&e unmittelbar über dem Boden, in welchem nun, bey dem größern Grade von Feuhtig: keit in ſpäterer Jahreszeit das, Gras um ſo mehr treibt. Wenn iman daher bey einer zeitigen und gleichmäßigen Reifung der Hülſenfrüchte den Boden nach ihrer Aberndtung im Auguſt, vorausgeſeht, daß ſie gehörig geſchloſſen geſtanden haben, ganz rein von Gras finden wird, indem daſſelbe, bey der dichten De- & unmittelbar über dem Boden, und bey dem tronen Zuſtande deſſelben und der Luft nicht auffommen konnte, ſo wird man da- zegen, wenn die Erndte im Spätſommer erfolgt, den Acer, wenn die Hülſenfrüchte auch geſchloſſen geſtanden baben, immer wehe oder weniger mit Gras bewachſen finden, Der Ader ver- wildert daher unter den ſpät zur Reife gelangenden Hülſenfrüch- 1838 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn, Sept. (330) ten mehr oder weniger, und die kurze Zeit bis zur Noggenſaat geſtattet es nicht mehr, dem Boden die für den Noggen erfor: deriiche Gahre zu geben, Dex in dem mehr feuchten Zuſtande gepflügte, verwilderte Boden ſett ſich vielmehr um ſo eber zu- ſammen, und die Noggenwurzein können ſich nicht genugſam in demſelben ausbreiten. Auch können ſich die ſpät untergepflügten Stoppeln und Wurzeln der Hüiſenfrüchte nicht genugſam zerſe- ßen, um dem Novggen in gehvriger Zeit die erforderliche Nahrung zu geben. Es erfolgt daher ein bedeutender Rückſchlag des Nog» gens, der im bindigen feuchten Boden, im kalten Clima, bey einem naſſen, kalten Sommer, der das Reifen der Hülſenfrüchte verzögert hat, wo„der Boden um ſo mehr verwildert iſt, und wenn zu den Hülſenfrüchten nicht gedüngt worden war, weit bemerklicher iſt, als im leichten ,' mehr tro>&nen Boden und im warmen Clima, wo der Winter ſpäter eintritt." Selbſt grüne abgemähte Hülſenfrüchte, wenn deren Stoppeln ſpät umgebrochen werden, haben nach den Beobachtungen Kop- pes keinen günſtigern Erfolg auf das Gerathen des Noggens, als wenn ſie ſyät zur Reife gelangt waren. Derſelbe ſagt in dieſer Beziehung in ſeiner Reviſion der Aerbauſyſteme S. 103 Folgendes:„Schon vor zwanziz Jahren fand ich die Meinung verbreitet, daß man nach dem im Julius ausgeſäeten Wicken- gemenge ſtets den ſchlechteſten Roggen erndte. J< gab ſeitdem um ſo mehr Acht auf den Roggen nach grünen Wien, weil es jeht Sitte wurde, zu behaupten, daß grün abgebrachte Früchte den Boden nicht erſchöpften. Aber immer fand ich nach dem Ende Septembers und Anfangs Octobers abgefütterten Gemenge erbärmlichen Roggen. Noc< bey der lettvergangenen Erndte 1817 machte ich bier aufs Neue, auf eine auffallende Weiſe, dieſelbe Erfahrung. Auf dem beſſern Theile des hieſigen Bodens ſtanden dicht nebeneinander Erbſen und Widengemenge. ZU erſteren war im Winter unter meinen Augen ganz ſchwach ge- düngt worden 3; zu leßterm wurde der Miſt erſt im Junius ge- fahren, wo ich zufällig abweſend war, Das Stü> iſt dem Hofe ſehr nabe gelegen, und- meine Leute hatten die Vorſchrift, die Stärke der Düngung betreffend, überſchritten. Dieſe Stelle war faſt noch einmal ſo ſtark gedüngt worden, als das Erbſenland, Das Wickengemenge wuchs dem gemäß heran, und war ſo dicht und ſtark, als man es nur ſehen kann. Auch die Erbſen waren ſehrgut, Lettere wurden zu Anfang des Septembers abzeernd- tet, und der Pflug folgte unmittelbar. Das Wicengemenge konnte aber, des naſſen. Herbſtes wegen, nicht troden gemacht, ſondern mußte grün verfüttert werden. In den erſten Tagen des Octobers endlich war das Stü> geräumt; es wurde ſogleich gepflügt und mit dem vor 4 Wochen gepflügten Erbſenlande an einem Tage beſäet. Die Saat kam auf beiden Stü>en gut vor dem Winter guf, aber der Noggen nach den Erbſen war auffallend dichter und ſtärker." S. 99. ſagt derſelbe:„Roggen und Weizen ſchlagen nad) dem ſpät abgemäheten-Grünfutter reichlich um ſo viel zurück, als dieſes nach Abzug der Saat Nutzen gewährt bat.“+: 440 Aus dem oben Angeführten geht alſo hervor, daß die Hülſen- früchte, wenn die Verbältniſſe ihre zeitige Aberndtung und den frühen Umbruch ihrer Stoppeln nicht geſtatten, beſonders im Anbau der Feldgewächſe. Roggen, (331) kalten und feuchten Clima und im gebundenen. Boden durchaus keine günſtigen Vorfrüchte für den Roggen ſind, daß ſie äber dagegen bey einer zeitigen Aberndtung den Roggen nicht weſent- lich beeinträchtigen. Bedingung hierbey iſt aber, daß die Stop- peln derſelben ſchleunigſt na< ihrer Aberndtung umgebrochen werden müſſen, und daß das Pflügen mit möglichſter Accurateſſe erfolgt. Wenn daher Einige nach den Hülſenfrüchten faſt eben ſo guten Noggen(denn die Behauptung Mancher, daß der Roggen nach Hülſenfrüchten im Durchſchnitte noch beſſer, als nach einer Braache, oder wenigſtens eben ſo gut gerathe, iſt ungegründet, indem im Allgemeinen der Roggen nach Hülſenfrüchten unter günſtigen Verhältniſſen immer einen etwas geringern Ertrag 39417 als nach reiner Braache haben wollen, Andere dagegen ieſer Behauptung durchäus widerſprechen, ſo können nach Maaß» gabe der Umſtände beide Recht haben, obwohl auch dergleichen Behauptungen von Landwirthen gemacht werden, die keine Gründe zu Unterſtüßung ihrer Behauptung anführen können. Nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen kann ich, in Beziehung auf" den möglichſt höchſten Roggenertrag, das Fol» gen des Roggens nach Hülſenfrüchten nur in dem Falle empfeh- len, wenn man einen genugſamen lo>ern, reichen, ſeit langer Zeit-in guter Cultur ſtehenden Boden und ein warmes Clima hat. Jn bindigem, feuchten, nicht ſehr reichen, und durch wan» gelnde' Cultur mehr verwilderten Boden, und in feuchterm und kälterm Clima wird man an dem Roggen nach Hülſenfrüchten, wenn dieſelben auch zu gehöriger Zeit zur Erndte gelangen, im- mer einen ſehr beträchtlichen Ausfall erleiden. In mehreren mir bekannten Wirthſchaften Oberſchleſiens wurden, bey einem kühlern Clima, in einem ziemlich ſtrengen Lehmboden, der nicht reich an Humus, und wegen mangelnder Bearbeitung mehr verwildert war, die Hülſenfrüchte gewöhnlich in friſche Düngung in die Braache auf eine Furche geſäet. Es fehlte den Hülſenfrüchten nicht an Triebkraft, ſie wuchſen üppig und dicht geſchloſſen, obwohl ſie ,' und beſonders die Erbſen, keinen großen Körnerertrag gaben, und gelangten gewöhnlich zu Anfang Septembers zur Reife, Man befolgte es ſehr ſtreng, die Stoppeln der Hülſenfrüchte unmittelbar ngch dem Abbringen umzübrechen, und ſäete den Roggen gegen Ende Septembers auf eine Furche, aber dennoch ſtand der nach ihnen erbaute Roggen, gegen den in reiner gedüngter Braache geſäeten im Ertrage gewöhnlich um 7 zurü>. Er hatte ein vielverſprechendes Anſehen, rückte aber in der Erndte ſebr zuſammen/ körnerte ſchlecht, und die Körner waren flach. Auf den Roggen folgte Hafer, und bey Wiederkehr der Braache war das Land außer- ordentlich verwildert. 4 I< ließ einigemal zu den Hülſenfrüchten im Herbſt ſtürzen, und brachte dabey den Miſt mit unter, oder die Unterbringung des Miſtes erfolgte im Frühjahr mit der Wendefarche, und die Hülſenfrüchte wurden mithin auf eine zweyfurcſchlägt. Am beſten kommt der Roggen nad) den Runelelben fort, die im leichteren Boden gebaut werden, und deren Erndte zeitiger, als die der Kartoffeln, des Kobls und der andern Rübenarten erfolgt. I< habe in mehrern Gegenden nacerbau, Band 2, S. 131., empfiehlt im lehmigen Sandboden das Folgen des Roggens nac) Kartoffeln nicht, röth aber, als das Sicherſte, was nach den Kartofjeln gebaut werden könne, ein Gemenge von Hioggen und Weizen, Auch er bemerkt, daß der Roggen nach Kartoffeln viel Stroh und wenig Körner gebe, .-.-». ee-" xI zz"= nz=> SI RI GEES VACHREGE AUGES = Erg 029 TEEEEEG:0"" Kamy wih ig aar zx dan; ENEN BESEEÄNEEETEEEIEEEE Anbau der Feldgewächſe. (333) Das Nichtgerathen des Roggens nad) den obenangeführten Gewächſen im bindigen Boden, hat nächſt der verſpäteten Ab= erndtung dieſer Gewächſe und der verſpäteten Saat des Nog- ens, auch feinen Grund darin, daß der Boden nach ihnen ſebr yulverig iſt, dev der Näſſ? dreyartig zuſammenläuft;, und dann bey tro>nex Witterung auf der Oberfläche ſehr ſtark erhärtet, und die Vegetation hindert. In Sachſen, wo man ſehr häufig durch die Verhältniſſe gezwungen iſt, nach den Kartoffeln Roggen folgen zu laſſen, ſucht man, nach den Schriften und Verhandlungen der ökono- miſchen Geſellſchaft im Königreich Sachſen, 19te Liefr. S, 56, die Nachtheile dieſer Fruchtfolge dadurch zu mindern, daß man die Kartoffeln möglichſt zeitig legt und erndtet, und vor der Roggenſaat noch etwas Dünger auf die Kartoffela>er aufführt. Der untergebrachte Dünger verhindert ein zu ſtarkes Schließen des ſehr gepulverten Bodens, . Nah meinen Erfahrungen in Oberſchleſien, gab der im mehr bindigen Boden nach Kartoffeln geſäete Roggen ſtets eine ges ringere Erndte im Stroh und in. Körnern, als andere Roggen, die Körner zeichneten ſich jedoch durch Feinhülſigkeit, Meblreich- thum und Schwere, ſelbſt vor dem Braachroggen aus. Wenn nach naſſen Wintern ſehr tro>ene Witterung im Frühjahr folgte, ſo war der Ertrag des Noggens beträchtlich geringer ,. als wern im Frühjahr abwechſelnd Regen erfolgte, wodurch der Boden in einem mäßig feuchten Zuſtande erhalten wurde, utzd auf der Oberfläche nicht erhärten konnte. In den mir bekannten Sands gegenden habe ich den Noggen nach Kartoffeln in den Jahren, wo das Frühjahr mehr feucht war, ſchöner gefunden, als wenn daſſelbe tro>en war, und im lepteren Falle ſtand er ſchlechter, als anderer Roggen. In den Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Ge- ſellſchaft im Königreich Sachſen 19te Liefr. wird an dem oben- angeführten Ort geſagt: daß der Winterroggen nach Kartoffeln gewöhnlich im Stroh dünner und kürzer, als anderer Roggen ſey, und vom Scheffel Ausſaat um ein Sho Stroh weniger gewähre, dafür aber mehr. und beſſere Körner gehe, die zum Theil den Strohverluſt erſeßten. Unter 23 Landwirthen, aus verſchiedenen Gegenden Sachſens, haben ſich 13 in der ange- führten Art gleichmäßig ausgeſprohen. Nur S. 60 der obenges dachten Schriften heißt es: daß in einem ſtrengen, feuchten Lehmboden, zum Theil von einer gräulichen Farbe, und mitz unter mit grauem Thonpläner untermengt, der Kartoffelroggen, wenn auch zu demſelben noch ſo ſtark gedüngt worden, magerer, als anderer ſey, und weniger Stroh und Körner gebe. Wenn demnach in andern Gegenden der Kartoſſelroggen mehr Stroh und weniger und ſchlechtere Körner giebt, ſo muß dieß ſeinen Grund in ganz beſondern eigenthümlichen Urſachen haben, In den niedern, Theilen Sachſens iſt das Clima mild, und der durchläſſige Boden enthält nächſt viel alter Bodenkraft entweder von Natur ,- oder durch häufige, Kalkdüngung viele Kalktheile, und dennoch giebt der Kartoffelroggen weniger Stroh, als an- derer Roggen. Der Buchweizen iſt in vielen Gegenden faſt die einzige Halmfrucht, die mit dem Roggen abwechſelnd gebaut wird, Er Roggen. 1531 192 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (334) gebört unter diejenigen Gewächſe, die vermöge des Blattorgans ſich viel atmoſphäriſche Nahrung aneignen, und durch ihre rük- ſtändigen Stoppeln und Wurzeln das dem Boden Entnommene hinlänglich erſevben 3 er hinterläßt f i zt ferner den Boden in einem loFern Zuſtande, und iſt daber eine günſtige Vorfrucht für den Roggen. In vielen Gegenden wird der Buchweizen in bedeu- tender Quantität in der Braache gebaut, zum Theil gedüngt, zum Theil ungedüngt, und in beiden Fällen verſichert man, an dem nach Buchweizen? geſäeten Noggen keinen bemertlichen Un- terſchied gegen den Braachroggen bemerit zu haben. Koppe ſagt hiergegen am oben bemerkten Orte, daß man wenig Erfah» rung für ſich habe, den Buchweizen als gute Vorfrucht des NRoggens zu rechtfertigen, daß indeſſen der Buchweizen noch eine günſtigere Vorfrucht ſey, als der Spergel, Auch Scwerz ſagt im zweyten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen Aer» bau S. 130:„Obſchon der Roggen nach Buchweizen auf gutem Sandboden gut geräth, ſo wird man ſich auf ſchlechtem Sand» boden doh beſſer mit Roggen nad) Noggen und abermals Rog- en ſtehen, als bey dem Zwiſcheneinſchieben einer ſo ungewiſſen Frucht, wie der Buchweizen iſt. Wo man aber nicht alle Jahre zu dem Roggen auf ſolchem ſchlechten Böden düngen will, noch kann: da freilich möchte das Einſchalten des Buchweizens dem Boden eine Fleine Erleichterung gewähren.“ - Was nun den Ausſpruch des Herrn Koppe, daß man we- nig Erfahrung für ſich habe, daß der Buchweizen eine günſtige Vorfrucht des Roggens ſey, anlangt, ſo ſcheint es mir, daß der» ſelbe wohl nur in dem Falle im nördlichen Deutſchland ange= wendet werden könne,- wenn man den Buchweizen nicht als“Braachfrucht, ſondern als Zwiſchenfrucht in die Stop» peln eines andern Gewächſes ſäet, wo ſich dann die Erndte des Buchweizens verſpätet, und der Umbruch der Stoppeln ſpäter er2 erfolgt; als es dem Roggen zuträglich iſt; oder wenn der Buch- weizen, in der Braache gebaut, von Hedrich zu ſehr unterdrü>t worden iſt, und man mehr Hedrichhalme, als Buchweizenhalme erndtet, wodurch allerdings der Boden ſehr beträchtlich erſchöpft wird. Wird dagegen der Buchweizen in die Braache zu gehdz xiger Zeit geſäet, ſo daß ſeine Erndte und der Umbruch der Stop- peln zeitig erfolgt, und er hat gebörig geſchloſſen und rein von Hedrich und Aerrettig geſtanden, ſo babe ich ſowobl, nach mei» nen Beobachtungen und Erfahrungen in Oberſchleſien, wo viel Buchweizen gebaut wird, nach demſelben ſtets ſchönen und faſt eben ſo einträglichen Roggen, als den Braachroggen gefunden, als mir auch in andern Buchweizengegenden von unterrichteten und denkenden Landwirthen die Verſicherung gegeben worden iſt, daß ſie den Buchweizen unter den Bräachfrüchten für eine be- ſonders günſtige Vorfrucht des Noggens zu balten berechtigt ſeyen: Wird der Büchweizen in mehr bindigen Boden geſäet, ünd man giebt ihm eine hälbe Düngung, und läßt die andere balbe Düngung. auf deſſen Stoppeln folgen, ſo wird man an den darauf geſäeten Roggen keinen merklichen Unterſchied gegen den gedüngten Braachroggen finden:;? -„Was die Aeußerung des Herrn S.werz anbetrifft; ſo iſt es älleidings richtig; daß man von Roggen auf Roggen einen größern und ſicherern Ertrag haben wird; als an Buchweizen und Noggen, (335) oder Roggen und Buchweizen, da das Gerathen des Buchweizens ſo unſicher iſt; allein es iſt dieß wohl nur in dem Falle zu verſtehen, wenn man das Folgen des Roggens auf ſich ſelbſt nicht zu häufig wiederholt. Wenn man immer Noggen auf NRozagen baut, ſelbſt dann, wenn man jedesmal zum Roggen düngen kann, was. Üübris gens in ſolchem Boden; der nur Roggen und Buchweizen zu tragen. vermag, nur in wenig Gegenden und nur ausnahms- weiſe vorkommen wird, ſo wird man. endlich einen bedeutenden Rücſchlag des Roggens in Körnern wahrnehmen, dem man je- doch durch das Einſchieben des Buchweizens vorbeugen wird, und ſtellt man nun den Ertrag des Buchweizens, wenn er auch nicht immer geräth, und den vermehrten Körnerertrag des Rog: gens, im Vergleich gegen den geringern Körnerertrag des letztern, wenn derſelbe oft auf ſich ſelbſt wiederkehrt, zuſammen, ſo wird unbedingt der Vortheil auf der Seite des erſten Verfahrens ſte: bhen.: Mir ſind ſowohl in Schleſien, als auch in der Lauſit mehrere Sandgegenden bekannt, wo Roggen und Buchweizen die einzigen angebauten Halmfrüchte ſind, wo man aber ſtets mit denſelben, wenn auch nicht Jahr aus Jahr ein, doch von Zeit zu Zeit wechſelt, und ich habe in dieſen mehrere Landwirthe ken: nen gelernt, die mit den örtlichen Verhältniſſen durch langjäh- rige Erfahrung genau bekannt waren, übrigens aber hauptſäch- lich darauf Rü>ficht nahmen,.in einer beſtimmten Reihe von Jah» ren von einem Boden den höchſten Ertrag zu erreichen, ohne ſich um die Folgen zu bekümmern, und dieſe behaupteten, daß ſie nur durch das Einſchalten des Buchweizens von Zeit zu Zeit den höchſten Ertrag erreichten. Sorgſamere Landwirtbe ſäeten abwechſelnd Noggen und Buchweizen, oder ſäeten zwey Jahre Noggen und ein Jahr Buchweizen: In den Stoppeln der Getreidearten und in ſeinen eig- nen Stoppeln wird der Roggen nur in ſehr kräftigem, oder in ſandigem Boden mit gutem Exfolg gebaut; Unter andern Ver: hältniſſen iſt immer gerathen, eine angemeſſene Zwiſchenfrucht zwiſchen die Getreidefrüchte einzuſchieben. Bey einem oft wie: derkehrenden Anbau von Getreidefrüchten, ſchlägt der Noggen unter allen Getreidearten am meiſten in den Körnern zurü. In dem Dregsdner Elbthale werden hauptſächlich Getreidefrüchte gebaut, und ſie kommen oft auf einander; aber der Noggen giebt, bey dem Übrigens ſtark gedüngten Boden und bey einem üppi- gen Strohwuchſe, weniger und ſchlechtere Körner;"als der Roggen auf entferntern, beſonders größern Gütern, wo ein häufigeres Einſchieben anderer Früchte Statt findet. Man würde übrigens bey dem ausgedehnten Getreidebau nicht verbleiben, wenn der Ausfall an Körnern beym Roggen nicht durch die theuren Stroh: preiſe gede>t würde, deſſen bier jede Wirthſchaft viel verkauft, indem genug Stadtdünger vorhanden iſt. Im Neubrud gedeiht der Roggen, voraus8geſetßt, daß der Boden dem Roggen ängemeſſen iſt, recht gut z allein nur dann; wenn derſelbe gehörig zubereitet wird. Bey der Schwierigkeit, einem kräftigen und mithin gewöhnlich immer ſehr verraſeren Neubruch die dem Roggen erforderliche Gahre zu geben; bleibt es immer gerathen, denſelben vorher mit. Lei oder Hafer zu be: ſäen, nac) welchen der Roggen unter dieſen Umſtänden noch im: mer gut gedeiht, und beträchtlich an Arbeitskoſten erſpart wird. Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 193 194 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn,. Sept. (336) Bearbeitung des Bodens. Da die Wurzeln des Roggens, wie wir bereits angeführt baben, ſich im barten Voden nicht genugſam ausbpreiten und fich in demſelben die erforderliche Nahrung nicht aneignen kön: nen z da der Roggen überhaupt im leichten loXern Boden nicht nur am ſicherſten gedeibt, ſondern auch in demſelben gegen jede Vorfrucht weniger empfindlich iſt, ſo muß man den Boden zum Roggen durch ſorgfältige Bearbeitung aufloFXern. Je. nachdem der Boden von Natur wehr oder weniger loXer iſt, und je nach- dem er ſich durch die vorhergegangene Frucht mehr oder weniger mürbe und loder zeigt, müſſen, um den Boden die für den Roggen erforderliche Gahre zu geben, mehr oder weniger Bear» beitungsfurchen angewenvet werden. Nächſt der Lo&erung des Bodens iſi aber, auch 3anz beſonders Rückſicht auf die Vertil- gung des Unkrauts zu nehmen. In dem mehr thonigien Boden iſt dem Roggett die Braach- bearbeitung am zuträglichſten, und man bearbeitet denſelben nach Beſchaffenheit der Umſtände mit 3 bis 4 Furchen.'In einem Boden, der ſich leicht ſcer zum Roggen finden, ſondern derſelbe wird auch, was dem Noggen um ſo erwünſchter iſt, mehr mürbe, als pulverig ſeyn, indem das wiederholte Pflügen mit dem Pfluge weniger, al3 das öftere Nühren mit dem Haten zur Puiverung des Bodens bey2 rrägt, und derſelbe durch die Zerſezung des wiederholt umge- pflügten„und gebörig mit Erde Überde>ten Naſens einen großen Grad von Mürbheit annimmt, und dieſe Mürdheit auch in der Folge behält und ſich weniger leicht ſchließt. Wird„dagegen ein ſolcher bindiger Boden ſehr gepulvert, was dann erfolgt, wenn man den Rubrhaten öfter anwendet, als den Pflug, ſo läuft er bey der Näſſe breyartig zuſammen, erhärtet bey der Troäniß leicht auf der Oberfläche, und hindert die Vegetation, Iſt der thonigtere Boden an und'für ſich lo>er, ſchließt er ſid) weniger leicht, enthält aber viel Wurzelunkraut, beſonders Queen, ſo iſt es angemeßner, anſtatt der Wendefurche mit dem Piluge'eine Ruhrfurche mit dem Haten zu geben, die Rubrfurche zu wiederholen und hbierbey tüchtiges Eggen nicht zu unterlaſſen. Anbau der Feldgewächſe, Roggen, (337) Die Wurzelunkräuter werden durch die öftere Anwendung des Hakens und wiederholtes Eggen beſſer vertilgt und herausgee- bracht, als durch das Pflügen mit dem Pfluge. Aber auch in dieſem Falle muß man die Saatfurche eine angemeſſene Zeit vor der Roggenſaat geben, weil der Noggen, obgleich er einen genug locern Boden, in welchem er ſich mit ſeinen Wurzeln genug= ſam verbreiten kann, liebt, es doch nicht gern ſicht, wenn derſelbe ſich nicht genugſam geſeht hat,- ſondern durch die Bes arbeitung. ſehr aufgetrieben iſt, Dieſe Erſcheinung findet ſelbſt im Sandboden Statt„ und ich kann mir hierzu keinen andern Grund denten, als daß, wenn ſich der Boden vor dem Eintritt des Froſtes nicht genugſam geſeßt hat, von der Näſſe im Herbſt aber ſehr mit Waſſer angefüllt iſt, der Roggen, mit ſeinen ſich mehr flach verbreitenden Wurzeln, durch den Froſt leicht ausge- boven wird und zu Grunde geht, oder dadurch doch wenigſtens die Pflanzen ſehr leiden z auch tro>net der ſich gehörig geſetzte Boden bey der Dürre nicht ſo leicht aus ,. und läuft dagegen bey der Näſſe nicht ſo leicht zuſammen. Wo es die Gebundenheit des Bodens nicht erfordert, wird die Braache zum Roggen gewöhnlich nur mit 3 Furchen, einer Stürza Nuhr- und Saatfurche, beſtellt, und in dem Boden, in-'wel- t und von anderm Unkraut nicht ſehr eingenommen iſt, bearbeiret man die Braache zum Nvggen ges wöhnlich nur mit 2 Furchen, Es iſt gut, wenn man den Um: bruch dex Braache erſt dann bewerkſtelligt, wenn ſich die im Sandboden wachſenden Unkräuter möglichſt ädusgebildet haben, ohne jedo< zum Samentragen zu gelangen, und wenn man die WEIN Ep erſt dann giebt, wenn der Aer wieder möglichſt be- grünt iſt. Säet man den Roggen in mageres Land, ſv muß derſelbe öfter bearbeitet. werden, als das fruchtbare, wenn der Reſt des Humugsgehaltes genügſam aufgelöſt werden ſoll, um dem Roggen zu Theil zu werden,| . Folgt der Roggen auf andere Früchte, ſo richtet ſich die Zu: richtung des Bodens nach Beſchaffenbeit deſſelben, und nad dem Zuſtande, in welchem ihn die Früchte hinterlaſſen. Wir wollen hier in dieſer Beziehung der Zurichtung des Bodens nach den- jenigen Früchten gedenken, deren wir bey der Fruchtfolge Er- wähnung gethan haben. Nach Raps- und Rübſamen iſt der Boden zwar lo>er und von Unkraut rein, und derſelbe bekommt durch eine Furche die für den Noggen gewünſchte Beſchaffenheit; da aber dieſe Gewächſe zeitig geerndtet werden, und die Stoppeln unmittelbar nach der Aberndtung Umgebrochen werden müſſen, ſoll der Bo- den nicht verwildern, ſo verraſet, bis zur Zeit der Roggenſaat das umgebrochene Land zu ſehr, als daß es für den Roggen nicht zu roh. ſeyn würde, ſelbſt. in dem Falle, wenn man eine Roggenart, die eine zeitige Saat verlangt, ſäet,„Es iſt daher eine wiederholte Auflo>erung des Bodens erforderlich. In dem mehr bindigen Boden empfiehlt man ſogar, 3 Furchen nach dem Naps zu geben, und ſich dabey ſo einzurichten, daß die lett 10, 22 196 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn, Sept. (338) Furche etwa drey Wochen vor der Roggenſaat erfolgt, damit ſich der Boden ſehen könne. Da dieſe Gewächſe ungleid) reifen, und auch bey der richtigſten Wahrnehmung des Zeitpunctes ihrer Erndte ein nicht unbeträchtlicher Samenausfall erfolgt, ſo em- pfiehlt man, das Feld, nach ihrer Aberndtung, mit ſchweren Eg- gen aufzueggen, damit die ausgefallenen Samen, lo>ere Krume zum Keimen und Aufgehen bekommen, die aufgegangenen Pflan- zen flach unterzupflügen, und das Pflügen zur größern Tiefe noh einmal zu wiederholen, Die grün untergepflügten Pflanzen zer- ſeen ſich bis zur Zeit der Roggenſaat, und vermehren die nah- rungsfähige Materie des Bodens. Nach Tabak iſt der Boden in Folge der öftern LoFXerung rein von Unkraut und genugſam loFer, um durch eine Furche die dem Roggen nöthige Gahre zu bekommen. Da man bäufig die auf' dem Felde zurückgebliebenen Tabaksſtängel unterpflügt, ſo iſt dabey darauf zu achten, daß die Stängel ſorgfältig in die Pflugfurchen eingelegt und gehörig mit Erde überde&t werden, Man muß nach der Erndte des Tabaks mit dem Umpflügen möglichſt eilen, damit der ſehr lo>ere Boden ſich noch vor der Roggenſaat genugſam ſeßen kann. Nach Lein empfiehlt man, den Boden unmittelbar nach der Aberndtung umzupflügen ,, ihn ſo lange liegen zu laſſen, bis ſich die im Boden vorhandenen Unkrautsſamen entwielt haben, ſo daß der AFer noch etwas begrünt, und hierauf in der gehd- rigen Zeit vor der Nvggenſaat zum zweytenmal zu pflügen. Der Kleea>er verlangt, wie wir bereits bey der Frucht- folge bemerkt haben, eine mehrfurchige Bearbeitung, wenn er.die für den Noggen erforderliche Gahre annehmen ſoll. Im mehr bindigen Boden wird, wie bey der Braache, eine dreyfurchige Beſtellung erforderlich ſeyn. Im leichten Boden wird man den Kleea>er mit zwey Furchen genugſam zurichten. Man ſtürzt die Kleeſtoppeln möglichſt flach um, und pflügt ſpäter zur voll- . xommnen Tiefe zur Saat, ſo daß der früher untergebrachte Kle«c nicht wieder auf die Oberfläche des Bodens kommt, ſondern in der Mitte des zuletzt eingelegten Pflugſchnittes bleibt. Nac< Spergel wird der Boden eben ſo behandelt, wie nach Klee- Im ganz leichten Boden yflügt man jedoch nur ein- vder zweymal. Nach Hülſenfrüchten wird der Boden gewöhnlich nur einmal zu Roggen gepflügt, und das Pflügen erfolgt unmittel: bar nach der Aberndtung derſelben. Iſt der Boden von. Un- Fraut rein und loder, ſo gedeiht der Roggen nach der allge- meinen Erfabrung recht gut auf eine Furche geſäet. Iſt dieß nicht der Fall, ſo wird der auf eine Furche geſäete Roggen freilich zurückſchlagen, und;um ſo mehr zurückſchlagen, je bindiger und unreiner der Boden iſt; es nüßt aber dann auch die zwey- furchige Beſtellung nichts, und nur eine dreyfurchige Beſtellung, wie man ſie der Braache giebt, könnte von Nuten ſeyn z aber dazu verbleibt, ſelbſt bey einer"zeitigen Aberndtung der Hülſen= früchte,„keine Zeit, wenn: die Roggenſaat nicht über die Gebühr verſpätet werden ſoll. s N Sig. wird, wenn die Stoppeln lange un- gepflügt bleiben. Es iſt aber bey einem langen Liegenlaſſen der „ Stoppeln der Hülſenfrüchte nicht allein dieß zu befürchten, ſondern die Erfahrung lehrt auch, daß dergleichen Stoppeln ſehr bald ſtark begrünen" und der Boden in kurzer Zeit verwildert. Das Umpflügen der Stoppeln der Hülſenfrüchte muß mit großer Accurateſſe erfolgen und beſonders iſt darauf zu achten, daß die Pflugſchnitte ſich vollkommen umlegen. Man darf übrigens nicht zu tief pflügen. Iſt die Aberndtung, der Hülſenfrüchte zeitig erfolgt, ſo iſt es zu empfehlen, das umgepflügte Land zu wal: zen, und, da der Boden durc das zu lange Liegen in der Furche ſich zu feſt ſept, und durch das Auftreiben des Graſes doch zu Kn verwildert, die Roggenſaat mit dem Exſtirpator unterzu: ringen. Nach den Kohl- und Rübenarten iſt der Boden lo>er genug, ſo daß nur eine Furche erforderlich iſt-. den Aer zum Roggen zu beſtellen. Man empfiehlt es allgemein, dieſe Furche zur möglichſten Tiefe zu geben.) Nach der Aberndtung der Kartoffeln iſt der Acker fo loFer, daß ein nochmaliges Pflügen zum Noggen gar nicht er- forderlich wäre, wenn man es nichtideßhalb als nötpig erachtete, um dadurch von den im Acker zurückgebliebenen Knollen noch eine nicht unbeträchtliche Anzahl aufzuſammeln. Schwerz ſagt im 2ten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>kerbauy S, 135:„Will man Roggen nach Kartoffeln folgen laſſen, ſtatt Weizen,'Einkorn, oder Sommerkorn, die dahin gehören; ſo bleibt am räthlichſten, gar nicht zu pflügen„“ ſondern das Land mit der Egge zu ebenen, Roggen zu ſäen und einzueggen. Dar» auf wird das Feld mit Dung bede>t, wozu zum Theile das Kartoffellaub ſelbſt dienen kann. An einigen Orten pflegt man den. Roöggenſamen nicht einmal einzueggen, ſondern begnügt ſich mit der bloßen MiſtdeXe. Will man Klee nach einem ſolchen Roggen folgen laſſen, welches allerdings höchſt zwe&mäßig iſt: ſo darf man im Frühjahr den Kleeſamen nur über jene Miſt: de>e ausſtreuen, und unbekümmert um den Erfolg, ſeyn.“ Nach Buchweizen iſt das Land, wenn derſelbe gehörig eſchloſſen geſtanden hat, rein von Unkraut und loer. Man raucht zum Roggen nur einmal zu pflügen, wobey es jedoch rathſam iſt, den Pflug nicht zu tief zu ſtellen, und man muß es ſich zur Regel machen, den Pflug unmittelbar nach der Senſe folgen zu laſſen, Jſt die Buchweizenerndte zeitig, ſo iſt das Walzen nach dem Pflügen zu empfehlen. Scchwerz ſagt im 2ten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>kerbau S, 137: „„Auf der Cleviſchen Höhe hält man das vorläufige!Streichen und ſtarke Boreggen der Buchweizenſtoppel zum Abdörren für nothwendig, und ihre Unterbringung in grünem Zuſtande dem Roggen für nachtheilig,.“ Jn andern Gegenden weiß man nichts davon, und hält ſelbſt den grün untergepflügten Buchweizen für eine gute Düngung des NRoggens, wenn das Umpflügen zeitig erfolgt. 22 /* Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 197 Bau der Feldfrüchte, 9, Abſchn, Sepf. (340) Folgt der Roggen auf ſich ſelbſt, oder ein anderes Getreide, ſo richtet ſich die Zurichtung des Bodens nach Beſchaffenheit der Umſtände. Folgt Roggen auf Noggen, der Boden iſt leicht, und man düngt zum Noggen, ſo wird gewöhnlich der Miſt auf die Roggenſtoppeln gefahren, derſelbe zu gehöriger Tiefe unterge= pſfiägt, und man iſt mit der Zurichtung des Bodens fertig, Wird dagegen nicht gedüngt, ſo bricht man die Stoppeln bald nac der Erndte um, egagt die Stürze und pflügt ſpäter zur Saat, Daſſelbe geſchieht im mehr bindigen Boden, und nimmt man in dieſem darauf Rü>ſicht, daß das Stürzen ſo flach als möglich geſchieht, Düngt man im mehr bindigen Boden die Noggenſtoppeln, ſo wird der Miſt bald nach Äberndtung des Noggens auf die Stoppeln gefahren, flach untergeſtürzt, und hierauf zur gehörigen Tiefe zur Saat gepflügt. Iſt der Boden ſehr verquec>t, ſo iſt ein tüchtiges wiederholtes Eggen der Stürze zu empfehlen, um die Queen herauszubringen z und wenn man in ſolchen Boden zum Roggen düngen will, ſo iſt es angemeſſen, wenn man den Miſt mit den Queen nicht zugleich auseggen will, den Miſt auf die abgeeggte Stürzfurckerbau S. 137 Folgendes:„„Wenn auf dem köſtlichen Boden bey Dortmund Rog» gen nach Wintergerſte folgt: ſo pflügt man dreymal z; zum erſten Male flach, zum zweyten. Male ebenſo, zum dritten Mal aber tiefer. Da bey dem zweyten Pflügen dieſelbe Krume wieder zur Höhe-gebracht wird, ſo ſcheint es, daß man dabey bloß die Zer- ſtörung oder das völlige Abſterben der Stoppel und andern Ges würzels beabſichtiget.“ I' Wenn man den Roggen nach Weizen bringt und der Bo: den iſt nicht ſehr bindig, ſondern ſeiner Natur nach mehr Ger- ſten-, als Weizenboden: ſo iſt die zweyfurchige Beſtellung, wie wenn Roggen auf Roggen folgt, hinlänglich. Im gebundenen Boden iſt es dagegen angemeſſen, zum Roggen mit 3 Furchen zu beſtellen. Schwerz ſagt über das Zurichten des Bodens zum Roggen nach Weizen im 2. Bande S. 137 ſeiner Anlei- tung zum praktiſchen Akerbau Folgendes:„Wenn die. Clevlän«= der auf der Höhe auf ihren beſten Feldern Roggen nach Weizen bringen z ſo werden die Stoppeln dieſes letztern ſogleich hinter dem Erndtewagen[ſo dünn als mögli) abgeſchält, Nach 4 bis 5 Tagen, wv das Wurzelunkraut etwas abgeſtorben, wird bey trock: nem Wetter 3 bis'4 Zoll tief gepflügt und geeggt, Sobald die aufgeeggten Queen und Stoppeln"abgewelkt ſind, wird gewalzt und geeggt. Darauf werden die Queen auf dem Felde, in 5 fern es das Wetter zuläßt, gedroſchen und abgebracht, End= lich wird' 6 bis 8 Zoll tief zur Saat gepflügt,“: Ueber das Verfahren der Belgier ſagt derſelbe am angeführ- ten Orte Folgendes:„„Sobald der Weizen weg iſt, wird geſchält und ſcharf geeggt, wobey ein öfteres Auflüften der Egge Noth thut, Darauf wird gewalzt, noc< einmal ſcharf geeggt, das Ausgeeggte vpa Stoppeln und Unkraut in kleine Haufen zuſam 641) wengezogen und abgeführt. Darauf wird in Beete, gepflügt, und die Kanten derſelben gedüngt. Es wird zwar nicht allemal gezweyfurcht, wie bey der Kleeſtoppel in der Regel geſchieht z aber doch der einfährige Schnitt ſo tief als möglich gehalten, weil man ihn für deſto beſſer hält, als man tiefer zum Noggen yflügen kann. Wobhlverſtanden, daß wenn das Feld gedüngt werden muß, der Miſt nicht zu dieſer Tiefe vergraben wird, ſondern dieſer wird auf die ſchon aufgepflügten Beete gebracht und flach überſtrichen. Nach Hafer iſt der Boden immer mehr verwildert, als nach einer andern Getreideart, und verlangt, um die für den Roggen erforderliche Gahre zu erhalten, eine mehrfurchige Beſiels lung. Im leichten Boden, wenn man zum Roggen düngt, pflügt man die Haferſtoppeln unmittelbar nach der Erndte flach um, eggt dieſelben, bringt die Queen ab, fährt Miſt auf, brei: tet dieſen ſofort, und wartet nun, bis die ausgefallenen Hafer- körner ausgeſchlagen und nebſt dem Unkraut durch die Miſtde&Xe durchgewachſen ſind. Darauf wird in gehöriger Zeit zum Rog= gen in mittelmäßiger Tiefe gepflügt. Jm bindigen, verunkraus teten Boden ſind 3 Furchen nach dem Hafer nöthig. Man ſtür die Stoppeln flach um, eggt die Stürze gut, bringt die Quetken ab, rührt bierauf mit dem Haken und eggt die NRuhre ſorgfältig, damit die QueXen möglichſt herausgebracht werden. Auf die Nuhrfurcnet iſt, aufbindet, um gleich die Stoppeln umbrechen zu können, nicht aber, wie es in manchen Gegenden gebräuchlich iſt, den Hafer erſt lange auf dem Felde röſten läßt. Samen und Saat, Samen, Um volkkbmmen guten Samen zu gewinnen, iſt es nöthig, bereits bey der Erndte auf dem Felde den vollkommenſten und von Unkraut reinen Roggen auszuſüchen, und dieſen ſeine voll- kommene Neife erlangen zu laſſen. Von dem ausgedroſchenen Samen wird nur der Vorderwurf genommen und dieſer noch möglichſt von allen Unkrautſämereyen gereinigt. Der Same wird auf dem Schüttboden dünn aufgeſchüttet, und bis zur Ausſaat vft umgeſchaufett." Man findet im Roggen beſonders ein Un- kraut, welches, wo es ſich üppig zeigt, im naſſen Boden und in naſſen Jahren, ſchwer aus dem Samenroggen herauszuſchei- den iſt, und dieß iſt die Trespe. Vollkommen ausgewachſene Trespe kommt beym Wurfen mit in den vorderſten Wurf, und iſt ſelbſt durc) das wiederholte Fegen auf der Windfege nicht auszuſcheiden. Wo ſich die Trespe häufig findet, bleibt zu ihrer Vertilgung nichts übrig, als ſich Samen anzuſchaffen, der keine Tresye-entbält; man wird aber auch in dieſem. Falle die Ver- tilgung dieſes Unkrautes nur langſam bewerkſtelligen, weil ſich die Trespenſamen viele Jahre keimfähig im Boden erhalten, und Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 199 Bau der Feldfrüchte, 9, Abſchn, Sept. (342) dann, wenn ſie in eine zum Keimen günſtige Lage gebracht wer- den, bey naſſer Witterung üppig aufwachſen. Selbſt im Neu- bruch, der nie, oder vor undenklichen Zeiten mit Getreide beſäet war, findet ſich häufig Tre&pe, wenn auch der Noggenſame ganz rein davon war. Jn trocknen Jahren bleibt die Trespe häufig ganz aus, wogegen ſie ſich in naſſen Jahren ſo häufig zeigt, daß Landwirtbe, die dergleichen Verhältniſſe nicht kennen, von der höchſten Verwunderung ergriffen werden. Daher iſt auch bey"Vielen der Glaube entſtanden, daß ſich Noggen in Trespe verwandle, und man bemüht ſich ſogar in gegenwär- tigen Zeiten noh, dieſen Glauben durch Beweiſe zu unterſtüßen. Der Verſtändige wird an eine ſolche Verwandlung nicht glauben, und wird es dieſes Glaubens wegen nicht für überflüſſig halten, ſich zu bemüben, dieſes Unkraut durch reinen Samen zu vertilz gen., Das Wunderbare, welches darin Viele finden, daß ſich an Orten Trespe zeigt, welche nie beſäet worden waren, und daß ſich die Trespe, nachdem man mehrere Saaten von ganz reinem Roggen gemacht hat, und dieſelbe einige Jahre ausgeblieben iſt, endlich wieder und bäufig gegen alles Vermuthen, ſtark findet, wird ſehr leicht dadurch erklärt: daß der unvollkommene Tres- penſame nicht nur ſehr ſchwer abzudreſchen iſt, und man. ſich nicht die Mühe nimmt, wenn nur der Roggen rein ausgedro= ſchen iſt, auch die Trespe rein abzudreſchen, wodurch viele Tres2 penſamen im Stroh verbleiben, ſondern daß auch ſolche nicht vollkommene Trespe ſelbſt für einen hitzigen Thiermagen unver: daulich iſt, woher dann ſolcher unvollkommene Trespenſame, der übrigens vollkommen keimfähig iſt, einerſeits durch den man= nigfaltigen Gebrauch des Strohes,. oder'durch das Verwehen einzelner Trespenbalme, an denen no< Samen ſind, durch den Wind, andrerſeits durch zahme und wilde Thiere, die ja Überall hinkommen, und den Samen entweder mit dem Stroh genießen, vder denſelben vom Stroh abfreſſen, verbreitet wird, und unter ihm günſtigen Umſtänden endlich zum Keimen gelangt. Uebri- gens trägt die Natur nicht ſelten ſelbſt zur Vertilgung dieſes Unkrautes dadurch bey, daß die Tre8penſamen oft brandig wers den, und dadurch die Keimfähigkeit verlieren. In ſehr naſſem Boden wird man die Vertilgung der Trespe nie erksichen, ſobald ſie einmal eingewuchert iſt. Da Übrigens in ſolchem Boden der Noggen in naſſen Jahren großer Gefahr ausgeſeßt iſt, und häu- fig ſtark auswintert, ſo. iſt in dieſem Falle die Trespe, die dann ſehr üppig wächſt,„und die Lü>ken im Noggen ausfüllt, nicht zu verachten, indem ihr Stroh dem Noggenſtroh faſt gleich kommt, und ihre Körner, wenn ſie vollkommen werden, als Futter für die Pferde, faſt dem Hafer gleich kommen, Kann daher ein ſolcher Boden durch Entwäſſerung nicht tro>ken gelegt werden, ſo iſt es vergebliche Mühe die Trespe ausrotten zu wollen, ja es bleibt vielmehr gerarben, die Trespe mit auszuſäen. In trock: nen Jahren behält der Noggen die Oderhand, in naſſen Jahren die Trespe, und es iſt in letzterem Falle immer beſſer, eine reich- liche Trespenerndte, als gar nichts zu gewinnen.„40053 Man wählt zur Saat am liebſten Roggen von der jährigen Erndte, indem der ältere Same keine vollkommenen Pflanzen giebt, man aber von demſelben einer größeren Quantität zur Einſaat bedarf. Iſt man genöthiget, alten Roggen zu ſäen, ſo (343) muß der Säemann kürzer treten, als wenn er friſchen Roggen ſäet5 weil ſich der alte Roggen, ſeiner Tro>enheit wegen, nicht ſo gut in der Hand faſſen läßt. Das Erneuern des Samens iſt in Abſicht auf den Ertrag und die Vollkommenheit der Körner zu empfeblen. Bey denjenigen Roggenarten, die ſich durch eine ſtarke Beſtaudung auszeichnen, iſt das Erneuern des Samens von Zeit zu Zeit ſogar nothwendig, weil dieſelben, wenn ſie eine lange Zeit in demſelben Boden gebaut werden, ihre Be- ſtaudungsfähigkeit verlieren, und in den gewöhnlichen Roggen augarten. Saatzeit, Der Zeitraum, in welchem die Ausſaat erfolgt, iſt bey kei- nem Gewächs ſo ausgedehnt, als beym Winterroggen. Man ſäet ihn vor Johannis und auch noch früher, bis Weihnachten, und ſelbſt noch im Februar und Anfang des März. Was dieſe lezte Saatperiode anlängt, ſo haben wir darüber das Nähere bes reits im Monate Februar. erwähnt, und wir haben uns hier nur mit der Saat vor Winter zu befaſſen. Der Erfolg dieſer zu verſchiedenen Zeiten gemachten Saaten iſt ganz natürlich ſehr verſchieden. Was den Johannisroggen und diejenigen Roggenarten an- langt, die ſich durch eine ſtarke Beſtaudung augzeichnen, ſo hä- ben wir bereits bey ihrer Anführung erwähnt, daß dieſelben zeitig geſäet werden müſſen, wenn ſie gerathen ſollen. Da der gemeine Noggen derjenige iſt, der am häufigſten gebaut wird, ſo wollen wir daher hier nur. von ſeiner Saatzeit handeln, und be- merken nur, daß nach dem Statt findenden günſtigſten Zeitpunc- te der Saat des gewöhnlichen Roggens, die Staudenroggenar- ten-um wenigſtens 8 bis 14 Tage früher geſäet werden müſſen. Alle Umſtände, welche der Saat des gewöhnlichen Roggens günſtig ſind, und deſſen zeitigere oder ſpätere Einſaat bedingen, haben auch auf die Staudenrogzenarten Bezug. Im Allgemeinen ſtimmen die Meinungen dahin, daß die frühen Saaten im Durchſchnitt einen ſicherern und höherern Er- trag geben, als die ſpäten,' Burger ſagt im zweyten Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 30:„Winterroggen muß früh im Herbſt geſäet werden; denn weil er ſehr zeitig im Frühjahr ſchoßt, ſo hängt die Größe ſeines Ertrages mehr von der Größe der Bewurzelung und der Menge der Seitentriebe ab, die"er im Herbſt gemacht hat, als von jenen, die er im Frühjahr macht. Spät geſäeter Winterroggen leibt immer dünner, außer er wäre in ſehr reichen Boden geſäet worden, und die Frühlingswitterung wäre beſonders fruchtbar geweſen.“ Jeder aufmerkſame Beobachter wird es im Durchſchnitte. der ver- ſchiedenen Jahrgänge beſtätigt finden, daß die zeitige Roggen- ſaat, wenn ſie unter übrigens gleichen Umſtänden geſäet wird, als die ſpäte, einen ſicherern. und größeren Ertrag giebt, als die ſpäte. Nächſt dem oben von Burger Angeführten liegt die Urſache, daß die zeitigen Saaten ſicherer, als die ſpäten ge- rathen, auch darin: daß im zeitigen Herbſt die Atmoſphäre und der Boden gewöhnlich trv>ner ſind, als im ſpäten Herbſte, und daber eine troFenere Einſaat des Roggens erfolgen kann, was der Roggen ganz vorzüglich liebtz daß ferner, wenn ſehr tro>ne Anbau der Feldgewäcer ſpäter zu beſäen 3 denn in erſtern be- dürfen die Pflanzen längere Zeit, um ſich vor Winter ſo genug- ſom auszubilden und erſtarken zu können, daß ſie denſelben ohne Gefahr überſtehen können. 5 T Uebrigens können wohl Umſtände Statt finden, die es er- beiſchen, die Saat des Roggens ſo ſpät als möglich zu machen, die aber nur als beſondere Ausnahmen von der allgemeinen'Re- gel gelten, Sce und Wurzeln der Pflanzen gewaltſam zer: riſſen und in die Höhe gezogen„und“ find dann, ſelbſt wenn im ;(345) Frühjahr mit ſchweren Walzen gewalzt wird, größtentheils' un rettbar verloren. Haben dagegen die Pflanzen beym Eintritt des Froſtes nod) keine großen, ſich weit ausdehyenden Wurzeln, ſo ſchadet ihnen das in die Höheheben wenig, ſie werden durch das Walzen im Frühjahr wieder mit der-Erde in Berührung ge- ſeht, und die meiſten derſelhen“, da ſie weder am Sto>e, noch an den Wurzeln beſchädigt ſind), wurzeln ſich noch gehörig ein, und gelangen zu einer vollkomraenen Ausbildung. Behbaupten übrigens auch einige Landwirthe, daß ſie, abge- ſehen von den oben bemerkten Umſtänden, einen ſicherern Ertrag von der ſpäten, als von der zeitigen Saat hätten, ſo liegt dieß wohl nur lediglich darin, daß, bey den Statt findenden Umſtän- den(ſehr reicher Boden, woirme Lage, wo der Winter ſpäter eintritt, und dgl,, wovon wi'/ weiter unten handeln werden) bey ihnen der günſtigſte Zeitpunct der Noggenſaat auf einen ſpätern Termin fällt, und ſie daher allerdings nach den allgemeinen Ka- lenderbeſtimmungen der Rog genſaatzeit ſpät ſäen. Aber auch bey ihnen wird es unbeſtreitbar der Fall ſeyn, daß bey dem in ihren Verhältniſſen im Allgemeirien Statt findenden ſpäten Saatzeits punete die zeitigen Saaten; im Durchſchnitt einen ſichrern und größern Ertrag geben, als die ſpäten, Was nun den günſtigſten Zeitpunct der Roggenſaat anlangt, ſd wird man bey der verſchiedenen Lage und dem verſchiedenen Clima Deutſchlands finden, daß ſie bald früher eintreten muß, bald ſpäter Statt finden'fann. Faſt in ganz Deutſchland iſt es eine allgemeine Annahme/, daß dis beſte Saatzeit des Noggens 14 Tage vor und 14 Tag? nach Michaelis ſey. Man wird zwar finden, daß in dieſem Zeitraume„die meiſten Noggenſaaten einge» bracht werden z doch werden viele derſelben regelmäßig viel früs her, aber auch viel ſpäter eingebracht, und in mehrern Gegen- den dauert die Roggenſaat alle Jahre bis in die erſten Tage des Novembers und noch länger. Burger ſagt im 2, Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 31:„Im hohen Gebitge be: ginnt bey uns die Roggenſaat am 25. Auguſt, Im Mittelges birge am 8. September, Jn'der Ebene und den Thälern am 15. September.“ Auch in andern deutſchen Gebirgsgegenden, aber auch in den waldigen kalten Ebenen Deutſchlands beginnt die Saat des Roggens bereis im Auguſt; wogegen dieſelbe in den warmen Ebenen, und beſonders dort, wo der Schnee nicht lange liegen bleibt, erſt im October beginnt. Hieraus geht hervor, daß das Sprichwort 13 Tage vor und 14 Tage nach Michaelis ſey die beſte Saatzeit des Roggens, in Beziehung auf»ganz Deutſchland nicht richtig iſt; und daß im Allgemeinen der Bes griff, zeitige und ſpäte Saat, in ſofern man den Kalender bes zücſichtigt, ſehr relativ iſt,' x Im Allgemeinen muß man ſich, abgeſeben von den früher bemerkten Umſtänden, bey flacher Bodenkrume auf fehlerhaftem Untergrunde und im Moorboden, wo aus angeführten Gründen die ganz ſpäte Saat die beſte iſt, mit der Roggenſaat ſo einrichs ken, daß die Roggenpflanzen bey dem Eintritt des Winters ge: nugſam erſtarkt jind, um denſelben ohne Gefahr ausghalten zu WÜnnen. Hiernach wird der Termin der Roggenſaatzeit ſich in Deutſchland, da das Clima ſo ſehr verſchieden iſt, und der Win- ter fich danach baid früher, bald ſpäter einſtellt, ſebr verſchieden Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 203 204 Bau der Feldfrüchte. 9, Abſchn, Sept, (346) beſtimmen 3 übrigens wird“ aber auch no die Beſtimmung der Roggenſaatzeit wegen des größern oder geringern Grades des Reichthums und 7 ACH des Bodens, wegen der mehr tro>nen oder feuch Atmoſphäre im Herbſt, und wegen des Umſtandes, ob der Boden friſch gedüngt iſt, oder nicht, wo die Pflanzen in kürzerer oder längerer Zeit zu der Vollkommenheit gelangen, daß ſie den Winter hne Gefahr überſtehen können, ſelbſt in einem gleichen Clima 13nd bey einem'zu gleicher Zeit eintretenden- Winter no< eine ganz beſondere BerüFſichtigung erheiſchen 3; denn dort, wo ſich die Pflanzen in einer kürzern Zeit u einer gleichen Vollkommenheit augsbilden, wird man ſpäter ſäen können, wogegen man dort, vo die Pflanzen, um zu glei- ſichtigen ſind. Dieſe Umſtände ſind folgende: Es iſt eine allgemeine Erfahrung, daß der Roggen dann ſi: erfolgt. Dieß beſtätigen nicht nur Thaer,„Koppe, Schwerz,- Schmalz, v. Witten uv. ſ. w., ſondern ich habe auch bey praktiſchen Landwirthen die Meinung für ein längeres Lie- genlaſſen der Saatfurche allgemein vorberiſchend gefunden. Selbſt in dem Falle, daß der Boden durch die vorhergehende Bearbeitung nicht genugſam gelo>ert worden iſt, und auch ſelbſt dann, wenn der Boden durch das lange Liegenlaſſen iin der Saatfurche etwas verwildert, hält man das zeitige Pflügen zur Saat, oder vielmehr das Liegenlaſſen der Saatfurche einige z3eit vor der Saat für durchaus zwe&mäßig. Die hauptſächlichſfe Urſache, warum der Roggen beſſer geräth, wenn er in. geſetztes Land, als in die friſch gepflügte Furche geſäet wird, mag wohl darin liegen, daß in dem geſehten Boden der Same durch das Eggen viel gleichmä2 ßiger untergebracht. wird 3 daß der geſehte Boden die Feuchtigkeit um ſo mehr an ſich hält und der Same deßhalb ſchneller und vollkommener keimt, und der AFer ſich ſchnell mit eine? gleich= mäßigen Saat de>t, und daß der geſetzte Boden bey der Näſſe weit weniger breyartig zuſammenläuft, als- der friſch gepflügte, und ſich daber auch bey nachfolgender Tro&>niß weniger leicht ſchließt und die Vegetation weniger gehindert wird. Das Seten» laſſen der Saatfurche iſt daher ſowohl in dem leichten, als in dem mehr bindigen Boden gleich vortheilhaft. Ferner mag es au ſehr zuträglich ſeyn, daß durch das lange KLiegenlaſſen der TZ ddr= Sm Füh Wor m 22 0= Px REI ÜR a Ed une eee uo Tren Anbau der Feldgewächſe. (347) Saatfurche ſich eine Menge Unkräuter entwiFeln, die durch das Einbringen der Saat zerſtört werden, und daß die ſich nachher ſchnell und gleichmäßig entwi>kelnde Roggenſaat nicht ſo.leicht Unkraut aufkommen läßt. Wird dagegen der Roggen in die friſch gepflügte Furche geſäet, ſo erfolgt die Unterbringung des Samens nicht gleichmäßig, ein Theil wird in dem lo>ern Boden ſehr tief vergraben, ein anderer bleibt oberflächlich liegen, und die Saat geht ungleich auf, und mit der Saat ſchoßt. das Unkraut zugleich auf. Die oberflächlich liegen gebliebenen Samen treiben ſne Einſaat verlangt, Wird der Noggen bey einem feuchten Zuſtande des Bodens, und bey regnigter Wit- terung eingeeggt, ſo erfolgt weder im Sandboden noch im tho- nigten Boden eine gleichmäßige Unterbringung der Saaty und im thonigten Boden wird durch das Schmieren der Eggen ein großer Theil der Samen dermaßen in den Boden eingeklebt, daß bey der nachherigen AbtroXnung deſſelben das die Samen um- hüllende Erdreich ſo erhärtet, daß die Keime nicht durchbrechen können, Auch ſcheint es dem Roggen nicht zuträglich zu ſeyn, wenn er bey ſeiner erſten Entwi>kelung viel Feuchtigkeit findet z er treibt dann zwar ſehr ſchnell empor, aber die Pflanzen werden ſcen iſt; denn bey ſchlechter Witterung zu ſäen, um nur mit der Einſaat früh fertig zu werden, iſt das Schlechteſte, was man thun kann. In manchen Jahrgängen, wo die Witterung bis zum Eintritt des Winters naß bleibt, erwartet man ſich freilich nichts in dieſem Falle iſt, aber derjenige, der ſich"zu einer zeitigen Saat eingerichtet und den Boden zeitig genug vor dem Saatzeitpuncte zurecht gelegt hat, weniger übel daran, als derjenige, der ſeine Roggen, 205 206 Bau dey Feldfrüchte. 9. Abſne Einſaat ganz vorzüglich in dert bindigen Boden, zu empfehlen z im Sandboden ſchadet die naſſe Einſaat weniger, Um eine troe>ne Einſaat zu bewerkſteiligen, muß man in deim naſſen Boden den Saattermin auf einen frü: bern Zeitpunct verlegen, als im tro&nen Boden, In manchen Wirrhſchaften machen es die Verhältniſſe nötbig, dem Noggen von dem im laufenden Jahre gemachten Dünger ſo, viel äls möglich zu Theil werden zu laſſen, und man findet daher die Noggenſaat ſo lange fortdauernd, als es nur die Wit- terung geſtattet, und benußbt zu jeder Saat den auf der Miſt- ſtelle vorhandenen Miſt. Im ſandigen Boden kann dieſes Ber- fahren, in ſofern man dazu triftige Gründe hat, die in dea all: gemeinen Wirthſchaftsverhältniſſen liegen, wohl zweXmäßig ſeyn z denn der friſche untergebrachte Miſt ſchadet bey der kühlen und mehr feuchten Witterung in der ſpäten Jahreszeit im ſandigen Boden der Vegetation nicht weſentlich, der Winter müßte denn ſehr ſc deln. Dieſe er Nebel find von den' Nebeln, die ſich in September entwickeln ei und nur theilweiſe und bauptſächlich"nat Nähe des Waſſers it: Gtatt finden, ganz verſchieden, denn ſie ſind allgemein, und ſi: finden in den tro>nen Gegenden eben ſv ſtark Statt, als in den 1: feuchten und waſſerreichen Gegenden. Die Natur ſcheint durch 1: dieſe Nebel einen gewiſſen Abſchnitt bezeichnen zu wollen z; denn 1) ſind ſie einmal vorbey, und tritt ſpäter heitere Witterung ein, 'd wo die Tage ſehr warm, die Rächte dagegen ſebr kühl ſind, wo- nt dur) eine ſtarke Ausdünſtung des feuchten Erdreichs erfolgt ſo n&eln iM 3war bäufig ebenfals noc< Nebel und mitunter : Acht ſtarke Nebel, dieſe ſcheinen aber von ganz anderer Natur ſ: zu ſeyn, als jene. Kommt, das Samenkorn mit dieſen nachthei- ib digen Nebeln in ſtarke Berührung, ſy mögen ſich wahrſdjeinlich "mw demſelben gewiſſe nachtheilige Stoffe, die in dem Nebel enthal- [8 tn ſind, mittheilen, die eine ungünſtige Einwirkung auf daſ- ſelbe ausüben, ſo daß es entweder gar nicht feimt, oder einen rz ſhwächlichen, bald zu Grunde gehenden Keim treibt. + Ausſaatmaaß. “ Abgeſehen davon, daß man im magern Boden dichter, im x ſten dagegen dünner ſäen müſſe, ſo findet man bey dem Aus- 4 ſatmaaß des gewöhnlichen Roggens eine eben ſo große Verſchie- h Zenbeit, als dey ändern Gewächſen, obgleich die Samen des | Noggens in Hinſicht der Größe weniger von einander abweichen, 1[Al8 die Samen einer andern Getreideart. t„+„Durger ſagt im 2ten Bande ſeines Lehrbuchs der Land- 8 Ainthſchaft S, 31 Über die Stärke der Roagenſaat Folgendes? „Die Roggenpflanzen bilden einen kleinern Sto>, wie die Wei- d zmpflanzen, und es müſſen daber mehrere auf derſelben Fläche 1 ſichen, wenn ſie ganz gedeckt ſeyn ſoll, Wenn Winterroggen 4 End. Winterweizen zu gleicher Zeit im Herbſte, jede'Getreideort ; m einen angemeſſenen Boden geſäet wird„ ſv wird man zur Zeit N dis Schoſſens im Frühling bemerken, daß der Sto> des Win- x Ürroggens, der früher ſchoßt, weniger Seitentriebe gemacht hat, als der ſpäter ſchoſſende StoFX des Winterweizens. Aus einer x Foßen Menge von Beobachtungen glaube ich annehmen zu dür- - ffm, daß unter gleichen; angemeſſenen Verhältniſſen der Noggen 1.[m 3 weniger Halme treibt, Nach dieſem müßte man einer Rog: ; gmpflanze: in guten AeFern 6, in mittlern 4, und in magern " 12; Wiener Quadratzoll anberaumen. Weil man den Roggen die [fr wie Weizen ſäen muß, und immer mehrere ſeiner Körner h"inem unvollſtändigen Zuſtande der Ausbildung ſich. befinden, 208 Bau der Feldfrüchte. 9, Abſchn. Sept. (350) ſo bedarf man von demſelben für die gleiche Lage faſt eben ſo j viele Saat. dem Maaße nach, wie von Weizen, obgleich ſeine| deſel Körner um vieles kleiner ſind. Ein Wiener Metzen ſchöner, neuer| wärn Roggen wiegt 2 Monate nach der Erndte im Durchſchnitt meh:| dhe rerer Jahre 83 Wiener Pfund. Ein Loth Winterroggen hatte im| iſt hi Jahr 13817, 967 Körner, im Jahr 1818 im Allgemeinen 863 z der|[nd Saatroggen aber 800 Körner. Nimmt man das Mittel aus die: kurze ſen drey Zählungen= 876, ſo ſind im Metzen von 83 Pfund| zleic 2,326,656 Körner enthalten. Schlägt man hierzu für todte Kör:| hjr)| ner, ſcnijß im Herbſt nicht vermälzt, aber die Pflanze wird ſchwäch: lich und geht im Winter leicht zu Grunde. Beſonders da, w9 es gebräuchlich iſt, die Roggenſaat im Winter mit den Schafen jw behüten, iſt es ſehr anzurathen, auf eine vollſtändige Unter- ringung der Samen zu halten, weil die von den oberflächlich Anbau der Feldgewächſe. Roggen. 269 | 210 Dau der Feldfrüchte, 9, Abſkt, Auch mit dem Exſtirpator bringt Ea man die Noggenſaat unter, wodurch die Samen nicht ſo tief"a kommen, als wenn ſie mit dem Pfluge untergepflügt werden, aber(he auch die: Unterbringung der Saat mit dem Exſtinpator iſt nur jae bauptſächlich im leichten Boden gebräuchlich, und man findet ſie dar nur ſelten im bindigen Boden, obwohl ſie dann, wenn der Aer durch zu lang2s Liegen nach ſolchen Gewächſen, deren Stoppeln tro unmittelbar nach der Erndte umgepflügt werden müſſen, etwas| ma zu ſehr erhärtet iſt, von Nuten iſt, Man hat auch zur Unterz| ringung der Saat beſondere Saatpflüge. Am gewöhnlichſten| wird der Roggen eingeeggt. Die Unterbringung der Saat er--| folgt zwar mit der Egge nicht ſo vollkommen, als mit jenen: Werkzeugen 3 doch wird ſie wohl ſtets die allgemeinſte bleiben. ſed Pebrigens ſagt Shwerz im zweiten Bande ſeiner Anleitung ve zum praktiſchen Akerbau S. 159:„Vorläufig kann ich die Lande wirthe, welche nicht in der Lage ſind, ſich mancherley Werkzeuge Ha anzuſchaffen, beruhigen, wenn ich ihnen ſage, daß„der Unter- ſchied im Erfolge zwiſchen jenen Werkzeugen und einer guten Egge nicht ſo erheblich ſey, als man es glauben möchte, wie mich eigne Erfahrung überzeugt hat.“ Man bedient ſich zur Unterbringung der Saat gewöhnlich her nur leichter, häufig hölzerner Eggen, und deren Anwendung iſt den ganz beſonders im leichten und durch die Bearbeitung zu ſehr ſeh gepulverten Boden zu empfehlen. Wenn die Saatfurche zeitig Vo gegeben worden iſt und ſich gehörig geſetzt hat und ſtark begrünt ſah iſt, ſo muß man, beſonders in dem mehr bindigen Boden ſcne Witterung und ein t tro>kner Zuſtand des Bodens wahrzunehmen. Beſonders meide 7 man es, bey Nebel zu ſäen. Es iſt ein altes Sprichwort: Die 3 Winterung will eingeſtaubt ſeyn. n Die Wintergerſte, s Die Wintergerſte iſt eine in Deutſchland nicht ſehr häufig ! gebaute Frucht, obwohl ſie unter manchen Verhältniſſen eine Ie beſondere Berückſichtigung verdient. Wir wollen hier in der Kürze 1] das Hauptſächlichſte über ihre Cultur anführen. Ueber ihre Be- % handlung während der Vegetation, ihre Erndte und Ertrag. haben e wir bereits bey der Sommexgerſte gehandelt, 1 Die Wintergerſte verlangt einen fetten, in großer Kraft ſte | henden, mehr gebundenen Boden, Im leichten tro&nen Boden und im tmagern Boden kommt ſie micht gut fort. Sie wird das her hauptſächlich in den fetten Niederungen und im Marſchbo- h den gebaut, wo ſie hey einer ſtarken Beſtockung einen ſehr anz | ſehnlichen. Ertrag giebt. Sie lagert ſich zwar in dem ſehr fetten 1 Boden, das Lagern ſchadet ihr. aber in Hinſicht des Körneran- Jg ſapes weniger, als einer andern Getreideart. Sie verlangt ein 4 mehr feuchtes Clima, verträgt aber im Winter keine ſtarke Kälte, 0: und iſt daher dort, wo der Winter kalt iſt, lange ausdauert, wo 1“ viel Schnee fällt und derſelbe lange liegen bleibt, ſehr gefährdet, ir weil ſie leicht auswintert. Sie eignet ſich daher am beſten für n> das nordweſtliche Deutſchland, wo die Seeluft das Clima feucht n und warm erhält. w Die Wintergerſte verträgt nicht nur eine ſtarke Düngung, 0 ſondern ſie verlangt ſie auch, und ſie wird daher in dem fetten vr| Niederungsboden hauptſächlich da gebaut, wo man vom Weizen 1!| fager zu befürchten haben würde. Ein friſch gefalttes oder ge- h| mergelies Land ſagt ihr nicht zu 3 dagegen gedeiht ſie dann ſehr i' IE DUL, EEE a dieſen Düngungen ihr einige Früchte vorher ge: | bangen ſind. t n Die vollkfommne Braachbearbeitung ſagt der Wintergerſte " anz beſonders zu. Günſtige Vorfrüchte ſind vor allen der ie| Raps, Bohnen und Klee, Nach Weizen, Hafer und auf ſich v ſelbſt kann ſie nur„in, ſehr fettem Boden mit Vortheil gebaut " werdet. Nach ihr eignet ſich ganz beſonders ein Gemenge von 1| Weizen und Roggen, Weizen gedeiht nur im Marſcer liegen, bis er grün ausgeſchla- en iſt. Darauf wird ſo tief, als geſchehen kann, gepflügt, aber nicht. geeggt. Sind die angegebenen Vorrichtungen bey günſti» gem Wetter ausgeführt worden, und iſt nach dem zweyten Pflüs gen nicht ſogleich ein ſtarker Regen gefallen, ſo iſt der Aer für die Gerſte gewonnen. Der Miſt wird nun aufgefahren, aber auch bey tro&nem Wetter, und bleibt gebreitet auf dem Felde bis zur Saat liegen.&n der lezten Hälfte Octobers wird die Gerſte auf den Dünger geſäet und mit ſelbem untergepflügt. Geeggt wird nur dann, wenn der Boden raub und ſchollig ſeyn ſollte. Alles Obige muß in einem Zeitraume von ſeen dem Winter leichter widerſtehen könne 3 theils weil ihr im Frühjahr, bey ihrem ſchnellen Wachsthum, nicht viel Zeit zum Beſto&>en übrig bleibt. Schwerz gedenkt jedoch im 2ten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen AFerbau S. 176, eines Falles, wo die Wintergerſte in der Mitte Februars augsgeſäet wurde, anfänglich zwar ein ſchlechtes Anſehen batte, nachdem ſie aber mit Jauche begoſſen worden war, ſich änderte, nachher ſtark beſtaudete, wenige Tage nach der zu Anfang Oc. tobers ausgeſäeten reifte, und dieſe im Extrage übertraf. Man ſäct 16 bis 20 Berliner Metzen auf den Maadeburger Morgen zu 180 rheiniſchen Quadratruthen. Man empfiehlt es, nad der Saat nicht viel zu eggen, damit noch kleine Klöße zurü&bleiben, welche der Saat Schutz gewähren und den Boden vor dem Zu* ſammenſchlämmen ſichern,: ". K-Srid 5 aIs ME EBE PEI UT mn Sax EN 20 067, I> Anbau der Feldgewächſe. (355) Handelsgewächſe. GIT 50 DOELDM€ 1 a.-0.-5.€ Ue Die große Neſſel, Urtica dioica. Die große Brennneſſel unterſcheidet ſich von den andern Neſſel« ärten dadurch, daß ſie zu einer beträchtlichen Höhe wächſt, und die Geſchlechter ganz getrennt auf verſchiedenen Stängeln hat, wie der. Hanf. Sie iſt eine perennirende Pflanze, die viele Jahre hintereinander neue Stängel aus ihren Wurzeln treibt. Der Nuten der großen Brennneſſel, als der ihres Samens, iſt ſehy vielfältig, indem ſie bey Thieren und Menſchen in vieler Hino ſicht als Heilmittel zu gebrauchen iſt, und auch für viele Thiere ein ſehr gutes Futter giebt, wenn ſie jung dazu verwendet wird, Am wichtigſien wird ſie durch ihren Faſerſtoff, aus welchem in frühern Zeiten eine beträchtliche Menge Zeuch, welches unter dem Namen Neſſeltuch bekannt iſt, gefertigt wurde, Die Baume wollenzeuche haben in neuern Zeiten die Gewebe von dem Fas» ſerſtoff der Neſſel verdrängt, und daher iſt ibr Anbau jetzt nicht häufig in Deutſchland zu finden. In England hat ſie gegenso wärtig viel Aufmerkſamkeit erregt, und es ſcheint ſich ihr An» bau daſelbſt zu verbreiten. Ueber ihre Behandlung während der Vegetation, Erndte und Zugutemachung haben wir bereits im July a Auguſt gehandelt, und haben hier ihres Anbaus zu gedenken,; Wahl des Bodens und Climas. Die Neſſel findet ſich wildwachſend in verſchiedenem Boden, und ſelbſt im ſteinigen Boden, wohin weder ein Grabſcheit, noch ein Pflug gekommen, Fommt ſie fort, wenn nur einige Zoll hoch gutes Erdreich darüber iſt. Auf abhängigen Steinfelſen, die eine BedeXung von nar ein Paar Zoll Erde haben, und wo jede andere Anpflanzun 3 mit Schwierigkeiten verbunden iſt, kann ſie angebaut werden. Ja ihr Anbau iſt auf ſolchen Lehnen ganz beſonders zu empfehlen, weil die Neſſel mit ihren Wurzeln, die ſich nur flach verbreiten, ſich ſo verfilzen und den Boden durchzie» hen und zuſammenbinden, daß er vor jeder Abſchwemmung geſichert iſt. Der Boden darf jedoch nicht arm an Humüs ſeyn. Beſſer gedeiht ſie im mehr feuchten, als im trocknen Boden, in welchem leßtern ſie kurz wird, und kein ſo feines Baſt giebt. Uebrigens wächſt die Neſſel in dem guten kräftigen, tiefen A>er= boden um ſo beſſer, und bey aufmerkſamer Cultur kann man ſie zu einer beträchtlichen Höhe ziehen, wo ſie dann ein um ſo feis neres Baſt giebt. Sie liebt mehr das feuchte und ſchattige Cli: ma, als das tro>ne und ſehr ſonnige, wo ſie unvollkommner wird. Abhänge nach Süden, wo die Sonne ſtark einwirkt, ſind der Cultur der Neſſel nicht günſtig, Als eine einheimiſche Pflanze verträgt ſte die ſtrengſte Kälte. Düngung. Die Neſſel hat zwar ein ſehr ſtarkes Blattorgan, mit wel: ſchlag wahrgenommen hat. Ihrer filzigen Wurzeln wegen, die den Boden ganz durch» ziehen, möchte es aber doch wohl in Beziehung auf die Nach» folger gerathen ſeyn, der Plantage, wenn ſie von den Neſſeln eine Reihe von Jahren eingenommen worden war, eine Braach:- bearbeitung zu geben, Bearbeitung des Bodens, Man findet zwar, daß die Neſſel ſich im wilden Zuſtande in einem gar nicht bearbeiteten, rohen, harten Boden einwur»- zelt 3 es würde jedoch bey ihrem Anbau, worauf man darauf ächten muß, daß die Pflanzen- in gedrängtem Stande, ohne Lüe >en ſtehen, weil dann das Baſt um ſo beſſer wird, nicht anzu» rathen ſeyn, ſie auf unbearbeitetes Land zu bringen, weil dieß ur Folge haben könnte, daß in der Saat Lüc>en vorkämen, indem Wind und Weiter den Samen entführen oder verderben könnte, wenn er auf hartem Erdreich liegt, ohne bald einwurz zeln zu können. Bey der Neſſel zeigt es fich aber auch, daß ſie einen gehörig zubereiteten Boden liebt, da ſie im lodern Gartenboden als Unkraur um ſo üppiger wächſt. Auch. iſt Be» arbeitung ſchon deßhalb nothwendig, um das Unkraut, wenig» ſtens für die erſte Wachsthumsperiode der Neſſel zu unterdrü» &en. Es kann jedoch ein einmaliges Pflügen des für ſie be- ſtimmten Landes genügen, und bey einem Boden mit einer ſo ſeiche ten Krume, daß die Bearbeitung mit dem Pfluge nicht Statt finden kann, muß die Krume mit der Ha&e gelofert werden, Beete ſind bey der Beſtellung nicht nothwendig, ſondern das Feld känn, wie aus dem nachfolgenden zu entnehmen iſt, in et- ner gleichen Fläche bearbeitet werden. Same, Saat und Fortpflanzungen durch Wurzeln, Um Samen 4 gewinnen, läßt man mehrere Stängel ſtehen, und den Samen ſeins vollkommene Reife erlangen- da die Pflan- (357) zen Behufs der Baſtgewinnung vor der Samenreife geſchnitten werden. Die Samenreifung erfolgt im Auguſt. Da man zur Saat den friſchen Samen empfiehlt, ſo darf derſelbe nicht erſt gereinigt werden, ſondern man kann ihn mit den Hülſen ausſäen. Man ſäet auf die gehörig geſehte Furche,. Die beſte Saatzeit iſt im Herbſt, bis Ende October. Da der Same nicht größer, als dex Rübſamen iſt, ſo darf er nur dünn geſäet werden. Man nimmt auf eine gleiche Fläche daſſelbe Saatquantum, wie beym Kleeſamen. Da die Samen keine ſtarke Bede>ung mit Erde vertragen, ſo iſt es nicht nöthig, zur Saat'vor:- und den Samen einzueggen, man ſtreut ihn vielmehr auf-die rauße Furche und Übverläßt die BedeXung dem Regen und Winde. Man kann. die Neſſeln auch durch Zertheilung der Wurzeln fortpflanzen. Man hebt im September oder October die Neſſel- ſtöFe aus, der Erde, reißt ſie aus einander, beſchneidet ſie ſo, daß die Länge eines Fingers vom Stängel an der Wurzel bleibt, und ſeht ſie reibenweiſe einen halben Fuß weit von einander, und zwar ſo tief, als ſie vorber geſtanden baben. Wenn tman einmal Neſſelpflanzen hat, ſo ziebt man bey der Anlage einer Neſſelplantage die Verpflanzung, obgleich ſie mühſamer, als das Säen iſt, vorz indem man von verpflanzten Neſſeln gleich im folgenden Jahre eine gute Erndte hat, wogegen man die aus Samen erbauten Neſſeln im erſten Jahre nicht exndten darf, damit ſie ſich mit ihren Wurzeln gehörig ausbreiten und erſiar= ken können. Die aus Samen gezogenen NeſſelſtöFe halten fich länger, als die durch Wurzelſchößlinge fortgepflanzten. Das Seifenkraut(Saponaria oſlicinalis). Dieſe Pflanze, welche auh Speichelfraut, Waſchkraut, Seis fenwurzel, Schlüſſelkraut, Hundsnelke genannt wird, iſt eine in vielen Gegenden Deutſchlands wildwachſende Pflanze, bdje aber auc in mehrern Gegenden angebaut wird. Ein Theil wird in den Apotheken als Arzneymittel verwendet; man gebroucht es aber aucen iſt, ab. In ſehr tro&nen Jahren blüht es erſt im Auguſt, und das Blühen dauert bis zum Winter fort. Nach. beendigter Feldarbeit im Herbſt erfolgt die Erndte bey ünſtiger Witterung, Da die unten ſehr feinen Federwurzeln Ebr tief gehen, und man dieſe mitnehmen muß, da ſie zur Vor- züglichkeit als Kaufmannswaare beſonders beytragen, ſo iſt das Herausmachen nicht ohne Beſchwerde. Das Herausmachen ge- ſchieht auf folgende Weiſe. Man hackt vor der Pflanzung ein Loch etwa 3 Fuß tief und von dem Umfange aus, daß darin ein Mann bequem ſtehen und arbeiten kann. Von dieſem Loche wird nun nach der Plantage zu, die Erdſchicht von oben here ab nach der Seite abgeha>t und in dieſes Loch gezogen, und ſo werden dann die Wurzeln bis zu den äußerſten Spiten von Erde befreit. Die von der Erde befreiten Pflanzen werden ge» ſammelt, So wird täglich fortgefahren. Man muß zu dem Herausmachen tro>ne Witterung und einen troä>nen Zuſtand des Bodens wählen, weil es ſonſt nicht angebt. Auch iſt bey dem Aufha>en Vorſicht nöthig, damit die Wurzeln nicht ent- zwey geha>t werden, Wird man wegen ungünſtiger Wivterung mit dem Herausnehmen im Herbſt nicht fertig, ſo erfolgt es im nächſten Frühjahr, ſobald der Boden genugſam abgetroc>net iſt. Die herausgenommenen Pflanzen werden gehörig abgewaſchen, übertro>net und in handvoll ſtarke Bündchen gebunden, die feinen Würzelchen um das Bündchen gewi>elt und dieſe Bünd« nen aufgehängt. Sind ſie gehörig troFXen geworden, ſo ſind ſie Kaufmannswaare. Ueber den Ertrag kann ich keine beſtimmte Angabe geben; er muß wohl aber nicht unbeträchtlich ſeyn, da man in guten 210.000 Thüringens ganze AerſtüFe mit Seifenkraut beſäet ndet. Oelgewächſe. Der Rübſamen, Brassica napiuus. Der Rübſamen iſt eine Rübenart und unterſcheidet ſich vom. Raps, dadurch, daß er dunkelgrüne, anfänglich rauhe und mit Zotgen ärchen verſehene Blätter, dunkelgelbere Blüthen und leinere Stängel, ſo wie kleinexe Schoten und Samen hat. Der RR SR CC FC PSI EE€ wn 2-8- 3) Anbau der Feldgewächſe. Rübſamen. (359) Wurzelſtamm iſt ſpindelförmig, rübenartig, und bildet, wenn die Pflanze Raum hat, zuweilen eine wirkliche Rübe, Der Rüb» ſamen leidet bey der Durchwinterung mebr als Raps8ſamen, kann ſpäter geſäet werden, blüht und reift dagegen früher, giebt aber einen geringern Ertrag an kleinern, weniger ölreichen Samen. Der Rübſamen wird häufiger gebaut, als der Raps. Wahl des Bodens und des Climas, Der Rübſamen liebt mehr einen tronen, leichten, dabey aber reichen, von Unkraut reinen Boden und ein mehr tro>nes Clima, Die ſtrenge Winterkälte verträgt er weniger, als der Naps. Ein Boden, den man nach der gewöhnlichen Claſſifica» tion milden Gerſtenboden nennt, in dem aber bey gehöriger Cul- tur auch noh mit Vortheil Weizen gebaut werden kann, der keinen naſſen Untergrund und eine Lage ihat, wo die Feuchtig» keit leicht abziehen kann, iſt dem Rübſamen am zuträglichſten. Da die rübenförmigen Wurzeln des Rübſamens nicht tief in den Boden eindringen, ſo braucht die Krume nicht ſehr tief zu ſeyn, und man findet daher den Nübſamen im Bodey mit[o flacher Krume, wo der Naps nicht gut fortkommen würde. Wo der Winter ſtreng und lange anhaltend iſt, und wo der Schnee lange liegen bleibt, iſt der Rübſamen bey der Durchwinterung ſehr gefährdet, Da er im Frühjahr zeitiger zu treiven anfängt, als der Naps, ſo leidet er dort, wo die Frühjahrswitterung ſehr unbeſtändig iſt, noch mehr, als dieſer, und ganz beſonders leidet er bey anhaltender Näſſe, da ſeine. rübenartige Wurzel die Feuchtigkeit leicht einſaugt,- und er viel leichter fault, als der 0408 ſpindelförmige, zähere Wurzel der Näſſe mehr wi- erſteht. Düngung. Der Rübſamen verlangt nicht nur einen beträchtlichen Grad von alter Bodenkraft, ſondern er gedeiht auch um ſo beſſer, wenn ihm eine friſche Düngung gegeben wird, Es braucht je- doh zu ihm nicht ſo ſtark gedüngt zu werden, als zum Raps, und er erſchöpft auch den Boden minder, als dieſer. Ganz bes ſonders hat man darauf zu achten, daß der Miſt gehörig zerießt iſtz denn roher, unzerſeßter Miſt, der erſt. im Boden faulen muß, ſte>t die ſehr empfänglichen Nübſamenwurzeln leicht mit Fäul- niß an. Die Kalk- und Mergeldüngung äußert eine günſtige Wirkung auf den Nübſamen. Man muß den Miſt wit der erſten Bearbeitungsfurche unterbringen, damit er ſich bis zur Zeit der Nübſamenſaat gehörig zerſeße und gehörig mit dem Boden ge- mengt werde, Die Jauchendüngung im zeitigen Frühjahr ſagt dem Rübſamen eben ſo gut. zu, als dem Raps. Platz im Feldbau und Fruchtfolge. Was wir hierüber im vergangenen Monat vom Raps geſagt haben, gebt auch den Rübſamen an 3; nur haben wir hier noc< zu bemerken, daß der Rübſamen ein noch beſſerer Nachfolger anderer Gewächſe iſt, da er ſpäter geſäet werden kann, und mit- bin mehr Zeit zur Vorbereitung des Bodens verbleibt, und daß er, da er zeitiger zur Erndte gelangt und dem Boden weniger entzieht, eine beſſere Vorfrucht für die nachfolgenden Gewächſe iſt, als der Raps. 217 Bau der Feldfräerbau S. 125 Folgendes; „Auf wohlbexeitetem, gut gedüngtem Boden kann es ſechzehn- fachen Ertrag geben. Einer unſrer Nachbarn, in Hohenheim, hatte 1823 einen Würtemberger Morgen im Sommerfeld damit beſtellt, alſo nach Dinkel, und das beſäete Land im Winter et: was überdüngt, Er erndtete davon 11 Scheffel Körner, vder beynahe 62 Hektoliter vom Hektar, alſo webr, als ihm der bee Ee Erndte und Zugutentahung dev Feldgewächſe, Emmer. 219 (361) Dinkel im Winterfelde getragen haben würde. Das Einkorn t liefert ein feſtes, ſchweres, daher den Düngervorrath ſehx be- t reicherndes Stroh.“ Bemerkungen über das Einkorn. 1 Nac< Sch werz am angeführten Orte giebt das Einkorn 3 na dem Enthülſen mehr Körner, als der Spelz, da es zur t Hälfte garbt, das heißt: 8 Simri Einkorn geben 4 Simri, alſy j 0,50 Kerne, während der Spelz im Durchſchnitt nur 0,42 Kerne f giebt,« Für Boden, der zum Spelz zu ſtörrig, für Felder, wor» 1 auf das Sommergetreide zu ſchx gefährdet iſt, bleibt das Ein: korn überaus ſchäßbar. Der Emmer, Er gelangt auch meiſtens im September zur Reife, Wichtig 4 iſt es, bey ſeiner Einernbtung trockne Witterung zu treffen, da ' er, geſchnitten, keinen Regen vertragen kann. Wird er dann p ſehr naß und die Körner ziehen viel Feuchtigkeit ein, ſo zerfließt ; F200 das Mehl beym Baen, und erlangt einen bittern Ge- mai. Ertrag. Hierüber ſagt SXerbau S. 255 Folgendes:„Der Ertrag vom Em- n mer wird in den Würtembergſchen Annalen angegeben zu 7-8 z Scheffel. vom Morgen, oder 39--45 Hektoliter vom Hektar, h welches für Sommergetreide ein ſehr bedeutender Ertrag iſt. Wir erndteten in Hohenheim 1823 von etwas kleines mehr als ei» : nem Hektar, nach Kartoffeln, 44,2 Hektoliter. Dieſe gaben an ? Stroh„und Kaff 43,8 metriſche Centner. 1824 hatte der Em» | mer von dem Hagel gelitten. Wir erndteten danac das Mehl gab Brod 43,47 5 34,45/= Das Mehl vom Emmer kommt dem Mehl vom Einkorn an Güte nicht gleich, Das Stroh des Emmer iſt ſehr ſteif und. lugt daher nicht zur Fütterung. | Der Mais. ' Die Erndte des Mais erfolgt in ſüdlichen Gegenden Deutſch« ] lands zum Theik ſchox im Yuguß, gewöhnlich im September Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (362) und in den nördlichen Gegenden Ende Septembers oder Anfangs|> Octobers, Der in ungedüngtes Land geſäete Mais reift um 10 0 bis 14 Tage früher, als der in gut gedüngtes Land geſäete, Man| erkennt das Reifwerden des Mais, wenn die Desblätter der|;; Aehren anfangen, gelblich und tro>en zu werden, die Körner" glänzend und hart ſind und dem Dru> des Nagels nur wenig 5 nachgeben. Das Retfwerden der Kolben erfolgt nicht auf einmal, vi ſondern e8 werden immer von Zeit zu Zeit die ganz reifen Kols" v ben abgenommen. Das Veberreifen ſchadet den Maiskolben 9 nicht, ſie fallen nicht ab, und laſſen ihre Samenkörner nicht) fallen, ſondern die De&blätter werden vielmehr troden, ſteif, 0) ſtehen aus einander, und die Kolben tro>nen an der Luft und; Sonne um ſo beſſer aus. Man darf ſich daher mit der Maigerndte nicht übereilen, ſondern kann die heiterſten Tage wählen, Tritt w aber Kälte ein, ſo muß der Mais, er mag reif oder nicht reif v ſeyn, vom Felde gebracht werden, denn die Blätter welken vom 6 Froſt, erbleichen und die Körner ſchrumpfen ein. Es iſt dann! auf kein Reifwerden des noch unreifen Mais zu hoffen. d Da die Erndte, Zugutemachung und Aufbewahrung des Mais t weſentlich verſchieden von der Getreideerndte iſt, und dieſelbe, ehe ex Kaufmannswaare oder zum Gebrauch tauglich iſt, mander- ley ganz beſondere Operationen unterworfen werden muß, ſo wollen wir in der NReihefolge, wie dieſe Operationen auf einan- der folgen, das Nöthige erwähnen. Abbrechen der Kolben und Abbringen des Strohes, ' Die Kolben werden abgebrochen, und vorläufig auf den.|-! Acker in kleine Haufen zuſammengethan. Von dieſen werden ſie| in Körben auf Wagen getragen und nach Hauſe gefahren. Man; muß niemals mehr Kolben abbrechen und ma Hauſe fahren, als man noch an demſelben Abend oder den folgenden Vormitz+ tag entkleiden kann, welches die nächſte Operation iſt, der der Ä Mais unterworfen iſt. Burger führt in ſeiner Abhänd!ung! über den Mais S. 247 an: daß, um die Aehren von“einem[ öſtreichſchen Joch großen Maisa>er abzunehmen und auf die| Wagen zu tragen, 15 Weiber eine Tagarbeit haben, wobey er 12 bis 13 doppelſpännige Fuhren vom Joche rechnet. Die entkolbten Maisſtängel werden mit der Sichel ſo nahe als möglich vom Boden abgeſchnitten, in kleine Haufen zuſam mengelegt und dann mit Strohbändern in nicht zu große Ges bunde gebunden. Sollen ſie als Futter benupt werden, ſo wer- den immer 5 und 5 ſolcher Gebunde, aufrecht gegen einander ge- ſtellt, und ſo mehrere Wochen der freyen Luft ausgeſeßt, bis ſie trocken geworden ſind, wo ſie dann an einem heitern Tage ein- gefahren werden. Werden ſie bloß zu Streu benußt, ſo fährt man ſie an einem tro>nen Tage, wenn ſie nur von außen ziem: lich abgetro>net ſind, ein. Bevor ſie zum Einſtreuen gebraucht werden, werden ſie in 5bis 6 Zoll lange Stücke zerſchnitten. Das Entkleiden der Kolben. Die nächſte Operation, die mit den Maiskolven vorgenom men wird, iſt das Abnehmen der De>blätter der Kolben, wel:' blätter genommen und der Stumpf des Stieles des Kolben wird abgebrochen. Will man die Kolben durchs Aufhängen abtro&Enen ,' ſo werden die inner- ſten feinſten 3 oder 4 Blätter am Stiel gelaſſen, um mittelſt derſelben mehrere Aehren zuſammenzuknüpfen und Bündel zu bilden, die man auf Stangen oder Strike aufhängt. Wenn die lezte Art des Entfederns der Kolben Statt findet, ſo rechnet Burger im oben bemerkten Werke S. 248, das Zuſammenbin- den der Kolben mit eingerechnet, daß 40 Arbeiter einen Tag lang mit dieſer Arbeit mit dem Mais von einem Joch beſchäf- tigt ſind. Es können hierzu auch Kinder und ſchwächliche Per2 ſonen angewendet werden. Da die nicht entfederten Maiskolben, wenn ſie lange auf dem Haufen liegen, ſich leicht erhiden, und die De>blätter leicht faulen, wo dann die Körner ,einen- üblen Geſchma& annehmen, ſo muß das Entfedern bald möglichſt nach dem Einbringen vorgenommen werden. Man muß da noch an demſelben Abend alle Leute zu dieſer Arbeit anſiellen, und nie darf man das Entfedern länger, als höchſtens 24 Stunden lang anſtehen laſſen. Die abgenommenen De&blätter werden auf ei» nem luftigen Orte zum Tro>nen auggebreitet. Trod&nen der Kolben. Da ſowohl die Körner des Mais, als auch die Fruchtböden, worauf ſie ſiven, viel“ Feuchtigkeit enthalten und dieſe durch den gedrängten Stand der Körner an der Verdunſtung gehindert wird, die Körner von den feuchten Maiskolben aber ſchwer ab- zumachen ſind,- und die feucht abgemanet werden, als wenn ſie am Kolben tronen, ſo iſt es nöthig, die Maiskolben zu trocknen. Das Trocknen der Maiskolben geſchieht auf mandyerley Weiſe, Wir,„wollen hier in der Kürze darüber das anführen, was B ur- 347: in ſeiner Abhandlung über die Maiscultur S, 250 u. ſ. . ſagt. „Die gewöhnlichſte Art, die Maigähren zu tro&nen, iſt die, ſie in freyer Luft unter Obdach aufzuhängen und ſie tro>ner zu laſſen. Die MaiSsähren werden mit ihren feinſten, ihnen gehſſe- nen De&ydlättern, je nachdem dex Ort, den man ihnen zum Tro>nen anweiſen kann, dem Zutritt der Luft mehr oder weniz ger auggeſetßzt iſt, je zehn und zehn, oder auch nur je zwei und wey durch Bindfaden zuſammengebunden, und auf Stangen, 2atten: oder Strike, die man unter. dem Dache des Wohnhauz ſes, der Scheune, des Schüttbodens, oder unter dem Vors ſprunge des Daches und wo man ſonſt einen geeignete Platz bat, aufgehängt. Man muß dabey darauf achten, daß die zu- ſammengebundenen Maiskolben in nicht zu dichten Reiten und nicht zu dicht neben einander bängen- weil ſie bey ernangeln2 dem Zutritt der Luft leicht ſchimmlig werden und verderben. So zwe>mäßig und einfach dieſe Art auch iſt, ſo iſt ſie nur beym Anbau des Mais im Kleinen ausführbar, weil für große Maigquantitäten es an dem- erforderlichen Raume zum Aufs bängen fehlt. Obgleic) man dieſes Aufhängen der Maiskolben gern unmittelbar nach dem Entfedern vornimmt, ſo[- blätter vorüber iſt, Geſchwinder und auf die einfachſte Weiſe werden die Kol- ben getro&net, wenn man ſie von allen Deckblättern befreyet, auf einen luftigen Schüttboden einen halben Fuß hoch aufſenhäuſer, bringt. Derglei« enhaus bes ſtedt ganz aus Holz, iſt 12 Fuß hoch und drittehall Fuß breit. Di« Länge richtet ſich nach der Größe. der Erndte; und da dieſe alls jähilich bey einer gleichen Quantität der Maigausſaat'nicht gleich iſt, ſo legt man den Koſch für die möglichſt größte Erndte an, und fielli ihn ſo her, daß der Raum für die Maiskolben bey einer gez ringen Erndte verkürzt werden kann. Vier ſtarke, in den Boden feſt ängerammte Hauptpfoſten, welche unten rund und ganz glatt find, damit Mäuſe und Ratten nicht hinauf kriechen können, bilden die E>en des Troc>enhauſes. Nach der Länge"des Koſch Fommin noch mehr oder weniger gleiche Pfoſten. Die Pfoſten ſind Hen, in der Mitte und auch unten durch Riegel mit ein= ander yerbunden. Der auf den untern Riegeln ruhende Boden beſteht aus zwey Bretern, die, damit ſie ſich nicht biegen kön» nen, ſtik genug ſeyn müſſen. Dieſer Boden iſt der Ratten und Mäuſe wegen 3 bis 4 Fuß hoch über der Erde, und um denſel- ben den Zugang noch ſicherer zu verwehren, iſt um den Boden» rand des ganzen Gerüſtes eine Umfaſſung von abſtehenden Bret- enhaus muß auf einem freyen Plaße ſtehen, wo der Zugang der Winde dur) nichts gehindert wird. Die Stellung muß ſo ſeyn, daß die breiten Seiten dem ſtörtſten Luftzuge ent- gegen ſtehen. Wenn der Koſch. gefüllt wird, ſo ſtellt ſich ein Ar- beiter hinein,„und die Maiskolben werden ihm in Körben durch die untere Thür zugereicht, die er nach hinten zu trägt und von dort nach vorn aufſchüttet, Geht die Lage über die untere Thür, ſo wird dieſe verſchloſſen, und das Zureichen erfolgt durch die obere Thür, die endlich auenhaus aus Holz beſieht und nur wenig Eiſenwerk erfor: dert, ſo iſt es nicht koſtſpielig. Pebrigens räth Burger, daß, um den Mais zu jeder Zeit dreſchen zu können, was des häus- lichen Bedarfs wegen und oft in Abſicht auf den Geldertrag ſehr wichtig iſt, wenn beſondere Nachfrage Statt findet, es ſehr zwe» mäßig ſey, wenn man den Koſch in mehrere Abtheilyngen durch Latten abſondert, und um dieſe Abtheilungen füllen zu können, Thüren an der Längenſeite anbringt. Eine ſolche Abtheilung wird nun auf. einmal geleert und gedroſchen, und man nimmt die mittelſten Abtheilungen zuerſt.“ Man tro>net die ganz entblätterten Maiskolbet auch im Backofen, der zu dieſem Ende etwas ſtärker geheizt wird, als zum Brodbaen erforderlich iſt. Eine Stunde, nachdem die Mais: kolben darin gelegen haben, öffnet man den Ofen, wendet die Maiskolben mit einer eiſernen Schaufel, legt noch einige glü- hende Kohlen in den Ofen und verſchließt ibn. Nach einigen Stunden wiederholt man das Umſchaufeln, läßt den Ofen hierauf geſchloſſen und nimmt die Maiskolben, nachdem ſie 24 Stunden darin gelegen haben, heraus. Durch dieſes Dörren verliert zwar der Mais die Eigenſchaft, mit dem Zuſate von anderm Mehl, zu Brod verwendet werden zu können 3; ſein Mehl erhält aber dadurch einen beſonderen Wohlgeſchma>, und iſt bey der Koche- xey ganz vorzüglich. Uebrigens ſollen die von den Kolben bereiis äbgemachten Maiskörner nicht gut werden, wenn man ſe im Sfen dörret. Erndte u. Zugütemachung der Feldgewähſe. Mais. 223 224"Bau der Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (366) Abmachen der Körner von den Maiskolben, und Neinigen derſelben, Wenn die Maiskolben gehörig durchtro>knet ſind, ſo erfolgt das Abmachen der Körner. Man nimmt es gewöhnlich erſt beym Eintritt ſtarken Froſtes oder im Frühjahr vor. Die gewöhnlich: ſte Art, die Maiskolben zu entkörnen, iſt diejenige, wo ſie über ein Stück Eiſen von einer alten Senſe, oder Sichel, oder über eine Pferdeſtriegel, die quer über einem Bret feſtgemacht ſind, gerieben werden, wodurch die Körner vom Fruchtboden abſprine gen, und wenn nur einmal eine Oeffnung in den Reihen entſtan: den iſt, leicht und geſchwind ganz und gar weggedrü>t werden können. Schneller erfolgt das Abmachen der Körner durch das Dreſchen mit dem Dreſchflegel, und der gedroſchene Mais hat ein ſchöneres Anſehen, weil er keine zerriſſenen oder abgeſprenge ten Körner hat, die beym Abreiben nothwendig entſtehen müſſen. Darüber, wie lange der Mais getro>net haben müſſe, um gedro- ſchen werden zu können, ſagt Burger in ſeinem Werke über die Maiscultur S. 272, herrſchten ſehr falſche Begriffe. Gewöhn»- lich nehme man das Dreſchen erſt im nächſten Frübjahr oderx Sommer vor, und glaube, daß es unumgänglich nöthig ſey, ihn bis dahin tronen zu laſſen, um ihn abdreſchen zu können z es habe ihn jedoch die Erfahrung überzeugt, daß man das Dreſchen ſchon zwey Monate nach der Erndte vornehmen könne, ohne daß dadurch die Arbeit ſchwerer oder ſchlechter werde. Da Übrigens der Mais, wenn er vor dem Frühjahr gedroſchen wird, im Ins nern ſeiner Körner noh immer eine beträchtliche Quantität Waſ- ſer enthält, und daher dann, wenn er gedroſchen iſt, noch längere Zeit dünn auf luftigen Schüttboden aufgeſchüttet, und öfters ges wendet werden muß, wenn er nicht verderben ſoll, man aber im Winter die Schüttböden zum Aufſchütten des Getreides braucht, ſo wird es ohne beſonders große Schüttböden nicht angehen, den Mais im Winter in großen Quantitäten dreſchen zu laſſen, und der Hauptdruſch immer bis zum Frühjahr verbleiben- müſſen. Das Dreſchen ſelbſt geſchieht wie bey dem übrigen Getreide; nur darauf hat man zu achten, daß man nicht einzelnt Lagen der Maiskolben driſcht, weil ſonſt viele Körner, die zwiſchen der Dreſchtenne und dem Dreſchflegel dem ſtarken Dru nicht ausweis zuſammenmachen ,/ ſo daß die Kolben etwa vierfach über einander liegen, und ſtelle hierauf die Dreſcher oben und unten ſo an, daß ſie die Lage gemeinſchafts lich abdreſchen, und ſich gegenſeitig nicht irren. Man driſcht ſo lange, bis die oberſte Lage der Kolben faſt ganz entkörnert iſt,. worauf man, um zur untern zu gelangen und die abgelöſten Körs ner dem Schlage des Dreſchflegels zu entrüen, mit Heugabelt oder Rechen die Maisähren von der Mitte der Tenne weg in einen Winkel ſchiebt und die unterliegenden"Körner auf die Seite ſchaufelt, Iſt dieß geſchehen, ſo werden die Kolben wieder wie Erndte u. Zugutemachung der Feldgewächſe. Mais. 225 (367) d aof zuſammengebracht, und neuerdings ſo lange gedroſchen, is man obenauf die Kolben aller Körner entledigt ſieht. Jett zt| werdea die abgebroſchenen Körner wieder weggenommen, und m| die Aehrenlage, die immer kleiner wird, noch einmal durchdro- h: Den. wobey die Kolben ihrer wenigen Körner gänzlich entledigt ew werden.“ er Um den ausgedroſchenen Samen von den Markſtü>en der d,| Kolben und den Bälgen der Körner zu reinigen, ſiebt man ſie 1| zuerſt durch ein weiteres, dann ein dichteres Sieb, und läßt ſie m| zuleßt über die Getreidefege. Nach mehrjährigen Verſuchen ſagt n| Burger in ſeinem Werke über die Maiscultur S. 280, ſind vier 8| Dreſcher, die täglich 9x Stunde arbeiten, ſehr leicht im Stande, at| 23 Wiener Meten abzudreſchen und ganz rein am Abende in 9| die Sä>e zu bringen, worunter das Tragen der Aehren aus mw dem Koſch auf die Tenne, das Dreſchen, Reinigen und Auf- 0:| meſſen verſtanden wird. Wenn die Körner nach der zuerſt anges je| gebenen Weiſe ausgerüffelt werden, ſo ſind dieſelben Arbeiter w nur im Stande, die Hälfte des obigen Quantums an Körnern 7 und zu reinigen, " Aufbewahrung der Maiskörner. M“ Der im Ba&ofen getroFXnete Mais kann, ſobald er, nachdem ß er aus dem Ofen heraus iſt, nur ausgeſchwiht hat, ohne weiteres ns| in großen Haufen auf dem Schüttboden aufgeſchüttet'werden, m Derjenige Mais aber, der in Bündeln auf dem Schüttboden oder ſj: im Koſch getro>net worden, enthält nach dem Dreſchen noch eis we llge Feuchtigkeit, der im Winter gedroſchene mehr, als der im zu nächſten Frühjahr oder Sommer gedroſchene, und muß daher im längere oder kürzere Zeit dünn auf einem luftigen Schüttboden hv aufgeſchüttet und öfters umgerührt werden, bis er gehörig abgee en froänet iſt. Man darf den feuchten Mais nicht über einen hal: yd den Fuß hoch aufſchütten, muß ihn anfänglich alle Tage einmal, ww alle Wochen zweymal umſchaufeln, wenn er nicht dumpfig ur verden ſoll, und er braucht, bis er gehörig tro>en geworden iſt, vet bis acht Wochen und darüber. 1 vet„Sind die Maiskörner nun gehörig abgetrocknet, ſo werden a ſie in einen wohlverſchloſſenen kühlen Raum gebracht, und das nN, ſelbſt entweder wie das Getreide auf große Haufen geſchüttet, vet und von Zeit zu Zeit umgeſchaufelt, oder in Säen oder in Ka» (h ſten aufbewahrt. Man hält dafür, das die beſte Aufbewahrungss N art die ſey, wenn der Mais in Säce gefüllt iſt und die Säcke „in Reihen,. in einiger Entfernung von einander, ſo daß der Wind ſt durchſtreichen kann, aufgeſtellt werden, aber ſie iſt der vielen exs „m förderlichen Säcke wegen koſtſpielig, Ratten, Mäuſe und Inſece dit ten ſtellen dem Mais ganz außerordentlich nach z und da er, wenn wt einmal gehörig ausgetro>net iſt, weniger die in der Atmo- ( ſphäre enthaltene Feuchtigkeit anzieht, als anderes Getreide, ſo «4 ſind ihm die Inſecten ganz beſonders gefährlich. Man muß daher den Aufbewahrungsort des Mais nicht nur den Natten und Mäus ſen unzugänglich machen, ſondern man muß ihn auch höchſt 1. Anlich halten, und den Inſecten den Zugang durch ſorgfältiges 4.| Verſchließen der Thüren und Fenſter verwehren, Der Mais kann 1"! viele Jahre lang aufbewahrt werden. Uebrigens ſcheint es, daß der Mais ſich zur Aufbewahrung in unterirdiſchen Silos vergl. 226 Bau der Feldfrüchte, (363) Encyklopädie Band 2. S. 315.) ebenſo gut eignet, als anderes Getreide, und würde ſich dieſe Aufbewahrungsart bewähren, ſo wäre /ſie unſtreitig unter allen die zwe>mäßigſte, - Wenn der Mais, der ſich zeitig einſtellenden Kälte wegen, nicht völlig reif eingebracht worden iſt, ſo kann er nur dann auf- bewahrt werden, wenn es im Ofen getro>net worden, er hat aber einen geringen, Werth. Aw? beſten verwendet man dieſen unreifen Mais, wenn man ihn, ſo wie man ihn theilweiſe vom Felde einbringt, mit einein Stompfmeſſer. zerſtößt und verfüttert, Was nicht verfüttert werden kann, wird-im Ofen. getroänet. 9. Abſchn. Sept, Extras. Burger giebt in ſeinen Werke über die Maiscultur S. 290, als den höchſten Extrag, den er quf ſeinen Ländern producirte, zu 67 Wiener Metzen Maisköxner vom öſtreichiſchen Joch an, bemerkt aber dabey, daß man bey einer ganz vorzüglichen Cultur noh mehr erndie. Schwerz giebt in ſeinex Anleitung zum praktiſchen AFerbau Band 2. S, 307, den' Durchſchnittgertrag von mehrern Ländern, zu 41 Hektoliter vom Hektar an, Veber den Strohertrag des Mais, ſv wie über den Ertrag der De&blätter der Kolben und des Marts derſelben giebt B ure ger in ſeinem erwähnten Werke S, 296 folgende zwey Angaben. Ein Acker, wo der Mais auf 22 Zoll gedrillt war, gab von öſtreichiſchen Joch an tro&nen Stängeln 6400, an troänen Dek>e blättern 356, an trocknem Mark von den Kolben 1562, iy Summa 8818 Wiener Pfund. Ein anderer auf 24 Zoll gedrillter Maißs a&er gab an tro>nen Stängeln 5575, an trocknen Deblättern 643, an tro>nem Mark ver Kolben 1187, in Summa 7405 Wiettex Pfund. Rechnet man hierzu, was man an Blütbenſtängeln und Schoſſen während der Vegetation des Mais abnimmt, ſo ergiebt ſich ein ſehr überwiegender Ertrag von Stroh gegen die andern Getreidearten, ſelbſt in dem Falle, wenn man obige Angaben, als etwas zu hoch, modificirt, Bemerkungen über den Maisbau, Der Geldwerth des Mais iſt in Deutſchland ſchwankender, als der einer Getreideart, da ſein Verbrauch zur menſchlichen Nahrung ſelbſt im ſüdlichen Deutſchland, wo er häufiger, als im nördlichen gebaut wird, nicht ſehr ausgebreitet iſt. Wir haben zwar noch keine genauenen Jahren um die Mitte des Auguſts, auch wohl früher, die ſpät geſäeten erſt im September, in naſſen Jahren oft erſt gegen Ende dieſes Mo: nats zur Reife. Je ſpäter die Erndte eintritt, um ſv ſchwieriger iſt bey der feuchten Herbſtwitterung die AbtroXnung des Erbſen- ſirohes, und ſie kann dann öfters nur mit dem Verluſt des größten Theils der Körner beweriſtelligt werden. Das Abbri.igen der Erbſen kann, da ſich ihre Ranken in ein: ander verwickeln, nicht mit der gewöhnlichen Getreideſenſe erfol: gen, ſondern man bedient ſich gewöhnlich der Gragſenſe dazu; Man bringt ſie auch mit der großen Hauſichel ab, und das bey der Erndte(Encyklopädie Bd, VI]. S. 300) erwähnte, in manchen Gegenden gebräuchliche Sieget eignet ſich ſehr gut zum Abbrin- gen der Erbſen, Es iſt bey dein Abbringen darauf zu achten, daß die ſehr in einander gerankten Erbſen nicht gewaltſam aus- einander geriſſen werden, weil ſich ſonſt die Schoten ſtark reiben und vffnen; 2. Iſt die Witterung troFen, ſo macht das-Äbtro>nen keine Schwierigkeit, Man läßt die Erbſen erſt auf den Schwaden überwelken, bringt dann eine gewiſſe Anzahl von Schwaden in Zeilen, läßt ſie in dieſen Zeilen völlig abtrocknen, und ladet ſie zleich von dieſen Zeilen weg. Iſt die Witterung ſehr troen, ſo bringt man ſie, üm das Aufjpringen der Schoten zu verhin- dern, nur des Morgens und des Abends imi Thau ein. Iſt die Witterung bey der Exndte ſchlecht, ſo macht das Abtro&nen viels Schwierigkeiten. Wenn Negen und Sonnenſchein häufig abwech= ſeln, ſo plaen die Schoten auf, die Körner fallen aus und man wndtet vft nur Stroß vhne Körner, beſonders dann, wenn man ſit auf den Schwadet liegen läßt und durch häufiges Wendett IX; 24 Erudte u. Zugutemachtng der Feldgewächſe, Erbſen. 997 223 Bau der Feldfrüchte. 9, Abſchn. Sept. (370) tro>en zu machen ſucht. Thaer ſagt im 4, Bonde der ratio-% nellen Landwirthſchaft S. 118.„„I< bäbe bey ſolcher Witterung ſche es immer am rathſamſten gefunden, die Erbſen, nachdem ſie nur 8 etwas abgewelkt waren, gleich in große Haufen bringen zu laſſen, a die may bey fortdauerndem Regen mit dem Harkenſtiele nur aufs= neh ſto>ert, übrigens aber ſtehen läßt, bis ſie tro&en genug ſind, Bat Zwar leidet das Stroh dabey etwas„ j2doch nicht ſo ſehr, als u man beſorgen möchte, und einen Ausfall der Körner, ſo wie den Abfall der Blätter, verhütet man faſt gänzlich. Um das Land bald umpflügen zu können, muß man die Haufen auf mg» lichſt ſchmale Streifen zuſammenbringen, damit man dazwiſchen wir! durcmäßiger Cultur kann im Durchz||"m ſchnitt auf 14 Wiener Meten vom öſtreichſchen, Joch angenom Cm men werden. Der Durchſchnittsertrag an Erbſen während der Jahre 1804-- 1807 war bey mir 18,7 Metzen, zu Kreug in Kärn- Ihen in einem dreyjährigen Durchſchnitt 14 Meten, zu Bleyburg 8 Meten vom Joh.“ In Oberſchleſien war der 5jährige Durch- ſchnittsertrag nicht höher, als 4 Berliner Scheffel vom Maade- burger Morgen. Die Ervſen in friſchen Miſt geſäet, waren ſtets 1 üppig im Stroh, blühten aber bis zur Erndte. Auf den beſten zu Erbſen geeigneten Ye&ern in der Umgegend von Dresden ernd-|+ 8% man im Durchſchnitt 10 Berliner Scheffel vom Magdeburger ad Morgen. Der höchſte mr angegebene Ertrag war von den grüz nen Erbſen 21 Scheffel vom Magdeburger Morgen. Man nimmt hier an, daß in 6 Jahren eine gute, 4 mittlere, und 2 ſchlechte Erndten Statt finden, Ein Berliner Scheffel vollkommen gereinigter, zum Verkauf gebrachter grüner Erbſen wog 1827 963 Pfund, Der Scheffel"ww xloiner weißer, vollkommen gereinigter, zum Verkauf, gebrachter Ervſen wog im Jahre 1828 88 Pfund. Vit Der Stroherrrag der Erbſen iſt weniger ſchwankend, als der Dv Körnerertrag, beſonders im mehr feuchten Boden und bey fri- iü 2 => Erndte, u. Zugutemachung der Feldgewächſe, Erbſen. 229 (370 ſcher Düngung 3 aber groß iſt der Unterſchied ita Strohertrage 1ß in verſchiedenen Boden und in verſchiedenen Gegenden. Ein ur Verhältniß zwiſchen Stroh- und Körnerertrag läßt ſich nicht an: Ny nehmen. Thaer nimmt in ſeiner rationellen Landwirthſchaft ſz Band 4, S. 119, den Durchſchnittsertrag an Stroh vom Magde- burger Morgen, wenn nicht ein äußerſt dürres Jahr das Wachs«- 18 bum der Erbſen ſtört, in gutem Boden, zwiſchen 12 bis 16 en Centner an. y-. Burger ſagt im zweyten Bande ſeines Lehrbuchs der Lande n wirthſchaft S, 77, daß der Strohertrag bey zwe&>mäßiger Cultur de und in guter Lage zwiſchen 30 bis 40 Centner vom öſtreichſchen it, Jod) betrage. uß Schwerz ſagt im 2, Bande ſeiner Anleitung zum prakti» an ſchen AFerbau S, 21:„Erbſen und Wien mögen bey einem uf| trefflichen Stande wohl nicht mehr als 4000 Kilvgramm an Strob vom Hektar geben. Nehmen wir als geringen Ertrag 2000 Kis» logramm, ſo würde das Medium des Strohertrages ſich auf 3000 Kilogramm belaufen. » er: rankig wurden und bis zur Erndte blühten, wurden von in h, friſche Düngung geſäeter Erbſen gewöhnlich 1x vierſpännige Fuh- Ww| ren vom Magdeburger Morgen geerndtet, und eine ſolche Fubre ew| mochte etwa an Stroh 15 Schleſiſche Centner enthalten, mithin 19:|| vom Morgen 223 Centner, oder 233 Berliner Centner. Von ag: 1 ungedüngten Erbſen wurde nur die Hälfte obiger Quantität ge: an:| rechnet, 6 In der Umgegend von Dresden, wo die Erbſen ziemlich gleiche eh: mäßig reifen, und daher, wenn ſie gehauen werden, eine be- trächtliche Anzahl an Blättern bereits verloren haben, kann man ew| von gedüngten Erbſen vom Magdeburger Morgen 20 Berliner <: Centner, von ungedüngten Erbſen 15-Centner Stroh rechnen, fit ws Bemerkungen über den Erbſenbau,. 4" Die Erbſen enthalten nach Erbſen. Demnach wäre der ganze Ertrag eines Hektars Erbſen Ww gleich 203 Hektoliter Körner. Vergleichen wir ferner den Total- Gl werth eines Erbſena>ers mit dem eines Getreidea>ers, ſo finden dc wir im Durchſchnitt, daß der Werth eines Akers ſich verhalte:| 6 zu einem Aker Weizen wie 70 zu 100" Ee== Rvg ei.41825,5 2100 hi SER 770= NT(Gerſte 0403 555000 3 SEE NIE 4-4. S9 1 FED+ 355114.== 14.004 Ww Demnach ſteht der Ertrag eines Erbſena>ers um 24, Procent un- n ter dem Werth eines Wintergetreidea>ers, und um, 83 Procent n über dem des Sommergetreides, Letzteres gilt als Beweis, daß nichts dabey verlvren wird, wenn der Landwirth ſtatt Gerſte und Hafer auf paſſendem Boden Erbſen ins Sommerfeld nimmt,“ Die Buffbohne. Die Buffbohnen reifen nicht zu gleicher Zeitz man bringt ſie N aber ab, wenn der Haupttheil ihrer Schoten ſchwarz wird, und y wartet nicht auf die Reifung der ſpät angeſebten, die im Stroh Erndte u. Zugutemac<ßung der Feldgewächſe. Buffbohnen. 231 (373) nachreifen. Erndtet man die Bohnen, ehe ihre Samen die Tod» ; reife erlangt haben, ſo geben ſie ein weißeres, zur Beymiſchung im Brode geeigneteres Mehl,-Die"Erndte der Bohnen trifft in dem September 3 im nördlichen Deutſchland gelangen ſie oft erſt Anfangs Octobers zur Reife, Sind die Bohnen breitwürfig ge- ſäet, ſo kann man ſie mit der Senſe mähen, und ſie werden dann angehauen und abgerafft. Die gedrillten Bohnen, beſon- ders wenn ſie hoch angepflügt ſind, werden mit der Sichel ge- ſchnitten. Man zieht die Bohnenſtängel auch mit der Hand aus, was jedoch im erhärteten bindigen Boden eine ſchwierige Arbeit iſt. Die abgebrachten Bohnen werden in einigen Gegenden ſo» gleich in kleine Garben gebunden, und dieſe zu fünf bis ſieben gegen einander aufgeſest. Trifft man nicht tro&nes und warmes ) Ergzdtewetter, ſo dauert es oft ſehr lange, bevor das Stroh völ: j lig austro&net. Manche glauben, dieß zu befördern, wenn ſie die Bohnenbündel umgekehrt mit den Äbyfen auf die, Erde ſe- , hen, Da es für die nachfolgende Frucht von Wichtigkeit iſt, daß j der Bohnenac>er, va!d umgepſlügt wird, ſo bringt man zuweilen die Bohnen auf einen andern Plat, wo ſie gehörig abtro>nen können. Jn andern Gegenden läßt man die abgebrachten Boh- nen erſt einige Tage in den Gelegen welken, ehe man ſie auf- bindet, oder man Eent 3 bis 4 Gelege gegen einander, entfernt ſie.mit ihren Sturzelenden, ſo daß ſie einen hohlen Kegel bilden, der oben mit einem Strohhalm umwunden wird, und läßt ſie pr t UIID Cog Bn Da 3 7. 7735 SEREN. ſo tro&nen, worauf ſie gebunden und eingefahren werden. | / / Ertrag. / Die breitwürfig geſäeten Bohnen geben einen geringern und unſichrern“Ertrag, als die in Reihen geſäeten. Thaer ſagt im ; 4, Bande ſeiner rationellen Landwirtbſchaft S. 126:„„Von ge=- : drillten Bohnen auf angemeſſenem Boden kann man 10--12 Ber- ; liner Scheffel vom Magdeburger Morgen erwarten, Burger ) ſagt im 2. Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 81: ;„Wenn die Bohnen in einem bindigen, wohl gedlngten Boden ! cultivirt werden, ſo iſt ihr Durchſchnittserträgniß bey der breit- ! würfigen Saat 20, und wenn ſie beha>t und behäuft werden, | 30 Wiener Metzen vom öÖſtreichſcen den Körnerertrag etwas höher, als von den Erbſen an. In Oberſchleſien und auch in der Umgegend von Dresden, im bin- digen Boden, gerathen die Wien alle Jabre ſicherer, als die Erbſen. Der Berliner Scheffel Wi>en wiegt gegen 100 Berli- ner Pfund. Den Strohertrag nimmt Thaer am angeführten Orte, einſchließlich des Kaffs, vom Magdeburger Morgen zu Bau dex Feldfrüchte, 9. Abſten, als Erb- ſen, etwas über 15 Centner Stroh enthalten, mithin vom Mora gen etwas über 233 Berliner Centner. In. der Umgegend von Dresden, wo die Wien gleichmäßig reifen und das Wicenfeld nicht eher gebauen wird, als bis es ein ſchwarzes Anſehen hat, wo mithin ein großer Theil der Blätter abgefallen iſt, nimmt man den Strohertrag von den Wicken etwas geringer an, als von den Erbſen. Bemerkungen über den WiFenbau,. Die Wien ſind kein Marktartikel, und kommen nur dann in den Handel, wenn ſie zur Saat gebraucht werden, wo ſich aber ihr Preis ſehr verſchieden beſtimmt. An nahrungsfähigen Theilen ſtehen die Körner der Wicken den Erbſen wohl um einige Procente nach 3 dafür iſt aber das Stroh nahrhafter, als das Erbſenſtroh; In einem mehr feuchten, bindigen Boden und im mehr feuchten Clima, wird man wohl von den Wien im Durchſchnitt ſtets einen höhern Ertrag an nahrungsfähigen Sub- ſtanzen erhalten, als von den Erbſen 3; wogegen im trocknern leichten Boden und im tro&Xnern Elima der umgetehrte Fall Statt finden wird, Es würden demnach, wenn man die größte Maſſe thieriſcher Nahrungsthbeile erzielen wollte, die Wi>Xen in jenem Boden und Clima, die Erbſen in dieſem Boden den Vorzug verdienen. Da jedoch die Erbſen, da ſie eine beliebte Nahrung der Menſchen ſind, wozu die Wien nur ſelten und nur im Nothfalle verwendet werben, einen höhern Geldwerth behaupten, als die Wien, ſo werden in Hinſicht des Geldertrags. in den meiſten Verhältniſſen. die letztern den erſtern nachſtehen, Bey einem gleichen Stro)- und Körnerertrage erſchöpfen die Wicken den Boden noch etroas weniger, als die Erbſen, Die Liwſie: Der Zeitpunct der Linſenerndte muß ſehr wahrgenommen werden. Wenn die Schoten anfangen bräunlich zu werden, ſo muß die Erndte der Linſen erfolgen, ſollte auch das Stroh noch grün ſeyn, indem ſonſt die Schoten aufplaben und die Körner herausfallen. Sie werden geſchnitten, häufig aber auc) gerauft. Haben ſie ein paar Tage gelegen, ſo müſſen ſie. ſofort einge- bracht und gedroſchen werden, und das Stroh muß nach dem Druſche noch getro>net werden. Ganz vorzüglich muß man zur Linſenerndte gutes Wetter wahrnehmen; denn beregnen ſie, und es folgt darauf ſtarker Sonnenſchein, ſo bleiben die ſämmtlichen Körner auf dem Felde. Sind die Schoten bereits braun und man vermuthet ſchlechtes Wetter, ſo muß man mit dem Abbrin- gen eilen, fie in lo>erxe Gebunde binden und die Gebunde (377) die Sturzelenden aufſtellen, und ſobald ſie übertro>net ſind, ein» bringen. Gewöhnlich erfolgt ihre Erndte im Auguſt. Ertrag. Die Linſen geben nam Thaer rationeller Landwirthſchaft Band 4. S. 121, auf gehörigem Boden und bey gehöriger Be- handlung einen Ertrag, von 8 bis 10 Berliner Scheffeln vom Magdeburger Morgen. Burger führt im zweyten Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 85' an, daß er in einem leich: ten Boden im 4ten bis 5ten Jahre nach der Düngung vom öſtreichſchen Joch 10 bis 16 Wiener Metzen geerndtet habe. „ I< habe: mich in der Umgegend von Dre8den nach dem Körnerertrage der Linſen erkundigt; da dieſelben aber hier nur ſelten und nur in kleinen Quantitäten erbaut werden, ſo konnte ich weiter keine andere Auskunft erhalten, als daß ſie einen höhern Körnerertrag geben, als Erbſen und Wien. An Stroh liefern die Linſen nach Burger, om oben bemerkt: ten Orte, die Hälfte deſſen, was die Wien gegeben haben würden. „Von zweyjährigen, gehörig gereinigten kleinen Linſen, wie ſie in Dresden zum Verkauf gebracht werden, wog der Berliner Scheffel 93 Pfund,.; Bemerkungen über den Linſenbau. Die Linſen ſind ſehr nahrhaft. Sie enthalten nach Einbof an Stärke und Faſern=--- 0,335. -- Kleber---- 0,320. - Schleim-=-- 0,085. =- Hülſen=== 011% == Feuchtigkeit--/<=--- 0,150, Ihr Seldwerth iſt ſehr ſchwankend, manchmal über, manch» mal unter dem Weizen, je nachdem ſie gerathen ſind, Die Lin- ſen wären bey ihrem nicht unbeträchtlichen Geldertrag, bey einem reichlichen Körnergewinn, und da ihr Stroh ein ſo vorzügliches Futter iſt, eine allgemein ſehr empfeblenswerthe Frucht zum Anbau im Großen, wenn nicht die Umſtände. Statt fänden, daß ſie von vielen Bodenarten nicht weich kohen, und nur in ge- ringen Quantitäten abgeſetzt werden können. Allein Behufs der Wirthſchaftsconſumtion ſollten ſie in jeder Wirthbſchaft erbaut werden, wo ſie die Eigenſchaft haben, daß ſie weich kochen z denn ſie geben bey Speiſung des Geſindes eine demſelben ſehr angenehme Abwechslung, „Da die Linſe eine-kleine Pflanze iſt, und im Verhältniß zu ihrem Körnerertrage ein geringeres Blattorgan, als die Erbſe und Wie hat, ſo iſt wohl anzunehmen, daß ſie den Boden auch verhältnißmäßig mehr erſchöpft. Die Feldphaſeole. Richt alle Schoten der Feldphaſeolen reifen zu gleicher Zeit, und da ſie, ſo wie die andern Hülſenfrüchte, die üble Eigenſchaft baben, daß- die reifen Schoten leicht aufplaßen und die Körner fallen laſſen, ſo muß man die Erndte dann beginnen, wenn der Erndte u, Zugukemachung d. Feldgewächſe, Feldphaſeolen. 235 236 Bau dex Feldfrüchte. 9. Abſchn. Sept. (378) größte Theil und beſonders der zuerſt angeſehten Schoten reif" iſt. Ein Zeichen der Reife iſt, wenn die Schoten anfangen auf 7 dem StoFXe dürre zu werden. Sie werden dann im Thau geſchnit-€ ten oder gerauft, ein paar Tage liegen gelaſſen, und wenn ſie bi et troden ſind, gebunden oder ungebunden auf einem mit einem Tuch überzogenen Wagen eingebracht. Selten kann man ſie m unmittelbar nach dein Einbringen vreſchen, und, man bringt fie b daher auf einige Wochen auf einen luftigen Boden oder Über die ei Dreſchtenne, oder auf irgend ein Stangenwerk, jedoch ſy, daß| 9 die ausfallenden Bohnen nicht verloren gehen, Die Erndte folgt li gewöhnlich im Auguſt.[1] 0 Ertrag und Bemerkungen über den Feldypha“ n" ſeolenbau. Der Ertrag der Feldphaſeolen iſt nicht unbeträchtlich. Bur- ger bemerkt im 2. Bande ſeines Lebrvuchs der Landwirthſchaft S. 86, daß er von'ihnen als Zwiſchenfrucht im Durchſchnitt mehrerer Jahre 9 Wiener Metzen vom öſtreichſchen Joc< erhal- ten habe. Jn Bleyburg babe man 3 Jahre nacheinander Phaſeo2 len allein in 18 zolligen Reihen auf ſehr mäßig gedüngtem Felde eultivirt, und 15, 193 und 65 Metzen vom Joch erhalten. Schwer z bemerkt in ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>erbäu- S.' 375 „Wo die Phaſeolen für ſich allein gebaut werden, exndtet“ man im Elſaß im Durc<ſchnitt 29 Hektoliter vom Hektar, und'Rhy-Exr= trag ſteigt mancmäßiger ſeyn. Sie in großer Aüsdeh- nung zu bauen, iſt nicht räthlich, da ſie, außer im der Näbe von Seeſtädten, wo ſie Behufs der Beköſtigung-der Schiſſsmann- ſchaft geſucht werden, nur in kleinen Quantitäten Abſaß finden. -=C+»--.--=m„> 270 vwve 420 iu 274 Handelsgewächſe. Fabrikpflanzen. Hanf. Erndte des Hanfs und Gewinnung der Satnen. Der männliche Hanf reift bald nachher, nachdem er die weiblichen Blüthen befruchtet hatz der weibliche Hanf muß erſt die Samen vollſtändig ausbilden, und reift daher um 3 bis 4 Wochen ſpäter. Die Erndte des männlichen Hanfs nennt man das Fim» wpieln 3; es erfolgt gewöhnlich in dem erſten, Theile des Auguſts. Man exkennt die Reife des männlichen Hanfs daran, wenn" er oben an den Spipen gelb und unten am Stängel weiß zu (379) werden anfängt. In dieſem Zuſtande geerndtet, giebt er jedoch kein feines Baſt, die Faſern hängen feſt an dem Marke des Stängels und löſen ſich nicht ohne großen Verluſt von demſel- ben ab. Da der männliche Hanfſtängel aber das feinſte Baſt enthält, wenn er vor vollendeter Reife geerndtet wird, ſo muß man ihn, wenn man hauptſächlich die Gewinnung ſeines Baſtes beabſichtigt, früher und zwar dann, wenn die Stängel noch ein grünliches Anſehn haben, erndten. Nach der Rechnung der Niederländer de>t der vor vollendeter Reife g2wonnene männ- liche Hanf durch. ſein feines Baſt die Koſten alley Arbeit. Ge» wöhnlich wird der männliche Hanf dann geerndtet, wenn er ab-= geſtäubt, und die weiblichen Blüthen befrüchtet hat. Das Fima2 meln iſt eine mühevolle Arbeit: denn jeder männliche Hanfſtän- gel muß einzeln und behutſam ausgezogen werden, damit man dem weiblichen Hanf keinen Schaden zufügt, welcher zu dieſer Zeit nicht viel über die Hälfte oder zwey Drittel ſeiner Höhe erreicht hat. Die ausgezogenen Stängel werden, wo möglich von gleicher Größe ,- handvollweiſe hingelegt, um zu tronen, und' zwar ſo, daß die Wurzeln neben einander ſind., In man-« en werden.' Nad erfolgter gehöriger Abtro&nung werden die Stängel in größere Gebunde gebunden und zum Röſten gebracht. Nachdem nun der männliche Hanf herausgezogen iſt, hat der weibliche Hanf um ſo mehr Raum, vollkommen auszu- wachſen, und der durch das Augsraufen des männlichen Hanfes geloFerte Boden befördert zugleich ſein Wachsihum, Er wird gewöhnlich, ſobald die Samen reif ſind, gerauft, oder auch in manchen Gegenden mit der Sichel geſchnitten. Wird der weib- liche Hanf erſt dann geerndtet, wenn die Samen völlig reif ſind, ſo wird das Baſt grob', die Gewinnung des Baſtes er2 ſchwert, und es erfolgt dabey viel Abgang 3; es iſt daher anzu2 rathen, die völlige Reifung der Hanfſamen, außer den zum Samen beſtimmten, nicht abzuwarten, indem man durch das beſſere Baſt mehr gewinnt, als man durch die nicht völlig rei- fen Samen verliert, Die nicht völlig reifen Samen können zum Delſchlagen und zu Vogelfutter verwendet werden. Der abge- brachte weibliche Hanf wird in kleine Gebunde lo>er gebunden, und dieſe Gebündcnen. Da die Bögel dem Hanfſamen ſebr nachſtellen, ſo muß man jeden dieſer Haufen mit einer Strohkappe bede>en. Iſt der Hanf in dieſen Haufen gehörig troFen geworden, bey gutem Wetter in 10-- 14 Tagen, ſo wird er eingebracht, E Der Same wird durchs Dreſchen, oder auf andere Weiſe ausgebracht. Da jedoch die ſpröde und leicht zerbrechliche Scha- le des Hanfſamens leicht Schaden leidet und die Körner in man= mäßigſien, die Saa men, ſo wie beym Flachs angegeben worden, abzurüffeln. Man kämmt die Samen auch mit einem beſondern Kamme ah, Der Erndte u, Zugütemacen ſchwebend aufgehangen. Nachdem die Samen von den Stängeln abgebracht ſind, kom: men die levtern zum Röſten. In einigen Gegenden und ſelbſt im Elſaß iſt es gebräuch» lich, den Hanf nicht zu fimmeln, ſondern man zieht den weibli» er erhalten 137.007? im Jahre 1817-- 663 Pfund ohne Samen, 14€ 1818== 8870ner Witterung die reifen Früchte ab, legt ſie an einem luftigen Orte im Schatten auf Strohhorden oder Netze und läßt ſie vollends aufſpringen, wo dann die darin befindliche Seide ihre vollkommene Reife und Elaſticität erlangt. Die rechte Reife der Seide erkennt man an der Weiße, Feſtigkeit, Weiche und dem Glanze der Faſern. Verabſäumt man den richtigen Zeitpunct ver Reife, ſo fliegt der gefiederte Samen davon, und die Seide wird leicht durch Regen verdorben. Iſt ſie nicht ganz reif, ſo iſt ſie ſteif, hart und kraus anzufühlen, hat keinen bez ſonderen Glanz und fällt etwas ins Gelbliche. Da die Früchte nicht auf einmal reifen: ſo geht das Abſchneiden mit vorrüen«- der Reife nach und nach vor ſich. Wenn die Hülſen gehörig tro- &en ſind, ſo. wird die Seide herausgenommen, vom Samen ge- reinigt-und an tro&nen Orten oder in Säen, die in der Sonne aufgehängt werden, aufbewahrt, wobey jedoch noch ein wieder- holtes Auflo>ern nothwendig iſt. Die Stängel werden mit der Sichel geſchnitten/ getro>net und wie Hanf behandelt; doch iſt man der Meinung, daß das Röſten nicht erforderlich ſey. Ertrag und Bemerkungen über den Seidenbäu, Man rechnet den gewöhnlichen Ertrag zu 110 Pfund Seide vom Magdeburger Morgen. Den Ertrag des Baſtes von den Stängeln rechnet man halb ſo hoch, als der vom Hanf. Da die Früchte ihre Neife erlangen müſſen, ſo iſt das Baſt ſtark und nur zu grober Arbeit anwendbar. Man bat die Stängel au zur Fertigung des Papiers verwendet. Wäre der Gebrauch der Seide allgemeiner, ſo daß der Abſaz und mithin auch ein vet- hältnißmäßiger Preis geſichert wäre, ſo würde die Seidenpflanze ein des Anbaues ſehr verlohnendes Gewächs ſeyn 3; unter den ge- genwärtigen Verhältniſſen muß man ſich erſt den-Abſaß geſichert haben, ehe man zu ihrem Anbau ſchreitet. Bey dem beträcht: lichen Ertrage an Seide, könnte der Preis bedeutend niedriger geſtellt werden, als der der Baumwolte, um einen verhältüiß: mäßigen Gewinn zu erreichen. Erndte u, Zugutemachung d. Feldgewächſe. Seidenpflanze. 239 Bau der Feldfrüchte, 9. Abſ zuſammenmengen, woraus dann das ſogenannte Halbgut entſteht. Mengt man ſie mit dem Obergut zuſammen, ſo verſchlechtert man vieſes, verliert im Ganzen an Werth, und dieß und die Untermengung des Geizes iſt häufig. ein Hauptgrund, daß die inländiſchen Tabake nur zu ſchlechten Sorten verwendet werden. Das Abblatten dieſer beiden Arten muß mit großer Vorſicht geſchehen, damit den andern Blättern kein Schaden zugefügt wird, und darf nur an warmen Tagen in den Mittagsſtunden vorgenommen werden, wo die Blätter welk ſind. Die Blätter dieſer beiven Arten werden gleich nach. dem Abblatten vom Felde geſchafft und entweder auf einer Scheunentenne, oder ſonſt eie nem von der Sonne nicht beſchienenen, etwas feuchten Orte,“in handhohen Paketen neben einander gelegt, woſelbſt man“ ſie jv lange liegen läßt, bis ſie tüchtig ſchwiten und die meiſten Blätter beynahe völlig braun oder'gelb geworden ſind, welches zu ihrer Verbeſſerung und Süte ungemein viel beyträgt. Hier- bey muß man aver beachten, daß vie Blätter nicht zu lange in der Fermentation, bey warmer Witterung 6 bis 10 Tage, bey kühler Witterung länger liegen bleiben, weil ſie ſonſt leicht faulen. Die Zeitigung der andern Blätter erfolgt im Anfange bis zur Mitte Septembers, oft auch noh ſpäter, wo aber die Gefahr vorhanden iſt, daß ſie vom Froſt verderben. Die Kennzeichen, daß die Blätter reif ſind, ſind folgende: die untere Seite des Blattes befommt eine Erbsfarbe, und hält man es gegen die Sonne, ſo laſſen ſich in demſelben rötbliche, orangengelbe Flez Fen wahrnehmen. Die Flechſe in den Rippen wird weiß, und beym Bruche ſpringt ein Stückchen davon hervor. Die Spiten der Blätter ſtehen nicht mehr gerade in die Höhe, ſondern neiz gen ſich gegen die Erde herab, ſo wie die Blätter ſelbſt endlich klebrig und zäh werden, und ſich mit leichter Mühe vom Stän- gel löſen laſſen. Es iſt von Wichtigkeit, die gehörige Reife der Blätter wahrzunehmen. Wird das Abblatten zu früh begonnen, ſo behalten die Blätter eine grüne Farbe, die auch nach der Ferz mentation noch bemerklich bleibt, und werden von ſchlechter Quas lität, beſonders faulen ſie leicht. Wenn die Blätter überreif ſind, ſo verlieren ſie von ihrer natürlichen Fettigkeit und ihrem Geru- a! E H 31 nN E n d Zum+ Ess Abe SÜBZZzH Ex BZ 223. 2BP 2 DS WBW eWwWilt pxr 0er 735 0 0 2% WD SW ol= 72 2/3 (3383) - „net iſt, und hört vor dem am Abend einfallenden Thäu auf. Es wird von oven hberabgevblatter, und man bricht die Blätter mit den Stielen dicht am Stängel ab, beobachtet aber dabey ſorgfältig, daß die Bläter nicht gekniXt und zerriſſen werden. Die abgeblatteten Blatter werden Spitze auf Spiße und Strunk auf Strunk gleichmäßig auf einander in kleine Häufchen gelegt. Ehe der Thau des Abends beginnt, pa>t man die einzelnen Häufchen, die unterdeſſen in der Sonne etwas abgewelkt haben, zuſammen, bindet ſie in Bunde, wozu man ſich Schilfbänder oder Gurte von grobem Werg vedient, und fährt ſie nach Hauſe. Strohbänder verunreinigen den Tabak. Auch bey dieſer Arbeit muß man darauf achten, daß die Blätter nicht beſchädigt wer- den. Die Blätter von den kleinen unvollkommenen, nachgepflanz- ten Pflanzen müſſen beſonders geſammelt werden, weil ſie die Qualität des Tabaks verſchlechtern. Veber das Tro&>nen der Blätter und ihre Behandlung bis zum Verkauf werden wir, um den Inhalt dieſes Bandes nicht zu ſehr auszudehnen, in der Folge handeln, Die Kardendiſtel, Wenn. die»in einem Kranze ſic um den Samenkopf zeigende Blüthe„ſich; ganz unten nach dem Stängel gezogen hat, dann iſt dev« rechte Zeitpunct der Erndte. Läßt man ſie länger ſtehen, ſo kaufen ſie die Fabricanten nicht gern, weil dann die Stacheln zu ſteif und holzig werden und leicht abbrechen. Nicht alle Sa- menköyie gelangen zugleich zur Erndte, ſondern dieſe dauert 8-- 14 Tage, wo man dann ſorgfältig nachſehen muß, daß ſie nicht überſiändig werden, Die reifen Karden werden mit einem 4--6 Zoll langen Stiel abgeſchnitten, auf einem luftigen Bo- den dünn aufgeſchüttet, mehrmals gewendet, und wenn ſie tro- &>en ſind, auf einem Haufen zuſammengeſchichtet. Man bindet auch die abgeſchnittenen Karden in Bündel, hängt ſie auf und läßt ſie ſo rro>nen. Wenn man in. der Mitte der Blüthenzeit den Stängel auf dem Puncte, wo er abgeſchnitten werden ſoll, kni>t, und nachher erſt die Karden abſchneidet, ſo ſollen dieſel: ben an Stärke vnd Elaſticität des Gehäkes ſehr gewinnen und dann im Preiſe höher ſtehen. Man darf die Erndte nur bey tro>- ner Witterung und nach und vor dem Thau vornehmen, Wenn die Karden gehörig getro>net ſind, worauf man beſonders ach» ten muß, wenn, ſie nicht faulen ſollen, ſo werden ſie in kleine, mittle und große ſortirt. Man kann ſie an einem tronen Orte Jahre lang aufbewabren, ohne daß ſie an der Güte verlieren. Die Stängel der Karden werden, ſovald die Karden abgenom- men ſind, ausgezogen, und entweder zur Düngung oder Feue- zung verwendei. Die tro&nen Karden werden entweder in Fäſ: ſer gepa>t, und da ſie nach dem Tauſend verkauft werden, eingezahlt, oder man bindet ſie in Pakete von beſtimüer An: zahl, Crndte u, Zugutema Karden von einem Magdeburger Morgen rechnen, bey einer gu- ten Erndte Über hunderttauſend. Sie gerathen jedoch nicht alle Jahre ſicher, und man wird" im Durchſchnitt kaum den Ertrag ciner Mittelerndte annehmen können. Der Preis der Karden iſt ſeit einigen Jahren ſehr geſünken, und der Landwirth kann ſie im Verkauf jebt nicht hüher, als die kleinen zu 1, die großen zu 2 Thaler in Anſchlag bringen. Demnach iſt der Anbau der Karden, da alle Feldproducte im Preiſe geſunken ſind, im Vergleich gegen andere Feldproducte, ſehr zu empfehlen, wenn man nur ge- ſicherten-Abſat hat„ denn ſie werfen, un eachtet ihrer nicht unz beträchtlichen Culturkoſten, noch einen ſehr bedeutenden Reiner» trag ab. Oelgewächſe. Die Sonnenblume, Die Sonnenblume gelangt im nördlichen Deutſchland gegen Michaelis, im ſüdlichen Deutſchland früber zur Reife. Man erkennt dieſe daran, wenn alle Staubfäden abgefallen ſind und die Körner ausſehen, als wenn ſie aufberſten wollten. Die rei: fen Samenſcheiben werden mit einem Meſſer abgeſchnitten, und an einem trocknen luftigen Orte neben einander hingelegt, um zu tro&nen. Beym Anbau im Großen, wo man um den erforder- lichen Plas zum Ausbreiten verlegen ſeyn dürfte, iſt es anzura2 ihen, in einem Tro&enzimmer Hürden anzulegen, und ſie bey mäßiger Ofenwärme zu trocknen. Sind die Samenſcheiben tro- Fen, ſo muß man die Samen herausmachen, Dieſes iſt eine beſchwerliche Arbeit, indem man entweder mit den Fingern in einem Zirkel auf den Knoten herumreibt, wodurch der Same herausfällt, oder man hält die Samenſcheiben inder einen Hand und ſchlägt mit der andern mit einem Sto>e auf der untern Seite ſo lange däran, bis alle Körner herausgefallen ſind; Dä die Samen der Sonnenblume eine ſtarke Hülſe haben, ſo iſt es die Frage, ob man die Körner nicht ausdreſchen könnte; wenn man nämlich, ſo wie beym Mais angeführt worden, die Sa- menſcnen, und dann an einem tro&nen Orte aufbewahren. Die Mäuſe ſtellen vem ſüßen Samen ſehr nach, und mani muß ſie daher vor dieſen ungebetenen Gäſten bey der Aufbewahrung ſichern. Ertrag und Bemetikungen über den Sonnenblu- menbau; Dex Körnerertrag iſt bey der Größe der Sämenſcheiben nicht unbeträchtlich und in günſtigen Jahren ſogar außerördentlich. Im Durchſchnitt kann man auf 20-- 30 Berliner Scheffel vom Magdebürger Morgen rechnen; Ein Berliner Scheſſel nicht ſehk Erndte u, Zugutemachung der Feldgewächſe. Hopfen. 243 (335) vollſtändiger Sonnenblumenſamen wog 1828 etwas über 66 Pfd., 6 Pfund dergleichen Samen gaben etwas Über 1 Pfund Oel, mithin der Berliner Scheffel etwa 21 Pfund, Von gehörig aus- gebildeten Samen kann man wohl annehmen, daß 4 Pfd. 1 Pfd. Del geben. Nechnet man nun im Durchſchnitt 25 Scheffel Sg2 men, und vom Scheffel 16 Pfd, Oel, ſo würde man vom Mag- devburger Morgen 400 Pfund Oel gewinnen. Würde auch das Oel nicht ſo hoch bezahlt, wie das Mohnöl, ſo gäbe dennoch die Sonnenblume immer noch einen ſehr beträchtlichen Ertrag. Da nun übrigens die ganze Pflanze nußbar iſt, ſo iſt ihr Anbau wohl empfehlenswerth. Der Kürbis. Die Kürbiſſe gelangen im Herbſt zur Neife, und man muß ſie vor einfallendem Reif und Froſt erndten. Man bricht ſie mit den Ranken ab, und verivabrt ſie an einem tronen Orte, wo ſie auch vor dem Froſt geſchüßt ſind. Man verbraucht ſie ſo- wobl zu Viehfutter, als zur menſchlichen Nabrung vor Weih- nachten. Einige ſchneiden die Kürbiſſe auch alsbald in Scheiven und tro>nen dieſe, wo man ſie dann länger aufbewahren kann, Bevor man die Körner zum Oelſchlagen verwendet, müſſen ſie im Waſſer abgewaſchen werden, Kommt auch der Oelertrag im Vergleich des Ertrags anderer Oelgewächſe nicht ſebr in Betracht, ſo iſt der Kürbis doh, da er zur menſchlichen Nahrung dient und ein gutes Viehfutter giebt, eine zu berüFſichtigende Frucht, Auch geben die Kürbiſſe einen guten Syrup, Gewürzpflanzen, Der Hopfen. Der Frühhopfen gelangt gewöhnlich im Auguſt, der Spät- hoyfen im September zur Reife. Man muß den richtigen Zeit- punct der Erndte genau wahrnehmen z denn erndtet man den Hopfen zu früh, ſo erbält man ſchlechte Früchte, die zum Bier» brauen wenig tauglich ſind, und erndtet man ihn zu ſpät, ſo gebt ein großer Theil der Samen und des Mehles, in welchem do) bauptſächlich das Gewürzhafte des Hopfens enthalten iſt, verloren. Die Kennzeichen der Reife ſind, wenn die Samenza- pfen gegen die frühere Farbe eiwas verbleichen; weißlichgrüne Zapfen werden gelblichgrün und gelblichgrüne Zapfen bekommen hellbräunliche Ränder z-wenn die.in den Schuppen der Zapfen liegenden Samenkörner braun und hart werden, und der unter den Schüupyen befindliche Staub, oder das ſogenannte Hopfen- mehl ins Selbe fällt. Die Zapfen müſſen beym Zuſammendrüs2 >den in der Hand klebrig erſcheinen, und einen ſtarken, gewürz= haften, etwas betäubenden, jedoch angenehmen Geruch baden. Es reift jedoch der Hopfen nicht an atlen Nanken zu gleicher Zeit, ſondern es findet nach Beſchaffenheit der Umſtände ein Uns terſchied von 8 bis 10 Tagen Statt, daher auch die Erxndte ſo. lange dauert, Zur Erndte muß man gutes Wetter und'die Mitrtagsſcunde wählen, wo der Thau abgetrro>knet iſt. Sobald der Hopfen reif iſt, ſo verſzume man keinen ſchönen Tag, fons IX- 25 244 Bau der Feldfrüchte. 9, Abſchn. Sept. (386) bern beeile die Einerndtung ſo viel als möglich; denn nichts iſt dem Hopfen ſchädlicher, als wenn zur Zeit der Reife naſſe Wito terung eintritt, und man unterlaſſe dann wenigſtens nicht, bey dem reifen Hopfen die Nanken unten abzuſchneiden: Die Erndte geſchieht folgendermaßen. Man ſchneidet die Ranke mit einem ſcharfen Gartenmeſſer, in einem Zuge, ſo daß der Sto> nicht, erſchüttert wird, ein 2 bis 3 Ellen hoch über der Erde ab, trennt die an den Spiven zuſammengeſchlungenen Ranken, mittelſt eines an einex Stange befeſtigten Hakens, und zieht ſodann die Stangen mit dem Stangenheber heraus. Dieſer beſieht aus einem ſieben Fuß langen eichnen Hebel, woran, von dem einen Ende 2x Fuß entfernt, ein eiſerner Haken, oder eine Kette mit einem Haken be- feſtigt wird. Dieſen Hebel legt der Arbeiter mit dem kurzen En- de auf die Erde, faßt die Stange unten mit dem Haken oder der Kette, und hebt ſie gerade in die Höhe, Die aufgehobenen Stangen werden behutſam hingelegt. Hierauf ſchreitet. man zum Abpflüken der Samenzapfen, welches entweder gleich in der Plantage, oder zu Hauſe erfolgt. Im erſten Falle ſchneidet man die Ranken erſt in mehrere Stüe, oder ſtreiſt ſie ganz von der Stange ab. Zu dem Erndtegeſchäft iſt eine gehörige Vertheilung ver Arbeiter, ſo» daß ſie einander in die Hände arbeiten, erfor» derlich: nämlich beſondere Leute zum Augheben der Stängen, andere zum Abſtreifen der Ranken, und andere zum Fortſchafſen derſelben. Beym Abpflüken müſſen nach Röbers Anleitung zum Hopfenbau S. 27, die Arbeiter ſo geſebt werden, daß man ſie leicht überſehen kann, und daß dabey gut anzuwendende Kin- der unter die Erwachſenen vertheilt ſeyen, Geſtattet es der Raum, ſo mache man zwey gegen einander gerichtete Reihenſiße, in deren innern Zwiſchenraum mehrere große Tragkörbe, zur Aufnahme und zum Fortſchaffen des abgepflüten. Hopfens, ges ſtellt werden. Jeder Pflü>er bekommt nun einen kleinen Korb und eine geſchmeidige ſcharfe Scheere. Hinter die Siße werden die eingebrachten Hopfenranken in Stücken- von zwey oder drey Schuben geſchnitten, vertheilt, ſo daß ſie' leicht von den ſich danach umwendenden Arbeitern ergriffen werden können. Beym Abpflüen muß das Abblättern dex Blumen oder das Abſtreifen der Blumenblätter vermieden, doh die Blumenſtiele ganz kurz abgezupft werden. Aus dieſem Grunde empfiehlt man die Arbeit lieber vermittelſt der Scheere, als mit den bloßen Fingern verrichten zu laſſen.“ Die abgepflückten oder abgeſchnittenen Blu- men dürfen nicht in die Hand genommen werden, ſondern müſ: ſen gleich in den untenſtehenden Korb fallen. Das ſich etwa zu- miſchende grüne Laub wird herausgeſucht, die leeren Ranken in den zwiſchen den Tragkörben bleibenden Raum geworfen, und die gefüllten kleinen Körbe in die großen ausgeleert, welche dann auf den Tro&>enboden aufgeſchüttet werdet, Wenn man das Ab»- pflüfen zu Hauſe verrichten will, was wobl in vem Falle gerathen ſeyn kann, wenn ſchlechte Witterung droht, und man alle Leute verwendet muß, um die reifen Hopfenranken ins Trodne zu brin» gen, ſo werden die abgeſtreiften Ranken in nicht zu ſtarke Ge: hunde gebunden, eingebracht, und an einem luftigen Orte in lo» dere Haufen gelegt, und dann die Zapfen baldigſt, wie oben be- merkt, abgepflükt, Erndte u. Zugutemacigen Holzrahmen, den man auf 33' Fuß hohe Füße legt, und bängt-in den Zwis- ſchenräumen deſſeiben ein Tuch ſchwebend, ſo daß die: Vorrich- tung Aehnlichkeit mit einem Hängebette bat. Nun legt man. die ausgezogenen Hopfenſtangen mit den Ranken, und zwar einzeln, eine nach der andern, entweder der Länge nach auf den Rahmen, Dpder in zwey neben denſelben eingeſchlagene Gabeln, ſtellt an jede Seite Leute zum Abpflü>en an, und läßt die abgepflükten Hopfenzapfen auf das Tuch legen. Sind die an den Nanken be- findlichen Hopfenzapfen abgeleſen, ſo werden ſie nebſt der Stange von den Rahmen oder aus den Gabeln hinweggenommen, die Ranken abgeſtreift, auf die Seite gelegt, und andere an ihre Stelle gethan. Iſt das Tuch mit Zapfen angefüllt, ſo leert mati es in Körbe oder Säcke aus, und bringt dieſe nach Hauſe auf den Tro&enplat, Dieſe Erndtemethode geht nicht nur ſchnell von Statten, ſondern ſie gewährt auch die Vorzüge, daß. die Zapfen'an den Ranken vor jeder gewaltſamen Verletzung, die durch das Abſtreifen erfolgt, bewahrt werden, und daß die gar nicht beſchädigten Ranken als Geſpinnſtmaterial benutßt werden können. Die Hopfenſtangen werden nach der Erndte an einem tro>neun Orte zur Aufbewahrung aufgeſtellt; oder, wenn man ſie nicht un- ter Dach bringen kann, ſo rammt man eine'an ihrem Kopfe von zwey Armen durchfreuzte Säule in die Erde, und ſtellt die Stan2 gen ſo daran herum, daß ihre Spitzen in den Armen ruhen und das Ganze eine Pyramide bildet,"Oben an den'Spißen umſchlingt man: die Stangen mit einem ſtarken Bande, damit ſie der Wind nicht umwerfen kann; Auch iſt es gebräuchlich, daß man aus je zwey und zwey ſchräg Über das Kreuz. eingeſteckten Stangen, die vpben durnet wer- den. Gewöhnlich erfolgt das Trocknen auf einem luftigen Boden, wohin jedoch keine Sonne ſcheint, weil dieſe das Oel des Ho» pfenmehls verflüchtiget. Der Boden muß mit Laden verſehen ſeyn, um bey beiterm Wetter durch das Oeffnen derſelben Zug- luft zu bewertſtelligen, durch das Zumachen derſelben aber das Eindringen atmoſphäriſcher Feuchtigkeit und des Windes abzu- halten, der die dünn aufgeſchütteten Hopfenzapfen in Haufen zu- ſammen treibt, wo ſie dann leicht verderben ,' oder der, da die Schuppen der Zapfen, wenn ſie tro&nen, ſich aufblättern, deren Mehl entführt. Man ſchüttet die Hopfenzapfen anfänglich nur 2, höchſtens 3 Zoll hoch auf, und wendet ſie mit einem ſtumpfen hölzernen Rechen anfänglich alle Tage dreymal. Bey tro>nem Wetter iſt der Hopfen in 6 bis 8 Tagen genugſam äbgetro>net, um in größere Haufen' gebrächt zu werden. In dieſen Haufen läßt man ihn num ſo lange, bis er gepa>t werden kann, und 25* 246 Bau der Feldfrüchte, 9. Abſnet den Hopfen auch bey. Feuerwärme, auf einer guten Malzdarre, welche aber vem Hopfen keinen Rauch mitthei- len darf. Man beizt zuvor die Darre gelind, bringt dann den Hopfen gleichmäßig auf dieſeibe, und zwar ungefähr 6 Zoll hoh, Unterhält dann ein ſich gleich bieibendes, nicht zu ſtarkes Feuer, und wendet ihn“'hierauf, wenn er nicht mehr ſchwivt, um. I| er troFen, welches man daran erkennt, wenn ſich die Zapfen- ſtiele nicht mehr biegen laſſen, ſondern brechen, ſo nimmt man ihn von der Darre, bringt ihn in Haufen, läßt ihn ungefähr 3 bis 4 Tage ſchwizen und zäh werden, und bewahrt ihn dann auf. Der getro&nete Hopfen wird in große Sä>e oder Kiſten ge- preßt, und ſo aufbewahrt, damit er vicht durch Zutritt der Luft von ſeiner Kraft verliere. Man kann das Einpreſſen mittelſt einer gewöhnlichen, oben an einen Balken angeſtemmten Wägen winde ſehr icht bewerkſtelligen. In England preßt man den Hopfen in Sä>e, die in eine Kiſte, die gleichſam als Nahmen dient, damit die Leinwand nicht plaßt, gethan werden, ſo feſt ein, als nur möglich, und man behauptet dort, daß ſich der H0- pfen auf dieſe Weiſe'am längſten und beſten hielte. In mehrern Gegevden Deutſchlands ſind die Brauer keine Freunde von ſol» neter Hopfen ein: gepreßt war, Man erkennt die Güte des getro&neten Hopfens daran, wenn er, ſo wie man einige Zapfen mit den Händen„reibt, recht klebrig und fett iſt, und ſtark riecht 3 auch muß er keine ſehr dunkle, ſondern eine mehr belle Farbe haben. Viele ſchätzen den Jungfernhopfen, das iſt der, der im, erſten Jahr der Anpflanzung wächſt, ganz vorzüglich.-'Den gehörigen Grad der Reife erkennt man bey vem einige Jahre alten Hopfen daran, wenn die Schup» pen ſeiner Zapfen nod nicht auseinander fallen, gleichwohl aber der gelbe Mehblſtaub, der darin lieg, ausgeſchütter werden kann. Als ein Kennzeichen eines gut gewachſenen und gehörig getro>s neten Hopfens nimmt man an, wenn der Berl. Scheffel nicht über 6 Pfund wiegt: Je aromatiſcher und biiterer der Hopfen iſt, für deſto beſſer hält man ihn. Der auf trocknem Lande ge- wachſene. wird deshalb dem von ſchwerem und feuchtem Erdreich geerndteten vorgezogen, Diejenigen Zapfen, deren Schuppen mit vielem gelben Staube angefüllt ſind, hält man für vorzüg» lich gut. Ertrag und Bemerkungen über den Hopfenbau. Der Ertrag des Hopfens iſt ſebr ungewiß, indem er von der günſtigern oder ungünſtigern Witterung mehr, als der eines an* t z ! i 0 y d ſ 1 1 ! 1 1 1 1 | ! 1 KEEN 2.21 dR: SII REL E nE SEH REED:> 1-20 GURIIIQ Erndte u. Zugutemac-- 2-'== NODE EE EN RE GAB 4 ALI Gy NB 1 SEGEL 12) PH 405 IB EWE 22 VSIM GZ- 68===--.. ZAP Pie win Aus dieſen Preiſen iſt zu entnehmen, daß der Hopfen in neuern Zeiten ſehr beträchtlich im Preiſe gefallen iſt, und es halten. daher Viele dafür, daß ſeine Cultur nicht mehr lohnend ſey, wenn man die beträchtlichen Culturkoſten, und beſonders den vielen Dünger, den er verlangt, in Anſchlag bringt. Be rüFſichtigt man jedoch das Sinken des Preiſes aller landwirtha ſchaftlichen Producte, ſo ergiebt ſich, wenn auch zwar im Ver- gleich der frühern Preiſe kein ſo boher, doch noch ein nicht un- beträchtlicher Ertrag vom Hopfen. Rechnet man den Durch: ſchnittsertrag einer guten Hopfenplantage zu 5 Centner jährlich vom Magdeburger Morgen, und den Durchſchnittspreis des Centners zu 20 Thaler, ſo ergiebt ſich ein Ertrag von 100 Tha- lern 3; ein Ertrag, der, wenn man auch die Culturkoſten davon in Abzug bringt, noch immer ſehr beträchtlich iſt. Uebrigens habe ich aus Wirtbſchaftsrechnungen erſehen, daß der Ertrag an Hopfen im Dur<ſchnitt mehr, als 5 Centner jährlich be- trug: Der Hopfen iſt daher überall, wo man eine günſtige Lage zu Anlegung einer Plantage, und Dünger genug hat, eine zum Anbau ſehr empfehlenswerthe Pflanze... Wer eine Brauerey nebſt Feldwirthſchaft hat, ſollte ſich durchaus beſtreben, den Be= darf an Hopfen ſelbſt' zu erbauen. Der Safran. Die Blüthen des Safrans kommen nicht auf einmal hervor, und es dauert die Blüthenerndte, je nachtem die Witterung günſtiger oder ungünſtiger iſt, länger oder kürzer, Bey günſti ger Witterung iſt die Erndte in 5 Tagen vollendet, oft dauert ſie aber auch) zwey bis drey Wochen. Die Exndte beginnt im September, dauert aber oft bis in den October. Sobald die Blüthen zur Vollkommenheit gelangen, muß man die Plantage von Perſonen, die mit Handkörben verſehn ſind, alle Tage des Morgens durchgehen und die vollkommnen Blüthen abpflü>en . laſſen. Es iſt hierbey Behutſamtkeit nöthig, daß die Zwiebeln in der Erde nicht durch die Bewegung, die das Abreißen der Bau dex Feldfrüchte. 9, Abſchn. Sept. (390) Blumen-verurſacht, zu ſehr erſchüttert, oder herausgeriſſen wer- den. Man beobachtet daher. folgende Handgriffe: Man faßt mit dem Daumen und dem Zeige- und Mittelfinger die Blu- men bey ihrem Röhrchen, das oft noch in der Erde ſtet, und macht, ſtatt zu kneipen, oder gegen ſich zu ziehen, einen kleinen Druc ſenkrecht in die Erde, ſo ſpringt das Röbrchen von ſelbſt ab, und die Blume iſt in der flachen Hand. Die geſammelten Blüthen werden nun nah Hauſe gebracht und einſtweilen in einer kühlen Kammer auf alte Tücher oder Stroh- oder Bin» ſenmätien nicht zu diE aufgeſchüttet. Bey der Erndte iſt haupts ſächlich Folgendes zu beobachten. Man»päü&t die Blumen bloß des Morgens, wenn ſie noch geſchloſſen ſind, weil man ſie. leich= ter bey ihren Noöhrcen nicht nur die Blumen leicht knien, ſondern auch mit' dem vordern Saume des Ro>es, der, wenn ſie ſich büFen, mit Koth beſchmutzt wird, die Blüthen veruns reinigen. Uverbhaupt iſt beym Pflücken" des Safrans große V 5 0rz ſicht nöthig, daß die-no&nen und Aufbewahren des Safrans. Bey den geerndteten Blumen müſſen die drey Narben von dem Griffel aus der Blumenkrone abgelöſt. werden. Hierbey iſt zu beodvachten, daß die Narben aneinander und von dem gels ben Griffel nichts, oder nur ſehr wenig, an den Narben bleibe. Erſteres giebt dem Safran, wenn er getrocknet iſt,'ein ſchö» nes frauſes Anſehn, weiches von den Käufern ſehr geſchätt wird. Lepteres iſt nothwendig, weil ſonſt der Safran an ſei= nem Werth, verllert, indem. die gelben Spitzen der Griffel, die auch ins Gewicht geben, denſelben minder preiswürdig' machen. Das Löſen muß batd, und wenn die Blumen etwas feucht ein- gebracht ſind, unmitielbar darauf erfolgen, Gleich nach dem Löſen muß der Safran gedörrt werden, weil er ſonſt in wenigen Tagen verfaulen würde. Man kann dieß entweder langſam im Schatten bewertkſteiligen, wenn man näm- lich den Safran an-einem trocknen Orte, wohin keine Sonne gelangen kann, ausbreitet und öfters umrührt, oder man dörrt ihn bey der Feuerhitze, welches vorzuziehen iſt, Das Dörren beym Feuer kann auf zweyerley Weiſe erfolgen, nämlich in eis nem kleinen dazu eingerichteten Ofen, oder mittelſt eines Haar- Erndte u. Zugukemachung der Feldgewächſe. Safran. (390 ſiebes auf demi Herde. In Si&lers deutſcher Landwirth- ſchaft Band 18. S. 209. iſt ein ſolcher Ofen und das beym Dörren Statt findende Verfahren folgendermaßen angegeben: Man nimmt ein großes, breites und ſtarkes Bret, legt dieſes auf vier ſtarke, kurze Füße, ſo daß das Ganze einem Tiſche ähnlich ſiebt, den man nötbigenfalls hinſtellen kann, wo man will. Dieß iſt. der Herd des eigentlichen“ Ofens. Man macht nun aus drey- Zoll ſtarken Bohlen einen Rahmen, der 22 Zoll hoch iſt, unten einen Quadratfuß, oben abev 22 Quadratzoll im Lichs ten bat, und von der- Vorderſeite ungefähr 4 Zoll über der Oberfläche des obengedachten Herdes, eine 8 Zoll weite vier= e&ige Oeffnung hat, um das Feuer hbineinzudringen. Dieſe ganze Maſchine, welche einem Mühlenrumpf gleich kommt, muß man, mit einer Bede>ung von guten Latten beſchlagen 3 ſämmtliche. Breter müſſen in- und auswendig, ſo wie auch das zum Herde dienende Bodenbret, ſtark mit Lehm überz0= gen ſeyn, damit ſie das Kohlenfeuer aushalten. Man befe- ſtigt übrigens den kaſtenähnlichen Rahmen auf das Boden=- bret.= ÜPeber die obere Oeffnung zieht man ein Haartuch, welches man durch zwey an daſſelbe befeſtigte Walzen, die ſich durch eine Kurbel umdrehen. laſſen, mehr oder weniger an= ſpannen kann. Iſt der Ofen ſo weit fertig, ſo muß man noch ein paar ziemlich ſtarke Breter, welche ein wenig länger und breiter ſind, als. die Ofenmündungen, deßgleichen eine reine woyllene De&e, und ungefähr ein halbes Buch weißes reines Papier in Bereitſchaft halten. Will man nun zum Tro&nen des Safrans ſchreiten, ſo ſetzt man den Ofen an einen hellen Ort im Hauſe, damit man hinlängliches Licht habe, legt auf das bereits über den Ofen gelegte Haartuch ungefähr ein halbes Buch Papier bogenweis ganz oben; ſchüttet den gelöſten Safran 2 bis 3 Zoll dicht darauf, und breitet ihn ſo gleich, als yur im- mer möglich iſt, aus; legt wiederum einige Bogen Papier darüber, ſchlägt die obengedachte wollne De&e doppelt zuſam= men, und legt ſie darüber. Hierauf macht man ein Feuer von ſolchen Kohlen an, welche ganz ausgekohlt, und von allen" ſo- genannten Brändern frey ſind, denn die Bränder würden nicht nur einen Dampf, ſondern auch eine zu ſtarke Flamme verurſa- e, beſchwert daſſelbe mit einem großen Gewicht, und preßt dadurch den Safs ran ſo zuſammen, daß er nur noch einen Zoll di> liegt. Hat nun die Maſſe ungefähr eine Stunde bey gelindem Feuer gez ſchwißt und getro>net, ſo nimmt man das Gewicht, Bret, Tu) und die Papierde>e behutſam ab, legt wieder Papier darüber, und ſchiebt ein anderes dünnes Bret zwiſchen das Haartuch und die untern Papiere, und wendet nun die ganze Maſſe um, ſo daß das Unterſte zu Oberſt komme, bede&t und beſchwert ſodann die Safrankuchen wieder, wie das erſte Mal, unterhält denſelben 249 Bau der Feldfrüchte. 9. Abſelt dieſe in Leder und dann in woll» nes Zeug, und hebt das Ganze ſo, bis zum Verkauf auf. Hier bleibt der Safran feucht, zah und im vollkomrinen Zuſtande, ohne ſeine Farbe, Geſchma>, Gewicht und Güte zu verlieren. Sollte man aber genöthigt ſeyn, ihn' lange aufzubewahren, ſo thut man wohl, wenn man das ganze Paket in eine bleierne vder zinnerne Büchſe legt, denn da läßt ſich der Safran viele Jahre lang gut erhalten. Dieſe Art, den Safran zu dörren, iſt hauptſächlich beym Anbau im Großen zu empfehlen. Beym An- bau im Kleinen iſt die weniger umſtändliche Darrmethode, wie ſie in Niederöſtreich gebräuchlich iſt, vorzüglicher, j Man legt an einem beliebigen Plate des Herdes eine ſchwa- drey Ziegelſtücke, und- ſtürzt. darüber ein härnes Staubs ſieb, welches auf den Ziegeln ruht; die Ziegelſtü>e ſind 3 Zoll, der Reif des Siebes 6 Zoll hoch, ſo daß der Boden des umge= kehrten Siebes 9 Zoll weit von der Glur abſtehr. Auf den Bo- den des Siebes legt man nun ein Häufchen Safran, und brei- tet daſſelbe mittelſt eines ungeſchliſſenen Sänſetiels ebenmäßig, einen kleinen Finger diE, aus. Sobald der untere Safran ein wenig dürr iſt, ſammelt man allen, mittelſt der Finger und der Feder, auf ein Häufchen, faßt dieſes mit. beiden Händen, Xehrt es auf eiimal um, und breitet es jaberwals behutſam, mit dem Kiele, über den Siebboden aus. Dieß wiederholt man zwey: bis dreymal, bis der Safran vollkommen gedörrt iſt, das iſt, bis er ſich zerreiben läßt. Während des Dörrens ſteigt aus dem Safran ein ſchwacher Nauch auf, der jedoch nichts ſchadet z wird derſelbe aber zu ſtart, ſo iſt dieß ein Zeichen, daß die Slut zu heftig ſey, und man muß ſie daher mäßigen. Je Yt. Man hüte ſich jedoch, ihn gleich zuſammenzudrücken, weil er ſonſt zerbröckeln würde. Hat er jedoch ein paar Stunden in der Schachtel gelegen, ſo wird = D-27222 zz WD- zr+.» mI>= ++---„=€ Ter SEDE mone ak 54705 55508 (393) er wieder geſchmeidig, und man kann ihn nun zuſammendrücken. Will man ihn länger aufbewahren, ſo geſchieht dieß entweder auf die. früher beſchriebene Art, in Blaſen, oder in mit Perga» ment ausgeſchlagenen und luftdicht verdeXten Schachtein, Ertrag und Bemerkungen über den Safran. Im erſten Jahre iſt die Safranerndte nicht beträchtlich; man rechnet vom Magdeburger Morgen im erſten Jahre nicht über 2 Pfund. Nach Benachrichtigungen, die mir aus Oeſtreich zu Theil geworden ſind, rechnet man im zweyten und dritten Jah- re von der Fläche eines Magdeburger Morgens im Durchſchnitt 7 bis 8 Pfund Safran jährlich, Rechnen wir das Mittlere 73 Pfund, in zwey Jahren 15 Pfund, und vom erſten Jahre 2 Pfund, ſo würde man vom Magdeburger Morgen in drey Jahren 16 Pfund Safran gewinnen. Auch der Safran iſt in neuern Zeiten im Preiſe gefallen; man kann guten Safran im Verkaufspreiſe an den Kaufmann gegenwärtig nicht höher, als zu 8 Thaler das Pfund annehmen, wonach alſo der Magdebur- ger Morgen einen jährlichen Geldertrag von 42 Thaler 16 Gro- ſchen=- abwerfen würde, Da der Safran bey einem ihm zu- ſagenden Clima und angemeßner Cultur in Deutſchland von eben der Güte wird, wie. der orientaliſche, da nächſidem ſeine Blätter ein gutes Viehfutter geben, da ſeine Cultur ſehr ein2 fach und ohne großen Koſtenaufwand iſt, und da er einen nicht unbedeutenden Geldertrag giebt, ſo iſt ſeine Cultur im paſſen: den Clima wohl zu empfebien. Der Fenchel. Die Samen des Fenchels gelangen im Auguſt oder Septem: ber zur Reife, aber nicht alle auf einmal. Man geht dann die Reihen vorſichtig durch, damit die Stängel nicht geknickt werden, und ſchneidet die reifen Samendolden ab. Man muß den Saas men nie über die Reife ſtehen laſſen, weil er leicht ausfällt. Dieſe werden auf einen luftigen Boden, oder auf in der Sonne ausgebreiteten Tüchern getro>net und die leicht ausgehenden S9- men entweder mit der Hand ausgemacht oder ausgeklopft, Ex wird hierauf gehörig gereinigt, getrocknet und in Fäſſern, vor “den Mäuſen geſichert, zum Verkauf aufbewahrt. Ertrag und Bemerkungen über den Fenker, auf welchem er gebaut worden, be- zählt hat. Wer den Fenchelbau betreiben will, muß fich zu; vörderſt den Abſaß geſichert haben, und dann kann der Anbau wohl lohnend ſeyn. Erndte und Zugutemachung der Feldgewächſe. Fenchel. 251 | 252 Bau der Feldfrüchte, 9. Abſchn, Sept. (394) Kaffeeſurrogate. tt Die Cichorie, 4 Die Stängel der zu Samen gelegten Cichorienwurzeln wer= ſt den abgeſchnitten, ſobald die Samen reif ſind. Man umwindet Ni ſie an den obern Spißen mit Strob, ſevt ſie in Häufchen und v läßt fie an der Sonne tro&nen, Wworgauf fie eingebracht und ge- v droſchen werden. Der Some wird gereinigt, geiro>net und an de einem luftigen, vor Mäuſen geſicherten Oxte aufbewahrt. de Die Wurzelerndte erfolgt, je nachdem die Witterung ihr Pi Wachsthum mehr oder weniger begünſtigt hat, früher oder ſpä: ter. Gewöhnlich nimmt man zu Ende Auguſt die größten Wur- zeln hinweg, um den kleinern Plaz zu machen; dann nimmt man bis in die Mitte October alle größern Wurzeln, und zU: lett auch die kleinſten. Einige empfehlen, die ſchwachen Wurzeln 9 auszujäten, damit ſich die größern um ſo vollkfommner augbil- h: den tfönnen, und dieſe bis zum€ er oder October in der ſe Erde zu laſſen, wo fie dann ſo zugenommen haben werden, daß dz der Ertrag an Cichorienwurze bedeutend vergrößert“wird.-| ny Außerdem erfordert aber die Erndte der größern Wurzeln nicht Mv die Mühe, als die der kleinern, und kann auch, ohne daß Wurz| x, zeln zurücbleiben, vollſtändiger bewirkt werden. Die Wurzeln| werden ausgegraben und auf vem Ater ſo lange in Haufen lie- H; gen gelaſſen, bis man die Erndte vollendet hat. Man muß| bey dem Heraugsmachen ganz beſonders ſein Augenmerk darauf richten, daß alle Wurzeln herausgebracht werden, weil die zu- rückbleibenden zum Nachtheil der nachfolgenden Frucht als Un- kraut forttreiben.- Die ausgegrabenen Wurzeln werden an reines Waſſer hingefahren, rein gewaſchen, von der Naſſe getroFnet und ſodann nach Hauſe gefahren, Hier ſchneidet man das Kraut ab, verfüttert es ans Nindvieh, das es gern frißt, und davon in der Milch zunimmt. Die friſchen Wurzeln werden ſodann geſpalten und auf kleinen Hä>ſelladen fein geſchnitten, zuerſt in der Luft übertro>net, damit ſie welk werden, ohne zu ſchimmeln, und ſodann apf Darren oder in Backöfen gar Zetro>net. In dieſem tro&nen Zuſtande bewahrt man ſie an einem luftigen Orte, ſo daß. ſie nicht ſchimmeln, bis zum Verkauf auf und überläßt die fernere Zubereitung dem Cichorienfabricanten oder dem Kaufs=* mann. Kann man im Herbſt mit der Erndte nicht fertig werden, ſo ſchadet es nichts, wenn ein Theil der Cichorienwurzeln über Winter bis zum Frühling im Boden ſtehen bleibt. Im Früh» ling aber darf man das Auggraben nicht zu lange verſchieben, weil ſonſt die Wurzeln in Samenſtängel treiben und das Pr9o- duct dadurch ſchlechter wird,| Bereitung der Cichorienwurzeln als Kaffee- ſurrogät,; Die Bereitung- der Cichorienwurzeln als Kaffeeſurrogat iſt nicht ſchwierig, gewährt eine lucrative Winterbeſchäftigung, und der Landwirth ſichert ſich dadurch den größten Ertrag. Die gez troFneten Cichorienwurzeln werden in eiuer großen Kaffeetrom- ><=> (395 mel, etwas ſtärker als“ Kaffee, geröſtet, und ſofort in“-. großen Mörſer geſtoßen„' ehe ſie zu zah werden, geſiebt und eingepackt, Damit beym Sieben nicht zu wiel verfliege, ſo ge- ſchieht es in eimem mit- Linnen verhängten Kaſten 3. man pflegt auch wohl einige bittere Mandeln beſonders zu ſtoßen, und et: was Mandelteig ins Sied zu legen, um das Verſtauben zu verhüten; Andere röſten jedesmwal einige bittere Mandeln mit den Cichorien und ſtoßen beides mit. einander z. das Oel der Mans de(n verhütet auch beym Stampfen das Verſtauben und theilt ſich den Cichorien mit. Ertrag und Bemerkungen über den Cichorien- bau. Es iſt zwar nichts ſeltene8, daß man vom Magdeburger Morgen bis 12 Centner getro>nete Cichorienwurzeln geerndtet bat; allein da ſie nicht alle Jahre geräth, ſo kann man im Durch» ſjhnete Cichorienwürzeln zu 8 Thaler anneh- men,„mithin den Geldertrag vom Magdeburger Morgen zu 48 Thaler. Da die Cichorie ein allgemein gebräuchliches Kaf- ſeeſurrogat iſt; und überall Abſatz findet, und da ſie nächſidem gUch durd) ihr Kraut ein gutes Futter giebt, ſo iſt ihr Anbau, bey dem nicht unbeträchtlichen Geldertrage, überall lohnend. Arzneyzewächſe. Die Siebenzeiten. Die Samen der Siebenzeiten reifen nicht auf einmal, die reifen Körner laufen aber, wenn die Pflanzen beregnen, und wie- der tro&en werden, leicht aus. Man muß daher zur Erndte ſhreiten, wenn der größte Theil der Samen reif iſt, Zeichen der Reife iſt, wenn die Samen anfangen, gelb zu werden. May. tauft die Pflanzen, oder ſchneidet ſie mit der Sichel, bindet ſie in Bunde, ſtellt dieſe auf dem Felde auf, und läßt ſie tro>en werden. TJſt ſchlechtes Wetter zu befürchten, ſo eilt man mit dem Einbringen, und driſcht die Samen ſofort aus. Wenn trocknes Wetter iſt, ſo iſt es am bequemſten, die Bunde auf ausgebreiteten Tüchern ſogleich auf dem Felde zu dreſchen. Der (usgedroſchene Same wird gehörig gereinigt, auf einen luftigen Boben dünn aufgeſchüttet und oft gewendet, bis er tro>en iſt. Man muß es vermeiden/ den Samen auf ſolcen und warm iſt, und man hat dann keine Urſache, die Erndte der gedachten Gewächſe zu Übereiten, woher dann ein Theil derſelben, be- ſonders im wärmern Clima, bis in den nächſten Monat verſcho- ben wird, um das zweyte Hauptgeſchäft dieſes Monats, die Herbſtſaat, gut vollführen zu können. Jm kältern Clima, und im bindigen, feuchten Boden, muß wan ſich beſtreben, die Herbſt- ſaat in dieſem Monate vollendet zu haven, weil die ſpätere Einbringung der4Saat ungewiß bleibt. Im warmen Clima und tro&nen warmen Boden fängt'mon in vielen Gegenden die Herbſiſaat erſt in der Mitte dieſes Monats anz und der Weizen 236 Bau der Feldfrüchte. 40. Abſchn. October, „(3589 wn in den meiſten Gegenden ſelten vor Anfang Octobers| geſäet.( Wir haben in dieſem Monate derjenigen Gewächſe zu ge:| denken, welche geſäet werden, und nehmen ihn als den Beſchluß( der Saatzeit an. Nächſtdem haben wir der Erndte derjenigen( Gewächſe Erwähnung zu thun, welche hauptſächlich in dieſem Monate zur Erndte gelangen, wollen jedoch die Erwähnung eini- ger derſelben, die oft erſt im nächſten Monate geerndtet werden, in dieſen verſchieben. Auch wollen wir der Aufbewahrung eis niger erſt im nächſten Monate gedenken, um den-Inhalt dieſes Monats nicht zu ſehr auszudehnen,' Anbau der Feldgewäct ſich dagegen bis zum 66, Grade der nördli- er brachte, und ſie gleich dem heimiſchen Weizen behandelte, ſo verſchwanden ihre Vorzüge oft ſchon im erſten, ſicher aver im zweyten oder dritten Jahre 3; und oft zeigte es ſich, daß ſie unſere langen Winter und die Nordoſtwinde des Frühlings nicht ſo gut überſtanden, wie unſere heimiſchen Wei«- Dern was beſonders von jenen gilt, die weißgelbe Körner aben.“ ? Wer mit der vorhandenen Weizenart nicht zufrieden iſt, und eine neue Art wählen will, der laſſe ſich daber nicht durch die Form der Weizenpflanzen und die Beſchaffenheit der Körner ver- leiten, da ſich dieſe unter veränderten Verbältniſſen ſo ſchnel verändern z; ſondern ex berüFſichtige Boden, Cultur und Clima, und wähle ſich Samen aus ſolchen Gegenden, wo dieſe gegen die ſeinigen weniger günſtig ſind. Doch giebt es auch beſondere Fälle, wo die Vorzüglichkeit des Weizens nur durch die Eigen- thümlichfeit des Bodens begründet iſt. So wird 3. B. der all- gemein bekannte Frankenſteiner weiße Weizen in Schleſien, ſelbſt im wärmern Clima in gleich reichem Boden von ähnlicher Be- ſchaffenheit nicht ſo vollkommen, als in der Umgegend um Fran- kenſtein, und verliert beſonders ſchr bald die ſchöne weiße Farbe und Dünnſchäligkeit.| Die weißgelben Weizenarten und die Kolbenweizenarten ſollen im Allgemeinen dem Brande mehr unterworfen ſeyn, als die gel- ben, braunen, rothen und begrannten Weizenarten. Auch ſollen die begrannten, ſo wie die braunen und rothen Weizenarten beſſer für das kältere Clima paſſen, als die Kolbenweizenarten, Es ſcheint hierbey jedoch ſehr viel auf langjährige Angewöhnung der Weizenarten in die beſtehenden Verhältniſſe anzukommen. Den braunen und röthlichen Weizen findet man am häufigſten im ſehr ſtrengen Weizenboden, der wenig oder keine Zumiſchung Weizen, 257 258 Bau der Feldfrüchte, 40. Abſchn. October, (360) von Kalk hat. Der weiße Weizen iſt am mehlreichſten und giebt, auch weniger gebeutelt, ein weißeres Mehl, Als überſeeiſcher Handelsartikel wird er am höchſten geſchäßt.=- Außer den bo2 taniſchen Merkmalen unterſcheiden ſich die verſchiedenen Weizen-= arten in landwirthſchaftlicher Hinſicht hauptſächlich dadurch, daß ſie einen reichern oder weniger reichen, bindigern oder weniger bindigen, feuchtern oder tro&enern Boden, ein mehr gemäßigtes, vder mehr warmes, mebr feuchtes oder mehr tro&nes Clima lieben 3 daß ſie dichter oder dünner, früher oder ſpäter geſäet werden müſſen, und daß ſie endlich früher oder ſpäter reifen. Dünnhülſigkeit, Mehlreichthum und Farbe der Körner, ſv wie das häufigere oder ſeltnere Stattfinden des Brandes, werden weniger durch die Weizenarten, als durchdie Statt findenden Lo» calitäten verurſacht. Einige Weizenarten zeichnen ſich auch. vor andern durch einen ſtärkern Strohertrag aus. - In der Cultur kommen im Allgemeinen alle Weizenarten mit einander überein, und wir wollen daher über die Cultur des Weizens im Allgemeinen handeln, und nur das Abweichende bekannte, beſonders Wichtige einzeln herausheben, Ueber die Behandlung während der Vegetation, die Erndte, den Ertrag und Werth des Weizens haben wir bereits in den vorhergehenden Bänden gehandelt.-Auch haben wir die Cultur des Sommer- weizens bereits beſchrieben, und wir haben es daher hier nur mit dem Winterweizen zu thun."; „Nach der Einhofſchen Unterſuchung enthält der Winter- Weizen unter 1000 Theilen: Stärkemehl AE ENES ARENPCEE BRUT GARSER 0 Kleber und Pflanzeneyweiß+6 4.5 00500 DALEZI Süßlich ſchleimige Materie Ee 41.0008 "GUIEN 1774. 948.1 049.0 200018. 288) DOING DE Feuchtigkeit| 0,095. Wenn der Roggen den mehr-tro&nen und weniger gebun- denen Boden liebt, ſo verlangt dagegen der Weizen einen gebun- denen feuchten Boden, der viel alte Kraft hat, ſäurefrey iſt, und einige Zumiſchung von Kalk hat. Im tro>nen, loſen Bo- den, wenn er auch Kraft hat, verſagt der Weizen, ſo wie auch in einem ſäurefreyen, tro>en gelegten, ſehr lodern Moorboden, der viel Humus enthält, mehrere verſuchsweiſe gemachte Winz terweizenſaaten gänzlich fehlgeſcere Boden den Wurzeln der Weiz= zenpflanzen nicht genug Haltung im Winter giebt, im Frühjahr vagegen der atmoſphäriſchen Einwirkung zu leichten Zutritt ver- ſchafft, welche den Weizenpflanzen nicht günſtig zu ſeyn ſcheint z denn in tro>&nen, warmen Jahren, wo ſich der Boden„bey anhal- tender Tro>niß feſt zuſammenſchließt, geräth gewöhnlich der Winterweizen am beſten. n i Nach der gewöhnlichen allgenteinen Claſſification rechnet man zu Weizenboden den ſtrengen Thon- oder Lehmboden, wo» gegen der mildere Lehmboden zu Gerſtenboden gerechnet wird, aan u za i2 =] FR (361) weil die große zweyzeilige Gerſte ganz beſonders gut in demſel- ben gedeihet. In vielen Gegenden baut man den Weizen nur in dem, nach der allgemeinen Bodenclaſſification für Weizenbo- den angeſprochenen, alſo nur in dem ſtrengen Thon- und Lehm2 boden, und bringt auf den mildern Boden ondere Früchte; in vielen Gegenden baut man aber auch, in Erinangelung'! eines bindigen Bodens, den Weizen in dem 1unildern Lehmboden, in welchem man in andern Gegenden nur Noggen baut, und rech: net nach den Statt findenden Verhältniſſen dieſen Boden zum Weizenboden, und veranſchlagt ihn als ſolc>en um ſo höher. Unter beſonders günſtigen Umſtänden giebt zwar der Weizen in dieſem mildern Boden einen recht anſehnlichen Ertrag, er ſiebt aber doch dem, im mehr bindigen Boden unter gleichen Verbält= niſſen angebauten Weizen ſehr nad), und Roggen würde einew beträchtlich, höhern Ertrag gegeben baben. Der verhältnißmäßig hohe Preis des Weizens, und das allgemeine Bedürfniß deſſel- ben, als Brodgetreide, macht es allerdings in manchen Ländern räthlich, den Weizen auch im loſern Boden zu bauen, wie dieß 3. B. in England, Frankreich, und zum Theil in den Nieder2 landen der Fall iſt, wo der Preis des Weizens den des Noggens nach dem natürlichen Werthe übertrifft, und wo das gewöhnliche Brod Weizenbrod iſt; allein in Gegenden, wo Roggenhrod das gewöhnliche Brod iſt, und wo der Weizen om bauptſächlichſten zum auswärtigen Handel gebaut wird, da wird der Weizen nur in beſondern Fällen einen nach ſeinem Werthe höhern Preis be- baupten, als der Noggen, und man wird vom Rvggenbau im Durc<ſchnitt einen größern Gewinn haben. In manchen Gegen= den findet man aber auch den Weizenhau im mehr loſen Boden, ohne daß der Weizen, da die vorhandenen Umſtände ſein Gera» then nur in ſeltenen Fällen beglnſtigen, einen verhältnißmäßigen Ertrag giebt, vielmehr nach Vergleichung der Productionskoſten, gegen den Roggen beträchtlich weniger Ertrag gewährt. Dieſer letztere Fall iſt in Deutſchland, wo, einige Gegenden Süddeutſch: lands abgere IME>ner Jahrszeit Feuchtigkeit genug, um um ſv kräftigere Pflanzen zu treiben. Jm Boden mit flacher Krume, wo übrigens der Noggen noch gut fortkommt, verfilzen ſich die Weizenwurzeln in einander, werden einander hinderlich, es bil» den ſich'nur kleine ſchwächliche StöFe, und ſehr bald lagert ſich ſolcher Weizen..! Nächſt der Beſchaffenheit des Bodens, nach ſeinen Mi- ſchungsbeſtandtheilen und ſeiner Lage, kommt es auch ganz vor» züglich auf den vorhandenen Grad des Reichthums deſſelben an. Ein Boden, der mit Sicherheit Weizen tragen ſoll, muß eie ven nicht unbeträchtlichen Theil von altem Humus haben. Schmalz bemerkt hierüber im 3. Bde. ſeiner Erfahrungen aus dem Gebiete der Landwirthſchaft, S. 144:„Schon ſeit vielen Jahren habe ich die Bemerkung gemacht, daß Weizen entweder einen von Natur humusreichen Boden, oder doch einen Aker mit alter Kraft verlangt. So habe ich z. B. ein ausgemager- tes Feld ſtark mit dem beſten Miſt gedüngt, dieſen durch eine zwe>ämäßige. Braachbearbeitung gut wit der U>erkrume vermengt, und' demungeachtet einen geringen Ertrag an Weizen gehabt, Da- gegen auf Boden von demſelben Thon- und Sandgehalt, der aber einige Jahre vorher ſtark bedüngt und ſtets in guter Cultur er- halten wurde und noch nicht ausgetragen hatte, vorzüglich ſcſchälig und kleinkörnig. Eine Ausnahme hiervon macht jedoch der thonige Boden, der zu gebunden und feucht iſt, als daß man mit Sicherheit eine Roggenerndte von ihm er- warten könnte, in welchem, auch bey einem geringen Grad von alter Kraft, der Anbau des Weizens, als der einzigen anzu- bauenden Winterfrucht, dennoch lohnend ſeyn kann. Thaer ſagt im 4. Bde. ſeiner rationellen Landwirthſchaft, S. 53:„„Der arme Thonboden trägt, auch bey kärglicher Düngung, noch im- wer Weizen mit mehrerem Erfolge, wie Roggen, zumal bey eis ner etwas feuchten und kalten Lage; weßwegen ſich Bergöder mit Weizen beſtellt, noch immer beſſer verlohnen, als mit Rog» EN Da der Weizen zwar einen beträchtlichen Grad von Winter- kälte verträgt, aber im Sommer eine längere Periode zu ſeiner Ausbildung verlangt, als der Roggen: ſo muß auch, wenn der Weizen zur Vollkommenheit gelangen ſoll, die die Vegetation begünſtigende warme Periode länger dauern, als nöthig iſt, wenn der Roggen zur Vollkommenheit gelangen ſoll, Daher gelangt der Weizen in dem Clima, wp der Roggen nur eben Zeit hat, ſich vollkommen auszubilden, nicht zur Reife. In den ebenen Zegendem Deutſchlands iſt zwar das Clima nirgends ſo kalt, daß der Weizen nicht zur Reife gelangen würde; aber in den deutſchen Gebirgen giebt es allerdings mehrere Gegenden, wo dieß der Fall iſt, Es kommt hierbey jedoch nicht auf die nörd»s lichere oder ſüdlichere Lage und die größere oder geringere Höhe des Gebirgs an: denn ſo findet man z. B. im Rieſengebirge den Winterroggen und Winterweizen in einer größern Höhe über der Meeresfläche erſt aufhören, als im Erzgebirge. Burger ſagt im 2. Bde, ſeines Lehrbuchs der Landwirthſcnen Boden und Clima gebaut wird, hat man verſuchsweiſe Weizen genommen und unter ähnlichen Ver- hältniſſen angebaut 3; aber auch dieſe Verſuche haben kein ganz günſtiges Neſultat gegeben, und man iſt daher von der Fort- ſezung dieſer Anbauverſuche und von der Anſtellung neuer Ver- ſuche abgeſchreXt worden.- Man hat zwar freilich bey Anſtellung dieſer Verſuche nicht immer die aus der Oertlichkeit hervorge henden Verhältniſſe genau geprüft 3; aber auch bey der ſorgfäl- tigſten Prüfung, nach dem Standpuncte unſers gegenwärtigen Wiſſens, wird man einerſeits finden, daß nicht leicht zwey Ge» zenden zu treffen ſind, wo die örtlichen Verbältniſſe mit ein2 ander gänzlich übereinſtimmen z andererſeits aber auch zu der Ueberzeugung gelangen, daß es tro unſers Wiſſens noch ſo Mancherley giebt, was auf die Vegetation der Pflanzen einen entſchiedenen Einfluß hat, von dem wir noch gar keine Ahnung haben. Uebrigens hat die Natur, in Beziehung auf Pflanzen- production, für jeden Himmelsſtrich geſorgt. In unſerem nörd= lihern Clima hat ſie uns den Roggen als das hauptſächlichſte . Brodgetreide gegeben, und zur Vermehrung: der Erzeugung von Nahrungsſtoffen die Kartoffeln mit der beſondern Eigenſchaft ausgeſtattet, daß ſie ſich unter den mannichfaltigſten Verbältz niſſen ſehr leicht, Auch giebt es mehrere Ges wächſe, die allgemeine Bedürfniſſe befriedigen, die nur in dem nördlichern Himmelsſtriche das vollkommenſte Gedeihen finder. Warum ſollen wir daher durch Kunſt und langjährigen Fleiß die Natur zur Hervorbringung von Producten zwingen, wo ſie denſelben nicht günſtig iſt, zumal da der Fleiß und die Kunſt des Menſchen die mangelnde Wirkung der Natur nur unvoll- kommen zu erſehen vermag? Warum ſollen wir mit großen Aufopferungen den Weizen dort eingewöhnen, wo die Natur ſeinem Gedeihen Schwierigkeiten entgegengeſeßt hat, wo andere allgemeine Bedürfniſſe befriedigende Gewächſe, bey einer gleichen Aufmerkſamkeit den höchſten Grad von Vollkommenheit erlan= gen würden? So verdienſtlich es auch immer iſt, dasjenige durc< Kunſt und Fleiß einheimiſch zu machen, was die örtli: Xes, und der Ertrag-an Körnern ab. Im Schafmiſt und Schafpferch, ſo wie im Pferdemiſt; und in letzterm beſon- ders im mehr feuchten und kalten Boden, gedeiht der Weizen ganz vorzüglich, doh ſoll er wegen ſeines großen Uebergewichtes an Kleber zum Bierbrauen, zum Branntweinbrennen und zur| Stärkebebereitung weniger tauglich, als der in anderer Dün2 16 erzeugte Weizen, dagegen zum Brodbacken um ſo beſ: er ſeyn. Die grüne Düngung, und hierunter eine bichte Raſennarbe, grün untergepflügter Klee und Buchweizen, wenn ſie mit darü- ber gebreitetem Miſt untergepflügt werden; der ihre ſchnellere Zerſeßung befördert, ſagen dem Weizen ganz vorzüglich zu, Ge- IEEE CZ 4 AIT GEE EES CHUNT ie=S 2-2 50 14 Anbau der Feldgewächſe; Weizen;| 265 . 1667) hörig gefaulter Schlamm, wenn er mit Kalk verſett iſt, und mit der AFerkrume gehörig vermengt wird, gewährt dem Weizen eine ganz vorzügliche Düngung, Die Torfdüngung, wenn auch der Torf längere Zeit in Haufen geſebt, gehörig mit Kalk gemengt; und zergangen war, ſoll, nach mir gegebenen mehrſeitigen Vers ſicherungen, dem Weizen nicht günſtig ſeyn. Der Weizen ſoll ſich). im Herbſt und im Frühjahr übertreiben, ſpäter aber rothe Spißen bekommen und ſchwache Stö>e mit dünnen Halmen und kleinen Aehren treiben. Beſſer ſoll dagegen der Weizen gerathen, wenn in der Torfolingung eine dem Weizen angemeſſene Som- merfrucht gebaut; und nach dieſer Weizen geſäet wird. Die Kalk-, Mergel- und Aſchedüngung, wirken ſehr vortheilhaft auf den Weizen, und ganz beſonders ſagen ſie ihm in einem ſehr bindigen ,/ feuchten und kalten, dabey aber reichen Boden zu, da ſie den Boden mürbe erhalten, deſſen Thätigkeit erhöhen, und die Zerſetzung der pflanzennährenden Materie in leicht aufzuneh* mende Nahrung befördern. Man kann dieſe Düngungsmittel in dergleichen Boden ziemlich ſtark, und zum Weizen ſtärker, als zu jeder andern Frucht aufbringen.' j Eine wahre Quinteſſenz von Düngung für den Weizen iſt der Geflügelmiſt. Man verwendet dieſen Miſt am vortheilbafte» ſten im Frühjahr auf Weizenſaaten, die nä< der Durchwintes rung ſcer, jedoch nicht allzudiF, oder man löſt ihn in Miſtjauche auf, und übergießt damit die Saat. Plaß im Feldbau und Fruchtfolge. Wo der Weizen in ſehr ſtrengem Thonboden“ gebaut wird, kommt er gewöhnlich in die Braache, nach einer vollſtändigen Braachbearbeitung. Dieſes iſt auch in dem ſtrengen Thonboden am zwekmäßigſten 3; denn da dieſer Boden nur durch eine oft wiederholte Bearbeitung denjenigen Zuſtand von Lo>erheit ers langt, den der"Weizen verlangt, und da die in dieſem Boden feſt eingeſchloſſene Pflanzennahrung nur durch eine öftere Aus- ſezung der Luft in erforderlicher Maaße aufgelöſt werden kann: ſo würde nach jeder Vorfrucht, die in einem ſolchen Boden ge: baut werden kann, in der Zwiſchenzeit, nach ihrer Abwartung bis„zur Weizenſgat, nicht Zeit genug verbleiben, um ihm die erforderliche Gahre zu geben. Der nicht erforderlich gelo&erte Boden wird durch die Winternäſſe zuſammengzeſchlämmt; im Frühjahr und Sommer ſo ſehr hart, daß die Weizenwurzeln un- geachtet ihrer großen Kraft, auch in den harten Boden einzudrin- gen, ſich dennnoch nicht ausbreiten und genugſame Nahrung einſaugen können, Ein mäßiger Regen, der andern Boden erweicht und die auf ihm ſtehenden Pflanzen erqui&t, löſt kaum. die obere Rinde des erhärteten Thons auf, und eine ſonſt fruchtbare Wit: terung mit abwechſelndem mäßigen Regen, wirkt in dieſem Falle zur Beförderung des Wachsthums der Pflanze nur wenig. Iſt dagegen die Witterung ſehr feucht, ſo tro>net der feſt zuſammen- geballte naß gewordene Thon weniger aus, als der gelo&erte naß gewordene Thon. Dex erforderlich gelo>ert geweſene Thon wird ſchon durch den Winterfroſt mürbe erhalten, er wird durch die Winternäſſe weniger zuſammengeſchlämmt, und. er erhärtet im Frühjahr und im Sommer weniger. 2668. Bau der Feldfrüchte, 40. Abſern Weizenboden, in wels: zrn Boden, der bey einer feuchten Lage 3e- wöhnlich eine Menge Wurzel- und Samenuntkräuter treibt, iſt eine vollſtändige Braachhaltung ſehr nöthig, um das Unkraut zu vertilgen; indem dieſer Boden im Frühjahr, ehe noch der Wel- zen in die Höhe zu treiben anfängt, dermaßen niit Unkraut Üüber- zogen wird, daß ein großer Theil der Weizenpflanzen von dem- elben erſti>t wird, wenn man es nicht durc) mühſames Jäten Unterdrüc>t. t In dem fetteit feuchten, ſehr reichen Marſchboden baut man in mehrern Gegenden, nach einer friſchen Düngung, nach welcher der Weizen lagern würde, Wintergerſte, und läßt auf dieſe Wei- zen folgen. Da die Wintergerſte zeitig zur Erndte gelangt, ſo verbleibt noch binlängiiche Zeit, um den Boden genugſam zum Weizen vorzubereiten. Der Weizen kommt dann beym Dreyfels derſyſtem ins Sommerfeld. Einige ſäen aber auch die Winier- gerſte in das gedüngte Sommerfeld, erndten ſie im Braachjahre, uUnd' der Weizen kommt dann nach ihr ins Winterfeld. Die Win-= tergerſte iſt nur im ſehr reichen Marſchboden eine dem Weizen nicht ſchädliche Vorfrucht z im minder reichen Boden wird der Weizen nach ib? ſchwach, giebt einen geringern Körnerertrag, und wird ganz beſonoce:s im Siucoh ſehr kürz. (369) Wenn der ſehr gebundene Boden nicht'zv feucht iſt, um Raps tragen zu können, ſo giebt es beſonders in dem Falle, wenn der Boden ſo reich iſt, daß man vom Weizen Lager zu be- fürchten haben würde, keine angemeſſenere Vorfrucht für ihn, als den Raps. Der Raps eignet ſich hauptſächlich die friſche Geile des Miſtes, die dem Weizen nachtheilig wird, zu, und hinterläßt dem Weizen noch hinlängliche alte Kraft zu ſeiner Ausgbildung, die er vorzugsweiſe liebt. Auch hinterläßt der Raps den Boden locker, und in dem Falle, daß man dem Wei- zen no< eine beſondere Bearbeitung des Bodens angedeihen laſſen will: ſo verbleibt dazu bey der zeitigen Aberndiung des Rapſes noch hinlängliche Zeit. Der in ſolchen Boden nach Raps geſäete Weizen liefert ſchönere und ſchwerere Körner, als der nach einer Braachbearbeitung geſäete, und ſein Ertrag iſt um ſo ſicherer, da er weniger leicht lagert» Auch in dem minder reimen Boden iſt der Raps, bey genugſamer Düngung, eine dem Weizen günſtige Vorfrucht. Koppe ſagt in der Reviſion der AFerbauſyſteme S. 97:„Wo die Wirthſchoftsverhältniſſe den NRapsbau erlauben, da iſt die Verbindung beider Gewächſe ſehr rathſam. Die zum Rapsbau im Großen unumgänglich erforder- liche reine Braache wird dann nicht ſo Eoſtbar, wenn ſie für zwey ſo edle Früchte gegeben wird.“ Wird der Rüdbſamen in einem gent;gſam gebundenen Boden gebaut, der guch für den Weizen paſſend iſt, ſo iſt der gedüngte Rübfamen ebenfalls eine gute Vorfrucht für den Weizen. In der Umgegend von Dresden, wo man dem Boden ſehr reichliche Düngung ſchenkt, wird ſehr häufig nach gedüngtem Rübſaz men Weizen geſäet, und dieſer Weizen zeichnet ſich ſtets durch get EEN NGENNG und dadurch, daß er weniger leicht lagert, aus, Die Hülſenfrüchte ſind dem Weizen im kräftigen Boden keine ungünſtigen Vorgänger, da ſie nicht ſehr erſchöpfen, und wenn ſie in friſcher Düngung gebaut werden, ſich mehr die friſche Geile deſſelben aneignen, 0.ls die alte Bodenkraft in Anſpruch nehmen. Gewöhnlid wird zwar der Weizen nach ihnen im Stroh kürzer, und giebt auch weniger Körner z; dieſer Verluſt wird aber durch die in der Braache gewönnenen Hülſenfrüchte weit überwogen. Eine Bedingung iſt es jedoch, wenn der Weizen nach dieſen Früchten gerathen ſoll, daß ſie zeitig genug zur Aberndtung gelangen, damit noch Zeit genug verbleibt, um den Boden ge- hörig zum Weizen vorbereiten zu können. Die Hülſenfrüchte werden gewöhnlich in kein ganz beſonders zubereitetes Land geſäet, und obgleich ſie durch ihre Beſchattung den Boden mür- be hinterlaſſen, ſo iſt doh der Boden zu roh für den Weizen, und die in demſelben enthaltene Pflanzennahrung zu wenig für den Weizen aufgelöſt, Der Boden muß daher mehrmals der Einwirkung der Luft ausgeſett werden, damit die Auflöſung der Pflanzennahrung in erforderlicher Maaße für den Weizen erfolgt. Da, die Erndte der Hülſenfrüchte in kalten und naſſen Jahren ſo ſehr verzögert wird, daß nicht mehr die erforderliche Zeit zur Bereitung des Bodens bleibt, auch der Boden naß ugerichtet werden muß, was dem Weizen höchſt nachtheilig iſt z ß iſt auf die Sicherheit des Weizenertrages nach Hülſenfrüchten, beſonders in dem bindigern Boden, nicht mit völliger Sicher- X. 24 Anbau der Feldgewächſe, Weizen, 267 263 Bau der Feldfrüchte. 10. Abſchn. October, (370)| heit zu rechnen, und es bleibt daher gerathen, ſich bey dem Fruchtwechſel nicht ſo einzurichten, daß ein großer Theil der Wei- zenausſaat auf Hülſenfrüchte folgt. Grüne Wien, wenn ſie zeitig abgemäht werden, ſind eine ganz vorzügliche Vorfrucht für den Weizen. Man düngt zu den Hülſenfrüchten, oder man bringt den Miſt nach ihrer Aberndtung auf. - JIneinem, viel alte Kraft enthaltenden Boden iſt erſteres, im entgegengeſeßten Falle letzteres zwe>mäßiger. Die wirthſchaft- lichen Verhältniſſe können es jedoch auch erheiſchen, daß es mit Aufopferung einiges Ertrages des Weizens zwekmäßiger iſt, von| der friſchen Düngung die größte Maſſe nahrungsfähigen Win-| terfutters zu gewinnen, das man allerdings durc, in friſche| Düngung geſäete Hülſenfrüchte am ſicherſten erreicht. Den Klee hält man allgemein für eine dem Weizen ſehr an- gemeſſene Vorfrucht, doch muß derſelbe gehörig dicht geſchloſſen geſtanden haben, ſo, daß ſich keine verunkrauteten Stellen im Kleea>er finden.| Thaer ſagt im 4ten Bande ſeiner rationellen Landwirth2 ſchaft S. 56 hierüber Folgendes:„„Der Weizen wird mit dem größten Erfolge in der Kleeſtoppel gebaut, und um Weizen auf Boden, der ihm eigentlich nicht„angemeſſen, ſondern ſchon zu| giebt es keine ſicherere Methode wie die,| ihn auf die erſte Furche des umgebrochenen Klees zu ſäen. Er( übertrifft nicht ſelten den in reiner Braache geſäeten, und ſoll dem Brande minder unterworfen ſeyn. Hierbey iſt aber die weſentliche Bedingung, daß der Klee ſtark und geſchloſſen ſtehe, kein Unkraut habe aufkommen laſſen, früh genug zum zweytenz mal geſchnitten ſey, um noch zum drittenmal 8 bis 10 Zoll her- vorzuwachſen, und daß er dann unabgeweidet untergepflügt wer? auf vorzüglichem Ir wird das eine oder das andere vorausgeſeht.“ Da der geſchloſz ſen geſtandene Klee den Boden loder, und durch die abgefalle2! nen Blätter und zurücbleibenden Wurzeln kraftvoll hinterläßt, ſo iſt es ohne Zweifel, daß er eine vorzügliche Vorfrucht für den Weizen iſt. Iſt der Klee bloß ein Jahr benußt worden, ſo iſt er eine beſſere Vorfrucht für den Weizen, als wenn er zwey Jahre geſtanden hat, weil der zweyjährige Klee, ſeltene Fälle ausgenommen- ſchon beträchtlich dünner iſt, und eine nicht un- beträchtliche Anzahl Unkräuter zwiſchen ihm aufſproſſen, die den Boden entkräften. In der 19ten Lieferung der Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreich Sach- ſen, wird über Fruchtfolge auf einem Gute Folgendes angeführt: Nach den in friſchen Dünger in der Braache gelegten Kartoffeln, deren Aberndtung zeitig erfolgt, wird Winterroggen geſäet, der eine ſchwache Düngung erhält. In dieſen Roggen wird im künf- tigen Frühjahr, im März Klee geſäet, welcher nach der Abernd»- tung des Roggens gegypſt wird. Von dieſem Klee wird ein Stoppelſchnitt genommen, und dann Winterweizen geſäet, der das 15te Korn giebt. Bey dieſer Fruchtfolge giebt der Acker in 3 Jahren eine Kartoffelerndte, eine Roggenerndte, einen Klee- ſchnitt und eine Weizenerndte z alſo alles Mögliche, was er nur geben kann. Der Boden des GSutes ſteht in alter Kraft, und hat eine verhältnißmäßige Zumiſchung von Kalk. Um in einem (371) weniger kraftvollen Boden eine reichliche Weizenerndte zu erzie: len, iſt das Verfahren ſchr angemeſſen, den abgemähten Klee mit Miſt zu überſireuen, und die Kleebraache erſt dann umzu- pflügen, wenn der Klee handhoch über die Miſtſchicht empor» gewachſen iſt, Die Luzerne und Esparſette, wenn nämlich leß- tere in einem Boden gebaut wird, der für den Weizen bindig und feucht genug iſt, ſind eben ſo gute Vorfrüchte für den Weizen, wie der Klee. Die hehac>ten Früchte, und hierunter beſonders das Kraut und die Kartoffeln, auch die Kohlrüben, wenn zu ihnen ſtark gedüngt worden, halten Einige für angemeſſene, Andere für un= angemeſſene Vorfrüchte, Einige halten dafür, daß der Weizen viel ſicherer nach ihnen gerathe, als der Rogaen, und daß ſich aus dieſem Grunde in manchen Gegenden ET) W nach ihnen immer mehr verbreite, Was das Kraut und hlrüben anlangt, die in einem feuchten und bindigen, dem Weizen mehr zuſagenden Boden gebaut werden, ſv kann dieß allerdings unter manchen Umſtänden der Fall ſepn z; erwägt ihre haupt- ſpät zur Erndte ge- n Theile des nörd- ſeyn, um von g rechnen zu Einwinterung t Sicher- » das maywaber, daß dieſe Gewächſe erſt im Spätherbſt ſäch)(te Ausbildung vollenden, und ſehr ſ langen: ſo möchte es wohl x lichen Deutſchlands ſchon zu ihr no< mit Sicherhbe f können. Nur in ſehr war ſpät erfolg8, und im ſüdli heit auf einen ang wächſen zu rechnen ich im nördlichen 1 Dresden, welches ſi durch ein mi nach Kra anaomoſlonse den izen ſderes er ſchlechten We 1 nur in dem Falle folgen, zuſjagenden Boden gebaut iner Anleitung zum yräk- m, und nod mehr die K auf leht eine ſehr rx Weizen, vo g; daß zu jenen ingt worden, In Belgien ſowohl, als im Altenburgſ> 1d am Rhein hat man ſich von vem Nuten der Karioffeln in jenem Bezuge Überzeugt, Der Kärtoffelweizen giebt zwar einige Bunde n EV:70 weniger Körner, als der Braachweizen, utid iſt' dem Lagern nicht unterworfen,“ Scmalz ſägt it dex Landwirthſchaft S. 142:„NJ daß Weizen na< Kartoſfeln veſ ieth, als Noggen, was mir unerilärbar iſt. Aber ich d) bier bemerken; daß dieſer nach Kartoffeln geſäete Weizen im Herbſt ſtark gewalzt wurde.“ Daß der Weizen beſſer nach den Kartoffeln geräth, als der Roggen, konn wohl im Allgemeinen der Fall ſeyn z dä der Weizen eine- ſpätere Einſaat verträgt, und es auch nicht ſs unumgänglich nöthig iſt, als beym Roggen, die Weizenſaat in die gehörig geſeßte, und daher längere Zeit 6epfrügt geweſene Säatfurche zu ſäen z obwohl es auch der Weizen gern hat, wenn 24 7 Erfahrungen im Gebiete Male habe ich gefunden, N Anbau der Feldgewächſe, Weizen, 269 270 Bau der Feldfrüchte, 10. Abſchn. October. (372) ſich die Saatfurche gehörig geſeßt hat. Daß aber'der Weizen nach Kartoffeln, auch wenn die Saat gewalzt wird, immer gut und ſicher geräth, dieß möchte wohl nur unter beſondern Um- ſtänden der Fall ſeyn, und mag in dem ſüdlichen Deutſchland, und wo der Boden eine warme Lage hat, und das Clima ſo mild iſt, daß die regelmäßige Einwinterung ſehr ſpät erfolgt, am häufigſten vorkommen, I< habe in mehdern Gegenden des nördlichen Deutſchlands nur ſelten ſchönen Weizen nach Kartoffeln gefunden, und dann war gewöhnlich eine lange anhaltende war- me, tro>ene Herbſtwitterung und eine ſpäte Einwinterung vor? hergegangen, ſo daß ſich vor dem Einwintern der Boden gehörig geſebt und die Weizenſto>e genugſam erſtarkt hatten. Folgt dagegen eine zeitige Einwinterung, ſtellen ſich aber ganz beſon: ders bald nach der Saat, ehe noch eine gehörige Einwurzelung des Weizens erfolgt iſt, ſtarke Regengüſſe ein, wodurch das ge- keimte Samenkorn in dem ſehr lockern Boden in die Höhe ge? ſpült wird, und nur eine flache Einwurzelung deſſelben erfolgt: ſo iſt mit Gewißheit auf eine ſchlechte Weizenerndte zu rechnen 5 denn die Wurzeln der Pflanzen finden dann nicht Haltung ug, und ein großer Theil der Pflanzen geht bey der Durchwin ng zu Grunde, Auf ſtarke Regengüſſe im Spätherbſt, und auf eine zeitige Einwinterung iſt aber in den mir bekannten Theilen des nördlichen Deutſchlands mit mehr Gewißheit zu rechnen, als auf einen langen, gutes Wetter bringenden Herbſt. Auch iſt in dem nördlichen Deutſchland das Säen des Wsvizens nach Kartoffeln nur ſelten, und wird nur von wenigen praktiſchen Landwirthen für günſtig gehalten. Seräth übrigens auch der Weizen nach Kartoffeln, ſo giebt er nicht nur beträchtlich weniz ger und kürzeres Stroh, ſondern auch der Körnerertrag iſt, ſo wie beym Roggen, beträchtlich geringer, und nur die Körner ſelbſt ſind dünnſchäliger und mehlreicher, Der Tabak gehört unter die günſtigſten Vorfrüchte des Weia zens, wiewobl er weniger im bindigen, dem Weizen angemeſſes nen, als im leichten Boden gebaut wird. Wenn man zum Taz bak genugſam düngen kann, ſo giebt es nicht leicht einen beſ- ſern Fruchtwechſel, als Tabak und Weizen. Man muß ſich jedoch beſtreben,'den Tabak zeitig zu pflanzen, damit er zeitig zur Erndte gelangt, und die Weizenſaat nicht zu ſehr verſpätet wird, Bez ſonders kann man dann auf einen anſehnlichen Weizenertrag rechs nen, wenn man die Stängel nach vollendeter Abblattung ab- ſchneidet, wo ſich noch an dem gelaſſenen Strunke einige Blät- ter erzeugen, und dieſe unterpflügt. Der nach Tabak gewon- nene Weizen ſteht zwar beſonde1s im Strohertrage dem Braachs2 weizen gewöhnlich nach; aber die Körner ſind ſchön und mebls2 reich. Schwerz ſagt in ſeiner Anleitung zum praktiſchen Akers bau S. 55., daß man im Elſaß auf x Ertrag vom Weizen nach Tabak mehr, als nach jeder andern Vorfrucht rechnet, obgleich in kühlen Sommern der Tabak nur ſpät das Feld verläßt. Der Hanf iſt eine eben ſo günſtige Vorfrucht für den Wei- zen, als der Tabak, wenn nämlich zum Hanf verhältnißmäßig ſtark gedüngt worden. Dagegen ſchlägt der Weizen nach Lein, nach ollen bekannten Erfahrungen, ſehr merklich zurüs. So nachtheilig die Gerſte auf die andern Getreidearten als Vorfrucht wirkt, eben ſo nachtheilig wirkt ſie auf den Weizen- Anbau der Feldgewächſe. (373) Nur in dem ſehr reichen und mehr gebundenen Boden wird man eine minder nachtheilige Wirkung ſpüren; im mehr lo>ern, thätigen, weniger reichen Boden wird dagegen der Weizen nach Gerſte, wenn auch nach der Gerſte gedüngt wird, nur ſelten gut erathen, 3 un Roggen iſt zwar für den Weizen eine minder nachthei- lige Vorfrucht, als die Gerſte, und ich babe ſowohl hier in der Umgegend von Dresden, als auch anderwärt8 ſchönen Weizen, der in die gedüngten Noggenſtoppeln geſäet war, geſehen z; es iſt indeſſen nach der allgemeinen Regel des Fruchtwechſels das Folgenlaſſen des Weizens nach einer Halmfrucht nicht zu empfeh2 len, und kann nur unter beſondern Verhältniſſen räthlich ſeyn. Im ſüdlichen Deutſchland läßt man nach ſtark gedüngtem Mais öfters Weizen folgen, der auch recht gut geräth; im nörd- lichen Deutſchland aber, wo der Mais ſehr ſpät zur Erndte ge- langt, möchte dieſes Verfahren keineswegs zu empfehlen ſeyn. Der Hafer iſt unter den Getreidefrüchten die günſtigſte Vora frucht für den Weizen, wenn er in gehörig zubereitetes Land gez ſäet worden, und wenn ſeine Erndte zeitig genug erfolgt, um den Boden noch genugſam zum Weizen vorbereiten zu können. „Weizen nah ſtark gedüngtem Hafer folgen zu laſſen, ſagt B urz ger im 2ten Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. t1,, iſt in einem Theile Oberſchleſiens und im mittlern Kärnthen ein ſehr beliebter Fruchtwechſel. Solcher Weizen iſt ſehr rein, zwar kürzer im Stroh, wird dafür aber früher reif, und weniger vom Roſte befollen.“ Der Buchweizen, der den Boden kräftig, loker und rein von Unkraut hinterläßt, iſt eine ſehr günſtige Vorfrucht für den Weizen. In Oberſchleſien wurde in vielen kleinen Wirthſchaften nach Buchweizen Weizen geſäet, wo dann gewöhnlich eine halbe Düngung vor der Buchweizenſaat, die andere Hälfte auf die Buchweizenſtoppeln aufgebracht wurde. Dieſer Weizen gerieth nicht ſelten beſſer, als der Braachweizen. Weizen auf ſich ſelbſt folgen zu laſſen, iſt nicht zu empfeh- len, da er immer ſehr bedeutend zurü&ſchlägt. Mir ſind in Schleſien einige Süter bekannt, wo man in einem bindigen, rei» e. Man kann daher durch eine zu ſorgfältige Bearbeitung eher vem Weizenertrage binderlich, als förderlich ſeyn. Eine andere wichtige Hauptſache, welche man bey der Zurichtung des Bodens zu berückſichtigen hat, iſt die, daß die Saatfurche einige Zeit vor der Saat gegeben wird, damit ſich der Boden gehörig ſehen kann, Dieſes Setzen der Saatfurche iſt beym Weizen eben ſo nöthig, wie beym Roggen, und wir haben hierüber bey der Cultur des Roggens im vergangenen. Monate unter der Ueberſchrift: Saat2 zeit gehandelt. Schmalz bemerkt in ſeinen Erfahrungen aus dem Gebiete der Landwirthſchaft, Band 3, S. 147, in dieſer Beziehung Folgendes:„Der Weizen liebt es, meiner Erfahrung gemäß, überhaupt, wenn er nicht auf friſch gepflügten, ſondern auf Ader geſäet wird, der 3 bis 4 Wochen zuvor ſchon zur Saat 32pflügt worden war. I< habe dieß ſchon einigemal in Sach«- ſen bemerkt, aber in Lithauen noch auffallender, als dort, weil hier in der Regel 3 bis 4 Wochen vor dem Säen des Winter- getreides ſchon zur Saat gepflügt wird, Ich habe in Lithauen da den ſchönſten Weizen geerndtet, wo der AR>er 6 Wochen vor dem Säen ſchon zur Saat gepflügt, und der Hedrich ſchon 5 Zoll boch darauf gewachſen war.“ Ein ferner zu berückſichtigender Umſtand bey der Zurichtung des Bodens iſt der, die Bearbei- tung ſo tief erfolgen zu laſſen, als es nur möglich iſt; denn der Weizen dringt mit ſeinen urzeln um ſo tiefer ein, um ſo tie- fexe Krume er findet, lagert dann weniger, und der tief gelo- Ferte Boden erhält auc ſeine Feuchtigkeit um ſo ſicherer,.und die Weizenpflanzen gedeihen dann bey tro&ner, warmer Witte- rung, wenn ſie genugſame Fe keit im Boden finden, um ſo ſicherer,)| Da der Weizen in mannichf, denen Früchten geſäet wird, ſ dens verſchieden, und wir 1 tigen Boden und nach verſchie- iſt auch die Zubereitung des Bo- 1 daher hier des uptſächlich- cs Aers zu berüFſichtigen iſt, e Braachbearbeitung den gewöhnlid) wenn zu viel Sfurche folgen. 4 Furchen, und in q nicht hinlänglich, die bey troFnem Umbruch der ache und fovtgeſebter Dürre ſich gebildeten Schollen zu zerkleinern, da dieſelben der ſchwer- ſten Walze, wie der ſchwerſten Egge widerſtehen. Jm dieſem Anbau der Feldgewächſe. Weizen. (375) Falle bleibt nichts, als die ſo ſehr beſchwerliche und langweiz lige Arbeit übrig, die Klöße mit ſchweren Hammern zu zer» klopfen. Es iſt ſehr anzurathen, einen ſolchen ſehr ſtrengen Bo- den ſchon im Herbſt zu ſtürzen und in rauher Furche liegen zu laſſen, wo er durch den Froſt mürber gemacht wird,„als dur) die angeſtrengteſte Bearbeitung z wartet man jedoch mit den Ums bruch eines ſolchen Bodens bis zum Sommer, wo er ſich bey der Sommerhitze feſt zuſammengeſchloſſen hat, ſo hat man nicht nur eine ſehr beſchwerliche Arbeit, indem oft bis 6 Pferde vor einen Pflug geſpannt werden müſſen, um die Braache umzurei- ßen, und es brechen dabey doh nur Schollen aus, ſondern man iſt auch in tro>nen Jahren nicht vermögend, den Aer gehörig vorzubereiten, und man muß die Weizenſaat bis in den Spät- herbſt bey genugſam feuchter Witterung anſtehen laſſen, um die Schollen zu zwingen, wodur) dieſelbe nicht ſelten über die Ges bühr verſpätet wird. . Folgt der Weizen nach Buffbohnen, welche in Reihen ges ſäet und öfters bearbeitet werden, ſo iſt auch in dem ſtrengen Boden nur ein einmaliges Pflügen nach der Aberndtung der Bohnen nöthig. Die Bohnen erhalten den Boden durch ihre Wurzeln loFer, und durch die wiederholte Bearbeitung iſt der Aer genugſam der Luft ausgeſett geweſen, um dex erforderli» 6 Auflöſung der rohen Pflanzennahrungsſubſtanz verſichert u ſeyn. j cach der Wintergerſte iſt zwar der Boden, da er zu derſel: ben gut zugerichtet werden muß, gewöhnlich lo&er genug, um durch eine Furche in den dem Weizen zuſagenden Zuſtand der Gaare geſeßt zu ſeyn z da aber die Erndte der Wintergerſte ſehr zeitig erfolgt, und der Boden, ſoll er ſich nicht bald feſtſchlie- ßen, unmittelbar nach deren Aberndtung umgepflügt werden muß; ſo würde er ſich bis zur Zeit der Weizenſaat doh zu ſehr ſchlie- ßen, als daß er nicht zu rob für den Weizen ſeyn ſollte. Es iſt daber ſehr anzurathen, die Gerſtenſtoppeln unmittelbar nach dem Abbringen der Gerſte flach umzubrechen, und ſpäter die Saat- furche zur vollkommenen Tiefe zu geben. In vielen Fällen wird ſogar noch eine dreyfurchige Beſtellung nach der Gerſte nöthig eyn. Raps und Rübſamen werden ebenfalls in einen ſehr gut zu- bereiteten Boden geſäet, und ſie hinterlaſſen, wenn ſie gehörig geſchloſſen geſtanden haben, den Boden in einem ſo mürben Zu- ſtande, daß die einfurchige Beſtellung hinlänglich wäre, um den Boden genugſam gelo&ert zu haben, wenn ihre Erndte nicht eben» falls zu zeitig erfolgte, als daß derſelbe durc< zu langes Liegen nicht wieder verwildern ſollte. Man breche daher die Stoyppeln dieſer Gewächſe unmittelbar nach der Erndte flach um, und yflüge ſpäter zur vollkommenen Tiefe zur Saat. Iſt der Aer nad) Rübſamen, der überhaupt. in dem mehr leichten Boden gebaut wird, ſo lo>er, daß man zu befürchten hätte, daß der Boden bey der zweyfurcer bal» un tende Boden um ſo eher und beſſer ſeze. Jh habe nach mehrſei- ſyr tigen Beobachtungen, bey übrigens ziemlich gleichen Verhältniſ- De ſen, immer dort ſchönern Weizen gefunden, wo dieſes Verfahren lid angewendet, als wo es unterlaſſen worden war. Zeigt ſich übriz/ die gens der Boden bey der Saatfurche ſehr lo>er, dann iſt es zu yf empfehlen, den Weizen mit dem Pfluge unterzupflügen, was mir wi in mehreren Gegenden vorgekommen iſt, und bey nicht ganz ma ſchlechten Pflügen gar nicht ſo unausführbar iſt, als es viele gel Landwirthe, denen es unbekannt iſt, halten. Eine unumgängliche ſch Bedingung zum Gerathen des Weizens iſt es aber dann, daß ſo derſelbe im nächſten Frühjahr gut aufgeeggt werde. . 0 4 v de Die Hülſenfrüchte hinterlaſſen zwar, wenn ſie gehörig ge- be ſchloſſen geſtanden haben, einen mürben Boden, und werden die ſt Stoppeln unmittelbar nach der Erndte umgebrochen, ſo geräth Ut der Roggen in dem lo>kern Boden recht gut auf eine Furche ge- fü ſäetz in dem bindigen Boden aber., den der Weizen verlangt, iſt lei für dieſen eine einfurchige Beſtellung nicht binlänglich, Gewöhn- eh lich wird das Land zu den Hülſenfrüchten nicht eben ganz beſon- 6; ders gut beſtellt, man überläßt vielmehr das Mürbewerden deſ- ße ſelben der Beſchattung dieſer Früchte. Der bindige Boden zeigt ſich daher, wenn er bald nach ihrer Aberndtung umgebrochen wird, zwar mürbe, aber er verballt ſehr bald, wird für den| 1) Weizen zu roh, und derſelbe findet nicht genugſame aufgeſchloſ- | u ſene uud aufgelöſte Nahrung. Es iſt daher, vorausgeſetzt, daß| ſß der Boden von Unkraut rein iſt, nach den Hülſenfrüchten minde- R ſtens eine zweyfurchige Beſtellung nöthig; und wenn der Boden y viel Unkraut enthält, ſo muß eine dreyfurchige Beſtellung gege- ut ben werden. Da nun die Hülſenfrüchte oft ſehr ſpät zur Erndte| gelangen, und aus Zeitmangel eine dreyfurchige Beſtellung nicht| de gegeben werden kann, ſo bleibt es in Beziehung auf den Wei-| Sneriang eine ſehr ungewiſſe Sache, ſich mit der Fruchtfoige| N es Weizens nach Hülſenfrüchten auf große Flächen einzurichten. q Mir ſind mehrere Wirthſchaften bekannt, wo man zeitig Wien" zum Grünabfüttern ſäetz man bearbeitet aber dennoch den Bo- H en immer mit 3 Furchen zum Weizen. k NN Die Zubereitung des Bodens nach Klee richtet ſich gänzlich| Ä danach, wie de? Klee ſteht. Iſt derſelbe dicht geſchloſſen, ohne| N LüFen, ſo iſt der Boden lo>er und rein von Unkraut, und der Y Weizen geräth dann nach der einfurchigen Beſtellung, wobey y aber auf ein ſorgfältiges Pflügen, ſo daß ſich die Pflugſchnitte N gehörig deXen, Bedacht genommen werden muß, recht gut,. der Klee mag einjährig oder zweyjährig ſeyn. Iſt dagegen der Klee ſ nicht geſchloſſen genug, ſo muß man dem Weizen eine dreyfurz g kerbauſyſteme S. 99:„„Der Klee, von vielen ſehr hoch geachtet, als Vorfrucht vor dem Weizen, eignet ſich doh nur in kleinern Wirthbſchaften, und mehr in ſüdlichen Elimaten, als in nördlichen dazu. Jd) ſpreche von einfähriger Beſtellung des einjährigen Kleelandes, Der einfährige Umbruch der Kleeſtoppel giebt zwar zuweilen herr- liche Weizenerndten; allein, wer die Schwierigkeit kennt, ein durch die Sonnenhiße ausgedorrtes Land zu Ende Auguſt gut umzu- pflügen, der kann nicht dazu rathen, daß eine ſo köſtliche Frucht, wie der Weizen, von ſo unſicherer Beſtellungsart abhängig ge- macht werde. Durch die Sommerwitterung wird ein zu Klee gelegener Boden auch dann ſchon feſt, wenn er 30 Procent ab- ſc liegende Fläche Kleeland von eben ſv viel Beſibern mit wenigſtens doppeltem Aufwande an Geſpann umzubrechen, als ſolches von dem Geſpänn eines aro- ßen Gutes bey einer ähnlichen Fläche ausführbar iſt, zumal zu einer Zeit, wo des Wirthes Aufmerkſamkeit von der Erndte ohnehin ganz in Anſpruch genommen iſt, Hierzu kommt, daß in den Niederlanden und in England, nach welchen wir ſo gern unſern Klee: und Kornbau einrichten wollen, die Winterang eine ſpätere Einſaat verträgt, und daß alten Nachrichten zu Folge der Regenfall dort ſtärker iſt, und der Boden nicht leicht auf mehrere Monate ohne durchdringenden Regen bleibt, wie es leider! bey uns ſich nicht ſelten ereignet,“ Ganz entgegengeſetßt bemerkt Burger in ſeinem Lehrbuche der Landwirthichaft Band 2, S. 11:„„Die Kleefelder öfter als ein Mal zur Empfangung der Weizenſaat zu pflügen, iſt nicht hur allein eine Verſchwendung der Kraft und Zeit, ſondern hat auch noch den nicht geringen Nachtheil, daß dadurch die Klee- wurzeln von der Erde los werden, und durch die Egge auf die Oberfläche des Bodens gebracht werden, die als ein? halbe Dünz- gung betrachtet werden müſſen, und einzig und allein die Urſache ſind, warum alles Getreide nach Klee ſo gut ſtebt. Obaleich mehrere Landwirthe im nördlichen Deutſchland gegen den einfäh- rigen Umbruch des Klees zu Weizen ſind, ſelbſt wenn derſelbe dicht geſchloſſen geſtanden hat, ſo ſtimmen doch andererſeits gez wiß die meiſten Landwirthe im nördlichen Deutſchland dafür.“ Thaer erklärt ſich im 4. Bande der rationellen Landwirth- ſchaft S. 56 für den einfährigen Umbruch des dicht geſchloſſen geſtandenen Klees zum Weizen. Schmalz bemerkt im 3. Bd. ſeiner Erfahrungen im Gebiete der Landwirthſchaft S. 145: daß er nach einfährig umgebrochenem Klee nach einer ſchwachen Miſt- düngung mit mehrerem Vortheil Weizen, als Roagen gebaut, und in Ponitz das achtzehnte bis zweyundzwanzigſte Korn im Weizen, nach der Auglaot berechnet, geerndtet habe. In Beziehung auf die Verſchiedenheit des Angeführten, ſagt Ser mit eimer Furche gehörig zum Weizen um- zulegen, nur ſelten zu kämpfen haben. Eine unumgängliche Bedingung, womit man allgemein ein» verſtanden iſt, iſt es, wenn der Weizen gut gerathen ſoll, daß das Umbrechen des Klees md ſt zeitig vor der. Saat erfolge. Koppe ſagt ſelbſt in der Reviſion der Ackerbauſyſteme S,. 99: „Wer ſeine Wirthſcers bey der einfährigen Be» ſtellung gehörig zu vollführen, ſo daß dort, wo der Kamm des Beetes zuſammengefahren wird, kein roher Balken bleibt, iſt das von Schmalz im 3. Bande ſeiner Erfahrungen im Gebiete der Landwirthſchaft S. 145 angegebene, in Sachſen ſehr allgemeine Verfahren zu empfehlen:„Einige Wochen vor dem Umpflügen der Kleeſtoppel,“=- heißt es dort--„ließ ich den geſchikteſten Pflüger in jeder Beetfurche der Kleeftoppel einmal ganz flach hin- und herpflügen, ſo daß beide Furchen augeinander auf die Beetränder geworfen wurden, nur blieb das Uebrige der Klee: ſtoppel noch einige Zeit liegen, theils um den Klee zur Dün- gung etwas heranwachſen zu laſſen, theils um erſt die Noggen2 felder alle zu beſtellen, theils aber auch, um die Kleeſtoppel zu vor mit Miſt und Horden bedüngen- zu können. Wenn nun das wirkliche Umpflügen der Kleeſtoppel vor ſich ging, ſo waren die aus den Beetfurchen gepflügten KleeſtöFXe vertro>net, und. ſie wurden nun wieder in die Furchen gepflügt, aber der Pflug ging tiefer, ſo daß er auch die darunter liegende Stoppel zugleich mit umpflügte, Wenn dieß Vorpflügen der Beetfurchen nicht geſchieht, ſo bleibt gewöhnlich bey der einfährigen Beſtellung mitten auf jedem Beete ein Streifen Kleeſtoppel ungepflügt, was mehreren Nachtheil hat. Durch dieß Vorpflügen aber wird in der Mitte jedes Beetes eine gut gepflügte lo>ere Krume hervorgebracht.“ Td) habe das Vorpflügen der Beetfurchen nicht nur bey der Kleeſtoppel, ſondern auch bey jedem andern Umbrechen auch aus dem Grunde vortheilhaft gefunden, weil ſich bey nachher erfolg» ter Troäniß der Boden durchgehends leichter und beſſer umpflü- gen läßt, bey feuchter Witterung aber das Land um ſo leichter austroFnet. Es iſt bey dem Umpflügen des Klees, bey der einfährigen Beſtellung, wohl zu beachten, daß nicht zu ſeicht gepflügt wird, ſo daß bey dem nachherigen Eineggen des Weizens die unterge» pflügte Kleenarbe von der Egge herührt und auf die Oberfläche gebracht wird; denn dieſe aufgeriſſene und nicht gehörig bede>te Kleenarbe fault nicht leicht, ſie verwittert vielmehr an der Luft und kommt dem Weizen als Nahrung nicht zu Gute, oder gez währt ihm eine wenig aufgelöſte rohe Nahrung. 5ſt der Boden nicht ſe i iſt es angemeſſen, nach dem Umbru 3 Unterläßt man dieſes, ſo fault der unt 6 und die obere Bo» denkrume bleibt für d ſonders dann, wenn man den Klee vor dem Unt beträchtlich heran- wachſen laſſen, oder wenn fgefahren hat, Einer beſondern Art der einfäl ng des FS Fers zu Wei- zen gedenkt Ser mit zwey Furchen zu Weizen zu beſtellen. Man ſtürzt flach, und wendet zur Saat ſo tief, daß die mit der Stürzfurche untergepflügte Kleenarbe in die Mitte des Schnittes der Wendefurche kommt. Im bindigen Boden, wenn man gute Pflüge hat, und der Zu- ſtand des Bodens ein flaches Stürzen in der Maaße geſtattet, daß die Kleenarbe gehörig bede>t wird, kann dieſes Verfahren wohl zu empfehlen ſeyn', wiewohl es in Hinſicht auf eine ge- naue Umlegung der Stürzfurche viel Schwierigkeiten haben würde. Im mehr feuchten Boden iſt dieſes Verfahren nicht zu empfeh2 len. In der Umgegend von Dresden pflegen Mehrere den Klee» a>er möglichſt flach mit dem Haken ſchräg über zu bälken, In rauher Furche bleibt das Land 3 bis 4 Wochen liegen, worauf init dem Haken in die entgegengeſette Schräge zur Saat gepflügt, und nach 2 oder 3 Wochen der Weizen geſäet wird. Der durch reichliche Düngung ſehr lo>Xere Boden iſt bey der Weizenſaat'ſo lo&er als ein Gartenbeetz; aber dieſem Umſtande iſt es auch haupt2 ſächlich zuzuſchreiben, daß man hier bey dieſem Verfahren größe- tentheils Lagerweizen hat. Diejenigen, welche den mit dem Ha2 ken gebälkten A>er mit dem Pfluge gehörig tief umpflügen, has ben weniger Lager; und noc< weniger lagert ſich der Weizen, und giebt einen größern Körnerertrag, wenn der Klee einfährig mit dem Pfluge zu einer erforderlichen Tiefe umgebrochen wird. I< habe hierüber mehrſeitige Beobachtungen gemacht, und ſo augenſcheinlich vortheilhaft ſich auch das einfährige Umpflügen des Klees mit dem Pfluge erwieſen bat, ſo iſt man doch an das faſt durchgehende Bearbeiten des Bodens mit dem Haken ſo ſehr gewöhnt, daß die Macht der Gewohnheit über den augenſchein= lichen Vortheil den Sieg davon trägt,; Veber eine beſondere Zurichtung des Kleea>ers, als Mittel- ding zwiſchen der ein- und mehrfurchigen Beſtellung, führt Smäßigere Art erreichen. Bey vergraſiem, auch verque&Xtem Boden iſt es ſehr wohl angebracht. Auf reinem Kleelande aber habe ich zwiſchen dem einfachen und dem Doppelſchnitte, keinen Unterſchied bey dem Weizen bemerken können. So viel glaube ich, daß eine gezweyfähbrte Kleeſtoppel ſich beſſer ſchließt, als eine einfährige, daher auf leichterem Boden vder bey troFener Witterung dem Weizen vortheilhaft werden kann. Daſſelbe möchte auch bey verſpätetem Umbruch Statt ha- ben, wo ver einfährigen Narbe nicht Zeit genug gelaſſen wird, ſich vor der Weizenſaat gehörig zu ſchließen. Bey zweyjährigem Klee, wenn män die Stoppel nicht als Braache behandeln will, weiches auf jeden Fall das Beſſere bleibt, iſt das Zweyfurchen beſonders paſſend. In den Niederlanden hat dieſe Pflugart auch (3810) nach einjährigem und reinem Klee, zwar nicht allemal, doh ſehr häufig Statt. Der erſte Pflug ſchält die Kleenarbe zu einer Di>e von 6 Centimeter ab, und läßt ſie in die geöffnete Furche fallen, darauf ſtreicht der zweyte Pflug den Streifen vollends bis zu einer Tiefe von 12 Centimeter au8. Dadurch wird die Furche 18 Centimeter tief, inſofern es der Boden erlaubt. Ein- fährig ſah ich daſelbſt eine Kleeſtoypel um 12 Centimeter tief umpflügen. Es geſchab auf ſchwerem feuchten Boden.“ ehe? Egparſette: und Luzerne nehmen den Boden längere Zeit ein, als der Klee, und man muß daher denſelben, wenn Weizen nach ihnen folgt, wiederholt bearbeiten, da er bey dem'längern Stande dieſer Gewächſe ſich feſt zuſammenſchließt, und um ſo mehr Un- kraut treibt. Nad) der Luzerne, welche in einem bindigen Bo- den gebaut wird, muß der Boden ſorgfältiger bearbeitet werden. Die Esparſette liebt mehr. einen lo>ern, viel Kalk enthaltenden Boden, der ſchon ſeiner Natur nach ſich weniger ſchließt, und der Boden bedarf daher zum Weizen einer mindern Vorbereitung. Serbau S,. 71, über die Zurichtung des Bodens, wenn die Esparſette denſelben 3 Jahre eingenommen hat, Folgendes: „„Nachdem man im Jahre des Aufbruches den erſten Schnitt eingethan hat, wird das Land geſtürzt, gewalzt, und bleibt ſo liegen, bis dahin die Narbe zureichend abgeſtorben iſt. Darauf wird zum Zweytenmal gepflügt, wodurch die Esperwurzeln wiez der zu Tage kommen,»nur muß mit eiſerner Egge auf das ſtrengſte vereggt werden, Ueber das Vereggte wird der Weizen geſäet und in ſeichten ſcer nach ihnen, und. in dem Falle iſt wiederholtes Walzen anzura: then, oder die Weizenſaat, nachdem der Acker zuerſt eben gez eggt worden iſt, unterzuvfiügen. Letzteres iſt ganz heſonders zu empfehlen, wenn man Weizen nach Kartoffeln ſäet. Nochy iſt eine mehrfurchige Beſtellung anzurathen, wenn man den Hanf fimmelt und zur volligen Reife aelangen läßtz denn nach dem Fimmeln erhärtet nicht nur der Boden bey dem dünnern Stande des Hanfes, ſondern es findet ſich auch mehr oder weniger Unkraut ein. „Folgt der Weizen nach Noggen, und derſelbe iſt in ein gez hörig zubereitetes und nicht zu ſehr verque>tes Land geſäet wor- den, ſo wird eine zweyfurchige Beſtellung augreichend ſeyn. Es wird unmittelbar nach der Roggenerndte flach geſtürzt und ſpä- ter zur gehörigen Tiefe zur Saat gepflügt. Hat man dem Rog= gen kein beſonders zubereitetes Land angewieſen, und der Boden enthält viel Wurzelunkräuter, ſo iſt eine dreyfährige Beſtellung zum Weizen nöthig,) "Dem Hafer wird ſelten ein ganz gut zubereitetes Land an= gewieſen, und es verunkrautet daher unter demſelben. Läßt man nun auf den Hafer Weizen folgen, ſo muß das Land durch- aus eine dreyfährige Beſtellung erhalten, wenn es für dieſe Frucht gehörig vorbereitet ſeyn ſoll. Der Buchweizen verlangt ein gut zubereitetes Land, er un- lerdrü&t das Unkraut und hinterläßt einen ſehr lo>ern Boden, Anbau der Feldgewähſe. Weizen. 279 280 ed der Feldfrüchte. 10, Abſc des 8ten Bandes- der Möglinſchen Annalen der Landwirthſchaft, zu verweiſen. Es hat ſich nach mehrſeitigen Beobachtungen gefunden, daß ſich der Brand dann, wenn das zum Weizen beſtimmte Land im Herbſt kurz vor der Saat gedüngt, wenn dazu noch nicht gehörig zergangener Miſt genommen wird, und wenn man ſpät ſäet, häufiger zeigt, als wenn man den Miſt zeitig aufbringt, ſo daß er ſich gehörig bis zur Weizenſaat zerſest, und- wenn man die Weizenſaat nicht zu ſpät erfolgen läßt. Folgt nach dem Unterbringen des Miſtes und der Weizenſaat eine länger anhaltende, feuchte und warme Witterung, ſo geht eine ſchnelle Zerſetzung eines großen Theiles des Miſtes vor ſich, und die dadurch erhöhete Thätigkeit des Bodens bietet den Weizenpflan» zen, gleich vom Keime an, eine ſo große Maſſe Nahrung dar, daß ſich ein großer Theil derſelben vor dem Winter überwächſt, wodurch in dem Organismus der Pflanzen eine fehlerhafte Bil2 dung entſteht, die Schwächlichkeit und Krankheit, und bey mehrern andern mitwirkenden Umſtänden die Anlage zum Bran- de verurſacht, Dieſe dargebotene Nahrung iſt übrigens noh nicht gehörig zubereitet, ſondern ſie iſt vielmehr, zwar zum unz mittelbaren Uebergange in die Pflanzenwurzeln geeignet, doch noc< zu roh und von dem, durch) aufgelöſte alte Bodenkraft, und gehörig zerſezten Miſt gebildeten Extractivſtoſſ weſentlich verſchieden, und wirkt auch eine beſondere, wahrſcheinlich ſehr fehlerhafte Beſchaffenheit des'OrganisSmus der Weizenpflanzen eben ſo, wie dieſe oder jene Nahrung in dieſem oder jenem Zu- ſtande auf den Menſchen, oder wie dieſes oder jenes Futter in dieſem oder jenem Zuſtande auf die Thiere. Jſt auch die Anlage zum Brande vor dem Winter noh nicht begründet, ſo kann ſie doch nach dem Winter im Frübjahr nod) begründet werden, wenn die Zerſezung des vor Winter nicht zergangen geweſenen Miſies, bey dem Eintritt der war» men Frühjahrswitterung zu ſchnell erfolgt, wodurd) die Boden- krume ſehr lo>er erhalten, und deren Thätigkeit ſo ſehr erhöht wird, daß den Weizenpflanzen in der erſten Frühjahrsvegetation zu viel und zu rohe Nahrung zugeführt wird, ſo daß ſie zu Üppig wachſen, ſi nig bewurzeln, und nunmehr eine feh- lexhafte Beſchaffen des Organiemus annehmen. Später ſchließt ſich der Boden, die Thätigkeit deſſelben hört auf, und es erhalten nunmehr die Weizenpflanzen, bey einer geringen Bewurzelung nicht Nahr öSſäfte genug, wo denn. durch die Sto>ung des Saftumtriebes in den, durch die frühere zu Üppige Vegetativn bervorgebrachten, zu großen Saftgefäßen, Krankheit, und endlich der Brand des Weizens verurſacht werden kamn. Oft kann ſich aber auch der ſpätuntergebrachte Miſt vor dem Eintritt des Winters nicht zerſezen, und er bleibt daher bis zum nächſten Frühjahr unzerſeßt.“ Die Weizenpflanzen können ſich bey der ſpäten Saat vor der Einwinterung nicht genugſam ausbilden, ſie kommen ſchwächlich in den Winter, leiden auf mannigfaltige Weiſe bey der Durchwinterung und ſind im Früh- jahr in einem ganz ſchwächlichen Zuſtande. Sobald nun die Wärme im Frühjahr eintritt, ſo erfolgt eine ſtarke Gährung und Zerſezung des Miſtes, und die ſchwächlichen Weizenpflan? (385) zen bekommen nun eine ſehr große Maſſe von mehr rohen Nah» rungsſivffen, in Folge deren ſie zwar ſchr üppig wachſen, ein ſehr dunkies Grün annehnien, aber auch zugleich eine feblerhafte Beſchaffenheit des Organigmus erhalten, welche bey eintretenden anderweitigen Umſtänden den Brand verurſacht. Daß die Weizenpflanzen zum Theil ſchon im Herbſt, in Folge einer fehlerhaften BeſchaFenheit des Organigsmus, den Keim zum Brande in ſich tragen, iſt ſehr wohrſcheinlich, ob- gleich man zeither noch keine Unterſcheidungszeichen kennt, durch welche ſich ſolche Weizenpflänzen auszeichnen. Zum Theil fins det jich aber+auc< die Urſache zum Brande erſt in den verſchie: denen Vegetationsſtufen im nächſten Frühjahr. Rufmerkſame Beobachter haven bemerkt, daß ſich dann der Brand im Weizen ſehr ſtark findet, wenn er im Frühjahr. in kurzer Zeit eine ſchwarzgrüne Farve annimmt, die durch die große Menge der, den Weizenwurzeln auf einmal zugeführten rohen Nahrung, die eitien zu Üppigen Trieb verurſacht, hervorgebracht wird. In einem ſehr fetten Boden nimmt zwar der Weizen ebenſalls eine dunkle Farbe an, aver dieſe dunkle Farbe ſtellt ſich nicht auf einmal, ſondern nach und nach ein, ſie iſt auch weniger ſchwarz, und die Folge eines ſchr üppigen, aber regelmäßigen Wachs« thums, und es zeigt ſich in dieſem Falle, wenn nicht andete Urſachen Statt finden, keine Spur des Brandes. Auch zeigt ſich die Krankheit, nach angeſtelbten Beobachtunzs gen, zuerſt in den Halmknoten, denn dort bewixkt ſie eine- Des» rganiſation. Zerſchyeidet man an brandigen Aehren dieſelben horizontal, und vergleicht ſie mit denen von guten Aehren, welche man eben+ſo zerſchneidet, ſo findet man einen auſfallen= den Unterſchied in dem Zellengewebe dieſer Knoten. Auch ſind in der Regel dieſe Knoten an dem brandigen Achren ſtärker, 9 daher bey einiger Kufmerkſamkeit ſchon äußerlich zu ers ennen: Uebrigens iſt es nicht immer die Folge, daß'die ſpäte Dün» gung und Saat Brand Jervorbringt; denn es kann ſowohl im Herbſt, wie im Frühjahr ein ſolcher Zuſtand der Umſtände eine treten, das die Weizenpflanzen in einem ſo regelmäßigen Wachea ihum bleiben, daß keine fehlerhafte Beſcha(ſenheit des Organis- mus Statt finden kann. Da aber die meiſten Beobachtungen es beſtätigen, daß bey einer ſpäten Unterbringung des Miſtes und der Saat, der Weizen häufiger brandig wird, und da man die nachfolgenden Umſtände nicht vorherſehen kann, ſo beſirebe man ſich, zur Verhütung des Brandes, den Miſt zeitig unters zubringen und. die Saat nicht allzuſehr zu verſpäten. Auch in dem Falle, wenn der Miſt zeitig untergebracht worden, iſt es immer ſicherer, die Saat zeitiger, als ſpäter zu machen; denn je kräftiger ſich die Pflanzen vor, Winter ausbils» den, um ſo leichter widerſtehen ſie allen Gefahren bey der Durchs winterung, und treten in einem geſunden Zuſtande in die Früß« jahr8vegetation 3 dagegen die Pflanzen von einer ſpäten Saqt ſich oft, wegen zeitiger Einwinterung, nicht genügſam ausbilden, beſonders einwurzeln können, wo ſie dann im Frühjohr ſchwäch» lich ſind, und wenn dann zu plößlich eine ſehr günſtige Vege- tationsperiode eintritt, ſie bey dem Uebermaaß der dargebotenen Nahrung üÜberreizt werden, und die Entſtehung eines fehler- X. 25 Anbau..der Feldgewächſe. Wrizen, 283 284 Bau der Feldfrüchte. 40. Abſniß ſo ſehr erhärtet, daß jeder Thätigkeits- grad der Krume gehemmt wird, und dürch andere, bey einer fehlerhaften Bearbeitung Statt findende Umſiände, gehindert wer» den. Die Zerſezung des Miſtes erfolgt nun erſt durch die ge- gebene Saatfurche, wo dann dem Weizen eben ſo, wie beym ſpät untergepflügten Miſt, eine Menge ſehr roher Nährungs- ſtoffe zu Theil werden, oder die Zerſezung des Miſtes wird, wenn auch die Saatfurche und die Einſaat nicht tro>en genug erfolgen kann, bis zum nächſten Frühjahr, wo die Bodenkrume, durch den Froſt gemürbt, eine größere Thätigkeit entwielt, verſchoben, wo dann dieſelben Nachtheile entſtehen, als wenn der ſpätuntergebrachte Miſt bis zum Frühjahr unzerſetzt im Bo- den bleibt. Es iſt daher ſehr anzurathen, den Boden zu Wei- zen ganz beſonders mit der Sorgfalt zu beſtellen, die man von einer guten Beſtellung fordert, und ganz beſonders muß man in dieſer Beziehung dort ſorgfältig ſeyn, wo der Weizen häufiger brandig wird, weil ſich hier von jeder Vernachläſſigung die Folgen ſtets ſchlimmer zeigen. Z: Auch eine zu ſtarke Düngung kann mitunter die Urſache des Weizenbrandes ſeyn, indem die zu große Geilheit des„Bodens einen Ueberreiz der Pflanzen hervorbringt, und hiernächſt eine fehlerhafte Beſchaffenheit des Organigsmus verurſachen kann. Es ſcheint dieß nicht unwahrſcheinlich zu ſeyn, da es die Er- fahrung lehrt, daß der Weizen beſonders die alte Bodenkraft liebt, und im Boden, wo er dieſe genugſam findet, und der ſonſt dem Weizen entſprechend iſt, ſich in der Regel der Brand, bey uns im nördlichen Deutſchland ſeltener zeigt, als wo der Boden erſt durch eine ſtarke Düngung in den für den Weizen nöthigen Grad von Kraft geſezt werden muß. In Vollhynien giebt. es Boden, der nie gedüngt werden darf, dabey ſtets ſehr ergiebige Weizenerndte trägt, aber nie Brand hervorbringt. Nach einer mir gegebenen Verſicherung hat man dieſen Boden, der ſich ſo' feſt zuſammenſetzt, daß ſein Aufbruch bey der Braache immer mit großen Schwierigkeiten verbunden iſt, um ihn lo>e- rer zu machen, gedüngt z aber der darauf folgende Weizen gab, indem er ganz Lager wurde, nicht nur eine ſehr unbedeutende Körnererndte, ſondern es zeigte ſich in demſelben auch der bis dahin nicht Statt gefundene Körnerbrand, Auch habe ich an ver» ſchiedenen Orten öfters bemerkt, daß, wenn die Miſthaufen nicht gehörig zerſtreut waren, und ſich' an dieſen Stellen Geilhörſte bildeten, dieſe verhältnißmäßig weit mehr brandige Aehren ent« hielten, als der Weizen an andern Stellen. Es iſt demnach wohl anzurathen, daß man dort, wo man ſehr ſtark zu düngen pflegt- vor dem Miſt erſt eine Vorfrucht nimmt, die dem Weizen günſtig iſt, und die für dieſen zu große Triebfähigkeit der friſchen Düngung verträgt, j (337) Was nun die Erſcheinung anlangt, das man an einem Sto>e brändige und geſunde Aehren, und in einer Achre bran dige und geſunde Körner findet: ſo erklärt dieß Herr Elsner in ſeinem Aufſatze über den Weizenbrand, Mögliniſche Annalen der Landwirthſchaft 8ten Bandes 1ſtes Stü> S. 116. folgender- mäßen:„Die Stauden treiben in der Erde noch allen Richtun- gen eine Menge Wurzeln. Bey dem noch wenig zerſeßten Dün- ger konnte es nicht fehlen, daß nicht manche von dieſen Wur- zeln in ein Pläßchen ſchlugen, was geiler war, als wo die anz dern eindrangen. Nun wurden wahrſcheinlich dem Halme, wor2 auf der Brand ſtand,, durch die erſtern, und der geſunden Aebhre ihre Nahrung durch die letztere zugeführt, und es iſt als- dann natürlich, daß die Conſtitution beider verſchieden ſeyn mußte. Der geſunde Halm wurhs in ſeinem gleichmäßigen Trie: be fort, wo hingegen der andere alles das erfuhr, was Einfluß auf die fehlerhafte Beſchaffenheit des Organismus hat. Daß dieſe Erklärung. viel Wahrſcheinlichkeit bat, dafür genügt wohl das, daß die Stängel, welche die Brandähren trugen, und die mit geſunden auf ein und demſelben Sto>e ſtanden, allemal kräftiger ausſahen, und auch länger waren, als die geſunden; Was hingegen die Aehren betrifft ,. die ſonſt ganz brandig waren und doc) noch einzelne geſunde Körner hatten, ſo müßte die Sache ungefähr folgendermaßen erklärt werden. Die der Aehre zugeführten Säfte waren von der Art, daß der Brand in den zu erzeugenden Körnern nothwendig entſtehen mußte; nun ſon2 derten ſich aber von dieſen durch das feine Zellengewebe der Halm- und Fruchtknoten doch noch einige gute Säfte ab, und erhielten das Korn, dem ſie zugeführt wurden, geſund. Uebri- gens haben dieſe Körner doch meiſtens ein kränkliches Anſehen.“ Was die Entſtehung des Brandes aus einem fehlerhaften Samenfkorne anlangt, ſo hat man hierüber Folgendes beobachtet, Wenn der Weizenſamen ſeine vollſtändige Reife nicht er- langt bat, und man ſäet dergleichen Samen, ſo zeigt, ſich häu- figer und mehr Brand, als wenn man gehörig gereiften Samen geſäet hat. Auch hat man bemerkt, daß derjenige Weizenſamen, der wegen Lagerung bey feuchter Witterung nicht ganz vollſtän» dig geworden iſt, und ſehr di>ſchälig, wenig mehlreich, und mehr aufgetrieben iſt, ſehr vielen Brand verurſacht, Doß jeder unvoll- ſtändige Same ſchwächliche Pflanzen giebt, iſt eine allgemein anerkannte Sache; nur zeigen ſich die daraus entſiehenden Nach? theile nicht bey allen Pflanzen gleichmäßig. Wenn auch bey an- dern Gewächſen,, die aus einem unvollſtändigen Samen ent: ſtandenen ſchwächlichen Pflanzen ſich in einem kraftvollen Bo- den und bey ſehr günſtiger Witterung noch ſo erbolen, daß fie die ihnen begegnenden Nachtheile überwinden, und noch einen anſehnlichen Ertrag an ziemlich vollſtändigen Samen geben: ſo iſt hierauf beym Weizen um ſo weniger zu rechnen, da der un- vollſtändige Same der Pflanze, ſchon vom Keime an, eine ſchwächliche und fehlerhafte Beſchaffenheit des Organismus mit- tbeilt, die bey veranlaſſenden Urſachen, wenn auch ſonſt die gün: ſtigſten Vegetationsverhältniſſe Stait finden, den Brand verar- ſacht; Man ſuche daher ſchon auf dem Felde dea vollſtändigſten Weizen zum Samen aus, und laſſe dieſen, während man den an: dern Weizen abbringt, ehe er noch gänzlich reif geworden iſt, ſeine 25* Anbau der Feldgewächſe, Weizen, 985 286 Bau der Feldfrüchte, 10. Abſchn. October. (388) ganz vollſtändige Reife erlangen. Wenn der ein hornartiges An« ſehn habende Weizen auch als Marktgetreide nicht beſonders geſchätzt wird, ſo iſt dagegen dieſe Cigenſc?; Obgleich man nicht ſelten von WeeMan, der vom Brände gänzlich verunreiniget war, ganz brayd oſen Weizen geerndtet hat, jo will man doch vielſeitig bemerkt haben, daß dergleichen Samen doch viel häufiger und mehr Brand hervorbrächten, als wenn ſie gehörig vom Brande gereinigt worden ſind.- Wenn nun auch dem-Weizenbrande keine unbedingt anſte>ende Eigenſchaft auf die nachfolgende Saat zuzuſchreiben iſt: ſo iſt es do nicht immer erfüllen, nicht zu verwerfen, wenigſtens hat| es ſich ſehr oft beſtätigt, daß diejenige Sgat, wo dieſe Schub- mittel angewendet wurden, nicht brandig geworden iſt, während' eine andere, ganz unter denſelben Verhältniſſen gemachte Saat,! welche dieſer Schutzmittel entbehrte, ſehr viel Brand entbielt.! W3os nun die verſchiedenen Schutzmittel und-beſonders die naſſen t Beizen änlangt, ſo ſcheint ihre Wirkung hauptſächlich. darin zu) liegen, daß ſie vermöge ihrer Schärfe die Keimfähigkeit in den| ] ſchwachen Körnern vertilgen, die in den geſunden dagegen um ſo mehr erhöhen, ſo daß dieſe um ſo kräftigere und geſundere Pflanzen treiben, und dann natürlich um ſo weniger, den Veranlaſſungen zum Brände unterworfen ſind, Uebrigens ſcheint es unzweifels Haft, daß das eine Schutzmittel in dieſer Gegend, unter dieſen Ver- bältniſſen, ſich ganz beſonders bewährt, in einer andern Begend und unter andern Verhältniſſen dagegen wenig wirkt, wo ſich ein anderes beſſer bewährt. Wir wollen daher mehrere dieſex WE Schutmittel anführen.| Das einfachſte und von Vielen ſeit langen Jahren ange- 1/85 wendete und großentheils ſich bewährende Schutzmittel gegen| den'Brand beſteht in Schwemmen und Waſchen des Weizens in Waſſer, durch welches erſteze die unvollſtändigen obenſchwim- menden Somen abgeſondert'werden. Gleich nach dem Schwem- men und Waſchen wird der Weizen dünn ausgebreitet, um ab» zutro>nen, und mehrmals umgerührt. 1 Einige breiten den Weizen den Tag vor der Saat dünn auf einer Tenne aus, übergießen ihn mit gehörig gefaulter, abey nicht mit Waſſer verdünnter Miſtjauche, arbeiten ihn gebörig durch, ſo daß jedes Körnehen mit Jauche geſchwängert wird, und ſchaufeln ibn dann auf einen ſpigen Haufen, in welchem er 8 bis 12 Stunden liegen bleibt, damit er ſich etwas erwärme, worauf er wieder augeinandergeſcne.' Man nimmt auch auf 10 Berliner Quart alte, aber nicht mit Waſſer verdünnte Miſtjauche 15 Berliner Metze gebrannten Kaik;' wo möglich ungelöſcht. Der Kalk wird über den Weizen geſchüttet, und zwar in dem Maaße, daß allemal 1 Mebe auf einen Berliner, Scheffel Weizen kommt. Man nimmt auß wobl zu dieſem Kalk noch den zehnten Theil Kochſalz. Weun Anbau der Feldgewächſe. Weizen. k(391) nun der Kalk gleichmäßig über den Weizenhaufen vertheilt iſt, dann wird die Jauche darüber gegoſſen, und ſodann der Weizen mehrmal nach allen Seiten durchſtochen, bis die Feuchtigkeit ein- gezogen iſt. Hierauf wird der Haufen glatt gerundet, und nach etwa 4 Stunden aufs neue durchſtohen und wieder feſt und rund gemacht, Nach 6 Stunden wird dieß wiederholt. Alsdann bleibt der Haufen bis zur Saat ruhig liegen, und es iſt um ſo beſſer, wenn man ihn zwey bis dreymal vierundzwqn- zg Stunden liegen läßt, wodurch alle ſchwächlichen Körner um ov gewiſſer die-Triebkraft verlieren, Man bringt ferner ſo viel Weizenſamen, als man den fol- genden Tag zur Saat braucht, auf die Tenne, feuchtet ihn mit Waſſer. oder Miſtjauche vollkommen an, ſtreut dann Aſche, Salz und zu Pulver zerfallenen Kalk darüber, arbeitet alles wohl durcheinander, damit jedes Körn voll Weizenſamen einen Spaten voll gelöſchten Kalk, rührt ihn in einer Kufe mit etwas Waſſer zu einem Brei, ſeßt gegohrne Jauche mit ein paar Häna den voll Salz hinzu, rührt es um und thut den Weizen hinein, läßt ihn 12-24 Stunden ſtehen, wo die Maſſe ganz compact wird. Um ſie ſäen zu können, wird ſie zerkrümelt, und mit et- was Holzaſche durchgerieben. Oder man breitet den ausgedroſchenen Samenweizen dünn auf dem Boden aus, thut unter jede 4 Scheffel Weizen 1 Schef: fel trodene Holzaſche, läßt dieſes Gemiſch 14 Tage über durch- treten, und täglich einmal unter einander ſchaufeln, Das Ganze bleibt ſo bis zur Ausſgat liegen, wo man vorläufig die Aſche berausſiebt. Oder man nimmt auf 500 Pfund. Weizen 1 Pfund Alaun, 1 Pf. Eiſenvitriol, x Pf. Salpeter, 3 Pf. Grünſpan. Die zerſto» ßenen Ingredienzien werden mit zureichendem Waſſer über dem Feuer aufgeldſt, und wenn ſie erkaltet, mit ſo viel Waſſer ge- miſcht, als nöthig iſt, den Weizenhaufen ganz zU durchfeuchten. Man ſticht ihn ein paarmal um, und ſäet nach 24 Stun- den. Dieſes Mittel ſtammt von einem Herrn Shmiß zu Düren im Jülichſchen, und derſelbe hat für, jede brandige je ar ſo man auf ſeinem Weizena>er findet, einen Dukaten eboten. ? Man hat auch in dem Arſenik ein gutes Schutzmittel ge- gen den Brand gefunden; allein die Anwendung deſſelben iſt mit zu vielen Gefahren verknüpft- als daß ſie anzurathen wäre. - Auch habe ich folgendes Mittel ſehr rühmen hören. Man weicht Hühnermiſt in Waſſer auf, thut darunter etwas Kiene 230 Bau der Feldfrüchte, 40, Abſchn, October. (392) ruß, und thut in dieſe Auflöſung ,-die ganz flüſſig iſt, den Weis- zen hinein ,- läßt ihn 12 Stunden darin liegen, und ſchöpft alle oben ſchwimmenden Körner ad, Hierauf wird der Weizen ber- ausgenommen, dünn aufgebreitet, und bevor er noch gänzlich abgetro>net iſt, geſaet. Ich vermag jedoch die Quantität des Hühnermiſtes und Kienrußes auf die beſtimmte Quantität Wei- zen nicht anzugeben. Außer dieſen angeführten Mitteln giebt es no< eine Menge, welche den Brand verhüten ſollen, die zum Theil aus verſchiede- nen Ingredienzien zuſammengeſebt ſind, zum Theil auf einer be- ſondern Behandlungsart des Samenweizens- beruhen. Der Sigubbrand iſt eine Krankheit, die nicht nur den Weizen, jedoch dieſen am bäufigſten, ſondern auch, mit Ausnahme des Noggens, vie andern Getreidearten befällt. Man nennt ihn au den Flugbrand, oder Schmutt. Dieſe Krankheit iſt anderer Art, als der Steinbrand. Das Korn behält-ſeine Form nicht, es füllt fich vielmehr beym Anſetzen mit einem ſchwarzen rußartigen Pulver, vie Spelzen zer- plaßen zum Theil, und ver Brandſiaub wird bald vom Winde fortgeführt. Dieſe Krankheit entſteht noh eher, als"die Aehre aus ihrem Schaft hervorgetreten iſt, und man kann ſchon im Marke der Pflanze und im Halme den Anſaß dazu entde&en. Auch wird gewöhnlich die ganze Pflanze davon befallen, Da dieſe Krankheit ſeitner, als der Steinbrand vorkommt, auch nur haupt» fachlich manche Gegenden betrifft, Übrigens auch durchaus nicht anſteFend zu' ſeyn ſcheint z ſ9>iſt man darüber nod mehr im Dunkeln„ als über den Steinbrand, und kennt gar keine Schuß- mittel dafür:>E8 ſcheint, daß dieſe Krankheit: zum Theil eben- falls aus unvollſtändigen Samen herrühre, zum Theil aber auch durch die Beſchaffenheit des Bodens, der Witterung, und ver- muthlich auch durch die Düngung verüxſacht werde. Daß ſie andere Entſtehungsurſachen, als der Steinbrand babe, iſt be- ſtimmt, da man ſie in Jahren, wo dieler Statt findet, gar nicht iemerktz dagegen ſie häufig vorkomrat, wenn dieſer nicht Statt ündet, und das endlich die Schutzmittel, welche gegen den Stein- brand helfen, ben Staubbrand nicht verhindern. Man will bemerkt baben, daß ſich der Staubbrand im naſſen Boden, und im Boden mit ſehr flacher Krume, ſo wie in naſſen und ſehr feuchten Jahren am häufigſten finde, Der Roſt, i v welcher auch Brand getannt wird, iſt wit den beiden angeführ- ten Krankheiten nicht zu verwechſeln. Dieſe Krankheit, welche das Getreide befällt, äußert ſich davurch, daß ſich an den grünen Stängeln und Blättern zuerſt gelbe Flek>e zeigen, die immer brau» ner werden, zulebt an der Oberfläche zerplatzen, und einen brau= nen Staub gusſchütten. Es erfolgt hierauf eine Abzehrung der Pflanzen, und ſie ſeen weniger Körner an, als gewöhnlich. Man bat dafür vas Einbeizen der Samen in Salz und Kalk- lauge empfohlen, obgleich dieſe Mittel ſich nicht durchgängig bes währt haben. Eine von Roſt befallene Weizenſaat empfiehlt man abzumäben, weil ſich derſelbe immer weiter verbreitet, und die ganze Erndte vernichtet. <..,/ a mD ux eo mer " 5 WW BERT Anbau der Feldgewächſe, Weizen, 291 G923) Saatzeit. Man ſäet ven Weizen bald früher, bald ſpäter. In den Gegenden, wo man mit der Winterweizenausſaat eine beträchtliche Roggenſaat verbindet, ſäet man den Noggen zuerſt, und läßt auf dieſen die Weizenſaat folgen, weil die allgemeine Erfahrung es lehrt, das der Weizen.eine ſpätere und feuchtere Einſgat verträgt, als der Roggen. Uebrigens ſind die Meinungen darüber getbeilt, ob man den Weizen überhaupt ſpät oder zeitig ſäen ſolle. Einige behaupten, nur von der zeitigen Saat die ſicherſte Wezzenerndte zu erlangen. B x ſägt im zweyten Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 12:„Je ſpäter“ der Weizen im Herbi eſäet wird, je ſpäter kommt er im folgenden Jahre zum Schoſ- pn und Blühen. Um ſo ſpäte? er aber zum Blühen und Kör» nermachen gelangt. um ſv mehr unterliegt er Krankheiten 3; dem Roſte vorzüglich, aber auc? dem Brande. In wärmern Gegen den>ſ&en wir zuerſt im Herbſt Roggen, und dann erſt Weizen 3 und in kältern Gegenden hält man es aber für klüger erſt Weizen und dann Roggen zu ſäen; denn der Roggen, wenn er auch no< ſo ſpät geſäet wird, wird doch reif, nicht'aber dex verſpätete 95eizen. J< möchte es aber noch für klüger halten, unter ſol: wen Umſtänden lieber gar nicht Weizen zu ſäen,“„Andere ſtim- men dagegen durchaus für eine ſpätere Saat, indem ſie es für das Gedeihen des Weizens nicht günſtig halten, wenn er ſich bey einer lang anhaltenden Witterung nach der Saat vor der Ein» winterung zu ſehr überwächſt, und wohl gar geſchröpft werden muß. Dergleichen Weizen lagert nad) ihren Behauptungen weit leichter, und giebt weniger und nicht ſo vollkommene Körner, als ſpäter geſäeter Weizen, Aus dieſem Grunde zögert man 3. B. jn der Umgegend von Dregsden mit der Weizenſaat ſo lange, als möglich. Auch behaupten ſie, daß in dem bindigen Boden die ſpätere Saat beſonders deßhalb vorzuziehen ſey, weil der. Boden in der ſpätern Jahreszeit feuchter, eine leichtere und vollſtändi2 gere Unterbringung des Samens geſtatte, wodurch eine tiefere Einwurzelung erfolge, die für den Weizen höchſt nöthig ſey; da alle oberflächlich liegen gebliebenen Körner, wegen flacher Einwur- zelung, ſchwache Pflanzen verurſachten. Es kommt nun darauf an, was man unter zeitiger und ſpä» ter Saat für einen Zeittermin verſteht, Wir glauben nicht 0. irxen, wenn wir im Allgemeinen im nördlichen Deutſchland 102 wohl, als im ſüdlichen Deutſchland diejenige Weizenſaat, welche vor der Mitte Septembers eingebracht wird, als eine ſehr zeitige Saat 3; die 8 Tage vor Michaelis geſäete, als eine zeitige Saat bezeichnen; dagegen die nach Michaelis bis zum letzten Drittel des Octobers eingebrachte Weizenſgat, eine mittlere, und die ſpäter geſäete, eine ſpäte Saat nennen.; Was die Saat vor der Mitte Septembers anlangt, ſo wird es wohl nur wenige Gegenden in Deutſchland geben, wo eine ſv zei- tige Saat erforderlich wäre, damit der Weizen vor Winter genugſam- erſtarkz, ſo daß er die Durchwinterung ohne Gefahr überſtehe; und in ſolchen Gegenden wird der Weizenbay immer mißlich bleiben, weil der Trieb der Pflanzen durch die zu ſpät eintretende Wärme im Frühjahr ſo ſehr verzögert wird, daß für die Reifung Beſorgniß zu hegen wäre. Eine ſo zeitige Saat aber ohne die Veranlaſſung einer zeitigen Einwinterung zu machen, 292 Bau der Feldfrüchte. 40. Abſchn. October.| (334) wäre durchaus zu widerrathen, weil bey günſtiger Herbſtwitte-| 188! rüng, beſonders im ſehr reichen Boden, ein ſo-ſtarkes Ueberwach» Bun ſen der Pflanzen erfolgen würde, daß, wollte man die Saat den jugt Winter hindurch nicht der Gefahr des Faulens unterwerfen, man 01 dieſelbe durchaus ſchröpfen müßte, Das Ueberwachſen und Schröps Vi fen der Weizenſaagt vor Winter aber, kann ſehr leicht eine Ver? niir anlaſſung zu einer fehlerhaften Beſchaffenheit des Organismus ke ih der Pflanzen geben, und kann dann eben ſo gut, wie eine zu fend ſpäte Saar die Urſache des Brüundes ſeyn.(epa Die zeitige Saat, vor Michaelis, kann in manchen Fällen|"ken ſebr anzuratben ſeyn. Unter dieſe Fälle iſt ein ſehr geſchloſſener| hm Boden zu rechnen, der zugleich ſehr kalt iſt, und in welchem die| y Vegetation im Herbſt zeitiger aufhört, im Frühjahr aber, wegen| file ſpäterer Duren, und der Boden bildet viele Klöße, die weder Walze, noch kb Egge zu zwingen vermag: ſv ſtehe man lieber mit der Saat an,("7 und warte einen durct, ſo keimt es ſchwer, vermalzt zum Theil, YÄ öder der Keim, nur durch die geringe Feuchtigkeit des Nachtthaus ä hervorgelo>t, wird ſchwächlich, vermag ſich nicht in die harten Schollen einzuwurzeln,-und geht entweder bey der Durchwinte:|*2 rung zu Grunde, oder giebt ſehr ſchwächliche Pflanzen, die den 1 Keim zum Brande ſchon in ſich tragen. Aber auch in dem Falle,| daß der Boden nicht ſehr kloßig iſt, iſt es nicht zu empfehlen,(“ bey ſehr großer TroFniß zu ſäen 3 denn obwohl der Weizen das(31 Einſchmieren nicht, verträgt, ſo liebt er doch die ſehr tro>ne Ein»(IR ſaat auch niner Witterung in nen ſehr troFenen Boden ſäet. Von der ſpätern Weizenſaat hat- man zwar nicht ſeltene Fille, daß ſie ſehr gut gerathen iſt, und man hat ſogar Bey- ſpele, daß die zu Ende Novemvers, oder Anfangs Decembers ge- wachte Saat eine beſſere Erndte gegeben hat, als die früher ziſäetez aber ungewiß bleibt venn doch immer eine ſolche Stat. Es ſchadet zwar' dem Weizen nicht ſo ſehr weſentlich, winn er auch vor"der Einwinterung nicht zum Vorſchein fommt,; aber im Ganzen genommen ſpricht doch, die Erfahrung 05 daß der vor Winter"erſtarkte Weizen eine ſicherere Erndte gibt. Ausſaat-Maaß. Der Weizen bildet unter den Getreidearten den größten StoX, er muß daher, wenn er ſich gehörig ausbilden ſoll, den wiſten Raum haben, und er wird auch überall dünner geſäet, als! der Noggen. Da der Weizen in ſehr verſchiedenen Boden "nd unter ſehr verſchiedenen Umſtänden geſäet wird, da die veſchiedenen Weizenarten großkörniger oder kleinkörniger ſind, und eine größere oder mindere Beſtaudungsfähigkeit haben: ſo iſt es ſehr natürlich, daß die Quantität des auszuſäenden Sa- mens bald größer, bald geringer ſeyn muß, um ein vollkommen ' icht beſtandenes Weizenfeld zu erhalten, obne daß jedoch der Stand der Pflanzen zu dicht iſt, Man wird daher auch beym Weizen im Ausſaatmaaße eine ſo große Verſchiedenheit finden, wie faſt bey keiner andern Frucht; und theils beruht dieſe Ver» | ſchiedenheit auf der BerüFſichtigung der Statt findenden Um ſtande, zum Theil aber auch auf der-herkömmlichen Gewohnheit, bihter oder dünner zu ſäen; daher denn auch. unter übrigens glächen Umſtänden in einer Gegend beträchtlich dünner, in eis nir andern dagegen beträchtlich dichter geſäet wird. Bey keiner Qtreideart iſt es aber von ſo großer Wichtigkeit, das gehörige Maß der Ausſaat zu wählen, als beym Weizen. Bey einer zu dünnen Saat giebt der Weizen im Verhältniß der zu ihm ver» kindeten Düngung und Arbeit einen zu geringen Ertrag; der Zöden verwildert bey einem zu dünnen Stande der Pflanzen, : eiſchöpft ſich im Treiben des Unkrautes, und die auf den Wel- zm folgenden Früchte, von denen man einen ſehr anſehnlichen Ctirag zu erwarten berechtigt iſt, ſchlagen merklich zurü>k. Bey einer zu dichten Saat ſind die Pflanzen in der gehörigen Aus» bildung einander binderlich, ſie werden dadurd ſchwächlich, un- bäiiegen den Krankheiten um ſo leichter, und wenn ſie dieſe oäd) glüFlich überwinden, ſo lagern ſie um ſo leichter, und end» Lich giebt der zu dicht ſtehende, nur ſchwache StöFe bildende und Weizen. 293 294 Bau der Feldfrüchte, 40. Abſe in Gartenboden bekommen oft einen Umfang von( einem Quadratfusz; allein in den beſten Ae>ern kann man nur 9 Quadratzoll, in mittlern 6, und in magern 4 Quadratzoll auf' eine Pflanze rechnen. In Oberöſtreich in den beſten Gegenden| des Hausruviertels- ſäct man 1%, höchſtens 2 Wiener Mebven auf das öftreichiſche Jom. Mehr zu ſäen, behaupten die dorti- gen Landwirthe, wäre Verſchwendung. In der Gegend um Wien rechnet man 2x bis 2x Metzen. Im Marchfelde 3 Meben. Um die Menge der Saat, welche den Umſtänden die angemeſ: ſenſte iſt, gehörig beſtimmen zu können; iſt es nöthig, die An-! zahl der Saatkörner zu wiſſen, die in einem' gegebenen Maaße| ſhy) entbalten ſind. I< wog einen Wiener Meten- im Jahre 1817 ſeldſt erbaute Weizenkörner von ziemlicher Vollkommenheit, neun| bir; Monate nach ver Erndte, er hatte 843 Wiener Pfund, Ein Loth| Une hiervon enthielt 502 Körner. Ein Meßten enthielt demnach| 31| 1,355,480 Körner 3 und da ein Joch 8,294,400 Quadratzoll ent- bält, ſo würde auf jede Weizenpflanze ein Raum von 6,11 Quas bid vratzoll kommen, wenn ein Meßen auf das Jo geſäet würde;| No vorausgeſeßk, daß jedes Korn keimte und fortwüchſe. Nun fand ich| ſilb aber, daß 14 Proc, tobte Körner vorhanden waren 3 folglich blie:| diy ben nur 1,165,713 keimfähige Körner, die auf dem Aer gleichmä-| Nc ßig vertheilt, jedes einen' Raum von 7,41 Quadratzoll bekämen,| ſen den ſie in einem guten Boden, und bey übrigen günſtigen Ver:| 9:ſ; hältniſſen allerdings ausfüllen würden, wenn man annehmen| tai vürfte, paß jedes Saatkorn. in eine Lage käme, keimen zu kön»| Hr nen, und keine Pflanze über Winter oder im Frühjahr zu Grunde| inge. Weil man aber auf zu Grunde gehende Pflanzen, nach| zieh Verhältniß der Süte des Samens, der Saatzeit, der Art des| bſy Unterbxingens u. ſ. w. viel größern Zuſchuß zum berechneten| wet Saatquantum, welches. den Kräften des Bodens angemeſſen|%z wäre, hinzuthun muß, ſo würden bey 50 Proc. Zuſchuß, 12 Wiener| ſyc Meßen pro Öſtreichiſches Joh kommen, wodurch auf jedes le-| un( bende Korn, oder vielmehr jede künftig nicht bloß aufgehende, ſon-| hl dern aud) bleibende Pflanze ein Raum von 6,11 Quadratzoll käme,| Yiq und eine hinlänglich dichte Saat auf einem nicht ganz magern| Boden hervorgebracht würde, Mit der Fellenbergſchen Säemas| ſchine habe ich dieſe Quantität für meine Aed>er hinlänglich be:| Ur funden 3 wenn ich die Saat aber mit der Egge oder mit dem| tie Exſtirpator unterbrachte, ſo habe ich bey früher Saatzeit 23, et:| ſü was ſpäter aber 25 Metzen auf das Joch gebraucht, obne daß| 11 ich eine dichtere Saat, wie mit 15 Mete mittelſt der Maſchine| I erhalten habe. Daß man in England und in den Niederlanden| vz im Durchſchnitt mit einer geringern Menge Saatkorn aus-| Ae kommt, möchte ich nicht gern allein der zwe&mäßigern Cultur,|- We ſondern großentheils aune des Winters, und endlich bey| ye den feindſeligen Nordoſtwinden des März ſo viele Pflanzen ein»| m; büßen, und daher dichter, wie unſere Nachbaru ſäon wüſſen.“|| fü | Anbau der Feldzewächſe. (397) Serbau S. 33 mehrere Pngaben über das Augsſaatmaaß, wovon wir hier folgende hergusheben, Man ſset auf den Hebs- tzx zu I Edeghem, in Brabant, ſowohl auf Hoch-, als Niederland.=; 3; Eekern und in den Poldern daſelbſt, auf ſchwe- ren Marſchboden 2 N 3; I Vovorde, in Flandern, ſehr guter Mittelboden 1 Melle, Sandboden daſelbſt,;“ 1 1 1 5 1,50 Hektoliter, v( ( Meine, Sandboden daſelbſt; v; Weſtflandern, Durchſchnitt. 4 4 9 Im Elſaß 4024. 1590....2,42. bi8.2,90..:- 2 Nad den verſchiedenen Angaben beträgt die Einſaat im Durch- ſchnitt 2,00 Hektoliter auf den Hektar. In der Umgegend von Dresden ſäet man auf den Magde- durger Morgen zu 180 rheiniſchen Quadratruthen 24 bis 28 Berz liner Meten, bey welcher Quantität die Saat gewöhnlich viel zu dicht iſt, und ſich gewöhnlich lagert. In den verſchiedenen Begenden Schleſiens habe ich als das höchſte Ausſaatmaaß 22 Berliner Meten*auf den Magdepurger Morgen gefunden. In ſehr guten Weizenboden ſäet man das ſelbſt 1 Berliner Scheffel, auch wohl nur 12 Metzen, und von dem Frankenſteiner Weizen noern Boden unterpflügt, ſo bedarf man weniger Samen, als man gebraucht haben würde, wenn man auf die Saatfurche ſäet, um ein gleich dicht beſtandenes Weizenfeld zu haben. Uebrigens iſt es beym Weizen eben ſo, wie bey andern Ge2 wächſen zu beachten, daß man bey einer ſpätern Saat etwas ſtärz ker ſäet, als bey einer zeitigen; daß man den magern Boden dichter beſäen müſſe, als den reichern; und daß man von unvoll: ſtändigen Samen eine größere" Quantität haben müſſe, als von vollſtändigen. Ferner iſt zu beachten, daß man dann, wenn der Boden fehr tro&en iſt, und man noch lange anhaltende Tro>niß vermuthet, etwas dichter ſäen muß, als wenn der Boden und die Witterung mäßig feucht ind. Wo der Schnee lange liegen bleibt, beſonders aber auf ſolchen Feldern, die den ſcharfen Oſt» winden im Frühjahr ſehr preiszegeben ſind, muß man etwas dichter ſäen, weil man in dieſem Falle auf eine größere Menge zu Grunde gehender Pflanzen rechnen muß. Auch iſt im Allge« meinen auf den Zuſtand des Bodens in Hinſicht des Ausſaat2 maaßes RüFſicht zu nehmen. Jſt der Boden in Folge der Vor« früchte oder der Zubereitung ſehy lo&er, ſo bedaxf man weniger O2L2TSODOEOEOD 2OSOOD l | , ie: , Weizen, 295 296 Bau der Feldfrüchte. 40. Abſchn. October. (398) Samen. Iſt er dagegen hinter den Vorfrüchten, als 3. B, nach Klee, mehr geſchloſſen, ſo iſt eine ſtärkere Einſaat vöbthig, weil die vollſtändige Unterbringung der Samen ſchwierig iſt, und weil viele Keime nicht gebörig einwurzeln können, woraus viele ſchwache Pflanzen entſtehen, die bey der Durchwinterung zu Grunde gehen. Unterbringung der Saat. Soll das Weizenkorn in eine zum Keimen günſtige Lage ge- bracht werden, ſo muß es gehörig unter die Erde gebracht wer- den 3; denn es. verlangt einen nicht unbeträchtlichen Grad von Feuchtigkeit zum Augbilden eines kräftigen Keimes, den es nur unter einer verhältnißmäßigen Erdde>e am beſten findet. Aber auch deßhalb iſt die gehorige Unterbringung des Weizenſamens erforderlich, damit die jungen Wurzeln eine feſtere Haltung bes kommen, weil die Weizenpflanzen dann den Gefahren der Durch: winterung um ſo beſſer widerſtehen, und die tiefer eingedrunge: nen Wurzeln um ſo gewiſſer bey Trockniß die nöthige Feuchtig: keit finden.] Der Weizen verträgt ſelbſt in dem bindigen Boden eine 3 Zoll ſtarke Bede>ung, im leichten Boden muß die Unterbrin» gung tiefer erfolgen. Wenn man den Weizenſamen eineggt, ſo nimmt man dazu ſchwerere Eggen, als zum Unterbringen des| Roggens. Man eggt mit einem Striche vor;. ſtreuet dann den Samen aus, und eggt ihn nun mit mehrern Strichen gut unter. Da die Unterbringung des mehr runden Weizenſamens durch das Eggen nicht ganz vollſtändig erfolgt, ſo hat man es gern, wenn der. Aer durch das Eineggen der Saat nicht zu klar wird, ſon: dern noch etwas kloßig bleibt... Man walzt nun, wo durch das Zerdrücken der Klöße, die oberflächlich liegen gebliebenen Samen eine Bede>Xung erhalten 3 oder, wenn die Kioße für die Walze u hart ſind, ſo überläßt man es der nachfolgenden Feuchtigkeit, ie augeinander zu treiben, wo durd) das Zerfallen derſelben die nur flach eingewurzelten Keime noch eine BedeXung erhalten. Aber av< aus dem Grunde hat man es gern, daß der Boden nach dem Eggen'noh kloßig bleibt, weil er dann bey der Win: ternäſſe nicht ſo leicht in einen Brey zuſammenläuft, der, wenn er im Frühjahr erhärtet, die Vegetation des Weizens erſchwert, Nicht ſelten wird die Weizenſaat mit dem Exſtirpator, ſelbſt in dem ſtrengen Boden, untergebracht, und dieſe Unterbringung, wo die Weizenkörner weit ſicherer eine gebörige Bede>ung mit STEBA iſt in ſehr vielen Verhältniſſen dem Eineggen vor» zuziehen. 3 Die Unterbringung der Weizenſaat mit dem Pfluge iſt ſehr allgemein, und man findet ſie ſelbſt dort, wo man keine ganz vollſtändigen Pflugwerkzeuge hat. In dem durch die Bearbei- tung oder die Vorfrüchte ſehr gelo>erten, ſo wie in jedem von Natur nicht bindigen Boden 1iſt das Unterpflügen der Weizen- ſaat ſehr zu empfehlen. Aber auch in dem Boden, der im Win- ter leicht breyartig zuſammenläuft, und dann im Frühjahr leicht erhärtet, iſt das Unterbringen der Weizenſaat mit dem Pfluge zu empfehlen, weil der untergepflügte Weizen, wenn er gerathen ſoll, das Aufeggen im Frühjahr unerläßlich verlangt, wodurch der erhärtete Boden aufgelo>ert wird, und vermvge der tiefern Anbau der Feldgewächſe. Spelz. (399) Einwurzelung beym Unterpflügen, um ſo tiefer und ſorgfältiger aufgeeggt werden kann, obne daß dabey die Pflanzen leiden. Man wählt zum Unterbringen des Weizens zern einen Zus: ſtand, wo der Boden mäßig feucht iſt, Ein x Regen bey der Unterbringung, ſo daß der Boden nicht ſchmiert; ſchadet nicht. Die naſſe Einſaat ſchadet zwar dem Weizen weniger, als dem Noggen, do) wird die Sicherheit des Weizenertrags immer gefährdet, wenn er bey der Saat eingeſchmiert wird. Bey ſtarten Nebeln vermeide man es, Weizen zu ſäen und unterzubringen. Der Spelz, Triticum 5pelta. Der Spelz, auch Dinkel, Spei, Veſen genannt, und dort, wo er die Hauptbrodfrucht iſt, mit dem gewöhnlichen Namen Rorn belegt, iſt eine der äim längſten bekannten Getreidearten, und ſcheint früher in Deutſchland weit bäufiger gebaut worden zu ſeyn, als gegenwärtig, wo er in Schwaben, Franken, in der obern Rheingegend am havptſächlichßen gebaut wird, und das allgemeinſte Brodgetreide iſt, Ex iſt eine Weizenart, die ſich beſonders von dem gewöhnlichen Weizen dadurch unterſcheidet, daß die Körner mit der Umbüllung ſo feſt verwachſen ſind, daß ſie'von ihr nicht durch das Dreſchen getrennt. werden können, ſondern daß ſie davon erſt durch das Mahlen oder- Gerben, wie man in den Spelzgegenden dieſe Operation nennt, zu der man beſonders eingerichtete Mühlen hat, getrennt werden müſſen. Der Mangel am Vorhandenſeyn von Gerbemühlen iſt mit eine Haupturſache, daß der Spelzbau ſich nicht allgemeiner verbrei- tet hat, und daß man ihn dort, wo er recht gut fortkommen würde, nicht einmal kennt, Ueber den Werth und die Vorzüge des Spelzes haben wir bereits im Auguſt, unter der Ueberſchrift:„Bemerkungen über den Spelzbau ,/“' geſprochen, und verweiſen daher hier darauf. Es giebt mehrere Arten des Spelzes, in welcher Hinſicht wir auf die ökonomiſche Botanik verweiſen. Die Sommerfrucht dieſes Gewächſes ſoll ſich, wie wir bereits beym Sommerſpelz im April erwähnt haben, des Anbaues nicht verlohnen. Ueber den Winter'pelz bemerkt S< w erz im 2. Bde,' ſeiner Anleitung zum praktiſchen AFerbau S. 101 Folgendes:„Von dem unbärz2 tigen Dinkel giebt es in Würtemberg zwey Spielarten, welche ſich nur im reifen Zuſtande durch die Farbe in rothen und wei» ßen Dinkel unterſcheiden. Unter dieſen verdient der rothe den Vorzug: Er iſt gegen Näſſe und Kälte weniger empfindlich, beſto&t ſich beſſer, treibt ſtärkere und höhere Ha!me, hat voll- kommnere Aehren, ſcheffelt ſtärker, und was ihn für manche Gegenden beſonders ſchätbar macht, iſt weniger vem Honigtbhau und dem Brande unterworfen. Endlich ſoll er, nach der Mei- nung Einiger, ein ſchöneres und zäberes Mehl geben, als der weiße. Man muß, um ihn zu erhalten, mit der Wahl der Saatfrucht ſehr ſorgfältig ſeyn, oder dieſe ſich von Andern, die ihn recht rein haben, zu verſchaffen ſuchen, da er bald augartetz daher man auch in Würtemberg am gewöbnlichſten beide Farben auf den Feldern gemiſcht findet, Beide gelten übrigens für eine vorzügliche Winterfrucht.“«;; Die Cultur des Spelzes kommt im Weſentlichen ſehr mit dem Weizen überein, 298 Bau der Feldfrüchte. 10. Abſchn, October, (300) Wahl des Bodens und des Climas, - Was den Boden anlangt, ſo verhält ſich ber Spelz gänz ſo, wie der Weizen z nur hat er noch den Vorzug, daß er in einem trocknern, loſern und magerern„Boden, wo der Weizen nicht mehr fortkommt, noh"mit Vortheil gebaut werden kann, und daß ex auf der andern Seite in einem ſehr naſſen Böden weni» ger gefährdet ſeyn ſoll, als dex Weizen. Schwerz ſagt im 9, Bande ſeiner Anleitung zum prakt. A&erbau S, 102:„Der Spelz begnügt ſich auch mit einem Boden, der für den Weizen zu kraftlos, zu leicht, oder zu tro>en iſt, wie ich in einem Theile der Pfalz jenſeits des Nheins gejehen habe. Bey Speyer fand ich ihn auf eigentlichem Sandboden in geregelter Frucht« folge nach Klee vorkommen, und dieſe Gegend hat kein feuchtes Clima,“ 9%a38 das Clima anlangt, ſo gedeiht der Spelz zwar» wie aus Vorſtehendem hervorgeht, auch im tro>nern Clima, als der Weizen 3 doch iſt ſein Ertrag im mehr Feuchten Clima um ſo ſicherer. Was die Kälte des Climas anlangt, ſo ſoll er ſich in dieſer Hinſicht nach Einigen eben ſo verbalten, als der Weizen 3 doch behaupten Andere nach gemachten Erfahrungen, daß er ge» gen die Winterkälte empfindlicher ſey, als der Weizen 3 bey ſtrenger Kälte, wo ſich der Weizen gut erhält, auswintere, und daher nur mehr für das warme, ſüdlichere Clima paſſe. Von Witten ſagt in, ſeiner höhern Landescultur S. 117:„Daß ver Anbau dieſer ſchäpbaren Getreideart im nördlichen Deutſch» land nicht gewöhnlich iſt, iſt wohl hauptſächlich dem ungünſtiz gen Clima zuzuſchreiben, da der Spelz, als Winterfrucht, nur in den wärmern Theilen der Schweiz, am Nhein, in Schwaben und Franken mit Vortheil und mit Sicherbeit-gebaut werden kann. Im Winter 1815 bis 1816 gingen ſämmtliche Spelzarten ein, obgleich ihnen eine geſchübte Lage angewieſen war.“ Düngung. Der Spelz gedeibt in einem Boden von alter Kraft am be- ſten, und verträgt zwar die friſche»Düngung 3 voch liebt er es nicht, wenn zu ſtark gedüngt wird, Der ſpät untergebrachte Miſt, der auf den Weizen nachtheilig wirkt, ſcheint dem Spelz minder-gefährlich zu ſeyn. Schwerz führt über die Düngung zum. Spelz im 2. Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft S. 105 Folgendes an:„Der Spelz liebt einen krafivollen,, aber nicht überkräftigen Boden, in weichem Fall er unausbleiblich lagert. Er verträgt auch ein friſches Düngen, und eben ſo gut, wo nicht beſſer, bekommt ihm das Ueberdüngen, wenn er ſchon einen Finger lang über der Erde iſt. Auch läßt ſich das ſchon beſaamte Land mit großem Vortheil 2 bis 3 Wochen lang mit Schafen bepferhen. Ob nun oleich hierzu tro&nes Wetter am liebſten gewählt wird: ſo bat doch die Erfahrung mehr als. ein= mal bewieſen, daß das Pferchen auch bey naſſem Wetter, wo die Schafe den Boden gleich einer Tenne feſttraten, den beſten Erfolg gewährte,“' Pla im Feldbau und Fruchtfolge. - In Beziehung auf die Vorfrüchte iſt der Spelz, der allge weinen Meinung nach, minder gewählt, als der Weizen, in- Anbau der Feldgewächſe; Spelz, 999 (461) dem er in einem Boden„ der für dieſen zu arm iſt, utid ſchon zu viel Früchte nad) einer friſchen Düngung getragen hat, noh einen verhältnißmäßigen' Ertrag giebt, Man mag dieß wohl frei: lich mitunter übertteibern, wo dann der Spelz in einem magern und ſehr abgeſäeten Boden nicht gut fortkommt, was aber dann gewöhnlich dem Spelz- ſelbſt Zur Laſt gelegt wird. Nad) jeder Vorfrucht, die den Boden kraftvoll hinterläßt, und beſynders nach den Vorfrüchten, welche dem Weizen zuſagen, gedeiht der Spelz um ſo beſſer, und giebt einen um ſo größern Ertrag 5 daher der Spelz wohl weniger Schwierigkeit im Einſchieben in den Fruchtwechſel verurſacht, als der Weizen z es aber immer angemeſſen bleibt, um einen verhältnißmäßigen Ertrag zu ges winnen, ihn nach ſolchen Früchten folgen zu'loſſen, welche den Boden no< kräftig genug hinterlaſſen. Wenn. jedesmal friſch gedüngt wird.: ſo kann der Spelz mehrere Jahre auf demſelben Feide mit gutem Erfolge gebaut werden, Auf die nachfolgenden hte wirkt der Spe!z nach der allgemeinen Behauptung mins der nachtheilig, als dex Weizen. Es ſcheint demnach, daß. er; wenn er auch einen dem Weizen gleichen Ertrag an nahrungss fähiger Maſſe, von einer gleichen Fläche giebt, den Boden mins ver ausſauge, und daher wohl ein tdätigeres Blattorgan, um ſich mehr atmoſphäriſche Nahrung anzueignen, haben mag. Er4 pril Bearbeitung des Bodens; „7 Wird der Syelz in einem weniger bindigen Boden gebäut, ſo bedarf er weniger Zurichtung, um die erforderliche Gahre zu bekommen. Wird aber der Spelz im bindigen Boden gebaut, ſo muß. derſeibe ebenſo zubereitet werden, als zum Weizen. Mat iſt zwar mitunter der Meinung, daß der Boden zum Spelz eis ner mindern Zurichtung bedürfe, als zum Weizen z allein die Nachrichten der erfahrenſten Spelzbauer ſtimmen darin überein, daß der Spelz um ſo heſſer geräth, wenn er in ein erforderlich zubereitetes, und eben ſo gut zubereitetes Land, als zum Weizen, geſäet wird..„In der Pfalz“=- führt Schwerz in ſeiner An2 leitung zum prakt. A&erbau«S. 104 an--„wird der Spelz auf leichtern Boden über die Kleeſtoppel hergeſäet und flach mit dies ſer untergepflügt, Das Feld bleibt ſo liegen bis zum Frühjahr, wo gewalzt wird, welches bey dieſer etwas gemächlichen Beſtels lung unerlößlid) iſt.“ Samen und Saat: So wie bey jeder andern Frucht, ſo kowmtat es auch beym Spelz auf ein gehörig gereiftes und vollſtändiges Samenkorn an; und.man hat hierauf ebenſo, wie beym Weizen, ganz vorzüglich Nückſicht zu nehmen, da der Spelz, wenn auch nicht in dem Maaße, wie der Weizen, dem Brände unterworfen iſt. Da der Spelz mit den Hülſen ausgeſäet wird, ſo braucht man nicht nur, eine größere Menge Samen, gewöhnlich doppelt ſo viel; als an Weizen, ſondern es wird auch das Einweichen des Sas mens empfohlen. Ueber das Ausſaatmaaß des Spelzes führt Sh werz im 2. Bande ſeiner Anleitung zum prakt. AFerbau S. 106 Folgendes an:„Die Einſaat wechſelt nah den Gegen: den ſehr ab, So ſäet man in Würtemberg auf den Hektar: X. 26 300 Bau der Feldfrüchte. 10. Abſchn. October, (402) In den Oberämtern Vachingen und Leonberg 3,50 Hektoliter, In. andern Gegenden 4.05.0100 0 22=<= In den würtembergiſchen Feldern 6 27.200562 4-55 Im Oberland auf ſchweren Boden,"56. 24508 4,2900== 197 oder 5- 6--8-=-16 Simri auf den daſigen Morgen. Man be- obachtet, in dem Verhältniß mehr einzuſäen, als der Boden ſchwerer iſt. In Hohenheim, auf der Grenze der Filder, werden im Durchſchnitt 7 Simri gleich 4,90 Hektoliter auf den Hektar geſäet. Doch iſt dieſes nach Raps immer noch zu viel, und es reichen 6 Simri(4 Hektoliter) vollkommen zu, Möhllin- ger in der Pfalz ſäet 3,84 Hektoliter. Laſſen wir die übertriebene Ausſaat des Oberlandes weg: ſo geben uns die übrigen 5 An- gaben einen Durchſchnitt von 4,42 Hektoliter auf den Hektar. Der Gewohnbeit nach ſäet man nach dem Raps am ſchwächſten, ſtärker nach Braache, am ſtärkſten nach Klee. Ungefähr in dem Verhältniß von 6--7-=- 8.“ i Uebrigens machen frühere oder ſpätere Saat, reicherer oder magrerer Boden einen Unterſchied im Ausſaatmaaße ebenſo aus, wie beym 100: Da übrigens das Korn, der Schalen wegen, beym Spelz ſehr verſchieden ausfällt: ſo wird empfohlen, beym großen vollkommenen Korn, beym Säen, die Hand voller, als beym Fleinen zu nehmen, weil das Maaß von dieſem offenbar mehr Spelzen enthält; als von jenem. Man ſäet auch zuweilen Roggen unter den Spelz, und Shwerz führt hierüber am an» geführten Orte S. 107 Folgendes an:„Auf Aekern, die keinen eigentlichen Dinkelboden, d. hb. keinen kräftigen und geſchloſſenen Boden haben, iſt es vortheilhaft, Roggen und Dinkel unterein- ander zu ſäen. Die gewöhnliche Miſchung beſtebt aus x Rog-= gen und* Spelz. Jedoch muß man bey dem Maaße der ganz zen Einſaat berechnen, daß in einem Simri Roggen ſtark noch einmal ſo viel Körner ſte>en, als Dinkelkörner. Wer deßhalb 6 Simri reinen Dinkel auf den Morgen zu ſäen gewohnt war, der darf von dem angegebenen Gemiſche nicht mehr, als 5 Simri nehmen. Wer 8, der nehme nur 67, alſo 5 Theile Dinkel und 12 Theil Roggen. Eine ſtärkere Zumiſchung von Roggen finde ich nicht zuträglich, da er ſeines ſchnellern und höhern Wuchſes wegen den Dinkel zu ſehr beeinträchtigt. Ein ſolches Gemiſch bietet unter gefährdeten Umſtänden größere Sicherheit dar, als eine reine Saat. Schlägt das eine ganz oder zum Theil zurü&, ſo gewinnt das andere Raum, und geräth um ſo viel beſſer,' Auch hat eine ſolche Miſchung auf Boden, der dem Auffrieren unterworfen iſt, ganz beſondere Vortheile, Man ſetzt daſelbſt auf dem Hundsrü>(Gegend zwiſchen Moſel und Nah), wo der Roggenbau herrſchend iſt, x Dinkel, dem Maaße nach, dem Rog: aen zu. So auch möchte der Dinkel ſeinerſeits dadurch gegen den Brand geſichert werden. Uebrigens läßt ſich der Dinkel. bey dem Reinigen in der Scheune ſehr leicht von dem Roggen tren- nen, und deßbhalb ſcheint eine ſolche Miſchung paſſender, als die des Noggens mit Weizen.“ f? 4 Man ſäet den Sm zu derſelben Zeit, wie den Weizen, und beobachtet, ſo wie bey dieſem, im magern und kalten Bo- den und im kalten Clima zeitiger zu ſäen. Man hat noc< An- fangs Februars Spelz geſäet, und derſelbe bat, obgleich er ſpäter reifte, eine vorzügliche Erndte gegeben. SSR TT IFPI EEE EIU EN En ty Anbau der Feldgewächſe. Winterwicke. (403) Da der Spelz mit der Schale geſäet wird, ſo braucht er nicht unbeträchtliche Feuchtigkeit zum Keimen, die er nur unter einer vollkommenen Bede>Xung mit Erde finden kann, Es iſt daher Sorge zu tragen, daß die Saat ganz vollkommen unter» gebracht werde, und im leichten Boden empfiehlt man ganz be: ſonders das Unterpflügen, Das Eitkorn, Triticum monöococcum. Dieſe Frucht wird auch St, Peterskorn genannt, und Fes bört ebenfalls unter die Weizenarten. Sie wird ebenfalls am häufigſten in Würtemberg, aber in keiner großen Ausdehnung gebaut. Da ſie eine ſehr lange Vegetationsperiode hat, ſo wird ſie hauptſächlich nur als Winterfrucht gebaut. Da die Cultur dieſer Frucht nicht ſehr ausgebreitet iſt, und doch wahrſcheinlich GSründe dafür vorhanden ſeyn müſſen, daß ſie ſich nicht mehr eth bat: ſo wollen wir ihrer Cultur hier nur in der Kürze gedenken, Cultur des Einkorns, Das Einkorn ſoll mit noch magererm Boden vorlieb nehmet, als der Spelz 3 daher man es häufig auf ſteinigen und höher lie: genden Gebijrgsfeldern antrifft, wiewohl es auf gehörig zubes reitetem und reichem Boden um ſo beſſer gedeihen, ſich mehr bes ſtauden, dagegen aber weniger leicht: lagern, und den Krank2 heiten minder unterworfen ſeyn ſoll, als der Spelz. Man wählt es gewöhnlich auf Felder, worauf das Sommergetreide zu viel gefährdet iſt, und die für den Spelz- zu ſtörrig ſind. Das Ueberdüngen ſoll dem Einkorn ſehr wohl bekommen. Es kann ſehr ſpät geſäet werden, und mit gutem Erfolg ſelbſt um Weihnachten und im Februar. Dieſer verſpäteten Saat wegen eignet es ſich ſehr gut ins Sommerfeld. Man, ſäet es ſeiner ſtarken Beſtaudung wegen um ein Drittel bis die Hälfte dün- ner, als den Spelz, und in Würtemberg gewöhnlich 4 bis 5 Simri auf den würtembergiſchen Morgen, Eine Miſchung von Einkorn und Spelz ſoll ſehr vorzügliche Erndten geben. Im DEREN ſcheint es in der Cultur mit dem Spelz übereinzu» ommen, Hülſenfrüchte. Die Winterwide, Cultur derſelben.; j „Wir haben bey der Cultur der Wi&e, im April, auf die Winterwi>e in dem Monat September verwieſen, haben äber dieſen Gegenſtand, um den Jnbalt des gedachten Monats nicht zu ſehr auszudehnen, bis hierher verſchoben. Die Winterwi>en werden hauptſächlich in England gebaut, und man hat zeither Zweifel gebegt, daß ſie auch in Deutſchland, des ſtrengern Cli2 mas wegen, fortfommen würden. Hiergegen aber bemerkt S< werz im 2. Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen Aer: bau S. 342, daß er ſie in den Walloniſchen Niederlanden unter Roggen, und auch in Würtemberg auf der Alpe, wo es an ſtrengen Wintern eben nicht fehlt, gefunden habe, wo ſie den Winter recht gut ausdauerten, Auch habe er ſich in Hohenheim, 26* 302 Batt der Feldfrüchte.' 40. Abſce bekommen, und ſich nicht lange halten. Es iſt daher anzurathen, diejenigen Runkelrüben, welche man zu längerer Aufbewahrung beſtimmt hat, im kältern Clima zu Ende Septembers, im wärmern Clima zu Anfang Octobers zu erndten. Diejenigen Runkelrüben aber, die man gleich vom Felde weg verfüttert, können länger ſtehen gelaſſen werden. Ein leichter (405) Froſt, der nur ihre Köpfe trifft, ſchadet ihnen nicht leicht, wenn ſie ſo lange im Boden bleiben, bis der Froſt bey gelinder-Wit- terung ſich langſam hberaugziebt; werden ſie jedoch, ehe dieß der Fall iſt, herausgenommen, und an einem warmen Orte auf Haus: fen gethan,[ov daß ſie plüßlich-aufthauen, ſo gerathen ſie ſehr bald in Fäalniß. Zur längern Aufbewahrung taugen aber die von einem leichten Froſt getroffenen Runkelrüben in keinem Falle, denn es erfolgt immer eine Zerſtörung ihres organiſchen Baues, die, wenn ſie auch ganz unmerklich iſt, ſehr vald Fäulniß ver- urſacht. Länger halten ſich die von einem leichten Froſt getrof- fenen Runkelrüben, wenn man ihnen gleich nach dem Heraus2 nehmen die Köpfe abſchneidet, als wenn man dieß unterläßt. Sind die Runkelrüben von einem ſtarken Froſt getroffen, der bis in die Rübe eingedrungen iſt, ſo muß man mit. dem Heraugneh» men, ſobald der Froſt aufgethaut iſt, eilen und ſie bald verfüt: tern, weil ſie ſehr hald in Fäulniß übergehen. Will man die Runkelrüben zur Zu&erfabrication verwenden, ſo iſt ihre Ein: bringung, ebe ſie von einem Froſte getroſſen worben, unerläß: lich; denn wenn ſie auch von dem Froſt nichts von ihrem Zu>er- ehalt verlieren, ſo ſind doch diejenigen Runtktelrüben, welche Faulflecke haben, zur Zuerbereitung untauglich, und ſie können unmöglich ſo ſchnell zu Zu&er bereitet werden, bevor ſich die Faulfle>e zeigen. N r Vebrigens leiden die verſchiedenen Abarten. der Runkelrüben vom Froſte mehr oder weniger. Diejenigen NRaunkelrübenarten, welche zum. Theil die Rübe über der Erde treiben, werden nicht nur durch einen leichten Froſt, ſondern ſchon ſeiblt durch einen Reif in ihrem organiſche Y en Bau ſo geſiört, daß bald darauf eine -aqulniß. eintritt. Je tiefer ſich die Rüben unter der Erde. aus- lden, um ſo weniger leiden ſie vom Froſte.- Auch hat man vielſeitig bemerkt, daß die ganz weißen Rüben. den nachtheiligen Wirkungen des Froſtes beſſer widerſtehen, als die von geraiſch: ter weißer und rother Farbe. Die großen Nüben leiden eben- falls vom Froſte mehr, als die kleinern, wahrſcheinlich, weil erſtere um[o ſaftreicher ſind.- Nicht. winder hat man bemerit, daß die durch AusſteXung"des Samens erbauten Rüben, di? unver!( iellen, wo ſie aus den Samen aufgegan- gen ſind, ihr zum vollenden, d|[er Wiz derſtehei ne zu leiden, als die erbauten. x davon mag darin liege viel feſteres Fleiſch haben, als letztere, hat mo| genommen, daß die in den Pflanzenveeten zurü gebliebenen Rübenpflanzen,-welche ſich ausgebildet- aber des zu dichten Standes wegen nur einen geringen Umfang erlangt hatten, in einer geſchützten Lage einen mäßigen Winter ohne Schaden aus- gehalten haven ,' während die voll i Umfang babenden Runtelrübe de>ung mit Laub und.Erde, de en Bea 1 1 Froſt nicht widerſtanden"haben. Zur Erndte muß man trockne Wirterung wählen, damit die Runkelrüben um ſo leichter von dem anhängenden Erdreich gereinigt werden können, und weil die naß eingebrachten Rüben, wenn ſie auch nur theilweiſs auf der Oberfläche feucht ſind, durch das Uebereinanderhäufen ſich leicht erhiven und bald in Fäulniß übergeben." Iſt der Boden ſehr lo>er, ſo hat es mit Erndke u. Zugukemachung d. Feldgewächſe. Runkelrüben. 303 304 Bau der Feldfrüchte, 10. Abſchn, October, (406) dem Heraugsbringen keine Schwierigkeit, indem man dann die Rüben ſehr leicht, wenn man ſie an dem Kraut anfaßt, her- augziehen kann. Iſt jedoch der Boden ſehr hart; ſo daß dieß nicht möglich iſt, ohne daß das Kraut abriſſe, die Rüben auszus2 ziehen, ſo muß man ſich des Grabſcheites bedienen, mit dem die Müben, ohne daß ſie beſchädigt werden, gelüftet werden, wors auf das Herausziehen, mittelſt des Anfaſſens des Krautes, erfolgt. Der anhängende Erdboden muß von den Rüben ſorgfältig abge» ſch ittelt werden, Die ausgezogenen Rüben werden:auf dem Felde in nicht zu große Haufen gethan, und entweder gleich von den Wurzeln und der Krone mit den Blättern ausgeſchnitten, was beſonders dann zu empfehlen iſt, wenn die Witterung und der Boden nicht ganz tro>ken ſind, oder man bringt die Rüben bey tro&ner Witterung gleich nach Hauſe, und ſchneidet ſie das ſelbſt aus, Das gehörige Abſchneiden der Wurzeln und des Kopfes iſt. durchaus erforderlich, wenn ſich die Runkelrüben er- halten ſollen, weil die nicht hinweggenommenen Wurzeln und der krautartige Kopf die Feuchtigkeit leicht anziehen und das Ausſchlagen und Fortwachſen der Rüben verurſachen, wodurch eine Zerſezung derſelben erfolgt, die um ſo leichter die Fäulniß hervorbringt, Ertrag, Der Ertrag der NRunkelrüben, ſowohl an Rüben, als an Blättern, iſt ſehr verſchieden, theils nach der Beſchaffenheit der Witterung, die ihre Ausbildung mehr oder. weniger begünſtiget Hat, theils nach der Kraft des Bodens, und theils, daß man mit dem Abblatten zeitig angefangen hat, in welchem Falle man mehr Blätter und weniger Rüben dem Gewichte nach erndtet. S< werz giebt folgende Angaben über den Ertrag der Runkelrüben, im 2ten Bande ſeiner Anleitung zum praktiſchen Aerbau S, 584:„„J< erhielt früher 360 metriſche Centner vom Hektar. Daß der Ertrag unter günſtigen Umſtänden auf 5= 600 Centner ſteigen könne, leidet keinen Zweifel, Der höchſte Ertrag, den Möllinger in 10 Jabren erhielt', betrug indeſſen nur 467, und der Durſchnitt dieſer Jahre 271 metriſche Cent» ner. Das Laub läßt ſich mit 3 des Gewichts der Wurzeln an» nehmen,;aber wohl nur zu 75 ihres Werthes. Nehmen wir an, daß 100 Kilogramme Runkelrüben gleich ſind 30 Kilogramme Heu: ſo liefert der Hektar, bey dem Mittelertrage von 360 metriſchen Centnern Wurzeln, das Aequivalent von 108 metri- ſchen Centnern Heu, Hierzu 25 für Nahrhaftigkeit der Blätter = 9 Centner, ſo gleicht der ganze Ertrag 117 Centner Heu. Die Kartoffeln übertreffen die Runkelrüben an Maſſe und Nah: 1ungsſtoff um 15 Procent,“ Burger giebt im 2ten Bande ſeines Lehrbuchs der Land- wirthſchaft S. 146 den Ertrag bey guter Cultur und mittelmä- ßigem Boden, vom Oeſtreichſchen Joch, zu 350 bis 400 Wiener Centner an Rüben, und zu 100 Centner an Kraut an, Thaer ſagt im 4ten Bande dex rationellen Landwirthſchaft S. 229, Folgendes;„Der Ertrag der Runkelrüben kann, wie ich aus Erfahrung weiß, auf 300 Centner vom Magdeburger Morgen gebracht werden 3; indeſſen iſt dieß etwas außerordent- liches, und man kann ſelbſt auf angemeſſenem Boden nur 180 =< JUUSES<-eres Fleiſch haben, und dabey ſehr ſaftig ſind: ſo iſt ihre Aufbewahrung ſehr ſchwierig; denn Dicht nur, daß ſie der Froſt ſehr leicht zerſtört, ſo ſchadet ihnen auch die Wärme, indem ſie dann leicht in Sährung gerathen., Auch das Uebereinanderſchichten in zu große Haufen verurſacht Erhizung und Fäulniß, ſo wie ſie ſich auch an feuchten Orten nicht lange halten. Daher iſt ihre Aufbewahrung in Kellern, die entweder zu warm, oder zu kalt, oder zu feucht ſind, im- mer unſicher; und man kann nur in ſolchen Kellern auf ihre ſichere Erhaltung rechnen, die troFen, nicht zu warm, und nicht ENG dabey aber ſo gelegen ſind, daß ſie gehörige Lüftung geſtatten, “ Schwerz empfiehlt in ſeiner Anleitung zum praktiſchen AFerbau Band 2. S,'585 folgende Aufbewahrungsart:„, Die beſte Weiſe, die Runkelrüben aufzubewahren, iſt die in Gruben, und zwar. je ſchmäler dieſe ſind ,/' um ſo beſſer. Giebt man diez ſeti bey. 2x Fuß Tiefe nicht mehr als 2 Fuß yon oben, und 1 von unten: ſo erhalten ſich die Runkelrüben friſch bis in den Sommer(2). Man muß ihrer aber nicht mehr einlegen, als die Grube der Erde gleich faſſen kann. Hier bedeXt man ſie mit etwas Stroh, und thürmt die ausgeſtohene Erde hügelmäßig darüber auf.“ 4 „Diejenigen Runkelrüben, welche zur baldigen Verfütterung beſtimmt ſind, erhält man einige Zeitlang recht gut, wenn man ſie in einem Schuppen, oder Nemiſe, die einen tro&nen Boden baben, 3 Fuß hoch auf Stroh aufſchüttet, und die Seitenwände mit Stroh verſeßt. So lange kein Froſt Statt findet, wird der Aufbewahrungsort offen erhalten, damit eine gehörige Ausdün- ſtung erfolgen kann. Tritt Froſt ein, ſo werden die Rüben mit Stroh verde&t, ſo oft aber der Froſt nachläßt, wieder ge- lüftet. Auf dieſe Weiſe kann man die Runkelrüben bis zu Weih- nachten, wo in der Regel in unſerm Clima die Kälte nicht an- Haltend und ſtreng iſt, ganz tauglich zum Verfüttern, erhalten, und iſt man dabey vorſichtig, jo werden ſie ſelbſt bey einem Pärkern Froſt nicht leicht leiden. Will man die Runkelrüben länger aufbewahren und gut erhalten, was beſonders dann nöthig iſt, wenn man ſie zur ucker- oder Syrupfabrikation verwendet, ſo iſt hierbey größere orſicht nöthig. Man muß dann den Rüben den kräuterartigen Kopf mit den Blattkeimen bis aufs Fleiſch der Runkelrüben, fo wie alle feinen Wurzelfaſern und Härchen mit einem ſcharfen Meſſer abſchneiden, was bey tro>ner Witterung am beſten gleich- gur dem Felde erfolgt, und ſie gehörig von der Erde reinigen. an breitet die ausgeſchnittenen Rüben auf dem Felde, oder auf der Scheunentenne, oder in einem Schuppen, ganz dünn aus, ſo daß ſie nicht über:, ſondern nebeneinander liegen, und läßt ſie ſo einige Tage, bis die-dur< das Ausſchneiden verur- ſachten Wunden verharrſcht ſind, und kein Saft mehr ausquillt, Kegen. Hierauf werden die Runkelrüben bey iro>&ner Witterung Erndto u, Zugutemachung d, Feldgewächſe, Runkelrüben. 3 (209) behutſam, ſo daß fie nicht beſchädigt werden, an einem tro>nen, etwas erhabenen und. geſchüßten Plate in kegelrunde, möglichſt ſpie Haufen,'deren jeder etwa 20-- 30 Berliner Scheffel ent2 hält, aufgeſebt, und auf die Art mit Stroh und Erde bede>t, wie wir dieß bey der Aufbewahrung der Kartoffeln näher bes ſchreiben werden. Auf der Spiße eines jeden Haufens wird eine ziemlich ſtarke Röhre, die aus drey Schindeln zuſammenge ſchlagen wird, aufgeſte&t, welche bey gelinder und tro>ner Witterung offen erhalten wird, damit die Rüben gehörig aus- dünſten können,' Bey Regenwetter ſebt man auf dieſe Röhre eine Strohkappe, und tritt ſtarker Froſt ein, ſo wird die Röhre mit Stroh verſtopft, wobey man es jedoch vermeiden muß, daß die Sturzelenden unmittelbar auf die oberſte Rübe kommen, weil dieſelben mittelſt ihrer Nöhren die Kälte zuleiten, und hierz auf eine gehörig dichte Strohkappe geſeßt und dieſelbe bis un- ter den Kopf ringsum mit Erde bede>t.- In ſolchen Haufen halten fich die Rüben bis gegen das Frühjahr recht gut, S9- bald aber warme Witterung im Februar und März eintritt, ſo muß man nicht nur für gehörige Lüftung des Haufens ſorgen, ſondern man thut am beſten, den Haufen auf eine Tenne zu brin= gen und die Rüben dünn augszubreiten. Da bey der Wärme im Frühjahr, und ſelbſt ſchon im Januar und Februar eine ſtarke Veränderung der Nüben in ihrer'Srundmiſchung vor ſich geht, vermöge welcher ſie den Futterwerth verlieren, ſo iſt es anzurathen, mit ihrem Verbrauch ſich ſo einzurichten, daß ſie bis zu Ende Februars alle werden. Eine beſonders zu beobach- tende Vorſicht bey der längern Aufbewahrung der Runkelrüben iſt die, daß man die größten, die mittlern und die kleinſten ausſucht, jede Sorte in beſondere Haufen thut, und beym Ver- brauch zuerſt die größten nimmt, und die kleinſten zuletzt läßt, weil ſich die großen Rüben weniger gut und lange halten, als die kleinen. Wenn man einen Haufen anreißt, ſo müſſen die ſämmtlichen in ihm enthaltenen Rüben an einen geſchüßten Ort gebracht werden, Bemerkungen über den Runkelrübenbau. - So ſehr die Runkelrüben von Einigen als Futterpflanze 6es ſchäßt werden, und ſo häufig man ihren Anbau in einigen Se2 genden findet, ſo werden ſie dagegen von Andern mit 3; Gleichgültigkeit betrachtet 3 der verſuchte Anbau iſt wieder gegeben worden, und man findet ſie daher in vielen Gegenden, wo ſie übrigens ein ſehr gutes Gedeihen finden, wie 3. B. in Sachſen, nur ſelten. Daß die Nunkelrüben vor allen unſern bekannten S zur Zu&erfabrikation ſic) am beſten eignen, iſt ſchon in Zeiten bekannt geweſen, beſonders aber in neueren Zeiten dur die Franzoſen erwieſen. Daß die Franzoſen, die in der tung des Zu&>ers aus Runkelrüben ſo großs Fortſchritte haben, daß ſie den Runkelrübenzu>er um einen ver gen Preis gegen den ausländiſchen RohrzucCer von dem Nunkelrübenbauy einen großen Vortheil von der Zuckerbereitung verbleibenden Abgänge Nunkelrüben noerfähriken z allein dieſelben ſind größtentheils eingegangen, da ſie ſpäter den" Nunkelrüben- zuFer nicht in einem verbältnißmäßigen Preiſe gegen den aus- wärtigen Rohrzu>er liefern konnten. Zu jener Zeit wurden die Runkelrüben in vielen Gegenden Deutſchlands in beträchtlicher Ausdehnung gebaut, die beſten an die Zu&Ferfabriken verkauft, und die ſchlechtern verfüttert; allein nach dem Aufhören der Zuerbereitung, wo die Runkelrüben nur zum Viehfutter vers wendet wurden, bat ſich ihr Anbau in den meiſten Gegenden wieder verloren, weil ſie angeblich nicht den Vortheil gewähren, als andere Futtergewächſe.. In wiefern bierbey durch genaue Verſuche geprüfte Erfahrungen zum Grunde liegen, oder bloß eine- vorherrſchende Meinung obwaltet, iſt nicht leicht zu er mitteln, da Einige den Runkelrüben als Futtergewäende ſüße Milc< gebe, daß aber die Milch wenig Rahm abſete, ſich nicht lange halte, und eine kurze, wenig fette, ſich nicht lange AETHAT Butter gebe. Daß dieß höchſt wahrſcheinlich der Fall ſeyn mag,» ſcheint daraus hervorzugehen, daß man beſonders in denjenigen Gegenden, wo der Ertrag beym Nindvieh hauptſächlich durch die Milchnutzung bewerkſtelligt wird, den Runkelrübenbau am früheſten aufgegeben hat, und daß in dieſen Gegenden alle ge» machten Verſuche dem Runkelrübenbau keinen Eingang ver- ſchafft haben. DID Betrachten wir die Vorzüge der Nunkelrüben, ſo beſieben dieſelben darin, daß ſie in einem leichten Boden gebaut werden können 3; daß ſie den Miſthaufen nicht ſehr in Anſpruch nehmen z daß ihre Cultur bey einem anſehnlichen Ertrage nicht ſehr ſchwierig iſtz daß ſie nur wenig von Krankheiten, und von Inſecten und andern Thieren gar nicht gefährdet werden z daß fie bey ihrer zeitigen Aberndtung bey jedem Fruchtwechſel leicht eingeſchaltet werden können, und daß ſie endlich einen ziemlich ſichern Ertrag gewähren. Betrachten wir ihre Nachtheile, ſo möchte wohl hierunter zuerſt zu bemerken ſeyn, daß ſie kein beſonderes Milchfutter ſind, inſofern Milct worden ſind, und ſich die Pflan- zen auf derſelben Stelle ausgebildet haben.) Im Allgemeinen ſcheint es, daß die Runkelrüben in dem leichten, weniger reichen Boden, und im. warmen und mehr tronen Clima das meiſte GlüF gemacht haben; daß ſie aber do 5 beſonders in neuern Zeiten, den Kartoffeln ſehr nachgeſett werden, Die Möhre, Sind die Möhren für ſich allein geſäet worden, ſo iſt die Saat zeitig erfolgt, und ſie haben dann gewöhnlich um Michaelis ihre Vegetationsperiode vollendet, und können dann geerndtet werden, Sind ſie zwiſchen andere Früchte geſäet worden, ſo iſt die Saat ſpäter erfolgt, die Möhren breiten ſich erſt nach der Aberndtung derſelben gehörig aus, und ihre vollkommne Aug» bildung. erfolgt ſpäter, Sie gelangen dann erſt um die Mitte, pft auch erſt Ende Octobers zur Erndte: Da die Möhren gegen den Froſt weniger empfindlich ſind, als die Runkelrüben, und ihnen die gewöhnlichen leichten Herbſtfröſte nicht ſchaden, indem ſie nur dann erſt vom Froſt leiden, wenn ſie ganz durchgefroren ſind, wo ſie nach dem Auftbauen bald faulen, 7 braucht man ſich mit ihrer Einerndtung nicht. zu übereilen, Iſt die Witterung den Sommer hindurch ſehr tro>en geweſen, und die Möhren ſind deßhalb klein geblieben, ſo darf man die Möhrenerndte um ſo weniger übereilen, da ſie bey dex feuchten Herbſtwitterung ſich noniß feſt zuſammengeſebt hat, verurſacht die Erndte manderiey Schwies rigkeiten und geht langſam von Statten, indem jede Möhre ein- zeln ausgehoben werden muß. Man bedient ſich dazu des Spa- tens oder der Miſtforke- Die in Reihen geſäeten Möhren wer- den mit dem Pfluge ausgepflügt. Die ausgebrachten Möhren müſſen gehörig von Exde gerei- nigt werden,' Bey tro>ner Witterung läßt ſich ver Boden leicht abſchütteln 3 iſt dagegen die Witterung feucht, und der Bode ſchmiert'um die Wurzeln und bleibt feſt daran bängen, ſv ſchich- tet man die herausgenommenen Möhren in ſchmalen Haufen hoch auf, und legt ſie dabey ſo, daß das Krau!t nah innen, und die Wurzeln nach außen kommen. In dieſen Haufen lögt man ſie einige Zeit lang ſtehen, wo dann Negen, Luft und Sonne zur Reinigung vom Erdboden beytragen. Um die Möhren bey der ſ auf dem Felde z; bey feuchter Witterung igt man die Möhren, + Erdboden gereinigt ſind, auf ) und vollführt daſelbſt das Kraut der in Haufen über- Ausſchneiden ſogl einander geſchid ſung zur Faulung u mit einem ſcharfen Meſſer€ von. der Wurzel abzudrehen indem er am Kraute b den dünn ausgebreitet, urch den Schnitt'verurjac ven ſie zur Aufbewahrung s zrzeln Wera 3 knen, und.die )t, Sodann wer: Der Ertrag der Möhren iſt nicht gleichmäßig, indem es ſehr auf die Umſtände ankommt, unter welchen ſie gebaut werden. Werden die Möhren für ſich allein geſäet, ſo haben ſie einen »loſſenen Sta werden in ihrer Ausgsbildung i< weniger alt te d) kalte und zrüFgehalten werden, due wede 6D des Burger giebt im 2. Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirths ſchaft S. 143, den Erirag im Allgemeinen zu 250 Wiener Mex ber er y 7 b guten, und 400 bey einer ehr guten Ern Scwerz; ung. zum prakti- ſchen R>erxbau S, 805 den Ert vom u 340 metriſchen Centnern an Wurzeln, und 120 metriſche Centner an Laub- an, Th ger giebt im 4, Bande ſeiner rationellen Lond! S,. 245 den Ertrag an Wurzeln vom Magdeburger 300 Berliner. Scheffeln, odex Heſſel zu 60 Pfund, zu 1633 Centner an. Andere neh en Ertrag an Wurzeln zu 150 bis 300 Cent- 54 a18 tittlere G grüne gung beſtimmt n itte Octos bers mehrere von den Mobren geräun es ergab ſich auf rechnet, ein Ertrag Im Jahr 1828 Rübſamen, zu wel jahr verſuchsweiſe e? ſamenerndte wurden 1 aut bekraßbt, und da ſie zu dicht ſtanden, ſo verdünnt, jede Pflanze einen Raum von etwa 16. Quadratzoll hatte, Sie, wurden ziemlich gros. In der Mitte Dcetobers wurden die Möhren gusgez0g Laub abgeſchnits ten, und nachdem ſie einige Zeit bey tro gin belegen hatten und etwas überw ſich auf die Fläche eines Magdeburger 163 Centner an Wurzeln.:- . In dieſem Jahr 1829 gaben hierſelbſt Möhren, die für ſich allein geſäet worden waren, und zu Anfange Octobers ges erndtet wurden, 245 Centnex vom Magdeburger Morgen an "Burzeln, Die Möhren waren durchgängig groß, und wurdet kynmittelbar nach dem Ausſchneiden gewogen. . I< alaube demnach, daß man bey guter Cultur, und wentt die Möhren unter ſolchen Früchten gebaut werden, die eine zei tige Ausſaat des Möhrenſamens geſtatten, und die nicht zu ſpät zur Erndte gelangen, mit Gewißheit auf einen Ertrag von 120 Centner Wurzeln vom Magdeburger Morgen rechnen kann. Wers den die Möhren für ſich allein gebaut, ſo wird man unter güna en; R 5 . 504 en, geroot Morgen! (Se) Erndte u. Zugutemachung d. Feldgewächſe, Möhren. 311 312 Bau der Feldfrüchte, 40, Abſchn, October, (414) ſtigen Umſtänden auf einen Ertrag von 200 Centner Wurzeln mit Sicherheit rechnen können, An Kraut wird man im erſten Falle auf 30, im lettern Falle auf 30 Centner rechnen können, wiewohl ſich in feuchten Jahren die Maſſe des Krautes ſebr ver- mehrt, Nehmen wir nun an, daß in der Fütterung 23 Pfund Möhrenwurzeln, 1 Pfunde Heu, und 10 Pfund Blätter 1 Pfunde Heu gleichkommen 3; ſo würden die Möhren nebſt Laub, in dem Falle, daß ſie unter andern Früchten gebaut werden, an nah»- rungsfähbiger Materie, dem Heu gleich, vom Magdeburger Mor» gen 48 Centner geben 3; wenn ſie aber für ſich allein gebaut wer- den, 80 Centner. Aufbewahrung der Möhret. Die Möhrenwurzeln laſſen ſich leichter aufbewahren, als die Runkelrüben. Sind ſie gehörig ausgeſchnitten worden, und hat man ſie, ehe man ſie an den Aufbewahrungsort bringt, vorher bey tro&ner Witterung einige Zeit-dünn ausgebreitet liegen laſ» ſen, ſo daß ſie etwas überwelkt ſind, ſo halten ſie ſich an einem tro>nen Orte den ganzen Winter hindurch bis ins Frühjahr gut. Einige bewahren ſie in einer tro&nen, wohl verwahrten Kammer, wo ſie in längliche viereFige Haufen ſo aufgeſtellt werden, daß ſie nirgends die Wand berühren, ſondern, daß zwiſchen den Wänden und zwiſchen den Haufen Gänge bleiben, Andere thun fie in ſchmale tro&ne Gruben, und noene Erde, oder Sand zu thun. Nichts iſt den Möhren bey der Aufbewabrung nachtheiliger, als Feuchtigkeit, von der ſie ſehr leicht beſchlagen, ſchimmlig werden.und faulen. An einem trocknen Orte dagegen halten ſich die Möhren ſehr gut, und der Froſt ſchadet ihnen nicht leicht. Das Laub der Möhren hält ſich nicht lange, und beſonders verdirbt es dann. ſehr bald, wenn es auf Haufen liegt. Län» ger hält es ſich, wenn man es auf Raſen dünn ausbreitet, Bemerkungen über den Möhrenbau, Die Möhren geben nicht nur einen größern und ſicherern Ertrag, als die Runkelrüben, ſondern mau gewinnt auch bey ih- rem Anbau beträchtlich mehr an nährenden Stoffen von einer gleichen Fläche, als beym Anbau der Runkelrüben. Dabey ſind ie nicht nur ein vorzügliches Mäſt» und Milchfutter, ſondern ie gewähren im Allgemeinen unter allen Wurzelgewächſen für alle unſere Hausthiere das gedeihlichſte Futter. Betrachtet man dabey, daß ſie einen guten Syrup, und in beträchtlicher Menge ein ſehr beliebtes Kaffeeſurrogat und eine ſehr angenehme Speiſe| geben, und daß ihre Aufbewahrung weniger ſchwierig, als die der Runkelrüben iſt, ſo iſt es gar nicht in Abrede zu ſtellen, daß ſie einen unbedingten Vorzug vor dieſen behaupten. Hierzu kommt noch, daß ſie von Inſecten, Krankheiten, und von den Einflüſ- ſen der Witterung wenig leiden, und daß ſie im Verhältniß zu ihrem Ertrage, unter allen Wurzel- und Knollengewächſen, den Boden am wenigſten erſchöpfen, da ſie im Verhältniß zur Größe der Wurzel ein ſehr ſtarkes Blattorgan haben. Dieſe Vorzüge Erndte u, Zugutemachung d. Feldgewächſe, Kartoffeln. 313 (415) der Möhren ſind allgemein anerkannt. Dennoch hat der Bau der Möhren in neuern Zeiten ſehr äbgenommen, und iſt überhaupt weniger auf großen Gütern, auf großen Flächen, als in kleinern Wirthſchaften auf kleinen Flächen betrieben worden. Am häu- figſten findet man den Möhrenbau noch in ſolchen Gegenden, die ſehr bevölkert ſind, wo die Landgüter nicht ſehr groß ſind, wo aber eine hohe Cultur Statt findet, und wo überhaupt bey der Cultur des Bodens viel und ſorgfältige Arbeit verwendet wird. Die Urſache des verminderten Möhrenbaues, und daß ihr Anbau im Großen keine Ausdehnung gewonnen hat, iſt darin zu ſuchen, daß ihr Jäten und Bekraten, welches nicht ſelten in die Heuerndte fällt, eine ſehr beſchwerliche und koſtſpielige Arbeit iſt, u der es in vielen Verhältniſſen ſogar an den erforderlichen Ars eitern fehlt. Nicht minder verurſacht auch die Möhrenerndte, da die Wurzeln tief in den Boden eindringen, und von deren Spitze mit ziemlicher Kraftanſtrengung abgeriſſen werden müſſen, viele Beſchwerde, und geht langſamer von Statten, als die Erndte anderer Wurzelgewächſe. Beſonders haben die Kartoffeln in neuern Zeiten den Möhrenbau ſehr beeinträchtigt, weil bey deren Cultur und Erndte jeßt allgemein die Geſpannwerkzeuge angewendet werden, wodurd) deren Anbau im Großen ſo ſehr erleichtert wird. Würden die Geſpannwerkzeuge bey der Möh» rencultur mit eben dem Vortheile angewendet werden können, als bey der Kartoffelcultur, ſo würde ihr Anbau nicht nur eine allgemeine Ausbreitung verdienen, ſondern er würde auch bey ihren allgemein anerkannten Vorzügen ſehr bald eine allgemeine Ausbreitung erlangen, und unter ſehr vielen Umſtänden den Vor» zug vor dem Kartofſſelbau behaupten. Das Laub der Möhren halten Viele für kein dem Viehe an- zenehmes Futter, und es frißt daſſelbe, wenn es ihm ganz vor- gelegt wird, auch nicht gern, da es ſich die langen und dünnen Nippen leicht zwiſchen die Zähne einbeißt; wird es aber auf. der Häſelläde fein geſchnitten, und mit Hä>ſel gemengt dem Rind» vieh vorgelegt, ſo frißt es daſſelbe recht gern. Die Paſtinake. So wie die Paſtinake in der Cultur den Möhbren-gleich kommt, eben ſo wird auch ihre Erndte gleich der der Möhren vollbracht z nur kann man mit der Erndte, da ihre Wurzeln dem Froſte wie derſtehen, bis zu einer gelegenern Zeit warten. Im Ertrage ſol» len ſie-die Möhren noch übertreffen. In Deutſchland wird*die Paſtinake nur ſelten im Felde ge- baut. Einige empfehlen ſie ſehr zum Anbau, Andere widerca- then dagegen denſelben, Die Engländer empfeblen ſie zum Anbau, Wegen der ſchätzbaren Eigenſchaft, daß die Wurzeln den Winter in der Erde aushalten, ohne zu leiden, würden ſie ſich vielleicht bey einem ſorgfältigen Anbau als eine ſchätzbare Futterpflanze empfehlen. Die Kartoffel. Die Kartoffelerndte beginnt gewöhnlich um Ende Septembers oder Anfangs Octobers, wenn das Kraut anfängt gelb zu werden, oder wenn es, von einem Froſt getroffen, ſchwarz wird. Einige zeitige Arten, die aber in keinex großen Ausdehnung gebaut 314 Bau der-Feldfrüchte. 40, Abſchn, October. (416) worden, gelangen. ſchon'im Auguſt oder Anfang Septembers zur„ Erndte. Bey einigen ſpäten-Gorten hält ſich zwar, das Kraut 4 bis in ven November grün,„wenn es von keinem Froſt getroffen 4 wird; aber die Knollen„nehmen in der ſpäten Jahreszeit nur| 6 wenig zu, und. die-Ernbte bis- dahin zu verſchieben, iſt nicht| räthlich, wenn man, die Kartoſſeln nicht der Gefahr ausſetßen N vill, daß ſie vom Froſtie Zrunde geben. Es iſt m Überhaupt anzuratben ,- mit endte früher, als ſpäter y ierung zu wählen z denn p“ 1 von etwas größern: Knollen|] gen die Gefährdung der Kartoffeln id der Erndte wird das Kraut abge» hen der Kartoffeln erfolgt auf mannicho| ſt elben gelegt worden ſind. Sind|'n änggreihen gelegt worden, Y gewöhnlichen Hake,„mit di dem Spaten, mit der Forke, oder mit einer, der Winzerba&>e vt ähnlichen zweyzinkigen Habe. Mittelſt dieſer Werkzeuge erfolgt ſt zwar ein reines Herausnehmen der Kartoffeln, ohne„daß deren fü viele im Boden zurübleiben 3 aber das Herausmachen mittelſt Y Geſyannwerkzeugen wird iminer allgemeiner, beſonders beym An- di vau im Großen, und man hält allgemein dafür, daß die Arbeit hel des Herausmachens der Kartoffeln dadurch wohlfeiler ſey, als wi mit jenen Handwerkszeugen. ja Sind die Kartoffeln'in Langreihen gelegt worden, ſo wer: den ſie entweder mit' dem Pfluge, oder mit dem Haken auf- d, gepflügt, die bloß liegenden Kartoffeln aufgeleſen), und die di Seitenwände der Furchen entweder mit den Händen durc» di wühlt, um die noc< bede&>ten Kartoſfeln herauszubekommen,| N oder wenn der Boden bindig und hart iſt, mit.der Kartoffel o ha&Fe aufgeha>t. to Wenn man ſich zum Auffahren der Kartoffeln des Pflugs Un bedient, ſo wird gewöhnlich das erſtemal mit dem Pfluge dicht au an den KartoffelſtöFen hingefahren, ſo daß ein Theil des die die Kartoffeln de>enden Erdbodens, wobey aber nv„5 ohne geriſſen zu werden, ſo Birauftommt, und die Knollen nod) an den Samenſtirängen hänz hi gen. Durch dieſes Herausmachen mit dem PAuge bleiben zwär d, ſehr wenig Knollen im Erdboden zurü&z aber das zweymalige R Hin- und Herxfahren auf jeder Reibe verurſacht viel Aufentbalt, d es ſind dazu ſehr aceurat gehende Pflüge mit kurzen Streichbres-| my tern erforderlich, und es werden dabey, wenn der Pflug nicht ge-| hörig tief geſtellt it, viele Knollen beſchädigt, und das Aufpflü: w gen erfordert beſonders im bindigen Boden außerordentliche Zug: h Fraft, da der Pflug ohne Sech geben muß. Die allgemeinſte Art des Herausbringens der Kartoffeln,| wenigſiens im nördlichen Deutſchland, iſt das Aufrühren mit h dem Haken, und man hält es allgemein für das beſte Verfahren. (417) Der Haken wird in der Mitte der Kartoffelreihe angeſetzt, und zer ſie de&ende Kamm ſo geſpalten ,' daß die Kartoffeln aus der Tiefe herausgehoben und bloß gelegt werden. Eine Hauptſache dierbey iſt die, daß der Haken ſo tief geſtellt wird, daß er die Fartoffeln gehörig untergreift; denn erfolgt dieß nicht, ſo bleibt 'in großer Theil der Kartoffeln in der Tiefe, und gelangt nur theilweiſe zur Erndte, Man empfiehlt zu dieſer Arbeit gebogene und vorn an der In etwas nad unten gefrümmte, nicht zu ſchmale Hakens ten aufwühlen, oder aufha>en. Jede dieſer Perſonen, wozu auch Kinder gebraucht werden können, ſammelt die Kartoffeln in einen Korb, Schwinge, oder in-eine Mulde oder Fäßchen, und trägt ſie an den zur Aufnahme auf dem Felde ſtehenden Wagen, wenn das zum Sammeln beſtimmte Gefäß ge2 füllt iſt, wo eine"Verſon bereit ſteht, die die Gefäße in den Wagen ausleert. Es iſt hierbey ſehr darauf zu achten, daß die zum Sammeln beſtimmten Gefäße ſo groß ſind, als ſie gefüllt jede Perſon zu tragen vermag z denn ſind ſie zu klein,(o wird durch das unnöthige Hin- und Herlaufen viele Zeit vera ſchwendet., Es iſt bey den Sammeln der Kartoffeln darauf zu achten, daß die Arbeiter nicht nachläſſig ſind, ſondern die Furchen gehörig durchwühlen und durchha>en, weil die nachläſſige Verrichtung dieſer Arbeit großen Schaden verurſacht. Wenn die ſämmtlichen Netihen auf einem Kartoffelfelde abgeleſen ſind, ſo wird das Kara toffelfeld geeggt, und die durch. die Egge herausgebrachten Kar- toffeln aufgeleſen. Nach dem Eggen wird nun entweder gepflügt, und hinter jedem Pfluge die ausgepflügten Kartoffeln nochmals aufgeleſen; oder es laſſen auch Einige zuerſt in die Quere über die geweſenen Reihen ruhren, dann eggen, und hierauf erſt pflü- gen 3 und nach jeder dieſer Arbeit die noch vorhandenen aufgebrach2 ten Kartoffeln ableſen. Sind die Furchen nicht zu eng an einan- der geweſen, und waren die Kartoffeln nicht zu dicht in den Rei= ben gelegt worden, ſo, daß. ſie zu einer beträchtlichen Größe gez langt ſind, ſo werden ſie durch das Eggen und Pflügen ziemlich rein herausgebracht; ſind dagegen»die Reihen eng, und die Kartof2 feln in den Reihen eng gelegt geweſen, wo ſie klein geblieben ſind: ſo bleiben dann eine ſo beträchtliche Menge zurü>, daß das Eg- gen, das Ruhren in die Quere, öber die Reihen, das wies derholte Eggen, und das Pflügen ſehr nöthig ſind, um die Kartoffeln möglichſt rein, ohne Hinterlaſſung eines beträchtli- en oder wühlen, und hierzu eine Perſon, welche die Kartoffeln in den Wagen ausſchüttet, die daneben fal- lenden aufſammelt, und überhaupt den Wagen beſorgt, Dieſe Perſon iſt höchſt nöthig, weil bey der Kartoffelerndte viele ſchwächs liche Perſonen angeſtellt werden, die nicht Kräfte genug haben, das vollgeſammelte Gefäß ſo hoch heben zu können, um es in den Wagen auszuſchütten; ſie ſammeln daher, wenn dieſe Pers ſon nicht vorhanden iſt, die Gefäße nicht voll, verſäumen viel Zeit mit dem unnöthigen Hin- und Herlaufen, und verſchütten deſſen ungeachtet die Kartoffeln beym Ausſchütten in den Wagen, wo dann das wiederholte Aufſammeln viele Zeit unnöthig weg» nimmt. Sind die Kartoffeln eng gelegt geweſen, und ſind deren überhaupt viel, aber größtentheils kleine: ſo braucht man auf einen Magdeburger Morgen 9 bis 10 Leute, welche die Kartoffeln aus den Furchen ſammeln, ha>en, oder wühlen. Zu der Nachleſe nach dem Eggen u. ſ. w, brauen laſſe. In der 21. Lieferung dieſer Schriften wird es von einem eben» Falls ſehr geſchäßten und allgemein anerkannten Landwirth, Herrn Oekonomierath Gey er, beſtätigt, daß dieſes Erndteverfah- xen Erſparniß an Handarbeit bewerkſtellige, und daß es nach mehrſeitigen verſuchten verſchiedenen Manipulationen das beſte, und weniger koſtſpielige ſey, wobey aber auch zugleich die mög» lichſt reine Einſammlung der Kartoffeln erreicht werde, Herr Oekonowierath Geyer führt Folgendes hierüber S. 72 an:„Die Hrtliche Lage meines von allen Frohndienſten entblößten Gutes läßt mich ſtets Mangel an Arbeitern leiden, J< bin daher jes derzeit veranlaßt geweſen, die möglichſte Erſparniß an Handars beit, ſo weit ſich ſolche ohne Nachtheil für den zu erreichenden Zwe ausdehnen läßt, zu ſuchen, und habe in dieſer Hinſicht auch dem Kartoffelausnehmen meine Aufmerkſamkeit beſonders gewidmet, und durch vergleichende Verſuche das mehr oder min- der Vortheilhafte der mir bekannten verſchiedenen Manipulatio- nen und der eignen Jdeen zu erforſchen geſucht, und bin dabey auf folgende Reſultate gekommen: Von den mir bekannten ge- wöhnlichen Verfahrungsarten ließ diejenige den Zwe> mit dem geringſten Koſtenaufwande erreichen,'welche S. 105 der gedach2 jen Schriften angegeben iſt. Wenn ſchon es den Anſchein hat, als wenn das Augziehen der StöFe und Ableſen der Kartoffeln- nach demſelben, dieſes Verfahren koſtſpieliger gegen ein anderes wachen müßte, wobey das Kraut abgehauen oder gleich mit der Furche aufgeha>t wird: ſo haben vergleichende Verſuche doch allemal ſehr zum Vortheil des erſtern entſchieden 3 denn alle fol gende Arbeit gebt um deſto ungeſtörter und ſchnekex von Statten, Erndke u, Zugutemace die darz an hängenden Kartoffeln nur in eine der beiden Furchen ab= ſchlägt, welche er zugleich auszieht. Wo dieß nicht beachtet wird, wie ich dieſes Jahr oft bemerkt habe, wird beym Aufs2 leſen durc) das Herüber- und Hinübergreifen der Arbeiter aus einer Furche in die ändere viel Kraft und Zeitaufwand ver» ſchwendet. | Daſſelbe Verfahren, wobey jedoch ſtatt des Durchziehens der aufgeha>ten Furchen mit der Handha>e, dieſelben mit den Händen durchwühlt werden, fördert zwar nach vielfach von mir auch auf andern Sütern, wo dieß gebräuchlich iſt, angeſtellten | Beobachtungen die Arbeit bey gutem Wetter, in mildem Boden und bey guter Aufſicht eben ſo, als obiges; allein der Zwe, möglichſt vollkommene Einſammlung der Kartoffeln, wird un= vollfommen erreicht, Es bleiben bey weitem mehr derſelben lies gen, welche der ſorgſamſten Nachleſe, durch nochmaliges Ha>en und Eggen, ungeachtet doch nicht alle wiedergefunden werden; und deren Mehrbetrag gegen den bey obigem Verfahren, ich oft, zumal bey feuchter Witterung, oder zuſammenhängendem Erd» reich, ſo anſehnlich gefunden habe, daß er am Werthe die ſämmt- lichen Erndtekoſten des betreffenden Kartoffelfeldes übertraf. Bey | naſſer und naßkalter Witterung bleibt dieſes Verfahren nicht nur in der Förderung gegen erſteres zurück, ſondern es wird. dann ) auch, aller Aufſicht ungeachtet, die Arbeit ſehr unvollkommen ' vollbracht. Seit einigen Jahren aber befolge ich folgendes einfache Ver» | fahren, bey welchem ich, wie die weiter unten vergleichsweiſs angeführten Reſultate dieſes und des erſt erwähnten zeigen, dis jebt die geſuchte Arbeitserſparniß und möglichſt reine Einſamm= lung der Kartoffeln, am vollkommenſten erreichte, Nachdem die mit den StöFen ausgezogenen Kartoffeln abgeleſen ſind, wird wie gewöhnlich eine Furche. um die andere, mit einem gut aus- ſtreichenden Haken(ich nehme den Kartoffelhaken mit beweglichen Streichbretern dazu, um die Furchen nach Bedürfniß weit genug ausſtreichen zu können) aufgehakt, die Kartoffeln, ohne im mins deſten zu wühlen, abgeleſen, und wenn alle Furchen auf dieſe Weiſe ausgeſtrichen ſind, ſo daß der Aer wieder in ſeiner ers ſten Form in Kämmen oder Furchen da liegt, ſo wiederhole ich dieß Verfahren, nämlich: es werden die Furchen nochmals wechz ſelsweiſe aus einander geworfen und die Kartoffeln abgeleſen; ſo daß am Schluß dieſer Arbeit alle Furchen wieder wie anfangs da liegen, wo ſie noch unberührt waren. Zur Nachleſe werden , die Kämme, welche auf dieſe Weiſe zweymal ausgeinander und wieder zuſammengeworfen worden ſind, in die Quere geesgt und noch einmal gehakt. Den Arbeitsaufwand bey erſterm und lezterm Verfähren ſtelle ich nach den darüber gemachten genauen Beobachtungen in Fol- gendem vergleichend nebeneinander. Bey erſterem Verfahren erforderten 5 Aker mit 65 Scheffel Viehkartoffeln belegt, und bey einem Ertrage von 750 Scheffel; 27* 10. Abſchn, October, Bau der Feldfrüchte, (420) oder circa 150 Scheffel pro Ac&er(11xfältigen Ertrag) zur Ein: erndtung, ohne das- Einfahren und Abladen 114 Weibertage(a 10 Arbeitsſtunden) a 3 gr. 14 Thlr. 6 gr. s Männertage, die Furchen mit einem Och- ſengeſchirr aufzuhaken, a 5-81, ven Br 1246:== 16 Männertage), die aufgeſammelten Kartof: feln zum Wagen zu kragen(die Kar- toffeln, werden hier in Kaſtenwagen, deren jeder 15 Scheffel faßt, geſchütz tet, ohne ſie einzuſa>en) a 5 gr.+ EE M EIC ÄIER ] Summa 19 Thlr. 6 gr. pder prov A>er 3 Thlr, 20 gr. 5 pf. und 12 zweyſpännige Och- fenarbeitstage, und pro Scheffel Kartoffeln 72 gr+ und 74 zwey? ſpännige Ochſenarbeitstage, oder pyro Aer 222 Weiber- und 47 Männertage. Bey. dem zulebt erwähnten Verfahren erforderten dagegen 5 AFer mit 65 S el Viehkartoffeln belegt, welche einen Er» trag von 730 Scheſfeln, demnach pro AFer 146 Scheffel(a1zfälz tigen Ertrag) gaben, 85 Weibertage zum Aufleſen, 3 3 qr. 10 Thlr,-15 gr.= pf. 11z-Männertage, die Furchen mit einem? Occhſ > geſpann aufzuhaken, 7 B[7 4) Wa lS Miler 8= 3.= 14 Männertage, die Kartoffeln zum Wa- gen zu tragen, a 9 6+ X 20.- 2D2=--- | Summa 15 Thlr. 21 gr. 3 pf. 3 Thlr.= 2 pf. und 23 zweyſpännige Ochſenar: er pro Scheffel Kartoffeln 63 pf. und Zx zwevſpän» beitstage, oder pro A>ex 17 Weiber- und 5255 Män» fe | oder pro A>er beitstäage, od nig? Ochſenar nertage. Die hier nicht mit eingerechnete Nachleſe nach dem Eggen und nachmaligem Haken in die Quere förderte bey erſterwähn- Verfahren noch 8 Scheffel pro Aer, und bey leyterwähn: Verfahren noch 6 Scheffel pro Aer zu Ta6 4 Die Nachleſe der geſammten 10 AeEer erforderte: 3x Tage ein zweyſpänniges Ochſengeſchirre zum Eggen und 113 Tage deßgleichen zum Haken. Aus dieſer Zuſammenſtellung gehb ein nicht unbeträchtlicher Vortheil des lehteren Verfahrens gegen das erſtere bervor, und bleibt auch dann noch, wenn man die hier nicht zu Gelde be: rechnete. Geſpannarbeit der Ochſen zu einem wirthſchäftlichen Preiſe anſchlägt. Ih für meinen Theil aber bringe dieſe nicht in Anſatz, weil zur Zeit der Kartoffelerndte ohnedieß bey mir Zugvieh unbeſchäftigt ſtehen bleibt, 4 ' Moch kann ich in Betreff lezterwähnten Verfahrens nicht unbemerkt laſſen, daß da, wo Gründe. vorhanden ſind, eine ſehr feine Zerkrümelung des A>ers zu ſcheuen, auch Bedenken getra: gen werden muß, noch der Averndtung, lebteres durch Walzen des Akers unſchädlich zu machen, die(es Verfahren nicht unbe- dingt zu empfehlen ſeyn möchte, denn durch das zweymalige Spalten und Zuſammenwerfen der Furchen wird der Boden, welcher ohnedieß während der Vegetation der Kartoſſeln im gUU* ="== 2 772 D2D3&27T0Oz7TDe 227 ZzZz-zu ES. Doggen a Eg Eg TENE EI I Erndte u, Zugutemachnung d, Feldgewächſe, Kartoffeln, 319 (221) ter Ea erhalten worden iſt, ſehr gepulvert und aufs höchſte eloFert, 3„Bey meinem leichten, aus verwittertem Gyeiß beſtehenden und äuf einer durchläſſigen Unterlage ruhenden Boden 1 id weder an dieſem ſelbſt, noc< an der den Kartoffeln, folg Sommerung einen Nachtheil verſpürt, der anderwärts leich durch ein Zuſammenſchwimmen des Bodens oder zu Loſewerden deſſelben entſiehen kann. „Gegen den Angriff der ſcharfen Winde, welche hier ſehr lo» >erm Boden im Spätherbſt, zeitigen Frühjahr und zu ſchnee- loſer Winterszeit bedeutenden Nachtheil zufügen ,-! den meinigen durchs Walzen. Durch den ie merung eingeſäeten Klee erhält der Bodem wieder hinläng! Bindung.“ Es giebt noh verſchiedene andere Verfahru Kartoffeln einzuerndten, die hauptſächlich darauf Arbeit und Koſten zu erſparen 3 aber nicht alle ex den Zweck der vollkommen reinen Einſammlung| An ſolchen Orten, wo das Grundeigenthun aber wegen mangelnder Bevölkerung die H und der größte Theil der Productior die Handarbeit zu rechnen iſt, macht ma wenn auch viele Kartoffeln im AFer zu wegzujccmai Ablat ZAV vt öße get gefüllt werden, weil der Ert Kar nach, nur durch die Anzahl der eingebrc telt werden kann.: Abladen iſt die Kartoffeln nicht beſchädigt werden, weil! toffeln leicht faulen und die-geſunden anfiec Man muß die Kartofelerndte bey ros werkſtelligen, damit ſie tro&en, und ohne daß Erd hängt, eingebracht werden, weil ſie ſich dann om Diejenigen Kartoffeln, welche naß, und von C< ſchmußt eingebracht werben, müſſen zum erſten Veroraud) be= ſtimmt werden, weil ſie fich nicht lange haltem«; Man muß- nicht mehr Furchen aufrubren., als. aus ſoviel man mit den vorhandenen Leuten die Kartoſſeln hergusmachen kann 3 denn in der ſpäten Jahreszeit muß man jede Nacht eines Froſtes gewärtig ſeyn, der zwar den in der Erde vorhandenen enor 320 Bau der Feldfrüchte, 10. Abſchn. October. (422) Kartoffeln nicht ſchadet, aber den bloß liegenden nachtheilig wird. Sind daher, wie ſich. dieß wohl treffen kann, mehr Furchen auf- geruhrt, als man dazu Leute hat: ſo muß man wenigſtens vor dem Eintritt der Nacht die in den Furchen bloß liegenden Kars toffeln aufleſen, und das Nachhaen auf den folgenden Tag ver- ſchieben, Hat in der Nacht wirklich ein Froſt Statt gefunden, 0 iſt es immer rathſam, die den andern Tag aus den, die Nacht indurch aufgeruhrt geweſenen Furchen ausgebackten Kartoffeln eſonders zu verwahren und bald zu verbrauchen, weil es im» mer ungewiß bleibt, ob nicht ein großer Theil, wegen flacher Bede>ung mit Erde, vom Froſte gelitten hat, Ueber den Ertrag und die Aufbewahrung der Kartoffeln wers den wir im nächſten Monat handeln, wo wir auch die Bemer- kungen über ihren Anbau mittheilen werden. Kaffeeſurrogate. Die Erdmandel. Wenn die Erdmandeln in kalten Miſtbeeten gezogen werden, ſo erfolgt ihre Erndte im Anfange Octobers, ſonſt zu Ende die- ſes Monats. Bey einer ſpätern Einerndtung ſind ſie vom Froſt gefährdet. In der Mitte Septembers können die hervorgetriebe- nen Halme und gragartigen Blätter abgemähet und dem, Vieh Mit verfüttert werden. Die Erndte wird bey tro>nem Wetter folgendermaßen verrichtet: Auf jede Reihe wird ein Arbeiter mit einem Spaten angeſtellt, der denſelben ſo ſchräg in die Erde einz ſticht, daß er den Sto> der Pflanze nebſt Knollen gut unter» greift, Dieß erfolgt, wenn er etwas über 3 Zoll tief einſticht, und dieſen nebſt der auf dem Spaten befindlichen Erde ſanft auf Hie Seite wirft, wodurch der Erdboden von den Knollen abfällt. Hinter jedem Arbeiter geben zwey Frauensperſonen mit Handkör« ben verſehen, weiche jeden Sto> an dem obern Sturze ergreifen, ihn etwas ſchütteln, damit die anhängende Erde ſich vollends abſondere, die an den Faſern hängenden Erdmandeln abzupfen und in den Korb thun. Die geſammelten Erdmandeln werden von den Wurzelfaſern gereinigt, und hierauf in Körben gewa- ſchen, an der Luft oder Sonne getro&net, auf einen luftigen Boden dünn aufgeſchüttet, und öfters umgewendet, bis ſie ge: hörig tro>en ſind, Die zur Saat beſtimmten Knollen dürfen, jedoch nicht gewaſchen werden. Man verkauft ſie entweder bald, vder bewahrt ſie zum ſpätern Verkauf an einem Orte auf, wo ſie vor dem Froſt geſchübt ſind. Obgleich Mäuſe, Maulwürfe, Engerlinge, Erdflöhbe, Erdvielfüße oder Taukſendfüße, und ſpäte Kälte ihnen ſehr viel Schaden verurſachen, und daher ihr Er- trag ſehr-ungewiß iſt, ſo iſt er do< im Durchſchnitt ſehr bedeu? tend, da ſie bey günſtiger Witterung oft einen unglaublichen Ertrag geben. Man hat übrigens keine. beſtimmten Angaben Über ihren Ertrag, Bemerkungeu über den Erdmandelbau, Als Kaffeeſurrogat ſcheinen die Erdmandeln ziemlich aus der Mode gekommen zu ſeyn, ſo wie man überhaupt ihren An- >=> 2? iz er Erndte u. Zugutemachung d, Feldgewächfe, Rhabarber. 3241 (423) bau im ſüdlichen Deutſchland ſelten, aber noh ſeltner im, nörd« lichen Deutſchland findet. In wiefern ſie ſich ihres allgemeinen Nubens wegen des Anbaues verlohnen, darüber läßt ſich nichts beſtimmen, indem man ſie no< nicht genugſam geprüft zu ha- ben ſcheint, Sie ſcheinen mehr für das ſüdliche warme, als für das kältere nördlichere Clima geeignet zu ſeyn« Arzneygewächſe, Das Süßholz. Jim dritten oder vierten Jahre nach dem Legen des Süßhol- zes erfolgt deſſen Erndte, zu Ende Octobers oder Anfang No2 vembers. Man ſchneidet zuerſt das Kraut ab, und benußtt es als Viehfutter, dann gräbt man um jede Pflanze eine 2 Fuß weite ,- und 4 bis 5 Fuß tiefe Grube, und nimmt die Wurzeln, von denen die ſtärkſten bis 5 Fuß tief eindringen, heraus, reiz nigt ſie von Erde, und verkauft ſie entweder bald friſch, oder ſpaltet ſie der Länge nach, ſchneidet ſie in kleine Stü>ke und tro>» net ſie, wo ſie ſich längere Zeit aufbewahren laſſen. Manche pflegen bey der Erndte nur die ſtärkſten Wurzeln berauszus nehmen, laſſen die ſchwächern zur Fortpflanzung im Boden zurü&, und die Plantage längere Zeit auf demſelben Plate 3 allein, ſo wie bey andern Früchten iſt auch beym Süßholz der Wechſel zu empfehlen. Ueber den Ertrag des Süßholzes laſſen fich keine genauen Angaben geben, da der Ertrag der Wurzeln, Ee auch der Preis, nach der Güte derſelben ſehr ſchwankend nd, Bemerkungen über den Süßholzbauy. Der Bedarf an Sugholz in nicht unbeträchtlich, da es in den Apotheken zu mannigfaltigem Behuf, beſonders aber zu dem Lakrizenſaft verwendet wird. Man bat den Anbau deſſelben vielſeitig empfohlen 3 doh würde der Anbau im Großen nicht anzurathen ſeyn, da der Abſas in großen Quantitäten für den u ei ſchwierig ſeyn dürfte, Das Kraut giebt ein leidliches utter, Die Rhabarber, . Die Rhabarber gelangt im 6ten oder 8ten Jahre zur Erndte. Die beſte Zeit hierzu iſt der Anfang des Früblings, oder der Spätz herbſt; denn ſobald die Blätter hervorſproſſen, verlieren die Wurzeln viel an Farbe, Seſchma& und Kraft. Man gräbt die Wurzeln aus, nimmt ihnen nebſt den Nebenwurzeln auch die äußere unreine Schale, und ſchneidet das Herzblatt ſo tief als möglich aus. Hierauf ſchneidet man die Wurzeln der Länge nach in mehrere StüFe, und tro>net ſie entweder auf einem lufz2 tigen, tro&nen Boden, wobey man ſie jedoch täglich mehrmals umwenden mußz oder man reihet ſie loſe auf Fäden, und hängt fie an der Luft zum TroFnen auf. Als das Beſte empfiehlt man es, ſie in einem gelind geheizten Ofen zu tronen, Die getro>&neten Wurzeln werden geraſpelt, von dem Staube gerei- nigt, und ſind nun Kaufmannswaare, Heber deu Ertrag hat mau keine beſtimmten Angabeu. 322 jb Baut der Feldfrüchte, 40, Abſchn. October, (424) Bemerkungen über den Rhab«rberbayv,. Obgleich die in Deutſchland gebaute Rhabarbev= der orienta- liſchen ſehr nachſteht", ſo. bringt ſie doch, in größerer Doſis gez nommen, dieſelbe Wirkung bervor, und ſie wird daher in den Apotheken ziemlich ſtark verbraucht, Auch wird ſie in den Fär-, bereyen gebraucht. Da die Wurzeln oft eine Schwere von 16 Pfund erlangen, und die Rhabarber beym Anbau im leinen ſich einträglich bewährt hat: ſo kann ihr Anbau bey einem gt- ſicherten Abſaß wobl zu empfehlen ſeyn, ex=? ae I= 7 2 2 0 RIO FZ erz Bau der Feldfrüchte, November, In warmen Gegenden und im leichten Boden werden in die- ſem Monate nod) Winterſaaten eingebracht, indew man am An- fange deſſelben, wenn auch der October feucht war, no< immer auf einige tro&ne Tage, den ſogenannten alten Weiberſommer, rechnet. Auch ſucht man in dieſem Monate die Erndte der Wurzeln und Knollengewächſe zu beendigen, um ſie vor der Einwinterung ges hörig aufbewahrt zu haben. Die Röthe gelangt erſt in dieſem Mo- nate zur Erndte, Es giebt nicht ſelten Jahrgänge, wo im Nov. die Witterung troFener, wärmer und beſtändiger iſt, als ſie im October war, und wo die in ihm gemachte Herbſtſaat beſſer ein- gebracht wird, und das Erndtegeſchäft der Knollen- und Wurz- zelgewächte beſſer von Statten geht, als im October 3 aber nicht immer iſt darauf zu rechnen, denn nicht ſelten ſtellt ſich ſchon im November ein ſtarker Vorwinier ein. In dem vergangenen Jahre 1829 trat im nördlichen Deutſchland die Einwinterung allgemein ſchon Ende Octobers ein, und der Boden war bereits Anfangs Novembers ſo feſt und tief gefroren, daß die noch nicht eingebrachten Saaten unterbleiben, und in vielen Gegenden ein Theil der Kartoffeln und der Rüben auf. dem Felde gelaſſen wer- den mußten, wodurch viele Wirthſchaften in Verlegenheit mit der Winterfütterung gerathen ſind 3 andrerſeits die Fütterung der gefrornen Nüben Krantheiten unter dem Vieh verurſacht hat. Es iſt daher unter allen Umſtänden ſehr anzurathen, ſich in Beziehung auf die Einſaot, und in Beziehung auf die Einernd- tung der Knollen- und Wurzelg?wächſe nicht zu ſehr auf den November zu verlaſſen, indem man die Witterung nie vorher- ſehen kann. Da Übrigens einige Knolten- und Wurzelgewächſe vom Froſt nicht leiden, wenn ſie mit Erdboden überde>t:i bleiben, ſo darf'man in Beziehung auf dieſe keine, zu ängſtliche Rüc>ſicht nehmen, denn ſie gehen als Futter nicht verloren, und man kann nur in die Verlegenheit kommen, daß man vor dem Eintritt Y 324 Bau der Feldfrüchte. 411. Abſchn., November, (270) einer wärntern Periode Futtermangel eiapfindet, Es iſt dewnach anzurathen, von dieſen Sewächſen zu gehöriger Zeit einen Theil zu erndten und in Verwahrung zu bringen, um unter allen Ume änden den nöthigen Futterbedarf zu haben. Was die Röthe anlangt, ſo ſchadet es nicht, wenn dieſe auch bis zum nächſten Frühtahr im Acker bleibt, Da wir im vergangenen Monate den Beſchluß mit dem Saatgeſchäft gemacht haben, ſo wollenwir nun mehr in dieſem den Beſchluß mit dem Erndtegeſchäft. machen. Wir haben dem»- nat werden, immer wieder friſche Blätter austreiben, bis die ganzen Pflanzen endlich zur Erndte gelangen. Wollte man dieſe Kohlarten erndten, wenn ſie ihre ganz vollkommene Ausbildung erlangt haben, ohne ſie vorher zu„blatten, ſo wür2 den die zuerſt getriebenen Blätter, wenn nicht bereits abgefallen, do ſchon ſo alt ſeyn, daß ſie ein nur ſehr ſchlechtes Viehfutter gewähren würden, und man würde zugleich beträchtlich weni? ger an Maſſe des Futters gewinnen, Das Abblatten des Blatta kohls beginnt, je nachdem die Pflanzung zeitig oder ſpäter erfolgt, und die Witterung ſeinem Wuchſe förderlicher oder ungünſtiger war, bereits im Anfange oder gegen Ende des Auguſts, und es kann damit, je nachdem bie Witterung den Blatttrieb mehr odey weniger begünſtigt, von 2 zu 2, oder von 4 zu 4 Wochen fortge2 fahren werden, bis die Vegetation durch die Kälte gehindert wird. Es wird nun die ganze» Pflanze geerndtet, oder man läßt die Pflanzen, da die Blattkohlarten den Froſt vertragen, auf dent Felde, bis ſie gebraucht werden. Beym Abblatten hat man zu be: pbachten, daß man zuerſt die vollkommenſten untern Bläiter nimmt, und damit nach oben forifährt, die Krone aber läßt, bis die gane ze Pflanze zur Erndte gelangt. Man drüt beym Abbrechen der Blätiex von ohen näch unten über einen unterhalb des Blattſtie» les gelegten Finger, mit einem RuE, damit ein reiner Brach vom Strunk erfolge, der um ſo leichter vernarbt. Es gebört einige Uebung und Aufmerkſamkeit zum Blatten, damit nicht tief in den Strunk hereinzeriſſen wird, weil im entgegengeſehten Falle viel Säfiverluſt und verminderter Blattirieb erfolgt, Die Kopfkohlarten werden gewöhnlich auch geblattet, und man fängt damit nach Verſchiedenheit der Anſichten und Statt fin- 11 0“ n 0 1) 1/ Erndte u, Zugutemaen. Bricht man dogegen die Blät» ter ab, wenn ſie noc: grün ſind, und nimmt deren inehrere auf einmal hinweg, ſo ſchadet dieß unbedingt der Augbildung des Kopfes 3 denn das Apyrecben der grünen Blätter, wobin noch die Saftcirculation Statt findet, verurſacht an dem Bruche eine zu ſtarke Augleerung der Säfte, die den übrigen Theilen der Pflanze verloren gehen, und man erlangt dadurd nicht nur unvollkow= mnenere Köpfe, ſondern man verliert auch an der Geſammnmaſſe des Ertrags in dem Verbältniſſe, als durch den Bruch Säfte berloren geben, Nächſtdem bilven ſich auch an dem Brucke, wenn die Blätter grün abgebrochen werden, ſtarke Rinden, welche hicht genießbar ſind. Leider wird in ſehr vielen Gegenden Deutſch- lands mit dem Blatten viel zu früh angefangen, und es wezden zu viel Blätter auf einmal weggenommen. Dadurch wird der Ertrag des“ Kohls ſehr vermindert, die Köpfe werden weich. und unvollkommen, und das davon eingemachte Sauerkraut hält ſich nFerbau S. 689 in größern Wirthſchaften, wo auf | die Blattfütterung gerechnet iſt, lieber die ganzen Häupter gleich | wegzunehmen, als das viele Arpeit verurſachende Blatten vorzu- | nehmen, Ueberbaupt möchte es'in arvßen Wirthſchaften nicht | räthlich ſeyn, bey ver Fütterung viel Nechnung anf den Blatter» | trag des Kohls oder anderer durchs Avbolatten Futter gebender / 326 Bau der Feldfrüchte, 144, Abſchn, November. (272) Gewächſe zu machen, da dieſe Fütterung wegen der vielen Arbeit ſehr koſiſpielig iſt, und die Arbeit bey entfernten Feldern viel AU JH 5 31 dem Falle jedoch, daß- der Kohl, in Folge ſehr gün- ſtiger Witterung, ſich ſehr ausgebreitet hat, und Eee fp dieht ſteht, hierauf aber ein naſſer Herbſt folgt, kann es ſehr rathſam ſeyn, den Kohl auch vor der Zeit ſtark zu bläatten, damit die Luft beſer durchſtreichen, und die Köpfe und der Boden um ſv leich: ter abtro&nen können, weil dann, wenn man in dieſem Falle das Blatten unterläßt, der Kohl leicht fat.lt. Es iſt in Deutſchland eine ziemlich allgemein Statt findende Annahme, daß die Mitte Octobers, um Gallus, der Termin der Kopfkohlerndie ſey. In vielen Gegenden, wo der Winter ſich ſpät einſtellt, bleibt der Kohl bis in dem November auf dem Felde. Iſt der Sommer tro>en geweſen, ſo trägt das länger Stehen- laſſen des Kohls bey der feuchten Herbſtwitteru nod) weſent» lich zu ſeiner Ausbildung bey; im Gegentheil Wer, wenn die Witterung feucht geweſen, und beſonders, wenn die Köpfe zu plaßen anfangen, muß man mit der Erndte eilen, und ſie ſelbſt noch vor der Mitte Octobers vornehmen, weil ſonſt der Kohl auf dem Felde fault, Das Abbringen der Kohlköpfe geſchieht dadur<, daß man ſie mit den Strünken, dicht an der Erde, mit einem Beile oder ſoge- nannten Krautmeſſer mit hölzernem Griff, welches aus einer alten Senſe gefertigt wird ,, abhaut. Die abgehauetten Köpfe werden auf Haufen geworfen, und entweder gleich auf dem Fe'de von den Strünken und ſchlechten Blättern ausgeſchnitten, wor- auf jedes. beſonders eingefahren wird 3 oder ſie werden auf eine Tentie oder in einen reinen Graſegarten gebracht, und daſelbſt ausgeſchnitten. Cinige ſchneiden, Behufs der Aufbewahrung, bloß die äußern ſchlec- nen Oxte aufoewahrt, und gewöhnlich bis zum lezten Verbrauch ge- Fn din zig“ 9 EIE Z ee»emwaEnn2 wen er 2 mg.) Em Zug ID<< Büln mnE TE FE24 20508. EDapT"->eemEr-AERN Exndte u. Zugutemact, weggenommen werden kann. Man empfiehlt es, bey den Haufen die Strüntke nach innen, oder wenn man die Köpfe-an einander ſtellt, nach unten zu legen, weil der Kopf um iden Strunk berpm gegen den Froſt empfindlicher iſt, als auf der obern abgerundeten Seite. Hat. man die Strünke ausgeſchnitten ,-ſo werden ſie in ähnlichen Häufchen im Garten aufgeſchüttet, Einige ndhmen von dem auf dieſe Weiſe aufdee wahrten Kohl den täglichen Bedarf an Köpfen der Reihe nach weg, und verfüttern Köpfe und Strünke zugleich z Andere blat- ten“ ſtets, nehmen die loFerſten Köpfe zuerſt, und laſſen die feſten, von denen die Strünke abgeſchnitten werden, bis zuleßt. An- dere dagegen verfüttern die Blätter und Köpfe zuerſt, und laſſen die. Strünke, welche nicht abgeſchnitten werden, ſondern von de: nen die Blätter nach und nach abgenommen worden, zuletßt. Auf dieſe Weiſe erhält man das Futterkraut lange gut, in man» oder, was minder koſtſpielig iſt, beſondere zu dieſem Behuf errichtete waſſerdichte Gruben, Man ſchneidet zu dieſem Ende die Köpfe grob auf einer Hä&ſellade, ſtampft das geſchnittene? Kraut ſchichtweiſe feſt, ſtreut zwiſchen jede Schicht etwas Salz, auch mitunter etwas reine Holzaſche, am beſten büchene Aſche 3 gießt, wenn das Kraut nicht Saft genug giebt, etwas Waſſer darüber, ſo daß die Brühe darüber kommt, und beſchwert nun das eingemachte Kraut mit einem ſchweren Ded&el. Man pfleat auch Schicht um Schicht geſchnittenes Kraut und ganze Köpfe einzulegen. Beobachtet man bey dem auf dieſe Weiſe eingemach- ten Kraute, daß die Brühe immer über vem beſchwerenden Ded>el ſteht, ſo hält es fich, wenn man auch die. Grube, oder das Faß theilweiſe leert, den ganzen Winter bis zum Frübjahr gut und giebt dem Vieh ein gedeihliches, geſundes und milct ſind, und ſich erhitzen,| worauf ſehr leicht Fäulniß'eintrixrt. Man hat daher bey der Seh Aufbewahrung der Kohlrüben darauf, zu achten, daß man ſie in feine großen Haufen aufſchichtetz doß man die Haufen mehr| mw lang und möglichſt ſen iſt, und wo man der Zugluft Cnt freyen Zutritt geſtatten, wo man aber auh Schutz gegen ſtarken| kinn Froſt“ geven kann. Bewahrt man ſie in Haufen über der Erde, ſo varf weder die Stroh-, noch die Erdbede>ung ſtark ſeyn, und| und man muß nächſt den obern Luftzügen, auch noch deren an den Sei:|| mit ten anbringen. Läßt man den Kohlrüben ihre Blätter und behäufeit| et ſie,(9 kann man ſie ohne alle Gefahr auf dem Felde ſtehen laſſen.| ſic Serbau S. 590 folgender Aufbewahrungsarten der| 6( Kohlrüben:„Am beſten halten fie ſich in Rinnen, die nicht| über einen Spatenſtich tief und breit ſind. Man legt die| Rüben einzeln, eine neben die andere hinein, und indem mon| tie zweyte ausſticht, dect man mit der Erde die vorherge:| G hende Rinne zu. Bey dieſer freilich etwas umſtändlichen, aver| 2 für kleine Vorräthe wohl anwendbaren Art, halten ſich die Kohl:|[3 rüben bis Pfingſten.“ Oder:„„mam bäuft ſie gegen eine Mauer| a auf, die durch ihre Lage ſie vor dem Nordwinde ſchübt, und be: fü deckt ſie bey eintretender Kälte mit Stroh.“| 0 | Ertrag.| gel Der Ertrag der Kohlrüben hängt gar ſehr vom Boden und| z«; der Beſchaffenheit der Witterung ab. Während ſie im tro>nen| G Boden und tronen Clima gewöhnlich klein bleiben, und einen| die geringen Ertrag geben, und nur in ſehr feuchten Jahrgängen ei:| da nen anſehnlichen Ertrag abwerfen, gedeihen ſie im feuchten Bo»| tt den und bey einem feuchten Clima faſt alljährlich und geben ei:| vb; nen ſehr großen Ertrag,; ſ Burger giebt in ſeinem Lehrbuche der Landwirthſchaft,| 1; Bd. 2, S. 147 Folgendes über den Ertrag der Kohlrüben an:| y „Der hieſige Boden iſt dieſer Pflanze keineswegs ſehr zuſagend, le und doch erhielt ich nicht ſelten 500 Wiener Entr. vom Öſtreich:? ſchen Joch abgepußte Wurzeln, Sie erhalten in guter Läge| und bey fleißiger Cultur oft eine ungeheure Größe von 14-18! Pfund; ich kann aber nur auf 23 Pfund Rechnung machen; das|| für ſetze ich ſie aber in der Linie 15 Fuß, und bekam im Jahre| 1813 525 Cnty.'Rüben ohne Kopf und. Schweif. In demſelben Jahre erhielt man zu Karlsberg 504 Wiener. Meten vom Joch,| Ein andermal zu Wieſenau: 436 Ctnr. Wurzeln, und, 296 Ctnr, grünes Kraut, welches beym Tro>nen: 0,85 verlor.“: Thaer-bemerkt in ſeiner rationellen Landwiribſchaft Bd. 4,. S. Ji daß ex ſelbſt ohne Blätter 34000) Pfund Rüben geernd- tet habe.|! ET, In der Umgegend von Dresden hat mon in mehr bindigem und feuchtem Boden ſchon über 300 Cntr. Rüben vom Magde: Erndte u. Zugutemac& haben, al? die kleinen Ste&rüben z aber leider ſind ſie auch mitunter, in Folge ſchlechter Cultur, zum Theil aber auch in Folge beſon dern Bodens ſo holzig und grobſchme&end, daß ſie nur zu Vieh2 futter, nie aber als Gemüſe gebraucht werden. Als Futter ſind die Koblrüben ſehr geſchäßt. Sie ſind ein ſehr gutes Milchfut- ter, und beſonders gern frißt das Vieh das mit Kohlrüben auf2 gebrühte Futter, Als Maſtfutter werden ſie zem Kopfkohl vor» und gezogen. Wir haben Eingangs dieſer AbhandZung, in Folge der Einhofſchen Analyſe, bemerkt, daß es ſcheine, ols wenn dennod die Runkelrüben nährender wären 3 ollein auch zugleich) bemerkt, Ü daß die Erfahrung dagegen ſpreche. Es giebt zwar Kohlrübenar- 30 ten, die einen ſehr groben Geſchma&, ſehr ſtarke holzige Faſern 7 haben, und dabey klein ſind, die öllerdings wenig nährende Be- | ſtandtheile enthalten 3 dieß ſind aber nur ſolche Rüben, die aus of langjährig geſäetem ſchlehten Samen, ohne denſelben, zu ek» neuern, und in trocknem Boden und Clima erzeugt ſind, wo als nd) lerdings, die Runkelrüben eine größere Vollkommenheit erreichen. | Dergleichen neben Runkelrüben erzeugten Koblrüben können al2 ig lerdings in Hinſicht der näbrenden Beſtandtheile, den erſtern "8. nachſtehen, und im Vergleich gegen dieſe keinen lohnenden Er= das irag geben z aber ſonſt ſind die Kohlrüben unbedingt viel näh= (19,4 FenDer: und wir glauben, nach mehrſeitigen Beobachtungen niht- ven zu irren, wenn wir von guten Kohlrüben nebſt Blättern 1m h Durchſchnitt annehmen, daß 4 Pfund in Hinſicht der Nahrhafs "0 tigfeit 1 Pfund Heu gleich kommen. Serbau S. 591- daß Einige behaupteten, daß 2 Cntr. Kohlrüben 3 Cntr. Kartoffeln „» gleich wären, und daß ſie in manchen Gegenden den Möhren md? und Kartoffeln vorgezogen würden. In der Umgegend von Dres» den zieht man als Milchfutter eine gleiche Quantität Kohlrüben gm einer gleichen Quantität Kartoſſeln vor, und behauptet, daß ſich 334 Bau der Feldfrüchte. 141. Abſchn. November, (280) bey erſtern das Vieh eben ſo gut hielte, als bey letztern.» Die get Kohlrüben verdienen allerdings einex beſondern Berü&ſichtigung Er in einem mehr feuchten„Boden und Clima, wo fie ein ſideres bu Gedeihen finden, ſo wie in. dem tro&nen Boden und. Clima die her Runkelrüben den Vorzug verdienen, Man findet die Kohlrüben ha! zwar faſt überall in Deutſchland angebaut, doch nirgends in ſols| tt nung der Stängel und Aufbewahrung und Benu- M pung der- Knollen und Stängel, ſo wie ihren Werth in der ei- ie hen oder in der andern Beziehung nach obiger Cintheilung ab- m handeln, und uns dann über ihren Werth im Allgemeinen, un- ls ter ver Ueberſchrift: Bemerkungen, ausſprechen, (7 Erndte und Beuußung der grünen Laubſtängel. nN Wir haben bereits bey der Vegetation und Behandlung wäh- in dend derſelben, von den Topinamburs anzeführt, dop f1e bis zu 4 Fohannis nur wenig treiben,» und bis dahin ein kräniliches An- y ſeben baben; daß ſie aber im July“und beſonders im Yaguſt am m. ſtärkſten treiben und daher in Hinſicht ihrer Stävgel Ende Aus vt guſis erſt ipre völlige Ausbildung erlangt babep, obgleich ſe erſt ; Mitte Octobers zu blühen anfangen, wiewohl die meiſten in 4 unſerm Clima gar nicht zum Blühen kommen, Daß die Stän» T gel auch dann, wenn ſie bereits ihre vollkommene Nuöbitdung 4 erlangt haben; ſo lange bis die Vegetation durch diz Kälte ge» 0: hindert wird, einen ſchr weſentlichen Antheil an der“ Ausbildung &/'der Knollen haben, indem ſie durch ihr Blaitorgan denſelben 0 Nakrung zuführen, iſt eine bey den Topinamburs ganz beſon. iw ders erwieſene Sache. Weder bey den Kartoffeln, no< bey den 4 Murzelgewächſen hat die Wegnohme des Krautes und der Blät2- en ter, wenn ſie ibre völlige Grüße erlangt haben, einen" auf den u Ertrag der Knollen und Wurzeln ſo nachtheiligen Einfluß, als ' die zu zeitige Wegnahme der ausgewachſenen Topinamburſtängel ie auf den Ertrag der Knollen. Die zeitige Fütterung der grünen ne Stängel geht daber auf Unkoſten des Knollenertrages, und man en kann annehmen, daß, wenn erſtere Ende Auguſis oder Anfangs bis Mitte Septembers weggenommen werden, lehtere um 4 Er- trag weniger geben. Ueber die Benutzung der Topinamburſiängel als grün Fut- ter, wollen wir hier desjenigen- gedenfen, was Schwerz im 2ten Bande, S,. 666 ſeiner Anleitung zum praktiſchen A>erbau hierüber ſagt:„,Es kommt bey der Landwirthſchaft nicht v!oß auf die hobe innere Güte, noch auf die äußere Menge eines Ge» genſtandes, ſondern auch auf die Zeit an, wo man ihn benußen, und den Zwe&, zu welchem man-ihn verwenden kann. Beides erfüllen die Topinambpurſtängel.| Gemiſcht mit eiwas Luzerne, belfen fie dieſe verlängern; mit Rüben- und Kohlblättern und weichem Gras, geben ſie dieſen mehr Conſiſtenz, Feblen ſol täglich 159 Pfund 1:1:d gaben 33 Scheyven Milch. e) Nochy einigen Tagen aber 19a ihnen dieſes Futter weniger angenehm. Sie fraßen nunmehr 102 Pfund und gaben 28 Schoppen Milch. F) Am 12ten October gaben ſie bey 150 Pfund Gras, 36 Pfund Stöngel und. 15 Pfund Heu wieder 33 Schoppen. Bey aller Unzulänglichkeit, welche dieſe Erfahrungen wegen ver Kürze ihrer Dauer haben mögen, um einen richtigen Ver- leich zwiſchen Gras, Heu und grünen Topinamburſtängeln in Bezug auf Milcherzeugung aufſtelen zu können, beweiſen fie doch, daß die Stängel nicht allein zu füttern ſind z daß ſie aber in Verbindung mit den angeführten andern Subſtanzen den Werth dieſer letztern, ſo wie dieſe den Werth jener Stängel bey ver Fütterung erhöhen. Durch eine nähere Zuſammenſiellung einiger jener Erfahrungen läßt ſich, wie ich glaube, der Heuz2 werth der grünen Topinamburſtängel ziemlich annähernd beſtim» men. Zufolge der Erfahrung b) verglichen mit a), erſetzten 84 Pfund Laubſtängel 150 Pfund Gras. Von dieſen dürfte man ſich zu verſprechen haben 24 Pfund Heu, wenn wir ſeiner Wäßz rigkeit wegen, ſtatt 78 Procent, wie bey gewöhnlichem Heu, 84 Procent Verluſt für das Austro>nen annehmen. Demnach gli- nen verlieren.“ Es wird auch von vielen andern Seiten beſtätigt; daß die grüs nen Stängel der Topinambur nicht nur ein gutes Futter für alles Vieh ſeyen, ſondern daß ſie auch gern gefreſſen werden z doch em» pfiehlt man ſie des ſtarken Stängels wegen mehr für Pferde, Schafe und Ziegen, als fürs Rindvieh, welches des zu angeſtrengten Kauens wegen ſich ſehr vald müde daran frißt. Man empfiehlt zwar, die Stängel auf einer Häſelſchneidemaſchine ſchneiden zu laſſen 3; aber es bleibt dabey immer die Frage, ob ſie dem Rindvieh dadurch ſo leicht genießbar werden, daß man fie ganz für ſich allein füttern kann. Die Schafe freſſen dagegen die grünen Stängel ganz rein auf, und nach mehrſeitigen Verſicherungen ſind ſie ſehr begierig darauf, Erndte u. Zugutemachung d. Feldgewächſe. Topinambour. 337 (Q233) Wie groß der Ertrag an-Futtermaſſe ſeyn möge, läßt ſich bey der verſchiedenen Größe und Die der Stängel, die ſie in verſchiedenen Boden, und bey verſchiedener Witterung erlangen, nicht beſtimmen; doch muß der Ertrag der Maſſe nach ſo anſehn: lich ſeyn) daß es ſich, im Vergleid) ihrer Nahrungsfähigkeit,' ſehr lohnen muß, ſie im Herbſt, wenn das grüne Futter abnimmt, als Beyfutter zu benuten. Erndte, Tro>nung, Aufbewahrung und Benutzung ver ausgebildeten Laubſtängel. Was nun die Erndte der Laubſtängel und ihre Tro>nung zu Winterfutter anlangt, ſo gebt ſchon aus Vorſtehendem hervor, daß man dieſe nicht zu zeitig beginnen dürfe, wenn man nicht eine zu große Einbuße an den Knollen erleiden will, Uebrigens haben es auch mehrſeitige Erfahrungen dargethan, daß die ge- tro&>neten, zu zeitig abgeſchnittenen Stängel nicht die grüne Farbe behielten, ſondern daß deren Blätter ſchwarz wurden„* ei: nen wenig aromatiſchen Seruch hatten, und überhaupt ein ſchlech» teres Futter gewährten. Am beſten ſind die Stängel, um zum Trocknen geſchnitten zu werden, unſtreitig dann, wenn ſie in die Blüthe getreten ſind, gegen Ende Octobers z es tritt jedoch dann die Schwierigkeit ein, ſie bey der feuchten Herbſiwitterung, und bey ihrer Stärke und Saftigkeit gehörig zu tro&nen, und überhaupt tro&en genug zur Aufbewahrung einzubringen. Es wird daher cmpfohlen, das Abſchneiden der Stängel, Behufs des Tro>knens, ſchon im September zu beginnen. Verluſt an Knollen erfolgt bey dem Wegnehmen der Stängel in jedem Falle, man mag ſie noch ſo ſpät wegnehmen, da es die allgemeine Er» fahrung beſtätigt, daß die Knollen, wenn die Stängel gelaſſen werden, nicht nur bis zum unmittelbaren Eintritt der Einwin- terung, ſondern ſogar noch den Winter hindurch zunehmen. Die Stängel werden mit einer Sichel einen halben bis ei- nen ganzen Fuß über der Erde abgeſchnitten. Die Sichel muß aber wegen der Stärke der Stängel ſtärker, als eine gewöhnlis- en, ſo werden die Gebunde ſo ge» dreht, daß nun auch die, auf der inwendigen Seite geweſenen Blätter zum Tro>nen nach Außen korimen. Es hängt ſehr von der Witterung ab, in welchem Zeitraume die AbtroFXnung in ver Maaße erfolgt, daß die Stängel, ohne zu verderben, einge» bracht werden können. Iſt die Witterung tro>en, ſo läßt man ſie 8 Tage ſtehen, ehe man die auswendige Seite nach innen kehrt; wendet die lezten Tage die Gebunde nochmals, und bringt ſie nach 14 Tagen ein, Bey feuchter Witterung müſſen ſie viel länger ſtehen, und häufiger gewendet werden, In jedem Falle 338 Bau der Feldfrüchte. 11. Abſen ſind, nicht leicht abgerieben werden können. Das Einbringen erfolgt dann, ſovald die Stängel ſo trocken ſind, daß ſie beym Zuſammendr?ben keinen Saft wehr von ſich geben. Einen ſol- enheit, daß ſie leicht zerbrechen, erlangen die Stängel nicht." Hat man. Raum genug, die eingebrochten Stängel noc- nen der Stängel,-Die Stängel werden in möglichſt kleine Ge- bunde locker zuſammengebunden, und dieſe zu 7 in Haufen, wie pben bemerkt, aufgeſtellt. Nachdem die Bunde dieſer Haufen auf ver auswendigen Seite troFen geworden ſind, werden 3 ſol: cnen gefördert. Die Schafe ſollen die auf dieſe Weiſe getroF& neten Stängel lieber freſſen, als die auf jede andere Weiſe getro&Fneten,? Die getro>neten Topinamburſtängel werden allgemein als ein ſehr gutes Futter, beſonders für die Schafe, gerühmt. Die Meiſten wollen zwar auch ein ſehr vorzügliches Milchfutter für die Kühe in ihnen gefunden haben z; doch widerſprechen dem eis nige ältere und neuere Behauptungen, die ſie zwar als Milch- futter! gelten laſſen, fie aber für ſchlechter, als mittleres Heu halten. Am beſten ſcheinen ſich die getro&neten„Topinambur: ſtängel zu Schaffutter zu eignen. Es wird in tieſer Beziehung in der 12ten Lieferung der Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreiche Sachſen, bey der Nach» richt von einem, im Jahre 1823 gemachten Verſuche mit dem Anbau der Topinambur, S. 44, Folgendes mitgetheilt. Die Stängel wurden am 3ten October, nachdem ſie für genug ge= tro&>net gehalten worden waren, auf den zweyten Balken im Schafſtalle gebracht, damit ſie luftig lagen, Bey ſpäterer Unter- ſuchung ergab ſich aber, daß man mit dem Einbringen zu ſehr geeilt hatte, denn ein großer Theil der Stängel war ſchimmiig geworden. Es wurden daher im Winter bey kalten tro&enen Exndte u. ZugutentaE Bunde kaum ein kleines Gebündchen, ja oft gar nichts übrig blieb. T haer-bemerkt im 7ten Bande der Möglinſchen Annalen, S. 617, daß in Möglin die Schafe an den getroneten Topi«- namburſtängeln nur ſpielend gekaut, und Erbſenſtrvh vorgezogen haben 3; die Kühe hätten ſie ganz verſchwäht 3 führt hierbey abeyx auh zugleich an, daß es bekannt ſey: daß gut genährtes Vieh das anfangs vicht anrühren wolle, was es nachher gern freſſe, beſonders die Schafe. Es ſcheint aus allen vorbandenen Nachrichten hervorzugehen, daß die troFnen Topinamburſtängel ein vorzügliches Schaffuttes ſind. Auch die Pferde freſſen die Topinamburſtängel, wahr» ſcheinlich des ſüßen Markes wegen, ſeb? gern, und laſſen, wenn ſie nicht zu ſtark ſind, nichts übrig. Als Milchfatter möchte ihr Nuten noch problematiſch ſeyn, und auch dey der Ochſen- maſt dürften ſie ſich, da ſie vas Bieh im Kauen exmüden, nicht vorzüglich ſeyn. Am gedeiblichſten' dürften ſie dem Rindvieh wahrſcheinlich zu HäFſel geſchnitten und. aufgebrüht ſeyn, Ueber den Ertrog an tro>nen Stängeln ſind keine zuverläſz ſigen. Angaben vorhanden, und derſelbe dürfte auch nach Bez ſchaffenheit des Bodens, der Cultur und der Jahreswitterung ſehr verſchieden ausfallen. Gewiß iſt e8-aber, daß bey der Be- ſchaffenheit der Stängel, derſelbe, wenn ſie getro>net ſind, ſehr anſehnlich ſeyn muß. Erndte, Aufbewahrung und BenubungderKnollen. Die Knollen der Topinambur leiden vom Froſt nicht, ſo lange ſie in der Erde ſind 3 ja fie nehmen im Erdvoden. den Win- ter hindurch, bis zum Frühjahr, noch beträchtlich an Größe zu, und die unvvollfommen außsgebildet geweſenen erlangen eine grö- Gere Vollkommenheit. Man kann daher die Erndte bis zu gele: gener Zeit nach vollendeter Feldarbeit im Herbſt oder bis im 340 Bau der Feldfrüchte. 11. Abſchn, November. (286) Frühjahr. verſchieben, oder man kann: mit dem Erndten, nach Maßtgobe des. Bedarfs, durch den ganzen Winter und das Frühjahr fortfahren. Da jedoch- ſtarker Froſt und viel Schnee das Herausnehmen im Winter ſehr beſchwerlich machen würde, ſo bringt man zu Fgeböriger Zeit im Herbſt die nöthige Quan- tität Knollen für den Winterbedarf ein, bewahrt ſie auf, und läßt den Bedarf für das Frühjahr, bis, die grüne Fütterung eins tritt, auf dem Felde, und nimmt ihn erſt im Frühjahr heraus, wodurch man eine um ſo größere Maſſe,an Knollen gewinnt. Man nimnit' an, daß die Maſſe der Knollen, wenn ſie yen Winter über im Ader bleiben, ſich bis zumyFrühjahr um 2 bis 3 vermebrt. Man kann die Knollenerndte bis in den April im Frübjahr hinaus verſchieben, aber länger darf man ſie nicht im Aker laſſen, weil ſie dann zu keimen anfangen, und als Viehfutter ſehr verlieren, Das Herausmachen der Knollen erfolgt, wenn die Pflanzett in regelmäßigen Reihen. ſtehen, mittelſt des Hakens, wie bey den Kartoffeln angegeben worden. Die Erndte iſt aber etwas > langweiliger, da die Knollen kleiner ſind, und feſter zn den 2 Samenſträngen hängen, von welchen ſie nicht abgeſchüttelt wer» den können, ſondern abgepflü&t werden müſſen. Stehen die Pflanzen, wenn die Plantage längere Zeit gedauert bat, nicht mehr in regelmäßigen Reihen, ſo erfolgt die Ausbringung am beſten mit dem Spaten, indem an jedem Stängel oder Sturze deſſelven eingeſtochen, der ganze Sto> ausgeboben, und die Knollen abgepflükt werden. Auf dieſe Weiſe bleiben weniger S Knollen im Aer zurüs, als wenn man ſich des Hakens bedient. 4 Da es ſich vielſeitig beſtätigt, daß ſich di? Knollen den Win» I ter hindurch. am beſten dort erhalten, wo der Aer trocken iſt, auf naſſen Stellen ſie dagegen der Gefahr ausgeſett ſind, daß ſie bey naſſer Witterung faulen, ſo iſt es anzurathen, wenn man naſſe Stellen im Aer hat, diejenigen Knollen, die man im RE 2008 utid im Winter braucht, von den naſſen Stellen zu nehmen. Was die Aufbewahrung der Knollen anlangt, ſo ſpricht die Erfahrung dafür, daß ſich die im Herbſt herausgemachten Knol- len beſſer halten. Der Froſt ſchadet ihnen nicht, oder er bewirkt keine ſo nachtheilige Zerſetzung ihrer Beſtändtbeile, wie bey den ! Kartoffeln oder Rüben, daß ſie als Futter unbrauchbar werden, wenn man ſie nur durch die Luftwärme unter Erdvede>ung wies K. der aufthauen läßt. Auch kann man die gefrornen Knollen, wenn 4 män ſie im Warmen aufthauen läßt, ohne Nachtbeil verfüttern, wenn man ſie nur bald verbraucht. Läßt man ſie aber aufges thaut längere Zeit ohne Erdbede&ung liegen, ſo fangen ſie leicht zu faulen an.; Die int Herbſt geerndteten Knollen kann man ſehr leicht in mit Erde bede>ten Haufen aufbewahren, Wenn auch der Froſt durch die Erde durchdringt und die Knollen trifft: ſo ſchadet es nicht. Mart muß jedoch die Vorſicht brauchen, die Haufen nicht u groß zu machen, und gebörige Luftzüge anzubringen, woil urch die Erhißung im Haufen leicht Gährung und Fäulniß der Knollen' erfolgt.“ Die im Frühjahr geerndteten Knollen em» pfiehlt man, wenn ſie ſich halten ſollen, ſobald als möglich in Keller zu bringen. In guten tronen Kellern halten ſie ſich ſehr gut, bis zum Eintritt der grünen Fütterung, E ; 2 PEIN 17: Erndte u. Zugutemachung d. Feldgewächſe. (287) Veber den Ertrag der Knollen hat man ſehr verſchiedene Angaben. Einige ſetzen ihn über den der Kartoffeln; Andere neb- men ihn beträchtlich geringer an. Es kommt freilich auf die Bez ſchaffenheit des Bodeys, der Cultur und der Witterung ſehr viel an 3; aber gewiß läßt ſich doch ein allgemeiner Mizteldurchſchnitt annehmen. Auch iſt ein beträchtlicher Unterſchied im Ertrage be: merklich, wenn man die Pflanzen behäufelt, wo ſie dann eine größere Knollenerndte geben, oder wenn man ſie während der Vegetation bloß lo>ert, wo ſie eicen größern Stängel und we» niger Knollen treiben. S< werz bemerkt im Iten Bande ſeines Lehrbuchs der Landwirthſchaft, S. 664., daß die Knollen der Topinambur im Ertrage, nach dem allgemeinen Glauben" der Elſaſſer, den Kartof- feln nicht allein nichts nachgeben, ſöndern ſie ſogar noch über- treffen, und daß man bey einer guten Erndte auf daſigem Sand= boden den Ertrag eines Hektars zu 128 Hektoliter anſchlägt. Fn den Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Ge: ſellſMaft im Königreich Sachſen, wird in der Nachricht von An- bauverſuchen in der 12ten und 13ten Lieferung, der Ertrag zum 6ten und 7ten Korn angegeben. I< habe von der, Knollenerndte der Topinamburs; die in einem loFern, kräftigen Gartenboden in hieſiger Umgegend(Dres= den) ſtanden, im zweyten Jahr nad) der Auspſlanzung, im Jabr 1829; folgendes ungefähre Reſultat ausgemittelt. Die StöFe hatten im Durchſchnitt ungefähr einen Raum von einer rheini» ſchen Quadratelle, denn es waren auf einer NQuadratruthe über 40 und über 50 StöFe. I< nahm im Durchſchnitt 50 Stde, mithin beym Sto> eine unbedeutende Kleinigkeit weniger, als eine Quadratelle-Raum an. Die Stö>e waren behäufelt worden: Den 30ſten October, nachdem ſchon einige bedeutende Fröſte vorherge» gangen waren, wurden von dieſer Pflanzung an mehrern Orten 10 verſchiedene Stö>e auegehoben und die Knollen gewogen. Der Gewichtsertrag der Knollen an dieſen 10 Stö>en betrug eine Kleis nigkeit, etwas unter 9 Pfund; Es gab mithin die Quadratru» the von 50 Stö>en 45 Pfund, und der Magdeburger Morgen zu 130 Quadratruthen: 8100 Pfund. Der Berliner Scheffel wog 83 Pfund; mithin war der Ertrag; wenn man die Kleinigkeit, die die 10 Stängel etwas unter 9 Pfund an Knollen gaben, ab: rechnet, circa 97 Berliner Scheffel vom Morgen. Nach der Ver ſicherung war die Erndte von 1828 bey weitem weniger reichlich, Nehmen wir nun aiſo dieſen Ertrag von 97 Berliner Scheffeln als einen reichlichen an, indem die Topinambutrs in einem kräfz= tigen Gartenboden ſtanden: ſo wird man in gewöhnlichew Ader- boden, wenn verhältnißmäßig gedüngt wird, vielleicht kaum auf einen Durchſchüittgertrag von 50 Berliner Scheſfeln vom Mor= gen rechnen können, und der Knollenertrag wäre demnach beträcht- lich geringer, als der von den Kartoffeln. Dieß ſcheint auch voll» kommen begründet zu ſeyn, wenn man die vielen, aber kleinen an einem Topinamburſto>Xe hängenden Knollen gegen die zwar wenigern, aber um ſo größern Knollen der Kartoffeln an einem Sto>e in Vergleich ſtellt, Was die Benutung der Knollen anlangt, ſo werden fie nach vielſeitigen Verſicherungen von allen Thieren gefreſſen. Im El- Topinambur. 34 342 Bau der Feldfrüchte, 41. Abſc und fett werden, ſich augputzen, und dabey ſtark arbeiten können. Auch als Miklchfuatter werden ſie von vielen Seiten gerühmt, und ſogar über die Kartoffeln geſeht. Bey den Schafen haben ſie nad) mebrfeitigen Verſicherungen in Beziehung au? die Fütrerung dieſelbe Wirkung hervorgebracht, wie die Kar- toffeln, und find voy denſelben eden ſq gern gefreſſen worden, Einige ältere und auch neuere Beobachtungen ſprechen ihnen je- doch den den Kartoffeln gleichen Futierwerth ab; und in der That zieht man auch in mehrern Gegenden, wo die Topinam2 burs in frühern Zeiten gebaut wurden, und ſie ſich noch auf kleinen Flächen erhalten haven, vie Kartoffeln, in Beziehung auf Futier ,* den Kydllen der Topinamburs unbedingt vor, Es iſt wohl auh obne Zweifel, das die Knollen der Topinamburs an. Naohrhaftigkeit den Kartoffeln beträchtlich nachſtehen, und wan kann ſich davon, abgeſehen yon denerſtücken, woo fie gewachſen waren, aufnehmen zu laſſen, um ſie mit 12 Kühen zu verfüttern, Dieſe bekommen täglich fünfmal Futter, nämlich einmal Stroh„ ein- mal Kartoffeln oder Nunkeirüben mit Häſel, und dreymal Heu. An der Stelle von einem Scheffel Runkelrüben mit Hätkſel, den ſie bisher erhalten hatten, gab ich ihnen nun einen Schef- fel Erdäpfel. Sie fraßen ſie zwar gern, aber ſie ließen theils im Milchzeben nach, theils purgirten ſie, Jenes hält man für eine natürliche Folge der Jahreszeit 3 dies war indeſſen hier nicht der Fall; denn als man ihnen, als die Erdäpfel verzehrt was ren, wieder Runkelrüben gab, fand ſich ſogleich die früber ge- gebene Mil< wieder, und es hörte auch das Purgiren auf, Es war hiernach als gewiß anzunehmen, daß beides eine Folge des Genuſſes der Erdäpfel ſey: Hierbey muß ich bemerken, daß ſchon vor zwey Jahren ein Dyzfeinwohner mir geklagt hatte, daß ſeine 0 Kühe nach dem Genuß der Erdäpfel Überaus ſtark purgirt anen,.“ Erndte u. Zugutemachung.d, Feldgewächſe. Tobinambur. 343 (239) Derſelbe führt auch in derſelben Schrift S, 94. an, daß von der"Fütterung mit den Erdäpfeln ihm zwey zahme Hirſchkühe erkrankt, und ſogar eine darauf gegangen ſey. Stellt man alle Angaben über die Knollen der Topinamburs zuſammen, ſo möchte män daraus folgern, daß ſie den Kartoffeln in Beziehung auf Fütterung im Allgemeinen beträchtlich nachſte: hen; daß fie ſim am beſten zur Fütterung der Schafe und Pferde eignen, und daß es räthlich iſt, ſie nicht in ſtarken Ouantitäten, und nicht für ſich allein zu verfüttern, ſondern ſie nur haupt: ſächlich als ein aushelfendes Beyfutter,zu betrachten. Bemerkungen über den Anbau der Topi- namburs, Betrachten wir das über die Topinambuürs Geſagte in einer kurzen Zuſammenſtellung, ſo möchte ſich im Allgemeinen ergeben, daß die Stängel, ſowohl im grünen, als auch im tro&non Zuz- ſiande ein gutes Futter ſind, beſonders für die Schafe und Pferde im leßtern Zuſtande 3 daß jedoch“ die Knollen nur ein ſehr mitz telmäßiges Futter ſind, und daß ous dieſem. Srunde ihr gerinz2 gerer Ertrag bey Hinwegnahme der Stängel, ſowohl zu grünem, als zu tro&nem Futter, in Vergleich gegen das beſſere Futter, was dieſe gewähren, nicht in Betracht zu ziehen iſt, ja daß es vielmehr ſogar gerathen ſeyn möchte ,- im Allgemeinen in Bezie2 hung auf Futtergewinnung, mehr auf die Stängel, als auf die Knollen zu rechnen, und daher bey der Cultur das Behäufeln zu unterlaſſen, wodurch man eine um ſo größere Stängelerndte gewinnt. Da es übrigens wohl ſcheint, daß, wenn man Stän- gel und Knollen der Topinamburs zuſammenrechnet, ſie an näh- render Maſſe einen eben ſo großen, oder vielleicht noch größern Ertrag von einer gleichen Fläche und. unter gleichen Culturver- bältniſſen geben, als die Kartoffeln; dabey aver auch zu berü>- ſichtigen ſeyn. möchte, daß die Topinambuürs mit ihren Stängeln und Knoollen„doch nur mehr als aushelfendes Bey-, denn als Hauptfutter: zu betrachten ſeyn dürften: ſo möchte aus dem Allen wobl hervorgehen, daß der Anbau der Topinamburs neben dem der Kartoffeln wohl einen Platz verdiente, wenn ſie auch nicht geeignet ſeyn dürften, jenen den Rang abzulaufen. Ganz beſon- ders dürfte ihr Anbau auf tro>nen, magern Plätzen zu empfeh- len ſeyn. Geben ſie daſelbſt auch, bey einer ſpärlichen Düngung, die den Boden noch, nicht. geeignet machen würde, eine andere Frucht nur mit einigem Vortheil zu tragen, nur einen. geringen Ertrag: ſo iſt es doch als gewiß anzunehmen, daß dieſer geringe Ertrag, da die Pflanzen ſich viel atmoſphäriſche Nahrung aneig= nen, beträchtlich mehr beträgt, als izre Cultur und Düngung anzuſchlagen ſind. Wäre der von Einigen bemerkte Umſtand bes gründet, daß die Topinamburs, wenn ſie einige Zeit lang auf demſelben Plate geſtanden haben, und man das von ihnen ge- wonnene Kräutrig auf dem Platze der Plantage verfaulen läßt, mit der Zeit eine reichlichere Knollenerndte geben, und zuleht den Boden in einem beträchtlich größern Grade von Kraft hinterlaſſen, als er am Anfange der Pflanzung batte: ſo würde es wohl kein beſſeres- Mittel geben, magere Ländereyen zu verbeſſern, als fe mit Topinamburs zu bepflanzen und die Plantage mehrere Jahre darauf zu laſſen. XI. 19 344 Bau der Feldfrüchte, 414. Abſchn, November, Q90) Zu bemerken iſt übrigens noch, daß in holzarmen Gegenden der Anbau der Topinamburs beſonders aus dem Grunde zu em: pfehlen ſeyn dürfte, weil ſie ein gutes Brennmaterial in ſo be- deutender Quantität geben, als kein anderes landwirthſchaftliches Gewächs. Man läßt zu dieſem Zwe> die Stängel an dem Sto>e, bringt ſie erſt“im Winter, wenn ſie abgeſtorben ſind, ein, zer- hackt ſie dann, und bindet ſie, wie das Reiſig, in Gebunde. Die tronen Stängel ſollen dem beſten Feuerungsmaterial an die Seite geſeßt werden können, und ſich zu jeder Art Feuerung, ſelbſt zum Brodbacen eignen, Sie ſollen beynahe 6.Proc. Aſche geben, aus der eine Lauge von ganz beſonderer Stärke gemacht werden kann. Die Saatrübe.,- Die Braachrüben gelangen zeitiger zur Erndte, als die Stop- pelrüben. Gewöhnlich werden die Braachrüben, je nachdem ſie zeitiger oder ſpäter geſäet werden, ſchon im Auguſt, oder im Sep tember zur Fütterung verwendet, damit noch genugſame Zeit vers bleibt, das Land mit Winterung zu beſtellen. Die Stoppelrüben gelangen ſpäter zur Erndte, Stehen ſie ſehr dicht, ſo werden ſchon um Michaelis die kleinen mit dem Kraut ausgezvgen, und verfüttert, Die größern werden bis zum November ſtehen ge: laſſen, und dann theilweiſe ausgenommen, Die beſten und ge- ſündeſten werden ausgeſchnitten und für den Winterbedarf in Kellern, oder in mit Stroh bede&>ten Haufen aufbewahrt. Das Kraut und die ſchlechtern Rüben werden ſogleich verfüttert. Man läßt die Waſſerrüben, und beſonders einen Theil der klei- nern, den Winter über im Erdboden, wo ſie dann im Frühjahr mit ihrem jung ausgetriebenen Kraute ein vorzügliches Futter für Nindvieh und Schafe geben. Die letztern läßt man ſie aus der Erde hevausfreſſen. Sie halten den Wintex meiſtens recht gut im Freyen aus z nur, wenn Froſt und Tbauwetter häufig und ſchnell wechſeln, werden ſie zerſtört. Die Nüben halten ſich in wit Strob und Erde bede>ten Haufen bis zum Anfange Fe: bruars recer war zu mager, Jm Jahre 1817 erhielt ich 377 Centner 3; 1818 380 Centner.“ Thaer führt im 4ten Bande der rationellen Landwirthſchaft S. 232. an, daß ein Ertrag von 20 bis 25 Centner nichts Ungea wöhnliches ſey, und er kabe ſie, wenn wieder dazu gedüngt war, ſo geſehen, daß man ſie auf 40 Centner vom Magdeburger Mor- gen zu 180 rheiniſchen Quadratruthen, ſchäpen konnte. In der Umgegend von Dresden rechnet man in ſehr kräftigem und- loXerm Boden, wenn die Stoppelrüben zeitig geſäet werden, ſie von. der Witterung im Wachsthum begünſtigt werden, und wenn ſie vom Erdfloh nicht leiden, vom Magdeburger Morgen höchſtens 200 Centner mit dem Kräutrig. Oft gelangen ſie gar nicht zur Erndte, und als Mittelertrag können nur 100 Centner * angenommen werden, Bemerkungen über den Saatrübenbau. Ueber den Futterwerth der Saatrüben baben wir bereits in der Encyklopädie der Landwirthſchaft, Bd. Vl. S, 276. gebandelt, auch zugleich bey der Fruchtfolge daſelbſt S. 279. bemerkt, daß ſie im ſüdlichen Deutſchland bäufiger, als im nördlichen Deutſchland ges baut werden. Vergleichen wir die Saatrüben in jeder Beziehung mit den andern bey uns fortkommenden Futtergewächſen: ſo möchte ſich ihr Anbau hauptſächlich nur-als Zwiſchenfrucht lohnen, und in dieſer Beziebung auch mehr in kleinern, in-guter-Düngung ſtehenden Wirthſchaften, als in den großen, gewöhnlich düngerar- men Wirtbſchaften Norddeutſchlands, Sie ſcheinen“auch in neuern Zeiten in manchen Gegenden, nach glücklich ausgefallenen Verſuz2 &mäßige Sorte bey| 120 aufmerkſamer Cultur einen großen Extrag-giebt, Die Witterung hiſch bat zwar ebenfalls einen nicht unheträchtiichen Antheil an der| habe Maſſe des Ertrags; doch ſcheint es, daß, ſeitdem die Kartoffeln Und in ſo großer Ausdehnung auf dem Felde gebaut werden, ſie ſich| Eh um ſo mehr an das Clima gewöhnt haben, ſo daß ſie bey anz|, gemeſſener Cultur, in nicht zu bindigem und zu loſem Boden, in öton der Maſſe des Ertrags, bey nicht günſtiger Witterung, nicht ſo Ert ſebr zurüFſchlagen, als viele andere, Gewächſe. Einen größern hefü Einfluß ſcheint im Allgemeinen die Witterung auf die Qualität Hier der Kartoffeln zu äußern. Man kann daher mit ziemlicher Ge- hey wißheit auf einen ziemlich gleichmäßigen Ertrag der Kartoffeln| ju? rechnen, und man wird nur finden, daß ſie in außerordentlich=| fel. günſtigen Jahren einen, weit über den gewöhnlichen Ertrag hin- Der ausgehenden hohen Ertrag geben.. hen Wir wollen einige verſchiedene Angaben aus verſchiedenen mei Gegenden über den Ertrag anführen. lich Burger giebt im 2. Bde, ſeines Lehrbuchs der Landwirth- In ſchaft S. 137, aus einer großen Menge eigner und, fremder Er- bis fahrungen, folgende Erträgniſſe an: Auf ſeiner Wirthſchaft zu fel, Wolfsberg erhielt er im Jabr 1804 413 Wiener Meten vom öÖſt- Et reichiſchen Joch; 1807 332 Metzen; in Harbach, auf Sandboden, vin im Jahr 1313 300 Meten 3 im Jahr 1815 290 Metzen z; andere Cu Jahre 250 Metzen 3 und nur in dem einzigen Jahre 1817, wo er bis fie auf gar zu loſem Boden hatte, erndtete er nur 170 Meßen.| heb Zu Hungerbrunn in Kärnthen war der Ertrag 1808 270 Meßen 3 ten 1809 231 Meßenz 1810 272 Metßenz; zu Kreug, in Kärnthen/ bon in kälterer Lage und graſigem Boden, 1803 244 Meßenz; 1809 Leg 154 Metßen; 1810 218 Metßen, vom öſtreichiſchen Joch.-- lich In dem fruchtbaren Jahre 1822 erndtete man zu Wieſenau-| in Kärnthen, auf reich gedüngtem Boden, 416 Centner vom Joch, In von den großen gelben Speiſekartoffeln 3 aber nur 220 Ctnr. von 1027 den frühreifen blauen. Burger nimmt den Durchſchnittsertrag>|]" [ Erndte u. Zugukemacz nem Sandboden, w9 nur 6fältig geerndtet wird, ziemlich allge- mein. Im Leipziger Kreiſe iſt der 10fältige Ertrag ebenfalls. ziem= lich allgemein 3; doh werden in der Gegend von Colditz in einem in guter. Cultur ſtehenden Boden, bey einer Düngung von 15 bis 16 zweyſpännigen Fuhren Miſt und 8 bis 9 Dresdner Schef- fel Kalk pro Aker, bey einer Einlage von: 12 bis 16 Dresbner Scheffel in 2, bis 3 Stü> zerſhnittener Mittelkartoffeln(mit- hin enger Pflanzung), und bey beſonderer Aufmerkſamkeit in der Cultur und Behandlung mit der ſogenanten Furchenegge, 160 bis 180 Dresdner Scheffel vom Ader geerndtet. Im höhern Erz- gebirge wechſelt der Ertrag bey guter Düngung, aber in größ- tentheils armem Boden, zwiſchen 70 bis 100 Dregdner Scheffel vom A>er. Im Voigtlande erndtet man bey einem' ſehr dünnen Legen der Kartoſieln, bey übrigens guter Cultur in einem frei- lic) im Ganzen nicht ſehr reichen Boden, 709 bis 140 Dresdnex Scheffel vom Aer, oder» nach daſiger Einlage 10 bis 20fältig. In der Oberlauſit werden im bindigen, mehr feuchten, im Ganzen äber nur mittelmäßig reichen Boden, bey einer guten Düngung, als Mittelertrag 140 Scheffel angegeben;z aber au bemerkt, daß ſchon 200 Dresdner Scheffel vom Yer geerndtet worden ſeyen, 348 Bau der Feldfrüchte. 44; Abſchn, Novernber,. (294) 8 Nach dieſen verſchiedenen Angaben kann man alſo den Kar- toffelertrag vom Magdeburger Morgen: zu 180 rheiniſchen Quas- dratruthen zwiſchen 80 bis. 250 Berliner Scheffeln annehmen. I< habe mich mehrſeitig in einem großen Theile des nördlichen Deutſchlands nach dem RKartoffelertrage erkundigt 3 aber ſelbſt in den dürrſten Sandgegenden, wo man einen magern Nadelſtireu«x dünger dem Aer nur ſpärlich zukommen, läßt, iſt mir verſichert worden, daß das Minimum des Durchſchnittsertrags 100 Ber- liner Scheffel vom Magdeburger Morgen zu 180 rhein, Qua2 dratruthen ſey. In der Nähe von Dresden, auf der öſilichen Seite, iſt in der Nähe der Elbe eine bedeutende Fläche ganz dürren Sandbodens, welche zeither größtentheils uncultivirt da lag. Auf dieſem dürren Sandlande habe ich manen und möglichſt gereinigt von Erde zur Aufbewahrung gelangen, und daß man es ver: meidet, daß unter die, zu längerer Aufbewahrung beſtimmten keine erfrornen oder zerdrückten Kartoffeln kommen, weil dieſe ſehr leicht die anderr. mit Fäulniß anſtecken. Hat man die Kar- toffeln naß und mit viel Erde eingebracht, ſo läßt man ſie zu- erſt, ebe man ſie zur Aufbewahrung bringt, auf der Tenne übertro&nen. Ie Die gewöhnlichſte Aufbewahrunggart iſt die in tro>nen Kel: lern, die mit Kartoffeln ganz voll gefüllt werden. Anfänglich) läßt man die Luftzüge offen, damit die Kartoffeln gebörig aus- dünſten können, verwahrt dieſe aber bey Froſt ſorgfältig, und belegt ſie bey ſtarkem Froſt mit Mitt. Auch die Kellerthür muß gut verwahrt werden, und nach dem Herausnehmen der Kartoffeln bey ſtarkem Froſt gleich wieder geſchloſſen werden. Es gehören gut. verwahrte warme Keller dazu, wenn die Kar- toffeln bey ſo ſtarken und anhaltenden Fröſten, als wir ſie im leptvergangenen Winter 1829-=- 1830 gehabt haben, unbeſchädigt bleiben ſollen, Sind die Keller zu warm, ſo fangen die in große Haufen aufgeſchichteten Kartoffeln, wenn das Lüften, des Froſtes wegen, lange unterbleiben muß, ſtark zu ſchwibhen, ſich zu erhißen und zu faulen an. Sind die Keller nicht warm ge nug, ſo erfrieren wenigſtens die obern Lagen bey ſtarken„und Zunge 5(5 VI tz. -..*. We a IE DIEHL 4.„E22 208 S Erndke u. Zugukemachung d« Feldgewächſe« Kartoffeln. 349 5(295) anhaltenden Frößten« Im letztern Fall iſl es anzurathen, zum Futter- und ſonſtigen Bedarf immer gleichmäßig die obern Schichten wegzunehmen, weil dieſe zuerſttwvom Froſt getroffen werden und bey einem längern Liegenlaſſen leicht faulen. Die vom Froſt getroffenen Kartoffeln empfiehlt man vor dem Ge- brauch in friſchem Waſſer aufthauen zu laſſen, wodurch die Wir- kung des Froftes minder bemerklich wird.] „Sehr häufig iſt auch die Aufbewahrung in. Gruben, die bald tiefer, bald flächer, bald größer, bald kleiner an ſolcen glei< die Srube ganz zu, wo aber die Kartoffeln nicht. ſelten ſto>en, ſchimmlig werden und endlich faulen. Man legt den Grund und die Seitenwände der Grube mit einer Schicht langem Stroh aus, und legt über die Kartoffeln ebenfalls eine Schicht Stroh. Man hat au, wo man die Kartoffeln im Großen haut, große mit Badſteinen ausgelegte Gruben, die mit einem Balkenwerk verſehen ſind, auf welches Breter gelegt werden, auf welche eine 1 bis 2 Fuß ſtarke Schicht Erde gede&Xt wird. Ueber eine ſolche Grube kommt dann noc< ein beſonderes Dach. In ſolchen Gruben leiden die Kartoffeln nicht ſelten vom Froſt, von ſich durchziehender Näſſe, in Folge von Mäuſe- oder Maulwurfsgängen, welche dem Stroh nachziehen,- oder von durch zerquetſchte Kartoffeln verbreiteter Fäulniß. In dieſer Beziehung iſt es wenigſtens anzurathen, keine großen Gruben zu machen, damit der Schaden keinen zu großen Theil der Kartoffelerndte trifft. ch 00| Sehr gut erhaltet ſich übrigens die Kartoffeln in einer mit Bac&ſteinen an den Seitenwänden auggelegten ziemlich tiefen Grube, an einem vor dem Zutritt der Feuchtigkeit geſchüßten Orte, wenn man in den Grund derſelben eine Schicht tro&nen Sand, hierauf eine Schicht Kartoffeln, wieder eine Schicht Sand u. ſ. f. thut, und darauf eitie möglichſt ſtarke Erdſchicht bringt. Auf dieſe Weiſe aufbewahrte Kartoffeln erhalten ſich vollkommen gut, und eben ſo wohlſchme>end, als die friſchen, bis zur näh- ſten Erndtez ja ſie ſollen ſich ſogar zwey Winter hindurch wohl: ſchme&end und keimfähig erhalten. Putſche gedenkt in ſeiner Monographie der Kartoffeln S. 100 folgender Aufbewahrungsart der Kartoffeln:„„In niedrigen Gea genden, welche bäufigen Ueberſchwemmungen ausgeſept ſind, pfle» gen Einige ihren Kartofjelvorrath“ auf den Heuböden zu dure wintern, und verfahren dabey auf folgende Art. Sie ſetzen eine oder mehrere ledige Tonnen auf den Heuboden, nachdem bereits das Fundament von Heu einige Ellen hoch geworden 3 ya>en das Heu beym Abladen der Heufuhren um die Tonnen her, z1e- ben ſie nach dem Maaße in die Höhe, als ſie mit dem Einpan- ſen des Heues fortrü&en, und behalten folglich), weil das-Heu rings umher feſt an und eingetreten wird, eine beſtebende Höhle, in welche ſie ihre Kartoffeln hineinſchütten, und oben einige El- len hoch wieder Heu bineinſtopfen, daß kein Froſt an die Knol» len kommen kann. Es werden ſelbige aber zuvor auf dem Bo- den gut abgetro>net, mit einger hölzernen Schaufel üfters ge» wendet, und hiermit von aller anhängenden Erde, vom Aufneh- 350 Bau der Feldfrüchte. 41. Ubſt, Zum Ueberde>en nimmt /man am beſten gleiche Schaf: the Urſchen(Stroh, aus welchem die Schafe das Gras aus: und die tun Aehren abgefreſſen haben), weil friſches Stroh immer noh einige der Körner enthält, nach welchen die Mäuſe begierig ſind, es durch: fin freſſen, und ſo in der Ueberde&ung LüäXen verurſachen, durch Oe welche der Froſt leichter durchdringen und die Kartoffeln treffen eir Fann, wogegen die Schafurſchen einen den Mäuſen' ſo wider» d lichen Geruch haben, daß ſie dieſelben entfernt halten. Dieſe ne Schafurſchen werden zuerſt an den Sturzelenden auf der, Hä>= wi ſellade gleich geſchnitten, und die Ueberde>ung erfolgt nun in hr, der. Art, das das Stroh, wenigſtens 6 Zoll di, mit den glei- vie t,|)d, gleichmäßig über den ganzen Haufen gede&t wird, Oben auf de der Kante des Haufen8, wo die Aehrenſpiten des Strohes zus de ſammenſtoßen, erfolgt die leichteſte Bedeckung, und man nimmt|), daher Lage neben Lage Fleichmäßig Stroh, welches man Über di die Spitze des Haufens in der Art überbiegt, daß auf jede Seite M des Haufens eine gleiche Hälfte berunterragt. Man verrichtet ſ das Einde>en der Spie am. Haufen am beſten auf die„Weiſe, di wenn man zuerſt auf einer Seite, mit den Sturzelenden„nach ti unten, das Stroh über den bereits eingede&ten: Haufen gleich» N mäßig aufbreitet, es hierauf, etwas über den Sturzelenden mit d einem Bret, welches durch an den Seiten der Gruben einge- Erndke u, Zugutemachung d,. Feldgewächſe, Kartoffeln, 351 (297) ſchlagene Pfähle in der erforderlichen Höhe erhalten wird, über: de>t, und mittelſt eines anden Bretes den emv»orſtehenden Kamm des Strohs Über den Haufen biegt, und dieſes Bret Über dem Stroh, ſo wie das vorige in der Hübe das Stroh an- drüFend befeſtigt, ſo daß no ein Theil der. Aehrenſpißen des Übergebeugten Strobs-unter dem Brete hervdrragt. Hierauf wird nun der eingede>te Kartoffelhaufen mit Erve beworfen, und zwar ſo, daß man damit von unten anfängt, und nach oben berauf die Strohde>e gleichmäßig mit Erde überde>t, bis man an die, das über die Spite des Haufens gebeugte Stroh haltenden Bre ter kommt.' Der Erdboden wird gleichmäßig angeklopft. Iſt man an die Breter gekommen, ſo ſind die über dieſelben herausragen= den Enden des Übergebeugten Strohes bereits mit Erde Über- de>t, die Schwere der Erde erhält das. Stroh in der: gebeugten Lage; die Breter können nun hinweggenommen werden, 1tnd der Haufen wird nun völlig zugedeXt. Man macht die Erddec>e et- wa 10 bis 15 Zoll ſtart. Nachdem nun der ganze Haufen Über» dect iſt, wird der Erdboden gleich geklopft, und beſonders iſt darauf zu achten, daß der Forſten des Haufens möglichſt ſpit iſt. Das Gleichklopfen und Spibmachen des Haufens iſt aus dem Grunde nöthig, damit die Feuchtigkeit einen um ſo beſſern Ab- fluß gewinnt. Den Erdboden zum Ueberde&2n nimmt-man zum Theil von dem Ausſtich aus der Gruve, theils aus einem Gra- ben, den man zur Ableitung der Feuchtigkeit um den Haufen herum macht. Eine Hauptſache bey dem Augsſtechen des Graz bens iſt die, daß man den“elben nicht zu nahe an ver Baſis des Kartoffelhaufens macht, ſim dieſelbe genau merkt, und wenig ſtens eine Elle davon einſticht, ſo daß die Erdwand zwiſchen der Grube und dem Graben mindeſtens 13 Elle, die ErdbedeEung aber unmittelbar über dem Graben 1 Elle ſtart iſt. Dieß iſi tbeils wegen- Abhaltung der Feuchtigkeit, theils wegen Avbal- tung des Froſtes, der in der Overfläche der Erde und etwas Über derſelben am ſtärkſten iſt, nöthia, Dem Gradbew muß zum Ab- kuſſe der ſich ſammeltiden Feuchtigkeit eig erforderlicher Abzug gegeben werben, Jt die Miete nun auf dieſe Weiſe vollkommen eingede&>t, ſv werden nun die erforderlichen Luftzüge angebracht. Dieſe Luftzüge beſtehen aus einer viere>igen Ho!lzrinne aus dün2 nen Bretern, die im Lichten 2 Quadratzoll hat z und werden ge- wöhnlich' oben auf dem Forſt des Haufens in der Art ange» bracht, das zuerſt der Erdboden ſo weit weggeräumt wird, als die Rinne Platz braucht, und dort, wo die Rinne auf das Stroh Fommt, daſſelbe,(0, aber behutſam, zur Seite geſchoben wird, daß nur eine ganz dünne De>e über den Kartoffeln bleibt, die den Durchzug der Augsdünſtungen leicht geſtattet. Hierauf wird der Erdboden um dieſe, Rinne gehörig angedrüFt. Da nun aber der Erdboden um die Luftzüge ſich immer etwas löſt, und vader die Feuchtigkeit an dem perpendiculär ſtehenden Holze leicht herz untergleiten kann: ſo richtet man die Rinne gleich ſo ein, daß ſie dort, wo ſie über den Erdboden hervorragt, auf der auswen- digen Seite eine Kante hat, welche verhindert, daß die Feuch« tigkeit nicht gerade herunter an dem Holze gleiten kann. Sol- her Ninnen bringt mon an jeder E>e des Haufens, und wenn derſelbe lang iſt, auf dem Forſt in der Entfernung von 22 Elle zu 2x Elle eine an.. Sind die Kartoffeln nict ganz krouen in 352 Bau der Feldfrüchte. 14.-Abſen zu eilen: ſv bringt man auch noh zu Beförde» rung der Kusdünſtung: etwas über der Erde Seitenluftzüge an, welche aber in der Folge bey ſtrengen Fröſten ganz binwegge: nommen werden,- Dieſe Lufizüge werden bey tro>ner Witterung vſfen erhalten; bey Regenwetter und eintretendem Froſt aber mit einer Strohkappe Überde&t. Folgt nun die Einwinterung und ſtrengerer Froſt, ſo' werden die Ninnen mit Strohwiſchen, ve- ren Köpfe nach unten, die Sturzenden in die Höhe. kommen, gut verſtopft, und über die Ninnen Strohkappen gede>&t, welche weit Über die Rinne auf den Haufen ragen. Die Spitzen der Strohkaypen, ſo weit ſie das Erdreich des Haufens berühren, werden ntit Erbe Überde>t. So bleiven nun die Haufen rubig ſtehen, bis ſie zum Verbrauch weggeräumt werden, oder bis zum Frühjahr. Im Lehtern Fall. muß man ſofort die Luftzüge vffnen, wenn warme Witterung eintritt. Auf dieſe Weiſe in Mieten geſeßt, erhalten ſich die Kartoffeln auch bey der ſtrengs ſten Kälte vollkommen gut bis in den April; wenn jedoch war- ime Witterung eintritt, ſo muß'man ſie aus dem Haufen in einen ſchattigen luftigen Schuppen bringen, weil ſie ſonſt im Haufen zu ſtark ausdünſten, ſtoden und endlich faulen, Es iſt anzurathen, die Haufen nicht zu groß zu machen, und höchſtens 100 Berliner Scheffel in einen zu thun,-weil die Weg- räumung eines kleinen Haufens im Winter beym nöthigen Be- darf leichter iſt, als der eines großen Haufens 3 indem eine ſol: dje angeriſſene Miete auf einmal in, den Keller gebracht werden muß, da ſie ſich im Winter nicht gut verwahren läßt. Auch iſt es ſchon deßhalb nöthig, weil ungeachtet aller Vorſicht es doch nicht zu vermeiden iſt, daß nicht durch zerquetſchte oder ſonſt ſchadhafte, in den Haufen hineingebrachte Kartoffeln mitunter Fäulniß in einem Haufen entſteht, die, bey einem großen- Haufen um ſo größern Verluſt verurſacht. Die Hauptſache bey dieſer Aufbewahrungsart, auf die es ankommt, iſt die, daß das Stroh ganz gleichmäßig verbreitet wird, und' daß man dafür ſorgt, daß die Sturzeleaden-die Kar- toffeln nicht berühren; denn es ſcheint, als wenn ſich die Kälte in den Nöhren des Strohs ableitete, indem man gefunden bat, daß der Erdboven dort, wo die Staurzelenden des Strohs auf demſelben kamen, immer am feſieſten gefroren iſt,- Nächſtdem hat man darauf zu achten, daß der Erdboden an den. Seiten? wänden der Miete immer'volltommen, glatt ,- ſo wie auch, daß der Forſt immer ſpitz bleibt; damit die Feuchtigkeit einen guten Abfluß hat. Da das Nindvieh und die Schweine ſich ſehr gern an ſolchen Mieten vergreifen: ſo iſt es nöthig, um ſie herum einen Zaun zu machen, In meohrern Gegenden des nördlichen Deutſchlands iſt dieſe Aufbewahrungsart der Kartoffeln ganz ge» bräuchlich geworden, und wo der Kartoffelbau ins Große ge- trieben wird, errichtet man die Mieten ſogar auf dem Kartoffel- ader. Einige machen die Mieten auch rund, einem Zu&erhut ähnlich; allein dieſe Mieten ſind weniger zwe>mäßig, weil nur an der Spibe ein einziger Luftzug angebracht werden kann. Das zu dieſen Mieten verwendete Stroh iſt, wenn man es im Frühjahr übertro&nen läßt, als Streuſtroh uoch vollkommen bravchbar. Ga <<“ SSP CH: as- 28 05 5Z2«= 2m Erndte u, ZugutemaHung d. Feldgewächſe, Kattoffeln. 353 (299) Wenn man einen lehmigten Boden hat, ſo iſt die VeberdeXung mit Erde nicht-ſchwierig, indem ſich derſelbe, wenn er einmal feſt geklopft iſt, leiht auf dem Haufen erhält, Schwieriger iſt es im Sandvoden, der leicht heruntergleitet, In dem Falle über2 de&Xt man zuerſt die Miete, wobey ſich der feuchte. Sandboden, ſo lange er feucht iſt, gut erhält, und legt hierauf Kartoffelkräutz rig Über den Boden, und befeſtigt ſolches gegen den Wind mit Schafhürden oder Latten, Dem Corſten, da ſich derſelbe nicht ſpit genug erhält, giebt man eine Bede>&ung aus zwey im Drey» e> zuſämmengenagelten Latien. Einige pflegen bey ſtarken Fröſten die Mieten mit Miſt zu belegen, um dadurch den Froſt um ſo beſſer. abzuhalten 3 allein dieß iſt durchaus, unnöthig, und bringt. vielmehr den Nachtheil, daß die Miſidecke die Abtroänung des Bodens verhindert, Ww032 durch das Stroh leicht ſto>t und in Fäulniß übergeht, und die Kartoffeln anſte>t.' Glaubt man, Schaden vom Froſt befürchten zu müſſen, ſo iſt es gerathener, Schnee auf die Haufen zu ſchaufeln, und dieſen bey eintretendem Thauwetter wieder wegzuſchaufeln. Sind die Kartoffeln beim Einerndten von einem Froſt getrofs2 fen worden, und iſt die Maſſe derſelben größer, als man ſie in der Zeit, ehe fie in Verderbniß gerathen, verfüttern kann, ſo empfiehlt man, dergleichen erfroxne Kartoffeln, eine neben die andere auf einen von allen leicht faulenden Subſtanzen gehörig gereinigten Plaß auszubreiten, und ſie ſo dem Froſte darzubieten, wodurch das Waſſer ausfriert, und in der Schaale die mehlige Subſtanz zurü&bleibt, wel, als man glaubt, daß zum künftigen Beſtande nothwendig ſind z und wenn man die Plantage nicht alsbald mit Winterung deſäen will ,, ſo läßt man, auch die zur Anlage einer nepyen Plantage nöthigen Wurzeln zurü&, und nimmt vieſelben im folgenden Frühjähx zum Ver- pflanzen. Zur Erndte muß wan möglichſt tro&ene Witterung wählen. Das Aufſammeln der Wurzeln kann bey gehöriger Auf- ſicht von erwachſenen Kindern verrichtet werden. Nad) der früher mitgetheilten verbeſſerten Art der Krappculs tur, aus Scnet, oder gedrant, wie man es nennt, ſodann aber auh in Möthedarrhäuſern gedarrt, und entweder, obwohl ſelten, ſo vers kauft, oder gleich noch gehä>t, und auf gewöhnlichen Mühlen, vder auf eigentlichen Röthenmühlen(d. h. in großen runden hölzernen Trögen, in welchen ein großes, ſchweres, mit Eiſen be» ſchlagenes Rad, oder ein Mühlſtein durch einen Roßgöpel oder auf andere Weiſe umgetrieben wird), gemahlen, oder auch in einer Stampfe geſtampft. Was dann ſo jett verkauft wird, heißt Herbſtröthe, im Gegenſaß der. Sowmer- oder Keimröthe, d. b. der Röthewurzeln, die nach oben,=- nachdem ſie im Herbſt bey der Erndte wieder ins Land gelegt, oder gleich darin gelaſſen P>- ERz= dul"D06- 482 0-0 Ea. m Erl Erndte u. Zugutemachung der Feldgewächſe. Krapp. 355 (301) worden, um im Frühjahr die neuen Keime oder Kiele zu geben, und deßhalb eine Hand boch mit Erde bede&t wurden-- wenn ſie nunmehr im Frühjahr dieſe Kiele getrieben haben“, gegen die Mitte des May herausgenommen, und nach dem Abnehmen pder Abſtechen der Kiele oder Dohlen von ihnen(die aber gleich den andern Tag wieder ausgeleat werden müſſen) gereinigt und getro>net werden, wie die erſten, oder die Herbſiröthe. Die Wurzeln dieſer Sommerrötbhe ſind. zwar etwas' ſtärker, als die der Herbſtröthe, gelten. aber nur etwas weniger-mehr, und geben gleiche Farbe, wie dieſe.“; Die, Krappwurzeln werden im Ganzen ſo behandelt, wie im Vorſtehenden von der Röthe angeführt worden. Einige tro&- nen zwar die Wurzeln auch in Backöfen z allein, da der richtige? Wärmegrad, der dazu erforderlich, ſchwer zu treffen iſt, indem ſie ſehr leicht übertroc>net werden kann, wo dann die Farbe min- dern Werth hat, ſo iſt das Tro>en in der Luft vorzuziehen. Die getro>neten Wurzeln werden, dann noneten Zuſtande, oder ein Stein roher Wurzeln giebt einen halben Stein gemahlener Röthe z welches mir aber nicht ganz richtig ſcheint.“ 3 Derſelbe- führt ferner an, daß man in der Pfalz und im Darmſtädtſchen von dem daſigen Morgen, zu 160 Quadratruthen, 80, 100, bis 120 Centner Krappwurzeln erndte. Nac< andern Angaben ſoll man im Durſchnitt auf 30 Cent: ner Krappwurzeln vom Magdeburger Morgen, zu 180 rheini: ſchen Quadratruthen, rechnen können, wovon 8 Centner reine Farbe genommen werden. Veber die Preiſe der Röthe und des Krapy8 bemerkf Dir. We- ber: daß zu Ende des Jahres 1826 der Centner gemahlener Röthe 5-- 6 Thaler, oder der Stein, 1 Thaler bis 1 Thaler 10 gr., nach Beſchaffenbeit der Qualität, gekoſtet habe 3; während 356 Bau der Feldfrüchte. 114. Abſſichtigen. Es ſind nur wenige Gegenden in Deutſchland, wo der Krapp gebaut wird, und wo Anttalten vorhanden ſind, durch die die Wurzeln zu Farbe bereitet werden, In dieſen Gegenden findet auch ein ſtarker Krapphandel Statt, Und der Bedarf, der andere Gegenden an Farbe bedürfen, wird aus jenen bezogen. J|g man von einer ſolchen Gegend zu ſehr entfernt, ſo iſt dex Adſah, wenn auch in der Nähe Fabriken. ge: nug ſind ,. die Krappfarbe bedürfen, dennoch erſchwert, indem der-Krapp in"den Färbereyen, ſchon als Farbe zugerichtet, begehrt wird 3; und man würde demnach, um Abnahme des Products zu finden, ſich nur in jene Gegenden wenden müſſen, wo Krappfarbe» fabriten ſind, wodurch aber der Ertrag, durch die weiten Trans- portkoſten, nicht nur ſehr vermindert, ſondern auch ſo ungewiß würde, daß. der Landwirth, wenn er ſich nicht ſelbſt mit der Fabrication der Farbe beſchäftigen kann, ſondern die tro&nen Wurzeln als Kaufmannswaare betrachten muß, beſſer thut,„den Krappbau nicht zi betreiben, und lieber dafür andere, leichtern Abſatz gewährende Handelsgewächſe zu bauen. Die Präparation der Krappwurzeln- zu Farbe iſt zwar ein? fach, indem ſie nur in dem Darren auf einer Darre, und in dem Zerkleinern auf einer Mühle oder Stampfe vbeſieht,"und ſie ges währt dem Landwirth einen beträchtlichen Vortheil, da die zu Farbe präparirte Wurzel verhältnißmäßig viel höher bezahlt wird, als die Präparation koſtet, und der präparirte Krapp, da ex da= durch bedeutend am Gewicht verliert, um ſo„leichter zu trans2 portiren iſtz äber ſie iſt dennoch veßhalb mit Schwierigkeiten Erndte u, Zugutemacnen, luftigen Ort, wo keine Sonne bingelangt ,. legen ihn, nachdem die'Gebunde aufgebunden worden, in dünnen Lagen hin, laſſen ihn ſo. einige Tage"weiken, und reihen ihn dann auf." Bey dieſer Behandlung bekommt der Tabak eine mehr hellgelbe Farbe,. Andere legen die eingebrachten Tabaksblättex an einem troFenen Orte egal ſchichtweiſe in Haufen aufeinander, de>en die Haufen zu, und laſſen ſo die Blätter längere oder kürzere Zeit ſchwiten, ohne daß ſie jedoch in allzu ſtarke Er- hißung gerathen, wenden hierauf den Haufen, indem die äußern Blätter deſſelben nun nach innen kommen, um ebenfalls zu ſchwiten, und laſſen dann den geſchwitten Tabak, nachdem er 358 Bau dev, Feldfrüchte, 11. Abſcnet werden zu können, aufgereihet, Cs Fes ſchieht dieß, indem die Blätter in der Nippe mit einem kurzen, ſcharfen Meſſer geſpalten, und mit einer fußlangen Nadel, die am beſten von Meſſing, glatt, an den Seiten-ſtumpfſachten, daß die Blätter immer von der Seite; und zwar ſy aufgereihet werden, daß jederzeit einerley Seite der Blätter auswendig bleibe, und daß die Flechſe, oder das Mark der Rippe, gebörig durchſtochen werde, weil die Blätter, ſonſt leicht augreißen. Alle ſchadhaften und zerriſſenen Blätter werden auf die Seite gelegt, und können zur Verbeſſerung des Halbgutes verwendet werden, Der Bindfaden wird gewöhnlich in 3 Ellen kange Schnuren getheilt, und muß mindeſtens aus 3 Garnfäben zu? ſammengedrehet ſeyn, wenn er halten ſoll; doch richtet ſich Länge und Stärke. der Faden nach dem Zwiſchenraume zwiſchen den Balken, oder wo man ſonſt den Tabak aufhängt. Vor dem Aufreihen wird an das Ende des Fadens eine Schleife gebunz den.'Man beobachtet, daß die Blätter nicht zu dicht auf die Schnuren gereihet werden, von großen Blättern ungefähr böch» ſtens nur 80 bis 100 Stü>'auf eine Schnur, damit ſith die Blätter nicht zu ſtark berühren, und in Schimmel und Fäulniß übergehen. Wenn aufgereibet iſt, wird auch an dem andern Ende der Schnur eine Schleife gebunden, um ſie aufhängen zu können, und, dieſelbe durchgeſchüttelt, damit die etwa abgebr0- nen aufge- hangen, oder es legen auch Einige. die aufgereiheten Schnuren in einem Kreiſe aufeinander- ſo daß in der Mitte ein runder, leerer Raum bleibt und laſſen die Blätter vorher einige Tage ſhwißen, wenn man nämlich den Tabak nicht ſchon vorher hat im Haufen ſchwitzen laſſen. Man wählt zum Aufhängen tro>ne, luftige Böden, die Hausflur 3; oder legt, wenn der Tabaksbau ins Größe getrieben wird, ordentliche roFenhäuſer an. Die Shnuren werden auf dem Boden- an die Sparren und Balken angehängt, und nach ihrer Entfernung von einander, muß man auch die Länge der Schnuren beſtimmen. In den Tro- tenhäuſern werden ordentliche Gerüſte aufgeſtellt. Man ſchlägt in' die Sparren- Balken, oder Gerüſte hölzerne Nägel, in ver Länge von 27 Zoll, wovon die Hälfte herausſteht, und von der Stärke eines Kinderfingers, etwas ſchräg nach der Höhe gerichtet, ein, damit ſte Wiederhzit geben. Am beſten iſt hierzu E'ſpen- holz, aus welchem, wenn es noch grün iſt, die Nägel geſchnitt und zugeſpitzt und dann im Baofen gedörrt werden, wodurch ſie tine große Feſtigkeit erlangen. Die Nägel müſſen ſo eingeſchla: zen werden, daß zwiſchen den Schnüren des aufgebängten Ta- baks ein freyer Zwiſchenraum von mindeſtens einem Fuße ver» bleibt. Die SHhnuren ſelbſt muß man ſo anſpannen, als nur nöglich, damit ſie nicht allzu ſehr hängen, weil ſich ſonſt der (ufgereihete Tabak zu ſehr aufeinander ſchiebt, und leicht fault. Wenn man den Tabak auf Stäbe oder Rutben gereihet, troE- net, ſo müſſen die hölzernen Nägel etwas länger ſeyn, aber (uch etwas„ufwärts ſtehen, damit ſie um ſo feſter liegen. Im Yebrigen werden ſie ſo aufgelegt, wie die Schnuren aufgehängt. In den TroFenhäuſern, wie auc< in den Böden, müſſen Oeff- nungen mit Läden angebracht ſeyn, jum den Wind nach jeder Rich: tung benuten zu können, und das Abtro>nen zu befördern. In kwanchen. Gegenden hat man auch die Gewohnheit, den Tabak nur an die äußern Wände der Gebäude, unter'die Tratife zu hängen; daß aber der Tabak auf dieſe Weiſe nicht gehörig aus- twodnen, ſondern nur abwelken kann, da er, jeder feuchten Luft Wsgeſeßt, die Feuchtizkeif wieder anzieht, iſt wohl einlevnen, immer noch (uf einen Boden gebracht'werden, wo jedo<4 die Schnuren dichter an einander kommen können. Da jedonen aufge: bängt iſt, erfordert er unausgeſeßte Aufmerkſamkeit. In tro>» nen Herbſten, wo mäßige Winde Statt finden, tro>net ex ſchnell; iſt der Herbſt aber feucht, und finden Stürme Statt: ſo-muß man mit dem Auf- und'Zumachen der Läden ſehr vor: ſichtig ſeyn 3 denn zu ſtarke Luftzüge ſind dem Tabak durchaus nachtheilig, ſowohl in Hinſicht auf Farbe und GSüte, als auch, weil der aufgehängte Tabak ſehr leicht von den Nägeln herun» tergeworfen. wird, und die Blätter dadurch Schaden nehmen, Die beſchädigten Blätter müſſen, auf dem Boden ausgebreitet, etro&net werden, wodurch ſie aber nie die Güte des aufgereihe: ten erbalten, und nur zum Halbgut verwendet werden können, Beſonders aber muß man den TroFenraum ſorgfältig ſchließen, wenn Nebel Statt finden. Wenn der Tabak einige Zeit gehan? gen hat, muß man ihn durch Schütteln öfters lüften, welches, wo man ihn. erreichen kann, mit der Hand, bey dem. höher hängenden mit einer Stange, an die ein Flederwiſch geburiden iſt, geſchehen kann, Dieſes Schütteln hat zum Zwe, die an einander klebenden Blätter wieder loszumachen, und zu verhin: dern, daß keine Fäulniß entſtehe, zugleich aber auch, daß der fich anſegende Staub abgehet. Findet män ein angegangenes Blatt, ſo muß man es alsbald berausreißen, damit es nicht andere. anſteXe. Wenn der Tabak ſchon etwas getro&net iſt, ſo empfiehlt man, den Tro>enraum öfters mit Wacholderbeeren auszuräuchern, welches die Blätter vor Fäulniß und Schimmel verwahrt, und das Tro>nen beſchleunigt, In der 6bten bis 10ten Woche, je nachdem die Witterung günſtiger, nach dem Aufhängen, werden die Blätter in der Regel erforderlich tro>en ſeyn. Man erkennt es daran, wenn man die Nippe eines Blattes zwiſchen den Zähnen preßt, und es dabey nicht kna&t. Beym Abnehmen muß may eine Witterung wahrnehmen, wo es nicht zu tro&en und auch nicht zu feucht iſt, weil im erſten Falle die Blätter ſich zu ſehr reiben, im leßz teren leicht ſchimmeln, Die abgenommenen Blätter werden nun in viere>ige Pakete von 3 bis 4 Fuß Höhe gelegt, um zu fermentiren, oder zu gähren. Dieſe Pakete erhitzen“fich, und dieſe Hibe erlangt na Verlauf von etwa zwey Monaten den höchſten Grad.. Hierauf werden die Pakete augeinander genom? men, und von Neuem ſo aufgeſtellt, daß die äußern Blätter in die Mitte kommen» wodurch das Paket in allen ſeinen Theilen einen gleichmäßigen Grad der Gährung eingeht. Wenn jedoch der Tabak vor dem Aufreihen geſ, wenn man es raucht oder kaut, nicht auf die Zunge fallen, oder beißen darf. Auth muß es gleichmäßig fortbrennen, und eine feine, leichte, weiße, Aſche abſetzen 3; wogegen ſchwarzgraue und ſchwere Aſche ein ſchle<&tes Gut verräth. Endlich müſſen die Blätter rein, und nicht vom Brand oder Froſt beſchädiget ſeyn. Der Nä, als das Wachs- 20* 361 Bau der Feldfrüchte. 41. Abſchn. November, (308) tdum des Nachwuchſes denſelben erſchöpft. Auch kann man de Stängel getro&net als Brennmaterial benußen. Sie geben vie, und beſonders zum Pottaſcheſieden»täugliche Aſche, Ertrag und Bemerkungen über den Tabaks bav. Der Ertrag des Tabaks hänot ſehr von der ausgepflanztei Art ab. Der große Baumtnaſter giebt den höchſten*Ertrac. Auch kowmt es ſehr varauf an, in welchem Boden und- be) welcher Witterung der. Tabak gewachſen iſt. Jim bindigen feuch ten Boden, und bey ſehr feuchter Witterung giebt der Taba: viel Blätter, und eine bedeutende. Gewichtsmaſſe aber der Taba: iſt von, ſchlechter Qualität. Man mag nun eine Sorte, ode, mehrere Sorten nebeneinander bauen ,-- ſv kann man bey auf werkſamer Cultur von den guten Tabvaokgarten im Dur<ſter und fleißiger Planteur übernimmt im- Durchſchnitt mit ſeiner Familie, indem viele Arbeiten„bey der Tabakscultur durch Kinder verrichtet werden, den Aavau von 12 Magdeburger Morgen; wo er ader in der wichtigſten Arveitszeit einiger fremder Leute benöthigt iſt, Da in Deutſchland no< länge nicht genug Tabak gebaut wird, um den erforderlichen Bedarf zu liefern: ſo iſt Vermeh- runa des Tabaksbaues wohl zu empfehlen; nur müßte darauf beſſere Sorten zu bauen, da der Rückſicht genommen werden, Del 3 da zeither erzeugte Tabak größtentbeils nur zu den ganz ordinären Tabaksſorten verwendet werden kann, y Bau der Feldfrüchte, ( December Dey December iſt derjenige-Monat,. wo der Landwirth, außer der Aufſicht über die Saaten, nichts auf dem Felde zu thun hat. - Wenn nicht die Einwinterung im December erfolgt, ſv iſt dieſer Monat gewöhnlich ſo naß, daß nichts auf dem Felde ge- macht werden kann. Deſto mehr iſt“der Landwirth nun mit den Haus- und Hofgeſchäften beſchäftigt, weiche ſeine ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch nehmen. Da wir die Feldarbeiten im November geſchloſſen haben, ſo. haben wir in dieſem Monat nur noch der Vegetation der Winterſaaten vor der Einwinterung und deren Einwinterung zu gedenken. Da uns nun ober in dieſem Monat ein bedeutender Raum zu Darſtellung anderweitiger Gegenſtände verſtattet iſt: ſo wollen wir nun der zu unſerem Artifel gehörenden, aber zeither np< nicht behandelten Gegenſtände Erwähnung thun, als: des Aufbewahrens- des Getreides in-Feimenz-der neueren Verſuche mit der Aufbewahrungsart des Getreides in verſchloſſe- nen Behältniſſen 3 und der Zugutemachung der Feidgewächſe, als? des Dreſchens der Feldfrüchte, und der Zubereitung des Leins, des Haufes und anderer baſtartigen Gewächſe zu Spinnmaterial, Zwölfter Abſchnitt, Vegetation der Feldgewächſe, Behandlung während der Vegetation und Beſchüzung vor Unfällen, Vegetation und Einwinterung der Winterfaaten und,.Be- ſchüßung vor Unfällen*). - Dbgleich man heutzutage ouf die Sprichwörter, welche auf vielſeitige Erfahrungen und Beobachtungen unſerer Vorfahren .*) Wir hatten im Februar auf dieſen Gegenſtand im-Monat November 364 Bau der Feldfrüchte. 12. Abſchn. December. (312) begründet worden ſind, nicht viel hält ,. und auh viele dieſer Sprichwörter ſich nur auf die Beſchaffenheit und die Umſtände einer einzelnen Gegend beziehen: ſo iſt doch die Wahrheit des Sprichworts: zeitige Saaten täuſchen ſelten, ſpäte gewöhnlich! allgemein anerkannt. Es iſt unter den meiſten Umſtänden-- derjenigen Umſtände, wo der Roggen eine ſo ſpäte Saat, als möglich verlangt, haben wir im IX. Bde.'der Encyklopädie S. 344 gedacht= eine noth= wendige Bedingung des Gerathens der Winterſaaten, daß die Pflanzen vor dem Eintritt des Winters einen erforderlich ſtars ken Wurzelſto>X bilden. Je ſtärker ſie ſich im Herbſt eingewurz2 jet baben, je mehr bilden ſich Anſäße zu Halmen, die im Unftigen Frühjahr austreiben, je mehr ſind Blätter vorhanden, welche Schutz gewähren, ſo daß ſie um ſo ſicherer den Winter, die Näſſe und Blachfröſte überſtehen,“und um ſo kräftiger im Frühjahr ins Wachsthum treten. Die Pflanzen der zeitigen Saat haben im nächſten Frühjahr im Wachsthum einen großen Vorſprung voraus: denn ſie haben nächſt einer vollfommenern Wurzelbildung auch ſchon einen beträchtlichern Umfang, als die von der ſpäten Saatz ſie beſchatten daher ven Boden genugs ſam beym Eintritt der heißen Witterung, und ſind dann, wenn ſie aufhören, an Umfang zuzunehmen und ihre Kräfte zum Blüs- hen und Früchte hervorzubringen anwenden, bereits genug ers ſtarkt und im Umfange ausgebildet, um die lezte Function, Da: Blühen und Samenanſeten, um ſo kräftiger verrichten zu önnen. Es halten zwar viele Landwirthe auf den Zuſtand der Win- terſaaten im Herbſt und bey der Einwinterung nicht viel, und behaupten, daß bloß das Frühjahr über dieſelben entſcheide z ober dieſer Glaube iſt ſehr einſeitig, beruht auf ganz falſchen Anſichten, und dient. vielen nur zur Beſchönigung ihrer mangels haften Wirthſchaftseinrichtung. Es hat zwar die Aufthauungs- periode und die erſte Witterung nah derſelben einen ſehr ent2 ſcheidenden Einfluß auf die Winterſaaten, jedoch keinen ſo unz bedingten, daß der Zuſtand derſeiben, wie ſie in den Winter kommen,- nicht die Statt findende Gefahr vermindern oder ver? mehren ſollte, wenn es allgemein anerkannter Grundſatz iſt, daß kräftige Pflanzen jeder der Vegetation nachtheiligen Ein: wirkung beſſer widerſtehen, als ſchwächliche, die unter dieſen Umſtänden um ſo leichter zu Grunde gehen.. j Uebrigens iſt vor einem zu zeitigen Einbringen der Winters ſaaten eben ſo ſehr zu warnen, als vor einem zu ſpäten, weil es die Erfahrung lehrt, daß ſich zu zeitige Saaten im Herbſt leicht überwachſen, bey der Näſſe leicht faulen, und durch das zu weite Vorſchreiten des Wachsthums im Herbſt ſchwächlich werden, beſonders die Kraft, der Kälte zu widerſtehen, ſehr verlieren, und entweder unterm Schnee, oder im folgenden, Früh» jahr bey der Aufthauungsperiode, noh mehr aber bey dem häu- figen Wechſel von Froſt und Wärme nach dem Aufthauen und bey den ſcharfen Frühjahrswinden zu Grunde gehen. 4 Was nun Übrigens den Zeitpunct anlangt, in welchem die verwieſen 3 der Raum geſtattete es uns aber ntcen einbringen önnen.; 5) Endlich würde man bey einer auf zu kurze Zeit beſtimm» ten Saatperiode große Schwierigkeiten in der Benuvtung eines Theils der Braache zu Braachfrüchten und Überhauvt in dem- jeht mehr ausgebreiteten Futtergewäc Zrt zz» => 42 25»-2 en EE R SEENenden Theil verſtehen, als z, B. im Elbthale um Dregsden und Meißen, 14 Tage vor Michaelis zu früh mit der Herbſt: ſaat beginnen würde, als daß nicht ein Ueberwachſen des Win- tergetreides vor Winter zu befürchten wäre 3 dagegen man ſich in den kältern Theilen des nördlichen Deutſchlands, ſo wie in allen hohen Gebirgsgegenden, wo ſich der Winter gewöhnlich zeitig einſtellt, beeilen muß, die Wintergetreideſaat bis zu Mi cen finden wird: ſo wird es doch zwe>mäßig ſeyn, wenn es nicht beſondere Um- ſtände erheiſchen, man mag nun früher oder ſpäter zu ſäen an- fangen, die Dauer der Wintergetreideſgat auf 4 Wochen feſtzu- ſetzen, und hiernach die Wirthſchaftseinrichtungen zu treffen. Was nun die Beſtimmung des Zeitpuncts anlangt, wenn man mit der Wintergetreideſaat anfangen ſoll, wenn dieſelbe auf die Dauer von 4 Wochen beſtimmt iſt: ſo würde ſich im Allgemeinen Folgendes beſtimmen laſſen, 1) Man müßte es nach dem Durchſchnitt der Witterung mehrerer Jahre ermitteln, wann die Einwinterung gewöhnlich mit Gewißheit erfolgt, oder zu erwarten iſt, und bey einer vier» wöchentlichen Dauer der Wintergetreideſaat dieſe Periode auf ei- nen ſolchen Termin feſtſezen, daß zwiſchen der lezten Saat und Der Cinwinterung no ſo lange anhaltende, die Vegetation för- dernde Witterung Statt findet, daß-die lezten Saaten ſich- bis zur Einwinterung vollkommen einwurzeln können. Sollen die Winterſaaten mit einer, durch die allgemeine Erfahrung verbürg- ten größern Sicherheit, den Winter ohne Schaden Überſtehen: ſo müſſen ſie vor dem Einwintern aufgegangen ſeyn, und ſich eingewurzelt haben z; denn, von jeder Saat, welche vor dem Ein- a 1 aufgegangen iſt, bleibt der Erfolg immer ſehr pro» lematiſch.;| Dieſer Termin der Wintereinſaat würde wit einer größern 368 Bau der Feldfrüchte, 142. Abſ&:| net, und oft von ſolcher Beſchaffenheit wird, daß jedes Zuavieb b. ſodleich auf demſelben verſinkt, wo dann bey anhaltender Näſſe e im Herbſt in ſolchem Boden die Saat unvollendet bleiben juß, während bey einigen tro>nen Tagen in andere Bodenarten noh geſäet werden kann. Ueberdieß liegt in einem Folchen Boden 6 das Samenkorn viel länger, ebe es keimt und den Keim aus- treibt, als in einem andern, und es iſt daher eine zeitigere Saat n! um ſo nöthiger. hn 4) Im Sandboden dagegen, wo die Saat bey einiger Feuch- G. tiafeit leicht keimt, und ſce-|| nen Zuſtande deſſelben mehr auf der Oberfläche bleiben, und 4 Vegetation und Einwinterung der Winterſaaten. 369 (317) weil man in dieſem Boden, wenigſtens wegen Näſſe, im Spät2 wn herbſt nicht leicht gehindert wird, die Einſaat zu vollenden. Es | der verſteht ſich jedoch, daß man die Saat auf keinen zu ſpäten Tex- dieſe min verſchieben darf. IN ende 5) In jedem Boden, der von der Beſchaffenheit iſt, daß er und yon der Näſſe des Spätherbſtes überfüllt, vom Froſt leicht in and:| die Höhe gezogen wird, iſt eine ſpätere Einſaat zu empfehlen, im? Hamit die Pflanzen vor dem Eintritt des Froſtes keine zu großen iht GgWurzelſtöFe bilden, weil durch das Emporheben des Bodens [tigs durch den, Froſt die Wurzelſtöke zerriſſen werden, wodurch ein ung, großer Theil der Pflanzen zu Grunde geht, und weil die weni- idr ger ausgebildeten, durch den Froſt berauegehobenen Pflanzen e zu| durch das Walzen im nächſten Frühjahr weit eher vom Verder- Ww| hen gerettet werden können, als die/vollkommner ausgebildeten. urch 6) Wo die Atmoſphäre im Herbſt regelmäßig mehr tro>en An: iſt,'muß man, da die Samen länger liegen, bevor ſie keimen, mer zeitiger mit der Saat anfangen; wo die Atmoſphäre dagegen neh» mehr feucht iſt, und die Saat ſchnell. aufgeht und fortwächſt, be: muß man mit der Saat etwas ſpöter beginnen, wenn ſich die- ung-| ſelbe vor Winter nicht überwachſen ſoll. Es verſteht ſich jedoch, Bin: daß die Feuchtigkeit im Spätherbſt nicht ſo groß ſeyn darf, daß die dadurch die Saat gehindert würde, wo das Einbringen der Saat vate vor dieſer ſehr feuchten Periode erfolgt ſeyn müßte. 7) Wenn die Winterung langſam und. ſpät zur Reife gelangt, ent ſo hat der Same von dieſer Erndte die Eigenſchaft, langſam zu den Feimen und aufzugehen; und es iſt in dieſem Falle eine zeitigere auf| Saat anzurathen. den, 8) Wenn die Felder auf der Schattenſeite, das heißt, auf lus:| der Morgen-, Mitternacht:, oder Abendſeite liegen, oder wenn nn| ihnen durch vorſtehende Berge und Wälder ſehr viel Sonnen» den.| ſchein entzogen wird, und der Boden ſchneller auskühlt: ſo muß ſich| man mit der Saat zeitiger anfangen, weil ſie in dieſer Lage län- gere Zeit zur nöthigen Ausbildung vor Winter verlangt. teit Auch in dem Falle muß mit der Saat zeitiger angefangen ig| werden, wenn der Boden an und für ſich kalt iſt. ng In Berücſichtigung des hier Angeführten, in Beziehung auf yon die Beſtimmung der Zeit der Saatperiode des Wintergetreides, v& kann man noch folgende gllgemeine Grundſätze, die Winterſaat vieb betreffend, als beachtenswertb aufſtellen. iſl Man beeile ſich, die Zurichtung des Bodens zur Empfangs wb,| nahme. der Winterſaat ſo zeitig als möglich zu vollenden, damit 9| er ſich genügſam ſee und, um dann während der Dauer der dw| Saatperiode jeden günſtigen Tag zur Einbringung der Saat be- aus“ nußen zu können. 4 „aa Man bringe die Saat nur bey troF&enem Wetter unter, und mache die Ausſaat nicht größer, als man mit dem zu verwendenden uch:| Geſpann in einem Tage, oder höchſtens in zwey Tagen, wenn aine| es ſich auf gute Witterung anläßt, vollfommen einzueggen ver: jan:| mag. Das Eggen bey Näſſe verträgt die Winterung nicht gut, jim| wogegen es nicht ſchadet, wenn nach erfolgtem vollkfommnen |! ECineggen Näſſe erfolgt. Eben ſo nachtheilig als-die Näſſe, ſind js der Herbſtlaat die ſich' oft unvermuthet einſtellenden Nebel, wenn ; ſie die Saat nicht bereits untergebracht finden. Uebrigens iſt es de auch aus dem Grunde anzurathen/ keine zu großen Saaten auf 370 Bau der Feldfrüchte... 42, Abſchn. December. (313) einmal, ſondern vielmehr mehrere und kleinere Saaten zu ma» nen Tag zur Saat wählt z allein, es ſprechen unwis derlegbare Erfahrungen dafür ,. wenn auch unſer Wiſſen noch nicht hinlänglich iſt, die Gründe dafür, ſo wie über vieles An- dere, anzugeben. Es. ſind auch zu große Saaten aus dem Grunde nicht zu empfehlen, weil ſonſt zu große Flächen auf einmal zur Reife gelangen, und leicht Ueberreifung erfolgen kann, ehe fie zur Erndte gelangen. K In jeder Gegend findet im Herbſt eine Periode Statt, wo ſich ſtarke übelriechende Nebel, die von denen vorher, oder nach= her Statt findenden Nebeln verſchieden ſind, einſtellen. Dieſe Nebel wirken, nach vielſeitiger Erfahrung, ſehr nachtheilig, wenn ſie unmittelbar das Samenkorn berühren 3; und dergleichen be» rührte Samenkörner treiben eine ſchwächliche Saat. In dieſer Periode muß man das- Säen ſorgfältig vermeiden, und die, Saat lieber auf eine“ſpätere Zeit verſchieben, wo ſie ungeachtet der grüöz ßera Feuchtigkeit und der Nachtheile, die aus"einer ſpätern Saat hervorgehen, weniger gefährdet iſt. Dieſe Nebel ſtellen ſich nicht: überall zu gleicher Zeit ein, ſondern ſie finden in den kälz tern Gegenden, ſt bleiben und ſchwächlich, leicht zu Grunde gehende Pflanzen geben.; Bey ſehr. tro>ner Witterung liegt der Same des Wintr- Getreides ſehr lange, oft auf 4 Wochen und länger, ehe er aufz+ geht; ſo, daß nicht ſelten die Befürchtung Statt findet, er werde gar'nicht aufgehen. Ein Vermäizen der Winterſaat, wie dieß bey der Sommerſaat bey großer Troniß öfters der Fall iſt, fin det zwar nicht Statt, indem dieſelbe bey nachfolgender feuchter Witterung noch immer dicht genug aufgeht; aber es bleibt dieß immer in ſofern ein Uebelſtand, als die Saaten, des ſpäten Auf- gehens wegen, ſid) vor'Winter nicht genugſam ausbilden können, und daher ſchwächliche?, bey der Durchwinterung mehr leiden. Vegetation und Einwinterung der Winterſaaten. 371 (319) ma: Uebrigens hat es die Erfahrung bewährt, daß dergleichen, wenn Be: auch ſpät aufgegangene Sagten, wenn ſie nur. zeitig geſäet und| Worden find, dennoch im Durchſchnitt unter übrigens gleichen zün: Verhältniſſen, beſſere Erndten geben,»als ſpäte, mit ihnen faſt ßen zugleich aufgegangene Saaten, indem ſie, wenn auch ſpät aufge- eben gangen, dennod) eine ſtärkere und vollfommnere Wurzelbildung nir erlangt baben, die ihnen eine größere Kraft verleihet. Auf denz "wi: Aecern,„welche zeitig zugerichtet„worden ſind und ſich noh vor der Einſaat. gebörig geſezt haben, wird das Aufgehen der In: Saaten durch[trockene Witterung weit weniger gehindert, als unde| Auf friſch'zugerichteten Ae>ern, weil jene durch das erforderliche zur| Setzen die Feuchtigkeit um ſo beſſer in ſich erhalten. Grund gez „fie nug ,' daß die zeitige Zurichtung der Aecker zur Winterung nicht dringend genug gemacht und empfohlen werden kann.. wo Ein zu ſchnelles Aufgehen der Winterung wird nicht für |- dut gehalten, weil die Pflanzen, ohne ihre Wurzelbildung ge- dieſe| hörig vollendet zu haben, zu ſchnell emporwachſen und ſchwäch nn lich werden.“ Je länger die Saat vielmehr, nach dem Verhält- ui niß der Temperatur in der Erde bleibt, um ſo mehr wird der 07 untere Theil des Keimes verſtärkt,' die Wurzeln mehr entwickelt, >aaf und, der Trieb der Pflanzen um ſo kräftiger. Es iſt bey der v Winterung der umgekehrte Fall, wie bey der Sömmerung, deren u. ſchnelles Aufgehen man um ſo lieber fiehet, weil dann das Un- "4 kraur um ſo beſſer unterdrü>t wird, 7 Wenn bey der Sömmerung ein utgleiches Aufgehen der 1 Saat nachtheilig iſt, weil ſie doppelwüchſig wird, ſo ſchadet dieß- NE zwar bey der Winterung weniger, weil ſich, dieſe eher im Früh: jeſt jahr ausgleicht, und beſonders dann, wenn das ungleiche Aufz geben bey trockner Witterung bloß durch ein tieferes oder ober- d flächlicheres Liegen der Samenkörner herrührt; aber offenbar nach- M theilig iſt es bey der Winterung, wenn ſie ungleich, von unz= 054 gleicher Stärfe und Farbe bervorkommt, indem dieß durchaus 2t- 153 was Fehlerhaftes, was im Boden, im Samen, oder in irgend 7 einer andern Urſache liegt, anzeigt. Eine dergleichen Saat gleicht 198 ſich im nächſten Frühjahr nicht aus, ſie giebt vielmehr ſehr ver- ji ſchiedenartige, ſich ſtärker oder gar nicht beſtaudende, ſtarke, fräf- 4 tige Pflanzen mit großen Halmen und Aehren, vder ſchwächliche el Pflantzen mit ganz dünnen Halmen und kleinen Aehren, die nur nz wenige Körner ausbilden, und dieß zwar nicht bloß ſtellenweiſe, nod:| ſondern auf dem ganzen Felde faſt gleichmäßig durcheinander gez 1| mengt, ohne daß dabey ein zu dichter Stand der Saat erfolgt. de Der austreibende Keim muß von dunkler Farbe, beym Rog- dev| gen rothbraun, beym Weizen bräunlich ſeyn, und die dunkle lim-| Farbe der Saat muß/ ſich erhalten. Hat dagegen der austrei- ,] bende Keim eine ſehr helle Farbe, wird er gar ins Gelbliche ni" übergehend, ſo-iſt dieß ein Zeichen einer ſchwächlichen und kränk- auf?| lichen Saat, von der. nicht viel zu erwarten ſteht.; erde Die, ſich entwickelnden erſten Blätter müſſen kurz, maſtig, | mehr ſtumpf an den Spißen, ſteif und elaſtiſch ſeyn und ſich fi"?| etwas fräuſeln, wenn die Saat kräftig iſt,. Sind dagegen die qi“! Blätter. von heller Farbe, ſchmal und ſpitig: ſo iſt dieß ein Be- dity weis von einer ſchwächlichen Saat, von der nur unter außeror- Auf? Jein günſtigen- Verhältniſſen eine gute Erndte zu erwar- en ilt,« -- => 372 Bau der Feldfrüchte. 12. Abſchn. December. (320) Nach Entwielung der erſten Blätter bildet der Stamm über der Wurzel einen Knoten, dieſer berſtet auf, lind„es trei- ben nach allen Seiten Nebenſproſſen aus. Je mehr dieſes ge- ſchieht, um deſto ſtärkere Frucht kann män erwarten. Dieſe Sproſſen müſſen nicht ſchnell in die Höhe treiben, noch weniger ihre Blätter ſcen in man-, ; s Den Roggen und„Weizen verheeren in mänchen Jahren die Feldmäuſe, welche ſich in jo unglaublicher Zahl einſtellen, daß alle Mittel zu ihrer Vertilgung vergeblich ſind. Was Übrigens die Feldmäuſe anlangt, ſo iſt der Schaden, dew ſie in' der Saat" anrichten, allerdings ſehr bedeutend z- da ſich jedoch dieſelben nur“ Vegetation und Einwinkerung der Winterſaaten. 373 (321) omi" in ſehr tro&nen Jahren am häufigſten einſtellen und ſich haupt- we: ſächlich in trocknen Herbſten am häufigſten zeigen, ſo verurſachen 5 ge: fie, im Ganzen genommen, keinen Mißwachs, da die Umſtände, Dieſe unter welchen die Herbſtſaat eingebracht worden iſt, derſelben niger durchaus günſtig waren, und die verbleibenden Pflanzen der Win» und terung im nächſten Frühjahre, da ſie um ſo kräftiger ſind, um dm ſo mehr Nebenſproſſen treiben, und bey günſtiger Witterung iben noch ein über alle Erwartung dicht beſtandnes Feld liefern. Nur wz wenn die Frühjahrswitterung dem Beſtauden der Pflanzen un» ! bv günſtig iſt, iſt der Schaden um ſo größer. eine Die meiſten zur Vertilgung der Schne>Xen und. Mäuſe ema t im pfohlnen Mittel haben ſich unzulänglich bewieſen, indem dieſe Sol:* Mittel meiſtens nur für den Fall berechnet ſind, wenn dieſes egen Ungeziefer bereits ſehr überhand genommen hat. Dieſes Unge- der ziefer dann zu vertilgen, liegt außer den Mitteln, die der Menſch eilig anzuwenden vermag, und deſſen Vertilgung kann nur durch die inter Natur erfolgen, welche ſich, um ein allgemeines Gleichgewicht bens* zu erhalten, deſſelben am kräftigſten ſelbſt entledigt, ſo wie ſie es hervorgebracht hat. 4 arme Das ſicherſte Mittel zur Vertilgung dieſes Ungeziefers iſt, yig-'daß man auf daſſelbe ſtets ein wachſames Auge hat und deſſen dier üÜbergroßer Vermehrung vorbeugt. Feldraine, Hecken, Büſche, en ſo ſehr mitgenommen worden war, ganz außerordentlich be- freſſen haben, während dieſe Gewächſe dort, wo ſich keine Bäume auf den Feldern befinden, nur unbedeutend verſehrt wurden, hat die Vorliebe für Obſtbäume auf den Feldeyn ſo ſehr abge- nommen, daß deren Wegſchaffung in vielen Orten unwiderruf= lich beſchloſſen iſt, aber auch ſchon in manc trug, im Durchſchnitt mehrere Jahre, jährlich nicht unter 20, aber auch Über 100 Berliner Scheffel an Birnen gab). Beym Vorſchreiten der Feltcultur fand man ſich. veranlaßt, dieſe Obſtbäume von den Feldern zu entfernen, und noch jetzt entledigt man ſich der- ſelben, wo die Cultur im Steigen iſt, und dennoc< wird in neueren Zeiten das für nachtheilig Erachtete wieder empfohlen und zum Theil wieder eingeführt. Iſt es nicht ſonderbar, daß man, anſtatt ſich an früher gemachte Erfahrungen zu halten, lieber ſelbſt Lehrgeld bezahlt?.- j Die Einwinterung findet manchmal ſehr zeitig, wie z. B. im Jahre 1829, wo im nördlichen Deutſchland ſchon im Anfange des Novembers große Flüſſe zugefroren waren, Statt, manchmal verzögert ſie ſich ober bis in den Januar. Es iſt daher ſehr na» türlich, daß die Saaten in ſehr verſchiedenem Zuſtande in den Winter kommen, theils in der Ausbildung mehr vorgeſchritten- ſind, als zuträglich iſt, theils noch nicht aufgegangen ſind. Die aufgegangenen Saaten leiden beym Einwintern, wenn ſie ſich nicht zu ſehr überwachſen haben,'weniger, als Gefahr für die nicht aufgegangenen vorhanden iſt. Wenn Froſt und Schnee die lezten Saaten im Milchen, oder im erſten Auffkeimen, in der- erſten Regung des Samenkorns treffen, ſo wird die Säure, welche der Schnee bey ſich führt, dem Keime ſchädlich und oftmals, wenn viel Schnee hintereinander fällt, der gleich zu Waſſer wird, tödtlich. Der Froſt, wenn er ſich gleich ftark einftellt und tief in den Boden eindringt, zerſtört nicht ſelten den Keim ganz und gar, indem er die, Milch und das von der zu vielen Feuchtigkeit angeſchwollene Samenkorn gefroren macht, wodurch dieſes aus einander getrieben und zerriſſen wird. In einem mehr bindigen Bn wirken. dieſe Nachtheile ſchädlicher, als in einem mehr andigen, KI Für die mehr ausgebildeten Saaten iſt es nachtheilig, wein bey der Ginwinterung der Boden mit Näſſe zu ſehr überfüllt iſt Vegetation und Cinwinterung der Winterſaaten. 375 (323) und. ſich der Winter plüblich mit ſtarkem Froſt einſtellt, inden derſelbe die Erde heftig zuſammenbä>t, bey fortgeſeßter Dauer augeinander treibt und dabey leicht die Wurzeln beſchädigen kann, wodurch oft viele volkommen geſunde Pflanzen zu Grunde gehen. Dieſer Umſtand wirkt gewöhnlich in dein bindigen Bo- den nachtheiliger, als im Saäntboden, invbem ſich in jenem die Feuchtigkeit viel länger„erhält und mehr ſammelt, als in diez. ſemz in einem dürch die Zubereitung ſehr lo>ern und. friſch bes ſtellten bindigen Boden, nachtheiliger, als in ſolchem, der ſich gehörig geſeht hat; indem erſterer vom Froſte mehr aufgetrieben und zerriſſen wird. Am nachtbeiligſten wirkt aber unter dieſen Umſtänden der Froſt im törfigen Boden, weil er dieſen, ſeiner ſce fällt, und dabey, oder bald darauf Froſt einiritt. Der Schnee friert mit dem Bo: den zuſammen, erſtict zum Theil die Pflanzen, oder, indem ex auf dem feuchten Boden thäut, werden die Pflänzen"mit der Feuchtigkeit deſſelben überſchlagen, und mit einer Eigrinde Übers zogen, wodurc< viele Pflanzen zerriſſen und ausgehoben werden; Eben ſo nachtbeilig iſt es, wenn ſtarker Froſt ohne Schnee: decke die Saaten trifft, oder wenn wiederholter ſtarker Schnees fall Statt- findet, und der Schnee nicht lange lieät, foydern bald zu Waſſer wird. Die Felder ſchwimmen daun von Näſſe, und die Saaten verzehren ſich ſichtlich. Folgen hierbey noch mitunter Fröſte in Zwiſchenräumen, ſo iſt dieß für die Saaten um ſy nächtheiliger. Nicht minder nachtheilig iſt es für die Saaten, wenn ſie mit Glatteis beſchlägen werden, und in dies ſem. Zuſtande unter die Schneede>e gelangen. Die Stö>e der Pflanzen weiden durch die Schwere des anhängenden Glatteiſes augeinander gezogen, gleichſam geſpalten, und der Froſt vermag um ſo leichter in das Herz der Pflanze zu dringen und dieſelbe zu tüödten.; j Verzögert ſich die Einwinterung ſehr longe, und es findet feuchte und warme Witterung Statt: ſo können. ſich die Win- terſaaten nicht nur ſehr leicht überwachſen, ſondern ſie gerathett auch leicht in Fäu'niß, und das Wurzelunkraut nimmt ſo ſehr überhänd, daß es im nächſten Frühjahr enen großen Dheil der | Pflanzen verdrängt. Auch ſind dann Maulwürfe, Schne&en, Mäuſe und anderes Ungeziefer um ſo thätizer, den Saaten Schaden zuzufügen. Kommt nun nve eine Kruſte bildet und die: ſe b erhält: ſo lebt das Ungeziefer nicht nur» unter der Schnee: dec>e fort, ſondern da der Boden unter derſelben verhältüißmä: ßig warm bleibt, ſo wuchert auh das Unkräut um ſo mehr fött, 214. 376 4 Bau der Feldfrüchte. 12, Abſchn. December. (324) und für bie Saaten iſt um ſo mehr Beſorgniß vorhanden, daß ſie WES der Schneede>e überwachſen, faulen oder wohl gar erſtien. Günſtig iſt dagegen bey der Einwinterung offener mäßiger Froſt, und wenn der Boden nicht zu feucht iſt, ſo ſchadet ſelbſt anhaltender ſtärkerer Blachfroſt den vollkommener ausgebildeten Pflanzen nicht leicht, Bildet ſich auf dem gefrornen Boden bald eine Schneede>e, ſo iſt die Einwinterung am günſtigſten; denn es erhalten ſich die Saaten nicht nur geſund darunter, ſondern ſie wachſen auch langſam fort, bewurzeln ſich beſonders um ſo ſtärker, und treiben im künftigen Frühjahr um ſo kräftiger. Die nicht aufgegangenen Saaten kommen hervor, und es mag dann ein Winter kommen, wie er nur immer ſey, ſo leiden die bedeXten Saaten bis zum Frühjahr oder zur Aufthauungspe» riode nicht. Wünſchenswerther. iſt es, wenn die Schneede>e nicht zu ſtark iſt, als wenn ſie ſehr di> iſt. Saatbehütung,. Die Wintergetreideſaaten werden in vielen Gegenden mit den Schafen behütet. Es ſind mancherley Meinungen darübex vorhanden, ob die Saatbehütung den Schafen und den Saaten vortheithaft oder ſchädlich ſey., e IV Den Schafen iſt ſie nicht nachtheilig, wenn kein zu Übermäßi- ger Genuß an Saatblättern erfolgt; denn es iſt erwieſen, daß ſie an der gefrornen Saat ſo lange kauen, daß ſich dieſelbe genug= ſam im Munde erwärmt, um Erkältung des Magens, wodurch allerdings Nachtheil erfolgen könnte, zu verhüten. Die Schafe befinden ſich bey der Saatbehütung, und beſonders die„Mütter in der Lammzeit ſehr wohl; nur werden ſie, wenn die Saatbeso bütung längere Zeit dauert und die Saaten fett ſtehen und reich- liches Futter geben, ſo verwöhnt, daß ſie anfänglich das tro- &Fene Futter verſchmähen und lieber hungern, wenn man ih- nen die Saatweide nicht mehr geben kann. Dieſes periodiſche Hungern iſt aber der Bildung der Wolle, wie auc den Säug= lämmern ſehr nachtheilig, und die nachherige kräftigſte Winter- fütterung vermag es nicht, die Schafe wieder ſo aufzubringen, als ſie durch dieſes Hungern abgenommen haben. Es iſt daher anzurathen, den Schafen, um ſie durch. die Saatbehütung nicht zu verwöhnen, vor dem Austreiben ein gutes, trodenes, reich liches Futter zu geben, ſo daß die Saatbehütung nur als ein Ne: benfutter, welches allerdings etwas Winterfutter erſpart und den Appetit zum tro>nen Futter erhöhet, betrachtet wird z nicht aber, wie es in vielen Hungerſchäfereyen Statt findet, auf die Saatbehütung als einen Theil des Winterfutters zu rechnen, und ſo lange ſie Statt findet, die Ernährung der Schafe nur auf ſie zu beſchränken. Nacdhtheilig iſt die Saatbebütung den Schafen dann, wenn die Saat mit Glatteis beſchlagen, oder mit ſtarkem, dur< Ne: bel erzeugten Reif überzogen iſt. Im erſteren Falle muß die Saatbehütung ganz unterbleiben z im letzteren Falle müſſen die Schafe erſt einigemal über den zu behütenden Fle> getrieben werden, damit der Reif abgeſchüttelt wird, ehe man. ſie freſſen läßt, Ein unvorſichtiges Behüten der Saaten, ſo wie der zu reichliche Genuß derſelben, kann den Schafen ſehr nachtheilig Einwinterung der Winkerſaaken. Saatbehütung. 377 (325) werden und tödtliche Krankheiten zuwege bringen, und es iſt daher bey der Saatbehütung immer Vorſicht anzurathen, und, beſonders vor der Gierigkeit, der Schäfer zu warnen. Den Saaten iſt der Auftrieb der Schafe, wenige Fälle aus- genommen, nur nachtheilig, und es iſt dieß eine dur die viel- fältigſten Erfahrungen bewieſene Thatſache. Die Vertheidiger der Saatbehütung behaupten zwar, daß die Schafe nur, die äu- ßern Blätter der Pflanzen abnagten, und daß das Abnagen der- ſelben im Winter bey Froſt, wo das Leben der Pflanzen ohne dieß im Schlummer ſey, um ſo weniger ſchade, da die äußern Blätter der Winterungspflanzen bey der Durchwinterung doh 4 HEIN verloren gehen; aber es iſt erwieſene Thatſache, aß die Schafe ſich mit den äußern Blättern nicht begnügen, ſondern hauptſächlich nach den ſüßen Herzblältern gehen, die ſie mit ihrer ſpibigen Schnauze ſehr gut zu erlangen wiſſen. Aber auch die äußern Blätter hat die Natur der Pflanze nicht ohne Zwe gegeben; ſie dienen vielmehr derſelben zum Schutz gegen die Witterung, und befördern durch Einſaugung der Nahrung im Frühjahr das Wachsthum derſelben. Wird nun aber das Herz, der Haupttheil der jungen Pflanze, zerſtört oder beſchädigt, und werden die äußern Blätter entnommen, ſo geht die Pflanze , entweder gänzlich ein, oder wenn ſie ſich auc wieder erholt und wieder austreibt, ſo iſt dieſer Trieb unvollkommener und ſchwächz licher, als der erſte war, und durch das Entnehmen der äußern Blätter iſt dieſer ſchwächliche Trieb, wegen Mangel an Schuß, jeder Gefahr um ſo mehr preisgegeben, ſo wie ihm auch durch das Fehlen jener Blätter um ſo weniger Nahrung im Anfange der Frühjährevegetation, worauf es ſo viel ankommt, zukommt. Iſt der Boden vey der Einwinterung ſehr feucht geweſen, ſo iſt ein großer Theil der Pflanzen vom Froſt in die Höhe gezogen worden, ſie haben dann nur einen ſehr loſen Standpunct, und werden bey der'Saatbehütung vollends herausgezogen, und: ſind unvermeidlich verloren. - Auch werden ſchon durch den Tritt der Schafe mit ihren ſpivigen Klauen viele der vom Froſt ſpröden Pflanzen beſchä- digt, oder wohl gar gänzlich von der Wurzel abgeſtoßen. Liegt etwas Schnee, ſo iſt es noch ſchlimmer, indem die Schafe mit ihren Füßen kragen, und es kann nicht fehlen, daß ſie nicht viele Pflanzen auskraßen ſollten. Die Saatbehütung iſt daher ſelbſt den ſtärkſten Saaten im reichen Boden nachtheilig, obgleich die Nachtbeile nicht ſo bemerklich ſind, als bey ſchwachen, dün- nen Saaten. Anſtatt daß im reichen Boden eine Pflanze 6 bis 8 Halme getrieben haben würde, würde ſie von den Schafen nicht befreſſen worden ſeyn, bringt ſie dann deren nur etwa 2 oder 3 hervor. Iſt der Boden nicht reich, und ſiehen die Saaten dünn, dann iſt das Abhüten noh gefährlicher; denn der Acker hät nicht Kraft genug, um ven Pflanzen genugſam Nah- rung zu neuen Trieben. zu geben, und wird daher des größten Theils ſeiner Pflanzen beraubt. ABE Die Saatbehütung erfolgt gewöhnlich im Winter, wenn der Boden ſtark genug gefroren iſt, und noh kein, oder nur wenig Schnee gefallen iſt. Man bat, da die Saatbehütung ſehr häu- fig von Seiten der Grundherrſchaft auf den Bauerfeldern aus geübt wird, um den Bauern keinen zu beträchtlichen Schaden 3 1 8 Bau der Feldfrüchte, 142. Abſchn. December, (326) zuzufügen, im Allgemeinen folgende Grundſäßte aufgeſtellt, wel: pig wächſt, ſo daß zu befürchten ſteht, daß ſie. ſich vor Winter überwachſen, oder unter der Schneede>e faulen werde, ſo iſt ein mäßiges Behüten der Saat im Herbſt mit den Schafen bey trockenem Wetter und: wenn der Boden trocken iſt, von gutem Nutzen und beſſer, als das Schröpfen. Es geht zwar» dabey ein nicht unbeträchtlicher Theil Pflanzen zu Grunde, aber das Abfreſ- ſen der zu üppigen Blätter gewährt dafür den Nuten, daß den Schafen ein reichliches Futter zu Gute gekommen iſt, und daß die Saat yor dem Ueberwachſen und Faulen, wodurch ein viel grüa ßerer Schaden erwachſen kann, geſichert iſt.„Jm reichen Boden behalten die kräftigen Stöcke der Pflanzen noch immer Zeit ge= nug übrig, um ſo viel Blätter vor der Einwinterung zu treiben, als ihnen zum Schutz vor, dem Winter nöthig ſind;. In manchen Gegenden ſäet man zeitigen Staudenroggen etz was dichter als gewöhnlich, und treibt im Herbſt die Schafe darz auf, Dieſer Staudenroggen giebt dänn, wenn die Einwinte- rung nicht zu zeitig erfolgt, einen eben ſo hohen Ertrag, als der gewöhnliche, ſpäter geſäete Noggen 3 daß ex aber unter andern 06 4 nicht einen höhern Ertrag geben ſollte, iſt wohl ohne weifel. Derſelbe Fall iſt es, wenn im reichen Boden die Saat im erſten Frühjahr zu dicht und zu üppig emporwächſt, und in der Folge geſchröpft werden muß. Das Behüten mit den Schä» fen im Frühjahr bey trockner Witterung iſt der Saat dienlicher, um deren zu großer Ueppigkeit vorzubeugen, als das Schröpfen. In beiden Fällen iſt es aber nöthig, die Schäfer unter gehöriger Aufſicht zu halten, und genau dahin zu inſtruiren, daß das Be- hüten nur bey tro&ner Witterung, und wenn der Boden nicht naß iſt, erfolgen könne, und daß die Schafe in einem beſtändi- gen langſamen Treiben,„erhalten werden, und daher nicht Zeit haben, nach den Herzen der Pflanzen zu ſuchen, ſondern nur hauptſächlich die ihnen ins Maul kommenden Blätter abbeißen, 330 Bau der Feldfrüchte. 12. Abſchn. December. (323) I< habe die Beobachtung gemacht, die mir auch von mehreren praitiſchen Landwirthen beſtätigt worden iſt, daß in denjenigen Bodenarten, in welchen die Saaten beſondere Neigung zum La» gern haben, dieß weit weniger Statt findet, wenn dieſelben, wenn ſie im Frühjahr kräftig und dicht geſtanden haben, von den Schafen'behütet worden ſind, und daß der Ertrag an Kör: nern in dieſem Falle, im Vergleich gegen die nicht behüteten Saga» ten, beträchtlich größer iſt; aber wie geſagt, die Sgat..muß im Frühjahr fräftig und dicht geſtanden haben z denn im Gegen» theil wird zwar durch die Saatbehütung das Lagern, welches deſſenungeachtet Statt finden würde, verhütet, aber der Körner» ertrag beträchtlich verminderr. Berückſichtiget man das über Saatbehütung Angeführte: ſo ergiebt es ſich, daß es nicht räthlich iſt, bey der Schafdaltung bes ſtimmte Rechnung auf die Saatbebütung zu machenz denn eis nerſeits, kann ſie nicht alle Jahre ausgelübt werden, und anderers ſeits iſt ſie, wenn ſie- auxgeübt werden kann, außer in'den bes merkten, aber nuz, ſelten Statt findenden Fällen, wo ſie allerdings dienlich iſt, den Saaten unſtreitig ſv nachrheilig, vaß der'bey der Schäferey erzielte höhere Ertrag in keinem Verglei) gegen den Rückſchlag der Saaten ſteht. Nhch den allgemeinen Erfah» rungen iſt der- Auftrieb der Schafe dem Noggen viel ſchädlicher, als dem Weizen, Von der Aufbewahrung der Feldgewächſe. Von den Feimen, In Deutſchland wird das Getreide in den Scheunen aufbes wahrt, und Feimen werden nur dann angelegt, wenn die Erndte ſo ergiebig iſt, daß ſie in der Scheune nicht Platz hat, In Frank- reich, in den Niederlanden und in England wird das Getreide größtentheils in Feimen aufbewahrt. Während man in jenen Ländern wegen Manzel an Holz und anderm Baumaterial genöthigt war, anſtatt der foſtſpieli- t. j Da die Feime ſich auf der Seite, wo abgeladen wird, feſt: drückt, ſo ſenkt ſie ſich auf dieſer Seite nur wenig, auf der entge» gengeſeßten Seite aber um ſo ſtärker, und ſie bekommt dadurch eine mehr oder weniger ſchiefe Nichtunz, wodurch die Feuchtigs keit um ſo leichtern Zutritt erhält, und das Verderben des Ges treides erfolgt. Um dieſem vorzubeugen, machen Einige die Ab» ladegerüſte auf beiden Seiten der Feime, und wechſeln mit.dem Abladen bey jedem Fuder, wodurch ſich eine Feime, wenn ſie nur ſonſt gut geſezt wird, nicht ſenken kann. Um der Feime die möglichſte Regelmäßigkeit beym Setzen zu geben, pflegt man auch einen Strick, der ſich in die Höhe ſchie» ben läßt, an die Stange zu binden, und beſtimmt nach dieſein die Rundung jeder Schicht, indem man ihn anziehet, und die äußern Garben der gelegten Schicht überall nach dem Kreiſe, den er beſchreibt, ein oder ausrü&t. IEEE:] Auch nimmt man darauf Bedacht, die Feimen nicht zu groß anzulegen, 2 Einige pflegen auch, um das Gekfreide vor der Witterung um ſo beſſer zu ſchüßen, zwiſchen 4 bis 5 Schichten Getreides garben jedesmal eine Schicht Strohgebunde ſo einzulegen, daß die Sturzenden derſelben gegen eine Elle Über das Getreide herz vorragen. Noc< Andere ſte>en Pflöcke un die Feimen, befeſtigen an dieſe Stangen, und binden an die Stangen Strohſchauben, wodurch die Feime von oben bis unten eine Schaubenbede>&ung erhält./ ] Selten findet man es, daß die Feimen eine hölzerne Untere lage bekommen. Man- macht dieſe Unterlagen ſo hoch über den Erdboden, daß eine Kaße darunter kriechen kann, um die unter der Feime ſich befindlichen Mäuſe wegfangen zu können. In ſolchen Feimen mit einer Stange, wenn ſie eine hölzerne Unterlage haben und mit Sorgfalt geſetzt ſind, wozu es aber bey uns gewöhnlich an erforderlich geübten Leuten fehlt, und wenn ſie gut bedacht ſind, erhält ſich das Getreide lange unverdorben, Anſtatt der runden Feimen findet man mitunter auch vier- e&ige Feimen, die auf gleiche Weiſe geſezt werden, wie bey den runden angegeben worden iſt. Die runden Feimen ſcheinen je: doch, da das Getreide hohler in ihnen liegt, und ſie dem, Luft» zuge leichtern Eingang geſtatten, den viere>igen vorzuziehen u ſeyn. N Feimengerüſte ſind in Deutſchländ ſehr ſelten. Gewöhnlich ſind es ſolche, die aus vier Stangen beſtehen, auf denen ein plattes Dach ruht, welches entweder feſt, oder beweglich iſt. Aufbewahrung der Feldgewächſe. Feimen. 333 G31) Weyn man Feimen ſebt, ſo wird gewöhnlich auf 50 Scho> Wintergetreide ein Plas von 20 Fuß im Durchmeſſer ant enom» men, oder: auf 1 Scho> Wintergetreide 160 bis 170 Cuoikfuß, und auf 1 Scho> Sommergetreide 120 bis 130 Cubikfuß Raum Ferecinet. Jn Hinſicht der Koſten, welche das Aufbewahren des Getrei- des in einer Feime ohne Gerüſte verurſacht, giebt maa2 aus Sachſen folgende Angaben, wobey aber zu bemerken iſt, t1ß die Löhne, Fuhren„- Holzwerk u..ſ,-w., die in Sachſen im. Preiſe ſebr heuer ſind, gegen andere Nachbarländer ſehr hoch angenoms men ſind, Das Aufſezen und Abnehmen einer Feime von 100 Sc Getreide koſtet an Handarbeit bei geübten Arbeitern gegen 14 Thaler. Das Fuhrlobn beträgt das Doppelte, und der Körner» verluſt bei 100 Scho> Getreide wenigſtens 6 Dresdner Sc effel. Die Koſten eines Feimengerüſtes, deſen Schwellen untermauert ſind, werden auf 25 Thaler angegeben. Den Verluſt, den man durc) das Aufbewahren des Getrei» des in Feimen erleidet, ſchlägt man im Allgemeinen, da die oben angsgebenen Feimen von den Mäuſen ſehr heimgeſucht wers den, umd durch. das Abbrechen der Feimen und Herein'haſfen des Getreides in die Scheunen viel Körterveriuſt erfolgt, zu 1 bis 2 Procent, an Stroh, wenn. die Feimen. ſich. nicht ſehr gut gehalten haven, zu 20 bis 25 Procent, an. Oft iſt das Sirob durchgängig ſo verdorben, daß es zu Viehfutter gar nicht benutzt werden kann. Oft gebet auch der größte Theil der Feime gänzlich zu Grunde, Im Allgemeinen. äußert man ſich, daß die Aufbewahrung des Getreides in Feimen, ſelbſt wenn dieſe ſich gut erhalten, gegen die Aufbewahrung in den Scheunen keinen Vortheil ges währe, ſondern nachtbeilig ſey, und daß ihy Vortheil nur darin beſtehe, daß wan eine ſehr reichliche Cendte. gemacht habe. Doch NAD auc einige Vorzüge der Feimen zugegeben, Dieſe Vor- üge ſind: ; 1)Das Einbringen des Getreides- in die Feimen, bey einer ſehr geſegneten Erndte, wo oft weit mehr Arbeitskräfte, als man auftreiben kann, nöthig ſind, um das Getreide nicht dem Verderben auf dem Felde preis zu geben, gewährt vor dem Ein» bringen in die Scheune den Vortheil, daß'das Abladen, indem der Wagen unmittelbar an die Feime heranfährt, viel ſchneller erfolgt, als in den Scheunen, wo dje Garben zum großen Theil ſehr hoc< gelangt werden müſſen, während ſie bey den Feimen leicht zugelangt werden können 3- und daß das Banſen, da die Garben bey den Feimen nicht ſehr weit gelangt werden dürfen, weit weniger Leute erfordere, als zum Banſen in der Scheune nöthig ſind. Das Einfahren gehe daher nicht nur ſchneller, ſon» dern man könne auch zum Sammeln und Binden auf dem Felde um ſo mehr Leute verwenden. 2) Daß das Getreide in die Feimen eingebracht werden könne, wenn es auch noch nicht diejenige Trockenheit erlangt hat, die um Einbringen in die Scheune erforderlich iſt, indem der Statt ndende Luftzug das eingefeimte Getreide, wenn es auch nicht gehörig tro&en war, vor Verderben ſchüße. Ganz beſonders 334 Bau der Feldfrüchte. 12. Abſcen in Feimen zu empfehlem, 3) Daß man die einzelnen Getreideſorten bey der Aufbewah« rung in Feimen weit beſſer ſepariren kann, als in der Scheune und daher keine Vermengung derſelben erfolgt. 4) Daß man die Feimen einzeln auf freyen Pläten aufſtellen kann, wo das Getreide vor Feuersgefahr mehr geſichert iſt, als in den Scheunen, und bey einem Feuerunglück höchſtens nur eine einzelne Feime abbrennen kann, und endlich: 5) Daß die Aufbewahrung des Getreides in Feimetn dort, wo man ſehr niedrige Banſen und überhaupt, der Lage wegen, feuchte Scheunen hat, vorzüglicher iſt. Dagegen werden folgende Nachtheile der Feimen angegeben: 1) Es iſt nicht zu vermeiden, daß, bey ungünſtiger Witte» rung, das Getreide während des Abladens in die Feime naß wird z denn, wenn aud) die Feime bedeckt iſt, ſo ſteht doch dex Wagen, von welchem abgeladen wird, im Freyen, Bey ſolder ungünſtigen Witterung, wv mon das Getreide. gleichſam vom Felde wegſtehlen muß, und wo man ſich in der Scheune dadurch helfen kann, daß man das Getreide auf der Tenne aufſtellt, und erſt durchlüften läßt, ehe man es einbanſet, muß das Ges treide naß in die Feimen eingebanſet werden, und es leidet Schaden. j 2) Da die Feimen, der Diebercy wegen, nicht im Freyen aufgeſtellt werden können, ſondern in die Gehöfte oder in deren Nähe, wo ſie unter ſteter Aufſicht ſind, kommen müſſen, ſo vermehren ſie bey den gewöhnlich in Deutſchland ſehr eng ges bauten Gehöften und Dörfern die Feuersgefahr. 3) Es ziehen ſich in die Feimen viele Mäuſe vom Felde, finden daſelbſt ein ſicheres Unterkommen durch den Winter hin- durch, verurſächen vielen Schaden, und vermehren ſich im näch» ſten Jahre noh mehr.. 4) Die Feime mag noh ſo gut geſeßt ſeyn, ſo trifft es ſich doch, daß Stürme dieſelbe beſchädigen, wo dann die Feuchtig» keit eindringt und das Getreide verdirbt, Bey dem platten Das licher Plat„in der Nähe vorhanden ſey oder nicht, in wel: berechneten Scheune von Mauer- werk aus Sandſteinen mit Ziegelkronendach betrugen die Bau- koſten pro Schock 8x Thaler.= Bey der einfachſten Art eines bedeckten, etwa 20 Scho> faſſenden Feimengerüſtes, wit einge:> gräbenen bölzernen Säulen und beweglichem Dache, wie ſoic, und wenn das Stroh zur Dachbede>ung Aufbewahrung des Getreides. 387 (335) vw nicht gerechnet wird, bis auf 23 Thaler.=- Dagegen betrugen h- dieſe Koſten bey einem Feimengerüſte nach Deſſauer Art, 50 Schock m faſſend, mit erhöhtem hölzernen Boden und rundem durch eine " Wagenwinde beweglichen Dache, pro Scho> 3 Thlr. 4 Gr. und in| excl. des Dachſtrohs 2 Thlr. 20 Gr., nach Wegfall des erhöhten in hölzernen Bodens aber 2 Thlr. 8. Gr. Die Koſten eines Fei- it wmengerüſtes nach Leideritz mit Ziehrad u. ſ. w. betrugen un- ß:| ter. gleichen Umſtänden, reſp. 3 Thir.= 2 Thlr. 18 Gr.= und Wd 2 Thlr. pro Scho.=- Bey einer 4ten Art von Feimengerüſte 7: der eigentlich Jnterimsſcheune, mit feſtſtehendem Dach, worin () duch eine Tenne angebracht werden kann, wie ſolches in Boit landwirtbſchaftlicher Baukunſt angegeben iſt, 145 SchoFX Getreide 1: faſſend, beliefen ſich die Koſten prov Scho> auf 3 Thlr. 16 Gr. und unter Wegfall des Strohs zur Bedachung und der Vorſe;: ile hung mit Bretern an zwey Seiten, auf 2 Thlr. 16 Gr. und nach 1] Weglaſſung des erhöbten hölzernen Bodens und Anfertigung ei- “ ner Lehmtenne mit Steineinfaſſung ſtatt deſſelben, auf 2 Tha- 1: ler.== Eine bewegliche Dreſchtenne an den Feimen zu ſchie» m! ben, war zu 200 Thlr.=-- veränſchlagt. uf Soviel ſcheint ſich nach Allem zu ergeben: en 1) Daß es in der Hauptſache darauf ankomme, daß det Fei- u men aut geſept, d. hb. regelmäßig geſchichtet, die Garben mit ' den Sturzenden gehörig nach unten, und nach außen gekehrt, w| etwas abfallend auf einander liegend, aufgeführt, und das Ende 1m| deſſe!iben mit Stroh gut eingedeckt werde. 1? 2) Daß, wenn mari auch die Scheunen für nothwendig hal: en ten will, doch der Raum, welchen dieſelben faſſen, niemals auf he eine gewöhnliche Erndte berechnet ſeyn dürfe, weil bkonomiſcher in Weiſe, die Anlage- uiid Unterhaltungskoſten ſolcher Gebäude it| niemals ohne Nuben ſeyn dürfen, und es daher immer vortheil- en hafter ſeyn wird, den Mebrertrag einer außerordentlichen Erndte «| in Jnterimsſcheutten, Feinien u. ſ. w. unterzubringen: w Wir müſſen es nä< dem vorſtehend Angeführten unſern Les " ſern ſelbſt überlaſſen; ihre Meinung über die Vortheile öder < Nachtheile der Feimen und Scheunen zu berichtigen. je|„Wir slauben jedoch; daß bey der Fortdauer der tniedtigen en Preiſe des Getreides die Getreidefeimen und beweglichen Drejch- in/ tennen, welche hierzu unumgänglich erforderlich ſind, in den l:| ebenen Theilen Deutſchlands in der Folge eine vielſeitige bey: '- fällige Auftahme finden werden. In den höhern Gebirgsgegen- | den, wo die Bäumaterialien wohlfeiler ſind, und wo ſtärkere | Stürme und länger anhaltende feuchte Witterung Statt finden, m| werden die Feimen den Scheunen unter allen Verhältniſſen den | Vorrang wohl nicht ſtreitig mächen: | Aufbewährung des Getreides. )!| Wir haben über die Aufbewahrung des Getreides bereits im 1“| 9ten Bande der Encyklopädie gehandelt, und“ daſelbſt auch der 6| unterirdiſchen Getreidemagazine, Silos, gedacht. | Da man ſeit jener Zeit mit' dieſer Aufbewahrungsart an 1 mehrern Orten glückliche Verſuche, und in Beziehung auf dieſelbe 0“ Fortſchritte gemacht hat, ſo halten wir es für nvötbig, über die: „| ſen Gegenſtand noch weiter zu handeln, und beſonders aus den - 338 Bau der Feldfrüchte. 12, Abſchn. December. (336) Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreich Sachſen, 22. Lieferung, die Beſchreibung der auf Befehl der Königlich Sächſiſchen Kriegsverwaltungskammer im Schloſſe Pleißenburg zu Leipzig im Jahre 1826 zum Verſuch ans gelegten ober- und unterirdiſchen, hermetiſch verſchloſſenen Gee treidebehältniſſe oder Silos, nebſt Zeichnungen zu geben, zu» gleich aber auch die Beſchreibung der' bey der Sangerhäuſer Kus pferhütte angelegten Korngrube, nebſt Zeichnung mitzutheilen. A Beſchreibung des im Parterregewölbeoder in dex ſogenannten Münzſtre>e des Schloſſes Pleißeno burg ängelegten oberirdiſchen Getreidebe»- hältniſſes. Dieſes Behältniß wurde, da ſolches wegen ſeines beſchränk« ten, mit ſtarken Mauern umgebenen, finſtern und von allem Luftzug abgeſchnittenen Raums zu nichts Weſentlichem zu gee brauchen» war, zu dem Verſuch, Getreide aufzubewahren, gewählt. - Dieſer Raum iſt, wie die Zeichnungen sub A nachweiſen, in der Mitte des Bogens 8 Cllen 22 Zoll boch, die hintere Mauer 12 Ellen 6 Zoll, vie vordere, in welcher der Eingang bes findlich, 14 Ellen 8 Zoll, die Stirnmauer links 4 Ellen und die rechts 8 Ellen breit, durchgängig von Bruchſteinen nicht ganz perpendiculär richtig aufgeführt, ſondern ſehr uneben, doch ziem» lich trocken. j - Dieſes Behältniß ſollte zu Aufbewahrung des Getreides mit Zink bedeckt werden. Es wurde daher vor allem der Fußboden dergeſtalt aufgefüllt, daß von den Stirnmauern und der hintern Wand, nach der Thüre zu, derſelbe in einem Winkel von circa 15 Grad abgedacht und trichter: oder muldenförmig auf den Mits telpunct der Thür ſich verläuft. In dieſen Boden wurden nach der Breite und Länge der Zinkrafeln(3 1 Elle 3 Zoll incl. des Falzes a'3 Ellen 7 Zoll) gute troFene Lagerhölzer eingelegt, an den Wänden aber 3 Zoll tief, nach der Breite des Zinkfalzes und eine Quadratelle aus» einander Dübel zu Befeſtigung von Latten eingehauen, und der Fußboden ſowohl, als die Wände mit den Latten durch eine Miz= ſchung von Graukalk, Gyps, Feilſpäne und Ziegelmehl ausgeglichen. . Obwohl Bley zu dem vorliegenden Zwecke dem Zink vorzu» iehen ſeyn möchte, da ſolches mit weniger Schwierigkeiten ge» Flat und gelöthet werden kann, auch bey etwaiger Tempera» turveränderung dem Springen weniger auggeſebt iſt, als.lette- rer, ſo ward do) Zink ſeiner verhältnißmäßigen Wobhlfeilheit halber dem Bley vorgezogen, denn, ein Centner Zink a 12 Thas ler, hält 9x Tafel, a 1Elle 3 Zoll breit und 3 Ellen 7 Zoll lang, womit 134 Quadratfuß belegt werden könnenz hingegen giebt ein Centner ſächſiſches Bley, 3 13 Thaler, nur 27, und ein Cent» ner Goßlarer Bley, a 10 Thaler, nur 34 Quadratfuß Belegung von gleicher Stärke. Die Zinkplatten wurden nun auf dem Fußboden/ zan den De>en und Wänden des Raumes ohne Löthung, theils der Er2 ſparniß wegen, da die Lörhung in dieſem ziemlich troeknen, und! der äußern Luft nicht ausgeſezten Behalter nicht nöthig zu ſeyn ſchien, theils weil das Löthen ſehr beſchwerlich war, mit eimem Aufbewahrung des Getreides, 389 (337) Falz und einer doppelten Reihe verzinnter, 1 und 13 Zoll weit augeinander geſchlagener Nägel dergeſtalt befeſtigt, daß, wie bey den Dachziegeln, jedesmal die darunterliegende Platte die oberſte einen halben Zoll bede>te, Nur da, wo es wegen eingeſeßter kleinen Stücke nöthig' wurde, wendete man Löthung an. Ehe jedoch das Belegen mit Zink völlig erfolgte, wurde zum Behuf des Einſchüttens des Getreides und des Hinabſteigens in das Behältniß. mittelſt einer Strickleiter, auf dem über dieſem Bes hältniſſe befindlichen Raum die Dielung aufgenommen, der. dar. unter über der Gewölbemauer befindliche 43 Elle hohe Erdauf- ſchutt sub G, welcher im Schloſſe zwiſchen den- ſämmtlichen Partexrebehältniſſen und der erſten Etage befindlich, 332 Elle in der Länge und 2x. Elle in der Breite, sub G, ausgegraben und as 1 Elle ſtarke Gewölbe 5ub D 1.Elle im Quadrat durchs rochen. Da man fand, daß der ausgegrabene Raum ſich ebenfalls zu einer kleinen Getreideaufbewahrun.sprobe anderer-Arc eignen dürfte, ſo wurde in Folge hoher Genehmigung dieſer Raum ausgemauert, oben gewölbt, ebenfalls mit einem, einer Quadrats elle weiten Cinſteigeloch verſehen und mit einem, bis jezt untere einigen zwanzig Proben dem Zwe&> am beſten entſprechenden, waſſerdichten Cement(aus zwey Theilen gelöſchtem Graukalk; zwey Theilen abgeſchre>tem pulveriſirten deßgleichen, einem Theile Gyps, einem Theile geſtoßenem Ziegelmehl ſtatt des Tra» ßes, und einem Theile Feilſpäne beſtehend, welche mit Rinds» lut und ein wenig Oel zu einer teigartigen Maſſe gebildet wer- 4 En Z0A ſtarr am Füßboden, an den. DeXen und Wänden ekleidet, Damit aber auch die 4n dieſem Behältniſſe befindliche Ges treideprobe wnberührt liegen bleiben und aus dem darunter bes findlichen"Behältniſſe eine Vrobe berausgeholt werden konnte, wurde eine oben 6 Zoll im Quadrat weite, unten etwas enger zus laufende Röhre, sub-B, voy der obern Diekung an, bis an das Mundloen der Röhre mit einer Blechde>? verſeben. Durch dieſe Röhre kann, ohne das obere, mit einem Pfoſtende>el eben ſo wie das untere geſchloſſene und verkfittete Behältniß zu öffnen; mit einem ſoge- nannten Erdbohrer eine Getreideprobe heran8genommen, oder ein Thermometer, zu Beobachtung der Temperatur des Getreides, ein: geſenkt werden. Der urſprüngliche Eingang in das untere Behält- niß im Parterre sub T ward halbelligt vermanert, ebenfalls mit Latten verſehen und mit Zink, belegt. Mit dem Fußboden des Bes hältniſſes gleich auslaufend, wurde eine hölzerne, inwendig eben- falls mit Zinsv belegte, 6 Zoll im Quadrat weite, mit einem Schieber. und Borlegſchloß verſehene Röhre, als Abzug sub HU angebracht, ſomit das ganze Behältniß bis auf die Einſchüttes und Ableitungsröhre verſchloſſen.- Hierauf wurde das untere Behältniß mittelſt. eines Leinwandtrichters, und nach Hölliger Schließung dieſes Naums mit dom bereits erwähnten Holzdeel, auch das obere Behältniß ini Monat April 1826 gefüllt, lebtes res ſodann ebenfalls mit dem erwähnten Vfoſtendec>kel verſchloſ: fen, verktittet und die Dielungsvde&e. daraufgelegt. Das große Parterre: oder Zinkbehältniß enthält, da wegen der großen Irre: XI 22 390 Bau der Feldfrüchte, 12. Abſchn, December. (338) 4 gularität deſſelben der Cubikinhalt nicht ganz genau beſtimmt| i1€ 34 werden kann, circa 700 Cubikellen, in welches nach dem Satze, eſu cN: daß- 5,95 Cubikfuß: einen Dresdner Scheffel ausmachen, 1178| b0' + Scheffel hätten eingeſchüttet werden können. Es wurden aber| 1210 Scheffel und in das obere kleine Behältniß 38 Scheffel gu-(ett 7 tes, zweyjähriges Korn von trockener Qualität, nach vorheriger(wo B Fegung eingeſchüttet, Nach einjähriger Lagerung, wo das Ges don 5 treide durch die Laſt ſich ſehr geſeßt batte, wurden noch 12 Schef»| iW fel dergleichen Korn in den untern Raum nachgeſchüttet,(o daß feſte nunmehr 1222 Scheffel Korn in dem untern Zinkbehältniſſe be: weil EE: findlich ſind, tas | B. in 59 Beſchreibung der zwey auf dem Scloßhofe der iW A Pleißenburg angelegten unterirdiſchen daß 4 Getreidegruben oder Silos, Ho - Dieſe auf der Zeichnung Sub B. dargeſtellten, zwey völlig gleichen Gruben ſind im Ochloßhofe gegen Mitternacht in einem ungünſtigen, nur aus aufgefülltem Bauſchutt beſtehenden Boden 7 darum angefertigt worden, weil die Probe bey einer beſondern 01 Bewachung im Freyen, in einem nicht unter unmittelbarer Aufs>| 10 5. ſicht ſtehenden Raume zu koſtſpielig geweſen ſeyn würde. frü 75 Hier wurden zuvörderſt, wie beym Brunnengraben, 6 Ellen fn . tiefe und 6 Ellen weite, zirkelrunde Lücher ausgegräben, dann en 4 der Boden mit Letten oder Thon+ Elle hoch derb ausgeſchlagen, BD: ir hierauf von reinen, getröFneten Thonziegeln mit demſelben jeg Verbindungsmaterial die Mauern zirkelförmig, 4 Ellen im zu Durchmeſſer, 18. Zoll ſtark bis zu 4 Ellen Höhe freyſtehend auf: hie Ke. geführt, mit vier ausſpringenden Verſtärkungen verſehen und| fef Ee/ der leere Raum zwiſchen dem Erdreich, den Pfeilern und ge-| dri 3 mauerten Cylindern mit Kohlenſtaub- ausgefüttert. Auf dem+| 0 | 4 Ellen hohen Cylinder wurde- die Kuppel von hartgebrannten| det Mauerſteinen 1 Elle hoch mit Graukalk gemauert, aufgeführt, fah und zu Ableitung der auf der Kuppel vom Tagewaſſer ſich viels leicht ſammelnden Feuchtigkeit noh am Fuße derſelben ein 1 Kranz ſchräg nach außen zu ſich neigender Thonziegeln ange- te ſeht. Im Schluſſe der Kuppel brachte man ein, 1 Elle im Durch-||!v S meſſer haltendes, mit einem eichenen Pfoſtenfutter und Zarge de Tt; verſehenes Einſchüttelocel und eiſernem Ringe. hu I Sodann wurde die Grube einen Tag hindurch mit Holzkoh- te 2 len ununterbrochen ausgefeuert. Die hierdurch entſtandenen hv 4 Niſſe ſowohl, als die Mauerfugen, wurden hierauf mit dem be-| . reits erwähnten Cement erſt ausgezwi>t und verſtrichen, um| "S den ganzen Rand des Fußbodens ſowobl, als am Nande)| ſi I der Kuppel eine Wulſt auf Draht von dieſem Cement angeſett, dc 4 und das- ganze Behältniß inwendig, ſo wie auch die noh zu 0) . Tage ſtehende Kuppel auswendig einen ganzen Zoll ſtärk mit ſe . ſolchem Cement belegt.. ö de Ee: Unter Zugrundlegung der obigen Annahme über den Cubik- di : inhalt eines Dresdner Scheffels, müßten in jedem der beiden Be- 1)D hältniſſe 95 Scheffel Getreide untergebracht werden können; es 1 9 wurden jedoch nur, nachdem zu einiger Sicherung auch noch||] di eine geflochtene Strohmatte auf dem Fußboden eingelegt war, ſt Aufbewahrung des Getreides, 391 (339) in einer dieſer Gruben von zweyjährigem, rein gefegtem, ganz geſundem Korn 83 Scheffel 10 Metzen, in der andern aber 91 Scheffel 8 Metzen„Hafer eingeſchüttet. Die Differenz der Minderzahl liegt darin, daß der qufs getragene Cement, die Wulſte und Strohmatten den Raum um etwas verengt hatte, Hafer aber ſich mehr zuſammendrückt, als Korn. Nach vollendeter Füllung wurde die Oeffnung erſt mit kreuzweiſe gelegten Strobſchoben einen Zoll ſtarf, dann mit dem feſtverkitteten De>el geſchloſſen und mit zwey Schichten kreuz- weiſe gelegten Mauerſteinen, wovon die oberſte Lage halb über das hölzerne Futter überſpringt, vermauert und mit Cement ebenfalls überlegt, der Thon oder Letten über die Kuppel 4 Zoll hoch feſtgeſchlagen und zuleßt das Erdreich mit etwas Schmie- deſchla>en vermiſcht, daraufgeſchüttet und feſt gerammelt, ſo daß der Erdboden über der Grube mit dem Übrigen Boden des Hofraums völlig gleich wurde, Beſondere Bemerkunget. Zur Aufbewahrung in hermetiſch verſchloſſenen Räutmett, kann mit Sicherheit nur entweder gedarrtes, oder ſole beym Einſchütten des Getreides in das Be- haltniß, einige dieſer Käfer mit hineingekommen, die ſich in eis nem Jahre zur Unzahl vermehrt und einen Theil der Körnexy gänzlich ausgehöhit hatten. Nur durch ſofortige Darrung des Getreides durch Feuer, konnte dem Uebel, weil die Käfer die Wärme nicht über 40 Grad aushalten, ſofort abgeholfen werden: Dieſer: Fall mußte ange- führt werden, um bey ähnlichen Unternehmungen Vorſicht an= zuempfehlen, - Ohwohl die angeſtellten. Verſuche mit Aufbewahrung des Getreides in Erdgruben, bis jett über, die Erwartung günſtig ausgefallen ſind, ſo iſt doch wohl die ſicheyſte Methode, große Quantitäten Getreide in kleinen Räumen- unterzubringen, alle Abgänge, Arbeitslöhne und viele Reparaturkoſten der.Gebäude zu erſparen, die der Aufbewahrung in oberirdiſchen mit Zink oder auf andere ähnliche Weiſe belegten und conſtruirten«Behält- niſſen. Alte Gebäude wit ſtarken Mauern ,- ſind hierzu brauch» bar. Jn. Ermanglung derſelben iſt aber. ein mit wenig Koſten inwendig von Luftziegeln erbautes, auswendig mit einer dünnen Verkleidung von gebrannten Ziegeln verſehenes viere>igtes Gez bäude, in welchem unten der Abzug, oben das ENG angebracht wird, ohne viele Koſten auszuführen und bedarf au wohl keiner Zinkbekleidung. Je größer die mit Zink zu bekleidenden Behältniſſe ſind, je geringer werden die Koſten pro Scheffel. Getreide durch den vers mehrten Cubitinhalt.' Zur Vergleichung folgt hier noch die Beſchreibung dex bey der Sangerhäuſer Kupfer» hütte angelegten Korngrube, Die Korngrube iſt nach beygehender Handzeichnung flaſhen2 förmig angelegt, im Lichten von dem Boden bis zum Halſe 12 Leipziger Ellen Soch- und 7 dergleichen Ellen weit. Sie iſt von unten herauf 9 Ellen hoch cylinderförmig aufgeführt, und läuft auf die übrigen 3 Ellen bogenförmig zuſammen, ſo daß das obere 3 Ellen hohe Stü> bis zum Halſe einen richtigen Kugelabſchnitt bildet. Ihr JInhbalt beträgt hiernach 4341 Leipziger Cubitellen, welche bey dem Füllen 1177 Sangerhäuſer= 1486,737 Berliner Scheffel Noggen faßten. Aufbewahrung des Getreides. (341) Da mat es nicht füglich wagen konnte, die Grube bloß in Lehm auszugraven und ſodann das Getreide, ohne dieſelbe vor» her auf irgend eine Art von dem Zudrange der Näſſe und atmo- ſphäriſchen Luft verwahrt zu haben, hineinzuſchüäten, ſo war man einige Zeit über das zum Verwahren der Grube anzuwen- dende Mittel unſchlüſſig, bis man endlich auf den Gedanken kam, dieſelbe mit den aus dortiger Rohſce geformten Bas ſteinen auszumauern, welche völlig tro>en und der Näſſe unzu2 gänglich, die Grube gänzlich ſichern mußten. Dieſe ſogenannten Schlac>enziegeln ſind" gewöhnlich 20 Zoll lang ,/ 9 Zoll breit und 9-12 Zoll ſtark und: werden beym Abziehen der flüſſigen Roh- ſe auf eine ſehr einfache Art in gußeiſernen Formen von den Feuerarbeitern während ihrer Arbeit mit angefertigt. Es wurde nun eirca 250 Schritte weſtlich von der Hütte, auf einem Terrain, was man von den Officianten wohnungen aus völlig Überſehen kann, in einem ziemlich mächtigen, auf blauem und weißem Letten ruhenden Lager von tro>nem Lehm erſt eine 14 Leipziger Ellen tiefe'und 8- Ellen weite cylinderför: mige Grube ausgegraben, und dieſe ſodann von unten herauf und auf dem Boden, mit oberwähnten Schla&enziegeln, welche ſv accurat als möglich geformt, und mit möglichſt bindigem Ghpsmörtel verbunden wurden, völlig cylinderförmig 9 Ellen hoch ausgemauert. Auf dieſen Cylinder ſeßte man unmittelbar das halbkugelförmige Schlußgewölbe aus ungeformten Rohſce), in deren Zwiſchenräume Gyps82 mörtel eingegoſſen wurde, welcher dadurch, daß er innig in die MEM del der ſehr poröſen Schla>e eindringt, ein ſehr fe- es und dauerhaftes Gewölbe dildet, und ließ endlich dieß Schlußgewölbe in einen 3 Fuß weiten und 4 Fuß hohen" Hals von gebrannten Bornſieinen gemauert auslaufen. Nachdem hierauf dieſe Grube circa 2mal 24 Stunden lang mit Holzkohlen tüchtig ausgeheizt worden(nach gemachter Er? fahrung ſind Holzkohlen zum Augheizen der Gruve, das. paſ» “ſendſte Material, und haben vor Reißtgbolz, Stroh und dergleiz neten und in jedem Betracht muſterhaften Sitio, in. welchen man ohne das geringſte Riſicd das Getreide einſchütten konnte. Die Grube wurde nun mit Eingangs erwähnten 1486 Ber- liner Scheffel Roggen bis unmittelbar an den Hals gefüllt, auf das Getreide völlig troFnes Langſtroh 3-4 Zoll hoch gelegt, darauf 2 Lagen Breter, wovon die Fugen der einen die der an» dern rechtwinklig durchſchneiden, übereinander gepaßt', dann der Hals mit einer Mauerſteinſchicht und Gypsmörtel unmittelbar über den Bretern völlig zugemauert, und derſelbe endlich bis pben an den Rand vollends mit Thon feſt ausgeſtampft. Endlich wurde noch zu mehrerer Vorſicht auf obiges Schluß- gewölbe eine 1 Elle hohe Schicht reiner Thon feſt aufgeſcoßen, 394 n Bau der Feldfrüchte, 12, Abſ Roggen(je nachdem er im Stroh länger oder kürzer iſt), 3 bis 4 Scho> Weizen oder Hafer, und 4-bis 5 Scho> Gerſte, oder in 9 Arbeitsſtunden mit Zugvieh ohne Wechſel 20 SchoF Winter: weizen, 30 Scho> Gerſte, 20 bis 25 SchoF Hafer, 396 Bau der Feldfrüchte. 12, Abſchn. December. (344) - Es iſt hier nicht von kleinen, ſondern von ſtarken, in Stroha bänder gebundenen Garben die Rede, Man macht ihr den Vor- wurf, daß ſie das Stroh verwirre, daß ſie zu complicirt durch bew zu vieles Räderwerk ſey, und daher zu viel Zugvieh, 6 Pferde pder 6 Ochſen bedürfe.| fie Nach einer neuern Vereinfachung durch ein großes Roßrad, wobey ſie aber nicht leicht zu trangportiren iſt, iſt ſie beträcht». län lich wohlfeiler herzuſiellen und exfordert nur 2 Pferde zur Be- M wegung. Auch wünſcht man an ihr die leicht anzubringende mel Verbeſſerung, daß Aehren- und Spreuſiebe angebracht würden, 4 Unter allen mir bekannten Dreſchmaſchinen gebührt dieſer nach yp den neuern Vereinfachungen unſtreitig der Vorzug, Einer Bes j4 ſchreibung und Abbildung dieſer. Maſchine müſſen wir uns um 4 ſo mehr enthalten, da dieſelbe mehrſeitig beſchrieben und abge» j. EN iſt, und wir hier der Maſchinenbaukunde nicht vorgreifen 0 ollen. Eine dritte Dreſchmaſchine iſt die Plänkiſche Dreſchmaſchi- de ne, welche in Tyrol und zum Theil in Bayern eingeführt ſeyn ſoll. 00 Dieſe Dreſchmaſchine beſteht aus einer großen Scheibe, auf; welche an langen Holzfedern ſich befindliche Pochſchlägel ſchlagen, fir die durch eine Daumenwelle gehoben werden. jw Mittelſt Vorrichtung können die Holzfedern ſtärker oder ſchwäs- t und he jeder„Theil deſſelben den Pochſchlägeln dargeboten wird, Dieſe W. aſchine iſt in ihrer Conſtruction ſo einfach, daß ſie jedex ac- h eurat arbeitende Zimmermann fertigen kann. Da ſie außer den br, Zapfen der Wellen nur aus Holz gefertiget iſt. ſo iſt ſie nicht theuer, und ſie bedarf zur Bewegung keiner großen Kraft. Das Ww; Stroh wird nicht verwirrt, ſondern bleibt ſo gleich, wie beym Handdreſchen, er Da ich“alle Jahre mit einer Menge Reiſender aus faſt allen R Theilen Deutſchlands in Berührung„komme, ſo habe ich mich nach dieſer Maſchine vielſeitig erkundiget,-aber keine genaue Bes nachrichtigung' über ihre Leiſtung erhalten.'?| Es giebt no< andere Dreſchmaſchinen, die zum Theil den w Zwe vollkommner, zum Theil unvolltommner erfüllen, künſtli- b, cher oder weniger künſtlich, und theuerer und woyblfeiler ſind. w Wir verweiſen in dieſer Beziebung auf die landwirthſchaftliche E Maſchinenbaufunde. Seit Ablöſung der Frohndienſte baben ſich,- n die Dreſchmaſchinen ziemlich verbreitet, und die Anſchaffung der- ſelben iſt wohl auch in jeder großen Wirthſchaft zu empfehlen, wo 6; es- bey der Herbſtſaat ſo häufig an erforderlichen Samen fehlt, g und wo hbäuftg Umſtände eintreten, die es wünſchenswerth ma»| hen, daß in kurzer Zeit eine beträchtliche Mengs Körner aus| ß dem Stroh gebracht werden, Unwor den mir bekannten Dreſch»|| maſchinen würde ich die Einberſonſche mit den neuern, zum„Theil. U/L eingeführten, zum Theil vorgeſchlagenen Verbeerungen wählen, 1" (345) „ Dreſchtenne. Man hat verſchiedene Arten von Tennen: Sheunentennen, bewegliche Tennen, welche hauptſächlich dort Statt finden, wo man Feimen hat, und Segeltuch- oder Feldtennen, auf welchen die Oelſaaten ausgeritten werden. Die Sheunentennen theilt man in Mittel- oder Seiten- längstennen und in Quertennen. Als Vortheile der Mittel: und Seitenlängsteunen führt man an, daß bey einer Scheune, wo mehrere Quertennen nöthig ſind, durch eine Längstenne Erſpar= niß an Thoren' erfolge, und daß auf eine dergleichen Tenne mehrere Wagen hintereinander auffahren könnten 3; wogegen An- dere bemerken, daß, wenn dem vorderſten Wagen etwas paſſire, was Aufenthalt verurſacht /-die nachfolgenden Wagen weder ein-, noch ausfahren könnten, In Sachſen, wo man hin und wieder Längstennen hatte, hat man dieſelben wieder aufgegeben, und bemerkt im Vergleich gegen die Quertennen folgende Nachtheile von ihnen: 1) Die Längstennen nehmen in der Scheune mehr Raum ein, als zu den Tennen nöthig iſt, und das Scheunengebäude erfordert ſtärkern Bau, weil weniger Verband Statt findet, als bey Ouertennen. 2) Sie erfordern vor der Scheune mehr Raum zum Einz js SIEGE: gls die Quertennen, der nicht immer vorhan» en ſey. 3) Die ſo höc ſondern auch die Diebereyen begünſtigt. 7) Wenn zu viel Leute beym Dreſchen auf einer Tenne an» geſtellt werden, ſo würde die Arbeit, ſelbſt bey Aufſicht, weni ger gefördert ,/ da dieſe Leute einen ſo großen Hang zu geſelli» ey Unterbaltung haben, und ſich dadurch gegenſeitig von der rbeit abhalten. 3 8) Zum Reinigen des Getreides durchs Wurfen ſeyen die Längstennen weniger tauglich, als die Quertennen, da ſie eis ven ſchlechtern Zug haben; und endlich Ausdreſchen und Reinigen des Getreides, 397 398 Bau der Feldfrüchte, 42, Abſ- nen ſollten, zu jeder Zeit feſter gegeneinander getrieben werden. Man bat auch geſpündete Holztennen, aber man hält ſie für weniger dauerhaft, weil ſic) die Spünde leicht abdreſchen. Woblfeiler würde die Tenne werden, wenn man die kegelfür»2 272-2522 NESSE SISSI A NS€ Ausdreſhen und Reinigen des Getreides, 399 (347) mig gearbeiteten Pfoſten quer über die Tenne durch die Banſen- wände hindurch legte, Die Lehmtennen ſind in Deutſchland am häufigſten und die wohlfeilſten. Sollen ſie den Zwe> erfüllen, daß es fich auf ihnen gut dreſchen läßt: ſo müſſen ſie aus gutem Lchm und mit beſonderer Aufmerkiamkeit gefertigt werden. Eine ſchlechte Lehmtenne verurſacht viel Schaden', und die Dreſcher vermögen es ungeachtet des beſten Willens nicht, rein zu dreſchen. Es iſt unverantwortlich, wie wenig Sorgfalt man in vielen Gegenz den auf die Lehmtennen verwendet. Ein gewöhnlicher Fehler bey Anlegung der Lehmtennen iſt der, daß die Lehmſchicht zu dünn aufgetragen wird. In den Schriften und Verhandlungen der ökonomiſchen Geſellſchaft im Königreich Sachſen Lief. 23. S. 110 und folgend, werden folgende Verfahrungsarten bey Fertigung der Lehmtenne angegeben: Das einfachſte Verfahren bey Anlegung der Lehmtenne iſt Folgendes: Man gräbt den Grund der Tenne 12 bis 18 Zoll tief aus(obwohl die Tennen auch nur 5 bis 6 Zoll ſtark ge- macht werden), und fährt in dieſe Grube guten Lehm, der nicht mit Steinen vermengt iſt. Dieſer Lebm wird bierauf ſtark be- goſſen und gehörig mit den Füßen durchgetreten, wobey alles Fremdartige heraus8geſchafft wird; das Begießen und Durchtre- fen wird mehrmals wiederholt, bierauf die Lehmſchicht in eine wagerechte Lage gebracht, und alsdann mit einem unten ganz platten Klotze, welcher einen Stiel hat, gleich und feſt geſchla- en. TroFnet der Lehm auf der Oberfläche früher als unten, fo wird er vor dem jedesmaligen Schlagen etwas angefeuchtet, und das Schlagen ſo lange fortgeſept, bis ſich keine Riſſe mehr im Lehm zeigen. Einige füllen den Grund, aber nicht ganz voll, mit tro>s nem Lehm aus, feuchten ihn an, ſchlagen ihn gleich und feſt, feuchten ihn dann wieder ſtark an, tragen ſchichtweiſe ganz klar geklopften oder geſiebten Lehm auf, feuchten jede Schicht an, ſchlagen ſie jedesmal feſt und gleich, und fahren damit fort, bis die Tenne fertig iſt, Andere machen einen Brey, der aus in Jauche aufgelöſtem Kuhmiſt, Nindsblut und fein geſiebtem Lehm beſteht, und über: ſtreichen die Tenne vor dem jedesmaligen Schlagen damit, woa durch ſie ſehr feſt wird. Noch Andere bringen, ehe die Tenne noc< ganz troFen geworden, Rindsblut, feinen Hammerſchlag, auch Schweinsborſten auf, und ſchlagen dieſe Gegenſtände mit ein. Auch bringt man klein geſchnittenes Stroh unter den Tenz nenlehm. Nindsblut und Hammerſchlag vermehren die Feſtig» keit der Tenne, und geben ihr eine längere Dauer. Auch iſt folgendes Verfahren gebräuchlich: Man läßt den Lehm zuerſt einige Wochen auf Haufen röſten, formt ihn dann in ungefähr 10 Zoll im Durchmeſſer haltende Ballen, ſetzt einen ſolchen Ballen an den andern, und ſchlägt hierauf auf gewöhnliche Weiſe die Ballen feſt und gleich. Tennen dieſer Art ſollen ſich vor andern durch Haltbarkeit auszeichnen, Eine Hauptbedingung bey Fertigung der Tenne iſt dieſe, daß der Lehm nicht zu ſchnell austro&net, - 400 Bau der Feldfrüchte, 42. Abſchn, December,. (348) Die Fertigung einer neuen Tenne koſtet 4 bis 6, auch noh ve mE Man empfiehlt es, die Tenne im Accord fertigen zu laſſen, Das längere Liegenlaſſen des Lehms in freyer Luft, und bee ſonders, wenn er etwas Mergel enthält, und deſſen öfteres Um» ME iſt ſehr nöthig, wenn man eine gute Tenne erhal» en will, Die beweglichen Dreſchtennen ſind hölzorne Dreſch» tennen, welche von,.leichtem Holze einen bedeckten Ueberbau ha ben, unter welchem das Dreſchen im Freyen bey jeder Witte» rung erfolgen kann, In dieſem Ueberbaue ſind Thüren und Sei» tenvſſnungen angebracht, um den zum Reinigen nöthigen Zug» wind bewerkſtelligen zu können. Dieſes Gebäude hat an den Schwellen auf jeder Seite 3 Räder, um es leicht von einem Orte zum andern bringen. zu können. Die beweglichen Dreſch tennen ſind hauptſächlich da anwendbar, wo Feimen und beſon» ders im freyen Felde Statt finden. Sie paſſen aber nur für ebene Gegenden, indem ſie in Gebirgsgegenden nicht gut fort» zubringen ſind, Die Felds oder Segeltuchtennen finden ſich nur in ON Gegenden, wo die Oelſaaten in großer Ausdehnung ges aut werden, und man dieſelben auf dem Felde auf. dieſen Se» geltuchtennen ausreitet, j) Wir geben hier die Beſchreibung, wie dieſe Operation Statt findet, nebſt der einer ſolchen Segeltuchtenne, wie ſie in-Käh- ler8 Handbuch für Landwirthe S,. 96. von dem Gute Brodau bey Neuſtadt in Holſtein vorhanden iſt, Gegen 9 Uhr am 18ten July 1806 führte mich der Gutsbe» ſihber auf das Napsfeld. J>t war, Ein großer Theil war geſchnitten und lag auf der Stoppel z ein anderer weit größerer Theil aber, der mit dex Senſe gemä» bet war, befand ſich in kleinen Haufen von 6 bis 7 Fuß Höhe, die man hier mit der Provinzialbenennung.= Diemen=- belegt. "Alles war in völliger Thätigkeit. Der Raps wurde zuſam» mengefahren, und durch Pferde gleich im Felde ausgedroſchen. Zum Zuſammenfahren bediente man ſim Schlitten mit 2 Pfer- den' beſpannt."Auf jedem Schlitten befand ſich eine Trage mit zwey in dey Mitte quer durchgehenden Hölzern, worüber ein Sea geltuch von 32 bis 36 Fuß im Quadrat ausgeſpannt war. Drey ſolcher Schlitten fuhren in einer Reihe; eine dieſer Neiben war bey dem auf dem Schwaden liegenden Naps beſchäftigt; vier Frauen verrichteten dabey das Aufladen,„Vermittelſt eines in dey rechten Hand haltenden Steckens von ungefähr 3 Fuß Länge boben ſie den Raps von der Stoppel auf, und indem die linke Hand auf ſelbigem. das Gleichgewicht hielt, konnte alles ohne die geringſte Gewalt auf das Segel gelegt werden. Fuhr ein beladener Schlitten davon, ſv war ſchon ein leerer wieder da, und alles blieb obne Unterbrechung im Gange. Jett kamen wir zu den Haufen oder Diemen. Auch hier war eine Neibe Schlitten zum Fortſchaffen aufgeſtellt, Das Auf« laden ging weit ſchneller, wie bey den Schwaden. Zwey Manns „perſonen Kanden bereit, wittelſt zwey ungefähr 8 bis 9 Fuß latt= Ausdreſhen und Reinigen des Getreides. 401 (349) ger ganz leichter Hebebäume, die Haufen, ſo wie ſie waren, auf die Segel zu bringen, Nichts ging geſchwinder, wie dieß. Der eine nahm die. Bäume, ſchob ſie an der Erde unter die Haufen, wo, der andere bereit ſtand, beide Enden ſofort anzufaſz ſen, und ſo lag der ganze Diemen auf dem Schlitten. Von hier gelangten wir zu den Dreſchtennen. Es waren zwey. derſelben in einiger Entfernung angebracht, Der Platz dazu war vorher von der Stoypel und den Stei- nen gereinigt und eben gemacht. Sie waren. viereckig, jede der: ſelben 48 Fuß lang, 36 Fuß breit und mit ſtarkem Segeltuch belegt. Die Seiten deſſelben waren einige Fuß in die Höhe ge- zogen, und an dazu eingeſchlagene Pfähle befeſtigt. An einer Seite war der Eingang, und konnte daſelbſt das Segel auf 6 bis 6 Fuß niedergelaſſen werden, “ Bey jeder Neihe Schlitten befanden ſich zwey Mannsperſo» nen zum Abladen. Es ging damit ebenfalls ſehr ſchnell; denn ſo wie ein Schlitten ankam, faßte einer vorn, der andere hinten an den Bäumen der Tragen, und ſv trugen ſie alles auf die Tenne, ſchütteten es an die Lage, und legten die Trage mit dem leeren Segel'wieder auif. den Schlitten. Auf dieſe Weiſe fuhr man fort, bis die Tenne ungefahr 6 Fuß hoch belegt war. Jebt wurde der Eingang niedergelaſſen, und 2 Knechte, wo- von jeder 3 Pferde führte, nitten hinein und auf den Naps. Sie führten die Pfexde 4 bis 5 Mal in der Runde. umher, und zV2 gen wieder herunter. Mehrere Männer mit Gabeln traten hin- zu, kehrten in der Geſchwindigkeit dieſen niedergetretenen Naps um, und ließen die Pferde wieder hinein. Nach einem“ aberma- ligen kurzen Umherführen war das Dreſchen verrichtet, und die Männer, welche es gekehrt hatten, fingen nunmehr an, das Stroh von der Tenne herunter zu bringen. Es ſchien mir nicht wahrſcheinlich, daß mit ſo leichter Ar- beit der Raps rein aus dem Stroh ſollte gekommen ſeyn; eine genaue Unterſuchung Überzeugte mich indeß davon, denn ich fand auch faſt kein Körne der Tenne. Hier war ein einige Fuß breites Bret, von ungefähr 3 oder 4 Fuß Länge, ſcmäßigen Vorrichtungen'und Geräthſchaften zum| Dreſchen das Herausbringen der Körner am beſten, ſo wie auch| das Stroh am wenigſten verwirrt wird, und der größte Theil deſſelben zu jedem Gebrauch tauglich bleibt. So lange Frohn- d dienſte exiſtiren werden, wird auch das Dreſchen mit der Hand- Statt finden, und ſelbſt in dem Falle, daß alle Frohndienſte" abgelöſt ſeyn ſollten, und die Dreſchmaſchinen ſo vervollfomms- ß net und vereinfacht würden, daß das Stroh gar nicht verwirrt N wird, und ſie ihrer Wohlfeilheit wegen ſelbſt in jeder kleinen' Wirthſchaft eingeführt werden könnten, wird dennoch das Hands 7 dreſchen nie gänzlich aufhören können, da ein großer Theil der beym der Landwirthſchaft nöthigen Arbeiter im Winter gar nicht an-| ders beſchäftigt werden können, als durch das Dreſchen.' Die Art und Weiſe, wie das Dreſchen verrichtet wird, iſt faſt überall dieſelbe, ſo wie man ſich überall derſelben Werkzeuge; dazu bedient; nur unterläßt man in manchen Gegenden dieſes" oder jenes Verfahren beym Dreſchen, und bringt auch dieſes vw vder jenes Werkzeug dabey und beym Reinigen nicht in Ans" wendung, wodurch das Dreſchen ünvollkommener verrichtet wird," | und viele Samen verloren gehen. (351) Werkzeuge, welche beym Dreſchen erforderlich ſind.' Zum Dreſchen ſind folgende Werkzeuge erforderlich: 1) Eine Leiter, um in die Fächer der Banſen kommen zu können. In manchen Scheunen trifft man feſt gemachte Leitern, die bis an die Spitze des Dachforſtes langen. In vielen Scheu- nen hat man gar keine Leitern, ſondern man bemübet ſich, wenn die Banſen voll ſind, an dem Holzwerk der Scheune in die Höhe zu kriechen, wodurch, wie ich aus eigner Erfahrung weiß, manches Unglück durch gefährlichen Fall erfolgt. 2) Da die Scheunenthore, weil ſie jeder Witterung Preis"ges geben ſind und ſich werfen, nie feſt genug zuſammen und an die Schwelle vor der Tenne anſchließen, ſondern vielmehr große Rite offen laſſen, durch welche beym Dreſchen viel Getreide durchſpringt, welches verloren iſt, und eine Beute der Vögel wird; ſo find an den Scheunenthoren gehörig hohe Aufſetebre: ter nöthig, damit keine Körner berausſpringen. 3) Es müſſen eine Anzahl Dreſchflegel auf jeder Tenne vorhanden ſeyn. Die Frohn: und Lobndreſcher müſſen zwar ihre eignen Dreſchflegel mitbringen; da es ſich aber häufig findet, daß die Arbeiter zu einer Arbeit beſtellt worden ſind, an deren Vollführung ſie gehindert werden, und dann zum Dreſchen an» geſtellt werden müſſen, ſo würden dieſelben zu viel Zeit verlauz= fen, wenn ſie erſt nach Hauſe gehen ſollten, um die Dreſchflegel zu' holen. Auch gebt häufig beym Dreſchen ein Dreſchflegel ent zwey 3 kann derſelbe nicht ſogleich durch einen andern erſetzt werden, ſo verſäumt der Arbeiter durch Reparatur viel Zeit, Der Dreſchflegel beſteht aus dem Flegel oder dem Klöppel, und der Handhabe, Der Flegel darf nicht zu leicht ſeyn, ſonſt drückt ſein Schläg nicht die Körner aus den Hülſen 3; die Schwere deſſelben von 4 Berliner Pfund hält man für die angemeſſenſte, und das Weißbuchenholz vom Stammende, oder. das Haſelnußz bolz iſt das beſte dazu; eichnes Holz ſpringt leicht. Runde Pegel ſind den viere>igen vorzuziehen z dieſe zerquetſchen die örner. Die Handhabe oder der Stiel muß ſich nach der Größe des Dreſchers richten; ſie muß ſo lang ſeyn, daß, wenn er ſie vor ſich ſtellt, ſie ihm bis ans Kinn reicht, Glattes Holz von Bir- ken'oder Weiß: und Rothbuchen iſt das beſte dazu. In einigen Gegenden iſt der Biegel am Stiel, an welchen der Flegel befe- ſligt iſt, von Eiſen, und feſt/ in andern Gegenden iſt er von Ho!z oder Leder und beweglich, ſo daß er ſich um den Stiel dreht. Lebztere Art iſt die vorzüglichſte. 4) Man braucht einige hölzerne Gabeln, um das abgedro- ſhene Stroh aufſchütteln zu können, damit keine Körner darin zurü&bleiben./ 5) Es ſind ferner mehrere Rechen erforderlich, theils ut das Krummſtroh und einzelne Halme aus dem Auggedroſchenen aus- rechen zu können, theils um die von den Halmen abgeſchlage- fen und im Ausgedroſchenen ſich befindlichen Aehren, welche noh immer viel Körner enthalten ,/ herauszuſchaffen, Zu erſte» rem Behuf haben die Rechen längere Zinken als gewöhnlich, ynd dieſe ſtehen etwas weiter augeinander. Zu letzterm Behuf Ausdreſchen und Reinigen des Getreides, 403 404 Bau der Feldfrüchte, 42, Abſchn.' December. (352) ſind die Zinken zwar auch länger als gewöhnlich, ſie müſſen aber dichter an einander ſtehen, um die Aehren gehörig faſſen zu können...' 6) Verſchiedene Beſen, theils zum Zuſammenkehren der Kör: ner, theils aber auch, um die Yehren und Halme von dem Aus- gedroſchenen abzukehren. Zu erſterem. Behuf wählt man gewöhn: liche Beſen mit ſtärkern Nuthen z zu lezterm Behuf aber Beſen, die mehr fächerartig und aus ſchwachern Nuthen gebunden ſind, In manchen Gegenden hat man auch anſtatt dieſer letztern Be- Fen, um die Halme und Aehren abzukehren, welches man das Abfledern oder Abfittichen nennt, Fleverwiſche, die an einen Stiel feſt gemacht find. Man wählt dazu Flederwiſche, die ſchon et: waszabgetehrt und ſchärfer ſind. 7) Es ſind ferner einige grobe, oder ſogenannte Aehrenſiebe erforderiich. Cs ſind nämlich unter dem Abgeflederten noch viele Körner, welche durchs Sicben abgeſondert werden, indem die Körner durchfallen, die Aehren aber im Siebe zurückbleiben. 8) Auch ſind eiſerne Gabeln mit gehörig langen Stiele erforderlich, um das Stroh wenn ſein Aufbewahrungsort hoch lſt, hinaufreichen zu können. 9) Man“ muß fexner einige Schaufeln haben, um das aus: gedroſchene Korn ZEA UN BAUFEN zu können. Dieſe Schau- feln ſind von Holz, und müſſen hinreichend lange Stiele haben, Übrigens aber leicht ſeyn.| 10) Auf jeder Tenne iſt ein Behältniß nöthig, wohin das Ausgedroſchene gebracht werden kann ,, damit es, wenn es ſich VU ſehr anbäuft, nicht im Dreſchen hinderlich iſt. Auch iſt es er Dieberey wegen nöthig. Es müſſen die Dreſcher nämlich das Auggedroſchene, ſobald ſie aufhören zu dreſchen und aus der Scheune geben, in dieſes Behältniß ſchieben und daſſelbe muß verſchloſſen werden, damit Mägde, Knechte, Pferdejungen und der Schäfer beym Holen des Strohes aus der Scheune nicht eine leichte Gelegenheit finden, von dem Ausgedroſchenen zu ſtehlen. Dieſe Behältniſſe ſind hölzerne Käſten, welche an ir- gend einem Orte der Tenne durch die Tennewand in den Ban* ſen hineingeben, und an der Seite der Tennewayd, eine gut ſchließende Thür haben müſſen, die zum Verſchließen iſt. Verfahren beym Dreſcung befindlichen Aehren auch genugſam berührt werden, um die Körner zu laſſen, und man muß darauf achten, daß mit dem SCG,[0 dicht an der Tennewand geſchlagen werde, als nur möglich. Iſt das angelegte Stroh genugſam auf einer Seite überdro- ſchen, ſo wird es gewendet. Die Dreſcher nehmen die Stiele dep Dreſchflegel, oder die Stiele der Rechen, ſte>et dieſe, in- dem ſie das Stroh gut untergreifen, gegen einander, ergreifen ſie, heben das, Stroh in die Höhe, kehren ſich damit um, ſo daß die Aehren gegen die Tennewand kommen, und wenden es nun um, ſo daß die Stoppelenden wieder gegen die Tennewand kom» men. Hierauf wird das umgewendete Stroh mit dem Rechen gleich gezogen, gut gegen die Tennewand angedrü&t, und es erfolgt nun wieder das Dreſchen auf obige Weiſe« Iſt die zu dreſchende Frucht ſehr zäh ,. ſo daß die Körner ſehr ſchwer aus- gehen, was beſonders beym Weizen oft, noch öfter aber beym Hafer der Fall iſt, ſo muß auch wohl noch einmal gewendet und überdroſchen werden.*' Iſt das Stroh abgedroſchen, ſo wird es mit der hölzernen Gabel gehörig aufgeſchüttelt, damit keine Körner zurückbleiben, und nun aufgebunden. Das Aufnehmen zum Aufbinden erfolgt mit den Händen, indem ganz dünne Lagen vor Lage weggenom- men, und dabey wiederholt aufgeſchüttelt wird. Die Lagen wers den gleichmäßig auf das Strohſeil gelegt, und hierauf das Strohgebund mit dem Knebel feſt gebunden, Es iſt nöthig, die Strohgebunde, wegen Vertheilung und Berechnung gleichmäßig groß zu machen, Zu große Gebunde taugen nichts, weil ſie ſchwer zu handhaben ſind und leicht aufgehen, zu kleine Ges bunde vermehren die Arbeit. Nachdem nun das Gleichſtroh auf» gebunden iſt, wird das Wirrſtroh, welches ſich auf dem Augge- droſchenen befindet, mit dem Rechen mit langen und weit aus- einander ſtehenden Zähnen in einen Winkel der Scheune zuſam mengerecht, gehörig ausgeſchüttelt, und mit zwey Strohſeilet übers Kreuz zuſammengebunden. Da die Aehren des Wirx»- ſtrohs noch mehr Körner enthalten, als die des gleichen oder Schüttſtrobs, auch viele abgeſchlagene Aehren, welche noch viele Körner enthalten, beym Zuſammenrechen mit unter daſſelbe fome- men: ſo iſt es viel nahrbafter, als das andere Stroh; es wird daher dem Viehe über die Nacht in die Raufen gelegt und tägs lich, fo länge das Dreſchen dauert, aus der„Scheune abgeholt. Das aufgebundene Schüttenſtroh wird ſofort in der Scheune an den Aufbewahrungsort gebracht, gewöhnlich über die Tenne, vder in einen Banſen, wo das Getreide bereits ausgedroſchen iſt, und dort gehörig aufgebanſet, Ausdreſchen und Reinigen des Getreides. (335) Sind nun ſämmtliche vorgeſchlagene Gärben abgedroſchen, ſo werden aus dem Auggedroſchenen die Aehren mit dem Re- ſicht nehmen: 1) Auf die Art der Früchte ſelbſt, ob ſie nämlich leichter eder ſchwerer auszudreſchen ſind, und ob ſie einmal mehr oder weniger Überdroſchen werden müſſen. Bey Winterfrüchten muß demnach etwas- mehr zugebilligt werden, als bey Sommexfrüch- ten, weil dieſe gewöhnlich einmal mehr gedroſchen werden müſ- ſen. Bezahlt man indeſſen an Korn, ſo giebt die Kornart ſchon das Verhältniß meiſtens von ſelbſt, weil der Regel nach die Sommerfrüchte geringer im Preiſe ſind, als die Winterfrüchte. Hall:| Es kann indeß auch der Fall ſeyn, daß ſie ungewöhnlic im dm Preiſe ſtehen, und dann muß man darauf bey der Beſtimmung nn tes wie viel Nü>ſicht nehmen, welches man geben will, z. B. ſchem| yb fie den dreyzehnten, vierzehnten u, ſ. w, Himten oder Schefs- dam| fel als Dreſcherlohn haben ſollen. ſchen 2) Man muß auf die Ergiebigkeit des Getreides ſelbſt Rück: „füm ficht nehmen. Sind nämlich die Aehren reich an voll ausgewach- tüm:| fenen Körnern, ſo geben ſie ſchneller die nämliche Menge Aus- n80)| druſch, als wenn ſie weniger voll ſind, und eine Menge un- dar:| vollfommene Körner haben. Man braucht alſo um ſo weniger ed):| an Korn für eine gewiſſe Quantität ausgedroſchener Stiegen oder tein| Mandeln, oder für eine gewiJe Quantität reinen Kornes zu ge- nte jF ben, Giebt 3. B. eine Stiege oder eine Mandel einen und ei- man" nen halben Himten oder Scheffel Ausdruſch, ſo kann der Him- ein:| ten- oder Scheſfeldreſcher bey mittelmäßigen Preiſen in dem ſech- lm| zehnten Theile des Augdruſches ſeine Belohnung finden, und „| je nachdem ſie weniger giebt, muß er den funfzehnten, vierzehn- 1 d6j| ten u. f. w., ja wohl gar den, zwölften Theil haben, wenn er dir:|| beſtehen und Luſt zur Arbeit behalten ſoll. Gewiſſes läßt ſich wih! hierüber nicht beſtimmen.| gut! 3) Man muß ferner die Preiſe des Getreides und| die Wahr- men ſcheinlichfeit des Steigens oder Fallens berüfichtigen, und aus mW dieſem, mit Berückſichtigung der oben angeführten 2 Puncte, ei? 02 1? nen Ueberſchlag machen, wie hoch man die Quantität des Lohn- pd||» Forns ſeen ſolle, damit der fleißige Dreſcher ein gutes Tage: 1890-11) John verdiene.;: pit 4) Endlich muß man auch erwägen, wie viel Stiegen oder (j Mandeln, oder welche Quantität gereinigten Getreides ein fleiz ßiger Dreſcher in einem Tage ausdreſchen und liefern könne. Hat man nun aber die Quantität des zu reichenden Lohn- detreides einmal beſtimmt, dann muß es dabey ſein Bewenden für das ganze oder halbe Jahr u. ſ. w. haben, und beide Theile müſſen den durch das Steigen oder Fallen der Preiſe entſtehen- 410 Bau der Feldfrüchte. 42, Abſchn. December. (338) den Schaden tragen. Da man jedoch ſelten Gelegenheit haben in wird, ſich an armen Tagelöhnern erholen zu können, wenn ſie der wegen nachmaligen z1 ſtärken Herabſinkens der Preiſe nicht weis Ea ter für das bedungene Lohnkorn arbeiten wollen, man ihnen hin«: gegen nicht wohl etwas abziehen kahn, wenn die Getreidepreiſe für ſteigen, ſo bleibt es immer am rathſamſten, ihnen für eine ge: wiſſe Anzahl ausgedroſchener Stiegen oder Mandeln, oder ges den lieferten Himten oder Scheffel reinen Korns ein Verhältnißmäsx fel: ßiges an Gelde zu verabreichen, wobey ſie zum Fleiß angeſpornt ſche werden, und*ihr Auskommen finden, Ueberliſtungen müſſen hier» du bey wegfallen, weil dieſe einem rechtlichen Manne nicht ziemen, dj und gegen arme Tagelöhner am allerwenigſten erlaubt ſind, bey Uedrigens müſſen auch die zuverläſſigſten Aufſeher beym hes Dreſchen von Zeit zu Zeit controlirt werden, weil es gar zu ſeht mancher!ey Mittel giebt, wodurch die Tagelöhner den Aufſehey| yt auf ihre Seite zu bringen wiſſen, 3. B. glatte Worte, Verhei- es ßungen heimlicher Gefälligkeiten, Zutrinken, Verſprechen eines ein Antbeils an dem Entwendeten u. dergl, mi Sieht man den Aufſeher mit den Arbeitern aus ihrer Flaſche ſchnapſen, oder von ihrem Brode miteſſen, dann kann man dreiſt|"a ſchließen, daß er von den Arbeitern beſtohen ſey. Ein armey| 7: Tagelöhner, der das Seinige ſelbſt ſehr nöthig hat, wird nichts| Ye umjonſt weggeben. Er wird ſich alſo entweder dadurc<, daß ex| Korn in den Taſchen, dem Freßbeutel, den Stiefeln, dem Hute be) oder in der Müße heimlich wegſchleppt, zu entſchädigen ſuchen z zu oder er wird, wenn er dieß nicht kann, Stroh irgendwo verſte&en Au und des Abends im Dunkeln abholen, oder ein Stü>chen Holz lid entwenden, oder ſonſt etwas mitnehmen, wodurch, wenn es oft Vf SEN DIEDE€ FUR hRINer Schaden für den Herrn erfolgt. Es kann od eßharb nie zu viel Aufſicht über die Lohndreſcher, ſo wie über die Frohndreſcher beym Weggehen gehalten werden, und man ay wird wohl thun, ihnen von Zeit zu Zeit unvermuthet die Freß- Ta beutel, Taſchen v. ſ., w. durchſuchen zu laſſen, um ſich gegen ſic Schaden zu ſichern. Dieberey iſt ein gewöhnlicher Erbfehler derung jeder Dieberey eine Prä» 9 mie ausſeven.] h Schirrmeiſtern oder Vögten, deren man in vielen Wirth: Y ſchaften hat, die bloß die Aufficht in den Scheunen führen, iſt Ausdreſhen und Reintgen des Gekreides, 411 (359) in dieſer Beziehung nie ganz zu trauen, da dieſe Leute ſelten M der Verſuchung widerſtehen, mit den Dreſchern gemeinichaftliche wie Sache zu machen, hin. Sn manchen Gegenden finden ſich auch Dreſcher, die, ohne veil für eine beſtimmte Anzahl abgedroſchener Stiegen oder Man- p) deln, oder ausgedroſchener Himten oder Scheffel bezahlt zu wer- 6 den, oder ohne einen Antheil an der ausgedroſchenen Schef- In fel- oder Himtenzahl zu bekommen, bloß im Tagelohn dre: AM ſchen. Selbſt Frohnarbeiter dreſchen Klee, oder andere dergleichen mi Früchte nur im Tagelohn. Hier iſt beſondere Aufſicht nöthig, fiers daß. die Arbeiter fleißig ſind; denn ein zu langes Verweilen m| beym Herunterwerfen aus den Banſen, Aufbreiten des Stro- bes, ſv wie bey den andern Dreſchergeſchäften, verurſachen ein bem ſehr bedeutendes Minderyerhältniß an Arbeit, und beſonders y zu hat man auf das Dreſchen ſelbſt genaue Achtung zu geben; denn ſeher es macht in Beziehung auf die Quantität des Abgedroſchenen 0 einen großen Unterſchied, in welcher Schnelligkeit die Schläge in mit dem Dreſchflegel fallen, Beym Dreſchen durch das Geſinde iſt ebenfalls ge. aſch! naue Aufſicht Über deren Thätigkeit, beſonders aber wegen des reif Reindreſchens und der Dieberey nöthig. Dreſchen Dienſtmägde, mer Pferde-, Ochſenjungen oder“Knechte, ſo laſſen ſie ſehr gern ſo his viel Körner im Stroh zurück, als nur-möglich, um ein um ſo ße beſſeres Futter für dos ihnen zur Fütterung Übergebene Vieh hutt zu"erhalten. Die Knechte und Pferdejungen entwenden von dem hen) Ausgedroſchenen ſehr gern ſo viel als wöglich, theils aus wirk- eden| licher Vorliebe für die Pferde, theils um dadurch von dem den hol) Pferden verabreichten Futter etwas unterſchlagen und verkaufen, ; 6| oder zu Verwandten und Bekannten wegſchleppen zu können. fan Man hat in dem Falle, daß man genöthigt iſt, Lobndreſcher über anzuſtellen, die Frage aufgeworfen: ob es zwe>mößiger ſey, im man Tagelohn vder im Verdinge dreſchen zu laſſen, und es haben pre“ ſich widerſprechende Meinungen, die zum Theil wohl“ auf brtli- egen Einſchnitt einen Dre: 1v0 ſcher rechnen, ſcheinen richtig zu rechnen; denn da ein freyer Lohn- die| dreſcher im Durchſchnitt der verſchiedenen Tageslänge täglich m| 409 Garben dreſchen kann, und die Dreſchzeit vom October an, auch gt| wobl ſchon von der Mitte Septembers, bis zum Ende des März, vt vder bis in die Mitte Apyrils, auch wohl noch länger dauert, "" und zu 100 Scho> a 40 Garben täglich, 150 Tage erforderli) 0 ſind; ſo inyolvirt dieſer Zeitraum ſelbſt in katholiſchen Ländern, "| wo mehrere Feiertage Statt finden, die erforderliche Quantität w 1. von Tagen. Es kommt freilich auf. die Größe der Garben an, he| die in den verſchiedenen Gegenden ſo ungleich ſind, daß mon us aus einer Garbe, wie ſie in einer Gegend gebunden wird, füg: . lich 3 bis 4 ſolcher Garben binden kann, wie ſie in andern Ge- '" genden gebunden werden. Wenn man annimmt, daß ein Dre: y ſcher in einem Tage 40 Gebund dreſchen ſoll, ſo müſſen die Gar- ' ben von der Größe ſeyn, daß deren Stroh, nachdem ſie ausge- 4 droſchen ſind, je nachdem es länger oder kürzer iſt, 6 bis 8 Pfund wiegt. 7 -.„Eine der gewöhnlichſten Klagen über Dreſcher iſt die, daß ſie 4: nicht gehörig rein dreſchen, ſondern viele Korner im Stroh laſ- n ſen, ſelbſt wenn man die unausgeſesteſte Aufſicht über ſie führt. ' Um ſich in dieſer Beziehung ſo viel als möglich ſicher zu ſtellen, e ſind unter der ſtrengſten Aufſicht vollführte Probedruſche der-verz [0 ſchiedenen Getreivearten, von Zeit zu Zeit nöthig, wobey ganz fe beſonders auf das Reindreſchen gehalten werden„muß. Man ; muß dieſe Probedruſche, wenn man ſicher gehen will, auf eine h größere, als geringere Anzahl Mandeln oder Stiegen anwenden, Nn“ weil man dann ein um ſo ſichereres Durchſchnittsverhältniß er: 0'f hält, Die bey einem ſolchen Probedruſch ausgedroſchenen Körz i< ner ſind yum die Norm, wongen des Kornes dienen. Jn manchen Gegenden hat man Wurfſchaufeln mit kurzen Stielen, ſowohl zum Wurfen, als auch zum Einſa- >en; allein die mit einem längern, etwa 3 Fuß langen Stiele ſind beſſer, weil mit ſolchen das Wurfen in dünnen auggebrei= teten Maſſen und auf eine größere Entfernung geſchehen kann, und das Einſa>en, oder vielmehr Auffüllen des Getreides ins Maaß ſchneller und bequemer erfolgen kann, 2) Einige Flederwiſche, um von den aufgewurften Haufen die Aebren, Strobhalme und zum Theil die Spren abzukehretn, wozu man fich auch in manchen Gegenden der Beſen mit dün- Ausdreſchen und Reknigen des Getreides. 415 ;(383) Etiv nen Ruthen bedient, mit welchen aber dieſe Arbeit weniger voll: zu ſtändig und ſchnell erfolgt, als mit den Flederwiſchen. Dre: 3) Auf jeder Tenne müſſen eine oder zwey Getreidefegen vor- t das banden ſeyn, über welche das ausgedroſchene Getreide gelaſſen ten| wird, um den noch in demſelben befindlichen Staub, Spreu und „at: kleine Sämereyen bherauszuſchaffen. Dieie Getreidefegen ſind von teteß der Art, daß aus einem vollgefüllten Kaſten, der ſtets nachgefüht feine wird, die Samen" ſtärker oder dünner, wie man es för nöthig dieſe!| findet, über ein erfsrderlich dichtes Drahtſieb gelaſſen werden. Vep Dieſe Fege iſt durch' unterzuſezende Breter ſo zu ſtellen, daß das Getreide, je nachdem es mehr oder weniger abzuſondernde (roh. Theile enthält, in einer weniger ſteilen Richtung und langſamer, 1. die oder in einer ſteilern Richtung ſchneller herunter läuft. 960 In einigen Gegenden iſt es gebräuchlich das Getreide erſt men dann zu reinigen, wenn eine binlängliche Quantität avsgedroſchen vur<| worden iſt; in andern Gegenden dagegen iſt es üblich, das täg» inen lich Gedroſchene zu reinigen, Letzteres verurſacht zwar mebr Ars daſ: beit, allein es wird dabey der Dieberey mehr vorgebeugt z da nach! aber der Wind nicht alle Tage gleich günſtig zum Wurfen iſt, ) Ges ſo erfolgt auch eine unvollkommnere Reinigung. liner Die erſte Operation beym Reinigen des Getreides iſt die, iſſen daß das Ausgedroſchene auf der ganzen Tenne ausgebreitet, über und mit dem Rechen zum Abrechen der Aehren wiederholt über- recht wird, damit die Aehren und kurzen Halme möglichſt her- nigt|. ausfommen. Hinter dem Abrechen der Aehren wird mit dem dem| fächerartigen Beſen mit dünnen Ruthen abgekehrt, oder mit dem dieſe 1 Flederwiſch abgefledert,. Art Hierdurch wird dem nachherigen Reinigen ſebr vorgearbeitet, trafe Man verrichtet dieſe Arbeit bey geöffneten Schenunenihoren, odex ines wenn der Wind ſehr ſtark webet, bey nur zum Theil geifineten. ſchet Die hierbey ſo wie in der Folge abgerechten und abgeflederten neh Aehren werden auf einen beſondern Haufen gebracht„und ent- zu weder ſofort überdroſchen, oder bis zum nächſten Dreſ>en ge: wih laſſen, Viele laſſen dieſe abgerechten und abgeflederten Aehren tet unter die Ueberkehr thun, die dann allerdings ein um ſo rahr= pe hafteres Futter iſt; aber es gehen dadurch viele Körner verloren, j und bey den werthvollern Getreidearten iſt dieſe Ucberkehr ein on ſehr koſtbares Futter./ Hierauf wird das Augsgedroſchene auf einen Haufen geſchau- felt und die ganze Tenne ſorgfältig abgekebrt. Bevor man den for Haufen macht, unterſucht man erſt genau, von welcher Seite die Luft auf die Tenne weht, indem der Haufen, von welchem ves das Werfen oder Wurfen, auch Worfeln erfolgt, dahin gebracht pes werden muß, wo beym Werfen der Luftzug entgegen ſteht. 1% Das Werfen. nn. Man wählt zum Werfen des Ausgedroſchenen am liebſten vm einen heiiern, nicht zu windigen Tag z da man jedoch die Wit- terung nicht beſtimmen kann“, ſo kann man es auch bey trüben, regnigten oder ſchneeiaten Tagen mit der nöthigen Vor"cht vorneb- men. Tn letterem Falle muß man einen arößern Naum zum at Werfen beſtimmen, und den Wurfhaufen dabin bringen, damit ay man den Werfer nicht der Thüre zu nabe zu ſtellen braucht, und das am weiteſten fliegende Korn nicht zu nahe an die Thür 416 Bau der Feldfrüchte. 42. Abſchn. December. (364) fliegen und der Gefahr, von'hereingejagtem Negen oder Schnee benäßt zu werden, nicht ausgeſetbt werde. Um den erforderlichen Zugwind zu erhalten, müſſen die Sceunenthore bald ganz, bald nur halb, bald dieſe, bald jene Seite des Thores gebſſnet werden. Wenn auch der Wind nicht geradezu auf die Thore ſteht, ſo vermag man do<, durch ein gehöriges Auffangen denſelben in gewünſchter Maaße zuzuleiten. Bey ſtarkem Sturme bleiben die Scheunenthore ganz geſchloſ- ſen, weil es deſſen ungeachiet nicht an dem erforderlichen Luft- zuge fehlt. An den zuſammengebrahten Haufen des Ausgedroſchenen ſtellt ſich nun der Werfer mit der Wurfſchaufel gegen den Wind, und zwar ſo, daß er jede Schaufel voll, in einem Halbzirkel Über die ganze Breite der Tenne nach dem Scheunenthore zu, werfen kann; weil es ſic) deſto mehr zertheilt, und unter ein- ander, und von Trespe und dem Kaff yder der Spreu abſon» dert, je größer der Bogen iſt, in welchem es herumgeworfen wird. Man hat daher beym Werfen ganz beſonders auf deſſen richtige Stellung zu achten. Das Werfen erfordert eine genaue Uebung, und man wählt Dazu die geübteſten Leute. Iſt viel zu Worfen, ſo werden auch wohl zwey Werfer an einem Haufen angeſtellt. Der eine Wer- fer muß dann im, Werfen von der rechten zur linken Seite, der andere im Werfen von der linken zur rechten Seite beſonders geübt ſeyn. Beym Werfen ſelbſt iſt zu beobachten, daß es mit erforder- licher Kraft und in einem hohen Bogen geſchehe, damit der Zug der Luft die Spreu und den Staub ziviſchen dem Korne bey dem Herabfallen deſto beſſer herousjagen kann und das ſchwerſte Korn deſto weiter fliege; Iſt nun ſo viel Korn ge- worfen, daß es dort, wv das meiſte niederfällt, etwa einen mäßigen Finger di> liegt, dann muß abgefletert werden, wel- k gebundenen Flederwiſch erfol3zt. Es müſſen hier= zu beſondere Leute bereit ſeyn; denn während des Abflederns hat der Werfer zu thun, den Haufen zuſammenzuſchaufeln und zum leichtern Aufraffen mit der Schaufel in Ordnung zu brin= gen. Der.Zwe> des Abflederns iſt, die noch im Korn ſich be- findlichen Aehren und Aehrenſpizen, ſo wie die Halmendchen und andern Unrath ab- und auf. die Seite zu kehren, damit das Korn davon rein ſey. Es gehört bierzu Uebung, damit das Abfledern“ ſo leiſe als möglich erfolgt, weil im entgegen» geſebten Fall viele ſchwere Körner von dem Vorderwurf in den Hinterwurf gekehrt werden, Das Abfledern muß allemal ſo er- folgen, daß es vom Vorderwurf noc< dem Hinterwurf geſchieht, damit die abgeflederten Aehren auf die Spreu kommen. Singzd viele Aehren,- Aehrenſpizen und Halmendchmäßigerz denn je weniger Staub und Spreu das auf den. Schüttboden gebrachte Getreide enthält, um ſo beſſer iſt es in Beziehung auf deſſen gute Aufbewahrung. Und einen immer nicht unbe- trächtlichen Theil von Staub und feiner Spreu, welche die Feuchtigkeit leicht anzieht und feſthält, enrhält das Getreide, welches nicht über die Windfege gelaſſen worden iſt, immer noc<, wenn man auch bey der anderweitigen Reinigung noch ſo aufmerkſam geweſen iſt, Man hat die Windfegen in neueren Zeiten vervollkommnet, und nod) Drahtſiebe zugefügt, und man verrichtet in manchen Gegenden die Neinigung des Auggedroſchenen ſo gänzlich da- mit, daß es) nicht einmal gewurfe. wird. Man nennt daher dergleichen Neinigungsmaſchinen auc<- Wurfmaſchinen. Jch ges ſiebe es, daß auch die vollkommenſten dergleichen Maſchinen, die ich geſehen habe, noch nicht ſo vollkommen ſind, daß ſie das Werfen des Auggedroſchenen, was ja üÜberdieß keine ſo außerordentliche Mühe verurſacht ,/* entbehrlich machten; ic) be- trachte ſie bloß in der Beziebung ais ſehr nüßlich, daß das Ausgedroſchene, wenn der Wind beym Wurfen nicht ganz gün: ſtig geweſen iſt, dadurch ſchnell und leicht von Spreu und Un» rath gereinigt wird. Abmeſſen des Ausgedroſchenen in der Scheune, Transport auf den Schüttboden und Erthei«- lung des Dreſcherlohns. Wenn das Ausgedroſchene völlig gereinigt iſt und man nicht Gelegenheit hat, es ſogleich für den Markt, zu. Brod oder zu Deputat zu ſacken: ſo iſt es nöthig, daſſelbe zum Auflagern auf pes 7 25GAREN abzumeſſen und auf den Schüttboden bringen zu laſſen. Die Frohndreſcher müſſen gewöhnlich zum Transport auf den Schüttboden ihre eignen Sä>e mitbringen, die ſie auch ſhon zum Wegſchaffen des Dreſcherantheils nöthig baben, und in dieſe wird das Auegedroſchene eingeſa>t. Beſſer iſt es, man giebt vom Schüttboden die nöthigen eignen Sä>e zum Einſax ten, weil durch Zurülaſſen an Getreide in Säen beym Aus- | ſchütten kein Verluſt erfolgen kann, indem die eignen auf dem Schüttboden gelaſſenen Säcke ſorgfältig ausgeſchüttet werden | können. Beym Meſſen iſt Folgendes zu beobachten: Es darf von | dem Aufſeher, beſonders wenn derſelbe auch die Aufſicht über | den Schüttboden bat, in keinem Fall ein Kamm auf dem Maaße | gelaſſen werden, ſondern es muß glatt geſtrigen werden. Das Laſſen eines Kammes führt zu keinem andern Zwe, als Ueberx- maaß auf dem Schüttboden zu erhalten, welches dann verun- treut wird,) Ä Auf einem gehörig verwalteten Schüttboden muß ſtets Mi- nus, aber nie Pius ſeyn, Ueber das Minus hat man gewiſſe 420 Bau der Feldfrüchte,“ 42, Abſchn. December, (368) Beſtimmungen, die zur Norm angenommen werden, die Be: ſtimmungen gehen aber yon der Vorausſepung aus, daß in der Scheune glatt geſtrichen worden iſt, Das Stehenlaſſen eines Käammes auf dem Maaße führt nie zu einer richtigen Beſtim- mung'der Getreidequantität, da der Kamm nicht immer gleich: mäßig gemacht wird, und dieß bey einer großen Anzahl von Scheffeln bedeutend mehr oder weniger betrögt, Beſonders iſt das Laſſen eines Kammes in dem Fall durchaus zu unterlaſſen, wenn den Dreſchern ihr Lohn in einem Antheile des Ausgedro- ſchenen ertheilt wird.„Da die Kämme nimmer gleichmäßig ge- macht werden können, ſo iſt man dann genötbigt, den Dre- ſchern, um ihnen nicht Unrecht zu thun, einen größern Kamm zu laſſen, als man für ſich läßt, und dieſer größere Kamm kann bey einer großen Scheffelanzahl ſehr viel betragen. Das Glatt- ſtreichen muß mit einem gehörig gleichen Streichholze erfoigenz es iſt dabey darauf zu ſehen, daß es nicht zu haſtig geſchieht, weil ſonſt viele Körner aus dem Maaße geriſen werden, und ſich auf der Fläche des Abgeſtrichenen Höhlungen bilden, die ein Mindermaaß verurſachen, Gerſte, Hafer u. drg!. werden nicht abgeſtrichen, weil dabey zu viel Körner mit herausgeriſſen wer- den, ſondern glatt geſägt, indem das Streichholz etwas ſchräg gehalten wird, und mit einer ſägenden Bewegung langſam über das Maaß gefahren wird.) Es iſt, in Beziehung auf richtige Schüttbodenrechnung von Wichtigkeit, daß das Getreide ſo viel wie nur möglich gereinigt auf den Schüttboden gebracht wird; denn weniger vollkommen gereinigtes Getreide giebt auf dem Schüttboden, wo es- noch nachträglich'gereinigt werden muß, immer mehr Minus, als gehörig gereinigtes. Die Spreu des friſch gedroſchenen Getreides bauſcht auch im Maaße mehr, als wenn das Getreide längere Zeit auf dem Schüttboden gelegen hat, wo die Spreu mehr eingetrocknet iſt, Es iſt daher, um dem Aufſeher über den Schüttboden nicht Unrecht zu thun, bey der Beſtimmung des Bodenraums ſehr auf die übliche Reinigungsart des Ausgedroſchenen in der Scheune Rückſicht zu nehmen, wonach ſich das Minus bald mehr, bald weniger belaufen wird. Wo das Ausgedroſchene täglich gerei- nigt wird, iſt das Neinigen weniger vollſtändig, als wo der Druſch mehrerer Tage gereinigt wird, weil im letzteren Fall ein günſtigerer Wind wahrgenommen werden kann, indem es nichts ausmacht, ob das Reinigen auf einen Tag länger verſchoben wird. Beym Ausſchütten des Maaßes in den Sa> iſt beſonders in dem Fall, daß die Dreſcher einen Antheil des Ausgedroſche- nen bekommen, ſehr darauf zu achten, daß ſie nichts verſchüt- ten, was ſie ſehr gern thun, weil dann um ſo mehr aufgemeſ- ſen wird, und ſie um ſo mehr Dreſcherantheil bekommen. Auch in dieſer Beziehung iſt es. gut, wenn man zum Einſa>en die eignen Säcke hat, welche weit genug ſind, um das Maaß ge- hörig umſpannen zu können z; denn die Dreſcher ſind pfiffig ge nug, wenn ſie die eignen Sä>e mitbringen müſſen, dazu: ſo ſchmale Säcke ,' als nur möglich, mitzubringen, wo dann Ver- ſchütten unvermeidlich iſt. (369) Beym Transport auf den Schüttboden darf man die Dreſcher nie aus der Acht laſſen, weil ſie ſonſt leicht an eis nem heimlichen Orte Etwas aus dem Sade laufen laſſen, was ſie des Abends im Dunkeln holen, und wodurc) großer Verluſt ventſtehen kann. Aud) auf dem Schüttboden iſt beym Yusſchüt- ten ein Aufſeher nöthig, weil die, Dreſcher ſonſt das Getreide ſv ays dem Sake ſchütten, daß ſich ihre Stiefeln ganz vollfül» len, und ſie in den E>en des Sackes ſo viel Körner zuſammen- Xnaufen, als ſie nur mit den Händen faſſen können, und dieſe in demſelben zurückbehalten, welcher daraus erfolgende Verluſt ins Große gehen kann, Am beſten iſt es daher, wenn die Dres ſcher ihre eignen Säcke mitbringen müſſen, daß der Aufſeher das Ausſchütten des Sac>es ſelbſt beſorgt, was zwar einigen Aufenthalt verurſacht, aber von den Dreſchern nicht gehindert werden kann, Bey naſſem Wetter, wo der Weg nach dem Schüttboden Xothig iſt, oder wenn viel ſich leicht anhängender Schnee liegt, ſo iſt darauf zu achten, daß ſich die Dreſcher ihr Schuhwerk ſorgfältig reinigen, weil ſonſt viele Körner vertreten werden. Bey Ertheilung des Dreſcherlohns iſt Folgendes zu beobachten: Man ertbeilt den Dreſcherlohn nicht eher, als bis der der Herrſchaft gebührende Theil an Scheffeln eingeſackt iſt, Hierauf mißt man den den Dreſchern gebührenden Theil ab, und läßt ihn auf einen beſonbern, von dem Meßbaufen genug» ſam entfernten Theil der Tenne ſchütten. Man giebt den Dreſcherantheil, ſo lange er ſich nach Scheffein, Vierteln und Meten berechnen läßt, und vermerkt den andern Antheil bis zum nächſten Reinigen. Die Ertheilung des Dreſcherlohns in kleinerem Maaße, als in Meten ,. iſt allemal din Nachtheil für die, Herrſchaft, weil man den Dreſchern mehr geben muß, als ihnen zukommt; da kleinere Maaße beym Getreidemeſſen nicht üblich, die halben Meten' gewöhnlich zu groß ſind, und man es bey ungleichen Zahlen nicht ſv genau nehmen kann, daß man den Dreſchern nicht lieber etwas zu- viel, als zu wenig geben ſollte, was für dis Länge der Dauer viel ausmacht. Sind Kleinigkeiten des Gebroſchenen übrig, welche ſich nicht über das Metenmaoß meſſen laſſen: ſo hebt man dieſelben in einem Be- hältniſſe bis zum nächſten Meſſen'auf, und ſchüttet ſie dann zum allgemeinen Meßhaufen. Es iſt in dieſer Hinſicht große Genauigkeit nöthig, weil ein einmaliges Nachgeben bey den Drea ſchern ſchon ein Necht für folgende Fälle begründet, im Nicht- gewährungsfalle Unzufriedenheit verurſacht, und die hingegebe= EED ten Kleinigkeiten in der ganzen Summe-viel aus- machen. Wenn den Dreſchern ihr Antheil eingemeſſen wird, ſo muß man darauf achten, daß ſie das Maaß nicht mit den Schaufeln oder /mit dem Fuße erſchüttern, auch nicht kleinere Schaufeln voll nehmen, als wetn für die Herrſchaft gemeſſen wird, weil dadurch beträchtlich mehr Getreide ins Maaß gebracht wird. Man mag nun Frohn- oder Lohndreſcher haben, ſo wird es immer beſtimmt, oder es iſt beſtimmt, von welcher Getreideſorte beym Abnehmen das Dreſcherlohn ertheilt wird. Wo die Be: ſtimmung Statt findet, wie es von der Garbe kommt, bält: mon ſich genau ans Wort, und macht aus dem ganzen gewurften XII. 24 / Ausdreſchen des Getreides u, Ertheilung d. Dreſcherlohns, 424 422 Bau der Feldfrüchke, 12. Abſt ſind, daß eine andere Auslegung nicht gemacht- werden kann, und dieſe genaue Beſtimmung des Urbariums lange „+ übertreten worden iſt, wo man ſich dann nur auf das Ur- arium zu berufen hat, denn die Frohndreſcher find prozeßſüchs tig, und zeigen ſich auch'in jeder andern Beziehung für eine Verkürzung, wenn ſie auch nicht Recht haben, und dieß ſogar wiſſen, böswillig; und der daraus entſpringende Nachtheil iſt „dann gewöhnlich ſehr bedeutend. I< habe immer fürs Beſte gefunden, den Dreſchern unter folgenden Bedingungen ihren Antheil an Dreſcherlohn vom Vor» derwurfe zu geben: SS» DI I) 1) Man macht ſie verbindlich, die möglichſte Sorgfalt beym Reinigen des Getreides anzuwenden, und den Hinterwurf ſo weit und[o oft man es beſtimmt, abzunehmen und wiederholt zu wurfen.. 2) Man verpflichtet ſie, ſoviel Sorten abzunehmen, als mant es für nötbig erachtet. Beym Samengetreide, wo nur der ganz vorderſte Wurf oder Vorſprung abgenommen wird, einigt man ſich mit ihnen, daß der Dreſcherantheil halb von dieſem, halb aber vom zweyten Wurfe, wenn 3 Würfe abgenommen werden, ertheilt wird.--! 4;| 3) Man greift den Aftrich ſo weit als nur immer möglich, ſo daß der größte Theil der ſchlechten Körner der Frucht mit unter denſelben komme, damit für dieſe ſchlechten Förner nicht der Dreſcherantbeil mit. guten bezahlt werde, Man hält dann über den Aftrich genaue Rechnung, und bringt ihn unter Bere ſchluß, weil ſich nach deſſen Reinigung immer noch eine nicht unbeträchtliche Anzahl Körner finden werden, die noch zu etwas Beſſerm, als zu Hühnerfutter, benutt werden können. . Dieſe Bedingungen werden die Dreſcher, da ſie ihren Vor- theil dabey ſehen, eingeben, und für die Herrſchaft erwächſt dar- aus der Vortheil, das Getreide ſchon in der Scheune genau ſor: tirt und gereinigt zu erhalten, was von nicht unbedeutendem Belange iſt. Zugleich erhält.man aber auch dadurch die Arbei- ter gutwillig, und kann bey vorkommenden Fällen auf ſie, rech- nen, wodurch der etwaige Schaden, der durch die Verabreichung Ausdreſchen des Getreides. Scheunenrehnung, (371) des Dreſcherantheils vom Vörderwurf für. die Herrſchaft ents ſtehen ſollte, oft wieder hinlänglich erſeßt wird. Scheunenrehnung, Schetnenkerbe, Es iſt von Wichtigkeit, eine genaue Rechnung über die Vors räthe in der Scheune, und Über den erlangten Augsdruſch zu füh- ren. Dieſe Rechnung iſt nicht nur deßhalb nothig, um über die Scheune eine genaue Controle führen zu können, ſondern auch aus dem Grunde, um, wenn es nöthig iſt, ſofort eine Ueberſicht der in der Scheune vorbandenen Vorräthe erlangen zu können. Vor Allem iſt es erforderlich, ſich ein genaues Dreſchjvurnal anzulegen, im welchem nach jedesmaligem Reinigen des Getreis des die ausgedroſchene Scheffelzahl, ſo wie die der abgedroſche» nen Mandel- oder Stiegenzahl, eingetragen wird, und zwar von jeder Fruchtart beſonders. Das Dreſchjournal wird alle Monate abgeſchloſſen. Da in der Getreiderechnung die geerndtete Anzahl von Scho: &>en eingetragen iſt, ſo werden die ausgedroſchenen Schoc>ke aus dem Dreſchjournal in der Getreiderehnung alle Monate in Abs zug gebracht, und man hat dann eine genaue monatliche Ueber- ſicht der in der Scheune vorhandenen Vorräthe. Wenn man nun weiß, wieviel Gebunde Stroh, aus einem Scho> Garben-aufgebuniden werden, ſo hat man zu jeder Zeit einen Ueberſchlag, wieviel-man noch an Stroh hät, und kann hiernach ſeine Eintheilung treffen. Auch vermag man ſtets zu beſtimmen, wieviel man no< Körner zu erwarten hat, da man von den ausgedroſchenen Schoen den Durchſchnitt nimmt, wies viel jedes Scho an Scheffeln.u. ſ. w, gegeben habe, und da= nach mit ziemlicher Beſtimmtheit den Körnervorrath in den noch vorhandenen Scho>en angeben kann, Die Scheunenrechnung iſt um ſo nöthiger, weil man daraus erſehen kann. ob aus der Scheune Garben, und wie viel geſtohlen worden, und man, wenn es Statt findet, die hiergegen erforderlichen Vorſichtsmaßregeln ergreifen kann. Da jedoch durch das Aufgehen der Garben beym Einbanſen ein Minus entſteht, indem, wenn das Aufgegangene im Banſen wieder zuſammengebunden wird, dis im.Banſen zu: ſammen gebundenen Garben eine größere Anzahl Halme-enthalten, als die auf dem'Felde gebundenen Garben, wenn ſie auh von gleicher Größe ſind, da die Halme»in Banſen mehr zuſämmen= gepreßt ſind; da es übrigens au äuf 100 Scho> Garben. Fehlt mehr, ſo iſt mit Beſtimmtheit auf Scheunendiebſtahl zu ſchließen. Ein Plus kann in der Scheune nicht entſtehen, es müßte denn ein Irrthum bey dem Ankerben der Mandeln oder Stiegen auf dem Felde Statt gefunden haben., oder die Dreſcher müßten weniger, als ihr Penſum gedroſchen und angegeben haben: Eine genau geführte Scheunenrechnung giebt über Vorrätbe und Nichtigkeit des Dreſchens eine genage Ueberſicht, und wenn 24 4 424 Bau der Feldfrüchte. 42. Abſchn."December, (372) die Untergebenen dieß wiſſen„ſo kann man ſicher ſeyn /“' daß ſie ſich vor jeder Entwendung. und Minderarbeit um ſo mehr in Acht nehmen, Die Belege der Scheunenrece angekerbt ſind, müſſen“der Aufſeher in der Erndte, welcher auch) das Ankerben beſorgt, und"die Mandel- oder Stiegenſeter verantwortlich gemacht werden, und man' muß/'von denſelben über die Richtigkeit des Angekerbtent und die Nichtigkeir bey Zählutig der Gebunde in Mandeln oder Stiegen einen Eid verlangen können. Es iſt ihnen dieß vor dem Beginnen der Erndte unbedingt anzudeuten, Ueber den Ausdruſch in der Scheune müſſen. Aus- druſchkerbe“ geführt werden. Dieſelben beſtehen aus zwey an einander paſſenden“Theilen von" weichem Holze. Den einen Theil hat der Aufſeher über das Dreſchgeſchäft,. den andern hot der Vorſteher jeder Dreſchgeſeliſchaft, dieſe möge nun aus Frohn- vder Lohndreſchern beſtehen! Auf dieſen Kerben wird die Ge- treideart, welche gedroſchen wird, ſo wie die Dreſchgeſellſchaft, welche dieſe driſcht; bemerkt. Auf der einen Seite ſind die Scho>e, auf der andern Seite die Scheffel“ bemerkt, welche ausgedroſchen' werden. Der Vor- ſteher der Dreſchgeſellſchaft bringt täglich/ oder ſo oft gereinigt wird, die ihm übergebene Hälfte des Kerbes mit, und es wer- den täglich, oder ſo oft gereinigt wird, die abgedroſchenen Mans deln oder Stiegen auf den, dem Aufſeher über das Dreſchen anvertrauten, mit dem, dem Vorſteher gegebenen, und mit dies ſem zuſammengelegten ganzen Kerbe, angekerbt. Wird das Ge- treide gereinigt, ſo werden auf der Scheffelſeite die aufgehobenen Scheffel u. ſ. w. angekerbt.: Der Aufſeher über das Dreſchen, und der. Vorſteher jeder Dreſchgeſellſchäft'müſſen auf Verlangen ihre Kerbe vorzeigen, und die zuſammengelegten Kerbe müſſen in Hinſicht des Angekerbten genau zuſammentreffen. Auch muß man ſie veryflichten, die Nichtigkeit des Angekerbten zu vereiden. Das Ankerben geſchieht folgendermaßen: Auf. der Seite der SchoFe werden 3 Mandeln in gleichen Einſchnitten von beiden Seiten ſo, daß eine Höhlung erfolgt,'angekerbt; die 4te' Man= del', als Zeichen des Scho>es wird über die 3 gleich angeſchnit- tenen, querüber in oben bemerkter Maaße angeſchnitten. Die Scheffel werden ebenfalls durch einen Einſchnitt an zwey Seiten einzeln in geraden Strichen angekerbt. Derjenige Schefſel, wels &ner Witterung» die viel leichter dreſchen, als bey feuchter Witterung, Die verſchies jq m denen Früchte laſſen ſich leichter oder ſchwerer dreſchen. Man ſo| läßt daher diejenigen Früchte ,, welche ſich leichter dreſchen laſz ſich ſen, bey feuchter Witterung dreſchen, und verſpart die ſich In ſchwerer dreſchen laſſenden, bis Froſt oder trocknes Wetter" eintritt, Nei 2) Bis Weihnachten frißt alles Vieh gieriger und ungewählter, ſind als nach Weihnachten, weßhaib man denn auch bis zu dieſem Epyt Termin diejenigen Früchte, welche weniger futterreiches Stroh, Gel Spreu und Ueperkehr, die ſich guch nicht lange als taugliches Futter erhalten, ausdreſchen laſſen muß, Nach Weihnachten wird das Vieb gewablter und bedarf auch, weil es dann ges wöhnlich ſäugt, nahrhafteren Futterſtrobs; und es werden dann diejenigen Früchte gedroſchen, welche nahrhafteres Stroh, Ueber- ſchr kehr und Spreu MD, mer Wird das Dreſchen durch eine ſehr reichliche Erndte lange wa binaus verſchoben: ſo läßt man den Roggen bis zulebt, weil bey: deſſen Stroh ſich am längſten hält, durchs ganze Jahr hindurch lech ebraucht wird und zum Strohvorrath von einem Jahr ins an» tes exe gewählt wird,? daß Es iſt mehrſeitig die Frage aufgeſtellt worden, wie oft das| wir au8gedro' dem Dreſchen hinderlich wird, In jedem Falle thut man aber wohl, das Ausgedroſnens auf dem Felde eine Art von Röſtung erhalten hat, läßt ſich einigermaßen ungeröſtet be- arbeiten; aber es wird ſehr viel Abgang, und beſonders die En- den der Stängel gegen die Samenknoten, welche den feinſten Flachs enthalten, gehen gänzlich verloren. Der gebrechte Flachs iſt ſelbſt nac) dem Schwingen und Hecheln immer grobfaſerig, ſpröde und läßt ſich ſchwer ſpinnen. Wird er zu ſcharf in Fa- den gedrehet, ſo ſpringen viele Faſern, und das Garn wird wes FIRE FP IE eee *) Man vergleiche hiermit, was bereits Bd, 5, S, 625 U+ f. über dieſen Ge? genſtand vorgetragen worden» 428 Bau der Feldfrüchte.- 42, Abſ leicht, ohne daß ſie ir- gendwo noch ſtark anbängen, abſchälen kann„- wenn das Waſſer ſich braun färbt und Blaſen aus demſelben aufſtoßen. Dann muß man mit dem Herausbringen. des Flachſes„eilen und denſelben ſo bald als möglich abtro&nen, weil er im feuchten Zuſtande fort» röſtet und. dann überröſtet. Die Röſte iſt bey warmer Witterung in kürzerer Zeit, bey kalter in längerer Zeit vollendet. Die Wahr» nehmung des Zeitpunctes des Heraugnehmens des Flachſes muß ſehr genau beobachtet werden, weil bey warmer Witterung ein nur wenige Stunden längeres Liegenlaſſen des Flachſes im Waſſer eine Veberröſtung verurſacht. Viele nehmen den Flachs deßhalb ſchon früher heraus und laſſen ihn au der Luft ausgebreitet nachrößen, 430 Bau der Feldfrüchte, 12, Abſchn. Decemver, (378) Zum Ausbreiten des Flachſes muß man einen beraſeten Plaß wählen und den Flachs nicht eher einbringen, als bis er gehörig abgetro&net iſt. Iſt die Witterung beym Herausnehmen feucht, ſo daß ein Fortröſten des Flachſes erfolgt, ſo kommt das Bes ſtängelungsholz ſehr zu Statten, aus) welchem man leicht ein Gerüſte mochen kann, an welches der Flachs angelehnt wird, wo durch die freye Berührung mit der Luſt von allen Seiten ein weiter Röſten verhindert wird, und der Flachs ohne Gefahr, bis er gehörig abgetro>net iſt, verbleiben kann, Da das Röſten in Flußwaſſer, weil/ es daſſelbe ungeſund macht und den Tod der Fiſche verurſacht, verboten iſt, ſo muß man es in ſtehendem Waſſer vornehmen. Hierbey hat man zu beachten, daß das Waſſer nicht ſchlammig ſey, weil ſonſt: der Flachs nicht wegzubringende Mobderfle>e bekommt, Je weicher das Waſſer iſt, um ſo beſſer iſt es zum Röſten, CEiſenhaltiges Waſſer macht den Flachs flekig. Am beſten iſt Negenwaſſer. Man fängt zu dieſem Ende das Regenwaſſer in Gruben, die mit Thon ausgeſchlagen ſind, auf. Hat man keine andere Ges legenheit zum Röſten, als Flußwaſſer, ſo macht man neben dem Fluße eine Grube, in w“ he man das Waſſer leitet. Jſt das Waſſer hart, ſo läßt man es vor dem Einlegen des Flachſes ge- börig abſtehen. Hat es fremde Theile, die dem Flachſe nach» theilig ſind, ſo ſtreut man vor dem Einlegen des Flachſes Sand in die Grube, welcher die abgeſetzten Theile überde&t und auch das Waſſer reinigt. Eine ſolche Grube wird mit Thon gefüt» tert, mehr breit und lang und nicht tief gemacht, weil die Tem» peratur des Waſſers in der Tiefe. kühler bleibt und der untere Theil des Flächſes längere Zeit zum Röſten braucht, Die ge: hörige Tiefe iſt drey Elien. Beym Einlegen hat man jede Bes rührung des Flachſes mit Erde zu verhindern, weßhalb man den Flachs auf eine ausgebreitete Strohſchicht legt und mit derſel» ben unterſinken läßt, und denſelben- auch an den Seiten mit Stroh umgiebt, Die einzulegenden Gebunde dürfen nicht feſt gebunden ſeyn 3; und um das Röſten zu erleichtern, haut man die Wurzelenden'ab. Man legt die Gebunde Schicht auf Schicht, ſo-daß ſie kreuzweiſe auf einander liegen. Oben über den Flachs werden einige Breter mit Steinen beſchwert gelegt, welche den Flachs unter dem Waſſer erhalten, aber ja nicht ſehr zufammen» drücken, Jſt der Flachs unegal, di> und ſtarkſtängelig, mehr vder weniger gezeitiget, ſo entſpringt daraus der Nachtheil, daß der Flachs unegal röſtetz der dünnhalmige und mehr gezeitigte braucht eine kürzere, der di>halmige und weniger gezeitigte eine längere Zeit zur Vollendung der Röſte, Jener iſt bereits über: röſtet, ehe dieſer noch ſo geröſtet iſt, daß er gehörig bearbeitet werden kann. Es iſt.deßhalb dos bereits früher empfohlene Sor» tiren des Flachſes vor dem Röſten durchaus nothwendig. Wenn man die obern Schichten der Flachsgebunde beraugsnimmt, ſo muß man die untern, da ſie in der Röſte noch zurück ſind, einige eit länger im Waſſer laſſen. Man vermeide es, den Flachs in Waſ- er zu röſten, in weichem bereits einmal Flachs geröſtet worden iſt. Wäſſerungsröſte odeyirländiſche Methode. Die irländiſche Wäſſerungsmethode beſteht darin, daß man den Flachs in einen Bottich oder in eine mit einem Abfluß ver» wil 6 AE SA a 2 Bam EFZE. ZE Sies--r.-.z= (379) ſehene-Grube legt und darüber Waſſer läßt, ſo daß der ſämmt« liche Fla&mäßig ſeyn kann, indem das Gums mi weniger durc die Gährung, als bloß durch Auflöſung im Waſſer entfernt wird, und' mithin keine Ueberröſtung erfolgen Fann, Durch die öftere Erneuerung des Waſſers, wodurch alle färbende Theile“ weggeführt werden, können die Flächsfaſern nicht gefärbt werten, und müſſen ſich mithin beſſer bleichen laſſen. T>< habe mir engliſche Leinewand zu verſchäffen geſucht, wo der Flachs nach dieſer Methode gewäſſert worden war. Dieſe Leinewand faſerte ſehr leicht ab, hatte dennoch im Ganzen ets- was Sprödes, riß leicht, und brach auch zugleich leicht, wurde bey öfterem Waſchen immer unſcheinlicher und hielt nicht ſo lange aus, als deutſche Leinewand. Unverkennbar war in das Garn viel Baumwolle mit eingeſponnen, und die Flachsfaſern batten die Sprödigkeit eines nicht volkomnien geröſteten Flachſes. Thauröſte, Bey der Thauröſte erfolgt zwar auch eine Gährung, die» felbe wird aber durch die abwechſelnde, feuchte und tro>ne Wit» terung ſo oft unterbrochen, daß der Flachs bis zur Vollendung der Röſte eine viel längere Zeit braucht, Die langſamere Auflöſung des Gummis, das zum Theil an der Luft verwittert, iſt der Flachsfaſer angemeſſener, als die ſchnellere bey der Waſſerröſte, Der Flachs wird bey der Thaus röſte nicht nur feiner und haltbarer, ſondern er läßt ſich auch leichter bleichen.! Auch iſt bey der Thauröſte die Gefahr des Ues berröſtens weniger vorhanden, obwohl ſie bey tro&ner Witte: rung zu langſam von Statten geht, und der Flachs nicht recht röſten will, wo man durch Begiegen des Flachſes nachhelfen muß. Zur Thauröſte gehört ein gut bewachſener Raſenplatz, auf welchem vorher alle Excremente der Thiere weggeſchafft ſeyn müſſen. Abgemähte Wie'ten, die gleich und nicht rothbruchig oder moorig ſind, eignen ſich zur„Thauröſte am beſten. In Er- mangelung eines erforderlichen Raſenplates oder der Wieſen muß man das Nöſten auf der Stoppel vornehmen. I< verfuhr hierbey folgendermaßen. Von der Noggenſtops pel, wo der Roggen zeitig abgehauen war, ſuchte ich einen Platz aus, wo ſich dichter Naſen zeigte. Gleich nach der Aberndtung des Noggens wurde das Land geegt, ſo daß die Roggenſtoppeln ausgeeggt wurden. Die ausgeeggten Noggenſtoppzin wurden leicht abgerecers geebnet wurden, ſo. daß der Flachs gleich und nirgends auf kahtem Boden zu liegen kain, wodurch das leichte Faulen deſſelben und Werrwirrxen durch den Wind bey hohler Lage vermieden muürde."Der«unter dem. Flachs ſtatk bes grünte Boden entſchädigte"das Vieh" hinlänglich für die ihm un- mittelbar nach der Erndte entzogene Stoppelhutung,. t Der Flachs„wird, bey der Thauröſte gleichmäßig. dünn quUs- einander gebreitet. Jd) ließ ihn. vor dem Augbreitet,„tbeils um ſeine Röſte zu beſchleunigen, theils um ihn um ſo»-ſchwerer zu machen, ſo daß er ſich gleichmäßig an die Maſenüharbe auſchmiegte, uind dadurch yoim Winde weniger getroffen nicht verwirrt würde, vorher ſtark mit. Waſſer befeuchten. Da der. Flachs auf der uns tern. Seite ſchmnellex, als„auf der obern röſtet. ſo. muß- man ihn, wenn er ſich auf der untern-“Seite der Vollendung der Röſte Hähert, wenden, ſo daß nunmehr die zeitherige obere„Seite. nach Unten komme. Dieſes Wenden muß bey windſtillem Wetter vorz, Genommen werden z es erfolgt, indem der auf. dem Raſen hohl liegende Flachs an den Enden, wo die Köpfe" waren, mit, eia nem Rechenſtiel" untergriffen. und guf den Wurzelenden umgez wendet wird.! Man muß bey dieſer Arbeit ſorgfältig verfahren, daß der Flachs wieder in eine gleichmäßige Lage komme und wo er et was' verwirrt ift, mit der Händ nachhelfen. Am„beſten iſt es, das Wenden unmittelbar vor einem Regen vorzunehmen. Das Kennzeichen. der vollendeten Röſie„iſt. wie» bey, der. ,Waſſerröſte das leichte Brechen der“ Holtheile und leichte Abſchälen. der„Fa ſexn..„Bey feuchter und warmer Witterung iſt die Nöſie ſchnels ker vollendet, als bey trockner und fühler.„Wenn der Flachs die Röſte vollendet hat, ſo wendet man ihn..noch einmal und läßt ihn abtroFnen, Hierauf wird er nicht mit dem Nechen zua ſammengerecht, wie es gewöhnlich geſchieht ,. ſondern.mit den Händen gleichmäßig. zuſammengerafft und in Gebunde gebunden. Die Thauröſte verurſacht allerdings mehr Arbeit, als die Waſſerz röſte, aber der Flachs- wird beſſer; und man iſt der Gefahr des Ueberröſtens, weniger ausgeſett, Zeitpunct des Röſtens. Es iſt bereits früher erwähnt worden, daß es ſchr zwe>mä- ßig iſt, wenn man den Flachs nicht alsbald nach dem Rüffeln röſtet, ſondern vorher no eine Zeit lang liegen läßt, wodurch, die ihm inwohnende Feuchtigkeit, welche der Flachsſtängel von Natur hat, ausſchwitzt und ſich verflüchtigt, wodurch der Flachs beym Röſten um ſo weniger gefärbt wird, und weil ſich der feine Pflanzenleimſtoff in den Faſern mehr conſolidirt, dieſe durch das Röſten weniger angegriffen werden, und eine größere Feſtig= eit, mehr Glanz und Kern behalten. .„Je länger der Flachs vor dem Röſten liegt, um ſo beſſer wird erz und kann wan ihn bis zum nächſten Frübjahr liegen Bereitung des Flachſes zu Spinnmaterial, (331) laſſen, um ſo beſſer iſt es. Man pa>t ihn an einen Ort, wo der Staub nicht zu ſehr hindringt, auf einen Haufen und Übers deckt ihn mit Stroh.- Sehr zwe>mäßig iſt es, wenn man den Flachs, ehe'man ihn zuſammeripa vorher pocht, ſo daß die Stängel breit geſchlagen und aufgeriſſen: werden..Man hat zu dieſem Ende beſondere durch Waſſer getriebene Pohmühlen. Ich habe es auf folgende Weiſe verrichten laſſen, Der Flachs wurde auf der Scheunentenne, nicht zu hoch, gleichmäßig ausgebreitet. Auf dem auezgedreiteten Flachs wurde zuerſt an den Wurzel- enden ein 3 Elle breites Bret gelegt. Auf dieſes Bret. trat der Pocher, ſo daß der Flachs feſt angedrückt wurde. Das Pochen wurde mit einem verhältaißmäßig ſchweren Klote, welcher un- ten breite und nicht zu ſehr hervoxſtebende Riefen hatte, an wel- t, ohne jedoch" dadurch ihre Steifheit verloren: zu haben. Der ſpi- bere Theil des Flachſes, wo die Samenknoten waren, wurde am ſtärkſten gepocht. Hatte der Pocher den ausgebreiteten Flachs der Länge nach herunter gepocht, ſo wurde das Bret nun über den bereits gepochten Flachs gelegt und„derſelbe nun auch an den Wurzelenden gepocht. Durch dieſes Pochen wird das Aus- ſchwitzen der Feuchtigkeit des Flachſes befördert, die Röſte er- leichtert und zugleich auch der nachherigen Bearbeitung ſehr vor- gearbeitet. Die Arbeit ſelbſt geht ſchnell von Statten und ver- mehrt die Arbeit bey der Flachsbereitung gar nicht, indem man ſich die nachherige Bearbeitung dadurch erleichtert. Das Nöoſten im Frühjahr iſt nächſtdem, daß ſich der Flachs durch das Liegen bis dahin verbeſſert, auch an und für ſich weit beſſer, als das im Herbſt. Bey der Thauröſte kann man im Frühjahr die Wieſen ſehr gut zum Ausbreiten des Flachſes ver- wenden; und wenn es nicht zu ſpät erfolgt, ſo bindert der aus- gebreitete Flachs den Graswuchs gar nicht, es befördert ihn viel» mehr, indem die Flachsde>e den Boden feucht erhält und das Gras, nachdem der Fiachs weggenommen worden, um ſo üppi- ger wächſt. Auch habe ich bemerkt, daß ſich unter dem Flachſe das Moos verliert. Die regelmäßigere Witterung im Frühjahr, als im Spätherbſt, und die mehr trocknende Luft, macht ein Ueberröſten des Flachſes weniger möglich, und der geröſtete Flachs kann um ſo trockner aufgebunden werden. Im Spät- herbſt dagegen, wo die Luft ſtets feucht und die Witterung ſehr Ungewiß iſt, muß man nicht ſelten den Flachs überröſten laſſen, bevor er gehörig abgetronet iſt.“ In nangelung von Wieſen oder Gragpläten habe ich im Frühjahr den Flachs auf der Kleez ſtoppel geröſtet, und derjenige Klee, wo der Flachs gelegen batte, zeigte einen Üppigern Wüchs', als' der andere. Der im Frühjahr geröſtete Flachs iſt weit weniger gefärbt, als der im Herbſt gerö- ftete Flächs, weit ihn die ſtarke Einwirkung der Früblingsſonne ge: wiſſermaßen bleicht, und er vollendet auch die Bleiche ſchneller. Bey. ver Waſſerröſte iſt man im Frühjaor weniger um das zum Röſten" nöthige Waſſer verlegen, als im Herbſt, wo die ſtehenden Waſſer'ohne Zufluß meiſtens vertro>net ſind, und auch die Flüſſe den niedrigſten Waſſerſtand baben. Auch wird durch das Nöſten im Frühjahr das Peberröſten ſicherer verhindert, als im Spätherbſt. 434 Bau der Feldfrüchte. 142. Abſchn, December. (382) Beſondere Nöſteverſuche, Um das Röſten im Waſſer zu beſchleunigen, um es aber auch zugleich noch dann vorvehmen zu können, wenn das Waſ«- ſer bereits ſo kalt iſt, daß es mit dem Röſten im Waſſer nicht mehr geht, machte ich folgende Verſuche. -"I< ließ faules Fleiſch ins Waſſer thun, um es mit Fäulz niß zu inficiren, und hierauf den Flachs in dieſes faule Waſ- ſer lezen, damit er ſobald als möglich in die faule Gährung Überginge- Er war in 10 Stunden geröſtet, der Flachs ließ ſich gut bearbeiten, und das geſponnene Garn war haltbar und ließ ſich gut bleichen.; Zum zweyten Verſuch wählte ich Baumlaub von Obſtbäu- men, welches ich vorher ſo viel als möglich in Fäulniß überge= ben ließ, und inficirte das Waſſer mit dieſem, Der Flachs war nach 20 Stunden geröſtet, ließ ſich gut bre nen des aus der Grube ge- nommenen Flachſes, unt das Weiterröſten und Ueberröſten zu verhindern, gute Witterung haben wird z allein dieſem Bereitung des Flachſes zu Spinnmatertal. .(333) Umſtand kanu ſehr leicht dadurch vorgebeugt werden, daß man die Nöſtgrube in der.Nähe des Gehöftes, und nur ſo groß anlegt, als man in ſeinen Gebäuden Plat hat, die in die Grube eingelegte Quantität, wenn es der Witierung wegen nothwendig iſt, unter Dach abtro>nen zu können. Da man Übrigens an den Orten, wo Flachsbau Statt fina det, gewöhnlich zur Flachsbearbeitung ein beſonderes Brechs aue hat, ſo wäre es zwe&mäßig, die Röſtgrube bey dems= elben anzulegen, und daſſelbe auch als Trockenſchuppen des aus, der Grube genommenen Flachſes zu benutzen, oder ei» nen Tro&Fenſchuppen damit zu verbinden, was ohne große Koſten leicht geſchehen könnte. Man könnte dann vie ſämmts2 liche Flachsarbeit unter der genaueſten Aufſicht,:eine unmits telbar hinter der andern folgend, vornebmen, indem durch dieſe Schnellröſtungsmethode, wenn man au< die Grube nur auf eine kleine Quantität Flachs einrichtete, immer ſo viel geröſtet werden könnte, als man nach ſeinen disponi2 En Arbeitskräften zur nachfolgenden Bearbeitung wüthig ätte, 4) Ich glaube, daß man bey dieſer Methode jedes Waſſer zum Röſten ohne Nachtheil anwenden kann. Sollte dieß jedoch nicht Statt finden, ſo könnte man einen mit Thon ausges- ſchlagenen Waſſerbehälter. anlegen, worin ſich Regenwaſſer ſammelte, woran es im Spätherbſt nicht fehlen dürfte. Kennzeichen eines gut geröſteten Flachſes, Ein gut geröſteter Flachs muß die Eigenſchaft haben, daß ſich die Faſern überall gut und gleichmäßig von den Holzthei- len trennen laſſen. Wenn man ein Drittel oder die Hälfte der bes am untern Ende des Flachsſtängels ergreift, ſo muß ich dieſelbe im Ganzen, ſo daß die Faſern an einander bleiben, bis zum obern Theile des Stängels abſchälen laſſen. Die Fax ſern müſſen beym Zerreißen viel Kraftanſtrengung erfordern. Löſet ſich die Faſermaſſe nur theilweiſe vom Flachsſtängel, und ſibt noch ſo"feſt an dem holzigen Kern, daß ſie reißt, ſo iſt der Flachs nicht vollkommen geröſtet. Schält ſich dagegen die Fa- ſermaſſe zu leicht ab, und die einzelnen Faſern fabren augein: AUDEEN Seife mitunter auch wohl entzwey, ſo iſt der Flachs Überröſtet. In Hinſicht der Farbe der Faſern, hat der vollkommett ge- röſtete Flachs, nach ſeiner verſchiedenen Beſchaffenheit, ein ver- ſchiedenes Anſehn. Derjenige Flachs, deſſen Samen mehr ge- reift ſind, bekommt nach, der vollkommenen Röſte ein ſilbergraues Anſehn, der von der Thauröſte ein helleres, der von der Waſz ſerröſte ein dunkleres. Der gelbe und braune Flachs ſind über- röſtet, Der vor-vollendeter Samenreife geraufte Flachs be: kommt nach der vollkommenen Röſte ein weißgelblich, mattz graues Anſehen, der von' der Thauröſte ein helleres, der von der Waſſerröſte ein etwas dunkleres- Nähert ſich dieſer Flachs dem dunklen Silbergrau, ſo iſt er zu viel geröſtet, und iſt er dunkelgrau, ſo iſt er ganz Überröſtet. Die Faſern des vollkom. men geröſteten Flachſes müſſen ein glänzendes Anſehen haben. ve EE HR Flachs hat ein mattes, nur wenig, glänzendes njehen, 435 436 Bau der Feldfrüchte. 142, Abſchn. December, G84) Bearbeitung des Flachſes bis zum Hecheln, Das Abſondern der Flachsfaſern von den Holztheilen, wel- nen des Flachſes befindlich iſt. Hier wird. nun der Flachs. bey einer ſehr großen Hite gedörrt, hierauf gebrochen, und wenn er ſich von den Annen nicht gebörig reinigen läßt, ſo wird der bereits gebros net werden ſoll, ohne ihm dadurch Nachtheil zuzufügen, vertragen kann, darf nicht 49 Grad Neaumur überſteigen. Jede größere Hitze wirkt nachtheis lig. auf die Faſern. Betrachtet man dagegen die Hiße, wie ſie in den Bac&öfen, wenn dos Brod herausgenommen iſt, Statt fins det, ſo wird man finden, daß ſie gewöhnlich 80 Grad ÖF 00 In den Darröfen der Brechhäuſer wird man die Hitze oft über 400 Grad finden. Iſt man genöthigt, den Flachs im Winter zu bearbeiten, ſo muß man Sorge tragen, daß er bey einer mäßiz» gen Wärme zuerſt ſeine Feuchtigkeit verdunſtet, und man maß zu dieſem Ende den ſich entwi>elnden Dämpfen einen freyen Abzug gewähren. Dann kann man die Hiße bis auf 40 Grad vermehs xen, und der Flachs läßt ſich dann nicht nur ganz gut brechen, ſondern man wird auf dieſe Weiſe den Faſern aucner Witte- xung und heiterm Sonnenſchein, zu verſchieben. Dieß iſt dem Flachſe ſelbſt nicht nur zuträglicher, ſondern die Sonnenwärme iſt auch hinlänglich, den Flachs ſo zu tronen, ohne daß er den geringſten Schaden leidet, daß er ſich gut bearbeiten läßt. Was Man dadurch an Feuerungsmaterial erſpart, und an Güte des . Slachſes gewinut, iſt nicht unbeträchtlich in Anſchlag zu brin- ; gen.- Man nimmt den den Winter hindurch in Haufen zuſam- ; Mengepa>t geweſenen Flachs augeinander, und überläßt ihn ei: ;: Nige Toge in den Gebunden der Einwirkung der freyen Luft. Man iockert den in den Gebunden ſic< zuſamwengebaliten Flachs „etwas auf, und legt die Gebunde ſo. hin, daß ſie mit den Wur» zelenden gegen den Wind kommen. Des Abends muß man ſie an einen tro>nen Ort bringen, damit ſie vom Thau nicht feucht werden. Hierauf lehnt man den Flachs an eine Mauer, oder am. beſten an beſondere Gerüſte, die gegen die Sonne gerichs tet ſind, ganz dünn auggebreitet an, und ſorgt nur dafür, daß der Flachs mit den Wurzelenden, auf die er geſtellt wird, nicht die Erde berühre, weil der Flachs dadurch, indem das Erdreich immer einige Feuchtigkeit enthält, unten zähe bleibt. Zu dieſem Ende iſt die Unterlage eines Bretes nvthig,- Man wendet den ! Flachs einmal, und kann ihn dann in den Nachmittagsſtunden brechen. Icnete. Gleichziehen des Flachſes. Da der Flachs, auch bey der ſorgfältigſten Behandlung auf dem Felde, bey der Röſte, beym Trocknen und bey dem Hin- und Herſchaffen, mit ſeinen Stängeln immer untereinander ver» wirrt liegr, wodurch bey der nachherigen Bearbeitung eine Ver- filzung der Flachsfaſern unvermeidlich iſt; da man ferner in je- dem Flachsgebunde mehr oder weniger geknickte Stängel findet, welche ſich um andere ſchlingen, welche ebenfalls das Verwirren XII. 25 EI LIES ZEERANE UF: 437 438 Bau der Feldfrüchte, 12, Abſchn, December. (336) und Verfilzen der Faſern verurſachen, ſo iſt es nöthig, den Flachs vor ſeiner Trennung von den Holzfaſern gleich zu ziehen. T Man. zieht, um dieß zu bewirken, den Flachs handvotlweiſe über einen eiſernen oder hölzernen Kamm, deſſen Zähne nicht zu weitläuftig ſtehen, rund und oben etwas ſpiß ſind, wodurch alle nicht gleich liegende Stängel. Dieſe Stän» gel können entweder gleich gelegt, oder wenn dieß zu viel Ar- beit verurſacht, geradezu als Werg verarbeitet werden. 1 Mehvere Verſuche mit anſcheinend ganz gleichem Flachſe ha» ben gezeigt, daß dergleichen geknikte und verwirrte Stängel weit mehr vorhanden ſind, als man glauben ſollte, aber auch zugleich bewährt, daß der Abgang an Werg, wenn ſie bleiben, noch viel beträchtlicher iſt, indem ſie auch die Faſern der geraden Stängel verwirren, und ſie in den Filz, den ſie bilden, mit bereinziehen. Das BoFen oder Pochen des Flächſes,. Wenn der Flachs nicht vor dem Röſten gepocht worden iſt, ſo bot maa ihn vor dem Brechen, um das Brechen dadurch zu erleichtern. Man hat dazu beſondere. Maſchinen. Eine der ges wöhniichſten beſteht aus zwey übereinander ſich befindlichen Wal- zen, welche weitiäufige und ſtarke Riefen baben, und ſich auf eiſernen Zapfen, die an den Enden angebracht ſind, drehen.„Au ver untern Walze iſt auf der einen Seite der Zapfen. ſo verlän» gert, daß ant demſelben zwey Arme angebracht ſind, vermittelſt welcher dieſelbe gedreht. werden kann. Der Flachs wird hande- vollweiſe zwiſchen dieſe beiden Walzen gehalten, und durch die Umdrehung der Walzen geknickt.: Damit der Flachs beym Durchgange durch die Walzen auf der andern Seite nicht auf die Erde fällt, iſt an dieſer Seite, in der Höhe, wo die Walzen zuſammen eingreifen, ein Bret angebracht, welches ſich etwas ſchräg nach der Erde neigt, auf welchem ſich der Flachs bey dem Durchgange durch die Walzen hinſchiebt, und nachdem er ganz durchgegangen, weggenom men wird, Eine andere Bokmaſchine beſteht aus weitläufig gerieften ſchweren Klötßern, welche auf eine geriefte Unterlage fallen, noh dem ſie durch eine Daumenwelle gehoben werden. Eine andey Art zu Boden iſt ganz einfach, indem der Flachs handvollweiſ auf die Tenne gelegt, das Ende deſſelben mit dem auftretendey Fuße feſtgehalten, und vermittelſt eines gerieften Pochklotes, welcher mit einem Stiel und einer Handhabe verſehen iſt, gs ſtampft wird..' Der Zwe des Bodens iſt, die holzigen Theile des Flachſe? an mehreren Stellen zu knien, und dieß mit einer größeren Kraft thun zu können, als man bey dem Brechen anwenden kann, und ſo daſſelbe zu erleichtern, Das Brechen mit der Handbreche, Die Trennung der holzigen Theile von den Faſern erfolg gewöhnlich durch das Brechen auf der Handbreche.: Man hat hierzu gewöhnlich nur einerley Breche, welche iv obern Brechſchlägel zwey Brechkanten, und im untern Theil zwey Brechfugen bat. Stehen die obern Brechkanten weit vo! einander, und ſind die untern Brechfugen weit genug, ſo wir 2 eue FEI 7. SE es Bereitung des Flachſes zu Spinumaterial, 439 (3387) der Flachs beym Brechen nicht ſehr angegriffen 3 er. wird dann aber auch durch wiederholtes Brechen von den Annen nicht ges hörig gereinigt. Steben dagegen- die obern Brechkanten nabe zuſammett, und ſind die untern Brechfugen mehr evge, ſo wird der Flachs zwar beſſer von den Annen gereinigt; das erſte Bre- ferer, und es erfolgt ein nv) ſtärkeres Augsbiegen. Die Brecherin, welche den Flachs. mit . der einen Hand halten, und mit der andern mit dem Brechſchlä- gel aufſchlagen muß, kann es nicht in der Gewalt baben, den obern BrechſcDas Schwingen des Flachſes. Der Zwe> des Schwingens iſt, die nach dem Brechen des Flachſes zurükgebliebenen Brechannen noc wird durch das Hecheln beabſichtigt: nämlich der, die verwirrten Faſern herauszuſchaffen und die Flachsfaſern in eine ganz gleiche Richtung nebeneinander zu bringen, weil nur ſo aus dem Flachs ein egaler Faden geſponnen werden kann. Um dabey den Abgang an Werg ſo viel als möglich zu ver: meiden, muß man beym Hecheln große Vorſicht gebrauchen. Man muß gröbere und feinere Hecheln baben, den Flachs in nicht zu großen Handvollen und mit“den Spißen zuerſt hecheln. Das E Bereitung des Flachſes) zu Spinnmaterial. 441 :(389) uerſt abgehende gröbere Werg muß man von dem ſpäter abge- Liver, welches feiner iſt, abſondern. Das Hecheln erfordert ſo viele Geſchi>lichfeit und Vortheile in Handgriſſen, daß man nicht viele/ Frauensperſonen findet, die es vollkommen verrichten können. Flachsbereitungsmaſchinen, Man hat ſowohl in frühern, als in neuern Zeiten Maſchi: nen erfunden, den Flachs zu bereiten. Einige dieſer Maſchinen bezwecten bloß das Brechen des geröſteten Flachſes, andere waren bloß zum Brechen des unge- röſteten Flachſes beſtimmt. Auch hat man Schwingmaſchinen oder Schwingmühlen erfunden, welche die Operation ves Schwin- gens verrichten ſollen, Auch hat man endlich Maſchinen erfun- den, welche das Bürſten des Flachſes verrichten, ſ9 wie andere, welche denſelben hecheln ſollen. Die meiſten dieſer Maſchinen bezwecken blvß das Brechen, und nur bey wenigen ſind auch die andern genannten Vorrichtungen mit vereiniget. Der größte Theil der zeither erfundenen Brechmaſchinen beſteht aus Walzenwerken. IJ) habe mit Walzenwerken mehr ſeitige Verſuche gemacht aber gefunden, daß dieſelben die Ope- ration des Brechens, oder vielmehr das Trennen der holzigen und gummiharzigen Theile von dem Baſt nur ſehr unvollfom= men und mit bedeutendem Verluſt an Faſerſtoff bewerkſtelligen, und daher, zur Flachsbereitung zu verwerfen ſind. Man wird auf dieſem Wege wohl niemals zwermäßig? Flachsbrechmaſchi2 nen herſtellen, und das Schickſal aller zeitherigen Walzenwerke war, daß ſie dort, wo ſie angeſchafft wurden, ſehr bald wieder auf die Seite geſchafft wurden. Auch die anderweitigen Maſchinen zur Flachshereitung ha= ben ſich nicht bewährt, und es iſt die Bereitung des Flachſes mit Maſchinen noch nirgends ſo in Aufnahme gekommen- daß ſie die Bereitung deſſelben mit Handwerkzeugen verdrängt hätte. Wir haben uns viele Jahre hindurch der Flachscultur und Flachsbereitung befleißigt und viele Verſuche, beſonders mit der Bereitung des Flachſes, gemacht und-bis in die neueſten Zeiten fortgeſetzt. Wir haben unſere Verſuche, unter dieſen auch diejez nigen Verſuche, welche wir mit der Bereitung des Flachſes dur wenig Maſchinen, die dieſelbe erfüllen 3 vielmehr ſtehen die mei: ſten Maſchinenarbeiten den Handarbeiten unbedingt nach. v In Beziehung auf die zweyte Anforderung, finden ſich die meiſten Malſihinen, die aber die erte Anforderung ſo unberück- ſichtigt laſſen, daß ſie keineswegs unter die Wohltbaten der Menſchbeit gehören, ſondern vielmehr unter. die offenbarſten Nachthei'e zu ſtellen ſind, da ſie mit ihren wohlfeilen und ſchlechs ten Fabrikaten den Conſumenten das Geld aus der Taſche ſtehlen.% In Beziehung auf die dritte Anforderung läßt fich keine dauernde Vollkommenheit annehmen, ſo lange das menſchliche Nachdenken immerwährend neue EntdeXungen macht, Die- Maſchinen in lehterer Beziehung ſind, wenn ſie auch IM nicht ganz vollfommen ſind, unter die größten Wohlthaten zu| rechnen, Die von uns angegebene Maſchine nach obigen Geſichts» puncten betrachtet, ſo erfüllt ſie, wenn auch'in ſehr verjüng» tem Maaßſtabe, die erſten beiden Anforderungen, und auch in Beziehung auf die lehte Auforderung gewährt ſie den Vortheil, daß wegen der Leichtigkeit der Arbeit die Arbeiter ſich nicht zu Übermäßig anſtrengen und erhißen 7. während bey der angeſtreng«| ten Arbeit mit den Handwerkzeugen in den gewöhnlich ſehr beis| ßen Brechbäuſern eir:e ſehr ſtarke Erhitzung erfolgt, die in Folge; der Befriedigung des im hohen Grad erregten Durſtes, und leicht entſtehenden Erfältungen, wie ich aus Erfahrung weiß, nicht| ſelten ein lebenslängliches Siechthum, oder eine tödtliche Krank: Heit verurſacht, I LI 8 ASI 4%-- 7 4-9 BV Bereitung des Haufes zu Spinnmatertal. 443 (391) Neuere fortgeſeßte Verſuche über Flachsbereitung kaben uns dargethan, daß der bauptſächlichſte Fehler bey der F/achsberei- tung darin beſteht, daß der Flachs bey allen Operationen der Bearbeitung mit der Hand gehalten wird, wodur< hauptſächlich die große Menge Werg entſteht, die abgebt. Wir wollen daber her nur die Andeutung geben, daß eine vollkommene Flachsberei- tungsmaſchine in der Art conſiruirt ſeyn muß, daß alle Oyera2 tionen der Bereitung erfolgen müſſen, ohne daß der Flachs mit der Hand gehalten wird, und daß ihn dieſelbe Maſchine, um Menſchen zu erſparen, durch einen Umgang des Flaches bricht, ſchwingt, bürſtet und hechelt 3; dabey aber verhältnißmäßig be- trächtlich mehr leiſtet, als mit den Handwerkzeugen geleiſtet werden kann, und ein beſſexes Product liefert, Obgleich die Ausführung einer ſolchen Maſchine mit vielen Schwierigkeiten verbunden iſt, ſo hoffen wir doch, in der Folze eine ſolche Maſchine mittheilen zu können, wozu wir nach vor- läufig gemachten Verſuchen die beſte Hoffnung haben, Zubereitung des Hanfes, Die Zubereitung des Hanfes zu ſpinnbaren Material hat viel Aehnlichkeit mit der des Flachſes? Das erſte Geſchäft iſt: Die Röſte. So wie beym Flachs, iſt auch beym Hanf das Röſten eine ſehr wichtige Arbeit, wobey alle Aufmerkſamkeit erforderlich iſt. Sehr Viele halten dafür, daß es nothwendig ſey, die Blätter vom"Hanf zu trennen, weil ſie leicht in'Fäulniß übergehen und den Houf anſte>en können. Obgleich dieſe Vorſicht nicht ganz ungegründet iſt, ſo ſchaden doch die Blätter im Ganzen nicht, wenn man nur den Zeitpunct der vollendeten Nöſtung wahr- nimmt, wie dieß viele Gegenden, au das Eiſaß, darthun, wo viel Hanf mit den Blättern geröſtet wird, Wenn der weibliche Hanf gerüffelt wird, ſo geben die Blätter hierbey mit ab; und beym männlichen ſind die Blätter und Biüiiben ebenfalls entwe- ver durch die Nüfſeln abzubringen, oder vermittelſt eines Kam- mes abzukämmen, oder man ſtreicht auch mit dem Hanf an ei- nen Baum oder ein Bret und ſchlägt ſie ſo herunter. Der zur Röſte beſtimmte Hanf muß gehörig tro>en ſeyn; obwohl Einige behaupten, es wäre nicht nothwendig, und man könnte den männlichen Hanf alsbald in die Nöſte bringenz aber es findet beym Hanf noc< mehr Urſache Statt, als beym Lein, ihn ſo troFXen als möglich zu röſten. Die in dem Hanfſiängel befindliche rohe, klebrige Feuchtigkeit iſt noch äßender, als die des Leins(wie dieß der ſtärkere Seruch des Hanfes ,. und daß das Waſſer, in welchem Hanf geröſtet wird, noch ſchädliz cher iſt, als das, worin der Flachs liegt, darthut), und verurz ſacht während der Gährung des Röſtens eine um ſo äßendere Schärfe, welche die Faſern des Baſtes mürbe macht, Durch ein gehöriges Austro&nen wird. aber die rohe klebrige Feuchtigkeit unſchädlich. Beſonders ſpricht dafür das Verfahren in"den Hanfländern, wo man allgemein. behauptet, daß der tro&en zur Nöſte gebrachte Hanf ein dauerhafteres Baſt giebt, als der nicht erforderlich getrocknete; und S. um ſo beſſer zu erreichen und jene Einwirkun- gen zu vermehren, ſebr angemeſſen, den Hanf, bevor er zur Röſte gebracht wird, von den Wurzeln zu trennen. Dieſe Trennung von den Wurzeln gewährt auch bey der nachfolgenden Bearbei: tung viele Vortheile. Es geſchieht entweder dadurch, das man die Wurzeln auf einer Siedelade abſchneidet, oder mit einem Beil abhaut, oder indem man den Hanf zwiſchen zwey Breter klemmt und die Wurzeln mit einer alten Senſe, welche an eis A nem Stiel befeſtigt iſt, abmäht. Die Art des Röſtens iſt dreyerley: die Thau-, die Waſſer: und die Schneeröſte, welche letztere jedoch, wo der Flachs im Herbſt ausgebreitet wird, und den Winter hindurc) unterm Schnee bleibt, keine Anwendung verdient. Die Behandlung des Hanfes bey der Thau- und Waſrerröſte iſt ſo, wie die des Flachſes, und es gilt hier alles, was davon dor: geſagt worden iſt, Gewöohns lich muß der Hanf länger röſten, als der Flachs, wiewohl er in manchen Jahren, beſonders in denen, die mehr feucht waren, keine längere Zeit erfordert, Der wännliche gefimmelie Hanf bedarf kürs= zere Zeit zur Vollendung der Röſte, als der weibliche, der reif gez worden iſt, und man muß es daher vermeiden, beide Sorten zu vermengen, Gewöhnlich nimmt man die Röſie des männlichen Hanfes noch im laufenden Jahre vor, während„man die des weib2 lichen, weil er ſpöter geerndtet wird, wegen der unſichern Herbſt: witterung, bis aufs kommende Tahr verſchiebt. Die Bvyllendung der Nöſte des Hanfes erfährt man, ſo wie beym Lein, durch ſorgfältige Proben, und wenn ſich die Blätter des Haufes, ſo wie man ihn durch die Hand ziebt„/ohne Schwierigkeit trennen, die Faſern der Länge des ganzen Stängels nach ſich abſchälen laſſen, und die holzigen Theile leicht zerbrechbar ſind, ſo iſt die Nöſte vollendet,"EU Noch muß hier einer Röſtungsart erwähnt werden, die in einigen Gegenden Statt findet. Man bindet den Hanf in kleine Büſchel zuſammen und ſchneidet das unterſte Ende von denſel- Hen 7 bis 8 Zoll über den Wurzeln und oben alles Aeſtige ab. Dieſe Büſchel Hanf legt man nun in den Abendſtunden auf eine abgemähte Wieſe. Den folgenden Tag nimmt man ſie vor Son- nenaufgang wieder auf, trägt ſie zuſammen auf einen Haufen und bede&>t dieſen entweder mit naſſem Stroh, oder mit blätter» xeichen Baumäſten. Den Tag über gähet nun der von dem Thau durchweichte Hanf nach und nach, die klebrigen Theile des Saf» tes werden aufgelöſt und die Fäulung derſelben geſchieht unbe- merkt bis in das innerſte Gewebe, Dieſes Verfahren erneuert manu täglich und bey warmer Witterung iſt der Hanf in 8 Tas» ...rei zl 7000 II 55 Zeiler EZZ EERESSn Ee ZE IZE EE | IEEE Beteitung des Hanfs zu Spinnmaterial, 445 (393) gent hinlänglich geröſtet. Dieſe Art der Nöſtung iſt heſonders u empfehlen, wenn es mit der Thaurdſte, wegen zu trockner Witterung nicht gehen will, wo man, bey Ermängelung. des 103 fl den Hanf au< des Abends mit Waſſer ühergießen ann. i Die Waſſerröſte liefert weißen Hanf, der ſtärker, die Thaus rüſte dagegen grauen, der feiner iſt, und ungeachtet ſeiner grauen Farbe, bey dem Bleichen weißer wird. Als ein Zeichen, daß - die Thauröſte gehörig vollbracht ſey, nimmt man an, wenn das Bäſt eine egale, nicht fle&ige, ſilbergraue Farbe hat. Der graue Hanf iſt zur Seilerarbeit nicht tauglich und dient bloß zur Fer=- gung von Leinwand. Der gahr geröſtete Hanf wird gehörig getro&net, von allem Staube, ſo wie der Flachs, gereinigt und an tronen Orten bis zur Verarbeitung! aufbewahrt. Behandlung des geröfßieten Hanfes bis zum Hea2 - net worden, eben ſo, wie der Fiachs, gepoct. Man uns terhält auf vem Heerde ein mäßiges Feuer und bedient ſich dazu der Abeln, das iſt der Späne, die bey dem Brechen des Hans fes ausfallen. 0 1: Ein Mann, gewöhnlich der Eigenthümex ſelbſt, ſitt auf der Treppe und unterbäit das Feuer, indem er von Zeit zu Zeit ein paar Hände„voll Achelun in den Ofen wirft. Es erfordert große Behutſamteit, denn wenn die Flamme auflodert, ſo würde ſie den auf der Dovre liegenden Hanf exgreifen. Daher auch jedes- mal, wenn friſch aufgeſchichtet wird, der Hüter eine kleine Leis» tex in den Ofen anlegt und gegen die Dee anſteigt, um die al- lenfalls herabbängenden einzeinen Hanfſtängel oder Fäden, an deren Spiven dos Feuer zünden könnte, wegzuſchaffen. Es läuft eine kleine Siunde vorauf bin, bis eine Hanflage zureichend ges dörrt ift. Atsdann wird ſie abgenommen und durch eine neue erſeßt. Der, Gefahr wegen werden die Hanfdaxren ſtets außer: balb des Dorfes angebracht. Bey dieſer Art zu dürren iſt ſehr große Vorſicht nötbig, daß der Hanf nicht zu ſtark gedörrt werde, weil er dann nicht nur ſehr ſteif und brüchig wird, ſondern aud) ſein Oel verliert, wos durch ſeine Haltbarkeit ſehr verwindert wird,- Es iſt daher eine minder riskante Art des Dörrens vorzuziehen, und daher das Dörren in der Sonne oder in geheizten Zimmern zu empfehlen. Um in einem ſolchen Darrzimmer, in welchem der Ofen in der Mitte ſtehen muß, der Holzerſparniß wegen, von einer Heizun eine ſo große Quantität darren zu können, als möglich, ſo 9 das Zimmex mit Gerüſten, welche mehrere Horden über einandey baben, auf welche der Hanf gebreitet wird, verſehen ſeyn, Das: Brechen des gedarrten Hanfes erfolgt am beſten, wenn der Hanf noch vorher auf der Pochmühle erweicht worden iſt, Es geſchieht auf der gewöhnlichen holländiſchen Breche, welche ſo, wie“ die zum-Flachs iſt.| Damit die Brecharbeit für den Hanf nicht zu angreifend ges ſchieht, ſo muß man mehrere Brechen haben, von denen die erſte nur eine ſcharfe Kante und eine etwas ſcharfkantige Fuge hat. Die Fuge muß, da der Hanf einen di>en Stängel hat, der auch nicht ſo leicht bricht, breiter, als bey der Flachsbreche, und die einfallende Kante bedeutend kleiner ſeyn, als die Fuge, weil ſouſt eine ſchr große Kraft dazu erforderlich wäre, die über die Breche gehaltenen Stängel zu brechen, wenn der Naum der Fuge eng. wäre, und die Kante knapp hineinpaßte z wodurch auch der Hanf. ſehr leiden würde. Nach der erſten Breche kommt eine zweykantige, die engere Fugen u*d ſtumpfere Kanten hat, welche leptern auch enger in die Fugen hineinpaſſen, Man kann auh HEES Aids en Fr 08- dn id== Bereitung des Hanfs zu Spinnmaterital. 47 (395) noch eine dritte Breche in Anwendung bringen. Das Verfahren bey der Arbeit iſt ſo, wie beym Flachs. Um die. in dem Hanf ſich befindenden, lo&er anhängenden holzigen.Theile herauszubringen, wodurch das Hechel" erleich= fert wird, folgt das Schwingen, welches eben ſo, wie beym Flachs, und mit denſelben Werkzeugen verrichtet wird. Anſtatt des Schwingens iſt aber ein eiſerner Kamm, der runde, unten etwas ſtumpfe, aber doch ſpibige Zähne hat, vyrzuziehen 3; woe durch nicht nur die holzigen Theile herousgektämmt werden, ſondern auch als Vorarbeit des Hechelns zu Spaltung der vers mittelſt des Leimſtoffes noch zuſammenhängenden Faſern beyge: tragen wird, ohne daß dabey viel Werg abginge. «Der Hanf wird größtentheils, ſo wie er von der Breche kommt, verkauft, und bey dem groben, ſtarken Hanf iſt es auch am beſten, weit ihn der Seitey ſo am liebſten dauft. Es iſt jes doch rathſam, den zu feiner Arbeit beſtimmten Hanf ſelbſt fer ner zu bereiten, weil ſich die Arbeitskoſten hinlänglich bezahlen. - Den zu feiner Arbeit beſtimmten Hanf empfiehlt ntän, da die Faſern durch den Leimſioff noch ſeyr zuſammenhängen uvd auh noch viele- bolzige Theite, mit den Faſern zuſammenbäp= gend, zurü& bleiben, noch einmal nach dem Brechen einzuwei- exn Gebunden in Gefäße, die mit Waſſer ges füllt ſind, muß jedoch die Vorſicht gebrauchen, daß er nicht zu lange weicht, weil er ſonſt leicht fault. Für vortheilhafter, als das nochmalige. Weichen, hält man das Reiben des Haufes, wo ihm unter dem Druve von zwey Steinen das Zarte und Sanfte fürs Gefühl gegeben wird, die noch vorhandenen holzigen Theile vollends gelöſt und die Faſern unter einander getrennt werden. Im Elſaß hat man ordentliche Reibemühlen; man kann jedoch auch ohne Mühlen leicht eine beſondere Vorrichtung treffen, wo ein Stein auf dem andern reibt, unter welchen man den Hanf thut. Bey allen dieſen Ar« beiten muß man ganz vor üglich darauf achten, daß ſich der Hanf nicht verwirre, weil uſt bey dem nachfolgenden Hecheln zu viel Abgang entſteht, Das Hecheln. Es iſt, ſo wie beym Flachs, auch beym Hanf eine der wich» tigſten Arbeiten, die mit großer Behutſam?keit verrichtet werden muß. Die Zähne der Hecheln trenuven nicht nur vollends die STaſern des Baſtes von einander,(ondern nehmen auch den Leim= ſtoff mit binweg, welc| LEE SEGE p E;) Z 6- n' 7;„L. Fr ) 7 T A 15155 Zt.(7 K55„brau 202 AE Gelrauta 1772 c EA ; zy“ ec |. E ZD 11515 242 ]| Grundriss, zuu. Durchecmiit€ Durchschndt :: Ü AU SPART 7 SELE * 2 p Zhan 77 ?| :| x 4| || 2 x RE | Z Z 3 i X] .-- Enwelgpaedie Bd. NT - S„ 2 ß 1 Zz | - SN G - 7 Y 6 1 En-- 2;. eſg 10100/9 0uuM rueM pPo8 MOIIeA u40 uAO enlg 8010uIe 61 — T dr 22 81 21 21 wr 21 21] du 6 9 2 9 8 9 5 2 1 1— 91————,— 1 1 1 1 I— —