in ihrer Anwendung Künſte und Handwerke dargeſiellt IT EE SIE Trg EN von EEC Hh a uv tt a 1 Mitglied und Schaäßmelſier des Senats, Groß- Officier der Ehrenlegion, Mitglied“ des National- Inſrituts in Paris, Profeſſor Honorarius der Mediziniſchen Schule zu Montpellier u.f. w. Mit Anmerkungen begleitet von PLL Sigismund Friedrich Hermbſiäde Königl. Preuß. Geheimen Rathe u.|f. w. « INS Zweyter Band ? dritten und vierten Theil des Origitals enthält, Mit einem Kupfer, Berlin, 1:3" in der Realſhulbuc&mustinktur, und das Malven- und Beil- blau: WEnn YU Man Man kann von dieſen leßtern die-Blume ſelbſt, und auch den daraus gepreßten Saft gebrauchen; aber inſofern man das zweyte wählt, werfe man den untern Theil der Blätter weg, der gelb iſt ,. weil ſonſt dieſes Gelb: mit dem Blau des oberen Theiles, Grün hervorbringen würde. Man bedient ſich dazu ferner des ſogenannten Veilchen- ſyrups, den man aber vor ſeiner Anwendung in Waſſer zergehen läßt 3; denn ohne, dieſe"Vorſicht würden die concentrirten Säuren ihn in eine ſhwammige Kohle verwandeln, ohne ihn merklich zu rdthen. .“ Das La>musblau iſt-.noM empfindlicher, als das aus Veilchen; man nimmt die daraus gezogene Tinktur ſelbſt, oder damit gefärbtes Papier*). Dieſe Tiunkiur muß nur ein ſchwa- muspapier, wenn man einen. Theil feines La>&mus mit 12 Theilen deftillirkem Waſſer in einem zin- nern Keſſel anfiedet, dem man den ſechzehnten Theil ſo viel Ralt zugeſeßt hat, als man Lackmus gebräuchte, Man gießt. die blaue Tinfrur durch Leinwand, erhält fie bey 609-Reaumur,„und legt dann Blätter.von feinem Velinpapier ſo lange hinein, bis ſolche eine himmelblaue Farbe angenommen haben; worauf ſie-an.der Luft getro>net werden. ä 85) Man hat bis dieſen Augenblick geglaubt, daß das La>&mus, wel- mus, indem man die Flechten mit Urin und mir Kalk durchbeigen läßt. Da aber nun die Farbe der Or- ſeille mir der des LaEmus ſehr ähnlich, und nur in ſo fern davon verſchieden ſchien, als ſie roth in ſich enthielt, welches, verbun- den mit blau, violett hervorbringt: da andrerſeits ich: bey der Analyſe“ des La>mus blau, auch etwas Pottaſche vorfand, die in der Orſeille' nicht vorhanden war, ſo ſchloß ich, daß die Pottaſche wohl dürfte angewendet werden können, um die Ent- wiekelung der rothen Farbe zu verhindern."Nun war mein Arg- wohn nur durch die Erfahrung zu rechtfertigen, und. dieß gelang mir in kurzer Zeit. Tech. ließ das Parellmoos in verſchiedenen Verhältniſſen mit Urin und Pottaſche gähren; und ich bemerkte bald nach meinen erften Verſuchen, daß, um recht bedeutende Reſultate zu erhal- ten, man eine anſehnliche Quantität Flechten anwenden müſſe, weshalb ich zu jedem meiner Verſuche 6 Pfund davon nahm. Zuerft miſchte iM Alkali, Urin, Flechte und Kreide, und gab mix Mühe, fie zuſammen zur Sährung zu bringen; aber ich habe dadurch nichts hervorbringen können, als einen Teig von bräunlichvioletter, ziemlich unangenehm in's Auge fallender Farbe, Dann vermiſchte ich die Flechte zu Pulver geſtoßen, mit Pott- aſche: beförderte die Gährung durch Hinzuthuyung von Urin, und erhiclt dadurch einen Teig von, cinem etwas in's Vivlette ſpie- lenden Blau, deſſen ich mich mif Nuten bey allen Verſuchen meinem Laboratorio bediente, da er bald eine angenehme bl Farbe erhält, wenn er exft recht mit Waſſer eingerührt worden A 2 dieſer Tinktar in den mittäglichen Provinzen Frankreichs, um das Veilchenſyrup damit blau zu färben, 4) Was ch habe bemerkt: 3). daß man die Flechte ſorgfältig aus8- ſuchen, gehörig von einander leſen und zerreiben' muß; 2) daß das Alkali zu gleichen Theilen mit der Flechte gemiſcht werden müſſe, und die Pottaſche den Vorzug verdiene. 3) Daß der Urin nach und nach zuzugießen ſey; und nach dem jedesmatigen Bedürfnißz zu viel oder zu wenig, ſchadet dem Gelingen des Verſuchs. 4) Daß die paſſendſte Temperatur zwiſchen 15 und 25 Grad Reaumur iſt. 5) Daß der Teig gewöhnlich. eine rothe Farbe annimmt, die von ſelbſt wieder verſchwindet, oder die man auch wegſchaffen kann, wenn man eine neue Quantität von Alkali, oder recht in Fäulniß übergegängenen Urin hinzufügt. Ich geſtehe, daß das von mir fahrieirte Lackmus nie. die Güte deſſen erreicht hat, das in den Handel kommt, es iſt mir-immer unmöglich geweſen, ihm den röthlichen Schein zu benehmen, der zwar bey der Auflöſung verſchwand; der mir aber nicht er- laubte, mein Produkt dem Holländiſchen gleich zu ſeen. Dieß hat mich bewogen, die Details meines Verfahrens ſo lange zu verſchweigen, bis neye Erfahrungen, oder der Zufall, mir be- friedigerende Reſultate lieferten. Ics ausgenommen, gibt es Kdr- per„die alle Eigenſchaften der Säuren beſißen 3 das im Waſſer aufgeldſte Schwefelwaſſerſtoſſgas(Hydrothionſäure) zum Bey» ſpiel rdthet La&mustinktur, es verbindet ſich mit alkaliſchen und erdigen Baſen, es zerſeßt die Seife, und vertritt die Stelle des Oels bey den Alkalien; es ſchlägt zum grdßten Theil den Schwes fel in Aufldſungen von Schwefelkali und Schwefelkalk nieder, und Man befeuchtet dieſe Miſchung mit menſchlichem Urin; der von Thieren hat nicht genus Ammonium.; Die Gährung entſteht, und man gießt Urin zu ,- um den zu erſezen, welcher verdunſtet. / Sovald die Maſſe eine rothe Farbe bekommt, gießt man-ſie in einen zweyten, dem erſten ähnlichen Trog,- um. Man gießt noch mehr Urin zu, ſchüttelt ſie um, ünd nach einigen Tagen nimmt fie eine blaue Farbe an. Man vertheilt dieſen Teig in kleine Kübel, die in der Mitte durchgeſchnittenen Tonnen ähnlich ſehen; miſcht dazu ſorgfältig, 2 Mis ein Drittheil vortrefflicher Pottaſche, und thut Urin grauf. . Dieſe Vertheilung mäßiget die Gährung, und temperirt die Hiße, die zu ſtark, der Güte des Teiges nachtheilig werden würde. Dieſe Periode erfordert viele Sorgfalt. Der Teig bekommt dann eine prächtige blaue Farbe. Man vermiſcht ihn mit Kreide, um den Preis zu verringern. . Man legt ihn endlich in kleine längliche Kaſten, die man auf eine eiſerne Platte ſett, ficllt dieſe auf fichtene Bretter, und läßt ihn auf einem ſehr luftigen Boden tronen+). A.d. V. t de; Wie man dje Fabrikation der Orſeille mit Vortheil veranſtalten kann, findet man in metnem Magazin für Färber 2c, xſter Band 1802, beſchrieben, H, und ſtrebt mit dem Reſte eine dreyfache Verbindung-zu bilden*), Die“ Säuren ſcheinen im“ Allgemeinen nichts zu ſeyn, als verz brannte Kdrper, Scheele hatte dieſe Wahrheit ſchon vor 4775 vorausgeſehen, wenn er, in'der zweyten Ausgabe ſeiner chemi- ſchen Abhandlung über Zufr und Feuer, ſagr: «Es iſt mir wahrſcheiniich, daß alle Säuren ihren Urſprung der Feuer- Luft verdanken." Lavoiſier har. über die Richtigkeit dieſer Behauptung gar Feinen Zweifel wehrgelaſſen, denn er hat die Exiſtenz der 3euer- Luft oder des Sauerſtoffgas in allen Säuren bewieſen, zu deren Anatyſe.cer gelangt iſt, 'Nächdem die Analyſe mehrerer Säuren das Reſuitat erge? ben haite“, daß ihnen der Sauerſtoff zur Baſis diene, hat man ihn als das einzige ſäureerzeugende Princip betrachtet. Herr Zccrholler glaubte nicht, dieſe Lehre ſo gradehin annehmen zu dürfen; 1) weil die Analyſe der Hlauſäure ihm keinen Sauer» jtoff zeigte; 2) weil der Schwefel- Waſſerſtoff die Eigenſchaf ten der Säuren in ſich vereiniget, ohne Sauerſtoff zur Baſis zu haben;. 3) weil es eine zu gewagte Vorausſelzung ſeyn würde, wenn man aniehmen wollte, daß-alle die.Säutren, die man noch nicht zerſetzt hat, nothwendigerweiſe dieſelbe Baſis haben müßten, als diejenigen, deren Analyſe man bereits gemacht**). Die Subſtanz, mit welcher in den bekannten Säuren der Sauerſtoff. vereinigt iſt-, neynt man das ſäurefähige Subſtrat der Säure. Alſo ſind der-Kohlenſtoff, der Schwefel, der Phos- phor, die Subſtrate der Säuren, welche davon den Namen führen. Der Squerſioff iſt nicht immer einem einzelnen Grundſtoffe beygemiſcht; die Säuren haben zuweilen deren zwey/ wie zum hy Beyſpiel die Pflanzenſäuren; und auch drey, wie die, welche |) dem Thierreich angehören+). M *) Jene Eigenſchaften beſtimmen nicht nur den ſauren Charakter des Schwefelwaſſerſtoffes, ſondern fie beweiſen auch, daß er ſelbſt eine wahre Säure ausmacht, die von den Deutſchen Chemikern 55ydrothionſäure genannt worden iſt.. Wenn man indeſſen:an der Exiſtenz des Sauerſtoffes in der Hydrothionſäure zweifelt; ſo iſt dieſer Zweifel nur ſchwach gegründet, da keine ſtrikte Beweiſe für deſſen Aechtheit vorhanden find.- **) I< ſehe gar nicht ein, warum es nicht erlaubt ſeyn, das Daſeyn des. Sauerftioffes'in alien Säuren vorausſezen zu dürfen, weil man ihn noch nicht aus allen hat abſcheiden können. Es mangelt uns ja nur an. der Kenntniß derjenigen Mittel, welche mit den ſäurefähigen Subſtraten jener Säuren ,. oder mit dem darin ent- haltenen Sauerſtoff ſelbſt, in f|tärkerer Anziehung ſtehen. H. +) Eigentliche thieriſche Säuren gibt es wohl nicht: denn diejenigen, welche man in den animaliſchen Subſtanzen antrifft, AE 074 gemet- Hieraus folgt,"daß;die Säuren nicht allein der Zahl und der Natur ihrer Subſtrate'nach, ſondern au< durch die verſchie: denen quantitativen Verhältniſſe, die unter allen ihren Beſtands theilen Statt finden, abwechſelnd von einander--erſcheinen; Es gibt jedoch einen Punkt der Sättigung,«des ſäureerzeu? genden Princips und des."Subſtrats, durch den die Säure ſelbſt in ihrem eigentlichen Zuſtande entſteht, und in dieſem Zuſtande kennt'man ſie auch gewdhnlich im Handel und den Laboratorien, Man iſt ſelbſt; indem man den Grund zu der neuen chemiſchen Künſtſpräche legte, darin übereingekommen, durch die Endung des Namens der Säure, die Verhältniſſe zwiſchen ihren Grund- beſtaudtheilen auszudrüken. Um jene: verſchiedenen Zuſtände der Säuern auszudrücken, ändert man die Endigung des Na2 mens vom. ſäurefähigen Subſtrat ab, 3. B. Schwefelſäure und ſchwefelige Säure; ſo wie Phosphorſäunre und ph9s9 phorige Säure; nebſt Salpeterſäure und ſalpetriger Säure2c,; und man nennt. überhaupt die Säure eine vollkonwmnene, wenn das Subſtrat mit dem Sauerſtoff geſättigt iſt; hingegen eins unvollFommene, wenn das Subſtrat nicht mit dem Sauerſtoff geſättigt iſt. Man fügt endlich dem Namen der Säure das Beywort 0xydirr hinzu, wenn darin der Sauerſtoff im Ueber- maaäße vorhanden iſt*). In Gefolge dieſer erſten Geſeße der chemiſchen Nomenclae tur, hat man mit beſondern und generiſchen Namen, jede der Verbindungen belegt, welche die Säuren bey dieſen verſchiede- nen Graden.der Sätrigung mit den Grundſtoffen bilden, und die Worte ſchwefelſaure Salze(Sulfates); ſchweflichſaure-Salze Gaulfites), und oxydirtſchwefelſaure Salze(Sulfates fur-oxy- genes); und eben ſo ſalpeterſaure Salze(Nitrates), ſalperrig» ſaure Salze(Nitrites), und oxydirtſalpeterſaure Salze(Ni- trates ſur- oxygenes) feſtgeſtellt, je nachdem jene Salze durch die eine oder die andere Art der Säure gebildet worden ſind, Es gemeiniglich auch in den Vegetabilien, und den Produkten des Mineralreichs gegenwärtig. Man kann daher nur ſagen: es gibt Säuren mit einem einfachen, mit einem zweyfach gemiſchten, mit einem dreyfach gemiſchten'Subftrat. H. *) Es iſt eine unrichtige Vorſtellung, wenn man glaubt, daß eine vollkommene Säure dür<-den Beytritt des Sauerſtoffes überſäuert werden könne, Wir ſehen ſehr. deutlich, daß z. B. die Salzſäure, wenn ſie mit Sauerſtoff verbunden wird, alle ſaure Eigenſchaften einbüßt, und einen ganz neuen Körper darſtellt, der zwar ſehr äßend, aber nicht ſauer iſt.“ Man bezeichnet daher viel beſſer eine ſolen, oder ldſt ſich darin auf, oder endlich vereiniget ſich mit ihnen; ſo kann man-ſie auch aus der Mitte der Atmos» phäre herabziehen, um ſie durch die Proceduren;+ welche„die Chemie an die Hand gibt, zu trennen, und in vdlliger Einfach» heit darzuſtellen. Wenn die Kohlenſäure fich ganz, oder doch wenigſtens bey- nahe ganz von fremder Beymiſchung frey, vorfindet; ſo kann man ſie leicht ſke an, wo ſie von der tddtlicgen Ohnmacht befal- Ien werden, fein, Zeichen. von Reißbarkeit mehr blicken laſſen. Schon vor ihm hatte'man die Beobachtung gemacht, daß Glied- maßen, die man. in dieſe Säure tauchte, darin erſtarrten, und vielleicht könnte man aus dieſer Urſache die Wirkungen herleiten, die. die im Uebermaaß genoßnen gegohrnen-Getränfe hervorbrinz gen; ſo wie die Stumpfheit ,. die deren Folge zu ſeyn pflegt; eben ſo die beſänftigende Kraft eines Frampfſtillenden Mittels, aus einer plötzlich bewirkten Miſchung von Citronenſaft und Wermuthſalz*), die es nur der'Wirkung zu danken hat, welche die Entwiklung der Kohlenſäute hervorbringt. Die“e Säure iſt der Verbrennung der Körper ſo nachtheilig als dem Einathmen; ſie ldſcht alle entzündeten Körper aus, die man hineinhält, und ihre Wirkung auf" breüneude Körper iſt.noch ſchneller, als die, welche ſie auf die Reſpiration lebendiget We- ſen äußert; dieß bietet auch ein ſicheres Mittel dar-, ſich vor ih- ren ſchädlichen Einflüſſen zu ſichern;; denn„» ſobald man irgend eine. Lauft für ſchädlich, durch ihre Verbindung mit einer zu großen Quantität von Kohlenſäure'hält; ſo kann man ſich über ſeinen Argwohn dadurch Gewißheit verſchaffen, daß man eine brennende Kerze ihr nahe bringr: brennt ſie fort; ſo hat man durchaus feine Gefahr zu befürchten. Die Eigenſchaft dieſer Säure, ſich ſchnell mit Kalk und den reinen Alkalien zu verbinden, gibt ferner Mittel an die Hand, um an Dertern die davon vergifret ſind, die Luft zu reinigen; man darf nömlich-nur den Boden und die Mauern mit den ge: nannten Flüſſigkeiten beſprengen, beneßen, oder ſie in deren Umfang *). Das Wermuthſalz ift nichts anders, als unreines mildes Rali, welches von der Pottaſche nicht verſchieden iſt. Die Wirkung einer Mixtur aus mildem Kali und Citronenſaft, gründet ſich bloß auf die dabey fich enrwi&>elnde gasförmige Kohlenſäure, 9. Umfang, hinſtellen."Die Wirkung des Ammoniums, des Kali, und des- reinen Natron iſt ſo ſchnell, daß':man nicht einmal nd» thig hat, in einem mit unſerm Gas- angefüilten Gewölbe ſeine Schritte zu. beſchleunigen, wenn man, je nachdem man vor- wärts geht, von dieſen. Flüſſigkeiten, vor ſich hin, ausgießt. Dieſe'gäsartige Säure iſt auch ſchwerer als die atmosphäs riſche Luft, woher es kommt, daß ſie ſich in den Tiefen nieder- ſchlägt z"dieſe ausgezeichnete Schwere macht ferner daß ſie die atmosphäriſche Luft verdrängt, daß man ſie endlich von einem Gefäß in das andre gießen, und. dadurch für die, welche an den Anblick ſolcher Phänomene nicht. gewöhnt ſind, um ſo überra- ſchendere Erſcheinungen hervorbringen kann, als dieſe Flüſſigkeit unſichtbar iſt. Herr Rirwan hat ihre Schwere in Vergleichung mit der der atmosphäriſcheu Luft nach dem Verhältniß, wie 68,74 zu 45,69, und Lavoiſier wie 69,50 zu 48,81 ausgemittelt. Ein franz. Cubikzoll von dieſem Gas wiegt beynähe'55 Gran, bey einer Temperatur von 16 Graden und unter deni Barometerdru> von 28 Zoll. Es, iſt jezt außer allem Zweifel daß die Kohlenſäure eine Berbindung. von Sauer.- und, Kohlenſtoff iſt, man briugt ſie überall beſtimmt durc Verbrennen des Kohlenſtoffs hervor, Ihre Zerſetzung iſt nicht auf eine große Zahl von Erfahrun gen gegründet, doch haben wir/mehrere directe über dieſen Gez genſtand; Herr Tennant har in einem Memoixe, welches er im März 1791 vor der kdnigl!. Geſellſchaft in London verlas, mitsz getheilt daß, nachdem er Phospbor mit Marmor, zuſammen in einer: Retorte zum Rothglühen gebracht, er daraus Kohlen» ſtoff jund Phosphorſäure entwielt habe; Herr George Pearſon theilte dex nämlichen Geſellſchaft unterm 24ſten May 1792 fol- gende Thatſachen mit: daß 200 Gran Phosphor und 800 Gran Fohlenſaures Natron, in einer gläſernen Röhre zuſammen er- wärmt, 32,4 Kohlenſtoff und phosphorſaures Natron gaben; das kohlenſaure Kali und. die erdigen kohlenſauren Salze liefern Reſultate gleicher Natur; die Alkalien und die reinen Erden gez ben aber keinen Kohlenſtoff.„Herr Clouetr, indem er Eiſen mit kohlenſaurem Kalk behandelt, erhäli dadurch Strahl, deſſen einer Grundbeſtandthei! Kohlenſtoff iſt, Wollten wir von dieſen poſi- tiven Erfahrungen zu den Phänomenen übergehn, weſche die Natur uns darbietet: ſo würden wir finden, daß die Pflanzen die Kohlenſäure einſongen/ wenn man ſie ihnen m kieinen Quan- ritäten zuführt, daß ſie ſie zerſetzen, und daß der Kohlenſtoff 0. , o „bb 13 255 Stoff zu ihrer Ernährung liefert, während der Sauerſtoff darz' aus entbunden wird, Man hat das Verhältniß des Kohlenſtoffs zum Sauerſtoff wie 28 zu 72 geſchäßt. Faum wurde dieſe Säure bekannt, a!s die Aerzte? ihre Ei- genſchaften. mit EnthuſiaSmus erhoben, und daraus eine Art von Univerſal- Arzeney wachten. Man hat ſie vach und vach als ein aufldſendes Mittel gegen den Blaſenſtein, als ein Spe- cificum gegen den Krebs u. ſ. w, angewendet, nnd es. iſt daan erfolgt, was man täglich ſieht, das heißt, nachdem-die Eigen? ſchaft eines Mitrels, die die Erfahrung nicht beſtätiget, bis zum Uebermaaße erhoben worden, hat mon ſich bald ganz da- von abgewandt, ohve dabey ſtehen zu bleiben, welche Wirkung es- in einigen' dazu geeigneten"beſondern Fällen wohl haben kdynte. Jett känn man, wenn män ſich eine richtige und ſehr genaue Vorſtellung von den Heilkräften"dieſer Säure bilden will, ſie in zwey Zuſtänden betrachten? 7) in dem Zuſtande als Gas, und 2) in dem Zuſtande ihrer Aufldſüng im Waſſer Im erſten Falle tddret ſie die Reißbarkeit, und gibt, bey weiſem G-brauch, ein ſehr wirkſames beſänftigendes Mittel ab, im zweyten aber tritt ſie in die Claſſe der ſchwachen Säuren, und wird mit Nutzen gegen Fäulniß angewandt. Zweyter Abſchnitt. Von der Schwefelſäure. Die Schwefelſäune iſt ſeit dem funfzehnten Jahrhunderte befannt: Baſilius Valentin erwähnte ihrer unter dem Namen Virriölöl, und erzählte, daß er ſie aus dem grünen Vitriol entwickelt habe. Die characteriſtiſchen Eigenſchaften dieſer Säure ſind folgende: 1) Sie rdryet Pflanzenpigmente ſehr, mit Ausnahme des Indigo, welches ſie aufldſt, ohne ſeine Farbe zu verändern, 2) Sie iſt geruchlos, durchſichtig wie Waſſer, und fühlt ſich fett an wie Oel,'von dieſer letzten Eigenſchaft ſchreibt ſich der ihr beygelegte, ſehr uneigentliche Name Vitrioldl her. 3) Sie hat einen ſehr ſauren und ätzenden Geſchma&. 4) Sie erfordert nach Bergmann, eine dreyfach ſo große Hißze als Waſſer, um zum Aufſieden gebracht zu werden. Erpx= leben hat dieſen Grad von Hißze auf 546 Fahrenheit, 228,44 ! fau- Reaumurgeſchägt,- Bey dieſem Grad- von Hike ſteigt ſie in weißen Dünſten in die Höhe die man leicht in einen Reci» pienten condenſiren laſſen kann, wo ſie daun eine ſehr weiße und reine Flüſſigkeit bildet. 5) Sie ſchwärzt und verkohlt thieriſche- und Pflanzen- ſubſtanzen. 6) Ihr ſpeciſiſches Gewicht beträgt, wenn ſie ſtark concentrirt iſt, faſt das doppelte voin reinem Waſſer. Auf der 5aume- ſchen Flüſſigkeitswaage zeigt ſie 6b Grad*). Sie miſcht ſich H| unter Erwärmung mit Waſſer; dieſe Wärme kann bis auf 95 | Grad Reaumur getrieben werden, in dem man 1 Pfund Säure, 4 auf 3 Unzen Waſſer gießt**3,. Die Miſchung dieſer beyden [ Flüſſigkeiten erzeugt kein Auffieden; ſelbſt wenn ſie zu; einem hdhern Grade von Hiße gebracht wird, als der des kochenden Waſſers, weil ſie dichter, mithin weniger zum Verdunſten ge» neigt iſt.- Aber wenn man eine oben gebogene Rdhre in das Waſſer ſtellt, auf welches man, die Säure gießt) ſo„erhält die Hitze, welche- darin erregt wird, die Kraft, das in der Rdhyre enthaltene Waſſer zum Sieden zu bringen, und es ſucht ſich daun zu beyden Seiten derſelben in Geſtalt des Dampfes einen Ausweg. . Die Herrn Lavoiſier und Laplace haben die Beobachtung 4 gemacht, daß, während der Miſchung von zwey Pfunden Schweſelſäure zu.1,87058 ſpecifiſchen Gewicht, mit 1x Pfund Waſſer, beyde zu 0 Grad Wärme gerechnet, die aus der Vere bindung entſtehende Hitze 3 Pfund, 2 Unzen, 2 Drachmen Eis ſchmolz, welches ſo viel Eis beträgt, als 2 Pfund, 5 Un» zen, 7 Drachmen, 43 Gran ſiedenden Waſſers geſchmolzen has ben würden+). Die Eigenſchaften der Schwefelſäure haben ſie ſowohl zum Gebrauch in den Gewerben, als zur Anwendung in unſern Las boraa *) Gute kaufbare Schwefelſäure(Vitrioi6l) zeigt eine ſpecifiſche Dichtigkeit von 1,850 gegen reines Waſſer. In dieſem Zuſtande iſt ſolche(nach Rlaprorhs Beſtimmung) aus.74,4 trockner Säure, und 25,6 Waſſer gemengt. Die tro>ne Säure hingegen ift aus 27 TAG als Subſtrat, und 57,7 Sauerſtoff zuſammen- 207! geſekt.. | 2) Gießt man gleiche Theile vauchende Schwefelſäure und Waſſer | bey einer Temperatur von 209 Reaum, zuſammen, ſo entſteht in .| der Regel eine Temperatüverhöhung von 100 Grad Reaum.; oft | | | fahe ich, wenn die Säure waſſerfreyer war, noch höhere Tempe- raturen hervorfommen.. JP) Hierbey iſt zu bemerken, daß dieſe Berechnung nach franz. Ger wicht gemacht iſt, wovon die Ynze 5783 Span enthält.. H. 28 15- borotorien ſehr empfehlenswerth gemacht, von einer Seite iſt ihr Verwandtſchaftsverhältniß mit den verſchiedenen Baſen von ausgezeichneier Bedeutung, und. in. dieſer Rückſicht gebraucht man fie wit Erfolg, um die andern Säuren zu trennen, und von ihren Verbindungen zu entbinden, Von der andern Seite iſt es eine der unausdehnſamſten Säuren, die uns bekannt ſind, und dieſe Eigenſchaft gibt ihr einen entſcheidenen Vorzug, weil ſie in ihrer Wirkung mit der Subſtanz, die man mit Hülfe ihrer, entfernen oder veiflüchtigen will, kein, dieſer fremdartiges Produkt hervorbringt. Dieſe Säure iſt übrigens in Ueberfluſſe vorhanden, die Kunſt Fann ſie mit großer Oeconomie erzeugen und überall zuſammens- ſetzen; da ſie endlich ſeit langer Zeit bekannt iſt, ſo-ſtehen ihre Eigenſchaften und Verbindungen völlig feſt, ſo daß ſie für den Chemiker eines der anwendbarſten Mittel bildet. Erſter Artikel, Von. der Art, die Schwefelſäure zu verfertigen, oder zu ; extrahiren. Obgleich die Schwelſäure ſich täglich in den mannigfalti- gen' Operationer erzeugt, die auf. dex. Oberfläche oder im In- nern des Erdbodens vorgehen,; indem wir täglich geſchwefelte, Metalle, Alkalien und Erden in ſchwefelſaure Salze übergehen 4 ſehen; ſo zeigt ſich dieſe Säure doch ſelten in ihrer einfachen x Geſtalt; indem die Stärke ihrer Verwandtſchaftsfähigkeit ſie ſoz gleich in neue Baſen verwiFelt, mit denen ſie, ſo wie ſie ſich entwi&elt, Neutralſalze bildet, Bis jetzt hat man ſie yur in vulkaniſchen Gegenden, frey von Verbindungen mit andern Körpern, oder wenigſtens nur ſo ſchwach mit fremden Baſen verwi>elt vorgefunden, daß die Ei- genſchaften der Säure vorherrſchend waren:.Baldaſſari hat fie in einer Grotte des Berges San- Amiato nahe bey den Bädern von San- Felipe, in San-Albino, und am See.Travallo beobachtet, Er erzählt, daß ſie ſich in einer Efflorescenz, oder in der Form eines feinen Fadengewebes dargeſtellt habe. Vandelli berichtet, in den Gegenden von Viterbo und Siena finde man die Schwefelſäure in Waſſer aufgeldſt, Dolomieu hat ſie in einer Grotte des Aetna bemerkt. Es ſcheint nach den Beobachtungen der Naturforſcher, daß Faſt in jedem Folle, wo man dieſe-Säure in dem Suſtande UE 0- Efſlorescenz findet, ſie nichts als ſtark oxydirter Schwefel ſey; wie man ihn ſublimirt in den Gefäßen vorfindet, in denen wan dieſe Säure durch Verbrennen erzeugt. Sublimirt wan den Schwefel'um das Produkt zu erzeugen, das im Handel miter der Benemnung Schwefelblumen vorkommt,'ſo ſäuert ſich der Schwefel zwar nur ein wenig, aber doch ſo, daß Waſchen in Waſſer ihm die mitgetheilten Eigenſchaften der Säure nicht raubt. Alſo hat die Exiſtenz der Schwefelſäure in der Nähe von Vulkanen, und an allen Orten wo fortwährend Schwefeldämpfe aufſteigen, nichts auffallendes, Die Schwefelſäure, welche Gegenſtand des Handels iſt, iſt ganz ein künſtliches Produkt. Wir können föglich alle Proceduren, dieſe Säure zu ver? fertigen, auf zwey Hauptgattungen reduciren, die eine, wo man ſie aus Zuſammenſeßungen entwielt, in denen ſie bereits vdllig ausgebildet erſcheint/ die andere/ wo man ſie durch Ver- bindung des Schwefels mit Sauerſtoff erzeugt, 6. 1. Entwidelung der Schwefelſäure, dur< Deſtillation ſchweſelſaurer: Salze« Die Natur liefert uns häufig und zu geringen Preiſen ſchwe» felſaure Salze: mit Eiſen, Kupfer, Kalk, Talkerde, Thonerde und Natron. Alle dieſe Salze enthalten Schwefelſäure in verſchiedenen Verhältniſſen, aber die Stärke in Verwandtſchaft, die dieſe Säure mit ihrer Baſis verbindet, iſt ſo groß, daß, ſie ohne eine Zwiſchenwirkung nur mit der größten Mühe entwikelt werden kann, vorzüglich wenn man ſie rein, und ohne Beymiſchung erhalten will. . Die Deſtillation iſt das einzige, bis jezt zur Trennung der Säure von einigen ihrer Baſen angewandte Mittel, und die einz zige Procedur,"durch die man den Handel ſeit' geraumer Zeit mit dieſem Artikel bereichert hat.- Dem ſchwefelſauren Eiſen (dem Ciſenvitriol) hat man allgemein bey dieſer Operation den Vorzug gegeben, weil es ſehr häufig und wohlfeit iſt, und ſeine, Schwefelſäure leichter fahren läßt, als alkaliſche oder erdige ſchwefelſaure Salze, Man fängt damit an, dieß Salz zu tro>nen, und ihm durch ein heftiges Feuer„alle ſein Kriſtalliſationswoſſer zu bez nehmen; emm 17 eme nehmens: dannm/pulverifirt man es*)/ und füllt es'in eine ſteiz nerne Retorte; die man in einem guten Reverberirofen anbringt; welche man mit einem-großem Recipienten verſieht.--- Man 1egt näch/und-nady). das Feuer an, und es entwiein ſich' bald"weiße Dämpfe, welche nichts ſind, als Ueberreſte des Krijtalliſations2 waſſers durch eine kleine Quantität Säure geſäuert;. danmwechz ſelt. man mit dem Recipienten, weun man die Säure,noch cons centrirter auffangen will, Die Säure, die mun herausgeht; verdickt ſich immer mehr und mehr durch die Deſtillation„und die letzten Reſte ſteller ſich in Cisgeſtalt dar, woher es fommt, daß wan ihr den Namen eisartiges Vitriolöl gegeben har. Was in der Retorte bleibt, iſt rothes Eiſenoxyd, das im Handel Kol- kotär genannt wird, Um dieſer Operation. in den Laboratorien guten Erfolg. zu verſchäffen, muß man mehrere Tage hindurch ein lebhafres Feuer unterhaiten. Glauber verſichert, daß die Schwefelſäure, welche durch die. Deſtillation des ſchwefeiſauren Zinks erhalten wird, rein, wenig gefärbt, und leichter daraus zu erhalten iſt, als"die aus ſchwefeiſaurem Ciſen. Die erdigen ſchwefelſauren Salze geben ihre Säure ſehr ſchwer von- ſich“ Deſtillirter Alaun gibr, nur ein ſäuer!iches Waſſer„“ und zerlegt ſich nicht vollſtändig durch Wärme, xreu- mann und 2gume waren deſſen gewiß, und ich habe mich ſelbſt davon überzeugt. Der ſchwefelſaure Kalk hält ſeine Säure noh ſtärker feſt, und Marggraf hat ſelbſt die Erfahrung gemacht, daß es der Berührung mit irgend einem entzündlichen Stoffe bedarf, um die/Zerſezung dieſes Salzes zu bewirken; aber dann iſt die Säure zum Theii zerlegt und in den Zuſtand der ſchwefiichten Saure gebracht. 6. 2. Von der Erzeugung der Schwefelſäure, dur< Verbrennen des Schwefels.; Man kann den Sauerſtoff dem Schwefel in zweyen verſchiez: venen Geſtalien beydringen, in Gas und in feſter Geſtalt. Teder2 »), Wenn der bis zur Weiße kalzinirte Siſenvitriol völlig pulveriſirk wird, dann läßt ev-die Saure äußerſt ſchwer von ſich. Beſſer iſt es, den kalzinirten'Vitriol nur in Stüe einer Nuß groß zu zer- ſchlagen; oder das zartere Pulver mit grobem Sande zu mengen, wodurch das Zuſammenbacken vermindert, und die Ausſcheidung der Säure begünſtigt wird, H. I1. Jederman weiß; daß, wenn man Schwefel inder atmosphä- riſchen Luft verbrennt/ ſich daraus eine ſehr flüchtige, pikante, einen erſtienden Geruch an ſich tragende, ſaure, und zur Ver- bindung mit alkaliſchen. Baſen geſchite Subſtanz, entwielt, Srahl, der uns nicht/allein das-Mittel dieſe Säure zu er- zeugen, ſondern die Natur der Verbindungen, deren ſie haupt» ſächlich fähig iſt, kennen gelehrt hat, nannte ſie ſchweflichte Säure,(Spiritus ſulfuris per campapam). Man bereitet die ſchweflichte Säure durch reines und ein- faches Verbrennen des Schwefels, oder durc) Desoxrygenation der Schwefelſäure, durch Metalle, Phosphor und Kohlenſtoff. Durch dieſe leßten Proceduren jedoch, gewinnt man ſelten ſehr reine ſkeln, wo es keines ſo hohen Gradev von Reinheit bedarf, ſo deſtillirt man die Schwefelſäure mit Sägeſpänen oder geha>tem Stroh. Die ſchweflichte Säure hat einen ſtarken, durchdringen- den Geruch. Sie iſt weder fähig zum Einathmen noch zum Berbrennen; Ihre ſpecifiſche Dichtigkeit beträgt nach Bergmann 0,00246, und nach“ Lavoiſier 0,00251. Der Cuvikzoll davon wiegt 1,508 Gran(10,83638 centim. Cubus). Ihr Geſchma> iſt ſtarf, hitzig, pikant, ſauer, uns angenehm, in der Kehle brennend, und zum Huſten reißend. Die ſchweflichre Säure zerſeßt die Salpeterſäure; ſo auch in oxydtrte Salzſäure, und geht in den Zuſtand der Schwefel- aure über. y Die ſc, indem ihre Säure analog iſt. Sie werden durch Feuer zerſetzt, und verwandeln ſich in ſchweſelſaure Salze durch die Bexührung der Luft oder die Einwirkung einiger Säuren, Die ſchweflichte Säure wird dazu gebraucht, Seide und einige wollene Subſtanzen zu bleichen, die man zu dieſem Zwecke durchnäßt. in verſchloſſenen Zimmern den Dämpfen des ver- brannien Schwefels ausſetzt. Cs ſcheint als ob bey dieſer Ope2 ration die ſcmäßig erachtet, ſeine Wirkung auf den Schwefel zu unterſuchen. r) Gleiche Theile Schwefel und Braunſteinoxyd deſtillirt in eine Retorte, an welchen ich einen Recipienten angebracht Hatte, deſſen innern Wände mit Waſſer befeuchtet waren, gaben viei weiße ſchweflichte Dämpfe von ſich, von denen ein Theil ſich in den R-cipienten condenſirte, und mir 3 Unzen für eine Temperatur von 22 Graden ſpecifiſcher Dichtigkeit, auf 3 Pfund von der Miſchung gerechnet, lieferte. Dieſe concentrirte Säure ergab nur einige Gran Schwefel- ſäure, was in der Retorte blieb, war weiß, und lo>er, von ſchmutzigem Anſehn, und lieferte mir geſchwefelten und ſchwe» felſauren Braunſtein, mit Schwefel und Natron, vermiſcht. Gren hat aus einem gleichen Verſuche ähnliche Reſultate erhalten. 2) Braunſteinoxyd vermiſcht mit Schwefel auf dem Heerde der Bleykammern, erleichtert die Verbrennung; aber damit die Wirkung davon ſic) merklich zeige, muß das Verhältniß des Braunſteins zum Schwefel wenigſtens die Hälfte betragen. Es ſchien mir, daß die ſchiklichſte Form, die man dieſer Mi- ſchung geben kdnne, um ihre Verbrennung zu bewirken, die von Kugeln wäre, die man verfertiget, indem man beyde Subſtanz zen mir einer Quantität Waſſers befeuchtet, die hinreichend iſt, ihr die Conſiſtenz eines Teiges zu geben. Man macht von dies ſen Kugeln nur dann Gebrauch, wenn ſie troFen ſind; aber, ] obgleich ame 21 aman obgleich der Braunſtein ſeine Farbe und ſeinen Sauerſtoff im Verbrennungsproceſſe verliert, ſo erhält man doch faſt nichts als ſchweflichte Säure. Man kann aus den zahlreichen Verſuchen, die ich gemacht habe, die Metalloxyde bey der Verbrennung des Schwefels, zum Behuf der Fabrikation der Schwefelſäure anzuwenden, ſchließen, ,daß keines von ihnen mit Nußen zu dieſem Zwecke gugewandt werden kann, denn, obgleich ſie wohl die Verbrens nung veſchleunigen; ſo ſind ſie doch zur Production der Schwes felſäure unthätig. Einige bekannte Thatſachen, und die Natur der Grundbe- ſtandtheile: des Waſſers beſtimmten mich, den Einfluß dieſes öluidums auf die, Verbrennung des Schwefels zu prüfen, und ich habe hierüber folgevde Erfahrungen gemacht, x) Ich knetete den Schwefel mit Waſſer und brannte dieſen Teig auf einem Heerde in einer Bleykammer. Die Flamme, die dieß gibt iſt weißer und anhaltender als die des Schwefels allein, die Condenſation der-Dämpfe leichter und das Produkt an Maſſe reicher; das Waſſer ſäuert ſich“ſchwach 3."aber ich habe dieß Zwi? ſchenmittel nicht für vortheilhaft in der Anwendung gehalten, weil das„Produkt der Concentration'geſäuerten Waſſers faſt null iſt, 2) I< habe ferner Schwefel in Gefäßen mit Röhren ge? ſchmolzen, um die Entzündung zu verhindern, dann goß ich Waſſer auf den noch flüſſigen und recht heißen Schwefel, bald tropfenweiſe, bald nur.ſo, daß der Dampf ihn beſtrich, und ich bemerkte, daß von dem Augenbli>e, wo das Waſſer die Ober- fläche des geſchmolzenen Schwefels berührte;- ſich daraus ein weißer und di>er Dunſt entwielte, der, in Recipienten ge- ſammelt und condenſirt, mir nichts zeigte als ein Waſſer ohne Geſchma>X und. Schwefelſublimat. 3): Wenn man Waſſer tropfenweiſe auf eine Maſſe entzüuns deten Schwefels fallen läßt, ſo vergrößert ſich die Flamme und wird weiß, aber doch liefert das Produkt der Verbrennung nicht mehr concentrirte Säure, als der ohne Beymiſchung vera brannte Schwefel; I< hatte geglaubt, daß wenn man reinen Sauerſtoff zur Verbreunung des Schwefels anwendete, man dadurch Schwe- felſäure erhalten würde, ohne daß eine andere Subſtanz noch hinzutrete; aber die Erfahrung hat bald mich. von dieſer Taus - ſchung zurüfkgebracht; denu ſowohl, wenn ich den Schwefei im Sqauerſioffgas- ſelbſt verbrannte, als wenn ich deſſen ar; au BEEG 1 Mdinn auf eine Fläche in Brand befindlichen Schwefels leitete, wär das Reſultat immer ſich gleich, das heißt ,'es zeigte ſich; daß man durch dieß Mittel wohl die Verbrennung beſchleunigen, aber nicht wirklich Schwefelſäure hervorbringen kdune. Aus allen Experimenten, die ich über die Verbrennung des Schwefels gemacht habe, läßt ſich ſchließen: 1) Daß die ſehr veränderlichen Vernältniſſe, des zur Vers brennung einer“ beſtimmten Portion Schwefels änwendbaren Sauerſtiofſgas, mehr oder weniger die Verbrennung beſchleunis gen, ohüe doc< die Maſſe der producirten Schwefelſäure merk- lich. zu. vermehren. 2) Daß Körper, deren Baſis Sauerſtoff iſt, und die ihn bey einer mäßigen Hike von ſich geben ,-wie z, B. einige der Me- talloxyde, mehr oder„minder zur Verbrennung beytragen, ohne Schwefelſäure hervorzubringen, 3) Daß ſolche Subſtanzen, die, wenn ſie mit Schwefel im Verbrennen in Verbinoung gebracht werden, ihm, unter Erre- gung einer heftigen Hilze.4hien: Sauerſtoff mitiherlen„die einziz gen, zur Verwandlung des Schwefels in Schwefelſäure gez ſchiten, ſind. 1 Nach dieſe! Grundſäßen treten an die Spilze der zur Ver- Miſchung mit dem Schwefel fähigen Subſtanzen, das ſalpeterſaure and das überſaure ſalzſaure Kali, Und es läßt fich aus den züvor mitgetheilten Reſultaten ſchon ſchließen, entweder, daß die Verbindung des Schwefels mit dem Saunerſioff einen ſehr hohen Grad der Temperatur er: fordert, um Schwefelſäute hervorzubringen, oder daß die Schwe- felſaure eine große Doſis Wärmeſtoff als nothwendige Bedin- gung ihrer Erzeugung bedarf, Ich. bezweifle nicht, daß man nicht dahin ſollte gelangen können. Schwefelſäure guch aus einer geringern Quantität von ſa!peterſaurem Kali zu gewinnen, wenn“ man die Verbrennung der Miſchung nur mittelſt ſtark geheißter Körper oder in ſolelnden-Säurez wenn jedoch.das Berhältniß des. Salpeters zu überwiegend iſt, ſo-hatzdieß außer.dem Nachtheile, daß die ungeheure Hiße ,-die ſich erzeugt„einen. Theil des Schwefels in.Natura verflüchtiget, und daß das Reſiduum, welches bleibt, ſo. beträchtlich-iſt, daß es eine: größere Quantitätder Säure,; die geradezu verloren geht, zurückbehält, noch. den, Daß.:die"über. das Bedürfniß große Portion des, Salpeters, die Schwefelſäure„ die man,producirt, beträchtlich vertheuert... Wenn dagegen aver der Salpeter wie? der: in, zu. geringem Maaße» vorhanden. iſt; ſo geht faſt aller Schwefel in den Zuſtand ſchweflichter Säure über. Es gibt alſo einen; Pankt, bey.welchem man ſtehen bleiben, und, Verhältniſſe ,. die man kennen muß; ich habe die Erfährung gemacht ,- daß es die zwe&mäßigſte Proportion ſey; dem Ge- wichte nach, zwiſchen& und& Salpeter auf. die Maſſe des an- zuwendenden Schwefels zu rechnen. Nachdem man den Gebrauch verlaſſen, ſchwefelſaure Salze zu deſtilliren/ um die-Säure daraus zu: ziehen, verbrannte man Miſchungen. von Salpeter und Schwefel in ungeheuern Glas- kugeln, in denen; wan eine Waſſe.ichicht. bereit. hielt /- um die Dämpfe zu condenſiren und gufzuldſen,„und. pfropfte ſorgfältig ie die; Defſummgzu, ſobald die Miſchung ſichſentzändete,“um den Verlüſt eines Theilesyder Dämpfe'zu: verhindern.&: Dieß'frühere Verfahren'machte"bäald! einem anderen Plätzy welches datin beſteht, die'Verbrennung'im Zimmern zu bewirken; die“mit! Bley? ausgelegt ſind; deren! Einrichrüng zwar"köſtſpielts ger, aber denno< vorzüziehen iſt, wer"ſw"geſtanen mehr i1/s Gryßs-zw-gehen.;; und weil ſie; einmal angelegt„"weniF Auf- wand zur, Erhaltung und, Reparatur) bedürfen;;;..; 5714 Män,gibt dieſen* Bleykammern gewdhnlich- dien Geſtalt reis nes länglichten Viere>s./- das mit einem auf beyden'Seitenlabz hängigen"/Dache! bedekt*iſt. Die Größe"wird'abwechſeind. wach dem.Zweoc> des-Fabrikänten beſtimmt;"und zuweilen auchydurch den“ Rätin,"in dem' man fie errichten will; 1'Im Allgemeinen ſchienen mit Zimmer- 20'oder 25 Fuß an jeder“Seite lang, und 35'Fußhoch/ die Zwe>mäßigſten zu' deren Anlage. 5 Da dieſe Kammern" dem ausgeſeßt“ ſind, die Dämpfe. vder die Fuüſſigkeiten, welche ſie enthalten“, zu"verlieren; oder ver- duünſten'zu laſſen; ſo muß man'ſie dergeſtaltifoliren, daß: man ihren" von allen. Seiten,'von oben und voniunten beykommen könfie,"und daher ſie in einem großen Gebäude" auf ſteinernen Würfeln%5.oder 6 Fuß vom Boden der'Mauern und dem Dache Entfernt,“errichten;“ferner"müſſen" alle-geldrihete Stellen von außenm-ſichtbar ſern" um'ſie“ deſto leichter repariren zu können, und das“ Zimmerwerk: endlich muß Feſtigkeit“ genug haben, um von. deni'-beſtändigen Dru>- der Bleyplatren nicht niedergebogen zuäverden.“ Man-befeſtiget die dünnen Bleytafeln»an der inneren Fläche''des Zimmerwerks; indem man, kleine:! Haken: von dem nämlichen Metall daran 1drhet,, die-man mittelſt eiſerner Nägel an"den Seitenpfoſten des Zimmerwerkes- anbringt. HTE *.."Da das Bley ſehr koſtbar iſt, ſo hat man jederzeit verſucht, dieß Metall durch eine Sübſtanz zu erſetzen 7'die die Säure'nicht äanßreifent ,'und'“die der Hiße, welche die Verbrennung der Mi- Jchung hervorbringt, widerſtehen kann, Man hat hinter einander Glasplatten/ glaſirte Ziegels und gl8öartige Steine hierzu in Vorſchlag gebracht, und“ ſe'bſt mehrere“ Vorrichtungen zum Verbrennen von dieſen Materiälien gebaut; äber man iſt immer wieder aufden Gebrauch des Bleys zurü&X gekommen, weil alle andetd verſuchte Mittel,'weder“ die Solid'tät noch die“Dauer","noch die Leichrigkeit bey der An- weidting' darboten), als"die'Froßen Bleyplätren*)z'S< *) In den deutſchen"Schwefelſäurefabriken, iſt'man von den Bley- platten abgegangen» und wender Glastafeln'an ,/ die mit| er FEEEEHENEENENEE Endemann IchNelbſt habe mit'Sorgfalt eine Kainmer-voy 80 Fuß Länge, 40/ Breite,'und' 50 Höhe errichtet, und deren Wände mit/einer Lage von Gips. bekleidet, auf die.ich wieder mehrere Lagen von einer ſiedenden Tünche anbrachte;:.die ich bereitete;:.- indem. ich zu: gleichen Theilen Terpenthin, Harz und gelbes Wachs miſchte, Ju dieſer Kamimerhabe ich achtzehen Mowate ununterbrochen ges branut;“aber: nachdem einmal“ pldklich: das Dach. dieſes ungez heuren Gebäudes eingeſtürßt war, hatte ich nicht“den, Muth eine. Vorrichtung, wieder herzuſtellen, die mich, ſechs Monate an- geſtrengter Arbeit, gekoſtet, und meine Geſundheit bedeutend anz gegriffen hatte, In der Art die Miſchung des Schwefels zu brennen, fine den auch Verſchiedenheiten in den verſchiedenen Werkſiätten Statt; in einigen.entzündet man die Miſchung von außen, und bringt ſie: ſobald ſie in Brand. iſt, mittelſt eines Wagens hinein, auf der die-Gefaße ſtehen ,. in;denen ſie enthalten iſt; in andern brennt man im Innern der Kammer ſelbſt, in deren Boden ein Raum.aqusgeſpart wird, um darauf den, Heerd zu errichten, Jh habe es zuerſt ſo gemacht;, aber.ich, bin dann darauf gekom men, Oefen. gußerhalb der. Kammer zu errichten, durch welche, mitte!ſt über dieſelben. angebrachter Rauchfänge, der Dampf in das Innere geleitet wird.; ,4-Die, beyden erſten Methoden ſind wenig von einander uns terſchieden;;doch. macht. die.zerſte, mehx. Umſtände; das Fahren ſelbſt und die Unterhaltung eines Wagens ſind koſtſpielig und um ſo niehr, als Eiſen ünd Holz leichter angegriffen werden. - Die zweyte. Methode iſt einfacher, und ich habe mich ihrer auge bedient„ehe ich auf die dritte fiel, die den Vorzug vor. allen verdienet*.).;' |; 4: Doch der Säure, widerftehbaren Kitt in einander, befeſtiget. ſind. Auch kann man fſje mit Bley faſſen, und die Faſſung mit jenem Kitt überziehen. Da bey der Verbrennung des Schwefels durch Hülfe des'Salpeters; allemal Salpeterſäure ausgeſchieden wird, welche das Bley' angreift, ſo iſt dieſes Metall allemal nachtrheilig, weil ; Jolches die concentrirte Schwefelſaure-mit Bley verunreiniget. H. 3) Dieſe. leßztgenannte Verfahrungsarx findet ſich auch in den deut- ſchen Fabriken angewendet, Der Schwefel brennt in einem mit- telt dem innern Raume des Ofens communicirenden Raume, deſſen Boden mit Porzellan ausgelegt iſt, deſſen von Außen zu gehende Oeffnung nur 6 Zoll ins Gevierte iſt,, und der mit ei- nem höhern Bret verſchloſſen wird.„Auf dem Boden dieſes Raumes, der 5 Fuß über der Grundfläche des Ofens errichtet iſt, brennt Das“Gemenge aus“ Schwefel und Salpeter., Durch.den äußern Luftzug werden die Dämpfe immer nach Innen zu gefrier ben„welches den Erfolg ſehr begünſtiget. [SEID 26 anten -"Do< muß man ſehr aufmerkſam ſeyn auf den"Baüt des Ofens“ denn er wird nicht allein. mit der"größten Leichtigkeit baufällig; ſondern er bringt.ſehr verſchiedene Wirkungen hervor; je nawdem er mehr oder weuiger.anzieht. /J< habe die Erfahz rung gemacht, daß man indem Verhältniß ,.'in welchem der Ofen anzog, aus; ver nämlichen-Miſchung. nach Willkühr, Schwe feliublimat, flüſſiger'Schwefel,- oder ſchweflichre,: endlich Schwes Felſaure erhalten konnte,|| Um die Conden/arion der'Dämpfe zu erleichtern, hat man den Gebrauch angenommen, eine Waſſerſchicht auf den Bode der Kammern zu gießen; in einigen Fabriken begnügt man ſich äber auch!damit, vomZeit zu-Zeit mit ſolchem, vermittelſt einer Pumpe die Wände zu netzen*). So lange die wirkliche Verbrennung dauert* ſuchen die ſehr ausgedehnten' Dampfe dürch" alle Wege ,:'die ihnen öffei ſtehn, ſich einen Ausweg, aber'ſöbäld'ſie ſich condenſiren, dringt die änßere Luſt in die'Kammer; und es iſt ſelbt voörtheilhaft, Fleine Oeffnungen'anszuſpören,"die man leichteröffnen kann, um dieß Eindringen zu erleichtern,! „Sobald die Dämpfe nun. hinlänglich condeuſixt ſind, ſieht man in dieſem Zuſtande, wenn man eine Thür auſmacht ,. ein ſehr penetrantes Gas ausziehen, welches nichts anderes iſt, als ſchweflichte Säure, vermiſcht mit einigen Theilen: vön ſalpetriz gem Gas, das roth wird ,' wenn ſie die äußere Luft" berührt,“ - Wenn der Dampf,,. welcher. aus der geöffneten Thür zieht, weiß iſt, ſo iſt dieß ein ſicheres Zeichen der nicht vollſändig geſchehenen Condenſation. Man muß'vörſichtigerweiſe die* Thür wieder verſchließen, denn ſelbſt, ohne" Rüficht darauf, daß das Herausziehen der Dämpfe ein Vertuſt ſeyn würde)/ſo Xdnnten ſie auch den Nachbarn läſtig werden, und die Pflanzen in der umliegenden Gegend verbrennen,; Das„Produkt der Verbrennung iſt von'zweyerley Art: 1) die Säure, die eine-flüſſige Lage.auf.dem Boden.der Kam- mer bildet;'2) die auf dem Heerde übriggebliebene; Man nimmt das ſaure Waſſer nicht eher weg, als bis es 40 bis 50. Grade auf dem Saumeſchen Areometer(1,200 ſpeci2 fiſche Dichtigkeit) anzeigt. Weun man es früher herausnimmt, ſo wird nicht; allein. die Concentration desöſelben langwieriger und koſtſpieliger; aber die concentrirte Säure auch nicht von 19 guter Zualis *) In deutſchen Fabriken leitet man durc< Hülfe eines außerhalb des Ofens angehrachten bleyernen Keſſels, Waſſerdampf mittelſt hölzerner Röhren jn den innern Raunt des Ofens, H. Qualität in'Rükſicht der ſchwefelſauren Salze, die alsdann geneigter ſind, in der Säure aufgeldſt zu bleiben. Was in dem Ofen bleibt, ſind, wenn der Verbrennungs? proceß gehdrig vor ſich gegangen, nichts als weiße Kruſten, welche fäſt gänz aus ſchwefelſaurem Rali beſtehen. Iſt die Verbrennung aber ſchlecht erfolgt, ſo ſind die Kruſten bräun* lich,"ſo ijt noch viel Schwefel in Natura in ihuen zu unter? ſcheiden, und man bringt ſie dann wieder auf den Heerd, um ſie mit Hülfe einer neuen Miſchung vollſtändig zu trennen. Die Säure, die aus den Kammern kommt ,. oder in der Sprache der Fabrikanten, die Cultur aus den Bammern, fann nicht zu allem gebraucht werden, weil es keinen Judigo auflödſet, und ſalpeier- und ſalzſaure Salze nicht ohne Hülfe der Wärme zerſeßzt; aber in dieſem erſten Zuſtande kann man es dazu an? wenden, Eiſen und Zink, Behuſs der Fabrikation ſchwefelſaurer Saize' aufzuldſen, um Leinewand, bevor ſie gegründet werden ſoll, vom Shmuß zu reinigen und auszulaugen, in einem Worte zu jedem Gebrauch, den man vom Vitriold!,/ wenn man es durch Hinzuthunug von Waſſer bis unter 45 Grad nach dem Baumeſchen' Areometer g?bracht hat, machen kann, Um die Concentration der Schwefelſäure zu bewirken, bes dient man ſich gewdhnlich gläſerner Retorren,'im Sändbade; aber ich habe eine Methode angenommen, die mir immer ſchnel- ler“zum Zvede zu führen, und ökonomiſcher ſchien. I< bringe nämlich das Waſſew aus den Kammern in großen Bleykeſſein bis auf 69 Grad, ünd-beendige daun die Concentration in ſteiner- nen;Retorten, die ich in Galeerendſen dem bloßen Feuer ausſeßze, Wenn die“ Säure den gehdrigen Punkt ihrer Concentration erreicht hat/ muß ſie 66 Grad zeigen, und weiß., wie Waſſer ſeyn. Wenn ſie nicht ſo weit concentrirt iſt, behält ſie einige Ytome von Salpeterſäure übrig, die Indigo in ſeiner Aufldſung grün färben, und kann alſo zu dieſem Behuf nicht angewendet werden. Sind alle Operationen mit Sachkenntniß geſchehen, ſo'er- hält man an concentrirter Säure, wenigſtens das Doppelte des Gewichts von dem gebrauchten Schwefel, Man fährt in einigen Gegenden von Deutſchland noch im- mer fort, durch Deſtillation von ſchwefelſaurem Ciſen, Vitrioldl zu fabriciren; zu dieſem Endzwe>-, wie wir bereits bemerkt haz ben, fängt man damit an, das ſchwefelſaure Salz zu kalzini- ren und deſtillirt e8-es.dann in ſteinernen Retorten; es ergibt ſich hieraus 3) ein wenig ſchweflichtes Gas; 2) SiavEBugE; 3) eine eur 28=. ' 3) eine. dichte Flüſſigkeit, die"ſich in dem Recipienten anfeßt. Diete Flüſſigkeix iſt ein ſaurer Dunſt; der ſich in Nebel aufldſt; ſobaid er an. die Luft kommt, und deſſen Dampfe, wenn ſie ſich condenſiren, weiße und durchſichtige Kriſcatte in Geſtaix von viere>igren Tafeln, bilden, Hierbey iſt zu bemerkten, daß ſchlecht calcinirtes Schwefelvitriol, in dem noch ein Ueberreſt von Kriſtalliſationswaſſer geblieben, keine Säure gibt; wenn gleich bey dem nämlichen Feuer, welches beweiſet, daß durch die Kalzination das ſchwefelſaure Salz oxydirt, und ſeine Zuz ſammenſetzung verändert wird, daß ſie ver Säure nun Eigen? ſchaften mittheilt, und das, wenn man es nachher deſtillirt, ein Theil des durch die Ka!zination fixirten Sauerſtoffs der Säure verbunden bleibt, während ein andrer in der Geſtalt von Gas verfliegt. Die Deſtillation der Schwefelſäure af Braunſtein liefert auch eine rauchende Säure; gber weniger als die des ſchwetelſauren Eiſens, 4 Dieſe rauchende Säure iſt unter dem Namen Sisöl oder nordhauſenſch- oder ſächſiſch- rauchendes Vitriolöl bekannt, Es ſcheint alſo, als ob der Schwefel in ſeinem Uebergange zu dem Zuſtande als Säure, dreyer Grade der Oxydation fähig wäre:. 1) als. ſchweflichte, 2) Schwefel, 3) rauchende Säure. Die räuchende Schwefelſäure gefriert, und kriſtalliſirt ſich leicht bey einer; Temperatur von einigen Graden unter Null, aber in. dieſem Zuſtande hat. ſie doch keine Aehnlichkeit mit dem rauchenden Cisdle,] Wenn. man die rauchende Säure mit Waſſer verdünnt, ver- liert ſie dieſe Eigenſchaft, ohne ſie wieder erhalten zu können. Dieſe vanchende Säure iſt in den Künſten, beſonders in der Färberkunſt der vorzuziehn, die aus der Verbrennung des Schwe- fels entſteht, äber auch viel rheurer, als dieſe letztere, Wir werden Gelegenheit haben, von dem Gebranch: der Schwefelſäure zu handeln, wenn wir an die Lehren von der Färbung und von andern Operationen kommen, wo ſie als haupt- oder mitwirkendes Mittel gebraucht wird, Dritter Abſchnitt, Von der Salpeterſäure, Die Salpeterſäure gibt einen ſtarken und unangenehmen Geruch von ſich. Sie theilt der Haut und weißer Seide, eine dauerhafte gelbe Farbe, mit, Sie enn 29 w...j- Sie zerſidrt vollſtändig die blaue Farbe der Malven und Veilchen. Die Säure die in den Handel kommt, zeigt 30 bis 45 Grad va dem Banmeſchen Areometer(1,140 ſpec. Dichtigkeit. H). Sie iſt gewdhnlich von gelber Farbe, oft weiß und zuweis len von einem orangenartigen Roch; wenn ſie concentrirt wird, läßt ſie Dämpfe in die Höhe ſteigen, die durch Berührung der äußern Luft roth werden*), Sie zerlegt ſich leicht auf allen brennbaren Körpern, und producirt in ihrer Wirkung viel rothe Dämpfe. Die Salpeterſäure wird im Handel unter dem Namen Scheidewaſſer und. Salpetergeiſt, nach dem verſchiedenen Grade ihrer Concentration genannt, Sie iſt in ihrer urſprünglichen unvermiſchten Geſtalt nir- gends vorzufinden; aber ſie bildet ſich täglich durch einen Zu- ſammenfluß von Umſtänden, die wir in der Folge auseinander- ſetzen werden, und tritt in dem Augenblick, indem ſie ſich er- zeugt, in Verbindung mit den ſie umgebenden Körpern, aus welchen Verbindungen man ſie extrahirt, um ſie zum Gegen2 ſtande des Handels zu bereiten. Gewöhnlich bedient man ſich zu dieſem Zwecke erdiger und alkaliſcher ſalpeterſaurer Salze. Die Subſtanzen die man zur Zerſeßung der ſalpeterſauren Salze bisher angewendet hat, ſind Schwefelſäure; ſchwefel- ſaures Eiſen und die Lehm oder Bolarerden, welche mehr oder weniger Ocher oder KBiſenoxyd enthalten, Wenn man ſich der Schwefelſäure bedienen will, ſo thut man das ſalpeterſaure Kali, zu Pulver geſtoßen,.in eine Ne- torte, gießt von der Schwefelſäure ſoviel, a!s die Hälfte ſeines Gewichtes beträgt, darauf; bringt einen Recipienten an die Retorte an, und. erleichtert die Operation dur) Hälfe des Feuers**), Die Deſtillation kann-im Sandbade oder auch am. freyen Feuer erfolgen; im erſten Falle nimmt man gläſerne, nicht beſchlagene Retorten, im zweyten, irdene, oder von Glas, aber beſchlagen, Wenn *) Reine verfaufbare Salpeterſäure, ſo wie fie unter dem Namen Scheidewaſſer im Handel vorkommt, iſt allemal klar wie Waſſer. Nur wenn ſie unrein, oder nicht hinreichend mit Waſſer verdünnt iſt, zeigt ſie eine gelbe. Farbe, und ftößt ini leßtern Fall röthliche Dampfe aus, welche in ſalpetrigſauren Dünſten beſtehen. »*) I< habe immer bemerkt, daß, um den Salpeter vollkommen zu zerſeßen, gegen 2. Theile desſelben, wenigſtens 2X concentrirte Schwefelſäure angewendet werden uuß. 9. Wenn man die Schwefelſäure, die in den Handel kommt, ohne ſie zu verdünnen, gebraucht; ſo entwickelt ſich die Salpe- terſäure in faſt troXenen Dämpfen und es entſteht daraus eine ſehr condenſirre Säure; die Gefäße erhißen ſich beträchtlich, ſo daß die Condenſation beſchwerlid) fallen würde, wenn man nicht den Recipienten mit naſſen Tüchern bede>Xte, oder ihn erwa bis ein Drittel ſeines Umfanges tief, in einen, mit Waſſer ängefüllten Zober hielte*). Wenn man aber die Schwefeljäure * vor ihrer Anwendung, mit Waſſer verdünnt, oder ſie ſo nimmt, wie ſie aus det Bleykammer kommt, ſo wird die Operation da- durch ruhiger, aber auch die Säure ſchwächer, und die Deſtils Lation geht langſamer vor ſich, In allen Werkſtätten, wo man Sceidewaſſer fär den Han- del bereit»yt, hat man die Gewohnheit, die ſalpeterſauren Salze mittelſt Thon oder Bolarerden zu zerſeßen**), Bey der Wahl dieſer Erden iſt große Vorſicht von Seiten deſſen,„der Scheidewaſſer deſtilliren will, vonndthen Wenn ſie roth ausſehen, ſehr zerreiblich und gemiſcht mit kleinen For- men von Eiſenerz ſind, ſind ſie am beſten zu gebrauchen. Doch müſſen ſie auch nicht zu tro>en ſeyn, ſonſt zerſezen ſie ſich nax unvollkommen, und es bedarf dann auch einer- zu ſehr großen, und lange unterhaltenen Hitze, um die Operation zu Ende zu bringen, Diejenigen rothen Erdarten, deren Oberfläche glän- zend und faſt fettig erſcheint, verdienen den Vorzug. Auch gibt es graue vou rothen Adern durchſchnitiene Thonerden, die, went ſie gleich nicht ſo vorzüglich ſind, als die nur erwähnten, doch mit Vortheil gebraucht werden können; die, deren man ſich in Paris bedient, ſind von dieſer Art. Im Allgemeinen iſt es nothwendig, daß eine Erde, die zur Deſtillation von Salpeter dienen ſoll, ein Eiſenoxyd enthalte, das fähig iſt, durch Feuer einen hdhern Grad von Oxydation zu erlangen, woraus ſich erklären läßt, weshalb alle gebrauchte Erden nach der Operation rdther ausſehen. Die Retorren zum Deſtillixen ſind entweder irdene oder glä- ſerne; in Paris kennt man nur die erſtern, und' die Retorten, oder die irdenen Gefäße, deren man ſich daſelbſt zur Deſiilla- tion *) Alle dieſe Umſtände find nicht erforderlich, wenn man die De- ftillation nur recht langſam von fiatten gehen läßt. **) Der Thon oder die Bolarerden ſind die ungeſchiteſten Mittel zur Ausſcheidung der Säure aus dem Salpeter. Es wird bey ihrer Anwendung viel Brennmaterial verſchwendet; es wird ein Theil der Salpeterſäure völlig zerlegt 3“ und iman gewinnt immer . nur eine' ſehr ſchwache Säyre, H. EH 31-.. tion des Scheivbewaſſers bedient, ſind nur klein;- dagegen man im mirtäglichen. Frankreich grüne Glaſe,“die. man«Chambouz Lingläſer neunt, gebraucht, unddie Retorren dort einen ſo an- ſehnlichen Umfang haben, daß jede von ihnen 75 bis 80 Pfund, der Miſchung faßt, und 20 bis 39 Pfund Säure gibt. Diejenigen Defen, die man Saleerenöfen nennt, ſind nur in Anſehung der Größe der Retorten und der Natur des-darin Gebrannten von einauder verſchieden. Gewöhnlich beſtehen ſie aus zwey parallel laufenden Mauern, zwiſchen die man eiſerve, oder von Erde gemachte Bögen anbringt, um die Retorten feſt zu halten. Dieſe Retorten, vorzüglich die gläſernen, müſſen mit vieler Sorgfalt beſch)iagen werden; zu dem Ende thut man Thonerde, nachdem man ſie zuvor klein gemacht und faſt ganz zerrieben, in eine Molde, benetzt ſie mit Waſſer, um ſie zum Zergehen zu bringen, und ſobald als ſie einen geſchmeidigen; weichen und von Brocken freyen Teig bilver, ſo nimmt.man ſie aus der Molde heraus, um ſie mit friſchem Pferdemiſt zu miſchen, kne- tet dann die Miſchung ſorgfältig uad fährt. damit fort, bis Miſt und. Thon vem Yuge nur als eine Maſſe erſcheinen. Den da? durch gewonnenen, Kitt trägt man mit freyer Hand auf, und ſieht vorzüglich darauf, ihn auf die Oberftäche des. Glaſes ſo anzubringen, daß er aufklebt, und daß die ganze Bede>ung eine. Lage von ganz gleicher Die ohne alle Blaſen bilde. Den Kitt Überhaupt läßt man nach Verſchiedenheit der Jahreszeit oder des Clima's entweder an ver Sonne, oder in einem heißen Zimmer tronen. Der Salpeter iſt dasjenige Salz, das man allgemein zur Deſtillation des Scheidewaſſers anwendet; aber, da die verſchie? denen Zuſtände,„in denen es ſich befinden-kann, Säuren von ganz verſchiedener Gattung hervorbringen; ſo iſt es unumgäng» lich nothwendig, die verſchiedenen Arten des Salpeters kennen zu lehren, deren man ſich in den Werkſtätten bedient, um dar2 aus die der Säuren zu deduciren, welche aus ihnen entſtehen. Der Salpeter, wie er aus der Werkſtatt der Salpeterfa- brifanten hervorgeht, wird roher Salpeter genannt; er ent? hält außer ſalpeterſaurem Kali; ſalpeterſaurer Kalk-“ und ſal» peterſaure Talkerde, ſo wie erdige und alkaliſche ſalzſaure Salze, Wenn man dagegen mittelſt Proceduren', die wir bey dem Artikel, ſalpeterſaure Salze näher beſchreiben werden, das falpeterſaure Kali von allen dieſen fremden Salzen gereiniget hat, ſo bekommt dann der Salpeter den Namen des rgffinirten. Außer.. Außer dem Salpeter in dieſen beyden Zuſtänden verkauft man noch den Scheidewaſſer;- Deſtillateurs eine verdickte Maut- terlauge, die man recutt im mittäglichen Fraukreic) nennt, ge? Lochten Salperer und eine Art von Salpeterkörnern, und von der Conſiſtenz des Honigs, die grober Salpeter heißt. Dieſen leßtern beyden Subſtanzen, der gekochte Salpeter und. der grobe Salpeter erfordern, von Seiten unſrer, emige Dez tails über ihre Bereitung, damit man ihre Natur kennen und auf die Qualität des Scheidewaſſers ſchließen lerne, die ſie zu erzeugen fähig ſind. Die Lauge der ſalpeterſauren Erden, enthält außer dem ſal: peterſauren Kali, deſſen Verhältniſſe bis in das unendliche ab» wechſein, viel erdige oder alkaliſche Salze, die nicht leicht zur. Kriſtälliſation geneigt ſind, ſo daß, wenn man den erſten An- ſchuß von Kriſtallen des ſalpeterſauren Kali's abgenommen hat, und das Uebriggebliebene, bis zur Conſiſtenz eines Teiges-oder Extractes verdunſtet, bildet ſich eine körnige Maſſe, der ſoge nannte grobe Salpeter. Wenn man dagegen durch mehrere hintereinander folgende Abdampfungen und Kriſtalliſationen, alles ſalpeterſaure Kali, das man aus einer Lauge ziehen kann, hinweggeſchafft hat, ſo verdi>t man die Mutterlauge bis 45 Grad, und verkauft ſie, uüter dem Namen gekochter Salpeter, den Deſtillareurs, um die Säure daraus zu ziehen. Dieſer letztern beyden Verſuchungsärten bedient man ſich in der Grafſchaft Venaiſſin,(jeht Departement von Vaucluſe) wo man ,, bevor ſie mit Frankreich vereiniget' war, faſt alles Scheidewaſſer verfertigte, das in den zahlreichen Fabriken der mittäglichen franzdſiſchen Provinzen gebraucht wurde. Nuu- mehr aber, wo dort die franzdſiſche Verfaſſung in Hinſicht der Fabrikation und des Verkaufes von Salpeter eingetreten, ſind die Salpeterſieder zu Maaßregeln und Proceduren gendthiget worden, die ihrem frühern Verfahren gerade zuwider ſprechen; indem ſie durch die Verpflichtung, alles Produkt ihrer Fabri- ,. kation an die Regie abzuliefern, die nur ſalpeterſaures Kali duldet, außer Stand geſeßt werden, gekochten Salpeter und groben Salpeter zu machen. Aber dennoen iſt.' Und. was den gekochten Salpeter betrifft" der 45 Grad zeigt; ſo knetet man dieſe jyrupartige Flüſſigkeit mit Erde und bildet daraus einen tro>enen Teig, den man in die Retvrten thut, das Verhältniß, welches man dabey beobachtet', iſt ge- wöhnlich 39 Theile gekochter Salpeter auf 20 Theile Erde. Aber da der gekochte Salpeter zu 45 Grad der Concentra- tion gebracht, viel Maſſe gibt; ſo habe ich es für vorrheilhafter gehalten, ihn in einem großen Kufel, mittelſt des Verdunſtens zu verdiFen, und ihn daun wie groben Salpeter zu deſilliren, In Paris bedient man ſich zur Deſtillation des Salpeters einer fetten, ſchmierigen Erde von granlichem Anſehen, und mit. einigen rothen Adern, die man in der Gegend von Vandres finder. Maun tronet ſie in Defen, indem man ſie hineinſchiebt, ſovald man die glühenden Kohlen herausgenommen, und zer- brö>elt ſie, indem man ſie durch ein Sieb, von Weidenholz ſiebt. Dann wacht mau die Miſchung von ungefähr 180 Pfund dieſer Erde, mit 89 Pfund zerſtoßenem Saipeter, und füllet damit die irdenen Gefäße zur Deſtillation des Scheidewaſſers an, die man auf einen Galeerenofen zu 32 bis 36 in zwey Reihen aufs- ſiellt, und beneßt die Miſchung einigemal, wenn may eine ſchwache Säure von 22 bis 25 Grad gewinnen will, Die den Salpeter, die Erde und die Miſchung von neuem zu-wiegen;„ſo. bedient man ſich ſo.cher Maaoße, deren Umfang mau bereits kennt. Der Jrrihum hier: bey wird nie ſo bedeutend ſeyn, daß dadurc< der Fabrik Nach- theil erwachſe oder die Quanritär der Produkte gefährvet wrde, Sobald nun die Retorten mit der Miſchung. angefüllt ſind, bringt man ſie in die Ga!eerendfen; indem man ſie auf Bd.ien ruhen läßt, und ſie leiſe neigt, damit. der Schnabel einer jeden nach außen gekehrt ſey, um einen Recipienten daran anbringen und lutiren zu können. Maun bedet dann die Retorten mit den Scherbey deren, die bereits ihre Dienſte geleiſtet haben, ſo daß ſie eine Wdlbung bilden, weiche auf den Mauern des Galeeren- ofens und dem Rücken der Retorten ruhen. Dann breitet wan auf der ganzen Oberfläche eine Lage von“Aiche aus, die man etwas mit Waſſer befeuchtet, um alle die Spalten damit zu verz ſtopfen, welche die übel'verbundenen einzelnen Srüde- dieſer Kuppel laſſen. kdönuren. Man läßt am Ende des Galeerenofens eine. längliche Oeffnung, um den Zug zu begünſtigen und als Rauchfang zu dienen. Endlich wenn. die. Vorrichtung ſo.verfertiget iſt, und may die Recipienten an die, Retorten. angebracht hat, vöne ſie jedoch daran. zu lutiren„zündeicman ein Feuer an, das man ſorgfä'tig nach.:und nah. ſteigert ,. um. die Retorten nicht zum Plaßen! zu bringen... Der erſte.Eindru> der Hitze änßert ſich auf die Retor- ten, welche der Spitze der Galeere am nächſten ſind; nam und nach nimmt ſie im Junern zu, und ſtufenweiſe bringt man' das Brennmaterial immer weiter nach hinten. Die erſten aufſteigenden Dämpfe find faſt durc Man erkeunt, daß die Operation vollendet iſt: 1) wenn dex Recipient kalt wird. 2) Wenn die Dämpfe,-welct iſt. Es iſt nun ſchon über 20 Jahre her, daß ich das Mittel angegeben, die Fabrikation der Scheidewaſſer und des Alauns gleichzeitig zu bewirken, das heißt, beyde Produkte mittelſt ei» ner Operation zu verfertigen: ich nehme nämlich einen Thon der reich an Alaun iſt, aver kein Eiſen enthält, tro&ne und zer- brd&ele ihn gehdrig und vermiſche ihn mir Salpeter und Schwe- felſäure, die 40 Grad zeigt, zu gleichen Theilen; dann geht die Deſtillation gewdhnlichermaßen vor ſich, die Salpeterſäure ſteigt in den Recipienten und das Refiduum darf nur.gusgelaugt werden werden und ſich kryſtalliſiren,“um einen Alaun von der beſten Gattung zu liefern*)% Die Säure, welche man durch die Deſtillation des Salpe- ters erhält. har eine verſchiedene Quantität; je nachdem der Satperer deſſen män ſich bedient, mehr oder weniger rein iſt, Reiner Sa'peter gibt eine reine Säure, die dazu gebraucht werden kann, Queckſilber aujzuldſen und ſo das ſogenannte Ge: Hewnniß der Hutmacher. zu bilden, und die man gleichfalls zu der deiitaren Operation des Goldſcheidens«anwendet, woher ſie die Namen Hutnigelder- und GSoldſchyeider- Scheidewaſſex erhalten 2; Die rohen Salpeterarten, die Mutterlaugen, der gekochte Saiperer, und der grobe»Zalpeter liefern yalpererſaure. Salz» ſäure, aus der hanp!jächlich das in den Handel kommende Stveidewaſſer beſteht! Man bedieut fich desſeiven hauptſäh- lich zur Aufldſung'von Zinv und zur Bereitung deſſen, was die Färber Scharlach- Compoſition nennen, Selten iſt es, daß das Scheidewaſſer nicht mehr oder wes niger Salzſäure enthält, deſſen Quantität wan kennen lernen, und es davon befreyn muß, um es-zu gewiſſen Operationenz häuptiächlich zur Schewung des Goldes vom Silber anwenden zu kdunen 2- das üblichſte Mittel um die Salzſäure, zu trennen; iſt, da? man eine Nufldſung von ſalpeterſaurem Silber auf-die Säure gießt, die, erſt blaß und endlich vdllig weiß wird„je nachdem mehr oder weniger Salzſäure darin enthalten iſt; dann die Flüſſigkeit abkiären läßt und ſo lange aufgeldſtes Silber hin? zugießt, bis ſich tein Niederſchlag mehr bildet. Dann lägt man das Klare der Flüſſigkeit von dem Bodeno ſatze ablaufen ,/ der nichts weiter iſt,“ als unaufldsliches ſalzſaus xes Silber„. und die ſs gereinigte Säure führt dann den Namen niedergeſchlagenes Scheidewaſſer. Deſtillirt man die Säure, welche +) Dieſe Verfahrungexart Alaun zu gewinnen, iſt zwars, aller Gewohnheiten, aller Veriaorungsweiſen, die nur Frucht einer langen Praxis ſeyn kann, die den alten Fabriken immer den Vorzug vor den neuen gibt. Das von den Färbern angewandte Scheidewaſſer zeigt ge- wöhnlich 30 bis 35 Grad. In Paris verjendet man es m ſiei- nerven Flaſchen; in en mittäglichen Provinzen Frankreichs ader in Cavetten von grünem Glaſe die 20 bis 25 Pfund, emhalten und von denen 10 auf eine Kiſte gerechnet werden.; Den erſten Schritt zur Analyſe der Salpeterſäure verdanken wir Zavoiſier. Im Jahre 1776. gelang es diefem berühmten Chemiker, dieſe Säure in zwey ſehr beſtimmte Grundbeſtand- theile zu zerlegen; ein Pfund Salpeterſäure auf Queckſilber des ſtillirt- auf dem hydropneumatiſchen Apparate lieferte ihm eine Unze, 7 Quenichen 23 Gran Sauerſtoffgas, eine Unze, 513 Gran nitrdſes Gas und 13 Unzen 18 Gran Waſſer. Nach dex Operation hatte das Quedſilber das nämliche Ge- wicht und die nämliche Geſtalt als zuvor. Die Wiedervereini- gung dieſer drey Produkte in den nämlichen Verhältniſſen gab dieſelbe Quantirät Säure wieder, die zum Experimente genome men worden war. Eine gleiche Zerſezung der Salpeterſäure findet in allen den ven Fällen ſtatt, wo ſie eine directe Wirkung'auf metalliſche Subſtwzen, und auf Pflanzen- und rthieriſche Stoffe äußert; aber in den beyden letztern Fällen verbindet ſich der Sauerſtoff mit dem Kohl1en- oder Waſſerſtoff und bildet Kohlenſäure und Waſſer; ſo daß man ihn nicht rein erhält, wie, weny man ihn auf Metalle wirken läßt, Der rothe Dampf, welcher ſich ent- wickelt, wenn die Operation in frever Luft vorgenommen wird, iſt das nämliche Gas, welches, wenn man es über dem Waſſer auffängt, und der Berührung der atmosphäriſchen Luft eutzieht, unſichtbar bleibt.; Aber es blieb uns noh übrig, die Natur dieſes nitröſen Gas zu unterſuchen; und wir verdanken hierüber Herrn Caven- diſh eine ſchdne Erfahrung, durch die er bewieſen, daß dieß Gas nicht eine einfache, ſondern eine aus Sauerſtoff und Sof [] ſtoff zuſammengeſeßte Subſtanz ſey; er füllte nämlich in gläſerne Geiäße 7 Theile Sauerſtoffgas, die er erha'!ten, ohne Salpeter- ſäure dazu anzuwenden, und 3 Theile Sti>ſtoffgas; und dann leitete er ven electriſchen Funken mitten durch dieſe Miſchung, die nach und nach an Umfang abnahm, endlich aber ſich in Salpe- terſäuie verwandelte. Seit jener Zeit haben die Herren van Marum und Lavoi- ſier dieß Experiment wiederholt, und die früher daraus gezoges nen Reſultate beſtätiget. Audere Chemiker haben auf. andern Wegen gleiche Zwecke erreicht: Herr'7äilen von der Königlichen Societät in London erzeugte nitrdſes Gas, indem er Ammoniunigas durch Oxyd von Braunſtein leitete, den er in einem Flintenlaufe roihgeglüht. Da das nitrdſe Gas ihm beſtändig beywohnende an- zunehmen, noch Pflanzenpigmente zu rdthen, welches auf die Vermuthung bringt, daß das Waſſer an und für ſich ſe!bſt mit aufldiender Kraft. auf dieß Gas wirke, die nothwendigerweiſe durch den Theil des Gas vermehrt wird, der der Verbindung mit.dem vom Waſſer faſt unzertrennlichen Sauerſtoff fähig iſt, und daß ſodann ſich eine Säure erzeuge. Das nitrdſe Gas ldſt ſiH leicht und häufig in Salpeterſäure auf, und die Verſchiedenheit der Farben, in denen dieſe Säure vorkommt,- iſt von den Verhältniſſen abhängig, in denen jenes fich darin befindet, Wir haben bereits bemerkt, daß, während des Fortſchreitens der Scheidewaſſerbrennerey, man die Säure durch durch die Abſorption des nitrdſen Gas, das ſich in jedem Mo» mente der Operation entwickelt, oft die Farbe verändern ſiehtz zuerſt iſt das ſchwach geſäuerte Waſſer im Recipienten weiß, näch und nach färbt es ſich grün, vom grünen geht es zu der gelben und von der gelben zur rothen Farbe über; in dieſem lezten Zuſiande iſt das niirdſe Gas im Uebermaaße darin vor? handen; es ſucht ſich dann einen Ausweg, und bringt durch ſeine Berührung mit der Luft und ſeine Verbindung mit dem Sauerſtoff eiven rothen, erſtiFeuden und in Waſſer ſehr auf- Idslichen Dampf hervor. Die Salpeterſäure ldſet von nitrdſem Gas eine Quantität auf, die um fo viel größer als das Maaß des darin enthaltenen Waſſers geringer iſt. Aus dieſem Grunde, um die Aufldijung des Gas zu erleichtern, ſucht man das bereits übergegangeue Phlegma hinweg zu nehmen, ſobald das nitrdſe Gas bey der Deſtillation ſich zu eniwideln und die Recipienten zu rdtheit anfängt. Die Salpeterſäure, die aufgeldſtes Gas in ſich enthält, ab- ſorbirt ieicht den Sauerſtoff, und nach und nach geht das ganze nitrdſe Gas in Salpeterſäure über, welches die ſpecifiſche Dich? tigkeit der Säure vermehrt, und ſie zu jedem Gebrauche zu dent man ſie anwendet, kräftiger macht, Wärme, Alkalien und Waſſer vertreiben das nitrdſe Gas aus ſeiner Auflöſung in der Säure, Metalle, Pflanzen und rhieriſche Stoffe auf die man die Salpeterſäure wirken läßt, ent2 wideln daraus eine noch größere Quantität, durch die Zerſetzung eines Theiles der Säure, und die Fixirung eines Theils des darin enthaltenen Sauerſtoſſs auf dieſe Baſen. Die Aufldſung des ſchwefelſauren Eiſens abſorbirt das nitrdſe Gas, verliert dann ſeine Durchſichtigkeit und nimmt eine ſchwärz liche Farbe an. Dieſe Eigenſchaft iſt ſehr nüßzlich geworden um das uitrdſe Gas von andern gaSartigen Subſtanzen zu ſchei- den. Herr von Zzumboldr hät hiervon eine falſche Anwendung gemacht, indem er annimmt, daß das nitrdſe Gas jederzeit mit einem Theil von Sti>ſtoffgas verbunden ſey, von dem er es durch dieß Mittel beſreyen will. Herr Bertholler aber, hat gezeigt, daß dieß Sti>zas ſich nur zufälligerweiſe darin vorfinde, und daß die Abſorpiion des nitrdſen Gas, die beſtändig Statt findet, jenen berühmten Phyſiker zu ſeinem Wahn verführt hätte. Die'Sübſiauz die ſich bis jeßt zur Zerſeßzung des nitrdſen Gas am wirkſamſten erwieſen, iſt Eiſen. Die Holländer haben beobachtet, daß dieß Gas-/ wenn man es auf Eiſen ſiehen Nite elbſt 2.00 ſelbſt ohne Zuthun der Wärme zuerſt in den Zuſtand von oxyo dirrem*ti&gas, und endlich in reinen Stickſtoff übergienge, Wir haben bereirs geſagt, daß Herr Milen durch-niurdſes Gas, das er durch einen im Feuer zum Rothalühen gebrächten Flinso tenlaaf ſreichen ließ, in welchen er Eiſenfeile geſtreut, oxydir2 tes Srickaas und reinen Stickſtoff erhalten habe, und daß das ory“ irie Stigas, welches er nun zum zweytenmale über Eiſens feiie ſtreichen ließ, fic) in reines StiFgas verwandelte, Herr van Maxum, indem er durch den electriſchen Funken nitrdſes Gas auf Ciſen zerſetzte, behielt als Reſiduum au rei- nem Stickſtoff. 0,46 des urſprünglichen Gehalts, aber es bil2 dere ſich ein gelbes Pulver, das eine kleine Quantität Säure enihielt, weiches die Verhältniſſe ein wenig verändert. Hery Berrholler, inden er nitrdſes Gas durch eine Miſchung von Eiſenfeile, Schwefel und einer kleinen Quautität Waſſer zer3 ſüte, erhielt 9,44 als Refiduum, Er bemerkt, daß ſich dabey etwas Ammonium gebildet, wodurc< dieß Reſiduum verringert worden. wäre. Herr Davy ſchloß aus allen Thatſachen die in Hinſicht der Zerſezung des nitrdſen Gas feſt geſtellt worden, daß ſeine Grunds beſtandtheile in folgenden Verhältniſſen vorhanden wären; 44 Theile Sti>gas und 56 Sauerſtoffgas dem Gewicht uach. Wenn in dem eben erwähnten Falle das nitrdſe Gas nicht vollkommen zerſetzt wird, bildet es die eigne Gasart, die die Holläudiſchen Cyemiker gagsärtiges StiFſtoffoxyd oder oxydirtes Strigas nennen, die Prieſtiey unter dem Namen von dephlo- giſtiſicrem Salperergas beſchrieben, und die Herr Davy, dem wir eine wichtige Arbeit über dieſe Subſtanz verdanken, unter der Benennung oxydirter Sri ſtoff anfährt. Alle Subſtänzen die dem nitrdſen Gas den Sauerſtoff ent- ziehen können, ſind auch zur Erzeugung des oxydirten Stickſtoffe gas geſchi>t. Was dieß Gas ausgezeichnetese zu verbrennen; eb formiren ſich dann eine große Anzahl von weißen Flo>ken- die ſich von allen Seiten an den Wänden der G!o>Xe anſetzen;'dieß iſt die geronnene Phosphorſäure, die ſich, ſobalo ſie mit der fenchten Luft in Berührung kommt, in eine zähe und geruchloſe Flüſſigkeit auflöſt. Der nämliche Chemiker räth, die Wände der Glo>en, in denen die. Verbrennung geſchieht, zu benetzen, um die ſauren Dampfe, ſo wie ſie ſich entwi>keln, gufzuldſen und. zu fixiren, In allen Fällen. wo die Verbrennung des Phosphors ſchnell und eigentlichzmit. Deflagration geſchieht, entgeht ein Theil dess ſelben dem Verbrennen und ldſt ſim in der ſich erzeugenden Säure auf, Deshalb hat man zu der. langſamen Verbrennungsmethode bey Bereitung der Phosphorſäure ſeine Zuflucht genommen, Um ſich das Verbrennen des Phosphors recht genau vor? ſtellen zu kdnnen, muß man wiſſen, daß bey der Temperatur der atmosphäriſchen Luft er ſich. zum Theil im Stickgas auflöſt, und in einem Zuſtande außerordentlicher Zertheilung als Gas darin bleibt, ſo“daß er. dadurch für. die Einwirkung des Sauer» ſioffs, der ihn.eigentlich verbrennt, empfänglicher wird, Durch dieſe. erſte Verbrennung vermehrt ſich die Hiße und entzünder ſich der. Reſt des Phosphors; und.überhaupt verbrennt ſich dcr Phos- phor leichter und bey einer niedrigeren Temperatur in- einer mit StiFgas vermiſchten Luft, als. in dem. reinen, Sauerſtoffgas« Das Stickſtoffgas, wenn es mit Phosphor angefüllt iſt, ver- mehrt ſeine urſprüngliche Maſſe um ein Vierzigtheil und wird leuchtend, Das Verbrennen des Phosphors bey einer niedrigen Tem- peratur wird alſo durch die Zwiſchenwirkung des Sti>ſtoffs here vorgebracht; aber, wenn die Temperatur zu 30 Graden ſteigt, ſo geſchehen Deflagration und Verbrennung direct durch den Sauerſtoff. Man muß alſo, wenn man die Phosphorſäure durch länßs ſames Verbrennen hervorbringen will, eine Vorrichtung anz wenden ,' bey der es zuläſſig, die Luft immer wieder zu ers neuern neuern, ohne daß ein Zug-hinzu komme, und dieſe-Vorrichtung in einer Temperatur von 15. Graden erhalten; die zweckmäßigſie beſteht. aus einem Trichter, den man auf eine Flaſche ſetzt und mit- einem Papier bede&t, in das man kieine Löcher ſticht, um in cieſe Phosphorſtäbchen zu ſteFen; man verdankt ſie Herrn Sage. Es währt vicht lange und may ſieht die Oberflächen des Phosphors ſich mit einer Schicht von Flüſſigkeit bede>en, die nac< und nach in die Flaſche läuft, Phoxsphor, auf dieſer Vorrichtung verbrannt, producirt ſein dreyfaches, Gewicht au Pyosphorſäure. Die Herren Lavoiſier-und Laplace baben'berechnet; daß 100 Gran Phosphor durch das Verbrennen 65,62 Sauerſtoff verſchluFen. Man kann den Phosphor noh dadurch verbrennen, daß man einige Säuren mit ihm zerſeßt. Herx Weſtrumb hat beobachtet, daß die oxydirre Salzſänre den Phosphor entzündet, und die Erzeugung ſeiner Säure bewirkt, LZ avdiſier machte 1780 bekannt, daß man durch Zerſeßung von 2 Pfund Salpeterſäure, deren Gewicht gegen deſtillirtes Waſz ſer ſich verhalte, wie 129,895 zu 100,c00 auf 2 Unzen 6 Ouent- nes ſalpeterſaures Kali zu Pulver ſidßt, ſo erfolgt pldßlich ein ſehr lebhafres Verpuffen. Herr Sage hat. beobachtet, daß man die meiſten Metalls dxyde mittelſt Phosphors wieder herſtellen könne, und daß in allen dieſen Fällen Erzeugung von Phosphorſäure Statt findk, Es ſcheint, als ob der Phozphor noch die Eigenſchaft hätte, Waſſer zu zerſeßen 3; vorzüglich wenn man feiner Wirkung durch mäßige Hiße und langſames Digeriren nachhilft.; Die Phyosphorſäure iſt weiß, geruchlos und von einem ſau? ren, wenn gleich nicht ätzenden Geſchma>. Sie rdrhet Pflanzenpigmente und fiellt die Faybe deren wie? der her ,. die von Alkalien angegriffen worden, Ihr Ihr ſpecifiſches Gewicht iſt verſchieden'nach dem Grade ihrer Concentration. Man kann ſie bis zur Verglaſung entwäſſern, und unter dieſer Geſtalt kanu ſie dreymal ſo ſchwer werden, als ein gleiches Mäaß Waſſer. Wenn die Säure dieſem Zuſtande am nächſten kommt, ſo iſt-ſie di>, ſyrupartig und fließt! wie Oel, Die Phosphorſäure zerſetzt ſich nicht, wenn ſie bey heftigem Fener deſtillint“wird, es verfliegen daraus; 1) das Waſſer, wel: des einige Atomen von Säure mit ſich hinwegnimmt; 2) einige in der Säure aufgeldſte Phosphortheile.. Die wh wicht bis zur TroFenheit concentrirte Phösphor- ſäure 1dſt ſic9 unter EntwiFelung von Wärme in Waſſer auf. Bey. 2.avoiſier, der 4 Quentchen dieſer Säure in ſyrupartiger Conſiſtenz mit einer gleichen Quantität Waſſer vermiſchte, ſtieg der Thermometer von 8 auf 143 Grad. Laſſone und Cornettre die eine Unze Säure nahmen, deren Dichtigkeit ſich gegen Waſſer wie 19 zu 8 verhielt, vermehrten dadurch die Hie um 38 Grad, Fünfter Abſchnitt. Von der Salzſäure. Die Salzſäure iſt in den Künſten und Gewerben noh unter dem Namen Salizgeiſt oder Meerſalzſäure bekannt. Die Bea nennung Salzſäure hat ſie darum erhalten, weil das Kochſalz vder das ſalzſaure Natron die Subſtanz iſt woraus man ſie abſcheidet. Dieſe Säure hat einen pikanten Geruch, faſt dem des Safs- rans ähnlich, wenn man ihn von ferne einathmet; ſie iſt im Allgemeinen leichter als die Schweſel- und Salpeterſäure, ihre gewdhnliche Concentration, um ſie zum Gebrauch im Handel fähig zu machen, iſt zwiſchen dem 2o0ſten und 22ſten Grade auf der Baumeſchen Flüſſigkeitswaage, ſie gibt, wenn ſie concen? trirt wird, einen weißlichten Dunſt von ſich, der nur dann bes merklich wird, wenn man die Gefäße aufpfropft, in denen ſie enthalten iſt. Dieſe Säure ſchlägt Silber und Queäſilber aus ihren Aufs löſungen in Salpeterſäure nieder, und bildet mit dieſen Metalz Ien in Waſſer unaufldsliche Salze- Sie wirkt ſehr kräftig auf Metalloxyde und. faſt gar nicht auf die meiſten reguliniſchen Metalle. A Sie iſt zur Ueberladung mit Sauerſtoff ſehr geneigt, wo2 durch ihre ElaſticitäE ſehr vermehrt, ihr Geruch ſehr veilfend; : un und ſie in den Stand geſelt wird, Metalle aufzuldſen, um mit ihnen ätzende Salze zu bilden, die faſt alle in der Hiße flüchtig und. grdBtentheils teigartig und von einer butrerartigen Conſi- ſtenz ſind. Die Salzſäure kann aus ihren Verbindungen in Geſtalt von troEenen Dämpfen enwielit werden, die ſich im Waſſer begierig und mit Erwärmung auflöſen. Faſt alle in den Künſten und Gewerben vorkommende Salzſäure, wird durch die Zerſezung des ſalzſauren Natron( des Koch1a1zes) abgeſondert, aber dieſe Zerſetzung iſt unendlich ſchwieriger als die der ſalpeterſauren Salze, wenn man mit Bolarerden operirt, und ſie bleibt immer unvollſtändig. Weiße Thonerde und weiße quarzhaltige Kieſelſteine ſind nicht im Stande dieſe Säure zu entwikeln: 10 Pfuvd Kietel zu Pulver geſtoßen, und bey einem heftigen Feuer mit 2 Pfund Salz deſtils lirt, gaben mir nichts als eine zuſammengeba>ene Maſſe, die wie Glätte ausſah, das in dem Recipienten geſammelte Phlegwa war nicht von merklicher Säure. Calcinirte Bolarerden trennen die Säuren nicht vom Küchen? ſalze, wie auch das Verhä!tniß der Miſchung und das Maaß der angewandten Hiße ſ:y. Dieſelben calcinirien Erden brin- gen auch keine beſſere Wirkung hervor, wenn ſie mit Waſſer benetzt werden. Die beſte Bolarerde zur Zerſeßung der ſalzſauren Salze in dem Verhältniß von 2 zu 1 mit ſalzſaurem Natron verwiſcht und in Retorten und eine Vorrichtung, die der zum Scheide wäſſerbreunen vdiliſ? ähnlich ſeyn muß, deſtillirt, zerſetzt zum Theil das Kochſalz. Dieſe Zerſezung aber iſt nie vollſtändig, und die Säure, die man in den Recipienten erhäit, immer ſchwach, wenn man ſie nicht enrwäſſert, um die leßten aufs ſteigenden Dämpfe beſonders zu ſammeln. Fünf und zwanzig Pfund Salz und 50 Pfund Erde, haben mir nie mehr als 10 bis 15 Pfund Säure zu x8 Grad gegeben. Die Schwierigkeit, das ſalzſaure Natron durc) Vermitte- lung der Bolarerden zu zerſeßen, hat gemacht, daß man vont dieſem Verfahren ab, und zur Schwefelſäure übergegangen iſt, die drey grdßere Vorzüge gewährt: ſie miſcht nämlich der Säure, die ſich in dem Recipienten condenſirt, kein fremdartiges Produkt bey; ſie iſt die gewdhnlichſte und wohlfeilſte aller Säuren, die man zu dieſem Behuf anwenden könnte; ſie bildet endlich mit der alkaliſchen Baſi- des ſalzſauren Salzes ein Salz, das man im Handel unter dem Namen des Glauberſalzes liefert; nach? dem dem es gufgeldſt worden und ſich kryſtalliſirt hat, und aus dem mau das Matrou mittelſt der Proceduren extrabiren fanno, von denen wir bey dem Artikel Natron bereii8 gehandelt haben, Damit aber die Zerſeßung durch die Schwefelſäure alle Vor- theile vereinige die man wünſchen kanv, ſind Vorſicht smaaß- regeln ndthig, von denen der Brenner unterrichtet ſeyn niuß. Wenn wan die concentrirte Säure, die in den Handel kommt, gebraucht, ſo grbißt und bläſt die M/ſchung ſich auf, und die Saure geht in ven Zuſtand tro>ner, weiße: faſt nicht zu ſver- render Oämpfe über; ſo' daß man-Gefahr läuft, daß die Ges fäße zerbrechen, daß die Miſchung von der Retorte in den Rex cipienten ſteige, und daß man nicht im Stande ſey, alle Dämpfe zurückzuhalten und zu condenſiren. In dieſem Falle iſt es am beſten, ſich des Woulfſchen Apparates zu bedienen, und die Dämpfe, Behufs threr Aufldſung durch Waſſer zu leiten. Man zerſetzt das Salz; indem man ihm die Hälfte ſeines Gewichtes an Schwefelſäure beymengt, und thut in die Fiaſchen des Appas rats Waſſer von gieichem Gewichte als das angewendete Salz, Dieje Procedur iſt faſt allgemein gebräuchlich in den Labo ratorien*). In den Künſten aber, wo die Oekonomie in der Fabrika2 tion der Produkte und die Einfachheit der Mitte! die nothwenz digſten Erforderniſſe ſind, bereitet man die Salzſäure duich ein“ anderes Verfayren, An der Stelle der. concentrirten Säuren bedient man ſich nämlich des Waſſers aus den Bleykammekſſzu 40 Grad, und vermiſcht ſie mit geſtoßenem Küchenſalz von gleichem Gewicht, Die Miſchung zerſetzt ſich nur durch Hü!fe der Wärme, ſo vaß man die Säure in die Retorte gießen, das gejioßene Boyſalz Hinzuthun und den Apparat verlutiren kann, ohne irgend einen Verluſt an Salzſäure befürchten zu dürfen; an jeder Retorte wird ein Recipient angebracht, den man in Waſſer ragen läßt, und um jeden unangenehmen Zufall zu vermeiden, gibt man den erſten eiaſtiſchen Dämpfen Luft; indem man eine gekrümmte Röhre an die Tuvulatur ves Recipienten ſo anbri"gt, daß fie in eine mit Waſſer angefüllte Flaſche raat. Die ſauren Dämpfe condenſiren ſich dann, und man erhg!t Säure von ungefähr g/eichem *) Soll eine vollfommene Zerſeßung des Kochſalzes bewerkſtelligt werden, ſd muß man gegen 2 Theile desſelben wenigſtens 25 concentrirts. Schwefelſäure anwenden, D H. ?1. 2 gleichem Gewichte, als das angewendete Salz. Die Säurezeigt 20 bis 22. Grad*), Die ſicherſte und einfachſte Art, den Apparat zu verlutiven, beſteht darin, daß man eine leichte Lage von fettem Lutum auf die Strelle anbringt, wo der Recipient ſich mit der Retorte ver- bindet, und ſie mir dem nämlichen Lutum bereſtiget, der zur Boſchlagung der Retorten gebraucht wird. De-eſes erhärtet ſich bey dem erſten Eindru> deu die Wärme darauf macht, und hält das andere ſo feſt, daß nichts von den Dämpfen entweichen kann, und man uie Reparaturen daran ndtyig hat. Es iſt vorſichtig von Anfang hierin ſparſam mit dem Feuer umzugehn, und die Hiße vur nach und nach zu ſteigern, um bdſe Zufälle zu vermeiden; aber eine lange Erfahrung hat mich belehrt, daß dieſe einfache Procedur alle nur wünſchenswerthe Vorzüge vereiniget. Andere deſtilliren im Sandbade, und lutiren mit der ardß? ten Vorſicht mehrere aludellartig zuſammengefügte Ballons an die Retortenz aber dieſe compiicirten Vorrichtungen ſind unnüß, und zeugen in den Werkſtätten, in denen man ſich ihrer bedient, nur von dem Luxus der Mittelmäßigkeit. Veber die Narur der Grundbeſtandtheile der Salzſäure ba- ben wir bis jeßt nur noch Hyperheſen. Denno) ſehen wir ſie faſt überall ſich erzeugen; ſie iſt faſt unzertreynlicl) von der Sal- peterſäure, und es iſt wahrſcheinlich, daß man nicht ſäumen werde genauere Kenntniſſe von einer Subſtiavyz zu erwerben, die ſo häufig in der Natur vorhanden, und für die Chemie, ſo wie für die Könſte-und Gewerbe von ſo großem Nugßzen iſt, Wie es ſi nun auch mit ihren Grundbeſtandtheilen ver- halte, wir haben faſt erſt in unſern Tagen die Erfahrung gemacht, daß wenn man ſie mit einer nenen Doſis Sauer» ſioff in Verbindung bringt, man. ihr dadurch beſondere Ci- geuſchaften mittheilt, die ſie zu einer der ſonderbarſten und für die Künſte ſehr wichtigen Säure machen; dem berühmten Scheele von Köping verdanken wir dieſe intereſſante Entde>ung; er machte ſie 1774 in den Memoiren. der Akademie von Sto>- holm bekannt, und benannte die ſonderbare Produktion dephlo- giſiiſirte 9») Weit regelmäßiger operirk man, wenn man 4 Pfund trocknes Kochſalz in eine Retorte ſchüttet, dann 2% Pfund Schwefelſäure darauf gießt, die vorher mit 3 Pfund Waſſer gemengt worden iſt, und nun alles zur volligen Trockne überdeftillirt. Man gewinnt in der Retorte an 5 Pfund reine ſtarke Salzſäure, und die Ope- parion geht ſehr gut von fiatten, -- fit= giſtiſirte Teexſalzſäure. Heut zu Tage iſt ſie allgemein unter dem Namen oxydirte Saizſäaure vefann“, Dieſer berühinte Mann ſchränkte ſich nicht darauf ein, uns die Art, dieſe Säure zu ertrahiren, keunen zu lehren, jondern er ſtellte auch ihre Haupteigenſchafien durch genaue Cxperiinente feſi, und erfuhr auf dieſen Wege. daß ſie Kork'gelo färbe, daß ſie Pflanzenpigmente unwiderbringlich zerſtöre, Meialle oxydire und in allen diejen Fällen den Chargcter und die Eigenſchatien der Saizſäure wieder annehme. Nach dietem berühmten Chemiker hat man nicht allein die Mittel-zur Fabrikation dieſer Säure vereinfacht, aber a:cch von ihren Eigenſchaften die glüFlichite Anwendung in den Kä«ſien zu machen gelernt, und iſt dabey inne geworden,"aß man ſeit ians ger Zeit ſie erzeugt hatte, ohne es zu wiſſen; ſvwoh!l bey Bereia tung der ſalpeierſauren Salzſäure. als bey der Verbindun: der Salzſäure mir Metalloxydeun, and daß der größte Theil dex mit dieſen Subſtanzen gebildeten Saize ihr inre Schärfe, Kauſticis tät und Flüchtigkeit verdankten.? Heut zu Tage macht man von der orydirten Salzſäure einen ſo allgemeinen Gebrauch und ſie hat ſich in dernetes und wohl geiioßenes ſalzſaures Natron, und ein Theil äußerſt ſorgfältig pulveriſirter Braunſtein. Dabey iſt es nothwendig, die Säure bis etwa zur Hälfte ihres Gewichtes mit Waſſer zu verdünnen, und das Oxyd wie das ſalzſaure Salz gehdrig zu mengen, weil man ohne dieſe'Borſicht nur gewöhnliche Salzſäure erhal: ten würde, Die oxydirte Salzſäure, welche in dem Recipienten in Gas- form üvergeht, hat eine gelbliche Farbe, einen ſtorken, unan- genehmen, jehr reißenden und zuſammenziehenden Geruch, der die Kehle einſchnürt und einen tro>enen Huſten hervorbringt, dem, wenn dieß Gas zu lange eingeathmet wird, ſelbjt Blut- ſpeyen foiget, Das Waſſer, das gewdhnliche Bindungsmittel deſſen man fich bedient, um dieß Gas zu fixiren, nimmt bey der Tempera- tur der Atmosphäre nur eine geringe Quantität davon ir ſich auf, wie Andreas Galliſch bewieſen har; ader ſie bewirkt eine viel grdßere Aufldſung desſelben, wenn man die Temperatur erniedriget; es iſt hinreichend, ſie bis auf drey Grad unter dem Gefrierpunkt herabzuſt:mmen, um dieſe Säure im concreten Zu- ſtande zu erhalten; ſie ſiebt-dann gus, wie Honig, der in einey Flüſſigkeit zeruangen iſt. Dieſer concrete Zuſtand iſt eine wahr» harte Kryſtalliſation der Säure, man erfennet daran die Geſtalt eines vierwinkligen, ſehr ſchräg abgeſtumpften und in Rauten- form auslaufenden Priema's. Man ſicht auch wohl auf der Ozerfläche ver Flüſſigkeit ſechsſeitige hoble Pyramiden. Cs ge- nügt, wenn man die Gefäße mit geſioßenem Ciſe umlegt/ um die oxydirte Salzſäure im concreten Zuſtande zu erhalien. Bey dieſer Operation iſt zu befürchten, daß das Lutum oder die Pfropfen nichts durchlaſſen; daß die Materie nicht an- ſchwelle und in den Recipienten überſteige, daß der Ueberreſt ſich nicht ſo verdike, daß er ſeine Flüſſigkeit verliert, und daß die Gefäße nicht platzen. Im erſtern Falle kündigt ſich der Abgang der Gasmaterie durch den Geruch an, und man lernt die Oeffnung, durch die ſie auszieht, kennen, weun man an den Tubulaturen mit dem Bart einer Feder herumfährt, den man in Ammonium getränkt z ſobald nämlic) der Ammoniumdunſt ſich mit dem oxydirtſalz» ſauren Gas in Berüdrung ſeßt, bildet ſich eine Wolke weißlicher und dichter Dämpfe, die das Loch anzeigen durch welches das ſaure Gas dringt, Wenn Wenn die Mäterie in dem Grade anſt ſich, wenn man das Feuer zu lange unterhalten hat, wenn man deu Braunſtein in zu großen Dojen genommen, oder wenn man dasſelbe auf dem Sandvade vollkom? men falt werden läßt, ohne es auszugießen; es gibt kein andes res Mittel dieſem Uebelſtande abzuhelfen als dieß Reſiduum in lauwarmem Waſſer aufzuldſen. Wenn die Gefäße einen Riß bekommen, was begegnen kann, wenn das Glas darin Fehler hat, weun man zu veiße, oder zu concentrirte: Schwefelſäure hineingießt, oder wenn man eine zu jähe Hitze macht; ſo iſt dafür kein Mittel, als dieſe Gez fäße wegzunehmen, die Miſchung in eine neue Deſtillirkolbe um? zugießen und die Operation ſorgfältig fortzuſezen. J< habe dieß Mandvre oft in einer Werkſtätte gemacht, wo ich auf dem nämlichen Ofen vier große Retorten am freyen Feuer hatte. Heut zu Tage, wo die überſaure Salzſäure in einigen Fas brifen ſehr häufig gebraucht wird, bereitet man ſie in denſelben im Großen, mittelſt eines eben ſo einfachen als dkonomiſchen Verfahrens: in der Färbekunſt.der Herren BertholUlet, Vaker und Sohn(2te Ausgabe, 1ſies Buch, S. 21x) findet man die Beſchreibung des gewdhnlichen Verfahrens bey ihrer Bereitung, wir aber wollen uns darauf einſchränken, etwas von der Vorrich? tung anzuführen, die Herr Widmer in der ſchönen Fabrik von gedru>ter Leinwand des Herrn Oberkampf in Jouy einge- richtet hat. Ein großer gläſerner Recipient a(Tab. 1. Fig. 2.) der be- ſtimmt it, die Miſchung aufzunehmen, ruht auf einem flachen Sandbade b deſſen Ränder nicht die Wände des Ofens cc berühsz xen; ſo daß das Breunmaterial auf einen. Roſt dd. gelegt“ den Recipienten in allen ſeinen Punkten erwärmt. Der Recipient endigt in einen langen Hals ee der aus dem Ofen kommt; inz dem er durch den Rauchfang der Kuppel geht. An dem langen Halſe dieſes Recipienten bringt man eine gläſerne gefrümmte Röhre ff an, die durch eine in den Bauch g angebrachte Tubulirung in eine Flaſche ragtz aus dem Halſe dieſer Flaſche aber erhebt ſich eine Röhre hb die eben ſo lang als die Auffangungswanne tief iſt; und aus der Mitte des Bauchs an der der erſten Tubulirung entgegengeſeßten Seite befindet ſich eine 54 eine andere Tubulirung/ in welcher eine gekrümmte, rechtwink- liae Ndpyre. i1 eingekittet iſt, welche in die Auffangungswanne Heiabſteig:: und ſich durch einen gefrümmten Schnabel il unter den unterſten-Boven dffnet. von dem wir ſogleich ſprechen wer» den Alle dieje Rühren ſind mit feitem Latum, naſſen Blaſen und Btrufäden befeſiiget. In de Flaſche pp thut man Waſſer, ſo daß die Sicherheirsrdhre da hineinra2eo kann,: Die Aufſfangungswanne mm die ſo genannt wird, weil ſie beſtimmt iſt, das Produkt der Operation zu faſſen, iſt viere>g, von beynahe 5 bis 6 Fuß(2 Merres) Tiefe, auf 3 oder 4 Fuß (32 Metres im Durchmeſſer, ſie iſt von Bruchſteinen erbaut und. ihr Innere zeigt drey umgekehrte ſteinerne Bdden“calotres) vnn die gleich weit von einander abſtehen und Zwiſchenräume ha- ben, ſo breir, ais jede einze'ne di> iſt; ſie iſt endlich angefüllt mit Waſſer. Die gläſerne Rdhre, die in dieſe Wanne hinap- reicht, iſt eingefaßt in eine Fuge oder Rinne, die auf der Mauer angebracht iſt, ihre gekzümmte Extremität, wie wir berei1s be? merft., dffnet ſich unier dem unterſten Boden, und das durch dieſe Rdy'e hergeführte Gas verdrängt das Waſſer, welches ſich in der Hdh!ung des Bodens bvefindet. und nimmt deſſen ganzen Umfang ein; es vermiſcht ſich mit oder 1dſt ſich in der Flüſſigkeit auf, in einer um ſo grdyeren Quantität, als das Gewicht der Waſſerſäule die ſeine Elaſticität zu überwinden hat, bedeuten» der iſt Die nicht anf2eldſte Portion Gas nimmt den Weg durch ein? Rinne die es unter die Hdhiung des zweyren Bodens führt, verdrängt das Waſſer daraus und'dſt zum Theil ſich darin auf? aber das was for'!auft aeht durch eine andere Rinne unter den Dritten Boden, deſſen Waſſer auch noch verdrängt wird, und endlich fän:t ſich das wenige nicht fixirte Gas in einem Trichter der auf die Oeffnung des dritten Bodens umgeſtülpt iſt, auf, und verliert ſich oberhalb der Dächer des Hauſes, wohin es mittelſt einer langen gläſernen Röhre geführt wird. Die Steine aus denen die Wanne ſo wie die drey Böden ge- macht find, müſſen mit einer Tünche von Wachs, Harz und Terpenthin, die man mit einander ſchmilzt und mit dem Pinſel aufirägt, ſtark angefirnißt ſeyn. Dieß iſt der nämliche Firniß, den ich angegeben, um damit die Wände der Mauern in den Kammexn- zu bekleiden, die beſtimmt ſind, in den Vitrioi/dl2 „Fabriken das Bley zu erleßen. Um die Säure aus der Auffaygungswanne heraus zu ziehen, bedient man ſich eines glä'ernen Hebers 000, deſſen kürzeſter Yrm bis an deren Boden reicht und daran feſtgemacht, wäh rend der andre an ſeiner Extremität mit einem Korkſiöpſel zus gepfropft gepfropft iſt, den man nur herausziehen darf, um daß die Flüſſigkeit herauslaufen könne, Dieſe Flüſſigkeit aber wird in eine bleyerne Rdhre aufgeſangen, die in einen ſehr beweglichen und geſchmeidigen ledernen Schlauch ausläuft, damit man mit- velſt.deſſen nach Willkühr die Säure in den Bottich leiten kann, in, dem ſie gebraucht werden ſoll. So wie nun die Säure abs lauft, gießt man immer Waſſer in die Auffangungöwanne nah. Man ſieht aus der Beſchreibung dieſer Vorrichtung daß das nac< und nach aus der Höhlung der drey Böden verdräugte Waſſer dem Gas große Flächen darbietet; daß von einer andern Seite die Verdrängung des Waſſers und ſein Emporſteigen in vie Wanne, die davon eine Folge iſt, einen Dru veranlaſſen, der ſehr berrächtlich und immer auf. dasſelbe Gas einwirkend iſt z ſo daß die Auflöſung auf eine vortheilhafte Art vor ſich gehen muß«. Man ſieht ferner daraus, daß die concentrirteſte Säure auf dem Boden der Wanne ſeyn muß, da der Druck daſelbſt ſtärker iſt und das Gas dort ohne Schmälerung ankommt, woher es kommt, daß man die Säure, wenn man ſie gebrauchen will, beſtändig vom Boden der Wanne abzieht, Herr Decroiſilles hat ein ſcharfſinniges Mittel zur Bez ſtimmung der Stärke der überſauren Salzſäure vorgeſchlagen, nämlich, die Quantität zu unterſuchen, die davon erforderlich iſt, um einer gegebenen Maſſe, von in Schwefelſäure aufgelöſtem Indigo die Farbe zu benehmen, Man kann das oxydirtſalzſaure Gas in alkaliſche Aufldſun- gen oder in Waſſer anfnehme.?"das mit Kalk oder mit kohienſau? rer Kalkerde gemengt wird, dieſe Subſtanzen verſteken in der That ſeinen äblen Geruch, aber ſie ſchwächen dafür auch ſeine Kraft*).; Die überſaure Salzſäure zerſeßt ſich an der Luft und am Lichte, man muß ſie daher gebrauchen ſobald ſie fertig iſt, oder ſie in wohl zugepfropften. Gefäßen und an dunkeln Oertern aufbewahren. Dieſe Säure trennt ſich mit ſo großer Leichtigkeit von ihrem Sauerſtoffgas, daß es genug iſt, ſie mit ändern, ſehr ver- brennlichen Kdrpern in Berührung zu ſezen, um eine Entzün- dung hervorzubringen, Der *) Das in Paris übliche ſogenannte Eau de javelle iſt nichts als vxydirte Salzſäure in Verbindung mit eim Alkali; man gebraucht es. in"der Wirthſchaft zum Ausmachen von Fruchtfle>en aus let- nenn Zeuge,* Anm, des Verf. Der häufigſte Gebrauch, den man bis jeßt davon gemacht, war zum Bleichen von Leinen, Hanf und Baumwolle, und zwar wurde ſie als Baſis vey dieſer wichtigen Operation angewendet; Herry Zecthollet verdaukt man die:e ſchätzbare Entde>ung, die nich: allein ein ſchön-r?s Weiß, als die ehemaligen Proceduren 3 ſondern auch den Vortheil gewährt, daß die Operation weniger lang dauert. und die Zeuge weniger angreift. Dieſe Entde>ung iſt übrigens nicht mehr eine bloße Operac tion für Laboratorien, ſondern ein wahres E:genthum der Künſte, und alle große Bleichen ſind jeßt nach dieſem Grundſatze ein» gerichtet. Oa das Verfahren bey dem Bleichen aber in wechſels- weijer Anwendang von Lauzen und Eintauchung in überſaure Salzſäure beſteht; ſo wollen wir damit anfangen die einfachſte Art des Einlaugens darzuſtellen. Wir haben vor einigen Jahren die Proceduren b&annt ges machi, deien ſich die Orienialen beym Bleichen ihrer Baum- wolle bedienen, ich'elbjt habe dieß Verfahren in Montpellier mt dem größten Nutzen angewandt, und es iſt bis jeßt das eina zige dort bokannte; man kann alſo annehmen, daß es in ſeinen W-rkungen ſich beſtändig gleich, und in ſeinen Reſultaten als vortheiihaft bewährt haben müſſe. Es beſteht aber in der An2 wen“ung eines großen ovalen Keſſels von etwa 6-Fuß(2 Metres) Hdye auf 5 Fuß: 12 Metres) im Durchmeſſer. Der Boden dies ſes Keſſe1s iſt von Kupfer, ſo wie die Seitenwände von dem gleichen Metall eine Hdhe von 18 Zoll(2 Metre) erreichen. Das übrige des Ofens, in dem. er angebracht iſt, muß aus guten Quade: ſteinen beſtehen, und die vv2re Oeffnung des Keſſels. 18 Zoll(2 Mette) im Durchmeſſer enthalten, und mit einem kupfer- nen Deckel vder einem runden Stein verſchloſſen werden, An die Bruſtung des Keſſels, der die Baſis zu dieſer Art von papi- nianiſchem Topfe macht, legt man ein gitterartiges Geſtelle von Stücken Holz in kleinen Zwiſchenräumen von einander. Unter die- ſem ovalen Keſſe! aber befinder ſich der Heerd des Ofens, durch welchen die zur Operation ndthige Wärme hervorgebracht wird, Man fängt die Operation gewdhnlich bey einem 3orrathe von 3 bis 400 Pfund Baumwolle in Fäden on, die man Strähne nennt, und laugt zuerſt 100 Pfund pulveriſirte alicantiſche Soda Mit einer Quantität Waſſer ein, die gerade ſo viel Lauge gibt, Daß ſie 2 bis 3 Grade zeigt. Dann breitet man eine Lage Baum- wolle in einen Trog ans, und beſprengt ſie dergeſtatt mit dieſer Lauge, daß ſie ſtark und überall gleich naß dadurch werde; zu dieſem Endzwe tritt man ſie zuſammen, indem man mit hdlo zernen Pantoffeln an den Füßen ſo lange darauf KONNE i nemme bis fie überall"wohl von der Feuchtigkeit durchzogen iſt; dann trägt man dieſe erſte Lage in den Keſſel, und breitet ſie auf den Stangen aus, aus denen das Gitterwerk beſtehr, von welchem wir zuvor geſprochen. Eine zweyte Lage bereitet man gleicherge? ſtalt, und legt»ſie auf die erſte in den Keſſel. So fährt man Fort, bis man älle Baumwolle verarbeitet hat, verſch'ießt ſodann den Keſſel und verſtopft ihn an ſeiner Mündung mit Werg das mit die Dämpfe" nicht heraus kdunen; ein großer Theil von der Lauge, die die Baumwolle beneßte, läuft dann in den uniern Keſſel und bildet darin eine Schicht, die ihn vor den zerſidrenz den Wirkungen des Feuers zu ſchülzen im Strande iſt. Man zündet hierauf das Feuer auf dem Heerde an, bringt die Lauge in Aufwallung, und erhält, ſie in dieſem Zuſtande vurch ſechs und dreyßig Stunden, Die Wärme theilt ſich der. ganze Maſſe mit, daſilkati, das alle Theile derſelben bede>t ,- verichluFt den Fäarbeſtoff; und nach ſechs und dreyßig Stunden hat die Baumwolle eine ſehr angenehme weiße Farbe erhalten. Man wiſcht Jie nunmehr ſorgfältig und. breitet ſie drey oder„vier Täge hindurch auf eine Wieſe aus; dann wäſcht man ſie wie- der," und kann ſie endlich gebrauchen. So endigt die Operation des B!eichens der Baumwolle, die zu Geweben angewandt werden ſoll. Wenn“man ihr aber eine ſchönere weiße Farbe geben will, ziehr man ſie durch eine Lauge von oxydirter Saizſäure, legt ſie gieimfalls auf einer Wieſe aus und gibt ihr etwas blau. Dieſe Art der Ein!augung, iſt ohne Zweifel die vortheilhafz teſte und zugleich die dkonomiſchſte. Der beſtändige Grad der Wärme, die"der ganzen Maſſe mitgetheilt: wird, iſt von 85 bis 90 Graden, während die der gewdhnlichen Beuchen uie mehr als 70 oder 72 beträgt. Die ganze Maſſe wird auch auf eine einförmige Weiſe in Action geſetzt, da über der gewdhnlichen Art zu beuchen ſich eine Menge von Ausfluchtsörtern bilden, durch die die Flüſſigkeit davon geht, und ein großer Theil des Stoffes, ſeiner Wirk- ſamkeit entzogen wird. j Ich habe dieſe Art des Verfahrens auc< bey dem Beuchen im Hauſe vorgeſchlagen und ausgefügrt: das erſte Experiment dieſer Art wurde in der Fabrik der der Gebrüder Bawers, aux bons- homnr s bey Paſſy an 200 Paar Bettlaken gemacht, die aus dem Hötel- Dieu in Paris genommen waren, Dieß Leinenzeug wurde vollkommen gereiniger und gebleicht, und die Ausgabe., über die. man gengue Rechnung hielt, verglichen gegen 77. 8 gegeh die, welche das gewdhnliche Verfahren verurſacht haben wärde verhielt ſich wie 4 zu 7« Id habe das Experiment auch wiederholt, indem ich gleiche Theile Seife und Natron nahm, und die, Leinwand erlangre dadurch noch eine grdpere Weiße; dieſe leztere Methode verdient immer den Vorzug, wenn man feines Leinen zu bearbeiten hat. Wenn die Leinewand ſo geöbeucht iſt, ſo braucht man ſie nur noch ſorgſältig in reinem Waſſer auszuwaſchen. Seitdem ich dieß Verfahren bekannt gemacht, haben die Herren TCader de Vaux, Curandau, und andere da: auf ſtudirt, alle Details desſelben zu erweitern,'und es iſt ihnen geiungen, es eben ſo leicht als vortheilhaft zu machen. Herr Widmer har der vorgetragenen Beachprocedur noh die Einrichtung hinzugefügt, daß er mitteiſt emer Pumpe die Lauge des unterſten Keſſels auf den Laugenkeſſel oben hinauf pumpr, von wo aus ſie ſich durch vier Rdyren vervreiter, die ihrer Länge nach mit einer Reihe kleiner Löcher durchbört ſind, um ſie dar- aus auf'die ganze Oberfläche zu ergießen; dieſe Röyren aber werden“ durch eine an dem Körper der Pumpe angebrachte Bez wegung in ein cirkelfdrmiges Drehen verſeßt. Die Lauge filtert ſich durch die Lage von Stoff oder Fäden durch, und fällt daun wieder in deun-Keſſel von wo aus die Pampe ſie von neuem hebt. Dieſe Vorrichtung hat den Vorzug, daß ſie beſtändig in der Wärme ſiedenden Waſſers beucht, und ſowohl Zeitdkonomie als Erſparniß an Brennmaterial bey der Operation zur Folge hat. Das längſte Beuchen dieſer Art dauert nicht ſechs Stunden, Da die Lein- und Hanffäden unendlich ſchwerer zu bleichen find, als Baumwollene, ſo gibt man ihnen zwey Beuchen, ehe man ſie in die Säure bringt, Man wäſcht die Fäden ſehr ſorgfältig, indem man ſie aus dem großen. Keſſel zieht, und legt ſie in einen Korb aus, den man in ein Bad von überſaurer Salzſäure taucht, und den man zu nach einander folgenden malen mittelſt eines Krahns in die Höhe zieht; und mir dieſem Manoeuvre fährt man fort, indem man, wie die erſte Säure an idrer Stärke verliert, neue zu- gießet, bis daß die Fäden keine Weiße mehr annehmen, Dann geht man zu einer zweyten Wäſche, von dieſer zu einer dritten Beuchung, und vou dieſer zu einenz neuen Cintdu» die Fäden, ein? Handvoll um die andere, und wirft ſie dann in ein&n'andern Keſſel, wo man ſie einen oder zwey Tage ſtehen läßt, vachdem man die Vorſicht gebraucht, alles was an Fäden vorhanden iſt, in dieß Bad unterzutauchen, Die Wäſche welche dieſem ſchwefelſauren Bade vorangeht, und die darauf folgt, muß mit mehrerer Sorgfalt bewirkt wers den, als die vorhergehenden. Nach der Beuchung die auf das Bod in der Säure folgt, folgt, breitet man die Fäden ſechs Tage hindurch auf die Wieſe aus. um zhnen eine gelbliche Farbe zu benehmen, die die Wirs kung der Luft und des Lichtes leichter zerſtdren, als die über- ſaure Salzjäure. Man wäſcht wieder und geht zur überſauren Salzſäure, und dann zum geſäuerten Waſſer über, und wiederholt nach und nach die Operation des Beuchens, des Bades in der oxy- dirten Säure und im geſäuerten Waſſer bis zur achten und letza zen Beuchung, bey welcher man etwas Seife in der alkaliſchen Lauge aufldſt. Mau bleicht dann wieder drey Tage hindurF& auf der Wieſe, und endiger mit dem Durchziehen durchs Blau auf folgende Weiſe: Man läßt ſchdnes Schmalteblau in reinem Waſſer zerge- hen, und ſchöpft von dieſem blaugetränkten Waſſer, däs man durch ein ſeidenes Haarſieb in einen mit klarem Waſſer ange- fällien Keſſel laufen läßt. Der Arbeiter zieht daun alle Fäden durch dieß Waſſer, drüFt ſie wieder aus, und thut von dem blangeiränften Waſſer in dem Maaße hinzu, als das im Bade fic) erſchdpit. Dann trägt man die Fäden auf eine Winde, und iäßt, ſie an der-freyen Luft tro&nen, Wenn man Gaze oder Linon blau Färben will, thut man etwas Stärke in Waſſer hinzu« Die Baumwolle erfordert weder eine ſo große Folge von Operarionen, noch eine ſo ſtarke Säure, als Leinen oder Hanfz ſie braucht höchſtens drey oder vier Cintauchungen, Die Zeuge von Zwirn oder von Baumwolle erfordern einige Modificationen in der Manipulation eher als im Verfahren, Haupts I 60 FI Hanptſächlich aber iſt es unumgänglich ndthig, ſie durch Kochen vom Firu1s zu befreyen;- bevor man ſie einer andern Operation unterwirft. Dieſe Scheidung des Firnis geſchieht folgen-. dergeſtalt: Man läßt ſie einige Tage in mit Waſſer angefüllten Keſz ſeln; und es. entſteht dann eine Gährung, die den Leim(die Schlichte) zerſidrr, womit die Weber die Fäden der Kette überz ziehen, um den Lauf des Kammes zu erleichtern. Die Schei? dung vom Firnis dauert nac) Verhältniß der Temperatur mehr oder weniger lange. Um die Stoffe zu waſchen, kann man zwey Rollen von Holz gebrauchen, deren man eine auf die andere auf Pfähle ſtär, die in einem Strom ſtehenz die erſte hat Reifen, die mit ihrer Achſe parallel laufen z der Cylinder paßt mit ſeimen Zapfen in eine Fuge, die in den Pfählen angebracht iſt; dieſe Zapfen paſſen aber nicht genau in die Fuge, ſo daß der obere Cylinder freyes Spiel darin hat, um auf den untern mit ſeinem ganzen Gewicht zu wirken. Wenn man nun ein Stü>X Leinwand waſchen will, ſo macht man ein Ende davon zwiſchen den Cylindern feſt, und indem man die Kurbel, die einen der Zapfen trägt, umdrehen läßt, läuft die Leinwand raſch zwiſchen den Cylindern herum und wird durch die Schwere und die rinnenförmigen Einſchnitte des ober2 ſten; der mit ſeinem ganzen Gewicht darauf druFt, ſtark auss gepreßt. Herr Decroiſilles, welcher einer der erſten war, der die Baumwollenbleichen mittelſt oxydirter Salzſäure angelegt, und der bis jeßt noc<4 ein Weiß geliefert hat, das ſeine Conturrenten Mühe hatten, nachzuahmen, legt die Baumwolle in große Kübel, und gießt die Salzſäure darüber, Man hat faſt in allen Werkſtätten den Verſuch gemacht, dem unerträglichen Geruch diejer Säure abzuhelfen, und zwar bald durch kohlenſaure Kalkerde, bald durch reinen Kalk oder durch Alkalien; aber wenn dieß geſchieht, ſo gereicht es den Kräften der Säure immer zum Nachtheil. Unter allen Sub- ſtanzen iſt die, die ihren Eigenſchaften am wenigſten gefährlich, und dennoch geſchi>t iſt, den üblen Geruch zu verbeſſern, die Kreide; anch vermiſcht man ſie mit der Säure in alten Fabriken, bevor man davon Gebrauch macht. Da dieſe Säure ſich leicht zerſeßt, und alſo ihr Transport dadurch faſt unmöglich gemach! wird, ſo hat mau ſich gezwuns gen geſehen, wenn man ſie an Fabriken verſenden wollte, ſie ; entwe- -. 6t FE entweder mit Kalk oder mit Alkalien zu verbinden; in beyden Fällen iſt ſie weniger kräftig, und ihre Wirkung laygſamer; aber da ſie concentrirter iſt, zerſeßt ſie ſich weniger leicht. Der, der davon Gebrauch machen will, muß alſo die Vor- und Nach- theile gehdrig gegen einander abwägen, Dieſe Saure iſt auch für die Färbereyen und Fabriken von gedruckter Leinwand durch ihre Kraft, Pflanzenpigmente zu zerſidren, von großem Nugzen, Man kann, mittelſt ihrer ein Stück Leinwand auf der das Deſſein verdru&t iſt, der Farbe wieder berauben, und ihr ihre urſprüngliche Weiße wiedergeven, Indem ich“ von den oben angeführten Eigenſchaften der oxydirten Salzſäure ausgieng, habe ich ihren Gebrauch er- weitert und ſie als Mittel angegeben, Kupferſtiche und alte Bücher, ſo wie den Teig oder die Lumpen, die zur Papierfa- brifation angewendet werden, wieder weiß zu machen. Herr Loyſel hat neue Details angegeben, den Teig der Papiermacher zu bleichen. Was das Bleichen der Kupferſtiche anlangt, ſo iſt es genug, ſie einige Minuten hindurch in die Säure zu tauchen und- dann durch Waſſer zu ziehen, um ihr allen Geruch zu benehmen. Cs verſteht ſich von ſelbſt, daß, in ſo fern von einem Buche die Rede iſt, man es auseinanderheften und wieder in Bogen legen muß. Dieſe Säure hat ferner die Eigenſchaft, Dinte zu zerſtdren, ohne jedoch) der Drukerſchwärze, die- von einer ganz andern Compoſition iſt, nachtheilig werden zu können; man bedient ſich ihrer daher, um Dintenfle>e, und in Bücher oder Kupfers ſt:che eingeſchriebene Namen auszumachen, die ſehr oft deren Werth vermindern, Man kann ſie noch mit Vortheil gebrauchen die verpeſiete Kerkerluft zu reinigen, und überhaupt alle 1ddtiiche Miasmen, die die gewdhnlichſten Urſachen der anſte>enden Krankheiten ſind, zu zerſidren und zu verbrennen, Man hat fernerhin hierzu ſal- petrige Salzſäure angewandt, und wir verdanken ſelbſt Herrn Guyton- Uiorveau die erſten Belehrungen über die mit der letztern angeſtellten Verſuche; aber es iſt außer Zweifel, daß die oxydirte Salzſäure beſſer als alle iſt; denn ſie iſt nicht allein elaſtiſcher und. evaporabler; ſondern ſie verbreunt und zerſtdrt auch alle Miasmen, die ſie berührt, und ich glaube, daß wenn man ſie zur Anwendung aller übrigen Säuren vorzdge, ſie viel grdßere Wirkungen hervorbringen würde. Die einzige Unan» vehmlichkeit, die mit ihrem Gebrauch verknüpft iſt, iſt der un- erträgliche Geruch den ſie verbreitet, wo ſie vorhanden iſt,(M ie --- 62= die Unmdglichkeit, es an dem Orte auszuhalten, wo ſie grade in Dampfgeſtalt verbreitet wird*), Sechster Abſchnitt. Von der ſalpeterſauren Salzſäure, Das, was man im Handel Kdnigswaſſer nenut, iſt die Mi- ſchung der beyden Säuren von denen wir bereits geſprochen, nämlich der Salpeter- und der Salzſäure. Man har 21eier Miſchung den Namen Rönigswatjer(Goldſcheiderwatſer) ges Heden, weit es die einzige Säure iſt, die das Gold, den Konig der Metalle, aufldſt. Das Königswaſſer zeichnet ſich durch einen Geruch aus, der wenig von dem der oxydirten Salzſäure unterſchieden iſt, Es hat gewöhnlich eine gelbe Farbe. Man erhält dieſe gemiſchte Säure durch mehrere Procedus ren, die wir nacheinander beſchreiben werden. L) Die Deſtillation des rohen Salpeter? liefert eine ſalpee- terſaure Salzjäure, deren man ſich zur Aufldſung des Zins und Goldes bedienen kann, 2) Die bloße Miſchung der beyden Säuren in dem Verhält- niſſe von einem Theile Salzſäure auf drey Theile Saipeterſäure, gibt Kdnigswaſſer. Dieſe Miſchung hebt den Thermometer um 3 Grade, und, wenn er die Temperatur wieder angenommen, ſo iſt ſie weder verdichtet, noch haben beyde ſich wechſelſeitig du chdrungen«, Bey Herrn Duyton- NTorvegu brachte die Miſchung von zwey Theilen Salpeterſäure, 1,209 an ſpecifiſcher Schwere, mit ei? nem Theil Salzſäure von 1,126 ſpecifiſcher Schwere, unter ei2 nem Thermometerſtande von 15 Graden eine Hitze von 3 Graden hervor, deren ſpecifiſche Schwere, 1,1795 beirug, während ſie nah der Berechnung, 1,1813 haben ſollte. Er ſchreibt dieſen geringen Unterſchied der durch die Wärme verurſachten Verdün-, nung zu, und ſchließt daraus auf das Nicht- Vorhandeyſeyn einer *) Eine Zuſammenſtellung aller der verſchiedenen Anwendunggsarten der oxydirten Salzſaure, zum Bleichen baumwoltiener und leine» ner Zeuge, findet man in den verſ ziedenen Bänden meines ia» gazins für Färber und Bleiche: ic., ſo wie in meinen allges meinen Grundſätzen dex Runſt zu bleichen zc, Berlin»8304, einer Vermehrung an Dichtigkeit oder wechſelſeitigem Durchdrin- gen. Die Säuren, welche in dem Augenbiicke, wo ſie in eina ander gemiſcht werden, weiß, wie Woſſer, ausſehen, färben ſich kurz hernach gelb; und es zeig! ſich) ein leichtes Auſwallen, weiches ſeinen Urſprung der Entwicklung. einiger Blaſen oxydiro ter Salzſäure verdankt. 3) Man erhält noch Kdnigswaſſer, wenn man ſa!peter 2 ſaure mit ſalzſauren Salzen oder Salzſäure mit ſalpeterſauren Salzeu deſtillirt, m erſtern Falle ſchlägt Baume vor, in einer Vorrichtung im Sandbade 2 Unzen ſalzſaures Natron mit 4 Unzen reiner Salpeterſäure, bey einer Temperatur von 35 oder 49 Grad zu deſtilliren«, Man kann ſtatt des ſalzſauren Natrons ſalzſaures Ammo2 nium nehmen, aber dann muß die Zerſetzung im Kalten geſchey hein. 4 Unzen pulveriſirtes ſalzſaures Aimnmonium gemiſcht mit beynahe 16Unzen Salpeterſäure geben ein vortrefflliches Kdnigs2 „waſſer 3 aber die Miſchung arveitet lange, und man muß den Dämpfen einen Ausweg verſtatten, ſonſt zerſprengen ſie die Gefäße. Boerhave räth zur Erzeugung eines guten Kdnigswöſſers zwey Theile Salpeterſäure über einen ſehr reinen ſalpeterſauren Kalis zu deſtilliten. Cornette hat ſich durch Verſuche überzeugt, daß 6 Quent- holmer Memoiren von 1753) Salpeterſäure. mit Golde zu erhitzen, und dann nach und nach ;; Küchen?» Köchenſalz hinzu zu thun, gerathen. Er behauptet, daß die Yufldjung hiernach beſſer und ſchueller vor ſich gehe. Die Chemiker, welche ay der Aufldiung des Platins gear» beitet haben, haven vie nämliche Miſchung, aber von gleichen Theilen Salpeter s und Salzſäure proponirt. miacquer empfiehlt ein ſehr mit Sa!zſäure geſchwängeries Kdnige waſſer, wenn es dazu dienen ſoll, Zinn aufzuldjen. Das, welches ein Drittheil Salzſäure enthält, kann ein gleiches Ge- wicht von Zinn, ohne Niederſchlag in Aufldſung erha cen Das Kdnigswaſſer hat Eigenſchaften die keiner ver Säuren, aus denen es zuſammengeſetzt iſt, angehdren. Sobald die Mi- ſchung beyder Säuren vor ſich gegangen, ſieht man Blaſen entſtehen und zerplaßen, die oxydirte Salzſäure ſind; während die Flüſſigkeit ſich gelb färbt. Es ſcheint außer Zweifel zu jeyn, wie Herr Zertholter berichtet, daß eine Portion des Sauerſtoffs der Salpeterjäure ſich auf die Sa'zſäure überträgt, und einen Theil davon in den oxydirten Zuſtand verwandelt, woher der ſich entwi>elnde Geruch, die emſtehenden Blaſen und die auf- ſteigenden Dämpfe rühren; dann ldſt ſich“ ein Theil der Salpe- terſäure, in den Zuſtand von nitrdſem Gas verwandelt, in den beyden Säuren auf, und färbt ſie gelb. Es iſt nicht die oxydirte Salzſäure, die die beſonderen Wir- Fungen des Königswaſſers hervorbringt, weil" ſie verraucht, es iſt auch nicht das nitrdſe Gas weil es durch die Wirkung des Metalls abgeſchieden wird; aber es iſt das Zuſammentreffen bey- der Säuren, der Saipeter- und der* alzjäure, deren eine ſich zerſeizt und ihren Sauerſtoff dem Metall abgibt während die andere das Oxyd, je nachdem es ſich enrwielt, auflöſt. Siebenter Abſchnitt, Von der Flußſäure, Obgleich dieſe Säure erſt ſeit 1771 bekannt und ihre An- wendung in den Künſten nicht häufig iſt; ſo glaube ich doch da- von ſprechen zu müſſen, weil ſie Eigenſchaften hat, die feine andre mit ihr theilet, und weil ich vorausjehe, daß, wenn ich ſie den Künſtlern bekannt mache, ſie nicht ſiumen- werden, Nützen daraus zu ziehen und ſie mit Erkennilichfeit der Reihe von koſtbaren Geſchenken zuzuzählen, die die Chemie täglich ven Künſten macht,' Man - Man extrahirt dieſe!Säure aus dem FSlußſpath(Glas: ſparb, phosphoriſchen'Spath/;'Stußkglk ,) woyer ihr Name, Slußſäure rühret. „Schön im Jahre 1768 hätte der berühmte Marggraf in ven Memoiren der Berliper Akademie bekannt gemacht daß 8 Unzen weißer md grüner Flußſpath calcinirt und detillir"mit 8 Unzen. Schweſelſäure: und 3 Unzey Waſſer ein weißes Sublis mat gebildet, und die Retorte ſo: durchlöchert'habe, als) wenn mit Schrot;darauf geſchoſſen worden wäre.- Aber Scheelet war es voybehalten einige„Jahre ſpäter zu beweiſen, daß. dieß die Wirkung einer beſondern Säure wäre, die Glas aufräße und den Quarz. gufldſe, und dis, in Verbindung m't Kalk den Flußsz ſparh. bildet", aus dem die Shwete!täure ipn vertreiben und une ter der Geſtalt von weißen ,. pikanten 2c. Oaämpfen erſcheinen laſſen kanu, Um dieſe-Säure zu bereiten und zu extrahiren, fängt man alſo damit an,"den Spath zu calciniven und zu Pulver zu ſivoßenz man ſchüttet ihn dann in eine Retorte, gießt ein g'eiches"Ge: wicht- von. concentrirter. Schwefelſäure darauf/ und rührt daun die Miſchung durch die. Tübulatur der Retorte mit.einer gläſers nen Rdhxe ſo. lange, bis die ganze Maſſe mit. Säure befeuchtet, oder davon durchdrungen iſt.. Man läßt die Retorte in das Sandbad ragen, bringt einen, Recipienten daran au, in deu.-man eine. Quantixät Waſſers von gleichem Gewichte ais. der genom mene Spath gethan, lutirt die Verbindungen genau und erwärmt gehdrig die Vorrichtung. Es währt nicht lange und»man ſiehtweiße Dämpfe aus der Miſchung hervorſteigen, und. die, Rerort8 anfüllen. die Miſchung ſchäumt ,. und die'Dämpfe, die fortfahren„ſich zu entwi>eln, fixiren ſich an.den. Wänden des Recipienten und.der Retorte, oder ldſen. ſich im Waſſer auf, weiches ſie„ſäuern. Kaum hatte Scheele dieſe Cntde>ung bekannt gemächt? als einige Chemiker anfwaten!, um ſeine Meinung zu beſtreiten) die einen betrachteten dieſe“ Säure wie eine ynatüiliche. Verbin dung der Salzſäure mit irgend einer erdigen"Subſtänz; ändere hielten ihre Erſcheinung bloß für eine Modification der bey Aare Experimente gebrauchten Schwefelſäure. Die-erſtern ſtüßten ihre Meynung 1) auf. den beſondern Ges ruch der-Flußſäure, der mit.dem der Salz(änre viele Aehnlich» keit hat. 2). Darauf, daß die Zlußſäure Silber und Quecfſils ber in ihren Aufldſungen niederſchlüge, It. E Die NENNEN-- Die andern gründeten: ſich hauptſächlich darauf„däß die producirte Säure den angewendeten... Sparh an. Gewicht Üüberträfe. Scheele erwiederte.den erſten, daß die Präcipitation der Metalle nur..daun, Statt fände,„wenn die Säure ein wenig Salzſäure enthielte«; Die„- welche die zweyte Meyyung unterſtüßten 3 ſind: durch die: Porrion von Kieſelerde geräuſcht worden, die die Säure der Retorte oder dem Recipienten entzieher', welches natürlich das Gewicht der zur Deſtillation übergehenden Säure vermehren muß. Es iſt jetzt außer allem Zweifel, daß die Flußſäure eine Säure eigner Art iſt, die alle characteriſtiſche Eigenſchaften der Säure in ſich vereiniger und für ſich ällein die erſtaunenswür? dige Eigenthümlichkeit hat, die Kieſelerde auf dem eiſten Wege aufzuldſen und zu verflüchtigen. Das Häutchen, welches ſich über die Oberfläche des Waſſers im Recipientenin das ſich die Säure aufldſet, bildet, rührt von der Kieſelerde her/ die die Säure, ſo wie ſie ſich aufldſet, fahren 1äßt. Man kann dieß Phänomen ſehr intereſſont machen, wenn män die Extremität der Retorie oder einer Rdhre, durch di» die mit Kieſelerde geſc hing über jede der M:ſchungen einewy in Waſ- fer getränkten Schwawm auf, worauf er die Gefäße woh! verz ſchloß und ſie einer gemäßigten Hißze ansſeßte: eine halbe Stunde darauf, war der erſte Schwamm wit'einer kieieligen Kruſte be- det; zwölf Stunden ſpäter zeigte ſich das nämliche Phänomen on an dem zweytew und der dritte zeigte nicht die geringſte Spur von Kieſelerde, ſelbſt nicht nach Verlauf von mehrern Togen. Nach dieſen Reſultaten iſt es für erwieſen anzunehmen, daß man beynahe reine Flußſäure ei halten kann, wern man Gefäße von Bley oder Zinn*) anwendet; ich ſage beynahe reime, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß die am ſtärkiten Fryſtalliſirien und, am weißeſten ausſehenden Flußſpathe immer ein wenig Kies ſelerde enthalten und von ſich geben, Der Ammoniak läßt in denen, die„man für die reinſtyn, halten kann, immer einige Atome davon entde>k:n, Bergmann fand davoy 1,600 in Säure, deren ſpeciſiſches Gewicht zu 1,064 gegen die des Waſz ſers zu 1,000 angenommen. Man bewahrt dieſe. Säure in metallenen: Gefäßen+ oder gläſernen Flaſchen auf, derea ganze innere Oberfläche:mit Wachs überzogen iſt.: Schon haben die Künſte die Kraft", welche dieſe" Säure be» filt„. Kieſelerde aufzuidſen, benutzet, um. auf-Gias zu gräviren und, Namenszüge auf dieſe. Weiſe einzugraben,. oder Scalen anzugeben.; Die Herren Rlaproth und Puymayurit haben faſt zu lets e, aus Blättern oder Schuppen die bis ſechs Linien im Durchmeſſer haben, beſtehende Lage bilder. Dieß ſubtimirte Salz iſt die Boraxſäure. Was auf dem Boden des Kolbens bleibt, iſt ſchwefelſaures Natron, Wenn man auf dem Wege der Kriſtalliſation verfährt, ſo läßt man den Borax in warmem Waſſer auflöſen und gießt Schwefelſäure in Uebermaaß darauf*)z; die Miſchung erhißt ſich und durch das Abkühlen bleibt ein Bodenſatz von Salz in dännen und runden Blärtern, deren eines an dem andern klebt. Man trennt diezen Niederſchlag ſorgfältig von einander und läßt ihn 2) Am befien- gelingt die Ausſcheidung der Boraxſäure, wenn man 4 Theile Borax in 16 Theilen ſiedendem Waſſer auflöſt, die Auf- löſung filtrirt, und ihr denn 23 Theil concentrirte Schwefelſäure (Vitriolöl) beyſckt, die vorher mit ihrem gleichen Gewicht Waſ- ſer verdünnet war. Sie miſcht ſich mit dem Natron im Borax zu Glauberſalz, und die Boraxſäure ſcheidet fich in. glänzenden Friſtalliniſchen Blätrern aus, die mit kaltem Waſſer ausgeſüßt werden müſſen. Die rükftändige Fluſſigkeit gibt, wenn fe ver- dunſtet wird, erft noch eine Portion Boraxſäure, ſodann aber Glauberſalz.; "aer 72 eam ihn auf. ungeleimtem Papier. troc>knen, er wird dann ſehr weiß, ſilberartig,, leicht, und gleicht ſehr dünnen Platten eines ſchd- nen weißen Glimmers, Man befreyt dieſe Säure durch wiederzolte Auflöſungen und . Kriſtaitijationen von allem, was ſie von ven Materien, die zu ihrer Zubereitung gedient, noch in ſich enthalten könnte. Dieſe Säure iſt ſehr geneigt, ſublimirt zu werden, öder in die Luft zu verfliegen; ſobald ſie mit dem Waſſer in Vereinigung kowmt, und deshalb muß man ihr Aufwäallen in den verſchiede- nen Operationen, die man mit ihr vornimmt, vermeiden, aber, ſobald ſie von Waſſer frey iſt, hat ſie die größte Unäusdehnſam- keit und verglast ſich bey einem heftigen Feuer, ohne ſich zu verftüchrigen, Ein Pfund deſtillirten Waſſers ldſt davon 183 Gran bey einer Wärme zum Aufwallen auf.| Dieſe Säure verändert ſich nicht in der Luft, ſie rdthet blaue Pflanzenpigmente, und hat einen ſalzigen und kühlenden Geſchma, .. Alkohol löſt ſie leichter auf als Waſſer, und die Flamme dieſer Aajldſung nimmt alsdann eine ſchöne grüne Farbe an. Das Glas, das durch Schmelzung dieſer Säure hervorges bracht wird, iſt weiß, durchſichtig und ein wenig teigartiger, als das des Borax, Es zieht die Feuchtigkeit der Luft nicht an ſich; aber es wird nach einigen Tagen leicht dunkel. Dieſe Säure kann den Borax in dem ,. wozu ex gebraucht wird, erſeßen, ſie erleichtert„. wie dieſer, die Schmelzung der Metalle und kann dazu dienen, ſie aneinander zu löchen. Das Glas iſt dem Salze vorzuziehen, weil dieß leßtere, indem es anſchwillt, die Stü>en. Metall, die man zuſammen löthen wilk, augeinandertreibt, ihre gegenſeitige Lage verändert und. dadyrch die Pläne des Künſtlers ſtört, ſv daß, wenn er es gebrauchen will, die'grdßre Sorgfalt von ſeiner Seite ndthig iſt*). Achter *) Die Boraxſäuro ift mannigfaltiaen Unterſuchungen unterworfen wor» den um fie zu zerſezen, oder um ſie zu erzeugen Exrigen Plättchen gewonnen die auf einem Winkel ruhten 7 ie 8) Am regelmäßigſten kriſtallifirt dieſe Säure, wenn die Auflöſung derſelben ſo Jangſam wie möglich an der warmen Luft Feine Die mit Waſſer verdünnte Aufldſung dieſer Säure ſchimmelt quf die Länge, wie alle Pflanzenſubſtanzen. Die Kriſtalle der Weinſteinſäure zerſ, zen ſich nicht an der Lüft, ſie werden ſchwarz auf dem Feuer, und faſſen eine ſchwaäm- mige Kohie zurück,' die durch eine ſtärkere Hitze wieder weiß wird. Di-ſe Säure, in dem hydropneumatiſchen Apparate deſtils flirt, gibt Kohlenſaure und Waſſerſtoffgas. Sie hat einen ſehr pikanten Geſchma>., verwandelt Veilchen-, Malven: und. Lak- muvsblau in Roth, ſcheidet die Kohlenſäure aus ihren Veibindunz Hen, mit den A kalien und'dſt die Thonerde mit Leichtigkeit aufs "dieſe, leßtee Verbindung bildet ſich übrigens, wenn man bey mehreren zur Färberey gehdrigen Operationen weinſtieinſgures Kali mit Alaun anwender&), Neunter Abſchüiet. Von der Citronenſäure, Die Citronenſäure iſt in reichlichem Maaße in den Citronen enthalien; aber zum Theil darin mit einem Excractiv- Srojf und Aepfelſäure vermiſcht, von. dem man ſie befreyen muß, wenn man ſie rein haben will.' Scheele war der erſte, der dieſe Säure in feſter Geſtalt erhielt. Er“ ſchlägt vor, ſie mit Kalt zu verbinden, ſie durch dieſes. Mitrel von dem ſchleimigen Princip zu trennen, und das citronenſaure Salz/ durch in Waſſer verdünnte Schwefels» ſäure im Uebermaaße zu zerſetzen. Die Citronenſäure!dſt ſich in dem Waſſer auf, das zur Vermengung mit der Schwefelſäure gedient hat.: Waſchen und filtriren ſcheiden die Citronenſäure gänzlich, die man-n unglaſurten irdenen Gefäßen unter der Temperatur ſiedenden Waſſers evaporiren läßt. Herr Dize hat bemerkt, daß es nüßziich ſey, die Evaporarion alle zwey Tage zu ſuſpene diren, um den wenigen ſchwefelſauren Kalk niederſchlagen zu laſſen, wird. Sie bildet al8dann größtentheil8s große vierfeitige Säulen, die wie Strahlen aus einem gemetnſchaftlichen Mittelpunkte aus» gehen, und gegen das vicht gehalten ſehr durchſcheinend ſind. D. *) Wird die Weinſreinſäure mit Salpeterſäure gekocht, fo geht fie nach und nach im Citronenſäure, in Aeprelſaure, in Kleeſäure und in Eſſigſaure über. Dag Lettere erfolgt auch dann, wenn ſolche in' Vermengung mit 2 Theilen zerriebenem Braunſtein, und einem Theil Schwefelſäure deſtillirt wird.. y ve, 8 es ſaſſen,“ der im der Flüſſigkeit durch die Citronenſäure in Aufld» ſung gehalten wird, Die Kriſtalle, die eine erſte Evaporation erzeugt, ſind ſchwärzlich, eine Folge der Reaction der Schwefelſäure, je nache dem ſie ſich covdenſixrt, wan ldſt daher zu drey verſchiedenen Malten dieſe Kriſtalle wieder auf, filtrirxk und evaporirt ſie, und d'nn erſcheinen ſie„weiß, regelmäßig und in Geſtalt von rhomboidaliſchen Privmen, deren Seiten uvter einem Winkel von etwa 120 bis 60 Graden von beyden Seiten in einen Schei: zel von vier trapezoidaliſchen Seiten auslaufen. Die Schwefelſäure muß im Uebermaaße angewendet wer- den;. um, gegen das Ende der Evaporation, das weuige. von ſchleimizem.'Stöff) 7 der in der Verbindung geblieben iſt, zu “zerſetzen, Hundert Theile Citronenſaft abſorbiren 6x köhlenſauren Kalk, Der. citronenſaure Kalk den man daraus zieht, macht den fünften Theil des Cirronenſaftes aus, qus dem er konmit. Die reine und kriſtalliſirte Citronenſäure bedarf gleicher Theike kohlenſaurer Kalkerde, um ſich damit zu ſättigen, Eine Unze deſt/llirtes Waſſer löſt 1x Unze Citronenſäure auf, und es erzeuat ſich eine Kälte von 13 Graden, Siedendes Waſ- ſer 1djt das Doppelte ſeines Gewichtes davon auf. Vierzig Gran dieſer Säure aufgeldſt in 3 Pfund Waſſer, und mit einer gehdrigen Quantität Zu&>er verſüßt, geben eine vortreffliche Limonade. Georgies hat(in den Sro>holmer Wemoiren von 1774) ein-Verfahren gelehrt, die Citronenſaure von ihrem Uebermaaß an Extractivſtoff zu befreyen, ohne ihre Eigenthümlichkeiten zu verändern; er füllie eine Flaſche mit Citronenſaft an, pfropſte ſte. mit. einen Korkſidpſel zu, und verwahrte ſie im Keller; der Saft conſervirte' ſich vier Jahre ohne zu verderben, die ſchleimi- gen Theile hatten ſich in Flocken niedergeſch!agen,„und die Säure war ſo klar, wie Waſſer. Um die Säure zu: entwäſſern, ſetzte er ſie dem Froſte aus; bemerkte aber dabey, daß die Kälte nicht zu ſtark ſeyn müſſe, damit nicht alles in eine Maſſe zuſammen friere. Man kann die Eisfnin>e abnehmen, ſo wie ſie ſich bil- den; die erſten haben einen ſüßen; die lezten einen etwas ſauren Geichma>. Dieſe ſo concentrute Säure iſt acht mal ſtärker als zuvor. Es bedarf. davon nur. 2 Quentchen,„um 1. Quentchen Kali. zu ſättigen. Im Handel, wenn man die Citronenſäure zum "Gebrauch in den Künſten bereitet, läßt-man den Citronenſaft gähren, gähren, damit er. vom-Extractivſtoff frey werde; und er-wird dann ſehr klar, Man bedient ſich deſſen häufig in den Seidenfärbereyen 2 1) um das Roth des Saflors aus ſeiner Aufldyung in: Alkalien niederzuſchlagen, und ponceau, incarpat, die feinen Roſa's u. ſ; 194 hervorzubringen, oder ein rothes Pflanzenpigment; wenn man ſol? hes anf Talk-niederſchlägt.. 2) Um die Aurorafarbe, die aus der Aufldſung des Orleans in einem Alkali entſteht, ſo zu färz ben, daß ſie. in's Orange ſpielt. Man gebraucht ſie auch noch in den Leinwanddruereyen, ſo wie ſie die Fle>ausmacher zur Vertilgung der Roſifle>e anwenden. Wenn dieſe. Säure allgemeiner werden, oder man dahin ge- langen könnte, ſie den Künſtlern um'geringere Preiſe zu-tiefernz iſt es nicht zu bezweifeln, daß man ihre Anwendbarkeit nicht voch ausgedehnter ſolite machen können, und es iſt zu wünſchen, daß man ſich mit dieſem Gegenſtande in den Ländern beſchäftigen mdge, in denen die Citronen im Ueberfluſſe vorhanden ſind, und wo man ſelbſt den Saft bereitet, um ihn durch den Handel zu verbreiten*)« Zehnter Abſc, ohne Beymiſch ing von Flüſſigkeit:annahm.„Man filtrirt das Ganze, um die. Nepfeiſäure von dem ſchwefelſauren Bley zu trennen. Dieſe Säure iſt ſehr rein, bleibt imer in-flüſſigem Zuſtande, und kann nie in einen concreten gebracht werden, Sie unterſcheidet ſich übrigens von der Citronenſäure durch folgende Kennzeichen: 1) die Citronenſäure kriſcalliſirt ſich leicht während die Aepfelſäure der-Annahme einer feſten Geſtalt bes ſtändig entgegenſtrebt. 2) Die Aepfelſäure mit Salpeterſäure behandelt, gibt Sauerkleeſäure, die reine und von allem Extractivſtoff aber freye Citronenſäure, nicht. 3) Der eitronenſgure Kalk iſt faſt unauflbslich in ſiedendem Waßer, der äpfelſaure Kalk aber aufldslicher. 4) Die Aepfelſäure ſchlägt Aufldſungen von ſalpeterſaurem Bley, ſo wie von Silber und von Queckſilber, nieder; die Citronenſäure bewirkt keine Veränderung derſelben. 5) Die Aepfelſäure wird durch die Citronenſäure aus dem Kalk/entſeßzt, Der berühmte Scheele hat uns folgende Tobelle von Früch- ten hinterlaſſen, die ſie rein oder in Vermiſchung mit-gndern Säuren liefern. -„*"Der ausgedrukte Saft der Früchte des Saurachs Berberis vulgaris y == Hollunderflieders Sambucus nigra; m 20 == dornigen Pflaumbgums Prunus ſpinoſa Wefet m„vel, Mez 24450 -- Sperberbaums Sorbus aucuparia NET 32 IM -- gewöhnlichen Pflaumbaums Prunus do-(Etfonenſäure meſticus? der unreifen Weintrauben J des Stach-lbeerſtrauchs Ribes groſſularia == rothen Johannisbeerſtrauchs Ribes rubrum; ere, -=- Heidelbeerſirauchs Vaccinium mirtillus hM EHE =, gewöhnl, El“beerſtrauchs Crategus aria Y np zur Hälfte -- Kirſchbaums Pranus ceraſas von der andern zu -= Erdbeerſtrags == Citronenbaums) Scheele hat ferner bewieſen, daß man aus Zucker Aepfels ſäure erhalten kann; e* genügt, um ſich davon zu überzeugen, wenn man verdünnte Salpeterſäure auf den Zu&er gießt, und ſie ſo lange damit kocht, bis der Zucker braun wird,' Mou ſchlägt alsdaun- die ganze Säure; die dadurch hervorgebracht worden, durch Ka!kwaſſer uieder, bindet die. Säure ,. die in der Flüſſigkeit frey“geblieben, mitreljt Kreide; und zerſelzt ſie durch eſſigſaures Bley. Die Schwefelſäure entwi>elt hierauf die Aepfelſäurez indem ſie ſich mit dem Kalk verbindet. Der Saft des Zuckers rohrs und der lezte Syrup. der beyw Raffiniren dieſer Subttanz . bleibt und den man Zu&erſyrup(Melaſſe) nennt, enthalten freie Aepfelläu: e. Das Daſcyn dieſer nicht kriſtalliſirbaren Säure iſt Schuld an der Schwierigkeit, den genannten Syrup zu kriſtalliſiren; und aus dem nämlichen: Gründe rährt die Nothwendigkeit her, Kalk zum Raffiniren des Zuckers zu gebrauchen. Scheele fand dieſe Säure auch. noch im Arabiſchen Gummi, der Manna, dem Milchzu>ker, dem Gummi Tragant, dem Kraftmehl, dem Galläpfelextract, dem Peterſiliendl, dem wäſ- ſerigen A!ve- und Coloquintheun- Extract, dem Rhabarber und dem Opium; aber da er ſie nur dann erhielt, wenn er jene Sub- jtanzen mit Salpeterſäure behandelte, ſo iſt nicht erwieſen, daß ſie von Natur darin vorhanden ſey, da ſie auch durch. die Zer- ſezung der Salpeterſäure entſtanden ſeyn kann*). Hauſenblaſe, Eyweiß, Eydotter und Blut mit ſehr con- eentrirter Salpeterſäure behandelt, gaben Scheele ZuFerſäure und Aepfelſäure, Es gibt-wenige Pflanzen und vegetabiliſche Produkte, die-nicht Aepfelſämre“enthielten; wenn die ausgedrukten Vflanz zeuſäfte durch Wärme eingedi>t. werden, dennoch der eigent? lichen ») Es iſt nicht nur zu vermuthen, ſondern es ift ganz gewiß, daß alle jene Körper nur als ſäurefähige Suvſtrate angeſehen werden müſſen, die durch den Sauerfioff der Salpeterſäure erfi in wirke liche Säuren umgeändert werden. H- lichen. Verdi>ung wiederſtehen, und faſt beſtändig eine: ſyrup- artige Conſiſtenz zeigen, o0er zerfließen wenn man ſie bey eis ner-anhaltenden Hitze trocknet; ſo ſind dieſe Phärnßmene.wahr- ſcheinlich alle dieſer Säure zuzuſchreiben, Es genügt, um in dieſer Meinung zu betiärken, die Beobachtung, daß faſt alle jene Säfte, wenn ſie eingerickt werden, eine ſehr bedeutende Säure. aunehmen.,„und. daß die ſauerſten aligemein diejenigen ſind die am. meiſten der EindiFung. widerſiehen.. Uebrigen iſt es bekannt, daß..dieſe Squre-mit. den. Alkalien und der Talk: erde..zerfließeyde Salze biidet, "Alle Weine. die ich bis jeßt habe analyſiren können, has, ben mir dieſe. Säure freh, ergeben: die ſüßeſten Weine rdthen biaues Popier, wenn man es einige Zeit darin geraucht 1äßtz ſelbſt im Moſt iſt ſie enthalten. Die Weine des Noidens er- geven übrigens mehr davon als die des"Süden, und dieſer Urs» ſacye habe ich die Verſchiedenheit: der'Brauvteweine beygemeſſen, die aus jenen, und. die aus den mittäglichen Gegenden kömmen, Dielerſtern rdthen blaues Papier/ und, es iſt. ſehr ſchwer, ihnen dieſe* Säure„ſelbſt: durch wiederholte: Deſtillationen zu beneh2 men; die audern geben nur höchſt ſelten Beweiſe, von dem Vor- handenſeyn einer Säure in ihrer Compoſition, Sovald die Weine in det! Eſſigzuſtand übergehen, verſchwine- det die Aepfelſäure/ und findet ſich die Eſſigſäure darin nur von dem Augenbli>e an, vor, wo die Eſſigwerdung vollendet iſt Die Weine die nicht vollkommen ſauer geworden, liefern auch nur einen Brauntewein von ſchlechter Qualität, weil die darin vorhandene Aepfelſäure bey der Deſtillation mit übergehet, und dieſe Thatſachen kdunen viel Licht über die verſchiedene Qua- lität der Brannieweine, und über die Deſtillirkunſt verbreiten*), Eilfter Abſceln. Erſte: Bedingung. Daß im Weine eine Portion Gährungs» oder vegero- animaliſcher Stoff vorhanden ſeyn müljſe*). Die Fabrikanten von Orleans ziehen den Wein, der ſchon ein Jahr alt iſt, dem eben erſt gekelterten vor; weil dieſer leß2 tere noch einem Reſie geiſtiger Gährung unterworfen iſt, der den Uebergang in“Säure verhindert. Yber der der von allem darin enthaltenen vegeto-- animaliſchen Stoffe frey iſt, geht nicht mehr in's Saure. über, er verliert ſeine Farbe aber ohne ſauer zu werden. Dieſe Erfahruvg habe ich an den alten und ſehr feuris: gen Weinen des mittäglichen Frankreichs-gemacht, indem ich ſie lange Zeit hindurch der Soyne, ausſeßte.: Es iſt bekannt, daß man das Entſtehen.des Eſſigs dadurch befördert, daß man den Wein mit. Holz vom WeinſtoX„“ Weintrauben, und, grönem Holze u, ſw. digeriren läßt. Es, ſcheint, weyn'man“älle dieſe anf das Entſtehen des Cſſigs einwirkende Umſtände zuſammen nimmt, daß wan nicht umhin Xann, den vegeto-animaliſchen Stoff wenigſtens als ein zwiſcheno wirkendes oder ein Gährungsmittel. bey'der Verwandlung des Weines in Eſſig zu betrachten, Zweyte Bedingung, Es muß ein geiſtiger Stoff vor: handen ſeyn. Wir wiſſen, daß nur ſolche Körper, die eine geiſtige Gähz= rung erfahren, einer freywilligen Verwandelang in Eſſig fähig ſind: wie die Weine, die Yepfel- und'Birnmoſte, das Bier, der Ratafia u. f. w. Die Weine, die am reichſien oder ergiebig» ſten an Alkohol ſind, liefern. die. beſten. Cſſige, Das *) Siehe weiter unten unter dem Artikel Gährung, welchen Bes griff wir' mit dem Ausdryck veggeto+ animaiiſchexr Stoff ver» binden. A, d, V, Das alleinige Hinzutreten von Alkohol zu5 Subſtanzen die Extractivſtoff enthalten, bringt darin eine ſaure Gährung h-ra ' vor: Stahl hatte ſchon bemerkt, daß, wenn'maxn. Rojenz oder Moayblurnen mit Alkohol befeuchtete und ſie.in Gefäße that, in. denen män ſie von Zeit zu Zeit umrütteln konnte,“dieß Eſſig gab. Der nämliche Chemiker lehrt noch, daß wenn man, nach» dem man. Citxonenſaſt. mit. Krebsgugen'geſättiget„Alkohol mit der Flüſſigkeit. vermiſcht, die: auf dem davon.entſtandenen Nie- derſchlage ſchwimmt, und das Ganze einer ſauften Temperatux: ausſetzt, daraus Cſſig entſtehe,] Nächdem man den Wein, durch Deſtilliren,, von allem Al- kohol, deu ex ergeben kann, befreyet z. ſo iſt es hinreichen5, wenn wan das“Uebriggebliebene damit beſprengt, um eine gute Cſſig2 gährung zu' veranlaſſen. Der der Gährung mit überlaſſene Cx2 tractivſtdff allein faulet, und'der Alkohol ällein erfährt keine Ver- änderung; ihre Miſchung aber geht in eine ſaure Gährung über, I< habe dieſe Grundſäße: durch directe. Experimenite/feſi- geſtellt: ins; 1) Zwey Pfund Weingeiſt zu-12 Graden; den ich ſorgfältig mit etwa 350 Gran Bierheſen und etwas in Waſſer, aufgelöſter Stärke vermiſchte, gaben einen außerordentlich ſtarken Cſſig. Die, Säure hatte ſich ſchon. den fünften Tag nach begöna nenem Experimente entwidelt, 2)-Gleiche Quantitäten'von Hefen und Stärke, mit einans der in Waſſer duichmengt, haben Eſſig erzeugt; aber die-Säure" hat1 ſich' langſamer“darin entwiFelt und der Cſſig hat nie die Stärke des vorigen erreicht, Dritte.Bedingung,.. Es muß Berührung der Zuft hinzutreten, KeineAlkoholartige Materie geht in ſaure, Gährung über, wenn nicht die Berührung der äußern Luft hinzutritt: in gläſer- nen Gefäßen wohl verſchloßnen Weine, Weindbeertreſtern in gut verſtopften Fäſſern conſerviren ſich darin ohne irgend eine nach- theilige Veränderung aber. ſie werden ſogleich ſauer, als die äußere Luft hinzukommt. Dieſem Grundſatze ſcheint eine Erfah- rung von Becher zu widerſprechen, der Eſſig in verſchloſſenen Gefäßen bereitet haben will, aver dieſe iſolirte Erfahrung lauft allem geräde zuwider, was die genaueſte Beobachtung uns täg» lich zeigt; Rozier z. B. hat geſehen, daß die Luft ſich immer in dem Momente abſorbirte, wo der Wein ſauer zu werden anfing« So iſt es überall bekannt, daß wenn der Wein in einem halb ange: ame 80 entitinn angefüllten Faſſe: ſäuert, die äußere Luft mit Geziſche hinein- ſtürzt, ſobald man ihr eine Communication erdffnet, Wenn man int der Sprache des gemeinen Lebens, die oft nur ein kräftiger Ausdru> wirklicher Thatſachen iſt, andeuten will, daß der Wein ſauer geworden; ſo ſagt man; er hat Luft bekommen. Dieſer Ausdru> ,' der auf die genoue Beobächtung des Hergangs der Sache gegründet- iſt/ iſt um mehrere Jahr» hunderte der neuen“ Doctrim: über das Entſiehen' des' Eſſigs vorausgeeilt, Vierte Bedingung, Lin. anhaltender Grad von Wärme zwiſchen 18 und 20* Reaumur. Der Uebergang in Eſſigſäure geſchieht ſehr oft: bey einer Temperatur unter 20 Graden aber dann langſamer, und die Ers fahrung hat gelehrt, daß eine von 18 bis 20 Graden am, vor» theilhafteſten wäre, In den Cſſigfabriken hat man die Vorſicht, die Hißze immer in ſolchem Grad durch Oeſen zu erhalten, wenn die Atmosphäre ſie nicht mit ſich bringt. Fünfte Bedingung. Das Däſeyn eines ſauren Ferments. So lange die Stoffe, aus denen ein Körper beſteht„in ihren richtigen Verhältniſſen, oder ihrem natürlichen Gleichge- wichte ſind ,: erfolgt keine Veränderung desſelben: Aber, wenn man einen dieſer Stoffe die Oberhand gewinnen läßt, oder, wenn'man einen fremden hinzubringt, wird das Gleichgewicht aufgehoben, ſo wie die Reihe der.Verwandiſchaften verändert, und man gibt dadurch Veranlaſſung. zu Bewegungen und Reactio» nen, die die Materie der erſten Zuſammenſetzung verändern, dieß iſt die erſte Wirkung der Sauerteige. Man Fann den Gang“, den: die neuen Operationen'nehmen ſollen, ſelbſt leiten oder beherrſchen, vnd im Voraus das Rez ſultat, welches daraus, folgen ſoll, beſtimmen, wenn'man Gährungsmittel von dieſer oder jener- Gattung anwendet ,-ſo wirken Cſſighefen, und Tonnen die davon durchzogen ſind, ent- ſcheidend fdrderlich auf Erzeugung des Eſſigs, Sechste Bedingung. Eine-leichte Bewegung. Man we'ß, daß man den Wein, um ihn vor allen nache theiligen Veränderungen zu bewahren, vor Crſchütterungen in Acht nehmen ,. und. an ſolchen. Oertern aufvewatren.muß, wo die Luft ruhig und die Temperatur friſch und gleich iſt, Eine kleine, in Intervallen der. Tonne/-in' der ſich der.+: Wein befinder, mitgetheilre Bewegung, ein Stoß'in der"Es ey amm 8x eum ſey) er-veranlaßt wodurch er wolle, wenn.er nur fähig, iſt, eine leichte Erſchütterung, in der Flüſſigkeit, hervorzubringen ,. ſind ſehr gewdhnliche Urjahen der in dem Weine erfolgenden Verän derungen.. Darum eryaäalt ſich auch in den wenig tiefen Kellern ſo. wie iu denen, über denen irgend ein lärmendes Gewerbe ges trieben wird, oder räglich Wagy-n rollen, der Wein nur ſchwer. Es iſt wahrſcheinlich, daß die Wirkung des Gewitters auf den Wein aus keinem andern Grunde herrühre. &n allen dieſen Fällen iſt die erſte Wirkung der Bewegung, daß mit dem- Weine Weinſtein, Hefen, Extractivſtoff, und im Allgemeinen alle die Grundſtofſe wieder gemengt werden, die durch die Ruhe einen Bodenſaß desſelben bilden, daß alſo da? durch ſeine Reinigung oder Abklärung unmöglich wird, und alle dieſe Materien, wein ſie in eine Flüſſigkeitzwieder zurückgeführt werden, die einmal davon gereiniget war, und von neuem mit dey Luft in'Berührung kommen, liefern eben ſo viel Sauerieige zur Gährung.? Dieſe Lehre ſtimmt vollkommen mit den Vorſichtsmaäßree geln überein, die man nimmt, um den Wein vor nachtheil:gen Veränderungen zu bewahren, man läßt ihn einen Bodenſaß mäacven, gießt ihn um, und behande!t ihn mit Evweißſtoff, um ihn durch dieſe Operationen von allen Stoffen zu befreyen, die ſeine ſaure Gährung veranlaſſen könnten. Nachdem ich nun die vorzüglichſten Bedingungen kennen gelehrt, unter denen gegohrne Flüſſigkeiten in Eſſig übergehen, habe ich vür noch die Erſchei? nungen, unter denen dieß ſtatt hat, zu beichreiben. 1). Es erzeugt ſich eine Bewegung in der Maſſe und eine HMrt"von Erſchütterung unter allen Theilen, aus denen ſie beſteht, die ſelbſt dem Auge ſichtbar iſt. 2) Es entwickelt ſich Wärme? ich habe ſie zu 25 und 26 Graden in großen flüſſigen Maſſen emporſteigen ſehen, 3) So erheben ſich auch und verſchwinden wieder kleine Blas ſen, die eine Miſchung von Alkohol und Kohlenſänre enthalten, 4.) Die Flüſſigkeit wird trübe, wan ſieht in ihr Streifen herumziehen und ſich bewegen, die ba!d in die Höhe ſteigen, bald niederſinken, ſich theilen und ſich wieder in einem Bodenſatz vers einigen, der, ſeiner Conſiſtenz nach, einem Brey ähnlich ijt und mit Kraft an allen Körpern hängt, die er berührt. Wenn alle vieſe Phänomene aufgel. drt und der Bodenfſaß ſich gebildet hat, ſo wird die Flüſſigkeit k!ar und der Eſſig iſt fertig« Bey der Verwandlung des Weines in Eſſig verſchwindet der Alkohol" durct man ihre Oeffnung mit Ziegelſteinen zu. Gewöhnlich fangen die Eſſigbrauer ihre Fabrikation gegen das Ende des May's an und der Cſſig iſt dann nach 4 oder 5 Monaten fertig. Gegen Ende des Septembers zieht man ihn ab, um ihn in die Magazine zu bringen. Jede *) Das- Genter Pfund iſt gleich 432 Gram. 325. Es verhält fich zum Hectograme wie 17313 zu 4000. Zum Pariſer Pfunde aber verhält es 6 a E zu 30. 86 Jede Tonne Bier hält 140 Genter Pots, die nur 120 Pots Eſſig geben; ſo daß das ganze Gebraude 2880 Pots Eſſig liefert*). Einige Eiſſigbrauer bedienen ſich ſtatt des Waitzens, des Roggens, Habers oder großer Bohnen; aber ſie erhalten daraus auch einen Eſſig ſchlechterer Qualtität,"Es iſt durch eine lange Erfahrung beſtätiget, daß die obenerwähnten Fruchtarten und Verhältniſſe den beſten Eſſig geben, und man kann ohne Nach» theil des Products davon nicht äbgehn, Wenn man die Koſten der Operation nach dem Mittelpreiſe der Tonnen, der Lebensmittel, des Arbeits!ohns und der Zinjen vom Lapital. berechnet; ſo kommt das Bier ungefähr 1 Decime vder 2 Sols der Litre oder die Pinte zu ſiehen, Ueberall läßt man die Kornarten gähren, um Bier davon zu bereiten; aber immer ohne Beymiſchung“ von Hopfen, Cs gibt Länder.im Norden, wo mat die ſaure Gährung durch Sauer- teige. hervorbringt ,/ die ihrexr Natur nach in den ver/e von Wolle ſeiyet 7). Drieter Areteifel, Von Zabrikation des Lſſigs durch Deſtillation vegetabiliſcher und gnimaliſcher Subſtanzen. Die Eſſigſaure wird nicht allein durch Gährung, wie wir eben ſahen hervorgebracht, ſondern iſt auch zuweilen das Pro2 dukt der"Deſtillation einiger animaliſchen Materien; und vor? züglich'von Pflanzenſubſtanzen, die ſie in hinreichend großer Ouantirär liefern, vm in den Künſten davon einen vortheilhafs ten Gebrauch machen zu können. Durch'die Analyſe ſind die'Herren Fourcroy und Vau- quelin zu der Ueberzeugung gelangt, daß die branſtige ZuFer- ſäure, die branſtige Holzſäure und die branſtige Weinſteinſäure nichts wären, als Eſſigſäure mit etwas empyreumatiſchem Oele verunvreiniget, von dem man ſie nur ſcheiden darf, um die Cſſig- ſänme in ſehr reiner Geſtalt zu erhalten. Dieſen beyden geſchi>- ten'Chemitern iſt es gelnugen ,' der Eſſigſäure, des Weines alle erſäurxe aus allen gezukerten und und) fadeſchme>enden zähen Schleimen, und die Weinſteinſäure aus deſtillirtem Weinſiein, Unab» 5) Nähere Anleitung zum Gebrauch dieſer Säure in der Färberey, findet man in ermbſtädts Grundriß der Farbekunſt 2c. 2te Aufs lage 1807; ſv wie in zerbmſtädts Magazin für Färber/ Kattun- drücker und Bleicher, 3ſter bis 6ter Band, Berlin a8ob bis 3807. H. Unabhängig! von" dieſen dreyen Säuren, die hauptſächlich die Chemiker beſchäfiiget haben, iſt es bekaunt, daß galle Pflanz zentubſtauzen,„ſie.„ſeyen. von. welcher Art ſie wollen, ein ſaures Produkt. von. derſelben Nacur geben ,/- als die von deuen wir nur getprochen.;+ Man kaun dayer den Gruudſatz. aufſiellen, daß die Deſtillation der Vegetabilien immer ergebe, Weru man die Cſſigſäure, die durch Deſtillation erzeugt wird, bey der Färberey gebrauchen will, ſo iſt es unväß, jg würde ſelbſt ihrer Güte nachtheilig ſeyu, wenn man das Oel; das in ihr aufgeldſt iſt; voa ihr renuen wollte, Aber wenn may» ſie ſehr rein zu haben wünſcht,'ſo kann man dieß: bewirken, wenn män ſie/durch Kohle filrirr; dann mit Kali, ſättiget und das eſſizſaure. Salz durch Deſtillation zerſeßt. Yuf. welche Art man'“aber' auch den"Cſſig gewonnen, muß man ihn noch einigen"beſonderen Vorbereitungen“ unterwerfen, bevor man ihn gehdrig gebrauchen kann, Der. Eſſig. enthält nämlich. immer eine mehr oder weniger große, Quantität, von Ertractivſtoff, von dem man ihn durch die Deſtillation befreyen muß:. ohne dieſe Vorſicht würde er in ſeine Verpindungen einen fremden Stoff mit übertragen, der nicht allein der Qualität des Produktes nachtheilig werden, aber auch die Wirkung der Säure auf. die Körper, mit denen man ſie in Verbitidung bringt, vermindern würde, Die Deſtillation geſchieht in gläſernen Gefäßen, ,wenn man vur eine geringere Quantität gewinnen will ,.und.in,.kapfernen Helmen,“'wenn'man für"Handwerker oder«für.den. Handel arbeitet. Sie fängt bey der Temperatur des ſiedenden Waſſers an, äber die erſten Produkte ſind“ſchwach, und die concentrirteſte Säure iſt die„ welche zuleßzt-kommt. Der. deſtillinte Cſſigziſt weiß wie-Quellwaſſer, und wirkſa- mer als der, der dieſe Operation uicht aubgeſtäanden, Der deſtillirte Eſſig"hat ferner die Unannehmlichkeit, daß er lange Zeit den Geruch des Feuers an ſich trägt, aber dieſe Unaunehmlichbeir kann nur in ſo fern in Betracht kommen, als. man ihn an Speiſen gebrauchen will, Mon kann ihn übrigens vor dieſem Geſchmack bewahren, wenn man ihn im Waſſerbade deſtillirt, und das Waſſer des Bades' durch eine ſtarke Aufldſung eines Salzes, wie z. B. durch ſalz-'und ſalpeter? ſaure Kalke, oder die Mutterlauge von jedwedem Salze verdich? tet, fet, damit er ſelbſt einen ärdßern Grad von Hitze bekomme, als den des kochenden Waſſers*)« Man kenut im Handel zweyerley Arten von Eſſig?'den weißen, den man von weißem Wein gemacht, oder von röthem auf Mark von weißen Trauben geſäuertem, und den rothen, der aus deim zu“ Eſſig gewordenen rothen Wein entſteht, Der Eſſig har die Fähigkeit, den riechenden Stoff,der Pflan- zen äufzulden und in ſich zu bewahren; man kann ihn dahey wohlriedzend machen., und. dieſe in ihren Grundſätzen ganz einfache Kunſt iſt zu einem beirächtlichen Handelszweige gewor- den. Lavendel, Thymian,: Rosmarin, Citronen, Eſtragon (Dragun) ſind die Subſtanzen, mit denen man gewöhnlich den Eſſig deſtillirt, um ihm ähven Geſchma& zu geben.» Die:;meiſten dieſer Eſſige werden durch Infuſion verfertiger, und:;man filtrirt ſie dann mit der.größten Sorgfalt, um alle fremdartigen Stoffe davon zu trennen, die ihre Farbe oder Qualität verändern kdnn2 ten. Man kann den Cſſig noch durch.die Miſchung mit dem be- ſonders extrahirten aromatiſchen Pfläanzenſtoff wohlriechend ma» cen. Man nennt in der Regel die Eſſige die auf Pflanzen in- fundirt worden, componirte. Die Arzeneyküunſt, wie die der Toileite haben ſich äberdieſe Bereitungsmethode zu Nutze gemacht, um die wohlriechenden Cſſige zu angenehmen Verbindungen mit Medicamenten oder Riechwaſſern zu gebrauchen, Man bedient ſich des Eſſigs auch zur Conſervation von Fleiſch, Früchten und Gemüſen: Herr Parmentier bemerkt hier- über, daß er das in dieſen Suvſtänzen enthaltene Waſſer ver? dränge, und'ſich mit ihren Grundbeſtandtheilen.;- vorzüglich ih» rem Gallert verbinde. j Man bereitet: daraus auch. einen Syrup; ein eben ſo heil- ſames als angenehmes Getränk, Man hat die Gewohnheit den Eſſig durch Gefrieren zu concentriren? man treunt durch dieſes Mittel eine Portion des wäſſerigen Stoffs davon, der ſich in Eisſcheiben verwandelt; die man wegnimmt ſo wie ſie entſtehen. Aber wenn wan ſich einen noh reinern und gutentwäſſerten Eſſig verſchaffen will, ſo deſtillirt matt die Produkte, die ihn ais Grundbeſtandtheil enthalten, wie eſſigſaures Kupfer, oder kri» ſtalliſir- *) Um den. deſtillirten Eſffig völlig frey von einem branſtigen Geruch zu erhalten,„darf derſelbe nur über gepulverte Kohle deſtiilirt wer- den, die man dem rohen Eſſig gleich bey der Deftiliation zuſeßt. Zehn Pfund Kohle auf einen Oxhoft Eſfig- ſind hierin vollig hin- reichend. H. a. 9t[5 ſtalliſirter Grünſpan unvgur Tro>ne verdi>tes oſſigſaures. Kali, wie Stahl. voiten ſiuken zu Boden, die Flüſſigkeit wird klar, und der Eſſig iſt fertig, Es iſt hierbey zu bemerken, daß, wenn man ſich anſtatt des reinen Waſſers eines ſolchen bedient, das aus einem Graben kommt, oder ſoyſt irgend eines ſoler und Gummi mit Braunſteinoxyd und Salpeterſäure behandelte. Der nä:nliche Chemiker hat beobachtet, daß die letzten Res ſultate der Zerſezung von Säuren durch Alkohol, bey, der Foro mation der. verſchiedenen Arten von Aecher, Cſſigſäure ſey. Er hat ferver geſehen, wie ZuFer/äure mit Salpeterſäure zerſetzt, ſich in Eſſig verwandelte,'Hermbſtädr hat das näm- liche Experiment mit Weinſteinſäure gemacht, Scheele bewirkte den Uebergang von Galläpfelſäure in EE ſigſäure durch Salpeterſäure, Crell, der Alkohol mit Schwefelſäure und Braunſtein aufz- ſieden ließ, erhielt Eſſig und StiFgas,. Wenn man einige Monate hindurch eine Miſchung von Alz Fohol und Zu&erſäure mit einander digeriren läßt wird aus bey» dem zuſammen, Cſſig. Wenn man Salpeterſäure mit dem Alkohol vermiſcht, er- hält man nach Willführ Zu>erſäure oder Saipeierſäure; nux daß zu. der leßziern eine ſtärkere Doſis als zu der exſteren ers forderlich iſt.| Herr Bertholler hat im Jahre 1785 bekannt gemacht, daß oxydirte Salzſäure den Alkohol in Zu>er, Eiſig und Waſſer verz wandeln könne, indem er ſich von ſeinem Sauerſtoff wenne, Der Saft der Bäume zeigt Eſſigſäure, wenn er mehrere Stunden hindurch ruhig in Geſäßen geſtanden, Erhißzte 1050 gleich: gleichfalls, Die Wäſſer in welchen Gemüſe, als Koh!, Mohr- rüben, Ste>rüben, Kartoffeln, Gurken und die Schoten der Schminkbohnen eingeweicht werden, ſind ſtark eſſiggejäuert. Scheele hatte unſre Säure auch aus ſaurer Milch gezogen ymd die Herren Föurcroy und Vauquelin ſie in der Fleiſchbrühe imd>den' thieriſchen Gallerien 3 ſo wie'in' dem Urin der Säuges Thiere gefunden.- Es geht aus den zahlreichen Erfahrungen, die bis dieſen Augenblick über dieſe Säure gemacht worden, hervor, daß ſie das Produkt der Gährung der Deſtillation und der Zerſczung der Sa!peterſäure und oxydirten Salzſäure mit Pflanzenſtoffen vder andern aus ſdlcung dieſer Säure, Er machte ſie am x3ten Junius 1776.in einer Theſis bekannt, die er in Upſala durc) Arvidſon vertheidiz gen ließ*). Dieſe Säure war zuerſt unter dem Namen Säure des Zuk» Eers und zu&erige Säure bekannt, und man betrachtete ſie wie eine Modification der Salpererſäure, weil man ſie durch eine Wirkung dieſer Säure auf den Zuer erhielt. Heut zu Tage nennt man ſie allgemeine Sauerkleeſäure, weil es anerkannt die nämliche Säure iſt, die ſieh, in Verbins dung mit dem Kali in dem Sauerkleeſalze findet, Das von Bergmann beſchriebene Verfahren dieſe Säure zu extrahiren oder hervorzubringen, iſt folgendes: Man thue in eine tubulirte Retorte im Sandbade einen Theil geſtoßenen Zucker, und drey gewöhnlicher Salpeterſäure, oder ſolcher, deren ſpeciſiſches Gewicht gegen die des Waſſers ſich wie 1,560 zu 1,000 verhält. Der Zuer löſt ſich ſogieich auf, es ſteigen rdthliche Dämpfe in die Höhe, und die Miſchung fängt mächtig an zu ſieden. Sobald dieſes Brauſen geſtillt iſt, unterhält man das Feuer, und die Flüſſigkeit nimmt ba!d eine braune Farbe an. Maun gießt dann eine gleiche Quantität Sal- peterſäure darauf, und fährt. fort ſieden zu laſſen. Wenn die Flüſſigkeit nun gehdrig verdichtet iſt,(was man an einigen kleinen Kriſtallen merkt, die ſich auf der Oberfläche zeigen, oder dann bilden, wenn man eine kieine Quantität das von kalt werden läßt), ſo gießt man ſie in eine Schaale, und es formiren ſich vierſeitige, lange und ſchmale Kriſtalle. Man hut die Mutterlauge wieder in die Retorte, und gießt eine neue Quantität Saipeterſäure darauf. Man evapo- xirt wie das erſtemal, und kann eine zweyie Lage von Kriſtal» len abheben. R Wenn man ſo mit dieſer Procedur ſortfährt, ſo bringt man viel Aepfelſäure hervor, und gegen das Eude der Opera2 tion producirt ſich nichts als Kohleuſäure, Ich ») Eigentlich iſt Scheele der Entde>er der Rleeſäure, er theilte ſeine EntdeXung an Bergmann.mit, dey ſolche nur weiter aus- geführt haf, H. Ier zu. nehmen, die Zers ſezung der Salpeterſäure geht vollſtändiger vor ſich, und das Produkt an Sauertleeſäure iſt reichyaltiger. Nach. der Abnahme der. erſten Lagsyven Kriſtallen, und wenn die tutterl3ugen vön neuem. auf das Feuer gebracht worden ſind, füge ich noch ein Drittheil von der ganzen Maſſe des zuvor genommenen Zuckers hinzu: es entwidelt ſich eine neue Quautität nitrdſes Gas das rdthliche Dämpfe gibt, und ich eryalte eine neue Quaatität vön Kriſtallen. 9%< evaporire dann wieder die Mutterlaugen, und thue Zu&er oder Säure nag Nothdurft hinzu. Aber die erſten Kriſialle ſind beneßt von Salpeterſäure, von der man ſie durch Aufld/ungen in Waſſer und ſacceſſive Kri2 ſtalliſatione befreyen' muß, Wenn das Aufwallen„ſtark iſt, ſo hat dieß"einen. anſehnlichen Ausfall zur Folge, denn dieſe Säure verfliegt, dermaßen, daß wenn die Evaporation im Sandbade bey offenen Gefäßen geſchieht, es ſchwer iſt, in deren Nähe zu“ bleiben, wegen des Brennens auf der Haut und in der Naſe, das dieſe Ausflüſſe bey der Verflüchtigung hervorbringen. Die reguläre Form der gereinigten Kriſtalle der Sauerklee- ſäure, iſt,die eines vierflächigen PriSma, das in zweyſeitige Gipfel ausläuft. Der Zu&er iſt nicht die einzige Subſtanz, die das Radical dieſer Säure liefert: Bergmann hat ſie aus arabiſchem Gummi gezogen, in dem Verhältniſſe von ungefahr einem Viertheil des angewandten Gummi, Alkohol, das er mit ſeinem dreyfachen Gewichte an Salpeterſäure behandelte, lieferte ihm davon drey Ychrtheile ſeines Gewichtes, Zwey Unzen Manna, mit zwd!f Unzen Salpeterſäure zu 32 Grad behandelt, gaben mir zwey Quentchen, ſechs und ſechzig Gran an Sauerkleeſäure. Eine Unze ſe nach, zu&eriger war. Zwey Unzen Extract, die im auch einem Pfund von der weißen, Art der Beta 39g, und mit 8 Unzen 41 Grad behan? delte, gaben drey Quentchen vier Gran Sauerkleeſäure, Eine Eine Unze Paſtinakextract und 8 Unzen Salpeterſäure zu 4x Grad, gab davon ſechs und dreyßig Gran. Roſinenextract gibt ein Achttheil Säure, der von Ahorn ein Quentchen zwey und zwanzig Gran auf die Unze, und der des Eſchenbaums aus unſern mittäglichen Provinzen, nahe an zwey Quentchen. Acht Unzen Salpeterſäure zu 40 Grad lieferten davon zwey Quentchen ſechs und dreyßig Gran auf die Unze arabiſchen Gummi; aus dem Gummi Tragant erhielt ic) weniger, Herr Berthollet hat dieſe Säure in kleiner Quantität aus der Baumwolle, und in größerer auch geringerer aus Seide, Wolle, aus der Haut, den Sehnen, den Haaren, dem Gallert, dem Weißen und Gelben vom Ey, und dem Leim u. ſ. w, gezogen. Zermbſtädt hat bewieſen, daß man die Tamarinden, Ci- tronen, Pflaumenſaft-, die Birn-, Johaunisbeer-, die Berbiss beer- und Sauerampferjſäure durch Zerſezung mit Salpeterſäure in Sauerkleeſäure verwandeln könne, Scheele hat durch Salpeterſäure-die Galläpfelſäure in Saqauerkleeſaure verwandelt, Man kann daher von der Sauerkleeſäure annehmen, daß ſie ein Radical zur Baſis habe, das faſt in allen thieriſchen und Pflanzenſubſtanzen vorhanden iſt, und nur des Sauerſtoſſs bes darf, um in den Zuſtand der Saure- überzugehn,„Die Leich- tigkeit, mit der man von, dieſen Säuren eine in. die andre ver2 wandelt; indem man ihnen mehr oder weniger Sauerſtoff hinzu fügt, oder mehr oder weniger Kohlen- oder Waſſerſtoff davon abnimmt, erlaubt keinen Zweifel darüber, daß vicht alle ein gemeinſchaftliches Radical haben ſollten, das nur in ſeinen Vera hältniſſen in Hinſicht des darin enthaltenen Sauerſtoffs und der beyden Nadicalien unter ſich, von einander abweicht. Man hat freye Sauerkleeſäure in den Härlein der Kicher- erbſen gefynden; dieſe artige Bemerkung verdankt man den Herren Deyenx und Prouſt. Die Sauerkleeſäure vereinigt alle characteriſtiſche Eigen: ſchaften der Säuren z; ihr Geſchma> iſt ſehr ſtark; es ſind 0da- von nur ſieben Gran ndthig, um ein Maaß voll Waſſer merktich zu ſäuern 3'ein einziger Theil davon aufgeldſt in 1920 Theilen Waſſer rdrher blaues Zu>erpapier, und ein Theil davon aufge? ldſt in 3600 Waſſer färbt die ſehr verdünme La>mustinktur roth, Dieſe Säure iſt ſehr auſldslich in Waſſer, und bringt in jeder Flüſſigkeit eine ſehr merkliche Kälte“ hervor." Siedendes Waſſer Waſſer 1dſt ſein Ganzes 3 kaltes; die Hälfte ſeines Gewichtes von dieſex Säure. auf, wenn ſie eine Temperatur von 12 Graden har. Hundert Theile ſiedendes Alkohol nehmen ſechs und funfzig von dex» Säure in ſich auf, Die Kriſtalle der Sauerkleeſäure verlieren durch die Wärme drey Zehntheile an Krijtalliſarnionswaſſer. Die weſentlich) nachher. eine weiße Wolke unmittelbar unier demſelben, welche ſchon die Zerſetzung des erdigen Saizes beweiiet, und wenn man den Kriſtall von ſauerkleeſaurem Salze in das Waſſer wirft, läßt es eine Wolke hinrer ſich die die Linie anzeigt, die es genommen, und die langfame oder ſchnelle Zerſetzung, welche vor ſich gegangen, Aber hauptſächlich durch die Eigenſchaft; welche die Squerz kleeſäure beſitzt, Metalloxyde aufzuldſen, iſt ſie für die Künſte wichtig. Schon gebraucht man in den Fabriken'von gedruter Leinwand große Maſſen davon, um den Aeßſtoff von einigen Theilen der Zeuge wegzubeitzen. Nöämlich, anſtatt daß man das Aeßzmittel mit: einer Platte' auf die Leinwand"aufträgt und ſo eine Zeichnung darauf anbringt, bede&t' man ſie gan;'mit dem Yeßtzmittel/ und gießt dann die Säure, die gehdrig mit Gummi verſehen ſeyn muß, auf die Theile derſelben die man weiß erhals ren will, und die Säure zerſtdrt das Yeßmittel, ſo daß die Farbe, da wo dieſes erſt war, nicht mehr faßt. Wermittelſt dieſes Verfahrens dru>kt wan die ſandig punktirren und alle delicate Deſſins die man mit der Vlaxrte nicht ausführen konnte. Man ſieht leicht ein, daß, wenn man durch. dieſe Säure den Retzſtoff von einigen Theilen des Zeuges ganz wegbeiten känn» es noch leichter iſt, dadurch- deſſen Kraft zu ermäßigen und in das Gleichgewicht zu bringen; ſo daß man alle Arten. von u. G; Nüane Rüaucen auf eine Leinwand anbringen könnte, die man zuvor ganz in das Aetzmittel.getränkt; es kommt nur darauf au ,“daß man in der Stärke der Säure abwechſelt, deren man ſich hin- terher als Hülfsmittel bedient, Die Sauerkleeſäure iſt die Subſtanz, deren man ſich am zwe>mäßigſten bedienen kaun, um Dintenflecke aus den Kleis dern, der Wäſche 2c. auszumachen. Es iſt dazu weiter nichts erforderli, als einen kieinen Kriſtall auf dem zuvor mit Waſſer beneizten Fle> zu zerreiben, und es 1dſt ſich' ſogleich auf. Auch kann man fich einer ſtarken Aufldſung der Säure in Waſſer, bedienen, Dreyzehnter Abſchnitt, Von der Benzoe- Säure, Balſame find Harze in einer natürlichen Verbindung mit einer riechenden und feſten Säure, Die Naturgeſchichte bietet hauptſächlich dreyerley Arten.da- von dar; den“enzoe- Balſam, den„Perugniſchen Balſam und, den Storax- Balſam, Aus einem jeden dieſer Balſame kann man eine feſte Säure ziehen; aber man wendet zu dieſem Gebrauch nur den Benzoe an, und die daraus gewonnene Saure, heißt Benzoe- Säure, Man kennt im Handel zwey verſchiedene Arten des Benzoe, den mandeiartigen und den gewöhnlichen; der erſtere beſieht aus den ſchdnſten Tropfen dieſes Balſams, die durch einen Glu- ten oder Saft von der nämlichen Gattung, aber braunerer Farbe, mit einander verbunden ſind, welches der Maſſe das Anſehn von T7ougat(MandelgebaFenem) gibt. Der zweyte iſt der Saft ſelbſt, ohne Beymiſchung dieſer ſchdnen Tropfen, Der Benzoe, wenn er auf Kohlen gethan wird, ſchmilzt, entzündet ſich ſchnell und verbreitet im Brennen einen ſtarken und aromatiſchen Geruch. Aber wenn man ihn bloß erwärmt, ohne ihn anzubrennen, ſo bläſt er ſich auf und gibt noch einen gngenehmern, wenn gleich ſehr ſtarken Geruch von. fich. Der Benzoe, wenn er zerrieben und mit Waſſer aufgekocht wird, liefert ein aufldsliches Saiz, das, wenn es kalt wird, in lange nadelfdrmige Kriſtalle aunſchießt. Durch dieß Mittel je- doch kann man nicht das ganze, in dem Benzoe enthaltene ſaure Salz extrahiren, weil das Harz, welches vom Waſſer nicht durchdrungen werden kann, einen Theil davon vor der Wirkung dieſes aufidſenden Mittels ſichert, Man Man hat daher zur Sublimation ſeine Zuflucht genontmen, um das Salz vom Harze zu ſcheiden; zu dieſem Zwe>e thut man grob geſtoßenen Benzoe in einen gläſernen Deſtillirkolben; ſeßt dieſen Kolben in das Sandbad, und geht mittelſt einer ſteigens den Wärme zur Sublimation über. Das ſaure Saiz trennt ſich von der Maſſe und formirt in dem ganzen Umfange des Gefäßes einen Anflug von langen ſehr weißen Nadeln. Einige. Apotheker thun den Benzoe in eine Schüſſel, bes de&en dieſe mit einer zweyten Schüſſel und lmiren ſie mit Pa2 pier aneinander, machen eine kleine Oeffnung gegen die- Mitte der oberſten Schüſſel zu, und bringen den ganzen Apparat auf das Feuer. Die Hitze verflüchtigt das ſaure Salz, das man „abldſt, wenn die Gefäße kalt„geworden ſind; indem man die beyden Schüſſein. wieder auseinander bringt. Dieſe Verfahrungsarten liefern nicht alles Salz, das in vem Benzoe enthalten iſt, ein großer Theil davon verfliegt /ix- die Luft; auch iſt dieß Salz im Handel ſehr theuer. Um es"in größerer Quantität zu gewinnen/ fange ich daz mit an, den Benzoe in einer Retorte zu deſtilliren, und laſſe allen Balſam in den Recipienten übergehn; dann laſſe ich das Waſſer auf dem desorganiſirten Produkte auffochen und kann ſodann das Salz leicht abirennen, weiches ſich durc- ſilberoryd, jechs Unzen Waſſer, ließ die Miſchung einige Miz nuten mit einander aufkochen und ſchüttelte ſie fortwährend um z die Flüſſigkeit nimmt ſo eine gelbe, in das grünliche ſpielende Farbe an. Man bringt das ganze auf ein Filtrum, und gießt auf das Reſiduum ein wenig heißes Waſſer, um es gehdrig aus- zuwaſchen. Dieſe Flüſſigkeit iſt ein blauſaures Queſilber, das einen metalliſchen Geſchma> hat, das weder durch Säure, noch durcß Alkalien niedergeſchlagen, noH durch etwas anderes zerſetzt wer? den aue|: eg den kann, als durch ein langes Digeriren mit andern metalli- ſchen Subſtanzen, Man gießt dieſe Aufldſung in eine Flaſche, in die man eine halbe Unze nicht oxydirte Eiſenfeile gethan, fügt drey Quentchen Schwefelſäure hinzu, und ſchüttelt ſie mehrere Mi- nuten hindurch, worauf die Miſchung durch die Reduction des Queckſilbers ganz ſchwarz wird, Die Fiüſſigkeit hat übrigens dann ihren Quedſilbergeſchma> verloren, und den von Pfirs ſichblüthe angenommen. Man ſcheidet dieſe ſehr flüchtige Blau- ſäure durch Deſtillation an einem gemäßigten Feuer, Scheele räth an, die Vorrichtung gut zu ver!utiren, etwas Waſſer in den Recipienten zu thun, kleine Gefäße anzuwen- den, um ſowenig als möglich an Säure zu verlieren, und die Condenſation durch eine kalte Temperatur zu befördern. Die Blauſäure hat eigenthümliche Eigenſchaften, durch welche man ſie von einer jeden andern unterſcheiden kann; 1) ihr. Geruch iſt dem von bittern Mandeln ähnlich. 2) Ihr Geſc iſt ſüßlich, und bringt eine Wärme. im Munde hervor, indem er zum Huſten reißt. 3) Sie raubt allen Sqäuren ihr Eiſen, und bildet blaues hblauſaures Eiſen. 4) Sie ſchlägt Oel und Schwefel aus ihren Verbindungen mit einem Alkali nieder. 5) Sie iſt ſehr flüchtig, ſehr elaſtiſch, und wird dur< Wärme nicht zerſeßt. Herr Berthollet der dieſe Säure und ihre Verbindungen mit dem beobachtenden Blike geprüft, der alles umfaßt und aufklärt, hat aus ſeinen Experimenten die Folgerung gezogen, daß ſie aus Waſſerſtoff, Kohlenſtoff und Stickſtoff zuſammen? geſeßt ſey. Die bloße Deſtillation der verſchiedenen alkaliſchen oder erdigen blauſauren Salze unterſtüßt dieſe Meinung: ſie bringt nichts hervor als Waſſerſtoffgas, Stigas, Ammoniak und ein wenig Kohlenſtoff*). Wenn die Deſtillation der metalliſchen blauſauren Salze nac< Scheele's eigenen Beobachtungen, Kohlenſäure gibt, ſo kommt dieß daher ,/ weil die darin in dem Zuſtande von Oxyden enthaltene Metalle den zur Erzeugung der Kohlenſäure nd1ihigen Sauerſtoff liefern, Herr +9 Da jene Säure ſelbſt das La>muspapier ſchwach röthet, ſv iſt eb Cehr wahrſcheinlich, daß auch der Sauerſtoff eines ihrer hildendey Elemente ausmacht. H- =... 103= Herr Sourcroy der durch die Deſtillation von zehn Theilen Blutwajſer und einem Salpeterſäure, Stickgas, nitrdſes Gas, blaujäures Gas und Kohleuſäure erhielt, ſchloß daraus, daß die Blauſäure auch Sauerſtoff enthielte, den ſie aus der Salpeter? ſäure zdge, weil das Blutwaſſer, wenn es allein deſtillirt wird, feine Blauſäure gibt; Herr Serthollet hat hierauf erwiedert, daß durch Wirkung der Salpeterſäure unter gewiſſen Umſtänden aur? Ammonium geſchieden würde, ohne daß man daraus ſchließen kdnne daß es Sauerſtoff enthalte*,, Es ſcheint mir auch, als ob. in dem Experimente des Hern Fourcroy die Kohs lenſäure durch den Sauerſtoff der Salpeterſäure hervorgebracht worden, und die Blauſäure doch davon frey ſeyn könne; übri? gens ſind die Eigem'mus, der Malven und der Rettige; dieſe Thatſachen waren bekannt, aber kein Chemiker vor Scheele hatte dieſe Säure ſo extrahirt, daß ihre beſondern Eigenſchaften hätten feſt2 geſtellt werden können. Dieſer berühmte Chewiker raäth, Pulver von Galläpfeln mit Waſſer zu infündiren und es vier oder fünf Tage hindurch, ſo lange dieſe Infuſion dauert, umzuſchütteln, dann die Flüſs ſigkeit zu filtriren, und in einem gläſernen Ballon der Luft aus- zuſetzen, bis fich ein beträchtlicher Niederſchlag bildet, den man in kaltem Waſſer auswäſcht, dann in. warmem Waſſer aufldſt, filtrirt und bey einer gemäßigten Wärme evaporirt, Während der Evoaporation ſchlägt ſich ein Theil in Geſialt eines feinen Sandes nieder, während ein anderer Theil auf dem Boden Kriſtalle in einer ſternförmigen Figur bildet."Dieß ſaure Sa 3 iſt grau, und es iſt ſeibſt bey wiederholten Auflöſungen, Filtrirungen und Kriſtalliſarionen unmöglich, es weißer zu machen. Der'nämliche Chemiker hat durch Deſtillation aus den Gall- äpfeln" noch ein faures Waſſer gezogen, und beobachtet, daß, g'gen das Ende, daraus ein flüchtigſaures Salz in die Hdhe ſtieg, an welchem ſubiimirten Salze er den GeſchmaF und den Geruch ver Benzoeſäure fand. Herr Dexyeuyx hat ſpäterhin erwieſen, daß es einer ein wenig ſtärkeren, als der Hitze des kochenden Waſſers bedürfte, um am Ha'ſe der Retorte, in der die Deſtillation desſelben geſchieht, das ſaure Salz zu ſublimiren, ' Herr aum 10of amara Herr Prouſt der ſich auch noc< mit dieſem Gegenſtande be- ſchäftiget hat, hat ein Mittel angegeben, dieſe Säure ſehr rein zu erhalten; es beſteht darin, eine Auflöſung von ſalpeterſalzſaus rem Zwmn auf eine Abkochung von Galläpfeln zu gießen; es bil der ſich, faſt in demſelben Augenblicke ein ſehr reichlicher ,' gelba licher Mederſchlag, und die' oben auf ſchwimmende Flüſſigkeit enthält Galläpfelſaure, Salzſäure und ſalzſaures Zinn; der NiederſX, wie alle andern, und rdthet blaue Farben, die gewdhnlich zu den, dem von 28 Zoll Que&ſilber, oder vem der Atmosphäre entſpricht. Das Waſſer, welches ſich in der Luft auflöſt, nimmt darin einen elaſtiſchen Zuſtand an; Herr Delüc hatte ſchon bemerkt, daß die feuchie Luft leichter ſey als-die trockene,"und erklärte daraus das Fallen des Queäſilbers im Barometer. bey feuchter Witterung, Leroy, ein berühmter Arzt aus Montpellier, hat gelehrt, daß das Waſſer-in der Luft ſich ungefähr ſo aufldſe; wie Salz in einer Flüſſigkeit. Herr von Sauſſüre hat dieſe Behauptung modiſicirt, und bewieſen, daß die Maſſe der Luft vom Waſſer in Gemäßheit ſeines Dru>s und ſeiner Temperatur afficirt wird, und daß bey einer Temperatur von 15 Graden ein Cu» biffuß Luft, nur eilf- Gran Waſſer in Auflöſung erhalten könne, Dieſe- Quantität vermindert ſich bey erniedrigter Temperatur, Dieſer berühmte Phyſiker hat uoch bewieſen, daß die Quantität des Waſſerdampfes dem Gewichte nach immer die nämliche in dem gleichen Ranme bleibe, welche auch. die Quanritär der Luft ſey, und daß die Temperatur. allein Abwechſelungen in dieſer Quantität hervorbringe. Es folgt aus den Experimenten, die bis hierher von den Her- renSauſſüre, Detüc, Volta, Dertholler u. a. gemacht worden: r) daß die Luft die evaporablen Flüſſigkeiten durch ihre Verwandrtſchaftsfähigkeit aufldſe. 2) Daß. in dieſer Aufldſung jene die Geſtalt elaſtiſcher Flöſſigkeiten annehmen, 3) 3) Daß in dieſem Zuſtande ſie alle Eigenſchaften der Flüſ» ſigkeiten überhaupt haben.' Es folgt hieraus, daß das durch die Luft in Aufldſung er- haltene Waſſer durc) den elaſtiſchen Zuſtand, weichen ſie ihm verſchäfft, die nämlichen Eigenſchaften erwirbt, welche es hat, wenn es durch die Wärme in Dämpfe verwandelt wird, Die Lufr hat alſo die Eigenſchaft, das Waſſer im elaſtis ſchen Zuſtande zu erhalten, und ihm die Eigenſchaften eines permanenten Gas bis zu dem Punkte ſeiner Sättigung mit zutheilen, Dieſe Grundſätze finden auf die Aufldſung jeglicher Art von Flüſſigkeiten, in den gasartigen Flüſſigkeiten, Anwendung: Es folgt ferner hieraus, daß der elaſtiſche Dampf des Waſſers durch die Steigerung der Temperatur-über den Punft des Auſwallens die nämlichen Erweiterungen, als die übrigen Gagarten, erfahren müſſe. Herr von Sauſſüre hat, indem er die Ouantitäten des Waſſers, die er in tro>ener Luft auflöſte, und den Zuwachs an Ausdehnung, der daraus entſprang, mit einander verglich, er? wieſen, daß eine beſiändige Verbindung zwiſchen dem erzeugten Dampfe und der Ausdehnung vorhanden ſey, und daß die Schwere dieſes Dampfes bey gleicher Temperatur und gleichem Dru ſich gegen die der Luft, wie 10 zu 14 verhielte, Daher Hat 2avoiſier aus ſeinen Experimenten geſchloſſen, daß.die ſpecifiſche Schwere der Luft, bey einem Barometerſtande von I0 Graden ſich"gegen die des Waſſer wie 842 zu 1 verhielte. Dieß gibt/ wenn man die Vermehrung der-Maſſe des Waſſer- dampfes von 10 Thermometergraden bis zu 80 auf ein Drittheil anſchlägt, eine ſpecifiſche Schwere von 1570. Die Flüſſigkeiten welche in den Dampfzuſtand übergehn, nehmen faſt immer einen Theil der Subſtanzen, die ſie aufge- rdſt in- fich enthielten, mit ſich fort. Dieß kann man in den Werkſtätten bemerken, in denen man Auſtdſungen metalliſcher Salze evaporirt, um ſie zur Kriſtalliſation zu bringen. Es iſt dieß eine Folge der Verwandtſchaft der Aufldſungsmittel mit den Salzen; eine Verwandtſchaft, die ſo mächtig iſt, den Wiz derſtand, welchen die Schwere der ſalzigen Materien leiſtet, zu überwinden. x) Nachdem wir bereits von den Modificationen gehandelt, denen die Elaſticität der Atmosphäre die Geſetze der Verwandt- ſchaft unterwirft, wollen wir uns darauf beſchränken, nur noch ein Weniges über den Einfluß ihrer Schwere bey denkeln, den größten Theil der Verbindungen-fich ldſen, und. mehrere Flüſſigkeiten ſich evapo» riren, und“ in den permanenten Zuſtand von Dämpfen über- gehen, ſehen würden. Die Chemiker und Phyſiker häben geſucht, aus bieſer Eigen- ſchaft der Atmosphäre Nutzen zu ziehen, um ihre Wirkung auf die Körper zu verändern; ſie vermehren oder vermindern die Aufldſungskraft der Flüſſigkeiten, laſſen dieſe nämlichen Flöäſſig» keiten nach Willkähr evaporiren oder condenſiren, indem ſie den Dru> der Atmosphäre modificiren; und dieſe phyſiſche Kraft iſt zugleich eines der großen Triebräder des Phyſikers, wie ein Hauptbehelf des Chemikers geworden, Die Herren Laplace und Lavoiſier haben, wichtige Bemer- kungen über die Evaporiſation des Aethers und Alkohols im lee2 ren Raume gemacht; ſie haben daraus geſchloſſen, daß die ela2 ſtiſche Kraft des Dampfes nach Maaßgabe der Temperatur wächſt, und. daß die Flüſſigkeit von dem Augenbli>e an, in den Gass zuſtand übergeht, in welchem ſeine Ausdehnung ſtärker wird, als der DruF der Atmosphäre, 2) Die atmosphäriſche Luft iſt aus zweyen gasartigen Flüſſigkeiten zuſammen geſetzt, aus Sauerſtoffgas und StiFgas, die unter ſich die Art von Verbindung bilden, die Herr Ber? holler bey elaſtiſchen Flüſſigkeiten Auflöſung genannt hat, und die in dieſem Zuſtande die Dimenfionen erhalten, welche jeder Art von Gas eigenthümlich ſind, Es em ND:. En Es war 1774 als der berühmte Lavoiſier durch ein directes Experiment bewies, daß geſchmolzenes Zinn in verſchloſſenen, mit gemeiner Luft angefüllten Gefäßen ſich zum Theil oxvydirte, daß es ſich an Gewicht vermehrte, daß die Luft, die.in den Gez fäßen blieb, nicht mehr. zum„Verbrennen tauate, daß ein Theil der in den Gefäßen enthaltenen Luft abſorbirt werde„ und das der Zuwachs am Gewichte des Metalls, mit dem Gewichte der abſorbirten Luft im Verhältniß ſtehe. Nach ihm hat Prieſtley Zinn, Bley und Eiſen in verſchloſ- ſenen Gefäßen, vermittelſt eines ſtarken Brennglaſes oxydirt, und beſtändig dabey bemerkt, daß. die Luſt der Gefäße ſich un- gefähr um ein Viertheil verminderte, und daß wenn die, Luft aufhörte ſich zu vermindern, das Metall auch keine Verände» rungen mehr erlitt, Wenn man eine beſtimmte Quantität Quedſilber einer ge- mäßigiren Hilze ausſeßt, und mit einer nahmhaftien Quantität von Luft in Berührung bringt, die mau ſorgfältig erneuert, um das Metall in Oxydation zu erhalten, ſo nimmt das Que>»- ſilber nach und nach die Geſtalt eines grauen, dann rothen Pul- vers anz vermehrt ſich merklich an"Schwere, und“ dieye Ver- mehrung entſpricht ſehr genau der abſorbirten Quantität von Luft, Wenn. man das ſo umgewandelte Queckſilber deſtillirt und die gasartigen Vrodukte davon, im hydro.- pneumatſchen Apparate ſammelt; ſo erhält man eine Maſſe von Gas, gleich der, die abſorbirt worden iſt, und das Queckſilber erſcheint wieder in ſeiner urſprünglichen Geſtalt, Die Luft, we!e thut, deren Ränder in das Waſſer eines Kübels tauchen, erweitert ſogleich die Luft der Gefäßes aber nach und nach vermindert ſich die Flamme und endlich verldſchr ſie und das Waſſer ſteigt veihättmißmäßig in die Höhe, um den entſtehenden leeren Raum auszufüllen. Die Thiere hahen noch die Fävigkeit, durch ihre Reſpiration die Luft zu verändern und einen Theil davon zu abjordiren. In einer unzähligen Reihe von Fällen zerſeßt und ſcheidet ſich ſo die atmosphäriſche Luft in zwey Hauptelemente, deren eines man nach und nach Feuerluft, Lebeneluft, Sauerſtoffe gas, dephlogiſtiſirre Luft, ſo wie das andere Stikgas, Sal? pererſtoffgas, Bali zeugendes Sas, mephitiſches Gas ges nannt hat. Das erſtere iſt einleuchtend zur Reſpiration und zur Ver? brennung geeignet? daher die Benennungen, Feynerluft, 2e- bensluft. Auch iſt es der ſäureerzeugende Stoff faſt aller Säu2 xen, was ihm den Namen Sauerſtoffgas verſchafft hat. Das zweyte taugt weder zur Verbrennung noch zur.Reſpi- ration, es bildet die Baſen der Salpeterſäure und des Ammos niums, und dieß iſt der Urſprung der Benennungen unter des nen es bekannt iſt. Da es unter vielen Umſtänden von Erheblichkeit iſt, beur» theilen zu kdnnen, unter welchen Verhältniſſen die beyden Gas2 arten in der Zuſammenſeßung der Atmvosphäre vorhanden ſind z; ſo hat man ſich viel mit den Mitteln beſchäftigt, auf eine ein» fache und genaue Weiſe alles Sauerſtioffgas abzuziehn und dieſe Wiſſenſchaft iſt. die Eudiometrie, Die Eudiometer deren man ſich bedienet, theilen ſich in zwey Hauptgattungenz; durch die eine Art vermiſcht man mik einer beſtimmten Maſſe atmosphäriſcher Luft eine gasartige Sub» ſtanz, die fähig iſt, mit dem Sauerſtoff ein ungusdehnſames vder ein in Waſſer unaufldsliches Produkt zu bilden; man ſchließt auf das Verhältniß des Sauerſtoffgas aus der Verminderung der Maſſe von Luft, die man zuvor verſucht hat. Dieſe Art, die aimosphäriſche Luft„zu analyſiren, wacht den weſentlichen Theil der Methode des Herren Volta aus, die darin beſteht, it. H eine .. 414= eine-gewiſſe Quantität von Waſſerſtoffgas mit einer beſtimmten Maſſe atmosphäriſcher Luft zu miſchen, wonächſt die Miſchung durch den electriſchen Funken entzündet wird und ſic) Waſſer erzeugt; die Verminderung der Maſſe gibt ſodann das Berhältz niß des Sauerſtoffs zu erkennen, Bey der zweyten Art von. Eudiometer verbindet man den Sauerſtoff mit einem verbrenn!ichen,, einfachen und feſten Körz per und ſchießt auf das Verhältniß des Sauerſtoffs: 1) Aus der Verminderung der gebrauchten Luft, 2) Durch die Schwere der hervorgebrachten Zuſammen?» ſezung. Das nitrdſe Gas, das hintereinander faſt alle Chemiker nach Prieſtley, der es zuerſt bekannt machte, angewendet haben; liefert ein Mittel zur Eudiometrie der erſten Gaitung. Seine Wirkung gründet ſich darauf, daß dieß nitrdſe Gas in den Zi? ſtand dex Salpeterſäure übergeht, wenn es Sauerſtoff aufnimmt; ſo daß, wenn man in Rdhren über demi Waſſer eine beſtimmte Moſſe atmosphäriſche Luft und nitrdſes Gas miſcht. ſich Säure erzeugt, die ſich in Waſſer aufldſt, Alter Sauerſtoff wird bey dieſer Verwandlung verbraucht und) es bleibt nichts zurü>, als das Strifgas. Aber Fontana und vorzüglich Ingenhouß ha- ben nal Maaßgabe der Bewezung, der Temperatur“, der Oia menſionen der Vorrichrung, der Eigenſchaften des Waſſer? u. ſ. w, eine große Ver'<gas ſchiede z aber Herr Bertholler hat erwieſen, daß kein Stigas im ni- trdien Gas vorhanren ſey, und daß das, welches man durch die Wirkung des. ſchwefelſauren Eiſens erhalte, durch die Zerz- ſeßung des nitrdſen Gas auf ſchwefelſaurem Salze entſtehe. Hery Bertboller hat zu aleicher Zyt gezeigt, daß die mehr oder minz der große Stärke, wit welcher die Säure ſich zerſeßt, nitrdſes Gas ergebe, das mehr oder weniger mit Sauerſtoff geſchwängert ſey, und daß dieß die Vertchiedenheit der nitrdſen Gaſe unter ſich begründe, worgus er folgerte, daß. unter allen eudiometri2 ſchen --“- 415=> ſchen Verfahren das-mit dem nitrdſen Gaſe eines derzu"üzuver« läſſizſten jey." Unter den Subſtanzen z:ung von Sickgas bilden,- Ein julz phuriſirres U'kal1. in einer, kleinen Quaniität Waſſer aufgeldſt, iſt einer der vollkommeniien Cudiometer, der nur den Peveljtaud hat,„daß viel Zeit zut Volleudung der Operation. erfordert wird. doch kann man ſie durch Rütte!n beſchleunigen. H Die Herren Achard, Reboul und Zeguin haben nach ein- guder eudiometriſche. Apparate in Vorſchlag. gebracht, deren Ein2 richtungtauß der Verbrennung des Phoephovrs berubet 3 aber die ſchleumge upd.ungeſtüme Art, wie der Phosphor brenn,"kann unangenehme Folgen nach ſich. ziehen, und bey einem langſamen Brennen ldſt das Stigas von dem Phosphor auf, wie Herr Beutholler/gezeigt hat und.:der Phosphor mmm! darin einen elaſtiſchen Zuſtaud an/ aus dem eine Virmehrung der Maſſe ves Sricſioffs enrſtebt; ſo daß man das' Verhältniß des Sauerſtoff? gas nach" dem“ Reſivpzuum nicht beſtimmt anzugebentim Siande iſt.. Herr Berthoter hat dieſe: Vermehrung: der.-Maſſe die die Folge der Aufldſung des Phosphors im StiFgas iſt,„auf unge? fähr 5 avgegeben, Herr Davy hat ein andres endiometriſches-Mittel: in'Vorz ſchlaz gebracht, nämlich ſalzſaures Ciien- im'nitrdjem Gas ges tränft: dieſe Aufldſung bewirkt die Abſorption des' Sguerſioffgas in einigen; Minuten; aber.man muß den AugenbliF der größten Verringerung.erfaſſen, weil das nitrdſe Gas zum Tyeil zerſeßt wird: und. nach Maaßgabe ſich das Eiſeu- Salz oxydirt, niz trdſes Gas und Strickgas ſich enwiceln. Die Beobachtungen" die die Herren Cavendiſh und. Davy in Englandz Herr Serrholler in Aegypren: Herr Magegrry in Spanien; Herr Beddoes/än der Luft. der Köſte von Guincgz und Herr/Gay»Züſſac an Luft die er. 40009 Toiſen über. Paris geſchöpft;“in Vergleichung mit der-Luft auf der Oberfläche der Erde gemacht haben, haben bewieſen, dau in Rückſicht auß das Verhältniß ihrer Elemente-kän bedeutender Unterſchied in" der atmosphäriſchen Luft Sratt finde. Herr. Macärty der mit einem ſulphuriſirten Körper auf die Luft /operirt hat;, gibt das Verhältniß des Sauerſtoff wie 21. bis 23 für 100. am: Die Probe mit dem Voirailchen Cudiowmeter gibt,nur;30 zu erkennen.- Herr DBerrxhöoller fond 22 und emen Bruch,«Herr Davy ſchlägt-das Verhältniß des Sauerſtoffs du20> H 2! -- 116= Die atmosphä&riſche Luft enthält immer ein wenig Kohlen- ſäure, die man zu 0,01 angibt. Herr von Sauſſüre hat in der Luft auf dem Gipfel des LTontblanc davon vorgefunden. Andre Subſtanzen vermiſchen ſich, oder-ldſen ſich in der Luft auf; aber einige bringen keinen Unterſchied in den eudiome- triſchen Reſultaten hervor; obgleich unſre Sinne ihn ſtark an» deuten. So hat eine mit geruchreichen Pflanzenkörperchen oder mit Ausflüſſen fäu!ender Subſtanzen geſchwängerte Luft, Herrn Cavendiſh keine Verſchiedenheit von der gewöhnlichen Luft ent- de>en laſſen« Zweytes Kapitel, Von der Verbindung und der Miſchung der Erden untereinander, Die Natur zeigt uns faſt nirgends die urſprünglichen Er- den im Zuſtande abſoluter Reinheit; nicht allein ſind ſie auf der Oberfläche der Erde, wo alles in Bewegi:ng iſt, und wo das Le- ben nar durch eine Bewegung und durch unaufhörliche Verän derungen die in den Kdrpern Statt finden und jeden Augenblick Miſchungen, Verbindungen und Zerſezungen hervorbringen, exiſtiret, in gemiſchtem Zuſtande; ſondern der Kern unſrer Erde, der rein von allen dieſen Veränderungen zu ſeyn ſcheint, iſt ſe:bſt avs einer ungeheuern. Steinmaſſe zuſammengeſetzt, in der alle Stoffe gemiſcht und verwirrt ſind. Es iſt mit den Erden nicht, wie mit den Metallen, dieſe ungleich vertheilt in einigen Punkten des Erdballs, und wegen ihrer Schwere auch ſchwer aus ihrem Sitze zu entfernen; finden ſich fajt überall in iſolirter Maſſe vor und ſcheinen hinabgefloſſen vder geſtürzt in Spalten und Ritzen), die die Steinmaſſen ihnen darboten; nur das Eiſen, welches-'den Veränderungen ſehr unz? terworfen iſt, die Luft und Waſſer: in ihm hervorbringen können, und das von ihnen affieirt, einen ſehr getheilten Körper bildet, mußte leicht fortgezogen werden kdnnen. vom Waſſer und ſich vermiſchen mit allen den Körpern, die dieß durchdringt, woher es kommt, daß dieß Metall fajt überall vorgefunden wird, Die erdigen, leichten, zerreiblichen, theilungsfähigen und durch die Wirkung des Waſſers fortgezogenen Materien ſind im- mer ein Spiel dieſer Flüſſigkeit, die ſie durchdringt, der Winde, die ſie verwehen, und des Wechſels der Temperatur durch die jeden Augendbli> ihre Feſtigkeit verändert und modificirt wird, Wenn alſo auch die Natur alle Urerden geſchieden und in be- ſtimmte b| --. 117.=> ſtimmte Gränzen eingeſchloſſen hätte;"ſo würden"doh die Me- teore. ſie bald vermiſcht und verwirrt haben, Obgleich eine große Verſchiedenheit zwiſchen den erdigen Miſchungemund den metalliſchen Miſchungen Statt findet, weil in dieſen letzteren, Durchdringung und Verbindung Statt findet, ſo darf man die erſtern.doch nicht wie Spiele des Zufalls betrach- ten; denn alsdann würde, nichts beſtändiges noch regelmäßiges in der Compoſition des erdigen Theiles. des Erdbodens Statt finden„. und jede Claſſification unnüß werden,„die Miſchungen die das Ungefähr einen Tag hervorbringt, würden die am voriz gen Tage Staitgefundenen zerſtdren, und die einmal feſtſtehenz den Analyſen und phyſiſchen Eigenſchaften würden nur für den Augenbli>„nüßliche Reſultate liefern,„Die Verwandtſchaft iſt eine Kraft, die ſich jeden Augenbli> äußert; ſie wirkt ununter2 brochen auf alle Kdrper; die ſehr getheilien erdigen Stoffe er: fahren die foriwährende Einwirkung derſelben, die ſie verdich» tet, ſie in beſtimmte und beſtändige Verhältniſſe vereiniget, und drücken den meiſten, durch) die Kriſtalliſation, das Siegel der Vollkommenheit auf. So ſieht man ſteinige Kriſtalle ſich er? zeugen, die der Analyſe fortwährend die nämlichen erdigen Stoffe darbieten, während die Miſchungen fich verhärten, welches eine Verdichtung ihrer Theile anzeigt, die eher durch die Verwandts ſchaft, als durch die Schwere oder durch irgend eine andre me- Haniſche Urſache bewirkt ſeyn kann. Wenn ich mich darauf einlaſſen wollte, alle'die erdigen Miſchungen, die die Natur uns darbietet, kennen zu lehren, ſo würden wir dadurch ein Bild aller mineraliſchen Produktionen unſers Erdbodens erhalten. I< werde mich darauf einſcen' werden, ſie'ſaugen- Wäjſer mit Yeichtigkeit/ein 9"uid ſind geſhi tt, mit der Scheibe uns" dent Hönden ſos bearbeitet zu werden"daß'ſie alle mögliche Geſtälten annehmen, Die Erden, die Ralk in hervorſtechendem Verhältniſſe ent2 Halten, ſind pords, leicht ſehr durchdringlich den, Wäſſer, und gur zu verarbeitem'; ſie bilden, einen Teig, der faſt keine Cons ſiſtenz har, erfahren keine bedeutende Verminderung durch das Feu-r, aber werden durch dasfelve zertheilt, während die Kalkerde darin Härre erlangt, uvd ay Maſſe vermindert wird, Die erttern nehmen das Waſſer begierig.in ſich. auf„) und halten es. hartgauig.. feſt;- die. kalfigten nehmen es;eben ſo anz aber laſſen es„mit: größerer Leichtigkeir wieder fahren.„Die ers ſtezu. befommen„-Spalten/ theilen und öffnen ſich durch..die Wirz kung„einer brennenden.Sonneyhilze, oder eines tro>enen Wina des; die andern irro>nen aus, ohne eine, ſo. anſehnliche Vermin? derang zu erfahren, Die Luft drinat. leicht durch die„Kalkerde ,. und kann) die Keime in einer, gewiſſen, Tiefe. beleben,.während-ſie, faulen wenn man ſie in: einen lehmigten Boden bringt, Ein lehmiger>Boden hält die Inſtrumente zum"Pflügen in ſich feſt, und öffnet ſich ihnen vur ſchwer; ſelten findet'man auch nur eine Jahreszeit, in der ſeine Bearbeitung mit Vortheil zu bewirken wäre; weon ſo!t; daß es iuhm/unmöglich iſt; ſich ferner zwientwickeln;|) Die Kalkerden fich leichter zu bearbeiten, Luft'und Wäſſer dit/hdringen ſie" dhne- Schwierigkeit; ſie'erkäunben den Wurzeln die ndthige Ausdehnung, um fich entferntere ait zu- / uhren, führen /" und ſich eine feſte Hältung"geben zu können, Aber das Waſſer, welches ohne Wide'ſtand hineindringt, verläßt ſie auch mit gleicher-Leicht:gkeit wieder.“ Eine Erde von ſoicher Gat- tung befindet ſich.abwechſelnd im Zuſtande der Ueberſcchwemwung vdex der Austro&> nung, und. die, Pflanze,'unfähig'bey allen dieſen Abwechfelungen zu beſtehen, ſchmachtet und geht aus.in einen. ſo gearretem Boden, ſobald die Tro>enheit oder.die Feuch? tigkeit nur einigermaßen lange währen. Von dieſen beyden Erdarten iſt alſo weder die eine noch die"andere der Vegetation förderlich,"auch. zeigt die'Natur ſie uns nie in dem Zuſtande abſoluter Reinheit; ſie bilden überall Gemenge, in. denen ihre Verhältniſſe bis ins Unendliche ab- wechſeln, welches zu einer großen Verſchiedenheit in-den Erd- arten. Veraniaſſung gibt, und mehrere Gattungen derſelben herz vorbringt, je"nachdem ein oder der. andere Beſtandtheil vor. herrſcht. Das beſte Erdreich zum Fortkommen“ der Pflänzen iſt ein ſolches, welches folgende Eigenſchaften vereinigt: 1) daß es pords genug ſey, um den Wurzeln zu geſtat- ten, daß ſie ſich ausbreiten, ſich in kleine Aeſte theilen, und in der Ferne die Nahrungsſäfte in fich aufnehmen, deren die Pflänze bedarf, 2) Daß.es feſt genug ſey, um der Pflanze einen feſten und. ſoliden Halt zu gewähren, 3), Daß es die Fähigkeit beſitze, Waſſer einzuſaugen und lange genug in fich zu bewahren, um dem Bedürfniß der Pflanze damit genügen zu können. Die eigentlichen. Kalk--.und5 Thouerden vereinigen, nicht dieſe drey Eigenſchaften. Die einen ſind tro>en und heiß, die andern feucht und kalt. Die Kalkerden nehmen Waſſer auf und lafſeu es fahren mit gleicher Leichtigkeit, ſo daß die Pflanzen in ihnen der Alterrative auSgeſetzt ſind, zu viel Waſſer zu erhalten, oder zu vertro&nen. Die Thonerden nehmen das Waſſer auf und behalten es in fich,, ſo daß eine Pflanze in ſolc<;em Boden, wenn er gleich voll von Waſſer iſt, doch vor Dürre vergehen kann. Dieſe ſchlechte Beſchaffenheit beyder, kaun durch, Vereinigung ihrer wechſelſeitigen Eigenſchaften gehoben werden, und die Ver- mengung dieſer zwey Gattungen gibt die angemeſſenſten Verhält- niſſe;zu eines fürzdie Vegetation tauglichen Erde, Man gehe nicht ſo weit, aus dem eben geſagten zu ſchließen, daß zu der Compoſiion einer guten. Erde nicht andere Beſtand2 theile jollten gehdren können; gls.die-zwey erwähnten; ae YP93 =»... TIG" Gypsſchutt und die Kieſelerde können zur Verbeſſerung des Thons mit dem gleichen Nutzen angewevdet werden, als die Kalkerde, Tiller hat der Akademie der Wiſſenſchaften 1774 die Reſuls tate von vier und funſz'g erdigen Miſchungen mitgetheilt, die er zur Cultur des Getraides gebraucht; es geht daraus hervor; daß die dev Vegetation günſtigſte Miſchung aus drey Achtthei- len Töpferthon, zwey Achttheilen Flußſand und drey Achtthei- len.Mujchelmergel, alles wohl zerrieben und durch einander gemenget, beſtehe, Es ſcheint mir, daß, wenn von dieſen Grundſätzen aus8ge- gangen wird, man leicht beurtheilen könne, auf weiche Weiſe ein Boden zu düngen und zu verbeſſern ſe); es iſt nämiich leicht daraus zu ſchließen, daß die Mittel dazu nach der Natur des Erdreichs abwechſelnd gewählt werden wüſſen, und daß es die erſte Sorge eines Akerbauers ſeyn müſſe, ſein Land wohl ken- nen zu lernen, um die Methoden zu ſeiner Verbeſſerung darnach wählen zu können*,, Zweyter Abſchnitt. Von der Vermiſchung und Verbindung der Erden in Zeziehung auf die Töpfer- Arbeit. Keine der urſprünglichen Erden, wevn ſie für ſich allein behandelt wird, ſtellt eine ſolme Vereinigung der gehdrigen Eigenſchaften dar, um daraus gute Töpfer-Arbeit verfertigen zu können; und wir verdanken wiederum einer wohlgeordneten Miichung einiger von ihnen dieſes Produkt der Künſte. Wir werden unter dem generiſchen Namen Töpfer- Arbeit alle dahin einſchlagende Kunſtiprodukte, von den gröbſten an, bis zur Bereitung des Porzkllains, begreifen; es iſt überall die Miſchung zw-ver oder dreyer Erdarten, und der einzige Unterz ſchied in dev Reſulraten kommt von der Wahl der Erden, von der bey ihrer Bereitung angewandten Sorgfalt, von den Ver2| hä'tmſſen in denen wan ſie anwendet, von der Natur ihrer Glas ſur und von dem Feuer her, dem ſie'ausgeſeßt werden, Es | | *) Da der Herr Verfäſſer dieſen wichtigen Gegenſtänd nur ſehr flüch- tig abgehandelt hat, und ich mich nicht gern ſelbſt ausſchreiben mag, ſo weiſe ich die Leſer, welchen eine ausführlichere Abhand- Jung dieſes Begenftandes intereſſiren möchte, auf Zermbſtädts Grundſäke der experimentalen Kammeralchemie 2e. ne 1808,| „.- JIT== Es gibt alſo einige allgemeine Principien, die bey allen diee ſen Op-raiionen Statt finden, und die ſie, ſo zu ſagen, an einen gemeinſchaftlichen Stamm knoüptien, und-es ſind dieſe Principien, die wir fennen„lehren müſſen, um Verfahrungsarien» wieder daran zu binden, die, wenn ſie“g'eich in der Praxis.iſolirt und von einander getrevnt, da ſiehen„«aus den nämlichen Grundge2? ſetzen"herrühren, und durch die nämliche. Doctrin aufgeklärt werden müſſen,; Wir kdünen den Thon als die Baſis bey' allen Tdpferarbeis ten betrachten; die Eigenſchaft welche ex beſitzt, ſich in Waſſer zu: zertheilen., und einen Teig zu bilden, der mit den Händen bearbeitet, gedreht, gedruFt u. ſ. w. werden kann, und da- du:r machen,!+ Einw'guter'Dhon"'hat folgende Eigenſchaften; 1)"Er zertheilt ſich, oder ſchmelzt im Waſſer,“ohne einen Kern zurüF zu- laſſen. 2) Er ſchlägt ſich nieder in dieſer Flüſſigkeit;''öhne daß et? was übrig bleibt was deren Durchſichtigkeit*ſtbret, 3) Der' Bodenſatz,„welcher ſich im Wäſſer“ bildet“, wenn er bis zur Couſiſtenz eines weichen Teiges'ausFerro>net iſt, muß geſchmeidig“ und'rbiegſam"genug ſeym,- um ihn-mit/der- Händ be- arbeiten und drehen zu' können:| 4) Die: Maſſe muß weder ihre- Form,«noch ihre. Conſiſtenz verlieren/ wenn. man. ſie än' der Luft tro>net;z 5). Sie muß hart werdem.durch die: Wärme,/“ohne: zu» ber. ſien, aus. der Form zu kommen,,. oder zu ſchmelzen. 6). Sie.muß ohne nachtheilige Veränderung„wenn. ſie ge2 branot iſt, den Uebergang von..der Kälte zur. Wärme und“ von der- Wärme zur. Kälte. aushalten können. Einzmit allen dieſen. Eigenſchaften: ausgeſiatteter. Thon iſt eine natürliche. Miſchung wverſchiedener-Exrdenz:„denn keine für ſich allein beſitzt ſie alle, Weuneine leichte Beymiſchung von Eiſenoxyd), Kalk oder Gyps/ ſich in der Erde vorfiüder; von der wir ſoeben geſpro? ten Materien geſchwängert iſt. Wenn man die Erden zu delicaten und koſibaren Arbeiten, wie z. B zum Porzellain vorbereitet; ſo gebraucht man die Vor- ſicht, mit Sorgfalt alles daraus zu entfernen, was dem Teige nachtheilig werden könnte und nur ſo!che Werkzeuge dazu anzu? wenden, durch die ihnen keine ſchädliche Subſtanz beygemiſcht werden kann, Man reiniget ſelbſt die Erde mittelſt eines fü: einfäa- einfachen Verfahrens, nachdem.maon ſie nämlich-klein gemacht) und in ſehr reinem, z, B. Regenwaſſer, durchmengt;, ſo thut man ſie in eine cylindriſche Tonne von drey bis vier Fuß, an deren oberen Theil Hähne angebracht ſind, die ſieben Zoll einer Über dem andern ſtehen; ſo daß der niedrigſte ungefähr zwey oder drey Zoll über den Boden hervorragt. Man füllt vieſe Tonne mit dem eingerührten Thon an; rüttelt den flüſſigen Teig ſorgfältig um, und nach einigen Secunden, Ruhe, ovämit der Sand ſich niederſchlagen könne, dffuct man den obern Hahn, um olles was ſich oben befindet, ablaufen zu laſſen; dffnet dann den zweyten, dann den dritten, und zieht auf dieſe Weiſe die ganze Flüſſigkeit ab, welche die Erde in Mengung enthält, Man gießt die abgeklärte Flüſſigkeit in Gefäße, von. ge- brannter Erde, läßt durch Stilleſtehn den darin enthaltenen Thon ſich niederſchlagen; klärt das Waſſer wiederum. ab..und nimmt die Thonerde heraus, um ſie im Schatten, und. geſchützt vor Staub, tro>nen zu laſſen, Aus dieſem Thon ,, in gehdrigen Verhältniſſen mit kalzinir2 ten klein geſtoßenen. und pulveniſirten- Kieſelſteinen, mit zerrie- benen Scherben, oder mit gebranntem und geſiebten Gyps und andern für nothwendig gehaltenen Materien vermiſcht, wird die Compoſition des Porzellains bereitet, aber dieſe Compoſition nod) mehrere male durch ein Haarſieb geſiebt. Man befeuchtet dieſe Miſchung ſodann mit Rygenwaſſer um einen Teig. daraus zu bilden, den man in große Schüſſeln, oder bede>Xte Tonven thut, Dieſen Teig nennt man die majſe. Es erzeugt ſich bald darin eine Gährung, die ihren Geruch, ihre Farbe und ihre Conſiſtenz verändert. Es bildet ſich darin geſchwefeltes Waſſerſtoffgas, ihre Farbe verwandelt ſich aus weiß in dunkel: grau, und /die Materie wird körniger und feiner. Je älter die Maſſe. iſt, um deſto beſſer ſchlägt ſie ein., Man gebraucht die Vorſicht/ ſie von Zeit zu Zeit mit Regenwaſſer zu befeuchten, damit ſie nicht zu troFen werde, Die Doſen oder die Verhältniſſe der Miſchung, und die Kunſt die Maſſe gehörig zu bearbeiten, machen das Geheimniß faſt einer jeden Fabrik aus, Cs iſt unndthig, zu bemerken, daß die Sorgfalt, die man auf die Vorbereitung der Erde anwendet, in dem Verhältniſſe von einander verſchieden iſt, als die Sachen es ſind, die man daraus bereiten will, Man, begnügt ſich bey groben Töpfer- Arbeiten die Erde in Gruben unter freyem Himmel faulen zu laſſen, und, befeuchtet. ſie, mit ganz gemeinem Waſſer;- wenn man amar 127 ET män ſie. dann gebrauchen will, ſo nimmt.man/avs der Grube eine ſole Quantität 7 als man gerade zum Verarbeiteo'ndthig hat, Die' zweyte'Operation des Töpfers'hat den Zwe,' dem Teige die Form zu geben die man wünſcht, und man'bewirkt dieß auf dreyfache Weiſe; 1) durch Bearbeitung mit der Hand, 2) Durch Formen. 3) Durch Hälfe der Töpferſcheibe, Die Wahl des einen oder des andern dieſer Mitte! ſteht nicht in der Macht des Handwerkeis allein, ſondein die Naur des zu bereitenden Werkes, deſſen Umfang und Form“beſtims men zur Anwendung dieſer oder jener Methode. In jedem Falle gibt man dem Teige, wenn er zur Beara beitung gehdrig vorbereitet iſt, die ndihige Voüendung; indem man ihn mit Oel 2c. erweicht, und ihn mit den Hävden duich- arbeitet und ſtark kneiet, und ſe'bſt auf Tiſchen auegebreitet, mit großen runden Hölzern ſchlägt; dieß leßtere nennt man eigentlich die Erde kneien. Durch dieſe mechaniſchen Operationen verſichert man ſich, das die: ganze Erdmaſſe gehdrig zertheilt und gehörig gemiſcht ſey, und in allen Punkten eine gleiche Conſiſteuz habe, Diejenigen Werke, welche man mit den Händen arbei: tet, ſind: 1) glle Bildhauer- Arbeiten ,.. die man ſodann brennt, um ihnen die gehdrige Härte zu geben z;„Büjten und einige Verzie- rungen gehdren, zu dieſer Gattung, 2) Die guten Schmelztiegel, denn durch dieß Mittel knetet man die Erde beſſer, als es auf der Scheibe geſchehen kann, ' Die Sachen welche man in der Form arbeitet, ſind Dach: Mauer- und Pflaſterſteine. Die hölzerne oder eiſerne Form hat die Geſtalt die den Stü>en, die darin verfertigt werden ſol- len, beſtimmt iſt; ſie iſt aber an beyden Seiten offen, und alſo eigent!ich nur ein Rahmen, durch den den verſchiedenen darin abgeformten Stü>en immer gleiche. Dimenſionen ertheilt wer- den. Man macht von dieſem Rahmen auf einem Tiſche Gee brauch, deſſen Oberfläche man»mir. etwas Sand over Aſche bes ſtreut, um zu vermeiden, daß der Teig anklebe, füllt ihn dann mit der präparirren Erde an, die überflüſſige aber, die über die Ränder des Rahmens ragt, nimmt' man mittelſt einem Schaber ab, den man darüber laufen laßt, indem man ihn:mit beyden- Händen Fufſtüßt, ) Faſt a. 128 er. Faſt alle Gefäße von eylinbriſcher Form oder die hohl ſind, werden auf der Scheibe gedreht; man fängt damit an den Teig anzufeuchten, den man drehen will„ und knetet ihn mit den Händen, um ihn ſo weich zu machen, als. man ihn zu haben wünſcht. Dann nimmt der Arbeiter eine ſolche Quantirät davon, als er zu dem Stü>e das er machen will, gebraucht, Dieſen länglich gezogenen Teig legt er auf die Mitte des horizonzaien Rades, dem er eine kreisfdrmige Bewegung gibt, indem er mit dem Fuße auf das untere, mit dem obern parallellanfende, und ſich an der nämlichen Axe bewegende, Rad tritt, und es dadurch treibt; und mit den Händen, mit denen er den Teig ſtark zus ſammendru&t, bringt er ſein Machwerk aus dem Groben, das er mit hdlzernen Werkzeugen vollendet, die er gegen die Wände des zu verfertigenden Stückes anſtemmt, welches ſich durch die dem Rade gegebene Bewegung cirkelförmig und ſchnell herums dreht, ſo daß die Wirkung dieſer mechaniſchen Hüifswerkzeuge auf allen Punkten der Circumferenz gleich iſt; ſo gebraucht der Arbeiter wechſelsweiſe nach einander ſeine Hände und ſeine Werk- zeuge, um ſein Werk zu vollenden. Wenn man auf die vollkommenſte Weiſe einem Stüe die Vollendung der letzten Hand geben will, bringt man es, noch- dem es gehdrig ausgetroFnet, wieder auf die Scheibe, um durch verſchiedene ſehr ſcharfe ſtählerne Inſtrumente ſeine Formen delicater, und ſeine Seiten feiner zu machen, Dieß nennen die Arbeiter abdrehen, Oft vereiniget män mehrere dieſer Verfahrungsarten bey Verfertigung eines Werkes. Nachdem man z.B. die Haupt- Formen eines Stückes angegeben, taucht der Arbeiter es in Waſs? ſer, und legt es dann in eine Form von Gyps; dann drut er mittelſt eines naſſen Shmwammes, auf alle Theile der Oberfläche der Maſſe; uud dadurch dieſe in die Form ein, und dieſe nimmt dadurch deren Geſtalt überall an, Dann nimmt man die abge? formten Figuren heraus ,, un ſie tro>en werden zu laſſen. Die Arbeit des Tdpfers welcher Figuren zu machen“ hat, iſt nicht ſo langwierig, erfordert aber mehrere GeſchiFlichkeit z der Modelleur hat, wie der, der auf der Scheibe arbeitet, Gyps- Formen, in die er den Teig gießt, und nachdem er ihn einige Zeit darinmnen gelaſſen, damit-er einige Coyſiſtenz gewinne, zieht er die abgeformten Figuren wieder heraus, Selten kann man aber dieſe Figuren'auf einmal ganz abgeformt herausnehmen, und dann formt man ſie thei!weiſe, und kittet die einzelnen Theile an einander. Man vollendet ihre Bearveitung mit Werk- zeugen von Elfenbein, einem Pinſel und einem Schwamm, und läßt ſie dann ro>en werden, Es |] -: 129=> Es iſt-.nicht ndthig zu bemerken, daß die Formen die Hand eines ſehr geſchi> ten Bildhauers erfordern; jedes Stück wird übrigens mit einer Nammer- verſehn, um deſſen Sielle zu erfennen. Verzierungen, Blumen, Früchte, Laubwerk werden in heſoiwbern Formen gemacht, und mit zerlaſſenem Teige befeſtigt, Ein dritte, bey allen„Arten von Töpfer- Arbeit ſtatt fina dende Operation iſt das Brennen; die Conſtruction der'Oefen weicht. von einander ab, nach der Verſchiedenheit der darin zu bereitenden irdenen Gefäße; im Allgemeinen ſind es runde, vier- e>ige, oder thurmförmige, deren Inneres zwev wohl von ein- ander geſchiedene. Theile zeigt, die durch eine Wölbung ges trennt werden, in der ſich mehrere Löcher"befinden, um die Flamme dürchſtreichen zu laſſen. Man kann faſt ohne Unterſchied, jede Art von Brenn material zum“Brennen der groben Töpfer- Arbeit anwenden s aber im Allgemeinen gibt man dem den Vorzug, we'hes eine große Flamme gibt, und wenn man'Porzellain brennt, n'mmt man dazu nur weißes ſehr tro>enes und in Scheite von gleicher Grdße geſchnittenes Holz. Das Brennen. des Porzellains und aller feinen Thonars» beiten erfordert einige beſondere Vorſichtsmaaßregelm? man iſt dabey gendthigt jedes Stü> in ein, aus einem ſehr pordſen und dem Feuer Widerſtand leitenden Teige verfertigte“ Etui oder Bapſel einzüſchließenz durch dieß Mittel wird ſowohl dem, das die gebrannten Stüg nicht eines in das andere. laufen, als auch dem Schaden vorgebeugt, den der Rauch der Farbe zus fügen könnte, Das Feuer bey dem Porzellainbrennen danertgewdhnlich ſechs und dreyßig bis acht und vierzig Stunden. Man urtheilt von dem Zuſtande in dem ſich das Brennen befindet nach einigen ProbeſtüF>en, die man an ſchi>&lichen Orten hinlegt, und die man von Zeit zu Zeit herausnimmt, um ſie zu unterſuchen. Es ereignet ſich oft, daß die PorzellainftüFe an den Sand ankleben, mit dem man den Boden der Kapſel beſtrenet har, um deren unmittelbare Berührung zu vermeiden, und man hilft dann dieſem Uebelſtande ab, indem man das beſchmußte Stük auf ein eiſernes Rad bringt, das mit pu!veriſirtem im Waſſer zergangenem Schmergel beſtrichen iſt, und man vertilgt dadurch volikommen deu ſchon halb verglasten Sand, Dieß iſt der Grund Ir I um -- 130= um deſſen'willen der Faß der porzellainenen Gefäße, an der Stelle zwo er auf dem Sande geſtanden, nie mit' Glaſur bedeckt iſt*), Es gibt ſo!neten Geſchirres, eniweder wenn man alle Flächen desſelben damit bedeXen will, ſv auf, daß man es in damit angefällies Waſſer taucht, oder man beſtreicht nur einzelne Theile, die män glaſuren will, abgeſondert, und iſolirt mit dieſem Waſſer. I< habe Gelegenheit gehabt, mich zu überzeugen, daß in den meiſten Werkſtä:ten zur Verſertigung der gemeinen Tdpfer» Arbeit, man damit anfängt, die zu glaſurenden Siücke im Schat- ten uwo>en werden zu laſſen, und daß, wenn. fie den gehdrigen Grad von Couſiſtenz erreicht haben, man ſie in Waſſer taucht, in. demreine fetie, ſehr zertheilte und zuvor durch einen ſeidenen Sieb geſiebre Erde gemengt iſt; und man zieht dann ſchnell die Stücke heraus, die durch dieſe Operation mit einer leichten ! Lage *) Es findet fim zuweilen, daß die Gefäße während dem Brennen eine gelbe Farbe annehmen. Dieß iſt gemeiniglich eine Folge der Feuchtigkeit des gebrauchten Holzet, Sein feuchter Zuſtand veranlaſſet, daß ſich eine Portion Rau) verflüchtiget, welcher “fic an die Geſchirre anlegt und ſich verdichtet, die davon eme «-gelbe Farbe annehmen, weiche aber durch ätzende Kalflauge dar „von geſyennt werden kann. 9: -.. 131= Lage.dſeſer Erde bedeF>t werden,. Die Farbe dieſer Erde legt deit Grund zu der Farbe des Geſchirres, und wenn man dieſe'grün haben will ſo thut man etwas Kupferfeile hinzu. Auf dieſe fette Erde, wenn ſie ſchwach abgetro>ynet iſt, kann man den Bleyglanz anbringen, wenn man Waſſer, das mit dieſem-Miveral geſchwängert iſt, darauf gießt; aber ſaſt überall miſcht man ihn mit gleichen Theilen, Sand, man zerſtdgt die Miſchung dieſer beyden Subſtavzen ſo fein, daß ſie unfühlbar werden, rührt ſie mit Waſſer ein und bekleidet damit die Theile des Gefäßes die man glaſuren will.; Es iſt leicht einzuſehen, daß man durch dieß Mittel den Ueberzug eincs irdenen Gefäßes nach. Willkühr, verändern. und nuanciren kdane, es komm! nur darauf an, abgejondert auf-den verſchiedenen Theilen der Oberfläche desſelben, entweder fette, gelbe, weiße oder. rothe, over jo!lche Erden die mit oder ohne. Kupferfeile vermiſcht ſind, aufzutragen, Einige Töpfer bringen die Glaſar nur erſt dann an„wenn, die StüFe zum erſtenmal im Feuer geweſen; ſte gebrauchen dann weniger davon, und glaſuren auch nur ſolche Stü>e die den Vorzug haben, dem Feuer widerſtanden zu ſeyn aber das zw yre Brennen, weiches dadurch ndthig gemachi wird, erfordert neue Arbeit, und zehrt viel mehr Brenymateriaſ auf; dem Künſtier liegt es alſo ob, die Vortheile und Nachtheile beyder Methoden gegen einander abzuwägen. Man kann einigen Geſchirren eine ſchwarze glaſige Farbe geben, weim man in den wohlgeheizten Ofen, im Ag nb.icke der größten Gluth, pulveriſirte Steinkoyle wirft uyd dann zen Zug des Ofens mäßigt, ſo daß er ſic) mit einem dien Rauch anfällt, der ſich an die Stücke anſetzt und eine Lage darauf bildet, die ſich verglast, ſobald man den Luftzug wieder herſtellt. Wenn man Kochſalz in einen wohlgeheitzten Ofen wirft, ſo verflüchtigt ſich das Sa1z und haftet zum Theil auf der erweich? ten Oberfläche der Geſchirre, wo es den Anfang zu einer, Vers glaſung hervorbringt. Dieſe. beyden letzten Mittel ſind nur dann anwendbar, wenn die Oefen ſehr glühend ſind, oder die Geſchirre einem heftigen Strome des Feuers ausgeſelßt werden können vhne zu ſpringen oder zu ſchmelzen. In den gewöhnlichen Oefen unſrer Töpfer wäre es. unmdglich ſie anzuwenden, Ich habe mich lange damit beſchäftiget, den Bleyglanz durch Glaſuren zu erſeßzen, die ebew jo vorrheilhaft in der An? wendung und minder koſtſpielig un Ich habe mich zuerſt 2 e Gere Felfimg des geſtoßenen Glaſes bedient, und ſehr genügende Refältate erhalten; ch fange damit an, mit außerordentlicher Sorgfa!lt weiße Glasſcherben kleinzuſtoßen, und wenn ich ſie zu einem ſchr fei- nen Straube gemacht, ſo ſtreue ich es dann auf die Obe'fläche des mit einer ſchwachen Lage fetten Lehmes nach dem früher bes ſchriebenen Verfahren beſtrichenen Gefäßes. Man kann dieſen Glasſtaub auch mit fetter Erde miſchen, das ganze mit Waſſer einrü»ren und die getroFneten Stücke hin- einſtecken z dieß zweyte Verfahren iſt mir ſehr gur gelungen. Dieſe Glaſur de>t gut, ſie iſt mit keiner Gefahr verbunden, ſie iſt ſehr dkonomiſch und erfordert keinen ſehr bedeutenden Grad von Hißze- Seit 1782 habe ich ſie bekannt gemacht und im Großen anwenden laſſen. und man hat einen nüßzlichen Gebrauch davon in den Tdpfer- Werkſtätten der Norwandie, des Languedoc und der Grafſchaft Venaiſſin davon gemacht*). Noch habe ich mich mit Erfolg der vulkaniſchen Produlte bedient, die ich mit der nämlichen Sorgfalt und durch das. nämz liche Verfahren behandelte, als die anderen Glaſuren. Im Jahre 1785 überreichte ich dem General. Coutroleur der Finan? zen eine anſehnliche Quantität von Lavaflaſchen, und irovenes, mit Lava glaſurtes Geſchirre; damit man ſie prüfen. und ihre Güte beurtheilen kdnnez die Reſultate der damit gemachten-Ver- ſuche waren ſehr günſtig.. Herr Zourmy hat aus,dieſer Ent» de>ung großen Nutzen gezogen; indem er ſie zur Fabrikation der Hygidceramen(Geſundheitsgeſchirre H.) anwendete,(S. ſein vdn dem Inſtitut gekrdntes Memoire), Der Email mit dem man die irdenen Geſchirre bedeXr, die man. Sayence nennt, iſt nichts als B'eyglas, undurchſichtig ges macht durch Zinnoxyd, das, um zur Verglaſung überzugehen; einen größeren Grad von Hißze erfordert als die übrigen mit ihm vermengien Materien, Jeder Künſtler hat ein eignes Recept und Verfahren, um ſeinen Email zu machen, aber alle nehmen zur Baſis Zinn und Bley 2) In Berlin verfertigt der verdienſtvolle Ofenfabrikant Herr Feil- ner eine bleyfreye Glaſur, aus kalziwirtem Naron, das er mit Sand zur Glaemäſſe jchmelzt, das Glas pulveriyrt, und ſolches als Glaſur gebraucht) die voilig ohne Nachtheil für die Geſund- 5 und ſo En iſt, daß ſje ſelbſt ſcharfen Sauren wider- ehet. s Bley, welches ſie oxydiren, und mit ſc. B. Roth. Zwey Unzen von Nr. x; zwey Unzen von Nr. 35 tine Unze von Nr. 5 und drey Unzen von Nr. 6. C.- Orange. Zwey Unzen von Nr. 1 3; vierzehn Unzen von Nr. 3; eine halbe Unze von Nr. 5 und vier Unzen von Nr. 6. D Dunkelſchwarz. Eine Unze von Nr. 4; zwey Unzen gon Nr. 8 unrereinandergemiſcht, EK Weiß, Zwey Unzen von Nr. 1 und zwey Unzen von Nummer 6. F. Grän. Eine Unze von Nr, 1z zwey Unzen von Nr. 3 und fünf Unzen von Nr. 4. G. Blau, Eine Unze von Nr, x und fänf Unzen von Nr, 4, H. Geib.'Nr. 3 allein. 3) Auftragen der Sarben(Bronze). 1. Wenn die Gefäße ſo weit fertig ſind, um gebrannt zu werden, ohne doch trocken zu ſeyn, ſo zerreibt man ein wenig Palver von Rr. 2 mit Terpenthindl, und täncht die Gefäße mitreſt eines Schwammes oder Pinſels damit an. Dann po? lirt man ſie und läßt ſie brennen, worauf man ſie wieder polirt, 4) Auftragen dex Bronze auf Biscuit, das keiner großen Hitze ausgeſezt werden darf. K. Man miſcht 4 Unzen von Nr. 6, und eine von Nr. 7 z trägt eine Lage von dieſem Pulver auf die Biscuits auf, und läßt ſie in einem ordinairen Fayence- Ofen ſo warm werden, bis dieſe Lage ſchmilzt. Dann trägt man das Pulver Nr. 2 auf und läßt die Gefäße brennen, 5) Auf- am 136 ware 5) Auftragung des glänzenden Schwarz nach Art der erruriſchen Paten auf, rorhe Gefäße. L. Man zerreibt die Farbe A mit Terpenthindl; füllt damit die Deſſins aus und läßt die Gefäße dann ſo lange brennen bis die ſc)ywarze Farbe zu ſchmelzen anfängt, 6) Eine andere Art des Verfahrens mit L. M. Man macht den Grad des Deſſiys mit ſchwarzer Farbe auf rothen Gefäßen, und trägt dann die rothe oder eine andre Farbe auf; man zerreibt jedoch immer die Farben mit Terpen» thindl und läßt die Gefäße brennen, 7) tT7och eine andre Art des Verfahrens mit L. M. Man macht den Grund eines ſchwarzen Biscuits mit dem Roth B, oder dem Orange O,. und glaſurt dann mit der ſchwarzen Farbe D, mit oder ohne Hinzufügung andrer Farben. Die Porzellain- Glaſur iſt eine glafige. und durchſichtige Maſſe, die genau auf aile Punkte der Overfläche aufgetragen werden, und mit dem Teige zuſammenſchmelzen muß, ohne aufzureißen' oder abzuſpringen. Der Graf von milty, der in ſeinem Werke über das Pors zellain. drey Compoſitionen der Glaſur bekannt gemacht hat, nimmt immer die nämlichen Materien, ohne anders,„als in den Verhältniſſen abzuweichen. 1ſt? Compoſition, ate Comp. 3te Comp. Sehr weißer Quarz 8 Theile, 17 Theile, 11 Theile, Weiße Scherben 15== 16,- 18-- Kalzinirte Gypsfriſtalle 9= 7-- 12= Man wendet ferner zur Glaſur nur reine und farbenloſe Materien an. Auch bedient man ſich des Feldſpaths,. Welche Art der Compoſition man aber anch wahlt, ſo reibt man immer mit der größten Sorgfalt die Subſtanzen, aus denen ſie beſteht, rührt ihren Staub in Waſſer ein und macht einen Teig daraus, den man wie die Porzellainmaſſe beißen läßt, Will man ſich ihrer nun bedienen, ſo läßt man ſie im Waſſer dergeſtalt zergehen, daß ſie eine mittlere Flüſſigkeit anz nimmt, und taucht in dieſe Flüſſigkeit das Porzeuginbiscuit, (Man bezeichnet mit dieſem Namen das Porzellain, welches ſchon den erſten Grad im Feuer bekommen har, Figuren und im Allgemeinen diejenigen Porzellain- Arbeis ten, die weder gemghlt, noch dem Waſſer ausgeſeßzt zu wer- den «.----------- --“ 137= den brauchen, haben keine Glaſur ndthig, und män gebraucht ſie im Biscuit Zuſtande. Wenn das Biscuit aber die Glaſur bekommen hat, ſo iſt es weißes Porzellain, und in dieſem Zuſtande: zu jedem Ge- brauch anwendbar, Bis hierher haben wir die Fabrikatioa irdener Gefäße nux. in Beziehung auf ihren 27ugzen betrachtet; die Kunſt hat je- doch dieſen koſibaren Zweig unjerer Juduſtrie ſo vervollkommt, daß man dadiv gelangt iſt, in Thon mit einer eritaunenswürz- digen Eleganz und Präciſion, die zuſammengeſeßzteſten Deſſins guszuführen. Die Schönheit der Formen, die Correctheit der Zeichnung und der Glanz der Farben in dem Vorzellain von Sevres, und dem der Herren Dilh und Suergard erregt täglich Bewunderung, Unter dieſen Wunderwerken der franzdſiſchen Induſtrie gez hdren einige der Zeichenkunſt, andre der. Chemie an, und es ſind hauptſächlich dieſe Leiztern, die uns beſchäftigen werden, Die Auftragung der Farben auf. das Porzellain läßt ſich aus vielen ſehr interreſſanten Geſichtöpunkten berrachten, von der einen Seite in Rückſicht der Natur und der Wahl der Farben, und von der andern in Hinſicht der Kunſt ſie aufzutragen und zu verſchmelzen, Die Farben werden alle aus der Reihe der Metalloxyde gewählt, ſie allein haben Ungusdehuſamkeit genug, um vom Feuer nicht zerjtdrt zu werden. Was mehr iſt ,: die Metallfar2 ben, die in der Negel, wenn ſie aufgetragen werben», matt aus- ſehen, bekommen Glanz durch das Brenuen, Man ſchmilzt die Farben durch ein Schmelzmittel ein, das verſchieden in den verſchiedenen Fabriken iſt; die folgende Com- poſition iſt eine der gewöhnlichſten: Glasſtaub, frey von Bley 4 Quentten Phyſikers verſprechen, Dritter Abſchnitt. von den mineraliſchen Verbindungen in RödFſicht auf die Erzeugung des Glaſes. Wir haben in dem erſien Bande dieſes Werkes bereits von der Wirkung der Wärme auf eine große Anzahl einfacher oder zuſammengeſchter mine» aliſcher Subſtanzen gehandelt; hier wird uns nun die Art beſchäftigen, wie man das Glas vereitet, Das Glas bietet eine große Vei ſchiedenheit in ſeinen Cigen- ſchaften dar, aber da dieſe wejentiich von den Verhäitmſſen der dazu angewandien Materien, und vorzüglich von den ver- ſchiedenen Graden der Retmnheit derſelben abyängig iſt, ſo wer? den wir uns damit begnügen die aligemeinen Grundſäke zu lehren, auf denen die Bereitung des Glaſes und die hauptſäch- lichſten dabey ſtatt findenden Operationen beruhe. Reine Subſtanzen verglaſen nur ſchwer, und das daraus bereitete Glas iſt gewdhnlich tro>en und leicht zerbrechlich. Aber die nämlichen Subſtanzen, wenn ſie mit einander ges mengt werden, werden dadurch leichter zum Schmelzen gez bracht. Alaun und Kalk die abgeſondert nicht verglajungs» fähig ſind, gehen leicht in Glas über wenn eine Vermengung beyder Statt findet. Die Alkalien erleichtern die Schmelzung und die Vergala»- ſung aller erdigen Grundſtoffe, Um diefer Eigenſchaji willen macht macht man'von dieſen Salzen Gebrauch, um daraus die Baſis der'Compoſi:ion der Glasarten zu bilden, die wir träglich benußen, Außer dem Grade von Schmelzbarkeit, welche die Alkaiien den erdigen Subſtanzen mittheilen, theilen ſie dem Glaſe, das aus ihrer Miſchung mit den Erden eutſteht, eine Geſchmeidigkeit mit, die erlaubt es zu bearbeiten, zu blajen, auszudehnen und zu hämmern ſo lange es warm und weich iſt. Die Werkſtätten in denen man das Glas fabricirt, ſind unter dem Namen Hlashürten bekaunt. Die Compoſitionen, die Bearbeitungen, die Oefen wechſeln in den verſchiedenen Werk- ſtätten nach der Natur des darin fabricirten Glaſes ab, dayer die Benennungen, die verſchiedene Glasarten haben, als Bou reiienglas, Zenſtergias, Briſtalglas/ Decherglas, Spiez gelglas u, ſ, w. Aber welches auch, die Natur des Glaſes ſey, das man Fabricirt, ſo gibt es Grundſätze, die weſentlich aus der Wiſſen» ſchaft fließen, die auf alle Glasarbeiten Anwendung finden, und nach denen alle dabey vorkommende Arbeiten dirigirt werden, Dieſe allgemeinen Grundſätze haben alles das zum Gegen? ſtande, was auf die Fabrikation der Tiegel, auf die Compos ſition' der Materie, die Conſtruction des Ofens, die Leitung des Feuers und die Art das Glas zu bearbeiten, Bezug hat, Wir werden cinen Bli> auf alle dieſe großen Gegenſtände wenden, e Erſter Artikel, Von der Sabrikation der Schmelz- oder Glas- Hafen. Gute Tiegel oder Häfen bürgen für den Erfolg des Glas- machens. Dieſe Wahrheit kann nur der recht einſehen, der den Verluſt den Tiegel, die platzen oder laufen, verurſachen kdn- nen, die Zeit, die man dabey verliert, und die Schwierigkeiten Überſieht, die es macht, wenn man ſie wieder erſetzen muß, Der Thon macht die Baſis der Glastiegel. Aber da die Qualität der Thonarten ſehr verſchieden iſt, weil ſie von Natur und immerwährend in verſchiedenen Verhältniſſen mit Kalk, Kieſelerde, Eiſen und Magneſia gemiſcht ſind ,. die ſie mehr oder weniger ſchmelzbar machen, muß man den Thon unterſuchen, bevor man-ihn anwendet. Die Eigenſchaften eines guten Thons zu Glashäfen beſte hen darin:; 1) daß T -« -- 140= 1) daß er ſich nicht verg!aſe, wenn er auch-mehrere Tage an der weißeſten, Srelle des Ofeus ſtehen muß, 2) Daß er teine Form behalte; ohne ſich zu ſa>en,, oder weich zu werden. 3) Daß er ſich leicht verarbeiten und formen laſſe. 4 Daß er ſich im Feuer zuſammenziehe, ohne zu berſien oder aufzuſpringen. 5 Daß er durch das Brennen einen großen Grad von Härte und Dichtigfeit anneyme, Wenn man alle dieſe Eigenſchaften in einem Thon gefun- den, ſo muß man ihn ausleſen, um alles fremdartige over 1cker ſeyn müſſen, als erforderlich iſt, um ihn fähig zu machen, dem Andrang der darm enthaltenen Materie, und den bey der Arbeit ihm mitge theilten Stdßen Widerſtand zu leiſten; ſo hat Herr Loyſel vorz geſchlagen, die Haltbarkeit des Thons dadurch zu berechnen, daß man daraus kleine Std&e anwendet, nur durch ein Gewicht von ſechs und funfzig Unzenz jo wie ſolcher, aus welchem Schmelzhäfen von acht Fuß im Durchmeſſer gemacht werden, durch ein Gewicht von vier und zwanzig Unzen, zum Brechen gebracht werden kann, uin 7 ird- Wird hingegen der Thon allein'angewendet,' ſo ziehet er ſich überaus ſtark zuſammen, und mon vermiſcht ihn-daher in der Compoſition der Häfen mit Bruchſtüden von zerſchiggenen, und von aller veralaſten Materie: wohl«gereinigten Tiegeln, vder mit.ſtark«geb'anntem Thon, Man hütet ſich wohl vor der Anwendung von Sand zu der Compoſition der Tiegel, wei!"das Alkali, das man zur Fa- brifation des Glaſes gebraucht, ſonſt ſeine-Wirkung darauf über tragen, ihn. aufldſen,, und j0/die Tiegel ſchnell zerſtdren würde. Nachdem man den Thon woh! zubereitet," miſcht wan ihn mit dem Teig den man'aus den BruchſtüF>en ver zerriepenen Tiegel gewonnen, und bitder' daraus einen Teig von der Conſiz ftenz, däß eine bieyeine Kogel voy vier Unzen an Gewicht, wenn ſie aus einer Höhe zwiſchen 66 Fuß und 83 Zollen vers abfällt,"mit ihrem ganzen Diameter darin veiſinken könne, Man. knetet dieſen Teig mit der grdßren Sorgfelt an einem dazu geſchi>ten„Orte,.wo er vor Staub, und vor der Bey? miſchung jeder fremden Materie geſchüßt iſt. Wenn der Teig ſo zubereitet iſt, ſo kann man von einem oder dem andern der nachfolgenden-Verfahren Gebrauch machen, um-den Tiegel zu verſertigen: 1) In&inigen Glashütten hat man eine hölzerne Form, inwendig miteinem ſtarken und. ſehr angeſpannten Leinwand verſehen» Au der innern Fläche dieſer Leinwand klebt man Rollen vom Teig an, und erhebt nach und nach die Wand des Hafens, indem. man die, Die. der Thonmaſſe nac< und nach vermindert, und zwar vom Boden bis zur obern Kante, 2).-In andern Glashürten hat der Arbeiter nur ein hdl- zernes rundes- Breit, das ein wenig breiter iſt als der Tiegel werden ſoll, und er formt bloß mit den Händen und ohne Form ſeinen Tiegel auf dieſer Art“von Stüße*). Dieſe letzte Methode verdient vor der erſten den Vorzug, weil der Arbeiter ſeinen Teig auf allen Punkten handhabt und bearbeitet, ſo daß er:in dem Tiegel ſelbſt keine Spalten noch Sprünge läßt, und alle Theile desſelben vollkommen und einfödr- mig verbindet, Dieß Verfahren iſt hauptſächlich in ſolchen Glas- hätten anzuwenden, wo man ſchwarzes Glas bereitet, weil dieſe Compoſition die Tiegel mehr anfrißt als jede andern, Wenn ») Dieſe leßtere Verfahrunasart iſt auch in deutſchen Glaehütten gebräuchlich und es werden, wenn nur der Hafenmacher Ge- ſchilichfeis befigt- bierdur< ale Dortheile erreicht,- D- Wenn die Tiegel fertig ſind, läßt man ſie im Schatten und bey einer Temperatur von 10 bis 15 Graden, nach dem Reau- murſchen Thermometer tro&nen. Manſfürchtet gleich ſehr eine zu ſtarke Hitze, die den Tiegel zum Platen bringt, und.eine zu lebhafte Kälte, die ihn dem Verfrieren ausſelzt 5 ſo'muß wan auch ſorgfältig die Feuchtigkeit und den Luftzug vermeiden, und das' Zimmer, das zum Tronen dient, muß verſchloſſen gehals ten, und ſelten gedffnet werden. Wenn die Tiegel anfangen tro>en zu werden, ſo ſchließt man ſie an einem verſchloſſenen Orte ein, den man in einer bes ſtändigen Wärme von 25 bis 30 Graden erhält.. Von da nimmt man ſie vur erſt dann weg, wenn man ſie gebrauchen will. Zu dieſem Zwe> ſeßt man ſie nach und nach einer Rothglühehitze aus, und in dieſem Zuſtande kann mau ſie in den Ofen ſchieben, das heißt: ſie.die Feuerprobe paſſiren laſſen,. Die Vorſicht ers Fordert, daß, ſo bald ſie in ihrer Stelle ſind, man ſie doch nicht eher mit Compoſition anfällt, als bis man ſie vier und zwanzig Stunden hindurch der ſtärkſten Hie ausgeſeßt hat, Zweyter Artikel, Von der Conſtruktion der Glasöfen, Man bereitet die Maſſe die zu Ziegeln für Glasdfen beſtimmt iſt auf die Weiſe, daß man rohen Thon mit gebranntem Thon vder Scherben von Tiegeln vermiſcht 5; auch kann mani ſtatt des gebrannten, weißen und unſchmelzbaren Quarz, oder einen ſehr ſirengflüſſigen Sand nehmen. Um die Quarzſtü>de genauer zu zerſtoßen,'läßt man ſie im Feuer roth glühen, und löſcht ſie, ſo bald ſie roth ſind, wies der in Waſſer. Dieſe Operation macht ſie pulverartig, ohne ihrer Eigenſchaft der Strengflüſſigkeit zu ſchaden, Auch mächt man die Ziegel, indem man in Verhältniſſen, die die Erfahrung am beſten beſtimmen lehrt, rohen wohlgefaul? ten Lehm mit dem ſtrengflüſſigen Stoffe wiſcht, Man bedient ſich ziemlich allgemein der Ziegel, ohne ſie brennen zu laſſen, und begnügt ſich damit, wenn ſie an der Luft ſo tro>en geworden, daß eine aus einer Hdhe zwiſchen 25 und 45 Fuß herabfallende Bleykugel nur bis zur Hälfte ihres Durchmeſſers darin einſinke, Die Giasdfen errichtet man überall in der Mitte ſehr-geräu? miger Höllen, damit die Arbeiten und der Dienſt darin leich» ter werde, Der -- 143:=; Der Zug des Ofens wird. durch vier Luſtzüge bewirkt, die von der Auſſenſeite der Halle hinreichen, und ſich unter einem rechten"Winkel in den Poſte ves Heerdes vereinigen. Die innere Form der Oefen iſt faſt immer die eines Viere>s, oder meines» rechtwinkligen Paralie!ogramms, deſſen hvreiteſte Seiten mit Tiegely-beſelzt ſind, die man auſ Kanten oder Bänken placirt.. Den Zwiſchenraum den man zwiſchen dieſen"Bänken läßt, bildet den Roſt- worauf das Brennymateriai gelegt wird. Mau gibt dem Feuer Nahrung durch, Oeffnungen ,, weiche wan, in den engſten Seiten anbringt, und leert und füllt vie Tiegel durch: Lörher, die ſich üver ihnen befinden und mit inen in Ber- bindung ſichn, damit ſie leichter daraus bedient werden kdnuen«. Der Ofen läuft oben.in eine Wdlvung, aus,:.-die ſich auf. die beyden längſten Seieun aufſtäßt, und mit Löchern durchbohrt iſt, um einem gehörigen Lufizuge Raum zu geben, und er Flamme den Zugang zu erdfſnen, die auch noh zugleich Urchen (Miſchungen zur Glasmaſſe) heiß macht, welch» vör ech Winz keln, oder über der Wdlbung aufgeſtellt werden. Als Ludewig der kTeunre, nach ſeiner Rükkehr von den Kreuzzügen,, einigen Coelleuten ,. dier in ſeinem Gefolge geweſen waren, das, Privilegium. ertheiite,. grünes Glas und Zriſtall- glas. zu bereiten„ohne daß es ihrem Adel Abbruch thun ſolle; ſo wurden die häuptſächlichſten Etabliſſements dieſer Art. im mit- täglichen Frankreic) errichtet, und. auch in der Fo!ge beſtändig von Edelleuten beſorgt, ſo wie man darin auch ohne Abänderung die äußern Formen und die bizarren Compoſitionen jener Zeit beybehalten hat. Die Oefen ſind rund mit dem Heerde in der Mitte, die Wölbung iſt offen in der Mitte, um der Flamme den Durchgang zu verſtatten, und ſie in einen oberen und auch Fewdlbten Raum zu leiten, der dazu dient, das Glas das man dort abſetzt nach Maaßgabe wie man es bläſt, äuszug!ühen. Die Adlichen arbeiten ausſchließlich in ſolchen G'ashütten; ſie begnügen ſich mit einem ſehr mäßigen Gehalt, und vernachläſz ſigen oder verachten, in Gemäßheit ihrer Grundſätze, alle Geld2 vortheile die ſie aus Glasbiäſereyen ziehen könnten, die von ans dern, als zu ihrer Caſie gehdrigen Sudjzecten geleitet würden*), Dritter *) In güt eingerichteten deutſchen Glashütten erbauet man die Oe- fen aus feuerfeſten, mit Sand verſetzten Thonfieinen. Man bringt den Luftzug auf einer Seite an, und gibt der obern Wöl- dung des Ofens"eine elliptiſche Form, um die Hitze auf die darin zu bearbeiteten Maſſe“ zurück zu werfen, bevor ſolche aus dem Schoryſtein entweicht. Man ſchmelzt in den deutſchen Glashüt- : ten Dritter Artikel. Von der Wahl der Materien die zur Compoſition des Glaſes gebraucht werden, Die Kieſelerde und die Alkalien machen überall die Baſis des Glaſes, die andern hinzutretenden Subſtanzen ſind, ſo zu ſagen, nur Nebenſachen, theils, um den Schmelzungsprozeß zu erleichtern, thei!s, um dem'Glaſe die Farbe zu benehmew und es zu reinigen, theils, um ihm beſoadre Eigenſchaften mit- zutheilen, Die Kieſelerde und die reinſten Alkalien geben das weißeſte Glas und vieſe Compoſition dient zur Baſis und zur Regel bey allen Operationen der Glasfabrikation. Aber die Kieſelerde ſowohl als das Alkali ſind nirgends in reinem Zuſtande vorhanden, und nur durch mühſame, beſchwer» liche und koſtbare Proceduren kann man es zu dem ndthigen Grade von Reinheit bringen. Auch nimmt man gewdhnlich dieſe Materien, ſo wie ſie in der Natur und im Handel ſich. darbieten, Nichts deſtoweniger iſt man ſo vorſichtig, bey der Verſchieden: heit unter welcher beyde Subſtanzen vorkommen, diejenigen ün» ter ihnen zu wählen, von"denen die Erfahrung bewährr hat, daß ſie immer das Produkt ergeben, welches man aus ihnen zu erhalten wünſcht. Nichts deſtoweniger muß man bey einigen delicaten Arbei- ten, wie bey Fabrikation des Kriſtall- und Spiegelglaſes, das Alkali des Handels von allen fremdartigen Körpern reinigen. die darin enthalten ſeyn kduynen. Im Allgemeinen iſt der. weiße Sand der reinſte, aber auch der ſtrengflüſſigſte; die farbigen Sande ſchmelzen. mit viel grdßes xer Leichtigkeit. Die Soda von Alicants nimmt den erſten Rang unter ollen Soden, die in den Handel kommen, ein, Man gebraucht ſie zu den delicaten Operationen bey der Glasmacherey, Die ſicilianiſche Aſche, die Soda von Narbonne, weiße Aſche von Aigues- Mortes, die Soda aus der Normandie, wer» den ten mit»olz, mit Torf und mit Steinkohlen, da wo grünes oder Bouteillenglas: gearbeitet wird,+ Die weißen Glashütten arbeiten allein bey Holzfeuer. Auch: in den deutſchen Glasöfen ſtehen die Häfen auf ſieinernen Bänken,+ und die“Einrichtung iſt von der Art, daß wenn ein Glaehäfen verunglückt ,. derſelbe herausgenomimen und“ durch einen andern erſetzt werden kann, ohne daß die Arbeit unterbrochen wird, H. = 14S=== den nach. ihren) reſpectiven Eigenſchaften zur Fabrikation aller gewdhnlichen Arten. weißen Glaſes gebraucht.; Die Pottaſche und das Küchenſalz ſind auch ſehr geſchickt zur Verwandlung“ in Glas, man bedient ſich der Pottaſche vors züglich in den meiſten Fabriken von Trinkgläjern und weißen Fläſchen.| Die Aſche der Feuerheerde mit Salz geſchmolzen, machen die gewdhnlichſte Compoſiiion des Bouteillen- Glaſes aus. Wenn der Sand ſehr ſchmelzbar iſt-'ſo/ kann man. ſich der aus2 gelaungren Aſche bedienen. Ich habe vorrreffliches ſchwarzes Glas aus Laugenaſche und Fluß(and, gemiſcht mit gleichen Thei- ken Quarz und LavaſtüFen, bereiten geſehen. Die in den Alkalien enthaltenen. Neutralſalze gehen zur Schmelzung über, und ſchwimmen auf der Oberfläche der-Ma- ferie in Geſtalt eiver ſehr flüſſigen F'üſſigkeit, die man ſorgfäls“ tig mit einem Löffel abſchdpft, bevor man das Glas zu bearbeis tem anfängt. Dieſe Vorſicht iſt wur in ſofern erforderlich als man mit Soda arbeitet, die viel- Meerſalz enthält, wie die von Aigues- Mortes+Frontignan u. f..w.- Die Glashütten, in des nen man dieſe.Salze gebraucht, trieben einen anſehn!ichen Hau- del mit dieſem Sa!ze, das man unter dem Namen Glasſalz vers kaufte, bis die. Solzſteuer das Meerſalz mit einer ungeheuren Auflage belegte. Das Glasſalz iſt auch noh. unter, dem Namen Glasgalle bekannt, und wenn die Materie nicht gebörig ges ſchmolzen oder wenn das Kochſalz nicht evaporirt worden, ſo findet man mehrere Kdrner davon zerſtreut im Glaſe, welches. der Solidität und Schduheit der daraus bereiteten., Gefäße ſchadet*). R Wenn man die Soda reinigen will, um ſie zu delicaten Opes rationen tauglich zu machen, ſo ldſt man ſie in Waſſer auf, um durch -4*) In deutſchen Glashütten ſchmelzt ntan das weiße dder Rriſtalle - glas aus. 3 Theilen weißem eiſenfreyen Sande, und einem Dheil reiner Pottaſche zuſammen, auch ſekt man zuweiten etwas Ar- ſenik zu. Das Spiegelglas wird aus demſelben Sande mit Pottaſche, Weinſtein und Salpetey geſchmolzen. Die grünen Glaghütten bedienen fich bloß der mit Kalf gemengten ausgelaug- ten Holzaſche, ſo wie ſolche in den Seifenſiedereyen abfällt, mit gemeinem Sande und Kochſalz gemengt. Einige gebrauchen auch bloß Torfaſche, Sand und Kochſalz. Eben ſo verarbeitet man in deutſchen Hütten“die alten Glasſcherben, die mit Sand und Aſche wieder zuſammengeſchmolzen werden, mit größen Vortheil: Nur die weißen Glaghütten liefern GlaLaalle, die in der Regel | ein unreines ſchwefelſauves We ausmacht. zu63 das 146 PE durch eine erſte Operation alles was unaufldslich darin iſt, zu ſcheiden; man evaporirt und concentrirt ſodann. die Aufldiung bis zum 4oſten: Grade des DTaumeſchen Aeromerers, um die fremdartigen Salze, die kriſtalliſixen, yviederzuichlagen; verdickt dann die übrigbleivende Flüſſigkeit bis zur Trockenheit und ges winnt durch dieß Mittel ein ſehr reines Sodaſalz. Man könnte es ſelb in Kriſtallen erhalien, wenn man die Cvaporation auf der Stufe einer ſyraparriven Conſiſtenz anhielie, Die Verhältniſſe der Materien, aus denen die Compoſition des Glaſes beſteht ſind verſchieden nach der Natur des Saunues, der Reivheit der Alkalien, der Qualität des Glaſes und des Grades der Wärme des Ofens. Die Erfahrung muß vorſchrei- ben und beſtimmen, was das Zwekmößigſte 1ſt; je ſchmelzva2 zer der Sand iſt, um deſto weniger iſt au Ulkali erforderlich;: je reiner das Alkali iſt, um deſio mehr Sand wird zur Compoſi- tion gebraucht. Um die Schmeizung der Materien zu erleichtern und'.dem Glaſe mehr Geſchmeidigkeit, eine größere Dichtigkeit und eine geringere Härte zu geben, thut man zu der Compoſition Bieys oxyd in abwechſelnden Verhäitniſſen, je nachdem der Zwe> iſt, den män damit hat. Man zieht die Mennige zu dieſer Arr von Anwendung vor, und bedient ſich derſelben in allen Glashüiten in denen man Kriſtall macht. Das Braunſteinoryd, wird unter dem Namen GSlasſeife gebraucht, um dem Glaſe die Farbe zu benehmen,"Ich vermu? the, daß ſeine Wirkung weſentlich mir der Leichtigkeit zuſammen» hängt, mit der es ſeinen Sauerſioff von ſich gibt, der dann mit den färbenden Stoffen in Verbindung tritt und ſie zerſtört, Zuviel Mennig macht das Glas geb; man hilft dieſem Feyier durch ein wenig Kobaltoxyd ab, weiches ſeinerſeits, wenn es im Uebermaaße vorhanden iſt, eine blaue Färbung macht. Zuviel Braunſtein färbt das Glas violett und bringt vio- lette Streifen oder Bänder in der Die des Glaſes hervor. Man verbeyſert dieſen Mangel dadurch, daß man in die geſchmolzene Maſſe einen brennbaren Körper wirft. Unter. gewiſſen Umſtänden kommt eine ſonſt erprobte, Coms poſition nur ſchwer zum gehdrigen Schmelzen, welches daher rühren kann, daß entweder dem Zuge des Ofens etwas im Wege ſtehet, oder daß das Feuer nicht gehdrig geleitet wird; in diez ſem Falle nimmt man ſeme Zuſlucht zum Borax oder Arſenik, um die Schmeizung wieder in den Gang zu bringen. Man thut dieſen letztern auf den Boden des Topfes und rüttelt ihn darin darin ſo länge herum, bis er in Dampfgeſtalt evaporirt wird; er dringt dann durch die ganze Maſſe, fett ſie. in Bewegung vnd beſchleuniget das Schmelzen derſelben. Der Arkſcnik.dient, außer dem Vortheil den-er gewährt zur Erleichterung des Schmelzens beyzutragen, auch hauptſächlich dazu, die grüne Farbe des Glaſes. zu, zerſtören, Man färbt das Glas mit Metalloxyden; Kobalt macht blau; Braunſtein, vioiettz Spicßglanzglas, gelb; der Golda purpur des Caſſius, purpurroty; Chromeoxryd oder Kupferoryds grän. Man bringt einer Wechſel der Farben durch die Miſchung dieſer Oryde hervor, und man kann dadurch alle Nüancen erz halten, die man zu haben wünſcht*), Vierter Artikel. Von dem Schmelzen der Vigrerien. aus denen die Con12 poſition des Glaſcs, beſteht. Das Schmelzen dieſer. Materien zerfällt in zwey Haupts? operationen; j 1) Die Frittebereitung. 2) Das Schmelzen ſelbſt. Wenn iman die Materien, aus denen die Compoſition beſteht, in die Tiegel würfe, ohne ſie durch eine vorläufige ſtarke Kalzia nation dazu vorbereitet zu haben; ſo würden die Tiegel durch das Waſſer, das ſich beym erſten Eindru> des Feuers entwickelt, in kurzer Zeit zerſtdrt ,- und die Schmelzung durch die zu große Schmelzbarkeit des Alkali:s, das auf die Oberfläche ſteigen würde, faſt uumdglic) werden,-das Glas aber ſich färben und der Teig dergeſtalt anſchwellen, daß er den Rand des Tiegels überträte. Um allen dieſen Uebelſtänden vorzubeugen, bereitet man in allen Glashütten zuvdrderſt eine Fritre aus der Materie, bevor man zu ihrer Schmelzung in Tiegeln ſchreitet. Dieſe Operation wird mit den Materien, vorgenowmen, entweder, wenn ſie abgeſondert, oder ſchon im Zuſiande. der Vermiſchung und Compoſition ſind. Die zweyte Methode verz dient aus den oben von mir angeführten Gründen, den Vorzug. Die Bereitung der Fritte geſchieht in Oefen die in der Halle der Glashütte angebracht ſind, und die ſehr oft mit dem Schmelz2 K 2 ofen ») In deutſchen weißen Glashütten färbt man das Glas durch Smalte blau, durmg Grünſpan grün, durch bineingewörfenes Birkens- - holz hyacinthgelb; auch erzeugt man dur< Smalte und Biro Fenholz ein ſchönes dunfelgrunes Glas, amm 148 umme „ofen in Verbindung ſind, vdn dem'ſie die Wärme dur< Deff- nungen erhalren, die am Anfange der Wölbung und au den Winkeln angebracht ſind. Man neunt ſie dann Fri- Archen, Man unterwirft die Materien einige Zeit hindurch der Hißze, indem man ſie in der Roihg'uth erhält, und gibt ihnen oft durch dieß einzige Mittel einen Anfang teigartiger Schmels- zung, die die Theile der Compoſition ſo untcreinander verbin» det, daß ſie vur ein Ganzes ausmachen, Die Fabrikanten des Kriſtallglaſes von denen wir bereits geſprochen, geben ihrer Compoſition die Geſtalt von Kugeln, um deren Fritte genauer zu bewirken, Es gibt andre Fabrikanten die die wohlgemiſchte Compoſi- tion mit der Vorſicht auf den Boden der Arche werfen, daß ſie nur eine ſo dünne Lage bilde, um daß die Kalzination auf aile ihre Theile gleichmäßig wirken könne. 4 Wenn man ſie in den Ofen ſchieben will, gibt man dem Heerde, eine, neue Thätigkeit,' und macht das Feuer drey oder vier Stunden zuvor an, ehe man die Compoſition in die Tie2 gel thut, Man füllt die Tiegel zu zwey und ſelbſt zu drey verſchiede- nen malen an„/und'rhur nur dann erſt;neue Compoſition hinzu wenn die erſte bereits geſchmo!zen iſt. Sobald der Tiegel angefüllt iſt, unterhä't man das Feuer ſorgfältig. eine längere oder, kürzere Zeit, nach Verhältniß der Schmelizbarkeit der Compoſition und des Zuges des Ofens, Zehn bis zwdlf Stunden ſind hinreichend zur gehdrigen Schmelzung der Maſſe. Aber, wenn auch gehdrig geſchmolzen, iſi ſie var- um. doch nicht zur Bearbeitung fertig; es iſt dazu noch ndthig, daß ſie- ſich reinige, daß ſie fich von den zahlreichen, im Teige zerſtreuten Blaſen befreye, und dieſe Wirkung kann yur da- durch hervorgebracht werden, daß man die Materie einige Stunz den hindurch in“ einer ſehr flüſſigen Schmelzung erhält.- Dieſe Methode nennt man das Affiniren, J ß Von dem AugenbliXe an, wo das Glas afſinirt, oder zur Bearbeitung reif iſt, ldſcht man das Feuer, d. h. man vermin- dert. die Hitze des Feuers, indem man von dem Brenymaterial nichts mehr auf den Heerd thur. Die glaſige Maſſe nimmt ſo2 daun ein wenig mehr Conſiſtenz an, was die Arbeit erleichtert, Fünfter WETHINEE le 27 JARERR: Jänfrer Artikel. Von der Bearbeitung Ves Glaſes in den Glashütten, Die Bearbeitung des Glaſes iſt ſehr einfach, und ſetzt deſ- ſenungeachtet, eine große Erfahrung voraus"; denn man darf nicht hoffen ein vorzüglicher Künſtler in dieſem Fache zu wers den, wenn man nicht von früh an, an dieſe Art von Arbeit gewöhnt war. Man kann alles was die Glasarbeit betrifft, guf die Kanſt es zu blaſen und die, es zu gießen, reduciren, Das Blaſen gläſerner Gefäße geſchieht durch einen hohlen, etwa fünf Foß laygen eiſernen Sto>, mittelſt deſſen der Arbeiter aus. dem Tiegel die Quantität von Glas ſchöpft, die er zu ſeiner Operation gebraucht; die Luft die er aus ſeiner Bruſt durch das Innere des Stockes in die von ihm geſammelte Maſſe bläſt, dehnt das Glas auseinander, und ſodann gibt er dieſer Gläsmaſſe nach Maaßgabe, als ſie ſich durch ſeinen Hauch ausdehnt, die Geſtalt:und die Dimenſionen die er haben will, Zirkel, Scheere und“ andere eiſerne oder hdizerne Werkzeuge werden dann mit Einſicht angewandt, um dieſem Glaſe die Fagoy zu geben, es abzurunden, oder auszudehnen; Man hat die Vorſicht, es an die Ofendffnung zu bringen, ſobald es kalt geworden, und man nimmt es wieder weg, ſobald es weich wird, und zu fließen anfängt. Die Weichheit des Glaſes, ſo lange es in der Rothgluth erha!ten wird, bildet einen ſolchen Contraſt mit ſeiner Zerbrech- lichkeit, wenn es kalt geworden, daß man einige Mühe hat, es zu begreifen wie man es knetet, es ſchweißt und es auseinander zieht, wenn man dieſes erſtaunenswürdige Verfahren nicht ſelbſt mit angeſehen hat. Es iſt viel von der Hämmerbarkeit des Glaſes geſprochen worden, man hat Unterſuchungen angeſtellt, um dieſe ſo wich- tige Kunſt wieder aufzufinden, von der man geglaubt, daß die Alten ſie gekannt hätten, und man'hat nicht einſehen wollen, daß es kein Metall gibt, daß geſchmeidiger und geſchiäter zum Hämmern wäre als das Glas, wenn es ſich im Zuſtande des Rothglühens befindet, und daß dieſe Kunſt, welche man bey den Alten ſucht, täglich bey Uns in jeder Glashütte ausgeübt wird, Das Gießen des Glaſes.geſchieht, indem man das geſchmol? zene Glas auf eine kupferne, Platte gießt, die ganz eben ſeyn muß, und darn mit einer Richtſchnur über die fließende Maſſe fährt, um der ganzen Platte eine gleichſdxmige DiFe zu geben u -. 150= Auf dieſe Weiſe bereitet man das gegoſſöne Glas zu Spiegeln. Dieſe Operation har viel Aehnlichkeit mit der, wenn man auf Sand Meiällplaiten gießt. Wenn das Glas weniger zerbrechlich werden ſoll, muß wan es ſehr langſam abkühlen laſſen; dieſe leizte Operation nenut man das Verfühlen, In den großen Glashürten, in denen ſchwarzes Glas bereitet wird, verkühlt man das Glas in Oefen, die man in den Winkeln der Halle bereitet, in denen ſich der Schmelzofen befindet; man erhält dieſe Oefen im Rothglühen, wenn man das Glas hineinlegt, das mv verkühlen will, und ſo bald ſie voll ſind, ſchließt man ihre Deffnungen, um die Hilze därin von ſelbſt fallen zu laſſen. &n ileinern Glashütten iſt der Kühlofen gewbhnlich auf dem Schmelzofen oder zur Seite desjelben angebradt, ſo daß er dur< den Strom der Flamme geheitzt wird, die aus dem Ofen ſÜrdmt; es iſt, eigentlich. zu ſagen, nur der Anfang eines ſehr erweiterten Kamins, der unmerkiich euger wird; je nachdem wän ſich vom Heerde entfernt, ſo daß das Glas, welches man auf ſeinen Grund legt, ſich nach und nach, ſo wie man es gegen Außen hinzieht, abkühlet. Das Glas wird hier ſehr unz vollkommen abgekühlt, weit die Abkühlung zu ſchnell erfolgt, Sechster Artifel. Von dem Brennmaterial deſſen man ſich in den Glashötten bedient, Man gebraucht ein doppeltes Brennmaterial in den Glas- Hütten, Holz und Steinkohlen.(In Deutſchland auch Torf), Die Anwendung der Steinkohlen iſt ſehr vortheilhaft; aber fie färbt das G'as, indem ſie einen Ruß hervorbringt, der ſich auf das geſchmolzene Glas ſetzt, es durchdringt und gelb färbt. Wenn man a!ſo weißes oder Kriſtallglas bearbeiten will, ſo hat man die Vorſicht, die Tiegel zu bede&>en, denen. man nur eine Oeffnung gegen den Eingang zu läßt, und dieß nennt man, bey verde&ten Tiegeln arbeiten. Bedient man ſich des Holzes, ſo muß man es ſorgfältig tro&nen laſſen, die Arbeit geht dann ſchneller von Statten, und das Schmelzen leichter vor ſich. Hagebüchen, Büchen und Eichenho!z ſind drey Holzarten, die den erſten Rang bey Heizung der Schmeizdfen einnehmen, Die harzreichen Holze machen zu viel: Rauch, Die Die BedienungY des Feuers in einer Glashütte erfordert einen thätigen und einſichtsvollen Arbeiter, mau muß ſich ſorg- fältig davor hüten, das Feuer zu verſtopfen, oder es daran mängeln zu laſſen; vielmehr muß man es durch Zulegen von Brenömaterial in kleinen Quantitäten auf einmal und in klei? nen Zwiſchenräumen unterhalten, Das ordinaire weiße Glas hat eine ſpec. Dichtigkeit gegen Waſſer, wie 23: 10; die des Thons und Alkalis iſt wie 25: 105 die des Kalks. und Kali wie 27 8 1% Metalloxyde vermehren ſeine Dichtigkeit, Drittes Kapitel. Von den Verbindungen der Metalle unter einander, oder von den WIerallverſezungen, Unter allen Mineralſubſtanzen ſind die, welche die Natur am iſolirteſten hervorbringt, die Metalle, und obgleich wir einige unter ihnen finden, die in natürlichen Verbindungen mit andern ſtehen, ſo können wir doch im Allgemeinen den Grund2 ſagz' aufſtellen, daß man ſie faſt überall für ſich allein beſtehend finder. und daß die hauptſächlichften Materien, die mit ihnen in Vereinigung oder Verbindung ſind, Schwefel und Sauerſtoff ſind. Aber ſobald die Metalle extrahirt ,“ oder von ihren Mine- raliſationEmitteln vefreyt ſind, und von dem AugenbliRX an, wo ſie durch ein künſtliches Verfahren in den metalliſchen Zuſtand verwandelt worden, kanu man ſie verſetzen, und durch die Ver- bindung oder Verſeßung mehrerer, Compoſitionen bilden, mit denen die Künſte ſich bereichert haben, Dieſe Combination, dieſe wechſelſeitige Shmelzung, dieſes innige Durchdringen zweyer oder mehrerer Metalle nennt man Verſezung. Man hai die Benennung Amalgama für die ein? zige Auflöſung von Metallen durch Queſilber gewählt, Aber damir eine Verſezung vor ſich gehe, muß man die Vereinigung und das Zuſammentreffen mehrerer Umſtände ver» anlaſſen: Erſtens iſt es nothwendig, wenn die Verſezung Statt haben ſoll, daß wenigſtens eines der Metalle ſich in geſchmolze- nem Zuſtande befinde, und es iſt das, welches ſich im-Schmel»2 zen befinder, oder welches, wenn man ſie verſezt, zuerſt ſchmilzt, welches man als das die andere Auflöſende betrachten kann« Zweytens müſſen die Metalle im metalliſchen Zuſtande ſeynz3 denn oxydirt widerſtehen ſie jeder Verſezung, Es mie 1 52 rum Es iſt leicht zu begreifen/ daß alle Metalle ſich nicht mit gleicher Leichnigkeit zeneizen; dieſe ſo wie alle andere cyemiſche Operationen, iſt den beſondern und ſehr verſchiedenartigen Ge- ſetzen der Verwandtſchaften unterworfen, die zwijchen den Me- tallen unter einander Siait finden. Es gibt ſolche Metalle, welche bis jeßt durch die Kunſt nicht Haben verſeßt werden können, die jedem Durchdringen unter ein= ander widerſtehen, und ſich ſo zu ſagen abſtoßen, während andre nur in eine' unmittelbare Berührung mit einander geſeßt zu wer? den brauchen, um daß ſogleich ihre Vereinigung vnd Verſetzung Statt habe; das Quecfſilber gibt hiervon Beyſpiele, Es iſt aus dieſen Grundſößen eine ſchr natürliche Folge zu ziehen, nämlich; daß die Verſeßzung einen Körper eigner Art bildet, deſſen Eigeyſchaften nach. der Natur der Elemente.aus denen er beſteht, weder voraus geſehn, noch daraus hergeleitet werven können, welches beweiſet, daß die Verſetzungen wahr» hafte Verbindungen, und keine bloße Löſungen noc< bloße Men- gungen ſind, wie man. wohl glauben könnte, Dix Prüfung und Vergleichung der„weiſten bekannten Me- tallverſezungen zeigt faſt überall folgende Merkmale, die man als Fo!lgeſäße betrachten kann, weiche ſich aus den That- ſachen reduciren laſſen, die man bey den Verſetzungen bemerkt: 1) die Geſchmeidigkeit der Verſezung iſt immer geringer, als die det Theile aus denen ſie beſteht. Die Vereinigung zweyer ſehr weichen-Metalle gibt oft eine ſehr harte Verſetzung. 2) Die ſpecifiſche Dichtigkeit einer Verſeßung gibt ſelten ein Mittelverhälimiß zwiſchen denen der verſezten Metalle, Glauber und Becher hatten bereits bemerkt, daß die ſpecifiſchen Dichtigkeiten der Metallverſezungen weſentlich von der umer einander verglichenen Dichtigkeit ihrer metalliſchen Elemente verſchieden ſey. 3) Die Schmelzbarkeit zeigt ihrerſeits wiederum große Verſchiedenbeiten, aber im Allgemeinen ſind die Verſezungen viel ſchmelzbarer als jedes der Metalle, aus. denen ſie beſtehen, 4) Die Härte der Verſetzungen iſt in der Regel ſtärker als die der Metalle, aus denen ſie beſtehen, ich ſage nur in der Regel, weil die Que&ſilberamalgamen eine Ausnahme von dieſer allgemeinen Regel zu begründen ſchemen. 5) Die Flüchtigkeit der Metalle wird in dieſen Verbindungen modiſicirt, und in der Regel vermindert. Der, für ſich allein, fo flüchtige Arſenik leiſter ſtarken Widerſtand, wenn er mit der Platina oder andern Metallen veiſelzt iſt, 6) Jes 6) Jede Verſetzung nimmt Farben an, die yicht mehr: die Verbindung der Farven der Metalle ſind, aus denen ſie beſteht, Sie ſind ſtets viel lebyafier. Wir müſſen daher die Verſeßzungen der Claſſe von Compoſi- tion zurechnen, deren Eigenſchaften ſich nicht ſtrenge aus den betannten Merkmalen dex Metalle herleiten laſſen,“ aus denen ſie veſtehen; eine Verſetzung ijt daher eine neue Compoſition oder Verbindung, deren Clemente die dazu genommenen Metalle ſind, Der Unterſchied zwiſchen den Verbindungen der Salze und den metalliſchen Verſetzungen iſt darin gegründer, daß bey den leztern der Punkt der Sättigung nicht ſo beſtimmt iſt, als bey den erſtern, und. daß die Compoſition immer die verein mit den meiſten wmetälliſchen Materien, hat ihm von Seiten der Adepten den Namen Venus verſchafft. Der Arſenik bildet mit dem Kapfer eine weißliche und ſehr harte Verſetzung. Man kann dieſe Verſezung direct hervorbringen, wenn man entweder Arſenik mit Kupfer, oder dieß letztere Metall mit Aro ſenik- Kali verſchmilzt, Aber, obgleich man dieſe beyden Subſtanzen zu gleichen Theilen verwendet, ſo iſt es doch ſeiten, daß die Farbe in der Folge ganz verſchwinde; ſondern die Zerſezung behält immer einen Auitrich von der Kupferfarbe. Um der Verſeßung gänzlich die Farbe zu benehmen, muß man das Schmelzen unter Anwendung der nämlichen Verhält- niſſe, vier oder fünfmal wiederholen. Dann bekommt es eine ſüberähnliche weiße Farbe, ohne doch ihre Härte und Sprddigs keit zu verlieren. "*eäßt man den Arſenik zum Theil in einer gehdrigen Wärme evaporiren; ſo nimmt das Kupfer ſeine Geſchmeidigkeit wieder an, und behält deſſen ungeachtet die weiße Farbe. Wenn die Operation recht wohl gelungen iſt, ſo kann man auf den erſten Blik das weiße Kupfer von dem Silber nicht unterſcheiden*),“aber an den verſchiedenen Eigenſchaften eines zeden dieſer Metalle kann man ihren Unterſchied leicht erkennen. Das weiße Kupfer wird zur Fabrikation einer Menge von ' Koſtbarkeiten und von Meublen und Hausgeräth, wie z, B. Leuchtern, Kafſeekannen, Vaſen u, ſ, w, gebraucht, Zweyter Abſchnitt. Von der Verſezung des Rupfers mit dem Zink(gelbes Bupfer, Meſſing, Tombak, Semilor, Viganheimer Gold, Prinzmetall,) Verzinnung durch Zinf, Die Verſetzung von Zink mit Kupfer iſt ſehr leicht; die Ver- ſchiedenheir der Verhältniſſe zwiſchen den beyden Grundſtoffen bringen eine ſolHe Verſchiedenheit in der Farbe und der Qualität der Verſezung hervor, daß man jeder dieſer Verbindungen be- ſondere Benennungen gegeben hat. Die *) Das weiße Kupfer befißt zwar im Anfang ſeiner Politur ſchr viel Aehnlichkeit mit dem zwölflöthigen Silber, hat aber die Eigen- ſchaft /-"an der Luft leicht ſchwarz anzulaufen, Man hebt dieſen Fehler aber durch eine leichte Verſilberung. X. wem 1 55 warne Die Verſetzung, dieſer beyden Metalle hat: Zuvdrder? eine große Geſchmeidigkeit und übrigens oxydirt ſie ſie) nicht leicht, welche beyde Eigenſchaften ihren Gebrauch in den Künſten der- geſtalt vervielfältiger haben, daß es weniger gibt die von häu- figerer Anwendung und näßiicher wären. Dieſe Verſeßung, vorzüglich wenn ſie leit erwärmt wird, iſt ſo geſchmeidig, daß wan ſie in ſehr feine Fäden ziehen kann, Sie iſt übrigens geſchmeidiger auf dem Drahtzieheiſen, als untex dem Hämmer; ſchlägt man darauf, wenn ſie warm iſt; ſo wird ſie hart und pulveriſirt ſich. Unter dieſem Verhältniſſe behält ſie die hauptſächlichſien Eigenſchaften des Zinks. Die Verſetzung des Kuvfers und des- Zinks kann durch die directe Schmelzung beyder Metalle bewirkt werden. Herr von Sauſſüre hat vorgeſchlagen, das Kupfer in einem Tiegel von Graphit zu ſchmelzen und daun den in Papier gewikeiten Zink hineinzuwerfen; mou bede>t dann das Ganze mit Phoephor- glaſe, läßt die Verſetzung in eive Form laufen und ſtreut noch Phosphorglas darüber, bevor ſie gerinnt. Man gebraucht das bey die Vorſicht den Zink nicht hinzuzuthun, ſo lange das Kupfer im Sieden iſt. In den Werkſtätten aber, wo man ſie für den Handel be- reitet, nimmt man natürliches Zinkoxyd dazu, vorzüglich ſolz e von Nuß» größe daraus gemat, und ſo immer fort, bis der Tiegel voll iſt. Maun heißt zwdlf Stunden hinter einander, und gießt dann die geſchmolzene Materie auf Maſſen von Granit, die man'zu- vor vor, erwärmt; und ihre Oberfläche mit. Kuhmiſt: eingerieben hat. Die Breite und Di&e-.der.Plaiteu beſtimmt man, durch mehr vder weniger dicke eiſerne Barren,, die man mittelſt eines anz dern. übergeſeßten- Granivlo>s befeſtigt, den. wan: wiederum durch Hülfe eines Klobens in die Höhe heben kann, Vierzig Pfund Kupſer5: geben, fünf bis ſechs und funfzig Pfund Meſſing;; Ein„Theil dieſes Meſſings-wird zum Drathziehen beſtimmt, zu. dem; Ende ſchneider man es mit einer großen Scheere in Fäden oder lange ſchmale Streifen,'und macht dieſe Streifen zur. Bearbeitung auf der Drahtwinde geſchit, daß man ſie in Haufen in den Ofen ſte&r, und ſie in ein Talgbad taucht. Die Meſſingfäden werden zu Saiten fär Inſtrumente, zu Sieben, zu Nadein gebrauchi. In den ſchwediſchen Fabriken werden die Meſſingtafeln, die für die Drahtwinde beſtimmt ſind y'zuerſt zu wieverholten malen auf die Platimühle, gebracht; und jedesmal in einem Reverbe- rirofen wieder, geglühr. Sie- werden ſodann auf dem Ambvoß mittelſt eines kieinen Hammers, der durch Waſſer getrieben wird, zurecht gehämmert, und dann mit einer großen Hand= ſcheere in Stangen, die in die Drahtwinde paſſen, geſchnitten. Die Rammelsberger Minen, im Niederharz, liefern eine ſo. anſehnliche Quantität von Ofenbruch,:(oxydirtem Zink) der ſic) an die Wände des Ofens anſetzt, daß man ihn anſtatt des wirklichen Galmey's gebrauchen kann, um Kupfer in Meſſing zu- verwandeln. Gellert hat ein Verfahren angegeben, Meſſing mit der Blende(geſchwefeltem Zink) zu bereiten, aber dieß Meſſing wurde leicht zerbrechlich und bekam keine ſchöne Farbe. Die Herren Duhamel und Jars haben dieſe Arbeit wieder hervorge ſucht, und“ erhielten ſehr ſcen. Das vortheilhafteſte Verhättniß für dieſe Compoſition iſt, wenn man einen Theil Zink auf zwey rothen Kupfers nimmt, dann die Miſchung mit Kohlenſtaub beſtreut, und ſie zum Schmels zen bringt. ſ' Die Leichtigkeit mit welcher der Zink ſich mit dem Kupfer verſetzt, har die Idee hervor gebracht, ſich ſeiner ſtatt des Ziuns bey Verzinnungen zu bedienen, und es geht aus den dießfälligen Verſuchen des Herrn 1)7alouin hervor, daß dieß Merall ſich mit mehrerer Gleichförmigkeit auf dem Kupfer gusbreite, als das Zinn, daß es mit wehrerer Kraft daran hänge, und. durch die Hiße ſchwerer flüſſig gemacht werde, Man hat hingegen eingewendet, daß die vegetabiliſchen Säuren ſol vermehrt wird. Man kaun' alſo den Schluß machen, daß vey. der Ver» ſezung wechſeiſeitiges Durchdrihgen und Bildung eines neuen zuſammengeſeßzten Kdrpers Statt finde, deſſen Eigenſchaften ſich aus der Kenntniß deren, welche die Elemente, aus denen er be- ſteht, beſißen, ſich nicht reduciren laſſen, Dritter Abſchnitt, Von der Verſezung des Rupfers mit dem Zinn(Erz, Bronze) Verzinnung, Die Verſetzung dieſer beyden Metalle bildet Erz oder Bronze, je nachdem ſie eine grdßere vder geringere Quartität von Zinn in ſich enthält, In der Regel geben fünf und ſiebenzig Theile rotves Kupfer, geſchmolzen mit fünf und zwanzig Theilen Zinn, GloFenmetall, Wenn *) Dieß iſt ein unrichtiger Sas, Man hatte die Abſicht auf einer Fabrikanftalt von verzinntem Blech, das Zinn mit Zink zu ver- ſeen, oder auch das Zink ſelbſt hierzu anzuwenden) und ich be- kam die damit überzogenen Bleche zur“ Unterſuchung. Jcengießer baben die Leichtgläubigkeit der Menge oft gemißbraucht, indem ſie vorgaben, daß' ſie der. Verſeßung eine gewiſſe. Quantität von Silber hinzu fügten, um ſie hellidnender zu machen;: aber ſie verſtauden es, das Silber welches ſie angeblich zur Opera- tion gebrauchten ,. auf eine geſchifte Art in ihren eigenen Nutzen zu verwenden*). Die Verſezung des Kupfers und des Zinns hat folgende Eigenſchaften:' 1) ſie: hat einen hellern. Klang, als die dazu angewandten Metalle, 2) Sie iſt härter, als jedes von ihnen für ſich allein genommen. 3) Sie iſt ſchmelzbarer als Kupfer, und bey weitem. we-' niger:als; Zinn, Sie iſt weniger oxydirbar., und nicht ſo geſchmeidig als die beyden Metalle„aus denen. ſie beſteht. Poerner hat in Hinficht ihrer bemerkt, daß viel Kupfer und wenig Zinn, und viel Zinn und wenig Kupfer ein Metall gibt, das ſich hämmern läßtz aber daß, wenn man von glei» hen Theilen an, bis auf acht oder zehn Kupfer auf eineni von inu verſeßt, man dadurch harte Verſeßzungen gewinnt. Dieſe Härte wird über und unter'den angegebenen Verhältniſſen vermindert. Dieſe Verſezung hat eine größere ſpecifiſche Dichtigkeit als die, welche aus der-Verbindung ihrer Dichtigkeiten für ſich al: lein genommen, hervorgehen mußte. Hilacquer hat beobachtet, daß zwey Unzen einer, aus vier Fünftheilen ſehr reinen rothen Kupfers, und eines Füyftheils eben ſo reinen Zinns, ſieben und ein Zehntheil, mehr an ſpecifiſcher Dichtigkeit haben ," als die nämliche Quantität dieſer Metalle, wenn ſie nicht verjeßzt wären, haben würden, Tillet *) Die Möglichkeit einer ſolt ſeyn kann. Sobald dieß zuerſt bewerkſtelliget iſt, läßt man das Zinn in dem Gefäße welches man verzinnen will, und das man auf glühende Kohlen ſet, um es in gehöriger Wärme zu erhalten, ſchmelzen, und beſtreicht die Oberfläche des Gefäßes mit dem geſchmolzenen Metalle, mittelſt altem Leinen oder Werg. Man thut ſodann einige kohlige Kdrper, z. B. Harze, hinzu, um die Oxydation, die durch die Wärme begünſtigt wird, zu vermeiden, oder zu zerſtdren. Statt der Harze kann mat auch ſalzſaures Ammonium(Salmiak) und alle dlige oder fettige Kdrper ans wenden.“ Der Satkmiak hat einen Vorzug, den kein andrer Kdr- per mit ihm gemein hat; nämlich, daß er mit ein wenig Ruß verſehen iſt, den er bey der Sublimation aufgenommen, und übrigens eine ſehr entſchiedene ätzende Kraft beſißt; mithin alſo zugleich die Eigenſchaften hat, die Farbe herzuſtellen und der M; y Oxydae- -- 162= Oxydation zu widerſireben; auf dieſe doppelte Eigenſchaft grüne den ſich auch die Arbeiter, die ihn aywenden. Und wir könneu daraus die Urſachen des Unterſchiedes herleiten, den alle Künſt- ler zwiſchen dem durc? Ruß geſchwärzten, und dem durch eine zweyte Sublimation wieder weiß gewordenen Salmiak machen: der erſte nämlich wird bey Verzinnungen, der zweyte, bey der Färberey vorgezogen, weil es, im erſtern Falle eines Körpers berarf, der das Metall reinigt und der Oxy.dation zuvorkommt, im anderen aber nur eines reinen und farbenloſen Salzes, Damit die Verzinnung alle Vortheile gewähre, die man davon zu erwarten berechtiget iſt, muß ſie das Kupfer vollſiän- dig b-de>en, auf welches man ſie aufträgt, umdieß Metall der äßenden Wirkung der Salze, der Fette und der Oeie zu entzie- hen. Die Verzmnung mit bloßem Zinn, wenn ſie ſorgfältig geſchieht, hat dieſen Vortheil wohl, iſt aber mit dem Uebelſtande verbunden, daß ſie bey einer mäßigen Hitze ſchon flüſſig wird, wodurch vorzüglich die Chemiker bewogen worden ſind, auf Mit2 tei zu denken, um an der Stelle des Zinnes, Zink zu gebrauchen, Vierter Abſchnitt. Von der Verſezung des Zinns mit dem Liſen,(Weiß Blech, verzinntes Eiſen). Das Eiſen wird leicht roſtig und dieſer Uebelſtand würde deſſen Anwendung ſehr enge Gränzen ſetzen, wenn man niht das Mittel g-funden hätte, dem dadurch zuvorzukommen, daß man ſeine Oberfläche mit einer Lage von Zinn bede>t. Es heißt dann verzinnres Ziſen, und wenn es in dünnen Blättern ver» zinnt iſt, weiß Slech, Bey der Verzinnung des Eiſens ſind die nämlichen Vor- ſichtsmaaßreaeln erforderlich, als bey der des Blechs, d. h.'das Meiall muß eben ſo gut gereiniget und glänzend gemacht werden, um ſorgfältig der Oxydation der Oberflächen zuvorkommen zu Fdnnen, und zwar in dem Augenblicke wo ſie mit der Zinnlage bekleidet werden. Man erreicht dieſe ZweFXe, wenn man die E'ſenplotten m't Thon begießt, und ſie ſodann in Waſſer taucht, das man durch darin zur ſauren Gährung gebrachtes Noogen- mehl ſäuerlich gemacht*). Man begießt ſie dann zum zwey? tenmales; 5) In deutſchen Fabriken hat man die mit 18 bis 20 Theilen Waſſer verdunnte Schwetelſäure zur Reinigung der Metallplatten die verzinni werden ſouen angewendet. Dep Erfolg ift ſehr gut) und die Mechode wohlfeiler, H; emm 163 LSDE tenmale; wiſcht ſie recht tro>en ab, und ſetzt ſie"einem ſehr warmen Orte aus. Es gibt eiſerne Geräthe die man nur durch die Feile“reia nigen kann; und wiederum andere, und dieß iſt zwar die grdßie Anzahl, die man wit Sa!miak reinigen muß. Die Art, dieß Salz anzuwenden iſt verſchieden in den verſchiedenen Werkſiätz ten; einige löſen es in Waſſer auf und tauchen die zu: verzing nenden Strüe in die Auflojung. Andre ſetzen die eiſernen Stücke den Dämpfen des Salmiaks aus, der verflüchtigt wird, imiem man ihn auf Kohlen ſtreut. Andre noch erwä1men zuerſt.iyre SrüFe und reiben ſie mit dem Salmiak ſelbſt ein,? Aber auf welche Weiſe man auch das Ci:en gereinigt häbe, ſo genügt es, um es nochmals zu verzinnen, wenn man es in ein Zinnbad taucht und es ſo lange darin umdreht bis die ge? reinigten Oberflächen, mit einer feſt anhängenden Lage von dies ſem Metalle bede>t ſind, Auf dieſe Art werden eine Menge von Gegenſtänden ver2 zinnt, 3. B. Gebiſſe an Zäumen, Steigbügel, Schnallen am Geſchirre u, ſ. w, Aber wenn man für den Handel die weißen Blchplatten aufertiget; ſo bedient man ſich dabey eines Verfahrens, das, obgleic es nur wenig von dem eben beſchriebenen abweicht, doch mit einigem Detail erzählt zu werden verdient, Wir werden uns darauf einſchränken, um von dieſem Ver- fahren ein Beyſpiel zu geben, das, welches in einer der«1ſten Fabriken Bdhmens, die zwiſchen Heinrichs Grün und Sras- ligz liegt, angewendet wird, zu beſchreiben. Man fängt, wie überall damit an, ds8. Eiſen das vers zinut werden ſoll, durch den Ambos in Blätter zu ſchlagen. Statt dieſes Amboſes kann man auch die Walzmühle gebrauchen, oder wenigſtens die Operation durch ſie beend;igen, welches den Vor2 theil gewährt, daß man gleichere Flächen erhält. Um hierauf die Blatter des geſchlagenen oder ſchwarzen Ci? ſens zu reinigen und zur Annahme des Zinns vorzubereiten, Hat man ein gewdlbtes Bad, in der Mitte darin unterhält man ein fortdauerndes Kohlenfeuer; rund herum tiehen Gefäße mit Waſſer angefüllt, welches durch darin gegobrnes Roggenmehl geſäuert worden; man thut 1154 Cubikzoll Mehl in jede Kufe und das Waſſer, womit es eingerührt wird, wird in kurzem ſauer. Die Hitze der Stube iſt übrigens ſo ſtark, daß man es fiur mit einiger Beſchwerde darin aushalten kann*), 2L'3 Matt 9) Daß man in allen dieſen Fällen ſtatt des geſätterken Roggenmehls), mit mehrerm Vortheil mt Waſſer“ verdünnte Schwefelſäure ans wenden fann, bedarf fFaym einex Erinnerung. 7. aum 164=> Man thut 300 Blätter in jede Kufe und ſtellt ſie ſenkrecht darin auf, darin bleiven fie vier und zwänzig Stunden, wor»? auf man ſie in ein neues ſäuerliches-Waſſer, das heißt in ſolches, worin man eben Mehl gethan, tauchet. Sie bleiben darin noc: vier und zwanzig Stunden und man zieht ſie endlich heraus, um ſie in eine ſehr alte Lauge zu thun; in die man alle vierzehn Tage einen Hut voll Mehl wirft; a!ſo bringen die Blätter in Aitem drey mal vier und zwanzig Stunden in der Stube zu, Wenn maän ſie aus der Stube herausnimmt, ſo thut man ſie in Kafen, die mit reinem Waſſer angefüllt ſind, wo ſie blei? ben, bis mau ſie reinigen will, was mit Sand und Waſſer ſo lange geſchieht, bis keine ſchwarze Fle&Xen mehr zu ſehen ſind. Sie werden dänn wieder in Waſſer gelegt, und bleiben darin ſd. lange, bis ſie verzinnt werden ſollen, Das eigentliche Verzinnen geſchieht dann auf folgende Weiſe 3; man läßt 18 Zentner Zinn in einem eiſernen Keſſel ſchmelzen, und wenn es in gutem Schmelzen iſt; thu! man ein wenig Talg auf die Oberfläche des Bades, und gießt ein wenig reines Waſſer darauf, weiches ein Aufwallen verurſacht, und es zum Schäumen bringt, Dann bringt man 100 Biätter ganz naſſes Eiſen auf den Schaum, und läßt ſte 1 3ch und nach in das Bad fallen, indem man ſie mit Zangen einſenkt und ſie platt auf den Boden legt: man bringt ſodann 100 andere Blät- ter auf die nämliche Weiſe hinein, läßt ſie eine Viertelſtunde darin liegen, rührt alles mit einem Sto>e wohl um; nimmt mit einem Löffel den Talg und das Waſſer ad, welches man in eine Terrine gießt, zieht ſodann die Blätter, eins nach dem ans dern mit den nämlichen Zangen heraus und leg! ſie horizontal auf zwey eiſerne Stangen, wo ſie durch Stifte feſtgehalten werden, Dann nimmt ein Arbeiter die Blätter, eines nach dem an? dern, und taucht ſie in einen Raum des Keſſels, we'hen man durch eine in vertikaler Richtung hineingebrachte eiſerne Platte hervorbringt, und von der Maſſe faſt ganz iſolirt; zieht ſie dann wieder heraus und bringt ſie auf einen, dey vorhergehenden ähns lichen, eiſernen Roſt, auf welchem ſie abtropfen. Cine Frau empfängt ſie eine nach der andern, reiniget ſie mir einem Stüe Zeug und reibt ſie mit Sägeſpänen ab. Das abgelaufene Zinn thut man wieder in den Keſſel hinein; legt Talg darguf-, und gießt Waſſer üher das Ganze, Man beobachtet dabey die Vors ficht, den Keſſel nie leer zu laſſen, „Nachher bringt may die Blötier weißen Blechs in die Nähe des Ofens, damit ſie warm bleiben; eine Frau Seng+ in vr aſten -- 165== Kaſten mit Haberkleien 3; eine andere Frau vimmt ſie dieſer ab und macht das nämliche Manoeuvre, Dieſe Frauen haben jede ein Stück“ älten Zeuges in Jeder Hand,"und eine dritte Frau vollendet endlich das Putzen mit einem Stücke feinerer Leinwand, Man utmmt gewöhn!ic) zwey Pfund Kupfer und ein hundert und vierzig Pfund Zinn. Wenn das Zinn zu warm iſt, ſo wird die Forbe der Verzins nung gelb, und wenn es zu wenig, ſo ſeßt ſich zuviel davon auf. die Blätter an,; Da die Blätter an dem Rande, gegen den hin das Ziun abs gelaufen iſt, da die Platten aus den Bade herausgenommen und hor:zontal gelegt worden, eine diere Lage von Verzin- nungsſtoff haber; ſo verbeſſert man. dieſe Ungleichheit. auf zweyerley Art: 1) indem man unter dieſe Platten ein wenig glühende Koh2 len thut, damit das am Rande im Uebermaaße vorhandene Zinn weich werde und abiaufe,; 2) Indem man den di>kſten Rand in einen kleinen Keſſel taucht; in dem ſich geſchmolzenes Zinn befinder, uyd- dann mit Moos abreibt, um das was ſich an den Seiten zuviel befindet, loszumachen. Wenn die Verzinnung fertig iſt, nimmt man 30 oder 40 Blätter zuſammen, klopft ſie von oben und unten mit einem platten Hammer auf einem großen StüFe Holz, und glättet durch dieß Mittel die Oberflächen derſelben, vereiniget ſie ſodann und verdindet ſie mit einander. In der Mitte biegt man ſie ein wenig, um ihnen die Krümmung zu geben. Man gebraucht zu 300 Blättern ein Pfund Talg und viere zehn Pfund Zinn, wenn die Platten klein ſind., das heißt eilf Zoll, zwey Linien Länge auf acht und einen halben Zoll Breite haben, Fünfeer Abſchnitt. Von der Verſezung des Zinns mit dem Gue>ſilber,(Bes legung des Spiegelglaſes). Das Que&filber ldſet das Zinn mit einer ſolchen Leichtigkeit auf, daß es zur Amalgamation dieſer beyden Metalle hin- reicht, wenn ſie mit einander in Berührung gebracht werden 3 ein zinnernes Stäbchen, mit einem Ende in eine Kapſel voll Quedfſilber getaucht, zieht dieſes Metall an, durchdringt ſich damit; und in Kurzem ſteigt das Queckſilber bis an das(rtehe nde - M68 Ende des Stähchens, und" bildet ſeiner"Fähzen Länge nach mit demſe!ben eine ſehr leicht zerbrechliche Verſetzung, ' Dieſe große Verwandtſchaft zwiſchen dieſen beyden Metals len, hat die Veranlaſſung zu ihrer Anwendung zur Belegung des Spiegetglaſes gegeben, durch weiche demſelben die Eigenſchaft mitgetheilt wird, die Objekte rein und lebhaft zurükzuſtrahleun, Um einen durch die gewöhnlichen Proceduren zuvor ge? hdrig polirten und eingerichteten Spiegel zu belegen, fängt man damit an, ihn mit ausgelaugter und gut durchſiebter Aſche zu reinigen, reibt ihn dann mit einem Flanclliappen, und trock- net ihn endlich mit einem ſehr reinlichen leinenen ab. Damit das Amälgama überall gehdrig faſſe, und an allen Flächen ges hdrig hafie, mit einem Worte, damit der Spiegel in Hinſicht einer Belegung fehlerfrey werde, muß die Oberfläche ſehr nett und reinlich, ohne Staub noh Talg- Oel s oder Wachs- fle&en ſeyn. Man nimmt ſodann ein geſchlagenes Zinnblättchen, dünn wie Papier, und macht ein Röllchen daraus, um es bequemer handhaben"zu können,„Dieſes Rölichen legt man auf eine recht gla:te Marmortafel, deren Fläche größer ſeyn muß, als das aufzuwi>elnde Blatt. Dieſer Marmor oder Stein ruht auf eio nem Tiſch mit Rändern, um den eine Fuge läuft, die beſtimmt iſt, das überflüſſige. Queckſilber aufzunehmen. Einige runde Ausfchnitte werden in dieſen Rändern angebracht, damit das überflüſſige Metall dadurch in hdlzerne Wannen ablaufen könne, die rings umher aufgeſtellt ſind. Der Tiſch iſt dabey vdllig im Cbenmaaße geſtellt, und ſo, daß er mittelſt eines Schwengels nach Willkähr, um mehrere Zoile geneigt werden kann. Man wielt das Zinnblatt auf, und trägt es mit einem Lineal auf den Stein auf, welches an dem Ende wo es duf das Zinn drüt,, polirt und gerundet ſeyn muß, um die Blafen und Runzeln, welche ſich erzeugen kdunten, hinwegzubringen, Mon glättet ſogleich dieß Blatt, indem man es mit einem in Queſilber getauchten Zwirnfknäuel reibt. Sodann gießt man viel Queckſilber auf das Zinnblatt, und klebt einen Papierſtreifen auf den untern Rand des Blattes, Wenn alles ſo eingerichtet iſt, nimwt man den Spiegel, der auf zwey hölzernen Stangen, die an den Rändern des Tiſches feſt gemacht ſind, ruhet, bringt deſſen eine Extremität auf die Lage von Zinn und Queckſilber, und läßt ihn ſodaun der? geſtalt horizontal darauf hingleiten, daß er eiven Einſchoitt in die Quefilberlage macht, und die obere Platte, vor ſich hin, weg? 35 167 euter wegſidßt.". Das Que>ſilber welches. durc) den an-ven unteru Rand geklebten Nano feſt gehalten wird, läuft ab und fließt an beyden Seiten“herunier, Nochmals legt man auf den Spiegel in beynahe gleichen Entfernungen, mehrere hölzerne mit ſchweren Gewichten bes laſtete Plaiten; man bedient ſich zu dieſem Zwecke zuweilen bleyer? ner Platten, die':man auf Flanell legt, damit ſie keine Riſſe in das Gias machen. Dieſe Gewichte läßt man ſechs bis acht Stunden liegen, damit alle Punkte der Oberfläche des Spiegels einen innigen Zuſammenhang mit dem Amaglgama bekommen, Sobald man die Gewichte abgenommen, trägt män den Spiegel auf einen andern hdlzernen recht glatten Tiſch, wo mon ihn geneigt ruhen läßt. Er wird darauf mit Haken feſt gehala ten„“damit er nicht herunterfalle, wenn man den Tiſch beugt. In dieſer horizontalen. Lage läßt man ihn vier und zwanzig Stunden, und hebt den Tiſch ſodann um ſecfil- ber, wird auf folgende Weiſe gemacht; mat thut in einen mar- morneuy- Mörſer einen Theil Blartgold und. ſieben»Theile. Queck: ſilver/ reibt dieſe Miſchung mir eivem gläſernen Stdgel bis das Gold verſchwindet, und waſcht dieß Amalzgäama mehrere male in laulichtem Waſſer. Dieſe aufldſende Kraft des Queckſilbers wurde die Veran? Faſſung dazu, daß man ſich dieſes Metalls bediente, um das Gold aus ſeinen Minen zu ziehn, und um es von allen Ma- ferien mit denen es-vermengt ſeyn kann, zu befreyen. Dieß Amalgatnationsverfahrea, iſt um ſo viel ſicherer, weil das, ſeiner Natur nach ,. faſt vicht zu orydirende Gold, ſich faſt überall, im Merallzuſtande zeigt, ſo daß es hinreichend iſt, wenn man die Subſtanzen, die ſolches enthalten, wohl zer? reibt, und ſodann mit OueFſilber vermiſcht, um alles darin vorhandene zu gewinnen, Fn NETE IM ; Man macht gewdövylich das Amalgama mit Waſſer in Trde gen durch Mählſteine, welche die Materie zertheilen; und wenn "das Amalgama feriig iſt, thut mau es in einen Deſtillirappa- rat, um das Queckſilber, welches evaporirt wird, vom Golde zu ſcheiden, das feſt in der Retorte zurück bleibt.* Sehr oft wäſcht man, bevor wan zum Amalgamations- verfahren ſelbſt übergeht, die Materie, die das Gold enthält, um die erdigen Tveile davon zu ſcheiden, die, als die leichtes ren vom„Waſſer fortgezogen werden, Das Quedſilber dient faſt imwer zum Zwiſchenmittel, um Gold auf andre Metalle, vorzüglich auf Kupfer, aufzutragen, wie wir im folgenden Abſchnitt ſehen werden, Sieben- BE 169 aui Siebenter Abſchnitt, Von der Verſetzung des Goldes mit dem Rupfer.(Ver» go.dung im Jeuer oder auf Meialle, Goldkalt, von Gold eingelegte FSiguren). Wenn man ein kupfernes StüF vergolden will, ſo fängt man immer damit an, es gehdrig vorzubereiten, das beißt, zu puzen o er zu reinigen; zu dem Ende reibt man es mit Sand/ und läßt es ſodann einige Zeit in, mit vielem Waſſer verdünnz2 tem, Scheidewaſſer, das ſchon dadurch in den Zuſtand gekoms men, wo es in der Kunſtſprache zweyres, Waſer heißt.'Nach- her läßt mar? es wärm werden; ſobald dieß geſchehen, bringt man Goloblätichen darauf, die man mit einem Stöpſel von Baumwolle einreibt; man befeſtigt und polirt ſie mit Blutrſtein oder mit dem'Polirſtahi,- Dieſe unmitteibare Verbindung zweyer glatten und voäkommen metalliſchen Flächen auf einander, bringt keinen zu feſten Zuſammenhang hervor, auch har dieſe Vergol2 dung nicht den Ruf als ſehr ſolid; und man wendet dies Vera fahren nur bey den Gegenſtänden an, die wenig gehandhabt, und Stdßen oder Reibungen ausgeſe8ßt weiden, Die Vergoldung dur zertheiites Gold iſt unendlich ſolider, hier iſt es das Que&ſilber, welches das Zwiſchenmittel zwiſchen dem Go!de und dem Kupfer ausmack in eine ſehr verdünnte Quefſilberauf- ldjung. Das Stück wird ganz weiß durch deu Niederſchlag des Que ſilbers auf. das Kupfer; man wäſcht es ſodann in Waſſer ab, und trägt ſodann wieder eine recht gleiche Lage von Golds amalgama und Kupfer darauf auf, Wenn die ganze Oberfläche mit dieſem Amalgama gehdrig bede&>t iſt, bringt man das Stü> auf ein Kohlenfeuer, um das Quedſitber evaporiren zu laſſen. Bewerkt man, während es auf dem Feuer kocht, daß irgend ein Punkt der Oberſläche nicht gehdrig mit dem Amalgama bes de>t iſt, ſo hilft man dieſcm Fehler dadurch ab, daß man eine neye Schicht davon guf die Stelle aufträgt. Will mau die Goldſchicht dichter machen, ſo taucht man das Stü> von neuen in die verdünnre Ques&filberaufldſung, trägt eine zweyte Schimt Amalgama auf, die man, wie die erſte erwärmt, und durch dieß einfache Mangeuvre kaun man das Stü> mit einer ſo di>en Goldſchicht belegen, als man will. Man Man polirt und glättet ſodann den Auftrag mit. Blutſtein, Wenn die Vergoldung blaß und matt iſt, ſo erhöhr man ſie durch Giühwachs, weiches nichts iſt, als eine Compoſition von gelbem Wachſe, armeniſcheim Bolus, Grünſpan' und Alaun, Es iſt hinreichend, wenn man das StüX mit dieſer Compoſition einreibt, und es ſvdaun erwärmt, um das Wachs flüſſig zu machen. Noch gibt es eine dritte Art um Gold auf Kupfer aufzu? tragen, und dieſe Vergoldung nennt man matte Bergoldung (or hache). Dieſe Benennung rührt her von. einer. unzähligen Menge kleiner Ritzen, die man im vollſten Sinne des Wortes mit einen Ha&emehſer. macht, das aus einer kurzen und brei ten in Holz oder Horu eingefaßten ſtählernen Klinge beſteht. Man'rrägt zehn oder zwdlf Goldſchichten auf, um dieſe Ritzen zu bedecken ,' ſtatt'daß zur einfachen Vergoldung nur drey oder: vier erforderlich ſind. D.eſe Vergoldung iſt ſehr ſchdn und dauernd, Man macht noch eine ſehr ſchdne Vergoldung auf Metalle, und vorzüglich auf Silber, wenn man Leinwand in die Gold? aufldſung taucht, und ſie ſodann verbrennt, um ihre Aſche auf: zubewahren. Dieſe Ache, wenn ſie befeuchtet und auf das Sil- „ber mit einem Lumpen aufgetragen wird, läßt daran kleine Theilchen Gold ſehr feſt kleben, Man wäſcht das Stü>, um den erdigen Theil davon ab- zubringen ,. und bringt das Gold durch Glätten zum Hergustre? ten, indem man die Fläche mit Blutſtein polirt« Dieſe Art der Vergoldung iſt ſehr dkonomiſch, die Zierra- then au Fächern, Tabatieren und andern Kleinodien ſind nichts,, als auf dieſe Weiſe vergoldete ſehr dünne Siiberplatten, . Män har vorgeſchlagen, das Gold dergeſtalt auf'Metall zu bringen, daß man Aether darauf auftrage, der dem Königs» waſſer ſein Gold entzogen hatz aber dieß Verfahren ſchien mir immer när eine ſehr unvollkommene Vergoldung abzugeben, und ich bezweifle, ob man dadurch jemals dahin gekommen ſeyn mag auf irgend eine Metallfläche eine Bede&Fung von Gold aufzutragen, Das Gold verſeßt ſich noch durc) Schmelzen mit dem Kupfer, und dieſer Verſezung bedient man ſich zum Ldöthen, wenn dieß bey den Arbeiten in dieſem koſtbaren Metalle vorkommt. Dieſe Verſeßung iſt, wenn gleich viel härter, doch viel ſcen, fängt man damit an, das Metall mit ſchwachem Sceidewaſſer zu reinigen 3; ſodann bearbeitet man es wit Bimsſtein, das heißt, man pußt es ab; indem: man es in Waſſer mit Bimsſtein polirt, Man läßt das Stü voy nenem warm werden, und taucht: es, ehe es fich vollſtändig abkühlt, wieder in ſchwaches Scheidewaſſer, fo daß man ein leichtes Ziſchen im Augenbli> des Einrauchens wahrnimmt. Affe dieſe Operationen geben dem Stä>e, außerdem, daß ſie es vollſtändig reinigen, kleine Rauhigkeiten, die es dazu ſtimmen, die Silberblätichen mit mehrerem NachdruF aufzu- nehmen und feſtzuhalten. Wenn das.Stü& ſo. vorbereitet iſt, ſtellt man es auf einen eiſernen Schaft oder auf einen Rahmen von dem nämlichen Me- talle, der Doe heißt, und dazu dient, es bequem auf dem Feuer handhaben zu können. Sobald es aufgeſeßt iſt, erhißt man es.. oder läßt es blau anlaufen, und von dem Augenblick an, wo. es blau iſt, be!egt man es, das heißt, bringt man die Silberblättchen daran an; zu vem Ende nimmt man zwey Blät- ter mit der klinken Hand dur< Zangen, die Feder- Zangen ge» nannt werden, und mit der andern übertüncht oder trägt man durch den» Polirſtahl auf. Wenn das Stü>X an einer Stelle von dem Feuer zu ſehr angegriffen wird; ſo bemerkt man dies durch eine Art von ſchwar- zem Staube, der ſich auf der Oberfläche bildet und den man mit einer Art von Bürſte aus dünnen Meſſingfäden hinwegnimmt. Wenn das. Stü> ferner mit zwey Silberplatten beſchlagen iſt, erwärmt man es von neuem und beſchlägt es mit vier neuen, die man', wie die beyden erſteren durch einen Polirſtahl feſt macht. So fährt man fort mit vier und vier, oder ſechs. und ſechs Blättern, nach einander zu belegen, bis zu zwanzig oder ſechzig herauf, nach dem Grade dex Schönheit oder der Solidi2 tät die man der Verſilberung beſtimmt, V ie --, 172=> Die Silberblätter deren“man fich bedient, ſind fünf Qua? dratzoll lang. Um das Werk zu beendigen, polirt man es noch vollkom? men mit einem Polirſtahl. Will may eine ſehr ſolide und ſchöne Verſilberung machen z ſo ha>t man die Fläche auf die nämliche Weiſe wie bey der Vera goldung geſagt worden z; und das ſo verſilberte Kupſer wird dann mattes Silber(Argent hache genannt, Alles Silber weiches in unſern Münzen gebraucht wird; ſd wie das, aus" dem man Geſchirre bereitet, wird mit ein wenig Kupfer verſeßt. Das Silber wird dadurch weniger geſchmeidig, aber härter und elaſtiſcher.' Die Goldſchmiede bedienen ſich noF der Verſeßung des Silbers und Kupfers zur Lötrhung vou ſilbernen Stü>ken, Dieſe Verſegung iſt unendlich ſchmelzbarer als das Metall, und dieß hat zu ihrer Anwendung die Veranlaſſung gegeben. Man er? kennt das Vorhandenſeyn des Kupfers leicht au der Eigenſchaft der Löchungen, Grünſpan anzuſetzen*). Neunter Abſchnitt. Von der Verſezung des- Bleyes mit dem Zinn,(Schlag- lot der Zleyarbeiter). Das Bley verſeßt ſich ſehr gut mit dem Zinn und die Ver» ſeßzung iſt ſ Scheidung in allgemeinerm Sinne gebrauchen, und ihn auf alle die Operationen anwenden, durch die jene Trennungen bewirkt werden, Es kann in dieſem Kapitel nur von den Verfahrungsarten die Rede ſeyn, die in den Werkſtätten der Künſtler üblich ſind, und ich werde-mit Siillſchweigen alle die Hten Analytiker angewendet werden können, um einige Atomen verſchiedener Metalle, die in einer mineraliſchen Maſſe mit einander in Verwi&elung ſind, zu ent- de>en, und von einander zu trennen, Da alle Metalle ſich weder zu den Säuren, noh zu dem Sauerſtoff gleich verhalten, und ihre Flüchtigkeit im Feuer, und die Grade ihrer Schmelzbarkeit unendlich von einauder ab- weichen; ſo können wir dieſe natürlichen Eigenſchaften benußzen, um ſie aus ihren Zerſezungen zu trennen, und ich glaube mit Conſequenz alle die Verfahrungsweiſen, die die Kunſt anwenden 7 kann, um ihre Scheidung zu bewirken, auf fünf Gattungen reduciren zu können, Erſter Abſchnitt. Von der Scheidung durch Säuretz. Wir haben bereits bemerkt, daß alle Säuren nicht auf gleiche Weiſe auf alle Metalle wirken; es gibt metalliſche Kdr- per, die ſich nur in einer ſehr kleinen Anzahl von Säuren aufs» löſen laſſen, andere, die faſt durch alle aufgeldſt werden. Man kann alſo aus dieſer anerkaunten Eigenſchaft den Nußen ziehen, aus einer metalliſchen Verſeßung gewiſſe Mex talle zu ſcheiden, ohne vie anderen zu berühren,! Aber damit die Wirkung der angewendeten Säure frey, und das Metall, das ſie aufzuldſen im Stande iſt, bis auf das leßte Atom: auStrennen fdnve, iſt es erforderlich, daß die Metalle in gehdrigen Verhältniſſen verſeßt ſeyen, ohvedies kdnnte das zur Aufldſung fähige nur in ſo ſchwachem Maaße vorhanden ſeyn, daß es der Einwirkung der Säuren entzogen werden würde. Um dieſem Uebelſtande vorzubeugen» pflegt man vor der Operation der Scheidung, ſich darüber Gewißbeit zu verſchaffen, daß die Metalle wirklich in einem gehdrigen Verhöltniſſe gegen einander ſtehen, oder ſie durch Hinzufüs gung eines Theiles von einem aufldslichen Metall dahm zu bringen, wenn das Verhältniß nicht ſo, als man es wünſcht, befunden wird, Noch EEE a I<< GERE Noch iſt es eine unerläßliche Bedingung, daß die Säuren rein ſeyu müſſen; öhne dieß Erforderniß iſt ihre Wirkung nicht zu berechnen. und die Operation nicht mehr genau. Wenn die Säure keine ſehr energiſche Wirkung auf das Metall äußert, ſo iſt es nüßklicht 1) die Verſetzung zu zertheilen, um die Berührungspunkte zu vermehren, welches dadurch bewirkt wird, daß man ſie entz weder in dünne Platten ſchneidet, zu Puvler: ſtdßt, oder zu Körnem macht. 2» Der Wirkung der Säure durch Wärme nachzuhe/fen, Die gewdhnlichſte Scheidungsoperation iſt die, durch welche man Gold von Silber, Kupfer und andern Metallen ,' mit“ dez nen es verſeßt ſeyn kann, ſcheidet. Wenn wan zum Beyſpiel von-dem Gehalt des Goldes urtheilen will, ſo verſetzt man das, rvelches verſucht werden ſoll, mit vier Theilen reinen Silz bers, welches man Jnquart vder GBuarrarion nennt. Man kann ſelbſt, wie Herr Sage vorgeſchlagen hat, dieſe Verſetzung mit zwey und einem halben Theile Silber, gegen einen Theil Gold machen. Das Geſelz ſchreibt vor, wenigſtens mit vier und zwanzig Gran Gold zu arbeiten, erlaubt zwar bis auf zwdif, verbies tet aber bis auf ſechs herabzuſteigen, und zwar wegen der Schwierigkeit, die Theilungen zu würdigen, die aus dieſen klei» nen, Quantitäten entſpringen. Man thut die beyden Metalle in eine Bleyplatte, die von jeder Verſeßung frey ſeyn, und das vierfache Gewicht der bey2 den Metalle haben muß, und ſchreitet zur Probe- auf der Kaz pelle wie gewdhnlichz; das Bley ſteigt in Räauchgejtalt in die Höhe, und abſorbirt ſich zum Theil in den pordſen Theilen der Kapelle, Es bleibt nach dem Verſchwinden des Bleyes nichts übrig, als ein feines Korn, welches Gold und Silber enthält, Schon durch dieſe erſte Operation iſt die Scheidung des Bleyes vor ſich gegangen; äber es bleibt dann noch übrig, das Silber welches nod) mit dem Golde vereinigt iſt, zu trennen, damit man ſehen könne was es verloren, und folglich, was es an freme den Körpern enthalten habe. Zu dieſem Ende ſchlägt man das Metallkorn platt und gleich dünne, rollt es in eine Cylinderform zuſammen, und chut es ſodann in einen kleinen Deſtillirkolben, in den män jechs Ouenitchen reine Salpererſäure gießt, die man mit Bezug auf dieſen. davon zu„machenden Gebrauch Scheidewaſſjer nennt, Dieſe Saure zeigt gewöhnlich 35 bis 40 Grad auf der Baume- 11. M; ſchen abbeien 178 amm ſchen Flöſſigkeitswaage.„Sobald der Kolben erwärmt iſt, wird der Metallcylinder braun, und das Silber 1dſt ſich auf, und nach funfzehn Minuten unterbricht man die Operation, das heißt, man gießt die Aufldſung ab, und thut eine Unze ſehr reiner und ein wenig concentrirterer Säure als die erſte hinzu, um die Portionen Sitber aufzunehmen, die etwa der Aufldſung noch entgangen ſeyn kdnnten. Man gießt nach 15 bis 20 Mi- nuten das Fluidum wieder ab, und wäſcht den Cylinder mit lauwarmem Waſſer aus, troFnet ſodann den Cylinder in einem Tiegel, wiegt i:n ſorgfältig, und ſchließt aus der Verminde- rung des urſprünglichen Gewichts auf die Quantität fremder Materie, die er enthalten. Aber um Vergieichungspunkte zu haben, nimmt man an, daß das ſehr reine Gold vier und zwanzig Karat enthalte, theilt die Karate in Zweyunddreißigtheile, ſo daß, wenn man die Operation der Scheidung an vier und zwan2 zig Gran verſetzten Goldes gemacht, und nach der Operation der Goldeylinder nur zwey und zwanzig wiegt, man ſagen kann, daß der ausprobirte Gehalt des Goldes zwey und zwanzig Karat beträgt, das heißt, daß ſich ein Zwdiftheil fremdartiger Mae terie in dem Golde befunden, welches man bearbeitete, Zweyter Abſchnitt. Von der Scheidung der Metalle durcß die Oxydation, Die Metalle haben nicht alle eine gleiche Verwandtſchaft mit dem Sauerſioſſ, ſo daß cs welche unter ihnen gibt, die der Drydation kräftig widerſtehn, während andre ſich mit dem Sauerſtoff verbinden, und zwar mit ſolcher Leichtigkeit, daß man Mühe hat, ſie vor ſeiner Wirkung zu ſchützen, Es gibt Metalle, wie das Eiſen, die ſich an der Luft prydiren, und das Waſſer und die Säuren zerſeizen, um ſich ihres Sauerſtoffes zu bemächtigen, und wieder andere, für die die Wirkung der Wärme faſt nothwendig iſt, wie Bley und Zinn, die dey der Tevperatur der Atmosphäre bis auf ein Ges xinges, ihren metalliſchen Ganz behalten, während ſie, ſobald ſie geſchmolzen werden, ſich mit Oxyd bede>en*), Es gibt auch wieder andere, die ſo wenig Verwandtſchaft mit dem Sauerſtoff yaben, daß die Shmelzung ſelbſt ihre Dy dation 6) Auch das Bley gehört zu denjenigen Metallen, die fich ſchön an “ der Luft ſchnell oxydiren. Es beſchlägt bald mit einem arauen Oxyd, und wenn ſolches dem einwirkenden Säuerſtoffgas nur Fläche genug darbietet/ gehet dasſelbe nach und nach ganz in den 8xydirten Zuſtand über. H. dation nicht würde hervorbringen kdnnen2 Gold,,- Silber„ Pla- tina gehdren zu dieſer Zahl; Man kann alſo dieſe beſtändige und charatteriſtiſche-Gigen- ſchaft dazu benußen, um gewiſſe Metalle aus eimer Verſetzung zu trennen, ohne diejenigen zu verändern, die mit ihnemin Vers einigung ſind, Und, nach dem was wir eben bemerkt haben, iſt es auf verſchiedene Weiſe möglich, bey dieſer Scheidung zu verfahren: 7): Durch-Wirkung der Luft mit Unterſtüzung von Wärme, 2) Durch die Zerſetzung von Säuren. 3) Durch die Zuſammenbringung eines oxydirten Metalles mit einem andern Metall, das deſſen Sauerſtoff aufnehmen könne, Wenn es darauf ankommt, ein faſt nicht zu oxydirendes Metall, wie Gold, Silber, Platina, von andern ſchr oxydix» baren Metallen zu trennen; ſo darf man nur die Verſetzung ſchmelzen, und ſie hinreichend lange Zeit bey einem Grade von Wärme erhalten, der fähig iſt, die Metalle, die dafür em2 pfänglich ſind, vollkommen zu oxydiren; ſvoann bleibt entweder das Oxyd, welches ſich erzeugt, in Verbindung mit den nicht veränderten Metallen, und in dieſem Falle trennt man es durch das Durchſieben, vorausgeſezt, daß es faſt beſtändig pulveri» ſirt iſt; indem man die orydirte Lage, ſo wie ſie ſich bildet, ab> ſchabt und wegnimmt, oder das Oxyd verflüchtigt ſich in Dampf, wie bey der Verſezung des Bleyes mit dem Silber und Golde,"' Es kann auch nod der Fall eintreten, daß die verſetzten Metalle beyde in dem Grade oxydirbar ſind, daß das nämliche Oxydationsverfahren ſie nicht von einander trennen könne; äber wenn dieß iſt, ſo kann man noch die größere oder geringere Leichtigkeit benußen, die dieſe Oxyde bey ihrer Reduction bewei- ſen, um eine Trennung zu bewirken, die nach dem erſten Verz2 fahren unmöglich ſchien; ſo kdunte alſo die Verſetzung von Zinn und Kupfer durch die Schmelzung ſich gänzlich oxydiren; aber wenn die Miſchung dieſer beyden Oxyde durch das Reductions7 verfahren behandelt wird, fließt das Kupfer im Metallzuſtande ohne. daß das Zinn laufend wird, Die Oxydation der. Metalle durch Zerſezung der Säuren iſt noch ein großes Hülfsmittel, um deren Scheidung zu bewir2 ken, Man kann zum Beyſpiel eine Verſezung von Sley und Zinn oder von Zinn und Rupfer zerſetzen oder trennen, wenn man ſie der Wirkung der Salpeterſäure ausſeßt/ die das Zinn zernagt und oxydirt, vhne ſvl 81x anta wenn eine ſolche vorhanden wäre, würde das ſchmelzbarere Me- tall das andere, mit. ſich fortziehen, wie man es bey den Ver- ſezungen des Bleyes und Queckſilbers mit Gold und Silber ſieht. Wenn übrigens die Bande der Verwandtſchaft mächtig ſind; ſo theilt das am ſchwerſten zu ſchmelzende Metall dem, das mit ihm verſeßt iſt, einige Grade der Unſchmelzbarkeit mit, und dany: wird es viel ſchwerer. flüſſig, als für-ſich allein beſtehend, Fünfter Abſchnitt. Von dex Scheidung der Metalle durFH die Sublimation, Es gibt Metalle, die: ſich ſublimiren ohne ſich. zu oxydiren, wie Qued&fſilber, Gold, Silber u, ſ, w. Es gibt wiederum andere die ſich verflüchtigen, wenn ſie in den Zuſtand von Oxyden verſeßt,werden, wie Spießglanz„Ars ſenik, Zink u.ſ. w.; Es gibt deren mehrere die in ihrem Metallzuſtande: und" als Oxyde ſehr flüchtig ſind, wie Kupfer, Eiſen'und Zinn; do< muß maun.dieſe' Flüchtigkeit nicht"als eine abſolute anſehen, weil ſie ſich. zum. Theil im Zuſtände:von Oxyden ſublimiren, aber nicht vollſtändig genug, um mit deuen der zweyten Claſſe zuſammens gerechnet zu werden; Dieſe verſchiedene Art'ſich im Feuer zu verhalten gibt Mit- tel; an“ die Hand, die leichte Scheidung derſelben zu bewirkenz wenn ſte ſich in Verſetzungen befinden: wenn der Arſenik mit'eis nem Metall vereiniget iſt; ſo reicht es hin„die Verſetzung auf das Feuer zu bringen,"um ihn in einem weißen Dampfe in die Höhe ſteigen zu ſehen. j Man kann auf eben dieſe Weiſe den Zink vom Kupfer tren- nen, weyn man die Verſetzung zum Weißglühen bringt, und durch dieß Mirtel die Oxydation, Verbrennung und Sublima- tion des Zinks erzeugt. Durc< das nämliche Mittel trennt man auch Spießglanz und Quedfſilber aus ihren Verſeßungen, Wir haben jeßt nur noh einige praftiſche Beyſpiele von den verſchiedenen Verfahrungsarten beyzubringen, die wir eben elehrt. 4 1) Vom Silber ſcheidet man alle Metalle die mit demſelben verſetzt ſeyn können, auf der Kapelle mit Ausnghme des Goldes und der Plating« Zu Zit dieſem Verfahren anf der Kapekke'nmitmmt man ſechs und dreyßig Gran des'zu probirenden Silbers und wiFelt es in eine bleyerne Platie ohne Känten"ein. pr Auff der andern Seite hat'man kleine Tiegel oder Treibſcher2 ben von ſtark kalzmirter! Knochen-'Erde 7" manu wäſcht dieſe Erde mit der grdßtien. Sorgfalt aus und'läßt'ſie wohl troFXnen, und macht dann die kleinen! Tiegel'oder'Kapellen in Formen'/ in die man die Erde ſtark eindrüt, die angefeuchtet werden muß, um ihr dadurch die ndthige Conſiſtenz zu geben, Wenn man ſich nun dieſer kleinen Kapellen bedienen will; ſo ſtellt. man ſie-in die Muſfel des Kapellierofens, diezmit Koh- len umgeben ſeyn muß, bringt ſie zum Rothglühen und legt in dieſem Zuſtaude Metallkorn in vie kleine Höhlung oder Niede- rung, die ſich in der Mitte der Kapelle vefindet. Die Verſezung tritt dann ſogleich in' Fluß; man ſieht das Bley. räuchen, das größtentheils als Oxyd evaporirt, während zu gleicher Zeit ein anderer Theil durch die Poren der Kapelle abiorbirr: wird.;.:Wein das. ganze Bley evaporirt odex- abſorbirt Hſt». bleibt nur ein. weißes Knöpfchen in der Mitte der Kapelle, und dieß iſt.unter dem-Nameu reines/Silber, Rapellen Siber bekannt. wenn nämlich fein Goldtheilchen in der Verſetzung ge» weſen iſt. Der Verluſt am Gewichte, den das Silber bey dieſer Opes ration erleidet, ſteht: im Verhältniſſe mit der Quantitätifremd2 artiger Materien,"die damit verſeßzt waren. Man hat alſo an? genommen, daß. das reinſte Silber das zu zwdlf Karat wäre, und-hat. dann jedes Karat in vier-und zwanzig.Gran getheiltz ſo; daß, wenn«das probirte Sitber bey der Probe ein halbes Karat verlor, man daraus ſchloß, daß ſein Gehalt eilf Karaty zwd/f. Gran betrage. 2) Wenn man eine Verſeßung von Bley und Zinn.der Wir- kung der Salpeterſäure ausſeßt, ſo-oxydirt die Säure das Zinn, ohne es aufzuldien, während ſie das Bley aufldſt. Eingleiches geſchtebt./ wenn mau. mit der nämlichen Säure eine, Verſetzung von Zinn und Kupfer behandelt. Aber wenn man der nämlichen ſehr reinen Säure, eine Ver2 ſetzung von Gold. mit. Kupfer, oder mit jedem andern Metall ausſet, ſo ldſt das letztere ſich auf und das erſtere bleibt uns verändert. Wenn Kupfer. Eiſen, Zink und. andre in Säuren ſehr aufs 1d8liche Metalle ſich mit andern, die es weniger ſind, in Ver- ſetzung befinden, bemächtigen fich die ſchwachen Säuren der er ſtern, ohne die leiztern zu berühren, 3) Um amm 183 uma 3) Um ein qauffallendes"Beyſpiel von der Scheidung der Metalle dur Metalle ſelbſt, nach den verſchiedenen Graden ihrer Verwandtſchaft mit dem Sauerſtoff zu geben, wollen wir uns begnügen, die vorgeſchlagenen oder in Ausübung gebrachten Verfahrungsarten bey Scheidung des Kupfers aus der Verſetzung des Glo>eumetalls anzuführen. Füuf und ſechszig Theile Kupfer mit fünf und zwanzig Thei- len Zinn geſchmolzen, bildet das GioFenmetall, Keine metalliſche: Verſelzung iſt von einem ausgebreitetern Gebrauche, als dieſes. In den Schre>enszeiten der Revolution glaubte das Gouvernement in der Scheidung dieſes Metalles eine hinreichende Kupfermine zu entdeFen, um zur Verfertigung ihrer ArtillerieſtüFe dienen zu können, Und faſt in den nämlis Hen Zeiten haben die Herren Pelletier, Sourcroy, Auguſte, Dize und Jeanety Verfahrungsarten vorgeſchlagen und ausge2 führt, um die Scheidung dieſes Metalles zu bewirken, Alle dieſe Proceduren laſſen ſich darauf reduciren, daß die beyden Metalle, die die Verſezung bilden, durch atmosphäriſche Luft, Braunſtein oder ſalpeterſaure Sa!ze oxydirt werden, Herr Fourcroy hat vorgeſchlagen, dieſem„geſchmolzenen Metalle ein Drittheil der nämlichen oxydirten Verſetzung hinzu zufügen, und die Miſchung ſorgfältig umzurühren.. Ju dieſem Falle, da. die..Verwandtſchaft des, Sauerſtoffs gegen das Zinn Überwiegender iſt als gegen das Kupfer, folgt daraus, daß der ſchon auf dem Kupfer feſt haftende Sauerſtoff es verläßt, um fich auf das Zinn zu werfen, und daß das Kupfer als Metall flüſſig wird.; 4) Wenn das Kupfer eine hinreißende Quantität von Silo ber enthält, um deſſen Ertrahirung. zu geſtatten; ſo verfährt man Folgendergeſialt: man läßt fünf und ſiebenzig Pfund diez ſer Verſetzung. von Kupfer und Silber.mit zweyhundert und ſie benzig Pfunden Bley ſchmelzen, formt dieſe Verſetzung in Brote oder Küchen, die man Schmelzbrote(Saigerſtd>e) nennt, legt dieſe Brote in einen Ofeu und erregt einen hinreichenden Grad von Hiße, um das Bley dadurch zu ſchmelzen; dieß Merall reißt das Silber mit ſich fort, das es dem Kupfer entführt; ſo daß es nur nothwendig iſt, es noch zu käpellieren, um das Sil? ber zu extrahiren, das es in ſich aufgenommen hat. Das Kus pfer, wenn es ſich durch. die Löcher ſiebt, die das Bley im Schmelzen läßt, behält. immer die„urſprüngliche Form der Brote. Aber dieſe Brote enthalten immer noch ein wenig Bley, das man durch eine ſtarke Hilze heranszieht, und dieſe leßte Operation nennt man das Darren des Kupfers, Säu ünf- nemen 184 wmp Fünftes Kapitel. Von den Verbindungen des Sauerſtoffs mit den N7etallen, oder den Metall- Oxyden. Eine der Haupteigenſchaften der Metalle iſt ihre ſehr aus2 gezeichnete Verwavdtſchaft mit dem Sauerſtoffe; man kann dieſe Eigenſchaft ſeibſt als das unterſcheidende Merkmal zwiſchen mes talliſchen Subſtanzen und erdigen Materien betrachten; denn dieſe ſcheinen keiner Verbindung mit dem Sauerſtoffe fähig. Obgleich alle Metalle mit dem Sauerſtoffe in Verwandt- ſchaft jiehen und alle verbrennen können, wenn dieſe Verbindung durch eine ſehr erhdhete Temperatur, oder dur< Verminderung der Kiaft der Cohäſion, die die metalliſchen Elemente zuſams menhält, erleichtert; ſo verbinden ſich doch alle mit dem Sauer2 ſtoff weder in dem nämlichen Verhältniſſe noch mit gleicher Leichtigkeit. Die. Stärke der Cohäſion iſt das erſte, was der Wirkung des Sauerſtoffs hinderlich wird; man gelangt dazu ſte zu über2 winden, entweder durch Wärme die die Metalle erweitert und ihre Theilchen zugänglicher für der Sauerſtoff macht, oder durch Miſchung und Verſ-kung des Metalls mit andern Metallen; ſo können ſich Gold und Silber die mit Queckſilber amalgamirt werden, bey der Temperatur der Atmosphäre orydiren, Eine andere Eigenſchaft die die Verwandtſchaft der Metalle zum Sauerſtoff modificirt, iſt die Flüchtigkeit, die einige davon durch die Wärme erhalten. Ein Metall, das fließend geworden, befindet ſich in einem ſehr günſtigen Zuſtande für dieſe Verbindung, uvd nimmt, unter dieſen Umſtänden, eine beſtimmte Doſis von Sauerſtoff in ſich auf; ja, es erreicht oft einen ſolchen Grad von Flüchtigkeit, daß, wenn man die Oxyde einer grdßeren Hitze ausſetzt, ſich Sauterſioff daraus entwickelt; ſo daß man dieſen Zuſtand der Oxydation wie einen faſt beſtändigen Zuſtand betrachten kann. Die auf dieſe Weiſe geformten Oxyde ſind weniger flüchtig, als die Meialle ſelbſt. Aſo die Oxyde von Queäſtlber, Spieß2 glanz, Zink; Arſenik, widerſtehen, wenn ſie einmal gebildet ſind. einem Gra“ von Wärme, bey dem ſelbſt die Metalle ſich verflüchtigen 3; welches äuf eine wahrhafte Verbindung zwiſchen dem Metal! und dem Squerſtoff hindeutet, der ſich fixirt, cons denſirt und einen neuen Kdrper mit dem Metall bildet. Wenn die zur Verflüchtigung fähigen Metalle, den Sauer- . fioff in Verhältniſſen in ſic9: aufnehmen, die als beſtehend be- trachtet -=- 185=- trachtet werden kdunen; ſo-iſt es nicht der gleiche Fall mit.den ' andern Metallen,«die im Feuer weniger flüchtig ſind und bey denen man die Oxydation ſteigern kann; indem man ſie die Hitze in nach und nach folgenden Graden ausſiehen läßt; ſo daß ſie eine ganze Reihe von. Farben entwickeln, und durch die Fixirung des Sauerſtoffs einen fortſchreitenden. Zuwachs au Gewicht ers halten*), Die Metalloxyde welche der Verflüchtigung, fähig ſind, können jedoch mittelſt eines heftigern Feuers/ an das. das Oxyd gebracht wird, den Sauerſtoff in ſich aufnehmen oder verlieren, - Herr Thenard hat in der Oxydation des Spießglänzes eine Abwechſetung von ſechszehn bis zwänzig Procenten hervor ges bracht, indem er das Oxyd verſchiedenen Graden"von Wärme ausſeßzte; die Herren Clement und Deſornies haben ſich über- zeugt, daß das Zinkoxyd durch eine ſtärke Hitze an Säuerſtoff verliere, und eine gelbe Farbe annehme. Es gibt. einen beſtimmten Grad von Wärme, der der Ory- dation der Metalle am günſtigſten iſt; bleibt man dießſeits oder jenſeit5s- desſelben ſtehen, ſo verliert das Oryd an Sauerſtoff durch.„eine zu große, und ſättiget ſich damit nicht bey einer zu geringen Hiße. Cs fcheint als ob der zur Verflüchtigung ſchi>s lichſte Grad der. ſey, der die ſtärkſte Oxydation-in flüchtigen Metallen hervorbringt. Es iſt alſo ndthig, die verſchiedenen Grade von Wärme, die nothwendig ſind, um beſtändige und unabänderliche Oxyda- tionen hervor zu bringen, mit Präciſion zu beſtimmen; die Er= fahrung hat den Künſtlern, die verſchiedene Oxyde für den Handel bereiten, ſchon einige Grundſätze", um ſich darnach: zu xichten, an die Hand gegeben; aber ihre„Bemerkungen ſind nicht hinreichend feſtgeſtellt, alles iſt unbeſtimmt in ihren'Ver- fahrungsarten; auch können wir bey einigen weſentlichen Ge- genſtäns *) Dieſer geſteigerte Gang der Oxydation beweiſet jedoch nicht, daß die Grade der Orodation nicht ſehr beſtimmt, und wenig zähl reich in den Auflöſungen durch Säuren ſeyn ſollten; Herr Prouſt läßt hierüber keinen Zweifel, und die Verſchiedenheit der Meinun- gen dieſes geſchickten Chemikers und Herrn Berrhollets betrifft nur die Zahl der fipieten Grade, Es gidt Grade der Oxydation die beſtimmt ſind; die Zwiſchem» grade ſind nur Uebergänge, wo der Sauerfioff nur ſv lange bleibt, gls ihm die Mittel verſagt ſind, weiter zu gehen. Dieß iſt ſodann ein gezwungener Zuſtand, den man nicht als einen bleibenden be- trachten kann., Man muß ſelbſt einräumen, daß es, ohne dießy nichts feſtes in den ſalzigen Verbindungen geben würde. So muß auch das pondus naturae des berühmten Stahl verſtanden-wer- ven. A, d, V. genſtänden, wie den Bley, Kupfer und Queſitberoryden mir mittelmäßige Produkte liefern. In Folge dieſer Grundſäzze ſieht man, warum man, wechſelnd mit dem Grade der Wärme, die Oxyde aus einer Farbe in die andere übergehn läßt; Minium, zum Beyſpiel, wird gelb, indem es einen Theil ſeines Sauer? ſtoffs dürch Anwendung eines ſtärkeren Grades von Wärme ver? kiert; aus einem ähnlichen Grunde geht die weiße Farbe des Zinks in eine gelbe über/ die ſchwarze des Braunſteins in eine weiße„ die rohe des Eiſens in eine ſchwarze u, ſ, w. Wenn man durch den paſſendſten Grad der Temperatur die Oxydation zur. höchſten Stufe gebracht hat, ſo kann man ſie noch vermehren, wenn man dem bereits aebildeten Oxyd einen Körper hinzufügt, der den Sauerſtoff condenſirt, und in geringer Anhänglichkeit an. der Baſis, auf welche er fixirt iſt, enthält; ſo Xann man dem rothen Bleyoxyd mittelſt der oxydirten Salzſäure undder Salpeterſäure noch Sauerſtoff hinzufügen, Herr Thenard Hhat“bewieſen, daß durch ähnliche Verfahrungsarten das Oxyd des" ſublimirten Spießglanzes zwdif Procente an Sauerſtoff ge? winnt. Herr Chenevix hart dieſe Ueberoxydation des Quedfſils bers auf dem nämlichen Wege erreicht. Eine mäßige Hißze iſt Hinreichend, um: das Uebermaaß von Sauerſtoff zu entwi>keln, und dieſe"Oxyde zu ihrem urſprünglichen Zuſiande zurück zu fähren, Durch eine Vereinigung der beyden Mittel, von denen wir ſo eben geſprochen, läßt man diejenigen Metalloxyde, die, ihrer natürlichen Diſpoſition nach, ein großes Maaß von Sauerz ſtoff. in, ſic) aufzunehmen fähig ſind, in den Zuſiand von Säus xen übergehen. Aiſo hundert Teile Arſenik können, nach Herrn Prouſt, durc< die gewöhnliche Kalzination, drey und dreyßig Theile Sauerſtoff in ſich. aufneymen; aber wenn dieſem Oxyd der Sauerſtoff condenſirt dargeboten wird, nimmt es noch zwan2 zig ponderable Theile auf, und zeigt alle Kennzeichen eiter Säure, Das Eiſen kann ſich mit der nämlichen Doſis Sauer- ſioff, füllen, ohne irgend eine Eigenſchaft der Säuren anzuneh» men. Die Chromium 2 Mo'ybdän- und Tungſteinoryde neh- men leicht den Character der Säuxen an, und haben alle Eigens ſchaften derſelben. Die-Metalle, welche an und für fich ſelbſt keine ſehr glän? zende Farbe haben, nehmen durch die Oxydation die reichſten und mannigfaltigſten Nüancen am, Sie ſind in der Regel ziem- lich beſtändig im Feuerz und die me"rſten von ihnen erlangen darin eine. grdßere Lebhaftigkeit, woher es kommt, daß man -“ 187= fich. ihrer als Färbeſtoffe für Tdpferfirniſſe, Emäils äuf Steingut; Glaſur des Porzellains und zu den Farben des Giaſes bedient. Man kaun bey der Oxydirung der Metalle'auf verſchiedene Arten verfahren: 1) Oft reicht es hin, das Metall der Luft auszuſeßen, um es zur Oxydation zu bringen; Eiſen, Arſenik, Braunſtein und Kupfer befinden ſich in dieſem Falle. Ihre Verwandrſchaft mit dem Sguerſtoffe iſt ſo groß, daß die bloße Berührung genügt; den; Widerſtand. zu überwinden, den die. Claſticität der Flüſſig» keit, und die Cohäſion des Metalles, der. Verbindug entgegenſeßen. 2)'Man vringt die Orydation mehrerer Metalle hervor, und erleichtext.die von allen, indem man ihre Temperatur echdht; durch) dieß Mittel oxydirt man Ziun, Bley, Quedfſilber u, ſ, w, Wenn die Metalle die Schmelzung aushalten, ohne ſich zu ver? flüchtigen, ſo iſt es in dieſem Zuſtaude, wo. ſie zur Oxydation am beſten disponirt ſind.„Dieſe, Diſpoſition der Temperatur hat jedoch ihre Gränzen, und, wenn man den-zur Oxydation;günſtig» ſten Punkt. überſchreitet, ſo desoxydirt mau das Metall ,. oder verglaſet das Oxyd. 3) Die, vereinigte. Wirkung. dex Luft und des Waſſers ers leichtern die Oxydation ſehr; die Metalle-werden vor jedem Roſt vud jeder Oxydation bewahrt, wenn. man ſie an einem tro>nen Orte aufbewahrt, wenn. man. ihre Oberfläche ſorgfältig reibt, und,, vorzüglich wenn. man.. ſie, vor der Berührung der feuchten Luft verwahrt, Um ſich von dieſen Wirkungen Rechenſchaft zu geben, darf man ſich nür erinnern, daß das Waſſer: eine gewiſſe Quantität Sauerſtoffgas aufldſt und condenſirt;; und daß der unter dieſer Geſtalt dargebotene Sauerſtoff ſich mit' um ſo grdge- rer Leichtigkeit verbindet, als es deſſen Elaſticität nicht mehr zu überwinden hat; ſo daß, wenn män ein Metall naß macht und der Luft ausſetzt, man ein vereinigendes Zwiſchenmittel zwiſchen der Luft und dem Metall hervorbringt; und wenn man das Me» tall mit einer feuchten Luft in Berührung ſetzt, der Sauerſtoff in jeglichem Augenbli> in ſeiner Aufldſung im Waſſer, und in den ſeiner Verbindung günſtigſten Di!poſfitiönen dargeboten wird, Einer ähnlichen Urſache känn man die Fortſchritte der Oxry- dation zuſchreiben, die man- erhält, wenn man die Metalle mit irgend einer Säure anfeuchrtet, die nicht durch ſich ſelbſt die Eigenſchaft hat, ſich auf dem Metalle au der Temperatur der Atmoephäre zu zerſetzen; in dieſem Falle oxydirt der Sauerſtoff, der ſich in der Flüſſigkeit condenfirt, das Metall, und bereitet es vor zu der aufldſenden Wirkung der Säure; die Oxydation wird. auch hier erleichtert durch die Verwandtſchaft der Säure ; mit emm 188 m wit dem"Metall, welche hothwendiger Weiſe die Cohäſion verringert. 4? Das Wäſſer allein kaut ſich auf Metallen zerſetzen, und deren Oxydation hervorbringen, aber in dieſem Falle bedarf es einer hohen Temperatur."Auf dieſe Weiſe zerſelzt ſic) das Waſ:- ſer wenn man es auf, im Feuer rothgeglühies; Eiſen fallen 1äßtz esrentwickelt fich nur Waſſerſtoffgas, und der Sauerſtoff bleibt in Verbindung mit dem Metalle zurück. Man kann das Waſſer bey einer viel niedrigeren Temperatur zerſeen, wenn man es zugleich"mit der atmosphäriſchen Luft auf ein leicht zu orydirendes Metall, wie das Eiſen wirken läßt z man darf dieſem Metalle nur viele Flächen geben läſſen, und es in großer Mäſſe- darbieten, dämit die Wirkung merklicher ſey3 dieß begegnet wern wan beneßte Späne von der Drechſelbahn auf einander häuft? dann"dringt die Luft"indie ganze Maſſe, Wirkt auf alle Punkte)' bringt durch ſein Verdicken auf dem Feuer eine Wärme hervor, die mit jedem AugenvliFe durch die Arveit bey der Oxydarion anwächſt; die Cohäſion des Metalls vermin? dert ſich nothwendiger Weiſe, was die Zerſeßung des Waſſers; welches"es beneßt, erleichtert, und man überzeugt“ ſich bald von der Realität dieſer Zerſetzung, wenn mati den Gernch des ſich entwik: luden Waſſerſtoffgas" bemerkt:"Die Hilze wird oft zu einem ſolchen Grade geſteigert /" daß eine Entzündung des Waſſerſtoffs und eine ſchleunigere Verbrennung der Maſſe etfolgt. 5)./Die im Waſſer aufgeldſten und. auf ein Meiall aufge? tragenen Säuren erleichtern die Zerſetzung dieſer Flüſſigkeit, weil fie, ihrer-Natur no trügen könnte.; Die ſpecifiſche Dichtigkeit des Arſenikglaſes verhält ſich zu der des Waſſers wie 35,942 zu 10,009. Der Cubikzoll wiegt zwey Unzen, zwey Quentchen, fünf und dreißig Gran, und der Cubikfuß zweyhundert ein und funfzig Pfund, neun Unzen, vier Quentchen, zwey Gran, Die ſpecifiſche Schwere des kriſtaliſirten Oxyds iſt 25/775» der Cubikzoll wiegt eine Unze, vier Quentchen, ein und ſechszig Gran, und der Cubikfuß hundert drey und ſiebenzig Pfund, ſechs Unzen, ſechs Quentchen, neun und zwanzig Gran, Die ſpecifiſche Dichtigkeit des Arſeniks ſelbſt, iſt 57,633+ Sieden» Siedeudes Waſſer ldſt 77 Arſenik, da83von einer Tempe- ratur von 12 Graden ,. 75 auf. Das Arſenikoxyd iſt eben ſo aufldslich im Alkohol, aber in Waſſer und Alkohol: bilder das Oxyd wenn es im Uebermaaß darin vorhanden, bey ihrem Erkaiten einen Bodenſatz, und es bilden ſich Kriſtalle, die mir ſehr verlängerte vierſeitige Pya ramiden ſchienen, Das Arſenikoxyd wird im Handel wenig gebraucht, man bedient ſich deſſen als eines ſehr wirkſamen Schmelzungemitiels in den Glasöhütten und bey metallurgiſchen Arbeiten*). Ich habe es mehrere male geſehn, daß wenn vie Glascompoſition nicht zum Schmelzen kommen wollite, es hinreichte, wenn man unten in die Töpfe, und unter der Materie drey oder vier Unzen dieſes Oxyds hinlegie, und nachyer die Compoſition umrührtez wodurch die Schmelzung bewirkt wurde, Dieß Oxyd verſeßt ſich faſt mit allen Metallei und macht ſie ſehr ſchmeizbar, man kaun es aus allen dieſen Verſeßungert durch Wärme ſcheiden, ſo daß es als ein vortreffliches Schmel- zungsmittel für viele Fälle auzuſehen iſt, Man gebraucht das Arſenikoxyd äuch als Gift, und ver- miſcht es zu dieſem ZweFXe mit Mehl„Fett, Käſe, oder ldſt es in Waſſer auf, um Mäuſe zu vergiften. Auch die Bosheit hat. nur zu oft ein Werkzeug ihrer Verbrechen daraus gemacht, und alles wohl erwogen, iſt dieß Metall ein verderbliches Ges ſchenk für die Menſchheit. Es wäre beſſer geweſen, es in ewi- ger Vergeſſenheit zu begraben, als es in den Handel zu bringen, um einigen ſehr eingeſchränkten Nutzen daraus zu ziehen**), Das Arſenikoxyd unterſcheidet ſich darin von den andern Metalloryden, daß es aufldslich in Waſſer iſt, und ſich mit Metallen vereinigt und verſeßt. Die erſte dieſer Eigenſchaften nähert es den ſalzigen Subſtanzen, Dieß Oxyd hat die Natur derjenigen, die empfänglich ſind, einen hdhern Grad der Oxydation anzunehmen, und ſiH alle den Säuren eigenthümliche Kennzeichen anzueignen," an 2) Außerden findet dasſelbe auch Anwendung in der Cattunfärberey und Druckerey, wo ſolches als Zuſat zu einigen Beißen auf-viele Farben einen überaus günſtigen Einfluß ausübt. H. 0*), Ein großer Theil des weißen Arſeniks wird auch in der Verbin- dung mit Schwefel unter verſchiedenen Verhältniſſen, auf rothen Arſenik(Ralger). und gelben Arſenik oder Rauſchgelb( Aurum Pigmentum) verardveitet, Beyde machen in der Catrundtuke- rey ſehr unentbehrliche Hülfsmittel aus; H. = 192= Man'verfertigt die Arſenikſäure durch die Deſtillation von ſechs Theilen Salpeterſäure auf einen des Oxyds. Noch kann man ſie.fabriciren, wenn man auf gleiche Weiſe oxydirte Salz- ſäure und Arſenik zuſammen deſtillirt. Im allen dieſen Fällen zerſetzen ſich die Säuren und treten ihren Sauerſtoff dem Oxyd ab, welches in den Zuſtand von Arſenikſäure übergeht. Durch Deſtillation gleicher Theile ſalpeterſauren Kali's und Arſenikoxyds erhält man eine faſt vicht zu verdichtende ſalpetrige Säure, und ein Reſiduum deſſen Eigenſchaften Yiacquer vor trefflich auseinandergeſeßt hat und das er arieniFaiiſdes WTeus tralſalz nennt. Es iſt ein arſenikſgures Rgali, aus dem man die Arſevikſäure mittelſt der Schwefelſäure ſcheiden kann, die man darüber bey einer ſtarken Hißze abziehet, „Peliletier hat vorgeſchlagen, mittelſt der Deſtillation, ſal: peterſaures Ammonium dyrch Arſenikoryd zu zerſetzen; es bleibt dabey in der Retorte ein aärſenikſaures Ammonium, von dem man das Alkali durch eine ſtarke Hiße ſcheidet; das Reſiruum iſt dann eine glaſige Maſſe, die die Feuchtigkeit ſtark anzieht. Die reine Arſenikſäure. Dieſe Säure. iſt beſtändig im Feuer, aber wenn man ſie durch Wärme ausgetro>net, darf man ſie nur der Luft aus ſezen, um Feuchtigkeit anzuziehen und zu zerfließen. Die Berührung eines erwärmten kohligen Körpers zerſcßt fie, und es werden Arſenikoxyd und Kohlenſäure ausgedampft. Nach Pelletiers Beobachtungen kann auch der Waſſerſtoff ihr den dritten Theil ihres Sauerſioffs rauben. Sie ldſt ſich in zwey Drittheilen ihres Gewichtes Waſſer, bey einer Wärme von zwdlf Graden(nach Reaumurſchem Thermo meter) auf.:: Herr Berthollet hat geſehn, daß ,- wenn dieſe Säure im Feuer ſtark concentrirt wird, ſie Thonerde auflöſt. Bergmann hat geglaubt, gefunden zu haben, daß dieſe Säure eine grdßere Verwandtſchaft mit Kalk und Talkerde ,-als mit dem Natron und dem Kali habe*). Zwey- *) Die Arfenikſäure iſt ein noch ſtärkeres Gift als der weiße Arſe» nik, Aver fie'macht auch für fich, öhne Verbindung mit einer ändern Materie, ein Betzmittel: aus/ das mir vorzüglich in Co- deniile ausgefärbt, ſehr ſchöne rothe Färben dargeboten hat.(S. zermbſrädts- Magazin für Färber 2c. zſter B. 1803.- Und es iſt zu. erwarten,"daß fie als Gegenſtand dex Färbekynft immer häufi- gere Anwendyng finden wird. H. Zweyter Abſchnitt; Von den Robaltoryden(Saflor, azurblaue Stärke, Smalte). Man hat zu Joachimsthal und Platten in Böhmen, und zu Schneeberg in Sachſen die Benutzung der in den venach2 barten Gegenden ſich befindenden Kobaltmin'n gemacht, Auf der Gränze von Spanien, in den Pyrenäen, im Thale Giſten, benußre der Graf von Beuſt eine Kobalmine zu Ende des verfloſſenen Jahrhunderts 3; und es-iſt zu wünſchen, daß dieſe durc) den zwiſchen 5rankreich und Spanten ausges brochenen Krieg geſtdrte Arbeiten,'ba!d wieder in'deu Gang Fommen möchten. Es iſt dieß das einzige Etabliſſement der Art, in deſſen Beſitz Frankreich ſich befunden; es war auf eine Fabrikation von 6000 Zentnern. Smalte eingerichtet, und man war glülich genug, in dem Dorfe Juget einen Kobaltquarz zu finden, indem dieſe beyden Subſtanzen ngtü-lich in den gehdria gen Verhältniſſen vorhanden waren, um die Smatte zu bilden, Nachdem man die Erze ausgeſucht bat, werden ſolche von den fremdartigen erdigen, ſteinigen und metalliſchen Subſtanzen abgeſondert, hierauf gepuchet, indem man ſie mit dem Hammer zerſchlägt, worauf ſie duren geſioßen und durch ein eiſernes Sieb geſiebt; dann unter dem Waſſer. durch Möhlſteine, die in hdlzernen Trögen laufen, zerrieben; nach ſechs Stunden ſolcher Zerreibung läßt man die Materiz durch eine im Beden des Troges angebrachte Oefſnung abfließen, und trägt ſie in einen Kübel, worin ſie mit klarem Waſſer umgerührt wird, man läßt ſie darin ruhig ſtehen, und nach einigen Augenblicken dieſer Ruhe läßt man das Waſſer aus dem Kübel ab, welches am meiſten von dem zertheilteſten Glas enthält, ablaufen, Dann bringt man den Bodenſatz wieder unter den Mühlſtein, wo er zum zweytenmale zermahlen wird. Indem man dieß Manoeuvre wiederholt, iſt es leicht zu begreifen, daß man dahin gelangt alles Glas zu einem gar nicht mehr zu fühlenden Pulver zu zerreiben; und wenn es durchaus- zu dieſem Grade von Feinheit gebracht iſt, der ihm verſtattet, eine Zeitlang ſchwebend im Waſſer zu bleiben, ſo wendet man noch ein ſinnreiches Verfahren an, um diejenigen-apcher des lau ») Eine andre Fabrik. von Smalte, die dem Staatsminiſter Herrn = Wiele von jEſeyem zugehört, liegt zu Zaſſelbach im Hef- en. A. e--- 195== Blau hervorzubringen, die man im Handel unter den Benene- nungen, Smalte des erſten- Feuers, Sniälte des zwepyren Seuers- und Smalte des driiten Feuers, kenut*),- Man rührt das Ganze in-einer-großen Kufe, ein, welche ihrer Höhe nach mit drey, gleich weit. von einander abſtehenden Löchern durchbohrt iſt, und nach einigen Augenbli>ken Ruhe, läßt: man zuerſt die Portion Flüſſigkeit ablaufen die über der erſten Deifz nung ſteht, und die zertheilteſte Swalte enthält, und dffnet dann nach und wach auch die beyden andern Löcher, um alle darin ſchwebende Smalte herauslaufen zu laſſen, Man muß bierbey nicht außer Acht.laſſen, daß die Smalte "um ſo viel ſct macht, mit Oel oder Gummi vermiſcht, geſchmeidig zu werden, haite, bis jeßt nicht erlaubt, Gebrauch davon zu machen; und man war darauf beſchränkt, ſich'ausſchließlich des Uirramgrins zu bedienen, deſſen hoher Preis jedoch die Künſtler zwingt, ſich ſeiner nur in ſehr geringem Maaße zu bedienen. Herr Thengrd, dem im während meines Miniſteriums vereint mit Herrn Terimee einige Unterſuchungen über die Farz ben aufgetragen hatte, hat eine Kobalt- Compoſition gefunden, die, den Ultramarin mit Vorthei! erſeßt; und obgleich dieſe Com- poſition aus den Kobaltſaizen gezogen wird, glauben wir doch ſie unter dieſem Artikel-mittheilen zu können. Drey Theile-Thonerde durch Ammonium aus dem Alaun niedergeſchlagen, und vernuſcht mit einem Theil ärſenikſauren oder phosphorſauren Kobalt, beydes im Gallertzuſtande, ges tro&net.und. eine halbe Stunde hindurch in einem Tiegel kalzi: nirt, bilden eine Compoſition von ſchönem Blau, das dem U!tra2 marin gleickommt, und wie dieß, mit Del vermengt, ge» braucht werden kann. Die Erfahrung hat dieſe Behauptung gerechtfertiget, und, dieß Kobaliblau iſt ſeitdem ſchon ein Hans, delsartifel geworden, Da es nothwendig iſt, alle Umſtände der Operation'zu kennen, um ſie naen erregend. Grobe Smalte iſt nichts anders als Glaspulver/ und ER iſ ups ſehr geeignet ſeyn- in demi Magen als Gift zu die»überflüſſige Salpeterſäure durc Wärme, und verdünnt das Waſſer, indem man nach und nach Rali hinzugießt; es bildet ſich ſodann ein. weißer. Niederichlag von arſenikſaurem Eiſen, Da dieſer gänzlich geſchieden iſt, ſo trhur man noch Kali hinzu, und erhält einen ſchönen roſefarbenen Niederſchlag, welches der arſenikſaure Kobalt iſt. Das phosphorſaure Salz bildet man, indem man das Kos balterz ſtark rdſtet, und dann das Oxyd mit Salpeterſäure bes handelt, die es zum Theil aufldſt, und das Eiſen daraus in Geſtalt eines rothen Oxyds ſcheidet; wan evaporirt ſodann das Ganze bis zur Syrupconyſiſtenz, um das Uebermaaß von Sals peterſäure zu vertreiben. Man verdünnt es dann mit Waſſer, und. gießt eine Aufldſung phosphorſauren Natrons darauf; ſo» dann bildet ſich ein veilchenblauer Niederſchlag, der ,. wenn er tro>en wird, eine roſenrothe Farbe bekommt, und dieß iſt der phosphorſaure Kobalt.. Man kann den phosphorſauren Kobalt auch noch dadurch erhalten, wenn man die Aufldſung von ſalpeterſaurem Kobalt durch Schwefelwaſſerſtoff niederſchlägt; man ldſt den Nieder2 ſchlag in Salpeterſäure auf, läßt ihn kriſtalliſiren, und zerſeßzt ihn mit phosphorſaurem Natron. Das Blau, das man durch dieß phosphorſaure Salz erhält, iſt noh ſchöner, Dritter Abſchnitt. Von den Wißmuthoxyden(weißer Wißmuthkalk, weiße Schminke, Perlweiß). Der Wißmuth, wenn er in einem Tiegel kalzinirt wird, ver? wandelt ſich in ein graues, kdrniges Pulver, welches um ein Zehntheil ſchwerer iſt, als das angewendete Metall; aber wenn man dieß Metall einem heftigen Feuerſtrome ausſeßt; ſo zeigt ſich eine kleine blaue Flamme, und es dampft ein gelber, dier, ſehr häufiger Rauch aus. Geoffroy der Sohn hat beobachtet, daß die erſten Dämpfe ſehr weiße Blumen bildeten, während die leßten gelblich ſeyen(Memoiren der Pariſer Akademie vom Jahre 1753).„Es iſt übrigens mit dem Wißmuthoxyde wie mit dem Zinkoxyde, es verflüchtiget ſic) nur, wenn es ſich unter ei? nem hoben Grade von Wärme bildet, Das Wißmuthoxyd iſt ſehr beſtändig im Feuer, es verglaſt ſich in ein gelbes und durchſichtiges Glas, welches die Maſſe aus der die Tiegel bereitet ſind, durchboh:t und verglaſet. Dar“ ces hat Wißmuth- in einer Porzellainkugel auf ein Me dn eu =. HE Mr... ZE zs << ZUG SZE-== = 4198= feuer Aebtacht, das Glas, welches ſich im Jnvern bildete, war durchſichtig; von einem ſchmußigen violett, Farbe der Wein» hefen; das Glas, welches an den Außenſeiten heruntergelaufen war, dagegen gelb, imd näherte ſich dem Bleyglaſe. Von allen bekannten Säuren greift die Salpeterſäure das Wißmuth. am kräfiigſten an, und ſie zerſeßzt ſich auf diejem Mes tall mit einer beſonderen Schnelligkeit. Man kann das Wißmuthoryd äus dieſer Anfldſung durch Waſſer niederſchlägen, und wenn man den Niederſchlag ſehr weiß haben will, ſo verfährt man wie folgt man verdünnt die Nufldſung" mit gleichen Theilen reinen Waſſers, und wirft den ß6ch vildenden Niederſchlag weg; man gießt dann auf die Aufld? Jung eine' ardßere Ouantiiät von Waſſer, und es entſteht ein ſchöner; weißer Niederſchlag z dann klärt man das Waſſer ab, ſüßraden Niederſchiag aus, und läßt ihn tro>nen, ſo wird er dann TWißmurhfal?, weiße Schminke, Perlweiß u. ſ. w. ge? navnt: Man“ aewiunt. davon ein Neuntheil. mehr als das ge- brauchte Metall*).' Die weiße Schminke kommt in, die. Pominaden, die man zum Schminken rer Hant geb'yaucht. Das Wißmuthoryd hat eine leichte ſmolteartige Farbe, ähnlich der einer ſchbneyn, weißen und delicaten Hautz aber außer der großen Gefahr, die dieſe Schminken vach ſich ziehn, indem ſie die Poren der Haut ver2 ſtopfen, und die Ausdünſtung unterdrü>en, führen ſie auch noch den Nächtheil mit ſich, durch ſtarke oder ſchweflichte Dünſte ſct ſich ſodann mit einer Lage grauen Oxyds, und wenn man dieß Pulver, ſo wie es ſich erzeugt, ſorgfältig abnimmt, ſo kaun man das Metall bis zum leßzten Atome oxy- diren. Das Oryd wiegt ein Sechszehntheil mehr, als das angewendete Metall. Wenn man die Temperatur erhdht, und das Metall zum Rothglähen bringt, ſo entzündet ſich der Zink, brennt in eineß blougrünlichen Flamme in die Hdhe, und es enmiflieht eige an2 ſehniiche Quautität des Oxyds ,/ in weißen, ſeidenartigen, rau? hen Fäden, die man Tutia, Pompholix, weißes Nichts, Zinks blumen und philoſophiſce Wolle nennt. Wenn von dem Augenbli>ke an, wo die Flamme ſich ent? wickelt, wan den Tiegel bede>t, und ihn bede&>t läßt, bis ſie wieder ausgeht, ſo füllt ſic) der ganze Umfang der Gefäße mit dieſem ſeidenartigen Oxyde an, Wenn wan es dagegen, ſo wie es ſich durch die Verbren- nung des Zinks bildet, hivwwegnimmt, um mit der Verbren2 nung fort zu fahren; ſo kann man eine gegebene Quantität dieſes Metalles in ein weißes Oxyd verwandeln, das 0,18 an Sauerſioff enthält. Man kann dieſem Oxyd eine gelbe Farbe ertheilen, wenn man es lange Zeit anf dem Schmelzfeuer erhält; es verliert, nach den Erfahrungen der Herren Deſormes und Clement, ſo- daun einenzTheil ſeines Sauerſtoſfs. Dieß Oxyd enthält mehr Sauerſtoff als das graue; ich habe dav?n ein Zwölfrheil mehr erhalten, als das Gewicht des angewendeten Metalls betrug 3 es iſt auch ſchwerer zu reduciren, Man kann es, durch ein heftiges Feuer, in ein gelbes Glas verwandeln, Die Säuren haben eine fehr ausgezeichnete energiſche Wir- kung auf den Zink, die Salpeterſäure hauptſächlich zerſeßt fich auf dieſem Metalle mit Schnelligkeit; die Schwefelſäure und -Salzſäure, wenn ſie wit Waſſer verdünnt werden, löſen es ſehr gut auf, und bilden Salze damit, die in den Künſten gebraucht, und von denen wir in der Folge reden werden, Das ===; DED.15 Das ſublimirke Zinkoxyd(welches man dur< die Verbren- nung des Metalls eryält) wird als Arzneymittel gebraucht. Man bedient nnen bey eniſte- henden Augerüveln, und miſcht es dann mit friſcher Butter. Innerlich wird es a!s ein krampfſtillendes Mittel in der Doſis von einigen Granen gebraucht, Herr Buyron- 13orveau hat vor einigen Jahren vorge- ſchlagen, ſtatt der Bleyoryde und des Bleyweißes, weißes Zink- 9xyd zu nehmen; dieß Oryd iſt von keiner Gefahr in ſeiner Au2 wendung begleitet, es wird. nicht gelb durch Oele: aber dieſe Vortheile werden durch mehrere Nachtheile aufgewogen, die ge- macbtzhaben, daß man bis jetzt ſeinen Gebrauch verworfen; es iſt. leichter als das Bleyoxyd, det und quillt nicht genug auf. Dieſer leßtere Uebelſtand iſt hauptſächlich dazu geeignet, den Gebrauch destelben zu beſchränken; dean der Künſtler, der ge» wdhnt 1ſt eme breite Fläche wit einem mit Bleyweiß gefüllten Pinſel üuf einmal zu überſtreichen, würde ſich ſchwer entſchließen, jeden. Augenblick ſeinen Pinſel einzutauchen, vorzüglich wenn von grober Arbeit die Rede iſt, Noch ſpricht es wider dieß Oxyd, daß es theuerer als Bleyoryd iſt; und dieſe Verſchiedenheit des Preiſes wird immer dem letztern den Vorzug ſichern, obgleich es unmerklich die Ges ſundheit des Künſtlers untergräbt; denn eine traurige Erfah- rung beweiſet tägiich, daß die Arbeiter ſich nie gegen die Ge- fahren bewahren, die ſie nicht augenbliFlich treffen. Fünfter Abſchnitt. Von den Spießglan3- Oxyden, Spießglanz- Glas, Spieß- glanz- Blumen, ſchweißtreibendes Spießglanz. Das geſchwefelte Spießglanz(rohes Spießglanz) ſchmilzt bey einer gemäßigten Wärme, und wird, wenn es geſchmolzen, flüſſig wie Waſſer.; Wenn man aber, ſtatt die Wärme zu dem Grade zu ſtei- gern welcher erforderlich iſt, um die Schmelzung hervorzubrine gen, nur den Grad, der zum Schmelzen des Schwefels fähig iſt, anwendet 3; ſo verſchwindet die ſchwarze Farbe des geſchwe- Felten Spießglanzes nach und nach und macht einer grauen Farbe Platz, die dieſem Oxyd den Namen graues Spießglanz- ox:d, grauer Spießglanzkalk verſchafft hat. Wie ſorgfältig man aber auch beym Umrühren und der Bewegung der geſchwe- felten Maſſe zu Werke gehe; ſo vermeidet man doh nur 46 da ee ZOL: Samm daß fie nicht'gerinne, welches ſodann in die Nöthwendigkeit ſekt, das Oxyd zu zerreiben ſobald die Operation beendigzet iſt. Das Spießglänz behält in dieſen Zuſtande der Oxydation immer ein wenig Schwefel, und es kommt ein AugenbliX wo die Verhältniſſe ſo ſind; daß, wenn man das'oxrydirte Geſchwes felte zur Schmelzung bringt, ſich ein hyacinthenfarbiges Glas erzeugt, das /man Spießglanzglas genannt hat, Wenn das Oxyd weniger frey von Schwefel iſt, ſo iſt das G!1as dunkel und brann; im Bruche ſelbſt nicht ſo glaſig, und bey weitem weniger hart; wenn es dagegen des Schwefels zu ſehr beraubt iſt; ſo iſt, außer daß es ſich ſchwerer ſchmelzen läßt, die Farbe des Glaſes auch viel weniger ſatt. Mr: Um alſo ein ſolches Hyacinthglas hervorzubringen, wis es im Handel gewünſcht wird, und damit deſſen Wirkungen bes ſtändig ſeyen und die anzuſtellenden Vergleichungen aushalten, muß man die rechte Mitte zwiſchen dem Zuſtande als Geſchwe- feltes, und dem als reines Oxyd, wählen./ Herr Thenard hat ein ſehr intereſſantes Memoire über die Spießglanzorydationen geliefert und davon fünf wohl charakte» riſirte Grade anerkannt, die von 0,02 bis 0,32 Sauerſtoff ent- hielten. Dieß Metall geht nach und nah durch ſchwarz; braun, orange, gelb und weiß.% Man erhält den erſten Grad; indem man es aus ſeinen Aufldſungen durc< Eiſen und Zink niederſchlägt; das Oxyd iſt ſchwarz und hält 0,02 Sauerſtoff. Es entzündet ſich durch das bloße AustroFnen bey einer mäßigen Wärme. Der zweyte iſt kaſtanienbraun; in dieſem Zuſtande iſt es in dem Spießglanzglaſe und dem friſchen Spießglanzkermes vorhanden, Der dritte iſt orange; dieſe Bereitung nennt man Gold- ſchwefel und bringt ſie hervor, wenn man eine Säure in die Flüſſigkeit gießt, aus welcher der Kermes niedergeſchlagen woro den. Dieß Oxyd zeigte bey der Analyſe nur zwey Hunderttheile mehr Sauerſtoff als das zweyte*). Wenn man, mittelſt der Wärme, den weißen Oxyden den Sauerſioff raubt; ſo kann mau die Orydation in allen Graden, von denen wir ſo eben geſprochen, aufhaiten, und ſelbſt in ei» nem *) Spießglanzſchwefel liefert jene8 Metall durch den dritten Grad der Oxydation nicht, wohl aber ein orangefarbenes Oxyd, das erſt in der Verbindung mit beynahe 75 Procent Schwefel und Schwefelwaſſerfioff, den ſo genannten oxangefarbenen Spieß- glanzſchwefel darſtellt, IN wem... EBER nöm höhern Grade noch 5 das Oxyd hat in dieſem leitern Zu- ſtande eine gelbe Farbe/ und enthält 0,19 Sauerſtoff, Es ſcheint als ob der lezte Grad der Orydation der weiße ſey', man bereitet dieß Oryd auf mehrfache Weiſe. 1) Wenn man das Spießglanz ſchmilzt, ſteigt ein weißer Nouch daraus in die Höhe, den man ſammeln kann, wenn man unmittelbar über der ſchmelzenden Maſſe einen Tiegel oder irgend ein anderes Gefäß aufſtellt; in dem. dieß Oryd ſich condenſiren kann. Es bildet ſehr feine und weiße kleine Nadeln, deren ged? metriſche Figar, nach Pelletier, die eines verlängerten Achte>s iſt. Man nennt dieß Oryd Silberblumen des Spießglanzes, weißes ſublimirtes Spießglanzoryd u ſ. w. 2) Wenn man zwey Theile äßenden Sublimat mit einem Tyeile Spießalanz vermiſcht; ſo erhält man in dem Recipievten eine Materie von batterartiger Conſiſtenz, die man Spießglan32 butter gengunt hat, und aus der man ein ſehr weißes Oryd niederſch!ägt, wenn man ſie mit Waſſer verdünnt, dieß Oxyd iſt unter dem Namen Algaroth- Pulver bekannt, und bevält im- mer eine Portion Säure bey ſich, die es beym Niederfallen an ſich behölt. 5) Die Schwefel: und Salzſäure oxydiren das Spießglanz nur bey einer langen Digeſtionz aber die Salpererſäure zerſezt ſich ſchnell auf dieſem Metalle, und es erzeugt ſich eine anſehn2 kiche Quantität eines weißen Oxyds, weiches mineraliſcher Zezoar genannt worden iſt. 4) Man macht noch ſehr gebräuchliche Zubereitungen; in- dem man das Spießglauz durc< Zerſezung ſaiveterſaurer Sa!ze oxydirt; man darf dazu nur in einen, am Feuer rothgeglühten Tiegel eine Miſchung zu g'eichen Theilen von ſalpeterſaurem Kali und Spiefßglanz werfen, Es erfolgt dann ein ſchrelles- Berbrennen, deſſen Reſultat ein weißes, mit Kali gemiſchtes Oxyd iſt, das man ſchweißtreibendes Spießalanz und Rötrous ſchmelzendes nennt*). Es führt den Namen ſchweißtreiben2 Des gewaſchenes Spießglanz, wenn man das Kali durch Wa- ſchen in reinem Waſſer daraus geſchieden. Spießglanzkaif oder Berkriegs Perlenmaterie nennt man das Oxyd, welches durch die *) Bey der Anwendung von gleichen Theilen Salpeter und Schwefel- ſvießglanz- erhält man nach geſchehener Verpuffung keine weiße ſondern eine leberbraune Maſſe, welche Spießglanzleber ge- nannt wird, und das Spießglanz nur. im dritten Grade der Oxydation enthält. Soll der Rüeſtand nach dem Verpuſſen weiß erſcheinen- ſo müſſen wenigſtens zwey, auch wohl dritte- halb Theile Salpeter gegen einen Theil Spießglanz angewen? det werden, H. die Säuren aus der alkaliſchen Auflöſung des ſchweißtreibenden Spießglanzes niedergeſchlagen wird. Die erſteren der weißen Oxyde, von denen wir geſprochen, enthalten nur 0,20 Sauerſtoff, die beyden letztern 0,32. Der ſehr ausgebreitet&Gebrauch, welchen man heut zu Tage von den Spießglanzpräparaten in der Medicin macht, gibt die- ſen Keuntniſſen einen yohen Werth*). Alle dieſe Oxyde werden für ſich ſelbſt als Mittel gebraucht, und. machen die Baſen verſchiedener ſehr wirkſamer arzeneylichen Compoſitionen, man kann alſo nicht zu ſorgfäliig in RüFſicht ihrer Bereitungen ſeyn, die nur durch die Wiſſenſchaft auſge? klärt: werden tdunen, Sechster Abſchnitt. Von den Brävuſteinoxyden(Glasſeife, braunes Oxyd, weißes Oxyd).| Der Braunſtein iſt faſt immer im Zuſtande des Oryds, und weny man durch leichte Mittel dahin gelangt iſt, ihm eine Por tion ſeines Sqauerjtoffs zu entziehen,"oder ihn zum metalliſchen Zuſtande zurück führt, ſo bemöchtigt er fich mit Leichtigkeit des Sauerſtofſs, den Luft und Waſſer ihm darbieten können, und nimmt ſeinen natürlichen Zuſtand als Oryd wieder an**), In dem Zaſtande der Oxydation, vuter dem fich der Braun- ſtein ſeiner Natur nacy zeigt, iſt derſelbe jchwarz, und macht die Finger ſcymutzig wenu man ihn anfaßt. Man triffi ihn zuweilen in Maſſen, die leichten Blaſen 36162 lich ſehen, voix auc. in Geſtalt von Kriſtallen die Priämen dar? ſiellen, glänzend an Farben, dünn, nädelartig, oft mit einan- der durchflöchten. Die *) In Frankreich mögen dieſe volikommnern Spießglanzoxyde in der Arzneyfunfi noch ihren Werth behaupten, in Deutſchland hat man ihre Unwirkſamfeit anerkannt, und ſie qus deni Arzney- ſchatz verdanner. H:- **) So wie der Braunftein im Mineralreiche als ein natürliches Oxyd vorkommt, enthält derſelbe ſtets eine größere Portion EauerfioF, als das darin enthaltene Metall zur Oxydation be- dar. Wahber gibt er beym Glühen einen Theil ſeines Sauer» ſoffs als Saverſiroffga3 von fich; während cr einen andern Theil ſeid während der ftrengſten Glühhite zurück hält. Durch das Gmelzen mit entzundlicver: Gubſtanzen wird dey Braun- ftein allerdings zu einem regnitniſchen Metall reducirt, das fich ſchon än der Luſt und. int Waſſer wieder oxydirt; es geht abex dabey nie in' die natürtihe Beſchaffenheit des Braunfteins zurü- denn es gibt im Glühen fein Sauerſtoffgas von ſich."H. Die Eiſenminen-, vorzüglich ſolche, die die Natur von Blutſtein haben, ſind oft in ihren inneren Höhlungen mit einem | leichten Anflug von Braunſtein überzogen. I< habe das Braun- | ſteinoryd mit Eiſenoxyd vermiſcht, in dem Granit der Cevennen, Ei) nahe bey St. Jean de Gardonenque im Gard- Departement, 1 gefunden; dieſes metalliſche Gemenge iſt auch in feinen Fäden hy im Granit vorhanden, „m Wenn man das Braunſteinoxyd zum Rothglühen bringt, M 1/0 ſo verliert es einen Theil ſeines Sauerſtoffs, und wird weiß. ; Die Säuren, die man auf dieß ſchwarze Oxyd einwirkeu läßt, 14 entwickeln eine Portion Sauerſtoff daraus/ und ldſen es aufz j wenn män es daraus durch Aikalien niederſchlägt,“ſo nimmt er / den eingebüßten Sauerſtoff mit einer ſolchen Leichtigkeit wieder j in ſim? auf, daß man ihn als ein gutes eudiometriſches Mittel !„gebrauchen kann,' | Seit langer Zeit bedient man ſich des Braunſteins in den Glashütten zur Entfärbung des Glaſes, und neunt ihn aus die? ſem Grunde daſelbſt Glasſeife« Die Wirkung dieſes Oxyds war mon aber nur erſt dann ſich zu erklären im Stande, a!s man einſah, daß der Sauerſtoff, welcher ſich durch. die Wärme daxr- aus entwickelte, eine ausgezeichnete Verwandtſchaft mit dem Färbeſtoffe. hätte. Der violette Schein, welchen das Glas unter einigen Umſtänden annimmt, rührt entweder daher, daß man zu viel Qryd angewendet hat, oder, weil es nicht mit Sorg? falt in die Compoſition gemiſcht worden*). Wenn man dieß Oxyd in dem Augenbli>e in den Tiegel bringt, wo die Materie im Schwelzen iſt, ſ9 erzeugen ſich faſt immer violette Striemen, die daraus entſiehen, daß es durch | die ganze/Maſſe nicht gleich hat vertheilt werden können, Dieſe / Eigenſchaft des Braunſteins, das Glas violett zu färben, wenn | er in ſtarken Verhältniſſen angewendet wird, hat ihu in Glas- hätten und Fabriken von irdenem Geräth und Porzellain zum Gebraych empfohlen. | Wir haben bereits von den Eigenſchaften geſprochen,- die die Salzſäure annimmt, wenn ſie über Braunſteinoxyd deſtillirt wird; dieſe ſind nur der Portion Sauerſtoff zuzuſchreiben, die ſie dieſer Säure raudt,. 38 en nn )*) Der violette. Schein, welchen der Braunfiein dem weißen Glaſe 1 oft.wittheilt, iſt die Folge einer vorgegangenen Entoxydation des- py jelbew, daher ſolcher auch durch etwas zugeſekten Salpetex wieder zerftort werden..kann,[> -- 205;= Das braune Braunſteinoxryd dſt ſich gut mit den' austro>- nenden Oelen; und bildet eine dauerhafie Farbe mit der die Mah- lerey ſich: bereichern kann,; Siebenter Abſchnitt, Von den Bleyoxyden(graues Oxyd, Maſſicot, Mennig, Glätte). Unter allen bekannten Metallen iſt das'Bley dasjenige, wels en durch reine Kohlen, welche Coaks genannt werden, Man häit Allgemein die Beymiſchung dieſes leßtern fär nothwendig zur Bereitung eines guten Meunigs« So- Sobald,das Bley geſchmolzen iſt, wird esobeſtändig um- gerührt, und ſo wie es ſich oxydirt, wirft deren iſt auf folgende Weiſe; Zwey Cylinder, einer von polirtem Ciſen, der andere von hartem Holze, werden in gleicher Horizontallinie der eine mit dem andern in Parallele aufgeſtellt, ſo daß man ſie mittelſt zweyer ſtarken Schrauben einander näher und wieder auseinander bringen kann; unter dieſen beyden Cylindern ſind. zwey andere auf gleiche Art conſtruirte angebracht, unter dieſen bey"en noch zwey von hartem Holze. Ueber dieſe drey Reihen. von Cylins dern, von denen eine über die-andere ſtehet, ragt ein Trichter, in dem. ſich der Mennig befindet. Er läuft ſo zwiſchen alle Cy» linder durch, und wird: in einen untenſtehenden Kaſten aufge? fangen, Die Bewegung aber wird allen dieſen Cylindern, 54 dieſer dieſer dreyfachen Plattmühle. durch den nämlichen Mechanismus mitgetheilt.„Dieſer ganze Apparat Übrigens wird mit Mauer werk, oder ſorgfältig au einander gereihien Brettern vedeckt, Die Bewegung wird von außen durch eine Kurbel auf ſolche Art' gegeben, daß kein Verluſt eutſteven, und daß die Geſunde heit der Arbeiter durch die Ausdünſtungen nicht gerährdet werz den könne.. Man ſieht ein, daß die Entfernung der beyden obern Cylinder von einander beträchtlicher ſeyn müſſe, als die der bey» den mittlern und eben ſo in Hivſicht der beyden unterſten. Der durch alle dieſe Operationen gegangene Mennig; hat bereits alle erforder'!iche Fetunheit und Rauhigkeit; aber es fehlt ihm nur noch der Glanz der Farbe, den man-ihnt wicht geben kaun, als wenn man ihn zum zweyten Male auf den Reverbe- rirofen bringt, um ihn ganz wie das erſte Mal, nd nur mit dem Unterſchiede zu bel:audein, daß man das Ofenloch nux erſt dann öffnet, wenn er ka't geworden iſt. Wenn man den Mennig zum dritten Male auf die nämliche Weiſe behandelt, ſo wird die rothe Farbe orange. Das Bley gewinnt an Gewicht etwa funfzehn Procent, wenn es in.den Zuſtand von Mennig übergeht. Obgleich wir bereits mehrere Mennigfabriken in Frankreich und in Paris ſelbſt deren.drey oder vier. haben, ſo dürfen wir uns doh nicht ſchmeicheln, bejiändig und täglich ſo guten Menz nig zu machen, als der von erſter Güte im Haudel. Mit Schmerz müſſen wir ſehen daß unſre Kriſtallglashötten ſich mit großen Koſten, aus dem Auslande Menuig verſchaffen müſſen, und ich habe.mich ſelbſt überzeugt, daß dieſe Vorliebe nur der größern Volikommenheit dieſes Produktes zuzuſchreiben ſey, das immerwährend weißes Glas hervorbringt, während unſer Men2 nig ihm eine braungelbliche oder milcwärts zu ſchreiten, um ſie in Mennig zu verwandeln; einige Tage darauf ſchite.er mir Proben des auf dieſe Weiſe gewonnenen Mennigs, der mir von dem beſten Engliſchen nicht zu unterſcheiden ſchien. Herr Pecard iſt, nach Unterſuchungen, denen genaue Kenntniß zur Richtſchnur dienten, dahin gelangt, alle Bleyarten des Handels in guten'Mennig zu verwandeln, zu dem Ende bringt er ſie ſogleich zu einer vollkommenen Schwmel- zung, die er durch eine lebhafte Wärme unterhält; nimmt alles was ſich auf der Oberfläche zeigt, nämlich Ziun, Kupfer und andre ſremde Körper ab, und wenn ſein Bad auf der Oberfläche eine glaſige und ſehr gleiche Lage zeigt, die ſich wie eine Haut abziehen läßt; ſo fährt er in der Operatiou fort, um den Men- nig zu bilden,- Die Produkte der Fabrik des Herrn Pecard können dem beſten Engliſchen Mennig zur Seite geſczt werden, und die Regierung kann alſo, ohne unſern Kriſtallglasfabriken zu nahe zu treten, allen fremden Mennig von der Conſumtion in unſern Anſtalten ausſchließen. Wenn man die Wärme bis zum Weißglühen treibt; ſo bringt man in dem Bleyoxyd einen Anfang von Verglaſung her- vor und es entſtehen daraus kleine glatartige Plättchen, oder Schuppen von einem mehr oder weniger entſchiedenen Gelb, die man Glätte neunt, und die man im Handel, nach ihrer Farbe, Gold- oder Silberglätte*) nennt, Di ie *) Nicht nach den Farben unterſcheidet man die Glätte in Gold» und Silberglätte, ſondern je nachdem fie beym Adbtreiben oder vielmehr dem Saigern des kupferhaltigen Goldes odex Silbers gewönnen worden ift. H, enmuN)) GMin Die Bereitung der Glätte geſchieht jederzeit in den Schmelz» dfen der Bleyerze, weil, indem dieſe Erze alle eine größere oder geringere Quantität von Silber enthalten, man dieß durch die Kapellation daraus ſcheider, welche das Bley in Glätte ver? wandelt, Dieſe Opeiation hat das deppelte Verdienſt, die Bes nußung durch die Sxiraction des Sübers vortheilhafter zu maa ken, brüchig und ſehr hart: das, worin ſich Bley befindet, iſt weniger brüs- nev und zu Firniß zu werden; übrigens gewinnt es einen ſolchen Grad von Conſiſtenz, daß es gerinnt, wenn man zuviel Oryd dazu thut. Das Oel nimmt einen Theil von dem Sauerſtoffe des Bleyes in ſich auf, und löſt eine Portion des Oxyds in Natura auf; das Oxyd aber verdickt es, indem es dasſelbe jenen pharmazeus tiſchen Compoſitionen näher bringt, die man Pflaſter nennt, und der Sauerſtoff macht es immer ſtarrer, indem er dasſelbe zu einem Zuſtande bringt, der dem Harze nahe kommt. Dieſe dop- pelte Cigenſchaft der Bleyoxyde gibt ihnen den Vorzug vor allen übrigen Oxyden, Leindl und Nußbl ſind faſt die einzigen die man austro>- nend machen kann. Außer dieſem allgemeinen hat jedes dieſer Oryde noc ſeinen beſondern GebrauFm. Der Mennig wird als Farbe in der Mah- lerey gebraucht, wo er bey wenig delikaten Arbeiten den Zinno- ber und den Karmin erſeßt, man bedient ſich deſſen auch um Siegella> damit zu färben u, ſ, w, ' Achter Achter Abſct, Dieſe Leichtigkeit iſt ſo groß, daß es Luft, Waſſer und Sauren zerſeßt, und daß man es vor den Angriffen derſeiven nur dadurch ſichern kann, weun man es mit einem Firniß Überzieht,* Wir werden ſogleich von den Mitteln reden das Eiſen vvr dem Roſte zu bewahren, und uns dabey auf die einfache Be» Tchreibung der bekannteſten Verfahrungsarten einſchränken: 1) Das Eiſen wird an Holzfeuer zur kleinen Rothgluth gebracht, dann mit Wachs eingerieben, oder in Del getaucht. 2) Es wird wie zuvor glähend gemacht und mit Horn eingerieben, dieß gibt einen ſchwarzen Firniß. 3) Das gut abpolirte und eingeriebene Metall wird mit einer concentrirten alkaliſchen Lauge abgewaſchen, und ſodann unter eine mit glühenden Koh!en bede>te Muſſel gebracht, ſo daß es dadurch einer hohen Temperatur und einem Lufrzuge ausz geſeßt bleibt; das Eiſen nimmt ſodann zuerſt eine ſtiohgelbe, dann eine rothfahle, dann eine Taubenhals, dann eine blaue und endlich eine graue Farbe an. 4) Das Eiſen wird auf gleiche Weiſe als zuvor gereiniget, dann mit Waſſer abgewaſchen, und ſorgfältig abgetro&ner, Man nimmt fetten Oelfirniß, deſſen Baſis Kopal ſeyn muß, vermiſcht damit Terpenrhineſſenz von der Hälfte bis zu. vier Fünftheilen, beſtreicht ſodann das zu verarbeitende Stä> mit einem mit dieſem Firniß getränkten Seywamme, und läßt es tro>en weiden,; Dieſer Firniß kann auf alle Metalle aufgetragen werden, "3 Es iſt ohne Zweifel“ eine viel wichtigere Kunſt, das Eiſen vor der Oxydation zu bewahren, als dieſelbe darauf hervörzus bringen; da jedoch die Künſte ſich des g1dßien Theiles dieſer Oxyde bedienen, und einen großen Nußey daraus ziehen, ſo müſſen wir uns mit deren Zubereitung beſchäftigen. Wenn man Eiſen aus ſeiner eben geſchehenen Auflöſung in Schwefelſäure durch ein Alkali niederſchlägt, ſo bildet ut 'weißer / -- 21f.= weißer Niederſchlag der ſchnell grüw wird, und dann in's rothe übergeht. Dieſer ſchnelle Fortſchritt in der Oxydation iſt. auf Rechnung der Abſorption des Sauerſtoffs zu ſeen; man kann ſich hiervon überzeugen, wenn man das Oxyd unter Gefäßen bewahrt. In dem in den Hgadel kommenden Vitriol von einer dun- keln bouteillengrünen Färbe, iſt das Eiſen im Zuſtande eines weißen Oxyds enthalten, wenn die Säure darin aber im Ueber- maaß vorhanden iſt, hat die Farbe ein klares ſmaragdgrüs nes Anſehn. Die Verbindung der Säure mit den gvünen und rothen Oryden geben ſchwefelſaure Salze, die von den erſteren weſentlich unterſchieden ſind, wir werden davon in der Folge reden. Das Eiſen hat die Cigenſchaft, Waſſer zu"zerſeßen, es iſt dazu hinreichend, wenn man eine Lage von dieſem Metalle im Zuſtande von Feile oder Spänen mit jeuer Flüſſigkeit anfeuchtet, Aber wenn man das Ciſen eine Zeitlang unter Waſſer erhält, ſo verliert es nach und nach ſeinen Metallglanz, wird ſchwarz und pulverartig, und bildet ein ſchwarzes Oxyd, welches Liſenmohr heißt, In dieſem Falie iſt die Oxydation hauptſächlich der Verbindung mit dem im Waſſer aufgeldſten Sauerſtoffe zu: zuſchreiben, ji Man kann eine gleiche Wirkung hervorbringen, wenn man polirtes Eiſen der Wirkung der Wärme ausſeßt; zu dieſem Ende legt man einige Lohkuchen auf eine eiſerne Platte und bede>t ſie mit glühendem Kohlenſtaube; wenn das Ganze nun gehdrig in Gluth iſt, ſo legt man die StüFe, welche mau blau färben will, darauf, und dreht ſie um, damit die Wirkung ſich in allen Theilen gleich äußere, und ſobald man vermuthet, daß das Stü> die Farbe, die man wünſcht, angenommen, ſo zieht man es wieder heraus, läßt es kalt werden, und tronet es mit einem trocknen Leinwand ab; die Oberfläche nimmt ſodann bald eine ſchöne ſchwärzlichblaue Farbe au, Wenn man das Eifen einige Zeit hindurch in der Rothgluth erhält, ſo oxydirt fich deſſen Oberfläche und bildet ſchwarze Schuppen, die man durch Abſtoßen los machen kann, dieſe Schuppen ſind unter dem Namen Hammerſchlag bekannt, ſie zerſpringen unter dem Hammer und können ſehr leicht klein gemacht werden 3; ja ſis können ſelbſt durch eine verlängerte Kalzination in den Zuſtand von. rothem Oxyd übergehen, und dann entwielt man durch das Kleinmachen eine rothe, lebhafte und dauerhafte Farbe daraus, deren man ſich in den Künſten bedient, Das Eiſen, wenn es einer lebhafren Hitze ausgeſeßt wird/ brennt mit einer ſehr glänzenden Flamme in die Hdhe; Eiſen? barren, --- 216= barren, die weißglühend gewacht und ſodann auf den Amboß gebracht werden, ſprühen ſehr glänzende Funken von ſich, wenn man ſie mit dem Hammer ſchlägt; und ſehr reine und zarte Eiſenfeile, wenn man ſie über"das Licht einer Kerze bringt, brennt mit Lebhaftigkeit auf. Man kann einen ſpiralfdrmig gewundenen Eiſenfaven,«an deſſen äußerſtem Ende man eine kleine glühende Kohle befeſiiget, verbrennen, wenn man ihn in eine mit Sauerſioffgas angefüllte Flaſche taucht, Die Berührung der Lauft allein, iſt ſchon hinreichend, um dieß Metall zu oxydiren; wenn dazu aber noch die Feuchtigkeit tritt, ſo ereignet ſich die Wirkung ſchneller, Man kann die Oxydation auch dadurch noch beſch'eunigen, daß man die Oberflächen des Meralls vermehrt. Das Eiſenoxyd welches am Thaue-bereitet wird, und in der Medicin unter dem Namen-LEiſenſafran bekannt iſt, wird aus Eiſenfeile gemacht, die man der Wirkung der Luft in der fenelt, der eine ſehr lebhafte blaue folgt, die wiederum verſchwindet, und einer trüben Farbe Plaßz macht; in dieſem letztern Zuſtande wird die Couſiſtenz des Metalles verändert, ſeine Geſchmeidigkeit exiſtirt nicht mehr, und man käun zerreibliche Schuppen von deſſen Oberfiäche ab- nehmen, die man Zammerſchlag nennt.| Jedermann weiß, daß wean mau Kupfer mitten unter Koh- Jen dem Feuer ausſezt, es der Flamme ein ſehr angenehmes BF wittheilt- welches hinreicht, zu beweiſen, daß eine leichte Portion ves Metalles ſich verflüchtigt. In den Werkſtätten, in denen gewdhnlich Kupfer, geſchmolzen wird, ſelßzen ſich dieſe me- talliſchen Ausdünſtungen an die Schornſteine an, und bilden da- ſelbſt eine ſchwere, grünlichgraue Rinde, welches allen Gießern bekannt iſt. Wenn man das Kupferoxyd einer ſtarken Wärme unter- wirft, ſo kann man es in ein Glas von rothbrauner Farbe verwandeln, s' 2) Obgleich das Kupfer der Wirkung der Säuren wider- ſteht, die die Metalle nur durch ihre Zerſezung oder durch die- des Waſſers aufldſen, welches ſie ihnen im Oxydzuſtande dar2 bietet“ ſo bereitet man zum Gebrauch der Künſte doch mehrere Kupferſalze, uater der Zahl deren ſich auch das ſchwefelſaure Zupfer befindet, und man muß dieſem ſelbſt in Hinſicht auf ſeinen Gebrauch den erſten Rang einräumen.| Das Bergblau und der Grünſpan ſind die beyden wichtig? ſten Bereitungen von Oryden. Wir werden dieſen AugenbliE nur von dem erſten handeln, da das zweyte ein kohlenſaures Salz iſt, von dem wir bey Gelegenheit der ſalzigen Verbindungen reden werden.%: Pelletier hat uns einige vortreffliche Aufſchläſſe über die Fabrikation des Bergblau's gegeben, die bis zu dieſen Tagen in Frankreich unbekannt war,) H Er ſchlägt vor, das Kupfer im Kalten in verdünnter Sal? peterſäure aufzuldſen, und wohl geſtoßenen Balk zu der a. ung ſung zu thunz wenn man die Miſchung in Bewegung ſet, und darauf ſieht, daß ein Uebermaaß an ſalpeterſaurem Salze bleibe, ſo bildet ſich ein Niederſchlag von einem zarten Grün. Man klärt die Flüſſigkeit ab, und miſcht damit, wenn ſie noch feucht iſt, ein wenig ungeldſchten Kalk in dem Verhältniſſe von ſie2 ben bis acht Procenten gegen den Niederſchlag; die Miſchung nimmt ſodann eine ſchdne blane Farbe an, die':man tro>nen läßt, und die das Bergblau iſt. Die Miſchung von ſalpeterſaurem Kalk und Kupfer, durc reines Kali niedergeſchlogen ,- gibt blaue Oxyde, die, wenn ſie tro>en werden, ſich in Grün verwandeln, Dieß Verfahren von Pelletier hat mir jederzeit ezn Oxyd von eben ſo guter Quantität geliefert, als das ſchdne Berg2 blau des Handels. I< have dieſe Arbeit wieder vorgenommen, und glaube, daß die Reſultate, die ich erhalten, Jatereſſe genug haben ,-um fie hier mitzutheilen. Wenn man in eine, im Kalten gemachte Aufldſung von ſchwefelſaurem Kupfer ,' Kalkwaſſer gießt, ſo trübt ſich die Mi- ſchung beyder Flüſſigkeiten, und es entſteht ein Bodenſatz von -|inem grünlichen Oryd,. Wenn man ſtatt Kalkwaſſers, Kalkmilch, oder Kalkwaſſer, in dem ſich einiger ſehr zertheilter, in dieſer Flüſſigkeit ſchwim- mender Kalk befindet, zugießt, ſo bildet ſich ein Niederſchlag von einem grünlichen Blau, den man mittelſt des Filtrums abſcheiden kann. Wenn man die bläuliche Flüſſigkeit, die durch das Filtrum dringt, durch äßendes Kali zerzelzt und dieß im Uebermaaße da- zu thut; ſo erhält mau einen blauen Niederſchlag, welcher ſeine Farbe conſervirt, und die dann durch das Filtrum dringende Flüſſigkeit iſt klar wie Waſſer. Wenn man ſtatt+ mit Kalkwaſſer niederzuſchlagen, eine Portion des in Aufldſäng ſich befindenden Kupfers durch kohlen- ſaures Kali niederſchlägt, ſo bekowm« der Niederſchlag cine blaus grünliche Farbe, die, wenn er tro&en wird, in eine vollkommen grüne übergeht. Man kann in dieſem Zuſtande, ſich ſeiner in den Künſten bedienen: aber um ihn zu Fewinnen, muß man das ſchwefelſaure Kupfer nicht vollſtändig zerſezen. Gießt man koh2 lenſaures, oder reines aufgeldſtes Kali auf die Flüſſigkeit, welche durch das Filtrum dringt, und die noch viel ſchwefelſaures Kupfer enthält, ſo erhält man einen blguen Niederſchlag der um ſo ſat- ter wird, als man darin das Alkali mehr vorherrſchen EE ? n uE 4.1" Mere In der Regel verdient das kohlenſaure Ka!i den Vorzug bey Bereitung der grünen, und das äßende bey der der biguen Nie- derſchläge. Man mag ober das erſte oder das zweyte anwenden; ſo iſt die beſtändige Wirkung davon, daß der erſte Niederſchlag grän wird und eine blaue Farbe annimmt, wenn die Zerſetzung vollſtändig geworden und man den zerſeßenden Körper die Oders hand gewinnen läßt. Die Produkte des kohlenſauren Kali's ſind körnig und oft von ungleicher Farbe, Iy, der Regel fängt man, um grün oder blau nach Gefallen zu erhalten, damit an, ſehr zergangene Kalkmilch in die Auf: ldſung des ſchwefelſauren Kupfers zu gießen; es bildet ſich dann ein Niederſch!ag, welchen man filtrirt 3) dieſer Niederſchlag iſt zuerſt mehr oder weniger grün, wird es aber vollkommen, wenn man ihn troden werden laßt. Dieſe Niederſchläge dürfen nur gewaſchen und getro>net werden; dieß Trocknen, muß an einem dunkeln Orte und etwas ſchleunig geſchehen, damit die Laft die Oryde ſo wenig als mdg=- lich angreife. Es folgr aus dem eben Geſagten, daß man, um einen blauen Niederſchlag zu erhalten der von der Luft nicht angegrif- fen wird, man alle mit dem Oryd in Vereinigung ſich befindende Säure hinwegſchaffen muß. Nach dieſer Jdee habe ich ſalperer- ſaures Rübpfer bis zur Tro>kenheit evaporirt, dann das Reſi- duum in Waſſer aufgeldſt und mit einem Uebermaaß von Ralf: wajſer niedergeſchlagen. Das Oxyd behält ſeine blaue Farbe; wenn nur das Trocknen ſchnell genug und unter Papier geſchieht. Ein Theil des ſalpeterſauren Kupfers wird durc< die Eva- poration bis zur Trockenheit zerſeßtz; ſo daß der ganze Nieder- ſchlag ſich. nicht in Waſſer aufldſt« Das Waſſer der reinen Baryterde gibt noch ein ſchöneres und dynkleres Blau, als Kalkwaſſer. Ammonium in kleinen Quantitäten zu einer Aufldſung von ſchwefelſanrem Kupfer gegoſſen, bringt einen Niederſchlag von weißgrünlicher Farbe hervor. Wenn man ſolches im Uebermaaße hinzurhut, ſo färbt es die Flüſſigkeit und bilder einen blauen Niederſchlag durch Aufldſung von einer Portion des Oxyds, es iſt hinreichend, Waſſer auf den blauen Niederſchlag zu gießen, um das ganze neue Salz hinwegzuſchaſſen, das ſich gebildet; eine Portion des weißen Niederſchlags bleibt aber unangerührt, ? wenn ---"" 228==. wenn die Doſis von Ammonium nicht hinreichend geweſen, um das Ganze aufzulöſen. Salzſaures Ammonium in der Aufldſung des ſchwefelſauren Salzes aufgeldſt, zerſeßt zum Theil das ſchwefelſaure Kupfer und die Flüſſigkeir nimmt voin der Aufldſung, die das Ammonium von einer Portion Oxyd macht, eine ſchöne biaue Farbe an. Die Analyſe hat mir bewieſen, daß in allen dieſen letztern Fällen ſich ein dreyfaches Salz bilde, beſiehend gus Oxyd, Ams monium und Säure. Dieſe biauen und grauen Farben werden in den Künſten häufig gebraucht, und zwar als Waſſer- und Oelfarben, auch zum Mahlen der Papiertapeten, Man bereiter in Ungarn eine anſehnliche Quantität eines in den Handel kommenden grünen Pulvers. Die Bergwerke vou Herrengrund, zwey Meilen von XTreuſſol, libfern dasſelbe, Die Gewäſſer, welche durc) die alten Erdauswürfe dieſer Bergwerke ſikern, ſchwängern ſich mit dieſem Oxyd, welches ſie in hölzernen Kübeln abſetzen, in die ſie aufgefangen werden, Dieſe Wäſſer enthalten jedoch davon kein Oxyd in Aufldſung, deun das Ammonium verändert ihre Farbe nicht, In den nämlichen Bergwerken ſechszig bis achtzig Toiſen tief, fließt ein Waſſer, welches ſchwefe! ſaures Kupfer in Auf- ldſung enthält; man verdichtet es in kupfernen Keſſeln und läßt es ſodann in einen Rdhrkaſten fließen, wo man es mit einer Auf- ldſung von Kali vermiſcht; es ſchlägt ſich dabey ein graues Oxyd nieder das man auf Tüchern abtropfen läßt, wäſcht es dann aus, und läßt es tro>en werden, Das was man in den Künſien Braunſchweigergrün*) nennt, wird ſo bereitet, daß man-Kupferſpäne, in verſchloſſe- nen Gefäßen, mit einer Aufldſung von Salmiak beſprengt. Man wäſcht ſodann den Niederſchlag und läßt ihn rro>en werden, Dieſe Bereitung wird ſowohl als Oelfarbe; als zum Drucken auf Papier angewendet, Zehnter x) Dieſe Methode iſt es gewiß nicht, nach welcher das Braun- ſchweigergrün bereitet wird. Dasſelbe hält immer Thonerde eingemengt, die ihm zur Bafis dienet z es ſcheint aus Alaun und ſalzſaurem Kupfeyx bereitet zu ſeyn, die man mit Pottaſche niedey? geſchlagen hat. H. Ga En 1 Dun Zehnter Abſchnitt, Von den Zinnoxyden,(Zinnaſche). Das Zinn iſt nach dem Quedfſilber, das ſchmelzbarſte äller Metalle, Obgleich die Luft ſeinen metalliſchen Glanz angreift, und deſſen. Farbe ſich darin trübt; ſo oxydirt es ſich dec< nicht merklic) an der Temperatur der Atmosphäre; aber es abſorbirt, ſobald es zur Schmelzung kommt, den Sauerſtoff mit einer ſol- t, das man leicht an die Seite ſchieben kann. Kaum iſt das Metall entbldßt, als ſich wieder eine neue Lage Oxyd darauf bildet, ſo daß man in kurz zer“ Zeit bas ganze geſcymolzene Metall in Oxyd verwandeln kann. Dieß erſte grauliche Oxyd nennen die Zinngießer, welche auf dem Lande umherziehen um Geſchirre umzuſchmelzen, Schaum; ſie ſagen daß ſie das Metall reinigen; indem ſie dies ſen vorgeblichen Schaum abnehmen, welcher ſich im Bade auf die Oberfläche des Metalles ſetzt, ſchmelzen es dann auf eigne Rechnung über Kohlen wieder zuſammen, und geben dem Leicht-. gläubigen, der ihnen ſein Zinn anvertraut, nur einen-kleinen Theil davon wieder zurück, Dieß Oryd, wenn es zerſtoßen und ſechs bis acht Stunz- den hindurch unter einer Muſſel in Oxydation erhalten wird, wird faſt weiß und ſehr hart, und dann Zinnaſche genannt. Uebrigens rührt man es während der gauzen Kalzination vorſich- tig mit einem eiſernen Spatel um, damit die Oxydation in allea Punkten gleich vor ſich gehe. Die Zinnaſche kommt wegen ihrer Weiße und Uvoſchmelz» barkeit in die Compoſition des Emails. Dieſes Oxyd bleibt, ohne zu ſchmelzen, gemengt mitien in der übrigen Compoſition, die ſich verglaſt, und macht das Glas weiß und undurchſichtig» welches das unterſcheidende Kennzeichen des Emails iſt, Man gebraucht nod) die Zinnaſche wegen ihrer Härte zur Politur des Kriſtalls, der Briälengläſer, des Stahls, und an- derer harten Körper, j Das Zinn, wenn es einem ſehr hefiigen und anhaltenden Grade von Feuer ausgeſelzt wird, zeigt folgende Phänomene: es ſublimirt ſich ein Theil des Oxyds in glänzenden Nadeln von ſchr ſchdner weißer Farbe; dieß Oxpd bede>t., ſo zu ſagen, ein anderes rdthliches und ſehr hartes Oryd, unter dem man eiue Lage von ſehr durchſichtigem, rubin- oder granatfarbigen Glaſe findet, Der berühmte Hecher hatte bereits gemeldet, 9 ZU ſich, in Glas verwändeln könne, ohne den Schmelztiegel zu durchbohren oder anzufreſſen. Man kann auch noch dur< Zerſeßung der Salpeterſäure auf Zinn, Zinnaſche hervorbringen, Dieß Verfahren fördert ſehr, das Oxyd ſchlägt ſich nieder, ſo wie die Säure ſich zer- ſet, und obgleich es eine etwas weniger weiße Farbe hat als die ſchöne durch Kalzinatrion ant Feuer bereitete Zinnaſche, ſo kann man ſich do in vielen Fällen desſelben bedienen*), Eilfter Abſchnitr, Von den Guedſilberoxyden(GueFſilbermohr, othe. | QuedFfſilberpräeipität). Das Quedſilber, das einzige natürlich flüſſige Metall, vxydirt ſich ſchwer. Es iſt in Wahrheit wohl möglich, ſeine Farbe, durch die bloße Bewegung des Metalles in einem der atmosphäriſchen Luft zugänglichen Gefäße, in ſchwarz zu ver» wandeln, woönächtt es dann GueFſilbermohr heißt; aber die Oxydation bleibt bey dieſem erſien Grade ſtehen, und man muß Wärme oder Zerſezung von Säuren anwenden, um eine weiter fortgeſchrittene Oxydation zu erhalten, Es ſcheint, als ob der zur Oxydation ſchiXlichſte Grad von Wärme 8o bis 85 nach dem Regaumuyſchyen Thermometer ſey. Man bereitete lange Zeit hindurch ein rothes Queſilber» oxyd unter dem Namen für ſich bereireter Gueckſilberpräcipitätz indem man“ eine Lage Quec>ſilber in einen Deſtillirkolben mit plattem Boden, um der Luft eine große Fläche darzubieten, und mit einem' außerordentlich engen Halſe und einer haardünnen Mündung, that, und dann den Kolben in ein Sandbad von an» haltend gleicher Wärme, bis zum Ende der Operation brachte 3 dieſe dauert mehrere Monate, und man ſicht ſogleich die Ober» - fläche ſich mit einen grauen Staube bede&en, der nach und nach eine rothe Farbe annimmt, und mit einer von ſehr lebhaftem Roth endiget. In dieſem Zuſiande wird es für ſich bereireter Quedſilberpräcipitär, oder auch für ſich oxydirtes Gzuedfil: ber genannt. Mir ſchien es nur 0,10 Sauerſtoff zu enthalten. Dieß *) Es gibt noch eine dritte Art ſich Zinnaſche zu verfertigen, wenn man das Zinn im geraspelten Zuſtande mit ſeinem doppelten Gewicht Salpeter mengt, das Gemenge in einem Schmelztiegel verpuſfet, und die verpuſſte Maſſe mit Waſſer auslaugt. Man erhält das Zinnoxyd bierbey leicht und ſehy yein, H. Dieß Oxyd iſt feuerbeſtändiger und härter als das Que>- ſilber, bringt man es auf ein heftiges Feuer in SubjimationLsge- fäßen, ſo zerſetzt es ſich zum Theil, der Sauerſtoff entweicht als Sauerſtoſſgas, während das Queckſilber ſich in dem Reciz- pienten coudenſirt, oder ſich in der Aimosphäre verflüchtiget 3 und zu gleicher Zeit erzeugt ſich ein Sublimat, welches ſich an die Wände der Gefäße anſeßt, und dort wie geſchmolzen, und oft. als kriſtalliſirt erſcheint» Die Farbe dieſes ſublimirten Oxyds iſt eine ſchdne rothe. 2 Die Salpeterſäure verſchluFt das Quedſilber, und kann davon ein dem ihrigen faſt gleichkfommendes Gewicht aufldſen; dieſe Auflöſung, wenn ſie gehdrig verdichtet wird, bilder Kri- ſtalle, welche am Feuer getro>net, endlich ein rothes, dem vor- hergehenden gleiches, Pulver geben, welches rother Präcipität genanut wird. Dieß Oryd entſteht aus der Zerſezung der mit dem Quedſilber verbundenen Salpeterſäure z ein Theil entweicht als ſalpetriges Gas, während ein Theil. von Sauerſtoff mit dem Meialle in Verbindung bleibt, Um dieſer Compoſition die ſchdne Farbe zu geben, die die in Holland und. in England bereiteten Oryde haben, fange ich damit an, das Queckſiiber in ſehy reiner Salpeterſäuie zu vier und dreyßig bis ſechs und dreyßig Grad aufzuldſen, und eva- porire die geſättigte Aufldſung bis zu dem Grade, welcher er- forderlich iſt; um ſalpeterſaures Queſilber in Kriſtallen zu erhalten. Dieß ſalpeterſaure Que&filber bringe im in einer tubu- lirten Retorte auf das Sandbad, und verfahre mit ver Deſtilla- tion bis kein ſalpetriges Gas mehr herauskommt. Sodann gieße ich auf das Reſiduum in der Retorte an neuer Säure die Hälfte von dem Gewichte der zuvor gebrauchten, und deſtilli:e auf gleiche Weiſe. Dieſe Operat:on wiederhole ich drey oder vier Mal, das Verhältwiß der neuen Säure immer verminderund, zerz- reibe ſodann ſorgfältig das Neſidunm, und bringe es von neuem an Hiße, die es in Roth zu verwandeln im Stande iſtz dieß Präcipirät hat in der Regel eine herrlicye Farbe, Herr Payſſe, der ſelbſt Gelegenheit batte, das Verfahren der Zolländer mit anzuſehn, hat uns einige koſibare Aufſchlüſſe ber dieſe Bereitung gegeben. Er behauptet das man ein ſehr ſchdnes Präcipität auf folgende Weiſe erhalte: Man ldſe bey einem gehdrigen Wärmegrade funfzig Theile reines Que&ſilber in ſiebenzig Theilen Salpeierſäure/ welche 37 vis 38 Grad zeigt,' auf, Mon evaporire es durch Deſtillgiion in in einer Retorte, und nehme den Recipienten weg, ſobald das ſalperrige Gas ſich zu zeigen anfängt. Von dem Augenblicke an wo dieß verſchwunden, ſteigere man die Hitze, und erhalte ſie in dieſem Grade, bis die Maſſe von Oryd eine lebhaft roihe Farbe annimmt. Ein achtſtünviges Feuer iſt in der Regel hin- reichend zu einer Operation mit vier Zentnern. Wenn das rothe Oxyd nach dem eben beſchriebenen Vere fahren bereitet wird, und eine ſchöne rothe Farbe hat, ſo ents hält es 0,18 an Sauerſtoff. J< habe nach meiner Methode ſolches componirt, welches 0,20 enthielt, während die Oryde, die keine glänzende Farbe. haben, nur dreyzehn bis vierzehn Procent geben. Die Alkalien und der Kalk ſchlagen das Queckſilber aus allen ſeinen Aufldſungen im Oxrydzuſtande nieder. Wir verdaiſ- ken Bayen die Mittheilung merkwürdiger Thatſachen über dieſe Präcipitäte; er hat bemerkt, daß faſt alle, durch ihre Ver- miſchung mit ſublimirtem Schwefel, die Cigenſchaft bekämen, zu knallen; ſo der Niederſchag der Aufldſung des jalpeterſauien Salzes durch fohlenjaures Ammonium, der Niederſchlag der nämlichen Flüſſigkeit durc Kalkwaſſer, der Niederſchlag der Aufldſung des corroſiven Sublimats durch Kalkwaſſer u. ſ w. Man darf davon nur ein ha'!bes Quentien Stellen mit demſelben ein, oder ſchmiert das Oxyd mit Fett zuſammen, um daraus eine Pommade zu bilden. Wir bemerken in, dieſer Rüöcſicht, daß ſchlecht bereitetes Oxyd noh eine Portion ſehr concentrirter Salpeterſäure enthalten kann, die die delicaten Theile auf die es aufgeſtrichen wird, dergeſtalt entzündet und anfrißt, daß der Kopf des Kindes, an dem es angewendet wird, anſchwillt, unv eine Juflammation bekommt, die von gefährlie r werden, Dieſe Kriſtalle darf man nur-.durch die Flüſſige keit berühren, um eine Exploſion hervorzubringen, die den Kolben zerſprenget. Alle Silberoxyde werden durch die Wärme flüſſig, ſie haben keine lebhafre Farben, und in dieſen lezten Rükſichten haben die Künſte bis jezt noch keinen Gebrauch davon gemacht, Dreyzehnter Abſchnitt, Von den Soldoryden,(Rnallgold, Purpur des Caſſius). Das Gold iſt faſt unveränderlic) durch die Wirkung des Feuers. und der Laft, Es gehr aus den mit dem Brennpunkte des Brennſpiegels gemachten Erfahrungen hervor, daß ein Tyeil dieſes Metalles, wenn es geſchmolzen wird, in Dämpfen aufz ſteigt, ohne eine Veränderung zu erleiden, Jedermann weiß, daß das einzige das Gold auflöſende Mittel die ſalpeterſaure Salzſäure(das Kdnigswaſſer) iſt. Die Alkalien kdnnen das Gold aus ſeiner Auflöſung nieder? ſchlagen, und wenn man Ammonium anwendet, ſo wird das Oxyd knallend 3 dieß wird Rnallgold genannt und iſt ein geibes Oxyd. Man tro>net es im Schatten um mehr Sicherheit bey der Bereitung zu haben, P 3 Die --“ 328= Die Erfahrungen einiger Chemiker haben bewieſen, daß, wenn man Knallgold“in kupfernen Rdhren, deren Extremität in den pneumato-e reicht, ſo erhält man StiFgas und ein wenig Waſſer. Wird das Knallgold mit dligen Körpern angerieben ſo ver? liert es die Kraft zu knallen, Alle dieſe Thatſachen beweiſen unwiderleglich, daß das Knallgold eine Verbindung von Ammonium und Goldoxyd ſey. Wenn man dieſe Verbindung erwärmt, ſo entwickelt ſich der Sauerſtoff des Oxyds und verbindet ſich mit dem Waſſerſtoff des Alkali's; es entſteht daraus ein Verbrennen, das Waſſer in Dämpfen erzeugt und eine Exploſion zur Folge haben muß. Wenn man Zinuplatten in eine Goldaufldſung thut,-ſo bes de&en. ſie ſich bald in großem Maaße mit einem purpurfarbe- nen Niederſchlage, der ſich bey der geringſten Bewegung mit der Flüſſigkeit vermengt; dicß iſt ein Zinuoxyd, welches ſich mit einigen Atomen ſchwach oxydirten Goldpräcipitats vermiſcht und ihm dieſe Farbe mittheilt. Man bedient ſich diefes Niederſchlags aber in den Künſten unter. dem Namen, Purpur des Caſſius (auch Goldpurpur), und gebraucht ihn, um dem Porzellain und Fayence die ſchdne Purpurfarbe zu geben, mit-welk der Säure erhals- tene gelbe Materie die wahre Tungſtein- Säure ſey, und daß dieſe Säure fich ganz ausgebildet in dem Tungſtein befinde, weil die Salzſäure ſie eben ſo wohl als die Salpeterſäure ausſcheiden kann, wenn ſie ſich des Kalks bemächtiget. Wenn man dieſe Säure mit der Luft in Berührung geſeßt, lange Zeit kalzinirt; ſo wird die gelbe Farbe dunkel und kann in eine grüne übergehen, Dieſe --= 230== Dieſe ſv kalzinirte' Säure läßt ſich durch Waſſer nicht" auf- Idſen uno'hat keinen Geſchma&. Das nämliche Oxyd findet ſich mit Eiſen und Braunſtein in Verbindung in dem Mineral, welches Wolfram heißt. Un das Tungſtein- Oxyd oder die Tungſtein- Saure dar- aus zu jei- en, laßt man eine Viertelſtunde hindurch pulveri- ſirien Wolfram mit jeinem dreyfachen Gewichte au Salzjäure guſſtieden, und es bildet ſich ſodann ein gelber Staub; ſobald die Flüſſigkeit warm zu werden aufängt. Nachdem ſie kalt ge» worden, klär: man die Flüſſigkeit ab und laugt den Niederſchlag qusz; man läßt Ammonium mit dieſem letztern digeriren, und zwar zu wiederhoiten Maleu„ bis daß es nichts mehr davon aufzulöſen im Stande iſt; ſodann wird das Ammonium evapo- Fir:, das Reſiyuum der Cvaporation kalzinirt z und män erhält ein gelbes Palver,-welten Tiegel, orydiren 3; es ſublimirt ſic) dann eine weiße, zuweilen kriſtalli? ſirie Materie, weiches die Molybdänſäure iſt. Auch kann man das Geſchwefelte noch durch Salpeterſäure zerſetzen, die es ſtark angreiſt, eine große Quantität nitrdſes Gas fahren läßt, und als Reſiduum ein weißes Pulver zurükläßt, Man nimmt dreyßig Theile Salpeterſäure, und läßt ſie in ver? ſchiedenen Malen, immer zu ſechs Theilen auf einmal, arr as ... 231= Das weiße Pulver, wenn es in einem Tiegel erwärmt und wohl gewaſchen wird, iſt die reine Molybdänuſäure, Man ſieht aus-«dieſen beyden Verfahrungsarten, den ein? fachſten unter allen, durch welche die Molybdänſäure erhalten werden kann, deutlich, daß dieſe Säure in dem Zuſtande in dem Mineral exiſtirt, aber daß es deſſen Natur und Eigenſchaften durch die fernere Oxydation annimmt, welche die Kalzination oder die Zerſezung der Salpeterſäure darin hervorbringen, Herr Rlaproth hat dieſe Säure auc<+ aus dem gelben Kärnther Bleyerze gezogen, in welchem ſie mit Bleyoxyd ver2 bunden iſt, Die Molybdäuſäure iſt weiß, und läßt auf der Zunge einen ſauren und metalliſchen Geſchma&, Ihre ſpecifiſche Dichtigkeit gegen die des Waſſers iſt nach Bergmann, wie 3,460 zu 1,000. Sie wird von der Luft nicht angegriffen, verflüchtiget ſich aber“durch das Blaſerohr in nadelfdrmige Kriſtalle. Sie löſt ſich bey einer mittleren Temperatur in 566 Thei? len Waſſer auf. Sie zieht die reine Baryterde aus der Salpeter- und der Salzſäure an. Sie verdrängt die Kohlenſäure aus ihren Auflöſungen, Sie ldſt mehrere Metalle auf, und-nimmt eine blaue Farbe an- je nachdem ſie ihnen ihren Sauerſtoff abgibt*). Sechszehnter Abſchnitt. Von den Oxyden des Chromes(Chromſäure)«. Das Chrom findet ſich in dem Zuſtande einer Säure in dem rothen ſibiriſchen Bley und in dem Zuſtande eines Oxyds in dem Smaragd und dem grügen Bleyerz. Um die Chromſäure zu erhalten, läßtrman rothes, pulve- riſirtes Bleyerz mit zwey Theilen kohlenſaurem Kali aufſieden; das Alkali verbindet ſich ſodann mit der Chromſäure, und bildet ein orangegelbes Salz, welches ſich kriſtalliſiren kann, En eine ») Die Molybdänſäure wirkt auc< als Grundlage für viele Pigmente und wenn die damit durchdrungenen wollenen Zeuge in Zinnauf- löſung gebracht werden/ ſs nehmen ſie ſchöne dunkelbläue Farben an, die ſehr ſatt und dauerhaft ſind. Wäre ſie wohlfeil genugy ſo würde ſolche einen wichtigen Gegenſtand der Färberey aus8mg?- hen fönnen. H. -- 232= ſeine Farbe zu verändern. Man zerſeßt' dieſe neue Verbindung durch mineraliſche Säuren und erhäit durch die Evaporation; 1) Das durch die angewendete Säure und das Alkali gee bildete Salz. 2) Kriſtalle in länglichen, rubinfarbenen Prismen,“oder die Chromſäure, Man kann ſich auch) der Salzſäure bedienen, die ſich des Bleyes bemächtiget und die Chromſäure bloß ſtellt, Die Chromſäure hat eine rdrhliche Orangefarbe, und einen pikanten metalliſchen Geſchma>. Sie 1dſt ſich leicht in«Waſſer auf, und die verdi>te Auf- ldfung derſelben gibt kleine Kriſtalle ig, Geſtalt länglichter Pris» men, von ruybinrother Farbe, Papier, Eiſen, Zinn, wenn ſie in dieſe Aufldſung getaucht und den Sonnenſtrahlen ausgeſezt werden, nehmen dadurch eine grüne Farbe anm." Vermittelſt hinzutretender Wärme verwandelt ſie die Salz- ſäure in oxydirte Salzſäure und die Flüſſigkeit wird grün. Geſchmolzen mit Phosphorglaſe und Borax, theilt ſie dem Glaſe eine ſchdne Smaragdenfarbe mit. Es ſcheint ſich aus allen dießjalls bekannt gewordenen That- ſachen zu ergeben: 1) Daß die Chromſäure faſt allen ihren Verbindungen eine ſchdne rubinrothe Farbe mittheilt. 2) Daß das Oxyd des Chromes ihnen eine lebhafte Sma- ragdfarbe gibt, Es läßr ſich nicht bezweifeln, daß die Künſte, hauptſäch» lich die Mahlerey, und die, deren Gegenſtand die Färbungen des Glaſes,“Emails und Porzellains iſt, ſich nicht bald eines Färbeſtoffes bemächtigen ſollien, der alle Nüancen'des ſchöuſien Grün und das glänzendſte und dauerhafteſte Noth liefert. Schon hat Herr Zrogniard das Oryd des Chromes mit Erfolg dazu ar gewendet, dem Porzellain eine ſchöne grüne Farbe zu geben. Das Var- Departement liefert dieß Metall in Ueberfluß (nahe vey Gaſſin, an dem Landhauſe la Carrade), Man darf nur das Eiſenoryd, die Alaun- und die Kieſelerde die darin in Vorbindunzg ſind, von einander ſcheiden, um es zu jeglichem Ges branche anwenden zu kdanen, und Mittel zu deſſen Verviel- fältigung zu finden, Sechstes Sechstes Kapitel. Von den Verbindungen des Sauerſtoſſs mit dem Waſſerſtoff (Waſſer). Das Waſſer iſt das bekannteſte Reſultat der Verbindung des Waſſerſtoffs wit dem Sauerſtoff, und da dieß Fluidum in faſt allen Operationen auf unjerm Erdball thätig iſt, und es ohne dasſelbe weder Leben noch Thätigkeit gibt, ſo hat deſſen Studium für uns ein ganz beſonderes Iniereſſe, vorzüglich in Rücſicht auf ſeine Entſteyung und Zerſezung, Die Wirkungen des Waſſers ſind naM und nach wohl von Männern beobachtet worden, die die Operationen der Natur ſtudirten, aber. ſeit der EntdeFung ſeiner Beſtandtheile erſt, hat man deren Urſachen in allen Phänomenen erklären können, die ſeine Entſtehung und Zerſetzung begleiten, und ſeine Thätig- keit in allen den Thatſachen verfolgen, welche es uns darbietet, Da die EntdeFXung der Grundſtoffe des Waſſers eine der g!änzendſten Epochen in der Chemie bildet, und wir an dieſelbe nicht allein die ſchleunigen Fortſchritte einiger Künſte, aber die E: klärung der haupiſächlichſten Phänomene der Vegetation, der Oxydation, der Wirkung der Säuren, der Erzeugung der Salze u. ſ. w. knüpfen müſſen; ſo glauben wir ſchuldig zu ſeyn, über das, was ſie vorbereitete und herbeyführte, in einige Details einzugehen. Im Jahre 1718 zog Geoffroy fünf Unzen, ſieben OQuent- te, wog das Eiſen und den Lauf, und bekleidete den letztern ſodann mit einem Kitt, der ihn vor der Berührung der Luft ſchüßte; dann wurde er in einen Ofen in gebogener Richtung ſo. hingeſtellt, daß das Waſſer darin laus fen konnte, und an ſeiner hdhſten Extremität ein Trichter an2 gebracht, dazu beſtimmt, das Waſſer aufzufangen, und es, aber durc< einen Hahn nur Tropfen für Tropfen, ablaufen zu kaſſen; dieſer Trichter war verſchloſſen, um jede Coaporation des Waſſers zu verhindern. An dem andern Ende des Laufes war ein tübulirter Recipient befeſtigt, um das Waſſer aufzu- nehmen, das, ohne ſich zu zerſezen, entweichen kdunte; an der Tuabulirung des Recipienten aber befand ſich der pneumato- che» miſche Apparat,: Zu größerer Borſicht machte man in dem ganzen Apparate vor der Operation leeren Raum,“und ließ, ſobald der Lauf roth geglüht war, das Waſſer Tropfen für Tropfen hineinfließen, woraus man viel Waſſerſtoffgas zog; nachdem die Operation beendigt war, hatte der Lauf Gewicht gewonnen, die Eiſenſtrei- fen in ſeinem Junern waren in eine Lage von Eiſenoxyd ver- wandelt, ſchwarz und kriſtalliſirt, wie Eiſenerz von der Inſel Elba; dieß Eifen war in dem nämlichen Zuſtande, als in Sauer? ſtoffgas verbranntes/ und die Vermehrung des uhuere iſen a. 236--. Eiſens zuſammengenommen mit dem Gewicht des erhaltenen Waſſerſtoffs betrugen genau ſo viel, als das gebrauchte Waſſer. 2) Wenn man Eiſen" oder Zink in Schwefelſäure auflöſt, die mit ſechs oder ſieben Theilen deſtillirten Waſſers durchmengt iſt; ſo oxydiren ſich die Metalle, und es entwicelt ſich viel Waſſerſtoffgas. Das zurüFbleibende Waſſer iſt nicht in dem nämlichen Verhältniſſe mehr vorhanden, als das angewendete; der Verluſt den es erlitten, iſt der Sümme des Gewichtes des Waſſerſtoffs, und dem Zuwachs. den das Metall an Schwere erhalten, gleich. Wenn man, anſtatt. der Zerſeßzung des Waſſers auf dem Eiſen durch die Miſchung mit Schwefelſäure nachzuhelfen, ſich darauf einſchränkt, aus ſehr zertheiltem Eiſen und reinem Waſ- ſer einen Teig zu bilden, ſo oxydirt ſich das Metall;' es ent- wielt ſich Waſſerſtoffgas, die Maſſe wird tro>Xen, und. das Gewicht des Gas, und das, welches das Eiſen angenommen, ſtellen das urſprüngliche Gewicht des Waſſers dar, Das nämliche Phänomen zeigt ſich ſchneller, wenn man in die Miſchung ein wenig Schwefel thut; in dieſem Falle überträgt ſich der Sauerſtoff des Waſſers auf das Eiſen und den Schwefel. Die Herren Haſenfraz, Strhouly und Bettancourt haben die Beobachtung gemacht, daß die Eintauchung eines glühen- den Eiſens in Waſer jederzeit Waſſerſtoffgas dargus entwielt, das ſich entzündet. Jedermann weiß, daß die Waſſerdämpfe die Stärke der Flamme vermehren, und daß, wenn man dieſe Flüſſigkeit auf einen ſehr heißen, fetten oder dligen Körper gießt, dadurch die Entzündung desſeiben hervorgebracht wird. I< habe Gelegenheit gehabt mich zu überzeugen, daß die feuchte Luft der-Waſſertrommeln eine größere Wirkung hervor= bringe, als eine gleiche Maſſe von Luft, aus einem Blaſebalge mit der nämlichen Kraft ausgeblaſen. Alle dieſe Phänomene hängen von der Zerſezung des Waſſers ab, deſſen Sauerſtoff ſich auf dem brennenden Körper. feſtſeßt, während der Waſſer- ſtoff verfliegt, 3) Wenn wir mit Aufmerkſamkeit dasjenige beobachten, was bey den auf die Zerſezung der Pflanzen- thieriſchen und mineraliſchen Subſtanzen Bezug habenden Operationen vorgeht; ſo werden wir überall Waſſer als das bey dieſen Zerſezungen hauptſächlich wirkende Mittel finden; wir werden ſehen, wie es in den Eingeweiden der Erde, und in verſchloſſenen Ges fäßen die atmosphäriſche Luft erſeßt, und den niehf 74 ert, fert, der ſich auf den Körpern feſtſetzt, während der frey gee wordene Waſſerſtoff in den Gaszuſtand übergeht. Wir werden ſehen, wie es, Faſt in allen Fällen wo ſich Säuren bilden, das ſäureerregende Princip hergibt, und durch dieß Mittel die kräf- tigſten Wirkungsmiitel bey den Operationen der Natur und Kunſt erzeugt. 4) Abgeſehen von der Wirkung des Waſſers auf todte und unorganiſche Körper, hat es einen. ſehr ausgezeichneten Einfluß auf lebende Weſen; es iſt eines der mächtigſten Elemente zur Ernährung der Vegetabilien, es zerſeßt ſic) in ihrem Gewebe, und liefert den entzündlichen Stoff, der in den Vflanzen im Ueberfluß vorhanden iſt, während ſein Sauerſtoff nach Außen gedrängt, oder Grundſtoff im Pflänzenreiche wird, indem er dazu beyträgt, Säuren, Harze u, ſ, w, zu vilden, Zweyter Abſchnitt. Von der Zuſammenſezung des Waſſers, 1) Im Februar des Jahres 1785 bewirkte man bey La- voiſier mit Hülfe von Gazometern, deren Beſchreibung er ſelbſt in ſeinen Elementen der Chemie*) geliefert, die Verbrennung von 2,3645%8, Gran Sauerſtoffgas, und 47127255 Waſſerſtofſ- 938, worauf im Abzug gebracht werden müſſen; a) 456 Gran auf das Gewicht des als Reſiduum blei- benden Gas, b) 35,25 Gran, wegen der dem Sauerſtoff durch das Kali geraubten Feuchtigkeit. c) 44,25 Gran, wegen der Feuchtigkeit des Waſſerſtoffs z ſo daß an Feuchtigkeit, dem Totalgewicht nach 3188,4 Gran Gas blieben. Man ſammelte nun 3219 Gran Waſſer, das heißt, 31 Gran mehr, als das Gewicht der Gaſe betrug, welches aus einem bey der Schäßung der Gewichte ſich eingeſchlichenen Irr2 thume herrührt. Dieß Waſſer war ſäuerlich. Es wurde durch dieſen Verſuch feſtgeſtellt, daß 100 Theile Waſſer aus 85 Theilen Sauerſtoff und 15 Waſſerſtoff beſtunden, Ein andrer im Großen, und unter den Augen aller Pariſer Gelehrten gemachter Verſuch iſt der, den H/rr Lefevre-Ginegu im College de France, Dienſtag den 23ſten May 1788 aufieng, und Sonnabend, den 7ten Juny beendigte; das aus Braunſtein gezogene *) S. Lavöiſiexs Syfiem'der antiphlogiftiſchen Chemie. Mit Anmerkungen begleitet: von zzermbftädt, 2te Auflage, Berlin 32803,. wnn 238=. gezogene Sauerſtoffgas nahm bey einer Temperatur von 10 Gra» den unter Null, und dem Druce von 28 Zollen Queſilber einen Raum von 350851 Cubikzollen ein, und wog 18298,5 Gran, Das, aus der Aufldſung von ſüßem Eiſen in Schwefelſäure, die mit.5 Theilen Waſſer verdünnt war, gezogene Waſſerſtoffgas, vahm einen Raum von 77907,4 Cubikzollen ein, und wog 475,63 Gran, Dieſe beyden Gaſe zuſammengenommen, hatten ein Total» gewicht von 23054,8 Gran, weichemnächſt, wenn man die nicht verzehrte Portion, die 2831 Gran betrug, davon hinwegnimmt, für das Gewicht der vereinigten Gaſe der Betrag von 20323,8 Gran bleibt. Das erzeugte Waſſer wog 20293«+ Es ergab ſich alſo ein Deficit von 30,8 Gran, oder von5?-. der Totaiſumme, Das Gewicht des Produktes, das in dem Lavoiſierſchen Experimente das der gebrauchren Materien überſtieg, und das Deficit in dem gegenwärtigen beweiſen, daß dieſe leichten Unterſchiede von Irrthümern herrühren, die bey ſo langwieri- gen und delicaten Verſuchen unvermeidlich ſind. Schon die Annäherung des Gewichts des Gas an das des erhaltenen Waſſers iſt ein Wunder, wie ein jeder fühlen wird, der ſich mit Unterſuchungen der Art beſchäftigt. Das ſpecifiſche Gewicht des von Herrn Lefevre-Gineau hervorgebrachten, in Vergleichung mir deſtillirtem Waſſer, was in dem Verhältniß, wie 1,001025 zu 1 während das aus dem Lavoiſierſchen Verſuche ſich wie 1,0051 zu 1 verhielt, Cs war ſauer und enthielt 23,63 Gran Salpeterſäure, Ein drittes Erperiment, über die Zerſezung des Waſſers, iſt von den Heiren Fourcroy, Dauquelin und Seguin gemacht, und obgleich dieß nur die bereits aufgenommene Lehre über die Grundbeſtandtheile des Waſſers zu beſiätigen dienet/ ſo verdient es wegen der Präciſioy aller dabey vorgekomwenen Operationen, und der Genauigkeit der Reſuitate erwähnt zu werden, Uebri- gens waren die Gaſe, deren man ſich zur Verbrennuvg bediente, aus, von denen die die erſtern geliefert, verſchiedenen Materien gezogen, und das gewonnene Waſſer gab kein Zeichen von Säure, Aus allen dieſen Geſichtspunkten aber kann der Verſuch als veu betrachtet werden, weil er, indem er bekannte Reſultate beſtäti2 get, unſere Kenntniſſe erweitert und vervollkfommt., Man zog das Waſſerſioſſgas aus einer Auflöſung von Zink in Schwefelſäure, die mit ſechs Theilen Waſſer verdunnt war, Durch Durc von 28 Zollen Quedfilber, Das Gewicht dieſes Gas, welches zur Compoſition des Waſſers gebraucht wurde, betrug 1039,358 Gran, Der Umfang des Sauerſtoffgas bey 28 Zoll Dru, und einer Temperatur von 14 Graden, betrug 12570,942 Cubikzoll, Das Totalgewicht der zur Compoſition bes Waſſers ange» wandten Flüſſigkeiten war alſo 7249,227 Gran, oder 12 Unzen, 4 Quentchen, 49,227 Gran. Das Gewicht des erhaltenen Waſſers endlich betrug 7244 Gran, oder 12 Unzen, 4 Quentchen, 45 Gran, Alſo ein Deficit von 4,722 Gran, Die endiometriſchen Verſuche hatten gezeigt, daß die ganze Maſſe der Lebensluft nur 415,256 Cubikzoll enthielte, bey dem Ende des Experiments nun, fanden ſich 467 vor, alſo eine Verniehrung vou 51,744 Cubikzoll, Das erhaltene Waſſer war nicht ſauer, es hatte alle Ei» genſchaften des reinſten deſtillirten Waſſers, Die berühmten Männer, die das Experiment gemacht, ſchreiben dieſen Unter2 ſchied, zwiſchen den zuvor durch Verbrennung der Gaſe gewon» nenen Waſſer und dem ihrigen, dem zu, daß da bey ihrem Verſuche die Verbrennung nur ſehr langſam vor ſich gegangen, die Wärme niemals eine ſolche Höhe erreichen können,'um die Verbindung zwiſchen dem Stiäſtoff und Sauerſtoff hervoro zubringen, Dieſe Operation wurde 185 Stunden hindurch, ununter» brochen fortgeſeßt. Der Verſuch des Herrn Lefevre ergibt auf 100 Pfund: Sauerſtoff 884,8= 842 LE FOU Duk Waſſerſtoff 15 2= A8T. Der Verſuch mit der Zerſeßung des Waſſers ergibt 109 Pfund Waſſer:? nt M Sauerſtoff 84,2636= 84x Waſſerſtoff 15,7364> 152 Das Experiment der Herren Sourcroy, Vgauquelin' und Seguin endlich, gibt auf 100 Pfund Waſſer; Sauerſtoff 85,662 Waſſerſtoff 34,338 Aus glus dieſem leßtern Experimente laſſen ſich no< nachſtehende Folgerungen ziehen: 1) daß das Gewicht des Waſſerſtoffs zum Sauerſtoff ſich verhalte, wie 14338 zu 85662. 2) Daß ein Pfund Waſſer aus folgender Zuſammenſeßung beſtehe: Sauerſtoff 13 Unzen, 5 Quentſtoff, der den andern Grundbeſtandtheil desſelben aus2 macht, entwielt ſim im Gaszuſtande, Die Verpuffungen der metalliſchen Niederſchläge durch Am- monium bringen ihre bekannten, ſchre>lichen Wirkungen nur durch Bildung und ſchleunige Evaporiſation eines Theiles Waſs» ſer hervor, 3) Die ſchdnen Verſuche von Lavoiſier und Seguin haben bewieſen, daß ſelbſt dur die Hand!ung des Athemwholens ſich Waſſer erzeuge, und daß, wenn der Sauerſtoff auf irgend even Theil des lebenden Körpers aufgetragen wird, er Waſſer oder Kohlenſäure hervorbringt; je nachdem er ſich mit dem Waſſer- ſtoffe oder mit dem Kohlenſtoff verbindet. Die Phänomene bey der Vegetation zeigen gleichfalls die Production dieſer Flüſſigkeit in mehrern Fällen; das Reifwere den der Früchte zeigt an, daß ſich darin Waſſer in Uebere- fluß bildet, Durch das Verbrennen wird dasſelbe auch noch in unge- heuerm Maaße hervorgebracht; 2. gvoiſier bildete davon 18 Una zen durch das Verbrennen von 16 Unzen Alkohol, Ich habe mehrere Male bemerkt, daß die Deſtillation ſtark geſäuerter Vegetavilien die Säure zerſeßte, und daß. daraus viel mehr Waſſer entſtand,.als die Pflanzen in ihrem urſprünglie ehen Zuſtande enthalten, Die Die Zerſeßung der Säuren auf dem'grdßten Theil der thie: riſchen und Pflanzenjabſtanzen bringt Wäſſer hervor, Gährung und Fäuniß, indem ſie den' Kdrpern ihre eigens thümliche' Natur rauben;' die ihrem Eimfluſſe ausgeſetzt ſind, nehmen Sauerſtoff aus der Atmosphäre auf, uud geben Ver- anlaſſung zur Bildung einer Portion von Waſſer, Da wir yun einmal die Grundbeſtandtheile des Waſſers kennen geierut; ſo wird es"uns ein leichtes'ſeyn, ſeine Wirkung in allen ven Pyänomenen zu verfolgen ,/ die bey ſemer Zerſezung vorkomanen; aber um einen genauen Begriff von dieſer F!üſſigs keit zu haben, muß man ſie in ihren haupiſächlichſten Verhält» niſſen betrachten. Man kann das Waſſer alſo in den dr* Zu- ſtänden anſehen in die es der Wechſel der Temperatur verfeßzetz dieſe Eintheiiung berüh-t ſein Weſen unter allen Umitänden und iſt alſo ſehr geeignet unſre Gedanken auf die) Rolle zu richten, die es bey allen Operationen der Natur und Kunſt, ſpielet, Dritter Abſchnitt. Von dem Waſſer in Eisgeſtalt, Wenn die Temperatur unſeres Planeten fortwährend unter dem Nullpunkt des Reaumurſchen Thermometers ſtände, dann würden die ungeheuern Waſſerſammlungen, woraus die Meere und Seen beſtehen, neue feſte Maſſen unſerm Continent hinzu? fügen; die Quellen, Flüſſe und Strdme würden nicht mehr ſeynz die Thiere und Pflanzen, deren Leben das Waſſer erhält, wür» den nicht mehr durch ihre Poren die Nahrurg empfangen, deren ſie bedürfen, Bald würden Theile von jenen durchſichtigen Kriſtallmaſſen, durch die Hand des Menſchen aufgeldſt und fortgerollt, von den Winden forigeſtoßen, vder fortgeriſſen von den neuen Flüſſigkeiten, die ſich auf der Oberfläche der Erde verdichtet hätten, uns ein mehr oder minder verworrenes Ge» menge aller feſten Subſtanzen auf der Oberfläche des Erdballs zeigen, und än dem aus den Eiefriſtallen gebildeten Theile uns ſeres Planeten, würden wir dieſelben Phänomene als an unſern jetzigen Bergen wahrnehmen. Allein die Kälte, welche dazu gehdrt, um das Wäſſer in beſtändiger Tiegeſtalt zu erhalten, iſt icht der dauernde Zuſtand der Temperatur unſerer Armosphäre, und nur auf einigen Punk» ten der Erde ſcheint ewiges Eis zu ſeyn, während ſonſt faſt überall das Waſſer uns einen abwechſelnden Uebergang aus dem 11. Q fläſſigen flöſſigen Zuſtande in den. feſten oder in den gasfdrmigen darſtellt, je-nachdem die.Jahrszeit und die Temperatur iſt. Das. Gefrieren des Waſſers bietet einige Phänomene dar, die beſtändig genug zu ſeyn ſcheinen, um eine Auseinanderſeuy1g zu verdienen« 1) Fahrenheit, Treiwald, Baume und de Rattes haben bemerkt, daß das Waſſer einen tiefern Grad von Kälte, als der Gefrierpunkt annehmen kann, ohne zu gefrieren 3; es iſt zugleich dem beobachtenden. Auge dieſer Phyſiker nicht entgangen, das ein ſten Flüſſigkeit gehdrig bewirken kann, und wir müſſen hinzufügen, das dieſe Eigenheit uur bey denjenigen Salzen Statt finder, welche in Maſſe gerinnen oder erſtarren, und nicht bey denen, deren Kriſtalle ſich einzeln oder abgeſondert fär ſich in einer Flüſſigkeit bilden, welches eine zweyte Aehnlichkeit zwiſchen der- Kriſtalliſation jener erſtern Salze und dem Gefrieren des Waſſers begründet. 2) Aus den Verſuchen der Akademie del Cinzento erhellt, daß hohle, mit Waſſer gefüllte Kugeln von Metall, wenn ſie einer Temperatur ausgeſeßt wurden, die fähig war, das Waſſer zum Frieren zu bringen, mit einem Knall zerſprangen, Jeder- mann weiß, daß die Baumſtämme ſich zerſpalten, wenn der Saft darin friert/ und daß die härteſten Steine. mit Geräuſch zerſpringen, oder Spalten kriegen, ſobalv das eingedrungene Waſſer zu Eis wird. Aus dieſen Thatſachen hat man geſchloſſen, daß das gefrorne Waſſer einen grdßern Raum einnehme, als. das flüſſige; allein Herr Vauquelin hat beobachtet, daß verſchiedene Salze, die ſich in ofſenen Gefäßen kriſtalliſirten, und die ſelbſt beym Uebergang in den kriſtalliſirten Zuſtand an Volumen abs nahmen, nahmen, dennoch das Zerbrechen der Gefäße bewirkten. Dieß bringt uns auf den Schluß, daß die durch den Froſt bewirkte Expioſion nicht nothwendiger Weiſe die Vergrößerung des Vo- kumens beweiſt, die man daraus hat folgern wollen. Dieſe nicht zu bezweifelnden Reſultate ſind ſchwer zu bes. greifen? denn wenn man auch ſelbſt annimmt, daß das Zerbre- hen der Gefäße durch eine Zunahme des Volumens bey dem gez frierenden Kdrper bewirkt werde, ſo bleibt doch nv< immer übrig zu erklären, wie die Krafr, welche die Kriſtalliſation hervor» bringt, einen ſo mächtigen Widerſtand überwinden kdnve, als ihr die di>en Wände einer metallenen Kugel. entgegenſtellen. 3) Die vorhergehenden Erſcheinangen hadveu uns ſchon über? zeugt, daß das Cis die friſtalliſirie Form des Waſſers ijtz allein wir haben auch bemerkt, daß hier, wie bey yer Kriſtalliſation einiger Salze, die Flüſſigkeit'gauz auf ein Mal erſtarrt und. es folglich nicht immer nröglich iſt, die dem Kriſtall eigenthüml/che Geſjtait zu unterſcheiden, weßhalb wir hier die bauptſächlichſien Beobachtungen über dieſe Kriſtalle miteinander vergieichen wollen, De mMayran ſah, daß ſich die Eisnadeln allezeit unter eis nem Winkel von 605 oder von 120 Graden vereinigten. Pellerier fand in einem ldcherigen Stü Eis vierſeitig pris- matiſche, abgeplattete Kriſtalle, an beyden Enden mit zwey Flächen zugeſchärft. Herr Sage bewerkt, daß wern man eine Eismaſſe zerbricht, die in ihrem Innern Waſſer enthä!t, dieſes herausfließt, und man die Hdhlung mit vierſeitigen Säulen, die in vierſeitige Py» ramiden auslaufen, überzogen findet. Oft ſind dieſe Prismen in einander gefügt und kreuzen ſich.*(Sage, Analyſe cbimique, tom, 1. pag. 77)» Herr Macquart hat wahrgendmmen, daß wenn in Mos2 eau Schnee fällt, und die Armosphäre nicht allzutro>en iſt, man eine Menge artiger Kriſtalliſationen darin bemerkt, die res gelmäßig abgeplattet und ſo dünn ſind, wie ein Blatt Papier. Es iſt eine Vereinigung von Faſern, die von einem Mittelpunkt ausgehen und ſechs Hauptſtrahlen bilden, welche ſi) wieder ſelbſt in kleine außerordentlich glänzende Bündel theilen. Er hat mehrere. von. dieſen abgep!atteten Strahlen bemerkt, die 10 Lis nien im Durchmeſſer hatten, Ich habe oft geſehen, daß die Büſchel von Kriſtallen, die fich bey einem Reif auf, Pflanzen und andern fev der Lufi auf die Oberfläche der Flüſſigkeit iſtz es iſt bekavat, daß die durch den Dru> der Aimoephäre conden2 ſirten Flüſſigkeiten ſich wieder in dem leeren Raume der Luftpumpe in Dämpfe aufldſen, Hierauf müſſen wir die Beobachtungen der meiſten Phyſiker und Naturforſcher beziehen, die das Kochen einer Fiüſſigkeit deſto leichter vor ſich gehen ſahen, je höher man quf einem Berge ſtieg; und durch eine natürliche Folgerung ans dieſen Grundſätzen hat Herr Achard in Berlin ein Inſtrument erfunden, um die Höhe der Berge nach der Leichtigkeit, womit eine Flüſſigkeit ins Kochen kommt, zu beurtheilen. Mongez und Zamanon, zwey der unglü&lichen Gefährten von Lapeyrouſe, haben bemerkt, daß der Aether auf dem Pik von Tencriſſa mit einer bewundernöwürdigen Leichtigkeit verdunſtete.- Herr von Sauſſüre machte eine ähnliche Bemerkung auf den Schweigter- bergen und die Herren Rochon und Zavoiſier haben aus allen dieſen Thatſachen praktiſche Folgerungen gezogen, um die Deſtil- lation zu erleichtern, indem man das Gewicht der Luftſäule, die auf die zu verdunſtende Flüſſigkeit drü>t, ganz oder zum Theil entfernt. - Das Waſſer übt im flüſſigen Zuſtande eine mächtige An- ziehungsfraft gegen beynahe alle' Körper aus, doch iſt ſie vis ey av." Ae:= bey allet? gleich; es ſucht die Vereinigung wit einigen, als mit der Schwefelſäure, dem Kali u, ſ, w. ,-und'verwirft ſie mit ver» ſchiedonen Andern, als- mit dem Fett, den Oelen, Metallen u.ſ. w.; im allgemeinen hat' es größere Verwandtſchaft mit den ſalzigen Subſtanzen, als mit den ändern, Das Waſſer zeigt in ſeinen verſchiedenen Verbindungen be- ſondere Eigenſchaften, die ihm weſentlich änzugehdren ſcheinen 5 befindet es ſich darin in einem richtigen quantitativen Verhätt- niſſe; ſo bewirkt es. die Durchſichtigkeit und-Feſtigkeit faſt aller Salze« Um ſich hiervon zu überzeugen, braucht man nur Acht zu geben, was„mit den Kriſtallen geſchieht, die man ihres Waſſers dutc< das Feuer oder die bloße Wirkung der Luft be? raubt; ſie verlieren mit einem Male ihre Durchſichtigkeit und Feſtigkeit, Wenn man mittelſt der Hiße das Waſſer der durch- ſimigeu Gypsfriſtalle ausgetrieben, und 4hnen eine pulverige Conſiſtenz gegeben hat, ſo kann man ihre Feſtigkeit wieder» herſtellen, indem man dieſem Pulver das Waſſer wieder gibt, das man ihm genommen. Wir können, von Seiten des Waſſers, ähnliche Wirkungen.wahrnehmen bey der Bildung: des Gluten, der Bereitung des Leims, des Mörtels u. ſ, w. Wenn man das Waſſer im Uebermaaß den verſchiedenen Subſtanzen darbietet, die mit ihm Verwandtſchaft haben, ſo ldſt es ſie auf, und gibt ihnen den äußern Charakter, der ihm eigen iſt. Die verſchiedenen Grade von Verwandtſchaft mit den verſchiedenen Kdrpera, theilen ſeine ldſende Kraft in unend- liche Grade ab. Dieſe ldſende Kraft, die das Waſſer auf allen Punkten des Erdballs ausübt, iſt die Haupturſache der Verſegungen und Ortsveränderungen aller mehr oder minder in dieſer Flüſſigkeit ldslichen Subſtanzen. Die Salze, von welcher Art ſie ſeyn mögen, ſind“ kaum gebildet, als auch das Waſſer ſie ſchon mit ſich fort- reißt; die Verdunſtung, Bewegung oder ſtärkere Verwandtſchaf- ten bewirken dann den Niederſchlag derſelben. WVermöge derſelz ben löſenden Kraft bringt das Waſſer die Materien, welche im Innern der Erde gebildet worden, täglich an die Oberfläche der? ſelben; und eben dieſe Kraft gibt dem Chemiker ein Mittel an die Hand, die Salze zu extrahiren und zu erkennen, während'er zugleich in der Eigenſchaft des Waſſers, zu verdunſten, einfache Mittel findet, um ſie in der regelmäßigſten Geſtalt zu erhalten. Unterſuchen wir mit Aufmerkſamkeit die löſende Wirkung des Waſſers auf die verſchiedenen Körper, ſo erkennen wir zwey ſehr deutliche Erfolge; oft iſt die Löſung vollkommen, und der geldste Körper verſchwindet dent Auge; in mehreren BADER an in bindet.das.-Waſſer bloß..die Theile; vermehrt das“ Volumen der Maſſe, und gibt ihr Durchſichtigkeit.- Die leitern Erſcheis nungen ſehen wir bey der Art und Weiſe ,, wie ſich das Waſſer mit der Thonerde, Talkerde., der Stärke dem Pflanzenſchleim, Eyweiß-u, ſ. w. verhält, Es iſt hiep;eine, halbe Aufldſung:; wo die, kleinen Partifeln durch das Dazwiſchentreten der Flüſſig: Feit getrennt, und bey einem hohen Grade von Feinheit von einander abgeſondert ſind. Das Waſſer wirkt nicht allein als ldſendes Mittel auf die orgäniſchen und nicht organiſchen Produkte, ſondern es übr auch durch ſeine eigenen Grundbeſiandtheile eine mehr oder minder di= recte„Wirkung auf ſie aus. Indem das Waſſer leicht oxydirbare Metalle benetzt, zer- ſeßt es. ſich mit ihnen, oxydirt ſie, und ſein Waſſerſtoff. ent. weicht in. Gasgeſtalt. Die Zerſetzung geſchieht. ſchneller, wenn man, es, mit einem,Kdrper verbindet, der eine ſehr ſtarke Vers waudtſchaft mit den Metallen äußert, wie z, B. die Säuren, Der Zerſezung des Waſſers im Jnuern der Erde können wir auch die meiſten dort vorgehenden Veränderungen und Re- volutionen zuſchreiben 3“ die in den Eingeweiden/ der Erde ſo ſo) häufigen Schwefel» und Phosphormiſchungen würden Feine Veränderung erleiden); wenn der» Sauerſtoff, der ihre Natur utwwandelt ,“und-mit ihnen Säuren bildet, nicht durch die Zerz- ſetzung, des Waſſers, hergegeben würde; auch ſehen wir die Schwefel|miſchungen nicht eher ausſchlagen, als wenn ſie vom Waſſer durchdrungen ſind, Ju allen: dieſen Fällen verbinder ſich der Sauerſtoff des Waſſers mit dem Schwefel, und bildet Schwefelſäure, während der„freygewordene, Waſſerſtoff,„oft mit, krachendem Geräuſch, aus der Werkſtätte, die ihn erzeugt hat„. entweicht, und Erdbeben oder vulkaniſche AuSbrüche: ver? anlaßt, Von der andern Seite. beſtrebt ſich die producirte Säure,. ſich mit allen Materialien, zu verbinden, die ſie an dem Orte ihrer Bildung, antriffr,. woraus daun ſchwefeiſaure Salze. von allen Arten entſpringen,., Das“Waſſer 1dſet-.nun dieje neuen Salze auf, und führt ſie'auf die Odverfläche des Erd» balls, welches die Haupturſache der Entſiehnxug der Mineral- waſſer iſt; aber die convu!'ſiviſchen Bewezungen., die durch das Reſultat dieſer Zerſeßungen, und die ſie begleitende Wärme her- vorgebracht werden, ſublimiren jene Salze, oder ſiopen ſie qusz weßhalb man auch älle dieſe Produkte mit deu vulkaniſchen Pro- dukten gemengt, oder in den Zugldchern, welche dem unterirdi- ſchen Feuer einen Ausgäng geben, ſublimirt findet, Die | Die Bildung der Säuren, Oxydation der Metalle, Zerſeßung der'Erdharze, und alle Phänomene der-Oxrydation oder der Werz brennung, die in dem Innern der Erde, da wo.die atmosphariz ſche Luft nicht hindringen kann, Statt finden, können nicht/ane ders, als durch die Zerſeßung des Waſſers erklärt werden. Wenn wir aus dem Schooß unſeres Planeten unſere Blike auf die Oberfläche desſelben wenden, ſo ſeheu wir wieder glle le: benden Weſen der Zerſetzung des Waſſers, die Ausübung ihrer drganiſchen Verrichtungen verdanken; die Pflanze wächſt durch Hüife des Waſſers allein,“ und es)iſt ein vothwendiges Yufs ldiungsmittel für“ alle andern Stoffe," die ihre Ernährung vollenden, Siebentes Kapitel, Von den Verbindungen des Schwefels. - Der Schwefel iſt eins der fräftigſten Hilfsmittelen erhalten, Wenn-“man aber, anſtatt die Alkalien trocken mit dem Schwefel zu verbinden, ſie in Waſſer aufldſt /' und np der arme | vers 250 nl] Wärme mit dem Schwefel digeriren läßt, ſo' geſchieht die Auf- ldfung auf der Stelle; die Flüſſigkeit nimmt eine röthlichgelbe, mehr oder minder dunkle Farbe an, und verbreitet einen Geruch nach geſchwefeltem Waſſerſtoffgas. Steht dieſer kali- oder natrumhaltige Schwefel mit der Luft in Berührung, ſo läßt er eine beträchtliche Quantität Schwe- fel fallen; der Geruch verſchwindet, die Flüſſigkeit wird helle, und enthält nur noch ſchwefelſaures Kali in Aufldſung. In allen eben erwähnten Fällen rührt die Erzeugung von geſchwefeltem Waſſerſtofſgas und von Schwefelſaure von der atmosphäriſchen Luft, oder von der Zerſezung des Waſſers her; deſſen bevden Grundbeſtandtheile ſich auf den Schwefel werfen, und mit ihm geſchwefeltes Waſſerſtoffgas bilden, welches in die Luft entweicht, und Schwefelſäure, die ſich des Alkalis bemäch- tigt. So wie das-Alkali ſich. verbindet, ſchlägt- der grdpte Theil des Schwefels ſich nieder, weil zur Bildung des'ge- ſchwefelten Waſſerſtoffgas aus der Schwefelſäure-nur ein Theil des in dem Alkali aufgeldsten erforderlich iſt, Das geſchwefelte Ammonium zeigt nicht dieſelben Cigen- ſchaften als die geſchwefelten feuerbeſtändigen Alkalien. Um es zu dereiten mengt man in einem marmornen Mörſer 3 Pfund an der Luft gefallnen Kalk,-.ein Pfund Salmiak, und. 8 Unzen Schwefel untereinander, thut dieſes Gemenge in eine Retorte, gießt 6 Unzen Waſſer darauf, und ſchreitet zur Deſtillation. Die erſten übergehenden Tropfen ſind farbenlos, hierauf aber werden ſie Citronengelb. Wenn ungefähr 6 Unzen Flüſſigkeit übergegangen ſind, dann erheben ſich weiße, ſehr elaſtiſche Dämpfe, die beynahe nicht zu condenſiren ſind; man ver- mindert nun das Feuer, um Exploſion zu verhüten, unterhält es dann noch eine Stunde, und vermehrt es wieder von dem Yugenbli> an, wo die Dämpfe aufhdren ſo reichlich zu ſeyn. Man erhält auf dieſe Art ungfähr 4 Unzen geſchwefeltes Ammonium, welches in den Pharmacopoeen unter dem Namen Zoylens rauchender Liquor bekannt iſt. Hoſſmann brauchte kein Waſſer, und bediente ſich des le- bendigen Kalks; allein auf dieſe Aut iſt das geſchwefelte Ammo2 nium nicht ſehr reichlich, obgleich ſtark rauchend, und ſo elaſtiſch, daß oft die Deſtillirgefäße zerſpringen, Herr Bertholler hat gezeigt,"daß da? geſchwefelte Ammo- nium ſeine Eigenſchaft einer Beymengung von nicht'gebundenem Ammonium verdaukt,' Dieſes - 2f 1-- „Dieſes geſchwefe/te Ammouium kann, ſelbſt im der-Költe, eine viel grdßere Duaniicai Schwefel aufnehmen, und hört dann auf zu rauchen. Dieſe mit Schwefel geſättigte Schwefelmiſchung har eine duntle„Farbe und dlige Conſiſtenz; bey der geringſten Berührung der Luft wird ſie weiß und läßt Schwefel fallen, Da das Ammonium allein den Schwefel! nicht auflöſt, ſo ſichtuman, daß ſich mit Hülfe des geſchwefelten Waſſerſtoffs die dreyfache Verbindung bildet, und daß ſie dann den Namen gKmmoniunbalituge hydrogeniſirte Schwefelmiſchung erhalten muß, während der rauchenden Verbindung te Benennung ge» ſchwefelter Waſſerſtoff mit einem Ueberſcquy von Ammonium zukommt. Die geſchwefelten Alkalien werden. nicht ſchr gebraucht: man hat- ſie als eudiometriſche Mittel vorgeſchlagen; allein der geſchwefe!te. Waſſerſtoff, der ſich. mit. der Luft vermiſcht, die man analyſiren will, macht dieſe. Methode weniger genau und ſiywieriger in der Yusführung,, als wenn man Körper gebraucht, die den Squerſkoff aufnehmen und keinen flüchtigen Stoff unter die Luft mengen, mir weicher may operirt, Zweyter /Abſhnitt, Von den Verbindungen des Schwefels mit den Erden, Wenn man ein Pfund fein gepulverten lebendigen Kalk mit 4 Unzen ſublimirtem Schwejel(Schwefelblumen) wohl gemengt hat, und auf dieſes Gemenge Waſſer gießt, um den Kaik zu ldſchen und einen weichen Teig zu bilden, ſo iſt die fich erzeue gende Hiße hinreichend, die Auflöſung einer Portion Kalk durch den Schwefel- zu bewirken, und man kann durch Filtriren eing gelbe Flüſſigkeit abſondern, die wie geſchwefeltes Waſſerſtoff» gas riecht. Man kann auh eine Kalk- Hydroſu!/phure bereiten, wenn man die Kalkerde in Waſſer zerläßt, and danu durch dieſes das geſchwefelte Waſſerſtoffgas hindurchgehen läßt. Reitke Talkerde, in das mit geſchwefeltem Waſſerſtoff ges ſchwängerte Waſſer geworfen, löſt ſich darin auf. Läßt man eine Aufldſung von friſcher geſchwefelter Schwer- erde abdunſten, ſo bildet ſich eine verworrene Kriſtalliſation; werden dieſe Kriſtalle zwiſchen Papier gelegt, welches die Flüſ- ſigkeit, wovon ſie durchdrungen ſind, annehmen kann ,- und dann unter eine Preſſe gebracht, ſo bilden ſie eine weiße Sub- ſtanz ſtanz und dieß iſt der ſchwefelwaſſerſtoffhaltige Baryt. Die ab- geſchiedene Flüſſigkeit iſt eine geſchwefelte Baryterde, die noch viel geſchwefeiten Waſſerſtoff enthält. Wenn man die geſchwefelte Baryterde bereitet, dann bils det ſich eine viel größere" Menge geſchwefelter Waſſerſtoff, als bey dei andern Schwefelmiſchungen, weil die Verwandtſchaft der Baryierde mi: der Schwefelſäure eine ſchnellere Orydation des Schwefels und des Waſſerſtoffs erzeugt. Die Quantität geſchwefelter Waſſerſtoff, die ſich bey jeder Gattung 90on Schwe- ſelmiſchung, bile:, verhält ſich wie die Verwaudtſchaft' der Grundlagen zur Schwefelſäure, Dritter Abſchnitt, Von. den Verbindungen des Schwefels mit den Metallen; Herr Berthollet unterſcheidet mit ſeinem gewöhnlichen Scarfſinn die Verbindungen des Schwefels mit den Metallen von denen, die er mit ihren Dxyden eingeht, Im erſtern Falle zieht die Schwefelmiſchung den Sauerſtoff aus der Atmosphäre an, oder ſie bleibt ohne alle Veränderung, je nach der Verwandtſchaft des Metalles mit dem Sauerſtoff, der Verwandtſchaft des Schwefels mit demſelben Stoſſ, und der Tendenz des Metalls ſich mit der Schwefelſäure zu verbinden, die das Reſultat der Oxydation des Schwefels ſeyn muß. So bildet das in metalliſchem Zuſtande mit: dem Schwefel verbundene Eiſen eine ſchwarze ſehr leichtflüſſige Miſchung, und wenn es-in oxydirtem Zuſtande mit dem Schwefel verbunden iſt, eine gelbe, minder leichtflüſſige, ſchwerer zu zerſeßende Miſchung« Das ſchwarze Schwefeleiſen wird an der Luft ge!b, zu Folge der Oxydation ſeiner beyden Beſtandtheile, und verän dert ſich in ſchwefelſaures Eiſen. Die“ Wirkung der Säuten auf die metalliſchen Schwefel: miſchungen iſt ſehr verſchieden, je nachdem das Metall im me- talliſchen oder oxydirten Zuſtande ſich befinder; im erſtern Falle würken diejenigen Säuren ſchnell, welche ſich leicht mit den Me- tallen zerſeßzen, und ſo, indem ſie ſie oxydiren, ihre Auflöſung vorbereiten; im zweyten Falle üben die Säuren, die ſich. nicht zerſeßen„. die kräftigſte Wirkung aus. Es erhellt aus den Verſuchen des Herrn Berthollet, daß der geſchwefelte Waſſerſtoff ſich mit einigen Metallen, beſonders ader mit.den Oxyden verbindet, und daß die concentrirten S8u- ' ren" ren. dieſe Oxyde zurüF nehmen, und den geſchwefelten Waſſer» ſtoff äaustreiben; Bey den meiſten durch Metalloxyde gebildeten Hydroful- phuren verurſacht.das Beſtreben.des Waſſerſtoffs und Sauerſtofs, ſic) mit einänder zu verbinden, die Zerſezung des geſchwefel» ten Wäſſerftoffs. Man kann die Hydroſulphuren zerſeßen, entweder indem man ihren Waſſerſtoff, oder indem man ihren Schwefel dem Sauerſtoff abtritt, welches die Reſultate dieſer Zerſezungen ſehr mannigfaltig macht, Sind. die Metalle, durch dieſe Entziehung des Saver(ioffs nahe an den metalliſchen Zuſtand gebracht worden, ſo widerſte- hen ſie der Verbindung mit den Säuren. Däher kommt es, daß der ſchwarze Quedäſilberpräcipität, der vom Silber-und der vom Kupfer, zum Theil der Wirkung der Säuren widerſtehen. Die allmählige Entſäuerung iſt ſehr bemerklich,„wenn man eine Aufldſung von geſchwefeltem Waſſerſtoff in eine Aufldſung von äßzendem ſalzſauren Queckſilber gießtz erſt iſt der entſtehende Niederſchag gelb, wird aber immer dunkler, je mehr geſchwefelten Waſſerſtoff man zuſeßt, und geht endlich ins Schwarze über, Das Manganesoxyd(Bräunſtein) nimmt dem Waſſer den geſchwefelten Waſſerſtoff, es treibt das Ammonium aus dem Ammoniumhaltigen geſchwefelten Waſſerſtoff ſeine. Wirkung auf dieſe letztere Subſtanz iſt von einer ſolchen Hilze begleitet, daß die Flüſſigkeit in das Kochen kommt; es verliert dadurch ſeine Farbe zum Theil, wird im Waſſer ldslich, indem es einen Ueberſchuß von geſchwefeltem Waſſerſtoff annimmt, und man kann es in dieſem Zuſtande durch ein Alkali weiß nie« derſchlagen, Erſter Artifel, Von. der Verbindung des Schwefels mit dem Gueſilber, Ginnober, mineraliſcher ohr). Die Verbindung des Schwefels mit dem Que&ſilber bildet den mineraliſchen wmidhr und den Zinnober. Die erſte dieſer Zuſammenſetzungen hat eine ſchwärze Farbe; allein auf dem Bruche und durch. vas Zerreiben der Maſſen zeigt es eine dunfelrothe Farbe, '| Die Die zweyte hat eine ſehr glänzende rothe Färhe, die woch durch das Reiben erhdht wird und in dem letztern Zuſtande neunt man ſie Vermillon, Man kann den Mohr auf verſchiedene Arten bereiten, 1) in- dem man in einem" Mötſel 4 Unzen Queckſilber mit 12 Unzen Schwefel zuſammenreibt;+2) indem man eine Unze Quedſitber auf 4 Unzen geſchmolzenen Schwefel gießt; das Gemenge ent- zündet ſich; man erſtickt die Flamme und nimmt den Tiegel aus dem Feuer; 3) indem man eine Auflöſung von geſchwefeltem Kali mit einer Aufldſung von ſalpeterſaurem Queckſilber vermiſcht. Der ſublimirte Mohr gibt den Zinnober; allein, da man ihm in unſern Laboratorien nicht leicht die Lebhaftigkeit der Farbe geben kann, welche den im Handel befindlichen auszeichnet, ſo wollen wir, uach den Herrn Lucert und Payſſe, das in Hol: land übliche Verfahren beſchreiben, Man mengt 150 Pfund Schwefel und 1,080 Queſilber Untereinander, bringt das Gemenge in einen flachen polirten ei- ſerüen Keſſel, einen Fuß tief, 13 Fuß im Durchmeſſer,-und unterhält eine gelinde Wärme, die fähig iſt, ven Schwefel im Fluß zu erhalten und die Aufldſung des Queckſilbers zu er» leichtern, Man zerſidßt das Schwefel- QueFſilber, das auf dieſe Art bereitet worden, und füllt damir kleine irdene Tdpfe an, die 24 Unzen Waſſer halten, Man ſublimirt in einer Art von wohl mit Kitt beſchlagenen Scwmelztiegeln, um die rund herum die Flamme cirkulirt. Die Deffnung von jedem Sublimirgefäß hält ungefähr einen Fuß im Durchmeſſer, Sobald dieſe Gefäße auf den Ofen gebracht worden ſind, zündet man ein mäßiges Feuer an, welches man vermehrt bis die Gefäße roth glühen; a!sdann wird jedes mit Schwefels Quedfſilber verſehen, und es erhebt ſich ſogleich eive Flamme, deren Entwickelung ſehr ſchnell und die Farve ſehr mannigfaltig iſt, erſt von einen lebhaften Weiß, dann gelb und weiß, oran- gengelb, blau und gelb; wenn die Flamme etwas geſunken und ihre Farbe ein ſchdnes Indigoblau iſt, daun verſchließt man die Gefäße hermetiſch mit Eiſenplatten von 13 Zoll Di>e, Dieſe erſte Operation dauert 34 Stunden, Nun ſeßt man das Feuer 36 Stunden lang fort, indem man'es dergeſtalt mäßigt, daß wenn der De>el abgehoben wird, die Flamme lebhaft iſt, ohne ſich jedoch hdher als'3 oder 4 Zol zu = WG=- zu,erheben.;; drüber oder drunter iſt'das Feuer zu ſtark oder zu ſHwach. Das Feuer wird mit Torf unterhalten, Während der 36 Stunden, daß die Sublimation dauert, ſetzt man die Maſſe alle Viertel oder Halbeſtunden mit einem eiſernen DreyeX in Bewegung. Wenn alles kalt geworden iſt,„nimmt man die Gefäße her» aus und zerbricht ſie; man findet in jedem 400 Pfund ſublimir- tes Schwefelquedſilber, oder Zinnober, Es iſt ndthig zu einem guten Erfolge, eine gleichförmige und gemäßigte Hiße während det ganzen Zeit der Sublimation zu unterhalten, Herr Thomſon hat die folgende Methode den Zinnober zu bereiten bekannt gemacht, Sie rührt von Herrn Rirchhoff her. Man nimmt 300 Gran Queckſilber und 60 Gran Schwefel, die man mit ein wenig Kaliaufldſung beneßt, und in einem por- zellainenen Mörſel zerreibt, um daraus mineraiiſchen Mohr zu machen. Hierauf werden 165 Gran Kali in einer gleichen Duays tität Waſſer aufgeldſt beygeſetzt. Man erhitzt das Gefäß gelind und fährt mit dem Reiben. ohne Unterbrechung fort: in dem Maaße, als das Waſſer verdunſtet, gießt man neues hinzu, ſo daß es die Maſſe einen Finger hoch bede>i. Man reibt zwey Stunden lang; die ſchwarze Farbe wird braun, und wenn ein großer Theil der Flüſſigkeit verdunſtet iſt,'geht"die Farbe ins Rothe übers nun hdrt mani auf, Waſſer beyzuſetzen, fährt aber mit dem Reiben fort, und wenn die Maſſe eine gallertartige Conſiſtenz erlangt hat, wird die rothe Farbe immer glänzender und das Produkt nimmt einen außerordentlichen Grad von Feinz heit an. Jn dieſem Augenblike muß man mit der. Hiße-anhalsz ten, damit die Farbe nicht etwa umſchlägt. Der Graf Muſſin- Puſchkin hat vorgeſchlagen, die Maſſe vom Feuer zu nehmen, ſobald ſie roth iſt, und dann einer ge» linden Wärme während zwey oder dreyen Tagen auszuſeßen, ein ganz klein wenig Waſſer hinzuzuthun, und ſie von Zeit zu Zeit in Bewegung zu ſeßen. Der feingeriebene Zinnober bildet den Vermillon, der im Handel gebräuchlich iſt; da die mehr oder miader vollkommene Zertheilung ein mehr oder minder lebhaftes Roth gibt, ſo reibt man den Zinnober unter Waſſer, und nimmt nur den Theil davon, der fein genug iſt, um eine Zeitlang in dem Waſſer zu ſchwimmen. Die grdbern, zu Boden fallenden Theile werden von. neuem zerrieben, und man. fährt damit fort, bis das Ganze jenen Grad von Feinheit erlangt hät. 1% Es ſchien':mir, daß der/ ebenſo ſorgfältig im Urin abgerie- bene Zimnover eine noch ſchönere'Farbe härte; ich habe ihn jeibſt mehrere Mal auf dieſe Art mit vielem Erfolg bereitet. Cyina liefert einen ſchdnern Vermillon in den Handel, als der holländiſche iſt; ſeine Farbe iſt ſo ſchön, daß man bis jetzt ihren Glanz nicht hat erreichen können, Herr Payſſe bemerkte, daß wenn man den holländijicſilber. Dieſe Meinung gründet ſich auf die Bedbachtung deſſen, was bey der Umwandlung des Mohrs in Zinnober vorgeht, Wallerius bemerkt, daß wenn man den Quefilbermohr mit Kali kochen läßt, er ſich in Zinnober verwandelt,“ Herr Berthollet erhielt denſelven Erfolg durch ein langes Sieden mit reinem Kali, Baume hat gezeigt, daß daß Queſilber, mit einer Auf- ldſung'von hydrogeniſirtem' geſchwefelten Käli oder Ammonium vermiſcht, ſich in ſchwarzes Queckſilber verwandelte, und in einer mehr oder minder langen Zeit die Schwefelmiſchung zu Zinnober„ward, Herr Bertholler ſah dieſelben Erfolge bey Anwendung der Quedfſilberſalze. Die Natur bietet uns ſchon ganz gebildetes Schwefelque>- ſilber dar, allein die Farbe, beſonders des Zinnobers, ſtehr der- jenigen weit nach, welche die durch Kunſt bereiteten Produkte dieſer Art beſitzen. Man bedient ſich des Vermillon in der Mahlerey, des Zinnobers in der Medicin, Zwey Theile Zinnober, mit einem Theil Siſenſpäne gemengt und deſtillirt, treten den Schwefel an das Ciſen ab, und das Quedfſilber geht in die Vorlage über. Man nennt dieſes ſehr reine Quecſilber aus Sinnober wieder belebres Gueſilber, Zwey- Zweyter Artikel. Von den Verbindungen des Schwefels mit dem Arſenik (Operment, Realgar), Die Verbindungen des Arſenik mit dem- Schwefel haben eine Lebyajrigkeit der Farbe, wodurch ihr Gebrauch in den Kün- ſien begrün»et worden iſt, und die ihnen. die Namen geibes Ars ſentf>perment(zurum pigmentüm), und rorhes Arjenit oder Regigar zugezogen hat, Beynahe alles im Handel“ übliche Schwefelarſenik kommt natürlich gebildet vor; die benachbarten Gegenden der Bulcane liefern viel Operment und Realgar;. man findet deſſen ſehr häufig auf der Solfarera bey Neapel, Die durch Arſenik und durch Schwefel vererzten arſenikga2 liſchen und geſchwefelten Metalle enthalten es ebenfalls, Der Realgar ſcheint in China häufiger vorzukommen, als in andern Weltgegenden. Die Judier machen daraus Pagoden, vder hdyien daraus, Gefäße aus, deren ſie ſich zum Purgiren bedienen, indem ſie darin einige Zeit eine ſaure Flüſſigkeit ſtes hen laſſen, und dann einnehmen, Der Realgar zeigt ſich oft in Geſtalt von zuſammen- drückten Prismen, an beyden Enden mit vier Flächen zuge- geſpißt, Das Operment iſt noch gemeiner, als der Nealgar. Das im Handel gewöhnliche kommt aus einigen Gegenden"der Les vante, in irregulären, derben oder blätterigen Maſſen von ſch d- ner citronengelber Farbe; Herr von Born hat es in vielſeitigen Kriſtallen in einem bläuligen Thon der Gegend von Neuſohl in Ungarn gefunden. Man kann das Schwefelarſenik bereiten, indem man arfezs nikaliſchen Eiſenkies und Schwefelkies untereinander mengt und deſtillirt; die beyden Vererzungsmittel ſublimiren ſich, und bils den durch ihre Verbindung Operment oder Realgar, je nach: ihrem quantitativen Verhältniſſe und dem Feuer rade, 8 Man hat lange Zeit geglaubt, daß zur Bildung. des Realgar nur,ein Zehntel Schwefel, zur Bildung von Operment aber'ein Fünftel Schwefel erforderlich ſey, und nach dieſem Verhältniſſe die Quantitäten beyder Beſtandtheile zur Bereitung des einen vder des andern dieſer Produkte vorgeſchrieben. Allein man weiß jet, daß, wie auch die Propoztion des Schwefels ſeyn mag, H. R Real? e- 258 wm Realgar oder Operment erhalten wird, je nachdem man den Feuers8grad erhöht oder vermindert. Der Realgar iſt alle Zeit das Produkt einer grdßern Hißze; es wird dadurch ein Theil des Schwefels verflüchtigt, und die Oxydirung des Arſenik befördert, und vielleicht kommt es daher, daß die Analyſirung 10 bis 15 Procent Schwefel im Realgar zeigt, da Weſtrumb in 100 Theilen Operment 20 Theile Schwefel, 79 Arſenik und einen Theil Eiſen gefunden hat. Herr Thengrd hat gezeigt, daß ſich int' Operment, das Arſenik zum Schwefel verhält wie 4:3; im Realgar wie 31 1. Das Schwefelarſenik wird wegen ſeiner Dauerhaftigkeit und des Glanzes ſeiner Farben häufig in der Mahlerey gebraucht. Auch bedient man ſich desſelben in der Färberey, beſonders zunt Druden der baumwollenen Zeuge, Dieſe Schwefelmiſchungen haben auch noch den Vortheil, daß ſie die Farben gut erhalten, ſie vor Zerſezung und vor dem Schimmeln bewahren, wenn ſie flüſſig ſind, und die zernas genden Inſekten abhalten. Ferner kdnnen ſie als Aufldſungsmittel des Indigo dienen, Scheffer und Bergmann ſchlugen vor, 6 Drachmen Oper? ment mit ſehr ſtarker Seifenſiederlauge zu vermiſchen, in die man pulveriſirten Indigo, 3 Drachmen auf 2 Pfund Flüſſigkeit gethan hat; man erhitzt das Fluidum, und in wenig Minuten wird die Köpe grün, macht blauen Schaum, und ſelzt ein Häutz ſilber und das, ſalzſaure Ammonium, nicht ndrhig-ſind, um Muſivgold zu bereiten. Acht Unzen ſalzſaures Zinn. durch kohlenſaures Na- trum gefällt und mit 4 Unzen Schwefel gemengt, gaben ein ſchdwes Muſivgo1d:. Aber dieſes Produkt erregt oder belebt nicht die Elektriſirmaſchine, wie das! andere; welches. beweiſt, daß dieſe Eigenſchaft von dem Quedſitber herkommt, welches in einer ſehx ſtarken Proportion in dev andern Compoſinion befindlich iſt. R; 2 Pelle: -- 260= Pelletier hat dieſe Verſuche von neuem vorgenommen und ſehr. wichtige Thatſachen hinzugefügt; 1) gleiche Theile fein ge- feiltes Zinn, Schwefel und ſalzſaures Ammonium, gaben ihm bey. der Deſtillation geſchwefeltes Ammonium, geſchwefeltes Waſſerſtofſgas, ein wenig Schwefel und-ſalzſaures Ammonium z der RäFſtand in der Retorte war ſehr ſchönes Muſivgold; 2) da ſich Pelletier überzeugt hatte, daß ein zu wirkſames Feuer als Rücſtaud bloß Schwefelzivn in einer bläulich grauen Maſſe zu- rü&läßt, ließ er in einem Tiegel 100 Unzen Zinn ſchmelzen; ex ſetzte nach und nach Schwefel zu, bis das Zinn geſättigt wär z die Schmelzbarkeit des Metalls vermindert ſich in dem Maaße, als man fortfährt Schwefel beyzumiſchen. Er ließ hierauf den Schmelztiegel kalt werden, der die Schwefelmiſchung enthielt, und dieſe wog 115 bis 120 Unzen, Dieſes Schwefelzinn mit einem Beyſatz von ſalzſaurem Am- monium deſtillirt, gibt kein Muſivgold; aber es läßt als Rück? ſtand eine ſchwarze, regenbogenfarbig angelaufene, aufgeblähte, zerreibliche Maſſe, welche Pelletier als eine mit Schwefel un- vollkommen geſättigtes Zinnoryd anſieht. Sechshundert Gran Schwefelzinn, mit gleichen Theilen ſalzſaures Ammonium und pulveriſirten Schwefel gemengt, geben eine Unze ſt alles mit einem zweyten Deel,.-der mit Sorgfalt verkittet wird; dieſen Schmelz- tiegel ſeßt er dann in einen größern Schmelztiegel und füllt den Zwiſchenraum-mit Sand aus; dieſe Vorrichtung wird nun auf den Roſt eines gewdhnlichen Ofens geſetzt und vorſichtig Feuer gegeben.„Im Allgemeinen muß man; um ein ſchönes Muſiv- gold zu erhälten, es durch eine gelinde Wärme bereiten,„die.auf dem. zur Sublimation des Salmiaks ndöthigen Grade 8 bis 9 Stunden unterhalten wird, Aus den zahlreichen von Pelletier bekannt gemachten Ver- ſuchen kann man ſchließen: 1) daß das Muſivgold nichts iſt, a!s ein geſchwefeltes"Zinnoxyd; 2) daß das Zinnoxyd- eine größere Quantität Schwefel aufnimmt, als das reine Zinn; 3) daß man das Zinnoxyd gradezu mit dem Schwefel verbinden kann, ſelbſt auf dem naſſen Wege; 4) daß eine zu große Hißze einen Theil des Produkts) verflüchtigt; 5) daß man die Operation anfangen kann ,. indem man eine neue Doſis Schwefel dem Rücſiande beyſeßt. Wegen -- 261 ,"=> Wegen der Schönheit und Beſtändigkeit der Farbe'des Mu- ſivgoldes, der zierlichen Form ſeiner Schuppen und ihrer Leich» tigkeit, hat man es lange Zeit als Zierrath gebraucht und man bedient ſich deſſen noch, um der Bronze und andern Materien eine ſchdne Farbe zu“ geben, Man braucht auch das Muſivgold, die Kiſſen der Elektri- firmäſchine damit zu reiben undgjhre Kraft zu vermehren, Vierter Artifel. Von den Verbindungen des Schwefels mit dem Spießglanz. (Rohes Spießglanz3; Spießglanzleber; Rermes)« Das: Spießglanz vereinigt ſich mit vem Schwefel ſo leicht, daß man nur 18 Unzen Schwefel und 16 Unzen Spießglanz zu? ſammenſchmelzen darf,-.um 2 Pfund von dieſem Metall zu er- halten. Die Natur bietet uns- aber dieſe Verbindung ſelbſt ſo häufig dar, daß wir ihrer künſtlichen Bereitung entübrigt ſeyn kdnneu.. Das Spießglanz iſt in der That durchgehends mit Schwefel- vererzt: die erſte Arbeit die man»mit dem Erz vor- nimmt beſchränkt ſich darauf, es zu ſchmelzen, uin alle frem- den Kdrper davou zu trennen; daraus entſpringt denn ein Schwe- felſpießglauz, deſſen Gewebe ſtreifig iſt und aus einem Bündel Nadeln beſteht, die ſtark aufeinander gedrüt ſind, Man nennt dieß rohen Spießglanz, Dieſes Schwefelſpießglanz dient zu verſchiedenem Gebrauch: man zerſeßt es, um das Metall daraus zu ſcheiden 3, mam/löſt es mit den Alfalien auf, um einige mediciniſche Präparate zu bil- den; man löſt den Indigo damit auf, und bereitet eine blaue Drudfarbe. Wirft man in einen glühenden Schmelztiegel gleiche Theile Schwefelſpießglanz und ſalpeterſaures Kali, ſo entſpringt daraus ein geſchwefeites Spießglanzoxyd, welches man Spießglanz- leber nennt. Werden aber 3 Theile Salpeter und ein Theil Schwefelſpießglanz" genommen, dann iſt der Rückſtand ein mit Kali gemengtes Spießglanzoxyd, Die wichtigſte Verbindung, von der wir zu ſprechen haben, iſt diejenige, welche unter dein Namen Bermes befanut iſt. Wir werden erſtlich die Art ſeiner Bereitung beſchreiben und zu- leßt die wahre Theorie derſelben'geben.'! Man bereitete anfänglich den Kermes,. indem man in einem Tiegel ein Pfund Schweſelſpießglanz, 2 Pfund reines"Kaki und ' eine u zn =. 262=> eine Unze Schwefel zuſammien ſchmolz;- den'geſchmolzenenRü- ſtand ließ man in.einer hinreichenden Quantität Waſſer. kochen, filirirte ihn dann und. erhielt beym; Kaltwerden einen rdihlichen Niederſchlag, der gehdrig mit kaltem Waſſer gewaſchen und daun getrodnet den ſogenannien MmeralFermes, durch das Schmel- zen bildet. Dieſe Methode verließ man nachher;': nachdem die-Regie= rung das Verfahren, den Kermes auf naſſem Wege zu bereiten, im Jahr 1720 erkauft und bekannt gemacht hatte. Der Kermes wurde damals Rarth;äuſer pulver" genaumnt, weil der Bruder Simon, Apotheker bey.den Karthäuſern, das Recept oder die Vorſchrift der Regierung verkaufte, Die Bereitung auf näſſem Wege hat noch Vervolſkommunne gen erhalten, wodurch ſie jezt eine der leichteſten Operationen der Chemie, geworden iſt. Man bereitet eine äßzende Kalikänge auf die bekännte Art, und läßt ſie eine halbe Stunde mit etwa einem Fünftel pulveri- ſtiiten Schwefeiſpießglanz kochen. Man'fi'trirt die kochende Auflöſung durch ein leinwondnes Tuch und erhält durch das bvioße Abkühlen einen reichlichen Nieverſchlag, der nur getro>net werden darf, um den im Handel umlaufenden Rermes darzuſtellen, Man kann eine friſche Quantität Kali mit dem Schwefelz- ſpießglauz kochen laſſen und erhält eine neue Portion Kerniesz3 allein die Färde desſeiben iſt bläſſer und man kann ihm das Sammeartige und die Tiefe der Farbe des ſchönen Kermes bioß durch Beyſaß einer neuen Quantität Schwefel oder Schwefels ſpießglanz geben, Man braucht den Kermes nur gut mit kaltem Waſſer zu waſchen, uin alles Kali„"welches er noc< zurückhält, davon zu trennen. Dieſes Alkali ijt nicht nothwendig zu ſeiner Zuſam2 menſeßung.; "Wird die Flüſſigkeit, die über dem Kermes ſchwimmt, der ſich beym Kaltwerden niederſchlägt, durc) Säuren zerſeßzt, ſo entſteht ein Niederſchläg von gelber Farbe, den man orange- farbenen Spießglanzſchwefel nennt, Herr Bertholler hat.gezeigt, daß der Kermes und der oran2 genfarbige Spießglanzſceln, woriv ſie ab- geſondert: exiſtirtein Das Horn gibt von allen thieriſchen Theilen das weiſte Awmonium';' das Produkt'iſt'allgemein unter dem Namen flüch- tiger"Zirſchhorngeiſt"bekannt,'' Mir eben ſo viel Vortheil'a!s das"Horn habe ich die Larven einiger IJuſekten, beſonders des Seideuwurms, wenn der Schmetterling ausgekrochen iſt, deſtillirt; Das"auf dieſe Art extrahirte Ammonium iſt aber niemals rein, ſondern mit Del und andern Stoffen vermengt, die ſeinen Eigenſchaften Eintrag thun,„Nur durch. wiederholte Deſtilla- tionen, und vermittelſt der' Erden als Zwiſchenmittel, befreit man es von dieſen, fremden Körpern, Wegen dieſer Schwierigkeit das Ammonium rein und frey von jedem Geruch nach. thieriſchem Oele zu erhalten, hat man zu der Zerſezung des ſätzſauren Ammopiums mittelſt des ge? braanten, Kalks ſeineyZuflucht geyommen. Zudem Ende/:miſcht man gleiche'Theile durchgeſiebten ge- brannten Kalk und ſalzſaures Ammonium, welches wohl zer» ſtoßen iſt" unter einander, und bringt das Gemenge ſogleich in eine Retorte, an welcher eine Vorlage und der Woulfiſche Ap- parat angebracht iſtz. man vertheilt in-zwey Flaſchen eine Quan- tität Waſſer, die mit dem Gewicht des gebrauchten Solzes über- einſtimmt, und verkittet die Fugen der Gefäße mit dem gewdhn- lichen Kitt, der mit naſſer Blaſe oder mit Leinwand, die mit einem Kitt von.Kalk und Eyweiß beſtrichen iſt, verfeſtigt wird. Man gibt Acht den Apparat nicht eher zu erhißen.,-als bis der. Kitt recht rroFen. iſt, Das/Ammotnium geht bey der erſten Einwirkung des Feuers in Gasform über, ldſt ſich im Waſſer mit Wärme auf, und ſättiget es, Dieſes mit Ammoniumgas geſchwängerte Waſſer wird flüſſiges Ammonium, flüchtiges Saugenſalz, flüchtiger Sal- migkgeiſt genannt, „„n IH 265 FEE Im einigen. Fabriken, wo» man“. dieſes Salz im Großen bereitet, nnſcht wan. das ſalzſaure Ammonium mir Kalk und hipreichendem Waſſer-,„uud„condenſirt..die Awmoniumdämpfe in Vorlagen, die/mit Erkälrüngsmiteln umgeben ſind, Dieſes Verfahren erfordert weniger Sorgfalt, undäaeßt einer.geringern Gefahr aus, als das vorhergehende; dieſe Dämpfe ſiud bey weitem weuiger expanſivel, als das Gas, wenn es tro>en iſt, Das mit Ammoniumgas geſättigte Waſſer kann 28 Grad nac: dem Baumeſchen.Aeiaomerter haben; allein das im Handel gebräuchliche Alkali iſt nur bis auf 22 oder 23 Grad konzentrirt. Das Dargnſioßen und die, Hilze bewirken das Zerſpringen der Gefäße, wenn das Ammonium concentrirter iſt. Die bildenden Grundſtoffe des'Ammoniums ſind jeßt. ſehr befawwt. Schon Prieſtley's Verſuche, der mittelſt des electriz ſchen Funkens das Ammoniumgas. in Waſſerſtoffgas verwan? delie,- hatten zu der Vermuthung bewogen, daß der Waſſerſtoff einer. ſeiner Grundbeſtändtheile ſey; es war aber Herrn' Bera tholler vorbehalten,“unſere Vermuthungen zur Gewißheit zü erheben und zu beweiſen, daß der Waſſerſtoff im Ammoyium mit dem Stickſtoff verbunden iſt. Wir wollen die verſchiedenen Beweiſe, welche uns" dieſer geſchi>te. Chemiker"geliefert hat, nebeneinanderſtellen, und die, welche Herr Fourcroy aus ſeinen eignen Verſuchen gezogen hat, um dieſe wichtige EntdeFXung zu unterſtüßen'/ hinzufügen. 1) Wenn män oxvydirte Salzſäure mit ſehr reinem Ammo- nium vermiſcht, ſo entſteht Auf brauſen, Entbindung von Sti- gas // Erzeugung von Waſſer und Verwandlung der oxydirten Säure in gewdhnliche Salzſäure, Der Waſſerſioſf des Alkalis verbindet ſich hier mit dem Sauerſtoff der Säure, um Waſſer zu bilden; während der Stick» ſtoffſrund die» Salzſäure ſrey.werden; Das opxydirtſalzſaure' Gas,. welches man durch flüſſiges Ammoniam hindurchgehen läßt5 zerſetzt ſich. Wenn man, anſtatt ſich der Aufldſung des' Ammoniunmis in Waſſer zu' bedienen, das Ammoniumgas unter eine über Queckſilber geſtürzte Glo>e bringt, und oxydirtſalzſaures'Gas dazu läßt, fo entſteht pldglich eine weiße, ſtrahlende-Flammesz ein ſehr di>er Rauch verdunkelt zu gleicher Zeit den ganzen Raum des Gefäßes; es entbindet ſich eine ſehr beträchtliche Menge Wärmeſtoff, und nach einigen Minuten ſind die vorher tro>nen Wände der- Glo>e mit Waſſerſtreifen überzogen, die herunter- laufen, und ſich auf der Oberfläche des QueFſilbers ſammeln, Finden -- 266= Finden bey dieſem leßtern Verſuche die erforderlichen quan» titativen Verhältniſſe Statt, um die oxydirte Salzſäure voll- ſtändig zu zerſeßzen, ſo findet man in dem gebildeten Waſſer bloß Stickſtofſgas,' und einige Atome Salzſäure, 2) Die Deſtillation des ſalpeterſauren Ammoniums gibt Sti>ſioffgas und Waſſer: Der Sauerſtoff der Säure und der Waſſerſtoff des Alkalis erzeugen das lekztere. ) Wenn wan Ammonium auf eine Aufldſung von ſchwefel: ſaurem Manzanes gießt, ſo wird das Oxyd dieſes Metalles in Geſtalt von braunen Flo>ein gefällt, die ſich bald von einander trennen, und von den Blaſer eines elaſtiſchen Fluidums hin und her getrieben werden, das ſie an die Oberfläche der Flüſſigkeit hebr, Das ſich enwickelnde Gas iſt Stickſtoffgas. 4) Wird Quefilber auf dieſelbe Art aus dem ſalpeterſauren Oue>filber gefällt, ſo zeigt ſich Entwi>elung von demſelben Gas, 5) Salpeterſaures Eiſen, durch Ammonium zerſeßt, ſtellt ein ſchwarzes Oxyd dor, aus dem ſich nach und nach eine Menge kleiner Blaſen von Sticſtoſſgas entwi>eln, Das Oxyd geht ins Braune über, 6). Wenn man das Manganesoxyd mit Ammonium befeuch- tet, ſo entſteht ein leichtes Aufbrauſen, bey einer Temperatur von 10. bis 12 Grad, und das Oxyd nimmt langſam eine graue oder weiße Farbe an. Das Aufbrauſen rührt von dem Sticſtoffgas ber; man kann.durc) Erhdhung der Temperatur die Produkiion desſelben vermehren und beſchleunigen, Dieſelbe Wirkung findet zwiſchen dem braunen Eiſenoxyd und dem Ammonium Statt; bey den Quedſilberoxyden iſt der Erfolg ſchneller, IZenn die Oberfläche des Quecſilbers durch die bloße Be» rührung. des oxydirtſalzſauren Gaſes oxydirt worden iſt, ſo braucht man; nur«mit einer„in Ammonium getauchten Feder über dem Oxyd hin und her zu fahren, um es ſogleich wieder in metalliſchen Zuſtand zu verſeßzen« Die Bley=, Zink-, Kobalt-, Wismuth und Spießglanz- oxyde ſind weniger geeignet, das Ammonium zu zerſeßen; je- dennoch entbindet ſich-Stigas, wenn man flüſſiges Ammo- nium mit Bleyglätte digeriren läßt, und die Wißmuth- und Kobaltoxyde erleiden durch dasſelbe einige Veränderung. Ich habe ſelbſt beobachtet, daß das mit weißem Arſenik- oxyd digerirte Ammonium ſich zerſeßt, das Orxyd«in den me- ralliſchen Zuſtand reducirt wird, und in Octaedern kriſtalliſirt. Die - 267== Die Zerſetzung' des Ammoniyms zeigt ſchon. genuaſam an; daß es aus- Waſſerſtoff. und Siiäſioff zuſammengeſetzt iſt3 allein die Bewniſe ,. welche man. gus'ſeiner Bildung fann, ſetzen dieſe" Lehre"auger allen Zweifel: 1) Herr) Verthollet hat gezeigt, daß da, wo StiFſioff und Waſſerſtoff iſt!, ſich allezeit Ammonium erzeugt, daß die animaliſchen Tyeite deſſen“ um'ſo niehr liefern) je"mehr ſie mit St>ſtoff verſehen ſind; und wenn.mon ihnen die en Stoff raubt, ſie das Vermögen verlieren, Ammonium, zu: produciren; das dieſe“ Bildung.„yon Amwoniym,/nur iv dem Augenblicke Statt findet, wo jeve beyden Grundſtoffe durch die Guulniß frey, wers den; daß endlich das Ammonium uicht ſchon gebildet in den lee benden und geſunden Tijieren exiſtiert. 2) Herr Rirwan ſah ſich Ammonium bilden, indem gez ſchwefelies- Waſſerſtoffgas,„und--ſa!/peterhalbſaures" Gas über Queckſilber mit einander vermiſcht wurden, 3) Zerſeßt man Salpeterſäure mit Kupfer, Eijen eder Oel, ſo erkennt man am Geruch'/ daß etwas Ammonium. erzeugt wird, beſonders wenn die Zerſetzutig ſchuell geſchieht, 4) Im Jahr 1788 theilte William Auſtin der königlichen Socierär in London eine Reihe vou intereſſanten Verſuchen über die Bildung des Yinmoniums wit, aus welchen ſich ſchließen läßt, daß die Verbindung von Waſſerſtoff und Stickſtoff nicht Statt finden kaun, ſo lange ſie beyde in gaöfdrmigem Zuſtande ſind; daß wenn man Waſſer, in Gefsßen mit Stigas gefüllt, über Eiſen zerſeßt;-der Waſſerſtoff ſich, in dem Maage als er enwiFelt wird, mit: dem Sti>ſtoff verbindet, und'Ammonium bilder; daß,:wenn man endiich(Start des Stikgaſes ſiH des ſa. peterhalbſauren Gaſes bedient, die Bildung von Ammonium ſchneller geſchieht," und'in' dieſem Fall das ſalpeterhalbſaure Gas. ſo frey" von Stickſtoff iſt, daß ein Licht darin leichter brennt, als in'der gewöhnlichen Luft, wie das ſchon Prieſtley bemerkt hat, et Nach Herrn Berthollet iſt' das quantitative Verhältnis des Sti>ſtoffs zum Waſſerſtoff“ wie 121 zu 29,„und nach Auſtins Berechnung wie 121 zu 32. Das Ammonium dient in der Arzneykunſt als Reigßmit2 tel, und iſt eins. der kräftigſten das man kennt, Man ge? braucht es auch als Getränk, in der Doſis von einigen Tropfen in Waſſer zerlaſſen, bey Fällen, wo man nach der Haut hin- wirken will, Auch 4 ME Anch kedient man ſich des Ammoniums in den Künſten, wo man es ſeit einiger Zeit zur Erhöhung einiger Farben, beſon- ders deren, die man auf Papier aufträgt, und zur Nüanci- rung einiger Färbeſtoffe bey der Seide anwendet. Es ldſt das aus dem ſchwefelſauren, ſalpeterſauren, ſalz- ſauren u. ſ, w. Kupfer gefällte„Oxyd auf, und“dieſe Auflöſung, die ein dreyfaches Salz iſt, nimmt eine ſchöne«blaue Farbe an, welche gehdrig verdi>t, das, Papier angenehm färbt. Die vorzüglichſte Verbindung des Ammoniums iſt die, welche es mit der Salzſäure eingeht, Wir werden in der Folge davon' ſprechen,| Zweyter. Abſig jeder"Verbindung mit "mmm kniend 269...... mit dieſen Grundlagen verweigert, und weder Hydrophösphuren, noch hydrogeniſirte Phosphormiſchungen bildet. Herr Berthols let leitet dieſey Unterſchied von den beſondern Eigenſchöſten des Schwefels und. Phosphors her„ indem ſich der Schwefel leich? mit den Alkalien verbindet„während der Phosphor nur. mit dem Kalk eine ſehr ſchwache Verbindung eingeht, Wird. der Phosphor unter Waſſer in verſchloſſenen Gefäßen verwahrt, ſo bildet ſich gephosphorter Waſſerſtoff, bis das Waſſer damit geſättigt iſt; er zerſet alſo das Waſſer kalt, Der gephosphorte Waſſerſtoff entzündet ſich bey der bloßen Berührung der Luft... Dieſe Erſcheinung rührt von der ausnehz menden Zertheilung des im Gas aufgeldſten Phosphor, und von der Verwandtſchaft des Sauerſtoffs zum Waſſerſtoff und, zum Phosphor ſelbſt her. Seine Verwandtſchaft mit dem Waſſerſtoff ſcheint ſtärker zu ſeyn als die mit dem Phosphor, denn wenn er nicht in hinreichender Menge iſt, um die beyden Verbindungen zu bilden, ſo erzeugt ſich gleich Waſſer, und der Phosphor ſchlägt ſich nieder. Man bemerkt dasſelbe Reſultat, wenn mon, anſtatt ſich"des Sauerſtoffs der atmosphäriſchen Luft zu bedie- nen, mit.dem oxydirtſalzſauren Gas operirt, Der Phosphor ſcheint mehr Verwandtſchaft mit dem Waſſer- ſtioffgas'zu haben, als der Schwefel;: denn wenn man ohne Waſ- ſer den Schwefel mit dem Phosphor verbindet, und die Miſchung dann in das Wäſſer wirſt, ſo bläht ſie ſich auf, und es ent2 bindet ſich daraus gephos8phortes Waſſerſtoffgas, welches beweiſt, daß es d2r Phosphor iſt, der das Waſſer zerſeßt. Cs iſt nicht zu bezweifeln, daß bey dieſer Operation die Zerſezung des Waſſers durch die Verwandtſchaft des Schwefels mit dem Sauer- ſtoff begünſtigt wird, ſo daß die beyden Gründſtoffe des Waſ: ſers zugleich. von zwey Grundlagen angezogen werden, mit de- nen ſie einen entzündlichen Kdrper, und eine Säure bilden, Obgleich der PhoLphor, der Luft ausgeſeßzt, ſich in dem Sti>gas aufldſt, wie Herr Berrholler gezeigt hat, anſtatt ſich mit dem Sauerſtoff zu verbinden, ſo hat er dennoch eine ſehr ausgezeichnete Verwandtſchaft mit dieſer letztern Subſtanz, bes ſonders wenn ſie in einem gehdrigen Zuſtande von Condenſation iſt; er entzieht ſie den Metalloxyden, nach Herrn Sgage's Beobachtung. Herr Gengembrs legt dem gephosphorten Waſſerſtoffgas ein beynah doppelt ſo“ großes ſpecifiſches Sewicht zu, als das Sauerſtofſgas beſitzt; Er -- 1'270.== Er bewerkte, ſv wie Herr Rirwan, daß jenes Gas ſich im Waſſer aufldſt; Herr/Bertholler ſchäßte die Quantitäi Gas, die ſich davon aufldſen könne, auf ein Zehntel; nach- allen dieſen Chemikern hat Herr Raymond behauptet, daß es ſich in vier Theilen luftſfreyem Waſſer gänz und gar aufldſen könne; doch fügt er hinzu, dieſe Aufldſung zerſeße ſich bey der Berührung der Luft und laſſe etwas Phosphor fallen, während ſie ſich ohne Veränderung bewahre, wenn man ſie vor der Berührung der Luft ſchüßt, Da ſich dieſes Gas durch die Berührung der Luft entzündet, ſo hat man ſchön dieſe Eigenſchaft benußt, um ſic) nach Gefal- Ien und überall Licht zu verſchaffen; man braucht es nur vor der Luft geſchüßt aufzubewahren, um es dann, wenn es erfor- dert wird, ihr auszuſezen und die Entzündung der Biaſen zu bewirken, die man mit ihr in Berührung bringt, Dritter: Abſchnitt. Von der Verbindung des Waſſerſtoffes mit dem Schwefel. Der berühmte Scheele hatte vor dem Jahre 1775 geſchwes Feltes Waſſerſtoffgas erhalten/-als er Schwefel in einer mit Waſſerſioffgas gefüllten Retorte digeriren ließ. Er ſchloß aus dieſer Erfahrung, daß dieſe inflammable. Schwefelluft aus Wärme, Phlogiſton und Schwefel zuſammengeſetzt ſey, oder mit" andern Worten, aus Schwefel und Waſſerſtoff, weil er das Waſſerſtoffgas als aus Phlogiſton und Wärme. beſtes hend anſah. Herr Gengembre hat dieß beſtätigt und das geſchwefelte IPBaſſerſtoffgas dadurch< erhalten, daß er. Schwefel, der. in eine mit dieſem Gas gefüllte G'ocke eingeſchloſſen war, mittelſt des Brennſpiege!s im Waſſerſtoff aufldſte. Dieſer Chemiker hatbes wieſen, daß der Phosphor einer ähnlichen Aufldſung fähig iſt, und daß in allen den Fällen, wo man dieſe Verbindung durch Mengung eines Alkalis mir Schwefel oder Phospyor bildet, die Produktion des Gaſes von der Zerſetzung des Waſſers herrührt, deſſen Waſſerſtoff einen Theil des Schwefels oder Phosphors aufldſt, während der Sauerſtoff einen andern Theil davon ſätz tigt und ein Produkt bildet, we'mustinktur, das damit gefärbte Papier und die Tinktur von Radischen. Das geſchwefelte Waſſerſtoffgas verbindet ſich mit den Als Falien, und bildet Hydroſulphuren, von denen einige ſich kriſtalli- ſiren können; Herr Bertholler hat die Kriſtalliſation.des. Baryt» Hydroſulphure, und Herr Vauquelin die Kriſtalliſation des Na» trum- Hydroſulphure beſchrieben, Die Verbindungen, die es mit erdigen und alkaliſchen Subſtanzen bildet, vertauſchen ihre Grundlagen mit den mes talliſchen Aufldſungen. 7 aun"

der ſchwefelſauren Salze iſt in der Regel adſtringirend oder bitter, Ein ganz beſondere Eigenſchaft der ſchwefelſauren Salze ſcheint zu ſeyn, daß ſie aus ihren-Aufldſungen eine Pörtion niederfallen laſſen, in dem ſich kein Kriſtalliſationswaſſer be» findet, wenn dieſe Flüſſigkeit nict in hinreichendem Maaße vorhanden war, um ſich der ganzen: Maſſe mitzutheilen. Wenn man h| Dv man auf dieſe Weiſe das Waſſer aus den Salinen des Meurthe- Departements verſieden läßt, ſo bildet ſich ein reichlicher Bo- denſaß von ſchwefelſaurem Natron, ohne Kriſtalliſationswaſſer, während ein anderer Theil dieſes ſchwefelſauren Salzes in Aufz ldſung bleibt und ſich bey dem Kaltwerden kriſtalliſirt*), Man hat in verſchiedenen Gegenden des Erdbodens, in Schweden, im Tyrol und anderwärts, ſchwefelſauren Kalk ohne Kriſtalliſationswaſſer gefunden. Herr Hauy hat dieß zuerſt beobachtet 3; FSleuriau es 1798 im Journal der Phyſik,. und Zournon und Chenevix im Journal für Bergwerkskunde bes ſchrieben'und Herr Vauquelin es analyfirt. Es iſt ferner bekannt, daß, wenn man eine Aufldſung von ſchwefelſaurem Eiſen durch Evaporation in dem Augenblicke ver- di>t, wo ſie bis zum 40-oder 42ſteu Grade auf der Baumeſchen Flüſſigkeitswaage concentrirt, die Flüſſigkeit ſich trübt, weiß wird, und: ſich ein weißlicher, ſehr harter und von dem Boden der Keſſel ſchwer abzuldſender Bodenſaß bildet, welcher Boden? ſatz nichts iſt, als ſchwefelſaures Eiſen ohne Kriſtallwaſſer, das grün wird, wenn man es wieder auflöſt. Es ſcheint alſo, daß, wenn die Auflöſungen der ſchwefel- ſauren Salze ſo verdichtet ſind, daß das Waſſer der Auflöſung nicht mehr im Stande iſt, alles das zur Bildung der Kriſtalle ndthige zu liefern, ein Theil des Salzes ſich abldſt, und ſich im tro>nen Zuſtande niederſchlägt, wornach die Aufldſung 4 bis 6 Grade weniger zeigt. Eine andere Eigenſchaft der ſchwefelſauren Salze iſt es, daß ſie faſt alle ihr Kriſtalliſationswaſſer bey einer ſehr mäßigen Wärnmie verlieren, das fie dem Schmelzen ſodann hartnä>ig wiz derſtehen, und ihre Säure nur bey einem heftigen und langan- haltenden Feuer fahren laſſen, ſy daß man zwiſchen zweyen Schtfielzungen in Rückſicht dieſer Salze unterſcheiden kann, der einen, die man die wäſſerige nennen möchte und die nichts iſt, als die Aufldſung des Salzes im Kriſtalliſationswaſſer an einer ſanften Wärme; und der andern, die man die feurige nennen könnte, weil ſie von der ſehr ſtarken Hiße herrührt, der män das getroFuete ſchwefelſaure Salz ausſeßt**). Er rſte *) Dieß iſt auch der Fall bey der Sole anderer Salinen, die ſchwe» felſaures LIatron gelöſt enthalten. Es ſett bey dent Verſfieden der Sole ſein Kriſtalliſationswaſſer an das Küchenſalz ab, und fällt daher aus der Auſlöſung zu Boden; daher die Bildung des Pfannſteins«. H: 5x) Auch die Salzſaure, die Salpeterſaure, die Phosphorſäure und alle übrigen Salze,«die viel Kriſtalliſation6swaſſer enthalten, zer g 6er Kriftalliſat if ſchmelzen Erſter Abſchnitt; Von den Verbindungen der Schwefelſäure mit dem Bali, (Doppelſalz, vitrioliſirter Weinſtein, ſchwefelſaures Bali). Das bekannteſte Reſultat dieſer Verbindung iſt das ſchwe? felſaure Kali, welches im Handel Doppelſalz, arcanum duplica- tum, und vitrioliſirxer Weinſtein genannt wird, Dieß Salz wird nur in der Medicin gebraucht*), und die Apotheker bereiten es; indem ſie die Säure direct mit dem Kali verbinden 3 aber alles das, was man bey den Specereyhändlern findet, kommt aus den Scheidewaſſerfabriken und iſt der Rük2 ſtand der Zerſezung des ſalpeterſauren Kali's durch die Schwes felſäure. Dieß ſchwefelſaure Salz, welches man in Maſſe in der Retorte angeſelzt findet, darf, nach der Deſtillation nur in Waſſer aufgeldſt und gehdrig verdichtet werden, um im Zuſtande von Kriſtallen zu erſcheinen, Zuweilen thut man weiter nichts, als es, wenn es ge- ſchmolzen iſt, in Platten oder Täfelchen von 4 bis 6 Linien Dicke gießen und unter dieſer Geſtalt trifft'man es am häufigſten im Handel an. Dieß Salz hat einen ſtarken; aber nicht ſehr unangeneh2 men Geſchma&>, löſt ſich ziemlich leicht im Munde auf, und knirſcht zwiſchen den Zähnen. Seine Kriſtalle haben die Geſtalt eines ſechsſeitigen Pris- ma's, das in ſechsſeitige Pyramiden gusläuft. Dieſe Prismen ſind um ſo viel kürzer, als man die Aufldſung ſtärker verdichtet. Dieß ſchwefelſaure Salz verpufft auf Kohlen, es wird roth, bevor es ſchmilzt, und verflüchtiget ſich bey einem heftigen Feuer, ohne ſich zu zerſeßen. Wenn es der Flamme des Löthrohrs pldßlich ausgeſekt wird, ſo verpufft es mit Geräuſch, ſchmilzt, fließt auf die Kohle, die ihm zur Stüße dient, und läßt als Rückſtand, eine gelbe oder rdthliche Materie, die einen Geruch von Schwefel» waſſerſtoff von ſich gibt, vorzüglich dann wenn man eine Säure darauf gießt. Man ſieht in dieſem Fall, die Schwefelſäure ſich zerſetzen. Das ſchmelzen anfangs in demſelben, und kommen nur erft dann in einen wirklichen Fluß, wenn das Krifſtalliſation8waſſer entwichen ift» und das Feuer verſtärkt wird. Jene Eigenſchaft. fvmmt alſo den ſchwefelſauren Salzen nicht ausſchließlich zu:- *) Man wendet ſolches auch in den Alaunſiedereyen zur Präzipi- tation des Alaunmehls, und in den Salpeterſiedereyen zur Zerlegnng des ſalpeterſauren Ralks mit Vortheil an. H. Summ 280 ewa Das geſättigte ſchwefelſaure Kali“verändert ſich nicht an der Luft. Die Grundbeſtandtheile desſelben ſind in folgenden Ver- hältniſſen mit einander verbunden: k Nach Bergmann Rirwan Thomſon 49 45321: 31,0 Säure, 52 54,8(x 133310756; Kali, 8 0,0 1,4 Waſſer. Herr Berthollet, fand,„daß 49,33 wirklicher Säure noth- wendig ſeyen, um 109 Theile Kali zu ſättigen, Das ſpecifiſche Gewicht dieſes ſchwefelſauren Salzes beträgt: nac< Briſſon-"HZaſſenfray 2,298 2,4073., Es ldſt ſich in ſeinem ſechszehnfachen Gewicht':an Waſſer auf, bey einer Temperatur von 60 Graden näch dem Fahrenheitſchen Thermometer. Siedendes Waſſer ldſt: zwiſchen ein. Viertheil und ein Fünftheil davon auf, Dieß Salz kann ſowohl durch'die Barytſalze, als durch ſalpeter- und ſalzſaure- Kalk- und Strontian- Erden; ſo wie durch alle metalliſchen Salze zerſeßt werden, deren Baſis mit - der Schwefelſäure ein unaufldsliches. Salz»-bildet, Das ſchwefelſaure Rali wird ſelten durch die Operationey der Natur hervorgebracht. Wenn die Pflanzen jedoch mit Kie- feu angetränkt ſind, wie man es bey eingegrabenen Bäumen und zuweilen bey Pflanzenhaufen ſieht, die in Fäulniß über- gehn, und ihre Zerſetzung die Entſtehung der Schwefelſäure ver? anlaßt; fo verbindet ſich dieſe mit dem Kali, als einem der Grundbeſtandtheile dieſer Subſianzen, und bildet ſchwefelſaures Kali*). Das, welches wan zuweilen im faulen, zu Erde ge: wordeyen, Miſte findet, ſcheint keinen andern Urſprung zu ha2 ben. owle verſichert, ſchyefelſaures Kali in mehreren ſpani- ſchen Erdatten bemerkt zu haben, Ich ſelbſt extrahirte es bey der Analyſe von Tabaksaſche, Rouelle, der Jüngere, hat eine zweyte Art von ſchwefel- ſaurem Salze mit Säure im Uebermaaß, bereitet, welches in lange dünne Nadeln kriſtalliſirt, und ſich in zwey Theile Waſſer, bey einer Temperatur von 60 Graden Fahrenheit aufldſen läßt. Dieſes Präparat aber, welches gar keinen Nußen hat, iſt nichts ; weiter, -*) Dieſe Erklärung ſcheint ſehr künſtlich zu ſeyn. Warum ſollen die- Pflanzen durch den Actus der Vegetation nicht eben ſo gut ſchwe» felſauxes Rali erzeugen können, als fie ſalpeterſaures und ſalzſaures produciren? H. t azur 281 3 '1weiter, als ein Zwiſchengrad zwiſchen vollkommnen Salze und dem erſten Anfange ſeiner Bildung*), Fweyter Abſchnitt. Von den Verbindungen der Schwefelſäure init dem FTatron, (Schwefelſaures L7arron, Glauberſalz, Wunderſalz), Das ſchwefelſaure Natron hat einen bittern GeſchmaX, und zergeht leicht im Munde,: Es kriſtalliſirt in prismatiſchen Octgedren, beyden Pyramiden nahe an ihrer Baſis abgeſtumpft erſcheinen. Ihre gewdhnlichſte Form iſt die eines ſechse>igen Prisma's, das abgeplattet iſt, und in zweye>ige Pyramiden ausläuft. Wenn dieß Salz auf Kohlen gethan wird., ſo ſiedet es ſo- gleich auf, doch ohne anzuſchwellen; verliert ſein Kriſtalliſarions- waſſer, und. es bleibt nur ein weißes und trübes Pulver zurück, welches ſchwer ſchmilzt, und ſich bey einem heftigen Feuer ver- flüchtigt, ohne ſich zu zerſetzen. Man kann bey dieſem Salze die beyden Schmelzungsarz- ten, von denen wir geſprochen, leicht unterſcheiden; die erſte findet Statt, wenn man es einer mäßigen Wärme ausſeßt, und in dieſem Falle ldſt die große, im ſchwefelſauren Salz. enthal- tene Quantität von Waſſer dasſelbe auf, und das Schmelzen halt nur dann erſt inne, wenn jenes gänzlich verraucht iſt;«die zweyte Art iſt, w.. aman mit dem ſchwefelſauren Salze operirt, wenn es kein Kriſtalliſationswaſſer mehr enthält, und dazu einen beftigen Grad von Feuer anwendet. Dieß Salz, wenn man es auf einer Kohle dem Strahl des Lödthrohrs ausſeßt, zerſeßzt ſich, ſo wie, wenn man es in einem Ofen und in Berührung mit Kohlen zum Schmelzen bringt. Dieß ſchwefelſaure Salz, deſſen Kriſtalle, wenn ſie noch neu ſind, durchſichtig erſcheinen, und ein ſchönes Waſſer haben, efflorescirt an der Luft, vermindert ſich um die Hälfte ſeines Ge» wichtes, wird trübe, verliert ſeine Konſiſtenz, und zeigt nichts als einen weißen und ſalzigen Staub, von denen die Drey *) Dieſes überſäuerte ſchwefelſaure Kali läßt ſeine vorwaltenden Säuren nicht von ſich; es muß alſo als ein Produkt eigner Art angeſehen werden. In den Künſten gebraucht man ſotches, nas - mentlich in der Sattundru>erey, um Beigen dadurch zu zerſtöreny mit denen die Zeuge getränft worden waren, und die yrſprüng- liche Weiße derſelben wieder herzuſtellen. 9. EIE -- 282==| Drey Theile Waſſer zu 69-Graden Fährenheit, ldſen. einen von dieſem Salze auf, und. ſiedendes Waſſer macht dieſe Aufs ldſung zu gleichen Theilen,; Seine Grundbeſtandtheile ſind in folgenden Verhältniſſen därin vorhanden: nach SZergmann“ Rirwan 27 23/52 I5; 18,48 8,00* DS 96/ Era aut» &n dem getro&neten Salze fand Birwan die Säure im Ver- hältniſſe von 56 zu 44« Sein ſpecifiſches Gewicht verhält ſich gegen das des Waſſers wie 2,246 zu 1000. Das ſchwefelſaure Natron iſt im natürlichen Zuſtande in vielen Gegenden vorhanden; man trifft es überall dem Natron beygemengi an; die Wäſſer des mittelländiſchen Meeres liefers ten mir davon. beynahe den hundert und fünf und funfzigſten Theil ihres Gewichts.: j| Nichts iſt gewdhnlicher, als dieß Salz in den Mineralo| waſſern anzutreffen.. Es begleitet das Natron überall, wo ſich dieß erzeuget, und wenn wir darauf RüFſicht nehmen, daß der Schwefel vom Natron faſt unzertrennlich iſt; indem man einen T7atronſtein Zpyur naß machen darf, um einen ſehr ſtarken Schwefelwaſſer2 ſtoffgeruch daraus zu entwieln; auf der andern Seite ferner, daß die Aſche von einigen, am Meeresufer wachſenden Pflanzen, viel von dieſem ſchwefelſauren Salze enthalten, ſo wird uns dſe gleichzeitige Exiſtenz dieſer beyden Salze an den nämlichen Orten weniger in Erſtaunen ſeßen. Alles ſchwefelſaure Natron, welches in den Handel kommt, wird gezögen 7 < 1) Aus den ſalzigen Waſſern des Meeres, oder den- Salzſolen.'? 2) Aus der Lauge der Tamariskenaſche, 3) Aus den Salzſäurefabriken. 1) Die Mutterlaugen der Salinen ſind eine Zuſammen- ſetzung von deliqueſcirenden, erdigen, ſalzſauren Salzen, ſc, Sie ſdſt ſich mit Aufbrauſeu im Borax auf, 5) Wenn man die ſc ſind und die in eiſenkieshältigem Mergel gebildet,“ſich in natürlichem Gemenge mit ſchwefelſaurem Eiſen befinden, wel: dyes von dem Waſſer hinweggeführt und zerſeßt wird. Dieſer Gips behält ſeine Farbe, auch nachdem er gebrannt worden; man kann ihn als Kitt gebrauchen; aher ſeine Farbe erlaubt nicht,“fich ſeiner zu Verzierungen, oder zu irgend einem andern Werke zu bedienen, bey denen Weiße die Häupteigenſchaft ſeyn muß, Ich habe einen ſchwärzlichen Gipsſtein unter dem Gabiane ſchen Steindlquell gefunden; Dieſer Gips iſt in Bld&en, welche faſt iſolirt-vom Berge ſtehen, mehrere Fuße im Durchmeſſer ha- ben und deren Inneres den wunderbaren Anbli> einer verworre- nen Aufhäufung von ſeidenartigen durch das Erdpech des Stein- dls geſchwärzten Kriſtallen darſtellt; er wird weiß im Brennen, vphne daß'man ihm jedoch jenen hohen Grad von Weiße mitthei- Ien kann, den män von dieſem Steine, nachdem'er kalzinirt worden, Zu fordern berechtiget iſt.) Man trifft ziem!ich häufig Kriſtalle in dem Gipsſtein; der von Montmartre bey Varis hat dieſe in fo reichlichem Maaße geliefert /* daß ſich faſt alle naturhiſtoriſche Sammlungen in Ens ropa damit bereichert; ſie ſind: in jenem Gips ſo häufig, daß man- einen'großen Theil derſelben brennet, um ſich einen reinen Gips von ſchdner weißer Farbe, zur Verfertigung zarter' Arbeis- teu, zu verſchaffen. Aber wie groß auch-die Leichtigkeit iſt, mit der dieß ſchwe2 Felſaure Salz kriſtalliſirt; ſo finden ſich. doch die Umſtände, wel» he nothwendig ſind,.um reguläre Formen. hervorzubringen, ſels ten miteinander in Verein, und in den meiſten Gipsbrüchen nut, ſchwache Spuren von Kriſtalliſation, Um Kriſtalle zu erhalten, mußte das Sa!z vorläufig auf- geldſet werden, die Flüſſigkeit faſt in einem abſoluten Stillſtande bleiben, die Elemente des ſchwefelſauren Salzes beynahe voll? kommen rein ſeyn, und eine langſame Evaporation hinzutreten; da dieſe Bedingungen alle aber ſelten angetroffen werden; ſo trifft. man auf wenig Gipsbrüche in denen die Kriſtalle des ſchwefelſauren Salzes zahlrei) und regulär wären. Man bes merkt ſie bloß von Zeit zu Zeit in den leeren Räumen oder Hdhs lungen des Felfens und an den Ufern der Rien, durch welche die ſelenitdſen Wäſſer ſich in die Abgründe hingbſtürzen, h 0 wm 287 arm Noch" findet man die Gipskriſtalle in den mergelärtigen' Thonerden",-.in denen der Eiſenkies zerſelzt worden; denn die klei» nen!Kriſtalle'von ſchwefe!ſaurem Kalke, die hier und dort in eia nem weichen Teige entſtehen mußten, verdichten ſich mittelſt ihs rer Affinität und bilden nach und nach eine beträchtliche Maſſe, Man kann dieſe Bildung, faſt»mit den Augen, in den eiſenkies2 haltigen. Mergeln; der Gegenden von Montpellier, vorzüglich zwiſchen Foncaude und Lamouſſon verfolgen, Die Gipskriſtalle haben alle eine glasartige Halbdurchſich» tigkeit. Ihre Farde fällt in das Gelbe. Die Aehnlichkeit, die ſie, im Groben, von den Ta'kblättern haben, deren man ſich bey einigen Völkern bedient, um Later2 nen= und Fenſterſcheiben daraus zu machen, iſt Schuld daran, daß dieſe beyden Steinarten ſelbſt von den grdßien Naturforſchern verwechſelt worden ſind, und man ihnen beyden gemeinſchaftlich die Namen Marienglas, FSraueneis, vitrum ruthenicum, Fſelss ſpiegel u. ſ, w. beygelegt hat. Seit den Arbeiten Margäräfs iſt kein Zweifel mehr über die Natar der Grandſtioffe des Gipsſteins; man kann ihn, nach Willkühr, zerſezen und wieder erzeugen; und galle Operationen beweiſen, daß er aus Kalkerde„und Schwefelſäure beſtehet, Dieſe: beyden Stoffe ſind, na?) Bergmann, in folgenden Verz haältniſſen in ihm enthalten z 46 Säure. 32 Kalkerde, 22 Waſſer. Herr Birwan hat dieſe Verhältniſſe nach dreyen verſchie, denen Zuſtänden der Kalzination beſtimmt, Erwärmt; TI) zum 170ſien Grad 1 Wegdwood, 2) zur Rothgluth, 3) zur Weißgluth. 50,39 55-84 59 Säure, 35/23 38-81 41 Kalkerde, 14,38 5/33 0 Waſſer. Herr Chenevix, nachdem er ſie in einem Tiegel von Platina ſtark erwärmt, fand darin 57 Säure 43 Ka!kerde, Selten. aber iſt der Gips frey von der Beymengung anderer Salze. Rouelle, der Jüngere, hat beobachter. daß Kriſtalle von ſchwefelſaurer Maaneſia auf friſch. gebrauchtem Gipſe efflores- cirten, Dieſe Efflorescenz iſt viel häufiger in den Gipſen der mittäglichen Länder, als in anderen zu finden; ſie iſt von der Art, daß die Oberfläche/ vorzüglich an feuchten Stellen, bald von 50 288 vem von ihr». bedeXt wird, und, daß man. ſie nicht in. freyer Luft ge: brauchen kann, indem der Regen ſie.in ſehr kurzer Zeit aufldſt. Die Analyſe hat mir.die Criſtenz des ſchwefelſauren Eiſens, ſchwefelſauren Natrons und ſchwefelſaurer Magneſia in dem Gipſe beweiſen, deſſen man ſich im, mittäglichen Franfreich bedient, Der Gips wird häufig inden Künſten angewendet; er iſt das erſte Material für den StuFateur, Modellirer, Decorateur und Formenardeiter; er wird' durch eine faſt immer gleiche Zu: bereitung„zum Gebrauch aller. dieſer Arbeiter tauglich gemacht, daß heißt, man präparirt ihmimmer durch Brennen des Gips- ſteins; aber das Verfahren bey dieſem Brennen iſt abwechſelnd in den verſchiedenen Ländern, 1) An mehrern Orten ſidßt man die Materie zu Pulver; und thut ſie in einen Keſſel, unter dem man ein- Feuer unters hält; durch. dieß„Staubbad zieht ſich eine Bewegung des Aufz wallens, die dem einer Flüſſigkeit ſehr ähnlich iſt.“ Man üt- telt die Maſſe während der ganzen Zeit hindurch, wo dieſe Art von Aufwallen fortdauert, mäßig um. Nach einiger Zeit ſenket ſie ſich, und dann hält man mit dem Feuer inne, denn es iſt klar, daß dieſe Bewegung durch nichts unterhalten wird, als durch die Evaporation des Waſſers, welches. entſchwindet; und" daß, von. dem Augenblicke an, wv dieß aufhört, der Stein gehdrig kalzinirt iſt,| 5 Dieß Verfahren hat den Vortheil, daß der Gips dabey auf eine recht gleichmäßige Weiſe gebrannt wird; aber es iſt weniger dconomiſc) wegen der vorhergehenden Operation des Kleinſtoßens, und der Unmöglichkeit, eine große Quantität auf ein Mal zu brennen, 2) In faſt allen Gipsbrüchen, aus denen in Frankreich ge- fdrdert wird, ſchlägt man den Stein in StüFelt", und erbaut davon im TroFXenen Wölbungen unter Schuppen, zündet Feuer unter dieſen Wölbungen an, und unterhält dies, bis daß die Steine rothglühend werden; ſodann zieht man das Feuer her2 aus, zerſchlägt" das Gewdlbe, und zerſtampft den kalzinirten Stein mit gewdhnlichen Jangfern; Jn dieſer letztern Geſtalt, als ein weißes, zuweilen graues Pulver, kommt der Gips in den Handel. Die Steine, welche ſich nicht zerſtampfen laſſen, werden bey Seite gelegt, um zum zweyten Male kalzinirt) zu werden, Dieß eben ſo einfache als dconomiſche Verfahren wird in der Regel, angewendet, wenn man den Gips zu gemeinen und groben Arbeiten beſtimmt; da es aber. ſchwer iſt, Wp itte ema 289 emen Mittel alle StüFen in dem nämlichen Gräde zu brennen,“ weil ſie ungleich au Maſſe ſind, und nach ihrer VGrdre v-rſchiedene Plätze im DOſen. einnehmen, ſo bedient man ſich folgenden Verfahrens, ſobald es darauf ankommt, den Gips zn zarten Arbeiten zu gebrauchen. 3) Man heißt bis zur Rothgluth einen Ofen, der faſt einem. Backofen gleich iſt; zieht das Feuer dann heraus, und wirft den Grpsſtein, den man in Stücken von der Größe einer Nuß zerſchlägt, hinein, verſchließt ſodann den Ofen, und vers Iuiirt ihn'ſorgfältig,, und läßt die Hitze fallen, bevor man den Gips h-rausnimmt., Wenn man bey dieſer Operation die Kriſtalle anwenden kann; ſo gibr man ihnen den Vorzug, da ſie reiner und leich» ter zu brennen ſind. Um von den Veränderungen urtheilen zu können, die der ſchwefelſaure Kalk durch die Kalzination erfährt, darf man nur eine. Platte von Gipskriſtall nehmen, und ſie auf eine Kohle, oder auf irgend einen andern warmen Kdyper legen; die halbdurchſichtige Farbe verliert dann ihren Glanz und wird weiß, die P!atten 1idſen ſich von einander; das ganze Gewebe zerblättert ſich; es entbindet ſich Waſſer in Dämpfen, und wenn die Evaporation des Waſſers beendiget iſt; ſo(äBt ſich vie Probe, dte man zurübehälr, in der Hand zerreiden und zerfällt in Staub. Welches Verfahren man aber auch bey dem Breunen anz wende, iſt der Zwe, den man zu erreichen ſucht, immer der nämliche; es kommt nämlich darauf an, alles Kriſtalliſations2 waſſer zu exrtrahiren und zu verdrängen, und dadurch den ſchwe? feiſauren Kalk weißer, undur<ſichtig, pulverartig, und geneigt zu machen, das Waſſer, deſſen er beraubt worden, begierig wieder einzuſaugen. Wenn der Brand nur unvollſtändig vor ſich gegangen, ſv behält der Gipsſtein einen Theil ſeiner Feſtigkeit; er zertheilt ſich dann nicht gehdrig im Waſſer und bildet einen harten, wenig zuſammenhängenden Teig, der widerſtrebt die Fornien anzunehs men die der Künſtler ſich ihm zu geben bemüht. Dieſer Teig gewinnt wenig Härte mit der Zeit, und die Oberfläche der da:in ausgeführten Werke hat niemals die glatte Polirur, welche man dem gehdrig gebrannten Gipſe geben kann, Wenn, im Gegentheil die Kalzination zu weit getrieben wird, ſo zertheilt ſich der Gips im Waſſer und macht keinen fes ſten Körper; der Teig hat dann nicht mehr das' Geſchmeid'ge, Börperiiche, XTervige, welches die Künjiler von dieſer Mas terie fordern, Ir. T Der Der gut bereitete Gips ſaugt das Waſſer gierig und mit merklicher Wärme ein; und wenn man ihm davon nicht die nd- ihige Quantität zukommen läßt, ſo tro>net der Teig und nimmt eine ziemlich. ſtarke Härte an, ohne jedoch ſeine urſprüngliche Durchſichtigkeit over das glänzende Anſehen des Gipsſteins jeder- zeit wieder zu gewinnen, Die Eigenſchaft des Gipſes, daß er ſich mit Waſſer an2 tränken kann und in dieſem Zuſtande einen ſehr gut zu handha- benden Teig bildet, der fähig iſt, alle Geſtalten anzunehmen und bald nachher eine gehdrige Härte zu gewinnen, hat den Künſtlern erlaubt, Statüen und Verzierungen daraus, zu for- menz Formen und Figuren daraus zu gießen; alle Arten von Abdrücen darein auszudrü&Fen, Mauern und Wände.davon zu errichten, ihn als Kitt zur Verbindung von Steinen, Metallen, Holz u. ſw. zu gebrauchen. Man hat ſich jedoch nicht allein damit beſchäftiget, den Gips mit Eleganz zu bearbeiten und die Hauptverzierungen unſrer Wohnungen daraus zu verfertigen; aber man hat ihn ſelbſt zur Baſis für Farben, ihm einen grdßern Glanz mitzu» theilen, und für eine ſchdnere Politur empfänglicher zu mächeu gewußt; indem man ihn mit einer Auflöſung von Gummi, Fiſch- leim oder Flandriſchem Leim beſtreicht. Aus dieſem Verfahren iſt die StuFatur- Arbeit entſtanden: wir finden die-erſten Anfangsögründe dieſer Kuyſt bey Zunkel, der mehrere Verfahrungvarten hinterlaſſen hat, um den Gips zu färben 5 indem man ſich zum Beſtreichen desſelben Flüſſigkeiten bedient, die mit rothem Sandel, mit Braſitienho!z, mir Safrau vu. ſ; w. gefärbt worden, und Fiſchleim nimmt, um das Ganze unter einander zu verbinden und ihm mehr Glanz zu geben, Seit Kunkel hat die Kunſt des Stukarbeiters erſtawnens- würdige Fortſchritte gemacht: man führt die beträchtlichſten Werke in Stu aus, gibt ihnen die fettige Politur des ſchönen Marmors und den Reichthum an ſchdnen Farben, die ſonſt nur der Frescomahlerey vorbehalten zu ſeyn ſchienen, Der Stucarbeiter, der nur gewohnt iſt, reinen und gut ge- brannten Gips zu gebrauchen, wählt ſelbſt“ die Steinart die ihm zwe&mäßig ſcheint, zerſtdßt ſie in kleine Stücke von gleichem Gagalt, und brennt ſie in einem Ofen nach den bereits von uns beſHriebenen Verfahren; er hält mit dem Feuer inne, wenn er ſieht, daß die diFſten StüFe in der Mitte keinen glänzenden Punkt mehr zeigen, und daß die ganze Maſſe eine gleiche, trübe Farbe hat, Der Der'StuFarbeiter ſiebt ferner ſeinen Gips durch ein ſehr dünnes Sied, und rührt ihn, ſoba1d er ihn gebrauchen will, mit einer Aufldſung von Flandriſchem Leime ein; in dieſer Aufs ldſung läßt er die Farben zergehen mit denen ver Stu ange mahlt werden ſoll; wenn er aver zu einem Werke verſchiedene Farben beſtimmt und verſchiedene Deſſins ausführen will; ſo bereiter er jede der Nügancen beſonders und vermengt ſie dann untereinander um ſie zu nüanciren und zu verbinden; faſt wie der Mahler auf dem Pallette die Urfarben mengt, deren er zur Compoſition aller Tinten bedarf.: Um dem Werke die ſchdne glatte Politur zu geben, die den Stuarbeiten eigenthümlich iſt, reibt man das Stück mit einer Hand mit Bimöſtein ab, und reiniger mit der anveru ſeine Ober- fläche mittelſt eines"naſſen Shwammes. Sodann reibt man mit Trippelerde, Kohlen und naſſen leinenen Tüchern nach, gießt noch ein Mal Oel und Trippelerde darauf, trägt dieſe Miſchung mit einem Stü&e Hutfilz auf und beendet die Arbeit nrit bloßem Oele. Alle Beobachtungen der Naturforſcher kommen darin über» ein, daß der Gips fein ſeyr hohes Alter habe. Wir treffen Lagen davon unmittelbar über der Kalkerde an, ſie zeigen ſich noh in der Nähe von Gruben, aus denen jüvges- rer Schiefer gefördert wird, und ich kenne keine beurkundete Thatſache, nach der deſſen Exiſtenz unter dem Granit oder unter irgend einem anvern Urgebirge anzunehmen wäre. Es ſcheint nach der Lage der. Gipsſcr war; dieſer urſprüngliche Zuſtand des Bodens ſcheint erwieſen durch die Exi- fienz der zahlreichen, verldſchten Vulkane, durch die Ocherſchich- ten, auf die man häufig trifft, und durch die Adern von Pyriten und die ſchwefligen Thouerden die unberührt bleiben. Die Zer2 ſetzung dieſer geſchwefelten Materien gibt Veranlaſſung zur Bil- dung von ſchwefelſauren Eiſen, Kalk, Alaun- Erde und Magne- ſia, nah der verſchiedenen Natur des erdigen und metalliſchen Gemenges, in dem der Schwefel in Verbindung iſt. Man iſt täglich Zeuge dieſes Phänomens, wenn man die Zerſeßung oder das Spiel der mergelhaltigen Thonerden betrachtet; denn man bemerkt darin eine wunderbare Quantität kleiner Kriſtalle von ſchwefelſaurer Kalkerde, die nach und nach eine ziemlich beträcht- liche, Maſſe bilden, wenn die Weichheit der Thonerde geſtattet daß ſie ſicy' verdichten und vereinigen. Nach dem eben Geſagten wird man einſehn, daß wenn die Maſſe des Eiſenkieſes beträchtlich iſt, wenn das ſchwefelſaure , Salz durch das Waſſer fortgezogen wird, ſo wie es entſteht, wenn dieß Waſſer, indem es wenig aufldslich iſt, es zu Boden ſetzen läßt, daraus, nach dem ſehr veränderlichen Tinfluſſe der erzeugenden Urſachen, mehr oder weniger bedeutende Lagen ent? ſtehen kdnnen; und ich finde keine andre Urſache, die der Grdße der Wirkung angemeſſen wäre, als die Exiſtenz der großen Seen, die in ihrem Schooße das Produkt der Zerſezung der Pyriten empfangen und es auf beſtimmten Yunkten abgelegt, ſo wie die Meereswaſſer die Reſte des Knochengebäudes der Seethiere aus- werfen und aufeinanderhäufen und dadurch die Kalkgebirge bilden, Die Die Exiſtenz dieſer Kieſe, deren Urſprung in die Zeiten hinaufzuſteigen ſcheint, die der Epohe"nahe kommen, wo die Erde anfing, bewohnt zu werden, weil wir in ihrem Ur- Kern keine ſolche finden, hat über den Erdboden neues Leben verbreiz tet; ohne ſie würden uns die häufigſten ſalzigen Subſtanzen uns bekannt geblieben ſeyn, ohne ſie wären wir ein Zeuge der Mes ramorphoſen, der Zerſezungen und Zuſammenſeßungen gewor- den, die die Oberfläche unſers Planeten erneuet und ihn durch das ſchreF liche Feuer der Vulkane, die ihm ihre Entſtehung ver2 danken, bis in ſeine Fundamente erſchüttert haben.- Allen Punk- ten der ungeheuern Oderfläche der Erde ſind neuere oder ältere Spuren der Zerſeßung von Pyriten aufgedruckt; die ſchwefelſau- ren Salze, die Ocherarten, die vulkaniſchen Trümmern, die warmen Quellen erlauben uns nicht, daran zu zweifeln, und dieſe active Urſache iſt noch heut zu Tage das mächtigſte Wirkungs- mittel bey den Veränderungen, die die Mineralſubſtanzen unter unſern Augen erfahren*), Man hat zu verſchiedenen Zeiten den Uebergang des Gipſes in den Zuſtand von Kieſel und Chalcedon beobachtet. Herr Ca rx03y, Direktor der Polniſchen Bergwerke, hat 2783 Beobach- tungen über dieſen Gegenſtand bekannt gemacht: Herr Ü7acquart, die von dem“nordiſch/en Mineralogen aufgeſtellten Thatſachen be- ſtätiget und. ſeine Meynung darüber in einer Sammlung mine- ralogiſc. Ihre urſprüngliche Form iſt die eines. graden viereckigen Priöma mit Quadratbaſen, Im Handel trifft man dieß Salz in kleinen Kriſtallen an, und um dieſe Form nachzuahmen, trübt man das ſchwefel- ſanre Natron in feiner Kriſtalliſation, und verkauft dann die ſeidenartigen Kriſtalle desſelben unter dem uneigentlicgen Namen eplomer Salz, Man kann dieß ſchwefelſaure Salz von der wahren ſchwe- felſauren Talkerde leicht unterſcheiden, weil es efflotescirt, und Feine Talkferde gibt, N Im Hayudel verkauft man ferner unter dem Namen des epſomer Salzes ein Gemenge von beyden ſchwefelſauren Salzen und vielen. erdigen ſalzſauren Salzen, die man aus den Mutter- laugen der Salzquellen in Lothringen und der Franche- Comte, ſo wie aus den Salzſümpfen des mittäglichen Frankreichs zieht, Waſſer löſet ein gleiches Gewicht ſchwefelſaurer Talkerde bey einer Temperatur von 60 Graden Fahrenheit, auf.- Dieß Salz wird fläſſig am Feuer, und verliert durch die ' Kalzination die Hälfte von ſeinem Gewichte; der Rückſtand erfordert einen heftigen Feuerſtrom, um zum Schmelzen ge- bracht zu werden, welches, wie bey den“ ſchwefelſauren Natron und andern Salzen der nämlichen Gattung, auf eine zweyfäche Arx der Schmelzung deutet,, Es iſt folgendergeſtalt zuſammengeſelzt: In Rriſtglien, Getro&net- beſteht es aus: 29,35 63,32 Säure 17,00 36,68 Taikerde 53,65 0. Wäſſer. 1 25» Es =. id98= Es gibt wenige Wäſſer, die nicht ſchwefelſaure Talkerde enthalten 3; aber in einigen Minera!quellen iſt ſie in ſo großer Duantität enthalten, daß man ſie daraus extrahiren kann, Aus den Quellen von Eger, Eböham, Sedliß und Saydſchüßz hat man ſie bis jetzt am reinſten gezogen. Das Meerwaſſer und das Waſſer in den Salinen ergeben auch) mehr over minder davon, und iſt es darin immer mit ſchwefelſaurem Natron vermengt, Da. die Talkerde einer der gemeinſten erdigen Stoffe iſt, ſo gibt die Zerſezung des eiſenkieshaltigen Schiefers Veranlaſſung zur Formation der ſchwefelſauren Talkerde, Zuweilen iſt die Talkerde ſelbſt dergeſtalt vorherrſchend unter den erdigen Stoffen dieſes eiſenkieshaliigen Schiefers, daß deſſen Efflorescenz nichts iſt, als ſchwefelſaure Magneſia, Ich ſelbſt habe ein Beyſpiel hiervon im Rouergue(im Departement de Aveyron) nahe bey dem Dorfe St. Michel, zwey Meilen von St. Sernie geſehen, wo es ein Schiefergebirge gibt, deſſen Vitrioliſation nur dieß Salz erzeugt. Herr Tingry hat ähnliche Beobachtungen über einige Ge- " birge bey Genf gemacht, und die Bauern ſelbſt in der Kunſt une terrichter, die Efflorescenzen auszulaugen, und das Salz daraus zu extrahiren, um ſodann die Talkerde daraus niederzuſchlagen. I< habe zu meinem großen Erſtaunen geſehen, daß wilde Tauben und andere Zugvögel ſich auf dem Berge im Rouergue, von dem ich eben geſprochen, niederließen, das Salz davon ab- fraßen, und ihren Flug, na iſt faſt null, erdig und fade, Dieß kohlenſaure Sa!z verpufft auf Kohlen; es wird, in Staub verwandelt, ohne zu zerſchmelzen, und verliert 9,75 an ſeinem Gewichte. Es efflorescirt an der Luft, und wird weiß und trübe. Eine Unze Waſſer zu 10 Graden ldſt 12 Gran davon aufz es friſtalliſirr in PriSmen mit ſechs rautenförmigen Flächen. Man raubt dem kohlenſauren Salze ſeine Saure durch die Kalzingiion, und es entſteht ſodann kalzinixre Talkerde darqus, Fünfter -- 297= Fünfter Abſ, und iſt ſehr aufldslich in Wäſſer, die Wärme be- raubt ſie ihres Kriſtall!iſationswaſſers, und verwandelt ſie in Staub; eine ſtärkere Wärme aber zerſeßt ſie, indem ſie die Säure verflüchtiget; ſie verändert ſic) auch nicht an der Luft*). Nach Bergmann enthält ſie Säure und Alaunerde in gleichen Theilen. Marggraf hatte bereits beobachtet: 1) daß die bloßen Ver» bindungen der aus dem Alaun durch die Alkalien niederge- ſchiagenen Alaunerde mit der Schwefelſäure, nie etwas ande- res, als Kriſtalle ohne Conſiſteunz bildeten. 2) Daß die kalzinirten Thonerdven, wenn ſie auf gleiche Weiſe behandelt werden, Krio ſtalle von der nämlichen Gattung ergeben, 3) Daß das Hina zutreten eines Alkali's unerläßlich zur Bildung des Alauns iſt, 4) Daß die Alaunerde eine Erve eigner Art iſt, und nicht Kalk- erve, wie Stahl, LTeumann und Pott glaubten. Der Alaun iſt alſo nicht bloß eine ſchwefelſaure Aiqunerde, ſondern ein dreyfaches Salz, beſtehend aus Schwefelſäure, Alaunerde und Kali, alſo eine ſchwefelſaure alkaliſirte JAlaunetde. Der Alaun hat"einen zuſammenziehenden Geſchma>. Er iſt halb durchſichtig. Er ſchäumt und ſchwillt auf glühenden Kohlen an, und hinterläßt einen weißen, troFenen, zerreiblichen, ſchäumenden, trüben Rückſtand, Er rdthet beitändig die blauen Pflanzenfarben. Sein ſpecifiſches Gewicht beträzt 1,7109 gegen das des Waſſers, wenn man dieß zu 19,009 annimmt, Bey einer Temperatur von 60 Graden Fahrenheit lödſet das Waſſer den funfzehnten Theil ſeines Gewichtes davon„in *). Reine ſchwefelſaure Thon- oder Alaunerde kriftalliſirt gar nicht, bildet jene Verbindung Kriſtalle, ſo enthielt die Erde alle Mal erwas Kali oder Ammmonjum, H. - 298== Es ſind hingegen yur 75 Theile heißen Waſſer erforderlich zur Aufldſung von 109 Theilen Alaun. ir Die beſtändigſte„Form des Alauns iſt die eines Achte>s, das aus zwey viereXigen, mit den Rücken ihrer Baſen ſich an einander lehnenden Pyramiden beſiehet. Durch. die Analyſe hat Herr Vgauquelip in 109 Theilen Alaun gefavden: ſchwefe!'aure Alaunerde, j 7 ſchwefelſaures Kali, 44 Waſſer. Der Klaun iſt unter allen ſalzigen Zuſammenſelßzungen, die, von weicher der häufigſte Gebrauch gemacht wird; nicht allein biidet er die Beitzen bey faſt ſämmtlichen Farben; aber man hat ſeinen Gebrauch auch noh auf viele andere Operationen ausge- "dehnt und in allen dieſen Rückſichten iſt es für uns nothwendig uns wit der grdßien Sorgfalt mit demſelben zu beſchäftigen. Um eine größere Ordnung in dieſe Materie, zu bringen, werden wir ſie in zwey Artikel eintheilen und in dem erſtern von dem AZlguverze in dem andern von dem fabricirten Algurt hgadeln, Erſter Artifel, Von dem Algaunerz3, Wir benennen mit dieſem Namen den Alaun, der aus den ' Bergwerken gegraben wird, nicht weil er eine beſondre und verſchiedenartige Natur hat, ſondern weil die Art, das Mineral zu behandeln, und das Saiz daraus zu extrahiren, eine Reihe.- von intereſſanten Operationen darſtellt und faſt aller Algun des Handels dieſen Urſprung hat. Bergmann nimmt zwey Arten von Alaunerz an: 1) das- jenige, in dem der Ai/aun ganz ausgebildet erſcheint; 2) dasje- nige, welches wur die Grundſtoffe oder Clemente davon enthält. Das Erz aus La Tolfa bey Civita Vechig(der ſo genannte Algunſtein), iſt von der erſtern Art. - Bergmann verſichert, daß der Alaun darin ganz ausge» bildet vorhanden iſt« Jn der Solfaterra bey Pozzuolo efflores8cirt die Lava täg- lich und bildet Alaun. Hergmann hat daraus 8,00 Alaun zund 4,00 reine, Thonerde gezogen, der Ueberreſt iſt Kieſel, 2. Es Es ſcheint als ob die Alaunerze von Piombino von einer faſt ähvlichen Natur ſind. In Saint- Aubin, bey Cranſac, im Departement de l"Avey» ron, exiſtirt ein Alaunerz in großem Maaße, in welchem ſich dieß Salz ganz ausgebildet findet, - Noch riffi ian häufige Alaunefflorescenzen auf faſt allem jüngeren Schiefer, welcher ſich im Zuſtande der Zerſelzung beſindet. Es iſt einleuchtend, daß dieſer gediegene Alaun, und der, welchen man erzeugt, wenn mau die Schieferminerale gehörig behandelt, den nämlichen Urip:ung haben. Im erſiern Falle iſt die Zerſetzung, ſo zu ſagen, von ſelbſt geſchehen und der Atauu entſianden, während wan im zweyten das rohe Mineral nimmt, es bearbeitet und das bewirtt was in dem erſten frey2 willig geſchehen, Man kann und muß daher jene beyden Arten von Alaunerz, zwiſchen denen Bergmann. einen Unterſchied annehmen zu müſz ſen geglaubt hat, in eine zuſammenfaſſen, Ueberall, wo ſich eine natürliche Miſchung von Alaunerde, Eiſen und Schwefel befindet, ſind auch die erſten Elemente von zwey ſchwefelſauren Salzen vorhanden, und wir können die un2 gebeuern Maſſen von jüngern Schiefern, die einen großen Theil unſers Erobodens bilden, als Alaunerze betrachren. Dieſe Schiefer ſind zuweilen von Erdharzen ugd Steinkohlen durch? ſeizt, und wan kann faſt alle Schiefer von dieſer Gattung zu den Alaunerzen rechnen. Die Grundſtoffe der alaunhaltigen Schiefer ſind überall faſt die nämlichen; Erdharz, Alaunerde, Kieſelerde, Kalkerde, Talterde, Eiſen und Schwefel. Sie ſind nur den Verhältniſſen nach von einander verſchieden. Das Eiſen iſ? darin beſtändig mit dem Schwefel in Verbinz dung, und die Zerſezung dieſes geſchwefelten Metalles verans laßt die Formation der Schwefelſäure uud folglic) auch ver ſchwes felſauren Salze; ſchr oft iſt das geſchwefelte Eiſen der Maſſe ſelbſt nicht beygemengt; ſondern abgeſondert davon, in kleinen Kriſtallen in dem Gefüge derſelben enthalten, Je nachdem einer oder der andere dieſer Grundſtoffe vor» herrſcht, nimmr das Reſultat der Zerſetzung einen verſchiedenen Charakter an, und die Fdrderung verändert ſich in Rückſicht des Gegenſtandes und Zwe&es, Weun alſo das Erdharz in ſo reich- lichem Maaße vorhanden iſt, daß die erdigen und EEE tofſe Stoffe fich darin nur in einem ſchwachen Verhältniſſe befinden; ſo neun man das Mineral, Zoblenerz ode: Zraunfohle, und benutzt es als Brennmaterial, Wenn das Eiſen faſt den ganzen Beitandryeil des Erzes ausmacht, ſy benützt man es als Vis rrioier3, und wenn es der Fall mit der Alaunerde iſt, als Aiauner3« Zuweilen finden ſich Eiſen und Alaunerde in faſt gleichem Verhältniſſe; ſodann gibt dieß Gemenge Beranlaſſung zur Extraction zweyer ſchweſelſauren Salze- und bildet eine Art von gemiſchtem Erze.; Aber welches auch die Vermengung der Grundſtoffe und das Verhältniß derſeiben ſeyn, und welchen Zwe& man vor Augen haben möge, ſo geſchieht die Fdrderung jederzeit nach all- gemeinen, auf alle Fälle anwendbaren Grundſäßen. 1) Da die Alaunerde nicht ganz ausgebildet, im Mineral vorhanden iſt, ſo muß man ſie darin entwikeln und dieſe Opea ration werden wir Aluminiſation nennen. 2) Sovald der Alaun entwielt iſt, muß man ihn ertrahiz ren und dieß iſt der Gegenſtand einer Operation, welche Aus- laugung heißt. 3) Wenn die Auslaugung geſchehen iſt, muß man die Bilz dung der Alaunkriſtalle bewirken und dieſe dritte Operation führt den Namen KZriſtalliſarion. 6. 1, Von der Aluminiſation. Das Mineral, welches den Alaun liefert, enthält Schwe» fel und Alaunerde, aber es zeigt keine ganz ausgebildete Schwe- felſäure; ſondern es bleibt den Operationen der Kunſt überlaſſen, dieſe Säure zu entwi>keln, um ihre Verbindung mit der Alaun? erde zu bewirken. Da der Schwefel das Radical der Schwefelſäure iſt, ſo darf man ihn nur mit dem Sauerſtoff verbinden, um dieſe Sure hervorzubringen. Dieſe Verbindung wird jedes Mal bewirkt, wenn man das Mineral mit Luft oder Waſſer in Berührung ſetzt, und dercn Zerſezung und die Uebertragung ihres Sauerſtoffs auf das Mineral durch die verſchiedenen, von uns anzuführenden Mittel befördert. n Die Wirkung der atmosphäriſchen Luft, und die Zerſeßung des Waſſers durch das Mineral würden nur langſam erfolgen, wenn nicht beſondere Umſtände hinzuträten, um dieſe Verbin- dung zu unterſtügen und zu beſchleunigen, Die Die Mittel, deren wan ſich gewdhnlich zu ihrer Erleich» terung bedient, reduci1en ſich darauf, daß. man das Mineral zertheilt, damit es mehrere Oberflächen darbietet, und es leicht mit Waſſer befeuchtet ,» damit es den Sauerſtoff in einem Zu- ſtande ſtärkerer Condenſation und in größere Maſſe bekomme, und endlich die Verbindung des Sauerſtoffs und des Schwefels durch eine mäßige Wärme begünſtiget*). In der Kunſt, die Wirkung dieſer verſchiedenen Agentien, der Luft, des Waſſers und der Wärme gehdrig zu leiten, beſteht das Geheimniß der Aluminiſation, Doh muß man nicht glauben, daß die Methoden der Alu» miniſation beſtändig, unabänderlich ſeyen; die Notnr des Mi- nerals gibt zu unzähligen Modificationen dabey Veranlaſſung. Wenn es zart, pords iſt, ſich in Platten theilt, und leicht zerreiben läßt, und wenn es ſich uner der Geſtalt einer mehr oder weniger ſchwarzen, ſehr zertheilten Erde zeigt, ſo darf man nur Haufen davon auf einem harten und thonigen. Boden errich: ten, und ihnen abhängige Seiten geben, damit das Waſſer, welches ihre Oderflächen auslaugt, von einem natürlichen Ab- hange in Gräben, die an dieſen Seiten angebracht ſind, ablau? fen könne, Dieſe Gräben fangen die erſten Laugenwaſſer auf, welche die nicht aufgeldſten Materien, die ſie hinwegführen, darin abſezen, und"dieſe Wäſſer fließen nachher in Baſſins, in denen ſie ſich abklären, und von da in Keſſel, wo man ſie evaporirt, Das Schwemſalſche Bergwerk in Sachſen iſt von dieſer Artz; die Haufen von Mineral, welche man daſelbſt aufrich» tet, haben bis 10 Fuß Länge auf 20 bis 25 Fuß Breite, und 712 bis 15 Fuß Hdhe. Das Mineral bleibt der Luft zwey Jahre hindurch ausgeſet, bevor man es auslaugt. ES iſt ſodann faſt ganz *) Was der Verfaſſer Aluminiſätion nennt, nennt man gemeinig- lich das Röſten. Das Röſten des Erzes erfolgt durch die Zer- ſetzung des Waſſers. Dieß gibt ſeinen Sauerſtoff an das ge- ſchwefelte Eiſen ab, und ändert ſolches in ſchwefelſaures Liſen um, welches die erfte Bildung ift. Der Wärmeſtoff aus dem Waſſer wird entwielt, und dieſer freywerdende Wärme- ſtoff erregt nun die Hiße, mit welcher das Röften begleitet zu ſeyn pflegt. Iſt der Ditriol oder das ſchwefelſaure Eiſen ge bildet, ſo ſaugt derſelbe nach und nach Sauerſtoff aus den: Dunft- kreiſe ein, dadurch wird das Eiſen ſ|tärker oxydirt, und die Säure in Freyheit geſett. Die freygewordene Schwefelſäure wirkt nun auf die vorhandene Thonerde, und bildet mit dieſer die ſchwefelſaure Alaunerde, welche nun beym Auslaygen des gerößteten Erzes/ mis dem Waſſer in Aufloſung tritt. F> ganz efflorescirt, und wenn einige BruchſtüFe davon not werden. Durch dieß Mittel wird die Katzination gleichmäßiger, aber auch koſtſpieliger. Uebrigens ſteht es nicht in der Macht deſſen, der die Be- arbeitung eines Erzes leitet, ohne Unterſchied eine oder die au- dere dieſer Methoden zu wählen, ſondern die Wahl wird durch die Natur des Erzes ſelbſt beſtimmt. Wenn, zum Beyſpiel, das ein Mal erwärte Mineral fortfährt, ſich mittelit Wärme zu zerſeßen, ſo reicht eine Schicht von Brennmaterial him, die, ſo zu. ſagen, den erſten Stoß gibt; die Efflorescenz folgt hier- auf, pflanzt ſich fort, und unterhält ſich ſelbſt. Wenn aver das Erz nur in ſofern arbeiten kann, als eine Wärme vou außen ihm zu Hülfe kommt, ſo muß man ſtrat:ficiven, wie wir bereits bemerkt haben. Faſt alle Erze, deren Kieſe in Wärfeln oder Achte>Xen im Mineral zerſtreut ſind, befinden ſich im letziern Fall, Wenn aber der Kies im Teige faſt geſchmol- zen und überall in Verbindung iſt, ſo bedarf. es nur einer erſten Gewalt, oder einer erſten Impulſion, um die Vitrioliſation hervorzubringen, Wix wexden in dem folgenden Kapitel Gelegenheit finden zu bemerken, daß wenn der Schwefel zu häufig in dem Kieſe iſt, die Efflorescenz nicht Statt findet; und wenn wan dieß Princip auf die Alaunerze anwendet, ſo wird man in der Kalzivation den doppelten Zwe erkennen, die überſchießende Portion vov Schwe- fel zu entbinden, und die Verbindung des Sauerſtoffes zu be? fördern. In mehrern Etabliſſemen!s, wie z.B. in Dilra, in ZTericia in Schweden, fängt man damit an, den Kies zu de- ſtilliren, um den Schwefel herauszuziehen; man läßt da! Refi- duum an der Luft effloresciren und zieht ſodann durch Krivia- tion das ſchwefelſaure Eiſen und die Alaunerde, die ſich gebildet haben, heraus, Alle Erze, welche den Alaun vollkommen ausgebildet er? halten, verdanken ihren Urſprung den vulkaniſchen Feuern, oder Anſammlung von Kieſen, die ſich patürlicherweiſe zerſeßt haben« Hier iſt die Kalzination unnüß, es ſey denn, daß das Mineral nicht ſo weit gehärtet wäre, daß deſſen Auslaugung unmöglich iſt, und daß man nicht, wie in La Tolfa, den Stein durch Feuer erweichen müßte. Der Alaunbruch von La Tolfa iſt ein ſo harter Stein, daß man ihn nur durch- Schießpulver oder durch Steinhauen för- dern kann« Nach Nach Fougeroux iſt der beſte Stein aus dieſem Bergwerk gelblich und ein wen'g gran, nach dem Abbe" Guenee verdient der weiße den Vorzug, Der von den Feiſen l10832ſt, die unſern Kaltdfen, welche mit Kohlen gebeißt werden, ähnlich ſind, Der Stein wird drey Stunden hindurch geröſtet.- Bergmann bemerkt, daß man das Feuer ausldſcht, ſobald die Flamme weiß wird. und der Geruch der ſchweflichen Säure dann anfängt,"fühlbar zu"werden. Man häuft das falzinirte Mineral übereinander auf, und beſprengt es täglich mit Waſſer, bis daß es ſich unter den Händen iu ei- neu Teig verwandelt, Die Analyſe, welche Monnet von den von Guettard mite gebrachten Probeſräcken aus dem Bergwerk La Tolfa gemacht hat, zeigte ihm darin nichts, als eine Verbindung von Thon- erde, Schwefel und Kaliz Zergmann aber der bey ſeiner Anas lyſe genauer verfuhr“fand darin ganz ausgebildeten Alaun, in vieler Thonerde eingehüllt. Herr Gay- Luſſac, welcher ſelbſt Gelegenheit gehabt hat, die Phänomene bey der Kalzination des Steines aus La Tolfa zu beobachten, ſah, daß ſich ſhwefliche Säure und Sauerſtoff daraus entbänden, welches„die Zerſeßung eines Theiles der Schwefelſäure anzeigt, und nothwendigerweiſe die Quantität der freygewordenen Alaunerde vermehrt; woraus Herr GSay- Luſſac den Sch!uß zieht,.daß in dem Zuſtande, in dem ſich der-Stein vor der Kalzination befindet, die Schwefelſäure darin mit mehr Alaunerde in Verbindung iſt, als ſie zu ſättigen ver- mag, woraus ein ungufldsliches Salz entſteht/ während nach der Kalzination, der Alaun darin zu ſeinen wahren Grundſioffen und deu richtigſten Verhältniſſen zurüsgefährt, dadurch:aber die Auslaugung erleichtert wird. Das Erz aus Solfatara iſt pords, zerreiblich und leicht. Der Alaun entwickelt ſich darin natürlicherweiſe und das Erz darf nur ansgelaugt werden, um alles Salz von ſich zu geben, welches es enthält, Wir finden in faſt allen Alaunerzen natürliche Effiore8cen? zen, welche den Charakter des Erzes anzeigen. und uns den Reichthum und die Reinheit des Produk:es beurtheilen laſſen: dieſe Efflorescenzen bilden ſich hauptſächlich auf ſolchen Arbeiten, die unvollendet ſtehn geblieben, und in ſ<& des Direktors eines Alaun- bergwerkes darin beſteht, die ſchwefelſaure Alaunerde für ſich beſtehend, zu erhalten; ſo ſind die Arten der Auslaugung unend2 lichen Modificationen unterworfen z; denn hier iſt ſchwefelſaures Eiſen, dort, ſchwefelſaure Talkerde vorherrſchend u, ſ. w., und die Natur jedes dieſer Salze erfordert beſondere Operationen. In allen Fabriken, in welchen im Großen gearbeitet wird, laugt man das gerdſfete und efflorescirte Mineral in großen, feſten, und in die Erde vergräbenen Kaſten aus, damit durch die Veränderung der Temperatur deren Wände ſich nicht werfen kdnne»; und ſtellt ſie in parallelen Reihen, ſo daß aus den einen das Waſſer in die anderen abfließen kdnne; die bloße Abſchüſſig: keit des Bodens an dem Fuße der. Alaunſchichten iſt zuweilen hinreichend um eine Auffſtellung auf dieſe Weiſe zu erlauben. Man *) Im Königl. Alaunbergwerke bey Freyenwalde 7 Meilen von Berlin beſteht die Natur des Erzes in ſo genannter Alaunerde von halbſchieferiger Textur. Das Erz enthält ſo wie ſolches zu Tage ausgefördert wird, bloß Thon und Schwefelkies nebſt ein- ſprengtem Zipsſpath. Es wird in Haufen oder Halten aufgeſchüttet, die der Einwirkung der Luft 12 bis 24 Monat lang ousgeſett bleiben; wobey die Röftung von ſelbſt mit bedeutender Erhißung erfolgt„ und ein. Theil eiſenhaltige, ſchwefelſaure Alaunerde efflorescirt. H. Män legt“ in» die obere Reihe das bereits ausgelaugte und faſt erſcenen Mauer geſchehe, damit der Mörtel ges hdrig durchdrungen werde. Man bekleidet dieſe erſte Lage dann mit einer zweyten, nimmt aber in die Compoſition des Kitts viel weniger Braunroth und thut zu dem Wachs und geſchmol? zenen Harze ein Drittheil: Terpenthin: dieſer iſt geſchmeidiger und beugt den Spalten und Riken vor, die bey dem erſteren durch das Austro&>nen oder Berührung mit Salzen entſtehen könnten. 5. 3. Von der Rriſtalliſation. Die Evaporation der Laugenwaſſer geſchieht in England, Schweden und Norwegen in großen bleyernen Kaſten von 10 bis 12 Fuß Länge, 7 bis 8 Faß Breite und 2 bis 3 Fuß Tiefe, Dieſe ungeheure Kalten werden auf Stangen von gegoſſenem Eiſen von 6 bis 7 Zoll im Durchmeſſer, geſtellt, auf die man eine Schicht von platten eiſernen Stangen legt, auf denen der Bo- den des Kaſtens zu ruhen kommt, Die Seiten des Ofens werden von Mauerſteinen quſgebauet. Die Kaſten in den Heſſiſchen und. Löttichſchen Fabriken ſind kleiner; ſie haben nicht mehr, als 7 bis 8 Fuß Länge auf 20 bis 22 Zoll Tiefe, In einigen Werkſtätten bringt man zwey Schürlden und ſie dadurch ſchneller zu dem erforderlichen Grade von Concentration zu bringea. N Es gibt Fabriken, in denen wan damit anfängt, die Mut- terlauge in den Keſſel zu thun, bevor man das Laugenwaſſer hHineinlaufen läßt, und wieder andre, wo man ſie nur in dem Augenblie zugießt/ wo man das Kochen endigen will. Dieſe letzte Methode ſcheint mir unendlich voriheilhafter; indem* die' Vermengung mit der Alaunkauge, da ſie die Flüſſigkeit von An- fang an, verdi>t, die Evaporation ſchwieriger macht und alſo das Kochen verlängert; Während der ganzen Zeit der Cvaporation iſt es vortheil- haft, die Flüſſigkeit in Bewegung zu erhalten, und gegen das Ende iſt dieſe Operation ſelbſt nothven“ig, denn ſie hat deu dop- pelten Vortheil, daß ſie die Evaporation erleichtert und Anſamm- lungen von ſchwefelſaurem Kalk und andern in der Fiüſſigkeit- aufgeldſten oder ſuſpendirten Subſtanzen verhindert, vur< wels? - ſicht auf die Zeit, die man ohne ſie zur Evaporation ndthig haben würde,)) Artifel, Von dem künſtlich fabricirten Alaun, Die ſchnellen Fortſchritte, welche die Chemie in unſern “Tagen gemächr, baben eine ſehr vortheilhafte Revolution in den Künſten zur Folge gehabt; man hat nicht allein. die Ver? fahrungsart aufgeklärt, aber dem Künſiler auch die Fabrikation der Produkte, die er gebraucht/ näher geſtellt. Man hat noch mehr gethan, man iſt dahin gelangt, in unſern Werkſtätten viele Compoſitionen, die man nur mühſam aus dem Schooß der Erde 394, ſo wie Alaune, Vitriole u. ſ: w. aus allen ihren Grundbe- ſtanatheilen zu bereiten; und dieſe künſtliche Fabrikation erleidet täglich einen ſolchen Zuwachs, daß man den Augenbli> äls vahe betrachten kann, in dem unſre Werkſtätten alles zu jeg? lichem Gebrauche liefern werden. Die erſten Alaune, welche aus ihren Grundſtofſen in Frank» reich dargeſtelit worden, waren die von mir in meiner Fabrik auf der Zunge zurück. 3) Es efflorescirt an der Luft in weiß oder gelb nach unten an- zugebenden, und in der Folge zu entwickelnden Veranlaſſungen. 4) Es wird flüſſig am Feuer, wallet auf, undſ'bildet ein weißz liches Pulver, welches bey einem anhaltenden Feuer in eine rothe Farbe übergeht, bey einem ſehr heftigen Feuer aber ſchweſliche Säure und ſodann Schwefelſäure gibt. 5 Es[dſt ſich in ſeinem ſechsfachen Gewichte Waſſer bey einer Temperatur von 60 Gra- den Fahrenheit auf. Kochenves Waſſer 1dſt ein Viercheil mehr davon auf, als ſein Gewicht beträgt, 6: Es iſt unaufldslich in Alkohol. 7) Alkalien, die man in ſeine Aufldſuang gießt, ſchlagen ſie in weiße Fio>&en, die bald grün werden, nieder, Der Gerbſtoff ſchlägt es ſchwarz, der blauſaure Kalk blau, und die Sauerkleeſäure gelb, nieder. 8; Es kriſtalliſirt in rau- tenförmigen Priemen, und nimmt alle Modificationen derſelben an. 9) Die Verhältniſſe ſeiner Grundbeſtandtheile gegen ein: ander ſind: Nach = 318. mam Nach Bergmann, Nach Rirwan, 39 Zäure«, 26 Säure.; 23 Oryd. 28 Oryd, 38 Waſſer« 8 Compoſitionswaſſer. 38 Kriſtalliſationswaſſers, 10) Sein ſpecifiſches Gewicht verhält ſich zu dem des Waſ- ſers, wie 18 zu 19. Bevor wir uns mit dem Verfahren bey der Fabrikation des Kupferwaſſers, das in den Handel kommt, beſchäftigen, halte ich es für nothwendig, die verſchiedenen Zuſtände der Oxydation yennen zu lehren ,. deren das Eiſen in ſeinen Verbindungen mit der Schwefelſäure fähig iſt. Herr Thomas Thomſon meint, daß das ſchwarze Ciſen- oxy?» ſich mit dem Waſſer verbinden und ein Eiſen- Hydrat von grüner Farbe bilden könne, Er erklärt hieraus, warum die Niederſchläge durch Alkalien grün ſind, er betrachtet das Oxyd in dem ſchwefelſauren Eiſen, als ob es in dem Zuſtande eines Eiſen: Zydrats enthalten wäre, und ſchreibt der Entbindung des Waſſers durch die Wärme, oder ſeiner Auflöſung im Alko- hol, wenn man das ſchwefelſaure Salz in Pulvergeſtalt mit ihm zuſammenbringt, die weiße Farbe zu, welche dieß Salz unter dieſen Umſtänden annimmt,; Wir könnten dieſe Jdee von Herrn-Thomſon über die Ur: ſache der grünen Farbe durch ein bekanntes Erperiment beſtäti- gen; wenn nämlich die Evaporation der Aufldſurg des ſchwe felſauren Eiſens 49 Graden nahe kommt, ſo bildet ſich ein weißer Niederſchlag, der nichts iſt, als ein tro&enes, entwäſz ſertes, ſchwefelſaures Ciſen, welches man nur in Waſſer aufs» ldien darf, um ihm eine grüne Farbe zu geben, und wodurch erwieſen wird, daß es hier das Kriſtalliſationswaſſer iſt, wel? k, Wenn ſich' ein' Uebermaaß von Säure darin befindei; ſo hat es keine rothe Farbe mehr/ es kriſtalliſirt ſodann, und ſeine Kriſtalle has ben etwas ſmaragdgrünes, ſie efflores8ciren und zerfließen nicht; Wenn„man rothes Oryd mit Schwefelſäure behandelt, er» hält man. rorhes, ſchwefelſaures Eiſen.- Dieß ſchwefeiſaure Eiſen iſt es, welches ſich aus den Auſldſungen von ſchwefelſaus rem weißen und grünen Oxyd gelb niederſchlägt; denn das- ges fättigte ſchwefelſaure Eiſen iſt gelb.; Dieſe drey ſcen beſtreut; dieſe zerſetzen ſich in der Regel mit ziem? licher Leichtigkeit, Die Natur zeigt noch die Kieſe verſenkt, oder ſo zu ſagen, verſchmolzen mit Erden, Erdharzen, Steinen, die män ſodann mit dem Namen von Kieshaltigen Subſtanzen belegt." Dieſe qußerordentliche Zertheiltheit der Kieſe iſt es, welche indem ſie ' die EEE 5-2, MRM AFM die Wirkung der Luft und des Waſſers erleichtert, die Zerſeßung derſclben beſchleuniget, Dieſe verſchiedenen Zuſtände, in denen die Kieſe vorkom» meu, machen ihre Zerſeßung oder Vitrioliſarion mehr oder wes niger. leicht: in der Regel dauert ſie um ſv viel länger- als die Kieſe ein größeres Maaß von Schweiel entyaiten. I< habe iminer bemerkt; daß ſphäriſche ſich leichter viirioiiſiren als cu2 biſche, daß, unter den erſtern die, deren Oberfläche mit Punk- ten beſäet iſt, ſich ſchwerer zerſeßzey ,. als die welche eine glatte Oberfläche haben: daß die mit geſtreiftem Gewebe ſchneller ef» floresciren, und daß die im Torf oder in den Steinkohlen verz ſtreueten Kieſe früher arbeiten, als die, welche ſich in harten Steinmaſſen befinden. Von welcher Natür aber äuct er das Eiſen zu ſehr, von dem die Oxydation ausgehen muß, und die Vitrioliſation iſt null, oder geht zu langſam vor ſich. In dieſem Falle fängt man damit an, eine Portion des Schwefels durch Deſtillation oder Verz2 brennen des Minerals zu exträhiren; ſo wie ich. es bey dem Ar- tifel Schwefel gezeigt habe, und vitrioliſirt ſodann die Schlä>ken oder das Reſiduum,; Man begnügt-ſich faſt überall damit, die Rückſtände der Deſtillation oder des Verbrennens der Luft quszuſetzen, und'ei- nige Monate hindurch, die die Vitrioliſation dauert, beſprengt man ſie mit Waſſer, um die Efflorescenz zu erleichtern, So wie das Kupferwaſſer entſteht, wird. es von den Wäſſern fort- gezogen und in Baſſins abgeſeßt, wo die Lauge bis zu dem Au- genblike ſtehen bleibt, wv wan ſie in die Evaporirkeſſel leitet. In Dilta, in der Provinz TTericia in Schweden, vitrio- liſirt man, nachdem man den Schwefel ausgezogen, um deſe- ſentwillen man die Kieſe fördert, dann auch den Rückſtand, um das Kupferwaſſer daraus zu extrahiren*), 240%; In Schwarzenberg, in Oberſachſen, ſezt man die Rück- jtände der Deſttllation zwey Jahre hindurch der Luft aus, und lavgt fie zwey bis drey Mal aus, um das darin enthaltene Kupferwaſſer aufzuldſen**).-"1'H m Lütrichſchen und Limburgſchen geſchieht die Vitrid- liſation auf eine zweyfache Weiſe; entweder näwlich, überläßt man die Kieſe einer freywilligen Zerſezung oder man macht"4 en *) Leopoldi relatio hiftorica de itinere[uo[uecico, ann, 1707. Anm. d. Verf. 55) Schlütes Abhandlung von denz Schmelzen des Erze.„A, d, V. fen von rohen Kieſen, in deren Mitte man einen leeren Räum läßt, in welchen man die Rückſtände der Deſtillation wirft, ſo wie ſie ganz roth aus den Cylindern kommen, in denen die Des ſtillarion derſelben geſchieht. Dieſe Lage von entzündeten, bes de>t man vann'/wiedev mit rohen Kieſen und läßt die Mäſſe ſich von„ſelbſt erwärmen. und zerſeßen. 2) Wenn der Schwefel weniger häufig iſt, ſo wird die Des» ſtillation mindeſtens unnüß, und in dieſem Falle, wenn die Kieſe hart ſind, und ſchwer effloresciren, bereitet man ſie zur Vitrio2 liſation durch eine vorausgeſchite Rdſtung vor. In einigen Vitriolfabriken ſtratificirt man die Kieſe mit ſehr dünnen Schichten von Brennmaterial, und erhöht zuweilen die Maſſe zu 20 Fuß, auf 40 Fuß Länge, Dann legt man das Feuer an mehreren Punkten daran, aber es verbreitet ſich nur langſam in der ganzen Maſſe und die Röſtung iſt nur nach ſie. ben bis acht Tagen beendiget. Nachher läßt man die Kieſe ef- florescireu; indem man ſie von Zeit zu Zeit befeuchtet, um die Zeiſezung zu beſchleunigen. Auf dieſe Weiſe wird, wie Mon- ner berichtet, in einigen Etabliſſements im Lütrichſchen und Limburgſchen verfahren. In Seyer, in Oberſachſen, rdſtet man die Kieſe vierzehn Tage yindurch. In allen Fällen, wo die Rdſtung vortheilhaft iſt, muß man Acht haben, ſie nicht zu weit zu treiben; es würde daraus ein zwiefacher Nachtheil entſtehen, das heißt, nicht allein eine Por- tion von Schwefel ganz ohne Vortheil zerſtreut; und auch das Kupferwaſſer, welches ſich während der Röſtung bildet, zerſetzt werden..muß ſich alſo damit begnügen, die Vitrioliſation in's Spiel zu ſeen, und der Zeit die zur Hervorbringung einer genauen Verbindung ndthige Arbeit anvertrauen. Es gibt eine große Anzahl von Kieſen, die mit ſo vieler Leichtigkeit effloresciren, daß man bey ihnen nicht ndthig hat, zur Röſtung ſeine Zuflucht zu nehmen; Kieſe dieſer Gattung werden in tTewcaſile in England; in Algis in Frankreich und an andern Orten gefördert. In dieſen verſchiedenen Orten fängt man damit an, die Kieſe auf die bekannte Weiſe aus ihren Erzen zu extrahiren und läßt ſie dann effloresciren. Die Arbeit bey der Vitrioliſation iſt ſehr einfach; mit den Stücken der aus den Erzeu gezogenen Kieſe bilder man Schich ten von 3 bis 4 Fuß Hdhe. Der Boden, auf welchem man die Schichten aufrichtet, muß feſt ſeyn, und das Durchfiltriren„ gn A SRE en mageren 2<< eie meg ume m m mmmm mrn üg in ..-- 326 a Waſſers nicht geſtatten; er muß ferner eine abſchüſſige Ebene bilden, um den. Abfluß der Laugenwäſſer-zu erteichrern; dieſe * abſchüſſige Fläche führt das Waſſer in Rinnen, und dieſe verei: nigen ſich wieder in einem großen Reſervoir, welches wie ein gemeinſchaftliches Behältex-betrachtet werden kann, Die Kieſe zerſetzen ſich, und das efflorescirte, durch die Wäſſer aufgeldſte Salz, wird in den Reſeivoir fortgezogen. So wie die Zerſelzung vorſchreitet, erwärmen ſich die Kieſe, Ünd man unterhalt die erſtern in ihrer Wirkung, indem man von Zeit zu Zeit, vorzüglich wenn die Luft warm und tro>en iſt, Den Haufen beneßet.- Wenn die erſten Laugenwäſſer nicht gehdrig geſättiget ſind, welches nach ſtarken Regengüſſen der Fall ſeyn kann, bringt man ſie wieder auf den Haufen, um ſie von neuem zum Benekzen anzuwenden, y Es iſt zum Fortgange eines Etabliſſements dieſer Gattung, wo. die ganze Arbeit der Vitrioliſation der Sorge, der Natur Überlaſſen iſt, erforderlich ,. daß den Kieſen viele Oberflächen dargeboien und große Maſſen davon zur Zerſelzung aufgeſtellt werden, damit die Auslaugung ſehr geſättigte Wäſſer abführe, und ſie in hia!änglich reichlichem Maaße liefere, um anſehnliche Produkte an. Kupfewaſſer zu ergeben, Dieſe, Schichten erſchdpfen ſich. nur vachy Verlauf einiger Jahre;.weun die Kieſe rein find, iſt das Reſiduum, davon faſt null. Wenn die Vitrioliſation abzunehmen anfängt, ſo gebraucht man die Vorſicht, die Schicht umzuwenden. Nur in dieſem Falle muß man die Kieſe in Bewegung ſetzen; denn, weun dieß geſchähe, während ſie ſich in der Arbeit des Efflorescirens be: fiuden, würde die Bewegung die Wirkung desſelben verzdgern, "'Man trifft an den Meeresufern in England und an den ihnen gegenüberliegenden Küſten von Frankreich abgerundete Kieſe, die leicht effloresciren und ein Kupferwaſſer von vortrefflicher Qualität geben. Ich habe zu Honfleur eine Kupferwaſſerfabrik geſehen, die mit Kieſen von dieſer Gattung verſehen wurde, „welche man unter den vom Meere ausgeworfenen Strandſtei- nen auflas. Zuweilen zeigt uns die Natur ſchwärzliche Erden, die mit kleinen Kieskörnern durchſäet ſind, welche ſich mit einer bewunz dernswürdigen Leichtigkeit zerſezen: dieſe Arten von Erzen has ben auch einen Ueberfluß an Alaunerde, und. geben bey der Vi- trioliſation, ſchwefelſaures Eiſen und Alaun, Zu Cremnigz in j Ungarn (8977 amm Ungarn und zu Baurin- in der Picardie fördert man-Erden von dieſer Art. 3) Die Kieſe ſind faſt unzertrennlich von den Steinkohlen und dem Torf; aber alle Steinkohlen: und Torfarten ſind nicht gleich fieſig; es gibt ſeibſt ſolche, in denen das geſchwefelte Eiſen gar nicht bemerklich iſt, während wieder andere einen unz erträglichen Schwefelgeruch ausShauchen, wenn man fie verz- brennt und ſich ſchnell zerſetzen, wenn man-ſie an der Luft aus= geſeßt läßt. Dieſe Zerſetzung erregt. ſelbſt ſehr häufig.-einen Brand in der Maſſe, Die Efflorescenz der verſchiedenen Arten von Steinkohlen und Torf liefert nicht immer die nämlichen Pxodukte, zuweilen iſt die Alaunerde darin vorherrſchend, und ſodann iſt das Haupt- reſultat, Alaun; und wenn Ciſen darin prädominirt; ſo iſt dieß ſchwefelſaures Tiſen; und. die Förderung geſchieht dann nur, um dieß Eiſen zu verhalten. ES iſt ſelten, in. dieſer Art von Kieſen nicht Eiſen und Aläunerde zugleich vereint.zu finden, Alle ſchioſtand des Verbrennens als Dünger. gebrauchen.„Dieſe Schicht ruht auf einer-Thons ſchicht, und iſt mit einer guten ocherartigen und ſehr zerreiblichen Erde bede>t.. Man hat bereits- Kupferwaſſerfabriken an den kieſigen Punkten dieſer Schicht angelegt. Die Operation der Vitrioliſation iſt ziemlich ſchwierig bey Erzen dieſer Art; indem man eine immer zum Ausbruch vereite Entzündung fürchten muß, wenn die Kieſe in zu dichten Lagen guf“ einander gehäuft ſind, Es ſcheint, daß die Schichten von Kieſen ſouſt zahlreicher auf“der Erde geweſen find, a!s heut zu Tage. Wir finden, faſt- überall, Spuren ihrer Zerſezung; die Ochererden und die vulkaniſchen Materien beurkunden ihre Exiſtenz von Urbeginn an, und' die warmen Mineralquellen, ſo wie die Eruptionen der feuerſpeienden- Berge beweiſen gleichfalls, daß die Einge- weide der Erde in Zerſetzung befindliche Lagen davon in ſich enthalten, jp! 6. 2« Von der Auslaugung vitrioliſirter Rieſe, Von dem A:tgenblike an, wo durch die Zerſegzung der Kieſe der Vitriol entſtanden iſt, darf man ſich nur damit be ſchäftigen, ihn daraus zu extrahiren,„und dieſe Operation nennt man die Wäſche oder das Yuslaugen der Kieſe, Wir haben. bereits bemerkt, baß, wenn die Kieſe ſich in frever Luft und in Lagen. abgetheilt, auf einer Fläche: zerſetzen, ihre Auslaugung natürlich und in jedem Augenblicke ,. mitrelſt des Thauwaſſers, geſchehe. Cs. gibt Fabriken, wo man Gräben oder Reſervoirs ans bringt, in die man die Kieſe thut, auf weichen man vier:und zwanzig: Stunden hindurch Waſſer ſtehen läßt, nach deren Verlauf dieß in ein gemeinſchaftliches Reſervoir abfließt, wo es fich reiniget, bevor es in die Evaporirkeſſel läuft.: Wenn das Mineral, welches man fördert, wenig Vitriol enthält/ ſo wird es'noihwendig das nämliche Waſſer auf meh- rere. Schichten zu gießen, damit es um ſo ſtärker geſchwän» gert werde. In faſt allen Vitriolfabriken läßt man die Laugenwäaſſer in Reſervoirs abfließen, wo ſie anfangen den Ocher und alle freinds artige Körper, die ſie mit ſich geführer.. abzuſetzen; und von da läßt man fie in'ein gemeinſchaftliches Reſervoir laufen, wo fie ſich von neuem mit' einander vermengen und'abkiären,? Die l Die"Wäſſer aus dieſem letztern Reſervöir"find es auch, welche in den Keſſeln zur Evaporation beytragen. Die Evaporation der Laugenwaſſer geſchieht in der-Regek in bleyernen Keſſeln.“ Der Umfäng dieſer Gefäße! iſt verſchie- den in den verſchiedenen Fabriken."Herr Jars hat in England ſoiche von'15'Fuß' Länge auf"12 Fuß Breite geſehn. Dieſe ungeheuren Moſſen ruhen auf Platten von gegoſſenem Eiſen, die ſelbſt wieder von gemauerten Bdgen getragen werden, und gegen die Mitte hin befindet ſich der Ofetroſt. An andern Orten haben die Keſſel gewöhnlich.2 bis 3 Fuß Tiefe auf. 5 bis 6 Fuß Breite und 8 bis 10 Fuß Länge. Man ſetzt dieſe auf ſtarke eiſerne Stangen, die mit ſehr di>eu Platten von unverzinmem Ciſenblech belegt ſiud, damit der Keſſel ſich nicht durch die Zwiſchenräume zwiſchen deu Eiſenſtavgen hinabe ſenken könne, 2 Das Waſſer des geweinſchaftlichen Reſervoirs, wird ge- wöhnlich durch einen natürlichen Abhang mittelſt Röhren, von denen eine mit der andern communicirt, in den Keſſel geleitetz der Keſſel wird wit dieſem Laugenwaſſer angefüllt, und ſobald dieß im Auſwallen iſt, ſo erhält man das' Waſſer in der näm- lichen Hdhe, indem wan ununterbrochen neues zufließen läßt. Man fährt mit der Cvoaporation fort, bis ſich auf der Oberfiäche- der. Flüſſigkeit ein Häutchen zeigt;- die Lange kann aber zu feinem ſtärtern GraTe von Concevrration gebracht werz den, als 43 bis 41 Grad nach der Baumeſchen Flüſſigkeits- waag2, ohne daß ſie ſich trübe und einen weißen Niederſchlag bilde, welcher ſich an den Boden der Keſſel anſelzt, und. deren Schmelzen bewirkt, Weun-man das Feuer avsgeldſcht hat; ſo läßt man den Brand einige-Stuünden hindurch ſtille ſtehn und abklären, und ihn dann in die Kriſtalliſirgefäße abfließen. Nach Verlauf von acht bis zehn Tagen uimmt man. die ſich gebilderen Kriſtalle ab, und+läßt die Mutterlaugen in«tiefe Löcher verlaufen. In allen Werkſtätten verdiekt män die Laugenwäſſer durch Beymengung einer Portion von Mutterlauge; in einigen aber vermengt man dieſe mit dem erſten, Laugeuwaſſer, während man in andern. die Mengung gegen das Eude vornimmt, und dieſe letztere Merhode ſcheint mir die vortheilhafteſte«. Man hat in Englaud und in andern Ländern den Gebrauch, die Flüſſigkeit mit altem Eiſen gufſieden zu laſſen, womit man den Boden des Keſſels belegt/ bevor man das Waſſer hinein: laufen läßt; dieſe"Methode hat den Vorzug, daß durch ſie die Schwefel- -- 339= Schwefelſäure-geſättiget. wird,„welche die Laugenwäſſer faſt immer im Uebermaate enthalten, und das, wenige ſchwefelſaure Kupfer zerſetzen, von dem das Mineral nicht immex frey iſt. Die Kriſtalliſirgefäße ſind ,/-in einigen Etabliſſements, hdl- zerne viere>ige Kaſten“von ungefähr. 2 Fuß Breite auf eben ſo viel Tiefe; ſouſt ſind/es-gemauerte, und mit einem guten Kitt überzogene, Baſſins Noch bedient man ſich Tonnen oder Kaſten,„die ſich leicht. auseinandernehmen laſſen, wenn die Martterlaugen abgeiaſſen werden ſollen. Auch hat' man die Gewohnheit, in, die Kriſtalliſirgefäße Stäbe oder Dornen zu legen, um die Oberflächen. zu verviels fälrigen, und den Kriſtallen Unterſiüßungspunkte zu geben, I< habe bereits bemerkt, daß, wenn die Evaporation über den goſten oder g1ſten Grad der Baumeſchen Flüſſigkeits8waage geſteigert wird, das Bad ſich trübt, und ſich augenblicklich ein weißlicher Bodenſatz niederſchlägt, der am Boden des Keſſels, von welchem er“ ſich ſchwer losldſen läßt, die Conſiſtenz des Gipſes annimmt, Der Niederſchlag entſteht früher, wenn die Flüſſigkeit ſauer, als wenn fie gehdrig geſättiget iſt, In allen dieſen Fällen ſinkt, ſobald der Bodenſatz fich ge? bilder, das Bap zu einer Concentration von weniger als 5 bis 6 Graden hinab, die Farbe wird wieder grün, und man kann die Evaporarion vis zum nämlichen Graze fortſetzen.- Man erhält dann noch einen ähnlichen Bodenſatz, auf welchen eine ähnliche Verminderung'an Concentration folgt, und kann durch dieß Mittel alles in den Laugenwäſſern aufgeldſte ſchvefelſaure Eiſen in einen weißlichen Bodenſatz verwandeln, Die Anaiyſe dieſes Bodenſatzes hat mir gezeigt, daß er trockenes oder entwäſſertes ſchwefelſaures Eiſen ſey, weiches beynahe dem gleich kommt, was man erhält/ wenn mau durch die Wärme das grüne ſchwefelſaure Eiſen entfärbt. Ich de/til- lirte beſonders gleiche Thei!e von grünem und von dieſem weißen ſchwefelſauren" Eiſen', daß" erſtere“ gab mir das gewöhnliche Kriſtalliſationswaſſer', daß- andere faſt gar whts davon. Ich ldſte das weiße ſchwefelſaure Eiſen in tem Waſſer auf, welches ic aus der Deſtillation des grünen ſchwefelſauren Eiſens erhalten, und verwaudelte es dadurch'in grünes ſc iſt anziehend und ſein Nachgeſchma> me- talliſch. Es ſchmilzt am Feuer, verliert ſein Kriſtalliſationswaſſer und reducirt ſich in ein bläu!ichgrgues Pulver. | Vor dem. Löthrohre- ſchwillt. es, bey dem erſten;Feuerſtrahl, mit Geräuſch und Aufwallen an, dann wird es ruhig, und das Metall reduciti ſich, wenn man auf einer Kohie..operirt, Es 1dſt„ſich, leicht. in Waſſer auf, welches es. blau färbt. Vier. Theile Waſſer löſen einen davon bey einer Temperatur.von 60.Graden des.Fahrenheitſchen Thermometers auf. Das Ammonium ſchlägt das Kupferoryd in'eine bläulich weiße Farbe nieder; wenn manu es aber im Uebermaaß hinzu- thut; ſo nim die Flüſſigkeit durch Aufldſung des“niedergeſchla- genen Oxyds, die ſchönſie blaue Farbe au. Das Eiſen ſchlägt das Kupfer daraus lim- Metallzuſtande nieder,.man. dar“ nur mit! einem blauen-Vitriölkriſtall auf einer Meſſerklinge reiben, um das Kupfervauf das Eiſen qufzutra- < vorzüglich ,- wenn man die Oberfiäche des“Kriſtalles maß madt. | Sein ſpeciſiſches Gewicht verhält: ſich zu: der»des Waſſers wie 2,23 zu 44 Es iſt zuſam.nengeſeßt aus 0,27 Küpfer, 0,30 Säure. 0,43 Waſſer,, Wir werden alle Proceduren deren man ſich bedient'/' um das ſchwefelſaure Kupfer zu extrahiren oder zu fabrieiren, auf vier Arten-reduciren, 3).017 x) Die Vitrioliſation der kupferhaltigen Kieſe. 2) Die Evaporation der kupferhaltigen Wäſſer. 3)1Die Formation und Bitrioliſation der künſtlichen Kieſe, 4) Die Aufldſung des Kupfers durch die Schwefelſäure. 1) Die Kupferkieſe unterſcheiden ſich von den Eiſenkieſen durch eine lebhafiere Farbe,; Sie liegen nac) Henkels Bemerkung, in der Regel, tiefer als die Eiſenkieſe. Der nämliche Chemiker. fand darin von x. bis. 50 Pfund, Kupfer in dem Centuer. Sie vitrioliſiren ſich ſchwerer 3 doch laſſen die Exiſtenz dev Onellen von Kupferwaſſer und die Prüfung der ſchwefligen Kupfererze keinen Zweifel über die freywillige Zerſetzung„der Kupferkieſe im Innern der Erde,; Um die Kieſe zu zerſeßen und ihre Vitrioliſation vorzuberei* ten, ſtratificirt man ſie mir dünnen Schichten von Brennmaterial, und' legt Feuer an. Man muß hiervey die Vorſicht gebrauchen, Feine zu ſtarke Gluth zu machen, denn es iſt vortheilhafter, wenn ſiertnur mäßig iſt; äber lang unterhalten wird, Zia Marienberg, wo man ein ſchwefliges, mit Kupfer permengtes Zinnerz findet, röſtet man das Mineral zehn bis zwblf Stunden hindurch. in einem'zur Rothgluth geheißten Ofen, Fährt„nachdem man das Feuer angehalten, fort, die Materit umzurütteln, bis daß der Ofen nicht mehr rotbglühend iſt, und wirft das noch heiße Mineral in einen Waſſerkübel/ wo man es einige Zeit„umrührt. Wenn das Waſſer gehdrig geſchwängert iſt, 1äßt-man-es evaporiren, um das darin aufgeldſte ſchwefels ſaure Kupfer daraus zu extrahiren. Es] gibt Kieſe, deren, Produkt ,an Kupfer nicht hinreichen würde. die Koſten eines-Schmelzofens zu-defein„- und nichts- deſtoweniger. werden einige: von dieſen doi) benußt, um Schwefel und Vitriol mittelſt den ſeichten Proceduren daraus. zu ziehen, welche wir bey dem Artikel Schwetel beſchrieben. 2) Die Vitrioliſation“ der-Kupferkieſe im Schooß der Erde; kündiget ſich auf eine evideute Weiſe durch die Natur der Wäſſer an, welche daraus hervorquellen.? Dieſe Wäſſer ſind in einigen Quellen ſo mit Kupfervitrio| geſchwängert, daß man' ſie mit Vortheil beuußzen kann, um Kupfer daraus extrahiren; man darf nur altes Eiſen. in Waſſer werfen um das--Kupfer.-dargus niederzuſchlagen, welches die Stelle des Eiſens einnimmt,„ſo wie dieß; Metall-das Kupferzin ſeiner Berbindung mit der Schwefelſäure erſe8t» Das, Kupfer, ; welches EUERE 3 1. 220005 welches man durch dieß Verfahren erhält, wird" cementittes Rupfer genaunt,. In den Bergwerken von LT7enſſol in Ungarn find in einer Tiefe von 60 Toiſen unter einem Abflapſtollen in einiger Entfer- nung'von einander/ mehrere"Kaſten autgeſtellt,"in welchen ſich die Kupferwaſſer“ſammeln, aus denen man das Metall durch das eben bejchriebene'Verfahren ſcheidet. Aehnlicher Mittel bedient män ſich in den Gruben von Gras- lig in Böhmen, von Sniolnisz, am Fuße des Karpathiſchen Gebirges, in'Altenberg, Rämmelsberg'u.ſ. w. Wenn män das Kupfer dürch das Eiſen niedergeſchlagen, ſs kdynte man. durch Cvaporation das entſtandene ſchwefelſaure Eiſen exträhiren, aber es iſt in zu kleiner Quantität darin ent» häten, um die Koſten einzubringen. 3, In den franzöſiſchen Hauptfabriken von blauem Vitriol verfährt man auf folgende Weiſe: 4. . Man taucht das Kupfer /“ welches män vitrioliſiren. will; in Waſſer, und überzieht die näſſe Oberfläche desſelben mit einer"Lage von" pulveriſirrem' Schwefel/ Man''bringt die ſo zuvereiteten"Platten in'einen'//'bis' zur Rothgluth gebeitzten, Ofen, nimmt ſie, wenn ſie noch warm ſind, wieder heraus, um ſie in einen mit Waſſer angefüllten Keſſel: zu tauchen; und unterwirft ſie nach und nach; mehreren ſolchen Operationen, bis daß ſie gänzlich abgenußt, und in Vitriol verwandelt ſind, Nay, und nach ſchwängext ſich, das Waſſer mit ſchwefelſaurem Kupferz und wenn es genug. geſättiget iſt, ſo concentrirt man dasſelbe, um den Vitriol daraus zu extrahiren, I< ſuchte dieß Verfahren noch zu vereinfachen, und hier iſt das Reſultat meiner Verſuche; I< ſchmolz, zwey Pfund Schwefel in einem im Feuer roth- geg!ühten Tiegel, und that in.dieß Bad ein gleiches Gewicht von Kupferplatten, indem ich den Tiegel beſtändig mitten in glühenden Kohlen erhielt. Bald'darauf ſtieg eine'große Flamme in die Hdhe, durch welche man' die rorhen Platten in-dem Tiege? erblickte, Sobald"die Flamme aufhdrte, nahm“ich den Tiegel vom Feuer, und'na< dem Kaltwerden, fand ich die Kupfer- platten ſehr brüchig, von einer ſchönen dunkelrothen Farbe, und im Bruch ſeidenartig und ſtreifig; ſie wogen 2 Pf. 15 Unzen," Ich zerrieb und zertheilte dieſe geſchwefelte Maſſe in zwey Theile, von denen ich einen mit reinem Waſſer, den ändern aber mit Schwefelſäure befenchrete. Der erſtere efflorescirte nicht, und ungeachtet aller Sorgfalt, die ich anwendete, während drey=" zehn -. 446>> zehn Monate nicht hinreichend ,-um den geringſten, Schein von Vitrioliſatrion darin hervorzubringen; der zweyte. efflorescirte, und indem-ich ihn. von Zeit. zu. Zeixr mit ſäuerlichen Waſſer be- ſprengte, zog ich daraus beynahe fünf Pfund Vitriol.. Man kann. Schwefel erſparen, wenn man ihn auf rothglür hendes.Kupfer»ſtreurz durch; dieß Mittel wird das Kupfer auch ſehr zerreiblich, zeigt der Bruch. ſich blaurdthlich;, und-wird es von der Schwefelſäure leicht angegriffen. 4), Die, Schwefelſäure greift-das Kupfer.im kalten: Wege nicht an, wenn man ſie.aber.bey einer ſtarken: Wärme mit dem Kupfer digeriren läßt, ſo. zerſetzt ſich. jenes zum Theil, es dampft viel ſchweſtige Saure davon, aus, und es bleibt ein weißer Teig zurück, den man in Waſſer aufldſen, und aus welchem man durch die Evaporation, ſchdne Vitriolkriſtalle erhalten kanu, j„R- AEe: Män kann der Wirkung der Schwefelſäure nächhelfen, wenn man. das Metall durc) Salpeterſaure oxydirt ,. die man mit ihr zuſammen anwender.') E, Eine. Aufldſung von ſalpetexſaurem Kupfer aufgeſotten mit ſchwefelſaurxem Kali, erzeugt, ſchdne Krijialle! von'ſchwefelz ſaurem Kupfer.]? Glo&enmetall, wenn'/es' zerrieben, und'mit Schwefelſäitre im Saudbade" zur Digeition gebracht wird, reducirt ſich“ in eit weißes-Pulver"das nichts als Zinnoxyd iſt;"die obenäufſchwim- mende Flüſſigkeit färbt ſich blau; und'gibt ſchwefelſaures Küpfer; Achter Abſchnitt. Von den Verbindungen der Schwefelſäure mit dem Zink; (ſchwefelſaurer Zink, weißer, Vitriol, weißer goelariſcher ; Vitriol', weißer“Galizenſtein). Außer, dem ſchwefelſauren; Eiſen und Rupfer trifft man uoch im. Handel„ſchwefelſauren. Zink an, den) man weißen, oder weißen goslariſchen Virriol nennt, und'der ſich von allen andern Salzen, durch. folgende Kennzeichen unterſcheidet: durch eine ſc; durch die Eigenſchaft, daß er ſich, bey einer Temperatur, von 60 Graden Fahrenheit in ſeinem zwiefachen Gewichte an ehe guflöſen TE KE aufidſen. läßt,"und zu dreyſeitigen jin vierſeitigen Pyramiden auslaufenden Prismen kriſtalliſirt. Er verliert im Feuer einen Theil ſeiner Säure, ſchwillt vor dem Ldthrohr, bey dem erſten Feuerttrah!, mit Geräuſch und Praſſeln auf; ſodann ſenkt er, und reducirt ſich das Metall, wenn man auf Kohlen operirtz er entzündet ſich und producirt alle Phänomene, die das Verbrennen des Zinks begleiten. Die Verhältniſſe ſeiner Grundbeſtandtheile ſtehen in folgen2 der Ordnung 7 na) Bergmann, Rirwan. 49 20,5 Säure, 20 40,0 Oryd. [16.064008 9,5 Waſſer. Herr Tennant fand in dieſem getroFneten ſchwefelſauren Salze 50 Säure und 50 Oxyd, Sein ſpecifiſches Gewicht verhält ſic) zu der des Waſſers, wie 2 zw 1, nac) KRirwan; und 19 zu 10 nah Briſſon. Der ſchwefelſaure Zink entſteht aus der Zerſezung der Blenden, oder des geſchwefelten, gediegenen Zinks. Dieß Mineral iſt ſehr gewdhnlichz; man trifft es zuweilen mit Bley glanz oder natürlic) geſchwefeltem Bley in Gemenge oder zur Seite desſelben;„und es pflegt dann die Bergleute in Hinſicht des Ueberfluſſes des wahren Erzes in Erſtaunen zu ſesen,. Wenn aber gleich der geſchwefelte Zink gemein iſt; ſo iſt doch der ſchwefelſaure Zink ziemlich ſelten, weil die Vitrioli2 ſation des Minerals ſehr ſchwer vor ſich gehr. Man findet es jedoch in einigen ſchwediſchen Mineralquellen nach den Reſultas ten der Analyſen des berühmten Bergmann, und die Mineras logen haben Gelegenheit gehabt, es dfter in den Erzen zu bemerken, Alle Blenden kdnnen wie die von Rammelsberg, welche man in den Goslarſchen Schmelzdſfen behandelt, vitrioliſirt wera den. Dieſe letztere enthält Zink, Kupfer und Bley, durch Schwefel mineraliſirt. Man röſtet das Mineral und wirft es, wenn es ganz roth iſt, in eine mit Waſſer angefüllte Kufe: läßt es Eh Stunz den hindurch im Waſſer,- löſcht das im Feuer rothgealühte Mi- neral zu mehreren Malen darin ab, und nachdem man die Auf- ldſung in großen Baſſins klar werden laſſen, evaporirt man ſie in bleyernen Keſſeln, um die Kriſtalliſation des Salzes zu bewirken, It, Y Man Man läßt die Kriſtalle in einem kupfernen Keſſel ſchmelzen und ſchäumt, ſobald ſie geſchmolzen ſind, die Oberfläche mit. einem Haarſiebe ad. Man gießt ſodann die Aufldſung in einen hdlzernen Bottich, in welchem man fie anunterbrohen mit Schaufeln umrührt, bis daß ſie kalt wird und Conſiſtenz ge? winnt: dann macht man Scheiben daraus un> gibt ſie in den Handel. Sie haben in dieſem erſten Zuſtande Farbe und Korn vom räffinirten Zucker*),; Ich ſelbſt habe, mittelſt eines ähnlichen Verfahrens, eine“ ziemlich große Quantität von ſchwefelſaurem Zink aus der Blende von Saint->auveur im Departement de la Lozere gezogen. Man kann leicht ſchwefelſauren Zink machen, wenn man das Metall in verdünnter Schwefelſäure aufldſt. Dieſe Avfld2 ſung geſchieht mit großer Leichtigkeit und: es entbindet ſich eine anſehnliche Quantität von Waſſerſtoffgas durch die Zerſezung des Waſſers mit dem Metall**). *) Der im Händel vorkommende Zinkvitriel iſt indeſſen kein veines Salz. Er enthält fiets Eiſenvitriol, auch wohl freyes Kiſen» 0pyd eingemengt, welchem derſelbe ſeine grauweiße„6 verdankt. *) Dieſe letztere Verfahrungsart iſt die beſte um ein reines Salz zu gewinnen, welches hierbey aus der Auflöſung in blendendweißeny ziemlich großen Kriſtallen anſchießt,; H EGER 17.15 SARGE Zehntes Kapitel. Von den Verbindungen der Salpeterſäure, Von allen Verbindungen, der Salpeterſäure iſt die einzige, die in den Künſten gebraucht wird, das ſalpeterſaure Zagli, Erſter Abſchnitt, Von den Verbindungen der Salpeterſäure mit dem Ralis ſalpeterſaures Rali, Salpeter, Das ſalpeterſaure Kali, welches auch TTitrum, Salpeter, Sgalniter genannt wird, erkennt man an folgenden Eigenſchaften, Seine gewdhnliche Geſtalt iſt die eines ſechsſeitigen Prisz ma's, deſſen Seiten in ſechsekige Pyramiden auslaufen. Sein ſpecifiſches Gewicht verhält ſich zu dem des Waſſers, wie 1,9369 zu 10,000. Sein Geſchma> iſt pikant und von einem kühlen Nachge»- ſchmaF begleitet. Es kniſtert in der Hand wenn man es drückt, Es läßt ſich in ſeinem ſiebenfachen Gewichte an Waſſer, bey einer Temperatur von bo Graden Fahrenheit, aufldſen. Kochendes Waſſer ldſt davon ungefähr ſein eigenes Gewicht auf, Es: wird durch die Berührung der Luft nicht merklich verändert. Es ſchmilzt bey einer ſtarken Wärme, und ſeine Säure zerſeßzt ſich; indem es zuerſt, wenn es zur Rothweißgluth gez langt, ſeinen Sauerſtoff, dann aber ſeinen Stickſtoff fahren läßt. Wenn es mit verbrennlichen Körpern vermengt und dem Feuer ausgeſeßzt wird, ſo ſchmilzt es, und die Säure zerſeßt ſich unter allen Phänomenen eines ſehr raſchen Verbrennens, Seine Grundbeſtandtheile ſtehen in folgenden Verhältniſſen 2 na<+ Hergmann, Rirwan. ZI 44,0: Säure, 61 51,8 Kali. 8 4,2 Waſſer. Der häufige. Gebrauch des Salpeters in den Künſten, und daß er den Grundveſtandtheilen des Schießpulvers zur Baſis dient, geben dem Studium dieſes Salzes even ſo viele Wichtigz keit als Intereſſe ſſe Y 2 Nach 340 Nah dieſer vorausgeſchikten Bemerkung werden wir'uns nach und nach mit der Entſtehung, Extraction, Raffinirung und dem Gebrauche dieſes Salzes beſchäftigen. Erſter Artifel, Von der Entſtehung des Salpeters« Der Salpeter entſteht täglich, aber er erzeugt ſich nicht an allen. Orten, Man trifft ihn nur in der Nähe von ſolteſten, ihn zu fixiren, und unter dieſen ſind wieder die, welche einigen Ocher. enthalten, die zur Salpeter- Erzeugung tauglichſten. Kreiden, die mit ein wenig Thonerde vermengt ſind, eignen ſich mehr zur Bildung von Salpeter, als reine, wie Herr von Larochefoucguld bemerkt hat, Eine zu warme und eine zu kalte Temperatur wirken bey Entſtehung des Salpeters gleich nachtheilig. Er bildet ſich vorzugsweiſe in ndrdlich gelegenen Gegenden, In größerer Quantität noch, entwi>elt er ſich in den Thei- len von alten Mauern, welche der Erde nahe ſind. Hauptſächlich aber findet man ihn in einem ſolchen Boden, welcher den Ausflüſſen von verfaulten thieriſchen oder Pflanzen- ſubſtanzen ausgeſeßt iſt. Faſt aller Salpeter, welcher in Gipsſchutt, Kreidengebir gen, in Mergel, und in Tuſſſtein entſteht, hat eine Baſis von Kalkerde, Die Baſis desjenigen aber, welches ſich in Schäfereyen, Remiſen und Ställen bildet, iſt Kali, Dieß ie --= 341= Dieß ſind aus der Beobachtung geſchdpfte Lehren, Wir müſſen nun ſuchen dieſe Thatſachen mit den Grund- ſätzen der Wiſſenſchaft zu vereinigen, um ihre Uebereinſtimmung mit denſelben zu erweiſen, und Folgen daraus herzuleiten, die bey der künſtlichen Fabrikation des Salpeters zur Richtſchnur dienen können, Das ſalpeterſaure Kali entſteht aus der Verbindung der Salpeterſaure mit dem Kali. Die Salpeterſäure ſelbſt iſt zuſammengeſetzt, aus Sti>kſtoff und Sauerſtoff. Das ganze Geheimniß der Bereitung des Salpeters redu» cirt ſich) alſo darauf, die Fälle, die Umſtände und das Mittel kennen zu lehren, durch die dieſe Verbindung bewirkt wird. Der Stickſtoff und Sauerſtoff im Gaszuſtande können nicht änders in Verbindung treten, als mittelſt des elektriſchen Fun- kens. Es ſcheint jedo<4, daß das StiFgas hauptſächlich das. jenige iſt, welches der Verbindung widerſieht; denn der Sauer» ſtoff wird leicht concret, wenn man ihm eine gehdrige Baſis darbietet, Um alſo die Verbindung des Sti>X- und des Sauerſtoffes zu bewirken, muß man den Stiſtoff dann nehmen, wenn er aus ſeinen Verbindungen hergustritt, das heißt in dem Augen- bli>, wo er ſeiner elaſtiſchen oder Erpanſivkraft noch nicht ge? nießt, und er ſich folglich mehr zu Verbindungen eignet, Die Zerſetzung thieriſcher und Pflanzenmaterien liefert ihn uns in dieſem Zuſtande, da er einen ihrer Grundbeſtandtheile ausmacht; und ſo wie er durch ihre Desorganiſation frey wird, bemächtigen ſich der Sauer- und. der Waſſerſtoff ſeiner; der eine um Salpeterſäure der andre um Ammonium zu bilden. Wenn die Stoffe einer Pflanze an einem vor den Einflüſſen der Luft und des Qchtes geſchützten Ort getrennt worden ſind, zum Beyſpiel unter den Brettern von Wohuhäuſern oder Heu- böden; ſo bedürfen dieſe getrennten-und unter einander verwirr- ten Stoffe nur der Berührung der Luft, um Salpeter zu geben. Es iſt mit der Zerſetzung dieſer Erden, wie mit der der kieſigen Erden, welche nur durch Berührung der Luft effloresciren, und wir können die in einer abſoluten Dunkelheit und an einem von der Luft nicht erreichten Orte entſtandenen Erdmaſſen, wie einen nitrdſen Torf betrachten. Wir werden deſſen Zerſezung den Na- men Litrifieation beylegen, um dadurch einem ähnlichen Phä- nomene nahe zu kommen, welches ſich bey der Vitrioliſarion Tieſiger Torfe zeigt, Dieſe EEE I =<] 342== Dieſe Grund-Jdee der Produktion des Salpeters dur< Ni- trification der Salpeitererden ,- mus uns bey der Unterſuchung des zur Beſchleunigung der Entſtehung dieſes Salzes ſchicklich» ſien Verfahrens, leiten, Die zu allen Zeiren, an allen Orten und von allen Menſchen gemachten Beobachtungen, kommen darin überein, daß die Kalk- oder Kreidenerden ſich am beſten und am ſchnellſten nitrio ficiren. Aber dieſe Erden liefern der Salpeterſäure auch nur eine Baſis, und es. iſt nothwendig, daß ſie entweder mit Sub2 ſtanzen, welche die Grun»beitandtheile desſelben liefern, ange? füllt ieyen, oder die Ausflüſſe derſelben empfangen. Das Ge- menge dieſer Erden alſo mit Reſten von Pflanzen oder thieriſchen Maierien, wenn es einem ge“drigen Lichte und einer gehdrigen Temperatur ausgeſeßt wird, liefert vortreff!iche Salpetergruben, Es ſcheint, taß man, um die Pflanzen und thieriſchen Max terien zur Nitrification vorzubereiten, die Stofſe derſelben, vom Lichte entfern!, trennen, oder desorganiſiren müſſe, um ſie ſo2 dann der Wirkung der Luft auszuſeßen, die die Verbindung des Stickſtoffs mit dem Sauerſtoff bewirkt, und eine Säure bildet, welche ſodann mit den in dem Gemenge befindlichen alkaliſchen und erdigen Baſen in Verbindung tritt, Es folgt noch aus dem-eben Geſagten, daß alle Pflanzen nicht aleich geſchikt zur Nitrification ſind, weil alle den Sti>2 ſioff nicht in gleichem Verhältniſſe liefern, Die Schierlingspflanzen, welche einen ſtarken oder ſtin- kenden Geruch aushauchen, ſcheinen die vortheilhafteſten; der Schierling und Tabak, das Herzkraut,. das Bilſenfraut, der Kohl, der Andorn und die Diſtel nehmen die erſten Plätze einz man hat ſelbſt byobachtet daß ihr Ertract, wenn er lange auf- bewahrt wird, ſich mit Salpeterkriſtallen bede>t*). Man bedient ſich. der vegetabiliſchen und rhieriſchen Ma- terien, um Salpeter zu erzeugen; aber vicht alle ſind gleich fähig zur Nirriſication, Man zieht die kräuterfreſſenden den fleiſchfreſſenden Thieren vor) die Auswürfe der erſtern liefern beſſer und früher Salpeter, als die andern. Unter den einzelnen Theilen der Thiere iſt das Blut von allen Flüſſigkeiten die zur Nitrification günſtigſte. Durch Concurrenz des Urins wird viel Salzſäure producirt, Die weichen Theile ſind den harten vorzuziehn, nv& j In *) Hierher gehört noch der Dill, die Schafgarbe, das Boratſche vaut und der Erdrauch, H. as EE. In allen Ländern, wo die Natur nicht genug Salpeter her» vorbringt, um den Bedürfniſſen der b“rgerlichen Geiellſchof; zu genügen ,' bildet man dieß Salz in künſtlichen Salpetergruben opder Salpeterplantagen, In Preujfen vermengt man fünf Maaß ſc.in die Lage, und zieht ihn wieder heraus, wenn dieſe die gehdrige Confſiſtenz erreicht hat. Dieſe Mauern werden au feuchten Orten, die der Sonne nicht ausgeſeßt find, errichtet, und mit einem Strohdach bedeXtz; man beſprengt ſie von Zeit zu Zeit, um ſie dann am Ende des Jahrs aguszulaugen, In V7aglta nimmt man die pordſeſie Kalkerde, die man mit ausgelaugtem Strohe vermengt, bildet daraus dreywink'ige Haufen, die man conſtruirt; indem man nach und nach Schich? ten von Erde und von Miſt übereinanderthürmt, und beſprengt ſie mit einem Gemenge von Salpeterlauge, Urin und Miſt- pfüßenwaſſer. Man läßt die Oberflächen dieſer aufeinandergehäuften Er? den troF'nen, zerbricht ſie, wendet fie um, und macht ſie. von neuem naß, Wenn der Miſthaufen zerſtdrt iſt, ſo. zerfeßt man ihn durch ein Gemenge von Miſt und Waſſer. Alle drey Jahre nur wird ausgelaugt, und im erſten Jahre beſtreut man ihn jedem Monat wit geldſchtem Kalk. In Schweden macht man Lager zur Bereitung des Sal2 peters von Stoppeln, Kalkerde, Aſche und Wieſenerde. Die Grundlage"wird von horizontalliegenden» Ziegeln erbaut; auf dieſe Baſis kommt eine Schicht von einem Mörtel aus Wieſen- erde, Aſche, Kalkerde, und einer hinlänglichen Quantität von Salpeterlauge oder Urin; dieſe wird wieder mit einer Schicht Stoppeln bedeXt, und ſo immer abwechſelnd mir Aufeinanderz- legung von einer Schicht Stoppeln, und einer Schicht Mörtel verfahren.; Man ſchützt dieſe Lager durch Dächer von Brettern oder Heidekraut vor Regen. Man benetzt ſie mit Urin, ſtehendem Waſſer u.ſ.w. Dieſe Lager liefern nach einem Jahre Salpeter, und dauern ehn Jahre, zehn Jah Man =. 46:== Män macht alle aht Tage den"Salpeter mit Beſen davon [os 7 und beſprengt ſie, ſobald ſie ausgefegt ſind, mit Mutter- lange, die man mit. reinem Waſſer verdünnt. Der nach. zehn Jahren bleibende Rüſtand gibt einen vor2 trefflichen Dünger für Hanf und Lein ab, Jm Canron Appenzell in der Schweiz hat man die Lage der Ställe an den Bergesabhängen benußt, um därin ſchr er- giebige Salpetergruben anzulegen. Dieſe viere>igen Ställe lehnen ſich von einer Seite an den Berg ſelbſt, und die gegenüberſtehende ruht auf einem ſtei- nernemWäürfel, wodurch ein offener Zwiſchenraum zwiſchen dem Fußboden und der Erde entſteht, In dieſem Raum wird eine drey Fuß tiefe.Grube gegraben, und in dieſe thut man poröſe, 'zur Nitrification ſehr geſchi>te Erde, die den Urin der Thiere, der in dieje Gruben abläuft, leicht in ſich ſaugen, Die Erden laugt max alle zwey oder drey Jahre aus, tro>- net den ausgelaugien Rückſtand, undthutihn wiederin die Grube, Man gewinnt ein Tauſendtheil ihres Gewichtes an Salpe- ter, aus einem Stalle von mittlerer Größe, Die Oeffnung einer ſolchen Salpetergrube wird gegen Norden angebracht*). ZIweyter Aretifel. Von der Auslaugungyder Salpetererden, Bevor man eine Erde bearbeitet, um den Salpeter daraus zu extrahiren, muß man ſich davon Überzeugen, daß er darin in hinlängticher Quantität vorhanden ſey, um daß ihre Graa bung vortbeilhaft werde, Die Mittel, welche der Salpeterſiederanwendet, um dieſe Kenntniß zu erlangen, erhält er entweder durch den Anbli>, oder“durchs Koſten mit' der Zunge, » Die x) Außer den hier beſchriebnen Methoden Salpeter zu generiren, ver? dient noch die Erde der GottesäFer, die der Schindanger, der Schutt von alten eingeftürzten Mavern und zzäuſern, die Abgänge von Blut in den- Zu&erraffinerien, die Saut und »zaarabgänge in Gerbereyen und Rirſchnerwerkſtätten, das gefallene und verfaulte Vieh, ſo wie alle übrige in Verwes fung übergegangene animaliſche Abgänge zur Errichtung der Salpeterwände benupt zu. werden. 9). FEEN -“ 39.,-> Die von Salpeter angefüllten Steine platzen und efflores- ciren; Mooſe und andere Pflanzen können weder guf der Oberz fläche, noh in den Nitzen derſelben, fortkommen, Wenn man einige ſehr zertheilte Atome dieſer Salpeterer- den auf die Zunge bringt, ſo erregen ſie einen ſalzigen Ges ſchma> auf derſelben, der je nachdem der Salpeter eine Baſis von Ekde oder von Alkali hat, und nach der Natur und den Verhältniſſen der fremden, mit ihm vermengten Salze vers ſchieden"Iſt, Wenn man ſieht, daß eine Erde gehörig ſalpeterhaltig iſt, um deren Grabung räthlich zu machen, ſo gräbt man-än ver- ſchiedenen Orten und in einer Tiefe von einigen Zollen, um ſich von der Di>e der Schicht von der Salpetererde zu überzeugen, Man gräbt ſodann alle Salpetererde mit vieler Sorgfalt auf, und ſetzt ſie der Luft einige Zeit hindurch aus, bevor man zu ihrer Benußung ſchreitet. „Zur Auslaugung der Erden bedient man ſich Tonnen oder ſteinerner Becken, die mit einem Loche durchbohrt ſind, in das man einen langen, viel durchldcherten und mit einem Hahn verſchloſſenen Trichter ſteXt. Von innen ſtopft man das Loch mit einem von Stroh gedrehten Stöpſel zu, damit das ſich hier- durch filtrirende Waſſer klar herauskomme, Wenn die Tonne ſo eingerichtet worden, ſo füllt man ſie mit ſalpetrigen Materialien bis zwey oder drey Fingerbreit vom obern Rande an, Man verſchließt den Trichter, und gießt Waſſer auf dieſe Materialiew bis daß es oben auf ſchwimmt, läßt es vier bis, fünf Stunden ſtehn, dffnet den Trichter wie- der, und fängt das ablaufende Waſſer in eine unter der Tonne aufgeſtellte"Wange auf. Dieß erſte Waſſer iſt nicht hinlänglich mit Salpeter geſhwän» gert, um mit Vaottheil evaporirt werden zu können. Die Erde ſelbſt iſt nicht erſchöpft von dieſem Salze, und um des Willen pflegt man das nämliche Waſſer auf dreyerley Erden zu gießen, von denen die erſie zwey Mal, die andere ein Mal, undadie dritte noch gar nicht ausgelaugt worden, Da ein großer Theil des Salpeters ein erdige Baſis hat und es darauf ankommt, ihn in den Zuſtand von ſalpeterſaurem Kali zu verwandeln; ſowohl um ſeine Kriſtalliſation zu erleichs tern, als um das Produkt desſelben zu vermehren, ſo gebraucht man reines, gemengtes, oder mit andern Körpern verbun- denes-Kali, Einige Einige Salpeterfieder vermengen die Sälpetererden mit reiner Ho:zaſche; andere legen eine Schicht Aſche auf den Boa den der Tonnen, in denen die Auslkaugung geſchieht; einige laſſen die Aſche mit Mutterlauge aufſieden; noch andre vers mengen die Lauge der Aſchen mit der der Erden, Es gibt Sa'peterſieder, die ſich der Aſche, und wieder andre, die ſich der Potiaiche bedienen; mehrere nemen heut zu Tage auch ſchwefelſaures Kali, welches die Rüä>ſtände der Verbrennung von dem Geinenge von Schwefel und Salpeter, welches zur'Fabrifarion der Vitrioldle angewendet wird; ſo wie der Rückſtand der Zerſehung von ſalpeterſaurem Kalt durch Schwefelſäure in reichlichem Maaße liefern. Dieß Verfahren erfordert einige Auseinänderſeßung; man laugt das ſchwefelſaure Kali ſorgfältig aus, und bringt ſeine Aufldſung zu 20 Graden Concentration; um es zu gebrauchen, fällr man einen tiefen Bottich dreyviertel voll mit ſiedendem Waſſer an, das durc) Beymengung von ein wenig Muttertqauge 20 Grade zeigt, gießt ein Fünftheil nach Maaßgabe der Aufid- ſung des ſchwefelſauren Saizes zu 20 Graden darauf, und rührt das Gemenge um, welches ſich trübt, und einen Niederſchiag bilder, worauf die Flüſſigkeit ſich abflärt. Die Doſis des ſchwe- felſauren Satzes wird verwehrt oder vermindert, je nachdem die Salpeterwaſſer, mehr oder weniger erdige ſalpeterſaure'Salze enthalten. Dieß Verfahren rührt von Herrn Serard her. Wenn man ein Mal ein ſolches Waſſer geſättigt'hat, ſo darf man es nur noch evaporiren. Dieſe Evaporation geſchieht in einem kupfernen, und in Ermangelung deſſen, in einem eiſernen Keſſel. So wie das Waſſer ſich durch die Evaporation vermin- dert, ſo gießt man, um es zu erſetzen, neues Salpeterwaſſer hinzu; man unterhält die Evaporation einige Tage hindurch, unv bis die Flüſſigkeit gehdrig verdichtet iſt, um ihr Salz durch bloßes Kaltwerden von ſich zu geben, Man erkennt den ge- hdrigen Grad der Concentration daran, wenn die Theile, die man davon auf Teller legt, darauf kriſtalliſiren, Man läßt die gehdrig verdichreten Wäſſer in irdene, höl- zerne, oder kupferne. Kriſialliſirwannen laufen, und nach eini gen Tagen Ruhe ſcheidet man die Mutterlaugen vou den Kri- ſtallen, die fich erzeuget haben, ab. 5 Man gießt die Mutterlaugen zu den Laugenwäſſern zu, ſo daß in der Werkſtatt eines Saipeterſieders davon immer eine gleiche Quantität vorhanden ſeyn muß, Wenn ZIKÄNNE 7 1 NETE Wenn der Salpeter mit einer großen Quantität von Küchen? falz verbunden iſt, welches überall entſteht, wo- ſalpeterſaures Kali erzeugt wird, ſo benutzt man ſeine Eigenſchaft ſich bey dem Aufwallen niederzuſchlagen, um ſolches davon zu ſcheiden 5 und ſchöpft es mit einem Schaumldffel aus, ſoba!'d die Cvapo2 ration vorgeſchritten iſt 5 dann aber thut nan es in einen geflochs tenen weidenen Korb und hängt dieſen über dem Keſſel auf, um nichts von dem zu verlieren, was herabtropfen kann, Dricter Artikel. Von der Raffinirung des Salpeters, Der Salpeter, den man durch eine erſte Kriſtalliſation er» hält, wird Salpeter der erſten Kochung oder roher Salpeter genannt; dieſer hat nicht den gehdrigen Grad von Reinheit, um zu: den delicaten Operationen bey der Compoſition des Schieß pulvers gebraucht werden zu können; er enthält ſalzſaures Na? won, erdige, ſalpeter- und ſalzſaure Salze, einen Färbe- ſtoff u. f. w. Der Zwe der Raffination iſt, ihn von allen fremdartigen Körpern zu befreyen. Das gewdhnlichſte Verfahren beſteht darin, daß man 2000 Pfund rohen Salpeter in einem kupfernen Keſſel mit ungefähr 1600 Pfund Waſſer aufldſt. So wie die Aufldſung durch die Wärme geſchieht, wird der Schaum abgeſchöpft. Man wirft ſodann 12 Unzen Tiſchler-Leim hinein, den man in 10 Maaß ſiedendem Waſſer aufldſt, und mit vier Eimern kaltem Waſſer vermengt, Dieſer.Zugüß mächt,die Lauge kalt; man rührt die Flüſſigkeit um, die bald ihren Kochpunkt wieder annimmt, ſchäumt ſie ſorgfältig ab, gießt zu wiederholten Malen Waſſer zu, und hört nur erſt dann auf„ wenn kein Schaum mehr ents ſteht. Man ſcheidet mit einem dürchldcherten Ldffel das Koch» ſalz aus, welches niedergefallen iſt. Man nimmt ſodann die ganze Flüſſigkeit hinweg, und thut ſie in kupferne Keſſel mit einem hölzernen Deckel, welchen man genau mit Werg verſtopft, um die Berührung mit der Luft zu verhindern, Man läßt endlich alles vier oder fünf Tage hindurch erkals ten: dieſer Salpeter wird nun Salpeter der zweyten Kochung genannt." Dieſer Salpeter iſt viel weißer, aber-er enthält noch ein wenig Kochſalz. Man unterwirft vihn einer zweyten Raffini2 rung, um nichts als ſalpeterſaures Kali zu erhalten, M an 2 Man thut 2000 Pfund Salpeter von zweyter Siedung in einen kupfernen Keſſel; gießt das Viertheil ſeines Gewichis an Waſſer zu, und macht Feuer, an. Wenn der Salpeter aufgeldſt iſt, nimmt man die erſien Schäume ad, gießt eine Aufldſung von 8 Unzen Leim darauf, and erfriſcht die Flüſſigkeit mit einem oder zwey Eimern kalten Waſſers. Man rührt alles gehdrig um, um einen Schaum hervorzubringen, den man ſorgfältig abmmmt, Wenn die Flüſ- ſigkeit recht rein und ſehr klar iſt. läßt.man ſie in kupferne Baſs ſinen laufen: der Salpeter ſetzt ſich darin in großen Maſſen an, und nach fünf Tagen nimmt man dieſe Maſſen heraus, um ſie, indem man ſie auf einer bhängigen Ebene horizontal ausiegt, abtropfen zu laſſen. Es ſind ſechs oder acht Wochen erforder- lich, während deren ſie vollſtändig troXnen. Dieß iſt ſodann reiner Salpeter, der Sa'peer der dritten Siedung genannt, und zur Fabrikation des Schießpulvers angewandt wird« Als in den Schre>enszeiten der franzöſiſchen Revolution, die Regierung ſich plößlich von allen Seiten angegriffen ſah, ſuchte ſie den Beyſtand der Wiſſenſchaften, um ſich den Saipe- ter, das Pulver, und die Waſſen zu verſchaffen, deren ſie bes ndthiget war, und da man nicht nach Bedürfniß davon verfer- tigen konnte, ſo- war man gezwungen, alle vorherige Fabrika: tionsmethoden z1 verwerfen, um ſchnellere an deren Stelle zu ſeen: die Wirkung dieſer hat die Erwartung übertroffen, und der Salpeter wurde mittelſt neuer Verfahrungsarten extra? hirt, raffinirt, und angewendet, die wir mit einiger Ausführ- lichkeit mitzutheilen ſchuldig zu ſeyn glauben. Man wußte bereits, daß kaltes Waſſer die Eigenſchaft habe, das Kochſalz aufzuldſen, und die detiquescirenden Salze und den FXärbeſioff abzuführen, und man hat dieſe anerkannte Eigena ſchaft benutzt, um durch Waſchen in kaltem Waſſer den rohen Salpeter von allem Kochſalze, welches ſich darin befindet, zu befreyen. Dieſe von Baume' vorgeſchlagene Methode wurde von Herrn Ca:ny vervollkommnet, und iſtjett auf folgendes reducirt worden: Man zerſtampft den rohen Salpeter mit Handrammen und thut denſelben in Kübel; gießt ſodann auf den Salpeter zwanzig Procent Waſſer und rührt das Gemenge um. Man läßt es in Aufldſung, bis daß die Flüſſigkeit an Gra- ven keinen Zuwachs m-hr erleidet; ſechs bis ſieben Stunden reis hen zu dieſer erſten Operation hin, und das Waſſer nimmt. ſo- dann eine Temperatur von 25 bis 35 Graden anm, Dieß EIER au MEIR Dieß erſte Waſchwaſſer läßt man abläufen, und gießt noh zehn Procent Waſſer auf den nämlichen Saipeter, Man rührt es um, und läßt es eine halbe Stunde hindurch aufldſen. Dann läßt may das Waſſer abläufen. Zuleßt gießt man fünf Procent Waſſer auf den Sälpeter, rührt ihn um, und läßt ihn einen YAugenbliF nachher abtropfen. Sodann ldſt wan den abgetropften Sa!peter in einem Keſſel auf, der funfzig Procent an ſiedendem Waſſer enthält. Die Aufldſung zeigt 66 bis 68 Grade auf der Baumeſchen Flüſſig keitswage. Dieſe Auflöſung wird ſodann in bleyerne Kriſtalliſations- wannen von 15 Zoll Tiefe, auf einebeträchtliche Breine gerechs ner, gethan. Das Niederſchlagen der Kriſtalle fängt nay Vere lauf einer halben Stunde an, und endet nach vier bis ſechs Stunden,| Da es aber darauf ankommt, daß man den Salpeter in kleinen Nadeln erhalte, um deſſen Abtro>nen zu erleichtern; ſo rührt man die Flüſſigkeit um,"um die Kriſtalliſation zu ſtören, Sobald der Bodenſaß entſteht, zieht man die Kriſtalle an den Rand der Kriſtalliſationswanne ,. und nimmt ſie mit einem Schaumlöffel ab, um ſie dann in Körben abtropfen zu laſſen, Man thut„ſodann dieſen Salpeter in hölzerne Kaſten. mit doppeliem Boden, der oberſte von dieſen Boden iſt mit kleinen Ldhern durchbohrt, um das Waſſer der leßten Wäſche, welches ſich mit vier oder fünf Procenten Waſſer bildet, ablaufen zu laſſen, Dieſer Salpeter tro>net leicht und man kann ihn einige Stunden hernach zur Fabrikation des Schießpulvers gebrauchen, Man kann ſein Abtro>nenß wenn die Zeit nicht“-günſtig iſt, mit. telſt einer kupfernen Wanne-oder einem Keſſel, in dem man ihn warm werden läßt, befördern, Dieß Verfahren bey der Räffinirung hat. vor dem ehema- ligen folgende Vorzüge: Es erfordert weniger Brennmaterial; eben ſo, weniger Zeitz Es gibt einen Salpeter /-der leichter troFnetz Es geht weniger Sa'peter dabey verloren. Alle dieſe. Vortheile habe ich durch eine Vergleichung beyder Verfahrungsarten im erſten Bande meiner Anfangsgründe der Chemie, 4te Ausgabe S. 26x ff,(im gten Theil der deutſchen Neberſezung) erwieſen*),: „Vierter 3) Dieſe Reinigungsart iſt allerdings ökonomiſcher als die ſonftige z daß aber ein eben ſy yejner Salpetey- dadurch gewonnen wird/ iſt ſehy zu bezweifeln. 9 Vierter Artikel, Von dem Gebrauche des Sgalpeters bey der Fabrikation des Schießpulvers, Eine genaue Vermengung von Salpeter, Kohle und Schwe- fel bildet das Schießpulver. Die Verhältniſſe der Grundbe? ſtandtheile zu einander, die Reinheit der Materien, ihre Tri? turation., und ihre mehr oder minder genaue Miſchung beſiim- men die. verſchiedenen Qualitäten des Pulvers. Aus ſehr zahlreichen Erfahrungen, welche'ich in der berühmten Pulverfabrik zu Grenelle gemacht, kann ich fo!gendeSchlüſſe ziehen? 1) Daß Verhältniß des Salpeters muß-“wenigſiens unges fähr 75 Procent. betragen. 2) Die Verhältniſſe, welche mir das beſte Pulver darboten, waren: 77 Salpeter ,. 14 Kohle, 9 Schwefel,; Die am meiſten gebräuchlichen ſind: 76 Salpeter, 12 Kohle, 12 Schwefel. 3) Man kann das Verhältniß des Schwefels verringern 3 ja man kann ihn ſogar ganz weglaſſen, aber im letzten Falle wird das Pulver ſehr pords, hat keine Conſiſtenz, und verdirbt bey dem Transport*). Wenn man das Verhältniß des Schwefels vermindert, ſo muß man mehr Sorgfalt auf die Trituration verwenden, Ich erhielt gutes Pulver, nachdem ich in die Compoſition nichtmehr als 3 Procent Schwefel genommen. Das StüFpulver verträgt eher eine geringere Doſis Schwe- fel, als das feine, ) Die Kohle hat einen bedeutenderen Einfluß auf die Com- poſition des Pulvers, als der Schwefel. Man bedient fich der Kohlen von weißen Hdlzern, als Pappeln, Weiden, Haſelſtauden, Faulbgum u. ſ, w. Auch nimmt man zum Verkohlen nur junge Aeſte von zwey bis drey Jahren, Die Kohle muß in dem Augenbli>e gebraucht werden, ws ſie fertig iſt. Wenn man ſie an die Luft legt, ſo abſorbirt ſie 20 bis 25 Procent Luft und Waſſer, die ihre Kraft ſchwächen pn ; e =) Vermindern kann man den Schwefel allerdings, gber auch ganz weglaſſen? Dieß ſcheint wohl nicht völlig gegründet zu ſeyn, da Erfahrung lehrt, daß ein Gemiſche von bloßer Kohle und Sale peter fich nicht mit einem Male, ſondern] nur nach und nach entzündet.?' j; 38) Man würde wohl thun, wenn man die zum Schießpulver be- ſtimmte Kohle vorher mit Waſſer auskochen, und fie dann noch ein Mal glühen wollte, weil ihr dadurch die einſaugende Kraft für Waſſet und Luft geraubt wird, H. + ASE 7 Die Kohlen, welche man in den Gruben vder in der freyen Luft macht, ſind ſehr verſchieden von einander; die erſtern ſind weniger ſchwer und compact, und man gibt ihnen, bey Verfertiz gung des Pulvers den Vorzug. Alles in Frankreich bereitete Schießpulver wird durch Tris turation der drey„Materien in. Stampfbarterien verfertiget. Der Mechanismus und das Spiel dieſer Stampfen ſind hin2 länglich bekannt, und wir werden uns daher darauf einſchrän- Fen- einen furzen Begriff von den Hauptoperationen zu geben, die man in den Pulverfabriken vornimmt, Man wägt zur Compoſition des Mineur-Pulvers, 43 Pfund Salpeter, 4 Pfund Schwefel, und 3 Pfund Kohlen ab. Zur Compoſition des Hakenpulver aber, 15 Pfund Sal- peter, 2 Pfund 38 Unzen Schwefel, und 2 Pfund 8 Unzen Kohlen. Jede dieſer Maſſen macht-eine Ladung für eine Stampfgrube. Die Arbeiter rühren zuerſt das Gemenge mit einem Steen um, und beneßen es mit einem kleinen Theile Waſſer, das die Verflüchtigung des Schwefels und und der Kohle verhindert, Das Stampfen währt gewöhnlich ein und zwanzig Stun den; die Mittelzahl der Geſchwindigkeit der Stampfen ijt 55 Schläge auf die Minute, ihr Gewicht beträgt 30 Pfund; ihre Erhebung und ihr Herabjallen geſchieht von einer Hdhe von einem Fuße. Man wechſelt von Stunde zu Stunde, während der erſten drey Stunden; dann aber von drey zu drey Stunden von einem Mörſer in den ändern um; bey jedem Wechſel unterhält man die ndthige Feuchtigkeit, damit der Teig ſich in ſeiner Zähigs keit erhalte,! Wenn dieſer Teig gehdrig formirt, das Gemenge vollſtän» dig, und die Eintheilung paſſend gemacht iſt, fo nimmt man ihn aus den Mörſern, und bringt ihn auf die Körnkammer, Die Feuchtigkeit, welche in dem Teige bleibt, wenn man ihn aus den Mühlen'bringt, geſtattet nicht, ihn ſogleich zu körnen; und darum läßt man ihn zwey oder drey Tage in dex Kdrnkammer, bevor man ihn bearbeitet. Man bewirkt das Körnen dadurch, daß man von dieſer Materie in ein Sieb thut, deſſen Löcher die Größe des Kornes haben, welches man machen will, und bede&t dieſe in den Sieb gelegte Materie mit einem De>el von hartem Holze von 7 bis 8 Zollen im Durchmeſſer auf 2“ Die, und gibt dieſem eine rad? ghnliche, drehende Bewegung, indem man das Sieb ſich auf einer =-- 352 En einer Stange wenden läßt, die queer/ durch einen großen Kaſten geht, in den das Korn hinabfällt. Gewdhnlich bereitet man die Materie, die man in kleine Körner formen will, ſo, daß.man ſie zuerſt durch ein Sieb bricht, deſſen Ldcher drey Linien im Durchmeſſer haben, Mon bildet ſodann die verſchiedenen Arten von Körnern; als-das Hakenkoxn für Ranonen, das musketenkorn, das feine Jagdkorn, das ſuperfeine Piſtolenkorn u. ſ. w., indem man. Siebe gebraucht, deren Lcher von verſchiedenen Durch- meſſern ſind, Was nach der Separirung aller Körner übrig bleibt, iſt Pulverſtaub, den man, nachdem man ihn gehdrig befeuchtet, zwey oder drey. Stunden hindurch wieder ſtampfet, Wenn das Korn fertig iſt, ſo tro>net man es an der freyen Luft auf Tiſchen ausgebreitet, die mit Leinwand bedeFXt ſind. Man wendet es mehrere Male im Tage um, und nimmt es hinweg, wenn es gehdrig tro>en iſt, Wenn man Jagdpulver bereitet, ſo ſet man es nur darum der Luft aus, damit es ſeine erſte Feuchtigkeit verliere; dieß nennt man das Tronen an der Luft; in dieſem Zuſtande thut man 150 Pfund davon in Tonnen, die ſic) um ihre Are drehen, und die von vier Stangen, die mit der Are parallel laufen, durchſchnitten werden. Die langſame und fortgeſeßte Bewegung, welche man ihnen mittheilt, unterwirft das Korn einer Reibung; die ihm Glanz gibt, und ſeine Rauhigkeiten hinwegnimmt. Nachdem man das Jagdpulver polirt, legt man es zum Tro>nen aus. Man reiniget das Pulver von allem auſeiner Oberfläche hängenden Pulverſtaube; indem man es in einem Siebe umrüt- telt. Dieſe lezte Operation wird auch noh Abbürſten genannt, Die nämlichen Gelehrten, die durch die Regierung nieder» geſelzt; worden waren, und. gefunden hatten wie der Salpeter mit eben ſo vieler Oeconomie als Schnelligkeit zu raffiniren ſey, haben ſich auch mit einer. erleichterten Methode zur Fabrikation des Pulvers beſchäftiget. Ihre Arbeiten hatten einen ſolchen Erfolg, daß man in dem Zeitraume von. einigen Monaten in Frankreich 16 Millionen(Pfund? H,) Salpeter erndete, und daß man dahin gekommen war, in der einzigen Pulverfabrik von Grenelle täglich 34900(Pfund? H,) Pulver zu fabriciren, Vorzüglich verdankt man Herrn Carny die Entde&ung des neuen Verfahrens bey Fabrikation des Pulvers; auch ic) Ee mi 57. 2X= niich rühmen, einige vortheilhafte Veränderungen in den Opes rationen gelehrt zu haben, das Verdienſt der Entde>ung ges bührt indeſſen Herrn.Carny ganz allein. Man kann alles was zur Fabrikation des Pulvers nach der neuen Methode gehört, auf dreyerley Operationen reduciren: x). Das Zerreiben und. Durchſieben der erſten Materien. 2) Die Vermengung und eine vollkommnere Vertheilung derſelben in Tonnen, ... 3) Daß man dem Gemenge die gehdrige Conſiſtenz und das Korn des Pulvers gibt,; Die Pulveriſirung oder das Zerreiben der Materien geſchieht beſonders durch zwey bronzene, an beyden Extremitäten einer Are befeſtigte Mühlſteine, die ſich in einem Troge drehen Der nämliche Mechanismus ſetzt zu gleicher Zeit vier Mehl» beutel in Bewegung, die die Materie durchſteben; ſo wie ſie aus dem Troge kommt. Es iſt ndthig, daß der Schwefel zu einem Grade äußerors dentlicher Zertheiltheit gebracht werde. Der Salpeter und die Kohlen. erfordern nicht den nämlichen Grad von Feinheit; aber" fie müſſen ſtark getro>net werden, bevor man ſie unter den Mühlſtein bringt. Wenn die erſten Materien gehdrig zerrieben ſind; ſo ver2 mengt man ſie in den erforderlichen Verhältniſſen mir einander und thut die Compoſition in Tounen, von 32 Zoll Länge auf 22 Zoll Breite, Dieſe Tonnen müſſen feſt von di>em Eichenholz erbaut ſeyn; und man bringt in einem Boden derſelben eine Oeffnung von ungefähr'6 Zoll im Quadrat'an, an der eine Thüre befeſtie get wird, um das Ein- und Ausladen der Materien zu erleichtern, Dieſe Tonnen werden-in ihrem Durchmeſſer der Länge nach von einer eiſernen, mit Holz bede>ten' Are durchſchnitten; dieſe Axe, welche an beydert Extremitäten hervorſpringt, ruht auf einem Bocke und kann ſich frey um ſich ſelbſt drehen; an beyden Extremitäten aber ſind zwey Kurbeln angebracht, um die Tonne in Bewegung ſetzen zu können, Jede Tonne faßt 75 Pfund Compoſition, und dreht ſich in einer Minute 35 bis 45 Male um ſich ſelbſt, Die Vermengung und Trituration in dieſen Tonnen, wers den durch 80 Pfund kleiner bronzener Kugeln von 4 Linien im Durchmeſſer, erleichtert, die man in jede Tonne thurz ſo wie durc) Holzlager, welche man an den. innern Wänden der Tons nen anbringt, 11, 3 Man = WM 7 Man erkennt es ,. daß die Compoſition gehdrig/;zertheilt iſt, wenn, indem man ſie mit. einer Meſſerflinge auf einem hdlzer- nen Breite zerdrü>t,-man kein Korn wahrnimmt; wenn die Farbe recht gleich iſt, und die Meſſerklinge keinen Widerſtand findet, wenn man ſie auf das Brettchen aufdruckt. Von dem AugenbliF an, wo main-die Compoſition aus der Tonne nimmt, darf man dieſem ſehr eufenEn Si nur die gehdrige Conſiſtenz geben, um ihn körnen zu können, und man gelangt dazu mittelſt etwas Waſſer und eines ſtarken Drückens. Hierzu bedient man ſich nußhvlzener viere>iger Plätten von 16 Fuß Länge und 1 Fuß Breite, und faßt deren Seiten mit hervorſpringenden Bändern von 5 bis 6 Linien ein. Man be- feſtigt ſorgfältig die untern Ränder der Platten; ſo wie die in? nem Winkel dieſer Bänder; damit die Platten bequem ſich eine in die andere einfugen kdunen, Man fängt damit an, daß man den Boden einer Platte mit einer naſſen Leinwand bede>t; thut auf dieſe Leinwand eine Lage Compoſition, beve&>t- dieſe mit einer zweyten naſſen Lein- wand und bringt darüber eine zweyte Platte an ,' die man auf gleiche Weiſe beiadet,| Auf dieſe Art thürmt man 23 Platten, eine über die andere, auf, bede>' die lezte mit nem hdlzernen Quadrat und unter» wirft ſie dem Dru einer ſtarken Preſſe. Durch dieß Mittel bildet man einen harten Kuchen, den man mit den Händen zerbricht, dann einige Stunden tro>nen läßt, und endlich der Operatidn des Körnens unterwirft. Ich habe immer geglaubt, daß man dieſe Operation durch einen Mühlſtein vornehmen könne, den'man ſich auf der Com- poſition hin und her bewegen jieße,' Die Erfahrung hat mir be? wieſen, daß dieß leßtere Verfahren vor dem erſteren den Vor zug verdiene. Dieſe Art der Pulverfahrikation hat mehrere Vortheile; Schrelligkeit in der Ausführung; Erſparniß in den Koſten, Vor2 züglichkeit des Produkts und Sicherheit bey der Arbeit. In dem erſten Theile meiner Anfangsgründe der Chemie gte Ausgabe S. 306. u. ſ- w: kann man neue Ausführungen und den Beweis aller dieſer Wahrheiten finden, Eilftes Mein EAI 7, AUE Cilftes Kapitel, Von den Verbindungen der Salzſäure, Die Verbindungen der Salzſäure ſind ſeit langer Zeit durch den Gebrauch bekannt, welchen man von ihnen in der bürgerlis ige reguläre Kriſtalle, wie die des Alauns, gebildet. Man kann das ſalzſaure Natron in Ächteken erhalten, wenn man friſchen Urin in eine Aufldſung von ſehr reinem Meerſalze gießt, Berniard hat ſich davon überzeugt, daß dieſe Hinzufüz Sung die Geſtalt des Salzes, nicht aber ſeine Natur verändere, Dieß Salz verpufft auf Kohlen und zer/pringt in Splittern 5; dadurch verliert es die. ihm eigenthümliche Durchſichtigkeit und wird trübe, 32 Es 356 Es widerſteht der Wärme lange Zeit, ohne zu ſchmelzen, ſelbſt, wenn man es der Rothgluth agusſeszt; die Körner kleben leicht an einander. Wenn man jedoch die Wärme vermehrt, ſchmilzt es, und verflüchtigt ſich nach und nach bey einem ſtäro kern Grade des Feuers. Dieß ſieht man täglich in den Glas2 härten, wo das dem Natron beygemengte Salz zerſchmilzt, auf der Oberfläche der Töpfe ein Bad bildet, und grdptentheils während der Zeit, wo die Affinirung des Glaſes geſchieht, verdunſtet, Dieß Salz, im Zuſtande der Reinheit, effloreöcirt nicht an der Luftz im Gegentheil feuchtet es ſich in einer naſſen Atmos- phäre leicht anz; aber nicht genug, um ſich in eine Flüſſigkeit aufzuldſen*). Drittehalb Theile Waſſer ldſen bey einer Temperatur von 60 Graven Fahrenheit, einen von dieſem Salze auf. Kochen? des Waſſer wirkt nur etwas ſtärker aufldſend, woher es kommt, daß, wenn das Waſſer davon geſättiget iſt, es von den erſten AugenbliFen der Evaporation an, anfängt, ſich niederzuſchla? gen, und das Mittel gibt, es von allen andern Salzen, die ſich mit ihm in Aufldſung befinden kdnnen, zu ſcheiden. Sein ſpecifiſches. Gewicht verhält ſich zu dem des.reinen Waſſers wie 21,250 zu 10,000, Nach Sergmann ſtehn ſeine Grundbeſtandtheile in folgen» dem Verhältniſſe: 52.Säure, 42 Natron, 6 Waſſer. Nach Birwan enthält das Salz-wenn es bey einer Wärme von 80 Graden Fahrenheit geiro>net wird: 38,88 Säure, 53,00 Natron, 8,12 Waſſer, Die Conſumtion des ſalzſauren Natrons iſt ungeheuer; auch kennt man es im gemeinen Leben unter dem beſondern Nä» men Salz und nur mit-dieſem Ausdru>, welcher allen Verbin- dungen einer Säure mit irgend einer Baſis zukommt, hdrt man in der bürgerlichen Geſellſchaft und im Handel das ſalzſaure Na» tron bezeichnen. Das ſalzſaure Natron' macht die Würze faſt aller unſrer Speiſen, deren Geſchma> es erhdht; es befdrdert die Verdauung und iſt der Stoff der Erhaltung aller thieriſchen Subſtanzen, und ſelbſt von Fiſchen, die man lange Zeit hindurch, bevor.man fie gebraucht, aufbewahren will,+“ ie ») Reines ſalzſaures Vratron bleibt in der Luft trocken. Wenn ſolches darin feucht wird, ſo ift dieß alle Mal ein Beweis, daß gen ZIE öder ſalzſauye Talkerde darin enthalten F= MWE mm Die Natur zeigt es uns faſt überall im Ueberfluß, Nicht allein ſind die Waſſer.des Meeres unerſchdpfliche Behälter dess ſelben, aber auc? die Erde birgt in ihrem Schooße ungeheure Maſſen davon und ſo treffen wir auch auf ihrer Oberfläche Seee und viele Quellen von ſalzigem Waſſer. Um eine genaue Vorſtellung von der Art zu erhalten, wie dieß Salz extrahirt wird, können wir es in einem doppelten Zus ſtande betrachten.; x) Als Maſſe in den Eingeweiden der Erde, 2) Aufgeldſt in Waſſer. 1) Im erſtern bildet es das, was man Steinſalz nennt, Dieß Steinſalz findet man gewdhnlich in den Kalkbergwerken und in ſeiner Nähe ziemlich häufig Gips; auch iſt es nicht ſel ten, daß man Muſcheln, Abdrücke von Fiſchen und andern Spu- xen ſeiner Entſtehung unter dem Waſſer darin antrifft. Die Gmelinſchen, Pallasſchen, Macquartſchen u. a. m, Beſchrei- bungen der Salzbergwerke in Siberien, Polen, Oeſterreich und Siebenbürgen laſſen in dieſer Hinſicht keinen Zweifel. Dieß Steinſalz iſt faſt überall mehr oder minder gefärbt; es iſt zuweilen roth, ſeltener blau oder grun. Daher deſſen Namen Steinſalz(l31 gemmae). Man fördert aus dieſen Bergwerken wie aus Steinbrüchen, In einigen bedient! man ſich ſogar des Pulvers. Dieß Salz iſt ſelten rein genug, um es ohne anderweitige Zubereitung zu dem mannigfaltigen Gebrauche, deſſen es fähig iſt, anwenden zu können. In mehreren Gegenden läßt man es im Waſſer zergehen, und vekfährt ſodann mit ſeiner Evaporas tion. So bedient man ſich wie die Herren Jars und Duhamel erzählen, im Tyrol nahe bey ber Stadt Halle, des ſüßen Waſs» ſers zu der Bearbeitungen"des. Steinſalzes ſelbſt, um es mit Salz zu ſättigen, und leitet es nachher, mittelſt hdlzerner Rdh2 ren, in die Keſſel, wo dis-Evaporation geſchieht. So bringt man in den. Bergwerken von kx7orwich in England, in der Grafſchaft Cheſter, das gegrabene Salz nach Liverpool, wo es in Seewaſſer aufgeldſt wird, und wenn es davon geſättigt iſt/"ſo ſchöpft man: es mit Pumpen herauf, die durch eine Wind- mühle in Bewegung geſett werden, und leitet es durch Rdhreu in die Evaporirkeſſel: man hat dabey die Vorſicht, daß man einige Weiße vom Ey in einer kleinen Wanne mit ein wenig Salz zuſamwenſchlägt, damit es beſſer ſc<äume, und gießt dies ſen Schaum in Rinnen, die in die Keſſel führen. Jn dieſer Sa- line werden zwey Arten, von Salz bereitet, eine kleinkdrnige, die ; man man durch ein raſches Aufſieden erhält und eine ändere groß- körnige, das Reſultat“ einer langſamen Evaporation. Die Bergwerke von Wieliczka in Polen ſind die ergiebigſten und merkwürdigſten unter allen bekannten. Man hat Kapellen und Wohnungen in die Die des Salzes gehauen. Die Stollen daſelbſt find nac) der Schnur gezogen. Der größe Durchmeſſer der Arbeiten in dieſem ungeheuern Gewölbe beträgt drey Lieues. Die dortigen Arbeiter leben nicht lange und ſterben faſt alle an der Bruſikrankheit; ſie kommen jeden, Tag. heraus und. arbeiten nicht länger als vier Stunden hintereinander. Ihre Zahl beträgt 1200 bis 2000 nac< Berniard, Im Jahre 1785 als Herr Wacquart ſie bejuchte, belief ſie ſich nur auf 900. Das Holz conſervirt ſich ſehr gut in dieſen Bergwerken, aber“Ziegel geben ſich von einander. Die Wäſſer weiche ſich durch die Arbeiten filtriren, fallen in. einen gemeinſamen Behälter, aus dem man ſie mit großen Ochſenhaut- Eimern ausſchöpft, um ſie aus dem Bergwerke herauszubringen und ſie daun in einen Bach gießt, der in die Weichſet fällt. Man iſt ſo glü>lich geweſen, im Innern des Bergwerks eine Quelle ſüßen Waſſers zu finden, die ſich durch eine ſan? dige Thonbank von 3 bis 4 Fuß Die filtrirt, Herr De- Born erwähnt ſiebenzehn mit ſüßem Waſſer angefüllter Seen, die ſich in der Nähe von Salzbergwerken befinden, 2) Abgeſehen von den Salzbergwerken, aus denen man an verſchiedenen Punkten der Erde fördert, gibt es zahlreiche Salz? quellen aus denen man das gemeine Salz zum Gebrauch der von dem Meere entfernten Länder zieht, Es ſcheint keinem Zweifel unterworfen zu ſeyn, daß wenige2 ſtens die meiſten dieſer Quellen ihyen Urſprung aus Salzſchich- ten baben. man trifſt gewdhnlich in den ihnen nahe gelegenen Bergen, Spalten oder Höhlen, die wahrſcheinlich urſprünglich ein Salz enthalten haben, das dann ſich aufgeldſt. Dieſe Beob- g Ma Kunſt das Waſſer zu evaporiren, um Salz daraus zu ziehen, einige allgemeine Grundſätze hat, unter welche fich alle Arbei- ten begreifen laſſen; ſo werden wir uns hier darauf einſchränken, nur dieſe mitzutheilen, Die verſchiedenen Etabliſſements, welche man in England angelegt um das Seewaſſer zu evaporiren, ſcheinen mir eben ſo dconomiſch als verſtändig dirigirt zu werden, Man trifft in der Stadt Shields, acht Meilen von New? caſile eine große Anzahl von Keſſeln in denen Seeſalz evaporirt wird. Die Keſſel ſind von unverzivntem Eiſenblech und ihre Platten-dur< wohl vernietete Nägel mat einander verbunden; ſie haben 20 bis 25 Fuß Länge, 12 bis 15 Breite, und 2 bis 3 Tiefe. Man nimmt das Waſſer nur zur Fluthzeit; es zeigt ge- wöhnlich 3, ſeltener 4 Grade, ; Man füllt den Keſſel mit dieſem Waſſer an, und evaporirt, bis daß man die ſogenannten Salzhäutchen, welches kleine Kri? ſtalle ſind, die ſich zu zeigen beginnen, auf der Oberfläche der Furiligkeit bemerkt, Sodann füllt man ihn von neuem an, und fährt auf gleiche Weiſe mit der Evaporation fort, bis vier Malt; bey dem vierten Male aber, wenn der Keſſel faſt voll iſt, gießt iman eine viertel Pinte Ochſenblut hinzu, und ſchäumt ſorgfältig ab, ſobald das Aufwallen anfängt. Man gießt zu fünf wiederholten Malen Waſſer zu, und macht bey dem letzten nohein Mal Gebrauch vom Ochſenblut, wonächſt man mit der Evaporation faſt bis bis zur Tro>ene, fortfährt. Die Mut» terlauge gießt man weg, da ſie nichts meör, als ſalzſaure Salze mit erdiger Baſis, oder ſchwefelſaures Natron und Mag- neſia enthält. Es bildet ſich auf dem Boden des Keſſels eine beträchtliche Kruſte). die man nur naH einer zweymonatlichen Arbeit hinwegs nimmt, ſie hat ſodann 3 Zolle DiX&, Wir vermuthen, daß es hauptſächlich entwäſſertes It, damit der Regen nicht durch» dringen kdnne- Wenn man den Sand auslaugen will, ſo wäſcht man *) In den Lüneburger Salinen ſind jeßt die bleyernen Pfannen abs geſchaffet, und durch eiſerne erſeßt worden. H. -- 361= man ihn in einem Graben aus, der mit gut feſtgeſtampfter Erde bezogen, und mit Brettern bekleidet iſt, zwiſchen deren Spalien das Waſſer herablaufen. kann; und evaporirt dieß Waſſer in bleyernen, nicht ſehr tiefen Keſſeln,. Man zählt in Bretagne mehr als 60 kleine Etabliſſements dieſer Art. In den warmen Provinzen von Frankreich, ſo wie die Provence und Languedoc benutzt man, während des Sommers, die Wärme der Sonne, um die Evaporation des Seewaſſers zu bewirken. Man fängt zuerſt damit an, daß man ein Lokal wählt, zu welchem das Waſſer leicht gelangen kann, ohne daß es'doch den Ueberſchwemmungen ausgeſetzt wäre, und ſucht dann noch einen feſten, thonigen, und für vas Waſſer undurchdringlichen Boden aus, wobey man eine Lage vorzieht, die ohne Wider» ſtand den Wind und. die Sonnenſtrahlen aufzunehmen fähig iſt. Sobald: man, ein Local gewählt hat, theilt man es in Felder von 50 bis 100 Morgen ein. Man umgibt ſie mit einer Mauer oder mit. einem ſtarken Damm, um ſie vor den Wellen zu ſichern, und. damit ſie mit dem Seewaſſer weder direct noc< durch Filtration, Communication haben können, Man theilt ſodann dieſe großen Felder in andre kleinere. Die Scheidungen bewirkt man durch in die Erde gegrabene Pfähle, deren Zwiſchenräume durch Bretter und Faſchinen und Thonerde ausgefüllt werden. Das Meerwaſſer ſtrdint in die Felder mittelſt Thüren oder Röhren, die man nach Gefallen dffnen"oder verſchließen kann; u dieſem Ende fängt man das Waſſer, wenn der Wind vom Meere her bläſt, und die Wellen an die Küſten antreibt, in den Feldern auf, und verſchließt die Thüren, ſobald es darin die gehdrige Hdhe erreicht hat, um alle Communication mit dem Meere zu unterbrechen; Das Waſſer evaporirt. ſich durch die bloße Wärme der Sonne, und durch die immerwährende Bewegung, welche der Maſſe durch den leichteſten Luftſtoß mitgetheilt wird, Sobald das Waſſer änfängt, einen Bodenſatz zu bilden, ſo wird es durc) Räderboren auf gehdrig thonhaltige, unter ſich ſelbſt in kleine Felder getheilte Kaſten in die Höhe gezogen, welche vier Fuß über den großen Feldern erhaben ſind, in denen die Wäſſer bereitet werden. Man läßt eine leichte Schicht von Waſſer von 10 bis 11 Linien Die auf jeden Tiſch laufen, Die Evaporation geſchieht in „ee, -- 362= in einem Tage, man läßt eine zweyte darauf folgen, und fährt ſo an zwanzig Taze fort, Sodann nimmt man die entſtandene Salzſchicht hinweg, die gewdhnlich 3 bis 4 Zoll Dicke hat. Es iſt unndthig zu bemerken: 1) daß die Oberfläche der Tiſchplatte gehdrig'nivelirt. 2) Daß die Plaite ſelbſt bart ſeyn. und keine Infiltrarton geſtatten muß.-3- Daß alle Theile des Tiſches darch eine gemeinſchafiliche Rinne mit einander verbunden ſeyn müſſen, und 4- daß der Tiſch um ſo geſchi>ter zur Evaporation iſt, als er er ſich hdher über das Niveau des Waſſers erhebt. Im Anfange des May fangen die Salzwerker ihre Opera- tionen'an, und beendigen ſie am Ende des Sommers. Wenn man die Lage von Salz, die ſich auf den Tiſchen Friſialliſirt hat, losmachen will, ſo muß man zuweilen ein Eiſen dazu gebrauchen, vorzüglich wenn ſie durch einen Nordwind gebiidet worden.|; Man thürmt zuerſt das Salz pyramidaliſch auf den Tiſchen auf, nimmt dieſe Pyramiden, wenn ſie vier und zwanzig Stunden geſtanden, wieder ab, und bildet mehr oder weniger hohe und breite! Salzhäufen, deren Spitzen man mit Stroh oder Rohr bedeX1. Jeder von dieſen Salzhaufen: wird eine Kamelle genannt. Wenn die erſte Erndte gemacht worden, und der Sommer zur Erwartung einer Reihe von ſchönen Tagen zu berechtigen ſcheint 3"ſo ſchreitet man zu einer zweyren, die nie der erſten an Produkt gleich kommt; auch iſt es ſelten, daß man in Languedoc dieſe zweyte Arbeit unternimmt,' Das aufeinandergehäufte und in Kamellen geſetzte Salz iſt unter allen zerfließenden Salzen dasjenige, welches ſich durch ſeinen Aufenthalt au der freyen Läft reiniger. Man ſieht an dem Fuße der Kamelle..die deiiquescirenden Salze herablaufen, die ununterbrochen durch“darin angebrachte Rinnen fortfließen« So wie das Salz alt wird, ſieht man dieſe Bäche ſich nach and nach virmindern, und ſie verſiegen endlic) ganz. Das Waſſer welch?s auf dieſe Weiſe abſließt, enthält ſalzſauren Kalk und Magneſia, ſchwefelſaures Natron und Magueſia; und ich habe in den Gegenden von Narbonne beſondre Etabliſſements zur Extrahirung dieſer verſchiedenen, vorzüglich der ſchwefelſauren, Salze angetroffen. Der bloße Iufenthalt des Salzes in der Kamelle durch einige Monate iſt hinreichend; ihm die Schärfe und Bitterkeit zu be- nehmen, nehmen ," die ihm noch anhängen, wenn es eben erſt fabricirt worden;.es iſt ſodann härter, und wird nicht ſo leicht flüſſig an der Luft; und in dieſem Zuſtande muß. man es in den Hanz del geben, Das Salz iſt um ſo viel beſſer ,- als es längere Zeit in der Kamelle verweilt hat3 ſonſt verkaufte man. das Salz voy Pecais nur, nachdem es drey Jahre lang ſtille geſtanden; auch hatte es einen großen Ruf, Sobald das Salz, durch die Aufhebung der Salzſteuer zur Waare. wurde, eilten die Eigenthümer der Salinen mit dem Verkaufe ihres Salzes, bevor dasſelbe noch gereiniget war, und nahmen es unmittelbar nach dem Sieden hinweg. Dieſer neue Gebrauch hat einige Klagen veranlaßt, die aber nicht allgemein wurden, und es ſcheint mir nothwendig, die Mevynung über die Verſchiedenheiten aufzuklären, welche in der Anwendung- zwiſchen dem wohlgereinigten und dem friſchen Salze Statt findet. Das friſche Salz-iſt bitter und zerfließend, wovon wir be» reits den Grund angegeben. Das alte Salz hat einen lebhaften Geſchma&X, eine feſte Conſiſtenz, und wird nur feucht an feuchter Luft, Hieraus folgt, daß man ſich des friſchen Salzes zum Eins pdkeln nicht bedienen kann; demn es würde dem Fleiſche einen ſchlechten Geſchma> geben; ſeine Farbe dunkel machen, und ihm die Conſiſtenz. nicht mittheilen fdnnen, welche zu deſſen Conſer2 vation erforderlich iſt, Dieß neue Salz hat noch den Uebelſtand, daß es bey dem Transport einen anſehnlichen Ausfall erleidet, und bey feuchter Witterung weich wird. Aber wenn es zum Futter für Thiere, wie für Woll- und Hornvieh dienen foll-, ſcheint es mir den Vorzug-vor dem ge» reinigten zu verdienen, denn diefe Thiere haben die Einge» weide des Unterleibes ſchlapp und voluminds, und ſiabz, Ob» ſtructionen-unterworfen, voh deney ſie allein die Nahrung mit friſchen und ſeifenartigen Pflanzen zu heilen im Stande iſt, oder wovor ſie dieſer Genuß bewahren kann. Nun ſind die erdigen ſalzſauren Salze aber die wirkſamſten Schmelzmittel, fo daß das friſche, damit geſchwängerte Salz, wie ein vortreffliches Mittel für Thiere ſowohl zur Cur derſelben, als auch als Präza ſervativ,/ betrachtet werden kann, während das-alte Salz vor2 züglicher. zum. PdFeln, und, zum Tiſchgebrauch iſt, Man Man kann das Salz weiß machen, und es von allem dem berauben, wodurch es zu«einem deliqueſcirenden wird ,.- wenn man. es in Waſſer ſchmelzen läßt, und es daraus durch eine mößige Evaporation niederſck. 2) Eine graue Farbe, aber von einem matten Weiß, wenn man ſie reiniget.: 3) Eine feſte Conſiſtenz, indem es unter Hammerſchlägen nachgibt, und plait wird. 4)“Drey und ein valb Theile Waſſer ldſen, bey einer Tem? peratur von 69 Graden Fahrenheit- einen Theil, und kochenz des Waſſer[dſt ein gleiches Gewicht davon auf. Seine Aufidſung in Waſſer bringt ein ſehr ausgezeichnetes Erkalten desſeiben hervor.! 5) Dieß Salz raucht und evaporirt ſich auf Kohlen, Wenn man es.in verſchloſſenen Gefäßen ſublimirt ," ſo con- denſirt es ſich in eine harte, feſte, wie zerſchmolzene Maſſe, vor» züglich wenn die Wärme hinreichend ſtark iſt. Eine wiederholte Sublimation macht es weiß, und dann. nennt man es gereinigren-Saimial, 6) Die ätzende Kalkerde'entwielt daraus Ammonium im Gaszuſtande durch das bloße Gemenge der beyden Subſtanzen, jm Zuſtande des Pulyeprs, Einige Metalloxyde, wie die des Bleyes, bringen die näm» liche Wirkung hervor.; Kohienſaurer Kalk, Kali und Natron entbinden bey der De- ſtillation daraus kohienſaures Ammonium. 7) Seine urſprüngliche Geſtalt iſt die viere>ige, aber die ewdhnlichſte die eines viereXigen Prisma's, welches in vier» Fiige Pyramiden ausläuft. Man trifft in dem hohlen Theile der Stü&>e Salmiak, die in den Handel kommen, ſehr beſtimmte würfelfdrmige Kriſtalle, zuwei» zuweilen auch di>e viereXige Pyramiden, welche an der Bafis anderer längerer Pyramiden anzukleben ſcheinen ,' deren ganze Maſſe: zuſammen den Körper der Stücke bildet, wie dieß auch bey den kugelförmigen Pyriten dex Fall iſt. 8) Sein ſpecifiſches Gewicht verhält ſich zu dem des Waſ- ſers, wie 14530 zu 10000, 9) Seine Grundbeſtiandtheile ſtehen nach Rirwan in fol« gendem Verhältniſſe zu, einander 3 42,75 Säure; 25,00 Am» monuiumz: 32,25 Waſſer. Zu genauen Keyntniſſen über die Natur und Bereitung des Sälmigats iſt man nur erſt zu Anfange des achtzehnten Jahrhunderts gelangt. Tourenfort ſcheint der erſte geweſen zu ſeyn, welcher die Behauptung gemacht, daß dieß Salz aus Salzſäure und Ammonium beſtehe,(Memoiren der Akademie, Jahrgang 1700). Im Jahre 1716 las Geoffroy der Jüngere ein Memoire in der Akademie vor, um zu beweiſen; daß dieß Salz in Egypten fabricirt' werde, und daß es das Produkt der Sublimation ſey, Dieß Memoire, erfuhr'ſo großen Widerſpruch von Seiten 3ms bergs und Lemerys;: daß es nicht gedruFt wurde, Nur erſt drey Jahre nachher erhielt man in Paris einen Brief von Herrn ZLemaire, Conſul'in Cairo, in welchem po» ſitive Nachrichten über die: Fabrikation des Salmiaks mitge» theilt wurden, Er zeigt zuerſt an, daß es das Produkt der Oe- ftillation des Rußes ſey;-"der äus dem Verbrennen des Kothes von verſchiedenen Thieren entſteht, welche. ſich von ſalzigen Pflanzen nähren, Geoffroy publicirte im nämlicheit Jahre(1720) eine Folge von Verſuchen zum Beweiſe, daß man den Salmiak in unſern Laboratorien aus allen ſeinen Grundbeſtandtheilen bereiten kdnne. Seit dieſer Epoche ſind wir zu neuen Erfahrungen über den Salmiak gelängt, und nicht allein über glles.das, was das Ver- fahren bey ſeiner Fabrikation in Egypten betrifft, unterrichtet worden; ſondern wir haben auch gelernt ihn auf eine dconomig ſche Weiſe zu verfertigen. Wir werden nach und nach alles das mittheiley, was wir über dieſe wichtige Materie erfahren haben. Zaſſelquiſt, ein Schüler des berühmten Linne hat auf eine ſehr genaue Weiſe die in Egypten übliche Verfahrungsars hey Bereitung des Salmiaks beſchrieben. Es geht aus den Bedbachtungen dieſes geſchiften Naturforſchers, welche in der amms-: Sammlung ſeiner Reiſen is die Levante eingerü&t ſind, her» vor, daß die erſte Materie, die zur Formation dieſes Salzes angewendet wird, der Ruß iſt, welcher aus dem Verbrennen des Miſtes von Thieren entſieht, die ſich von ſalzigen Pflan» zen ernähren, Die Pflanzen, die jene Thiere freſſen, ſind aber'die ſäli- cornia, die chenopodium, die weſembry., anuthemum u, ſ..w. Die Armen ſammeln ſorgfältig den Miſt der Thiere; ſie bes ſchäftigen ſich mit dieſer Arbeit nur vier Monate im Jahre, und wenn der Miſt zu weich iſt, ſo vermengen. ſte damit. geha>tes Stroh, um deſſen TroFnen zu befördern,. Sie legen ihn-gegen die Mauern an, damit er an. der Sonnenwärme' tro>ne. Dieſer- getroFXnete Miſt macht das einzige Brenumaterial der. ärmſten. Claſſe der- Einwohner aus.“ Man ſammelt:'den Ruß davon ſorgfältig, und bringt ihn in die verſchiedenen Werkſtätten ,. wo. man“ ihn kauft, um den Salmiak daraus zu. extrahiren, Der Ofen, in welchem deſſen Sublimation geſchieht, iſt eine mit einer Wölbung. bedeFte Galeere, in welcher man fünf Reihen Löcher, jedes zu 10 Zollen, anbringt. In jedes Loh wird ein gläſerner Kolben, mit Nilſchlamm verlutirt, geſtellt, über welchem ein Hals'von 1 Zoll Länge auf 2 Zoll Breite hervorragt» Die Kolben haben 10 bis 12 Zoll im Durchmeſſer, Man füllt dieſe Kolben mit Ruß an. indem man die Vor- ſicht gebraucht/ einen gehdrigen'leeren Raum für das ſich er- zeugende Stü> Salz zu laſſen,„wie dieß Radieskield bes merkt hat. Das Feuer wird drey Tage hintereinander mit getro>netem Miſte unterhalten. Man ſteigert es mit vieler Sorgfalt. Sobold die Materie anfängt, ſich zu erwärmen, ſteigt eine blaue oder violette Farbe-daraus auf, die nachher wies der verldſcht,| Wenn die Sublimation ihren Anfang genommen, ſo fährt man von Zeit zu Zeit mit einem eiſernen Drath in den Hals des Kolbens, um zu vermeiden, daß er ſich nicht verſtopfe. Man zieht gewöhnlich 6 Pfund. Salmiak aus der Deſtillaa ßion von 26 Pfund Ruß,? Ich ſelbſt babe Salmiak aus dem Ruß gezogen; den das Verbrennen des Miſts von wilden Pferden und- Ochſen-ergab, die dievin den ungeheuren Ebenen der Camargue und der Craü, ſo wie an den Ufern der zahlreichen Marſchen am mitte ändiichen Meere leben; aber ich muß bemerken/ daß dieſe Thiere, weiche den ſüßen Pflanzen vor den ſalzigen Kräutern den Vorzug ge- ben, fich von dieſen leßtern nur den Winter hindurch ernähz ren, und daß ihre Ercremente mir, nur in dieſer Jahreszeit Salmiak. lieferten. Man trifft auch natürlich entſtandenen Salmiak an mehs2 reren Punkten der Erde; das Land der Kalmücen liefert ſol» hen, der in die Hauptſtädte von Siberien gebracht, und dort zum Gebrauch in der Medicin. und bey. dem Verzinnen verkauft wird, Es ſcheint, daß man ihn ſublimirt und an Felſen hän- gend findet, von denen er noch zuweilen fleine nicht loSgemachte Stüde enthält, und. eben ſo finder. man ihn oft mit gediegenem Schwefel vermengt. Er iſt pulverartig und ſchwammig.(070- del,elnden Pro- dufte oben hinausfahren und ſich in den Kammern von vem Aus genbli>e an coudenſiren könuten, wo die Wärme, weiche ſich nach und nach der ganzen Maſſe bemächtiget, ſie in Dämpfen in die Höhe treibt. Baume hatte eine Salmiakfabrik angelegt in der das Amz monium durch Deſtillation thieriſcher Subſtanzen gewonnen wurde, Er zerſeßie ſodann mit dieſem kohlenſauren Ammonium die in den Mutterlaugen der Salinen enthaltene ſalzſ2ure Talk- erde, evaporirte das Waſſer, welches das falzſanre Ammonium in Auflöſung erhielt, nachdem er es über dem Bodenſatz abge» klärt; und ſublimirte alsdann den Rückſtand der Evaporation, um den Salmiak aus allen feſten Sa'!zen auszuſcheiden, welche ſich in der Flüſſigkeit aufgeldſt befanden*). In Saint- Denis, bey Paris bereiteten die Herren Leblanc und Dize Salmiak; indem ſte in einer Bleykammer die Dämpfe von Ammonium und von der Saizfäure ſich vereinigen ließen. Das Alkali wurde dabey durch Deſtillation der thieriſchen Sub- ſtanzen geliefert und die Säure durch Zerſetzung des falzfauren Natrons mittelſt der Schwefelſäure. Dieſe.beyden letztern Verfahrungsarten werden nicht mehr befolgt; man hat an ihre Stelle eine ſicherere und dkanomiſchere Methode geſctt, und es ſind die Herren! Piuvinet und Bourlier denen wir die beyden erſten Etabliſſements in Fränkreich verdanken. Man deſtillirt Knochen und wollene Lumpen in großen ei- ſernen Cylindern, das Piodukt condenſirt ſich hierauf in einer Reihe eiſerner Gefäße, die Durch das Waſſer, in welchem ſie ruhen, gefühlt werden und ſich in einen Behälter dffnen, in welchen ſich das Produkt der Deſtillation verliert. Dieß Proz dukt iſt zuſammengeſetzt aus thieriſchem Oel und aus flüſſigem kohlenſaurem Ammonium, Man *) Dieſe Verfahrunggart iſt qus dem Grunde nicht empfehlung8- würdig, weil die Talkerde in der Verbindung mit dem ſalz- ſauren Ammonium ein dreyfaches Salz erzeugt,„aus welchem bey der Sublimation ein Theil Ammmonium entwickelt wird. H. Ü. Ag Man ſcheidet das obenaufſchwimmende Oel ſorgfältig ab. Man filtrirt ſodann das kohlenſaure Ammonium durch eine Lage von ſchwefelſaurem, kalzinirtem und zerriebenem Kalk; dieſe Lage wird auf einer ausgeſpannten Leinwand ausge- breitet und es geſchieht dann eine Zerſezung, aus welcher ſchwefelſaures Ammoniuiw eytſteht, welches durch das Filtrum dringt, und kohlenſaurer Kalk, der oben bleibt. Man erneuert die Filtration drey Mal, damit die Zerſezung vollſtändig vor ſich gehe*). Das ſchwefelſaure Ammonium, wenn es durc< Aufwallen in einem Keſſel mit ſalzſaurem Natron behandelt wird,«gibt ſalzſaures Ammonium und ſchwefelſaures Natron, Durch die Evaporation ſcheidet man das ſchwefelſaure Na- tron aus. Der ſublimirte Rü>ſtand bildet Salmiak, I< glaube, daß, wenn man Salzſäure in Kloaken aus- ſetzte, aus denen ein ſeyxr ſtarker Ammoniakaldampf aufſteigt, man mit geringen Koſten Salmiak produciren könnte, Einige Verſuche die ich hierüber gemacht habe, zeigten mir die Mdg- lichfeit dieſes Verfahrens. Cs entſieht eine Wolke von weißen Dämpfen; ſobald man an einen ſolchen Ort weit gedffnete Kapſeln mit Salzſäure hinſtellt, und in ziemlich kurzer Zeit wird. die Säure feſt, ohne jedoch neutraliſirt zu ſeyn. No habe ich, in der Hoffnung eines günſtigen Erfolges, verſucht die Dämpfe der Deſtillation animaliſcher Subſtanzen durch Salzſäure ziehen zu laſſen.| Man kommt in kurzer Zeit dahin, daß dieſe ſich ſättiger und mir iT dieß Verfahren immer als eines der dkonomiſchſten und einfachſten erſchienen. Unter den thieriſchen Materien habe ich Hörner,'Knohen und die Hüllen der Puppen von Seidenwürmern als die zu dieſer Fabrikation geſchiteſten Subſtanzen kennen gelernt, Der Salmiak der in den Handel kommt, unterſcheidet ſich in graues und in weißes Salz; dieſer Unterſchied beruht nur darauf, daß der letztere raſſfinirt iſt, Von allen beyden wird ein eigenthümlicher Gebrauch ge- macht; dem weißen gibt man den Vorzug in der Färberey, der graue *) Aus eigner Erfahrung weiß im, daß der ſchwefelſaure Ralk vder Gips durch vollkommen kohlenſaures Ammonium zwar/ aber ſehr ſchwer zerſeßt wird: Da aber das auf 1enem Wege ge- wonnene Ammonium nicht vollkommne Kohlenſaure ſeyn kanny/ und ätzendes Ammönium den Gips gar nicht zerſeßt/ ſo ſcheint fene Verfahryngsart eben beinen praktiſchen Werth zu befigen, H» graus wird zur Verzinnung und zum Löthen der Metalle ge» braucht. Man hat dieſen Vorzug lange Zeit hindurch für die Wirkung eines Eigenſinnes oder einer angenommenen Gewohn» heit gehalten, aber eine reifliche Prüfung hat mir gezeigt„' daß er wirklich in den beſondern Eigenſchaften beyder Arten ſeinen Grund habe. Wenn der Salmiak'in der Färbekunſt gebraucht wird; ſo erhdht er die Farben, und erleichtert die Aufldſung des Zinnes um die Scharlachcompoſition hervorzubringen und in allen dieſen Fällen muß er rein ſeyn, weßhalb alſo bey dieſen Operationen das raffinirte Salz vorzuziehen iſt. Wenn jedoch der Salmiak dazu dienen ſoll, zum Behuf der Verzinnung das Metall zu reinigen; ſo muß er nicht blos das Oxyd des Metalles aufldſen um die Oberfläche dieſes recht zu reinigen; ſondern auch eine fernere Oxydation verhindern, und es iſt vorzüglich das Oel, welches in dem grauen ſich befindet, wodurch man dieſen Zweck erreichen kann, ſo daß die Wahl der einen odder der andern Art nicht in der Macht des Künſtlers ſteht; ſondern von dem Ges brauche abhängt, den er davon machen will*), Außer dem ziemlich ausgebreiteten Gebrauch des Salmiaks in der Färbekunſt, und zu den Verziunungsoperationen, vera mengt man ihn jetzt noch in gewiſſen Fabriken mit dem Taba&, um ihm Kräfte zu geben. Man conſumirt auch in den Apotheken eine beträchtliche Quantität davon, um daraus das Ammonium oder flüchtige Als kali zu ziehen,: Dritter Abſchnitt. Von den Verbindungen Der Salzſäure mit dem Zinu, (Salzſaures Zinn, Zinnſalz). Das ſalzſaure Zinn, bekannter unter dem Namen Zinn- ſalz, iſt nur von der Zeit an zu den für den Gebrauch der Künſte bereiteten Salzen zu rechnen, wo man ſich ſeiner als Beitze bey'm Drucken auf Leinwand, und als ein zur Erhöhung der Krappfarben bey der Baymwollenfärberey geſchicktes, Salz, bedienet,; Aga 2"Man *?) Ein andererUnterſchied zwiſchen deim ſublintirten und dem Friſtalli- firten Salmiak ift auch wohl der: daß der lektere zu viel Kriſtalli- fationswaſſer enthält. Den Mangel an Del bey demi friftalliſrten, kann man ſonft leicht durch einen Zuſat- yon Kolophonium ver- beſſeyn, H, 5- p, Man hat angefangen,- es zu bereiten; indem man ſehr zertheiltes Zinn mit vier Theilen Säure, bey der Wärme eines Sandbades behandelre, und erhielt jodann das Salz durch Cva- orafion. 5 Da aber die Aufldſung nur langſam vor ſich geht, und ein ziemlich beträchtlicher Ausfall an Säure dabey Statt findet, ſo laſſe ich die ſauren Dämpfe durch ein wem'g Waſſer in ein Ge- fäß ziehen, in welches ich zuvor das aufzuibſende Zinn gethan, und die Aufldſung geſchieht dann dürch die bloße Wärme, welche die Wirkung der troenen Säure auf das Waſſer hervorbringt. Die Auflöſung des ſalzſauren Zinnes nimmt den-Sauerſtolf der.Armospoäre in ſich auf, und raubt ihn ſelbſt begierig den meiſten Kdrpern, deren Grundſtoſſ er ausmacht, Sie kann, in einigen Fällen, ſelbſt in den Zuſtand von oxydirtem ſalzſaurem Zinn übergehn, wie Pelletier bemerkt hat. Die Aufldſung des ſalzſauren Zinus verändert ferner, wenn man ſie einige Zeit hindurch der Luft überläßt, ihre Farbe unv wird braun. Wenn man die Aufldſung des Zinnſa!zes evaporirt; ſo ent- bindet ſich daraus ein ſehr pikanter Geruch, welcher vem Chemi? ker kaum geſtattet, in der Nähe der Evaporirgefäße zu bleiben*). Dieß Salz iſt eines der ſchwerſten die man kennet. Es enthält 19 Theile Metall, auf 11 Säure und 10 Waſſer, Vierter Abſchnitt. Lon den Verbindungen der Salzſäure mir dem Guedfſilber« Die Verbindungen der Salzſänre wit dem Queckſilber bil? den zwey, ihren Kiäften nach, ſehr verſchiedenartige Subſtan- zen, von denen die eine verſüßres Guedſilber und die andere Quedſilberſublimar heißt. Sie ſcheinen ſich nur durch den Grad der Oxydation des Oue>ſilbers zu unterſcheiden, deſſen Oxyd im letztern 12,3 Sauerſtoff auf 69,7 Metall; im ſalzſau- ren ſüßen Sublimat 9,5 Sauerſtoff auf 79 Metall enthält**). Wir werden beyde Verbindungen beſonders beſchreiben. Erſier *) Am befien gewinnt man ein für die Färbereyen bräuchbares ſalz» ſaures Zinn, wenn man gleiche Theile metalliſches Zinn im geras- pelten Zuſtande, und Vitriolöl nebſt 2 Theilen Salmiakin einent Kolben mit 6 Theilen Waſſer digerirt und nach geſchehe- ner Auflöſung das Ganze filtrirt. Auch wenn man 4 Theile Salmiak und ein Theil Zinn zuſammen trocken deſtillirt, wobey Ammonium entwiekelt wird. Der Rückſtand gibt hierauf/ ve Auflöſung mit Waſſer und Kriſtalliſation das ſalzſaure inn. H. a») Es gibt noch eine dritte Verbindung, nämlich den weißen Que filberpyacipitat. H. SG 4WPRI. 1 f= Erſter Artikel. Vom Quedſiiberſublimat.(Aezender Sublimat). Dieß ſalzſaure Queckſilberſalz hat einen zuſjammenziehenden Geſchma&, vem ein metalliſcher Nachgeſchma> von der aller- unangenehmſten Art folgt, Seine Farbe iſt ein ſehr glänzendes mattes Weiß, Es verflüchtigt ſich auf Kohlen in einen Rauch. Das Waſſer 1dſt, bey der Temperatur der Atmosphaäre, beynahe ein Zwanzigtheil davon auf, uud weun es kochend iſt, nach 177acquer, die Hälfte ſeines Gewichtes. Dieß Salz kriſtalliſirt durch Evaporation und Sublimation, Im eiſtern Falle iſt es hinreichend, wenn man die Aufldſung verdichtet; es bilden ſich ſodann lange, platte Nadeln von einer ungleichen Breite ihrer Länge nach, Im zweyten Falle, wenn die Sublimation durch ein mägiges Feuer geſchieht, erhält man auch priematiſche Kriſtalle in dünnen Platten, von einem glänz zenden Weiß und zerbrechlich und leicht, Dieß Salz zieht die Feuchtigkeit der Luft nicht an ſich. Kaikwaſſer ſchlägt es in citronengelbe Flo>ken nieder, die dann in eine ziegelrothe Farbe übergehen. Das. Ammonium bildet darin einen weißen Niederſchlag, we!nes ſalzſaures Natron, und 50 Pfund von dem Rücſtande der vorhergegangenen Operation; in Ermangelung deſſen aber eine gleiche Quantität Rükſtand von hit Vitriol bereitetem Scheidewaſſer, mit einander EEG i 1) [ | ] ; GG IKBEN€ bieß Gemenge zu gleichen Theilen in acht gläſerne, uur zur Hälfte angefüllte Gefäße zertheilt, auf dieſe, zerbrochenen Kol» ben ähnliche, Gefäße, oder Helme geſeßt, und an dieſen end)!ich Rectpienten angebracht. Dieſe Sublimationsgefäße waren im Sandbade bis an die Materie heran, vergraben. Man machte dann ſtufenweiſe Feuer an, und unterhielt dieß ſünf Tage hin durch ununterbrochen. Sobald das Sublimat geſtiegen, nahm man die Recipienten ab, um die Salpeterſäure daraus zu ziehn, und hob die Gefäße auf um fie kalt werden zu laſſen. Das Produkt einer jeden Operation waren 360 Pfund Sublimat, Dieß, lange Zeit bindurch in Venedig und dann in Amſter- dam üblich geweſene Verfahren, iſt dergeſtalt vereinfacht wor- den, daß man nichts mehr nimmt als ein Gemenge zu gleichen Theilen von getrocknetem, ſalpeterſaurem Queckſilber, tro>nem, ſalzſaurem Natron, und weiß kalzinirtem, ſchwefelſgurem Eiſen, Es gibt Fabriken, in welchen man, ſtatt des ſalpeterſauren LQuedſilbers metalliſches Queckſilber genommen, und wieder an? dere; in denen man ſich mit mehrerem Grunde ſtatt des ſalpes ſauren Salzes des rothen Quedfſilberoxyds bedient. Ein andres, von Boulduc 1730 bekannt gemachtes Vers fahren iſt lange Zeit hinvurch allgemein befolgr worden; es bes ſteht darin, daß man zuerſt/ ein ſchwefelſaures Quedſilber bil2 det; indem man in einer Retorte, im Sandbade und bey einem fehr ſtarken Feuer, drey Theile Schwefelſäure und einen Que&X2 filher digeriren läßt, den weißen Rückſtand, welcher nach der Operation bleibt, ſorgfältig mit gleichen Theilen tro>nenfalz: ſauren Natrons mengt, und ſodann zur Snblimation ſchreitet Die Boulducſche Methode wurde in Holland vervollfomn- net, wo man jetzt folgendergeſtalt verfährt: Man thut in vielumfaſſende ſteinerne Retorten 50 Pfund Quedſilber und 25 Schwefelſäure, operirt im Sandbade, ſo wie wir bereits bemerkt, und vermengt den Rückſtand mit 50 Pfund ſtark getroXnetem und zerriebenem ſalzſaurem Natron, Das Gemenge wird teigartig; man vertheilt es in Töpfe die man in einem Galeerenofen guf eiſernen Stangen zurechtſtelltz bede&Ft jeden Topf mit einem nach außen converen, von innen ber zwey bis drey Zoll tiefen und in der Mitre mit einem Loche durchbohrten De>el, verlutirt die Fugen ſorgfältig, ſteigert das Feuer und unterhält es, bis daß durch die Löcher der Dedel kein feuchter Dampf mehr hinaufſteigt, vermehrt ſodann das Feuer, ſtopft, ſobald mau gegen die Löcher der De>el hin, Na2 deln ſich bilden ſieht, dieſe Löcher zu und bede>t ſie mit kaltm Sande, al 7 ee FO: NIDEE 2ER Sande«: Von dkeſem Augenbli>e anhält man den Boden der Tdpfe dreyßig bis ſechs und dreyßig Stunden in einer dunkel» kothen Gluth. Wonn man den Apparat wieder- auflutirt, ſo findet man in jedem De>el ein Stü> äßzendes, ſalzſaures Sublimat. Wenn man das Queſilber aus. ſeiner Aufldſung in Salpe- terſäure durch orydirte Salzſäure niederſchlägt, ſo erhält man gleichfalls äßenden Sublimat. Man kann ihn auch noch erzeugen, wenn man rothes Que&- ſilberoryd durch gewdhnliche Salzſäure auflöſt, Man kaun auch die Eigenſchaften des ätzenden ſalzſauren Ouedſilbers verändern, wenn man das Queckſilber in verſchie- denen Graden der Orydation in der Salzſäure äufldſt; oder ſchwefelſaures, mehr oder weniger falzinirtes Eiſen anwendet, oder mit den Verhältniſſen zwiſchen dem Salpeter, dem Vitriol, dem Kochialz und dem Queckſilber wechſelt, wie Scopoli ſich davon überzeugt hat, Zweyter Artikel, Vom verfüßten, ſalzſauren GueFſilberſublimat, erſüßtes Quedſilber). „ Dbalei< aus dem nämlichen Metall und der nämlichen Saure gebildet, hat dieſe Verbindung doch Eigenſchaften und Kennzeichen- die von denen, die wir an der erſten gezeigt, ganz verſchieden ſind. Dieß Salz hat keinen Geſchma>. Es löſt fich weder in Waſſer noch in Alkohol auf, .. Es friſtalliſirt, wenn es an einer mäßigen Wärme ſublimirt wird, in vierekigen Prismen, die in vierſeitige Pyramiden auslaufen, Es erfährt eine halbe Schmelzung, die ihm eine Halbdurch» ſichtigkeit gidt, ſobald man ihm eine ſtarke Hiße applicirt. Die Verhältniſſe ſeiner Grundbeſtandtheile ſind, nach Herrn Chenevix: 11,5 Säure; 79,0Queckſilber; 9,5 Sauerſtioff.: Das heißt, anders ausgedrut; 88,5 Que>ſilberoxyd; 1 1,5reine Säure, Dieß Salz wird in allen Laboratorien bereitet, aber im Großen in den holländiſchen und engliſchen Werkſtätten fabri- eitt» Yeberall zerreibt man metalliſches QueFſilber mit dem ägenden, WEI 12.4.0007 äßzenden, ſalzſauren Sublimat; vnd die hierbey'am beſten er- fundenen Verhältniſſe find die von vier Theilen ätzendem ſalzſau- rem Sublimat auf drey Quedſilber. Zuweilen mengt man ſie zu gleichen Theilen, Man ſidßt dieſe beyden Subſianzen ſorgfältig zu Pulver, bis daß das Qued&ſilber verſchwindet, und es entſtehet daraus ein graues Pulver, welches man zu noch größerer Sicherheit, porphyriſiren kann*), Dieß Pulver vertheilt man in die Sublimationsgefäße, die man nur zur Hälfte anfüllt; ſezt dieſe auf ein Sandbad, und geht zur Sub!imation an einem ſtufenweiſe erhdhten Feuer über, welches man progreſſive immer vermehrt, bis wan unx einen leichten weißen Dampf eroli>t, der aus den Gefäßen aufjieigt. Man erhält ſodanu das F:uer fünf oder ſechs Stun- den hindurch auf der nämlichen Siufe. Die Gefäße zeigen, wenn ſie kalt geworden, auf ihrem obern Theile eine ſalzige, compakte und ſehr ſchwere Maſſe, die man leicht lo8machen kann, wenn man das Sublimationsge2 fäß zerbiicht, An jedem Stü? ſieht man gegen die Spiße ſeines converen Theiles hin eine Warze, die weder die Couſiſtenz noch die Eigen- ſchafien des ſüßen ſalzſauren Salzes hat; dieſe mut: man ab- 1dſen, um ſie von neuem bey einer zweyten Operarion mit dem Quedfſilber zu zerſtampfen. Man zerreibt das ſalzſaure Sublimat, und unterwirft es dann einer zweyten Sublimation, und zerreibt es zum dritten Mal, um es nochmals zu ſublimiren, Dann heißt es verz ſüßtes Guedſilber. Die Bereitung der Gueäſilberpanacea iſt von der des ver- ſüßten Quedfſilbers darin verſchieden, daß man die Sublimation a, und erregt im Munde ein Gefühl von Kälte, die dem Eindru>, weichen der Sal- peter macht, gleich fommt,. Es ſchmilzt auf Kohlen mit größerer Leichtigkeit und Jna2 tenſität, als ſalpeterſaures Kali. Hundert Gran von dieſem Salze geben 75 Cubikzoll ſehr reines SauerſioFzas, Es zerſetzt ſich leicht an der Luft, und geht in den Zuſtand von gewdhnlichem ſa!zſaurem Kali über. Die Auflöſung dieſes Salzes kann alſo dazu dienen, Leinen-, Hänf-, und Bauwolleygeſpinnſte zu bleichea; aber die Quanz tität von orydirter Salzläure,, welche in das Salz kommt, deſ- ſen man ſich bedient, würde eine größere Wirkung hervorbrin- gen, wenn man ſie gllein und frey von Verbindungen anwendete. Herr Bertholler hat bey Fabrikation des Schießpulvers dieß Salz dem ſa!pererſanren Kali ſubſtituirt, und ein Produkt erhalten, welches in feinen Wirkungen unendlich ſchrecklicher war, als das beſte, mit ſalpeterſamem Kali bereitete Pulver. Das Pulver, mit welchem man die Hauptverſuche machte, war aus ſechs Theilen oxydiriſalzſaurem Kali, einem Theil Schwes fel, und einem Theil Kohlen zuſammengeſest. Man befeuchtet das Gemenge dieſer Materien, ſo daß es ſich zu einem Teige bildet, den mau mit einer Keule von hartem Holze auf einem Stücke Marmor ſorgfältig zerreibt, Dieſe Vorſicht iſt uothwen- dig, um allen übeln Zufällen vorzubeugen, die durch die Ver? puffung einer ſo gefährlichen Subſtanz entſtehen kdunten, is winn 389 Gann Es würde gefahrvoll ſeyn, wenn man das Gemenge durch das gewdhnliche Zerſtampfen mt Stämpeln bereiten wollte; der ung.ü>liche Verſuch der zu Eſſovnes gemacht worden, hat zu traurige Folgen gehabt, als daß er erneuert werden ſollte, Die vergleichenden Verſuche, welche man im Pariſer Ar- ſcval den 27ſten April 1793 mit dem oxydirtſalzſauren und dem ſuperfeinen ſalpeterſauren Pulver gemacht hat, haben fol- gende Reſultate gegeben: 1) B:y der Pulverprobe von Darcy, die in einer Kanone beſteht, welche an der Extremität einer eiſernen Stange ange- bä"gt iſt, und bey ihrem Zurülaufen einen Bogen beſchreibt, deſſen Grade man ausmiß!1: 2 Quentchen ſalzſanres Pulver 1525 Grad 2-=-- dergleichen feuchtes 1445 2=-- fſalpyetriges 105= 2== dergleichen feuchtes 103/740 3=- fſalzſäuiges 209.423 3 ſa!petriges 165,= HUN Woraus folgt, daß bey der Pulverprobe von Darcy das ſalzſäurige Pulver eine Superiorität von Stärke von ungefähr ein Viertheil zeigte. 2) Bey der Pulverprobe von Regnier, welche in einem Reſſort beſteht, welches die Oeffnung der Kanone verſtopft, und durch die Exploſion in eine grdßere oder geringere Weite geſchleu» dert wird, wonächſt man die Grade des Bogens ausmißt, die es durchläuft:: ſalzſäuriges Pulver 42 dergleichen 513 feuchtes ſa!zſäuriges Pulver 52 ſuperfeines ſalpetriges== 23 ſolches-<--- 223 Woraus hervorgeht, daß, nach der Regnierſchen Probe, die Stärke des ſalzſauren Pulvers zweyfach ſo groß iſt, als die des ſaipeterſauren, 1. Da dieß Pulver mit einer ſolchen Leichtigkeit detonirt, daß die Erſchütterungen bey dem Transport, ſo wie der geringſte Stoß traurige Vorfälle verurſachen können, ſo iſt es der Vor? - ſicht angemeſſen, ſeinen Gebrauch nur zu delicaten und außer- ordentlichen Operationen zu verſparen*). *) Ein Nachtheil, den dieſes mit oxydirtſalzſaurem Kali bereitete Schießpulver gewähret, beſteht darin, daß nach ſeiner Explofion- gemeine Salzſäure frey wird, deren Dämpfe erftikend find. H. Dreyzehn- ema, 381 ada Dreyzehntes Kapitel, Von den Verbindungen der Weinſteinſäure, Erſter Abſchnitt. Von den Verbindungen der Weinſteinſäure mit dem Bali, (Säyerlich weinſteinſaures Kali, Weinſtein, Wein- ſteinrahm),. Dieß Salz bildet ſich ganz im Weine: es ſeßt ſich bey dem Liegen an den Wänden der Tonnen an, die dieß Getränk enthalten, Jedermann weiß, daß wenn der Wein ſeine Gährung geen- diget hat, und auf Tonnen liegt, er eine ſpinnenwevartige Ma- terie niedorſchl agt, die eine Art von hefenartigem Bodenſatze auf dem Grunde der Flüſſigkeit bildet, während eine ſalzigere Materie ſich an die Wände der Gefäße ſest, und eine mehr oder weniger di>e Kruſte erzeugt, die man mit ſchneidenden Inſtrumenten dann losmacht, wenn man die Tonne zur Aufnahme eines neuen Jahrgangs von Wein vorbereitet und einrichtet, Jene Materie wird denen überlaſſen, welche die Tonvnein reinigen, und zwar, vorzüglich im mittäglichen Frantreich, ſiatt alles Lohns; ſie ſammeln ſie ſorgfältig, und verkaufen ſie den Färbern, Gelbgießern, und vorzüglich den Weinſtein» rahmfabrikanten. Der Preis dieſer Materie iſt verſchieden nach der Natur der Weine; es gibt Gegenden, wie die Rhone-Ufer, deren Weine einen körnigen, ſchweren, wenig Ex1ractivſtoff enthal- tenden Weinſtein geben, welche» folglich zur Fabrikation des Weinſteinrahms ſehr geſuch: wird, und wieder andere, die einen wenig zuſammenhängenden, nicht ſehr harten, an Extractivſtoff re'chen, und ſchwer zu reinigenden Weinſtein liefern, der wenig Vortheil bey den Operationen gewährt, wo dieß Salz nur in RüFſicht des in ihm ſich befindenden Salzſtofſes wirkt und Kraft hat. Nicht allein geben alle Weine nicht die nämliche Qualität, ſondern auch nicht die nämliche Quantität von Weinſiein, die ſtarken und feurigen Weine enthalten mehr als die andern; ſchwache und leichte geben faſt gar keinen, Die rdthlicnen zu laſſen, und ihnen da- durch den letzten Grad von Weiße zu geben. Der durch dieß Verfahren bereitete Weinſteinrahm iſt ims mer ſehr weiß und in ſchönen Kriſtallen; aber da es darauf anz Fommt, aus den Mutterlaugen Nußen zu ziehn, die immer inen Theil des Färbeſtoffs in ſich enthalten; ſo hat man den Gebrauch, die Aufldſung, welche über den Kriſtallen ſchwimmt, ſorgfältig abzuklären, und ſie in Keſſel zu thun, in denen dieſe leißzteren, aufgeldſt aS E10 in et EE IW'UM 7 anfgeldſt werden, Man ſieht dabey darauf, daß man nur ſol- net näm- lich den rohen Weinſtein und Weinhefen in eiſernen Keſſeln bey- einem mäßigen Feuer, pulveriſirt den Rückſtand, und vertheilt dieſen in mit warmen: Waſſer angefüllte Kübel, in denen man die Auflöſung durch Bewegung befördert. Dur das bloße Kaltwerden ſchlagen ſich die Unreinigkeiten am Boden nieder, und ſetzen die Weinſteinkriſtalle ſich an die Wände an.'Man löſt ſie in Waſſer auf, läßt ſie in einem kupfernen Keſſel auf=- kochen, und klärt mit Weißem vom Ey ab. Zu gleicher Zeit wirft man ein wenig friſche Aſche in dev Keſſel, welches ein beträchtliches Aufbrauſen erzeugt, und viel Schaum auf die . Oberfläche bringt, den man mit einem Schaumidfſel ſchleunig abſchdpft; dieſe Operation, wenn man ſie vierzehn bis funfzehn Mal an einem Keſſel wiederholt, läßt endlich eine farbloſe Flüſ- ſigkeit zurü>, die bey einer anhaltenden Evaporation ſehr weiße Kriſtalle abſelzt.; Das venezianiſche Verfahren bringt in die Auflöſung eine fremdartige Materie, weiche einen Theil ihrer Säure ſättigen muß, was in mehreren Fällen die Eigenſchaften modificiren kann, die den Weinſteinrahm, wenn er rein iſt, auszeichnen. Cs iſt alſo keinem Zweifel uvterworſfen, daß die monipellierſche Me- thode den.Vorzug verdient. Der Weinſteinrahm bildet ziemlich immer die Geſtalt von vierſeitigen Priömen ,-mit queer geſchnittenen Extremitäten an, Faſt jederzeit ſind die Kriſtalle gruppirt, und divergiren oft, indem ſie wie von einem gemeinſamen Stamme ausSgehn. Der Weinſteinrahm muß ferner weiß ſeyn, wenn er rein ſeyn ſoll.| Er hat einen ſauren, mit einem faden vermiſchten, Geſchmo>, Er ldſt ſich im Munde ſchwer auf, und knirſcht uner den Zähnen. Er raucht auf Kohlen, verbreitet einen empyreumatiſchen Geruch, und hinterläßt einen kohligen Rückſtand, der durch die Iucineration weiß wird,' Eine Unze Waſſer ldſt bey einer Temperatur von 10 nur 4 Gran Weinſtein auf, durch 30-Theile ſiedenden Waſſers, wird dagegen, nach Wenzel, ein Theil Weinſteinrahm aufgelöſt. Kaltes Waſſer hält, nach Spielmann, nur drey Gran auf k die Unze in Aufldſung« Da 3008= Da der Weinſteinrahm nicht anders eine Wirkung auf den menſchlichen Körper äußert, als in einer ſolchen Doſis, daß vie Quantität Waſſer,. die zu ſeiner Auflöſung nd1hig wäre, ein zu reichliches Getränk.bilden würde; ſo har man lange Zeit hindurch auf Mittel gedacht, ihn aufldslicher zu machen, und 1ſt bey fol» gendem ſtehn gebiieben. Lemery nämlich hat beobachtet, daß zwey Unzen Borax, die mit vier Unzen pulveriſiriem Weinſtein- rahm zuſammengemengt, und durch eine Vierte'ſtunde mit zwölf Unzen Waſſer aufgeſotien werden, ſich ruhig darin aufl5dſen, und bey dem Kaltwerden nicht kriſtalliſiren; Jeßzt hat man dieſe Methode wie eine neue EntdeFung vore geſtellt, und dem Publico mit Pomp verkündiget. Es iſt faktiſch, daß ein Fünftheil Borax hinreicht, um die Aufldſung des Gemenges zu bewirken; aber iſt der Weinſtein- rahm nicht ausgeartet? Jſt ſeine mediciniſche Wirkung dis nämliche? In der Erwartung, daß die Beobachtungen der Aerzte uns- über dieſen letztern Umſtand Aufklärung verſchaffen werden, hat die Chemie die dießfällige Frage entſchieden. Da die Weinſteinſäure eine größere Verwandtſchaft zu den Alkalien hat, als die Boraxſäure; ſo muß nicht allein die Säure des Weinſteinrahms das Natron, welches im Uebermaaß in dem Borax vorhanden iſt, ſättigen, aber ihm auch ſeine Baſis neh» men, und alſo ſich ein dreyfaches Salz, over ein natronhaltiges weinſteinſaures Kali bilden, welches ſich ſehr leicht in Waſſer aufldſt, und die von einem Theile ihrer alkaliſchen Baſis bes freyte Boraxſäure, bleibt mit der Flüſſigkeit gemengt. Man hat ſodann eine Aufldſung von Seignetreſalz(natronhaltiges, weinſteinfaures Kali) durch Boraxſäure ſäuerlich gemacht, Laſſone ſchlug 1755 vor(in den Memoiren der Akademie) 4 Quentchen Weinſteinrahm in 4 Unzen kochendem Waſſer aufs- zuldſen und 1 Quentchen Borarſäure hinzuzuthun. Dieſe Hinz zufügung hat den doppelten Vortheil, daß ſie das Niederſchla- gen des Weinſteinrahms verhindert und ihn nicht zerſeßt. Noch hat man vom Zuer behauptet, daß er die Aufldſung befördert; aber es ſcheint, daß er nur in ſofern wirkt, als er die Flüſſigkeit verdichtet und der Niederſchiagung deſſen, was ſich nicht auflöſen läßt, widerſeßt? die Engländer bereiten das mit eine purgirende Limonade, welche keinen Widerwillen erregt, Der Weinſteinrahm iſt nichts als eine Verbindung von Kali mit einem Uebermaaß von Weinſteinſäure. Man kann, nach den Beobachtungen der Herren de'7achy, Corvinus und Dertholles das Kali durch mineraliſche Söuren, U. Bb durch =..." 286;== durch Verbrennen, Deſtillation, und ſelbſt durch freywillige Zer- ſetzung einer Weinſteinaufldſung ,- ausſcheiden. In dieſem letz tern Falle bilden ſich in der Flüſſigkeit Fko>en'oder Häutchen, die immer zunehmen, und nach höchſtens achtzehn Monaten nichts als eine alkaliſche Flüſſigkeit laſſen. Dieſe Zerſetzung ge- ſchieht, nach Herrn Zerthollers Bemerkung, gleichfalls in ver- ſchioſſenen. Gefäßen. Alle Reſultate ver Extraction des Kali's mit ſeiner Säure, ſtimmen darin überein, zu beweiſen, daß ſie in demſelben in dem Verhältniß von ungeiähr 3 enthalten iſt. Der Weinſteinrahm wird ſehr häufig zur Färberey gebraucht, wo man ihn dann gewöhnlich mit Alaun verbindet. In dieſem Falle verbindet ſich ſeine Säure mit der Alaunerde und ſchlägt ſich auf dem Zeuge nieder, Man bedient ſich im Norden noch desſelben ſtatt des Sal: zes auf den Tiſchen und es wird dadurch zu einem ſtarken Con2 ſumtions- Artikel*). j 5) Das man im Norden ſich des Weinſteinrahms ſtatt des Salzes auf dem Tiſche bediene, ift völlig unrichtig, Man gehraucht ihn höchftens als ein Digeſtivmittel zu einem Theeloffel voll, alſo immer nur als Arzeney. H. Vierzehne- >."DMR:=> ' Vierzehntes*Kapitel, Von den Verbindungen der Eſſigſäure, Die Eſſigſäure die durch das Verderben des Bieres oder Weines und durch Deſtillation von Hölzern und mehrern andern Pflanzentheilen entſteht, iſt ohne Zweifel die bekaunteſte und Sgebrauchteſte unter den Sauren. Man bedient ſich derjeiben nicht allein in den Küchen und am Tiſche, um einigen Speiſen ihren faden Geſchma> zu benehmen, und zum Einmachen von einigen andern, aber auch in den Künſten,. um Bieyweiß, Schieferweiß, Bleyſalz und Grünſpankriſtalle zu verferiigen, und das Eiſen äufzuldſen. j Die metalliſchen Salze, welche dieſe Säure bildet, hapen den Vorzug, daß, wenn man ſie zum Mahlen und ſelbſi zum Färben gebraucht, die Säure die Körper nicht anfrißt, auf welche man ihre Verbindung aufträat. Sie kann ohne Schaven in einem Farbebade zergehen und ſich darin verbreiten; Bora theile, die keines von allen andern metalliſchen Salzen gewähret, Erſter Abſchniet, Von den Verbindungen der Eſſigſäure mit dem Bley,(eſſigz ſaures Bley, Slepſalz, Zleyzuker). Dieſe Verbindung bildet das im Handel unter dem Namen Bleyzucker, und bey den Chemikern unter der Benennung eſſiga ſaures Bley, bekanyie Salz, Frankreich, Holland und England liefern von dieſem Salze alles, was die Künſte bedürfen: in Frankreich bereitet man es mit Weinſteineſſig; in Holland und England nur.mit Biereſſig« Es hat einen flüchtigen Geſchma>, daher man es Bley2 zu&er genannt. Es zerſetzt ſich im Feuer und läßt einen gelblichen Rü>ſtand, Es zerſetzt den ſchwefelſauren Kalk, den Alaun und das Bitterſalz, ſo wie die ſalzſauren Salze, Die Zerſetzung der ſchwefelſauren Alaunerde durch dieß Salz, gibt Gelegenheit zur Formation einer eſſigſauren Alaunerde, die die Hauptbeitze bey'm KattundruFX macht, Der BleyzuFer nimmt, wenn man ihn auch nur den leichteſten Ausflüſſen des geſchwefelten Waſſerſioffgaſes ausſetzt, eine ſchwärzliche Farbe an, Bb 2 Seine 7 I== Seine Aufldſung in Waſſer bildet.das Bleywaſſer oder Goulardſche Waſſer. Das ſpecifiſche Gewicht des eſſigſauren Bleyes beträgt 2,345 Es kriſtalliſirt in viereFigen abgeplatieten Priömen die in zweyſeitige Spitzen auslaufen, In Frankreich und den Provinzen desſelben, wo die Weine ſehr yäufig ſind, und folglich a!ſo die große Quantität von de- nen,- die ſauer werden, durch den bloßen Georauch von Eſſig, den man in den Haushaltungen macht, nicht covſumirt werden können, hat man geſucht, ihm mehrere Beſtimmungen zu ge? ben; alſo in den Hauptſtädten der Provence, als Toulon, Dra- geianan, Marſeille, Aix, mehrere Etabliſſements von Bley- zu&er angelegt,'und, obgleich das Verfayren, deſſen man ſich in ihnen bedient, nicht vollkommen iſt; ſo liefert man aus den- ſelben dieß Salz dennoch dem Handek zu ſo niedrigen Preiſen, daß es bis jeßt unmöglich geweſen iſt, anderswo und vorzüg!'< im ndrdlichen Frankreich mit Vortheil oder zu Concurrenz mit den erwähnten, Fabriken von gleicher Gattung anzulegen. Das Verfahren bey Bereitung des Bleyzu>ers in der Pros vence reducirt ſich darauf, daß man die Bleyplatten durch Eſſig» dämpfe oxydirt, das Oxyd in der Säure aufldſt und dann eva- porirt, um das Salz in Kriſtallen zu erhalten. Zu dieſem Zwede gießt man das Bley in ſehr dünne Platten und. deſtillirt den Eſſig. Dann ſielli man irdene Terrinen oder Kapſeln auf Repoſitorien rund herum in der Werkſtatt, thut in die Kapſeln 4 bis 6 Pfund Bley und gießt ein Pfund deſtillirten Eſſig dar- auf. Cs bildet ſich hierauf auf der Oberfläche des Metalles welches nicht von der Säure gebadet wird, ein weißes Oxyd, welches man in der Säure niederſchlägt ,/' damit es ſich darin aufldſe. Man begnügt ſich gewdhnlich', die Platten umzuwen- den, damit der oxydirte Theil in die Säure tauche, und der, welcher es nicht iſt, die Ausflüſſe derſelben empfange; dieſe ab2 wechſelnden Beränderungen geſchehen zwey oder drey Mal täg2 lich), wenn die Operation gehdrig im Gange iſt, Man hat die Vorſicht neue Bleyplatten hinzuzufügen,-ſo wie die erſten dünne werden, ſo daß die Terriuen immer damit angefüllt bleiben, Die Säure nimmt nach und nach eine graue, milchige Farbe än, und wenn ſie gehdrig geſchwängert iſt, ſo thut man ſie in verzinnte Keſſel, in venen die Verbindung durch Wärme vollendet wird. Man reducirt die Maſſe der Flüſſigkeit durch Evaporao tion guf zwey Drittheil und filtrirt und evaporirt ſie EEE is - 389= bis man Kriſtalle erhält, worauf man dann die verdichtete Flüſ» ſigkeit in Teitrinen gießt, um die Kriſtalliſation zu erhalten, Nach einem Stillſtände von vier und zwanzig Stunden, auch mehr oder weniger, bilden die Kriſtalle eine Maſſe, welche die Teryine anfüllt;„.man neigt das Gefäß, um die Mutterlauge die ſich mitten in den Kriſtallen befindet, ablaufen zu laſſen; das Salz wird weiß; und wenn es tro>en iſt, ſo ſchneidet man die großen Stücke in kleinere, um ſie in den Handel zu geben. Jedes StüFchen iſt aus der Zuſammenſetzung einer Menge von kleinen Kriſtallen in Geſtalt priSmatiſcher Nadeln gebildet; aber dieſe Kriſtallen ſind iſolirt, wenn die Flüſſigkeit nicht gehdrig verdichtet worden. Herr Pontier hat intereſſante Beobachtungen über dieſe Fabrikation mitgetheilt, welche man mit Vortheil in dem Aus- zuge benußen kann, den Herr Yauquelin davon gemacht, Man kaun den Bleyzu>er briziren, wenn man ein Bley» oxyd in Eſſigſäure aufldſt und bedient ſich zu dieſem Zwede ge? wöhnlich der Glätte. Man nimmt die Glätte, die in den Handel kommt und durchſiebt ſie ſorgfältig, um alle Unreinigkeiten und einige Frag? mente glaſigen Oxyds, die ſich darin befinden, daraus zu ex- trahiren, Dann thut man die deſtillirte Eſſigſäure in einen bleyernein Keſſei zum Sieden und ſättigt ſie mit der Glätte, die man nach und nach darauf gießt, indem man die Flüſſigkeit ſanft umrüt- telt um das Anſetzen des Oxyds an den Boden zu vermeiden. Es iſt ungefähr ein Theil Glätte erforderlich, um damit zehn bis zwdlf, Weineſſig- von 4 bis 5 Graden zu ſättigen. Sobald die Auflöſung geſchehen, läßt man die Flüſſigkeit ſtill ſtehn, um das Abklären zu befördern. Man gießt das Klare ab und evaporirt in einem andern Keſſel. Man kann das Oxyd im kalten Wege aufldſen und Waſſer von 25 Graden Concentration erhalten« Dieſe Methode iſt dfonomiſcher,: Die Eoaporation geſchieht in kupfernen Keſſeln, Die bleyernen werden in kurzer Zeit durch die ko ſehr unangenehm, Ich ſchreibe ſeine Schlechtigkeit einer beträchtlichen Quantität Aepfelſäure zu, von der es ſchwer iſt, ihn zu reinigen. In einer großen BleyzuFerfabrik muß man große Kübel haben, die Fouder genannt werden, und die Eſſige hineingießen, um' ſie darin zu vermengen und lange Zeit hinourch ſauer wer2 den zu aſſen. So wie man einen dieſer Kübel leert, füllt man den andern an, und auf dieſe Weiſe kann man die Säure immer in gleicher Qualität und vollkommen fertig haben, ES iſt hierbey zu beobachten, daß die nicht genug bearbei- teten Eſſige, wenn ſie mit dem Bleyoryd verbunden werden, der Bildung von Kriſtallen durcF; Evaporation widerſtehen. Man kann dieſem Uebelſtande abhelfen, wenn man ungefähr ein Hun- derttheil Salpeterſäure in die Aufldſung mengt.; aber dieſe Hin- zufügung iſt unnüß in allen den Fällen, wo man ſich eines ge? hdrig bearbeiteten Cſſiges bedient, Zwey Zweyter Abſchnitt, Von den Verbindungen der Eſſigſäure mit dem Rupfer. GEſſigſaures Rupfer, Rupferkriſtalle, kriſtalliſirter Grön- ſpan, gemeiner Grünſpan.'' Eſſigſaures Kupfer, Kupferkriſtalle; kriſtalliſirter Grün» ſpan und gemeiner Grünſpan ſind gleichbedeutende Worte, die die Verbindung der Cſſigſäure mit dem Kupfer bezeichnen. Das eſſigſaure Kupfer iſt eine von den in den Künſten üb2 lichſten Kupferbereitungen, nicht allein hauptſächlich zum Ge- brauch in der Mah'erey, ſondern auch in der Färbekunſt in der man ſich deſſen in mehreren Fällen mit vielem Vortheil bedient. Faſt alle Kupferoxyde, die man durch Wirkung von ſalzi- gen Subſtanzen auf dieß Metall, erhält, haben eine mehr oder „weniger in Grün ſpielende blaue Farbe. Alle Neutralſalze, faſt ohne Ausnahme, bringen darin die Orydation: hervor, welche man Grünſpan nennt. Es iſt hinrei- chend, ſie mit dem Kupfer in Berührung zu bringen, oder die Metallplatten in die Salzauflöſung zu tauchen, und ſie dann herauszuziehen, um ſie der Luft auszuſeßen und abtro>nen zu laſſen. Die Säuren, welche das Kupfer durch ihre Zerſetzung auf dieſem Metalle oxydiren, produciren eine Wirkung, der der Neu-- tra'iſalze ähnlich. Das Oxyd hat eine zarte grün- und blauliche- Farbe, und es gibt ſolche unter ihnen ,. die ſo ſchuell wirken, daß man das Kupfer uur einige Minuten dem Dampfe derſel: ben auszuſetzen brauel torgfältig auf, und bewahrt die Tonnen an einem tro&enen und friſchen Orte, um ſich ihrer, wenn es adihig iſt, zu bedienen. Die Treſter ſind nicht immer von gleicher Qualität, wenn die Trauben nicht ſehr zu>erig ſind, oder wean die Witterung regnig geweſen, oder die Gährung nicht vollſtändig vor ſich ge- gangen, oder auch der Wein nicht ſehr kräftig iſt, ſo haben die Treſter mehrere üble Eigenſchaften; 1) daß ſie ſich ſchwerer cons ſerviren laſſen. und daß man Gefahr läuft ſie einige Zeit, nachdem man ſie in die Toynen gethan, verderben zu ſehen. 2) Daß ſie wenige Wirkung thuu, ſic) ſcwer erwärmen, nur einen unbedeu- renden Eſſiggeruch entwickeln, und die Kupferplatten nur zum Schwigzen bringen, ohne ſie rauh zu machen, Ohne Bezug auf die Natur der Trauben und den Zuſtand des Weines iſt die Qualität der Trauben noch verſchieden, je nachdem man ſie mit größerer oder geringerer Sorgfalt ausdrückt, Die nur wenig ausgedru>ten Treſter ſind viel ergiebiger, als die getro>neten. Es iſt hinreichend zur Erklärung der ver» ſchiedenen Wirkſamkeit der Treſter nur zu bemerken, daß ihre Wirkungen bloß von der Quantität des in ihnen entha'tenen Weines abhängig ſind, weil dieſe Flüſſigkeit allein in den Cſſig» zuſtand übergehen kann. Wenn man alſo die Treſier dazu be? ſtimmt, bey der Grünſpanfabrikation gebraucht zu werden, ſo muß man die Vorſicht vicht aus den Augen ſetzen, fie nur ſchwach) auszudrüken, um mehr Stoffe zur Acetification in ihnen zu. erhalten. Wenn man mit Kupfer und Treſter verſehen iſt, ſo darf man ſie nur mit einander verarbeiten, und verfährt dabey auf die in der-Folge zu beſchreibende Art; dieſe Operationen geſche? hen übrigens gewöhnlich in Kellern, auch in Erdgeſchoſſen,- wenn nur darin ein wenig Feuchtigkeit herrſcht, die Tempera- tur ſich gleich bleibt, und ſie keinem zu lebhaften Lichte aus- geſeßt ſind. Die erſie von allen Operationen beſteht darin, daß man die Treſter gähren läßt; dieß nennt man Zurichten! avina). Zu dieſem Ende ſchlägt man einem Foſſe den Boden aus, und verz theilt die Treſter daraus in zwey Tonnen von gleichem Umfange, indem - 35= indem man ſorgfältig darauf ſieht, daß ſie ſo viel als möglich quslüften, und vermeidet daß ſie ſich nicht zuſammendrücken, Eine Tonne Treſier muß nach dieſer Operation zwey leere füllen, und“ wenigſtens einen doppelten Umfang einnehmen, In einigen Fabriken vertyeilt man den Juhalt von einer Tonne Treſter in zwanzig oder fünf und zwanzig irdeye Gefäße, die in-den Fabris ken unter dem Namen Töpfe(oules) bekannt ſind, und gee wöhnlich 16 Zoll Hdhe auf 14 Durchmeſſer in der Bauchang, und eine Oeffoung von 12 Zollen haben. Sobald die Treſter in dieſe Gefäße gethan worden, bede>t man ſie wieder, indem man den Deel auf die Oeffnung ſeßzt,„ohne ſie feſt damit zu verſchließen. Die Oeffnungen der Töpfe ſind mit ſtrohernen Kränzen eingefäaßt, die gusdrücklich zu dieſem Zwecke vera fertige: weiden. Es währt nicht lange, ſo erhitzen ſich die Treſter, Man erfennt dieß daran, wenn man die Hand hineintaucht, und an dem ſauren Geruch, der anfängt daraus in die Höhe. zu ſieia gen. Die Göhrung fängt im untern Theile des Gefäßes an, ſteiat.nach und na, und bemächtiget ſich endlich der ganzen Maſſe. Sie erreicht eine Hdhe von 30 bis 35 Graden Reaumur, Nach drey oder vier Tägen vermindert ſich die Wärme und verſchwindet; und da die Fabrikanten den Verluſt von einem Theile des Cſſigs durch die natürliche Wirkung einer zu lange gewährten Wärme befürchten, ſo gebrauchen ſie die Vorſicht nach einer Gährung von drey Tagen die Treſter aus den Gahrung28- gefägen zu nehmen, um fie ſchneller kalt werden zu laſſen. Die, welche in Tonnen. arbeiten, thun fie in die Tdpfe; und die, welche ſtatt der Tonnen die Töpfe genommen, thun ſie in an- dere. Außer dem Verluſt an Eſſiggeiſt, bringt eine zu lange anhaltende Wärme das Schimmeln der Treſter auf dem Boden der Gefäße hervor, und macht ſie dadurch untauglich zur Be- reitung des Grünſpans. Es gibt Particuliers, die zur Ver- mehrung der Wirkung der Treſter, ſie in Haufen aufeinander- legen, und dieſe mit einem kräftigeu Wein beſprengen, bevor ſie ſie gähren laſſen. Die Gährung erzeugt ſich nicht immer in der nämlichen Zeit, nog mit der nämlichen Stärke. Zuweilen kündiget ſie ſich ſchon in den erſten vier und zwanzig Stunden an, und zuweilen hat ſie nach Verlauf von drey Wochen noch nicht be- gonnen. Man ſieht die Hiße zuweilen ſo ſteigen, daß man die Hand nicht in die Maſſe zu halten im Stande, und durch den Eſſiggeruch von den Gährunasgefäßen hinweggetrieben wird, während ein anderes Mal die Wärme kaum merklich iſt, und gleich gleich wieder ſchwindet, Ja, es geſchieht ſelbſt, daß die Treſtö&r in Fäulniß übergehen und ſchimmeln, ohne- ſauer zu werden, Man hilit der Gährung nach) und erregt ſte auc) indem man die Wärme der Werkſtatt durch Feuerpfannen erhdht, die Ge2 fäße mir Decken zude>t, die Thüren verſchließt, und die Maſſe ſorgfältiger lüftet. Die Verſchiedenheiten des Erfo!1gs der Gäh- rung hängen ab: 1) von der Temperatur der Luft; denn im Sommer geht die Gäyrung viel ſchneller vor ſich. 2) Von der Natur der Treſter; die von zukerigen Trauben erhitzen ſich leicht, 33 von der Maſſe, eine große Maſſe von Treſtern gährt ſchneller und ſtärker, als eine kleinere. 4) Von der Berührung der Luftz die am beſten gelüfteten Treſter gähren auch am beſten. In der nämlichen Zeit, wo man die Treſter gähren läßt, um ſie zur Fabrikation des Grünſpans vorzubereiten, unterwirft wan die Kupferplatten, deren man ſich zum erſten Male bedient, einer vorläufigenBearbeitung, die man Vorbereitung(desafouga) neunt, Dieſe Operation geſchieht nicht an denen, deren man ſich ſchon bedient hat; und beſtehr darin, daß man Grünſpan in einer Terrine voll Waſſer aufldſt, und jede Platte mit einem ſchlech- ten Stü>e Leinwand, das man in dieſe Aufldſung taucht, ab- reibt. Mau legt ſodann die Platten horizontal eine neben die andere, und läßt ſie tro&nen. Zuweilen ſc iſt, um die Lagen zu formiren; wenn man im Ge? gentheil Waſſertropfen auf der Overfläche der Platten ſieht, ſo ſagt man von ihnen, daß ſie ſchwitzen, und kann daraus die Coyſequenz ziehen, daß die Wärme der Treſter nicht tief genug gefallen iſt. Man wattet daun bis zum nächſten Tage, um die nämliche Probe zu wiederholen, Wenn man ſich ein Mal davon überzeugt, daß die Treſter zur Arbeit reif ſind, ſo bildet der Fabrikant ſeine Schichten auf folgende Weiſe: E x ie SOEE n= + Er-thut alle Platten in einen Kaſten mit ausgeſtoßenem Boden, der. in ſeiner Mitte durch einen hdlzernen Roſt in zwey gleiche Theile getheilt wird, welcher mit dem Boden parallel läuft, und auf den man die Platten legt; ein Kohlenbe>en, das unter den Roſt geſeßt wird, erhißt ſie ſtark; ſo daß die Frau, weiche damit umzugehn hat, oft gendthiget iſt; ſie mit einem Side Leinwand anzufaſſen, um ſich nicht zu verbrennen. Von dem Augenbli>e an, wo ſie dieſen Grad von Wärme er2 reicht. thut man ſie in die Tdpfe Schicht für Schicht mit den Treſtern obenauf, und zu unterſt werden die Treſter gelegt. Je- den Topf verſchließt man mit ſeinem Strohde>el, und läßt ſie arbeiten. Dieſe Periode nennt man das Brüten(coüa, couver). In jeden Topf kommen 30 bis 40 Pfund Kupfer, und mehr oder weniger, je nachdem die Platten di> ſind. Nach zehn, zwdlf, vierzehn oder zwanzig Tagen öffnet man die Tdpfe. Man erkennt es, daß die Zeit dazu da iſt, an dem Weißwerden der Treſier. Es zeigen ſich ſodann loſe und ſeidenartige Kriſtalle auf der Oberfläche der Platten. Man wirft die Treſter weg, und thut die Platten in Rollen übereinander, oder legt, fie hori» zontal in einem Winkel des Kellers auf StrdFe, die auf der Erde liegen, ſtellt ſie ſodann aufrecht eine gegen die andere geſtüßt, und macht ſie, nach Verlauf von zwey oder drey Tagen, naß, indem wan fie zu Händen voll nimmt, und in eine Terrine voll Waſſer taucht. So naß werden ſie an ihre erſie Stelle gelegt, und bleiben daſelbſt ſieben bis acht Tage, wo2 nächſt man ſie noch ein oder zwey Mal eintaucht. Dieß Ein- tauchen und Tro>nen wird ſechs bis ace von einem Fuß Höhe auf zehn Zoll im Durchmeſſer anfühlt, Dieſe Säc>e ſetzt man der fue un < Grünſpan geſte>t wird, und durch die Haut des2 ſeiben nicht dringen kann, Kupferplatten, welche bereits ein Mal gebraucht worden ſind, werden wieder zu den Operationen angewendet, und damit fährt man ſo lange fort, bis ſie faſt ganz aufgezehrer ſind, Statt ſie künſtlich zu erwärmen, wie wir es zuvor gelehrt, be gnügt man ſich zuweilen damit, ſie nur der Sonne auszuſetzen. Die nämlichen Platten halten oft zehn Jahre aus, und nutzen ſich auch nach zwey oder drey Jahren ab, Dieß kommt haupt» ſächlich auf die Qualität des Kupfers an. Recht glattes, gut geſchlagenes und ſehr dichtes, wird am meiſten geſchäßt. Sonſt durfte der naſſe Grünſpan nur erſt nach einer vor? hergängigen Prüfung ſeiner Qualität verkauft werden; und zu dieſem Zwe>e wurde er in eine öſſentliche Niederlage ge? bracht, wo der Verkauf deeſe!'ben, nach bewirkter Prüfung, gez ſchah. Vielleicht verdankt Montpellier dieſer Verordnung den Vorzug, ſeinen Handel mehrere Jahrhunderte hindurch ohne Concurrenz, und ohne Vorwurf haben foriſezen zu können. Dieſe Formalitäten, die die Rechtlichkeit beſchüßzten, ſind es, welche den Konſumenten ſelbſt ein reines und gleiches Produkt, und dem rechtſchaffenen Fabrikanten den ſichern Debit ſeiner Fabrikate ſicherten.; Von dem Augenblicke an, wo man jegliche Oberaufſicht unterdrückte, haben ſich Mißbräuche. aller Art auf eine erſchre>2 liche Weiſe vermehrt z und man ſieht ſchon wie der unglüFliche Konſument, der ſouſt ruhig über die Reinheit der Materien ſeyn Fonute, die er gebrauchte, jezt von Furcht gequält, der Betrüe gerey und Liſt des Fabrikanten zur Beute, und ſeine Kunſt unter ſeinen Händen zu nichts wird, als zu einer muthlosma- nete Weinbeoer- kämme, und fing damit an, ſie acht Tage yindurch in ſauren Wein dem Rücſiand der Deſtillation“ der Weine, aus vem der Branntewein gezögen wird) einzuweichen. Dann ließ man fie in einem Korbe abtropfen, und that beynahe 4 Pfund da- von in einen Topf, auf welche man 3 bis 4 Maaß Wein goß. Mit diejem Weine ließ man die Kämme recht durchziehen, in- dem man ſie mit der Hand ſtark hineindrückte, Sodann bes de>te man den Topf, und ließ gähren. Die Gährung fing, nach der Natur des Weines und der Temperatur der Luft, früher oder ſpäter an; aber ſobald ſie im Gange war, wurde der Wein trübe und di>, und gab einen ſehr ſtarken Eſſigge- ruch von ſich, endlich fiel die Wärme, und dann nahm man die Kämme heraus, und ließ den Wein ablaufen. Sovald die Kämme ein wenig abgetro>net waren, legte man ſie Schicht für Schicht mit Kupferplatten zuſammen, und die Operation würde, wie mit den Treſtern, fortgeſeßt. Wenn man die Platten aus den Töpfen herau8nahm, um ſie auf die Reale zu legen, ſo nahm man, ſtatt reinen Waſſers, wie man heut zu Tage thut, ſauren Wein, und befeuchrete ſie zu zwey oder drey verſchiedenen Malen, welches man zwey oder drey Weine geben, nannte, Man ſieht bereits, daß das jetzige Verfahren viel dcono» miſcher iſt, weil man ſich dazu des Weines nicht mehr bedient, welcher den Preis des Grünſpans anſehnlich vertheuerte. Man hat der neuern Methode zuerſt vorgeworfen, daß ſie das Kupfer zu ſchnell abnußze, aber. dieſer Vorwurf hat ſich von ſelbſt ers lediget, als man ſah„..daß der gewonnene Grünſpan mit dem zerfreſſenen Kupfer in.“Verhältniß ſtehe; und was endlich voll- kommen beweiſet, daß dieſe Methode den Vorzug verdient, iſt, daß alle Fabrikanten von der älteren abgegangen ſind, um ſie änzunehmen, Die Fabrikation des Grünſpans iſt in Montpellier. kein Ge- genſtand großer Entrepriſen. Da ſie keiner großen Vorrichtunz -gen bedarf/ weil einige irdene Tdpfe alles Geräthe zu einer ganz zen Werkſtatt ausrmachen, ſo iſt ſie, ſo zu ſagen, eine haushäls teriſche Operation geworden. In den meiſten Häuſern iſt ein Grünſpankeller, und die Hauptoperationen in demſelben werden gewdhulich von der Frau vom Hauſe dirigirt und ausgefährt. Die Frauen finden in den Freyſtunden, die ihnen ihre Wirth- ſchaft läßt, die nöthige Zeit, um nach ihrer Werkſtatt ſehen zu 0 zu können; und ſo wenig einträglich auch dieſe Fabrikation iſt, ſo bildet ſie doch immer einen um ſo ſchäßzbareren' Erwerbs- zweig, als er mut keiner Gefahr verbuvden iſt. Die Frauen, die ſich im Eigenthume dieſer kleinen Fabriken befinden, nehmen nur bey dem Abkraßen des Grünſpans, oder bey dem Anoronen der Schichten zu fremder Handarbeit ihre Zuflucht, Es iſt leicht einzuſehn, daß dieſe Gattung von Fabriken, auf die Weiſe, wie ſie eingerichtet ſind, in keine große Stabliſſe- ments verlegt werden kdnnen. Dieſe würden offenbar zu Grunde gehen, wenn ſie ſich mit den kleinen Werkjtätten in Concurrenz einlaſſen wollten, wo die Vortheile nur a!s ein Nebenverdienſt, und die Arbeiten als Erholung betrachtet werden,; Es würde ſehr unpolitiſch und nachtheilig für die Geſell: ſchaft ſeyn, wenn man in einem ſehr großen Etabliſſement, eine Fabrikation in die Hände eines Einzelnen legen wollte, welche durch unzähliche Kanäle einer zahlreichen Volksmenge Leben und Nahrung gibt. Sie wäre auch wohl einiger Verbeſſerungen fähig. Die Acetification, zum Beyſpiel, würde eine wärmere Temperatur erfordern, als die Arbeit in den Töpfen, und man müßte ſie an einem abgeſonderten Orte hervorbringen. Das Ausſtellen der geveitzten Bleche erfordert gieichfalls eine Sorgfalt, eine Wärme und einen Grad von Feuchtigkeit, die ſehr verſchieden von denen find, welche die andern Operationen bedürfen. I< habe aber immer geglaubt, daß die Einführung dieſer Veränderungen die Etabliſſemenis dem Theile des Volkes entziehen würde, in deſſen Händen. ſie fich befinden, und für den es hinreichend iſt, einen Keller oder den unteren Theil einer Treppe zur Diſpoſirion zu haben, um darin eine Fabrikation zu betreiben, die ihm die. Mittel zu ſeiner Exiſtenz gewährt. Wenn, nachdem man den Grünſpan in deſtillirtem Eſſig aufgeldſt, man die Aufldſung verdichtet, um Kriſtalle zu er- halten, ſo wird er kriſtgüiſirter Grünſpan oder Rupferkri- ſtalle genannt. Dieſe Kriſtalle hat man lange Zeit hindurch) in Holland fabricirt, aber jetzt bereitet man ſie in Montpellier mit einer Vollkommenheit, die ihnen den Vorzug vor den aus auslän- diſchen Fabriken gezogenen gibt. Das am häufigſten übliche Verfahren beſtiehet darin, daß man den Grünſpan in deſtillirtem Eſſig, aufldſt, und die Aufldſung bis zum Häutchen eygporirt, um die Kriſtalliſation zu erleichtern« N Man Man bedient ſich in der Regel des RüFſtandes der Deſtilla- tion von Weinen, die man ſauer werden laBt und dann deſtillirt, Dieſer. deſtillirte Eſſig wird in einen Keſſel geihan, wo man ihn mit dem Grünſpan aufſieden läßt. Sodvald er davon geſätti- get iſt, läßt man die Flüſſigkeit ſich zu Boden ſetzen und gießt ſie in einen audern kupfernen Keſſel, wo ihre Evaporation geſchieht. Sobald die Aufldſung hinlänglich verdichtet iſt, ſo taucht man Std>e hinein, die mit einem Bindfaden au hdlzerue Stanzen gez bunden werden, welche an den Räudern der Keſſel befeſtigr ſind, Dieſe Std>e haben einen Fuß Länge und ſind kreuzweiſe bis zwey Zoll von dem oberſien Ende geſpaiten, ſo daß ſie in vier Zweige auseinauderſtehen, die man durch kleine Holznägel ſo avſtehend erhält. Die Kriſtalle ſetzen ſich auf allen Flächen dieſer'Std>e an, ſo daß ſie eine Art von Traube, von allen Seiten aus volis kommnen Rauten beſtehend, bilden, die eine dunkelbiaue ſehr lebhafte Farbe haben.. Dieſe Kriſtalle haben, wenu ſie zerbro2 hen werden, einen grünen, in's blaue ſpielenden, glänzenden und ſehr angenehm in's Auge fallenden Bruch, Man gebraucht ungefähr drey Pfund naſſen Grünſpan zu einem Pfunde Kriſtallen. Der RüFſtand, welcher der Aufldſung entging, wurde, als unnüß, weggeworfen, aber nachdem mir die Analyſe gezeigt, daß er viel Kupfer im Metallzuſtande, oder im Zuſtande jchwächerer Oxydation enthielte, habe ich die nachfslgenden Mittel zum Oxy- diren. dieſes Rückſtandes angegeben, von denen man ſchon einen ſehr. vortheilhaften Gebrauch macht. Dieß, wenn gleichfnur einfache Verfahren ſchien mir doch no einiger Verbeſſerungen fähig, und folgendes iſt das Reſula tat einiger Verſuche« 1) Kaun män das Kupfer durch die Dämpfe der oxydirten Salzſäure oxydiren und- das Oxyd durch Eſſigſäure auflöſen. 2) Stark kalziuirtes geſchwefeltes Kupfer gibt.einen Rü>- ſtand, welcher in Eſſig aufldslich und fähig iſt, ein eſſigſaures Salz zu bilden. 3) Eſſigſaures Bley-zerſeßt in Waſſer aufgeldſtes ſchwefel» ſaures Kupfer. Das ſchwefelſaure Bley ſchlägt ſich nieder) das eſſigſaure Kupfer bleibt in Aufldſung umd man klärt ab, um es der Evaporätion zu unterwerfen und Kupfexkriſtalle zu. erhalten, Die Deſtillation des eſſigſauren: Kupfers liefert eine ſehr pi kante und condenſirte Cſſigſaure, die unter dem Namen Radikals eſſig bekannt iſt.. Der kriſtalliſirte Grünſpan wird zur Compoſition-der Farben und als Beize dem gewdhnlichen vorgezogen, IG Cc Funfc . Kapitel?" Von den Verbindungen der Saverkleeſäure;: Die Sauerkleeſaäure verbindet ſich mit faſt allen befannten Baſen; ſie bildet ein unaufldsliches Saz mit der Kalkerde und zieht ſie qus faſt allen Säuren; ſd daß man daraus ein vorz trefſliches reagirendes Mittel machen kann, um das Borhandeuy- ſeyn dieſer Erde überall da zu erfennen. wo ſie ſich in Aufldſung befindet,. Man gibt zu dieſem Gebrauche dem ſauerkleeſauren Ammonium, den Vorzug weil ſeine Wirkung ſchnelter iſt, Erſter Abſchnitt, Von, den Verbindungen der Sguerkleeſäure mit dem Bali, (Säuerlichſzuer kieeſaures Bali, Sauerkleeſal3). Dieſe Verbindung bildet das Sauerkleeſalz des. Handels, von welchem Scheele, Weſtrumb und Zermbſtädr uns gezeigt haben, daß es nichts als eine Verbindung von Kali und Sauer- kleeſaure iſt. 22; Man bereitet. dieß Salz in unſern Laboratorien nicht aus allen ſeinen Beſtändtheilen, weil es dconomiſcher iſt, es aus der Pflanze.zu ertrahiren, von welcher es den Namen trägt. 7...“ Boedrhaave ſcheint der erſte geweſen zu ſeyn,“ welcher''das Verfahren beſchrieben, durch welches mäu es aus det Pflanze zieht, die es enthält. Er ſagt, man fange damit an)" äus der fumex acetoſa den Saft herauszudrüen; daß man dann ſein ſechsmaliges Gewicht an Regenwaſſer hinzuthue, um es durch ein Stüc Leinwand filtriren zu: kdnnen,"die Flüſſigkeit ſodaun bis zur Conſiſtenz von Nahm evaporirt5 und ſie an einem fri- ſchen Orte ausſetzt/ wachdem man ſie mit einer Lage Oel bede&t, 'damit“ die Kriſtalleſich durch das Stilleſtehen niederſchlagen. ' Seit dieſem berühmten Chemiker haben Marggraf, Bayen, Savary, Wenzel, Wiegleb und Baunach nach einander wich: tige Thatſachen über die Bereitung dieſes Salzes. beygebracht. Es ſcheint als habe man lange Zeit hindurch'dieß Salz aus dem Säfte der*Sauerkleegatrung gezogen, welche man Sauexklee (ö6xalis acetoſella) nennt. Gegenwärtig iſt es vorzüglich rumex acetoſa foliis ſagittatis'des Linne, die dieß Salz liefert. Wir verdanken Baunach treffliche Details, theils über die Art, wie dieſe Pflänze im Schwarzwalde gebaut wird, theils über die Weiſe, das Salz zu extrahiren und zu reinigen. 3; 2 Man ſäet die Pflanzen im März und ſchneidet ſie im Jup. an Man zerſtampft ſie in einem ungeheuren hdſzernen Mörſer, mittelſt eines durch Waſſer getriebenen Stämpels und thut den Saft und die Treſter in hölzerne Kübel. Man läßt. dieſen Saft und dieſe Treſter in friſchem Waſſer zergehen, und einige Tage hindurh einweichen und bringt dann das Ganze unter den DruF einer Preſſe, Man ſtdßt die ausgepreßten Treſter von neuem klein, indem man ein wenig Waſſer hinzuthyut, und behandelt ſie wie das erſte Mal. Weun'der ausgedrukte Saft etwas erwärmt und in Köbel gegoſſen worden, ſo-läßt man darin auf. 1200 Vinten, 20 Pfund ſehr weiße und feine rhonige Erde zergehen; rührt um, und läßt die Maſſe ſtill ſtehn. Nach: vier und zwanzig Stunden wird der obenaufſchwim mende klare Saft abgegoſſen; der Bodenſatz filtrirt, der abge» klärte Saft in Keſſel von verzinntem Kupfer gegoſſen und bis zum Häutchen evaporict. Dieſen verdien. Saft läßt man in Terrinen ſtehen, um die Kriſtalliſation zu bewirken. Man reiniget ihn ſodann durch Aufldſungen. und wieder? holte Kriſtalliſationen. Die, Mutterlauge enthält Kochſalz und ſchwefelſaures Kali, Aus einem Pfund von dieſer Pflanze erhielt Baungd) fol» gende Grundſtoffe: o-Unz. 1 Quentchen reines Sauerkleeſalz, 0= vv= 4 Bran ſalzſanres Kali, 0- O0= Z=- ſchwefelſaures Kali, 4-= 0= 0= Eitract, Nach Sävary liefern. 50 Pfund Sauerklee, 25 Pfund Saft, welche: wieder 2 Unzen 4 Quentchen Salz geben. Dieß' Salz ſcheißt aus'"Prismen gebildet zu ſeyn, die mit einer ihrer Extremitäten vereiniget, mit der andern" aber divers girend ſind. Wiegleb ſchildert ihre Geſtalt: als längliche, blätterige Rauten, von denen eine auf der andern ſteht Delisle hat ſie nur als ſehr verlängerte Parallelopipeden geſehen. Cs ſind ſechs Theile kochenden Waſſers erforderlich, um eis nen von diejem Salze aufzufdſen, aber die Aufldslichkeit desſel2 ben iſt verſchieden nach der Reinheit und den Verhältniſſen ſeiner Grundſtoffe: nac Wenzel 1ldſen 969 Theile kochenden Waſſers 673 davon auf. In der Regel iſt dieß Salz um ſo auſidslicher, äls es reiner iſt. Man bedient ſich des Saſzes zu dem nämlichen Gebrauch als der Kleeſäure aber es iſt weniger wirkſam als dieſe, Cc 2 Seholm von 1773), daß man, um in einem Theile von Tibet den Borax zu extrahiren, ſechs bis acht Fuß tief in die Erde gräbt, und ihn in drey verſchiedenen Qualitäten herauszieht.' Auch hat ein Reiſender dem Herrn Valmont de Bomare einen gediegenen Borax mitgebracht, von dem er ihm geſagt, daß man ihn in den Höhlen Perſiens finde, . und der weißlich ausſieh1, in Schichten liegt, einen ſehr alkaliſchen, wenig zu&erigen und minder faden Geſchmack hat, als der ge- wöhnliche Borax, und Perſiſches Saiz genannt wird. Ein Particulier in Dresden entde&Ete im Jahre 1755 in Sachſen eine Mineralerde, aus der er ein Produkt verfertigte, das zum Ld- then geſchickt war, In Weſtindien findet man gleichfalls Borax. Dieſe Ent2 deXung verdankt" manzdem in Potoſi etablirten Arzte Anton Carrerxe- Die Bergwerke von Riquintipa, und die in den Ge- genden von, Eſcapa liefern dieß Salz im Ueberfluß, Man ges braucht es bey dem Schmelzen des Kupfererzes. Der rohe Borax iſt in Tibet unter dem Namen Tin>al bekannt. In der Regel findet man ihn incruſtirt von einem aus einer fettigen Materie beſtehenden Ueberzuge, wodurch er ein ſcal(rohe Borax) wenig aufldss lich in Waſſer iſt, und daß der damit vereinigte fettige Stoff vichts weiter thut, als daß er darin zergeht. Dieſer Stoff iſt es, weicher macht, daß die Aufldſung nur ſchwer durch Filtra von Vapier dringt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß 10 vis 15 Theile Waſſer erforderlich ſind, um den Borax im Grade 'des Aufwalkens vollſtändig aufzuldſen; durch bloßes Kaltwer- den und gehdiig ausgeſpartes Verdichten der Flüſſigkeit erhält man nach und nach Kriſtallplatten, die man noch ein oder zwey Mal auflöſen kann, um ihnen die gehdrige Weiße zu geben, Man ſcheidet durch dieß Mittel die überſchießende und nicht verbundene Portion dieſes fettigen Princips, welches in der Mutterlauge bleibt, und alle eroeige Materien aus, welche mehr oder weniger mit dem Tin>al verbunden ſind. Es ſcheint, daß die Holländer nichts thun, als daß ſie den Tin>al acht Tage hindurch in warmem Waſſer einweichen laſſen; ſie filtriren. ihn ſodann durch ein an der Oeffnung eines Filtrir- ſa>s angebrachtes Sieb von Kupferfäden; verdichten die Auf- löſung bey kleinem Feuer in bleyernen Keſſeln, und ſtellen, ſie in Gefäßen von dem nämlichen Metalle, welche ſie mit Stroh ums geben und ſorgfältig bedecken, um lange Zeit hindurch die Wärme zu erhalten, zum Filtriren hin, und nehmen erſt funfzehn bis zwanzig Tage nachher den entſtandeneu Bodenſatz von Kriſtal? fen heraus. Dieß. Verfahren, welches ich ſorgfältig wiederholt habe, iſt ſehr genau; man erhält dadurch einen reinen Borar, weicher ſo rein iſt, ais die erſte Gattung des in den Handel kommenden z; ober es iſt vortheilhaft, einige Tage hindurch die Aufldſung bey einem Wärmegrade digeriren zu- laſſen, der dem des kochenden Waſſers gleich kommt und beſtändig bleibt, ohne daß vie Flüſſig» keit bewegt wird; durch dieß Mittel wird ein großer Theil von allen, den Borax verunreinigenden, fremdartigen Materien niedergeſchlagen, und die Flüſſigkeit, welche auf ihnen ſchwimmt, „bedarf faſt des Filtrirens nicht mehr, um bey der Evaporation ſcelt und ſchnell niederſchlägt, 9 2.00 Man erhält in der Regel 75;bis. 80 Pfund reinen Borax aus dem Centner. indianiſchem Tin>al, Das eben beſchriebene Verfahren iſt das einfachſte und am wenigſten koſtſpielige unter. allen Methoden zur Reinigung des Borax; Jc< have andre Mittel angewandt, welche mir keine größere Vortheile gewährten; aber ich glaube dennoch ſie anzei- gen zu müſſen, um denen ,- welche ſie verſuchen wollten, einen Zeitverluſt zu. erſparen. 1) Der-rohe TinFXal, wenn man ihn in einem leichten Na» tron- Waſſer aufidſt, und durch Evaporation gehörig verdichtet, liefert ſchöne Kriſtalle, das Produkt überſteigt: ſelbſt das durch das obenerwähnte Verfahren gewonnene, um 5 bis 6 Procent, Der Borax aber, welcher aus dieſer Operation entſteht, efflo- rescirt-auch leicht an der Luft, welches von einem Uebermaaße an Natron herrührt. Uebrigens ſchien mir dieſer Borax bey dem Gebrauch zum Ldöthen dem andern nicht nachzuſtehn. 2). Man kann das fettige Princip des Tin>als durch die Kalzinatioa zerſtdren und dadurch die Auflbſung dieſes Salzes erleichtern. Seit 1779 hatte ich dieſe Verſuche gemacht, aber auch eingeſehn, daß man bey dieſem Verfahren einen ungeheuren Verluſt erleide; weßhaib ich meine Reſultate nicht öffentlich be? kannt machte; ſondern mich bloß begnügte, meine Zuhdrer da- von zu überzeugen. Obgleich die Aufldſungen des kalzinirten TinFals klärer ſind und. leichter durch das Filtrum dringen, als die des nicht kalziz nirten; ſo geben dieſe letzteren doch ſchönere Kriſtalle als die erſien, Man trifft im Handel zweyerley Arten des raffinirten Bo- rax? der eine wird ZHoöoUändiſcher und der andre Chineſiſcher genaunt, alle beyde kommen aus den nämlichen Fabriken, aber der erſte iſt das Produkt der erſten, der andre dagegen der zwey» ten Kriſtalliſationen. Die Kriſtaile des erſten ſind ſchdu, loſe, und-haben faſt einen Zoll Länge auf einen gleichen Durchmeſſer. Er iſt weiß, halbdurcige Py- ramiden quslaufenden Priema's. Die zweyte Art beſteht aus Platten, die. auf einer ihrer Flächen kriſtalliſirt und mit einem mehligen Staube bedeFt ſind, der mir von der Natur, der Thon erde zu ſeyn ſchien, Der Borax hat einen ein wenig anziehenden und alkaliſchen Geſchma,“ Er färbt Veilchenſyrup-grün, Wenn man ihn dem Fetter ausſeßt ſo-ſchwillt er an." Sein Kriſtalliſationswaſſer verfliegt in Geſtalt eines Ranchs, unyd er bildet ſodavy eine:pordſe ,' leichte; weiße und undurchſichtige Maſſe, welche kalzinirter Borax genannt wird. Wenn man ihn einem ſtärkeren Grade von Feuer unterwirft ſo nimmt er eine teigartige Form ay, und ſchmilzt endlich. zu einem durchſichtigen Glaſe von grünlichgelber Farbe, das in Waſſer aufldslich iſt, und an der Luft ſich mit einer weißen Efflorescenz bede>t, wel- man ihn in allen den Fällen„ wo es darauf aukommt, den Grad von Schmelzbarkeit gewiſſer Körper zu WteHeN oder die Verglaſung andrer Subſtanzen zu befördern; haupt» ſächlich bedient man ſich ſeiner, wenn man zwey Metallſtücke durc) das Jntermedium einer Verſeßung an einander löthen will, die nür dann im Strande iſt, ſie zu vereinigen, wenn ſie zuvor ſelbſt geſchmolzen worden, Die Eigenſchaft des Borax aber durch die Wirkung des Feuers anzuſchwellen, würde ſeine Anwendung erſchweren, wenn man ſich ſeiner im Kriſtallzuſtande bediente: dieſe Bewegung des Anfichwellens würde die Metalltü>ke wieder auseinander bringen, die der Künſtler in eine gehdrige Lage gebracht; und die Deſſins, welche er in mehrern Fällen durch die berechnete Aneinander» ſetzung von Metallen verſchiedener Farben auszuführen vor hat, würden ſehr irregulär ausfalkenz man har dieſem Uedeiſtande zum Theil dadurch vorgebenat, daß man den Borax falzinirt und ihn nur in dem Augenblicke, wo er ſich eben verglaſen will, gebraucher.; T Die reinen Erden verhalten ſich mit dieſem Schmelzmittel, wie folgt: Wenn man in kleinen irdenen Tiegeln unter dem Muffel ei? nes Kapellir- Ofens einer durch zwey Stunden anhaltenden Wär? me von 22 bis 26 Grad Wedgwood ausſeßt: 1) Einen Theil Rieſelerde und zwey Theile Borax, ſo gibt es: ein ſchönes, klares durchſichtiges Glas.! 2) 1 Alaunerde, 2 Borax:-ein ſchdnes durchſichtiges Glas, von klarer grüner Farbe, welches wegen ſeines Anhängens an den Tiegel und dem ſchnellen Erkalten reiſſet,. 3 3) 1 Kalkerde, 2 Boray: ein ſchönes dur<ſicßtiges Glas, von einer leichten ge!blichen Farbe, Der Tiegel wird überall, da wo er mit dem'in der Schmelzung ſich befindenden Gemenge in Berührung gekommen, ſtark angegriffen; 4) 1 Talferde, 2 Borax: ein halbdurchſichtiges, ein wenig milchiges, einem Gelee ähnlich ſehendes, aber ſehr härtes, auf der Oberfläche glänzendes und wegen ſeines Feſthängens an dem Tiegel riſſiges Glas. 5) 1 Baryterde, 2 Borax: ein ſchönes, vollfommen durch» ſichtiges, faſt bis auf einen leichten gelblichen Anſtrich, farb? loſes Glas, das nicht geſprungen iſt, an dem Tiegel feſt hängt, und hart genug iſt, um einer Meſſerſpigze. zu widerſiehen, Der Borax bewirkt die Schmelzung von faſt allen bekann- ten Subſtanzen, ſelbſt deren welche beym Einfluß des Sauer- ſtoffgaſes ſtrengflüſſig bleiben. Um ein Beyſpiel von der Kraft ſe':ner Wirkungen zu geben, darf ich uur bemerken, daß er bey den zuvor'angeführten Verſuchen das Schmelzen der Kieſelerde bey dem 22ſien Grad Weogwood bewirkt hat, wogegen man dieß durch dea Zufluß des Sauerſtoffzaſes nur bey einem Wär? megrade erhalten konnte, der dem 4043ſien Grade einer mit der Wedgwoodſchen zu vergleichenden pyrometriſchen Scala entſprach, Bey allen metallurgiſchen und docimaſtiſchen Arbeiten, bringt man das Schmelizen der allerſtrengflüſſigiten Meialle und Meralloxyde dadurch hervor, daß man ſie mit ein wenig Borax over andern Kdrpein vermiſcht, die ſelbſt leicht zum Schmelzen gebracht werden. oder den Sauerſtoff aus den Orxyden entbins den können ,. die män reduciren will. Sohald hier die Materie geſchmolzen und durch ein heftiges Feuer flüſſig gemacht worden, läßt man ſie langſam abkühlen, das ſchwerere Metall ſinkt dann zu Boden, und der verglaſte Fluß bleibt auf der Oberfläche. I aus einer Aufldſung von Cochenille, Alaun und einem wenig ſchwe- felſauren Eiſen mittelſt eines Alkati's niederſchlug, war ſehr verwundert, als er, nachdem das, welches er von dem Bers liner Chemiker bekommen haite, einen blauen Niederſchlag er- hielt. Er theilt dieß Reſultat Dippeln mit, der den Grund davon unterſuchte, und das Mitrtel fand, mit geringen Köſien die ſchdne Farbe zu bereiten, die nach dem Orte ihres Urſprungs Berliner-Blau genannt wird, Dieſe Dieſe EntdeFung wurde in den. Memoiren(der Berliner Akademie vom Jahre 1710 bekannt gemacht,„aber das. Ver: fahren bis 1724 geheim gehalten; wo: Woodward es. in den philoſophiſchen Transactionen(Philoſophicai Transattions) ſo befannt machte, wie es ihm von einem ſeiner Freunde aus Deutſchland mitgetheilt worden war. Bis dahin hatte man ſich der Blutkohle bedient, um dem Alkali die Eigenſchaft mitzu theilen, das Eiſen blou niederzuſchlagen; aber der Arzt Geof2 froy bewies im folgenden Jahre, daß. die Kohle aus allen thie- riſchen Materien die nämliche Wirkung hervorbringen könne, und daß auch Yflanzenkohlen dieſe Eigenſchaft, wenn gleich in einem geringeren Grade, beſäßen,; Seit-dieſey-Zeit haben die verſchiedene Chemiker, welche ſich mit dieſem Gegenſtande beſchäftigen, mehr-geſucht die Theorie des Phänomens zu erforſchen, als das Verfahren zu vervoll» kommnen., Im Jahre: 1742 war es, als der berühmte Scheele die Säure, welche ſich mit dem Eiſen) verbindet, um das Berliner blau hervorzubringen, im freyen Zuſtande darſtellte,. Dieſe Säure wird heut zu Tage Blauſäure genannt, und man kann ſie hauptſächlich aus thieriſchen Subſtanzen extrahiren, weil ſie in ſolchen im größten Maaße. vorhanden iſt, Alle bekannte Methoden zur Bereitung des Berlinerblaues kommen darin überein, daß man damit anfängt, die thieriſchen Materien mit Kali zu Falziniren, damit man ſich der. Säure mit„Hülfe dieſes. Alkali's bemächtige, und. daß. man. ſodann eine Aufldſung. von ſchwefelſaurem Ciſen und ſchwefelſaurer Alaunerde mit dieſem-blauſauren Kali vermengt, um das blau- ſaure Eiſen zu erhalten/ welches immer eine Portion Alaunerde und Kali in ſich enthält.; Dieß Verfahren bey der Fabrikation iſt aber verſchieden: 1). nah) der Wahl der thieriſchen Materien; 2) nach der Berei» tung des Alkali's; 3) nach der Methode der Kalzination, 4) nach den Verhältniſſen zwiſchen der ſchwefelſauren Alaunerde und dem Eiſen; 5) nach der Manier es zu formen, Tx) Das Blut war die erſte und einzige thieriſche Materie, deren man ſich zu dieſer Bereitung bediente; und man muß geſtehen, daß, in Hinſicht des daraus gewonnenen Produkts es keine vorzüglichere gibt. Von einer Seite aber haben die Schwierigkeit es zu tro>nen, und von der andern die Umſtändlichkeit anderöwo als in großen Städten einen Vorrath von dieſer Subſtanz zu erhalten, die Fabriz nN | »4 Nad BEER, ds 1 Fahrikänten dazu gebracht, irgend eine andre Materie an deſſen Stelle zu ſetzen, Weber hat uns gelehrt, daß man ſich in Deutſchland zu dieſem Gebrauche der Hörner, Hufe und andrer thieriſcher Maä- terien bedient, Herr Suyton Morvegu hat bewieſen, daß Ochjenhagre eine gute Färbelauge geben. Zrown hat gezeigt, daß das Fleiſch die nämliche Eigen» ſchaft habe. Delius hat 1778 behauptet, daß man ſich ſtatt des getro>- neten Blutes.mit Vortheil der Haare bedienen fönne, und in den Crellſchen Annalen bekannt gemacht, daß der tro>ene Pferde- miſt ſehr brauchbar wäre, wenn man nur die Kalzination nicht zu weit treibe, durch welche. das nicht gehdrig verdaute Futter ſchnell in den Zuſtand eines reinen Alkali's überginge. Baunach erzählt, daß'man'in den ſchwäbiſchen Berliner? blaufabriken unter die thieriſchen Materien“alle Abgänge von Leder nimmt, welche ſich bey den Saitlern, Riemern und Schuſtern vorfinden, Noch kann man ſich mit Nußen der Stücken von den Häu ten bedienen, welche man in den Gärbereyen wegwirft; ſo wie der Haäte und des Fleiſches, welche man.bey dem Abſchaben und Ausfleiſchen der Häute"losmacht; aber: man muß dieſe Ab» gänge vor ihrer Anwendung gehdrig auswaſchen, um die Kalk- erde hinwegzubringen, von welcher ſie durchdrungen ſind. Yuch"nimmt man zur Bereitung des Berlinerblaues die vegetabiliſchen Kohlen, und den Ruß von Torf und Steinkohlen; aber dieſe Subſtanzen kdunen in Hinſicht des Reſultats mit den weſentlich thieriſchen Materien keine Vergleichung aushalten, 2) Bey dem Verfahren, welches Woodward im Jahre 1724 bekannt machte, bereitet man das Alkali durch Deflagra- tion gleicher Theile Weinſtein und Salpeter. Heut zu Tage nimmt man Kali in faſt allen Berlinerblaufabriken. 3) Bevor das Verfahren bis zu dem Grade vervollkommnet wurde, wo es jeßzt ſteht, fing man damit än, daß man die thie2 riſche Materie in Kohle verwandelte, worauf man dieſe Kohle mit Kali kälzinirte, um blauſaures Kali zu erhalien. Dieſe Methode wird noch in vielen Fabriken befolgt 5; man vermengt in dieſen die rhieriſche Kohle und das Kali in ſehr ver? ſchiedenen Verhältniſſen nach der Natur der Materien, die'man anwendet; Zaungch hat geſehen, daß man das Gemenge aus 10 Pfund = 4Ir= 15'Pfatid"Kohlen und. 35 Pfund Alkali machte; und: Weber Hat geſehen, daß man in einigen deutſchen Fabriken 160'Pſund Kali mit 75'Kohlen zuſammenmengt; Es gibt Fabriken/ wo man. die thieriſchen Mättien in eiſernen Retorten deſtillirt, um das Oel nicht zu verlieren, welches man daraus ertrahirt 5; man'kann“ dürch dieß“ Mittel Del, kohlenſaures Awmonium uad Kohlen erha!ten, und dies leiztere Produkt“kann eine Fabrikation von Berlinerblau unter= halten, während das kohlenſaure Ammonium die-Baſis bey emer Sa! migkfabrifation nach dem bereits von uns beſchriebenen Verz fahreu zu bitden.im, Stande iſt, Ich habe andere Berlinerblaufabriken geſehen5> wo man gleiche Theile von Blut'und Kali vermengt, um ſie'in eiſernen Keſſeln zu kalziniren; guch habe ich mich.ſei bſt. überzeugt, daß man mit Nußzen,, wenigſtens. zin Rücſicht.ayf;.die Deconomie, ſtatt des Kais, Weinſtein nehmen könne, i 4) Man hat überall die Gewohnheit, ſchwefelfaure Alaun erde und ſchwefelſaures Eiſen zur Fabrikation des Berlinerblaues zu nehmen; die Alaunerde, welche ſich unter. dieſen' Umſtänden dem blauſauren Eiſen vermengt, gibt dieſer Farbe ein ſanfteres Unſehn und die ndthige Geſchmeidigkeit, um.dgraus einen Teig bilden zu können ,. den.man.tro&net,- und. dann.nach Willkühr formen kann, Aber-die Verhältniſſe zwiſchen dieſen beyden ſchwefelſauren Salzen ſind. nicht überall die nämlichen. Weber; behauptet; man. nehme in Deutſchland 6 Theile Alaun auf einen Theil ſchwea felſauren Eiſens; Baunach hat geſehn, daß. man. das Gez menge von 4 Theilen Alaun, und anderthalb ſchwefel ſaurent Ciſen macht; und kere Doſis an Blauſäure auftragen läßt, weil. ſie dahin ſtrebt, ſich. des Kali's des blauſauren Salzes zu bemächtigen. Noch gewährt ſie den Vortheil, daß ſie: das wenige gelbe Oxyd auf- [dit, welches ſich aus dem Eiſen niedergeſchlagen, ohne mit der Blauſäure in Verbindung getreten zu ſeyn. Nach dieſen allgemeinen Grundſätßen würde man ſich in den zur Fabrikation des Berlinerblaues gehdrigen Operationen leicht richten können. Um jedoch ihre Ausführung zu erleich« tern, wollen wir das Verfahren beſchreiben, welches man in den deutſchen Fabriken befolgt, Man kalzinirt in eiſernen Keſſeln, vder deſtillirt in dien eiſernen Cylindern, Hörner, Haare und andre Abgänge thie- riſcher Natur, bis daß das Ganze ſich in eine Kohle verwandelt. Sodann thut man 100 Pfund Pottaſche in einen eiſernen Keſſel, ſetzt dieſen einem ſehr heftigen Feuer aus, ſchüttet, ſo- bald die Pottaſche geſchmolzen iſt, 75 Pfund pulveriſirter, thie: riſcher Kohle darauf; rührt das. Gemenge ſorgfältigzum, bringt es wieder zum Schmelzen, und thut nach einer halben Stunde 25 Pfund Kohlen ,- und nach Verlauf einer anderweitigen halben Stunde noch ein Mal die nämliche Quantität Kohlen hinzu, Wenn dieß Gemenge fertig iſt; ſo unterhält man das Feuer einige Stunden hindurch;- indem man dieſen Teig ununterbro- net 5 um der Farbe alle Intenſität Zu'erhalten, Noch wäſcht man-ihn zuweilen: mir«Salzſäure aus. E Das Berliverblau hat in der Regel eine lebhafte und"ſtarke arbe,; Man zieht im Handel dasjenige vor, welches leicht und im Bruch nicht“glänzend iſt.“ Das Berlinerblau lieferte mir bey der. Deſtillation. auf die Unze: 4 Ammonium, 1 Quentchen 60 Gran,"8 Waſſerſtoffgas mit blauer Flamme, 164 Zoll, j Eiſenöryd; 1 Quenichen 30 Gran, fs Alaunerde, 2= 54-=“ undein wenig Wäſſer: Bey! dieſer“Operätion wird die“ Saure durch"die Wirkung des Feyers zerſetzt und- zwey. ihrer Gruündbeſtandtheite erzeugen Ammonium, während der andre im Zuſtände von Wäſſerſtoff- gas verfliegt.;-! "Unt blauſauren Kalf zu bilden, dus' dem man eine-Probeo flüſſigkeit gemacht hat, die ſehr bequem und ſicher iſt, um Eis ſenätome zu entde&en; die ſich in einer Flüſſiäkeit aufgeldſt'befinz den iſt es hinreichend; Zwey Unzen pulveriſirtes Berlinerblau in kochendem Waſſer zu wäſchen 7 dann' gießt man zwey'Pintert Kaikwaſſer darauf und läßt ſie einige Stunden aufkochen“, fil trirt und bewahrt die Flüſſigkeit auf; bis man ihrer bedaäkf.- Sie hät.eine-gelbe Farbe und iſt nur.1,005:ſpecifiſch. ſchwer. 3» Blauſaures. Kali wirkt weniger ſicherund. ſchnell, als blau» ſaure?! Kalkerde, Außer: daß es. einePortion Eiſenoxyd enthält, welches!faſt davon unzertrennlich iſt, und yothwendigerweiſendie Reſultate verändern muß, iſt es bey weitem weniger-zart-und / weniger zerſeßlich als blauſaurer Ka'k, weshalb man auch die? ſem letztern bey allen delicaten Operationen den Vorzug gibt. IT. Dd Achtks ji | 22 MUS Zi Achtzehntes Kapitel,= anden Von den Verbindungen der Galläpfelſäure.]- Es iſr mit der Galläpfelſaure der nämliche Fall wie mit der Blauſäure: ihr ſaurer Charakrer-iſt wenig merkbar T), ſie zerſetzen fich leicht, aber ihre Verbindungen mir gewiſſen Baſen, vorzüglich mit dem Eiſen, abgeſehen davon, daß ſie Eigenſchaf- ten haben, welche ſie ſehr ſc<äßbar machen,:widerſiehen den zer- ſidrenden Agentien viel mehr, als die Säuren ſelbſt, Erſter Abſchnitt, Von den Verbindungen der Galläpfelſäure mit dem Liſen, (Gallusſaures Eiſen, Dinte).! I Dieſe Verbindung/ bildet die Dinte, deren man ſich zum Screivenbedient, und die meiſten ſs " Man darf nur dieß anführen, um. zu zeigen, daß das gals -Jusſaure Eiſen eines der nüßlichſten und zugleich am häufigſten gebrauchten Salze iſt.“' j Wir werden hier bloß von der Dinte. handeln, Das, was die Färberey betrifft, wird bey jener. Materie ſeinen Platz finden, Die Eigenſchaften einer. guten Dinte ſind folgende 2.;% 1) Eine ſehr«ſchwarze Farbe,;„8 - 2) Daß. ſie leicht und gleichfdrmig aus der Feder.-fließtz+; . 3) Daß ſie nicht in die Sabſtanz des: Papiers eindringt.“+5" 4) Daß ſie. ſchnell troXnet,;.(| 5) Daß ſie nicht gelb wird. 138 63 6) Daß ſie durch. Reiben. ſich„weder. verldſchen. noch verwi» ſchen läßt. 7.5; 1 Yus. der vollkommenen, Kenntniß: der. Eigenſchaften. aller Subſtanzen, welche..in die Compoſition der Dinte. kommen, kann man die Mittel herleiten, ihr alle die Eigenſchaften,mitzua theilen, welche ſie haben muß, und daourch die Urſachen der, Fehler entdeen die fie oft hat, Unter den Ingredienzien, welche in die Dinte kommen; gibt es: nothwendige und wieder andere; deren Gebrauch bloß als Nebenſache zu betrachten und die nur die Abſicht haben;“ihr ir- gend eine Eigenſchaft mehr zu erwerben, oder ihre Stärke zu verbeſſern, Zu( *), Dieß iſt ein Jretbum. GSallusſäure ſchme>t ziemlich fark ſauer, und rothet auch das Lackmuspapiern, Dey Blauſäure fehlen heyde Eigenſchaften, H. Zu der erſten Claſſe känn man die Galläpfel und den Vi- triol rechnen, weil es ohne dieſe Subſianzen keine ſchwarze Farbe. gibt.* In die zweyte gehdren: Gummi, Campecheholz, ſchwefel» ſaures Kupfer, Alaun und Zuer, Der Excipient des gallusſauren Eiſens, welches die eigent» liche Baſis. der Dinte ausmacht, iſt das Waſſer, zu welchem man oft Wein, Bier, Eſſig oder Branntewein hinzuthut, Die Arbeiten der Herren Lewis, TTeumann, Monnet, Guyron, Scheele, Deyeux, Berthollet und Prouſt haben uns nach und nach ziemlich genaue Kenntniſſe über die Galläpfel verſchafft; ſo daß wir ihre Wirkung auf das Eiſen einſehn und die Urſache des Vorzugs, den dieſe Subſtanz vor allen andern hac, durch die man ſie würde erſeßen wollen, angeben kann, Die Galläpfel ſind ein vegetabiliſekn. Ex ſtüßt:ſeine Meynung auf einige directe Thatſachen, welche beweiſen, daß die Galläpfelſäure die man in verſchloſſenen Gefäßen mit Eiſen aufkochen läßt oder die man zum Digeriren im kalten Wege auf Eiſen thut, ein ſchwarzes galläpfelſaures Salz hervorbringt z ſo wie die Niederſchlagung des Eiſens aus dem eſſigſauren Salze dieſes Metalles durch Gallspfelſäure, Here == 421. 0.= Herr Berthollet ſchließt aus dieſen bekannten Thatſachen, daß es nicht nothwendig iſt, daß das Eiſen den höchſten Grad der Oxydation erreicht habe, um daß der Niederſchlag ſchwarz werde. Ex ſtellt jedoch nicht in Abrede, daß ſehr oxydirtes Ei- ſen nicht ein dunkleres Schwarz hervorbringe, und ſchreibt der Galläpfelſaure die Eigenſchaft zu, das Metall zum Theil zu deöorydiren und es zu dem Zuſtande von Ethiops zu bringen. Dieſe neue Behauptung gewinnt einen großen Anſtrich von Wahrheit, wenn man darauf Rü>ſicht nimmt, daß die Gall- äpfelſäure Gold und Silber im Metallzuſtande niederſchlägt, Man maß die Wirkung des Gerbſtoffs nicht als unnüß bey der Bildung der Säure betrachten, weil ex mit dem Eiſen einen blauen Niederſchlag bildet. Wir verdanken dert, ſo färbt ſich nach und nach die Flüſſigkeit, das Eiſea wird ſchwarz und, in einigen Tagen hat man eine ſehr ſchwarze Dinte. Die Abkochung eines andern Adſtringens, wenn ſie auf gleiche Weiſe behandelt wird, färbt ſich nicht merklich, Hier hat man einen nenen Beweis von der Macht, welche die Luft bey der Oxydation ausübt, wenn fie mit einer Säure zuſammenwirkt. Wenn das Eiſen durch das Abkochen bloß feucht gemacht iſt, ſo bedarf es nur einiger Stunden, um eine recht ſchwarze Farbe darin zu entwieln; wenn es aber naß und vollkommen eingetaucht in die Flüſſigkeit iſt, ſo ſind meh- rere Tage ndrhig, um dieſe Wirkung hervorzubringen, 5) Wenn man der Wirkung der Galläpfelabkohung durch Wärme nachhilft, ſo erzeugen ſich Kohlenſäure und Waſſer- ſtoffgas. Mir ſchien es immer, daß die Kohlenſäure zuerſt überginge- In der Retorte bleibt nichts, als ein ſcen darauf, die, indem ſie ſich aus- dehnen, in ihrer ganzen Fläche ſchwarz bleiben; während, wenn. man die.Aufldſung'-des grünen ſchwefelſauren Salzes in Tropfen auf das Papier;gießt„.dieſe,drey. ſehr deutliche Nüan- cen von Farbea zeigen, nämlich ſchwarz im Ceuiro 7 im-der Mitte. grau„und an den. Rändern gar keine, Die Aufldſung- des falzinirten ſchwefelſauren Salzes ſchlägt die alkaliſchen und erdigen blaüſauren' Salze in"ein herrliches Blau nieder.' Die des grünen-ſchwefelſanren Salzes'bildet eingrünliches, mageres. und unanſehnliches- Blau,. “Kali und kohlenſaures Kali ſchlägen das Eiſen aus dem kalzinirten ſchwefelſauren Salze in ein fcwarzes/ und das des grünen =="425.= grünen ſchwefelſauren Salzes in ein grauweißliches Oxyd nije- der, deſſen Farbe durch Berührung der Luft dunkler. wird. Natron bringt in dieſen beyden ſchwefelſanren Salzen we- niger merkliche Verſchiedenheiten hervor, Die Refnltate: dieſer Verſuche dienen dazu, den Künſtler nicht allein in Hinſicht der Fabrikation der Diunte, ſondern auch der Färberey und der Compoſirion des'Berlinerblaues Auftlä- rung zu gewähren, Die Verhältniſſe zwiſchen den Gälläpfeln und dem ſchwe feiſauren Salze haben einen-bedeutenden Einfluß auf.dieſe Re2 ſultate. Dieſe Wahrheit haben alle die anerkaant ,. welche ſich wit ihrem Gebraache beſchäftigten. Nichts iſt jedoch ſv ver» ſchieden, a!s die Verhältniſſe die ſie angeven; ſie ſchlagen von 6. Theilen Galläpfeln bis zu gleichen Theilen beyder Subſtan» zen vor; und- es iſt leicht einzuſehn, wie ſchwierig es ſey, Pro» portionen auszufinden, die Feinen Veränderungen unterworfen ſind; denn ſie müſſen von einavyder ag wechſeln, je nachdem die ſehr oſt ungleiche Oualität der Galläyfel, die Stärke und Dauer der Abkochung, die Natyr des Vitriols, und die Quantität des gebrauchten Waſſers Verſchiedenheiten begründen. Man kann ſich nach der Erfahrung ein gutes Recept machen, und dann immer die nämlichen Materialien nehmen; aber es iſt ſchwer, es ſo auf andre zu übertragen, daß es immer die gleia Hen Reſultate gewähre. Wenn die Gaälläpfel in der Compoſition der Dinte der her- vorſtechendſte Beſtandtheil ſind, ſo iſt die Farbe, wenn gleich dauerhaft, doch braun, und die Flüſſigkeit bede&Et fich bald mit Schimmel, Weun dagegen das. Eiſen im Uebermaasß vorhans den iſt, ſo erſcheint die Säure ſogleich viel blauer, aber ſie wird mit der Zeit gelb, und wird roſtig auf dem Papier, Dem erſten Fehler hilft man ab, wenn man Eiſenfeile in der Dinte läßt,“oder Vitriolauſldſung hinzuthut; dem andern, weun man mit. der Dinte eine neue Galläpfelaufldſung vermengt, oder nac Herrn Blagden ſic) hierzu blauſaurer Alkalien bedient, Nach Lewis iſt das zweä>mäßigſte Verhältniß zwiſchen Gall- äpfeln von Aleppo und dem Vitrjol wie 3 zu 14 Herr Ribaucourt gebraucht ſie nur in dem, von 2 zu 1; da es aber ausgemacht- iſt, daß ein Uebermaaß von Galläpfeln nicht ſo ſchädlich iſt, als ein Uebermaaß von Eiſen, weil durch die Galläpfel„..die Dinte dauerhaft und unzerſeßlich auf dem Papiere wird, wo ſie ſich bey zunehmendem Alter auch gu mehr -- 426= mehr und mehr ſchwärzet,"dagegen das Eiſen im Uebermäaß ſie gelb und roſtig macht, ſo iſt es beſſer, zu viel Galläpfel, als zu viel Eiſen zu nehmen, Bis ſo weit haben wir aber nur noch eine ſnend und glänzend, und bewahrt ſie davor, daß Säuren und Waſſer keine zu ſc und fließt nicht gehdrig« ſt das Verhältniß dagegen zu ſchwach, ſo zeigt ſich der ent? gegengeſetzte Nachtheil, ſie ſchlägt durch das Papier, läuft wie Waſſer aus ver Feder, und hat alle Fehler, welche wir von der Färbeflüſſigkeit rügten. Um die Wirkung eines Gemenges von Auflöſung von rothem ſchwefelſaurem Sa!ze mit einer Galläpfelabkochung, und einer Infuſion von arabiſchem Gummi in verſchiedenen Verhältniſſen beſtimmter kennen zu lehren, habe ich eine Aufldſung von ſchwes felſaurem Salze von 10, eine Galläpfe1- Abkochung von 3, und eine Gummi- Aufldſung von 15 Graden bereitet. Dieſe drey Subſtanzen verband ich mit einander in allen möglichen Verhältniſſen, und prüfte ſodann die Reſultate eines jeden Gemenges/ nicht allein mit der Feder, ſondern durch das Hineinhalten von Papierſtreifen, die iz tro>en werden ließ, um ſie mit einander zu vergleichen, und die durch Luft und Waſſer darin hervorgebrachten Veränderungen zu beobachten, Aus dieſen Verſuchen, welche ich vier Monate hindurch mit großer Sorfgalt verfolgte, kann ich nachſtegende Folgerungen herleiten 7 L 420.5 Compoſition-oder Semenge., Reſultate. Eine bläuliche Compofition, welche mit der Zeit ſ, thut man ſie aver-in die Compoſition, in geringeren Dofen, als im Ver- hältniß der Hälfte in Rückſicht der Galläpfel, ſo wird die Dinte zu flüſſig läuft zu leicht aus der Feder, und ſchlägt auf dem Papiere durch. 4 4) Die“ Verhältniſſe, welche mir die vortheilhafteſten ſcheinen, ſind folgende:; Vier Maaß Aufldſung von kalzinirtem ſchwefelſauren Salze zu 10 Graden.:<" Sechs Abkochung von Gallus in Sorten zu 3 Graden, . Vier Jufuſion von Gummi Arabicun zu 15 Graden. Die Verbindung des Eiſenoxyds mit dem adſtringirenden Stoffe und der Galläpfelſäure gibt der. Dinte ihre Farbe, und der Gummi. die ndthige Körperlichkeit uad Conſiſtenz, auch macht er ſie glänzend." Die Vereinigung dieſer drey Subſtanzen in den gehdrigen Verhältniſſen kann alſo eine gate Dinie liefern, aber man nimmt / nimmt zu derſelben gewdhnlich noch andre Ingredienzien; deren Wirkung zu beſtimmen und zu; würdigen iſt, Das erſte. dieſer Jugredienzien iſt-das Indianiſche oder Campechebolz. Um ſeine Wirkung bey der Compoſition der'Dinte beur» theilen zu können,„muß man zuerſt die Art betrachten, wie es ſich zu dem Eiſen verhält, und ſodaun die Modificationen fiu- diren, welche es in der Verbindung der drey oben erwähnten Stoffe hervorbringen kann, Die Abkochung: des Campecheholzes greift.das E'ſen und das Oxyd an, und bildet mit ihm;eine bläuliche Verbindung. Sie ſchlägt das Eiſen aus dem ſchwefelſauren Salze'in eit bläuliches, nicht ſehr dunkles Schwarz nieder. Dieſer"Nieder- ſchiag bleibt'lange Zeit in der Flüſſigkeit ſuſpendirt. Wenn män das Campecheho!z mit den Galläpfeln vermengt, und beyde miteinander auffochen läßt, ſo hates mir immer geſchienen,“daß man 7 um zu"dem nämlichen Reſultate zu ge- langen, eine/grdbgere Doſis von der Abkochung nehmen müſſe, Das Campedzeholz vermehrt na< den Erfährungen, die ich gentacht habe, die'Färbe nicht 5 aber'mir iſt-die Dime, zu der man es genommen“; immer ein wenigmarkiger vorgekommen; und. es har mir. geſchienen,"daß ihre Farbe ſich ſanfter aus» nähme, und die Federſiriche ſich-klarer darſteilten,/- Nach meiner.|:Meynunghältvaiſo' das Campecheholz den Niederſchlag in Aufldſung 7 macht; ihn ſüger"und flöſſiger, und daß; er ſich mit gleichſdrmigerer„Wirkung, und. leichrer ge- brauchen läßt, Noch habe ich bemerkt,"daß das zwe>&mäßigſte Verhältniß des Campecheholzes zu den Galläpfeln wie eins zu zwey iſt. Eine andre Subſtanz; welche ziemlich-allgemein in die Com- poſition der. Dinte angenommen- wird, iſt ſchwefelſaures Kupfer. ; 4 Verſuche/ welche ich in dieſer Rü>ſicht gemacht habe, eweiſen: 1) Daß das ſchwefelſaure Kupfer in dem Verhältniß vom zwölften zum zwanzigſten Theile des Gewichtes-der. Galläpfel angewendet, eine gute Wirkung that, Die blauviolette Farbe, welche die neubereitete Dinte hat, verſchwindet. durch ſein Zuthun ſchlzuniger, und die Dinte ſchien mir feſter auf dem Papiere zu haften. 2) Daß das ſchwefelſaure Kupfer, wenn man es in ſtär- keren Verhältniſſen nimmt, als ein Zehntheil des FEE ß ag: SR SSP ST SGSN. =. Jai> Gatlläpfel; die Farbe zum Theil zerſtdret, und ihm auf die Länge einen unangenehmen, ſen möge, die aber frey von ihren'Nachrheiien wäre. j I<" habe mich mit dieſem Gegenſtande beſchäftiget ,. und das Verfahren welches mir bis jezt am beſten gelungen iſt, be ſteht darin, daß!ich ſtarken Leim in ſolcher Maſſe in Waſſer auf: löſe, daß dieſe Flüſſigkeit dadurch die Conſiſtenz erhält ,. die eine gute Dinte haben muß; ſodaun reibe ich auf einem Stücke Marmor Kienruß und ein wenig ſalzſaures Natron mit dieſer Aufldſung zuſammen, und.thue ſo lange ſchwarz hinzu, bis die Farbe gehdrig dunkel iſt. Ar! 2 Dieſe. Compoſition iſt'ſchr gut zu gebrauchen;1; indem ſie Faltem und kot, daß jede Reihe von Töpfen von einem Fuße Miſt umgeben ſcyi EEN ; ie ue DN OEIRE) 7= Die Lagen werden"ſo groß gemacht, daß jede ſechs bis ahthundertr Töpfe muß faſſen können. Man ſtellt ſodann hölzerne Platten gegen die Pfeiler, um die Lagen ſo wie ſie aufgerichtet werden, zu ſtüßen, und nimmt ſie wieder weg, wenn man jene abnimmt. Wenn man ſieht, daß es mit der Gährung nicht recht fort- ſchreitex; ſo beſprengt man die Lagen mit Pferde- Urin und vers ſchließt den Schuppen-von» beyden Seiten. - Die Töpfe bleiben übrigens.in den Lagen vier bis ſechs Wochen ſtehen. In den erſten Tagen ſchwillt die ganze Maſſe, durch die ſich erzeugenden Dämpfe; an; dann wird die Gährung mäßiger und ſängt an, ſtille zu ſtehen; ver' mittlere Vunkt der Wärme iſt 40 Grad nach dem Reaumurſchen Thermometer. Man nimmt den Apparat aus einander, und legt die P!at2 ten auf feſten Tiſchen aus; macht den weißen Anſatz durch Schlagen darauf mit einem großen Hammer von der Oberfläche des Bleyes 108, und gebraucht dabey die Vorſicht, die Platten mit Waſſer zu benetzen, damit das Oxyd nicht als Staub verfliege, Die Bleyplatten mit denen die Töpfe zugedeFt ſind, haben eine härtere und dichtere Kruſte, und werden bey Seite gelegt, um- daraus das eigentliche Bleyweiß zu bereiten. Man thut das Weiß, welches man zu Schieferweiß bes ſtimmt, in.einen großen hölzernen, mit Waſſer angefällien Zu- ber, und nimmt es ſodann wieder heraus", um es auf Mühlen klein zu mahlen, die fich von den Mehlmühlen durch nichts un- terſcheiden, als daß ſie kleiner als jene ſind, In einigen Holländiſchen Fabriken ſind drey ſolcher Müh» len, eine über die andre angebracht; ſo daß, wenn das Schies ferweiß in einer gemahlen worden, es in die zweyte, von der zweyten aber in die dritte und endlich in einen Kübel fällt. Dieſe Mählen arbeiten drey Wochen, auch mehr oder wes niger lange, hintereinander, ohne gereimgt werden zu dürfen, und können täglich funfzehnhundert Pfund Schieferweiß mahlen. Bey dieſer“Operation des. Mahlens iſt es, wo man die Kreide hinzuthüt, welche erforderlich iſt, um das Bleyweiß zu, erzeugen. Man nimmt. davon von' einem Fünftcheil an bis zur Hälfte des Gewichtes von dem Oryd, Das feine Bleyweiß oder Scieferweiß erhält keine fremde Beymengung; in den Handel kommt.es in kleinen Scuppen-und man nennt es darum Schieſerweiß,. Ce 2 Noch IRD... omg bn hne ven Emu€ .. aR 6 ir Noch gibt man ihm auch den Namen Bleyweiß in Shup- pen, wenn man, nachdem man es zermahlen, kleine weiße Stü>en daraus formt, deren Bruch lebhaft und ſchuppig iſt. Die Mühlen, deren man ſich. in Holland bedient, ſind Roßmühlen, und es werden Rinnen an denſelben angebracht, um das Ablaufen zu erleichtern und der Erhitzung vorzubengen, Die ſo zermahlene Materie wird in irdene nicht gloſirie Töpfe, von kegelfdrmiger Geſtalt, gethan, die eine Hdhe von 4 Zollen baben. Man ſtellt dieſe auf reihenweiſe, eins über das an- dre» angebrachte Bretter, in einem langen und ſchmalen Ge- bäude auf. Der Tro>enboden wird durch viele Fenſter erhellt, die nach Gefallen mit Fenſterladen verſchloſſen werden können, die ſich von unten nach oben in die Hdye zieyen laſſen, um das Schieferweiß dadurch vor Sonne und vor zu großer Feuchtigkeit zu ſchützen, Nach einem Aufenthalt von fünf bis ſecs Wochen in. den Töpfen, löſet ſich das Schieferweiß von ihnen ab und man legt dann die Stücke auf die nämlichen Bretter aus, um das Troc>- nen derſelben zu vollenden, Dann iſt nichts mehr zu thun, als daß man die Rinde ei- nes jeden Stückes mit einem Meſſer losmacht. Die Stü>e werden endlich) in Papiere gewickelt, die man mit einem Bindfaden zuſammenbindet, dann in Tonnen gethan, und ſo durch ganz Europa verſandt. Man hat den Verſuch gemacht, die Wärme des Miſtes durch Ofenwärme zu erſeßen, und im ndrdlichen Europa bereits mehrere Etäbliſſements eingerichtet, in denen nach dieſer Mez thode verfahren wird. I< habe aber, nach den Verſuchen die ich in dieſer RüFſicht gemacht, bemerkt, daß die troFne Wärme, viel weniger Vortheil gewährt als eine feuchte, und daß man, in allen Fällen, den Dampf verdichten und ſeine Evaporation zu verhindern ſuchen muß, um ihm vie ndthige Thätigkeit mit2 zutheilen, Die Ofenwärme hat den Vorzug vor ver Wärme des Mi- ſtes, daß ſie keinen Dunſt hervorbringt, welcher der Farbe des Oryds nachtheilig werden könnte; ein um ſo bedeutenderer, als es bekannt iſt, mit welcher Leichtigkeit Schwefeldämpfe und ge- ſchwefeltes Waſſerſtoffgas, Bleyoryde ſchwarz färben*). 5 0 6) Den Ausdünftungen des geſchwefelten Waſſerſtoffgaſes, welche von der Zerſezung des Miſtes unzertrennlich find, iſt es haupt- ſächlich zuzuſchreiben, daß alle davon getroffent Punkte des Bleyes weißgefärbt erſcheinen, Anm, d, Verf. OBNE we 1 SEE Noch kann mani durch ein anderes Verfahren Bleyweiß her» vorbringen, welches ich mehrere Jahre hindurch im Großen ausgefährt habe.- Man ldſt nämlich in Waſſer auf kaltem Wege 100 Theile ſalzſaures Natron(gewöhnlich werden 4 Theile Waſ- ſer auf einen Theil Salz genommen) auf; dieſe Aufldſung zeigt I5 bis 20 Grade; mit ihr nun vermengt knetet man 400 Theile zermahlener Glätte und formirt daraus einen weichen Teig, welchen man einige Zeit hindurch ſtehen läßt; rührt ſodann das Gemenge faſt ununterbrochen um, und thut, ſo wie es ſich ver- dickt den Reſt der Aufldſung des ſalzſauren Salzes, und in Er- mangeiung deſſen, reines Waſſer, hinzu, Das Gemenge wird. weiß, ſchwillt an und die Glätte ver2 ſchwindet: nach Verlauf von vier und zwanzig Stunden gießt man kochendes Waſſer darauf, um das Natron daraus zu exo trahiren und läßt ſodann evaporiren, um das Alkali zu bes kommen, Das ſalzſaure Bley, welches ſich gebildet, nimmt durch die Kalzination und das Schmelzen eine ſchdne gelbe Farbe an, und bildet eine für die Künſte ſehr ſchäßbare Farbe, Wenn man ſehr verdünnte Schwefelſäure auf dieß ſalzſaure Salz gießt, ſo nimmt das ſchwefelſaure Salz, welches ſich bil» det, augenbli>klich eine ſehr angenehme weiße Farbe an, und wird außerordentlich fein. Man kann es mit Waſſer auswa» ſchen, es zerreiben, um ihm mehr Feinheit und Conſiſtenz zu geben, und es dann in Töpfen zu Stücken, denen des Schie2 ferweißes ähnlich, formen. Dieß ſchwefelſaure Bley iſt ſehr weiß, es wird durch Hins zuthuung von Oelen nicht gelb; aber es hat den Nachtheil, daß es nicht gehdrig de>t, zu leicht iſt und ſich nicht gehörig aus? dehnt, wenn man es mit dem Pinſel aufträgt, Man kann es durch Kali und Natron zerſeßen und erhält dadurch ein weißes, reines und ſehr ſchweres Oxyd, welches ſich wenig vom beſten Bleyweiß des Handels unterſcheidet, Not ſind, bereitet; wenigſtens ſcheinen die Vergleichung nach dem Augenſchein, der Gebrauch und die Analyſe, dieſe Meynung zu unterſtüßen. Das weiße Bleyoxyd vereiniget Eigenſchaften in ſich, wel- t ſie vollkow- men. und gleichſdrmig; 5) es iſt weder durch Luft, noch durch Waſſer angreifbar. Zn Gefolge dieſer Eigenſchaften kann man das weiße Oryd als Färbeſtoff gebrauchen, entweder allein oder vermengt mit andern Faxben, um ihnen zum Excipienten oder zur Baſis zu dienen, und ihnen Körperlichkeit zu geben. Da das Bleyweiß ſehr matt iſt; ſo thut man faſt immer ' ein wenig Kienruß hinzu, um ihm ein graues Anſehen zu ge- ben, wodurc) es angenehmer in's Auge fällt. Durch Verände» rung der Verhältniſſe kann man auch die Farben ändern, und alle Arten Grau hervorbringen die man will, Noch pflegt man zuweilen kriſtalliſtrten Grünſpan zu dem Bleyweiß hinzuzuthun, um die Weiße des letztern mit einem bläulichen, ſehr ſanfren und augenehmen Schein zu vermehren. Wenn die anzuſtreichenden Sachen ſich in den Häuſern be2 finden, alſo geſchüßt vor Regen find, ſo nimmt man wohl ſtatt des Oeles eine Auſidſung von Gummi oder Leim; vermengt mit dieſer Aufldſung Bieyweiß, umd trägt es mit dem Pinſel auf. Dieß iſt es, was man ZL eimweiß zum Unterſchied von dem Oeiweiß nennet. Das erſtere troFnet ſchnell und hat feine ſo ſchädliche Ausdünſtung als das letztere, aber es ſchuppt ſich leichter ab, dringt weniger'in das Holz ein, bewahrt es weniger - vor dem Verderben, widerſteht dem Waſſer nicht u. ſ. w. Da- her kommt es, daß die mit dieſem Leim angeſtrichene Möveln ſich faſt eben ſo. biegen und werfen, als wenn ſie gar nicht'an- geſtrichen wären.;! Da das Schieferweis nach ſeiner Verbindung mit dem Oele, wie wir bereits bemerkt haben, ſein Weiß behält; ſo kann man daraus den Excipienten für faſt ſämmtliche Farben, machen, denen es die gehdrige Körperlichkeit und die Eigenſchaft ſchnell zu troFnen, verleihet. Das Schieferweiß wird ferner zu maunigfaltigen Zwecken in der Medicin gebraucht, und dieß verurſacht eine große Con» ſumtion davon. Man bedient fich ſeiner nämlich um abgeſchun- vene Stellen damit zu pudern und von Schärfe im Biute ſik kernve Fle>ke zu tronen; da es die Feuchtigkeiten einſaugt und die Reißbarkeit der ſchmerzenden Theile mäßiget«.; ; Obgleich REN VE SE WEINE IRENE WE Wm<=€ me 1 SE Obgleich die Bleyoxyde ſehr feſt zu ſeyn ſcheinen; ſo kann doch das bloße Handhaben derſelben ſo viel davon verflüchtigen, um die Geſundheit derer, die ſich damit beſchäftigen, tdödtlich anzugreifen. Dieſe unglüklichen Opfer ihres Standes bekom2 men in kurzer Zeit eine gelbe Farbe; ihre Stimme wird' zitternd, die Schließmuskeln ziehen ihre Glieder krampfhaft zuſammen; beftige Koliken verkünden, daß der Magen angegriffen ſey und ſie enden ihr bejammernswürdiges Leben dur; Waſſerſucht, Bleykolik oder Gicht. Die Arbeiter welche in den Bleybergwerken zum Schmelzen des Erzes gebraucht werden, erreichen ſelten das fünf und vier? zigſte Jahr. Es ſcheint, daß das Oel, welches vem Schieferweiß zur Bindung dient, einen Theil davon verflächtiget und den Ort, in dem es angewandt wird, mit einem außerordentlich ſubtilen, bis jeßt noc- nen reibt; 3) daß man das Geſicht mit einer Maske bede>t; 4) daß man ſich gegen einen Luftzug ſtellt, der die Dämpfe hin» wegnimmt; ſo wie ſie aufſteigen. Ich habe ferner bemerkt, daß der Eſſiggeruch ſchnell den ' zerſtdrenden Einfluß jener in einem Zimmer verbreiteten Ausdün- ftangen verbeſſert. Er wirkt in dieſem Falle als Aufldſungsmittel, und ſchlägt die Dämpfe nieder, indem er ſich mit ihnen verbindet, Zwanzig: WERE: 1 34 DIE! Zwanzigſtes Kapitel,; Von-den Verbindungen des Gerbſtoffs. o Erſter Abſchnitt. Von den Verbindungen des Gerbſtoſſfs mit dem Gallert. ( Gerberey). Friſche Thierhäute fanlen leicht, ziehn leicht Waſſer an,- und verderben durch wiederholtes Reiben. Allen dieſen Nachtheilen kann man durch die Operation des Gerbens abhelfen, und gegerbte Häute nennt man Leder, Eine Haut gerben heißt, ſie mit dem Gerbſtoffe oder dem adſtringirenden Stoffe der Pflanzen ſätiigen, ihr durch dieß Mittel Härte mittheilen, und ſie dadurch zugleich vor dem Verderben bewahren ,. und weniger durchdringlich gegen das Waſſer machen, Wir werden uns nicht mit den Theorieen beſchäftigen, durch welche man nach"und nach die Operationen und die Wirkung des Gerbens zu erklären geſucht hat*), ſondern uns bloß auf die Be- merkung einſchränken, daß Herr Seguin bewieſen hat, daß der Gerbſtoff ſich mit dem Sallert verbinde, welcher faſt die ganze Maſſe der Haut ausmacht, und daraus ein neuer Kdrper von ganz beſondern Eigenſchaften entſtehe.' Um eine Haut dazu vorzubereiten, daß ſie die Lohe an- ninimt, muß man damit anfangen ſie abzuhaaren, das daran hängende Fett abſchneiden, die Epidermis davon ablöſen, ſie reinigen, geſchmeidig machen und anſchwellen laſſen. Dieſe, deim eigentlichen Gerben vorangehende Opergtionan geſchehen auf folgende Weiſe, i ' Erſter Areifel Von dem Waſchen der Zäute. Wenn die Häute, die man gerben will, friſch ſind(man nennt ſie ia dieſem Zuſtande grüne Zäute), ſo taucht man ſie ; 3 in *) Wer die Gerberey. in ihrem ganzen Umfange kennen lernen, und fich mit ihrer Theorie vertraut machen will, findet in meinen Grundſätzen der Gerbekunſt zſter und 2ter Theil, Berlin 1805 iind 1807'Anleitung. H.' 5". ZI LEMM I“ in Waſſer, um ſie von dem Blute und dem Schmuß zu reinis- gen, die ihnen noch aus den Schlachthäuſern ankleben.„Man läßt„ſie ſo lange im Waſſer, bis ſie mit Waſſer angetränkt ſind,“rütielt ſie darin, und tritt ſie mit den Füßen, um ſie beſſer von allen ihren Unreinigkeiten zu ſäubern, Wenn die Häute, trocken ſind, läßt man ſie länger im Waſſer, zuweilen vier Tage lang, und zieht ſie täglich ein Mal heraus, um ſie zu überſtreichen, oder über dem Scha2 bebgum auszuſtre>en. Man wiederholt das Eintauchen und das Ueberſtreichen, bis die Haut wohlgeFommen oder gehörig weich iſt. Dieſe erſten Operationen erfordern die Nachbarſchaft und den freyen Gebrauch eines fließenden Wajſers. Ohne dieſes laſſen die Häute ſim ſchlecht zubereiten, und die Werkſtatt wird bald von allen den Materien inficirt, welche man bey dieſen Vorbe» reitungsöarbeiten wegwirft, Zweyter Artikel. V5m Abhaaren der Häute, Sobald eine Haut wohlangekommen iſt, ſo beſchäftiget man ſich damit, ſie abzuhaagren, oder ihrer Haare zu berauben, Man gelangt dazu durch verſchiedene Mittel. Das älteſte und allgemeinſte Verfahren beſieht darin, durch Kalk abzuhaaren. In faſt allen Gerberwerkſtätten hat man in die Erde ge2 grabene und mit Steinen bekleidete Gruben, in denen Kalk zu einer Ralkmilch geldſcht wird, Dieſe Gruben heißen Aeſcher, und werden friſche, ſchwache und abgeſtorbene Aeſcher genannt, je nachdem der Kalk darin mehr oder weniger ſchwach iſt, Man wirft die Häute, die man abhaaren will, in die abgeſtorbenen Aeſcher, und läßt ſie darin, bis ſie ſich leicht abhaaren, welches man daran erkennt, daß, wenn man mit der Hand, ohne Widerſtand zu empfinden, Haare aus einer Haut außreißt, dieſe dabey ſchreyen, Wenn die abgeſtorbene Aeſcher nicht ſtark genug gewirkt hat, ſo thut man die Häute in die ſchwache Aeſcher. Die Länge der Zeit, welche die Häute in den Aeſchern zuzu- bringen haben, hängt von der Stärke des Kalks, EINER er =». 442 8/ der Luft und der Natur der Häute ab. Bey Hammelfellen ſind einige Tage hinreichend.; Man hat vorgeſchlagen, ſtatt der Kalkmilch, Kalkwaſſer zu nehmen; ich habe jedoch bemerkt, daß das Kalkwaſſer, welches anfänglich mit ziemlicher Thätigkeit wirkte, bald alle ſeine - Kräfte verlor, und daß, um durch dieß Mittel eine Haut abs» haaren zu können, man von Zeit zu Zeit neues Kalkwaſſer neh-, men müſſe. So kann man dann eine Haut in wenigen Tagen zum Abhaaren vorbereiten, Es gibt Werkſtätten, woman, nachdem man die Häute einige Tage hindurch in den Aeſchern liegen laſſen, oder ſie in Röd>wirkung ſchen, das heißt, ſie auf dem Boden der Aeſcherey auf einen Haufen zufarmmeulegt, acht Tage ſo liegen zu laſſen, um ſie daun wieder in die nämlichen Aeſcher zu thun, Dieß WManveuvre wiederholt man, bis ſich das Haar leicht aus den Wurzeln ziehn läßt.; yn vielen Ländern vermengt man Aſche mit dem Kalk, ich habe nicht bemerkt, daß die Wirkung merklich verſchieden wäre, und glaube bloß geſehen zu haben, daß im leßtern Falle das Leder weniger Conſiſtenz hatte, als wenn man nur bloßen Kalk nahm.' Viele ſchreiben. die ſchlechte Qualität des Leders dem zu häufigen Gebrauche des Kalks zu; dieſe Subſtauz vertro>net ſie, macht ſie brüchig, und verbrennt ſie. Desha!b werden in guten Fabriken die Häute mit Gerſte und Waſſer bearbeitet, und das durch der Nachtheil des Kalks gemildert. No< kann man zur Abhaarung der Häute gelangen, wenn man ſie einen Anfang von Gährung machen läßt, welche man auf verſchiedene Weiſe darin entwickelt. 1) Läßt man Gerſtenmehl in warmem Waſſer ſauer wer» den, und bearbeitet darin die Häute, um ſie abzuhaaren und aufſchwellen zu laſſen. Dieß nennt man in Gerſte gebeigte veder. In der nämlichen Werkſtatt ſtehen dann mehrere mit dieſem ſauren Waſſer angeföllte Kübel, von ſehr verſchiedener Stärke, je nachdem ſie mehr oder weniger gearbeitet. Man thut die gewaſchenen und erweichten Häute in die ſt die Beitzen ſorgfälz- rig, um fie gähren zu laſſen. Um die Gährung zu erleichtern, gebraucht man einen Sauer- teig, den man folgendergeſtalt bereitet: man läßt zwanzig Pfund Waitzen in Waſſer zergehen, knetet ihn mit einem wenig Sauerteig vom Bed&er, thut, wenn man will, etwa achtzehn Unzen Cſſig hinzu, und läßt dieſen Sauerteig bey einer mäßigen Wärme, zwey oder drey Tage hindurch gehörig zugedeckt ſtehen. Wenn man fich ſeiner bedienen will; ſo nimmt man von der Gerſtenmehl- Compoſition, die wir eben beſchrieben, bevor ſie aufgekocht hat, und läßt darin den Waißen- Sauerteig zerge- hen. Dieſen ſo zergangenen Sauerteig aber gießt man zu glei» t dann wieder von neuem zu, und läßt das Salz zwölf bis vierzehn Toge ſauer werden, Das Umrütteln geſchieht täg: lich zwey Mal. Dieſe Beißen dienen nur zum Aufſchwellen der Häute, und die Compoſition iſt hinreichend ſie zum Abhaaren fähig zu machen. Man kann ſtatt des Gerſtenmehles auch RoFenmehl nehmen. Die Häute, welche mit Gerſtenmehl präparirt werden, lie» fern die Wailadiſchen und die durch Rockenmehl präparirten, die Siebenvürgiſchen Leder, Man gibt den letztern vor den erſten den Vorzug, Statt der Säure des Mehls bedient man ſich mit Vortheil der an Gerbeſtoff erſchöpften Eichenborke, Die damit behandel- ien Leder werden ZLohbrühleder, xTamurſche oder Lüttichſche Leder genannt, und im Handel ſehr geſchäßt. Um dieſe Säure zu bereiten, ſammelt man die durch das Gerben erſchöpfte Borke, thut fie in ein großes Becken und ſtampft JM mit den Fäßenz.indem man ſie mit klarem Waſſer odex mit Lohbrähe ſo lange begiest, bis ſie ganz darunter ſtehet, Man 4 | 37| rä dmaditn di Max des Een. denn wand 7! Tiers Man macht ein Loch in die abgenutzte Lohe, um den abge- laufenen Saft darin aufzufangen, welcher herausläuft, und gießt dieſen dann wieder auf jeue Lohe, bis daß er ſauer wird. In der Gegend von Sedan läßt man das Waſſer ſechs Mo- nate hindurch auf der Borke ſtehen, und wenn es gehdrig ſauer geworden, ſo ſchichtet man die Borke gegen eine Wand aaf, um das Waſſer mit Bequemlichkeit abſchdpfen zu können, welches ſich auf der entgegengeſeßten Seite anſammelt. Dieß ausges ſchöpfte Waſſer iſt roth, klar und ſo ſauer als guter Eſſig. Man gießt nenes Waſſer zu drey oder vier wiederholten Maleu auf die Borke 3 läßt es darauf ſtehen und vermengt das Waſſer dieſer erſten mit dem der zweyten Wäſche. Die Beißen werden mehr oder weniger ſtark gemacht, je nachdem man mehr oder weniger von der Säure zu dem ge- wöhnlichen Waſſer nimmt. Man nimmt dann die allerſchwäch- ſten Häute zum Abhaaren, Die Kalmüken bedienen ſich ſaurer Mil<. Pfeiffer bat das ſaure Waſſer in Vorſchlag gebracht, welches aus der De- ſtillation von Steinkohlen oder Torf gewonnen wird. Es ſcheint, daß man ſich aller Pflanzenſäuren zu dieſem Gebrauch bedienen iönne. Einige Fabrikanten haaren ab; indem ſie, die eine Hälfte der Haut mit Sa!z einreiben, und dann die andre Hälfte darüs ber ſchlagen, So wie man ſe zubereitet hat, legt man ſie in einen Haufen übereinander und de&t' über den Haufen Stroh vder Leinwand, Die Gährung findet ſich in kurzer Zeit'ein; man wendei ſie ein oder zwey Mal tägli um, und haart ab, ſobald das Haar ſich losmachen läßt, Noch kann man zum Abhagaren, au< ohne Salz, gelangen, Man biegt näm!l? da iſt, in welchem ſie ſich abhaaren laſſen. Es gibt Gerber, welche die Häute in Miſt vergraben, und wieder andere, welche ſich damit begnügen, ſie in eine gehdrig zugemachte Schwißſtube zu verſchließen, die mit einem Feuer von abgenußter Lohe geheißt wird, welches nichts als Rauch und Wärme gibt. Die Häute werden darin auf Stangen gez hängt und die Wärme auf 30 bis 35 Grade unterhalten, Alle jene Gährungsoperationen werden unter dem Namen Schwizgen begriffen, Nach 0. 34! ge Nach welcher Weiſe man aber auch verfahren. habe; ſo wird, ſobald man bemerkt, daß die Haare ſich lo8smachen laſſen, zum Abhaaren geſchritten, welches auf dem Schavebaum ,. mittelſt eines runden Schabvemeſſers, welches weder inder Mitte, noch gegen die Enden nach dem Stiele zu ſcyneidend iſt, oder mittelſt eines Weßſteines welcher Pölſtein genannt wird, geſchiehet. Der Zwe> dieſer Operation iſt nicht allein, die Haut von ihren Haaren, ſondern auch von ihrer Epidermis zu beſreyen; Denn die Epidermis iſt mit der Haut von ſehr verſchiedenartiger Natur; ſie ldſt ſich weder in Waſſer, nog in, Alkohol, wohl aber in Säuren auf; ſie iſt ferner keiner Verbindung mit der Lohe fähig, ſo daß, wenn die Haut noch mit der Cpivermis bes kleidet iſt, die Lohe ſie uur von der Fleiſchſeite durchdringen kann, welches das Gerben ſehr in die Länge zieht, Dritter Artikel. Vom Anſchwellen der Häute, Wenn man die" Haut von den Haaren und von der Epidere mis befreyt har, ſo beſchäftiget man ſich domit, das Fleiſch da- von loszumachen und ſie aufzuſchwellen. Nur die Häute welche zu Schmahlleder beſtimmt ſind, wie Kalbfelle zu Oberleder von Schuhen und Kuhfelle zu Bandelieren, werden der Operation des Auſſchwellens. nicht unterworfen, Sobald dieſe hier ausge- haart ſind, ſo bearbeitet man ſie in einer neuen Beitze, fleiſcht ſie aus und ſeßt ſie in die Gruben. Die Hänte die zu Sohl- und anderem ſtarken Leder beſtimmt find, werden nach Methoden aufgeſchwellt, welche in den ver» ſchiedenen Werkſtätten verſchieden ſind. Wenn man Kalk anwendet, ſo fängt man damit an, daß man die ausgehagrten Häute in die abgeſtorbnen Aeſcher thut, und zieht ſie nach und nach durch die ſchwache und die friſche Aeſcher. Mau läßt ſie vier Monate hindur< in jeder der beyden erſtern und zwey in der friſchen Aeſcher. Dabey ſieht man ſorg- fältig darauf, daß ſie alle acht Tage auf das Lager kommen, indem man ſie aus der Yeſcher herausnimmt, und acht Tage hintereinander an dem Rande derſelben aufgehäuft liegen läßt, und ſie dann von neuem in die Aeſcher bringt, nachdem man zuvor gehdrig-umgerührt, Der“ Kalk troFnet die Häute ans und in den Fabriken in denen man ſich ſeiner bedient, erweicht man jene dadurch, daß man a 1 20000070 mon ſie in Taubenmiſt'legt, und täglich auf eine halbe Stunde wieder-herausnimmt, um ſie auf das Lager zu bringen. Auf dieſe Weiſe werden ſie zehn bis funfzehn Tage bearbeitet, Noch bedient man ſich zum Aufſchwellen der Häute der ſauren Cömpoſitionen, von denen wir bereits geſprochen. Man kann die Operation beſchleunigen; indem man dieſe Säuren warm gebraucht, wie es in England geſchieht, wo man die Häute von einer ſct und in einem großen Kübel infundirt wird. Dieſe Beitze macht zuerſt die Haut feſt und fähig, die Lohe aufzunehmen. Noch hat ſie den Vorzug, daß ſie ihr eine ' ſchöne„gelbe Farbe gibt, Vierter Artikel. Vom Linlegen der Zäute in Lohe. Wenn die Haut ſo zubereitet iſtz»ſo darf ſie nur no ge? gerbt werden, und es ſind- allein die gdſtringirenden Pflanzen, eren deren man ſich zu dieſem Zwede bedient*), Diejenigen Pflan«- zen ſind am brauchbarſten zur Gerberey, die am meiſteu von. dem. Stoffe in ſich enthalten, welcher jeßi unter dem. Namen Gerbſioff bokannt iſt, Herr Davy hat bewieſen, daß der Katechuſaft(vder die Japaniſche Erde) unter allen Pflanzenmaterien, die man kennet, die reichſte aun Gerbſioff ſey; aber in unſern Klimaten bedient man ſich am häufigſien der Eichenrinde, da ſie, abgeſehen da- von, daß ſie in Europa. in großem Ueberfluſſe vorhanden iſt, vielen GerbſtoF enthält. Alle Gattungen von Eichen liefern nicht eine Rinde von gleicher Güte; die weiße Eiche iſt ſchlechter als die grüne, welche im mittäglichen Frankreich wächſt, und dieſe ſieht wieder unter der Rinde der Wurzeln von der Ciche, die'ven Kermes trägt, und deren man ſich in den Südländern zum Gerben der ſtarken Leder bedient, Welche Rinde man aber auch gebrauche, ſo fängt man da- mit' an, ſie zu Staub zu zermahlen. Die Gruben, in denen das Gerben geſchieht, ſind in die Erde gegrabene Löcher von viereXiger vder runder Geſtalt, an den Wänden mit Ho!z oder Mauerwerk bekleidet, und von einer, ihrem Gebrauche angemeſſenen Größe, Die Art, die Lohe aufzutragen iſt ſehr verſchieden nach den verſchiedenen Ländern; doch l8ffen ſich aile bekannte, auf drey Hauptmethoden reduciren. Zuweilen nimmt man die Lohe faſt troXen, und in dieſem Falle thut man auf den Boden der Grube einen guten halben Fuß von der bereits gebrauchten Borke, Auf dieſe wird einen Zoll hoh friſche, gut gemahlene Rinde gelegt, und über die Lohſchicht eine Hautſorgfältig ausgebreitet, Auf dieſe kommt eine 008 age *) Herr Zatct man ſie mit einem halben Fuß abgenußter Lohe, die mit den Füßen geſtampft . wird. Dieſe letzte Lage wird die De>e genannt. Dieß Verfahren zieht das Cinlegen in Lohe ſehr-in die Länge, und es wird dabey erſt nach funfzehn bis achtzehn Monatey beendiget. Man kürzet es jedoch ab, indem man vach- und nach, mit- telſt einer an einem Winkel der Grube angebrachten und ganz hinunterreiczenden hdlzernen Röhre, Waſſer bis auf den Boden derſelben laufen läßt.'In einigen Fabriken macht man einen doppelten hdlzernen Boden, mit Ldchern durchbohrt, vamit das Waſſer, welches man unter dieſen doppelten Boden gießt, ſich gleichfdrmiger durch die Maſſe verbreite, Der erſte Einſatz dauert zwey bis drey Monate, man leeret dann die Grube, um den zweyten Einſaßs hineinzutrhun, und drey oder vier Monate ſpäter, macht man den dritten, Jedes Mal, wenn man mit dem Einſaßz wechſelt, fegt man die Leder ſorgfältig ab und klopft und reibt ſie, 7 Wenn man glaubt, daß die Lohe faſt erſchöpft iſt; ſo kann man Borklauge mit vieler Wirkung in die Gruben laufen laſſen. Durch dieß Mittel erſpart mau ſich die Mühe, mit den Häuten eher wechſeln zu dürfen, als bis das Einlegen in die Lohe vollen- det iſt.: In England befinden ſich zur Seite jeglicher Grube tiefe Ldcher, in welche das Wajſer abläuft, Aus dieſen ſchöpft man es wieder heraus um es von neuem auf die Häute zu bringen,- Das Einlegen in Lohe mit tTähen, oder die Bereitung des Leders auf Däniſche Art, beſteht darin, daß man, nach- dem die erſten Operationen vorgenommen, die Häute, wie eiven Sad zuſammennäht und ſie mit Lohe und Waſſer anfüllt. Man näht alle Oeffnungen derſelben zu, und thut ſie in Gruben die mit Lohwaſſer angefüllt ſind. Zwey Monate, die ſie ſo in Lohe liegen, find hinreichend, Die Leder dehnen ſich nach dieſer Meo thode ſehr aus. Rankin und Zolle Waring haben gefunden, daß man mit einem lauwarmen Decoct von Heidekraut gerben könne. ÜD7acbride ſchlägt eine Infuſion von Lohe mit Kalkwaſſer vor. Zerr Seguin hat ſiatt des Kalkwaſſers gewdhnliches Waſe ſer genommen, Dieſe - 449.= Dieſe Verfahrungsarten/ bey'm Gerben mittelſt Infuſion, ſind ſehr förderlich, denn man kann-dadurch in einigen Tagen eine Ochſenhaut, und ein Hammelfell in einigen Stunden gar machen; es hat jedo<&) auch ſeine Nachtheile. 1) Sind dazu beträchtliche Vorrichtungen, theils zum Auslaugen der Borke, theils zum Aufbewahren der Brühe erforderlich, und dieſe mas» nen, 3) Schien es mir ſehr ſchwierig, die Häute in einem Kübel ſo zuſammen zu legen, daß ſie gehdrig von einander ent» fernt bleiben, und in keinem einzelnen Punkte, weder ſich ſelbſt noch die-Wände.des, Kübels berühren ,/ ohne dieſe Vorſicht aber, würde das, Gerbeu ungleich ausfallen. 4) No< habe ich. bes merkt, daß die ſchwachen Infuſionen faſt keine. Wirkung mehr thun, und daß es folglich ſchwer ſey, die Laugen zu erſchöpfen*), Die beſte Methode iſt die, nach: welcher die Lohe etwas an- gefeuchtet auf die Haut gebracht wird, ſo daß ſie dieſer ihren adſtringirenden Stoff in einem immerwährenden Zuſtande von Aufldſung übertragen kann, Man kann ſodann der ſchwächer werdenden Wirkſamkeit der Lohe durch Infuſion Nahrung ges ben„welche man in die Grube laufen läßt. Dieß Verfahren erfordert nicht mehr als drey oder vier Monate, um dadurch eine Ochſenhaut vollſtändig zu gerben, Menſchenhäute und Schweineleder ſind am ſchwerſten zu gerben ,: weil das Fleiſch an dieſen Häuten feſt hängt und ſie ſich erſtaunlich ſchwer ausfleiſchen laſſen. Man hat berechnet, daß beynahe. 5 bis 6 Pfund Lohe auf 1 Pfund ſtarken Leders gehen, und daß eine 100 Pfund wiegende friſche Haut 52 bis 56 Pfund Leder, gibt, *) Jcung der Seife vorangingen, zur Reinigung der Wäſche bediente." Ia, man findet ſelbſt, daß man mit Erfolg einige thiexi- ſche Materien, wie z. B. die Galle und'die Ercremente' von Schweine zu dieſem, Zwecke angewendet hat, von denen man- in England noch einen ziemlich allgemeinen Gebrauch macht.* Noch iſt es wahrſcheinlich, daß die Kenntniß des Gebrä- "hes. der Aſchenlauge der Entde>ung der Seifen hat'vorangehn müſſen:) Wet Eine große und nüßlie auflöſt /"ohneſie zu' verderben. Dieſe, nach und nach vervolſkommnete EntdeFung macht heut zu Tage die Runſt des Seifenſieders aus.. *) Die mit Alkalien bereiteten Seiſen ſcheinen doch von den frühe- ſten Zeiten her bekannt geweſen zu ſeyn; wie man fich aus meinen Grundſägzen der Runſt Seife zu ſieden 16,1 Berlin 1808 des Mehrern überzeugen kann. E Erſter Zz bf== Erſter Artikel, Von den WIgterien, welche zur Fabrikation der Seife gebraucht werden, Alles Oel und' Fett iſt fähig ,/ ſich mit den Alkalien zu verbinden, um Seifen damit zu bilden'; äber nicht alle geben" eine Seife von“gleicher Güte. Man muß daher die verſchiedenen Materien kennen lehren, und ungeſäumt die Verſchiedenheiten derſelben anzeigen, um Aufs- klärung über das Verfahren des Künſtlers zu verbreiten 8. 2« Von den Gelen und. Fetten, In der Regehnimmt/man Olivendl zur Bereitung der Seife R). Dieß: verbindet ſich vollſtändig mit dem Natron, und die'Seife davon wird: ſehr weiß und geſchmeidig, und verbreitet einen be- ſondern Geruch, der nur dieſer Art von Seife eigenthümlich iſt. Jedes Olivend! aber iſt nicht gleich geſchi>t-züur'Verfer- tigung der Seife; man"unterſcheidet'dreyerley Sorten davon im Handel, das feine oder. Jungfern-Oel,'das gemeine oder Särbeöl, und das die Oel oder gusgepreßte Oel: Die erſte Gättung läuft gleich bey dem erſten Drücken der Olive aus; die zweyte bey einem ſtätkern Druck unter Mitwir- kung von warmem Wäſſer; die dricteiſt das Neſultat eines außer2 ordentlich ſtarken Zuſammenpreſſens der: Treſter, um daraus einige'"Tropfen Del, vermengt mit'einer großen Quantität Schleim'und holzigen Theilen zu extrahiret;, Die erſte Gattung iſt rein, und hat faſt gar keine Beymen» gung von Schleimſioff. Die„andere;.iſi-. ſchon. mit einer ziemlichen Quantität von Scleimſtoff vermengt, der mit dem Oele eine Art von Emul» fion bildet. Die, dritte. enthält. weuig-Oel ,. und viel Schleim:-» und Faſerſtoff. Das Jungfern- Oel brennt leicht„+ ohne faſt eine; Kohle zu geben, Das färbige Gel vder das zweyte) brennt weniger leicht, und gibt viel Kohle; Das gusgepreßte Oel oder das dritte brennt kaum." Ff 3 Dieſe *) Dieß iſt nur in Frankreich der Fall, in Deutſchland werden Dalg- Schmalz 26, dazy angewendet, H, . Gna I 17 [2 (|| aH 7 8 ME. Ws FF GE EIER 7 Dieſe Oele unterſcheiden ſich ſehr von einander in der Art, wie ſie ſich mit den Alkalien verhalten, Das feinſte vermengt ſich nur ſchwer mit ihnen; wenn man von der alkaliſchen Lauge auf dieß Del gießt, ſo wird das Ge- menge:zu einer Milch, und erſcheint im“ erſten Augenbli>e vollkommen fertig; aber das Oel ſcheidet ſich bald, und ſteigt auf die Oberfläche der Lauge, wo-ſie eine Lage bildet, in der) man einige Tropfen Oel, und eine ſeifenartige Hefe, deren her- vorſtechender Beſtandtheil Oel iſt, iſolirt erbliet. Die unten befindliche Lauge iſt nichts, als ele etwas milchartige Flüſſigkeit von der Farbe des Opals,.; Das färbige Oel verhält ſich ſehr verſchieden zu den alkali- ſchen Laugen. Es tritt mit ihnen in eine ſchleunige Verbindung, und ſcheidet ſich vicht mehr davon, ſo daß man es durch Wärme verdichten: kann,. ohne befürchten zu dürfen,'daß die Verbindung aufgehoben werde,|; Der dritten Gattung Oel. bedient man ſich-niemals-ällein, indem man, ſelbſt wenn man dahin käme,»eine dauerhafte Verbindung zu Wege zu bringen, doch nur eine Seife von ſchlechter Qualität erhalten würde, Um ſich-durch einfache'vorbereitende Mittel von der Güte eines Oeles zu überzeugen, muß man eine auf kaltem Wege- bereitete Lauge vor ſich haben, die auf. der Baumeſcen zu werden, Die Leindlſeife iſt zuerſt weiß, wird äber in kurzer Zeit durc< Berührung der Luft gelb, Sie hat einen ſtarken Geruch, iſt fett, teigartig, klebrig, tro>net nicht an der Luſt, und wird durch eine ſehr kleine Quantität von Waſſer erweicht, Man kann aus dem Vorhergeſagten ſchließen, daß die aus2 troFnenden Dele ſich ſchlecht ſaponificiren, und daß die Seifen, welche daraus gemacht werden, immer klebrig bleiben, und durch Berührung der Luft leicht ihre Farbe verändern. Alle Dele, von denen wir geſprochen, ſind entweder fette oder feſte Oele, Die flüchtigen Oele find nicht weniger fähig zu Verbindungen mit den-Alkalien; da aber dieſe Seifen in den Künſten wenig gebraucht werden, ſo werden wir unter dieſem Artikel-nicht davon ſprechen, Die thieriſchen Mczerien, welche faſt alle die Fähigkeit hae ben, fich mit den Alkalien zu verbinden, geben für die Seifen» fabrifation vortreffliche Reſſourcen ab. Das Talg bildet mit dem Natron eine weiße Seife von guter Qaulität, welche nur den Fehler hat, daß ſie immer ei» nen. ſcen gebraucht» Dieß Verfahren iſt in einigen Fabriken bereits bekannt, in denen man es dergeſtalt gusübt, daß man die gedachte Seife aus den Abgängen der Wolle und einer cauſtiſchen Lauge von gewdhnlicher Aſche bereitet, aber ihre Fabrikation muß allgemeiner werden, weil ihr Gebrauch ſehr ; ausge? .) Was hier Pferdeöl genannt wird, iſt nichts anders als das in deutſchen Scharfrichtereyen bekannte Kammſett. H. - Y |/ | Reg 1.„NETE ausgedehnt und"die: Compoſition derſelben eben ſo leicht als dconomiſch bewirkt werden kaun, 9. 2. Von den Alkalien, Die Chemie kennt drey. Gattungen. von Alkalien, die man zur Seifenfabrikation gebrauchen kann, Natron, Kali und Ammonium, Natron und Kali-ſind die einzigen, welche man zur Berei- tung der Seife des Handels: anwendet; das Ammonium dient nur in der Medicin zur Verfertigung einiger ſeifenartigen Compoſitionen, Das Natron bildet feſte Seifen, Das Kali dagegen weiche, die die Feuchtigkeit der Luft anziehen. Dieſe Veränderung rührt von der Natur der Alkalien her, von- deuen. eines an der Luft. efflorescirt,, und ein anderes an derſelben faſt augenblilich in eine Flüſſigkeit aufgeldſt wird. Es ſteht alſo nicht in der Macht des Künſtlers, nac< Will- führ Natron oder Kali anzuwenden, ſondern dieſe Wahl richtet ſich nach der Natur'der Seife, welche hervorgebracht werden ſoll. Alle ſalzige Pflanzen, welche nahe am Meere wachſen; kiefern Soda bey ihrer Verbrennung zu Aſche; aber alle geben weder die nämliche Quantität, no< Qualität davon. Das. Alkali iſt in der Soda immer mit Seeſalz und mit Erden vermengt; das beſte iſt das, welches am meiſten alkali: ſchen Stoff enthalt. Die einzigen Arten von Soda, welche man zur Fabrikation der Seife gebrauchen kann, ſind die Barille oder die alicanti- ſche Soda von LTarbonne, die ſiciligniſche Aſche, und das eigentliche L7arron: Die geſchäßteſten Gattungen der Soda ſind die Alicanti- ſchen, von denen man dreyerley Qualitäten im Handel kennt: 1) die milde Soda oder die milde Barille, die vorzüglichſte Gattung; 2) die gemengte Barille, dieſe iſt hart, im Bruche rein, von ſcen zerbrochene Natron mit demſelben. Um die Wirkung zu befdrdern, gießt man ein wenig Waſ- ſer über. 4) Sobald das Gemenge fertig iſt, thut man es in Kübel, welche in den Fabriken in Marſeille bugadieres genannt werden, Dieſe Käbel ſind in allen kleinen Fabriken'von"weißem Holze, aber in den wichtigeren von'Stein, und inwendig. mit horizontalliegenden Ziegeln, die zuvor in.einen Mörtel von Puza zolan- oder von. Scheidewaſſes- Erde getaucht worden, ausge» futtert,: Oft -- 457- Oft ſind die Kübel auch von in Ebenmaaß gelegten, und mit dem nämlichen Mörtel verkitteten Ziegeln erbaut. Dieſe Kübel haben in der Regel 5 Fuß im Quadrat auf eine Tiefe:von 4x Fuß, und ſind an ihrem, nach der Werkſtätte zu gerichteten untern Theile, von zwey Ldchern durchbohrt, die man mit einem Hahn oder mit hölzernen Nägeln verſchließt. Unter jedem dieſer Kübel ſind zwey mit gleicher Vorſicht erbaute Reſervoirs angebracht, deren Beſtimmung es iſt, die Laugen aufzufangen und aufzubewahren,' In Marſeille werden dieſe Reſervoirs recibidous genannt, Man legt einige zerbrochne Steine auf den Boden dieſer Kübel, um das Ablaufen der Laugen zu erleichtern. Sobald man das Gemenge von Kalk und Soda in den Kü- bel gethan; ſo gießt man eine zureichende Quantität Waſſer dars auf, damit es ſich gehdrig darin einſauge und ungefähr andert? halb Fuß über der Maſſe ſtehe. Man läßt d>s Waſſer einige Stunden hindurch ſtehen, naG Verlauf welcher man den Hahn öffnet, um die Lauge. ablaufen zu laſſen, die man in eines von den unten angebrachten Reſera voirs fallen läßt, Dieſe Lauge zeigt 15 bis 20 Grade und führt den Namen erſte Lauge(Feuerlauge). Wenn die Lauge aufgehdrt hat zu laufen; ſo dreht man den Hahn zu, gießt in den Kübel eine neue Quantität Waſſer und läßt es nach einigen“ Stunden in ein zweytes Reſervoir z dieß nennt man die zweyte Lauge(Abrichterlauge), ſie zeigt 10 bis 12 Grade, . Man extrahirt eine dritte Zauge mit gleicher Sorgfalt; dieſe zeigt 4 bis 6 Grade auf dem Areometer. Die Soda wird erſchöpft, wenn man ein viermaliges, und nach Bedürfniß ſelbſt ein fünfmaliges Waſſer darauf gießt, Man bedient ſich der leßtern Laugen, wie des gewdhnlichen Waſſers, um die neue Soda auszulaugen. Sobald die. Soda erſchdpft iſt, leert man die Bugadieren, und wirft alle RüFſtände als unnüß weg, oder gebraucht ſie in feuchtem Erdreich als Dünger, Um den Dienſt der Werkſtatt zu erleichtern, bringt man Waſſerleitungen an, welche ſich in jeden Kübel dffnen, und macht eben ſo vvrn an dieſe Kübel, Rinnen, mittelſt deren man die Lauge bequem kann circuliren laſſen, D a „X. FT ZEE -. 98=> Da alle; Soda'nicht von“gleicher Güte iſt; ſo' zeigen auch die Laugen eine große Verſchiedenheit unter einander, Der Meia Ner unter. den. Arbeitern beſtimmt. den Grad derſelben durch die Flüſſigleitswaage, oder mittelſt eines friſchen Eyes,„welches, je nachdem die-Lauge. ſtark iſt, mehr oder weniger tieſ untertaucht; er theilt ſie. ſodann und. vermengt ſie, bis ſie den, gehdrigen Grad erreichen, Noch haben. die Jahreszeiten einen mächtigen Einfluß auf die Langen... im Winter werden ſie viel ſchwächer, wenn man nicht die Vorſicht'gebraucht, ſich entweder einer beſſern Soda zu bedienen, oder ſie in grdßerer Quantität anzuwenden, Die Verhältniſſe der Soda und des Kalks, ſind in den ver? ſchiedenen Ländern, und in jeder Werkſtatt verſchieden." I< Habe den lebendigen Kalk zu gleichen Theilen und bis. zu einem Sechstheil anwenden geſehen. Dieſe Verſchiedenheit, von wel? her ich mir Rechenſchäft zu geben geſucht habe, ſcheint von dem Kalke und dfier noc< von der Soda herzurühren z in der Regel erfordern alte Soden und Natron mehr Kalk. Der efflorescirte Kalk hat nicht die nämliche Kraft als der friſche, und da es ſchwierig iſt,"von" dieſem letzteren immer, zu ſeiner Diſpoſition zu haben, ſo bewahrt man ihn in Gefäßen, die vor Berührung der Luft. und vor Feuchtigkeit geſchüßt ſind,-auf, um jedem Verderben zuvorzukommen, Man gebraucht ſelten eine einzige Sorte Soda zur Berei- tungy der Lauge-,. ſondern man, macht faſt„immer ein Gemenge von Alicantiſcher. Soda, Sicilianiſcher Aſche, Soda von Nar2 bonne u, ſ« w. in. verſchiedenen Verhältniſſen. 5. 2. Vom Roden der feſten Seifen. Das Kochen der feſten Seifen, oder die Kunſt, das Oel mit der cauſtiſchen Soda zu verbinden, und dieſer Verbindung den gehdrigen Grad von Conſiſtenz'zu geben, iſt die ſchwerſte und wichtigſte Operation des Seifenfieders. Dieſe Verbindung geſchieht in einem Keſſel durch" Wärme, Der Keſſel iſt auf eine Art errichtet, die von der Bauart des andern weſentlich abweicht; ſein unterer“Theil iſt von Kupfer, die Seiten aber ſind aufgemauert) oder von ebenen Ziegeln gebaut. Es gehdrt: Geſchilichkeit" und vie! Erfahrung in dieſer Bauart dazu, um einen Seifenſiederkeſſel zu umgeben; denn man.ſieht. leicht ein, daß, wenn eine Spalte nicht gehdrig zuge macht, übrig bliebe, die Materie entweichen würde, Von einer andern GERL ENG 3 32 MENSGT ändern Seite iſt ein ſolches Etabliſſement ſo koſtſpielig'; 1nd die Unterbreczung der Arbeiten ſo läſtig/ daß man nichts vernach» läſſigen muß, um'dem Keſſel alle mdgliche Solidität zu geben. Wenn man ſtätt in ſolchen Keſſeln als den eben beſchriebe- nen, in ganz metallenen arbeitet, ſo wird nicht allein die Seife weniger weiß, ſondern'auch die Operation außerordentlich'ſchwie» rig, indem das Metall, welches die Wärme leichter überträgt als der Stein, das Anſchwellen der Seifenmaterie hervorbringt, und ſie oft verbrennt. Die Oefen, zu denen dieſe Art von Keſſeln'gehdren, haben no einige Pfunde Kochſalz in den Keſſel zu werfen, um eine vollfommnere Scheidung hervorzu- bringen 3; der Teig nimmt ſodann eine körnige Geſtalt an, und gleicht geronnener Milch; das Kochen wird zwey Stunden fort- geſetzt, nach Verlauf welcher man das Feuer löſcht, und umzu? rühren aufhdrt. Einige Stunden nachher läßt man durch den Hahn(einer an dem Boden des Keſſels angebrachten Rdhre) die auf dem Bo- den befindliche Flüſſigkeit ablaufen; zündet das Feuer wieder anz [dſt die Seife in ein wenig Waſſer, welches man in den Keſſel gießet, auf; rührt das Gemenge um, und thut, wenn es voll? kommen flüſſig gemacht worden und aufgeſotten iſt, nach und nach die lezten Portionen der erſten Lauge hinzu, Man erkennt, daß die Seife den gehdrigen Grad von Cons ſiſtenz erreicht hat, x) wenn man einige Tropfen davon auf ein Stä>X Schiefer fallen, und gerinnen läßt, 2) Wenn von einer Spatel, die man aus dem Teige herauszieht, und ſtark damit in die Luft ſchlägt, die fertige Seife in Geſtalt von Bändern ab2 fällt, ohne an dem Holze feſtzukleben. 3) An dem eigenthüm» lichen Seifengeruch- 4) An dem Gefühl welches man hat, wenn man ſie zwiſchen die Finger nimmt, Es ſind nur wenige Fabriken, in denen man fich des Koch. ſalzes bedient, um der Seife Korn zu geben, und ſie von ihrem wäßrigen Theile zu ſcheiden; nichts deſtoweniger aber hat man dieſe Methode dennoch, ſeitdem ſie bekannt geworden, in mehre» ren Etabliſſements mit Erfolg eingeführt. Man kann wohl, auch ohne Salz, Seife kochen, da aber das Kochen EE Ed, nve wem 461 Sazz, Ende det“ Operation hin, nur zu oft umſchlägt, und dieß den geübteſten Künſtler quälen und'in Verlegenheit ſeßen kann' ſo iſt es vielleicht erſprießlich ein Mittel zur Abhelfung anzugeben. In einigen Fabriken fängt man das Kochen mit der ſtärkſten Lauge anz; hierdurch bringt man den Teig faſt gleich zu einem gehörigen Grade von Dichtheit, und die Operation ſv zu leiten, erfordert eine große Fertigkeit in Arbeiten dieſer Gattung. Man ſieht, daß es Zeit iſt, neue Lauge zuzugießen, wenn der Teig ſich ſenkt und unbeweglich ſtehen bleibt. Man fährt mit dem Ge- brauch: der ſtarken Lauge fort, bis ſie beynahe erſchöpft. iſt. Sodann ſchwindet die Moſſe, das heißt, ſie ſenkt ſich und bleibt wie unbeweglich; man ſiedet auf dieſe Weiſe diey bis vier Stunz den hindurch fort ,/ und das! befeuchtet man ſie ,' indem mon die zweyte Lauge darauf gießt, und vermehret ſtufenweiſe des Feuers Thätigkeit. Es iſt ſelten, daß man, wenn män mit der erſten Lauge angefangen hät, ſich'noch der dritten bedient; dieſe wird nur in den Fällen" gebräue.in einzelnen Schnitten aus, um daß ſie Zeit, haben, feſt zu werden. Drey Pfund Oel geben fünf Pfund Seife; dieß iſt' das Produkt, auf welches ein rechtſchaffener Fabrikant ſeine Hoff- nungen gründet, Di ie *) Miſes werden die Formen genännt, in welche man den Seifen- teig gießt. Die gewöhnlichften beſtehn aus Kaſten, welche aus Brettern zuſammengeſetzt werden, die in Rahmen, mit hölzernen Schrauben befeſtigt ,.. eingefugt find. Es gibt Formen;, welche zweytauſernſd Pfünd'Seife enthalten können, Das Vorderbrett läuft in Fugen; um nach Willkühr aufgezogen werden zu können. Sie find gewöhnlich ſo angebracht, daß die ablaufende Lauge in ein Reſervoir fließen kann, Anm, des Verf. nam 462 LES Die Seife kany nur. erſt dann in.den Handel.gegeben werden, wenn. die.Finger ſich nicht mehr hineindrücen laſſen. Es: würde ein Jrrthum-ſeyn, zu glauben, daß man ohne Abwechſelung;,. und„ununterbrochen die Lauge nehmen könne, von welcher. man anfänglich genommen, Die große Kunſt. des Seifenſieders beſteht eben darin, nach den Eigenſchaften der Maſſe in. jedem AugenbliFe beſtimmen zu können, welche Lauge man ihr geben müſſe.. Die Meiſter-Arbeiter haben. in dieſer Hinz ſicht"aus der Erfahrung geſchdpfte Grundſätze bey ihrem Ber- fahren; die Geſtalt und Die der Blaſen.,. die Farbe des Teiges, die. Maſſe, des. an die Ränder.;hin Ausgeworfenen ,. die Couſiſtenz der Materie, die Farbe des Rauchs und. die Diſpoſition, zum YAufwallen ſind. Kennzeichen, nach welchen. der Arbeiter ſein Vera fahren einrichtet.| Zuweilen erſcheint der Teig ſehr geſchmeidig, wenn man ihn aber-an die Luft bringt.,...um kalt zu werden und zu ge? vinnen, ſo. ſcheidet ſich viel Flüſſigkeit daraus, und die Maſſe löſer ſich in kleine, Kdrner:, ohne Conſiſtenz. auf; In dieſem Fälle iſt es klar, daß die, Maſſe in zu reichlichem, Maaße vor? Handen iſt, und man muß ſie durch Feuer zerſtreuen, oder ihren Niederſchlag durc< Seeſalz bewirken. *“Oft guch gerinut..der Teig, und es, ſcheint dann, als, ob das Oel-ſich. vom Natron. ſcheidet; ich. habe:beobachte« ,..daß in dieſem Falle der. Teig,„faſt. immer. nicht gehdriges Waſſer Hat,„um in„vollkommener. Verbindung. erhalten zu. werden, und man darf ſodann, um dieſem Fehler abzuhelfen, nur ſehr ſchwache Lauge oder Waſſer hinzuthun. EM "Sn. den Fabriken von, weißer. Seife pflegt;man einige Quanz titäten roth und blau zu ädern, um.die ſogenannte marmorirte Seife hervorzubringen, Man.bedient ſich zu, dieſem Zweck, der Eiſenoxyde; nach einem zweytägigen Kochen fängt man an, die Seife blau zu färben; zu dieſem Ende läßt iman in ſchwa2 nen erleidet, während der andere den Käufer durch das verführeriſche Anerbieten eines Rabatts auf den Preis anlo>t, und nachdem er die Seife mit Waſſer'geſättiget, fie in einer Auflöſung von Seefalz aufbewahrt, und nur erſt wieder herausnimmt, wenn er ſie verkaufen will. Man darf, um dieſen Betrug zu erkennen, und ſich das von zu überzeugen, die verfälſchte Seife nur einige Tage hin- durch der Luft ausſeßzen, die wird dann platt, ſie breitet ſich aus„ und nimmt. eine gelbe Farbe an, Dritter Artikel. Von den auf kaltem Wege bereiteten Seifen, Man: hat zu allen:Zeiten: ſich gequält- um Seifen. auf kal» tem Wege zu fabriciren;'Ja;man betrachtet die Auflöſung dieſes Problems noh als das wichtigſte; Mittel zur Vervollkommnung der Seifenfabrikation, Aber/ wenn man gleich durch mehrere Verfahrungsarten dahin gekommen iſt, eine ſehr ſchdne Seife, ohne Beyhülfe des Feuers, hervorzubringen, ſo iſt man doch bis jetzt von der alten Methode nicht abgegaugen, woraus ſich ergibt, daß man bey der Fabrikation auf dem kalten Wege keinen großen Vortheil gefundeu, hat.; Wenn man eine ſtarke Lauge mit. Oel; welche zur Erzeugung von Seife ſehr geſchi>t iſt, vermenget ſo darf man das Ge- menge: nur: ruhig ſtehn laſſen, um daß es eine große Conſiſtenz gewinne... Die Seife ſekt ſich Feſt, und, ſchwimmt auf einer ſich davon geſchiedenen reichlichen und klaren Flüſſigkeit, Man hat bemerkt, daß wenn man eine Lauge mit einem Oele auf dem kalten Wege verbinden will, man das Gemenge ſtark ſchlagen und umrühren. müſſe. Man bedient ſich hierzu einer Art von Stampfe, denen ähnlich, die man zum Buttern gebraucht» Das Oel nimmt man in dem Verhältniß von zwey. Theilen zuz einem Theil Lauge von 8 Graden, rührt das. Gez menge eine Viertelſtunde um, thut ſodann anderthalb Pinten Lauge zu 18 Graden hinzu, und rüttelt eine Stunde, auch wohl länger, um. Endlich gießt man auf die Materie eine gleiche Ouantität von Lauge zu 18 Graden, und rüttelt ſo lange um,"bis man einen Teig von einer guten Conſiſtenz hat;' Dieſen Teig läßt man zwey bis drey Stunden ſtehen, bevor man ihn aus.dem Gez fäße nimmt. Man knetet ihn mit einer Spatel, und gießt ihn dann in die Form. Na einigen Stunden hat die Seife die gehd rige Conſiſtenz, um ſie aus der Fornte hergusnehmen zu kdnnen., Rüb- :Rübſaamen- und Kohlſaatdl erfordern“eine-Lauge- von 25 Gräden'7 und eine'Zeit"von' zwey Mönäthen zum tro&nen., Die Apotheker machen ihre mediciniſche Seife auf dem kalten Wege. Man vereiniget zwey Thgile ſüßes Mandeldl mit einem Theile Seifenſiederlauge, die in dem Grade concenz trirt' ſeym'muß!; dag eine Flaſche, die 8 Unzen Waſſer enthält, II Lauge fäſſen muß, Die aus dieſer Materie präparirte Seife erlangewnach Verlauf einiger-Tage ſchon Cönſiſtenzu Sie bevält zuweilen durch“ einige Tage einen cauſtiſchem Geſchmack,; aber man... kann dieſen zerſtören, wenn„mau eine neue /Doſis Oel mit ihr verbindet, oder das erſte Compoſitum„mit„gidßerer Sorgfalt vermenget,/ I Man kann. das in den Küchen geſammelte Fett, zur Compo» ſition. der» Seifen. auf. dem kalten Wege gebrauchen; zu dieſem Ende nimmt.man<6 Pinien Lauge zu 16, Graden, die man nach und, nach zu 3 Pfunden Fett, welches in einer.kupfernen Pfanne geſchmolzen worden, zugießt., indem..man- das Gemenge peit- ſchet. Den Keſſel erhält man eine Stunde hindurch auf heißer Aſche, und hört nicht auf,“ umzurühren. Nach Verlauf dieſer Zeit nimmt män den Keſſel von der Aſche. wieder ab,"und ſchlägt noch eine halbe Stunde, bis ſich das Gemenge verdi>t, Man gießt den Seifenteig in eine Terrine, rührt ihn den fol- genden: Tagymit einem kleinen'Sto>Xe' um'/ und' gießt ihn dann wieder'in eine Form. Nach drey oder'vier Tagen kann man ihn herausnehmen, um ihmauf den TroFenboden zu bringen, wo die Seife den ges hdrigen Grad von Härte gewinnt, VBierter Artikel. Von den weichen, oder den mit Rali bereiteten Seifen, Die Grundſtoffe der weichen Seife ſind Kali und ein Oel. Von dieſer Seife. macht, man einen,„.ihr.eigenthümlichen Gebrauch, als zum Walken der Zeuge, und. zum Ausmachen der Fettle>e aus denſelben, Die beträchtlichſten. Fabriken von. weicher Seife ſind in Flandern, in der Picardie und.in Holland,.../ Bey. dem Gebrauch welchen die Holländer vom Thran gemacht haben, hat die Seife einen übeln Geruch bekommen„ und dieß hat vicht wenig dazu beygetragen, ihre Fabriken in übeln Ruf zu bringen, Die Vorſchriften in Flandern und in der Picardie verbieten aus- drüFlich'' die Anwendung dieſes- Oeles, und man bedient ſich IT: Gg dort "kr ZIE En vort allein.des Lein-, Haufſaamen-, Rübſen- und Rübſaamendls. Die-drey erſten werden warme, die beyden letztern kalre-Oele genannt» Was bey den Flamländern wogrmes Oel heißt, nens nen die Bewohner der Picardie gelbes Oel,„und ertheilen die Benennung von grünem Oel, dem kalten. Die warmen Oele ſiud theurer als die kalten, und dießiſt der Grund, weshalb man ſie mit einander vermengt, Das Kali, deſſen man fich zur Verfertigung der Seife be- dient, kommt aus dem Norden, oder aus dem Elſaß, Die Keſſel beſtehen aus Platten von Eiſenblech, die eine an die andre genietet ſind, Man fängt damit an, daß man in den Keſſel die Hälfte des Oeles thut, welches man zum einmaligen Kochen beſtimmt. Dann zündet.man das Feuer an, und ſobald das Oel warm zu werden anfängt, ſo vermengt man es mit Lauge, bringt das Gemenge zum Aufwallen, und thut nach und nach den Ueverreſt von dem Oele und der Lauge hinzu, Wenn man damit anfängt, zu viel Lauge zu nehmenz ſo geſchieht die Verbindung nicht; ſind die Laugen aber zu ſtark; ſo ldſt ſich das Gemenge in geronnene Stüke auf; wogegen, wenn fie zu ſchwach ſind, die Verbindung unvollkommen bleibt. Die Quantität der Lauge, welche man;zu einem einmaligen Koen anwendet, ſieht in dem Verhältniſſe von vier zu drey in Rüſicht auf die des Oeles, Zweyhundert Theile Oel und - hundert und fünf und zwanzig Kali liefern dreyhundert fünf und zwanzig Seife, Wenn die Verbindung gehdrig vor ſich gegangen und die großen Blaſen verſchwunden ſind; ſo muß die Materie klar wers den, das heißt, es müſſen ſich feine zuſammengeronnene Klum pen,.mehr in ihr zeigen, und. ſobald. man zu dieſem Punkt gelangt iſt 3 ſo iſt nichts weiter ndthig, als die Materie gehdrig zu kochen, Der Seifenſieder beurtheilt den Grad des Kochens nah der Dice und Farbe der Seife, und der Zeit, welche ſie gebraucht, um feſt zu werden, Um die Blaſen zu löſchen und. die Seife in den Stand zu ſetzen, daß man ſie in Tonnen thun kann, leeret man in den Keſſel eine Tonne bereits fertiger Seife aus, Die Seife, welcze am meiſten geſucht wird, iſt von einer braunen, in das Schwarze ſpielenden Farbe, Die Flandriſchen Fabrikanten färben, eine halbe Stunde, bevor ſie mit dem Kochen endigen, durch. eine Compoſition von einem einem Pfunde ſchwefelſaurem Tiſen, einem halben Pfunde Gall- äpfeln und einem halben Pfunde Braſilienholze, welches man mit Laugenwaſſer aufſieden läßt, Dieſe Compoſition chut man in den Keſſel, Wenn die Seife mit einer großen Quantität von warmem oder gelbem Oel gemacht iſt, ſo gibt man ihr eine grüne Farbes indem man eine Indigo- Aufldſung in die Lange gießt, Dieſe Seife hat den Ruf, von erſier Güte zu ſeyn. Sie bleibt/immer in Geſtalt eines weichen Teiges, wodurch der Fabrikant gendthiget wird, ſie in Tonnen zu verſenden, Fünfter Artikel, Von der Seife zum Hgaushaltungsgebrauhe. Die Seife wird nur in einen feſten Zuſtand verwandelt, um ihren Transport zu erleichtern und ſie geſchi>t zum Waſchen der Hände zu machen. Aber bey einer großen Zahl von Anwen» dungen deren ſie fähig iſt, wird ſie wieder flüſſig gemacht, um ſie bequemer handhaben zu können. Mir ſchien es alſo imnier, daß man in den Haushaltungen die Operation des Kochens erſparen und ſich damit begnügen könne, eine ſeifenartige zum Waſchen von linnenen und andern Zeugen ſehr geſchi&te Flüſſigkeit zu machen. Meine dießfälli2 gen Berſuche haben den grdßten Erfolg gehabt und ich werde einige Details über die Bereitung und den Gebrauch der ſeifens artigen Flüſſigkeiten anführen; 1) Man kann die Pottaſche des Handels oder eine gute Lauge von gemeiner Aſche nehmen. Im erſtern Falle gießt man Waſſer auf ein wenig Pottaſche und läßt ſie darin aufldſen, bis die Aufldſung 2 Grade mit der Baumeſcen Soda gießt. Außer den angegebenen ſehr einfachen Verfahrungösarten, kann wan auch Seifen. aus Fett, rancider Batter, und andern dligen oder fettigen Produkten, welche man in den Haushal- tungen'wegwirft, bereiten.!| I< habe gleichergeſtalt gelehrt, eine Seife aus Wolle zu bereiten, welche, außer dem, daß ſie ſehr'dkonomiſch iſt, noch ſehr gute Eigenſchaften beſitzt. Man darf, um dieſe Seife zu machen, nur die Rückſtände der Wolle, welche man in den Werkſtätten wegwirft, bis zur Sättigung in kochender Lauge auflöſen laſſen. Dieſe Seife iſt vortrefflich zum Walken der Zeuge und um Fettfle&en daraus auszumachen. Auch die Engländer fabriciren eine Seife für Haushaltun- gen aus Abgängen von Fiſchen, die man zum Einſalzen oder zur Leimfabrikation gebraucht, NN: Man in 469 en Man kann ſich jedoch in Umſtänden befinden, wo män Käli, Seeſalz und Oel, nicht aber zur Verwändlung'in Seife geſchi>- te Soda. zu ſeiner Diſpoſition hat)(und ſodann kann man wes nigſtens feſte oder Sodaſeife fahriciren ,/“wenn man" die“Potts aſchenſeife mit Seeſalz zerſeßt; wenn man, zum Beyſpiel, 3 Pfund, Oel mit Kali verſeßt hat, um eine weiche Seife.zu bilden: ſo. darf man nur gegen das Ende, hin, und; nac) und nach, eine Aufldſung von 6 Lorh-Seeſalz hinzuthun; Man fängt..die Ver- wandlung,in Seife-mit Kali au, und endigt ſie mit Salz, Sechster Artikel. Vom.Sebrauch der Seife. Der erſte und wichtigſte Gebrauch der Seife iſt zum Was ſchen der Zeuge;"denn ſie hat die Eigenſchaft; daß'ſie'ſich mit den Delen und dem" Fette verbindet/ welche dieſe'beſchmützem" und daß"ſie! ſiei“aufidslich in'Waſer-macht/ ohne das Gewebe von wollenem, ſeidenem oder baumwollenem Zeuge weder aufzuldſen) noh zu. verderben,: Die'Art:zu waſchen iſt'verſchieden,'nach'der!Natur des Zeus ges und der Conſiſtenz der Seife; wenn die Seife feſt iſt, wäſcht man auf der Hand, das heißt man reibt die Seife gegen das Zeug ſelbſt, um-die directe Verbindung des Oeles oder Fettes mit ihr zu bewirken; und wäſcht ſodann dieſe Verbindung mit Waſſer wieder hinweg. Zuweilen löſt man die Seife in Waſſer auf, umd bedient ſich dieſer Seifenflüſſigkeit, um das Zeug damit zu durchdrin- gen und durch wiederholtes Wäſſern und Reiben alle fette Kdr2 per, die es beſchmußen, daraus zu ertrahiren. Wollene Tücher, DeXen, Moltoos und alle Gewebe aus thieriſ man mit Sorgfalt häufig umrührt, gießt ſodann die Maſſe auf ein Brett aus und knetet fie mit den Händen, um das übrig gFe- bliebene Drittheil der Stärke damit zu vermengen. Man gibt ihr ſodann. eine Form nach Belieben,| Noch kann man die weiße Seife in Alkohol auf dem kalten Wege aufldſen; zu dieſem Eide läßt man den Alkohol mit der in Schnitte zertheilten Seife digeriren 5 zerſtdßr vier und zwans zig Stunden nachher dieß Gemenge oder dieſen Teig mit einigen Gewürzen ,' in Form eines ſehr feinen Pulvers oder mit aroma» tiſchen Oelen, als Jesmin-, Tuberoſen-, Citronen- oder Orans gendl in einem Mörſer, und macht, wenn, der Teig Conſiſtenz gewonnen, dann Kugeln daraus, die angenehm parfumirt ſind, Zuweilen vermengt man die Gewürz? mit dem Schleim von Gummidragant und Eyweiß, 1 In einigen Fabriken hat man die Sitte, eine ſehr gewürz? hafte Tinktur zu bereiten; indem man verſchiedene Gewürze mit Alkohol infundirt, und die Seife durch Kneten damit wohlries hend machet,'! Die Seifen- Eſſenz erhält man, wenn iman die wohlrie- nende Oele gebraucht hat, Erſter v 5 Erſter: Abſchnitt 7 Von den Verbindyngen. des, AlXohols mit den Harzen, (TroFnende Firniſſe, Weingeiſifirniſſe), Der'Alkohol iſt. das:wahre Aufldſungsmittel für die, Harzez die; daraus entſtehenden; Fixniſſe ſind. glänzend,„.und trd>ueg ſchnell, aber ſie haben ven Nachtheil.;; daßyſie leimtzerſprina gen und reißen, wenn man nicht Terpenthin oder andre Kdrper,| die eine Teigmaſſe geben ,/in die Compoſition'derſelben üimmt*). „8:3; Wenn man-einen2ſolhen. Firniß. bereiten. will„3ſ0,, ſidi matt in-der Regel das tröFeneHarz,. deſſen man ſich bedient zu Pulver, vermengt; es, mitjweißem"geſtoßenem, Glaſe, und füllt das Ganze in.einen, Kolben;„man'gießr.dann;auf. dieß.-Gemenge den erforderlichen Alkohol; und. thut den Kolben in.einen kleinen Keſſel;i7welcher mit.warmem, Waſſer angefüllt wird.„welches man zum Aufwallen bringt, und ein oder zwey Stunden, darin erhält. Man rührt die Materie im Ko!ben mit einem hdlzer* nen Stäbchen unaufhörlich um, und weun die Ausſuvg-Fertig zu ſeyn ſcheint, thirt' man Terpenthin,! hinzu','"der" män durch“ Ausſtellung in die Dämpfe von'warmemn. Waſſer", zuvor flüſſig weiden laſſen.* Der Kolben' bleibt“dani' no<"eine“ yatbe Stunde hindurch im Wäſſer dann ninimt"män ihn herauss Und fährt mit dem Umtütteln fort", bis*"daß"er' ein" weniger kaltet. Den foigenden"Tag gießt män die Flüſſigkeit"äb„. und Mirivt"Hebr Damme 08 2087 108 WOR D9090629006.408 "* Das. weiße Glas ,.„deſſen Nußzen Herr'Titgry zuerſt er- kannt hat, ſcheint bey dieſer Operation nür"dazu zu dienen, die Harze zu zertheilen;/ und1zu verhinderm;-.daß»ſienfich? nicht an“den Boden: der“Gefäße anſetzen) unddie fremdartigen M2 terien j“ welche damitivermengt ſeyun-könnten!p zurüczuhalten.' Herr Tihgry hat uns" folgende Formeln'zur"Bereitung der- tro>nenden Firniſſe, die zu dem Gebrauch, welchen mwän davon zF machen pflegt, am geſchiteſten ſind,,, in. Vorſchlag gebracht: 1): Gereinigter Maſtix 6 Unzen 207) Giret Sandarak(93 312-2245 bogus geſioßenes Glas...„hz; venezianiſcher Terpenthin 3.= 0 „Alkohol, SEE GEE DIET DIE EE ;; 6 1 E03 757, 4501 Dfeſer *) Der Terpenthin macht dergleichen Firniſſe klebrig, und ſchwer austroeknend. Man beraubt ihm aber feine zerſpringenden Eigen- ſchaften ſehr leicht, wenn für jedes Pfund Firniß 2 Loth Llemiharz mit aufgelöſt werden. =. Eh TF | Dieſer“ Firniß: hat! Glanz; aber“ wenig" Conſiſtenz, Man gebraucht ihn'zum Firniſſen von Papp und anderü Schachteln; Etuis und Papieren,; 2) Flüſſig Femächter Copal*)'' 3 Unzen andarak 6'-- gereinigter'Maſtix 3= geſioßenes Glas 4==" klarer Terpenthin 24. 50 Alkohol".32==-' ' Dieſer Firniß hat mehr Conſiſtenz, und ebeti fo viel Glanz, als der vorige. 4: Er iſt beſtimmt um Gegenſtände damit*zu firniſſen, die Reibungen. unterwörfen ſind, als Stühle, Etuis, Einfaſſungen) Metalle u. ſ. w.) Ji 10 Wenn man die Doſis des Sandaraks“ und des Terpenthins vermehrt, ſo gibt man dem Firuiß mehr Körperlichreit, und viel mehr Geſchmeidigkeit;' äber' die' Vermehrung'des"Maaßes von Terpenthin macht ihn'pechig, wenig auströ>nend, und gibi ihmz-einen Geruch.;? SH x; Werin män 6 Unzen Sandarak, 4 Unzen Elemihärz /' eine Unze Animeharz, und eine halbe Unze Kampher, in' 32 Unzen Alköhol' auflöſt," ſo'erhält man“ einen geſchmeidigeren„feſteren und eben fo glänzenden Firniß, als'die Vorhergehenden. „Man gebraucht, den folgenden Firniß mit Nüßen- zu'ge- täfelter Holzarbeit, Eiſenwerk; Gittern und'Treppengeländern, 3) Sandarak. 0 20 Une 20' Schellak VE 248 O8 1), 88 -„Pechharz EEE klaren Terpenthin 4-- Alkohol* 2 /'-- vi Geſtoßenes Glas, wie gewdhnllh? Die Ebeniſten. gebrauchen" in der Regel bloß Wachs, u die Möbeln abzureiben, und ihnen eine Tänchezu geben, welchs, durch wiederholtes Reiben eine'gewiſſe Pölitur ianmimmt.. Aber die Firniſſe geben dem Holze mehr Glanz, welches man damit Überzieht, und 6bgleichſie' den Nächtheil-haben, ſich abzuſchuppen und zerkraßen zu laſſen, ſo“ pflegt iman“ doch“ koſtbare Möbeln damit zu überziehen,; ;: Herr *) Herr Tingry ſchlägt vor, den Copal bey einer mäßigen Wärme zu ſchmelzen, und ihn auf Wäſſer fließen zu laſſen.“ Er ſcheidet ihn hierdurch: von einem Oele, und macht ihn auflöslicher in Alkohol und in den eſſentiellen Oelen; Anm, d,. Verf. abe 7. M ſar Hery/Tingey hatieine-Verfahren bekannt'gemächt mittelſt deſſen man. die ſchönen Eigenſchaften der Firniſſe mit den Vors zügen des Wachſes in Uebereinſtimmung bringen und. verbina den kann; dieß beſteht darin, daß man an kleinem Feuer 2 Uns zen weißes Wachs ſchmelzen läßt, und 4 Unzen flüſſig gewor» dene Terpenthineſſenz hinzuthur, Das, Ganze wird dann, bis es vollkommen kalt geworden, umgerüttelt, Dieſer Compoſition bedient man ſich zum Bohnen der Möbeln, Die Eſſenz verfliegt leicht, und läßt.das Wachs in einem Zuſtande zurüF, in dem es ſehr. zertheilt, ſehr glänzend und im vollen Lichte eines Fir2 niſſes erſcheint.; .. Die Firniſſe, welche man zu Violinen und zu einigen Mda beln von Roſen-., Akazien,- oder Pflaumbaumholz gebraucht, beſtehen aus 4 Unzen Sandarak, 2 Unzen Lak in Körnern, x Unze Maſtix., 1 Unze Benzoe, 2 Unzen Terpenthin, und 32 Unzen Alkohol, Wenn mauy- ſtatt der farbloſen Harze, ſim des Gummiz- utti,„des>Drachenblutes, und ſelbſt einiger audern Färbe2 ſubſtanzen ,/ als der Kurkumewurzel und des Safrans bedient, ſo erhält:man gefärbte Firpiſſe, welche ihre eigne Farbe den Körpern mittheilen, welc in Körnern, Diefen Firniß kann man mit Nugen auf phyſikaliſche In ſtrumente, und auf kupferne, eiſerne und ſtählerne Gefäße. aufz tragen. Man erwärmt die Metallſtüke, bevor man fie da? mit überzieht, Einigen Sachen von Meſſing hat man mit, folgender Com» poſition die Farbe des Goldes gegeben: Gummila> in Körnern 6 Unzen Bernſtein und Gummiguttti 2 Unzen von jedem Extract von rothem Sandelholz mit Waſſer gemacht o Unzen 24 Gran - 7 Dracenblut 0= 60==> Orienta2 Zn IEEE-- 70m Orienientaliſcher Safran 0 Unzen 36 Gran Alkohol, 36=“= Man porphyriſirt den Bernſtein, den Gummila> und das Drachenblut,/ und löſt ſie in Safrantinkiur und Sandelholzs extract auf, Zweyter Abſchnitt, Yon den Verbindungen des Alkohols mit dem flüchtigen Terpenthinöle,(Eſſentielle oder Gelfirniſſe), Wenn die Terpenthineſſenz(gereinigtes Terpenithinö1) zum Aufldſungsmittel der Harze gebraucht wird, welche, die» Baſis eines Firniſſes ausmachen, ſo wird..der Firniß ein Eſſentieller oder Oelfirniß genannt,; Die eſſentiellen Oele ldſen die Harze eben ſo wie der Alkos hol auf, und laſſen, wenn ſie verfliegen und eväpvriren, auf den Körpern eine Lage von dem Hatz zürü>/ welches ſie in Aufidſung hielten.|' Dennoch halten die Dele mit dem Alkohol weder in Hinſicht ihrer Wirkungen, noch ihrer aufldſenden Kraft, die Vergleichüngen aus; der Alkohol nimmt den Färbeſtoff vom Indigo, vom La>mus, vom rothen Sandelholze, vom Safran u.ſ. w. in ſich auf, wogegen die Dele auf dieſe Körper keinen merklichen Einfluß äußern. Die weſentlichen Oele greifen ferner den Copal an,.der.dem;Alkohol widerſteht. Die Oelfirniſſe ſind geſchmeidiger, markiger undifeſter 5 ſie ſchuppen ſich weniger ab, und laſſen ſich beſſer poliren. Die Firniſſe, die mit Weingeiſt bereitet werden, reißen auf, und ſchuppen fich ſchneller ab, aller Alkohol ſcheidet ſich. los, und läßt die Harze in allen ihren Eigenſchaften frey zurüF, während das Del bis zu einem gewiſſen Punkte in Verbindung bleibt, und den Harzen, welche ſie aufgelöſt hat, eine Weichheit zua rü&läßt, welche ihrer eigenen Natur fremd iſt. Die Delfirniſſe haben alſo eigenthümliche Eigenſchaften, die. ſie in vielen Fällen ſehr empfehlenswerth machen, Mit ätheriſchen Delen werden die Firniſſe bereitet, welche man auf Gemählde aufträgt. Man ſieht ein, daß es in dieſem Falle eines ſolchen Firniſſes bedarf, der farblos, geſchmeidig, markig, und ſehr durchſichtig iſt, ohne doch zu glatt zu ſeyn, damit das Tageslicht ſich darin nicht zu ſehr brechen könne, Folgender Firniß ſcheint alle dieſe Vorzüge zu vereinigen; gereinigter: und gewaſchener Maſtix 12 Unzen 3 feiner === “77-98: Sr reiner“ Teypenthin in 1% Unze“ Kawpher Kim 3= . Terpenthindl 4:36, weißes, geſtoßenes Glas|„+2 5= PID Kampher wird in fleinen Stücken Binzngeon und das Terpenthindl zugegoffen 7" wenn die Auflöſung des Harzes beendiget iſt..“t Noc< macht man mit"vein Leben einen gefärbten Firniß," welchet ſehr häufig zur Vergoldung von MET und Metallen. gebraucht wird? 95:28 j Laharz in Körnern' 4 Unzen y'!! Sandarak 1ZIE NUE 2:5; „ Drachenblut“«6564 40708 GEM ;» Kurkamewurzel und Gummigütti DJ- 36 Gr, von jedem; Xlarer Terpenthin 2= t „ Seſtoßenes, Glas v vu= Terpenthindl;« n 1:3 Man zieht. durch Infuſic ion die Ehe, Spa„il gefärbten, Sus ſtanzen, und thut ſodann die harzigen Körpey hinzu,; .„Durch„Veränderung inden Verhältniſſen„und"Hinzuthun 190 Färbeſtoffe,, als Oxleanszund«Safransifann die Farbe dieſer Firniſſe in.das/Unendliche, verändert: werden Die natüfliche Tro>enheit der Harze, welche die Baſen der Fitniſſerausinachen; geſtatten feine Verbindung ihres eigen- thämlichenm Glanzes'mit der ihnen ndthigen Feſtigkeit. Der Co- pal ſchienalle erwünſchte Eigenſchäfren zu haben, und man hat. fs viel mit den Mitteln beſchäftiget, ihn. zur Aufldſung zu ringen, 17 17! G:!: Herr'Tingry hat entde>t, daß er. ſich in Aether, leicht auf-., 1öſen laſſe„* und. er ſchlägt" hierzu: folgendes Verfahren vor: Man nimmt eine halbe Unze Copal, zerreibt ihn zu einem! feinen Pulver, und 4hut ihn)in'kleinen Theilen in eine Flaſche in welcnenden Oele mit den Harzen,(fetter Sirniß), Die Fetten Firniſſe ſind Aufldſungen von Harzen in feſten gustroFnenden Oelen, Dieſe Firniſſe ſind die ſolideſten, aber auch die, welche am langſamſten tronen; obgleich man Terpenthindl hinein? zuthun pflegt, um das'TroFnen zu befördern, In den Werkſtätten, in denen man Eiſen, Kupfer und andere Metalle mit fettem Firniß überzieht, muß man eine Schwißſtube haben, um das Trocknen zu beſchleunigen. Ohne eine ſolche würde die Arbeit nur"langſam von Statten gehn, und der Firniß nicht ein Mal vollſtändig troFen werden, Copal und, Bernſtein ſind die beyden Subſtanzen, welche man am allgemeinſten zur Compoſition der fettenFirniſſe gebraucht, Den einfachſten fetten Firniß, den man von Copal bereiten kann, erhält man aus einer Aufldſung von 16 Unzen Copal in SUnzen Lein- oder Mohndl, welche man auf die bekannte Weiſe troFen macht, und 16 Unzen Terpenthindl, Man fänzt damit an, daß man den Copal in einem Kolben über einem gewdhn2 lichen Feuer flüſſig macht, und kochendes Lein- oder"Mohndl hinzüthut. Sobald beyve Subſtanzen gehdrig in einander vers ſchmolzen ſind, nimmt man den Kolben vom Feuer, rüttelt ihn um, bis daß die Wärme abgenommen, und thut ſodann warmes Terpenthindl hinzu. Man ſeihet das Ganze, während es noch warm iſt, durch einen leinenen Lappen, und bewahrt deu Firniß in Flaſchen mit einer breiten Mündung auf, Die Zeit trägt viel dazu bey, ihn klar zu machen, Wenn man einen Firniß aus 6 Unzen Copal, 13 Unzen venetianiſchen Terpenthin, 24 Unzen getroFnetes Leindl, und 6 Unzen. Terpenthindl zuſammenſetzt, ſo gibt dieß eine ſolide Gattung, die eine ſchöne Politur annimmt, aber ſchwer tro&netz man bedient ſich dieſes Firniſſes, um Steine damit nachzuahmen, Seit der Erfindung der mit inflammabler“ Luft gefällten Luftballons, hat man ſich auf vielfache Weiſe gequält;; um da- hin zu gelangen, den Cgvutnet langſam, Lein-- und. Nußdle, wenmman.;ſie vorher au8getröFnet hat, hilden einen Firniß; ohne daß: es ndthig.iſt,zeine. andere Materie hinzuzurbun; das Leinöl verdichtet ſich 7 wird;hart an der Kuft, und nimmt, faſt alle Cigenſchaften des Caoutchouc au, wenn wan es.[ſchichtweiſe, nachdem es zuvor-ſehr gut austroFnend. gemacht worden, auf. irgend einen Körper aufträgt. Wenn dieſe beyden Oele mit Kienruß und der Kohle, welche .aus dem:Verbrennen von-einem'Theil des Oeles ſelbſt entſteht; ſchwarz gefärbt werden, ſo machen ſie die Buchdruerfarbe. Die Buchdru&erfarbe muß dergeſtalt di> ſeyn, daß ſie nicht fließt,-fie muß ſo, ſchnell tro&nen, daß von dem Augenblicke an, wo ſie aufgetragen wird, ſie, fich nicht ausldſchen laſſen mußs "endlich darf ſie. weder in Waſſer zergehen,. noc). durch. das naſſe Papier durchſchlagen, und ihre Farbe muß faſt durchaus ſchwarz ſeyn, und eint glänzendes Anſehn haben. Man. nimmt» inder Regel Nußdl dazu, Dieß Nußdl wird in einen Topf gethan, welchen man mit einem ſtarken De>el verſchließt, und der nur zu zwey Drittheil angefüllt wird. Nachdem män den Deel ſtark befeſtiget, erwärmt man das Oel. Die Dämpfe, welche daraus emporſteigen, entzün» den ſich, man bede&t ſodann den Deel mit naſſen leineuen Tü- chern, und nachdem man den Brand einige Zeit hindurch unter- Halten, läßt man das Feuer ſchwäch werden, dffner vorſichtig das Gefäß, und rührt mit einem eiſernen Löffel das Gemenge lange um.“ Dann zündet man das Feuer wieder an,'macht es jedoch nicht ſo ſtärk,"als das“ erſte Mal, und thur, ſobald die Wärme'das Oel gehdrig durchdrungen hat, auf 50 Pfund Oel ein halb Pfund'ſehr tro>ene Brotririden'; und ſechs oder ſieben Zwiebeln hinzu:"Man bede&toden Keſſel wieder),„und- läßt die Maſſe“ drey1Stunden"hindurch au) kleinem Feuer/Fochen, Daß | das ee anm 431 mnjräen das Kochen ſein Ziel erreicht habe, oder daß das Gemenge ſchon Firniß geworden, ſieht man daran, wenn die Tropfen, väh» dem ſie kalt gewordem, kleben; und ſich“, ſobald man die Finger aufmacht', in Fäden ziehen, Weun das Oel nicht dieſen Punkt erreicht hat, ſo erwärmt man es no<, bis daß es die angege- bene Wirkung“ zeige. Man klärt den Firniß ab; indem man ihn zu wiederholten Maten-durckerichwärze muß mehr Conſiſienz haben als die BuchdruFerſcerſcr wird, darauf ſehen, daß es viel weniger umgerüttelt werde, damit ſich der Rauch nicht damit vermenge, wodurch er ſchwarz wird. Zu Färbe- ſtoffen kann man Berlinerbliau, Zinnober, Carmin, Operment, Lak, Maſtix, Gummi- Gutti, u, ſ, w, nehmen, Wenn 5) Um ein recht ſattes Schwarz zu erhalten, pflegt man Ruß von Steinkohlen oder von Oellampen zu machen, den man vorher noh in verſchloſſenen Tiegeln recht gut durchglühen läßt. H. IT, Hh Wenn die Firnlſſe auf ihrer Oberfläche blaſig, oder rauh und hart ſind, ſo wie die, welche aus der Aufldſung von Copal und Bernſtein in einem austro&nenden Oele entſtehen; ſo polirt man ſie zuerſt mit ſehr. fein pulveriſirtem Bimöſcein, den,man auf ein Stü> weißer Serge in Geſtalt eines Stöpſels ſtreut, Mit dieſem Stöpſel fährt man über die ganze Farbe hin, und gießt oft Waſſer daraußf, theils, um von der Politur urtheilen zu kbnnen, theils um die Wirkung des Steines ſanfter zu ma» auf die Hauptoperationen, der Färbekunſt werfen: wenn es darauf ankommt, ein Zeug„mit Seife: oder Alkali zu entſchälen; ſo' muß das"Waſſer rein ſeyn, ohne dieß wird die Seife vurch die erdigen Salze zerſetzt. und es entſteht daraus eine Verbindung von Oel und von Erde, die in-Waſſer unaufldslich, und unfähig iſt, die davon erwartete Wirkung hervorzubringen. Das-Alkali zerſelzt auch die erdigen. Salze, ſättiget ſich mit ihrer Säure und bringt ſaſt keine Wirkung mehr hervor, während'die ſreygewordene Erde ſich mit dem Zeuge verbindet und die Farbe, welche man-darauf auſträgt, verdirdt« Die ruhigſten Waſſer ſiud, in. der Regel die, in denen ſich die meiſten erdigen Salze befinden, Lebendige und fließende ſind viel reiner. j)( 1,1. as Indeſſen gibt es doh ſchmußige und faſt ſtehende Gewäſſer, welche den Ruf großer Brauchbarkeit für die Färberey haben, weil die Pflanzen und thieriſchen Materien, welcheſie mit ſich führen, und die darin verfaulen ,- Ammonium und'Schwefel» waſſerſtoff erzeugen, die die erdigen und'metalliſchen Stoffe nie- derſchlagen,; . Das ruhige Waſſer verdient ferner den Vorzug vor dem fließenden, wenn baumwollenes Zeug ausgewaſchen werden ſoll, um die ganze Portion Alaun oder Oel hinwegzuſchaffen; Fan au Re auf dem Gewebe nicht feſt geworden iſt; denn in dieſem Falle muß man alle Theile des Zeuges gleichförmig beneßen, um alle nicht in Verbindung gekommene Beiße daraus zu extrahiren, und es iſt ſchwierig dieſe Wirkung in einem lebendigen und fließenden Waſſer zu erreichen, ſo daß man bey dem Gebrauche ' dieſes immer befürchten muß, daß die Farbe mager und fle>ig werde, Das lebhaft fließende Waſſer verdient'den Vorzug bey dem Ausſchämmen der Zeuge, wenn fie aus dem Farbebade kommen; es nimmt daun alles, was ſich nicht feſtgeſeßt hat, mit ſich fort und läßt die Farbe in ihrem vollen Glanze hervortreten, Das mit Kalkſalzen geſchwängerte Waſſer, wirkt haupts ſächlich nachtheilig bey dem Rothfärben der Baumwolle. Der Kalk, welcher die Gallung und Alaunung zu einem rauhen Puls ver niederſchlagen, trübet und ſtumpfet die Farben in dem Grade ab, daß es unmöglich wird, ihnen nachher die gehdrige Lebhaſf- tigkeit zu geben. Yber, ſelbſt um deswillen, weil die Kalkerde dazu bey- trägt, die Solidität der rothen Farbe und ihrer Modificationen zu verntehren, find die ſelenitiſchen Wäſſer bey einer trüben Farbe nicht mehr ſchädlich. Da die Kalkſalze die Sharlachfarbe in Cramoiſi verwan» deln; ſo ſieht man ſchon ein, daß, wenn man dieſe Farbe her» vorbringen will, der Gebrauch des gipshaltigen Waſſers mehr vortheilhaft als nachtheilig iſt. Ohne. Rüficht auf das Verderben, welchem die in einem Waſſer aufgeldſten Kalkſalze die Farben ausſeten, haben ſie noch die üble Folge, die aufldſende Kraft der Flüſſigkeit, in der ſie ſich in Auflöſung befinden, zu ſchwächen; woraus folgt, daß der Färbeſtoff ſich in ſelenitiſchem Waſſer, in geringerer Quan» tität aufldſt, Es hat mir immer geſchienen als ob Waſſer, welches Er- den in Vermengung mit ſich führt, minder nachtheilig iſt; als ſolches, in dem ſie ſich in Aufldſung befinden: im erſtern Falle ſetzen fie ſich nicht auf dem Zeuge an; im zweyten aber werden ſie nur in RüFſicht einer doppelten Verwandtſchaft niederge- ſchlagen, und treten ſoglei) mit einer Beize in Verbindung, welche ſie auf das Zeug aufträgt und daran befeſtiget. Von allen erdigen Stoffen, die in einem Waſſer enthalten "Seyn können, iſt der Kalk der gewdhnlichſte und einzig gefähr- liche, Alaunerde und Talkerde bringen niemals eine üble Wir» kung hervor, Das Le 8] | | j | | yp] 4 | / Das ſchwefelſaure Eiſeniſt: faſt das einzige der Metallſalze, welches man in Wäſſer findet;- und wie gering auch die Maſſe desſelben ſeyn mögey“ ſo äußert» es doch. immer merkliche Wirs kungen auf die Farbe: vorzüglich bey' Baumwollen- und Sei» Ddenzeugen). die wollenen werden weniger davon angegriffen, Das ſchwefelſaure Eiſen wirkt hauptſächlich auf die gehal“ leten Zenge; es entſtehn daraus bräunliche Tinten, wi len Farben, die man: dieſen! Geweben geben will, Modificatio nen ertheilen.]; Die Natur der Färbeſtofſe hat nicht bloß die Wahl der an- zuwendenden Anfldſangsmittel beſtimmt, aber auch dazu ge» dient, jedem Gebrauch derſelben ſeine Claſſe anzuweiſen. So löſen ſich die gefärbren, harzigen Subſtanzen in Alkohol! auf, und bilden den Färbeſtoff der Firniſſe.' Die Metalloxyde. werden. durch Alkalien, Erden u, ſ.w. gez. ſchmolzen, und dienen zum Färben von Glas, Email und irde- nem Geſchirre,/ Dele und Saßmehl werden durch Alkalien oder Kalk auf- geldſt. und der Extractivſtoff durch Waſſer auf die Zeuge aufe getragen. Da wir noh wenig Licht über den Grund der Färbung der Körper haben, ſo werven wir uns auf einige Thatſachen über die Art, wie ſich der Färbeſtoff-entwi>kelt beybringen. So wie ſich der Sauerſtoff mit einem Metalle verbindet, ſo verändert er die Farbe desſe!ben, und man ſieht,.daß.die Verſchie: denheit der Verbältniſſ? hinreicht, um Blau, Gelb, Roth, Schwarz u. ſ. w. hervorzubringen. ff Wl Die Wirkung des Sauerſtoffs iſt mehr oder weniger dauer», haft, nach ſeinen Verwandtſchaften zu dem Metalle. Zuweilen verſchwindet die Farbe mit dem von einer mäßigen Wärme verdrängten Sauerſtoffe, zuweilen iſt auch die Verbindung ſo feſt, daß ſie, ohne ſic) zu verändern, einen Grad von Hitze auehält ,- wie er nur zur Erzeugung des Glaſes erfordert wird, Mix Augsnahme einiger harziger Körper, und einiger von. Natur gefärbten Extracte, entwidelt man die Pflanzeufarben durch Gährung; der'Jndigo, Waid, die Kräuter-Orſeille, und. das Lac>mus geben Beyſpiele hiervon, In faſt allen Fällen, wo die Gährung die blaue.Farbe frey macht, ſcheint mir] der Kohlenſtoff eine große Rolle zu ſpielen. Der Indigo enthält drey und zwanzig Theile Kohlen auf fieben und vierzig Färbetheilchen 3; die Aufldjung ver-Dfianzen| 8 gibt. eine Kohle-von-ſchdner blauer Farbe; und es iſt wahrſcheine lch, das. wenn dieſe blane Farbe durch die Gährung-entwielt wind. der Kohlenſtoff-faſt- frey. gemacht wird, unind.mit inet Oele in Verbindung tritt, welches die Fixität der Farbevermehrt, und das paſſendſte Aufldſungsmittel anzeigt, I< habe im Jahre 1795. einige Verſuche in der Abſicht gemacht, einige Pflanzen mehr aufzuſinden, die die Zahl deren, welche blaue Färben geben, WMinehren, und mich überzeugt, daß die Galega, der ſpaniſche Rlee, die Bichererbſe und der Sthne>enklee, wenn ſie wie der Indigo beyandelt werden, eine blaue Farbe: hervorbringen, dieucmüs und der Orſeille, ſo kann Waſſer allein den Färbeſtoff' gufldſen*), Zweyter Abſchnitt, Von den Beigen. Es gibt wenig Färbeſtoffe, deren Verwandtſchaften gehdrig ausgezeichnet wären, um durch. bloße. Berührung oder bloßes Auftragen eine feſte Verbindung mit einem Zeuge“ eingehn zu können, In *) Es iſt do unftreitig nur eine Vorausſeßung, wenn der Verfaſ- ſer annimmt, daß das Pigment im Indigo, an ein Oel gebunden ſey 3; beweiſen möchte ſich das ſchwer laſſen. Daß aber das Pig-“ ment im Indigo an Kalk gebunden" iſt bedarf wohl keines weitern Beweiſes. H. «Dar dx een dati] Ii allen dieſen Fällen kann das nämliche'Vehikel ,' welches die Farbe'abgeſezt, ſie wieder fortnehmen, und es entſteht dann nichts, als eine Schmiererey daraus,"die“des Namens FSärvperey» nicht würdig iſt, Nureinige Metall:, und vorzüglich die Eiſenoxyde, undeinige odſtringente- oder harzige Subſtanzen können eine Art von Adhäo ſion mit den Stoffen. eingehen, ohne daß es eines. Verbindungs» Intermedii bedarf.| Jm“der Regel befördert man die Adhäſion eines Färbe- ſtoffes(und eines Zeuges durch einen dritten Körper, weiches Beitze genannt wird. Faſt. alle Chemiker, welche vor.der Wiedergeburt der Chemie über Färberey. geſchrieben, haben eine ganz lächerliche Lehre über die Wirkung der Beißen aufgeſtellt. Hellor ſah in den Zubereitungen der Zeuge, um ſie zur An- nähme der Farben.emwpfänglich,zu machen, nichts als Mittel, zur Vergrößerung und Reinigung ihrer Poren,„Er fügt hinzu 7 es käme auf nichts an, als das färbende Atom in-dieſe Poren ein? zufaſſen ,. wie einen Digmanten in den Raſten eines Zings, Macquer nahm gleichfalls dieſe Theorie an, und win ver» danken, es erſt Bergmannzund;Herxn Serthollet., daß ſie alle Operationen der Färberey' auf. die großen Geſetze der Affinitä» ten zurüFgeführt, Von„dea. Grundſäßen dieſer beyden berühmten Chemiker ausgehend,, könnten wir die. Beizen als Intermedien der Vers bindung und Verwandeſchaft zwiſchen dem Färbeſtoffe. und dem Zeuge betrachten, Wenn man den Färbeſtoff beſonders mit der Beize verbin» det, vder dieſe leßtere auf das Zeug ſett, fo bildet man Com- poſita, die eigene Verwandtſchaften haben, kraft deren ſie in Verbindung mit Körpern treten, welche, vereint und iſolirt, keine Verwandtſchaft mit irgend einem der Grundbeſtandtheile haben würden. Die Verwandtſchaft der Beize mit dem Zeuge und dem Färbeſtoffe kann durch directe Verſuche dargethan werden, Herr Zerthollet hat bewieſen, daß Wolle, wenn ſie in Alagunqufld2 ſung aufgekocht wird, eine Portion dieſes Salzes zerſeze, und ſich. mit der A'!gunerdez er hat ferner geſehen, daß die Portion Alaut!, weiche der Zerſeßung widerſteht, ein wenig thieriſche Subſtanz auflöſt, Der ws 0) Eien Der nämliche Chemiker hat bewieſen“daß Weinſteinrahm und. Alaun ſich durce bekann ſind, Wenn man einen farbigen Körper in einer Alaunaufldſung aufkochen läßt, und die Abkochung, durch ein Alkali niederſchlägt, ſo verbindet ſich die Alaunerde mit der Farbe, macht einen Boden- ſatz, und bildet einen La>, Die Alaunerde kann ſich ſelbſt ſehr gut mit den metalliſchen Farben, als dem blauſauren Eiſen und dem Kobaltoxyd, nach dem von Herrn Thenard angegebenen Verfahren, verſetzen, Damit aber ein Körper als Beitze gebraucht werden kdnne, iſt 588 nicht hinreichend, wenn er bloß in Verwandtſchaft mit dem SIEB. as 43 ET URUES WIPES vem-Färbeſtoffe oder dem Zeuge ſteht, ſondern er muß auch eine abſolut weiße Farbe haben, devn ohne dieß würde ſeine eigen» thümliche Farbe; ſich mit. dev des/Färbeſtoffs vermengen, und man nichts als eme gemiſchte/Farbe erhalten, „Nichts"deſto weniger gibt es Fälle, wo gewiſſe Kdrper zus gleich als Beize und als Färbeſtoffe wirken können; ſo gebraucht man das Eiſenoxyd bey. dem. Färben der Baumwolle, welches zyit dem“ Roth der Förberrdthe: violett';“und für-ſich allein ein ſehr ſolides Naukinggeib gidt, Die Beizen muſſen den Veränderungen von Luft'und Waſa ſer nicht ſehr ausgeſeßt ſeyn,“ im entgegengeſetzten Falle würden ſie bey ihrer: Wirkung zu viele Nüancen veranläſſen, Man muß von der auf ein Zeug aufgeträgenen, und mit dem Färbeſtoffe' verbundenen Beißze, nicht nach ihren erſten Eigenſchaften urtheilen. Die neue Verbindung theilt ihr neue Eigenſchaften“ mit, und dieſe ſind es, welche das Urtheil leiten müſſen. So zum Beyſpiel wird die Alaunerde, welche, frey, in“ den: Alkalien ſehr aufldslich iſt, unaufldslich, wenn man ſie in der-Baumwolle, die man zu dem Türkiſchen Roth bereitet, mit dem Gerbſtoffe und Oele in Verbindung, bringt. Bis Fekt ſind die beyden Beißen, deren Gebrauch faſt'allge- mein geworden, Alaun und ſalzſaures Zinn, Wenn man den Alaun durch eſſigſaures Bley zerſetzt, ſo erhält man eine eſſig? ſaure Alaunerde, welche dem. Alaun vorzuziehn iſt; weil die Ylauverde“ ſich leichter daraus entbinden läßt und die freyge- wordene Säure weniger freſſend iſt, Das Zinnoxyd hat ſehr ausgezeichnete Verwandtſchaften mit den Färbeſtoffen, von denen es die Lebhäftmigkeit der Farbe erbdht ,- vorzüglich bey. dem Scharlach, und dem Roth der Färberröthe*). Das Eiſenoxyd hat eine deutlichere Verwandtſchaft mit den Zeugenz es verbindet ſich mit ihnen auf eine faſt unzer- ſidrbare Weiſe. Aber es iſt natürlich gefärbt, und man bedient ſich ſeiner nur zu den zuſammengeſeckten Farben; doch gebraucht man es zuweilen als Färveſtoff. In dieſem letztern Falle wird“die Farbe hart, wenn man nicht die Vorſicht gebraucht, ſie durch Eintauchen ver roth gefärbten Zeuge in eine mit Kali geſättigte Algunaufldſung ſanſter zu machen, Dik ») Allerdings iſt für den Scharlach, das Zinnopyd- eine hauytſäch-“ liche Baſis; nicht ſo für die Färberrothe vder den Krapp, deſſen Farben dadurch leicht matt und fiumpf werden. H. EM IDI: 7 Das Kupferoxyd mird gleichfalls als Beitzergebraücht; man nimmt es ziemfich! allgemein zuſammen mit dem Eiſe;»wenn man ſchwarz färben will, und man gebraucht es allein bey dem Gelbfärben der Baumwolle, Kalk und alle Kalkſalze können als Beißen betrachtet werden, ſie machen zwar das Roth braun oder matt, aber ſie geben auch den adſtringirenden Stoffen Glanz, den blauen, vor- züglich metalliſchen Farben Lebhaftigkeit, und allen Farben Firität. Die complicirteſſe Beiße in der Färberey iſt, welche man zum Roth von Adrianopel oder.dem Türkiſchen Roth, gebraucht, Sie beſteht aus Alaunerde, Oel und adſtringirendem Stoff. Dieſe Verbindung dreyer Körper, welche man nach und nach in Gefolge der zahlreichen Operationen entſtehen ſteht, welche man mit der Baumwolle vornimmt, läßt'keine von den Eigenſchaften der drey Körper/ aus deuen ſie beſteht, mehr ſehen. Und obs gleich die Farbe der Färberrdthe-ſich ſchon mittelſt' einer oder'der andern von dieſen drey Subſtanzen feſtſeßen känn, ſo läßt ſich doch nicht in Abrede ſtellen, daß ſie nur erſt dann recht feſt wird, wenn man ſie auf die dreyſache Verbindung aufträgt. Die beſten Beitzen ſind die, welche eine ſehr ſtarke Verwandt» ſchaft, ſowohl mit dem Färbeſtoffe, als mit dem Zeuge haben, und dieſe Eigenſchaft iſt es-, welche dem Alaun den Vorzug vor den andern Salzen verſchafft hat. Da aber in der Regel ſeine Verwandtſchaft zu den Färbeſtoffen ſtärker als die zu:dem Zeuge iſt, ſo fängt man damit au, ihn zuerſt auf das Zeug aufzutras gen, wo er ſodann die Farbe anzieht und fixirt, Wenn man den- umgekehrten Weg verfolgte, ſo würde ein La> entſtehn; in dem die Verwandtſchaften des Alauns und Färbeſtoffs geſättiget wären, und ſich nicht auf dem Zeug mehr äußern würden. Die Beißze, welche man auf ein Zeug aufträgt, fängt alſo damit an, daß. ſie ihre Wirkung au dem Zeuge ausübt, und ſich darauf fixirt; ſie zieht ſodann den Stoff der Farbe an, und bes hält ihn bey ſich, Das Zeug nimmt nur eine ſolche Doſis Alaun in ſich auf, als ſeiner Verwandtſchaft zukommt; ſo daß wenn ein Zeug alaunet iſt, man es dur eine Nanking» farbe. an, und. wenn der Aufldſung ein Oxyd mechaniſch beyge- mengt iſt,„ſo darf man nur miteinem wenig Baumwolle über das Bad hinfahren, um jenes auf dem Zeuge niederzuſchlagen und“ das Bad zu reinigen. Obgleich es am allergewdhnlichſten zu geſchehen pflegt, daß man die Beiße auf ein Zeug aufträgt, bevor man. die Farbe darauf befeſtiget, ſo gibt es doch Ausnahmen von dieſer Regel: wenn man, zum Beyſpiel in den Fabriken von gedruckter Lein- wand, mehrere Nüancen einer blauen Farbe auf das nämliche Zeug auftragen will; ſo fängt man damit an, die Farben mit Leim aufzutragen, und taucht ſodann dieſe Art von Mahlerey in Waſſerfarben in Kalkwaſſer, eine Aufldſung von ſchwefelſaurem Eiſen und Pottaſchenlauge, Sobald man die Farbe durch dieß Mirtel. befeſtigt. hat, taucht man das Zeug in ein mit Schwefels ſäure ſchwach geſäuertes Bad, um die uybedru&t gebliebenen Theile des Zeuges zu reinigen und weiß zu machen. Die Beite vereiniget immer zwey Vorzüge; ſie befeſtiget die Farbe, und gibt ihr Glanz. Wenn man in, eſſigſjaure Alaunerde getauchte Baumwolle in ein Bad von Quercitronrinde von ſchmußiger und trüber Farbe hält; ſo ſieht man. wie dieß ſogleich eine glänzend gelbe Farbe annimmt, die Baumwolle aber ſich zu gleicher Zeit fär- bet. Wena man die Compoſition(ſa!zſaures Zinn) auf ein Bad von Cochenille gießt, ſo verändert fich die Farbe augenbliklich und nimmt die Farbe des Scharlachs an, Hier verbindet is da mm 4008. das Zinnoxyd mit der Farbe. und bildet ein Compoſitum von einer fo ſtarken Verwandtſchaft.mit der Wolle, daß man ſie nur in das Bad halten darf, um daß ſie deſſen ganze Farbe an ſich ziehe. Es gibt Operationen in der Färberey, in denen man eine beſondere Beitze für das Zeug und eine fär den Färbeſtoff ge» braucht. Wenn man, zum Beyſpiel der Wolle eine Cramoiſi- farve geben will, ſo alaunet man das Zeug mit 5 Unzen Alaun auf 1 Pfund Zeug, und jezr das Farbenbad aus 5 Unzen Coches nille, und 2% Unze Weinſtein zuſammen, und rhur, wenn es in Aufwallung iſt, 10 Unzen Zinnaufldſung hinzu, Dricter Abſchnitt, Von der LTatr der Zeuge, Alle Zeuge,“welche zum Färben beſtimmt find, entſtehen entweder aus der Wolle von Thieren oder von Pflanzen, Wolle und Seide gehdren zur erſten Claſſe. Baumwolle, Flachs und Hanf ſind zur zweyten zu rechnen, Wolle und Seide ſind ſehr aufldslich in dcn Alkalien. Baumwolle, Hanf und Flachs widerſiehn ſehr ſtarken Laus gen, die man aus dieſen Salzen bereitet, Es folgt aus dieſen Verſchiedenheiten: x) daß man ani- maliſche Gewebe oder Zeuge nicht durch Alfalien reinigen darf; 2) daß man ſie ferner nicht mit einer Beitze tränken darf, von der das Vehikel alkaliſch iſt, wie dieß bey den baumwollenen Zeugen Statt findet; 3) daß es zwe>widrig ſeyn würde, eine auf Wolle geſetzte Farbe mit Kali und Natron zu beleben*), Wolle und Seide widerſtehen den Säuren weniger, als Pflanzenſtoffe, ſehr verdünnte Schwefelſäure verbrennt ſie ſchnell, und Salpeterſäure färbt ſie ſchleunig gelb, indem ſie einen An- fang von Verbrennen in ihnen hervorbringt. Man war alſo gendthigt, den Gebrauch der Mineralſäus ren bey thieriſchen Färbereyen zu unterdrücken, wogegen er bey vegetabiliſchen Statt findet, Die 9) Dieſe Säße erleiden einige Einſchränkung. Denn ein Mal haben nur die ätzenden Alfalien eine ſehr zerſtdrende Kräft gegen Wolle und Seide, die kohlenſauren dagegen wenig; andrerſeits wers den jene Subfianzen vom ätzenden Ummonium faſt gar nicht ane gegriffen. Män pflegt daher; wenigſtens. in deutſchen. Fabrifen, wollene Zeuge wirklich mit milden alkaliſchen Laugen zu xeinigen; ſo wie man auch. die vielen rothen Farben aus Hölzern, durc< Pottaſche zu beleben pflegt, , M [2 >, SIpä8" (4 40 Fiheh is NEE Dis Die thieriſchen haben eine grdgere Verwändtſchaft zu den Färbeſtoffen- als die Pflanzenzeuge ,' man darf nur Wolle oder Seide in ein Farbebad eintauchen, und kann ſie ſogleich gefärbt wieder herausziehn. Ein gleiches Eintauchen eines Pflanzen? zeuges hat nichts als ein Anſchmieren von Farbe zur Fo1g€, welches das Woſſer ſogleich wieder vorwiſcht, ohne daß eine Spur davon bleibt, Yuch zu den Beißen haben die thieriſchen Zeuge eine ſiär- kere Verwandtſchaft als die vegetabiliſchen. Der Alaun zerſeßt ſich auf Wolle durch bloßes Aufwallen, wogegen er auf Baum» wolle und Zwirn faſt gar keine Verändcerung erfährt. Man darf die Wolle nur“ alaunen /um eine Beißze zu haben; die Baumwolle aber muß man vorher gallen, um den Alaun zer- ſetzen zu können, Jedes Zeug hat. ſeine ihm eigenthümliche Beißzen; Zinnz oxyd, in Verbindung mit Cochenille, har feine Verwandtſchaft zur Baumwolle, das Eiſenoxyd dagegen mehr zu dieſer, als zur Wolle, Wolle und Seide ſcheinen pordſer zu ſeyn, als Baumwolle, Flachs und Hanf; ſie tauchen leichter in Waſſer unter, und be- halten mehr von dieſer Fiüſſigkeit in ſich. Auch kann man ihnen, faſt ohne alle Vorbereitung, ſatte Farben geben, Die Urſache der Verſchiedenheit zwiſchen den Pflanzen- und thieriſchen Zeugen ſcheint grdBtentheils daher zu rühren ,. daß die erſteren mehr Kohlenſtoſſ enthalten, als die anderen, Dieſer ſehr tro>ene, nicht ſehr poröſe, ſaſt unzerſidrbare und unaufz ldsliche Stoff hat. wenig Verwandtſchaft zu den Färbeſtoffen, und man muß ihn mit einer ihm ganz fremdartigen, vorzüg.ich dligen Beitze überziehen, um ihm die Eigenſchaft, die Farben feſt zu halten, mitzutheilen*). Abgeſehen von dieſen bedeutenden Eigenſchaften, welche die thieriſcheu von den Pflanzenſubſtanzen auf eine auffallende Weiſe unterſcheiden, treffen wir auch auf Modificationen unter Sub- ſtanzen einer und der nämlichen Claſſe; die Seide, zum Bey»? ſpiel, ſcheint weniger animaiiſirt, als die Wolle, ſie wird weni2 ger von den Alkalien angegriffen, ſie ſcheint weniger pords, und gibt den Färbeſtoffen viel mehr Glanz, Die *). Jene Erklärung eines)Phänomens, daß fich nicht leicht erklären läßt, iſt.etwas weit hergeholet: Man geſtehe doc) lieber, dat uns nur: die Wirkungen, keinesweges aber die Yrſachen immer befannt ſeyn können,]- FEO MANDETE 2777 Die Baumwolle nimmt die Farbe viel leichter an, als das Leinen, das Leinen leichter als der Hanf, und dieſe beyden leß2 tern widerſtehn den Säuren weniger, als die Baumwolle, So weicht alſo das Verfahren bey der Färberey nicht allein in Rü>ſicht auf die beyden Hauptclaſſen, welche wir feſtgeſetzt, von einander ab., ſonP'n es muß auch noh nach der beſonderen Natur eines jeden, zu einer jeden Claſſe gehörigen Zeuges, mo- dificiret werden. Vierter Abſt, welcher ſich weder in Waſſer noch in Aikohol auf- ldſen- läßt.; Die Natur ſcheint die Faſern dieſer Subſtanzen mit einem Firniß überzogen zu haben, um ſie vor der Wirkung des Waſſe1s zu ſchützen, und ſo lange dieſer Ueberzug vorhanden iſt, ſind wollene„ ſeidene oder leinene Fäden undurchdringlich gegen dieſe Flüſſigkeit. Um alſo dieſe Subſtanzen dahin zu bringen, daß ſie die Färbe-annehmen, muß man damit anfangen, von jeder derſel- ben die Hülle, von der wir eben geſprochen, loszurnachen, Dieſe vorläufige Operation wird Entſchälung genaynt, wenn ihre Abſicht iſt, das Zeug oder dcn Faden zur Färderey zu bereiten; und das Bleichen, wenn einem nicht zum Färben beſtimmten Gewebe eine ſchöne weiße Farbe gegeben werden ſoll. Da die Operationen des Entſchälens mit allen übrigen Pro- ceduren der Färberey in. Verbindung ſtehen, ſo werden wir ſie hier mit einiger Ausführlichfeit beſchreiben: 1. Die Wolle iſt von Natur mit einem Fett überzogen, welches Schweiß genannt wird. Dieſes Fett bewahrt ſie vor den Motten, und macht, daß das Waſſer nicht hindurchdringen kann*). Um *) Reaumur hat beobachtet, daß man ein Zeug nur mit fetter Wolle überftreichen dürfe, um es yor den Motten zu ſichern+). Anmerk. des Verf. +) Demohngeachtet habe ich Wolle, ſo wie ſie vom Schaf gekommen iſt/ welche die Motten während einem Zeitraum von 2 Jahren total aufge“ zehrt haben, 2. 11. Ti amen WEIIENSE 7208 MEISE Um die Wolle von ihrem Fette oder Schweiß zu reinigen) welches das Entfetten genannt wird, thut man ſie in lauwarz mes Waſſer, zu welchem man ein Viertheil gefaulten Urin zus gießt, rührt. alles ſorgfältig um, nimmt ſie dann wieder her- aus, und läßt ſie abtropfen. Sodanu thut man ſie in große Körbe, welche man in einem Strome fließenden Waſſers naß werden läſſet, und tritt ſie ſo lange mit den Füßen, bis kein milchartiges Waſſer mehr herauskommt. Dann läßt man fie abtropfen und legt ſie auf einer Schichte Sand aus, bis ſie ge- hdrig weiß iſt. In Spanien, und jeßt auch in Frankreich, hat man den Urin verworfen und beſchränkt ſich bloß darauf ,'dje Wolle durch ein Waſſerbad zu ziehen, welches in dem Grade erwärmt wird, daß män die Hand faſt nicht hineinhalten kann, dann wäſcht man ſie ſorgfältig aus; man nimmt das Schweißwaſſer, wel? oder zu ſchmutzig iſt. Im erſtern Falle bildet das in dem verfaulten Urin enthal- tene Ammonium mit dem Schweiß eine Seife, welche man durch Waſſer extrahirt, Die Wirkung der Luft und der Feuch- rigkeit bringt ſodann die Weiße hervor. Wenn die Seide die ſchöne weiße Farbe bekommen ſoll, welche man ihr in Lyon gibt 3 ſo unterwirft man ſie hierzu dreyen Operationen, x) Der Entſchälung, welches darin beſteht, daß man die Strähne in einer ſehr warmen, aber nicht kochenden Auflöſung von 30 Theilen Seife auf 100 Seide erhält. 2) Der Kochung, welches geſchieht, indem man die Seide anderthalb Stunden hindurch in einer, weniger mit Seife ge ſchwängerten Aufldſung aufſieden läßt. 3) Dem Weißmachen, welches man dadurch erhält, wenn man die Seide in einer ſtarken Seifenaufldſung wäſchet. Man hat in Lyon auch noch die Gewohnheit, die Seide zu ſchwefeln, um ihr Körperlichkeit, um ihrem Weiß einen grdße- ren Glanz zu geben, Zu dem Ende hängt man ſie in gut ver? ſchioſſenen Zimmern, die vor dem Lufizuge geſichert ſind, auf Stangen auf. Dann thut man Schwefel in eine Terrine und zündet ihn an. So bleibt die Seide vier und zwanzig Stunden hindurch dem Schwefeldampfe ausgeſeßzt, worauf man die Kam» mer dffnet, um ſie troFnen zu laſſen, Dieß letztere Verfahren gebraucht man nur bey Seide die man weiß gebrauchen me on Ene 7 : EIE... 7 MUR Man hat nach und nach vorgeſchlagen, Natron und war? mes Waſſer zu nehmen, welches man in verſchloſſenen Gefäßen zu einem Grade von Hitze bringt, der die des koc- nen, indem man ſie ſehr ſiark ausſpannt und ſo tro>ent wer» den. läßt. 11. Bey der oxydirten Salzſäure haben wir bereits das Ver» fahren bey dem Bleichen mit derſelben beſchrieben: wir werden alſo hier nur von den alten Methoden handeln, welche man zetzt nod) in vielen Etabliſſements bey der Bleiche von Baumwolle, Leinwand und Hanf auwendet. Baumwolle läßt ihre natürliche Farbe früher fahren, als Leinwand und Hanf, Man läßt ſie in reinem Waſſer aufkochen, wäſcht fie ſorge fältig, legt ſie in einen Kübel, und zwar, oben auf diejenigen Stü>e bgumwollenen Zeuges, weiche ſich am ſchwerſten bleis hen laſſen, Man bede&t das Ganze mit einer Lage Aſche, die man mit einer durch Kalk. cauſtiſc) gemächten Lauge beſpreugt» Dieſe kalt aufgegoſſene Lauge filtrirt ſich durch die Aſche, und durch- dringt nach und nach die Baumwolle. Man gebraucht ſie ſo» 46) dann rwe wong neden ür RN RUE: 0 dann lauwarm; wenn ſie die Maſſe von Zeugen durchgegängen iſt, ſo fängt ſie ſich in eine unter dfe Kufe geſtellte Wanne auf, und wenn ſie lauwarm dahineinſtrömt, ſo erhitzt man ſie zum Sieden, und gießt ſie3 ſobald ſie kochend geworden iſt, darüber. Dieß Begießen mit Lauge dauert zwölf Stunden, Mar wäſcht ſodann. die Baumwolle ſorgfältig aus, und beendiget die Operation, indem man ſie einige Tage hindurch auf einer Wieſe auslegt«, ch habe bereits das in der Levante übliche und von mir in Frankreich eingeführte Verfahren beſchrieben, die Baumwolle mir Dämpfen zu bleichen, Dieß Verfahren ſcheint mir vor allen übrigen, wegen ſeiner Einfachheit und Oekonomie den Vorzug zu verdienen. Es hat mich auf die Jdee gebracht, es zum Bleichen des leinenen Zeuges anzuwenden, und die Probe, welche damit aux Bons- Hommes in der Werkſtätte der Herren Bawens än dreyhundert Paar Tüchern aus dem HAötel-dieu in Paris gemacht worden, bewies, daß es um die Hälfte ſpar- ſamer als die gewdhnliche Procedur ſey, und daß die Auslau? ung vollfommen werde, Seit dieſer erſten Epoche iſt dieß Ver» fahren durch die Bemühungen der Herren Cadet- de= Vaux und Curaudau ſehr allgemein geworden, Das Bleichen der Flachs- und Hanf- Leinwand iſt unend- lich ſchwieriger als das des Cattuns; die Hauptetabliſſements dieſer Art ſind in den ehemaligen Provinzen Beauvoiſis in Flan» dern. und der Picardie, Obgleich überall das Verfahren beym Bleichen in der wech» ſelſeitigen Wirkung der Alkalien, der Luft, und des Waſſers beſteht 3 ſo erleidet es doch einige Modificationen, die in der Natur der Leinwand vder des Garns gegründet ſind. In der Gegend von Beauvais, zum Beyſpiel, hät die Lein- wand einen guten Faden ,/ und iſt gehdrig gewebt, aber ihre Farbe iſt rothbräunlichgrau, Man fängt damit an, ſie in ein Flußwäſſer zu tauchen und ſich gehdrig damit eintränken zu laſſen. Dann breitet man ſie zum Trocknen auf der Wieſe aus. Man bringt ſie dann wieder in das Beuchhaus und behan- delt ſie dort folgendergeſtalt: Man legt ſie in Kübel von 4 Fuß Hdhe auf 6 im Durch» meſſer, und breitet die Leinwand darauf hin, welche eine ſtär kere Lauge erfordert, Man 6-90: 1== Man bedeEt ſodann das Ganze mit einer groben, aber dichten Leinwand, thut auf. dieſe eine Lage Aſche, fängt damit an, auf dieſe Aſche. einige Eimer warmes Waſſer und bald dar» auf eine kochende Lauge zu gießen,' welche man aus Natron, Kali und dem Salze bereitet, welches ſich bey dem Verbrennen der Rippen und erhabenen Adern der Tabaksblätter erzeuget. Dieſe Lauge läuft durch ein am Boden des Kübels ange» brachtes Zapflod ab. Die Arbeit dauert funfzehn bis ſechszehn Stunden täglich, und man fängt damit an, mehrere Tage hin» durch, jeden Tag die Lauge auszuſchöpfen; indem man ſie um vier Uhr Morgens auf die Wieſen laufen läßt, wo ſie bis zum Mittag bleiben. Dieß abwechſelnde Manoeuvre von Auslegen auf die Wieſe, und Austaugen 2c, dauert funfzehn bis ſechszehn Tage, Wenn man glaubt, daß die Leinwand Lauge genug hat, ſo trägt man ſie in ein Gebäude, in welchem Keſſel von 3 Fuß Höhe, auf 4 im Durchmeſſer ſtehen, die mit ſauren Molken an- gefüllt ſind. Ju dieſe taucht man die Leinwand, und läßt ſie vier und zwanzig Stunden darin verweilen. Sodann ſeift man ſie entweder auf der Hand, oder in Walkmühlen ein. Nach dem Einſeifen bringt man ſie wieder auf die Wieſe, und nimmt ſie dann herunter, um ſie durc) Milch zu ziehen. Dieſe Operationen wiederholt man fünf bis ſechs Mal, bis die Leinwand die gehdrige Weiße annimmt. Um ihr Glanz zu geben, thut man ſie in einen Kübel der mit Waſſer angefüllt iſt, in dem ſich Stärke in Aufldſung befin- det und cylindrirt oder mangelt ſie wenn ſie halb tro>en ge? worden iſt. Die Flachſe, welche die meiſten Erdſtriche in Flandern her» vorbringen, ſind ſehr ſchön, lang, fein und ohne Knoten. Nach dem Röſten bekommen ſie eine ſilberweiße Farbe, welche ſie von allen andern Produkten dieſer Gattung unterſcheiden. Auch wird aus dieſem, mit der Hand geſpornenen Flachs, die ſchdn- ſie und feinſte Leinwand fabricirt, welche man Batiſt nennt, In den Beuchhäuſern in der Gegend von Valenciennes verfährt man mit dem Bleichen folgendergeſtalt; Man fängt zuerſt damit an, daß man die Leinwaud zwey bis drey Tage-in Waſſer einweichen läßt. Dann legt man ſie in einen Kübel, und bede&Xt ſie mit „einem StüF grober Leinwand, auf welche man eine SE oda --' f02==> Soda von einem halben Zoll DiFe, legt. Dieſe Schicht bedeXt man mit eitzem zweyten Stücke Leinwand, und gießt eine Lauge von zuerſt warmer, und ſodann kochender Lauge darauf, weiche durch die ganze Maſſe dringt, und von dem Boden des Keſſe!s abläuft. Dieß Waſſer nimmt man dann wieder, undgiest es in den Kübel. Dieß Ueberlaufen dauert den Abend und die Nacht hindurch. Am Morgen, mit einbrechendem Tage, wird die Leinwand auf die Wieſe gebracht, und dort ausgebreitet, und man beneßt ſie von Zeit zu Zeit, bis zu Mittage. Dann legt man ſie wieder in den Keſſel, um ihr eine zweyte Lange zu geben, und wiederholt dieſe Operationen vierzig Tage hindurd,) Endlich thut man die Leinwand vier und zwonzig Stuvden lang in Kufen, die mit ſaurer Milch angefüllt ſind, und wäſcht ſie nachher mit Seife aus. Man beſorgt dieß Waſchen in fließendem Waſſer, und troF- net im Schatten. Glanz gibt man der Leinwand, indem man fie durch ge? gummites Waſſer zieht, und dann auf den Cylinder bringt. In der niedern Picardie, wo der Flachs weniger ſchön iſt, als in Flandern, iſt die Leinwand weniger fein, gut gewebt, und von graubrauner Farbe. Um ſie zu bleichen, taucht man ſie in fließendes Waſſer, und läßt ſie ſodann zwey oder drey Tage in Keſſeln die mit Waſſer angefüllt ſind, in welchem Kreide oder gelöſchter Kalk zerlaſſen worden, einweichen, Dann brinat man ſie auf die Wieſe, und nachdem ſie tro>en worden, immer abwechſelnd auf die Wieſe und in die Lauge, wie in Beauvais, mit dem Unterſchiede, daß das Beuchen nicht ſo oft wiederholt wird, und daß die Leinwand länger auf der Wieſe bleibt. Wenn die Leinwand nach den erſten Laugen ſtark iſt, ſo zieht man ſie abermals durch Kalkwaſſer. Man bedient ſich keiner ſauren Milch. Man begnügt fich, nur zu Ende ein Mal zu ſeifen, und geht, wenn der Faden nicht gehörig weiß erſcheint, zu den Laugen und zum Ausbreiten auf der Wieſe über. Dieſe Leinwand wird weniger weiß, als die erſte, aber auch weniger abgenutzt, und darum vom Conſumenien vorgezogen, Wenn ee---mmaeoum Wenn man eine kleine Quantität Zwirn zu bleichen hat, fo“thur man die Stränge in Töpfe, Lage auf Lage, und weiche Seife dazu. Das Gefäß ſeßt man'in eine Schwißſtube, oder an irgend einen warmen Ort, und nach vier und zwanzig bis ſechs und dreyßig Stunden hat dann der Zwirn eine ſchöne, weiße Farbe angenommen. Man wiederholt die Operation, wenn man das erſte Mal nicht einen gehdrigen Grad von Weiße erreicht hat. Wenn man Baumwolle, Zwirn oder Hanf zum Färbent beſtimmt, ſo iſt es unnüß, ihnen die ſct zur Aufnahme der Farbe machen, die Leichtigkeit, geſchwinder und gleichfdrmiger von der Beitze durchdrungen zu werden, und die Qualität, daß es durch Beymengung, ſeiner natürlichen Farbe, die, welche man ihm ertheilen will, nicht mehr verändert, Aber es iſt hinreichend das Zeug zu präpariren, man muß auch die Farbe ſo' bereiten, daß ſie jenes durchdringe, und hierzu gelangt man durch verſchiedene Mittel, welche alle aus der Natur des Färbeſtoffes ſelbſt, oder aus der Methode herge- nommen ſind, welche man bey dem Auftragen der Farbe befolgt. Es gibt keinen Färbeſtoff, ſeine Verwandtſchaft mit einem Zeuge möge ſeyn, welche ſie wolle, der eine recht gleiche Farbe hervorbringen kann, wenn man ihn nicht auf das Zeug in einem Zuſtande abſoluter Aufldſung bringet. Um daß dieſe Aufldſung Statt haben könne, muß zuerſt die Färbematerie ſehr getheilt ſeyn; auc) muß man ſich eines Aufldſungsmittels bedienen, welches zu der Natur des Färbe- ſtoffes paßt. Den erſten Zwe> erreiht man durch Zerſtampfen des Färbeſtoffs in einem Mörſer, oder Zermahlen desſelben auf Mühlen Mühlen, und wenn dieß geſchehen, ſo ſiebt man ihn durch Flohre vder Siebe. damit nichts der Pulveriſirung entgehe. Je zertheilter die Färbematerie iſt, um deſto ſchneller, voll» ſtändiger und leichter erfolgt die Ertraction der Farbe daraus, ſo daß' ver Gebrauch einer gehdrig kleingemachten Materie, Zeit, Brennmaterial und Färbematerie erſpart. Man wechſelt mit den Verfahrungsarten zur Zertheilung der Färbeſubſtanzen nach Conſiſtenz, der Natur und der Flüch- tigkeit der Materien, welche man bearbeitet. Die Färberrdthe, welche nicht ſehr hart iſt, kann ohne Nachtheil mit Mühlſteinen zermahlen, oder auch nur mit Meſ- ſern klein geſchnitten werden. Die einzige Verſchiedenheit beſteht darin, daß ſie ſich nur dann mahlen läßt, wet ſieſehr roden iſt, In den Fabriken, wo man die Färberrdthe klein macht, um ſie als Pulver zu verkaufen, macht, man drey Hauptgattunget davon; die ſchlechteſte iſt die, welche aus dex erſten Rinde kommt, die von zwey;er Qualität enthält nur den Splint der Wurzel, und iſt rörhey als die übrigen, und die von erſter Güte iſt ein Gemenge vom holzigen Körper und etwas Splint. Wenn man ſehr hartes, als Campechen-, Fernambuk- oder Gelbho!z nimmt, ſo zerſchneidet man es mit ſcharfen Inſtru- menten in Späne oder Schuppen. In Holland und England mahlt man dieſe Hölzer auf Mühlen, die zu nichts anderem gebraucht werden. Durch dieſe ſehr harte Hölzer dringen Flüſſigkeiten nur ſchwer durch, ſo daß man ſie ſehr lange Zeit einweichen läßt, un> ihr Auſwallen mehrere Stunden hindurch erhält; dieß iſt es, was die genaue Pulveriſirung dieſer Hölzer außerordentlich vortheilhaft, und ſelbſt nothwendig, macht. Rinden, wie die Quercitronrinde, erfordern keine großen - Zubereitungen; man darf ſie nur ungefähr wie Lohe mahlen, Man pulveriſirt die Cochenille in hölzernen Mörſern; einige Färber mengen ſie mit Kriſiallen von Weinſteinrahm, welches die Extraction ihrer Farben im Bade erleichtert. Bey allen Verfahrungsarten, die zur Pulveriſirung führen, verflüchtiget ſich ein feines Pulver, welches in den Werkſtäiten, in denen die Operation geſchieht, eine Wolke bildet; dieſer Staubz iſt nicht allein zuweilen nachtheilig für die Reſpiration; aber außerdem erleidet auch der Eigenthümer dadurch einen be- deutenden Verluſt, wenn die Materie koſtbar iſt. Um. dieſem Verluſte vorzubeugen, kann man an einem bede>ten a arz eiten, beiten, oder die Materie mit etwas Flüſſigem anfeuchten; dieß geſchieht wenn man Indigo mahlt, den man mit ein wenig Waſſer, und zuweilen mit einer Lauge von Kali beſprengt; dieß leßtere jedoc) nur allein in dem Falle, wenn man ſich dieſes Alfali's als Aufldſungsmittel bedienen will, Sobald der. Färbeſtoff gehdrig zertheilt iſt, darf man ihn nur noch aufldſen, Da aber alle dieſe Stoffe nicht von gleicher Natur ſind, 58 kann man nicht das nämliche Aufldſungsmittel für alle nehmen, Man kann alle bekannten Aufldſungsmittel auf vier bis fünf reduciren, Waſſer, Alkalien, Säuren, Alkohol und Oele, Erſter Artikel. Von, der Vorbereitung der FSärbeſtoffe durH Waſſer. Das Waſſer iſt dasjenige Aufldſungsmittel, welches am häufigſten gebraucht werden kann; mit Ausnahme für einige Färveſtoſfe, die die Natur der Harze oder des Saßmehls*) ha- ben, ldſt es alle andere auf, und har noch den Vorzug, daß es eine ſc zu verſchließen, dae mit ſich der Färbeſtoff allein im Bade aufldſe, Zweyter Artifel. Von der Vorbereitung der FSärbeſtoffe durch Alkalien, Das Alkali wird in der Färberey noch als Aufldſungs- mittel mehrerer Farben gebraucht, und wir begreifen den Kalk mit unter dieſe Claſſe.; In der Regel ſind die Pigmente, welche aus der Gährung entſtehn, weniger in Waſſer und viel leichter in Alkali aufzulöſen, wie. wir am Indig9, am Orlean und Waid ſehen, Waſſer lbſet durF; Aufwallen nur ein Neuntheil vom Gewichte des In- digos'auf; Waid färbt dieſe Flüſſigkeit nicht einmal; und Orxlean wird ohne Beyhülfe des Alkalis nur mühſam und ſehr unvollkommen aufgelöſt. Das Alkali kaun ferner zum Aufldſungsmittel bey einigen harzigen Färbeſioffen dienen, wie zum Beyſpiel, bey dem Roth des Saflors. Wir werden in der Kürze zeigen, auf welche Weiſe man mittelſt dieſes Aufldſungsmittel eine Farbe ſo bereiten kann, daß fie ſich auf ein Zeug aufiragen läßt. Man nennt in den Färberwerkſtätten eine Aufldſung von JIn- digo, in welche man keinen Waid gethan, und in der der In- digo mittelſt Alkalien aufgeldſt iſt, eine Indigo- Büpe, Um amen 507--- Umdie Indigoküpe anzuſtellen, läßt man ungefähr 6 Pfund Pottaſche, eben-ſo viel Kleie und 12 Unzen Färberrörhe*) in 40 Eimer Waſſer zergehen, Dieß Gemenge läßt man aufkochen, und. wirft ſodann 6 Pfund mit Waſſer zerriebeuen Indigo hinzu, Man rührt alles ſorgfältig zuſammen und bede>r die Küpe, Man unterhält das Feuer und rührt von zwdlf zu zwölf Stunden die Küpe um, bis das Fluidum anfängt blau zu wer2 den, welches nach Verlauf von acht und vierzig Stunden geſchieht. Das Bad bede&>t ſic) gewöhnlich mit einer kupferigen Haut, und mit einem blauen Schaume oder der Küpenblume, Dieſe Küpe dient nicht allein zum Färben der Wolle; ſon? dern man kann ſie auch zum Färben der Seide gebrauchen, wos bey man jedoch das Verhältniß des Indigo's vermehren muß, weil die Seide das Indigoblau nur ſchwer annimmt. Wenn man der. Seide ein ſattes Blau geben will, ſo bereitet man ſoiche erſt in Orſeille vor, und läßt ſolche auf die gut genährte Küpe paſſiren. Gubhlich hat eine kalte Küpe zum Färben der Seide bc- ſchrieben; er zerreibt ein Pfund Indigo in Waſſer, thut 3 Pfund an der Luft gelöſchten Kalk hinzu, rührt das Gemenge.um, und läßt es ſodann einige Stunden hindurch ſtehen. Sodann werden 3 Pfund ſchwefelſaures Eiſen hinzugethan, man rührt alles wohl um, und bede>t dann die Küpe, und nach einigen Stunden Stillſtand fügt man anderthalb Pfund pulveriſirtes Operment hinzu, läßt das Ganze ſtille ſtehn, und färbt darin die Seide, wenn die Flüſſigkeit unter der Küpenblume klar erſcheint,- Dieſe Küpe kann auch zu Seide, Flachs und Baumwolle gebraucht werden, Noc<+ hat man zum Zwirn und zur Baumwolle eine ſehr ſchnell färbende Küpe, man kocht nämlich in einem Keſſel 3 Quentchen pulveriſirten Indigo auf 1 Pinte Seifenſiederlauge von 15 bis 18 Graden; ſobald die Färbetheilchen gehdrig durch- drungen ſind, thut man 6 Quentchen pulveriſirtes Operment. in das Bad und rührt ſolches um. Wenige Minuten darauf wird das Bad grün, macht eine blaue Blume, und bildet ein Häut2 kaug durch Gummi, Hallor hat zwey Küpen beſchrieben, in denen der Indigo, mittelſt des Urins, welchen man dabey in großem Maaße an- wendet, aufgeldſt zu werden ſcheint, Hier iſt es offenbar das Ammonium, welches als Aufldjungsmittel wirkt, aber dieſe Veorfahrungsarten ſind nicht wehr im Gange, weil ſie weder ſo vortheilhaft ſind, noch ſo ſchleunig zum Ziele bringen als die Waivpküpen und die Indigoküpen, Oft nimmt man, ſtatt der Alkalien, lebendigen Kalk: Bergmann componirte eine Küpe, indem er 6 Quentchen lebenz digen Kalk.in ſo wenigem Waſſer, als möglich,[dichte; goß ſoz dann 2 Pfund Waſſer auf denſelben, und löſte 3 Pfund ſchwe- fel'aures Eiſen*) und 3 Quentchen klein geſtoßenen Indigo darin auf,» Dann wird alles untereinander gerührt, und in zwey oder drey Stunden kann man färben, Dieſe Küpe iſt gut zu Zwirn und Baumwolle, In mehrern Fällen aber, wo es darauf ankommt, Indigo aufzuldſen, läßt man Kalk und Alkali zuſammen wirken, Um alſo Baumwolle zu färben, läßt man acht Stunden hindurch, 20 Pfund Indigo in einer ſtarken cauſtiſchen Lauge einweichen. Sodann macht man den Indigo klein, gießt zu gleicher Zeit ungefähr 3x Eimer Waſſer in die Küpe, und 20 Pfund lebendigen Kalk dazu; ſobald der Kalk geldſcht iſt, rührt man die Küpe auf, läßt darin 36 Pfund ſchwefelſaures Eiſen aufldſen, und thut,'wenn die Aufldſung vollſtändig geſchehen, den pulveriſirten Judigo hinein. Man rührt nun die Küpe ſieben bis'acht Mal an einem Tage um, und kann nach einem Still? ſtande von ſechs und dreyßig Stunden daraus färben, Die berühmte Waidküpe, deren man ſich allgemein zum Blaufärben bedient, iſt die complicirteſte von allen. Das Ver- fahren bey ihrer Bereitung iſt in den verſchiedenen Werkſiätten von *) Drey Pfund ſchwefelſaures Eiſen auf 6 Quentel, und mit dien De&en, damit ſie, ſobald man das Färberrdihedecoct hinzuge- than, nicht kalt werde, und det ſie nicht eher wieder auf, als wenn man ſie vmrühren will, Wenn ungeachtet dieſer Vorſichts- maaßregeln die Wärme nachläßt, ſd gießt man einen Theil des Bades ab, und läßt es in einem Keſſel kochend werden, worauf man nun ſolches in die Küpe zurücklaufen läßt. Wenn der Kalk in einem zu ſtarken oder zu geringen Verhält« niſſe gebraucht wird, ſo hat dieß unangenehme Folgen; im erſtern Falle wird die Farbe ſchwarz, der Geruch iſt pikant, und das Zeug, welches man in das Bad raucht, kommt ſchmugiggrau wieder heraus, Man nennt.die Küpe wemn ſie dieſe Diſpoſition hat, eine ſchwarze, Im zweyten Falle wird die Farbe rorhbraun; der -- Ff10= der Teig der auf dem Boden liegt, ſteigt in die Höhe; der Gee ruch wird ſtinkend, und es findet eine wahre Fäulniß Statt, Man kann eine ſchwarzgewordene Küpe wieder herſtellen, wenn man Färberrdthe, Kleie, Urin, Weinſtein u. ſ, w. hinein? thut, ſie wieder erwärmt, ohne ſie zu rühren, und einen oder zwey Körbe friſchen Waid. zuſchütret, Die Fäulniß corrigirt man durc Kalk, durch Aufrüh- ren u. ſ, w. Wenn man den Orlean in einer alkaliſchen Lauge auffos2 hen läßt, ſo wird ſeine Farbe klarer und angenehmer gelb. Man kann die gelbe Farbe des Orleans willkührlich nüanciren, wenn man durch Citronenſaft oder Alaun die Wirkung, die das Alkali auf ihn gemacht, zerſtdret. In den Werkſtätten, wo man viel Orlean gebraucht, hat man einen kupfernen Durchſchlag mit kleinen Löchern, in den der in Stü>en geſchnittene Orlean gethan wird. Man hält das Ganze in einen mit lauwarmem Waſſer angefüllten Keſſel, und rührt mit einem hd!zernen Stämpel den Orlean zuſammen, wels- e, worauf das Gemenge umgerüttelt wird, und vier und zwan- zig Stunden“ſtehen bleibt. Sodann klärt er die Flüſſigkeit ab, und bewahrt ſie auf, bis ſie gebraucht wird. Auf den Rückſtand gießt er neue Säure und fährt ſo fort, bis das Holz erſchöpft iſt, Wenu man von dieſer Flüſſigkeit Gebrauch machen will; ſo verdünnt man ſie mit Waſſer, welches man ſo warm mot, daß man die Hand hineinhalten kann, gießt Zinnaufldſung hin» zu, bis ſie feuerfarben wird, und rührt ſie um, und taucht das ſchwach gegallete und alaunete Zeug hinein, Salpeter» und oxydirte Sa!zſäure geben allen thieriſchen Subſtanzen eine gelbe Farbe, Man hat ſich ſeibſt der erſten dieſer ») Da die Citronſäure nicht deftillirbar iſt, ſo iſt die Zubereitung einer Cirronenſäure haltigen Eſſigſaure auf dem angegebenen Wege ganz unnüß, 9. -- 513= dieſer beyden Säuren mit Erfolg bedient, um der Seide und Wolle ein ſehr angenehmes Gelb mitzutheilen. Die Salpeter- ſäure bringt die nämliche Wirkung, auf die Färberrdthe hervor; aber das von ihr entſtehende Gelb ſchwindet mit der Säure, und die Färberrdtrhe, dergeſtalt ihrer Farbe bergubt, gibt nichts deſtoweniger der Baumwolle eine rothe, Vierter Artikel. Von der Vorbereitung der Färbeſtoffe dur& Gele. Auch die Oele kdnnen mit zu den Aufldſungsmitteln der Färbeſtoffe gerechnet werden. Das Olivendl! ldſet die Farbe der rothen Ochſenzunge(orcavette) auf, Leindl iſt das gewdhn2 lichſte Aufldſungsmittel bey der Compoſition der fetten Firniſſe; und Terpenthindl ldſt ſelbſt Harze auf, und dient zur Bereitung der Harzfirniſſe. Der Alkohol iſt beynahe das einzige Aufldſungsmittel der Harze. Wir haben von ſeiner Anwendung bey Gelegenheit der Firniſſe geſprochen. Sechster Abſchnitt. Von der Bereitung der Beigen«, Um einen der wichtigſten Theile der Färbekunſt, da auf ihm die Fabrikation feſter und zugleich ſc erkennt; ſo löſt er friſchen Algun darin auf, welches das Erneuern genannt wird. Wenn das Bad anfängt, einen übeln Geruch anzunehmen, ſo alaunet man darin die Seide, welche zu dunketn Farxpen, als braun, kaſtanienbraun u, ſ, w, beſtimmt iſt, und wirft es ſo» dann weg. Man alaunt gewöhnlich die Seide im Kalten, weil man bemerkt hat, daß das warme Alaunen den Glanz verdirbt. Es iſt mehr Vortheil'dabey die Seide ſtark als ſchwa zu alaunen, weil ein ſtarkes Alaunen die Farbe beſſer emporhebt, und ſie übrigens auch gleichidrmiger wird. Es bildet ſich eine Incruſtation an den Wänden des Kübels, in welchem man alaunet, weldes aus der Zerſeßzung des Alauns durch die Seife herrührt, die die Seide immer in größerer oder geringerer Quantität in ſich enthält, Wenn man Wolle alaunen will; ſo fängt man damit an, ſie eine Stunde hindurch in einem Bade von Waſſer und von Kleie kochen zu laſſen, um alles Oel daraus zu ſcheiden, und wäſcht ſie in kaltem Waſſer, Man bringt ſie nachher in eine Aufldſung von, Alaun, und läßt ſie zwey Stunden hindurch darin kochen; dann nimmt man fie wieder heraus, läßt./ſie, nachdem man ſie gusgedrückt, 12 bis 15 Stunden abtropfen und wäſcht fie in kaltem Waſſer aus. Wenn man fie nicht augenbliklich färben will, bede>t man ſie mit einer naſſen Leinwand, damir ſie ihre Feuchtigkeit nicht verliere, Bloß bey der Cramoiſifarbe bedient man ſich des Alauns allein zum Alaunen der Wolle. Bey allen andern Farben verz mengt man ihn mit Weinſteinrahm, der ſeiner Wirkung nache hilft, wie wir bereits bemerkt, da wir von den Beißen im Alls gemeinen ſprachen.: Wenn man die Wolle mit Krapp färben will, ſo alaunet man das Zeug in einem Bade, in welchem man 4 Unzen Alaun und 8 Unzen Weinſteinrahm auf x Pfund Wolle hat aufld2 ſen laſſen. Um die Wolle mit Wau zu färben, wird nam Scheffer damit angefangen, daß man ſie mit Kleie kocht. und ſodann zwey Stunden hindurch mit einem Viertheil Aiaun uyd einem Zwdlftheil Weinſtein in kochendem Waſſer einweichen laßt. Kk 2 Man 25 516 amines Man bedient ſich beynahe des nämlichen Verfahrens, um mit Scharte und andern gelbfärbenden Pflanzen zu färben. Man fieht aus allem Vorhergehenden, daß die Alaunung der Wolle durch Aufwallen geſchieht, und daß man das Zeug nicht vollſtändig troFen werden.laſſen muß, bevor man es färbt, Das Alaunen der Baumwolle unterſcheidet ſic) wieder von dem der Seide und Wolle; hier, wenn das Roth von Adriano- pel angewendet werden ſoll, geſchieht jene Operation nur erſt nach dem Gallen und ſchränkt ſich bloß darauf ein, daß man ungefähr ein Fünftheil Alaun in lauwarmem Waſſer aufldſt und die Baumwolle durchzieht, ohne das Bad kochen zu laſſen, in- dem man die Strähne einzeln in einer Portion des Bades die in eine Schüſſel gegoſſen iſt, herum nimmt, Nach dem Alaun läßt man die Wolle tronen, und wäſcht ſie ſodann mit außer- ordentlicher Sorgfalt aus, bevor man ſie färbt. Die Schwefelſäure iſt nicht das einzige Aufldſungsmittel, deſſen man fich zum Auftragen der Alaunerde auf die Zeuge be- dient. Die Eſſigſäure iſt beſſer dazu zu gebrauchen; zu dieſem Ende ldſt man 3 Pfund pulveriſirten Alaun in 3 Pinten Waſſer auf, thut in dieſe Aufldſung x Pfund Bleyzu>er, rührt die Flüſſigkeit um, die ſogleich eine ſehr ſchöne weiße Farbe annimmt; und wirft nach und nach 2 Unzen Kreide und 2 Unzen Kali hin» ein; es entſteht dann. ein lebhaftes Aufbrauſen, man rüttelt hierauf das Gemenge um und läßt es nachher ſtehen, Es bildet ſich ein ſehr weißer Bodenſaßz, welcher nichts iſt als ſchwefelſaures Bley, vermengt mit etwas ſchwefelſaurem Kalk. Die oben aufſchwimmende Flüſſigkeit hält viel eſſig? ſaure Alaunerde und ein wenig unzerſetzten Alaun in Aufldſung. Dieſe Beitze von Alaunerde iſt es, deren ſich die Leinwand- druFer bedienen, um das Roth des Krapps auf dem Zeuge zu befeſtigen. Sie verdient vor dem gemeinen Alaun den Vorzug in allen Operationen der Alaunung, weil außer dem Vorzug, den die Eſſigſäure vor der Schwefelſäure hat, die eſſigſaure Alaunerde auf dem Zeuge nicht kriſtalliſirt, auch längere Zeit, und auf dasſelbe ſeiner ganzen Maſſe, nach, wirket, No, ja oft eine faſt ungusldſchlihe Spur zurüFlaſſen, D « Da äber ein Oryd, wenn es eine gute Beiße ſeyn ſoll, dem Farbeſtoff aur eine farbloſe Baſis darbieten mußz ſo gibt es wenige, die dazu gebraucht werden kvunen, Maa Faun ſich. der gefärbten Oryde nur zu dunkeln oder componirten Farben bedieuen, von denen die Beißze ſodann ſelbſt ein Färbeſtoff wird.“ So verwandelr das Ciſenoxyd auf Baum- wdile das Roch öer Färberrdthe, nach den verſchiedenen Ver» häitmiſſen in denen es angewendet wird, in Violett, Schwarz- braun oder Lilas, Das Zinnoxyd ſcheint bis jet die vollkommenſte Belke unter allen denen, welche die Metalle liefern, abzugeben, Es wird hauptſächlich- bey der Scharlachfärberey gebraucht, und mit. dieſem ſeinem Gebrauche werden wir uns ſogleich beſchäftigen. Die Scharlachcompoſition, welche nichts iſt als eine Aufldſung von Zinn in. ſaipererſaurer Salzſäure, wird nicht'auf eine und vietelbe Weiſe in den verſchiedenen Werkſtätten bereitet, Iu.Spanien ld(t.man das Zinn in der Säure auf, ohne ſie zu verdünnen; in Frankreich verdünnt man die Säure mit Waſ» ſer; Heliot-räth zu gieichen Theilen Säure und Waſſer; Mac» guer ſchlägt vor, vier Theile Säure und drey Waſſer zu nehmen, Aüch. in dem Verhältniſſe des Zinnes finden Verſchiedenheiten Statt; Zellot nimmt davon ein Sechszehntheil auf die Säure; Schefer ein Viertheil; Pärner ein Achttheil; UIacquer drey Theile, auf acht Säure*), Die Aufldſungen, welche am meiſten Zinn enthalten, ſind braun, und geben yunklere und trübere Farben; wenn man zur Seide aber nicht eine recht damit angefüllte Auflöſung nehmen wollte, ſo würde die Farbe viel zu hell ausfallen. Die Bereitung unterſcheidet ſich ferner in der Wahl der Sauren. Einige Färber nehmen, ohne alle Veränderung, das Scheidewaſſer, weiches aus der Deſtillation oder Zerſeßung des rohen Saiperers entſteht; aber dieſe Säure iſt ſo verſchieden, als der Salpeter ſelbſt, das heißt, niemals von gleicher Qualität, In vielen Färberwerkſtätten hat man die Gewohnheit, Seeſalz oder Salmiak 1m Scheidewaſſer aufzulöſen; aber die Verhältniſſe wechſeln auch hier von einem Viertheil an bis zu einem *) Jelt man das Salz, und thut es in die Säure, und fügt einige Tage nachher, wenn die Aufldſung geſchehen, das Zinn im Verhältniß eines Achttheils zur Säure hinzu.“ Die Aufldſung geht langſamer vor ſich, und ſobald fie beendiget iſt, verdünnt man ſie mit einem Viertheil ihres Ge- wichtes an Waſſer, und bewahrt ſie zum Gebrauche auf, Die reine Salpeterſäure, welche man zu dieſer Compoſition ge- braucht, iſt in den Werkſtätten der Deſtillateurs unter dem Namen Scheidewaſſer und Scheidewaſſer für die Zutmacher bekannt. Die Beobachtung hat gelehrt, daß, wenn die Aufldſung mit einem lebhaften Aufwallen geſchieht, die Farbe weniger lebhaft und minder angenehm wird, als wenn ſie langſam vor ſich geht. Wenn man ein Tuch zur Sce u, ſ, w, hin- einnehmen. Ie älter die Compoſitionen find, um deſto beſſer ſind fie daß Genueſiſche Schwarz- welches ſeit langer Zeit einen großen Ruf hat, verdankt ſeine Vorzüglichkeit nur dem Alter der Comz poſition, welche ſeit zwey bis dreyhundert Jahren mit einer wahrhaft religidſen Sorgfalt genährt und erhalten wird, und ein wahrhaftes Gemeindeeigenthum bildet, Heut Heut zu Tage nimmt man allgemein, ſtatt der Schwee fel-, Eſſig- und anderer Säuren, die branſtige Holzſäure, die mau aus der Deſtillation der Pflanzen in reichlichem Maaße erhält, und ſich mit vieler Erſparniß an allen den Oertern verſchaffen kann, wo die Verkohlung von Holze im Großen geſchieht. Dieſe Säure, die, nach der Analyſe der Herren Fourcroy und Vgauquelin, nichts iſt, als Eſſigſäure, die eine gewiſſe Quantität Oel in Aufldſung hält, har zwiefache Vorzüge; zus erſt den, daß ſie dem Künſtler ein gures Aufldſangsmititel zu einem geringen Preiſe liefert; und dann den, daß ſie einen dligen Stoff mit ſich führt, welcher eine vortreffliche Beißze für den Cattun abgibt. Es iſt alſo nicht auffallend, daß man ihr den Vorzug bey Verfertigung der Beize zum Schwarz gibt. Es gibt Fälle, wo die Verwandtſchaft der Beitzen durch andre Subſtanzen vorbereitet wird, die ſie hervorbringen. Der Alaun zerſeßt ſich ſchwer und unvollkommen auf den thieriſchen Zeugen, wenn nicht Weinſteinrahm ſeiner Wirkung zu Hülfe kommt. Er zerſetzt ſich ferner-nicht merklich auf Pflanzenmaterien; aber Oel und Galläpfel, in die man ſie taucht, befördern dieſe Zerſetzung. Die complicirteſte Beiße, die man in der Färbekunſt kennt, iſt die: des Roths von Adrianopel(Türkiſchroth); man fängt damit an, daß man die Cattune mit einer Seifenaufldſung be- neßt, in der ſich Oel im Uebermaaß befindet, und die mit thie- riſcher Materie vermengt iſt; man gallet und alaunt ſie ſodann, woraus ein Compoſitum der drey Stoffe(des Oeles, Gerbſtoffes, und der Alaunerde) entſiehet, welches dergeſtalt feſt an der Baumwolle hänget, daß man es durch kein Waſchen davon hin» wegbringen kann*), Siebenter Abſchnitt, Vom Färben der Zeuge, Wir haben bereits gezeigt, auf welche Weiſe man die ver- ſchiedenen Färbeſtoffe extrahiren könne; wir haben ferner ge- lehrt, *) Siehe mein Memdire über dieſe Beiße im 2kten Bande der Samm- lung der Memoiren des Inſtituts+). Anm. d. V. |) Verdeutſcht findet fich dieſer Aufſas in Hermbſtäd t's Magazin für Järder 2c. 554 lehrt, mittelſt welcher Verfahrungsarten man die' Beitzen auf die Zeuge aufträgt, bevor man die Farbe darauf befeſtiget, und es kommt alſo jeßt nur noch darauf an, zu zeigen, wie man durch ſie. das. Zeug färben könne, Um daß ein Zeug in allen ſeinen Punkten gleichſdrmig und hinreichend gefärbt werde, ſind Vorſichtsmaaßregeln erforderlich, welche wenige Färber inne haben, wenn ſie nicht ſchon ſehr ge übt in ihrer Kunſt ſind. Nachdem man die Beize auf das Zeug aufgetragen ,. läßt man es am häufigſten tro>en werden, und wäſcht es ſodann ſorgfältig; aus, um die Portion der Beitze, welche nicht in Vera bindung getreten iſt, heraus zu bringen; Flachs und Baumwolle werden auf dieſe Weiſe zu allen Farben,«das einzige Indigo- blau ausgenommen, vorbereitet. Die thieriſchen Zeuge aber werden noch feucht von der Beiße oder der Seife, die man ihnen gegeben, in's Färbebad getaucht, mit den Händen oder dem Nagel ausgedrut, an die Luft gehängt und gefärbt. Die Manipulation bey dem Färben von Tüchern iſt nicht die nämliche, als die bey dem Färben von Wolle oder Garn; im erſtern Falle bedient man ſich einer Winde welche man auf den Keſſel ſeßt, um das Zeug in das Bad zu tauchen, und mit» telſt deren es, ſobald es in dasſelbe hineinreicht, ſce leitet, mit wel» e auf, und dreht fie ſo um ,+ daß nac) und nach alle Theile derſelben im Bade naß werden, Wenn man das Bad zum Aufwallen bringen will, zieht man Strike durch die Strähne,-befeſtiget dieſe Stri>e' an Std>e, und läßt ſie ſo lange im Bade als mau für ndthig hält. Dieß Dieß Verfahren iſt das gewdhnlichſte, aber es- erleidet in Räckſicht der verſchiedenen Farben unzählige Modificationen, die man nothwendig kennen muß, Wenn man Wolle färben will; ſo fängt mau.damit an, ſie eine Stunde hindurch in ein Bad von Waſſer und Kleie zu thun und aufwallen zu laſſen; ſodann wäſcht man ſie aus, Soll die Wolle mit Färberrdthe gefärbt werden; ſo gibt man ihr eine Beize von Alaun und Weinſtein, und rdthet ſie dann in einem Bade aus 4 Unzen Färberrdthe auf das Pfund Wolle, thut das Zeug faſt zu gleicher Zeit, als die Färberrdthe hinein; heißt das Bad nach und nach; dreht das Zeug ſorgfäl- tig um; läßt es einige Augenblike hindurc<ß, köchen, wäſcht es, wenn man es aus dem Bade herausnimmt, aus, und hängt es zum Tro>nen auf. Hellor nimmt ein halbes Pfund Färberrdthe auf ein Pfund Wolle; er unterhält das Waſſer eine Stunde lang, in einer Wärme, die der von kochendem nahe kommt, und läßt nur vier bis fünf Minuten kochen. Man kann dieſer Farbe einen grdßeren Glanz geben, wenn man zu dem erſten vorbereitenden, mit der Kleie angeſetzten Bade, ein Achttheil an Weinſteinrahm hinzuthut. Das Roth wird noch lebhafter wenn man ein wenig Zinn» aufldſung in die Beize nimmt, Wenn die Wolle ſcharlachroth gefärbt werden ſoll, ſo taucht man das Tuch, nachdem man es ſo wie wir es beſchrieben durch die Beiße gezogen, und das Färbebad nach der ange- gebenen Methode bereitet, mittelſt der Winde, und zwar ſo ſchnell als mdglich hinein, und dreht es einige Minuten hindurch ſehr gejhwinde um, dann halt man mit der Bewegung inue und läßt das Tuch eine Stunde lang kochen; worauf man es auf die Winde trägt, wo es abtrdpft, und kalt wird, dann es auswäſcht und an einem dunkeln und luftigen Orte tronen läßt. Pärner hat bemerkt, daß die Farbe ſcnen auf. Wenn die Farbe matt und ſchmutzig iſt; ſo zieht man das gefärbte Zeug durch kochendes Waſſer, um es von allem, wodurch es ſcHhmußzzig werden kann, zu reinigen. Zum Sächſichſchen Blau gibt man dem Tuche eine Beitze von 22 Unzen Alaun und 13 Unzen Weinſteinrahm auf 1 Pfund Tuch. Man läßt das Zeug eine Stunde hindurch im-Bade aufkochen, und dann vier und zwanzig Stunden darin ſtill ſtehen. Man bereitet das Färbebad, indem man das Waſſer zum Aufwallen bringt, 10 Quentcnen. Weun man die Seide roh blau färben will, daß heißt, ohne daß ſie zuvor gekocht iſt, ſo wählt man dazu diejenige, die von Natut am weißeſten, und taucht ſie in Waſſer, damit ſie die Farbe beſſer anzehme, Die Seide, welche gelb gefärbt werden ſoll, wird mit 20 Pfund Seife auf 100 Pfund Seide gekoe vertheilt in das Bad, nachdem vorher ſo viel Citronenſaft hinzugekommen iſt, bis die Farbe kirſchbraun wird. Dann rührt man das Ganze um, und legt Seide hinein, die man ſo lange darin läßt, bis man bemerkt, daß ſie die Farbe anziehe, It. kl Um == 530: Um ein ponceau zu erhalten, das ſich eben ſo lebhaft als ſatt macht, drückt man die Seide, wein ſie aus dem erſteu Bade kommt, aus,-und thut ſie)in ein zweytes. Man.ge- braucht ſo nach und nach ſüaf bis ſechs Bäder, bis ſie Jeuer2 farben wird, Man belebt das ponceam indem man die Seide in einem lauwarmen mit Citroneuſafte gefäuertem Waſſer weicht, Man muß der Seide einen Grund von Orlean, von drey vder vier Schattirungen unter Aurorafarb geben, bevor man den Färbeſtoff des Saflors darauf aufträgt. Man kann bis zu einem gewiſſen Grade das ponceau des Saflors durch Braunholz nachmachen; dieß nennt man ratiige oder falſches ponceau ,/ zum Unterſchiede von dem feinen pou» ceau. Man gibt der gekochten Seide einen guten Grund von Oxlean, wäſcht, kühlt ſie ab, alaunt ſie und weicht ſie in eis nem Bade von Braſilienholz ein, in welches ein wenig Seifen? waſſer gethan wird, Bis jetzt hat man ohne Erfolg ein Mittel zu finden geſucht, um die Seide ſcharlachroth zu färben.- Wie ſorgfältig man auch dabey zu Werke gegangen, ſo blieb die Farbe der Coche- nille immer matt: wenn man jedoch eine Zinncompoſition nimmt, die ſo ſtark iſt, daß ihre Säure ſich recht merklich äußert und die Seide nach und nach in das Cochenillebad und in die ſaure YNufidſung taucht, ſo erhält man eine Farbe von allen Eigenſchaften des Scharlachs.. Ih habe vor zehn Jahren in ver mediciniſchen“Schule in Montpellier Proben von Seide uie- dergelegt, welche mittelſt des angegebenen Verfahrens ſcharlachz roth gefärbt war.(Ih ſchreibe dieß 1806). Es iſt ſchwerer, der Seide eine ſcen weiden, und ſchüttele ſie ſtark in in der Hand, um ihr Luft zu geben, und die Galläpfel welche noch daran. hängen, davon loözumachen. Das nämliche Ma- noenvre mache ich auc?) beym Campechebade und waſche die Seide jedes Mal aus, nachdem ich ſie in vie Vitridlaufldſung getaucht, In dem lezten Campechebade laſſe ich 2 Unzen ara» biſchen Gumtti auf das, Pfund Seide gerechnet, zergehen, Man gibt der ſchwarzen Seide. ein ſanfteres Anſehn; indem man die gefärbte Seide durch Seifeuwaſſer zieht, Ic'habe bewerkt, daß, wenn iman die gleichzeitige Wirz kung der adſtringirenden Pflanzen und der Galläpfel mit einan- der verbindet, man eine ſgafi2re und angenehmere, Farbe erhält. Die Rinde des Grangtapfelbaumes, der Kreuzdoru; der Ler2 en in dem Bade behandelt; nachher aber bringt man das Bad zum Aufwallen, und thut die Bgumwolle hinein, um ſie eine Stunde darin kochen zu laſſen und wäſcht ſie endlich ſorgfältig aus, Achter Abſc das Zad ſtärken, die Farbe ſchönen, gebraucht. Dieſer Theil der Färbekunſt iſt der zarteſte und ſchduſte. In ihm beruhen faſt alle Geheimniſſe der Färber, s Vir Few„magn fn dan TEI Anwe DÄR m MIELE Tenge= Wir können hier bloß im Allgemeinen die Hauptverbeſſerun- gen. oder Veränderungen, deren. die Farben durch die Wirkung ungefärbter Kdrper auf ſie fähig ſind, ſkizziren. Die näheren Detai!s findet man in den Werken, die von der Färbekunſt allein handeln. Die. ſaure Zinnaufldſung rdthet die Cochenille und belebt das Decoct derſelben. Der Weinſteinrahm macht die Farbe des nämlichen Färbe2 ſtoffes geib und belebt ſie, Die Alaunaufldſung verwandelt Scharlach in Cramoiſi, und daher kommt es, daß das Tuch, welches' man mit Alaun gebeißt hat, ſich in dem zum Scharlach bereiteten Bade ſchars lachroth färbt, Die Alkalien verwandeln den Scharlach in Violett. Das Seeſalz verwandelt das Roth der Cochenille in Schats tirungen von Lila's, die in das Blau ſpielen, Salmiak macht es dunkel, ohne ihm ſein Roth zu rauben. Vitriol verwandelt das Roth der Cochenille in Violett; warmes Waſſer macht es Blau; indem es die Lebhaftigkeit des Roths angreift. Das Roth der Färberrdthe kann die nämlichen Modificatio2 nen erfahren, obgleich auf eine minder merkliche Weiſe, Säue xen färben es gelb und verwandeln es in Orange. Kalk und alle Kalkſalze machen es matt, Man bedient ſich der Alkalien, um das Roth des Braſi- lienholzes zu Roſa zu machen und das falſche Cramoiſt auf der Seide hervorzubringen, Die Alkalien laſſen das Roth des Saflors in das Gelbe ſpielen; durch Citronenſaft kann man die urſprüngliche Farbe wieder herſtellen, Dieſe Alkalien entwi>eln ferner die Farben in allen Pflan» zen, welche man zum Gelbfärben gebraucht. Man bedienet ſich ſelbſt einer Aufldſung von Kali, um die Farbe des Wau auf die Baumwolle aufzutragen. Die Alkalien verhüllen in dem Orlean die rothe Farbe, die mit der gelben darin verbunden iſt; die Säuren können aber ihre Wirkung wieder zerſtdren; ſo daß man mitte'ſt dieſer beyden Salze, die Farbe des Orleans vom blaſſeſten Gelb, bis zum Orange ſchattiren kann, Sie 90" MBE 7 07 Sie verwandeln ferner das Gelb, welches man auf Wolle und Seide durch Salpeterſäure erhält, in ein ſolides Oranges Man darf dieſe beyden durch den Saflor gefärbten Stoffe nur in ein cauſtiſches Alkali tanchen. Wenn man Säure zu 25 bis 28 Graden nimmt, ſo erhält man eine ſehr ſchdne Farbe, Noch geb:aucht man die A kalien, um das V-olett aus demi Braſilianiſchen und Indianſchen Holze, zu ſtärken; ſie geben der Farbe des erſtern ein reineres Anſehen, und beleben das Violeit des Campecheholzes. Seide die zum feinen Violett präparirt iſt, kann durch ein wenig Arſenik, den man in das Cochenillebad thut, in Purpur verwandeit werden, Die ganze Kunſt, die Farbe zu ſtärken, läßt ſich auf ſehr einfache Grundſäße reduciren; 1) Wenn die rothen Farben rein find, ſo machen die Säuren ſie blaß oder orange, indem ſie ſie der gelben Farbe annähern, Alaun, Weinſteinrahm, Zinnaufldſung und Säuren brin2 gen die nämliche Wirkung hervor, 2) Wenn die rothen Farben mit ein wenig nicht ſehr ſolidem Blau vermengt ſind; ſo erhdhen die Säuren die Farbe; indem ſie das Blau zerſidren oder rdöthen. Wir ſehen die Beyſpiele hiervon am Fernambukholze und faſt allem falſichen Pflanzenroth. 3) Die Alkalien zerſtören die harzigen rothen Farben, und entwikeln das mit ihnen vereinigte Gelb. Sie verldſchen den rothen Ton des Orleans, ſo auch den des Saflors, und man ſtellt die rothen Farben durch Sauren wieder her. 4) Die A'kalien ſtellen das durch die Säuren roth gefärbte Violett wieder her, und zwar, mit grdßerer Intenſität als zuvor. 5) Das Seeſalz und alle Kalkſalze verwandeln die rothen Farben in ein bläuliches Cramoiſi. 6) Das Eiſen und alle ſeine Verbindungen machen die roth und gelben Farben braun, durch dieß Mittel erhält man die lange Reihe von braunen Scattirungen, die heut zu Tage faſt alle übliche Farben umfaſſen. Zehnter Abſchnitt. Vom Lebhaftmachen der Sarben. Die Schönheit der Farben hängt ohne Zweifel zuerſt von der guten Wahl der Jugredienzien ab; aber die Art ſie zu vers binden, und die Kunſt ſie zu beleben, machen die Wiſſenſchaft des Färbers aus, Ei in Kenn Ze nl denn Lignin fin EEN 1 EDEN Ein gutes Waſchen belebt die Farben, invem es dem Zeuge den ganzen Theil der Farbe raubt, der nicht in Verbindung ges treten iſt. Dieß Waſchen muß in einem reinen und fließeuven Waſſer geſchehen, Man bedient ſich der Alkalien, um gewiſſe Farben zu be- leben, zum Beyſpiel, um dem Roth von Adrianopel Glanz zu geben, l&ßt man die Baumwolle, die aus dem Bade in Färber- rdthe kommt, vier und zwanzig oder ſechs uub dreyßig Stunden in einer Natronlauge kochen, wäſcht ſie, und läßt ſie noer, der in den Zellen zwiſchen dem Centro und der Rinde ſit. Die andere iſt eine vegeto- animaliſche, dem Gluten des Waißens ähnliche Subſtanz, und befindet ſic) in den Membra- nen, welche die Zellen von einander ſcheiden, in denen die ver? ſchiedenen Füſſigkeiten ſind. Herr Fabroni hat ſich davon überzeugt, daß der Trau? benſaft durch Stilliehen einen Bodenſatz abſelzt,.der das Fünf» theil ſeines Olvichtes ausmacht. Er fügt hinzu, daß, wenn man dieſen Saft einer ſtarken Wärme ausſeßt, man dem GrundſioFe Conſiſtenz gebe,'und den Saft ſodann durc) das Filtrum ganz herausziehn kdnue. Er behauptet ferner, daß, wenn der Saft! von dieſem Grundſtoffe ganz frey gemacht worden, er keiner Gährung weiter fähig ſey, und daß man ihm die Eigenſchaft, zu gähren, nur dadurch wiedergeven könne, daß man ihn aufldſe, und ihm etwas von dem erwähnten Grundſtoffe zurüFgäbe=). Noch *) Jh habe dieſe Reſultate beſtätigt gefunden, indem ich den Erträct von Traubenmoſt, dep man den harzigen nennt, in Wajijer King Zin denen Lig in SRE n=er in Gährung; während Fruchthefen fich durch Wärme coaguliren, welches darauf hinzudeuten ſcheint, daß der Eyweißfioff dem Bierhefen fremd, oder viel weniger häufig, darin vorhanden iſt. Dieſe Verſchiedeuheiten in den Wirkungen zeigen Modificationen in der Natur der Subs» ſtanzen, nicht aber eine verſchiedenartige Natur ſelbſt, an. Der nämliche Chemiter hat zwey Zuſtände in dem Pflanzen? Eyweißſtoffe, dem Grundſtoffe der Gährung, wahrgenommen; einen, in dem er aufldslich iſt, wie in allen Fruchtſäften; einen andern, in dem der Faſerſioſf zur Entwiäelung gekom- men, und dadurch den Hefen unaufldslich macht. So hat Herr Berthollet beſtätiget, daß gekochte oder getro>nete Hefen minder ſchnell mit dem Zucker gähren, und daß der Gluten viel beſſer in Gährung geriethe, wenn man ein wenig Weinſtein u. ſ. w, hinzuthäte, Man kann alſo dieſe vegeto- animaliſche. Materie als den Keim oder Sauerteig der Gährung betrachten. Von dem Augenblike an, wo dieſe Materie durch Auspreſe ſen der Trauben, oder durch eine künſtliche Vermengung mit dem Zud&er vermengt wird, ſicht man die Gährung beginnen, Es erzeugt ſich zuerſt viel Kohlenſäure, welche auf allen Punkten der zeraehen ließ; dieſer zergangene Moſt gähret nicht, ſondern fault; wenn man aber Hefen darin auflöſt, und ihn einey Temperatur von 20 Graden nach, dem Reaumurſchen Thermometer ausſekt, ſs gährt und producirt er eine weinartige Flüſſigkeit. A, d, V. -„ - 541= der Maſſe-in Blaſen in die Hdhe ſteigen, die über der Maſſe zerplatzen; dann wird die Flüſſigkeit trübe, verliert nach und nach ihren zuFerigen, und nimmt einen weinartigen Geſchma> an; es entſteht ein Schaum auf der Oberfläche; es ſchlägt ſich eine ſpinnevwebartige Materie nieder, und die Flüſſigkeit wird klar; endlich hält die Gährung inne, und- wenn man ſie wies der in den Gang bringen will“, ſo rüitelt man 7% Flüſſigkeit um, und läßt Bodenſatz und Schaum dadurch wieder in derſel» ben zergehen, Der Schaum und der Bodenſatz beſtehen faſt ganz aus dem vegeto- animaliſchen Theile; die Hefe ſelbſt iſt faſt ganz daraus zuſammengeſetzt. NRouelle hat viel Ammonium aus dieſer lets tern Subſtanz gezogen, und Herr Prouſt die größte Analogie derſelben mit den thieriſchen Materien nachgewie/en. Wenn die weinartige Flüſſigkeit ſich zu Boden geſegzt hat, oder klar geworden iſt; ſo wird die Gährung faſt null; man kann ſie in dem Augenbli>e anhalten, wo ſie ſehr unruhig iſt, wenn man den. Moſt filtrirt, Man ſtellt ſie wieder her, wenn man die Hefe, die am Filter zurückgeblieben iſt, in der Flüſs figkeit zergehen läßt. Aus dieſen Thatſachen hat Herr Berthollet den Schluß gezogen, daß die Hefe viel wirkſamer iſt, wenn ſie nur in der Flüſſigkeit ſuſpendirt, als wenn ſie darin aufgeldſt iſt. Lavoiſier hat die bekannten Reſultate der Verſuche über die Gährung berechnet, und es folgt aus dieſer Berechnung, daß 100 Theile Zu>ker nur ungefähr= tro>ne Bierhefen verzehren, daß ſich ein wenig mehr als 35 Theile Kohlenſäure erzeugen, und die weinartige Flüſſigkeit nahe an 58 Alkohol producirt, Wenn man die Reſultate, welche die Weingährung dar ſtellt, analyſirt, ſo ſieht man hauptjächlich darin das Spiel und die wechſelſeitige Wirkung beyder Subſtanzen, des Hefens und des ZuFers, Das erſte und bedeutendſte Produkt dieſer Wirkung iſt die Erzeugung der Kohlenſäure; welche, ſich zu bilden, fortfährt,„bis die Flüſſigkeit ſehr weinartig wird, Die Beraubung des Sauer- und des Kohlenſtoffes, die nothwendige Folge der Produktion der Kohlenſäure muß natür» licherweiſe machen, daß der Waſſerſtoff die Oberhand gewinnt, und die gährende Maſſe auf den Punkt gelangen, wo ſie nichts mehr iſt, als eine entzündliche Flüſſigkeit. Dieſe nothwendige Folge der Gährung iſt um ſo leichter zu begreifen, als der ZuFer nach Lavoiſiers Berechnung 0,64 Sauerſtoff enthält, - Nac< 0 0IE arnz nü Inna P Al AES nn PERE: Nach den aufgeſtellten Grundſäßen iſt ferner leicht einzu? ſehen, daß die Verhältniſſe zwiſchen dem. Sauerreige und Zuder große Verſchiedenheiten im Produkte hervorbringen müſſen, Die vollkommenſte Gährung wird alſo diejenige ſeyn, bey welcher die beyden Grundſtoffe in ſolkergeſchma& mitrhei!t 3; man findet dieß bey allen ſogenanuten Likör- Weinen, welche aus den ſüßeſten Trauben gezogen werden, Man darf nicht fürchten/ daß die gezuckerten Weine ſauer werden, dieß erfolgt nicht allein aus dem Grunde nicht, weil die"Hefe erſchöpft, und“ kein Stoſf mehr für die Gährung da iſt, ſondern auch, weil der Zucker der Flüſſigkeit gewiſſermaaßen zur Conſervation dient, Wenn, im Gegentheil der vegeto- animaliſche Theil vor? herrſcht, ſo muß man die Gährung von dem Augenblicke an an? halten, wo der Zu&er verzehrt iſt; ohne dieß wird die Flüſſig» keit durch die Wirkung der Hefe auf die anderen, in ihr enthal- tenen Subſtanzen ſauer gemacht, Man hat die Gewohnheit, die Gährung anzuhalten, indem man den abgeklärten Wein von ſeinen Hejen abgießt, ihn mit Hauſenblaſe reinigt, die Gefäße, in denen er enthalten iſt, ſorg: fältig zupfropft, ihn an einen kalten Ort ſtellt, und ihn ſchwes felt. Alle dieſe Proceduren haben den Zwe, entweder den zus rücbleibenden Sauerteig zu extrahiren, oder deſſen Wi kung zu verzdgern oder ihn zu coaguliren, um die Wirkung desſelben zu zerſidren, Die'eben aufgeſtellte Theorie über die ſpiritubſe Gährung leitet auf einem vatürlichen Wege zu der von der Elſſigerzeugung5 denn voy dem Augenblicke an, wo der Zud&eryioff abſorbirt iſt, überträgt ſich der Sauerteig, wenn ſolcher noch in der Flüſſigkeit vorhanden iſt, auſ die andern Stoffe, und producixt Eſſigſäure, Es 1.404545 Es folat hieraus, daß, wenn man Hefen in'zu großem Maaße zu einem Decocte von Roggenmehl thut„“die Gährung, nachdem ſie den wenigen Alfohol, den die kleine Quantität Zucker, die der Noggen enthält, zu liefern im Stande iſt, entwickelt, die gährende Maſſe ſogleich in das Saure umſchlagen läßt. Man kann hierüber einen Verſuch machen, der keinem Zweifel Naum läßt. I< nahm Roggenmehl, und machte mit kaltem Waſſer einen Teig daraus. Dann rührte ich dieſen Teig nach und nach mit koclich an zu ſchwellen es entwicelte ſich) viel Kohlenſäure, und in einigen Stunden legte ſich die Bewegung, Die Flüſſigkeit roch nach Alkohol, I<" rührte das Gemenge um, und nach einigen Stunden nahm es einen ſehr merklich) ſauren Character an. Die Säure vermehrt ſich mit jedem Tage, und nimmt vierzehn Tage hinz2 durch zu, vorzüglich, wenn man die Vorſicht gebraucht, das Gemenge oft umzurühren, Die Gährung der Körner unterſcheidet ſich wenig von der des Traubenſaftes, und wenn man ſie dieſer letztern nahe bringt, ſo findet man eine Beſiätigung der aufgeklärten Grundſäße. Der Zuder ijt entweder gar nicht oder in zu kleiner Quane tität in den Körnern vorhanden, um die Reſultate einer Wein2 gährung erwarten zu können, wenn man ſie ohne ein vorher? gängiges Keimen dahin bringen will. Das Keimen entwickelt den ZuFerſtoff in allen Körnern, weil nach den Verſnchen des Herrn Th, v. Saujſſüre ſich bey dieſer Operation Kohlenſäure producirt ,- weiche aus der Vers bindung des Sauerſtoffes der Atmosphäre mit dem Kohlenſtoff der Körner eutſteht, ſo daß durch die Entfernung des Kohlen? ſioffs, der Zu&erſtoff ſich bildet, In dieſem Zuſtande aber muß man mit der Zerſeßung der Körner inne halten, wenn man will, daß ſie zur Weingah2 rung taugen ſoll; denn nach dieſem erſten Akt des Keimens, zer? ſidren den Wachsthum der Pflanze und die fernere Zerſetzung des nicht in, der Erde befindlichen Sagmens den entſtandenen ZuFer, und 444= und erzeugen. andre Stoffe, Auch in den Brauereyen, hält man, nachdem man das Keimen der Kdrner durc) Bes» feuchrung derſelben mit Waſſer'befördert, deſſen Fortſchritte dadurch inne, daß man ſie dörret, oder einer Wärme von 40 bis 42 Graden ſo lange ausſetzt, bis ſie troken ſind. In dieſew Zuſtande mahlt man ſie, extrahirt ſodann daraus alle aufldsliche Stoffe, mdem man warmes Waſſer zuerſt von 40 oder 45, dann von 89 Graden. darüber gießt;. und nachdem man dieſe ver'chiedenen Infuſionswaſſer zwey oder drey Stun? den mit Hopfen kochen laſſen, gießt man ſie in Tröge, damit ſie kalt werden. Sodany thut man ſie in einen Kübel, wo man friſche Hefe in dem Verhältniſſe von 1 Unze(trocken) auf 160 Pfund Infuſion auffüllt. Man 1äßt bis zu dem Augenbli>ke gähren, wo ſich die Maſſe ſenkt, dann zieht man ſie aus dem Kübel ab, und läßt ſie den Schaum ausſtoßen; die Hefe iſt geſchwängert mit ein wenig Bier, das vielen Hopfen entbält, nicht ſauer wird, und einen ſehr ſcharfen Geſh, den das Bier ohne ihn haben würde. Wir haben bereits bey dem Artikel Eſſig oder Eiſiagſäure geſehen, daß man bey Fabrikation des Biereſſigs, das Getraide ohne Hopfen kochen läßt. Der Artikel Eiſigyäure (oben in dieſem Bande) gibt die größten Details über die Cſſig- gährung*).. 4 *) Man wird in der Runſt den Wein zu bereiten, die im Kurzem auf die gegenwärtige Chemie u.ſ w. folgen ſoll, alle mögliche Details über die Gährung und die Anwendung der eben mitge- theilten Grundſäße auf ae Phänomene finden, die bey den Wei- nen, von der- Gährung an, die fie erzeugt, bjs zu ihrem Ver- derben, vorfommen. Anm, des Verf.: 5 Üb ZE hel Zabel Wees EE: 57 SEE ———