—⸗ 1 18— 7. 3 4 5 1——— ——* en —— R 1 4— 1 N S 3 N — N 1 5 ß K 8 — — — — — — ————ꝗᷓʒᷓʒᷓaaanananᷓ́ᷓnanaaᷓaᷓBVnV———— Mru, — —.— „EE enn 2 D. G. Begtrup's M 21| Bemerkungen über die engliſche Landwirthſchaft, geſammlet auf“einer Reiſe in England in dem Jahre 1797» EE 00 10.0.0184. Landinſpector in den Herzogthümern Schleswig und Holſtein. Mit vier Kupfern, Kopenhagen und Leipzig, bey Johann Heinrich Schubothe 1801 === 1 Sr. Excellenz Gem Herrn Ernfſi Hinrich Grafen von Schimmelmann, Erbherrn der Graffſchaft TLindenburg, Ritter vom Elephanten,' Staats- Finanz- und Commexrz- Miniſter, geheimen Bath und Kame merherrn u.[, W. und Sr. Excellenz TPT.0 1.4... 1 Chriſtian Detlev Friedrich Grafen von Beyventlow, Erbherrn der Grafſchaft Chriſftiansfande, Ritter, Staats- miniſtern, geheimen Rath, Kammerherrn und Prä- fidenten der Rentecammer u. Lf. w. widmet unterthänigſt dieſe Schrift der Verfaſſer.- Vorrede. Das Landweſen iſt in den letzten Jahren bloſs der Gegenſtand meiner Reiſen geweſen. Milit einem feſt auf daſſelbe gehefteten Blick durch- wanderte ich die bebauteſten Länder, Deutſch- land, Schweitz, Frankreich, Brabant, Flan- dern und Holland. Das wegen ſeines Kunſtſfleiſ- fes ſo wichtige England bereiſte ich zuletzt. Im Frühjahr 1797 ſegelte ich von Holland vach England. Ein Empfehlungsſchreiben an den gelehrten Jobn Sinclair, Baronet, da mals Präſident der Ackerbaugeſellſchaft in Lon- don, verſchaffte mir Gelegenheit, um den Ge- ßichtspunct dieſer nützlichen Geſellſchaft näher kennen zu lernen, und mich mit einigen aufge- klärten Landwännern Englands bekannt zu ma- chen. Sinclair war ſo gütig, mich mit dem Ge- ſellſchaftsſecretgir, dem berühmten Arthur Young, bekannt zu machen. Bey deſſen Nach- barn an ſeinem Landſitze in Suffolk hielt ich mich eine Zeitlang auf; ein Aufenthalt, der für mich ganz beſonders angenehm und lehrreich"war. Bey Young fand ich eine auserleſene Bibliothek, vi und mehrere neue Ideen den engliſchen Acker- bau betreffend; bey meinem Wirthe dem Herrn Green*) den üblichen engliſchen Ackerbau in ſeiner ganzen Vollkommenheit in einer von den in England am beſten angebauten Grafſchaf- ten. Nach eivtem Aufenthalt von etwa zwey Monathen in Suffolk, bereiſte ich zuletzt die cul- tivirteſten Grafichaften, beſonders die mittlern und ſüdlichen. Dieſe glückliche Gelegenheit England ken nen zu lernen, und die Königliche allergnädigſte Vaterſtützung, welche ich zu dieſer Reiſe ge- noſs, ſcheint mir die Pflicht aufzulegen, meinen Eandsleuten das Wichtigſte von meinen Bemer- kungen über den Ackerbau mitzutheilen, den ſo manche wünſchen kennen zu lernen, Wozu aber nur ſo wenige die Gelegenheit haben. Seit meiner Zurückkunft bin ich darauf be- dacht geweſen, meine geſammleten Benbachtun- gen über das engliſche Landweſen bekannt zu machen. Drey Jähre verfloſſen beynahe, wäh- rend ich dieſen guten Vorſatz ausfährte, und mehrere Jahre wären verflofſlen, wenn ich's nicht gefühlt hätte, daſs ich entweder die Bekanntma- chung derſelben beſchleunigen mülste, oder daſs x). Er iſt derjenige Mann, an den der Secretair A, Young fremde Reiſende zu verweiſen pflegt, welche ſich mit dem engliſchen Landweſen näber bekavnt zu machen wünſchen, Bey ihm wohnten der"Profeſſor der Oekonomie von Palermo, welcher aut, Unkoſßten des Königs von-Neapel veiſie, ſo wie auch diejens nigen, welche die verſtorbene Kayſerin Gatharina für das Land» weſen reiſen jiels,; i Vi ße ſopſt niemals das Tageslicht erblicken wür- den. Je länger ich wartete, deſto mehreren Veränderungen war mein Manuſcript unterwor- fen. Die Journalform an Zeit und Ort gebunden, ſo wie die Reiſebemerkungen aufgezeichnet Wor- den ſind, verwarf ich, weilſie alles durch ein- ander miſcht, leicht unbeykommende Zufälle mit aufnimmt, und dem Lefer keinesweges bin- reichende Aufklärung über irgend einen Gegen- ſtand giebt. Ich ſchickte mich alſo darzu an, aus meinem Reiſejournal die dargelegten Bemerkun- gen zuſammen zu tragen, und fie unter beſondern Abtheilungen zu ſammlen, welches Veranlaſ- ſung zu meinen Vorleſungen gab, die ich im Sommer 17905 hielt. Um meine geſammleten Bemerkungen ſo pützlich als möglich für den aufgeklärten däni- ſchen Landmann zu machen, zu deſlen Leitung ße aufgezeichnet ſind, fandich, daſs es nothwen- dig war im Vaterlande herum zu reiſen, um mir hinlängliche Kenntniſs von den' neuern Fort- ſchritten unſers eigenen Landes zu machen, um bey den Zweigen des Landweſens länger zu verweilen, welche weniger bey ups bekannt ſind, und überflüſſige Beſchreibungen bekannter Dinge ganz wegzulaſſen. Durch dieſen ſpäter gefaſsten Entſchluſs wurde die Bekanntmachung dieſer Reiſebemerkungen wieder verſchoben. Sie erlitten in dieſem Zwiſchenraum anvſehnliche Veränderungen; vieles wurde verworfen ,. und VIII etwas anders, wo man es nöthig fand, hinzü- gefügt. In dieſem Zeitraum trat Herr Oluffen mit ſeinen ökonomiſchen Annalen bervor,- worin Verſchiedenes über den engliſchen Ackerbau vor- kömmt. Herr Leibmedicus Thaer gab ſeine Anleitung zur Kenntniſs der engliſchen Land- wirthſchafe heraus, Wodurch. er ein bisher un- bekanntes Licht über den Zuſtand des Land- weſens in England-- in Deutſchland ausbrei- tete. Mit Vergnügen las ick dieſer Männer Schriften, und glaubte nun meine Mühe ſpa- ren zu können, noch weiter über eines Landes Ackerbau zu reden, welcher von zwey ſo tüch- tigen und der Sache kundigen Männern ins Licht geſtellt war, und zwar um ſo mehr, da von des letztern Schrift eine däniſche Ueberſez- zung mit erläuternden Anmerkungen verſpro- chen wurde. Durch eine nähere Unterhaltung mit den- kenden Landmännern, welche beyder Schriften mit Intereſſe geleſen hatten, erfuhr ich jedoch, daſs die mehrſten den engliſchen Ackerbau noch ziemlich unrichtig'beurtheilen. Sie batten im Allgemeinen zu überſpannte Begriffe von dem hoben Kylturſtande, von dem glücklichen Kli- ma, und den Preiſen der Waaren dieſes Lan- des, ſo daſs es mir vorkam, als betrachte je- der den Unterricht über den Ackerbau Evg= lands. als etwas, das angenehm zu leſen, aber IX bey/' uns nicht anwendbar"ſey:' Dein Leſer fehlte es an einem glaubwürdigen Führer, um ſich in dem Zuſtande'des engliſchen Landmanns zurecht zu finden, die Gründe zu deſſen ab= weichenden Landwirthſchaft kennen zu lernen, und die Vortheile:, welche er ſich davon zueig- ven könnte. Ich fühlte die Notbwendigkeit, den Lefer nach England zu verſetzen, ihm die Lebensart des engliſchen Farmers, ſein be- ſonderes Verhältniſs und ſeinen glücklichen Zuſtand anſchaulich zu machen, und dabei auf die laufenden Preiſe von den Lebensbedürſniſ- ſen, die Productionsunkoſten u. f. W. die ver- ſchiedene natürliche Beſchaffenheit des Landes hinzuweiſen, um ihn in den Stand zu ſetzen, dem engliſchen Landmann in ſeinem Verfahren zu folgen, und um ſelbſt zu beurtheilen, was in unſerm Lande nach eines. Jeden beſondern Lage anwendbar ſeyn könnte. Dieſe Betrachtungen gaben Veranlaſſun« gen zu den erſten Abſchnitten in dieſem Bu-= che: über Englands Klima-- deſſen beſon- dere Vortheile zum Emporkommen des Ak- kerbaus-=- über die Lebensweiſe auf dem Lande,=- über die Steuer des Landmanns, - über“ Geſinde- und Tagelohn, die Natur der Pachten=-- Gemeinheitsauftheilung; bloſs Gegenſtände, worüber man dem eine Beſchrei- bung zumuthen darf, der ſich in England auf- gehalten hat; unddie man nothwendigſt'ken- X ven muſs; um jedes Buch zu verſtehen, wel- ches über die engliſche Landwirthſchaft entwe- der geſchrieben iſt, oder geſchrieben werden wird. Dieſen vorangehenden Bemerkungen zu- folge, wird der Leſer ſchlieſsen können, was er hier zu erwarten hat, und aus welchen Gefichtspuncten dieſe Schrift betrachtet Wer- den muſs. Sie ſoll eine Anleitung zur Kennt- Diſs der engliſchen Landwirthſchaft ſo wie eine Vorbereitung ſeyn, die engliſchen Schriften zu verſtehen, und mit Nutzen leſen zu kön- nen. Ferner iſt die Abſicht bey dieſer Schrift, die Gegenſtände des Ackerbaus in Erwägung zu ziehen, welche für den däniſchen Land- mann von der gröſsten Wichtigkeit, aber ent- weder noch wenig oder gar nicht bey uns|be- kannt ſind. Eben aus dem Grunde habe ich gewiſſe Gegenſtände weitläuftiger aus einander geſetzt: die bedeckten Abzugsgräben, das Verbreunen der Raſen, die Bewäſſerung der Wieſen, gewiſſe nicht allgemein bekannte Düngartev, den Anbau der Pferdebohnen, Rüben, gelben Wurzeln, des Kohls, der Lucerne u. Ww. Dagegen habe ich bey an dern uns bekannten Gegenſtänden bloſs das dem engliſchen Ackerbau Eigenthümliche ober- flächlich' berührt, in fo fern es. von unſerm abweicht, und doch wiſſenswerth zu ſeyn ſcheint. X1 Auf diejenigen Gegenſtände, welche um ſtändlicher: entweder von Herrn Oluffſen oder Herrn Thaer beſchrieben worden ſind, babe ich den Leſer oft nur verwieſen, Von ihren Schriften. durfte ich es vorausſfetzen, daſs-ſie ſich bereits in den Händen eines Jeden Land- manns, der ſich für das zunehmende Empor- ſtreben. des Zeitalters in der Landwirthſchaft intereſlirt, befinden oder dahin gerathen wer- den, und habe denn nur hinzugefügt, was Jene mit Stillſchweigen übergangen ſind: man ſehe Artikel: Dünger, Klee, Kartoffeln. Da- gegen werden in dieſer Schrift manche Mate- rien vorkommen, Welche Herr Thaer eben« falls abgehandelt bat, die ich aber doch nicht auslaſſen konnte, da dieſe Gegenſtände von ihm aus einem andern Geſichtspuncte betrach tet, und auf eine verſchiedene Weiſe: behan- delt worden ſind; eine natürliche Folge da- von, daſs dieſe Bemerkungen im Lande ge- ſammelt. und aufgezeichnet worden ſind. Herr Thaer iſt dagegen als Nichtaugenzeuge genö- thigt geweſen, mit den Augen eines andern zu ſehen, und ſich auf unbekannter Perſonen Glaubwürdigkeit: zu verlaſſen, wobey ein Maunn- leicht“ verleitet werden kann, das als etwas im Lande Allgemeines qdatzuſtel- len, was Verſuch eines einbzelnen Manvpes, oder deſſen. Wirthſchaft iſt; indem ökonomi- ſche Zeitſchriſten, Zz. EK. Youngs. Reiſen und Aunalen nur.das Beſondere berühren und, ihrer XII Abſicht gemäſs, das Allgemeine, welches den Wirthen im Lande bekannt iſt, übergeben. Die Zeichnungen, welche ſich in dieſer Schrift befinden, betreffen die Gegenſtände, bey denen ich beſorgte, daſs fie dem Leſer ohne ße unverſtändlich bleiben würden. Die edelſten und vollkommenſten Racen von Haus- thieren laſſen ſich wohl beſchreiben, aber dies hinterläſst, ſo wie jedwede Buchſtabmalerey, nur ein dunkles Gefühl, wobey die eigentliche Zuſammenſetzung der Theile der Einbildung eines jedweden überlaſſen bleibt. Aus der Vrſache babe ich hier einen Abdruck der voll- kommenſten Race von Hornvieh und Schaafen Englands geliefert, und da die Zeichnungen nach dem Leben genommen und geſtochen find, ſo hat ſie nichts von ihrer charakteri- ſchen Geſtalt verloren. Die Verfahrungs- weiſe, bedeckte Abzugsgräben anzulegen, die Saat in Löcher zu werfen(to dibble), läfst fich ohne Zeichnung erklären, aber da dies Verfahren ſo nützlich und gleichwohl ſo äuf- ſerſt einfach iſt, habe ich doch dafür gehal- ten, daſs es durch eine Zeichnung einen gröſgern Eindruck auf den Leſer machen, und eine anſchauliche Darſtellung vielleicht bey einem und dem andern Luſt zur Nach- ahmung erwecken würde. Von der Cookit- ſchen Säemaſchiene läſst ſich ohne Zeichnung nicht leicht eine deutliche Vorſtellung machen. XIII Dieſe Zeichnung bat hier ihren Platz gefunden, weil ſie die vollkommenſte ihrer Art iſt, und zwar aus dem noch weit: wichtigern Grunde, da in Cooks eigener Erklärung über dieſe Maſchien2, welche ich mittheile, die groſse Nutzbarkeit des Reiheſäen: in ebener und gut- geackerter Erde am Tage liegt. Dreſchma- ſchinen, Häckſelmaſchinen, den vollkomm- nern engliſchen, oder richtiger ſchottiſchen Pflug, bin ich übergangen, da dieſe hier zu Lande ſchon bekannt ſind. Da'der höchſte Grad der Glaubwürdig- keit mir beſonders angelegen geweſen iſt, ſo habe ich geglaubt, es könnte den Leſern nicht unwillkommen ſeyn, nachdem ſie ihres eige- nen Landmanns Gedanken vernommen haben, welcher nur ein yorübergehender Zeuge ſeyn konnte, auch über einen aufſtoſszenden Gegen- ſtand ein zuverläſziges Wort eines Landmanns zu hören, welcher entweder ſelbſt mehrere Jahre die Sache verfücht, oder Zeuge von der Wirthſchaftsart ſeines Nachbars! geweſen iſt: ſo wie es einem Engländer angenehm ſeyn muſste, nachdem er die Erzählung eines ſei- ner Landsleute über den däniſchen Ackerbau gehört hat, dann bey einem ſolchen Vorfall, wo eine weſentliche Abweichung Statt findet, die Gedanken und nähere Erklärung eines dä- niſchen Ackersmann anzuführen, wodurch der beſchriebene Gegenſtand. an Glaubwürdigkeit XIV gewinnen wird.| Dieſes'hat mich! bewogen, bey gewiſſen aufikoſgenden Gegen“tänden zu- weilen. ſelbſt. zu ſchweigen und ſtatt'meiner die Worte einesengliſchen Landwirths anzu- führen. Auch: habe"ich wich" beſtrebt aus den: beſten ſpeciellen“ Beſchreibungen“ über die Landwirthſchaft der Grafſchaften, und aus eng- liſchen periodiſchen Blättern Be»yſpiele nur: von Männern zu entlehnen, welghe“das' Zutrauen ihrer»eigenen Landsleute habev. Die nähere Kenntniſs von der Brauchb»parkeit und Glaub würdigkeit engliſcher ökondwußiſcher Schriften habe ich: vorzüglich dem Seeretair A. Young und Barovet Sinclair zu verdanken, ſo wie: die Kenntniſs von.den, Verſuchen, ſolcher Männer, auf welche man, fich verlaſſen kann. Ebenfalls habe ich in der ganzen Schrift beſtändig dabin geſtrebt, den hberrſcheiden "Ton im: Landweſen anzugeben, und ihn von allen«möglichen Abweichungen, welche in dem zehnten Kapitel: über das Charackteri- Niſche in dem engliſchen Landbau und die Saat- folge beſonders bemerkt worden ſind, zu. unter- ſcheiden. Eines ganzen Landes vd Diſtricts Ackerwirthſchaft hat mehr Gewicht für den entfernten Fremden, als das beſondere Ver- fahren oder die einzelnen Verſuche eines ein- zelnen Marnes, da der Leſer es nicht: wiſ- ſen kann, wie weit: das Locale das Verfah- XV ven eines gewiſſen Mannes mehr empfiehlt, als das allgemein herrſchende. Hätte ich mich auf eine Beſchreibug der. Ackerwirthſchaft auf den Farms:des Herzogs von Bedford oder Lord Egremonts, welche ſie ſelbſt betreiben; eingelaſſen, ſo hätte ich die Beſchreibung ei Des engliſchen Verſuchhofes, nicht: der- eng» liſchen Landwirthſchaft, geliefert. Veberall habe ich die gangbaren Preiſe, ſo wie Maaſs und Gewicht beygeſügt, und die nöthigen ökefSmiſchen Berechnungen nach engliſcher Münze und Maaſsze geliefert, ob- gleich es manchen von den Leſern nicht unan- genehm geweſen wäre,- fie auf unſer eigenes zurückgebracht zu finden.| Ich glaubte mich dazu berechtigt, da ich in dem erſten Kapi- tel die verſchiedenen Benennungen des engli- ſchen Maaſses und Gewichtes erkläret, und mit dem däniſchen verglichen batte, doch babe ich auch ſehr oft neben dem engliſchen die däniſche Benennung angeführt, da ſich denn der Leſer leicht daran gewöhnen wird, das engliſche Maaſs, Gewicht und Geld auf das unſers Landes zurück zu bringen.*) *) Bey der Vergleichung mit dem engliſchen Maaſse und Ge- wichte habe ich, um den Leſern es zu erleichtern, jeden Bruch weggelafſen, und mich an dem gehalten, was im Handel und Wandel gilt. Z, E, ein Buſchel iſt nicht ganz 2 Schipp und ein Quarter nicht ganz 2 Tonnen däniſch; aber der Unterſchied iſt unbedeutend, und beides wird von unſern Kaufleuten== 2 Schipp und= 2 Tonnen däniſch gerech= XVI Zuletzt will- ich bier noch den Wunſch hinzufügen, daſs dieſe Schrift denen, für die ße abgefaſst worden iſt, zum Nutzen und Vergnügen dienen, und einen oder andern vütflichen Gedanken zur vähern Unterſuchung bey den denkenden und thätigen Landmännern dieſes Landes erwecken Möge. Kopenhagen den 28ſten April 1800. G. Begtrup. rechnet, Gleiches findet bei dem däniſchen Landmaaſs, Acre, Stätt; es iſt ein wenig mehr 31s 6 Schipp Landinhalt, aber für den Leſer iſt es bequemer, eine paſſende bekannte Größ ſe zu haben, als eine unbekannte, wenn dieſe. auch genauer ſeyn möchte. WAP. Engliſches Maaſs, Gewicht und Geld, Handels- oder avoir du pois Gewicht Wol!gewicht, Längemaalſs Quadratmaaſs Ein Acre in England ..» Wallis .«= Schottland “-- Irland Kubikmaaſßs Maaſs von Kurzwaaren Weinmaaſs Biermaaſs Kornmaaſs & > ue > ATEO RASSEEBA82AOuGC bv Kubikmaaſs* und Gewicht fo wie das Verbältniſs von einem engliſchen Büſchel und Quarter, dem Barrel und Schot» tiſchen Firlot. Kohlenmaaſs, Geld. 2 A XVII EAP PK 118 Seite Betrachtung über die milde aber zugleich feuchte Luft, 9 Das Schottiſche Klima bei Edinburg. 12 Vergleichung zwiſchen den Gratſchaften Groſsbritanniens, welche einerley nördliche Breite mit Dännemark haben, 14 Der Regenfall auf[] Füſsen. 15 Heranrücken des Frühjahrs, 15 Die gewöhnliche Pflug- Säe- und Erndtezeit, 16 44.29.0095 2.200 Groſsbritanniens beſondere Vortheile für das Einkommen des Ackerbaus,, Nicht dessen vortheilhaſteres Klima oder Erdboden. 17 a) Aeuſzerliche auf dem Wohlſtande und der Volksmenge der Nation Sich gründende, 18 Prächtige Landſtraſsen, 18 Kanäle,= Exempel, 19 Volkreiche Landſftädte und Seehäfen, 22 Diligencen, Frachtwagen, Paquetböte u, Ss, W.= Exempel, 24 b) Eigenthüm'iche auf dem Character und der bürgerlichen Verfaſſung Sich begründende, 27 Bürgerliche Freiheit. 27 Worthalten. 28 Landpolizeygeſetze-- Exempel. 28 Nationalgeiſt, public Spirit 29 Ackerbaugeiell chaften verſchiedener Art Exempel, 30 Ackerbau- Coliegium in London, von Sinclair geſtiftet, deſ- ſen Einrichtung und Abſicht, HA BM Seite, Lebensart in England, ipsbeſondere auf dem Laude, j 42 Wohnhäuſer und Nebengebäude. 42 Thiergärten oder Parks-- Exempel, 43 Umgang zwiſchen beiden Geſchlechtern, 46 Kleidung, 46 Bewirthung.,| 43 Volkstiſch. 49 Des Landmanns Küche, Möbeln, Kleidertracht. 30 Art zu reisen, Reiſewagen, eine zehnräärige Caravan, 52 Trinkgeld,|: 54 Wechſelzeit für Dienſtbothen. 55 Erndtegelagen, 56 EXP 5. Der engliſche Farmer, deſſen Abgaben und Volkslohn u, f. W Erklärung über das Wort Farmer(Landmann). 537 Verſchiedene Claſſen von Landmännern,: 57 Erſier» zweiter, und dritter Rang des Farmers,* 537 Reiſeluſt bey dem Landmanne, 61 Schätzung des eugliſchen Landmanns,! 62 a) Landſchatz(Land= tax). 62 b) Armenſteuer. 63 Beſchwerlichkeiten von der Unterhaltung der Armen, 63 Verpflichtung der Gemeine die Armen zu verſorgen, 64 Die Wirkungen davon auf die Volksmev»ge. 65 Berechuung über die Unterhaltung der Armen von einer Ge- meine,,; 67 Dieſelbe Berechnung von einer ganzen Grafſchaft. 69 Die Gröſse der Armenſteuer im Allgemeinen pr, Acre. 69 >“ s Seite, Beſtreben der Nation, der Noth der Armen iin theuren Zeiten abzuhelfen, Verſuch einer Geſellschaft zu Glouceſter, eine minder Koſtba- re Sorte.Brods zu bereitev, Verſuch des Londner Ackerbau- Collegiums, gutes Brod von allen bekannten Gerraidearten zu bereiten, Glücklicher Verſuch im groſßsen Fündlings- Hospital, Reis ſtatt des Weizens zu Buddivngs und Brodt zu gebrauchen. Berechnung über die Menge Brodts, welche Perſonen aus;der arbeitenden Klasse täglich und jährlich verzehren, c) Zehnten, Die Art den Zehnten zu erheben. Was man av Zehnten von einem Acre giebt. d) Außerordentliche Schatzungen und Auflagen, als Fenſfter- Schatz, Dienſtbothenschatz, Pferde- Hunde= Wagen» Uli- ven- Procent- lagdzulaſſuan g Sſchatz, Berechnung über den Bejauf der Schatzung auf einem gewiſsen Meiereyhoſe. Verglichne Berechnung über den Belauf der Steuern auf einem engliſchen und däniſchen Hofe von gleicher Gröſse. Berechnung über den Belauf einer auſserordentlichen Steuer von einer einzelnen Grafſchaft im Jahre 1796, Imgleichen von England und Wallis 1796. Imgleichen ſür die Jahre 1791=- 96. Berechnung über die Bierſteuer, Volkslohn, Taglohn und Arbeitszeit, M AL PUG: Erklärung des Worts Estate, Größse eines englischen Farms(Pachthofes, Meierhofes) be ſtimmt, theils Dacu dem Landinhalte, theils nach den Ab» gaben, 792 72 72 75 76 TV 78 78 “. 93% XXI Seite, Was iſt für ein Land am zuträglichſten, kleine oder groſ= ſe Höfe? 93 Pächter»- Abgaben vom Lande pr. Acre, 95 Die Art den Werth des Landes zu berechnen, 96 Dauer der Pachten= auf Lebenszeit,-- willkührliche Dauer-- auf wenige lahre-- auf lange Zeit, 99 Pachtbedingungen, N I01L Antrittsgeld, 105 Unkoſten! für die Anſchafiung eines guten Beſatzes. 105 Sicherheit des Eigenthums, wenn der Fächter ſallirt oder ſtirbt, 106 Zahlungstermine der Pächter, 106 Jahrszeit, worin die Pächter die Pachtangen aptreten und verlaſſen, 106 Zu ORkern,-Maitag und Michaelis. 106 NET AE ui Ik Gemeinheitsauftheilun'g und Einkoppelung, Urſprung der Gemeinheiten in England, 109 NHinderniſse bei Aufhebung der Gemeinheiten, T10 Verluſt für die, Käthner(Hausjeſten). Ito Verluſt für die Schaafzucht und Wollenmanufacturen, 112 Grö'ze der Auftheilungs«nnd Einhegungsunkolten, Exempel, 112 Nothwendigkeiten und Vortheile einer allgemeinen Ge- meinbeitsauftheilung für England, Exempel, 116 Sinclairs Beweis für die Nothwendigkeit der Gemeivpheits- auftheilung. 116 Rapport der Parlements- Commiſſionen in diezer Sache, 1I172 Berechnung über das ein- und ausgelſüarte Korn von 1777 bis 1797. I18 Fortſchritt der Gemeinheitsauftheilung in dieſem Jahr- hundert, 120 KX XIT Seite, Glückliche Verſuche mit Anbauung und Bepflanzung der Heiden, 120 Steinwäile, 123 Lebende Zäune, deren Anlegung» Unterhaltung und Koſt- barkeit. 125 Lebende Zäune ohne Erdwall, 130 Beiſpiel davon, wie viel Platz lebende Zäune und die er- forderlichen Communicationswege(Landwege) zwiſchen den Koppeln wegnehmen. 131 Eine Landftelle mit einem Holzgöürtel einzuſchlieſßgen, Exem- pel. 6; 133 Anlegung der Wasser- oder Tränkſtellen, 1338 EA Bbg: Verbeſſerungen: des Bodens: Abth. 1. Bedeckte Abzugsgräben. 144 D-ren Abſicht und Nutzen. 144 Arten zie anzu/egen,; 146 James Youngs Beſchreibung des Nutzens und der Unkoſten, 149 Abth. 2. Verbrennen des Raaſens,» Verfahren dabey. 157 Auf w-'cher Erdart es zuträglich iſt,; 165 Marquis de Töurbillys Unterricht, 167 Abth. 3. Bewäſſerung der Wieſen, 176 Verfahrungsweiſe in einer bergigten Gegend(Devonshire) 177 Impleichen in einer ebenen Gegend(in Wilt- und Sommerſet). 179 Nutzen und Kivrräglichkeit bewäſſerter Wieſen« 181 Bertrands und Boswells Bemerkungen, 185 Wie wirkt das Waſſer auf die Pflanzen? 186 Vorfichtigkeitskeitsregel bei Bewäſſerung der Wieſen, 187 Fall des Waſſers auf der Wieſe, T9t1 Die beſte Sorte zur Bewäſſerung der Saatfelder« 19 XXIII Seite. Abth, 4- Dünger. 193 V ermiſchter Dünger aus Erde und Stalldünger(compost), 194 Um mit Kalk und Kreide zu düngen, 195 Nit Gips. 201 VUeberdüngung auf der Saat» Top Dreſſing, 204 Mit Ruſs, 204 Mit Steinkohbleraſche, 206 Nit Gärberlohe. 206 Nit Wollenlumpen, Thierbaaren, mit Abfall von Seifen ſiedereien vnd Zuckeraffinaderien, 207 Nit faulem Waſſer, worin Hanf und Flachs verſenkt ge- weſen. 208 Vorſchlag zu einem Verſuche mit der Wirkung der ver- ſchiedenen Düngerarten, 209 48.) Da Os Reihenſäung und Behacken der Saaten. Dr. Hunters Verſuch mit Gerſie, welche mit der Maſchine geſäet worden, 216 John Anfiruthers Verſuch, 21:2 Beſchreibung von Cooks Säemaſchine- 219 Beſchreibung von Gätemaſchinen. 222 --=- von einem Gäte- oder Hackeiſen« 222 Anweiſung zum Gebrauch der Säemaſchinen, 222 -== zum Gebrauch der Gätemaſchinen, 226 Nutzen vom Behäufen und Ueberreggen der Saat, 2,27 Preis und Adreſſe auf Cooks Säemaſchine, Duckets Säema- . 231 Eine Päufmaſchine, oder Häufegge von Surrey bei London, 232 Legung der Saat in Löcher, eine Art Reiheſäens. 232 Die Saatarten, welche am vortheilhaiteſten gedibbelt, oder in Löcher gelegt iwerden, 23 XILF Seite Bürroughes Esq, nähere Erklärung über die Vortheile nebſt Un= koſten beim Dibbeln der Saat. 234 Bakers Erklärung über dieſen Gegenfland. 237 Ein Inſtrument, the Drill Roller, halbe Dibblung, oder die Saat zur Hä'fte in Löcher zu legen und zur Hälfte mit, der Hand auszuläen, 239 Kk A] 206 1. Engliſches Maaſs, Gewicht und Geld. D.. den Leſer dahin zu bringen, die verſchiede- nen Benennungen vom engliſchen Maaſse und Gewichte zu verſtehen, welches ihn ſo oft beym Leſen der Schrif- ren über' den Ackerbau dieſes Landes aufhält, habe ich geglaubt, es mögte dem Leſer willkommen ſeyn, hier eine zuverläſsige Ueberſicht von dem Ganzen zu finden, ohne ſich bloſs an das halten zu dürfen, was davon in dem Buche ſelbſt! vorkömmt. Auſserdem habe ich hier die meiſten gangbaren, Benennungen vom ſchotſchen und ir- ländiſchen Maaſse und Gewichte hinzugefügt, welches oft im Auslande mit dem engliſchen verwechſelt wird, und Misverſtändniſſe verurſacht. Bey jedweder Angabe von Maaſse und Gewichte iſt das gebräuchliche Abkürzungszeichen hinzugefügt. Handels- oder Avoir Dupois Gewicht, Abkürzungszeichen, 16 Drams macht 1 Onze Oz. I6 Ounces== 1 Pfund== Ib. 28 Pounds== 1 Quarter qrs. 4 Quarters= 1 Pfund-- Cwt. 20 Hundert Pfand Gewicht 1 Ton Ton. NB. 100 Ib, däniſch Gewicht ift= 112Pd. engliſch. A 2 DOM ICWtH, qr 9%. 107 OZ: dr. X...-20 80 22490 35849 573449- x 4 I12 17.92 260724 Tz 28 448 7168« I 16 256. I 16. Mit dieſer Art Gewichts wiegt man Eiſen, Korn- und Fettwaare; als Butter, Käſe, Brodt, Korn, Fleiſch und alle Metalle, ausgenommen Silber und Gold. Einige Sorten Seide werden mit 1 Pd. bis 24 Oz. gewogen, und von Butter gehen in einigen Grafſchaften von 16 bis 32' Oz. auf 1 Pd. Silber, Gold und Juwelen haben nur 12 Oncer auf ein Pfund. Ein Stone Eiſen iſt 14 Pd. Ein Fotber Bley iſt 15 Cwt. 2 qrs. Ein Stone Fleiſch iſt in London 8 Pd. in den Provin-« zen 14 Pd. Ein Firkin Butter wiegt 56 Pd. Ein Firkin Seife wiegt 64 Pd. Wollgewicht. Verkürzts „ Pfand macht I Clove=- Ck AICloVes!== I Stone==" St. 2 Stones»=" I Tod“=<" T: 6x Tod=="PWey"= 2 Weys-- I, Sack== Sa 12 Sacks SENE BIG 15 969 1 2SZE el? DE Rae. Laſt, Sack. Wey. Tod. Stone, Clove. Pund. 1 12 24 156 312 624 4368. I 2 L:2 26 52 364. I 6 13 26 182. I 2 4 28. I 2 14. I 7. 1 Pack Wolle iſt= 12 Score Pfund= 240 Pfand, Längenmaaſs, Abkürz. 3 Gerſtenkörner machen 1 Zoll Ina gches,) 12 7oll==-- 1 Fuſs Ft.( Foot.) 3 Füße-=--- I. Yard yd. 6 Füße=-- I Farhon Frh. SE Yards-=-- TPol VRDd.P. v,.R: 4GTROIESE 4 Tr Fiun I Furlong.»Fur. 8 Furlongs= 577 I Meile Mile. SUNTEINEM!==-- I Leaque Lea. 60 Meilen oder 20 Leaques-- 1 Grad=- Deg.(Degree.) „Nile. Farlong. Pole.""'"Warde*"Füße:*%0ll, I 8 320 1760 5280 63360. | 1 40 220 660 7920. I 5 165 198. I Z 26: I 12: Mit dieſer Art Maaſs werden Wege, Felder, Gär- ten, Zaunwälle und alle Arten von Einhegungen ver- meſſen.: NB. 35 engliſche Füſse ſind 34 däniſche. Quadratmaaſs. 144 D Zoll machen 1[]Fuſs. 9 Fülse-= 1 Yard. 304% Yards= I Pole. 40 Poles(Perches) 1 Rood, 4 Rood I Acre, 640 Acres I Mile, *) Acre, Rood.. Pole. Yard. Püße, Zoll. 1 4 160. 4840- 43560 6272640. LI 49 1210 10890 1568160. 1 303 2724 39204. I 9 1296 ) I A 144 2 4 *) Ein Aere iſt ein Landmaaſs, welches nach der Vorſchrift 160 Poles v. Perches von 16% Fuſs lang, oder! 4840 Q3Yards zu drey Fuſs; oder 36 T., ohngefähr 36 Schp. däniſch, ent- bält. Qbgleich dieſes Maaſs geſetzlich anbefohlen, ſo gilt es doch im gemeinen Leben nicht in allen Gegenden Englands, weil die Längen von Poles in verſchiedenen Provinzen von ein- ander abweichen, und baid 21 bald 24 Füſse enthalten, Ein ordinäres Provinzialmaaſs nennt man cuſtomary meaſure im Ge- genſatze des anbefohlenen ſtatute meaſure, Weopn die engli- ſchen Schriftſteller ſich des Provinzialmaaſses bedienen, ſetzen ſie zur Seite dabey, wie viel Füſse ihr Poles oder Perches halten, Im täglichen Reden rechnet der Landmann die Gröſse eines Acre nach der Ausſaat, und nicht allezeit nach dem TInbaltes ſo wie wir bey uns eine Tonne Land ſagen, nemlich ſo viel Land, wohin gewöhnlich eine Tonne Gerſte geſäet wird. Die- ſe Beſtimmung von einem Acre iſt ganz örtlich“ und zugleich willkührlich, weil es darauf ankömmt,"ob dichte oder dünne geſäet wird, Lin Acre in Walis it= 2 engliſchen Acres. Ein Acre in Schotland verhält ſich zu einem engliſchen wie 1270: 1000, oder wie 5: 4, undentbält 55,3535% CFüſse; 4 ſchotſche Acre iſt nur etwas weniger als 5 engliſche, Der ſchotſche Acre iſt ohngefähr ſo groſs wie 1 T. L. däniſch. Ein Acre in Irland verhält ſich zum engliſchen wie 196: 121. Die Zahl der Poles iſt bey beyden gleich, aber der irländi- ſche Pole iſt 21 Füſse, der engliſche 16% 5 irJändiſche Acre machen ohngefähr 8 engliſche aus.. Kubikmaaſs. 1728 Kubikzoll machen 1 Fuſs. 27 Fuſs---- 1 Yard. Maaſs für Kramwaaren. 2% Zolll mactien 1 Nail. 4 Nails-- 1 Quarter. 4 Quarters-- 1 Yard. 5 Quarters= I Elle engliſch. Ellen. Yard. I enmmann I I Pints- macht 2 Pints 4 Quarts 42 Gallons 2 Tierces 63 Gallons 2 Hogshead-- -- 2 Pipes Quarters. Nail. Zoll, 5 20 45- 4 16 36. I 4 9. I 2X. Weinmaaſs, Abkr. Däniſch, Maaſs. x Quart X Pot. 1 Quart I--- I Gallon Gal. 4 I Tierce Tier. 168-- I Puncheon Pun. 336-- 1 Hogshead Hhd I Pipe v. Butt. P. I' Tun. . 252 oder 7 Anker. 504 oder 14 Anker. Tun. 1008 oder 7 Tonnen. Tun. Pipe. Puncheon. Hogshead. Tierce. Gallon. Quart. 1.2 I 4 6 252 1003. 2 2 126 504. IZ 2 84 336- I I> 63 252. I 42 168. I 4. Mit dieſem Maaſse wird Brandtewein, Wein, Moſt, Eſsig, Oel und dergleichen gemeſſen. Biermaaſs. Abkr. Dän, Maaſs, 2 Pints machen 1 Quart. Qt. WPI 4 Quarts== I Gallon. Gal. 1. Gan 8 Gallons=- I Viertel Bier A. Firkin 32-- 9 Gallois-- I Viertel Bier B. Firkin 36= 2 Firkins=- I Kilderkin Ril. 2 Viertel. 2 Rilderkins=- I Barrel Bar. 1 Tonne. 1% Barrel=- I Hogshead Hhd. Ix Tonnen, 2 Barrels I Puncheon Pun. 4 Tonnen. 6 Butt. "Tun. I Butt. TTur 3 Tonnen, 6 Tonnen. 2 Hogshea2d-- 2 Butts---- Butt-Puncheon. Hogshead. Barrel. KilderkinFirkin.Gallon. I IZ 2 3 6 32 108. I 13 2 4 8 Z,25 I IZ 3 6 54- I 2 4 36. I 2 IS- I 9. Kornmaaſs-. Abkr. Dän.! Maaſs. 7 Pints macht 1 Quart Qr. ? Quarts,=- I Pottle Pot: 3. Viertel > Pattles=> 1 Gallon Gal. 1= > Gallons=-+- 1.Peclk Pec. 2.5 mm Pecks= I Bushel b. 2. Schip. 2 BusShel== I Strike St. 4- : BuShel== 1 Coomb. Coom. 1 Tonne. 2? Coomb-- 1(Quarter Or 2= Quarters'=- 1 Chaldron Chal. 8- --=-- Malz GD WISE See Kartoffeln unbeſtimmt voy. 20 bis 32 Stone. Ein eygliſcher Quarter Weitzen, von 58 bis 60 Pd. pr. Bushel, waegt-- 476 Pd. engliſch. Der gemeine oſftſeeiſche Weitzen wiegt nicht ſo viel als der gute engliſche, und wird ohn- gefähr zu 56 Pd. pr, Bushel gerechnet. Ein irländiſcher Barrel Weitzen von gleicher Güte --==== 200 Pd. Das Verhältniſs zwiſchen Quarter und Barrel Weitzen WEC. 502 Ein. engliſcher Quarter Gerſte, von 42 bis 44 Pf. pr. b., ohngefähr;,---= 350 Pd. Irländiſcher Barrel Gerſte von gleicher Güte ===„ub 5555 212. Pd. Das Verhältniſs zwiſchen Quarter und Barrel iſt 22.0, Ein engliſcher Quarter von Hafer wiegt ohngefähr ITB===-. 294 Pd. Irländiſcher Barrel-- 7 196 1979 Das Verhältniſs zwiſchen Quarter und Barrel ift WIEL22.Z. i In Schottland rechnet man nach Firlot Linlithgowes- Maaſs. Ein Firlot Weitzen, Erbſen, Bohnen u.[ſ. w. iſt ------- 219744; Lub. T. Ein Firlot Gerſte und Hafer= 3205555 Der Wincheſter Bushel in Eng- land--- 2150425;= Hieraus leuchtet hervor, daſs 4 Firlot Gerſte oder Hafer ohngefähr mit 6 Firlots Weitzen im Verhältniſſe ſtehen, und daſs der engliſche Bushel zunächſt mit einem Firlot Weitzen übereinſtimmt. Kohlenmaaſs. Däniſches Maaſs. 4 Pecks machen 1 BusShel-- 2 Schip. 9 BusShel-- 1 Wat od. Strike 2 Tonnen 2 Schip. 361."...- I Chaldron 9 Tonnen, 21 Chaldron-- 1 Score=-- 189 Tonnen, Geld. Abk. Däniſch Geld, 2-Farthings machen 1 Halfpenny 3 d. 166. 4 Pbarthings-- 1 Penny d;“2 ſe. 12 Pence- 1 Schilling S. 24 ſs. 20 Schilling=- 1 Pfand St. Ki: 55% Guinea Goldmünze zu 21 S. oder zr 1Mrk. 8 ſs. 4 Guinea-=--= 1058.64.-=- 2-3= 12. ſs. Crown(Croüie) Silberm. 5 S. SIT PSE S5 18,== X Crown-=--- 25.64.= RER 4: 170 NB. Män rechnet an Dännemark nach Reichsthaler zu 6 Mk. 4 16 ſs. däniſch, Reichsthaler. Mark däniſch Schillinge. 1 6 96 1 16 1.-- 12 Pf. -..2VEp-.. WAP, 2; MOP 001. m) M One hinlängliche Kenntniſs von dem Klima eines Landes kann ein auswärtiger Landmann fich keinen rich- tigen Begriff von dem Ackerbau eines fremden Landes machen. Es(toſzen ihm unterm Leſen manche Sonder- barkeiten und Abweichungen von der Bauart ſeines eige- nen Landes auf, wovou er ſich keinen vernünftigen Grund anzugeben weiſs, unddie in ſeinem eigenen Lande nicht wohl angebracht ſeyn mögten, welche ſich aber einzig und allein von dem, dem Lande eigenthümlichen Klima erklären laſſen. Es iſt nicht genug, das Klima eines Orts geogra phiſch zu kennen, weil fich zur Beſtimmung der Wärme oder des Klima aufser dem Einfluſſe der Sonne noch ſo manche Nebenurſachen vereinigen, welche wichtige Ver- änderungen in der Temperatur der Luft hervorbringen: zum Beyſpiel die im Dunftkreiſe vorgehenden Verbin- dungen und Auflöfängen, die Ausdünſtungen des Bodens, Richtung der Winde, Mittheilung einer fremden Tempe- ratur. Wie oft wird nicht die regelmäſsige Temperatur eines Landes darch örtliche Umſtände verändert, durch die Höhe deſſelben, durch die Entfernung vom Meere, durch die Nähe groſser Landſtrecken von anderer Beſchaf- fenheit, durch naheliegende Seen, Berge uud Höl- zungen. England liegt zwiſchen dem 45- und 5oſten Grade nördlicher Breite, und iſt mehr eben als bergigt, doch nicht ſo flach als Dännemark, beſonders die Inſeln See. land und Fühnen. Es hat manche Anhöhen, aber nur wenige Berge. In Schorland giebt es beydes, mehrere und auch böhere Berge, als in England. Obgleich Schot» IO land nördlicher liegt, und ſich vom 50. bis zum 55. Grade erſtreckt, haben doch manche Gegenden, beſanders in dem ſüdlichen Theile, ein eben ſo mildes Klima als Eng- land. Das eigenthümliche Verhältniſs des Wetters in Rückſicht auf Wärme und Kälte, die Abwechſelung der Jahrszeiten, die Feuchtigkeit und Trockenheit der Luſt beruhen hauptſächlich auf der Lage des Landes und den herrſchenden Winden. Es iſt noch gar nicht abgemacht, daſs es ſtärker in Schotland als in England ſriert. Im Jahr 1766 war die Themſe zugefroren, aber kein einzi- ger Fluſs, nicht die kleinern einmal, waren mit Eiſe belegt. England ift gröſstentheils gut angebauet und frey von groſsen Hölzungen und Torfmören. Die bedeutend- ſte Moorſtrecke liegt an der Gränze von Suffolk und Nor- folk bey Ely. Schotland hat an manchen Gegenden noch ein wildes Anſehen und eine groſse Anzahl Möre. Es iſt begreiflich, daſs, durch das Verhauen der Hölzungen und das Austrocknen der Möre, die Menge und Dichtig- keit der Nebel in England etwas abgenommen haben müſ«» ſen, und gegenwärtig nicht mehr ſo ſtark ſind wie in äl- tern Zeiten, weil ſie nach Strabo's Beſchreibung in ſeiner Geographie unausſprechlich ſtark geweſen ſind. Die Luft iſt in Eogland beſtändig feucht, im Sommer, kälter und im Winter milder als in Dännemark. Das Klima iſt im Winter wegen der Seeluft ſo milde, daſs die Erde ſelten gefriert, und der Schnee kaumgeinen Tag liegen bleibt. Eben dieſe Seewinde,, bauptrfäichlich der aus Weſten, welcher der herrſchendſte iſt, ift die ſtärkſte Urſache, daſs die Luft ſich im Sommer abkühlt und die Nachtkälte ſelten ſtrenge oder anhaltend iſt. Aus der- ſelben Urſache find die Jahrszeiten gemäſzigter in Irland als in England, und an der weſtlichen Kante des Landes milder und feuchter,|als an der öſtlichen, Obgleich Paris unter einer mildern Himmelsgegend liegt, ſo iſt der Win- ter in der Gegend b&y London doch milder als bey Paris; IT dagegen hier der Sommer weit wärmer, 49a! bey Paris Wein wächſet und reift, aber nicht bey London.„Die milden Winter in England rühren ofienbar von dem wWärmeſtoffeher, welchen das daran floſsende Meer ent- hält, weil es im Sommer kälter, als die Luft, dagegen im Winter wärmer iſt, und der Luſt von ſeiner Beſchaffen- heit mittheilt,; In Schotland iſt die Luft kälter und reiner, aber doch nicht ſo kalt, als es ſeiner Lage vach ſeyn ſollte, weil Schotlands Berge gegen Norden liegen, und den da- herſtrömenden Nordwind aufhalten. Aus dieſen angeführten Urſachen ſieht man, daſs Fygland weder einer auſserordentlichen Hitze noch Kälte ausgeſetzt iſt, noch ſeyn kann, auch daſs beyde nicht an« haltend ſeyn können, daſs aber das Wetter dort unbe- ſtändiger ſeyn muſs, als bey uns. Mehrere Wochen ein twocknes und mildes Sommerwetter zu haben, iſt in Eng- land eine wunderbare Erſcheinung. Was unbeſtändig und feuchtes Klima heiſst, erfuhr ich beſonders in der Erndtezeit 1797. Ich hielt mich im Auguſt und Septem- ber in der Grafſchaft Suffolk in der Nähe von des Secretärs Arthur Youngs Hofe Bradfield auf, und erlebte in dieſen beyden Monathen nur zwey ganze“Tage, an welchen es nicht regnete. Englands feuchtes Klima iſt ein Hauptgrund, daſs dieſes Land| ſo üppige Graſungen und Wiefen hat, und daſs es ſich beſſer zu Vertgräfungen, als zum Kornbau ſchickt. Das Korn, beſonders Weitzen, iſt niclit ſo ſchwer, als das'gute oſtſeeiſche, und der beſte Danziger Weitzen wird aui der Kornbörſe beſſer'bezahlt, als der beſte Weitzen aus der Grafſchaft Kent, oder Daunton Dalen in Somerſet. Der milde Winter dort erlaubt es, daſs die Engländer, ihre Schaafe« den ganzen Winter drauſsen lallen, und das Hornvieh nicht vor Neujahr auf- ſtallen. In den ſüdlichen Grafſchaften pflügt. ung ſäer der Landmann ſeine Winterſaat oft nicht vor der Mitte 12 Decembers, und pflügt zur Sommerſaat mitten im Fe- "bruar. Dieſelbe Unbeſtändigkeit des Wetters, dieſelben milden Winter treffen in den ſüdlichen Theilen von Schotland ein. Bey den Städten Aunau, Dumfries und Edinburg ſollen die Felder ſo niedrig und ſumpfig ſeyn, daſs das gemähete Korn oft nicht im freyen Felde ge trocknet werden kann, ſo auch das Heu nicht, ſondern man hat fich genöthigt geſehen, das abgemähete Gras auf gethertes Segeltuch zu legen, um es gegen die- Feuchtigkeit des Erdbodens zu beſchützen. Es mögte wohl dem Leſer nicht unangenehm ſeyn, das Urtheil eines geſchickten ſchotſchen Landmanns über das Klima ſeines eigenen Landes aus einer Grafſchaft hier zu hören, welche unter derſelben Polhöhe wie Seeland liegt. Herr Robertſon ſagt in ſeinem Agricultural Survey of Midlothian: In der Gegend um Edenburg, oder in der Grafſchaft Midlothian haben wir uns mehr über die Unbeltändigkeit des Wetters, als über die Strenge des Winters zu beklagen. Es iſt höchſt ſelten, daſs es eine einzige Woche giebt, worin wir einerley Wetter haben; aber es iſt nicht ſelten, daſs an einem und demſel- ben Tage eine Veränderung von einem ganz entgegenge- ſetzten Wetter eintrit. Bey dem allen giebt es doch hier ein gewiſles allgemein herrſchendes Wetter, das mit den verſchiedenen Jahrszeiten in Uebereinſtimmung iſt. Schnee fällt in dem flachen Theile ſelten vor Decem- ber, und ſpäter als Weihnachten. Die Dauer des Schnees iſt aufs höchſte 10 Wochen, zuweilen nur drey Tage. Im Januar und Februar iſt das Wetter ſehr unbeſtän- dig, zuweilen ſtille und klare Luft, zu andern Zeiten harter Froft und Schnee. Im März und April ſind die Morgenſtunden kalt; worauf am Mittage ein ſtarker Sonnenſchein folgt, wo- bey die Weitzenſaat nicht ſelten leidet. '13 Im Maimonath regieren die kalten Oſtwinde, wel- che oft von, häufigem Platzregen begleitet ſind, der ſehr nachrtheilig ſowohl für die junge Saat, als auch für den Erdboden iſt, welcher unterm Pflügen liegt, und ſehr durch durch die überflüſszige Feuchtigkeit leidet. Im Juni fühle man nicht ſelten kalte Morgen, wel- che wit der“ ſtarken Mittagshitze im Contraite ſehen, wodurch die zarte Kornähre oft Schaden leidet, weil üe eine ſolche Veränderung nicht aushalten kann. Julius und Auguſt wären die wärmſten Monathe, ſo wie die angenehmſten, wenn das ſchöne Werter nicht(6 oft durch Gewitterſchauer, welches ſich beſonders in die- ſen Monathen einfindet, unterbrochen würde. Der September bleibt ſich am mehrſten ungleich; in einigen Jahren haben wir kaum einen regnigten Tag in dieſem Monathe gehabt, in andern Jahren hat es jeden Tag geregnet. October, November und December ſind hinter ein- ander ſich ziemlich gleich, ſtarker Regen, und zu andern Zeiten ſchönes ſtilles Wetter Regen und Sonnenſchein wechſeln mit einander ab. Dieſe Veberſicht giebt dem Ausländer einen deutli- eben Begriff von dieſem Klima. Der Leſer erſieht hier- aus, daſs, wenn gleich die Grafſchaft Midlothian mit Seeland unter einerley Polhöhe liegt, es dort ganz ver- ſchiedene Abweichungen giebt. Das hat Pännewark mit Groſsbritannien gemein, daſs die Ausdünſtungen des Meeres unſere Aecker und Wieſen zu allen Jahrszeiten vorzüglich im Frühlinge und Herbſte befeuchten, und es machen, daſs weder der engliſche noch der ſchotſche Landmann Dürre, wie in andern Ländern, und einen daber rührenden Miswachs zu befürchten hat. Doch iſt das Wetter in Groſsbritannien unbeſtändiger und feuch- ter, als bey uns. Ihre Winter find milder; kommen ſpäter, und ziehen früher wieder ab; lie haben mehr Regen und Schneeregen, als eigentliche Winter mit T4 Schnee und Froſt. Daher kömmt es, daſs der engliſche " und ſchorſche Landmann im Frühbjahre allezeit mit dem Pfluge früher als unſrer in der Erde ilt, obgleich ihre Hea- und Kornerndte nicht früher, als in Däunemark, einfällt. Daſs die Engländer Keinen Winter häben, kann man deutlich an ihrer Schiffahrt bemerken; ihre Schiffe ſind die erſten im Kattegat und der Oſltſee, und die letzten, welche das Fahrwaſſer verlaſſen, weil fie in ihren Häfen nicht ſo eingefroren liegen dürfen, wie unſere. Da ſo manche Grafſchafren ſowohl Englands als Schot- lands unter demſelben Grade nördlicher Breite liegen, als die däniſchen Provinzen, ſo wollen wir diejenigen Grafſchaften Groſsbritanniens zur Vergleichung anführen, welche unter demſelben Grade, vom Nordpol zur Mit- tagslinie zu rechnen, liegen, Zwiſchen dem 53ſten und 54ſlen Grad'nördlicher Breite liegen die engliſchen Grafſchafreu Cheſter, Lan- caſter, Lincoln, und der ſüdliche Theil der Grafſchaft York. Unter demſelben Grade liegt der ſüdliche Theil Holſteins. Zwiſchen dem 54. und 55. Grade liegen die nördli- chen Grafſchaften- Englands, nemlich: der nördliche Theil der Grafſchaft York, Durham, Cumberland und der ſüd- liche Theil von Northumberland. Unter deſelben Grade liegt der nördliche Theil von Holſtein, und der gröſste Theil von Scileswig» Ohngefähr von Itzehoe bis Apen- rade; unter denſelben Grad kann man auch die Inſeln Langeland, TLaaland und Falſter hinrechnen. Zwiſchen dem 55. und 56ſten Grade der ſüdliche Theil von Schotland bis Edenburg und bey uns Fühnen, Seeland und die Stifter Ripen und Aaarhuus in Jütland bis zur Stadt Yerſens., Von dieſer Vergleichungslinie, welche wir zwiſchen den Grafſchaften Groſsbritanniens gezogen haben, die unter derſelben nördlichen Breite mit Dännemark liegen, erlieht man, daſs der nördliche Theil von England und I5 der ſüdliche Theil von Schotland unter denſelben Grad, vom Nordpol zur Linie zu rechnen, fallen, als Dänne- mark mit den Herzogthümern. Natürlicherweiſe müßten ſie alſo auch dieſelbe Luftremperatur baben; aber wir h2- ben ſchon dargethan, daſs dieſes Land feuchter iſt, weil hier die mehrſten Winde Seewinde, und die aus Weſten die gewöhnlichften ſind.) Doch darf man nicht„glauben, daſs die Grade der Feuchtigkeit in der Temperatur'der Lüft überall im Lan- de gleich ſind; in keinem Lande kann wohl ein größerer Unterſchied ſtatt finden als in England. Der jährliche Regen, welcher auf die Oberfläche der Erde fällr, verhält ſic! nach züverläßigen Bemerkungen über verſchiedene Graiſchaften nach folgendem Maaſse. Bey London ſteigt es nicht über 20 bis 21, bey Edenburg 25 Zoll. Mitten im Lande, in der Gräfſchait Stafford, ift die jährliche Regenmaſſe auf einem[]JFuſße 36 D.' An der weſtlichen Kante, in der Grafſchaft Lan» caſter, beträgt der Regenfall auf einem[]Fuſse 42. in Irland beträgt es noch mehr. Veberhaupt fällt auf der weſtlichen Küſte Englands doppelt ſo viel Regen, als an der öſtlichen, welches natür: lich einen wichtigen Einfluſs auf die Vegetation und den ganzen Ackerbau haben muſs. Der Grund davon, daſs eine ſo groſse Menge Regen an der weltlichen Kante des Landes fällt, iſt theils der, daſs ſie an das groſse Atlan- tiſche Meer ſtöſsr, deffen Ausdünſtungen fich über Irland und den weſtlichen Küſten Englands zuſammenziehen, und ſich im Regen auflöſen; theils auch der, daſs der weſtliche Theil des Landes mehr bergigt iſt, da denn der Regenfall auf einem[]Fuſse allezeit gröſser in erhabenen als niedrigen Gegenden iſt. Der vornehmſte Begriff von dem Klima eines Landes für den Landmann beſteht darin, den Lauf des Früh- lings zu kennen, und zu wiſflen, zu welcher Zeit die wich« tigſten vorfallenden Arbeiten anfangen und aufhöreu, 16 Ein Beyſpiel von dem Verlauf des Frühjahrs wollen wir : von den nördlichen Grafſchaften hernehmen, da wir nach demſelben die beſte Vergleichung mit dem unſeres Frühjahrs anſtellen können. Der durch ſeine vielen Be- ſchreibungen über den Ackerbau in den veſchiedenen Grafſchaften ſo bekannte Märſchal giebt in ſeiner Beſchrei- bung über die Grafſchaft York folgende Nachricht über das Heranrücken des Frühjahrs im Jahr 1737. Stachelsbeerdörner hatten Blätrer den Ioten März. Weiden----- den Sten April. Weiſsdorn=---- den ISten April. Die Eiche==---- den 29ten Mai. Hagedorn=-==-- den toten Juni. Die gewöhnliche Pflüg- Säe- und Erndtezeit in Eng- land trit folgendergeſtalt ein: Sommerkorn, wie Hafer, Pferdebohnen und Erbſen werden gewöhnlich von der Mitte Februars bis zur Mitte Aprils geſäet. Gerſte im Mai. Das Heumachen trift bey London am Ende Junius, im Lande Julimonath zu. Die Kornerndte trifr in der Grafſchaft Eſſex und dem ſüdlichen Theil des Landes erſt im Auguſt ein; in dem nördlichen Theil vom z2oten Auguſt bis zur Mitte Oktobers.; Die Saatzeit für Weitzen iſt gewöhnlich im Oktober- und Novembeimonath; doch giebt es manche Ausnahmen. Ich habe Weitzen in die Brache am erſten September ſäen geſehen, und unter andern“ Umſtänden kurz vor Weihnachten, und der Landmann hatte die beiten Hofnun- gen, ſowohl von dem Spät- als Frühgeſäeten. Doch hält man es für zurräglicher, die Winterſaat zeitig im Früh- jahr in die Erde zu bringen. 17 HA. P..: 3 Groſsbritanniens beſondere Vortheile zur Auf- nahme des Ackerbaues. Wir haben bereits in dem vorhergehenden Kapitel gezeigt, daſs in England beſtändig eine gemäſsigte Luft herrſcht, welche den Pflanzen beſonders zuträglich iſt. Keine brennende Sonnenhitze dürret den Boden im Som- mer aus, und keine ſtrenge Kälte oder Nachtfroſt tödtet die junge Pflanze in ſeinem erſten Emporſchieſsen. Eng= lands Sommer find kälter und feuchter, deſſen Winter da- gegen milder und gelinder als unſere. Dieſes iſt Jauch ohne Zweifel die Urſache, woher das Gras in England ein friſcheres und ſchöneres Anſehen als in andern Län- dern hat, welches einen ſo angenehmen Eindruck auf fremde Reiſende verurſacht. Es iſt nicht deſſen Klima, keinesweges auch nicht deſſen Erdboden, denen England ſeinen ſo glücklichen Ackerbau zu verdanken hat. Der Boden iſt in England, wie in jedem andern Lan- de, ſehr verſchieden. Längs gewiſſen Ufern giebt es vortreffliche fette Marſchgegenden, wie an den Ufern Tees- Water in der Grafſchaft Lincoln, in Kent bey Majdſtöne, wo Hammel und Ochſen bloſs auf dem Graſe zu einer unglaublichen Fettigkeit und Schwere gebracht werden. Auf der andern Seite giebt es ebenfalls viele unfruchtbare Gegenden in England, und zwar alle Stuf- fen durch bis zum reinen Flugſande, welcher Landſtraſsen und Kornacker überdeckt, den Lauf der Flüſſe hemmt, und fich. ganzer Höfe und Dörfer bemächtigt. Eine ſol- che Strecke von Flugſande habe ich am Fluſſe little Ouſe, an. der Gränze von Suffolk und Norfolk angetroffen, B I3 England hat ebenfalls nicht wenige Heiden. Die Engländer haben dia beſondere Oekonomie, auf ihren Hei- den Kaninchen zu halten, welche ſich dort zu Tauſen- den in die Erde wühlen. Dieſe Kaninchenzucht wirft ei-. nen guten Vortheil für den Eigenthümer ab, und wird daher überall in den GEÄCTCHHE BE Suffolk, Notfolk und Cambridge auf einem ſolchen ſonſt unbenutzbaren Boden unterhalten. So verkauft die Grafſchaft Norfolk jährlich ohngefähr für 10000 P. St. Kaninchen, welche täglich auf dazu eingerichteten Wagen nach London und andern Städten gefahren, und das Stück für 24 ſs.(1s.) verkauft werden. Die eigenthümliche Erdart, wodurch England fich- beſonders von jedem andern Lande unterſcheidet, iſt ei- ne fortlaufende Schichte Kreide und mit Kalch geſchwän- gerte Erde. Da Kreide und Kalch in gewiſſen Grafſchaf- ten ſs. überflüſßig vorhanden iſt, ſo ſieht man leicht die Urſache ein„ weswegen der Landmann Kreide und Kalch brenat, welches er als Dünger entweder allein oder auch mit andern Düngerſtoffen, beſonders mit Erde und Stall- dünger gemiſcht, gebraucht. Im übrigen giebt es in England, wie in jedem grof- ſen Lande, alle Sorten Erdarten, beydes von guter und ſchlechter Miſchung, und England, im Ganzen betrachtet, iſt in dieſer Hinſicht nicht mehr von der Natur geſegnet als andere Länder. Wichtigere Vortheile als jene, die das Klima und der Boden mir fich führen, find die, denen die Nation ihre Induſtrie und ihren Wohlſtand zu verdanken hat. Wir wollen einige von den wichtigſten berühren, die es uns klar darthun, woher der Ackerbau natürlicherweiſe einen glücklichern Fortſchritt in England als in einem andern ſelbit vortbeilliaftern Staate machen muſs. England hat überall prächtige Landſtraſsen und Kanäle, eine[Menge Seehäfen, Kleine und 7.7 TI9 grofse Landſtädte, wodurch das Verſenden und der Umſatz der Waaren ſehr erleichtert wird. Die ſchönen Landſtraſsen, welche das Land in alle mögliche Richtungen ſelbſt nach den weniger bedeu- tenden Landſtädten durchkreuützen, am häufigſten längſt dem Lande, ſelten es in die Quäre durchlaufen, machen, daſs der Landmann zu allen Jahrszeiten mit Leichtigkeit ſeine Waaren verfahren, und dabey eine groſse Laſt auf- nehmen kann. Ihre groſsen Pächterwagen, vor welche 4 bis 5 Pferde geſpannt werden, wovon das eine hinter dem andern in gleicher Linie geht, nehmen gewöhnlich 16 bis 20 Tonnen Weitzen, jeder, auf dieſe Wagen, haben ſelen einen groſßgen Weg zurück zu legen, gewöhnlich nicht über drey oder vier däniſche Meilen. Da die Wege gut ſind, ſo iſt der Landmann nicht daran gebunden ſeine Waaren in den zunächſt gelegenen Flecken, oder Städten, abzuſetzen, ſondern verkauft ſie oft in die nahe liegenden Grafſchaften, und nach den entfernrern Seehäfen, wo er glaubt, daſs er ſeine Korn- waare mit dem gröſsten Vortheile abſetzen kann. Die guten Wege verſchaffen dem Landmanne auch den Vortheil, daſs er von den Städten die zur Bedüngung ſeines Ackers dienliche Stolle, wie Steinkohlenaſche, Sei- fenſiederaſche, Kalch, u.[. w. von da abholen kann, welches ihm nicht möglich ſeya würde, wenn er nicht auf einem gutgebrügten Wege fahren könnte. Daher trift es fich, daſs auch die Grafſchaften, welche mitten im Lande liegen, wie Bedford, Berk und Herford jähr- lich von London, Ruſt, Aſche, wollene Lumpen, Haar, Lederſtecker, Taubenwiſt und dergleichen Sachen auf groſßen Laſtwagen kommen laſſen, um fie im Frühjahr auf magern, leichten und ſandigen Boden zur Bedüngung zu fahren. Die gröſfsern und kleinern Kanäle und ſchiffbaren Flüſſe, welche die kleinen Landſtädte mit den größern, und dieſe wieder mit den Hauptſtädten oder B 2 20 einem wichtigen Seehafen in Verbindung ſetzen, ſind dem Landmanne ebenfalls zum grofsen Vortheil. Es wird hinreichend ſeyn, hiervon ein Beyſpiel anzuführen. Eine Intereſſentſchaft lieſs im Jahre 1792 und 93 für flache Barkaſſe eine Aue von Stowmarker, welches in der Mitte der Grafſchaft Suffolk liegt, bis Ipswich, ei- ne Seeſtadt, ſchiffbar machen. Die Intereſſentſchaft lieh ein Kapital von 36,380 P. St. zur Schiff barmachung die- ſer Aue an; die Zinſen dafür ſollten von einem Zol! auf in und ausgehenden Waaren beſtritten werden. Dieſer Kanal iſt einer von den kleinſten und unbedeutendſten in- England. Er iſt 16 engliſche Meilen. lang, und 20 Yaſs breit, und hinreichend für lange Böthe, welche ei- ne Laſt von 24 Tens, d. 1. 480 Cw., und jedes bezahlt für eine Reiſe von Stowmarket bis Ipswich an Zoll 1L. 42 S.(8r.) und auf der Rückreiſe 16 S.(4 r.,) in allem für die Hin- und Herreiſe 2 L. 8S.(12 r.). Welchen wohlthätigen Einfluſs dieſer kleine Kanal für den Land- mann in dieſer Grafſchaft, und ebenfalls für den Kauf- mann haben würde, war bald wahrzunehmen, da die Preiſe von allen Arten Landfrachten zu Wagen über die Hälfte herunterfielen. Steinkohlen, die eine ſo unent- behrliche Sache für den engliſchen Landmann ſind, fielen per Chaldron ir. auf 9 Tonnen. Der Landmann erhielt ſeine Kornwaaren mit weniger Unkoſten in Ipswich abge- ſetzt, und die Folge davon war, daſs die Pachten in der ganzen Grafſchaft höher im Preiſe ſtiegen. Bald hat jedwede Grafſchaft einen oder mehrere Ka- näle, wovon ſie Nutzen ziehen kann; auf dieſen wird Kornvorrath des Landmanns auf Böthen, oder Prammen, für eine ſehr mäſsige Abgabe aus dem Innerſten des Lan- des bis zu einem Seehafen gebracht, von wo er denn wei- ter ausgeſchifft wird. Ich habe oft auf meiner Reiſe Ge- legenheit gehabt zu bemerken, welchen wichtigen Ein- „Nuſs dieſe Kanäle auf die Preiſe der Kornwaaren in den verſchiedenen Grafſchaften hatten, und als Folge hievon 21 auf den Werth der Landbeſitzungen und die Nachfrage Jarnach. In den Grafſchaften, wo der Transport der Kornwaare durch Kanäle erleichtert wurde, ſtanden die Preiſe al pari mit den in den Seeſtädten, und die Diffe- renz auf einem Quarter war I S., ſelten höher denn 2S. In den Grafſchaften dagegen, wo alle Kornwaare per Axe verfahren werden müſſen, kann der Unterſchied der Prei- ſe gegen den in den Seeſtädten ſehr bedeutend ſeyn. ,So gab man den Sommer, als ich in England war, IIS. für ein Coomb(eine Tonne) Pferdebohnen in der Grafſchaft Suffolk, in London gab man 12 S- für dieſelbe Sorte Früchte, aber in der Grafſchaft Bedford koſtete die Ton- ne 20 8.(5 x.). Hätte nun dieſe Grafſchaft denſelben Vortheil, wie die andern durch ihre Kanäle gehabt, oder wäre ſie an der Seeküſte gelegen, ſo könnte ſie die- fe Sorte Korn weit leichter und zu demſelben Preiſe, wie die übrigen Grafſchaften, gehabt haben. Da Pferdeboh- nen, hauptſächlich gebraucht werden um Schweine damit zu mäſten, ſo ſieht man leicht ein, daſs die Schweinemä- ſtungen in dem Jahre den Pächtern in der Grafſchaft Bed- ford weit höher, als in andern Provinzen, Kamen, und daſs(ie mit dieſem Artikel nichtPreis halten konnten, ſon- dern eher Verluſt als Gewinnſt ausgeſetzt waren. So wichtig ſind die Vortheile von guten Wegen und ſchiffbaren Kanäle in einem Lande für den Landmann, ohne hier der Fabrikanten und Kaufleute zu erwähnen. Sind die Wege ſchlecht, und die Landtransporten lang, (ſo iſt der Kaufmann genöthigt deswegen mehr auf ſeine wWaaren zu ſchlagen, und der Käufer muſs die Waaren weit theurer bezahlen, als ſie ihn gekoſtet haben würden, wenn das Land gute Landſftraſsen gehabt, und von brauch- baren Kanälen wäre durchſchnitten geweſen. Wie wichtig beydes iſt, ſieht man am beſten in Deutſchland, Polen, Ungarn und andern Ländern, denen dieſe Vortheile fehlen. Auf meiner Reiſe in Deutſchland im Jahr 1795 merkte ich daher überall den gröſsten Unter- 22 ſchied in den Kornpreiſen. Man gab für eine Tonne Ha- fer in Sachſen und dem Hannöverſchen 5 r. und darüber, ja er war an einigen Stellen ſo theuer, wie der Weitzen, und dieſes zu einer Zeit, als der Preis des Hafers in'den Häfen an der Oſtſee unter 2 r. ſtand. In Polen giebt es manche unbebaute Landſtrecken, welche bloſs zur Grä- fung gebraucht werden, und eben ſo in Ungarn, weil es dort'keinen Markt und Abſatz giebt. Von den Inconve- nienzen beym Verſenden der Waaren durch Zollſtädte im Lande will ich ſchweigen. Auſzer dieſen erwähnten Vortheilen, gute Tatil ſen und Kanäle zu haben, nützt England auch noch den, überall eine Menge volkreiche Landftädte und Seehäfen zu haben. Ein Landmann in England iſt keinesweges gebunden, wie es der Fall in andern Ländern iſt, ſeine Kornwaaren in einer beſtimmten Landſtadt abzuſetzen, und ſie für den Preis zu verkaufen, den der Kaufmann zu ſetzen beliebt. Der enoliſche Landmann hat in einer Entfernung von zwey Meilen um ſeinem Hofe herum mehrere Landſtädte, welche er nach ſeinem Gefallen an beſtimmten Marktta- gen der Woche beſacht, und die er dann von Käufern und Verkäufern angefüllt findet. An den feſtgeſetzten Markttagen finden ſich dort die engliſchen Landleute zu Pfeide oder in der Kabriole ein. Am Mittage verſamim- len fie ſich auf dem Markte, wo es oft zur Bequemlich- keit der Handelnden bedeckte Gänge giebt, oder fie ver- ſammlen fich auch in die gröſfste Herberge der Stadt. Der Landmann bat eine kleine Probe von der Sorte Korn, welche er verkaufen will, bey ſich und zeigt ſie dem ihm aufſtoſgenden Kaufmanne, Branteweinsbrenner und Mül- ler vor. Werden ſie des Kaufs einig, ſo nimmt der Kauf- mann die Probe zu fich, ſchreibt in ſein Taſchenbuch des Landmanns Namen, den Preis, worüber ſie einig gewor- den, und den Tag, wann und wo das Korn„budUSferr werden ſoll. Zur Sicherheit, daſs der Landmann das nE Ser 23 Körn' nicht auch, zugleich an einen andern verkauft, em- pfängt der Käufer von dem Verkäufer einen engliſchen Schilling, der ihm für die pünetliche Erfüllung des Kon- tracts eine ſo hinreichende Verſicherung gewährt, wie jedwede Verſchreibung. Die Marktpreiſe richten fich hauptſächlich nach den ſteigenden und fallenden Preiſen in London, welche denn von politiſchen Umſtänden, Miswachs und andern zufälligen Urſachen, welche Ein Anſs auf den Kornhandel in Europa haben, abhängen. Es iſt eine bekannte Sache, daſs der Landmann, wel- cher in der Näbe einer großen Stadt wohnt, ſich gröſse- re Vortbeile aus Nebenſachen von ſeinem Hofe, als Hü- nern, Endten, Gänſen, Lämmern, Kälbern, Eiern, But- ter, Ferkeln, ohne der Milch und des Rahms hier zu ge- denken, machen kann, als der, welcher eine Tagsreiſe davon entfernt liegt. An ſolchen Vortheilen nimmt der engliſche Landmann durchgängig Antheil, wenn auch ſein Hof mitten im Lande liegt, und zwar beſſer als ih an- dern Ländern, verwittelſt der Menge regelmäſsig abge- bender und ankommender Diligenzen, Frachtwagen und Paquetböthe. Von den grofsen Seeſtädten längſt der ſüdlichen und öftlichen Küſte von Eugland geben entweder täglich oder mehrere Mahle in der Woche Paquetböthe von und nach London. Die kleinen Städte, welche an der Themſe lie- gen, haben ihre Paquetböthe, die zweymal am Tage, Morgens und Abends, abgehen und ankommen, und fich der Vortheile bedienen, welche die gewöhnliche Ebbe und Flurh ihnen darbiethet. Dieſe Paquetbötbe ſegeln ſehr gut, und find bequem eingerichtet; ſie gehen zu beſtimmten Zeiten ab, und ſind allezeit mit Reiſendeu, allen Arten Grünigkeiten und andern Kleinigkeiten, Fettwaaren, Wildbret, und Kaufmannsgütern angefüllt. So geht: täglich den ganzen Sommer hindurch ein groſses Booth oder eine Jagt von Ipswich nach London mit Käl- 24 bern; ſo geben und kommen täglich zwey Paquetböthe * von London nach Graveſand, Zu dieſem groſsen Vortheile von Paquetböthen tra- gen noch eben ſo eine Menge Diligencen, Paquetpoſten, und Frachtwagen verſchiedener Arten bey, welche täg- lich und wöchentlich, ſowohl zwiſchen den groſsen als kleinen Städren, gehen. Liegt eine Landlſtadt an einer Hauprtſtraſse des Landes, an der zum Beyſpiel, die von London nach Briſtol, Newcaſtle, Liverpool, Edenburg, Norwich, Pleymouth führt, ſo ſieht man faſt täglich zu jeder Stunde des Tages eine ankommende; Diligence, welche ihre Fahrt nach einer von den nördlichen oder ſüdlichen Grafſchaften richtet. Die Diligencen ſind ei» gentlich nur dem Landmanne zum Vortheil, in ſo fern er damit bequem, wenn und wohin er will, reiſen, und Briefe und Paquete ſenden kann, wann und wohin er will.“; Noch wichtiger ſind für den Landmann die Fracht- wagen und Paquetpoſten, welche, ſo wie die Dili- gencen, Privatperſonen zugehören. Dieſe Frachtwagen ſind von verſchiedener Art. Einige nehmen bloſs Kauf» mannsgüter auf, andere Stückgüter, andere werden nur mit einem einzigen Artikel beladen. Sie fahren nemlich Kaninchen oder Gänſe, Lämmer, junge Hühner, Butter, Eier, welche Wagen denn darnach eingerichter ind, um die groſse Menge von ſolchen Artikeln aufzunehmen. Der Landmann weiſs beſtimmt, zu welchem Glockenſchla- ge dieſe Frachtwagen in das Wirthshaus ſeines Dorfes oder Kirchdorfes, wodurch die Landſtraſse geht, einkehreiz er liefert da in dem Wirthshauſe ſeine Sachen mit einer Adreſſe an einen Speckhändler in London oder in einer andern Stadt, womit er in Handelsverbindung ſteht, ab, ynd iſt ſicher davor, daſs es richtig abgeliefert wird. Die Frachtkoſten ſind nach unabänderlichen Regeln'beſtimmt. So ging dem Hofe Brackfeld Lombuſt in der Graf- ſchaft Suffolk, wo ich mich eine Zeitlang bey einem ge- i 25 wiſſen Pächter, Green aufhielt, von Bury, einer keinen Landftadt in Suffolk, 75 Meilen von London, am Morgen um 7 Uhr eine Diligence ab, die am Abend um 7 Uhr in London ankam; um 6 Uhr Abends kam die Diligence von London, welche um 6 Uhr Morgens abgegangen war» und ging nach Bury. Man hatte die Bequemlich- keit, in einem bedeckten Wagen jeden Tag hin nach Lon- don und zurück zu kommen. Die Briefpoſt ging und kam jeden Tag. Zweywal in der Woche ging the Meal- Coach, welche Paquete, Koffer und Kaufmannswaare mitnahm. Dreymal in der Woche ging der Kaninchen- wagen durch Suffolk, nahm ſeinen Weg über Newmar- ket und Cambridge nach London, und fand fich da den andern Morgen zeitig ein. Kaninchen können im Som» mer das Fahren nicht länger als einen„Tag vertragen. Auf die Weiſe wird London von allen Gegenden des Reichs regelmäſsig mit Fettwaaren verſehen. So wird auch von der Stadt: Epping jeden Tag, von Cambridge dreymal in der Woche friſche Butter nach London geſandt, die dort nach Verlangen in grofsen oder kleinen Quanti- träten verkauft wird. Die engliſchen Land- und Seeſtädte ſind ſo mit der Hauptſtadt in Verbindung geſetzt, als wenn bey uns von Kopenhagen nach Korſoer, Kalundburg, Vordingburg und Helfingör täglich Diligencen, eine um Morgen und eine um Abend, und von dieſen Städten wieder Nebendi- ligencen nach nahegelegenen Kaufſtädten abgingen; als wenn ferner ebenfalls regelmäſsig einige Mahle in der Woche Paquetpoſten und Frachtwagen nach den ange- führten Städten führen, und endlich noch Wagen, wel- che Kaufmannswaaren, Stückgüter und Producte des Landmanns anfnähmen.*) *) Der, welcher nicht in England geweſen iſt, kann ſich keinen Begrif von der auswärtigen Schönheit» Bequemlichkeitj und Schnelligkeit dieſer Diligencen,| womit ſie Reiſende befördern, machen, Die mehrſten gehen für particuläre Rechnung,: Die IEE=beſteht aus ſolchen 3“ deren Vorfahren Ackerbauer unddie felbſt nie- mals in einem vandern Stande geweſen find.'Von deren Charactrerv»and: Erzielung:“darf man eigentlich auf die herrſcheide Aufklärung in der Landwirthſchaft ſchlieſsen. Dieſe Cloſſewvon.TLandmiännern wird gewöhnlich beſchul- digt,“daſs lean Vorurtbieilen'der Vorzeit hängt“und ihr Ohr keinem Vorſchlägen, zw Verbeſſerungen leihen will: Der engliſche Landmann Kaun ſich allerdings nicht von dem'Fehler, frey ſprechen; daſs'er nicht ein par zu gröſzes Zutrauen: zur'Keanrmniſs ſeiner Vorväter, und“zu der be- ſondern Wirthſchaft ſeines eigenen Landes und feines eigenen“Diſtriers habe; obgleich man auf:der ändern Sei- te ihm'den Ruhm nicht verſagen kann, daſs'er in ſeiner Kunſtimit der fortrückenden Cultur- des Zeitalters glei- chen Schritt'gehalren, und für die theorecdiſcheund prak» tiſche VUebung“ſeiner Kunſtſo viel gethan har; als Hand- werker;“Künſtler, Fabrikanten und übrige jiiduſtriöſe Stände für die“Cultur"und das Gedeien“ühter'Wiſlen- ſchaften. Der engliſche Farmer iſt ein Mann von Kenntniſſen. Durchgehends“ kann er: leſen“rechnen, ſchreiben, und iſt'mit.der Geſchichte ſeines Landes, der Geographie und den politiſchen Neuigkeiten des Tages bekannt. Durch dieſen'Grad der Cultur, den man von den“ kleinſten Far- mer, der nemlich nureine jährliche Pachr von 10 L. zu entrichten hat, bis zum gröſsten antrifft, erhebt er ſich nicht allein'über die'niedern Claſſen ſeines» eigenen Lan- des, über'die Kätener,' Tagelöhner,'Dienſtbothen, Sol- daren'und>Matroſen, ſondern auch über die gewöhnliche Claſſe'der Ackerbauer in“andern Ländern, welche man Bauern'neünt.“-Der gemeine engliſche Farmer ſteht auf derſelben“Stuffe der Kultur in Hinſicht: auf die Bequem- lichkeiten“ſeines äuſserlichen Lebens und der intellectuel- len Kenntniſſe, als unſere Pächter auf den adlichen Gü- tern. Die niedrigſte und“ unvermögendſte Claſſe von 60 Farmerh; deren Hof ſo'kleiwiſt, daſs»fie-ſelbſt: mit ar- * beiten, pflügen und eggen muſs5: kann vielleicht«unſern am meiſten gebildeten-Freyphüfnern zur Seite«ſtelien. Die Mittelklaſſen. von;Farmernwoder: die'Farmers:vöm zweyten Range können ſich mit unſern: Marſchbauern und unſein grofsen Pächrern»meſſen.« Der-engliſche Far- mer! vom dritten Range,"Gentleman«Farmers,' macht eine Claſſe von Landleuten-aus,/ die,» obgleich) ieinur bloſ;e Pächter ſind, d h. ſelbſt kein Eigenthum beſitzen, ſich weit-über die andern; Pächter, erheben; und„wenn wir fie mit, Ackerbauern unſers Landes mezen. wollen, mit unſepn icharacteriſirten Landmännern; die) ein groſses Gut beſitzen, verglichen werden müſſen.|, Sie genieſsen)nem- lich das Leben ſo gut,' als unſere characteriſirte Gursbe- ſitzer, ſie ſind Männer) voneben ſo-groſßem Vermögen, mit einem. Worte, ihr Haus,„Tiſch, Geſellſchaft-und äuſserer. Anſtand, alles haben fie mit ihnen gleich. Un» ter dieſer Claſſe von Landleuten die man Gentleman Farmers nennt,»weriden. giejenigen, verſtanden, welche ein Gut bis zu 3, 4, 500. P. St. jährlicher Revenüen in Pacht, oder als Eigentchum beſitzen. „„ Man theilt in England;die! engliſchen Farmer in ge- wiſſe Claſſen, nach der-Gröſse ihrer Güter; ein. Man verſteht unter. einem Landmanne von der;erſten oder niedrigſten Claſſe, einen, der einen Hof hat; wo- für jährlich 10 bis 100 P. St. Pachr gegeben werden kön- nen: ſolche werden Small- Farmers, kleine Landmänner genannt; und ihr Hof Small-Farms. Unter Landmän- nern vom zweyten Range werden die"verſtanden, deren'Hof von der Gröſse und Güte iſt, daſs davon jähr- lich 100 bis 200, und 250'P. St. Pacht gegeben. werden können..Gentleman- Farmers werden die grofsen Land- männer. genannt, welche Güter in Beſitz oder in Pacht haben, wovon man die jährliche Pacht auf 300 P. St. und darüber rechnet. Ihr Hof heiſst large Farm, grof- ſer. Hof. 61 Von Feſtebauern, Hofdienſten u. ſw. hat“der Eng- länder keinen Begriff, weil es in ganz Groſsbritannien kein Gur giebt, wozu Eigenbauern, oder Hinterſaſſen ge- hören. Hat der reiche Engländer, er ſey adlich oder. un- adlich, mehrere Höfe, ſo ſind dieſe Höfe aut eine be- ſtimmre Zeit unter angenommenen Bedingungen verpach- tet; ſo wie unſere adliche Güter oder Meyerhöfe. Iſt der Pachttermin abgelaufen, ſo wird er wieder erneuert» oder der Hof wird an einen andern verpachtet. Der engliſche Farmer bereiſet gerne ſowohl die Graf- ſchaft, worin, er wohnhaft iſt, als auch andere, die ihm nabe liegen. Dieſe Reiſeluſt hat er mit ſeinen übrigen Landsleuten gemein, welche weit und breit in ihrem ei- genen Lande herumreiſen, und zwar nicht bloſs in Ge- ſchaften oder um ſeine Familie und Freunde zu beſuchen, oder auch zum bloſßsen Vergnügen, ſondern oft in der einzigen Abſicht ſeine glückliche Inſel zu beſehen. Es ;ſt nicht ſelten, daſs der engliſche Farmer ſeinen Hof auf eine kürzere oder längere Zeit, wenn es die Umſtände erlauben, verläſst, und in den andern Grafſchaften her» umreiſet, um den Zuſtand des Ackerbau's zu beſehen, und manche nützliche Erfahrung mit fich nach Hauſe bringt, die er hier anwendet. Eben ſo beſucht der eng- liſche Farmer die Märkte in den umliegenden Landſtäd- ten, um bey jeder öffentlichen Zuſammenkunft(Mee- ting) zugegen zu ſeyn. Er kömmt dahin, ohne gerade eine beſtimmte Verrichtung zu haben; um Neues zu hö- ren, und in einer Taverne mit ſeinen Bekannten eine gute Mahlzeit zu halten. Veber Tiſch wird über die An- gelegenheiten des Tages, Kornpreiſe, Anſichten der Ge- weidefelder, über Werter, die zu verhoffende Erndre, neue Verſuche, und was ſonſt den Landmann intereſlirt, geſprochen. Solche Zuſammenkünſte lind mir ſehr an- genehm und lehrreich geweſen. Bey Tiſche verliert der Engländer ſein zurückhaltendes Weſen, beſonders gegen Fremde, er ſpricht da mehr, iſt mehr umgänglich, und 62 man hat'dann Gelegenhieit'mit manchem würdigem' Land- manne nähere Bekanntſchaft zu machen. Schatzungen des engliſchen Landmarnes. Es wird dew Leſer nicht unwill kommen ſeyn, hie- von eine richtige Anſicht zu bekommen, da es bekannt genug iſt, daſs England mit den mehrſten Schatzungen und neuen Auflagen belaſtet iſt, und daſs alfo auch der engliſche Landmann mehr davon gedrückt ſeyn muſs, als der' Landmann in andern Ländern. Dieſe Anſicht, welclie ich hier dem Leſer liefere, ilt zu Ausgang des Jahrs'1797 aufgenommen. Sollten in den zwey letzten Jahren nach meiner Abreiſe, einige Veränderungen ge- ſchehen, oder neue Auflagen dem Landmanne aufgelegt worden ſeyn, ſo wird man ſolche, da ſie mir nicht be- kannt ſind, hier in dieſer Angabe nicht mit antreffen. Die Schatzungen des engliſchen Landmanns beſte- ben theils in ordinairen, als Landſteuer(Landtax,) Zehnten, Armenſteuer, welche von Grund und Boden, d. % pr. Acre, nach der ESRA UNE**) deſſelben abgeie gen Were theils in extraordinairen-- auf Fen- ſter, Wagen, Pferde, Dienſtbothen u.[. w. Landſieuer.(Land-Tax.) Von allen Schatzungen und Auflagen Englands war dieſe für die Regierung die wichtigſte, weil man be- ſtimmt wuſte, wie viel ſie jährlich einbrachte. Alle *) Bey uns find die Schatzurigen des Landmanns auf ſeinem Lande nach Tonnen Hartkorn, einem unbeſtimmten Landin- halte, der nach Beſchaffenheit des Bodens und andern localen Umftänden gröſser oder kleiner ſeyn kann, beſtimmt.«In Eng- land find ſie nach dem Areale, einem Acre CY Maaſse, angeſetzt, und die Schatzungen SON ſich dort nach der Beſchaffenheit des Bodens, 63 übrige Auflagen ſind arbitraire, und ihre Sicherheit iſt auf die zunehmende Verſchwendung und dem Hang zum Luxus berechnet. Die Landtaxe iſt eine/ alte Schatzung, die vor vielen Jahren regulirt worden iſt, und 2 Millio» nen P. St. einbrachte. Nach dem- Vorſchlage des Mini- ſters Pitt wurde ſie im Jahre 1799 auf 40 Jahre denLand- beſitzern verkauft, die bis zum Ablauf dieſer Jahre von der Erlegung dieſer Steuern dadurch befreyet- wurden. Sie war übrigens ſehr unverhältniſsmäſsig vertheilet; für einige Grafſchaften ſowohl, als für einige Höfe, war ſie zu hoch, ſür andere dagegen zu niedrig. Nachmeiner eigenen Erfahrung habe ich fe durch alle Stuffen von 5 S. bis 6 d. pr. Acre, d. i. von I rthlr. 24 ſs..bis 12 ſs, auf 6 Schip. Areal gefunden.. Der Secretair Young macht über die Grafſchaft Suffolk ſo. den Veberſchlag, daſs ſie nach angenommener Mittelzahl für guten Boden auf 2 S. 6 d., für- ſchlechten oder ſandigen Boden, auf 6 d. pr. Acre ſich belaufen könne. Dieſe Steuer wird immer von den Gutsbeſitzern (Landlord) entrichtet, ſie mögen die Höfe ſelbſt verwal- ten oder ſie verpachtet haben. Die übrigen Steuern und Auflagen liegen auf den Nutznieſser des Hofes, dem Pächter, wenn er nemlich verpachtet iſt. Armenſieuer.(Poor-Rates.) Wie billig es auch iſt, daſs jede Gemeinde ihre ei- genen Armen unterhält, und für ſie auf eine anſtändige Weiſe ſorgt, ſo iſt es doch auch ebenfalls die klare Wahr- heit, daſs keine Laſt für den ſonſt ſo wohlhabenden eng- liſchen Landmann drückender iſt, als die, ſeine Armen zu unterhalten. Man hat im ganzen Lande eine Menge Arbeitshäuſfer eingerichtet, theils um den Armen Gele- genheit zu verſchaffen, erwas zu verdienen, theils dem Landmanne bey ſeinen jährlichen Ausgaben, zu deren Unterhaltung eine Erleichterung. zu verſchaffen, aber 64 dies iſt nicht dazu hinlänglich geweſen. Der Grund von dieſer übertriebenen Koſtſpieligkeit, welche mit der Un- terhaltung ihrer Armen verbunden iſt, ſoll nach der ei- genen Meinung der Engländer ſelbſt reis in der gar zu groſsen Gutherzigkeit und. dem leidenſchaftlichen Mitlei- den der Nation mit ihren Armen liegen, ſo daſs die ar- beitende und dienende Claſſe gar nicht für ſich ſelbſt auf Krankheitszufälle, oder an die Schwäche des kommenden Alters denkt, theils auch in der Unvollkommenheit der Geſetze,“die das Armenweſen betreffen; und endlich in einer unvernünftigen Verwaltung und Vertheilung der Armengelder. Herr Butt, Kirchenprobſt zu Glemford, in der Grafſchaft Suffolk, drückt ſich über den Zuſtand des Armenweſens ſo aus:„Ich bin der Meinung, daſs in un- „ſern vorhandenen Geſetzen für die Armen ein weſentli- „cher Fehler iſt, der, wenn ihm nicht bald abgeholfen „wird, in vielen von unſern volkreichen Dörfern, die „niedere Claſſe der Landleute(Small- Farmers) ganz „und gar ruiniren wird». Das Uglück, worauf ich hier „ziele, iſt, daſs das Armenweſen in jedweder Gemeinde „einem anſehnlichen Landmanne anvertrauc iſt, der we- „der Zeit noch Kenntniſſe von der Verwaltung eines Ar- „menhauſes hat. Die Erfahrung bat es mich in meiner „eigenen und der daran gränzenden Gemeinde gelehrt, „daſs, ſo lange die Verwaltung des Armenweſcns einem „Gentleman(einem Manne von Erziehung) welcher die „gehörige Auflicht auf die Angelegenheiten der Gemein- „de verwendete, anvertrauer war, man jährlich 309 bis dai P. St. erſparte. Aber keinesweges, ſobald ſie in „andere Hände, gerieth, da theils Mangel an Kenntniſs „und Aufficht, theils eigennürziges und ſchmutziges In-' * tegelte es wieder zu dem vorigen Schlendrian zurück- „brachte; und dies geſchieht bey allen Gemeinden in un- „ſerer Nachbarſchaft.*)“ Nach dem engliſchen Geſetze ilt jede Gemeinde, ver- x) The Agriculture of Sufiolk«» London 1797, 65 bunden ihre anfäſsige Armen zu beköſtigen, zu kleiden, ihnen Wärme und Pflege zu verſchaflen, und, auf Un- koſten der Armenkaſſe, die Kinder des armen Tagelöh- ners und Arbeiters, wenn er ſein Unvermögen darzu an den Tag legt, erziehen zu laſſen. Die Folge hiervon ilt, daſs Jeſten und Tagelöhner in England gar nicht mehr glauben, daſs es ihre Pflicht iſt, ohne Beyhülfe der Ge- meinde ihre Kinder groſs zu machen. Es ilt ſchon viel, wenn er eins erziehen kann, alle übrige fallen ſicher der Gemeinde zur Laſt. Es iſt eben ſo Pflicht für die Ge- meinde, den Armen zu verſorgen, wenn er krank iſt, ihm einen Arzt und Heiluvgsmittel zu verſchaffen, ſei- nen Kindern die Blattern einimpfen zu laſſen u.([, w. Kurz, der/Arme geht zu ſeinem Kirchſgielvoigt, verlangt Unterſtützung, und erhält fie, ſobald er ſich nichts ver- dienen kann, oder mehrere Kinder hat, oder er, oder ſeine Frau oder Kinder krank ſind. Der engliſche Ar- “beiter oder der ſich auf dem Lande niederläſst, iſt ganz und gar ſorglos. Jungens, die noch nicht Mannsarbei- ten verrichten können, und gleichfalls auch Mägde ver- heyrathen fich, wenn ſie auch keinen Stuhl als Eigen- thum beſitzen. Nach der Trauung gehen ſie zum Kirch- ſpielvoigt, der ſie aus der Armenkaſle zur Anſchaffung des nothwendigen Hausgeräths mit Geld unterſtützen und ihnen Arbeit verſchafſen muſs. Verweiſt dieſer ſie an das Arbeitshaus, ſo können ſie dort entweder das zum Lebensunterhalt Nothwendige nicht verdienen, oder ſie find auch zu faul, es zu verdienen. Das, was daran fehlt, muſs die|Armenkaſſe zulegen. Ich bin oft Augenzeuge hievon geweſen, und zwar um ſo mehr, da ich mich 10 Wochen bey einem Parish- Officer aufgehalten habe. Wenn der Kirchſpielvoigt nicht ein gewandter,, und zu- gleich aufpaſſender und ſtrenger Mann iſt, ſo unterſtützt die engliſche Gutherzigkeit mehr die Faulheit und Unbe- dachtſamkeit bey dem gemeinen Manne, als daſs ſie für ſein, wahres Wohl ſorgt. Herr Green, der ebengenann- E 66 te Parish- Officer, bey dem ich mich aufhielt; verſicherte- mich, daſs die Unterhaltung der Armen in ſeinem Spren- gel für ſein Theil ihm ſechsmahl höher, als alle ſeine übrigen Schatzungen und Auflagen(den Zehnten ausge- nommen) zu ſtehen gekommen ſey. Er hätte für ſeinen Hof an Fenſterſteuer, für Pferde, Wagen and Dienſt- volk u. m. dergl. im Jahre 1796 in ailem 5 P. St. be- zahlt, und ſein Antheil zur Unterhaltung der Armen be- liefe ſich in demſelben Jahre auf 35 P. St.(175 Rthlr.)!!! Die Beſchwerlichkeiten mit der Unterhaltung der Armen ſind ungleich drückender für die eine als für die andere Gemeinde, drückender in dem einen Jahre, als in dem andern. Dies hängt von vielen zufälligen Urfſa- chen, wie vom Kriege, wenn der Mann ſich zur Landes- vertheidigung ſelten muſs, theurer Zeit, Mangel an Ar- beit, anſteckenden Krankheiten und endlich davon ab, wenn die Gemeinde Extraausgaben, zum Beyſpiel für die Inoculirung armer Kinder, gehabt hat. Wenn der Kirchſpielvoigt hört, daſs die Blattern in der Nähe ſind, fo läſst er alle arme Kinder ſeinea Sprengels auf Unkoſten deſſelben inoculiren, leiher darzu ein Haus oder eine Stube, wohin fie gebracht und wo ſie in ihrer Krankheit verpflegt werden; oder, iſt'es eine geraume Zeit her, daſs eine Inoculation vorgenommen iſt, ſo wird eben- falls ein allgemeiner Inoculationsverſuch mit der heran- gewachſenen Jugend vorgenommen. Ob dieſer gute Ge- brauch in England überall eingeführt iſt, kann ich nicht ſagen, aber, daſs es ein wohlthäuges Mittel zur Erhal- tung der Volksmenge ilt, dies iſt einleuchtend. Dieſes, die Kinder der Armen auf Unkoſten der Gemeinden inoculiren zu laſſen, ferner, die Sorgfalt, welche die Engländer für ihre Armen bey Krankheitszu- fällen haben, die Sorglofigkeit der gemeinen Volksklaſſe in Anſehung ihrer frühen Verheirathung, dieſes alles macht uns die Urſachen von der jährlichen Zunahme der Volksmenge in England begreiflich, da es ſonſt bekannt 67 iſt, daſs der Krieg und das Meer demſelben manche Tau- ſend Menſchen raubt. London iſt ein Wunder unter den Hauptſtädten Europens. In allen andern Städren ſterben jährlich mehr als geboren werden,!n London, der gröſs- ten von allen, überſteigt die Anzahl der Verſtorbenen nichr die der Gebornen, ſondern ſteht im Gleichgewich- te. Ein Beyſpiel von einer ganzen Grafſchaft zeigt uns dieſe zunehmende Volksmenge am deutlichften. In des Secretäiren A. Youngs Beſchreibung des Ackerbauzuſtan- des in der Grafſchaft Suffolk findet fich::S. 280 eine ta- bellariſche Liſte über die Gebornen und Geſtorbenen in den mehrſten Gemeinden dieſer Grafſchaft- vom Jahre 1766 bis 1795 incluſive. Die Anzahl der Häuſer in den angegebenen Gemein- den. iſt= DAO: Die Volksmenge 44,416. Alfo'53 Perſonen auf jedes Haus. Geborne von 1766= 1785. in 20 Jahren= 29,684 Geſtorbene in derſelben Zeit--== 22,805 Die Volksmenge hat zugenommen 6,884 Geborne von 1786-- 1795. in 10 Jahren-- 33,011 Geſtorbene in derſelben Zeit--=-- 20,255 Die Volksmenge hat zugenommen 12,752 betragen.. In der letzten Periode iſt nach der Mittelzahl I von 30 der Volksmenge geboren, und I von 60 be- graben. Um dem Leſer ein Beyſpiel zu geben, wie hoch ſich die Armenſteuer von einer Gemeine bekannter Gröſse mitten im Lande. belaufen kann, will ich hier eine au- thentiſche Liſte von der Gemeinde Glemsford in.der Grafſchaft Suffolk ,' die von dem Prediger des Orts Mr. Butt*) bekannt gemacht worden iſt, mittheilen. Dieſe legt ſartſam dar, wie die Unkoſten von der Unterhaltung der Armen jährlich zunehmen. E 2 *) The agriculture of Suffolk by Young p. 18, . 68 Die Gemeinde Glemsford hat 2400 Acre, wel- ches ein Areal von ohngefähr 1800 Tonnen Land Maaſs ausmacht, iſt alſo nicht gröſser als die Felder an Acker, und Wieſenland einiger Edelhöfe in Dännemark, oder ſo groſs, als ein Kirchſpiel in Seeland von ohngefähr 209 T. Hkr., wenn deſſen Aecker, Wieſen, Möre und Ge- büſche u. ſ..w. vermeſſen werden. P, St, S. d. 1772 bezahlte dieſe Gemeinde an die Armen---- 658:+): 5:5 28 1773= I AE 590 19 6 1774 em Hic= 494 5 8 1775= m.... 343 14 5 1776-<== 456. 71 4 1777 En E50 En 482 18 3 1778.<= Ei-- 516 16 8 1779=.---- 610202: 5 1780 7„it-- 482. 11 10 I781-.----- 516 16 8 1782=<- 7 6370: 5, 3/5 4783<<== 586. 11.56 17384= 7<= 496 5 4 1785= 7 eri 570-500 44: 1786 777===>-- 607"47456 1787 nE IE 1 78.32.68 176 1788= E77 7 948 1102 1739== IP 3039 6.4 3790-----. 17662""4 1791---=-- LITZ 5 5 IOX 1792 587---- 1100". 8"62 1793 iE m DIED LZ OZ> SRS 1794 FET SE iE 1594 4 5 3795 RE nr 6 1594 4 55 3796-.---- 2129 12 11x Daſs die Unkoſten für die Unterhaltung der Armen in den vier letzten Jahren ſo hoch anliefen, rührte von 69 den hohen Kornpreiſen diefer Jahre her. Man ſieht aus dieſer Liſte, daſs die Unterhaltung der Armenin dieſer klei- nen Gemeinde zu einer jährlichen Auflage fär den Land- mann von ohngefähr 10000 Reichsthalern geſtiegen iſt. In der Nähe der Hauptſtadt und groſser Fabriken, wo die Volksmenge der Gemeinden grofs iſt, fällt die Unterhaltung der Armen noch weit beſchwerlicher. Die kleine fruchtbare Inſel Thannt, in der Grafſchaft Kent» bat 9 Kirchſpiele, und die jährliche Unterſtützung der Armen beläuft ich, nach einer Mittelzahl, auf 4900 P. St. jahrlich, oder beynahe 25,000 Reichsthaler. Die Grafſchaft Kent har in allen 896,000 Acre, und der jähtliche Beytrag zur Unterhaltung der Armen beläuft ſich nach Herrn John Boys*) Berechnung ä 3S. 65 4. pr. Acre bis 158,666 L. 13 S. 4 d. beinahe 800,000 Reichs» thaler. Wir haben es durch Beyſpiele dargetbhan, wie hoch die Armenſchätzung(Poor Trates) ſich für einen einzel- nen Mann, eine Gemeinde und eine ganze Grafſchaft be« laufen kann. Ich habe nicht hinlängliche Data vor mir, pnd glaube auch nicht, daſs es ſolche giebt, woraus man die Summe erſehen kann, welche die Unterhaltung der* Armen England jährlich koſtet. Aber ſo viel ſieht man aus dem Angeführten, daſs deſſen Armen demſelben hö- her als alle übrige Schatzungen und Auflagen der Regie- rung zu ſtehen kommen. Secretair Young, der geübte- fle und erfabrenſte Schriftſteller in allen Arten ökono- miſch- politiſcher Berechnungen, giebt die Armenſchaz- zung für die Grafſchaft Suffolk folgendermaaſsen, redu- cirt pr. Acre, an, daſs der Landmann hier von gutem Bo- den pr. Acre 3 S. 6 d.; und von ſchlechtem Boden.10 d. bezahlt. In den Gemeinden, wo nur wenig Korn gebaut wird, und das Land in Gräſung liegt, iſt die Unterhal- tung der(Armen für den Landmann drückender, und x) Gen, View of the Agric. of Kent by John Boys. London 1796, 70 zwar aus dem Grunde, weil der Heuerling und der Jeſte in einem ſoichen Diſtricte nichts verdienen können, In ſolchen Gegenden kömmt dem Landmanne die Unterhal- tung der Armen auf die Hälfte von dem zu ſtehen, was er überhaupt an Pacht zu erlegen hat. Youug giebt die Pacht für einen guten Meyerhof in Sufiolk auf 16 S.' (4 Rihlr.) py. Acre, und ſchlägt die Armenſchatzung für den Pächter auf 10 S. 6 d. auf einem ſolchen Hofe an. In den harten Jahren 1795 und 1796, da der 'Weitzen in England auf das Doppelte geſtiegen war, und man 12 bis 13 S. für einen Bushel, d.h. 12 bis 13 Rtblr. für eine däniſche Tonne gab, war die arbeitende Claſſe in der äufserſten Verlegenheit. Sie fielen alle ihren Ge- meinden zur Laſt, welche nicht im Stande waren allem Mangel abzuhelfen. Was fie ehemals dazu beygetragen hatten, war jetzt nicht zureichend, da das Brodt wenig- ſteus doppelt ſo theuer war. Die zwey Kkräfrigſten und faſt die einzigen Mittel, die der Noth abhelfen konnten, wurden in den mehrften Gemeinden angewendet. Einige gaben den Tagelöhnern -2, 3 und 4 d. mehr Tagelohn, aber dieſe zugelegten 4, 6 und 8 ſs. waren in der theuren Zeit keine hinlängliche, Hülfe für einen Mann mit Frau und Kindern; daher be- fürchtete man mit Recht, daſs, wenn die Kornpräiſe fie- len, die Tagelöhner fich mit ihrem alten Tagelohn ge- nügen laſſen würden. In einigen Gemeinden wurden die Landleute darüber einig, entweder den Weitzen, als das einzige gebräuchliche Brodkorn, für einen billigern Preis, als damals der Kaufmann gab, anihre Tagelöhner zu über» laſſen, oder in ihrer Gemeinde das nöthige Quantum von Weitzen, Gerſte, Speck, Kartoffeln, Kohl u, m, zuſzm- men zu ſchieſsen, und ſolches ihren Armen für einen bil- ligern Preis zu überlaſſen, An andern Orten ſuchte man die Noth der Armen durch freywillige Unterſchriften zu Geldbeyträgen zu lindern, oder man lieſs für ſie Brod backen. Noch andere ſuchten ſie zu überreden, Rocken» 71 brod oder Haferbrod oder Kartoffelbrod zu eſſen. Hier- zu wollte fich aber der gemeine Mann nicht willig beque- men, bloſs die Noth konnte ihn darzu zwingen. Nur wenige Gemeinden überlegten es dahin, bloſs den Haus- vätern etwas zu reichen, der ganzen Familie aber Arbeit zu verſchaffen, und durch ihre Arbeit ihren Unterhalt verdienen zu laſſen; unter andern durch. das Jäten der Saat, durch Ziehung der Abzugsgraben, durch inſtand- ſetzung der Haupt- und Nebenwege. Für das Fraven- zimmer ſorgte man dadurch, daſs man demſelben zu näben und zu ſpinnen gab. Die Unterhaltung der Armen war in dieſen beyden Jahren ein wichtiger Gegenſtand für das ganze aufge- klärte Publikuny» und für alle ökonomiſche Geſellſchafren. Einige verſuchten es dem gemeinen Manne Zu be- fehlen, Fleiſchſuppe zu eſſen, und dieſe nicht, der Ge- wohnheit nach, wegzugieſsen, und ſtellten ihm dabey vor, daſs fie, wie der Franzos, Kohbl, Kartoffeln, Brod u. ſ. w. an die Suppe thun mögten, welches derſelben ei- neh nahrhaftern und angenehmern Geſchmack geben würde. Obgleich man in manchen Häuſern den Armen umſonſt Suppe darboth, ſahe er dieſes doch nicht für Güte'an. Schlechte Koſt, ſagte er, mag für den franzöſi ſchen Magen gut genug ſeyn, aber nicht für den engli- ſchen, der an gutes Beef und Porter gewöhnr iſt. Der gemeine Mann.in England iſt beſonders eigen- ſinnig, nur die höchſte Noth kann ihn zwingen, etwas an- ders zu eſſen, als das, woran er gewöhnt ift. Der Adel und andere wohlhabende Particuliers, beſtreben ſich au- dern mit guten Beyſpielen voranzugehen, aber das hilft wenig. Denn, kaum war der Winter vorbey, und die Erndte gab Ausſficht auf beſſere Zeiten, ſo hatte der Rei- che wieder das feinſte Brod auf ſeinem Tiſche, und der gemeine Mann wandte ſich wieder an ſein Weitzenbrod;, ſtarkes Bier, Puding u. dgl. Verſchiedene patriotiſche Geſellſchaften im Lande ' 72 vereinigten ſich zu dem Endzwecke, ein weniger koſtba« ves Nahrungsmittel,-:als Weitzenbrod,“welchesj damals 6ſs., das Pfund; galt, ausfindig zu machen. Eine ge- wiſſe patriotiſche Geſellſchaft in der Grafſchaft Glauceſter ewpfahl folgende Miſchung zu Brod, die vielen Beyfall fand, und von Reichen und Armen mit Wohlgeſchmack gegeſſen wurde, Sie beſtand aus Weitzenmehl, gemiſcht mit Zoder+ Gerſtenmehl, am beſten mit der letztern Quantität, da Gerſtenmehl ſchwerer im Magen liegt. Durch verſchiedene angeſtellte Verſuche fand man, daſs folgende Miſchung ſich gut zu Brod ſchicke: Weitzenmehl 28 Pd. Gerſtenmehl 14-- Kartoffeln 9--' Die Kartoffeln müſſen durch ein Sieb von Eiſen- drath gereinigt werden. Der; Deig muſs auch eine Nacht über ſtehen, ehe er gebacken wird, und der Ofen mehr, als zum gewöhnlichen Weitzenbrodte, geheitzt ſeyn. Das Ackerbaucollegium in London lieſs den ioten Nov. 1795 eine Menge Verſuche mit allen bekannten Kornarten anſtellen. Es lieſs ſie zu Mehl mahlen, und auf verſchiedene Art und Weiſe miſchen, um die nahr- bafreſfe, geſundeſte und wohlfeilſte Sorte Brod bey all- gemeinem Mangel an Brodkorn ausfündi&g zu machen. Es lieſs 3 Bushel(6 Schip.) von allen Sorten, Weitzen, Rocken, Gerſte, Hafer, Reis, Erbſen und Kartoffeln zu Mehl vermahlen. Das Korn wurde gewogen, ehe es nach der Mühle geſchickt wurde, und gleichfalls auch das Mehl, wenn es von der Mühle kam, um das Gewicht und den Preis des Korns pr. Bushel, und des Mehls pr. Pfand zu beſtimmen. Von dieſen verſchiedenen Mehl- ſorten wurde Brod gebacken, und den Mitgliedein zum Koſten mitgetheilt. Alle fanden die Brodarten gut und eſsbar, nur dies war der einzige Fall, daſs Ge einen fremden Geſchmack hatten, aus dem Grunde, weil man noch nicht daran gewöhnt war ſolches Brod zu eſſen. 73 Dieſe' Brodſorten wurden unter die Armen vertheilt, die ſie mit Begierde aſsen, weil der Arme in den Hauprtſtäd- ten weniger verzogen iſt, als der auf dem Lande, da er gemeiniglich mit ſchlechterer Koſt verlieb nehmen muſs. „Die Reſoltate von den Unterſuchungen der Geſell. ſchaft waren folgende. Nach den laufenden Kornpreiſen kam das Pfund Mehl, die Unkoſten mit einberechnet, auf Mehl von Weitzen 3 d.=- 6 ſs. pr. Pfund. -- Gerſte IZ Gerb= =-- Rocken DE Ge R ZE In -- Hafer 2- 4- -- Pferdehohnen 15= 3 -- Buchweitzen IX-= 33- =-- Reis RR=< 9 „= Mais od. indiſchem Korn 2-"'4=> Ferner fand die Geſellſchaft durch Verſuche mit ver» ſchiedenen' Verſetzungen, daſs folgende Vermiſchung das beſte wohlſchmeckendſte Brod gebe. Reis gebe das beſte und wohlſchmeckendſte Brod, wenn der Reis eingeweicht, dann gekocht und mit Weiz- zenmehl vermiſcht werde.+ Reis und 3% Weitzenmehl gebe gutes Brod, nehme man aber 3 Reis, ſo wärde das Brod davon wohlſchmeckender, als es das beſte Weitzen- mehl geben kann. Reis hat den Vortheil, daſs man da- von eine ſo groſse Quantität, als man wünſcht, bekom- men und ihn in groſsen Quantitäten für einen billigen Preis bekommen kann. Kartoffeln. Nimmt man+, oder beſfler nur 3 Kartoffeln zu Weitzenmehl, ſo giebt ſolches ein gutes, ſchmackhaftes und angenehmes Brod. Ungekochte Kar- toffeln, die bloſs in einem Mörſel gequetſcht und zer- malmt wurden, gaben das beſte Brod. Kartoffelmehl mit Gerſten- und Hafermehl vermiſcht, war ſehr gut. Die Schwierigkeiten hiebey“beſtehen bloſs darin, die richtige Proportion zu treffen. 74 5 Hafer wird in den nördlichen Gegenden von Eng- < Jand und in Schotland bäufig zu Brod gebraucht. Der gelehrte D. Pearſon in Birmingham hat glückliche Ver- ſuche damit gemacht. Hafer- und Kartoffelmehl mit ein- ander zu vermiſchen: nemlich 2 Hafermehl, 3 Kartoffel- mehl und ein verhältniſsmäſsiger Zuſatz von Hefen, Milch oder Waſſer, oder auch ein Decoct von Fleiſch oder ge- raſpelten oder ganzen Knochen. Solches Brod geht im Ofen gut auf, hat einen eben ſo nahrhaften und ange- nehmen Geſchmack, als Brod von Rocken oder Gerſte, dem es an Geſchmack am mehrſten gleich kömmt, und beſitzt auſserdem noch die gute Eigenſchaft, daſs es nicht ſo geſchwind trocken wird. Gerſtenbrod wird häufig in Walis, Cornwalis und Devonſhire gegeſſen. Es ilt erwas ſchwerer als Weitzen- brod und liegt ſchwerer im Magen, iſt aber ſehr nahr- haft. Gurtes eſsbares Brod giebt Gerſtenmehl, wenn es mit einer gleichen Portion Weitzenmehl vermiſcht wird, oder man nimmt zu 3 Gerſtenmehl 3 Kartoffelmehl. Folgendes Verhältniſs iſt ebenfalls gut befanden. Man nehme eine Tonne Weitzen und 7 Schip. Gerſten- mehl, ſchüttele beydes durch ein Sieb, heitze den Ofen Ntrker, als zu Brod von Weitzen allein, und laſſe das Brod 4% Stunden darin ſtehen. Rocken wird mit Weitzen vermiſcht in Notting- hamſhire und an einigen wenigen Stellen in den nörd- lichen Grafſchaften gegelfen. 3 Gerſte, 3 Rocken und 3 Weitzen giebt ein ſehr gutes und geſandes Brod, Eber! ſo giebt 3 Rocken und 5 Reis zuſammen gemahlen, ein ſehr gutes Hausbrod. Buchweitzen wird in dünnen Fladen ſtatt Brod, in Bretagne, Normandie und in einem Theile von Nord- america gegeſſen M ais, indiſches Korn, giebt allein für ſich ein ſchwe- res Brod. Wird das Mehl zu einem Deig gekocht, und mit Weitzenmehl vermiſcht, ſo giebt ſolches ein gutes 75 eſsbares Brod. Das indianiſche Korn allein hat eine ab- führende Wirkung. Erbſen und Pferdebohnen. Das Mehl muſs zuerſt in Waſſer geſchüttet, um demſelben den ſtrengen Geſchmack zu benehmen ,' und darauf mit Weitzenmehl vermiſcht werden. TI Pd. Erbſen- und Pferdebohnen- mehl, 1 Pd. Kartoffeln- und 4 Pd. Weitzenmebl gieht gutes Brod. Esiſt zuträglich und vielleicht auch geſun- der, das Erbſenmekl zu kochen, ehe es mit Weitzen- mehl verknetet wird. In dem großen Foundlings-Hoſpital wurde in dieſer theuren Zeit ein grofser Theil Reis an die Stelle des Weitzens zur Unterhaltung der Kinder und deren Aufwärter verbraucht. Herr Bernard, Kaflirer bey der Stiftung, hat folgende Berechnung drucken laſſen*). In der Süfrung wird zu Mittag, wie es überall in England Weiſe und Gebrauch in bürgerlichen Familien iſt, ein Mehlpuding gegeſſen, der aus Mehl, Milch, Eiern, kä geſchittenem geräuchertem Speck oder anderm fetten Flei- (aher als Ochſenfleiſche, welches dem Puding einen fet» ten angenehmen Geſchmack giebt, gegeſſen. Der zu- ſammen gerührte Deig wird in einem Beutel gefüllt, der nachher am Ende zugebunden und in einem Keſſel mit Speck und Fleiſch gekocht. Dieſer gewährt eine geſun« de und nahrhafte Speiſe, welches ſowohl in den Städten als auf dem Lande das erſte Gericht, ſtatt der Suppe, iſt, die man in andern'Ländern darzu braucht. Zu Puding wird Weitzenmehl genommen. Aus Oe- konomie bediente fich. die Stiftung des Reismehls, und “die Erfahrung lehrte, daſs 1 Pd. Reis 8 Pd. Weitzen gleich kömmt. Der gewöhnliche Puding von Weitzen- mehl beſtand hier täglich aus 168 Pd. Weitzenmehl, 14 Pd. kurzgeſchnittenem Pleiſche oder. Speck, 14 Gallons (56 Por.) Milch-- und koſtete täglich 3 L. 2S. 6 d. *) Youngs Annals Vol, 26, pag« 195» 76: (15 Reichsthlr, 3 Mk. 12ſs,). Der Reispuding, der nun an . die Stelle des von Weitzenmehl kam, war auf dieſelbe Anzahl Kinder und Aufwärter abgemeſſen, und beſtand aus. 21 Pd. Reis, i6 Pd. Rolinen, 14 Gallons(56 Pot.) Milch, und koſtete täglich 1 L. 9S. 2d.(7 r. 1 Mk. 12 ſs.) alſo nicht völlig die Hälfte. Die Kinder fanden mehr Wohlbehagen an dem Reispuding, und aſzen mehr als gewöhnlich, daher die Stifiung ihn gröſser machte, und nachher 24 Pd. Reis ſtatt 21 Pd. nahm. Das Bedeutende Ausquillen des Reiſes durch das Ab- brühen und Kochen in Milch iſt das Zeichen ſeiner nahr- hafren Natur. Ein Zuſatz von Eiern, und ein wenig Speck oder Ochſenfleiſch macht einen ſolchen Deig noch nahrhafter und ſchmackhafter. 4 Pd, Reis giebr, wenn es gekocht wird, 1 Pd. dicken Reisdeig, 8 Unzen Reis, 4 Unzen Roſinen, 2 Unzen Puderzucker, und 2 Pot Milch durcheinander gerührt und in der Pfanne gebacken, giebt 43 Pd. feſtes, angenehmes und nahrhaftes Eſlen. Brod von Reismehl. Nimm 3 Pd. Reis, lege ihn auf ein Sieb, damit das Waſſer ausziehen kann, und wenn er erkaltet iſt, miſche ihn mit 3 Pd. Weitzenmehl, gieſse eine Theetaſſe voll Hefen und eine voll Milch dar- zu, und rühre einen kleinen Speiſelöffel voll Salz darun- ter. Laſs dieſes drey Stunden ſtehen, knete und rolle es in einer Handvoll Weitzenmehl, um die Auſsenſeite trocken genug zu machen, damit fieim Ofen geſetzt werden könne. In Fünfyviertelſtunden iſt es zu Brod gebacken, das I Pd. 14 Unzen wiegt. Die Brode müſlen klein ſeyn, nicht gröſzer als oben gemeldet worden iſt, müſſen . auch nicht gegeſſen werden, ehe ſie einen Tag alt ſind. Ich habe in einem neuern engliſchen Pamphlet, ge- nannt Eſtimating the general Conſumption in Countries, where bread is in uſe, folgende Berechnung über die Menge Brod gefunden, die eine Perſon aus der arbeiten- den Claſſe verzehrt. Dieſes reizte die Neugierde zu ſehr um zu ſehen, ob die arbeitende Claſſe in unſerm ZB Lande mehr oder minder verzehrt. In'dem Lande, wo Rocken zu Brod gebraucht wird, iſt die Conſumtion gröſf- ſer, da der Rocken nicht dieſelbe nährende Kraft als der Weitzen hat. Weitzen| Haushal-|Hanushaltungs« im tungsbrod bröd an einem In England. Jahre. iE D Tage. Qrs. Bush. Pd. Pd. OZ. Arbeitshäuſer und Hoſpitäle|« 73 472 MEM. zs Jrigs 021 Feldarbeiter und Pflughalter| 1 13 Nw 8 4.2.1195 35 2 HES Grabenzieher== 25514 1262 5 131573); 17 S: oa In Frankreich, Bz „- Dienſtbothen SEIN zn 11 42 804"12 3 Die, welche friſchgebackenes Brod eſſen--„ip 1073 12 15 Bauern--- 2. 2 1136 13 I In Italien u, Griechenland. Die Italiener-“-- 75 457 1 4 Die alten Römer-: Wer 631 1115 Die Athenienſer- 2 3x 1230 13 6 Dieſe vorherſtehende Berechnung in der zweyten und dritten Colonne über das Hausbaltungsbrod iſt auf der Vorausſetzung gebaut: daſs ein Bushel Weitzen ohn» gefähr 48 Pd. Weitzenmehl und 62 Pd, Brodt giebt. Zehnten. . In England hat die Geiſtlichkeit ganze Zehnten. Dieſelben Klagen, die man überall über die Unbilligkeit der Zehnten hört, ertönen auch in England. Man ſieht die Zehnten als eine der wichtigſten Hinderniſſe beym 78 Emporkommen des Ackerbaus an, da der Landmann ſich oft; drückt unbebautes Land auszuraden und aufzubrechen, und ſeine Felder zu verbeflerw, weil der Prediger der Gemeinde den erſten und ſicherſten Vortheil: von dem an- gewandten Fleiſse und den Unkoſten des Landmanns„ein- erndtet, mithin erndtet, wo er nicht geſäec har „Die Art und„Weiſe, den Zehnten in Ehbgland, eiazu- heben,.i4 ſehr verſchieden. Selten wird er von dem Prieſter ſelbt*) in natura eingehoben, gewöhnlicher iſt es, daſs der Zehnte an einen Mann in der Gemeinde ver- pachtet, oder dem Landmann überlaſſen iſt, der dagegen etwas Gewiſles pr. Acre exlegt. An einigen Stellen, wo die Höfe verpachtet ſind, richten ſich die Zehnteit nach der Pachtrſumme, nemlich 2 8S. von gedem' Pfund St. d. 13 Mk. von jedem 5 Reichs- *) Die Urſache ,. woher der Prießer nicht ſelbſt den Zehnten ein- hebt, iſt zum Theil dieſe, daſs er oft keinen Prieſterhof hat, und nichf in ſeiner Gemeinde ,„< ſondern entweder in der bäch- ſtcn Stadt, oder in einer andern angenehmen Gegend inijder Provinz lebt. Manche von ihnen leben auf einem hoben Fuſs, halten Equipagen und Domeſtiquen., und nehmen an allen öf- fentlichen Vergnügungen Theil; halten ſich im Sommer bey den Seebädern und den königlichen Luſiſchlöſfſern auf, wo die mehrſten Vergnügungen und die! gröſsten Verſammlungsplätze für den begüterten Adel des Landes und"Gentry iſt. Der eng- liſche Prieſter hat viele Amtsfreyheiten, die Gemeine ſieht ihn nur am Sonntage, und oft wird der Gottesdient an dem Tage von einem fremden Prediger verrichtet, Giebt es eine unge- wöhnliche Verrichtung in der, Woche, zum Beyſpiel eine un erwartete Hochzeit, ſo hält es ſchwer, einen Prediger zu-finden, beſonders in der angenehmen Jahrszeit, worin ſie verreiſen. Der engliſche Prediger iſt keinesweges ein Gelehrter, Hier“ über kann zum Beweis dienen, daſs der Biſchof von Ely 1797. in den öffentlichen Zeitungen eine ziemlich hohe Prämie für den Cändidaten von der Univerſität Cambridge ausſetzte„' der in ſeiner Diveceſe angeſetzt werden ſollte, der bey einem vom Biſchofe vorzunehmenden Examen einen Kvangeliſten! über= ſetzen, und eine doppelte Prämie für den, der ein Kapitel in der hebräiſchen analy iren könnte, 79 thaler; ſo habe ich es in der Gemeinde Minſter in der Grafſchaft Kent gefunden. Gewöhnlicher iſt es, daſs die Zehnten fich pr. Acre nach der Ausſfaat richten, und nach Vereinbarung erlegt werden. Für einen Acre mit Weirzen wird an Zehnten 5 bis 6 S. bezahlt(dieſes iſt ſo viel, als wenn bey"uns von jedem Schip. Land mit Weiz- zen beſäet 24 ſs. erlegt wird). If das Land mit Hafer beſäiet, beläuft der Zehnte ſich aus 3 S. von einem Acre, mit Pferdebohnen, Erbſen und Gerſte 3 bis 4 S. von ei- nem Acre, von Fruchtgärten 2 S, von jedem Pd. St.-nach dem, was der Garten einbringt, ode? nach der Summe, wofür er verheuert ilt, So iſt es in the Weald of Kent, einem ſehc fruchtbaren und wohlangebauten Diſtrier in der Grafſchaft Kent. Den berträchttichſten Zehnten'be- kommen die Prieſter von den groſsen Meyerhöfen bey London. Auf dieſen werden ohngefähr 6000 Kühe ge- halten, welche die Hauptſtadt täglich mit Milch und Rahm verſehen. Hier erhält der Prieſter auch jeden Zehnten Pot. Milch, die gemolken wird,"oder auch den Werth dafür. Sein Milchzehnten beläuft ſich jährlich auf 1 bis 2000 Pd. St. Die Mittelzahl anzugeben, wie hoch fich der Zehnte von einem Acre in England beläuft, iſt ſehr ſchwer, da er auf einigen Stellen mit gröſzerer Strenge, als auf an- dern, eingehoben wird, und nach der Beſchaffenheit des Bodens: und der verſchiedenen Kultur der Grafſchaften höher und niedriger iſt, Secretair Young giebt folgende Mittelzahl an: für guten leemigten Boden 4 S. pr. Acre, für magern ſandigten Boden I S. pr. Acre, ohne Rück« ſicht, ob das Land in Brache oder in Gräſung liegt. Auſserordentliche Steuer und Auflagen; welche den Landmann ſo gut'als den Kaufmann an gehen. Fenſierſieuer. Nah der Erhöhung, welche mit der Fenſterſſeuer zu verſchiedenen Zeiten, nemlich in Georg des dritten 6tem, zgtem, 24tem und 37ſtem Regierungsjahr vorgenommen iſt.(Die Königlichen Verordnungen werden allezeit nach dem Regierungsjahre des Königs benannt, in wel. chem ſie bekannt gemacht wordean ſind.) 8 Pd. St,.5. 14.) M1 Häuſer von 1 bis 6 Fach Fenſter ſind geſetzt auf-- 4-- 7:.- 1245.72 (EIE Ge-- M7. 10| 9: 2- 1.2| IO--=- I 3:24 20-= n 9. 40,8 30-+- 8 19 1-7 40--- IL 8-- 52“- PEE 1 I 1 ; IT00--= 17, 3- I50»- 2 39. 43.2" M 150 und darüber- 48 3.| Auf Hausmiethe.(Bent of houſes.) Von Hausmiethe wird 6 d. von jedem Pd.-St. bezahlt. Von Bedienten. Nach'ider Erhöhung im 25. und 27ten Regierungsjah- re Georg des dritren. Für I Bedienten wird 1Pd. St. 5 S. erlegt. -- 2---- 3= 10=-; md rn tik. Hir Hält man mehrere, muſs man 4 Pd. St. für jeden er- 8x Von Dienſimägden. Pd, St, S. d, Für 1 Dienſtmagd wird entrichtet 2/6 ----= i- IO Werden mehrere gehalten, ſo werden 16 3.(15 Mk.) für jede bezahlt. Dieſe Steuer iſt nun aufgehoben. Von Reit- und Wagenpſerden. Nach der letzten Anſetzung in Georg des dritten 24ten, 29ten und 37ten Regierungsjahre PIE S 18:0 Für 1 Pferd wird bezahlt» 15- -- 2-- 1 IS- 2-4 S g 3 DORE -- 6--. FÄ. Von Arbeitspferden. Nach der letzten-Beſtimmung in Georg des dritten 25ten und 37ten Regierungsjahre wird für jedes Arbeits- pferd und jeden Mauleſel 13 S.(19 Mk. 8 ſs. entrichtet.) Von Hunden. Für einen einzigen Hofhund werden 3. 8. erlegt, für alle andere Hunde, von welcher Race ſie auch ſeyn mögen, bezahlt wan 5 S.(7 Mk, 8 ſs.) Von Wagen. , Von Wagen mit vier Sitzen, wie Kutſchen, Jagd- wagen u. ſ. w. bezahlt man jährlich 8 Pf. St.( 40 Rthlr.) Für einen Wagen mit einem Sitzes» wie Kabriole u. a. be- zahlt man jährlich 3 Pd, St. 10 S«(17 1. 3 Mk.) Für einen Feldwagen mit 2 Sitzen, wie Müller, Schlächter und ordentliche Farmers ſie zum Fahren gebrauchen, werden 10'S.(15 Mk.) erlegt. FE Von Uhren. Von Stubenuhren werden bezahlt 5 S.(7 Mk. 8ſ5.) Von Taſchenuhren von Gold.- 10 8.(15 Mk.) Von ſilbernen Taſchenühren- 2 S«(3 Mk.-12ſ5,) Procentſieuer. y 20 PC. werden noch jährlich von allen hier aufge- ſührten Schatzungen erlegt. Hat ein, Mann- in dieſen obenbenannten auſserordentlichen Auflagen:24 Pd. St. 4 S. zu entrichten, bezahlt er an 20 PC. 4 Pd. St. 16 8. 9x d. Jagderlaubniſſe. Für die Erlaubniſs auf eigenthümlichen Grund und Boden alle Sorten Wild ſchieſsgen zu können, erlegt man jährlich 3 Pd. St.(15 r.) Ohne dieſes Certificat jährlich gelöſt zu haben, iſt es nicht erlaubt einen Sperling zu Cchieſsen. j Nachdem wir die einzelnen Schatzungen und Aufla- gen aufgerechnet haben, welche“im. Allgemeinen auf dem Landmannn ruben, wollen wir ſolche durch Bey- ſpiele näher erklären. N. N. hat einen groſsen Hof in der Grafſchaft Suffolk von 310 Acre Acker und Wieſen guten Leembodens. Er lebt, wie ein gewöhnlicher Pachter; ſein Haus hat 10 Fach Fenſter, hält ein Reitpferd und 10 Arbeitspferde, 4 Hunde jedes Schlages, hat eine Marktkarre, eine Stubenuhr, eine ſilberne Taſchenuhr, und die Erlaubniſs zu ſchieſsen; übrigens pudern weder er noch ſeine Frau und Kinder fich, hält ſich keine glän- zende Pferde und Wagen, Bediente u. dgl. Dieſes Mannes jährliche Schatzungen und Auflagen find folgende. An die Gemeinde. D.St, Su4:04, Armenſchatzung 3. 3.9. 6 d. pr. Acre=- 54 5= Zehnten an den Prieſter 4a 45S. pr. Acre== 62=-- 116: 5= An den Staat. D906:4.8. dd Landtax ä 2 8. 6 d. pr. Acre, für 310 macht 38 15,-- Fenſterſchatzung für 10 Fach--) 1 MIE. Ein Reitpferd----- I5== 10 Arbeitspferde ä 13 S. deine 6 10-= 4 Hunde a 5,5.=== a Marktkarre=...---= 10== Eine Stubenuhr 5 S. und Taſchenuhr 2S. 6d.== 7 5 Jagderlaubniſs----- 3.=> 20 PC. von benannten Extraauflagen- 2 14 2 S5- Pd: St NB. Hier werden alle diejenigen Auflagen über- gangen, welche nicht unmittelbar dem Landmann aufge- legt, aber doch eine Laſt für ihn ſind, zum Beyſpiel, er darf nicht ſeine eigenen Lichter gieſsen, ſondern muſs ſie von dem Lichtgieſser kaufen, der dafür Lichtſchatzung entrichtet, die nicht unbeträchrtlich iſt. Dieſe. Lichtſchaz- zung betrug für England allein im Jahre 1796.1. 198, 183- beynahe I Million Reichsthaler. Vielleicht iſt es einleuchtender und zugleich ange- nehm, hier einen däniſchen Hof mit einem engliſchen von gleicher Gröſse in Vergleichung zu ſetzen. Beyde ſollen einen guten Leemboden haben. Der engliſche von 310 Acre groſs, ſoll hierzu aus der Grafſchaft Saf- folk, der däniſche von gleicher Gröſse, alſo 232 T. 4 Schip. oder 33 T. Hartkorn, ä 7 T. Land zu 1 Tonne Hartkorn von Seeland; genommen werden. Der engliſche Hof= 310 Acre. An die Gemeinde. Rthlr. Mk. ſs, Armenſchatzung- 271 I 2. „Zehnten--.-=- 310 Kd 6 58x I 8 An den Staat. Königliche Schatzungen und Auflagen 275=== Summa 856 1 8 Der däniſche N6f==-:232.T.'oder:33-T. Hk. An die Gemeinde. Rthlr, Mk, ſs, Frey willig----- 30 RIENER 4 Reichsthaler für alle 33 Tonnen== 132=-- 162 Rthlr. An den Staat. Mit Extraſchatzungen 2 5 r. von der T. Hk. 165=- 327 Rthlr. Die neuern engliſchen Schatzungen und Auflagen ſowohl auf dem Landmann, als dem Bürger in einer Landſtadt, haben das Vortheilhafte, daſs ſie gröſsrentheils auf Gegenſtände des Luxus gelegt ſind, ſo daſs jeder, der lich einſchränken will, von manchen von dieſen neuen Auflagen befreyt bleiben kann. Was dieſe auſserordent- lichen Auflagen auf Fenſter, Bediente, Pferde, Hunde und Wagen einbringen können, wird folgende authenti- ſche Liſte, theils für eine einzelne Grafſchaft, theils für ein ganzes Land, darthun, wobey man auch zugleich eine Anſicht von dem herrſchenden Wohlſtande erhalten wird. Dieſe Berechnungen ſind von dem Jahre 1796 genommen, und von dem Secretair A. Young in ſeiner Gen. View of the agriculture, of Suffolk, London, 1797. genommen. Berechnung über die Anzahl Häuſer, Bediente, Pferde, Hunde und Wägen in der Grafſchaft Suffolk im Jahre 1796. | Häuſ| Bed.| Pferde. Unter 7 Fenſter.| 8336 zZ = t=] R D S 72 > 5 en Z Z 2|<| 2|8. Von 7 bis 9 dito incl.| 3607 5 2: SEEN EEN 24962, EIG < < 42 Lo bels bs -- 10-12===| 2117 E 202)(2764 AI Wa 18€: = 52(4834 175 25M AID SEIN dae - 13-20==[ 1977& z|2z/2Z|« „|. as - 1535) 07> Z u. ZU 24== 265 NE WEL HEM M: 3 MW 8-W WS .“[7= -- 25 und darüber 602 SHE m 5 |< =|% 9. 1.75: 172 c=] 16944]1065|4012| 3347416026147 10|456[449' Berechnung über die Anzahl Häuſer, Bediente, Pferde und Wägen, welche zu Schatzungen in England und Wälis im Jahr 1796 angeſetzt worden ſind. | Häuſer.| Bed.| Pferde,| Wägen, Unter 6 Fenſter.| 354391 Von 7 bis 10 incluſ,| 160084 -- II-- 14 dito 61473 J19q1y anz -- 15== 19 dito 61356 uvöSnu319A wnz == 20= 24 dito 19893 -- 25 und darüber| 31642 uvoSnu318 A Wwnz UI3pEY aala iw uaInu3419 A WnZ U19pyEY Aaktz Ji 1 668844|56850| 178784|9097001 19070(24305 86 Dieſe auſserordentlichen Schatzungen und Auflagen belaufen ſich auf folgende Summen nach einer Berech- nung, welche ſich befindet in the 3 letter of Ed. Burke. London 1797.- Berechnung über dasjenige, was für England und Wales an neuen Auflagen, auf Fenſter, Pferde, Bedien- te und Wägen für-die Jahre 1791, 92, 93, 94» 595, be-; Zahlt worden iſt.; 1791 bis zum Sten Apriil 1792- 1,706,334 Pd, St. 92 5.17=. 1793- 1,585,99x4= 93 5 ew I Wd BEE OO TANO SIGE NE 1.8-- 1795%:57 1,608,496%- 2 4 OS. dire= 1796- 1,625,874= Da die Schatzungen ſeit dieſer Zeit theils erböher, theils da neue hinzugekommen ſind, wie unter andern die auf Hunde, Uhren, Puder, Peruquen,- Hüte y. m, a., ſo iſt der jährliche Belauf nun weit höher. Die gröſsre und ſicherſte Einknnft, welche die eng- liſche Regierung hat, und welche eben[o gut, als die Landtaxe iſt, welche abgekauft worden, iſt Taxes of Beer. Dieſe ſteigt auf den achten Theil aller Schatzun- gen des Landes zuſammen genommen. In dem ange- führten gedruckten Briefe von Ed. Burke findet fich fol. gende Berechnung. Für das Jahe 1793 die Biertaxe ein 2,043,902 P. St. 1794-=='i2,082,053= 1795 we"76 KLO 3L310I. erm nF 1 EINEN BLUE ELE 0 CM DEE 1 SIGE Nach dieſer Zeit wurde 1 ſs, däniſch auf jeden Pot gelegt, wodurch die ganze Einnahme beträchtlich erhö- het worden ilt. Im übrigen muſs man noch bemerken, daſs einige von den engliſchen Schatzungen von der Beſchaffenheit find, beſonders die jauf den Luxus, daſs die Untertha- nen die Regierung um die aufgelegte Abgabe betrügen, und vielleicht nur die Hälfte von dem einkömmt, was 87? nach dem ſtrengſten Rechte bezahlt werden ſollte, ob- gleich die Angabe der Unterſchleife mit groſsen Prämien bezahlt wird, und die Strafe eine ziemlich bedeutende Geldbuſse iſt. Volkslohn, Taglohn und Arbeitszeit. Es iſt in England, ſo wie in jedem andern Lande, daſs das Taglohn und Volkslohn in der Nähe groſser Städte, beſonders bey Hauptſtädten höher iſt, und daſs beydes in Verhältniſs zu den Kornpreiſen und den Prei- ſen der Lebensmittel ſteigt. Das gewöhnliche Verfahren der Engländer beſteht darin, die Arbeiter nach ihrer Arbeit und nicht tageweis nach einem beſtimmten Taglohn zu bezahlen. Eben ſo iſt es gebräuchlich, daſs ein Wirth nicht mehr Volk auf ſeinem Hofe hält, als er zu den täglich vorfallenden Ar- beiten höchſt nothwendig gebraucht. In der Heu- und Kornerndte, zum Dreſchen u.[. w. hält er Jeſten. Ich hielt mich in der Erndte bey M. Green, einem Land- manne in Suffolk, auf; welcher einen Hof 325 Acre Cohngefähr 154 Tonnen Landes) betrieb, worauf er ei- ne Meyerey von 20 Kühen, auſser einigen Ochſen, und 49 Schaafe unterhielt. Auf dieſem ſeinem Hofe hatte er nur zwey Knechte und zwey.Jungens, im Sommer zwey Mägde, und im Winter nur eine. Er hatte keine Kin- der, welche an den Arbeiten zu Hauſe und im Felde Theil nehmen konnten. Seine Frau war, wie ich geſte- hen muſs, ſehr ſtrebſam, und verrichtete mit der Magd die Geſchäfte zu Haufe. Der Mann ſelbſt hatte die Auf- ſicht über die Feldarbeit, legte aber nicht ſelbſt Hand daran. In der Kornerndte wurden jährlich 5 Jeſten an- genommen, welche mit ſeinen Knechten und Mägden alle Erndtearbeiten verrichteten. Deo zu bedingenden Jeſten und Taglöhnern ſagt er, wie viele Acre beſäet, und mit weleher Kornart ſie beſäet ind. Sie gehen denn mit 838 einander ins Feld, um zu ſehen, wie ſtark das Korn ſteht, ob es leicht: oder ſchwer einzuerndren iſt, und unterhan- deln darüber, wie viel der Hauswirth ihnen für jede Kornart geben ſoll, oder ſie kommen auch über das Gan-« ze; pr. Acre überein. Jene find denn verbunden das Korn zu mähen, zu kehren, aufzubinden und ins Fach zu bringen. So wird man auch über alle andere Feldarbei- ten in der Heuerndte, über Graben, Jäten u. a. m. einig. Dies iſt würklich ein gutes Verfahren, ſowohl für die Haucherren als für die Taglöhner, deren gemeines In- tereſſe hierbey in eine nähere Verbindung gebracht wird. Jene brauchen nur bloſs darauf zu ſehen, ob die Arbeit gut gemachtiſt, dieſe arbeiten fleiſsig, und verſchlafen weder noch verſchleudern ſie die Zeit, Die hier folgende Angabe von Volks- Tags- und Arbeitslohn iſt von einem Hofe in der Grafſchaft Kent, welcher 20 engliſche oder 4 däniſche Meilen von London entfernt liegt, hergenommen. Bey einigen Farmers in der Nachbarſchaft wird ein gröſserer Lohn, und nahe bey London ein noch höherer gegeben. Engliſch, Däniſch. Erſter Knecht Bauknecht 12 bis 16 Pd. St, d. i. 60 bis 80 rthr,. Zweyter Knecht-- 9-- II== 45-55-- Deitter Knecht-- 8--1I0==== 40=50== Kutſcher-=- 10-=13==> 50-65== Kutſcherjunge oder Mit- helfer, Stallkerl-- 6-- 9=--== 390--45== Erſter Junge, welcher pflügr= 4-6=== 20-30-- Zweyter Junge, des das Vieh hütet---- 3-5=== 15-25= Milchmädchen u. Köchin 4-- 5=--=- 20-25=-- Schaafhirte, wöchentlich 9--108.d. i, 13 Mk. 8 15 ſs. Taglöhner, räglich 18.6d.- 2S.d.1. 36-- 48 ſs. Eine Jätefrau, täglich-- 8-- 10d,-- 16-- 20 ſs. 89 Engliſch. Däniſch. Ein Knabe von 10 bis 12 Jahren“:-=- 6 d. 16 ſs, Ein Mann in der Erndte fünf Wochen mit Bekö- tigung 3- 4Pd. St.= 15 bis 20 t. Dito ohne Beköſtignng 5=- 6 Pd, St,-- 25 bis 30=. Für einen Quarter (2 Tonnen) Weitzen, wenn er gut iſt zu dreſchen-- 2--3S.di 4=> 72. Wenn der Weitzen ſchwer auszudreſchen iſt, Kann der Preis ftei- gen bis EE Ue 10 S.= I5Mk,. Dreſcherlohn für einen Quarter Gerſte 1S.4d,--1S.8d.-2Mr. 2M.8ſs. Dreſcherlohnf. 1 Quar- ter(2Tonnen) Hafer 12--18 d.=- 24 ſs bis 36 ſs. Diro für einen Quarter Pferdebohnen 14--20 d.= 28-40 ſs, Dito=-- Erbſen 18--24d.== 36-48 ſs. Diro für einen Quarter Kanarienſaamen 6 bis 7S,--9-- 10 Mk. 8 ſs. Dirt.:pr.Bush.(2 Schip.) -- Kleeſaamen== 568,= 7--9Mk. Fürs Behacken der Pferdebohnen das 1te Mahblpr. Acre 3--33.64.--4MKk. 8 ſs.- 5 Mk.4 ſs. das 2te Mahl--=-+ 4--4S.6d.-6== 6= 128 Dito-- der Erbſen pr. Acre== 3-45> 4> 8= 6- Dito-- der Rüben (Tornips.) pr. Ac 5-69. 7.5... 9% 5 Gewöhnliches Jä- ten von Saaten 3=4S.==--4=> 38 6 99 Engliſch. Däniſch. . Den Weitzen zu ſchneiden pr. Acre 8b.16S.---- 2=-»> 4 Rthlr; Gerſte u. Hafer zu |, mähen, pr. Acre 20Db. 30d.----40 bis 60 ſs. Aufzubinden v. ins Fach zu bringen 20b. 30 d.=== 40 bis 60[% Pferdeboinen zu ſchn. a. aafzubnd. 5.b.6 S.=---7 Mk. g--9 Mk. Dito Erbſen= 4b.5S,---7- 8S=--= Dito Kanarienlaat 6b.7 S8.---9--„-=- 10Mk. 8 ſs. Riee u. Lucerne zu mähenpr. Acre 2b.38S.----=--=- 40 bis 72(s, Dito Wieſenheu 30b.42d,=--- 60 bis 84 ſs- Einen Acre von ge- wöhnlicher Erd- art zu pflügen 5b.,63S.==“7 Mk. 8 ßß.=“ 9 Mk, Diro-- ſchweren| Marſchbodens 10b.128S.-- 15 Mk.=== 18 Mk.| Deckpreis für: 100[] Fuſs== 3b.3S.6d.==. 72 ſs.=- 84ſs Zimmermann, täg lichmit 8 ſs. zu Bier=---- 25 b. 30d.== 56 ſs.= 60 ls.| Maurergeſell, täg-| lich mit 8 ſs. zu| Bier=-- 30 b. 32d.d. i. 60 fs.=- 64 ſs.| Die Arbeitszeit iſt im Sommer von 6 Uhr Morgens| bis Abends; eine halbe Stunde wird zum Frühltuck und| anderthalb Stunden zur Mittagsmahlzeit eingeräumt. | Die beſtändig beybleibenden hoben Kornpreiſe und | der anhaltende Krieg verurſachen, daſs Volks- und Ta- gelohn beſtändig ſteigen müſſen, und nun ſchon um den vierten Theil höher find. Mitten im Lande find fie nie-| driger und ohngefähr um 2 Theile geringer. So wird in| der Grafſchaft Suffolk und Norfolk folgendes Volks- und Taglohn gegeben. 97 Erſter Knecht-- 8 Pd. St. d. 1.= 40 Rthir. Zz weyter Knecht.. 6---- 329=- Groſser Junge-- 4--- 20-- Milchmagd a. 3.=>-- I5= Ein Mann in der Heuerndte - pr. Tag-=-"=„18.--- 36 ſs. Dito in der Kornerndte 16 d.-- 2 Mk, Dito im Winter-- 12 d.-- 24 fz. Kinder um Gänſe und Schweine zu hüten pr. Tag-- 4 bis 6d.= 8 bis 12 ſs: Für das Born von einem Acre einzuerndten u. ins Fach zu bringen-- 6 4/8,-1, 85 Dveſcherlohn für eine Tonne Weitzen--.. 2 89,3Mk. ---- dito Gerſte-7---. 20 ſs. ===, dito Hafer und Erbſen---..-- 8 d. 16 ſs. Bier wird den Arbeitern beſtändig am Tage drey- mahl gegeben. Wird kein Bier gegeben, ſo wird die Arbeit theurer bezahlt. Da die Arbeiter in England nie- mals Brantewein/ der wegen der davon zu erlegenden Aceiſe beſonders Koſtbar iſt, verlangen noch bekommen, ſo trinken ſie um ſo mehr Bier, und wollen es gut und fark haben. In der Heu- und Kornerndte bekömmt je der einen Gallon, d. i. 4 Pot Bier täglich, und auſsgerdem einen, bey' einigen zwey Pot ſtarkes Bier(Ale). Veber- haupt finder man, daſs der engliſche Arbeitsmann ſich eben ſo gut einen Rauſch in ſtarkem Bier, wie in andern Ländern in Branrwein trinken kann. In dem weſtlichen Theil von England, zum Beyſpiel in der Grafſchaft So- merſet, bekömmt der Arbeiter, ſtatt Bier, Moſt. PAD 4 H: Verpachtungen. Wir haben es bereits oben erwähnt, daſs es in England keine Haupt- und Meyerhöfe giebt, wovon Hof- dienſte oder Frohnen geleiſtet werden. Freylich giebt es.in jeder Grafſchaft Perſonen, welche anſehnliche Eſta- tes(Grundſtücke) beſitzen, die 2000 bis 6000 Pd. St. * Jährlich einbringen; aber die zu ihrem Beſitze(eſtate) gehörige Farms find alle verpachtet. Um die Sache deut- licher aus einander zu ſetzen, wollen wir ein Beyſpiel 'aus unſerm däniſchen Staate entlehnen. Ein Mann hat nemlich einen Haupthof mit Bauerfeldern, die 50 Höfe, ausmachen. Sein ganzes Eigenthum nennt man dort Eſtate, und die 50 Bauerhöfe ſind größere oder kleinere Farms, welche Pächtern( Tenants) auf eine kürzere oder längere Zeit zum-Nieſsbrauch überlaſſen ſind, die dafür etwas Gewiſſes pr. Acre jährlich als Pacht entrich- ten. Da dort kein Hofdienſt geleiſtet wird, ſo ſieht man leicht ein, daſs es auch dort keine ſo groſse Höfe als un- ſere Haupt- oder Herrenhöfe geben kann, weil kein Landmann, er mag Beſitzer oder Pächter ſeyn, im Stande iſt, lie mit eigenen Leuten und Pferden zu bewirthſchaften. Die engliſchen Höfe(Farms) ſind von verſchiede- ner Gröſse. Ich habe'Höfe geſehen, die nur 20 Acre groſs waren, aber auch einen in der Grafſchaft Suffolk von 3000. Acre. Die gewöhnliche Gröſse iſt von 50, 80 bis 300 Acre. Man nennt die gewöhnlich ſmall Farms, welche unter 100, und ſolche large farms, welche über 300 Acre enthalten. Nach der Anzahl der Acre kann die 93 Größe eines Hofes im Verhältniſs zu einem andern nicht wohl beſtimmt werden, wenn ſie nicht in einer und der? ſelben Provinz liegen, und gleich guten Boden haben. Ein Hof von 200 Acre in der Näbe von London iſt ſchon ein anſehnlicher Hof, und wird mit Recht a large Farm, (ein grofser Hof) genannt. Liegt derſelbe Hof aber in Cambridſhire, oder Norfolk, und noch mehr, liegt er in Yorkſhire, ſo wird er nur für einen kleinen Hof ge- halten.' Aus dieſer Urſache wird im Allgemeinen die Gröſse der Höfe nach den Pachtabgaben, oder nach dem, was fie abtragen können, wenn ſie verpachtet ſind, berech- net. Ein kleiner Hof(a ſmall Farm) iſt ein ſolcher, der eine jährliche Pacht von 20, 40, 509, 80, bis 110 P. St. abtragen kann; ein mittelmäſsig grofser Hof ein ſolcher, für den man jährlich 200 P. St., und ein groſser, für den man 300 P. St. und darüber an Pacht giebt. In England iſt oft die Frage aufgeworfen und beant- wortet: was iſt dem Staate am zuträglichſten, grofse oder kleine Höfe? Einige wünſchen, daſs das ganze Land in kleine Farms zu 50 und 1060 Pd. St. jährlicher Rente getheilt werde; andere behaupten, daſs dieſes ein Rain für das Land ſeyn würde, und verlangen im Ganzen groſe Höfe. Da die Anzahl der kleinen Hö- fe abnimmt, und aus mehrern kleinern ein groſser Farm gewacht wird, worüber man allgemein anfängt ſich zu beklagen, ſo wollen wir die hauprtſächlichſften Gründe, welche beyde Partheyen für ihre Behauptung haben, hier kurz anführen. Kleine Höfe befördern die Volksmenge. Die Nach- kommenſchaft und das Vermögen des kleinern Land- manns find die wichtigſte Stütze für ein Land, nach deve alten Wahrheit, daſs 100,000 Pd. St. auf 100 Perſonen vertheilt, für das Allgemeine befler ſind, als bey einer einzigen Perſon zuſammen. gehäuft. Sie ſagen ferner, des kleinen Landmanns Lage verſtattet es ihm, auf eine 94 anſtändige Weiſe eine zahlreiche Familie aufzuziehen, ohne dabey befürchten zu dürfen, daſs fie: der Gemein: de zur Laſt fallen wird, welches ſo oſt der Fall mit den Kindern der Fabrikanten und Taglöhner ilt... Die Klei- nern Landwirthe halren die Kornpreiſe herunter, da ih- re Vermwögensumſtände esihnen nicht verſtatten, das Korn von. einem Jahr bis zum andern oder mehrere Jahre auf- zuſchütten, und da ſie es.hauptſächlich ind, welche die Landſtädre damit an den wöchentlichen Marktiagen ver- ſehen. Der groſse Pächter oder. Farmer verkauft ſeinen Kornvorrath an den Kaufmann, der ihn nachher aus- ſchifft; der kleine Landmann verkauft ſein Korn tonnen- und ſchipweiſe auf den Märkten, und verſieht die Land- ſtädte beſler mit Kleinvieh, Hähnern, Endten, Gänſen, Halekuten,, Ferkeln, als der groſse Farmer. Die andere Parthey führt zur Vertheidigung der groſsen Höfe an: Es iſt wohl richtig, daſs der kleine Landmavn eine grofse Menge von kleinem Vieh zuzieht; wir.erndten aber dagegen auf unſeren groſsen Höfen beſ- ſeres Korn, und daſſelbe in gröſserer Menge, wir legen mehrere und beſlere Schaafe, Sehweine, Ochſen zu, und mäſten ſie beſſer, als der kleine Landmann dies trhun kann. Unſere Producte ſchicken fich. beſler zur Expor- tation, ſo wie die des kleinen Landmanns mehr für die Conſumrion nahe liegender Landſtädre beſtimmt zu ſeyn ſcheinen. Unſere groſsen Höfe verlangen zu ihrer Be- wirthſchafſtung viele Arbeiter, die bey den Kkleinern Landleuten nicht alle ihr Brod finden würden. Auf dieſe Weiſe befördern unſere grofse Höfe die Volksmenge und deren Unferhaltung eben ſo gur, als wenn unſer Höf in mehrere kleinere Höfe vertheilt wäre. Auſserdem ſetzt uns unſer Vermögen in Stand, manche Verbeſlerungen mit unſern Höfen vorzunehmen, um befſeres Viel, Horn, Wolle, Butter, Käſe u. dgl. hervor zu bringen, als der kleine Landmann es zu thun im Stande iſt, Aulszer die- ſen angeführten Gründen ſetzen fie noch hinzu: Geletzt, es gäbe keine große Höfe in England, an wen ſollten denn die reichen Kapitaliſten im Lande ihr Geld leihen? Sie wären alsdann vielleicht darzu genöthigt!, das alte Eng- land zu verlaſſen und fich Güter in Amerika anzukaufen. Wenn es keine groſse und bemitrtelte Farmers gäbe, wer ſollte.denn die groſsen Banquiers Londons mit den grofsen Kapitalien verſehen, welche ſie wiederum der Regierung anleihen? Dieſe ſind die wichtigſten Gründe, welche beyde Partheyen anführen können. Ich überlalle es der nähern Veberlegung des Leſers, es auszumachen, welche Gründe er fürdie wichtigſten hält» Es geht in England, wie in jedem andern Lande. Der grofse Gutsbelitzer und der Kaufmann hält die Gründe des Letziern für die wichtigs ſten, dagegen ſieht der Bürger in den Landftädrien, der Haudwerker, Fabrikant, Taglöhner, Jeite und der klei- ne Landmann, ohne eben Rückſicht auf den Cameialilien zu nehmen, die Gründe des Erſtern iür güitig und mit dem Wohl des Staats im Ganzen als am meilten überein« ſtimmend an. Pachtabgaben pr. Acre.!ſ ein Hof verpach- tet, ſo werden die Pachtabgaben, die man Rente nennt, per Acre enirichtet. Dieſe Abgaben werden allezeit im Gelde bezahlt, und der Pächter iſt zu Keiner Art Hof- oder perſönlichen Dienſten verbunden. Das kinuge, was verlangt werden kann, beſteht darin, daſs der Guts- beſitzer ſich von ſeinen Pächtern einige unbedeutende Dienſtleiſtungen ausbedingen kann, zum Beyſpiel, daſs er ihm im Jahre ein Paar Fuder Stroh und ein Fuder Heu giebt, einige Fuder Steinkohlen von der nächſlten Land- Jadt holt, ihm im Winter ein Paar Haaſen und andere Kleinigkeiten liefert. Der vormabhlige Gebrauch, die Abgaben in natura zu entrichten, ilt ganz abgeſchafft. Die jährliche Abgabe oder Rente pr. Acre iſt in Rück-« ſicht auf die Güre und Beſchaffenheit des Bodens ſehr ver- ſchieden, ſo daſs ſie von 6 d. zu mehrern Pd. St, iteigt., 96 Für einen Acre in den magerſten Sandgegenden in'Cam: bridſhire uvd. Norfolk giebt man kaum einen Schilling, wenn das Land bloſs zur Gräſung für Schaafe benutzt wird, und in der Gemeinheit liegt. Für Heidenland, welches der Eigenthümer oder Pächter bloſs'zu Kanin- chen benutzen" kann, erhält man mehrere Acre für 1 S; in Pacht. Dagegen wird für fetre Wieſengründe an der Themſe 2 G. S. pr. Acre an Pacht bezahlt. Ein'Küchen« oder Hopfengarten in der Grafſchaft Kent wird'zu der groſsen Rente von 3 bis 6 Pd. St.'pr. Acre verpachtet. Die Mittelzabl für die Abgaben von Ländereyen an- zugeben, iſt ſehr ſchwer. Nach der Berechnung der eng- liſchen Oekonomen wird die Rente pr. Acre auf 15 S. als die Mittelzahl für die ſüdlichen Grafſchaften angege- ben; für.die öſtlichen und mittlern 10 S. Aus eigener Erfahrung weiſs ich, daſs in Norfolk, Suffolk und den angrenzenden Grafſchaften 15 S. eine hohe Rente, vad nur für guten Leemboden, der aus der Gemeinheit gelegt und hinlänglich eingehegt war, gegeben wurde; 208. oder 5 r. waren ſeltene Beyſpiele; für magere Schaaf- weide(Sheep-walk) gab man 2 S. Um die Abgaben von Boden in den verſchiedenen Grafſchaften Englands, wie ſie für jede:Grafſchaft in den reprinted Reports angetroffen wird, zu vergleichen, kann folgende Angabe als die gegenwärtige Mittelzahl der Rente pr. Acre angeſehen werden. Für ſandigten, nicht aus der Gemeinheit ge- legten Boden. In den nördlichen Grafſchaften 4-24 d. d.i. 8-48 ſs. in den mittlern---=- 1= 4S.= 24=96 ſs. in den ſüdlichen==== 2= 6S.-- 3=9Mk, 97 Für den Mittelboden, der ſchon eingehegt ili. In den mittlern Grafſchaften 19 9.=- 15 Mk, in den ſüdlichen- 16:9,,55 43 Pb, Für guten Boden, der eingehegt ilt, In den mittlern Grafſchaften== 20 S8.=- SE in den ſüdlichen- 30-405. 7-10 1, +) die höchſte Abgabe von Boden bey London:-- 54 3G. S.= 16 1. it) die höchſte Abgabe von Boden bey Edinburg-- 7P. St.=< 35 rx. +) Vom Lande, das zur Gräſung genutzt wird; Korn wird in der Nähe von London nicht gebaut. ++) Hierbey wird erinnert, dals der ſchotiſche Acre gröſzer als der engliſche iſt, und einer däniſchen Tonne Landes gleich kömmt; ferner, daſs in Schotland weder Armenichatzung noch Zehnten vom Lande entrichtet wird, Der Werth des Landeigenthums wird allezeit nach.den Abgaben vom Lande, für eine gewiſſe Anzahl Jahre, be« rechnet. Die Summe für 30 Jahre iſt die gewöhnliche Kauffumme. Zuweilen wird er zu einer Kaufſfumme von 40 bis 50 Jahre angeſchlagen, aber der Fall trifr nur ein, wenn ein Beſitz wegen ſeiner ſchönen Lage, oder aus an- dern Nebenurſachen geſucht wird. Wir wollen dieſes durch ein Beyſpiel näher erklären. Wir nehmen an, daſs die jährliche Abgabe pr. Acre von einem Beſitze, der verkauft werden ſoll, 15 S. beträyt. wie viel iſt denn der Acre werth? Die Rente pr. Acre, d. 1. die Abgabe vom Boden wird nicht mit 20, das Wä- ren 5 PC., welches. die gangbaren Zinſen von ausgeliehe- nen Kapitalien lind, eben ſo wenig mit 25, welches 4 PC. ausmachte, und ein beſonders guter Kauf wäre, ſondern gewöhnlich mit 30 maltiplicirt. Alſo Renten pr. Acre 7= 15 S. Die gewöhnliche Kauffumme= 39 206) 4308. Der Werth eines Acre=< 22P.St. 10 S.= 11Zr. 3 Mk. G 98 N. N. hat einen Hof von 150 Acre. Die Abgabe des Bodens pr. Acre iſt 10 S. Wie grofs iſt nun der Werth des Hofes? Die Zahl der Acre wird mit 10 S. Rente multiplicirt, und das herausgebrachte Facit wieder mit 30, als der gewöhnlichen Kauffumme. Die Anzahl der Acre= 150(z. 113 T. Land.) Abgabe an Renten pr. Acre-- 10 8, 20) 1550.8. Totale jährliche Abgabe an Renten-=---- 172 DP; 84103 Die gewöhnliche Kauffumme-- SE ZONE Werth des Hofes EL 2.4205 BO SKANTNP AE UZ EE. Aus dieſen angeführten Berechnungen erſieht man die jährliche Abgabe vom Boden, dann den Werth des Landeigenthums, und, daſs die Käufer zufrieden ſind, wenn ſie zwiſchen 3 und 4 PC von ihrem Kapital haben. Es iſt ferner hieraus klar, daſs keiner bey den gegen- wärtigen Zeiten ein Gut pachten, und noch weniger kau- fen kann, wenn er nicht einiges Vermögen hat. Die vielen ſchweren Auflagen, beſonders die Armenſchatzun- gen, Malztaxen, Fenſterſteuer, der groſse Volkslohn, das ſteigende Wohlleben, machen, dall: der Pächter fleiſ- ßig werden und aufpaſſen muſs, wenn er die Ausgaben beſtreiten, und im Stande bleiben will, noch ein gewiſ- 'ſes Kapital zurück zu legen. Einzelne Beyſpiele, wel- che man anführt, daſs ein Mann 10 bis 12 PC. von ſei- nem Hofe gehabt hat, ſind nur Zufälle bey ſolchen Guts- beſitzern, die eigenes Vermögen gehabt und eine glück- liche Anwendung von Fleiſs, Auflicht und Auslagen be- deutende Verbeſſerungen auf einem Gute angebracht haben, von dem man es nicht geglaubt hatte, daſs es dergleichen Verbeſſerungen leiden würde. Dies iſt das Reſultat von den Gedanken des practiſchen Landwirths über die Pachtabgaben vom Boden, und den Werth des Landeigenthums in England, 99 Dauer der Pachten. Dieſe iſt: auf Lebens- zeit(leaſes for lives); ſo har der Erzbiſchof von York einen Theil von ſeinen Gütern, welche bey ſeinen Bi- ſchofsfitze in der Marſch in Yorkſhire liegen, verpaclitet. Solche Pachtungen ſind im Allgemeinen nut ſelten in England, und werden für den Gutsbeſirzer nicht als vor- theilhaft angeſehen. Die Engländer ſagen, die Pächter fallen bey dergleichen Pachrungen in Schlaf. willkührliche Pachten(leaſes at will). Dies will ſo viel ſagen, die Pachtzeit iſt nicht beſtimmt, ſo1u- dern es ſteht in des Eigenthümers Gewalt, den Pächter nach Gefallen auf kurze oder längere Zeit auf dem Hoſe ſitzen zu laſſen. Dieſe Pachten find ziemlich allgemein, beſonders mit kleinen Höfen, und ſind oft durch mehre» re Geſchlechter erblich, fobald der Vater und nach ihm der Sohn den Hof in güter Ordnung halten, undihre Ab- gaben zur rechten Zeit bezahlen. Natürlicherweiſe wer- den die Pachrabgaben verbältniſsmäſsig erhöhet, man überläſst ihn aber nicht an Fremde. Dieſe Pachten füh- ren etwas Gutes, aber auch etwas Unvortheilliaftes mit ſich. Der Eigenthümer hat mehr Gewalt über ſeinen Pächter, und kann beſſer darauf Rückſicht nehmen, wie er die Wirthſchaft des Hofes betreibt, und ihm nützlich feyn, in ſo ferne nemlich der Eigenthümer ein vernünftiger und wohldenkender Mann iſt. Auf der andern Seite aber wird der Pächter in einer unangenehmen Ungewiſsheir in Anſehung der Launen ſeines Gutsherrn hingehalten, ob ein V'remder ihn vielleicht durch einen höheren Both aus der Pacht verdrängt, und ihm die Belohnungen für ſein Beſtreben und angewandten Fleiſs und Unkoſten raubt. Pachten auf 3, S5 und 7% Jahre haben nach meiner Kenntmiſs von diefem Lande nur Statts wenn Gräſungen aufgebrochen oder gepflügt werden, um beſſeres Gras zu erhalten, wobey der Pächter gewöhnlich an eine gewiſſe zu beobachtende Saatfolge gebunden iſt, und nach Endi- G 2 1009 gnug dieſer Saatfolge das Feld wieder zur Weide ausle-, gen muſs. v Die gewöhnlichſten Pachten'ſind auf.11, 14, 19 und 21. Jahre., Die zwey letzten Pachttermine auf 19 und 21 Jahre werden für beyde Theile als die vortheilhafteſten angeſehen.“ Der Pächter Kann fich dar» auf einlaſſen eine höhere Pacht zu geben, und zwar we- gen der Hoffnung, daſs die guren/ Jahre die ſchlechtern erträglich macken. Dies giebr ihm Luſt und Muth feinen Acker zu verbeſfern, da er ſelbſt, noch in der Zeit den Nutzen davon einerndten kann. Sehr lange Pachten, welche auf das Lebensalter mehrerer Menſchen forrdauren, nemlich Pachten aut 50 uhd 100 Jahre giebt es, glaube ich, nirgends in Groſs- britannien, wenigſtens habe ich ſie nirgends angetroffen, oder in den ſpeciellen Beſchreibungen des Ackerbaus in den Grafſchaften deren erwähnt gefunden. Giebr es ſolche, ſo müſſen gewiſs einige beſondere Umſtände da- mit verbunden ſeyn. Soll auf einem Belitze einige wich- vge und koſtbare Haupwerbeſſerung vorgenommen, Hei- den angebaut, Möre ausgetrockner, Gemeinheiten auſ getheilt, und nachher eingehegt werden, und zwar alles auf Unkoſten des Pächters, ſo ſteht man ihm wohl eine längere Pacht zu, aber doch ſelbſt unter dieſen Umſtän- den und auf 21, 25-oder 31 Jahre. Es iſt ſchwer zu beſtimmen, wie viele Jahre eine Pacht dauren muis. So viel kann man im Allgemeinen ſagen, dals lie ſo lange dauren muſs, daſs der Pächter da: bey verlichert ſeyn kann, die Vortheile von ſeinem ange2- wandten Fleiſse und Unkoſten einerndien zu köunen, und daſs ſeine Beſtrebungen nicht bloſs darzu dienen ſol- len, den Werth des Guts zu erhöhen, mithin zum Vor- heil für den Gursbelitzer oder den folgenden Pächter. Der Pächter muſs nicht in der unangenehmen Furcht ſchweben, daſs der'Gutsbelitzer die Pacht erhöhen kann, wenn er ſieht, daſs die Preiſe der Producte ſteigen, noch IOr weniger in der Farcht, daſs er dem Hof mit! größerm Vortheil einem neuen Pächter überlaſſen kann, wennſt ſieht, daſs,der Pächter den Ertrag des Hofes durch eit gute Oekonomie ſehr vergrößert hat. Hat der Pächter nicht das erforderliche Zutrauen zu ſeinem Gutsherrn; oder leiſtet ſein Pachtcentract ihm nicht hinlängliche Si- cherheit, ſo erfordert es das Intereſſe des Pächters, daſs er allezeit ſtrebt, den Werth des Hofes herunter zujſez- zen, und vorgiebt, er habe bey ſeiner Pacht-mehr. Ver- luſt als Gewinnſt.. Der Pächter iſt gewiſſermaaſsen bey dem guten Ausſehen ſeiner Saaten auf dem Felde beſorgt, beſorgt nemlich, wenn es bemerkt wird, daſs ße im Früh- jahr ſo ſchön grün ſind, und daſs er einen ſo guten Vieh- beſatz bat. Er befürchtet, daſs es dem Gutsbeſitzer. ein- fallen könne die Abgaben zu erhöhen, oder einem an- dern Manne, wenn er ſeinen Seegen im Felde ſähe, demſelben eine höhere Pachtfumme zu biethen. Dies ſind die gewöhnlichen ſchädlichen Folgen von Pachten auf kurze Zeit. Pachtbedingungen.(Forms of leaſes).. Die Arti und Weiſe in England Landgüter zu verpachten ſind ſehr verſchieden, und ich kann nicht behaupten, daſs man dort den glücklichen Mittelweg, worauf das Intereſſe des Gutsbeſitzers mit;demudes Pächters vereinigt werden kann, beſſer aufzufinden weiſs... Die groſse Kunſt den Pächter in ein ſolches Vehältuiſs zu bringen, daſs er den Hof, welchen er bewirtliſchaftet,"wie ſeinen eigenen betrachtet, das heiſst, daſs er ihnymit demſelben Spirit, wie der Eigenthümer berrachtet, iſt bey weitem nicht all« gemein bekannt und in Ausübung.“Wo man ſo glück» lieh ift in Rückſicht auf Localumſtände den rechten Mit- telweg“ zu treffen, kann man davon überzeugt ſeyn, daſs keine Reparation, es ſey an dem Wohnhauſe oder Wirthſchaftsgebäude verabſäumt, noch irgend eine Ver- beſſerung auf den Hoffeldern aus der Acht gelaſfen wird. Um einen hinlänglichen Pachtcontract abzufaſſen, wird 152 eine richtige Kenntniſs aller Theile des Landweſens, ein Bliek auf alle Vortheile, aufltoſsende Zwiſtigkeiten und fich ereignende Unfälle erfordert. Die in den engliſchen Pachtcontracten vorkommen- den Claufaln beſtehen gewöhnlich in folgenden; 1) Gatsbeſitzer reſervirt ſich alle herrſchaftliche Herr- ſchaftsvorrechte auf ſeivem, Gute, alle Minen, Stein- brüche, u, ſ. w. 2) Gutsbeſitzer reſervirt ſich die Forſten und das auf den Hoffeldern befindliche Holz, was zu Nutzholz dienlich ift, mit der Gerechtſame es zu einer paſſenden Jahrszeit ſällen und wegfahren zu können. 3) Gutsbeſitzer reſervirt ſich die Jagdgerechtigkeir, dagegen erſtattet er dem Pächter den Schaden, welcher entweder vom Wilde, oder bey der Jagd an Zäunen und Hecken u. ſ. w. verurſacht wird, nachdem er von unpar- theyiſchen Männern beſtimmt worden ilt, 4) Der Gutsbeſitzer behält ſich die Erlaubniſs vor, auf den Hoffeldern herum zu gehen und darauf zu ſehen, ob das Feld mit dem Pachrtcontract übereinſtimmend be arbeitet, und die Hecken und Zäune in verantwortlichem Stande und gehöriger Ordnung gehalten werden. 5) Pächter verſpricht, ſeine Pacht in zwey Terminen jährlich, nemlich um Michaelis uud Oſtern, ohne Wider- rede zu bezahlen,-- und wird ihm eine Nachſicht bis Weihnachten und Johannis zugeſtanden, 6) Pächter verpflichtet ſich, alle gegenwärtige und noch künftig vom Parlamente aufzubürdende Schatzungen und Auflagen, Reiſen und andere Zumuthungen abzu- halten. 7) Pächter verpflichtet ſich, alle die Zumuthungen abzuhalten und die Reiſen zu verrichten, welche ihm ſein Pachtcontract auflegt. Dieſe Zumuthungen und Reiſen können darin beſtehen, dem Gartsbelitzer einige Fuder Steinkohlen, oder, Sand oder Brennholz zu holen, oder ihm ein Paar Fuder Stroh oder Heu zu überlaſſen. 103 8) Dem Pächter wird verboten, einige zum Hofe ge- hörige Felder, Wieſen u. ſ. w. ohne beſondere Erlaub- niſs des Gutsherrn an Fremde zu verheuren. 9) Der Pächter iſt verpflichtet, das Wohnhaus, die Wirthſchaftsgebäude, Wege, Brücken, Wälle, Deiche Gräben und Waſſerleitungen im verantwortlichen Stande zu erhalten. Der Beytrag, den der Gutsbeſitzer zur Aus- beſſerung hergiebr, iſt unterſchiedlich. Gewöhnlich giebt er das Holz und ſonſtige Materialieu darzu her, der Päch- ter läſst es aber wit ſeinem Wagen herbeyholen. Zuwei- len tbeilen ſich der Gursbefſitzer und der Pächter in dem Arbeitslohn, oder er iſt nach dem Pachtbrief der einen Parthey allein auferlegt. Stroh zum Decken, und Bier für die Arbeiter giebt allezeit der Pächter her. In einem Pachtcontracte fand ich die Clauſel, daſs er ſo viele Faden bedeckte Abzugsgräben an den Stellen auf ſeine Koſten anlegen ſollte, als der Gutsherr verlangen, und wo er es für nützlich halten würde. In einem andern Contracte, daſs er die Wälle aufſetzen und mit lebendigen Buſch- werken beſetzen, ſolle, welche der Gutsbeſitzer verlange» vorausgeſetzt; daſs ſie nicht über den ſechſten Theil des Ganzen hinausgehen. 10) Dem Pächter wird es unterſagt, irgendwo Holz zu hauen, es möge als Nutzholz zu gebrauchen, oder Weichholz ſeyn, ſondern es wird ihm aufgetragen, das Holz auf den Hoffeldern, ſo wie die lebendigen Zäune gegen den Anlauf des Viehes zu ſchützen. Im Allgemei- nen iſt es dem Pächter erlaubt, Telgen abzuhauen und zur Feuerung zu gebrauchen. 11) Es wird ihm unterſagt, Farnkräuter und andere Gewächſe zu Aſche zu verbrennen, und ſie ohne Er- laubniſs zu verkaufen. 12) Rabſaat, Hampf, Flachs, Hopfen, Wgid, Krap v. dgl. ohne Erlaubniſs über eine beſtimmte Anzahl Acre hinausl'auszufäen, und noch weniger mit Kartoffeln zu bepflanzen. 104 13). Pächter muſs ferner alles mit Turnips beſäete Land jäten laſſen, und zwar ſo, als es mit einer guten Landökonomie MEET 14)=- keinen Dünger vom Gute verkaufen, ſon- dern ihn ehrlich zum' Düngen des Ackers und der natür- lichen und künſtlichen Wieſen anwenden. 15) Nicht vom Hefe Heu oder Stroh verkaufen, auſzer daſs er ſür jedes Fuder Heu oder Stroh, welches er verkauft, gewiſſe Fuder Dünger wieder kauft. Die- ſes ilt eine Verpflichtung, welche ſich in den Pachreon- tracten derer findet,, welche in der Nähe von London wohnen, 16) Es nicht zulaſſen, daſs Schweine oder Ferkel frey herum gehen, ,ohne-daſs ſie vorher mit Stahldrath gereinigt;worden ewe 17)„Die, Hoffelder nicht mit Kaninchen HEISER, 18), Nicht ohne Vrlaubniſs jagen oder Jagdhunde halten. 19) Des, Gutsbeſitzers Jäger oder Leute/in ihren an» befohlenen Verrichtungen nicht ftöhren. 20) Sein Korn:auf der herrſchaftlichen Mühle zu Grütze machen zu laſſeu. 21)' Nicht mehr als den vierten Theil von den Hof- feldern in dem letzten Jahre ſeiner Pacht mit Weitzen zu beſäen. 22) In dem letzten Pachtjahre muſs Pächter dem an- wetenden Pächter es verſtatten, nach Michaelis ohne Hinderniſs zu pflügen, zu eggen und"zu ſäen. 23) Er überliefert den Dünger vom letzten Jahre, nebſt dem alten Stroh,'an den folgenden Pächter ohne al. len Vorbehalt, 24) Dem Pächter. wird der. Weitzenertrag von der Ausſaat des letzten Jahrs, welche im Auguſt, ehs er nem- lich gemäht, taxirt werden wird, vergütet; ſo wird ihm ferner der Ertrag des letzten Pachtjahrs an Rüben, das 105 Heu und Stroh, welches auf dem Hofe zurück bleibt, ebenfalls vergütet. In einigen Grafſchaften binden die Gutsbeſitzer ih- ren Pächtern gar'zu' ſchr die Hände. Sie ſetzen es in ihre Pachtcontracte, wie oft und wie ſtark Pächter pr. Acre düngen, wie viele Tonnen Kalk er zur Bedüngung des Ackers verwenden ſoll, zuweilen ſchreiben ſie ihm ſelbſt die Saatfolge vor u.[. w. Allgemein wird bey. je- der Veränderung der Pacht der alte Pachtcontract wieder alſgeſchrieben, ohne Rückſicht, ob er paſſend iſt, oder nfChr.* Alle Vorſichtsmaaſsregeln werden von dem Guts- "beſitzer beym Schluſſe des Contracts in dieſen Worten gefaſst: in all rbings' to-uſe. the premiſes in a husband« like manner, and to keep farm in good order. Antritsgeld oder ein ſonſtiges Geſchenk ver- langt hier der Gutsherr nicht, indem er dabey verlieren würde. Die Zahl der Liebhaber zu der Pacht ift alsdann geringer, und die jährliche Pachtſumme iſt in Verhält niſs zur Größe der Antrits- oder Pränumerationsſumme um ſo viel niedriger. Auch nur wenige Pächter haben das Vermögen eine Pränumerationsgſumme von einigen hundert Pfunden zu bezahlen, da fie ihr zaſammenge- ſpartes Geld zur Anſchaffung des Beſatzes und der Wirth- ſchaftsgeräthe ſelbſt gebrauchen, Die Ausgabe für. die Anſchaffung eines guten Beſatzes wird für einen Hof, auf drey bis vier Pfund pr. Acre angeſchlagen, ſo daſs der Anſchlag von einem Hofe von 200 Acre über die Unkoſten wegen Anſchaffung des Beſatzes und der Wirthfchaftsgeräthe ſich auf 6 bis 800 P. St. beläuft. Natürlicherweiſe iſt nach Verhältniſs die erle Auslage, nach Acre gerechnet, auf einem groſsen Hofe geringer als auf einem kleinen. Eben ſo iſt es klar, daſs, wenn der Pächter ſich einen koſtbaren Beſatz von prächtigen Hengſten, ausgeſuchten Kühen und Schaafen, Dreſchmaſchinen u, dgl. anſchaffen 105 will, die Unkoſten ſich auf fünf Pfand pr. Acre und dar- über belaufen können.(26308 vf den Fall, daſs der Pächrer fallirr, iſt der Gutrsbeſitzer der erſte, der fich aus der Fallitmalſle bezahlt macht Der Gutsherr kann den Pächter wegen rückſtändiger Pachtgelder auspfänden, darf ſich aber nicht an deflen Feldgeräthe, Pferden und Saatkorn ver- greifen. Eben ſo verbierhen die engliſchen Geſerze je- dem, an das Werkzeug des Handwerkers Hand zu lezen. Stirbt der Pächter, ehe ſeine Pachtzeit ver-« foſſen iſt, ſo beſtelien die Erben des Verſtorbenen einen Afrerpächter, doch. allezeit mit Bewilligung des Gors- herrn, welcher das Recht hat ihn zu verwerfen, wenn er ihn für einen vunkundigen und zankſüchuügen Mann, oder ſchlechien Hauswieth hält. Die Pachttermine fallen gewöhnlich auf Mi- chaelis, der zu Weihnachten und auf Oſtern, welcher zu Johannis berichtigt wird. Noch ein Punct verdient in Hinſicht des Pächters be.“ merkt zu werden. Zu welcher Jahrszeit tritt der Pächter ſeine Pacht an? Jede Grafſchaft rich- tet ſich hierin nach der daſelbſt herrſchenden Gewohnheit, unddie Antritszeit für den neuen Pächter iſt bald zum neuen bald zum alten Michaelis; bald zum neuen bald zum alten Oſtern, oder auch zum neuen oder alten Mai. Der Aus- druck alt bedeutet 14 Tage nachher. Was die Vortheile und Nachtheile betrift, welche mit ſo verſchiednen Pachtverlaſſungszeiten ſowohl für den abziehenden als antretenden Pächter verbunden ſind, fo drückt ſich Marſchall hierüber ſo aus*); Zieht der Pächter zu Oſtern ab, ſo nimmt er al- les Heu, Stroh und den Dünger mit; es bleibt nichts als der Weitzen zurück, welcher im letzten Herblte ausge- ſäet worden ilt, den er auch erndten und mitnehmen *) The rural Economy of Yorkſhire by Marſhall, 107 / kann, und bezahlt nur Abgaben von den Acre, wvrauf er Gewäcten it. Hat der abziehende Pächter Winter- wicken oder Gerſte vor Oſtern in ſeine Brache geſäet, ſo har er gleiches Recht hieran, wie an dem Weitzen; und es verhält ſich damit auf dieſelbe Weiſe. Zieht er zu alten Oſtern, ſo fällt es mitten in die Frühjahrsfaatzeit. Das Vieh iſt noch auf dem Stalle, und bat den ganzen Wintervorrath an Reu und Stroh verzehrt, die Wege ſind tief und nicht gut mir Flürgü- rern zu befahren. Der antretende Pächter nimmt einen Hof an, deſſen Feld unbeſäer iſt, ohne Saatkorn, Dän- ger und Futter. In Cleveland, einem Diſteicte in Yorkſhire, wird die Pacht zu Oſtern, aber unter folgenden Beſtimmungen angetreten, Der antretende Pächter nimmt das Acker-, land zu Lichtmeſſen, das Grasland zu Oſtern, und die Wieſen Maitag in Beſitz. Dieſer Gebrauch iſt vortheil- hafter, als jeder, da der Pachtantritt überhaupt zu Oſtern geſchiehr. Weitzen, der ausgeſäet iſt, und etwas Heu und Stroh iſt das Einzige, welches der abgehende Päch- ter hinterläſst.' Weil Scheune und Diehle bis alten Mai- tag, welcher 14 Tage nach dem erſten Mai eintrit, ge- leert iſt, ſo kann, ohne Nachtheil ſür beyde Theile, je- de Verbindung zwiſchen dem abgehenden und antreten« den Pächter leicht gehoben werden, Doch könnte viel- leicht gegen öle Termin angewendet werden, daſs er dem neu antretenden Pächter zum Schaden ſey, wel- cher, in ſo fern er ſehr in der Ferne wohnt, niht zur rechten Zeit zur Sommerſaat pflügen und ſäen laſſen kann. Man muſs hiebey aber bedenken, daſs bey jeder Veränderung einige Schwierigkeiten zu überwinden ſind. Bey dem dritten Termin, nemlich z u Michaelis, ſind mehrere Schwierigkeiten zu überwinden. Die Säe- zeit des Weitzens wird verſchoben, das eingeerndtete Korn, welches ausgedroſchen werden ſoll, giebt Anleitung zu einer langwierigen unangenehmen Verbindung zwi- I08 ſchen dem abgehenden und antretenden Pächter.- dem überläſst der abgehende Pächter ſeinem Nachfolger den ganzen Vorrath an Heu und Stroh, Rüben, den jun» gen Klee im Felde, u. a. m. In Schotland, bey Edinburg herum, wird eine Korn- pacht(arable farm) zu Michaelis; ein Meyerhof zu Licht- meſs, und in den Märſchen zu Pfingſten angetreten. Die Pachtabgabe für die Kornfarmen wird gewöhnlich in drey Terminen, zu Lichtmeſs, Pfingſten und Lammas(den 25. Auguſt,) bezahlt.*) *) Gen, View of the Agriculture bf Mid- Lothian, by Robert« ſon p. 58. 769 NA BP 75 Gemeinheitsauſtheilung und Einſriedigung,' D. die, Sachſen ſich ohngefähr im Jahre 830 Eng lands bemächtigt hatten, wurde der Boden zwiſchen den Anführern und den vornehmſten Oflicieren getbeilt,. wel: che&inen Theil davon für ſich behielten, und das Uebri- ge nach Willkühr unter ihre Soldaten und die Einwoh» ner des Landes, von denen aber nur wenige mehr übrig waren, verteilten. England, das damals von Einwohnern ſehwenrblöſst war, wurde'es woch wehr durch die Ankünft der“ Dänen daſelbſt. Die Einwohner des Landes waren nur vermögend einen kleinen» Theil des Bodens anzu- bauen; das Vebrige blieb unangebaur ohne Eigenthümer liegen» und ſtand alfo jedem zu Dienſte. Die'groſsgen Gutsbeſitzer gaben dem, der ſich auf ihren-Gürern niederlieſs, die Freybeit, ihr Vieh auf die- ſen unbenutzten Gemeinheiten zu weiden. Bald darauf eigneten ſich manche Dörfer und Landftädte das Recht über“die zunächſt an ſie gränzenden Gemeinheiten zus und die Gräſungen auf dieſen Uebertriften, welche zu-« erſt.nur auf einem'eingeräumten oder ſich zugeeigneten Rechte berubeten, gingen durch die fortdaurende Be- nutzung derſelben in Eigenthum über. In der folgenden Zeit, da Wilhelm der Eroberer fich der Forſten des Reichs bemächtigte, und ſich allein die Jagdgerecnh- tigkeiten zveignete, entzog er doch den bey den Hol- zungen herum wohnenden Anbauern, deren ganzer Reich- thum in Vieh beſtand, die Freyheit nicht, ſich der Grä- ſungen zu bedienen. 110 Dies iſt der allgemeine Urſprung der Gemeinheiten, denn ſo werden. dieſe Uebertriften genannt. Man hat ſo ſtrenge über dieſe Gräſungsrechte gehalten, daſs ſie da- her beſtändig unbebaut geblieben ſind.“ Hierzu kömmt, daſs die Holzungen theils darch unbedachtſame Behand- lung, theils durch die Bergwerke ruinirt und in groſse und angebaute Gründe verwandelt ſind, welche ebenfalls den Namen Gemeinheiten erhalten haben, und mit wel- chen obne erhaltenen Parlamentsact'keine Veränderung vorgenommen werden darf. Vielfälige Verbinderungen halten denjenigen zu- rück, welcher in unſern Zeiten Luſt und Math zeigt, fich mit ſeivem Eigenthume aus der Gemeinſchaft zu ſerzen. Daesnicht unangenehm ſeyn mögte, es zu ſehen, mit welchen Schwierigkeiten die Einwohner dieſes Lan- des zu kämpfen baben, ſo wollen wir dieſe hier kurz be- rühren. Es wird uns auſserdem noch belehren, daſs Vorurtheile und ein elender Privatvortheil auch den auf- geklärten Engländer zum Nachtheil für das allgemeine Beſie au manchen nützlichen Unternehmungen behindern. Eigennutz und Vorurtheil. führen hier nemlich folgende Gründe gegen die Gemeinheitsauftheilungen an. Die armen Jeſten der Gemeinde haben die Erlaub niſs oder das Verjährungsrecht, eine Kuh oder einige Schaafe auf den Uebertriften zu weiden; wie ſoll man dem Jeſten dieſen Verluſt erſetzen, wenn die UVebertrif- ten eingekoppelt und eingehegt werden? Um dieſes als das gegründereſte und wichtigſte Hin- derniſs gegen die Gemeinheitzauftheilung aus dem Wege zu räumen, hat man verſchiedene Hülfsmittel in Vor- ſchlag gebracht. Einige haben nemlich vorgeſchlagen, jeder Jeſitenwohnung in der Gemeinde einige wenige Acre Land beyzulegen. Hiervon wärde die Folge ſeyn, daſs, wofern das Haus dem Jeſten zugehört, er alsdann daſſelbe nebſt dem darbey gelegten Lande mit einem für ihn bedeutenden Vortheil verkaufen könne; 113 ſo fern IIx es aber dem Gutsbeſitzer gehört, dieſer die Miethe und Abgabe nach der Gröſse und Güte des dazu gehörigen Landes erhöhen würde. Im exiſtern Fall wäre es bloſs ein Vortheil für das vorhandene Geſchlecht, im letztern bloſs für den Gutsbeſitzer. Andere haben vorgeſchlagen, das Stück aus der Gemeinheit, welches den, Jeſten zukom- men konnte, zu verkaufen, das Geld dafür auf Zinſen zu geben, und dieſe unter die Jeſten der Gemeinde zu ver- theilen. Bey dieſem Vorſchlage werfen ſich wieder die- ſe zwey Schwierigkeiten auf, Das Geld hat nur einen augenblicklichen Werth, der kein hinlängliches Aequi- valent in den folgenden Jahrhunderten ſeyn würde, und daneben wächſt mit der zunehmenden Volksmenge die Anzahl der Jeiten und der übrigen privilegirten Armen. Die Dividende würde alſo von Jahr zu Jahr unbedeuteu- der werden. Was hat man denn in England gethan, wird man fragen, um dem Jeſten ſein Gräſungsrecht bey Aufhe-« bung der Gemeinheiten zu vergüten? Im Allgemeinen Nichts. Wenn die Gemeinheitsaufiheilungen entweder durch allgemeine Einſtimmung der Antheilnehwer, wel- ches ſelten der Fall iſt, oder durch einen Parlamentsact durchgeſerzt ſind, ſo hat man über den Punct, welcher das Gräſungsrecht des Jeſten betrift,„ſich nicht verein baren können, und es iſt dieſer daher allezeit beyſeite geſetzt. Das iſt eine groſse Unvollkommenheit im eng- liſchen Landweſen, daſs die Farmers nirgends den Jeſten Land zugeſtehen wollen. Dieſe find ſelbit zu begierig darnach, und können nicht das mindeſie davon entbehren. Auſserdem befürchten ſie, daſs, wenn man erſt einigen Jeſten Land bey ihren Häuſern zugeſteht, ſie alsdann alle dieſen Vortheil genieſsen wollen. Englands einſichts- volle Politiker und Landwänner haben den Farmern oft zugerathen, den Jeſten etwas Land für einen billigen Preis zu überlaſſen, und es ihnen gezeigt, daſs zunächſt die Sicherheit und das Wohl des Landes, und dann auch 112 die beſtändig zunehmende Ackerſchatzung dies kleine Opfer, welches ſo ſehr mit ihrem eigenen Vörtheil in Verbindung ſtunde, erfordern. Sie haben aber bis da- hin dieſen Vorſtellungen noch kein Gehör geben wollen. Gegen die Gemeinheitsauftneilangen wird ferner angeführt, daſs ſie der Veredlung der Schäfereyen und »D Wollenmanufacturen ſehr ſchaden werden. Werden alle Gemeinheiten aufgetheilt und eingehegt, ſo wird man weder eine ſo groſse Anzahl Schaafe halten, noch ſo gute Wolle haben können. Auſserdies würde auch die Zuzucht des Viehes abnehmen. Die gröfsten und beſten Schaafe werden in England in den Gegenden gehalten, wo noch Gemeinheiten ſind. Wo es Uebertriften giebt, wird eine grofse Anzahl Schaafe und Jungvieh gehaltey, welche der Eigenthümer ſeinen Nachbarn verkauft, die ſie mit Klee und Turnips auf ihren eingehegten Koppeln mäſten und groſen Vortheil daher ziehen. Die groſzen Unkoſten, welche die Gemeinheitsauf- theilungen in England mit fich führen, geben ebenfalls ein wichtiges Hinderniſs ab. Da es etwas höchſt ſeltenes iſt, daſs die Theilnehmer über die Taxation und wechſel- ſeitige Anſpruchsrechte einig werden können, und alſo eine Auftheilung nicht ohne Widerrede zu Stande kom- men kann» ſo ilt es nothwendig, daſs die Parthey, wel- che für die Auftheilung iſt, einen Parlamentsact verlangt. Die Erhaltung deſſelben iſt mit vielem Zeitverluſt und groſsen Ausgaben an die Secretaire des Ober- und Unter- hauſes, an die Comtoirbediente und andere Commiſſlio- naire verbunden. Man kann den unbedeutendſten Par- Jamentsact für nicht weniger als 200 P. St..(1009 r.) er- halten. Dieſe anſehnliche Ausgabe ſchreckt manchen ab, einen Parlamentsact zu verlangen, und die Engländer beſchweren ſich ſehr darüber. Es war ein wichtiger Ge- genſtand von Sinclairs Bemühungen, das Parlament zu be- reden, dieſe Bewilligungen äuſserſt zu ertheilen, weil ſie ein wichtiges Hinderniſs des Emporkommens des Acker- L13 bau's find. Lord Roſeberry ſagt in ſeinen Bemerkungew zu Kents Gen. View of tbe agriculture of NorfolK: ein allgemeiner Parlamenrsact für die Gemeinheitsaufbebun- gen überhaupt würde der größte Seegen für England ſeyn, und das Parlament würde dann vielmehr für die Aufnahme des Ackerbaus und der Volksmenge thun, als irgend jemals vorher.; * Ein authentiſches Beyſpiel wird es darthun, welche enorme Unkoſten mit einer vorgenommenen Avuftheilung verbunden find. Dieſes Beyſpiel will ich aus der Graf- ſchaft Somerſet hernehmen.*) Marſchboden 860 Acres. Pd, St, Parlamwentsact---- 510 Anlegung der Wege**) 6. 450 Das Graben der Befriedigungsgräben***) ire 850 Brücken a. dgl.= 77 140 TLandinſpector, Landmeller, Commiſſair u,[, Ww. 340 Buchhalter.- 58 60 Andere Ausgaben==-! 110 Zinſen von angeliehenen Kapitalien-- 25 2435 NB. Die Ausgaben bey der Auftheilung belaufen ſich demnach auf 3 Pd. St. pr. Acre: Ein Acre dieſes Landes war 30 Pd, St. werth. 4 &) The Agriculture of Somerſet by Billings ley Löndon 1797. %*x) Auf zwey engliſche Meilen, um die Steine zu hauen und her- bey zu holen, 10 d.(20 ſs,) pr. Füder, wovon 8 auf einen Rope von 20 Fuſs gehen, 24%) Die Graben warten oben 8 Fuſs breit, am Boden 4 Fuſs, und 5 Fuſs tief. Das Graben koſtete von 14 bis 24 4: pf; Rope, d, i: 28 bis 48 ſs, pr, 20 Fuſs. H Höher Boden. 800 Acres. Pa, St, Parlamentsact--- 2 300 Wege TE ATE: mn 33592 Einfriedigungen aus einem Erdwall und Zaun von Schwarzdorn; 2 ZZ 859 Brücken u. dgl.---- 56 Landinſpector, Landmeſſer, Commiſſair und Buchhalter=> 360 Zinſen von angeliehenen hapitalien-- 35 1951 NB. Dieſe Ausgaben beliefen ſich auf 2P. St. 10 S. Pr. Acre, und ein Acre war 12 bis 20 P. St. werth. Zu dieſer Berechnung muſs noch das Aufführen der Gebäude gerechnet werden. Die, Koſten über einen Meyereyhof werden in dieſer Grafſchaſt nach der Gröſse des Hofes ſo angeſchlagen: Ein Hof von 100 Acres---- 300-P./S6 --"=="206=- 08 400-- --== 4009.-..--- 500-- 125 OO 242 ri-- 600-- Je gröſser ein Hof iſt, deſto weniger koſten die Wohn- häuſer, Wirthſchafisgebäude und die Einfriedigungen nach der Anzahl der. Acre. Dieſe Urſachen tragen darzu bey, daſs ſich in Eng- land viele Millionen Acre finden, die noch in der Ge- meinheirt liegen, obgleich die Engländer die Auftheilung und Einfriedigung derſelben als die wichtigſte Urſache zur Verbeſſerung des Ackerbaus betrachten./ Selbſt in der» Nähe von London finden fich viele Gemeinheiten. Dies iſt um ſo auffallender, wenn man aus den:fettſten Gräſungen und ſchönſten Kornfeldern ſich plötzlich in dieſe durchgängig magern unfruchtbaren Trifren verſetzt ſieht, wo einige Schaafe und Schweine ihre Nahrung ſu- chen. So liefert die Batterſea- und Claphams- Gemein- 115 heit nabe hey London in dem gegenwärtigen Zuſtande nur groben Sand zur Ausbefferung der Wege, und Farnkraut für die Becker, um ihre Oefen damit zu hei- zen, und dieſe Uebertrift iſt in der Ründe herum mit den prächugſten Landhäuſern geziert, die den reichen Kaußeuten in London zugehören, welche ſich hier an Sonntagen von ihren Geſchäften ausruhen. Ueberall fin- Jebertriften, ſelbſt in der Nähe der Kö- niglichen Luſtſchlöffer, als zum Beyſpiele auf dem Wege von London nach Vinſor. Keiner will lich mit dem Anbau den fich ſolche LU . 1 derſelben befaiſen, ſo lange ſie in der Gemeinheit liegen. Oo Die Herren James und Malcolm haben in ihrem Berichte an das Ackerbaucollegium über die Grafſchaft Surrey dargerhan, daſs es in dieſer Grafſchaft noch 96090 unaufgerheilte Acre giebt, wovon der vierte Theil, wenn er als Ackerland genutzt würde, jährlich 72009 Quarter Getreide, welche nach den gegenwärtigen Preiſen 97,200 Pd. St., ungefähr eine halbe Million Reichsthaler, Koſten, hervorbringen würden. Sie rechnen drey Quarters pr. Acre, d. 1 6 T. auf 6 Schip. Landinhalt. Sie ſerzen hin- zu, daſs dies um ſo wichtiger ilt, weil die Grafſchaft we- gen ihrer groſzen Volksmenge, in der Nähe der Haupt- ſtadt, jährlich eine anſehnliche Quantität fremdes Korn verbraucht. Nach den Zollregiſtern wurde in der Graf- ſchaft Surry im Jahr 1794 an fremdem Korn verbraucht: Gerſie 69,793. Quarter. Pferdebohnen 30,245--= Hafer 842,229== Rocken 39,361-== Weitzen 217.038==== Erbſen 3,445== Dies fnachte alfo für dieſes Jahr allein zuſammen T,192,111 Quarter von allen Sorten, oder 2,386,222 Ion- nen vom Auslande eingebrachtes Getraide.*) H 2 *) Gen, View of the agriculture of Surry by James and Malcolm, I16 Die erwähnten Herren führen in ihrem Berichte noch folgendes Bey ſpiel an, welches zeigt, wie höchſt vortheil- haft es für die Grafſchaft ſeyn würde, wenn die Gemein- heitsaufcheilung allgemein vorgenommen würde. Man kann es, ſagen fie, von allen Pächtern in dieſer Graf- ſchaft annehmen, daſs fie gerne jährlich Stheil wehr für das Land.geben würden, wenn es aufgetbeilr und ein- gefriedigt wäre. Bey Suttom und Cheam bezahlen die Pächrer nur I0 S.(15 Mk.) Pacht für einen Acre, der nicht aus der Gemeinheit geſetzt iſt, und die Pächter der Nachbarſchaft bezahlen für Land von derſelben Be-, ſchaffenheit 30 bis 40 S.(8 bis 10 r.) a Acre, wenn es aufgertbeilt und eingeſriedigt ilt. Bey Egham wird für ei- nen Acre des beſten Leembodens an der Themſe nur 20 bis 25 S- bezahlt; die Pächter würden aber gerne dafür 30 bis 59 S- jährlich bezahlen, wenn das Land nicht in der Gemeinheit läge, und wenn es eingefriedizt wäre. Die Gemeinheitsauftheilungen ſind in den ſüdlichen und öſtlichen Grafſchaften ſehr allgemein, in den nörd- lichen aber it man hierin weit zurück. Selbſt in den Grafſchaften, welche om beſten angebaut, und wo die Einfriedigungen mit lebendigen Zäunen allgemein ſind, finden ſich noch anſehnliche TIEbEFEEiEn und unaufge- Deiltes Ackerland. A. Young ſagt von Suffolk, daſs dieſe Grafſchaft noch 109,000 Acre bat, die nicht aufge- theilt ind, und Kent ſagt von Buffalle: daſs dieſe Graf- Cchaft noch 80,000 Acre von derſelben Sorte hat. In Cambridgeſhire fand ich faſt nirgends eingehezte Kop- peln. Das hellſte Licht über dieſen weſentlichen Mangel im engliſchen Ackerbau hat Sinclair in einer Rede verbrei- tet, welche er 1794 im Ackerbauscollegium gehalten,| worin er zeigt, Was England jährlich an Wohlſtand und Volksmenge gewinnen würde, wenn die Gemeinheits- auftheilungen allgemein würden. Das Reſultat ſeiner 117 Berechnungen war folgendes:*) England'und Wales hätren nach zuverläſsigen Berichten zum wenigſten 22 Millionen Acre, welche theils öde und unangebaut lägen, theils wohl unter Kultur gebracht wären, demohngeach- tet aber unendlich verbeſſert werden könnten. Anzabl der Acre, welche eine Ver- beſſerung litten---- 22,35 1,000 Zunehmende Pachtabgabe ohnge- FANEIO194/,PV- DACDEN 77-- 10,057,950P. St. Wachſende Einnahme bis auf 27 S. pr. Acre---<= 30,173,850= Das Hinzukommen zum National- capital nach einer Kaufſumme von dreiſsigjähriger Production 905,215,500= Verhältniſsmäſsgige Zanahme der Volksmenge----- 3,017,385 Seelen. Die groſse Menge fremdes Korn, welches im Lan- de verbraucht wird, die letzten theuren Jahrszeiten und der jährliche Verluſt, den England vermittelſt ſeines Kornhandels 1n' ſeiner Handelsbalance leider, bewegte das Parlament darzu, eine Commiſlion nieder zu ſetzen, um. die Urſachen hievon aufzuſuchen, und auf welche Weiſe dieſes Uebel gehoben werden könne. Aus dem erſten Raport dieſer Commiſlion erfuhr man, daſs England mit Wales, Schotland nicht mitge- rechnet, ohngefähr 46,000,000 Acre hatten, davon ohn- gefähr an Heiden, Mören ,- Vebertriften=- 7,800,000 Acre an Ackerland und Wieſen in der Gemeinheit-=»=- 1,200,000=- Die Commiſlion beſchloſs ihre Unterſuchung mit dem Reſultat, daſs, wenn von dem unbebauten Lande 150,999 bis 300,000 Acre unter Kultur gebracht, und eben ſo vie- x) Account of the Origin of the Board of Agriculture and its progres. Appendix K, pag- 58. Kn Ee SE ENIE; een I18 le Acre Ackerland, welches noch in der Gemeinheit liegt, aufgetheilt und eingefriedigt würde, England alsdand alles fremde Korn entbehren könne. Dies iſtum ſo noth« wendiger, ſerzt die Commiſſion hinzu, denn wozu ſonſt ſollen wir unſere grofse Landarmee anwenden, wenn der Krieg zu Ende iſt? Unſere Soldaten werden entweder auf den Landlſtraſsen rauben und ſtehlen, oder auch nach Amerika gehen. Sie werden nicht ſo leicht Arbeit und Unterhalt wie unſer Seevolk finden; dieſes hat allezeit ſeine Nahrung auf der See, durch den Handel und die Fiſcherey. Der Vorſchlag der Commiſſion an das Parlament gieng darauf hinaus, daſs es einen allgemeinen Act ge- ben, oder daſs im Allgemeinen die Erlaubniſs ertheilt werden mögte die Gemeinheiten aufzutheilen, beſonders aber in Rücklicht der Auftheilung der kleinen Uebertrif- ten, wovon die Unkoſten für einen beſondern Parla- mentsact nicht abgehalten werden könnten. England hat ehmals bey ſeinem Kornhandel anſehn- lich gewonnen, in den letzten zwanzig Jahren hat es aber jährlich eine groſze Summe verlohren, Nach Smiths*) Angabe ſoll England vom Jahre 1746 bis 1765 jährlich nach einer Mittelzahl 651,000 P. St. gewonnen haben. Seit der Zeit hat es beſtändig eingebüſst. Nach den Zollbüchern ſind die Summen von dem ein- und ausgefhrten Korn für England vom z5ſten März 1777 bis zum 25ſten März 1797, alſo in zwanzig Jahren, falgende; Eingeführt, Fremdes Korn----- 15,139,176 P. St. Ausgeführt. Brittiſches Korn für---- SGT D520D6.08 Fremdes Korn==.-- 26,218- 6,5 88,171: B, iSt. *) Smiths Tracts on the Corn trade p. 136. 119 Handelsbalance für dieſe zwanzig Jahre. Der Werth des eingeführten Korns war nach einer Mittelzahl jährlich=-.600,000 P. St. Der Verluſt der Summe, welche Enoland vorhin für Kornwaaren gewann RE<= 651,600 P. St. Ganzer Verluſt in der Balance jähr- lich 7= 1,25 1,000 P. St. oder in zwanzig Jahren eine Sum- me von---=- 25,020,000 P. St. In den letzten Jahren iſt der Verluſt weit bedeurten- der geweſen, welches man aus folgendem Veberſchlag ſe- hen kann: Kornwaaren, welche in den Jahren 1794, 1795 und 1796 eingeführt ſind. Im Jahr. 1794--- 1,983;856P. St. en R LCIS En= DN N20,072 1= AEN 47.902 7.507 Te 3,926,484=. 7,446,012 P. St. Dieſe drey drückenden Jahre verurſachten in Eng- lands Handelsbalance ein ſo groſses Untergewicht, daſs es ſich genöthigt ſah, für Horn baares Gold und Silber bis zu einer Summe von 1,749,736 P. St. 17 S. 9 d. aus- zuführen. Dieſer-anſehnliche Verluſt in der circuliren- den Menge Goldes und Silbers verurſachte eine Erſchüt- terang der Bank, ſo daſs fie aufhörte ihre Zettul einzulö-« ſen, und fich genöthigt ſah, Kleine Zettuln von I Pfund Sterling in Umlauf zu ſetzen, und auf eine gewiſſe Zeit ſpaniſche Piaſter zu einer gangbaren britriſchen Münze zu authoriſiren.. Dieſe und noch mehrere wichtige Nachrichten fin det man in A. Youngs Annals of Agriculture. Vol. 28. Aus dem Angeſührten erſieht man die Nothwendig- keit der Gemeinheitsauftheilungen in England, wie viele Millionen Acre noch unbebaut und in Gemeinſchaft lie- 120 gen; und zugleich, wie nothwendig es in Anſehung des Kornverbrauchs eines Landes iſt, daſs deſſen Gemeinheits- auftheilungen befördert, und die unbenützt liegenden Vebertriften angebaut werden. Wir haben jerzt geſehn, was geſchehen muſs, nun wellen wir auch deſſen er- wähnen, was geſchehen iſt. Folgende Tabelle wird uns dieſes, nemlich den Fortſchritt der Gemeinheitsaufthei- lungen in dieſem Jahrhunderte bis zum Ausgang 1797, deutlich vor Augen legen. 5 2 Zahl der Parla Mevge der aufge» Rogierungszeit, mentsSacten, theilten Acres. Königin Anna== 2... 1,433 Georg I.= 16-- 17,660 g 7 Georg 2.-- 226-- 18,778 3 3 7 Georg 3.-=-- 1,532..- 2,804»197 1,770 3,142,973 Man kann mit Gewiſsheit ſagen, daſs es keine ſo magere Vebertrift und keine ſo unfruchtbare Heide giebt, daſs es nicht der Mühe lohnen ſollte, fie anzubauen, ſo- bald ſie in der Nähe einer volkreichen Stadr liegen. Es giebt dort Arme genug, welthe ihren Vortheil und ihr Vergnügen darin ſinden, ſolches unbenutzte Land anzu-« bauen, ſobald fie nur davon. verſichert ſind, daſs ſie die Früchte ihres Fleiſses einerndten können, das heiſst, daſs fie das Eigenthamsrecht an ſolche angebaute Aecker er- halten. Ich habe mehrmahls Gelegenheit gehabt, dies auf weinen Reiſen zu bemerken, So lag auſsgen vor den Thoren von Geneve ein Stück Landes von ziemlicher Gröſse, welches aus reinem Sande beſteht und ehemals keinen Grashalm hervorbrachte."Im Jahre 1794 lieſs der Magiſtrat ein groſses Stück hievon in ganz kleine Parze- len, wie ſie ſich zu Gärten ſchicken, mit einer Schätzungs- freybeirt fuf 6 Jahre auslegen. Es fanden fich auf ein- mal Menſchen genug, welche dieſes unfruchtbare Land pachten, und dann verbeſſern und anbauen wollten. Ber ſonders Gärtner und Tagelöhner, die Frau und Kinder I21 hatten, nahmen die Hauptparzelen in Beſitz. Ich habe bey meinem Anfenthalte in Geneve im Jahr 1736 es oft mit Vergnügen betrachtet, mit welchem Fleiſse und Ei- fer dieſe Menſchen den Sonnt2g, die Abendſtunde und jede Zeit nützten, welche ihnen von ihrer Tagarbeit übrig blieb, um ihre Gartenparzelen anzubauen, ohne es zu berechnen, ob die Vortheile ihrer Mübe auch entſpre- chen würden. Weiber und Kinder brachten aus der Stadt und anderswoher' Erde und Dünger, trugen es in Kör- ben oder Schürzen auf ibr kleines Ackerſtück, und freue- ten“ ſich über jeden Quadrartfaſs Land, den ſie darch ihre Bewühungen fruchtbar gemacht harten. Ihr erſtes Be- ſtreben ging dahin, ihre Landſtücke einzufriedigen, WwO- zu fie Stachelbeerdornen gewählt hatten; das erſte, was fie vornahmen, war, fich ein kleines Luſthaus von Brettern zuſammen zu ſchlagen. In den mehrſten Gärten wach- ſen ſchon unterſchiedliche-Rüchenkräuter. Auf dieſes Weiſe wurde dieſe unfruchtbare Landſtrecke in einen fruchtbaren Garten verwandelt, vieie Menſchen auf eine nützliche und für ſie angenehme Art beſchäftigt, und die Einkünfte der Stadt vermehrt. Dieſes Beyſpiel wirkte auf Lauſanne, wo der Ma- giſtrar ebenfalls ein unbenutztes Stück Land ausparzeliren lieſs, welches von Natur ſandigt und voll von Steinen war. Man übergab dieſe Parzelen den Armen auf neun Jahre frey von allen Schatzungen und Abgaben. Nach Ablauf dieſer Jahre behielt der Magiſtrat ſich das Recht vor, fie zu verkaufen oder zu verpachten. Das Land waur- de freylich angebaut, aber bey weitem nicht mit dem Pleiſse und Eifer, wie bey Geneve, Hier fehlre Eigen- hum, der wichtigſte Sporn für die menſchliche Anſtren- gung. Ich ſprach mit einem armen Tagelöhner, welcher auf ſeiner Parzele damit beſchäftigt war, Kartoffeln zu häufen, die den erſten Ertrag von ſeinem Lande geben ſollten. Zwey Jahre waren damit hingegatgen, den Bo- den zu reinigen und Erde und Dünger darauf zu brin- gen. Es verdroſs ihn ſchon, daſs er ſich damit abgege- ben batte, ihn anzubauen. Wenn ich, ſagte er, das Land in den Stand geſetzt habe, daſs es Korn tragen kann, eignet es fich der Magiſtrat wieder zu, und andere ernd- ten die Vortheile von meinem Fleiſse und meinet Scla- verey, und dies mache ihn der Arbeit überdrüſsig. Einzelne Privatperſonen haben es auf einigen Stellen in England verſucht, die Heiden mit Holz zu bepflanzen, und gemeiniglich hierzu ſchottiſche Kiefern, Lerchen und Birken gewählt. Die mehrſten Anlagen hievon waren im Kleinen, nur auf einigen Acren. Herr Giles zu Fareham in Surry bepflanzte im Jahr 1775 auf der Crooksburryheide 12 Acres mit ſchot- ſchen Kiefern von 4 Jahren, und ſetzte ſie vier Fuſs von einander. Das Land wurde weder gepflügt noch bedünzt, ſondern die Bäume warden bloſs eingeſetzt und um die- ſelben der Boden aufgehackt. Im Jahr 1788 wurden die ſich zu nahe ſtehenden Bäume wieder herausgezogen, welche bereits eine Höhe von 14 Fuß hatten. Dieſe auf- gezogenen Bäume wurden zu.Hopfenſtangen verkauft; und die Zweige in der'Ziegelbrennerey verbraucht, Im Jahre 1797 wurde die Plantage zum zweyten Mahle ge- lichtet, und die ſich zu nahe ſtehenden Stämme wegge« nommen, welche nun.eine Höhe von ohngefähr 40 Fuſs hatten, und zu Nutzholz verbravcht werden konnten. Herr Giles hatte nun auf dieſen 12 Acres noch 18,531 Stück Lerchen, Fichten und Weimouthskiefern, welche zu einer Summe von 573 P. St. geſchätzt wurden. Derſelbe Herr Giles hat verſchiedene Verſuche ange- ſtellt, um zu erfinden, welche Bäume ſich am beſten zu Hopfenſtangen ſchicken, und hat es herausgebracht, daſs Lerchen die beſten find, dann die Weimouthskiefern, die ſchlechteſten aber andere Nadelholzarten, daſs die bey- den erſtern Sorten eben ſo gut ſind als die Eſche und Eller, oder Erle. 123 Herr Marsbam zu Stratton in Norfolk, ein ſebr aufgeklärter und patriotiſch geſinnter Mann, hat Holzſorten, die zu Nutzholz dienen, auf einen magern Heidegrund gepflanzt- Um den Armen nicht die Grä-« ſung auf dieſer Heideſtrecke, woraui die Plantage ſteht, zu berauben, hat er ſie nicht einfriedigen laſſen. Ohne dies, um die Borke an den jungen Bäumen zu ſchüfzen, damit fie nicht von Haaſen und Kaninchen abgefreflen wird, hat er die Bäume nicht eher verpflanzt, als bis ſie zu einer Höhe von 8 bis 10 Fuſs hinangeſchofſen waren. Herr Marsham läſst den Bäumen nicht die ganze Kro- ne, ſondern haut alle Seitenzweige ab, ſo daſs die Bäume das Anſehen der Weiden haben, die das Jahr vorher ge- köpft worden ſind, Seine Abſicht hierbey geht dahin, daſs die Winde keine ſo ſtarke Gewalt an den Bäumen ausüben ſollen, da ſie auf einer Heide langſam ihre Wur- zeln befeſtigen, und ihr Wuchs krumm und unanſehn- lich iſt, Sobald jemandes Eigenthum aus der Gemeinheit ge- ſetzt worden iſt, wird es alſobald mit einem befriedigen- den Zaun eingeſchloſſen, und in mehrere Koppeln ver- theilt, welche ebenfalls eingehegt werden. Sein Eigenthum mit einem-Steinwall einzufrie- digen, iſt in den mehrſten Grafſchafren noch eine unbe- kannte Sache, und mancher engliſche Landmann hat nie- mals in ſeinem Leben einen Steinwall: geſehen. Sie ge- riethen in eine groſse Verwunderung, als ich ihnen er- zählte, daſs dieſe bey uns ſehr allgemein wären, und legten mir alſobald die Frage vor; wo wir Steine zu un- ſern Landſtraſßsen hernähmen, wenn wir ſie zu Einfrie- digungen gebrauchten? In England giebt es mehr Chauſ- ſeen, als bey uns. Die Wege zwiſchen den Kleinen Landſtädten dort ſind eben ſo gat; als zwiſchen den groſ- 124 ſen, nur mit dem Unterſchied, daſs jene nicht ſo breit lind.*) Ob dieſes für alle Grafſchaften gilt, will ich nicht behaupten; ich kann es aber beſonders in Hinſicht derje- nigen verſichern, worin ich mich aufgehalten habe. So fand ich überall in der Grafſchaft Suffolk auch zwiſchen den geringſten Flecken ſo prächtige Wege, wie ein Stu- benfuſsboden. in den Grafſchaften Sommerſet und York babe ich Steinwälle angetroffen. In Yorkſhire waren fie ziemlich allgemein, ſowohl einfache als doppelte, und werden mit dem weitern Fortgang der Gemeinheitsauftheilangen im- mer häufiger.; Die neueſten und beſten Steinwälle dort ſind 7 Quar- tier hoch, im Grunde 22 Finger, und oben 16 Finger breit. Sie waren der Schaafe wegen mit groſgen flacien Steinen bedeckt, damit dieſe nemlich nicht überſpringen konnten. Die Unkoſten werden auf 2 Schilling pr. Yard, d. i. 43 Schilling däniich für drey Fuſs, und zwar für das Rer- beyſchaflen der Steine und das Avufferzen gerechnet. Auf einen Yard wird eine Karre Steine gerechnet, wel- che drey Pferde ziehen können. An einigen Stellen in der Grafſchaft Somerſet iſt die auswendige Einfriedigung eine Mauer, von gehauenen Steinen, die mit Kalk und Leem verbunden find, aufge- führt, ſo wie man ſie in einigen Gegenden des nördlichen Deutſchlands und in Frankreich hat. Dieſe Art Einfrie- digungen iſt dauerhaft, aber auch zugleich koſtbar, Eine ſolche Mauer, ſechs Quartier hoch, wie ſie es gemeinig- *) Die groſsen Landgraſsen ſind g?wöhnlich 40 Fuſs breit. Die Chauſſee in der Mitte iſt 12 Fuſs breit, in der Mitte 12 Zoll und an Seiten 9 Finger dick, Die Abdachung oder Krümmung iſt ganz unmerklich, In der Nähe von London beſprengt man die Chaulſeen in den heiſzen Sommertagen täglich mebrere Mahle mit Waſſer, welches in groſsen Tonnen herbeygeſahren wird, 325 lich ind, bedeckt mit Raſen, koſtet eine halbe Guinee, über 15 Mk. auf 20 Fuſs oder pr. Rope, welches das Maaſs der Gegend iſt. Dieſen und andern ähnlichen Einfriedigungen ziehen die Englander lebendige Zäune vor. Sie pflanzen theils, wie in Holſtein, alle Holzarten auf ihre Erdwälle, theils bloſs Weiſsdorn und Schwarzdorn. Sie ſorgen nicht al- lein dafür, daſs die gepflanzten Dornen und andere Holz- arten zu wachſen, ſondern fe geben dem Waile an der Seite noch eine Bedeckung von wilder Roſen, Himbeeren und andern Vornarten, welche das Vieh von der Beſrie- digung zurück naten, und es nicht durchbrechen laſſen. Längs neben dem Walle, worauf der lebendige 7aun(teht, werden in einem Abſtande von einander mit vielem Fleiſge Eichen und Büchen, beſonders Eſchen und andere Nutzholzarten gepflanzt.- Auf dieſe Pflan- zungen halten ſie ſehr, und ilt ein Hot verpachtet, ſo ilt dies ein weſentlicher Artikel. im Pachtcontracte, daſs der Pächter fie gegen Beſchädigungen der Menſchen und des Viehes beſchützen ſolle, Die Pflanzungen längs neben den Wällen können den Werth eines Hoſes ſehr erböhen. Herr Green in Suffolk erzählte mir, daſs er den Winter vorher, als ich ihn den Sommer darauf beſochte, für 500 r. Schifsbau- holz hatte hauen und nach Ipswich verfahren laſen Er verſicherte, daſs die neben. den Zäunen gepflanzten Bäu- me, die damals im beſten Wachsthum waren, nach Ver« lauf einiger Jahre, den Werth des Hofes wohl um 1000 P. St. erhöhen würden. Dieſe lebendigen Zäune mit den daneben gepflanz- ten Bäumen ſind für die mehrſten Gegenden höchſt noth- wendig. In England ſind die Hölzungen verhauen, und die Transporten der Steinkohlen ſehr koſtbar. Die le- bendigen Zäune verſehen den Landmann mit der notb- wendigen Feuerung für die, Meyerey, zum Brauen und Backen, und für den Heerd, Aus ſeiner Pflanzung, ne- 126 ben den Zäunen, hat er das für ſeinen Hof benöthigte Nutzhölz, und zuweilen noch ecwas zum Verkauf übrig. Weiden und Pappeln an den Zäunen zu pflanzen, wie es unſere Landleute thun, und lebendige Hecken von jun- gen Weiden anzulegen, wie dies ebenfalls bey uns ge- ſchieht, iſt in England nicht gebräuchlich.( Die gewöhnliche Pflanze zu lebendigen Zäunen iſt Weißdorn. Ehemals wurden dieſe aus den Holzungen genommen, nun aber bey den Gärtnern gekauft, welche Ge aufziehen und ſich für hundert 24 ſs. däniſch bezah- len laſſen. Obgleich Weiſsdornen die gewöhnlichſten und beſten Holzarten zu Einfriedigaungen ſind, ſo habe ich doch auch Aepfeldorn geſehen, welche geſchwinder wachſen, in einem Zeitraume von ſechs Jahren einen ziemlich befriedigenden Zaun abgeben, und ſelbſt in kalten und ſchlechten Boden gut gedeyen. An einigen Stellen bedient man ſich auch hierzu des Fliederbaums, den man unter die übrigen Heckenpflanzen ſetzt, der be- ſonders die gute Eigenſchaft hat, daſs er mit dem ſchlech- teſten Boden vorlieb nimmt. Kriſtrornen werden auch gebraucht, müſſen aber nicht: im Winter verpflanzt werden, weil man befürchten muſs» daſs ſie ausgenen: dagegen kann man ſie aber mit Sicherheit im Frühjahr und im Sommer umſetzen. Die neuen lebenden Zäune werden mit vielem Fleiſse angelegt. Der Erdwall iſt drey bis vier Fuſs hoch, vier Fuſs breit, und der Graben drey Fuſs breit und zwey Fuſs tief. Auf dem Waile wird, wenn er eine Zeitlang geſtanden iſt, und ſich geſetzt hat, eine Rinne von zehn bis zwölf Zoll breit gemacht, die Pathen, die man vom Gärtner kauft, in einer guten Stellung'da hineingeſetzt, und die Wurzeln mit der beſten Ackererde bedeckt. Die übrige ausgegrabene Erde wird ſeitwärts an die Pflanzen gelegt, um ihnen Schutz und Haltung zu geben. Zuwei- len ſteht in den Parlamentsacten, wie hoch, wie breit und wie überhaupt die Einfriedigung beſchaffen ſeyn muſs. 127 Es wird dort eine doppelte Reibe von Dornpflanzen auf den Wallgeſetzt. Beyde Reihen Jaufen einen Fuſs von einander fort, und. zwiſchen jeder einzelnen Pflanze in der Reihe wird zwey bis drey Zoll Platz gelaflen. Für das Einſetzen der Yflanzen in den Wall giebt man den Gärtnern 12 ſs. für 20 Fuſs, ſo auch für das Aufſchaufeln des Grabens und Aulegen der Ackererde bey den Pflan- zeu. Dieſe jungen Pflanzen in beyden Reiben fangen nach ein Paar Jahren an, ihre Kronen zu vereinigen, und „nach Verlauf einiger Jahre machen fie einen guten Knick aus. So lange ſie noch jung find, nemlich in den erſten Jahren, werden fie ſorgfältig behackt und unter Scheere und Meſſer gebalten, damit fie gerade wachſen und keine Oefnungen laſfen. Dieſer neu gepflanzte lebendige Zaun wird auch an beyden Seiten entweder durch eineu ge flochtenen todten Zaun, oder durch ein Steckwerk von Latten gegen den Anlauf der Thiere verwahrt. Solche lebendige Hecken ſind gut und dauerhaft, koſten aber ſehr viel, welches man aus folgendem Ueber- ſchlag, welcher auf einem Hofe in der Gratſchaft Somer- ſerſhire gemacht iſt, erſehen kann. Berechnung der Unkoſten von einem lebendigen Zaune von 20 Fuſs oder einem Rope Länge. s. 4 Der Erdwall---- ZIEH) So Stück Weiſdornpflanzen-- 70 Für das Pflanzen und Beyhaufen der Ackererde= 2 Zewey Reihen Stecken von Latten zur Beſchüz- zung=---- 0 510 FI6 Das Behäufen der Pathen in drey Jahren---16:2 Zwey neue Stecken von Larten= HE 2 10 46.0274 Die Anpflanzung und Unterhaltung in den erſten Jah- 128 ren kam nahe an 2 r. für 20 Fuſs zu ſtehen, und die Preiſe waren doch gleichwohl ſehr billig. Mit einer ſolchen Sorgfalt find die lebendigen Hek- ken von Dornen Anfangs in England nicht angelegt, wie gegenwärtig, ſondern man war genöthigt die Pathen aus den Holzungen zu nehmen, und fie nach der Dicke des Stammes, oder der Gröſse der Krone zu ordnen, ohne „auf die Tauglichkeit der Wurzeln zu ſehen, daher denn die Folge war, daſs einige von dieſen Pflanzen, welche allenthalben her geſammelt worden waren, ſtärker wuch- ſen und die ſchwachen unterdrückten. Soll es mit einem jungen lebendigen Zaune nach Wunſch glücken, ſo muſs er mit derſelben Sorgfalt, wie eine Gartenhecke, behandelt werden. Er muſs behackt, bedüngt, bewäſſert und beſchoren und gegen Anfälle durch einen todren Zaun, und zwar beſonders gegen Schaafe,> welche die gefährlichſten Feinde der jungen Pathen find, gelichert werden.' Manche Landwirtbe in England verabſäumen es zu ihrem eigenen Schaden, die jungen Zaune zu behäufen und zu beſcheeren. Die Folge hievon iſt, daſs das Unkraut die Pathen in ihrem Wachs- thume unterdrückt, und daſs der lebendige Zaun, wenn er nicht gehauen und gebogen wird, einen unregelmäſ- figen Wuchs bekömmt. Die eine Pflanze bekömmt Ge- legenheit über die neben ihr ſtehende hinweg zu wach- ſen und ſie in ihrem Wachsthume zu unterdrücken, wel- ches eine Oefnung im Zaun verurſachet, die allezeit mit todrem Buſchwerk ausgefüllt werden muls. Lt eine Hecke ihrer Beſchaffenheit nach 14 bis 20 Jahre alt, ſo werden die Stämme abgehauen und zwi- ſchen den ahgehauenen Stämmen Zweige und Schöſslinge niedergebogen, um dem Viehe das Ueberſpringen oder Durchbrechen zu verhindern. Da der Zaun oder Knick nicht ganz verhauen und der Wall unberührt bleibt, ſo erhält dieſer dadurch mehr Feſtigkeit, daſs die alten 129 Stimme ſowohl als die niedergelegten Zweige und Spröſs- linge nach allen. Seiten ausſchieſsen. Nach einer Dauer von 40 Jahren erhält ein lebendi- ger Zaun gewöhnlich anſehnliche Mängel, und wird das her gänzlich. aus dem Walle herausgenommen, dieſer aber wieder ausgebeſlert und mit neuen Pflanzen beſetzt: Der Landwirth nimmt auf die Weiſe ein Stück jährlich vor, ſo/daſs er in einer Zeit von 25 bis 30 Jahren mit als len ſeinen Zäunen fertig werden kann. Zu gleicher Zeit werden auch die jungen Zäune nachgeſehen, und daz wo eine Lücke iſt, wird ſie mit todtem Buſche ausge- füllt, oder junge Pflanzen;hineingsſetzt. Wie lange ein lebendiger Zaun, wenn er aut be handelt wird, ftehen kann, iſt ſchwer zu beſtimmen, Die Befriedigungen in England find, wie wan behauptet) gegen 200 Jahre alt. Was die lebendigen Zäune zu Grunde richtet, iſt, daſs man ihre Unterhaltung den Pächtern überläſst, die den Schaden an ihnen nicht bey Zeiten nachſehen und ausbeſſern. Sie laſſen es geſche- hen, daſs einige Pflanzen zu ſtark wachſen, andere aus- gehen, und füllen die entſtandenen Lücken nicht mit le« bendigen Pflanzen, ſondern mit todten Dornen und an- derm Buſch aus. Das ſicherſte Mittel, einen lebendigen Zaun für Lük- ken und andere Mängel zu bewahren, iſt, daſs man kei- nen von denjenigen Stämmen, fie mögen auch noch ſo friſch und geſund ſeyn, wenn ſie über einen Fuſs im Um- kreiſe halten, ſtehen läſst. Iſt eine zu groſse Ungleich- heit in der Gröſse und Dicke der Stämme, ſo müſſen die - zu groſsen entweder ganz beyſeite geſchafft, oder auch die Seitenzweige ſo ſtark geköpft werden, daſs ſie die ſchwächern nicht zu unterdrücken vermögen. Iſt ein Stamm, einerley von welchem Alter, mit Moos bewach- (en, oder verkrüppelt, oder ſchrumpigt, ſo muſs er weggenommen, und. ein geſunder an: deſſen Stelle ge- ſetzt. werden. 1 130 Das Alter des Zavnes, in welchem er gehauen wer- den ſoll, läſst fich nicht beſtimmen; es beruht io'ches auf die Beſchaffenheit des Bodens, und auch darauf, wel- che Arten Pflanzen man darzu genominen hat. Es muſs der Zaun von der Röhe ſeyn, daſs der gebauene Buſch einigen Nutzen gewähren kann. Die größern Schüſſe müſſen zu Zaunſtecken und Latten, die kleinern zu tod- ten Zäunen und zur Feuerung gebraucht werden können. Ich habe Gelegenheit gehabt, einige Verſuche mit lebendigen Zäunen, auſser der ordentlichen Methode, zu ſchen, die ich hier nicht unberührt laſſen kann. Ein Mann in der Grafſchaft York hatte eine Hecke von Weiſs- dorn in ebener Erde, ohne einen Erdwall gepflanzt. Den Erdſtreif, worauf die Hecke gepflanzt war, hatte er vor- her, wie einen Acker pflügen, und Kartoffeln dahin ein- legen laſſen, um den Boden zu reinigen. Er lieſs ihn aber vorher bedüngen. Als die Hartoffeln im Herbſte aufgenommen waren, wurden das Frühjahr darauf die Patben dahin- eingeſetzt. Dieſer Verſuch war ſehr gar ausgefallen, denn die Hecke ſtand im beiten Wachsthum. Ein anderer Mann befolgte beym Pflanzen der Pa- then nicht die gewöhnliche Methode. Er lieſs nemlich die Töppe nicht frey über die Erde hervorragen, ſondern * behäufte ſie mit Gartenerde. Die Folge hievon war, daſs die jungen Dornpflanzen nicht einen unregelmäſsigen Poll, ſondern mit drey ſchönen Sprößszlingen hervor- ſchoffen. Wir haben ſchon in dem Vorhergehenden gezeigt, daſs jeder vernünftige engliſche Landmann offenes und uneingefriedigtes Land als einen weſentlichen Fehler des Ackerbaus anſieht. Ein eingebhegter giebt dem Eigenthümer freyeres Schalten und Walten mit dem Lande, als ein nneingefriedigter. Er ift nicht genöthigt in Rückſicht auf die Beförderung der Erndre und Benuz- zung der Ausweide ſich nach ſeinen Nachbarn zu richten, und wird keinesweges von deſſen Vieh geplagt."Auſser | | 131 dies ſieht er ſeine gut zuſfammengewachſene lebendige Knicken um ſeinen Landbeſitz als einen Zufluchtsort für das Vieh, uud als eine Schutzwelbre ſür die Saat auf den Aeckern an. Die Engländer ſind nicht damit zufrieden, einen Je bendigen Zaun um ihren ganzen Landbeſitz zu ziehen, ſondern ſie theilen ihn in mehrere Felder oder Koppeln, welche wieder beſonders durch lebendige Zäune einge- friedigt ſind. Die Abſicht hierbey iſt, daſs fie ihre Kop» peln leichter überſehen können, mehr Weidegras fürs Vieh haben, mehr der Beſchwerlichkeit überhoben find ſolches zu turdern oder zu hüten, und endlich, daſs ſe auch Kotnfelder geſichert haben. Das, was man hauptſächlich gegen die lebendigen Zäune einwenden kann, iſt, daſs ſie einen anſehnlichen Platz einnehmen. Auf beyden Seiten der lebendigen Zäune muſs man einen breiten Streifen zum Graswuchs liegen laſſen, weil das Korn unter den lebendigen Hecken wegen des ſtarken Schattens, den ſie geben, nicht reif werden kann. Wie viel Platz die lebendigen Zäune und die erforderlichen Communicationswege zwiſchen den Koppeln wegnehmen, wird folgendes zuverläſsiges Ver- zeichniſs von einem engliſchen Hofe lehren, woraus man auch zugleich die Gröſse der Koppeln erſehen kann. Der Hof Bradfield- Combuſs in- Suffolk 325 Acres groſs. Eintheilung des Ackerlandes in Koppeln, welche mit lebendigen Zäunen eingehegt und von einem Landmeſſer vermeſſen ſind. Wirkliches Pflug- j24088 218 Kop- pen BER gung abgerech-= net iſt, Acre. Rood. Pole.|Acre. Rood. Yole, 16 421 20| 9=- Iii 124 19 FIEERN 2774 LT 2 Namen der Koppeln, Lower Field Nine Acres --- warn 132 FE wagt Pflug- m 7 land, vor 7: Namen der Koppeln. Größe gen Kop« Land 05 TEU» PEEP» gung abgerech- net iſt. Acre, Rood, Pole,| Acre, Kood. Pole, Spring" Melde: 6.2.5 6.04 u aw; Six Acres--- FADE 616 eme EE Broom Field= 8 2 35 8 are keitähet Calves Cloſe.= 6=- 35:45-- DEE Strack Field-- 2:52: 5 27062 2. Linen Park Field= g Z VG..1,8---- Burt Meadow oy Monck bield"4<= 1%== 47 112== Alms Houſe Lay-- IT%.- 29: IFX--=> Lodye Lay 7 11 13. v799:4:/9-- Bush Field-- gm 523 17--= Sixteen Acres= 261. 24.202000-= Fourteen Acres= 14 2 14|14----, Stony Land-- 14-2 13|14-“- Plowd Captains Lay 05.48 1:19--- Home Field-- 67 Kee 9.1.4 2- Stubborns-- S I 04 1:8 EE Nh Captains Lay: 1: A TIE 122 0--<= Calves Pigbtle-- 8 3 4V7---- Higher bield:>„AEN- NENE 1:9| 174--“-- Further Harlands"== 1:20 1E" 32.120 FE EIE Die übrigen Koppeln beſtehen entweder aus Wieſen oder Land, welches beſtändig zur Gräſung liegt, und ſind von derſelben Gröſse, wie die obenſtehenden. Aus dieſer Angabe der Gröſse der Koppeln auf ei- nem grofsen und gutcultivirten Hofe in England, den ich genau kenne, ſieht der Leſer, daſs die Engländer ihr Feld in viele Koppeln oder Felder theilen, und daſs ſie gar nichts von der Holſteiniſchen Koppelwirthſchaft oder dem Verfahren, das Feld eines Hofes. in 7, 9 oder 11 Schläge einzurheilen, eigentlich wiſſen, Nach der Na- zur der Holſteiniſchen Koppelwirthſchaft iſt man darzu genöthigt, einer gewiſſen beſtimmten Ordnung und Ab- wechslung zu folgen, und alle Felder eines Hofes gleich lang zum Kornbau anzuwenden, ſie mögen von einem 133 leichtern oder ſchwerern Boden ſeyn. Der Engländer theilt ſeinen Landbeſitz nach der Beſchaffenheit des Bo- dens ein, ſo daſs, ſobald der Boden abwechſelt, auch ei- ne neue Koppel anfängt. Auſserdies laſſen ſeine vielen Koppeln ihm freyere Hände, um mehrere davon mit Rü- ben, mit Pferdebohnen, Kartoffeln u. ſ. w. zu haben, ein Paar Koppeln mit Klee auszulegen, um darauf Ham- mel, Kälber und Ochſen fett zu gräſen, ja um ſelbſt auch noch den Böcken und Mutterſchaafen ihre beſondern Koppeln zu geben. Die Holſteiniſche Eintheilung in be- ſtimmte Koppeln, deren Anzahl fich wach der Beſchaffen» heit.des Bodens und der'hervorzubringenden'Menge Dün- gers richtet, verſtattet es nicht, daſs man einzelne Ton- nen Land zu einem beſondern Endzweck ablegt. Doch hat es, um freyere Hände zu bekommen. die Nothwen- digkeit dort gelehrt, von den Hauptkoppeln einige Ne- benkoppeln(Nebenſchläge) abzuſondern. Auf dem erwähnten Hofe nehmen die lebendigen Zäune um die Koppeln, und die nothwendigen Commu- nicationswege zu den"Koppeln ohngefähr 26 Acre WEB. Hat dies Land eine jährliche Abgabe von 5 r. PY- Acre, (ov wäre der jährliche Verluſt an 1301. Aber dieſer Ver- luſt wird, wie der engliſche Landmann behauptet, reich- lich durch die Feurung, welche die Knicken abwerfen, bey der geringen Mühe, die man nachher anwenden darf, wenn ſie einmal da ſind, wieder erſtattet. Jede andere Befriedigung würde, vermittelſt der jährlichen Reparation, weit koſtbarer werden, und Steinwälle wür- de man an den mehrſten Stellen nicht haben können. In den neuern Zeiten haben einzelne grofse und vermögende Gutsbefitzer ſich Mühe gegeben, ihren gan- zen Landbeſitz mit einer Holzung einzuſchließen, oder ihn gleichſam durch einen Gürtel von Bäumen zu. beſchützen. Solche Holzpflanzungen ſind angelegt, w9 das Feld eines Hofes in einer ſehr ſandigren Gegend ge- gen alle Windſtriche offen, oder aul einer Küſte gegen erm mme de SIGE, Me 134 die See zu liegt.- Ein ſolcher Holzgürtel iſt an ſolchen Stellen überaus nützlich, beſonders in England, wo man das Vieh faſt den ganzen Winter hindurch auf dem Felde gehen läſst, ſo bald nur der Boden von Schnee frey iſt. Herr Coke zuHolkham in Norfolk hat eine ſolche Holzplantage angelegt. Sein Plan iſt, ſeinen Park und ſein Feld,' welche zuſammen auf 3009 Acte enthalten, ganz mit Holz zu umgeben. Er giebt ſich Mühe, beydes Ober- und. Unterholz zu ziehen. In den drey erſten Jahren, nachdem er die Bäume gepflanzt hat, erlaubt er es den Armen, zwiſchen den Reihen dieſer Bäume Kar- toſfeln zu legen. Hierbey gewinnt die Plantage, ſie wird nemlich: bey dieſer Gelegenheit bedüngt und ſorg- fältig von Unkräutern gereinigt. Eben- ſo wie Coke hat auch Herr Vindham zu Felbrigg ſeinen Hof und ſein Feld mit einer Holzung eingeſchloſſen, welche beydes zur Pracht und zam Schutze gegen die Windltöſse von der See her dient. Die Bäume, welche zu Nutzholz beſtimmt ſind, find nach der Schnur zwölf. Faſs von einander gepflanzt. Im Unterholz haben die Bäume nur einen Abſtand von einander von vier Fuſs, vnd find gröfstentheils aus Saamen gezogen. Sowohl das Unter- als Oberholz ſtand in einem üppigen Wachsthum. Der Eigenthümer gab hievon als Urſache an,'daſs. er das Land ein Jahr hatte Brach liegen laſſen, ehe es beſäet worden, in welcher es mit einer Heerde Schaafe ge- pfercht worden wäre, Die vollkommenite und älteſte von dergleichen Anla» gen fand ich auf Herrn' Galvays Hofe bey Thetford. Sein ganzer Landbeſitz war mit einem Holzgürtel eine- ſchloffen, deſſen Breite 66 Yards, ohngefähr 200 Fuſs, und deſſen Umkreis 9 engliſche Meilen war. Sein Ver- weſer batte dieſe Anlnge angefangen und vollendet, weil der Hof ſo auſserordentlich offen lag, und der Gefahr ausgeſetzt war, von dem darau gränzenden Flugſande zu leiden, Die Anlage nahm 1770 ihren Anfang, und I35 wurde 1778 vollendet. Die Unkoften von dieſer Plan- tage oder Holzanlage beliefen ſich auf 8 P. St.,'40 r. pt. Acre, und der nunmehrige Werth der Bäume wurde zu 50, PS: 4259 r.) pr. Acre angeſchlagen.. Es waren Bäume von allen Sorten, doch am häufigſten die Föhre und Lerche. Wenige Landwirthe in England haben wit gröſzerm Eifer, Geſchmack und Glück Holzungen angelegt, als der Herzog von Portland auf ſeinem Gute in Mot- tinghamſhire. Die Lage der Hoffelder iſt ſehr roman- tiſch. Es iſt eine, Kette von Hügeln und Thälern, und es ſcheint, als wenn die Natur das Ganze zu einer HolzZ- anlage beſtimmt hätte, um ſo mebr, da der Boden gran- dig und zu Kornland nicht eben ſehr geſchickt ilt. Der wichtigſte Theil der Anlage des Herzogs beſteht aus Eichen, welche erſt in einer? Pflanzſchule aufgezogen, und darauf verſetzt worden ſind. Sobald. diejungen Ei- chen ſich über der Erde ſehen laſſen, werden ſie ſorgfäl- ig vom Unkraut gereinigt, und da, wo ſie zu nahe an einander ſtehen, gelichtet; welches, da der Saame mit der Säemaſchiene geſäet worden iſt, geſchieht, wenn die Töppe in den beyden nächſten Reihen fich einander be- rühren.« Man zieht dann jede zweyte Reihe auf, wo- durch die Zurückbleibenden mehr Platz gewinnen. Die- ſe bleiben nun ſo lange ſtehen, bis ße ſich mitihren Pol- len berühren, das heiſst, bis fie ohngefähr 5 Fuſs hoch, und geſchickt ſind, verſetzt zu werden. Sie werden mit einer groſsen-Behutſamkeit auf folgende Art aufgenom- men. Man pflügt mit einem groſzen Waſſerpfluge längs den Beeten, und löſt miteinem Spaten die Erde los, ſo daſs die ganze Reihe mit der Erde herausgehoben wird. Um die junge Eiche wieder einzuſenken, wird kein Loch in die Erde gegraben, ſondern man pflügt mit einem Waſſerpfluge, der von Pferden gezogen wird, 12 Fuſs tief, und theilt dieſes tief gepflügte Land darauf in ver- ſchiedene Quartiere ein. 136 Dieſe Eintheilung in Quartire, die geſchmackvol- leſte Miſchung von Bäumen aller Art in unregelmäſsige Gehölze hingeworfen, erhöhen und verſchönern die gan- ze Anlage. Dieſe neue Holzanlagen in dem Park des Herzogs dehnen fich längs auf den Anläufen der Hügel aus, und bilden hier Bögen, die in der Mitte dreybun- dert, gegen die Enden kaum dreiſsig bis vierzig Fuſs breit find, und fich in anſtoſzende Holzungen verlieren. Von dem Gipfel der Hügel hat man eine freye Ausficht über die Holzanlage und über die Thäier, die nicht mit Holz bepflanzt ſind. Hin und wieder finden ſich Holzgruppen von der Ceder von Libanon, die in den engliſchen Parks zu einer vorzüglichen Höhe und Dicke heranwachſen. An den Auſsenſeiren befinden fich Gebüſche von ewig grünenden Holzärten. Die Verſetzung der Eichen in die Holzanlage ge- ſchieht im Winter, und muſs zu Ausgang Februars oder im Anfange des Märzmonaths beendigt ſeyn. Sie wer- den zuerſt ſehr dichte auf einander geſetzt, und zum Schutze diefer jungen Eichen werden darneben'noch junge Birken gepflanzt. Föhren und'andere Nadelholz- arten wählt man nicht hiezu, weil die Eichen unter dieſen nicht'gedeyen. So wie die Eichen heranwachſen, werden ſie gelich- fet.„Stehen ſie zu dichte, ſo haut man die niedrigen Zweige der Birken ab, damit ſie die Eichen nicht beſchä- digen, und ebenfalls auch die todten Zweige an den Ei- chen, Die Eigenbäume läſst man in den erſten 59 Jah- ren nahe zuſammenwachſen, wodurch ſie genöthigr wer den in die Höhe zu ſchieſgen, da fie immer von ſelbſt in der Dicke zunehmen. Mit ihren Eichen haben ſie viel Glück. Eine Eiche von 21jährigem Alter war 25 Fuſs hoch, und hielt 18 Zoll im Umkreiſe. Eine andere Ei- che, 50 Jahre alt, war über 60 Fuſs hoch und hielt 3 Fuſs um den Stamm, Beſonders war daſelbſt eine Eiche merk- würdig, die man Green Dale Oak nennt. Im Jahre 137 1724 wurde] durch den Stamm dieſes Baumes ein Loch von der iGrößse gebohrt, daſs eine Kutſche hindarchfah- ren konnte. Gleichwohl wuchs der Baum noch, und trug ſchöne Eicheln, obſchon er jene gewaltſame Behandlung hatte ausſtehen müſſen. Veberhaupt iſt es bey dieſen Holzanlagen etwas We- ſentliches, daſs der Boden vorher gut behandelt wird, beſonders da, wo er ſandigt iſt, Sowohl in den Planta- gen, als auch auf den Stellen in den Holzanlagen, wo- hin die jungen'Bäume verſetzt werden ſollten, wurde der Boden vorher tief gepflügt, gleichſam rejolt, und von 18 bis 27 Tonnen pr. Acre mit Kalk bedüngt. Dann wurden Rüben darauf geſäet oder Kohl gepflanzt, wel- che in dieſer Kalkdüngung ausnehmend wuchſen, und im Herbſte auf dem Felde mit den Schaafen verfüttert werden. Sobald dies geſchehen, wurde das Land wie- der gepflügt und der Holzſaamen mit der Säemaſchine ausgeſäet.“ Durch dieſe gute Behandlung erhält der ſan- digte Boden mehr Feſtigkeit, wird ſchwerer, zuſammen- hängender und geſchickter, eine gute Grasnarbe hervor zu bringen, welche ſelir darzu beyträgt, die Wurzeln der jungen Pflanzeit zu befeſtigen und ihay einen gewiſ- ſen Schutz zu geben. WVeberdies liebt die junge Pflanze es ſehr, zwiſchen holiem Graſe zu ſtehen, oder auf Plätzen, die mit Farnkraut bedeckt find. Der Herzog von Newcaſtle hat auf ſeinem Hofe Clumber in der Grafſchaft Nottingham eine bedeutende Holzpflanzung auf einer ſandigen Heide angelegt, Er bat die Erdraſen,'da, wo die Heide ſehr dichte ſtand, verbiennen laſſen, und daſelbſt Sommerſaaten, nemlich zuerſt Hafer oder Gerſte, und dann Rüben geſäet. Die Rüben wurden im Frühjahr mit den Schaafen auf dem Felde verfüttert, und bald darauf das Fand zwey Mahl 12 bis' 16 Zoll tief da,'wo der Boden'es zulieſs, ge- pflügt. Wie!dieſe Holzanlage zu Srande"gebracht iſt, will ich hier nicht weitläuftiger aus einander ſetzen, weil | |" | 138 ſich ſchon hierüber eine umſtändliche Beſchreibung. von dem Holzinſpector des Herzogs Herrn Marſon in Youngs Annalen Vol. 23. pag. 473. befindet. In den grofsen Moorſtrecken am Fluſſe Little Ouſe an der Gränze von Cambridſhire und Suffolk habe ich ebenfalls dieſe Idee ausgeführt gefunden, ſeinen Land- beſitz mit einem Holzgürtel einzuſchlieſzen. Herr Ro- bertſon, ein ſehr geſchickter Landwirth, hat in dieſen Moorſtrecken einen Meyerhof angelegt, und zum Schutz gegen die Winde eine dichte Einfriedigang von Bäumen und Gebüſchen um die Felder ſeines Hofes gezogen. Die Bäume aller Art, beſonders aber die Hiefern, Föhren und Lerchen waren in kurzer Zeit zu einer anſehnlichen Höhe hinangewachſen, und in dieſem moorigten Boden beſonders gut gediehen. Wo die Einfriedigungen gebräuchlich ſind, muſs der Landmann für Waſſerſtellen im Felde Sorge tragen, um das Vieh daraus zu tränken, Es würde zu beſchwer- lich ſeyn, das Vieh täglich zur Waſſerſtelle auf den Hof, oder auf eine entfernt liegende Koppel zu führen. Die- ſes kann nicht geſchehen, es wäre denn, daſs man das Vieh getüdert hätte. Da die Engländer aber ihr Vieh nicht tüdern, ſondern es frey in den Koppeln herum ge- hen laſſen, ſo müſſen ſie auch auf Tränkſtellen bedacht ſeyn. In der Grafſchaft Surry und Kent, wo es ſehr bergigt iſt, macht man ſehr gute künſtliche Tränk- ſtellen aus Kreideſteinen, die man feſt zuſammen- ſtöſst. In Norfolk hat man fie vorhin aus Mergel ge- macht. Im ſteifen Leemboden, wo der Leem ſehr tief liegt, kommen dergleichen Waſſerſtellen am wenisſten koltbar zu ſtehen. Es iſt leicht, eine Tränkſtelle aus Leem zu machen, und eine ſolche Stelle hälr das Waſſer ſehr gut, wenn ſie beſtändig angefüllt ik; iſt Ge aber einmal trocken, ſo 159 hält'ße nachher das Waſſer nicht mehr. Die Urſache hievon iſt, daſs der Leem in ſtarker Dürre, wenn das Wäſſer im Baſſin abnimmt, berſter. Auch wird der Leem von Würmern durchgebohrt, wodurch der Baſlin einem Filtrir ähnlich wird, und die gute Eigenſchaft das Waſ- ſer zu halten verlohren geht.| Um es zu verhindern, daſs das Waſſer nicht durch den Leem dringt, legt man unterm Leem eine dünne La- ge Kalk, hierüber eine Lage Erde, darüber wieder eine Bedeckung von Steinen, und zwar dieſe in einer doppel- ten Abſicht, um nemlich den Leem zu bewahren, daſs er nicht von der Hitze austrockne, und auch das Vieh zu verhindern, den Leem durch ihr Trampen zu beſchädigen. In der Grafſchaft York findet man an manchen Stel- len gut angelegte Waſſerſtellen. Sie werden von Leuten gegraben, deren Handwerk darin beſteht, Brunnen und Fiſchbehälter zu graben. Wo die Gegend aus einer Ab- wechſelung von Bergen und Thälern beſteht, wird das Zaſlin etwas vom Thale entfernt gegraben, von welchem herunter nach der Waſſerſtelle oder Reſervoir ein Waſſer graben gezogen wird. Auf dem Ablaufe des Hügels her- unter werden Furchen bis an das Baſſin gezogen, welche nach oben zu ganz flach find, um das Waſſer aufzuneh- men und“nach unten zu tiefer werden, um deſto beſſer das Waſſer zu halten und fortzuführen. Wo der Abhang des Hügels gegen das Thalhin ſteil iſt,iſt es beſſer den Furchen einige Krümmungen zu geben. Man gräbt gerne oben vor der Tränkftelle ein anſehnliches Baſſin, damit das Waſſer, welches darans in die Tränkftelle her- unter geleitet wird, da alle Arten Unreißlichkeiten ab- ſetzen kann. Die Made, welche die Waſſerſtelle unrein machen würde, wird nun zuerſt aus dem oben gegrabe- Baſlin weggenommen. Die Waſſerſtellen ſind in England nicht ſehr tief, und haben die Form eines Beckens. Wenn ſie demnach 60 Faſs im Durchmeſſer halten ſoll, ſo giebt man ihr eine * SEm EE 140 Tiefe von 7 Fuſs. Iſt fie nur'40 Fuſs breit, ſo iſt die gewöhnliche Tiefe 5 Fuſs. Ein Reſervoir von 66 Fuſs Durchmeſſer, und einer Tiefe von 7 Fuſs, hält ohnge- fähr 700 Oxhoft Waſſer.. Ein Reſervoir von 40 Fuſs Durchmeſſer und 4 Faſs Tiefe hält.200 Oxhoft. Beym Graben ſolcher Waſſerſtellen werden die Sei- ten abnivelirt und Pfähle eingeſchlagen, welche den Rand des Waſſerbeckens angeben, und auſserdem die Tiefe und Richtung der Waſſerrennen von dem obenlie- genden Waſſerbaſlin beſtimmen. Iſt die Lage einer Waſ- ſerſtelle abſchüllig, ſo legt man. die ausgegrabene Erde auf den niedrigliegenden Rand, Kalk wird überall gebraucht, um die Würmer vom Durchbohren der Leemlage abzuhalten.. Die Menge hie- von wird nach der Beſchaffenheit des Bodens beſtimmt. Eine fette Stauberde, die allezeit voll von Würmern iſt, erfordert den mehrlten Kalk, und da keine Sorte Erde ganz. frey von Würmern iſt, ſo iſt es allezeit zuträglich Kalk zu gebrauchen, und zwar nicht zu ſparſam. Der Kalk wird mir einem Spaten oder einer Schaufel über die Erde ausgebreitet, und ohngefähr einen halben Zoll dick gelegt. Zu einem Baſſin von 40 Fuſs im Durchmelſ- ſer, wird in England ein halbes Chaldron, ohngefähr 36 Schip, gebraucht. Die dickſte Lage Kalk wird unterm Leem gelegt. Einige Schippe werden um den Rand ge- legt. Einige Schippe werden um den Rand geſtreut, um die Würmer zu verhindern fich in den Leem zu graben. Die neueſte nun gebräuchliche und auch unſtreitig die vollkommenſte Methode in England iſt dieſe, daſs man den Kalk, ſtatt ihn wie Staub zu ſtreuen, mit Sand ſchlägt und ihn einen Zoll dick unter und über dem Leem bis zum Rand legt. Ein ſolches Cement widerſteht beſ- ſer dem Anfalle der Würmer. Zu einer Waſſerſtelle von 90 Faſs im Durchmeſſer werden ohngefähr 20 Tonnen Kalk und fünf Fuder Sand erfordert. T:41 Die Dicke der Leemlage iſt in ihrem eben geſtampf- ten Zuſtande 5 bis 6 Zoll, und, wenn ſie zuſammenge ſtoſsen iſt, 3 Zoll. Bey Legung des Leems fangen die Arbeiter am Boden in der Mitte des Baſſins an, und le- gen eine Lage nach der andern, bis fßie ſich dem Rande nähern. Die Arbeiter müſſen darauf ſehen, daſs keine Unreinlichkeit, Stroh u. dgl. ſich zwiſchen dem Leem miſcht, und ebenfalls auch darauf, daſs der kalk eben gelegt wird, Die oberſte Lage beſteht aus Erde, welche darzu dient, beydes den ſchädlichen Einfluſs der Würmer auf den Leem zu verhindern, als auch um Steine darein zu legen. Die Dieke der Erdlage richter fich nach der Gröſse der Steine. Die Erde, welche man biezu wählt, muſs keine ferte Gartenerde, ſondern ganz trocken und unfruchtbar ſeyn, damit.man nicht befürchten darf, daſs ſie Rietgras und anderes Uvkraut bervor bringt. Die Steine liegen los an einander in der Erde, die ſo dick ſeyn muſs, daſs fie die untenliegende Leemlage nicht berühren, wenn man die Waſſerſtellen ſo mitSteinen in einem Cement, von Kalk und Sand gelegt, auspflaſtert, ſo wer- den ſich gewiſs keine Würmer in der Erde und der ober- ſten Kante des Leems einfinden, wenn der Waſſerſtelle es auch an Waſſer mangelt. Es wird dieſes ferner dem Wachsrhume des Unkrauts vorbeugen, und, wenn man die Waſſerſtelle reinigen will, einen feſten Boden abge- ben, um darauf zu arbeiten. Gegen ein feſtes Paviment kann eingewendet werden, daſs es das Vieh verleiten wird, im warmen Werter mitten in die Waſſerſtelle zu geben, und da zu ſtehen, um fich abzukühlen. Dadurch würde das Waſſer unrein, das Steinpflaſter vertreten, und die Leemlage mit der Zeit beſchädigt werden. Die ſcharfen Steine halten ſonſt Vieb und Pferde ab, weiter als an die Kanten zu gehen. Wenn man groſse breite Steine zu einer Steinbrücke wählt, fallen die angeführten Beſchwer- den gröſstentheils weg. Unter allen Umſtänden müſſen die Zugänge, zu den Waſſerſtellen einen ſchrägen Fall ha- ben, und mit Raſen bedeckt ſeyn, damit das Vieh das Waſſer erreichen kann, ohne in Made und Unflath zu :reten, und ohne den Rand der Waſſerſtelle zu beichädi- gen, oder die Steine loszutreten. Der Herbſt wird als die bequemſte Zeit zu Anlegung der Tränkſtellen angeſehen, weil beydes Hirze und Käl- te gleich ſchädlich ſind. Auſserdies kann man zu der Jahrszeit hinlängliches Regenwaſſer erwarten, ehe ſich noch der Winter einfindet. Einer Decke von Stroh über die Steine bedient man ſich gewöhnlich gegen ſtarke Hirze und Kälte, wenn die Waſſerſtelle entweder im Winter oder im Sommer angelegt wird. Wird die Tränkſtelle auf einer Schräge gegraben, wo die niedrige Seite mit loſer Erde aufgefüllt werden muſs, ſo muſs die Erde ſich eine Zeitlang zuſammen ſen- ken. Bedeckt man die herangefahrne Erde zu geſchwind mit dem angeſührten Ueberzug aus Leem und Kalk u.ſ[.w. ſo ſetzt die Erdlage ſich nabher nicht, wenn jeuer zu Stande gebracht wird» der Leem bricht alsdann, und Ar- beiten und Unkoſten ſind umſonſt. Herr Marshall hat in ſeiner Beſchreibung über den Ackerbau in der Grafſchaft York folgenden VUeberſchlag über die Unkoſten gemacht: Zehn Pfand Sterling ift die gewöhnliche Ausgabe an Arbeiter, um ein Baſfin von 60 Fuſs im Durchmeſſer auszugraben und mit Leem zu bedecken. Der Eigenthümer liefert die Materialien, läſst ſie herbeyfahren, und bezahlt auſserdem noch alle Extraarbeiten. Für ein Waſſerbaſlin von 36 Fuſs im Durchmeſſer hat man fünf Pfund bezahlt, wobey ein DYard 10 d. zu ſtehen kam. Die Arbeiter verdienten täglich 2 8. 6 d. Für ein Yard kann man 6 d.jd. i. 12 ſs, 7 für 9 Fuſs als den Mittelpreis anſehen. 143 Die benöthigte Quantität Leem zur'Veberziehung einer Waſſerſtelle kann ſo berechnet werden: Wenn das Waſſerbaſſin ſo weit fertig iſt, daſs es mit Leem belegt werden ſoll, multiplicire man die Dimenſion mit der halben Seite, welche vom Rande des Baſſins längs der Schräge bis zum Centrum gemeſſen wird. Ein Baſſin von 6o Fuſs im Durchmeſſer und 6 Fuſs Tiefe erfordert ohpgefähr 49 Fuder Leem und ein Chaldron Kalk.' HA P..0 2 Verbeſſerungen des Bodens. Abth. 31. Bedeckte Abzugsgräben. iter die wichtigſten Verbeſſerungen in der Acker- wirthſchaft, welche die letzten dreyſsig Jahre aufzuwei- ſen haben, gehört"beſonders auch die, das Land durch Waſſerrennegfig« welche unter der Erde fortlaufen, trocken zu machen. Die Grafſchaften Herford und Effex waren die erſten", welche mit Anlegung bedeckter Waſ- ſergräben den Anfang machten.. Jetzt hat man ſie in al- len Grafſchaften, beſonders aber im nördlichen England, ſo daſs es hier keinen geſchickten und wohlhabenden Landmann giebt, der. nicht nach Beſchaffenheit der Ge- gend jedes Jahr einige anlegt. Die bedeckten Waſler- gruben nehmen in England allgemein ſo zu, daſs man ſie in kurzer Zeit in einer wohleingerichteten Wirthſchaft für ſo nothwendig halten wird, als jetzt Einfriedigungen mit lebendigen Zäunen. Bedeckte-Waſſergräben legt man da an, wo der Bo- den ſehr von der Feuchtigkeit leider, oder wo dies Uebel ſeinen Urſprung daber hat, daſs die oberſte Erdlage von einer leichtern und poröſern iſt, und unter dieſer eine felte Leemlage liegt, welche die- obenliegende Erde ſchwammig erhält, oder wo die Feuchtigkeiten von ei- ner Quelle herrühren; hauptſächlich da, wo der Boden leemig und feucht, und von der Beſchaffenheit iſt, daſs er im Winter'der niedrigſten gleicht, die ſich leicht durchtreten läſst; im Frühling dagegen ſo naſs iſt, daſs 145 er nicht gepflügt werden, und, wenn er gepflügt wird, die Furchen beſonders bey gewöhnlichen dürren'Oſtwins« den von(o feſter und bindender Natur Gnd, daſs man fie nicht anders als mit großer Mühe entzwey brechen kann, Dieſes Uebel, womit fich alle Landwirthe in Gegenden von einem leemigten und niedrigen Boden plagen, ente ſteht von dem überflüſsigen Waſſer, welches, wegen der nach unten zu liegenden Erdart, nicht in die Erde nie-« derlinken, oder wegen der Lage des Ackers nicht hin» reichenden“Abfluſs finden kann, Die offnen Waſſergraben und die ſogenannten Brach« graben haben die Unbequemlichkeit, daſs man ſie jähr- lich aufmachen oder reinigen muſs, und daſs ſie beym Pflügen und Eggen ſehr im Wege ſind. Bedeckte Ab- zugsgräben bey ihrer erſten Anlegyhg mehr als jene, aber ſie verlangen keine Aufficht, und leiden es, daſs man über ſie hinweg pflügt und eggt. Sie ſind immer im Stande die überflüſsigen ſchädlichen Feuchtigkeiten des Waſſers aufzunehmen und abzuleiteti. Bedeckte Waſſergräben verändern und verbeſſern die Natur des Bodens auf immer, ſie zeigen in dem Au- genblick ihre gute Wirkung und behalten ſie ſo lange bey, ſo lange die Waſſerrennen im' Stande ſind das Waſſer ab- zuleiten. Der Boden erhält.durch ſie die Beſchaffenheit, im Frühjahr zeitiger gepflügt zu werden, und iſt alsdann leichter zu' behandeln. Die wungeſunden Gragarten, welche ein ſumpfigter Boden hervör bringt; verſchwin- deh, und machen dem weiſen Klee und andern geſun- den und'nahrhafrern Pflanzen Platz» Das Korn wird er- giebiger und ſchwerer, als vorher, und der Landmann ſicherer in Hinſicht eines reichern Ertrags von ſeiner Ausſaat»; Es würde überflüfig ſeyn, wenn ich bier eine Be- ſchreibung von dem Gange, Fall.und Richtung bedeckter Abzugsgräben mittheilen wollte. Es verbält fich mit den» ſelben, wie mit den offenen, daſs man die Urſachen von K Tn den Feuchtigkeiten auffuchen und dahin ſehen muſs, mehrere Quellen mit einem einzigen Abzugsgraben ab- zuſchneiden. Greift man die Arbeit nicht recht an, wird dem Waſſer nicht gehöriger Fall und Ableitung gege- ben, ſo kann man ein Landſtück in die Kreuz und Quere durchgraben, ohne es trocken zu machen. Wir haben übrigens eine ganz vortreſfliche Anweiſung, den Acker auf eine vernünttige Weiſe trocken zu machen, von einem engliſchen Landmanne Namens Ekingron, und von dem Schotländer Anderſon, welche Methodeu Herr Olufsen bereits umſtändlich in ſeinen Annalen beſchrie- ben hat.*) Ich halte es für wichtiger, hier von der Art und Wei- ſe, wie ſie angelegt werden/ und von den damit verbun- denen Unkoſten etwas zu ſagen, Sobald man beſtimmt hat, welche Richtung die Abzugsgräben nach dem Ab- hang der Koppeln und nach dem Auffange des Waſſers in die offenen Waſſergräben(worzu man ſich gerne der Grä- ben längs den Zäunen bedient, wenn die Umſtände nicht mehrere verlangen,) nehmen ſoll, ſo zieht man mit ei- nem Waflerpflog oder gewöhnlichen Pflug hin und wieder zurück, ſo tiefe Furchen, als nur immer möglich iſt, Darauf greift man zum Spaten und vollendet damit die übrige Arbeit. Vor zwanzig Jahren ohngefähr er- fand ein gewiſſer Makins einen Pflug, wofür er von the Society of Arts mit einer Prämie belohnt wurde, womit ſolche Waſſerrinnen gezogen werden ſollten, Mit. die- ſem Pflug haben verſchiedene Landwirrhe Verſuche an- geſtellt, ihn aber nicht vortheilhaft gefunden, daher man ſich noch bis zetzt bloſs des Spatens bedient. Die Gräben haben zwey bis vier Fuſs Tiefe; einige wollen 26, andere dagegen 30 Zoll für die paſſende Tie- fe gehalten wiſſen,: Nach oben zu ſind die Gräben nicht breiter, als erforderlich iſt für die Graber, nemlich nicht 6 3) Olufsen oekonomiske Annalen Iter B, S, 3 und 190. 147 über zwey Fuſs; im Grunde aber ſo ſchmahl als möglich, je ſchmähler, deſto beſſer. Zwey Zoll hält man für die paſſendſte Breite, obgleich man ſie in einigen Grafſchaf- ten doch auch vier bis ſünf Zoll breit findet. Sobald die Gräben geöfner ſind, und man bemerkt, daſs ſie den zum Ableiten des Waflers erforderlichen Fall haben, uvemlich einen Zoll auf jede zwanzig Fuſs; ſo werden fie mit Stei- hen oder mit Zweigen angefüllt. Oben auf die Steine oder Zweige wird Stroh gelegt, und dieſes mit Erde und Raſen bedeckt. In einigen Grafſchaften bedient man fich hierzu der Sreine, in andern der Zweige, und jede ems pfiehlt ihr Verfahren als das beſte. Doch hat die Erfah- rung hier dem, der mit beyden Verſuche angeſtellt hat, gelehrt, daſs Steine nicht ſo dienlich find, weil die Er- de ſich mit der Zeit um die Steine ſo feſt ſerzt, daſs ſie das Waſſer nicht mehr frey dorchdringen läſst. Dies kann aber bey den Zweigen nicht der Fall ſeyn, ſondern dieſe laſſen das Waſſer ſtets ungeſtört durch. Wenn man hiezu friſches Holz von weicher Natur, wie Erlen und Weiden wählt, ſo können ſie viele Jahre im guten Stan- de bleiben, Veberhaupt köntien bedeckte Waſſergräben nach'der Güte der Materialien und der Beſchaffenheit der darauf verwandten Arbeit eine kürzere und längere Zeit brauchbar bleiben. Gewöhütlich rechnet der Landwirt darauf, daſs die, welche mit Zweigen ausgelegt ſind, an zwanzig Jahre dauren. Man hat Beyſpiele, daſs ſie über dreyſsig Jabre ausgehalten haben, Wo bedeckte Waſ- fergräben ſich in einen offenen Quergraben endigen, muſs man allezeit darauf ſehen, daſs jene am Ende mit Zweigen gefällt werden; welche etwas in den Quergrä- ben hervorragen müſſen, damit ſie nicht beym Auzslauf von Erde und andern Unreinlichkeiten verſtopft werden. Bemerkt man Letzteres, ſo muſs man ſie mit einer Stange, die man in die-Renne ſtöſst, reinigen. Wie weit die bedeckten Waſſerläufe durchgebends von einander entfernt Yortrlaufen müſſen, kann und muſs RZ EE umme Nl ÄT. PER Mee we 0 == em 143 nach der geringern und ſtärkern Feuchtigkeit des Bodens beſtimmt werden. Gewöhnlich drey, vier bis fünf Fa- den. Es wäre unvernünftig, hierin ſparſam zu ſeyn, und dea Abſtand zu groſs zu machen. Tab. 1. ſtellt einen bedeckten Abzugsgraben nebſt der zur Anlegung deſſelben benöthigten» Werkzeuge dar. Fig. I. Den Spaten, welchen man zum Aufmachen des Grabens gebraucht. Die Länge des Spatenblatts iſt-- 13-Zollt Die Breite deſſelben nach oben<= 7- Die Breite deſſelben nach unten-=- Pe ) Fig. 2. Den Spaten, deſſen man fich bedient, wenn der Graben nach dem Boden zu ſchwahler wird. An dem Schafte des Spatens iſt ein Stück Eiſen befeſtigt, worauf der Arbeiter treten kann, wenn er mit dem Graben tiefer hinunter kömmt. Die Länge des Spatenblatts iſt-- 13 Zoll. Die Breite oben---.. ME Die Breite unten---- IX= Fig. 3. Eine Schaufel, den Graben zu reinigen und die Erde vom Boden des Grabens aufzunehmen, Die Schaufel iſt 13 Zoll lang, 13 Zoll breit und ausgehölt wie eine Dachrenne. Fig. 4: Einen bedeckten Abzugsgraben mitSteinen ausgefüllt, die gröſsten nach unten, und die kleinern oben. Er iſt im Grunde, wo das Waſſer fortläuft, nur zwey Zoll breit, damit die Füllung von Steinen oder Zweigen nicht zu tief hinunter ſinken oder von Pferden und andern Kreaturen hinynter getreten werden ſoll. Die Bedeckung von Erde macht wohl ohngefähr einen Fuſs aus. Werden ſolche Abzugsgräben auf einem Felde angelegt, das beſtändig zur Graſung dient, ſo darf die Bedeckung von Erde nicht ſo dicke ſeyn. Sobald die Erndte vorbey iſt, nach Michaelis nem- lich, fängt der Landmann an, ſeine Abzugsgräben zu gra- 149 ben. Der Boden iſt zu der Zeit beſonders trocken. Ei- nige graben ſie im Winter, welches aber weit beſchwer- licher iſt. Die Unkoſten ſind daher gegen den Nutzen, den fie ftifren, nicht groſs, Pächter legen ſie aber nur auf eigene Unkoſten an, wenn ſie die Pacht auf eine ge- wiſſe lange Zeit, zum Beyſpiel auf 14, 19 und 21 Jahre, behalten. Trägt der Eigenthümer die Unkoſten davon, ſo erlegt der Pächter eine größere Abgabe. Nachdem ich hier eine Beſchreibung über bedeckte Abzugsgräben, ſo wie ich lie in jenem Lande angetroffen, mitgetheilt habe, ſo glaube ich, daſs es dem Leſer nicht unangenehm ſeyn wird, die Gedanken eines geſchickten engliſchen Landmanns hierüber zu vernehmen. James Young Esq. of Clare in der Grafſchaft Suffolk giebt folgende BeRir eiue über das Verfahren bedeckre Abzugsgräben anzulegen,*) „Als ich neulich das Vergnügen hatte mich mit ih- nen zu unterhalten, haben ihre Anträge mich dahin be- wogen, ihnen mein Verfahren, das ich mehrere Jahre hindurch beobachtet habe, die Aecker trocken zu ma» chen, mitzutheilen. Es würde von geringem Nurzen ſeyn, wenn ich ih- nen alle die Fehler und verunglückten Verſuche erzählen wollte, welche mir bey meinen erſten Unternehmungen begegneten; dagegen kann es hinreichend ſeyn, jihnen zu ſagen, daſs ich mit dem gegenwärtigen Verfahren, den Boden des Ackers trocken zu machen, Zufrieden bin, und daſs ich mich beſtrebe dieſes bier ſo deutlich aus ein- ander zu ſetzen, daſs jeder Landwirth es begreifen kann. Mein innigſter Wunſch geht dahin, die Furcht für die Gröſßse der Unkoſten zu entfernen, welche ſo manchen von der Austrocknung ſeiner Felder abgehalten bat, und den Landwirth auf dieſelben Gedanken zu bringen, die ich gegenwärtig hege. Ich weiſs es aus eigener Erfah- *) Gen, View of the agriculture of Suffolk. Lond, 1797« 150 rung, daſs von allen Grundverbeſſerungen die Austrock« nung des Bodens die am wenigſten koſtbarſte iſt, und die ſich am erſten wieder bezahlt, und am längſten dauert. Ich habe ein Feld, welches im Winter ſo naſs und ſumpfig zu ſeyn pflegte, daſs es nicht einmahl ein Schaaf tr;gen konnte. Ich machte es trocken, braachte es und befäete es ohne vorher zu-bedüngen mit Weitzen, und hatte eine ſo reiche Erndte, daſs ſie die Hälfte des Ackers werth war. Mitten im April, da gerade viel Regen fiel, ſäete ich eine Koppel von ſechs Acre nach, welche ich im No- vember 1773 durch bedeckte Abzugsgräben trocken ge macht hatte, und hatte die Zufriedenheit, daſs alle Gra- ben bis auf einen das Wailer fortführten. Ich unterſtehe mich nicht, es zu beſtimmen, welche Erdart bey der Austrocknung am meiſten gewinnen wird, Meinen Gedanken nach giebt es keine Sorte leemigten Bodens, der nicht viel dabey gewinnt, beſonders wo ſich vieler Pferdeſchwanz oder Kannenkraut(equiſetum arven- ſe) findet. Wo der Landmann dieſes Kraut ſindet, kann er ziemlich ſicher ſeyn, daſs der erſte Ertrag die Unko+ ſten eſtattet. Ich halte es nicht für richtig, die Gräben an einem Abhang gerade herunter zu ziehen, um das Waſſer in die Gräben zu ziehen, ſondern ganz in die Quere mit einem mäſsigen Fall. Einige Koppeln haben die Lage, daſs die bedeckten Abzugsgräben bedeckt ſeyn müſſen. Ich ſtre« be aber doch dahin, fie ſo weit als möglich offen zu ha- ben. Ebenfalls ſorge ich dafür, daſs die bedeckten Waſ- ſergräben frey und unabhängig ſind, und gehe hierin ſo weit, daſs ich in der Hinſicht offne Ableitungsgräben habe. ziehen laſſen.*) *) Leibmedicus A. Thaer hat dieſes in ſeiner Einleitung zur Kenntniſs der engliſchen Landwirthſchaft 8, 260 durch eine Figur erläutert, 151 Wenn ich den Lauf der Gräben im Felde und zwar gewöhnlich ayf 20 Fuſs Abſtand abgeſteckt habe.» Ziehe ich mir einem gemeinem Pfluge ohne Räder zwey Fur- chen funfzebn Zoll breit, und laſſe einem Rücken in der Mitre. Darauf ſchneide ich dieſen Rücken mit einem ſtarken Pfluge mit doppeltem Streichbret, welchen ich zu dieſer Arbeit habe verfertigen laſſen, durch. Dieſer Pflug macht eine reine Furche von 14 bis 15 Zoll Tiefe. Wo der Boden es verlangt, da laſſeich bey dem zweyten Pflügen den Pflug bis zu einer Tiefe von 10 bis 20 Zoll hinunter. Nun bediene ich mich des beym Gräbengraben gebräuchlichen Spatens, und grabe damit den Graben an funfzehn Fuſs tief, und ſo ſchmal als möglich. Dies iſt für mich eine unveränderliche Regel, daſs ich dem Mann, der denſGraben gräbt, denſelben niemals eher füllen laſſe, bis ich entweder ſelbſt oder mein Ver- walter ihn unterſucht hat. Dann erſt wird er wit fri» ſchem Weitzenſtroh*) vom letzten Jahrwuchs gefüllt, und ein Paar gleich groſse Zweige werden, um das Ver- ſtopfen zu verhindern, am Ausfluſſe hingelegt. Zuletzt wird die Grube durch meinen gewöhnlichen Pflug mit Ak- kererde zugedeckt, und zwar ſo, daſs ich mit dem'Pflu- ge die nahe liegenden Raſenfurchen dahin aufwälze. Die todte Erde, welche mit dem Spaten herausgegraben, wird über das Feld augeinander geworfen, und nicht zur Fül« lung gebraucht, Die Waſſergräben haben keinen Nutzen davon, wenn ſie lange offen' liegen, weil; ie von der Näſſe und vom Froſte leiden. Bey mir weiden fie noch an demſelben Tage gefüllt, an dem ſie gegraben werden. Ich bezahle für das Graben der Gräben I S. 6 d. und für das Ausfüllen mit Weitzenſtroh 4 d. pr. 20 Rods, ohne Bier an die Arbeiter,(dies macht für Graben und Aug- X) Weitzenſtroh ſchickt ſich hauptſächlich zu dieſem Gebrauch und hält viele Jahre aus; ich habe einen Graben, gefüllt mit Weitzenſtroh geſehen, der über 30 Jabre ausgehalten hatte, 152 füllen 44 ſs. für 75 Faden.) Ein Arbeitsmann, der gewöhnt iſt ſie zu graben, kann, wenn der Boden nicht ſteinigr iſt, in einem Tage 23 bis 24 Rods, d. i. 76 bis 80 Faden vollenden. Die Unkoſten vom Graben und Füllen ſolcher be- deckter Gräben, werden ſich für den Landwirth pr. Acre belaufen: Das Mähen und Zafammenrechen der Weitzenſtoppeln auf einem Acre,*) welche gemeiniglich zur Füllung der Gräben auf einem Acre hin- Errädg reichend 1ind--=- 2-= Das Graben eines Grabens von 160 Rods(533 Faden)--. T32:-/ 449 Das Füllen mit Weitzenſtroh-- 278 Extraarbeit mit dem Spaten; eine Tagsarbeit für einen Mann=. 17% 44 19 4 Aus dieſer zuverläſsigen Berechnung erſieht man, daſs zur Austrocknug eines Acre durch bedeckte Waſſer» gräben ohngefähr 533 Faden Gräben, alſo zu einer Ton- ne Land geometriſches Maaſses 666 Faden Gräben er- fordert werden, Das Graben und Füllen der Gräben, nebſt der Extraarbeit, koſtete Herrn James Young 17 S. 44.4.0060 4001/45/MK./ pr.'6 Schpy Landes,"Die"Koſten von 8 Schp, Landes oder einer- Tonne geometriſches Maaſes 56,000[TFuſs werden ſich alſo ebenfalls auf 5 r. 2 Mk: 3 ſs. belaufen. Wil! man die Gräben mit Steinen ausfüllen, ſo hat man bloſs die Mühe, ſie auf dem Felde aufzuleſen, und'ſie in der Jahrszeit anfahren zu lalfen, wenn die Pferde am wenigſten zu thun haben. Will man fich der Zweige darzu bedienen, welches allerdings beſfler iſt, ſo nehme *) Um dies zu verſtehen, muſs man. wiſſen, daſs die Engländer den Weitzen ſchneiden, und nach der Erndte die hohe Stoppel abmähen und zur Streu verbrauchen, TI53 man die, welche abfallen, wenn Erlen und Weiden ge- köpſt werden. Der Werth derſelben ift nicht groſs, und ein Paar gute Fuder ſind zu einer Tonne Land hinrei« chend. Zum Gebrauch dts Weitzenſtrohs kann ich nicht rathen ,. weil ſolches bey uns nützlicher angewendet wer- den kann, Zar nähern Erklärung der' oben mitgetheilten Be- ſchreibung der„Waſſergräben vom Herrn James Younz, will ich noch ſeine Beantwortung einiger Fragen hinzu» fügen, welche man in Anleitung ſeiner Beſchreibung an ihn erlaſſen hat. Frage 1. Beendzweckten die erwähnten Fehler und verunglückten Verſuche tiefere Gräben oder ein Austül- len mit andern Materialien? Antwort. Die erwähnten Fehler und verunglückten Verſuche, die mir zuerſt begegneten, beſtanden darin, daſs ich die Gräben mit einem gar zu ſtarken Fall von den Abhängen herunterzog; daſs ich zu viele Gräben in einen Abführungsgraben leitete; daſs der Spaten, deſſen ich mich bediente, gegen das Ende“ zu zu breit warz daſs die Gräben nicht hinreichend tief gegraben wurden 3 daſs man'nicht Acht genug auf: das Graben und Ausfül. len der Gräben gegeben hatte. Ich habe zur Ausfüllung der Graben. niemals andere Materialien, als Weitzenſtroh, Stoppeln und /Zweige gebraucht. Er. 2. Es iſt des Leems und der Leemerde er- wähnt.=- Hat Herr Young eine Austrocknungsmethode in einem Boden verſucht, dellen;oberſte Schichte aus Leem beſteht? Bis zu welcher Tiefe liegt er im Allge» meinen auf ihrem Hofe? Antw. Ich weiſs kein Beyſpicl, daſs meine, Aus- trocknungsmethode in einem Boden, angewendet worden iſt, deſſen oberſte Lage aus Leem beſteht. Die oberſte Erdlage iſt bey mir. dicker als die Pflugfurche zu ſeyn pflegte. Fr. 3. Eine Erndte von Weitzen war gleich dem kür- 154? halben Werthe des Landes?== Hat Herr Young be- merkt, daſs der Boden, nachdem er begraben worden war, gleich darauf fruchtbarer geweſen iſt, als nach Verlauf voni einigen Jahren? Dergleichen Beobachtun- gen ſind an andern Orten gemacht worden. Die Frage iſt alſo, wenn es nemlich ſich ſo verhält, welchen Grund Herr Young hievon angiebt? „Antw. Dergleichen Beobachtungen liefern das kräf- tigſte Argument zum Vortheil bedeckter Waſſergräben, weil nach dem Verhältniffe, als die Waſſergräben ver- fallen und: unfruchtbar werden, der Boden ſeine vorige Natur und Beſchaffenheit wieder annimmt. Fr. 4. Wurden die Gräben in dem erwähnten Ak- ker von 6 Acre Landinhalt im Jahre 1773 mit Weitzen- ſtoppeln allein ausgefüllt? Antw. Einzig und allein mit Weitzenſtoppeln, aus- genommen die Ausläufe, wohin Waſen gelegt waren. Sie waren nemlich alle in einen offenen Abführungraben geleitet, welcher zu dem Ende quer vor jenen Gräben gezogen war, Fr. 5. Was verſtehen Sie unter Abführungsgraben? Einen bedeckten Waſſergraben oder den Graben am Zau- ne? Ziehen Herr Young mehrere Waſſergräben in einen Hauptabführungsgraben? Antw. Ich verſtehe unter einem Hauptabführungs- graben einen ſolchen, in welchen das Waſſer aus den be- deckten Abzugsgräben einzeln flieſst, Er kann bedeckt und auch offen ſeyn, wobey es auf die Lage deſſelben ankömmt. Oft können die Gräben längs den Zäunen zu dieſem Endzwecke dienen, Die Abführungsgräben dür- fen auch in der Hinſicht offen ſeyn, weil doch am Ende der Koppel» wo ein Fahrweg vonnöthen iſt, eine Brücke gebaut werden muſs. Mehrere Gräben in einen Hauptgraben, der ebenfalls bedeckt iſt, zu leiten, iſt in Anſehung des freyen Laufs des Waſſers mehrern Schwie- 155 rigkeiten ausgeſetzt, als wenn jene Gräben ihr Waſſer in einen offenen Graben ausgieſsen. Fr. 6, Wie viele Pferde ſpannen Sie vor den Pflug, wenn Sie funfzehn Zoll tief pflügen? Iſt es nothwendig, in den Leem hinunter zu pflügen? Nach Herrn Youngs Ausdruck ſcheint es, daſs die oberſte Erdlage wohl 18 bis 20 Zoll dort dick ſeyn kann; ſind die'bedeckten Waſ- ſergräben, dieſe mit inbegriffen, 30 Zoll tief? Antw.“ Ich habe niemals mehr als vier Pferde und gemeiniglich nur drey gebraucht, um tiefe Waſſerfurchen zu ziehen. Ich will nicht behaupten, daſs die oberſte Erdlage auf meinem Felde eben 18 bis 20 Zoll ſeyn ſoll- ten; ſondern„bloſs dies, daſs ich mich allezeit beſtrebt babe mit dem Pfluge den Leem zu erreichen, wenn ich auch noch ſo tief pflügen muſste. Mit dem Spaten, den man zu bedeckten Waſſergräben gebraucht, gräbt man al- lezeit 15 Zoll tief. Fr. 7. Wie lange kann Weitzenſtroh(Weitzenſtop- pel) dauren? Hart Herr Young zum zweyten Mahle ſein Feld austrocknen laſſen? Wenn ein alter bedeckter Waſ- ſergraben durchgeſtochen worden iſt, wie ſahe er aus? Vermodert die Weitzenſtoppel nach und nach, und packt der Leem ſich alsdann zuſammen? Oder laſſen die ver- moderten Weitzenſtoppeln dem Waſſer noch einen freyen Lauf? Iſt Weirtzenſtoppel die gewöhnliche, oder brau- chen andere Steine und Waſen zur Ausfüllung. Em=- phiehlt Herr Young dieſe Materialien bey gewiſſen Zu fällen? Antw. Ich habe keine Gelegenheit dazu gehabt, um es mit Gewiſsheit zu beſtimmen, wie lange die Weiz- zenſtoppel dauren kann; auch babe ich nickt ein und daſſelbe Land zwey Mahl ausgetrocknet. Zuweilen kann es ſich treffen, daſs eine Waſſerrenne durch das Ueber- fahren über dieſelbe bey naſſem Wetter oder durch an- dere zufällige Urſachen verſtopft wird. In ſolchem Falle habe ich, ſobald ich ſolches an der Näſfe des Bodens = 50ER„ Erie NE SEZEN ee T56 bemerkt habe, einen oder mehrere.neue Waſſergräben in eine von der alten unterſchiedliche Direction ziehen laſſen. Oft habe ich bey alten Waſſergräben, wenn ſie durchgeſtochen, und wo man nicht das Mindeſte von Weitzenſtoppel mehr finden konnte, ſondern der Raum mit loſer Erde angefüllt war, bemerkt, daſs Sie auf ein- mal laufen, oder nach dem Ausdruck der Gräber, daſs ſie neuwäſſern. Weil ich die mindeſten Unkoſten bey jedweder Verbeſſerung im Landweſen für die gröſs- te Empfehlung derſelben halte, ſo weiſs ich nichts zum Vortheil des Gebrauchs der Steine anzuführen. In ein- zelnen Fällen hauptſächlich, wo der Gang des Viehes darüber geht, iſt es häufig und auch rathſam, Waſen zu gebrauchen, obgleich ich ſie nur ſelten gebrauche. Fr. 8. Hat Herr Young ſeine Austrocknungsme- thode auch aufſGrasfelder angewandt; wie machen Sie da die Gräben offen? Haben Sie die Austrocknungsme- thode da eben ſo dienlich als auf'Ackerfeldern ge- funden? Antw. Ich habe nur wenige Erfahrung vom Aus- trocknen der Grasfelder, da ich auf meinem Hofe nur zwey hochliegende Graskoppeln habe, die deſſen bedür- fen, und auch auf dieſen nur ein geringer Fleck. Mein Verfahren beſteht darin, daſs ich» zuerſt mit dem gewöhn- lichen Spaten. die Erde reichlich einen Spaten tief her- ausnehme, dann mit dem andern 15 Zoll tief grabe, die Gräben mit Weitzenſtoppeln ausfülle, dieſelbe wieder mit Ackererde bedecke, und den Raſen wieder oben dar- über lege. Es find nun acht Jahre, daſs ich ſolche Grä- ben gemacht habe, und noch ziehen ſie das Waſſer ſehr gut. Den Raſen kann man leicht mit dem gewöhnlichen Pfluge aufpflügen. Fr. Nahmen Herr Young die Austrocknung des Feldes im Sommer vor? Welche Jahrszeit iſt die beſte, dieſe, oder der Winter?; Antw. Ich nehme ſolche Arbeiten aus zwey Urſa- 132, chen niemals im Sommer vor. Es iſt nemlich viel be- ſchwerlicher, in leemigtem Boden zu arbeiten, wenn er felt und trocken iſt; und es iſt noch beſchwerlicher, gute Arbeiter zu einer Jahrszeit zu bekommen, in welcher fie ſo ſelten ind. Es giebt wohl einige, welche eine ſolche Arbeit im Sommer vornehmen, ith aber habe in derZeit immer etwas Wichtigeres zu verrichten. Abth. 2. 28 Verbrennen der Raſen. Paring and Buring, properly managed, is the moſt admirable of all improvements, and improperly, the moſt miſchievous.: A. Young. Dieſe angeführten Worte des Secretairs A. Young, daſs das Verbrennen der Raſen, wenn es mit Verſtand geſchieht, die wohlthätigſte aller Grundverbeſſerungen; wenn es aber unvernünftig geſchieht, das ſchädlichſte Unternehmen iſt, ſcheinen mir ſchon einigermaaſzen ei- nen beſtimmten Begrif von dieſer ökonomiſchen Angele- genheit zu geben. Das Plaggenverbrennen iſt ein Gegenſtand in der Land wirthſchaft,!| worüber man weder in England. noch in andern Ländern einerley Meinung hegt. Lieſt man Boys Beſchreibung des Ackerbaug in der Grafſchaft Kent, ſo findet man dieſe Art Verbeſſerung ſehr gerühmt; lieſt man Drivers und Warners Beſchreibung von Hamſhire, ſo wird ſie getadelt. Jeder von ihnen hat ſeine Meinung nach den wohlthätigen oder ſchädlichen Folgen gefaſsr, die ſie in ihrer Gegend bemerkt haben. Ich will in einer ſo zweifelhaften Materie mein eigen Urtheil zurückhalten, und nur das mittheilen, was ich auf meinen Reiſen in den Grafſchaften geſehen und er- fahren habe, wo das Plaggenverbrennen gebräuchlich war. Von Norfolk reiſte ich nach Brandon, wo man viel Flugſand antrift. Die Landwirthe wohnen da in groſzen 158 Dörfern, bauen Rocken und eſlien Rockenbrod; etwas ſehr Ungewöhnliches in England. Der Farmer, an den ich empfohlen war, zeigte mir Rocken und Buchweitzen auf dem Felde, und glaubte, daſs die Abſicht meines Be- fuchs dahin gieng, dieſe tür die Engländer(eliene Korn- arten zu beſehen. Auf ſeinem Hofe lag eine beſondere Art Pflug, die man Haſſock nennt.“ Er hatte eine zurückgebogene Schart und mitten im Pflagbaume(Griedel) war etwas weiter zurück, als wo unſer Langeiſen zu ſitzen pflegt, ein rundes Eiſen mit einer ſcharfen Kante angebracht, das ſich beym Fortziehen des Pflugs mit Leichtigkeit umdreh- te. Der Mann unterrichtete mich von dem Gebrauche dieſes Inſtruments, daſs er lich nemlich deſſen ſtatt des Spatens, den andere gebrauchten, zum Aufpflügen der Plaggen bediente. Hier in unſerer Gegend, ſagte er; nehmen wir von dieſen Sandfeldern drey bis vier Saaten und Futterge- wächſe nach dem Dünger, und laſſen darauf das Land zu Gras beſtehend aus Raigras, rothem und weiſsem Klee drey Jahre und unterweilen auch wohl länger, ausliegen. Wenn das Land wieder aus der Weide aufgebrochen wird, ſo wird es nicht gebraacht. Die dünne Grasvarbe wird ab- geſchält und verbrannt, Mit dem erwähnten Inſtru- ment oder Pflug ziehen wir Raſen von(der Dicke von ei- nem halben bis zwey Zoll ab. Die Raſen werden in klei- ne Haufen und zwar ſo hohl als möglich gelegt, damit der. Zug des Windes durchziehen kann; dann trocknen fie ſehr leicht. Zuweilen iſt es hinreichend, die Plaggen in gutem Wetter aufzunehmen und ſie mit den Enden ge- gen einander zu ſtürzen. Iſt aber der Erdboden] feucht, oder verhindert das Wetter das Austrocknen, ſo werden ſie gegeneinander aufgeſtellt, und ſehen dann auf dem Felde wie kleine Oefen aus. Sind die Plaggen trocken genug, ſo werden ſie verbrannt. Sind fie nur dänne und haben nur einiges weniges Gras Wurzeln, ſo brennen ſie 159 nicht allein, ſondern man muſs Stroh und trockene Zwei- ge darzu zu Hülfe nehmen. Iſt dagegen die Erde gut, ſind die Plaggen dünne und verſchlieſsen viele Wurzeln in ſich, ſo brennen ſie ohne weitere Hülfe. Wir neh men hier zu jedem Ofen oder Haufen eine gute Schieb- karre voll Plaggen. Es iſt nicht gut, die Haufen groſs zu machen. Je kleiner dieſe ſind, deſto beſſer brennen ſie, und je mehr ſie über das Feld vertheilt ſind, deſto gröſser iſt der Theil Oberfläche, welcher durch das Verbrennen verbeſſert wird. Der unfruchtbare Boden wird nicht bloſs durch die Aſche von den verbrannten Plaggen, ſondern die Hitze, welche durch dieſes Feuer hervorgebracht wird, bewirkt es auch, daſs die Theile deſſelben aufge- löſt und die Fruchtbarkeit befördert wird. Wenn die Plaggen verbrannt ſind, wird die Aſche über das Feld ausgebreitet, darüber Stalldünger gefahren, und zuerſt Rocken, daun Turnips, ferner Hafer hinein geſäet, worauf denn das Feld mit Raigras, Klee und Tri- folium ausgelegt wird. Von Brandon reiſte ich in die anſehnlichen Moorge- genden bey Ely in Cambridſhire, welche noch vor vier- 218 Jahren aus einem unzugänglichen Moraſte beſtanden, worauf man im Winter mit einem Bothe ſegeln konnte. Dieſe Moorſtrecke iſt, vermöge eines Parlamentsacts im Jahr 1772 ausgetrockner worden. In dieſer Gegend war das Verfahren aligemein, daſs, ſobald das Waſſer durch kleine holländiſche Mühlen, welche auch bey uns in den Marſchen zum Vermahlen des Bienenwaſſers ge- braucht werden, abgeleitet, und die Abzugsgräben ge- zogen worden, darauf Plaggen verbrannt wurden. Da der Boden in dieſen ſuwpfigten Gegenden ſehr uneben iſt, ſo iſt es nicht hinreichend ſich des erwähnten Pfluges zu bedienen, ſondern die Arbeit des Abſtrimelns der Plaggen wird erſt hinrer dem Pflage mit dem Sparen vollendet. Einige bedienen ſich nemlich bloſs des.Spa- tens hiezu. In. Rückſicht auf die Schwierigkeiten, welche «En amen Naira 0 T60 mit dieſer Arbeit verbunden ſind, werden für das Ab'trie- mela der Plaggen 5 bis 10 S. pr. Acre bezahlt, Das i ag und Arbeitslohn iſt hier rheurer, weil ſich in dieſen Mvor- ſtrecken noch bis dahin nur wenige Jeſten niedergelalſ- Cen haben. Der Mann, welcher mich herumführte, erzählte mir, daſs die zu ſoichen Arbeiten paſlendite Jahrszeit die Mitte oder das Ende des Vlaimonaths wäre. Za der Zeit lieſsen ſich die Plaggen am leichteſten verbrennen. Der April- regen häte das Gras- zum Grünen gebracht, man härte in der Jahrszeit gewöhnlich trocken Werter, und der T andmann Zeit, den Boden unter Kultur zu bringen. Er machte mich ferner auf den paſilichſten Grad des Verbrennens aufmerkſam. Dieſes 1ſt ein um ſo wichtiger Gegenſtand,»da die Plaggen ihre Kraft und ihren Natzen als Dunger verlieren»- wenn man ſie zu langſam oder' zu geſcawind, verbrennen läſst. Der Mann, welcher das Feuer in den aufgeltellien Plaggen anſcheuert, giebtbe= ſtändig auf den Fortgang des Verbrennens genau Ach» tung. Brennen fie gut, ſo haben die aufgeſtellten Hau- fen im Anfange eine dunkelſchwarze Farbe, bald darauf fangen die Vlaggen an zu brechen, und in Stücke zu zer- fallen, gleich darauf fieht man fie zu Aſche mit einer ro- then oder gelben Farbe verbrennen, in welcher noch ei- nige unverbrannte Stücke zurück bleiben. Die Aſche Hat ein verſchiedenes Ausſehen, an den mehrſten Stellen iſt Ge bleichgrau, an andern har he eine weiſse Farbe. So lange die Plaggen ſchwarz und zuſammenhängend Gnd, ſind fie noch nicht gut ausgebrannt. Fangen ſie an, ſich zu brechen und zuſammen zu fallen, ſo nähert ſich der rechte Verbrennungspunkt» Der rechte Augenblick das Feuer auszulöſchen iſt da, wenn ſie in Aſche. zerfal- len, und noch eine gelbe: oder röthliche Farbe haben. Brennen ſie länger, ſo verlieren ße einen Theil von ih- rer Güte. Dies will ſo viel ſagen, ihre harzigten, ſalzig» ten und ſchwefelartigen Theile, verfliegen. 161 Beym Verbrennen ſehe man ſich vor, daſs das Feuer der trocknen Plaggen nicht in Flammen ausbricht, weil die Aſche dadurch ihre Kraft verliert. Sie müſſen ganz gemächlich brennen, und glühen, wie Feuer unter der Aſche. Um dem Auflodern vorzubeugen; thut man am beſten, wenn man nur wenige Brennmaterialien ge« braucht; und den Torf recht trocken werden läſst. Ebenfalls muſs auch dahin geſehen werden, daſs die janwendige Seite der Plaggen ſtärker, als die ausweudige gebrannt wird. Zuweilen können ſie hinlänglich vera brannt ſeyn, aber die Graswurzeln hängen ſo feſt aneiu» ander, daſs man ſie entzwey ſchlagen kann, Es kömmt hierbey alles auf die Beſchaflenheit der Plaggen an. Die Verbrennung iſt die beſte, wobey das Feuer von ſelbſt erlöſcht, und Aſche zurück bleibt, wenn der Grasraſen ganz vom Feuer verzehrt iſt, Der ausgebrannte Aſchenhaufen bleibt ſo lange lie- gen, bis Regen fällt. Ein Arbeitsmann nimmt dann mit einem Spaten vier Zoll tief Erde von und um die Brand- ſtelle herum weg, und miſcht lie mit der ausgebrannten Erde... Bey ſtillem Wetter wird die ganze Maſſe von Aſche und Erde über das Feld überhingeſtreut. Es iſt nicht ſo ſehr die Aſche, als vielmehr die' Hitze beym Verbrennen, die dem Lande zuträglich iſt. Wür- de man die Aſche von einer Brandſtelle auf den Acker bringen, ſo iſt eine ſolche kalte Aſche bey weitem nicht fo nützlich für das Land, als wenn das Verbrennen zur Stelle geſchieht, und zwar dies vermittelſt des wohlthäti- gen Einfluffes auf die kalte Erde, Wir begreifen alſo hieraus ,, woher das ſogenannte Braatebrennen(Folzung abbrennen) in Norwegen eine ſo reichliche Erndte und vortreffliches Korn giebt. Man hat daſflelbe in England bemerkt, daſs das Korn nach dem Plaggenverbrennen ers giebiger und ſchwerer iſt, Daſs es die Hitze iſt, welche dem Boden Fruüchbar. keit giebt, erſieht man daher, daſs zuweilen ein Sturm L 162 auf ſolchen offenen Feldern, die ohne allen Schutz/ſind, die Aſche mir ſich nimmt, dieſen Feldecn aber doch den Vortheil des Verbrennens läſst. Durch das Verbrennen wird in Moorgründen zum wenigſten das beendzweckt, daſs die Wurzeln der ſauren Graspflanzen, der Binſen u. 2. verbrennen, und der Boden dahin verändert wird, daſs er jede Behandlung verträgt, die man für dienlich erachtet. In der erwähnten Gegend bey Ely treibt man auch eine ſolche Wirthſchaft, um ſauren Morgrund in gute Wieſen zu verwandeln. Es iſt bekannt, daſs Binſen und andere Waſſerpflanzen das Gras verdrängen. Im Herbſte werden die Blätter gelb und trocken, verbreiten ſich über das Gras und werden zum Verbrennen geſchickt. Dann zündet der Landwirth an einem trocknen und windigen Tage die ganze Seite des Feldes an, und zwar nach der Gegend, wo der Wind herkommt, ſo daſs er die Flam- men gelinde forttreiben kann. Der Brand geht geſchwind fort und läſst, ſo weit er geht, eine leichte ſchwarze Aſche nach. Einen ſolchen Brand nimmt man aber nicht vor, auſser daſs der Himmel Regen verſpricht. In das überbrannte Feld wird gleich darauf Grasfaamen geſäet. Der Brand verdirbr die Wurzeln der Waſſerpflanzen ſo ſehr, daſs fie das gute Gras nicht unterdrücken Können, und den ausgeſäeten Grasfaamen im Frühjahre aufkeimen, und ungeſtört emporſchieſsen laſſen müſſen. Aſche und Saamen werden durch den Regen in die Erde geſpült. Dieſe Art ſaures Gras zu verbrennen, iſt in England , ſehr gebräuchlich. Es geſchieht dies im Frühjahr, um nemlich die nachtheiligen Graswurzeln auszurotten, und jungen Frühlingsſchüffen wieder Platz zu machen. Ofr geſchieht Schade bhiedurch', da nemlich das Feuer um ſich| greift, und Zäune und Häuſer anzündet. In Lanceſter- Chire brannte ein ganzes Dorf wegen Unvorſichtigkeit bey ſolchem Grasabſchwelen ab.' 163 Ich fragte den Mann ferner, welche Kornart ſie nach dem Verbrennen der Plaggen aus dem Lande näh- men. Er antwortete mir, daſs, ſobald Plaggen verbrannt wären, nach einmaligem Pflügen Rabſaat geſäet würde. Das Land würde dann nicht geeggt, ſondern man lieſse bloſs die Walze darüber gehen, und das Rabſaat ſoll fich gut darbey ſtehen, wenn es unter der ganzen Pflugfurche im Schutze liegt. Das Rabſaat lieſse man auf dem Felde von den Schaafen abgräſen, und ein ſehr geringer Theil würde zu Saamen reif. Er gab hievon als Urſache an, daſs es keine Oelmühlen in der Nähe gebe, und der Transport des Rabſaats ſehr beſchwerlich ſey. Nach dem Rabſaat werde noch eine Saat Hafer genommen, und das Land auf ſieben Jahre mit Klee und Raigras ausgelegt. Hierauf würden Plaggen von neuem verbrannt, und es folgte dieſelbe Behandlung des Bodens und dieſelbe Saat- folge. Ich habe niemals ſtärkern Hafer als in dieſen Moorgegenden auf einem Gute geſehn, welches dem Herrn Robertſon zugehörte, demſelben,“ der ſein Gut mit einem Gürtel von Holzungen eingeſchloſſen hat. Durch eine ſolche Wirthſchaft ſind die ehemals un- benutzten Moorſtrecken in gute Aecker und Wieſen ver- wandelt. Von dieſem Lande wurden drey Höfe für 600 Pd. St. vetkauft, die gegenwärtig 3000 P,. jährlicher Pacht abwerfen. Herr Foote in Brandon kaufte im Jahre 1780, 319 Acres, die jetzt für 10 S. pr. Acre verkauft worden ſind. Es verhält ſich mit der geſchwinden Kul- tur und dem ungewöhnlichen Steigen des Werths dieſer Ländereyen beynahe wie mit dem Kornpreiſenkong, wo der Morgen in einer Zeit von zehn bis zwölf Jahren von 50 x. bis zu 1000 Mark lübiſch geſtiegen iſt, Die Haupturſache, woher man den engliſchen Land- mann ſo oft das Verfahren, Plaggen zu verbrennen verwünſchen hörtz iſt der ſo nachtheilige, Miſs- brauch, den man in einigen Gegenden davon machr, oder, richtiger geſagt, die unvernünftige Behandlung des Bo- L 2 Sener SERIEN KE SZENEN 164 dens vor und nach dem Verbrennen. Dies findet haupt- ſächlich in Hampfhire ſtatt, wo in der Regel jeder Land- mann, ſtatt zu braachen, Plaggen brennt, obgleich die oberſte Erdſchicht ein kalkartiger Leem und nur einige Zoll dick iſt. Der gröſste Fehler in ihrer Wirthſchaft beſteht darin, daſs fe nachher aus dem Lande, worauf ſie die Plaggen verbrannt baben, drey auf einander folgende Weitzen- ſaaten, oder auch drey andere Kornarten, als nemlich: Gerſte und Hafer herausziehen, ohne mit Hülſenfrüchten und Futterkräutern abzuwechſeln. Darauf wird das Land auf zwey Jahre mit Raigras ausgelegt, welches in dieſem ausgemergelten Boden nur kümmerlich wächſt. Nach Ablauf dieſer zwey Jahre werden von neuem Plaggen verbrannt. Daſs das wiederholte Verbrennen der Plaggen nicht an fich ſo ſchädlich iſt, erſieht man daher, daſs es auch an ſo vielen Stellen in Frankreich gebräuchlich iſt. Dü- hamel, Frankreichs gelehrteſter und bekannteſter Land- wirth, erzählt, daſs ein ſolches Verfahren in vielen von den Gegenden, weiche er kenne, gebräuchlich geweſen ſey, ſo lange wan Ackerbau betrieben habe, vielleicht über tauſend Jahre, und zwar ohne allen Schaden für das Land. Düngt'man das Land nicht bloſs mit der Aſche von den verbrannten Plaggen, ſondern auch noch auſserdem mit, Stalldünger, Mergel oder Kalk, ſo wie es in der Grafſchaft Kent und an manchen andern Stellen gebräuch- lich iſt, nimmt man fich in Acht, aus dem Lande alle die Saaten zu ziehen, die es nur immer hergeben kann, ſon-- dern man ſäet dagegen in den abgebrannten Boden Tur- nips, dann Weitzen, Rocken oder Gerſte, höchſtens alſo zwey Saaten, und legt es mit paſſendem Grasſfaamen aus, fo kann man ohne alle Furcht, den Boden deswegen aus- zuſaugen, den Landesbrauch hierin beobachten, obgleich dies nicht für einen Boden erforderlich ſeyn mögte, der 165 ſchon einmal unter Kräfte iſt. So urtnheilen die vernünf- tigen Engländer. Veberſieht man einmal mit einem Blick diefe Erfah- rungsgrundſätze, welche hier aufgeſtellt worden ſind; ſo wird man aus denſelben folgern können: Daſs das Verbrennen. der Oberfläche des Landes kei- nesweges nachtheilig, aber unter manchen Umſtänden nicht nothwendig ſey. Unnöthig allerdings auf einem reichhaltigen und fettem Boden von guter Miſchung, ſchädlich vielleicht auf ſteinigrem und kalkartigem Boden. Unnötbig auch auf einem kultivirten Boden, und da, wo man am Dünger keinen Mangel hart. Dagegen ſehr zuträglich auf kaltem und ſandigtem, und zwar am meiſten für Heiden, unfruchtbare Gemein- heiten, Holzboden und ausgetrocknetes Moor, welches alles erſt unter Kultur geſetzt werden ſoll. Auf ſolchen Boden muſs man mit dem Verbrennen ſo lange fortfahren, bis er ſeine der Fruchtbarkeit nachtheiligen Eigenſchaften verloren hat. Dies will ſo viel ſagen, wenn der Heide- boden von neuem geneigt zu werden ſcheint Heide her- vor zu bringen, das Moor, Binſen und ſaure Grasarten, der Holzboden, Buſch, Farrenkraut u. a. m.» ſo muſs man das Verbrennen der Plaggen von neuem vornehmen. Der Nutzen vom Verbrennen der Plaggen zeigt ſich augenſcheinlich in den drey erſten Jahren. Es liefert drey ergiebige Erndren. Kömmt man aber dieſer Ge- neigtheit des Bodens zu einem ergiebigen Kornertrage nicht durch Dünger zu Hülfe, oder läſst man fich nicht damit genügen nur eine Kornfaat nach vorhergebauten Futtergewächſen, wit zum Beyſpiele nach Rüben zu neh men, und darauf das Land auf einige Jahre mit Grasſaa- men auszulegen; ſo verſetzt man es in einen weit armſe- livern Zuſtand, als es ehemals ſeiner natürlichen Beſchaf- fenheit nach war, Bedüngt mnn es beyzeit20; ſo hat wan nicht zu beſorgen, daſs deſſen Kräfte verloren gehen, << m ene Hen 166 und es wird dadurch zu ordentlichem Ackerlande umge ſchaffen', welches eine gewöhnliche Saatfolge und Be- handlung'vertragen kann.»| Die rechte Jahrszeit, die Plaggen zu verbrennen, iſt der Maimonath, Zu dieſor Zeit pflegt das Wetter gut, und das junge Gras im Emporſchieſsen zu ſeyn und den beſten Raſen zu geben. Iſt das Land zur Gräſung be- ſtimmr, und iſt die Abſicht beym Verbrennen das Gras zu verbeſſern; ſo wird die Oberfläche zeitig im Frühjahr, ſobald die Erde trocken iſt, verbrannt, und guter Gras» ſaamen in die aus einander geſtreute Aſche geſäet. Da es nicht die Aſche allein, ſondern hauptſächlich die Wirkung des Feuers iſt, welche die Vegetation be fördert, und zwar weil ſie die Erde locker macht; ſo wird die in der Nähe liegende und vom Feuer durchhitzte Er- de zuerſt mit unter die Aſchenhaufen gemiſcht, und bey- de Theile zuſammen aus einander geſtreut. Da, wo die Oberfläche der Erde verbrannt worden iſt, muſs man nicht tief pflügen, ſondern man ſäer nach einmaligem Pflügen'in Moorerde mit groſsem Vortheil Rabſaamen, (Rabſaat). in Leemboden Weitzen, in ſandigen Boden Turnips. Nach der Beſchaffenheit der Oberfläche bedient man ſich zum Plaggenablöſen des Pflugs oder des Spatens, ſo wie wir es vorher beſchrieben haben. Sind die Plaggen erſt mit dem Pfluge oder Spaten gelöſt; ſo darf man nur mit einer Walze, die mit eiſernen am Rande geſchärften Bändern von ſechs Zoll Höhe beſchlagen iſt, über das Land hinziehen, um die Erdſtriemeln durchzuſchneiden. Mir dieſer Geräthſchaft kann man dem abgefellten Raſen die ſchickliche Gröſßse von zwey pus Länge und ein Fuſs Breite geben. Weil das Plaggenverbrennen ſo zuträglich und bereits mehrere Jahrhunderte in dem Lande, wo man noch dieſe Wirthſchaft treibt, in Gebrauch geweſen. iſt; ſo ſollre es mir ſehr angenehm ſeyn, wenn ich über dieſen Gegen- 167 ſtand ein ſolches Licht verbreiten könnte, das andern zur Leitung dienlich ſeyn würde. Um dieſen! Wunſche Genüge zu leiſten, und zugleich den Leſern die zuver- läſsigſten und umſtändlichften Nachrichten mitzutheilen, will ich die eines glaubwürdigen Mannes anführen, wie er beym Verbrennen der Plaggen zu Werke gegan- gen iſt. Das Beſte, was über das Verbrennen der Plaggen aufgezeichnet iſt, rührt von einem Franzoſen, dew Mar- quis de Tourbilly, her. Er drückt ſich hierüber folgen- dermaaſsen aus. „Will man unbebautes Land aufbrechen, es mag Hei- de- oder Holz- oder anderes unbenütztes Land ſeyn; ſo muſs man im Winter mit der Arbeit anfangen, um das Feld von den drey wichtigſten Hinderniſſen bey einer ſolchen Kulturart, als Waſſer, Steinen und Holzſtappen, zu befreyen. Im Frühjahr, wenn der Boden davon ge- reinigt iſt, wird die Oberfläche abgeſchärft, wozu man Co viele Arbeiter anſtellt, als die Gröſse des Stücklandes verlangt. „Jeder dieſer Arbeiter muſs eine Erdhacke haben, an der das Eiſen gut verſtählt, ſcharf wie eine Axt, neun Zoll breit und ſechs Zoll lang, etwas krumm und am Schaft ohngefähr drey Zoll ſchmal ſeyn muſs. Ein ſolcher Ha- ken muſs von dem beſten Eiſen und in Anſehung ſeiner Dicke dem Widerſtande angemeſſen ſeyn, der damit über- wunden werden ſoll. Der hölzerne Schaft muſs ohnge- fähr drey Fuſs lang, etwas mehr oder weniger nach Ver- hältniſs der Höhe des Arbeiters ſeyn. Den Schaft abge- rechnet, muſs der Haken zwölf Pfand wiegen.. Wäre ſie leichter, würde fie vön keinem Nutzen ſeyn. „Der raſcheſte und ſtärkſte Arbeiter ſtellt ſich vor den übrigen an die Spitze, weil ſie nicht, wie beym Grasmähen, Seite an Seite arbeiten können. Der Arbei- rer thut mit ſeiner Hacke zwey Hiebe in die Erde zur rechten, darauf zwey zur linken Hand, und. mit dem 168 fünften Hieb vor ſich, löſt er den Grasfoden von andert- halb Fuſs Länge, ein Fuſs Breite und vier Zoll Dicke los. Den, Grasfoden, den er nun-auf-dem Haken hält, ſchleudert er mit einem Schwunge nach der rechten Seite hin, ſo daſs die Erdſeite nach unten kömmt, Alle Arten Unkrauts werden auf die Weiſe mit der Wurzel ausgezo- gen, es ſey denn, daſs dieſe ganz beſonders ſtark wären. Der Raſen muſs wenigſtens fünf Fuſs dick ſeyn, ilt er dünner; ſo iſt die Arbeit ſehr wäſsig gemacht, weil der Haken dann nicht bis unter die Unkrautswurzeln reicht, welches doch nothwendig iſt um ſie zu vertilgen. Iſt man hiebey ſorglos; ſo ſchieſst das Unkraut neue ſtärkere Schüſſe zum gröſfsern Nachtbeil für die Bewirtbſchaftung des Feldes, und der darauf künftighin wachſenden Saa« ten. Ich habe es ſelbſt erfahren, wie ich dieſe Art von Arbeiren anfing. „Ut die Arbeit bedungen; ſa werden die Arbeiter den Raſen ſo dünne als möglich abplaggen, um deſto eher fertig zu werden. Meine eigene Erfahrung hat es mich gelehrt, daſs alles umſonſt iſt, wenn die Wurzeln in der Erde zurück bleiben, und die Plaggen zu dünne find, um hinreichend Aſche zur Bedüngung des Ackers zu geben.> Freylich wird im Anfange die Arbeit etwas langſam von- Statten gehen, aber die Vebung wird die Arbeiter bald gewandt machen, j „Wenn der Anführer die erſte Plagge abgehauen hat; trit er einen Schritt weiter fort, und lölt eine neue Plag- ge von gleicher Gröſse und Dicke, welche eben wie die erſte auf die rechte Seite gelegt wird, ſo daſs das Ende Nich ein wenig erhebr, und in einen gewiſſen abhangen- den Richtung zu liegen kömmt.' Sobald der Anführer die zwey erſten Plaggen abgehauen hat3z ſo plaggt der auf ihn ſo!gende Arbeiter, der ihm zur linken Hand ſteht, ebenfalls ſeine zwey Stücke Raſen los und legt ſie eben, wie ſein Vormann, auf die rechte Seite. »„Sobald'die Arbeiter auf die Weiſe das Feld zu Ende 169 gekommen ſind, kehren ſie nach dem Ende zurück, wo fie ihce Arbeit angefangen haben, damit die Plaggen überall in einer-Riektung abgebauen, und an die Seite nach einander eben hingelegt werden. SR eee ha ÄRGER, Zuweilen hat man Urſache zu glauben, daſs die, laggen nicht hinreichend trocknen können, wenn wan das Ende der einen an der Kante der andern anlehnt. In dem Fall müſſen fie in kleinen Haufen auf Holz oder Zweigen und zwar nach der Dicke und Reichhaltigkeit an brennbaren Materien zu drey, vier und fünf zuſammen- gelegt werden, Dann wird die Luft ſie bald trocknen; doch dürfen fie nicht ſo ganz durchtrocknen, weil ſie ſonſt durch ein zu raſches Feuer verbrennen und die Aſche weder in der Güte noch Menge zurück bleiben würde, als wenn ſie langſam durchbrannten. Von Gras» ſchwarten wird, während ſie trocknen, die grüne Seite nach auſsen gelegt. „Das Setzen“ der Plaggen, wie das Dach auf einem" Hauſe, zwey und zwey mit den Enden gegen einander, und die grüne Seite nach auſsen; verlängert die Arbeit, macht fie um etwas koſtbarer, und iſt nicht nothwendig, auſser bey Torf- und Marſcherde, wo die Plaggen naſs abgehauen werden. „Junges Geſträuch und wildwachſende Holzpflanzen, die nicht zu Starke Wurzeln haben, können durch den Haken ſogleich mit den Raſen herausgeriſlen werden,; und ihre Wurzeln ſind Urſache, daſs dieſe um deſto beſ- ſer brennen. Sind die Gewächſe zu groſs und die Wur- zeln zn ſtark; ſo werden fie, nachdem der Raſen abge- Mit dieſer Arbeit hat es aber keine Eile, wenn ſie nur vollendet iſt, wenn die Saatzeit herankömmt. Wohnt man in einer Holzgegend; ſoiſt es wohl ſehr gut, dieſe Ge- wächſe auf dem Felde zu verbrennen, und mit der Aſche davon das Land zu bedüngen, Sind aber die Brennmate» | , ſtreift worden iſt, mit dem Spaten herausgenommen.| „7 rialien ſelten und koſtbar; ſo kann man ſie in der Haus- haltung zur Feurung gebrauchen. „Iſt die Jahrszeit nicht zu naſs; ſo werden die Plag- gen in drey; Wochen hinreichend trocken, ohne daſs man ſie umwenden darſ. Iſt aber der Sommer naſs; ſo wollen die Plaggen längere Zeit zum Trocknen haben, und müſſen, um zu verhindern, daſs die Wurzeln nicht von neuem wieder ausſchlagen, mehrere Mahle gekehrt werden, Weil aber ſolche Arbeiten von Weibern und Kindern verrichtet werden können; ſo ſind die Unkoſten davon nicht ſehr groſs. „Zum St. Johannistage lafſe man, wenn die Plaggen trocken lind, ſie alle von Weibern und Kindern an einem ſchönen Tage aufleſen, und ſie in runden Haufen von ungefähr zehn Fuſs Höhe und gleicher Bteite nach un- ten in Form eines Backofens aufſetzen. Die Heide oder Grasfſeite der Plaggen müſſen nach auſsen, die Erdſeite nach innen geſetzt werden. An dem Ofen laſſe man ge- gen den Wind eine Oefnung, um den nöthigen Zug zu- wege zu bringen.“ Wir haben bereits erinnert, daſs die Plaggen nicht naſs ſeyn, oder zur Zeit des Regens in Oefen geſetzt wer- den müſſen, Sind ſie von Regenwaſſer durchdrungen; ſo brennen ſie nicht, der Ofen muſs wieder aus einander genommen und die Plaggen- aufs neue ausgeſpreitet werden. Es iſt mir dies begegnet, und zwar ilt dieſes höchſt unangenehm, da die Arbeit verſäumt wird, und es zuweilen nicht möglich, nachher die Plaggen anders, als“nur durch häufiges Umwenden, während des Früh- jahrs vollkommen trocken zu bekommen. Miſsglücken uns die Bemühungen, und die Plaggen wollen nicht brennens; ſo iſt dies ein bedeutender Ver- luſt. Es trifr ſich dies jedoch ſelten, und bey mir bat es ſich niemals ereignet. Wenn man es zu befürchten hat, muſs man ſo viel Volk, als möglich, zuſammen bringen, ſein eigenes von anderweitiger Arbeit wegnehmen, und 1741 ſich des erſten beſten Sonnenſcheinwetters zu Nutze ma- chen, um in die Plaggenöfen Feuer anzulegen. Der Landmann muſs eben ſo vorſichtig und aufpaſſend ſeyn, damit dieſe Arbeit ſchnell und gut ausgeführt wird, als er es zur Erndtezeit ſeyn muſs, wenn ein unbeſtändiges Erndtewetter eintrit. Sobald die Oefen geſetzt ſind, le- ge man Feuer in dieſelben an, dieſes kann mit einem al- ten Strohwiſch, oder trocknem Spreu, von einem Kinde geſchehen. Das vertrocknete Gras, oder die Wurzeln fangen gleich Feuer, und in dem Augenblick kann das Feuer ſo(tark werden, daſs man fich demſelben nähern kann,' „Sollte man Urſache haben zu befürchten, daſs we- gen der Nähe eines Waldes, einer Heide oder todren Einfriedigung u. ſ. w. das Feuer Schaden anrichten kön- ne, ſo werden die Raſenöfen bey ſtillem Werter angezün- det. Iſt der Platz, gänzlich von Waldheide oder andern brennbaren vegetabiliſchen Sachen umgeben, ſo wird die äuſserſte Reihe der Raſenöſfen 25 bis 30 Fuſs vom benach- barten Grundſtück, und wenigſtens 10 Fuſs von den übri- gen Reihen entfernt. Die Oefen, die dann am weiteſten vom Winde ſteben, werden zuerſt angezündet, und viele Häude müſſen mit Schaufel und Spaten bereit ſeyn,*um Erde auf das Feuer zn werfen, ſobald es zu ſtark brennt. Dadurch wird das Feuer concentrirt; und der Ofen brennt langſam aus, ohne die nebenſtehenden Raſenöfen ergrei- fen, und ſein Feuer mit dem ihrigen vereinigen zu können.“ „Wenn die erſte Reihe ausgebrannt iſt; werden die übrigen auf dieſelbe Weiſe nach einander ausgebrannt.f“ „Die Morgenſtande iſt unſtreitig die ſchicklichfſte Zeit die Raſenöfen anzuzünden, weil die Arbeiter dann den ganzen Tag vor ſich haben, um auf das Feuer zu ſe- hen, welches bey Nachtzeit ſchwieriger iſt. Gleichwohl müſſen einige die Nacht beym Feuer zubringen, um al- len gefährlichen Folgen zuvor zu kommen.“ R SSEN 172 „Sollten einige Raſenöfen auf naſſem Grunde errich- tet ſeyn und nicht brennen wollen; wird aufs neue Reiſig oder Stroh in den Ofen gelegt, oder ein Paar bren- nende Raſen von den andern Oefen genommen.“ „Sobald das Feuer erloſchen, und das Ganze zu Aſche gebrannt iſt, wird die Aſche in kleine Haufen zuſammen- gelchaufelt, damit ße ihre nährende Kraft nicht verliere, welches geſchehen würde, wenn ſie unbedeckt dem Ein- fluſs der Luft ausgeſetzt liegen bliebe. Der nächtliche Thau und der erſte Regen bilden auf der Oberfläche der- ſelben eine feſte Rinde, welche verhindert, daſs der Wind die Aſche nicht wegwehen kann, und die Einwir- kung der Luft abhält, Je früher daher der Regen fällt, deſto beſſer iſt es. Die Aſche bleibt in Haufen liegen, gegen Menſchen und Vieh geſichert, bis die Saatzeit ſich nähert. Durch die Kraft des Feuers iſt die Erde auf lange Zeit von Unkrautſaamen, Würmern, Schnecken, Feld» mäuſen u. dergl. gereinigt, da ſie mehrere Zoll tief durch- geheizt worden iſt“ „Vierzehn Tage ſpäter, als die gewöhnliche Saatzeit für Weitzen und Rocken, wird zeitig genug das Feld be- ſäer, deffen Raſen abgebrannt it. Um die Zeit ſchickt man Frauen und Kinder mit hölzernen Schaufeln aufs Feld, um die Aſche eben auszubreiten, die Stellen aus- genommen, wo die Oefen geſtanden haben. Dieſe Plätze bedürfen keines Düngers, und die Erfahrung lehrer, daſs ſie allezeit das ſchönſte Korn rragen. Die Arbeiter müſs ſen Spaten und Miſtgabel mit ſich haben, um die Raſen zu zerbrechen, die nicht vom Feuer völlig verzehrt ſeyn ſollten.“ „Sobald die Aſche ausgebreitet iſt, muſs die Winter- ſaat, Weitzen oder Rocken über die Aſche ausgeſäet wer- den, nnd zwar von einem guten Säemann, und nur die Hälfte der Ausſaat, die man ſonſt zu gebrauchen pflegt. Der Pflug ſolgr dem Säemann, und die Saat wird locker in die Erde-gebracht, Im erſten Jahr pflügt man nicht SEEGER GE ai 173 tief, nur ſo tief, daſs die Saat bedeckt werden kann. Wird mit mehreren Pflügen gepflügt; ſo müſſen auch mehr Frauen und Kinder bey der Hand ſeyn, um die Aſche auszubreiten, und vor jedem Pfluge muſs ein Säe- mann gehen. Der Pflüger muſs zum erſien Mahl in una- gebautem Erdreich recht langſam und vorſichtig pflügen, und wenn der Pflug von Wurzeln oder Steinen aufgehal- ten wird,(die gleich nach dem Plaggenbrennen mit dem Erdbohrer aufgeſucht werden müſlen, damit ſie her- ausgebracht werden könnten,) bemerkt er ſie nun, um ſie mit Sparen und eiſernen Stangen wegzunehmen.“ „Es weeden nicht mehr Aſchenhaufen über das Feld ausgebreitet, als an demſelben Tage, oder am nächſten Morzen untergepflügt werden können. Sollte der nächſt folgende Tag ein Sonntag ſeyn, oder Regen ſich einſtel- len, ſo breitet man nicht mehr Aſche aus, als ſogleich untergepflügt werden kann. Dieſe beyden Zufälle abge- rechnet, iſt es Jas Klügſte, am Abend auszuſtreuen, was den folgenden Tag untergepflügt werden ſoll, da ich be- merkt habe, daſs die Kälte zu dieſer ſpäten Jahrszeit ſtark genug ſeyn kann, um die Aſche und die Raſen-. klumpen, die das Feuer nicht zerſtört hat, gefrieren zu machen, und das Ausbreiten derſelben verhindert, ehe die Sonne ſie aufgethaut hat.“ „Sobald die Saat ausgeſäet und bedeckt iſt, werden die benöthigten Waſſerfurchen mit einem tiefgehenden Waſſerpfluge gezogen, um das Feld für den Winter trocken zu halten.“ „Obgleich die Aſche durch ihre ſalzartigen Theile das Aufſchieſsen der Saat beſchleunigt, ſo wird ſie doch im Winter ſehr dünn zu ſtehen ſcheinen, weil das Feuer allen Unkrautſaamen und jedes wilde Selbſtgewächs ver- zehrt hat. Im Frühjahr wird fie deſto feſter aufſchieſsen, und fich mit neuen Seitenſchöſslingen ausbreiten. Das Getraide wird allezeit vierzehn Tage früher, als irgend ei- ne andre Art in der Gegend, reifen, und das ſchönſte FSS IIR SISSI I-SE- -> 174 Korn- wird man.an den Stellen erndten, wo die Oefen geſtanden haben.“ „Nicht jedes Erdreich giebt gleich gute Aſche, oder in gleicher Menge. Es giebt dergleichen, das fich in eine glasartige Subſtanz verändert, und nur wenig Aſche giebt, dies iſt das ſchlechteſte und von der Natur iſt der Sand. Der Beſitzer muſs ſich daher durch Verſuche Henntniſs von der Beſchaffenheit ſeines Bodens verſchaf- feyn; nicht bloß der zuoberſtliegenden, ſondern auch der verſchiedenen Erdlagen, die mit Hülfe eines Erdbohrers, und jn Ermangelung deſſelben, mit einem Spaten her- aufgebracht werden, um zu erfahren, für welche Getrai- deart oder Holzgewächſe ſein Boden am angemeſſen- ſten iſt“ „Oft habe ich beſſeres Korn an den Stellen geſehen, wo der oberſte Raſen nur mäſsig ausgebrannt, und bey- nahe ganz geweſen ilt, und wo man überdies genöthigt geweſen iſt, denſelben zu zerſchlagen, ehe das Feld be ſäer werden konnte, als da, wo er gänzlich zu Aſche ver- brannt war. Im Allgemeinen iſt der Raſen zum Verbren- nen am ungeſchickteſten, der eine weiſse Aſche und nur in geringer Menge giebt. Dies giebt eine mehr glasar- tige Beſchaffenheit zu erkennen. Je gelber, brauner oder ſchwärzer die Aſche iſt, deſto beſfler und ergiebiger iſt 6e.“; „Keine Erdart muſs, nachdem ſie abgebrannt wor- den iſt, zu bald aufs neue abgeſtochen werden, da der Raſen zu dünn iſt, und nicht wohl brennen will. Es iſt daher nothwendig, zu warten, bis die Heide oder anderes Geſträuch hinlänglich emporgeſchoſſen iſt, welches ſelten in kürzerer Zeit, als 2 Jahr, geſchieht. Die gefährliche und ſchädliche Praxis gewiſſer Gegenden, im Frühjahre die Heide abzubrennen, unter dem Vorwande die Weide für das Vieh zu verbeſſern, iſt ſo wenig die wahre Ver- beſſerung durch das Plaggenbrennen, beſonders wenn es 175: zu oft wiederholt worden ilt, daſs das eigentliche Ver- brennen nachher nicht Statt haben kann.“ „Die Beſchaffenheit des Bodens muſs beſtimmen, wel- che Getraideart im erſten Jahr darin geſäet werden ſoll. In guten Boden Weitzen, in Mittelboden eine Miſchung von Weitzen und Rocken, inleichtes Erdreich, das mehr ſandig it, Rocken. So wie ſich der Boden ver- beſſert, kann er geſchickt werden, eine Miſchung von Rocken und Weitzen zu tragen, und zuletzt Weitzen. Doch hat die Erfahrung mich gelehrt, daſs der Vortheil nicht ſehr verſchieden, uad daſs es eben ſo einträglich iſt, in ſolchen Boden Rocken zu ſäen.“ „Das Raſenbrennen äuſsert beynahe in zwanzig Jahren ſeine Wirkung, und da der Boden gänzlich von Unkraut gereinigt iſt; ſo kann er ſeinen ganzen Reichthum von nahrhaften Theilen dem Korn zuwenden, welches voller und gewichtiger wird. Sollte der Böden mit der Zeit wieder mit Unkraut bewachſen werden; ſo kann man das Verbrennen aufs neue vornehmen. Ich habe auf dieſelbe Weiſe meine übrigen AcKerſtücke behandelt, wenn ſie durch zu vieles Korntragen ausgeſogen, oder graßgt geweſen ſind.“ „Mittelmäſsiigen Wieſenboden habe ich"ebenfalls durch Verbrennen verbeſſert, und einen treflichen Gras- wuchs bewirkt, durch Hineinfäen von gutem Heuſaamen, den ich in den vorigen Jahren. von meinen Wieſen, ein- geſammelt hatte.“ Herr Tourbilly ſchlieſs: ſeine Abhandlung mit dieſer Verſicherung:„Keiner har dieſen Zweig des AK- kerbaues zu gröſserer Vollkommenheit gebracht, als ich, ohne Zweifel, weil niemand ſo viel Aufmerkſamkeit dar- auf gewandt, oder ſo viele Erfahrung gehabt hat. Dies hat mich bewogen meine Gedanken darüber aufzuzeich- nen, da ich nirgends dieſe Arbeit umſtändlich und deut- lich beſchrieben gefunden habe.“ Dieſelben Gründe ha- emm„amet reli Ne,> + x AI Ozma 5 -. 176 ben ebenfalls wich beſtimmt, hier die wichtigſten Mo mente ſeiner Schrift mitzutheilen. zte Abth, Wäſſerung der Wieſen. Unter die Gegenſtände, die beym Ackerbau für wich das gröſfste Intereſſe gehabt haben, hatallezeit, die Kunſt gehört, auf eine nützliche Weiſe das Waller über Felder und Wieſen zu leiten. Auf meinen Reiſen in der Schweitz» beſonders im Argau, habe ich oft mit Vergnügen geſehen, mit wel-« cher Sorgfalt, und mit welchem Ertolg die Einwohner des Landes einen jeden Bach, jede Quelle zur Bewälle- rung der Wieſen benutzen. In England, beſonders im weſtlichen Theil des Landes, habe ich ebenſalls Gelegen- heit gehabt, die Sache ausgeübt zu ſehen. Demohnge- achtet muſs ich geſtehen, daſs kein Zweig des Landbaus mir ſchwieriger vörkommt, fie dem in der Kunſt Unein- geweihten deatlich zu machen, da dieſe Art'der Landver- beſſerung, die der Engländer mit Recht ein cardinal Im- provement nennt, in der Ausführung gänzlich nach dem Localen, in Rücklicht der Güte des Wailers und der Lage, beſtimmt wird. Die Umſtände, worüber der Leſer Aufſchluſs wünſch» te, nemlich: Welche Art Waſſer iſt zum Bewaſlern dienlich? In welchen Zeiten des Jahres muſs die Wäſſe- rung' vorgenommen werden? Wie lange muſs das Waſſer lanfen? Wie vertheilt man das Waſſer, wenn der Boden uneben iſt? Mit welehen Maſchienen wird das Waſſer in die Höbe gebracht, wenn die Wieſe höher als dieſes liegt? u. ſ. w. Dieſe weſentlichen Punkte, die erläutert werden ſollten, ſind ihrer Natur nach ſebr ar- bitrair, und hätte man auch das Glück, den Leſer für die Avusübung bey einer oder der andern Stelle durch Kupfer orientiren zu können, ſo würde an einer andern daſlelbe Verfahren vielleicht unpaſſend ſeyn. 177 Auf meinen Reiſen in die öſtlichen und mittlern Grafſchaften fand. ich nur einzelne Beyſpiele von Ausfüh- rung dieſer Kunſt, die eher für Verſuche anzuſchen wa- ren: Künſtliche Maſchienen fanden ſich an mehrern Or- ten, um das Waſſer zu einer berrächtlichen Höhe herauf „zu bringen, die eine andere Beſtimmung hatten, als die Bewällerung der Wieſen, obgleich ſie mit Nutzen dazp angewandt werden könnten. Die einzeln vorkommenden Beyſpiele, daſs.ein auf- mwerkſamer Landmann einen Bach recht artig zum Ge- brauch für Haus und Scheune geleitet hatte; ſo wie daſs ein Anderer ſich: das Regenwaſſer, oder die Miſtjauche, die.durch feinen Hof Aoſs, oder aus dem Dorfe, oder von einem Landwege, zu Nutze gemacht, und-da, wo es Abfall hatte, über ſeine Aecker und Wieſen geleitet hat» te, verdienen nicht angeführt zu werden. Die Bewäſſe- rung hoher'und niedriger Wieſen, ins Groſse ausgeführt, nach Grundſätzen und nach der Erfahfung eines ganzen Jahrhunderts, habe ich nur in Wiltſhire und in den angränzenden Grafſchaften gefunden. In Devonſhire, einem Lande, das ſehr bergigt iſt, werden die Seiten der Anböhen auf folgende Weiſe: Man zwingt die Quellen oder Klei» nen Bäche, ihren Lauf längs dem obernwRande der Anhöhe zu nehmen. Wo man es, der Lage nach, nöthig finder, wird der Bach durch Erde in ſeinem Lauf aufgehalten. Dadurch wird er gezwungen, ſich über ſeine Ufer zu er- gieſsen, und. die Abdachung der Anhöhe zu bewäſſern. Damit nun das Waſſer nicht ungleich von der Anhöhe herabflieſse;- und grofse Flecke unbewäſſert lafſe, werden wir.den. Pfluge bey jedem zwanzigſten oder dreyſsggſlen Fuſs Queerrinnen gezogen, d. h. kleinere, Graben, queer über die Abdachung der Anhöhe,, die ebenfalls am Ende wit Raſen verſtopft werdew Indem das Waſſer ge- zwungen: wird, über ſeine, Ufer ſich zu tergieſsen ,; wird es in ſeinem Lauf von der gezogenen Queerrinne.aufge- M mR ree 2 1 SEIEN F+ NR SE SSREIINe ur +-> 178 pommen. Hier wird es ebenfalls aufgehalten, und ge- nöthigt, aufs neue überzuflieſsen und in ſeinem Laufe von der dritten Queerrinne aufgenommen zu werden, darauf von der vierten, fünften und ſechsten, und ſo zuletzt am Fuſs der Anhöhe fich in einen Queergraben zu ergieſsen, um zur Bewäſſerung des Thals oder der Wieſe benutzt werden zu können. Auf dieſe Weiſe kann ein ganz kleiner Bach zur regelmäſsiigen Wäſſerung einer groſßen Anhöhe, oder ei- nes Hügels angewandt werden. Das Waſſer wird über die ganze Oberfläche gleich vertheilt. Der Fall deſſelben iſt eben fließend, ohne in die Anhöhe einſchneiden zu können, oder Kraft zu haben die gure Dammerde weg- zuſchwemmen. Um das Waſſer aus den Queerrinnen wegzubringen, und die Anhöhe zwiſchen den, Waſſerfurchen trocken zu“ mächen, die queer über die Abdachung des Hügels ge- zogen waren, werden der Länge des Abhangs nach Waſ- Cerfurchen gezogen, die das Waſſer aus den Queerrinneo, und in den Waſſergraben am Fuſs des Hügels hinab- leiten. Dieſe Bewäſſerungsmethode iſt“ nicht. koſtſpielig, und verlangt nur wenig Hände, da das Waſier durch Ra- ſen in ſeinem Laufe aufgehalten wird, die weggeräumt werden, wenn die Wäſſerung hinlänglich ift, und das Waſſer abgeleitet werden ſoll.| Die Koſten der'erken Anlage mit Gräben, Queerrinnen u. ſ. w. wurden in der Grafſchaft zu drey bis fünf Pd. St. pr. Acre angeſchlagen. Die jährliche Reparation zur Erhaltung der Gräben vnd Queerrinnen ſteigt niclit über 8 S.,“oder zw ey Reichsthlr.'pr. Acre. Der jährliche Gewinn;an beſfferm und üppi- germ Graſe, das hach der Wäſſerung wächſt, wird auf 15 bis'49 S., di:'auf vier bis zehn Reichsthlr. pr. yer Acre gerechnet." 179 Der techniſche Ausdruck dieſer Wäſſerungs- methode ilt Catch- Work Meadows ſor land Iying on Declivities. Bewäſſerung der Wieſen und Grasfelder. Sobild die Wieſe oder das Grasfeld eben iſt und einen paſlenden Abhang bar, ift es eine leichte Sache, ſelbige zu bewäſſern. Schwieriger iſt es, das Waſſer in Circulä- tion zu bringen, wo es Erhöhungen und Vertiefungen giebt. Der Landmann muſs ſich da der Ciſternen be- dienen, um darin das Waſſer zu ſammeln, das auf die erhöheten Stellen der Wieſe wieder durch Queerrinnen vertheilt wird. Sich gemauerter Ciſternen zu bedienen, um darin das Wäſſer für die Bewäſlerung der Wieſen zu ſammeln, iſt in Eagland weniger gebräuchlich, mehr hingegen in der franzöliſchen Schweitz und im ſüdli- chen Frankreich. Wieſen, die an Flüſſen und Auen liegen, mit dem Waſſer der Aue oder des Fluſſes zu bewäſſern, erfordert mehr Plan und Koſten, Da ſolche Gründe von Natar(ehr niedrig liegen, ſo iſt die wichtigſte Frage: wie wird das Waſſer hinlänglich abgeleiter, nachdem ſie unter Waſſer geſetzt ſind, ſo daſs ſie rrocken werden kön- nen, wenn man es wünſcht und wie man es für gut findet? Das gewöhnliche Verfahren in den Grafſchaften Wilt und Somerſet iſt, ſolche ſumpfigten Grund- ſlücke in Aecker abzutheilen, mit tiefen Waſſergräben zwiſchen jedem Acker, wie in der Marſch, und die auf- gegrabene Erde mitten auf den Acker zu werfen, wo- durch dieſer einen angemeſſenen Rücken und Abhang gegen den Graben erhält. Von der Aue wird eine Haupt- rinne mit der Länge des höchſten Randes der Wieſe ge- leitet, damit das Waſſer in der Rinne die ganze Ober- fläche beherrſchen kann. Das, Waſſer aus der Aue in die Rinne zu erheben, braucht man verſchiedene Arten von Rädern, entweder das Schneckenrad, oder ſolche, als M 2 „- x A EO ennie 5 .-“ > 480 auf unſeren Mudderprahmen gebraucht werden, um den Schlamm herauf zu bringen. Die Länge und Breite der Aecker wird nach der Menge und dem Fall des Waſſers aus der Hauptrin- ne beſtimmt. Im Allgemeinen ilt der Acker 30 bis 40 Fuſs breit. Iſt Veberfluſs an Waſſer da, und der Fall deſſelben ſtark, ſo wird dem Acker eine Breite von 60 Fuſs gegeben. Die Länge delſlelben iſt von 140 bis 169 Fuſs. Mit der Länge des Ackerrückens wird von der Haupt. rinne eine ſchmale Waſſerfurche gezogen, die mit dem Pfluge gemacht wird, worin das Waſſer aus der Hauptrione fällt, wenn das Schleuſenbrett aufgezogen wird. Nach der Menge und dem Fluſs des Waſſers aus der Hauptrinne, wird deſſen längerer oder kürzerer Lauf in der Waſſerfurche auf dem Rücken des Ackers be- ſtimmt. Wo wan glaubt, daſs die Wirkung des Waſſers fich verlieren mögre, verſtopft man das weitere Forteilen deſſelben in der Waſſerfurche mit Erde und Raſen. Da- durch wird das Waſſer in der Waſſerfurche gezwungen, auf beyden Seiten über den Acker zu laufen, wo es von den Gräben zwiſchen jedem Acker aufgenommen wird, die es in einen Hauptgraben am Ende des Ackers leiten, wo es aufs neue auf dieſelbe Weiſe benutzt wird zur Bewäſſerung einer niedrigern Wieſe, wenn ſolche lich finder. Da die Aecker zu lang ſind, als daſs in den Waſer- furchen längs dem Ackerrücken das Waſſer den nöthigen Effect auf den ganzen Acker von 140 bis 160] Fuſs Länge ſollte äuſßern können, ſo haben wir ſchon geſagt, wie da, wo man glaubt, daſs deffen Wirkung ſich verlieren ſollte, das weitere Forteilen des Waſſers durch Erde und Raſen aufgebalten wird.“Man theilt nemlich den Acker nach der Menge und dem Fall des Waſſers in zwey oder drey Abtheilungen ein, und läſst das Waſſer in der Waſſerſfurche zum erſten Male nur bis zur Nitte» 181 des Ackers laufen, wo es mit Erde, und, wenn es nöthig ift, durch ein Schleuſenbrett zurückgehalten wird. Hat nun das Waſſer zuerſt ein Drittheil oder die Hälfte des Ackers hinlänglich gewäſſert, ſo wird die Erde wegge- nommen, oder das„Schleuſenbrett aufgezogen, und das Waſſer erhält dann Freyheit, die übrige Hälfte oder ein neues Driuhbeil der Waſſerfarche zu durchlaufen, wo es gleichfalls am Ende in ſeinem Laufe aufgehalten und ge- zwungen wird, dieſes Stück des Ackers zu wäſſern. If auch dieſes gewäſſert, verfährt wan beym unterſten Stück des Ackers auf gleiche Weiſe. Die Koſten dieſer Bewäſſerungsmethode ſind gröſ- ſer als die der vorher erwähnen. Die erſte Auslage wird auf 12. bis 20 Pd: Sterling pr. Acre gerechnet. Ut zum erſten Mal die Arbeit gur gemacht, und iſt die Anlage zweckwäſsig, ſo ſind die folgenden jährlichen Koſten von keiner Bedeutung. Der Vortheil it ſehr groſs Benutzt man das Land zur Weide für Ochſen, Kühe und Schaafe, ſo bringt es 3, 4 bis 5 Pd. Sterling pr. Acre ein. Auf die zuletzt erwähnte Weiſe werden ungefähr 20,000. Acres in Wiltſhire bewäſſert. Fragt man: warum werden nicht mehr Acres bewäſſert, wenn der Vortheil ſo groſs ilt; und warum verbreitet dieſe Me- thode fich nicht mehr in die mittlern, öſtlichen und nörd- ichen Grafſchaftren? ſo giebt es davon manche Urſachen, die die Verbreitung dieſer nützlichen Verbeſſerung ver- hindern, ſelbſt für Perſonen, die ſich für dieſe Sache ſehr intereſlirt haben. Das wichtigſte Hinderniſs iſt das verſchiedene!n- rerefſe bey den Farmers, deren Beſitzungen an eine Aue öder einen Fluſs toſßsen, deſſen Waſſer auf dieſe Weiſe benutzr werden könnte. Einige ſind ſo widerwillig, daſs fie ihren Nachbarn, weder für gute Worte noch auf billige Bediagungen erlauben wollen, das Waſſer durch > ESE ERIEI ng 182 ihre anſtoſßgenden Felder leiten zu laſſen, oder ſelbſt an dem Vortheil Antheil zu nehmen. Ein anderes nicht weniger wichtiges Hinderniſs ver- urſachen die vielen Waſſermühlen, die überall ſich fin- den. Will der Landmann fich die Aue zur Bewäſſerung ſeiner Wieſe zu Nutze machen, ſo klagt der Müller über Mangel an Waſſer. Und doch würde die Aue, zur Be- wälſerung der Wieſen benutzt, der Gemeinde oft zehn- mahbl einwäglicher ſeyn, als der Vortheil der Mühle, da der Müller mir Wind mahlen, und alſo das Waller ent- behren kann, der Landmann hingegen nicht. Ein drittes wichtiges Hinderniſs liegt in der Unwiſ- ſenheit des Landmanns, der im Allgemeinen glaubt, daſs das Waſſer ſeinen Schleim, ſeine fetten und nährenden Theile auf dem Grunde, der zuerſt überſchwemmt/wird, hinterlaſſe, und nachher für die Wieſe des Nachbarn nicht ſo zuträglich ſey Es iſt wahr, daſs das Waſſer ei- nen groſsen Theil der Fertigkeit, die es mit fich geführt hat, in ſeinem» Lauf über die Aecker, und an Höben und Hohlwegen herunter, wenn es ſtark regnet, hinterläſst, vyd daſs es ſeinen Schlamm da abſerzt, wo es dazu Gele- genheit erbält. Auf der andern Seine aber lehrt die Er- fahrung, daſs für die Wieſen der Nutzen eben ſo groſs iſt, wenn fie bey klarem und trocknem, als wenn ſie bey regnichtem Wetter unter Waſſer geſetzt werden. Veber- dies zeigt das Beyſpiel anderer Länder, daſs Kanäle durch mehrere Gemeinden und in eine Enifernung von meh- rern Meilen geführt werden, einzig in der Abſicht, Ak- ker und Wieſe zu bewäſſern. Solche Kanäle giebt es in Yorkſhire, ſolche in Langvedoc. Benutzung bewäſſerter Wieſen. In Wilt- ſhire, wo Schaaſe die beträchtlichſte: Zucht ausmwachen, und wo die gröſste Einnalime des Landmanns im Fettma- chen von Lämmern und Hammeln auf ſeinen bewäſſerten Feldern und Wieſen beſteht, iſt Folgendes ſein Ver» fahren: I83 Die Schaafe werden mit ihren Lämmern, ſobald“ fe mitlaufen können ,- auf die Wieſen und bewäſſerten Grasfelder getrieben. Zuweilen ſchon im«März. Ebe ſe eingelaſſen werden, macht man die Wieſe einige Ta- ge vorher ſo trocken als möglich, indem das Waſſer durch Niederlaſſung. der Schleuſenbretter zurück gehalten wird. Den Schaafen wird zuerſt am Morgen Heu gegeben; ünd fie werden"vor:“10 Uhr Vormittags nicht auf die wieſe gelaſſen. Um 5 Uhr Abends werden ſie nach Haufe getrieben. Der Grund davon iſt, daſs die Schaafe von dem. fallenden Thau keinen. Schaden leiden ſollen, und, wenn ſie nüchtern auf die wieſe kommen» ſonſtzu begierig vom feuchten Graſe freſſen mögten. Es wird den Schaafen nicht verſtattet, auf der-g.2 n= zen Wieſe, oder dem/hochliegenden Grasfelde zu graſen. Dieſe werden in fo groſse Stücke abgetheilt, als die Heer- de täglich zu ihrem Unterhalt bedarf. Die Schaafe gra- ſen in Hürden, in welchen fich kleine Oefnungen befin- den, damit die Lämmer bhindurchſchlüpfen, und im Vor- aus etwas von dem friſchen Graſe nippen Können, ehe die Hürde am ſolgenden Tage verſetzt wird. Sobald das erſte«Gras von den Schaafen und. Läm- mern verzehrt iſt, wird das Waſſer wieder über die Wie- ſe gelaſſen, aber nur auf zwey bis drey Tage. Darauf wird fie bis zur Zeit der Heuerndte verſchont. Sechs Wochen ſind die gewöhnliche Zeit für das Aufwachſen des Graſes um gemäht werden zu können. Fünf Wo- chen, oder acht Wochen ſind etwas Ungewöhnliches. Das Gras iſt auf den bewäſſerten Wieſen und Fel- dern ſehr ſtark, und wird zeitig gemäht, da es angeneh- mer und nahrhafrer ift. Zuweilen wird ſie zweymaht ge- mäht.(Doch geſchieht dies nur ſelten, und wo das Heu rar iſt. Der engliſche Landmann liebt nie den zweyten Heuſchnitt, weil dieſes Heu weniger nahchaft, auch dem Vieh nicht ſo angenehm, überdies ſchwerer zu trocknen iſt. Man läſst daher das Nachgras lieber vom Vieh ab- een“ eer Sl I Een 0 xDD een 505 > [184 weiden, Für“die Schaafe wird es-ſchädlich gehalten, dieſe genieſsen bloſs das erſte Frühjahrsgras. Beträchten wir'die Vortheile, die eine ſolche be- wäſſerre Wieſe oder ein ſolches Grasfeld ſeinem Beſitzer abwirft, ſo find lie weit größer, als die fetreſte natürli- che Wieſe zu geben veimögte. Wir-wollen dem Wilts: und Somerſer Landmann in ſeiner Berechnung folgen. Acht Schaafe mit ihrer jungen Zucht werden auf einen Acre gerechnet. Für die Graſang wird für die ſunf Wochen des Frühjahrs, bis die: Wiefe oder das Hocbland- ſtück zur FMeuerndte gehegt wird, im Allgemeinen ein Pfund.(5 Rthlr.) Gegeben. Nach Verlauf von ſechs bis acht Wochen, wäh. rend welcher«das Gras. für die Heuwerbung geſchont wird, könnea nun 15. bis 2 Tons Heu, divi. 100 bis 150 LPd. Pt. Acre geerndiet werden, Wenn'das.Heu. geborgen iſt, werden Kühe. auf die Wieſe eingelaſſen, die bis in den Herbſt'weiden. Rechnet män den dreyfachen“ Vortheil zuſammen, den dieſe Landmänner von ihren Wieſen haben, ſo“ be- greift man leicht, daſs ſie ohne Schaden die grofse Abgas be& von 49 bis 45 s. von einem Acre ſolchen Wieſengrun« des geben, und dach groſsen Vortheil haben können. Wie groſs der Vortheil iſt,:den der Landmann in Wiltſhire von der Wäſſerung ſeiner Grasweideh har; ficht man am deutlichſten, wenn man ihn mit ſeinen Nachbarn vergleicht, bey denen ſie. nicht Sitte ilt. Für beyde macht die Schaafzucht den wichtiglten und vor- theilhafreſten Gegenſtand aus, Bey“ beyden jſt im. Märzmonat der Rübenvorrath und beynahe alles Heu aufgefüttert. Der Eine erbält dann feine Schaafe kümmerlich mit Heuz wobey- ſowohl Schaaz fe als Lämmer verſchmachren, 4ft ſein geringer Heuvor« tach verzehrt, ſo wird er gezwungen, ſeine Schaafe und Lämmer, den ganzen April und'einen groſsenPſheil des Mai bindurch, auf den Kornacker zu treiben, und fie 185 alte Arten grüben Futters auffrefſen zu laſſen?! den jun. gen Weitzen,“ Klee, Wicken- u; a.; oder auch-ſie auf ſei- netrockenen Wieſen zu treiben,'wobey“ er einen Theil des Heuessfür den'Wintervofrath verliert. In diefen bey- den kritiſchen Monathen iſt diefer Landmann genöthivt, feine Winter-«)und+Frühlingsſaat, ſeine Heuerndte und ſeine Schaafheerde zu exponiren.| r: Der Andere, der bewäſſerte Wieſen und Gras- felder beſitzt, hat von ſolchem, Unfall nichts zu befürch- ten. Sind ſeine Rüben verzehrt, ſo har er einen größern Vorrath von Heu für den: April und Mai, weil. er mehr geerndtet hat.„Den Tag über kann er. die Schaafe„auf die Wieſe gehen laſſen, das Gras iſt, reichlicher da, und er leidet dadurch für ſeine Heuerndte keinen Verluſt, wie der Erſtere, dellen Wieſen trocken ſind, und nicht unter Waſſler geſetzt werden können... Die, Folge: davon iſt; daſs die Schaafe und Lämmer dieſes Landmannes im Mai eben ſo fett und wohlgenährt ſind, vals die des Er- ſtern zu Johannis. Jener erhält für das Stück von ſeinen Lämmern 30 8., und für ſeine jungen Hammel zwey bis drey Pd. St., der Andere hingegen für ſeine Lämmer 8, 10 bis 12 s., und für ſeine Hammel nach demſelben Ver» häitniſs, Vergleiche ich meine eigene Erfahrung mit Ber- wands*)-und Boswells*) lehrreichen Bemerkun- gen über Wäſſerung der Wieſen, ſo mögte Folgendes zur näheren Aufklärung über die wirkende Kraft des Waſſers ſowohl auf den Boden, als auf das Gras,“dienen können. undzeigen, welche Vorlichtsregeln dieſe Ope- rauon erfordeit, Bertrands' und Boswells Namen ſind *) Der Schweizeriſchen Geſellſchaft in Bern, Sammlungen von landwirghſchaftlichen Dingen, 2 Theile, 5x) Boswells Treatise on Wwatering MeadoWS« Seen eren alien x Dee 5 “> 186; überdies die beſte Empfehlüng für die Richtigkeit dieſer Grundſätze. Der Eine wird;in der Schweiz, wie" der Andere in England'von ihreni-Landsleuten /für den kun- digſten und erfahrenſten Mann in dieſem Zweige der Landwirthſchaft angeſehen. Auf welche Weiſe das Waſſer aufs.Gras wirkt, ilt zum Theil ein Geheimniſs, und noch ein:unabgemachtes philoſophiſches Problem. So viel lehrt die Erfahrung, daſs es nicht allein die Pflanzen e:nährt, ſondern auch eine Menige Erdpartikeln mit ſich führt, beſonders'nach ſtarkem Regen, die es in ſeinem Lauf über Aecker und Wieſen auf der Oberfläche der Erde hinterläſst. Dieſe Erdparti- keln beſtehen aus der feinſten Dammerde, ſchwarz von Farbe, und reich an inährendem Stoff ſür die Pflanzen. Das Waſſer befördert die Fäulniſs aller thieriſchen und Pflanzen- Subſtanzen in der Erde, und wägt viel dazua bey, die Erde unter dem Raſen'zu verbeſſern. Die Wäſßſerung der Aecker und Wieſen macht ein Land nicht ungeſund. Das Waſſer iſt beſtändig flieſsend, und wo es Rockt, wird es abgezapft, da ſtillſtehendes Waſſer dem Graſe allezeit ſchädlich ilt. Der bewäſſerte Wieſenboden iſt gleichſam ein Treibhaus für die Pflan- zen; ob dies aber die warme Temperatur bewirkt, die das Waſſer der Erde im Frühjahre mittheilt? oder die aufgelöſten Hhalktheile, die das Waſſer abſetzt? oder ob - vielleicht durch die fixe Luft, die das Waſſer enthält, der Vegetation neues Leben gegeben wird? iſt nicht aus- gemacht. Es iſt eine bekannte Wahrheit, daſs Pflanzen, die auf trockenem Boden wachſen, nahrhafter ſind, als die, welche auf naſſem und ſeichtem Boden wachſen. Hier- aus folgt; Jaſs nie eine zu groſse Menge Waſſers über den Acker flieſzen, ſondern nur ſo viel, daſs es den loſen Boden befeſtigen, und die Pflanzen in ihrem Wachsthum erſriſchen kann. Daher fieht man in den Ländern, wo die Wäſlerung der Wieſen in Gebrauch iſt, das Waſſer 187 ganz leiſe unter dem Graſe hinflieſgen. 9Man» fieht» Kein Waſſer, man hört nur das leiſe Flieſen deffelben,. /Dies giebt nähere Anleiwung zu dieſenibeyden Hauptregeln bey Wäſſerung der Wieſen und»Grasfelter;1 die mier ver ſäumt werden müſſen: Zwiſchen jeder Wäſſerung halte man Maa bewäſſerte Stück ſo trocken als möglich; und höre auf zulbewäſſern,;ſobald einmſchle im. abtigerSchaum das Waſſer-bezieht, welcher beweiſ, daſs die Erdechänmlänglich:;geſättrigt iſt, unddie weitere Wäſſerung ſchaden werde. Erfahrung hat in den'Gegenden, wo dieſe Landöko- nomie in Gebrauch iſt; den Landmann gelehrt, welche Flüſſe, Auen und Bäche zum Bewäſſern der Wieſen die dienlichſten nd; zu welcher Jahrszeit die Wäſßſſerung vorgenommen"werden muſs; wie lange das Waſſer flieſ- ſen muſs) und wann es aufhört.zu' nutzen. /Die Erfah- rung» eines:ganzen Jahrhunderts hat in dieſen“ Ländern das Wäſſern der Wieſen in ein ordentliches Syſtem ge- bracht. Verſache. mehrerer Männer und veſchiedener Zeiten haben endlich.dem Landmannn das rechte Verfah- ven gezeigt, ,das Kenntniſs der Natur des Walſlers, und der Beſchaffenheit des Bodens, ohne dieſe hundertjährige Erfahrung ihn gelehrt haben würden. Die Wäſſerung muſs nicht bey einem ſehr warmen Wetter vorgenommen werden, weil an einem warmen Tage die Feuchtigkeit zu ſchnell in die Pflanzen einzieht. Die Pflanzengefäſsze werden durch die vielen wäſſerich- ten Theile zu ſehr ausgedehnt, ihre Textur wird ſpröde, und fie können durch darauf folgende Dürre oder Käl- te leicht Schaden leiden. It das Frühbjahr trocken, ſo muſs die Wäſſe- rung vorgenommen werden, ſobald der Froſt aus der-Er- de iſt, und, bis.das Gras hervor zu ſchieſsen beginnt, fort- geſetzt werden. Wenn aber der Winter ftreng il, > Bi 20 wagten 194 landy*) haben ſchon den Leſer mit den in England ge- bräuchlichen Düngerarten bekannt gemacht. Ich darf al- ſo nur die Gegenſtände berühren, die eine nähere Erör- terung verdienen. Da das Vieh, des milden Winters: wegen, nicht“ ſo viele Monate, wieibey uns, auf dem Stall ſtehr, und man überdies die Sommer- Stallfücterung nicht treibt,(o iſt es ſehr gbegreifßlich, daſs der engliſche Landmavn nicht ſo vielen Stalldünger haben kann, als zur Bedün- gung ſeines Ackers erfordert wird. Da er auſserdem un- ſer Ruheſyſtem nicht kennt, ſondern“ ſich beſtrebt, ſei. nen Acker und ſeine Wieſe zur möglichſten Höhe der Früchtbarkeit zu bringen, ſo ſieht er ſich genöthigt, ſei- nen Düngervorrath auf eine künſtliche Weiſe zu ver- mehren. Die gewöhnlichſte Weiſe, die Menge des Düngers zu vermehren, iſt, aufser dem Streu im Stalle, ihn' mit Er- de und.etwas Kalk zu vermiſchen.“Im Winter wird der Miſt vom Hofe ausgeführt, und ander Einfriedigung der Koppel, die bedüngt werden ſoll, hingelegt. Friſche Erde wird von den langen, unbenutzten Landſtreifen an den lebenden Hecken genommen, und mit dem Stalldün- ger vermiſcht. Entweder, legt man einen Fuſs dick Erde zur Unterlage, und Miſt oben darauf, der wieder mit Erde bedeckt wird, oder Erde und Milt.lagenweiſe. Zu dieſer Miſchung von Sialldünger und Erde thut man eini- ge Tonnen ungelöſchten Kalk, der eben über den Dün- ger ausgebreitet wird. Eine ſolche Miſchung von Vitt, Erde und Kalk wird Compoſt genannt. Um die Fäulniſs zu befördern, und deſto beſſes die Erde und den Kalk mit dem Miſte vermiſcht zu erkalten, wird der ganze Düngerhaufen ein paarmal umgeſtoſsen, wenn Zeit dazu übrig iſt, ebe er über den Acker ausgebreitet wird. Wenn der Stalldünger mit Erde gemiſcht wird, ſo iſt er bey weitem nicht friſch; er hat ſchon gute Zeit ge- %*) Olufſens oeconom, Annalen 1, B. 66 S« 195 habt zu fermentiren, und iſt gewöhnlich ein Jahr alt; Nachdem er im Felde mit friſcher Erde vermiſcht iſt; bleibt er in 2 Monaten ungerünrt liegen, nach deren Verlauf er-wieder umgeſtochen wird, und wenige Wo« chen darauf geſchickt iſt, auf dem Acker ausgeſtreuet und vntergepflügr zu werden.' Eine ſolche Miſchung iſt wohl nicht ſo kräftig, als bloſser verfaulter Miſt, erſetzt aber doch ſehr gut den Mangel deſflelben. Man rechnet daſs 12 bis 15 Fuder Compoſt eben ſo gut als 10 Fuderx Miſt find. Ohne Zweifel würde es beſſer ſeyn, die Erde auf die Düngerſtelle im'Hofe zu fünren, den friſchen Miſt oben auf dieſe Erde zu legen, und fie hier von der Miſtjauche wohl durchdringen zv laſſen. Dies iſt nicht gebräuchlich, wahrſcheinlich der doppelren Arbeit we- gen, erſt nemlich die Erde auf den Düngerpiatz, und nachher wieder aufs Feld zu führen. Der erwähnte Compoſt, aus+ Stall- und Hofmiſtz 2 Erde und einigen Tonnen Kalk und Steinkohlenaſche beſtehend, die gut unter einander gemiſcht ſind, wird auf den Acker ausgebreiter, der gebraacliet und zu Weitzen gedüngt wird; oder er wird auf die Kleeſtoppel gelegt, die gleichfalls zn Weitzen untergepflügt wird, oder auch zu Turnips. Man kann es als eine allgemeine Regel anſehen, daſs zu Weitzen und Futterwürzeln ge- düngt wird. Den Acker oder die Wieſe mit Kalk und Kreide zu düngen, iſt in England ein ſehr alrer Gebrauch, und vorzüglich in den ſüdlichen und mittlern Grafſchaften; Auf meinen Reiſen in dieſen Gegenden fand ich, daſs man ſowohl mit gebranntem als rohem Kalk und Kreide düngte, im letztern Fall waren fie bloſs zerſtoſzen. Ich fand ebenfalls, daſs man mit Kalk und Kreide jede Art des Bodens bedüngte, oline Rückficht, ob er leimig oder ſandig, ob die obere Erdlage ein leichtes kalkartiges Stra tum oder Sumpfgrund war. Ieh fand ferner, daſs man mit Kalk und Kreide regelmäſsig in jedem dritten oder N 2 NEEL“ ammer"EIER -. 196 vierten Jahre düngte, und daſs dieſe Düngerart gebraucht ward, ohne mit Erde oder Stallmiſt gemiſcht zu ſeyn, auf dem Brachfelde, zur Düngung für Turnips, zur Ueber- düngung auf jungem Weitzen und Klee, auf ausgetrock- neten Wieſen und Sümpfen. Wie nützlich auch der Kalk, als Dünger betrachtet, iſt, ſo ſieht doch ein Jeder leicht ein, daſs ein ſo unbe- grenzter Gebrauch deſſelben keinesweges dienlich ſeyn kann. Es iſt wahr, der Kalk enthält eine Menge Stoffe*) die dienlich ſind die träge Vegetation zu beleben; er hat die gute Eigenſchaft, die Säure des Bodens und die über- triebne Feuchtigkeit deſſelben zu vermindern, die Fäul- niſs zu befördern, und die Textur des ſtark leimigten Bodens zu verbeſlern. Es ilt ebenfalls ausgemacht, daſs er die Dünſte der Atmoſphäre, und die darin befindlichen nährenden Stoffe an ſich ziebt.. Wir wiflen aus. Erfah- rung, daſs Kalk die Erde locker macht, ihr einen höhern Grad von Wärme mittheilt, und das Moos auf Aeckern und Wieſen vertilgt. Bey allem dieſem kann er doch nicht unter allen Umſtänden nützlich ſeyn, eben ſo we- nig gleich ſtark avf jedem Boden angewandt werden. Ein. leichter Boden muſs nicht ſo ſtark mit Kalk bedüngt werden, als der zähe L.eimboden, und Sumpfboden kann ſeiner Natur nach am meiſten vertragen. In den Grafſchaften, wo Stein- und Kreidekalk im Veberfluſs ſich befindet, bat ein jeder ſeine eigene Gru- be oder Ofen auf ſeinem Felde, worin der Kalk gebrannt wird, und hier hat man den Kalk für 40 ſs. dän, die Ton- ne. So heiſs wie der Kalk aus dem Ofen kommt, wird er in kleinen Haufen auf den Acker gebracht, die mit Erde wohl zugedeckt werden, So bleibt er liegen, bis er von Thau. und Regen vollkommen durchgearbeitet iſt, *) Der robe Kalk, von jeder fremdartigen Materie frey, enthält 11 Theile Waſſer, 34 Theile Kohlenſtoffſäure, und 55 Theile reine Kalkerde, 1 197 wodurch“er geſchickt wird mit der Erde vermiſcht zu werden, und beſſer ſich über den Acker ausbreiten zu laſſen. Sobald er ausgebreitet iſt, wird er untergepflügt. Auf leichtem und ſandigem Boden, der voll von Gries und kleinen Steineniſt, iſt nach der Behauptung des Engländers, Kalk der beſte Dünger» und in jedem: dritten und, vierten Jahr ſoll man damit düngen. Wo der gebrannte Kalk allein gebraucht wird, werden. 3 bis 4 Chaldrons auf einen Acre gelegt, das iſt; ungefähr. 40 bis 50 Tonnen Kalk; auf eine Tonne Lan- des. Andre gebrauchen nur 10 Tonnen Kalk für eine Tonne: Landes. Dergleichen beruht auf üblichem Ge- brauch, wobey man ſich doch nach der Beſchaffenheit des Bodens richtet.: Wird der Kalk auf einem für Weitzen beſtimmten Brachfelde gebraucht, ſo wird er im Allgemeinen im Juny ausgebreitet, und entweder gleich untergeegget oder untergepflügt. Iſt das Land lange unterm Pfluge gewe- ſen, ſo wird es gleichfalls mit Kalk bedüngt; der Land- mann gebraucht aber doch an manchen Orten die Vorſicht, gleich darauf mit Miſt oder mit Compoſt zu düngen. Dies ſcheint für den Boden daſſelbe zu ſeyn, als wenn der Kalk im Düngerhaufen mit Erde und Miſt vermiſcht wä- re; doch halten dieſe erwähnten Landmänner diele Be- handlungsart für beſſer. Obgleich der Gebrauch des Kalkes, als Düngungs- wittel, in den mittlern und ſüdlichen Grafſchaften ſo allgemein iſt, dafs es ſogar dem Pachter von ſeinem Land- Lord aufgelegt wird, eine gewiſſe Anzahl Acres jährlich mit Kalk zu düngen, ſo hört man doch oft Klagen über Miſsbrauch deſſelben, und faſt dieſelben, wie über das Plaggenbrennen. Der eigentliche Fehler beſteht darin, daſs der Landmann zu grofsen Vortheil von ſeinen auf gewandten Koſten haben will. Er ziehr, nachdem der Boden mit Kalk gedüngt iſt, zwey, zuweilen drey Weit zenerndren aus demſelben, wodurch er zu ſehr ausgeſo- ng ene ame 0 5 IEEE, > 198 gen wird, Diesiſtgewöhnlich der Fall bey dem abgehenden Pächter. Sein Nachfolger klagt darüber, daſs.der Vor- gänger die Felder verwahrloſt har, und kann nicht ſo viel an Pacht geben. Die vernünftigſte Behandlung des Bodens, der mit gebrannten Kalk gedüngt worden iſt, ſoll die ſeyn, in der Saatenfolge mit Weitzen und Hülſenfrüchten abzuwech«= ſeln, In Sufßiex wird der Boden zu Turnips gekalkt, und darauf folgt Weitzen. In andern Gegenden wird dieſes Verfahren für miſslich gehalten, und man ſäer lieber Gerſten mit Klee an der Stelle des Weitzens; der Klee bleibt nur ein Jahr über ſtehen, und in die Kleeſtoppel wird Hafer geſäer,' Nach dem Hafer entweder aufs neue Turnips, wozu gedüngt wird, oder auch Pferdebohnen., It der Boden dagegen leimig, Können die Tur- nips nicht gebaut werden; dies iſt eine Frucht, die ſelien auf ſtarkem Boden wohl gelingt. Solches Land wird auf- gebrochen, und darauf der Kalk im Jalius oder Auguſt ausgebreitet, und wohl untergeegget, ehe es gepflüogt wird. Um den Kalk hinlänglich mit dem Leim zu, ver- miſchen, pflügt man den Boden zwey- bis dreymal, und ezget ihn eben ſo oft. Die beſte Saatfolge auf ſolchem ſtarken Boden, der mit Kalk gedüngt wörden, iſt nach der Erfahrung: zuerſt Weitzen, darauf Pferdebohnen, Gerſten mit Klee, und in diekleeſtoppel des erſten Jahrs, Hafer zu ſäen. Dieſe Abwechſelung von Kornarten und Nülſenfrüchien entkräfter den Boden nicht, und der Ralk wird dann eine für den Acker unſchädliche Düngung, Iſt der Boden ſchr mager, ſcharf, ſandig und mit Heide überwachſen, ſo iſt es. durch ganz Evgland gebräuchlich, den Raſen abzubrennen, und, ſobald die Aſche ausgebreitet iſt, mit Kalk zu düngen. In den mit Aſche und Kalk gedüngten Boden ſäer man Turnips«, Dieſe werden von den Schaafen auf dem Felde verzehrt, wodurch der Boden vortreflich zu Hafer vorbereitet: wird, 199 Mit.'dem Hafer ſäetiman Klee'oder andern Grasſaamen, und läſst das Land in einigen Jahren zur Weide liegen. Kalk wird mir ſichtbarem Nutzen im' Frühjahr auf den jungen Klee ausgeſtreut, ebenfalls auf Wieſen und Grasfeldern. Je ſpäter im Jahre der Kalk ausgeſtreut wird, deſto geringer ſoll die Wirkung deſſelben ſeyn. Das ſtärkſte Beyſpiel vom überaus grofsen Nutzen des Kalks in ausgetrockneten Sümpfen findet man in Derby- Chire. Der Landmann bringt hier 500 bis 600 Buſhel Kalk auf einen Acre.“ Das macht ungefähr 200 Tonnen Kalk auf'eine Tonne Landes. Durch dieſe überaus ſtar- ke Düngung mit Kalk iſt der Boden ſo verbeſſert worden, daſs man nun 20 bis 25 s- von einem Acre'geben kann, da vordem nur 1 s. gegeben wurde. Es iſt leicht' einzu- ſehen, daſs eine ſolche Verbeſſerung nur in den Gegen- den Statt baben kann, wo Kalk und Feurung wohlfeil iſt. Herr Billingſley*) führt ein merkwürdiges Bey- ſpiel von dem überaus groſsen Nutzen der Kalkdüungung an. Ererzählt, daſs in Mendip- Hills einige Grundſtücke ſo unfruchtbar waren, daſs ſie zur Zeit König Eduard des 6ten auf 7 Jahr von Leiſtung der Zehnten befreyt wur: den. Dieſelben Grundſtücke waren vor 40 Jahren nicht vier. Schillings werth, und werden nun für 30 Ss. vom Acre verpachtet. Der. Anfang dieſer Hauptverbeſſerung war der, daſs fie ſtark mit Kalk gedüngt wurden, der dem Boden ſeine natürliche Säure benahm, und ihn ge- ſchickt machte, in der Folge eben ſo gute Früchte tragen zu können, als anderes wohlgebautes Land. Das Auffal- lendſte war, daſs man verſucht hatte, 30 groſse Fuder wohldurchfaulten Miſt auf einen Acre zu bringen, ehe man daran ging mit Kalk zu düngen; aber ohne einigen merklichen Erfolg. Der erwähnte Herr Billingſley erzählt an'einer anz dern Stelle, daſs man in der Grafſchaft Somerſet Krei- 2) Gen, View of ths AgricvIture of Somerſet p, 105, Zu uE= arent > 2038 dekalk*) mit'vielem Vortheil auf naſſem und zähem Leim- boden als Dünger gebraucht, und daſs hier 50 bis go Fu- der auf einen Acre gebracht werden. Er erzählt ferner, daſs die vortheilhaften Wirkungen davon ſich in Zwanzig Jahren zeigen, und daſs dieſe Art der Verbeſſerung un- ter den Pächtern für ſo bedeutend angeſehen wird, daſs der neu antretende dem abgehenden Pächter 5: P5Stopit Acre bezahlt, wenn die Felder neulich mit Kalk bedüngt worden lind. Dieſe-Erſtattung an den abgehenden Pach- ter iſt bey weitem nicht groſs, wenn der Boden ſtark ge- düngt worden iſt, So habe ich einen Farm von 1200 Acres geſehen, der einem Herrn Gell gehörte. Die- ſer Mann brachte auf ſeinen. zähen Leimboden, um deſſen Textur zu verbeſſern, 140 Fuder auf einen Acre, jedes Fuder zu 7 Tonnen, und hatte auf die Weiſe über 16005 Fuder auf ſeine Felder geführt. Die Düngung jeden Acre Landes kam ihm auf 25 Rthlr. zu ſtehen. Doch muſs ich hinzufügen, daſs ſein Dünger nicht gebrannter Kreide« Kalk, ſondern nur guter Kalkmergel war. In. der fruchtbaren Gegend the Weald of Kent ſind die Pächter verbunden 100 Buſhel Kreidekalk pr. Acre auf ihr Brachfeld zu führen, das darauf mit Weitzen be- ſäer wird. Der Ralk iſt ſtark mit Gyps vermiſcht, und wird zu Wagen beynahe 20. engliſche Meilen weit her- geholt. In Devonſhire wird.der Kalk gleichfalls aus einer Entfernung von. über zo Meilen herbeygeführt, und der Landmann bezahlt auf der Kalkbrennerey 3 Mark dän. für die Tonne, oder nach dem Maals und Geld des Lan- -des 6 d. für einen Buſhel, Aus dieſen Beyſpielen erſieht man deutlich, daſs in den Grafſchaften, wo die Kalkdüngung allgemein, und wo man von deren Nutzen überzeugt iſt, ſelbige oft mit groſszen Koſten angeſchafft wird. *) Kigentlich ein Kalk- und Kreidemergel, 20k Indeſſen kann ich hier nicht unterlaſſen, zur Beleli- rung derjenigen, die engliſche ökonomiſche Schrifren leſen, zu bemerken, daſs die Ausdrücke lime, marl, clialk, clay beſtändig mit einander verwechſelt werden,- und“dieſs Verwechſelung findet noch häufiger im täglichen Umgange Statt. So wird ſehr oft der Kalk-undGypsmergel lime und chalk, der Leimmergel clay genannt. So ſagt ein jeder Landmann in Suffolk, daſs er mit clay(Leim) düngt, da ſein Boden doch ſehr leimig iſt; anſtatt clay ſollte er den Ausdruck: marl gebrauchen, denn er düngt ſein Land nicht mit Leim,'welches ungereimt wäre, ſondern mit Mergel. In England wird der Kalk noch häufiger mit Stall- dünger, Modererde oder Aſche vermiſcht» gebraucht, als für ich allein, Das vortbeilbafteſte Verhältniſs iſt, zwey Theile Kuhmiſt und einen Theil Kalk für einen ſandigen und unfruchtbaren Boden, oder vier Theile Modererde zu einem Theil Kalk." Für ſumpfigten Boden iſt'nichts dienlicher als: Kalk mit Aſche vermiſcht, beſon- ders mit der Aſche des verbrannten Raſens. Sollte der Ackerboden durch zu häufigen Gebrauch des Kalks- geſchwächt, worden ſeyn, das heiſst: iſl die Textur deſſelben durch beſtändiges Kalkaufrühren zu locker geworden, ſo wird üe dadurch verbeſſett, daſs fle wohl mit altem Stalldünger, mit Erde gemiſcht, über- düngt wird, oder, in deiſen Ermangelung, eine gutejAus- ſaat von Buchweitzen, Klee oder Wicken untergepflüägt, und die Erde mit einer ſchweren Walze gewalzt wird. In den neuern Zeiten haben die Engländer fich auch des Gypſes zur Düngung des Ackers bedient. In dem unglücklichen nordamerikaniſchen Kriege baben ihre Krieger düſen Gebrauch und groſsen Nutzen in Penſyl- yanien kennen gelernt, Ueberdies haben ihre Nachbaren, die Franzoſen, durch ihre Schriften ſie auf den' groſsen Nutzen deſſelben für den jungen Klee, für Lucerne, Eſpar- cette und andere Futterkräuter, aufmerkſam gemacht. Ga ae AE ENT TT TSE ESE ... 202 Ein Brief von einem Pächter, Herrn Smith in der Graf- ſchaft Rent, an-einen iandern Pächter, Jer-in Youngs An- nalen*) abgedruckt. iſt, zeigt uns, daſs ſie damit wohl zufrieden, ſind.„Haben Sie die Güte, ſchreibt der Päch- ter, und benachrichtigen Sie mich, ob Sie mir 2 oder 300. Buſhel Gyps verſchaffen können. An einem. Ver: ſuch, den ich in den. drey letzten Jahren auf einem trock» nen. und kalkigten Boden, mit Klee und Eſparcette be- ſäer, gemacht habe, habe ich deſſen beſonders gute Wir- kung bemerkt; der-Nutzen des Gypſes beſtätigt vollkom- men die Nachrichten, die aus Amerika„in Youngs An- nalen mitgetheilt ind. Verſchiedene Pächter in.meiner Nachbarſchaft, die ſonſt zu neuen Verſuchen keine Nei- gung äuſsern, ſind ſo ſehr von dem Nutzen des Gypſes überzeugt, nachdem ſie deſſen Wirkung auf Eſparcette, Klee.und andern Futterkräutern geſehen haben, daſs ſie nun in dieſem Jahr Willens ſind,'einen Verſuch damit zu machen,«und. Gyps ſtatt.des Ruſses zu gebrauchen. Sie wollen nicht im Kleinen beginnen, ſondern gleich mit 109, Buſhels. Sechs Buſhels werden auf einen Acre geſtreut.“ Mit Kalk, Mergel und Gyps zu düngen, iſt in meh- rern Ländern gebräuchlich, und von deren beſondern Nutzen für Acker und Wieſe bin ich oft Augenzeuge ge- weſen. Auffallender war mir der in den Grafſchaften Hertford, Berk und Bedford gewöhnliche Brauch, die Saat im Frühjahr mit Ruſs, Taubenmiſt und Aſche Zu überdüngen, ſo wie mit allen Arten von Abfall bey Hand- fehuhmachern, Fellbereitern und Kürſchnern, gleichfalls auch von Seifenſiedereyen, Zuckerrafiinaderien und Ger- bereyen. Dieſe verſchiedene Stoffe werden auf grofsen Laſtwagen von London'in die erwähnten Grafſchaften ausgeführt, der Landmann kauft ie theuer, und muſs ſie Tonnenweiſe bezahlen, *) Youngs Annals vol. 24.' p- 359. 203 Die vortreffliche Wirkung«der: Veberdüngüng“ des Ackers iſt in dieſen» erwähnten»Grafſchafren hinlänglich erkannt. Was iſt aber Urſache, daſs dieſe Düngungs- methode ſo vorzüglich ik? Iſtes die beſondere Art, wie fie.angewandt wird, oder liegt'der Grund in den: vorzügs lich guten-Eigenſchaften dieſer Düngerarten?/ Vielleicht in beyden. Die gewöhnliche Art zu düngen, nemlich den Dün-« ger.unterzupflügen, ſcheint in mehrern Rückfſichten nicht die richtigſte zu ſeyn. Die“ beſten Theile des unrerge- pflügren Düngers verſinken in den Schoos der Erde, und wenn die unterliegende, Erdart von Jockerer Narur ift, finken ſie tiefer als der Pflug geht, und ſcheinen alſo fur die Saat verloren zu ſeyn, zu deren Nutzen und gröſsern ' Fruchtbarkeit ſie untergepflügt ſind. Bey“ der gewöhnlichen Art zu düngen, wird die Textur des Bodens verbeſſert, der ſtarkeLeimboden wird durch das Aufführen des Stalldüngers allmählig lockerer; ſo wie die leichtere Erdmiſchung durch den Dünger meh rere Feſtigkeit erhält, und beſſer geſchickt wird, den Thau und den fallenden Regen aufzunehmen und zu be- wahren, Aus dieſem Geſichtspunkt iſt die eingeführte Düngungsmethode vortrefflich, und kann mit Recht als eine Grundverbeſſerung angeſehen werden. Iſ es hin- gegen unſre Abſicht, nicht bloſs die Erdart zu verbeſſern, ſondern vornehmlich, daſs der Dünger die Saar ernähren, ußd zu einer größern Fruchtbarkeit beytragen ſoll, ſo ſcheint es zweckmäſiger, den Dünger über die gepflügte Oberfläche auszubreiten, und anſtatt ſie unterzupflügen, ihre nährenden Theile mit dem Regenwaſſer. in die ober fte Erdlage eindringen zu laſfen. Der Dünger würde dann ſchneller wirken können, und weniger Fuder da von würden zu einer Tonne Landes benötbigt. ſeyn,: Freylich müßten wir dann den Acker jährlich düngen, aber wir würden dagegen weit ſparſamer düngen, und die Mühe bliebe ungefähr dieſelbe. Der wichtigſte Grund ema mme 20 GEIZ IE SEZEN 204 gegen dieſe Düngungsmethode würde der ſeyn, daſs der Dünger bey langer Dürre und ſtarkem Winde ſeine Kraft verlöre. Da nun keine der erwähnten Düngungsmethoden vollkommen gut iſt, beym Unterpflügen des Düngers deſſen nährende Theile in die unterliegende Erdlage verlinken, beym Ueberdüngen des Ackers der Dünger leicht verdünitet und austrocknet, ſo ſcheint mir die eng- liſche, Methode in den Grafſchaften Hertford,'Berk und Bedford beſonders gat zu ſeyn, beſonders in der Nähe grofser Städte, woes viele Seifenſiedereien, Gerbereien und Handwerker giebt, deren Abfall mit groſsgem Vor- theil zur Veberdüngung des Ackers im Frühjahre benutzt werden könnte. Der Landmann in den Grafſchaften Hertford und Bedford düngt ſeinen Acker mit Stallmiſt öder mit Com- poſt, wie es' überall gebräuchlich iſt; im Frühjahr aber, wenn er ſieht, daſs die Winterſaat kränkelt, oder. in ih rem Wachsthum zurück iſt, welches geſchehen kann, entweder weil die Saat vom Froſt gelitten har, oder weil die' Säezeit ſchlecht geweſen, ſtreut er über die Winter- ſaat Ruſs, Taubenmiſt, Aſche und viele andere Dinge, dadurch wird: die Saat ſchnell belebt, und überdies be- deckt und beſchützt der über die Erde hingeſtreuete Dün- ger die Saat gegen den Schaden, deni;ſie im Sommer von der Dürre erleiden könnte. Dieſe Art der Ueberdün» gung, die der Engländer Top-Dresſing nennt, wird be- ſonders mit Nutzen auf leichtem, ſandigem und fteinich« tem Boden angewandt, und bringt reichlich die ange- wandten Koſten ein, da die Saat dieſer L.andmänner ſo- wohl beſſer und gewichtiger iſt, als auch beynahe nie fehl ſchlägt. Da der Gebrauch der angeführten Düngerarten ver- ſchieden iſt, ſo wollen wir näher deren Anwendung an- geben; Ruſs. Es giebt zwey Arten von Ruſs, die eine von 205 Holz, die andere von Steinkohlen; ihre Anwendung iſt etwas verſchieden. Holzruſs wendet man zur Ueber- düngung mit Nutzen auf ſandigem und leichtem Boden an; Steinkohlenruſs dagegen auf leimigem Boden. Da man in England nur wenig Holzruſs har, weil Steinkob- len daſelbſt das wichtigſte und beynabe einzige Brenn- material ſind, bedient man ſich deffelben auch da, wo es vielleicht beffer wäre, Holzruſs zu. gebrauchen. Der Ruſs wird im Frühjahr über den jungen Weitzen geſtreut; auf dem Gerſtenfelde aber mit der Gerſte un- tergeegget. Man ſtreut ihn ebenfalls im Frühjahr auf alle Arten von Hülſenfrüchten und Fatterkräutern, als Erbſen, Klee, Eſparcette und Lucerne. Er wird zur Veberdüngung der Wieſen gebraucht; aufdem Turnipsak- ker, wenn der Saane neulich ausgeſäet iſt, um die Erd- flöbe abzuhalten, gegen welche er ein ſicheres Präſerva- tiv iſt, im Fall bald Regen darauf fällt. Wird hingegen der Ruſs ausgeſtreut, nachdem die Turnips aus der Erde aufgekommen ſind, und iſt die Jahrszeit trocken ,. ſo iſt der Ruſs. dem Turnips nachtheilig. Ruſs,.iſt ein ſehr kräftiges Düngungsmittel. Ein Scheffel-Ruſs wirkt eben ſo viel, als ein ganzes, Fuder Stallmiſt.'Er kann für ſich allein zur Ueberdüngung ge- braucht werden, und auf die gewöhnliche Weiſe, ver- miſcht mit Stall- und Hofmiſt. Dem Raſs wird auch die gute Eigenſchaft zugeſchrieben, Infekten und Würmer vom Felde abzuhalten, und das Moos zu zerſtören, wo es ausgeſtreuet wird. Bey Dunſtable, in der Grafſchaft Bedford, wird der Ruſs aus London herbeygeführt, wo der Landmann dem Schornſteinfeger 9 bis 12 d. für einen Buſhel zahlen muſs. Für ſein Geld erhält er keinen reinen Ruſs, ſon- dern eine Miſchung von Kehricht, Steinkohlenaſche und Ruſs. Dies iſt eine unter den Schornſteinfegern allge- meine Betrügerey, um die Menge des Ruſses zu, vermehs ren. Bey allem dem findet ſich der Landmann, doch da-. rm meme hl SERER IDN wehe .- 206 mit gedient;i-und behauptet, daſs er'beſſer und“kräftiger als, Holzruſs ift.. Bin Mann geht im April über»das Wei- zenfeld, und ſtreut den Ruſs mit der Hand aus, wie der Saamen wird, Iſt der Acker nicht bedüngt worden, wird ihm eine ganze Ueberdüngung“gegeben; es werden dann 14 bis 16 Tonnen Ruſs auf eine däniſche Tonne-Landes gerechnet. Iſt der Acker aber zum Wei- zen gedüngt worden, ſo erhält er nur eine halbe Ruſs- düngung, nemlich'6 bis 8'Tonnen auf einet Tonne Lan- j des.- Eine ganze Ueberdüngung koſter dem. Landmann bey Dunſtable von 30 bis 36 s. auf den Acre, unge- fähr zwölf Rthlr die Tonne Landes. Steinkohlenaſche wird ſehr allgemein auf zä- hem, ſaurem und kaltem Leimboden gebraucht. Beliteht der Boden aus einer trocknen und leichrern Erdmiſchung, ſo wird ſie nicht allein gebraucht, ſondern mit Stall- und Hofmiſt'vermengt. Die'Steinkohlenaſche wird ſowohl auf Ackerland als'auf Wieſen gebraucht, und auf den letzten ſoll das Gras ſehr verbeſſert werden, wenn ſie von kalter, nailer und leimigter Beſchaffenheit ind. Die Aſche wird im Frühjahr ausgebreitet,"und auf einem Acre rechnet'man 50 bis 560 Buſhel. Der Kerl wirfr die Aſche mit einer Schaufel vom Wagen, ſo daſs er den Wind auf den Rücken hat. Iſt der Fleck beſtreut, ſo fährt er weiter vorwärts. Die Koſten für die Düngung eines Acre'mit Steinkohlenaſche werden zu 23 bis 26 S. angeſchlagen; für einen Buſhel ſolcher Aſche giebt man 2 bis 4 ſs. dän. Die Gerberlohe wird auch als Dünger gebraucht, aber nicht ſo allgemein. DieLohe kann vermittelſt ihrer adſtringirenden' Eigenſchaft nicht allein gebraucht wer- den, ſondern wird mit friſchem Pferdemiſt und Kalk ver- miſcht. Ihr adſtringirendes Weſen macht, daſs“fie ſich langſam auflöſt, und daſs fie lange von einer thieriſchen Materie durchdrungen werden muſs, ehe he vollkommen aufgelöſt wird: Aus dieſer Urſache wird fie in Treibhäu- 207 fer gebraucht, um die ſchnelle Fermentation des. Pferde: miſtes zu verhindern. Wenn die Lohe zur Düngung des Ackers angewandt wird, ſo wird+ſie in Middelſex mir Haar und Lederabfall, eben ſo vielem friſchen Pferdemiſt und einigen Tonnen Kalk vermiſcht. Das Ganze. wird, wohl mir Erde bedeckt, in einen Haufen auf dem Felde aufgeſetzt, um einige Zeit zu fermentiren, und darnach auf den Acker ausgebreitet.. Headrick.*) ſagt, daſs das adſtringirende Weſen der Lohe: von der thieriſchen gährungsfähigen Materie decomponirt wird, welches«der Kalk abſorbiret,'wobey ſie keineswegs der Vegetation der Pflanzen ſchädlilch wird, fondern im Gegentheil zu einem beſonders kräftigen Düngungsmittel dient; Wollene Lumpen, Thierhaare u. an möwerz den von den um London wohnenden Landleutenaufge- kauft, und ſehr theuer bezahlt. Sie geben 3'bis 4 Reichsthlr. für ein Quarter, und diefer wiegt 1x Centner. Drey Quarters werden auf einen Acre gebracht;' und gleich untergepflügt. Man rühmt die Wirkung"dieſer Düngerart auf trocknem, ſandigem und kreideartigem Boden ſehr, aus dem Grunde, weil fie denſelben feucht erhält. In einem naſſen Jahre, und auf niedrigem Bo= den iſt ſolcher Dünger ſehr ſchädlich. Die vornehmſte Anwendung die man von derſelben wacht, iſt, dieſe Lumpen, Haare u. ſ. w. in Hopfen« und Kartoffelbeeten dicht an die Wurzeln nieder zu le- gen. In den Grafſchaften Kent und Bedford rechnet man auf einen Acre mit Hopfen oder Kartoffeln ein Ton Lumpen, das iſt ungefähr zwey Pfand für jedes Loch. Dies iſt eine treffliche, aber ſehr koſtbare Düngung. Ein Ton Lumpen koſtet von 4 bis 6 Pfd. St. d. i. für einen Cr. 4 bis'5 s. So- wird auch in den nächſten Grafſchaften um Lon« don der'Abfall voi Seifenſiedereyen und Zuk« *); Eſſays“ ow Manure''p. 11, > 208 kerväffinaderien benutzt. Der Abfall wird: mit Erde und vermodertem Hof- und Stalldünger wohl ver- miſcht, Mann nimmt zwey Theile Scallmiſt und einen Theil Erde, und zu zehn. Fuder: von ſolchem Compott, wird ein Fuder Abfall aus Zuckerraffinaderien oder Sei« fenfiedereyen gethan, und mit dem übrigen wohl um- geſtochen. Auf einem Acre ſtarken Leimbodens, werden zehn gute Fuder Seifenſiederaſche gerechnet. Sie hat mit.dem Ruſs viele ähnliche Eigenſchaften, und wird ungefähr auf dieſelbe“Weiſe angewandt. Die Seifenſiederaſche wird im Frühjahr mit der Frühlingsfaar untergeegget, im April über den jungen Weitzen und Klee ausgeſtreuet, und als ein tödtendes Gift für Schnecken, Würmer und'anderm Ungeziefer in der Erde, angeſehen. Wenn ſie ſpät im Herbſt.auf. die Grasfelder ausgeſtreut: wird, ſoll das Gras im Frühjahr zeitiger und üppiger bervorſchieſsen. Eine neue Art Wieſen und Grasfelder zu düngen, hat nicht wenig meine Aufmerkſamkeit auf fich gezogen. Herr'Billingſley*) erzählt, daſs er bemerkt habe, daſs das Gias an den Stellen, wo ſeine Leute den Flachs zum Trocknen ausgebreitet hatten, ſehr verbeſſert wor den ſey. Dies brachte ihn auf den Gedanken, ſeine Wieſen und Grasfelder mit dem ſiillſtehenden und faulig- ten Waſſer, worin Flachs und Hanf niedergelegt worden war, bewäſſern zu laſſen: Der Erfolg entſprach ſeiner Vermuthung. Das widerliche und ſaure'Gras ward in ſehr wohlſchmeckendes verwandelt, und die Wirkung war ſo auffallend, daſs durch die bloſse Wäſſerung mit ſolchem Waſſer, der Werth des Graſes von 19 bis 12 Ss; auf einen Acre erhöht ward, Veberhaupt iſt jede Art faulichten Waſſers» worin vegetabiliſche Körper aufgelöſt find;; ein vortreffliches Düngungsmittel, und.das ſtllitehende Waſſer ſcheint ver *) Gen, View of the Agriculture of Semeriet,:“London/1797« 269 mittelſt ſeiner flüſſigen Natur beffer geſchickt zu ſeyn; die Hörper zur Fäuiniſs zu bringen, und das in kürze: fer: Zeit. So gebraucht man Thran, zeiſtampfte Oelkuchen, Spreu, Abfall von Malz, Knochen, Tang, Salz, Aſche, Kalk und viele andre Dinge zur Ueberdüngung der Aek- ker und Wieſen im Frühjahr, oder ſie werden zu einem Compoſt aus Erde und Stallmiſt gemiſcht. Es würde für einen denkenden Landmann, beſon- ders in der Nähe einer groſsen Stadt, ein intereſlanter Gegenſtand ſeyn, zu unterſuchen; welche Düngerarten die angemeſſenſten wären für diefe oder jene Art Saat, Fatterwurzel oder Futterkraut, nach der verſchiedenen Natur des Bodens, des Düngers und der Pflanze. Dies würde um ſo vielmehr höchſt lehrreich ſeyn, da folgende Sätze in unſern Tagen ausgewacht zu ſeyn ſcheinen, nemlich: daſs die eigenen Beſtandtheile des Bodens, Sand, Leim und Kalk nicht die Pflanzevr ernäh- ren, ſondern bloſs mechaniſch auf dieſelben wirken,-- daſs die Dünſte'aus der athmosphäriſchen Luft, und das Waſſer mit ſeinen Beſtandtheilen die vornehmſte Nahrung der Pflanzen ausmachen; da es überdies eine erwieſene Wahrheit iſt, daſs, wenn ein nährendes Materiale in den Boden gebracht wird, nemlich Dünger, dieſes kräf- tig auf die Vegetation wirkt; daſs aber die Wirkung deſſelben nach der Beſchaffenheit des Bodens verſchieden iſt, nach den Eigenſchaften des Düngers, und nach. der Saat, worauf ſie wirken ſoll. Um ſich von der verſchiedenen Wirkung der Dün- gerarten auf die mannichfaltigen Arten von Korn, War- zeln, Kräutern und Gras zu verſichern, müſste man eine Tonne Landes, nach Fordyce*s Plan, zu Verſuchen auslegen. j| Dieſes Stück Land müſste aus einem guten, entwe- der von Natur oder durch Kunſt verbeſſerten Boden be- ſehen; das heiſst: die Beſtandtheile deflelben müſsten zu Oo EIIIE ammer eie .. XA DN einander in einem guten Verhältniſs ſtehen ,„ z.:B.+ Leim zu 4 Sand. j Die oberſte Erdlage, inſofern ſie. durch vorherge- gangenen Anbau. gelitten hätte, müſte abgenommen, und könnte auf ein anderes Stück Land geiegt werden, um dieſelben Verſuche auf cultivirtew und verbeſſertem Boden zu machen, die im letzten Fall auf einem Boden in unverbeſiertem Zuſtande geſchehen.; - Die Verſuche müſsten mitten auf. einer Koppel ge- ſchehen, damit nicht, im Fall fich eine lebende, Hecke mit hohen Bäumeu'um die Hoppel befände, die einge» ſchloſſene Laft einen nachtheiligen Einfluſs auf die Ve- getation äuſfsern könn2:: Die zu Verſuchen beſtimmte Tonne Landes müſste in kleine Quadrate für jeden einzelnen Verſach einge- theilt werden, mit einem Fuſsſfieig zwiſchen jedem Quadrat. Die Saamenarten, mit welchen vornehmlich Verſuche gemacht werden müßten, würden folgende ſeyn: rites Quadrat, mit einer ſebr ſchweren Kornart beſäet, die viel Mehl enthielte, Zz. B. Weitzen. 2tes Qu.,„mit einer Pflanze von einer leichten Natur, und die einen nur wenig mehlreichen Kern beſäße, Zz. B. Hater. ztes Qu.; mit einer-Külſenfrucht, Zz. B- Erbſen. gates Qu., mit einer Pflanze, deren Wurzeln viel Mehl und Zuckerſtoff hätten, z. B: Kartoffeln. 5tes Qu., aine Pflanze mit keilfsrmiger Wurzel, Z.B. gelbe Wurzeln. 6res Qu., eine Pflanze mit runder Wurzel, z. B. Rüben. „tes Qu., ein und anderes Futterkraut, Z.. B. Hhlee, Raigras. Dieſe Quadrate müſsten von der einen zur entge- gengeſetzten Seite der zu Verſuchen ausgelegten Tonne Landes gehen, und von den verſchiedenen Düngerarten durchſchnitten werden. 211 Iſtes Quadrat, ungedüngt, um die eigene natürliche Wirkung des Bodens auf die verſchiedenen Arten von Saamen, Wurzeln und Gras zu bemerken. 2tes Qu., bedüngt mit verfaultem thieriſchen Dünger, 2. B. mit Pferdemiſt aus einem Treibhauſe. Ztes Qu., mit unverfanltem rhieriſchen Dünger, z, B. friſchera Kuhwmiſt. qtes Qu., mit unverfauiten vegetabiliſchen Subſtanzen, einer Art grünem Dünger, ſo wie man im Felde zu- weilen Buchweitzen, Erbſen, Wicken., Kleeu.[ſ, w. ußterpflügt. 5tes Qu., mit.animaliſchen Subſtanzen in Waſſer auf- gelöſt, ABET MICH? verfault, ſ0, wie man weiſs,"daſs die Japanenſer thun. 6tes Qu., mit animaliſchen in Päulniſs gebrachten Sab- ſtanzen, z. B. Wolle, Haare, Leder, Horn, Fleiſch. 7tes Qu., mit ſaliniſchen Subſtanzen, z.B. Salz, Tang, Salpeter. Stes Qu., mit reinem Balk, 9tes Qu., mit Kalkerde, mit fixer Luft geſchwängert, Iotes Qu., gänzlich ungedüngt, bloſs bewäſſerr, wenn der Boden trocken iſt. Die avsgelegte Tonne Landes, könnte dann auf folgende Art in Quadrate eingetheilt werden; Os2 eme eo el SEEN wS EN en .-> Klee, zeln, Wur- Hafer.|Erbſen.|Kartof-|'gelbe| Rüben. feln. OQO= 8. 919 di *;av193 1=10AA “ap|'yiwop|"yi|*133|-ung|“qopeia|'Suvg*4235 aa-14 2491-19) 1493]=yn3| NE SEEN n 216 einen groſsen Unterſchied im glücklichen oder minder glücklichen Ausfall der Verſache. »„Wir wollen. einige Beyſpiele anführen, die zur nä- bern Aufklärung dienen können. Der gelehrte und ſehr achtungswürdige Dr. Hunter*) erzählt, daſs er Ver- ſuche gewacht habe, mit Gerſte aus einer Säemaſchiene, und mit Gerſte, aus der Hand geſäer. Die Gerſte, ſo» wohl die mit der Maſchiene, als die mit der Hand ausge- ſfäere, war auf derſelben Feldmark, und an demſelben Tage geſäet. Der Säemann gebrauchte zu einem Acre drey Buſhels, mit der Maſchiene wurden nur andert- halb Buſhel verbraucht. Die Reihen waren acht Zoll von einander entfernt, und die Saat war zwey Zoll tief gelegt. In weniger als einer Stunde war der Acre in Reihen beſäet, und das ſchärfſte Auge ſollte nicht ein einziges Korn auf der gepflügten Oberfläche finden können.“ „Während die Gerſte aufwuchs, hatte die inReihen geſäete ein grüneres Ausſehen, und trug breitere Blät- ter als die mir der Hand geſäete. In der Folge, da die Gerſte in Aehren ſchoſs, bemerkte man ganz deutlich, daſs an der in Reihen geſäeten die Aehren beynahe ei- nen halben Zoll länger und voller waren. Ich und alle, welche die Gerſte ſahen, waren über dieſen merklichen Unterſchied ſehr verwundert. Dies bewog mich, einige Halme von beyden Theilen aufgraben zu laſſen, und ich ſand, daſs die Wurzeln der in Reihen geſäeten Gerſte viel länger, als die der andern, waren.“ „Da die Gerſte eingeerndtet und ausgedroſchen war, fand man, daſs die in Reihen geſäete beynahe einen fünften Theil mehr gab, als die mit der Hand geſäete, und dafs fie ſchwerer war; jeder Buſhel wog zwey Pfund mehr.**)“ *) Dre Hunters Georgical Eſſays, Vol, III, **) Eine Tonne in Reihen geſäeter Gerſte müſste alſo ungefähr ein halb Lpid, mehr wiegen, als andre Gerſte von derſelben Art, 217 „Nach meiner Erfahrung" kann ich das Säen in Rei- hen als ſehr vortheilhaft empfehlen. Allein nach den Schwierigkeiten, die ich dabey kennen gelernt habe, glaube ich kaum, daſs es allgemein werden wird. Uns fehlt eine Säemaſchiene, die einfach in ihrer. Zuſammen- ſerzung, ſtark, und zugleich wohlfeil iſt. Sollten wir ſo glücklich ſeyn, dieſes Hinderniſs gehoben zu ſehen, ſo hoffe ich, daſs mit der Zeit jede Saat in Reihen geſäet werden wird.“ „Die Saat, die in Reihen geſäet iſt, kann beſſer durchlüftet werden, und der Landmann kann ſeine Saat beſſer mit der Hand und dem Häufeeiſen gäten, ohne zu befürchten!, daſs ſie niedergetreten werde. Denn das Gärten der Saat iſt eine Hauptſache beym Anbau des Wei- zens und der Pferdebohnen.“ Wir wollen einen andern nicht minder zuverläſzigen Verſuch über den Unterſchied der in Reihen, und der mit der' Hand geſäeten Gerſte anführen. Der Verſuch iſt von Herrn John Anſtruther, Baronet, angeſtellt, und in einem Briefe an die DAR ANGE ZUN SIG ERAÄNGHSEE in Bath mitgetheilt. Er findet ſich abgedruckt in Bath Sac.] Pap. Vol. IIL. p. 390. Meine Herren! „Ich ſende Ihnen hier eine Nachricht von einem Ver- ſuche, der gemacht iſt um das Produkt der in Reihen ge- ſäeten Gerſte, gegen die mit der Hand geſäeren, zu ver- gleichen, Die Verſuche waren auf demſelben Acker, zu derſelben Zeit angeſtellt, und es fand kein merklicher Unterſchied unter den Erdarten Statt. »„vSie können verſichert ſeyn,'daſs die mitgerheilte Nachricht in jeder Rückſicht zuverläſsig iſt.“ „Die Saat war in Reihen gelegt, achtzehn Zoll*) *) Wo ich Weitzen oder Gerſte in Reihen geſäet, geſeh-n habe, iſt der Raum zwiſchen jeder Reihe nur 6 bis 9 Zoll geweſen, «= eERE auer ee EINEIN, 2. "d= Dammer„erm > 218 zwiſchen jeder Reihe, und die Koſten davon beliefen ſich auf 3 s. 6 d- für den Acre.“ „Von der in Reihen geſäeten betrug die Ausſaat einen Buſhel und drey Gallons für den Acre(2 Schipp und 3 Viertel auf 6 Schipp Landes); und ich erndte- te davon 56 Buſhels und 3 Gallons auf den Acre(14Ton- nen und 3 Viertel.)*“ „Von der auf gewöhnliche Weiſe mit der Hand ge- ſäeten, war die Auzſa2at drey Buſhels und fünf Gal- lons(7 Schipp und 1 Viertel) auf einen Acre, und ich erndtete nur 36 Buſhels oder 5 Gallons vom: Acre. Es war dies alſo nur veunfältig, oder beſtimmter 9 Tonnen, I Schipp und 1 Viertel.“ „Der Vortheil der in Reihen geſäeten Gerſte im Ver- hältniſs zur andern war alfo ungefähr 20 Buſhels aufden Acre(5 Tonnen auf 6 Schipp Landes) auſser der Erſpa- rung von beynahe 2 Buſhels Ausſaat.“ London den loten Februar 1786. John Anſtruther. Ich halte es nicht für nöthig, hier mehrere Beyſpie- le anzuführen, da wir in der Folge Gelegenheit erbal- ten, näher davon zu reden. Nur dies wollen wir hinzu- fügen, daſs die Saamenarten, die man in England am häufigſten in Reiben ſäet, und bey welchen man über den Nutzen und Vortheil davon am meißten übereinſtimmt, Weitzen,'Erbſen, Pferdebohnen und Tur- nips ſind. Mit einem Worte, da, wo man es für nö- thig hält, die Saat zu gäten und zu behäufen, weil man fich einer Pflughacke, oder einer Maſchiene mit Schau- feln zwiſchen den Reihen bedienen kann, anſtatt der langfamern und koſtbarern Weiſe, mit der Hand zu gä- ten und zu behäufen. Ein Zwiſchenraum von 18 Zoll if unnöthig und ohne Zweifel ſchädlich. j [4/ 219 Cooks Säemaſchiene, ſiehe Tab. II. Da Cooks Säemaſchiene, unter/allen neuern und ältern Erfindungen dieſer Art, für die vollkommenltſte angeſehen wird, und den Vorzug hat, daſs man mit der- ſelben ſowohl groſße als kleine Saamenarten ſäen kann, von der groſsen Pferdebohne an bis zum feinen Klee- und Rübenſaamen, ſo glaube ich dem Leſer eine Zeichnung von derſelben liefern zu müſſen, begleitet von der Be- ſchreibung des Gebraucns und Nutzens derſelben, ſo wie Herr Cook ſelbſt ſie gegeben hat. Von der Cookſchen Säemaſchiene find in Eng- land ungefähr zweytauſend in Gebrauch, und niemand läugnet den grofsen Nutzen derſelben, wenn nur die Er- de wohl behandelt iſt, und die Maſchiene von einem zu- verläſſigen Menſchen gefährt wird.; Ich ſah ſie zum erſten Mal in Gang auf dem Gute des Herzogs von Bedford bey Wooburne. Der Ver- walter war gerade im Begrif, einem Knechte die Behand- lung derſelben zu lehren. Sie war nicht ſchwer zu re- gieren, ſobald man nur ein folgſames Pferd oder Ochſen vor derſelben hatte. Die Cookſche Säemaſchiene mit ihren Schaufeln zum Gäten der Saat, Cookes Patent Drill Machine with a ſix ſhare Horze-hoe genannt, hat folgende Vorzüge vor den ältern Säemaſchienen:; 1) Die Räder SB. ſtehen ſo weit aus einander, daſs die Maſchiene auf jedem Landwege, und vom Hote ins Feld hinaus gefahren werden kann, ohne aus einander genommen zu werden, oder durch die Erſchütterung auf irgend eine Art Schaden leiden zu können. 2) Der Baum CC- Fig. 1., worin die Röhren befe- ſtigt find, wird mit gröſserer Leichiigkeit nach dem Grund- fatz eines Pentagraphs, zur Rechten und Linken bewegt, um der Unregelmäſsigkeit im Ziehen des Pferdes wider- ſtehen zu können, ſo daſs das Säen geradeaus geſchieht, und, wo die Beete 4x oder: 9% Fuſs breit gemacht ſind, en men al FEIERE .. + Milna SO ee mam 5m -“ 220 das Pferd allezeit in der Rinne zwiſchen den Furchen ge- hen kann, ohne einen Fuſs auf das gepflügte Beet zu fetzen, weder beym Ausſäen noch beym Gäten der Saat. 3) Daſs die Saat von ſelbſt ohne einige Aufficht re- gelmäſsig aus dem Saamenkaſfſten fällt. 4) Daſs der Baum, an welchem die Röhren befeſtigt ſind, bis zum Haken L. an der Achſe der Räder, aufge» hoben werden kann,'wodurch die Röhren am Ende des Ackers, ohne einige Mühe oder Beſchwerde für den, der über die Maſchiene die Aufſicht führt, von der Erde ge- halten werden können. 5) Daſs ie an einer ſteilen Anhöhe auf- und nieder- geführt, und der Saatkaſten in Uebereinſtimmung damit erhöht oder niedergelaſſen werden kann, ſo daſs die Saat ordentlich ausgeſtreuer wird.| Der Saamen im Kaſten wird mit einem Deckel überdeckt, um ihn vor Wind und Regen zu ſchützen. Dies ſind die Vortheile in Rückſicht der Säemaſchie- ne, die doch nicht ſo groſs ſind als der Nutzen, den die Hackmaſchiene Fig. 2. gewährt. Mit dieſer kann man acht bis zehn Acres Ackerland an einem Tage mit einem Mann, einem Knaben und einem Pferde, für den unbe- deutenden Aufwand von 6 oder 8 d. für den Acre, be- hacken. Die Hackmaſchiene reinigt die Saat;weit beſſer vom Unkraut, als wenn dieſelbe Arbeit mit der Hand gemacht würde. Nach den Verſuchen im Groſfsen, die in Gegenwart vieler Herren mit meiner Hackmaſchiene gemacht ſind, darf ich behaupten, daſs, bey einem richtigen Gebrauch meiner Säe- und Hackmaſchiene, der gröſste Farm im Königreiche ſo rein von Unkraut gehalten werden kann, als irgend ein Garten es bedarf; und dies mit einem Vor- theile, der die Abgabe vom Boden überſteigt. Beſchreibung der Säemaſchiene Fig. I. AA, zwey Stangen, an der Räderachſe befeſtigt, zwi- ſchen denen das Pferd zieht, ſo daſs es in der Rinne ge-« 221 hen muſs, ohne einen Fuſs aufs Beet zu ſetzen, es mag nun beſäet oder gegätet werden. BB, die Räder. CC, der Baum, oder das Queerholz mit Löchern, wor- in die Röhren befeſtigt werden, nach dem verſchiedenen Abſtand der Röhren. DD, zwey Sterzen oder Handheben, die an dem Baume, alſo auch an der Räderachſe feſt fitzeu. EE, der oberſte Saamenkaſten mit Abtheilungen, mit einem Deckel verſehen, um Regen und Wind abzuhalten. FF, unterſter Saamenkaſten, gleich/2lls mit Abthei- lungen, GG, ſchmale Rinnen zwiſchen dem unterſten und oberſten Saamenkaſten, um, die Meng? de; Saatkorns zu reguliren. HH, Cylinder mit Schaalen von verſchiedener Gröſse, nach den verſchiedenen Korn- und Saamenarten, durch welche der Saamen in den Trichter 77, berabgelaſſen, und durch die Röhren in die Furchen geführt wird, wel-. che die Röhren XX, gemacht habens, T,, ein Haken an der Räderachſe befeſtigt. Wenn das letzte Glied der Kette, die an dem Baum oder Queerholz angebracht iſt, auf den Haken L aufge- hoben wird, ſo wird dadurch verhindert, daſs das Ende der Trichter aus ſeiner Lage gebracht werde, wenn die Säemaſchiene über tiefe Furchenvoder Waſſerrinnen ge- führt wird. M, ein eiſerner Zacken, der am Baume aufſftehtz wenn dieſer auf den Haken L[ am Ende des Ackers auf« gehoben wird, werden die Röhren von der Erde gehal- ten, wenn die Maſchiene umgedreht werden ſoll, und ohne Beſchwerde für den Mann, der ſie führt. N, ein Zahnrad. O, ein Zahnrad, worin das Rad VV eingereift. P, eine Hebeſtange und eine Schnur, die über eine Rolle zu der Achſe des Cylinders& geht; indem die He- AU. 226 wohl bearbeitetem Boden'kann das Unkraut nicht'hinder- lich ſeyn; iſt dagegen der Boden leimigt und voller Quek- kenwurzeln, die das ſchnurgerade Ausſtreuen des Saa- mens verhindern würden, ſo iſt es beſſer den Boden zu braachen, um ihn von Unkraut'zu reinigen. Sobald ein Stück Land mit der Maſchiene zugeſäet iſt, wird es mit einer leichten hölzernen Egge geegget, um die Saat zuzudecken. Das Eggen geſchieht in derſel- ben Richtung wie das Säen, damit die Zinken der Egge nicht die Saat aus ihrer beſtimmten Lage herausbringen. Um die Säemaſchiene deſto bequemer gebrauchen zu können, thut man am beſien, den Boden, da, wo er ſtark vnd zähe iſt, in ſchwale Beete, vier Fuſs und ſechs Zoll breit, einzutheilen; wo er hingegen trocken iſt, ſind Beete von ziner Breite von neun Fuſs und ſechs Zoll, die Furche abgerechnet, die dienlichſten. Das Pferd kann dann in der Furche gehen, ohne auf das gepflügte Beet zu treten. Anweiſung zum Gebrauch der Gätmaſchiene. Für eine jede Korn- oder Saamenart, die mit der Maſchiene in einem Abſtande von neun Zoll geſäet iſt, muſs das Pferd neben der dritren Reihe hin geführt wer- den, um die ſechs Haken der Maſchiene wohl mit den ſechs Kornreihen in Uebereinſtimmung zu bringen: Wird eine Saat, die in Reihen mit zwölf Zoll Zwi- ſchenraum geſäet iſt, vom Unkraut gereinigt, ſo erin- nert man aus dem Vorhergehenden, daſs nur. fünf Röh- ren in das Queerholz oder den Baum der Säemaſcinene geſetzt werden, und daſs die Gätmaſchiene alſo auch nicht mehr als fünf Schaufeln baben kann. Das Pferd wird daher bey einer ſolchen Reihenſaat längs der zwey- ten Reihe hin geführt, Wo die Entfernung zweyer Korn- oder Saamenrei- hen ungleich und an einigen Stellen geringer ſeyn ſollte, da iit es am beſten, eine der Hacken auszunenmen, und die Stelle mit einem Häufeeiſen zu gäten. Die Schaufeln müſſen der Beſchaffenheit des Bodens angemeſſen ſeyn, welches ſich einzig durch Erfahrung beſtimmen Jläſst. Iſt der Boden leicht, wohl gepflügt und geegget, ſo ſind Schaufeln von ſünf bis ſechs Zoll Breite paſſend für Reihen, die neun Zoll aus einander flehen, und acht Zoll breite Schaufeln für Reihen von 12 Zoll Entfernung.- Wo dagegen der Boden leimigt und zähe iſt, mülſen die Schaufeln nicht'ſo breit ſeyn. Die Schaufeln geben ſo tief. in die Erde, oder ſo flach, wie man es wünſcht, und dies bewirkt man durch Verlängerung oder Verkürzung derſelben am Baume, oder dadurch, daſs man den ganzen Baum CC mit ſeinen Schaufeln auf die Haken erhebt, die an der Achſe der Räder befeſtigt ſind. Wenn der Arbeiter mit der Behandlung der Gätma- ſchiene unbekannt iſt, ſo rhut man am beſten, ihn zu Anfang mit der Gätmaſchiene, ohne Schaufel, über ei- nige der in Reihen geſäeten Beete hin, gehen zu laſſen, und an die Stelle der Haken den Baum mit den Röhren der Säemaſchiene zu nehmen, bis er mit deren Gebrauch bekannt wird, und gelernt hat, fie zu ſteuern, ohne das in Reihen geſäete Korn zu beſchädigen. Da der Einfluſs der Luft die Seele beym Wachsthum der Pflanzen iſt,(o muſs ein jeder guter Landmann ſich beſtreben, den Boden in einem pulyveriſirten Zuſtande zu erhalten; aus derſelben Urſache kann er ſeine'Saat nicht zu oſt, oder zu zeitig im Frühjahr, gäten oder behäufen. Wenn die Saat in Aehren ſchieſsen will, und nicht län- ger dem Pferde verltattet, zwiſchen dem in Reihen ge- ſäeten Korn zu gehen, ohne es nieder zu treten, muſs das Gäten zum letzten Mal geſchehen. Weitzen und jede andre Saat zeitig im Frühjahr zu häufen, ehe ſie Knie geſetzt hat, wird die Menge der Halme vermehren, und ſie zu gröſserer Vollkommenheit bringen. Leichter Boden kann zu jeder Zeit des Jahres gegä. +2 Bn NES [€ SEZEN Seenaatin ame > 228 tet und gehäuft werden, wenn der Bodeu trocken iſt. Zäher Leimboden erlaubt den Gebrauch der Gätmaſchie- ne nicht, wenn er gänzlich trocken iſt. Der Landmann muſs daher die rechte Zeit zum Gäten eines ſolchen Eo- dens wahrnehmen. Sollte die Jahrszeit beſonders trok- ken ſeyn, ſo iſt es das Zweckmäſsigſte, erſt den Boden über- zueggen; hintennach kann dann die Hackmaſchiene mit Vortheil gebraucht werden. Wird Gerſte mit der Maſchiene geſäet, ſo müſs- te der Klee nicht zur ſelbigen Zeit, mit der Gerſte ze- ſäer werden, ſondern kurz vor dem letzten Behäufen, und gicht zeitiger, als vom Anfang bis- zur Mitie des Mai. Die Gätmaſchiene kann zu manchem andern nützli- chen Gebrauch angewandt werden, als bloſs die in Rei- hen geſäete Saat zu gären; ſie kann auch gebraucht wer- den, den Acker von Stoppeln und Unkraur zu reinigen, ſobald die Erndte ins Haus gebracht iſt; ebenſalls iſt ſie auf dem Brachfelde ſehr nützlich, beſonders in der Ernd- tezeit, da die Arbeiter nicht die nöthige Zeit haben, es zu pflügen. Mit der Gätmaſchiene können ein Mann und ein Burſche mit zwey Pferden zehn Acres Braachland an einem Tage behacken. Ich habe neulich geſagt, daſs der Acker im Frübjahre übergeegger werden müſſe; dies iſt bey trockener Wit- terung höchſt nothwendig, und oft eben ſo nützlich für den Acker als eine Ueberdüngung. Für Rocken und Weitzen müſste der Boden zeitig im Frühjahre ſcharf ge- egget werden, ſobald er trocken iſt; dadurch wird er locker gemacht, und das Wachsthum der Pflanzen betör-« dert. Im Fall man dieſes verſäumt, wird die Saar an manchen Stellen im Felde dünn ſtehen, ſie wird kurz im Stroh bleiben, kleine Aebren haben, und vieles wird ſpät aufgehen, das noch grün ilt, wenn das übrige zur 'Erndte reift. Die paſſendſte Zeit zum Uebereggen des Bodens im 229 Frühjahr muſs des Landmanns eigene Beurtheilung ihm angeben, da dergleichen nach der Beſchaffenheit des Wetters und des Bodens verſchieden iſt. Er wird. am ſicherſten in ſeiner Beurtheilung geleitet, wenn er ein- zelne Pflanzen aufnimmt, und nachſieht, ob die Wurzeln ſich zu entwickeln beginnen. Je zeitiger und je öfterer es im Frühjahr geſchieht, deſto, beſſer. Sobald die Pflan- ze eine Höhe von ſechs bis ſieben Zoll erreicht hat, wird die Gätmaſchiene mit dem, gröſsten Nutzen gebraucht. Dieſelben Bemerkungen ſind auf Gerſte und Hafer, wie auf Rocken und Weitzen anwendbar. Jeder ſtarke Leimboden, der mit Frühjahrsfaat, Ger- ſte, Hafer, Erbſen, Wicken, Pferdebohnen etc. beſäet werden ſoll, muſs im Herbſt tief gepflügt werden, um ihn deſto beſler dem zuträglichen Einfluſs des Froſtes und Schnees iauszuſetzen. Im Frühjahr bedarf er es nicht wieder gepflügt zu werden, wenn er nur drey bis vier, Zoll tief wohl durchgeegget, und das Unkraut mit der Maſchiene loſsgehackt wird. Ein ſolches Pflügen vor dem Winter, und ſtarkes Eggen im Frühjahr iſt zuträglicher, ſagt Herr Cook, als das gewöhnliche Frühjahrspflügen. Nach meiner Meinung iſt dies beym Reihenſäen das Vorzüglichſte, daſs es nicht allein das Gäten und Behäu- „fen der Saat verſtattet, ſondern gar verlangt. Ueber- haupt iſt nichts der jungen Saat'vortheilhafter, und ſelbi- ger gewiſs eben ſo dienlich als Dünger, als daſs der Bo- den beſtändig locker und in einem pulveriſirten Zuſtand erhalten wird, es geſchehe dies nun entweder mit der erwähnten Gätmaſchiene, oder mit einem Hackpfluge, oder einem Häufeeiſen. In der gewöhnlichen Ackerwirthſchaft wird bloſs dafür geſorgt, daſs der Boden locker und wohl bearbei- ter ilt, wenn die Säezeit kommt; nachher, vom Augen- blick an, da die Saat in die Erde gebracht iſt, und bis zu ihrer Reife, bekümmert man fich nicht weiter um ſel- bige. wee“ ammer än. Arai Fl Anras Är
  • Erde wird an die Wurzeln der Pflanze gelegt, der Boden wird geſchickt gemacht, vom Regen und Thau erquickt zu werden, und ſolcher Boden hat allezeit mehr Feuchtigkeit in ſich, als wenn er nicht behäuft oder gegäret worden wäre. Daſs das gepflügte Land allezeit mehr Feuchtigkeit bey fich hat, ſeibit in den trockenſten Sommertagen, als das ungepflügte, davon kann eines Jeden eigene Erfah- rung ihn leicht überzeugen. Graben wir mitien im Som- mer einige Spaten voll Erde im Garten oder im Felde um, ſo werden: wir immer nach Verlauf einiger Tage er fahren, daſs der gegrabene Boden feucht, und der un-« gegrabene, der an der Seite liegt, ganz trocken iſt. Sollte ſogar die Saat'in die Erde geſchmiert ſeyn, kann das Beeggen oder Behäufen ihr aufbelfen. Da- durch daſs der Boden auigelockert wird, erhält er Gele- , 231 genheit, ſeine überflüflige Feuchtigkeit auszudampfen, und Sonne und Wind können beſſer ihn trocken machen. I(t der zähe Leimboden durch Dürre im Frühjahr oder Sommer hart geworden, ſo kann er keinen Nutzen vom Thau oder Regen haben; dieſe können nicht zu den Wurzeln der Pflanzen durchdringen, ſondern flieſsen ent- weder unbenutzt vom abhängigen Acker ab, oder werden von Sonne und Wind weggetrocknet, und die Saat ver- ſchmachtet auf dem Felde. Brechen wir die harte Leim- krume durchs Beeggen, oder laſſen wir eine Gätmaſchie- ne, oder eine Hacke zwiſchen dem in Reihen geſäeten Korn durchgehen, ſo erhält es neues Leben, die Wur- zeln können ſich nun leichter in der aufgelockerten Erde ausbreiten, und vom Thau und Regen erquickt werden. Obgleich Cooks Säemaſchiene ſehr zuſammen. geſetzt iſt, ſoilt'ie doch ſtark, und für einen bandfeſten Menſchen nicht ſchwer zu regieren. Sie iſt etwas koſt- bar, da fie in England, im Magazin oder wo ſie zum Verkauf iſt, 16 Guineen koſtet, ſie würde alſo mit den Tranfportkoſten ihrem Käufer auf ungefähr 120 bis 130 Reichsthaler zu ſtehen kommen. Die engliſche Adreſſe für die Säemaſchiene, und das erwähnte Gäteinſtrument, das mitfolsgt, iſt dieſe: Cooke's Patent Drill Machine, with a Six- Share Horse- Hove, zu bekommen in London, white Lion Yard, oppo- ſite che Pantheon, Oxford- Street. Herrn Duckers Säemaſchiene iſt weniger koſtbar, und weit weniger zuſammengeſetzt, aber nicht ſo ailge- mein, als des Prediger Cooks, auch nicht ſo brauchbar für jede Art Korn und Saamen. Ich habe es nicht für nöthig gebalten, eine Beſchreibung davon zu geben, daz Herr Thaer fie beſchrieben hat. Sollte jemand gegen Cooks Gätmaſchiene einzu- wenden haben, daſs die Schaufeln zu breit, und nar in lockerem Boden brauchbar find, ſo kann ich eine andere. SSEN = 232 empfehlen, die mit vielem Beyfall um London gebraucht wird. Tab. III. ſtellt eine Häufemaſchiene vor, die von einem Pferde gezogen wird; ſie hat lange, ſcharfe ei- ferne Zinken, wie eine Braachegge, die Zinken ſind aber etwas krumm, und der Bildung nicht ungleich, die das Langmeſſer am Pfluge hat. Hinten ar der Maſchiene ſind dreyeckigte Schaufeln angebracht, die nicht bloſs dazu dienen, die Saat von Unkraut zu reinigen, ſondern auch die Erde an die Wurzeln der Pflanze zu legen. Aus der Zeichnung kann man erſehen, daſs die Gätmaſchiene nach Gefallen erweitert und zuſammengedrückt werden kann, in Vebereinſtimmung mit den Reihen, ſie mögen nun dicht oder weit von einander ſtehen. In der Graſſchaft Surrey, bey London, wird die- fe, Art Häufeegge ſehr allgemein gebraucht. Man wen- det ſie bey allen Arten von Hülſenfrüchten, als Bohnen und Erbſen, ebenfalls bey Kohl, Rüben, gelben Wur- zeln u. ſ. w. und überall an, wo der Saame in Reihen ge- ſäer iſt. Der Landmann iſt mit ſelbiger ſehr wohl zufrie- den, da ſie nicht koſtbar iſt, und er mit derſelben meh- rere Acres an einem Tage gäten und häufen kann, als mit der Hand. Das Legen der Saat in Löcher, eine' Art Reihenſäen. Wir haben im Vorhergehenden vom Reihenſäen mit Säemaſchienen geredet. In den Grafſchaften Suffolk und Norfolk har man eine eigenthümliche Weiſe in Reihen zu ſäen, die ich nicht in andern Gegenden Englands ange- troffen habe; ſie wird Dibbling genannt. Mit Stöcken, an den Enden mit Eiſen beſchlagen, werden Löcher in die umgewälzte Furche gemacht, und in dieſe Löcher werden von Kindern zwey Saamenkörner in jedes Loch geiegt. Tab. IV. zeigt das ganze einfache Verfahren. Ein lit Hii Eb 233 Mann geht rücklings und hat zwey Stöcke in den Hän- den, mit denen er in die umgewälzte Pflugfarche Löcher macht. Die Stöcke ſind 30 bis 36 Zoll laug, am Ende mit Eiſen beſchlagen, beſſer noch mit Stahl, damit ſie durch ihr eigenes Gewicht in die Erde ſinken. In dieſe Löcher, die ungefähr zwey Zoll tief lind, und einen ge- genſeitigen Abſtand von vier bis ſechs Zoll haben, nach der Saamenarr, ſieht man Kinder Korn einwerfen. Ein Mann kann-mit zwey kleinen Knaben oder Mäd- chen auf dieſe Weiſe einen halben Acte, ungefäht 3 Schipp Land, an einem Tage beſäen. Dies Legen der Saat iſt höchſt ſimpel, und ſehr vortheilhaft, und gewinnt 1m Eng land immer mehr Beyfall.: Vor ungefähr zwanzig Jahren empfahl ein Herr Charles Varlo das Legen der Saatin Löcher, um an der Ausſaat zu erſparen, und der Saat den nöthigen Raum zu' geben, ſich auszubreiten. Im Anfang lachte man dar- über, nach gerade verſuchten es Einige, und jetzt hat es ſich ſehr ins Groſse verbreitet, beſonders in Norfolk, Es iſt kein Wunder, daſs das Legen der Saat mit der Hand Beyfall finden muſste. Verſuche im Kleinen lehr- ten den Landmann: erſtlich, daſs er zwey bis drey Ton- nen mehr vom Acre erndtete, als nach dem gewöhnli« chen Ausſfäen mit der Hand, beſonders wenn die Saat ge. gätet wurde. Zweytens: daſs der Landmann kein La- gerkorn: zu befürchten hatte; denn blos Stroh war zu ſtark, als daſs es von ſtarkem Regen oder Hagel geknickt werden, oder umfallen konnte, weil es zu dick ſtand. Dritrens: daſs das Korn ſchwerer und gröfzer war, als anderes Korn. Viertens: daſs man einer Menge armer Kinder etwas zu verdienen gab, die ſonſt dem Kirchſpiel -zur Laſt fielen. Die Saamenarten, die am gewöhnlichſten auf dieſe Weiſe gelegt worden, ſind Weitzen, Pferdebohnen und Erbſen. Der Acker wird nur einmal gepflügt. In die „gepflügte Furche werden zwey Löcher einander zur Seite if nne Ä->. 234 gemacht, und wenn die Kinder die Körner in die Löcher gelegt haben, werden ſie wit Erde zugefüllt. Einige grolse von den Bäumen abgehauene Zweige, werden ſo wie ſie ind, mit den Blättern daran, zuſammen gebun den, und ein Mann zieht ſie über:den Acker. Die Zwei- ge mit ihren Blärrern füllen die Löcher mit der loſen Erde aus. Der Acker wird alfo gar nicht geegget, ſon= dern muſs ſich mit einmaligem Pflügen begnügen. Man hat es beſonders vortreflich und angemelilen gefunden, wo die Kleeitoppel des erſten Jahres im Herbite umge- pflügt wird. Daſs das Legen der Saat mit der Hand nicht bloſs im Kleinen verſucht iſt, ſondern daſs es wirklich im Groſßen ausgeübt wird, werden folgende Beyſpiele beweiſen, die alle in der Gegend um Norwich, in der Grafſchaft Norfolk geſammelet ſind, und in Kents Agriculture of Norfolk p. 212. London 1796 ſich aufgezeichnet finden. ;";“ Acres. Herr John Barber, aus Dunton, gelegt- 200 - Benjamin Barber, Woodbaſtwick- 140 - George Barber, Stanninghall-- 100 -'Thomas Brown, Thrigby SE= 70 - George khverit, Caifter--=.5.100 - John Criſtmas, Billockby-„ I00 - James Burroughes, Burlingham- 140 - John Harriſon, Panxworth-- 130 - George Baker, Acle--- 140 Dieſe Männer haben alle auf ſo vielen Acres bloſs Weitzen legen laſſen, und das in einem einzigen Jahre. Der letzte, Herr Baker, bat gleichfalls im Groſsen Gerſte auf einer Menge Acres mit der Hand legen laſſen, und geſunden, daſs es bey der Gerſte nicht minder vortheil- haft, als beym Weitzen war.; Das klarſte Licht verbreitet über dieſen intereſſanten Gegenſtand folgender Brief von Burroughes, Esg. an Sinclair, datirt Burlingham den 21 Auguſt 1794. 235 „In ihrer geehrten Zuſchrift haben Sie' mir' einige Fragen über das Reihenſäen des Weitzens mit der Hand vorgelegt. Da ich aber nicht früher als im Herbſt 1792 im Groſsen angefangen habe, meinen Weitzen legen zu Jaſſen, und alſo nicht ſolche Verſuche gemacht habe, die dem Ackerbaucollegium vorgelegt zu werden verdienten, ſo habe ich bey meinen Nachbarn die nöthigen Nachrich- ten über dieſen Gegenſtand'eingeſammelt, die ich mit meinen eigenen Bemerkungen begleitet, Ihnen gehor- ſamlt vorlege. Fr. T. Welche Saamenarten können am vortheil- bafteſten mit der Hand in Reihen geſäet werden? Antw. Weitzen, Erbſen, Gerſie, Hafer und Pfer- debohnen. Fr. 2. Welches iſt die beſte Säezeit? Wenn die Saat mit der Hand gelegt wird, kann ſie dann zeitiger gelegt werden, oder bey ungünſtigerer Witterung, als bey der gewöhnlichen Art zu ſäen? Antw. Die Witterung, die zum Ausſäen des Saa- mens nach der gewöhnlichen Weiſe dienlich iſt, iſt es auch für das Legen derſelben mit der Hand. Das Legen des Weitzens mit der Hand beginnt'in der Mitte des Sep- tembers, und dauert bis zu Ende des Octobers; für Ger ſte und Hafer im März und zu Anfang des Aprils; für Erbſen im März, oder noch zeitiger, wenn die Jahrszeit es. zuläſst.*) - Fr. 3. Wie hoch belaufen fich die Koſten für den Acre, und welches inſtrument wird zum Legen der Saar gebraucht? Antw. Das Legen des Weitzens in Löcher koſtet von 9'bis 10 s. den Acre.**) Die Pflugfurche iſt neun *) Der Saame wird zur ſelbigen Zeit mit der Hand gelegt, wenn er auf die gewöhnliche Weiſe ausgeſäet zu werden pflegt. 2%) Die Koſten würden alſo, für eine däniſche Tonne Landes, un« gefähr 20 Mark ausmachen.; «emen er 2 EIIIE R SSI aaa 236 j Zoll breit, und zwey Löcher werden einander zur Seite in jeder Pflugfarche gemacht; der Länge der Reihen nach berrägt ihr Abſtand drey Zoll. Gerſte und Hafer koſten für den Acre 8 s., und Erbſen 7 s, zu legen. Das Werk- zeug, das wir im Allgemeinen gebrauchen, habe ich mir die Freyheit genommen, Ihnen zuzuſenden; es iſt am Ende vorgeſlählt, und ungefähr 3. Zoll lang. Es iſt beſ- ſer', wenn die Verſflählung oder das Eiſen am Ende et- was länger/iſt, nemlich vier bis fünf Zoll lang. Es gleicht dem langen Eiſenſchlag an einem dicken Stocke. Die Tiefe der Löcher ilt ungefähr zwey Zoll. Dies Werk- zeug wird für alle Saamenarten gebraucht. Fr. 4: Welche Erdart iſt dem Reihenſäen mit der Hand am angemeſſenſten? Hat die Erfahrung gelehrt, daſs es in tiefleimigtem Boden zweckmäſsig iſt? Antw. Eine jede unſerer Erdarten iſt zu dieſer Be- handlungsart geſchickt. Sehr tiefen Leim haben wir in dieſer Gegend nicht. Fr. 5. Wie viele Perſonen erfordert dieſe Säeart für den Acre, und wie lange Zeit gebraucht eine gewiſſe Anzahl Perſonen? Antw. Ein halber Acre mit Weitzen ift eine Tagesarbeit für einen Mann mit einem Paar Stöcke; dagegen für Gerſte, Hafer, Erbſen und Pferdebohnen Z eines Acre. Er hat Kinder zu Hülfe, welche die Körner in die Löcher legen. Für kleine Kinder, welche die Saa- menkörner nur in eine Reihe Löcher auf einmal legen können, giebt man 3 d. für den Tag, und ſechs Kinder müſſen einem Manne folgen; ſind ſie gröſser, ſo daſs fie zwey Reihen von Löchern verſehen können, bedarf man nur drey Kinder, und ihnen werden 7 d. für den Tag gege- ben; zuweilen hat man nur zwey Kinder nöthig, wenn ſie drey Reihen Löcher verſehen können, und ibr Tage- lohn iſt dann 10X d. Vier Männer, jeder mit ſeinen zugegebenen Kindern, werden ſür eine hinlängliche An- 237 zahl gehalten, um auf einem Feldſtück zuſammen zu ar- beiten. Fr. 6. Wie viel wird an der Ausſzat auf den Acre erſpart? Antw. Die halbe Ausfaat, auf einem Acre nicht weniger als 6 Pecks, und nicht mehr als 8 Pecks; wird die Saat mit der Hand ausgeſtreuer, ſo werden 3 bis 4 Buſhels auf den Acre gebraucht.'*) Fr. 7. Wie viel wird mehr yom Acre geerndtet? Antw. Dies iſt noch nicht mit Gewiſsheit ausge- macht. Man rechnet 4 bis 6 Buſhels vom Acre(d. 1. 8 bis 12 Schipp auf ſechs Schipp Land.) Fr. 8. Iſtſolches"Zorn von beſſerer Beſchaffenheit? Antw. Esübertriflt das mit der Hand ausgeſtreute an Gewicht,. von 10 bis 12 Pfund den Quarter, nach dä- niſchem Maaſs 5 bis 6 Pfund die Tonne. Zum Beſchluſs. Man muſsüber die Kinder ſtren- ge Auffſicht haben, damit ſie nicht mehr als drey bis vier Hörner von Weitzen, Gerſte oder Haier in jedes Loch werfen, und nicht über zwey bis drey Bohnen oder Erb- ſen; denn mehr Saamenkörner in ein Loch zu werfen, iſt der Frucht nachtheilig. Das Ackerbau- Collegium ſandte dieſelben Fragen, die wir angeführt haben, an mehrere Landwirthe, die das Legen der Saat mit der Hand, oder das ſogenannte Dibbling, im Groſsen verſucht hatten. Das Collegium erhielt von Herrn Baker zu Acle, demſelben, von dem wir vorhin anführten, daſs er in ei- nem Jahre 140 Acres mit Weitzen auſſer vieler Gerſte gedibbelt hatte, folgende Beantwortung der Fragen, da- dirt vom 13. Auguſt 1794. *) Nach den Verſuchen, von denen ich in Suffolk Zeuge gewe- ſen bin, wird nicht ſo viel zur Einſaat gebraucht. Hat man aber nicht Aufſicht über die Kinder, ſo verſtreuen ſie die halbe Ausſaat, und werfen, ſtatt zwey Saamenkörner, fünf bis ſechs, und noch mehrere in ein Loch, .-> 238? „Das Ackerbau- Collegium hat mir die Bhre'erzeigt, ſich wegen Nachrichten, das Dibbeln der Saat(Reihen- ſäen aus der Hand) betreffend, an mich zu wenden; ich babe mich beitrebr, die aufgegebenen Fragen, ſo kurz und. deutlich, wie es mir möglich war, zu beantworten.“ Antwort auf Fr, 1, Weitzen,-Gerſte,'Erbhſen und Wicken werden mit Vortheil gedibbelt.| 4 Antw. auf Fr. 2,“ Die Saat wird zur gewöhnli- chen Saatzeit hier in der Grafſchaft gedibbelt, nemlich Weirwen nach Michaelis; Gerſte im April; Erbſen.und Wicken zu Ende Februars oder Anfangs März.! Antw. auf Fr. 3. Die Koſten beym Dibblen des Saatkorns find in unſrer Gegend von 8 bis 10 s. für Wei- zen und Gerſte, und 7 8. 6 d. bisSs. für Erbſen und Wicken. Wir haben nur ezne Art von Stöcken, um die Löcher in den Furchen zu machen; dieſe haben ge- gen das Ende eine koniſche Form. Antw. auf Fr. 4. Lockerer, ſandiger Boden iſt dem Dibblen angemeſſen, tie“ leimigter iſt ſelten gedib- blet, ob aber aus der Urſache, daſs es auf ſolchem Boden nicht vortheilhaſt ſeyn ſollte, kann ich nicht ſagen.*) Antw:.auf Fr, 5. Zwey. Männer- mit Stöcken, um die Löcher zu machen, für jeden drey Kinder den Saamen einzu werfen, können einen Acre täglich, in ei- uer Zeit von 12 Stunden, dibblen. Antw. auf Fr. 6. Die Erſparung an Saatkorn macht für den Acre(wenn über die Kinder gute Auf- ſicht geführt wird, und nicht zu viele zuſammen arbei- ten, ſondern ſie an mehrere Stellen des Feldes vertheilt ſind,) ungefähr 6 Pecks Weitzen, 8 von Gerſte, und 4 von Erbſen und Wicken, aus. *) Ich habe auf dem Gute Bradfield= Combuſt in Suffolk, Pfer- deboknen und Weitzen, auf ſtarkem und zähem Leimboden mit beſonderm Vortheil gedibblet geſehen. Die Pferdebohnen gaben nach der Ausſaat über dreyſsigſäitig, 239 Antw; auf Fr. 79. Wie viel Weitzen nach dem Dibblen, auf dem Acre mehr geerndret werden Kann, bin ich nicht im Stande beſtimmt zu ſagen, obgleich ich meinen Weitzen, in mehrern Jahren gedibblet habe, weil ich keine ordentliche Berechnung darüber gemacht habe. Im vorigen Jahr verſuchte ich es zum erſten Mal die Ger- ſte zu dibblen, um den Unterſchied zwiſchen der gedibb- leten ,. und der aus der Hand geſäeten zu bemerken; ich dibblete in dieſer Abücht die Hälfte einer Koppel von 10 Acres, die übrige Hälfte ward auf die gewöhnliche Weiſe mit der Hand beſägt. Der Boden war gleich be- handelt, und zu gleicher Z2it gedibblet und beſäet. Das gedibblete Stück gab 12 Buſhels,(3 Tonnen) vom Acre mehr, als das andere; dies munterte mich auf, im fol- genden. Jahr alle meine Gerſte dibblen zu laſſen. Antw. auf Fr. 8. Gedibbleter Weizen und Ger- ſte ſind befler und ſchwerer als anderes Korn, das auf die gewöhnliche Art geſäet iſt. Zum Schluſs.'Die wichtigſten Vortheile beym Dibblen der Saat, find nach meiner Meinung folgende: größerer Ertrag, Erſparung an Saatkorn, und der Nuz- zen, auf eine zweckmäſsige Art eine Menge armer'Kin- der beſchäftigen zu können. Um die Unbequemlichkeit und die Koſten, mit den Stöcken die Löcher in der Erde machen zu laſſen, zu er- ſparen, habe ich Einige ſich eines Inſtruments, the Drill Roller genannt, bedienen geſehen. Dies beſteht aus 6 Stücken Holz, durch überliegende Queerhölzer an ein- ander, befeſtigt. Dieſe 6 Stücke, die unter ſich einen Abſtarnid von 4x Zoll haben, machen eben ſo viele Rillen in die gepflügte Oberfläche, und in dieſe Rillen legen Kinder und Frauensperſonen die Saamenkörner. Darauf werden die Rinnen, eben ſo wie vorhin bey den Löchern geſagt worden iſt, mit zuſammengebundenem Reiſig zu- < SENE «eee men el > 240 gemacht, welches wie-die Egge über den Acker geführt wird. Das gänze Verfahren iſt ungefähr daſſeibe, wie das des Gärtners, der auf' ſeinem Gartenbeete mit dem Harkenſtiel eine ſchmale Rinne macht, um darin Erbſen zu legen. Auf leichtem Boden iſt dies Inſtrument, rhe Drill Roller ziemlich gut, auf ſtarkem Leimboden hinge- gen unbrauchbar. Viele Landwirthe haben den Gebrauch deſſelben aufgegeben, da der Saame nie ſo ordentlich gelegt werden kann; als wenn für ſelbigen Löcher ge- macht werden, An einigen Stellen in der Grafſchaft Suffolk habe ich Land halb gedibblet, und halb aus der Hand beſäet, geſehen.'Um die Koſten beym Dibblen des Saamens zu vermindern, theils auch aus Mangel an Leuten haben dieſe Landwirthe nur eine Reihe Löcher in der Pflagfur- che machen laſſen, ſtatt zwey Reihen, und, nachdem der Acker ſo halb'gedibblet war, die übrige Hälfre des Saatkorns ganz dünn über den gedibbleten Acker aus- ſtreuen laſſen. Dieſe Säemethode hat nichts Empfehlen- des; entweder muſs der Acker ganz, oder gar nicht ge- dibbler werden.) 4 j) 735.16 ; VW RE8> DA (4 EARN IREEN RUSSEN MIL SI 1907, EEE EDE ; || NN) 0] EE ap || um; | S h Ee m LEZEN ZE ES I»/ m // 7; mE 7070 Tab. IV.