———ÿ— Uaiv.-Bibl. Giessen —— Der vernſtand, politiſch betrachtet.| „Nach Anleitung des Königlich. Preußiſche Cvilt3 Ee. vom 9, Oktober 1807. um En| | Mit PODER "Berlin,"0 Bei Johann Wilhelm St, an ſeinem Theil dahin zu wirken, daß das Rechte erkannt und das Gerechte eingerichtet werde. Denn der Pdbel, der ſich in allen Zeiten und Völkern gleich bleibt, wirft alles Böſe und Uebel, was gethan und gelitten wird, ſo gern) auf die; welche regierenz da doh jede Regierung, mehr oder: weniger durch den Geiſt und Willen des--ganzen Volkes, leidend oder handelnd, unwillführlih und unbewußt. mit fortgetrieben wird.- Cben ſo wenig will dieſer Pöbel. erfeunen, daß auch die beſte-und väter- lichſte: Regierung das Rechte nicht lebendig mächen-fann, ohne. daß alle diejenigen, mits Helfen, welchen ein ernſterer und feſterer Wille, eine kühnere Thätigfeit:; ein: hellerer Verſtand „wärd„als der Menge, die ſich treiben läßt, Wweilſie ſich treiben laſſen muß«.' 3% Jede Regierung, die ſo auftritt vdr. dem Böolfeg; wie die preußiſche in jenem Edikt, ſpricht »ffenbar' das Bekenntniß aus, daß das Volk etwas»Heiliges und»Unvergängliches ſey; ſie ſpricht“ mit. dieſem Bekenntniß, zugleim die Pflicht aus, tüicht nur dies Heilige. und. Un- vergängliche zu erhalten, ſondern auch das zu erhalten, was es anerkennen und würdigen ge lernt hat, d.h. ſim ſelbſt zu erhalten. Denn wer das hohe Bewußtſeyn hat, das Menſchlichſte und Gerechteſte zu wollen, der Ne wird ihm ſelbſt gottähnlich, oder== was daſ? ſelbe iſt.=- der führt auf“ſich die"Verehrung zurück, die er durch die Anerfennung des gan» zen Volkes gewahr wird. Es iſt alſo undenk» bar, daß eine Regierung, die wirklich eine ſol? daun+ NEG.| Land, und theilten es gleich unter ſich, nach. der Zahl ihrer Köpfe. Jn den glücliz hen und glorreichen Zeiten dieſer Staaten wur? den die jedem Bürger, oder Mitgliede der Ge- ſellſchaft zugetheilten AFerlooſe untheilbar be- hauptetz ja, ſo ſtreng war das Geſeß der Gleich heit, daß auch dem Reichſten ein höchſtes Maaß Feldes beſtimmt war, über welches hinaus er nicht erwerben. noch bauen durfte. Man wollte freie, wohlhabende und tüchtige Bürger habenz aber man fürchtete die Ungleichheit des Reich- = 22= thums. und des Beſikes. Dieſe Furcht war allerbings„auch gegründeter, als bei uns; denn als die Perikles und Lukulle in, Athen und Jom Villen zu bauen und Ländereien von drei bis fünf Meilen in der Runde in Gävten 'und Parke zu verwandeln begannen, da ver? ſchwanden die freien und rüſtigen Männer vom Lande, und- einzelne ſardanapaliſhe Bürger zäSlten die Sklaven nicht nach Hunderten, ſon- dern nach Tauſenden, ja endlich gab es deren, welche zwanzigtauſend bis funfzigtauſend Häups-| ter- zählten? Kurz, das Reſultat, worauf die alten Geſchihtſchreiber und Staatslehrer auch immer hinweiſen, war, daß mit der Vernach- läſſigung der alten Feldgeſeße und mit der Zu- ſammenlegung vieler kleinen AFerlooſe zu ei-| niven großen Gütern die Tugend, die Freiheit,. die Stärke des Staats unterging. Jenes Sparta, welches immer blutig und unmenſch- lich, aber immer tapfer und gewaltig für eigne Freiheit“ gefochten und fremde Freiheit zerſchmete tert hatte, vergaß endlih auch Lykurgs und ſeiner Geſetze, hatte Gold für Eiſen, und Her- ren für Freie" Hünderte beſaßen'als übermü- thige Wüſtlinge, worauf" einſt Tauſende als mäßige Freie gelebt hatten. Dieſer Staat der leiblich gebildetſten Freien und der troßigſten. Krieger endigte mit einem kleinen Tyrannen, verſanf dann in den verſchlingenden Abgrund “Roms, und hinterließ in ſeinen Thälern und auf ſeinen Bergen tüiſche und treuloſe Ban? - diten, deren. Urenkel, wir in den Mainotten fennen, welche auch jest noch alles Schlechte darſtellen, was die Sparter in der Zeit ihrer grdßeſten Glorie nie verleugnet hatten. Jenes Ttalien, welches die Cincinnate, die Fabricier, die Kurier von dem Pfluge zum Befehl und zur Rettung des Vaterlandes rief, und durch ihre Tugend und Kraft endlich die Welt er? oberte, unterjochte ſich ſelbſt durch. ſeine Aus- breitung, wie allen Eroberervdlkern mit Recht geſchieht. Reichthümer, Uebermuth, Ueppigkeit der Weltplünderer verdrängten die freien Bür- ger und Bauern vom Landbeſiß des ſchönen und. fruchtbaren Italiens 3 Feine Stimme des Patriotigmus und der Weisheit konnte den wüſten Strom der Lüſternheit hemmen; die beiden Grachenbrüder fielen als die leßten Opfer für das Alte. Schon zu den Zeiten der erſten Cäſarn bewohnten nur große Herren und dienſt- bare Knechte das Land, und Rom mußte einen verarmten Pdbel von 50000 Mannsleuten füt- tern, die ſich noM Römer nonnten, die aber, wie dieſe Art Römer in Konſtantinopel jest, brandſtifteten, entthronten, würgten, wann ihre wilden Mägen empdrt wurden, oder wenn der Nordwind die ägyptiſchen Kornſchiſſe zu lange zurüchielt. So ging Rom mit dem Verfall ſeines freien Bauernſtandes raſch zum Verder- ben hin, und Schaaren von 50000 und 65000 Marfomannen und Allemannen erſchre>ten end- lich diejenigen, veren gewaltiges Schwert vor - 241== einigen Jahrhunderten die Welt erobert Hatte. -= NMicht beſſer ging es unſern Vätern, den Germanen. Der JInſkinkt, oder vielmehr der urſprüngliche Freiheitsſinn eines edel gebohrnen Bolkes brachte in den rohen Zuſtand Gleich- Heit des Beſißes, wie weit.dieſe Gleichheit über- Haupt daſeyn Fann, wenn ſie nicht Unſinn von Levellers oder Jakobinern werden ſoll. Nur Anführer' und Fürſten hatten größere Aer- ſtüde,, ihrer Würde, ihrer Tapferkeit, ihrem Ver- dienſt um das Gefolge der freien Krieger an- gemeſJen.- Als ſie das brdF lichte Gebäude des römiſchen Reichs zertrümmerten, und Gallien, , Britannien, Jtalien eroberten, theil- ten ſie nac) altem Herfommen das erworbene Land, ſo daß den Freien ungefähr gleich viel, den Königen, Fürſten, Anführern nach dem . Maaße ihrer Würden zufiel. Nach drei, vier Jahrhunderten begann dieſe Gleichheit zu zer- fällen; und ein urſprünglich und ähnlicher Ge? brauch ,' der. von den römiſchen Schriftſtellern bei den alten Galliern und Germanen offen- und" die Geſtalt dev“ Hierarchie, die ſchon in Konſtantins des Erſten Rangordnung, Hof- haltung und Verwaltung erſcheint, erſchufen allmälig das Lehnweſen, wodurch-der größte - Theil der vorher gänz freien“ Männer ganze, Halbe, Drittel-, Achtel- und Sechgzehntel-Knechte wurden. Sobald, dieſer'Zuſtand ſich entwik- Felt hat, im neunten und zehnten Jahrhun- bay"angedeutet wird, und vor allen der Geiſt, 25 FN derte unſrer Zeitrehnung, wie elendig erſchei? nen eben dieſe Völker, die vor einigen Jahr- hunderten die Unüberwindlichen und Fürchter- lihen genannt waren! Haufen von zehntau? ſend und zwanzigtauſend raubluſtigen Normän- nern= ihre Brüder, die noch geblieben wa- ren, was ſie ſonſt geweſen= durchſtreiften und beſchaßten ungeſtraft über ein halbes Jahr- hundert das große und volfreiche Francien und- Allemannien, ja eroberten mehrmals das ganze England jenſeit des Meers; und Gleiches litt man von Avaren und Magyaren(die wir jeßt Ungarn nennen) welche von Oſken her zogen, und vom Rhein, vom Po, und von der Seine Her germanitiche Sklaven und Schäße in ihre Hordenlager an der Donau und Theiß zurück- ſchleppten.; Sagt mant ſo mußte es gehen, ſo habe ich nichts dagegen, aber die Erfahrung aller Zeiten und Länder, der große Punkt, um welchen dies al- les ſich hier bei mir dreht, bleibt darum nicht weni- ger wahr; er heißt: Freier Bauer gleich einem tapferen Volke und freien Lan- de. Denn leicht iſt es zu beweiſen, was ich oben ſchon andeutete, daß bei den beſten po- litiſchen. Geſeßen die„Freiheit der Alten neben ſyſtematiſcher Sklaverei nicht beſtehen konnte; denn in dem großen Plan, der Vorſehung lag nicht Uebermuth und Grauſamkeit, ſondern Ge- rechtigkeit und Milde, die legten Halter. und Walter der“Erde. Auch die alte bäuri- EEB, 7) 49.79 ſhe Freiheit» der neuen Völker fonnte nicht beſtehen 3 ſie war auf einem Herfommen PE Juſtinkts und Gefühls, nict auf einem Geſeß des Verſtandes und- der Erfenntniß gegründet. Lange Lehrjahre mußten durchgemeſſen werden, um durch das Chriſtenthum ein geiſtiges Gleich- Gewicht zu gewinnen, was allein wahre Freis Heit und wahres Glu erſchaffen und erhal- ten kann.- j .Ich ſprech'e:, Wo ein freier Bauer iſt, da iſt ein tapferes Volk, ein freies Land. Das muß ich beweiſen, und kann ich beweiſen, zuerſt an dem freien Bauexn überhaupt, wie er in jedem Lande zu ſehen|, iſt, zweitens an den Völkern und Län- dern.).; Das erſte menſchenveredelnde und. men- ſchenbildende Geſchäft war der Acerbau. Der wilde Jäger und Fiſcher, oder der von den Früchten ver Bäume und Felder lebt, welche in den freigebigſten Klimaten die Natur ohne Arbeit hervorbringt, iſt wechſelnd ſrei und glüds- lich, ſflaviſch und elend; in einem ewig unru- higen, unſtäten, unſicheren Daſeyn geht er freudenlos hin, ein roher Knecht der Clemente und des Zufalls, wenn er auch von ſeines Gleichen nicht unterjocht iſt, Sobald, er aber den Spaten und die Hake ergreift, ſobald er die erſte Furche dur das Land zieht, den ers ſten Zaun zäunt, beginat ſeine höhere Frei-. heit: der Menſch ſcheidet ſich von den Thieren 1 I< 2 mme rg und von ihrer Ungebundenheitz 1er giebt eine unbeſchränkte, aber unſichere“ Freiheit auf= wenn mai das Leben des Wilden Freiheit nen? ) nen will= um eine beſchränfte, aber ſichere Freiheit zu gewinnen. Der«Menſch und die Menſchlichfeit fommen nun in die Welt.= Dieſe erſte Kunſt des Menſchen, welcher Bür- ger. werden will, um ein freier Mann zu wer- den, bleibt. auch ewig die erſte. Dies wider? lege, wer es kann! Alle Tugenden des Leibes und Gemürhes bewahrt niemand ſicherer und leichter, als der freie Bauer; denn ihn erhä't das natürliche Leben, was die andern Bürger des Staats' durch ein künſtliches Leben kaum kaum erhalten können.'Denn was iſt der Bauer? j 1) Er ſteht in dem findlichſten' und rein- ſten. Verhältniſſe mit unſer aller Mutter und Gdttin, der Natur. In beſcheidener und ſtil- ler Thätigkeit, in gläubiger und frommer Hoff? nung gewinnt er ihr die Gaben ab, die ſie ihren fleißigen Kindern ſo gern giebt. ).Seig Erwerb iſt der natürlichſte und unſchuldigſte aller.. Er gewinnt das Rohe und | Einfache, was er, wenn er in ſeine Wirkſam- feit auc; mehr Kunſt bringt, höchſtens im er- ſten oder zweiten Grade verfünſtlicht und: ver- edelt, und die weiteren Bearbeitungen des Ro- hen bis ins Unendliche, dann fremden Thätige- eiten überläßt. Wer mit dem einfachſten Er- werb umgeht, iſt am mildeſten und freigebig« ' ſtens; Geis und Ungerechtigkeit verführen ihn weniger zum. Böſen, als die mehr zuſammen» geſeßten und. fünſtlihen Gewerbe, die ſchneller gewinnen und verlieren, als der Bauer. 3) Der Umgang mit der Natur erhält das innere und äußere Urbild des ächten alten Menſhenſtammes, die ewigen Gefühle und Ahndungen, die unvergänglichen Triebe und Kräfte, welche den Urnaturen inwohnten; als ſie aus ihrem Garten Cden über die Länder zerſtreuet wurden.- 4) Das Leben mit der Natur, die freie Luft,„und, das» freie Licmt, der unaufhörliche Kampf mit den Elementen, ie tüchtige Ar- beit und der tüchtige Genuß erhalten die ur- ſprüngliche-Stärfe und. Macht. In einem freien Lande gehe in die Hütten des Bauern, wenn du die ſtärkſten und ſchönſten. Männer ſehen willſt, wenn du Haltungen und Gebehr- den ſehen willſt, womit man vor Könige tre- ' ten könnte, oder richtiger, womit Könige auf? treten ſollten, und welche die Praxiteles und Michael Angelo's als Muſter der Schönheit. hinſtellen würden. / 53) Daher geht es am beſten vom Pfluge zum Schwerte. Der Bauer iſt der fertigſte und treueſte Vertheiviger und Erhalter des Va- terlandes; er iſt. der Bürger, welchen eine un- endliche Liebe an ſeinen Heerd feſſelt, welcher die ſicherſte Liebe zu ſeinem Vaterlande und --="29= ſeiner Regierung trägt, der leßte, der ſie ver» läßt, der leßte, der an. ihnen verzweifelt, 6) Weil er in mäßigem Glück und fort- gehender Arbeit gehalten wird, kann er nicht' augarten, wie allen andern Ständen des Volks leicht begegnet. Alles Andere ſchwächt und verſchleift ſich in dem Umlauf von drei, vier Zeugungen. Er gießt immer friſches Lebens? blut auf das Alternde und Welkendez; er iſt ver Vorgänger und Ergänzer, und, iſt ſein freier und rüſtiger Stamm knechtiſch geworden, ſo fann man, ohne Prophet zu ſeyn, das Schi>- ſal des ganzen Volks vorherſagen.| 7) Er ſteht endlich da als die feſte und „unvergänglihe Regel, woran der gebildeteſte Menſch meſſen und richten kann, was und wie er ſeyn ſoll. Fühlt er, daß ihm die Ein- falt, die Treue, die Tüchtigleit, die Maäßigkeit fehlt, worin der Bauer durch eine glücliche Schranke der Nothwendigfeit gehalten wird, ſo iſt er mit allem ſeinem Geiſt“ und Wiſſen doch nur ein Halbmenſch. - Gegen dieſes wird'man einwenden, ich ſtelle einen Bauern und ein Bavernleben auf, die nirgends jemals geweſen, noch jeßt. ſeyen. Aber das wird man nur in ſolchen Ländern einwenden, wo- der Bauer bisher mehr oder“ weniger knechtiſch geweſen iſt. Wer aber Nor- weger, Schweden, Tyroler, Siebenbürger, Franken und einige'Bauermarſchen Weſtpha- lens, Niederſachſens. und Schleßwigs geſehen hat, der wird mir nicht" leugnen, was jede Geſchihte meldet und. die allräglihe Crfah» rung beſtätigt. Ein Jdeal, d. h. das Bes ſte und Edelſte jedes Dinges, muß man aufſtellen, wenn man im Allgemeinen ſpricht. Denn allerdings in knechtiſchen Ländern giebt es edle und freie, und in Freien Ländern un- edle und kriehende Bauern. Aber überhaupt, wo die größte Freiheit iſt, da iſt immer der edelſte Menſch.; Andre werden gegen dieſes ſagen? ich hänge noch in einer beſchränkten Aaſicht der Welt; mit der größten Freiheit, die aus rech- tem Erfenntniß entſpringe, werde«alles Gute und: Rechte ſich ſchon von ſelbſt. machen; und politiſche Geſeße, beſonders ſolche, die einzelne "Stände begründen wollen, werden immer wes- niger'nothwendig werdenz Geiſt und Sittlich- Feit werden endlich von oben her auch alles das tragen und gleihwägen, was von unten auf durch keine Befeſtigung irdiſcher Noth- wendigfeit, durch keinen Stachel äußerer An- triebe in Gerechtigfeit und Gleichgewicht gehal? ten werden könne; dieſe Bauernanſicht und Bauerneinrichtung ſei vielleicht nur Für einen niederen Zuſtand: die Welt könne einen ganz anderen Schwung bekommen, und' werde ihn befömmenz: es können Verhältniſſe eintreten, daß einzelne Nationen zu viel-nüßlicheren und, menſchlicheren Thätigfeiten aufgerufen werden, als zum Aerbauz ja vielleicht eine-ſolche Ent» -. 31==> wielung, ein ſolher Gebrauch menſchlicher Kräfte könne kommen, daß der Bauer auch an Wahrheit und Einfalt, an Stärke und Tu- gend des Leibes und des Geiſtes hinter den andern Klaſſen des Staats zurübleiben müſſe., Solcher Vielleicht hat man oft er- wähnt; ſich unter andern auf das jüngſte große Zeichen, auf England, berufen, wovon wir unten ſprechen werden; und gemeint, was für wundertiefe Dinge man geſagt.habe. Denn wie die irdiſchen Sachen bigher geweſen und heute noch ſind; ſo wird man durch Voraus? ſezungen, die nicht einmal philoſophiſch ſind, das Wirkliche nicht widerlegen. So wie die Dinge bisher geſtanden haben, und noch' ſte- hen, ſind die Staaten glücklich zu preiſen, wel- gehabt, mit den Ge? bräuchen,- Geſeßen und Einrichtungen fremder Bölker nicht gemiſcht zu werden, und das Germaniſche in Sitten und"Sprache hat ſich freier ausbilden können, als in den meiſten andern Staaten germaniſchen Stammes, uns Teutſche ausgenommen. Auch hat das Ger- maniſche in dieſen beiden Ländern ſich herrlich entwiekelt. Vor allen aber iſt die Freiheit behauptet worden. Denn das- Lehnweſen iſt hier nie ausgebildet, und alle die mancherlei Knechtſchaften und Dienſtpflichtigkeiten, welche an demſelben hingen, ſind hier nie gefannt. Nie hat mag hier Leiveigene geſehen, die wie Bäume und Pflanzen dem Boden angehör- ten, worauf ſie gewachſen waren. Höchſtens hat man in den frühern Zeiten wohl-einige, aus der Fremde gefaufte, oder im Kriege ge- Fangene Sklaven gehabt, Gewiß iſt das Cle- ment der Freiheit hier, nemlich Küſten, Berge, Hü-« gel, Gewäſſer, ein friſches und ſtählendes Klima,| und eine Natur, die nur durch Fleiß und Arbeit bezwungen werden kann. Aber das Meiſte lag in dem Adel und dem Glücf des Volkes, daß ſo viele kleine Männer- mit Landbeſitz ſich behaupteten,'als es heute noc<4. am Tage iſt. Norwegen, obgleich die Dänen an. ſeiner Freiheit oft und viel gezwat und. gezwit, haben, wird doM noh meiſtens nach ſeinem alten Landrecht regiert und gerichtet, und hat das ſeltene Glü, faſt von. lauter freien Bau-' ern bewohnt zu ſeyn, weswegen auch der Nor- mann ein vor vielen andern biederes und tuch» tiges Volk iſt. Schweden hat mehr Adel, und dadurch mehr eitle und unklimatiſche, bez ſonders franzöſiſche Strebungen und Neigun- gen bekommen, als recht iſtz aber der über- wiegende Stamm von freien und ſelbſtändi- gen aerbauenden-Männern hat einen Geiſt der Bravheit im Vo!kfe erhalten, der es Fatz| tionen, Getümmel, und Revolutionen hat verz winden laſſen, woran andere Völker nicht bloß gefranft, ſondern geſtorben ſeyn würden. England, das halb romaniſirte, halb gers maniſirte England, ſteht in Europa ſchon durch ſeine Lage gleichſam als eine Welt für ſich da, ſo wie es jekt beinahe in aller Hinſicht in Vers Hältniſſen ſieht, die faſt nur ihm eigen ſind, und den meiſten Vdlfern des feſten Landes von Taae zu Tage fremder werden. England, das AARE 10) SNES freie, und auf ſeine Freiheit gebührend. ſtölze England, ſcheint jeht zu beweiſen, daß ein Volk energiſch, tapfer, freiheitliebend, und freiheitbe- hauptend ſeyn könne, ohne eben das zu haben, was in dieſer Unterſuchung unter freien Bauern verſtanden wird. Denn allbefannt iſt es, daß die alte engliſche Yeomanry, wofür Alfred der Große im neunten Jahrhunderte zuerſt das ge? meine Landgeſeß(common law) ſammelte und gab, in dem größeſten Theil Englands nach und nach eingeſchmolzen iſt. Denn nur hie und da wohnen noch einige freie Bauern(Yeomen) 3 das. übrige Land iſt meiſtens in den Händen großer und reicher Beſißer: wenn man die är- meren, gebirgichten und ſumpfigen Gegenden von Wales, Cornwallis und Yorkſhire aus? nimmt. Die ſchottiſchen Hochländer ſind von den älteſten Zeiten her von ihren Lairds ſehr abhängig geweſen, und ihr Zuſtand iſt in den neueſten Zeiten noch ſhlimmer geworden; wes? wogen dieſes arme Land, das nur dem Freien lieb werden Fann, jährlich viele Bewohner ver- liert, von welchen die meiſten nach Nordame- rifa und den Kolonieen auswandern. Auch der iriſche Bauer iſt mehr knechtiſch, als der engliſche, ſo wie er ungebildeter und plumper iſt. In einem Lande, wie England,:thut das Element viel, wodurch es ſeine unermeßliche Weltthätigfeit gewonnen hat, und welches einen troßigen und gefahrenverachtenden Sinn, und mit der Kraft und Betriebſamfeit, die es wet - 40=== „pid unterhält, einen Stolz und eine Zuverſicht erzeugt hat, die allen Gefahren von außen Fühnlich zu troßen verſprechen. England ſcheint ſchön ein Beiſpiel zu ſeyn von dem, was oben erwähnt ward, ein Volk oder ein Zeiralter „Fbnne eine ſo gediegene geiſtige und künſtliche Thätigkeit gewinnen, daß ſie gleichſam ein Er- ſas desjenigen ſei, wodurch die alten Völker gemeint, ſiM zu erhalten, und wodurch, wie ich zu meinen ſcheine, die neueſten Völker am ſicher- ſien und natürlichſten erhalten würden: ein Er- ſas nemlich einer großen Zahl freier Bauern. I< geſtehe gern, nicht nur, daß es ſo ſcheint,- ſondern, daß es wirilich ſo iſt. Denn für dieſen AugenbliF lebt gewiß kaum ein Eng- länder, ſelbſt ein völlig Beſikloſer, der für ſein Vaterland nicht eben ſo hartnäFig ſtreiten und ſterben würde, als der freieſte Bauer in Sie- benbürgen, Schweden und der Schweiß. Aber dieſer"Zuſtand Englands, eben weil er auf künſt? lichen und geiſtigen Mitteln und Trieben rubet, fann nicht immer währen; dahingegen alles Natürlihgewordene und Natürlicheingerichtete bleibend und zuverläſſig iſt.- Es iſt nicht un- möglich=- wenigſtens wollen wir es einmal gelten laſſen-- daß England ſein See- und Handelsübergewicht noch“ ein halbes Jahrhun-; dert, und vielleicht, noch länger behaupte; aber. doch muß es früher oder ſpäter aufbören, we- nigſtens außerordentlich eingeſchränft werden, Wer durchſchauet die Zukunft und ihro Revo- enge ST-R rewe Stirn ... AL=== lutionen und Begebenheiten? Aber ohne große Prophetengabe darf man ſagen, 0 40 funfe zig Jahren Amerika viel unabzähgiger, wo nicht ganz unabhöngig von Europa, und alſo -auch von England ſeyn wird; in Oſtindien und ſeinen Inſeln kann die Zeit, oder die kühne Jdee und das göſchwitide Glü> eines Erobe- - rers alles, oder doch das meiſte ändern; Eu- ropas Staaten ſelbſt können durch eigene Bil- dung und Betriebſamkeit, von England immer freier werden. Wenn alles dies, oder wenn Hievon nur ein großer Theit geſchicht, dann wird England wieder mehr auf ſich ſelbſt zu- rücfgeworfen, Wir wollen ſehen, wie es ſich Dann tragen wird. Freilich durch ſeine Lage und ſein iüchtigceg.Volf immer eines der erſten Seevdlker, wird es mit dem Verluſt der Welt- reichehümer von ſeinem Troß und Stolz doch viel ablaſſen müſſen; mänche Einrichtungen, wörauf jeßt ſeine Macht mitberuht, werden in fich ſelbſt verſinken; manche Kanäle der Thä- tizfeit und des Erwerbes. werden vertro>nenz dieſe beſißloſe Menge, die nun auf Weltfloteen Badreufi O a Übn ml> 2 0 Ca Ä "TELE"1882505" SHNEREEEE"WI> a = ZU mu fortſpornen.* Denn iH behaupte"'in Ländern, wo'' die Natur"nicht fleine Beſiße'eittheilt, muß die Künſt, d.h! die Regierung, einen Theil' des Bodens dazu eintheilen. Dies" 4 Reher die'Freiheit einſchränken /' ſondern die Freiheit begründen."Wir häben geſehen, was in Rom' vörmals geſchah, und jeßt in England hie und da erſcheint. Was fümmerte es die Nach?- fommen des Kraſſus und Lüfullus, db in Jta- lien zehen oder wblf Meilen Land als Luſt» wälder. und Wildbahnen wüſte lagen? ſie hat?" ten in Epirus, Syrien, Aegypten, Afrika ihre" - Güter, wöher ihnen Gold und Silber" und alle Lebensbedürfniſſe floſſen. Was kümmert daſs" ſalbe die"Erben eines Lörd Clive, Haſtings, ja ſelbſt eines Bedford? Denn war der Baäter edel und bürgerlich" geſinnt, der“ Sohn Fann. ein Dummikopf ddey Navr' feyn, und zerſtdren was jener teingerichtet/ wüſt machen was jener urbar geinacht hat.' Denni 10005 oder 350000" Pfund"Sterl:“mehr"öder weniger"Einfünfte" u was" frägt“'er''därnaHM?= Wir haben" geſehen, was" in“ den leßten dreißig Jahren in* Meclenburg und dem ſchwediſchen Pöommett“ geſchah.-'Der amerikaniſche Freiheitskries, mehr" noch" der" franzöſiſche Revolutionsfries warfen. Gold“ an''den“Küſten dieſer Länder avs. Nun, bei ben ins Ungeheure hinaufgetriebenen Korn preiſen, wollte"Alles(Güter beſitzen, ſich'ver?" größern"und abründen, Und wie ein Herr und aher leben: Und ein Bauerdorf verſchwand" 2 = 52;===. naH. dem anbern, und zuleßt. wäre kein einz? ges übrig geblieben, wenn ein größeres Uns.- glh> der leßten Jahre dieſe Wuth.. nicht etwas: gehemmt hätte. Der unglücliche König von Schweden, Guſtav der Vierte, war dabei, ſei- nen pommerſchen Bauern nach ſchwediſcher Art Selbſtändigkeit und Freiheit. zu ſchaffen, als, auch dies wohlthätige Werk. in ſeinem trauri2; gen Verhängniſſe mit. unterging. Kurz es. bes" darf nur irgend, eines zufälligen Triebes, eines) ungewdhnlichen Zuſtromens von Geld, nur, drei oder vier. überreiche- Nabobs- die eigene; Schlöſſer, Jagden, und. Wüſten haben wollen, ſo: verſchwinden. die kleinen freien Männer.auf) der Ebene, wenn kein. ausdrüliches Geſeß für ſie wacht.;. Viele werden mir, ſagen, mit dem Namen. freie Bauern ſpiele. im. nur, mit. Wortenz, denn der Sohn jedes Tageldhners, jedes, klei? nen Inſten oder Kathenmanns, die, nun nicht, mehr. leibeigen, werde einen eben ſo“ rüſtigen! und. tüchtigen Vaterlandsvertheidiger abgeben, als der- Sohn. des reicheren, und. unabhängige-, xen. Bauern. I< läügne das nicht, was Fleiſch und Beine betrift, obgleich die Sdhne des. Bauern wohl. etwas. tüchtiger ausgefüttert wer» den, als die Kinder jenereben genannten, Aber Fleiſch und Bein iſt mir nichts nüße,. ſondern? den lebendigen Geiſt. will ich, ſtolzes Herz, freien, Maännerſinn, freie Männerkraft? das, will ich,, was das todte Fleiſch beſeele und Athem und' Kraft it die ſtarten Gebeine blaſe. Eigner Heerd iſt Goldes werth, für jede Tugend, auch für“ die Freiheit und Männlichkeit. Die- ſer lebendige und belebende Geiſt erwächſt al- lein an einem eigenen freien Heerde, und ſei et der ärmſte, und eſſe ſein Beſißer, wie der Rd- mer Kurius weiland, an ſeinem Feuer nichts als gebratene Rüben. Ein von Jugend auf und in den erſten Verhältniſſen des Lebens dienſt? barer und abhängiger Menſch erlangt nimmer, was dieſer von ſelbſt-gewinnt.- Denn freilich die Furcht haben wir nicht, daß unſre Herren “ihr Geſinde fünftig no< ſflaviſc) behandeln werden, was das Zeitalter überhaupt ſchon längſt verdammt Hat, Beträchtet man nach dieſen Anſichten, die'döH nicht bloß leere Luftgeſpinſte ſind, den preußiſchen Staat, ſo gilt von ihm größten- theils," was wir von Ebenen geſagt haben; und ich meine, es wäre nichts Ueberflüſſiges, wenn ſowohl für die Erhaltung als Stiftung von Bauerhöfen und kleinen Gütern durch ein Ge- ſes geſorgt würde." Denn dieſer Staat, der den heiligen“ Willen der Gerechtigkeit'ausge- ſprochen, hat damit auch die heilige Pflicht aus- geſprochen, für ſeine Erhaltung alles zu thun. Und einleuchtend iſt“ do< wohl"gezeigt, daß ohne einen freien Bauernſtamm, der durch ſeine Menge'auch Gewicht. habe, nie eine feſte Dauer noh'üunerſchütterliche Vertheidigung eines Staa- tes!'war. Aus dieſem KönigliHen Edikt; geht flax Hervor, daß jeine: großen. Zwecke ſind,. dies ESchwanfende und Zwingende des Eigenthums- yechts: aufzuheben, und die Kleinen und. Ber- geſſenen im. Volke zu- verbeſſern„und zu ver- edeln,. Dies kann nicht durch. Machtſprüche geſchehen, noM durch Gewaltſtreiche. Deun jedes mehr oder. weniger revolutionäre Unrecht rächt. jich unerbittlich).„an ſeinem Urheber, ſet dieſer. ein Volk, oder eine Regierung,| Sons dern es kann nur. geſchehen und ſoll nur ge? ſcheben durch die ſtille. Anerkennung der Noth- wendigleit, und„durch die ſchone Uebung der Tugenden, welche„Milde, Mäßigleit, Bater- landsliebe und Menſchenliebe einfloößen. Jeder edle und biedere, jeder thätige und„denfende Mann wird dadurch- ſtillſchweigend. aufgefor- dert, für ein liebes„Vaterland das Seinige zu thun und zu rathenz denn. der Wille der beſten Regierung iſt nichts. ohne die Hülfe und. Un- terſtüßung der beſten„Bürger, Einige haben gegen das Edikt eingewandt, durch. die völlige Freiheit eines, jeden, alles zu«erwerben. und. zu beſißen,„werde dex“Adel allmalig ausgehen und die Folgen davon werde der Staat empfind- lich fühlen. Auch wegen der'Majorate hat man Crinnerungen„gemacht. Darüber zwei Worte. Dort"EM Offenbar ſind. in dem Edikt ,alle dingli- hen Rechte ſo ſehr geehrt, als die Noth. der Zeit ſie ehren läßt z aber über die perſdnliähen Rechte» ſcheint volle Freiheit läßt, wird ,e8-nie an Männern fehlen, die ſowohl die geiſtigen als phyſiſchen Mittel„haben„ das Nüßliche, /Gute und Schöne in grdßeren Betrieben und) Vers ſuchen darzuſtellen. und zu erſchaffen; und der bewegliche und gerührige Geiſt, der nun..ein- mal in der Welt iſt und ſie nichtmehr-ver- laſſen Fann, wird, ihr Wirken, und«Streben, wenn es wirklich flug, edel und. groß war, ſchon durchdie Volfsweite, ja durc< die Welt: weite verbreiten.+. enizedis So lautet der.„zweitet 5: uh Majorate- ſind“nothwendig,|für„die große Darſtellung einer Monarchie. Diejenigen, wel- und"die. Liebe des Bür- gers'muß entſchädigt werden, ſo“ weit fie mit Geld„entſchädigt werden können.: Und damit, weil ſolche. große Nothwendigkeiten'oft eintre- ten fönnen,: das Verhältniß der kleinen Güter nicht" aufgehoben"werde, ſo ſorgen der Staat, C „. 66=» oder die Einzelnen für die Errichtung eines „ähnlichen Bauerngütchens im Vaterlande; was mmit Geld immer thunlich iſt.- 7 Hier entſteht von ſelbſt die Frage,-ob ſols» holms dem Vaterlande. neuen Glanz gegeben hatte, nach dem Beis ſpiel des übrigen Europa ſeinen Hof mit einem ſchimmernden, und ritterlichen Adel zu umge- ben. Aber dies änderte die Freiheit und Ver- faſſung des Volkes wenig. Man hatte Max! gnaten und Ritter, aber man hatte feinen ab- geſchiedenen, ſeine beſondere Kaſte bildenden, Adel, wenn auch das Anſehen, der Glanz und die Eitelfeit einzelner alter und ausgezeichneter Familien„eine Art Stammbaum bewahrte und die Namen ſeiner Sprößlinge heilig aufzeich- nete. Nie konnte das hier werden, was alle anders. germaniſche Länder in Bande ſchlug, vas Feudalweſenz ſondern. troßig und. männ» lich behaupteten die fleinen Freien ſich unab- hängig neben den großen. Do-entſtand ets was dem andern europäiſchen Adel Aehnliches in dem, was auf ſ und theilen ſeine Gefahr bis.in den Tod. Das Höchſte, was eine edle Regierung erſchaf- fen fann, iſt, daß Bauernſiun und Börger? ſinn ſi9' fräftigſt und innigſt durchdringen: Dann iſt alle Kraft und Tugend, alle leibli- und Belohnungen'ausgetheilt, Könige und-Für- ſten der Jugend gefrönt, die bei den Fetten uind Tänzen, welche die Spiele- ſchließen, den Vorrang haben. Denn was des Volkes iſt, muß als Boiksluyſcbarkfeit beginnen! und enden. Dies alles muß mit Sitte, Erziehung, Religion, als den höchſten menſchlicen Ange- legenheiten, eng verbunden und Eines Ziels und Strebens werden. Welche Männer, wel- t, und ſehen zugleich auf Ehre und Gewiun dabei hin. Beiderlei Geiſter ſind leicht zu unter- ſcheiden. Alle Beſten von dieſen ſo fortgeriſſenen ſind ſich in einem gewiſſen Sinn immer unbewußt, denn in ihnen grade iſt die Gewalt des Schiſals und des Allgemeinen mächtiger, denn die Gewalt des Willens und des Einzelnen; aher in der grd- ßeren Sonnennahe werden die freieren und leichte- ren von ihnen ihrer ſelbſt bewußt, und ſind zugleich Begeiſterte und Erkenner, Propheten und Weiſe. Aber viele laſſen ſich zu der Sonne" ziehen durch den Farbendunſt, der keine Geſtalt, durch den Schim- mer, der keine Wärme giebt; ſie mangeln des Feuers in ihnen, das ſie das elementariſche Sonnenfeuer ertragen läßt; ſie mangeln des ſtillen inneren Reis 8e8, der von Gluth zu Gluth, von Licht zu Licht durſtet, der Wahrheit und Tugend allein um ſie ſelbſt w ihnen finden will, nicht das, was er durch =. 11=» ſie nachher nebenbei findet; kalte Neugier, lüſierne Eitelkeit, diebiſcher Geiß treibt viele Geſellen ſo mit unter die Geweiheten und Enthuſiaſten; auch ſind Nebler und Schwabler, Verworrene und Verrüte enug, die aus der Gegenwart immer wild heraus= aufen, weil ſie dieſſeits und jenſeits Licht unv Er- füllung zu haſchen meinen.=- So war es von jehe:, ſo iſt es noch heute. Doch ſind heute mehr 'als vormals, welche, zugleich Betrüger und Betro- gene, Täuſcherei und Gaukelei verſtehen, und den wenigen Lichten, Guten und Beſonnenen allerlei abgelauſcht haben, womit ſie die neuerungsſüchtige Menze bethdren; und ihren Schmug und ihre Bett- lerlumpen verhüllen. Dod) wie die Lüge und ihr Vater, der Teufel, es auch anfangen, ihr Wille bricht immer durch, und nad) langem Kampfe ſteht die Wahrheit endlich da in dem ſiegreichen Schmu>k ihrer leuchtenden Rüſtung. Doctor Martin Luther hat ein ſchdnes Gleichniß von dieſer Erkennung und Scheidung des Guten und Böſen:„Es iſt Sa- tans und ſeiner Geſellen Art, daß ſie anfangen „„Sewaltiglich, dünken ihnen ſelbſt, ſie donnern und „blißen, brüllen wie die Löwen, heulen wie die „Wölfe, trompeten laut wie die Eſel; aber zuleßzt „werden ihre Töne klein, grüunzen wie die Säue, „„miauen wie die Kaßen, pfeifen wie die Mäuſe „und Ratten, ziſcheln und wiſpeln wie die Okttern „„and Schlangen, daran ſollt ihr ſie erkennen. Aber „der Wahrheit Anfang iſt gar leije und lieblich, ſtill und demüthiglich, gleich-den kleinen Walde „rodgelein, die den Abend einſingen; aber zuletzt „„zerſchneidend, mächtig, ſchreFlich, wie die Donner „und Bliße, vor weichen keine Kreatur beſtehen mag, alſo, daß auch die Tapferſten erbeben.“ Die. beiden Weltſonnen ziehen denn alles Lec bendige an, aber welcher nur von einer von beiden gezogen wird, der iſt entweder ein Bethbrter im 4 0717. wem Wahn, oder ein Bethdrender in Hinkerliſt. Die hat Gott lieb, und verklärt ſie mit ſeiner Wahrheit und Schdnheit, welche zugleich in beiden Sonnen lebenz ſie ſind die Augerwählten, die in der Mitte zwiz ſchen dieſen beiden Polen ſich verifändig und wür- dig bewegen; ſie ſind die Träger des Lichts und der-:Wärme von beiden, damit die Gegenwart, die als todter Klumpen ſonſt in ihr ſelbſt erſtarren würde, erquickt und beſeelt werde; ſie ſind die hei- lige Ausſteuer des erregenden und belebenden Satzes der Erde. Doch daß hieraus kein myſtiſcher Miß= verſtand werde, ſv muß ich es näher erklären. Das menſchliche Gemüth, wenn es abgeſchie? den aus dem Gewimmel des Lebens, und ſeinem Hader und ſeiner Enge, gleichſam geſondert von dem gemeinen Leben der Dinge, in Betrachtung und Beſchauung auf ihm ſelbſt hinſinkt und ſich ausruhet, weilt nicht über der Gegenwart, lebt we nig in der Zukunft, wohnt aber innigſt mit'der Ver» gangenheit. Die Träume und Engelſpiele der Kind- heit, die Sehnſuchten und Schwärmereien des Jüng= lings, die überirdiſche Wehmuth und Trauer, daß die irviſche Roſe des Lenzes und des Lebens ſo frühe welket, hat einen unausſprechtichen Reiß; und eben ſo zieht die Gewalt vergangener Jahrhunderte und Jahrtauſende mit ihren Menſchen, Thaten, Wer- Fen, Sitten, Künſten und Weiſen. Das iſt es; wir ſind dort in unſerm rechten Element; empfin2 dend, daß wir ewig geweſen und ewig ſeyn werden, leben wir unſterblich allein in der Vergangenheit, vo der Leib der Dinge, und alle verführiſche leib liche Täuſchung verſunken, und nur der allgemeine Geiſt, das Ideal der Menſchheit, geblieben iſt. Hier ſaugen wir uns ewig die Kraft, um in der Gegen= wart ſtreben, und der Zukunft entgegen blien zu kdnnen. Gering iſt die Lehre, die wir als Bürger von der Vergangenheit nehmen, wenn wir gleich ür 113= große von ihr nehmen könnten; aber unendlich. iſt. die Kraft, die wir als Menſchen von ihr nehmen, denn ſie. mäht den Schein der Gegenwart zur Wirklichkeit, und die Hoffnung der Zukunft zur . Zuverſicht, Zwär hinter uns und vor uns liegen verhüllete Räthſel, äber doch ſteht die Vergangen= heit allen da, als ein hohes, halb verklärtes Ver» häugniß, ſie ſicht den Guten und Weiſen als eine aufgeldßte Gewißheit da, die Zukünft liegt vbiig verhüllt, und nur durch das, was war, ähnen wir das, w4as ſehn wird; wenn hinter uns nichts auf- gede>t läge, ſo würden vor uns nur Zweifel und Scre>en wandeln.- /. Id ſprach: als Bürger nehmen wit geringe Lehre von der Vergangenheit. So iſt es weiſe ges ordnet. Nur in dem Sinn des Gänzen wird im- mer von Vergängenheit zur Zukunft geſtrebt; Leh= ren, Regeln, Beiſpiele bedeuten einzeln wenig; denn jedes Zeitalter fahrt doch unaufhaltſam mit ſeiner eigenen Geiſt hindur<, Auch ſoll der Menſch als Bürger, und der Staat als eine Maſſe von Bür2 gern raſtlos der Sonne zurollen, die vorwärts lot. Denn der Staat iſt ein Leib, und der Menſch als z Bürger iſt leiblich, und ſoll leiblic) gewogen wer2 den. Leiber abet ſchlafen oder ſind“ todt, wenn fie nicht bewegt werden. Cine Bewegung rüFXwarts bei einem lebendigen Dinge iſt keine== die dcs Krebſes. wird ja nicht gerühmt<> alſo mus es ' vorwärts gehen.- Die den Staat rü&wärts fahren wollen, ſind Narren oder Buben, So hat die länge Geſchichte gerichtet, und dieſes Gericht giebt cine von den wenigen Lehren der Vergangenheit, die wir gebrauchen ſollten.=-' Daß aber dieſe Bewegung nicht zu raſch gehe und alles aufreihe, das hemmt die irdiſche Schwere der Dinge, die Kraft der Faul- Heit, die in der Maſſe immer neben der Beweglich- Feit liegt; ſie hemmt in dem Bürger; der Menſch, 4 =. 114= welcher, allein in der Vergangenheit unſterblich ebend, unbewußt eine«ufhaltende, aber nicht zu- rücktreibende Macht iſt; ſie hemmt die Mühe und Arbeit, womit wir befangen ſind, die ſolche Schran- ken vor und. um uns ſtellen, daß wir=- wovor jeßt. vielen bange zu ſeyn ſcheint=- mit der Welt nicht aus der Welt herauslaufen können; ſie hemmt eine höhere Macht des Ganzen, oder der Gottlſfeit, welche wir glauben, die von Zeit zu Zeit als ein wunderbares SchiFſal zwiſchen tritt, und das, was, wir ferkig und vollendet meinen,'in Schutt und Trümmer vor uns hinwirft, ja die Erde, welche wir hie und da halb bezwungen glauben, uns wie- der ſo unter und über einander zuſammenſchüttet, daß vir unten, d. h. als Bürger, in einem gewiſz ſen Sinn oft von vorne wieder anfangen müſſen. Der eigentlic)e Knoten der Berwirrung; den wir ldſen wollen, ſtet alſo in, der Verwechſelung, oder vielmeyr in der Gleichmachung des Bürgers und des Menſchen, des Leibes und dcs Geiſtes, der Dinge. Eine Zeit, die nur durch ihr eignes Ele- ment gerettet werden kann, d. h. durch hochgeiſtige Erfenntniß. und Bewußtſeyn deſſen, was ſie leidet, und wodurch ſie es leidet, darf ſich nicht wieder in jenen Wahn, in jenen politiſchen und religidſen. Aberglauben verlaufen, worin die mittlere Zeit gleich ſam wie in ihrer Verpuppung eingehüllt lag, an deren Sprengung arme und mühſelige Jahrhun- derte gearbeitet haben, ſo daß endlich das Bunder- inſert, die neue Zeif, zu unſer aller nicht geringem Erſtaunen, SchreFen und Zerſchmetterung, wirklich- herausgefahren iſt, die nun, wie es aller Jugend begegnet, wilder und übermüthiger, als Recht ihre freien Flügel gebraucht, und etwas unſanft mit uns hinfährt. Und dieje wollten wir nun einfan- gen,'die entwidelten Flügel wieder zuſammenkei- len, und ſie mit Gewalt in die alte Puppe zurück: -- 115=" zwingen? Das geht nicht an, ohne die Flügel zu brechen, ja ohne den ganzen Vogel zu föten,“d wenig als man das Küchlein lebendig wieder in das Ei bringen kann, woraus es eben gekrochen. Aber das ſteht auch nicht in unſrer Macht, ſelbſt wenn wir ſo thbricht waren, es zu wollen; denn, dieſer Vogel iſt uns zu gewaltig. Wir wiſſen, was" uns in den legten zwanzig Jahren begegnet iſt. Das erſte Jahrzehend konnte dieje neue Zeit uns nicht geſchwind genug vorwärts gehen, da däuchte es uns je fchneller je beſſer, und alle: Hälſe ſchrieen? nieder mit dem Alten! alles neu, neu, neu! Das leßte Jahrzehend hat jenes Gez ſchrei geſchweigt, und nun lehrt'man uns ſchreien: zurück! zurück! das Alte wieder her! das Neue taugt nicht. Dieſe Erſcheinung haben wir eriebt,, und ſie. beweiſt, daß wir Narren und Schwächlinge ſind, die anfangs nicht wußten, was geſchah), und nun gern vergäßen, was geſchehen ſoll. Wir wollten die neue Schdpfung als ein leichtes Kinderſpiel empfangen, vergeſjend, was unz ſere Väter in ähnlichen Zeitläuften erlitten hattenz. und da wir endlich inne geworden, daß alle beſte Kraft auf“ Leben und Tod eingeſeßzt werden muß, wenn das Neue iu Herrlichkeit werden ſoll, ſo wün= ſchen wir. Elendige uns. wieder zu dem Wiegenzuz ſtande zurüF, und zu den Ammenmährchen und Kinderſpielen, wo uns in unſrer Unwiſſenheit, Gez dankonloſigkeit und Sorgloſigkeit ſo wohl war. Bei uns Teutſchen, an welchen ſich in dieſen „verhängnißvollen jüngſten Tagen alles in der grdß= ten Vielſeitigkeit zeigen muß, weil wir, wenn auch nicht vas Gebühre'de gethan, doh) am meiſten ge- dacht, haben ſch in dieſen letzten zehen Jahren ſelt ſame Erſcheinungen oſfenbart, und offenbaren ſich no< jeden Tag, ja kommen von Tage zu Tage häufiger, Man ſieht doch, die Zeit hat' uns ange- H 2 -- 116... ſtoßen, fie hat. wenigſtens unſer Inneres bewegt, Überhaupt das Beweglichſte bei uns, wie matt, Feelenlos, ja todt unſer Neuſſeres auch liege, Unſer Denken und Dichten, unſer Trachten und Sinnen hat eine Richtung genommen, die auch ohne die politiſchen Umwälzungen nur etwas ſpäter gekoms men wäre, und womit, wie Viele meinen, der alte gediegene, treue, fromme Sinn, den man bei uns glaubt, wieder aufzuleben, und eine ſchönere Zukunft vorzubereiten anfängt. Die Frdmmtigleit, die In- 11:gfeit,„der Ernſt und vir. Einfalt. des teutſchen Herzens, ſagt man, leben wieder auf bei. unſern Weiſen und Dichtern, und. offenbaren und bewäh- ren ihre heilige Kraft bei allem, das eines neuen Lebens noch empfänglich iſt,' bei den Jünglingen und bei den Weibern, I< leugne nicht, was ich mit Freuden geſehen habe, und„ſehe. J>< kenne und ehre die Geiſier und Genien, bei welchen ich ächtes, lauteres Gold alter Teutſchheit finde, zu- ſammengeglühet mit dem lebendigen Geiſc, der durch die Gegenwart hinſchreitet. Dieſe, welche zwiſchen den beiden großen Ziehvunkten im Gleichgewicht ſchweben, zu gleicher Zeit Begeiſterte und Weiſer, verehre ich kniebeugendz aber die Mehrzahl=-- ich mache einen langen Die Schwächlichen und Elendigen fliehen zu vem Ulten zurück, wo ihrer Furcht vor dem Neuen graut.| Dieſe, die nie weder Religion noch Vater- land haften, ſondern weichlich der Luſt und dem Tage lebten, gebehrden ſic) nun auch noch, als ſeien ſie fromm geworden, oder bilden ſich es wirk- lich ein. Siehe, wie die fromm ſind, welche Furclich das ſteht; was jeder«Slaymenbart jekt Philoſophie: und: Religion - 118--- nennt.“„Die Poeſie,“der Menſch als' in«ewiger Poeſie leben ſollend, ſobaid er von der vereinzeln= den Arbeit ves äuſſeren Leben3, lo8geſtrickt iſt, flie- hen in das Land der Ideen, ſie fliehen in die weite Vergangenheit, als wo ſie ſich des Unſterblichen und Göttlichen, 1das auch in der Gegenwart wan- delt, am lebendigſten bewußt werden; die Jugend, das Weib, die Kunſt, ſpielen,"weben und. athmen darin ,- als weniger gebunden, an die, Noth uud Mühe. der-Bürgerwelt. Aber wer alles dahin zurüziehen will, offenbart nur Verworrenheit, Dunipfhett, Faulheit und Feigheit; oder es treten gar Schurken und Buben mit grieflachenden Schel- menmienen hinter die Larven der Frömmigleit, Freiheit, Sittlichkeit, die allein vor tauſend und vor „fünfhundert Jahren: bei dem Menſchengeſchlechte gewohnt haben. ſollen: ſie gebehrden ſich. als ſie bei den Jeßtlebenden nichts als Berruchtheit, Aus- - geläſſenheit, Entartung,“ und als müſſen ſie des- “wegen mit Gewalt. zurückgeſchüttert und allenfalls „nit„Feuer und Schwert“ dahin zurückgejagt wer= den,. wo unſre Urgroßväter ſtanden.;:Dieſe- wiſſen recht: gut, was ſie wollen; ihre Büberei zittert vor der Bewegung; die, wie gräulich“ dieſe Zeit auch erſcheine, doch-in“ ihr lebt: durch den Krebsgang wünſcht ſie das;zu erſtien, oder: in der Geburt zu. tddten, was die Gewebe ihres Truges früher oder ſpäter. zu zerreiſſen droht: Kleinere. Buben die Menge. und. leider"faſt eben ſo viele Thoren ſtimmen hier wit. vein;. und ſuchen zu verwirren, wie ſie: ſelbſt. verwirrt-find.' Wohin man nurdie Augen wende; auf das was die teutſchen Buchdruerpreſſen jeden Monath als hreue und neueſte Gedanken, Vorſchläge„und Anſichten: der EinrüFung„Bekehrung: und.+Erld= ſung. der Zeit gebähren, ſo Faun man über den Altfliern und“ Ausflikern unſeres Zuſtandes,"die ſich„aber gern neu und recht friſch) und modern gebehrden, zu ſeinem Aerger auf jedem Schritte zehnmal ſtolpern, ſo wie man vor einem Jahr= zehend, wohin. man trat, von dem Brauſen der Re- volutionswuth angefallen ward." Wie gemein und uc. väterländiſch dieſe Schreiber vollends über das Unglü> des Vaterlandes hinſchreiten und bankel- ſängern, was ſoll ich die alte teutſche Klaße er- neuen, die Schande, die kein anderes Volk mit uns theilt. Und dann der Ton von Uebermuth bei Nichtigkeit, von Entſcheidung bei Unwiſſenheit; das ganze leere Getüminel von kleinlicher Eitelkeit» und Sclbſtſucht;„die neue Zierlichkeit für. die alte Eine falt, das neue Vornehmthun für die alte Beſchei- denheit; die neue Schönſprecherei für die alte Wort=- kargheit= alles das, und ſeine vielen Händel und Streite um nichts, gehdren noc< mit zu unſern jüngſten Schimpfen. Und ſolche eitle, fuchsſchwän- zende, weibiſche, zierliche Aeffchen wollen uns den alten Großvaterro>, und mit ihm die großväter= liche Tüchtigkeit, Tapferkeit, Frömmigkeit wieder anziehen? Ach über dieſe Berge, die nach langem Rumpeln kaum ein lächerliches Maäuschen gebähren können! Bei vielen indeſſen, die für das Alte ſprechen, waltet mehr ein verzeihlicher JIrrichum ob, als ein ſchlechter Wille. Sie vermiſchen den Menſchen und den Bürger mit einander, die ruhende Welt und ven wandelnden Staat. Der Menſch aller Zeiten muß ſich um ſo inniger an die Vergangenheit, an ſeine rechte Welt, hängen, je wilder der Strom der Gegenwart auf den Menſchen der beſchränkten Zeit, auf den Bürger treibt. Aber wer ſelbſt den Bür- . ger dahin zieht, der lähmt und vernichtet auch je- nes hohe Leben: denn er todtete das kleinere Bür- gerdäſeyn in der Atmoſphäre der Vergangenheit, deren Luft ihm zu fein iſt, oder vielmehr, die gar Feine Luft mehr hat, für die bloß leibliche Veges tation. 1 Vans „ Untex andern Kämpfern für das Alte, iſt jüngſt ein. Herr. Adam Müller aufgeſtanden, und hat in ſeinen Elementen der Staatskunde, und in einiaen Vorleſungen über Friedrich den Zweiten, ſeine Grundſätze dargelegt, die größtentheils mit den be-, kannten Burkiſchen zuſammenfallen, was er auch nicht hehl hat. Burke, ein klarer und gewandter Kopf; hatte gewiß Recht in der Erfahrung des. Ta- ges, Unrecht in der Idee der Ewigkeit; und de8wes gen muß er nothwendig auch in der Erfahrung niemal Unrecht bekommen; denn ſonſt wären Jdee und. Wahrheit ja verſchieden. Burke, im Ueberbli> ſeiner Zeit, und der Begebenheiten ſeiner Zeit, im UeberbliF ſeines Vaterlandes und der Verhältniſſe dieſes Vaterlandes, in Wägung des Maaßcs von Bildung, Aufklärung, Verſtand, Tugend, welche Curopa jeßt hat, ſprach ein gerechtes Urtheil aus, als er ſagte, daß die Franzoſen mit ihren-Konſti- tutionen und Religionen Unſinn. und Verruchtheit trieben, und daß andere Völker es ihnen vielleicht nachthun würden, wenn man ihnen dazu Zeik laſſe; aber alle, die donnernde Gewalt, womit er dis Sprache ſchwingt, alle die reiche und reife'Erfahs rung eines tfhatenvollen Lebens, alle die Gewand= heit und GeſchiFlichfeit des Gelehrten, des Viel- wiſſers und Stäatsmannes kann den Sophiſten nicht verhüllen, der uns einbilden will, wir müſſen „rü&ſchreiten, weil alles Vorſchreiten und Heraus- ſchreiten aus dem Alten ins Verderben führe, Burke durfte nicht.mehr ſagen, als; bereitet euch all- mälig,„wenn ihr ſo ungewdhnliche und neue Wege gehen wollet, Herr Müller ſticht ſehr mit ſeinen Waffen, doch ohne die Gewalt und Würde ſeines Stils, und die Feſtigkeit und Schärfe ſeines Geſichtspunktes; jedoch blickt er weiter ume her als jener, weil das'Weitumherbli>en einmatk. keutſche Art iſt. Merkwürdig indeſſen' ift ſeine Vere theidigung des. Üdels und" der Prieſterſchaft, aus deren Vernachläßizung und Hinkanſeßung" e&r alle die Lahmheit und Nichtigkeit herleitet, woran" unſer Zeitälter geſtoxben iſt, und in deren Wiederherſtel- lun3 und Begründung er allein die"Rettung der Zukunft ſicht, obgleich er“ etwas vornehm erklärt, daß ſeine Bücher mit der Vaterlandsretterei'nichts zu thun haben, was fonnenklar wird,'wenn man ſie gelöfen hat." Nebenher wird-.denn Manches recht hübſch und erbaulich mit eingemiſcht über Religio- ſität, AufopferunFsgeiſt, Sittlichkeit, Frauenzucht und Frauenzügel. Die Hauvptaxe, worum ſich ſeine Gedanfen drehen, iſt folgende:; 1) Dem Menſchen muß im Staat nicht ällein die hinfahrende, in ihren übermüthigen Ge- lüſten und. Begierden nichts ſchonende noch achtende Gegenwart hingehalfen werden, ſonz2 dern es mäſſen Einrichtungen. ſeyn, die rück- wärts„auf die Verdienſte, Tugenden, Arbeiten der Vergangenheit, vorwärts auf die Bedürfe niſſe, Anſprüche," Rechte der Zukunft hinweiſen, Denn wenn die Vergangenheit nicht geachtet wird, ſo wird die Zukuuft nicht verſorgt. Dieſe - Einrichkfungen, die dem Menſchen das Bild des Bleibenden hinhalten, ſind'die auf Glanz und Herrlichkeit, und auf Landbeſiß'und Reich» thum gegründete Prieſterſchaft und Adel. 2) Zwei Kräfte im Staate giebt es, die vont ſelbſt einander entgegenſtreben, unv von der Geſeßgebung im Gleichgewicht einander entz| gegengeſtellt werden müſſen; von-dieſen kann die eine die Centrifugal 2, die andere die Cen? tripetalkraft des Staates genannt werden; die eine Kraft ſtrebt ſich von allen Banden immer freier und loſey zu machen, und muß ohne „hemmendes und. haltendes Gleichgewicht den Staat auflöſen und zerſprengen, jemehr Ke ſich ſelbſt aufldſt, und verſlüchtigt; die andere Kraft ſtrebt, ſich mit. allen Faſern und Sehnen des Gefühls und der Liebe an dem Staat feſt» zuranken„ja ſich mit ihm.ganz in Eins zu verwachſen und zu verleiben. Die erſte Kraft liegt in aller bloßen Bürgerthatigkeit, die zweite '."ain der. Prieſterſchaft» und„dem auf. unverrüc&- - lichem Landbeſitz. gegründeten Adel,'| 312) Dutch Prieſterſchaft und Adel wird das Cwige, Unwandelbare, Höhere, durch: den Bürger das "Zeitliche;»Wandelbare/ Kleinere des Staates vorgeſtellt. 11958 2 4) Der Adel muß gelten als ſolcher, bloß um ſein ſelbſtwillen, zu welcher Geltung er| - vom Staate geprägt und geſchlagen NE Anu 48 er von jedem in Werth angenommen werden, ohne weiter nach ſeinem Gehalt zu fragen. j Sobald die tolle Anſicht kam, daß man ihn /' auch mit ſeinen perſönlichen Verdienſten neben - dem Bürger zum Wettlauf in die Schranken ſtellte, ward alles verwirrt, Sein Glanz und ſeine Hoyeit iſt zu ächten, als wie nothwen- dig, als wie von Gott.. 5) Seitdem jene weſentlichen Unterſchiede zwi- ſchen Bürger'und- Edelmann aufgehört haben,. oder doch“weniger beachtet ſind, iſt der hohe herzige Ritterſinu, Aufopferungsgeiſt, Vater- Jandsenthuſiasmus mit jeder ſtolzen Tugend und"Schwärmerei. dahin; der Adel iſt ernie- drigt, und den Uebrigen gleich geſtellt, die Welt iſt in egoiſtiſchen Privatrüſichten zuſammen= geſchrumpft, die weitſtrebenden Staatkstugen- den ſind- kleinliche Hauskriebe geworden, und alles hat ſich in engherzige Pedanterei, gold? gierigen Krämergeiſt,- und genußlüſternen Kos8- mopolitigömus aufgelöſt. 6) Der Staat alſo,. der ſic) in der That za, ei- ner friſcheren und herrliheren Geſtalt um- ſchaffen will, hat nichts Geſchwinderes zu thun, als der Prieſterſchaft ihr verlornes Anſehen und Würde, und. dem Adel ſeinen alten Glanz und Geltung. wiederzugeben, indem er ihn auf une Wen Landbeſit mit. Majoratrecht be- gründet. Dieſe Behauptungen, die Herr Müller mit vie- len neueſten Schreibern gemein hat, werden, wie es geht,-aus Erfahrung und Geſchichte bewieſen. Doch„wir.wollen. einmal die Kehrſeite. zeigen, und ſehen,„ob die Dinge ſich, darauf nicht ganz anders, und doch ziemlich leidlich und. er?lärlic) ausnehmen. Zum weiten Ausglauf iſt keine Zeit, alſo nur einen Furzen Ueberbli>. Wir bleiben allein bei dem teut- ſchen Vaterlande ſtehen, denn die Erſcheinungen und EntwiFeluvgen ſind in dem übrigen Europa faſt. eben ſo geweſen, wie bei uns. Zu Anfange konnte man ſagen, wenn das, für Prieſterſchaft und Adel Behauptete, wahr iſt, war- um ſind beide denn nach der allgemeinen Wehklage und dem einhelligen. Geſtändniß der Freunde. und Feinde„ſo elendiolich untergegangen? Was ſich in „4hm., ſelbſt verlebt und, zerſivrt, oder. in der wan- delnden Zeit ganz. matt und kampflos einſchläft, das ſcheint ſchon dadurch. veraltet:und abgeſchafſt ertlärt.. Doch. dieſen„Beweis,.. welch. ein ſtarkes Gewicht auch in. ihm liege, mag man wohl nicht gelten laſſen. Alſo ein wenig rückwärts durch. die Jahrhunderte. gewandelt mit mir. Diet, entartet, ihres Berufs und ihrer Beſtimmung vergoſſen die Prieſterſchaft war. Jene weitgreifende , =. 125== irdiſche Herrſchaft, jener: Üppige weltliche Genuß, jener Glanz und jenes Treiben nach, außett, mit allen Makeln, Läſtern und Schanden, welche oſfen da lagen, bot dem Angreifer tauſend Vortheile da?. Wo erſchien da eine Spur des idealen Strebens, des gottgeweihten Lebens, der lauteren Sitten, ver Hingabe und Verleugnung, fürz des unſichtbaren Reichs Gottes, was die Prieſter vorgaben, auf Er2 den darzuſtellen? Grade je näher dem Siße des höchſten Glanzes, deſto unverſchämter der Göogzen= vienſt der Lüſte, der Troß auf irdiſchen Beſilz und irdiſche Herrſchaft, und die Verderbniß der Sitten. Man mögte ſagen, es könne auch dem Beſten und Herrlichſten hier unten begegnen, daß er aus Mangel an Reibung und Bewegung in ihm ſelbſt erſtarre, und allmälig zum Tode einſchlafe. Aber nie hatte es der Hierarchie an Krieg und Kampf gefehlt, und die Reformation brachte gewiß einen großen Streit, und rief alle vergeſſenen Strebunz gen und Triebe wieder auf. Bei einem Kampf, der dreißig Jahre mit wüthender Anſirengung und Erbitterung geführt wurde, und auch nachher nicht ruhete, mußte zum Vorſchein kommen, was die Prieſterſchaft war, und was ſie ſeyn wollte. Was erſchien da? was iſt ſeitdem erſchienen? Nicht jene prieſterliche Begeiſterung, nicht jene heroiſche Vers leugnung,' nicht jener überirdiſche Himmelsſinn, nicht jener Himmel vnd Erde beherrſchende und verbindende Glaube, welche die Fantaſie den erſten chriſtlichen Jahrhunderten oft freigebiger beiledt, als ſie bei ihnen waren. Um nichts anders ward geſtritten, als um leibliche Herrſchaft und irdiſchen Beſiß. Die Reformation hätte indeſſen die Folge, daß die alte Kirche ſich mehr auf ihre Hut ſtellen, und Studien und Sitten ſtrenger halten mußte, denn vorher; denn die ſtrengen Aufſeher und Rüger waren gekommen, Aber kein heiliger Sinn der -=» 126== Wiedergeburt, keine Begeiſterung einer neuen Jus gend iſt in ſie gefahren; denn einzelne herrliche Er- ſcheinungen der Frömmigkeit und Hingabe hat jedes Zeitalter gehabt, Es blieb eine äußerliche Kirche, wie ſie einmal geworden war, und auch in ihrem edloren und geiſtigeren Streben hat ſie mehr für die äußere, als für die innere Welt des Menſchen gearbeitet, mehr für Recht und Sittlichkeit, als für Religion und Frömmigkeit.=- Eben. das haben die reformirten und proteſtirenden Kirchen gethan. Luthers hochgeiſtige Jdeen, die wenigſtens in einz zelnen hellen Lichtſtrahlen au:s ihm hervorbrachen,. ſind von den nachfolgenden Prieſtern nicht weiter, entwickelt worden; ja dieſe neuen Kirchen bildeten ſich von Jahrhundert zu Jahrhundert immer mehr zu ſpekulirenden und klügelnden, denn zu gläubigen und andächtigen Geſellſchaften. Seit den lekzten funfzig Jahren ſahen ihre Geiſtlichen den Namen Prieſter ſogar faſt. wie cinen Schimpfnamen an, Volkslehrer, Prediger nur wollten ſie heißen; weis ter waren und ſind die meiſten von ihnen auch nichts.! So iſt es gegangen» Viele haben geklagt, es hätte nicht ſo, gehen- ſollen. Aber wer mag mit Gott richten? Johannes Müller und nmihrere ausgezeichnete Kdpfe haben in dem" Zwieſpalt und Sinken das Anſehen und der Macht der Kirche. die Aufldſung des alten europäiſchen Verhältniſſes gefunden, und Luther und die Seinen ſind zum Theil bitter verklagt worden. Aber was bedeuten jene Klagen? uud was wollen ſie? Es iſt frei- „lich ein ſchönes und anmuthiges Bild des Lebens, dav. häusliche Glü>, wo Vater und Mutter mit Sdhnen und Töchtern einträchtig in Einem Hauſe beiſammen wohnen, und wo Zucht und Sitte durch die ſuße Gewohnheit der Liebe beſſer erhalten wird, als durch alles Geſeß, Aber die Töchter werden - 127= '-gdn anderen Männern geholt, die Sdhne' gehen in| die Welt hinaus und treiben ſich in Krieg und Frieden, in Luſt und Unluſt wild darin herum. Wenn nun die Sitten verdorben, das Glü> ver- ſpielt, ja wohl das Leben verlohren wird, ſo denkt man mit Wehmuth an das ſtille und beſchloſſene Gläd des väterlichen Hauſes zurück; aber zuleßt ſpricht man? je nun, einmal muß Freiheit doch beginnen, kann das Arge im väterlichen Hauſe nicht umkommen, ſo kann auch das Herrliche ſich va nimmer entwi>eln. CEben ſd ſtehen wir, wenn wir einige Jahrhunderte zurückbliken. Die Vorz mundſchäft und Vaterſchaft der Prieſter hätte auf= gehört, man ſirebte nach freier" und ſelbſtändiger Entwicelung, und kündigte ihnen den Gehorſam auf.- Daß nun tolle Geſchichten, Getümmel, Verz wirrungen und Umkehrungen ſich begaben, iſt na- türlich; denn die Proben der Freiheit müſſen durch= gemacht werden. Wer die hieraren äuſſern Leibe an, worin zuleßt alle Triebe, Gelüſte, Laſter und Sanden irdiſchgeſinnter Menſchen erſchienen. Immer hatte in jedem Jahrhundert das fromme Herz einzelner Frommen dagegen proteſtirt,- und die" Hierarchie T=| =- 129= der Tdee: die äuſſere Kirche wird nie wieder erſte- hen zu ihrer alten Herrlichkeit und Allmacht, aber nach der unſichtbaren Kirche, nach dem eigentlichen Reiche Chriſti und Gottes wird von den Beſſeren je und je ausgeſehen. Der europaiſche Feudaladel hängt in ſeiner Entſtehung innigſt zuſammen mit der Hierarchie. Die Thronen, und Mächte, und Herrſchaften, und Gewalten, und“Engel, und Erzengel, weldje die orientaliſche Philoſophie neben dem höchſten Gott, oder hd<ſten Satan in. vielfacher Unterordnung be= ſtehen ließ, erſcheinen ſcon im dritten und vierten Jahrhunderte in der Prieſterſchaft mit allen ihren auf= und niederſteigenden Rangen. Konſtantins des Erſten Hofordnung- und ſeine Rangliſte des bürgerlichen und ſoldatiſchen Befehls iſt offenbär näch dem Bilde geformt,'das ſeine Prieſter ihm gezeigt hatten. Auch die Feudalverfaſſung ent= wickelt ſich“ nach“ dieſem Bilde. Unſre Altvordern kannten keine andre germaniſche Männer als Freiez ſie waren alle Edelleute und Freiherrn, diejenigen alkein ausgenommen, welche durch Verbrechen und Schanden die Freiheit verwirkt hatten: die Abhän- gigkeit von Färſten und Führern war eine freiwil- lige. Manche Vertheidiger“ des Feudalweſens mdgs= ten uns einbilden, daß ſein Verhältniß freiwillig geweſen ſei. Aber wir haben zu viele geſchichtliche Urkunden vom Gegentheil, kennen den“ uralten teutſchen Freiheitöſinn der Väter auch zu gut, als daß wir meinen könnten, die Männer, denen-eben noch das Leden ohne Freiheit gar kein Leben dünkte, hatten ſich für faule Sicherheit und dumme Sorg? koſigfeit zu Knechten gemacht. Nein, ausgebrüte» tes Unheil zu Hauſe in Zwietrachten und Kriegen der einzelnen Stämme und Dynaſtien unter ein= ander; hereinbrechendes Unglü> der Fremden,'der Sarazenen,»Normänner, Avaren, Magyaren;- Zer- e& ==. 339,== ' räftung und Entnervung des.alten Trozzes durd) die Prieſter; Unbehülflichkeit ſich gegen„das Kneche- tiſche zu vertheidigen, das in dem Römiſchen und Chriſtlichen des Zeitalters. lag, was manymit, den Eroberungen als Zugabe erhielt; Rückwirkung ro= maniſirter gevildeter-„Knechte, die mau) eroberte, auf die ungebildeten Freien, eine: Rh>wirkung,, die über den-Rhein und.- die Alpen hinaus, ſelbſt die ungemiſchten: Germanen. der Stammſitze in] Alles manien, Bavarien und.. Sachſen„ergriff,==, alles, dies machte im achten;„neunten, zehnten, Jahrhunz vert den größten Theil. der„Germanen zzu mehr oder minder ſiraff angezogenen. Knechten. Prieſter und Adel, oft einträchtig, dfter, zwieträchtig, theils, ten ſich in,die Herrſchaft;„doch gebührt der erſte? ren.das Lob, daß ſie viel milder herrſchten, als vie leßten,“ Dies wird man mir zunt. Theil zugeſte- 'hen; weil man es nicht läugnen, kann. Aber, ſagt many dieſer Schandezuſtand, verſchwand nach eini? gen Jahrhunderten 3 mit den Kreuzzugen erwachte ein neues Leben aller,' von den Beſten und Tugend- hafteſten des Volks beherrſcht und geführt zu wer- den; da' ward das knechtiſche Verhältniß ein kind= liches, das herriſche ein väterliches: und dieſes Ver? hältniß. hätte zum Glü> der. europäiſchen. Welt nimmer aufhdren ſollen.„So ſchildert man poetiſch; was. gewiß in einzelnen hohen Gemüthern erſchien ==„denn das wiſſen, wir aus„der Geſchichte== aber als Bild des, Ganzen iſt es ein ſchöner Traum, Dür die. Fantaſie und für ihre Geſpielinn, die.Dicht- nſt, iſt hier ein anmuthig blühendes Frühlings? -- 131=> gefilde, und ſie täuſcht mit Recht alle. die, welche Geſchichte nicht kennen, oder durch ihre Zauber-= kunſt ſie auf Vugenblicke vergeſſen.„Aber die Ge- ſchichte ſelbſt darf. nicht in. Träumen wandeln und ſie lehrt uns; daß die Knechtſchaft: der Lehnsver= faſſung, im zwölften. und dreizehnten Jahrhundert grauſamer; war, als im vierzehnten. und funfzehn= tenz daß ſie im vierzehnten und, funfzehnten Jäahrz hundert härter war, als im. ſechszehnken uud ſiez, benzehnten: Selbſt.noch.in den letzten Jahrzehenden dieſer unſerer Zeit, habe, ich. in Landſchaften; die zu, vem ſogenannten aufgeklärten Teutſchland,„gehd= ren; Feudalgräuel«geſehen; welche die Haare. em- po1cichten.. Denn ſo iſt der Menſch: wo Willkühr gilt für Geſeß, da wird Tyrännei, Und dieſen Zuſtand. öder nur eine verädelte. Aehnlichkeit ſollten wir: zurückführen? 4; So. ſieht der ſchöne 7 idealiſche. Traum aus bötn der Frdmmigkeit/ Ritterlichkeit; Gutigkeit.des Mittelalters. Es, war. wirklich. bei. einigen, ſchdnes ven Seelen, aber"gewiß. nicht bei, der Maſſe des Adels. Das beurkunden. uns alle. unſre Geſchich- tent, zu geſchweigen, daß nur. der bei weitem klei nere Theil des teutſchen Adels. vön: dem Geiſt an= geflogen war;. 5 welchen man, den Geiſt: frommer und begeiſteter Ritterlichkeit gZenatint hat;;„Aber ich/ will euch„ſagen; wo die, teutſche Herrlichkeit war zur Zeit unſrer Väter,„ſie war bei den Bürz gern." In den Reichsſtädten, in den Bürgerbunz den,- die von-.dem Jnn und, der Schelde bis zum Sund und zur Newa reichten; in der Bürgerkunſt und-Bürgerthötigleit; in;.dem; was man vornehm das Kleine und-Niedrige zu. nennen beliebt, da leuchfet. teutſche Freiheit, teutſhe Tugend, teuiſche Gerechtigkeit,«teutſche Kunſt und. Wirkſamkeit in unvergänglicher. Glorie; da ſtehen wir als.das erſte; gerechteſte, weiſeſte;-freieſie,„edelſte Volk. in der Ges - ter ſah man ſie an, in ihnen das große Kunſtſtü> zu vollenden; aber, aber== man bedachte nicht, daß ein Staat lebendig ſeyn ſoll, und daß eine Maſchine nichts als todtes Geklapper iſt, wenn kein lebendiger Geiſt in ihr ſit, der ſie aufzieht. So haben die meiſten Regierungen planmäßig, aber unbewußt, an ihrer eignen Schwächung und Ver- nichtung- gearbeitet, die leßte Kraft verſchleifend, den leßten lebendigen und freien Geiſt zerſtöhrend, ver im Staate hoch übrig war. Der Feudaladel fonnte in ihm dieſen Geiſt nicht haben, weil er, wie die ganze Geſchichte zeigt, ſeiner Natur nach allem Bürgerlichen grade entgegengeſeßt iſt; und wäre wirklich ein jugendliches und erneuendes Leben in ihm geweſen, ſo war ſeine Maſſe im ganzen Volke doch zu flein, als daß er das Todte und Erſtarrte - 134= mit friſchem Leben hätte durchbringen kbnnen? er ſtand auch nicht bürgerlich natürlich in dem Gan- en eingeſchloſſen, daß er auf daſſelbe recht hätte rüdwirken können, Wir denken mit ſce und: Steine auf mich, wenn ich euch thdricht zu-reden ſcheine: Zuy Zeit, als! ays; einzelnen Reichsſtädten noh 15009 und: 20000 berwaſſnete Männer"ins Feld rückten; mußte auc, ein feiger Genuß, ein jänimerlicher Krämergeiſt hat den Adel wie den Bürger ergreifen und verzehren "müſſen,' weil jeder höhere Trieb, der nach außen wollte, immer zurüFgetrieben ward. Die Zeit hat ihr"Gericht begonnen, ſie.“iſt noch weit von der Enk= ſcheidung; vyie wird ſie ausfallen, wenn die Akten des großen Prozeſſes geſchloſſen ſind? Wahrlich nicht, wie die: Faulen und Gutmüthigen hoffen und räthen:' "5" Dies ſei geſagt überhaupt als eine Beleuch= fung'der oben von x bis 6 bezifferten Sätze. Wo. die“politiſchen Anſichten, die hiſtoriſchen Funde, die Antriebe des Herzens, und die Grundſätze der Kdpfe vbllig. verſchieden ſind, da ſtellt man ſich. und das Seine eben. nur. gegen das, Fremde hin, und läßt andere, und die lezte Richterin, die Zeit, das Ur= theil ſprechen, Doch noch einige Worte über 1 und 2, daß. der Adel das Stätige und Bleibende im Staate darſtelle,/.der. Bürger das Flüchtige und Wandelbare; das der Adel da ſiehen müſſe, gleichſam ein Janus mit zwei Köpfen, vou welchen der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft ſchauet, der eine wärdigt, was die Ver- gangenheit für uns gethan hat, der zwei- ke weiſet, was wir für die Zukunft thun ſollen; Die Centrifugalkraft des Bür- gers ſoll dur< die Centripevalkraft des- Adels gehemmt werden, damit die Staats- maſchine nicht jeden Augenbli> in Ge- fahr ſey, zu Scheitern zu laufen. In dem Boden'der Erde, worauf der Adel gegrün- det werden ſoll, ſteht das Feſte; in der Verfeinerung der rohen Erzeugniſſe und in aller künſtlichen Thätigkeit und Be- triebſamkeit ſteht das Loſe des Staates. Hier iſt das Bild des Adels, wie er ſeyn ſoll. I) ſchildere es denn, als wenn. von Nachkommen der Kamillen und. Kurier, der Hermanne und Huto ten, der Schwerine und Ziethen geredet würde. Der: Inhaber des von liegenden Gründen iſt alſo ſo geſtellt, daß gemeines Bedütf- niß, und Triebe gemeinen Bedürfniſſes ihm nicht nahen dürfen. Draußen iſt Reichthum,. Glanz, Unabhängigkeit; drinnen Stolz, Hochſinn, Freimuth; kein Geiß, keine Feigheit, keine Eitelkeit, kein Neid, Fein Uevbermuth kann zu dieſen erhabenen Sißen und ihren Bewohnern durchdringen; wo die niede- ren Triebe nie erwe&t ſind, da haben die hohen ſich frei entwi>eln können... In“ ſolchem Sinn, in ſol- jen Umgebungen wachſen auch die Sdhne aufz hier bedarf es feiner Erziehung, ſte werden in dem Edlen gebohren, dazu gewöhnt. Hier ſtehen'von Geſchlecht" zu Geſchlecht die Ahnen der Väter in ihren glorreichen Reihen aufgeſtellt; die Helden, die im Kampfe für das Vaterland fielen; die Näthe und Diener des Königs, die: für ſeine Herrlichkeit. arbeiteten, für ſeine Sicherheit'wachten; die Lichter der Kunſt und Wiſſenſchaft, die, von Kindheit auf von dem Hohen. und Jdealen umleuchtet, ihre Son- nenbahn viel leichter dürchfliegen, als die Sdhne des-Bauren und Bürgers.' Dieſe heiligen Schat- ten der Vergangenheit winken freundlich zu den unter ihnen wandelnden Kindlein, ſprechen mit den -.. 138= Knaben, und reden Die Feuerworte- furchtbaren Ernz es zu den Jünglingen,| Aber nichtäallein die Bilz der-der Todten, die nie ſterben, ſindyMahner und Erweder jeder"Tugend;: ſondern ihre Geſchichte ſpricht die Lebendigen auf jedem Schritte an, und geht und ſteht ju großen Erinnerungen umher: Das alte: Schloß, und alle: ſeine Säle; Zimmer und, Kammern wiſſen Geſchichten; jeder Stein, jeder Baum,» jeder Hügel vund jedes Thal, jeder Wald aind. jeder Bach ſind durch irgend einen der großen Todten geheiligt, und erzählen ſeine Gedanken, Thäz- ten und Worte:::Woalles heilig iſt, da wird das Geinäth zum Gefühl und- zur Würdigung derhd und Laren ihrer Väter,"und weihen ſich dem Dienſte des Vaterlandes. Zwiſchen Ehre und Tod, zwiſchen Treue unf Verrätherei, zwiſchen Verleugnung und Genuß kennen die Hochſinnigen keine Wahl. Sie ſte hen ja' da als die Vertreter des Unſterblichen und Bleibenven im Volke, als die erſten Geweiheten für die Aufopferung urd'den Di'nſt, wenn es ſeyn mus,/fär den Tod und-das.Verderbenz' ſie haben Feine anderen Anſprüche, als ſich dieſem geliebten Vaterlande ganz hinzugeben, wiſſend den Spruch des Evangeliums und des Ritterthums; Wer der Größte iſt/ der ſoll der„Diener ſeyn. Dies Bild ſtellen'ſie dar den Kleinen'und den" Großen, und binden ſo- alle" zuſammen zu Einer Gewalt, Tugend und Herrlichkeit. So ſollte es ſeyn, ſo könnte es vielleicot ſey. Wer wagt zu ſagen, daß es ſo iſt, ja daß“ es je ſo war? Freilich der Traum iſt' ſo ſüß, ſeine Väter gleichſam ewig gegenwärtig zu haben, von ihrer Sugend und- Kraft erwe>t und geſtärkt, von ihrem Ernſt. und Zora gewarnt und geſtraft zu werden; das Gefähl fd lieb, in'den Wiegen und an'den Wiegeanſtellen guoßer Menſchen"zu allem Hohen und Würdigen hingewiegt und“ hingewdhnt zu werden; der"Gedanke iſt ſv ſtolz, täglich an die erinnert. zu werden,"an“welchen der Faden unſers Daſeyns hängt. Aber. auch“ hier iſt mehr Täuſchung als Wirklichkeit,“Was“war; gehbrt allen, und wenn es lebendig im“ Volke wandelt, 1was' es thun wird, wenn etwas Ewiges"in ihin' wirkte, und wenn wirk- lich ein Volk iſt=- ſo iſt die Tugend und Glorie der edlen Topten eines Volkes, eben ſo des Bür* gers und Bauern/ wie ihrer" Enkel und Urenkel; Denn Hermanne; Winkelriede, Naſſaue,'Schwerine, Leiveikße, Luther, gehdren mir wie ihren Nachkoms- men, wenn ich ſie mein zu machen weiß. Wenn die Gewalt der Bilder und Ahnen- ſv groß wäre, We: 4 30(mms als ſie ſeyn ſollte, bei den Kindern und"Kindeskin- dern, warum iſt das Große nicht häufiger auf das Große gefolgt, als die Geſchichte lehrt? Mark Au- rels Sohn hieß»Kommodus, Karls des Großen Sohn hieß Ludwig der Fromme, des großen Kur= fürſten Sohn hieß Friederich der Erſte, Hermanns und. Luthers Sohne ſind nicht gehdrt worden. Wie wenige Milthiadeſſe zeugten Cimonez wie wenige Hamuilkare zeugten Hannibalez wie wenige Eduarde - die Dritten konnten Schwarze Prinzen wegen im ſiebenzehnten Jahre gewonnener Siege auf dem Schlachtfelde zu Rittern ſchlagen; wie wenige Wil- helme Naſſau wurden von Morißen nachgetreten. Aber das ſind die wahren Ahnen, die im Volke leben für alle, daß ſich jeder an der warnt leben- digen Sonne ihrer Glorie erquicken und entzünden mag. So weinte ſich der atheniſche Bürger The=- miſtofles an Miltljiades Malſtein zum Vaterlands- retter; ſo entzündete Herodot bei den olympiſchen Spielen Thucydides Jugend mit dem Wunſche und Gebet zu den Göttern: laſſet mich werden, was dieſer iſt! ſo dachte Cäſar einſt Alexanders, ſeines Geiſtes Ahnherrn, weinend, daß er in einem Alter, wo jener ſct. Woher ſtammten die Telle, die Winkelriede, die dela Torre, die de la Cane, die Kolumbus, die Cook, die Engel= brechte, die Waſa, die Ruyter, die Tromp; die Bax co, die Nodney, Temple, Nelſon, Newton, Galilei, Keppler, die hoch über alle, hochgebohrne Köpfe ihz rer Zeit hinflogen? Doch genug, wenn Tugend und Geift in Familien im ewigen Fluß zu.“erhals ten wäre, wenn das Hohe und. Edle immer Edles und Hohes zeugte, ſo würde niemand mehr als ich für Mazoratsadel ſtimmen. Aber in der zu großen Sicherheit des Beſißes, in der: unverlierbaren Gez wißheit des Glanzes im Staate, wiegt- man ſich ſo leicht in glüFlicher Faulheit ein, die, weil ſie ſo viel zu beſizen und zu ſeyn glaubt, nichts mehr meint erwerben zu müſſen; alle Kraft verſteint ſich denn in ihr ſelbſt zu einem wahren Kieſel, woraus Fein Funke" mehr aufblißen.wird,- wenn nicht eine wahrhaft ſtählerne Gewalt von außen darauf ſchmetz tern kommt. Dann.kdnnten. dieſe Majoratsherren werden, was noch jüngſt die Leibeigenen oder Scholz kengenoſſen waren; ſie werden glebae adscripti, das lette Geiſtige und Tugendliche wächſt grade an. der Erdſcholle feſt, und was ewig beweglich ſeyn ſollte, wird ein kalter und fauler Stem. Aber wie? wenn dieſe unverrüFlichen und un- veräußerlichen nothwendig ſind, um. ein Gewicht der Schwere, eine ruhende und hemmende Kraft im Staate zu bilden, daß ,er durch die ge- “m:== rührige? und) geiſtige Kraft der verarbätenden, bils denden, verkünſtlichenden“ und vergeiſtigenden Glies ' der deſſelben nicht aus" ſeinen Angeln geriſſen, und über alle Gränzen der Statigkeit und'"des Gleich» gewicgts"hinausgebrieben“werde? Die. Anſicht vom Acer und“ AFerbau, die hierin liegt, iſt ſehr wich= tig“ Der: Böden der Erde'iſt- die eigentlich bin dends und“ feſſeliide. Gewalt des Staatsbürgers. Über ſeine metallene; ſteinetnez»thönerne Kruſte iſt ſchon. an ſich ſchwer) und hart. genug;„und wird es immer bleiben; als daß'der Staat in dem Harten noch künſtliche Verhärtungen ſtiften; an das Schwere noch künſtliche Gewichte hängen dürfte: Allein meine Majorate für die Bauern ſind nothwendig; äber welche Majorate? bewegliche'und':wandelnde; weil“Leben und Bewegung im|Stägte ſeyn muß: Denü öhne ſolche Bauernmäjorate könnte dieſe erſte Kläſſe der Mitbürger in ebenen Ländern, ganz ver? ſchwindet;“Daß"aber Magnaten; Herren, und Reiche je verſchwinden werden; da häts nicht Noth: Wir kdninen auch. annehmen!==' was'jä die Erfah: küng weiſt,'in Ländern, wo alle Grundſtücke von jedem Mitbürger erwerblich ſind=- ſelbſt wenn der, Erwerb dei Grundſtü>e:der' unbeſchränkteſte iſt/'daß manche Beſiße durch viele Geſchlechter in derſelben Fämilie bleiben"werden; ſobald ſich in Freiheit und Bürgergeiſt der“ ſtolze und“ hohe Familiengeiſt wie ver bildetz Immer aber wird die Erde, die leben- vige und luſtige; ihr"altes Recht än'dem Menſchen behaupten; und“ wenn dieſe Erde'da; wo" er“geboh? xen iſt, wieder als ein heiliges und majeſtätiſches Vaterland vor ihm'ſteht, an welchem er lebendige Mitgenoſſenſchaft hät, wie viel heiliger und ünver- leßlicher wird ihm alles an"ihr werden! Uebrigens kann oie Erde' nie genug engelländi;h, ja engliſch bearbeitet werden;"denn wie"ganz" anders würden wir ſeyn, leben“und"herrſchen„wenn, wir(mit eng -- 143= liſcher, 4 ja:gdttlicher“ Erkenntniß„den ProzeZ5. ihrer Zeugung, die. Zuſammenſeßung ihrer Organiſation, das Verhältniß ihrer Beſtandtheile; und. die Wirz kung derſelben auf einander belauſchen, durchſchauen und. anwenden. Zdnnten! Denn ze freier wir uns von. der Gewalt. der rohen Clemente machen); und je leichter und Fürzer wir ſic bearbeiten. und, über= winden..lernen,„deſto mehr. Zeit. gewinnen wir, für das geiſuüge und; menſchliche Leben:„Auch, werden wir unſre Erde mehr lieben, inniger verehren, feſter an ihr hängen, jemehr wir entde&en,, daß alles Eis nes. Geiſtes,„Lebens und Wirlken5. iſt.„Alſo nur immer friſch. zu; wackrer. Shäer,,,mit. deinen Cenoſz ſen und Wettſtreitern! die Cutel werden. euch Als täre bauen, Jencs ſichere- und„faule Liegen, dere ſelben. Menſchen„auf.demſelhen Fle>, jene, Anſicht der Beſitze, wo aus. jedem Stein, Baunt, Hügel die Urähnen. heraufſteigen wird ja..oft nichts weiz ter als ein leerer Gdßendienſt der- Natur; die, Bil2 der der Todten machen, uns, Lebendige ſo leicht zu todten Bildern, und. verwandeln, alles um uns. her zu wahren Fetiſchen; wir tdäumen,. vergöttern,. be= ten an, und dünken„uns damit das Thun; Wirken znd Schaffen. bezahlt zu haben. Nein das Wort und der Gedänke: Dieſes[iſt dein Vaterland,.das heilige, unverlierbare, unſterb2 liche; auf. dieſem Boden, lebten und ſtarben; die Vä» ter; hier floß. ihr Blut, hier ihr Schweiß im un- ermüdeten Dienſte=- erwächſt. und erblüht aus etwas. Anderem, aus dem. Gefühl;. daß. wir. alte Bürger. ſind, mit. gleichen Rechten, und Pflichten, däß weil jeder arbeiten,„wirten, erwerben, genießen darf-nach dem- Maaß, ſciner) Kräfte; jeder auch, ſich darſtellen und hingeben muß.füs den heiligen Dienſt, Dieſe hohe Hoffnung hät.der Vater des Vater» landes'gezeigt, dieſe Anſicht“hat er uns gewieſen. Die Zeitmuß allmöhlig reifen undvollenden, was hery- lich empfangen und gedacht iſt; er allein kann es nicht machen, die Beſten und Weiſeſten im Volke müſſen ihm helfen, Wie Jean Paul ſagt in fei- ner Vorſchule: Habt nur ja recht viel Ge- nie, ſo wird euch das Uebrige von ſelbſt zufallen, ſo kann man ſagen: Habt nur erſt einen gerechten Staat, ſo wird das Uebri- ge ſich ſchon von ſelbſt finden. Wann alle bürgerlichen und irdiſchen Thätigkeiten erſt richtig| vertreten werden, ſo wird ſich Kampf und Gegen- kampf, und in ſeiner wohlthätigen Bewegung das geſuchte Gleichgewicht der Kräfte von ſich ſelbſt er- zeugen, und an ſeine Stelle ſeßen,' Alle jene Aus- ſchweifungen, Schanden und Raſereien der jüngſten Zeit rührten daher, daß Sklaven die Freiheit weder verſtehen noch ertragen können: ſie wird, wie alles Beſte, nicht-auf einmal. Aber wo ſie iſt, da wird> auch Zucht, Ruhe, Mäßigkeit, Ehrfurcht gegen die Unverleßlichkeit des Geſees und gegen die Ma- jeſtät des Thrones; da wird verweilende und feſts haltende Liebe zu dem, was man hat, nicht jene gefürchtete wilde Neuerungswuth, die immer zu ete was Andern hin will, ja die zu dem Unmöglichen hin will, was man hier unten nur in der Jdee über der Erde beſitzen darf; da werden aber auch alle Triebe und Strebungen allgemein, für das Volk und in vem Volke lebend- und fortlebend; da bin- den nicht allein die"alten ehrwürdigen Schlöſſer, Haine, Berge, Hügel und Seen den Bürger an ſeine Erde, ſondern jedes Haus, jede Hütte, ja jeder ſtumme Stein ſpricht von dem, was unſere Väter für uns thaten, und was wir für unſere Enkel thun ſollen. Wir ſind einmal in dem Geiſt der Dinge; und wir kdnnen nicht zurück zu ihrem Leibe, ſelbſt wenn es da'viel beſſer und ſicherer wäre. Dichteriſche Sehnſucht'nach dem, was: durch die Jahre idealiſch geworden, gutgemeinfe Rü&weiſuin- gen auf das Vergängene, menſchliche Klagen über den"Verfall und den Sturz. der Einrichtungen, wobei unſere Väter glücklich waren, was fromz- men ſie uns? Jeder Schritt zurü& iſt ein Schritt näher zum' Untergänge; es muß nd<< viel raſcher vorwärts, dem Tode des Ulten muß noh viel muthiger ins Aug geſchaut werden; wenn wir bleibendes Heil und Leben gewinnen wölz len. Dies iſt das Evangelium unſers Chriſten? thums; dies das Cvangelium unſrer Staatslehre. Nicht faulen Dienſt, ſondern. lebendige Kraft, nicht gebundene Knechtſchaft, ſondern bewegliche Freiheit wollen beide« Was ware unſer Chriſitenthum, wenn es die geiſtige Gewalt der Dinge nicht immer hd- her und höher erhübe und allmächtiger beſecekte? Ihr Stifter ſtarb für die Jdee der ewigen Goit- heit und Menſchheit; äuch wir ſollen äls Menſchen im Allgemeinen und für das Allgemeine, wir ſollen für Gott, Volk, Vaterland; König leben und ſier2 ben: Kebe ſoll gewinnen, was Furcht verloren. Weit iſt der Zirkel dex Dinge, die vergängen und erlitten ſindz nirgends än ihm kann imän eine Deff2 nung zeigen. wo- ſich hinaus und hineinſpringen ließe: nicht die Verachtung der Prieſter, nicht die Hintanſeßzung des Adels hat den Atheismus, Jn- diſferentivmus, Kosmopolitismus, allen den egoiſti- ſchen- Krämergeiſt,. alle die behagliche Faulheit, alle die kalte Selbſtſucht erzeugt; worüber mit Recht geklagt und geflücht wird; ſondern dies alles, und unſre ganze Wildung, oder Nichtbildung, kurz, der Punkt, worauf. wir ſtehen, hat ſich in uns ſo ne- ben und-aus einander gebohren, Urſache und Wirz kung liegen ſd verlarvt in einänder, daß der feinſte Tauſendkünſtler die verwörrenen Fäden nicht ent- wirren mag« Aber der Schluß und Fund aus al- lem iſt: Weil etwas Neues-werden ſollte, mußte das Alte ſich in: ihm ſelbſt. verle- X „tenten. ben und vergehen. Wenn wir nur erſt als Bürger mit einander ſtehen, ſtreben und wirkenz wenn jeder fühlt, daß er zum Ganzen gehört, und daß das Ganze in ihm iſt== dann wird auch menſch2- lich und bürgerlich gerungen verden, und die Tuz gend und Einfalt, der Ernſt und die Treue, die Verleugnung und. die Frömmigkeit unſerer Väter werden die Zierlichkeit, Eitelkeit, Flatterhaftigkeit, und Selbſtſucht verdrängen, woran wir ſiechten und wofür wir ſo ſcharf'gezüchtigt worden ſind. Dann wird unſer Gemüth dankbar zurü&dli>en zu den Tügenden und Verdienſten der Vergangenheit, es wird ſorgend hinblien zu den Arbeiten und Ge2 burten der Zukunft, der ganze Menſch aber mit Leib und Seele wird feſt, tüchtig und ſtolz wirken in der Gegenwart. Wenn dieſes ernſte, hohe, wirks liche Leben die Männer ergreift, ſo werden die alten Sitten und Weiſen, das, was wir als die verlorne Treue, Einfalt und- Kraft unſerer Väter betrauern, von ſelbſt wieder kommen, wenn die germaniſche Erde und die germaniſc