Giessen? * —— —— 7. 71. Iso‘ Claude Louis Berthollet IR über die Gesetze der Verwandschaft in’der Chemie Aus dem französischen übersetzt N mit Anmerkungen Zusätzen und einer synthetischen Dar- stellung von Berthollets Theorie versehen a \ x; u “ m® x“ RR Sr von Ernst Gottfried Fischer, Professor der Mathematik und Physik an dem. Berlinisch- Cöll- ' nischen Gymnasium und Ehren- Mitglied der naturforschenden Gesellschaft zu"Berlın, Sr Berlin, bey G.C. Nauck. ı80o2% Vorrede des Üebersetzers Ds Original, dessen Uebersetzung ich hief liefere, besteht. aus einer längern Abhänd- lung; nebst zwei Fortsetzungen; welche Ber: thollet in dem ehemaligen Institut von Cairo im Messıdör des siebenten Jahrs der franz, Rep.(im Jul. 1799.).' vorgelesen hat: Im vorigen Jahr wurden sie in dem dritten Band der Memoiren des Nationälinstituts abgedrückt, ‚zugleich aber würde von dem. Verfasser selbst ein vollständiger und wörtlicher Ab» druck, der einzeln’zu haben ist; veranstaltet; Der Titel dieses’ Abdrucks ist: Recherches sur les loıs de lafinite; par le citoyen Berthollet. Paris, än IX.(105 Seiten 8): in den Annäles de Chimie, Tom; 36,37. 7 iv Vorrede, und 38. befindet sich noch eine Art von Abdruck, der aber die sieben ersten Ab- schnitte nur im Auszug, und die Abschnitte S und 9, gar nicht enthält. Von der Wichtigkeit dieses Werks, mit welchem in der, Theorie der Chemie eine neue Epoche beginnt, habe ich nicht nöthig etwas zu sagen, da die Erwartung der Natur- forscher schon längst darauf gespannt ist. Was meine Uebersetzung betrifft, so ha- be ich sie mit aller der Sorgfalt gemacht, welche. die Wichtigkeit des Inhalts, und der berühmte Name des Verfassers verdienten. Durch mehrmal wiederholtes Studium. des Werks, habe ich mich des Geistes der neuen Theorie völlig zu bemächtigen gesucht, und hoffe durch meine Anmerkungen und Zu- sätze dem deutschen Leser das Studium der- selben sehr erleichtert zu haben. Wer mei- ne Arbeit richtig und genau würdigen will, den bitte ich, sich zuerst an das Werk des tiefsinnigen Berthollet im Original zu ma- chen, dessen Studium man selbst in Frank- reich nicht leicht findet.‘Ich gestehe ohne Bedenken, dals ich bei manchen Stellen, zu. der Ueberzeugung, den Sinn klar und scharf aufgefalst zu haben, nicht eher gekommen Vorrede. EM bin, als bis ich das Ganze mehr als einmal durchgearbeitet hatte. Auch verdanke ich manche wichtige Aufklärung dem Scharfsinn zweier Männer, deren freundschaftlichen Um- gang; ich„unter die glücklichen. Verhältnifse meines Lebens rechne, des Hrn. Obermeli- cinalraths Klaproth, und des Hrn. Assessor Rose. Ich halte es für meine Pflicht, ihnen in meinem und der Leser Namen dafür öf- Fentlich zu danken. Ich habe dem ‚Werk einen Versuch, Ber- ’s Sätze synthetisch zusammenzustellen, angehängt. Ueber den Zweck dieses Ver- suchs habe ich mich in dem ersten Abschnitt desselben hinlänglich erklärt. Hier bemerke ich nur noch, dafs’ ich nicht wünsche,- dals die Leser ‚die. Ordnung umkehren, und die- ‚sen Anhang früher als Berthollet’s Schrift lesen ‚mögen, wenn dieses auch vielleicht der kürzere Weg scheinen sollte. Wer das, was ich im er- sten Abschnitt des Anhangs über die Natur des synthetischen Vortrags gesagt habe, beherzigt,- muls einsehen, dafs Misverständnilse auf die- sem Wege fast unvermeidlich seyn dürften. Der Gütigkeit meines Freundes, des Hrn. Dr. Friedländer, der sich jetzt in Paris auf- hält, verdanke ich einige biographische und KERETN Ir Kr “. ” a Ei aRH 35; va Er 2 ET WERDET b24 Vorrede. literarische Notizen über den berühmten Verfasser, deren Mittheilung dem Leser nicht anders als interessant seyn kann. Mein Freund schrieb mir unter dem Toten Oct. des vorigen Jahres:„Als ich Berthollet Ihren Vorsatz einige Zusätze der Uebersetzung sei- nes Werks einzuverleiben mittheilte, worin sie seine Sätze synthetisch zusammenzustel- len gedächten, schien ihm dieses Zusammen- treffen sehr zu freuen, und er zeigte mir 50- gleich eine berrächtliche Arbeit, die er be- reits Hach eben dem Plan unternommen hat- te, wozu die Recherches, die Sie übersetzen, “ur der Vorläufer sind. Das Werk wird uns “dem Titel: Statique de la Chimie, er Hei noch nicht, wann, erscheinen. Aus;dem, was er über dieses Werk äulserte, läfst sich schliefsen, dals es von grolser Wichtigkeit ». seyn wird. Fortsetzungen von den Recher- ches wird er vermuthlich nicht liefern.— Was ich Ihnen über Berihollets Leben, aus mündlichen Erkundigungen, und den littera- ischen Werken, die ich zur Hand habe, mittheilen kann, ist folgendes: Claude Louis Berthollet. ist in. einer kleinen Stadt des Departements du Mont Blanc gebohren, und, / jetzt etwa 52 Jahr alt, Er hat seine ersten Se a Er on. SU 20h Das een ’ Vorrede, VIE Studien in seiner Vaterstadt gemacht, ging * alsdann nach Turin, und ist'seit.dreißsig und mehreren Jahren’'in Paris, wo‘ er bis vor funf- zehn Jahren als Arzt praetisirte, und'unter andern,' Arzt bei dem letzten Herzog von, Orleans gewesen ist, 1776. machte er sich dürch eine‘Schrift, Observations sur Fair bekannt, 1780 wurde er Mitglied der Aca- demie, Bald nachher(ungefähr 1784.) wur- de er: zu einem der Commissaire ernannt, welche die technischen© Entdeckungen. die dem Staat vorgeschlagen wurden, untersu- chen sollten. Diese: Beförderungen scheinen bei ihm den Entschlufs die Praxis zu ver- lassen, begünstigt zu haben, Er hatte das letzte Amt etwa fünf Jahre, als die Revolu- tion ausbrach} und ihm der. Posten eines Membre de la Cömmission des Monnoyes& Paris(den}jetzt Guyton. hat), und’ die Pro- fessur in der Eccole polytechnique(damals, wo ich nicht'irre Ecole normale genannt,) übertragen wurde.‘ 1787- hat er- de de Nomenclature‘chymigque heraus- gegeben, und ı791. Elemens de Dart: de ‚Teinture, welche Göttling übersetzt hat, Nächstdem schrieb er auch eine'Vorrede, zur Uebersetzung des Pörner, Im Jahr 1795 ar ar e « Bir. Kr Pr P\ em br su Es NIIE Voörrede, machte er seine wichtige Entdeckung über das Bleichen,: unter dem Titel, Description du Blanchiment des toiles et de füls par Facide muriatigue oxigene, et de quelques autres proprieies de ceite liqueur relati- wes au arts, bekannt. Man hatte ihm als er die Entdeckung machte gerathen nach Eng- land zu gehn, und sich ein Patent für die- selbe zu verschaffen, allein er hielt dieses aus. Patriotismus wider sein. Gewilsen, und suchte vielmehr die Entdeckung in Frank- reich zu verbreiten. Mehrere Engländer die bald darauf von seiner Entdeckung Gebrauch machten, schenkten ihm ein prächtiges Ser- vice aus Dankbarkeit und Achtung. Als Bo- maparte Italien erobert hatte, ward Berthollet nit Monge als Commissaır geschickt, um die Kunstwerke für die Republik auszusuchen, da machte er wohl zuerst die Bekanntschaft des Helden, und als Bonaparte nach dem Frieden von Campo Formio nach Paris zu- rückkam, liefs er sich von Berthollet Vorle- sungen über die Ghemie in der Ecole polytech- nique halten, Hier lernten sie sich näher kennen, und Berthollet erhielt hier den ge- heimen Auftrag, die Leuie zu wählen, die \V.orrede, ix zur Expedition nach Egypten gebraucht wer- den sollten, In Egypten hat er das Institut, und mehrere Anstalten, deren die Armee bedurfte, einrichten helfen, und war bei dem Zuge nach Syrien stets unter Bonaparte's Begleiter. In Cairo beschäftigte ihn be- sonders der Aufsatz den Sie übersetzen. Es war unmöglich, vor die Thore von Cairo ohne Escorte zu gehen, ohne sich der Ge- fahr auszusetzen von Arabern. ermordet zu werden. Dieses hielt die Gelehrten zu Hau- se, und mochte dem egyptischen Institut nicht wenig beförderlich gewesen seyn. Als Bonaparte zurückkam, kam Berthollet mit ihm, und ist seit dem. ı$Sten Brumaire ein "Mitglied des Senats. Die Vorlesungen in der Ecole polytechniqne giebt er jetzt auf, ist aber einer der fleilsigsten Besucher des Instituts, und nimmt an jeder- wichtigen Discussion, die zumal Chemie betrifft, leb- haften Antheil. Seine übrigen Abhandlun- gen befinden sich im Journal de Physique,, in den Annales de Chimie, in den Memoires de l’.Ac. royale, in den Memoires de Turin, und in einigen andern periodischen Schrif- ten. Er lebt jetzt auf dem Lande in Ar- Vorrede. nei x cueil etwa drei Lieus von‘Paris, in einem schön gelegenen ünd angebauten Ländhause, wo er diesen ganzen Sommer mit der Ein- richtung seines Laboratoriums und Instru- mentensaals beschäftigt gewesen ıst,“ Zum Beschluls dieser Vorrede, will ich noch bemerken, dals meine Anmerkungen yu Berthallets Schrift, theils in den Text zwischen die Paragraphen eingerückt sind, theils sich unter dem Text befinden, Im -ersten Fall unterscheiden sie sich vom Ori- ginal durch kleinere Schrift; im letztern durch ein Untergesetztes F. Berlin, im April 1802, Te Inhalt ister Abschnitt. Gegenstand der Abhandlung. Seite£ @ater Abs. Versuche welche beweisen, dals bei der Wahl- verwandschaft zwei entgegengesetzt wirkende Stoffe, den dritten, auf den sie wirken, unter sich theilen. S. 16 zter Abs.. Beobachtungen., welche dem Grundsatz der chemischen Wirksamkeit im Verhältnifs der chemischen Masse bestätigen. S. 2$ Ater Abs. Von den Moäißcaicnen ae chfnischen Wir- kungen, durch die Unauflöslichkeit der Stoffe.; S. 43 ster Abs. Von der Cohaesion und Krystallisation. S. 52 6ter Abs.‘Von der Elasticität der Stoffe, die sich in chemischer Wirksamkeit befinden. b S. 6: „ter Abs. Von der Wirkung des Wärmestoffs.$. 69 $ter Abs. Von der EHlorescenz.' s ne 8. 79 gter Abs. Von der Wirkung der Auflösungsmittel. u 35 ioter Abs. Ueber‘die Meıhoden, die Weahlverwandschaf- ten(durch Zahlen) zu bestimmen.« P S. 108 aıter Abs. Ueber einige Irrhümer, die ihren Grund in einer falschen Idee von der WVahlverwandschaft ha- ben. Bi“« S, 115 a2zter Abs. Von zusammengesetzten Verwandschalten,$, 130 ı3ter Abs. Von der Fällung#metallischer Auflösungen, durch andere Metalle. e« 8. 147 ıster Abs., Von der abgeleiteten Verwandschaft;.S. Igg ıster Abs. Summarische Wiederholung,«$. 179 E FA er r: EL x FEN! Inhalt, Erste Fortse tzung. Von dgm Einfluls der Quastitä- ıen bei zusammengesetzten Verwandschaften.' Seite 196 Zweite Fortsetzung. Von den metallischen Auflö- sungen und ‚Niederschlägen. f}.$. 236 ———— ‚Versuch einer synthetischen Darstellung von ‚Berihollet’s Theorie, von dem Uebersetzer., Seite. 263 1. Zwetk dieses Versuchs. Sa=6. f$. 265 1. Erklärungen.$- 7—.24- R$. 270 ill. Ueber die chemische Einwirkung zweier Stoffe auf einander..$. 25—59- A- S. 279 Fundamentalsätze..$. 35— 29. Wirkungen einer schwachen Verwandschaft zwischen zwei Flüssigkeiten $. 30— 32- Auflösungen. f. 33— 38: Neutralität.& 39. und 40. Krystallisation.$.41—45. der Wärme.$. 46— 52- Äbgeleitete Verwandschaft, A IV. Ueber die Einwirkung von drei Stoffen auf einander, oder über die sogenannte einfache ‚Wahlverwandschaft. .$. 60— 69. i s$. 309 VW. Ueber den Begriff der Sättigung.$. 70— 77- v5. 320 YL Ueber die Einwirkung von vier Stoffen auf einander, oder über die sogenannte doppelte Wahlverwaudschaft. N Kae 86. E] a L S. 326 Untersuchungen über die Gesetze der Verwandschaft, Erster Abschnitt, Gegenstand der 4bhandlung Re Sollen wir je zu einer wohlbegrün- deton Theorie der Verwandschaften,‘und dadurch zu einer gründlichen Erklärung al- ler chemischen Erscheinungen gelangen, so werden wir alle Umstände, welche auf die chemischen Erscheinungen Einfluls haben können, genau in Erwägung ziehen müssen. Denn dıe Erfahrung lehrt, dals diese Er- scheinungen nichts janders, als modihcirte Wirkungen. der Verwandschaftskraft sind, Na 2 I. 2 Gegenstand und dafs in dieser die eigentliche Quelle aller chemischen Erscheinungen liegt, "Anmerk: des Uebers. Ich kann es mir nicht versagen, hier eine erläuternde Anmerkung beizufügen, die nach dem Geiste des Bertholletischen Vortrags vielleicht erst am Ende des Buchs stehen sollte, weil sie in der That erst ein Resultat aller hier angestellten Untersuchungen ist. Da ich aber beim wiederholten Studium dieser Un- 1ersuchungen bemerkt habe, dafs die Unbekanniıheit mit diesem' Resultate manche Stellen dunkel macht, so glaube ich durch Mittlieilung derselben, den Lesern einen‘Dienst zu erweisen. Obgleich unsere pbysicalischen Schriftsteller, in den Einleitungen zu ihren Lehrbüchern gewöhnlich den Be- griff Verwandschaft ganz richtig, als das Bestreben he- terogener Stoffe sich zu einer homogenen Mischung zu vereinigen erklären, so baben wir doch bisher, ohne es gewahr zu- werden, in der wirklichen. Anwendung einen äußerst vagen Gebrauch von diesem Wort& gemacht, in- dem wir alles, was bei chemischen Erscheinungen vor- geht(z. B- Niederschläge, Krystallisationen etc.), als Wirkungen dieser Kraft ansehen. Bertbollet zeigt aber in dieser Schrift mit grolsem Scharfsinn, und auf die überzeugendste Art, dals bei jeder chemischen Erschei- nung allerlei Nebenkräfre(Cobaesionskräfte, Expansiv- kräfte etc.) und mancherley modificirende Umstände (Quantität der Stoffe, Wirkung der Auflösungsmittel etc.), mitwirken, und dals von der ‚Nichtbeachtung dieser Din- ge die Anomalien herrühren, die wir bisher so häufig in den chemischen Erscheinungen zu sehen glaubten. Es ist daher klar, dafs jzwar in den Verwandschafts- kräften die Urquelle aller chemischen Erscheinungen liegt; dals es aber zu einer vollständigen"Theorie derselben gar \ der Abhandlung.’ 5 nicht hinreiche, blols zu untersuchen; welche Verwand- schaften stärker oder schwächer sind, sondern dafs man erst die Theorie aller Nebenkräfte, und der mäncherlei Umstände, durch welche ihre Wirkungen modificirt wer- den, aufstellen müsse, ehe, man nur mit völliger Sicher- ‚heit wird bestimmen können, wie viel bei irgend einer chemischen Erscheinung auf Rechnung der Verwand- schaftskräfte, oder auf Rechnung anderer Umstände zu setzen sey. Eine vollendete Theorie der chemischen Er- scheinungen aufzustellen, ist daher schwerlich das Werk eines einzigen Zeitalters; aber Berihollet har in der ge genwärtigen Schrift die Bahn dazu gebrochen. 3, Man darf nicht erwarten, dafs eine solche Arbeit in dem kurzen Zeitraum,‘seit welchem die Chemie regelmälsig, und wissent- . schaftlich bearbeitet worden, zu einem be- trächtlichen Grad von Vollkömmenheit habe gelangen können, Unter allen, welche sich’ mit diesem Ge- genstand beschäftigt haben, hat sich unstrei- ug Bergman das meiste Verdienst erwör- ben. Seine Abhandlung über die: Wahlver- - wandschaft*) empfiehlt sich nicht nur durch richtige Blicke. über die Nätür’ der- chemi- 55) De attractionibus electiyis. In den Nov. act. Upsal. Vol. ll. p. 159.#. Desgl. in seinen Opusc. phys: et chem. Vol. II. p. 291 ff. F, Gegenstand. Verwandschaft,' über‘die‘vereinigte, A|- BR re er entgegengesetzte Wirkung ihrer Kräfte, über” die Umstände, welche ihre Wär- kung modiliciren, oder anomalisch machen können, sondern auch Menge der darin en sachen,"Und“ob si beiten dieses grolsen Chemikers, B der Beobachtungen und„gründlichen. Schrif- ten'sehr vermehrt hat, so kann man doch sagen, dafs‘ seine.Vorstellungsart„eig gentlich die allgemein angenommene sey. Dielk ist die Ursache, warum ich, bei den’'gegenwär- tigen Untersuchungen, hauptsächlich sein Werk. vor Augen ac habe. Man nehme an, sags:Bergman, dal ein Stof 4 a mit einem"andern Stoff B gesättigt,sey, und nenne ihre Ver- bindung ZB.‘Wenn nun ein driiter Stoff C, den man hinzubringt, den Stoff A aus seiner Verbindung abscheidet,"und statt seiner mit A in Verbindung tritt, so erhält man statt AB, eine neue Verbindung 4C. Um daher ‚die Wahlverwandschaft*) zweier *\ Ian verwechsele nicht Yerwandschaft und Waklver- ı wendschafi. Die erste ist ein sehi reeller Begiiff,(m. be zu ma ae Ct 2weile, ot dung mit: dem oO Er nımmt de. Versuche.ü geben können, und der. erste Stoff; eine gegen dem..dritten Doch s$eizt er'in erforderäon seyn W , L X7 77 P bh. Sanze V Tungsart ‚be- ruht»r Voraussetzung, dals die Wahl- fs bypothe- unrichtige Ale. Kräfte, in 6 1..4. Gegenstand ‚ verwandschaft eine unveränderliche Kraft von solcher Beschaffenheit sey, dafs ein Stoft, der aus einer Verbindung durch einen an- dern abgeschieden ist, nicht wieder selbst durch den verdrängten Stoff abgeschieden werden könne. Man hat die Idee von der Unveränderlichkeit dieser Kraft so weit ge- wieben, dals berühmte’ Scheidekünstler ver- sucht haben, die Wahlverwandschaften der verschiedenen Stoffe durch Zahlen vorzustel- len, welche unter einander verglichen ihre Kräfte ausdrücken sollten, und zwar unab- hängig von der vorhandenen Menge. Berth, erinnert im ızten Abs. man könne den Ausdruck ‚ Wahlverwandschaft, als Benennung einer Erscheinung, nicht einer Kraft, allenfalls beibehalten. Aber diese Er- scheinung ist,"nach seinen Untersuchungen, die Wirkung mehrerer Kräfte und Umstände, und jede Hypothese muls daher scheitern, welche ste aus einer einzigen und un- veränderlich jedem Stoff inhärirenden Kraft’ ableiten will. Und wenn doch die Zahlen, welche besonders Guyton und Richter als Repräsentanten der Wahlverwandschaften aufstellen, in vielen Fällen den Erscheinungen Genüge thun, so wird man bei einer vertrautern Bekanntschaft mit Berthollets Ideen, nicht nur den Grund hiervon fin- den, sendern auch einsehen, warum gewisse andere Fälle sich unter die Hypothese nicht, fügen wollen. 5. Ich habe mir vorgenommen, in diesör Abhandlung zu beweisen, dals die Wahlver- 4 der"Abhandlung. Pi wandschaften nicht als absolute Kräfte wir- ken, vermittelst welcher ein Stoff durch ei- nen andern geradezu aus seiner Verbindung verdrängt werden könnte; sondern daß in allen Zusammensetzungen und Zersetzungen, welche eine Wirkung der Wahlverwand- schaft:sind‘, sich die Unterlage der Verbin- dung, d.h. derjenige Stoff, auf welchen zwei andere Stoffe mit entgegengesetzten Kräften wirken, zwischen. diesen beiden Stoffen thei- le, und dals das Verhältnifs der Theilung nicht blofs von der innern Stärke der Ver- wandschaften,: sondern auch von der vor- handenen Menge der wirkenden Stoffe ab- hängig sey, so dafs zur Hervorbringung glei- cher Grade der Sättigung die Menge ersetzen' kann, was der Verwandschaft an innerer Kraft abgeht. Berthollet’s ‚Sinn ist folgender: wenn man der Verbindung AB, den Stoff C entgegen! setzt, so ist es- unrichtig, was die bisherige Theorie will, dafs„4 gleichsam zwischen B und€ wähle, und»sich..blols mit dem näherverwandten verbinde don denn„41, heilt sieh an jedem Fall(wofern. nicht Nebenkräfte den‘ Erfolg anders bestimmen),'zwi- schen B und C. Aber das Verhältnißs, in welchem es sich theilt, ist nicht blofs von der Verwandschaftskraft, mit welcher B und.C auf, 4 wirken, sondern auch von der Quantität in welcher die Stoffe B und C vorhanden sind, und wirken können, abhängig. Es geschieht daher in je* | 1... 5. Gegenstand dem Fall,(die‘Verwandschäft von C gegen 4 sey stärker oder schwäcl 1er als die von.B gegen 4), wenigstens eine partielle Zersetzung von AB, Ja, weun die Verwand- och so schwach wäre, so kann dennoch eine, beinahe"weils: e Zersetzung von 4B. dadurch bewirkt werden l, wöfern es nur in hinlänglicher, Menge Wirken Kara; ‚wie. durch eine N} enge der feinsten Ver- *auct nd Beo! chungen, ım zweiten und dritien Ab- Behnitt boweilst| würd. bieraus verstehen, was es heiler; ‚m: ‚her Grade der Sättigung“ 13 (dd. i. um bestimmten T’'hail von£ mit C zu sätti» gen)’„kötne die I ınge von C ersetzen, was ihm an Ver« „wandschäftskraft. abgeht,“ Berthollet nenat den Stoff 4 oben, wo im: Text-der Ausdruck Unterlage der Verbindung gebraucht ist, 2? od« jet de-la combineison: in der Folge, wo derselbe Be- gr häußg wieder vorkommt;'nennt er.ihn gewöhnlich jet de la comb. Der:Grund dieser Benennung scheint. darin zu liegen, dals 4, als das bleibende Glied der Ver- bindung, gleichsam die Unterlage ist die nicht verändert‘ würd, sondera- zur den NWebenbestandtheil, mit dem sie verbunden ist, wechselt. Ich hoffe, dals man den im deutschen ge * ten Ausdruck, Unterlage der Verbindung, wicht, unschicklich finden wird. Er bezeichnet, wie der Franz. Ausdruck‘,'blolst einen relativen Begriff.‘Wenn ealperersaure Kalkerde Kali wirken läfst, so ist aan auf äüre-die Unterlageder Verbindung; lälst man. 2 auf die'salpetersaure' Kalkerde Schwefelsäure so ist"umgekehrt die Kalkerde die Unteilage der ARE TTROS. EN TREE 7 Verbindung n ngens nicht den Aus- druck-Unterfage, mit Grundlage, wodurch ich in der Folge das Wort" dzse} welches bekanntlich von allen Stoffen gebraucht wird,' die mit Säuern eine Verbindung eingehen, übersetzt habe. der Abhandlung.& Endlich muls ich‘hier noch bemerken, dafs Berth. in der Folge'gewissermalsen noch mehr leistet, als er hier,ver- spricht, indem er zeigt, dals das Verhälinißs, in welchem sich 4 zwischen 3 und‘C theilt, nicht blofs'von.den Verwandschaftskräften,: welche 3 und C gegen A4.haben, und''von den.Quantitäten, in welchen: B und C auf 4 wirken können, söndern aufser dem’ noch von‘ mehrern andern Umständen, als Gohaesionskräften, oder\Expansiv- kräften, ‚wrelche.den' Stoffen“4, 8, C, oder..den Verbindun« ben 4B,..4dC eigen sind, desgleichen von den‘ Verände- zungen, welche‘die Wärme in diesen" Stoffen bewirkt, und von mehreren ‚andern. Dingen, die alle eirizeli er- örtert werden, abhängig sey: Der oben ausgedrückte Satz enihält'also-blo[s das'reine Gesetz. für.die Wirkung: der Verwandschaltskräfte, abstrabirt von allem Einfluls fremd> artiger Kräfte, Wenn ich. behaupte, dafs durch"die Menge die Verwandschaftskraft. ersetzt.wer- den könne, so folgt daraus, dals die Wirk- samkeit(action) eines Stofls nach. der Men- ge geschätzt werden müsse, welche erforder- lich ist, um einen bestimmten Grad der Sit, tigung hervorzubringen,:\.Ich nenne diese Menge die(chemische) Masse eines Stoffes, und sehe sie als das Maafs der Sättigungs- empfänglichkeit(capacit@ de saturation) ver- schiedener Stoffe an. Man stelle sich vor, dals der Verbindung 4B, worin, wie bisher immer, 4 die Unterlage ist, einmal der Stoff ©, ein anderesmal der Stoff Dein drittesmal. der Stoff 1.5. Gegenstand E etc, entgegengesetzt werde, so wird es. möglich seyn, durch ‚jeden ‚dieser drei Stoffe einen bestimmten Theil ®. wonvid,(m B. ein Diittel desselben) aus.der Verbindung nit Br indie Verbindung mit€, D, E,{zu versetzen, d. h. gleiche Grade. der Sättigung. hervorzubringen; aber, da die Verwandschaftskräfte von(C, D, E, gegend. ver schieden seyn werden,‘so werden hierzu verschiedene Quantitäten dieser Stoffe erforderlich seyn. Wülste ‚man "oe muny,©dals unter gegebenen Umständen,: von C ı0 Thöile, von D 20 Theile,. und von. E 40 Theile nöthig"wären, so erbielte man: eine bestimmte Vorstellung von der Wirksamkeit ‚dieser Stoffe. Diese drei‘ Zahlen- würden nun! die Empfänglichkeit, welche.die drei Stoffe C,-D, E, für eine Verbindung! mit A besitzen, anzeigen, d. h. ı0 "Theile'von C, 20 von D, und 40 von E; besitzen, gleiche Empfänglichkeit, von A gesättigt zu werden. Ueber den Begriff der chemischen Masse sage ich hier nichis, da ihn Berth. gleich im folgenden selbst schärfer bbstimmt, als'es' hier geschehen ist; Ich bemerke blols, Jals ich ıdas Beywort chemisch hinzugesetzt habe,(wie diels Berth. selbst.im.ı5 ten Abschnitt ıhut), um alle Verwechslung mit der mechanischen Masse zu ver- meiden, Wenn ich‘demnach blofs die Verwand- schaftskräfte der Stoffe vergleichen will, so’ werde ich meine Aufmerksamkeit auf die wägbare Menge richten müssen, welche für diesen Fall um der- Vergleichung willen gleich angenommen werden muls.‘Will ich \. hingegen die wirkliche Wirksamkeit zweier Stoffe allgemein vergleichen, so muls ich auf der Abhandlung, 71 Verwandschaftskraft und Gewichtsmenge zu- gleich, d.h. auf die chemische Masse, sehen, Wollte man die Verwandschaftskräfte von Bund C ges gen A vergleichen, so wäre die einfachste Idee zu diese Bestimmung"zu gelangen, diese, dafs‘man der- dung AB, eine eben so grolse Quantität von C, als B beträgt, entgegensetzte. Das Verhältnißs, in welchem sich die Unterlage 4 theilen würde, wäre geradezu das Ver- hältnils der Verwändschaftskräfte. Denn'setzt man beide =; wer Verwandschaftskräfte gleich, so würde sich 4 zu;glei- chen Theilen zwischen B und C theilen, wäre aber‘ die Verwandschäft von B doppelt so grols als die von C, so würde B 2 von 4 behalten; und'C+ von 4 mit sich verbinden, u. s. f. ger a Um also die Verwandschaftskräfie von B und C auf eine ganz bestimmte Art anzugeben, mülste man von je- dem eine Gewichtseinheit, z. B. eine Unze, oder‘auch ı Gran, einer Quantität von 4 entgegensetzen, und lie- (se sich dann ausmitteln, dals sich 4 im Verhältnils wie 3 zu 7 geiheilt habe, so könnte man die Zahlen 3 und 7 als‘ Repräsentanten der Verwandschaftskräfte, welche einem Gran jedes Stoffs beiwohnten, ansehen. Entstände 5 & nun die Frage, wie großs dio Kraft sey, welche z. B. in 50 Gran von B enthalten wäre, so. ist klar, dafs sie durch somal 3, d,;i. durch 150 vorgestellt werden mülste. Dieses Product aus der Verwandschaftskraft' in die Ge- wichtsmenge ist Berthollets chemische Masse, durch wel- che eigentlich. die gesammte WVirksamkeit einer gegebe- nen Gewichtsmenge bestimmt wird. Man bemerke hier noch die Analogie dieses Begriffs, mit dem Begriff der mechanischen Masse. WVas bei jener Verwandschaft war, ist bei dieser specifische Schwere, d. h. diejenige Schwerkraft die einer räumlichen Einheit(z.B. ı Cub. Zoll) des Körpers beiwohnt. Ferner was dort Gewichtsmenge 12 I.„6.: Gegenstand war, ‚ist hier'räumliche; Menge._Wiegt der. Cubikzoil eines Körpers 3 Loth, so werden 50 Cubikzoll eine Vinechanische Masse von 150 Loch haben. Die Richtig- keit dieser Eıklärungen wird der folgenden$. noch sichtbarer machen, Um ‚voreiligen ‚Folgerungen vorzubeugen, ‚muls ich saber side ‚noch ‚bemerken,.dals Bertholler im, 1oten Abschnitti,mit Hn;sehr“guten Gründen: ‚zeigt, dale; von dieser Speculation Verwandschaftskräfte keine.An- "zur„Besummung. der werden könne,„weil es unmöglich der. Kräfte,‘welche das‘ Verhältnils in theilt, afficiren, zu ‚vernichten.' Dem- r. ıst..diese Speculation von.rgrolser ‚\Vich- wandschaftslehre ankommt, scharf ‚zu bestimmen, \ .„6. Ich werde ‚also für den im$ten©. \ 1.> angenommenen Fall-beweisen müssen,.da wenn man den’ Stofi AB wirken läfst, hier: Yerbindung FC enk ER arm J;/ denn seyn, dals SIC mischten,) sondern stehen werde,(es müi auch:noch an 1:p% 13 C auf die Verbindung ‚us nicht geradezu die IIIser . f auıser der Verwand- ‚dere Kräfte ins ‚Spiel dals sich: 4 zwischen 3 ihrer'Verwandschaft ER a Verhältnils ikzer Vostaz- I ineuen werd®& yn€( 32 } ik u. 4 entssehen k a t. dia vw man 8 ib ir € 1877 l ı 3 der Abhandlung. 13 ist die Kalkerde die Unterlage der Verbindung, die wir bisher 4 genannt haben.; Die Kohlensäure ist was wir B genannt haben, und€ ist irgend eine andere Säure. Die Verwatdschaft dieser Säure zur Kalkerde, mag stär- ker oder schwächer seyn, als die“Verwandschaft zur Koh- lensäure, so erfolgt eine Zersetzung, blols deswegen, weil die Kohlensäure, sobald sie nicht durch eine hinlängliche Kraft gebunden‘wird, den elastischen Apgregatzustand an- nimmt. Denn im ersten ‚Augenblick der Einwirkung rheilt sich nach Berth., die Kalkerde wirklich zwischen beiden Säuern im Verhältnifs der chemischen la womit sie auf‘ dieselbe wirken können, Die’Koliiens? ‚tler also ein Theil. der ‚Kalkerde ‚entzogen, worden, steht nun in einer losern Verbindung, als zu ihrer Fixirung erforder- lich ist; ihre Elastizität gewinnt also das Uebergewicht; ein Theil derselben’entweichtj, und verläfst, um bildlich su reden, freiwillig den Kampfplatz.. Dadurch’ aber: be- kommt die andere Säure immer mehr das Uebergewicht, und kann®ach und nach alle Kohlensäure bis auf einen unmerklich kleinen"Iheilvaustreiben. 7. Ich‘werde mich bey den folgenden Untersuchungen hauptsächlich"der Säuern, und Alkalien(worunter ich auch die alka- lischen Erden begreife) bedienen,'weil in ihnen die stärksten Verwandschaftskräfte he- sen, welche den Einflufs‘anderer kleiner mitwirkenden Kräfte unmerklich"machen können, weil ferner durch sie bisweilen ver- gleichbare Grade der Sättigung hervorge- bracht werden, und weil sie'endlich leicht erkennbare Fiesultate geben,‘Aber die Fol- 14 I. 7°. Gegenstand gerungen, welche ich aus ihren Eigenschaf- ten herleiten werde, können auf alle Arten von Verbindungen angewendet werden; und mehrere Beispiele, die ich anführen werde, werden zeigen, dafs der festgesetzte Grund- satz auf alle chemische Wirkungen der Körper anwendbar sey: Zuerst werde ich durch directe Versuche beweisen, dals die chemische Wirksamkeit solcher Körper, die in Gegenwirkung auf ei- nen Stoff begriffen sind, nicht blols von ihrer Verwandschaft, sondern auch von ih- rer Quantität abhängig sey(Abs. Ji.). Dann werde ich eine Auswahl verschiedener Arten ‚von Beobachtungen zusammenstellen, welche zur Bestätigung unsers Grundsatzes; dienen, und den Umfang seiner Anwendbarkeit‘ be- merklich machen‘werden(Abs. IL). Ich ‘werde ferner die Umstände, welche die An- wendbarkeit des Grundsatzes modificiren, und die Eigenschaften der Körper, welche der chemischen Wirksamkeit derselben för- derlich oder hinderlich sind, und welche auf die Verhältnisse der entstehenden Verbin- dungen Einfluls haben; können, untersuchen (Abs. IV— XI). ‚Ich werde diese Betrach- der Abhandlung, 15 ‚, tungen auf die zusammengesetzten Verwand- schaften*)(Abs. XIIL.), und, auf die Ver- wandschaften zusammengesetzter Stoffe”) (Abs. XIV.) anwenden, Mit einem Worte: ich werde überhaupt eine feste Grundlage zur allgemeinen, und besondern. Theorie der chemischen Erscheinungen zu legen suchen, *) Affinite complexe, was man sonst doppelte WYahlver- wandschaft nennt. F: #*) Was B: hier affinite des corps composes nennt, heilst im ı4ten Abschn. affinite resultante, abgeleitete Ver- wandschaft, d. b. die Verwandschaft zusammengesetzter Stoffe, sofern man sie als eine einzige Kraft, und als ein Resultat von den Verwandschaften der Bestandtheile an- sehen kaun. F. 5 ı6 Zweiter Abschnirt. Versuche, welche beweisen, dafs bei der Wahlverwandschaft die beiden entge- gengesetzt wirkenden Stoffe; denjenigen, der:die Unterlage der V‘ erbindung. ist; unter sich theilen, 1. Gleiche Theile Kali”), und. schwe- felsauren Baryt, liels ich in einer geringen Menge Wasser anhaltend kochen. Das Kali war vermjtielst des Alkohol bereitet, und enthielt nicht(eine Spur von: Kohlensäure. 4.1, I Ein eben so bereite alı ist bei allen fol- genden. Versuchen angewender worden. Die Abkochung geschah in einer Retorte, also nicht *) Ich erinnere'ein für allemal, dafs, so oft in der Folge die Wörter, Kali, Natron, Ammonium, Kalkerde, Baryt etc. ohne‘Beywort gebraucht werden, die genannten Stoffe allezeit im reinen oder aetzenden Zustand zu ver- siehen sind. I} II. x, Directe Beweise des Grundsatzes, 17 nicht in ‚Berührung mit der Luft,‘ Sie wur- de bis zur Trockne fortgesetzt. Der Rück- stand wurde erst mit Alkohol behandelt, zum das Kali aufzulösen, dann mit Wasser, wo- durch ich eine Auflösung erhielt, welche noch alkalische Eigenschaften zeigte. Der freietalkalische Stoff der letztern wurde mit Essigsäure gesättigt, worauf nach vorgängi- ger Abdampfung, eine sehr. beträchtliche Menge kleiner Krystallen änscholßs, welche alle Eigenschaften des schwelelsauren Kali zeisten. Es war also der schwefelsaure Ba- ryt zum Theil durch das Kalı zersetzt wor- den, und die Schwefelsäure hatte sich zwi- schen den beiden Grundlagen getheilt, >, Schwefelsaures Kalı wurde a einem gleichen Gewicht Kalkerde einem ähnlichen Versuch unterworfen. Aus dem trocknen Rückstande wurde das Kali durch Alkohol ausgezogen. Der nunmehrige Rückstand mit Wasser behandelt, lieferte eine Obgleich nur geringe Quantität von schwefelsaurer Kalkerde, nebst schwefelsaurem Kali; 3. Ein Theil kleesaure Kalkerde und zwei Theile Kali, wurden mit einer gerin« gen Menge Wasser bis zur Trockne im Ko: a 18 1,4.. Beweise “chen-erhalten,. und. daraul das freie Kali durch Alkohol abgesondert. Der Rückstand wunde mit Wasser behändelt, und gab durch Abdampfung Krystallen welche alle Kennzei- chen des kleesauren Kali"hatten. 4. Ein Theil kleesaure Kalkerde wurde mit zwei Theilen Salpetersäure im. Kochen erhalten, bis der Rückstand trocken war. Von diesem Rückstand löfste der. Alkohol einen Theil auf, und die Auflösung gab mit Kleesäure einen reichlichen Niederschlag. Diels war ein Beweis, dals sich salpetersaure Kalkerde gebildet hatte,. die ‚durch den Weingeist war aufgelölst worden, s. Ein Theil phosphorsaure Kalkerde, und zwei Theile Kali, wurden mit wenig Wasser bis zur Trockne im. Kochen erhal- ten. Der Rückstand wurde erst mit Alkohol behandelt, um den alkalischen Theil abzu- sondern, und darauf mit Wasser, Aus der letzten Auflösung erhielt man vermittelst der Abdampfung Krystallen von phosphorsaurem Kali. Die nach dieser Krystallisation rück- ständige klare Flüssigkeit, enthielt noch über- schüssiges« Alkali, Nachdem dieses. durch Salpetersäure gesättigte worden; fällte Kalk- ze> des Grundsatzes. 19 wasser und Barytwasser aus der Flüssigkeit, einen reichlichen Niederschlag. Ein Beweis, dafs sie noch phosphorsaures ‚Kali enthielt, durch dessen Zersetzung sich phosphorsaure Kalkerde, und phosphorsaurer Baryt bildete, 6. Gleiche Theile von Kali, und von sehr kein: zerriebener kohlensaurer Kalkerde, wur: den anhaltend mit, einer Quantität Wasser gekocht, Die filtrirte und völlig klare Flüs- sigkeit brauste ziemlich lebhaft mit Säuern auf, ‚Nach geschehener Abdampfung. wurde das überschüssige Alkali durch Alkohol aus- gezogen, und so blieb eine Materie übrig, die alle Kennzeichen des kohlensauren Kali hatte, 7. Gleiche Theile von Natron und schwe- felsaurem Kali, wurden mit einer Quantität Wasser bis zur Trockne eingekocht, und der Rückstand erst: mit Alkohol, dann mit Was- ser behandelt. Das durch den Alkobol aus: gezogene Alkali wurde mit Schwefelsäure gesättigt, und gab dann vermittelst der Ab- dampfung schwefelsaures Natron, nebst ei- nem Antheil von schwefelsaurem Kali. Die wälsrige Auflösung des Rückstandes aber, gab, nach der Abdampfung nicht nur Kry- 25 II, 8. Directe Beweise stallen von schwefelsaurem Kali, sondern auch eine beträchtliche Menge ‚von schwe- felsaurem Natron. 8, Man sieht, dafs in allen diesen Ver- suchen, Grundlagen, von denen man be- hauptet, dals sie mit‘den Säuren sehr star- ke, und schwer zu trennende Verbindungen bilden, dennoch aus dieser Verbindung, durch eine andere Grundlage der man eine “ schwächere Verwandschaft‘zuschreibt, zum "Theil abgeschieden worden, so dafs sich die Siure zwischen den beiden Grundlagen theil- ‚te. Eben so sieht man Säuren, die aus der Verbindung mit einer Grundlage, durch an- dere Säuern, deren Verwandschaft man als schwächer ansieht, theilweise abgeschieden worden, so dals sich die Grundlage zwischen den beiden Säuern theilte, Wenn man den zersetzenden Stoff nur in geringer Menge anwendet, so erfolgt kei- ne merkliche Wirkung, Wenn ich aber schwefelsauren‘ Baryt wiederholt mit neuen Portionen:Kali behandelte, und jedesmal vorher den abgeschiedenen Baryt, und das gesättigte Kali: durch Auslaugen hinweg- schaffte, so kam ich bald dahin die’ Zer- a. des Grundsatzes, al setzung beinahe vollständig zu machen, Die Wirkung ist also um desto grölser, je grölser die Menge des Stofis ist, den man zum Zer- setzen anwendet, Fine Folge hievon ist, dafs wenn man nach Bergmans Vorschrift die sechsfache Menge dessen, was zur Sättigung der Säure oder Grundlage nöthig wäre anwendet, man eine Zersetzung erhält, die man leicht für vollständig halten kann, indem die Unterlage der Verbindung nur einen geringen Theil des Stoffs mit welchem sie verbunden war, an sich behält, und dieser geringe Theil kann sich leicht der Wahrnehmung gänzlich entziehen. Hätte aber jBergman mit Sorg-- falt die entgegengesetzte Probe gemacht, die er selbst. empfiehlt*), so würde er gesehen 'haben, dals man auch durch sie eine Zer- setzung erhält, wie die oben beschriebenen Versuche beweisen, In dem Versuch S. 4. hatte die Salpeter- säure der Kleesäure einen Theil der Kalk- erde entzogen, der andere aber war mit der =) Man vergl. I. 2. \ 22 IL 8. Directe Beweise Kleesäure in Verbindung geblieben, Nach- dem aber die beiden neuen Verbindungen getrennt waren, wurde zu der welche aus Salpetersäure und Kalkerde bestand, eine Kleesäure gesetzt, welche noch durch keine Sättigung geschwächt war; daher entstand ein Niederschlag, Die Kalkerde theilte sich nochmals zwischen den beiden Säuern. In den Versuch$. 5. hatte sich die Phos- phorsäure zwischen der Kälkerde und dem Kali getheilt, und dem phosphorsauren Ka- li, war das überschüssige Kali entzogen wor- den. Als hierauf eine kleine Quantität Ralk- erde und Baryt hinzu kam, bewirkten auch diese eine neue Theilung der Phosphorsäure. 9. Es ergiebt sich also aus allen diesen Versuchen, von denen wir in der Folge mehrere Umstände untersuchen werden, dals wenn ein Stoff auf eine Verbindung wirkt, sich die Unterlage dieser Verbindung zwi- schen den beiden.auf sie wirkenden Stoffen theile, und diefs nicht nur im Verhältnils ‘der innern Stärke ihrer Verwandschaft, son- dern auch im Verhältnils ihrer Menge. Man mufs die beiden einwirkenden- Stoffe als des Grundsatzes,, 23 zwei entgegengesetzte Kräfte ansehen, wel- che, so lange ilıre Wirksamkeit ‚dauert, sich in die Unterlage der‘ Verbindung Var hiltnißs ihrer gesammten Wirksamkeit thei- len, und diese hängt nicht blofs. von der in- nern Stärke ihrer Verwandschaft, sondern ‚auch von-ihrer Quantität ab; so dals eine Veränderung der Quantität auch eine Ver- änderung. im. der Wirkung hervorbringt. Diese zusammengesetzte Wirkung der Ver- wandschaft und der Menge, ist das, was wir oben(1. 5.) die chemische Masse genannt haben, ı0. Aus den bisherigen Bemerkungen er- giebt sich die Folgerung, dals die Wirksam- keit eines Stofls auf eine Verbindung in eben dem-Maalse abnimmt, in welchem sich derselbe der Sättigung nähert: denn man kann alsdann diesen Stoff betrachten als zusammengesetzt aus einem Theil der schon zur Sättigung gelangt ist, und einem andern der noch frei ist. Der erste:ist als müssig an- zusehen, der’ andere-fährt fort auf den Rest der Verbindung zu wirken, nimmt aber ın dem Maalse ab, in welchem die Sättigung zunimmt: im Gegentheil wächst die Wirk- eh U, ır. Direete Beweise des Grundsatzes. samkeit des ausgeschiedenen Stoffes, in dem Maalse in! welchem seine Menge zunimmt; die Menge des wirkenden Stoffes wird also auf dieser Seite immer grölser. Die Wir- kung dauert fort, bis diese beiden entgegen- gesetzten Kräfte zu dem Zustand eines Gleich- gewichts gelangt sind. ı1. Eine andere Folge ist: dafs wenn sich ‚ein Stoff in der Gestalt eines Nieder- schlags ausscheidet, er einen Theil desjeni_ gen Stofls an sich behalten wird, mit dem er vorher verbunden war. Denn jeder Theil des Niederschlag mufste einem gewissen Theil des Füllangsmittels weichen, und in dem Augenblick der Zersetzung mulste sich die Unterlage der Verbindung im Verhält- nils der wirkenden Massen theilen, 5. Dritter Abschnitt, Beobachtungen; welche dem Grundsatz von der Wirksamkeit im Verhältni/s der chemischen Masse zur Bestätigung dienen 1. Ich werde hier mehrere Fälle, von. verschiedener Art, bei welchen die Wirkung einer Wahlverwandschaft statt findet, durch- gehen, um zu zeigen, wie genau unser Grund- satz von der Wirksamkeit im Verhältnils der chemischen Masse alle Erscheinungen erkläre, Wenn man kohlensaures Kali mit Kalk- erde behandelt, so ist man nicht im Stande dem Kali alle Kohlensäure zu entziehen, selbst dann nicht, wenn man die Arbeit mit neuen Portionen von Kalkerde öfters wie- derhol, Dampft man die Lauge ab, so wird man sie immer noch mit Säuern auf- \ 26 II..1.‘ Bestätigungen Brausend Anden. Denn so lange das Kali mit der Kalkerde zugleich wirkt, widersetzt es sich der Wirkung derselben, und je mehr Kohlensäure die Kalkerde hinweggenommen 5 hat, desto kräftiger wirkt die Kraft des Rali, um seine Ver bindung mit der noch übrigen Kohlensäure zu‘erhalten(II. 10.) Wenn sich die Wirksamkeit der Kalk- erde mit dem Widerstande des Kalı ins Gleichgewicht_ gesetzt hat, so kann man nach vorgängiger Durchseihung und Ab- dampfung, durch eine schwache Verwand- schaft. denjenigen Antheil des Kalı abson-' dern, welcher in Vergleichung mit dem Zu- stande des neutralen kohlensauren Kali über- schüssig ist,. d. i. alles dasjenige Kali, wel- ches® durch keine hinlängliche Menge von Kohlensäure geschützt wird. Der W eingeist ist zu diesem-Zweck tauglich, jund bewirkt eine Scheidung.‘Denn das kohlensaure Kali bleibt in der noch übrigen kleinen Quant- tät Wasser aufgelöfst, indels das freie Kali in Verbindung mit dem Weingeist oben auf- “schwimmt, Man kann das so abgeschiedene kohlensaure‘ Kali von neuem mit Kalkerde behandeln, und man bringt es durch diese des Grundsatzes. 27 zweite Arbeit auf eine so geringe Quantität zurück, die als nichts angeschen werden darf. : Wir haben joben(II, 6.) gesehen, dafs auch die entgegengesetzte Erscheinung her- vorgebracht werden könne. Denn behan- delt man umgekehrt kohlensaure Kalkerde mit Kali, erneuert zu wiederholtenmalen diesen Zusatz, und sondert zugleich die frei- gewordene‘ Kalkerde ab, so gelangt man endlich dahin,:dals die Kalkerde nur eine ganz unbedeutende Menge von Kohlensäure an sich behält,-Der ganze Unterschied der Resultate beruht in der verschiedenen Men- ge beider Stoffe, die man anwenden muß, um die entgegengesetzte Wirkung hervor- zubringen. I 2. Ich habe im vorigen$, gesagt, dals der Weingeist dasjenige Kali, welches in Vergleichung mit dem Zustand des kohlen- sauren Kali überschüssig ist, auflöse; in der That aber hört die Wirkung des Weingei- stes schon früher auf. Denn das. kohlen- saure Kali ist nicht schlechthin mit dem überschüssigen Kali welches die Krystallisa- tion von jenem hindert, vermengt,„sondern 8 i III. 2. Bestätigungen- sie bilden zusammen eirie Verbindung, die man'eine alkalisirte Verbindung Calcali- nule) nennen könnte, so. wie’ man einen Ueberschuls der Säure durch den Zusatz gesäuert(acidule) ausdrücken kann, Das Kali theilt sich zwischen dem kohlensauren Kali und dem Weingeist im’ Verhältnifs der Kräfte mit welchen beide wirken. Wenn man also ein alkalisirtes!kohlen- saures Kali mit Weingeist behandelt, so kann ınan ihm nur einen Theil des überschüssigen Kali entziehen, Der Rückstand'erlangt in der That die Eigenschaft zu krystallisiren, aber schr bald zieht er auch die Feuchtig- keit aus der Luft an, und zerllielst, wie viel man auch Weingeist angewender habe, um ihm das überschüssige Kali zu entziehen; so dals man, wenn man eine vollständige koh- lensaure Verbindung erhalten will, die Sätti- gung mit Kohlensäure vollenden muls, Auch die’ übrigen Neutralsalze haben eben so die Eigenschaft einen Antheil von Kali, der in Ansehung des Neutralisations- punktes überschüssig ist, an sich zu halten. Daher kommt es, dafs in den meisten Ver- suchen des’ zweiten Abschnitts, wo das Al- des Grundsatzes, 29 kali durch Weingeist abgeschieden wurde, das hernach angewendete Wasser doch noch einiges Laugensalz enthielt.. Diese Eigen- schaft der Salze verdient bei Analysen Auf- merksamkeit. Denn wenn man glaubt ein Laugensalz durch Weingeist zu haben, so kann man auf doppelte Art irren, in der Menge des Laugensalzes, und in der Menge des Stofls, wovon es abgesondert worden, Ich habe bei diesen$. in Ansehung der mit einem Bestandtheil überserzten Verbindungen zweierlei zu be- merken. Das erste, betrifft die Terminologie. Berth. har für die mit einem Alkali übersetzten Verbindurigen das'neue Wort alealinule geraacht(z. B. carbonate de potasse alcalinule), mach der Analogie von acidule(@. Bi suls fate de potasse acidule). Ich hoffe dals meine Ueber- setzung von beiden natürlich, verständlich, und unzweia deutig sey, welches meines Erachtens die wesentlichsten Erfordernisse einer neuen Terminologie sind. Nach die- ser Terminologie würde der Borax alkalisirtes boraxsaures Natron, und der: Weinstein, gesäuertes weinsteinsaures Rali heifsen müssen. Käme man in den Fall den speci- fischen Namen des überschüssigen Bestandtheils anzeigen zu müssen,‘ so mülste man sagen: kalisirt, natronirt, am- menisirt, calcarisirt, barytisirt, etc. ‚schwefelgesäuert, salpe- tergesäuert etc. Benennungen, denen der Gebrauch erst Geschmeidigkeit geben müfste. Man erhielte übrigens da- durch zugleich eine Terminologie für dreifache Salze ’ und das Urinsalz würde z. B. ammonisirtes phosphorsau- ern übersetzt ist," man nicht sagen dürfe, dafs Il 2. Bestätigungen res Natron heilsen, u. dergl. m. Si quid nosti rectius istis, candıdus imperti, si non, his utere mecum. Die zweite Anmerkung betrifft die Sache selbst. Berth: macht hier, und in der Folge an mehreren Stellen bei- Jäußg eine Bemerkung, von der sich vorausschen lälst, dals sie in der Folge einen wichtigen Lehrsatz in der Verwandscaaftslehre‘ausmachen wird, und worauf-ich da- her‘glaube die Leser“aufmerksam' machen zu«müssen. Berth.; bemerkt nämlich, dafs wenn eine kleine Quäntität von kohlensaurem Kali, mit einer grolsen Menge des Jletz- das überschüssige Kali nur beigemengt sey,‘sondern dals sich die. vorhandene Kohlensäure, mit der gesammten Menge des vorhandenen Kali in einer wirklichen Verbin- dung, befinde. ‚Der Beweis liegt in der ganz unzweideu- tigen T'hatsache, dafs das Ganze eine völlig homogene Tlüssigkeit bildet, und in dem kleinsten Tröpfchen eben das WVerhältmils von Kohlensäure vorhanden ist, als in der.gangen Flüssigkeit. In dieser Verbindung ist die Koh- lensäure- sehr‘fest gebunden, weil sie durch ein groises Uebermals von Kali fest gehalten wird; das Rali im Ge- gentheil wird. nur schwach gebunden, weil es nur durch wenig Kohlensäure angezogen wird: Und hierin liegt der Grund, warum es durch jede noch so schwache Ver- wandschaft bis auf einem gewissen Punkt abgeschieden werden kann., Was: bier über diese Verbindung gesagt worden, kann'auf jede andere Flüssigkeit angewendet wer- den, in welcher sich zwei verwandte Bestandtheile im aufgelösten Zustand; befinden:."Schwefelsäure und Kali mischen: und verbinden sich; so lange nur. genug Wasser zugegen ist, in"allen möglichen Verhältnissen, zu einer vollkommen homogenen Flüssigkeit; und wenn man sagt, dals in einer solchen Tlüssigkeit eine gewisse Menge des einen Bestandiheils frei, oder nicht gebunden sey, so sagt dieser Ausdruck, wıe Berth, selbst weiter unien(V=- 5) des Grundsatzes. 31 ausdrücklich! bemerkt, nichts weiter, als dafs dieser B& standtkeil nur schwach gebunden sey, und daher bis auf einen gewissen Punkt durch jedes. schwache Reagens ab- gesondeit werden könne. Aus diesen Betrachtungen folgt aber dafs es unrichtig sey, was bisher allgemein als ein’erwiesener Dehrsatz an- gesehen wurde‘,:dals sich zwei''verwandte.. Stoffe: nur in gewissen bestimmten quantitativen Verhältnissen verbinden, Die Thatsache, dafs alle ktystallisirte Salze, und Fast alle ; feste Doppelverbindungen, ein bestimmtes.quantitarives Ver- hältnils der Bestandtheile haben, ist ganz unstreitig rich- tig; aber unrichtig ist es nur, dals diese Erscheinung “eine Wirkung der Yerwandschaftskraft ‚sey; vielmehr wird. sich in der ‚Fölge zeigen, dals es eine Wirkung von Cohaesionskräfien ist, die sich mir dem Mischungsverhält- nils der Bestandtheile ändern. Man sebe diels nicht für eine unnütze Subtilität an. Es wird unmöglich seyn, zu einer vollständigen Theerie aller chemischen"Erscheinungen"zu gelangen, ehe':wil nicht anfangen werden, die bei diesen Erscheinungen wirksamen Kräfte und ıbre Wirkungen scharf‘ zu unter- scheiden. 3. Man nımmt an, dafs die schwefelsäure eine stärkere Verwandschaft gegen Kalkerde habe, als die Phosphorsäure,- Man har-da- her geglaubt, dals es möglich sey, durch die erstere, die phosphorsaure Kalkerde gänzlich zu zersetzen, und dadurch eine, Phosphor- säure zu erhalten, welche nach dieser Ope- ration ‚blols eine gewisse in der Pliosphor- säure auflösliche Menge von schwelelsaurer 233 11. 3. Bestätigungen Kalkerde enthielte, Indessen hat ein vor- irefflicher Chemiker, Vauquelin, gezeigt, dafs die Phosphorsäure selbst.bei dieser Ar- beit einen Theil Kalkerde an sich behalte, und dafs man das Product dieser Arbeit eigentlich eine gesäuerte phosphorsaure Kalk- erde nennen müsse). Die Schwefelsäure kann der Phosphor- säure nur einen Theil derjenigen Kalkerde entziehen,.die mit ihr in der phosphorsau- ren Kalkerde_ verbunden ist. Die. Gröflse dieses"Theils ist aber« nicht beständig, so dafs man sich irren würde, wenn man nur zwei Stufen der Sättigung annehmen wollte, eine für: die phosphorsaure Kalkerde, die ande-, .*%) Journal de, Y&cole polytechnique. und Vau- quelin haben seitdem eine interessante Abhandlung über diesen Gegenstand geliefert.(Mem. de YInsı u IL): Arm... d. Orig. Die deutschen Chemiker beurtheilten die taus der Kno- chenerde abgeschiedene Phosphorsäure schon im Jahr 1781. sehr richtig: Män vergleiche: Klaproihs Abhand- lung von den Phosphoren, in den allerneusten Mannig- faltigkeiten etc. ‚ıstes Jahr, ıstes Quartal p. 36 fi..Des- gleichen; Wiegleb's Untersuchung der aus den Knochen gezogenen Phosphorsäure, in Crells neusten Entdeckungen aus der Chemie, zter Theil. p-. 5. fi. F: a m en A nn des Grundsatzes,| 52 andere für’ die gesäuerte phosphorsaure Kalk- erde.' Sie steht vielmehr im: Verhältnils mit der angewendeten Schwefelsäure, Die Men- ge..der Schwefelsäure aber hat ihre Grenzen, weil eine Absonderung der sich bildenden schwefelsauren ‚möglich: bleiben muls. Denn wendet man zu viel Säure. an, so wird die schwefelsaure Kalkerde durch- aus'auflöslich; oder vielmehr sie bildet sick gar nicht*), und man wird‘die Kalkerde nicht absondern können, weil’ die Krystalli- sation‘der schwefelshuren Kalkerde unmög- lich geworden ist. 4. Die Thonerde ist ohne Zweifel eine der schwächsten Grundlagen, folglich ein Stoff der nur sehr“ wenig Kraft anwenden kann, um sich in. seinen Verbindungen zw erhalten. Demohngeachtet, wenn man schwe- e %, Diese Stelle erhält durch XII. 2. Erläuterung, wo Bertby behauptet, ‚dafs wenn mehrere salzige Stoffe im Zustand der Auflösung gemischt sind, eigentlich von gar keiner partiel- len Zusammensetzung oder Zersetzung der Bestandtheile die Diede seyn könne, da älles zusammen eine einzige, komos gene Flüssigkeit ausmachie. Ich, getraue mich nicht diesen Satz uneingeschränkt zu vertheidigen, und werde meine Zweifel a: a. O. vortragen, Hier käl es nur darauf an, den Sion des Verf, deutlich zu mächen. F, 5 34 III.. 4. Bestätigungen felsaure'Thonerde auf die gewöhnliche Art’ durch Ammonium zersetzt, so behält der| Niederschlag, wenn man ihn gleich nach der Fällung mit Ammonium digerirt, dennoch= eine ziemliche Menge Schwefelsäure an sich,| welche in folgendem Versuche bemerklich wird. S| De diesen Niederschlag in Salz- säure aullöst,;sO ‚bemächtigi. sich. diese der ‘ überschüssigen Thonerde, und bildet damit ein ‚nicht krystallisirbares Salz, so. dals man blols eine durchsichtige Flüssigkeit erhält, Giefst man zu dieser, aufgelößsten salzsauren Baryt,; so erhält man einen reichlichen Nie-| derschlag von ‚schwefelsaurem Baryt. Lälst| man aber jene Flüssigkeit, ohne allen Zu-| satz,verdampfen, und hält sie in einer nie- drigen. Temperatur, so bilden sich, wenn sie| genugsam in die Enge gebracht ist, deutliche Krystallen von schwefelsaurer Thonerde, Die Thonerde behält ‚also, indem sie sich niederschlägt, nicht allein einen Antheil von Schwefelsäure zurück, welcher ihrer chemi- schen Masse, verglichen mit der Masse des entgegengesetzten Stolles, proportional ist, sondern sie behält auch dem’ Antheil von a des Grundsatzes. 25 Alkali'an sich; der"bekanntlich'zur Krystal- lisation der schwefelsauren Thonerde noth. wendig ist. Fället' man sie aber nicht aus einer Auflösung von gemeinen'Alaun, son: dern aus einer solchen;"die'kein Alkali’ enk halt, so zieht sie selbst aus dem Fällungs- mittel etwas Alkalı an: denn nach dieser Operation ist sie im Stande" Kryställen‘von schwefelsaurer T'honerde: zu liefern;‘wenn man. durch eine‘Säure. die überschüssige Thhonerde'absondert: Es folgt hieraus; erstlich; dafs man sich bei. chemischen Analysen irrt, wenn man das Gewicht des durch Ammonium bewirkten Niederschlags für das wirkliche Gewicht der Thonerde nimmt, die in einer Auflösung enthalten war. Man muls durch genaue Versuche die Menge der Säure und des Lau- gensalzes bestimmen, die mit der Thonerde verbunden bleiben, und diese von dem Ge- wichte, des Niederschlags abziehen; Zweitens, in Versuchen, wo man von einem Niederschlag aus Alaun Gebrauch macht, und ihn als reine Thonerde ansieht, kann man sich in den Resultaten durch die Wirkungen der noch rückständigen Schwe: 56 III...5,.. Bestätigungen' felsäure„und...des Laugensalzes täuschen. Und; es;,hat 2. B«- das. Ansehn,- als ob..die leichte,;„Auflöslichkeit in. ‚den feuerbestän- digen Laugensalzen;. die, sich.bei' der..aus gefällten TThonerde. findet, von dem Antheil der Säure, den-sie enthält, herrühre; 5,.Jch erinnere mich; dals ich mir-.einst eine reine-Talkerde durch Fällung aus schwe- felsaurer. Talkerde, vermittelst..des. Kali,:be- reiten wollte, und ich setzte zu dem Ende den Niederschlag mit Kalı- Wasser in Di- gestion, tund süfste ihn dann aus. Die so bereitete Talkerde setzte ich einem starken Feuer aus, und erstaunte, als ich nachher einen sehr merklichen hepatischen Geschmack bei ihr‘ wahrnahm.,' Ich wiederholte den Versuch mit Sorgfalt,'erhielt aber eben den Erfolg. Der Grund lag darin, dals die Talk- erde etwas Schwefelsäure behalten hatte, die durch die starke Hitze zersetzt wurde, so dals nun eine schwefelhaltige Talkerde ent- stand. Und weil der Schwefel nur in ge- xinger Menge vorhanden war, so hielt ihn die Talkerde fest, ob er gleich nur wenig Verwandschaft gegen diese Erde hat. des Grundsatzes, 57 Es ergiebt sich also auch hieraus, dafs nfen sich‘bei chemischen Analysen irren könne, wenn man für das wirkliche Gewicht der in einein zusammengesetzten Stoffe ent- haltenen Talkerde, das Gewicht des Nieder- schlags nimmt, den man vermittelst einer Wahlverwandschaft daraus abscheidet, 6. Die atmosphärische Luft löseı. die Koh- lensäure auf, und da diese durch die Verbin« dung, mit der. Luft ihren elastischen Zustand, wieder ‚erlängt, ‚sa, entsteht durch diese Auf- lösung. eine Vergrölserung des Volums, Nenn man. daher kohiensaures.. Wasser. in einem verschlossenen Gefälse mit etwas, at- mosphärischer ‚Luft in: Berührung. lälst, ‚so merkt man; ‚dafs die Luft, beim Eröfnen ‚mit Kraft heraus. dringt. Lälst man, ‚daher koh- lensaures. Wasser an,'der Luft stehen, ‚iso, nimmt. dieselbe ‚nach. und‘ ‚nach..so ‚lange Kohlensäure hinweg, bis. ihre, Wirkung;mit, der Wirkung des Wassers ins Gleichgewicht kommt, Umgekehrt nimmt Wasser, welches von. Kohlensäure leer ist, einen Theil davon aus der Luft an, wenn sie in höherem Grade da- mit gesättigt ist, und diese"Wirkung, dauert x | nn} a H A 58 Il. ,.6. Bestätigungen fort bis ‚ein; Gleichgewicht der Kräfte ein- tritt... Kalkwasser. bewirkt eben das noch kräftiger., Aber dennoch ist es nicht vermö- gend,, der Luft alle Kohlensäure zu entzie- hen. Doch bringt es dieselbe auf eine so geringe Menge, dals. man, sie in der That unbedenklich für nichts achten kann; einige seltene Fälle ausgenommen, z. B, bei der Zusammensetzung des Wassers. Denn wenn das Sauerstoffgas, welches man anwendet, einige Kohlensäure enthält, sie sey ihm nun° durch den Stoff woraus man es entwickelt hat mitgetheilt, oder erst während der Ent- bindung entstanden, so ist man nicht im Stande‘dieselbe gänzlich abzuscheiden, und die kleine darin enthaltene Quantität wird nach der Verbrennung, wodurch sich der Sauerstoff mit‘dem Wasserstoff verbindet, selbst dann merklich, wenn das Wasserstoff- gas gar keine Kohle enthielt, aus dem wäh- rend: dem Verhrennen: hätte Kohlensäure entstehen können, 7. Das was hier in Ansehung der Koh- lensäure bemerkt, worden, ‚zeigt sich oft noch auffallender bei solchen Stoffen, welche einen geringeren Grad von ,Elasticität besitzen, des Grundsatzes. 35 aber die Eigenschaft haben, sich mit ‚der Luft zu verbinden. Daher der Geruch, den viele Stoffe verbreiten, Setzt man Aether in Berührung mit atmosphärischer Luft, so theilt er sich zwischen dem Wasser, womit er allezeit verbunden ist, und der Luft, nach Maalsgabe der von beiden vorhandenen Men- ge, und der Theil welchen die Luft auflöfst, nimmt gasförmigen Zustand an. Setzt man nun ferner die Verbindung von Luft und Aether einer hinlänglich grolsen Menge Was- ser aus, so nimmt dasselbe einen Theil des- Aethers auf, und die Vermehrung von dem Umfang der. Luft verschwindet, oder wird unmerklich, 8. Obgleich die Salzsäure weit mehr Ver- wandschaft gegen das Wasser hat, als die Kohlensäure und der Aether zu haben scheinen, so bemerkt man doch eine beträcht- liche Umfangsvermehrung, wenn man con- centrirte Salzsäure mit Luft, die durch Quecksilber gesperrt ist, in Berührung bringt und diese Vermehrung verschwindet wieder, wenn man diese Luft mit reinem Wasser in Berührung bringt, go ö 111, 8. Bestätigungen Fiechende Flüssigkeiten verlieren allmä- lig ihren Geruch, wenn man sie der Luft aussetzt,: Aber jemehr das Wasser von dem riechenden Stoffe verliert, mit desto stärke- ver Kraft‘ wirkt es auf den noch übrigen, bis sich endlich, zwischen der Wirkung des ‘Wassers und der Luft ein Gleichgewicht bilde. Dann hört die Flüssigkeit auf zu riechen, ob sie gleich noch eine gewisse Menge des riechenden Stoffes enthält, 9. Die Beobachtungen welche wir in die- sem ‚Abschnitt vorgetragen haben, und die sich leicht vervielfältigen lielsen, dienen zur Bestätigung der Sätze die wir aus den. Ver- suchen des vorigen, Abschnitts abgeleitet ha- ben, ‚Diese, ‚wie jene, zeigen, dals sich‘ bei Wirkungen. der'Wahlverwandschaft, die Un- terlage der Verbindung zwischen den beiden Stoffen,' die auf. dieselbe wirken, im Ver- hältnils der Kräfte mit denen sie augleich wirken können, theile. Ein Umstand, welcher, besondere Auf- merksamkeit verdient, und welcher beson- ders beweilst, dafs die chemischen Wirkun-, gen eben sowohl von der Quantität, als von der Verwandschaft der Stoffe abhängen, ist des Grundsatzes, 4: dieser, dals man um entgegengesetzte Resul- tate zu erhalten, nur die Quantität der Stoffe ändern. darf, Ich habe oben(I. 4.) gesagt, dafs die Salpetersäure der kleesauren Kalkerde einen Theil der Kalkerde entzogen habe. Nach- dem die beiden Verbindungen gesondert, und der gesäuerten salpetersauren Kalkerde Kleesäure zugesetzt war, deren Wirksamkeit ‘noch durch keine damit verbundene Kalk- erde geschwächt war, so erfolgte ein Nie- derschlag, indem sich die Kalkerde von neuem zwischen den beiden Säuern theilte, Hier wurde also zuerst kleesaure Kalkerde durch Sal- petersäure, und dann wieder umgekehtt, salpetersaure Kalkerde durch Kleesäure zersetzt, Im$. 5. des zweiten Abschnitts theilte sich die Phosphorsäure zwischen der Kalk- erde, und dem Kali, Das überschüssige Kali wurde von dem phosphorsauren Kali abge- sonder, Nun bewirkte ‚die freie Kalkerde eine neue Theilung der Phosporsäure; so dafs die Verbindung, welche zum Theil durch die Wirkung des einen Stofls zerstört war, durch Hinzukunft des entgegengesetz- ten Stofls zum Theil wieder hergestellt wurde, 42 III. 9. Bestätigungen des Grundsatzes. Im angeführten Versuche, wurde ein Theil phosphor- saure Kalkerde, mit zwei Theilen Kali kochend bis zur Trockne behandelt. Nach Berth. Theorie bestand die- ser Rückstand aus phosphorsaurer Kalkerde und phos- phorsauren Kali, beides mit Ueberschuls der Grundlage. Der Weingeist womit dieser Rückstand behandelt! wurde nahm das überschüssige Kali(doch nicht vollständig 1]. 2.) binweg. Der nunmehrige trockne Rückstand wur- de mit Wasser ausgezogen. Diefs lölste das vorhandene phosphorsaure Kali, mit dem noch übrigen kleinen Ue- berschufs des Kali auf. Diese wälsrige Auflösung wurde in die Enge gebracht, und so schied sich neutrales phos- phorsaures Kali ab. Die übrige Flüssigkeit enthielt noch phosphorsaures Kali, nebst dem überschüssigen Kali, Das letzte wurde mit Salpetersäure gesättigt, und nun brachte Kalkwasser einen Niederschlag hervor. Also zersetzte hier freie Kalkerde das phosphorsaure Kali, so wie im An- fang des Versuchs freies Kali die phosphorsaure Kaikerde zersetzt hatte, Die Beobachtungen der$$.,.6, 7, 8, im gegenwärtigen Abschnitt, zeigen auf ähnliche Art entgegengesetzte Wirkungen, welche durch veränderte Quantität der Stoffe hervorge- bracht werden. Die Beobachtungen.$. 5- und 6. bestäti- gen die oben Il, ı1. vorgetragene Folgerung, «über die Natur der Niederschläge, die durch Wahlverwandschaften hervorgebracht wer- den, dafs man sie nämlich'als Verbindungen ansehen müsse, die durch Theilung, einer Unterlage zwischen zwei entgegengesetzt wir- kenden Stoffen entstanden sind. 48 Vierter Abschnitt. Von den Modificationen der chemischen Wirkungen durch die Unauflöslichkeit der Stoffe. 1. Es ist nöthig nunmehr diejenigen Ei- genschaften der Körper nach der Reihe in Erwägung zu ziehen, welche im Stande sind einen Erfolg, der nach dem in den vorigen Abschnitten festgestellten Grundsatz statt haben sollte, abzuändern, Wenn Stoffe die auf einander wirken, ihre ganze Kraft äufsern: sollen, so ist nöthig, dals„alle Theile das ihrige zur Wirkung beitragen. Sie müssen sich daher im Zustande der Flüssigkeit befinden. Denn wenn auch alsdann.nicht alle Theile gleich- zeitig wirken könnten, so.können doch die Theile: welche am meisten, und die welche noch am wenigsten gewirkt haben, bald zu 44 IV. 1. Wirkungen’ der dem Zustand einer gleichförmigen Sättigung gelangen, besonders, wenn man ‚Schütteln, und Wärme zu Hülfe nimmt; und wofern sich kein Niederschlag bildet, so gelangt die ganze Mischung bald zu einem ganz gleich- förmigen Zustand, Bisweilen entstehen aber auch Niederschläge, oder die Stoffe die man in Wirksamkeit setzt sind nicht flüssig, oder sie besitzen nur einen geringen Grad von Auf- löslichkeit. Es ist daher nöthig zu untersu- chen, was die Unauflöslichkeit, in den ver- schiedenen: Fällen wo sie vorkommen kann, für.Einflufs‘auf die chemischen Wirkungen haben werde:: wobei wir. aber die Ursache durch welche sie entsteht, und wovon wir erst im folgendem Abschnitt reden werden, vor jetzt nicht in Erwägung ziehen wollen.| Die, Ursache der Unauflöslichkeit ist die Cohaesions- kraft, die den kleinsten Theilchen jedes homogenen Stoffs, im.-höhern ‚oder‘ geringern. Grade eigen;‚ist., Diese-Kraft‘bewirkt, wie der folgende Abschnitt zeigt, wichtige Modificationen in den chemischen" Wirkungen. Aber ein unauflöslicher Stoff, ‚bringt als solcher, auch ohne Rücksicht auf-jene Kraft|schon blofs dadurch" Mo-, dificationen ‚der chemischen Wirkungen hervor, dals er keine so vollständige Berührung als flüssige Stoffe ver- stattet. Hiervon ist im gegenwärtigen ‚Abschnitt‘die. Redel: Wenn ‚derjenige Stoff durch welchen man auf eine Verbindung wirken will, un- ‚, Unauflöslichkeit, 48 auflöslich.-ist, so ist klar, dafs nur.&in ge- ringer. Theil, desselben wirksam seyn kann. Denn nur\,die ‚Oberflächen- sind es, die wirken können, und,sie können blofs auf diejenigen Theile ‚‚der' ‚widerstehenden Flüssigkeit wirken, die sich in ihrem Wir- kungsraum befinden, Und während die fe- sten Theile diese schwache"Kraft äulfsern, wächst der‘Widerstand der Flüssigkeit'in heh’ dem Maalse, in welchem die Zersetzung vorschreiter'(H, 10.). %. Hat derjenige Stoff, welcher auf eine Verbindung wirken soll einige Auflösbarkeit, so hängt seine Wirksamkeit, theils von den aufgelösten Theilen, theils von den noch festen ab. Hieraus folgt aber, dafs er nicht ım Verhältnis der ganzen ängewendeten Menge wirkt. Die Kalkerde z. B. wirkt theils durch die aufgelösten, theils durch die nicht aufgelösten Theile, aber wahrscheinlich"rührt der grölste Theil der Wirkung nur von den erstern her. Verdoppelt man die Menge der Kalkerde, die man in einem Versuch anwendet, ohne die Menge der Flüssigkeit zu vermehren, so wird die Menge der auf- gelösten Kalkerde wenig zunehmen, oder 46 IV.% Wirkungen der vielmehr,'sie wird sich vermindern, indem ein; Theil’ des’ Wassers von der zugesetzten Kalkerde angezogen wird; so dals die Wir- kung durch jene Vermehrung der Kalkerde sehr wenig zunehmen kann; 4. Wird eme unauflösliche Verbindung durch eine Flüssigkeit angegriffen, so ver- schwinden die Unbequemlichkeiten der ‚Un; auflöslichkeit bald, wofern der unauflöslichg Stoff von der Art ist; dals er durch. den Ver- lust eines seiner Bestandtheile auflöslich wird. Dieser Fall ereignet sich, wenn phosphor- saure Kalkerde der Wirkung einer, Säure ausgesetzt wird.. Jeder Theil der in den Wirkungsraum der Säure ‚kommt,. geht: in den Zustand der gesäuerten phosphorsauren Kalkerde über, und. wird flüssig. Die Wir- kung geht rasch vor sich, und die entgegen- gesetzten Stolle befinden sich bald beide in dem Zustand der Flüssigkeit, s° Wenn derjenige Stoff dem man aus- "scheidet unauflöslich wird, so nimmt der Niederschlag einen Theil des Stoffs mit dem| er vorher verbunden war mit sich, und zwar im Verhältnifs der Kräfte, die in dem Au- genblick da der Niederschlag entstand wit- Uhauflöslichkeit. 47 ken konnten(I.'ı1, I. 9.). Er entzieht sich beinahe gänzlich der chemischen Wir- kung, und man hat daher bis zu Ende der Operation nicht mehr Fällungsmittel anzu- wenden, als gerade zur Hervorbringung des Niederschlags nöthig ist. Dieser Fall ereig- net sich, wenn man schwefelsaure Thonerde durch Ammonium. oder Kalkerde zersetzt. ; Nicht. so verhält es: sich, wenn der aus- geschiedene Stoff den flüssigen Aggregatzu- stand annimmt._ Dann wächst der Wider- stand in eben dem Maalse, in welchem die Zersetzung vorschreitet; Daraus folgt, dafs wenn der Stoff, den man einer Verbindüng entgegenisetzt, wenig aulflöslich ist, und da- her'nur in geringer‘ Menge wirken"kann, während der ausgeschiedene Stoff flüssig bleibt, die Zersetzung schnell’ zum Stillstand gelangen müsse, wie auch immer die Ver- wandschaften seyn mögen, weil sich die Thei- lung nicht blofßs nach den Verwandschaften, sondern auch nach der wirkenden Menge richtet. Als ich daher oben(II. 2.) schwe- felsaures Kali mit Kalkerde behandelte, muls- te die Wirkung zum Stillstand gelangen, so- bald die, sämmtliche vorhandene Schwefel- 48 IV. 5 Wirkung der säure zwischen dem Kali, und der Kalkerde im Verhältnils ihrer Verwandschaften, und der Menge von beiden die auf die Säure wirken konnte, d..h. im Verhältnils ihrer Massen geiheilt war. Üeberhaupt,“um über, den respectiven Zustand solcher Verbindungen urtheilen zu können, welche flüssig bleiben, wenn zwei Stoffe mit entgegengesetzten Krälten‘ wirken, muls man diejenige Menge von jeder in Er- wägung ziehen, welche sich in dem Zustand befindet, wirken zu können. Von ihr hängt die Theilung desjenigen Stofies ab, auf wel- chen die Kräfte wirken, 6. Der Unterschied von der eigenthüm- lichen Schwere des unauflöslichen Stolfs, und der Flüssigkeit hat Einflufs auf ihre beiderseitige“Wirkung, auch selbst dann, . wenn man ‚Schütteln und Wärme zu Hülfe nimmt: denn er bewirkt ein stetes Bestre- hen des‘unauflöslichen Stofls sich von«der Flüssigkeit zu. trennen, und ihn der Kraft die auf ilın gerichtet ist zu entziehen. Diels ist ein Umstand der zwischen schwefelsau- rem Baryt und schwefelsaurer Thonerde ei- n Unterschied macht, ne Ich Unanflöslichkeit, A) Ich habe oben die gefällte'Thonerde blofs für den Augenblick des Entstehens in Betrachtung gezogen(II. 4.)"Wendet man aber das Ammonium in überflüssiger Menge an,’ so bleibt alles, was denjenigen Sättigungs- grad. erreicht. hat, auf welchen die Thonerda bei dem ersten Angriff gebracht wird, in Wirk- samkeit, so lange Berührung statt findet. Und da die gefällte Thonerde lange in der Flüssig- keit schwebend bleibt, und dieser Zustand dureh Schütteln verlängert‘werden kann, so behält auch das freie Ammonium lange seine Wirksamkeit auf die'abgesonderten Theil- chen, um allmählig zwischen den entgegen- gesetzten Kräften ein Gleichgewicht hervor- zubringen,_Schwefelsaurer Baryt hingegen entzieht sich der ferneren Einwirkung, so= bald er entstanden ist, 7. Aus dem, was im Sten 8. gesagt wor: den, folet, dafs wenn ein flüssiger Stoff auf einen andern der fest ist, wirkt, oder wenn sich bei der Operation ein Niederschlag bil- det, die Wirksamkeit der Flüssigkeit, oder die chemische Masse durch welche sie wir- ken kann, nicht dureh die Gewichtsmenge derselben, sondern durch den Grad ihrer: 4 50 IV. 7. Wirkungen der Concentration bestimmt werde. Die Gränze der, möglichen Zersetzung findet sich dann, wenn die Flüssigkeit bei der stärksten CGon- centration deswegen nicht vermögend ist weiter zu wirken, weil der Widerstand der entgegenwirkenden Kraft großs genug gewor. den ist, um. ihr nichts weiter von der Un- terlage der Verbindung abzutreten, 8. Wenn die Unauflöslichkeit hindert; dafs die Verhältnisse, welche durch die ent- gegengesetzten(Verwandschafts-) Kräfte ent- stehen sollten, nicht entstehen können, so verzögert sie selbst die Entstehung derer, die entstehen können, Sie kann daher leicht «bei dem Anfang einer Operation, durch die Erscheinungen, die sie hervorbringt, täuschen, Wenn man z. B. concentrirte Schwefelsäure zu einer Auflösung von schwefelsaurem Kalı, oder irgend einem Salze das viel| Wasser zur Auflösung, erfordert, gielst, so verbindet sich die Säure sogleich mit- dem Wasser, und das Salz fällt, seiner Flüssigkeit beraubt, nieder. Setzt man aber die Arbeit fort, und vermehrt die Berührungen, so löfst sich das_ _ Salz auf, und verbindet sich mit der Flüs- sigkeit, Unauflöslichkeit, Br Wenn zu einer Auflösung gines schwer auflöslichen, Salzes concentrirte Schwetelsäure gegossen wird, so heifst Has so viel, als; zu einer Verbindung von Wasser und Salz, die durch eine schwache Verwandschaft zusammen gehalten werden, wird ein ‚Stoff zugesetzt, der gegen das Wasser eine sehr starke Verwandschalt hat. Es ist hier also der Fall der sogenännten. Wahlverwandschaft vor- handen, und das Wasser, als Unterlage der Verbindung, theilt sich. zwischen der Schwefeläure und dem Salz; wobei aber die erste fast alles Wasser an sich zieht, und dadurch das Salz auf den schwachen Wassergehalt. redu- eirt, bei welchem es ein fester Stoff wird.. Daher der Nie- derschlag,; der also eine Folge von der Schweräuflöslich- keit des Salzes ist.*Aber nun mischt sich das Wasser mit der Schwelelsäure zu einer homogenen Flüssigkeit; welche nun anfängt auf die Salztheilchen zu wirken, und sie nach und nach gänzlich aufzulösen. Die Entstehung j der vollständigen Mischung taller fvorhandenen Stoffe; wird also durch die Schwerauflöslichkeit des Salzes, beimd &rsieh Akt verhindert, ünd beim zweiten verzögert: Fünfter Abschnitt. e Von der Cohaesion und Krystallisation, 1..Die Cohaesion der kleinsten Theile Ans Körpers, ist eine To olge von der ge- genseiligen Verwandschaft dieser Theilchen. Sie ist eine Kraft, welche Er die Einwir- kung eines andern Sto{fs, der sich mit jenen 'Theilchen verbinden, oder eine Zersetzung bewirken soll, überwältigt werden muls. Man weils, dafs Thon dessen Thheilchen durch Austrocknung eine starke Göhaesion erhalten haben, durch Säuern, die ihn unter andern Umständen auflösen können, nicht mehr an- gegri ffen wird, Pe) Hieraus folgt, dals wenn eine Flüssigkeit auf einen‘ festen und unauflöslichen einla- chen oder‘ zusammengesetzten Stoff wirkt, ihre Wirksamkeit nicht blofs durch die Uu- auflöslichkeit, so wie wir sie im vorigen Ab- rn Y, 1. Cohaesionskraft und Krystallisation. 55 schnitt betrachtet haben, beschränkt wird, sondern auch durch die* Cohaesionskraft, welche die Theilchen des einfachen, oder zusammengesetzten Stoffs zusammenhält, Die- se Kraft aber ist sehr veränderlich. Der Erfolg hängt also nicht blofs von derjenigen Kraft ab, mit welcher die Flüssigkeit und der feste Stoff auf einander wirken, sondern auch von dem Verhältnifs dieser, und der Cohaesionskraft, 0, Nichts anders als die gegenseitige An- ziehung, der'Theilchen einer Salzmasse ist es auch, was die Krystallisation bewirkt, und es zeigen sich dabei, in Ansehung der che- mischen Wirkung, Erscheinungen, welche eine aufmerksame Beachtung verdienen. Wenn man ktystallisirtes Salz in‘ Wasser schüttet, so lölst sich unter bestimmter Tem- peratur eine geringere Menge auf, als eben die Quantität‘ Wasser aufgelöst erhalten kann, wenn man in einer höhern Tempera- tur eine gesättigte Auflösung macht, und diese dann bis zu jener'Yemperatur eikalten läfst. Ist bei dem letztern Verfahren die Auflösung wohl gesättigt, und man wirft Krystallen des nämlichen Salzes hinein, so \ 54 vi AR Cohaesionskraft, schlägt sich ein Theil dessen, das in der Auflösung enthalten war, nieder, und ver- wehrt die vorhandenen Krystallen, Im ersten Fall(bei der kalt bereiteten ‚ Auflösung), kann das bis zu einem gewissen Punkt ge- sättigte Wasser, den Widerstand der Cohae- sionskraft, nicht weiter überwältigen.: Im andern Fall, entzieht die Verwandschaft- der hineingeworfenen Krystallen dem Wasser denjenigen Theil der Salzmasse, der jetzt nür durch eine höhere Temperatur hätte aufge- lölst bleiben können. Wir werden aber in den folgenden Betrachtungen, diese Wirkung bei Seite setzen*). 3. Eben die Kraft, welche die Krystalli- sation in einer Salzauflösung bewirkt, be- stimmt zugleich eine Gränze für den Grad der Sättigung, zu welchem das Wasser. ge- langen kann. Denn wenn die Auflösung so weit gekommen ist, dafs das Wasser nichts mehr auflölst, so erfolgt der Stillstand nicht deswegen, weil nun die Verwandschaft des Salzes zum. Wasser erschöpft wäre, son- *) Die vollständige Erklärung dieser Erscheinung hängt von dem Einflufs der Wärme ab‘, wovon der Verf. erst im ten Abs. redet. F. und Kırystallisation. 55 dern deswegen, weil das Wasser nicht mehr im Stande‘ist,‘den Widerstand der Kıystal- lisationskrafi zu überwältgen, Wenn das Wasser von einem Salze so viel aufgenommen hat, als es nur auflösen kann, so ist es doch im Stande noch viel von einem andern Salze aufzulösen. Man hat sogar wahrgenommen, dals es bisweilen von dem zweiten Salze eine grölsere Menge aufnehmen kann, als wenn es das erste nicht in der Auflösung enthielte, oder dafs es nach der zweiten Auflösung fähig wird, wieder auf das erste Salz zu wirken. Diefs hängt von der gegenseitigen Verwandschaft der aufgelöfsten Stofie ab, welche zum Theil die Wirkungen der Cohaesionskraft vernichtet. 4. Ein Salz welches die Eigenschaft hat, zu krystallisiren, kann bei einem bestimmten Verhältnils der Bestandtheile Krystallen bil- den, selbst mitten im einer Flüssigkeit, wel- che einen Ueberschuls des einen oder des andern Bestandtheils enthält. Die Kraft näm- lich, mit welcher ein salzartiger Stoff, ın einem bestimmten Verhältnifs der Bestand- theile, zu krystallisiren strebt, ist im Stande ihn demjenigen Antheil von Säure, oder Al- 56 V,04. kali, der:in Ansehung des Krystallisations- es bilden sich ‚neutrale Ktystallen, mitten. in einer Flüssigkeit, die einen Ueberschuß an Säure,, oder Alkalı enthält, Es darf indes- sen dieser Ueberschufs nicht zu grols seyn; denn seine im Verhältnils der Menge wach- sende Krafi kann das Uebergewicht über die Krystallisationskraft erlangen: die Kry- stallisation kann dann nicht vor sich gehen, weil ein Gleichgewicht zwischen diesen Kräf- ten. entsteht, bis man die gegenwirkende Säure oder Alkali vermindert. Die Krystal- Iisationskraft leidet übrigens bei den verschie- denen Salzen, mancherlei Abänderungen, &. Ein Stoff den man als ausgeschieden aus einer Verbindung betrachtet, fährt fort durch‘ seine chemische Masse zu wirken, wenn er nicht dem Wirkungsraume der che- ‚mischen Kräfte durch eine Fällung entzogen wird. Er fährt fort sich in einem Zustande der Verbindung zu befinden, und die Aus- & drücke, ausgeschieden, entbunden, frei» sind nicht im strengen Sinn zu nehmen; sie zeigen'blols einen Theil an, der in Rück- sicht eines bestimmten Punktes der Sättigung Pr punktes überschüssig. ist, zu entziehen, und. und Krystallisauon. 57 überschüssig ist, und der durch eine schwa- che Verwandschaft- abgesondert ‚ werden Ä kann, 6. Alles was über die Kıystallisation ge. sagt worden, muls auch auf den Procels der Fällung angewendet werden, In der That erscheinen auch die meisten Niederschläge durch die Loupe als.kleine Krystallen. Es ist blols eine wirksamere Ursache, als bei den gewöhnlichen.Krystallisationen, welche diese schnellen Krystallisationeu bervorbringt, und daher müssen auch die: sie begleitenden Wirkungen.. gröfser seyn, Alle Fällungen müssen erfolgen, ehe die Verwandschafts- kraft des. Stoffes,. welcher der Unauflös- lichkeit eines andern entgegen wirkt, er- schöpft ist, und der Zeitpunkt, wo die Fäl- lung erfolgt, und die; Verhältnisse welche bei dem Niederschlag statt finden, sind durch das Verhältnils der Cohaesionskraft, zu den entgegenwirkenden Kräften bestimmt, Es findet indessen zwischen salinischen Krystallisationen, und zwischen Niederschlä- gen, doch dieser Unterschied statt, dafs die Salze,»welche krystallisiren, sowohl durch einen Ueberschuls der Säure, als der Grund- | 58 v. 6, Cohaesionskraft lage auflöslich werden, daher sie nur bei einem bestimmten Verhältnifs der Bestand- theile in den festen Aggregatzustand überge- hen; statt dafs der grölste Theil der Nieder- schläge, ein grölseres oder geringeres Ver- hältnifs von Säure an sich behalten kann: nur wird die: Cohaesionskraft um so grölser, je kleiner das Verhältnils der Säure ist. 7. Die Cohaesionskraft, welche man bis- her blofs als ein Hindernifs der Auflösung betrachtet hat*), bestimmt also die Quan- tität der Stoffe, die in einer Flüssigkeit auf einander wirken könflen, und modificirt da- durch die Bedingnisse der chemischen Wirk- samkeit. Eben diese Kraft ist es, welche die Abscheidungen sowohl durch Krystallisation als durch Fällung bewirkt, und welche die Verhältnisse der Verbindungen bestimmt, die sich durch die Abscheidung aus der Flüssig- keit bilden, indem die Eigenschaft der Un- auflöslichkeit von diesen Verhältnissen ab- hängt, *%) Guyton hat besonders den Einfluls der Cohaesionskraft, so fern es der Wirkung der Auflösungsmittel entgegenge- setzt ist, bemerklich gemacht, Annales de Chimie. T. AXIV. p- 134. Anmerk. d. Ong. und KRrystallisation.' 5, Diese Kraft ist also der chemischen Wirksamkeit eines Stoffs in doppelter Rück- sicht entgegen, indem sie sich theils seiner auflösenden Kraft wiedersetzt, theils immer wieder eine Absonderung zu bewirken strebt, Wenn' man schwefelsaure Kalkerde in Wasser auflöfst, so muls dasselbe zuerst die Cohaesionskraft jenes Stoffs überwinden, und weil hierdurch die Wirkung des Was- sers bis zu einem gewissen Punkte ge- schwächt wird, so bewirkt eben die Kraft auch wieder die Absonderung der schwefel- sauren Kalkerde, Berthollet’s Meinung kann nicht seyn, dals die Ab- sonderung bei ganz ungeänderten Umständen erfolge. Denn har das Wasser so viel schwefelsaure Kalkerde anfgelöfst, als es auflösen kann, so ist ein Gleichgewicht zwischen der Cohaesionskraft der schwefelsauren Kalk- erde, und der Verwandschaft des WVassers gegen dieselbe entstanden, und so lange weder in diesen Kräften, noch in.der Menge der wirkenden Stoffe eine Veränderung vorgeht, kann auch das Gleichgewicht nicht gestört wer- den. Wenn aber durch unmerkliche Verdunstung. die Menge des Wassers ein wenig vermindert, oder durch Abkühlung die Cohaesionskraft der.schwefelsauren Kalk- erde ein wenig vergrölsert wird, so gewinnt die Cohae- sionskraft wieder ein’ Uebergewicht, und es muls ein Niederschlag erfolgen, so lange, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. 60 V. 7. Cohaesionskraft Eben so, wenn schwefelsaurer Baryt durch Salpetersäure angegriffen wird, so mufs die Säure zuerst die Cohaesionskraft überwältigen, welche ihr der schwefelsaure Baryt entgegenseizt, und eben diese Kraft strebt sogleich wider einen aus Baryt und der ausgeschiedenen Schwefelsäure bestehen- den Niederschlag hervor zu bringen. Ich muls'gestehen, dafs ich mich van‘der strengen Richtigkeit dieser, Darsjellung nicht überzeugen kann. Zwei‘entgegengesetzte Wirkungen,‘können nicht unter ganz gleichen Umständen erfolgen. Aber es lassen sich hier ähnliche Betrachtungen, als bei den vorigen Beispiel anstellen. Dieser Gegenstand wird sich mehr auf- klären, wenn wir von den Auflösungsmitteln handeln werden: aber man sieht schon jetzt, » dafs, wenn in einem Stoffe, dadurch dals er sich mit einem andern ‚in bestimmten-Ver- hältnifs verbindet, ein Bestreben in den Zu- stand der Festigkeit überzugehen entsteht, durch eben: dieses Bestreben nothwendig eine Abscheidung jener Verbindung aus der Flüs- sigkeit worin sie sich befindet, bewirkt wer- ‘den müsse, also unabhängig-von dem Spiel der Wahlverwandschaften, und dafs von der gedachten Verbindung nichts weiter flüssig bleiben kann, als derjenige Theil dessen Co- und Krystallisation, 6: haesionskraft von der‘Wirkung der Flüssig- keit überwältigt werden kann, Es hängt demnach die Menge eines sich bildenden Niederschlags von diesen beiden Kräften ab, Die Resultate dieses Abschnitts, und besonders der Ins halt des letzten$. verdienen alle Aufmerksamkeit. Sie ste- ‚ hen in vollkommnen Widerspruch, mit unsrer bisheriger Theorie, nach welcher Niederschläge, Krystallisationen, und die ‚quantitativen Verhältnisse der Bestandtheile in beiden, als Wirkungen der Verwandschaftskräfte anpens ken werden; da Berthollet hier sehr bündig zeigt, dals sie blols Wirkungen von Gobaesionskräften, ind von dem Verbältnifs dieser zu der Verwandschaftskraft dex Kuflös sungsmittel sind. Sechster Abschnitt. Won der Elasticität der Stoffe, die sich in chemischer Wirksamkeit befinden. ei Wenn ein. Stoff in dem Augenblick seiner Abscheidung, aus einer Verbindung, in den elastischen Zustand übergeht, so trägt der ganze in Gasgestalt entwichne Theil, nichts weiter zum Widerstand bei, und die- ser Theil wirkt daher nicht mehr durch sei- ne chemische Masse. Der entgegengesetzte Stoff kann dann eine vollständige Zersetzung bewirken, und man wird keine grölsere Menge desselben anzuwenden brauchen, als gerade unmittelbar zu der Verbindung, in welche er gesetzt werden soll, nöthig ist, oder man wird wenigstens nur ein geringes Uebermaals anzuwenden haben. Dieser Fall ereignet sich mit der ‚Kohlen- säure, wenn sie mit irgend ‚einer Grundlage wo VI. 1,’ Wirkungen der Elasticität. 63 verbunden ist, und ihr;,eine andere Säure entgegengesetzt wird.; ‚Diese, Säure, welche - durch ihre chemische'Masse..wirkt,, ist ver. mögend, selbst ‚bei einer schwächern Ver- wandschaft gegen die Grundlage, die Koh- lensäure. almählig, aus ihrer Verbindung gänzlich ahzuscheiden, wofern man nur ein klein wenig mehr von dieser Säure anwen- det, als unmittelbar zur Verbindung mit der Grundlage nöthig, ist, 5, Die Unäuflöslichkeit einer kohlensaü- ren Verbindung bringt nicht die im 4ten Abschnitt untersuchten Wirkungen hervor. Sie ist kein Hindernils derjenigen Verbindung die sich bilden soll, besonders, wenn diese Verbindung selbst flüssig bleibt. Es häuft sich kein gröfserer Widerstand an, als der anfängliche, indem der Stoff welcher ihn hervorbringen könnte, entweicht, Die Wir- kung ist blols langsamer, als zwischen zwei Flüssigkeiten, weil sie successiv ist. 3. Wenn‘ man:'scharf getrocknetes salz- saures Natron, mit concentrirter Schwefel- säure, die also wenig Wasser enthält und mit Kraft auf das Kochsalz wirkt, übergießst, so nimmt die. Salzsäure, deren Verwand- 64 nn ae Wirkungen der schaftskraft geschwächt wird, sogleich gas- förmigen Zustand’ an, und wirkt nicht mehr durch ihre chemische‘Masse,- Nirmmt man ‚hingegen zu'eben dem Versuche, entweder eine Auflösung von salzsaurem Natron, oder eine stark verdünnte"Schwefelsäure, oder eine andere' Säure die eine hinlängliche Menge von Wasser enthält, so kann die Salzsäure in’ Verbindung, und’mit dem Was- ser vereinigt bleiben. Dann wirkt sie dürch- ihre Masse.‘Und selbst, wenn man concen- trirte Schwefelsäure anwendet, so ist doch die Wirkung der Elasticität beschränkt: denh in dem Maalse, wie die Schwefelsäure in Verbindung'ttitt, wird die noch unver- bundene wasserreicher, und dadurch fähiger Salzsäure zurück zu halten, h. Was hier über die beiden Säuern gesagt worden, findet auch seine Anwendung auf das Ammonium, wenn man einer trocknen ' Verbindung desselben eine andere Grundla- ge:'entgegensetztis. Es, entweicht«ein Theil desselben, welcher durch den Geruch, und dürch demibei Annäherung einer Säure ent- stehenden Nebel, bemerklich wird. ‚Aber dieser Erfolg; ist; gleichfalls: beschränkt durch den rm Elasticität, 65 den etwa vorhafldenen Wassergehalt der in Wirksamkeit befindlichen Stoffe. 5. Man muls daher auch, wenn sich ein Stoff im gasförmigen Zustand befindet, seine Elasticitäat als eine Kraft ansehen, welche den Verwandschaften flüssiger Stoffe entge- gen wirkt. Bringt man nämlich z. B. Was- ser in einen,mit Kohlensäure erfüllten Raum, so wird sich diels Wasser nicht mit Koh- lensäure sättigen; es nımmt nur eine ge- wisse Menge auf, und seine Wirkung steht still, so bald die auflösende Kraft, die ihm noch übrig ist, sich mit der ihr entgegen- wirkenden Elasticität im Gleichgewicht be- findet, Vermindert man daker die Wirkung der Elasticität*) durch Druck, so erlangt das Wasser einen höhern Grad von Sätti- gung. °) Die Elasticität als Kraft, wird bekanntlich. durch der Druck vermehrt; aber ihre Wirkungen sind Verdünnung und Bestreben der Theilchen sich von einander, und von den herührenden Wassertheilchen zu ehtfernen:_ Beide Wirkungen werden durch den Druck vermindert, und die Kohlensäure wird gezwungen, mit /grölserer chemischen Masse auf das'Wasser zu wirken: daher eine höhere Sät- tigung. FT. 5 66 VI 5. Wirkungen der Die Elasticität ist es folglich, so fern sie der-auflösenden Kraft des Wassers entgegen- wirkt, welche den Grad der Concentration hestimmt, zu welchem sich die im Wasser auflösbaren Gasarten, als Salzsäure, und Am- monium bringen lassen. 6. Wenn einem Stoff! das Bestreben eigen ist, sich mit einem andern Stoff, der ın einer Gasart aufgelölst ist, zu verbinden, 2. B. wenn Schwefelsäure- sich mit dem Wasser was in einem bestimmten(gesperrten) Raum von atmosphärischer Luft aufgelöst ist, zu verbinden strebt, so wird sich das Wasser im Verhältnils.der Verwandschaften, und der chemischen Massen die zur Wirksamkeit ge- langen können, theilen,"so dals beide, die Gasart, und die Flüssigkeit, zu einem gleich- förmigen Zustand gelangen werden, indem in beiden nach und nach ein Gleichgewicht der Sättigung entstehen wird. Wird hinge- gen die Säure der freien Luft ausgesetzt, so dauert die Wirkung so lange fort, bis die Luft die sich an ihrer Oberfläche, und i ‘hrem Wirkungsraume befindet, ihr einem Widerstand entgegenselzt, der ihrer eigenen Wirkung gleich ist. Da sich aber die Be- Elasticität. 67 & schaffenheit der atmosphärischen Luft än- dert, so befindet sich die Säure in einem Zustand, wo sie bald Wasser abtritt, bald wieder anzieht: Daher die hygrometrischen Erscheinungen: 7. Setzt man der Luft eine Mischung aus, worin sich eine Grundlage, oder eine feuer- beständige Säure, in chemischer Gegenwir- kung mit einem Stoffe befindet, der zwar von flüchtiger Natur ist, aber doch durch das Wasser zurück gehalten werden kann, so tritt allezeit eine Kraft ins Spiel, welche die Entweichung des flüchtigen Stoffes be- günstigt. Diels ist die Verwäridschaft der Luft, mit welcher alle flüchtigen Stoffe sich zu verbinden geneigt sind. Die Luft bringt unter diesen Umständen eine Wirkung her- vor, welche der oben Abs. 3,$: 6, 7. 8. be- schriebenen ähnlich ist, und diels so lange, bis ein Gleichgewicht mit der Wirkung der Luft entsteht. 8. Aus dem bisher gesagteri ergiebt sich, dals die Elasticität eine Wirkung hervor- bringt, welche der Wirkung der Cohaesions- kraft analog ist, indem sie der einem jeden Stoff eigenen Verwandschaft, auf eine ent- gegengesetzte Art entgegenwirkt. a re FE ‚ EATSEN 68 VL.9 Wirkungen ‚der Rlasticität, 9. Die im 2ten Abs.$.,10, vorgetragene Folgerung, kann nicht in ihrer ganzen Stär- ke auf solche Zersetzungen angewendet wer- den, bei welchen ein Stoff in Gasgestalt ent- weicht, während die, übrigen flüssig bleiben, oder fest werden, Denn derjenige Stoff,‘der nicht fähig’ ist elastisch zu werden, oder diese Füligkeit, durch die Verbindung in welche er tritt, verliert, trennt. sich gänzlich von dem, der elastisch wird. Im, ı5ten Ab- schnitt werden wir sehen, dals es gewisse Umstände giebt, wo die Cohaesionskraft eben die Wirkung, in Rücksicht flüssiger Stofle hervorbringt"). Ki *, Der Verf, hat hier ohne Zweilel die Fällungen der Me- talle im metallischen Zustande im Sinn, wovon er im 13ten Abs. gleich von ersten, an redet. So wie die Elastictät eines Stoffs eine gänzliche Trennung dessel- ben von den übrigen Stoffen bewirkt, so kaun die Cohae- siosiskratu der Metalle, unter Umständen die a. a.'O. niü- her erörtert werden, eine günzliche‘Trennung der Metalle aus einer Auflösung bewirken. Siebenter Abschnitt Fon der FWirkung des VWüärmestoffs. 1. Alle Körper enthalten eine gewisse Menge von Wärmestoff, welche theils von ihrer innern Beschaffenheit, theils von der Temperatur worin sie sich befinden, abhängt. Bei jeder Veränderung in der Zusammen- setzung erfolgt allezeit eine Veränderung in der Menge des Wärmestofis, weil„die neu entstehenden Verbindungen ein anderes Verhältnils‘desselben erfordern, Da aber jeder Körper die ihm zukommende Menge aufnimmt, indem er entweder seinen Ueber- flufs den benachbarten Körpern abtritt, oder ihre Temperatur vermindert, sg kann man den Einfluls der. von dieser Seite auf die chemischen Wirkungen erwachsen könnte, bei Seite setzen, wenigstens in so lern nicht ag U ER ER TERGEN. neue a j 70 VIE. ı.. Wirkungen. etwa beträchtliche‘Veränderaängen in der „Temperatur entstehen, i Die kleinen Veränderungen der‘Temperatur, die bei jeder chemischen Mischung, vielleicht ohne‘ Ausnahme, entstehen, modificiren ohne Zweifel die chemischen Wir- kungen einigermalsen. Aber der Einfluls kann nur gering seyn, besonders da sich der entstandene Mangel oder Ueberfluls sogleich wieder. mit den benachbarten Körpern ins Gleichgewicht zu setzen sucht. Man kann also diese Wirkung der Wärme aus der Acht lassen. Ich bemerke übrigens hier noch vorläufig in Ansehung des Inhalts dieses Abschnitts, dafs er mit der gangbaren. Lehre von der Verwanüschaft, eben so sehr als alles bis herige, im Widerspruch steht. Es ist ein allgemein an genommener, und höchst scheinbarer Satz, dafs die Ver wandschaftskräfte durch die Temperatur verändert wer- den. Nun behauptet zwar Berthollet nirgen« Is ausdriick- lich, dals die Verwandschaften unter allen Temperäturer ungeändert bleiben: aber aus allen Erklärungen, welche er über die hieher gehörigen Erscheinungen gieht, geht hervor, dafs man eine Veränderung der Verwancischatts- kräfte anzunehmen nicht nöchig habe, sondern dals sıch alle Erscheinungen aus dem unzweideutigen und»e= mein anerkannten Einfluß, den die Wärme auf die. Co- haesionskräfte, und Elasticitäten der Stoffe hat, erklären lassen. >. Wenn aber der Wärmestoff eine star- ke Erhöhung der Temperatur bewirkt, in- dem er entweder bei der Entstehung einer Verbindung entbunden, oder durch Kunst in den Stoffen die man in Wirksamkeit setzt der Warme. 7L angehäuft wird, so muls man zwei Fälle un- terscheiden: indem die wirksamen Stoffe in Ansehung der Flüchtigkeit, welche sie durch die erhöhte, Temperatur erlangen können, entweder nur wenig) oder beträchtlich'ver- schieden sind. 5. Haben die Stoffe einen gleichen Grad von Feuerbeständigkeit, und sind sie beson- ders nicht sämmtlich flüssig, oder hat einer von ihnen nur eine geringe Auflösbarkeit, so begünstigt die. Wärme ihre. gegenseitige Einwirkung, indem sie die Cohaesionskraft vermindert, welche selbst zwischen den 'Theilen einer Flüssigkeit statt findet. 4. Wenn aber von zwei auf. einander wirkenden. Stoffen, der. eine durch die Wärme viel stärker ausgedehnt wird, so mufs man die Llasticität die er erlangt, als eine Kraft ansehen, welche der Verwand- schaft, die ihn. an einen andern Stoff zu binden strebt, entgegenwirkt. Diese Kraft kann so stark seyn, dals sie allein hinreicht eine bestehende Verbindung zu zerstören. So wird, wenn man kohlensaure Kalkerde einer heftigen Hitze aussetzt, die Kohlensäu- re, blofs durch die Elasticität welche sie er- langt, ausgetrieben. Doch ist zu bemerken, 72 VI. 4 Wirkungen dafs man selbst dann noch wahrnimmt, wie der gegenwirkende Stoff durch seine chemi- sche Masse wirkt, und dafs der Widerstand in dem Maaßse zunimmt, in welchem die Menge der Kohlensäure abnimmt.' Denn die Zersetzung beginnt, schon bei einer viel niedrigern Temperatur, als diejenige ist, die zur vollendeten Zersetzung erfordert wird. Setzt man eine mit Wasser getränkte Thon- masse der Wärme aus, so verdampfen die ersten Quantitäten sehr leicht, die letztern aber erfordern einen sehr hohen Grad der Wärme, 5. Es ist eine Folge von dieser Wirkung des Wärmestoffs, dafs alle feuerbeständige Säuern, diejenigen welche flüchtig sind, bei hinlänglich erhöhter Temperatur, aus ihren Verbindungen ausscheiden; und da sie unter einander in Ansehung dieser Eigenschaft sehr verschieden sind, so sind gewisse Säuern in Ansehung einiger andern als feuerbestän- dig, in Vergleichung mit andern als flüchtig anzusehen, So werden Salpetersäure und Salzsäure, durch die Schwefelsäure bei einem hinlänglichen Wärmegrad gänzlich aus ihren Verbindungen geschieden; dagegen aber der Wärme, 73 wird sie selbst durch die’ Phosphorsäure ab- geschieden, unabhängig von der. Verwand- schaft, welche es blofs nöthig macht, einen solchen Grad der Wärme anzuwenden, der durch seine Wirkung die Verwandschafts- kraft zu überwältigen vermögend sey. 6. Wenn‘daher ein Stoff einen andern durch Hülfe der Wärme aus seiner Verbin- dung abscheidet, so darf man nicht schlie- sen,‘ dafs derselbe bei der gewöhnlichen Temperatur eine stärkere Verwandschaft ha- be; sondern man hat den Stoff der bei er- höhter Temperatur ausgeschieden worden, in eben die Lage verseizt, in welcher sich ein Stoff bei der gewöhnlichen Temperatur befinden würde, der hier eben die Elastici- tät hätte, Gesetzt man hätte Salpetersäure durch Schwefelsäure, bei einer erhöhten Temperatur z, B. an 200° R, ausge- trieben, so heilst das: man hat die m Wirkung begrif- fenen Stoffe in eben die Lage versetzt, in der sie sich bei der gewöhnlichen Temperatur befinden würden, wenn die Salpetersaure bei dieser Temperatur eben dem Grad von Elasticität hätte, den sie bei 200° R. hat. Kann die Verwandschaft durch welche sie gebunden wird, diese Elastieität nicht überwältigen, so würde die Abscheidung auch bei der gewöhnlichen Temperatur erfolgen, vll. 7. Wirküngen 7. Die Anwendung der Wärme kann da» her in manchen. Fällen dem vorgesetzten Zweck nachtheilig seyn, wenn man mit Stof- fen zu thun hat,.die in Ansehung der Flüch- tigkeit verschieden sind, und sie kann zu falschen Schlüssen über die Stärke der in Wirksamkeit gesetzten Verwandschaften ver- leiten. Wenn man ein Gemeng von. Salpe- tersäure und schwefelsaurem Baryt kochen läfst, welches erforderlich ist, um zwischen den Theilen die nöthige Berührung, wel- che durch das grolse eigenthümliche Ge- wicht des schwefelsauren Baryts erschwert wird, hervorzubringen, so wird..die Kraft der Salpetersäure in Vergleichung mit der Kraft der Schwefelsäure durch die” Wär- me sehr geschwächt. Bringt man aber ıdie Wärme auf die gewöhnliche Temperatur, so kann die Salpetersäure auch hier keine ih- rer Kraft gemälse Wirkung hervorbringen, weil der schwefelsaure Baryt durch sein star- kes eigenthümliches Gewicht fast gänzlich ihrer Einwirkung entzogen wird. Setzt man hingegen Kali mit schwefelsaurem Baryt in Gegenwirkung, wie, oben in dem Versuch Abs. II. ı., so wird die Wirkung des Kalı durch die Wärme begünstigt, weil Rali und der Wärme, 75 Baryt in Ansehung der Elasticität, welche sia durch die Wärme erhalten können, nicht sehı verschieden sind. 8. Wenn die Erhöhung der Temperatur der Wirkung flüchtiger auf fixe Stoffe nach- tHeilig ist, so wird die Wirkung durch Er- niedrigung der‘Temperatur begünstigt. So löset das Wasser mehr Kohlensäure bei ei- ner niedrigern Temperatur, als bei einem höhern Wärmegrade auf; die gesäuerte koh- lensaure Bittererde ist in kaltem Wasser auf- löslicher als im warmen*); die flüchtigen Säuern, als Salpetersäure und Salzsäure, lassen sich im Wasser desto mehr concen- triren, je kälter es ist. Diese Betrachtung verdient viel Aufmerksamkeit, wenn die Wir- kung flüchtiger und fixer Stoffe verglichen werden soll, und man erhält verschiedene Resulfate, wenn man die Wirkungen der Salzsäure mit denen der Salpetersäure, oder °) Die Kohlensäure bängt bekanntlich nur sehr lose mit. der Bitiererde zusammen, und kann daher durch geringe Wärme ausgetrieben werden. Die gesäuerte kohlensaurg Bittererde verliert daher im Wasser desto mehr Kohlen- säure, je wärmer es ist, und wird eben dadurch unauf« löslicher. F. 76 VI 9.. Wirkungen die Wirkungen des Ammoniums mit. denen des Kali‘ nur innerhalb. eines Raums von zwanzig'Thermometergraden vergleicht. 9. Ueberhaupt vermindert die Wärme die Wirksamkeit, welche den Stoffen ihrer besondern Natur nach eigen ist, indem sie die Entfernung ihrer Theilchen vergröfsert; aber eben dadurch vermindert sie auch die Cohaesionskraft, und vervielfältigt die Punkte der Wirksamkeit zwischen den festen und flüssigen Theilen. Sie begünstigt die gegen- seitige. Wirksamkeit in solchen Fällen, wo der Vortheil der aus der Verminderung, der Cohaesionskraft entsteht, grölser ist, als der Nachtheil den die Ausdehnung verursacht, Wirkt sie aber auf solche Stoffe, welche durch sie sehr verschiedene Grade der Aus- dehnung erhalten, so muls man sie als eine fremde, und der Elasticität, von der wir im vorigen Abschnitt gehandelt haben, ähnliche Kraft betrachten. ı0, Man kann nicht zweifeln, dals selbst bei einer elastischen Flüssigkeit eine Cohae- sionskraft, statt finde, wenn man erwägt, dals aufgelöste Theile sich in einer solchen Flüs- sigkeit ganz gleichförmig verbreiten; diels der\Värme, 77 setzt aber eine gegenseitige chemische An- ziehung voraus, und diese begründet die Vorstellung von einer Cohaesionskraft. Man begreilt hieraus, wie die Wärme die gegen- seitige Verbindung gewisser elastischer Stoffe begünstigen könne, ob sie gleich ihre Elasti- cität vermehrt, Es wäre zu wünschen, dals es‘dem scharfsinnigen Verf. gefallen hätte, den Schluls den er in dem letz ten Worten dieses$. macht, etwas mehr zu ent wickeln.. Wenn von zwei Stoffen die sich veıbin- den sollen, vor Einwirkung der Wärme, einer elastisch, der andere aber nicht elastisch war, dann ist begreiflich, dals die Wärme, wenn sie den zweiten auch elastisch macht, ihre Verbindung begünstige, weil sie im elasti- schen Zustand einer vollständigen Berührung und Mi- schung fähig sind. Dieser Tall finder bei der freiwilligen Oxydation des Qnecksilbers statt. Sind aber beide Stoffe auch vor der Wirkung der Wärme elastisch, so scheint es mir schwer zu erklären, auf welche Art die Wärme ihre Verbindung begünstigen könne; doch finden sich Beispiele, wo es wirklich so ist; denn Sauerstoflgas, und Wasserstoffgas mischen sich zwar schon bei niedriger ‘Temperatur, aber ihre Verbindung zu Wasser erfolgt nur bei einer ziemlich hohen Täinperatur. ı1. Wenn der Wärmestofi nicht durch die verschiedene Ausdehnbarkeit der Stoffe Scheidungen bewirkt, so bringt er allezeit eine der Gohaesionskraft entgegengesetzte Wirkung hervor. Eben darin liegt. der Grund, warum die Wärme bei Verglasungen, Mi 78 VII. ıı. Wirkungen der Wärme. Stoffe welche wegen ihrer Festigkeit ganz unthätig seyn würden, in gegenseitige Wirk- samkeit: versetzt; eben deswegen werden auch‘ manche für sich ganz unschmelzbare Stoffe, gemischt schmelzbar. Die Wirkung der Wärme ist der Wirkung der Cohae- sionskraft entgegengesetzt, d. h. sie wirkt ihr gerade ent- gegen, und vermindert sie, indem sie die Körper aus- dehnt, und den Zusammenhang ihrer Theile lockerer macht. 79 Achter Abschnitt. Fon der Efflorescenz,' 1. Einige Salze, und besonders kohlen- saures Natron besitzen die Eigenschaft, sich über die Masse der sie beigemischt sind zu erheben, wofern nur diese Masse hinläng- lich feucht ist. Das kohlensaure Natron tritt dann bald einen Theil seines Wassers der Luft ab, und verliert dadurch. seine krystallinische Gestalt. Was ich aber hier Efflorescenz nenne, ist blols die Eigenschaft sich über die übrige Masse zu erheben, und sich dadurch der chemischen Einwirkung zu entziehen. Damit sich das’ Natron durch Efllorescenz erheben könne, ist zwar nöthig, dafs es sich mit Kohlensäure, die es aus der Luft anzie- hen kann, verbinde; aber die Kohlensäure die 80 VII. 1. Von der Efillorescenz, hier nur in geringer Menge, und im elasti- schen Zustande zugegen ist, kann auf keine merkliche Art zur Abscheidung des Natron aus einer Verbindung mitwirken. Ihre Wir- kung besteht also blofs darin, dals sie den ausgeschiedenen Theil hinwegschaft, und da- durch verhindert, dafs er nicht mehr auf die Mischung wirken kann. Wir haben also nichts weiter als die blofse Efllorescenz in Betrachtung zu ziehen, zu deren Hervorbrin- gung die Kohlensäure in Verbindung mit andern Ursachen ‚wirkt, auf deren Erörte- ‚ zung ich mich nicht einlassen werde, da sie nicht vollständig bekannt sind. Da der ausgeschiedene Theil der durch seine Verwandschaft und Masse hätte wirken können, auf diese Art hinweggeführt wird, so muls man auf- die Effllorescenz dasjenige anwenden, was oben über die Fällung, und besonders über die Elasticität(VI.) gesagt worden, 2. Scheele scheint der erste zu seyn, wel- cher die Zersetzbarkeit des salzsauren Na- iron durch Kalkerde beobachtet hat, wozu hernach:Guyton ein im grolsen anwendbares Ver- VII. 2, Von der Efflorescenz. St Verfahren angegeben hat*). Bei dieser Zer- setzung geschieht folgendes. Die Kalkerde, wie sich schon aus dem Versuch II. 2. er- giebt, übt gegen die Salze welche ein fewer- beständiges Alkali zur Grundlage haben, eine chemische Kraft aus. Sie zersetzt einen klei- nen Theil des salzsauren Natron, mit wel- chem sie in Berührung ist. Das so ausge- schiedene Natron verbindet sich mit Koh- lensäure aus der atmosphärischen Luft, und das so entstandene kohlensaure. Natron ent- zieht sich durch Efllorescenz, und hört also auf der Kalkerde entgegen zu wirken. Die Zersetzung des salzsauren. Natron hat dem- nach ihren Fortgang, wird aber doch durch die Menge der salzsauren Kalkerde, die sich zugleich bildet, begränzt. Denn da sich. die Salzsäure zwischen den beiden Grundlagen, *) Guytons Verfahren besteht darin, dafs gelöschter Kalk und eine gesättigte Auflösung von Kochsalz zu einem Teig gemengt, und dieser an einem niedrigen und feuch- ten Ort, wo die Luft sich nicht leicht erneuert, gelegt wird. Dann findet man bald die Masse mit einer Efflo= rescenz von kohlensäurem Natron bedeckt. Der erschöpf- te Rückstand katın von neuem calcinirt, und auf ähnliche Art behandelt werden. Man vergl. Description de divers proceles pour extraire la Sonde du sel marin.& Paris, An: 2 UL R. fr. E, 6 g2® vIll. 2. Von der Efflorescenz. im Verhältnils ihrer Wirksamkeit theilen muls, so tritt ein Zeitpunkt ein, wo die Kräfte derselben einander das Gleichgewicht halten. Man muls daher im Stande seyn, auch die salzsaure Kalkerde aus dem Wir- kungsraum ‚hinwegzuschafien, wenn eine gänz- liche Zersetzung des salzsauren Natron be- wirkt werden soll, 5. Eine ähnliche auch von Scheele wahr- genommene Zersetzung bewirkt das Eisen, “in dem salzsauren schwefelsauren und sal- petersauren Natron. Aber sie findet nicht statt bei solchen Salzen, welche Kali zur Grundlage haben. Und ob sich gleich die- ser grolse Chemiker viel Mühe giebt, diese T’hatsachen mit der angenommenen Lehre von‘den Verwandschaften zu vereinigen, so bemerkt er. doch richtig, dafs man sie der Efflorescenz, welche beim kohlensauren Na- iron, aber nicht beim kohlensauren Kali statt hat, zuschreiben müsse. 85 Neuäter"Abschnitt, Von der Wirkung der"Auflösungsmittel, 1. Der Zweck, wozu man gewöhnlich die Auflösungsmittel anwendet, ist, den Wi- derstand, der aus der Cohaesion der Theile die in Wirksamkeit gesetzt werden sollen, oder aus der Elasticität derselben entspringt, zu überwältigen, und die gegenseitigen Be- rührungen zu vermehren. Die Auflösungsmittel wirken auf die Stof: fe welche sie auflösen durch ihre Verwand: schaft und durch ihre Menge, eben so wid alle andere Stoffe die ‚sich verbinden; und man muls auf sie alles anwenden, wäs über- haupt von chemischen Verbindungen gilt; ‚Wir wollen zum Beispiel das Wasser, als das gewöhnlichste Auflösungsmittel; näher be: trachten; “ FERTER" Er ya ; A, 54 IX, ı. Wirkungen der Die Wirksamkeit des Wassers wird be- schränkt durch die Cohaesion oder Krystal- lisation des Stofls worauf es wirkt, wie wir oben im Abs. V. gesehen haben; oder durch die Elasticität(Abs. VL); bisweilen wird sie durch die Wärme begünstigt,(VII. 3.); bis- weilen dadurch geschwächt(VII. 7. 8.); bis- weilen wird sie selbst durch die eigene Co- haesionskraft: des Wassers überwältigt, wenn es gefriert; das Wasser verliert dadurch sei- ne auflösende Kraft, und läßt die Salze. fah- ren, die es aufgelöfst ‚hielt. Je näher der Sättigungspunkt kommt, desto schwächer.ist seine auflösende Kraft. Daher wirkt das Wasser auf einen aufzulö- senden Stoff um desto kräftiger, je mehr Wasser zugegen ist. Da aber die Wirkung gegenseitig ist, so kann hierdurch der auf- gelölste Stoff einen grolser Theil seiner Wirksamkeit oder seines Bestrebens sich mit andern Stoffen zu verbinden verlieren. Wenn folglich eine Flüssigkeit auf eine feste Ver- bindung wirkt, so hängt ihre Wirksamkeit von dem Zustande der Concentration nicht blofs deswegen ab, weil dieser Zustand die Masse bestimmt durch, welche die Flüssig- Auflösungsmittel, 85 keit wirken kann(IV. 7.), sondern: auch deswegen, weil die Kraft des festen Stoffes um so schwächer wird, je mehr Wasser vor- handen ıst. Man muls also die Wirkung eines Auf- lösungsmittels, als eine fremde Kraft betrach- ten, welche man in die Wirkung von, zwei oder mehr Stoffen einmischt. Sie muls die gegenseitige Wirksamkeit der Stoffe, durch Ueberwältigung des Widerstandes der Co- haesionskraft oder Elasticität und durch Vervielfältigung der Berührung, mehr beför- dern, als sie dieselbe durch. ihre eigenthüm- liche Wirkung schwächt. Aber es können durch sie die Resultate starke Veränderun- gen leiden; wir müssen daher untersuchen, unter welchen Umständen dieses geschehe. 2. Geschieht eine Wirkung zwischen zwei Stoffen welche, einer wie der andere, flüs- sig sind, und entsteht dabei kein Nieder- schlag, so kann man die Wirkung des Was- sers als Null ansehen, indem sie auf die ein- ander entgegenwirkenden Stoffe gleichen Einfluls hat, und ihre gegenseitigen Kräfte ungefähr gleich stark schwächt, 86 IX. 2. Wirkungen der Auch dann, wenn: sich eine Krystallisa- tion bildet, kann man die Wirkung des Wassers aus der Acht lassen. Denn wird die Kırystallisation durch Abdampfung be- wirkt, so vermindert sich die Menge des ‚Wassers in gleichem Verhältniß mit dem auf- gelölsten Salz; wird sie aber durch Abkühlung bewirkt, so sind alle Verhältnisse blofs auf eine niedrigere‘Temperatur herabgesetzt, Wenn sich aher ein Niederschlag bildet, der sich nur eine geringe Menge Wasser an- eignet, so nimmt das Verhältnils des Was- sers gegen die Stoffe welche aufgelölst blei- ben zu, und ‚vermindert ihre ‚CGohaesions- kraft; es vereinigt sich also mit der entge- gengesetzten Kraft die fernere Bildung des Niederschlags zu verhindern, Daher rührt es zum Theil, dals bei Fällungen, besonders wenn viel Wasser zugegen ist, die Arbeit nur dadurch vollendet werden kann, dafs man durch Kochen oder Abdampfen die Menge des Wassers vermindert, Aus diesem Grunde wird, wenn ein flüs- siger Stoff durch Einwirkung auf eine flüs- sige Verbindung eine unauflösliche Verbin- Auftösungsmittel. 87 dung erzeugen soll(Abs, IV.), die Wirkung durch den Einfluls des Wassers beschränkt: denn das Verhältnifs des Wassers gegen das was aufgelöst bleibt, himmt in gleichem Maalse mit dem Niederschlag zu. Wenn einer oder der andere dieser Sätze dunkel schei- nen sollte, so erinnere man sich dessen, was der Veif. im ersten$. gesagt hat, dafs das Wasser auf die in das- selbe gebrachten Stoffe durch Verwandschaftskraft wirke. Jede Verwandschafiskraft aber ist gegenseitig, daher ist die Wirksamkeit jedes im Wasser aufgelösten Stoffs zwi- schen dem Wasser, und den übrigen Stoffen getheilt; sie können daher nur mit geschwächter Kraft auf einander wirken. Allein, wenn- gleich auf diese Art die absolute Grölse der Verwandschaftskräfte vermindert ist, so wird doch in den angegebenen Fällen ihr. gegenseitiges Ver- hältnifs, und das davon abhängende‘Resultat der chemi- schen Wirkung nur wenig geändert, Die vorhergehenden Betrachtungen sind übrigens nicht von grolser Wichtigkeit, und dienen bloßs die Erklärung der chemischen Erscheinungen vollständig zu machen. 3. Wenn die auflösende Kraft des Was- sers der Bildung eines Niederschlags dadurch entgegenwirkt, dals es einen der Stoffe, der ein Bestandtheil des Niederschlags werden ss IX. 5. Wirkungen der soll, anzieht, so kann es zu gleicher Zeit eine entgegengesetzte Wirkung hervorbrir- gen, wofern der Fall so beschaffen ist, dafs die Verbindung auf welche es wirkt schwach ist, der eine Bestandtheil aber sehr stark und der andere gar nicht geneigt’ ist, sich aufzulösen. Das Wasser äulsert dann, nach Verhältnils der angewendeten Menge, eine verschiedene Wirkung auf die Bestandtheile, Der auflösbare theilt sich zwischen dem un- auflösbaren, und dem Wasser. Da indessen die Kraft des auflösbaren Stoffs‘durch das Wasser blo[s vermindert wird, so nimmt er einen Theil des unauflöslichen Stoffs mit in das Wasser hinüber, so dafs sich zwei neue Verbindungen bilden; eine, mit einem Ueber- schuls des auflöslichen, und die andere mit einem Ueberschuls des unauflöslichen Stoffs., Wenn man z. B. mit schwefelsaurem Quecksilber nur eine geringe Menge Wasser vermischt, so löst es sich ohne Zersetzung auf, Verstärkt man aber die Kraft des Was- sers durch Vermehrung seiner Menge, so geschieht eine Scheidung. Ein Theil der Schwefelsäure verbindet sich mit dem Was- ser, und nimmt etwas Quecksilberoxyd mit Auflösungsmittel. 89 in die Auflösung; ein grolser Theil. dieses Oxyds aber schlägt sich nieder, und behält einen Theil der Schwefelsäure an sich. Ver- dünnt man die Auflösung durch eine noch grölsere Menge Wasser, so wird seine Wir- kung noch mehr verstärkt, so dafs sich von neuem Quecksilberoxyd niederschlägt, wel- ches eine kleinere Menge von Schwefelsäure enthält. Gielst man Wasser auf den ersten Niederschlag, so entzieht ihm dieses einige Säure, die wieder etwas Oxyd mitnimmt,'so dals sich also nach dem verschiedenen Ver- hältnifs des Wassers zweierlei Verbindungen bilden, welche nach Verschiedenheit dieses Verhältnisses selbst verschieden ausfallen. Die Wirkung des Wassers wird durch die Wärme verstärkt: denn da das Queck- silberoxyd und die Schwefelsäure durch die Wärme auf sehr ungleiche Art ausgedehnt werden, so vermindert die Wärme die Wir- kung des Wassers auf die Schwefelsäure viel weniger, als die Wirkung der Schwefelsäure auf das Oxyd. 4. Man bedient sich öfters der Auflö- sungsmittel, um eine Scheidung zu bewirken. Aber man kann leicht zu falschen Schlüssen 90 IX. 4. Wirkungne der verleitet werden, wenn man das, was eine Folge der Scheidung, oder die Wirkung des Auflösungsmittels auf eine vorhandene Ver- bindung ist, übersieht. Als ich oben in dem Versuch II, ı. das freie Kali durch Weingeist abschied, und den Deberrest ferner mit Wasser behandelte, nahm ich zuerst das Kali hinweg, welches mit dem Baryt in Gegenwirkung stand. Hier- durch erhielt aber der freie Baryt wieder das Uebergewicht, und fing an das entstandene schwefelsaure Kali wieder zu. zersetzen. Die- se Wirkung war aber beschränkt, erstlich durch den Antheil Kali der mit der Schwe- felsäure verbunden blieb(II. 2.), zweitens durch die geringe Auflöslichkeit ‚des Baryts. Es folgt aber hieraus, dafs ich nur einen Theil des wirklich entstandenen schwefel- sanren Kali-erhalten konnte, 5. Bergman erzählt, er habe Arseniksäure mit einer Auflösung von phösphorsaurem Kali gemischt, und darauf Weingeist. zuge, setzt. Am folgenden Tage fand er, dals der Weingeist alles phosphorsaure Kali gefällt, und dafs sich die Arseniksäure mit dem Weingeist verbunden hatte; und er schliefst Auflösungsmittel, gr hieraus, dafs die Phosphorsäuse gegen Kali eine stärkere Verwandschaft als die Arsenik- säure habe, Nach allen Beweisen die in dieser Ab- handlung dargelegt worden, muls man über- zeugt seyn, dals die Arseniksäure auf das phosphorsaure Kalı gewirkt, und dasselbe in gesäuertes phosphorsaures Kali verwandelt habe, Aber der Erfolg beweist, dals noch eine andere Veränderung durch den Wein- geist vorgegangen sey. Der Weingeist muls die Arseniksäure, die in ihm auflösbar ist, angezogen, und sich so der Wirkung des Kali widersetzt haben, und hierdurch mufs das Kali be- stimmt worden seyn, sich wieder mit der Phosphorsäure zu verbinden. Der Versuch heweist blols, dafs die in Weingeist aufge- löste Arseniksäure, auf keine merkliche Art phosphorsaures Kali, das im, Weingeist un- auflöslich ist, zersetzen kann. 6. Ich habe salzsaures Natron mit einem gleichen Gewicht Kalkerde kochend behan- delt, Die abgeklärte Flüssigkeit hatte einen sehr starken alkalischen Geruch, und gab, starke Zeichen von Alkalität. 7 92 IX. 6. Wirkungen der Ich fällte die Kalkerde welche sie ent- hielt durch Kleesäure, und der Niederschlag war weit beträchtlicher, als der, welchen ein gleiches Volumen von Kalkwasser gab. Der Ueberschufls des ersten Niederschlags war also der salzsauren Kalkerde zuzuschreiben, die sich igebildet hatte. Die Menge dieser salzsauren Kalkerde aber wurde beschränkt, durch den‘Widerstand des Natron, und durch die, in Rücksicht der Masse womit sie wirken konnte, nur schwache Kraft der Kalkerde, Wenn man die Flüssigkeit"abdampft*), und den Rückstand mit Weingeist behan- delt, so kann man das freie Natron, nicht so,‘wie bei der schwefelsauren Kalkerde (IL, 2.) abscheiden, sondern es löst sich so- wohl das Natron, als die salzsaure Kalkerde auf. Nun aber wirkt das freie Laugensalz auf die salzsaure Kalkerde, die nicht mehr durch die Kraft der unverbundenen, und jetzt durch dem Weingeist abgesonderten Kalkerde unterstützt wird. Es zersetzt also *") D.h. wie der Zusammenhang lehrt, wenn man das zu Anfang des$. genannte Gemisch bis zur Trockne in Ko- chen erhält. F, Auflösungsmittel, 9 a einen grolsen Theil derselben, weil es, un- abhängig von seiner Verwandschaft*), zu gleichem Grade der Sättigung eine viel grö- fsere Menge Salzsäure, als die Kalkerde er- fordert, wenn. von beiden gleiche Theile an- gewendet werden. Es bleibt daher nur ein kleiner Theil der salzsauren Kalkerde übrig, von dessen Daseyn man sich durch Rlee- säure, oder durch ein kohlensaures Alkali überzeugen kann. Was hier als nach der Auflösung durch Weingeist geschehend vor- gestellt worden, geschieht eigentlich in dem Augenblick der Auflösung selbst, In dem erörterten Beispiel findet sich, streng genommen, nur ein einziger directer Beweis von der Zersetzung des salzsauren Natrons; diels ist der sehr charakteristische alkalische Geruch; die übrigen Kennzeichen könnten von der Kalkerde herrühren. Die Auflösung einer gröfsern Menge von Kalk- erde könnte man dem salzsauren Natron, und nicht der blolsen Salzsäure zuschreiben; — *) Ich habe wörtlich übersetzt, glaube aber, dals sich hier im Original ein falscher Ausdruck eingeschlichen habe. So-viel ich begreife muls es heilsen: vermöge seiner Verwandschaft IX. 6. Wirkungen der 94 aber die Betrachtung aller Umstände zeigt diese Ungewilsheit als eine nothwendige Folge dieser Umstände. Ich bin daher' berechtigt den Versuch als einen Beweis meines aufge- stellten Grundsatzes, und als ein Beispiel der Veränderungen, welche Auflösungsmittel in den chemischen Erscheinungen hervorbhrin- gen können, anzusehen, 7, Im ersten$. habe ich gezeigt, was in dem Auflösungsmittel in Beziehung auf den Widerstand den ihm Cohaesion und Elastici- tät'entgegensetzen, vorgeht. Da aber die chemischen Wirkungen gegenseitig sind, so müssen die Bemerkungen die wir"gemacht haben, auch auf den Stoff, der durch Co- haesion, oder Elasticität widersteht, ange- wendet werden, und wir werden in dieser Betrachtung, ein Mittel finden, viele Erschei- nungen, die sehr weit aus einander zu lie- gen scheinen, unter einen gemeinschaftlichen Gesichtspunkt zu bringen, Bringt man’ Kalkerde in Wasser,$0 fängt die Kalkerde die Wirkung an, indem sie das Wasser an sich zieht, von welchem sie nicht auf den ersten Angriff aufgelöst wer- den kann, weil sie ihm eine zu starke Co- Auflösungsmittel: 95 haesioniskraft entgegensetzt.. Diese Cohae- sionskraft wird aber in dem Maalse schwä- cher, wie sich die Kalkerde mehr mit Was- ser sättigt, und es tritt ein Zeitpunkt ein, wo das Wasser im Stande ist, den Ueberrest dieser Kraft zu überwinden. Aber seine auf. lösende Kraft nimmt selbst durch die Sätti- gung ab, und es tritt daher endlich ein Gleichgewicht der Kräfte ein, wo man sagen kann, die Kalkerde sey mit Wasser gesättigt, dessen Flüssigkeit durch die Cohaesionskraft aufgehoben ist, und.das Wasser sey mit Kalkerde gesättigt, die ihre Cohaesionskraft verlohren hat; und die Wirkung geht fort, bis diese beiden Sättigungen einander mit gleichen Kräften entgegen wirken. Eben so verhält es sich mit einem Salze das seines Wassers beraubt ist. Es fängt an, Wasser anzuziehen, bis zu dem Punkt, wo seine Cohaesionskraft durch das Wasser überwältigt werden kann, und bei der Kry- stallisation behält es einen Theil Wasser'an sich. Es entsteht daher ein Gleichgewiclıt zwischen der auflösenden Kraft des Wassers, und dem Ueberrest der Cohaesionskraft in dem Salztheilchen. Nimmt man aber ein 66 IX. 7. Wirkungen der Salz, das sein Krystallisationswasser noch hat, so fängt sich seine‘ Auflösung unmittel- bar an. Nicht anders ist die Erscheinung zu er- klären, die sich zeigt, wenn zwei Flüssigkei- ten mit einer geringen Kraft auf einander wirken, z. B. Wasser und Aether,‘ Das Wasser kann nur eine gewisse Menge Aether auflösen, so wie es eine bestimmte Menge eines Salzes, auflöst. Ist das Verhältnils des Aethers grölser, so ist die Wirksamkeit des Wassers zu sehr geschwächt, als dals es die gegenseitige Anziehung der Theilchen des Aethers überwinden könnte; daher entsteht ein Widerstand des Aethers gegen das Was- ser; er erhält sich abgesondert, und löset Wasser auf bis zu dem Punkte, wo die bei- den entgegengesetzten Kräfte gleich sind, und wie viel sich von jeder dieser beiden Auflö- sungen bilde, hängt von dem Verhältnils ab, in welchem beide Stoffe vorhanden sind. Tben so erklärt sich die Entstehung der Legirungen von verschiedenem Verhältnifs, die man beim Zusammenschmelzen zweier Meralle, die wenig gegenseitige Verwand- schaft haben, erhält. Wenn Auflösungsmittel, 97 Wenn man eine kleine Quantität Zink mit einer gewissen Menge Blei, oder eine kleine Menge Blei mit viel Zink- sammenschmelzt, so erhält man eine ein- zige‘ gleichförmige Legirung. Andere Ver- hältnisse hingegen geben immer zwei abge- sonderte Legirungen,' wovon die eine wenig Zink und viel Blei, die andere wenig Blei und viel Zink enthält.‘Das Zink übt‘gleich anfänglich seine gröfsere Kraft gegen das Blei aus; aber seine Kraft nimmt ab, und findet sich bald ins Gleichgewicht ver- setzt, durch die CGohaesionskraft der Blei- theilchen, die sich ihrerseits auch mit Zink bis auf einen gewissen Punkt sättigen. Die verhältnilsmälsige Quantität beider Legirun- gen hängt von dem Verhältnifs der ange- wendeten Metalle ab. Zinn und Eisen ver- halten sich,auf eben die Art, Wenn Wasser auf die Kohlensäure wirkt, so haben wir gesehen, dafs seine Wirkung durch die Elastieität der Kohlensäure be- schränkt wird. Aber diejenige Kohlensäure die sich nicht mit dem Wasser verbinden kann, löst gleichfalls das Wasser so weit auf, bis ihre auflösende Kraft durch 7 RX 8 Wirkung der 98 die Sättigung zu der sie gelangt, genugsam beschwächt ist. 8, Die Auflösungsmittel können sich dem- nach mit den aufgelösten Stoffen in allen. Verhältnissen verbinden, wenn diese ihnen nicht mit genugsamer Kraft entgegen wirken können. Aber‘ sobald dieser Widerstand dem Ueberrest der. auflösenden Kraft gleich ist, so bilden sich zwei Verbindungen, de- ren Kräfte einander: im Gleichgewicht halten; g. Entsteht eine solche Absonderung durch ein Gleichgewicht der Kräfte, so darf man nur das Verhältnils eines der Stoffe, zwischen denen die Absonderung vorgeht, verändern, um andere Resultate zu erhalten. Wenn man Wasser, welches nur eine ge- ringe Menge von einenı Salze enthält, einer ‘Temperatur unter dem Frostpunkte aussetzt, so‘erfolgt eine AbsÖnderung; ein Tkeil des Wassers gefiirt, ein ariderer bemächtigt sich alles Salzes: Entziehtman aber dem jaufgelösten Salze das Wasser, wodurch es aufgelöst war, und bringt es mit zerstolsenemi Eise in Berührung, so lösen sich beide gegenseitig auf,.bis zu einerseits die auflösende dem Punkte, wo Kraft hinlänglich geschwächt, und anderer- Auflösungsmittel. 99 seits die, Cohaesionskraft durch den Frost so weit verstärkt ist, dafs beide einander das Gleichgawicht halten, ı0, Man sieht also, dafs Auflösunssmittel welche sich in dem Fall befinden, eine Co- haesionskraft überwinden zu‘müssen, eben so- zu einem Gleichgewicht der Kräfte gelan- gen müssen, als Stoffe, welche den Wider- stand einer entgegengesetzten Verwandschaft zu überwinden haben, um eine, Verbindung einzugehen; und dals alles was im zweiten und dritten Abschnitt, über die Wirkungen gesagt worden; die aus Veränderung der Quantitäten entspringen, auch bei den Auf lösungen seine Anwendung finde, is. Der Wärmestoff wirkt auf diejenigen Körper, welche nicht eine üngleiche Aus- dehnbarkeit haben, auf eine ähnliche Art als die Auflösungsmittel; indem er die.Co- haesionskraft schwächt; und hierdurch die Theile in den Stand setzt, ihre gegenseitige Wirksamkeit zu äußern(VII. 9): Seine Wirkung unterstützt die Wirksam- keit der Auflösungsmittel,'n Ansehung des Widerstandes gegen die Cohaesion. Daher 100 IX. ı1. Wirkungen der Auflsungsmittel, kommt es, dafs die Auflösung eines Salzes im Wasser nach dem‘Grade der'Tempera- . B tur verschieden ausfällt, Wirkt. aber der Wärmestoff auf. Stoffe von ungleicher Ausdehnbarkeit, so bringt er ‚Trennungen hervor,-die von der eigenthüm- lichen Verwandschaft der Stoffe unabhängig sind, wie eben das auch die Auflösungsmit- tel thun, wenn sie auf Stofie von ungleicher Auflösbarkeit wirken, ı0i’ "Zehnter Abschnitt. i Ueber die Methoden, die Wahlverwand- schaften(durch Zahlen) zu bestimmen, Einteitung. ‚Bei unsern Verwandschaftsta. feln liegt bekanntlich folgende Idee znm Grunde. Es sey A eine Säure, und 8, C. D, E, Feine, Reihe von Grundlagen, so gestellt, wie eie in. der Verwandschafts- kraft gegen 4, auf einander folgen."Wäre nun B der Stoff von. der schwächsten Verwandschaft, so soll die Verbindung AB. durch C, die Verbindung AC durch D, u. s.££ vollständig zerlegt werden können, vorausgesetzt dals man'von dem. zerlegenden Stoff. wenigstens soviel anwende, als zur vollständigen Sättigung von 4 erfor- derlich ist. Dafs es in diesem Sinn keine Verwandschafistafeln ge- ben könne, bedarf, ‚nach allem was Bertholler bisher vor- getragen hat, keines weiteren Beweises. Aber man kann noch die Frage aufwerfen, ob es nicht möglich| seyn dürfte, nach einer berichtigten Idee. der Wahiverwand- schaft, solche Tafeln zu entwerfen? 102 RT Bestimmüug der Nach Bertkollets Gründsaiz(I. 5), theilt sich die Un- terlage 4 im Verhältnils der gegenwirkenden chemischen Massen. Diese Massen aber sind das Product der Quan- tirat in die Verwandschaftskraft. Hieraus ‚würde Folgen, dalg die Zerserzungen der Verbindung 42 durch€, der Verbindung 4C durch Du. s. f. die nach der gangba- zen Theorie vollsiändig seyn sollen, in der That nur partiell seyn könnten. Da indessen die: Verwandschaft der Sioffe B, C, D etc. gegen 4 ohne Zweilel ungleich ist, so lälst sich immer noch eine Tabelle denken, wor- in sie nach diesen Kräften geordnet wären. Eine solche Tabelle aber könnte keinen andern als folgenden Sinn haben; wenn man der Unterlage 4 immer gleiche Quan- ütaten von B, C, D,E, FF entgegenseizte, so würde C den grölsern Theil von 4 aus der Verbindung 42, D den grölsern Theil von 4 aus der Verbindung 4C, u, 8. f. an sich ziehen. Hieraus ergiebt sich die erste Methode die man ein- schlagen könnte, um die"Ordnung. der Wahlverwand- schaften zu bestimmen.: Man mülste einer Verbindung von# uud 3(wozu am natürlichsten eine neutrale zu wählen wäre), eine’ eben so grolse Quantität von C ent- gegensetzen, als B in dieser Verbindung betrüge, 4 wür- de sich nun zwischen B und C’im Verhältnils der re- spectiven Verwandschaften theilen. Bertholler prüft die Ausführbarkeit dieser Methode in den 8 1—4. Er zeigt, dals, wenn man auch während der Mischung‘ den Einflufs fremder Kräfte abhalten‘oder unmerklich machen könnte,(welches in vielen Fällen unmöglich ist), so könn- te doch der Versuch nichts helfen. Denn um zu erfah- ren, in welchem Verhältnils sich 4 getheiit habe, müsse man nothwendig die beiden entstandenen Verbindungen AB und 4C absondern. Diese Absonderung aber lasse sich'gar nicht bewirken, ohne fremde Kräfts(z. B. Kry- staulisation, Auflösungsmittel etc.) in Wirksänikeit zu setzen, Wahlverwandschaften. 105 durch welche aber das Verhältnils in welchem sich 4 ge theilt habe, abgeändert werde, so dafs man- aus den leız- ten Resultaten des Versuchs gar nicht würde. schliefsen können, wie die ursprüngliche‘Theilung von 4 beschaf- fen gewesen Sey. Aus Berthollets Gründsatz: folgt ferner, dals das, was einen Stoff an Verwandschaftiskralt abgeht, ‚ durch‘ die Quantität desselben.erseizt werden könne BT rd, hr um aus der Verbindung AP einen bestimmten Theil von A, etwa die Hälfte, abzuscheiden, kann eben so wohl ein stärker als ein schwächer verwandter Stoff C gebraucht werden, Wäre C gerade eben so stark. als B gegen A verwandt, so würde man eben so viel von C als von B da ist, nöthig haben; wäre die Verwandschaft von. C noch einmal#0 stark, so würde die balbe Quanuität hin- reichen, ware die Verwandschaft von C nur halb so stark als die von 3, so würde die doppelte Quantität nöthig seyn; kurz um gleiche Theile yon 4 zu sättigen, müssen sich die erforderlichen Quaniitäten yor Bund C umge kehrt, wie ihre Verwandschaftskräfte veibalten. Diels führt zur. zweiten Idee eines Versuchs, die Ordnung der Wahlverwandschaften zu bestimmen. Man mülste unter- suchen, wie yiel von jedem der Stoffe B, CD, B, F er- fordgjlich sey, um gleiche Theile(z. B. 100 Gr.) von 4, bis zu einem gewissen Grad der Sättigung(z.B. zur Neutralität) zu bringen. Diese Idee ıst an sich ausführbar. Denn es ist dazu nichts weiter nöthig, als gleiche Theile von 4 abgesondert,. mit B, C, D,E, F, zu sättigen, und genau zu besiimmen, wie viel von jedem dazu erforder- lich sey. So wichtig diese Untersuchung in anderer Rück- sicht werden könnte, so würden doch dadurch die Er- scheinungen der Wahlverwandschaft ‚gar nicht erklärt wer- den. Denn gesetzt man hätte aut diesem Wege gefunden, dals sich die Vetwandschaften von B und C gegen 4 wie 7 zu g verhalten, so würde man für den Fall der VW ahl- 204%. x. Bestimmung der verwandschaft schliefsen müssen, dals, wenn ich einer Ver- bindung 4/B, eine mit B gleiche Quantität von C entge- gensetzte, ,C'; von 4 an sich ziehn, und 3 nur mit+ verbunden bleiben würde. Mache ich aber den Versuch wirklich, so kann der Eitole ganz anders seyn. Vielleicht greift€ die Verbindung 42 wenig, oder gar nicht an, weil ihr eine starke Cohaesionsktaft eigen ist, die durch die Verwandschaft von C nicht iberwaltigt werden kann. Vielleicht geschieh: auch eine gänzliche Zerwizung, weil 3 ein Stoft ist, der in den gasformigen Zustand übergeht und entweicht, so bald er durch keine hinläng- liche Kraft gebunden wird. Von dieser zweiten Methode reder Berihollet im sten$. Das Resultat von dem allen ist offenbar dieses: dals es unmöglich sey, ftir die Erscheinungen der WVahlver- wandschaft ein einfaches Gesetz zu finden, weil es kein solches einfaches Gesetz“ in der Natur giebt; und dafs man ‚den Erfolg eines Versuchs, bei weichem der Fall einer Wahlverwandschaft vorkommt, nur dadurch richtig beuriheilen könne, dals man alle Kräfte welche dabei wirksam sind, in Erwägung zieht, 1. Die Wahlverwandschaft zweier Stoffe gegen einen dritten bestimmen, karfi nach der Idee, die wir uns nun davon gemacht haben müssen, nichts anders heilsen, als erforschen, in welchem Verhältnis. dieser dritte Stoff seine Wirksamkeit zwischen den beiden ersten theilen, und zu welchem Grade der Sättigung diese beiden gelangen müssen, wenn sie einander entgegenwirken, Die re- spective Verwandschaft würde also dem Gra- Wahlverwandschaften; 105 de der Sättigung proportional seyn, zu wel- chem sie, mit Rücksicht auf die wirkende Menge gelangen können, Nimmt man.also gleiche Quantitäten, so würde der respective Grad der Sättigung das Maals der respecti- ven Verwandschaft geben. Berthollet sagt hier, und in mehreren Siellen, lie Uns terlage ıheile ihre Wirksamkeit(action) zwischen den ge- genwirkenden Stoffen; in andern Stellen sagt er, die»Un- terlage selbst theile sich.: Der. erste Ausdruck verdient einen kurzen Commedtar. Wenn Kali und Natron mit Schwefelsäure in Gegenwirkung gesetzt sind, und sich alles im flüssigen Zustand befindet, so kann man nicht eigentlich sagen, die Schwefelsäure- selbst habe sich zwi schen dem Kalı und, Natron getheilt(denn alles macht eine einzige homogene Mischung aus); sondern nur, ihre Kraft habe sich zwischen beiden getheilt,.d, h. ein Theil derselben sey durch die Gegenwirkung des Kali, der andere durch die Gegenwirkung des Natron gebunden, 2. Wenn ich hier von Sättigung eines Stoffs rede, so verstehe ich darunter nicht eine absolute Sättigung, wo alle gegenseitige Einwirkung aufhören würde; sondern irgend einen Grad der Sättigung, der leicht zu er- kennen, und allen Arten von Verbindungen gemein ist, Ein solcher ist der Zustand der Neutralisation, wo die eigenthümlichen Eigen- schaften der Bestandtheile nicht mehr"vor- walten, Die Krystallisirbarkeit fällt bei den #06 x, 2. Bestimmung der Salzen nicht immer mit dem Neutralisations- punkt zusammen, 2. B. bei. denenjewigen kohlensauren Alkalien, die noch alkalısch vea- giren; oder bei dem gesänerten weinsteinsau- ren Kali, wo umgekehrt die Säure vorwaltet, Doch kann man die-letzte Verbindung auch im neutralen Zustand nehmen, weil sie auch in diesem krystallisirbar ist; und man erhält allezeit diese Verbindung, wenn bei einem Versuch ein Ueberschufs der Grundlage‘ vor- handen ist. Den Grad der Sättigung in wel- chem sich das gesäuerte weinsteinsaure Rali befindet, kann‘ man finden, wenn man die Menge des Kali bestimmt, welche erforder- lich ist, um dasselbe zu neutralisiren, & Es scheint mir hier der schicklichste Ort zn seyn, den Begrift der Sättigung, dessen Anwt udbarkeit sich nach : der Bertholleuschen Theorie viel weiter als nach der bisherigen erstreckt, genauer zu bestimmen.„Sättigung, ist in Rücksicht chemischer Kräfte eben das, was Gleichge- wicht in Rücksicht mechanischer Kräfte ist, ein Stillstand der Wirkungen der deswegen erfolgt, weil die einander entgegen wirkenden Kräfte gleich sind. Schwefelsäure und Kali in welchem Verhältnifs man will, Stillstand, sobald’ die Mi- Daher redet Ber- Man mische so erfolgt alluzeit ein solcher schung völlig homogen geworden ist. von verschiedenen Graden der Sättigung. Sätigung den man am leichtesten t der Zustand der thollet so oft Derjenige Grad der durch Reagention erkennen kann, is Neutralität; nächstdem hat man bestimmbare und leicht Wehlverwandschaften, 107 erkennbare Grade der Sättigung an den Krystallisationen, die zwar gemeiniglich aber, doch nicht immer mit der Neutralität zusammen treffen. Daher hat man auch bei solchen Salzen, wo der eine, oder der andere Bestand- theil vorwaltet,, leicht erkennbare Sättigungsgrade, wofern sie in diesem Zustand krystallisirbar sind. Die Ursache warum Berthollet hier diesen|. der beim. ersten Blick in dem Zusammenhang fremdartig scheint, einschaltet, liegt blols in einer Beziehung auf Stellen des folgendeu$., wo er von verbundenen, und unverbunde- nen Theilen eines in einer Mischung enthaltenen Stoffs redet. Ausdrücke die wie er schon anderwärts(V, 3.) bemerkt hat, nicht im strengen Sinn zu nehmen, und im- mer nur beziehungsweise auf einen bestimmten Grad der Sättigung z. B. den der Neutralität zu verstehen sind. 5. Eine Betrachtung, die man vorläufig bei solchen Untersuchungen anstellen mülste, würde diese seyn: dafs man nothwendig in allen Versuchen, durch welche man Ver- wandschaften vergleichen wollte, alle die Stoffe, die man nach und nach in Gegen- wirkung setzen wollte, in einerlei Verhältnils anwenden mülste, weil: eine Veränderung dieses Verhältnisses auch die Resultate der chemischen Wirkung abändern würde, so dals die Verwandschaften nicht mehr durch eben dieselben Zahlen ausgedrückt werden würden, Ich werde diese Bemerkung durch ein Beispiel anschaulicher machen. 208 X....3,‘Bestimnmung. der Man’ nehme an, dafs ı00 Theile Kali‘ er- forderlich wären, um 100 Theile Schwelel- säure' zu sättigen(oder zu neutralisiren$. 2.), so setze ich ihrer Verbindung 100 Thei- le Natron’entgegen. Ich will annehmen, man finde nach geschehener Einwirkung, dals das Kali 60,'das Natron 40'Theile.der Säure angezogen habe, so würde ich sschlie- (sen, dals sich die. Verwandschaften dieser beiden Grundlagen gegen die Schwefelsäure, wie bo zu 40 verhielten. Aber nun sind noch 40 Theile unverbundenes Kalı vorhan- den, welche wirksam zu seyn fortfahren, und welche durch ihre Einwirkung, auf die Theilung. der Säure, Einflufs haben, derge- stält, dals ein anderes Resultat entstehen muls, wenn diese Quantität geändert wird. Nähme ich z. B. statt 100 Theile Kali, und 100 Theile Natron, von jedem nur go Thei- le, so würde ich nur 20 Theile unverbunde- nes Kali, und eine andere Quantität Natron haben, und die Kräfte welche diese beiden Quantitäten äulsern, würden nicht mehr in dem vorigen Verhältnils stehn. Daraus folzt aber, dals die beiden Sättigungen nicht mehr in dem Verhältnis 60 zu 40. stehen könnten, Wahlverwandschäften, z0g Es sey mir wverstattet, mit der.- Achtung die. Berthollets Genie und Verdiensten gebührt, zu bemerken, dals ich mich von der Richtigkeit dieses Raisonnements nicht über- zeugen kann. Man kann demselben ein anderes entges gensetzen, welches höchst einfach, und wie mich dünkt vollkommen evident ist, welches aber doch zu einem ganz andern Besultat führt. Die Verwandschattskräfte des Kali und Natron gegen die Schwefelsäure mögen sich verhalten wie sie wollen, so ist es doch unstreitig, dals die Wirksamkeit von 100 Theilen Kali sich zur Wirksamkeit von ı00 Theilen Natron, vollkommeu\eben so verhalten müsse, wie die Wirksamkeit von go Theilen Kali, zur Wirksamkeit von go Theilen Natron. Ist. die ses aber richtig, so mn/s auch, nach Bertholleis Grund; sale dief Schwefelsäuren in beiden Fällen in einerlei- Vers hälwnifs getheilt werden; weil in beiden FFällen die che= mischen Massen des Kali und Nätron einerlei Verhältnils haben. Ich muls die Entscheidung, welches von beiden Raisonnements das richtige sey, dem competenten Publi- cum überlassen, und bemerke blofs, dafs der ganze In- halt dieses$. für den eigentlichen Zweck der Untersu- chung nicht wesentlich sey, indem das was die Untersus chung der Verwandschaftskräfte eigentlich erschwert. nur in dem liegt, was Bertholler im folgenden$. vorträgt. 4. Um aber den Grad der Sättigung'zu welchem jeder Stoff hat gelangen können zu erkennen, ist eine Absonderung nothwen- dig, und diese kann man nur erhalten, ent- weder durch Elasticität, oder durch Krystal- lisation, oder durch Fällung, oder durch die Wirkung eines Auflösungsmittels. Aber wir haben gesehen, dals man diese verschiedenen 110%,. 4. Bestimmung der Mittel als fremde Kräfte betrachten müsse; welche die Resultate abändern, und welche die Verbindungen die sich bilden bestim- men, ohne dals man im Stande ist ihre Wir: kung zu messen, um daraus abzuleiten, wie- yiel auf Rechnung der Verwandschaft zu setzen se4. Daher sind die Absonderungen, die wir in den Abschnitten I, II. und Il. blöfs äls Wirkungen der Wahlverwandschaft betrachtet haben, in der'That zusammenge- setzte Wirkungen von mehreren Kaäften, wie dieses die Bemerkungen in den folgen- den Abschnitten zeigen. Sollte z. B. die Menge des schwefelsau- ven Kali und Natron die sich gebildet hät- ten bestimmt werden, so ist es zwar wahr- scheinlich, dals die Cohaesionskräfte weil sie in den beiden Salzen die krystallisiren sollen, nicht sehr verschieden sind, das Verhältnils beider Salze nicht sehr abändern werden; aber um die Krystallisationen vollständig zu erhalten, würde man den'Ueberschuls des Laugensalzes durch Weingeist absondern müssen, und hier würde schon die unglei- che Wirkung des Weingeistes auf Kali und Natron den Erlolg abändern; durch das ver- Wahlverwandschaften. KIk inderte' Verhältnils des Kali und Natron aber, würde nicht nur ihre, sondern auch des Weingeistes Wirksamkeit. abgeändert werden; der Verwandschaft des Wassers, das als dient zu ge- schweigen. Noch viel beträchtlicher würden die Ver- änderungen seyn, wenn der Baryt mit Kali oder Natron verglichen werden sollte, Die Cohaesionskraft des schwefelsauren Baryt würde so grols seyn, dals sie dem Alkali nur einen kleinen Theil der Schwefelsäure über- lassen würde, uud man würde vielmehr das Verhältnils der Cohaesionskraft des. schwe- felsauren Baryt zu der Kraft des Auflösungs- mittels, als das Verhältnils der Verwand- schaft des Baryt, zu der Verwandschaft des Alkali finden. Die Richtigkeit dieser Schlüsse erkellet auch aus folgender Betrachtung, Wenn man den Baryt, um die Verwandschaft der Säuern gegen ihn zu bestimmen, zuerst mit einem Uebermaaß von Schwefelsäure behan- delte, so würde er sich fast gänzlich nieder- schlagen, wenigstens wenn die Säure nicht höchst concentrirt wäre, Aber man würde 112 X. 4 Bestimmung der den verbundenen Antheil der Säure, von, den unverbundenen nicht unterscheiden kön- nen, ‚auch würde man nicht sagen können, dafs der Baryt gegen den ersten Theil mehr Verwandschaft habe, als gegen den andern: in der That aber sagt man im Grunde nichts anders, wenn man behauptet, die Schwefel- säure habe gegen den Baryt deswegen mehr Verwandschaft als eine andere Säure, weil sich Niederschläge von schwefelsaurem Baryt bilden. Man schreibt der Wahlverwand- schaft eine Wirkung zu, welche fast gänz- lich von der Cohaesionskraft die dem schwe- felsauren Baryt eigen ist, herrührt, Es ist daher klar, dafs man die Wahl- verwandschaft zweier Stoffe gegen einen drit- ten, durch keinen directen Versuch bestim- men könne; selbst dann nicht, wenn man den Versuch mit zwei Stoflen macht, wel- che flüssig sind, und durch Sättigung zur Neutralisation gebracht werden können; weil man, um das. Verhältnils der Sättigung zu erfahren, genöthigt ist, fremde Kräfte ins Spiel zu mischen, 6. Wir haben im zweiten und dritten Abschnitt gesehen, dals das, was einer Ver- wand- Wahlverwandschaften._ 11Z wandschaftskraft an Stärke abgeht,‘durch die Menge des Stofls. ersetzt werden könne, Es könnte nach dieser Betrachtung schei- nen, dafs man. nur das Sättigungsvermögen verschiedener Grundlagen ‚gegen: eine Säure, oder verschiedener Säuern gegen!eine Grund- lage bestimmen dürfte,. um.!das.-Verhältnils ihrer Verwandschaftskräfte..zu finden: denn diese würden ‚sich. umgekehrt wie die Quan- titäten verhalteri, ‚die zur: Hervorbringung gleicher Grade.der Sättigung. erforderlich wären, Dieser Schluls ist irrig, wenn'man ‚ihn zur Bestimmung der Wahlverwandschaften brauchen will. Denn sobald man-zwei Stof- fein Gegenwirkung setzt, um mit einem drit- ten Verbindungen zu machen, so bilden sich neue Kräfte, welche nicht nur die Resultate, sondern sogar die Beschaffenheit der Stoffe selbst abändern. Wir wollen z. B. die Schwefelsäure mit der Kohlensäure vergleichen, Es ist unstrei- tig, dals, wenn ich eine gewisse Menge Kali durch Kohlensäure bis zur'Neutralisation sättige, diese eine gleiche Kraft ausübe, als diejenige Quantität von Schwefelsäure, wel- che nöthig seyn würde, eben die Wirkung 8 11% X, 5. ‚Bestimmung der Wahlverw, hervorzubringen?“und dennoch, wenn ich Schwefelsäure‘ auf die erste Verbindung gielse, so wird alle Kohlensäure ausgetrie- ben, wil sie.durch keine hinlängliche Kraft zurückgehalten, in den elastischen Zustand übergeht. Und selbst‘dann, wenn sie durch eine hinlängliehe Menge Wasser zurückge- halten würde, so befindet sie sich doch nicht mehr in dem nämlichen Zustand der Pressung, sie ist nicht mehr von der’ näm- lichen Beschaffenheit, sie-ist nicht mehr der- selbe Stoff in Ansebung ihrer, chemischen Wirkung.° Kurz man muls auf die Wir- kungen solcher’ Stoffe, die mit ungleichen Quantitäten anderer Stoffe gesättigt sind, die Bemerkungen‘ der vorhergehenden$S$. anwenden. Die Vergleichung des Sättigungsvermö- gens kann zwar zu wichtigen Untersuchun- gen führen*), aber sie kann nicht zur Be- stimmung der Wahlverwandschaften ange- wendet werden. *) Man vergleiche XV. 9. 10.(F.) 115 Elfter Abschnitt. Veber einige Irrthümer die ihren Grund. in einer falschen Idee von der Wahl: werwandschaft haben: I: Ich werde hier einige angenomme- ne Meinungen über gewisse Erscheinungen der Wahlverwandschaft untersuchen.“Ich werde zeigen wie wenig Grund sie haben, und ihnen die Anwendung der in den vori- gen Abschnitten festgesetzten Grundsätze entgegenstellen, Baume'hat beobachtet, dafs, wenn man durch Hülfe der Wärme schwefelsaures Kali in einem gleichen Gewicht von Salpetersäure auflößt, man durch Abkühlurig Kıystallen von salpetersaurem Kali erhält. Er schreibt diese Zersetzung des schwefelsauren Kali 116 XI. 2. Berichtigung einer Wechselverwandschaft zu, welche ent- gegengesetzte Verbindungen hervorbringe, ohne die Ursache dieses entgegengesetzten Erfolgs anzugeben. 2. Bergman bestreitet Baumes Erklärung dieser merkwürdigen Thatsache. Er bemerkt, dafs es Salze giebt, welche geneigt sind einen Ueberschuls von Säure anzunehmen, derglei- chen das gesäuerte weinsteinsaure Kali ist. Er glaubt daher, dals man bei diesen Salzen, wenn sie sich in dem Zustand der Neutrali- tät befinden, sich die Grundlage als aus zwei Theilen bestehend vorstellen müsse; dem einen, auf welchen eigentlich die ganze Wir- kung der Säure gerichtet sey, um ein ge- säuertes Salz zu bilden, dem andern, der blos der überschüssigen Säure des Salzes genug zu thun strebee Dieser Theil der Grundlage wird also nur durch eine schwa- che Verwandschaft gebunden, und kann da- her durch eine viel schwächere Säure, als die, welche in der ersten Verbindung ent- halten ist, ausgeschieden werden. So kann derjenige Theil des Kali der im weinstein- sauren Kali in Vergleichung des gesäuerten weinsteinsauren Kali. überschüssig ist, durch einiger Irrthümer, 117 Essigsäure weggenommen werden, obgleich ihre Verwandschaft viel ‚schwächer ist, als die der Weinsteinsäure. Das schwefelsaure Kali ist aber ein Salz, welches geneigt ist ein gesäuertes Salz zu bilden: etwa zwei Drittel seiner Grundlage gehen diese Verbindung ein, und nur dieser Theil ist es, den die ganze Verwandschalts- kraft der Schwefelsäure bildet, das ührige Drittel kann durch eine Säure deren Ver- wandschaft schwächer als dje der Schwefel- säure ist, z. B. durch Salpetersäure, Salzsäu- re, oder, Weinsteinsäure, ausgeschieden wer- den Ist die Zersetzung bis zu diesem Punkt gekommen, so steht sie still, wie.grols auch die Menge der gegenwirkenden Säure seyn mag: und wenn die Menge derselben nicht so grols ist, dals sie die Krystallisaüon bin- dert, oder wenn man den Ueberschufs durch Wärme entfernt, so erhält man durch Auflö- sung, und Abdampfung ein gesäuertes schwe- felsaures Salz, welches luftbeständige Kry- stallen bildet, 3. Wie sehr, weicht der berühmte Berg- man von dem Wege ab, den ihm die Beob- achtungen vorzeichneten? Seine eigenen Ver- sı$ XL: 3. Berichtigung suche beweisen, dafs selbst diejenige Säure welche noch über den Zustand des gesäuer- ten schwefelsauren Kali überschüssig ist, ih- re Verwandschaftskraft ausübt, dals sie ge- bunden isi, und dals sie im Verhältnils ihrer Menge wirkt. Denn er sagt: wenn man zu dem gesäuerten schwelelsauren Kali Schwe- felsäure zusetze, so lölse sich dieses Sala auf, und verliere seine Krystallisirbarkeit, der Ueberschufs der Säure aber sey selbst durch Destillation in einer Retorte schwer wegzuschaffen; ruan müsse um diesen Zweck zu erreichen, die Salzmasse in einem Tiesel sehmelzen, oder zu wiederholten Malen der Wirkung, des reinsten Weingeistes ausseten*), 4. Es ist also die Gränze, welche Berg- man der Wirkung der Säuern auf das ge- säuerte schwefelsaure Kali vorschreibt, un- richtig, Diels Salz verhält sich wie alle Salze, welche sämmtlich bis zu einem gewis- sen Punkt der Wirkung eines Ueberschußses der Säure, oder der Grundlage(Abs. 5.$, 4.), oder auch der Wirkung einer andern Säure, oder Grundlage widerstehen können, *) Opusc. ph. er ch, Vol. II, p. 321.&(F). einiger Irrthümer. 119 Der einzige Unterschied,‘ der unter ihnen ın dieser Rücksicht statt findet, hängt von der Cohaesionskralt ab, welche mehr oder weni- ger zur Hervorbringung einer Krystallisation wirken kann, und gewissen Verhältnissen der Säure und Grundlage eigenthümlich ist, wahrscheinlich als eine Folge von der Gestalt welche die kleinsten Thheilchen der Verbindung annehmen. 8 5. Wenn eine Säure die Eigenschaft hat, bei der Verbindung mit einer gewissen Grund- lage einen Niederschlag zu bilden, so hat man daraus geschlossen, dals sie eine stär- kere Verwandschaft gegen diese Grundlage ‚habe, als diejenige Säure welche vorher mit derselben vereinigt war, ohne auch nur zu untersuchen bis zu welchem Punkt die neue Siure die Zersetzung bewirkt habe, und ohne zu bemerken, dals die entgegengesetzte Zersetzung durch blolse Veränderung der Verhältnisse statt habe, ünd daher zu einer entgegengesetzten Folgerung führen könne, Da z. B. die Weinsteinsäure die Eigen- schaft hat, mit. dem Kali ein gesäuertes aber schwer auflösliches Salz zu bilden, und da sie. folglich mit allen Salzen deren Grundlage 7 g 120 XI. 5. Berichtigung Kali ist, einen Niederschlag bildet, wofern sie nicht in einer sehr grolsen Menge Was- ser aufgelöst sind, so hat man geschlossen, dals die Weinsteinsäure eine stärkere Ver- wandschaft gegen das Kali, als andere Säuern habe. Bergman hat die Schwefelsäure aus- genommen, weil er annahm dals die Wein- steinsäure blofs auf den Theil des Kali wir- ken könne, der über das Verhältnifs des ge- säuerten schwefelsauren Kali überschüssig ist, eine Vorstellung die ich glaube in den vorigen$$. widerlest zu.haben. Auch nimmt er die Salpetersäure und Salzsäure aus, weil er voraussetzt, dals sich die Weinsteinsäure gegen salpetersaures und salzsaures Kali, eben so, wie gegen schwefelsaures Kali ver- halte; und doch hatte er keine Kenntnils von dem Daseyn gesäuerter Verbindungen dieser Art, die dem gesäuerten schwefelsau- xen Kali analog gewesen wären. Auch schlielst er aus Versuchen mit Sal- zen die Natron zur Grundlage haben, wo- von er aber keine nähere Nachricht giebt, dals die Weinsteinsäure der Kleesäure nach- gesetzt werden müsse. Jene Ausnahmen aber abgerechnet, so zersetzt die Weinsteinsäure, einiger Irrthümer, Z2X nach ihm, ‚alle übrigen Salze, welche ein feuerbeständiges Laugensala zur Grundlage haben, Was Bergman irre macht, ist der Um- stand, dals die Weinsteinsäure mit den Sal- zen’ deren Grundlage Natron ist, keinen Nie- derschlag macht. Er glaubt, dieser schein- bare Unterschied rühre daher, weil das Na- iron nicht die Eigenschaft hat mit einem Ueberschufs von Säure ein schwerauflösliches Salz zu bilden. Aber es fehlt an einem Zeichen der Zersetzung, und er muls sich da- her mit der Wahrscheinlichkeit begnügen; dafs die Verwandschaften des einen fixen Laugensalzes eben die Ordnung befolgen, als die des andern*),\ Diese ganze Classification der Verwand- schaften beruht auf der falschen Voraus- setzung, dals eine Säure die andere aus ih- ren Verbindungen blofs durch die Verwand- schaft, als durch eine absolute Kraft, aus- scheide, und diese Hypothese zieht unver- *) Die Stellen der Bergmanischen Schrift, de attr. elect. von welchen hier Berthollet einen freien Auszug gegeben hat, sind der gte, 37ste und z8ste 6. derselben. F. 122 xL 36, Berichtigung meidlich mehrere andere nach sich, um T'hatsachen, welche natürliche Folgen! allge- meiner Gesetze sind, als Ausnahme zu er- klären, 6. Ich habe die Zersetzung des gesäuer- weinsteinsauren Kali durch die Salpeter- säure, welche nach der gewöhnlichen Vor- stellungsart, die ich selbst, sonst annahm, ten jenes Salz zersetzen, und sich seiner ganzen Grundlage bemächtigen mülste, untersucht, Ich setzte nämlich gesäuertes weinsteinsaures Kali mit Salpetersäure ın Digestion, und er- hielt nachher durch Abkühlung sehr gute K-ystallen von salpetersaurem Kali. Ich wi- derholte die Arbeit öfters, indem ich so lan- ge Salpetersäure zusetzte, bis sich. kein sal- petersaures Kali mehr absonderte. Ich setzte darauf die Flüssigkeit einer Wärme aus, wel- che zwar im Stande war, die etwa vorhan- dene freie Salpeter-äure auszutreiben, aber ohne auf die Weinsteinsäure zu wirken. Nach dieser Arbeit hatte die Flüssigkeit eine ölichte Consistenz; sie war ohne Geruch und gab keine Anzeige weder‘ von Salpeter- Setzte man sie aber säure, noch von Kalı. so entwickelte sich eiher starken, Hitze aus, einiger Irrthümer. 127 viel Salpetergas, die Weinsteinsäure ging m Kohle über, und ihre Asche lieferte eine be- trächtliche Menge von kohlensaurem Kali. 7. In dieser Operation sonderte sich ein Theil des salpetersauren Kali durch eine Wirkung der ihm eigenen Krystallisations- kraft ab, so lange bis diese Kraft durch die überschüssige Säure überwogen wurde. Der mit Säure übersetzte Weinstein wurde durch die Wirkung der Salpetersäure auflöslich, welche ihm durch die Krystallisation einen Theil der zu seiner Unauflöslichkeit nöthi- gen Grundlage entzog, Umgekehrt entzieht Weinsteinsäure, die man zu einer Auflösung von salpetersaurem Kali gielst, der Salpetersäure das Kali bis auf einen gewissen Punkt, und bildet damit gesäuertes weinsteinsaures Kali, welches sich niederschlägt. Weil sie aber nicht die Ei- genschaft hat, ein gesäuertes weinsteinsaures Natron von geringer Auflöslichkeit zu bil- den, so verursacht sie bei Salzen welche Natron zur Grundlage haben keinen Nieder- schlag. In dem einen und in dem andern Fall, bildet alles was sich nicht durch die Cohae- a24 xl 7. Berichtigung sionskraft absondert, eine Flüssigkeit, worin die vorhandenen‘Stoffe im Verhälinils ihrer chemischen Massen wirksam sind, Aus den Zersetzungen welche durch Fällung und Kıystallisation entstehen, lälst sich also kein Schlufs auf die Verwand- sohaftskräfte machen, weil eine bloßse Ver- änderung der Verhältnifse bisweilen gerade die entgegengesetzte Zersetzung hervorbrin- gen kann. 8. Der Niederschlag welcher bei Verglei- chung der Verwandschaftskrälte verschiede- ner Grundlagen alsdann statt hat, wenn eine derselben eine unauflösliche Verbindung bil- det, hat zu einem Irrthum von ähnlicher Art Veranlassung-gegeben. Denn auf kei- nem andern Grunde beruht die Behauptung, dafs die Kalkerde gegen Flulsspathsäure, Phos- phorsäure und Arseniksäure, kurz gegen alle mit denen sie unauflösliche Verbindungen macht, eine nähere Verwandschaft habe, als die Laugensalze, und dals sie folglich die Salze welche eben diese Säuern mit den Lau- gensalzen bilden, vollständig zersetze. Jene Fällung ist weder die Wirkung der Wahl- verwandschaft, noch ist sie vollständig; son- einiger Irrthümer. 125 dern die Menge des Niederschlags hängt von dem Verhältnifs ab, in welchem die Wirk- samkeit der Flüssigkeit gegen die Cohae- sionskraft des Niederschlags steht Daher kommt es, dals sich bisweilen der Nieder- schlag wieder auflölst, wenn man die Menga des gegenwirkenden Stoffs vermehrt, 9. Obgleich Bergman die Veränderungen gut bestimmt hat, welche die Wärme in den chemischen Wirkungen hervorbringen kann, wenn die Stofle zur Flüchtigkeit geneigt sind, und ob er gleich selbst empfiehlt bei Ab- dampfungen starke Hitze zu vermeiden, so hat man.doch den Einfluls nicht in seinem ganzen Umfang erkannt, den die Wärme auf solche Arbeiten haben kann, wo man Salze absondert, um über die Verwandschaf- ten zu urtheilen. Man würde nicht den Schluß gemacht haben, dals die Schwefelsäure gegen die fixen Laugensalze eine stärkere Verwand- schaft habe, als die Salpetersäure und Salzsäu- re, blols aus dem Grunde, weil sie durch Hülfe einer starken Wärme diese Säuern aus ih- ren Verbindungen abscheide, Aber man übersah, dals die blofse Wärme welche zur 126 XI. 9. Berichtigung | Abdampfung ‚und Krystallisation der Salze nörhig ist, verbunden mit der entgegenge- setzt wirkenden Kraft der Schwefelsäure, das Verhältnils der flüchtigen Säuern stark ver- mindern, ja sie zuletzt, wegen des Unter- schieds in der Feuerbeständigkeit beider Säuern, gänzlich.austreiben kann(Abs, 7: S. 5.) 10. Man hat Bergman einige nützliche Beobachtungen über die Irrthümer zu ver- danken, wozu die Auflösbarkeit eines Stofls, der zwar ausgeschieden, dessen Abscheidung aber nicht sichtbar ist, verleiten kann. Er bemerkt dafs Kali oder Natron, die Auflö- sung eines Salzes welches Kalkerde zur Grundlage hat, nicht trübt, wenn sie mit funfzig Theilen Wasser verdünnt ist, indem die abgeschiedene Kalkerde wegen ihrer Auflösbarkeit im Wasser bleibe. Aber er bedachte ‚nicht, dafs wenn hier nichts weiter im Spiel wäre ‚als die natürliche ‚Auflösbar- keit der Kalkerde diese nur ein: schwaches Hindernils der Fällung seyn würde, denn sie bedarf gegen siebenhundert Theile Was- ser zur Aullösung. Was aber hier ihre na- türliche Auflösbarkeit vergrölsert, ist der einiger Irrthümer. 127 Umstand, dafs sie fortfährt mit der Säure in Verbindung zu stehn(Abs, 5.$. 5.), und däfs sie sich nicht absondern kann, ohne einen Theil derselben an sich zu behalten, welches ihre Auflöslichkeit vergrölsert, ı1. Trotz seiner allgemeinen Beobach- tungen, hat,dennoch Bergman die Wirkun- gen der Auflöslichkeit ın vielen Fällen ver- karint. So glaubt er nicht, dals Salpeter- säure und Salzsäure eine Wirkung auf die Bestandtheile der phosphorsauren Kalkerde haben könnten, obgleich der einzige Unter- schied den man zwischen diesen, nnd der Schwefelsäure in der gedachten Rücksicht, festsetzen kann, bei der Unbekanntheit der Stärke ihrer respectiven Verwandschaftskräf- te, blols darin besteht, dafs die beiden er- sten blofs auflösliche Verbindungen hervor- bringen, die Schwefelsäure aber eine Ver- bindung’macht, welche gröfstentheils durch ihre Krystallisationskraft abgeschieden wer- den kann. ı2. Die Auflösbarkeit der Kalkerde und des Baryts, welche durch die Wirkung der Säuern ‚auf diese Erden zunimmt, ist der 128 XI, ı2. Berichtigung Grund, warum das Ammonium keinen Nie- derschlag in der Auflösung solcher Salze her- vorbringt, welche diese Erden zur Grundla- ge haben. Und doch lälst. die erste Portion von Ammonium die man z. B. zu salzsaurer Kalkerde gielst, beinahe gar keinen Geruch bemerken; ein Beweis, dals es in Verbindung iritt; und man'kann seine Wirkung auf fol- gende Art bemerklich machen, Ich mischte Ammonium zu einer Auflö- sung von salzsaurer Kalkerde, und dampfte die Flüssigkeit in einer Retorte ab. Als sie bis zu einem gewissen Punkt vermindert war, ‚bildete sich ein beträchtlicher Nieder- schlag. Ich setzte die Arbeit fort; der Nie- derschlag verminderte sich gegen das Ende merklich; es bildete sich ein Häutchen, und durch Abkühlen eine grolse Menge langer nadelförmiger Krystallen: diels war ein drei- faches Salz, aus welchem sich durch Kalker- de Ammonium abscheiden liels: diefs ‚Salz wieder aufgelöst, und an freier Luft abge- dampft, gab durch die Probe mit Kalkerde kein weiteres Zeichen von Ammonium. Man sieht also, dals das Ammonium, da nicht viel Wasser gegenwärig war, einen Theil einiger Irrthümer, 129 Theil der Kalkerde fälle, ob diese gleich durch die Säure weit auflöslicher als für sich war, und obgleich die Wirksamkeit des Ammonium durch die Wärme beträchtlich geschwächt war, weil dieselbe seine Verwand- schaftskraft und seine Menge verminderte, Aber so wie diese Menge abnahm, löste sich der Niederschlag wieder auf, Dennoch blieb nach lange fortgesetzter Verdampfung ein Rest von Ammonium zurück, der blofs durch eine Wirkung der Luft gänzlich zerstreut wurde. Die Absonderung der Kalkerde wür- de ohne Zweifel viel merklicher werden, wenn man gasförmiges Ammonium durch eine concentrirte Auflösung;von salzsaurer Kalkerde gehen lielse, Dals das Ammonium bei Salzen deren Grundlage Thonerde ist, einen Niederschlag hervorbringt, davon liegt der Grund in der geringern Auflöslichkeit dieser Erde, welche sie selbst dann behält, wenn sie mit dem kleinen Antheil einer Säure den sie bei der Fällung an sich hält, verbunden ist. Zwölfter‘Abschnitt. Von zusammengesetzten Verwand- schaften"). 1. Ich werde unter dem Namen der zusammiengeselzten Verwandschaften die- heinungen untersuchen, welche jenigen Erse als die Wirkung von vier Ver- man bisher wandschaften angesehen, und gewöhnlich mit dem Namen der doppelten Verwandschaft bezeichnet hat. Um die Wirkung von vier Verwandschaf- ten anschaulich zu machen, untersucht Berg- man was vorgehen werde, wenn man eine Auflösung von schwefelsaurem Kali und salzsaurer Kalkerde zusammen mischt, Diels, *) Des aklinitdes complexes. XII, ı: Zusammengesetzte Verwandschaften. 131 sagt er, ist ebeh so gut,'als ob man in die Menge des angewendeten’ Wassers,’ eben so viel Schwefelsäure, Salzsäure, Kalkerde und Kali thäte, als in jenen beiden’ Salzen ent- halten ist, Die beiden Grundlagen werden daher durch ihre Verwandschäftskraft auf die beiden Säuern wirken. Aber wenn gleich die‘Verwandschaft des Kalı zur Schwefel: säure grölser ist, als die, welche es zur Salz- säure'hat,' so giebt doch die Verwandschaft der Salzsäure gegen das Kali, verbunden mit der Verwandschaft der Schwefelsäure gegen die Kalkerde, eine grölsere Summe von Kräften, als die Verwandschaft der Schwe- felsäure gegen Kalı, verbunden- mit der Ver- wandschaft der‘Salzsäure gegen Kalkerde, Hierdurch wird also eine Verwechslung der Grundlagen bestimmt, so dals man; statt schwefelsaurem Kali und'salzsaurer Kalker- de, nun schwefelsaure Kalkerde und salzsau: res Kali erhält, Diese Erklärung gründet sich in jedem Fall auf die Voraussetzung; dafs die Verwandschaften beständige Kräfte und unabhängig von der Menge ünd dem Grade der Sättigung sind. 2; Wenn zwei Grundlagen gemeinschaft. lich auf eine Säure wirken, so theilt sich R? 132 XI..2., Zusammengeselzie diese,.oder- vielmehr, sie theilt ihre Kraft ım Verhältnifs..der chemischen Massen von ‚je- nen. Wenn statt einer Säure zweie vorhän- den sind, und ‚weder durch Niederschlag, noch durch Krystallisation.eine Absonderung vorgeht, so wirken: die Säuern, eine wie.die andere, auf gleiche Art gegen die Grundla- gen, im Verhältnils der, chemischen: Massen derselben. War jede dieser.Säuern schon, vor der Mischung, mit einer Grundlage. ver- bunden, so ist nach der;Mischung beider Auflösungen die Summe ‚der. gegenseitig wir- kenden Kräfte zwischen ‚den“Säuern und Alkalien eben dieselbe als vor der Mischung; es bildet sich kein salzsaures Kali, und keine schwefelsaure Kalkerde, sondern man. hat blofs eine' Verbindung von Kali, Kalkerde, Schwefelsäure und Salzsäure, und diese ver- binden sich in demselben Grade: der Sätti- gung als vor der Mischung, Daher kommt es, dafs wenn man zwei Salze mischt, die durch den Wechsel der Grundlagen zwei Verbindungen von ganz andern Verhältnis- sen hervorbringen würden, man dennoch, wie Guyton sehr richtig bemerkt hat, weder Spuren von saurer, noch von alkalischer Reagenz wahrnimmt, die sich nothwendig Verwandschaften. 133 zeigen mülsten, wenn ein Wechsel der Grundlagen vorgegangen wäre. Ich finde. hier verschiedene ‚Bemerkungen nöthig. Was Berthollet bier behauptet,„dafs bei der Mischung a) im Fall dafs alies flüssig bleibe, die Sum- zweier Salze, me- der anziehenden Kräfte zwischen den Säuren und Grundlagen vor und nach der Mischung gleich bleibe,“ ist vielleicht auf den ersten Blick paradox; zeigt sich aber bei genauerer Ueberlegung als ganz richtig. Es mögen 4 und 2 die Säuern,@ und 5 die mit ihnen respectiv verbundenen G;undlagen seyn. Mischt man die Salze 4a und DD. so wird die Kraft von 4, wel- che vorher blofs auf a gerichtet war, jeızt auf@ und b im Verhälinils der chemischen Massen von@ und b vertheilt.- Eben das, geschieht mir” der Kraft von 2. Die Kräfte werden also nur anders”Vertheilt bleiben, aber in der Summe unverändert, b) Wenn Berthollet behauptet, dafs man unter eben den Umständen gar nicht sagen könne, man habe in der Mischung das Salz 44, oder Bb,oder Ab, oder Ba, sondern blofs man habe 4, a, B und: 5, in einer ein- zigen homogenen Mischung; so scheint diels zwar na- rürlich und nothwendig aus dem Begriff einer vollkom- menen Gleichartigkeit zu. folgen. Allein es giebt That- sachen, die doch. mit dieser Vorstellung, nicht wohl vereinbar scheinen. Wenn man zu einer salpetersauren Kupferauflösung ‚, eine Auflösung, vom Kochsalz. ‚gielst, so, geht ‚die blaue Farbe der ersten Auflösung, bald in die grüne Farbe über, die der salzsauren Kupferauflö- sung eigen st. Es hat also. deni’Anschein, als ob. das Kupferoxyd obmgeachtet/ der völligen Gleichart;gkeit der Flüssigkeit, doch mit der Salzsäure in eine nähere Ver- bindung getreten wäre. Ueberhaupt scheinen zwischen 234 XI. 2,‘Zusammengesetzte ‚». ‚verwandten Stoffen'eigene innere Verbindungen mög lich zu seyn, die von einer vollkommen homogenen Mischung noch veıschieden sind, und vielleicht nie) auf ganz deutliche Begriffs werden gebracht werden kön- nen. Sauerstoffgas und Wasserstoffgas in gehörigem Verhältnils gemischt, eohstituiren chne Zweifel eine ganz homogene Flüssigkeit, die aber dennoch-himmel- weit von dem Wasser verschieden ist, worein sie sich bei hinlärglich erhöhter Temperatur verwandelt. Eine ähnliche Bewandnils hat es mit den Verbindungen des Sauerstoffs‘und. Stickstoffs, desgleichen des Stickstoffs und Wasserstoffs. Der erganischen Mischungen will ich gar nicht erwähnen, die offenbar etwas ganz ande- zes sind, als die chemischen Verbindungen eben der. selben, und in eben den Verhältnissen genommenen Bestandtheile.. Daher scheint es mir nicht undenkbar, dals in einer vollkommen homogenen Mischung zweier Salze, dennoch gewisse Bestandtheile in einer besondern Art einer innigerun Verbindung seyn können, als an- dere darin enthaltene Bestandtheile. ec) Die am Ende des$, beiläufig gemachte Bemerkung, ' dals die Mischnngen neutraler Verbindungen, nie einen Ueberschuls des einen oder des andsın Bestandtheils zeigen, ist eine wichtige'Thatsache, für(die Theorie der chemischen Erscheinungen. Da ober Berihollet am ‚Ende der ersten, Fortsetzung die Sache genauer sals es hier geschehen ist erwähnt, so verspare ich die darüber nörhigen Bemerkungen auf die angeführte Stelle. 3. Den Wechsel der Grundlagen hat! man bloß aus den. Erscheinungen des Nieder- schlags und der Krystallisation geschlossen, Aber man hat diese Erscheinungen aus ei- ner falschen Ursache abgeleitet. LVerwandschaften, 135 Wir haben gesehen(Abs. 5.); dafs die Cohaesionskraft die Abscheidungen hervor- bringt, welche bei der Wahlverwandschaft durch Niederschlag und Kıystallisation statt haben. Eben dieselbe Kraft ist es, welche eben dieselbe Wirkung auch bei der zusam- mengesetzten Verwandschaft. hervorbringt. Wenn: man eine Auflösung von schwefelsau- rem. Kali, und salzsaurer Kalkerde mischt, und es ist die Menge des vorhandenen Was- sers nicht zu grols, so wird bei der Kaik- erde in Berührung mit der Schwefelsäure ($. ı.) eine viel stärkere. Cohaesionskraft wirksam, als bei dem Kali. Diefs ist also eine neue Kraft, welche zu denen die vor- banden waren hinzukommt; ‚sie ist es, wo- durch die Schwefelsäufe und Kalkerde zur Verbindung, und zugleich zur ‚Fällung be- stimmt werden, 4. Man durchlaufe alle bekannte. Zer- setzungen, welche man der zusammengesetz- ten Verwandschaft zuschreibt, und man wird sehen, dals die Erscheinungen, welche.man. einem Ueberschuls gewisser Verwandschafts- kräfte über die entgegengesetzten zuschreibt, allezeit von solchen Stoffen herrühren, wel- 1136 XU. 4. Zusammengesetzte che die Eigenschaft haben, entweder einen. Niederschlag, oder ein Salz, das sich durch Kıystallisation absondern lälst, zu bilden. Daher kann man aus dem Grade der Auf: lösbarkeit der Salze die sich in einer Flüs- sigkeit bilden können, die Ordnung bestim- men, nach welcher Bergman und andere Chemiker die: Verwandschaftskräfte in Ta- bellen vorzustellen unternommen haben: denn sie legen jederzeit denen beiden Stof- fen die stärkere Verwandschaft: bei, welche eine in Beziehung auf die Quantität des Auflösungsmittels unauflöslichere Verbindung machen. Die Kalkerde, die Talkerde, der Baryt, die Strontianerde, bilden mit der Kohlen- säure unauflösliche Salze. Alle auflösliche Verbindungen dieser Erden, müssen daher, wenn man sie mit kohlensauren Laugensal- zen mischt, eine wechselseitige Zersetzung erleiden, deren Resultat der Niederschlag der kohlensauren Verbindungen dieser Erden ist, Der Baryt bildet mit der Schwefelsäure ein unauflösliches Salz. So oft daher irgend ein schwefelsaures Salz mit einem andern, dessen Grundlage Baryt ist, gemischt wird, Verwandschaften.' ‚837, 8o oft muls sich ein Niederschlag von schwefelsaurem Baryt bilden, Da die Kalkerde mit der Schwefelsäure eine Verbindung von geringer Auflöslichkeit, die sich in grolser Menge niederschlägt, macht, so vertauscht auch sie sich gegen al- le Grundlagen schwefelsaurer auflöslicher Salze, bis zu dem Punkt wo die Fällung wer gen der Auflöslichkeit der schwefelsauren Kalkerde. aufhört... Und. da die schwefel- saure Kalkerde: auflöslicher ist als der schwe- felsaure Baryt, so müssen alle auflöslichern Salze die Schwererde zur Grundlage haben, die schwefelsaure Kalkerde zersetzen, Silberoxyd bildet mit der Salzsäure ein unauflösliches Salz. Wird also irgend ein auflösliches Silbersalz, mit einem auflösli- chen salzsaurem Salze gemischt, so mußs sich salzsaures Silber niederschlagen. Queck- silber das nicht zu stark oxydirt ist, verhält sich eben so, Da salzsaures Blei wenig auflöslich ist, so bringen die auflöslichen Salze welche das Blei mit andern Säuern bildet, mit auf- löslichen salzsauren Salzen einen Niederschlag 138 XII. 4. Zusammengesetzte hervor.. Da aber\das Bleioxyd mit, der_ Schwefelsäure ein unauflösliches Salz, bildet, so bringt die Auflösung des salzsauren Bleis einen Niederschlag von schwefelsaurem Blei hervor, wenn man sie mit auflösbaren schwe- felsauren Salzen vermischt. 5. Dampft man daher eine wälsrige Flüs- sigkeit ab, in welcher sich' mehrere Salze aufgelöst befinden, so sondern sie sich nach der Folge ihrer Auflösbarkeit abz: und diels ist: das Gesetz nach weichem’sich(die Ver- tauschungen der Grundlagen, die geschehen können, voraus beurtheilen lassen. Da sich aber die Auflösbarkeit der Salze mit der Temperatur verändert, so ist dieser Umstand bei dergleichen Beurtheilungen in Erwägung zu ziehen. Wenn man salpeter- saures Kali, mit salzsaurem Natron mischt, so krystallisirt das erstere bei einer niedrigen ‘Temperatur; durch Abdampfung hingegen scheidet sich salzsaures Natron ab. Es ge- schieht also kein Wechsel der Grundlagen; denn salpetersaures Natron ist in der Kälte etwas auflösbarer als salpetersaures Kali, und auf der andern ‚Seite ist umgekehrt salzsau- Verwandschaften, 139 res Kali in der ‚Wärme etwas. auflösbarer als salzsaures Natron. 6. Was ich hier erörtert habe, ist blols die Hauptwirkung einer Cohaesionskraft, die stark genug ist, alle Wirkungen der entge- genstehenden Kräfte unmerklich zu machen, Ist aber keiner von allen Verbindungen, wel- che sich bilden können, eine beträchtliche Cohaesionskraft eigen, so muls die gegensei- tige Einwirkung der flüssig bleibenden Stoffe, die Wirkung des Auflösungsmittels, und die Aenderung welche durch Krystallisation einer sich absondernden Verbindung in dem Ver- hältnils: der»-Quantitäten entsteht, sehr mannigfaltige Erscheinungen hervorbringen. Die Versuche welche ich hierüber angefan- gen habe, werden in kurzem Licht über diese Sache verbreiten*), 7. Ein anderer Umstand welcher die Wir- kung zusammengesetzter Verwandschaften modificiren kann, ist die Entstehung eines dreifachen Salzes, welches sich niederschlägt. *) Man vergleiche die ‚erste Fortsetzung dieser Abhand- fung. F, 14o XI. 7. Zusammengesetzte ‚Kennt man indessen den Grad der Auflös- lichkeit einer solchen Verbindung, so kann man die Zersetzung welche statt haben muls, voraus beurtheilen. Eben diese Betrachtung findet auch bei den Wahlverwandschaften ihre Anwendung. . $. Bisweilen bildet sich ein‘Niederschlag durch Vermischung zweier salzigen Stoffe die einerlei Säure enthalten; z. B. wenn man salzsaure Bittererde, und salzsaure Kalk- erde vermischt. Es ist wahrscheinlich, dals sich in diesem Fall zwei Verbindungen bil- den, die eine aus einem Ueberschuls der Säure und einem kleinen Theil der beiden Grundlagen, die andere aus dem grölsern Theil der Grundlagen und einem kleinern der Säure. Dieser Erfolg ist dem ähnlich, den wir oben, Abs, 9.$. 3. gesehen haben; aber hier ist es die gegenseitige Verwandschaft der beiden Grundlagen selbst, was die Fäl- lung bestimmt. 9. Wir haben(Abs. 7.) gesehn, dafs die Wärme Verbindungen schwächt, indem sie die Flüchtigkeit der Stoffe vermehrt. Diese Verwandschaften, 148 Kraft ist nicht weniger bei zusammengesetz- ten, als bei Wahlverwandschaften wirksam, Es ist diels eine Kraft, die zu den übrigen wirkenden Kräften hinzukommt, und welche Vereinigung und Trennung solcher Stoffe bewirkt, welche geneigt sind eine ‚flüchtige Verbindung zu bilden. Will man: daher voraus beurtheilen was geschehen werde, wenn man zwei Salze der Wirkung der Wärme aussetzt, so hat man blofs zu urtersuchen, ob eine der beiden ‘Grundlagen und eine der ‚beiden Säuern eine grölsere Flüchtigkeit, als die andere Säure und die andere Grundlage haben. Dann ist man versichert, dals sich bei An- wendung, eines zureichenden. Wärmegrads die Verbindung der flüchtigen Säure und Grundlage bilden, und entweichen, die Feu- erbeständigere Grundlage und Säure. aber gleichfalls sich verbinden, und zurückbleiben werden. Unter den Grundlagen bieten.das Ammonium, und das Quecksilberoxyd, un- ter den Säuern, die Kohlensäure und die Salzsäure vicierlei Anwendungen dieser Wahr- heit dar, 142 XH,+0. Zusammengesetzte 10, Die Efllorescenz mufs auch in Be- trachtung‘gezogen werden, als eine Kraft welche bei zusammengesetzten Verwand- schaften die Entstehung einer Verbindung, welche diese Eigenschaft besitzt, bestimmen kann. Dieser Kraft ist die Bildung des Natron, in den Niederungen der Na- tron- Seen, und an andern Orten, wo ähnliche Umstände zusammentreffen, zuzu- schreiben. Die Beobachtungen, welche ich dem (egyptischen) Institut vorgelegt habe, und die als eine Fortsetzung der interessanten Be- schreibung der Natron- Seen, welche wir dem General Andreossi verdanken, anzuse- hen sind, beweisen, dals folgende Umstände zur Bildung des Natron nothwendig sind: ı)‘ein Sand der viel kohlensaure Kalkerde enthält; 2) Feuchtigkeit; 3) die Gegenwart von salzsaurem Natron. Auch habe ich be- merkt, dafs die Stengel vom Schilfrohr diese Production sehr begünstigen. Ich habe mich anheischig, gemacht die Entstehung des koh- lensauren Natron aus diesen Umständen zu erklären; und ich werde jetzt den Versuch dazu machen,; Verwandschaften. 145 Man kann den kalkhaltigen Sand,‘ der mit einer beständigen Feuchtigkeit getränkt ist, als eine Auflösung von salzsaurem'Na- iron ansehn, die mit kohlensaurem Kalk in Gegenwirkung gesetzt ist. Aus dem, was im vierten Abschnitt gesagt worden, ergiebt sich, dafs durch die* Unauflöslichkeit die gegen- seitige Einwirkung eines festen und eines flüssigen Stoffs auf einander zwar geschwächt, aber nicht vernichtet wird, In unserm Fall steht daher dieser Einwirkung- die Unauflös- lichkeit des kohlensauren Kalks, die aber nicht absolut ist, entgegen. Es muls sich also eine Auflösung eines geringen Theils von kohlensaurer Kaikerde bilden; woraus folgt.($. ı. und.2.), dals die Bestandtheile der kohlensauren Kalkerde, und.des Salz- sauren Natron eine gegenseitige Einwirkung auf einander ausüben werden; und hierin liest der Grund, warum die ‚Gegenwart der kohlensauren Kalkerde eine nothwendige Bedingung zur Entstehung des kohlensauren Natron ist*). *) Die Auflösung des koblensauren Kalks durch salzsaures Kali, und schwefelsaures Kali, welche unzyweifelbaft eben so wie salzsaures Natron wirken, ist durch einen directan 144 XII. ao, Zusammengesetzte Man muß. alsn die Feuchtigkeit des kaikhaltigen. Sandes, worin sich das kohlen- saure Natron bildet, als eine Auflösung von salzsaurem Natron, und einem kleinen Theil kohlensaurer Kalkerde ansehen. Das Na- iron. befindet sich also in Berührung mit Kohlensäure, und die Efflorescenz welche dem kohlensauren Natron eigen ist, muls als Versuch erwiesen, den wir Guyton verdanken.(Man sehe die fr. Ueb. von Scheele’'ns Abh. Mem. de Scheele ‚ part. II. Note zu pag. 18).„Wenn man eine Aullösung „von schwefelsaurem Kali, salzsaurem Kali, etc. zu Kalkı „wasser gols, welches durch kohlensaures VVasser mil- „chicht geworden war, so verschwand auf der Stelle der „Niederschlag. Auch entstand, kein erdiger Niederschlag, „wenn man kohlensaures Wasser, zu einer Mischung „gols, die aus Kalkwasser, und der Auflösung dieser Neu- „tralsalze bestandt. Die Flüssigkeit enthielt dann immer „freies Laugensalz.“ Güyton bestreitet Scheele’'ns Mei- nung, der keine Zersetzung bei salzsaurem und schwefels saurem Kali, sondern blols bei Salzen, die Natron zur Grundlage haben, wahrgenommen hatte. Die Verschiedenheit ın‘der Meinung dieser beiden be- zuhmten Chemiker rührt daher, dals der eine die Zer- setzung durch Efflorescenz, welche blols bei Salzen deren Grundlage Natron.ist, statt haben kann(Abs.$.), erwiesen hatte; der andere aber sie in einer Flüssigkeit beobachtet hatte, in welchem letztern Fall sie aber viel beschränkter ist.‘(Anm. des Originals.) ‚Verwandschaften, 145 als eine neue,Kraft betrachtet werden, wel. che diese Verbindung abzusondern strebt, In der That, wenn sich in dem mit salzsau- rer Kalkerde angeschwängerten Bezirk Rohr. stängel finden, welche die Efllorescenz be- günstigen, so ‚häuft sich das kohlensaure Na. iron rings um diese Stängel anz ja öfters bildet es sich gar nicht, wo. diese fehlen, wofern die übrigen Umstände, z. B, eine sehr thonige Beschaffenheit. des Bodens, dieser Production ungünsüg sind;' so.'dals iman oft in. einem-kleinen: Abstande nichts als salz- saures Natron! findet, ch habe diese Erklärung zu!bewähren gesucht; In einem Kasten der in einem Garten des Instituts aufgestellt war, wurde kohlensaurer Kalk und Kieselsand gemengt, beides; wohl gewaschen, Hierzu wurde. eine gewisse Menge salzsaures Natron gebracht; und ‚eine Vertiefung gemacht, um nach ünd nach Wasser zuzusetzen,; und.die nöthige Feuchtigkeit zu unterhalten.“Es bildete sich auf der Oberfläche eine Rinde von salzsau- rem Natron, welches schon jetzt die Farbe des Fernabucpapiers, wie ein Laugensalz, sehr verändert: aber es ist nicht zu erwarten, dafs man eine in die Augen fallende Eflorescenz 10 146 xII. 10. Zusammengesetzie Verwandschaften. &her als nach Verlauf einer, langen Zeit er- halten werde. ir... Die vorhergehenden Betrachtungen zeigen, dafs der einzige Unterschied zwischen zusammengesetzten Verwandschäften ,:"und Wahlverwandschaften darin besteht, dals man bei jenen Stoffe in Wirksamkeit‘setzt, wel- che ‚sich.‘ ungefähr in einem gleichen Grad: der Sättigung befinden, bei dieser hin- gegen befindet: sich’ein Stoff(oder auch mehrere)© der noch gar nicht'gesättigt ist. Daher entsteht im ersten Fall kein veränder. ter Grad der. Sättigung,‘als in so fern sich Verbindungen absondern können. Im letz- tern-Fallühingegen setzt sich"die Wirksam- keit eines''noch nicht gesättigten Stoffs, mit den schon’ gesättigten Stoffen in ein Gleich- gewicht, Daraus folgt, dafs die Cohaesions- kraft und Elasticität, bei zusammengesetzten Verwandschaften, ihre Wirksamkeit vollstän- ger äufsern, als bei Wahlverwandschaften, “N Dreizehnter Abschnitt, "pPon der Fällung metallischer"Auflösun- a. gen durch andere Metalle, eV en man die Metalle durch Stoffe fällt, welch@ ihnen keinen Sauerstoff ent- ziehn, so behalten die Niederschläge einen "Theil der’Säure an sich, und bisweilen auch‘ "einen Theil des Fällungsmittels, \ Man hat ein auffallendes Beispiel der Theilung die unter diesen Umständen statt "findet, an der Fällung des oxygenirten salz- "sauren Quecksilbers durch die fixen Alka- lien, durch Ammonium, und Kalkerde, Setzt -man den"Niederschlag einer hinreichenden Wärme aus, so reducirt sich, nach Beschaf- 148 XII. ı. Fällung der Metalle fenheit des Niederschlags, eine_grölsere.-oder geringere Menge des Quecksilbers; ein an- derer Theil sublimirt sich, und bildet salz- saures Quecksilber; nicht als ob die Salz- säure sich blofs mit einem Theil des Nieder- schlags verbunden gehabt hätte, wie. ich ehemals glaubte(Mem. de l! Acad. 1780.), sondern, weil die ausdehnende Kraft der Wärme, und die. Verwandschaftskraft: der Salzsäure, sich gleichsam in das Quecksil- beroxyd theilen.' Untersucht man den durch ‘Ammonium gemachten Niederschlag,.so zeigt Sich, dafs er Ammonium enthält. Der Nie- derschlag der salzsauren Eisenauflösung durch Kali, enthält Kali... Man könnte dergleichen 'Thatsachen sehr viele aufstellen. Wir sind; daher‘berechtigt, ‚die. Bemer- kungen welche wir über.die, Fällung solcher Stoffe gemacht haben, die ihre Auflöslich- keit. verlieren,, auch auf die. metallischen Niederschläge anzuwenden, welche, nach Be- schaffenheit aller der Umstände die während der successiven Fällung ‚einen Einfluls auf die in Wirksamkeit gesetzten Kräfte, haben können, sehr verschieden ausfallen, und wel- En T i “durch andere Metalle, 149 che eihebesöhdere' Untersuchung in"einer eigenen'Abhandlung verdienen‘)." Wenn sich aber die Metalle gegenseitig äusihren Auflösungen niederschlagen, so wnischt"sich"meistens"ihre respective Ver- wändschaft'zum Sauerstoff ins Spiel, und der Niederschlag befindet sich zuweilen im metallischen Zustand. Verbände sich nicht ir&end eine andere Kraft, mit der Verwand- Schaft des fällenden Metalls zum Sauerstofi, so'mülste sich, nach den Grundsätzen die in’ dieser Abhandlung festgesetst worden, der Satierstoff"allezeit zwischen den beiden Me- tallen,' die in’ Gegenwirkung begriffen sind, iheilen, im'Verhältnifs der Kraft die sie ge- gen ihn ausüben. Wir müssen daher zu erfor- schen suchen, was für eine Kraft es seyn möch- i6, durch welche der Niederschlag"bestimmt wird’im metallischen Zustand zu fallen. >. Die Verwandschaft des Quecksilbers, des Goldes und des Silbers, gegen den Sau- erstoff ist sehr ‚schwach, Die gegenseitige ®) Man vergleiche die aweite Fortsetzung. dieser ‚Abband- June. 7 150 XII.(24, Fällung der Metalle Verwandschaft. welche die Theilchen im ge-- schmolzenen Zustand,.also beim ‚Quecksilber schon in der Temperatur der Atmosphäre behalten, ist hinreichend ihre Verbindung mit dem gaslörmigen Sauerstoff zu verhin- dern. Aber die Wärme ‚vermindert die ga- gediseitige Verwandschaft der Quecksilber- theilchen so sehr, dafs eine Vereinigung mit dem Sauerstoff möglich wird: ‚ ein„höherer, Grad von Wärme ist. hinreichend den. Un- terschied zwischen der Ausdehnung, des Quecksilbers und Sauerstoffs so zu vergrö- Isern, dafs wieder eine Scheidung erfolgt. Die Wirkung der Wärme. ist. also anfäng- lich mehr vortheilhaft dadurch,_.dals sie die gegenseitige Verwandschaft, der T heilchen vermindert, ‚als nachtheilig dadurch, dafs sie das Quecksilber und den Sauerstoff in ver- schiedene Grade der Ausdehnung ‚versetzt; aber zuletzt vermehrt sie diesen. Unterschied so stark, dafs die Verbindung wieder un- möglich‘ wird, Wenn ‚die ‚Cohaesionskraft im Quecksil- ber hinreichend ist die Oxydation zu ver- hindern, so kann eben diese Kraft in Ver- bindung mit einem andern Metall welches durch andere Mexalle, 151 geradezu auf den Sauerstoff. wirkt, die Des- oxydation befördern. Diese Kraft ist der ähnlich, durch welche K rystallisation und Niederschlag bewirkt wird(Abs, 5.). 5. Die Theile eines Metalls haben nicht nur unter einander, sondern auch.gegen an- dere Metalle eine gegenseitige Verwand- schaft; daher die Amalgame und. T,egierun- gen. Man darf Kupfer nur mit Quecksilber in Berührung bringen, um eine Verbindung beider Metalle zu bewirken._ Wenn dem- nach ein Metall auf eine metallische Auflö- sung wirkt, so kann ein Theil des Metalls auf den. Sauerstoff, und auf die Säure wir- ken, indels der andere sich mit dem Metall der Auflösung zu verbinden strebt. Wir werden also bei der Untersuchung über die metallischen Fällungen des Quecksilbers, des Silbers, des Goldes und des Kupfers, den Finfluls zweier Kräfte erwägen müssen, näm: lich der gegenseitigen Verwandschaft zwi- schen den. Theilen eines Metalls, und der Verwandschaft eines Metalls“gegen‘das andere. 4. Wenn man einen Streifen Kupfer- blech in eine salpetersaure. oder salzsaure 152 XII. 4. Fällung der Metalle Quecksilberauflösung taucht, so wird das Kupfer augenblicklich weils; das Quecksil- ber wird redueirt, verbindet sich aber mit dem Kupfer, Wenh man, statt des Kupfers, einen p0- Iirten Streifen von ‚Eisenblech in eben die Auflösungen taucht, so vergehen mehrere Stunden, ehe sich die Flüssigkeit trübt, und man einen Niederschlag bemerkt. Endlich bildet sich ein Niederschlag; aber dieser Niederschlag ist, besonders bei der salzsau- ren Auflösung, zum Theil im oxydirten Zu- stand, und enthält sehr wahrscheinlich einen Antheil Säure, Wäre die Verwandschaft eines Metalk gegen den Sauerstoff die einzige Ursache, warum es ein anderes niederschlägt, so mülste das Eisen weit mehr Wirksamkeit als das Kupfer zeigen: denn bekanntlich hat es eine viel stärkere Verwandschaft zum Sauerstoff, und dach ist seine Wirkung lang- sam, schwierig, unvollständig, die Wirkung des Kupfers hingegen, augenblicklich. Aus der Art, wie Kupferoxyd und Eisenoxyd die unzersetzbaren Säuern festhalten, wenn man sie der Einwirkung der Wärme aus- durch andere Metalle, 155 setzt, lälst sich abnehmen, dafs der Unter, schied in der Verwandschaft dieser Metalle gegen diese Säuern nur sehr gering seyn kann. Ohne Zweifel trägt daher die Ver- wandschaft des Kupfers gegen. das Queck« silber, mit welchem es sich wirklich verbin- det, viel zur Fällung des letztern in metalli- schem Zustand bei. Aber die gegenseitige Verwandschaft der Quecksilbertheile kann allein in dem Versuch mit Eisen, obgleich mit Schwierigkeit, die Reduction des ersten Metalls bewirken. Ein Theil schlägt sich aber auch als Oxyd nieder, und hält wahr- scheinlich einen Antheil Säure an sich. Die- ser Erfolg würde. durchaus statt finden, wenn. blols die Verwandschaft des Eisens zum Sauerstoff wirksam wäre. Der metal- lisch niedergeschlagene Theil aber»tritt in‘ keine Verbindung mit dem Eisen, 5. Wenn man eine Silberauflösung durch Kupfer fället, so besteht der metallische Nie- derschlag, welcher sich bildet, nicht aus rei- nem Silber, sondern ist eine Verbindung von Silber mit einem kleinen Antheil Kupfer. Diels Kupfer kann es nicht unmittelbar von dem eingetauchten Blech genommen haben; h xIMT, 5. Fällnng der Metalle sondern es muls ch mit ihm aus der Auf- lösung selbst niedergeschlagen haben. Hier hat die Verwandschaft beider Metalle ihre Desoxydation bestimmt. Durch, Hülfe die- ser"Kraft bilden sich, wie öfters auch unter Shdern Umständen, zwei Verbindungen: die eine zwischen der Säure und dem Kupfer- oxyd; die andere zwischen dem’ Sılber und Sinem, Fheil‘ Kupfer... Die Wirkung.der Säure auf das Kupferoxyd, und des Silbers auf das Kupfer, setzen sich ins Gleichge- wicht,| x 6; Taucht iman einen Kupferstreifen in eine Goldauflösung, so’ zeigt eben so das Gold, welches sich niederschlägt, durch seine ‚erhöhte Farbe, dafs. es mit Kupfer'verbun- den’ sey, und die. Auflösung enthält;nur eine kleine’ Menge des'Kupfers, welches sie dem Kupferblech entzogen hat, -"Wenn man ein Eisenblech ın die Gold- auflösung taucht, so reilst das Gold welches sich niederschlägt, vielleicht einen Theil des Eisens ‚mit.sich.. Wenigstens wird es durch die Verwandschaft des Eisens, längs der Ober- fläche mit, der es sich verbindet, zum Nie: derschlag bestimmt,. Denn die V ergoltung durch andere Metalle, 155 ist eine"Verbindung_der,beiden:; Metälle-. längs der Oberfläche, wo sie an Berührung sind.‘Hat.sich der ‚erste Ueberzug gebildet,» so kann die Fällung durch ‚die. blofse:'Go- haesionskraft des Goldes: fortdauern, 7. Was ich hier vorgetragen'habe,.be- währt sich bei der Fällung des Kupfers durch, Eisen. Denn zersetzt man eine Kupferauf-, lösung durch einen Streifen Eisen,: und nimmt die Kupferschicht, die sich daran an-. gesetzt hat, ab, so zeigt die braune Farbe der innern Fläche, dals das Kupfer hier nicht ganz rein,; sondern eisenhaltig ist. Nach der Entstehung dieser ersten Schicht. geht die Fällung des Kupfers fort, indem es'sich erst an. diese, und dann an die übrigen nach einander entstehenden Schichten an: legt.‘Der Anfang der Wirkung ist also der Verwandschaftides Eisens, der. Fortgang der Verwandschaft der Kupfertheile selbst zuzu- schreiben, 8. Der Phosphor schlägt mehrere metalli- sche Auflösungen nieder, wie Sage und Bul- lion ‚gezeigt haben*)., Ob er gleich eine *) Jourgal(de: pbysique, annee 178r.(A. d. Orig.) 256: XIII. 8. Fallung‘der Metälle. starke Verwandschäft' zum Sauerstöff"hat, so mufs’ man doch das, was über die’ Fällüng' durch Metalle gesagt: worden, äüch auf seine’ Wirkung anwenden. Pelletier hat bewiesen, dals der Phosphor die Eigenschaft’besitzt sich mit den Metallen zu verbinden. Es’kann daher ein Theil des in Wirksamkeit gesetzten Phosphors sich. mit dem Sauerstoff verbinden, während der andere eben'so auf das Metall wirkt, Unter den metallischen Auflösungen giebt es einige-auf welche der fPhosphor nicht wirkt. Bei‘andern: fället'ter"das Metall alsı Oxyd, welches ohne Zweifel einen Theil von der Säure der Auflösung, oder von der ent- standenen an sich hält. Bei andern endlich reducirt er das Metall. Die- se sind Gold, Silber, Kupfer und Quecksilber. Aus.den über diese Fällung genäehten Bemerkungen läfst sich schliefsen, dals Ku- pfer und'Silber, indem sie sich niederschla- gen, sich mit’einem kleinen"Theil Phosphor verbinden.: Um zwölf’ Grän Silber niederzu-, schlagen, wurden‘drei Gran Phosphor ver- zehrt, Man:erhielt--aber durehAbdampfung durch andere Metalle,\ 157, kaum, drei Gran Phosphorsäure in ‚einem dicken gallertarigen Zustand. Soviel-Phos- phorsäure zu„erzeugen, konnte nicht, mehr als, ein Gran Phosphor verwendet seyn,. Es „mußten, sich also mehr als zwei, Gran Phos- “phor. mit dem Silber verbunden haben, Vom, Quecksilber, wird.nur ein;Theil re- ducirt,; das. ‚übrige ‚bleibt im Zu- ‚stand ‚und. verbindet sich mit der Phosphor- ‚säure,., ‚Die Cohaesionskraft ist in diesem Fall schwach.*),: und..bringt. keine, Verbin- dung-mit, dem: Phosphor.heryor. Die Wir- kung bleibt unvollständig, wie oben bei.der Anwendung des Eisens($. 4.). Obgleich das Gold nur eine schwache Verwandschaft ‚zum Sauerstoff,‘und beson- ders eine weit schwächere'als das Kupfer, hat, so geht doch seine Fällung durch Phos- phor nicht wohl von statten, und ein Theil fällt als Oxyd nieder, Der Grund liegt ohne Zweifel darin, dals es wenig Neigung hat, sich mit dem Phosphor zu verbinden;.da hingegen beim Kupfer die Verwandschaft zum Phosphor die Kraft ist, welche die Fäl- lung bewirkt. *) D. i. die Anziehung des Quecksilbers und Phosphors. F ‘ "58 XII. 8. Fällung der Metalle durch andere Met. 'M"Einige der vorgetragenen Bemerkungen "bedürfen zu ihrer gänzlichen Bewährung ge- ‘natı wiederholter Versuche. Aber alle Um- stände' scheinen"es mir fe Zweifel” zu "getzen,” dafs die metallischen Niederschläge durch die Cohaesionskraft, welche die Theil- chen" einies“Metalls wieder zu- vereinigen “strebt, und durch die gegenseitige Verwand- - schaft einiger Metalle, bewirkt werden."Der ‘Erfolg ist daher‘ schneller‘oder langsamer, vollständiger oder unvollständiger, nach Ver- hältnils'der Stärke,'mit der diese Kräfte wir- Ren können*). MN [23 FE) Fabroni hat sehr interessante Beobachtungen über die Wirkung der Metalle auf einauder bekannt gemacht: Journal de, physique,. brumaire an.$(A: d. Ong,). 2 F 115 A; Vierzehnter Abschnitt. Von der abgeleiteten‘ Werwändschaft*), r ‚Voorerinnerung, Die‘grofse Veränderung, welche hei chemischen, Mischungen mit, den Bestandtheilen‘ der Mi- schung, vorgeht, gehört zu den auffallendsten Erscheinun- h gen in. der; Natur. In den meisten Fällen. entsteht, durch die chemische„V.eıbindung zweier ‚Stoffe, ‚ein ganz neues Naturwesen,„was ‚nicht.nur auf alle unsere Sinnen ganz anders: wirkt, ‚als seine Bestandtheile,.,sondern sich auch gegen alle übrigen Körper ganz. anders verhält, und mit ganz neuen Eigenschalten und Kräften begabt. ist....Diese Erscheinung gehört zu den unerklärtesten in der Naturr lehre: denn wenn ‚uns gewisse“mechanische ‚Physiker L; überreden wollen, dals die Veıbindung AB ganz andere Eigenschaften als’ 4 und B deswegen haben müsse, weil die kleinsten'Theilchen von„4 dreieckig, von viereckig wären,.die sich bei der Vermischung so anzögen. dals daraus Fünfecke entstünden‘; so wird der tiefste dabei *), De V’allinite resultante. a6o XIV. 2. Abgeleitete verschwendete Scharfsinn nicht im Stande seyn, einer solchen Hypothese Realität zu geben, die jeder Hypothese gänzlich fehlt, welche etwas voraussetzt, das auf keine denkbare Art durch Erfahrung verificirt werden kann. Eine solche Hypoihese, kann in manchen Fällen gewisse abstracte Schlüsse, durch ein Bild, anschaulicher machen, aber sie wird zum theoretischen Gebrauch ewig unfruchts bar bleiben. Es ist daher gewils ein merkwürdiger Umstand bei der Bertholletischen"Theorie, der einen wichtigen Grund für ihre Richtigkeit enthält, dals sie auf eine ganz ungezwun«- gene, und von dem Verfasser gewils anfänglich nicht be- absichtigte Art, einiges Licht über diese Erscheinung ver- breiter; ‚indem„‚sieyuns wenigstens zeigt, wie es zugehe, dals die Verwandschaftskräfte eines zusammengesetzten Sıoffs von den Verwandschaliskräften seiner Bestandtheile gewöhnlich so sehr verschieden sind, ob sie gleich in der That’nur Resultate, nnd Modificationen\lerselben sind: AM Und’ da in der' That alle Erscheinungen eines Körpers nichts anders als'Wirkungen derjenigen Kräfte seyn kön- nen, mit welchen er mechanisch oder chemisch, mittel- bar’ oder unmittelbar,’"auf die Organe‘der Sinnen, oder auf andere Körper wirkt, so kann man sagen, dafs Ber- tlollets Theorie einen allgemeinverständlichen Grund von den Veränderungen sichtbar mache, welche die Körs “!per durch die, chemische Verbindung leiden. “7, Ich nenne diejenige Verwandschaft ‚eine abgeleitete, deren Wirkung von meh- rern Verwandschaften in einem und demsel- ben Stoffe entspringt. Die Salpetersäure z. B. besteht aus Sauerstof”, und. Stickstoff: wirkt sie nun auf Kali, so geschieht diefs mit Verwandschaft,- 16: mit einer Verwandschaftskraft, die-von den Verwandschaftskräften des Sauerstoffs und Stickstoffs abzuleiten ist. Auch die Wir. kung des Kali ist das Resultat der Kräfte, womit es auf jeden Bestandtheil der Salpe- tersäure wirkt, 2. Zwischen jeden zwei Körpern, die.sich auf dem Erdboden finden,, hat.eine gewisse Verwandschaft statt. Trägt.man Bedenken diesen Grundsatz einzuräumen, so wird man wenigstens.zugeben, dals die Anzahl der Ausnahmen nur sehr gering seyn könne, Ich darf daher auf diese Voraussetzung Schlüsse bauen, und dasjenige was uns die Erfahrung, über die Verwandschaftskräfte und ihre Modificationen gelehrt hat, auf alle Stoffe anwenden. Sind diese Schlüsse nicht zu‘ rasch, sind sie vermögend uns über manche Ei: genschaften der Körper einen Aufschluß, den man nicht unmittelbar durch die Erfah- rung erhalten kann, zu geben, so werden die Betrachtungen, die ich in diesem Ab- schnitt vorzutragen habe, einiges Licht auf mehrere Erscheinungen werfen können, wel- che von chemischen Kräften herrühren, is 6 xIV. 3. Abgeleitete die‘wir bis jetzt nicht gehörig bestimmen konnten.| 7. Ich habe in der Erklärung der abge- leiteten Verwandschaft ‚angenommen, dals die Verwandschaft eines zusammengesetzten Stoffs von den Verwandschaften seiner Be- standtheile abzuleiten sey. Wir müssen nun untersuchen, was für: Umstände die Grund- verwandschaften*) modificiren, und was für Einflufs sie dadurch auf die abgeleiteten Verwandschaften haben können. 4. Die chemische Wirksamkeit wird ge- schwächt, in dem Maafse, wie.die Sättigung zunimmt(Il. 10.). Man mus hieraus schliefsen, dals die ab- geleitete Verwandschaft eine viel schwächere Kraft seyn müsse, als die Grundverwand- schaften von denen sie abstammt: denn diese haben schon, den Anfang einer Sättigung erlitten. Doch können andere Umstände, die Wirksamkeit der abgeleiteten Verwand- *) Les affinites&l&menuaires, d. h. Verwandschaften der einfachen,‘oder zusammengesetzten Bestandıheile eines Sioffs, F. Verwandschaft, 163 schaft vergrößsern, oder auch die, Schwä- chung welche von der Sättigung herrührt, vermehren. 5. Wenn einer der Stoffe die sich verbin- den, aus dem festen in den flüssigen Zu- stand übergeht, so erlangt er dadurch die Vortheile, welche die Auflösungsmittel ge- währen, und seine Verwandschaftskraft, wel- che durch die Festigkeit gebunden war, wird thätig, so dals die abgeleitete Verwandschaft beträchtlich wirksamer- werden kann, als es die Grundverwandschaften zu seyn schienen, Löset man z. B. Schwefel in Kali auf, so äulsert das geschwefelte Kali eine starke Wirkung auf das Sauerstoffgas, wenn es durch zugesetztes Wasser flüssig ist, oder genug Feuchtigkeit aus der Luft anzieht: denn es verliert hierdurch seine Cohaesions- kraft eben so, als wenn: es durch den Wär- mestoff flüssig geworden wäre; auch kann alsdann das Kali auf den Sauerstoff wirken, obgleich seine Wirkung viel schwächer seyn mag, als die des Schwefels, indem. sie allein nicht vermögend ist die Elasticität des Sau- erstoffgases zu überwältigen. Die. Wirksam- keit des Schwefels ist allerdings geschwächt, 46% XIV. 5. Abgeleiteie äurkib.aßf ganze Rraftäußserung, die er auf das Kali und das zum Auflösungsmittel die- nende Wasser wendet: aber er gewinnt mehr durch, die. Flüssigkeit die er erhält, als er durch. ‚diese Sättigung, verliert, Genau zu ‚reden, wirken alle Stoffe deren Festigkeit durch ein Auflösungsmittel ‚überwältigt ist, durch, abgeleitete Verwandschaft, 6. Umstände welche den vorigen entge- gengesetzt'sind, bringen auch einen'entge- gengesetzten Erfolg hervor. Wenn Stoffe durch die Verbindung die sie eingehn fest, oder. zum Krystallisiren.; geneigter werden, so vermehrt dieser Umstand den Verlust den sie durch die Sättigung an ihrer Kraft leiden, Zum Beispiel: Kali und Salpetersäure ha- ben beade die Eigenschaft sich im. Wein- geist aufzulösen, und dennoch ist. das'salpe- tersaure Kali im Weingeist nicht auflöslich; diels rührt daher, weil in der abgeleiteten Verwandschaft des salpetersauren Kali die Wirksamkeit der Gründverwandschaften, durch die Cohäesionskraft, welche dieser Ver- bindung, eigen ist, und die mit Hülfe des Wassers ihre Krystallisation bewirkt, gebun- den ist. Ein Umstand der diese Erklärung be- T— Nerwandschaft. 2635 stätigt ist dieser, dals die Salze, die nicht im Wasser krystallisirbar sind, weil sie ihm nyr eine schwache Cohaesionskraft entgegen setzen, überhaupt die'Eigenschaft besitzen, sich im Weingeist aufzulösen, und'zwar so, dafs sie darin krystallisiren können, indem die schwächere Wirksamkeit des"Weingeistes, der Cohaesionskraft, von der sie: nicht gänz- lich entblößst sind, nur bis auf»einen gewis- sen Punkt widerstehen kann. Daßs'sich..das salpetersaure Kali bis auf einen ‚gewissen Punkt im Wasser auflöst, rührt‘daher, weil die Auflöslichkeit des Kali sowohl;alsi-der Salpetersäure im Wasser grölser ist, als: ihre Auflöslichkeit durch.W eingeist. 7. Die Stoffe wirken im Verhältnifs der Menge, welche innerhalb des Wirkungs- raums seyn kann(Abs. 4.). Hieraus folgt, dals die Wirksamkeit eines zusammengesetzten Stoffs viel grölser ‚seyn kann, als die Kraft seiner Bestandtheile, wenn die Bestandtheile, oder einer von bei- den, aus dem elastischen, in den tropfbaren Zustand übergehn. ‚Denn sie ‚bringen als- dann in den Wirkungsraum eine Be: "Masse, deren Wirksamkeit den. Verlust ‚wel- 166 XIV, ‚7, Abgeleitete chen sie durch Sättigung leiden’, weit über- steigen kann,! So kann das Kali den Widerstand der Elasticität des Sauerstoffgases, und Stickgases nicht überwältigen; aber wenn diese beiden Stoffe sich verbunden haben, und die tropf- bare Salpetersäure bilden, so wirken sie in weit grölserer Menge auf das Kali, als in dem gasförmigen Zustand möglich war. ‚Ist also gleich ihre Wirksamkeit durch den An- fang einer Sättigung geschwächt, so wird sie doch durch den gedachten Umstand weit beträchtlicher, als sie sevn könnte, wenn sich Sauerstoff und’ Stickstoff im, gasförmi- gen Zustand befänden, 8. Die Verwandschaftskraft eines Stofts, der mit einem zusammengesetzten Stoff in Verbindung tritt, vereinigt sich mit‘den Grundverwandschaften desselben, um die eingegangene Verbindung gegen die Einwir- kung anderer Stoffe zu schützen. So ent- zieht zwar z. B. das Eisen dem Stickstoff leicht Sauerstoff, oder vielmehr, es theilt ihn zwischen sich und dem Stickstoff: ist aber die Salpetersäure mit Kali verbunden, so ist das Eisen nicht mehr im Stande den Verwandschaft, 167 Sauerstoff bei der gewöhnlichen"Temperatur davon zu trennen; doch!wird- in höherer Temperatur die Verwandschaftskraft des Ka- li, durch den vermehrten Unterschied der Ausdehnungskraft so geschwächt, dafs sich das Eisen mit dem Sauerstoff verbinden kann, Aus der oxygenirten Salzsäure, wo‘ der Sauerstoff sich nur in einem niedrigen Grad der Sättigung befindet, und wo er folglich nur schwach an die Salzsäure gebunden ist, geht derselbe leicht in andere Verbindungen über. Aber ob er sich gleich in dem oxy- genirten salzsauren Kalı in viel grölserer Menge befindet, so wird'er doch aus dieser Verbindung viel schwerer durch oxydirbare Stoffe ausgeschieden. Phosphorsaure Kalkerde wird durch Koh- le, selbst in einem hohen Grade der Hitze, nicht zersetzt. Befindet sie sich aber in dem gesäuerten Zustande, so kann der Theil der Phosphorsäure, den man als überschüs- sig über den Sättigungspunkt ansehen'kann, durch Kohle zersetzt werden, weil derselbe durch. keine hinlängliche Masse der Grund- lage geschützt wird; und blofs dieser Theil ist es, welcher Phosphor liefert, wenn man 168 XIV. 8. Absgeleiteten sich zu seiner Zubereitung der phosphorsau- ren Kalkerde bedient, nachdem man sie ver- mittelst der Schwefelsäure in den gesäuerten Zustand versetzt hat, 9. Das Gegentheil vom vorigen findet statt, wenn. man nicht einen sättigenden Stoff, welcher der abgeleiteten Verwandschaft gleichsam zum Band dienen könnte, son- dern einen solchen Stoff hinzusetzt, der eine neue Verbindung zu machen, oder einen der Bestandtheile an sich zu ziehen sucht. Wenn man z, B, Schwefelsäure in ein Ge- meng von Eisen und Wasser gielst, so be- günstigt diese Säure die Zersetzung des Was- sers, indem sie sich mit dem Metall und mit einem gewissen Antheil des Sauerstoffs zu verbinden sucht; eine Kraft, welche sich mit der wieder: die Verbindung des Sauer- stoffs und Wasserstoffs gerichtete ‚Kraft des Metalls, vereinigt, Berthollet hatte im vorigen$. Beispiele angeführt,‘wo die Vereinigung zweier Bestandiheile durch Hinzukunft eines dritten‘Stoffs! fester wurde; hier führt er ein Bei- spiel an, wo die Vereinigung zweier Bestandtheile(des Sauerstoffs, und Wasserstoffs im Wasser), durch Hinzu- kunft eines dritten Stoffs(der Schwefelsäure), loser wird Er erklärt diese Erscheinung, aus einer Verwandschaft Verwandschaft.. VW 169 der Schwefelsäure zum Sauetstoff.«die man vermöge. des- sen, was Berthollet zu Aufang des’’zweisen.$.- diesesAb«- schnitts gesagt hat, als eine wahrscheinliche Hypothese einräumen kann, ob-wir- gleich’keinem: höhern Grad der Oxydation des Schwefels, als den:der vollkommnen Schwe-. felsäure in der Erfahrung kennen. Es erfordert übrigens” die Erklärung, Melche hier der Verfasser zu geben sucht, selbst, dafs man. sich diese Veandschaft nur als schwach denken müsse; denn sie ist schlechtertlings nicht vermögend die Bestandtheile des Wassers zu tren- nen, sondern äulsert ihr Daseyn nur' durch’ Beschleuni- gung und. Vergrölserung der Wirkung,'wenn ein Stoff hinzukommt, der, wie das Eisen, schon an und für sich die Kraft besitzt, das Wasser selbst in der gewöhnlichen ‚Temperatur zu zeisetzen, Zieht man aber ferner noch die Einwirkung, welche moihwendig zwischen dem Eisen und der Schwefelsäure selbst statt finden muls, in Erwägung, so erhält dadurch Berthollets ‚scharfsinnige Eırklärung,. einer zwar sehr‘ be- kannten, in der That aber noch nicht genugthuend er- klärten Erscheinung, noch mehr Licht, je es Rent mir als ob sich dadurch die supponirte Verwandschaft-der Schwefelsäure zum Sauerstoff des, Wassers völlig recht- fertigen lielse. Dals das Eisen vermögend ist, der Schwe- felsäure einen Antheil ihres Sauerstoffs zu entziehen, ist bekannt, ‚obgleich die Wirkung in der gewöhnlichen’'l’em- peratur nur langsam und-schwach geschieht; aber sie geht rascher vor sich, so wie durch Erhöhung ‚der Tem- peratur die gebundene Elastieität des Sauerstoffs erhöht, und dadurch sein Zusammenhang mit dem Schwefel ge- schwächt wird.‘Es ist kein Grund{vörhanden,‘ warum man annehmen:müfste,:dals diese Wirkung:in der Ge- genwart von Wasser gar nicht erfelgen sollte. Entzieht aber das Eisen auch hier‘der Schwefelsäure etwas Sauer- stoff, se wird dadürch begreillich,? dals’ diese etwas ı70 XIV.(ro...'Abgeleitete desoxydirte"Säure ‚eine starke Anziehung. zum Sauerstoff des Wassers erhalten'könne. 16) Aus‘dem Vorhergehenden lälst. sich folgern, dals dasjenige was bei Beurtheilung der abgeleiteten V erwändschaften zusammen- gesetzter Stoff@®in Erwägung zu ziehen ist, sich auf folgende Punkte zurückbringen lälst: ı) auf die Vortheile des. tropfbaren Zustan- des, in welcher Rücksicht man auf sie die Theorie der Auflösungsmittel anwenden muls; 2) auf die Neigung gewisser Stoffe zur Fe- stigkeit, welche entgegengesetzte Wirkungen hervorbringt, die nach den Gesetzen der Co- haesionskraft zu beurtheilen ‚sind.(V+}i, 3) auf die” Concentrirung gasförmiger Stoffe, welche eine eigene Betrachtung erfordert, deren Resultate ‚aber immer mit einem der beiden vorigen Punkte zusammentreffen. Die im 7ten und Sten$. vorgetragenen Bemerkungen. lehren, dafs in zusammenge- setzten Körpern, worin sich gasförmige Stoffe im concentrirten Zustand befinden, durch die Aenderung.des Aggregatzustandes Ver- wandschaften entstehen, die man als neu an- sehen kann; indem'sich‘eine Kraft bildet, auf welche man das ‚Enntgegengesetzte, von Verwandschäaft. 171 dem, was über die Elasticität(VI.) gesagt worden, anwenden muls, Ein Hauptunterschied zwischen der zu- sammengeseizten Verwandschaft, wovon. ich im ı2ten Abschnitt geredet habe, und zwi- schen derjenigen, die aus der Zusammen- setzung von Stoffen entspringt, besteht also darin; dals bei der erstern sehr wenig Ver- ändeıungen in dem Zustand der zusammen- gebrachten Bestandtheile vorgehn, und dafs sie, so lange nicht Cohaesion und Elasticität ins Spiel treten, so betrachtet werden kön- nen, wie es im ersten$. des ı2ten'Ab- schnitts geschehen ist; bei zusammengesetz- . ten Stoffen Ihingegen, in welchen elastische Stoffe verdichtet enthalten sind, bildet sich eine neue Kraft, welche man mit, der ‚Co- haesionskraft vergleichen kann, welche: bei Vermengung mehrerer Stoffe entsteht, und welche die Verbindungen bestimmt, ‚die in dem Gemenge entstehen können, oder die auch durch entgegengesetzte Kräfte über- wältigt werden muls. Es giebt genug. zusammengesetzte Stoffe,» in welchen sich keine verdichteten elastischen Stoffe befinden; aber alle dergleichen Verbindungen zeigen auch unmittelbar ı72 XIV. 10, Abgeleitete wenig, chemische Wirksamkeit, also nur eine schwache) abgelei tete Verwandschaft. Selbst die geschwefelten Lau- gensalze, äulsern ihre Kräfte nicht eher, als bis sie ent- weder in eine hohe Temperatur versetzt werden, in welcher der Schwefel für sich-elasusch seyn würde, oder bis sie im Wasser aufgelöst werden, wo die Wirkung augen- scheinlich den für sich' elastischen Wassers hauptsächlich zuzuschreiben ist. Bestandtheilen des Geht man hin- gegen alle die Verbindungen durch, welche eine starke abgeleitete Verwandschaft zeigen, so wird man immer finden, dafs sie wenigstens einen für sich elastischen Be- standtheil im verdichtetem Zusiand enthalten., Dahin.ge- hören aulser dem Wasser besonders alle Säuern, und die Metalloxyde, Ohne Zweifel wollte Berthollet bier nicht einen ganz allgemeinen Charakter für die abgeleitete, Verwandschaft fesısetzen‘, sondern nur zeigem, welches der Grund von, den. wirksamsten abgeleiteten. Verwandschaften. sey, Sollte ich übrigens den Unterschied zwischen zusam- mengeseizter und abgeleiteter Verwandschaft allgemein be- stimmen: so. würde ich sagen; so lange in einer Vermi- schung mehrerer Stoffe noch alle einzelne Verwandschalts- kräfte' wirksam sind, so lange ist eine Wirkung zusam- mengesetzter Verwandschaften da; ist aber die Wirkung vollendet, haben alle Kräfte gewirkt, was sie unter diesen "Umständen wirken konnten, ‚sind alle die Verbindungen, welche entstehen konnten, wirklich entstanden,'so heilst die Kraft die jeder einzelnen entstandenen Verbindung nach Beschaffenheit der Umstände noch übrig ist, eine abgeleitete Verwandschaft,/ ı1. Der Wärmestoff zerstört durch Ver- mehrung.der Elasticität'die abgeleitete Ver- wandschaft solcher‘Stoffe, deren Bestand- Verwandschaft, 73 theile eine ungleiche Ausdehnbarkeit haben; gemäls dem was oben,(Abs. VII.) vorgetra- gen worden. 12. Die Erfahrung‘ lehrt ferner, dafs, wenn ‚auch eine abgeleitete Verwandschaft nicht. hinreicht ‚die Zersetzung des ‚Stofls zu verhindern)’ sie doch dieselbe in vielen'Fäl- len langsam und anhaltend machen könne, Dieser. langsamen Wirkung,.dieser fortschrei- »tenden Veränderung der innern Mischung, die allmälıg von einer Stufe der Sättigung zur andern übergeht, muls man den größten Theil der Erscheinungen zuschreiben,' die man bei der Vegetation, bei der Gährtung, in der' thierischen. Oeconomie, und.über- haupt bei solchen Stoffen wahrnimmt,- che. gasförmige Stoffe im verdichteten- stand„enthalten*).' Ein‘Gegenstand der noch’ vieler Aufklärung"bedarf. *) Ich habe’mich bisweilen dieser Veränderungen der Mi- schung in den chemischen Erklärungen bedient, die ich Gelegenheit gehabt habe zu geben. Besonders ist dieses in den Vorlesnngen in der Ecole normale geschehen, wo ich die abgeleitete(resultante,) Verwandschaft, mit dem Namen collective- Verwandschaft bezeichnet, und sie von den Grundverwandschaften(af. dlementaires) Un« terschieden habe. Anm. d. Orig. 174 XIV."ı2.. Da diels die einzige Stelle ist, wo Bertbollet in- seiner inhaltreichen Schrift der organischen Erscheinungen er- wähnt,‘so'sey es mir erlaubt, eine dahin gehörige Be- merkung der unbefangensten Prüfung aller Naturforscher zu empfehlen, Die. französischen Chemiker. scheinen noch immer geneigt, in.den Erscheinungen der organi- sirien Natur nichts als ein verwickeltes Spiel mechani- scher und chemischer Kräfte zu seheu, und mehrere ach- tungswürdige deutsche Naturforscher scheinen ihrem Bei« spiel zu folgen. Der Unterschied der organisirten, und nichtorganisirten Natur bestehe worin er wolle, so ist er doch so auffallend, dals beide gegenwärtig nicht mehr verwechselt werden können. Es giebt zwar: gewisse Er- scheinungen, welche. beiden. Naturreichen gemein sind, aber eine weit grölsere, eine unendliche Menge Erschei- nungen sind von der Art, dals sie dem einem oder dem andern Reiche ganz ausschliefsend zugehören; ‚ worüber die neuere Naturlehre, und besonders die Untersuchun- gen‘ der französischen Chemiker so viel Licht verbreitet haben. Die eigenthümlichen Erscheinungen der organi- sirten Natur, betreffen theils die Form(Structur), theils die Materie(Mischnng) der'organischen Stoffe, theils sind sie aber auch von einer Art, dals sie weder zu der Form noch zu der Materie eines organischen Stofls ge- rechnet werden können(leben, empfinden, denken, wol- len,); denn der organische Stoff und seine Structur sind äulsere Erscheinungen, jene Erscheinungen aber sind in- nere, die wir blols aus unserm eigenen Selbstbewustseyn kennen, und die mit der äufsern Form und Materie gar nichts zu thun haben. Ich will das Unmögliche einräu- men, dals man zu jeder Einpfindung, zu jedem Gedan- ken, eine gleichzeitige Bewegung oder Mischungsverände- zung in einem Organ nachweisen könne: man würde ein höchst wichtiges Naturgesetz entdeckt haben, aber man würde doch nichts weiter gefunden haben, als den äulsein Begleiter einer innern Erscheinung, der immer Verwandschaft. 176 noch nicht die innere Erscheinung selbst ist. Doch ich will aicht einmal von diesen geistigen Erscheinungen 18 den, die offenbar einer: höhern Ordnung der Dinge zu- gehören; ich:‘kann dreist unsere' ganze Mechanik. und Chemie auffordern, uns irgend einen der Sıoffe, welche sich ausschlielsend nur in organisirten Körpern finden, mit oder ohne die organische Strirctur, aus ihren nicht- organischen Beständtheilen"zusammenzuseizen. Kana man das nicht, und können dergleichen Stoffe durchaus nicht anders, als in einem organischen Körper, und ver- mittelst der organischen Functionen der Frzeugung, und Ernährung entstehen, so ist-.es doch; wenigstens höchst wahrscheinlich, dafs bei ihrer Entstehung eine eigene hö- here Art von Kräften wirksam'sey. Es ist ein sehr rich» tiger Canon, dals man zur Erklärung einer Erscheinung nicht zweierlei Kräfte annehmen müsse, wenn man mit einer Art ausreicht. Aber diels ist hier nicht der Fall; und auf der. audern Seite ist es ein ebeniso richtiger Canon, dals man zwei Wirkungen nicht einerlei Kräften zuschreiben müsse, ehe nicht erwiesen ist, dals sie unter gleichen Gesetzen stehen.: Mehrere hierher gehörige Be- merkungen ‚habe ich in einer Abhandlung über den Un- terschied organischer und nichtorganischer Körper, zu- sammengestellt. Man sehe, der Natuff. Gesellsch. in Ber- lin neue Schriften, Band 3. S, 348. Ist meine Ansicht der Sache richtig, so kann man nicht sagen,-dafs die Erscheinungen der Vegetation, und thie- rischen Oeconomie nichts weiter ‚seyn, als Wirkungen von der abgeleiteten Verwandschaft der dabei wirksamen Stoffe, ob es: gleich unstreitig_ ist, dals diese abgeleitete Verwandschaft zu den dabei.mitwirkenden aber eine un- tergeordnete Rolle spielenden Rıäften ‚gehört. 13. Die abgeleitete Verwandschaft muls immer nur als eine einzige Kraft angesehen se xv) 15."Abgeleitete. "werden, so lange die Stöffe von denen sie herrührt;, in, Verbindung, bleiben. Geht aber eine: Zersetzung‘ vor,°'so.-muls. man die “Grundverwandschaften von denen sie ab- ‚hängt, in Betrachtung ziehen, Die Zersetzung "aber geschieht dem'gemäls,: was ich über “die Theilung eines Stofls, im‘Verhältnißs der Lentgegengeseizten Kräfte die auf ihn wir- kven, vorgetragen habe. v4 Es geschieht bisweilen, dafs ein Stoff zum Theil durch abgeleitete Verwandschaft, zum Theil durch seine Grundverwandschaf- ‘ten wirkt, Wenn man ein ‚Metall in Salpe- „tersäure, auflöst, ‚so übt ein Theil dieser Säu- fe eine abgeleitete ‚Verwandschaft aus, ein anderer Theil wirkt durch seine Grundver- _ wandschaften, so dafs der Sauerstoff dieses letzten Theils sich zwischen dem Metall und dem Stickstoff theilt, und dals das Oxyd, welches sich-bildet, sich in der nichtzersetz- “ten Säure auiflöst. 15. Es ergiebt sich'aus‘dem was über die abgeleitete Verwandschaft gesagt;worden, dals. man sich eine falsche Vorstellung von “den Eigenschaften eines Körpers machen könne, wenn man sich, wie bisweilen ge- sche- Verwandschaft; 177 schehen ist, darauf beschränkt, seine. Be- standiheile auszumitteln, andere Umstände der Mischung aber aus der Acht läfst, be- sonders aber, ob einer oder der andere Be- standtheil‘eine beträchtliche Veränderung seines Aggregatzüstandes erlitten habe, Der Sauerstoff hat nicht die hämliche chemi- sche Kraft, wenn er sich in gasförmigen Zu- stand befindet, als wenn er in Verbindung mit Stickstoff, Wasserstoff, Kohle, Schwefel, oder einem Metall, eine abgeleitete Kraft ausübt. So äufsert der Sauerstoff nicht die näm; liche Kraft, er hat nicht dieselbe abgeleitete Verwandschaft in der vollkominnen und unvollkommnen Schwefelsäure, Denn ob’ er gleich in der vollkommvnen mit einer ges ringern Menge Schwefel verbunden ist, so hängt er doch weit fester damit zusammen, als in der unvollkommenen, und übt in der- selben eine viel stärkere chemische Kraft aus, weil er verdichteter ist*). Man darf das Sauerstoffigas, das im Was ser aufgelöst ist, nicht mit dem verwechseln, %) Ich habe die Wirkungen der Verdichtung in einer Aba handlung über|die unvollkommene Schwefelsänre bemerks Tich gemacht: Annäles de Chimie, ännee 1539: - Anın, d, Orig; 12 x FRE STE EN ver FREE un xIV. ı5, Abgeleitete Verwandschaft. a Br Be das durch‘seine Verbindung‘mit Wasser- stoff das Wasser bildet. Die Verschieden- heit der Verdichtung in welcher sich beide ı befinden, macht daraus zwei, Stoffe, die in Ansehung ihrer chemischen Kräfte sehr ver- schieden sind.| Man muls also entweder‘alle Umstände, der Mischung eines Körpers in Betrachtung ziehen, um seine Eigenschaften zu erklären, oder man muls sich begnügen, dieselben 'blofs durch Erfahrung zu bestimmen; so wie man seine Aufmerksamkeit auf alle Umstän- de einer chemischen Wirkung richten muß, um daraus das ‚Resultat. derselben zu erklä- ren, oder sich gleichfalls begnügen muls, dasselbe nur durch Erfahrung auszumitteln. Funfzehnter Abschnitt, 'Summarische Wiederholung; ı. Man hat in vielen Fällen bemerkt, daßs die Wirksamkeit eines Stoffes um so schwächer wird, je mehr er sich dem Zu- stande der Sättigung nähert, und man hat sich dieser Schwächung der Kraft zur Er- Klärung vieler chemischen Erscheinungen bedient. Man hat geurtheilt, dals ein Me- tall der Salpetersäure nur einen"gewissen Theil des Sauerstoffs entziehen könne, weil; wenn das Verhältnifs desselben genug ver- mindert sey, der Ueberrest sehr fest mit dem Stickstoff zusammenhänge. Man hat behaup- tet, dafs der Wasserstoff gewissen Metalloxy- 186 XV. 1. Summariscke den nur einen Theil des Sauerstofis entzie- hen könne. Man hat eingesehen, dals ein Stoff der die Feuchtigkeit aus der Luft an- zieht, mit‘ der auflösenden Kraft derselben in ein Gleichgewicht komme, so dafs er nach den verschiedenen Graden der Trockenheit der Luft bald Wasser entziehe, bald wie- der abtrete. Man hat erkannt, daß der Widerstand womit sich die letzten Theile einer Verbindung, der Ausscheidung eines Stoffs, sie geschehe durch eine Verwand- schaft, oder durch die Wärme, widersetzen, weit stärker sey, als zu Anfang der Zer- setzung, und dals er bisweilen so stark seya dafs keine vollständige. Zersetzung‘statt fin- det, so wie man z, B. weils, dals man durch Wärme nur einen Theil Sauerstoff von dem Braunsteinoxyd trennen könne, In allen diesen Fällen hängen also die Verbindungen, welche sich durch die Ge- genwirkung chemischer Kräfte bilden, nicht blols von den Verwandschaftskräften, son- dern auch von dem Verhältnils ‚der wirken- den Stoffe ab. Ich habe also blols das, was die Erfahrung in vielen Fällen anzunehmen zwingt, auf alle chemischen Erscheinungen Wiederholung, 582 angewendet, und das was unmittelbar hier- aus folgt, auseinandergesetz#. 0.‘ Diese Folgerungen sind: dals die Wirksamkeit der Stoffe von ihrer Verwand- schaftskraft, und von der Menge die sich im Wirkungsraum befindet, abhängt, dals die letztere ersetzen kann, was der erstern abgeht, und dals die chemische Wirkung je- des Stoffs den Sättigungsgraden proportio- nal ist, welche er hervorbringt. Ich habe durch die Benennungen chemische Masse, oder Masse die Quantitäten bezeichnet, welche durch gleiche Grade, der Sät- tigung bestimmt, folglich. dem’ Sättigungs- vermögen proportional sind. Streben dem- nach zwei Stoffe zugleich zur Verbindung mit einem dritten, so bringt jeder einen Sättigungsgrad hervor, der seiner Masse pro- portional ist. Auch die Unterlage der Ver- bindung theilt ihre Wi irksamkeit. in Verhält- nils der gegenwirkenden Massen, und än- dert man diese, so ändern sich auch die Resultate, %, Ich habe alle Arten von Kräften in Betrachtung gezogen, welche durch überein- stiimmende oder entgegengesetzte Wirkung 182„. RV 5, mit.der"gegenseitigen Verwandschaft der Stoffe,"und nach dem festgesetzten Grund- satz, einen Einfluls auf die Verbindungen und chemischen Erscheinungen haben kön- ne, Diese Kräfte sind folgende: die Wir- kung der Auflösungsmittel, oder die Ver- wandschaft, welche auch sie im Verhältniß ihrer Menge ausüben; die Cohaesionskraft, welche die Wirkung von der gegenseitigen ‚ Anziehung der Theilchen eines’ einfachen, oder zusammengesetzten Stoffes ist; die ei- genthümliche oder durch Wärme bewirkte Elasticität(Gasförmigkeit), welche man als eine Wirkung von der Verwandschaft des Wärmestoffs ansehen kann; die Efflorescenz, deren Grund man in einer noch unbekann- ten Verwandschaft suchen kann, nur in einigen seltenen Fällen wirkt; auch die aber. die Schwere äufsert einen Einflufs, beson- ders in so fern. sie die Zusammenpressung elastischer Flüssigkeiten bewirkt, man kann sie aber in jedem Fall ohne Nachtheil mit der Cohaesionskraft verwechseln. 4. Ich habe untersucht, ob es möglich sey, das Verhältnifs der Wahlverwandschaf sen ‚zweier Stoffe gegen einen: dritten zu, be- Wiederholung, 153 stimmen.. Ich habe gezeigt dals man zu dem. Ende bestimmen mülste, in welchem Ver- hältnils dieser dritte Stoff sich selbst, oder vielmehr‘ seine Wirksamkeit,: zwischen ‚den beiden gegenwirkenden theilen mülste, Aber ich habe auch die unüberwindlichen Hinder- nisse‘gezeigt, welche in den Mitteln liegen, die man nothwendig anwenden müfste, um jenes Verhältnis zu bestimmen, so wie in den Veränderungen des' Aggregatzustandes die hierbei entstehen können. 5, Da die Verwandschaftstafeln sämmt- lich auf der Voraussetzung beruhen, dals alle Stoffe Verwandschaftskräfte von verschie- dener. Stärke besitzen, durch welche sie Zer- setzungen und‘Zusammensetzungen hervor- bringen, und zwar unabhängig von ihrer Quantität, und von. allen übrigen Umständen welche auf die Resultate Finflufs haben kön- nen; so müssen diese Tafeln nothwendig eine falsche Ansicht von. der_chemischen Wirksamkeit aller der Stoffe geben, die in denselben classificirt sind. 6. Der Ausdruck Wahlverwandschaft selbst, verleitet nothwendig zu einer falschen Vorstellung: denn er setzt eine ‚vollständige 8% XV. 6. Summarische Vereinigung eines Stoffs mit einem zweiten, in der Gegenwart eines dritten, voraus: da doch-unter. diesen Umständen nichts als eine mancherlei Bedingungen untergeordnete Thei- lung seiner Wirksamkeit erfolgen kann, 7. Die Wirksamkeit von zwei, drei, und mehreren Stofien, steht unter den nämlichen Gesetzen, und das Resultat derselben hängt ab, von ihrer Verwandschaftskraft, von ih- rem Verhältnils, von dem Grade der Sätti- gung in welchem sie stehen, und von der“ zusammenstimmenden oder entgegengesetz« ten Wirkung der Kräfte die sie ausüben, In allen Fällen wo bloß flüssige Stoffe gemischt werden, entsteht eine gegenseitige Sättigung. So lange kein Niederschlag oder Gasentwicklung statt findet, tritt alles in eine einzige gleichförmige Mischung, wo sich alle Kräfte. in ein Gleichgewicht setzen. Aber wenn sich die Wirksamkeit eines oder des andern Stoffes theilt, weil sich entgegenge- setzte Kräfte, oder ungleiche Grade der Sät- ügung finden, so werden gewisse Stoffe nach der Mischung durch eine schwächere Kraft zurückgehalten, als vor desselben. Sie wer- ‚den jetzt der Cohaesionskraft, der Elasticität, “ Wiederholung. 185 oder andern Verwandschaftskräften weichen, denen sie vorher widerstehen konnten. 8. Die Cohaesionskraft die man bisher bloß als ein Hindernils der Auflösung'ange- sehen hatte, beschränkt nicht allein die Quantität der Stoffe, welche man in emer Flüssigkeit in Wirksamkeit setzen kann, und modificirt dadurch die Grade der Sättigung welche entstehen; sondern sie ist auch die Ursache der Niederschläge und Krystallisatio- nen, und bestimmt die Mischungsverhältnisse der sich ausscheidenden Verbindungen._ Ja sie bewirkt. bisweilen die Ausscheidung eines Stoffes, ohne dals dieser in Verbindung mit einem andern tritt, wie wir diels bei gewis- sen metallischen Niederschlägen gesehen ha- ben. Ich habe Unauflöslichkeit und Cohae- sionskraft unterschieden, weil jene blofs ein Verhältnifs gegen das Auflösungsmittel an- zeigt, diese aber eine Wirkung von der ge- genseitigen Verwandschaft der Theile eines einfachen oder zusammengesetzten Stoffes ist, so fern man ihn als homogen- ansehen kann, Die Elasticität bringt entgegengesetzte Wirkungen als die Cohaesion hervor. Sie XV. 8, Summarische 185 bestehen entweder darin, dafs in.einer Flüs- sigkeit gewisse Stolle der Wirkung. der übri- gen entzogen werder, ‚oder dafs nur das Ver- hiltnifs vermindert wird, worin sich ein Stoff innerhalb des Wirkungsraums befindet. Be- tinden sich aber alle Stoffe im gasförmigen Zustand, so ‚steht ihre Wirksamkeit unter den allgemeinen Gesetzen. Tafeln, welche für die mancherlei Ver- bindungen die sich bilden können, die Dispo- sition ‚zur Unauflöslichkeit, oder zur Flüch- ügkeit darlegten, würden in sehr vielen Fäl- len dienen können vorauszusehen, was für Verbindungen durch. die Mischung verschie- dener ‚Stoffe, und durch den Einfluls der Wärme entstehen könnten. Hr. D. Hahnemann stellte schon im Jahr 1784. die- sem Satz als Grundsatz für die Chemie auf. Man vergl, die erste Ausgabe seiner Uebersetzung von Demachy’s La- borant im Grofsen, Vorrede pag. V.(Leipz. 1784.). Seine Worte sind:„Die wechselseitige Zersetzung. der zu- „sammengesetzten chemischen Kürper beruht auf den „Verhältnifsen ihrer werschiedenen Auflosbarkeit. Die- „sem Satze hat man schädlicher Weise das alles erklä- „ren sollende Wort Verwandschaft untergeschoben, und „wenn ich ibn hier nur am rechten Ort angebracht ha- „be, so will ich gern auf die Ehre Verzicht thun, sein „Erfinder zu seyn.. Ich fordere deshalb, um diesen Grund „aller Chemie zu erhellen, alle Scheidekünstler auf, über Wiederholung. 187, 2 „die verschiedene Auflösbarkeit der Salze in allen Graden „der Wärme genaug Beobachtungen anzustellen, und wir „wollen noch grälsere Schritte in der Chemie thun, als „bisher.“ 9. Der Wärmestoff wirkt auf die Kör- per, wie andere Auflösungsmittel, Nur mus er sich nicht in dem Zustande stralender Wärme befinden; denn in diesem Zustande ist er aulser Verbindung. Er muß den gröfsten Theil der Cohae- sionskraft überwältigen, um einen Körper flüssig zu machen, Andere Verwandschaf- ten können sich mit ihm' zu diesem Zweck vereinigen, so wie er selbst die Kraft an- derer Auflösungsmittel unterstützt. Er vertheilt sich unter die Körper, weder im Verhältnils ihrer wägbaren Masse, noch ihres Raums, wenn er sie nach dem Ther- mometer ER gleichen Graden der'Tempera- tur bringt: so wie eine Säure nicht gleiche Theile von alkalischen Stoffen anzieht, um gleiche Grade der Sättigung hervorzubrin- gen. Und wenn man, so wie man Tafeln der specifischen Wärme hat, auch Tafeln der spegifischen Acidität und Alkalinität ver- fertigte, so würden, wie jene das Vermögen "N Erz TREE ’ I. - 188 XV. 9. Swmnmarische Wärmestoff zu binden, so diese das Sätti- gungsvermögen der Körper darlegen*). Doch würde‘ein Unterschied beider Ta- feln"darin liegen, dals die der Acidität und Alkalinität, die ganze volle Sättigung bis zu einer angen@nmenen Gränze, enthalten wür- den, weil man reine Säuern und Alkalien anwenden kann:‘die specifischen Wärmen hingegen können mur von einer unbekann- ten Gränze der Sättiguhg, an, bis zu einer gendern bestimmt werden: denn alle Körper — ®) Mehrere Chemiker haben sich Mühe gegeben, die Mi- schungsverhältnilse der chemischen Verbindungen zu be- stimmen., Niemand bat diese Arbeit‘ in grölserem Um- fang und mit mehr Erfolg unternommen, als Kirwan; indessen finden bei der Methode die er angewendet hat, Kancherlei Bedenklichkeiten statt, Eben djeser Naturforscher hat den Grundsatz aufge- stellt, dafs die Verwandschaften den Mengen proportional seyn, welche den Zustand der Särtigung hervorbringen; aber er betrachtet die Verwandschaften als Kräfte, die von der Quantität, und von den übrigen Umständen die ihre Wirkungen modificiren, unabhängig seyn. Anmerk. d. One./ Unter unsern Landeleuten hat, nach Wenzei, Niemand diese Arbeit weiter getrieben, als Richter in seiner Sıö- chiometrie. Aber es lassen sich gegen seine Theorie eben die Erinnerungen, als gegen Kirwan machen. FR. \Viederholung, 189 mit denen man den Versuch anstellen kann, sind schon’ mit einer gewissen(unbekann- ten) Menge von Wärmestoff gesättigt; und die Resultate, welche man zwischen, zwei Graden der Thermometerscale erhält, stehen in keinem bekannterf Verhältnis mit der Totalmenge. Von dem einen auf das ar dere schliefsen zu wollen, ist eben so viel, als wenn man die Aufiösbarkei® des salzsau- ren Natron, und salpetersauren Kali durch Versuche bestimmen wollte, die blols in der Nähe entweder. des Siedpunktes oder des Frostpunktes gemacht wären, Im ersten Fall würden wir sagen, dafs drei Theile Was- ser zur Auflösung von einem Theil salzsau- rem Natron, aber nur ein halber Theil, zur Auflösung von einem Theil salpetersauren Kali erforderlich sey; im zweiten Fall müls- ten wir sagen, dals weit weniger Wasser zur Auflösung des salzsauren Natron als des sal- petersauren Kali erforderlich sey ER ”) Diese Betrachtung, dafs die speciische Wärme nie ‚ein bekanntes Verhälnifs gegen den sämmtlichen mit dem Körper verbundenen Wärmestoff hat, macht es allein augenscheinlich,‘dals die Versuche, durch welche Runm- ford zu beweisen glaubte, dals der Wärmestoff kein, D« 190 XV, 9. Summarische! Geht ein Körper in- den, Zustand der Festigkeit über, so nöthigt die Gohaesions- kraft einen Theil des Wärmestoffs sich aus: zuscheiden; eben so, wie ein Salz, wenn es krystallisirt, einen Theil des Auflösungsmit- tels, oder gar einen Thheil der verbundenen Säure, oder des Laugensalzes fahren lälst. Diese durchgeführte Vergleichung zwischen der Em- pfänglichkeit der Körper Wärme aufzunehmen, und der Empfänglichkeit andere verwandte Stoffe mit sich zu:ver- binden, ist sehr sinnreich, und beweist in allen Punkten, wie. viel Grund die Chemiker haben, die Wärme für einen wirklichen Stoff zu halten, da sie unter den allge- meinen Gesetzen der chemischen Verwandschaft steht; welches, von einer blofsen Bewegung, gesagt, schwerlich einen verständlichen. Sinn haben könnte: Man stelle sich vor, dafs gleiche Gewichte einer An- zahl von verschiedenen Körpern in einen Fıaum gebracht werden, wo ein Ueberlluls von Wärme. vorhanden ist, 50 wird jeder dieser Körper eine gewilse Menge der\Värme annehmen, so.lange, bis keine Mittheilung weiter erfölgt, d. h. bis sie zu gleicher Temperatur gelangt sind. Denn wenn keine Mittheilung‘geschieht, so muls ein Ther- mometer:in,, eben dem Raum überall gleiche"Gra- de zeigen, eben deswegen, weil es weder Wärme em- pfängt, noch abtrit. Dennoch enthalten bekannılich alle jene Körper unter diesen Umständen sehr verschiedene Quantitäten von Wärme. Stellte man nun diese Quanti- standtheil der; Körper sey, zu dieser Schlulsfolge nicht be- rechligen können. Anmerk. des Orig, Wiederholung, ig1 täten in einer Tafel vor, so würde diels eine. Tafel der epecifischen Wärmen, oder der Empfänglichkeit(Capa» cität) für den Wärmestoff seyn. Alle Zahlen einer sol. chen Tafel aber würden blolse Verhältnifse nicht abso_ lure Quantitäten, die in Ansehung des Wärmestoffs völ- lig unbekannt sind, ausdrücken. Nun stelle man sich, gleiche Gewichtsmengen, einer Reihe von alkalischen Stoffen vor, und bringe sie, um die Aehnlichkeit' zu ‚vollenden, in einen Raum, wo ein Ueberfluls von einer Säure vorhanden ist, so wid jeder alkalische Stoff eine gewilse Menge von Säure aufneh- ınen, oder binden, so lauge bis alles zuM Süuillstand, d. h. zu gleicher Sättigung gelangt ist, Stellie man nun die Quanütäten der Säure, die durch jeden alkalischen Stoff gebunden ist, in einer Tafel vor, so hätte man eine Ta- fel der specilischen Aciditär dieser Grundlagen, oder ihrer Empfänglichkeit für die auf alle wirkende Säure(capacite de saturation), oder, wie ich‘es in der Uebersetzung im- mer ausgedrückt habe, des Sättigungsvermögens, d. i. des Vermögens, welches gleiche Theile dieser alkalischen Stof- fe haben, die Säure zu sättigen. Man’ verwechsle im vorigen die Begriffe Säure und Al- kali, so begreift man, was eine'J’afel der Alkalinität einer Reihe von Säuern seyn würde., Die Zahlen solcher Ta- bellen, würden nicht blols Verhältnilse, sondern zugleich absolute Mengen anzeigen. 10. Man kann in der That_sagen, dafs die Verwandschaftskräfte selbst durch Ta- feln des Sättigungsvermögens vorgestellt wer- den würden: denn, sie würden das ‚Maals der chemischen Wirkung für einen gemein- 'chaftlichen Grad der Sättigung, dergleichen XV, 10. 192 für Laugensalze und Säuern die Neutralität, für den Wärmestoff die Temperatur ist, be- stimmen, Aber man würde daraus keinen Schluß auf die chemische Wirkung bei ei- nem andern Grad der Sättigung*),' oder überhaupt bei einer veränderten Beschaffen- heit der Umstände, wo Cohaesion und Ela- sticität ins Spiel kommen könnten, machen dürfen, 11. Nachdem ich alle Kräfte, welche bci einer chemischen Erscheinung zugleich wir- ken können, erörtert hatte, so, untersuchte ich, wie die Verwandschaftskraft eines zu- sammengesetzten Körpers, von seinen Be-. standtheilen abhängig seyn könne,' Ich such- te auf diese Art. begreiflich zu machen, dals die mannigfaltigen Kräfte, von welchen die chemischen Erscheinungen herrühren, blofßs in *) Ich kann mich von der Richtigkeit dieses Schlusses nichz überzeugen, und berufs mich auf das, was ich hierüber oben(X.$.3) gesagt habe. Auch die Versuche durch welche man die'specifische Wärme verschiedener Körper zu bestunmen gesucht hat, scteihen hicht zu dem’ Schluls zu berechtigen, dafs ihr Verhulinile ‚unter verschiedenen Temperaturen verschieden sey: x Wiederholung, 195 in’'den Eigenschaften der einfachen Stoffe ihren Grund haben’ könne, Die vorgetragenen Bemerkungen zeigen, dals dasjenige, was ‚hauptsächlich den Cha- rakter solcher zusammengesetzien Stoffe, de- ren Verwandschaft man als einfach ansieht, bestimmt, die. Verdichtung ihrer Bestand- theile sey,° Durch sie entsteht eine neue Verwandschaft, die von der, welche die Be- standtheile im elastischen Zustand hatten, sehr, verschieden. ist, Die Dinge aber, durch welche die Grundverwandschaften mo- dificirt werden, sind folgende: der, Grad der Sättigung.(XIV.- 4); die Cohaesionskraft (XIV. 5. 6.); die Veränderungen der.Elasti- cität(XIV, 7.); ‚die abgeleitete Verwand- schaft kann ferner, durch eine neue Verbin- dung einen neuen. Grad der Sättigung erhal- ten, durch welchen die.Bestandtheile des zu- sammengesetzten Stoffs in ihrer Verbindung geschützt werden(XIV. 9,); oder sie kann. durch Stoffe die geneigt sind mit einem der Bestandtheile in Verbindung zi* treten, ge- schwächt werden(XIV. 9... 12, Alle Betrachtungen die ich über die chemische Wirksamkeit der Stoffe vorge: 13 a wi Kr Ba=- ie ee} “€ * a 294* xV.rı2 Summatische tragen habe, hindern nicht, den ganzen In- begriff des chemischen Vermögens, das. ein “Körper unter gegebenen Umständen, sey es durch seine gegenwärtige Mischung, oder ‚durch seine Menge, oder selbst durch die Dazwischenkunft anderer Verwandschafts- kräfte äußern, seine Verwandschaft zu nen- nen. Aber man'muls‘sich hüten, diels Ver- mögen, als eine beständige Kraft anzusehen, welche alle Zusammensetzungen und Zer- setzungen bewirke. Diels hiefse, von dem was diefs Vermögen jetzt ist, einen Schluls auf das machen, was es unter andern Um- ständen, die seine Kraft ganz anders bestim- men können, seyn soll; diels hiefse alle Veränderungen übersehen, welche dieses Vermögen, von. ersten Augenblick seiner Wirkung. an, bis zu dem Punkt, wo ein Gleichgewicht eintritt, erleidet, 13. Ich babe in dieser Abhandlung eine Erklärungsart der chemischen Erscheinungen vorgelegt, welche sich gleichförmig in der ganzen Chemie anwenden lälst. Ich habe alle Kräfte in Betrachtung gezogen, welche bei diesen Erscheinungen mitwirken, und habe zu bestimmen gesucht, welchen Ein- Wiederholung. 195 flüls jede näch Beschaffenheit der Umstände habe, Man wird es bedauern, dafs wir die Hoffnung aufgeben müssen, die chemische Kraft der Körper, ohne Rücksicht auf die Umstände wodurch sie modificirt wird, zu messen: aber man wird sich bald überzeu- gen, dafs die Verwandschaftstafeln, nichts als ziemlich unfruchtbare Register gewisser Thaisachen sind, welche den Nachtheil brin- gen, dafs sie die Aufmerksamkeit von frucht- barern Ideen abziehn, durch deren Hülfe man einen grolsen Theil der’ chemischen. Erschei:: nungen vorhersehen, oder auch den Erfolg erklären und leiten kann, ohne Hypothesen, ohne particulaire Grundsätze: züır ae; der Anomalien nöthig zu haben. Erste Fortsetzung 5 went' Untersuchung en > über die Gesetze der-Verwandscha Fr Yon_dem Einflu/s der Quantitäten bei'zu» sammengeselzten Verwandschaften. % 1. Ich habe in den"Untersuchungen- über die Gesetze der Verwandschaft, die vor- nehmsten Erscheinungen auseinander gesetzt, welche die zusammengesetzte Verwandschaft hervorbringt, wofern sich eine Cohaesions- kraft oder Elasticität ins Spiel mischt, wel- che stark genug ist, denjenigen Wechsel der Grundlagen hervorzubringen, den man bis» her einem Uebergewicht der trennenden Forts. 1. ı. Zusammengesetzte Verwands. 197 über die ruhenden Verwandschaften zuge- schrieben hat. Dagegen habe ich mich nicht auf die Erörterung der Modificationen ein- gelassen, welche von dem Verhältnifs der in Wirksamkeit gesetzten Stoffe herrühren, wenn keine vorhandene Cohaesionskraft stark ge- nug ist, um. diese Modihication unmerklich zusmachen. Ich habe(Abs. XIL$. 6.) ver- wieder zu diesem Gegenstand. zu« sprochen, rück zu kehren, und erfülle jetzt dieses Ver- sprechen, Nach der vorgetragenen Theorie(Abs. V. $. 5.) üben alle Stoffe eine gegenseitige Wirksamkeit aus, so lange sie sich in dem Zustand der. Flüssigkeit befinden. Demnach sind z, B. in einer Auflösung von schwefel- saurem Kali, und salzsaurem. Natron, diese beiden Salze gar- nicht gesondert, so lange nicht eine besondere Ursache die Trennung ihrer Verbindungen. bewirkt. Man hat also eigentlich. in der Auflösung nur Schwefel- säure, Salzsäure, Natron und Kali”). Ich werde mich indessen doch der gewöhnlichen. Art sich auszudrücken bedienen, woraus % *) Man vergl. die Anmerk. 6.) zu XI ii F. 98 Forts I. 2. Zusaminengesetzte aber nach dieser Vorerinnerung keine Zwei- deutigkeit entstehen kann. 2. Ich fange mit solchen Mischungen an, wo eine beträchtliche Krystallisationskraft . entscheidet, was für Verbindungen eniste- hen sollen. Versuch A. Es wurden gleiche Theile von salpetersaurer Kalkerde, und schwefel- saurem Kali gemischt. Nach Absonderung der schwefelsauren Kalkerde, welche sich gleich bei der Vermischung bildete, und denen ich in den folgendsn Versuchen nicht weiter erwähren werde, wurde die Flüssig- keit abgedampft, und ich erhielt bei den Successiven Operationen nichts als salpeter- saures Kali, und schwefelsaure Kalkerde; Doch erhielt ich nach der letzten Abdam- pfung einige Krystallen von schwefelsaurem Kali, und es blieb blofs eine geringe Menge einer unkrystallisirbaren Flüssigkeit übrig, worin kohlensaures Natron, und salpetersau- re Schwererde einen Niederschlag machten, so dals sie aus einer geringen Menge von Schwefelsäure und Kalkerde, ünd wahrschein- ‘ lich aus einer viel. größsern Menge von sal- petersaurem Kalı. bestandt, Verwandschaft. 4 99 Die Menge der. schwefelsauren; Kalkerde, welche sich während der Abdampfungen ab- sonderte,. war, weit grölser, als die Menge, welche man-aus einer blofsen. Auflösung die- ses Salzes im. Wasser erhalten haben wür- de; und hieraus folgt dals die Auflöslichkeit desselben durch die Einwirkung der übri« gen Stoffe vergrößert worden. Versuch B. Zwei Theile von schwefel- saurem Kali, und ein Theil von salpetersau- rer Kalkerde, gaben bei der ersten Abdam- pfung schwefelsaures Kali, und schwefelsaure Kälkerde, und bei den folgenden salpeter- saures Kali, nebst den beiden genannten schwefelsauren Salzen, und zwar die letztern in abnehmenden Verhältnils bis zur letzten Krystallisation. Es blieben zuletzt blols ei- nige Tropfen einer Flüssigkeit übrig, in wel- cher sich nichts krystallisirte. Kohlensaures Natron fällte daraus nichts, wohl aber sal- petersaurer DBaryt,, Sie bestand daher wahrscheinlich aus schwefelsaurem Kali, und einem kleinen Antheil von salpeterszurem Versuch C. Zwei Theile‘'salpetersaure Kalkerde, und‘ein Theil schwefelsaures Kali, 208 Forts. I. 2. Zusammengesetzte gaben bei"der ersten Abdampfung wenig schwefelsaure Kalkerde,{ind vermittelst‘der Abkühlung, salpetersaures Kali; die übrigeht Abdampfüngen ‚lieferten blols' salpetersaures Kali, Doch‘ zeigten sich bei der letzten, auf: der Oberfläche der Flüssigkeit"einige Krystallen von schwefelsaurer Kalkerde.{Und obgleich der. letzte ziemlich‘ beträchtliche Rückstand zu ‚wiederholten Malen gbge- dampft, und abgekühlt. wurde, so zeigten sich doch weiter keine Krystallen irgend eines Sal- zes. Dieser nicht krystallisirbare Rückstand wurde mit Weingeist ‚behandelt, und ließ so einen Rückstand, welcher An Wasser auf- gelöst mit salpetersatrem‘_ Baryt beinahe gar’ keinen Niederschlag machte, Er ent- hielt daher fast gar keine Schwefelsäure, und bestand aus reinem salpetersauren Kalı. Was der Weingeist ausgezogen hatte, war salpetersaure Kalkerde, mit einem kleinen Antheil von salpetersaurem Kal. Der un- krystallisirbare Rückstand ‚war demnach aus salpetersaurem Kali, und salpetersaurer Kalk- erde zusammengesetzt. Man sieht, dafs sich in diesem Versu- ehe die schwefelsaure Kalkerde ‚viel. jweni- ‚#“Verwandschaft, 202 ger auflöslich erwies als in’ den vorhergehen-_ den, und dafs ein beträchtlicher Theil.des salpetersauren‘Kali seine, durch die Einwirkung derissalpetersaurem Kalkerde, verlohren hatte. 3, In diesen drei Versuchen.mulste ‚sich schwefelsaure Kalkerde bilden, weil-„sich Kalkerde und, Schwefelsäure ‚ig, Berührung befanden, und sie ‚mulßste. sich-‘ausscheiden wegen der Unauflöslichkeit die dieser, Ver- bindung; eigen ist. Die" schwefelsaure Kälkerde, wurde in den Versuchen 4 und B weit auflöslicher, als sie es ‚für sich ist, durch eine Einwir kung der übrigen in der Auflösung befind- lichen Stoffe; im Versuch@*hingegen wur- de ihre Auflösbarkeit nicht merklich ver- mehrt, wahrscheinlich deswegen, weil die salpetersaure Kalkerde, und das salpetersaure Rali, welche die unkrystallisirbare Flüssigkeit bildeten, gegenseitig eine Anziehung gegen einander ausübten, wodurch ihre Einwirkung auf die schwefelsaure Kälkerde sehr ge- schwächt wurde,= 4, Ich will vors erste‘ aus diesen Berrach- tungen"idie Theorie der unkıystallisirbaren 202 Forts. I 4. Zusammengesetzte Rückstände, welche man in: abgedampften Salzauflösungen findet, ableiten;"und die folgenden Versuche, ‚werden”zur Bestätigung derselben dienen. Die salzigen Stoffe üben gegenseitig eine Wirkung auf einander aus, welche ihre Auf- lösbarbarkeit vermehrt, eine Wirkung, wel- ch& besonders‘durch die Versuche meines gelehrten Collegen Vauquelin erwiesen wor- den(Annales de Chimie, t! 13.)."Diese ge- genseitige Wirkung ist nicht beiallew Sal- zen. gleich, indessen hat man geglaubt, ‚dals die erdigen Mittelsalze die Auflösbarkeit des salpetersauren Kali nicht vermehren könn- ten; und doch ‚sind es eben diese, ‚welche sie am stärksten vermehren, Ohne Zweifel giebt es in der Wirkung der Salze, in Ansehung dieses Punktes einen ge- wissen Unterschied, der von der eigenthüm- lichen Beschaffenheit derselben abhängt: doch ist dieser Unterschied überhaupt nur klein, und weit geringer als der Unterschied der Krystallisationskraft. Versuch D.. Eine Mischung von glei- chen The len salpetersaurem Kali und-schwe- Verwandschaft.' 203 felsaurem Kali, gaben durch'Abdampfung succegiv, und im Verhältnifs ihrer Auflös- barkeit, schwefelsaures Kali, und salpeter- saures Kali, ohne einen nicht krystallisirba- ren Rückstand” zu lassen, Als aber eben der Versuch, mit einer Mischung von salpe- tersaurem Natron, und schwefelsaurem Na- tron gemacht wurde, welche beide nur eine schwache Neigung zu krystallisiren, und bei- nahe ‚gleiche Auflösbarkeit besitzen, so son- derte sich durch Krystallisation bloß ein wenig schwefelsaures Natron ab, und der ganze Ueberrest blieb flüssig, ohne dafs man eine Krystallisation bewirken konnte, Als eine Mischung von salzsaurem Natron, und schwefelsaurer Thonerde einer älınlichen Probe unterworfen jwurde, zeigte sich ‚sehr deutlich, dals die beiden Salze auflöslicher geworden waren; aber sie sonderten sich doch ‚zuletzt vollständig von einander.ab, durch abwechselndes Abdampfen, und Ab- kühlen. Man sieht also, dafs Stoffe die eine' be- trächtliche Krystallisationskraft besitzen, zwar aufiöslicher werden, aber sich dennoch nach Verhältnils ihrer.-Unauflöslichkeit von ein- 204 Forts. 1,4. Zusammengesetzte ander scheiden, und nur einen kleinen nicht krystallisirbaren Rückstand.lassen.,.. Befinden sich aber in einer Mischung Salze welche wenig Neigung zum Krystalli- siren haben, so wiegt ihre gegenseitige Ein- wirkung die Krystallisationskraft auf, und es bleibt eine Menge Flüssigkeit übrig, aus wel- cher sich nichts krystallisirt. Diels ereignet sich besonders dann, wenn sich in dem Bückstand, ein an.sich nicht krystallisirba- res Salz befindet, wie in dem Versuch: C, wo sich vermöge der gemischten Menge ein Ueberschufs von salpetersaurer Kalkerde fin- det, welche dnrch ihre Einwirkung auf das salpetersaure Kali eine beträchtliche Menge in eine nicht krystallisirbare Flüssigkeit ver- wandelte. 31) Wie konnten sich also.die gelehrten Cheimiker, Lavoisier, Fourcroy, Vauquelin, Guyton,- als Commissaire von*der Academie der Wissenschaften, unter deren Anzahl ich selbst war, durch die Versuche, welche über die Salpeter- Proben angestellt wurden, ver- leiten lassen zu glauben, dafs die salpeter- saure Kalkerde, auf das salpetersaure Kali, gar keine Wirkung äußere, und dieAuf- Verwandschaft, 305 löslichkeit desselben nicht vermehre?(Anna- les de Chimie, t!’ı1, 13, 16, 23.)*) Wohl blofs dadurch, dafs bei den angestellten Ver- suchen, eine getrocknete salpetersaure Kalk- erde, mit einer Auflösung von salpetersau- röin’ Kalı in‘Digestion gesetzt wurde, Die salpetersaure Kalkerde mulste wegen ihrer starken Auziehung zum Wasser einen Theil desselben an sich'ziehn; daher würde sich eine beträchtliche Menge'von salpetersau- rem Kali niedergeschlagen haben, wenn die- se Wirkung nicht‘ durch"die vermehrte *). Die Aufgabe wär; die Mittel zu prüfen, ‚deren man. sich in deri Salpeter- Raffinerien bediente, um den Gebalt eines rohen Salpeters an reinem Salpeter auszumitteln. Berthollets Raisonnement bezieht sich auf die Untersus chungen‘ eines sehr einfachen und sinnreichen Mittels, welches: Rifai.: des- Eires angegeben hatte(Annales de Ch. t. 23. pag- 230.) Es-bestand darin, dafs eine gewilse Quantität des: roben Salpeters getrocknet, und gepulvert in eine gesättigte Auflösung von reinem Salpeter gebracht wurde. Man: schlols, diese Auflösung könne, weil sie ges sättigt sey, nichts, vom wirklichen. Salpeter' auflösen, sey aber fähig, die fremden beigemischten Salze aufzulösen. Der unauigelöste Rückstand mulste also, nachdem er durch Fliefspapier yon der anhängenden Feuchtigkeit bes freit worden,‘aus dem ‚reinen Salpeter bestehen, der in dem zu prüfenden rohen enthalten gewesen war,— Diese Anzeige wird hinreichend seyn, Bertholleis Raisoms nement su‘ versiehen. F. 206 ı Forts, I, 2; Zusammengesetzte., Auflöslichkeit,_ungefälir wäre,-aufgewogen worden. Hätte man aber ‚die Auflösung ab- gedampft, so würde man daraus durch die Krystallisation eine weit geringere Menge von salpetersaurem Kali erhalten haben, ‚als wirklich darin enthalten war, und: man’ wür- de einen ähnlichen unkrystallisirbaren Rück- stand, als in dem. Versuch C erhalten haben. Es konnte also die Probe welche in Rück- sicht der vorgelegten Frage genugthuend war, in Ansehung der chemischen Erscheinung zu einem Irrthum verleiten. Man sieht also, dafs wenn in den« tersiedereyen- die Mutterlauge durch Kali zersetzt wird, man hierdurch nicht nur den- jenigen Antheil von salpetersaurem Kali er- hält, der sich bei dieser Zersetzung bildet, sondern auch der, welcher durch die erdi- gen Mittelsalze unkrystallisirbar geworden war. 5. Ich habe krystallisirtes schwefelsaures Natron, und salpetersaure Kalkerde ver- mischt. Hier sind das schwefelsaure und salpetersaure Natron, yvelche durch diese Behandlung entstehen können, in der Auf- töslichkeit nicht sehr verschieden, und ha- Verwandschaft. 207 ben eine viel geringere Kıystallisationskraft als schwefelsaures, und salpetersaures Kali. Versuch E. Gleiche Theile von krystal- lisirten schwefelsauren Natron, und ausge- trockneter salpetersaurer Kalkerde, gaben vermittelst der Abdampfung,. nur eine ge- rınge Menge von salpetersaurem Natron. Der unkrystallisirbare in Menge vorhande- ne Rückstand gab mit salzsaurem Baryt keinen Niederschlag, wohl aber mit Klee- säure, Versuch F. Zwei Theile von schwefel- saurem Natron‘, und ein Teil salpetersaure Kalkerde, gaben nach'geschehener Abdam- pfung eine viel grölsere Menge von salpe- tersaurem Natron, als in dem vorigen Ver- such. Der unkrystallisirbare Rückstand gab mit Kleesäure keinen Niederschlag, wohl aber mit salzsaurem Baryt. Um die beiden letzten Versuche, mit den Versuchen 4, B, C, zu vergleichen mufs man bemerken, dals das krystallisirtte schwefelsaure Natron, mehr als die Hälfte seines Gewichts Krystal- lisationswasser: enthält, Selbst in dem Versuch 7, bildete sich nicht schwefelsaures Natron, wie in den £ E; =, = Ai a üe . 4 322 Forts. 1. 10. Zusammengesetzte Man siehet also in den dargelegten Ver- suchen, dals die Zersetzungen, oder Vertau- schungen der Grundlagen, ganz gleichförmig der Ordnung folgen, in welche die Verbin- dungen welche sich bilden können, auflös- lich sind, und dafs die einzige Abweichung welche man in dem gröfsten Theil der obi- gen Versuche wahrnimmt, davon herrührt, dafs das Bleioxyd geneigt ist dreifache Ver- bindungen zu bilden, welche sich bisweilen noch in zwei Verbindungen von verschiede- ner Auflöslichkeit scheiden, wie diels.bei dem natronirten salzsauren Blei(muriate de soude et de plomb) im Versuch 0 der Fall ist, 11. Der folgende Versuch bestätigt, dafs die Cohaesionskraft nach der verschiedenen Natur der Auflösungsmittel, verschiedene Wirkungen hervorbringt. Versuch Q, Ich vermischte Auflösun- gen von natrönirtem Blei(plombate de sou- de), und schwefelsaurem Natron. Es ent- stand blofs ein geringer Niederschlag, ob- gleich ein Zusatz von Schwefelsäure und Salzsäure, einen reichlichen Niederschlag hervoibrachten, Als der Versuch mit salz- Verwanäschaft, 295 saurem Natron gemacht wurde, war der Nie- derschlag, viel reichlicher, als mit schwefel- saurem Natron. Auf den ersten Blick könnte man glau- ben, dafs dieser Erfolg mit der begründeten Theorie im Wiederspruch stehe, Denn. das schwefelsaure Blei ist viel weniger auflöslich, als das salzsaure Blei, so dals man einen reichlichern Niederschlag in dem Versuch mit dem schwefelsauren Natron, als in dem mit dem salzsauren erwarten sollte, Der Grund des Erfolgs liegt aber darin, dals das schwefelsaure Blei im Natron, wie ich mich überzeugt habe, weit auflöslicher ist, als salz- saures Blei mit Ueberschufls des Oxyds, von welcher Art die Niederschläge in den obi- gen Versuchen sind. Der Niederschlag. ist daher keine unmittelbare Wirkung der Co- haesionskraft, sondern des Verhältnisses zwi- schen der Cohaesionskraft, und der auflösen- den Kraft der Flüssigkeit, ı2. Die Beobachtungen welche ich in diesem Aufsatz vorgelegt habe, lassen sich auf folgende Resultate zurück bringen. Wenn bei dem Fall zusammengesetzter, öder dop- pelter Verwandschaften, eine bewächtliche 224 Forts. I. 12. Zusammengeseizte Gohaesionskraft wirksam, und bei den ver- schiedenen Verbindungen welche sich. bil- den können, an innerer Stärke beträchtlich verschieden ist, so wird durch diese Kraft der Tausch der Grundlagen bestimmt, in- dem sich die unauflöslichste Verbindung bil- det‘ und absondert, unabhängig von den Verhältnissen der Menge, die blofs auf die in der Auflösung rückständigen Stoffe einen Einflufs haben. Man kann daher durch die blofse Beachtung der Auflöslichkeit den Er- folg welchen die Vermischung verschiedener salziger Stoffe haben muls, voraussehen. In diesem Fall veranlalst zwar die gang- ‚bare Theorie von den ruhenden und zerle- genden Verwandschaften, in Ansehung des Haupterfolgs, d. h. in der Bildung des un- auflöslichen Salzes keine Täuschung: da sie aber nicht aus Thatsachen einer höhern Ord- nung abgeleitet ist, so erfordert sie eben so viel Versuche, als sich einzelne Fälle ange- ben lassen, Sie beruht auf keiner Grundla- ge, vermöge deren man das Spiel der in Wirksamkeit gesetzten Stoffe voraussehen könnte, Noch mehr, sie.entbehrt des Vor theils über die Ueberreste, welche nach vor- genom« Verwandschaft, 225 genommener Abdampfung, oder durch Ein- wirkung eines neuen Stoffs, in der Flüssig- keit aufgelöst bleiben, Aufschlufs zu geben. Wenn in dem obigen Fall gewisse Ver- hältnilse in den Resultaten eine Ungewils- heit.‘in Ansehung der Theorie übrig lassen können, so ist, diels nicht mehr der Fall, wenn die ‚Verbindungen welche sich bilden können, in; Ansehung der Auflöslichkeit nicht sehr verschieden sind; dann sind es die ver- hältnilsmäfsigen Quantitäten der Stoffe, wel- che. die, Bildung der verschiedenen Salze be: stimmen, sowohl für die ‚erste Krystallisa- tion, als für die folgenden Krystallisationen, durch welche die verhältnilsmälsigen Quan- titäten der Stoffe abegändert werden; so dals die verschiedene Neigung zu krystallisiren, welche vorhanden seyn kann, ihren Einfluls auf die successive Bildung der Salze behauptet. ‘ Hier ist ein Punkt, wo die Theorie von den ruhenden und zerlegenden Verwandschaften viele Irrthümer veranlassen kann, indem sie den Chemiker verleitet, aus dem Anfang einer Erscheinung auf eine ununterbrochene Folge derselben zu schlielsen, während sich wirklich eine Folge von entgegengesetzten 15 226 Forts. 1, ız, Zusammengesetzte Verbindungen bildet, welche von den im Augenblick der Trennung wirksamen Kräf- ten abhängt," Verbindet man daher die Betrachtung der verschiedenen Auflösbarkeit, und der Quan- jitäten die man anwendet, oder. welche in den verschiedenen Zeitpunkten einer Opera- tion abwechseln, so ist diefs allein'hinrei- chend, die abwechselnde Entstehung solcher Salze zu erklären, bei welchen kein starker Unterschied in. der Auflösbarkeit'statt findet. Doch kann die gegenseitige Einwirkung der Stoffe, einige Abweichungen in den durch diese Betrachtungen bestimmten Erfolg her- vorbringen., Alle Stoffe die sich in Auflösung befin- den, üben gegenseitig eine Kraft auf einan- der aus, durch welche die Auflöslichkeit der- selben vermehrt wird; daher ist es schwer durch die erste Krystallisation jedes Salz im Zustand der Reinigkeit zu ‚erhalten, beson- ders wenn es an Krystallisationskraft nicht sehr von den übrigen abweicht; eben daher rühren die unkrystallisirbaren Ueberreste, welche man nach den Krystallisationen er- hält, wenn sich Salze in einer Flüssigkeit Verwandschaft, d 237 finden, welche nur wenig Cohaesionskraft besitzen; aber, auch.in diesem Fall ist die Beachtung der Quantitäten und der Auflös- barkeit hinreichend, das Daseyn und die Zusammensetzung, eines Ueberrestes voraus zu sehen. Wenn sich Stoffe in Auflösung befinden, so kann ihre gegenseitige Einwirkung ver- ursachen, dals eine Säure leicht aus einer Verbindung geschieden werden kann, ob sie gleich nach der gewöhnlichen Vorstellungs- art die als schwächer angenommene Säure hätte verdrängen söllen, Man muls die Unauflösbarkeit nicht als eine absolute Eigenschaft ansehen, sondern ‘als etwas, was einem Stoff in Beziehung auf eine auflösende Flüssigkeit zukommt. So kann eine im Wasser üunauflöshche Verbin- dung diese Eigenschaft verlieren, wenn das Wasser ein Läugensalz aufgelöst enthält, In allen Versuchen, die ich beschrieben habe, und in vielen andern deren, Erwäh- nung ich für überflüfsig halte; habe ich kei- ne Veränderung ‚in der Sättigung wahrge- nommen, weder nach der Mischung von 228 Fortis. I, ı2, Zusammengesetzte Neutralsalzen, noch nach der Absonderung entstandener Niederschläge oder Krystallisa- tionen,- es mülste denn in den Versuchen P und Q seyn, welche mit einem metalli-. schen Stoff angestellt wurden. Diese Fort- dauer der Neutralisation nach geschehenem Wechsel der Grundlagen, scheint zu ‚bewei- sen, dals die Säuern in den Neutralsalzen, welche sie mit verschiedenen alkalischen und erdigen Grundlagen bilden, ein bestän- diges quantitatives Verhältnifs haben; wor- aus ‚folgt, dals, wenn sich z. B, die Schwe- felsäure in grölserm Verhältnils im schwe- felsaurem Kali als in der schwefelsauren Kalkerde findet, nach einem vorgegangenen Wechsel der Grundlagen, auch die Salzsäure eben das quantitative Verhältnils im salzsau- ren Kali,.und in ‚der salzsauren Kalkerde ha- ben müsse, Diels steht aber nicht in Ue- bereinstimmung mit den ‚Verhältnilsen, wel- che die Chemiker hin und wieder, für die Bestandtheile der nicht metallischen Salze angeben. Guyton hat. über diesen Gegen- stand schon'mehrere eben so gegründete als wichtige Bemerkungen gemacht, auch führt er Richters Beobachtungen an(Anna- Verwandschaft./ 229 les de Chimie t. 25. p. 292.) dessen Werk mir aber nicht näher bekannt ist. Der Satz von welchem Berthollet in dem letzten Ab® satz dieses$. redet, steht in dem schon 1792. herausge- nommenen ersten Theil von Richters Stöchiometrie, S. Guyton las seine hierher gehörige Abhandlung erst 124: 1797. im National- Institut vor, versichert aber in den Annales de Chimie a. a. O. dals er damals Richters Werk nicht gekannt habe, welches auch oben diese Versicherung wahrscheinlich seyn würde, da Richters$tö« chiomefrie, selbst in Deutschland, in Ansehung ihres we- sentlichen, Inhalts,(nicht ohne Schuld des Verfassers), auch jetzt noch ziemlich unbekannt ist, oh sie gleich eine enge interessanter Untersuchungen, Versuche und Beob- achtungen enthält. Ich glaube daher durch einige Erör- terungen dieses seiner Folgen wegen wichtigen Satzes. mit besonderer Rücksicht auf Richters Sıöchiometrie, mit den Dank der Leser zu verdienen. Hr. Richter drückt den Satzt a, a. Ö. auf Folgende Art aus: ,„WVenn zwei neutrale Auflösungen mit einander „vermischt werden, und es erfolgt eine Zersetzung, so „sind die neuentstandenen Producte fast ohne Ausnahme „ebenfalls neutral;'sind aber die Auflösungen beide, oder „eine derselben vor der Mischung nicht neutral gewesen, „so sind es auch die nach der Mischung entstandenen „Producte eben so wenig.“ Welche Ausnahmen der Satz habe, finde ich von Hrn. Richter nicht angegeben._Ber- thollet bemerkt ausdrücklich ein Paar Versuche, bei wel4 chen metallische Salze in, der Mischung waren, als an- scheinende Ausnahmen. Vielleicht wird man die metalli- schen Salze ganz ausnehmen müssen, Wenigstens scheint es, dafs der Begriff der Neutralität bei ihnen gar nicht anwendbar sey. Alle mir bekannte metallische Salze rea- ENT RER AN ES Forts, I, 12, Zusammengesatzte giren, so lange sie flüssig sind, sauer; auch kenne ich kein reines Metalloxyd, das im Wasser auflöslich wäre, und alkalisch reagirte; diels scheint mir aber zur Mög- lichkeit der Neutralität eine nothwendige Bedingung zu seyn. Dem sey aber, wie ihm wolle, so darf man nach Richters, Guytons und Berthollets Versuchen, wenigstens so yiel mit völliger Sicherheit annehmen, dafs das Ge- setz zwischen allen Salzen, die aus einer Säure, und einer alkalischen Grundlage bestehen, statt finde. Ich komme nun auf die erheblichsten Folgerungen des Satzes. 1. Die-Quantitäten zweier alkalischen Grundlagen wels che erforderlich sind, um gleiche Theile einer gewilsen Säure zu neutralisiren, verhalten sich eben so gegen ein- ander, ‚als die Quantiräten eben der Grundlagen, welche erforderlich sind, um gleiche'Iheile von jeder andern Säure zu neutralisiren. Es mögen 4 und B zwei Säuern,@ und 5 zwei alkas lische Grundlagen seyn. Ferner setze man, dafs 4a und Bb zwei Neutralsalze von solcher Beschaffenheit sind, dals sie vermischt, durch einen entstehenden Niederschlag, oder durch Krystallisaiion, wenigstens in gewilsen Perio- den der Krystallisation, ihre Grundlagen vertauschen. Endlich nehme man nach bestimmter an, dale da und Bb gerade, zwei solche Portionen der Neutralsalze sind, die wirklich ihre Grundlagen umtauschen, und sich alsa in die nentralen Verbindungen 4, und Ba verwan- deln. Unter diesen Voraussetzungen ist klar, dals A vor dem Wechsel. der Grundlagen durch ‚die bestimmte Quan- ttät@, nach derselben durch 2 neutralisirt werde. Um- gekehrt, aber. wird B, nach dem Wechsel durch a, und vor demselben durch 5 neutralisirt._So dafs also eben dieselben Quantitäten von@ und B, welche im Stande sind eine gewifse, Quantität der Säure A su neutralisiren, auch wermögend seyn müssen, eine andere aber bestimmt- ve Quantität der Säuern 2 zu neutralisirem, Verwandschaft. 281 Dals man in diesem Saız, und dessen Beweis die Wor- ter Säuern und Grundlagen verwechseln könne, ist von selbst klar, Dafs aber der Satz ganz allgemein von allen neutralen Verbindungen gelte, auch dann, wenn Aa und Bb ihre Grundlagen nicht vertauschten, ist daraus klar, weil in diesem Fall gewils bei dem umgekehrten Versuch, d..h. bei der Vermischung von Ab, und Ba ein Wechsel der Gaundlagen erfolgen wird. a. Kennt man also von den Neutralit MM Verhältnißsen der vier Salze fa, Ab, Ba, BL, dreie durch Versuche, so kann das vierte durch Rechnung gefunden werden. Herr Richter bedient sich dieses Schlulses öfters um ein Neutralitätsverhältnils zu finden, dessen unmittelbare Be- stimmung Schwierigkeiten hatte. Doch hat er in der That die meisten Verhältnilse‘durch unmittelbare Versu- che auszumitteln gesucht. 7. Hätte man durch Versuche ausgemittelt, wieviel von jedem alkalischen Salz und Erde erforderlich sey, um 1000 Theile Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure etc- zu neutralisiren; so würde zwar jede Tafel andere Zah- len enthalten, aber die Zahlen der einen Tafel würden sich doch eben so gegen einander verhalten müssen, als die Zahlen jeder andern Tafel. Eben das würde auch von solchen Tafeln gelten, welche zeigten, wie viel von jeder’ Säure erforderlich sey, um 1000 Theile Kali, Na- tron, Ammonium, Kalkerde etc. zu neutralisiren. Aus diesem Gesichtspunkt hat Hr, Richter: vorzüglich ‘diese Materie bearbeitet. Er hat die in der That sehr weitläuftige Arbeit unternommen, jede Säure in ihrem Verhältnifs gegen alle Grundlagen, und umgekehrt, durch- zuexperimentiren ‚ und durchzurechnen, und die Resul- tate in Tabellen darzustellen. Diese Arbeit fällt nicht nur einen sehr großsen Theil der Stöchiomeirie, sonder ‚ P] 7 232 Ports. I. ı2, Zusammengesetzte auch der zehn Hefte aus, über die neuern Geg enstünde der Chymie, die in d. J. 1791-1800. herausgenommen sind. 4. Hr. Richter scheint übersehen zu haben, dals sich diese sämmtlichen Tabellen in eine einzige aus zı Zahlen, in zwei Colummnen verwandeln lassen, woraus sich alle einzelne Richtersche Tabellen, wenn man will, durch blolse Regeldetri- Exempel wieder herstellen lassen. Ich setze diese Tabelle her, so wie ich sie aus Hr. Richters neuesten Tabellen(denn ınehrere haben nach und nach beträchtliche Abänderungen erlitten), berechnet habe (Man schipf über die neuern Geg. d. Chynie Heft 8. S, 22.£.53.'f, Heft ıo. 3 ar). Grundlagen. Säuern. Thonerde. 525 427 Flulsspaths. ‚Talkerde. 615 577 Kohlensäure. Ammonium. 672 706 Fettsäure. Kalkerde. 793 7ı2 Salzsäure. Natron. 859 755 Rleesäure. Strontianerde. 1329| 979 Phosphorsäure. Kali."605 988 Ameisensäure. Baryt. 2222| 1000 Schwefelsäure. 1209 Bernsteinsäure. n 1405 Salpetersäure. ‘ 1480 Essigsäure. 1583 Citronsäure. 1694 Weinsteinsäure, Der Sinn dieser Tafel ist folgender: wenn man aus einer der beiden Colummnen einen Stoff ‚nimmt, z. B. aus der ersten Colummne Kali, wobei die Zahl 1605 eteht, so zeigen die sämmtlichen Zahlen der zweiten Co- lummne an, wieviel von jedem Stoff«dieser Colummne erforderlich sey, um 1605 Theile Kali zu neutralisiren, So neutralisen sich 1605 Theile Kali, durch 437 Theile Flulsspathsäure, 577 Theile Kohlensäuren u. s. f. Nimmt man umgekehrt einen Stoff aus der zweiten Colummne, Verwandschaft. ei 239 so zeigen die Zahlen der ersten Colummne an, wieviel von jedem Stoff- dieser Colummne erforderlich sey.,. um jenen zu neutralisiren. Z. B. 1405 Theile Salpetersäure werden neutralisirt, durch 425 Theile'Thonerde, 615 Th. Talkerde, u.:s.£. Es können aber die Zahlen eben dieser Tabelle in der That als Repräsentanten ihrer Verwandschaftskräfte ange- sehen werden, und zwar werden sich bei der obigen Ein- richtung der Tafel die Verwandschaftskräfte jeder zwei Stoffe die in einer Colummne stehen gegen jedem Stoff in der andern Colummne, verkehrt wie die beiden Zah- len verhalten, die neben den beiden Stoffen stehen‘(Man vergleiche Berthollet X, 5. und XV, 10.). Die Verwand- schaften des Kali und Natron gegen jede Säure, verhalten sich wie 859: 1605. Dafs aber dennoch diese Zahlen wicht hinreichend'sind, die Erscheinungen der einfachen und doppelten Wahlverwandschaft zu erklären und durch Rechnuhg zu bestimmen, ergiebt sich unwidersprechlich aus Berthollets Untersuchungen. Man sieht also, dals Herrn Richters Stöchiometrie sehr vortreffliche Beiträge zur Theorie der Neutralitätsverhält- ailse, und der Verwandschaftskräfte. enthält, aber sie ent- hält auch mehrere ganz unhalıbare Hypothesen, wozu besonders seine Massenruthen gehören, von denen hier noch etwas zu sagen ist.: Hr. Richter ordnet in seinen, Tabellen, wie es selfr na- türlich ist, und wie wir es oben in der abgekürzten are belle geihan haben, die Zahlen nach der Grölse, Nur macht er in jeder Colummne noch ein Paar Unterabthei- lungen, indem er auf der Seite der Grundlagen die drei alkalischen Salze, von den fünf untersuchten Erden, auf der Seite der Säuern aber die Flufsspathsäure, Salzsäure Schwefelsäure und, Salpetersäure, von den übrigen achten absondert. Er glaubt, es müsse in der Folge dieser Zah- / Forts. I. ı2. Zusammengesetzte len noch ein besonderes Gesetz liegen, und findet nach einigen weitläuftigen Rechnungen, dals die Zahlen in der Colummne der Grundlagen, als Glieder von arithmeti- schen, die Zahlen der andern Colummne aber, als Glie- der geometrischer Reihen angesehen werden können*). Das Factum ist richtig, dafs die Zahlen der Tabelien, als Glieder solcher Reihen angesehen werden können; aber darin täuscht sich Hr. Richter, dals er glaubt, bier- durch ein Gesetz der Neutralitätsverhältnilse oder Ver- wandschafiskräfte gefunden zu haben. Es ist eine Eigen- schaft aller Zahlen, nicht sofern sie Verwandschaftskräfte vorstellen, sondern so fern sie Zahlen sind, dals man sie als Glieder arithmethischen oder geometrischen Reihen ansehen kann.“Daher hätte Hr, Richter gar nicht nörhig gehabt, die gedachten Unterabtheilungen zu machen. Er konnte alle Grundlagen und alle Säuern, wie wir oben geihan haben, zusammenstellen, und.doch nach Gefallen die Glieder der einen oder der andern Colummne, als Glieder einer arithmetischen oder geometrischen Reihe vorstellen*°). Ja, wenn man sich die Freiheit lälst, von “ “ ) Die Reihe der drei alkalischen Salze stellt es durch a, a+b, a+55; die Reihe der Erden, durch@, a+ b, a+rzb at9b, a+ 190 die Reihe der vier genann- ten mineralischen-Säuern durch c, cd?, cds, cd”, die Reihe der übrigen Säueın(mit Ausnahme der Phosphor- säure, X. 218), durch 0, cd®, cd4, cd®, c.d!!, cd’, cd!5, cd!®, ver. *) Da die natürliche Zahlenreihe selbst eine arithmetische Reihe ist, so ist schon daraus klar, dals man jede Folge ganzer Zahlen als Glieder einer arithmetischen Reibe an- seien könne.— Nimmt man ferner yon irgend einer Folge von Zahlen die Logarithmen, so ist klar, dals auch diese als Glieder einer arithmetischen‘Reihe angesehen werden können, wodurch die Zahlen selbst als ‚Glieder siner geometrischen Keibe erscheinen. \ Verwandschaften. 255 welcher Hr. Richter öfters Gebrauch macht, die eine oder andere der Zablen, um einige Einheiten gröfser oder klei- ner zu machen, so hat es gar keine Schwierigkeit, sie als Glieder einer Reihe, von einer bestimmtern Form vor- stellbar zu machen. Ich kann diese Materie nicht verlassen, ohne noch den Wunsch zu äulsern, dafs es dem scharfsinnigen Verfasser der Stöchiometrie gefällig seyn möchte, uns einen freien. aber gedrängten Auszug seiner Werke, mit Hinweglassung des maihematischen Gewandes, und aller blols hypothe- tischen Theorien,‘zu liefern. Denn e& wäre in der That. ein Verlust für die Wissenschaft, wenn: viele seiner schätz- baren Untersuchungen und Beobachtungen vielleicht gan« unbekannt bleiben sollten; und diels ist in der That, zu befürchten, da den Mathematiker der chemische Inhalt, und dem Chemiker die mathematische Kinkleidung, von den Studium dieser Schriften abschrecki. Zweite Fortsetzung der Untersuchungen über die Gesetze der Verwandschaft. Von den metallischen'ÄAuflösungen und Niederschlägen. ı. In den beiden vorhergehenden Ab- handlungen habe ich hauptsächlich solche Stoffe in Betrachtung gezogen, welche ent- weder einfach, oder von einer unveränder- lichen Zusammensetzung sind, Aber man weils, dals die Metalloxyde, nach den ver- schiedenen Graden der Oxydation, auch ver- schiedene Eigenschaften besitzen, welches Forts. II. 1. Metällische Auflös. u.:Niederschl, 335 nothwendig auf ihre chemische Wirksamkeit Einflufs haben muß. Der Zweck der, gegenwärtigen Ana lung ist, diesen Einflufs näher zu untersu- chen, und überhaupt diese.Wirksamkeit, ‚mit der Wirksamkeit anderer Stoffe in Verglei- chung zu stellen, sofern diese Wirksamkeit von den Eigenschaften, mit welchen ich mich oben(Abschnitt 13.) ‚beschäftigt habe, unabhängig ist. Die Auflösungen und Fällungen des Quecksilbers schienen mir eine vorzügliche Aufmerksamkeit zu verdienen, weil die Che- miker dieselben mit besonderer Sorgfalt beobachtet haben, und weil es leicht ist die Beschaffenheit derselben zu bestimmen, 2, Fourcroy hat in» den Memoiren: der Acad. der. Wiäissensch, ‚von 1790. die Be- schreibung vom einem schwefelsauren Queck- silber geliefert, wovon er beweist, dals es dem milden(salzsauren) Quecksilber anlog sey. Er zeigt, dals das schwefelsaure Queck- silber, besonders wenn ‚man einen Grad von Wärme anwendet, bei welchem keine voll- ständige Austrockung der Schwefelsäure und 258 Forts. U, 2, Metallische des: Quecksilbers statt‘ findet,"sich. durch die Wirkung des Wassers in zwei schwefelsau:_ re Salze theilt, wovon man das eine ein oxygenirtes, das andere ein mildes schwefel- saures Salz nennen kann, Ein einfaches Mittel die letzte Verbindung zu erhälten, be: steht darin, dals'man die’ Schwefelsäure, womit man das Quecksilber behandeit, durch ungefähr gleiche ‚Theile Wasser schwächt, und die Mischung‘kochen läßt. Es ent- wickelt sich dann wenig wunvollkommne Schwefelsäure, und statt des oxygenirten schwefelsauren Quecksilbers, erhält man das erwähnte Salz, mit dessen Eigenschaften uns Fourcroy bekannt gemacht hat, Bei der Bestimmung des Verhältnifses von den Bestandtheilen dieses milden schwe- felsauren Quecksilbers,‘setzt Fourcroy das Verhältnils des darin befindlichen Sauerstoffs, auf 0,05.‘ Aber‘er setzt voraus, dafs bei der Zersetzung dieses Salzes durch Kali, der Niederschlag aus’ reinem Quecksilberoxyd bestehe. Allein die metallischen Nieder- schläge behalten immer einen Theil der Säu- re an sich, den er aus der Acht gelassen Auflösungen und, Niederschlägen. 239 hat. Ich: glaube daher aus seinem‘ Versuch folgern zu müssen, dals das Verhältnifs des Sauerstoffs etwas grölser sey. Ich erinnere überhaupt'bei dieser Gelegenheit, dafs man bei sehr vielen von'den Chemikern in neu- ern Zeiten gemachten Bestimmungen, diese Beträchtung aus der Acht gelassen hat, wo- durch die Bestimmungen bis auf einen ge- wissen Punkt unsicher werden, Das milde schwefelsaure Quecksilber bil- det;eine beständige, Zusammensetzung, ‚wel- ‚che‘ nicht durch Wasser. zersetzt werden kann, wie. das:, oxygenirte. schwefelsaure Quecksilber, über‘welches ich noch einige Bemerkungen zu machen habe. Wenn man sich des von Fourcroy an- gegebenen Verfahrens bedient, d, h, wenn man\concentrirte ‚Schwefelsäure ‚mit Queck- silber sieden lälst,.die Arbeit aber nicht bis zur Trockne fortsetzt, so erhält man eine weilse Masse, welche aus mildem und oxy- genirten ‚schwefelsauren Quecksilber zusam- mengesetzt ist. Dann kann man durch wie- derholtes Aussülsen ‚mit einer kleinen Menge Wasser, nach seiner Vorschrift, die über- schüssige Säure, wodurch das oxygenirte und 240 Forts."II. 2. Metallische ein Theil des milden’ Salzes aufgelöst EriIeR, ten wird, hinwegschaffen. Treibt man die Arbeit weiter, oder: setzt man.das milde Salz: einem, hinreichenden Wärmegrad aus, so entweicht.eine viel grö- [sere Menge von unvollkommner ‚Schwefel- säure,..Das Quecksilber wird: hierbei. zu stark oxydirt, um das milde, Salz. bilden zu können, und die ganze Verbindung geht in den Zustand des oxygenirten’ Salzes über, aber mit veränderlichem Verhältnifs der Schwe- felsäure. Wir wollen den Zustand dieses Salzes untersuchen, in welchem es sich be- findet, weni man die Arbeit bis:zur Trockne getrieben hat, ünd wo man folglich anneh- men kann, dafs keine überschülsige Säure vorhanden sey. In. diesem Zustand'bewirkt das"Wasser eine Scheidung in diesem Salze. Die’ vor- her weilse Masse wird gelb, die Flüssigkeit wird sehr sauer, und enthält einen Theil des Salzes aufgelöst, Es bilden sich die Salze, welche:man' seit Rouelle, Salze mit zu viel, und mit zu wenig Säure nennt. Aber das Verhältnils beider Salze ist veränderlich, ı) nach der Menge der Säure, welche das un- zuge- Auflösungen und Niederschläge, 2A zersetzte Salz behalten hatte, 5) nach der Menge des angewendeten Wassers, 3) nach Verhältnils der Temperatur, denn die Wär- ine vereinigt hier ihre Wirkung,‘mit der Wirkung des Auflösungsmittels. Wenn man statt des blolsen Wassers eine alkalische Auflösung anwendet, welche weit stärker als das reine Wasser, auf die Säure wirkt, so bilden sich zwei verschiede. ne Verbindungen, eine,.die beinahe gänz- lich aus blofsem Oxyd besteht, und die an- dere welche den gröfßsern Theil der Säure enthält, Der Niederschlag welcher sich hier bildet unterscheidet: sich von dem durch blofses Wasser hervorgebrachten, durch die viel kleinere Menge von Säure die er ent- hält, und welche von dem Grad der Con. centration abhängt, in welchem sich die auf ihn wirkende alkalische Flüssigkeit befindet, Hat das oxygenirte schwefelsaure Queck- silber einem- beträchtlichen Ueberschuß von Säure behalten, so kann die Wirksamkeit der Säure durch das Wasser so, geschwächt werden, dafs gar keine Scheidung ‚erfolgt, 3. Ich habe bis jetzt angenommen, dafs es nur zwei ‚Arten von schwefelsauremi Queck- 16 22 Forts. IL'3: ‚Metallische, silber gebe, eine, welche die möglichst klein- ste, und die andere,‘welche die möglichst gröfste Menge von Sauerstoff enthalte. Aber es ist augenscheinlich, dafs diels nur die beiden äulsersten festen Gränzen ‚sind, zwi- schen denen sehr viele Gräde der Oxydation möglich sind. Die Eigenschaften des Salzes für alle‘diese Zwischengrade, sınd auf eine solche Art verschieden, dals man nicht im Stande ist, seine besondern Eigenheiten an- zugeben, wofern nicht ‚wenigstens sowohl der Grad der Oxydation, als das Verhältnils der Säure genau bestimmt ıst. Was ich hier über dergleichen Zwischen- grade der Oxydation bemerkt habe, findet auch bei andern metallishen Salzen"seine Anwendung, z, B. bei dem schwefelsauren Eisen, wo man auch blols zwei äulserste be- stimmte Gränzen, den der schwächsten, und den der stärksten Oxydation, angeben kann. 4. Schon Bergman hat ‚die‘Bemerkung gemacht, dals die Auflösung des Quecksil- bers in Salpetersäure, wenn sie in der Kälte bereitet worden, andere Eigenschaften zeigt, als die warm bereitete Auflösung, und ın seiner vortrefliichen Abhandlung über die Auflösungen und Niederschläge, 348 Analyse der Gewässer bemerkt er, dafs die erste nicht so leicht mit. Auflösungen welche Schwefelsäure enthalten, einen Niederschlag macht, und dals der entstehende Nieder- schlag weils, derjenige hingegen der sich in der warın bereiteten Auflösung bildet, gelh ist. Der Grund ist klar: der erste Nieder- schlag ist mildes schwefelsaures Quecksilber welches weils, und im Wasser auflöslicher ist; der letztere hingegen ist oxygenirtes schwefelsaures Quecksilber, Wenn man salpetersaures, Quecksilber durch Hülfe der Wärme bereitet, sa ent- bindet sich anfänglich Salpetergas, aber es tritt ein Zeitpunkt ein, wo die Entbindung nachlälst, und wo man wahrnimmt, dals sich das Quecksilber fast ohne alle Erzeugung von Salpetergas auflöst, Ich verdanke diese Beobachtung dem Bürger Gay, einem jungen, Chemiker aus der polytechnischen Schule, der mit vielem Eifer grolsen Scharfsinn ver- bindet, Man sieht also,‘dal sich durch Hülfe der Wärme ein oxygenirtes salpeter- saures Quecksilber bildet, welches sich, wenn die Arbeit nicht unterbrochen wird, sögleich mit neuem Quscksilber verbindet, so wie zäh Forts, IL, 4.” Metallische bei einer andern Arbeit, das oxygenirte salz- saure Quecksilber sich ‚mit einer neuen Quantität des Metalls verbindet,*). Aber in ‚dem fülsigen salpetersauren Quecksilber läfst sich kein bestimmtes der mehreren oder mindern Oxydation angeben. Es scheint.dals alle Zwischenverhältnifse vor- handen seyn können, eben so, wie bei dem schwefelsauren Quecksilber. Wenn man dıe salpetersaure Auflösung, durch salzsaures Natron fället, so erhält man salzsaure Quecksilbersalze, welche nach der Oxydation des Quecksilbers verschieden aus- fallen.; Ist die salpetersaure Auflösung: we- nig oxydirt, so erhält man einen weilsen'Nie- derschlag, welcher einen Antheil Salpetersäure an sich hält,‘der in Salzsäure nicht auflös- *) Eine Beobachtung von Fourcroy zeigt, dale das oxyge- nirte schwefelsaure Quecksilber, wenn man es mit Was- ser und mehrern Quecksilber ins kochen versetzt, auf dag Metall selbst wirkt; es muls daher in den Zustand des ‚milden schwefelsauren Quecksilbere übergehen. Das cer- zosive salzsaure Quecksilber, wenn es in Wasser- aufge- löst wird, wirkt nicht mehr auf das Metall selbst; aber "wenn man es trocken mit mehrerem Quecksilber reibt, so fängt es an sich mit demselben zu verbinden, und das‘ganze Gemisch wird Anm. d. Orig: seinen Sauerstoff zu ıheilen; gleichförmig vermittelet der Sublimation- Auflösungen und Niederschläge. 245 lich ist, und der sich in concentrirter Salpe- tersäure nur mit reichlicher ‚, Entwickelung von Salpetergas auflöst. Aus der warm be- reiteren Auflösung hingegen erhält man einen gelblichen Niederschlag, der in der Salzsäure unauflöslich ist, sich aber in der, Salpeter- säure leicht, und unter der Entbindung von wenig Salpetergas auflöst. Die Flüssigkeit welche sich über diesem Niederschlag. befin- det, giebt durch Abdampfung einen kleinen "Theil von corrosivem salzsauren Quecksilber, Macht man den Versuch mit einer sol- chen salpetersauren. Auflösung, worin das Quecksilber ‚aufs stärkste oxydirt ist, ohne wieder mit. neuem metallischen Quecksilber in Berührung gekommen zu seyn, so erhält man, wenn die Auflösung mit einer hinläng- lichen Menge Wasser verdünnt. ist, gar kei- nen Niederschlag, sondern alles Quecksilber ist im Stande das ätzende salzsaure Salz zu bilden. Doch erhält man. in diesem Fall*) eine grölsere, oder geringere Menge, und bisweilen gar nichts, je nachdem man mehr koder weniger salzsaures Natron angewendet *\) Durch Abdampfung und Krystallisation, F. 248 Forts. II. 4. Metallische hat: denn das ätzende salzsaure Quecksilber hat die Eigenheit mit salpetersaurem Natron, ein vierfaches Salz zu bilden. RL Diels Quadrupelsalz bildet rhomboidali. sche Krystallen von ansehnlicher Gröfse, die auf ihrer Oberfläche gestreift sind, Es ver-" pufft auf glühenden Kohlen, Setzt man es in einer Retorte einer hinlänglichen Wärme aus, so sondert sich alles Salz unter der Ge- stalt des ätzenden salzsauren Quecksilbers ab; der Rückstand ist salpetersaures Natron, mit einem kleinen Antheil von Salzsäure, Es wird folglich die Absonderung bestimmt, durch die Flüchtigkeit des ätzenden Salzes, und durch den Unterschied der Verwand- schaftskraft von Salpetersäure und Salzsäure gegen Quecksilberoxyd, Nach der Krystallisation dieses Salzes, erhält man ein anderes in kleinen Nadeln, welches ein zusammengesetztes Salz, mit ei- nem‘ viel grölsern Gehalt ‚yon Quecksilber zu seyn scheint. Es ist nicht möglich etwas festes über den Erfolg zu bestimmen, den jede Mischung von stark oxydirtem salpetersaurem Queck- Auflösungen und Niederschläge, 217 silber, und salzsaurem Natron haben_mufs, weil dasselbe nach dem Verhältnis der wir- kenden Stoffe verschieden ausfällt. Aetzendes salzsaures Quecksilber mit vier Theilen salzsaurem Natron vermischt, gab ein Tripelsalz welches viel auflöslicher war, als das ätzende salzsaure Quecksilber, Alle diese Bemerkungen zeigen, dals die salpetersaure Quecksilberauflösung dieses Me- tall in allen Stufen der Oxydation enthal- ten kann, vom niedrigsten an bis zu denı höchsten, der zu der Entstehung des ätzen- den salzsauren Quecksilbers erforderlich ist; dafs sie aber nach den verschiedenen Gra- den der Oxydation verschiedene Eigenschaf- ten‘besitzt, ». Fourcroy stellt als Grundsatz auf, dals alle- metallischen Oxyde, den Säuren eben die Farbe mittheilen welche sie selbst haben, und er schlielst daher, dals wenn ein Queck- silberiliederschlag aus einem weilsen Salze, eine andere Farbe hat, eine Veränderung in der Oxydation vorgegangen sey., Diese Mei- nung scheint mir nicht gegründet. Ich habe rotlıes Quecksilberoxyd in Salz- säure aufgelöst._ Die Auflösung erfolgte mit 248) Forts. 1. 5. Matallische Leichtigkeit und ohne alle Entwicklung von Sauerstoflgas, oder von oxygenirten salzsau- rem Gas. Es bildeten sich in der Auflösung freiwilig schöne Krystallen von ätzendem salzsauren Quecksilber. Im Vorbeigehen be- merke ich, dals mir dieses Verfahren zur Bereitung des ätzenden Quecksilbersalzes das einfachste und am wenigsten kostbare. zu seyn scheint. Die Verbindung welche ich auf diese Art hervorgebracht hatte, enthielt das rothe Quecksilberoxyd mit allem seinen Sauerstoff, und dennoch hatte sie gar keine Farbe. Mit Ammonium würde sie einen weilsen Nieder- schlag, mit Kalk und, den andern Laugen- salzen einen mehr: oder weniger orangefar- benen gegeben haben. Das rothe Quecksilberoxyd löst sich sehr leicht in Salpetersäure auf, ohne dafs sich Sauerstoffgas entwickelt.‘Diese Auflösung krystallisirt, und bildet ein weilses Salz; ent- hält‘ sie keinen hinlänglichen Ueberschuls von Säure,‘so giebt sie mit blolsem Wasser einen weilsen Niederschlag, mit einer gröfse- ren Menge von frisch: destillirtem Wasser, einen gelben Niederschlag; mit Kalkerde Auflösungen und Niederschläge, 249 und den feuerbeständigen Laugensalzen einen ‚Niederschlag, von einer gelben, mehr oder weniger dunkeln Farbe. Ein Oxyd kann demnach weilse Salze bilden, und selbst andere Farben annehmen, ohne irgend ‚eine Veränderung in- 3 Oxy- dation zu erleiden, 6. Mehrere Chemiker haben die Beob- achtung gemacht, dals die Salzsäure geneig- ter jst als Salpetersäure und Schwefelsäure, sich mit stark oxydirten Metallen zu ver- binden, Fourcroy hat sich‘dieser Beobach- tung, zur, Erklärung mehrerer Erscheinun- gen, mit Vortheil bedient. In dem Mem. der Acad. von 1790., drückt er sich p. 580 hierüber so aus,„Jede Säure erfordert ein ge-: „wilses Verhältnifs ‚des Sauerstoffs im Metall, „um sich damit zu vereinigen; die Salzsäure „verbindet sich in.der Regel nur mit sehr „stark oxydirten Metallen; im ätzenden salz- „sauren Quecksilber scheint dieses Metall‘ „stärker oxydirt zu seyn, als im salpetersau- „ren Quecksilber.“ Ich werde: mir. einige Bemerkungen über diese Behauptungen mei- nes gelehrten Collegen erlauben. Forts, II, 6., Metallische Es scheint mir nicht genau gesagt, dafs jede Säure ein gewilses Veerhältnils des Sau- erstoffs-in den Metallen erfordere, um sich damit zu vereinigen. Die Salpetersäure, die Schwefelsäure, und die Salzsäure verbinden sich mit dem Quecksilber, von der niedrig- sten bis zur höchsten Oxydation, und in An- sehung der Salzsäure ist es hauptsächlich diese Reihe von Verbindungen, worauf der Unterschied'aller pharmacentischen Praepa- rate vom ätzenden Sublimat an, bis zur Mer- curial-Panucee, beruht; aber darin zeigt sich ein Unterschied, dafs die Verbindung der Schwefelsäure, und Salpetersäure mit stark oxydirten Quecksilber sehr schwach, und viel leichter zersetzbar ist, selbst durch blofses Wasser, als die Verbindung mit Salz- säure, welche im Gegentheil sehr bestän- dig ist, Wenn man seine Aufmerksamkeit auf diejenigen Metalle richtet, welche fähig sind den Sauerstoff in grolser Menge mit sich zu verbinden, dergleichen das Eisen, das Zinn, und das Spiefsglanzmetall sind, so bemerkt marı ein ähnliches Verhalten gegen die Schwefelsäure, Salpetersäure und Salzsäure, Auflösungen und Niederschläge, 251 Denn die Wirkung der beiden ersten nimmt in eben dem Verhältnils ab, in welchem die Oxydation wächst, und wird bisweilen ‚so schwach, dals sie das zu stark oxydirte Me- tali gänzlich absetzen, oder es gar nicht auf- lösen, Die Salzsäure hingegen löst sie auf, und behält sie in aufgelösten Zustand, so dafs man nicht unterscheiden kann, ob ihre Wirkung durch eine stärkere Oxydation ge- schwächt, oder im Gegentheil verstärkt werde, Es läfst sich eine wahrscheinliche Erklä- rung von diesem Verhalten der genannten drei Säuern geben, Der Schwefel und der Stickstoff, als Grundlagen der beiden ersten, finden sich in denselben mit Sauerstoff ge- sättigt, daher mu[s ihre abgeleitete Verwand- schaft gegen stark oxydirte Stoffe sehr schwach seyn. Die Salzsäure aber, welche nur einen geringen Antheil von Sauerstoff zu enthalten scheint, muls daher weit stär- ker geneigt seyn, sich.mit oxydirten Stoffen zu verbinden. 7. Ich habe bisher angenommen, dafs sich die verschiedenen Alkalien, mit einem sich niederschlagenden Metalloxyd in die Säure der Auflösung theilen. Diels ist nicht. gera- oh2 Forts. II, 7. Matallische dezu auf das Ammonium anzuwenden, wel- ches sich unter gewissen Umständen zersetzt, und dadurch die Beschaffenheit der Nieder- schläge abändert, wie diefs besonders Four- croy gezeigt hat. Aber es finden in Anse- hung dieser Eigenschaft gewisse Modificatio- nen statt, welche eine besondere Aufmerk- samkeit erfordern. Bäyen’s Versuche haben es aulser Zwei. fel gesetzt,. dafs die Niederschläge aus dem salpetersauren, und salzsauren Quecksilber- auflösungen eine grölsere oder geringere Menge der Säure enthalten,- Setzt man da- her die Niederschläge aus salpetersauren Auflösungen einer ‚hinlänglichen Wärme aus so entbindet sich aus ihnen Salpetergas; und wenn man ‚mit Niederschlägen aus salz- sauren Auflösungen eben(die Arbeit vor- nimmt), so sublimirt sich eine grölsere oder kleinere Menge von einem unauflöslichen salzsauren' Quecksilberoxyd. Ich werde zu, meinen schon im vorigen hierüber vorge- legten Bemerkungen(Abs. 13.$. ı.), hier noch einiges hinzufügen, Wenn mati das oxygenirte salzsaure Quecksilber. zersetzt, und dazu genau nur Auflösungen und Niederschläge. 253 so viel kohlensaures Natron anwendet,"als nöthig ist, den Niederschlag zu bewirken, so enthält, der Niederschlag Salzsäure,'Koh- lensäure, und ‚Quecksilberoxyd im Ueber- maals. Setzt man daher.denselben der Wir- kung der Wärme aus,:soö. entbindet sich kohlensaures Gas, und Sauerstoffgas; unge- fähr die Hälfte des Quecksilbers wird redu- cirt; und der Ueberrest sich in Verbindung mit der Salzsäure, die mit dem Oxyd in, Verbindung‘ geblieben war; und: bildet damit das von Bayen beobachtete salz_’ saure Quecksilber. Die Flüssigkeit. welche über dem Niederschlag bleibt, giebt durch Abdampfung, zuerst kohlensaures Natron, und dann einen Theil Tripelsalz in welchem das Natron’ vorwaltet. Das kohlensaure Kali giebt andere Er- scheinungen._ Es ist nur eine ‚geringe Men- ge desselben nöthig, um allen Niederschlag*), aus der Auflösung des ätzenden salzsauren Quecksilbers hervorzubringen; aber das Ge: wicht dieses Niederschlags ist noch nicht die Hälfte desjenigen, den man durch: kohle:ı:- *) Der entstehen kann. F 254 Boris.#. 7. Metallische saures Natron: erhält, Wird dieser Nieder- schlag der Wirkung der Wärme ausgesetzt, so entbindet, sich kohlensaures Gas, und es sublimirt sich. beinahe gänzlich in dem Zu- stande eines salzsauren Quecksilbers mit Mangel an Säure; nur eine sehr geringe Menge kehrt in den metallischen Zustand zurück. Die Flüssigkeit welche über dem Niederschlag bleibt, zeigt mit Säuern kein Aufbrausen, so dals hier die sämmtliche Kohlensäure in dem Niederschlag mit dem Oxyd verbunden ist, und überdiels ungefähr doppelt so viel Salzsäure, als in dem durch kohlensaures Natron gemachten Niederschlag, Die Flüssigkeit giebt durch Abdampfung ein Tripelsalz, welches im ‚Wasser auflöslicher ist, als das oxygenirte salzsaure Quecksilber, Diels Salz krystallisirt in seidenartigen Nadeln, - Das kohlensaure Ammonium verursacht ein Aufbrausen, indem es das ätzende salzsaure Quecksilber zersetzt, und man findet hernach keine Kohlensäure, weder in dem Niederschlag, noch ın der überstehen- den Flüssigkeit. Das Gewicht des Nieder- schlags beträgt ungefähr fünf Sechstheile des zersetzten Salzes, ‚man ihn mit Auflösungen und. Niederschläge. 255 Kalkerde, so ‚entbindet sich Ammonium. Setzt man ihn dem Feuer aus,. so. zersetzt sich das Ammoniuni, und man erhält nichts als Stickgas; alles Quecksilber sublimirt sich, ohne Reduction; aber man sieht, dafs das Quecksilber in diesem Sublimat nicht so stark oxydirt seyn kann, ‚als wenn'man den durch_ Laugensalze, oder Kalkerde gemachten Niederschlag..sublimirt, indem es einen Theil seines Sauerstoffs durch die Zersetzung des Ammoniums- verliert, Die Flüssigkeit über dem Niederschlag. enthält eine Verbindung von Quecksilberoxyd, Salz- säure und Ammonium. Die Fällung durch ätzenden Ammonium zeigt eben die Erscheinungen, das Aufbrau- sen ausgenommen. 8. Richtet man seine Aufmerksamkeit anf die übrigen metallischen Auflösungen und Niederschläge, so findet man auch in ihnen leicht ‚die charakteristischen Erscheinungen des Quecksilbers wieder, wenn man die Mo- dificationen abrechnet, welche von dem be- sondern Eigenschaften eines jeden Oxyds ab- hängig. sind. Ich glaube daher folgende Grundsätze aufstellen zu können, 256 Forts, II.-g. Metallische ı) Die Säuern wirken auf‘die metalli- schen Oxyde," wie‘ auf andere Stoffe, nicht im Verhältnifs der blofsen' Verwandschafts- kräfte,' sondern ihrer Masse: denn wenn ein Metall schwerauflöslich, oder: unauflöslich ge- worden ist, so kann es‘doch'durch ein Uebermaals von Säure aufgelöst werden, oder vermittelst' dieses Ueberschusses eine dauer- haftere Verbindung bilden. 2)’ Wenn“man'ein metallisches Salz zer- setzt, so bewirkt das Laugensalz oder die alkalische. Erde, deren man sich bedient, eine Theilüng: der Säure, die desto weiter schreitet, je grölser die Wirksamkeit des al- kalischen Stoffes ist,. Ist. die metallische Verbindung schwach, so ist das Wasser hin- reichend sie zu zersetzen, dann bilden sich Salze mit Uebermaalse und mit Mangel an Säuern, In. diesem Punkt folgen.die Metall- oxyde eben den Gesetzen, als. andere Stoffe, Doch geschieht es bisweilen, dafs die. alkali-' sche Grundlage, welche man hinzusetzt,;kei- ne Theilung. der, Säure bewirkt, sondern dals im Gegentheil, das Fällungsmittel sich zwi- “ schen dem Metalloxyd und:.der.Säure theilt, wie z. B. wenn, ammonisirtes Gold(Knall- gold) verfertigt...- Bisweilen bilden auulı, ‚das Fäl- Auflösungen und Niederschläge: 257 Fällungsmittel, die’ Säure und das" meialli- sche Oxyd, zwei zusammengesetzte' Verbin- dungen, wovon die eine unäuflöslich' ist, die ändere aber flüssig bleibt; wovon wir Beispiele‘ in der Zersetzung‘des ätzenden sälzsauren OQtecksilbers durch Ammonium, ünd in'den oben(Forts. I.$, 10."51,) be: schriebenen Versuchen gehabt haben; Es ist aber überhaupt, ünd jetzt’ beson- ders in Rücksicht der metallischen Auflösun- gen zu merken, dal’ man in Gedanken den Stoff; welchen man unter dem Namen des Fällungsmittels anwendet, nicht von der Flüs- sigkeit in welcher die Fällung vorgeht, gleich: sam absondern, sondern dals man’ seine Auf: imerksamkeit gleichförmig auf alle’ vorhan- denen Stoffe, welche nur Verbindungen bil: den können, richten müsse; 3) Die gefärbten Oxyde können ünge: färbte Verbindungen bilden. Tritt aber eine solche Verbindung einen Theil der Säure, die sie’ enthielt, ab, so kehrt die Farbe des Oxyds, in dem Maalse wie die Säure ent: weicht, wieder zurück, so dafs diese Farbe ein Kennzeichen des noch vorhandenen Gra: des der Verbindung ist; vorausgesetzt; dafs 17 258„Forts, il. 2. Metallische kein Umstand eingetreten sey, der eine Ver- änderung..in dem ‚Zustande der Oxydation hätte bewirken können. he, 4) Die metallischen Oxyde lassen sich nicht unter einander vergleichen, man mülste denn einen bestimmten Grad der Oxydation dabei zum Grunde legen. Alle Verbindun- gen, welche sie bilden können, sind nicht allein in Ansehung der Oxydation veränder- lich, sondern auch in Ansehung.des, Ver- hältnifses der Säure welche sie enthalten, außser‘wenn diefs Verhältnils durch eine Krystallisation bestimmt ist. In Ansehung der Oxydation giebt es nur zwei äulserste Punkte, die man als beständig ansehen karın, den der schwächsten, und den der stärksten Oxydation, Hieraus folgt, dafs..die metallischen: Ver- bindungen, in welchen das Verhältnils des Sauerstoffs, und der Säure unbestimmt ist, durch Kunstwörter, nur, auf eine unbestimm- te und schwankende Art bezeichnet. werden können. 5) Die Säuren beobachten nicht einerlei Verwandschaftsordnung in Rücksicht auf: die verschiedenen Stufen der Oxydation,, Es Auflösüngen und Niederschläge; 25 giebt Säuern, deren Verwandschaft mit der Oxydation abnimmt, wohin die Schwefelsäure und Salpetersäure gehören; es giebt andere, wö sie mit der Oxydation sogar zuzuneh- imen scheint, wohin. die Salzsäure gehört. Man sieht also, dals die Anmalsung, die Verwandschaft der Metalle gegen die ver- schiedenen Säuern, unabhängig von allen hier vorgetragenen Betrachtungen, zu classi- ficiren, ünd sie als beständige Kräfte anzu- sehen, keinen sichern Grund ünter sich hat, 6) Wenn nietallische Auflösungen mit an- dern Salzeri vermischt werden, so kann der Erfolg der zusammeiigesetzten Verwandschaft, nach Verhältnils der angewendeten Salze ver- schieden ausfallen, und diels einstimmig mit dem was oben(Forts, II.) vorgetragen wor- den, Sowohl das Verhältnils des Sauerstoffs in einem Metalloxyd, als das Verhältnils der Säure in einer Auflösung, und das Verhält- nils des beigemischten Salzes, haben. säimmts lich auf die neuen Verbindungen, welche sich bilden, Einflußs, Man erkennt in der chemischen Wirk- samkeit der metallischen Auflösungen die Gesetze wieder, welche wir in der Wiıksam- 280 Forts,, Ik 7,. Metallische keit anderer Stoffe entdeckt haben. Doch macht: die Oxydation die Verwandschaft der Metalle, sowohl gegen die Säuren, als gegen andere Stoffe, veränderlicher, und vervielfäl- tigt gleichsam in den Metallen das Vermö- gen Verbindungen zu bilden. Hierdurch wird der Erfolg bisweilen.so verwickelt, dals zwar eine genaue Aufmerksamkeit auf die vor- liegenden Thatsachen, die Umstände unter- scheiden kann, welche den Erfolg, bestimm- ten, die Theorie. aber nicht im Stande ist, aus blofser Betrachtung der bekannten ‚Ei- genschaften, den Erfolg vorauszusehen, wie sie diefs in Ansehung anderer Stofle leisten kann, wo das Spiel der, Kräfte von einer kleinern Anzahl: von Bedingungen abhän- gig ıst, g: Der Einfluls des Grades der Oxyda- tion, zeigt sich auch, wenn man metallische Oxyde und Niederschläge unter einander vergleicht. Bayen hat die Beobachtung ge- macht, dafs mehrere Quecksilberniederschlä- ge, so wie das rothe Oxyd, stark, aber doch nit ungleicher Stärke, verknallen, wenn man sie mit Schwefel vermengt der Hitze aus- setzt, dals aber einige andere Niederschläge Auflösungen und Niederschläge, 263 diese Eigenschaft nicht haben. Er hat uns aber keinen Grund, weder von der Erschei- nung selbst,'noch von der Ausnahme ange- geben. Es scheint mir unzweifelhaft, dals diese Eigenschaft einiger Quecksilberoxyde und Niederschläge ihren Grund darin habe, dals der Sauerstoff derselben mehr Wärme! stoff enthalte, als, in der, Verbindung die er mit Schwefel bildet, d. bh. in der Schwefel säure, Der Erfolg ist daher von der Art, als bei dem salpetersauren, und dem oxyge- nirten salzsauren Kali, nur ist er schwächer. Aber bei dem, ätzenden salzsauren Queck- silber, kann blofs ein gewisser Theil als nicht verbunden mit der Salzsäure angesehen wer- den; und.blofs dieser ist, es, der durch die Wirkung der Wärme reducirt wird, ‚und daher eine Verknallung bewirken könnte, Diejenigen Niederschläge also, welche so viel Salzsäure an sich halten, dals nur eine ge- ringe Reduction durch die Hitze erfolgen kann, sind auch. keiner. Verknallung fähig, Von dieser Art sind wirklich die Nieder- schläge, welche durch ätzendes oder koh- ‚lensaures Ammonium, und„durch kohlen- saures Kali gemacht werden, 262 Forts. II. 9. Metallische Auflös, u. Niederschl. Die von Bayen gemachte Entdeckung ist also der verknallenden Eigenschaft des am- monisirten Goldes und Silbers ganz analog; aber man nimnıt, sie bei ‚keinen andern Me- talloxyden und Niederschlägen wahr. Der Sauerstoff mulßs daher in..den letztern weit weniger Wärmestolf enthalten, 10. Diejenigen Eigenschaften welche von der"Oxydation abhängen, sind demnach bei jedem Metall im Verhältnils des Sauerstof- gehalts verschieden. Was aber diejenigen Eigenschaften betrifft, welche von den Zu- stand der Verdichtung des Sauerstafis ab- hängen, so ist in ihnen der Grund solcher “Erscheinungen zu suchen, die sich aus den Veränderungen denen die Verbindungen ela- stischer Stofle unterworfen sind, erklären lassen(Abs. XIV,$. 12— 15.) Versuch einer synthetischen Darstellung von Berthollers Theorie, 265 Versuch‘ einer, synthetischen Darstellung von Berthollers Theorie, 1. Zweck dieses Versuchs, 1. Auer. dem Gebiete‘ der reinen Mathematik, kann und darf der nächste und ünmittelbare Zweck eines synthetischen Vortrags, einzig und: allein die leichte Uebersicht einer‘schon befestigten, oder als richtig angenommenen Theorie, seyn. 2. Die erste Begründung einer Theorie hingegen, darf(aufser, drm Gebiete der reinen Mathematik) auf keinem andern als dem analytischen Weg unter- nommen werden, und selbst im Gebiete der Mathe- matik, ist die Ordnung des Denkens bei dem Erfin- der. allezeit analytisch; aber er darf in jedem Fall 266 synthetisch vortragen, funden, hat. 3. Bertholler ein seh schnitt an, Beispiel des analytischen Vortrags, durch ein Muster der ächten, Art, w de vom zweiten Abschnitt an: hollet einen der einfachsten Lehrsätze sei- uf, aber offenbar blofs historisch, und ‚der Aufmerksamkeit des Lesers, eine be- zwar Bert ner Theorie a nur um siimmte Richtung zu geben, V an hingegen, siellt er Reihe aisonnement ‚vermischt, auf, zuerst Versuche, wandschaftskräfte haben, und zeigt, nicht geschieht, schelien sollte, schieht, ‚was nach dem. im..ersten Ab- ähnliches:.ge schnitt aulgestellien Saız geschehen muß, in welchen $.%: Zweck s Schrift enthält, vom zweiten Ab- r deutliches und vortreffliches und eben da-, und einzig zuläßigen . AN Er ie eine neue Theorie(aulser den Gränzen r Matlbiematik) hegründet werden muls, Ich sage denn im ersten stellt om zweiten Abschnitt von Thatsachen, mit Und zwar wählt er die eigentlichen Ver- eine"überwiegende Wirksamkeit dafs hingegen wählt ‚er. atıdere Versuche, Elasticitäten, Wärme und ‚and wiegende Wirksamkeit haben, sie die Wirkungen der Verwandschafiskräfte"modifi- eirt werden. vor ihm lagen, gemeinen und einfachen Ansichten, schnitt stellt er diese zusammen, dem, womit ein sygthetischer Vortrag würde anfan- gen mülsen. dafs in’ allen diesen Fällen das was nach:der bisherigen‘Theorie ge- in allen etwas dem Dann wo. Cohaesionskrälte, ere Krafte, eine über- und zeigt, wie durch Er analysirt also die Thatsachen die und gelangt auf diesem Wege zu all- Im leızten Ab- und endet also mit des Versuchs. 267 Vorstattete es der Raum, so würde sich zeigen lassen, dafs Kepler, Galılaei, Newton, Lavoisier, kurz alle denen wir. die größsten Erweiterungen in der Naturlehre verdanken, auf keinem anderk Wege zu den Entdeckungen gelangt sind, durch yelche sie sich unsterbliches Verdienst erworben habu. 4. Aber es hat von jeher, bis auf den heutigen Tag, auch Philosophen"und Naturforscher 8geben, welche gerade’ auf dem entgegengesetzten Wye die Wissenschaften nicht nur zu erweitern, sondernsogar zu volleuden versucht haben. Ohne sich durchlange Reihen mühsamer Versuche, und Beobachingen Aurchzuarbeiten, sprangen sie durch die blofse Sfinell- kraft ihres Genies gleich zu der Höhe einfacht Be- griffe, und allgemeiner Grundsätze hinauf, un ver- suchten von da aus ein System der ganzen\issen- schaft vom Giebel anfangend, bis auf den’Grund herunter zu erbauen. So falste Epikur, aus üchti- ger und einseitiger Beachtung der Naturerscheinun- gen, die Idee, dals es in der Natur keine Verände- rung dl; Bewegung gebe, und mit Hülfe dieses Grundsatzes(der noch jetzt in manchen Büchern und Köpfen spuckt), baute er sein bekanntes atomis- tisches System zusammen, So sprang Cartesius, von der Wahrnehmung so vieler Kreisbewegungen in der Natur, zu der Idee hinauf, es müsse ein Element geben, das durch innere Nothwendigkeit sich in stä- ten wirbelnden Bewegungen um gewilse Mittelpunkte befinde, und aus diesem Grundsatz baute er eine Erklärung aller Naturerscheinungen zusammen, 268$. 4.. Zweck Ich enthalte mich neuere Beispiele zu erwähnen, ‘Aber es ist, dünkt mich, klar, dafs jeder der uns aus den ncch lange nicht berichtigten Begriffen von, Materie uıd Körper, eine Naturlehre construiren will, in der Methode nichts anders thue, als was Epikur wid Cartesius thaten,° Nur wird der Ver- such, wan es das Werk eines consequenten Kopfs ist, täuchender und gleichsam genugthuender aus- fallen, veil das Feld der Erfahrung von welchem er doch ‚m Grunde aufsteigen, und zu dem er auf dem synthtischen Wege wieder zurückkommen muls, viel zrößser und bearbeiteter ist, als das Feld, wel- chesiene vor sich hatten, Aus eben dem Grunde war lartesius Versuch unendlich scheinbarer, als Fpikur Träume, aber seine Methode war jdarum, nicht a ein Haar. besser, I 5, Dals in der reinen Mathematik der syntheti- sche Vırtrag nicht nur zur Uebersicht, sondern auch zur Begründung einer Theorie der zweckmälsigste ist, davon liegt der Grund in der absoluten Be- stiimmtheit ‚deren alle mathematische Begriffe,"die einfachsten wie die zusammengesetztesten, fähig sind, Diese Bestimmtheit macht völlig feste(und zwar nicht blofs formale) Grundsätze, und durch sie die synthetische Begründung jeder Theorie möglich. In jedem andern Felde der, menschlichen Erkenntmils hingegen, es sey speculativ, oder empirisch, ist diese absolute Bestimmtheit und Erschöpfung der Begrilte anerreichhar, ob man gleich in gewilsen Feldern wähnt im Besitz derselben zu seyn, In Ansehung der empirischen Begriffe wird man mir meine Be- des Versuchs, 269 hauptung leicht einräumen. Schwieriger wird man vielleicht” in Ansehung der philosophischen Begriffe seyn: ‚allein, auch ohne die Unbestimmtheit dersel- ben aus ihrer Natur zu erweisen, wozu hier nicht der Ort seyn kann, so verräth sie sich unverkenn- bar durch die ewigen, nie zu einer Entscheidung gedeihenden Streitigkeiten im Gebiete ‚der Specu- lation, Diese Unbestimmtheit aber, bei der man nie sicher ist, ob man in einen Begrill nicht zu viel oder zu wenig aufgenommen habe, macht den sysıtheti= schen Weg der Untersuchung nicht nur unsicher, sondern); wie die Geschichte aller speculativen und empirischen Wissenschaften lehrt, zu einem verfüh- rerischen, und fast unvermeidlich irre führenden Abweg.; 6. Es bleibt also in den Feldern der Speculation und der Erfahrung, für den synthetischen. Vortrag, unmittelbar, blofs der Zweck einer bessern Ueber- sicht solcher Theorien übrig, die schon. vorher. auf dem analytischen Weg hinlänglich begründet sind, oder als begründet angenommen werden. Dafs mit- telbar der synthetische Vortrag auch zur Erweite- rung der Wissenschaft führen könne, bleibt hier= durch unbestritten; Der gegenwärtige Anhang zu Berthollets Schrift aber, bezweckt blols bessere Uebersicht des Ganzen, Ich empfehle übrigens diese Betrachtüngen, von denen ich versichern kann, dals sie nicht das\Verk einer flüchtigen Untersuchung sind, de: unbeläy: HR [14 Dar A 270 9. 6 Zweck des Versuchs. gensten Aufmerksamkeit des‘ Lesers, da es jetzt in der That viele, und selbst berühmte und scharfsin- nige Naturforscher ‚giebt, welche sich durch das Blendende des, synthetischen. Vortrags zu schimäri- schen.‘ Vorstellungen verleiten lassen, wodurch dia Wissenschaft selbst nur'an Verwirrung gewinnen kann. . 1. Erklärungen. . Die Möglichkeit eine Theorie synthetisch vorzu« Bacey hängt also lediglich von einer scharfen, richti- ‚gen und vollständigen Bestimmung der Grundbe- griffe, ab, Hierzu aber zu gelangen, ist aufser dem Gebiete der Mathematik, und besonders in der Na- turlehre, nichts weniger als leicht, Oft mufs man diese Begriffe sehr mühsam der Erfahrung’abfragen; oder hat man sie auf einem kürzern Wege errathen, so'mufs man sich dürch ein eben so imühsänies Stus dium der Erfahrung versichern, dafs man sie richtig und vollständig aufgefalst habe; und sind beide Schwierigkeiteri beseitigt, s6 ist immer noch viel Auf- merksamkeit bei ihrer Anwendung nöthig, um nicht einen falschen Gebrauch von ihnen zu machen, Hat man aber erst diese Begriffe fest und sicher, dann leiten sie auf einfache Grundsätze, und durch diese zu der Möglichkeit die theoretischen Sätze, welche ihre ersten Entdecker vielleicht sehr mühsam von der Eıfahrung abstrahirt halten, in der Form $., 8. Erklärungen, 2 Fi von:Lehrsätzeu kurzyund: bündig: zw beweisen, und das Ganze methodisch: nnd systematisch zusammen- zustellen, 5. Ich"wage zwar nicht zu behaupten, dafs die Grundbegriffe für die Chemie schon. völlig berich- tigt wären; doch scheint mir der Grumd warım wir bisber’so langsame Fortschritte in der Theorie ge- wacht haben, nicht sowohl hierin, Als in einer un- richtigen Anwendung dieser Begriffe zu llegen. Man erklärt in der That die chemischen. Grundktäfte, Cohaesion, Hlastieität und Ferwandschaft ganz richtig; aber man hat besonders von dem letzterü Be- griff einen sehr verworrnen Gebrauch gemacht, in- dem man alle chemischen Erscheinungen ohne Un- terschied auf Rechnung dieser Kraft gebracht hat. Berthollet's Verdienst üm die Theorie, ist in dieser Rücksicht doppelt. Er lehrt uns zuerst scharf uns terscheiden;, was bei einer chemischen Erscheinung, Wirkung einer Verwandschaft, oder einer Cohae- sionskraft, odet einer Rlasticität, oder der Wärme, oder irgend eines änderri mitwirkenden Umstandes sey. Zum ändern äber hat er mit grolsem Scharf. sinn die Gesetze der Verwandschaftskraft entwickelt, der man bis jetzt ganz unrichtige; und sogar, wie wir in def Folge zeigen werden, widersprechende Gesetze untergeschobeni hatte. 9 Cohaesionskraft ist die Kraft, mit welcher die Theile eines völlig homogenen Stoffs einander an ziehn, oder an einander haften, 10. Blasticität ist die Kraft, mit‘welcher die Theile eines homogenen Sıoffs einander abstolsen; 272'6, 12, Erklärungen.‘ 11, Wenn es: richtig ist, was inder"That"die Versuche völlig zu ‚bestätigen scheinen, dafs der tropf- bare Aggregatzustand der Körper blofs die Folge von einem Druck, sowohl ihres eigenen Gewichts als der Atmosphäre sey, so, kommt, die Cohaesions- kraft im strengsten Sinne, blofs den: festen Körpern zu. Demohngeachtet darf man auch tropfbaren Flüs- sigkeiten Cohaesionskraft“.da in der That die Theile, derselben mit einer bestimmten Kraft an einander haften, obgleich diese Wirkung (nach der gedachten Vorstellungsart), nicht Folge einer innern Anziehung, sondern eines äulseren Drucks seyn würde, welches aber in der That in den Erscheinungen nichts ändert, da sich jeder Druck . durch eine tropfbare Masse gleichförmig. fortpflanzt, ı2. Elastieität kommt in dem hier erklärten Sinn hauptsächlich nur“den lufiförmigen Flüssigkeiten zu, (wozu ich auch diejenigen rechne, welche durch blofse Abkühlung tropfbar werden), Bei ihnen kann daher im eigentlichsten Sinn des Wortes von keiner Gohaesionskraft die ‚Rede seyn. Da sich indessen die atmosphärische Luft, und alle in ihr aufgelöste Stoffe, so wie jede gesperrte Masse einer Luftart, durch äulsern Druck in einem Zustand des Gleich- gewichis befindet, so können ihre Theile nicht ohne Anwendung einer Kraft von bestimmter Größe ge- trennt werden. Man känn daher, unter diesen Um= ständen, auch selbst den elastischen Flüssigkeiten, in ähnlichem Sinn, als den tropfbaren, eine Cohaesions- kraft beilegen, Bei chemischen Arbeiten wirkt da- ber die Blastieität, als solche, nur alsdann, wenn sin, $. 13. Erklärungen, u73 ein Stoff aus dem tropfbaren in den elastischen Zu- stand‘übergeht, d, h, bei Gasentbirdungen. 13. Genau genommen, möchte sich freilich kein tastbarer Stoff in der Natur finden, bei welchem sich nicht unter gewissen Umständen Spuren, sowohl von der einen, als von der andern Kraft zeigen sollten. Allein die Elasticität fester oder tropfbarer Körper, äulsert sich nur bei sehr starkem Gegendruck, und ist daher nie bei chemischen Operationen in Be- trachtung zu ziehen. Es wird daher hinreichend seyn, auf die Cohaesionskräfte und Elasticitäten im dem eben bestimmten Sinn Rücksicht zu nehmen, 14. Es sey mir erlaubt, bei dieser Gelegenheit eine Frage zu berühren, welche nicht nothwendig in diesen Zusammenhang gehört. Wie geht es zu, dafs ein und derselbe Körper Cohaesionskraft und Elasticität, zugleich haben kann? Annehmen, dafs eben das körperliche Theilchen 4, welches ein an- deres anzieht,'zu gleicher Zeit auch dasselbe ab- stolse, hielse offenbar etwas widersprechendes in einem und. demselben Subject setzen. Es scheint mir daher, als sey man durch die Erfahrung ge- zwungen ‚anzunehmen, dafs aller tastbaren Materie, als solcher, blofs Anziehung, d, i, Cohaesionskraft eigen sey, dafs aber ein mit der tastbaren Materie innigst verbundener untastbarer Stoff(der Wärme= stoff) die Theilchen jener von einander zu entfer- nen strebe, d. h, sie elastisch mache, Fest würde dann ein Körper: seyn, wenn ‚die Cohaesionskraft seiner tastbaren Materie gröfser wäre, als die Rlasti- eität welche ihm der Wärmestoff'geben kann. Tropf- 16 274$. 14. Erklärungen. bar würde ein Körper seyn, wenn diese beiden Kräfte gerade im Gleichgewicht stünden; und gas- förmig würde er seyn, wenn die letzte Kraft das Uebergewicht über die erste hätte. 15. Cohaesionskraft und Elasticität sind. mecha- zische Naturkräfte: denn ihre Wirkung besteht blofs in Gleichgewicht oder Bewegung. Uebrigens stehen sie wie die allgemeine Schwere‘unter dem Gesetz in gleichem“Verhältnifs mit der Masse zu wachsen: denn bei einem ganz homogenen Stoff ist ganz ‚un- streitig, die Summe der anziehenden Kräfte in zwei Granen doppelt so großs, als in einem, 16. Ob beide Kräfte blofs bei der Berührung, oder auch in einiger Entfernung wirken? ist schwer zu entscheiden, hat aber auf die chemischen Erklärun- gen nicht den geringsten Einflußs. 17. Verwandschaft ist die Kraft, mit welcher die Theile zweier heterogenen Stofte sich zu einer ein- eigen homogenen Verbindung zu vereinigen streben, 18. Die Verwandschaft ist nicht blofs eine mecha- nische, sondern zugleich eine chemische, ja im strengsten Sinn die einzige chemische Naturkraft: denn ihre Wirkung besteht nicht in blofsen Bewe- gungen, sondern zugleich in einer Umwandlung der Materie, deren: Begriff keine Sophistik je aus blo- Ssen Begriffen von Bewegungen zusammen zu setzen vermögend seyn wird, Zwar ist.das Anziehn hete- rogener Theile, und die daraus entstehende Annä- herung blols eine mechanische ‚Erscheinung, aber $, 18. Erklärungen. 275 auf die Berührung erfolgt etwas von der Berühtung, und dem Aneinanderhaften noch verschiedenes, eine Umwandlung beider Bestandtheile,‘bei der sie oft nichts‘ weiter, als das Gewicht aus. ihrem vorigen Zustand behalten. Eine solche Umwandlung'ist zwar immer Folge einer Bewegung, sie ist bis zur vollendeten Wirkung von Bewegungen begleitet, aber daraus folgt nicht, dals sie selbst Bewegung sey. Verschiedenheit der Materie ist nicht blolse Localverschiedenheit, folglich kann auch»der Ueber- gang aus einer Zustande der Materie in: den an- dern dürch keine blofßse Localveränderung begreif- lich gemacht werden. i9. Die Entstehung einer vollkommenen Gleich- artigkeit(Homogenität), läfst sich nicht ohne eigent- liche Durchdringung beider Bestandtheile denken, und eitie chemische Mischung ist offenbar eiwas an- ders als, ein feines mechanisches Gemeng, Wenn es daher wahr ist, was Berthollet aus guten Grün- den vermuthbet(XIV. 2. S. ı61.), dafs alle Körper gegen einander stärker oder schwächer verwandt sind, so ist kein Körper für den andern undurch- dringlich, ob sie sich gleich nicht unter allen Um- ständen wirklich durchdringen können*). 20. Die Cohaesionskräfte zweier verwandten Stof- fe, sind jederzeit als Kräfte anzusehen, welche ihrer *) Was maı bisher in den Lehrbüchern als allgemeine Ei, genschaften der Körper aufgestellt hat, bedarf bei den Fortschritten der Naturlehre immer dringender einer kriti- schen Revision. Su De 76 276 6. 20. Erklärungen. Verwandschaft entgegenwirken. Diels wird sehr klar, wenn man zwei feste aber verwandte Körper (etwa zwei Metalle) so genau als möglich zur Be- zührung bringt. Es ist augenscheinlich, dafs die blofse Berührung immer noch keine Vereinigung ist, und dafs eine wahre Vereinigung nicht eher erfol- gen kann, als bis die Verwandschaft, die Cohaesions- kraft beider Stoffe völlig überwältigt hat, ein Fall, wozu zwischen zwei festen Körpern die Verwand- schaftskraft selten stark genug ist; doch verbinden sich auf diese Art viele krystallisirte Salze mit Eis, zu einer homogenen Flüssigkeit, Selbst bei flüssigen und gasförmigen Stoffen, mufs die vorhandene Co- haesion der Theile durch Verwandschaft überwältigt werden, ehe eine eigentliche Vereinigung entstehen kann. Denn wenn überhaupt die beiden verwand- ten Stoffe 4 und B heifsen, so ist klar, dafs jedes Theilchen von 4 das zur Berührung, mit B gekom- men ist, von zwei entgegengesetzien Kräften gezo- gen wird, von der Cohaesionskraft nach 4, und von der Verwandschaft nach B, Eben so jedes Tbeil- chen von B, Ob eine Vereinigung möglich sey; hängt also offenbar von dem Verhältnils der Ver- wandschaft zu beiden Cohaesionskräften ab. Wenn sich daher Oel und Wasser, Wasser und Quecksilber etc, nicht vereinigen, so folgt daraus nicht, dals keine Verwandschaft zwischen ihnen statt finde. 21. In einem homogenen Stoff 4 muls jeder Theil, gegen einen andern Stoff B, gerade so viel Verwandschaftskraft haben, als jeder andere ihm gleiche Theil des Stoffs A. Es liegt also schon in $. 21. Erklärungen. 27T, dem Begriffe der Verwandschaft, dafs diese Kraft, wie die Schwere, und wie die Cohaesionskraft, in gleichem Yerhältnifs mit der Masse wachse; d. bh. dafs in zwei Granen eines Stofls gerade doppelt so viel Verwandschaft gegen jeden andern Stoff liegen müsse, als in einem Gran. Wenn man daher in der bisherigen Theorie annahm, dafs die Verwandschaft eine absolute, und nicht mit der Masse in gleichem Verhältnifs wachsende Kraft sey, so lag darin ein wahrer Widerspruch, 22. Wenn man die Verwandschaftskraft die in einer Gewichtseinheit(z. B. einem Gran) eines Stoffs liegt, durch eine Zahl ausdrückt, so wird die Ver- wandschaftskraft die in jeder andern Gewichtsmenge desselben Stoffs liegt, durch ein Product jener Zahl, in die Gewichtsmenge ausgedrückt werden, Liefse sich z. B. die Verwandschaft, welche ein Gran Kali gegen die Schwefelsäure hat, durch 7 ausdrücken, so würde die Verwandschaft von 5 Granen durch 35 ausgedrückt werden müssen. Berthollet nennt die- ses Product der Verwandschaft in die Gewichtsmen- ge, die chemische Masse mit welcher ein Stoff wirkt, Man. vergleiche meine Anmerkung zu I, 6. S. ır., Der Begriff ist für die Theorie der Chemie. wichtig, und mufs nicht mit der mechanischen Masse, die dem blofsen Gewicht proportional ist, verwechselt werden. 23. Die mechanische Vereinigung zweier Körper, heilst eiz Ganzes, und das woraus es entstanden, seine Theile. Die chemische Vereinigung zweier NE TEE Tr 278$.24. Erklärungen, Stoffe heifst eine Mischung oder Verbindung und das woraus sie entstanden, ihre Bestandtheile, 24. In der mechanischen Naturlehre, führt man unter den anziehenden Kräften, die nur in der Nä- he, oder bei der Berührung wirken, noch die 4d- häsion an. Sind. die adhärirenden Körper gleichar- tig ‚(zwei Glasplatten), so ist diese Adhäsion blofs die durch unvollkommne Berührung geschwächte Cobaesionskraft; sind sie ‚hingegen ungleichartig (Glas und Wasser), so ist es eine Verwandschaft, die wegen widerstrebender Cohaesionskräfte keine Vereinigung‘bewirken kann. Adhäsion ist folglich keine besondere Art von anziehenden Kräften, Zum Beschlufs dieses Abschnitts. noch folgende Anmerkung.} Ich habe in diesem Abschnitt: Cohaesionskraft und Verwandschaft als zwei gänzlich verschiedene Kräfte dargestellt. Aber dennoch halte ich es nicht nur für möglich, sondern sogar für sehr wahrschein- Jich, dafs es eine und dieselbe Grundkraft sey, mit welcher ein Theilchen Schwefelsäure, die berührenden Theilchen eben des Stoffs, oder anderer ungleich- artigen Stoffe anzieht, Aber es ist und bleibt eine Sünde gegen die Logik, Dinge für identisch zu neh- men, deren Identität noch nicht erwiesen ist, $. 25. Wirkung zwischen zwei Stoffen. 279 11. Ueber die chemische Einwirkung zweier Stoffe auf einander. 25.:Die Natur isolirt ihre Kräfte.nie.\Jede Er- scheinung ist Jinmer bald auf eine einfachere, bald auf eine verwickeltere ‚Art, die Wirkung: mehrzexer Kräfte, nämlich aller derer, die vermöge der vor- handenen Umstände wirksam seyn konnten. Bei der theoretischen Untersuchung hingegen, müssen wir nothwendig jede Naturkraft für sich betrachten, und theils durch Schlülse, theils durch gewählte Versu- che und Beobachtungen ihre Gesetze zu entdecken suchen. Hat man erst den Begriff einer Kraft richtig und voilständig aufgefalst, so liegen diese Gesetze schon in ihm, oder können durch''Schlüsse aus ihm entwickelt, und in diesem Sinn a prieri dedueirt«wer- en."Allein selbst im diesem Yall, kann man des Pückblicks auf die Erfahrung durchaus nicht entbeh- ren, eben um sich zu überzeugen, dafs man den Begriff der Kraft rein und klar aufgefalst habe. Diese Betrachtungen zeichnen uns den Weg vor, den wir hier zu nehmen haben, Wir müssen zuerst u bestimmen suchen, was die blofse Verwandschaft zwischen zwei Stoffen wirken würde, vorausgesetzt, dafs ihre Wirkung durch gar keine mitwirkende Kraft gestöhrt, oder modificirt würde; dann werden wir. ansere Aufmerksamkeit auch auf. den Einfluß dieser mitwirkenden: Kräfte richten müssen,\ 280$. 26. Wirkung zwischen zwei Stoffen. 26. Fermöge der blofsen Verwandschaft, kön- nen sich zwei Stoffe in allen Verhältnifsen mit einander verbinden, Die bisherige Theorie behauptete gerade das Gegentheil, dafs sich verwandte Stoffe nur in einem, oder einigen wenigen aber bestimmten, kurz, zieht in:allen Verhältni/sen, mit einander verbinden. Haben wir aber im vorigen den Begriff Ar Ver- wandschaft vollständig und richtig erklärt, so lälst sich daraus unser Satz a priori beweisen. Und da die bisherige Vorstellungsart das contradictorische Gegentheil unsers Satzes ist, so läfst sich der Beweis apodiktisch führen, indem wir zeigen, dals die bis- herige Vorstellungsart auf Widersprüche führt. Man nehme also an, dafs sich die Stoffe 4 und 2, wohl im Verhältnils 5: 7, aber nicht im Verhält- nils 10:7 verbinden können. Brächte man also mit 7 Theilen von 3, ıo Theile von 4 zusammen, so würde nichts anders geschehen, als wenn ich mit 7 Theilen von B nur 5 Theile von 4 zusam- wmengebracht hätte;. 5 Theile von#4 würden sıch verbinden, und 5 unverhunden bleiben. Wäre die- ses möglich, so würde folgen, dals in ıo Theilen von 4 nicht mehr Kraft läge, als in 5 Theilen, wel- ches dem widerspricht, was wir$. zı, aus dem Be- griff der Verwandschaftskraft abgeleitet haben, 27. So gewils dieser Beweis vor dem Forum; der Logik als bündig anerkannt werden muls, so läfst er doch, wie jeder in der Naturlehre a priori geführte Beweis, die Bedenklichkeit übrig,‘dafs ‚die Begriffe, $. 27. Wirkung zwischen zwei Stoffen, a8: auf denen er beruht, falsch bestimmt seyn könnten. Wir dürfen uns daher einer sorgfältigen Vergleichung unsers Satzes mit der Erfahrung durchaus nicht ent- schlagen, wenn wir uns der Gefahr zu irren nicht ausseizen wollen, Aber einen vollständigen Beweis a posteriori zu geben, ist in einem synthetischen Vortrag unmöglich, wefl der Satz in der That das Resultat von einer richtigen Beuriheilung aller ein- zelnen chemischen Thatsachen ist; doch werden fol- gende Betrachtungen für den der Berthollets Schrift mit Aufmerksamkeit studirt hat, keinen Zweifel an der Richtigkeit des Satzes übrig lassen, a) In allen Fällen, wo zwei Hüssige Stoffe(d. h. zwei Stoffe die wenig Cohaesionskraft haben), zwischen denen aber eine starke Verwandschaft herrscht, vermischt werden, bestätigt die Erfah- rung unsern Satz, ohne Ausnahme. Die rein- sten Beispiele sind: Wasser und Weingeist; Wasser und jede flüssige Säure; zwei Metalle die sich stark anziehen im geschmolzenen Zu- stand? auch gehören hierher die Vermischungen jeder zwei Luftarten, wofern nicht etwa durch diese Vermischung eine Aenderung des Aggre- gatzustandes erfolgt. b) Auch solche Fälle sind beweisend, wo zwar einer oder beide Stoffe für sich fest sind, die Cohaesionskraft aber durch ein Auflösungsmittel überwältigt ist, So lassen sich Säuern und auf- gelöste Alkalien, in allen Verhältnifsen zu einer ganz homogenen Flüssigkeit mischen, Selbst Schwefelsäure und Kalkerde, lassen sich in al- Wirkung zwischen zwei Stoffen. len Verhältnifsen mischen, wenn. die letzte in einer hinlänglichen Menge Wasser aufgelöst ist. j c) In allen Fällen, wo die Erfahrung unserm Salz za widersprechen scheint, indem sich Verbin- dungen von bestimmten und beständigen quan- titativen Verhältnifsen bilden, läfsı sich ohne Aus- nahme zeigen, dafs diese beständigen Verhält- nifse, eine Folge besonderer Umstände, oder ‚mitwirkender Kräfte sind. Diels wird deutlich werden, wenn wir in der Folge die Entstehung der beständigen Verhältnifse bei Auflösungen, bei der Nentralität, und bei Krystallisationen, erklären werden. 28. Wenn von viel, und von B wenig in der Mischung enthalten ‚ist,. so wird A durch die gerin- ge Quantität von B nur schwach, B hingegen durch die.grofse Quantität von A stark gefunden. Durch einen einzigen Gran Kali, können tausend. Gran Schwefelsäure nur sehr schwach gebunden werden; desto stärker aber wird: ein Gran Kali, durch tau- send Gran Schwefelsäure gebunden, 20. Wenn wir sagen, dafs ‚tausend Gran Schwe- durch einen Gran Kali nur schwach ge- bunden seyn, so heifst das, die Verwandschaftskraft der ‚Schwefelsäure sey sehr wenig geschwächt, die auf Kali und andere Körper, bei- Wird mehr felsäure, Mischung reagire nahe wie ganz reine! Schwefelsäure., Kali hinzugesetzt, so wird die Schwefelsäure stärker gebunden, also ihre Verwandschaft mehr geschwächt, Die Verwandschaft eines Stoffes A, wird. also durch $. 30. Schwache Verwandschaft. 283 Sättigung. mit irgend einem andern ‚Stoff B desto mehr geschwächt, je grölser die Menge von B ist, wodurch er gebunden wird. ———— Wirkungen einer schwachen Verwand- schaft zwischen zwei Flüssigkeiten. 30. Wenn die Verwandschaft zweier Flüssigkei- ten A und B, im Verhältnifs gegen die Cohaesions- kräfte von beiden, oder auch nur von einer, sehr schwach ist, so kann dadurch die Wirkung der Ver- wandschaft sehr stark modificirt werden, Es ent- steht nämlich in diesem Fall nur dann eine einzige homogene Mischung, wenn von dem einen der bei- den Bestandtheile so wenig vorhanden ist, dafs der andere durch seine Menge das ausrichten kann, was er durch die innere Stärke seiner nicht vermag. Ist hingegen von beiden eine gewilse Menge vorhanden, so entstehen allezeit zwei homo- gene Mischungen, wovon die eine viel 4, und we- nig B, die andere aber viel B und wenig 4 ent- hält. Beispiele dieser Wirkung sind, Naphtha und Wasser, Blei und Zinck, Eisen und Zinn(Berthollet Abs. IX. 7.). 31. Diefs anschaulich zu machen, nehme man an, dafs die Cohaesionskraft von£ durch 100, die von B durch 50, die Verwandschaft zwischen beiden aber nur durch 7 vorgestellt" werden könnte. Nun denke man sich ferner drei(unendlich) dünne Schich- ten der beiden Flüssigkeiten übereinander, und zwa: 284$. 29. Wirkung zwischen zwei Stoffen. um mehrerer Einfachheit willen, eine so schwer wie die andere, Die oberste Schicht bestehe aus der Flüssigkeit 4, die unterste aus B. Die mittlere wird man als eine Masse ansehen können, welche von den darüber und darunter liegenden Schichten ‚von jener nach oben, von dieser nach unten gezogen wird, Diese mittlere Schicht bestehe nun zuerst aus A, so ist klar,‘dafs sie nach oben durch die Kraft ı00, nach unten durch die Kraft 7 gezögen wird, Es kann daher nichts anders erfolgen, als dals sie sich im Verhältnils 100:7 theilen wird; ı00 Theile werden mit der obersten Schicht verbunden bleiben, und 7 mit der untersten in Verbindung treten, und hier eine Mischung bilden, die aus 107 Theilen von 3, und 7 von A bestehen wird. Denkt man sich aber zweitens, dals die mittlere Schicht aus der Flüs- sigkeit B bestehe, so wird sie nach oben mit der Kraft 7, nach unten mit der Kraft 50 gezogen, Sie wird sich also im Verhälınils 7:50 theilen, d. h, 50 Theile bleiben mit der untersten Schicht verbun- den, und 7 Theile bilden mit der obersten Schicht eine Mischung, die aus 57 Theilen von 4, und z von B bestehen, wird. Bei-der mannigfaltigen Art, wie sich zwei ge- schüttelte Flüssigkeiten berühren können, ist es klar, dafs beide Arten von Mischungen zugleich zur Wirk- lichkeit kommen werden, 32. Die gegebene Erläuterung ist für den gegein- wärtigen Zweck(der nicht eine Erschöpfung‘ der Theorie seyn kann) hinreichend. Bei Aufstellung $. 32. Schwache Verwandschaft, 285 einer vollständigen Theorie, würde es nöthig seyn, auf mehrere Umstände, besonders auf die von jeder Flüssigkeit vorhandene Menge Rücksicht zu neh- men; weil hiervon die Stärke der Verwandschafts- kräfte, und mithin auch das Verhältnifs beider ent- stehenden Mischungen, so wie das Verhältnils der Bestandtheile jeder Mischung abhängt. Auflösungen. 53. Wenn der Stoff A Aüssig, B aber fest ist, so kann keine Vereinigung erfolgen, wofern die Kraft mit welcher die Theilchen von B einander anziehen, gröfser ist als die Kraft mit der sie von 4 angezo- gen werden. Man sagt dann, B sey in 4 unauf- löslich, Es ist klar, dafs die Verwandschaftskraft in diesem Fall an sich sehr stark seyn kann. 34. Ist aber die Verwandschaft der Cohaesions- kraft von B überlegen, so erfolgt eine Vereinigung, und dieses um so schneller und vollständiger, je gröfser das Uebergewicht der Verwandschaftskraft ist. Man nennt in diesem Fall die entstandene Mischung eine Juflösung von B in 4, und 4 nennt man das Auflösungsmittel, 35. Bei jeder Auflösung mufs ein Verhältnifs der Mischung eintreten, bei welchem die Wirkung stille steht, d. h, jedes Auflösungsmittel kann nur eine be- stimmte Menge des aufzulösenden' Stoffs aufnehmen. Denn je mehr sich von B in 4 aufgelöst hat, um desto schwächer wirkt die Flüssigkeit auf den noch 286$. 55. ı Wirkung zwischen zwei Stoffen, unaufgelösten Rückstand($. 29.). Es ınufs daher ein Zeitpunkt eintreten, wo die geschwächte Ver- wandschaft der Cohäesionskraft von B, gerade nur noch das Gleichgewicht halten kann, und dann muls offenbar die Auflösung still stehen, Diese Erscheinung steht also ‚mit$. 26, nicht im Widerspruch. Wie viel sich aber von Bin 4 auf- löse, hängt von dem Verhältnifs der Verwandschaft beider Stoffe zur Cohaesionskraft von B ab. Wie die Wärme diefs Verhältnifs in den meisten Fällen abändere, wird weiter unten gezeigt werden. 36. Durch Zerkleinerung des Stoffs B, wird blofs die- Berührung beider Stoffe erleichtert und ver- mehrt; die Cohaesionskraft von B aber bleibt in je- den Stäubchen so grofßs, wie sie in der ganzen Mas- se War, 37. Wenn man ein völlig wasserleeres ‚Salz in das Wasser bringt, so besteht die erste Wirkung darin, dafs das Salz Wasser anzieht; durch diese erste Wirkung geht eine gewilse Quantität Wasser in. Ver- bindung mit dem Salz, und sogar oft in den Zustand der Festigkeit über(Daher die innere Erhitzung.) Wenn hierdurch die Cohaesionskraft des Stoffes bis auf einen, gewissen Punkt geschwächt ist, so fängt sich dann die eigentliche Auflösung an, Ist des Auflösungsmittels eine hinreichende Menge da, so löst sich alles auf, wo nicht, so geschieht etwas ähn- liches als zwischen zwei Flüssigkeiten die sich schwach anziehen($. 30—32.) Es bilden sich zwei Mischungen, eine feste, aus viel B und wenig 4, $. 37. Auflösungen. 287 und eine Hüssige, aus viel£ und wenig B. Wenn 2. B.' eine beträchtliche Menge wasserfreier Kalk in Wasser gethan wird, so besteht nach vollendeter Einwirkung der Bodensatz aus Ka!kerde mit ei- ner gewilsen Quantität Wasser, und die Flüssigkeit aus viel Wasser, mit einiger Kalkerde.‘Eben das geschieht auch, wenn einer Säure von einem Metall- oxyd mehr dargeboten, wird, als sie auflösen kann. Eine genauere Erörterung dessen, was in Fällen die- ser Art vorgeht, giebt Berthollet Abs, IX,$. 7. Hat das aufzulösende Salz. sein Kıystallisations- wasser, so erfolgt die Auflösung unmittelbar,.(daler gew öhnlich innere Erkältung). Hieraus begreift man, warum bei der Krystallisa- tion, welche die entgegengesetzte Arbeit von der Auflösung ist, jedes Salz allezeit eine gewisse Quan- tität Wasser bindet, 38. Auch die Luftarten, besonders die atmosphä- rische Luft, besitzen auflösende Kräfte, nicht nur ge- gen tropfbare, sondern selbst gegen viele feste Kör- per, wie der Geruch beweist,, den so viele Körper verbreiten, Die Erscheinungen: welche dabei vor- kommen, lassen sich auf eine ganz ähnliche Art be- urtheilen: denn sofern,sie sich in einem gleichförmi- gen Zustand der Zusammenpressung befinden, ihre Elasticität nichts weiter wirken, als dafs sie in jedem Fall nur mit einer geringen chemischen Masse wirken, Die atmosphärische Luft hat z. B, eine ziem lich starke auflösende Kraft gegen das, Wasser. Wird nun einem: gesperrten Volum einer trocknen Luft 288 6. 38. Wirkung zwischen zwei Stoffen. ein klein wenig Wasser dargeboten, se löst es sich gänzlich auf. Ist aber die Quantität des Wassers etwas grols, so entstehen, wie$. 37. zwei Verbin- dungen, eine luftförmige, aus Luft und einer gewis sen Quantität Wasser, und eine tropfbares aus Was- ser, und einer geringen Quantität Luft, Dfefs ist die Luft, welche durch Kochen, und unter der Luft- pumpe wieder von dem Wasser getrennt werden kann. Die Gränzen dieses'Anhangs verstatten nicht, diese Materie weiter zu verfolgen, Ich begnüge mich daher blofs auf das, was ‚Berthollet Abs. VI 5. des- gleichen IX. 7; und anderwärts hierüber sagt, zu- zückzuweisee. Neutralität, 59. Wenn zu der Auflösung eines Laugensalzes ein klein wenig Säure gesetzt wird, so mischen sich beide Bestandtheile bald zu einer gleichartigen Flüs- sigkeit, Die Säure wird in diesem Fall durch die grofse Menge des Laugensalzes sehr stark, das Lau- gensalz hingegen durch die geringe Menge der Säu- re sehr schwach gebunden(29.),. Daher kann ein Theil des Laugensalzes durch. die schwächste Ver- wandschaft abgeschieden werden, d. h, die Mischung reagirt alkalisch. Setzt man mehr Säure zu, so wird das Laugensalz fester gebunden, und die alka- lische Reagenz nimmt also ab, Wird die Menge der rugesetzien Säure überwiegend, so tritt der umge- kehrte Neutralität. 289 kehrte Fall ein, die Säure ist schwach, und das Lan- gensalz stark gebunden. Es ‚kann daher ein Theil der Säure durch die schwächste Verwandschaft ab- geschieden werden, d, h. die Mischung reugirt sauer, Da nun alkalische und saure Reagenz in mehr als einer Rücksicht Erscheinungen von entge- gengesetzter Art sind, so ist klar, dals sie nur durch Null in einander übergehen können. Es muls also ein bestimmtes Mischungsverhältnifs geben, bei wel- chem die Flüssigkeit weder alkalisch noch sauer rea- girt, d. h, wo sie zeutral ist, Aus dieser Ansicht der Sache ergiebt sich’ein sehr scharf bestimmter Begriff der Neutrehtät, Sie ist der Zustaand einer Mischung wo zwei entges gengesetzte Higenschaften der Bestandtheile durch Null in einander übergehen, 40, Berthollet nennt Abs. X.$. 2. die Neutralität eine allgemeine Erscheinung, die bei allen Arten von ‚Verbindungen statt finde, und er erklärt sie durch den Zustand wo keiner der Bestandtheile mehr vorwaltet. Es sey mir verstattet hiergegen einige Erinfierungen zu machen, 1) Berthollet’s Erklärung als richtig angenommen; so kann doch die Neutralität schon deswegen keine allgemeine Erscheinung bei. allen Arten von Verbin, dungen seyn, weil die beiden Bestandtheile einer. Mischung, schon an sich, ganz ähnliche Eigenschaften haben können, die_dann natürlich auch bei allen Mischungsverhaltnifsen. bemerkbar, und vorwaltend bleiben werden. Der Fall findet statt, bei der Ver ig 290$. 40, Wirkung zwischen zwei Stoften, mischung zweier Laugensalze, zweier Säuren(die sich nicht zersetzen), zweier Metalle, u, s. fi 2) Sind im Gegentheil die beiden Bestandtheile völlig unähnlich, so dafs sie beide’ ganz verschiedene, aber doch nicht solche Eigenschaften haben, bei wel- chen ein Uebergang durch Null denkbar wäre, d.h entgegengesetzte Eigenschaften; so wird Bertholler’s Erklärung der Neutralität in der Anwendung auf diesem Fall, schwankend und unbrauchbar. Denn die ganz verschiedenen Eigenschaften der Bestand- theile verschwinden, hier nicht bei einem, sondern bei allen Mischungsverhältnifsen. Der Fall kommt 2. B, bei den Verbindungen des Sauerstoffs mit Me- tallen und brennbaren Körpern vor. 5) Bestimmt man den Begrilt der Neutralität schärfer, so dürfte er ganz allein auf Verbindungen von Säuern und Alkalien anwendbar seyn: Man vergl. hierüber meine Anmerk. zu Forts. L$. 12. pag. 229 und 230. 4) Noch unbestimmter, und daher, besofders zum Calcui unbrauchbar ist Herren Richters Er- klärung der Neutralität(Stöchiometrie Th. I. p.77). „Wenn eine Auflösung aus zweien Elementen so „beschaffen ist, dals keinem derselbigen, so lange es „in der Auflösung bleibt, die eigenthünmlichen Merk- „male zukommen, die es vor der Auflösung hatte, „so wird eine solche Auflösung, eine gesäitigre oder „meufrale, wie auch eine neutrale Verbindung 8°- „nannt‘‘ Neutral und gesättigt, können weder nach $. 41. Kıyseallisation. 291 der alten, hnosh nach der neuen Theorie Syony- ine seyn; Krystallisation. Ai. Es ist allem Ansehn nach ein ganz allgemeines Naturgesetz, dals ein Stoff; wenn er aus dem Zustand der Tropfbarkeit,; in den Zustand der Festigkeit unge- stört übergeht, eine gewilse regelmälsige Gestalt an- nimmt: Man nennt diese Erscheinung bekanntlich die Krystallisation. Den. eigentlichen Grund; warum bei der Krystallisation diese oder jeiie regelmälsige Gestal- ten entstehen, kennt man nicht, und wird ihn vielleicht auch nie kennen lernen, da er aufserhalb der Gränzen dessen, was wir durch die Sinne wahrnehnien kön: nen; zu liegen scheint: Demohngeachtet ist so viel klar, dafs das Vermögen zu kıystallisiren, im Wesent= lichen, nichts anders als die Cohaesionskraft seyn könne; die nur bei jedem einzelnen Stoff. anders inodificirt ist: Bestimmt man also die Bedingungen; unter welchen ein Körper langsam und ungestört in den Zustand der Festigkeit übergehen kann; so bestimmt man sein Krystallisatiionsvermögen: 42: Die reinen Laugensalze und die meisten Säu- fen, haben so wenig Cohaesionskraft und so viel Verwandschaft zum Wasser; dals man sie zum Theil gar nicht; zum Theil nur mit Mühe in trocknemi Zustand, und in krystallinischer Gestalt erhalten kann; > y Dagegen können bekanntlich fast alle Neutralsalze 292$. 42. Wirkung zwischen zwei Stoffen. als trockne und krystallisirte Körper dargestellv wer- den. Führt man demnach dire‘ Verbindung einer Säure und eines Laugensalzes durch alle Verhält- nifse hindurch, indem man z. B, zu dem Laugensalz all- mälig Säure bis zum völligen Uebergewicht der letz- ten hinzusetzt,'so muls die Cohaesionskraft der Mi- schung sich allmälig ändern. Am schwächsten mufs, sie in den beiden'Extremen''seyn,» wenn der'eine oder der andere Bestandtheil ‚stark vorwaltet, Es muls also:irgend ein Mischungsverhältnils geben, bei welchem die Cohaesionsktaft' ein'Maximum ist. Diels Maximum nun ist’ der eigentliche Punkt der Krystal- lisirbarkeit..' Dienn“ entzieht. man’ bei: diesem. Mi- schungsverhälinifs dem Salze’allmälig das Wasser wodurch es aufgelöst erhalten wird, so wird: das Salz allmälig in den Zustand der Festigkeit über- gehn, also krystallisiren. Doch ist es zur Entste- hung der Krystallisation nicht‘ schlechthin. nothwen- dig, dals die Bestandtheile genau in jenem Verhält- nils gemischt sind, Der eine oder der andere Be- standtheil kann etwas gegen diefs Verhältnils. ge- rechnet vorwalten; die Krystallisation erfolgt den- noch, aber in den Krystallen selbst werden die Be- standtheile genau das Verhältnils des eigentlichen Krystallisationspunktes haben, so dafs sich der Ueber- schufs des einen oder des andern Bestandiheils durch die Kıystallisation selbst ausscheidet. Man setze z. B. dafs bei irgend einem Salze der eigentliche Kırys- tallisationspunkt- erfordere, dals gegen ı00 Theile der Säure, 6o Theile der Grundlage vorhanden seyn. Hätte man nun gegen ı00 Theile der Säure, wirk- :$, 42. Krystallisation. 295 lich..70 Theile, der Grundlage in der Mischung, so ist diefs eben so,gut als hätte man ı60_ Theile krys- tallisirbares‘Salz, nebst ıo Theile Grundlagen in der Mischung. Da nun in jenen ı60 Theilen das Maxi- mum der Cohaesionskraft liegt, so werden sie sich gröfstentheils durch eine Wirkung derselben aus- scheiden, wenn eine genugsame Menge des Auflö- sungsmittels ‚entfernt wird, Doch ‚werden die ı0 Theile der. überschüßsigen Grundlage allerdings hin- dern, dafs, sich nicht alles krystallisirbare., Salz. aus« scheiden kann, denn je mehr sich krystallisirbares Salz ausgeschieden hat, desto gröfser wird das Ver- hältnifs der überschüfsigen' Grundlage gegen das, krystallisirbare Salz, ‚das’sich noch in: der Auflösung befindet, 43... Es ist merkwürdig, dafs.bei ‚den Neutralsal- zen fast durchgängig der Krystallisationspunkt, mit den Neutralitätspunkt zusammenfäll. Und vielleicht giebt es keine eigentliche Ausnahme von: dieser Re- gel: denn selbst die zerlliefsenden Neutralsalze wer- den krystallisirbar, wenn man es ihnen wnamöglich macht, das zum zerfliefsen nöthige Wasser anzu- ziehn. Aber sonderbar ist‘es, dafs es bei gewilsen Verbindungen zwar nur einen Neutralitätspunkt, aber zwei verschiedene vielleicht auch mehrere, Kırys- tallisationspunkte‘giebt, wie z. B: bei den Verbin- dungen von Schwefelsäure und Kali, Weinsteinsäure und Kali, Kohlensäure mit Kali, und Natron etc. Das Gesetz nach welchem sich die Cohaesionskraft wit dem Mischungsverhältnifs ändert, mufs bier ver- wickelter seyn, als in den übrigen Fällen. Stellt 294$. 45. Wirkung zwischen zwei Stoffen. man'sich z. B. vor, dals zu Kali'allmälig Schwefel- säure hinzugesetzt wird, so mus anfänglich die Co- haesionskraft der Mischung bis zum Neutralitäts- punkt stätig ühthmen; von da an imufs sie eine Zeitlang’ abnehmen; dann muß ein Verhältnifs ein- treten, bei welchen sie eine kurze Zeit beinahe stille steht, und dann muls sie zum zweitenmal: bis zum zweiten Punkt der Krystallisation zunehmen; so dafs sie hier zum'zweitenmal ein Maximum wird, von wo an sie endlich ‚wieder ununterbrochen abnimmt*). 44. Da ein solches Maximum der Cohaesionskraft, offenbar, so' lange von denselben Stoffen. die Rede ist,. eine bestimmte und unveränderliche Gröfse ist, so fällt der Grund in die Augen, warum die krystal- lisirten Salze, die aus einer Säure und einem Lau- gensalze zusammengesetzt sind, ein beständiges Ver- hältnifs der Bestandtheile haben. 45. Was hingegen diejenigen Salze betrifft, die aus einer Säure und einer Erde, oder' Metalloxyd zusammengesetzt sind, so dürfte vielleicht in der ge- ‘wöhnlichen Vorstellungsart von der Beständigkeit der Mischungsverhältnifse in den krystallisirten, oder *) Die Untersuehungen über die Gesetze der Cohaesious- kräfte,.die von nun en für die Chemie wichtig werden, sind von solcher Beschaffenheit, dafs man sie ohne ziem- lich vertraute Bekanntschaft mit der Mathematik, nicht mit Erfolg wird beendigen können. So treten alle Wis- senschaften, je mehr sie cultıvirt werden, in desto engere Verbindung. $. 45. Kıystallisation. 295 doch trocknen Salzen dieser Art, manches au berich- tigen seyn. Offenbar kann bei Verbindungen einer Säure mit einer Erde oder Metalloxyd, das Maximum der Cohaesionskraft nicht in einem mittleren Mischungs- verhältnis liegen, sondern es liegt ganz auf dem einen Extrem, in der reinen Erde, oder dem reinen Metalloxyd. Dagegen ist auf der Seite der rei- nen Säure die Cohaesionskraft am schwächsten, wenigstens wenn von einer nicht krystallisirbarer Säure die Rede ist.‘ In allen diesen Fällen also werden auch diejenigen Mischungen, welche viel Säure und wenig Grundlage haben, unkrystallisirbar seyn. Stellt man sich aber vor, dafs die Menge der Grundlage im Verhältnils gegen die Säure zunimmt, so mufs einmal ein Mischungsverhältnils eintreten, bei welchem durch die zunehmende Cohaesionskraft eine Krystallisation. möglich wird,(ob sie gleich durch mitwirkende Kräfte z. B. eine starke Anzie- hung zum Wasser, erschwert werden kann). Dieser erste Krystallisationspunkt ist unstreiig,'so lange von eben denselben Stoffen die Rede ist, einem be- stimmten und beständigen Misehungsverhältnils zu- gehörig; und dieses Verhältnifs ist es vielleicht, was man bisher als das einzige Mischungsverhältnifs bei einem\erdigen, oder metallischen Mittelsalz an gesehen hat, Ist die Grundlage eine alkalische Er- de, so scheint dieser niedrigste Krystallisationspunkt mit der Neutralität zusammen zu fallen; doch wage ich nicht diesen Satz, ohne. nähere Untersuchung entscheidend zu behaupten. 296 $. 45. Nun kann aber, vielleicht in allen Fällen, das Verhältnifs der Grundlage in einer solchen Mischung; Wirkung zwischen zwei Stoffen. wofern nur genug Wasser zugegen ist, noch grölser werden, ohne dais ein Niederschlag entsteht, und dann ist nicht abzusehen, warum nicht die Mischung auch‘bei einem solchen Verhältnifs krystallisirbar seyn sollte, da ihre Cohaesionskraft ohne Zweifel moch gröfser geworden ist: Sind diese Betrachtun- gen richtig, so folgt, dafs dergleichen Verbindungen, von dem oben bestimmten niedrigsten Krystallisa- tionsverhältnils an, durch alle Zwischenstufen die ein grölseres Verhälmils der Grundlage enthalten, bis hin zu der reinen Grundlage selbst, krystallisirbar seyn mülsen; ob es gleich wohl möglich seyn könn- te, dafs die gewöhnlichsten Mittel, durch welche wir Krystallisationen bewirken, zur Hervorbringung derselben‘in vielen Fällen uatauglich seyn könnten. Die Erfahrung scheint diese theoretischen Be- trachtungen sehr gut zu bestätigen..„Berthollet be- kauptet an mehreren Stellen seiner Schrift, und be- stätigt es zum Theil mit genauen Versuchen, dafs. die Niederschläge, die man aus sauern Auflösungen der Erden und Metalloxyde, durch Alkalien bewirkt, allezeit einen gröfsern oder kleinern Antheil der Säure mit sich nehmen, und dafs nach Verschieden- heit des Fällungsmittels dieser Gehalt an Säure ver- schieden sey. Ist diefs richtig, so ist z. B, das Mi- schungsverhältnifs des Bittersalzes nicht das einzige, in welchem sich Schwefelsäure und: Bittererde. krys- tallisirbar verbinden; sondern. jeder Niederschlag aus der schwefelsauren Auflösung dutch ein reines $. 45."Krystallisation. 237 Alkali, ist eine Verbindung dieser‘ Art mit-einem andern Mischungsverhältnifs. Auch erscheinen der- gleichen Niederschläge durch das Vergröfserungsglas als kleine Krystallen. Ohne Zweifel würden wir sie auch in gröfsernKrystallen habenkönnen, wenn wir ein Mittel besälsen, sie langsam genug entstehen zu las- sen. Die Natur, welche ihre Krystallisationen im In- nern der Erde sehr langsam bildet, bringt‘daher ohne Zweifel manche Verbindungen in ganz andern Verhältnifsen hervor, als wir durch die Kunst nach- bilden können, Was hier über die Krystallisationen gesagt wor- den, ist als ein Versuch anzusehen, der bei genaue- rer Kenntnils der Cohaesionskräfte, vielleicht man- cher Berichtigung bedürftig- werden möchte, Einflufs der VFärme auf die Erscheinun- gen der einfachen Verwandschaft. 46. Den grofsen Einflufs, den die Wärme bei al- len chemischen Operationen äufsert, erklärt man sich gewöhnlich dadurch, dafs man annimmt, die Wärme verändere die Verwändschaften der Körper, und mache einige stärker, andere schwächer; ohne dafs man im Stande ist, bestimmte Gesetze dieser Wir- kungen auzugeben, ‚Versteht man unter“Verwandschaft die Wirksam- keit, welche zwei Stoffe unter gegebenen Umstün- 298$. 46. Wirkung zwischen zwei Stoffen. Jen auf einander äufsern, ohne zu unterscheiden, ob..diese Wirksamkeit blofs von der Anziehung der heterogenen Theile, oder auch von der Anziehung oder Abstofsung der homogenen Theile, oder von besondern Umständen oder Verhältnifsen. herrühre; so ist die gedachte Vorstellungsart ein» wirkliche Thatsache, wogegen nichts zu sagen ist. Nimmt man: aber das Wort Verwandschaft in dem oben$. 17. f£. schärfer bestimmten Bedeutung, so folgt aus der gedachten Thatsache nicht, dafs die eigent- liche Verwandschaft unter verschiedenen Temp eratu- ren verschieden sey- Doch ist man eben so wenig berechtigt, geradezu das Gegentheil zu behaupten, elie ınan nicht eine Menge dahin, gehöriger Erschei- nungen einer sehr‘genauen Analyse unterworfen hat, Berthollet fällt über diesen Punkt nirgends ein Urtheil, erklärt aber im siebenten Abschnitt und an- derwärts eine Menge von hierher gehörigen Erschei- nungen, auf eine sehr ungezwungene und scharfsin- e Art, ohne dabei eine durch die Wärme be- nig Veränderung in deu eigentlichen Verwand- wirkte schaftskräften anzunehmen. In einem gewilsen Sinn mus indessen doch, selbst mach Berthollets Theorie, die Verwandschaft durch die Wärme verändert werden. Berthollet sucht im ı4ten Abschnitt zu zeigen, dafs die Verwandschafts- kraft die irgend ein ‚zusammengesetzter Stoff auf an- dere Stoffe äufsert, eigentlich nur, das Resultat von den Verwandschaftskräften seiner Bestandtheile sey, und dafs die abgeleitete Verwandschaft des zusam- $. 46. Einflufs der.Wärme. 209 mengesetzten Sıoffs, als: eine ‚einzige Kraft betrach- 1et, von‘den Grundverwandschaften aus denen sie entspringt sehr verschieden seyn könne. Ist nun die Wärme. die Wirkung eines eigenthümlichen Wärme- stoffs(und welcher Chemiker kann daran zweifeln?); so wirkt. eigentlich jeder tröpfbare, und elastisch Hüfsiger Stoff«durch eine abgeleitete, also veränderte Verwandschaft; und wenn bei der Einwirkung zwei- er Stoffe. freie Wärme mitwirkt, so müfsten die Er- scheinungen, genau genommen, nach den Gesetzen beurtheilt werden, nach welchen drei Stoffe auf ein- ander wirken, 47. Man wird ohne Zweifel noch sehr viele, und feine Untersuchungen vollenden müssen, ehe man über diesen Gegenstand ganz ins klare kommen wird. Für jetzt müssen wir uns begnügen einzuse- hen, dafs die ausgemachtesten Eigenschaften der Wär- me in den meisten Fällen hinreichenä sind, ihren Einflufs auf die chemischen. Erscheinungen erklärlich zu machen, ohne eine Veränderung in der Verwand- schaftskraft zu Hülfe uehmen zu müssen, Diese Eigenschaften sind: dafs die Wärme die Cohaesionskraft jedes festen und ıropfbaren Körpers vermindere, und die Elasticität jedes.gasförmigen vergröfsere; desgleichen, dafs sehr viele Stoffe durch eine blofse Wirkung der Wärme, aus dem festen, in den tropfbaren und elastisch Hüfsigen Zustand, und rückwärts versetzt werden können. 48. Wenn Ä und B zwei verwandte, aber feste and für sich unschmelzbare Massen sind, so wirken, 2300$. 48. Wirkung zwischen zwei Stoffen. sie bei niedrigen- Temperaturen wenig, oder gar nichts auf einander, weil die Verwandschaft nicht vermögend ist, ihre: Cohaesionskräfte: zu. über- wältigen. Werden aber‘ diese Cohaesionskräfte durch Hitze beträchtlich‘vermindert,$o.ist es; wohl möglich, dafs die Verwandschaft das Uebergewicht erhalte, und eine Schmeizung und Vereinigung‘er- folge. Daher die'bekannte ‚Erscheinung,- daß die einfachen Erden in gewilsen Verhältnifsen» schmelzbar werden, Ist einer der Bestandtheile für sich schmeizhen,. so ist ihre Vereinigung um desto leichter möglich. So vereinigt sich das unschmelzbäre Platin, mit Gold im Schmelzfeuer. Sind beide Bestandtheile schmelzbar, so wird die Vereinigung noch mehr erleichtert, ja. es; giebt so- gar Fälle dieser Art, wo die Cohaesionskraft'schwach um selbst bei den niedrigsten Tempera- genug ist, Verwandschaft überwältigt zu werden. turen von. der So schmelzt Eis mit den meisten Salzen, selbst in der Frostkälte zusammen. Bei den Metällen hin- gegen ist die Cohaesionskraft stärker, und die ges wandschaft schwächer. Doch vereini- genseitige Ter meisten ohne Schwierigkeit in ı der gen sieh die Glühhitze. 49. WA man einen tropfbaren Stoff A, mit ei- mem festen B vereinigen, SO hängt der Erfolg haupt- _ sächlich davon ab, ob die Cohaesionskraft von B, oder die Verwandschaft beider größer sey. Ist die $..49, Einfuls der Wärme, zox letztere die grölsere, so erfolgt die Verbindung un- ter den oben$. 32—s37. erörterten Erscheinungen, schon in der gewöhnlichen Temperatur,' Ist aber der Unterschied beider Kräfte gering, oder gar die Verwandschaft die kleinere, so ist klar, dafs, Erwär- mung die Arbeit begünstigen könne. Und zwar wird am desto mehr Wärme nöthig seyn, je stärker die Cohaesionskraft ist. Steigt die Wärme aber zu dem Punkt, bei dem die Flüssigkeit 4 siedet, so wird eine grofse Menge von 4 nöthig seyn, da ein gro- [ser Theil durch die Verflüchtigung verlohren geht, So mülsen reine Erden mit Säuern, und aufge- lösten Laugensalzen fast immer kochend. behandelt werden, Doch giebt es Fälle, wo selbst diese Hitze die Cohaesionskraft von B nicht überwältigen, also überhaupt keine Auflösung erfolgen kann, wie bei der Kieselerde 50. Wenn 4 fest, B hingegen luftförmig ist, so ist klar, dafs selbst bei der stärksten Verwandschaft doch nur eine langsame Einwirkung möglich sey; theils- wegen der Cohaesionskraft von 4, theils weil B nur mit sehr geringer chemischen‘Masse wirken kann. Die Wärme kann hier in gewifsen Fällen nachtheilig, in einigen auch vortheilhaft seyn. Nachi theilig ist sie, wenn sie die Cohaesionskraft von 4 wenig vermindert, und die Rlasticität von B stark vermehrt, Dieser Fall findet zwischen Kalkerde und Kohlensäure statt, deren Vereinigung, ohngeachtet einer nicht schwachen Verwandschaft,‘ durch die Wärme, je stärker diese ist, desto mehr erschwert wird, Vortheilhaft kann die Wärme seyn, wenn sie 502$. 50. Wirkung zwischen zwei Stoffen, die Cohaesionskraft von 4A sehr stark(vielleicht gar bis zur Schmelzung, oder bis zur Verflüchtigung) vermindert. Hierin liegt ohne Zweifel der Grund, warum die unmittelbare Oxydation der unedlen Me- talle, ohne Ausnahme, durch die Wärme begünstigt wird. Besonders klar ist dieser Grund des Erfolgs bei solchen Metallen, die einer Verflüchtigung fähig sind, als Arsenik, Zink etc. Auch kann man hierher die unmittelbare Oxydation des Quecksilbers rechnen, deren sonderbare Erscheinungen Berthollet, so sinn= reich und ung+zwungen erklärt hat(Abs. XIJI$. 3.) 51, Besteht schon eine Verbindung 4B, zwi- schen einem festen oder auch trop/baren Stoff 4, in einem luftförmigen B, so ist die Elasticität ‚des letzten nicht als vernichtet, sondern nur als: gebun- den durch Verwandschaft, und durch die der Mi- schung AB eigene Cohaesionskraft, anzusehen, Die Wärme wird in diesem Fall allezeit eine solche Ver- bindung schwächen, indem sie die gebundene Elas- ticität vermehrt; und ‚die Cohaesionskraft von AB vermindert.. Es ist klar, dals es in den meisten Fäl- len einen Grad von Hitze geben könne, wo die Elasticität wieder das Uebergewicht über die gegen- wirkenden Kräfte erhält, dann muls eine unmittel- bare Zersetzung erfolgen. So kann die Kohlensäure aus ibre meisten Verbindungen durch blofse Hitze fast gänzlich abgeschieden werden, So lassen die edlen Metallen den Sauerstoff in der Hitze lalıren; so zersetzt sich selbst das Quecksilberoxyd; bei einer etwas grölsern Hitze als die, welche zu seiner Oxy« dation erforderlich ist; kiben dieses ist der Grund $. 51. Einfluls der Wärme. 503 a warum tropfbare Flüssigkeiten"einen gasförmigen Stoff, womit sie impraegnirt sind, in der Hitze fah- ren lassen. In allen Fällen hingegen, wo die Ver- einigung von A und B durch die Hitze begünstigt wird, ist klar, dals die Zersetzung nicht durch blofse Hitze bewirkt werden könne, wie diels bei der Desoxydation der unedlen Metalle der Fall ist, 52... Es ist noch der Fall in Betrachtung zu ziehn, wenn sowohl 4 als B lufiförmige Stoffe sind. Da es mir weit weniger um Befestigung eines Systems, als um Wahrheit zu thun ist, so kann ich nicht un- bemerkt lassen, dals hier Fälle vorkommen, die zwar Berthollets Grundsätze nicht umstolsen, aber. doch durch sie allein nicht vollständig erklärbar scheinen. Auf welche Art entstehen die mancherlei Verbin- dungen des Sauerstoffls mit dem Stickstoff? die Ver- bindung des Sauerstoffs und Wasserstoffs zu Wasser? die Verbindung des Wasserstoffs und Stickstoffs zu Ammonium? Sauerstoffgas und\Vasserstoffgas lassen sich ohne Zweifel unter jeder Temperatur: und in allen Verhältnifsen zu einer völlig homogenen Luft- art mischen. Aber wie geht es zu, dafs diese Mi- schung in gewifsen Verhältnilsen sich bei einer be- stimmten Hitze entzündet, und nun augenblicklich zu elastischen Wasserdunst wird? Sollen wir anneh- men, dals beide Stoffe in der’ niedrigsten Tempera- tur blofs in ein mechanisches Gemeug, ohne wirk- liche Durchdringung, treten? Aber wie kann ein me- chanisches Gemeng homogen seyn? besonders bei zwei Luftarten, die in der specihischen Schwere so verschieden sind? Oder sollen wir sagen, sie durch» 304$. 52. Wirkung zwischen zwei Stoffen. dringen sich, ohne sich zu vereinigen? oder sollen wir sagen, sie vereinigen sich zwar, aber es giebt noch eine andere Art von Vereinigung als diese? Ich gestehe, dafs ich auf diese Fragen nichts belrie- digendes zu antworten weils. Vielleicht spielen der Wärmestoff, oder der Lichtstoff, oder wer weils was sonst für ein Stoff der sich unsern Sinnen ‚entzieht, hierbei eine wichtige Rolle, Abgeleitete Verwandschaft. 53. Eine Verbindung, von zwei Stoffen kann in vielen Fällen, als ein einfacher Stoff angesehen wer- den, nämlich in alien, wo er selbst keine Zersetzung leidet. So verhält sich jedes Salz bei seiner Auflö- sung in Wasser oder Weingeist, die meisten Metall- oxyde bei ihrer Auflösung in Säuern und Alkalien, eben so, wie die genannten Auflösungsmittel selbst, als einfache Stoffe. Ja es giebt sehr viele Verbin- dungen, die so fest sind, dals sie nur durch die wirksamsten Reagentien, und nur unter vorzüglich günstigen Umständen getrennt werden können. Es ist sogar nicht zu zweifeln, dafs ‚es unter den un- zersetzsen Stoffen, deren Liste man in jedem Lehr- buche findet, viele geben mag, die wirklich zusam- mengesetzt sind, für die wir nur die zur Zersetzung nöthigen Reagentien, oder die erforderlichen Um- stände nicht kennen, vielleicht zum Theil auch wohl nie werden kennen lernen, 54. Wenn $. 54. Abgeleitete Verwandschaft, 205 54. Wenn wir sagen, dafs sich die Doppelstofte unter gewilsen Umständen als einfache verhalten, so sagen wir im Grunde nichts anders, als dafs jeder zusammengesetzte Stoff seine eigenthümliche Ver- wandschaftskräfte habe, denn nur durch diese cha- rakterisirt sich ein Stoff als ein solcher, 55. Man kann nicht zweifeln, dafs die Verwand- schaftskraft eines zusammengesetzten Stoffs, ein Be- sultat von den Verwandschalten seiner Bestandtheild sey. Berthollet nennt daher diese Verwandschaft eine abgeleitete(afhinite resultante), und die Ver- wandschaftskräfte der Bestandtheile die Grundver- wandschaften(affinites elementaires). Der Versuch aber die Entstehung der abgeleiteten aus den Grund- verwandschaften, zu erklären, ist ohne Zweifel der schwierigste und feinste Theil von Bertheller’s Tiheo- rie, und wenn die Bemerkungen, welche dieser gro- fse Chemiker im vierzehnten Abschnitt über diesen Gegenstand macht, die Sache nicht erschöpfen, so wird man doch nicht umhin können, den Scharfsinn desselben zu bewundern, 56. Die Hauptschwierigkeit der Frage liegt darin, wie es zugehe, dals ein zusammengeseizter Stoff oft eine sehr wirksame Verwandschaft zeigt, von'‚wel- cher die Bestandtheile desselben kaum eine Spur zeigen, besonders da‘die Verwandschaften durch wirkliche Verbindung der Stoffe geschwächt werden ($. 29.), Wir wollen ein einziges Beispiel erwähnen, um das Wesentlichste von Berthollet’s Erklärungsart 20 * 306$..56. Wirkung zwischen zwei Stoffen. bemerklich zu machen, Auf welche Art erhält die vollkommene Schwefelsäure ihre'starke Verwand- schaft zum Wasser, da der Schwefsl gar keine, und der Sauerstoff fürısich sehr wenig Verwandschaft zum Wasser zu haben scheint? Berthollet bemerkt zuerst, dafs wahrscheinlich jede zwei Stoffe Verwandschalt gegen einander ha- ben, ob sie gleich in vielen Fällen sich unserer Wahrnehmung entziehen kann. In unserm Fall ist es allerdings denkbar, dafs Schwefel und Wasser eine nicht unbheträchtliche Verwandschaft gegen ein- ander haben können, indem sich begreifen läfst, dafs ihre Verbindung unter allen Temperaturen Hinder- nifse in, dem Aggregatzustand beider Körper findet. Unter dem Frostpunkt sind ‚beide fest; über dem Frostpunkt ist es wenigstens der‘Schwefel, und in der Temperatur, wo dieser tropfbar wird, ist bei dem gewöhnlichen Druck der Atmosphäre, das Was- ser schon in den elastischen Zustand übergegangen; lauter Umstände, ‚welche eine Vereinigung erschwe- ren oder unmöglich machen können. Yerner bemerkt Berthollet, ‚dafs, da sowolıl die Cohaesionskraft des festen, als die Elasticität des gasförmigen Zustandes die Verwandschaften schwä- chen, ja bisweilen ganz unwirksam machen können, jede Verwandschaft nothwendig an Wirksamkeit sehr gewinnen müsse, wenn der Stoff in dem sie ihren Sitz hat, in den tropfbaren Zustand versetzt wird. $. 56. Abgeleitete Verwandschaft, 3oy, Aus diesem Grunde kann also in der tropfbaren Schwefelsäure allerdings eine: Verwandschaft sehr ‚Wirksam ıseyn, die in dem elastischen Sauerstoff, und in. dem festen Schwefel sehr schwach, oder ganz unwirksam ist. R Die unvollkommne, Schwefelsäure zeigt bei weis ten nicht die starke Anziehung zum Wasser, weil sie selbst für sich gasförmig ist, aber sie zeigt doch mehr Verwandschalft, als ihre beiden Bestandtheile, weıl in ihr die Cohaesionskralt des Schwefels ver: Hichtet ist, 57. Entgegensesetzte Umstände werden eine entgegengesetzten Erfolg hervorbringen, Daher müs sen z. B. alle krystallisirbare Neutralsalze im fesien ‚Zustand unwiiksamer seyn, als ihre Bestiandtheile; im flüfsigen Zustande aber verliert ihre Wirksamkeit durch die Krafı, die sie Auf das Aullösungsmittel verwenden. 58. Man sieht dafs der Hanptpunkt auf welche man, nach Berthollet, bei Beurtheilung einer abge: leiteteri Verwandschaft, seine Aufmerksamkeit rich= ten, mufs; der Aggregatzustand ist; in welchem.sich die Bestandtheile vor und nach ihrer Verbittdung befinden; Doch werden die Grundverwändschaften noch durch mehrere ändere Umstände modiheirt, welche Berthollet im ı4ten Abschnitt umständlich durchgeht, und im ı5tem Abs’hnitt$; it,(8: 192,£&) Summarisch vorlegt: 508$. 59. Wirkung zwischen zwei Stoffen, 58. Ohngeachtet sich aber in der That, die Er- scheinungen der abgeleiteten Verwandschaft, in den meisten Fällen durch Betrachtungen dieser Art, sehr ungezwungen erklären lassen, so dürfte doch dieser Theil‘der Theorie, noch anderweitiger Aufklärung bedürfen. Denn mit eben dem Rechte, mit wel- chem man behaupten kann, dafs die Verwandschaft der zusammengeseizten‘Stoffe, ein Resultat von den Verwandschaften ihrer Bestandtheile sey, mit eben dem Rechte kann man behaupten, dafs die Cohae- sionskraft, oder Elasticität, oder das specifische Ge- wicht, oder, mit einem Worte, jede Eigenschaft ei- nes zusammengesetzten Stoffs ein Resultat von den Eigenschaften seiner Bestandtheile sey.“ Betrachtet man. aber die gänzliche Veränderung aller Eigen- schaften, welche z. B. der Sauerstoff und ein Metall durch ihre Verbindung leiden, so wird man einräu- men müssen, dafs es nicht leicht seyn könne diese. ‚Veränderung zu erklären, Auch hier wirken viel- leicht gewilse Stoffe mit, die ‚sich unmittelbar. allen unsern. Sinnen, entziehn,; rn €. 60. Wirkung zwischen drei Stoffen. 309 IV, Ueber die Einwirkung von drei Stoffen auf einander; oder die sogenannte ein- fache Wahlverwandschaft, 60, Die bisherige Theorie der Einwirkung dreier Stoffe auf einander, redncirt sich beinahe ganz auf den Satz: dafs wenn man zu ‚einer Verbindung zweier Stoffe 4B, einen drittem gegen 4 verwand- ten Stoff€ bringt, nur zwei Fälle statt finden; in- dem‘ nämlich entweder B oder© näher mit 4 ver- wandt sey. Im ersten Fall geschehe keine Zersetzung, im zweiten aber verlasse 4: die Verbindung mit 5, um sich mit C zu vereinigen, Dabei wird angenom- men, dafs sich sowohl B als C, nur in bestimmten quantitativen Verhältnifsen mit 4’ verbinde, wo- durch also nicht nur die von B wirklich vorhandene Menge, sondern auch die zur Zersetzung nöthige Menge von C bestimmt seyn würde. Dafs indessen in jedem Fall, von C weit mehr als aus dieser Vor- stellung folgt, und bisweilen ein sehr grofses Ueber- maals angewendet werden. mülse, war längst! den Chemikern bekannt, und man suchte den Grund, und in der That nicht unrichtig, in äufsern die Zer- selzung erschwerenden Umständen. Sehr häufig ha- ben aber schon seit Bergman die Chemiker Erschei- aungen beobachtet die jenem Gesetz ganz wieder- sprechen, indem man in vielen Fällen wahrnahm, dafs die Verbindung 4B eben sowohl durch C, als die Verbindung AG durch B,(wenigstens zum Theil) 310$. 60, Wirkung zwischen drei Stoffen.) zersetzt werden könne; aber man ahndete doch kei- ne, Unrichigkeit des Gruhdkatzes, sondern begnügte sich dıe abweichenden Erscheinungen durch sinn- reiche Hypothesen, so gut es gehen wollte, mit dem Grundsatz zu vereinigen, 61. Berthollet mufste daher, um seine neue Theo- rie fest zu begründen, jenen_Grundsatz von allen Seiten beleuchten, und durch genaue Versuche theils seine Unrichtigkeit, theils die Richtigkeit des an sei- ner Stelle aufgestellten neuen Grundsatzes zeigen. Diese Untersuchung beschäftigt ihn in dem elf er- sten Abschnitten, und nimmt daher den gröfsten Theil seiner Schrift ein. Unsere Absicht kann hier nicht seyn, Berthollets Untersuchungen zu wiederho- len. Wir setzen vielmehr voraus, der Leser habe sich schon von der Richtigkeit der neuen Theorie überzeugt, und wolle sich nur unterrichten, wie diese Theorie mit den ersten Begriffen von den che- mischen Kräften zusammenhämge, 62, Das neue Grundgesetz, das Berthollet auf- stellt, ist folgendes: Wenn auf die Verbindung AB ein dritter mit A verwandter Stoff C wirkt, so besteht die Wirkung der Verwandschaftskraft, abgesehen von allen Nebenkräften, die den Erfolg auf wmancherlei Art anders modificiren können, darin, dafs sich A zwischen B und C im Ver- hältnifs ihrer chemischen Massen($. 22.) theilt, & 62. Wirkung zwischen drei Stoffen, Zıı Wir werden sehen, dals dieses Grundgesetz nichts als eine nothwendige ‚Folge der Erklärungen und Lehrsätze ist, die wir im vorigen über— a schaft aufgestellt haben. 63. Das bleibende Glied der Verbindung 4, nennt Berthollet sujet de la combinaisen, welches wir in der Uebersetzung durch Unterlage der Ver- bindung ausgedrückt baben.' Man vergleiche die Zusätze zu 1, 5. p."8- 64, Der Beweis unsers Lehrsatzes(62.) läfst sich auf folgende Art führen: I, Man nehme an, dafs der Unterlage 4, ı) gleiche Theile von B undgC entgegenwirken, 2) dafs die Verwandschaft der bei- den Stoffe B und C gegen 4 völlig gleich sey*), 7) dals aufser diesen beiden Verwandschaftskräften weiter keine Nebenkraft mitwirke. Unter diesen Voraussetzungen wird A durch die gleichen Kräfte von B und C auf völlig gleiche Art beschäftigt, der irfolg kann also kein anderer seyn, als dals 4 sich selbst, oder seine Wirksamkeit zwischen B und€ gleich vertheilt. Bezeichnen wir also die gesammte Kraft welche A ausübt, durch den Buchstaben a, so wird durch B sowohl als durch C, 3@ gebunden. II. Man seıze alles wie unter I., nur sey von B noch einmal soviel vorhanden als von C, so mufs in *) Der Fall ist vielleicht in der ganzen Natur nicht wirk- lich;, aber zu einem Beweis aus Begriffen ist die blols« Denkbarkeit hinreichend. 312$; ee Wirkung zwischen drei'Stoffen,' der doppelten Quantität von Bauch doppelt so viel Kraft als in C enthalten seyn($. 21.); folglich wird auch dur ein doppelt so grofser Theil von a, als ME Neal Also wırd B, 2 von g, und C, 3 von.@ binden, Auf eben die Art sieht man ein, dafs wenn B, drei-, vier-, fünf- oder mehrmal grö- fser als C wäre, der Theil von@, welcher durch B gebunden wird, in eben dem Verhältnifs'gröfser seyn würde, als der durch C gebundene Theil, ‚Und ganz allgemein wird hieraus folgen: dafs wenn die Kräfz te von B und GC gleich, aber die Quantitüten un- gleich sind, a sich allezeit im Verhältnifs dieser. Quantitäten theilen müsse, III. Man setze nochmals die Quantitäten von B und C gleich, aber ihre Verwandschaftskräfte gegen 4 ungleich, und zwar z. B, die Kraft von B be- -stimmt noch einmal so stark als die Kraft von C, so mufs offenbar wieder B doppelt so viel als C wirken, also wird 2, 2 von 2, und C, x von a bin- den. Wäre die Kräft von, drei-, vier-, ‚oder wehrmal gröfser, als die Kraft von C, so würde, auch der durch B gebundene Theil von& eben so vielmal gröfser seyn, als der durch C gebundene ‘Theil. Und man sieht leicht, dafs durch fortgesetzte Schlüfse dieser Art, ganz allgemein der Satz folge: da/s, wenn die Quantitäten von B und C gleick, ihre Kräfte aber ungleich sind, a sich in dem Verhältnifs dieser Kräfte theilen müsse, IV, Verbindet man die Sätze II, und Ill. so folgt durch einen leichten arithmetischen Sehluls: dafs, $, 64. Wirkung zwischen drei Stollen. 313% wenn sowohl die Quantitäten als die Kräfte von B und C ungleich sind, sich© im zusammenge- setzten Verhältni/s beider theilen werde. Denn wenn z. B. die Kraft von B wegen der Quantität von B durch 3, und wegen der innern Stärke der Kraft, durch 4 ausgedrückt werden mülste, so sieht man leicht, dafs sie in beiden Rücksichten zugleich, durch das Produkt von 3 und 4, also durch ı2 aus- gedrückt werden müfste. Da aber Berthollet das Produkt des Gewichts und der Verwandschaftskraft die chemische Masse nennt($. 22.), so läfst sich der Satz auch auf folgende Art ausdrücken: wenz zwei Stoffe B und C, auf eine Unterlage A wir- ken, so theilt sich diese, oder ihre Kraft a theilt sich, im Verhältnifs der gegenwirkenden chemi- schen Massen;(so fern nämlich der Erfolg nicht durch mitwirkende Kräfte anders bestimmt wird). » 65. Es ist also in der That der Hauptsatz von Ber- thollets Theorie nichts anders, als eine nothwendige Folge des schärfer bestimmten Begriffs von Ver- wandschaftskraft. Wir haben oben($. 21. 26.) ge- zeigt, dafs die bisherige Vorstellung von der Ver- wandschaft etwas widersprechendes in sich schliefst, Eben dieses Widersprechende zeigt sich auch in’ der bisherigen Theorie von den Erscheinungen der ein- fachen Wahlverwandschaft($. 59.), Denn es ist in der That widersprechend, dals von zwei entgegenge- setzt wirkenden Kräften, die beide von bestimmte: Gröfse sind, die eine alles, und.die andere zaı & nichts wirken, ja dafs die erste aurch die letzte ga: nicht einmal geschwächt werden soll. ZıA$.. 66."Wirkung zwischen drei Stoffen, 66..Um Misverständnifsen-in Ansehung des Satzes, und seiner Anwendung vorzubeugen, werden fol- gende Anmerkungen nicht übertflülsig seyn. a) Es ist ein Grundgesetz der Mechanik, dafs jeder in Bewegung gesetzte Körper, seine Bewegung geradlinig und gleichförmig so lange fortsetzet, bis eine andere Kraft seine Geschwindigkeit oder Richtung abändert, Es würde Misverständ- nils- dieses Grundgesetzes seyn, wenn Jemand ein adaequates Beispiel für diesen Satz, in der Wirklichkeit aufsuchen wollte: denn man mülste einen Körper aus der Natur heraus versetzen, wenn man ihn dem Einflufs aller fremden Krälte entziehen, und ihn in eine Lage versetzen wollte, wo. seine Bewegung durch nichts weiter, als durch sein Verharrungsvermögen. bestimmt wäre, Auf der andern Seite aber, würde es nicht weniger Misverständnils seyn, wenn man darum jenes Grundgesetz für unnütz, oder auch nur für unsicher halten wollte, Es ist für die Mechanik unentbehrlich, dena um das zusam- mengeselzte Spiel mehreger Naturkräfte richtig zu beurtheilen, mufs man nothwendig die Ge- setze jeder einzelnen Kraft kennen. Es ist nichts weniger als unzuverläfsig: denn jede Bewegung die uns vorkommen kann bestätigt es, weil keine richtig beurtheilt werden kann, wenn man nicht jenes Gesetz zum Grunde legt. Die Anwendung auf unsern Fall ist leicht, Ber- thollets Satz nimmt auf nichts als auf die Ver- $. 66. Wirkung zwischen drei Stolten, 315 wandschaftskräfte von B und C gegen A Rück- sicht. Er enthält also ein Grundgesetz der Ver- wandschaftskraft, rein und unvermischt von al- lem Einflufs mitwirkender Kräfte. Es würde da- her Misverständnifls seyn, ein vollkommen adae- quates Beispiel zu dem Satz in der Wirklichkeit aufzusuchen. Aher es würde nicht weniger Mis- verständnifs seyn, wenn man deswegen den Satz für unanwendbar, oder unsicher halten wollte; da Berthollet gezeigt hat, dafs er, ver- bunden mit der Beachtung aller mitwirkenden Kräfte,‘ zu einer sehr genugthuenden Erklärung aller chemischen Erscheinungen führe, b) Das passendste Beispiel würde eine Mischung von drei Stoffen seyn, wenn vor und nach.der Mischung alles flüßsig bliebe. In diesem Fall aber könnte von einer wirklichen, und mate- riellen Theilung der Unterlage 4 nicht die Rede seyn, da alles nach der Mischung. eine völlig gleichartige Flüfsigkeit seyn würde. Nur die Kraft von 4, ist zwischen B und C in dem Verbhältnifs getheilt, in welchem B und C auf A wirken, d. h. im Verhältnifs ihrer chemischen Massen, Diels ist der Grund, warum wir in dem Beweis des Satzes uns immer des Aus- drucks bedient haben, die Wirksamkeit von A sey getheilt, 67. Aus diesen Anmerkungen mufs man einsehen, dals ein vollständsger Beweis dieses Satzes z poste- riori, in einem synthetischen Vortrag noch unmög- 316 6. 67. Wirkung, zwischen drei’Stoffen. licher sey,' als oben$. 26 und 27. Denn das pas- sendste Beispiel des Satzes, würde, wie gesagt, nur ein solches seyn,' wo nach geschehener Mischung alles flüssig bleibt. Aber in diesem Fall würde es sogar an einem unmittelbaren Kennzeichen fehlen, aus welchem man abnehmen könnte, in welchem Verhältnifse die Wirksamkeit der Unterlage getheilt wäre Mer. ‚Wollte man aber die Verbindungen AB *) Oft ist der Rechnung möglich, was der unmittelbaren Beobachtung unmöglich ist. Es lassen sich in der That Tälle angeben, wo man die Verbhältnilse einer flülsigen Mischung von drei Stoffen finden kann, ohne die Ver- bindungen abzusondern.gIch will z. B. annehmen, man habe Auflösungen von(ätzendem) Kali, Natron, und Schwefelsäure, von genau bekannten Gehalt vorrätig. Man mische zuerst(weil die Ordnung der Arbeit will- kührlich ist), beliebige, aber genau- abgemessene Quanti- täten von Kali und Natron, ünd neutralisire diese Mi- schung aufs genauste mir Schwefelsäure. Man wiederhole diesen Versuch, mit der Abänderung, dafs man zuerst Kali und Natron in einem andern WVerhältnilse mischt, so kann man aus der Menge deı Schwefelsäure die in beiden Versuchen erforderlich war, durch Rechnung finden, wie die Wirksamkeit der Schwefelsäure in beiden Versuchen, zwischen den beiden Grundlagen getheilt ist.‘Die Mög- lichkeit dieser Berechnung gründet sich auf die Bestän- digkeit der Neutralitätsverhältnilse. Im ersien Versuch sey die Quantität des Kali 4, des Natron 3, der Schwe- felsäure C; von der letzten haben sich= mit 4, folglich GC- x mit B verbunden.‘Für den zweiten Versuchen mögen die Buchstaben a, 5b, c und y respective eben das seyn, was im ersten Versuch 4, 2, C und x war, We- 6, 67. Wirkung zwischen drei Stoffen, 317 10] und 4C absondern, so würde man fremde Kräfte zu Hülfe nehmen müssen, welche vielleicht dieses Verhältnifs wieder abändern könnten. Der eigent- liche und vollständige Beweis a posteriori, liegt ‚also blofs in einer gleichförmigen Erklärung aller chemi- schen Erscheinungn, vermittelst dieses Grundsatzes, verbunden mit sorgfältiger Betrachtung aller mitwir- kenden Kräfte, 68. Wir würden nun, nach der Ordnung. des synthetischen Vortrags zeigen müssen, durch was für Kräfte und Umstände, und auf welche Art, bei der Einwirkung dreier Stoffe auf einander, der Erfolg anders modifitirt werden könne,wals er blofs ver- möge der beiden Verwandschaftskräfte, die einzig und allein.bei dem obigen Grundgesetz in Betrach= tung gezogen worden, ‚seyn sollte.:Da aber die Er- örterung dieser Modificationen den Hauptinhalt von Berthollets Schrift ausmachen, und vom vierten bis elften Abschnitt sehr vollständig auseinander geseizt werden, so würden wir hier nichts als einen Aus- zug aus den genannten Abschnitten liefern können, und begnügen uns daher, den Leser auf jene Ab- schnitte zurück zu weisen. gen der Beständigkeit der Neutralitätsverhältnifse wird man also haben: 2:4= y: 4, desgleichen C— z:B = c—y:b:i Diese Proportionen geben zwei Gleichun- gen, aus denen sowohl» als y gefunden werden kann. Man finder durch eıne leichte Rechnung Be re Be= bc A a gr; Zn nn aBr= Auer% ab 4b 318$. 69. Wirkung.zwischen. drei Stoffen,' v 69. Wir bemerken blofs im allgemeinen, dafs sich die modificirenden Kräfte unter folgende Titel brin- gen lassen; I Cohaesionskräfie(wohin auch Unauflöslichkeit gehört), die jedem einzelnen der drei Sıoffe 4, B, C, oder den aus ihnen möglichen Verbindungen 4B, AC und BC, nach Malsgabe ihrer Mischungs- verhältnilse($. 40—44.) eigen seyn können. N) Elastieitäten, die wiederum die einzelnen ‚ Stoffe oder ihre Verbindungen, vor der Mischung haben, oder durch dieselbe erlangen können, II). Die: Wärme, welche: vielleicht blofs die bei- den vorigen Kräfte mogifcirt, vielleicht auch durch eine eigene Verwandschäftskraft auf die Stoffe, und ihre Verbindungen wirkt($, 45— 51.); IV) Endlich gehören dahin auch solche Yerwand- schaftskräfte die bei, dem allgemeinen. Grundsatz nicht in Betrachtung gezogen worden,_ Denn dä oben($. 62— 66.) blols die beiden Verwandschaf- ten von B ünd C gegen die Unterlage betrachtet worden, so ist klar, dafs ı) auch zwischen B ünd C selbst eine Verwandschaftskraft wirksam seyn könne; und diese Kraft ist es ohne Zweifel der wir die- Ent- stehung aller Tripelsalze verdanken, obgleich auch da, wo wirklich, nur, Doppelsälze entstehen, diese Kıaft nicht ganz mülsig ist, indem von'ihr hauptsäch= lich die unkrystallisirbaren Rückstände herrühren,; welche(in Fällen der sogenannten eihfachen Wahl-, werwandschaft) itumer, zerflielsbare Tripelsalze sind: $. 69. Wirkung zwischen drei Stoffen.(319 2) Besonders aber gehört hierher noch die Wirkung der Autlösungsmittel, welche wie Berthollet im neun- ten Abschnitt sehr richtig zeigt, allezeit durch ihre Verwandschaftskraft gegen die aufgelösten Stoffe wir- ken, und daber keine blofs passive Rolle spielen. 3) Befindet sich unter den Stoffen 4, B, C ein oder der andere zusammengesetzte Stoff, so können in ge- wissen Fällen auch die Grundverwandschalten seiner Bestandtheile eine Rolle spielen, wie dieser. Fall z. B. bei der Fällung der Metalle durch einander vorkommt*), Diese- Bemerkungen bezeichnen wenigstens die schicklichste Ordnung, in welcher dieser Theil der Theorie synthetisch vorgetragen werden könggge. | *) Beiläufig bemerken wir hier noch, dafs die Auflösung eines‘ Metalls in einer Säure unter den Fall der einfachen Wahlverwandschaft gehört: denn der Sauerstoff der Säu- re, oder des Wassers theilt sich zwischen dem Mesall, und dem Grundstoff der Säure, oder des Wassers, wor- aus sich mit Rücksicht auf die Elasticirtäten der dabei vor- kommenden Stoffe, alle Erscheinungen leicht erklären lassen. Dagegen gehört die Auflösung eines Metalloxyds in einer Säure, wenn keine Veränderung in der Oxyda- tion vorgeht, in den Abschnitt von der Einwirkung zwei- er Stoffe auf einander, indem sich hier die Säure und das Oxyd, wie einfache Stoffe verhalten. \ 320$, 70, Sättigung w a|| Ueber den Begriff der Sättigung. ro. Ehe ich von der Einwirkung von vier oder mehr Stoffen auf einander redete, wird es zweck- mälsig seyn, einen wichtigen Begriff der neuen Theorie, den Begriff der Sättigung zu erklären, den. ich bisher zu brauchen absichtlich vermieden habe F), ob er gleich schon bei der Lehre von der Einwir- kung zweier Stoffe auf-einander hätte erklärt wer- den können; aber es würde dort schwerer gewesen seyn, den ganzen Umfang seiner Anwendbarkeit be- merklich zu machen. ‘Wer das was in den Handbüchern, z, B, Macquers Wörterbuch über den Begriff der Säzti- gung gesagt wird, mit Aufmerksamkeit erwägt, wird leicht einräumen, dafs es sehr schwer, oder vielmehr unmöglich sey, nach der bisherigen Theorie ‚etwas scharfbestimmtes bei, diesem Worte zu denken; ja "jnan wird Mühe haben den bisherigen Gebrauch des\Vorts von Widersprüchen frei zu.sprechen, wie besonders der. Ausdruck Uedersättigung gzeigt. Auf keinen Fall kann das Wort in seiner bisherigen Be- deutung ferner gelten, weil sich diese auf den fal- schen Satz gründet, dals verwandte Stoffe sich nicht in allen Verhältnilsen mit einander verbinden. 72- Ber- *) Eine einzige‘Stelle$. 29. S. 283. ausgenommen, wo er kein Milsverständni[ls machen konnte, $..71.,„Sattigung. 321 72. Berthollet ‚braucht‘.das ‚Wort Sättigung in einem andern Sinn. Der Begriff den er ihm unter- legt ist. klar,.äufserst bestimint, und für die Theorie von. ‚grolser Wichtigkeit. Es würde daher Eigensinn seyn, wenn.man sich‘ gegen eine solche Berichti- gung. sträuben wollte. 73. Wenn zwei,.drei, oder mehrere Stoffe auf: einander wirken, so dauert die Wirkung in keinem Fall ohne Ende fort, sondern es triti ein Zeitpunkt ein, wo alles, was unter diesen Umständen gewirkt werden konnte, vollendet ist, wo also keine weitern Zersetungen, oder Zusammensetzungen vorgehn, son- dern. alles in dem Zustand bleibt zu welchem es Be langt ist. Diels ist der Zustand, welchen Beriliollet den Zustand der Sättigüng heunt: In diesem Sinn ist’also Sättigung nichts weniger; als ein absoluter und unveränderlicher Zustand, son= dern er hängt von den ganz individuellen Umstän= den, Verhälmifsen und Kräfıen ab; die bei einer Operation wirksanı sind, und ändert sich, sobald sich diese ändern;: Man sieht, wie weit sich dieser Be= gift von dem bisherigen Gebrauch des Wortes ent: fernt. 54; Sättigung ist also in der Chemie etwas ähn® liches, als Gleichgewicht in der Mechanik, Doch unterscheiden sie sich dädureh, dafs das Gleichge- wicht eine völlige Gleichheit der einander entgegen; wirkenlen Kiäfte erfordert, da hingegen Sättigung auch zwischen den ungleichsten Kräften ge: B; 1000 P3: 242 6.74. Sartigung.' Gran Schwefelsäure, und ı Gran Kali) statt findet, Die Sättigung ist nämlich da, sobald’ sich zwei Stoffe völlig gleichförmig durchdrungen, und ver- einigt haben, d. h. sobald die Mischung homogen geworden ist. In“diesem Zustande aber sind nicht die gegenwirkende Kräfte selbst gleich, sondern dr Verhälnifs ist in allen Theilen der Mischung gleich, Da nun die chemische Masse ‚eines Stoffes das Maals seiner gesammten Kraft ist($.22.), so ist Süt- kigung der Zustund, wo das Verhältmi/s der ein- ander enigegenwirkenden chemischen Massen in allen Theilen der Mischung gleich grofs ist. 75. Das bestimmte Verhältnils der gegenwirkenden chemischen Massen in.einer Mischung, ‚nennt, Ber- ihollet, einen Grad der Sättigung. Folglich haben zwei Mischungen gleiche Grade der Sätligung, wenn das Verhältnis der gegenwirkenden chemischen Massen in beiden gleich ist. 76. Man muls Söttigungsverhältnifs, und Mi- schungsverhältnifs nicht verwechseln. Das letzte ist das Verhältnils der mechanifchen Massen(Gewichte) der Bestandtheile, das exste ist das Verhältnils der chemischen Massen; 77. Um den wichtigen und sehr folgereichen Be= griff der Sättigung anschaulicher, und seinen Ge- brauch geläufiger zu machen, setzen wir einige ver- mischte Anwendungen desselben hinzu; $. 77. Sättigung. 323 a) Wenn zu einer Verbindung JB ein dritter ge- gen 4 verwandter Stoff C hinzugesetzt wird, so dals sich, nach$. 62, die Kraft der Unterlage 4 im Ver- hältnifs.der chemischen Massen von B und€ theilt, so stehen nach vollendeter Wirkung die beiden Ver- bindungen 4B und 4C, aus welchen man sich die ganze Flüssigkeit gemischt vorstellen kann, zz glei- chen Graden der Sättigung. Denn die Kraft von 4 ist nichts anders als seine chemische Masse($. 22.); ıheilt sich aber diese im Verhältnils der chemischen Massen von B und C, so ist klar,: dafs in der Ver- bindung 4B, die chemische Masse von 4, sich zur chemischen Masse von B, eben so verhält als in der Verbindung von AT, die chemische Masse von A zur chemischen Masse von C. Eben wegen der Gleichheit dieser Verhältnifse mischt sich alles zu einer einzigen gleichartigen Flüssigkeit, in welcher durch die blofsen Verwandschaftskräfte keine weitere Zersetzung erfolgen kann, b) Wenn zwei neutrale Salze AB, und 4C, die eine gemeinschaftliche Säure oder Grundlage haben, gemischt werden, so lehrt die Erfahrung, dafs die Mischiing 4BC in allen Fällen auch neutral bleiht. Daraus folgt, dafs alle Neutralsalze auf einer gleichen Stufe der Sättigung stehen, d. h.. dafs sie alle einerr lei Sättigungsverhältnifs(75) haben. Diefs Verhält- nifs ist höchstwahrscheinlich, das Verhältnifs der Gleichheit, weil in einem völlig neutralen Sal- ze, die Säure gerade eben sa viel auf die Grund- 324$: 77. Sättigung. lage ,. als die Grundlage auf die Säure zu U wirken scheint"\ r e) Wenn man, zu einer bestimniten Quantität Kalkerde, Salzsäure giefst, so löst sie sich, unter bekannten Erscheinungen, ellmälig auf. Fährt man “fort immer mehr Säure zuzusetzch, so kann man die Mischung nicht nur bis zur Neutralität ‚bringen, sondern bis zujedem verlangten Grad der Saigung mıt ‚Säure übersetzen, En) Kehrt man die Arbeit um, und trägt die Kalk- erde in eime abgemessene Menge Säure, so kann man zwar anch die Mischung nicht nur zur Neutra- ‘lität bringen, sondern auch bis zu einer starken al- kalischen Reagenz mit der Grundlage übersetzen. Ab:r die Sättigung hat doch auf dieser Seite, und bei dieser Methode, eine bestimmte Gränze: denn die durch Sättigung geschwächte Verwandschaft kann zaleizt die Gohaesionskraft der Kalkerde nicht mehr überwältigen,. €) Wenn man zuseiner Quantität Kalkerde ‚Salzsäure, so vertheilt sich jedes Tbeilchen Kalkerde, ‚das: von der Salzsäure ergriffen -%) Ist das letzte richtig, Iso ist Neutralität in der That er. „was,“ das‘ bei allen chemischen Verbindungen: vorkommt: nur würde es bei vielen Verbindungen. an einen äulsern Kennzeichen derselben fehlen. Man vergl. oben$. 4o. PR s 29.;> > neue $.77. Sätligung. 325 wird, augenblicklich zwischen'ihr und der Kohlen- säure zu gleichen Graden der Sättigung(a). In so grolsem nun die Salzsäure wirksam ist, in'ein eben so überschüfsiges Verhältnifs„wird die Kohlensäure versetzt In diesem Zustand aber ist die Kraft der Kalkerde zu schwach. ihre‘-Elastieität zu binden, daher entweicht sie, und überläfst der Salzsäure alle Kalkerde, die dann, wie bei(ce), bis zu jedem Grad der Sättigung mit Säure überladen werden kann, f),Macht man den Versuch(e) umgekehrt, und trägt allmälig immer mehr Kalkerde in eine bestirmm- te Menge Säure, so ist. die erste Wirkung wie bei (e). Aber die Säure kann auf diesem Wege mit der Grundlage nur bis zu‘einem l:estimmten Grad der Sättigung gebracht werden, obgleich aus einem an- dern Grund als bei(d). Sobald nämlich die salz- saure Kalkerde zu eben dem Grad der Sättigung gelangt ist,‘der bei der kohlensauren Kalkerde statt hat, so mufs die chemische Wirkung still stehen, Es kann sich vielleicht eine Quantität kohlensaurer Kalkerde in der Flüssigkeit auflösen, aber sie wird sich ruhig mit-der Flüssigkeit mischen, und die Koh- lensäure die sie enthält kann nicht entweichen, weil sie auf eben dem Grad der Sätiigung bleibt, den sie vor der Mischung hatte, g) Da alle Verbindungen der Kohlensäure mit den alkalischen Erden, unauflöslich, oder schwerauf- löslich sind, so kann man die Frage aufwerfen: wie 326 8,77. Sättigung, kann men wissen, ob eine solche Verbindung nen- tral' sey, oder nicht, Der Versuch(f) zeigt hierzu ein bequemes ünd sicheres Mittel, indem man nur versuchen darf, bis zu welchen Grade, eine Quanti- tät Salzsäure, durch eine solche kohlensaure ‚Erde gesättigt werden könne. v1. Ueber die Einwirkung von wier Stoffen auf einander, oder die sogenannte döp- pelte Wahlv erwandschaft.. 78. Obgleich die Sätze die wir hier verzutragen haben, von sehr allgemeiner Anwendbarkeit sind, so wird es doch für den gegenwärtigen Zweck hinrei- chend seyn, wenn wir uns hauptsächlich auf den Fall der sogenannten doppelten, Walilverwandschaft, d, b. auf die Wirkungen der Verwandschaftskräfte bei der Mi- schung zweier Doppelsalze, beschränken; ‚da bei die- sem. die Grade der Sättigung, und die daraus ent- springenden Wirkungen sich leichter, als bei andern Arten von Verbindungen erkennen, und bestimmen lassen. 79. Wenn zwei flüssige Doppelsalze won g! ei- ehen Sästigungsuerhälgnifsen gemischt wer- $. 79. Wirkung zwischen vier Stoffen, 327 den, so erfolgt durch die blofsen Verwand: schaftskräfte durchaus keine Zersetzung, oder ‚Wertauschung der Grundlagen, sondern es mischt sich alles zu einer‘einzigen gleichartigen Flüssigkeit. Auch dieser Lehrsatz läfst sich als blofse Folge- zung’ dessen, was in den Abschnitten IV, und V, vor- getragen worden, a priori beweisen, Die beiden Doppelsalze mögen AB und CD heifsen, wo fund C Säuern, B und D.die Grund- lagen seyn mögen, ‚und zwar sollen die Buchstaben 'A,B,C, D bestimmt die chemischen Massen der vier Stoffe vorstellen.‘Man nehme nun in Gedan- ken vor der Mischung, aus dem Doppelsalz CD den Stoff D hinweg, und setze statt dessen eine eben so grolse chemische Masse des Stofis 2, welche wir 5 nennen wollen, so werden die Salze AB und CB vermischt, eine homogene Flüssigkeit ohne alle Zer- setzung bilden$. 62. S. 310 verglichen mit$, 77. a, und b.). Nimmt man nun in Gedanken die cheimi- sche Masse 5 aus der Mischung wieder weg, und setze statt derselben die ihr gleiche chemische Masse D, so geht offenbar in dem Verhältnifs der Kräfte keine Veränderung vor, war also. vorher der Zu- stand der Sättigung da, so mufs er auch jetzt noch da seyn. 80. Ueber einen Beweis dieses Satzes, a posterio- ri, lassen sich ähmliche Betrachtungen, als oben$. 27. $, 28ı desgleichen$. 66:u, 67. S. 314 anstellen, Doch giebt es eine Thaisache, die in der That einen sebr 328_$: 80. Wirkung zwischen: vier’Stofien, bündigen: und videnten Satzes. enthält; die Thatsache«nämlich ‚von welcher Berthollet am. Ende der ersten Fortsetzung‘$..227 f.x reder;. dafs‘bei. Vermischung: von zwei ‚oder mehre- ren hentralen Salzen nie eine Aenderung in dem Grade der Sättigung wahrgenommen wird, Setzt marı also; dafs:bei"einer‘Mischung"neütraler Salze, äur eine so grolse-Menge des Auflösungsmittels'vor- handen sey, dafs keine überwiegende Cohaesions- Kraft zur Wirksamkeit kommen'känny,-se ist klar, dafs’die" Verwandschaftskräfte fürsich), unserm Satz gemiäfs, nichts’ weiter als eine horfogene Mischung aller Bestandtheile hervorbtingen können, 81. Es schliefsen sich an. diesen ‚folgenreichen Satz, eine Menge von Betrachtungen an,, die ‚wir aber mehr berühren. als ausfübren können., Dahin gehört zunächst der Hahnemarnische Grundsatz, dafs alle. Zersetzungen, und, Umtauschungen der Grund- lagen bei der. doppelten Wahlverwandschaft nicht durch die Verwandschaftskräfte der. Stoffe bestimmt werden, sondern von ihrer verschiedenen Aullösbar- keit,. d.h, von den Cohaesionskräften ‚die bei der glei- chen Durchdringung gewisser Stoffe wirksam werden, abhängig sind($. 186). womit aber die nähern, Be- stimmungen, und scharfsinnigen Bemerkungen zu, vei- binden sind, welche Berthollet im ı2ten Abschnitt, und in der ersten Fortsetzung seiner Schrift mitge- theilt. hat. 3. Ferner liegt in uriserm Satz eigentlich der entscheidende Beweis, dafs die a Vvei- $. 82, Wirkung zwischen vier StoBen. 329 vermittelst der Neutralitätsverbältnifse gemessen wer- den können.‘Denn wenn bei der Vermischung neu- traler Salze nie eine Zersetzung durch Verwand- schaftskräfte erfolgen kann, so müssen alle neutrale Verbindungen, ohne alle Ausnahme, gleiche Säuti- gungsverhältnilse haben. Haben sie diese, so müs- sen z. B. die chemischen Massen, von Schwefelsäure und Salpetersäure, durch welche ıoo Gran Kali neutralisirt werden, gleich" seyn;-und wenn sie gleich sind, so müssen sich ihre respectiven Verwandschaf- ten gegen, Käli, verkehrt* wie ihre Gewichte verhal- ten. Hier schliefst sich ferner der gröfste Theil der Bemerkungen an, die ich oben$. 229 ff. vorgetra- gen habe, 93. Die Bemerkungen des vorigen$. führen fer- ner auf neue Mittel unsern Satz,. und durch ihn die Richtigkeit der ganzen neuen Theorie durch Ver- suche zu prüfen. Denn wenn man durch genau be- stiminte Neutralitätsverbältnifse, die Verwandschaft aller Säuern und Alkalien kennt, so ist man im Stan- de die chemische Masse yon jeden Gewicht einer Säure oder Grundlage zu bestimmen. Kann man diefs, so ist es möglieh Versuche über alle Sätze, nicht blofs bei neutralen Mischungen, sondern unter allen beliebigen Sättigungsverhältnifsen anzustellen, wodurch offenbar die ganze Theorie auf sehr man- nigfaltige Art wird geprüft werden können, 84. Wenn zwei Salze von ungleichen Sättigungs- verhältnifsen vermischt: werden, so ist in einem der 22 re wur- PB ne>>- ur Y z® Den%,; Er UELI FT sl a a Ca ' 736$. 34. Wirkung zwischen vier Stoffen, beiden Salze’ ein gewilser Theil der Säure als über- schüßsig anzusehen. Dieser fängt an auf das zweite Salz’ zu wirken, und befindet sich also gegen die Be- standiheile ‚desselben in dem Fall der einfachen Wahlverwandschaft,: Es wird sich folglich die Grund-\ lage, des zweiten Salzes, zwischen seiner eigenen Säure und jenem Ueberschufs theilen, und es wer- den also gleichsam drei Salze entstehen, 1) aus der rückständigen Säure des efsten Salzes, nebst der da» zu ‚gehörigen Grundlage, 2) aus der abgeschiedenen Säure ‚des ersten Salzes, nebst einem Theil von der Grundlage des zweiten, 3) aus den rückständigen Bestandtheilen des zweiten Salzes. Die Gröfse der abgeschiedenen Theile von der Säure des ersten und der Grundlage des zweiten Salzes, ist dadurch be- stimmt, dals ‚die Sättigungsverhältnilse dieser drei Salze gleich seyn müssen*), » “) Die Salze mögen 4B und CD seyn; 4 nnd,.C sollen die Säuern, Z und D die Grundlagen, 4 B, c, D die chemischen Massen der vier. Stoffe seyn: Nun sey 4 in Vergleichung mit dem Verhälmils C xD überschülsig, so wird ein gewilser, Theil von 4, den wir x nennen wol- len, auf das Salz CD, nach dem Gesetz der einfachen ‚Wahlverwandschaft 762.) wirken, und mit B, wird d—=» verbunden bleiben. Es wird sich daher D,"zwischen und€ im Verhältnils&: C theilen. Man nenne den ‘Theil von D der sich mit x verbindet y, so bleibt D—y mit C verbunden. Nun müssen die drei Verhältnilse DWd—z2:B, D 2:33. 3) c:D—y gleich seyn. ‘Aus den zwei Proportionen die hierin liegen, finder man en 6, g5. Wirkung zwischen vier Stofeti, 3% 85. Auf eben die Art, wie sich die Wirkung der Verwandschaft zwischen zwei Doppelsalzen bestim- men läfst, läfst sie sich auch für jede grölsere An- zahl derselben bestimmen. stehen sie alle auf glei- hem Grade der Sättigung, so geschieht gar keine MB ersetzung, sondern sie mischen sich blofs zu einer gleichartigen Flüssigkeit. Sind sie aber von verschie- denen Verhältnifsen, so vertheilt sich alles was über- schüfsig ist, zwischen den entgegenwirkenden Grund- lagen oder Säuern, so lange bis lauter Salze von gleichen Sättigungsverhältnifsen in der Mischung sind, 86. Man sieht also, dafs die Verwandschaftskräfte höchstens partielle Zersetzungen, in keinem einzigen Fall aber eine wirkliche Ausscheidung eines einfa- chen, oder eines Doppel- oder Tripelsalzes bewir- ken können. Alle Ausscheidungen werden daher blofs durch Cohaesionskräfte, oder Elasticitäten be- wirkt. Soll also die Theorie der chemischen Er- scheinungen zur Vollkommenheit gebracht werden, so ist klar, dals man die Gesetze nach welchen diese Kräfte bei chemischen Erscheinungen wirken, untersu- chen müsse, um ihre Wirkungen ausmessen, und dem Calcul unterwerfen zu können. Denn was die Wir- kungen der Verwandschaft betrifft, so kann man in; der That sagen, dafs Berthollet zu einer genauen AD— BC AD— BE sa Keund- ya und das B+D AG + io) by - Is] gemeinschaftliche Sättigungsyerhältnils=: y=4 ee nn a[2 2 EV 7 magE il, ä E ä 338$. 86: Wirkung zwischen vier Stoffen. Kenntnifs ihrer, Wirkungen nicht. nur die Bahn ge- brochen habe, sondern dafs es durch seine Arbeit möglich geworden.ist, die Theorie ‚schon, in einer gewilsen Vollständigkeit vorzutragen,„Und richtet ınan seinen Blick auf das Gebiet der ganzen Chemi so scheinen in der That nur zwei Klassen von| nungen übrig zu seyn, auf welche die vorgetragene Theo-’ rie gar nicht, oder nicht mit Sicherheit anwendbar seyn dürfte. Ich rechne dahin, ı).das ganze Gebiet der organisch- chemischen Erscheinungey, 2) unter den nichtorganischen, Erscheinungen diejenigen, bei wel- chen(wie z. B. bei dem Verbrennen), der Wärme- stoff, vielleicht auch der Lichtstaff, oder andere un- sperrbare Stoffe eine, wichtige Rolle spielen,