R u 2 ſmeSdi. Giessen Dre rx ed irthſerbau bis auf die Bies nenzucht, ferner das landwirthſcmäßig organiſirt ſeyn müſſe, damit nicht nur der Verwaltung keine Hinderniſſe, die etwa Reibung oder StoFung verurſachen könnten, in den Weg gelegt werden, ſondern damit vielmehr durch die zwe>mäßi- gen Einrichtungen und erſten Anordnungen ſelbſt, die Adminiſtration möglichſt erleichtert werde. Gs8 muß alſo wohl. jedem Gutsbeſißer, oder deſſen bevolmäch- tigtem Stellvertreter, vor Allem daran gelegen ſeyn, dieſe erſten Anordnungen aufs beſtmöglichſte zu tref- fen.= Sie ſind von zweyerley Art, nämlich: a.) jene, die das Landgut, und ſeine verſchiedenen Theile ſelbſt, und b.) jene, die die Geſchäftsführung der Wirth- ſchaft betreffen. Von leßteren indeſſen behalte ich mir vor in dem folgenden vierten Buche- von der Admi- niſtration oder Verwaltung der Landgüter, das Nö- Dek. der Landw. 2, Th. 1 thige vorzubringen, während ich hier bloß von der Organiſation der Landgüter, an und für ſich ſelbſt, und als Material des landwirthſchaftlichen Gewerbs- mannes betrachtet, handeln werde, g. 162. Bey jeder möglichen Organiſation eines Land- guts, die Ortsverhältniſſe mögen auch noch ſo ver- ſchieden ſeyn, wird man zwar immer jene allgemeinen Grundſäße, die ich im erſten und zweyten Buche die- ſes Werke3 vorgetragen habe, in reifliche Überlegung zu ziehen, und überall, den Umſtänden gemäß, anzu- wenden haben; doch giebt es auch außerdem noch Mehreres, was hieher gehört, und was daher einem ſich mit der Organiſation der Landgüter befaſſenden Landwirthe durchaus nicht unbekannt ſeyn darf, wenn er nicht ein Pfuſchwer? hervorbringen will, wobey auch die beſte Verwaltung, mit größter Anſtrengung und Mühe, nur ſehr wenig Nuten ſchaffen kann.== Dergleichen ſind: a.) Die Lehre von den verſchiedenen A>&erbau- ſyſtemen und ihrer Anwendung. b.) Die Lehre von der zwe&gemäßeſten Einrich- tung und erſten Anordnung des mit dem A&erbaue ſo innig verbundenen Viehſtapels. ce.) Die Lehre von der zwe&mäßigen Verbindung der übrigen Wirthſchaſt8zweige, mit dem vorzüglichſien von allen= dem AFerbaue, 3 AID NE MES Von den Ac>kerbauſyſtemen. FS. 163. Unter der Benennung AFXerbauſyſtem, A>er- ſyſtem, Feldwirthſchaftsſyſtem, oder auch wohl oft ſchlichtweg Wirthſchaftsſyſtem, ver- ſtehet man die Anordnung und Eintheilung der Felder Behuſs der Beſtellung, und die ſeſtzuſeßende Ordnung, nach welcher dieſelben wechſel8weiſe mit verſchiedenen Früchten bebauet werden. Damit nun aber eine ſolche Art und Weiſe den AFer nach einer feſtgeſesten Ordnung zu beſtellen, wirklich den Namen eines beſondern Syſiems verdiene, iſt es nothig, daß ſie einerbe- ſiellung den Namen eines Syſtems beylegen wollten, ſo würden wir bald eben ſo viele A&erbauſyſteme zählen, als es A&erbau treibende Landwirthe auf Er- den giebt, da wohl kaum zwey wirklich denkende und und ſelbſiſtändige Landwirthe zu finden ſind, die bey ihrem AFerbaue, in Allem, bis auf die kleinſte Klei- nigkeit, das nämliche Verfahren beobachteten. Wenn wir ſämmtliche Methoden des AFerbaues mit aufmerkſamen Augen betrachten, ſo nehmen wir ſehr bald gewahr, daß ſie ſich darin ganz weſentlich 1.» EZ h emma undXer umgebrochen wird. Sämmtlicher AFerbau zerfällt daher von ſelbſt in zwey große Hauptſyſteme, nämlich in a) die beſtändige AFerwirthſchaft; und b.) die Wehſelwirthſchaft. A. Beſtändige A>erwirthſer beraubt, ſo dringend nothig haben, daß wir derſelben, wir mögen auch macdyen was wir wollen, ſchlechterdings nicht entbehren können. Dagegen giebt es wieder andere Wirthſchaftsarten, bey denen die Brache als etwas ganz Nußloſes/ und uns nur muthwilliger Weiſe ei- nes großen Theils unſerer Gründe Beraubendes mit Necht getadelt und verworfen wird, Der Grund hie- von liegt darin, weil nach den erſtern nur lauter Ge- treide» oder Halmfrüchte, mit Ausſchluß faſt alles Übrigen, gebauet werden, welches, wenn es mehrere Jahre hinter einander, ohne dazwiſchen tretender Brache, fortgeſeßt würde, den A>er ſehr bald ganz unfehlbar verwildern müßte, ſo wie dieß jedem ge- meinen Bauer von ſelbſt einleuchtend iſt, und gar nicht dem geringſten Zweifel unterlieget; wogegen nach den andern in der Regel nie zwey Halmfrüchte hinter einander folgen, ſondern zwiſchen beyde immer irgend eine andere den Boden reinigende und verbeſſernde Frucht eingeſchaltet wird, wodurch denn natürlich die Brache ſehr leicht entbehret werden kaun, ohne daß die Verwilderung des A>ers zu befürerung ſeiner Oberfläche bezwe&t, und ihm den heilſamen Einfluß der Atmoſphäre verſchafft, demſelben nicht nur im höchſten Grade nüßlich, ſon- dern bey dieſer Wirthſchaft8art auch ſchlechterdings nothwendig ſeyn müſſe.= Da ferner kein Aderbau -=- wenn auch nur von einigem Grade der Vollkom- menheit die Rede iſt= ohne verhältnißmäßigem Vieh- ſtande beſtehen kann, das Vieh aber, wenn es ſeinem Zwee entſprechen, und wirklich Nuten ſchaffen ſoll, ſein verhältnißmäßiges Futter fordert ,/ ſo iſt es eben ſo einleuchtend, daß bey jeder Wirthſchaft, wo nichts al3 Getreide auf dem Aer gebauet wird, Wieſen und Weiden nicht nur immer vorhanden ſeyn, ſondern auch in richtigem Verhältniſſe zum Aerlande und zum Viehſtapel da ſeyn müſſen, wenn die Wirthſchaft mit einigem Gelingen geführt werden ſoll.=- Eben daher, weil Brache und Grasland das Charakteriſti- ſche und Weſentliche dieſes AFXerbauſyſtems ſind, ſo glaube ich vor Allem von dieſen beyden Attributen ein paar Worte fallen laſſen zu müſſen, 6. 106. Den A>er brachen(ugarolni) heißt ſo viel, als ihn durch wiederhohltes Pflügen und Eggen ete- lodern, lüften, und reinigen, und ſolchergeſtalt für die nachfolgenden Saaten beſtens vorbereiten. Brache, BrachaFer, Brachfeld(ugar, ugar-ſöld) heißt alſo der AFer nur dann, wenn er wirklich dieſen Vorbereitungsarbeiten unterworfen wird, und wenn daher Manche(wie es wohl von modernen Halb- wiſſern häufig genug geſchieht) den Dreeſch- oder Dreiſchad>er(parlag, parlag-föld) der ein oder mehrere Jahre ohne alle Bearbeitung ruhig der Begra- ſung überlaſſen wird, mit der Brache verwechſeln, und beyde Ausdrü>e für völlig gleichbedeutend halten, fo liefern ſie uns freplich einen ganz unwiderſprechlichen Beweis, wie jämmerlich arm ihre Kenntniſſe ſelbſt in den erſten Grundzügen unſers Gewerbes ſeyn m0- gen,= Da nun aber die Brache dieſen ihren Namen nur in ſo ferne und in ſo lange verdient, als ſie wirklich den AFer durch Bearbeitung vorbereitet, ſo unterſcheidet man ſie noF€ in ganze und in halbe Brache(Hegebrache). Erſtere iſt die, welche von Beendigung der Frühlingsſaat bis zur Ausſaat des Wintergetreides, oder wohl auch ſchon den vor- hergehenden Herbſt bearbeitet wird; leßtere, welche wegen Mangel anderer Weide, bis Ende Juny, oder gar bis zur vollendeten Getreideernte, unberührt ge- laſſen wird, und dann erſt ihre Vorbereitungsarbeiten erhält. Ich möchte die erſtere noch in vollkommene Brache und in Sommerbrache unterſcheiden, je nachdem ſie nämlich entweder, außer den gewöhne lichen Bracharbeiten, im vorhergehenden Herbſte ſchon ein paarmal bearbeitet, oder dieſen Arbeiten bloß den Sommer über unterworfen wird.= Die Teutſchen unterſcheiden noc< die Brache in reine Brache, und Sömmerungsbrache, oder be- ſömmerte Brache. Erſtere iſt die eigentliche Brache, da der Aer bloß bearbeitet und vorbereitet wird, ohne irgend eine Frucht zu tragen; lettere iſt im Grunde gar keine Brache, ſondern ſie iſt bloß ein mit irgend einer Sommerfrucht beſtelltes Feld, das ſonſt der Feldordnung gemäß brach gelegen wäre. Es verſteht ſich aber wohl von ſelbſt, daß hier nicht von dieſer uneigentlichen, ſondern von der eigent" lichen Brache die Rede ſey.=- Wie übrigens eine Brache behandelt werden ſoll, um ihrem Zwee zu entſprechen, darüber verweiſe ich auf den erſten Theil meiner Grundſäße der Feldkultur, allwo ich ſo ziemlich das Nöthige erörtert zu haben glaube, 621072 Da3 Verhältniß des Graslandes zum Aer kann unmöglich nach einem allgemeinen Maaßſtabe beſtimmt werden, weil es hierbey überall auf die ortlichen Ver- hältniſſe des Bodens, der Lage, des Klima's, des Graswuchſes, des ganz freyen oder durch Servituten beſchränkten Eigenthums der Grasländereyen etc. etc. welche oft bis ins Unendliche verſchieden ſeyn können, ankommt.= Ein denkender und umſichtiger Land- wirth wird ſich daher dieß Verhältniß immer nach 10 wer ſeinen individuellen Umſtänden ſelbſt berechnen! müſe- ſen; wobey er alles Das, was ich im erſten Theile und zwar im erſien Buche dieſes Werkes über das Verhältniß des Viehſtandes und des Düngers zum AFerlande, und des Futters zum Viehe, ſo wie Das, was ich über das Erträgniß der Wieſen und Weiden daſelbſt geſagt habe, zu Nathe ziehen kann, wenn er anders nicht vielleicht ſelbſt etwas Beſſeres zur Nicht- ſchnur hat, um ſich in dieſer ſo ſchwierigen Sache ge- hörig orientiren zu können.= Nur, wenn man dieſe und ähnliche Punkte mit Kenntniß der Sache aufge» faßt, und richtig berechnet hat, wird man mit leichter Mühe ausmitteln können, wie groß bey jeder indivi- duellen Wirthſchaſt die Wieſen- und Weidefläche im Verhältniſſe zum AFerlande ſeyn müſſe, um ſeinen AFerbau mit einiger Vollkommenheit betreiben zu können; immer würde man ſich aber nur lächerlich machen, und in nicht geringe Verlegenheit verſegen, wenn man ſich hierin nach einem allgemeinen Maaß- ſiabe richten wollte. Der Leiſten iſt wohl eines der nothwendigſten Geräthe des Schuhmacher-Handwer?ks, bey unſerm edlen Gewerbe aber taugt er durchaus nichts. FS. 168. Da3 Aderſyſtem, wovon hier die Rede iſt, wird ferner, je nachdem die Brache früher oder ſpäter wie- derkehrt, und je nachdem eben deshalb der ſämmtliche Aer in mehrere oder wenigere Breiten oder Fel- -»-]1-- der*)(ungr. vetö, und in unſerm Geſchäſtslatein calcatura) abgetheilt iſt, in eine untergeordneten Wirthſchaſt8arten unterſchieden.= So nennt main Zweyfelderwirthſchaft denjenigen Aderbau, bey welchem ein Jahr um das andere Brache gehalten wird, und wo folglich die Brache und der Getreide- bau alljährlich mit einander abwechſeln; Dreyfel- derwirthſchaft, wo Brache, Wintergetreide, und Sommergetreide, in regelmäßiger Ordnung jähr- lich auf einander folgen, weswegen auch der Aer aus drey Breiten beſteht; Vierfelderwirthſchaft, wo die Brache erſt alle vierte Jahre wiederkehrt- nachdem jeder vierte Theil des AFer3 drey Jahre lang mit Getreide beſtellt worden; u. ſ. w.= Die zwe>mäßigſte dieſer Wirthſchaft8arten, wenn ſie in ihrer Reinheit getrieben werden ſollen, iſt unſtreitig die Dreyſelderwirthſchaft, weil die Brache dabey we- der zu oft noch zu ſelten vorkommt, ſondern gerade nur ſo, wie es die Natur dieſes Syſtems erheiſcht. Sie iſt daher auch die ausgebreitetſie und bekannteſte *) Unter Jeld wird hier= wie jeder Praktiker einſicht= nicht ein einzelnes Stü Aker, ſondern jene Abtheilung einer ganzen Feldmark verſtanden, die alljährlich von jedem A>er- beſiger auf gleiche Art behandelt, d. i. entweder gebracet, oder mit Winter- oder Sommergetreide, etc. beſtellet wird. Ob übrigens ein Beſiter nur ein Stü oder 200 Stu>X Ae>ker in einer ſolchen Breite habe, iſt gleichviel 3; ſie heißt doch immer in dieſem Sinne nur ſein Bracfeld, fein Winterfeld, und ſein Sommerfeld, u. ſ. w«= Dieß zur Verſtändigung für ſolche, die etwa mit dieſem teutſhen Ausdruke nicht hinlänge lich bekannt wären. von allen. Gben deshalb pflegen die teutſchen Schrift- ſteller ſaſt allgemein das ganze Syſiem der Getreide- wirthſchaſt mit den Benennungen Dreyſelderwirthſchaft - und Dreyfelderſyſtem zu belegen, welches jedoch, da der Charakter dieſes Syſtems nicht in der Anzahl der Felder beſteht, immer unrichtig iſt, und leicht Ver» wirrung der Jdeen veranlaſſen kann, folglich mit Necht gerügt zu werden verdient.=- Weit unvollkommener, unzwe&mäßiger, und daher auch ſeltener ſind die zwey- vier- und fünf» feldrigen Getreidewirthſchaften, wenn ſie in ihrer Neinheit" getrieben werden. Erſtere, weil die Brache zu oft vorkommt, und dadurch die Hälfte unſerer ÄFer unbenutßt verloren gehetz; die leßteren aber, weil die Brache zu ſelten wiederkehrt, um den Ader rein erhalten, und vor Verwilderung verwahren zu können. 9. 109 Eine bloße Abart der reinen Dreyfelderwirthſchaft, und gleichſam ein Mittelding zwiſchen beyden Syſtemen der Getreidewirthſchaft und der Fruchtwechſelwirth- ſchaft, iſt die modificirte oder zuſammenge- ſeste Dreyfelderwirthſchaft.== In einigen hoher bevölkerten Gegenden Teutſchland8s, wo man den Drang fühlte, den Aer beſſer wie bisher zu be- nußen, ſtieß man ſich nämlich an der ſo oſt wieder- kehrenden Brache, indem dadurch der dritte Theil ſämmtlichen AFXers alljährlich unnüß verloren gienge, Man machte daher verſchiedene Verſuche, die Brache eben ſo wie das Übrige Feld, zwar nicht mit Getrei- de, wohl aber mit allerley andern Früchten zu beſtellen. Man baute einige Handel8gewächſe und Hülſenfrüchte, man pflanzte Kartoffeln/ man ſäete Klee u. f. w. in die Brache, die bisher unbeſtellt geblieben war. Bald wurde man aber ſeines Jrrthums gewahr, und über- zeugte ſich, daß ein Wirthſchaftsſyſtem, in welchem immer zwey Getreideſaaten in der Regel nach einan- der folgen, der Brache durchaus nicht entbehren kön- ne, wenn der Aer nicht von Kräften kommen und verwildern ſoll. Daher geſchah es denn, daß ein Theil dieſer Männer in Fleinmuth verfiel, den A>er von Neuem der ſtrengſten reinen dreyfeldrigen Getrei- dewirthſchaft unterwarf, und mithin durch eigene That das Verdammungsurtheil der vorgenommenen Verſuche laut ausſprach- Der beſſere Theil dieſer Verſuchsmänner jedoch, der, wie es einem Land- wirthe geziemt, mit Behutſamkeit zu Werke gieng, verlor deshalb den Kopf noch nicht, ſondern fuhr be- harrlich fort weiter zu erforſchen, ob es denn nicht möglich wäre, wenigſtens die Hälfte der Brache, oder wohl auch etwas mehr mit Futtergewächſen zu beſtel- len, da dieſe ja ohnedieß einerſeits auch zur Reini» gung des Aders beytragen, während ſie andererſeits durch den Dünger den ſie liefern, zu deſſen Reſtauri- rung dienen. Dieſe Ausharrung wurde mit Erfolg gekrönt, und gab nun der erwähnten modificirten Wirthſchaft3art ihre Entſtehung, welche gleichſam ein Mittelſyſtem bildet, indem ſie zwar ſehr vieles mit ihrer Mutter, der dreyfeldrigen Getreidewirthſchaft gemein hat, aber ſich doch ſchon etwas der Frucht- wechſelwirthſchaft nähert.== Die gewöhnliche und althergebrachte AFereintheilung in drey Felder(Breis ee. 1Ä au ten, Calcaturen) kann zwar bey dieſer Wirthſchaſts- art bleiben wie ſie iſt, doch müſſen dieſe ſelbſt wieder, je nachdem man eine ſechs- neun- oder zwölffeldrige Wirthſchaſt führen will, in mehr oder weniger Un- terabtheilungen, nach einer beſtimmten Ordnung( die zwar nicht ſowohl auf dem Aer ſichtbar iſt, als ſie in dem Kopfe des Landwirths exiſtiren, und deſſen Handlungen leiten muß) gebracht werden.=- Ein Schema wird dieſe Sache am leichteſten erklären. Man ſeße den Fall, es ſühre Jemand eine reine Ge- treidewirthſchaft in drey Feldern, wovon heuer noch das Feld A. brache liegt, das Feld B. Wintergetreide trägt, und das Feld C. mit Sommergetreide beſtellt iſt; er wolle aber, da er nur ſehr wenig Wieſen hat, auch einiges Futter auf dem Aer bauen, und daher eine modificirte ſechsfeldrige Getreidewirthſchaft, näm- lich: 1.) Brache, 2.) Wintergetreide, 3.) Eommer- getreide, 4.) Wien und Klee, 5.) Wintergetreide, 6.) Sommergetreide, einführen, ſo würde dieß nach Tab. 1. geſchehen müſſen.= Wollte er aber, weil er etwa mehreres Futters nothig hätte, nur den drit- ten Theil der Brache leer liegen laſſen, und ein zwey- tes Drittheil mit Wien, das dritte aber mit Klee beſtellen, und daher eine neunſeldrige Wirthſchaft in dieſer Ordnung: 1.) Brache, 2.) Wintergetreide, 3.) Sommergetreide, 4.) Klee, 5.) Wintergetreide, 6.) Sommergetreide, 7.) Wien, 8.) Wintergetreide, 9.) Sommergetreide, einführen, ſo könnte dieß auf eine Art geſchehen, wie es Tab. 1]. nachweiſet.-- Wollte er endlich ſeinen ſämmtlichen A&er in zwolf Abtheilyngen; 1.) Brache, 2.) Winterg., 3.) Som- FA 15= merg., 4.) Klee, 5.) Winterg., 6.) Sommerg., 7-) Brache, 8.) Winterg., 9.) Sommerg. 10.) Wien, 11.) Winterg., 12.) Sommerg. bringen, ſo könnte dieß nach Lab. Ill. bewerfſtelliget werden. 11. Fruhtwechſelwirthſcer weggebracht worden war, ſo würde er auf jeden Fall eine grobe Unwahr- Heit behaupten. Gin ſolches Gewächs giebt es in der ganzen Natur nirgends, da ein jedes.mehr oder we- niger Nahrung aus dem Boden zieht, Nur dann würde eine Pflanze den Boden bereichern, und folglich in dieſem Sinne verbeſſern können, wenn wir ſie auf demſelben verfaulen ließen, wie dieß wirklich bey den als Dünger untergea>erten grünen Saaten der Fall iſt, da auf dieſe Art dem Boden nicht nur die aus ihm ſelbſt ausgeſogenen und nunmehr zurü&gegebenen, ſon- dern auch die aus der Atmoſphäre aufgenommenen Nah- rungsſioffe zu Gute kommen. Allein von einer ſolchen abſoluten Berbeſſerung des Bodens iſt auch hier gar feine Rede, ſondern bloß von jencr relativen, da er nämlich durch das Vorhergehen von Gewächſen einer Art für die- Gewächſe einer andern Art tauglicher und produktiver gemacht wird, wie uns dieß die großte aller Lehrerinnen, die Erfahrung, tauſendfältig geleh- ret hat, und täglich lehret. So geräth z. B. Weigen nach Weigen nie, ſelbſt dann nicht, wenn dem erſte- ren eine gedüngte Brache vorhergegangen wäre. Schie- ben wir aber zwiſchen beyde Weitßenſaaten eine grüne Wienſaat ein, ſo ſtehe ich dafür, daß der lektere Weißen dem erſteren beſtimmt nichts nachgeben, viel- leicht ihn wohl gar übertreffen wird, ob er gleich um ſo viel ſpäter nach dem Dünger folget, und ob es gleich nicht geläugnet werden kann/ daß die Wien, ohne eben eine ſtark ausſaugende Frucht zu ſeyn, doc RI RE GAL UE 7--- 534- wegn= Wei ZEE. 8--- well-- - 17= doch immer auch ihren Nahrungsantheil aus dem Boden ziehen. So weiß ferner bey uns jeder verſtän- dige Bauer, daß der Weißen unmittelbar nach Gerſte nie recht gedeiher- der A>er mag auch noch ſo ſehr in Kraft ſeyn, und man mag auch anſtellen was man will. Szäet man aber über die Gerſte rothen Saat- klee, und bauet den Weißen erſt das darauf folgende Jahr in die Kleeſtoppel, ſo wird er=- wenn anders der Klee gehörig beſtaudet war=- in der Regel ſelbſt denjenigen übertreffen, der in reine und gedüngte Brache geſäet worden. Nach Kartoffeln lehite mich die Er- fahrung, daß der Weißen nie gut gerathe, ſelbſt dann nicht, wenn dieſe Kuollenſrucht in reichlichem Dünger gebauet worden. Die Gerſte aber wird darnach uns übertrefflich ſchön, und ſo ſchön, wie ſie nur immer nach der reinen Brache werden kann, obgleich die Kartoffeln unläugbar ſehr ausſaugend ſind; und läaſ- ſen wir nach Gerſte entweder Wien oder Klee, und dann erſt Weiten folgen, ſo können wir dieſen in eben ſo großer Vollkommenheit erwarten, ob ihm gleich nach den Kartoffeln no< die Gerſte vorherge- gangen, die doch nach aller Welt Erfahrung nicht wenig ausſaugend iſt. Und ſo ließe ſich dieß in un- zähligen Beyſpielen fortführen, woraus ſonnenklar ero hellte, wie groß der Einfluß der Gewächſe auf Ge- wächſe iſt, und, wie ſelbſt manche ſtark ausſaugende Pflanzen dennoch die beſten Borläufer für manche an- dere ſind. G.1172- Eben in dieſem Sinne der relativen Verbeſſerung, und in feinem andern, unterſcheiden wir ſämmtliche Dek. der Landw, 2- Th, 2 = WW Pflanzen die auf dem Aer gebauet werden können in zwey Klaſſen; nämlich: a.) in meliorirendey oder den Boden verbeſſernde, d. i. denſelben reinigende, loFernde, und beſonders für gewiſſe Ge» wächſe auf eine oft kaum erklärliche Art vortheilhaft vorbereitende, und b.) in deteriorirende, oder den Boden verſchlechternde, d. i. denſelben ver- unreinigende, verhärtende, und für mehrere Gewächſe, beſonders aber für die ihrer eigenen Art, und über haupt für die gewöhnlichen Halmfrüchte unbrauchbar machende Früchte. Zu erſteren gehören: a.) die ſogenannten H a>- früchte d. i. alle jene Pflanzen, welche während ihrer Vegetation in ihren Zwiſchenräumen bearbeitet werden, ſie mögen übrigens zu was immer für einer Klaſſe der Botanik oder des AFerbaues gehören; b.) alle jene Gewächſe, die den Boden entweder durch ihren dichten Schatten, den ſie über demſelben verbrei» ten, oder durch ihre häufiger abfallenden Blätter, durch ihre in der Erde verfaulenden Wurzeln etc. vortheilhaſt für die darauf folgenden Getreideſaaten vorbereiten.= Zu leßtern gehören alle jene Früchte, die den Boden nicht nur ausſfaugen,(denn dieß thun die Meliorirungsfrüchte wohl auch, und einige derſel- ben zwar in einem hohen Grade) ſondern denſelben auch voll Unfraut füllen und verhärten, mithin nicht nur abſolut, ſondern auch relativ verſchlechtern, und für andere ihrer Art untauglich machen; dgl. die Halmfrüchte aller Art(mit Au8nahme des als Ha>- frucht meliorirenden Mais's) oder die gewöhnlichen Getreidearten, die Futterhirſe etc.; deren daher auch ==“ 19= nie zwey unmittelbar hinter einander gebauet wet- den dürfen/ wenn wir der Brache ohne Schaden ent» gehen, und nach dieſem Syſteme wirthſchaſten wollen- PENZDE Ginige oberflächliche Halbwiſſer(profanum noxium- que yulgus hominum!) die nur wenig reine und rich- tige Begriffe von dieſem AFerbauſyſteme haben, und gleichwohl lächerlicher Weiſe daſſelbe, ohne es einmal recht zu kennen, immer im Munde führen, glauben zwar, und wollen auch andere glauben machen, die ganze Weſenheit deſſelben beſtehe darin, daß immer zwiſchen zwey Getreideſaaten ſchlechterdings irgend ein Futter- gewächs eingeſchaltet werde, gleichviel, ob wir deſſen nöthig haben, oder nicht. Ja Manche, die zu ihrem und anderer Unglüde zwar Vieles geleſen, aber nichts verdauet haben, gehen in ihrer Modeſucht noch wei- ter, und projektiren uns oft Feldrotationen/ nach welchen kaum der vierte Theil unſers A&ers mit Ge- treide, alles Übrige aber mit Futtergewächſen beſtellet werden ſollte. Wozu ſoll nun aber das Futter dienen, das wir über diejenige Quantität hervorbrächten, die zu vollkommener Ernährung des verhältnißmäßigen Viehſtandes erforderlich iſt. Möchten doch dieſe mo- dernen Herrn einmal bedenken, daß der Futterbau, ſo 16blich und ſo nüßlich er auch an ſich, und ſo nothwendig er unter manchen Umſtänden iſt, doch im- mer nur als Mittel zum Zwede betrachtet werden MUB enn 4» 15;(8 Da, wo man entweder gar keine, oder doh nur ſehr wenige Wieſen hat, die bey weitem nicht hin- 2* =< 401. 4 reichen, den nöthigen Viehſtand mit Winterfutter zu verſchen, oder wo etwa ſelbſt die Weide ſo fnapp iſt, daß ſogar auch des Sommers auf ein Beyfutter gedacht werden muß, da kann man allerdings nicht conſequenter und zwe&>mäßiger handeln, als wenn man immer nur Futtergewächſe verſchiedener Art, und bey Leibe ja nichts Anderes, zu Meliorirungsfrüchten nimmt, um dieſe immer regelmäßig zwiſchen zwey Getreideſaaten einzuſchalten, Wie aber, wenn wir ei- nen Überfluß an Wieſen und an Weiden haben? Wie wenn wir noch überdieß durch Brauerey und Brannt- weinbrennerey und damit verbundener Maſtung mit einer großen Menge guten Düngers zu verſehen ſind? Sollen wir unter ſolchen Umſtänden auch noch Futter bauen? Haben wir nicht noch eine Menge anderer Pflanzen, die im oben erklärten Sinne eben ſo me- liorirend auf den A>er wirken, wie dieß nur immer S. 174. Da nun aber die Meliorirungsfrüchte wirklich der Angel ſind, auf dem ſich das ganze Syſtem der Fruchtwechſelwirthſchaft herumdrehet, indem deren ver» nünftiger Gebrauch allein im Stande iſt, die Brache völlig entbehrlich zu machen, ſo finde ich nöthig, ſie nicht nur der Reihe nach herzuzählen, ſondern auch zugleich zu bemerken, in wie ferne eine jede derſelben wirklich als meliorirend betrachtet werden kann, und in wie ferne ſie, ungeachtet ihrer relativen Verbeſſe» rungskraft, den AFer etwa ausſauget, und folglich - 21=- Düngers nöthig hat, wenn ſie dem Zwee vollkom- men entſvrechen, und in jedem Sinne meliorirend wirken ſoll. GE.175: Einen großen Theil der Meliorirungsfrüchte ma» früchte ſchon de8halb aus, weil ſie wäh- rend ihrer Vegetation in den vorſäßlich leer gelaſſenen Zwiſchenräumen bearbeitet werden, und ihrer Natur nach werden müſſen, wodurch der Boden beynahe eben fo wie durch die Brache gelo>ert, gelüftet, ge- pülvert, und gereiniget wird, Verſaumt man daher bey dieſen Früchten nur nicht auf ihre individuelle Ausſaugungskraft, ſo wie auf ihre eigenthümliche Antipathie/ die laut Erfahrung manche unter ihnen auf einige andere Gewächſe äußern, die gehörige Rüſicht zu nehmen, ſo iſt es keinem Zweifel unter- worfen, daß dadurch) die Brache in dieſem Syſteme, in welchem der Aer, weil nie zwey Deteriorirungs- früchte unmittelbar hinter einander folgen, ohnedieß gegen allzuſtarke Verwilderung geborgen iſt, völlig entbehrlich gemacht werden kann,=- Sie ſind fol. gende: a.) Der Mais,(Kukurug) obgleich eine ſehr ſtark ausſaugende Halmfrucht, äußert jedoch, wenn er nur hinlänglich mit Dünger verſehen, und ſorg» fältig beha>et wird, einen ſehr günſtigen Einfluß auf alle übrigen Getreidefrüchte. Winterweizen nach Mais zu bauen iſt jedoch nur unter den zwey Bedingniſſen anzurathen, wenn der Boden wirklich guter und ſtarker Weißenboden iſt, und wenn die Weigenſaat zu amd 22 ER gehvriger Zeit beſtellet werden kann. Iſt daher der Boden ein lo>erer Lehmboden, der zwar noch immer Weigen trägt, jedoch nicht ganz für dieſe Frucht ge- ſchaffen iſt, oder kann die Winterungsſaat der ver» ſpäteten Maisernte wegen, nur erſt ſpäter, etwa Ende Oktobers, oder gar erſt im November vorgenommen werden, ſo hüthe man ſich Weißen darnach zu bauen, ſondern baue entweder Roggen oder eine Sommer- frucht. b.) Die Futterbohnen(Pferdebohnen) ſind, als HaFfrucht gebauet und während ihres Wachs- thum3 in den Zwiſchenräumen bearbeitet, eine ganz vortreffliche Vorfrucht für alles Getreide, ſonderlich für den Weigen. Dünger müſſen ſie aber reichlich er- halten, wenn ſie den A>er nicht nur rein und loFer, ſondern auch kraftvoll der darauf folgenden Getreide- ſaat überliefern ſollen. c.) Die Kartoffeln ſind auf keinen Fall ge- eignet, dem Wintergetreide vorzugehen. Weiten ge- räth beſonder3 nach Kartoffeln, meiner eignen ſowohl al3 vielen andern Grfahrungen gemäß, in der Regel immer ſchlecht; und zwar immer in dem Verhältniſſe ſchlechter/ je lo>erer und ſandiger der Boden iſt. Roggen gedeiht zwar darnach viel beſſer; doch auch dazu kann ich eben nicht ſehr rathen.== Dagegen ge- räth das Sommergetreide darnach ganz unübertreff- lich; und für dieſes ſind ſie daher allzeit eine der beſten Meliorirungsfrüchte die es giebt.= Damit ſie aber dieſer ihrer Beſtimmung auch gehörig nachkom» men können, vergeſſe man nie ſie mit reichlichem Dün- ger zu verſehen, beſonders, wenn der Aer etwa nicht FE EE IEC ST I M MIS recht in Kraft wäre. Denn, daß ſie ungeachtet ihrer übrigen guten Eigenſchaften eine ſehr ſtark ausſaugen- de Frucht ſind, kann ſelbſt bey größter Parteylichkeit für ſie nicht geläugnet werden. d.) Die Futterbeeten oder Runkeln kön- nen ſowohl dem Sommer» als dem Wintergetreide vorhergehen. Doch ſcheinen ſie nur auf das Sommer- getreide einen vorzüglich günſtigen Cinfluß zu äußern. Kraftvollen Aer lieben ſie. Der Dünger aber, den man dazu braucht, muß immer alt und gut ver- rottet ſeyn. e.) Werden die Feldrüben als Hauptfrucht gebauet ,/ und während der Vegetation fleißig bearbei- tet, ſo kann man nicht nur vortreffliches Sommerge»- treide darnach erhalten, ſondern man fann auch, wenn man will, mit ziemlich gutem Erfolge Winter- getreide darauf folgen laſſen. Werden ſie aber nur als zweyte Frucht in der Getreideſtoppel beſtellet, fo frägt ſich's/ ob ſie während der Vegetation beha>et, oder wenigſtens geegget, oder ob ſie nur ganz ihrem Schi>ſale überlaſſen werden. Im erſteren Falle köne- nen wir ohne Scrupel Sommergetreide darauf folgen laſſen, und immer eine ſehr reichliche Ernte hoffen z im andern Falle aber können ſie gar nicht als Melio- rirungsfrucht betrachtet werden, weil der Aker dadurch leicht noch mehr verwildern kann, als wenn wir ihn in den Stoppeln liegen gelaſſen hätten.=- Dünger haben ſie zwar nicht ſo ſehr wie die Kartoffeln nothig, da ſie nicht ſo ausſaugend ſind. Mangelt es jedoch dem Aer an Kraft, ſo müſſen ſie gleichwohl auch -- 24== ihren Antheil davon erhalten, und zwar muß dieß immer mit altem wohl verfaultem Miſte geſchehen. €.) Der Kopfkohl iſt zwar eine äußerſt aus- ſaugende Frucht; wird er jedoch reichlich mit wohl- verfaultem gutem Miſte gedünget, und läßt man es bey ſeiner Beſtellung und Bearbeitung an nichts feh- len, ſo iſt er gleichwohl eine der beſten Meliorirungs- früchte die wir haben, nach welcher Winter- und Sommergetreide mit gleich gutem Erfolge gebauet werden kann. g.) Die Kohlrübe(die gemeine ſowohl als die Rutabaga), die Möhre, und die Paſtinake ſind wohl in der Regel nur zu Vorläu- fern des Sommergetreides qualificiret- Wird dazu gedünget, ſo muß dieß mit kurzem wohl verfaultem Miſte geſchehen.= Nach Kohlrüben kann man jedoch auch, wenn der Ader bey gehöriger Kraſt iſt, Win- tergetreide folgen laſſen, h.) Wird der Mohn, ſo wie er es ſollte,(wes- wegen ich ihn auch hier anführe) als Ha>frucht be- Handelt, fo können alle Getreidearten mit beſtem Er- folge darnach gebauet werden; wird er aber während ſeinex Vegetation bloß ſeinem guten GeſchiFe über- laſſen, ſo dürfte es wohl nicht rathſam ſeyn Winter- getreide darnach folgen zu laſſen. 1.) Der Tabak, obſchon im höchſten Grade ausſaugend, iſt gleichwohl ,/ wenn er reichlich mit Dünger verſorgt wird, eine der beſten Meliorirungs- früchte, nach welcher Winter»- und Sommergetreide gleich gut zu gedeihen pfleget/ vorausgeſeßt, daß er nur übrigens ſeinen angemeſſenen Boden findet. omen 25--- k.) Eben ſo können der Saflor, der Wau, der Waid, der Krapp, und die Kardendiſtel, als wirkliche Meliorirungsfrüchte betrachtet werden, wenn nur immer die Bearbeitung, und die mit der Ausſaugungskraft dieſer Pflanzen im Verhältniß ſtehene de Düngung gehörig vorgenommen worden« 621970: Außer den hergezählten Hafrüchten haben wir aber noch eine Menge anderer in verſchiedene botani- ſche ſowohl als landwirthſchaftliche Klaſſen gehöriger Pflanzen, die mit vollem Rechte den Meliorirungs- früchten beygezählt werden müſſen; theils, weil einige durch ihren dichten Schatten alles Unkraut unter ihrem Juße erſti>en, und mithin den Aer in eben ſo reinem Zuſtande zurülaſſen/ wie dieß nur irgend eine Brache vermag; theils, weil manche unter ihnen, vielleicht durch die Stagnation der Luſt die ſie oberhalb des Boden3 verurſachen, oder auf irgend eine andere uns bisher noch nicht völlig erklärliche Art, jene heilſame Gährung in der Oberfläche des Bodens veranlaſſen durch die er gleichſam aufgetrieben und aufgedunſen erſcheint, wie man dieß auf einem gut beſtandenen Wien- oder Kleefelde, und vorzüglich nach abge- brachtem Hanfe, deutlich genug ſehen kann; theils endlich, weil einige von ihnen ihre Nahrung mehr aus dem Untergrunde als aus der Oberfläche beziehen, und ſelbſt von dem, was ſie dem Bodett entzogen haben, wenigſtens einen Theil durch ihre im Grunde zurü&- gebliebenen und daſelbſt verfaulenden Wurzeln, ſo wie durch ihre abgefallenen Blätter, wieder zurüge- = 26==» Fem Fu mae Hieher gehören: das Heidekorn, ſämmtliche Hülſenfrüchte, der Klee, der Spergel, der Öhſreps, der Hanf, und der Lein, u. m. a. a.) Das Heidekorn, wenn es gut geräth, hinterläßt den Boden durch ſeine dichte Beſchattung in einem ſo reinen und guten Zuſtande, daß jedes Ge- treide, das nur ſonſt dem Boden angemeſſen iſt, mit Vortheil darnach gebauet werden kann. Am meiſten iſt es jedoch als der beſte Vorläufer des Roggens in Sand- und Heideboden durch vielfältige Erfahrung längſt bekannt, Dünger braucht dieſe Pflanze gar kei- nen, ja ſie ſollte gar nicht einmal unmittelbar in ge- düngtem Aer geſäet werden, ſobald ſie ihres Kornes wegen gebauet wird, weil ſie unter ſolchen Umſtänden leicht zu ſehr luxurirt,'und wohl ſehr vieles Kraut und viele Blüthen trägt, aber nur ſchr wenig Saa- men zur Neife bringt. Sollte man daher auch, der Wirthſchaft8verhältniße wegen dazu düngen müſſen, o darf dieß immer nur ſehr ſparſam, und mit ſehr gut verrottetem Dünger geſchehen. b.) Daß die Futterbohnen, wenn ſie in Reihen geſäet und behaet werden, den Aer für alles Getreide, und vorzüglich auch für den Weißen, ganz trefflich vorbereiten, dieß iſt ſchon oben bey den Hafrüchten geſagt worden. Weit minder weliorirend ſind ſie ſchon, wenn ſie gleich den übrigen Hülſen- früchten breitwürfig beſtellt, und ohne Bearbeitung ihrem SchiFſale überlaſſen werden. Doch ſind ſie auch in dieſem Zuſtande immer noch eine ſehr gute Meliorirungsfrucht, nach welcher, wenn ſie anders dicht geſtanden, und den Aer gehörig beſchattet hat, -- 27= ſelbſt Weißen, deſto mehr aber jede andere Getreide- art, die der Boden trägt, mit vielem Vortheile ge- bauet werden kann.= Dünger liebt die Bohne ſehr» und wenn anders das Feld nicht ohnedieß in voller Kraft wäre/ ſo ſollte auch die Düngung dazu nie unterlaſſen werden, c.) Cine Meliorirungsfrucht/ die den Acer für den Weiten ganz unübertrefſlich vorbereitet, iſt un- ſtreitig die Futter» oder Saatwide, Die größte und ſicherſte Wirkung leiſtet ſie als Verbeſſerungs» frucht nach allgemeiner Erfahrung dann, wenn ſie noch vor der Reife ihrer Körner im grünen Zuſtande abgemähet und vom Ader gebracht worden. Auf gu- tem recht eigentlich für Weißen geſchaffenem Boden hatte ich indeſſen ſelbſt nach reiſgewordenen Wien immer die reichlichſte Weißenernte-= Dünger braucht die Wie, wenn der Aer nur noh in einiger Kraft iſt, ihrer ſelbſt wegen zwar nicht, doch verträgt ſie ihn ſehr wohl, und giebt immer auf gedüngtem Felde eine verhältnißmäßig größere Ernte, ſo wie ſehr na- türlich auch das nachfolgende Getreide in eben dem Verhältniſſe beſſer lohnet. Daß die Wie das Feld auch für die übrigen Getreidearten vortrefflich vorbe- reiten müſſe, verſteht ſich wohl von ſelbſt, doch wird man dieſen Plas denſelben nie gönnen/ da wir gerad“ für den Weißen die wenigſten guten Vorbereitung9»- früchte haben, die Wie aber eben eine der vorzüg»- lichſten iſt. d.) Von weit geringerem Belange, als Ver- beſſerungsfrucht, ſind ſchon die Erbſen, ob ſie gleich den Boden nicht minder wie die Wien zu be- SENPETTTNGIEINEN ſchatten vermögen. Weißen wenigſtens möchte ich wohl Niemandem ſo leicht nach Erbſen zu beſtellen rathen. Roggen mag man indeſſen immerhin nach denſelben bauen; und in Hinſicht des Sommergetreides gehören ſie allerding38 unter die beſten Vorbereitungsfrüchte, die wir haben.-- Der Acer darf zu dieſer Frucht weder allzureich an Nahrungskraft, noc< allzuarm an derſelben ſepn. In erſterem Falle vegetiren und blühen ſie in einem fort ohne Ende, bringen aber deſto weniger reife Körner; im andern Falle aber bleiben ſie im Wachsthume zurü&>, und bringen nicht nur ſelbſt eine ſchlechte Ernte, ſondern geben auch=- da ſie den Aer nicht hinlänglich bede>en und be- ſchatten, und folglih Unkraut unter ſich auffommen laſſen=- nur eine ſchlechte Vorfrucht für das darauf folgende Getreide ab. e.) Nach Linſen iſt es wohl nie recht rathſam Wintergetreide zu bauen, und am wenigſten wird ein verſtändiger Landmann Weißen darnach folgen laſſen, weil ſie doch immer den Boden nur ganz ſchwach be- de>en, und daher weder gegen die Verhärtung noch gegen das Unkraut völlig ſichern. Sommergetreide kann man indeſſen=- wenn ſie nur nicht gar außer» ordentlich ſchlecht und unrein ſind, immerhin dar- nach) bauen, und in dieſer Hinſicht verdienen ſie allerdings den Verbeſſerungsfrüchten beygezählt zu werden.= Unmittelbare Düngung iſt ihnen zuwider, weil ſie dann entweder vom Unkraute überwältiget werden, oder zu ſtark luxuriren und nur wenig Saa- men bringen.=- Der beſte Aer für dieſe Frucht iſt jener, der zwar no< bey hinlänglicher Kraft iſt, ohne jedoch zu nahrungsreich zu ſeyn. lt.) Der Klee bereitet den AFer für den Weiten ſo unübertrefflich vor, daß nach ihm dieſer leßtere ſelbſt auf ſolchem Boden mit Vortheil gebauet werden Fann, auf welchem er ſonſt nicht einmal nach der Brache mit Sicherheit fortkommen würde. Hat man es alſo nur einmal dahin gebracht, daß der Ader einen guten und gehörig beſto>ten Klee zu tragen im Stande ſey, ſo darf man ihm darnach auch ohne Scrupel Weißen anvertrauen, wenn er auch ſonſt in Hinſicht der Beſtandtheile ſeines Bodens eben nicht ſonderlich für Weißen geeignet wäre.=- Damit aber der Klee dieſe Wirkung in vollem Maaße zu äußern vermöge, ſind außer dem, was ſonſt noch alles beym Kleebaue zu beobachten iſt, und worüber ich auf den dritten Theil meiner Grundſäge der Feldkul- tur verweiſe, vor allem folgende drey Punkte zu be- Herzigen: 1.) daß dem Klee nie mehr als eine einzige Halmfrucht vorhergehe; 2.) daß er nicht zu bald auf denſelben AFer wieder zurückkehre; indem uns die Erfahrung lehrt, daß er auf jedem Boden, der nicht völlig für ihn paſſend iſt, ſelten vor dem ſechsten, ja manchmal kaum vor dem ſiebenten oder neunten Jahre, auf demſelben Plaße wieder angebauet werden dürfe, wenn wir Freude an ihm erleben wollen: 3.) daß er nie länger als ein einziges Jahr nach der Ausſaat ſtehen bleibe, und auch dann nur zweymal zu Heu abgemähet, und ſodann ſeine Stoppel, ſobald ſie etwa, ſpannelang herangewachſen iſt, untergea>ert werde, um der nachfolgenden Weigenſaat Plaß zu machen. Nur auf dieſe Art können wir mit Grunde Hoffen, daß uns der Klee eine ſo einflußreiche Ver- beſſerungsfrucht für den Weiten abgeben werde.=-- Zwey» oder wohl gar dreyjähriger Klee kann nie als eine Vorbereitungsfrucht für Wintergetreide betrachtet werden, weil dieß nur unter der Bedingung darnach verſtändiger Weiſe gebauet werden kann, wenn der Aer zuvor als halbe Brache behandelt worden; und auch dann würde ich mir doch Weigen nicht leicht zu bauen getrauen, In der Regel ſchi>t ſich ein ſolches mehrjähriges Kleefeld nur für Sommergetreide.= Ein einjähriges Kleefeld dagegen wird ein denkender Zandwirth dem Sommergetreide wohl nur dann ein- räumen, wenn es etwa ſo verunglü>t wäre ,/ daß we- gen der ſchlechten Qualität des Klees, und der Un- reinheit des Akers, Wintergetreide und beſonders Weißen nicht mit Sicherheit gebauet werden könnte. g.) Der Spergel ſoll, wo er häufiger gebauet wird, einen vortrefſſlichen Sinfluß auf den darauf folgen- den Winterroggen äußern. So erzählt uns Schwerz von den Niederländern, daß ſie oft mit beſtem Er- folge mehrere Jahre Hinter einander auf einem und demſelben Felde Roggen bauen, indem ſie aber immer in die Stoppel als zweyte Frucht Spergel ſäen, ſo daß alſo der Roggen, ungeachtet er alle Jahre ge- bauet wird, doch nie unmittelbar nach ſich ſelbſt, ſondern immer auf den Spergel folget, welcher wahr- ſcheinlich durch ſeine im Boden zurükgebliebenen und daſelbſt verfaulenden Wurzeln den Boden ſo gut für den Noggen vorbereitet. h.) Der Öhlreps8(Raps ſowohl als Rüb« ſen) giebt eine ſehr gute Vorbereitung für ſämmtliche Getreidearten 3; ſo zwar, daß in der Negel wohl am haufigſten Weißen darnach gebauet wird,== Er iſt aber nicht wenig ausſaugend, und fordert daher um ſich gehörig zu beſtauden, und ſowohl ſelbſt einen guten Ertrag abzuwerſen, als den Aer für die nach, folgende Getreidefrucht gehörig vorzubereiten, immer reichlichen Dünger. 1.) Der Hanf iſt der größte Düngerfreſſer, den ich kenne; wird aber dieſe ſeine Leidenſchaft in vollem Maaße befriedigt, ſo iſt er immer eine der beſten Meliorirungsfrüchte die wir haben, welche den Boden in dem reinſien und mürbeſten Zuſtande zurüläßt, und für alles Getreide, beſonders aber für den Weigen ſehr gut vorbereitet. k.) Nach Lein kann wohl Sommergetreide ge- bauet werden, Wintergetreide aber darnach folgen zu laſſen, iſt nie rathſam; am allerwenigſten darf Weißen darauf folgen.=- Dünger darf der Lein unmittelbar nie erhalten; wohl aber geräth er immer deſto beſſer, und äußert auch einen deſto größern Einfluß auf das nachfolgende Getreide, je mehr der A>ker noch in al- ter Dungkraft ſteht.= Auf Neubrüchen iſt er ganz vorzüglich an ſeinem Plaße, ſo wie er daſelbſt auch die großte Meliorirungskraft beſit. Hier dürfte es* wohl ausnahmsweiſe ſtatt finden, daß ſelbſt Winter»- getreide, ja ſogar Weiten, nicht ohne Vortbeil dar- nach gebauet werden könnte. 0 3„*&- G. 0772 Wie nun dieſe ſo eben hergezählten Meliori- rungsfrüchte mit den deteriorirenden ab- zuwechſeln haben/ und wie überhaupt dieſes ganze Aderſyſtem zuſammengeſesßt, und in AusSübung ge, bracht werden ſoll, darüber glaube ich noch hier in Kürze Folgendes bemerken zu müſſen: 1.) Ob es gleich, wie wir geſehen haben, unter, den nicht behac>ten Früchten einige giebt, die an Me- liorirungskraft, in gewiſſer Hinſicht, alle Ha>früchte Übertreffen, wie z. B. Wien, Klee, u. m. a. ſo iſt es doch zum vollfommenen Gedeihen dieſer Früchte ſelbſt,( unter welchem Bedingniſſe ſie doch allein nur wirklich meliorirend ſind) und zu völliger Erſeßzung der Brache ſchlechterdings nothig, auch die Ha>- früchte Feine8Swegs zu beſeitigen. Am zweEmaßigſten iſt es, wenn ſie immer wechſelsweiſe eingeſchaltet wer- den, ſo daß einmal eine nicht beha>te Frucht, und einmal eine Ha&Ffrucht zum Zwe>e der Verbeſſerung und Vorbereitung des Bodens angewendet wird. 2.) Ob es gleich im Ganzen genommen von un- ſerer Willführ abhängt, welche der genannten Melio- rirungsfrüchte wir gebrauchen und aufnehmen wollen, ſo müſſen doch dabey alle individuellen und örtlichen Verhältniſſe und Umſtände reiflichſt erwogen, und pünktlichſt berüFſichtiget werden, wenn wir als wiſſen» ſchaftliche und gebildete Landwirthe, die auch das Neuere kennen, und vernünftig nachzuahmen verſtehen, erſcheinen, und nicht etwa als unwiſſende und gedan- kenloſe moderne Affen uns mit großem Schaden auf ' den den Pranger ſtellen, und ſelbſt dem niedrigſten land» wirthſchaftlichen Pöbel zum Gelächter und Geſpötte dienen wollen.=- So ſind z. B. die Handel8gewäch» ſe, die in die Kategorie der Meliorirungsfrüchte ge- hören, immer nur dann in den Umlauf zu nehmen, wenn wir des AFers zur Futtererzeugung durchaus nicht bedürfen, indem wir ander8woher hinlänglich mit Futter und Dünger verſehen ſind.=- Bey Über- fluß an Gragländereyen dagegen wäre e8 wohl eine wahre Thorheit noc) Futter auf dem Ak>er bauen zu wollen. Unter dieſen Umſtänden ſind gerade d'e Han- delsgewächſe diejenigen, die wir vorzug8weiſe als Me- liorirungsfrüchte zu gebrauchen haben. Nur vergeſſe man dabey wieder nie auc auf die Merkatilverhält- niſſe die gehörige Rü>ſicht zu nehmen, und nur im- mer das zu bauen, was wir auch mit Sicherheit an Mann zu bringen wiſſen, u. f. w. Eben ſo iſt auch die genaueſte Rückſicht auf den Boden, die Lage, das örtliche Klima etc. zu nehmen, und nie Etwas allda zu bauen, wo es ſchon von Natur nicht ſein Gedeihen finden kann. Vergebens würden wir z. B. auf looſem magerem, und dürrem Sandhoden von Wien, oder auf ſteifem, zähem unbändigem Thonboden vom Sper- gel eine günſtige Vorbereitung des AFers für das Wintergetreide erwarten, weil alle dieſe Pflanzen nur in ſo ferne wirklich meliorirend ſind, als ſie ſe!bſt fröhlich vegetirt, und den Boden gehörig bede&t ha- ben.-- Dieß Lettere iſt ganz beſonders bey den un- behaFten Gewächſen zu berückſichtigen; denn bey den Hafrüchten, wenn ſie ſelbſt auch wirklich mehr oder weniger mißriethen, wird der A>er doch durch das Dek, der Landw, 2. Ih« 3 = 3=> brachähnliche Bearbeiten des Bodens für die nachfol» gende Getreideſaat vorbereitet 3; das aber freplich in feinem Falle vernachläßigt werden darf, Sollte daher irgend eine dieſer Früchte ſo ſehr verunglüFen, daß ſie des Beha>ens nicht verlohnte, ſo muß der Aer ſchlechterdings als Brache behandelt, und mittelſt des Pfluges bearbeitet werden. 3.) Daß in dieſem AFerſyſteme Getreide nie auf Getreide folgen darf, ſondern daß die Halmfrüchte immer mit Meliorirungsfrüchten abwechſeln müſſen, dieß iſt ſchon oben als nothwendiges Mittel zum Zwee bezeichnet worden; da wir dadurch allein nur zu völliger Entbehrung der Brache, und zur Unab- hängigkeit von den Grasländereyen gelangen können, worin doch einzig diefrucht folge.=- Daß Wintergetreide unter keinem Vorwande auf ir- gend eine Halmfrucht folgen dürfe, dieß brauche ich wohl kaum zu erinnern, da ſelbſt der gemeinſte Bauer von geſundem Menſchenverſtande bey der ſtrengſten Getreidewirthſchaft einer ſo ſchlechten und verderblichen Fruchtfolge möglichſt auszuweichen ſuchet. 4.) Gedüngt darf nie unmittelbar zu Getreide werden, weil der Aer in dieſem Falle, wie uns die Erfahrung längſt gelehrt hat, ſehr leicht mit Unfraut überwachſen und verunreiniget wird, ſo daß der Dün» ger faſt eben ſo vielen Schaden als Nuten bringet, da die Reinheit des Bodens ein nicht minder noth»- wendiges Bedingniß der guten und vollkommenen Kul- tur/ wie die Kraft und Fruchtbarkeit deſſelben iſt. Man gebe alſo ſämmtlichen Dünger immer nur einer oder der andern Meliorirungsfrucht, und ſey verſichert, daß das Getreide de8halb nicht minder ſeinen Antheil an Nahrung davon erhalten, und da es in reinen Boden kommt, allwo es mit dem Unkraut nicht zu kämpfen hat, deſto fröhlicher und üppiger gedei! en wird. Dieß iſt aber um ſo leichter und zwe>maßiger, da der größte Theil der Verbeſſerungsfrüchte dieſe un- mittelbare Düngung ohnehin ſehr gut verträgt, ja manche unter ihnen ſo äußerſt gierig nach dem Dün- ger ſind, daß ſie gerade nur in ſtark gedüvgtem Felde die größte Meliorirungskraft zu äußern pflegen. Der» gleichen der Mais, der Raps, der Hanf, u. m. a. wie ich ohnehin ſo eben bey jeder einzelnen Frucht in Kürze angezeigt, und bereits in meinen Grundy ſäßen der Feldkultur an den gehörigen Orten weitläufiger erörtert zu haven glaube. S- 178. Dieſes nun voraus8geſchi&t, wird ſic) wohl ein Jeder, dem nur die Landwirthſchaft nicht ganz fremd iſt, ſehr leicht in dieſes Syſtem finden, und den ſei» nen Umſtänden angemeſſenſten A&erumlauf(Tur- H 08„Cy cdu 8,14: N 04.0000 45 e ldr ob ation u. ſ. w.) ſelbſt beſtimmen können; worin übrigens Jederman ganz frey, und immer nur ſeinen indivi» 3 D duellen Umſtänden gemäß zu verfahren hat, ohne ei- nen ſelaviſchen Nachäffer Anderer zu ſpielen, und ohne ſeine Wirthſchaft gewaltſam über einen fremden Leiſten zu ſchlagen, und ſich dadurch bey praktiſchen Land»- wirthen lächerlich und verächtlich zu machen.=- Die Anzahl der Felder(Schläge, Sectionen, Calcaturen) iſt beſonders willkührlich, und trägt zur Weſenheit dieſes Syſtems gar nichts bey. Man kann bisweilen bloß in zwey, und manchmal in 12, und wohl noc mehreren Feldern wirthſchaften, und dennoch auf gleiche Weiſe im ſtrengſten Sinne Fruchte wechſelwirthſchaft treiben. Selten pflegt jedoch ein ſolcher Umlauf aus weniger als 4, und eben ſo ſelten aus mehr als etwa aus 6 bi3 10 derley Feldern in Praxi wirklich zu beſtehen. Denn jene Kinderſpielen ähnliche 32» bis 36- oder wohl noc< mehrfeldrige 'Wirthſchaften, in denen manche moderne Aſtertheo- 'petifer, während ſie mit einem unzeitigen Kindereifer ihre tiefe Wiſſenſchaſt in unſerm Fache zeigen wollen, gerade das Gegentheil an den Tag legen, werden zum Glüe unſeres ehrwürdigen Gewerbes wohl nur im- aner auf dem Papiere getrieben werden. Da nichts in der Welt eine Cache mehr zu ver- ſinnlichen und zu verdeutlichen vermag, als gut ge- wählte und den Umſtänden angepaßte Beyſpiele, ſo mögen nachfolgende unter den ausdrülich vorgeſe6ten Beſtimmungen als Muſter( aber nicht als Leiſten) aufgeſtellte Feldrotationen nähere Erklörung geben, indem fie gleichſam die Anwendung des bisher Ge- ſagten praftiſch zeigen ſollen, 45).; Annen GE 1905 A.) Auf einem thonigen und bindigen, ſchon ganz eigentlich für den Weißen geeigneten Boden; unter Umſtänden, wo man Wieſen und Weiden im Überfluße hat, folglich gar kein Futter auf dem AFex zu bauen braucht: 3.) Zweyfeldriger Umlauf: 1.) Mais. 2.) Weizen. oder: 1.) Bohnet. 2.) Weigen. b.) Vierfeldriger Umlauf: 1.) Mais. 2.) Weißen, 3.) Hanf. 4.) Weißen. oder: 2.) Mais. 2.) Weißen, 3.) Bohnen. 4.) Weiten. ce.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Gedüngie Brache, oder Früh- kartoffeln in Dünger; dann Rap3. 2.) Raps. 3.) Weißen. 4.) Mais, oder beha>te Bohnen. 5.) Weißen. oder: 1.) Beha>te Bohnen. 2.) Weizen. 3.) Mais.| 4.) Weiget. 5.) Hafer, oder Gerſte, d.) Sechsfeldriger Umlauf: 1.) Beha>te Bohnen. 2.) Weißen. 3.) Hanf. 4.) Weißen, 5.) Mais. 6.) Weigzen, oder Sommergetreide. 6.) Siebenfeldriger Umlauf: 1.) Beha&te Bohnen. 2.) Weißen. 3.) Hanf. 4.) Weiten.| 5.) Mais.| 6.) Weißen. 7.) Gerſte, oder Hafer. f.) Achtfeldriger Umlauf: 1.) Beha>te Bohnen. 2.) Weigen. 3.) Karden. 4.) Gerſte.|| 5.) Hanſ- 6.) Weiget« 7.) Mais. 8.) Hafer- g.) Neunfeldriger Umlauſ: 1.) Beha>te Bohnen. 2.) Weiten,“ 3.) Saflor. hy.) Gerſte. 5.) Hanf. 6.) Weißett. 7.)„Mais. 3.) Mengkorn(Hakbfrucht). 9.) Haſer. S. 180- B.) Auf demſelben Boden; aber bey unzuläng- lien Wieſen, wo folglich ſchon zum Theil auf dem Aer auch Futter gebauet werden muß: a.) Zweyfeldriger Umlauf: 1.) Theils Wicken, theils Mais. 2.) Weigen. 0der: 1.) Theils Wien, theils Hanf, theils Bohnen. 2.) Weigßen- b.) Vierfeldriger Umlauf: 1.) Widen. 2.) Weißen. 3.) Mais, und Kartoffeln. 4.) Gerſte, oder Hafer. --(0== oder: 1.) Widen. 2.) Weißen. 3.) Bohnen, und Hanf. 4.) Weiten, oder Mengkorn. c.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Wien in Dünger; dann Raps. 2.) Raps. 3.) Weißen. 4.) Mais, und Kartoffeln. 5.) Mengkorn, und Gerſte, oder Hafer. 9.) Sehsfeldriger Umlauf: 1.) Wien. 2.) Weißen. 3.) Mais, und Kartoffeln. 4.) Gerſte, und Hafer. 5-) Bohnen, und Hanf. 6.) Weißen, und Mengkorn, e.) Siebenfeldriger Umlauf: 1.) Wien. 2.) Weißen- 3.) Kartoffeln. 4.) Gerſte. 5.) Mais, Bohnen, und Hanf. 6.) Weißen, oder Mengkorn, 7.) Sa'er f.) Acßtfeldriger Umlauf: 1.) Widen. 2.) Weißen« 3.) Kartoffeln, und Mais, -=- 41 4.) Gerſte und Hafer, mit Klee, 5.) Klee. 6.) Weiten. 7.) Hanf, und Saflor. 8.) Weiten, oder Mengkorn. S.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Wien; dann Raps. 2.) Raps. 3.) Weiten. 4.) Kartoffeln, und Mais. 5.) Gerſte und Hafer, mit Klee, 6.) Klee. 7.) Weiten. 8.) Hanf, Saflor, und Karden, 9.) Weiten, oder Mengforn. 9. 181. C.) Auf demſelben bindigen Boden; aber bep völligem Mangel an Wieſen, ſo daß alſo ſämmtliches Winterfutter auf dem Aer erbauet werden muß; a.) Zwepyfeldriger Umlauf: 1.) Widen. 2.) Weißen. b.) Bierfedr iger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, und Hafer. 3.) Wien. 4.) Weißen. -- 42= c.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte. 3.) Wien. 4.) Weigen. 5.) Hafer. 0 diem: 1.) Widen; dang Nap3. 2.) Naps. 3.) Weiten. 4.) Kartoffeln, 5.) Gerſte, oder Hafer. 9.) Sechsfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, oder Hafer ,/ mit Klee, 3.) Klee. 4.) Weißen. 5.) Kopfkohl, oder Wien. 6.) Weißgen. ce.) Siebenfeldriger Umlauf: 1.) Wien; dann Raps. 2.) Naps. 3.) Weißen. 4.) Kartoffeln. 5.) Gerſte, oder Hafer, mit Klee, 6.) Klee. 7.) Weißgen. f.) Ahtfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, oder Hafer, mit Klee. 3.) Klee. ==. 3%= 4.) Weißen. 5.) Kopffkohl. 6.) Weiten, oder Mengkorn. 7.) Widen, 8.) Weißen. I.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, mit Klee- 3.) Klee: 4.) Weiten. 5.) Runkeln. 6.) Mengkorn, 7.) Widen. 8.) Weißen, 9.) Hafer- SG. 182. D.) Auf mehr ſandigem, als bindigem Boden, der ſchon eigentlich nur für Roggen geeignet iſt; un» ter Umſtänden, wo man hinlänglich mit Futter ver- ſehen iſt, und gar nichts davon auf dem Aer zu , erzeugen br ucht: a.) Zweyfeldriger Umlauf: 1.) Mais, Heidekorn, Tabak, und Mohn. 2.) Roggen« bd.) Vierfeldriger Umlauf: 1.) Heidekorn, und Mohn. 2.) Roggen. 3-) Tabak, un. Mais. 4.) Roggen. ce.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Tabak, und Mohn. 3.) Noggen- 3.) Heidekorn, und Maiz. 4.) Roggen. 9.) Kleine Gerſte, oder Hafer. d.) Sehsfeldriger Umlauf: 3.) Tabak, und Mais. 2.) Roggen. 3.) Linſen, und Lein. 4.) Hafer, oder kleine Gerſte. 5.) Mohn, und Saſlor. 6.) Roggen. &.) Siebenfeldriger Umlauf: 1.) Tabak, und Mohn. 2.) Roggen. 3.) Erbſen, und Linſen. 4.) Kleine Gerſte. 5.) Mais. 6.) Roggen. 7.) Hafer, f.) Achtfeldriger Umlauf: 1.) Mais. 2.) Roggen: 3.) Erbſen, und Linſen. 4.) Gerſte. 5.) Labak, und Mohn, 6.) Roggen. 7.) Lein. 8.) Haſer. -- 45-“ g.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Heidekorn. 2.) Roggen. . Hafer. 4.) Tabak, und Mais. 5.) Roggen, oder Mengkorn- 6.) Saflor, und Lein. 7.) Gerſte. 8.) Mohn. 9.) Roggen. 6185. E.) Auf demſelben lo>ern Roggenboden; aber unter Umſtänden, wo wegen Unzulänglichkeit der Wie- ſen ſchon einiges Futter auf dem Aer zu erbauen iſt: a.) Zwepfeldriger Umlauf: 1.) Mais, 2.) Roggen; dann Spergel, und Möh» ren, oder Rüben, als Nachſrucht. b.) Vierfeldriger Wilh uf: 1.) Mais. 2.) Roggen. 3.) Kartoffeln, und Kohlrüben. 4.) Gerſte, oder Hafer. ce.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Frühkartoffeln; dann Rübſen. 2.) Rübſen. 3.) Roggen, oder Mengkorn. 4.) Linſen. 5.) Gerſte oder Hafer, und Muhar- -- 46=- d.) Seh38feldriger Umlauf: 1.) Mais.| 2-2) Roggen. 3.) Kartoffeln, und Linſen. 4.) Gerſte, oder Hafer; und tyeils Muhar. / 5.) Heidekorn. jW 6.) Noggen- | e.) Siebenfeldriger Umlauf: 4 1.) Frühkartoffeln; dann Nübſen. | 2.) Rübſen. / 3.) Mengkorn(Halbfrucht). |, 4.) Mohn, mit Möhren. 5.) Gerſte oder Hafer; und zum Theil Muhar. 6.) Mais. 7.) Roggen.| f.) Achtfeldriger Umlauf:| 1] 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, mit Klee.| | 2.) Klee.| | 4.) Weißen.| | 5.) Mais.| 6.) Roggen.| 7.) Linſen- 8.) Hafer. g.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Mais, und Moyn. 2.) Roggen.| 3.) Heivekorn, und Linſen.| 4.) Hafer.| wen 47 En 5.) Kartoffeln, und Kohlrüben. 6.) Gerſte, mit Klee. 7.) Klee. 0) Weißen. g.) Muhar. S- 184. F.) Auf demſelben loFXern Boden; aber bey gänz» lichem Mangel an Wieſen, wo folglich ſammtliches Futter auf dem Aer erzeuget werden muß: a.) Zweyfeldriger Umlauf: 1.)'Muhar(Futterhirſe); dann Gpergel als zweyte Frucht. 2.) Roggen; dann Möhren, oder Rüben, als Nachfrucht. b.) Vierfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, 2.) Gerſte, oder Hafer. 3+) Muhar; dann Spergel. 4.) Roggen. 6.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, oder Hafer, 3.) Mais. 4.) Roggen. 5.) Muhar(Futterhirſe). d.) Sehsfeldriger Umlau 1.) Kartoffelr. 2.) Gerſte, oder Hafer. 3.) Runkeln. 4.) Roggen. 5.) Linſen. 6.) Muhar,. f: e.) Siebenfeldriger Umlauf: 1.) Heidekorn, 2.) Roggen. 3.) Kartoffeln, oder Kohlrüben. 4.) Gerſte, oder Hafer. Z+) Kopfkohl, oder Runkeln. 6.) Roggen, oder Mengkorn. 7.) Muhar. f.) Ahtfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln. 3.) Gerſte, mit Klee. 3.) Klee. 4.) Weitzen, oder Mengkorn- 5.) Kopffohl. 6.) Roggen. 7.) Linſen. 8.) Hafer. g.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Runkeln. 2.) Noggen, 3.) Erbſen. 4.) Hafer. 5.) Kartoffeln. 6.) Ger- Ia. 2 Spl R EE RREPRERGEEIERENEE RIEN: 7:=. 90107 m he 7 GERE Fen 00 6.) Gerſte, mit Klee. 7.) Slee 8.) Weißen. 9.) Muhar. C. 185. Wie nun dieſe auf ſolche Art gebauten Früchte mit einander abzuwechſeln und alljährlich auf einan- der zu folgen haben, dieß wird wohl jeder praktiſche Landwirth leicht begreifen, da eben eine ſolche Ab- wechſelung auch bey der gewöhnlichſten Getreidewirth- ſchaft in drey Feldern, zwiſchen Brache, Winter», und Sommergetreide ,/ alljährlich ſtatt zu haben pfle» get.=“ Denn habe ich z. B. meinen ſämmtlichen Aer in drey Feldern, die wir hier mit 1, 3, und 3. bes zeichnen wollen, und liegt heuey 1. Brache, 2, trägt Wintergetreide, und 3. Sommergetreide, ſo wird meine Wirthſchaft dieſes und die folgenden Fahre in folgendem Umlaufe betrieben werden; SM I 00F0.16324 1.) Brache. 2.) Wintergetreide, 3.) Sommergetreide, M IRD Fe. 182% 1.) Wintergetreide. 2,) Sommergetreide, 3+) Brache. Dek, der Landw« 2. Th.[ 4 22 50=== Im Jahre 13826. | 144) 1.) Sommergetreide. py 2.) Brache. ) 3.) Wintergetreide. 0. Im Jahre 1827- jj 1.) Brache. [ 2.) Wintergetreide. 3.) Sommergetteide/ u ſ- w« | | Man ſieht hieraus, daß im Jahre 1827 ,/ als im 4. vierten Jahre der Kultur, ſhon wieder Alles auf | demſelben Plate wie 1824 ſteht, weil der Umlauf bloß drepfeldrig iſt.=- Gerade auf die nämliche Art geht dieſer jährliche ſtufenweiſe Wechſel auch bey der Fruchtwechſelwirthſchaft vor ſich, nur mit dem einzigen Unterſchiede, daß allda nicht Brache und Getreidear- | ten, ſondern Meliorirungs- und Deteriorirungsfrüchte || mit einander abwechſeln, und daß es, wie ſehr na- ſ türlich, bey mehr- als dreyfeldrigen Umläufen länger | dauert, bis ſämmtliche Früchte wieder an ihren alten Plas, allwo ſie anfangs gebauet wurden, zu ſtehen pommen.=- Wir wollen als Beyſpiel folgenden acht- feldrigen Umlauf annehmen: 1.) Kartoffeln, 2.) Ger- ſte, mit Klee, 3.) Klee, 4.) Weiten, 5.) Widen, 6.) Weiten, 7.) Mais, 8.) Mengkorn(Halbfrucht); ſo wird binnen 8 Jahren, bis wieder Alles im neun- ten Jahre an ſeinen alten Plat zu ſtehen kommt, 11| allwo es im erſten Jahre war- die Abwechſelung die- ſex Früchte folgendermaaßen vor ſich gehen müſſen: -.- 51==» FmO0OA aH rie VO 2:4 1.) Kartoffeln. 2.) Gerſte, mit Klee. Z.): Klee: 4.) Weißen. 5.) Wien. 6.) Weißen, 7.) Mais. 3.) Mengkorn. 5 Imo I ach rie, 15,9.5. 1.) Gerſte, mit Klee 2.) Klee. 3.) Weigen 4.) Wien S-) Weiten 6.) Mais 7.) Mengforn. 53.) Kartoffeln. ZmeF ach re, 0896. 1.) Klee. 2.) Weigen. 3.) Wien. 4.) Weigen. 5.) Mais. 6.) Mengkorn. 7.) Kartoffeln. 3.) Gerſte, mit Klee, 4* = 52== Im Jahre 13827. 14!- 1.) Weißen, (EN) 2.) Wien. | yy, 3.) Weigen- | 4.) Mais. (1 5.) Mengkorn. 6.) Kartoffeln. | 7.) Gerſte, mit Klee, 14 8.) Klee. | | 1.) Widen. j 2.) Weigen« 3.) Mais. 4.) Menaforn. | 5.) Kartoffeln. |] 6.) Gerſte, mit Klee. | 7.) Klee. 1] 3.) Weißen. Im Jahre 16529. 1.) Weißett« 2.) Mais. 3.) Mengforn« 4.) Kartoffeln. 5.) Gerſte, mit Klee« 6.) Klee. 7.) Weißen. 85.) Wien. Fm Jahre 1828. Im Jahre 1830. 1.) Mais. 2.) Mengforn. 3.) Kartoffeln. 4.) Gerſte, mit Klee, 5.) Klee. 6.) Weißen. 7.) Widen. 8.) Weißen, Im Jahre 1ö831 1.) Mengforn. 2.) Kartoffeln. 3.) Gerſte, mit Klee. 4.) Klee. 5.) Weigen. 6.) Widen. 7.) Weißen, 8.) Mais. Im Jahre 1832. 1.) Kartofſeln« 2.) Gerſte, mit Klee. 3.) Klee. 4.) Weiten- 5.) Wien. 6.) Weigen«. 7.) Mais. 8.) Mengkorn, u. ſ. w« -=-= 54= Hier ſieht man yun ,/ glaube ich, fo klar und deutlich, als dieß nur immer möglicher Weiſe auf dem Papiere verſinnlicht werden kann, wie in einem jeden AFerumlauſe= er mag aus ſo vielen Feldern beſtehen als er will-- die Früchte allmählig mit einander abzuwechſeln haben, und wie ſie ſämmtlich nach den abgelaufenen Jahren der Rotation wieder an ihren alten Plaß zurü&Fkehren, an dem ſie Anfangs gebauet worden waren. 111. Haus- oder Stallfütterungs- Wirthſer zu Gra8land nieder- gelegt, bald dieſes zu A>er aufgebrochen wird. Und doch zeſchieht dieß am allerwenigſten bey dieſem Sy- ſteme/ indem es in der Regel gar kein Grasland mas 57= hat, und folglich im allerſtrengſten Sinne zu dem Hauptſyſteme der beſtändigen AFerwirthſhaft gehört.=- Aber die Früchte wechſeln doch regelmäßig mit einan- der ab, wird man mir ſagen.= Gut, antworte ich, ſo müßte man es Fruchtwechſelwirthſchaft nennen. Dann entſteht aber wieder eine doppelte Verwirrung der Jdeen; denn erſtens ſchließt die Fruchtwechſel- wirthſchaft, an und für ſich, die Grasländereyen nicht aus, und ihr Charakter beſteht daher, wie wir oben geſehen haben, ſo wenig darin, bloß Futtergewächſe als Meliorirungsfrüchte zu gebrauchen, daß man bey- nahe verrückt ſeyn müßte, wenn man bey einem Über- fluße von Wieſen und Weiden, nebſt Getreide bloß Futter auf dem Ader bauen wollte, deſſen man doch durchaus nicht nöthig hätte; und dann iſt es auch nicht richtig, daß das Stallfütterungsſyſtem ſchlechter- dings und abſolut einen beſtändigen und regelmäßigen Wechſel zwiſchen Meliorirungs- und Deteriorirungs- früchten vorausſeßt, indem es auch unter manchen Umſtänden(ob ich gleich recht gerne zugebe, daß dieß minder vollfommen ſey) mit einer modificirten Getrei- dewirthſchaft in Berbindung geſest werden kann, ohne deShalb ſeinen Charakter als Stallfütterungswirth- ſchaft zu verlieren.= Doch wir wollen dieſe Benen- nung, ſo ſchlecht ſie auch an ſich iſt, einſtweilen gelten laſſen, und wollen annehmen, jeder Landwirth wiſſe, daß dieſe Herren unter Wechſelwirthſchaft die Stall- fütterungs8wirthſchaft verſtehen; was ſoll nun aber der ſchlichte praktiſche Landmann, oder der junge ange- hende Landwirth, der ſich auf unſerm unermeßlichen Jelde noch nicht gehörig orientirt hat, denken, wenn er dieſe Wirthſchaft8art mit dem ſo beliebten modi- ſchen Epithet Engliſch ausgeſtattet, als einen all- gemein paſſenden, ohne weitere Umſtände und ohne alle NüFſicht auf Lokalverhältniſſe, überall einzufüh- renden Leiſten auspoſaunen höret oder lieſet? Soll er nicht nothwendig auf den Gedanken kommen, daß in England allgemeine Stallfütterung getrieben wird, und daß allda Jeder für einen ſchlechten Landwirth gilt, der ſein Vieh noch weiden läßt?,,-.- Und gerade das Gegentheil hievon geſchieht in England. Unter allen Nationen unſers EGrdballs iſt vielleicht Feine einzige, die für das Weiden, und gegen die Stallfütterung mehr eingenommen, und zwar grund» ſäklich mehr eingenommen wäre, als der Engländer; und nicht etwa bloß der unter dem Namen des John Bul bekannte rohe Haufe, ſondern ſelbſt der ge- bildetſte- und aufgeklärteſte engliſche Landwirth, der doch ſonſt für alles Neuere, wenn es anders probes haltig iſt, ſehr empfänglich zu ſeyn pfleget. Gerade in England iſt es, wo man nicht nur gute Wieſen und Weiden mehr als irgendwo zu ſchägen pfleget, ſondern wo man auch den Aer häufig zu Graſe nie- derleget, ja ihn ſelbſt mit angebauten Früchten zum Theil dem Viehe als Weide übergiebt. I< weiß wohl, daß ſelbſt ſo manche ſchätbare Schriftſteller(wovon ich nur den leider zu früh ver» ſiorbenen erlauchten Herzog Friedrich zu Schleß- wig-Holſtein-Be>, und den waern Karbe, als die beyden vorzüglichſten nennen will) die Benen- nungen Wechſelwirthſhaft und engliſche Wehſelwirthſchaft eben nicht im richtigſten mmm 59 DER Sinne gebraucht haben. Doch verſtanden Sie darun- ter nie die Stallfütterungs- ſondern immer nur die Fruchtwechſelwirthſchaft, deren Grundſäße wir aller- dings, vorzüglich mittelſt A. Voung's und Thaer's klaſſiſcher Schriften den Engländern abgelernet haben. Denn hätte z. B. der erwähnte verdienſtvolle herzogliche Schriftſteller bey der Herausgabe ſeines trefflichen Wer- Pes über die Stallfütterungswirthſchaft, dieſe ſchon unter der Benennung Wechſelwirthſchaft mitbegriffen geglaubt, ſo würde er gewiß nicht ſchon auf dem Titelblatte ges ſagt haben: Über die Wechſelwirthſchaft, und deren Verbindung mit der Stallfüt- terung, u. f- w.= Daß aber ſelbſt die Frucht- wechſelwirthſchaft durch dieſe Benennungen unrichtig bezeichnet werde, ſchien Karbe ſelbſt anzuerkennen, da er ſeine, übrigens ſehr ſchäßbare, ſogenannte Engliſche Wechſelwirthſchaft, in der zweyten Auflage wirklich unter dem paſſendern und richtigern Titel Fruchtwechſelwirthſchaft herausgab. Ich würde mid) hierüber gewiß nicht ſo weitläufig verbreitet haben, da Pedanterie und Sylbenſtecherey nie meine Sache war, noch iſt, wenn ic) nicht innigſt überzeugt wäre, welch? übeln und verderblichen ECin- fluß derley unlogiſche Benennungen und Nomenclaturen auf alle ſcen jeder EE DR 200 4264 Art die Logik ja nie aus den Augen verlöhren, damit nicht etwa ein großer Theil unſerer Leſer, dieſes Um- ſtandes wegen allein ſchon, ſo kleinlich er auch ſcheint, Gift ſtatt Honig aus unſern Schriften ſaugen mö- SL+*»» Doch zur Sache. S- 188. Das Syſtem der Stallfütterung8wirthſchaft wird allerdings am zwe&mäßigſten mit der Fruchtwechſel- wirthſchaft in Verbindung geſest, oder, ich möchte ſagen, gleichſam auf dieſelbe aufgeimpft, oder auf- gepfropft, weil in keiner Wirthſchaft3art mehr Futter als in dieſer, mit Leichtigkeit erzeugt werden kann, welches doch, ſobald man ſtrenge Stallfütterung trei» ben will, das unumgänglichſte Erforderniß einer gu- ten Wirthſchaft iſt.=- Die Ahwechſelung der Früchte hat dabey eben ſo zu geſchehen, wie ſchon oben bey der Fruchtwechſelwirthſchaft angezeiget worden, nur darf man hier freylich keine Handel8gewächſe in den A&Ferumlauf nehmen, weil es ſich um die Erzeugung des ſämmtlichen Sommer- und Winterfutters auf dem Ader handelt, wornach denn freplich kein Plag für Handelsgewächſe bleiben kann 3 man müßte denn ſehr beträchtliche Wieſen, die ihrer Lage wegen nicht wohl in AFerland umgewandelt werden können, oder ſehr große Luzernekoppeln u. dgl. haben, und folglich entweder in Hinſicht des Winter- oder des Sommer- Futters ſchon außer dem A>er entweder völlig oder doch größtentheils gedeEt ſeyn, da man denn immerhin in dieſem Verhältniſſe auch etwas von Handelsgewächſen bauen könnte.== Die Rotationen bey dieſer Wirth- = 51 m ſengemenge und Mais, zu Grünfutter 3; zur andern Hälfte Wien zu Heu. 2.) Weißen. Vierfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln; und Mais zu Grünfutter. 2.) Gerſte, und Hafer. 3.) Theils Wi&engemenge zu Grünfutter z theils Wien zu Heu. 4.) Weißen. ce.) Fünffeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und Kohl. 2.) Gerſte, und Hafer. 3.) Wien, zu Heu. 4.) Weißen. 5.) WiFengemenge und Mais zu Grün- ſutter. =. j02--= d.) Sehsfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und Runkeln. 2.) Gerſte, und Hafer, mit Klee. 3.) Klee zu Grünfutter. 4.) Weißen. 5.) Widen, zu Heu. 6.) Weigen. e.) Siebenfeldriger Umlauf: wie der vorige; nur 7. noc< Haſer. ſ.) Achtfeldriger Umlauf: 1.) Kopfkohl. 2.) Weißen. 3.) Widen zu Heu. 4.) Weigen. Z-) Kartoffeln, und Runkeln. 6.) Gerſte, oder Hafer, mit Klee. 7.) Klee zu Grünfutter. 8.) Weißen. gG.) Neunfeldriger Umlauf: wie der vorige; nur 9. noc< Hafer, oder Saamenwicen. B.) Auf lo>erm, mehr ſandigem als thonigem a.) Zweyfeldriger Umlauf: 1.) In der einen Hälfte Muhar, und nach dieſem Spergel«, beydes zu Heu z in der andern Hälfte zuerſt Wien- und Erbſengemenge, und dann Mais, zu Grünfutter. 2.) Roggen; und als zwepte Frucht Rü- ben oder Möhren. --=- 63= b.) Vierfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln; und zum Theil anfangs Wid&engemenge, dann Mais, zu Grünfutter. 2.) Gerſte, und Hafer. 3.) Muhar zu Heu; dann als zweyte Frucht Spergel, je nach Bedürfniß, zu Heu oder zu Grünfutter. 4.) Noggen ,/ oder Mengkorn. c.) Fünfſeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und NRunkeln. 2.) Gerſte, und Hafer. 3.) Gemenge, und Mais, zu Grünfutter. 4.) Roggen, oder Mengkorn. 5.) Muhar, zu Heu, d.) Sehsfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und Kohlrüben., 27) Gerſte, und"Hafer. 3.) Erbſen, und Mais. 4.) Mengkorn(Halbfrucht). 5.) Gemenge und Mais, zu Grünfutter- 6.) Roggen. ce.) Siebenfeldriger Umlauf: wie der vorige; nur noch 7. Muhar zu Heu. f.) Achtfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und Runkeln, oder Kohlrüben. 2.) Gerſte, oder Hafer/ mit Klee, -- 64== 3.) Klee, zu Grünfutter. 4.) Weißten. 5.) Kohl. 6.) Mengkorn(Halbfrucht). 7.) Erbſen. 8.) Roggen« Sg.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, und Kohl, Runkeln, oder Kohlrüben. .) Gerſte, oder Hafer, mit Klee. .) Klee, zu Grünfutter, .) Weißen. 5.) Mais. ' ) .) 4 189- Ungeachtet aber die Stallfütterungswirthſchaft in der Negel allerdings nur in Verbindung mit ſtrengem Fruchtwechſel am vollkommenſten getrieben werden kann, weil uns nur dieſer die größtmöglichſte Menge Futters mit Sicherheit zu verſchaffen vermag, ſo giebt es doch immerhin Umſtände, unter denen ſie auch mit Her modificirten Getreidewirthſchaft in Verbindung geſeßt, und deſſen ungeachtet mit gutem Erfolge ge- trieben werden kann, Dieſer Fall tritt beſonders dann ein, wenn wir entweder durch gute Wieſen in Hinſicht des Wintexfutters, oder durc< eigene Futterkoppeln in Hinſicht zr 65 au Hinſicht des Sommerfutters geborgen ſind, und folg- lich nur das eine auf dem Aer zu erzeugen haben. Gehen aber dieſe äußern Hülfen gävzlich ab, ſo wird auch eine ſolche Stallfütterungswirthſchaft immer man» gelhaft feyn, indem man entweder nicht hinlängliches Vieh halten, oder, wenn dieß mit dem Aer im Verhältniß ſteht, daſſelbe nur hHalbſatt ernähren kann, folglich in beyden Fällen Mangel an Dünger leidet, deſſen natürliche Folge eine Schmälerung des Ertrages iſt. B: Wedhſelwirthſerbaues iſt die Wechſelwirth ſc aft; deſſener immer regelmäßig mit dem Graslande abwechſelt, ſo, daß alljährlich immer ein gewiſſer Theil des AFers zu Graſe nieder- gelegt, und ein eben ſv großer Theil des Grazlandes umgebrochen und in A>er umgeſtaltet wird. In Teutſchland nennt man dieſes Syſtem ge- wöhnlich, theils Shlag- theils Koppelwirth- ſchaft; welches aber beydes äußerſt unrichtig iſt, und nicht wenig dazu beptrug, die Begriffe über die Wirthſchaftsſpſteme, dieſe ſo wichtige, und ohnehin nur von Wenigen richtig verſtandene Materie des neuern AFerbaues vollends zu verwirren.=- Denn Dek, der Landw, 2. TIh« 5) EE= Schlag bedeutet do Feldern beſtehende Ab- theilung des A>er3-Behufs der jährlichen Beſtellung- die wir Breite oder Calcatur nennen; und Koppel iſt nichts anders, als ein gleich einem Gar- ten mit Gräben und HeXen umzingeltes und befrie- digtes Feld, wie ſolches in einigen Ländern und Ge- genden gebräuchlich iſt.=- Wie um alle Welt konute man ſich's denn aber einfallen kaſſen, ein Havptſyſtem des A&erhaues von ſolchen unweſentlichen Nebendingen zu benennen, die auf den Charafter deſſelben auch nicht die allerfernſte Beziehung haben?= Warum nannte man es nicht bey ſeinem natürlichen aus ſeinem erumlauf der Holſteiner beſteht faſt nie aus weniger als aus 9 bis 10, und ſelten aus mehr als aus 15 Feldern, wovon in der Regel alljährlich circa 1/5 mit Wintergetreide, und eben ſo viel mit Sommergetreide beſtellet wird/ eirca 2/5 aber zu Graſe liegen bleibet 3 ſo daß ſämmtlicher Grund, je nach der Felderzahl des Umlaufs, immer 5 bis 9 Jahre al3 Grasland benußt wird, bevor er wieder zu A>er auſgebrochen, und unter den Pflug genommen wird z wie dieß aus folgenden. Beyſpielen erhellet: a.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Hafer, oder in Eandboden Heide- korn, im Neubruche« 2.) Wintergetreide. SEN 15 WE Sommergetreide. Winter» oder Sommergetreide,' ) ) ( Grasland. b.) Zehnfeldriger Umlauf: 1--4. wie der vorige; dann 5-10 Grasland. c.) Gilffeldriger Umlauf: 1.) Hafer, oder Heidekorn, im Neubruche. 2.) Wintergetreide. 3.) Sommergetreide, 4.) Wintergetreide. Grasland. IAB 10. 11. d.) Zwölffeldriger Umlauf: 1.) Hafer, oder Heidekorn, im Neubruche. 2.) Wintergetreide. 3-) Sommergetreide. h.) Wintergetreide. 5.) Sommergetreide. Grazoland« e.) Dreyzehnfeldriger Umlauf: 1--5 wie im vorigen 3; dann 6= 13 Grasland. f.) Vierzehnſeldriger Umlauf: 1.) Hafer, oder Heidekorn, im Neubruche« 2.) Wintergetreide. 3.) Sommergetreide. 4.) Wintergetreide. 5.) Sommergetreide, 6.) Winter- oder Sommergetreide. 7% 6. 10:4 Grazland. EN 12. 137 14. 9.) Fünfzehnfeldriger Umlauf: 1--6 wie im vorigen; dann 7= 35 Grazsland. --“ 71- Brache hält der Holſteiner in der Regel gar Feine/ außer dann, wenn er etwa mergeln will, wel-- cklenburg'ſche Wechſelwirthſchaft in Praxi betrieben werden könne, darüber mögen folgende NRo- tationen, wobey ich einen eben nicht ſehr looſen und ſandigen Boden, ſondern einen ſolchen der ſchon Klee und Wien trägt, vorausſeze, und welche man, wenn man will, mit der reinen und orthodoxen MeE- lemburger Wirthſchaft vergleichen kann, zum Bep- ſpiele dienen: a.) Sechsfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln und Mais, im Neubruche. 2.) Sommergetreide. 3.) Wien. 4.) Wintergetreide. 8 Weide. b.) Siebenfeldriger Umlauf: 1-4 wie im vorigen; dann 9-7 Weide. ce.) Ahtfeldriger Umlauf: 1.) Hafer, im Neubruche. 2.) Mais, und Kartoffeln, oder andere Wurzelgewächſe. 3.) Gerſte, mit Klee. 4.) Klee- 5.) Weißen« 6. 4 Weide. 8. d.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, im Neubruche. 2.) Gerſte. 3.) Mais. 4.) Mengkorn( Halbfrucht), oder Hafer, mit Klee, .) Klee. eam 78 ema e.) Zehnfeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, im Neubruche. 2.) Gerfie, mit Klee. 50), Klee 4.) Weißen. 5.) Mais, oder Wurzelgewächſe. 1. Mengkorn, oder Haſex. 7? 8' Weide. g. 10.3 f.) Eilffeldriger Umlauf: 1.) Hafer, oder Hirfe, im Neubruche. 2.) Kartoffeln, oder andere Wurzelſrüchte. 3.) Gerſte, mit Klee, h.) Klee. 5.) Weißen, 6.) Mais, oder Wien. 7.) Wintergetreide. 8.2 9:5 Weide. 10. 11. g.) Zwöolffeldriger Umlauf: 1.) Kartoffeln, im Neubruche- 2.) Gerſte, mit Klee- 3.) Klee. 4.) Weißen. 5.) Mais, oder Wurzelgewächſe. v- 479 6.) Hafer. 7.) Wien. 8.) Weiten, oder Mengkorn- 9.2 „| Weide. 11. 12.) g. 107- Wollte man eine Wechſelwirthſchaft nach Urt dex Holſteiner treiben, dieſe aber durch regelmäßigen Fruchtwechſel verbeſſern und vervollkommnen, ſo dürfte man freylich bey dem Überfluße von Grasland, das dieſe Wirthſchaftsart beſißt, zu Meliorirungsfrüchten keine Futtergewächſe nehmen/ ſondern man müßte, je nach dem Boden, dem Klima, und den übrigen örtlichen Verhältniſſen, Mais, Heidekorn, Hülfen»- früchte, oder Handelsgewächſe dazu gebrauchen, wie dieß nachſtehende Beyſpiele verſinnlichen ſollen: a.) Neunfeldriger Umlauf: 1.) Mais, im Neubruche. 2.) Wintergetreide. 3.) Linſen. 4h.) Sommergetreide, 5% 4 Grazland. .e: eh 9: -- 00== b.) Zehnfeldriger Umlauf: 1.) Erbſen, im Neubruche. 2.) Sommergetreide. 3.) Hanf. 4.) Wintergetreide. | 3) c.) Eilffeldriger Umlauf: 1.) Lein, im Neubruche. 2.) Sommergetreide. 3.) Mais, oder Bohnen, 4.) Wintergetreide. 2.507 Grasoland. 1 1 d.) Zwölffeldriger Umlauf! 1.) Mais, oder Bohnen, im Neubruche. 2.) Wintergetreide. 3.) Hanf, oder Mohn. 4.) Wintergetreide. 5-) Sommergetreide, =“ Set 2 9.) Graßland. 0 e.) Dreyzehnfeldriger Umlauf: I.) Hafer, im Neubruche. 2.) Mais, oder Bohnen. 3.) Wintergetreide, 4.) Erbſen, Linſen, oder Lein. Z+) Sommergetreide. 9; Gragland. f.) Vierzehnfeldriger Umlauf: 1.) Erbſen, oder Lein, im Neubruche 2.) Sommergetreide, 3+) Mais, oder Bohnen, h.) Wintergetreide. 5») Sommergetreide. Dek. der Landw, 2. Th, 6 502 ii 10.) Grasland, 11. 12. 13- 14. o.) Fünfzehnfeldriger Umlauf; 1.) Bohnen, im Neubruche, 2.) Wintergetreide. 3.) Erbſen, und Linſen. 4.) Sommergetreide. 5.) Mais, und Hanf, 6.) Wintergetreide. 11.) Grasland. 2-5 VIDE HENETES ESTR RERE Bir BRE IRRE.«ie Würderung der hier beſchriebenen Akerbaus ſyſteme; und Uebergang aus dem einen in das andere. ß-. 1098- Nichts iſt widerlicher und e&elhafter, als zu hö» ren, oder manchmal gar hören zu müſſen, wie fo manche öfonomiſche Elegants neuerer Zeit über die AFerbauſpſteme raiſonniren oder vielmehr deraiſon»- niren, indem ſie ſich nur dann groß und gebildet diünfen, wenn ſie einige neuere Ausdrüce, als: Wechſelwirthſchaft, Turnus, Notation eto. etc. unaufhörlich im Munde führen, und über alles Alte und Hergebrachte, beſonders aber über die Drepfelderwirhſen und Floſkeln, und in wackerm Schimpfen über alles Alte beſieht. So lange es in- deſſen dieſen Herrn nur gegönnt iſt ihre Thätigkeit in Worten äußern zu können, ſo geht es wohl noch gut, weh" aber der armen Wirthſchaft, wenn ſie ent weder ſelbſt Grundeigenthümer ſind, und ihre ver- meintlichen tiefen Kenntniſſe ins Werk zu ſeßen be- ginnen/ oder wenn manche Güterbeſiger durch den modernen Jargon geblendet auf den unglücälichen Ein- 6* fall gerathen, ſolchen Menſchen den Auftrag zu er» theilen, neuere Wirthſchaftsmethoden auf ihren Gü- tern einzuführen. Dann giebt es nun freylich oft eine ſo jämmerliche und abſchreFende Scene, daß es kein Wunder iſt, wenn der gemeine ohnehin an das Alte (es möge gut ſeyn oder nicht) feſtklebende Landwirth vollends gegen alles was nur neu iſt, ohne Unter» ſchied mit Schauder ergriffen wird. J< bin wenigſtens völlig überzeugt, daß ſo manches Gute und für die örtlichen Umſtände Paſſende von dem Neuern ſchon längſt in allgemeinere Ausübung gekommen wäre, wenn nicht derley ökonomiſche Charlatans den Weg dazu verrammelt hätten.=- Eben de8halb finde ich nöthig Giniges von dem comparativen Werthe der hier abgehandelten AXerbauſyſteme, und von dem Übergange aus dem einen in das andere zu ſagen. g. 1099- Die Getreidewirthſchaſt in drey Feldern, oder die bey den Halbwiſſern ſo übel berüchtigte Dreyſelder- wirthſchaft iſt an und für ſich keineswegs ſo ſehr zu verachten, wie man nach dem Geſchreye dieſer Men- ſchen glauben ſollte- Iſt fie nur mit Wieſen und SPBeiden in richtigem Verhältniſſe zu dem AFer ver- ſehen, um hinlängliches Vieh halten, und Dünger genug erzeugen zu können, ſo begreife ich gar nicht, warum man nicht auch nach dieſer Methode recht gut wirthſchaften könnte, wenigſten? weit beſſer ,/ als bey mancher buntſcheFigen und widerſinnigen neuern Ein- richtung, wie man ſie bisweilen zum Ärger jedes ſoli- den Landwirth8 anzutreffen Gelegenheit findet.=| mand 85-.- Wahr iſt es zwar, daß bey dieſer Wirthſchaftsart der dritte Theil der Felder durch die Brache gleichſam verloren geht, indem dieſe keine Früchte trägt; wahr iſt es auch, daß bey gleich vollfommenem Betriebe der Fruchtwechſelwirthſchaft doch immer der Vorzug gebührt 3; allein man betrachte auch die guten Seiten dieſer ſo allgemein verbreiteten Wirthſchaftsart; man bedenke, daß ſie die wenigſte Jntenſion der Kräfte er- heiſcht, und folglich auch in volfsarmen Gegenden mit Vollkommenheit betrieben werden kann/ wohin nicht nur die Stallfütterungswirthſchaft ſchlechterdings niht paſſet, ſondern wo vielleicht ſelbſt die Frucht- wechſelwirthſchaft einzuführen bedenklich ſeyn könnte; man bedenke, daß dieſe Wirthſchaftsart weit weniger Intelligenz wie jede andere erfordert, ſo daß ſie der gemeinſte Bauernkerl recht gut und vollfommen zu führen erlernen kann, wogegen die neuern Wirth- ſchaftsſyſteme eine nicht geringe Kenntniß unſers Ge- werbes und eine große Umſichtigkeit erfordern, wenn ſie mit GlüE eingeführt, und nicht Schaden bringen de Spielwerke werden ſollen.== Hiezu kommt noch, daß oft des leider an vielen Orten in Gemeinſchaft liegenden Akers, oder anderer örtlicher Hinderniſſe halber, nicht leicht von dieſer Wirthſchaft8art ver» nünftiger Weiſe abgegangen werden kann. Sollen wir nun einen Landwirth als einen Jdioten ver- ſchreyen, wenn er unter ſolchen Localumſtänden Drey- ſelderwirthſchaft treibet? Und muß er unter dieſen Umſtänden nicht gerade ſein Heil bloß darin ſuchen, dieſe ſo vollkommen als möglich zu betreiben, weik ihm nun nichts Anderes übrig iſt?...« ue S0<= Rur bey Mangel an Wieſen und Weiden iſt die dreyfeldrige Getreidewirthſchaft immer eine der ſchlech- teſten in der Welt, und zwar um ſo ſchlechter, je größer der Mangel an Grasland iſt. Denn da ſie auf dem Aer kein Futter bauet, noch bauen kann, ſo iſt bey dem Abgange der verhältnißmäßigen Graslände- reyen, der Düngermangel weiter nichts als eine natür» liche Folge, von welcher wieder eben fo natürlich ein ſchlechter Ertrag die Folge iſt.=- Weley' Glend es ſey, unter ſolchen Umſtänden zu wirthſchaften, kann nur der begreifen, den das Schiſal in eine ähnliche Lage verſeßt hat, und der daher die traurige Grfah- rung ſelbſt zu machen Gelegenheit hatte.=-- Jn Hin- ſicht des Wieſenmangels kann man ſich wohl noch einigermaaßen dadurch helfen, daß man auf einem Theile des Sommerfeldes ſtatt Sommergetreide etwas Futter bauet. Wie aber bis zur freyen Behütung der Getreideſtoppel( tar16- 5zahadulds) die Weide zu er- ſeßen ſey, die bey dieſem AFerſyſteme doch ſchlechter- ding3 vorhanden ſeyn muß, dieß iſt freylich eine an- dere Frage, die nicht ſo leicht zu beantworten iſt. Behandelt man die Brache, wie man ſollte, und be- arbeitet man ſie daher ſchon im Frühlinge, fo muß das arme Vieh bis zur Stoppelweide im ſtrengen Sinne vor Hunger verſchmachten; läßt man aber des Wiehes wegen die Brache bis zur Ernte und Befreyung der Getreideſtoppel dreeſch liegen, fo iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß dieß den übelſten Einfluß auf die folgenden Saaten hat, und zuleßt eine völlige Verwilderung des Akers nach ſich ziehen muß. Kurz, es iſt dem Übel, welches der Mangel an Grasland -- 27= bey der dreyfeldrigen Getreidewirthſchaft nothwendig mit ſich führt, auf keine andere Weiſe abzuhelſen, als, daß man entweder, wenn man denn durchaus bey der herkömmlichen Dreyfelderwirthſchaft bleiben will oder muß, einen verhältnißmäßigen Antheil des AFer3 zu Graſe niederleget, da man denn bey we- nigerm A>er gleichwohl mehr und beſſeres Getreide ernten, und überhaupt ohne Vergleich mehr Nugen von ſeiner Wirthſchaft haben wird; oder daß man, je nachdem es die örtlichen und individuellen Ume- ſtände und Berhältniſſe erlauben oder räthlich machen, entweder zu einer auf Frudhtwechſel mit vielem Fut» teibaue gegründeten Stallfütterungswirthſchaft, oder auf eine durch gehörigen Fruchtwechſel modificirte Wechſelwirthſchaſt mit Weide übergehet, da man denn freylich- wenn man ſo etwas, ſowohl in Hinſicht der außern Umſtände ,/ als in. Hinſicht der Intelligenz, glüklich auszuführen im Stande iſt, mit einem Male nicht nur aus aller Verlegenheit kommen, ſondern auch den Werth ſeines Landguts um ein Beträchtliches erhohen kann. g. 200. Der oben erklärten modificirten Dreyfelderwirth- ſchaft Fann ich unmöglich eine Lobrede halten. Sie iſt eben ſo complicirt und wohl noch complicirter, wie jede auch noch ſo künſtlich eingerichtete Fruchtwechſel- wirthſchaft, und fordert daher um nichts weniger Ju- telligenz, wenn ander3 nicht Mißgriffe begangen wer- den ſollen 3 ſie iſt um nichts weniger intenſiv, al3 jede auf noch ſo regelmäßigen Fruchtwechſel gegründet Wirth« -= 88= fchaft8art, wenn ſie anders mit gehöriger Energie be- trieben werden ſoll; und ſie leiſtet auf jeden Fall doch weit weniger, als eine gut und zweX&mäßig eingerich» tete Fruchtwechſelwirthſchaft, da ſie der Brache doch nur zur Hälfte entbehren kann, und gleichwohl, ihrer immer doppelten Getreideſaaten wegen, den Aer weit mehr erſchöpfet, und weit minder rein erhält, als dieß bey verſtändigem und gut geordnetem Frucht- wechſel der Fall iſt,=- Das Einzige, was ſie etwa noch wirklich Empfehlungswerthes hat, iſt, daß aus der gewöhnlichen dreyfeldrigen Getreidewirthſchaft der Übergang zu ihr ſehr leicht iſt. Allein mit einiger Vorſicht und Kenntniß der Sache, und mit einiger männlichen Bedachtſamkeit, wird wohl Jeder zur Fruchtwechſelwirthſchaft eben ſo gut zu übergehen wiſſen, und ich trage daher kein Bedenken allen Land- wirthen, die Kenntniſſe und Muth genug haben, um vom Alten und Hergebrachten abzugehen, und die unter Umſtänden leben, wo dieß auch zu bewerkfſtelli- gen iſt, den aufrichtigen Rath zu geben, immer lieber eine förmliche wohl berechnete und den Ortsverhält- niſſen angepaßte Fruchtwechſelwirthſchaft einzuführen, als ſich mit einem baſtardiſchen Weſen abzugeben, das bey all ſeinem Guten doch noch manche Mängel hat.= Gut iſt gut, aber Beſſer iſt beſſer, S. 201. Die bey uns auch ziemlich häufig getriebene zwey- feldrige Getreidewirthſchaft hat das Üble, daß, wenn ſie ſtrenge gehalten wird, die Benußung des halben AFers durc) die Brache verlohren geht, und daß, wenn man die Brache mit Gerſte und Hafer(wie es Unfun?ige wohl machen) beſtellet, und dennog Win- tergetreide folgen läßt, der Aer ſehr leicht verwil- dert» Sie hat aber das Gute, daß von ihr am leich- teſten zur Fruchtwechſelwirthſchaft übergegangen wer- den kann; indem man bloß die Brache mit Meliori- rungsfrüchten zu beſtellen braucht.=- So führte ich z. B. einſt zu Gkecs, in der Inſel Schutt, Komor- ner Comitats, auf meinen Binnenfeldern nahe am Dorfe, Fruchtwechſelwirthſchaft im ſtrengen Sinne des Wortes, wobey ich denn aber freylich, weil meine Felder zwiſchen den Bauernfeldern zerſtreut lagen, mich nach den hergebrachten Weideſervituten beque- men mußte, und daher ſo manche Früchte nicht bauen konnte, die ich vielleicht ſonſt gebauet haben würde. Mein Umlauf war: Theils: 1.) Mais. 2.) Weißen. 3.) Wien. 4.) Weißen. Theils: 1.) Hanf. 2.) Weißen. 2.) Widen. 4.) Weißen. Theils bloß: 31.) Wien. 2.) Weißen. -- 90= daver ich denn auch ſehr bald der größte Wikenbauer im Dorfe wurde, obgleich die verſtändigern Bauern ebenfalls dieſe Frucht ziemlich häufig baueten, bloß, weil ſie ſahen, daß ſie darnach viel ſchöneren und vier mehreren Weiten, als.nach Hafer oder wohl gar nach Gerſte erhielten. Die Wien baueten wir meh»- rentheil3 als Korunfrucht, weil wir einen Überſuß an Wieſen hatten, und es wohl Thorheit geweſen ſeyn würde, Futter zu banen, während wir gewöhnlich nach vollfommen befriedigtem Bedürfniſſe des Vieh- ſiapels, noch Heu zu verkaufen hatten, oder daſſelbe dur aufgeſtellte Maſtochſen verzehren laſſen mußten. -=- Auf meinen Außenſeldern gieng es freylich ganz anders, denn da dieſe während der Brache, folglich ein Jahr um das andere, den ganzen Sommer über der ſtrengſten Weideſervitut unterworfen waren, wel» cerbauſyſtem ,/ welches vor allen andern die größte Aufmerkſamkeit und Achtung des denkenden Landwirths verdient, und wegen deſen Verbreitung außer England, der Name Thaer gllein ſchon in den Annalen der Landwirthſchaft für immer glänzen müßte, wenn dieſer unſer würdige Vater ſich auch nicht noch ſo viele andere Verdienſte um unſer Gewerbe erworben hätte, und ſelbſt in ſeinem Greiſen- alter no< ohne Unterlaß erwürbe.=- Die Frucht- wechſelwirthſchaft allein iſt e8, die uns die Brache völlig entbehrlich'machet, welches) man zwär ſchon vormal3 durch Modificirung der dreyfeldrigen Getrei» dewirthſchaft zu bewerkſtelligen ſuchte, aber bloß nur zur Hälfte zu erreichen im Stande war; ſie iſt es, durch die wir bey jedem Mißverhältniſſe zwiſchen AEer- und Grasland dennoch mit glü>lichem Erfolge die Wirthſchaft betreiben können, da doch bey der Ge- treidewirthſchaft, ſo wie es an dieſem Verhältniſſe fehlet, die gute Wirthſchaft ſogleich ein Ende hat, und immer tiefer und tiefer herunter ſinket, je weniger das Gra3land im Verhältniß zu dem Aer iſt; ſie iſt es endlich, durch die wir ſelbſt alles Graslandes, im Falle es nothig iſt, der guten Wirthſchaſt unbe- ſchadet, völlig entbehren können, indem ſie uns das Mittel an die Hand giebt, ſo vieles Futter, als wir nur immer brauchen, mit Leichtigkeit zu bauen, und uns mithin beſſer, als irgend eine andere Wirthſchafts- art, den Weg bahnet, da wo es die Umſtände ſonſt räthlich machen, auf das Syſtem der Stallfütterungs« wirthſchaft überzugehen.= Sie erfordert aber, be- ſonders bey ihrer erſten Sinrichtung und Einführung, eine große Intelligenz, und tiefe mit vieler Umſicht verbundene Keuntniß unſeres Bewerbes, wenn ſie ane ders Nutzen ſchaffen, und nicht zum lächerlichen und kindiſchen Spielwerke werden ſoll.=- Oſt hört man ſagen, dieſer oder jener Güterbeſiger oder der ſeine Stelle vertretende Oberbeamte habe die engliſche Wech- ſelwirthſchaft*) verſucht, aber bald gefunden, daß ſie nur zum Untergange führen würde; er gieng da« her wieder zum Alten und Hergebrachten zurü>. Ich beſtreite die Thatſache keineswegs/ daß dieſe Herrn durch Einführung der Fruchtwechſelwirthſchaft ſich Schaden zugefüget haben. Iſt aber dieſe Wirth- ſchaft8art ſelbſt Schuld daran, daß Unkundige ſich mit ihr zu befaſſen wagen» und ſie zum abſchre>en-, den Gaufelſpiele herabwürdigen?-..- Sollte man *) So nennen die Halbwiſſer gewöhnlich die Fruhtwech2 felwirthſchaft, womit ſie jedom,- wie bey ihven verwirrten Be- griffen ſehr natürlich iſt, mehrentheils auc< die Stallfütte- rungswirtbſhaft vermengen x wenn ſie mit ihrem modernen unverdauten Wortkram zu garadieren ſuchen, wohl ein ächt- engliſches, recht ſcharfes und ſchneiden- des Meſſer als ſchlechtes Werkzeug verdammen, weit etwa ein unmündiges Kind ſich damit die Kehle ab- geſchnitten, oder ein leichtfertiger Knabe ſich daſſelbe in den Leib gerennt hat?---- Wo es immer an Intelligenz, an gründlicher und vollkommener Kennt» niß unſeres eben nicht ſehr einfachen Gewerbes, an Umſicht und umſaſſendem Überblie des Ganzen und aller ſeiner Theile, an männlicher Kraft und Aus- harrung, wie ſie einem Landwirthe nöthig iſt, und an der Fähigkeit, Alles was erſt no< folgen ſoll, ſchon im Voraus mit Wahrſcheinlichkeit zu berechnen, gebricht, da wird ſelbſt das beſte und bewährteſie Neuere zum Pſuſchwerke werden, und nur Schaden und Schande bringen müſſen.= Bey Ermangelung dieſer unumgänglich nöthigen Gigenſchaften hat man daher immer Necht ſtrenge beym Alten zu bleiben, und ja keine Handbreit davon abzugehen, es mag ſo unvollkommen und ſo mangelhaft ſeyn als es will; weil das Übel des Stillſtehens und hartnäFigen Verharrens beym Alten doch immer weit geringer iſt, als jenes, das aus halbverſtandenen und ſcerſyſtem auf ſeinem natürlichen Plage iſt. Fn ſehr hoch bevölkerten Gegenden, wo Grund und Boden äußerſt theuer, und beynahe gar nicht zu haben iſt, wogegen die Arbeit der großen Concurrenz wegen wohlfeil, und immer, mit völliger Sicherheit, in jeder beliebigen Menge zu finden iſt, und wo uns ſolglic) die Natur der Umſtände ſelbſt zuruft: Zwin- ge deinem. Boden durch die angeſtreng- teſte Cultur, und durch die größtmög- lichſte Verwendung der Arbeit, die höchſtmögliche Production ab; und dann erſt, wenn du durchaus nichts mehr in dein jeßiges Beſißthum inveſtiren kannſt, dann erſt denke weyn du willſt, auf An- ſhaffung neuen Grundes und Bodens; in ſolchen Gegenden, und unter ſolchen Umſtänden giebt ſich die Sache von ſelbſt, und man huldiget die- ſem an ſich ſo trefflichen Wirthſchaftsſyſteme, ohne das Semand die Stallſütterung bis zum EFel zu predigen, -- 96== oder gegen den armen Weidegang wie gegen das größte Staatsverbrechen auf excentriſche Weiſe zu de- Flamiren brauchte.=- In der Lomb ardey und in den Niederlanden führt man groößtentheils Stall- fütterungswirthſchaft. Warum? Etwa, weil enthu- ſiaſtiſche Deklamatoren ihr oft ſo ungeheure und bis zum Lächerlichen übertriebene Lobreden halten, und ſie auf dem ganzen weiten Erdrunde ohne Unterſchied der Umſtände mit einem Male eingeführt wiſſen wol- len? Keineswegs, verehrte Leſer; ſondern darum, weil dieſes AFerbauſyſtem ſür jene Länder, bey ihrer ſo hohen Bevölkerung, und bey dem allda ſo wenigen und ſo theuren Grund und Boden, unter allen am meiſten paſſet, und daher auch, wie ſehr natürlich, dem Landwirthe den meiſten Nußten verſchaffet,= In ſo manchen andern Ländern führen ſelbſt die gebildet- ſien und vorurtheilsfreyeſten Landwirthe, die die Sache gewiß beſſer kennen, als Manche die darüber dekla- miren, keine Stallfütterungswirthſchaft. Warum? Etwa weil ſie dagegen eingenommen ſind? Nein; ſondern bloß, weil die ortlichen Umſtände ſelbſt ſchon, als: eine geringe Bevölkerung, und der daraus fol» gende Mangel an Arbeitshänden, ein Überfluß um wohlfeile Preiſe zu habender Ländereyen, etc. eine dergleichen ſo äußerſt intenſive Wirthſchaft8art zu füh- ren verbieten.= Jm Kleinen und verſuüchsweiſe, be- ſonders, wenn man etwa nicht einmal um den lezten Zwe& unſeres Gewerbes, den möglichſt hohen reinen Gewinn, befümmert iſt, da geht freylich Alles. Jh ſelbſt nähme es über mich, auf der ödeſten Steppe Sibiriens, wenn ſie anders fruchtbar genug oder MENNE EIE KÖN I NEINEHNNGIIO ÄGIDE IIIIEEN RIEN u pee een amn dder wenigſtens doch melioration8fähig wäre, eine ein» zelne Stallfütterungswirthſchaft zu errichten, voraus- geſeßt» daß der Veſißer die Koſten nicht ſcheute, welche die erſte Errichtung, und beſonders die Anziehung der nothigen Arbeitshände, folglich die vorhergehende Be- völkerung dieſes Wirthſchaft8hofes aus andern Gegen» den verurſachen würde; wobey ich jedoch keineswegs für den reinen Nutzen bürgen wollte.=- Weh aber vollends dem großen Güterbeſißer, der durch manche Scribler irre geführt, thörigt genug wäre, in einer mittelmäßig»- oder wohl Far ſchlecht- bevölkerten Ge- gend auf ſeinen ſämmtlichen ausgedehnten Gütern ſtren- ge Stallfütterung8wirthſchaft treiben zu wollen,.. Nur Schade wäre der Lohn für alle ſeine unzwe>- mäßigen Anſtrengungen, und unmöglich könnte er dem gerechten Gelächter des landwirthſchaftlichen Ps» bels entgehen, wenn er naF Verſchwendung großer Summen, zu dem von ihm verachteten Alten, und Hergebrachten, als zu dem leßten Zuflüchtsorte zu- rükkehren müßte.= 5+>. G. 205. Die Wehſelwirthſ und Erfolg einzuführen ,/ und es müſſen daher auch immer alle übrigen örtlichen Um- ſtände gehbrig berüFſichtiget werden.€o könnte man ſie z- B- allda auf keinen Fall einführen, allwo ein Theil des Landes zu feucht und zu niedrig, oder auf zu ſteilen Bergen und Anhöhen gelegen wäre, um als Acer benußt zu werden; oder wo ein Theil der Län- dereyen ſo ſehr vom Wirthſchaftshofe entſernt wäre, daß es entweder unmöglich ſeyn ,/ oder doch eine un- verhältnißmäßige Verſchwendung der Arbeitskräfte ko- ſten würde, denſelben, wenn er ſeiner Reihe nach un- ter den Pflug käme, regelmäßig zu bedüngen. eto. etc. == Übrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß ein Land- + *). Corn. Taciti Libell. De Situ, moribus,€ populis Germaniae XXVI. - 9- wirth, der heut zu Tage dieſe Wirthſchaft3methode einführen wollte, immer ſehr unklug handeln würde, wenn er entweder die Holſteiniſche oder die Melen- burgſche Wirthſchaftsart in ihrer urſprünglichen Rein» heit einführte, indem ſie nach Art der Engländer mit regelmäßigem Fruchtwechſel verbunden, auf jeden Fall weit vollkommener und lohnender iſt, wie dieß bereits weiter oben 5. 195. 196, und 197, gezeigt worden. S- 206. Da jedes AFerſyſtem, fo volkommen es auch abſolut, d. i. an und für ſich betrachtet, immer» hin ſeyn mag, doMm relativ, d, i, in Hinſicht der örtlichen Umſtände und Verhältniſſe nur dann gut und zwe>mäßig genannt werden Fann, wenn es auch für dieſe leßtern vollkommen paſſend iſt, ſo ereignet ſich's wohl öfters heut zu Tage, daß man von einem AFerſyſteme auf das andere überzugehen für gut finden dürfte, um ſo ſeine Wirthſchaft mit den Lokalverhält» niſſen in beſten Einklang zu bringen, und eben da- her der möglichſten Vollkommenheit um ſo näher zu rüden. Bey einem ſolchen Übergange frägt es ſich nun zuvörderſt, ob das Syſtem, zu welchem man über- gehen will, intenſiver oder extenſiver als dasjenige iſt, nach welßen zu gerathen, und, nachdem man ſich gol- dene Berge vom. Neuern verſprochen/ unter dem Hohn- gelächter des Poöbels zum verachteten Alten und Her- gebrachten zurüFfehren zu müſſen. Außer dieſer genauen Berüſichtigung der für jedes Wirthſchaftsſyltem erforderlichen Kräfte aller Art, iſt aber noc<. ſo manches Andere zu beachten, wenn wir auf eine neue Wirthſchaſt8art mit glüFlichem ami POL imm Erfolge übergehen, und dieſe nicht gleich im Anfange ins Sto>en bringen wollen. In dieſer Hinſicht hat man ganz vorzüglichen Bedacht darauf zu nehmen, daß man den Getreidebau(wenn dieß etwa das neue Wirth» ſchaftsſyſtem erfordern ſollte) nicht zu gähe und etwa gleich das erſte Jahr merklich einſchränke, ſondern daß man dieß immer nur allmählig, und dann erſt bewerfſtellige, wenn man ſchon überzeugt ſepn kann, daß, in Folge der beſſeren Wirthſchaftsart und der Meliorirung des Bodens, auf der kleinern Area daſ- ſelbe wachſen kann, was vvrmals auf der größern ge» wachſen war 3; widrigenfalls man leicht in Verlegen- Heit gerathen/ und beſonders an Stroh Mangel leiden könnte«= Ferner. hat man mit aller Sorgfalt auf ſeiner Hut zu ſeyn, daß beym Übergange zu einer neuen Wirthſchaft3art, immer auf die erſte Frucht- folge, die der neue Umlauf veranlaſſet, gegen die alte, und unmittelbar vorhergegangene, die gehörige Rü>ſicht genommen werde/ damit nicht etwa das Wintergetreide nach einer Halmfrucht zu ſtehen kom- me, welches, natürlich eine nur kümmerliche Ernte ge- ben, und das Feld ſogar für die Folge verwildern würde. So würde man z. B. einen gewaltigen und unverzeihlichen Fehler begehen, wenn man aus einer dreyfeldrigen Getreidewirthſchaft 1.) Brache, 2.) Wintergetreide, 3.) Sommergetreide, in folgende achtſeldrige Fruchtwechſelwirthſchaft 1.) Kartoffeln, 2.) Gerſte, mit Klee, - 7.) Widen, 8.) Weißen plöglich übergehen, und dieſen Übergang nach Tab. IV- bewerkſtelligen wollte; indem man ſich dadurch ſicher- lich nicht geringen Schaden zufügen, und ſich im Über- gangsjahre in große Verlegenheit bringen würde. Weit vernünftiger und zwe&mäßiger wäre es dagegen dieſen Übergang nac Tab, V. vorzunehmen, nach welcher die neue Wirthſchaft8art im zweyten Jahre beynahe, und im dritten Jahre völlig/ eben ſo im Gange wäre, ohne daß jedoch der Übergang die ge- ringſte Stöhrung in der Wirthſchaft verurſachet hätte- H. 40.04. 4.0.4. Bon der Einrichtung und Anordnung des Viehſtapels. G. 207. Bey der Organiſation, oder erſten Einrichtung und Anordnung des Viehſtapels ſind vorzüglich fol- gende Punkte in reifliche Erwägung zu ziehen/ und im Voraus möglichſt zu beſtimmen: 1.) Wie viel Vieh jeder Art zu halten ſey; 2.) Wie dieß Vieh mit Nahrung und Streue zu verſehen ſey; 3.) Welche -»“ 103= Gattung Viehes, ſowohl vom Zug- als Nußvieh, vorzüglich zu halten ſey; 4.) Wie das Vieh verbeſſert und veredelt werden ſoll. gS- 208- Was die erſteren zwey Punkte betrifft/ ſo würde e3 wohl überflüßig ſeyn, wenn ich hier darüber noch Etwas ſagen wollte, da ich im erſten Buche dieſes Werkes ſo ziemlich erſchöpfend über die Grundſäge geſprochen habe, die hierbey als Leitſtern dienen müſ- ſen, und da ſich in dieſen und ähnlichen Dingen ohne- hin kein allgemeiner Leiſten angeben und vorſchreiben läßt, ſondern Alles von jedem verſtändigen Land- wirthe für ſeine individuellen und örtlichen Umſtände und Verhältniſſe beſonders berechnet, und dieſen an- gepaſſet werden muß- Wohl aber habe ich dieſe Ver- hältniſſe, des Viehes zum Aerlande, und des Fut- ters zum Viehe, jedem Landwirthe, dem es mit ſeiner Wirthſchaft Ernſt iſt, aufs wärmſte an das Herz zu legen, weil ſonſt eine Wirthſchaſt unmöglich mit Slü> und Nußen geführt werden kann.= Bedürfte es war- nender Beyſpiele, wie durch Vernachläßigung dieſer Grundſäte allein oft die ſchönſte Wirthſchaft rü>- gängig werden, und zu völligem Nuine führen kön- ne, ſo wären dieſe um ſo leichter anzuführen, als man das Unglü> hat, beynahe mit jedem Schritte darauf zu ſtoßen, und leider nicht ſelten auch bey ſolchen, die ſich, weil ſie ſchönes originelles(oft wohl nur zu ſchönes und viel zu theuer erkauftes) Vieh je- der Art haben, und weil ſie überhaupt ihre Wirth- ſchaft mit einem etwas neuen Anſtriche(wobey aber ur 100.= freplich auf Rationalität oft wenig Rü>ſicht genoms« men wird) treiben, für vollendete Landwirthe halten und wohl auch hie und da von Unkundigen oder Schmeichlern dafür ausgegeben werden.= So ſehen wir oft allerdings das ſchönſte Vieh aller Art aufge- ſtellt; während aber das Nußtvieh aus unzeitiger und übermäßiger Vorliebe im größten Überfluße ſchwimmt, und im ſtrengen Sinne halb gemäſtet wird, erhält das Zugvieh, welches etwa noch überdieß nicht einmal der Zahl nach mit dem Aer im Verhältniß ſteht, ein ſo färgliches Futter. von der ſchlechteſten Art, daß es kaum die Haut zu ertragen vermag. Wie ſoll nun, ſrage ich, durch ein ſo elendes Werkzeug, wie dieß Vieh iſt, der Aer in gehörige Cultur geſetßt, und darin erhalten werden?.«.. An andern Orten ſehen wir einen Überfluß ſowohl an Zug- als Nut» vieh, weit mehr vielleicht, al8 im Verhältniß zu dem Aer erforderlich wäre, das Futter wird aber für dieſes ſämmtliche Vieh ſo kärglich ausgemeſſen, daß weder das Zugvieh bey Kräſten erhalten wird, noch da3 Nutvieh den gehörigen Vortheil geben kann, ja daß auch dieß ſämmtliche Vieh, ſeiner großen Anzahl ungeachtet, nicht Dünger genug für unſern Aer zu lie- ſern vermag. Wer ſoll nun wohl unter ſolchen Um- ſtänden, wo Zugkraft und Dünger in gleichem Grade mangeln, und wo aller Nuten, den das Vieh ſonſt geben könnte, gleichſam planmäßig vereitelt wird, eine Wirthſchaft auch nur mit einigem Gelingen füh- ren Fomnen 2%..55-9-% Bey uns in Ungarn herrſcht noh faſt durchgängig die Sitte, die armen Zugochſen vom erſten Frühlinge bis in den ſpäteſten Herbſt in Erman EE 22008 were Me a JU EDT= bg==) Hinſicht ihrer Nahrung bloß auf die Hutweide anzu- weiſen; gleichviel, wenn dieſe Weide auch noh ſo ſchlecht, oder noch ſo knapp und kärglich iſt, die Ochſen müſſen nun einmal des Nachts; hinaus, um ſich allda ihr Futter zu ſuchen ,/ ohne außer dieſer Weide auch nur einen Strohhalm zu bekommen, und bey Tage werden ſie gleichwohl täglich eben ſo mit Arbeit überhäuft, als wenn ſie noch ſo vollkommen geſättiget worden wären. Iſt dieß nun eine Wirth- ſchaft/ wie ſie ein verſtändiger Menſch führen ſoll, frage ich? Und kann man von ſo ſchlechtem entfräfte» tem Viehe, das nicht ſelten vor Mattigkeit zuſammen- ſtürzet, etwas anderes, als ſchlechte Arbeit, und von dieſer wieder etwas anderes als ſchlechten Ertrag er- warten?++»» Und wie leicht wäre es doch dieſem Übel abzuhelfen?--«»+= Jſt die Weide gar zu ſchlecht, und gar zu wenig, ſo daß das Zugvieh in keinem Falle ſeinen Futterbedarf darauf finden kann; je nu, ſo baue man im Verhältniß zu dieſem Viehe etwas Grünfutter, und füttere es zu Hauſe, Dieß geht beym Zugviehe um ſo leichter an, da bey dem- ſelben ohnedieß/ ſchon der Arbeit wegen, eine Menge Knechte gehalten werden müſſen, folglich das Herbey» ſchaffen des Futters/ ſo wie die Fütterung ſelbſt, gar keine neue Koſten verurſacht, und die Wirthſchaſt um nichts intenſiver machet.=- Iſt aber die Weide doch we- nigſtens von der Art, daß das Vieh, wenn man ihm nur längere Zeit dazu gönnet, doch immer darauf ge- ſättiget werden kann, und hat man gegründete Ur- ſachen, doch lieber bey der Weidung ſeines Zugviehes zu bleiben z; gut, ſo halte man dieß Vieh im Wechſel- = 106-=- (wie dieß einige denkende Landwirthe wirklich bey uns zu thun pflegen) ſo daß während die eine Hälfte vor den Pflug oder vor den Wagen geſpannt wird, die andere Hälfte indeſſen ihrer Ruhe pflegen, und ihre erſchöpften Kräſte gehörig reſtauriren könne.= Und ſo wird man ſich in allen Fällen zu helfen wiſſen, ohne einen unzeitigen Neuigkeits8haſcher zu ſpielen, und ſich dadurch lächerlich zu machen, wenn man ſich nur von der Vernunft und nicht vom Schlendrian leiten läßt, und wenn man nur die gehörige Kenntniß und Umſicht in unſerm Gewerbe beſigt. S- 209. In Betreff, der Gattung und Qualität des zu haltenden Biehes, frägt ſich's zuerſt, was man für Zugvieh halten ſoll, Hierauf läßt ſich im Allgemeinen wohl nicht anders antworten, als: Halte das- jenige Zugvieh, mit welchem Du, unter deinen örtlichen Umſtänden, alle deine Arbeiten am beſten und vollkommenſten verrichten kannſt, und durch welches Dir dieſe Arbeiten, Alles gehörig und reif- lich in Überlegung genommen, nach Ab- z/ wg. TE bl erz R 0 Mens am) mw ohe Ure ju ſtehen kommen.=- Was übrigens für Umſtände uns entweder mehr für Ochſen oder mehr für Pferde als Zugvieh beſtimmen können, darüber glaube ich die nöthigen Betrachtungen ſchon im Ill. Kap. des erſten Buches dieſes Werkes angeſtellt zu haben, wo- hin ich auc) deshalb verweiſe.= Außer der Arbeit, al8 dem HauptzweF>e des Zugviehes aber, läßt ſich -- 107-- wohl noch ferner fragen, ob damit niht auch noch ein Rebenzwe&> nüßlicher Weiſe verbunden werden könne, ſo daß ſich die Haltung dieſes Viehes doppelt rentire.= So kann man z. B. unter manchen Um- ſtänden zu Wirtyſchaftspferden Stutten halten, und außer der Arbeit, die wir von ihnen haben, die ſchönſten Füllen ziehen, die uns, da ihre Mütter ſchon durch die Arbeit ihre eigenen Unterhaltungskoſten erſeßt haben, auf jeden Fall weit wohlfeiler zu ſtehen kommen, als wenn ſie in Geſtütten wären erzogen worden, allwo jung und alt, bloß und einzig wegen der Zuzucht erhalten werden muß.=- In Teutſchland pflegen an mandjen Orten kleinere Landwirthe Melk- fühe zur Arbeit zu gebrauchen, ſo daß ſie alſo Milch, Butter, Käſe, und Kälber völlig umſonſt haben, da die Kühe ihren Unterhalt ſchon durch die Arbeit allein bezahlen. Verlacht zu werden verdient dieß ſicher nicht; und ob es nicht auch in größerm Maaßſtabe nachgeahmt zu werden verdiene, dieß ſcheint wohl erſt durch eigens angeſtellte praktiſche Verſuche ausgemacht werden zu können. 6. 210- Das Nußtvieh muß vorzüglich des Düngers wegen gehalten werden, wenn es uns auch ſonſt gar keinen Nuten brächte, indem ohne hinlänglichem Dünger ein guter A&erbau ſich gar nicht denken läßt. Je wohlfeiler uns indeſſen dieſes Vieh den Dünger nach Abzug der Erhaltungskoſten liefert, oder je mehr es uns wohl gar über den gratis gegebenen Dünger noch andern Nugen gewährt, deſto mehr wird es für unſere =.» 1038== individuellen und örtlichen Verhältniſſe zu empfehlen| ſeyn«== Die einzige allgemeine Regel alſo, die auf die Frage: was für Nutvieh zu halten ſey? gegeben werden fann, iſt: Halte immer ſolen, und ſich mit gutem Gewiſſen ſagen zu können, daß man rationell gehandelt habe. -- 109„= 6. 211. Sind wir einmal mit der Quantität und Quali- tät des zu haltenden Viehes, ſo wie mit dem Verhält- niß deſſelben zum A>er und zum Futter im Reinen, ſo müſſen nothwendig bey jeder guten und zwe>mäßi- gen Adminiſtration die Grundſäße genau beſtimmt, und auf3 pünktlichſte gehandhabt werden, nach wel- et wird; und die Meliorirung deſ- ſelben in ſeiner Deſcendenz, welche durch vernünftige und zweEmäßige Leitung der Paarung und Begattung zu erlangen ſteht, und welche man die Veredlung des Viehes zu nennen pflegt. G.! 242. Um da3 Vieh bey möglichſter Geſundheit, Kraft, Munterkeit, und Brauchbarkeit zu erhalten, und es folglich in Jndividuo wirklich zu melioriren, hat man vorzüglich folgende Punkte zu beobachten: --» 110== 1.) Man hüthe ſein ſämmtliches Vieh vor jedem| 1; allzuſchnellen Wechſel in der Lebensart, Nahrung,| ſi Temperatur der Luft, u. ſ. w. da es eine längſt aus- 0 gemachte Wahrheit iſt, daß jeder ſchnelle und plog-|? liche Wechſel nachtheilig auf den Körper der Thiere|' wirket.=- So muß z. B. das Vieh, das man etwa| A aus der Ferne ankauft, Anfangs, und bis es ſich| 0) allmählig an die neue Behandlung gewöhnt, wo mög-!! lich ganz die nämliche Behandlung erhalten, die es|* biSher gewohnt war, wenn gleich dieſe an ſich fehler»| 1 Haft wäre, um nur nicht mit einem Sprunge von| li dem zur Natur gewordenen Gewohnten auf das Un-| gewohnte überzugehen, welches obgleich an ſich beſſer,| doch immer des gähen Wechſels wegen, üble Folgen na ſich ziehen könnte,= Vorzüglich aber laſſe man ſich's angelegen ſeyn, bey ſeinem ſämmtlichen Viehe den Übergang von der grünen und ſaftigen Sommer- nahrung zum dürren Futter im Herbſte, und von dieſem wieder zur grünen und friſchen Nahrung im| Frühlinge, mit ſorgfältigſter Verminderung des ſchnel»| len Wechſels, jede8mal ſo einzurichten, daß der hieraus| nur zu oft entſtehenden Grundlegung zu Krankheiten und Entfräftung auf alle nur mögliche Weiſe wirk- ſamſt vorgebeugt werde.= Mit eben ſo vieler Vor- ſicht gehe man zu Werke, wenn von einer kraftvollen! und concentrirten Nahrung zu einer kraftloſern zu| Übergehen iſt.| 3.) Man ſorge dafür, daß die Nahrung des| Viehes da38 ganze Jahr hindurch an Quantität und Qualität ſich möglichſt gleich bleibe.=- Daß Futter-| mangel und periodiſches Hungern des Viehes die -.; -= ino"eiſäny==e am vollkommenſten entſprechen, nennen wir vorzugsweiſe: edle Thiere, Stamm- thiere, Racethiere etc-= Im legxtern Falle ſind ſie uns unedle Racen.= Der Begriff des Adels, der NRacen ſowohl als der einzelnen Stamm- thiere, iſt indeſſen immer nur relativ, nie abſo- lutz; ſo daß jede Race, und jedes einzelne auch noch ſo vollkommene Jndividuum derſelben, immer nur mit beſtändiger und unverwandter Hinſicht auf unſery. be- ſondern Zwe, den wir bey der Viehzucht haben, edel genannt werden kann; indem es keine Viehrace, ja nicht einmal ein einzelnes Thier irgend einer Art giebt, welches allen Zween, die wir etwa als Viehs, züchter vorhaben könnten, auf gleiche, Art entſpräche, und mithin im abſoluten Sinne edel: genannt zu wer- den verdiente.= So ſind die arabiſchen Pferde, wenn wir Schnelligkeit und Ausdauer bey der Pferdezucht zum Zwee haben; die ſpaniſchen Merinoſchaafe, wenn wir bey der Schaafzucht ausſchlüßlich nur die Wolle beabſichtigen 3; die durh Bakewel's genie- volle Induſtrie erzeugten langwolligen Diſhley-< durch arabiſche Hengſte erreichen zu wol» len, würde ſicher ſehr übel dabey fahren.= Ein ſpa niſches Merinoſchaaf iſt ganz ſicher das edelſte aller GSchaafe, wenn bloß von Wollproduktion die Rede iſt; man. würde aber ſeine Rechnung ſehr ſchlecht da, bey finden, es auch dann nod) als edel betrachten zu wollen, wenn man bloß Milch- oder Fleiſchproduktion zum Zwecke hätte. Ja ich würde in dieſen Fällen ſelbſt unſer ſo verachtetes ZaFelſchaaf dem Merino bey weitem vorziehen, ſo wie es in dieſer Hinſicht wirk, lich die Benennung eines edlen Schaafes weit eher als jenes verdiente 3 u- f- w. von allen übrigen verſchiede- nen Racen unſer3 Haushaltsviehes. 6. 216. Beſißen wir einmal eine Viehrace, die in Hinſicht des beſondern ZweXes, den wir bey unſerer Viehzucht haben, wirklich ſchon als edel betrachtet werden kann, ſo beſteht die ganze weitere Vervollkommnung derſelben einzig darin, daß man immer Behufs der Begattung mit ſcrupulöſeſter Genauigkeit die fehler- loſeſten Jundividuen der ganzen Heerde auserwählt» und ſie dergeſtalt zuſammen paart, daß die aus ſo grundſäßlich geleiteter Begattung entſprungene Nach» kommenſchaft nothwendig in jeder Beneration unſerm porgeſte&ten Ziele näher rüden muß. Man nennt dieſe Veredlungsart die Juzucht(engl. Breeding in and in) weil ſie bloß durch die Race ſelbſt, mit vor- ſäßlichem Ausſchluße alles fremden Blutes bewerkfſtelli- get wird; wobey man fſreylich dem Vorurtheile die Paarung in der Verwandtſchaft zu vermeiden, welchem ſelbſt manche nicht unberühmte Männer noch immer huldigen, ſchlechterdings nicht fröhnen darf, ſondern oft gerade die allernächſten Verwandten, als den Va- ter- und die Tochter, die Mutter und den Sohn, den Bruder und die Schweſter vorſätßlich zuſammenpaaren muß, um ſo die vorzüglichen Eigenſchaften, die viel leicht eben dieſe Individuen im höchſten Grade be- ſigen- deſto bleibender und conſtanter auf die Nach- kommenſchaft zu vererben, und nach und nach in dec ganzen Heerde zu verbreiten, und ſo allgemein als möglich zu machen. R762156 Haben wir aber keine Viehracen, die unſe:m Zwecke entſprechen, z. B. keine feinwolligen ſpaniſchen Schaafe, wenn Wolle die einzige Abſicht unſrer v=- 122 zu|| Schaafzucht iſt, oder keine Tyroler, Schweiter, oder andere gute Melkkühe, wenn wir das Molkenweſen vorzüglich beabſichtigen, u. f- w. und können oder wollen wir uns auch eine ganze Heerde ſolches gewöhn- lic) theuern Viehes nicht anſchaffen, ſo können wir die Veredlung unſeres vorhandenen in Hinſicht unſeres Zweckes unedlen Viehes dadurch bewirken, daß wir es mit männlichen Stammthieren derjenigen NRacen zuſammenpaaren und begatten, welche wir für unſern Zwe als die edelſten anerkannt haben. Man nennt dieſe Veredlungsart die Kreuzung oder das Kreußen(engl. Crossing) wegen der Vermiſchung des Geblüts verſchiedener Racen, die dabey vorſäßlich vorgenommen wird. Es iſt unſtreitig, daß man da- durch ſein Vieh zulest völlig umbilden, und ganz derjenigen Race gleich machen kann, durch welche man dieſe Veredlung vorgenommen hat; nur glaube man ja nicht, daß dieß mit einem Sprunge geſchehen könne, und daß man, wie Manche leichtſinnig genug behaupten, nah der zweyten oder dritten, oder doch ganz ſicher nach der vierten oder fünften Generation ſein Vieh als völlig edel und gar keiner weitern Ver- vellkommnung mehr bedürftig anzuſehen habe. Jm Gegentheile werden wohl mehrentheils bis gegen 20 Gi:nerationen nöthig ſeyn/ bis man mit völliger Ges. wißheit ſagen kann, daß der Charakter der alten un- edlen Race ganz vertilgt, und das Bieh in allen ſeis. nen Eigenſchaften ſeinen edlen und originellen Vätern: volig gleichzuſeßen ſey. 9.1918: Mehr noch als bloße Veredlung, iſt die Bildung einer neuen Race, die noch gar nicht exiſtirt, und die bloß nach einem im Kopfe geformten Jdeale erſt her- vorgebracht, und dann conſtant und bleibend gemacht werden ſoll. Cine dgl. Bildung einer neuen Nace wäre z. B., wenn Jemand die Maſtſähigkeit und Fleiſchproduktion des Bakewell'ſchen Diſhley-Schaajfes mit dem Wollertrage des ſpaniſchen Merino»-Schaafes vereinigen, und eine Schaafrace hervorbringen woll- te, welche dieſe beyden Eigenſchaften, in ſo ferne dieß nur immer angeht, in gleichem Grade beſäße.=- Dieſe Racebildung geſchieht im Anfange immer mit- telſt Kreußung, womit aber keineswegs bis ins Un- endliche fortgefahren werden darf, indem vielmehr die durch dieſe anfängliche Kreuzung hervorgebrach- ten Blendlinge ſelbſt, je nachdem unſer Jdeal es er- fordert, zuſammengepaart werden müſſen, um ſo et- wa nach und nach die beyderſeitigen Eigenſcha'ten, die wir beyſammen wünſchen ,/ in einzelnen Jndividuen conſtant zuſammenzubringen/ und durch dieſe dann, mittelſt Jnzucht, die Aufgabe der neuen und erſt zu bildenden Nace zu löſen.= Daß eine ſolche Bildung einer neuen, rnocmäßigſten finden, zum Behufe der Begattung einzeln zuſammengebracht werden, um dadurch die höchſtmöglichſte Veredlung der Deſcendenz zu bewirken, und die in den Eltern -- 125= etwa noch vorgefundenen Fehler, nach und nach, und wenigſtens nach fortgeſeßter Sorgfalt und Pünktlich» feit durch mehrere Generationen, gänzlich zu vertil- zen.= Daß durch leßtere Begattungsart in der Ver- edlung viel mehr ausgerichtet, und daß dieſelbe da- durch viel höher getrieben werden könne, liegt klar am Tage, ſie erfordert aber weit tiefere Kenntniſſe und weit mehr Genauigkeit und Pünktlichkeit, als erſtere, wenn ſie anders dem Zwede entſprechen, und nicht zum bloßen modernen Spielwerke werden ſoll, und iſt daher auch nur bey kleinen Heerden, wo eine ſolche Genauigkeit auch möglich iſt, im ſtrengen Sinne ausführbar. Beſonder3 verdient ſie in den reinen Stammheerden,(franz. Pepinieres) in denen wir un- ſere männlichen Zuchtthiere erzeugen/ durch die wir dann in der Folge auf unſere ſämmtlichen Heerden wirken wollen, überall in Anwendung gebracht zu werden.=- Bey der erſteren Begattungsart kann man ſich dadurch helfen, und die Veredlung ſchnellern Schrittes vorwärts treiben, daß man ſeine ſämmtlichen weiblichen Zuchtthiere, je nach ihren Mängeln, die in der Deſcendenz durch die Begattung verbeſſert werden ſollen, in gewiſſe Abtheilungen bringt, und dann je- der ſol Dieß mag folgende naive Anekdote beantworten: Gin gemeiner Schäfer, der weder leſen noch ſchreiben kann, dem es aber freplich weder an geſundem Menſchenverſtande noh an. Urtheil fehlet, ſagte mir einſt im vertraulichen Geſpräche„Die Herren(hier verſtand er die Herr» ſchaften und Beamten, beſonders Oberbeamten) glau- ben gewöhnlich, wenn ſie nur ein paar fine Widder kaufen/ ſo iſt ſchon Ales gethan, Daß noch außerdem Etwas zu thun ſeyn ſollte, wenn man ſein Schaaf- vieh wirklich verfeinern will, das laſſen ſie ſich gar nicht träumen. Als ich auf der Graf XXXxX*xſchen Herrſchaft N. in einem Meyerhofe als Schaafknecht in Dienſten war, bekamen wir ein paar recht ſchöne in Hollitſch erkaufte Sprungwidder. Aber was ge- ſce erfordern/ auch wirklich, der Wirthſchaft unbeſchadet, entbehren können.=- Wenn man oft die größten= nicht ſelten entlehnten=- Kapitalien auf derley Gärten verſchwenden ſieht, während die ganze Wirthſchaft im äußerſten Elende ſchmachtet, und we- gen Mangel an Kräften kein Zweig derſelben gehörig eingerichtet werden kann, ſo ſind ſolche Güterbeſißer hochlich zu beklagen, daß ſie ſo kurzſichtig und ſo. ver- blendet ſind, allda anzufangen, wo ſie nur hätten en» den ſollen. Allerdings ſoll jeder größere Güterbeſißer auch Einiges dem Vergnügen opfern; denn wir leben ja in keiner Barbarey, daß wir bloß dem Wanſte fröhnen ſollten. Man fange aber nur die Sache nicht verkehrt an, und ſorge immer zuerſt dafür, daß die Güter die größtmöglichſten Ginkünfte geben, dann werden ſich die Koſten das Vergnügen zu verſchaffen von ſelbſt finden, ohne daß man ſich deshalb zu rui- niren brauchte. gG. 223- Die Cultur der Obſtbäume kann zwar unter matt- erbau minder ſchi>- lich ſind, und dieſem folglich dadurch nichts entgeht, und theils, weil die Obſtbäume gerade an ſolchen Orten gegen die Unbilden der Atmoſphäre mehr ge- borgen ſind, und daher in der Regel einen ſicherern Ertrag als in der Fläche abzuwerſen pflegen. Einige haben in neuern Zeiten vorgeſchlagen un- ſere Wieſen und ÄFer mit Obſtbäumen zu bepflanzen, um ſo von einem und demſelben Grunde einen doppel- ten Vortheil zu ziehen. Dieſer Vortheil mag in Jta- lien, in Spanien, im ſüdlichen Frankreich, und al, len ähnlichen oder no viel mildern Klimaten aller- dings ſehr beträchtlich ſeyn; bey uns wird jedoch der große Vortheil, den Manche von dergleichen Vorſchlä- gen vorzuſpiegeln pflegen, wohl nur immer ein from- mer Wunſch bleiben. Denn da die Obſtbäume auf ſolchen Pläßen immer nur ſehr ſchütter gepflanzt wer- den könnten, damit ſie nicht etwa durch ihren Schat- ten die Feldfrüchte erſti&ten, ſo wären ſie auf jeden Fall zu ſehr den Unbilden der Atmoſphäre ausgeſeßt, als daß man einen beträchtlichen Ertrag von ihnen er- warten könnte,== Auf Äder taugen ſie beſonders durchaus nicht, weil die AFerfrüchte in unſerm Klima ſchlechterdings eine völlig freye Sonne verlangen.=- Auf tronen Wieſen, die man etwa vorſäßlich gegen die allzuheftige Wirkung der Sonne und der Winde durch einige Bäume ſchüßen will, kann man zwar im- merhin Obſtbäume pflanzen, allein einen großen Obſt- ertrag, ſo wie man ihn in den Obſtgärten gewohnt iſt, erwarte man von ihnen in dieſer Lage auf kei- nen Fall. Die öffentlichen Straßen ſogar mit Obſtbäumen zu bepflanzen, wie dieß in einigen beſonders ho kul- tivirten Zändern wirklich ausgeübt wird, iſt zwar im- mer ſehr löblich, und zeugt von einem ſehr hohen Grade der menſchlichen Induſtrie; es gehören aber dazu immer nur ſolche Bäume, die den Unbilden der Witterung und der Atmoſphäre beſſer Trotz zu bieten im Stande ſind, und dann iſt ganz vorzüglich für eine ſehr gute Landpolizey zu ſorgen; denn wo dieſe leßtere nicht möglich iſt, da würde ich wohl lieber zu andern Bäumen als zu Obſtbäumen rathen müſſen. In Küchengärten taugen überhaupt keine Bäume, die großen und dichten Schatten machen, weil dieſe das Gemüſe vertilgen würden. Will man daher den» noc< in dieſen Gärten auch einiges Obſt erzeugen, ſo müſſen es immer nur ſolche Baumarten ſeyn, die an ſich ſchon nur wenigen Schatten geben, oder man muß zu Zwergbäumen ſeine Zuflucht nehmen, wenn man rationell verfahren, und nicht unpaſſende Dinge zuſammenſeßen will. 6. 224. Da die Weingärten einerſeits unendlich viele Ar- beit fordern, und andererſeits immer ſehr unſicher im Ertrage ſind, ſo daß der mit Weinbau beſchäftigte Landmann bis zur Leeſe ohne Unterlaß zwiſchen Furcht und Hoffnung ſchweben muß, ſo iſt's wohl ſehr na- türlich, daß dieſe Gründe, wenn man gehörig zu rech- nen verſteht, unter den allermeiſten Umſtänden, wenig oder gar keinen reinen Gewinn geben, und daß das Sprichwort der alten Römer: Vinea 8umptu fru- etum devorat» faſt überall heute noch eben ſo be- währt befunden wird.=- Eben daher glaube ich, daß bey jeder Wirthſchaft8organiſation, und bey jeder Verbindung des Weinbaues mit dem AFerbaue, vor Allem auf folgende drey Grundſägte zu achten ſey: 1.) Je größer und ausgedehnter und je intenſiver da- bey der A&erbau iſt, deſto weniger Weinberge ſind ämmer in eigener Adminiſtration zu behalten, damit nicht etwa die Kräfte auf den ſo unſichern Weinbay verſchwendet werden, und der bey weitem einträglichere Aerbau Mangel daran leiden müſſe. 2.) Je gemeiner und ſchlechter der Wein iſt, den die Weinberge liefern, und je niedriger er daher im Preiſe zu ſtehen pfleget, deſto weniger ſollte man billig ſich mit dem Weinbaue beſchäftigen, weil die Arbeit doch immer einerley iſt, und weil nach Abzug der Culturskoſten ſehr natürlich in eben dem Verhältniſſe weniger Gewinn übrig blei- ben kann, um je geringern Preis der Wein hintange- geben werden muß. 3.) Man verkaufe den Wein nie gleich) nach der Weinleſe im neuen Zuſtande, ſondern meme 135- warte immer erſt die Zeit ab/ da er etwas im Preiſe ſteiget 3 da denn durch dieſe ſo einfache mit dem Wein- baue verbundene Handelsſpeculation oft weit mehr gewonnen werden kann, als durch die angeſtrengteſte Cultur zu erwarten geweſen ſeyn würde. Denn ſo un- ſicher und ſo wenig einträglich der Weinbau an ſich iſt, ſo ſicher und ſo einträglich pflegt in der Regel der Weinhandel zu ſeyn, der ſchon unzählige Men- ſchen im höchſten Grade bereichert hat, CG. 225- Da des Holzes keine Wirthſchaft entbehren kann, indem wir deſſen täglich, theils zur Feuerung, theils zu unſern Bauten, und theils auch zu den mannig- faltigen landwirthſchaftlichen Werkzeugen und Geräthen aller Art nöthig haben, ſo iſt es natürlich ſehr er- wünſcht, daß jede auch nur etwas beträchtliche Wirth- ſchaft das nöthige Brenn- Bau» und Werkholz ſelbſt erzeuge 3; und ganz beſonders iſt dieß dann zu wün- ſchen, wenn etwa jedes StüF Holz nicht nur mit großen Koſten, ſondern auch mit großer Zeitverſplitte- rung aus der Ferne hHerbeygeſchafft werden müßte. Da jedoch eine allzugroße Fläche Waldbodens, beſon- ders in Gegenden, wo wir das, was wir über das eigene Bedürfniß an Holz erzeugen, nicht um gehörige Preiſe anbringen können, eben ſo wenig vortheilhaft iſt, indem dadurch den do gehörig erreicht werden, und nicht ein olygarchiſches Chaos erfol» gen ſoll. S. 229. Die Anzahl der bey einem Landgute anzuſtellen» den Wirthſchaft8beamten und Wirthſchaftsdiener aller Art läßt ſich= wie ſich's wohl von ſelbſt verſteht= im Allgemeinen nicht beſtimmen, ſondern muß immer nach den individuellen Verhältniſſen, je nach der Größe == 140= und Ausdehnung des Landguts, je nachdem man die Wirthſchaft intenſiver oder extenſiver zu treiben für gut findet, je nachdem man mehrere oder wenigere Wirthſchaft8zweige kultivirt, u. dgl. beſonders berech» net werden. Berechnet werden, und zwar mit genaue- ſter Überlegung und Berüſichtigung aller nur mög- lichen Umſtände berechnet werden muß ſie aber immer, wenn wir nicht ſchon bey der erſten Einrichtung der Verwaltung ein Hinderniß in den Weg legen wollen. Denn iſt etwa das Verwaltungsperſonal zu groß, ſo wird entweder, bey gehöriger Beſoldung, die Wirth, ſchaft allzuſehr belaſtet, indem die unverhältnißmäßig vielen Gehalte und Deputate den größten Theil des Ginfommens verſchlingen, oder es werden dieſe über das Verhältnis vielen Beamten und Diener nur kärg» lich, oder wohl gar nur fümmerlich!beſoldet werden können, dem zu Folge man im Voraus auf geſchi>te und ehrliche Leute verzichten muß; iſt aber das Wirth- ſchaftsperſonal zu klein, ſo. iſt es ſehr natürlich, daß auch die Wirthſchaft nur mangelhaft betrieben werden kann, indem die moraliſchen Kräfte nicht minder als die phyſiſchen, mit der Arbeit, die ſie verrichten ſol- len, im Verhältniſſe ſtehen müſſen, wenn der Zwe> mit einiger Vollkommenheit erreichet werden ſoll. G. 230- Die moraliſchen und intellectuellen Eigenſchaften, die bey keinem Wirthſchaft8beamten und Wirthſchafts- diener fehlen dürfen, ſind im Allgemeinen folgende: 1.) Gine vollkommene Rechtlichkeit, und ganz beſonders eine unbegrenzte Treue in Allem ==al = m was den Dienſt betrifft. E3 iſt daher nicht genug, daß er ſich ſelbſt keiner Malverſation irgend einer Art je ſchuldig, ja nicht einmal verdächtig mache, ſondern er muß auch immer bereit ſeyn, jeden etwa von Andern ausgeübten Betrug oder Diebſtahl, ja ſogar jede ſträfliche und Schaden bringende Vernach- läßigung des Dienſtes ſogleich anzuzeigen, damit er nicht nur kein Stehler, ſondern auch kein Hehler ſey.= Von jenen heimlichen Angebereyen und Ver- ſc die Fußſtapfen Desjenigen, der ſie muthwillig in den Staub zu treten für gut findet, ächt- heuchleriſch zu küſſen niedrig genug ſind, ver» nünftiger Weiſe nie getrauet werden kann. Wehe dem Güterbeſiger der von ſol<' elender Canaille umgeben iſt, und der ſein Habe keinen beſſern Händen anzu- vertrauen weiß. 2.) Ein hinlänglicher und jedem Dien- ſte8grade vollig angemeſſener Gehalt ſo- wohl an baarem Gelde als am Deputate, ſo daß kei- ner, vom erſten Oberbeamten bis zum geringſten Diener, mit Kummer und Sorgen zu kämpfen habe, oder wohl gar aus Noth(denn leben will doch Jeder) auf un- rechtmäßige Vermehrung ſeiner Cinfünfte zu ſinnen brauche.= Kärgliche Beſoldung des Wirthſchafts- perſonals iſt, wie alle Kni>erey und Filzigkeit, im- mer die ſchlechteſte und zwe&widrigſte Speculation von der Welt; denn ehrliche Leute, die ſich mit Betrüge- reyen und Diebereyen nicht befleXen wollen, ſo wie alle Jene, die ihren Werth fühlen, und das Bewußt- ſeyn in ihrem Buſen tragen, daß es mit ihnen noch nicht ſo weit gekommen iſt, daß ſie ſich gerade an einen einzigen Dienſt=- wäre er auch der ſchlechteſte von der Welt= binden müßten, alle dieſe werden die erſte Gelegenheit ergreifen einen Ort zu verlaſſen, wo ihnen nicht8 als Noth und Elend zum Lohne wird; dagegen werden bloß ſolche Leute in Dienſten bleiben, die entweder vollig unſahig und unbehülflich/ folglich unglülich genug ſind, ſich an einen einzigen Menſchen und | in. wan CIE kms 145<-> und ſeinen leidigen Dienſt binden, und ſein mit Jäms mer und Elend gewürztes Brdd eſſen zu müſſen, oder ſolche, die ehrlos und verſchmißt genug ſind, ſich das, was ihnen zum Lebensunterhalte abgeht, auf unrechtlichem Wege zu verſchaffen.= Welcher Erfolg einer durch ſolche Leute gehandhabten Adminiſtration it aber wohlzu erwarten?! 0. 3.) Sicherheit des Dienſtes, und die Gewißheit, denſelben nur aus den allerwichtigſtentip- ſachen zu verlieren. Da, wo man ohne alle gegründete Urſache, bloß auf heimliche Angebereyen und Ver- ſchwärzungen niedriger und verächtlicher SpeichelleFer jeden AugenbliE gleich einem Verbrecher außer Dienſt geſeßt zu werden gewärtigen muß, da wird ein ehr- licher und geſchiter Mann wohl nie ſeine Dienſte anbieten, und hat er ſich etwa geirrt, und iſt er den» noch allda in Dienſte getreten, ſo wird er gewiß nicht "fange zaudern, einem Orte den Rücen zu kehren; der ſeiner gar, nie würdig war. 4.) Gine verhältnißmäßige Verſion oder an- dere Nemuneration für mehrjährige treu und redlich geleiſtete Dienſke* damit ein Beamter oder “< Diener nicht etwa zu befürchten habe, zum Lohne für alle ſeine Mühe und Arbeit, womit er die Ginkünfte de3 Güterbeſißers zu vermehren ſirebte, in ſeinen al- ten Tagen, da er etwa zu dienen unfähig werdet könnte, darben und hungern, und bey ſeinem Tode ſeine troſtloſe Familie dem blinden Ungefähr überlaſſe zu müſſen. Dieſe hier berührten Momente ſollten nun von jedem Güterbeſiger reiflihſt überlegt, und beachtet Dek. der Landw. 2. Th. 10 -“ 146= werden/ wetttt er anders ſein Verwaltungsperſottale aus rechtlichen und geſchi>ten Leuten zuſammengeſeßt haben will, durch welche doc< allein nur eine zwe- mäßige Adminiſtration geführt werden kann. Und wie geht es gleichwohl noch an vielen Orten zu?...« Zwar ſind die Zeiten zum Glü>e vorüber, wo man die Beamten=- ſelbſt Verwalter= mit dem Teller unter dem Arme gleich den Livree» Bedienten bey Tiſche ſerviren ſehen mußte, und wo ſie gleich dieſen pr. Er titulirt zu werden die Ehre hatten; aber geht man äuch übrigens ſo mit ihnen um, wie man dieß wohl bey der heutigen Aufklärung in unſerm Gewerbe erwarten ſollte?..- Wird nicht auch noch heut zu Tage durch ſo manche niedrige Behandlung, und durch ſo manche ehrenrührige Cinſcet werden ſollte, da nichts in der Welt von den niedrigen Ver» gehungen des Betrugs und der Malverſation ſo ſehr zu ſichern vermag, als das Gefühl der Ehre?..,. I< habe gewiß allen Reſpect vor dem Gewiſſen, und wünſche recht herzlich, daß die ganze Welt ſo gewiſſenhaft als möglich ſeyn möge; ich trage aber Fein Bedenken, nach meiner gewohnten Freymüthigfeit zu erklären, daß dieſes allein gegen die Untreue aller Art nie hinlänglich ſchüßen wird, weil es doch immer einer Deutung fähig iſt, und eingeſchläfert werden kann.=- J< ſtehle ja nicht, ſagt ſich ſo mancher Beamte und Diener ſchlechterer Art, ich mache mir ja nur eine fleine Superfluität, und warum ſollte ich dieſe der Herrſchaft, die ſo viel hat, überlaſſen; während ſie mir ſelbſt ſo ſehr zu Gute kommt; und da3 Gewiſſen ſchweigt. Wird aber ein Ehrenmann auch eines ſolchen Selbſtgeſpräches fähig ſeyn, und ſic) auf dieſe Art beruhigen können? Gewiß nicht.= Ein Anderer, dem aber freylich der Gutsbeſiter ſelbſt Veranlaſſung dazu giebt, indem er ihm viel zu wenig Futter für ſein Vieh paſſirt, und dieß vielleicht noch obendrein von ſchlechteſter Qualität verabreichen läßt, regreſſirt ſich an dem herrſchaftlichen Heue, das für die Schaafe beſtimmt iſt, und das auch auf dem Papiere und in den Nechnungen wirklich dieſe allein gefreſſen haben müſſen. J< ſtehle ja dieß Futter nicht, ſagt er bey ſich ſelbſt, ich nehme ja nur was mir gebührt; denn, wenn mir die Herrſchaft eine gewiſſe Anzahl Viehes paſſirt, ſo iſt ſie mir auch das dazu nothige Futter ſchuldig, dieſes giebt ſie mir aber unbilliger Weiſe nicht, ſo muß ich mir es ſelbſt nehmen, und damit kein Lärm geſchlagen werde, oder ich etwa gar den Dienſt verliere, ſo muß ich es wohl heimlich thun, ſo wie es Betrüger zu machen pflegen; ich bin nichtsdeſtoweniger ein ehrlicher Mann, denn ich nehme mir ja nur, was mir ohnehin gebührt, und nichts weiter, etc. ete. und ſiehe da, das Gewiſſen iſt bes ſhwichtiget. Ganz ander8 wird ein Mann von Ehre handeln. Verabſcheuen wird und muß er allerdings einen Dienſt, wo ſo alberne Paſſirungen von Vieh ohne Futter, oder von Vieh mit halbem oder Viertel Futter ſtatt finden, als ob man mit andern Worten 10* ſagen wollte: Stehle gleichwohl das Übrige dazu, nur gieb Acht, daß man dich nicht erwiſche; auf die- biſche Art entſchädigen wird er ſich aber nie, ſelbſt wenn er völlig ſicher wäre, daß mati es diſſimuliren wolle, weil doch immer durch eine derley Handlung feine Ehre aufs Spiel geſeßt würde, die Jedem, der ihr einmal huldiget, um feinen Preis je feil iſt. Er wird entweder Futter zukaufen, oder ſein Vieh ver- äußern, und lieber auf alle Viehhaltung Verzicht lei- ſten, als eine Handlung begehen, die gegen die Ehre verſtößt.== Manche Güterbeſizer ſind fo kurzſichtig und ſo unklug, einen augenſcheinlich viel zu kleinen Gehalt zu geben, ſo daß auch nach dem genaueſten Calcül der Beamte ſchlechterdings davon nicht leben kann. Wa3 iſt nun die Folge? Der Beamte; der auf die Ehre nicht viel hält, argumentirt eben nicht ganz unrichtig, indem er ſagt: Jc< diene, um zu le- ben/ ja um mir etwas zu erſparen, mein Gehalt i aber viel zu klein, um auch nur mit größter Spar- ſambeit leben zu können, alſo nehme ich mir das Übrige, was mir noch nöthig iſt, und was man mir nicht giebt, ob es gleich am Tage liegt, daß matt mir es ſchuldig wäre. I< ſtehle nicht, ich nehme nur, was mir ohnehin gebührt. Das Gemiſſen iſt hiemit beruhiget, aber auch Thür und Thor zu B&- trug und Dieberey aller Art geöffnet, ein Handwerk, mit dem man nur erſt familiariſirt zu werden braucht, um es immer weiter und weiter ,/ und zuleßt bis zu| vffentlichem Straßenraube zu treiben. Wird aber ein Chrenmann ſo handeln? Nimmermehr. Er wird darben, er wird hungern, er wird die Unbilligkeit ->- 0 et=< werf dh mm pgpgfen= Minn pP =*"“.- --“ 149=> ſeines Herrn verabſcheuen, er wird ſeinen Dienſt in den tiefſten Abgrund wünſchen, und ſich baldigſt um einen andern umſehen 3 aber durch unrechte Mittel und auf niedrige Weiſe ſeine Einkünfte vermehren wird er nie, nicht ſowohl ſeines Herrn willen, der in ähnlichen Fällen wirklich betrogen zu werden verdiente, ſondern viel- mehr ſeiner ſelbſt willen, weil ihm ſeine Chre, und ſein Bewußtſeyn dieſe nie verleßt zu haben, bey wei- tem über Alles geht.=- Wäre es nöthig dieß noch fortzuführen ,/ ſo könnte ich durch unzählige Beyſpiele erweiſen, wie nur das Ghrgefühl allein gegen Betrug und Dieberey aller Art völlig ſicher zu ſtellen vermag, und wie unklug daher alle Jene handeln, die anſtatt dieß edle und erhabene Gefühl bey ihren Beamten, ja ſelbſt bey den geringſten Dienern, auf alle nur mögliche Art anzuſachen, und zu beleben, daſſelbe vielmehr durch ihre widerſinnige und niedrige Behand lung zu erdrücken und zu erſtiken rrachten. I< wes nigſtens bin von dieſer Wahrheit ſo ſehr überzeugt, daß ich einen Beamten nicht einen Augenbli> in | Dienſten behalten würde, ſobald ich den geringſten Mangel an Ehrgefühl bey ihm wahrzunehmen" Gele- genheit hätte. Märe er auch noch ſo religios, und gewiſſenhaft, läge er auch halbe Tage lang mit ge- falteten Händen auf den Knieen, ſo würde ich ihm mein Zutrauen doch nie ſchenken können, da eine voll- fommene und unerſchütterliche Rechtlichkeit nur mit? Chrgeſühl vereinbarlich iſt. Wie ungegründet oſt die Klagen ſo mancher Güterbeſißer über die Beamten ſind, nach denen man glauben ſolite, daß dieſer ganze ehrwürdige Stand aus weiter nichts als aus Dieben und aus Räubern beſtünde, und wie ſehr viele unter ihnen die ganze Gchuld bloß ſich ſelbſt zuzumeſſen haben, daß ihnen nur Auswürflinge zu Gebothe ſtehen, die nun frey» lich, ſo wie der Auswurf aller Stände allerdings ſchlechte Menſchen ſind, darüber könnte ich leicht meh» rere Bogen füllen, in denen ich mir ſonnenklar zu er- weiſen getraute, daß dieß ſeine volle Richtigkeit habe. -= Allein nicht die Wahrheit zu ſagen iſt's was ich| ſcheue, denn dieß ſcheu" ich nie, und unter keinen Verhältniſſen des Lebens, wohl aber den Verdacht zu erweden fürchte ich, als ob nur Neid und Mißgunſt| meine Feder führte, weil das Ungefähr mich nicht zum reichen Güterbeſißer ſtempelte; da ich denn wohl =- wie man etwa glauben könnte= ganz eine andere Sprache führen würde. Ic< will daher lieber einen Mann ihres eigenen Standes und Ranges ſprechen laſſen, einen wahrhaft edlen Mann, den jeder red- liche Beamte wie ſeinen wahren Schutßpatron verehren ſollte. Dieß iſt der ehrwürdige Graf von Po dewils, der uns im vierten Theile ſeiner klaſſiſchen Wirth- ſchafts- Erfahrungen auf ſeinen Gütern G u- ſow und Platkow, S. 55. bis 58. Folgendes,| das ich in dem Kabinete jedes Güterbeſißers in Erz gegraben wünſchte, hinterließ: „Wenn ich den Urſachen nachſpürte,.warum fo viele Adminiſtrationen rüEgängig giengen, und den Gutsbeſißern durch nachherige Verpachtung das ſtill- ſchweigende und demüthigende Bekenntniß abdrängten, daß ſie nicht fähig waren ihre Güter ſelbſt zu bewirth- ſchaften; ſo fand ich mehrentheils die Schuld in der Behandlung der Wirthſchaftsbedienten. Oft ſah ich Kammerdiener, Jäger, Reitknechte etc. zu Verwaltern anſehnlicher Güter beſtellen. Dieſe Leute verſtanden nichts von der Landwirthſchaft, und hatten auch nicht die nöthigen Vorkenntniſſe um ſie zu erlernen. Glende Bewirthſchaſtung und Verſchlimmerung des Gut3 war die natürliche Folge. So fehlerhaſt die Wahl war, eben ſo fehlerhaſt war die Behandlung. Der Ver- walter wurde, wenn auch die Wahl nicht ganz ſchlecht war, doch ſo herabgewürdigt, daß ihm alles Ehrge- fühl, und alle Luſt zum Dienſt benommen wurde. Bey jedem wahren oder anſcheinenden Fehler wurde er in Gegenwart ſeiner Untergebenen auf das gröbſte gemißyandelt, und ihm dadurch alles Anſehen, und die Macht dieſe in Ordnung zu halten, benommen.= Die Diſpoſition der Wirthſchaft, und ſelbſt der täg- lichen Arbeit behielt ſich der Gut5yerr vor. Mißgriffe konnten nicht fehlen, worüber ſich der Verwalter heim- lich freuete, und darin einen Vorwand fand, ſeine eigenen Fehler dahinter zu verbergen, und den ſchlech“ ten' Gang der Wirthſchaft auf die unrichtige Diſpoſi- tion des Herrn zu ſchieben. War er indeſſen auch ehrlich genug ſeinen Herrn einhelfen zu wollen, ſo war ein Gebot des Stillſchweigens und Anweiſung zum paſſiven Gehorſam die zurü&ſchreFende Folge.= zr 152= Viele Gutsherren habe ich ſagen hören, man müßte es ſeinen Leufen nicht merken laſſen, wenn man es auch nicht verſtünde; als wenn ſie es nicht ſelbſt ein- ſähen, und über die vergebliche Bemühung des Herrn, ſeine, Unwiſſenheit zu verbergen, heimlich lächelten.= Bey dem offenherzigen Bekenntniſſe meines Mangels an Kenntniſſen habe ich mich immer beſſer befunden, und mir nie einfallen laſſen, das Detail zu dirigiren. Die Hauptgrundſäße rede ich mit dem Oberaufſeher ab, und überlaſſe ihm die Ausführung allein, Mein Geſchäft ſeße ich bloß darein, zu beobachten, wie er ſie führt, und ihn durch genaue Rechnungen zu con- trolliren; finde ich Fehler, ſo ſage ich es ihm nuv unter vier Augen, um nie ſein Shrgefühl zu beleidi- gen, das mir bey allen meinen Leuten ſiets heilig iſt, Dieſes Verfahren hat noch den Vortheil, daß man nicht ſtets auf ſeine Güter angekettet ſeyn darf, wel» gehabt, eine Reihe rechtſchafener und geſchi>ter Wirth» ſchaftöbedienten zu beſigen. In dieſem ganzen Zeit- raume hat mich nur ein Verwalter betrogen, und er wurde ſogleich von ſeinen Untergebenen öffentlich ver» rathen, ſo daß ich ihn zur gerichtlichen Unterſuchung auf ihre Ungabe ziehen konnte.=- Durch dieſe Be- handlung verhüte ich das Ubſpenſtigmachen, das oſt zu blutigen Händeln Gelegenheit giebt: Bis auf unbedeutende Ausnahmen iſt keiner aus meinen Dien- ſien gegangen, um in andere zu treten; und wird bey mir ein Dienſt offen, ſo habe ich ſtets die Wahl unter den beſten Leuten. Kenner ſammeln Gemälde, Kupferſtiche, Naturalien- etc.; ich, vergnügte und zuſriedene Geſichter. Sich von Menſchen umgeben zu ſeven, die ſich glü>lich fühlen, iſt der erſte Genuß, den man ſich geben kann, und dem kein anderer gleich kommt. Möchten doch ſämmtliche Güterbeſißer dieſe gold- nen Worte. eines'wahrhaften Chrenmannes ſo wie ſie es verdienen ,/ beherzigen, und ich ſtehe dafür, daß die ſo häufigen Klagen über die Beamten bald aufhören würden.= Zwar giebt es allerdings au än dem Beamtenſtande manche unbeſſerliche Böſewich- te, ſo wie es dieſe in allen Ständen giebt, allein dieſe märzt man ohne Schonung aus, ſo wie man es mit den anbrüchigen Schaafen zu machen pflegt. Und hat man einmal ſein Perſonal von dieſen Schla>en gereiniget, ſo hängt es ſicher- nur vom Gutsbeſiker ſelbſt ab, mit was für Menſchen er umgeben ſeyn will. SES Sind einmal die Beamten und Diener in hin- länglicher Anzahl im Verhältniß zum Landgute vor» handen, ſo iſt vor Allem auf folgende zwey Punkte zu achten: 1.) Daß man ein jedes Individuum nur dazu anſtelle, wozu es in jeder Hinſicht am meiſten tauglich iſt, und daß man nie leichtſinnig einen Wechſel mit Beamten und Wirthſchaftsdienern vornehme; und 2.) daß man ſämmtliche Pflichten und Obliegenheiten ei- nes Jeden ſo genau beſtimme, daß durchaus nicht der geringſte Zweifel darüber obwalten könne, was ein Seder zu thun, und was er zu laſſen habe.= Hierin werden nun, wie Jederman mit mir eingeſtehen muß, gar gewaltige Fehltritte begangen.=- In Hinſicht des erſieren ſicht man häufig die Beamten/ ohne die mindeſte Nüſicht auf ihr verſchiedenartiges Talent, ihre verſchiedene Neigung, ihre verſchiedene indivi- duelle Bildung ele. ohne weiters von einem Grade auf den andern übergehen ,/ und ſo ganz ächt mecha- niſch die verſchiedenartigſen landwirthſchaſtlichen Ve- -- 16-- dienſtungen durchpaſſiren; der Wirthſchaftsprafktikant muß nun einmal Amtſhreiber, dann Unterverwalter (I5pan), hierauf Naturalien- Rechnungsführer(Kaſt- ner), hernacß Geld» Rechnungsführer(Rentmeiſter, Perceptor), dann wieder Verwalter(Hofrichter), und endlich Rechnungs- Reviſor(Exactor) werden, als ob ein jeder Menſch für alle dieſe verſchiedenen Stellen in gleichem Grade paſſen könnte, welches doch nach aller Welt Erfahrung platterdings unmöglich iſt. Auch hat man häufig den auf unzeitiges Mißtrauen gegründet!n Gebrauch, die Beamten überdieß alle Aus genbli>e zu verwechſeln, und von einer Stelle auf die andere zu verſeßen, um gleichſam recht vorſätlich alle ihre Acrivität zu bähmen, und ſie vollends unnüßlich zu machen; da doch jeder Praktiker eingeſtehen muß, daß ein Beamter, beſonders aber ein Wirthſchaftss beamter, nur dann erſt einen rechten Nuten ſchaffen kann, wenn er ſich in Hinſicht der Lokalumſtände ge- Hörig orientirt hat, und daß zu dieſer Orientirung allein unter manchen Verhältniſſen oft mehrere Jahre nothig ſind.= In Hinſicht des zweyten Punktes aber geht es beſonders oft ganz gräulich zu, da nicht ſel- ten eine Menge Beamte und ſubalterne Diener ange- ſiellt ſind, und keiner doch recht weiß, was er eigent» lich zu thun und zu laſſen habe, oder welches die ei- gentlichen Pflichten und Grenzen ſeines Wirkungsfrei- ſes ſind. Stöhrung der Verwaltung und StoFung der Geſchäſte/ ſo wie daraus folgender Schade, kann bey giner ſolchen Unordnung nicht fehlen. Der Nach- läßig2 findet ein beſtändiges Feld ſich mit Unwiſſenheit zu. entſchuldigen, das dieſes oder jenes» was er unter» u EEE- nean laſſen, zu feinein Amte gehöre; der allzu Ei'rige, der vielleicht bey beſſerer Ordnutig Wunder gewirkt haben würde, wird alle Augenbli>ke die Grenzen ſeines Amtes überſchreiten, und in eine fremde Sphäre hineinpfu- ſchen, wodurch natürlich ſeine Anſtrengung nur unnüß vergeudet, und eben ſo wenig Nutzen geſchaffet, ſon- dern vielmehr die Verwaltung geſtöhret wird; endlich wird auch nicht ſelten bey einer ſolchen Unordnung Manches gänzlich unterbleiben, weil es einem Zweifel unterliegt, zu weſſen Amte es eigentlich zu rechnen ſey-= Cin Gutsbeſißer oder deſſen bevollmächtigter Stellvertreter, der mit dem Grundweſen der Wirth- ſchaftsführung gehörig bekannt iſt, wird daher gleich bey der erſten Organiſirung der Berwaltung ſämmt- liche Pflichten jedes Beamten und Dieners ſo genau beſtimmen, daß darüber auch nicht der BEE Zwei- fel obwalten könne 3; auch wird er jedem Beamten und Diener/ auch dem geringſten, darüber eine ausfükbr»- liche, flare, gar keiner Mißdeutung unterliegende, ſchriftliche Inſtruction alſogleich zuſtellen, ſo wie er ihn in ſein Amt einzuſeßen für gut findet, damit dieſer auc) nicht eine einzige Stunde im Zweifel ſchwebe, was'er immer, um ſeine Pflicht zu erfüllen, zu“thun, oder zu laſſen habe. Nur auf dieſe Art wird man der Vergeudung der moraliſchen Kraft durch Colliſionen, fo wie der Lähmung derſelben durch duſſtoßende Zweifel- agel] entgehen, und die Ver- waltung in ihrem ordentlichen und ungeſtöhrten Gange erhalten konnen. Außer der ſo eben erwähnten genauen VBeſtitts mung der Pflichten eines jeden Beamten und Dieners iſt aber noch zu einem regelmäßigen Gange der Ad- iminiſtration eben ſo nothwendig, daß in allen Amts- verrichtungen eben derſelbe pünktliche Stuſengang be- obachtet werde, wie ſolcher beym Militär gewöhnlich iſt, allwo er eben jene ſchöne Ordnung, die wir mit Berwundcrung ſehen, hervorbringt. Es mögen daher Befehle und Verordnungen zu ertheilen, oder Ver? weiſe zu geben und Straſen zu verfügen ſeyn, ſo muß dieß Alles immer nur durch die unmittelbaren Vorgeſeßten geſchehen, ſo daß auch nicht ein einziger Grad überſprungen werde.=- Wenn ſo manche Guter; beſiger, oder ihre Stellvertreter unflug genug ſind, ſo wie es ihre Laune mit ſich brinot, in die Geſchäfte jedes ſubalternen Beamten hinein zu pfuſchen, oder ſich wohl gar ſo weit vergeſſen, ſich mit Dienern und Knechten Herumzuzanken, ſo ſcheint es faſt, daß ſie abgeſagte Feinde einer ordentlichen Adminiſtration ſind, weil dieſe auf ſolche Art in keinem Falle möglich iſt. Was würde aus dem Militär werden, wenn der Oberſte ſich in die Geſchäfte des Hauptmanns miſchen, oder wohl gar den Corporal ſpielen wollte? Würde nicht die ſchöne Ordnung die wir allda mit Recht bewun- dert, mit einem Male verſchwunden ſeyn, und einer <)aotiſchen Oligarchie den Plag einräumen? Und würde wohl bey ſo bewandten Umſtänden ſelbſt mit dem zahlreichſten Heere auch nur das Geringſte aus- 2 TIG Man denke darüber reiflich nach/ und man wird gewiß nicht fortfahren ſich noch ferner in dieſem Punkte ſchuldig zu machen, wie man es bisher an vielen Orten leider nur zu oſt gewohnt iſt.= Der Güterbeſißer muß vernünſtiger Weiſe außer ſeinem Stellvertreter mit keiner Seele auch nur ein einziges officioſes Wörtchen ſprechen 3; der oberſte Gü- ter-» Direktor ſoll alle ſeine Befehle und Verordnungen nur an die ihm zunächſt Subordinirten gelangen laſ- ſen 3 und ſo muß es fortgehen, bis auf den letten Dienſte8sgrad herab. Nur auf dieſe Weiſe wird auch die größte Adminiſtration mit einer unglaublichen Leichtigkeit geführt werden, und dennoch zu den ſchön- ſten Reſultaten führen 3; da aber, wo der Güterbeſikßer ſich beyfallen läßt, mit Übergehung und Beſeitigung aller Zwiſchenauctoritäten, den geringſten Subalter»- nen und ſelbſt Dienern ſchriftliche und mündliche Be- fehle zu ertheilen, da wird auch bey der größten An» ſtrengung des zahlreichſten Perſonals, doch nichts als Schande und Schaden die Eryte ſeyn, und es wird überhaupt ſo ausſehen, als ob der Fluch Gottes auf der ganzen Wirthſchaft laſiete. H Sia 40:4: 80. Von dem oberſten Güter- Director; oder einer aus mehreren Individuen beſtehenden oberſten Güter- Direction. MEL 3,02 Der oberſte Güter» Director iſt derjenige, der nach. Willkühr die' ganze Adminiſtration in Bewegung = 160= fegt; und ſie darin erhält, d. i- der die Organiſation des ganzen Landguts und der ganzen Verwaltung nur nach eigener Willkühr beſtimmt und leitet, allen übri- gen Beamten und Dienern die nothigen Inſtructionen; Befehle, und Verordnungen ertheilt, und dieſe, fo oſt er es nothig findet, wieder dürch neue und veräns derte erſest, u. ſ. w. und der daher in Hinſicht aller dieſer oberſten Handlungen ,/ von denen das Gedeihen des Ganzen abhängt, nur allein verantwortlich iſt. G- 250: Dieſe Stelle eines oberſten Directors kann zwar ſchon der Natur der Sache nach auch der Gutsbeſiker füglich ſelbſt bekleiden, wenn er anders die gehörige Jäütelligenz beſigt/ und den ernſtlichen Willen hat, ſich den oft häufigen und mühſamen Geſchäften, die dieß Amt erfordert, pünktlich zu unterziehen;. ja man kann ſagen, daß er der natürlichſte aller Directoren ſey, dä doh die Verwaltung ſeines Eigenthums Niemandem mehr als ihm ſelbſt am Herzen liegen kann; auch iſt es bey kleinen Landeigenthümern Sache des Mußes, daß ſie die oberſie Direction der Verwaltung ſelbſt und in Perſon übernehmen, indem ſie, ihrer beſchränkten Vermögensumſtände wegen, einen geſchi>ten und tuch» tigen Director nicht beſolden könnten, die overſie Leitung der Verwaltung aber doch nicht jedem gemei- nen Beamten anvertrauet werden kann; da jedoch die größeren Güterbeſiger gerade am allerwenigſten ſo er- zogen werden ,, daß ſie an den Geſchäften der Wirth- ſchaſt8verwaltung einen Geſchma> finden könnten, pder daß ſie die zur Leitung der Verwaltung in einer ſo *“- =-752 2721 445, 3275 12 D= ſo ausgedehnten Sphäre unumgänglich nöthigen Ei» genſchaften beſäßen, indem ſie vielmehr von Jugend auf zu Staats- und Kriegsdienſten, u. dgl. beſtimmt zu werden pilegen, ſo haben ſie wohl mehrentheils eines Stellvertreters nothig, in deſſen Hände ſie ihre ganze Macht und Gewalt niederlegen, in ſo fern dieß zur oberſten Leitung der Güterverwaltung und Wirth»- ſchaftsführung nothig iſt, und von welchem daher alle übrigen Beamten und Diener ,/ ſo wie vom Cü»- terbeſiger ſelbſt, im ſirengſien Sinne des Wortes ab- hängig ſeyn müſſen. 6. 237. Die Benennungen eines ſolchen oberſten Güter» verwalters ſind ganz willführlich, und daher auch äußerſt verſchieden. Er kann Regent, er kann Direktor, er kann Adminiſtrator, er konn Präfekt,-»er kann Inſpector, oder wie immer heißen, gleichviel, wenn er nur ſeine volle Activität beſißt, welche, wenn er anders wirken ſoll, in keinem Falle, und unter keinem Vorwande, auch nur im Geringſten gelähmt werden darf. ß. 238. Daß ein Mann, dem ein GSutsbeſiter ſein völliges und unbedingtes Zutrauen ſchenken, und dem er ſein ganzes Habe', wie einem andern J<, mit volkom- mener Beruhigung anvertrauen könne, kein gewohn» licher Menſcen, ohne auch nur einmal reiflich über ſeine Wahl nachzudenken, finden könnte, dieß iſt nur allzu Dek, der Landw, 2. Th« 11 1" NMC '== 162== wahr. Eben daher beſtrebe man ſich aber auch mit allem männlichen Ernſte, und mit aller Überlegung, deren man nur immer fähig iſt, dieſe Wahl, die man wie das wichtigſte Familiengeſchäft zu betrachten hat, auf das beſte zu treffen; und hat man einmal einen ſolchen Mann gefunden, der dieſer Stege völlig wire dig iſt, ſo betrachte man ihn auch wie ein foſibares Kleinod, und behandle ihn nicht bloß mit Humani- tät,= denn dieſe Behandlung wird ja bey dem heu-| tigen Grade der Bildung auch Livreebedienien zu Theil= ſondern ſelbſt mit Diſtinction und Freund» ſchaft, ſo wie man mit den nächſten und achtbarſten Mitgliedern der Familie umzugehen pfieget- welches bey dieſem Manne um ſo mehr angehet, da bey ihm eine höhere Bildung, und der Charakter eines Ehrenz mannes ohnedieß immer vorausgeſeßt werden muß, ſo daß man ſich ſeiner nie zu ſchämen hat.= Doch,| ich muß ja ohnehin das beyderſeitige Verhältniß zwi- ſchen dem Gutsbeſiger und ſeinem oberſten Director etwas näher erörtern. S- 230- Von Seite des Charakters ſind die Eigenſchaften, die in keinem oberſien Director ſehlen dürfen/ bep- läufig folgende: 1.) Rechtlichkeit, Treue, Uneigen- nüßigkeit, und das lebhaſteſie Pflicht- und EChrgefühl, im ſtrengſten und höch„en Sinne des Wortes; ſo zwar, daß Manches, was bey einem un- tergeordneten Beamten noch immer tolerirt, wenig- ſiens durch die Finger geſehen werden kann/ einem gewe,- gas== evvm ze==235 22 2.d..> GER ENEN.--MEED ZT-- ZEE IE I< Matine auf ſolcher Stufe ſchon ſehr verarget werden muß.= Eo bin ich z. B. ganz der Meinung, daß der oberſte Dirigent von dem Augenbli>e an, da er entweder von Käufern und Produktienhändlern, oder von herrſchaftlichen Pächtern, oder von den unterge- ordneten Beamten und Dienern Geſchenke annimmt, auch ſchon des Zutrauens, daß man in ihn geſegt, und der Stelle, die er bekleidet, völlig unwürdig iſt. =- Dieß ſcheint zwar etwas hart, und muß bejonder3 allen Jenen, die dgl. Ertragsquellen zu benugen ge- wohnt ſind, und die ſic) dabey-- wenn ſie es anders mit der Pflicht und Ehre eben nicht ſehr genau und ſtrenge nehmen, und das Gewiſſen gehörig einzuſchlä- fern wiſſen= ſehr wohl befinden, im höchſten Grade mißfallen. Aber wahr iſt es doch immer; und ich kann und will nun einmal, weder zu Gunſten der Güterbeſiger, noc) zu Gunſten der Beamten, irgend etwas Anderes, als die reine Wahrheit ſagen..... Warum ſoüte wohl der Handel8mann, der doch zu rechnen gewohnt iſt, dem Oberverwalter ein Präſent machen? Etwa, weil ihm das Geld zuwiver iſt, und weil er daſſelbe ohnedieß weggeworfen haben würde? Doch ganz ſicher nur deshalb, damit er bey Einfkäu- ſen von der Herrſchaft die für ſich möglichſt vortheil- hafteſten Contrafte machen könne, welches auf keinen Fall ohne Verfürzung des Güterbeſigers geſchehen kann.=-- Warum rückt der Pächter mit nahmhaften Geſchenken heran? Etwa um ſolche in den Wind zu ſchlagen? Geniß nicht; ſondern bloß um einen ſo ge- ringen Pachtſchilling als möglich zu zahlen; wodurch doch wieder dem T utsveſißer entgeht.=- Warum end- -| Mi lich darbt ſich ſogar mancher ſubalterne Beamte oder Diener das vom Munde ab, was er ſeinem Ober» beamten als Geſchenk verehrt? Ganz gewiß aus Fei- ner andern Urſache, als daß ihm dieſer durch die Finger ſehe ,/ wenn er ſich einer Vernachläßigung des Dienſtes, oder wohl gar einer Malverſaiion= wenn dieſe nur nicht gar zu arg und gar zu ſchreyend iſt= ſchuldig machen ſollte-= Ein wahrer Chrenmann wird ſich durch derley Speculationen, ſo einträglich ſie auch ſeyn mögen ,/ nie befle>en, und wird über- haupt ſeinen Charakter ſo rein zu erhalten trachten, daß der Gutsbeſiker von Sinnen fommen müßte, wenn er das einmal in ihm geſeßte Zutrouen bereuen könnte, wie ſehr ſich auch Neid, Scheelſucht, und Ohrenblaſerey dieß zu bewirken, die angeſtrengteſte Mühe geben mag. Völlige Reinheit des Charakters iſt immer eine Klippe, an der die Cabale ſcheitern muß, 2.) Gerechtigkeit, Unparteylichkeit, und Humanität gegen alle Untergebene, ſo daß ſie ihn alle wie einen gemeinſchaftlichen Vater zu vere ehren Veranlaſſung finden; vollig überzeugt, daß nur der Pflichtvergeſſende und Ehrloſe zu fürchten, alle Übrigen aber ohne Ausnahme vielmehr allen Schuß, und alles Gute mit völliger Zuverſicht zu hoffen Haben. 3.) Sanft- und Gleichmuth gegen alle Untergebene, bey allen Veranlaſſungen, und unter allen Umſtänden und Berhältniſſen. Wer immer durch heftige Leidenſchaſten hingeriſſen Handlungen zu be- gehen im Stande iſt, die er ſonſt nicht begangen ha- ben würde, und die er daher Urſache zu bereuen Hat, - 165== der taugt für einen oberſten Verwalter nicht, ſo ſehr er auch übrigens dazu qualificirt ſeyn konnte. A) Tyatigbeit"und' Ordnungsliebe, beydes im höchſtmöglichen Grade; theils, weil ohne dieſe Eigenſchaften eine Adminiſtration== wie dieß wohl feines Beweiſes bedarf= auf keinen Fall zwebnäßig geführt werden kann, theils, weil uns die täglicye Erfahrung lehret, daß das Beypſpiel des oberſten Beamten mehr, als alle ſeine auch noch ſo ſcharfen Befehle und Verordnungen zu wirken vermag. FOLG Je vad et erminigter und uner- ſhütterlicher Charakter, ſo daß, wenn er einmal nach reiſlidjer Überlegung und mit gehöriger Bedachtſamkeit Etwas beſchloſſen hat, er auch davon nie, weder auf das Zureden Anderer, noch aus hyvo- genommen werden müſſen. S. 241. Mit dieſen hier ſo eben erwähnten, ſowohl mo- raliſchen als intellectuellen Eigenſchaften ausgerüſtet, wird nun der oberſte Güter- Director alle ſeine Mühe und all ſein Streben dahin wenden, daß er ſammt- liche Kräfte aller Art bey der Wirthſchaft8-Verwaltung ſo vertheile, und ſo anwende, damit nothwendiger Weiſe der leßte Zwe unſeres Gewerbes, d. i. der größtmöglichſte reine Gewinn zum Vor- ſchein komme. Er wird daher die möglichſt größte Menge und Mannigfaltigkeit der edelſten Produkte Durch die möglichſt ſparſamſte Anwendung der Kräfte aller Art zu erzielen, die erzielten Produkte und Ma- ferialien auf das zwe&mäßigſte aufzubewahren und zu verwenden, die zwiſchen muthwilliger Verſchwendung und ſo alberner als ſchädlicher Kni>kerey das goldne Mittel haltende Sparſamkeit in allen Wirthſhafts- und Verwaltungszweigen einzuführen, die dem Pro- duftenhandel günſtigen Conjuncturen und Zeitpunkte =-> &w BW 3D2 I 9253 2 SR SIE SENEN--- SEDE"77 4 GAEIES SEE"0 WD Me 1 = 1689,= auf das ſorgſfältigſte zu beobachten, und ſowohl das nöthige Betriebskapital als alle übrigen zu einer Wirtyſchaftsführung nöthigen Mittel immer zu rechter Zeit zu beſorgen wachten 3 kurz/ er wird ch in jeder Hinſicht ſo benehmen, Daß die Verwaltung ſelbſt ein nicht unzweydeuti,es Zeugniß an den Tag lege, daß ein Munn von Keantniſſen, von Thätigkeit, von Pflicht gefühl, und von Chre an dem Ruder ſiehe« G- 242. Die einzelnen Pflichten und Obliegenheiten des oberſten Verwalters alle herzuzählen, und ſte bis ins kleinſte Detail zu verfolgen, würde Bände füllen, wo» mit aber dem Publikum um ſo weniger gedient ſeyn konnte, da ſie ja doch ohnedieß aus den allgemeinen Grundſägen hergeleitet werden können.=- Indeſſen kann ich doch nicht umhin meinen Leſern hier ein paar Maximen, ſo wie ſie mir von ſelbſt aufgeſtoßen ſind, zu einiger Orientirung wie auch alles Übrige aus den oberſten Grundſägen herzuleiten ſey, mitzu» theilen: Der oberſte Güterverwalter führe ſeine Wirth- ſchaft auf die einfachſten aber vollkommenſten Grund- ſäße zurü>, damit er nicht etwa über zu vielerlep Kleinigkeiten gerade das Wichtigſie verſäume.*) Er habe den legten Swe> der Wirihſchaftsver- waltung immer lebhaft vor Augen, und verwende ſämmtliche Kräfte, die ihm zu Gebothe ſtehen, ſo, daß Alles nothwendig dazu beytragen müſſe- dieſen aufs vollkommenſte zu erreichen. +) f. Karbe's Fruchtwechſelwirthſmäßig geführte Rechnungen am beſten erſichtlich machen, wie, und in wie ſern etwa noch der bisherige Wirth- ſchaftsplan abzuändern und zu verbeſſern ſey. Gr überhäufe die wirthſchaftführenden Beamten nicht mit unnüßen und überflüßigen Schreibereyen, worüber ſie etwa die Auſſicht auf die Wirthſchaft zu vernachläßigen gezwungen werden könnten. Er ſorge für möglichſt genaue Vermeſſung, Map- pirung, und Beſchreibung des Landguts, oder der Landgüter, denen er vorſteht; weil ohne dieſe Be- dingniſſe nie ein vernünſtiger Wirthſchaſts- und Ber» waltungsplan gemacht werden kann. Er mache ſeinen Verwaltungsplan ſo, daß daraus plar und deutlich hervorgehe, was er durch die Admi- niſtration bezwe&en wil, und wie und auf welche Weiſe er dieß zu erreichen gedenkt. Auch ſey er dabey vor Allem ſorgſältigſt auf der Huth, daß er nicht etwa durch Verbeſſerung und Vervollkommnung ein- zelner Liebling8zweige, und dagegen deſio größerer Wornachläßigung der andern, ein lächerliches Stü>- und Flidwerf hervorbringe; indem nur durch Einheit des Ganzen, und durch kräftiges Zuſammenwirken und zwec>mäßiges Jneinandergreifen„aller einzelnen 9Wirthſchaft8zweige, eine wahre und ächte Vollkom- menheit, die ſelbſt bey jedem Kenner für die Güte der Verwaltung ſpricht, erreicht werden kann.„, Wer nicht Kraſt und Muth hat/ Schritt vor Schritt, Langſam und mit Beſonnenheit und Umſicht, aber S8 UNBE== Alles umfaſſend, das Werk der Vervollkommnung zu beginnen, wer da glaubt, dieß beſtehe darin ,/ bey einzelnen Theilen augenbli>liche glänzende Erfolge herbeyzuſühren, während das Ganze vernachläßigt bleitt, der fange doch lieber gar nichts an, und bleibe bey der Weiſe der Väter. Er kommt damit am Ende, Anſtrengungen und Erſolg genau gegen einander ad- gewogen, gewiß weiter„“ ſagt Rudolf Andre ſeyr richtig in ſeinen trefflichen Jdeen über die Verwaltung landtäflicher Güter. Iſt er einmal mit ſeinem Wirthſchaſts- und Ver- waltungsplane im Reinen, ſo mache er auch jeden Subalternen/ vom erſten bis zum geringſten, in ſo neit er Jeden angeht, mittelſt einer klaren und deut- lichen ſchriftlichen Inſtruction mit demſelben bekannt damit Jeder genau wiſſe, wie, und in wie ferne er zur Erreichung des durch den Plan beabſichtigten. Zwedes mitzuwirken habe. Er halte aber auch mit aller Strenge darauf, daß alles Das, was hiedurch befohlen worden, auſs genaueſte, pünktlichſte, und buchſtäblichſte befolgt werde, ſo daß keiner ſich unter was immer für einem Vorwande beyfallen laſſe, das was verordnet worden, nach ſeiner Weiſe zu deuten oder zu modificiren, noc< viel weniger aber auch nur das Geringfügigſte zu unterlaſſen, oder bloß deſſen Ausführung auch nur eine Stunde zu verſchieben. Bey der Beſetzung der verſchiedenen Stellen, und bey der Vertheilung der Geſchäſte unter das Wirth- ſchaftsperſonal, ſorge er vorzüglich dafür, daß die Herrſchaft zwar nicht mit. überſlüßigen Beamten und Dienern aller Art unnüß belaſtet werde, daß aber | 4 | 11 = 174== auch deren immer eine hinlängliche und vollig verhält- nißmäßige Anzahl vorhanden ſey, damit nicht etwa manchen Individuen mehr aufgebärdet werden müſſe, als ſie auch menſchlicher Weiſe gut und zwe&mäßig verrichten können. Beſonders hüthe er ſich einem und demſelben Jndividuum ganz verſchiedenartige Geſchäſte zuzutheilen, da denn ſicher entweder eines oder das andere ganz vernachläßiget, oder alle nur obenhin und ſchlecht, höchſtens mittelmäßig beſorgt werden. Er richte die Behandlung und Beſoldung ſäammt- licher Beamten und Diener jedes Grades ſo ein, daß jeder ſich nothwendig glü>lich fühlen müſſe. Nur durch dieſes Mittel wird man immer mit guten tüch- tigen und ehrlichen Leuten verſehen ſeyn, und dieſe auch auf die Dauer im Dienſte erhalten können. Im entgegengeſesten Falle wird ſich ſehr natürlich jeder rechtliche und geſchi>te Mann in Entfernung halten, ſo daß man zuleßt nur mit Schla>en und Auswurf umgeben ſeyn wird; und dann wird wohl weder durch Drohungen und Strafen, nod) durch Controilen und EGinſchränfungen, oder durch irgend andere Mittel Wieles auszurichten ſeyn« Er trachte, ſo viel nur immer mögt Jeden an den Plag, für den ihn die Natur ſelbſt beſtimmt zu Haben ſcheint, und für den er überhaupt durch ſein'n Bildungsgtad ,/ ſeine Erziehung, ſeine zur Natur ge- wordene Gewohnheit, und andere. Umſtände, am paſſendſten iſt, zu ſeen; und hat er ihn einmal ds, ſo yuthe er ſich auch ibn ſo leicht ander8wohin zu ver- ſeen, da dieß immer Nachtheil mit ſich führt. Vor Allem ſchadet das öftere Verſeßen der wirthſchaftfüh- bu dne TENE ZEN Gd renden Beamten, die oft ein paar Jahre brauchen, um ſich an ihrem neuen Plate gehörig zu orientiren, bis zu welcher Zeit ſie doch auch beym beſien Viben, und bey größter Anſtrengung nur ſehr wenig nüßen können. Er gebe alle ſeine Verordnungen und Beſehle im- mer mit größter Discretion und Humanität, dulde aber nie, daß dieſelben auch nur im geringſien über- treten werden. Fügt es ſich, daß eine ſeiner früheren Verordnungen durch eine neue aufzuheben oder abzu- ändern iſt, ſo gebe er dieſe leßtere jederzeit in ſo be- ſtimmten Ausdrüc>en ,/ daß ſie auch nicht der mindeſien Zweydeutigkeit unterliegen könne, damit er nicht ſelbſt dadurch ſeinen Untergebenen Gelegenheit zu fahlen Entſchuldigungen gebe. Er baue zwar allerdings überall die nothigen Wirthſchaftsgebäude, wo dieſe noch nicht vorhanden ſind, aber immer nur da wo ſie wirklich nöthig ſind, und nach den ſtrengſten Grundſäten der Sparſamkeit auf die möglichſt wohlfeilſte Art, überzeugt, daß jede Baute, ohne welche die Wirthſchaft eben ſo gut be- ſtehen kann, und jedes Gebäude, das koſtſpieliger iſt, als es nothwendiger Weiſe ſeyn mußte, dem Eigen- thümer nur zum Schaden gereichen kann. Wie man- für die Zukunft hervorbringen müßte. 3.) Er beſtimme ihm eine Beſoldung, die ihn nicht nur über Noth und Dürftigkeit hinwegſeßet denn dieß muß ja ſelbſt bey den geringſten ſubalternen Beamten, ja ſelbſt bey den Dienern jeder Art ge- ſchehen, ſondern eine ſolche, daß er ſammt ſeiner ganzen Familie in völliger Wohlhabenheit, und ganz ſeinem Nange und Stande gemäß leben könne. Eben daſſelbe iſt in Hinſicht einer Penſion oder Remu- neration zu beobachten. Wer immer in dieſem Punkte Fniert und knauſert, wird nie einen Mann finden, oder erhalten, wie er für einen ſo erhabenen Poſten allein nur tauglich iſt; und er wird daher immer nur ſeiner eignen Filzigkeit zuzuſchreiben haben, wenn ſein Vermögen ungeſchi&ten und untreuen Händen anver- trauet werden muß, in denen es ſicherlich gleich dem Schnee wegſchmelzen wird, Das bekannte Avarus bis Solvit bewährt ſich hier ſo wie in allen Verhältniſſen des Lebens. h.) Er miſche ſich nie und unter keinem Vor- wande in die Geſchäfte des Güter-Directors, ſobald er ihn einmal zu ſeinem Stellvertreter ernannt, -> FW 206.4 weten Een gare 00 Sir SEI| Sis Td 4-. ZU-> und ihm die Vollmacht in ſeinem Namen zu handeln übergeben hat; indem zwey Dirigenten in einer und der- ſelben Sache nie beſtehen können, ohne daß Unord- nung und Schaden die Folge davon wäre. Alles was der Güterbeſiger thun kann und auch thun ſoll, iſt, daß er nachſehe, ob der Director wirklich in Allem nach der Übereinkunft handle, vermöge welcher ihm dieß anſehnliche Amt anvertrauet wurde, und ob er daher des in ihn geſesten Zutrauens auch würdig ſey. Weiter gehe er aber keinen Schritt, wenn er nicht ſeinem Director den Dienſt verleiden, und zu ſeinem eignen unausbleiblichen Nachtheit handeln will. G. 245 Ganz anders verhält ſich die Sache, wenn der Gutsbeſiter ſelbſt die Amtsgeſchäite des oberſten Diri» genten übernimmt, da den ſein erſter Beamter, wie er auch immer heißen mag, bloß ſein Supplent und Amtsgehülfe iſt, dem weiter ſonſt nichts obliegt, als das, was ſein Herr beſchloſſen und verordnet, gehörig auszuführen/ und ausführen zu laſſen, die nöthigen Juſpectionsreiſen an ſeiner Statt vorzuneh»- men, und ihm über Alle3 wa3 geſchehen und nicht ge cjehen iſt, getreuen Bericht zu erſtatten. Hat er Dieß alles gethan, ſo kann er übrigens durchaus fei- ner Verantwortung unterliegen, wenn die Adminiſtra- tion auch noch ſo ſchlecht gehen ſollte, da die Schuld in dieſem Falle bloß dem Güterbeſiger als dem eigent- lichen Oberdirigenten, der ſich ſeiner nur als eines paſſiven Werkzeugs bedient, ſelbſt beygemeſſen wer- den muß.= Das Verhältniß zwiſchen bepden muß aber in einem ſolchen Falle immer ſchon im Voraus ſehr genau beſtimmt werden, wenn ein auf dieſe Art bloß ausführender und inſpicirender aber nicht diri- girender Oherbeamter nicht in unendliche Schwierig» Feiten und VWerdrüßlichkeiten verwi>elt werden will. Stellt er ſich in dieſer Hinſicht nicht gehörig ſicher, ſo kann es bey einem unbilligen Gutsbeſißer leicht ge- ſchehen, daß ihm jeder ungünſtige Erfolg der Admi- niſtration zur“ Laſt gelegt wird, ſo wenig auch ſein Herr ermangeln wird, alles Gute und Günſtige ſich ſelbſt beyzulegen und ſich damit zu brüſten. Kurz» Behutſamkeit und Vorſicht iſt unter ſolchen Umſtäy- den im ſtrengſten Sinne nothig, um nicht, wenn auch nicht8 anderes, doch ſeinen guten Nuf, und ſeinen guten Namen unverſchuldet zu verlieren.=- Chre iſt unter dieſen Verhältniſſen wohl ohnedieß nicht viel einzuernten, e3 müßte denn der Gutsbeſiker ein völlig rationeller und umſichtiger Landwirth ſeyn, welches doch eben nicht ſehr oft der Fall iſt; und ein Ober- beamter dieſer Art ſvielt daher eine Rolle, um die ihn gewiß nicht einmal ein Subalterner, der nur in irgend einem ordentlichen Dienſte ſteht, beneiden darf. S. 26. Da Männer von ſo erhabenen und umfaſſenden moraliſchen und intellectuellen Eigenſchaften, wie wir ſie oben von einem oberſten Güter-Director forderten, wirklich eben nicht ſehr häufig zu finden ſind, ſo ge- rieth man in den neuern Zeiten an vielen Orten, wo ſich's um die Verwaltung ſehr großer und ausge« dehnter Güter handelt, auf den Gedanken, die oberſte 198:=< Leitung der Verwaltungsgeſchäfte einem aus mehreren Individuen beſtehenden ,/ und einen moraliſchen Kör- per formirenden Collegium zu übertragen, welches man gewöhnlich Direction oder Adminiſtra- tion zu nennen pfleget.= Von den einzelnen Mit- gliedern einer ſolchen Direction, die nach Wilkähr und nach Belieben, bald Wirthſchaftsräthe, hald Direction3- oder Adminiſtrations- Näthe, hald Directions- oder Adminiſtra- tion38- Aſſeſſoren, u. ſ- w. genannt werden, wird außer jenen allgemeinen Eigenſchaften, die bey jedem Beamten höheren Ranges vorausgeſeßt werden müſſen, weiter nichts gefordert, als daß ein jeder in einem beſtimmten Zweige der Wirthſchaft und Ver» waltung, z- B-. der eine in dem Akerbaue und in der Viehzucht, der andere in der Forſtkultur, der dritte in der Rechnungsführung und Rechnungslegung, fo wie in den Neviſorats-(Gractoral-) und Buchhalterey- Geſchäften, der vierte in der Feldmeßkunſt und Bau- kunde/ der fünfte im Juridiſchen, u. ſ- w. ganz be- beſonder8, und ſo vollkommen als nur immer mög- lich, bewandert ſey, ſo daß alſo die moraliſche Perſon eines ganzen derley Körpers, wenn die Wahl ſeiner einzelnen Mitglieder anders nicht allzu ſchlecht ge- ſchieht, allerdings mit jenen Qualitäten, die ein ober- ſter Güter- Director haben muß, ausgerüſtet iſt.=- Wird einer ſolchen Direction die gehörige Activität und Macht gegeben, wie ſie ſolche, ſoll ſie wirken, haben muß, ſo kann zwar die Verwaltung immerhin recht gut und zwebmäßig von Statten gehen, und ſie hat überdieß noch beſonder3 das Gute, daß die Wahl jedes einzelnen Mitgliedes derſelben eben nicht ſchr ſchwierig'iſt; jene Kraft und Energie jedoch/ jene zu einem und demſelben Zwe&e zuſammenwirkende Ein- heit, und jene Schnelligkeit in allen Geſchäften der Verwaltung, die man bey gut getroffener Wahl eines einzigen oberſten Güter- Verwalters beym erſten Bli>e bemerfet, wird man von einer ſolchen zuſammenge- ſebten Güter- Direction vergebens erwarten. J< könnte dieſen Satz leicht mit nahmhaften Beweiſen belegen, indem wir der Güter»- Adminiſtrationen beyder Art in Menge haben, da jedoch dieß zu Gehäſſigkeiten Anlaß geben könnte, ſo überlaſſe ich es einem Jeden meiner Leſer ſelbſt derley vergleichende Betrachtungen anzu- ſtellen, und ſein Urtheil darnach zu beſtimmen. Das kann ich jedoch hier keineswegs verſchweigen, daß eine jede ſolche zuſammengeſeßte Güter- Direction, ſobald ihr der Gutsbeſiger ihre Activität benimmt, und ſich in ihre Geſchäfte mengt, die ſchlechteſte aller Admini«- ſtrationen iſt, weil dann immer nur einige Lieblinge und Schmeichler die übrigen Mitglieder beherrſchen werden, wodurch nothwendig der Cabale und Jutrigue Thür und Thor geöffnet wird, welches eine allge» meine Demoraliſation der ganzen Verwaltung zur unausbleiblichen Folge hat. 22 7/3 2 2 75 > 22> u - 1385= 18.4 2/M AURA: Von den Diſtrikts- und Lokal- Verwaltern z und von den dieſen leßtern untergeordneten Amtsgehülfen. G. 247. Diſtrict3-Verwalter, oder Diſtricts- Dirigenten nenne ich jene Oberverwalter, welche, ob ſie gleich ſchon einen anſehnlichen Körper von meh- reren oft ſehr ausgedehnten Gütern unter ihrer une mittelbaren Leitung und Aufſicht haben, dennod) im- mer von einem oberſten Director, oder einer oberſten Direction abhängig ſind, wodurch ißhre Macht und Activität, je nach der verſchiedenen Organiſation der Verwaltung, bald mehr bald weniger beſchränkt wird. Dergleichen ſind bey uns die P räfecten beym Fürſten Eßterhäzy, oder die Inſpektoren auf den gräfl. Kärolyſchen Gütern ,/ u. m. a.= Lokal-Verwalter nenne ich dagegen jene Diri- genten einzelner aus mehreren Dörfern, Meyereyen und Allodien beſtehender Güter, die bey einem größern Güterverein von den erſterwähnten Diſtricts- Verwal- tern abhängig ſind, ſonſt aber, wo dieſe etwa überfglüßig wären, wohl auch dem oberſten Güter- Director, oder der oberſten Güter- Direction unmit» telbar untergeordnet ſeyn können. Die Verwalter dieſer Kategorie führen bey uns gewöhnlich den Na- men Hofrichter(ungr. Tiszttarto), ob ſie gleich | öfters, beſonders auf kleinern Gütern ,/ wo ſie zugleich = DID Rechnungsführer ſeyn müſſen, auch Rentmeiſter und vi! Kajiner gengaant werden. für SI de S- 248."“ Die gemeinſchaftliche Obliegenheit dieſer ſubordi-|& nirten Güter- Verwalter ſowohl höherer als minderer ſi Art, iſt die Leitung und Verwaltung ſämmtlicher in Wirthſchaftszweige, und vor Allem, die des A>erbaues ol und der Viehzucht, und die unmittelbare Inſpection| 1m ſämmtlicher ihnen untergeordneter Beamten und Die- zu ner; jedoch) ſo, daß alles Dieß immer nur nach der 187 Vorſchriſt des oberſten Directors oder der oberſien 1 Direction geſchehe.| oe | ei In Hinſicht der größeren Empfänge und Veraus-| k: gabungen, dgl. der Verkauf der Wolle, der Verkauf VP einer größern Quantität Getreides, oder einer größern ZJ Anzahl Viehes, die Abſchließung von Conirakten, wo» a durch der Empfang oder die Verausgabung irgend ei»| ir ner größern Summe ſtipulirt wird, u. ſ. w. ſo wie| k in Hinſicht der etwaigen Veränderungen und Melio»- 9 rationen, die in irgend einem Wirthſchaft8- oder| y VWerwaltungszweige vorzunehmen ſind, oder in Hin»| li ſicht der zu errichtenden Gebäude, beſonder3 wenn| y dieſe etwas größere Koſten verurſachen, u. ſ. w. ſind" di ſe Dirigenten beyderley Art, je nach der ver- ſchiedenen Organiſation der Verwaltung, und nach ihrer verſchiedenen Kategorie, bald mehr bald weniger eingeſchränkt, und müſſen daher auch jede8mol, ſo« bald etwas über die Grenzen ihrer gewöhnlichen Acti- =“ 1&7= vität hinausgehet/ darüber Bericht erſtatten, und ſich für einen jeden ſolchen beſondern Fall, auc) beſon- ders activiſiren laſſen, bevor ſie irgend Etwas unter- nehmen, was ihre gewöhnliche und inſtructionsmäßige Sphäre überſteigt. Dieſen Amtsbericht haben=- wie ſich's von ſelbſt verſteht=- die Diſtricts- Verwalter immer an den, oberſten Güter- Director, oder die oberſte Güter- Direction, die Lokal» Verwalter aber nur an den ihnen vorgeſeßten Diſtricts- Ve: ralter zu erſtatten/ der ihn/ je nach der Größe des vor- zunehmenden Geſchäfts, und je nach ſeiner verſchie- denen Activität, entweder ſogleich ſelbſt erlediget, oder ihn der oberſten Güter-Direction zur Erledigung einſchifet, und dieſe dann, ſobald ſie angefommen iſt, dem Lokal- Verwalter mittheilt.=- Nur da, wo peine Diſtrict3- Verwalter exiſtiren, müſſen die Lokal- Verwalter ſowohl in dieſen als in allen ähnlichen Fä en mit der oberſten Direction unmittelbar, ſonſt aber immer nur mittelſt ihres Diſtrict8»- Verwalters in ämtlicher Verbindung ſtehen, widrigenfalls dieſer leßtere bloß zu einer elenden Puppe und einem niedri- gen Spione herabgewürdigt wird, der bey ſeinen Untergebenen nothwendiger Weiſe alle Achtung ver- lieren muß, und wozu ſich daher kein rechtlicher Mann und kein Mann von Ehre, der ſeinen Werth nur ei- nigermaaßen fühlt, hergeben kann. S. 250. Die Eigenſchaften dieſer untergeordneten Wirth- ſeln könnte. 4.) Eine gute, humane, und Zutrauen einftöoßende Urt, mut. ablenmfububter numm Beamten und Dienern umzugehen, welche von der das Anſehen benehmenden Familiarität, und == 22 7 e.-- von den in jedem Vorgeſeßten verhaßten Untugenden des Hochmuths und der Brutalität in gleichem Grade entfernt ſeyn muß, : 6. 251. Damit der Diſtkrict3» Verwalter nie gegen die höheren Verordnungen in irgend einem Punkte vero ſioße/ iſt es nothig: 1.) Daß er außer ſeiner eigenen und aller ſeiner Untergebenen allgemeinen Inſtruction, auch alle ſpä» teren Verordnungen der oberſten Direction genau wiſſe, wes8halb er auch immer ein eigenes Protokoll darüber führen oder ſühren laſſen muß; 2.) daß er öſtere ämtliche Conferenzen ſowohl mit ſeinen ſämmtlichen Lokal- Verwaltern, als allen übrigen Beamten höherer Art, dgl. die Buchhalter und Reviſoren( Exactlores), die Oberbeamten der Forſtkultur, die Vorſieher des Bauweſens, und ver- ſchiedener techniſcher Gewerbe, u. ſf. w., ſo wie mit den Fiſkalen(in Teutſchland Juſtiziärs genannt) halte, damit er durch Anhörung dieſer verſchiedenen Chefs der einzelnen Verwaltungszweige ſeine eigenen Anſichten, wo es etwa noch nöthig ſeyn könnte, um ſo mehr berichtigen, und um ſo ſicherer das Wohl und den Nuten des Güterbeſißers beſorgen könne; 3.) daß er in unaufhörlicher ämtlicher Verbin- dung und Correlation mit der oberſten Direction ſtehe, welches theils durch ſeine periodiſchen, theils=- wenn vielleicht Etwas beſonders dringend wäre= durch ſeine außerordentlichen Amtsberichte, ſo wie durch == 1905== ſeine ämtlichen Anfragen, was etwa in zweifelhaften Fällen geſchehen ſollte, erzwe>et wird; 4.) daß, wenn bisweilen Etwas, wa3 ſeine Acti- vität überſchreitet, ſo dringend iſt, daß es ſchlechter- dings ausgeführt werden muß, ohne daß es Zeit wiſt die Genehmigung der oberſten Direction abzuwarten, er die ganze dießfällige Verantwortung bloß auf ſich allein nehme, und daher den Befehl zur Ausführung den betrefſenden ſubalternen Beamten in beſtimmten Ausdrü>ken und mit ſeiner Namens» Unterfertigung ſchriftlich herausgebe, widrigenfalls ihm, bey jeder or- dentlichen Einrichtung der Verwaltung, in einem ſol» , ohne den min» deſten Zeitverluſt, und ohne den geringſten Anſtand, Über Alles was er gethan oder nicht gethan, Rede und Antwort geben könne. Da, wo es keine Diſtricts- Verwalter giebt, und wo folglich die Lokal»- Verwalter unmittelbar von der vberſten Direction abhängen, iſt alles hier Geſagte auch von dieſen zu verſtehen. CG. 252. Das Anſehett dieſer(ubalternen Directoren, in- ſouderheit das der Diſtricts- Verwalter, muß immer - 191== mit ihrem Amte in gehörigem Verhältniſſe ſtehen, und mit größter Sorgfalt erhalten und befördert wer» den, weil ſie nur dann die gehörige Ordnung halten, und mithin wirklich mit Vortheil für den Gutsbeſiger die ihnen übertragene Leitung und Aufſicht der Vei- waltung beſorgen können, wenn ſie bey allen ihren Untergebenen in gehörigem Anſehen ſtehen.= Ob- gleich daher das Aufnehmen und Verabſchieden, ſo wie die Gehaltsbeſtimmung ſämmtlicher Beamten und Diener(bloß das eigentliche Geſinde etwa ausgenom»- men) bey jeder guten und zwe>mäßigen Verwaltungs- Organiſation allerdings der oberſien Büter- Direction vorbehalten bleiben muß, ja wohl öfters, beſonders bey etwas höheren Beamten, zum Überfluße, ſogar noch vom Güterbeſißer beſtättiget zu werden pfleget, ſo muß es doch jedem ordentlichen Diſtrict8-Berwalter (oder auch dem Lokal-Verwalter, wo dieſer unmittel- bar von der oberſten Direction abhängt) völlig frey geſtellt ſeyn- jedem, auch dem höchſten ſeiner Subal-» ternen, wenn er es etwa verdienen ſollte, ämtliche Verweiſe zu geben ,/ oder eine ſeinem Verſchulden an- gemeſſene Strafe über ihn zu verfügen; ja wenn Je- mand ſich ſo weit vergeſſen könnte, ſich eines ſo großen Vergehens ſchuldig zu machen, daß er entlaſſen zu werden verdiente, dieſen augenbliFlich vom Dienſte zu ſuſpendiren, und der oberſten Güter- Direction zur Entlaſſung vorzuſchlagen, welche aber in dieſem Falle die Entlaſſung auch ohne Nachſicht und unausbleiblich ausſprechen muß, wenn nicht eines Niederträchtigen wegen das Anſehen und die Auctorität eines ehrlichen Mannes, und mithin auch ein großer Theil ſeiner = 192=-- Wirkſamkeit verlohren geven ſoll,= Theils damit das ſo nöthige Anſehen des Diſtricts- Verwalters ſo- wohl, als jedes andern Vorgeſeßten in Hinſicht der ihm zunächſt Untergebenen beſtens erhalten werde, theils damit durch wißlführliche öftere Abweſenheit der Beamten und Diener jeder Art der Dienſt nicht leide, iſt es unter keinem Vorwande zu dulden, daß irgend Jemand ohne ſpecielle Erlaubniß auch nur auf 24 Stunden, unter was immer für einem Vorwande, ſich von ſeinem beſtimmten und vorgeſchriebenen Wohnorte entferne, gleich einem ordentlichen Militär, der ſich nie ohne Wiſſen und Genehmigung ſeiner Obern von ſeinem Poſten entfernen darf. Dieſe Erlaubniß nun haben das Geſinde und die Diener niederer Art jedes- mal vom Unterverwalter(lspän), dieſer, ſo wie alle übrigen ſubalternen Beamten, und auch die Diener höherer Art, vom Lokal- Verwalter, dieſer endlich, ſo wie andere höhere ihm etwa nicht untergeordnete Veamte, vom Diſtricts» Verwalter einzuhohlen«= Bey dieſem leßtern kann dieß zwar in gewöhnlichen Fällen ſeiner eigenen Discretion überlaſſen werden- weil man bey einem Beamtem dieſer Kategorie noth- wendig vorausſeßen muß/ daß er als Ehrenmann kei- nen Mißbrauch davon machen wird; ſollte er jedo) auf etwas längere Zeit ſich verreiſen wollen, ſo wird er auf jeden Fall zuvor die Genehmigung der oberſten Direction nachzuſuchen haben, welches ſchon deshalb erforderlich iſt, damit die nöthigen Anſtalten ihn zu ſuppliren getroffen werden können.=- Derley Sup- pleiten, wenigſtens für dringendere Fälle zu beſteen, iſt ſelbſt bey etwas längerer Abweſenheit geringerer Beam- Veamten, ja ſogar wichtigerer Diener, ſc, dieſelben zur Ge- nehmigung dahin abzuſchi>en, um ſie baldmöglichſt den contrahirenden Parteyen einhändigen zu konnen. 6.) Er verſertige nach der jedesmaligen Vorſchrift und Beſtimmung der oberſten Verwaltungsbehörde, die Salarial- und Paſſirungs-Tabellen 2 2?7 u Pr ZT 2 Bu ZE O5-- MB- R m) RENN 6== I IRUT 6 feiner ſämmtlichen Untergebenen immer zu rechter Zeit, und übergebe ſie mit ſeiner ämtlichen Unterfer- tigung den betreffenden Geld- und Naturalien- Rech» nungsführern ein- für allemal zur Nachachtung; ſo daß dieſe während des ganzen Jahres,(wenn anders nicht etwa ſelbſt unter dieſer Zeit Veränderungen vor- genommen werden) in Hinſicht aller zu verabfolgenden Gehalte und Deputate, keiner anderen Anweiſung als dieſer amtlich unterſchriebenen Tabellen, zu Belegen ihrer Nechnungen bedürfen. 7.) Gben ſo verfertige er nach Vorſchrift der oberſten Direction die an vielen Orten gebräuchlichen- und, wenn kein Mißbrauch damit gemacht wird, auch nüßlichen, ſogenannten Conduite» Tabellen, worin alle gute und böſe Gigenſchaften aller ſeiner Untergebenen mit größter Aufrichtigkeit und Unpartey»- lichfeit verzeichnet, und welche der erſterwähnten ober- ſten Behörde eingeſchi>t werden. Jn größeren Gütern, wo es ſowohl Diſtricts« als Lokal- Verwalter giebt, iſt es immer.n räthlichſten, wenn dieſe lesßtern die Conduite- Tabellen ihrer Untergebenen ſelbſt verferti- gen, und ſie ihrem Diſtricts- Verwalter einhändigen, der fie dann mit ſeinen Bemerkungen begleitet, und nebſt der Tabelle der Lokal- Verwalter, und anderer nur ihm untergeordneter Beamten, die ihm ſelbſt zu ver» fertigen übrig bleibt, der oberſten Verwaltungsbehörde zur Kenntniß einſchiXet. Dieſe Verfügung hat das Gute, das die untern Beamten und Diener, denen ohnehin am leichteſten zu ſchaden iſt, deſto mehr ge- gen etwaige Parteylichkeit und Ungerechtigkeit ihrer Obern geſichert ſind, indem auf dieſe Art in der oh- «be nedieß immer ſchwierigen Beurtheilung ihres indivi- duellen Werthes eine ſehr natürliche und für ſie im- mer vortheilhaſte Controlle ſtatt findet. 8.) Den Unterthanen ſey er immer ein Vater und Beſchütßer, und leide auch nicht, daß denſelben von irgend einem ſeiner Untergebenen da3 mindeſte Leid oder Unrecht zugefügt werde.=- Rohe und ungerechte Behandlung, und Bedrü&ung und Ausſaugung der Unterthanen iſt auf keinen Fall zu dulden, da ſie dem Gutebeſizer weder Ehre noch Nußen bringt, ja ſelbſt dem Staate zum weſentlichen Nachtheile gereicht, nicht nur, weil derley mißhandelte und daher verarmte Leute die auf ſie falienden öffent- lichen Laſten nicht gehörig zu tragen vermögen, ſon» dern auch, und zwar vorzüglich darum, weil dieſe ſonſt ſo ruhigen, ſo friedlichen, und mit ihrem SchiF- ſale ſo zufriedenen Menſchen, durch eine ſolche un- menſchliche und ungerechte Behandlung leicht ſo unzu» frieden gemacht werden können; daß es nur einige boßhafte Aufwiegler braucht, um ſie in eben ſo viele Rebellen zu verwandeln. J< trage daher kein Be- denken, jeden Oberbeamten, der niedrig genug iſt ſich in dieſem Punkte zu verſündigen, für einen fbrm- lichen Staats8verbrecher zu erklären, und wünſche nichts ſehnlicher, als daß er überall als ſolcher behandelt werden möge. Auch rathe ich jedem Gutsbeſiger, dem an ſeiner Ehre und an ſeiner Wohlfahrt gelegen iſt, und der nebſibey die Pflichten, die er gegen den Staat hat, nicht außer Augen ſeßt, jeden ſolchen Niederträchtigen gleich einem andern Schurken angen- blicklich aus ſeinem Dienſte zu jagen. Er darf dabey EEE DÜ din* ERIK EEREEE S ==“ 197= um ſo weniger eine" Reue beſorgen, als Menſchen von dieſem Gelichter gewöhnlich von einer ordentlichen Wirtſchaftsverwaltung, und einer dadurch allein zu bezwe&enden reellen und nachhaltenden Vermehrung der EGinkünſte vollends Nichts verſtehen, und eben daher ihre Dummheit und ihren Mangel an Kennt» niſſen durch Erpreſſungen zu deFen ſuchen, indem ſie dadurch wenigſtens auf einige Zeit die Einkünfte ihres Herrn zu vermehren trachten, unbefümmert, was dann geſchehen mag, wenn einmal alle Unterthanen muthwillig zu Grunde gerichtet ſind. 9.) Er ſorge immer bey Zeiten für eine hinläng- liche Anzahl guten, ehrlichen, geſchiäten und fleißigen Geſindes, ſuche aber auch daſſel- be durch zwe>mäßige Behandlung und Beſoldung, immer ſo lange als nur möglich, in Dienſten zu erhalten, da ein beſtändiger Wechſel des Geſindes eben(o wenig zum Nußen gereicht, als der Wechſel der Beamten und Diener höherer Art. 10.) Mit ſämmtlichen Nachbarn, worunter ich hier ſdwohl benachbarte Gutsbeſißer ſelbſt, als deren Beamte, Pächter, und Unterthanen verſtehe, halte er ſo viel nur immer in ſeinen Kräften ſtehet, ſtäts Ginigkeit und Frieden, da ewige Zänkerey mit den Nachbarn, oſt wegen den geringſten Kleinig- keiten/ immer ſchändlich und nachtheilig iſt. Sollte jedoch dieſer Friede, ungeachtet ſeines eiſrigen Beſtre- bens denſelben zu erhalten, dennomäßige Controlle der Rechnungs- führer abgiebt. Denn kommt ein Rechnungsführer zum Verwalter, und reicht ihm ſeine Rechnungsbelege zur Unterfertigung dar ,/ ſo darf er nur in ſeinem Protokolle nachſchlagen,-um zu ſehen, ob ſie auch in Allem mit dem unter der Aſſignations- Numer Ein- getragenen übereinſtimmen, und daher äht ſeyen, oder nicht.=“ An manchen Orten nennt man dieß Protokol Commiſſions- Conferenz»- oder Recoänitions8-Protokoll. Erſtere Benennung iſt daher, weil man zwiſchen den Anweiſungen, die entweder der Güterbeſiger ſelbſt, oder deſſen oberſte (Hüter» Directivn/ oder wer immer der dazu activiſirt -=- 2=2z2z 12. 2722..5 0%232.. dD722 m BOE=== iſt, ex plena potentia ohne irgend eine dießfällige Verantwortung giebt, und zwiſchen jenen, welche der Lokal» Verwalter nur unter beſtändiger Verantwortung ertheilt, unterſcheidet, indem man erſtere Aſſigna- tionen, leßtere aber bloß Commiſſionen nennt. Ein Gebrauch, der mir gar nicht übel zu ſeyn, und auch anderwärts Nachahmung zu verdienen ſcheint. Lettere beyde Benennungen aber-haben ihren Grund darin, weil oft wegen jeder Kleinigkeit, und wegen Dingen, die auf jeden Fall in Empfang genommen, vder verausgabet werden müſſen, die vorläufige An- weiſung des Verwalters nicht abgewartet werden kann- ſondern nachher erſt des8halb die nöthige Conferenz mit ihm gepflogen wird, da er denn dem Rechnungs- führer ſtatt der Anweiſung, die gegeben hätte werden ſollen, einen Genehmigungs» oder Natification8-Schein (Recognition) ertheilt, und dieſe Ertheilung nach ihrer Numer eben ſo in fein Protokoll einträgt.= An eini- gert Orten wird das Aſſigniren den Lokal- Verwaltern durchaus nicht überlaſſen, ſondern es muß jede An- weiſung oder jeder" Genehmigungs- Schein von det höheren Verwaltungsbehörden, wenigſtens vom Di- ſtricts- Verwalter, eingehohlt werden, Dieß mag wohl bey geringer Ausdehnung, und wo noch überdieß die Güter vollig arrondirt ſind, immerhin angehen, bey ſehr großer Ausdehnung und etwaiger Zerſtreuung der Güter aber wird es doc, ohne erſt lange unter den Acten herumzuſuchen, jede ſeiner Handlungen verantworten könne. 7.) Die Abrechnung der Frohndienſte oder den ſogenannten Robot- Comput beſorge er alle Jahre, nach Vorſchrift der königl. Urbarial- Verordnungen auf das Genaueſte, und dulde durchaus niht, daß dieſe Dienſte der Unterthanen zu irgend etwas Anderem als zum Nuten der Herrſchaft verwen- det werden. 8.) Er leide keine8weg8 und unter keinem Vor» wande, daß die Unterthanen durc irgend Je- manden ſeiner Untergebenen gedrü&>t und ausge- ſaugt werden. Zwar fordere er von ihnen aller- dings, was nach den Geſezen und Verordnungen zu| ſordern iſt, allein dieß geſchehe alles mit möglichſter| Humanität, und nie erlaube* er ſich oder ſeinen Un- tergebenen auch nur die geringſte Ungerechtigkeit odex Unmenſchlichkeit. Jm Gegentheile beſtrebe er ſich, dieſe Leute durch alle nur in ſeiner Macht ſtehende Mittel zu größerem Fleiße und zu beſſerer Cultur zu vermögen, überzeugt, daß durch die verbeſſerten Um- ſtände der Unterthanen, und durch die größere Wohl- Habenheit derſelben, ſowohl der Grundherr als der Staat gewinnen müſſe. 9.) Er trachte nach Möglichkeit ſämmtliche ſeiner Sorgfalt und Leitung anvertrauten Meyereyen und. Allodien mit dem beſten Geſinde zu verſehen, weil ohne dieſem, ſo wenig als ohne zwe&mäßigen Werk- zeugen, nirgend etwas Gutes in der Wirthſchaft gerich- tet werden kann. Damit aber ſolche Dienſtbothen auch gerne längere Zeit in Dienſten bleiben ,/ ſo dulde er durchaus nicht, daß ſie von irgend einem ſeiner ſubal- ternen Beamten und Diener ungerecht oder unmenſch- lich behandelt, und dadurch gleichſam gezwungen wer- den, ſich um andere Dienſte umzuſehen. 10.) Eben ſo beſtrebe er ſich ſämmtliche ſeiner unmittelbaren Verwaltung übergebenen Güter mit allerley Kräften anderer Art, als mit Zugvieh, mit AFergeräthe, mit Nugviceh, etc. etc. ſo wie mit dem überall ſo nöthigen Betriebskapitale. be- ſtens auszuſtatten, da ohne die nöthigen Kräfte und Mittel zum Zwecke, dieſer in keiner Sache gehörig erreichet werden kann.= Sollte er auf wiederhohlte Vorſtellungen, die er de8halb den höheren Verwal- tungsbehörden gemacht hätte/ die nöthigen Mittel zur eigenen Bewirthſchaftung der ihm anvertrauten Güter durchaus nicht erhalten können, ſo ſchlage er lieber vor, nur einen den wirklich vorhandenen Kräſten an» gemeſſenen Theil der Wirthſchaft in eigener Regie zu behalten, und alles Übrige in Pacht hintanzugeben/ weil auf jeden Fall die eigene Bewirthſchaftung der Landgüter nur in ſo ſerne einen Vorzug vor der Verpachtung haben kann, wenn es nebſt der Intelli» genz und Induſtrie des verwaltenden Perſonals, nicht an den verhältnigmäßigen Kräften fehlet, wogegen bey dem mindeſten Mangel dieſes nothwendigen Be- dingniſſes ſicher durch die Verpachtung ein weit größe- rer Vortheil für den Gutsbeſiger erwachſen wird.= Nichts Jämmerlicheres läßt ſich denken, als eine ohne Kräſten kümmerlich erzwungene Nothwirthſchaft, die gleichſam die Unwiſſenheit ihres Beſigers und ſeiner Stellvertreter in den erſten“ Grundzügen der Verwal- tung an der Stirne trägt. ,, 11.) Sämmtliche bey der Wirthſchaft ſich ereig» nenden Arbeiten vertheile er nach den Grundſägten einer vernünftigen Verwaltung unter das verſchiedene Geſinde und andere Arbeiter von Woche zu Woche ſo, und laſſe ſie wieder von ſeinen ſubalternen Beamten von Tag zu Tage ſo vertheilen, daß nirgend die ge- ringſte Sto>ung zu beobachten ſey, fondern, daß die ganze Wirthſchaft gleich einer wohlgeordneten Maſchine ihren ununterbrochenen und ungeſtöhrten Gang ruhig ſortgehe, und jedem fundigen Beobachter ſchon von der Ferne ankfündige, daß ein Mann von praktiſchen Kenntniſſen das Ruder führe, -€ 206== 12.) Er trage die möglichſte Sorge, daß ſämmt- liche innerhalb ſeines Wirkungskreiſes erzeugte oder erkaufte Naturprodukte und Materialien, aufs beſte und zwe&mäßigſte verwendet werden, und daß überhaupt bey ſeiner ganzen Verwaltung die größte vernünftige Sparſamkeit herrſche, ohne je- doch deshalb in ſchmutigen Geis und Knauſerey zu verfallen, welches oft eine eben ſo gefährliche Klippe für die Wirthſchafts- Verwaltung iſt, wie ſolches nur immer eine leichtſinnige und unbedachtſame Verſchwen- dung ſeyn kann. Gin Mann, der jedes Kreußers we- gen zittert, der ausgegeben werden ſoll, und darüber nicht ſelten den größten Vortheil, der mit ſehr kleinen Auslagen zu erlangen wäre, fahren läßt, taugt über- Haupt zu einem Wirthſchafts- Verwalter nicht. 6. 255. In jedem größeren, aus mehreren Prädien und Allodien beſtehenden Landgute, ſind außer dem Lokal- Verwalter/ als dem eigentlichen unmittelbaren Wirth- ſcmäßig verwendet werde, und nicht etwa, wenigſtens zum Theil, durch Fahrläßigkeit oder Un- treue der Beamten und Diener dem Eigenthümer ent- gehe, dieß erſicht man aus zwe&mäßig eingerichteten und gut geführten Rechnungen, ohne welchen mark wohl, wenn man auch immer in der Nähe iſt, von dieſem Allem vermuthungsweiſe ſchließen, aber: doch nie völlig überzeugt ſeyn kann. Jede landwirthſchaftliche Rechnung hat alſo den doppelten Zwe: 1.) auszuweiſen, welche Rente uns die Bewirthſchaftung eines Landguts überhaupt, und die Benußung eines jeden Zweiges der Wirthſchaft insbeſondere gewähre, oder welche Zinſen ein gege- benes Landgut als Kapital betrachtet, ſowohl im Ganzen, als in allen ſeinen Theilen abwerfe; und 2.) uns die völlige Gewißheit zu verſchaffen, daß Alles, was durch das Thun und Treiben des land- wirthſchaſtlichen Gewerbes hervorgebracht wird, auch beſtens erhalten, und vor Fahrläßigkeit ſowohl, als vor Veruntreuung möglichſt geſichert werde. Dek, der Landw, 3. Th« 14 --» 210= C. 257. Damit eine Rechnung dieſer ſo eben erwähnten doppelten Forderung, die wir mit vollem Rechte an ſie machen können, entſpreche, iſt es nothig, daß ſie 1.) genau, und vollſtändig, 2.) klar und deutlich, 3.) kurz und einfach, und 4.) mit den nothigen Belegen(Documenten) verſehen, und gegen jede Controlle und Unterſuchung prob e- haltig ſey GS. 258- Die Art und Weiſe eine Wirthſchaftsrechnung zu führen, iſt, wenn wir auf die kleinſten Unterſchiede achten wollen, bis ins Unendliche verſchieden, in Hin- ſicht der-=-- eo 1 Naa ii= Jani x> Wwe= we.-..-= Die Geld-Rechnungsführer haben außerdem noh insbeſondere folgende Pflichten auf ſich: 1.) Die Kaſſe, beſonders, wenn eine etwas größere Baarſchaft darin wäre, mit möglichſter Vorſicht und Sorgfalt aufzubewahren; und daher ſowohl, wenn ſie etwa abweſend ſeyn müßten, de8halb die gehörigen Vorkehrungen ſür deren Sicherheit zu treffen, als auch, wenn ſie etwa eine größere Baarſchaft, an. den Eigenthümer oder ſonſt wo immerhin von Amts wegen abzuführen hätten, alle möglichen Klugheits- und =. 216== Sicherheit8maaßregeln anzuwenden, die in einem ſol- t, ſo wird der Tag für die Cenſur beſtimmt und feſtgeſeßt/ an welchem dieſelben ganz zuverläßig zu erſcheinen Haden, Dieſe Cenſur nun iſt weiter nichts anderes, als ein herrſchaftliches Hausgericht, welches über die von dem Neviſorate(Gxactorate) gegen die Nechnungs- führer, oder wohl auch gegen die Verwalter, vorge- brachten Bemängelungen entſcheidet, und alle Jene, die ſich etwa nicht hinlänglich von den gegen ſie vor- gebrachten Beſchuldigungen reinigen konnen, zum ſchleunigen Erſaße des der Herrſchaft auf was immer für eine Art verurſachten Schadens anhält.= Sie iſt zweyſach: die völlig häusliche Cenſur, in welcher bloß das herrſchaftliche Reviſorat und Fiſkalat zugegen ſind, und das Urtheil fällen 3; und die gerichtliche, in welcher nebſt den erſterwähnten herrſchaftlichen Simtern, auch öffentliche Magiſtratsperſonen, pro le- gali testimonio und als Mitrichter, zugegen ſind.= Er- ſiere iſt bey Beamten, die wirklich noch in Dienſten ſtehen, wenn anders das Zutrauen zwiſchen dem Giü- rerbeſiger und ſeinen Beamten nicht vollends erloſchen iſt, bey weitem die gewöhnlichſte; leßtere pflegt nur| dann ſtatt zu haben, wenn entweder Beamte, die ſchon längſt in fremden Dienſten ſind ,/ cenſurirt wer- den ſollen, oder wenn die zur Cenſur vorgeladenen Beamten, bey Mangel an Zutrauen zu dem Guts- beſiger und den Cenſuralbehörden/ und bey Furcht vor etwaiger UnterdrüFung, es ſelbſt verlangen- SIEEEEEINNEN= DIRIE€ KRS EN- neal C. 273. Der Ort, die Cenſur zu veranſtalten, iſt zwar völlig willkührlich; doch pflegt ſie immer entweder im Hauptorte jedes einzelnen Landgutes(in Capite SIN- guli Dominii), oder im Mittelpunkte ſämmtlicher unter einer oberſten Direction ſtehender Landgüter(in Centro omnium Dominiorum), abgehalten zu werden. Erſteres iſt immer räthlicher, weil die bey wſchtigern Unter- ſuchungen etwa nöthigen Zeugen leichter zu haben ſind, und weil überhaupt ſo manche Dinge, beſon- ders bey nur einiger VerwiFelung der Umſtände, viel beſſer aufgeklärt werden können/ wenn man ſie in der Nähe, oder noöthigenſalls wohl gar in fkacie 1oci un- terſuchen kann, während man bey großer Entfernung, beynahe über nichts Anderes, als über die eigentlichen NRechnungsfehler(errores calculi) ein richtiges Urtheil ſällen kann, 6. 274. Der vor die Cenſur geladene Beamte hat ſich mit allem Eifer zu beſtreben, daß er ſowohl in ſeiner ſchon im Voraus dem Reviſorate einzuſchienden ſchriftlichen Vertheidigung, als auch in ſeinen münd- lichen Antworten vor der Cenſur ſelbſt, alles Das, was er etwa zu ſeiner Entſchuldigung, und zur Ent- Fräftung der Bemängelungen vorzubringen weiß; auch glaubwürdig zu beweiſen im Stande ſey; denn vom Reviſorate erwarte er keineswegs, daß es ihn ent- ſchuldigen werde, da es vielmehr ſein natürlicher An- kläger iſt, deſſen Pflicht es mit ſich bringt, auch nicht das Geringſte, was ihm etwa zur Laſt gelegt werden könnte, zu verſchweigen. Alles, was das Ne- viſorat zu Gunſten der vorgeladenen Beamten wirklich thun kann, und nach den Geſegßen der natürlichen Billigkeit wohl auch thun ſollte, iſt, daß es bey et- waigen Kleinigkeiten einige Rükſicht nimmt auf ſolche, die von der Seite bekannt ſind, daß ſie ihrem Dienſte immer mit Pünktlichkeit, Gifer, Treue, und Redlich- keit obgelegen haben, und von denen ſich wohl mit Grunde vermuthen läßt/ daß ſie derley etwaige Feh- ler, weder aus böſem Willen, no< aus Nachlägigkeit begangen haben. 62.2757 Die Amtspflicht des Reviſorats(Exactorats) bey einer Cenſur beſteht darin, die Beſchuldigungen der vorgeladenen Beamten allda vorzubringen, und ſo-| wohl dieſe leßtern ſelbſt, als auc) die Cenſur, nach aller ihrer Möglichkeit, mittelſt vollgiltiger Gründe davon zu überzeugen. Die ſchon vorher eingeſchi>te| ſchriftliche Antwort der beinzichtigten Beamten wird hier von Punkt zu Punkt die Revüe paſſirt, und in ſo ferne ſie wirklich durch vollgiltige Gründe ſich ge- reiniget hätten, oder dieß doch jeßt mündlich zu thun im Stande wären, wird dieß/ ſo wie es Anſtand und Billigkeit fordert, zwar alſogleich anerkannt, wo aber immer die vorgebrachten Gründe etwa nur ſcheinbar ſeyn ſollten, werden ſie durch eine klare und deutliche Replik zu völliger Überzeugung entkräftet, und dann der ganze Schade, zu deſſen Erſaß etwa ein Beam- ter angehalten werden ſoll, auf baares Geld berech- ER 231-- nel,(reducirt), worauf endlich die Sentenz der Cen- ſur erfolget. S. 270. Ob nun aber gleich die Cenſur zu nichts weniger als zur Vertheidigung der angeklagten und deshalb vorgeladenen Beamten beſtimmt iſt, ſo muß ſie doch immer in ihrem ganzen Verfahren äußerſt unparteyiſch zu Werke gehen, und nie auch im Mindeſten etwas erbli&en laſſe, woraus man ſchließen könnte, daß ſie auf Unterdrü>ung der Beſchuldigten ausgehe. Ja in Fällen, wo ohne die mindeſte Schuld der Angeklag- ten, wohl aber aus bloßer Fahrläßigkeit oder ſchlech» ter Berechnung einer elenden Adminiſtration/ die Cenſur oft erſt nach mehreren Jahren vorgenommen wird, da vielleicht der Beſchuldigte ſchon längſt todt iſt, und gegen deſſen verlaſſene Wittwe und Waiſen verfahren werden muß, da iſt e3 die ſtrengſte Pflicht, ſo gelinde als möglich zu verfahren. Ja ich glaube, daß in einem ſolchen Falle jede Cenſur geſeßlich unter- ſagt, und die Beſchuldigten oder ihre Erben als ſörm- lich lo8geſprochen betrachtet werden ſollten, damit ſolche unwürdige Gutsbeſiger, oder ihre Jdioten von Ad- miniſtratoren, durch Schaden lernten/ wie eine or- dentliche Verwaltung geführet werden ſoll, 7N 917178 Sobald das Urtheil gefällt iſt,.wird e8 dem Ver- urtheilten alſogleich vorgeleſen, und derſelbe zur Mit- Unterfertigung aufgefordert, und zwar mit dem Bey- ſaße, ob er auf alle Appellation Verzicht leiſten, oder - 232= ob er davon Gebrauch machen ,/ und dieſelbe ſich vor- behalten wolle.= Im erſteren Falle fordert demſelben das Reviſorat(Exactorat) alſogleich die Summe ab, welche er, nach dem gefällten Urtheilsſpruche der Cen- ſur, ſchuldig iſt, und im Falle er dieſelbe nicht augen- bli>lich erlegen kann, ſo ſeßt es demſelben einen billi- gen Termin ,/ oder einige Termine, und nimmt ihm indeſſen einen Schuldſchein ab, wodurch er dieſe Zah» lung als eine liquide Schuld anerkennt.= Übrigens bleibt es Jedem frey, mittelſt einer Bittſchrift zur Gnade des Gutsbeſißers ſeine Zuflucht zu nehmen.= Iſt die Cenſur völlig geendigt, ſo iſt es die Pflicht des Reviſorats8(EGxactorats) eine getreue Nelation da- von an die oberſte Verwaltungsbehörde abzuſtatten, und dem Cenſurirten, entweder von dem Güterbeſitßer, oder von deſſen Bevollmächtigten, den bekannten Loo?- ſprechung3-Schein(Literas absolutionales) zu verſchaf- fen, nach deſſen Empfang er nie wieder, in Betreff deſſen, wovon er einmal losgeſprochen worden, vorge« fordert werden kann.== Im zweyten Falle, da einer von den Beſchuldigten und von der Cenſur Werurtheil» ten weiter appellirt, iſt es die Pflicht des herrſchaft- lichen Fiſkalats, die durch die Cenſur beſtimmte und feſtgeſesßte Summe auf dem Wege Rechtens zu ſuchen, und hereinzutreiben. NENE m 285=== ah 2 Zee I MTS ia pte Tl: Von den Amtsſchreibern, Wirthſchaftsprakti« kanten, Wirthſchaftsdienern, und dem Geſinde. ß. 278. Amt3ſliches Mittel dieſe jungen Leute wirklich zu gründlichen und denkenden Landwirthen zu dilden, und ſie gleich vom erſten Anfange an zu gewöhnen, Theorie und Praxis immer zu verbinden, ja erſtere aus der leßteren herzuleiten, iſt dieß, daß man ihnen auferlege, ein fortlaufendes Tagebud) zu führen, worein ſie Alles ſorgfältig auſ«- zuzeichnen haben, was ſie immer den Tag über bey der Wirthſchaft und Verwaltung geſehen und erfahren haben; z. B- Was3 jeden Tag für ein Wetter war, und was während demſelben gearbeitet worden? Wie die Arbeit von Woche zu Woche und von. Tag zu Tage vertheilt, und wie ſie ausgeführt worden? Wie viel die verſchiedenen Arbeiter bey den mannigfaltigen Geſchäften jeden Tag über ausgerichtet, und wie ſie die Arbeit vollführt haben? Was und wie viel mit- telſt des Zugviehes und anderer Kräfte pr. Lag oder Woche- beſtritten worden? Welchen Vortheil oder Nachtheil etwa die mancherley von dem Verwalter unternommenen GEpefkulationen der Wirthſchaft gee bracht haben? u. unendlich m. dgl. täglich ſich erge- bende und des Aufzeichnens würdige Ereigniſſe. Ge: wiß wird ein junger Menſc< hiedurch weit mehr Gründliches erlernen, als er in fo manchen Collegien über Landwirthſchaft gelernet haben würde. S. 279- Herrſchaftliche Diener(Wirthſchaftsdiener, Verwaltungsdiener) nennen wir jene zum Verwaltungs» 1! perſonale gehörige Perſonen, die zwar im ſtrengen Sinne den Beamten nicht mehr beygezählt werden, die aber doch auch nicht zum Geſinde gehören, ſon- dern vielmehr demſelben unter der Au'ſicht und Lei- -.- 237=-- tung der Beamten unmittelbar vorgeſest ſind, und die ſich daher zu den Beamten beyläufig ſo, wie beym Militär die Unterofficiere zu den Officieren, verhalten. Dergleichen ſind bey uns: die ſogenannten Wirth» ſchafts- Hajduken(gazdasägi hajduk), die |" Meyer und Adervögte(gazdak, paraszt gazdäk, majorosok), die dem Kühe- und Molkenweſen vorgeſeßten, ſogenannten S< weizer, die den einzelnen Schaaf- höfen vorſtehenden Schaafmeiſter(juhäszok, birkäsok)/ die ſogenannten Beſchlüßer oder Be- ſchlüßerinnen(Kuülesärok), die dem eigentlichen Hausweſen, und dem weiblichen Geſinde unmittelbor vorgeſeßt ſind, u. m. a,= In den öſterr. teutſchen ' Provinzen gehört in dieſe Klaſſe, wie wir dieß ſchon oben erwähnten, auch noch der Schaffer, ob er gleich in Hinſicht ſeines Dienſtes ſchon ſo Manches mit unſerm I8pan gemein Hat. Dieſe Diener, die man vielleicht auch füglich Un- terbeamte nennen könnte, hrauchen zwar keine höhere Cultur und keine Studien, in ihren Amtsverrichtungen jedoch müſſen ſie immer gut bewandert ſeyn, damit ſie dem ihnen untergeordneten Geſinde gehörig vorzu» ſichen vermögen.= Damit ſie aber auch das ſo nd- thige Anſehen bey dieſen ihren. Untergebenen. nicht ver- lieren, ſo wie auch/ damit bey ihnen das Ehrgefühl nicht abgeſtumpft, ſondern vielmehr: gewe&t. werde, iſt es ſchlechterdings erforderlich, daß ſie von den ihnen vorgeſeßten Beamten mit aller. Humanität und Achtung behandelt/ und beſonders nie vor ihren Un- tergebenen auch nur durch ein einziges: unſchi&liches Wort herabgeſegt werden, Auſgenommen werden dieſe Diener gewöhnlich von der oberſten Verwaltungsbehörde, von welcher auch ihr Gehalt feſtgeſeßt wird, ſo wie ſie auch von daher ihre allgemeine Dienſtes-Inſtruction zu erhalten haben. Doch pflegt an manchen Orten die Auſnakme dieſer Leute dem höheren Verwaltungsperſonale ein» zelner Diſtricte, oder Herrſchaften überlaſſen zu wer- den, wobey ſich die oberſte Direction bh; die Be- ſtättigung vorbehält. ßS. 280- Da3. eigentliche Geſinde beyderley Geſchlechts wird gewöhnlich vom Lokalverwalter im Beyſeyn der übrigen Beamten/ und daher am beſten in den wö» tes Geſinde zu erhalten, da doch nur mit ſolchem etwas Gutes ausgerichtet werden kann. 2.) Da3, worin man mit den Dienſtbothen über- eingefommen iſt, halte man auch aufs pünktlichſte, ſo daß ſie verſichert ſeyen/ ihre jedesmalige Conven- tion nicht nur zur vorgeſchriebenen Zeit, und in der bedungenen Quatttität, ſondern auch in der gebühren» dzn guten Qualität zu erhalten. 3.)"Man halte ſtrenge darauf, daß die Dienſt- bothen nicht nur von den ihnen unmittelbar vorge- ſeßten ſo eben erwähnten Dienern, ſondern auch von den Beamten ſelbſt immer mit Humanität behandelt --- m.==.iwv.“« 7 7 227 nE I RR Reen --- 239= werden, und daß ihnen in Allem die ſtrengſte Gerech- tigkeit widerfahre. Man ſollte kaum glauben, wie ſehr oft rohe und und ungerehte Vorſieher aller Art der Herrſchaft in dieſer Hinſicht ſchaden können, Dieſe allein ſind oft ſchuld, daß man an manchen Orten um feinen Preis auch nur einen einzigen ehrlichen und tuichtigen Dienſibothen zu erhalten vermag, ſondern ſich immer nur mit dem Aus8wurfe begnügen muß, weil der überall verbreirete böſe Ruf einer ſolchen Behandlung, Alles, was ſich nur einigermaaßen fühlt, von einem ſolchen Orte wegſcheuchet. 4.) So nothig und nüßlich aber auch eine gütige, Zutrauen und Anhänglichkeit einflößende Behandlung des Geſinde3 iſt, ſo iſt doch eine allzugroße Familia- rität mit dieſen Leuten nie an ihrem Plate, da ſie hiedurch, aus Mangel an Bildung, ſich leicht über- nehmen, und fe> werden, ja, wenn ſie ſich einmal, in ihrer ECinfalt, mit ihrem Vorgeſeßten auf gleiche Stufe geſtellt glauben, ſich auch wohl Grobheiten und Widerſeßlichkeiten erlauben. 5.) Man beſtimme ſämmtliche Pflichten eines je- den Dienſtbothen ſehr genau, und damit keiner ſich je in dieſer Hinſicht mit Unwiſſenheit oder Vergeſſen- heit entſchuldigen könne, ſo verzeichne man dieſelben jedesmal in dem kleinen Büchlein, worin man ihre Convention, und das, was ſie jedesmal davon erhal- ten, aufzuzeichnen pfleget, und leſe ſie ihnen gleich anfangs mit lauter Stimme vor. 6.) Man ſorge dafür, daß die AFer- und andern Geräthe, die den- Händen des Geſindes übergeben werden müſſen, niht vor der Zeit und muthwilliger -- 240= Weiſe verdorben werden, oder eiwa gar aus Fahr- läßigkeit zu Grunde oder verlohren gehen. Eben da- Her iſt es ſehr gut, auch dieſes ſämmtliche Geräthe, je nach ſeiner Qualität, in dem ſo eben erwähnten Convention3-Büchlein au“*zuzeichnen, und dem Geſinde laut vorzuleſen, damit auch hier zu keiner eiteln Ent- ſchuldigung Gelegenheit gegeben werde. 7.) Endlich ſehe man mit aller nur möglichen Sorgfalt darauf, daß das Geſinde nie ſich ſelbſt] überlaſſen bleibe, ſondern ununterbrochen unter der Aufſicht ſeiner unmittelbaren Vorgeſetßten ſtehe, weil dieſe Menſchenklaſſe in der Negel(denn Ausnahmen giebt es wohl überall) nur auf dieſe Art in Ordnung gehalten werden kann. 97.0. MD..1..1..0..0 über verſchiedene Gegenſtände der Verwaltung. =-=-=== I erw ng S. 281. H >/ ier erhalten meine Leſer noch Verſchiedenes über Gü- terverwaltung, welches Ihnen vielleicht auch von einigem Nugßen ſeyn könnte.= Vieles davon, ja das Meiſte, werden Sie in den eigenen Worten verſchiedener Ver- faſſer ſelbſt finden, Manches zwar, weil ich die Stellen viel zu ſchön und treffend fand, um auch nur ein Wort davon abzuändern, und Manches wieder, weil ich eben nicht Alles und Jedes, was allda geſagt wird, unterſchreiben möchte, ob ich gleich das Ganze des Geſagten immerhin für lehrreich halte.=- Ordnung wird man an dieſem Orte ganz vermiſſen/ weil ich Alles nur ſo niederſchrieb, oder abdru>en ließ, wie es mir in den Sinn kam, oder, wie ich unter meinen verſchiedenen Notaten zufälliger Weiſe zuerſt darauf ſtieß; doch dieß thut, glaube ich wohl, ſo wenig zur Sache„ als das Kleid zur Weſenheit des Menſchen, und möge nur das, was nun hier folgen wird, zu Dek. der Landw. 2. Th. 16 -- 243= einiger Belehrung dienen, ſo kann man die vermißte m Ordnung, die ohnedieß nur Form iſt, leiht ver- ſd ſchmerzen. | | Dirigirende Verwalter ſind mit zu vielen Screibereyen nicht zu behelligen. 6. 282. „Die Geſchäſte des Oberauſſehers= ſagt Gr,| de Podewills, da er von ſeinem Amtmanne redet=| Ei „„ waren: die Überſicht des Ganzen, die Prüfung der| m Vorſchläge zu Wirthſchafts- Verbeſſerungen/ und Je-| lit den zu ſeiner Pflicht anzuhalten.=- Damit es ihm|€ Hiezu nicht an Zeit gebrach ,/ habe ich ſtets geſorgt,| iſ ihn mit wenig Schreiberey zu behelligen, und lieber die| 1! Koſten eines beſondern Rechnungsführers, der ihm zum| J Sekretär dient, getragen.= Ungern habe ich in vielen| T Wirthſchaſten bemerkt, wo man die Wichtigkeit dieſes| Dienſtes nicht einſah, daß der Oberaufſeher die edle fei Zeit am Schreibtiſch zubringen mußte, die er auf dem| de Felde oder in den Viehſtällen weit zwe&mäßiger ane ſj m wenden konnte-= An der Sicherheit und Überſicht| a der Kaſſe verliere ich nichts, weil ohne deſſen ſchriſt- de liche Anweiſung keine bedeutende Ausgake geſchehen| 9 darf, und er überdem die Erlaubniß hat, die Kaſſe, m ſo oft es ihm gefällig iſt, zu unterſuchen, und die 91 darin befindlichen überflüßigen Gelder unter eignem| t' Beſchluß zu nehmen. Eine Veruntreuung iſt, wenn| u er nur einigermaaßen ſeine Schuldigkeit thut, nicht 1 d w.- 243-.-. möglich.“ ſ. Grafen v. Podewil38's Wirth- ſchaft3-Erfahrungen Etwas über Rechnungsführung. (Aus den ſo eben erwähnten Podewilsſchen Wirthſchafts- Erfahrungen.) S- 283. „, Der Rechnungsführung habe ich zwar verſchie- dentlich gedacht; aber die Beſchreibung der innern Einrichtung bis hieher ausgeſeßt.= Die Geld» Gin- nahme und Ausgabe wird vom Rechnungsführer täg- lich im Diario angeſchrieben, und aus dieſem in die Specialrechnung eingetragen. Die Ordnung der Titel iſt eben die, wie im nachfolgenden Anſchlage, jedoch mit dem Zuſaße, daß die Brau» und Brennerey, Forſt, Jagd, Ziegeley und Bauten, unter beſondern Titeln eingetragen werden, um nicht die Bücher un- nüß zu vervielfältigen. Außer dieſen beyden wird noch ein drittes Buch gehalten, worein die geſchehene Ar- beit etc. täglich eingetragen wird.=- Das Getreide wird in dem Kornbodenbuch, ſo wie es eingeht und ausgegeben wird, täglich eingeſchrieben, woraus es der Rechnungsführer in die Specialrechnung unter die gehvrigen Titel einträgt.=- Über das Vieh werden mit den Hirten und Schäfern die gewöhnlichen Bücher gehalten, und daraus in die Epecialrechnung einge- tragen.= Jährlich wird ein Etat aller Ginnahmen und Ausgaben nach den Titeln der Nechnungen, und den Grundſäßen des Anſchlags gemacht, wobey auf 16% du 244== die gebliebenen Beſtände, Ausſichten zur Ernte, Ab- &uderungen in der Feldbeſtellung, Gehaltszulagen ete. Rückſicht genommen wird. Es iſt eigentlich das Re- ſultat deſſen, was ich über die Wirthſchaſtsführung des laufenden Jahres, im Anfange deſſelben, mit dem Oberaufſeher abgeredet habe, und dient letzterem ſtatt aller Inſtruction. Sie iſt um ſo vollſtändiger, als kein Wirthſchaſt8zweig leicht entgehen kann, und dient zu“ großer Erleichterung des Gedächtniſſes.= In der Nechnung wird keine Abweichung vom Etat, ohne An- gabe richtiger Gründe geduldet, und er iſt daher als eine voraus monirte Rechnung zu betrachten. Wer ſich einmal daran gewohnt hat, kann ohne dieſes Hülſs» mittel kaum mehr wirthſchaften. GS. 284 Die Rechnungsführung ſcheint den meiſten bloß praktiſchen Wirthen unnüß, und ſie bereuen Geld und Zeit- welche ſie darauf verwenden ſollen. Bedenkt man aber auf der andern Seite, daß in der Wirth- ſchaft keine Änderung der bisherigen Verfarungsart vorgenommen werden muß, ohne Vortheil dabey zu ſehen, und dieſe Überzeugung nur durch richtige Nech- nungen erlangt„werden kann, ſo fällt aller Zweiſel| über deren Nothwendigkeit von ſelbſt weg; nicht zu gedenken, daß es das einzige Mittel iſt, Betrügereyen vorzubeugen.== Über die Pünktlichkeit, die ich in dite| ſem Geſchäfte verlange, bin ich ſehr oft hart getadelt worden. Ganz hatte indeſſen keiner das Herz, die Rechnungen zu verwerfen; und wenn ich dann bat,| mir die Grenzlinie zu zeigen, die ich bep dieſem wich EN || -r(92 (4 ) =. 245,== tigen Geſchäfte überſchritten haben ſollte, ſo wußte ſie mir niemand, mit dem ich darüber ins Detail gieng, auf eine befriedigende Weiſe zu bezeichnen, und ich hatte oft die Freude, daß der Tadel zurüFgenommen wurde.=- Man glaubt gewöhnlich irrig, daß die Pünktlichkeit in den Nechnungen nur dem Kaufmann nöthig ſey. Sie iſt es dem Landwirth, deſſen Ge- ſchäſte ebenfalls größtentheils im Handel beſtehen, nicht weniger/ und ſo lange man nicht jenem darin nachahmt/ kann man nicht hoffen/ große Fortſchritte in der Landwirthſchaſt zu machen, die es doch noch ſo ſehr bedarf.=- Genaue Rechnungen führen allein zu richtigen Erfahrungen/ und dieſe ſind unumgäng- lich nothig. etc. etc-== I< kann es nicht oft genug wiederhohlen, daß man in wirthſchaftlichen Berech- nungen feine mathematiſche Genauigkeit erwarten darf, ſondern zufrieden ſeyn muß, wenn man der Wahrheit nur einigermaaßen nahe kommt.'' Etwa3 über die Hauptfaſſen, und deren Verwaltung. (Hus Csondor's Gazdasägbeli szämado es Szämvevö LUszti Utasitäsok.) CG. 285. „, Wo mehrere Herrſchaften unter einer Ober- Direction ſtehen, da iſt es nöthig, daß auch eine Hauptkaſſe exiſtire, wo aus den Filialkaſſen ſämmt»- liche Einnahme periodiſch zuſammenfließe, und allwo -- 246== auch Alles, was Activ- oder Paſſiv- Schulden, und deren Intereſſen betrifft, berichtigt werde. Aus dieſer Kaſſe darf dann aber das Geld auch bloß auf Aſſig- nation des Eigenthümers oder ſeines Bevollmächtigten herausgegeben werden.=- Sollte der Gigenthümer aus irgend einer Filialkaſſe Geld erheben, ſo muß die betreffende Quittung bey der Hauptkaſſe ſtatt baaren Geldes angenommen werden. Eben ſo müſſen auch die Quittungen oder Obligationen über abgeführte Fnutereſſen, und abgezahlte oder ausgeliehene Kapita- lien, welche etwa auf höhern Befehl eine Filialkaſſe erlegt hat, in der Hauptkaſſe als baares Geld ange- nommen werden. Wenn dagegen irgend eine Filial- kaſſe, entweder ein Kapital oder Intereſſen erhebt, ſo geſchieht dieß bloß im Namen der Hauptkaſſe, und iſt daher auch dahin abzuliefern, ohne der Falialkaſſe als Einkommen angerechnet zu werden.== Die Haus- kaſſe, deren Rechnungsführer die häuslichen oder Pri- vatausgaben der Herrſchaft zu beſorgen hat, nimmt die dazu nöthigen Summen auf höhere Aſſignation aus der Hauptkaſſe, in ſo fern nicht etwa mit dem Hofe ſelbſt einige zu verrechnende Erträgnißzweige verbunden ſeyn ſollten.“ Ueber die ämtli -==.(>> 3d-„ Fre FÄRRETT EN| 5" Wag db<< i enen eingeerntet worden ſey? Ob die Feimen gut gemacht worden? Ob das Futter mit der Quantität des Viehes im Verhältniß ſtehe? Ob das Futter wirthſchaftlich vorgelegt werde? Ob darin für jede Viehart die gehörige Wahl ge- troffen werde? Ob es unter gehöriger Aufſicht gehal- ten werde? etc.“! „Überhaupt: Er unterſuche die Metzen u. a. Maaße, die Gewichte und Waagen, die Biſire, etc. und kaſſire augenblilich die unrichtigen; beſonders aber unterſuche er, ob nicht zweyerley Maaße heimlich gehalten werden?= Ob alles herrſchaftliche Geräthe, was immer für einer Art, gut und zwe&mäßig auſbe- wahrt, und nicht etwa von andern benutßt werde?= Ob die Nobotregiſter von den 1spän's ſorgfältig ges führt werden, und ob den Unterthanen darüber über- einſtimmende Kerbhölzer hinau8gegeben werden? Kurz, ob weder mehr noch weniger von ihnen verlangt wird, als ſie zu leiſten ſchuldig ſind? Ob die Dreſcher oder Tretter unter hinlänglicher Auſſicht gehalten werden? Ob der in der Rechnung vorkommende Futterhafer auch wirklich den Pferden gegeben werde? etc-=- Er unterſuche ferner die Relationen des Verwalters ſeit der leßten Viſitation, und ſehe nach ,/ ob wirklich Alles ſo geſchehen, wie es referirt worden, und ob nicht vielleicht ſich etwas zugetragen/ welches Hätte referirt werden ſollen, und doch nicht wurde?“ > T=.“T -- 2"-e“*"=“* 77-2*“" t-=> - 216.- Ueber Rechnungsführung, Rehnungölegung, und Controllerie. (Aus demſelben Csondorſchen Werke.) S. 267. „Am Ende jedes Jahre3, vor der neuen Jn- ventation/ iſt der Controllor X) gehalten, das Hauptbuch, in Betreff aller Gegenſtände und Nübriken, zu ſchließen.= Jſt das geſchehen, ſo wird die in der Kaſſe befindliche Baarſchaft gezählt, und die ausſtän- digen Schulden confrontirt, und in dem Jnventar des Caſſa-Perceptors notirt, ſo daß jeder Schuld- ner beſonders angefährt wird, und zwar umſtändlich, wie lange, wofür, und wie viel er ſchuldig ſey?= Eben ſo werden auch die Verrechnungs- Gegenſtände des Kaſtner3 inventirt. Es wird nämlich Alles neuer- dings gemeſſen- gewogen, und gezählt. Alles dieß wird vom Controllor in Gegenwart des Rech» nungsführers vorgenommen.= Iſt das Inventar der- geſtalt fertig, ſo wird die Summe der darin enthal- tenen Gegenſtände unter den Reſt der Rechnung ge- ſchrieben, damit man ſehen könne, in wie ferne bey- *) Controllor überſeßte iH den Beamten, den Csondor Szämtarts nennt, da wir doch unter dieſer Benennung, ſo wie unter dem gleichbedeutenden teutſhen Rentmeiſter ge- wöhnlich immer den Geldrehnungsführer verſtehen, der hier in Rede ſtehende Beamte aber kein eigentliher Necet worden?== Die Mühlenmauth bey Theil- mühlen mißt ebenfalls der Controllor, und ſchreibt ſie in ein eigenes Büchlein ein mit ſeiner Unterſchrift, welches er dem Kaſtner jedesmal übergiebt, damit dieſer ſich das eingegangene Getreide mittelſt eigener Commiſſion in Nechnung nehmen könne.=- Der Con- trollor controllirt alles: das Saatkorn, die Wolle bey der Schur, den Rohoth-Comput; Ob nicht unter dem herrſchaftlichen, fremdes Vieh gehalten werde? Ob die Dienſtbothen ihre Convention richtig heraus» bekommen haben etc.= Der eine Schlüſſel der größern Kaſſe des Perceptors iſt der Gegenſperre wegen immer beym Controllor.= Findet er in der Kaſſe Defecte, ſo hat er es alſogleich zu melden.=> Der Controllor notirt im Grundbuche die BVeſiß- Veränderungen, die auf unterthänigem Grunde vorgehen, und giebt die Caducitäten dem Fiſkalate an.= Der Controllor geht dem Verwalter immer zur Hand, iſt bey allen Käufen und Verkäufen zugegen- und unterſchreibt die dieß» fälligen Contracte 3; Er iſt in allen Wirthſchaſtsſeſſio- nen gegenwärtig, und giebt ſeine Meinung ſowohl im aii. el KG -= 22.„. DE amine u Cf 2 27 Fn 1.7" itim fre. Gern Bele-- Sobald das Journal zuſammengebunden iſt, ſo iſt die erſte Sorge des Controllor3, daſſelbe zu paginiren, damit ſo leicht kein Blatt herausgenommen und mit einem andern verwechſelt werden könne.= Um Frrung und Con- fuſion zu vermeiden, da einige Gegenſtände zwar ſum»- mariter aſſignirt, aber nur theilweiſe empfangen oder verausgabet werden, wie z.B. einzukaſſirende Schulden, oder auszuzahlende Conventionen, ſo pflegt man dop- pelte Journale zu halten, nämlich ein allgemeines und ein ſpecielles.= In das allgemeine Journal, werden alle Ginnahmen und Ausgaben, wie ſie auch immer heißen mögen, alſogleich, wie ſie geſchehen, mit Aufzeichnung des Tages, des Monath3, und der Document5numer, kurz und deutlich in die gehörigen Rubriken und Columnen eingetragen. Eben ſo werden auch, entweder wochentlich oder monatlich, alle Ginnah- men und Ausgaben ſummaiiter, jedoch mit Recognition| (Beglaubigung) des Controllor's herüber geſeßt, dann| wird das Journal mit dem Journale des Kaſtners ver-| glichen, ob in Hinſicht des Kauſs und Verkaufs alles| mit einander übereinſtimme 3 und zu Ende des Mo»| vaths ſummirt man ſowohl die Ginnahme als die Aus-| gabe, und ſeßt den Reſt aus. Und da der Nech- nungsführer weder Ginnahme noch Aus8gabe, ohne Commiſſion des Verwalters, und ohne Quittungen und -- 2537= und Gegen- Quittungen/ als Documenten, verrechnen darf, ſo muß er auch dieſe ſhon zu Ende des Mo- naths in Bereitſchaft haben, um ſo Alles, ſammt dem Journale, dem Controllor zu übergeben, der das darin Enthaltene unterſucht, das etwa Fehlerhafte verbeſſern läßt, und ſo Alles in das Hauptbuch über- trägt, und das Journal, nachdem er es unterſchrie» ben, und vom Verwalter coramiſiren laſſen, dem Rechnungsführer zur Fortſeßung zurüEgiebt, die Do- cumente aber bey ſich aufbewahrt.=- Das Par- tifular- Journal dient, um die verſchiedenen Arendal- und andere Schulden, ſo wie ſie theilweiſe täglich einfaſſirt werden, auch alſogleich einzeln und theil- weiſe einzutragen/ woraus ſie zu Ende jedes Monaths, nachdem ſie der Controllor zuſammengezählt, und über die Summe eine Schrift ausgeſtellt hat, in das allgemeine Journal übertragen werden. Zweptens ſind dieſe Partikular- Journale noF dazu zu brauchen, wentt= was zwar nicht geſchehen ſollte-= noch vor Ende des Vierteljahres Jemandem vom baaren Geld“ gehalte etwas ausgezahlt werden ſollte. Da nun dieß in das allgemeine Journal noch nicht eingetragen werden kann/ ſo muß es alſogleich in das Partikular-Journal eingetragen werden, nachdem die Quittung des Heraus- nehmers mit der laufenden Numer des Poſten bezeich- net worden, und dieß muß immer geſchehen, wenn ein ſolcher Fall eintritt. Am Ende des Monath3 ſummirt der Controllor die Herausnahme eines Jeden, ſtellt einen Schein darüber aus, mit welchem, nebſt der Quittung des Herausnehmers, der Betrag in das Dek, der Landw, 2. Th« 17 ==. 258== allgemeine Journal, als anticipirte Bezahlung über- h. tragen wird, etc. etc, etc.“' C. 292. „Die Rechnungsführung wird durch mäncherleg! Regiſter erleichtert, dgl. ſind das Schulden- oder Einkaſſirungs-Regiſter, welches alle Schulden enthält, und wo auch Alles, ſo wie es einkaſſirt wird/ partiell| eingetragen/ und dann erſt wochentlich in das ſpe- cielle, monathlich aber in das allgemeine Journal übertragen wird.=- In größeren Herrſchaften, wo es viele Beamte und Diener giebt, iſt dem Rechnungs» führer noch ein beſonderes Regiſter nöthig, in welches er täglich Alles einſchreibt, was er einem Jeden von ſeinem Gehalte auszahlt. Von bier trägt er dieß dann in das ſpecielle, und von dieſem in das allgemeine Journal ein. Durch dieſes Negiſter wird er der Mühe überhoben, immer im Journale nachzuſchlagen, in- dem er darin ſowohl den Gehalt eines Jeden, als auch Alles was er darauf ausgezahlt hat, mit einem Tliäe überſieht. Dieß Regiſter wird aus der Salarial- Ta- belle verfertigt 3 und aus dieſem Regiſter verſertigt der Rechnungsführer wieder ſeine vierteljährige Salarial-| Tabelle, nach welcher er den Gehalt eines Jeden vier- teljährig in Aus8gabe ſett. „„ Die Documente dienen zur Glaubwürdigkeit aller Ginnahmen und Ausgaben des Nechnungsführers, oder zum Beweiſe, daß er gerade ſo viel in Einnahme ge| ſiellt habe, als wirklich eingekommen und aſſignirt wor-| den iſt, und daß er gerade ſo viel verausgabet habe, als er aus8zuzahlen Commiſſion hatte, und wirklich -- 259== ausgezahlt hat. Er ſeßt weder etwas in Einnahme noch in Ausgabe, ohne dazu die nöthige Commiſſion, Recognition/ Quittung, oder Gegenquittung zu haben, wodurch er ſeine Angaben und Aufſäte beglaubigen könne.= Die Verrechnung der Activ- und Paſſiv- Gdhulden gehört zwar dem General- Perceptor zu, kann jedoch auch Partikular» Perceptoren übertragen werden.? ' Da, wo Gegenſperre gehalten wird, kann die größere mit. zwey Schlüſſeln geſchloſſene Kaſſe/ deren einer beym Controllor oder Verwalter zu ſeyn hat, wenn ſie beym Perceptor nicht ſicher genug wäre, auch beym Controllor oder Verwalter aufbewahrt werden.=- Verreiſet der Perceptor, ſo hat er entweder die Kaſſe in Sicherheit zu bringen, oder ſichere Leute in ſein Haus zulegen. Wenn er größere Summen in die Hauptkaſſe abführt, ſo hat er alle mögliche Vorſicht und Verſchwiegenheit auf dem Wege zu gebrauchen, und nie ohne nöthiger BedeFXung zu reiſen.= Schi>t er durch einen andern Beamten eine Summe Geldes, ſo nimmt er von ihm eine Quittung bey der Übergabe, und fordert Rechnung von demſelben, wenn er zurücd kommt.=- Empfängt er herrſchaftliche Gelder unter Siegel, ſo eröffnet er daſſelbe nie allein, ſondern im» mer in Gegenwart einiger glaubwürdiger Männer, damit er, wenn etwas abginge, Zeugen habe.“ + Da der Kaſtner Alles, wa3 nicht baares Geld iſs fo!glich auch viele Dinge die unter der Aufſicht audets ſiehen/ zu verrechnen hat, ſo muß er ſehr umſichtig ſeyn, und überall auf der ganzen Herrſchaft genau wiſſen/ wo, wie viel, von welcher Art, unter weſſen - Sh Z“ 580=< Auſſicht etwas ſtehe? Er muß alſo ſolche Maaßregeln treffen, daß ohne ſein Wiſſen durchaus nichts verloren gehen, oder auch nur Schaden leiden könne. Dieß geſchieht durch gut zwe&mäßig und ſorgfältig geführte Fournale und Hauptbücher.=- Hülfe leiſten ihm hier- bey: Wein- und Getreide- Jnventarien, Druſch» Ta- bellen, Deputaten-Regiſter, Jyventarien der Geräthe, und Möbeln, die mit den Ispän's oder Meyern, ſo wie mit den Hirten nöthigen Abrechnungsliſten ele.= Sobald der Kaſtner etwas zu verau8gaben oder einzu- „nehmen eine Commiſſion erhalten hat,(denn ohne dieſe iſt es durchaus nicht erlaubt) ſo ſchreibt er es alſogleich ins Journal ein, mit Bemerkung des Tages, Monats, und der Numer des Documents.= Da die Deputate, die doch nur vierteljährig ausgeſeßt werden, ſehr oft voraus/ und zwar theilweiſe herausgegeben werden, ſo iſt es nöthig, daß der Kaſiner auch ein partielles Journal habe, weil es ihm zu viel Ungelegenheit ver- urſachen würde/ wenn er dgl. theilweiſe Ausgaben ſo- gleich ins allgemeine Journal ſeßte.== In das Journal wird immer zu Anfang das als Einnahme geſeßt, was entweder vom vorigen Kaſtner reſignirt worden, oder bepm Nechnungsſchluße als Neſt geblieben iſt. Als zweyte Poſition, unter der Nubrik der Ausgaben, kommen jene des vorigen Jahres, worüber noch keine Abrechnung (Computus) gepflogen worden, nachdem dieſe vom Controllor oder Verwalter aus den vorjährigen Nech- nungen ausgezogen, und aſſignirt worden.== Vom Journale werden dann entweder wochentlich oder mo- nathlich alle Poſitionen in das Hauptbuch übertragen. -=- Außer dem gewöhnlichen Journale hat der Kaſiner -. 261-- noch ein beſonders Journal der Verwendung der Ar- beitsfräfte zu führen, allwo die Nobothen, langen Fuh- ren, die Taglohns8arbeit, die um gewiſſe kleine Emo- lumente accordirte Arbeit, die Arbeit der Meyerkräfte etc. einzutragen ſind. Dieß Journal kann auch von den 1spdn's geführt werden, obgleich dieſe nur Zeugen und Beglaubiger ſind, der eigentliche Verrechner aber der Kaſtner iſt. In dieſem Falle geben die 1spän's monathlich einen Extract ein, ſo wie monathlich Alles in das Hauptbuch einzutragen iſt, welches auch hierin am Ende des Jahres genau mit dem Journal überein«- ſtimmen muß.= Die Hülfs- Regiſter des Kaſtners ſind folgende? Das Wein- Inventar, das Garben- getreide-Jnventar, die Deputaten-Liſte, das Jnventar der Geräthſchaften und Mobilien, das Jnventar der Naturalien und des Viehes, welche unter andern Hän- den ſtehen etc.=- Wenn man Geräthe und Mobilien gerade in das Journal eintragen wollte, ſo hätte man weder Columnen genug, wo man ſo verſchiedene Dinge eintragen könnte, noch könnte man eintragen, wo und bey wem jedes Stü>X zu finden ſey. Alles dieß aber gewährt ein gutes Jnventarium, welches eben ſo wie ein Hauptbuch abgetheilt wird, als: Kutſcher- Beres- Gärtner- Geräthe etc.= Es wird im Jnventar die Qualität jedes Stü>s, ob es gut, neu, brauchbar, ſchadhaft, unbrauchbar etc. ſey? ſo wie der Schägungs- preis aufgezeichnet, damit, wenn etwas verloren gienge, man wiſſe, was zu fordern ſey.= Das Inventar des Viehes und anderer Gegenſtände, die unter fremder Aufſicht ſtehen, und dennoch vom Kaſtner verrechnet werden müſſen, muß in ſo viele Rubriken getheilt =“ 262== werden, als Perſonen ſind, unter denen etwas ſtehet ,- . als Ispdu's, Meyer(Gazda's), Hirten etc. damit der Kaſtner immer genau wiſſe, wo etwas zu ſuchen und zu finden ſey.= Was die verſchiedenen Cynoſuren, ſo» wohl bey den Paſſirungen für das Vieh, als bey| manchen andern Gegenſtänden anbelangt, ſo muß ſich der Kaſtner bey der Verausgabung genau nach dem richten, was darüber in der Herrſchaft feſigeſest und verordnet iſt, ſo wie er ſich in Allem genau nach ſei, ner Inſtruction zu halten, und überhaupt ſo zu betra- gen hat, daß er ſich überall, und in Allem, auch in dem Kleinſten ausweiſen könne.= Der Kaſtner muß auf die Erhaltung nicht nur der Quantität, ſondern auch der Qualität aller unter ſeiner Verrechnung ſtehen- den Gegenſtände achten. Und ſollte ja etwas ohne ſeine Schuld, z- B- Weine, Getreide, Geräthe etc. zu Grunde gehen, oder fehlerhaſt werden, ſo hat er ſolches ſogleich dem Verwalter zu melden. Er hat da- her, bey der Übernahme aller Gegenſtände, die einer Deterioration unterliegen, immer die größte Vorſicht zu gebrauchen.= E3 iſt nicht genug, daß der Kaſt- ner ſämmtliche unter ſeiner Verrechnung ſtehende Ge- genſtände notire, ſondern er muß auch immer bey- ſeen, wo, und unter weſſen Aufſicht ſie zu finden ſeyen-“ Ueber Erſparung, und Verkauf. (Aus Thaer's Grundſ. der rat. Landw.) S. 2093. „Nächſt dem Betriebe der Geſchäfte, wodurch mit dem mindeſt möglichen Auſwvande die größte GE nd ve lg Se SI 7 205 Rbk“ wa Kh WE Spi+=<<) wem 263..-. Quantität von nußbaren Produkten erzeugt wird, muß der Director der Wirthſchaft die vornehmſte Sorgfalt darauf richten, daß der möglichſt höchſte Geldertrag daraus gelöſet werde. Dieß geſchieht durch Erſparung und durch den vortheilhafteſten Verkauf.=- Die Summe aller Erſparungen, die bey Kleinigkeiten in einer Wirthſchaſt anzubringen ſind, beträgt im Ganzen etwas ſehr anſehnliches. Daher muß es ſich der Wirth zum Grundſaß machen, jede Verſchwen- dung, d. h. jede Ausgabe, die nicht zum reellen Nuten gereicht, mit Sorgfalt zu vermeiden, und Alles mit dem möglichſt geringſten Aufwande zu er- reichen ſuchen. Jedod) iſt hiebey die Grenzlinie zwi- ſchen Sparſamkeit und Geiz gehörig zu ziehen. Die Sparſamkeit wird Geiz, ſobald dadurch der Zwe, der höchſte nachhaltige Ertrag verfehlt wird, und jede Grſparung, wodurch ſich dieſer im der Folge vermin» dert, iſt dahin zu rechnen. Man muß daher ſehr wohl erwägen, ob durch eine augenbli&liche Erſparung, dem Betriebe der ganzen Wirthſchaſt, oder eines Theils derſelben, der gewöhnlich wieder RüFwirkung auf das Ganze zu haben pflegt, nicht ein weit größe- rer Nachtheil in der Folge zugefügt werde. Fälle, die in dieſer Hinſicht die genaueſte Überlegung verdienen, kommen in jeder complicirten Wirthſchaft täglich vor, und ihre richtige Beurtheilung iſt das, wodurch ſic) die Klugheit und Überlegung des Wirthes vorzehmlich offenbaret. Eine der wichtigſten Erſparungen macht man durch die Auswahl der zur eigenen Conſumtion nöthigen Produkte.=- Man findet häufig, daß wegen veſonderer Conjunfturen der Preis mancher Produkte -- 264= auf dem Markte nicht in gerechtem Verhältniſſe zu ihrem innern Werthe ſteht, und beſonders eine Korn- art in Nü>ſicht auf dieſes Verhältniß beträchtlich theu- rer oder wohlfeiler wie die andere iſt. In dem Falle muß man diejenige, welche ihrem wahren Werthe nach zu geringe ſteht, auf alle Weiſe zur eigenen Conſum- tion, mit Erſparung derjenigen, die einen hoöhern Marktpreis hat, verwenden. Wenn der Scheffel Weiten faſt in demſelben, oder unbeträchtlich höhe- rem Pre!ſe mit dem Noggen ſteht, ſo muß der un- gleich nahrhaftere und edlere Weißen zu jedem mög- lichen Verbrauch vor dem Noggen angewandt werden. Wenn Hafer ſich über ſein natürliches Verhältniß zum Roggen auf dem Markte erhebt, ſo wird ein ge- ſcheuter Landwirth keinen Hafer verfuttern, ſondern ſtatt deſſen Noggen, oder, wenn es noch vortheilhaf- ter wäre, Weiten oder Gerſte nehmen.= Noch wich» tiger iſt dieſe Auswahl der Getreidearten bey der Be- nußung derſelben in der Brauerey und Branntwein- brennerey. Hier iſt die Erſparung, welche man durch eine richtige Auswahl bewirkt, ſo auffallend, und von ſo großem Belange, daß es kaum glaublich ſcheint wie ſie von manchen Wirthen überſehen werden kön- ne, wenn nicht tägliche Erfahrung dennoch zeigte, daß es geſchehe.= Das verſchiedene Verhältniß, worin die Eßwaaren, Getreide und andere nahrhafte Früchte, Fleiſch verſchiedener Art, Fett, Butter, Käſe» Milch, Eyer, Hering, ihrem Preiſe und ihrer Nahrungsfähigkeit nach gegen einander ſtehen, kann oft eine Veränderung in der Conſumtion derſelben vortheilhaft machen, wenn nicht das Geſinde zu ſehr EEE NR NE 23> Gaänen- DazaideiT“ WESLNGT dmm emer ae Y an eine beſtimmte Speiſung3art gewohnt iſt, und ſich aus Eigenſinn ſelbſt gegen eine Verbeſſerung derſelben ſträubt. Überhaupt muß man das Geſes der Spar" ſamkeit beſtändig vor Augen haben.'' S. 204 „Von ſehr großer Wichtigkeit iſt es, daß zu rechter Zeit ein genauer Überſchlag vom Bedarf der Wirthſchaft in allen und jeden Stü>en gemacht, und mit dem Beſtande verglichen werde, damit man dieſen vorräthig erhalte, und ſich auf keine Weiſe verleiten laſſe, wäre es auch durch die vortheilhafteſten Preiſe, einen Eingriff darin zu machen.= In der Regel muß man von jedem Produkte einen Vorrath zu erhalten trachten, der zwey Monathe über die Zeit, wo es wieder gewonnen werden kann, hinaus reicht. Bey ungewöhnlich hohen Preiſen, die bey der Ausſicht auf eine vorzügliche Ernte, nach derſelben mit größter Wahrſcheinlichkeit ſehr fallen werden, kann man die- ſen Termin wohl um etwas verkürzen; aber der Vor» theil muß doch ſehr auffallend ſeyn, wenn man ſich dazu entſchließt, weil die Herbeyſchaffung, oder die frühere Zugutmachung der neuen Frucht in dieſem Zeitpunkte leicht nachtheilige Störungen in den Wirth» ſchaft8geſchäften veranlaßt. Auf keinen Fall und um Peinen Preis darf man zu kurz rechnen/ und ſich etwa auf eine frühere Ernte verlaſſen, weil dieſe bey dem beſten Anſcheine ſich dennoch verzögern, und in große Verlegenheit ſeßen kann. Es iſt deshalb ſo weſentlich, von den Beſtänden jederzeit eine klare Überſicht zu haben.“ --“ 266= S. 295- „„ Der Verkauf der Produkte erfordert eine ſehr große Vorſicht und Überlegung, mit Rückſicht auf alle Localverhältniſſe der Gegend, auf die Marktpläge und die Handelsverhältniſſe, deren Kenntniß ſich da- her ein jeder Wirth zu erwerben, und feſt im Auge » zu behalten hat.= Der möglich theuerſte Verkauf, und die Benutzung der höchſten Preiſe iſt=- was auch einige einſeitige Möraliſten dagegen ſagen mögen= Pflicht des landw. Gewerbsmarwnes. Die vielen Unfälle und das Riſiko, denen die Landwirthſchaft unterwor- ſen iſt, können nicht anders, als durch die Benußung glü&lier Conjunkturen wieder aufgewogen werden. Und wenn dieſe ſich nicht von Zeit- zu Zeit ereigneten- ſo- wurde man mit den Anſchlägen in Rü&ſicht.der unzuberechnenden Unfälle faſt immer zu kurz ſchießen. == JIndeſſen' iſt es mehrentheils' nicht thunlich; daß der Landwirth mit ſeinem Verkauſe bis auf den wahr» ſcheinlich höchſten Preis gänzlich zurü&halte, und un- ter demſelben nichts loSſchlage« In den meiſten Fällen gebraucht er früher Geld, bevor dieſer höchſte Preis eintritt, und wenn er dieſes gleich auf ſeinen Credit anderweitig erhalten könnte, ſo würde ſich doch bey einer genauen Berechnung der Unkoſten und der Zinſen häufig ergeben, daß fein wahrer Vortheil dabey ſey, zumal, wenn er in Anſchlag bringt/ wie ſehr ihn die unangenehmen Geſchäfte des Geldnegozes von der Be- achtung der übrigen abziehen, und in welche Verlegen- heit zuweilen die Wiederbezahlungs- Lermine ſeßen können. Ohne die mannigfaltigen Fälle, wo ſolche -- 367= Speculationen nachtheilig. ausſchlagen können, hier anzuführen, wird ſich jeder leicht an Beyſpiele erin- nern, wo übrigens ſehr gute Wirthe gerade hiedurch zurü&gekommen ſind.=- Wenn es aber auch der Land- wirth mit ſeinem Betriebskapital oder KaſſenvorratYy zwingen kann/ ſo lähmt er ſich doch oft dadurch zu andern vortheilhaften Unternehmungen, wozu ſich häufig Gelegenheit findet, wenn größerer Vorrath in der Kaſſe iſt.=. Ferner fehlt es, um beträchtliche Auf» ſchüttungen zu machey, in den meiſten Wirthſchaften an Raum, und beſonders an ſolchem, wo das Ge» treide gegen alles Verderben und Unfälle geſichert iſt.= Vorzüglich aber iſt auf die Bequemlichkeit des Wer- fahrens, da, wo dieſes auf der Achſe geſchehen muß, oder wo e3 dem Landwirth nicht vom Hofe abgehohlt wird, große Nüſicht zu nehmen. Selten ſtehen die Getreidepreiſe dann am höchſten, wenn hiezu die be- quemſte Zeit vorhanden; wogegen dann, wenn die Preiſe auf den höchſten Punkt kommen, die wichtigſien Arbeiten auf dem Aer vorfallen, und verna-hläßigt werden müßten, wenn Getreidefuhren nicht gegen Lohn geſchehen könnten. Dft tritt dann der Fall ein, daß man gern verkaufte, aber fein Geſpann zum Verfah- ren übrig hat, ſo daß die aufgehäuften Vorräthe ſo- dann ſehr läſtig werden, und man überdem in den Ruf eines Kornwucherer3 kommt. Deshalb wird mit wenigen Ausnahmen und Bedingungen die allgemeine Regel wohl die bleiben: daß die beſte Zeit zum Ver- fahren der Produkte diejenige ſey- wo die andern Geſchäfte am wenigſten darunter leiden.=- Allerdings Pommt auch bey dem längern Aufbewahren des Ge- - 263=» treide3 der Verluſt in Betracht, den das Eintro>nen mit ſich bringt, und derjenige, welcher unvermeidlich von Mäuſen und Inſekten oft entſteht 3 nicht weniger das Niſiko, welchem lange aufbewahrtes Getreide im- mer ausgeſeßt iſt.=- Die muthmaßliche Vorausbe- rechnung der Preiſe iſt allemal trüglich; und wenn ſich gleich unter beſondern Localitäten, im Allgemeinen- und im großen Durchſchnitte, darüber mit Zuverläßig- Feit etwas annehmen läßt, ſo treten doch ſehr häufig Anomalien ein, weil die Conjunkturen, die auf das Steigen und Fallen der Marktpreiſe Einfluß haben, zu mannigfaltig ſind, und durch unzuberechnende Zu- fälligfeiten herbeygeführt werden. Der Marktpreis hängt bekanntlich von dem Verhältniſſe der Nachfrage dum Anbieten ab. Kann jene durch das zum Verkauf angebotene Produkt nicht befriedigt werden, ſo über- bieten ſich die Käufer, und der Preis ſteigt, und zwar oft über alles Verhältniß des Bedarſs zum Vorrath. E3 brauchen nur einige Markttage etliche Scheffel Ge- treide weniger da zu ſeyn, als verlangt werden, ſo können dieſe wenigen fehlenden Scheffel die Preiſe be- trächtlich in die Höhe bringen. Umgekehrt aber fällt der Preis, ſobald mehr Waare vorhanden iſt, als geſucht wird, indem nun die Verkäufer gezwungen ſind, durch herabgeſeßten Preis Käufer zum Kaufe zu vermögen, die ſonſt nicht gekauft haben würden. Wenn man das Bedürfniß der Märkte, und das Quan- tum der Produkte, wodurch jenes befriedigt werden kann, wiſſen könnte, ſo würde es ſich vielleicht auf das ganze Jahr berechnen laſſen, wie hoh der Preis im Durchſchnitt zu ſtehen kommen würde. Überwiegt leßteres das erſte nicht beträchtlich, ſo fann man ge- wiß annehmen, daß hohe Preiſe eintreten werden, und zwar oft um ſo höhere in der Folge, je geringer ſie Anfangs waren. Jn einzelnen Perioden iſt es aber häufig nicht ſowohl der größere oder geringere Getrei- devorrath, als die Meinung, welche ſich darüber im Publikum verbreitet hat, was das temporäre Steigen und Fallen der Preiſe bewirkt. Iſt die Beſorgniß für Mangel entſtanden, und ein Allarm darüber verbrei- tet, ſo ſucht ein jeder Conſument ſeinen Bedarf bis zur Fünftigen Ernte ſich ſo ſchnell als möglich zu ver- ſchaffen; der Producent dagegen, der ſich genug ge- ſichert hält, daß er ſeinen Vorrath noch immer werde verkaufen können, übereilt ſich nicht damit. Das Über- gewicht der Nachfrage, die nicht beſriedigt werden kann, treibt alſo die Preiſe in die Hohe. Daher rührt es wohl hauptſächlich, daß alle Polizey- Maaß- regeln, wodurch man ſich momentan den Bedarf zu ſichern ſucht, unmittelbar ein Steigen der Preiſe zur Folge haben, weil Jedermann glaubt, die Regierung müſſe begründete Sorge für die Subſiſtenz der Ein- wohner haben. Wenn auf der andern Seite ſich die Meinung von ſehr ergiebiger Ernte, oder von vor» handenen großen Vorräthen verbreitet, ſo kauſt ein Jeder nur ſeinen täglichen Bedarf, und die Land- wirthe werden dagegen beſorgt, daß ſie ihre Erzeugniſſe nicht werden abſeßen können, und bieten ſie deshalb zu immer wohlfeileren Preiſen aus. Sehr häufig findet es ſic) dann, daß ſich beyde Theile trogen, und daß nun am Ende des Erntejahres die Preiſe um ſo höher werden, je niedriger ſie im Anfange ſtanden, weil -- 270= die Conſumenten nun gar keine Vorräthe gemacht hat- ten. Wogegen ſie dann oft fallen, wenn ein Jeder aus Beſorglichkeit ſich ſeinen Vorraty früher angekauft hatte, und die zurü&haltenden Producenten nun auf einmal beſorgt werden, wie ſie ihren Vorrath verſil- bern ſollen.=- Hat der Markt eine Concurrenz von fremden Käufern, wie dieß hauptſächlich der Fall an ſchiffbaren Strömen und noch mehr in der Nähe des Meeres iſt, ſo ſcheitert man oft mit den wahrſcheinlich- ſten Vorausſagungen. Denn die mannigfaltigen Um- ſtände, welche hier eintreten können, laſſen ſich nicht überſehen und berechnen. Gs können hier ſehr ſchnelle und unerwartete Veränderungen vorgehen, je nachdem nämlich fremde Käufer ſich nach dieſem Markte hinzu» wenden bewogen oder genöthigt werden, oder aber es vortheilhafter finden, ihre Einkäufe in einer andern Gegend zu machen.= Auf allen Märkten pflegen die Preiſe in der Regel in dem Zeitpunkte am niedrigſten zu ſiehen, wo. der Landwirth des Geldes am meiſten bedarf, und überhaupt die Geldumſchläge am ſtärkſten betrieben werden. Alſo zu den Zins- und Zahlungs- Terminen vor den Quartalen, vornämlich gegen Neu- jahr, wo alle minder Vermögende verkaufen müſſen. Im Frühjahre pflegen die Preiſe wegen der mindern Goncurrenz der Verkäufer ,/ und der ſtärkern der Käu- fer, gewöhnlich zu ſteigen, beſonders wenn das Ge- treide aus der Entfernung, und die Wege im Januar und Februar recht ſchlecht ſind.“ emmmemmeeeeenitBRCHIm menen üm -- 271- Etwas über die Behandlung des Geſindes. (Aus Thaer's landw. Gewerbslehre.) S. 296. „Eine ſtrenge, barſche, entfernt haltende Behand- lung des Geſindes wird von den meiſten praktiſchen Wirthen empfohlen, und eine mehr anziehende, mehr Zuneigung erweende als fruchtlos und zwe&widrig verworfen;(wobey man es jedoch ordentlich halten, und ihm das nach der Obſervanz gebührende geben muß). I< habe mich aber überzeugt, daß leßtere ihren Zwe auf die Dauer und im Ganzen, wenn ſie ver- ſtändig angewandt wird, beſſer erreiche- Man muß freylich nicht durch ſentimentales Neden, Bitten, Kla» gen, ſogenanntes Predigen auf die Menſchen wirken wollen= das halten ſie für Schwäche=- ſondern durch die That. Vor allem kommt es darauf an, daß die Leute ein lebhaſte3 Intereſſe und ausdaurende Ar- ſirengung für die Sache bey dem Wirthe und ihren Vorgeſekßten ſelbſt wahrnehmen. Sehen ſie, daß dieſe Unbequemlichfeiten und Entbehrungen für ihre Perſon ſcheuen, den Wirthſchaſtsbetrieb ihren Vergnügungen nachſeßen; ſo glauben ſie ſich innerlich, ſo viel. ſie können, auch dazu berechtigt. Beſonders aber iſt nichts ſchlimmer ,/ ais wenn ſie bemerken, daß ihr Vorgeſet- ter ſelbſt nur ein Augendiener ſey, und dennoch bey dem Wirthe gut angeſchrieben ſtehe. Wenn ſie dagegen wahrnehmen, daß der Wirth, und Jeder, der es mit der Wirthſchaft zu thun, und ihnen zu beſehlen hat, ſic der Sache mit Eiſer annehme, ſelbige verſiehe, - 272= beſonders ihre Arbeit quantitativ und qualitativ rich- tig zu beurtheilen wiſſe, es alſo erkenne, wenn ſie ihre Schuldigkeit gethan haben 3; wenn man ſie dann mit muntern Worten anzureißen- und bey Laune zu erhalten weiß; ſo ſind mir wenige Menſchen vorge- Fommen, bey denen dadurch nicht eine Anhänglichkeit anihren Brodherrn, und eine Theilnahme an dem Er» folge der Wirthſchaft erwect worden wäre... Man ge- ſteht ein, daß der kleine Wirth, der Bauer, mehr mit ſeinen Leuten ausrichten könne, ob er gleich feine Zwangsmittel hat/ und ſie ſchlechter hält. Woher rührt das?= Jn Gegenden, wo die arbeitenden Menſchen bisher in einem Zuſtande erhalten wurden, wobey ihnen das Leben nur im Branntweintaumel, oder im Schlafe erträglich bleiben konnte, mag es freylich anders ſeyn.= Es muß dem Geſinde pünktlich gehalten werden, was ihm verſprochen worden, und was es nach der Obſervanz der Gegend= die man deshalb genau kennen lernen muß=- ewarten kann. Aber es darf ihnen auch durchaus nicht mehr zugeſtanden wer- denz; denn dieß führt immer weiter. Das verderb- lichſte Mittel die Leute zu größerer Thätigkeit anzu- reißen, iſt Branntwein in größerm Maaße. Im erſten Augenbli>e erreicht man allerdings viel damit; aber er zieht eine Erſchlaffung nach ſich, die nur durch im- mer verſtärkte Gaben gehoben werden kann, bis er ohne alle Wirkung ble EEE ee ee GERNE Ie-- AR In a„M DISS - 273-=- Warnung gegen die Sucht Alles und Jedes in einer und derſelben Wirthſchaft erzeu- gen zu wollen. (Aus Karbe's Fruchtwechſelwirthſchaft.) S. 297. „ Führe deine Wirthſchaft auf die einfachſten aber vollkommenſten Grundſäße zurüE, damit du nicht durch zu vielerley Kleinigkeiten das Wichtigſte verſäumeſt, iſt eine Regel, die angehenden Landwirthen nicht genug empfohlen werden kann. Gs giebt Wirth- ſchaften, die dadurch, daß ſie ein nüßliche8 Allerley ſeyn ſollen, ein unnüßliches Garnichts ſind. Man will jede Frucht bauen, und jedes Thier erziehen, das nur irgend im Hauſe gebraucht werden kann. Man will von Allem Nuten ziehen, und hat zulest von Allem wenig reinen Vortheil. Man hält Pferde, Ochſen, Kühe, Schafe, Schweine, Geflügel aller Art, Ka- ninchen, Ziegen/ ete. und was hat man am Ende? Jeder dieſer Wirthſchaftszweige erfordert eigene Kennt- niſſe, eigene Leute, eigene Stallung, eigene Behand- lung, und daher gewährt keine einzige Branche den gehofften Gewinn. Eben ſo iſt es auf dem Felde. Man bauet in einer und derſelben Wirthſchaft Getreide aller Art, Tabak, Flachs, Rübſen, Hanf, Hopfen, Kleeſaamen, und allerley Gartengewächſe, das Land mag ſich zum Anbau derſeiben ſchiffen oder nicht. Man jagt ſeine Leute von einem AFer zum andern, von dieſer Arbeit zu jener, und verliert bey dieſem zerſtreuenden Quodlibet die Hauptſache aus den Augen- Dek. der Landw. 2« Th, 18 = 274-- Daz iſt nicht die Ginheit, die den Zweden der Dkono- mie ſo vortheilhaſt iſt. Warum ſoll denn ſchlechterdings jede Ökonomie einer kleinen Kaufmannsbude ähnlich ſeyn, wo man nach Allem fragen kann? Warum will der Ökonom nicht dem Kaufmann.im Großen nachahe- men, oder ſeine Wirthſchaft nach den Grundſäßen des Fabrikenweſens einrichten. Wenn jeder Wirth auf ſeinem AFer das im Großen bauet, was ſich für ſeine Localität am beſten ſchi>t, wenn Derjenige nur Küße Hält, für deſſen Lage dieſe Viehzucht den beſten Er- trag verſpricht; wenn einer Kleeſaamen im Großen, der andere Hanf, und der dritte Rübſen als Haupt- branchen neben Getreide erziehet, und wenn dabey außer dem nöthigen Zugvieh, der eine hauptſächlich Schaaſe erziehet- der andere Rindvieh, der dritte Pferde, und ein vierter ſich beſonder3 auf Maſtungen legt, und das dazu nöthige Vieh von andern erkauſt, ſo muß der Staat eine weit vollkommnere Production erhalten ,/ die wegen de3 damit verbundenen wechſelſei- tigen Betriebs und Handels dem Ganzen und dem Einzelnen gleich einträglich iſt. Können mehrere Bran- VI GRR== 2) Ueber die Behandlung des Landmanns. (Aus Grafen v. Kuffſtein's Abh. über den Werth Grund und Bodens.) SF. 298- „Achtung des landw. Gewerbes, und aller derer die es treiben, iſt das beſte Beförderungsmittel der Landwirthſchaft. Dadurch wird erzielet, daß nicht bloß der Pöbel/ ſondern auch Leute von Vermögen, Erziehung, und Kenntniſſen, ſich dieſem Gewerbe wid- men, wie dieß der Fall vor Alter38 bey den Römern war.=- Das nächſte Beförderungsmittel iſt Bildung des Landmanns.=- Endlich dient zur Beförderung der Landwirthſchaft nicht weniger die Wegräumung der Hinderniſſe derſelben(in ſo fern dieß in unſerer Macht ſtehet), oder wenigſtens die Milderung derſelben, dgl. der Zehnte, die Frohndienſte, und die Servitut der Jagd, die auf dem gemeinen Manne laſtet.= Die Frohndienſte bleiben im Ganzen genommen, ſo- wohl für den Bauersmann, als für den Gutsbeſiger, unwiderſprechlich von dem größten Nachtheil, und die Veränderung derſelben in einem verhältnißmäßigen Geldbetrag, würde für den einen und den andern von unläugbarem Nutzen ſeyn; hauptſächlich aber die Verbeſſerung des AFerbaues nach ſich ziehen.= Über- haupt iſt jede Bedrükung des Landmann38 doppelt unrecht, da ſie nebſt der mit ſich führenden innern Unbilligkeit auch nog auf den AFerbau ſelbſt und den Wohlſtand des ganzen Staats Einfluß hat. Jn der gehörigen Unterſtüßung des Bauernſtandes, in 132 - 276= dem ihm geleiſteten Schuß, in ſeinem beſſern Unter- richt und Bildung; in der ihm erwieſenen Achtung, die dieſe ſo nüßliche und ſchäßbare Bürgerklaſſe mit ſo vielem Nechte verdient; in Entfernung aller jener Hinderniſſe/ die ihm die beſſere Benüßung ſeines Ci- genthums erſchweren, oder wohl gar unmöglich ma- hen, liegen daher die Mittel den AFerbau zur mög- lich höchſten Vollkommenheit zu bringen.' Ueber die Schädlichkeit des zu koſtſpieligen Bauens auf Landgütern. 6. 299. Daß ſich ſhon ſo manche Gutsbeſiter durch unnüße, überflüßige und koſtſpielige Bauten zu Grunde gerichtet haben, iſt ſo außer allem Zweifel, und kann durch tägliche traurige Beyſpiele ſo klar erwieſen wer- den, daß wohl kaum etwas mehr darüber geſagt zu werden brauchte, doch kann ich nicht umhin noch fol» gende zwep äußerſt ſchöne und wahre Stellen allhier anzuführen, in der Hoffnung, daß dadurch doh noch hie und da ein nicht ſchon ganz unbeſſerlicher und verſto&ter Gutsbeſiger gerettet, und vom Abgrunde, in den er ſich ſonſt ganz unfehlbar ſtürzen würde, abge- halten werden könnte. Erſtere iſt von Thaer?„Gebäude“ ſagt er „ſind ein unumgängliches Bedürfniß der Landwirth- ſchaft, und ihre zwe&mäßige Einrichtung iſt eine we- =. 1NN7= ſentliche Bedingung de3 vollkommenen Betriebes der- ſelben. Eine Wahrheit, die ich vollkommen anerkenne. Allein, man hat den Saß, meines Erachtens, zu weit ausgedehnt/ und geglaubt, daß je vollkommener ein landwirthſchaftliches Gebäude an ſich, und als Gebäude betrachtet ſey, deſto mehr könne e8 zu ſeinem Theile zur Vervollkommnung der Wirthſchaft beytra» gen. Hier hat man, glaube ich, einen großen Fehl- ſchluß begangen, und, beſonders in manchen Gegenden, der Landwirthſchaft und dem National» und Privat- reichthum durch die Aufführung zu koſibarer Gebäude beträchtlich geſchadet.== Wenn ein reicher Gutsbeſiter den Überfluß ſeiner Revenüen zur Aufführung maſſiver- geräumiger und ſchöner Wirthſchaftsgebäude verwen- det, ſo gebe ich gerne zu/ daß dieſe Verwendung die beſte Art von Luxus ſey, die er betreiben kann, und die Sache iſt in ſo fern ſehr löblich. Allein es iſt nur Luxus, der manche gute Folgen haben kann; nicht Dfkonomie. Er ſtiſtet dadurch ſreylich ein Monument ſeines Gedächtniſſes, obwohl oft.eines nicht ſchr dank» baren. Unter zehn Fällen ſind gewiß neun, wo, wenn nicht die erſten, doh die entferntern Nachfolger ſagen: ſchöne Sebäude da! ader ich wollte, daß ich das Geld hätte, das ſie gefoſtet haben; ſie ſind ganz unzwekk- mäßig, und es fehlt an bequemen Platz, bey aller ihrer Weitläuſtigkeit.= Man Hat für dieſe koßbare Bau- art manches angeführt: die Dauerhaſtigkeit und die Erſparung neuer Bauten auf Jahrhunderte, die min- deren Reparaturen, die beſſere und ſicherere Aufbe- wahrung der Produkte, die geringere Feuersgefahr, und wohl gar behauptet, daß koſibarere Bauten, wein man nur den Vorſchuß leiſten könne, auf die Folge der Zeit die wohlfeilſten wären. Man Hat es deshalb beſonders dem Staate zur Pfliht gemacht, alle auf den Domänen nothwendigen Bauten mit der größten Solidität zu vollführen, den Baufond mög- lichſt zu verſtärfen, aber wo er nicht reichte, lieber die verfallenen Gebäude im elendeſten Zuſtande hinzu- Halten, als neue Bauten leicht zu machen. Man hat die Holzerſparung bey maſſiven Bauten hoch ange- ſchlagen== gegen die, nach Zimmermannsbrauch große Holzverſchwendung in Fachwerksgebäuden=- aber viel» leicht das Brennmaterial vergeſſen, was die Ziegel er- fordern.= I< geſtehe nun ,/ daß ich durchaus nicht dieſer Meinung bin, ſondern daß meines Erachtens- Wohlfeilheit die erſte Rüſicht ſey, welche man nächſt der Zwe&ämäßigkeit der Ginrichtung in Hinſicht des individuellen Wirthſchaftbetriebes bey Wirthſchafts8ge- bäuden zu neymen habe; daß hingegen die Dauerhaf- tigkeit nur relativ nach der Art und den Koſten des Gebäudes in Betracht komme.= Wenn ein ſolides maſſives Gebäude gleich das Doppelte von dem koſtet, woſür man ein leichtes aufführen kann, ſagte mir neulich in vollem Ernſte ein erfahrner Geſchäftsmann: ſo wird jenes dafür 150 Jahre aushalten, dieſes höchſtens 50 Jahre. J< werde folglich in derſelben Zeit dieſe3 drepmal, jenes einmal bauen müſſen, und erſpare alſo die Hälfte der Koſten,=- Rechnen Sie Feine Zinſen? frug ich.= Nun ja! aber die werden keinen ſo großen Unterſchied machen, und dem Staate kommt es darauf nicht ſo an.= I< dachte mehr noch, wie einem Privatmanne, weil er ſich als eine permanente Perſon betrachten muß, und ſein Capital aufs höchſte benußen kann.= Wir wollen alſo die Zinſen, es ſey nun für den Privatmann, der in ſeiner Nachkommenſchaft ſortleben will, oder für den Staat, nur ganz oberflächlich berechnen, um zu ſehen, ob ein ſolider maſſiver, oder ein leichter Bau in den 150 Fahren, die jener ausdauert, höher zu ſiehen komme. I< will indeſſen für ein leichtes Gebäude keine fünfe- zigjährige, ſondern nur eine dreyßigjährige Dauer an- nehmen, damit es, wenn es«wandelbar zu werden anfängt, nicht viele Neparaturen erfordere, und den darin aufbewahrten Produkten nachtheilig werde, Viel- leicht könnte man dann-gar ſo bauen, daß es noch weniger als die Hälfte eines maſſiven Baues koſtete.=- Indeſſen nehme ich hier doch an, daß die Erbauung eines Wirthſchaſts8gehöſtes ſolide und maſſiv 20000- leicht gebauet 10000 Nthlr. koſte. E3 ſind alſo erſpart« 8 3.- 410000 Rthlr. Dieſe tragen in 30 Jahren Zinſen a 5pr. Ct..?<..- 15000= 2,5000 Rthlr. Zum zweytenmale neu zu bauen, koſtet 10000 Nthlr., bleiben 3- 15000= Dieſe tragen in 30 Jahren Zinſen ä 5,pr. Et.- ä 3 5. 22500== 37.500 Rthlr. Zum drittenmale neu zu bauen 10000 Nthlr., bleiben.. 275300== Dreypßigjährige Zinſen.;. 41250:= 687,50 Nthlir. =“ 280= Zum viertenmale neu zu bauen 10000 Nthlr., bleiben.. 587,50 Rthlr. Drepßigjährige Zinſen davon-„zu 88125 v- ' 146875 Rthlr. Zum fünftenmale zu bauen 1000 Rthlr., PUELDE 7 5 4243) ERN u BNL OSTSEITE Dreypßigjährige Zinſen davon.« 205312= 342178 Rthlr. Und ſo wäre während der Dauer des maſſiven Baues ein Capital erſpart, welches den Werth des Gutes, worauf dieſer errichtet, ohne Zweifel weit übertreffen möchte etc. etc.= Dazu kommt nun auch der große Bortheil neuer Gebäude, die man nach den in einem Zeitraum von 30 Jahren gewiß immer veränderten Wirthſchaft8verhältniſſen zwe» mäßiger einrichten kann. Sch fenne noch feine dreyßig- jährige, viel weniger ältere Wirthſchaftsgebaude, mit deren Lage und Einrichtung man jeßt vollkommen zu» frieden wäre. In vielen Fällen würde der jetzige Be- ſiger dieſen ſolide gebauten Wirthyſchafts8hof recht gern mit einem neuen leichten, nach ſeinen Verhältniſſen angelegten vertauſchen, wenn man ihm die Koſien dazu geben wollte.=- Manche reiche Gutsbeſiger kön- nen ſich zwar mit Recht ſagen:„I< hinterlaſſe mei- nen Nachkommen Vermögen genug, um anſtändig und glücklich leben zu können, wenn ſie vernünftig wirth» ſchaften. Thun ſie das nicht, ſo wird auch das Er- ſparte nichts fruchten; meine ſoliden Bauten bleiben ihnen, wenn das Geld längſt in der weiten Wel! verſtreuet ſeyn würde. Warum ſollte ich mich des uE„TOWS: W---- GS 7 MS...- SID, GW -“ 2321= Vergnügens, ſchöne Gebäude unter meinen Händen entſtehen zu ſehen, berauben?““=- I< verdenke es keiner individuellen Perſon, die ſo reden kann, und ich würde es in gleicher Lage ebenfalls thun. Allein der Staat kann nicht ſo reden, beſonders, da er im- mer Gelegenheit hat, ſein Capital noch weit höher für den Nationalreichthum zu benugen, und beſonders ſeinen einmal beſtimmten Baufond.=- Und dann, wie geringe iſt die Zahl derjenigen Gutsbeſiger, die ſo reden können? Wie wenige giebt es, die, ohne Schulden zu machen, und ohne ihre Einkünfte zu anticipiren, koſtſpielige Gebäude aufführen können? Wie viele, die das, was ſie an einem Bau erſparen, in die Verbeſſerung des Grundwerths ihres Guts zu 10 und 20, und höheren Prozenten belegen konnten, ſtatt ſich nun auf eine Reibe von Jahren gelähmt zu finden! Wie viel AXer könnte mancher Gutsbeſiter mit 10000 beym Bau erſparten Thalern bemergeln, und mindeſtens auf den doppelten reinen Ertrag brin- gen!“=-ſ. Thaer, über landw. Bauten etc. in den Annalen des AFerbaues 4. Jahrg. 1808. April S. 367--374- Lettere iſt von Knobelsdorf, der in ſeinen Briefen. über England Folgendes in dieſer Hinſicht meiſterhaft bemerkte: „I< kehre zu den landwirthſchaftlichen Gebäuden der Engländer zurü>, um mit der Bemerkung zu ſchließen/ daß, mit Ausnahme einiger auch nach äußerm Glanze ſtrebender Wirthſchaften, wozu allerdings Herrn Co ke's Pachthöfe gehören, in der Negel eine Sparſamkeit in der Bauart der Wirthſchaft8gebäude waltet, die uns in mancher Hinſicht wohl zum Vor- bilde dienen kann. J< gebe zu, daß das Klima und manche andere Eigenthümlichkeiten de3 Landes eine minder ſtarke und dauerhafte, alſo auch minder koſt- bare Bauart der ländlichen Gebäude verſtatten, als bey uns; allein ſie findet ihren Grund vorzüglich in der dem Engländer mehr als jeder andern Nation eigenen Fähigkeit pecuniaire Vortheile abzuwiegen, oder kürzer geſagt, zu rechnen. Er überſchlägt/ daß 5 pro Cent Zinſen das Capital in 20 Jahren wieder- gebe; daß jede Summe über den unentbehrlichſten Bedarf in landwirthſchaſtlichen Gebäuden verwandt, nicht bloß rein verlohren iſt, ſondern auch wegen der allemal eintretenden Reparaturen, noch fortwährend| Nebenverluſte zur Folge haben muß. Jhm entgeht die| Beobachtung nicht, daß die Landwirthſchaft ein.Ge-| werbe iſt, bey welchem es, wie in der Natur, keinen Stillſtand giebt, daß ſie nothwendig entweder vor- wärts zur Vervollkommnung ſchreiten, oder rü&wärts in einem mangelhaften Zuſtand verſinken muß, daß alſo zuverſichtlich die Gebäude, die dem heutigen Zu- ſtande angemeſſen ſind, in 20 Jayren entweder unzureichend, oder überfjlüßig ſeyn werden,. Dieſe Gründe beſtimmen die Engländer, die nie am un» rechten Orte ſparen, zur ſorgſamſten Vermeidung aller überflüßigen Gebäude, und zu möglichſt wohl» ſeiler und leichter Bauart derſelben.= Die Lande wirthe im nördlichen Deutſchland ſcheinen ſich ſeit 20-- Zu Jahren das entgegengeſeßte Extrem zum Ziel geſeßbt zu haben, Die alte aber gewiß reife Lehre, deine Güter nüte, deine Gebäude ſtütße, == 288== wurde bey dem ein wenig ſteigenden Wohlſtande des Landmanns als thöricht, und ſchädlich verdammt. Eitelkeit und Oſtentation, jene hämiſche Feindinnen aller ſoliden Unternehmungen, traten hinzu, und ſo geſchahe es, daß Hundert- Tauſende zu Errichtung koſtbarer, oft überflüßiger maſſiver Gebäude verwen- det wurden, die ſich in Millionen verwandelt haben würden, wenn ſie der Boden- Cultur ,/ und der. Ver- beſſerung der Viehzucht gewidmet worden wären eto. ete. Seltſam genug findet man auf unſern großen Wirthſchaſt8höfen faſt nie abgeſonderte, zwe&mäßig angelegte ſeuerſichere Magazin- Gebäude; ſehr häufig über Stälke und Scheunen, mit einem ungeheuren Koſtenaufwande von Feldſteinen, faſt bombenſeſt er- bauet. Was würde ein Engländer ſagen, wenn er dieſe Wirthſchaſts8höfe ſähe, bey welchen irgend eine Citadelle, Gibraltar, oder Gaeta zum Vorbild gedient zu haben ſcheint. In der That ſind dergleichen nichts weniger als ſelten, und ſie haben, ic bin es gewig, da ſie vielfältig mit geborgtem Gelde erbauet wurden, ſehr viel zur Verarmung' ihrer Beſiger bepgetragen, die nicht immer allein die Folge des Krieges geweſen iſt. Mir ſind Fälle bekannt, wo Vorwerke mit pracht- vollen maſſiven Gebäuden im Drange der Zeit für einen Preis verkauſt wurden, wofür die Gebäude nicht errichtet waren. Dort ſtehen ſie, und ſchauen, wie die egyptiſchen Pyramiden oſt in den Sand hinein, unvergängliche Zeugen/ nicht des Reichthums, nur der Kurzſichtigkeit ihrer Erbauer. ſ. Briefe eines Reiſenden über den gegenwärtigen Zu- |tand derLandwirthſchaft in Britannien, --= 264= in den Möglinſchen Annalen der Landw. 2. B. 1. St. S, 64--68. No< Etwas über das Rehnungsweſen. (Aus NR. Andre's Ideen über die Verwaltung landt. Güter.) g. 300. „Das landw. Rechnungsweſen beſchäftigt ſchon längere Zeit mein Nachdenken; ohne mit mir ſelbſt nocd) ganz im Neinen darüber zu ſeyn ,/ glaube ich doch bereits den Grundſagt aufſtellen zu können: daß alle mit dem Betrieb der Land- und Forſiwirthſchaft be- auftragte Beamte ſelbſt nicht die formliche Rechnung über das unter ihrer Gebahrung und Berwaltung ſiehende obrigkeitliche Gigenthum legen ſollen, ſondern daß ſie nur die Materialien zu dieſen Rechnungen mit den gehörigen Belegen verſehen zu liefern haben.= Nur der Rentmeiſter mit ſeinen verſchiedenen Kaſſen muß ordentlich Buchhalten, und ſeine Nechnungen legen.= Den eigentlichen Wirthſc dieſer Negiſter iſt, daß der rechnung» führende Beamte hinſichtlich ſeiner Untergebenen, was die Gebahrung mit dem obrigkeitlichen Eigenthume betrifft, doch einigermaßen geſichert und bedesFt ſey« Wenn man will, ſo können ſie auch als Belege oder Controllen betrachtet, und Ende jeden Jahres den Rechnungen beygelegt werden. S. 301. „ Die Journals- Abſchriften, welche vom Nech- nungsführer gefertigt, und mit den nöthigen Beplagen und Beweisſtü>en, die am Schluße no deſſen, was dieſe Woche ge- ſchehen, ſondern auch die beſte Gelegenheit verſchafft, ſeine Untergebenen zu belehren, zu loben, oder auf be- gangene Fehler auſmerkſam zu machen,=- Dieß Ver- fahren hat außerordentliche Vortheile, und macht die wochentlichen Rathſchläge erſt zu dem, was ſie ſeyn ſollen: zu einer Cenſur des erſt Geſchehenen. Der Oberbeamte weiß allein am beſten, was zu geſchehen hat, kann daher auch beſſer als jede andere Reviſions» ſtelle beurtheilen/ was und wie es geſchehen iſt, und wo eigentlich dem obrigkeitlichen Beſten wirklich und fühl- bar ſchadende Fehler begangen worden. Findet er dergleichen in den Wochenzetteln, ſo macht er durch eine kurze Anmerkung die eigentliche Reviſionsbehörde hierauf ſogleich aufmerkſam. Sodann vidirt er dieſe Fournals- Abſchriften und beſördert ſie ſogleich an die Rechnungsbehörde, welche nämlich aus dieſen Wochenzetteln die eigentlichen Rechnungen nach der -- 2838== vom Gutsbeſißer gewählten und beſtimmten Art for» mirt,“ g. 302. „Dieſe Rechnung3behörde muß meinen An- ſichten nach ſtet8 auf dem Dominium ſelbſt, deſſen Rechnungen ſie bearbeitet, ihren Sit haben, nachdem zur richtigen Beurtheilung und Vertragung der ein- zelnen Poſten unter die gehörigen Conti hier ſo un- endlich viel auf genaue Kenntniß der Lokalverhältniſſe ankommt, und die Erörterung und Hebung ſich zei- gender Anſtände da ohne Umſtände und Zeitverluſt vor ſich gehen kann. Denn hier, während des Vertra- gens der einzelnen Poſten aus den Fournals- Ab- ſchriften in die eigentlichen Rechnungsbücher, tritt ſchon zugleich eine Art Reviſion mit ein; der Vertragende nämlich merkt alle Poſten, die ihm in einem Wochen- zettel irrig, falſch, oder zu undeutlich vorkommen, vor, und giebt ſie, abgeſondert für jeden Beamten, dem Amt3- Vorſteher/ der ſie zur ſogleichen Berich- tigung den Betreffenden zuſtellt. Dergleichen Anſtände werden aber ſelten vorkommen, wenn der Oberbeamte ſelbſt in Gegenwart des betreffenden Beamten gleich bey der Abgabe deſſen Journal- Abſchrift durchſieht; tritt aber dennoch dieſer Fall ein, ſo müſſen ſolche Anſtände ſogleich noch vor dem Vertragen in die Rechnungsbücher berichtigt und gehoben werden, da- mit das Vertragen ohne Noth nie von einer Woche zur andern verſchoben wird.=- Man verwende zu dieſem Geſchäfte, nach Umſtänden/ entweder den Rentmeiſter, indem ihm die Obrigkeit, wenn es n0- thig ez gun | 7 San.= 200€=Shhas= 30=D M Wes Mn--„ix... u v.- 289 m. thig wäre, einen eigenen Schreiber zur Aushülfe hält, oder man ſtelle einen eigenen Rechnungskanzelliſten unter des Amts» Vorſtehers Oberaufſiht dazu an, oder verwende einen tauglichen penſionirten Beamten dazu.=- Sobald nun die Jahres» Abſchlüſſe der for» mirten Rechnungen mit jenen der Journale, welche die Beamten in Händen behalten, gleichlautend ſind, unterfertigen leßtere auch obige Rechnungen folgender» maßen: ,, Jn der Vorausſeßung/ daß dieſe vorſtehen- de Rechnung aus den von mir abgegebenen Wochen- zetteln richtig formirt iſt, unterfertige ich dieſelbe. N am.... NN. Wirthſchafts»- Verwalter.“ Eben ſo unterſchreibt dann auch jener die Rechnung, welcher ſie formirte. 6.105057; „„ Die ſo gefertigten Rechnungen nebſt ſämmtlichen dazu gehörigen Beylagen gehen nun mit den beyge- legten Wochenzetteln der Beamten an die Reviſion3- ſtelle oder Buchhalterey, welche dann abermals nach dem Willen des Herrn ihr Amt handelt.=- Sie revi- dirt, bemängelt, und ertheilt endlich Abſolutorien, wenn alle Anſtände behoben ſind. Dieß iſt ihr näch» ſter Zwe, keineswegs aber der einzige. Sie ſoll auch die Reſultate, die ſich aus den verſchiedenen Rechnun- gen ergeben, zuſammenſtellen, damit erſichtlich werde, was geleiſtet worden, und um wie viel man dem vor- geſeßten Ziele näher gerückt ſey.= Dieſe Reſultate müſſen den manipulirenden Beamten zu ihrer Beleh- rung oder Satisfaction mitgetheilt werden. Das iſt Dek, der Landw, 2, Th. 19 es, wa3 ſo ſehr Noth thut. Die allermeiſten Wirth- ſchaft8beamten arbeiten, ſeyen ſie auch noch ſo brav, geſchi>t, und erfahren, doch nur ins Blaue hinein, ſo lange ihnen nicht die Reſultate ihrer Arbeit bekannt werden. Dafür muß der Gutsbeſißer dur feine Buch- halterey oder Neviſionsſtelle ſorgen, beſonders wenn er an der Geſchäftsleitung nicht ſelbſt unmittelbaren Antheil nimmt, denn der Beamte hat ſelten Zeit und Gelegenheit ſich jene ſelbſt auszumitteln. Ich halte es wenigſtens für ein trauriges Loos einem Geſchäfte leben zu müſſen, ohne von Zeit zu Zeit einen richtigen Überbli> des Geleiſteten, ohne die Überzeugung ha- ben zu können, ob man vorwärts geſchritten, ſtehen geblieben, oder gar zurü& gegangen ſey? Zumal. beym landw. Gewerbe, wo Täuſchungen ohne Zahl uns ſo leicht vom richtigen Wege abbringen, wo man oft ſchwören möchte außerordentlich viel gethan zu haben, und ſehr weit gefommen zu ſeyn, wahrend man, im Ganzen genommen, no< immer auf dem- ſelben Fle>e ſteht. Was kann denn den Wetteifer braver Beamten mehr ſpornen, als eine jährliche Re- viſion des Geleiſteten? Ja, haben ſie nicht ſogar ein Recht dazu, dieſe Anerkennung ihres Beſtrebens zu fordern?= Um alles Dieß möglich zu machen, iſt das erſte Erforderniß, daß die Reviſionsſtelle die ein- laufenden Rechnungen immer ſogleich vornehme und revidire, bemängle/ und in Richtigkeit bringe; dieß iſt in jeder Hinſicht nothwendig, fo wie denn daher auch die hinausgegebenen Mängel von den betreffen- den Beamten ſogleich, ohne allen Zeitverluſt, zu be- antworten und auſzuklären ſind. Hierauf hat der -- 291= Oberbeamte, durch deſſen Hände die Bemängelungen gehen, ſorgfältig zu ſehen. Endlich iſt es no< Sache der Buchhalterey, ein eigenes Inventar über ſammtliches von dem Dominium untrennbares, unbewegliches Vermögen in ſteter ge- naueſter Ordnung und Vollſtändigkeit zu erhalten, damit jede Stunde, in Verbindung mit den bereits genannten übrigen Rechnungen und deren Abſchluß, der genaue Kapital3werth der Beſißung erſichtlich wird. Hierauf gründet ſic) dann wieder eine zweyte jährliche Reviſion, die vorzüglich den Oberbeamten des Domi- nium's angeht: Ob nämlich die Beſigung von einem Jahre zum andern an Realwerth zugenommen, ſich gleich geblieben, oder abgenommen hat? womit jähr- lic) zugleich eine vergleichende Überſiht des ganzen fundi inslructi zu verbinden wäre. Dieß Inventar müßte alſo enthalten: a.) alle Grundſtü>e nach Art der Kataſter geordnet. Die Felder werden Hof-weis, nach der Ordnung, nebſt ihrem genauen Ausmaaß und Qualität, nach Klaſſen aufgeführt; eben ſo mit möglichſter Beſtimmtheit die Waldungen, Wieſen, Hutungen/ Weinberge, Gärten, Teiche, Ödungen etc. 3 b.) alle Gebäude, ebenfalls nach einer gewiſſen Ordnung aufgeführt, und in Allegaten die genaue in- ventariſche Beſchreibung eines jeden beygefügtz c.) die genaue Verzeichnung aller der Obrigkeit zuſtehenden be- ſtändigen Rechte Zinſungen, Leiſtungen; und Schuldig» Peiten der Unterthanen, u. ſ. w. mit allen Modalitäten 3 d.) alle beſtehenden Werke, Fabriken, nütßlichen Anla- gen, u. dgl. etc.-= Dieſer Reviſion können ſich bey ei- ner richtigen zweFmäßigen Landgüter-Verwaltung keine DU T=: 202.== Anſtände entgegen ſtellen. Nur bey den vorhandenen Waldungen ſcheint ſie unausführbar, iſt es aber doch nicht. Gs beruht hierbey vorerſt alles auf der rich- tigen Vermeſſung der Waldungen, auf richtigen und zwe&mäßigen Forſtkarten, und auf einer richtigen Schägung. Beſonders viel gelegen iſt an den Karten, welche ſo eingerichtet ſeyn müſſen, daß ſie beſtändig ein treues Bild des ganzen Waldbeſtandes, nach allen jährlich vorfallenden Hauptveränderungen, als Holzſchlägen, Kulturen, Arrondirungen, Gränzver- änderungen u. dgl. darſtellen; es verſteht ſich daher von ſelbſt, daß ſie von Zeit zu Zeit erneuert werden müſſen(in dieſer Hinſicht ſind beſonders Cotta's forſt- wiſſenſchaftliche Werke zu empfehlen). 9. 304 „„ Die Wichtigkeit einer ſol, wenn man bloß deswegen Rechnungen führen, und dieſe ſo. ein» richten wollte/ damit der Stand und die Verwendung des obrigfeitlichen GEigenthums ſtets dadurch erſichtlich werde. Die Nechnungen müſſen auch ſo eingerichtet ſeyn, daß erſichtlich wird, wie das Eigenthum des Grundherrn verwaltet werde, gut oder ſchlecht; fie müſſen alſo dazu dienen, dieſe Verwaltung genau cenſuriren zu können, und zeigen, ob fie möglichſt vortheilhaft, und zwe>gemäß ſey, oder, wo es noh fehlt, welche Verwaltungszweige mehr cultivirt, und welche noch vernachläßigt worden ſind. Sie müſſen alſo vollkommene Belehrungen liefern /''was an“der bisherigen Verwaltung abzuändern, und wie ſte für die Zukunft einzurichten ſey. Dieſen höchſt wichtigen Zweck vollſtändig zu erreichen, iſt vor alem nothwen- dig, daß die Rechnungen ſo angefertigt werden, daß der wirkliche reine Ertrag jedes einzelnen Verwaltungs- zweiges, überhaupt ſowohl, als auch, in fo weit es - 298= nöthig iſt, bey jeder ſeiner Unterabtheilungen, auf eine unzweifelhaſte Art erſichtlich wird.= Dieß muß als erſter Grundſatß angeſehen werden, wenn es ſich um die anzunehmende Art der NRechnungsmanipulation handelt, denn dadurch allein wird es möglich, den unzähligen und ſo gefährlichen Täuſchungen zu ent- gehen, denen der Landwirth preisgegeben iſt, ſobald er ſich am bloßen Glauben und Meinen genügen, und durch Selbſtüberredung oder fremde Auctorität be- friedigen läßt.= Nac< Wahrheit ſollen wir ſireben, nicht aber ihren Anbli> ſcheuend, ihr ausweichen, aus Furcht, die Dunkelheit, in die wir uns, durch ſelbſt geſchaffene Fantome gehüllt, durch ihre Strahlen er- hellt, und uns im Zuſtande der Täuſchung und eitler Selbſigefälligkeit zu ſehen!== Alles Raiſonnement über Wirthſchaftsreſultate und Pläne bleibt precär, ſobald es ſich nicht auf die wahrhaften Ergebniſſe ei- ver zweämäßig und richtig gefährten Rechnung grün» det; ſo lange dieſer mathematiſche Beweis fehlt, wird man ſich immer nur in einem Labyrinthe von Hypo- theſen herumtummeln, und nie ins Klare kommen.“ ß. 300. „, G8 werde jedem Verwalter geſtattet eine Art Filial- Nentamt ſür ſeinen Bezirk zu führen. Die Verwalter ſind oft ſo weit vom Amtsvorſieher entfernt, oder es ereignen ſich oft plößlich dringende AusSlagen oder vortheilhafte Gelegenheiten zu Ginnahmen oder billigen Accorden, wenn man gleich) baar zahlen oder ohne Zeitverluſt verkaufen kann, ſo daß der Gutsherr nur Schaden, oſt großen Schaden davon haben wür- 5'208= de, wenn alle Einnahmen oder Auszahlungen nur unmittelbar durch die Hände des Nentmeiſter3 gehen ſollten. Daher ſind dieſe kleinen Filial- Rentämter von mehrfachem Nuten. Jeder Verwalter führt ein Geldjournal für ſich mit den Rubriken: fortlaufende Nr. und Datum, linker Hand, Empfang und Ausgabe mit den Unterabtheilungen: Vorſchreibung und Ab- ſtattung rechter Hand, wo dann noch ein kleiner Raum zu Anmerkungen bleibt. In dieſes conferirt er alle Empfänge und Ausgaben für bey ſeiner Verrechnung verkauſte und erkaufte Gegenſtände, den Betrag für bey ihm vorgefallene Lohnarbeiten aller Art, von Handwerkern, Taglöhnern, u. ſ. w-. er conferirt fer- ner alie Beſoldungen der bey ſeiner Verrechnung an- geſtellten obrigkeitlichen Diener vierteljährig u. ſ. w. furz alles, was auf die unter ſeiner Verrechnung und Auſſicht ſtehenden Gegenſtände Bezug hat.=- Zu Ende jeder Woche wird dieß Geldjournal abgeſchloſſen, eine Abſchrift davon auf einem beſondern einzelnen Bogen gemacht, und vom Verwalter unterfertigt, welcher dann dieſen Wochen» Geldzettel mit zum Rathſchlag bringt, wo der Oberbeamte denſelben durchſieht, und wenn er ihn in Ordnung findet, vidirt. Da der Ver- walter für die Richtigkeit und Ginbringlichkeit aller auf ſeinen Geldbögen befindlichen Poſten/ ſo wie für den Abſchluß auf denſelben haften muß, ſo iſt der Rentmeiſter in dieſer Hinſicht vollkommen gede&t. Sobald daher der Oberbeamte den Wochen-Geldbogen vidirt hat, berechnet ſich der Verwalter ſogleich mit dem Nentmeiſter, welcher ſodann die Poſten dieſer Geldzettel in ſein Hauptjournal einträgt, die Geld- - 23295-=- zettel der Verwalter ſelbſt aber als Rechnungsbeylagen behandelt.=- Durch dieſe Einrichtung mit den Filial- Kaſſen wird ferner auch dem Rentmeiſter ſein Amt ausnehmend erleichtert, und er in den Stand geſeßt, ohne Schwierigkeit die übrigen Geſchäfte und Kaſſen zu übernehmen.= Dieſe vom Oberhbeamten vidirten wochentlichen Geldzettel ſind aber auch als Approba- tionen für ſämmtliche Poſten in den Rechnungen der Verwalter, die ſich auf Erkauf und Verkauf gründen, anzuſehen, daher. muß ſich in dieſen ſtät3 auf die betreffende Conferenz- Numer des Geldzettels bezogen werden, da er als Beweis der Gültigkeit dieſer geſche- nen Einnahmen oder Aus8gaben dient.=- Daß bey dieſen Filial- Kaſſen jede Willkührlichkeit bey Seite bleiben, und durch ſie nicht Gelegenheit gegeben wer- den muß, dem Intereſſe des Herrn zu ſchaden, ver- ſteht ſich von ſelbſt. E3 müſſen daher die nöthigen Vorſichts8maaßregeln dieß zu verhüten beobachtet wer- den. So iſt z. B. ſämmtlichen Verrecßnungen vom Oberamte aus ein geordnetes Verzeichniß der Preis- beſtimmungen für alle verkäufliche und zu erkaufende Artikel, ſo weit dieß nothig und thunlich iſt, hinaus- zugeben, wornach ſich in der Regel gehalten werden muß. Dieß Verzeichniß wird wöchentlich mit zum Rathſchlage gebracht, damit die Preiſe nach. Umſtän- den vom Amtsvorſteher rectificirt werden können. Dem leßten Geldzettel im Jahre iſt daſſelbe dann als Ap- probation beyzulegen etc.=- Auf dieſelbe Art wie bey den Wirthſchaft8verwaltern wird der Geſchäft8gang auch beym Waldamt(wo es bedeutend genug iſt) und bey der Brau- und Brennerey-Verrechnung eingeleitet. Jeder = 297= Jeder einem abgeſonderten Teile der Verwaltung vor- ſteh ende Beamte führt nach der beſchriebenen Art ſeine ſelbſtſtändige Verrechnung und ſein Filial-Geldjournal. Was er in eine andere Verrechnung abgiebt, oder von einer ſolchen erhält, muß mit einem Lieferſcheine verſehen, und gegentheilig quittirt werden.“ Unterſchied zwiſchen der laudwirthſchaftlicheu und kaufmänniſchen Rehnungsführung. (Jus Th aer's Annalen des AFerbaues.) S. 307. , Das Hauptbuch der Wirthſchaft iſt meines Erach- tens etwas anderes als das Hauptbuch des Kauf- manns. Aus dieſem ſoll ſein ganzes Vermögen her- vorgehen 3 aus jenem nur der Ertrag eines Wirth» ſchaft3jahres. Wenn ich eine Abrechnung mit dem im Gute ſteFenden Kapital angehängt habe, ſo iſt das nur geſchehen, um den Ertrag de3 Wirthſchaſtsbetrie- be3 von dem Ertrage des Gutes(den es auch verpach- tet, oder das darin ſteFende Kapital auf Zinſen be- legt, hätte geben müſſen) beſtimmt abzuſondern, eine Abſonderung, die mir weſentlich ſcheint, wenn wir über das landwirthſe iſt es vielleicht mehr mit dem Waaren- Scontrum des Kauſmann3, als mit deſſen Hauptbüche zu vergleichen. Aus dem Abſchluſſe geht dann aber doch der Ertrag des ganzen Wirth- ſchaftsjahres hervor.=- Es kommen in dieſem Haupt- - 299= wirthſc Gerſte 2 4;, ue? 05:0) 1333 Kartoffeln.| 1it Klee, Klee. Weißen. Mais. Weißen. Wicken. Weißen. wg Tab. yy. 10E im SZ|= =|| 1824.|| Brace.| Wintergetreide.| Sommergetreide. 1. 2. 3. h. 5 0. 7. 8. l 1825. Weißen. Weißen.|Weiß.1Haf.| Kartoffeln. Gerſte. Wicken. Hafer. Mais. | ns 1826 Wicke Hafer Kartoffeln Gerſte Wicken« Weißen Mais Wei u. uken. 3. pr ein. mit Klee: Ben. 19. zdeißen« “ 1827 Weißen.| Kartoffeln Gerſte Klee Weigzen. Mais Weißen Wien vad; ven“1 mit Klee.? 4 j DI N =|| 1828.|/Kartoffeln.| Gerſte||& Wei Mais Weiß Wiek Wei . Pe lee]| ee. eißen. ais. zeißen. zien. Zeißen. wi en 1829 Gerſte ke n 00.> 1. 4. tit Klee. lee, Weißen, Mais. Weiten.| Wicken. Weißen,| Kartoffeln. BD„SIDE- 3 a 7 E 1830. Klee. Weißen. Mais. Weißen.| Wicken. Weißen.| Kartoffeln. Mia eX 077. TM: j 2.770008) VEERTEH = 1831. Weißen. Mais. Weißen. Wien. Weißen,| Kartoffeln. Dees Klee. 1332. Mais. Weißen.| Wicken. Weißen,| Kartoffeln."hes|; Klee. Weißen. 1 2120 Jantäten 1833. Weißen. Wicken. Weißen.| Kartofſeln. IE ii, Klee. Weißen. Mais. — 25 5 gL ee