* 8— .— — 8 —— ꝗꝓ-⸗öſ—ä— Grundſäß der [ae iben tut; / vbder gründliche und vollſtändige A nleitung zum Ad>erb. 4.4, | und zur Pflege | K424 Wieſen und Weiden. Ein Handbuch "' ſür | praktiſche Landwirthe, von | M. A. Angyalffy, mehrerer Landwirthſchafts- Geſellſchaften Mitgliede. Erſter Theil j m ERN Auslandes. Je ne m'arreterai point ä faire Veloge de VAgri- culture. Preyenu Sur cet objet par beaucoup d'ha- biles gens, il me suffira de faire remarquer que c&est des fruits de la terre que decoulent tous les biens dont nous jouissons- Cette Seule consideration suffit pour qu'on soit oblige de convenir, que Sitot que cette Source“tarit, toutes les parties du gouyer- nement en souflrent. En effet, qu'est ce que VAgri- eulture? Cest une Science qui nous apprend a bien cultiver les terres pour en trer Lout le produit pos- Sible; et comme les productions de la terre sont le bien le plus reel, le fondement le plus Solide des &täts, et la vraie base du commerce, 11 s'ensuit que Ja terre bien ou mal employte, les operations d'Agri- euliure bien ou mal dirigees, decident de la riches- 5e o1l de Vindigence des citoyens- V- La preface des Elements d' Agriculture par M. Duhamel dw Monceau. MMM TED€ mer verre 5 memewennn= Sw wieder etwas über Landwirthſchaft, und zwar über einen Zweig derſelben, über welcen.= Niemand in der Welt kann gegen Dieſe verdienſtvollen Männer, die unſerm Zeit= alter zu eben ſo großer Ehre und Zierde ges reichen, als ſie demſelben, für Mit- und Nachwelt unendlichen Nußen ſtiften, von tief- ſter Hochachtung inniger durchdrungen ſeyn, als im es wirklich bin, und bis an meinen leßten Lebenshauc) ſeyn werde. Aber eben weil ich die klaſſiſchen Werke dieſer ſeltenen und außerordentlichen Männer fleißig ſtudirte, und ihre trefflichen Lehren mit meiner mehr- jährigen Praxis zu vergleichen Gelegenheit hatte, ſo erwachte in mir der Gedanke, ih- rem großen Beyſpiele wenigſtens im Kleinen zu folgen, und nach meinen geringen Kräften au<4 mein Schärflein beyzutragen. Sollte ib- auch dadurch ſonſt nichts erreichen, als daß ich Manches in ein helleres Licht zu ſeßen, unſern heimiſchen Umſtänden und Verhält- niſſen mehr anzupaſſen, und- eben dadurd den beſſern. Grundſäßen der Landwirthyſchaft mehr Eingang in das praktiſche Landleben zu ver- ſchaffen das Glück hätte, ſo würde ich mich immerhin, für meine Mühe hinlänglich Vv belohnt, und nicht ganz unnüß gelebt zu ze ben, dlaaben. Was ich wirklich geleiſtet habe, das mag gegenwärtige Schrift dur ihren Inhalt ſelbſt erweiſen, da ſie ohnehin, früher oder ſpäter, wie alle menſchlichen Werke, je nach ihrem wahren innern Werthe, entweder ſtehen, oder fallen muß. Nur ſo viel finde ich nöthig hier in Kürze zu bemerken. Da, na< dem heutigen Standpunfie un- ſerer Wiſſenſchaft, unmöglig etwas Gründ, lihes über den Ackerbau geſchrieben werden Fann, wenn nicht zuvor die Lehre von dem landwirthſchaftlichen Boden gehörig entwickelt wird, ſo trachtete ih au< zuvörderſt dieſe nimt nur mit möglichſter Präciſion, ſondern auch mit größter Deutlichkeit und. Popularität vorzutragen, damit auch ſolche unter den Land- wirthen, die gerade keine wiſſenſchaftliche Bil- dung haben, Nußen daraus ſchöpfen mögen. Eine möglichſt populäre und deutliche An- leitung zur Unterſuchung und Zergliederung des Bodens wäre zwar hier allerdings an ihrem Plaße geweſen, da ich jedom dur Umſtände während dem Drucke dieſes erſten Theiles daran verhindert wurde, ſo behalte VI ich mir vor, dieſelbe zu Ende des ganzen Werkes, als Anhang zu liefern. Von der Bodenlehre gieng ich auf die Beurbarung des Bodens über, von da auf die hemiſ=“=- Seidel=1747== Da, wo von Gewicht die Rede iſt, ge- branche ich überall das Wiener Handelsge- wicht, da dieß auch bey uns allgemein ge- bräuchlich iſt. Der Centner dieſes Gewichts hat, wie bekannt, 100 1553 und ein 6==11055 Holl. As, hat 5 Vierting, oder 16 Unzen, oder 32 Loth: 3 u Quentchen(öſtr. Quintl). In dieſem erſten Theile wird man leider mehrere, zum Sheil ſelbſt ſinnverſtellende Druckfehler finden, wobey mir nichts Anders übrig bleibt, als ein verehrtes Publifum um Vergebung zu bitten, welche ic aber um ſo ſicherer zu erlangen hoffe, als ich erjtens mit größter Aufrichtigkeit das Verzeihniß dieſer Fehler am Ende liefere, wornach jeder Leſer IX mit leichter Mühe, bevor er no< an das Le- ſen geht, die nöthigen Berichtigungen vorneh- men Fann, und als ich zweytens während dem Drucke nothwendig abweſend war, folglich die Correctur nicht ſelbſt beſorgen Fonnte. Wie ſehr ich dieſes leßtern Umſtandes wegen Ent- ſ' 224== 225 Bearbeitung+3 Hasfrüchte, während der Vegetation-:. 226== 227 VKR a pite L Von der Cultur der Vegeta- bilien überhaupt, und im Allgemeinen- 223== 240 Allgemeine Grundſäßte der Saatbeſtellung 228-- 237 Sorge für WIEGE und guten Saa- men- 5 2238-- 231 Breitwürfige Säatmethode:. 251-- 256 Reihen- oder Drillſaat-- 236-- 237 Pflanzung und ZEE BU der Begeta- bilien«. 258== 239 Behandlung der Pflanzen während|'der Vegetation-: 2 240 „=== I VRS VAI ER --=====<-ttl CHICCO LDN DO Bnwwmunenn. in ium ET M 8.4.4 18 11.00 <== AIEIIRIE nm SE Wie Feldcultur verſtehe ich= wie Jedermann leicht einſicht= die Cultur unſerer Üker, undyunſerer Wie» ſen und Weiden; oder mit andern Worten, die Cul- tur jener Pflanzen und Gewächſe, die entweder auf unſern Üern-gebauet zu werden, oder auf unſern Wieſen und Weiden wild zu wachſen pflegen,== Man belegt zwar dieſen edelſten und bey weitem wich- tigſten Theil der ganzen landwirthſchaftlichen Produc- tionslehre, auf welchem das Wohl und Wehe ganzer Länder und Provinzen, ganzer Völker und Nationen am weſentlichſten beruht, gewöhnlich mit.dem-Namen AFerbau. Allein der Begriff den dieſe Benennung giebt, ſcheint mir zu enge, und daher die Benennung ſelbſt unrichtig zu ſeyn, weil dadurch zwar nicht die Funſtmäßig gebauten Futtergewächſe, wohl aber die Wieſen und Weiden, die doch mit dem AFerbaue immer in natürlicher und nothwendiger Verbindung ſtehen, gleichſim ausgeſchloſſen werden, Dek. der Feldk. 1 Th. 1 GO: 2. Die Pflanzen und Gewächſe, welche hieher gehö- ren, ſind„ſo wie alle Vegetabilien, lebende und wach». ſende organiſche Körper, die fic) von den Animalien bloß dadurch am weſentlichſten unterſcheiden, daß ſie Feine Empfindung äußern, und feiner willführlichen Bewegung fähig ſind. Sie. nehmen übrigens ihre Nahrung mittelſt eigener dazu beſtimmter Werkzeuge (Organe) eben ſo wie die Thiere, nur auf andeie und verſchiedene Art, von Außen zu ſich, und führen ſie dann durch wieder andere und beſondere Organe in ihrem Innern in einem beſtändigen Kreislaufe herum wobey das Nöthige abgeſeßt, das Unnüße weggeſchafft, und wodurch eben das Leben und Wachsthum der Pflanzen bewirkt und erhalten wird. Wie dieß Alles eigentlich geſchehe, umſtändlich zu beſchreiben, wird wohl Niemand von mir hier erwar- ten, da dieß nicht in die Lehre von der Landwirth- ſchaft, ſondern in die Naturbeſchreibung der Pflanzen gehört, und da es bey jedem Leſer- von einiger Bil- dung wohl ohnedieß vorausgeſeßt werden darf. Wer indeſſen hierüber einige Belehrung nöthig hätte oder wünſchte, den verweiſe ich auf jene zahlreiche Schrif- ten, die bereits über Phyſiographie und Phyſiologie der Pflanzen geſchrieben worden, oder auf jene land- wirthſchaftliche Schriftſteller, die dieſen Artikel, ob er gleich nicht eigentlich in die Landwirthſchaftslehre gehört, mit in ihre Schriften aufgenommen haben. Vorzüglich aber empfehle ich in dieſer Hinſicht jedem Landwirthe von Bildung oder von gutem Willen ſich zu bilden, folgende drey ganz vortreffliche Werke: Crome's Handbuch der Naturgeſchichte für Landwirthe; Trautmann's Verſuch einer wiſſen» ſchaftlichen Anleitung zum Gtudi- um der Landwirthſchaftslehre; und unſers unſterblichen, leider zeitlich verſtorbenen Mitterpacher's Elementa rei rusticae. Q. 13. Da3 Leben und Wachsthum der Pflanzen(Luft und Licht als zwey nothwendige Bedingungen des Gedeihens aller organiſchen Weſen vorausgeſegt:) iſt vorzüglich von der Quantität und Qualität der Nah- rung, die ſie erhalten, abhängig, Es iſt alſo in die- ſer Hinſicht das vorzüglichſte und dringendſte Geſchäft jedes Landwirths worin die Hauptſache der Cultur der Pflanzen beſteht, ihnen in Erlangung und Aneig- nung der für ſie ſchi>lichſten Nahrung ſo viel in ſei- nen Kräften ſteht beſtens behülflich zu ſeyn. SD Da nun die Pflanzen den größten und wichtigſten Theil ihrer Nahrung mittelſt ihrer Wurzeln aus dem Boden worinn ſie ſtehen, beziehen, ſo muß ein Land» wirth vor Alleni den Boden nach ſeinen verſchiedenen auf ſeine Beſtandtheile, ſeine Läge, u. m. dal. ge» gründeten verſchiedenen Eigenſchaften Fennen, und muß wiſſen, ob derſelbe zur Ernährung der Pflanzen taug» lich oder untauglich ſey. Er muß wiſſen, wie die et- waigen Hinderniſſe, die dem Leben und Wachsthus« me der Pflanzen im Wege ſtehen, beſeitiget werden EN konnen, und wie ein untauglicher Boden(wenn an-, ders feine abſolute Unmöglichkcit vorhanden iſt) taug- lich zu machen ſey- Er muß wijſen, wie ein zwar tauglicher, aber an ſich armer Boden, dem es an Nahrung für die Pflanzen fehlt, verbeſſert und be- fruchtet werden könne- Er muß wiſſen, wie der Bo- den am zwe&maßigſten zu öffnen, und zu lo>ern ſey, um den Pflanzen einen gehdrigen Standpunkt abzu- geber» Er muß die Beſtellung und Behandlung der Pflanzen im Allgemeinen ſowohl, als in Hinſicht jeder Pflanzen insbeſondere genau kennen, um fich darnach richten, jeder Pflanzen ihren gehörigen Boden und Standpunkt anweiſen, und ſie ihrer Natur gemaß pflegen und warten zu können. Er muß endlich auch die wildwachſenden Pflanzen zu behandeln, und ihr Wachsthum und Gedeihen zu befördern wiſſen. Außer dieſem muß er aber noh wiſſen,== denn was nüßte das Erzeugen ohne Zwe=- wie das, was er erzeugt hat, oder ,=um eigentlicher zu reden, da doch im Grunde die Natur Alles ſelbſt erzeugt=- zu deſſen Erzeugung er durch ſeine Thatigkeit und Kenntniſſe behülflich war, auch zweFmäßig zu benußen und zu verwenden ſey, GC. Dieſem zu Folge trage ich meinen Gegenſtand in dieſem Werke in folgenden 8 Kapiteln vor: 1. Von dem Boden nach ſeiner phyſiſchen und e gehörigen Subſtanzen die- ſer Art ſind a) mehrere Erdſtoffe, b) die Grundioſſe der Alkalien, ce) ein paar Metallſtioffe, und 4)- Wär- meſtoff, Lichtſtoff, Gasſtoffe, Phosphorſioff und Schwefelſtoff, 1. Erdſtoffe. S. 10, Die Erdſtoffe, oderliche Men- gung zum Schmelzen diſponirt werden.; Zum Waſſer zeigen ſie mit Ausnahme der Kalk» erde( und der Bittererde ſehr geringen Theil) gar feinelo- ſes Pulver erſcheinen- Die verſchiedenen Farben die wir bey unſerm gewöhnlichen Grdreiche bemerken, rüh- ren bloß von den beygemiſchten und beygemengte:. ver» ſchiedenen fremdartigen Theilen her, ohne welche der ganze Erdboden weiß erſcheinen müßte. Sie ſind unter allen feſten anorganiſchen, oder mineraliſchen Körpern am allermeiſten in der Natur verbreitet, und machen den Hauptbeſtandtheil nicht nur unſerer gewöhnlichen Erdarten, ſondern qu() faſt al- ler Steinarten aus.= Da es der Chemie bis8her nicht gelang dieſe Sub- ſtanzen durch irgend eine ihrer Potenzen in fernere Be» ſtandtheile zu zergliedern,*) Fo nennt man ſie, ohne es 4ropfenweiſe fahren zu laſſen, und auch dieſes läßt ſie ſehr leicht und ſehr ſchnell wieder ver- dunſien. Ihre waſſerhaltende Kraft iſt alſo ſehr ge- ringe= Für ſich allein ſchmilzt ſie auch im heftigſten Feu- er nie, thut man aber feuerbeſiändige Laugenſalze oder Alkalien hinzu, ſo kann ſie ſehr leicht zum Schmel- zen gebracht werden, und liefert das bekannte Arte- faft, welches wir Glas nennen, und welches immer deſto reiner, durchſichtiger, und beſſer iſt, je reiner die Beſtandtheile waren, und je zwe&mäßiger die Mi- ſchung vorgenommen werde. CG. 12. b) Die Alaäaun-oder Thönerde macht den Hauptbeſtandtheil des gemeinen Thones, ſo wie des erdigen Mittelſalzes, das wir Alaun nennen, aus, wovon ſie auch ihre beyden Nämen erhalten hat. Sie findet ſich nächſt der Kieſelerde am häufig» ſten in der lebloſen Natur, und iſt beynahe in allen Erd- und Steinarten häufig anzutreffen, in organi- ſchen Körpern aber findet man ſie nur ſelten/ und nur in ſehr geringer Ouontität.= Im reinen Zuſtande iſt ſie ein feines, ſanft an- zufühlendes, durchaus weißes, geruch- und geſchma>» loſes Pulver, welches wenn e8 auf die Zunge oder an die Naſe gebracht. wird, ein ganz eigenes Gefühl erregt, das von der großen mechaniſchen Affinität die« ſer Subſtanz zum Waſſer herzurühren ſcheint.=“ Man findet ſie in dieſem Zuſtande in der Natur nirgends, ſondern ſie iſt immer entweder mit andern Erdſtoffen, mit Metalloxyden oder mit Säuren verbunden. So exiſtirt ſie z. B. im Thone in einererbodens aus.= In den organiſchen Körpern iſt ſie weit häufiger, als irgend ein anderer Erdſioff enthalten. So beſic- hen die Knochen der Säugethiere, die Schaaälen der Hühnereyer, die Schaalen und Gehäufe der Cruſta- cern, als der Schneen, der Muſcheln, der Korallen ws ſ- w. größtentheils aus Kalkerde, Auch findet man ſie in größerer oder geringerer Menge faſt in allen Vegetabilien, wenigſtens in ihrer Aſche, wenn ſie verbrannt werden. Eben hiedurch, daß ſie ſo häufig in den orga» niſchen Körpern erzeugt wird, liefert ſie unter allen uns bekannten Grdſtoffen den größten Beweis, daß es mit der äbſoluten Ginſachheit der Elementarerden kei- ne Nichtigkeit habe, weil das, was erſt durch den Organismus erzeugt worden, unmöglich eine einfache Subſtanz ſeyn kann.= Sie iſt im reinen Zuſtande nirgend in der Na- tur zu finden, da ſie ihrer überaus großen Affinität zu den Säuren wegen, immer mit einer oder der an? dern Säure verbunden angetroffen wird.. Aus der Verbindung mit der Kohlenſaure, in der ſie am hau- figſten exiſtirt, kann ſie jedoch durch bloßes Glühen, wodurch ſie von der Säure und ihrem concreten Waſ- ſer befreyet wird, ſehr leicht rein dargeſtellt werden. Sie erſcheint alsdann durchaus weiß, iſt ßend, und Heißt gebrannter, oder lebendiger Kalk« Zum Zum“ Wäſſer hat ſie in dieſem Zuſtande eine wahrenen ſelbſt ſteinartig und hart zu werden. SETE d.) Die Talk-oder Bittererde findet ſich weit ſeltener in der Natur als die vorhergehenden, und wohl am ſeltenſten in der obern Erdkruſte unſeres AFerbodens. Sie iſt daher für den Landwirth ſchon = 19- weit minder wichtig, als die bisher erwähnten. Doch trifft man ſie an einzelnen Plägen ziemlich häufig, ſo wie ſie bisweilen auch in organiſchen Körpern, be- ſonders in den Knochen mancher Thiere, und in der Aſche mancher Vegetabilien enthalten iſt.= Über ihre Schädlichkeit oder Nüglichkeit iſt man noch nicht einig. Einige wollen bey ihr einen nach» theiligen Einfluß auf die Vegetation beobachtet haben, während andere das Gegentheil erſahren haben wollen Es ſcheint indeſſen daß ſie in ihrem natürlichen Zu, ſtande der Vegetation allecdings günſtig, und daß ſie nur im reinen Zuſtande nachtheilig ſey.*) Und iſt dieß wirklich der Fall, ſo iſt wohl von ihr“ überalß nichts zu fürchten, weil ſie im Zuſtande der Natur nirgend rein, ſondern immer in einerEiſentheile enthält, ſo daß man mit aller Wahrſcheinlichkeit ſchließen kann, daß es daſelbſt erſt dur< den Drganismus erzeugt worden, und folglich nicht einfacbehalten. Hat die Oxydation einen ſo hohen Grad erreicht, daß die Metalle ganz mit Sauerſtoff geſät» tigt ſind, und gar keinen Lichtſtaff mehr enthalten, ſo Heißen ſie vollfommene Oxyde, oder ſchlec, ſo wer«- den ſie Halboxpde odex Oxydüle(oxydula) genannt. Die Oxydation geht nicht bey allen Metallen mit gleicher Leichtigkeit vor ſich, da die Verwandtſchaft zu dem Sauerſtoſſe nicht bey allen gleich groß iſt. Das Braunſteinmetall oxydiret ſich ſchon an der frey- en atmoſphäriſchen Luſt; das Eiſen oxydiret ſich bloß in ſeuchter Luſt, oder im Waſſer; andere müſſen erſt durch Feuer zur Oxydation d. i. zur Cinſaugung des Sauerſtoffs diſponirt werden, und einige endlich wer- den bloß in Säuren oxydirt." Lettere heißen edle, al» le übrigen aber unedle Metalle. Alle Metalle löſen ſich übrigens in verſchiedenen Säuren aa] und wer» den durch dieſelben oxydirt. Wird den Metalloxyden der Sauerſtoff wieder enßogen, und der Lichtſtoff bagegen zugeführt, ſo tre» ten ſie abermahls in ihren mineraliſchen, oder regu» liniſchen Zuſtand zurüF. Dieſe Operation wird die Reduction, Wiederherſtellung, oder Desoxydation der Metalle genannt»| 4.) Abſolut einfache Stoffe, Gasſtoffe, Phos- phorſtoff, und Schwefelſtoff. VS: 44,7 Wenn je in der Natur etwaskitofſgas( gas azoticum) darſtellt, welches(außer mehreren unwe- ſentlichen Beſtandtheilen, die nicht eigentlich zur Luſt gehören) immer den größern Theil der atmo ſphäriſchen Luft ausmacht, aber allein, und ohne Verbindung mit dem Sauerſtoffgas weder zur Verbrennung, noc) zur Reſpiration tquglich iſt, e) Der Waſſerſtoff(hydrogenium) wel- e annimmt. Dieß nennt man ſeine Dehn- barkeit, und Formbarkeit, welche, da ſie die reine Thon- oder Alaunerde in weit minderem Grade beſist, als eine ganz beſondere, auf dernen, im andern aher erfrieren müſſen. 4.) Er bindet den Dünger, und den daraus ent- ſtehenden Hümus zu ſehr, und giebt nicht leicht an die Pflanzen etwas davon ab, bis er ſelbſt damit ges ſättigt iſt. Iſt er daher nahrungslos, ſo wirken die 3* erſten Düngungen nur ſehr langſam; und überhaupt muß der Dünger aus dieſem Grunde immer in deſts größerer Menge auf den Acker äufgeſahren werden, je thoniger der Boden iſt, 5.) Er erſchwert die Vearbeitung des Bodens, ſowohl bey feuchten als bey troänem Wetter. Bey er? ſterem, weil er ſeiner Schlüpfrigkeit und Schmierig- keit wegen, den A>erwerkzeugen zu ſehr anklebet 3 bey tro>&nem Wetter aber, beſonders bey anhaltender Dür» re, weil er ſeiner Härte wegen, die Bearbeinung oſt geraume Zeit entweder gar nicht zuläßt, oder doch außerordentlich viele Arbeitskrafſt nöthig mnen verurſachet,. CG. 21. 3,0).„Sau. Der Kalk, d. i.der rohe oder kohlenſau- re Kalk, iſt einenen und dürren, ein Thonboden aber dagegen für einen feuchten und naßkalten Boden gehalten wird. Hr -- 40== Zu allen Säuren hat der Kalk eine ſehr große erer, und verhindert die allzugroße Anhäu«- fung des Waſſers in demſelben, indem er das Waſſer ſehr leicht verdünſten läßt; er macht aber, wenn ex in allzugroßer Menge=- beſonders in loFern ſandigem Boden= vorhanden iſt, den Boden oſt zu poros, zu loder, und zu durchdringlich für die atmoſphäriſche | Luſt, und benimmt ihm beynahe alle waſſerhaltende | Kraſt, ſo daß er dann? wirklich eine ſehr ſchädliche | Wirfung auf dem Boden äußert. 2.) Bewirkt er die Zerſeßzung des im Boden be- findlichen unauflöslichen Nahrungsſtoffes und wirkt ' daher zuverläßig, wenigſtens mittelbar, auf die Er- nährung der Pflanzen, Ja Thaer hält ſogar für wahrſcheinlich, daß er auc) unmittelbar in dieſer Hin- ſicht wirke, indem er ſeine Kohlenſaure dem Humus, oder vielleicht auch den Pflanzen ſelbſt abgäbe, und -.. 41».. dieſe dagegen aus der atmoſphäriſchen Luſt wieder an ſich 33ge.= Eine ganz beſondere Wirkſamkeit äußert er bey den Pflanzen mit Schmetterlingsblumen, oder bey den Dyadelphiſten, als: Hülſenfrüchte, Klee, Luzerne 3.» deren Ernten er ganz weſentlich vergrößert.= Im Übermaaße kann er aber auch in dieſer Hinſicht ſchäd- lich werden, indem er den Humus zu ſchnell zerſeßt, und den Pflanzen in zu großer Menge zuführt, dieſe alſo mit Nahrung überfüllet, ſpäterhin aber, wenn ſie deren oſt am nöthigſten bedürfen, darben und ſchmachten läßt; oder wenn auch dieß nicht geſchieht, und wenn auch für die Gegenwart ein außerordent? lich ſtarker Ertrag erfolgt, indem er wenigſtens den Aer für die Zukunft zu ſehr erſchöpft, und nah« rungslos zurücläßt. Ein ſehr kalkhaltiger Boden braucht demnach im- mer eine ſehr ſtarke Düngung und zwar immer in dem Verhältniſſe ſtärker, je mehr er Kalk enthält, Dieſe Düngung ſoll zwar, wie beym Sandboden nie ſtark auf einmal geſchehen, ſie muß aber deſto öfter wiederhohlet werden, und im Ganzen erfordert der Boden immer mehreren Dünger, je kalkhaltiger er iſt. Diejenigen ſind daher in gewaltiger Irrung, die durch Aufführung von Kalk, Dünger erſparen zu können glauben; im Gegentheile, je mehr man Kalk auf den Ader bringt, deſto öfter muß derſelbe immer ge- dünget werden, wenn der Boden nicht ſehr bald er- ſchöpft werden ſoll. Eine ganz vorzügliche Eigenſchaft des Kalkes iſt, daß er vermöge ſeiner großen Verwandtſchaft zu den Säuren, nicht leicht eine ſchädliche Säure im Box- den entſtehen läßt, und daß er die etwa ſchon ent- ſtandene Säure ſehr bald neutraliſirt und unſchädlich macht. Daher die bis zum Erſtaunen große Wirk- ſamheit des Kalkes, wenn er auf ſauren Boden ge- bracht wird, wovon weiter unten geredet werden ſoll, 53 295 EN GW vn Da3t iſt,= Je mehr übrigens die eine oder die andere die- ſer beiden erdigen Subſtanzen im Mergel vorwaltet, deſto mehr nähert er ſich in ſeinen Eigenſchaften eben derſelben. Der Thonmergel, und wohl noch mehr der mergelige oder kalkige Thon, oder Mergelthon, nähern ſich daher in ihren Eigenſchaften und Wirkun- gen, mehr den Thone; der Kalkmergel dagegen, und noch vielmehr der thonigte Kalk oder Mergelkalk ſind in ihren Wirkungen=- wie natürlich== viel mehr dem Kalte, als dem Thone gleich. Die Farbe des Mergels iſt äußerſt verſchieden: mehr oder weniger weiß, gelb, grün, blau, roth, braun, grau, ſchwarz, u ſ- w., und in den mannig- faltigſten Nüancirungen dieſer Farben, welche theils von der Anweſenheit einiger brennbaren Materien, als: von Humus, Erdharzen u. dgl., theils von dem immer im Thone befindlichen Giſenoxyde, und ſeiner h5- hern, oder mindern Oxydation modificirt, und beſtimmt werden, wie ſchon oben beym Thone erinnert worden. -. 43== Aus der Farbe des Mergels kann man indeſſen nie auf ſeinen Gehalt ſchließen, d. i. man kann nie wiſſen, ob er viel oder wenig Thon, oder ob er viel oder wenig Kalk enthalte. Es kann oſt ein Mer» gel wahrer Thonmergel oder wohl gar Mergelthon ſeyn, und dennoch ſehr blaß und ſchwach gefärbet er. ſcheinen, weil nämlich der Thon, ſo groß auch deſſen Menge ſeyn mag, nur ſehr wenig Eiſen»(oder Man- ganes-) Oxyd, und dieß auch nur auf der unterſten Stuſe der Oxydation enthält, und weil er übrigens auch von brennbaren Stoffen frey iſt. Dagegen kann oft der kalkhaltigſte Mergel, der kaum etwas vom Thone in ſeiner Verbindung enthält,'ziemlich ſtark und lebhaſt gefärbt ſeyn, wenn in dieſem wenigen Tho» üe ſehr vieles Eiſenoxyd, und zwar in einem ſehr ho- hen Oxydationsgrade ſich befindet, oder wenn er ei- ne Menge brennbarer Materien in ſich enthält. Die Textur und Cohäſion des Mergels iſt oft auch ſehr verſchieden. Es giebt Mergel, der ganz in pulveriger Geſtalt erſcheint, oder der wenigſiens ſo- wenig feſt iſt, daß er ſich mit leichter Mühe zerdriüv» den, und zerkrümeln läßt; und es giebt wieder oft welchen, der ſo hart wie Stein iſt. Legxtere Art wird auch deßhalb Steinmergel genannt, und wenn er in Schiefern bricht, ſo nennt man ihn S< ie*er- mergel. Eine ganz beſondere Eigenſchaft des Mergels iſt die, daß er ſehr leicht zerfällt, wenn er mit Waſſer in Berührung kommt, wobey durch die Entwi>kelung und Entweichung der Luſt, immer ein gelindes Aufbrau- ſen Statt zu haben pfleget. Das ems 49--. Das Zerfällen einer Erdart im Waſſer, iſt zwar noch fein ſicheres Kennzeichen, daß dieſe auch wirk- lich ein Mergel ſey, weil auch magere Thonarten im Waſſer ſehr leicht zerfallen; ſicher iſt's aber, daß ei- ne Erdart, die im Waſſer nicht zerfallt, auch durch» aus kein Mergel ſeyn könne, indem ſelbſt der härteſte Steinmergel=- zwär langſam, aber dennoch=- ſich im Waſſer in Pulver auflöſet. An der Luft zerfällt der Mergel eben ſo, wie im Waſſer, indem er dieß leßtere aus der Atmoſphäre an ſich ziehet; nur braucht er dazu oft längere Zeit, be- ſonders wenn die Witterung ſehr troFen iſt; da nur die Feuchtigkeit es iſt, welche dieß Zerfallen verurſa- ſchnitt, und bey übrigens gleichen Umſtänderi, immer leichter, als ſolcher, in dem kein Sand enthalten iſt. Iſt der Mergel, entweder wegen ſeinem übermä- ßigen Verhältniſſe von Kalk oder Thon, oder wegen ſeiner härteren Textur(wie ſolches bey manchen Siein- mergelarten der Fall iſt)'zum Zerfallen weniger ge- neigt, ſo iſt oft nöthig, daß der Froſt des Winters zu Hülfe komme.= Hieraus erklärt ſich's, warum das Auffahren des Mergels vor Winter3 immer von größ» ter und ſchnelleſter Wirkung ſey-1 Wird irgend eine Säare auf den Mergel gegoſ- ſen, ſo erregt ſie ein ſtarkes Auſbrauſen, und verbin- det ſich, in Folge ihrer ſtarken Verwandtſchaft, mit dem Kalke, der dann ſeine Kohlenſäure in Gasform entweichen läßt. Den Thon und das Eiſenoxyd deſ- ſelben greiſt die Säure aber nur dann an, wenn ſie nicht Kalk genug gefunden hat, Der Mergel iſt im Feuer ſchmelzbar, obgleich we- der Thon voch Kalk, jeder für ſich allein, auch in dem heftigſten Feuer, zum Schmelzen gebracht werden kann. Dieſe Schmelzbarkeit verliert er jedoch immer deſto mehr, je mehr der eine oder der andere Beſtand» theil in demſelben vorwaltet. Ja, nach dem Zeugniſ- ſe eines ſehr glaubwürdigen Schriftſtellers*) kann ein Mergelkalk; der einmal& oder darüber Kalk ent- hält, mit völliger Sicherheit, und ohne irgend einer Beſorgniß von Schmelzung oder Verglaſung, zum Kalkbrennen verwendet werden, ſo wie. man einen Mergelthon, der etwa in dem nämlichen Verhältniſ- .*) ſ Hermbſtädt's Kameral. Vermengt man dieſe Aſche mit hinlänglichem Waſ- ſer, ſo wird das Kali aufgelöſet, und von den Erd- ſtoffen getrennt, und bildet, in dieſem Zuſtande das, was wir Lauge nennen, Wird nun dieſe Aufloſung in einem eiſernen Ge- ſchirre vem Feuer nachhaltend ausgeſeßt, ſo verdampft nach und nach das Waſſer, und das Kali bleibt in der Form eines troFenen weiſſen Pulvers zurü>, in welchem Zuſtande es unter dem Namen ro hes Ka- li, oder Pottaſ, und die ſal» zigen fremdartigen Theile kryſtalliſiren ſich, und tren- nen ſich auf ſolche Weiſe ebenfalls von der Auflöſung, die nun ſchon weit reineres Kali enthält, welches durch Abdampfung des Waſſers leicht in troXnem Zuſtande 44 21 erhalten, und mil des Kali oder gereinigte Pottaſche genannt wird. Wird ferner bieſes milde Kali wieder in reinem Waſſer aufgelöſet, und dieſer Auflöſung eine verhälte- nißmäßige Quantität reinen Kalkes beygeſeßt, ſo ver- einigt ſich dieſer leßtere mit der noch übrigen Kohlen- ſäure, und das Kali bleibt ganz rein und ätzend in der Aufloſung zurü>, aus welcher es durch Ab- dampfung leicht in troF&ner Form erſcheint. b) Das Natron wittert in mehreren Ländern (unter andern auch häufig bey uns in Ungarn) öfters an der Oberfläche des Boden3 aus, ſo wie e3 auch bis- weilen an feuchten Wänden in Form eines wollenen Zeuges zum Vorſchein kommt, Außerdem findet es ſich mit Salzſäure neutraliſirt im gewöhnlichen Kü- , das aber in Sauren ſehr leicht aufgelöſet wird, und in dieſer Verbindung neutrale Salze biidet, die wie Tinte ſhme- &en, und= beſonders nenn ſie in größerer Menge vorhanden ſind-- der Vegetation höchſt ſchädlich wer- den können. Am gewöhnlichſten trifft man das Eiſen im Bo» den als ſäurefreyes Oxyd an, in welcher Geſtalt es der beſtändige Begleiter, und einer der integrirenden Beſtandtheile des Thones iſt, welchem es auch, wie ſchon oben geſagt, ſeine verſchiedenen Farben erthei- let. Daß der Grad der Oxidation verſchieden ſeyn könne, je nachdem das Eiſen mehr oder weniger Sauerſtoff in ſic) aufgenommen, iſt ebenfalls ſchon oben bey den Metallſtoffen erörtert worden, Th aer ſagt, man wiſſe noch nicht beſtimmt, ob, und welchen Einfluß das Ciſenoxyd auf den Boden und die Vegetation habe. Beſtimmt wiſſen wir dieß freylich nicht, da es jedoch, wie wir oben geſehen ha- ben, einen ganz weſentlichen Beſtandtheil des Thones ausmacht, dieſer aber eine nicht unbedeutende Nolle im Boden ſpielt, ſo iſt es klar, daß es wenigſtens mittelbar allerdings Einfluß auf den Boden habe, Daß übrigens ein allzugroßes Übermaaß von Eiſen- oxyd den Boden hart, ſpröde, troFen, und der Feuch- tigkeit minder zugänglich mache, ſcheint mir mehr als wahrſcheinlich zu ſeyn. Außerdem trifft man das Eiſen im Boden oft in Verbindung mit mancherley Säuren an, verſteht ſich ſchon deshalb immer in oxydirtem Zuſtande, weik -- 57==» ſich, wie wir oben bey den Metallſtoffen geſehen haben, jedes Metall in gewiſſen Säuren oxydirt. So erſcheint es 3) als kohlenſaures Eiſen in Verbindung mit der Kohlenſäure, welche jedoch, wenn ſie mit ſtär- Fern Säuren in Berührung kommt, eben ſo, wie aus dem Kalke mit Aufbrauſen entweicht; b) als ſchwefelſaures EGiſen, oder als Eiſenvi- triol, in Verbindung mit der Schwefelſaure, und e) als pho8phorſaures Ciſen, in Verbindung mit der Phosphorſäure, in welcher Verbindung es unter andern den Ur- oder Ortſtein bildet, den man auch öfters Wieſenerz, Sumpferz, Naſeneiſenſtein u. f:'w. nentnet; Das fohlen- und ſchwefelſaure Giſen ſcheint in geringer Menge unſchädlich, und nur in größereyx Quantität nachtheilig zu ſeyn; wogegen das phos8phor- ſaure Eiſen der Vegetation immer höchſt nachtheilig und todtlich iſt. Da3 ſaure Eiſenoxyd kommt immer nur-in naſ?- ſen ſumpfigen Gründen, vorzüglich in Torfmooren vor. Es giebt ihnen jene nachhaltige ſchwarze Farbe, die auch im getro&neten Zuſtande immer unveränder- lich bleibt; wogegen ein Boden, deſſen Schwärze vom Humus herrührt, im getro>neten Zuſtande grau er» ſcheint. Geglühet erſcheinen ſolche eiſenſaure Boden- arten mehr oder weniger roth oder gelb, je nach der Menge, und nach dem Oxidationsgrade des Eiſens. Nebſt dem Eiſen kommt auch das Braunſteinme- tall oder das Manganes bisweilen im Boden vor, verſteht ſich immer im oxydirten Zuſtande, da es ſich unter allen Metallen am leichteſten oxidirt, und bey» ER GEE IERS nahe gar nicht anders exiſtiren kann. Daß der Ein- fluß dieſes Metalls auf den Boden und die Vegetation unbedeutend ſey, folget ſchon daraus, daß es nur äu- ßerſt ſelten und immer nur in geringer Menge ange- troffen wird, S- 27: 9. Säuren. Die Säuren( aeida) ſind nichts anders, als eine ſind. b) daß ſie die blauen Pflanzenſäſte= folglich auch das Lakmuspapier=- roth färben, und ce) daß ſie in Verbindung mit Erd- ſtoffen, Alkalien, und Metalloxyden, verſchiedene neu- trale Salze darſtellen. So bildet z- B. wie wir oben geſehen haben, die Kohlenſäure mit der Kalkerde das neutral» erdige Mittelſalz, das wir Kalk nennen, die Schwefelſäure mit eben der Kalkerde bildet den Gyps Ve fe ww, Das Subſtrat der Säuren iſt entweder ganz mit Sauerſtoff geſättiget, oder es iſt nur bis zu einem ge- wiſſen Grade damit verbunden. Erſtere Verbindung wird eine vollkommene Säure( acidum perfectum oder ſchlechtweg acidum), leßtere eine unvollfommene Säure( acidum imperfectum oder acidulum) ge- nannt- Um nun dieſen Unterſchied ſogleich bey jeder Säu- re mit Worten zu bezeichnen, geht man auf folgende Art zu Werke: Im Deutſchen ſest man bey vollkom- menen Säuren das Subſtrat im Subſtantiv, bey un- vollkommenen im Adjectiv, z. B, Schwefelſäure, ſchwef- lige Säure, Phosphorſäure, phosporige Säure u. ſ. w. Jm lateiniſchen drüXt man die vollkommene Säu- re durch das Adjectiv de3 Subſtrats in icum, die unvollkommene aber durch das Adjectiv deſſelben Sub- ſtrats in osum aus, als; aciqum gsulphuricum, -» 60-=-- Schwefelſäure, acidum sulphurosum ſchweflichte oder ſchweflige Säure, d. i. unvollkommene Schwefelſäure, Die Franzoſen machen es auf die nämliche Art durch ihre Adjective in ique und eux, z. B. acide phos- Phorique Phosphorſäure,«cide phosphoreux phos- phorige Säure, oder unvollkommne Phosphorſäure (5107 Der Säuren zählen die Chemiker heut zu Tage eine ſehr große Menge, weil die Säuregrundlagen, welche dieſelben in Verbindung mit dem Sauerſtoffe bilden können, äußerſt mannigfaltig ſind. Uns Land- wirthen jedoch ſind nur 5 beſonders wichtig, nämlich: a.) die Kohlenſäure, b.) die Schwefelſäure, e) die Phos8phorſäure, d.) die Eſſigſäure und e.) die Gal- lusſäure, Die Kohlenſäure iſt die wichtigſte von allen- weil ſie im landw. Boden am häufigſten vorzukommen pfleget- Die beyden leitern dagegen kommen am ſel» tenſten vor.- a) Die Kohlenſäure(acidum earbonicum) beſteht aus 18 Pct. Kohlenſtoff, und 82 Pct, Sauer- ſtoff*) Sie iſt in der Natur ſehr häufig vorhanden, und häufiger wie jede andere- Go trifft man ſie mit verſchiedenen Wäſſern in Verbindung, mit welchen ſie das ſogenannte Sauerwaſſer bildet, dem ſie die bey- wohnende pickante Säure und das Perlen oder Mouſ- +) ſf. Hermbſtädt!s Fameralſtof und wahrſcheinlich auch aus Pho3phorſtoff zuſammengeſegßt*) .)(. Hermbſtädt's Kameralenden Regen herunterfallen läßt, anderer ihrer ſo nüßliche als wunderbaren Wirkungen nicht zu gedenken. Aber auch in unſerm Boden ſelbſt, wenigſtens in der oberſten Kruſte deſſelben, ſpielt die atmoſphäriſche Luſt gaftz“ſicher eine nicht unwichtige Rolle. Sie durch» dringt denſelben vermöge ihrer liquiden Beſchaffenheit, in ſo weit er ihr nur durchdringlich iſt, ſest daſelbſt ſo manche befruchtende Partikelchen ab, und bewirkt ſo manche vortheilhafteker geſchehen konnte? S. 209- 11. Waſſer. Das Waſſer kann als concreter und als li- quider Stoff betrachtet werden. Im concreten Zuſtan«- de(als Eis oder als Kryſtall) beſteht es aus 12 Pck. Waſſerſtoff und 88 Pct. Sauerſtoff,*) im liquiden *) f. Hermb ſtädt. Na< andern enthält es 15 Pct. Waſſerſtoff und 85 Pet. Sauerſtoff,- Trautmann und Duümesnil bey Crome. --- 67= aber enthält es außer dem erſtgenannten Antheile-von dieſen beyden Elementarſtoffen, noch ſo viel von Wär- meſtoff als zu ſeiner tropfbaren Form oder Flüßigkeit erforderlich iſt. Steigt das Verhältniß des Wärmeſtoffes zu den beyden conſtitutiven Stoffen des Waſſers noch höher, ſo geht es in Dunſt über, und ſteigt in die Atmoſphä- re empor, bis es wieder aus derſelben nach allmähliz gem Verluſte an Wärmeſtoff in verſchiedenen Geſtal- ten, je nach Verſchiedenheit der Verminderung des Wärmeſtoffs und anderer Umſtände als Thau, Re- gen, Schnee, Hagel u. ſ. w. herunterfällt, Die große Affinität des Waſſers zum Wärmeſtoffe erſieht man ſchon daraus, daß wir es meiſtens in li- quider Form(folglich in Verbindung mit dem Wär» meſtoffe) antreffen, in welcher Form es allenthalben in Flüßen, Bächen, Quellen, Seen, ſo wie in dem den größten Theil unſers Erdballs bedeFenden Welt» meere angetroffen wird. j Aber auch in concreter Form trifft man es häu- fig genug an, indem es einen ſtäten und integriren- den Beſtandtheil ſo mancher Mineralien ausmacht, wie wir z. B. oben beym Kalk und Gyps geſehen haben, mehrerer anderer die uns Landwirthe nicht intereſſiren/ zu geſchweigen. Auch tritt ſelbſt das liquide Waſſer öfters bey verminderter Temperatur in concrete Form als Eis über, bis es wieder bey höherer Temperatur ſich mit Wärmeſtofſf ſättiget und in ſeine vorige liquide Form übergehet« da --“ 03== In unſerm landw. Boden trifft man es in bey- den Formen an. In concretem Zuſtande iſt es, wie ſo eben geſagt worden, im Kalk und Gyps, ſo wie in allen Kalk oder Gyp3 enthaltenden Erdarten vor- handen. Jn liquider Form aber iſt es ein immer- währender und ſtätiger Begleiter des Thons, und je- des mehr oder weniger thonhaltigen Bodens, da der Thon vermöge ſeiner großen waſſerhaltenden Kraft, wie ſchon oben bemerkt worden, nie ganz ohne Waſſer angetroffen wird, welches bloß durch ſtarke Glühehite aus demſelben ausgetrieben. werden kann, Außer dieſem beſtändigen Waſſer, welches als ein wirklicher Beſtandtheil des Bodens betrachtet wer» den kann, ſpielt hier aber auch dasjenige keine gerin» ge Rolle, welches ich freyes Waſſer nennen möchte, weil es bald aus.der Atmoſphäre bey vermindertem Wärmeſtoffe ſich niederſchlägt, bald wieder verſintert, oder nachdem es ſich mit einer größern Quantität Wär- meſtoff3 verbunden, wieder in Dunſigeſtalt in die At» moſphäre übergeht. Das Waſſer iſt ein abſolutes und unumgänglich nöthiges Bedingniß des organiſchen Lebens 3 ohne Waſ- ſer könnte daher unmöglich eine Vegetation ſtatt fin- den. Das Waſſer iſt es, welches die in dem Boden befindlichen Nahrung3mittel vermöge ſeiner auflöſen» den Eigenſchaft auflöſet, und den Vegetabilien zufüh- ret, ja welches ſelbſt durch ſeine eigene Subſtanz, mit? telſt- licher Mengung mittelbar einigen Einfluß auf die Er- nährung der Pflanzen zu äußern; die Luft und das Waſſer führen wohl, wie wir ſchon oben erinnert ha- ben, ſo manche nährende Beſtandthe le den Pflanzen zu; nimmermehr aber würden dieſe ihre volle Nayrung finden, wenn nicht die hier in Rede ſtehenden organi- ſchen Reſte im Boden zugegen wären, oder demſelben bey etwaigem Manzel, durch ſchiFliche Düngung künſt- lich zugeführt würden. Über die Lehre von dieſem bey weitem wichtig- ſten Beſtandtheil unſers Boden38 herrſchte vor noch nicht langer Zeit eine ſchreFliche Verwirrung, ſo daß man nie recht wußte, wovon ein Schriftſteller eigent» lich ſprach, wenn er uns eine Menge Dinge von Damm- erde, Faulerde, Stauberde, Gartenerde( ſo nannte man vormals den Humus) oft in das Lange und Brei- te vorſagte. Bald verſtand man unter dieſen Benen- nungen jeden fruchtbaren Boden, der eine beträchtliche Quantität an Humus enthielt, bald verſtand man dieſe nährende Subſtanz ſelbſt, ohne aber einen kla- ren Begriff damit zu verbinden, und folglich ohne ſich darüber richtig erklären zu können. Dem großen Thaer war es vorbehalten über dieſen wichtigen Punkt unſerer Wiſſenſchaft Licht zu verbreiten, und die bisher in dieſer Hinſicht ſo ver- wirrten Begriffe zu berichtigen und näher zu beſtim- men« Eben um dieſer Verwirrung der Jdeen vorzu- beugen, verwarf er alle bisherigen Benennungen die- ſer Subſtanz, als: Dammerde, Modererde, Fauler- de u. f. w., weil deren Endung Erde allein ſchon Unfundige verführen und glauben machen könnte, ...- k. I daß dieſe Subſtanz eine wirkliche Erde ſey, während ſie doch an und für ſich, und außer der Mengung mit den eigentlichen Grdarten betrachtet, von denſelben ſchlechterdings verſchieden iſt, und außer ihrer außern Frümlichen Form, und außer dem geringen Antheile von Elementarerden, die ſie ſelbſt in ihrergeben können, von Zeit zu Zeit mit Dünger nachgeholfen werden muß, wenn er tragbar bleiben ſoll; er müßte denn ei- nen ganz unerſchöpflichen Neichthum an Humus haben, wie dieß bey uns in einigen Gegenden der Theiß und des Banates der Fall iſt. Liegt der Humus in ſolcher Tiefe, daß er mitder atmoſphäriſchen Luft durchaus in keine Berührung Fommt, ſo hat es auch mit demſelben eine ganz an» dere Bewandtniß. Welche Entmiſchung eigentlich all- da mit dem Humus vorgehe, iſtwohl ſchwer mit Ge- wißbeit zu beſtimmen, und giebt bloß zur Vermu- thung Anlaß, daß ein Theil des Waſſerſtoff3 ſich mit dem Sauerſtoff des Humus zu Waſſer bilde, während *) f. Thaer's und Hermbſtädt's öfters angeführs te Werke. der andere Theil des Hydrogen3 mit etwas Kohlen- ſtoff in Verbindung tritt, und als gefohltes Waſſer- ſtoffgas entweicht. Sicher iſt's aber und au< nicht dem mindeſten Zweiſel unterworfen, daß der bey wei- tem größte Theil des Kohlenſtoffs in dieſem Humus zurückbleibt, und daß dieſer dadurch, nach Entweis- t, und folzlich ohne von alle? Berührung mit der atmoſphä- riſchen Luft ausgeſchloſſen zu ſeyn. In dieſem Falle erzeugt ſich eine ſehr nachtheilige und bö8artige Säu- re( größtentheils Eſſigſaure, manchmal auch Pho38- phor- oder Schwefelſäure) ſ- Thaer Gr. Hermbſtädt, welche ſo hartnä>kig an dem Humus klebt, daß ſie nicht einmal durch Sieden völlig davon geſchieden wer- den kann. Cin ſolcher Humus iſt nach Erfahrung durchaus unauflöslich, unfruchtbar, und der Vege- tation im höchſten Grade nachtheilig, und wird da- her ſaurer, unauflöslicher, unfruchtba- rer Humus genannt. Seiner Feindſeligkeit hal- ber, die er gegen die Vegetation äußert, wachſen auf ihm bloß einige wenig nußbare Pflanzengeſchlechter, als: Riedgräſer corices, das Dunggras(eriophorum) Binſen(jurei) u. dgl. welche die Natur gleichſam ganz eigens für dieſen Humus geſchaffen zu haben ſcheint, und aus deren Daſeyn= beſonders der Bin- ſen= man auch gewöhnlich ſchon auf ihn ſchließen kann. So lange nun die erſte Urſache dieſer bögartigen Säu- re, nämlich die große Näſſe des Bodens nicht geho- ben werden kann, ſo iſt auch ſolchem Humus nicht zu Helfen/ und er iſt dann bloß ſeinem SchiFſale zu über- laſſen, iſt man aber ſo glü>lich der übermäßigen Feuch- tigkeit einen Abzug zu verſchaffen, und den Boden tro>en zu legen, ſo iſt ein ſolcher Humus ſehr leicht und ſehr bald mittelſt Aſche, Kalk, Kalkmergel oder Mergelkalk und aller kalkhaltigen und alkaliſchen Sub- ſtanzen von jeiner Säure zu befreyen und in milden und auflöoslichen Humus zu verwandeln, da er denn ein wahrer'Schatß des Landwirths iſt, er moge ihn an Ort und Stelle zu Wieſenanlagen benußten, oder als Düngungs- und Befruchtungsmittel auf ſeine Fel- der führen wollen. Faſt von gleicher Beſchaffenheit iſt der Heidehu- mu3 d. i. derjenige, der ſich von der Verweſung des Heidekrauts erzeugt, und angehäuft hat, und immer mit Gallusſäure in Verbindung iſt. Er iſt durchaus unauflöslich und bloß zur Ernährung des Heidefrauts geeignet, kann aber durch friſchen Miſt, Kalk, Mer- gel, Aſche u. dgl. ſehr leicht verbeſſert und in milden Humus umgewandelt werden. Hat man keines aller dieſer Verbeſſerung3miitel itt Händen, oder will man feines davon anwenden, ſo kann man auch in beyden erſtgenannten Fällen mit ſehr gu- tem Grſolge das unten zu beſchreibende Raſenbrennen vornehmen, und findet mithin das Verbeſſerungsmit» tel des Humus in ihm ſelbſt.= Zwar weniger hartnä>ig als der eſſig- oder pho3- phorſaure, und der Heidehumus, aber doch immer ſehr ſchwer auflö8bar iſt auch derjenige, der aus den Blättern einiger Bäume, vorzüglich aus dem Gichen- laube entſtanden, und eben ſo wie der Heidehumus von Gallusſäure gebunden iſt. Er wird ebenfall8 durch friſchen Miſt, Kalk, und Alkalien leicht verbeſſert, verliert aber auch von ſelbſt durch bloße Ausſeßung an die freye Luſt ſeine ſchädliche adſtringirende und MÄRLANENÄENGER ZE rer ir RE I DERE ZB ÄH<< GA<<<<= &- 78== unauflösliche Eigenſchaft, und geht nach und nac= wiewohl langſam=- in milden, auflöslichen Humus Über. Dieſemnach hat Hermbſtädt*) ganz recht, wenn er überhaupt den Humus unter folgenden viererley Geſtalten zu betrachten lehrt: a) als neutralen H umus8, der an und für ſich im Waſſer nicht lö8bar iſt, durch die Einwirkung des Sauerſtoffs aus dem Dunſtkreiſe aber lö8bar gemacht werden kann; b) als oxydirten Humus, welcher entſteht, wenn der neutrale Humus mit einer geringen Menge Sauerſtoff in Verbindung tritt, die ihn im Waſſer lösbar macht, und wodurch er in die Form des Extractivſtoffs über- geht, c) als todten Humus, welcher wegen ſeiner gänzlichen Abgeſchiedenheit von der atmoſphäriſchen Luſt, und der dadurch erfolgten Verkohlung unwirk- ſam geworden, und d) als ſauren Humus, wel- ig zurückhalten ,/ als er es gierig an ſich zieht, fo daß er darin ſogar den Thon überträfe, ſ. Fellenberg"s landw. Blätter von Hofwyl, 5 Heft. Allein dieß ſcheint mir völlig der Erfahrung zu widerſprechen, jein| DN ann Außerdem aber, daß der Humus der eigentliche Nahrungsſtoff der Pflanzen iſt, und alſo unmittelbar die Vegetation bedinget, ſo äußert er auch in phyſi- ſcher Hinſicht und mittelbar manchen vortheilhaſten Einfluß auf den Boden. Er macht den ſtrengen und ſteifen Thonboden mürber und loFerer, und folglich den heilſamen Einſlüßen der Atmoſphäre mehr zugäng» lich; und ſo wie er ihm einerſeits behülflich iſt das- Waſſer ſchneller einzuſaügen, ſo bewahrt er ihn an- dererſeits vor allzu hartnä>iger Zurückhaltung deſſel» ben. Den Sand bindet er gleichſam wenigſtens eini- germaßen, und vermehrt in etwas ſeine ſonſt allzuge- ringe waſſerhaltende Kraft, Den Kalkboden bewahrt er vermöge ſeiner großen Waſſeranziehungskraſt vor allzugroßer Dürre, ſo wie er dem Kalke Stoff darbie- tet, an dem dieſer ſeine immer thätigen und verzehren- den Decompoſitionskräſte üben könnte, ohne daß doch der Boden ausgeſogen und unfruchtbar werde, u. ſw. Ungeachtet ſeiner allgemein anerkannten guten Gi- genſchaften aber, kann jedo< der Humus== ſelbſt der gute milde Humus-=- in zu großen und zu un- verhältinißmäßigem Übermaaße auch ſchädlich werden. Denn: 1.) Geſchieht es bey allzugroßem Überfluße des Humus ſehr leicht, daß die Pflanzen ſich lagern, be- ſonders wenn der Boden allzuloſer Natur iſt und groöß- tentheils aus Sand beſteht, wie wir dieß bey etwa überdüngten Äern täglich erfahren können. 2.) Vermöge ſeiner großen Anziehungskraft des Waſſers, und ſeiner dagegen nur geringen waſſerhal»- tenden Kraſt, verurſacht ein gallzuhäufig im Boden be- findlicher -- 31-- - findlichen Humus leicht den doppelten Nachtheil, daß bey häufigen Negen allzuviele Feuchtigkeit an der Ober- fläche des Bodens angehäuft und die Pflanzen gleich- ſam erſäuft werden, und daß dagegen bey anhaltender Dürre der AFer dergeſtalt aller Feuchtigkeit beraubt wird, daß die Pflanzen, ungeachtet des großen Nah» rungsreichthums, verſchmachten müſſen, wie wir dieß auf ſtark gedüngten Feldern öfters ſehen können. 5.) Gin an Humus überreicher Boden iſt zu ſehr von der jedesmaligen Temperatur der Atmoſphäre ab- hängig, welche denſelben bey der geringſten Verän- derung wechſelweiſe ausdehnt und zuſammen zieht, wodurch zuleßt= beſonders im Nachwinter bey ab- wechſelndem Gefrieren und Aufthauen des Bodens== die Pflanzen oft ſämmtlich ſammt den Wurzeln aus dem Boden gehoben werden, dieß geſchieht beſonders häufig, wenn der Boden ohnehin von loerer Textur iſt, und nur ſehr wenig Thon enthält. Ein ſolcher Boden kaugt daher auch nie für Wintergetreide, ſs ſehr er auch ſeines großen Nahrungsreichthums wegen ſonſt dazu geeignet wäre. Weit ſicherer gedeihet ſchon auf ihm das Sommergetreide, weil während der Vege- tation deſſelben die Abwechſelung der Temperatur eben nicht ſehr groß iſt. Am beſten und ſicherſten aber kann ein ſolcher an mildem gutem Humus allzureicher Bo» den-- beſonder3 wenn er mäßig feucht gelegen= zu Wieſen benußt werden, welche oft einen enormen Er- trag abwerfen können. Der auf der Oberfläche unſer3 Bodenz3 oſt in gar beträchtlich tiefen Lagern angehäufte Torf, wel- en, wodurch die verſchiedenſten Bodenarten gebil- det werden. Dieſe nun zu kennen, und zwar gena: nach ihrer Benennung, nach ihren Beſtandtheilen, und nach ihren Einfluß auf die Begetation zu kennen, iſt eine Sache von nicht geringer Wichtigkeit, die einem Landwirth durchaus nicht unbekannt ſeyn darf. 6* =, 104122 Gg. 32. Vormahls benannte man die verſchiedenen Bo- denarten bloß nach den verſchiedenen Getreidearten, die ſie vorzugsweiſe zu tragen fähig ſind, als Wei- benboden, Noggenboden, Gerſtenboden, Haſerbo- den; u. ſ- mw.; da aber dieſe Benennung äußerſt ſchwankend, und nur dazu geeignet iſt, die Leh- re von dem Boden zu verwirren, ſo fieng man in neuern Zeiten, und zn'ar mit keſten Erfolge an die Benennungen von den vorherrſchenden Hauptbeſtand»- theilen des Bodens ſelbſt*) herzunehmen, wodurch aller Irrung und Verwirrung vorgebeugt wird.**) *) Dieſe ſind Sand, Thon, der aus Sand und Thon zuſammengeſetzte Lehm, Kalk, oder aus Kalk und Thon beſtehende Mergel, und Humus. Von den entfernteti Ves ſtandtheilen, ſo wie von den zufälligen oder Nebenbeſtand- theilen als Steinen Uu. dgl, iſt hier an dieſem Orte keine Rede.) **) Die Grühdung dieſer neuern Lehre, ſo wie übet- Haupt der Lehre von der Natur und den Eigenſchaften des landw, Bodens, haben wir ganz vorzüglich, dem um die Landwirthſchaft ſo unendlich hoh verdienten, und über alles Lob erhabenen Thaer zu danken. Es iſt unglaublic<, wie man über dieſen ſo wichtigen Gegenſtand, vor no< gar nicht langer Zeit Cleider geſchieht dieß mitunter auch jeßt noh, ſo unverzeihlich es auch iſt) mehrentheils in Teutſchland räſonit» te und deräſonirte3 aber Thaer ſ Falkhaltiger Humusboden do- do. do, und außer Thon und Sand auch Kalk, Ww py nah i) bemerke lid) if D eine für und tau de. Y ſiehen, ſich dal) Landw! z Z nur 809 wenn noch i gen; d hen, J Hafer, Aderb erſeßen ihn zu ſür Se E nung ſtens, denatte Irt zu gendw, der 37 - 37= Wir wollen nun dieſe verſchiedenen Bodenarten nach ihren Klaſſen in Kürze durchgehen, und dabey bemerken, wozu eine jede derſelben vorzüglich dien- lich iſt. CG. 33. Der Sandboden iſt im Ganzen genommett eine für den Landwirth immer unerwünſchte Bodenart, und taugt wohl in der Regel am beſten nur zur Wei- de. Vorzüglich iſt hier jener loſe Sandboden zu ver? ſiehen, der ſchon über 90 Pct- Sand enthält, und ſich daher ſchon mehr oder weniger jener Plage der Landwirthe, dem Flugſande nähret. Sandboden beſſerer Art aber, nämlich der, welcher nur 30 bis höchſtens 90 Pct. Sand enthält, kann, wenn man ihn denn durchaus zum AFerbaue bedarf, noch immer manche Früchte mit Vortheil hervorbrin- gen; dgl ſind Roggen, Mays, Kartoffeln, Buchwei»- pen, Muhar, Spergel, und zur Noth wohl aut) noch Hafer. Kann man aber einen ſolchen Boden vom Acerbau entbehren, und ihn durch einen ſchi>lichern erſeßen, ſo iſt es doch immer beſſer und rathſamer ihn zur Weide liegen zu laſſen, wozu er beſonders für Schaafe ſehr geeignet iſt. Sandbodenarten der 2-ten 5-ten und 4-ten Ord- nung mögen wohl äußerſt ſelten ſeyn. Crome wenig- ſtens, dieſer unermüdete Zergliederer einer Menge Bo» denarten, ſagt, daß ihm kein einziger Boden von der Art zu Geſichte gekommen ſey- Sollten ſie jedoch ir- gendwo ſich vorfinden, ſo müßten ſie, beſonders die "Yer 3Fen und 4-ten Ordnung, vortrefflich zu Weti- *+.* -. 33== den, ja wohl auch zu Wieſen paſſen. Für den AFer- bau aber würden ſie weit minder taugen, und ſehr oft Lagergetreide zur Folge haben. S. 34+ Weit beſſer ſchon für den AFerbau als der ei- gentliche Sandboden, iſt derjenige, den wir lehmi- gen Sandboden nennen, oder der nur ſchon zwiſchen 70 und 830 Pct. Sand enthält. Zwar iſt auch dieſer noch für manche Früchte, ſonderlich für Weißen, viel zu loſe, doch giebt es ſchon eine Menge Feldgewächſe, die er recht gut her- vorbringet, wenn er anders an Nahrungskraft und Fruchtbarfeit keinen Mangel hat. Go trägt er ganz guten Roggen, Mais, Hafer, Mohn, Lein, und zur Noth wohl auch noch Klee und Luzerne. Für manche andere Gewächſe aber kann er bey Hinlänglicher Nahrungskraft ſogar vortrefflich ſeyn, ais z. B. für Hirſe, Muhar, Buchweiten/ Linſen, Kartoffeln, Rüben, Möhren, Kürbiſſe, Spergel, Senf, Safran, Hopfen, Wau u. m. q- Gerſte trägt zwar dieſer Boden auch zur Noth, aber doMm nicht mit Sicherheit. Am beſten kommt noch die kleine 4 oder ſechszeilige Gerſte CREE vulgare) auf ihm fort, Q. 35- Noch beſſer als der vorige iſt der ſandige Lehmboden, d. i. derjenige Loden, der nur mehr 60=- 70 Pct- Sand enthält. -“- 29==> Zwar hat auch dieſer noch ſür den Weiten viel zu wenig Bindung, als daß er ihn mit Sicherheit tragen könnte, doch trägt er vortreflichen Roggen oben ſo guten. Mais und Kartoffeln, guten Hafer, und ziemlich gute Gerſte. Auch iſt er, wenn er anders keinen Mangel an Humus hat, für eine Menge anderer Früchte tauglich, und für einige ſogar vorzüglich, als für Hirſe, Erb- ſen, Kohlrüben, Möhren, Paſtinaken, Rüben, Klee, Luzerne, Muhar, Spergel, Tabak, Mohn, Hanf, Lein, Krapp, Safran, Hopfen u. ſ- w. Fſt er überdieß etwas kalkhaltig, ſo wird ſein Werth in den meiſten Fällen noch erhöhet. S. 30. Der eigentliche Lehmboden, der beyläu- fig Sand und Thon zu gleichen Theilen enthält, iſt wohl derjenige, den ſich ein Landwirth am meiſten wün- ſchen darf, und der den Vorzug vor allen übrigen Bodenarten(höchſtens einen guten Mergelboden aus- genommen) verdient; da er faſt für alle Früchte, die wir auf dem Aer bauen können, in gleichem Brade tauglich iſt, welches von keinem andern Boden ſo leicht geſagt werden kann. Er hat gerade ſo viele Bin- digkeit, um die nöthige Feuchtigkeit genugſam anhal- ten, und der anhaltenden Dürre hinlänglich widerſte- hen zu können; er iſt aber auch loFer genug, um nicht an Näſſe zu leiden, und um die gehörige Bearbeitung des Bodens zu jeder Zeit zuzulaſſen. An Weißen, ſo wie noch an einigen andern weia ter unten zu erwähnenden Früchten, giebt er zwar nicht vollig den großen Ertrag, den die ſtrengern Bo- denarten in gewiſſen Jahren zu geben vermögen. Im Durchſchnitt der Jahre jedoch wird er den thonigen Bodenarten auch in dieſer Hinſicht ſchwerlich nachſte» hen, da er weit gleichmäßigere Ernten zu liefern pfle» get» JC er überdieß von kalkhaltiger und humoſer Art, ſo iſt er um ſo beſſer. S. 37- Der thonige Lehmboden, der ſchon 60 =. 70 Pct. Thon in ſeiner Mengung hat, iſt eigent- lich die Gränzlinie, allwo jene feſtern und bindendern Bodenarten anfangen, die ganz eigentlich ſür den Kö- nig unſerer Ücker, den Weigen beſtimmt zu ſeyn ſchei» nen, und die nur allein denſelben in ſeiner vollen Pracht zu tragen fähig ſind. Boden dieſer Klaſſe läßt ſich noch immer gut be- arbeiten, beſonders, wenn er eine etwas beträchtliche» re Quantität Humus oder Kalk enthält. Er trägt außer vortreflichem Weißen auch ſehr guten Mais und Gerſte, und wenn er eine tro>ene Lage hat, auch noch guten Roggen. Von andern Feldgewächſen iſt er vorzüglich zu Bohnen, Fiſolen, WiFen, Klee, Kohl, Hanf und Naps geeignet. Kartoffeln geben auf dieſem Boden wohl bey ſorg» fältiger Bearbeitung einen ſehr großen Ertrag, nur ſind ſie von weit ſchlehterm Geſchma&e, und auch weniger nahrhaft, als auf den minder gebundenen Bo- denarten. C5358- Die beyden Klaſſen des Thonbodens, nämlich der lehmige und der eigentliche Thonbo»- den, erſterer mit 70= 80 legßterer über 89 Pct. Thon- gehalt, haben zwar das Ungemach, daß ſie etwas ſchwer züſbearbeiten ſind, indem ſie bey/ anhaltender Dürre leicht zu hart, bey anhaltendem Regen aber zu naß und ſchmierig werden, folglich auf jeden Fall mehr Arbeitsfkräſte erfordern, und dennoch immer et- wa3 unſicher ſind. Haben ſie aber nur hinlänglichen Humuz3, und überdieß noch etwas Kalk beygemengt» oder werden ſie durch Miſt und Kalk oder Mergel ge* horig meliorirt, und wird an Arbeit nicht3 geſpart» ſo ſind gerade ſie es, welche die größten und reichlich» ſten Weigzenernten liefern. Außer dem Weigen geben vorzüglich Bohnen, Wien, Klee und Kohl auf dieſen Bodenarten die einträglichſten Ernten. Für Roggen, und für Gerſte-- beſonders für die kleine vierzeilige Gerſte= ſind ſie mehrentheils ſchon zu ſteif. Mais und Kartoffeln können ſie wohl tragen, ja ſelbſt einen ſehr großen Ertrag abwerfen 3 nur ver- ſäume man ja die ſo nöthige Bearbeitung nicht, ſo ſchwer ſie auch manchmal bey verhärteten Boden zu ſeyn pfleget; auch erwarte man auf ſolchen Bodenor- ten keine Kartoffeln von feinem GeſchmaFe, wie man ſolche auf den Lehm- und Sandbodenarren zu erhal- ten pfleget. wma 92--- S. 309. Der Mergelboden iſt eine der vorzüglich- ſten Bodenarten, die ſich nur ein Landwirth wünſchen Fant Der ziemlich häufige, und doch nicht übermä- ßige Kalkgehalt dieſes Bodens befördert die Zerſeßung und Auflöſung des in demſelben etwa befindlichen Hu- mus, und eben dadurch die Vegetation gat beträcht- lich; auch bewahrt er den Boden von der den meiſten beſſern Feldgewächſen ſo nachtheiligen Säure, die be- ſonders Weißen und Gerſte nie auffommen laßt, Iſt er daher von der thonigen Art, fo trägt er unübertrefflich ſchönen Weißen, ſo wie der von der lehmigen Art die ſchönſte Gerſte von der Welt liefert. Überhaupt trägt dieſer Boden alle Gewächſe, die wir zu bauen pflegen, beſonders aber Hülſenfrüch- te, Klee, und Luzerne in größter Vollkommenheit. Gr fordert aber wegen dem zerſeßend wirkenden Kalk immer eine beträchtliche Quantität an Humus, und hat er an dieſem Mangel, ſo muß er auch weit öſter als anderer Boden mit gutem Miſte gedünget werden, Die Eſparcette iſt auf dem Mergelboden ihrer Vorliebe zum Kalk wegen, beynahe wie einheimiſch, und wenn er von hinlänglicher Tiefe iſt, faſt unzer- ſtöpbar. 4 S-. 1,0. >;, Eigentlicher Kalkboden, der ſchonüber 20 Pet. Kalk enthält, kommt in der Natur äußerſt ſelten vor. Crome ſagt, daß ihm Kalkboden der Zefen und z:ten Ordyung nie vorgekommen iſt, wohl aber lehmiger und humoſer, die er auch beyde in ſe i- nem trefflichen Werke*) beſchreibet. Boden dieſer Art muß wegen der zerſeßenden Ei- genſchaft des Kalkes immer entweder von Natur eine ſehr große Quantität Humus enthalten, oder äußerſt oft mit altem wohl verrotteten Miſte gedünget wer- den, wenn er für unſere Feldgewächſe tauglich ſeyn ſoll.; Sonſt trägt er vor allen Gewächſen„ die wir an? zubauen pflegen, bloß die Cſparcette, dieſe trägt er aber auch bey ihrer Sucht nach Kalk in größter Voll- kommettheit« Übriaens taugt er bey Abgang von hinlänglichem Humus bloß zur Weide, S. 41+ Der Humus boden, der ſich vorzüglich nur in Niederungen und tiefen Lagen findet, taugt im Ganzen, ungeachtet ſeiner großen Nahrungskraſt, wohl nur zu Wieſen und zu Weiden, Für den Aerbau iſt er in den meiſten Fällen theils ſeiner allzugroßen Lo>erheit wegen, theils weil er faſt nie ſäurefrey iſt, völlig: unbrauchbar. * Nur, wenn er von der ſchr thonigen Art iſt, und wenn er ſchon eine ganz beträchtliche Quantität Kalk zur Tilgung der«-Säure enthält, kann er auch zum Anbau mancher Früchte al8 Ad>erfeld benugt werdet, da er denn einen enormen Ertrag abzuwerfen im Stan- de iſt. *) Der Boden-und ſein Verhältniß zu den Gewähſeun«& zae ER Die für ſolchen Boden, wenn er eine hinlänglich troFene Lage hat, tauglichen Gewächſe ſind: Weißen, Gerſte, Hafer, Mais, Hirſe, Bohnen, Widen, Kohl, Möhren, Paſtinaken, Kürbiſſe, Hanf, Lein, Reps, Tabak, Waid, Krupp und Hopfen.=- Den gar überaus reichen Humusboden räth Cro» me in Verbindung mit Kalk, Aſche, oder Mergel zur Düngung unſerer Felder zu benugen, welches mir wirklich Berüdſichtigung zu verdienen ſcheint« S. 42- Die Conſiſtenz, Cohäſion, Bindig- Feit oder der Zuſammenhang des Bodens wird durch die größere oder geringere Anweſenheit des Thones, ſo wie wieder durch deſſen größere oder ge- ringere Fettigkeit, und durch die großere oder gerin- gere Quantität derjenigen Beſtandtheile, welche die Bin- digkeit des Thones zu mindern pflegen, mannigfaltig modificirt. In dieſer Hinſicht erhält nun der Boden auch verſchiedene Benennungen, ſo wie er wirklich ver- ſchiedene Eigenſchaften hat. Loſ'o heißt derjenige Boden, der keine Scholle bildet, ſondern ſogleich und von ſelbſt, ohne unſer Zuthun in Pulver zerfällt- Hieher gehört der Sand- boden, der lehmige Sandboden( beſonders wenn deſ- ſen thonige Beſtandtheile von magerer Art ſind, d. i. mehr Kieſel- als Alaunerde enthalten), der ſandige und humoſe Mergelboden, der ſandige und humoſe Ralkboden, und der ſandige und kalkhaltige Humu3- boden, wennlegterer nicht eine ganz beträchtliche Duan- tität fetten Thones enthalt. 3 Een: Wie iba<< 275 -- 9- LoFer oder mürbe nennt mati denjenigen Boden, der zwar bey einiger Feuchtigkeit ſciger, je weniger er Sand, Humus, oder Kalk enthält, und je fetterer Art der Thon iſt, aus dem er größtentheils beſteht.| N Der loſe und lo>ere Boden kommt auch oft ſei- ner leichten Bearbeitung wegen unter dem Namen leich» ter Boden, ſo wie der ſteife und zahe Boden ſeiner ſchweren Behandlung wegen unter dem Namen ſchwerer Boden in verſchiedenen landwirthſchaft- lichen Schriften vor. Dieß bemerke ich bloß deßwegen, damit man nicht etwa glaube, daß von ſpezifiſcher Schwere die Rede ſey, wenn man dieſe Benennungen findet, g+ 43. Unter der Tiefe des Bodens verſieht man diejenige Diſtanz deſſelben von der Oberfläche abwärts, bis zu welcher er gleichartig mit Humus durchdrun- gen, und von gleich guter Beſchaffenheit und Taug- lichfeit für den Pflanzenbau iſt. Dieſe Tiefe iſt nun äußerſt verſchieden. Es giebt oft Voden, deſſen Tiefe kaum 2-5 Zoll mißt, und welche wenn es ein AFerboden iſt, käum etwa3 oder gar nicht unter die ohnedieß gewöhnlich nur zu ſeichte Pflugfurche reicht; und es giebt wieder andere, der oft 6, 8-- 10 Zoll, ja manchmal wohl einen Fuß und darüber tief iſt. Ja bisweilen, beſonders in ange- ſcvemmten ſchwemmten Niederungen giebt es oft ſo reiche Boden- arten, die mehrere Fuß tief mit Humus durchdrun- gen ſind. Die Tieſe des Bodens wurde bisher gewöhnlich viel zu wenig berüſichtiget, weil man in dem Wahne ſtand, daß 4= 6 Zoll Tiefe mehr als überflüßig ſeyen, da ja ohnedieß die Getreidewurzeln nicht tiefer in den Boden drängen. Indeſſen iſt dieß eine Jrrung. Thaer hat ausdrülich gefunden, daß ſelbſt Getreide- wurzeln bis 12 Zoll tief in den Boden dringen, wenn ihnen dieſer bis zu ſolcher Tiefe zuſaget, d. i. lo>er genug iſt und bis dahin Nahrung genug enthält, Selbſt Getreidewurzeln dringen alſo in tieferm Boden weit tiefer ein als in ſeichtem, wodurch zwep Vortheile erreicht werden, daß nämlich das Getreide einander an der Oberfläche nicht die Nahrung raubet, und daß es einen weit feſtern Stand erhält, und nicht ſo leicht dem Lagern ausgeſeßt iſt. Sollte aber auch der tiefere Boden unmittelbar dem Getreide gar nichts nüßen, ſo nüßte er ihm auf alle Fälle doch ſicher mit- telbar, indem er 1,) weit mehr Nahrung als ein ſeich- terer Boden enthält, und gleich einem Magazine in ſeinem untern Theile aufbewahrt, und von Zeit zu Zeit( etwa alle 4=- 8 Jahre einmal) eine tiefere Be- aFerung zuläßt, wodurch gleichſam die ganze oberſte Aerkrume erüeuert wird; und indem er 2.) auf je- den Fall für ſolc ſtauen macht. Hieher gehört der Thon, und die maſſiven Steine. Daß der Untergrund einen ſehr großen Einfluß auf die Vegetation haben müſſe, iſt klar. Wir ha. ben oben geſehen, daß ein Boden von ſehr thoniger Art ſeiner großen waſſerhaltenden Kraſt halber bey an- Hhaltendem Regenwetter ſehr leicht übermäßiger Näſſe ausgeſeßt iſt. Iſt nun der Untergrund deſſelben auch ſehr thonig, oder überhaupt von undurchlaſſender Art, ſo iſt es natürlich, daß ein ſolcher Boden ſehr von Näſſe leiden muß. IJſt dagegen die Oberfläche von ſandiger ſehr wenig Waſſer anhaltender Art, ſo wird gerade ein ſolcher undurchlaſſender Untergrund erwünſcht ſeyn, weil er durch das Zurü&ſtauen des Waſſers ei- nen ſolchen Boden vor der Dürre ſchütßt, an der er ſonſt bey anhaltend tro&ener Witterung gewöhnlich leidet. Das Gegentheil wird ein durchlaſſender Unter- . grund bewirken. Er wird eben ſo ſehr einen feſten tho» nigen Boden vor übermäßiger Näſſe ſchüßen, als er cinen looſen ſandigen Boden der gewaltigſten Dürre bloß ſtellen wird. In der Regel kann man alſo immer annehmen: Je feſter und waſſerhaltender ein Boden iſt, deſto mehr wird. ein looſer und durchlaſſender Untergrund er- wünſcht ſeyn; je looſer und weniger waſſerhaltend da- gegen der Boden iſt, deſto mehr paßt ſich für denſel» ben ein Untergrund von der undurchlaſſenden Art. Der erdige Untergrund kommt in den mannigſal» tigſten Mengungen zwiſchen Sand und Thon vor, eben ſo, wie der ober ihm befindliche eigentliche A>er» boden. Humus enthält er jedoch nicht, und eben deß- - wegen, und weil er mit der Atmoſphäre in gar kei- ner Berührung ſteht, wodurch er doch ſo manche be- fruchtende Partikelchen erhalten könnte, wird er auch öfters todter Grund genannt. Kalk findet man im Untergrunde oſt in beträchtli- her Menge, und zwar oft ſelbſt dann, wenn der Ober- 7 X m M2 ic grund gar keine Spur von Kalk enthält. Ein ſolcher kalfhaltiger oder mergeliger Untergrund fann dem Land»- wirthe zur Verbeſſerung ſeines A>Fers äußerſt ſchäßbar werden, beſonders dann, wenn er nur in ſehr gerin- ger Tiefe liegt, ſo daß er ſelbſt mit dem Pfluge er- reicht und heraufgehohlt werden kann.; Vom ſteinigen Untergrunde, können oft Kies und kleines Steingeſchiebe dem feſten thonigen waſſerhal- tenden Boden als durchlaſſender Untergrund äußerſt ſchäßbar werden, wenn ſie nur in ſolcher Tiefe unter dem Obergrunde ſich befinden, daß ſie von den Pflan- zenwurzeln nicht erreicht werden.= Unter den maſſiven Steinarten giebt unſtreitig der Kalkſtein den beſten Untergrund. Er verwittert leicht, je mehr er ſich der Oberfläche nähert, er hat mehrere Riſſe und Spalten, in welche die überflüßige Feuchtigkeit verſintern, ſo wie ſelbſt die Pflanzenwure- zeln nöthigenfalls eindringen können, ja in ſeiner oberſten Schichte kommt er nur ſelten in feſten Maſs» ſen, ſondern faſt immer nur als Geſchiebe vor. Auch giebt es mehrere Pflanzen unter den Diadelphiſten orzüglich die Eſparcette) ſo wie einige Geſträuche und Bäume, denen er beſonders zuſagt, und die recht froh» lich auf ihm vegetiren.; Einen minder vortheilhaften Untergrund macht ſchon der Thonſchiefer aus, beſonders bey einem ſtei- fen ſtrengen Boden. Indeſſen verwittert auch dieſer noch ziemlich leicht, und hat noch manche Nige und Spalten, die wenigſtens einen Theil des überflüßigen Waſſers durchzulaſſen vermögen, und den Wurzeln der Pflanzen, wenn es nothig iſt, einiges Gindringen verſtatten: Den ſchlechteſten Untergrund aber unter allen Steinarten giebt der Granit ab, weil er durchaus nicht die mindeſte Feuchtigkeit durchläßt, und den Pflanzenwurzeln ſchlechterdings keinen Zugang verſtat- tet. Ein auf Granit ruhender ſeichter Boden iſt alſo immer unverbeſſerlich. Von dem bloß in Niederungen und ſumpfigen Gründen befindlichen, aller Vegetation äußerſt ſchäd»- lichen, und dieſelbe gleichſam vergiſtenden Ortſteine iſt ſchon oben das Nöothige geſagt worden. AG Der Feuchtigkeitszuſtand des Bo- d en3, auf deſſen richtiges Maaß bey der Vegetation ſo viel ankommt, hängt theils von dem verſchiedenen Verhältniſſe der Beſtandtheile des Bodens, und von der daher rührenden größern oder geringern waſſer- haltenden Kraſt ab, theils wird er aber durch den ſo eben erwähnten bald durchlaſſenden bald undurch» laſſenden Untergrund, oder durch die verſchiedene Ge- ſtalt, Lage, und Richtung des Bodens beſtimmt. - Daß ein ganz dürrer und ſehr naſſer Boden dem Landwirthe gleich unerwünſcht ſeyen, und daß nur ein mäßiger Grad der Feuchtigkeit e8 ſey, der den Werth des Grundes erhohet, daß aber übrigens die Äer eher als die Wieſen ein Übermaaß von Dürre, und umgekehrt die Wieſen eher als die Ä>er ein Über» maaß von Näſſe vertragen können, brauche ich wohl nicht erſt hier zu ſagen- --- 102=== Thaer theilt ſämmtlichen landw. Boden in Hin- ſicht ſeines Feuchtigkeitsgrades in folgende 6 Klaſſen ein: 1.) in dürren, der gar kein Gefühl von Feuch- tigkeit giebt, wenn er in der Hand gedrü>t wird; 2.) in tro>enen, der nur beym Zerkrümeln, und ' bey ſtarfem"Drue einige Feuchtigkeit bemerken läßt; 5) infriſchen, d eſſen Feuchtigkeit alſogleich beym er- ſten Antaſten zu fühlen iſt; 4.) in feuchten, der ſchon bey einem gelinden Drucke die Hand naß macht; 5.) in naſſen aus dem ſich ſchon tropfbares Waſſer ausdrücen läßt, und bey deſjen Aufa>ern man ſchon aus dem Blän&ern der abgeſchnittenen Pflugfurche das Waſſer deutlich wahrnehmen kann; und 6.) endlich in waſſerſüchtigen oder ſumpfigen Boden, auf dem das Waſſer ganz ſichtbar ſtehen bleibet, und auf der Oberfläche ſich deutlich zeiget, oder doch bey den Tritten, die man darauf macht, ſogleich in den Fußſtapfen hervorquillt. S. 46« Unter der Temperatur des Bodens verſtehen wir hier nicht jenen Wärme- oder Kältegrad deſſelben, welcher durch das Klima die Lage, oder die den Boden allenthalben umgebende/ und mit dem- ſelben in immerwährender Berührung und Wechſelwir- kung ſtehende Atmoſphäre verurſacht wird, ſondern jene eigenthümliche Temperatur eines jeden Bodens» welche ganz eigentlich auf deſſenenheit des Bo- dens bey. Cin kalkhaltiger Boden iſt daher immer wärmer als ein kalfkloſer; bey übrigens gleichen Gi- genſchaften und Verhältniſſen.= Hieraus erklärt es ſich/ warum eine Kalkdüngung vorzüglich auf naßkal- tem Thonboden anzurathen ſey, und warum deren Er- folg immer um ſo ungünſtiger ſey, je mehr ſich der Boden dem Sande nähert. S. 47. Fn Hinſicht der Receptivität oder des An? ziehens der Wärme von Außen verhalten ſich die Bodenarten alſo: a) Ein rhoniger. Boden iſt der ſchlechteſte Wärmerecipient, und immer deſto ſchlech- ter, je mehr er reinen Thon enthält, und je fetter und waſſerhaltender dieſer iſt; b) ein kalkhaltender Boden nimmt die Wärme ſchon um vieles beſſer auf, und zwar um ſo beſſer, je größer die Quantität des Kalkes iſt, die er enthältz e) die großte wärmeanziehende Kraft aber beſizt der ſandige Boden, und immer in dem Verhältniſſe größer, in welchem er mehr aus Sand beſteht.=- Daß ein kalkhaltiger Sandboden die groß» te Wärmereceptivität beſigen, und in dürren Jahren eine ganz üngeheure hohe Temperatur erlangen müßte, bey welcher durchaus alles verſchmachten würde, verſieht ſich wohl von ſelbſt. Dafür war aber auch die Mutter Natur ſo gütig, möglichſt Sorge zu tragen, daß ein ſol» erkrume betrachtet werden kann; da ferner ſie es vorzüglich iſt, die den Boden mit der ſo nöthigen Feuchtigkeit verſieht, und ihm ſo +-- 107 da manche beſruchtende Partikelchen zuführt, die er ſonſt nicht erhalten würde; ſo iſt es ſehr natürlich, daß es bey der Landwirthſchaft ſehr viel auf den jedesmali- gen Zuſtand der Atmoſphäre, d. i- auf ihre Tempe» ratur, ihren Gehalt an Feuchtigkeit, und die Art ih- rer Entledigung, ihren Gehalt an Ausdünſtungen u. ſ w. ankommen müſſe. Da nun aber dieß Alles durch das örtliche Klima, ſo wie durch die'L a- ge und die Geſtalt des Bodens vorzüglich bedin- get wird, ſo iſt es nöthig auch hievon das Nöthige zu ſagen. 8. 50. Unter dem Klime verſtehen wir hier nicht das jenige, welches durch die geographiſche Breite eines Ortes hervorgebracht wird 3 denn es verſteht ſich wohl von ſelbſt, daß ein Ort, bey übrigens gleichen Um- ſtänden, immer ein deſto rauheres Klima haben müſ- ſe, je mehr er gegen Norden liegt, ein deſto milde- res aber, je mehr er gegen Süden gelegen VE NOO weiß z« B. Jedermann von nur einiger Bildung, daß bey uns in Ungarn das Klima ſhon der geographi- ſchen Lage wegen milder als in Rußland, aber auch rauher als in Jtalien ſeyn müſſe, Wir verſtehen alſo hier bloß dasjenige Klima, welches unter einer und der nämlichen geographiſchen Breite, rheils auf die Elevation des Bodens über die Meeresfläche, theils auf andere Umſtände und Ver- hältniſſe, beſonders die der Lage und Conformation des Bodens, u, m«,a. gegründet iſt. --» 108== Die Elevation des Bodens über die Meeresflähe bringt einen gar gewaltigen Unterſchied im Klima und in der atmoſphäriſchen Temperatur hervor, wie wir theils aus der phyſikaliſchen Geographie wiſſen, theils durch tägliche Erfahrungen erproben können. Niedere Ebenen und Thäler ſind immer wärmer als die unter ber nämlichen Zone gelegenen Berge, und je höher man die Berge erſteigt, deſto kälter iſt das Klima, bis man endlic) die Schneegrenze, oder denjenigen Theil der Gebirge erreicht, der mitimmerwährendem Schnee und Eiſe bede>t iſt. Dieß gilt von allen Him- melsſtrichen, und ſelbſt von der heißen Zone, ja ſelbſt unter dem Äquator; nur iſt die Gradation der Ab- nahme der Wärme immer minder, je höher die Tem- peratur vermöge der geographiſchen Breite eines Or» tes iſt. Die Vegetation aber nimmt in demſelben Ver- hältniſſe immer mehr und mehr ab, je mehr die Käl- te zu», und die Wärme abnimmt. Außerdem tragen aber zur Verſchiedenheit des ortlichen Klima'8- und der Temperatur der Atmoſphäre noch verſchiedene andere Umſtände und Verhältniſſe oft ſehr vieles bey; als z. B. die in der Atmoſphäre vor» gehendenFern aufge- lo>erte Boden bey heftigen Regengüſſen ſehr leicht un» ermeßlichem Schaden ausgeſeßt iſt, wodurch oft die ganze Hoffnung des Landmanns mit einem Male ver- nichtet wird. Weit beſſer und zwe&mäßiger kann ein ſolcher Boden zur Forſtfultur, oder als Weide benu- ßet werden. Sollte man jedoch den Abhang hoher Berge zum AFerbau gebrauchen wollen oder müſſen, ſo kommt Alles darauf an, gegen welche Himmelsgegend dieſer ſeine Richtung hat, und ob dieſe mit derener und warmer, ziemlich ſandiger oder kalfreicher Voden der beſte,, deſto ſchlechter aber iſt er, je thoniger, und je weni- ger dabey kalfkhaltiger iſt. Gegen Süden wird der Boden ſtark durchwärmt, weil er das meiſte und verticalſte Sonnenlicht erhält. Die Vegetation beginnt daher früh, und Pflanzen und Früchte erreichen in dieſer Lage ihre großte Voll- kommenheit; der Boden leidet aber leicht von der Dür- re, ſo wie von den häufig aus Süden kommenden Gewiitern mit Platzregen und Hagelſchauern. In die- ſer Lage taugt am beſien ein waſſerhaltender, mehr thoniger als ſandiger, und ſo wenig als möglich Kalk enthaltender Boden, theils, weil ein ſolcher der Dür- re beſſer widerſteht, theils, weil er auch bey gähen Platregen und Gewittern dem Ausreiſſen nicht ſo aus- geſeßt iſt, als leichterer Boden. Gegen Oſten erhält der Boden das erſte Sonnen- licht, we8halb auch der Morgenthau nur fehr kurze Fame; ZEE:„wren Zeit anhält, und alſobald verdunſtet, Überhaupt er- hält der Boden in dieſer Lage durch die Atmoſphäre nur ſehr wenig Feuchtigkeit irgend einer Art, ob er gleich ſehr ſtark ausdunſtet, und ſehr ſchnell austro>- net. Die Vegetation wird in dieſer Lage früh geweckt, die Gewächſe kommen daher vorzüglich früh empor, und gelangen ſammt ihren Früchten zu großer Voll» kommenheit, ſie leiden aber leicht durch Nachtfröſte, Das Glü> dabey iſt, daß die Morgenſonne zu ſchwach iſt, um plotlich aufzuthauen, und daß die Intenſität der Sonnenſtrahlen nur in ſehr allmähligen Graden zunimmt, denn ſonſt würde die Gefahr vor den Nacht- fröſten noch weit größer ſeyn. In dieſer Lage iſt ein feuchter kalter thoniger Boden unter allen der beſte, weil er ſowohl der Dürre, als dem gähen Wechſel der Temperatur am beſten widerſtehet. Gegen Weſten tritt der umgekehrte Fall ein. Hier erhält der Boden das Sonnenlicht erſt, nachdem ſchon der Morgenthau verduyſtet iſt, und zwar gleich in vol- ler Intenſität, welche nach und nach eben ſo abnimmt, wie ſie in der oſtlichen Lage zuzunehmen pfleget- Die Gewächſe kommen in dieſer Lage nie ſo früh hervor, und gelangen nie zu der Vollkommenheit, wie an der Oſtſeite. An Dürre leidet der Boden in dieſer Lage ſel? ten, weil der Weſtwind in der Regel eben fo immer Feuchtigkeit mit ſich führt, wie der Oſiwind immer tro>en iſt. In dieſer Lage iſt daher ein warmer, tro>ener, einen ziemlichen Antheil von Sand und Kalk enthal- tender Boden der beſte, Naßkalter Thonhoden taugt hier durchaus nicht. 77? =. 112== Die zwiſchen den Bergen gelegenen Thäler ſind oft= wenn ſie anders nicht gar zu ſehr eingeſchloſ- ſen, und etwa des nöthigen Lichtes beraubt ſind== von ganz außerordentlicher Fruchtbarkeit, welche ſie theils der von den Berghöhen herabgeſchwemmten, und oft in gar mächtigen Lagern angehäuften humoſen Erd- Frume, theils ihren durch ihre geſchüßte Lage bewirk«- ten milden Klima zu verdanken haben. Sie ſind bey heftigen Regengüſſen, und bey ſchnellem Thauwetter im SFrühjahre oft ſchre&lichen Verheerungen ausgeſeßt. Sie taugen daher wohl zu Wieſen, aber nie, oder doch nur in äußerſt ſeltenen Fällen zu AFerlande. Beym hügeligen Boden kommt ſehr viel darauf an, ob die Hügel von beträchtlicher Höhe ſind, und fich ſchon den eigentlichen Bergen nähern, und ob ſie häufig an einander gereihet, oder ob ſie von ganz geringer Höhe und nur ſpärlich vorhanden ſind. Im erſtern Falle iſt der Boden ſchon für den AFerbau weniger geeignet, und wenn man die Wahl hat, mehr zur Forſtkultur und zur Weide, oder unter manchen Verhältniſſen zu Weinhergen zu empfehlen, und es gilt von ihm überhaupt in gewiſſem Grade alles das, was oben vom bergigen Boden geſagt worden. Im zweyten Falle iſt ein hügeliger Boden allerdings ein guter AFerboden 3 der oft den ganz flachen gar nichts nachgiebt, ja bey ſehr waſſerhaltenden und undurch- laſſendem Grunde, demſelben wohl noch vorzuziehen iſt. Die Thäler zwiſchen mäßigen Hügeln ſind, wenn ſie Ausdehnung genug haben, und nicht zu ſehr an Näſſe leiden, ein ganz vortrefflicher A>erboden. Sind ſie jedoch nur von geringem Umfange und zu ſehr einge- =... 113== eingeſchloſſen, ſo ſind ſie mehr zu Wieſen als zu Fel-- dern geeignet« Der flache ebene Boden iſt derjenige, der bey dem Aderbaue der ſchäßbarſte, und je nachdem er eine höhere oder niederere Läge hat, und folglich tro>- nerer oder ſeuchterer Art iſt, zu ÜFern, Wieſen, und Weiden gleich geeignet ſeyn kann. Man unterſcheidet den flachen Boden auch öfters no< in Höhebo den, und in Niederungsbo»- den. Unter erſterm verſteht man denjenigen, der ſchon in einer beträchtlichen Höhe( oft bis 100 Fuß und dar- über) ſic) über die nächſten Gewäſſer erhebt, und mehrentheils ſchon etwas hügelig und uneben iſt. Ein ſolcher Boden iſt im Durchſchnitte=- wenn er anders nicht von ſehr loſer Art iſt= zum AFerbaue und zur Weide gleich geeignet, ob er gleich an Humu3 etwas arm zu ſeyn pfleget, und daher fräſtige Nachhülfe durch Düngung verlanget. Niederungsboden heißt derjenige, der ſich am Ufer beträchtlicher Ströme und EGeen, oder am Strande de3 Meeres, in einer weit ausgedehnten Fla- ene, ſandige, und warme, oder gar hißige Boden durch einen den Wind abhal- tenden Gegenſtand, als durch vorliegende Anhöhen und Berge, durch Gebäude, Waldungen, dder He- &en, oft ſehr verbeſſert, weil der Wind einen ſolchen Boden ſonſt oft zu ſchnell tro>net, und ſeiner- ihm ſo nöthigen Feuchtigkeit beraubet, ja oft ſogar den in dieſem Boden ohnedieß nur ſpärlich befindlichen Hu- mus, der im tro>enen Zuſtande äußerſt leicht iſt, in Staubesgeſtalt wegwehet, und manche Pflanzen mit unſruchtbarem Sande überſchüttet. 8* ds 116-- CG. 51. In Hinſicht der Unterſuchung und Analyſe des Bodens, ſowohl in ſeiner oberſten Krume, als in ſeis nem Untergrunde, verweiſe ich auf folgende klaſſiſche Werke: Ginhof's Grundriß der Chemie für Landwirthe. Herausg. v. Thaer; Hermbſtädt's Grundſäße der experi- mentellen Kameral-und agronomiſchen Chemie; Deſſelben Archiv der Agriculturchemie für denfende Landwirthe; und Davy's Elemente der Agriculturde- mie, a. d. Engl. überſeßt v- Wolf; Welche ohnedieß heut zu Tage in der Hand. ei» nes gebildeten und wiſſenſchaftlichen Landwirthes nie ſeylen ſoliten. Hat man einmal yerſchiedene gehörig zerlegte Bo- denarten öfter8 aufmerkſam betrachtet, und mittelſt der äußern Sinne gehörig wahrgenommen, ſo, daß man im Stande iſt, dieſe verſchiedenen Grdarten nach den mannigfaltigſten Verhältniſſen ihrer veſpectiven Beſtand- theile mit einander zu vergleichen, ſo kann man oft eine erſtaunliche Übung erlangen, den Gehalt eines Bodens bloß mittelſt der äußern Sinne, des Geruchs, Geſicht8, Gefühls, und Geſchma>s, mit ziemlicher Richtigkeit zu beſtimmen. Ganz zuverläßig und genau iſt dieß aber doch auf keinen Fall, und wer den Bo»- den nach ſeinen Beſtandtheilen mit größter Genauig» Feit kennen will, der muß ihn immer einer hemiſchen- Zergliederung unterwerfen. an] 117-» Einigermaaßen kann man auch auf den Gehalt des Bodens(wenigſtens auf den hervorſtechendſten Be- ſtandtheil deſſelben) aus den darauf wild wachſenden Pflanzen ſchließen 3 aber auch dieß iſt nichts weniger als zuverläßig, und viel zu unbeſtimmt, um den Bo»- den mit völliger Gepauigkeit= wo dieſe etwa nöthig ſeyn ſollte=- beurtheilen|/zu konnen, Wer indeſſen hierüber Belehrung haben will, den verweiſe ich auf Crome's öfters erwähnte trefliche Abhandlung: Der Boden und ſein Verhältniß zu denG e- wachſen, welche auch in anderer Rückſicht äußerſt merkwürdig iſt, und Niemanden von Bildung gekauſt zu haben reuen wird, weil der Verfaſſer darinn gegen 100 verſchiedene Erdarten nach ihren Beſtandtheilen unde ankommt, z. B. bey Austro>nung der Sümpfe und Moräſte u. dgl. eineSum- meriskiren, ohne Rüſicht darauf zu nehmen, ob dieſe je durch den beurbarten Grund wieder hereingebracht wer- de, oder nicht. 3.) Iſt man aber auch von der Nügtlichkeit ſo» wohl, als von der Möglichkeit einer ſolchen Unterneh» mung überzeugt, ſo hat man gleichwohl no zuvor reiflichſt zu überlegen, ob man das nach genauer, und, nicht etwa zu karger=- Berechnung erforderliche Betriebskapital auch in Händen habe, oder ſich doch mit Sicherheit, zu rechter Zeit zu verſchaffen wiſſe, oder nicht. Iſt man in dieſer Hinſicht nicht ganz ſi- mäßiger und viel raſcher von Statten, als die des Ganzen, und=- wa3 das wichtigſte dabey iſt-- dieſer vorläu- fig in Cultur geſeßte Theil trägt dann durch die Kräf» te die er uns darbiethet ,/ aanz weſentlich zur Beurba- rung des noch übrigen wüſten Landes bey. Dieß Let- tere wird wohl Niemand läugnen, der den großen Vortheil kennt, den man bey einer Urbarmachung hat, wenn man dieſe in der Nachbarſchaft einer in guter Cultur ſtehenden Wirthſchaſt vornehmen, und mit die- ſer in Verbindung ſeen kann, Nur ſelten wird man in dieſem Falle in Verlegenheit kommen, wenn anders der Plan der Beurbarung mit Kenntniß der Sache -- 122= gemacht, und da3 Land ſeiner Natur und Lage nach einer Beurbarung fähig iſt. Die ſämmtliche Lehre von der Urbarmachung des Bodens zerfällt in folgende Abtheilungen. 1.) Die Bindung des Flugſandes, 2.) Die Beurbarung des für andere Pflanzen unfruchtbaren Heidegrundes. 9.) Die Entſteinung des zu ſteinigen Bodens. 4.) Das Ausroden der Baumwurzeln, und des unnüßen Ge- ſirüppes, und überhaupt== wo etwa auch die Wal- dungen ihrer Menge wegen zur Laſt ſind,== die Ent- hölzung des Boden83« 5.) Die Entwäſſerung des zu naſſen und ſumpfigen Bodens. 6.) Die Zerſtörung des aus unnüßen Pflanzen beſtehenden und läſtigen Ra- ſens wilder Änger, und wüſter Graspläaße. G: 56. 1. Bindung des Flugſandes. Sehr richtig, wie gewöhnlich, ſagt Thaer, daß reinen Sand, der nicht wenigſtens 5 Pct. Thon enthält, urbar machen zu wollen, ein mißlicheres Un- ternehmen Ty, als auf Sand bauen, ſo bald man dar- unter etwas anderes, als die Bindung und Befeſti- gung des Flugſandes verſteht; da nichts gefährlicher iſt, als die Narbe eines loſen Sandes zu verwunden, und ihn den Wirkungen der Winde bloßzuſtellen, wo- durch oft ganze große fruchtbare Stre&en überſchüttet und verwüſtet werden können 3; und daß eine Urbar- machung in dieſem Sinne bloß nur unter zwey Beding- niſſen möglich ſey, nämlich 3) bey großen Städten, wo es eben ſo leicht als lohnend iſt, im Kleinen auf derley Sandboden, mittelſt Aufführung von Thon, Mergel, Dünger u. ſ- w, gleichſam ein ganz neues Erdreich zu ſchaffen, und b.) unter ſolchen Umſtän- den, wo dem Sande eine künſtliche Bewäſſerung in immer zureichendem Maaße gegeben werden kann; wo- durch der Sandboden nicht bloß zu Wieſen, ſondern auch zu Feldern allerdings geſchi>t gemacht wird.=- E3 kann alſo hier, wo wir von der 2 eurbarung im Großen und im Allgemeinen zu handeln haben, von nichts Anderm die Rede ſeyn, als, wie der unſtäte, vom Winde gehobene und fortgetriebene Flugſand ge- bunden/ und beſeſtiget, und wie dadurd) ſeinen Ver- heerungen Ginhalt gethan werden könne. Das beſte, ſicherſte, und allgemein ausführbare Mittel den Flugſand zu binden, iſt unſtreitig die An- legung von Waldungen und Gehölzen, aus ſolchen Bzumen und Stauden, die im Sande gerne fortkom- men, als Föhren, Birken, Sandweiden, u. dgl.; wo- bey man aber immer mit der Pflanzung bloß da, wo der Flugſand ſeine Verheerungen beginnt, in einer Breite von 10 bis höchſtens 20 Klaftern, anzufangen, und erſt dann, wenn dieſe erſte Pflanzung ſchon hin- länglich herangewachſen iſt, um eine Schutwehr abzuge»- ben, in der nämlichen Breite weiter fortzufahren hat, bi3 endlich das ganze Sandfeld bepflanzet iſt. Sollte man auf einmal die ganze Sire>e San» des beſetzen wollen, oder müſſen, ſo kann dieß nie an- ders geſchehen, als, wenn man in Entfernung von 10= 202, von Zaunwerk oder anderm beliebigen Ma- teriale Schußwehren errichtet, um die verheerende Wir- fung des Windes dadurch abzuhalten, bis die jungen Bäumchen ſelbſt einander zur natürlichen Schußwehre ee. 121=> Heranwachſen. Wollte man dieſe Vorſicht verabſäue men,'und ohne alle Umſiände den ganzen Sand auf einmal beſeßen, ſo würde wohl der größte Theil der Pflanzung vom Sande überſchüttet und vertilget wer- den. Wird die Pfl anzung, wie dieß bey Nadelhol- zern, Föhren,( Kiefern) oder Fichten der Fall iſt durch Saamen bewerfſtelliget, ſo iſt es überdieß an» zurathen, den Boden über dem Saamen mit Rei8werk zu belegen, theils, um die Winde deſto mehr vom Bo» den abzuhalten, theils, um den jungen aufkeimenden Pflänzchen, in ihrem erſten Kindesalter, Schatten und Kühlung"zu verſchaffen, welches ihnen in einem dürren Sandboden beſonder8 wohlthätig iſt. Hiezu ſind am beſten Fichten- oder Föhrenreiſer zu gebrau- ner windiger Witterung anzuzünden, wobey man aber das abzubrennende Nevier durch einen brei- ten, jedoch nur flachen Graben abzuſchneiden hat, damit ſich das Feuer nicht über dieſe Grenze hinaus verbreite, und vielleicht großen Schaden durch Entzün- dung eines benachbarten Holzes anrichte. Hierdurch wird jedoch das Heidekraut nicht zerſtört, ſondern treibt im folgenden Frühjahre mit einem friſchen Grün dicht wieder hervor. Dieſer junge. Austrieb iſt den Schaafen eine angenehme Nahrung, weshalb man in den Heidegezenden das Abbrennen auch bloß in dieſer Hinſicht unternimmt. Man beſegt alſo den abgebrann- tein Platz in dieſem Jahre ſtar? mit Schaafen, d e je- doch von der Heiderace ſeyn müſſen.-Dann wird er im Herbſte umgebrochen, und im folgenden Sommer einige Male gepflügt, und daneben ſo viel wie mög- lich mit Horden belegt, weil dieſe und überhaupt der Schaafdünger zur Zerſegung des Heidehumus vermd- = 126== ge des Ammoniums3 beſonders wirkſam ſind. Vont Kalfe allein hat man nach mehreren Erfahrungen auf Heideumbruch keine ſehr große Wirkung verſpürt, mehrere von der Holz- und ſelbſt von der Torfaſche. Thonmergel in Verbindung mit einigem thieriſchen Dünger hat ſehr auffallende Wirkung gethan.“ „ Man ſäet auf dieſem Boden zuerſt am ſicher- ſten Buchweizen, welcher ſich mit dem Heidehumus unter allen nußbaren Früchten am beſten verträgt, und ſeine Natur ſogar umzuändern ſcheint. Man ſäet den- ſelben oft ohne vorhergegangene Brache auf die zwey» te oder dritte Furche des Umbruchs. Er giebt, beſon- ders, wenn er eine ſchwache Düngung bekommen hat, ein ſehr üppiges Kraut, und würde zum ſchnellern Fortſchritte der Kultur eines Heidereviers am vortheil- hafteſten zu grüner Fütterung oder zu Heu zu benu?- ßen ſeyn.“ „Nach dem Buchweitzen pflegt dann der Roggen ſehr gut zu gerathen, nach welchem man aber den Aer mit weiſſen Klee angeſäet wieder einige Jahre zur Wei- de liegen laſſen muß, Wo man ihn geizig durch EGrn- ten bis auf den leßten Grad ſeiner Kraft erſchöpfte, da fiel dieſer Boden zu einem nahrungsloſern Zuſtand herab, als worin er ſich vorher befand.“ So weit Thaer. Haben wir jedoch hinlänglichen Dünger, und wol- len ihn darauf verwenden, und iſt das Feld nicht zu weit vom Wirthſchaft3hofe entfernt, damit eine regel» mäßige Düngung auch möglich ſey, ſo ſehe ich nicht ein, warum es nicht auch ſofort als A>er benußt wer- den könnte; es müßte denn allzuſandiger Beſchaffenheit 26: 127= ſeyn, da es denn freylich mehr zur Weide als zum Aer qualificirt ſeyn würde. S4 9,8: 3. Eutſteinung des Bodens. Die dem Aderbaue hinderlichen Steine ſind enk- weder looſe oder feſtſigende Steine. Waz3 erſtere anbelangt, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß nur größere, welche etwa ſchon die Größe einer Fauſt übertreffen- zu verſtehen ſeyen, wenn von Weg- ſchaffung der Steine die Rede iſt; theils, weil klei- nere dem AFerbaue oft nur wenig hinderlich ſind, ja wohl gar'bisweilen, beſonder3 im zähen hartnäigen Thonboden nüßlich ſeyn können, theils, weil es eine mehr als rieſenhaſte Arbeit verurſachen würde, eine oſt zahlloſe Menge kleiner Steine vom Aer wegzuſchaf- fen.== Sind dieſe Steine von ſolcher Größe, daß ſie im Ganzen nicht weggebracht werden können, ſo müſſen ſie zuvor, entweder mittelſt Pulvers, oder mittelſt ein- getriebener Keile zerſprengt werden. Da, wo die Steine in ſolcher Menge vorhanden ſind, daß ſie keinen Werth haben, und es ſich folg- lich des Wegbringens, vom Aer nicht lohnen würde, pflegt man auch größere Steine zu verſenken, d. i. man macht eine tiefe Grube dicht neben dem Steine, und ſtürtzt dieſen in dieſelbe, worauf er mit der ausgegra- benen Erde bedeXt wird. Nur muß dieß Verſenken immer ſo tief geſchehen, daß der Stein auch beym tiefſten AXern vom Pfluge nicht erreicht werde. u 128== Sind die Steine feſtſißend ,/ d. i, entweder über der Erde hervorragende, oder welches noch übler iſt =- unter der AFerkrume verſteXte, und dem Pfluge erreichbare Felſen, ſo iſt kein anderes Mittel, als ſie in gehoriger Tiefe zu ſprengen, und vom Ader weg» zubringen, die Oberfläche aber mit guter Erde zu be- de>en. Wären dieſe Felſen in ſolcher Menge vorhan- den, daß ihre Wegſchaffung, und die BedeXung mit Erde unerſchwingliche Koſten verurſachen würde, ſo wird ein ſolcher felſigter Grund mit weit mehr Vor» theil zur Weide liegen gelaſſen« GG 59% 4. Enthölzung des Bodens. Bey der Beurbarung- des Holzbodens, kann etit weder die Rede ſeyn von Umſtaltung wirklicher Wal» dungen iu ÄÜer, Wieſen, und Weiden, oder bloß von Beurbarung alten vernachläßigten Forſ?grundes, d. i. von Ausrodung alter, nach abgetriebenen Wal- dungen zurügebliebener BaumſtöFe, Baumwurzeln, und unnüßen Geſtrüppes, und von Vorbereitung ei- nes ſolchen Grundes zum AFerbaue.-- Handelt es ſich um die Enthölzung und Beurbas rung eines wirklichen wohlbeſeßten Waldbodens, ſo iſt vor Allem zu berüſichtigen, ob das Holz einen großen Werth habe, und die Arbeit dagegen wohlſeil und allenthalben zu haben ſey; oder ob das Holz eie nen. nur ſehr geringen, ja beynahe gar keinen Werth habe, die Arbeit aber dagegen theuer, ja oſt gar um feinen Preis zu erhalten ſey, In In leßterm Falle kann man nichts beſſeres thun, als ſich des ſo läſtigen und unnüßen Holzes auf die geſchwindeſte, und wohlfeilſte, und mit mindeſter Ar- beit verbundene Art zu entledigen, d. i. ſolche überflü»- ßige Waldungen anzuzünden, und durch Feuer. zu ver- Heeren, wie ſolches vor alten Zeiten, da noch unge- Heure Waldungen oft den beſten Boden bede&ten, wohl auch in Europa ſtatt gefunden, jetßt aber nur mehr in einigen noch wenig bewohnten Gegenden Ame- rifa's zu geſchehen pflegt. Es iſt unſtreitig, daß in die- ſem Falle dieß das Beſte ſey, da die aus dem abge» brannten ſonſt ohnedieß unnüßen Holze erfolgende Aſche, zugleich mittelſt ihrer alkaliſchen Eigenſchaft, ſehr wohlthätig auf den oft adſtringirenden Humus dieſes Bodens wirket, und ihn daher ſogleich für je de Saaten im höchſten Grade tüchtig macht.== Im erſtern Falle aber iſt ein ſolcher Wald nach den Regeln und Grundſägßen der Forſtbenußung kahl abzutreiben, das Holz nach Umſtänden auf verſchiede« ne Art zu verwenden, und der nur kahle Waldboden anfangs zwar als Weide-- wobey nach und nach die zurüc&gebliebenen BaumſtöFe und Geſträuche ausgero- det werden können=- nach einigen Jahren aber, nach Belieben, als Wieſe, oder AFer zu benugen. Wollte man einen ſolchen Wald alſogleic< in A>er«- felder umwandeln, ſo müßte man auch bey dem Ab- triebe die Bäume ſogleich ſammt den Wurzeln aus dem Boden zu bringen ſuchen, welches am leichteſten da- durch geſchehen kann, daß man den Baum umgräbt, ſeine Wurzeln lüftet und löſet, und ihn mittelſt ei« nes am oberſten Ende des Stammes befeſtigten Sei- Grundſ, der Feldk. 1 Th. 9 les niederreißt, wodurch alſo der Stamm des Bäumes ſelb zum natürlichen Hebel wird, und ſomit Arbeit und Koſten erſparen hilft. Weit häufiger aber trifft es ſich, daß bloß ein alter, verwahrloſeter Waldboden von ſeinen zurückge bliebenen BaumſtdFen und Baumwurzeln, und von un- nüßem Geſträuche und Geſtrüppe zu befreyen, und zum Aerbau herzuſtellen iſt. In dieſem Falle iſt das erſte, die großen Baumſtö>e und Wurzeln auszuro- den, wozu man in neuern Zeiten eigene Hebemaſce zum andern mehr Arbeit, als ſelbſt die Auz3rodung erfordert. Was dann das Geſträuche und Geſtrüppe betrifft, daß der Cultur im Wege ſieht, ſo iſt es am beſten, und erſpart die meiſte Arbeit, wenn man daſſelbe bloß einige Zoll tief unter der Oberflä- e, die Wurzeln, und das Geſträuche zu über- nehmen, wird eine ſolche Urbarmachung von beſondern Nußen für den Landwirth ſepn. Unter manchen Umſtänden, wo etwa die mit baa- rem Gelde zu beſtreitende Arbeit zu hoh käme, iſt es ſehr oft räthlich, einen ſolchen Waldboden in ver- ſchieden? Stücke zu zertheilen, und dieſen armen Leuten auf einige zu beſtimmende Jahre zur Beſtellung mit Kartoffeln und andern HaFfrüchten zu übergeben. S. 60, 5. Entwäſſerung, Entſumpfung, und Entſäues rung des' Bodens. Ob ein Sumpf- oder Moorboden überall, wo es die Umſtände erlauben, abgewäſſert und ausgetro&net zu werden verdiene, kann wohl feiner vernünftigen Frage unterliegen. Denn unabgeſehen davon, daß ein ſtagnirendes Waſſer der Geſundheit der Menſchen und des Viehes, ja ſogar der Vegetation der daran ſtoßen- den Felder nachtheilig iſt, ſo iſt ein ſolcher Grund ſeinem Beſißer nur äußerſt wenig, oder wohl oſt gar nichts nüße, da er vermöge ſeinem verſäuerten Zuſian- de, höchſtens mit Sumpfpflanzen bedet iſt, während er gerade oſt den größten und unerſchöpflichſten Neich- thum an Humus enthält, der nur entwäſſert und ent- ſäuert zu werden braucht, um den Landmann mit den großten Ernten zu überraſchen. Die überflüßige Näſſe und Sumpfigkeit des Bo- dens kann oft von verſchiedenen Urſachen herrühren als: a) von dem Austreten der fließenden Gewäſſer, 9* =(1506 m b) von allzuhäufigen Niederſchlägen aus der Atmoſphä- re, ce) von unterirdiſchen Quellen u. ſ- w.; allzeit aber hat ſie ihren Hauptgrund darinn, daß das Waſſer, der höhern Umgebungen wegen, feinen Abfluß findet, und wegen des undurchlaſſenden Grundes nicht verſin- tern kann, ſondern auf der Oberfläche ſtauen muß. Rührt ſie von dem auztretenden oder durchſin- ternden Waſſer naher Ströme und Flüſſe her, ſo iſt natürlich das Veſte, das Übel bey der Wurzel anzu- greifen, und außer der Ableitung des ſchon gegenwär- tigen überfluüßigen Waſſers, ch mittelſt guter Dämme gegen die Verheerungen ſolcher Gewäſſer zu verwah- ren, welches aber wohl in den meiſten Fällen, und beſonders bey großen und reiße! den Mäſſern die Kräf»- te eines Privatmanns(ſehr grofe Gutsbeſißer ausge«- nommen) überſteigt, und folglich, entweder ganzen über ihr wohl aufgeklärten Gemeinden, oder wohl gar größern Diſtrikten überlaſſen bleiben muß, wenn nicht etwa eine wohlthätige Regierung eine ſolche Ent» wäſſerung ſelbſt unternimmt-==| In den übrigen Fällen aber, wenn man von ei» nem ſo ſtarken Waſſerzufluß nichts zu beſorgen hat, wird eine ſolnenden Grundes. Oft wird durch einen einzigen ſolchen Graben ei- ne ganze große Stre>e entwäſſert werden können, oft aber erfordert die Lage, daß man außer dieſem Haupt- graben, auch noc< mehrere kleinere Gräben an ver- ſchiedenen dienlichen,= verſteht ſich immer niedrigſten= Stellen anbringen, durch die das Waſſer in den Hauptgraben, und durch dieſen ſofort abgeführt wird. Sämmtliche Abzugs- Gräben müſſen- immer mit Kenntniß angelegt werden, wenn man ſeinen Zwe ge- hörig erreichen will. Sie dürfen kein ſtarkes Gefälle haben,*) weil ſie ſonſt leicht ausgeriſſen würden. Auch müſſen ſie ſehr ſhräge abgedachet oder doſſirt werden, und zwar deſto ſchräger, je looſer und Prü» melnder der Boden iſt, weil ſie ſonſt leicht einſtürzen würden. E3 iſt daher am beſten, die erſte Anferti- gung dieſer Gräben an ſolche Leute zu verdingen, die ſchon einige Praxis in dieſer Arbeit haben« Sind ſie aber einmal gemacht, ſo iſt weiter nichts dabey zu thun, als daß ſie immer offen und rein!*gehalten werden. Die Erde, die bey der Verfertigunge oder Reini- gung der Gräben aus denſelben herausgehoben wird, *) Auf 30 Fuß Gravenlänge iſt 1 Zoll Fall hinlänglich, beſonders wenn die Abzugsgräben nicht viele Krümmungen enthalten. Bey dieſem letztern Umſtande darf jedoch der Fall im Verhältniß der Krümmungen ein bisen an ſolchen Stellen an- zulegen für vortheilhaſter hielte. Kann man dem Waſſer des von allen Seiten auf eine beträchtliche StreXe höheren Erdreichs wegen ,- durchaus keinen Abzug verſchaffen, ſo verſuche man ſeinen Grund durch Verſenkung des Waſſers zu ent- wäſſern. Dieß geſchieht auf folgende Art: Man un- terſuche mittelſt des bekannten Erdbohrers an den nie- derſten Stellen, ob nicht etwa unter der zähen undurch- * Taſſenden Thonſchichte Sand, oder ein anderer durch- laſſender Grund vorhanden ſey. Iſt dieß der Fall, ſo gräbt man an der allertiefſten Stelle des Grundes, ja nach der Geſtalt dieſer Vertiefung, entweder einen äußerſt breiten, aber kurzen Graben, oder einen klei- nen Teich, der aber ſo tief gegraben werden muß, bis die durchlaſſende Erdſchichte erreicht worden, worein ſodann von allen Seiten das Waſſer durch zwe>mä- ßig angebrachte Gräben geleitet wird, um ſich darin in den untern Schichten zu verlieren« Daß dieſe, ſo wie alle größere Entwäſſerungs- arbeiten nur in ſehr troF&nen Jahren, und nur im Nachſommer, wenn das Waſſer überall abzunehmen pflegt, geſchehen könne, verſteht ſich wohl von ſelbſt. Oft kann ein Grund ſchon dadurch tro&en gelegt werden, wenn man an mehreren tiefen Stellen bis an die untere durchlaſſende Erdſchichte mit dem EGrdboh- rer Löcher bohret, durch die ſich das Waſſer nach und nach verſenket und verlieret« Da jedo) dieſe Bohrlö- - nen will, einen Raum von 12 Fuß lang, und eben ſo breit, mit Pfählen ein, und umſchütte dieſen Raum 6, 8, bis 10 Fuß breit mit einer leimigen(thonigen) Erde, die man mit Stößeln ſtark zuſammen ſtoßen muß, damit ſie Waſſer halte. Man ſchöpfe aus dem mit Pfählen umſchloſſenen Raum das eingeſchloſſene Waſſer aus, und grake die Erde bis auf den feſten Boden des Sumpfes aus. Dann verzimmere man von unten herauf die Grube mit 1 Fus dien Jöchern, in der Abſicht, damit die eingerammelten Pfähle, wenn man, wie jetzt folgt, tiefer gräbt, nicht zuſam- men brechen mögen« Jn dieſem ſo eingeſchloſſenen, *) ſ. deſſen Ab* handlung von verſchiedenen Methoden Sümpfe auszutrodnen. jeßt getro>neten Raume grabe man nonen könne. Nun- mehr mache man oben auf das Bohrloch, wie auch vor die Löcher in der Mauer eiſerne Gitter, damit kein Laub, Holz, u. dgl. Dinge zu dem Bohrloch kommen, und ſolches verſtopfen können, auch verwahre man die Grube, um allen Frevel zu vermeiden, oben mit ei- nem zugeſchloſſenen eiſernen De>el. Endlich mache man in einem ſo zu troEnenden Sumpfe, je nachdem ſolche viel Waſſer hat, und tief iſt, 5, 4, 6, 8, und mehr ſolcher Gruhen in einer Reihe, und führe ih- nen durch Gräben aus dem Sumpfe das Waſſer zu. Macht man einen ſolchen Schacht etwas groß, ſo kann TED) AEEEEEN man 2, 3, und mehr Löcher darin bohren. Befin- det ſich nicht tief unter dem Sumpfe eine Erdichicht, wodurch das Waſſer durchſeichen kann, und das Ab- teufen oder Niedermachen der Gruben iſt wegen dem zudringenden Waſſer nicht zu beſchwerlich, ſo macht man nur bis in dieſe Crdſchicht, worin das Waſſ r verſinkt, Gruben, und läßt das Bohren ganz weg- 6 Iſt aber die Entwäſſerung eines Grundes weder durch Ableitung, noch durch Verſenkung des ungele- genen Waſſers möglich, ſo verſuche man daſſelbe we- nigſtens auf einen kleinern Ort zu beſchränken, und allda durch Verdunſtung zu vermindern. Man grabe nämlich an der tieſſten Stelle eine3 ſolchen Bodens einen breiten Graben von beliebiger Länge, oder, je nach Erforderniß des Terrains, eine große Grube oder einen Teich, von beliebiger Form, und leite darein von allen Seiten eine hinlänglihe Menge Zuleitungsgrä- ben, welche das Waſſer von den übrigen Theilen des Grundes aufnehmen, und dieſem Waſſerbehälter zu- führen, worin es denn nach und nach durch iVerdun- ſtung vermindert, und wenigſtens bloß auf dieſen en- gen Raum beſchränkt, dem übrigen Grunde nicht mehr ſchädlich wird.=- Jſt ein Sumpf- oder Moorboden nur erſt gehörig troFen gelegt, ſo wird zwar in den meiſten Fällen die Säure ſich von ſelbſt verlieren, und es werden die be- ſten ſüßen Gräſer, und andere Futterpflanzen nach und nach in Menge hervorſproſſen, da, wo ſonſt nichts als Schilf und Binſen zu ſehen waren; do giebt es auch ofters Moorgründe(und zwar die fruchtbarſten ihrer Art, die gerade oft einen unerſchöpflichen Neichthum -= 138= a11 vegetabiliſcher Nahrung enthalten) die der vielen Halbvermoderten Neſte des Organi8mus wegen, ſich ihrer Säure nicht ſo leicht entledigen können. Dieſen muß alſo durch Kunſt nachgeholfen werden, um die- ſen ihren Reichthum aufzuſchließen. Aſche, Ofenruß, Hühner- oder Taubenmiſt, fri- ſcher Pferde- oder Schaafmiſt, Kalkmergel Ic. vorzüg- lic) aber lebendiger Kalk, leiſten in dieſer Hinſicht die vortrefflichſten Dienſte. Legterer wirkt, außer der Entſäuerung, auch vorzüglich wohlthätig dadurch, daß er die vielen nur halb verrotteten vegetabiliſchen Stoffe eines ſolter Abzugsgräben unter der Erde, wodurch das Waſſer in einen allgemeinen, größern, am beſten of- fenen Ableitüngs8graben als Hauptkanal zuſammenge- bracht wird.: Dieſe verdeXten Gräben haben den Vortheil, daß dadurch die Feldarbeiten nicht gehindert werden, wie ſolches bey offenen Gräben der Fall iſt, beſonders, wenn ſie in etwas größerer Menge gezogen werden müſſett- Dieſe Art der Entwäſſerung iſt zwar keine =-- 1ö9-- neue Erfindung, wie vielleicht einige wähnen mögen, denn ſchon die alten Römer kannten ſie, und machten davon Gebrauch, doch ſind es heut zu Tage die Eng- länder vorzüglich, durch die ſie wieder von Neuem em» por gekommen, und ſelbſt in mehreren andern Län» dern bekannt geworden iſt. Die Abzüge werden ganz ſcerm Holze/ weiter oben aber mit kleinern Steinen oder Kies, oder mit dünnem Holzwerke und Reiſig, oder wohl gar mit Strohe, verſchiedentlich ausgefällt, und dann oberhalb dieſer Materialien, wenigſtens einen Fuß hoch, wenn nicht höher, mit guter Erde bede>t- Der Fall dieſer Abzugösgräben muß äußerſt ge» ringe ſeyn, und auf 15=- 20 Fuß höchſtens einen Zoll betragen, weil ſie ſonſt bey ſchnell und in Menge zu- dringendem Waſſer in mancher Jahrözeit leicht zer- ſprengt und verdorben werden könnten. Sind ſie da- Her durch den gähen Abhang eines Feldes zu führen, ſo muß dieß zu Verminderung des Gefälles, immer ſchräge, und nie gerade abwärts geſchehen. Die Mündung des Abzugs muß jederzeit.mit plat- ten Steinen ausgelegt werden, oder in Ermangelung dieſer, müſſen ſie mit Reisbündeln von etwas größerm dauerhaften Holze, alſo ausgefüllt werden, daß ſie etwas in den Hauptabzug vorragen, um dem Waſſer jederzeit einen frepen Ausl2uf zu ſichern, und eben da- durch die Dauer der Abzüge zu vermehren, weil ſonſt = 140 eee das Waſſer, wenn e3 nicht frey abfließen kann, leicht Verſtopfungen und Beſchädigungen verurſah“.; Zu den größern Steinen ſind vorzüglich. platte Feldſteine oder Schieferſteine hrauchbar, weil durch deren ſchiliche Zuſammenſtellung leicht dur< den gan» zen Abzug eine Höhlung hervorgebracht werden kann, wodurch das Waſſer deſto leichter ſeinen Abfluß findet. Zum Holze und Neiſig ſind beſonders Erlen, in deren Abgange aber auch Weiden, und andere Holz- arten, die in der Näſſe gerne aushalten, zu empfeh» len, beſonders wenn ſie in grünem Zuſtande und in vollem Safte dazu verwendet werden. Der Schwarz» dorn iſt, wie uns Johnſtone erzählt, nach der Gr» fahrung des engl. Prafktikers Preſton beſonders hie- . zu dienlich, und allem andern Holzmateriale vorzu? ziehen. j Sehr dünnes Reiſig, und beſonders Stroh, muß vorher gedrehet, und gleichſam geſponnen werden, bevor es eingelegt wird. Werden dieſe Abzüge mit Kenntniß und Verſtand angelegt, ſo können ſie oſt ſehr lange, gewöhnlich 20, oft aber auch 30== 50 Jahre dauern- Wer übrigens über dieſe Entwäſſerungsart eine mehrere Belehrung wünſcht, den verweiſe ich auf fol- gende in ihrer Art klaſſiſche und treffliche Werke: Thaer's Einleitung zur Kenntniß der engl. Landwirthſchaft; Begtrup's Bemerk. überdie engl, Landw.;z und.| -- 141= Johnſtohne's Abh. über das Aus- tro>nen der Sümpfeund Moräſte, und Entwäſſerung kaltgründiger Äder Ic Aus dem Engl. überſetßt vom Grafen v. Po dewills mit Kupf. Berlin 1799- 8,3; ſowie ich in Hinſicht der Verwahrung des AFerlandes vor Näſſe, durch ſchmale Beete, nach niederländiſcher Art mit tiefen Rigolen auf beyden Seiten, auf Sne. Jſt dieß geſchehen, ſo wird er ent- weder allein, oder mittelſt dürren NReiſigs oder tro>nen Strohes angezündet, und allmählig zu Aſche verbrannt, welche dann über das ganze Feld gleichmäßig vertheilet, und alſogleich ganz ſeichte untergeaFert, das Feld - abd.= aber, je nach ſeiner Beſchaffenheit, mit verſchiedenen Feldfrüchten beſtellt wird. Das Abplaggen oder Ab- fchälen des Raſens geſchieht gewöhnlich im März, und das Verbrennen, und die Feldbeſtellung im April oder May. Weitläufiger über dieſe in England vorzüglich häufige Beurbarungs- und Verbeſſerungsart, kann man ſich aus folgenden Werken belehren; ' Thaer's Einleitung zur Kenntniß der engl. Landwirthſerbau, oder=- wie wir es in dieſem Werke größerer Beſtimmtheit halber nen- nen=- Feldfuitur ausdrüFt, nämlich die Cultur der Ücer, Wieſen, und Weiden, ob es gleich auch öfters üneigentlich in einem weitläufigern Sinne für ſämmt- liche Landwirthſchäſt gebräucht wurde. Heut zu Tage äber fängt es an Gebräuch zu werden, das Wort Agricultur bloß im eigentlichſten und engſten Sinne anzuwenden, und darunter nichts als die Zubereitung des Bodens vor und während der Vegetation zu ver- ſtehen, ohne die Cultur der Bewächſe weder im All» gemeinen noch int Einzelnen auch nur zu berühren. G. 63: Die Mittel den Boden zuzubereiten, und für die Vegetation tauglich zu machen, ſind von zweyerley Art, nämlich 3)< emiſch e; wodurch äuf die Coh4- Grundſ. der Feldk,. 1 Th. L0 ek 150007 ſion des Bodens, auf ſeine Waſſeranziehungs- und Waſſeranhaltungskraſt, auf ſeine eigenthümliche Tem- peratur, und auf ſeine Nährungsfähigfeit, durch Bey- miſchung gewiſſer Subſtanzen verſchiedentlich einge- wirkt wird, und b) mechaniſche, wodurch der Boden durch verſchiedene mechaniſche Operationen bearbeitet, geöffnet, gelo>ert, gewendet, und mit Luft und Licht in Berührung gebracht wird. Daher denn auch die Agrikultur in diet und taug- lich machen kann. Dieß gab die Veranlaſſung, daß einige Hypertheoretiker uns mit dem kurzen Rathe ab- fertigen, den Boden durch Aufführung einer entgegen» geſeßten Erdart, z- B. den hartnädigen Thonboden durch Aufführung reiven Sandes oder Kalkes, den looſen Sandboden durch Aufführung eines recht fetten Thones u- ſ- w. zu verbeſſern. Dieß wäre freplich ſehr ſchön, wenn es nur auch eben ſo leicht auszu- uu ZE gra HOI ES,„enk AE Bneenmäittz: Mberng CE IE Ed u = 1417= führen wäre. Wir wiſſen aber aus Erfahrung, daß reiner Sand und reiner Thon ſo äußerſt ſchwer ſich mengen, daß viele Jahre vergehen würden, ebe wir' eine ſolche Mengung zu Stande bringen könnten, dex Aer aber bis dahin eher ſchlechter als beſſer ſeyn müßte. Reinen Kalk in ſolcher Menge aufzuführen, daß dadurch die Cohäſion, Temperatur, und andere phyſiſche Cigenſchaſten des Bodens verändert würden, möchte wohl auch nur unter den wenigſten Umſtänden und Verhältniſſen räthlich ſeyn. Zum Glücke ſieht uns zu dieſem Zwe>e eine gemiſchte Erdart zu Gebote, . die ſich faſt aller Orten vorfindet, und-welche alle Eigenſchaften hat, die wir in dieſer Hinſicht nur ver» langen fönnen, da ſie leicht und von ſelbſt in die kleinſten Partikelchen zerfällt, und bald Thon, bald Sand, bald Kalk, je nachdem wir die eine oder die andere dieſer Subſtanzen zur Verbeſſerung unſeres Bodens bedürfen, im Übergewichte in ſich enthält. Dieß iſt der Mergel, von deſſen Natur. und Eigen- ſchaften wir ſchon oben in der Agronomie hinlänglich geſpröchen zu haben gläuben, ſo daß wir hier bloß von deſſen Anwendung, die man Mergelung nennt," und welche die einzige Erdmiſchung iſt, die man wirk» lich praftiſch empfehlen Fann, noch Giniges zu ſagen haben. 9. 95: Die Mergelung kanu aus zweperley Abſichten ün ternommen werden. Erſtens, als Erdmiſchung, um die phyſiſche Beſchaffenheit des Boden8 zu verändern, und zweyptens als mineraliſche Düngung, um mittelſt 10 --“ 1486== des im Mergel enthaltenen Kalkes, theils unmittelbar zur Ernährung der Pflanzen beyzutragen, theils, und vorzüglich aber, um die im Boden befindliche vegeta- biliſche Nahrung aufzuſchließen. Geſchieht die Mergelung zu erſterem Zwe>e, wos von hier allein die Nede iſt, ſo iſt vorzüglich darauf zu ſehen ,/ daß die Beſtandtheile des Mergels von ganz entgegengeſeßter Art ſeyen, mit den Beſtandtheilen des durch das Mergeln zu verbeſſernden Aerbodens« Beſteht z. B. der Aer aus einem loſen Sandboden, dem man einige Bindigkeit geben will, ſo iſt ein recht thoniger Mergel, oder wohl gar ein Mergelthon, wenn man ihn in der Nähe haben kann, aufzuführen 3 beſteht"M der A&erboden aus naßkaltem hartnäkigem Thone, deſſen übermäßige Zähigkeit man mindern will, ſo wird auf ſolchem ein recht falfigter oder ſandiger Mergel wo möglich Mergelkalk, oder Mergelſand, die größte Wirkung leiſten« Auf einem ſauren Humus- boden(Moorboden) ſcheint mir derjenige Mergel der vorzüglichſte zu ſeyn, der Kalk und Thon beiläufig in gleichen Theilen enthält, weil dadurch eben ſo für ſeine Entſäuerung als für ſeine beſſere Conſiſtenz auf gleiche Weiſe geſorgt wird. CG. 66- Da der Mergel eben deßwegen ſd ſeht zur Erd- miſchung und der dadurch zu bewirkenden Veränderung der pyyſiſchen Beſchaffenheit des Bodens tauget, weil er von ſelbſt in die kleinſten Partikeln zerfällt, und ſich innig mit der AFerkfrume menget, ſo iſt auch vorzüglich darauf zu ſehen, daß bey ſeiner Anwendung alles be- | | | j NN MIES>= LE a DIE 0<< 0 obachtet werde, was dieſes Zerfallen nur immer be- ſördern kann. Der Mergel werde daher, wo möglich, immer vor Winters, oder wenigſtens im Anfange deſ- ſelben/ auf das Feld gefahren, und gleichmäßig über daſſelbe ausgebreitet, damit ex durch die Cinwirkung des Winters und erſten Frühlings, um ſo eher und ſicherer zum Zerfallen gebracht werde. Dieß iſt ganz beſonder3 bey jenen Mergelarten zu beobachten, die wegen ihrem Mißverhältniß zwiſchen Kalk und Thon, etwas ſchwerer zu zerfallen pflegen. S- 67. Die Quantität des aufzufahrenden Mergels im Allgemeinen zu beſtimmen, iſt unmöglich, weil dieß ſowohl von der Beſchaffenheit des Bodens, als von der des Mergels jederzeit abhängt, dieſe aber in bey» den unendlich verſchieden ſeyn kann. So viel iſt ge- wiß, daß man alidä, wo man auf die phyſiſche Be- ſchaffenheit des Boden3 wirken will, viel mehr auf- ſahren müſſe, als wenn man den Mergel bloß als Dünger gebrauchen will. So gehören nach Thaer von mergeligem Lehm(Mergelthon) der auf Sandboden gefahren wird, um demſelben mehrere Cohäſion zu geben, nach unſerm Maaße und Gewichte circa 3042=- 5154 Ctr. auf unſer gemeines Joch= 1200[]9, um damit den Boden 1 Zoll hoch über und über damit bede&en zu können. Sollte man durchaus keinen Mergel in der Nähe finden, und die Erdmiſchung mittelſt Thones oder Sandes bewerkſtelligen wollen, ſo müßte man wenig- ſten3 zu gleicher Zeit, recht friſchen, ſo eben aus dem Gaza 150-.- Stalle gekommenen Pferde- oder Schaaſmiſt auffahren. und ſogleich unterpflügen, oder man müßte gleichzeitig mit dieſer Erdmiſchung eine Kalkdüngung vornehmen, um ſo doch einigermaßen auf die Mengung des Tho- nes mit dem Sande einzuwirken. Völlig das, was wir von Mergel zu erwarten berechtigt ſind, erwarte man jedoch auf keinen Fall. S. 68. Weit häufiger aber, als die eigentliche Erdmi- ſchung vonnöthen iſt, um dem Boden die gehörige phyſiſche Beſchaffenheit die ihm etwa mangelt, zu ge- ben, iſt es nöthig, denſelben entweder mit der ange- meſſenen Pflanzennahrung zu verſehen, oder ihm ein Mittel darzubieten, die im Boden oder im Dunſtkreiſe befindliche Nahrung aufzulöſen, und entweder in flüßi- ger Form, als Extractivſtoff, den Wurzeln, oder in dampffsrmiger Geſtalt den Blättern der Pflanzen zu- zuführen. Dieß geſchicht durch die Düngung.*) Alles was alſo die Pflanzen zu nähren, oder ih- nen Nahrung zuzuführen fähig iſt, wird im erweiter- ten Sinne des Wortes Dünger genannt. Im engeren und eigentlihern Sinne aber, nennen wir bloß das, .*) Wenn. wir die Gewächſe auf dem A>er verweſen ließen, ſo wäre freyli< keine Düngung nothig, weil dur< den Unters gang dieſer die Natur ſelbſt den Boden hinlänglich mit Humus verſorgte, um wieder neue Gewächſe zu ernähren. Ganz an- ders aber verhält es fich bey unſerm A>erbau, wo wir die Pflanzen von dem A>ex, nachdem ſie ihre Nahrung aus dem- ſelben gezogen, wegführen. Hier muß natürlich der Boden, was wirklich Nahrung giebt, Dünger, dagegen wir jene Subſtanzen, welche dieſe Nahrung bloß, oder doch mehrentheils nur, zuzubereiten und zuzuſühren vermö- gend ſind, Düngervehikel nennen. Zu erſterem rech- nen wir alle ſaul» und verwesbare, im ſchi&lichem Grade der Desorganiſation befindliche, organiſche Subſtanzen, zu leßtern Kalk und Alkalien in man- ner Wit- terung nöthig- iſt, ihm von außen Feuchtigkeit mitzu- theilen, damit er gleichmäßig abfaule, und nicht wegen allzugroßer Lro>enheit in ein aſchenartiges Pulver zerfalle, wodurch er nicht nur an Wirkſamkeit, ſondern auch an Maſſe verliert. Liegt er loFer, und ſo, daß die Luft in ſein Inneres freyen Zutritt hat, ſo wird er leicht ſchimmlig, wodurch immer ſeine Kraft ge- mindert wird. Auf den A>er gebracht, wirkt er ſehr ſchnell und heftig, beſonders, wenn er ſeine Zerſeßung noch nicht vollendet hat, und ſolche erſt auf dem Ac>er vor ſich gehen ſoll; eben deßwegen verzehrt er ſich aber auch ſehr ſchnell, und iſt weit weniger nach- haltend, als der Rindviehmiſt. Jn Anbetracht ſeiner Natur taugt der friſche unverrottete Pferdemiſt faſt nur für naßkalten ſauren Boden, auf welchen er theil3 durch Entwi>elung ſeiner Wärme, theils durch Entwielung häufigen Ammoniums, doppelt wohlthä« tig wirket. Auf ſandigem, oder jedem andern war- men, oder wohl gar hißigen Boden taugt er aus eben dieſer Urſache nichts, und wirkt nachtheilig. Eollte Pferdemiſt allein und unvermengt auf warmen tro&nen Boden gebracht werden, ſo würde es wohl am zwe>mäßigſten ſeyn, ihn nach dem Rathe Thaer's, mit ſaftigen vegetabiliſchen Subſtanzen, oder mit ab- geſchältem Raſen zu verſeßen, und ſo nebſt Unter- ſtüßung mit benbthigter Feuchtigkeit, zu einer ge- mäßigten Gährung zu diſponiren. ce.) Der Schaafmiſt vermengt ſich ſeiner Tro>en- Heit wegen etwas ſchwer mit der vegetabiliſchen Streue, --“- 155= und kann nur durc< das Treten und Aufliegen der Schaafe dazu diſponirt werden. Er zerſeßt ſich, wenn er ander3 mit Streue nicht überhäuft wird, ſehr ſchnell, und äußert daher auf den AFer gebracht, ſeine Wirkſamkeit ſehr früh, hält aber dagegen auch nicht lange an, ſondern verzehrt ſich noc< früher- al3 der Pferdemiſt. Während ſeiner Aufl>jung ent- wickelt er vorzüglich viel Ammonium, und iſt daher beſonder3 auf gebundenen, naßfalten, und verſauerten Gründen zu empfehlen. Vorzüglich taugt hiezu der obere, ſtrohige, noch unzergangene Schaafmiſt. Auf tro>enem warmen Boden hingegen, darf(wenn man keinen Nindviehmiſt hätte, der für dieſen Boden aller- dings noch beſſer iſt) bloß wohlverrotteter Schaafmiſt von der untern Schichte angewendet, und dieſer auch, ſeiner ſchnellen Zerſezung und hißigen Natur wegen, nur äußerſt ſparſam aufgefahren werden, damit er Fein Lagerkorn verurſache, oder etwa bey anhaltender; Dürre die Gewächſe verdorren mache. d.) Der Schweinemiſt iſt der trägſte, mit der geringſten Wärme gährende, ſic am langſamſten zer- ſegende, und daher auch am ſpäteſten wirkende von allen Miſtarten. Da er faſt in Allem gerade das Ge- gentheil vom Pferdemiſte if, ſo iſt es am vortheilhaf« teſten, da, wo man bepde Miſtarten in einiger Quan- tität hat, beyde mit einander zu vermengen, und ſo mitſammen gähren zu laſſen, wodurch ihre beyder- ſeitigen Mängel und Fehler am wirkſamſten ausgegli- el dagegen nur ſehr ſchwer zu überwinden iſt, ſo wird wohl dieſer Dünger immer nur für äußerſt hoh bevölkerte, oder wohl gar übervölkerte Länder anzurathen ſeyn, wo ſich eben deshalb der A>erbau ſchon der Gartencultur nähert, und umſonſt würde man ihn unter Umſtänden und Verhältniſſen wie die unſrigen ſind, lobzupreiſen und anzurathen ſich bemühen. Will man ihn wirklich anwenden, ſo iſt die beſte Zubereitungsart, ihn mit dem Doppelten oder Dreyfae am nächſten fommen- b.) Die Waldſtreu, oder da3 a%geſallene Laub und die Nadeln in den Waldungen. Lettere empfiehlt Thaer beſonders. Zwar geſieht er, daß ſie ſich etwas ſchwerer als das Stroh zerſeßen, ſagt aber, daß ſie dann, wenn ſie einmal zergangen ſind, einen überaus kräftigen Dünger liefern, der noer gefah- ren werden kann. e.) Das Heidekraut, welches in Heidegegenden häufig als Streu verwendet wird. Vondieſem iſt das Nämliche, nur noch in einem weit höhern Grade zu verſtehen, was ſo eben vom Gichenläube geſagt wor» den, da es von äußerſt adſtringirender Natur iſt, und eine geraume Zeit nothig hat, um von ſeiner Gallus» ſäure entbunden zu werden: d.) Der Torf, beſonders der looſe, noh nicht völlig ausgebildete, der vhnehin zu Brennmaterial nicht tauglich iſt, kann ebenfals mit vielem Vortheile als Streumaterial verwendet werden, und liefert einen ganz vorzüglich wirkſamen Dünget. e.), Außer dieſen hier genännten aber, giebt es noch. mänche andere vegetaäbiliſche Stoffe minderer Be» deutung 5 die alle je nach ihrer größern oder geringern Zähigkeit und Härte, bald mehr, bald weniger zur Streue tauglich ſind 3 dgl. ſind: das Farrenkraut; welches“auf mänchen Holzweiden häufig genug ange- troffen wird, das Kartoffelkraut, die Stengel des Rapſes und anderer Handelsgewächſe, iu. dgl. mert. Dergleichen mehrentheils ſchwer verwesliche Subſtan» zen taugen am beſten den vertieften Grund der Miſts ſtätte auszufüllen, nachdem dieſe ganz geleeret wor den, und bevor ſie wieder von Neuem angefüllt wird; theils, weil ſie ihrer ſchweren Verweslichfeit halber dieſen untern Raum am beſten zur Aufnahme der Feuch- -=-> 161== Feuchtigkeiten des Miſtes offen halten, theils, weil ſie allda am beſten zur Faulung gebracht werden. Die Quantität der Einſtreuung richtet ſich, nebſt der nöthigen Reinhaltung des Viehes, am beſten und zweE>mäßigſten, nach dem Grade der Flüßigkeit der verſchiedenen Excremente. Denn wird zu wenig einge- ſtreuet, ſo können die Flüßigkeiten nicht völlig aufge- nommen werden, und wir verlieren an der Menge und am Gewichte des Miſtes; ſtreuet man aber zu viel ein, ſo nimmt der Miſt eine allzuvegetabiliſche Natur an, und verliert daher zu viel an Kraft. Da nun aber die Excremente nicht nur nach der verſchiedenen Natur des Biehes, von dem ſie fallen, ſondern auch nach der verſchiedenen Nahrung, die daſſelbe genießt, bald mehr, bald weniger flüßig ſind, ſo kann auch das gerechte Mäaß der Einſtreu- ung im Allgemeinen nicht beſtimmt werden. GS.€I. 4.) Daß der Miſt auch in Hinſicht des verſchiede- nen Gährungs- und Faulungs8grade3 äußerſt verſchie- den ſey, weiß jeder gemeine Praktiker von nur einiger Bedeutung. So iſt der ſchon die Gährung vollig überſtandene Pferdemiſt ſo milde, und ſö wenig hißig, daß er auf den wärmſten Sandboden ohne Bedenken aebracht werden kann, auf dem er doch ſonſt, wenn er in ſei- ner heftigen Gährung aufgebracht worden wäre, alles verſengt haben würde, Dagegen hat der ſonſt ſo kühle, und gegen den Pferde- und Schaafmiſt ſo träge Rindviehmiſt, wenn Grundſ. der Felde. 2. Th. 11 --; 162,= er in ſeiner erſten und heftigſten Gährung aufgefahren wird, ungeachtet ſeiner kühlen und mäßigen Natur, doch immer ſo viele Kraft, daß er ſelbſt auf den hart- nädigſien Thonboden einigen wohlthätigen Einfluß äußert, ob er gleich hierin dem friſchen Schaaf- oder Pferdemiſt nicht gleichkommen kann, was wohl auch Niemand von ihm verlangen wird, Hierin hat nun der Landmann abermal ein Mit- tel ſeinen Aker mit dem angemeſſenen Dünger zu verſorgen, wenn ihm auch nicht immer die für den Boden angemeſſene Miſtart zu Gebothe ſtünde. Ge Ob es gleich einzelne Fälle giebt, in denen es am beſten iſt den Miſt in möglichſt friſchem Zuſtande auf den AFeri zu bringen, ſo ſind doch diejenigen weit häufiger, da der Miſt ſchon in einem gewiſſen Grade abgefaulet und verrottet ſeyn muß, bevor er mit Nutzen auf den Aker gefahren werden kann. Es frägt ſich nun, wie der Miſt am beſten zubereitet, vder zu einer gleichartigen Faulung und Verrottung diſponirt werde. Die nothwendigen Bedingniſſe einer gleichartigen Abfaulung des Miſtes, ohne welche überhaupt feine faulige Gährung ordentlich vor ſich gehen kann, ſind: 3.) Gine gleichſörmige Mengung der Excremente mit den Einſtreuungsmitteln, wodurch dieſe letztern allein zu gleichzeitiger Faulung mit den erſtern gebracht werden können, da dieſe gleichſam als Fermente auf die Streue wirken z; b.) gemäßigte Feuchtigfeit; c.) gemäßigter Zutritt der atmoſphäriſchen Luſt; === 163-... d.) gemäßigte und gleichformige Wärme; und e.) ungeſtörte Ruhe. 9. 75- Dieſe gleichförmige Gährung und gerechte Abfau- lung des Miſtes wird unſtreitig am beſten erreicht, wenn der Miſt eine geraume Zeit unter dem Viehe liegen blei» bet, theils, weil er auf dieſe Weiſe aller erwähnten Bedingniſſe der Gährung am vollkommenſten genießt, und ganz beſonders durch das Treten und Aufliegen des Viehes am beſten mit der Streue vermicht wird, theils, weil er unter folchen Umſtänden auch die Aus» dünſtungen des Viehes aufzunehmen ſcheint. Bey den Schaafen iſt dieſe einfachſte aller Miſt» bereitungen wohl ohnehin die gewöhnlichſte, indem man den Miſt allenthalben von halben zu halben Jah- ren unter denſelben liegen läßt, und dann gerade auf den Aer fährt. In neuern Zeiten aber fieng man an auch bey anderm Viehe den Miſt längere Zeit, und allenfalls auch bis zur Ausfuhr auf das Feld, in dem Stalle zu laſſen, nicht ſowohl um das tägliche Aus- miſten zu erſparen, als vielmehr einen beſſern und kraftvollern Dünger zu bereiten. Dieſe Methode iſt auch gar nicht zu verwerfen, wenn nur dabey zwey Punkte genau genug beobachtet werden 3 1-tens daß der friſchgefallene Miſt täglich gleichmäßig unter dem Viehe verbreitet, und dann erſt mit friſcher Streu bede>et werde, damit das Vieh nicht widernatürlich hinten höher als vorne ſtehen müſſe; und 2-tens daß die Krippen beweglich gemacht werden, um bep angehäuftem Miſte, und dadurch er- IE." höhetem Stand des Viehes in die Höhe geſchraubt werden zu können, GF. 76- Gewöhnlich jedoch wird der Miſt des Rindviehes und der Pferde aus dem Stalle auf die Miſiſtätte ge- bracht, um alldort längere oder Fürzere Zeit, je nach der Art des Miſtes, und der in der Praxis machen wird; ſo wenig als der Vorſchlag die Miſtgrube mittelſt Kieſeln oder Kalkmortel/ oder auf andere Art, ganz waſſer- dicht zu machen, damit ja nicht das Geringſte von den Feuchtigkeiten des Miſtes verſintern könne, mit Leichten Eingang finden wird. Iſt der Boden nur nicht gar zu loſer Sand, ſo iſt wohl nichts in dieſer Hinſicht zu beſorgen, wäre er aber dieß, ſo kann ihm leicht durch Aufführung einer Schichte Thones ge- holfen werden, ohne zu ſo koſtſpieligen und umſtänd» lichen Mitteln ſeine Zuflucht nehmen zu müſſen. Aus anderer Rückſicht aber, nämlich, um durch die Feſtigkeit des Boden3 das Aus- und Einfahren zu erleichtern, känn e3 allerdings anzurathen ſeyn, die Miſtſtätte auszupflaſtern, da, wo die Streue ſowohl, als die Arbeit, wohlfeil, und allenthalben zu haben ſind« G. 77. Wird der Miſt aus dem Stalle auf die Miſtſtätte gebracht, ſo iſt vorzüglich darauf zu ſehen, daß er jedesmal gleichformig über den ganzen Miſthaufen verbreitet, und dadurch der nunmehr ſchon in Gäh- rung gekommene Miſt der vorigen Tage vor unmittel» barer Berührung mit der. atmoſphäriſchen Luft be- wahrt werde, indem e8 ausgemacht iſt, daß während der erſten und heftigen Gährung ſehr leicht ein großer -- 166=-- Theil der flüchtigen Stoffe unnüß in die Luſt verflie- get, und der Miſt dadurch entkräſtet wird, wenn man dieſe kleine Vorſicht vernachläßiget, und den Miſt un» bedachtſam in zerſtreuten Klumpen auf den Haufen bringt. Hat man den Miſthaufen etwa 5-6 Fuß hoch auf dieſe Weiſe auſgeſchichtet, und man findet rath- ſam denſelben zur weitern Verrottung noch ferner ſiehen zu laſſen, ſo räth Thaer ihn mit einer Lage von Erde, oder abgeſtochenem Raſen zu bede&en, da- mit er durch Verdunſtung nichts verliere. Findet man etwa in Hinſicht der Beſchaffenheit ſeines AFXerbodens räthlich, den Miſt erſt in einem höhern Grade der Zerſeßung auf den A>er zu brin- gen, ſo iſt es immer nothig, daß man wenigſtens zwey Miſtſtätten habe, damit der Miſt wechſelweiſe der Gährung und Verweſung unterworfen, und aus» gefahren werden könne. Sind Pferde- und Rindviehſtälle nebeneinander, und hat man nicht beſondere Gründe(z. B. eine ganz entgegengeſeßtet, ja es iſt ſo» gar zu rathen, auch den Schweinmiſt dahin zu brin- "gen, und Alles recht ſorgfältig, ſchichtweiſe über einander zu breiten, weil durch dieſe Vermengung die Fehler und Mängel dieſer verſchiedenen Miſtarten am ' wirkſamſten ausgeglichen werden, und dadurch ein Miſt hervorgebracht wird, der für jeden Boden tauglich iſt. -- 167-= ſt ein Miſthaufen rein weggefahren, ſo iſt die Vertiefung der. Miſtſtätte, bevor neuer Miſt dahin ge- bracht wird, mit allerhand vegetabiliſchen Abfällen, beſonders mit jenen oben erwähnten ſchwer verwes- lichen Streuſurrogaten wohl auszufüllen, um deſto beſſer die etwa ſich hinabſeßende Jauche aufnehmen zu können. CG. 78- Fn welchem Gährungs- und Reifungs-Grade der Miſt auf den A>er zu fahren ſey, darüber ſind die Landwirthe und Schriftſteller nicht einig 3 die meiſten Stimmen vereinigen ſich jedoch dahin, daß es am beſten und zwe&mäßigſten ſey, den Miſt dann anzu- wenden, wenn ſchon die Streue alle feſtere Cohäfion verloren, und der Miſt überhaupt eine breyartige Conſiſtenz angenommen hat, oder wie man zu ſagen pflegt, ſpeXartig geworden iſt. Jm Durchſchnitte der Boden- und Miſtarten iſt dieß wohl auch das richtigſte; ſo wie ſich indeſſen in der Landwirthſchaft nicht3 im Allgemeinen beſtimmen läßt, und überall die Verfahrungsregeln, wenn ihre Befolgung auch wirklich den gehörigen Nugten ſtiften ſoll, immer den beſondern Umſtänden angepaßt wer- den müſſen, ſo iſt dieß auch hier der Fall. Hat man z. B. einen hartnäkigen unbändigen und naßkalten Thonboden, ſo wird auf dieſem ſicher der ganz friſche, noch völlig unzergangene Miſt die größte Wirkung leiſten, weil dieſer, wenn er erſt im Boden ſeine Gährung untergehet, denſelben zugleich er- wärmet und loFert, ſo wie er durch ſein während der -- 1683== Gährung erzeugtes Ammonium auf die in ſolchen Bodenarten nur zu häufig gehinderte Zerſezung des Humus wohlthätig einwirket.; Auf einem hißigen und dürren Sand- oder Kalk- boden aber wird gerade ein ſolcher Miſt unter allen der erwünſchteſte ſeyn, der ſchon alle merkliche€ ährung überſtanden hat, und ſeiner äußern Form nach ſchon einer Gartenerde ähnlich iſt, weil einem ſolchen Bo- den wegen ſeiner natürlichen Hiße, und ohnedieß nur allzuſchnellen Verzehrung des Humu3, jede fremdartige durch den Dünger beygebrachte Wärme, ſo wie das geringſte Dünger auflöſende Ammonium im höchſten Grade ſchädlic) wäre. Es iſt alſo klar, daß die obige Verhaltungsregel wohl bey Mittelbodenarten ihre Anwendung habe, daß ſie aber nichtsdeſtoweniger für die beyderſeitigen. Extreme gar nicht paſſe. V2.70- Vor nicht ſehr langer Zeit ſchrieben die meiſten= freylich wohl nur hypertheoretiſchen= Schriſtſteller von dem Ausführen und Ausbreiten des Miſtes mit einer Ängſtlichkeit, als ob ſie von nicht8 weniger, als von Campher oder Ambra ſprächen. Gewöhnlich wurde der Rath gegeben, man ſolle ja nie mehr Miſt auf den Aer führen, als den man noc< am nämlichen Tage unterpflügen könne, weil man fürchtete, daß er ſich ſonſt zum Theil verflüchtigen und an Kraft verlieren möchte. Außerdem, daß eine ſolche Vorſchrift an ſich ſchon unausführbar iſt, und jedem Praktiker ein be? mitleidendes Lächeln abzwingen muß, iſt ſie auch ganz emm 16-.- auf Jrrthum gegründet, und verräth nicht die geringſte Kenntniß von dem Miſte, der auf jeden Fall nur dann einen etwas beträchtlichen Theil ſeiner Kraft durch Ver- flüchtigung verlieren kann, wenn er in der Gährung und Zerſeßung begriffen iſt, welche aber gerade in dem Zuſtande, in welchem der Miſt auf dem Ader zerſtreuet liegt, unmöglich vor ſich gehen kann, ja vielmehr dadurch aufgehalten und unterbrochen wird, indem ihm immer, und zwar zu jeder Jahrszeit, die oben erwähnten Bedingviſſe mangeln, die zu einer Gährung und Faulung ſchlechterdings erforderlich ſind. Die einzige wirklich praktiſche Verhaltungsregel hierin, eine Negel, die niht etwa bloß von Schlen- drianiſten beobachtet, ſondern ſogar von dem ratio»- nellen Landwirthe zu Mögelin*) befolget wird, iſt: Man führe den Miſt aus, want der Ader,für den man ihm beſtimmt hat,leer iſt, und wann Zeit dazu iſt, und.;laſſe' ihn ſogleich ſtreuen. Jn dieſem Zuſtande nun laſſe man ihn unbekümmert liegen, bis er durch die nächſte auf dem Felde ohnehin vorzunehmende Arbeit mit dem Boden vermenget wird, Am häufigſten wird er wohl im Winter ausge» fahren, weil wir da am beſten Zeit haben, und es ſcheint auch, daß er ſich, wenn er während des Win- ters ausgeſtreuet obenauf liegt, durch das Schmelzen des Schnees und das Verſintern des Regen» und Schneewaſſer8 am beſten und gleichmäßigſten in den Boden ziehet, und daher die beſte Wirkung thuet, *) Siehe Thaer's Geſchichte meiner Wirthſhafkt zu Mögelin. -- 170= Den Miſt in den vom Wagen abgezogenen Haw» fen liegen zu laſſen, iſt äußerſt ſehlerhaft, theils- weil er in ſolchen Haufen gährt, und folglich wirklich von ſeiner Kraſt durch Verflüchtigung verliert, theils, weil an der Stelle, wo. die Haufen liegen, zu viel von ſeinen liquiden Theilen in den Boden zieht, wo- durch hernach Geilſtellen verurſacht werden, an denen ſich das Getreide lagert. Auf Abhängen von Bergen oder Hügeln muß jreylich der Miſt baldigſt untergepflügt werden, aber aus ganz anderer Urſache, nämlich, damit er nicht weggeſchwemmt werden könne- Will man daher den Miſt auf ſolche abhängige Felder im Winter aufführen, ſo darf er nie gebreitet, ſondern muß an der ſicherſten Stelle des Akers in große Haufen geſeßt werden, aus denen er hernach im Frühlinge über das Feld verbreitet, und ſogleich untergeac>kert wird. Düngt man während der Brache zu Wintergetrei» . de, ſo muß der Miſt immer do) bis zur zweyten Brachfurche, oder bis zu dem ſogenannten Rühren(oder Zweybrachen) untergebracht werden, wenn dieß nicht ſchon während des Winters geſchehen wäre. Deny kommt der Miſt unmittelbar vor dem Getreide in den Ader, ſo iſt erſtens zu beſorgen, daß ſich daſſelbe lagert, und zweytens daß der Aer,=- beſonders, wenn der Miſt noch friſch und wenig vergohren war=- durch Unkraut verunreinigt wird, S. 89» Außer dieſem gewöhnlichen mit Streu verſeßten Miſte unſeres Hausviehes, den man nach dem allge- imm I71-- meinen Sprachgebrauche Hofmiſt zu nenten pfleget ,. gebrauchen wir den Miſt zu Dünger noch unter dreyer- ley Geſtalt, nähmlich: a.) als Hauptingredienz des Compoſt3s, oder Mengedüngers- b.) als Pferch, oder Hürdenſchlag, e-) als Miſtjauche. a.) Compoſt oder Mengedünger, wird jene künſtlich verfertigte Düngerart genannt, welche aus friſchem Hofmiſte, guter fruchtbarer Erde(am beſten iſt NRaſenerde, oder abgeſtochener und abge» ſchälter Raſen) verſchiedenen ſonſt unnüßen Vegeta- bilien, oder vegetabiliſchen Abfällen, Ic. und einer verhältnißmäßigen Quantität Kalk zuſammengeſeßt, und der fauligen Gährung dergeſtalt, und ſo lange ausgeſeßt wird, bis die ganze Maſſe einer guten Gartenerde ähnlich ſieht. Der Gebrauch dieſes Düngers iſt vorzüglich in England ziemlich häufig verbreitet, allwo er zum Überdüngen(Vopdressing) gebraucht, und daher im zerkleinerten Zuſtande, wie Getreide über das zu be- düngende Grundſtü> hergeſtreuet wird. b.) Pferch oder Hürdenſe ſehr entfernt ſind, überall ernſtlich zu empfehlen, was auch immer Cinige,= freylich nur aus Unverſtand, und Unkenntniß der Sache=-"im Allgemeinen dagegen faſeln, und ſchreyen mögen- Zum Pferchen kann zwar alles Vieh verwendet werden,(ſo wie denn wirklich bey uns auch mit Rind»- vieh häufig genug gepferchet wird) doch ſchi>en ſich die Schaafe dazu, unter allem Viehe, am betien, weil ſich ihr Miſt am gleichmäßigſten vertheilt, und nach einſtimmiger Erfahrung, die meiſte und beſie Wirkung äußert. Es iſt, nach dem ſchon weiter oben Geſagten, ſehr natürlich, daß der Pferch weit ſchneller wirken, aber auch ſeine Kräfte weit eher erſchöpfen müſſe, da er weit mehr animaliſcher Natur iſt, als der vorſäglich mit vegetabiliſcher Streue vermengte Stallmiſt, Zur großen und ſchnellen Wirkung des Pferch- düngers vermag wohl auch der Umſtand nicht wenig beyzutragen, daß während dem Aufliegen des Viehes, deſſen Ausduünſtungen von dem Aer aufgenommen - zu werden ſcheinen. ce.) Die Miſtjauche, oder die in eigens dazu verſertigten Gruben geſammelte Flüßigkeit des Miſtes, thut vorzüglich auf Wieſen, ſo wie auf Klee- und andern Futterfeldern ganz außerordentliche Wirkung. Sie wird, nachdem ſie hinlänglich abgefaulet iſt, mit etwas Waſſer= am beſten aber mit Regen- oder Fluß- waſſer= verdünnt, und mittelſt großer Sprigſäſſer, faſt auf die nämliche Art über die Z>er oder Wieſen vertheilet, wie in großen Städten, zur Sommerzeit, die Gäſſen aufgeſprißt zu werden pflegen. Q++31- Da aber alle organiſche Subſtanzen, ohne Aus- nahme, nach ihrer Verweſung, den Boden auf dem ſie vermodern ,/ befruchten, und nährend auf die Pflan» zen wirken, ſo giebt es-natürlich außer dem Miſte, noch eine Menge andere Dinge, welche, je nach den jedesmaligen ortlichen“ Umſtänden und Verhältniſſen, als Dünger gebraucht werden können, und an manchen Orten wirklich gebraucht werden. Dergleichen ſind: 1.) Der ſogenannte grüne Dünger, der aus mancherley untergepflügten grünen Saaten entſteht. Daß der grüne Raſen einer Wieſe oder einer Weide, wenn er umgebrochen und untergea>ert wird, den Boden fruchtbar mäche, dieß weiß ſchon längſt jeder gemeine Bauer, der auch nur ein. einzigesmal Gelegenheit hatte einen Neubruch zu beſtellen, da be- kanntlich ein ſolcher mit den üppigſten Saaten zu prangen pfleget. Aber auch unter jenen Vegetabilien, die wir auf unſerm Ader bauen, giebt es mehrere, die ſich, wenn ſie untergea>ert werden, ganz vorzüglich dazu ſchi>en, unſere Felder mit Nahrung für andere Pflanzen zu verſehen. Dergleichen ſind alle Dyadelphiſten, oder ſchmetterlingsblumige Pflanzen, als: Klee, Wien, Erbſen u. a. 3 von allen Pflanzen dieſer Klaſſe aber iſt keine zu dieſem Zweke tüchtiger, als die weiſſe Wolfsbohne, oder Feiabohne(Lupinus albus), die ſchon von den alten Nömern häufig zu dieſem Gebrauche gebauet wurde, ſo wie ſie noch heut zu Tage in Jta» lien, im ſüdlichen Frankreich, und in Spanien mit nicht geringem Nuten dazu verwendet wird. In weniger milden und warmen Gegenden und Ländern ſcheint vielleicht der Spergel in dieſer Hinſicht ganz vorzüglich zu ſeyn, theils, weil er in ſehr kur- zer Zeit in der Blüthe ſteht, folglich zum Unterpflügen qualificirt iſt, theils, weil er, ſo bald er in den Bo» den kommt, ſehr leicht in Fäulung übergehet, theils endlich, weil er in Vergleich mit ſeinem Volüme, mehr, wie vielleicht irgend eine andere Pflanze, vege- tabiliſche Nahrung zu liefern fähig iſt. Daher er denn dem umſichtigen Thaer mit Necht für das nördliche Teutſchland und ähnliche Klimate in dieſer Hinſicht ſo paſſend zu ſeyn ſcheint. Übrigens giebt es auch noch eine Menge andere Pflanzen, die alle unter verſchiedenen Umſtänden, zur grünen Düngung tauglich ſind. Dergleichen ſind: das Heidekorn in der Blüthe untergepflügt 3; die gewöhn? lichen Rüben, wenn ſie etwas dichter geſäet, und in der üppigſten Vegetation untergea>ert werden; u. m. a. Im Allgemeinen kann man annehmen, daß alle Pflanzen zu dieſem Zwe>e taugen, die dem Ader nur wenig entziehen, dagegen einen großen Theil ih- rer Nahrung mittelſt ihrer Blätter aus der Luft er- halten, weil dieſe wirklich dem AFer mehr zurück geben, al3 fie von ihm bezogen häben. 2.) Der Schlamm aus Teichen und Moräſten aus Gräben und Niederungen, oder von den Ufern mancher Flüſſe. Daß dieſes Material, welches in manchen teutſchen SEE SISI IE EU FEGEN CEE in R 2 8 Schriften auch unter dem Namen Modder vorzus- Pommen pflegt, vortrefflich zur Düngung zu gebrauchen fey, geht ſchon daraus hervor, weil es größtentheils aus der Vermoderung verſchiedener Pflanzen entſtan»- den, und daher vegetabiliſchen Urſprungs iſt. Nur muß es zuvor in manchen Fällen, zur Vertilgung der etwa darin enthaltenen Säure, mit Kalk, Aſche, oder andern alkaliſchen Subſtanzen, oder aber mit Ammo» nium entwikelndem friſchem Pferde- oder Schaafmiſt verſeßt werden, wenn es ſogleich wohlthätige Wirkung auf den A>er thun ſoll. 5.) Der Torf, beſonders jener unvollkommene, in den hohecen Schichten befindliche, der ohnedieß als Brennmaterial“ nicht zu gebrauchen iſt. Wenn dieſes Material von ſeiner Säure, an der e3 immer leidet, mittelſt alkaliſcher Subſtanzen be» freyet wird, ſo liefert es eine Menge vortrefflichen Düngers, wodurch oft ein Landwirth, der die Sache verſteht, ſeine ganze Wirthſchaft heben kann, 4.) Gndlich giebt es noch eine große Mannigfal» tigkeit verſchiedener Subſtanzen, die alle, je nach den verſchiedenen Ortsverhältniſſen und andern Umſtän» den, mit Nugßen zur Düngung verwendet werden können. Dergleichen ſind: a.) Das Blut, und andere Abfälle in den Schlactbänken; b.) Altes, abgenugztes Leder und Tuc» lumpen; ce.) Die kleinen Abfälle und Sägeſpäne von Holz, Horn, und Bein Ic. bey den Drechslern, Kammmachern, u. a. derley Handwerkern; dd.) Das Gerberlohe, nachdem es zuvor eine Zeit lang der Atmoſphäre ausgeſeßt geweſen, um von ſeiner adſtringirenden Eigenſchaft beſveyet zu werden; e.) Die Öhlkuchen ſämmtlicher Öhlſaamen, die entweder zerkleinert, und ſo, gleich dem Getreide über dem Felde ausgeſtreuet, oder in Waſſer oder verdünnter Miſtjauche diluirt, und gleich dieſer lets- tern, darüber gegoſſen werden;' f,) Der Malzſtaub, der in Ländern, wie z- B. England, wo viel Bier gebrauet wird, und wo er folglich häufig zu haben iſt, ebenfalls als Dünger über die Felder, beſonders über die Saaten ge- ſtreuet wird; - gg.) Der Taug, oder das Seegras, welches in manchen Gegenden vom Meere häufig ausgeworfen, und von den Anwohnern mit Nuten als Dünger ver» wendet wird; u. m. dgl. C. 82. Schon weiter oben wurde erwähnt, daß wir un? ter der Benennung Düngervehikeln jene alfali- ſche Subſtanzen verſtehen, deren Hauptfunction nicht ſowohl in der unmittelbaren Ernährung der Pflanzen, als vielmehr darin beſteht, daß ſie die in dem Boden oder in der Atmoſphäre befindliche vegetabiliſche Nah» rung zuzubereiten, und den Pflanzen zuzuführen ſich beſtreben. Hieher gehören: 1.) Die Aſche aller Art, und der Ofenrußz;z 2.) Der reine oder cauſtiſche und der koh- lenſaure Kalk;; 53.) Der 3.) Der Mergel; 4.) Der ſchwefelſaure Kalk, oder Gyps. Da nun aber dieſe Subſtanzen den Boden nicht nur mit Feiner nahmhaften Nahrungsquantität ver» ſehen, ſondern vielmehr ohne Aufhören auf die Zer- ſeßung der darin befindlichen Nahrung fortwirken, ſo folgt von ſelbſt, daß ſie auf keinen Fall wie gewohn- licher Dünger betrachtet, viel weniger demſelben ſub- ſtituirt werden können, ja daß vielmehr immer in dem Verhältniſſe ſtärker mit gewöhnlichem Dünger ge- dünget werden' muß, je mehr der Boden mit dieſen Düngervehikeln verſehen worden. 3 6. 83. A ſche, die zur Verbeſſerung des Bodens ange- wendet werden kann, giebt es vorzüglich von ſfünfer- ley Art: 1.) Die gewöhnliche Aſ- liche als augenſcheinliche Wirkung, und verwandelt denſelben mit einem Male in den humusreichſten Boden, der ſich denken läßt. Beſonders wohlthätig iſt er aber auf einem torfigten, der Näſſe ausgeſeßten Niederungs- boden, wenn derſelbe zuvor gehvrig tro>en gelegt wor- den. Gin ſolcher Boden kann dadurch in ein wahres Sinnbils der Fruchtbarkeit umgeſtaltet werden. So ſehr indeſſen der Kalk den Boden zu beſſern vermag» ſo iſt doch deſſen Einfluß auf die verſchiede- nen Pflanzen ſehr verſchieden- So äußert er z- B. den wirkſamſten Einfluß auf die ſchmetterlingsblumigen Pflanzen oder Dyadelphiſten, und den ſchwächſten auf das Getreide, wenn er unmittelbar vor demſelben auf den Aer gebracht wird. Am wenigſten taugt der Kal? auf dürrem hißi- gem Sandboden, allwo er leicht mit dem Sande in Verbindung tritt, zu Mörtel wird, und den Boden noch verſchlechtert. Der Kalk wird wohl allermeiſtens im gebrannten oder cauſtiſcen Zuſtande auf den Aer gebracht, theils, weil er in„dieſem leichter und gleichmäßiger, als im rohen Zuſtande über den Boden verbreitet werden kann, theils/ weil er auf dieſe Art auch eine ſchnellere und beſſere Wirkung äußert. Sobald daher der Kalk durch das Brennen aus ſeinem rohen Zuſtande gebracht iſt, wird er auch alſobald zum landwirth- ſchaftlichen Gebrauch verwendet, welches vorzüglich auf zweyerley Art geſchehen kann: a.) Man ſchüttet den friſchgebrannten Kalk auf einen Haufen, und beſprengt ihn, unter beſtändigem Umſchaufeln, ſo lange mit Woſſer, bis er ganz in Pulver zerfällt, wodurch er zwar das durch das Bren- nen verlorne Kryſtalliſation8waſſer ſich wieder aneignet, aber nur ſehr wenig Kohlenſäure an ſich zu ziehen Zeit Hat, ſo daß er wirklich noch immer als kauſtiſcher Kalk zu betrachten iſt. Jn dieſem pulverigen Zuſtande wird er nun auf Wägen oder Karren auf den Aer gefah- ren, und mit Vorſicht gleichmäßig über demſelben hergeſtreuet.: b.) Man fährt den Kalk, ſo wie er ausgehrannt iſt, ſogleich"auf den A>er, und vertheilt ihn daſelbſt in kleine gehörig von einander entfernte Häufchen, welche man mit Grde bedeEt, und ſo lange ruhig „läßt, bis der Kalk durch Anziehung von Feuchtigkeit aus der Atmoſphäre, von ſelbſt in Pulver zerfällt, und ſchwach über dem Aer verbreitet werden kann. Man kann den Kalk nach Thaer wohl noch auf eine dritte Art mit Nußen verwenden, in dem man ihn mit Raſen, Torf, u. dgl. Materialien verſesßt, in eine Art Compoſt verwandelt, und dann erſt auf den AFer bringt. Dieß iſt indeſſen etwas minder ge- bräuchlich. Wenn der Kalk den erwünſchten Effect hervor- bringen ſoll, fo iſt vorzüglich nöthig, daß derſelbe ſo -- 182== innig als möglich, baldigſt mit dem Boden vermengt werde. So bald er daher gehörig über den Aer her- geſtreuet iſt, ſo muß er demſelben auch ſogleich, und ohne Zeitverluſt, erſtens zwar nur mit einer guten tief eingreifenden Egge, hernach aber auch mittelſt eines Exſtirpators oder Pfluges, jedoch nur zu einer ſehr geringen Tiefe einverleibt werden. Späterhin wird wieder geegget, und ſchon etwas tiefer gepflüget 3 bis er endlich durch die Saatfurche vollends mit dem Boden vermenget wird. Kann man es anders zwingen, fo räth Thaer ſogar noch vor der Saatfurche, drey verſchiedene Furchen zu geben, damit der Kalk ſich deſto beſſer vertheite« Eben deßhalb iſt es immer nothig, die Kalfung während einer Brache vorzu- nehmen, wenn dieß auch nicht ſct machen.| Wie nothwendig es ſey/ daß alle dieſe Opera- tionen mit größter Genauigkeit und Pünktlichkeit voll- ſührt werden, weiß Jederman, der nur einigen Be- griff vom AFerbaue hat; da ohne dieſen nie mit Zuverläßigkeit eine gute und geſegnete Ernte erwartet werden darf, wenn wir unſern Aer auch noch ſo gut gedüngt hätten, und bey der Saat und übrigen Cultur der Pflanzen auch noch ſo ſorgfältig verfah- ren wären. Die Zwee die wir durch die mechaniſche Agri- kultur zu erreichen ſtreben, ſind folgende: 1.) Die Lüſtung und Lo>erung des Bodens, da- mit auch die zärteſten Würzelchen nach allen Seiten ſich frey verbreiten, und ihre Nahrung ſuchen kön» nen, und damit die atmopſhäriſche Luft, das Licht, und die Feuchtigkeit ihren nothwendigen Einfluß in die Vegetätion deſto beſſer und leichter auszuüben ver- mögen 3; welches alles in einem zu compacten Boden entweder gar nicht/ oder nur ſehr unvollkommen ge- ſchehen kann. 2.) Die gehörige Vermengung der Beſtandtheile des Boden3, ſowohl unter ſich, als mit dem Miſte, oder andern Materialien, die als Dünger, oder Dünz- gervehikel auf den AXer gebracht worden. 3.) Die Wendung des Bodens, damit er von allen Seiten, und in allen ſeinen Theilen der atmoſphä- riſchen Luft, und ihrem heilſamen Einfluſſe ausgeſeßt werde. 4.) Die Zerſtörung aller ſchädlichen Pflanzen, die unter dem Namen Unfraut bekannt ſind, worunter wir alle jene Vegetabilien begreifen, die wider unſern Willen auf dem AFer wachſen, und den Pflanzen, die wir gebauet haben, den Platz rauben, 5.) Die Zerkleinerung und Pulverung der in dem Boden befindlichen Schollen, wodurch er zur„Auf- nahme der Saat geſchi>ter wird. 6.) Die Ebenung des Bodens, wodurch die Ernte erleichtert wird. 7.) Die ZuſammendrüXung des Bodens, wenn er vielleicht übermäßig lo>er, oder wohl gar looſe wäre. 3.) Die BedeF&ung des Saamens bey der Ausſaak. Damit wir aber die Arbeiten, wodurch die erſt- erwähnten Zwecke erreicht werden ſollen, auch gehörig zu verrichten im Stande ſeyen, iſt es vor Allem nöthig, -- 190== daß wir uns mit ſchi>lichen Werkzeugen zu verſehen beſtreben; daher denn nun von dieſen das Nöthige zu ſagen iſt. CS. 88- Daß die verſchiedenen Maſchinen und Inſtrumente bey der Landwirthſchaft nicht minder wie in den Fa- brifen und Manufakturen, viele Arbeit erſparen und verkürzen helfen, wird ſicher Niemand in Zweifel ziehen, der nur die Wirkung des, einzigen Pfluges, als unſeres vorzüglichſten Landwirthſchaftlichen Werk- zeuges, in reifliche Betrachtung gezogen Hat. E3 iſt auch daher kein Wunder, daß heut zu Tage ſo viele verdiente Männer ſich unendliche Mühe gegeben haben, nicht nur die ſchon vorhandenen und durch langen Gebrauch bewährten Maſchinen und AFer- geräthe wirkſamſt zu verbeſſern, ſondern auch neue Werkzeuge zu erfinden, wodurch die bey der Land»- wirthſchaft nie hoch genug anzurechnende Kraft und Arbeit noch mehr verfürzet und erſparet werden könnte. Da jedoch durch Menſchen, die nur nach Gewinn ſtreben, er möge auch durch was immer für Mittel erworben werden, nicht ſelten auch ſolche Jnſtrumente. und Maſchinen als probehältig und vollkommen aus» poſaunet werden, die den Anſprüchen der Praxis nicht im mindejien Genüge zu leiſten vermögen ,/ und daher mehr ihrer künſtlichen Zuſammenſeßung und des Scharf- ſinns ihrer Erfinder wegen zu bewundern, als zum praktiſchen Gebrauche zu empfehlen ſind, ſo glaube ich hier zur Beurtheilung der landwirthſchaftlichen Werkzeuge und Maſchinen ein für allemal Folgendes in Erinnerung bringen zu müſſen: [aud 191 wos 1.) Jedes AFergeräth muß dem Zwee, für den es beſtimmt iſt, vollkommen entſprechen. 2.) Die landwirthſchaftlichen Werkzeuge und Ma- ſchinen müſſen nicht zu ſchwer, und in allen ihren Theilen gut und paſſend zuſammengefügt ſeyn, damit weder ihres-allzugroßen abſoluten Gewichts, noch ih» rer Reibungen wegen/ die ſie etwa unnüßer Weiſe veranlaſſen, bey ihrem Gebrauche und ihrer Anwen- dung allzuviele Kräfte erforderlich werden mögen. 3.) Sie ſollen nicht zu koſtſpielig ſeyn, theils, damit ſie auch von unbemittelten Landwirthen ange» ſchaft werden können, theils, damit durch zu große Auslagen auf das Aergeräth, das Ginkommen nicht zu ſehr geſchmälert, und mithin der leßte Zwe> der Landwirthſchaft verfehlt werde. 4.) Sie ſollen ſtar? und dauerhaft ſeyn. Denn, wenn ſie zu vielen Neparaturen unterworfen ſind, ſo kommen ſie oft das Jahr hindurch bey weitem höher zu ſtehen, als ſolche, deren erſte Anſchaffung weit mehr gefoſtet hat-: 5.) Sie ſollen ſo einfach al38 möglich ſeyn; theils weil complicirte Werkzeuge weit leichter verdorben wer- den, und dann nicht ſo leicht überall zu repariren und wieder herzuſtellen ſind/ theils, weil ſie überhaupt nicht jedem gemeinen Kerl in die Hände gegeben wer- den können» S. 89. Die älteſten AFerwerkzeuge waren ohne Zweiſel 2 der Spaten oder das Grabſcheit, die Handhaue oder Handhae, die Harke, oder der Rechen, und andere u 2 HL, ähnliche Handinſtrumente, womit der Boden bear- beitet werden kann. Dieſe Werkzeuge haben zwar das Gute, daß da- mit der Boden auf das Vollkommenſte bearbeitet wer- den Fann, da ſie jedoch in Vergleich mit den erſt ſpäter erfundenen Zugwerkzeugen, zu vielen Kraft- und Zeitauf- wand erfordern, ſo haben ſie auch dieſen leßtern=- die heut zu Lage beynahe nur auf die Gärten und Wein- berge reducirt ſind= allenthalben weichen müſſen, ſo daß, ſelbſt in den bevölkertſten Gegenden, nur Jene bey dem AFerbaue Handwerkzeuge gebrauchen, die ſich kein Zugvieh anzuſchaffen im Stande ſind, oder welche mit den neuerfundenen zur Bearbeitung der HaFfrüchte dienenden Werkzeugen, und ihrer Handhabung noch unbekannt ſind. Sämmtliches Zuggeräthe== von dem wir hier nur allein reden, indem wir die Handinſtrumente, theils, als allgemein bekannt vorausſegen, theils, als nicht hieher gehörig vorſätlich weglaſſen=- iſt aber immer deſto vollkommener, je mehr ſeine Arbeit der- jenigen gleich iſt, die durch die Handinſtrumente ver» richtet wird, weil nur dann wahre Erſparung, und wirklicher Nutzen erzwe>et wird. Wir wollen es da- her nach der Reihe herzählen, und in Kürze von ſeinen Eigenſchaften die es beſiken, und von der Wirkung die es leiſten ſoll, das Nöthige vorbringen. Hieher gehören vor allen: 1.) Die Pflüge verſchiedener Form und Con- ſiruction;: 2.) Der Haaken oder Hafenpflug 3 5.) Die Exſtirpatorenz; 4.) Die Boris unn SIE nd * .) Die Scarrificatoren 3 .) Die Eggen; .) Die Walzen z; .) Die Cultivatoren verſchiedener Art und Fornt. 9. 09. Das vorzüglichſte und unentbehrlichſte aller AXer- geräthe iſt der Pflug,(eke) mittelſt deſſen wir ſo» wohl die Lüſtung und LoFerung, als auch die Um- wendung des Bodens zu beſchaffen pflegen. Außer den erſterwähnten allgemeinen Eigenſch af- ten, die ohnehin jedes Aergeräth, um zwe&entſpre» el(ekek), welche etwa bey der Stellung des Pfluges nöthig ſeyn können. 6,) Die Pflugſchleiſe(eke-16), auf welcher der Pflug nach dem Acker geſchleppt wird, wenn wir denſelben nicht eiwa lieber auf einem Wagen hinaus „fahren wollen. Von der Stellung und. Führung des gemeinen Pfluges, ſo wie von den Gigenſchaften einiger ſeiner weſentlichſten Theile, iſt in der Kürze Folgendes zu merfen: 1.) Die Tiefe der Furchen, die wir ziehen wollen, wird verſchiedentlich beſtimmt und regulirt, a.) Durch die Verlängerung oder Verkärzung des Grindels, welches mittelſt verſchiedener am vorderſten Theile deſſelben befindlicher Löcher, eines eiſernen oder ſtarken hölzernen Nagels, und einer Kette, eines Stri>es, oder eines aus Weiden- oder andern Zwei- gen gewundenen Seiles(guzs) bewerkſtelliget wird. b.) Durch das Erheben oder Herablaſſen des Grindel3 mittelſt eines ſchmalen aber ſtarken Brettes, welches bey einigen Pflügen zu dieſem Zwe>e angebracht iſt, und Lichte oder Gierholz genannt wird. e,) Durch die Keilung(ekeles); da man nämlich am Hintertheile des Pfluges, da, wo der Grindel in den linken Rüſter eingezapſt iſt, einige Keile auf verſchiedene Weiſe einſchlägt, und dadurc) den Vordertheil des Grindels nach Wilführ bald er- hebet, bald erniedriget. Mit dieſer Vorrichtung muß aber immer zu gleicher Zeit auch die Pflugſäule ver» hältnißmäßig verlängert oder verfürzet werden, damit der Pflug, wegen Mangel an dieſer Übereinſtimmung- nicht etwa eine falſche Nichtung annehme, oder wohl gar, wenn das Mißverhältniß vielleicht zu groß wäre, der Grindel abzubrechen drohe. '= 198= 2.) Die Breite der zu ziehenden Furchen wird beſtimmt und modificirt a.) Durch den am Vordertheile des Pflugkarrens - verſchiedentlich angebrachten Reguiator; j b.) Dadurch, daß man den Vordertheil des Grindels durch mancherley Vorrichtuyg entweder mehr links d, i. landeinwärts, oder mehr rechts, d. i. gegen die Furche zu zu liegen zwinget. 3.)-Die Schneide ſowohl des Sechs, als des Pflugſchaars, ſoll immer aus dem beſten Strahle ver- fertiget ſeyn/ und ſo oft es nöthig iſt, gehörig ge- ſchärft werden, 4.) Das Seh hat gemeiniglich die Form eines gewöhnlichen Meſſers mit etwas ſichelförmig gebogener Schneide. Weit beſſer iſt es aber, wenn es erſtens gar keine Krümmung hat, weil dieſe nur unnüg die Friction vermehrt, und wenn es zweytens von dem gewöhnlichen Meſſer in ſo fern abweicht, daß es nicht wie dieſes einen ganzen, ſondern nur wie das Pflug- ſchaar einen halben Keil formirt, ſo wie es bey den neuern und beſſern Pflügen auch wirklich vorgerichtet zu werden pfleget. Übrigens muß das Sech immer ſo angebracht werden, daß es mit ſeiner Spitße gut vor- wärts ſiehe, welches zur Überwindung der Neſiſtenz des Bodens nicht wenig beyzutragen vermag. 5.) Das Pflugſchaar bildet einen halben Keil, und zwar in Form eines rechtwinklichten Drepe>s. Die Wirkſamkeit dieſes weſentlichſten Pflugbeſtandtheils hängt ,/ außer ſeiner Schärfe, auch viel von dem vor- wärts ſtehenden ſvyißen Winkel ab, der nie über 45 Grade haben ſollte, weil er ſonſt zu viele Neibung .-. 399= verurſachet, wodurch der Gang des Pfluges erſchweret wird. Noch ſpitzer darf jedoch dieſer Winkel= außer vielleicht bey Pflügen, die ausſchlüßlich für den aller- zäheſten Boden beſtimmt ſind= auch nicht leicht ſeyn, weil ſonſt das Schaar zu lange ausfallen müßte, um in ſeiner Baſis die gehörige Breite zu erhalten, welche der Breite der Furchen, oder vielmehr der abzuſchnei- denden Erdſtreifen gerade gleich ſeyn muß, damit nicht das Mindeſte dem Streichbrette umzuwenden übergeben werde, was nicht zuvor durch das Schaar gehörig abgeſchnitten worden wäre, Dieß Leßktere iſt um ſo mehr zu beherzigen, da man leider, faſt überall eine Menge Pflüge findet, die in dieſem Punkte fehler» haft ſind, und eben de8halb eine große Friction und Kraftverſchwendung verurſachen. 6.) Das Streichbrett beſteht bey den gewohnli- e, große Hauptwurzeln, größere Steine oder Felſen, u. dgl., ſo darf man nur im geringſten auf das Ende der Ruſter drüFen, um den Pflug alſogleich an ſeiner Spitze zu heben, und ohne alle Beſchädigung darüber hergleiten zu machen.| 6.) Die Tiefe und Breite der Furchen wird bey dieſen Pflügen bloß durch die eiſerne Vorrichtung, die am vorderſten Ende des Grindels angebracht iſt, und woran die Anſpannung geſchieht, verſchiedentlich modificirt, und iſt viel leichter wie bey jedem Räder- pfluge zu bewerkſtelligen, nur kann dieß nicht ſo" leicht beſchrieben, als praftiſch gezeigt werden. Die Tiefe der Furchen kann bey dieſen Pflügen noch überdieß durch Verlängerung der Zuglinie ſehr leicht vermehrt werden. Daß dieſe Pflüge neuerer Erfindung in mancher- ley Rüſicht vor dem gewöhnlichen Räderpfluge den Vorzug verdienen, leidet gar beinen Zweifel, da ſie nicht nur geringer am Gewichte ſind, ſondern auch die Reibung um Vieles vermindern, und der Reſiſtenz des Boden3 weit leichter widerſtehen. Darin iſt jedoch der Räderpflug dieſen Pflügen auf jeden Fall vorzu- ziehen, daß er, wenn er nur einmal gehörig conſtruirt -- 205== und geſtellt iſt, Jedem auch noh ſo ungeſchiten in die Hände gegeben werden kann, welches auch mit den beſten Schwingpflügen nie geſchehen darf, da dieſe eine ununterbrochene Aufmerkſamkeit und wirklich auch einige Geſcyi>klichkeit und Gewandtheit des Pflügers erheiſchen. Mit dieſen engliſchen Schwingpflügen hat auch der von Schwerz*) ſo ſehr empfohlene und ſo mei- ſterhaft beſchriebene, mit gewundenem Pflugſchaar und eiſernem Streichbrette verſehene niederländiſche vder belgiſche Pflug viele Ähnlichkeit, der ſich jedoch von ihnen dadurch vorzüglich unterſcheidet, daß er gegen das vorderſte Ende des Grindels eine Stüße oder Stelze hat, und daß ſein Rüſter(denn er pflegt nur eines zu haben) ſo wie bey den gemeinen Yflügen, mit dem hinterſten Theile der Pflugſohl? zuſammen- gefügt iſt. S- 94. Von den zuſammengeſetßten Pflügen womit auf einen Zug zwey, drey, oder wohl noch mehrere Fur- pflug, Gebirgspflug, u. ſ. w. vorfom- menden Pflüge erwähnen/ mit denen in Gebirgslän- dern die Abhänge der Berge bearbeitet werden, und welche die Eigenſchaft beſißen, daß ſie den Boden immer auf eine Seite, und zwar immer bergabwärts umwenden, weil dieß=- wie Jedermann leicht ein- ſieht= auf gähen Bergabhängen, aufwärts unmöglich geſchehen kann, G3 ſind aber dieſe Pflüge von' zweyerley Met. Einige haben ein zweyſchneidiges einen ganzen Keil formirendes, herzformiges Schaar/ und ein beweg» liches Streichbrett/ welches nach Willkühr und Bedürf- niß, bald rechts bald links angebracht werden kann, um ſo den l9083gemachten Boden immer auf eine Seite umwenden zu können. Andere beſtehen aus zwey an einem gemeinſchaftlichen Grindel angebrachten ganzen Pflügen, deren einer den Boden rechts, der andere link3 umwendet, wozu ſowohl das Pflugſchaar, als das Streichbrett eines jeden ſchon vorgerichtet iſt. S- 95. Der Haken oder Hakenpflug iſt dasjenige Aerinſtrument, welches gleichſam den Übergang vom Spaten oder Grabſcheite zum eigentlichen Pfluge vor- ſiellet, und ohne Zweifel viel eher, als dieſer erfun- den wurde« E38 iſt alſo dieß Werkzeug bey weitem der älteſte aller Pflüge, der lange ſchon vor der Er- findung des eigentlichen Pfluges im Gebrauche war, und dieſem erſt in ſpätern Zeiten weichen mußte, wie < 3 wen; 205== denn nach Einigen wirklich wahrſcheinlic< iſt, daß ſelbſt der Pflug der alten Römer noch nichts als ein Haken geweſen ſey» Das Charakteriſtiſche des Hakens, wodurc) er ſich vom Pfluge vorzüglich unterſcheidet, iſt, daß er gar kein GStreichbrett hat, und daß ſein Schaar, welches bald mehr ſenkrecht, bald mehr wagerecht in den Boden gelaſſen wird, immer mehr oder weniger dem Spaten gleichet. Eine regelmäßige und vollfommene. Umwendung des Boden3, ſo wie ſie durch den Pflug bewerkſtelliget wird, muß von dieſem Werkzeuge nicht erwartet wer» den, die Lo>erung des Bodens aber, und die Reini- gung deſſelben vom Unkraute bewirkt es allerdings in einem ſehr bohen Grade, und kann daher, wo es im Gebräuche iſt, bey mehreren AFerungen vortreff- liche, und faſt noch beſſere Dienſte, al3 der Pflug leiſten. Beſonders verdient es auf ſteinigem und bergi- gem Grunde empfohlen, und jedem Pfluge vorgezogen zu werden. Zur Umbrechung des Raſens und der Getreideſtoppel, ſo wie zur Bea>erung jedes ſeſtge- tretenen Bodens iſt es jedoch weit minder tauglich als der Pflug, und immer wird die Umwendung des Bodens, wo dieſe vöthig iſt, nur ſehr ſchlecht und unvollkommen damit beſchaffet werden können- Die Conſtruction dieſes A&ergeräths iſt je nach den verſchiedenen Gegenden, wo es im Gebrauche iſt, augerſt verſchieden. Mir gefällt am beſten derjenige Hafenpflug„der in einigen Gebirgsgegenden Böhmens gebräuchlich iſt, und von dem Landſtädtchen Lrautenau den Namen Trautenguer Schwunghaken-erhalten hat, ar um tEEÄ Zia dn nir Nn ITTER ENI 5 Wen 00500055 --“ 206-=- Dieſer iſt in Hinſicht ſeines Schaares dem Grabſcheite am ähnlichſten, und kann ſowohl beym Adern ſtatt des Pfluges, als beym Bearbeiten der Ha>früchte ſiatt der, Cultivatoren mit Nuten angewendet werden. S. 96. Unter der Benennung Exſtirpatoren oder Grubber verſteht man jene AFerinſtrumente neuerer Erfindung, welche mit mehreren z. B. 5, 5, 7, 9, 11, und wohl noch mehreren, verſchiedenartig ge- formten, und in zwey Neihen hinter einander ange- brachten kleinen eiſernen Schaaren verſehen ſind, wo- durch der Boden mit großer Kraſt- und Zeiterſparung, ſtatt des Pfluges ,/ oberflächlich bea>ert werden kann. Eine Umwendung des Bodens, wie ſie der Plug vollbringt, erwarte man zwar von dieſen Inſtrumen- ten nicht, wohl aber ſind ſie vortrefflich geeignet den Boden in ſeiner oberſten Kruſte zu bearbeiten, und der Atmoſphäre zu öffnen, ſo wie das auf dem Aer häufig aufſchießende Unkraut zu zerſtöhren,(daher der Name Exſtirpator) ſo daß ſie bey jeder ſeichten Pflug- art ſehr zweEmäßig ſtatt des Pfluges zu gebrauchen ſind. So kann man z. B. bey der Brache, wenn nur das erſte Pflügen in gehöriger Tiefe geſchehen, die übrigen Pflugarten ohne weiters mit dieſem Werkzeuge * beſchaffen, ſo wie es zum Unterpflügen der Saat vortrefflich geeignet iſt, da es dieſelbe weit beſſer als die Egge unterbringt, ohne ſie jedoch ſo tief wie der Pflug in die Erde zu vergraben. Auch kann mit die- ſem Werkzeuge ſehr nüßlich der Kartoffela>er über- ..» 207-. fahren werden, gerade dann, da die Kartoffeln her- vorzuſproſſen anfangen u+ ſ- ws G: 075 Die Egge(logas oder vas-borona) iſt dasje- nige Aergeräth, welches wir theils zur Zermalmung und Zerkleinerung der Erdſchollen und zur ECbenung des Bodens, theils zur Zerſtöhrung des Unkrauts, und theils zur Unterbringung der Ausſaat gebrauchen. Sie beſteht au3 mehreren feſt zuſammengefügten Queer» balfen, in welche eiſerne oder hölzerne Zähne einge- zapft ſind, die in den Boden greiſen, und eben die beabſichtete Wirkung zu leiſten haben. Die Form der Egge iſt willkührlich, und daher auch mannigfaltig. Bey uns jedoch hat ſie gewöhnlich die Form eines vorne abgeſtumpften Dreye>s, Da wo man zu jeder Arbeit auch beſondere und eigens vorgerichtete Inſtrumente zu haben pfleget, un- terſcheidet man die Eggen in ſchwere und leichte. Erſtere, wel<ße aus beſonders ſtarken Lueerbalken, und eben ſo ſtarken Zähnen beſtehen, werden zum Zerreiſſen des neu umgebrochenen Raſens, oder zum Aufrigen der Grasnarbe auf Wieſen und Weiden, und bey allen Arbeiten, bey denen viel Widerſtand zu überwinden iſt, und daher ſchwächeres Werkzeug brechen fönnte, leßtere werden zu dem gewöhnlichen Gggen unſerer ſchon durch das Pflügen gelo>erten Äer gebraucht. i Gleichwie der Pflug und der Haken in Vergleich mit dem Grabſcheite eine Erſparung der Arbeit be- wirken/ ſo thut dieß die Egge in Vergleich mit der =“ 208= Harke oder dem Rechen. Sie iſt daher im Grunde auch nichts, anders, als eine etwas zuſammengeſette- re, und zur Zugarbeit vorgerichtete Harke. S- 98- Der Scarxrificator iſt ein Werkzeug neuerer Erfindung welches von der Egge ſich vorzüglich da- durch- unterſcheidet, daß es ſtatt der Zähne etwas vorwärts gebogene Meſſer hat. E38 dienet vorzüglich um jene zähe und verwilderte Gra8narbe aufzuritzen, allwo wegen der allzugroßen Reſiſtenz, jede auch noch ſo ſtarke Ggge unzulänglich wäre. S. 99- Die Buſchegge oder Dornegge(tügske- borona) ein bey uns in Ungarn ſehr häufig gebräuch- liches Werkzeug, iſt eine aus Dornbüſchen zuſammen geflochtene Schleife, welche theils zur ECbenung des A&ers3, theils zur Unterbringung der kleinen Säme- . reyen dienet. S. 100 Die gewöhnliche oder glatte Walze(henger) die entweder aus Holz, oder aus Stein, oder=- wie in England häufig geſchieht= auch aus gegoſſenem Eiſen ſeyn kann, gebrauchen wir theils zur Ebenung des A&>ers, theils zum Zuſammendrüc>en des etwa zu - fooſen Boden3, theils endlich auch zum Eindrücken der kleinen Sämereyeri, die nicht tief bede>t werden dürfen, in den Boden, zu welcher leßterer Operation jedoch Ww=> em. 209 mr jedoc 1.) Der kleine dreyſchaarige Exſtivpa- tor, der in den deutſchen Schriften gewöhnlich unter dem Namen Schaufelpflug vorzukommen pfleget, ſo wie der ſogenannte P aßauf Fellenberg's, und alle jene Werkzeuge, die zu dem erſten oberflächlichen Be- Haden, und zur Zerſtöhrung des in den Reihen auf- geſchoſſenen Unfrauts dienen, 2.) Alle jene Pflüge mit zweyſchneidigem Schaare und doppeltem Streichbreite, womit der Boden in den Zwiſchenräumen tiefer aufgepflüget, und die Erde an die Pflanzenreihen angehäufet wirdz daher ſie auch gewöhnlich Häufelpflüge genannt werden» Die von Thaer empfohlene und beſchriebene Pferde- oder Kartoffelha>e, ſo wie die verſchiedenen in England erfundenen und mannigfaltig modificirten Häufelpflüge gehoren alſo alle in dieſe Kategorie,*) 9. 103- Die erſte und vorzüglichſte aller Arbeiten, die beym Aderbaue vorkommen, iſt unſtreitig die LoFerung und Umwendung des Bodens, welche mittelſt des Pfluges bewerkſtelliget wird, und die wir das Pflü- gen oder das A>ern nennen« Es ijk daher wohl auch nothig, daß wir dieſe ſo wichtige landwirth- ſchaftliche Operation von allen Seiten kennen/ und *) In Hinſicht der Beſchreibung und Abbildung verſchie- dener A>erwerkzeuge muß ich vorzüglich zweyer Schriften hier erwähnen 3; nämlich: Mehler's Sammlung böhmiſcher A>ergeräthez und Thaer's Beſhreibung der nußbarſten neuen A>ergeräthe, uns mit Allem aufs genaueſte bekannt machen, was bey ihrer Ausführung zu wiſſen nöthig iſt. Es erge» ben ſich demnach in dieſer Hinſicht folgende Fragen, die hier zuvörderſt zu beantworten ſind: rx.) Wie tief iſt zu a>ern? 2.) Wie breit ſind jedesmal die Furchen zu ziehen? 3.) Welche Form ſoll dem Aer durch das Pflü- gen gegeben werden? 4.) Wann und wie oft ſoll der Aer gepflügt werden? 5:) Was iſt endlich überhaupt no< bey dem Adern zu bemerken? S8. 104. Wenn wir von der Tiefe der zu ziehenden Furchen mit einiger Beſtimmtheit reden wollen, ſo müſſen wir zuvor erſt uns darüber verſtändigen, was wir unter tiefem, was wir unter mittlerem, vnd was wir unter ſeichtem Pflügen verſtanden haben wollen. Unſere gemeinen Bauern begreifen gar nicht, wie man noch tiefer, als 4, 5, oder allerhöchſtens 6 Zoll tief pflügen könne. Vier oder wohl gar 5 Zoll tief, iſt daher bey dieſen Leuten ſchon ſehr tief, 6 Zoll aber iſt nach ihrer Meinung das wahre Non plus ultra einer Liefe, bis zu welcher der Pflug zu dringen vermag. Niemandem dagegen, der in dieſen unſern neuern Zeiten ſich im Gebiete der Landwirthſchaft weiter um» geſehen, und mehr erfahren hat, fann es unbekann€ ſeyn, daß mit jedem zweEmäßig verfertigten, und gut geſtellten und geführten Pfluge, beſonders aber mittelſt 214* -- 212= zweyer in der nämlichen Furche hinter einander her- gehender Pflüge, ſehr leicht einen Fuß tief und noch tiefer gepflüget werden könne, ſo daß alſo hiernach dieſe Sache mit ganz andern Augen, als mit denen unſerer Bauern zu betrachten iſt. Dieß zur Verſtändigung vorausgeſchiEt, nennen wir mit Thaer ein flaches oder ſeichtes Pflügen (esekely 5zäntas) dasjenige, deſſen Furchen höchſtens eine Tiefe von 4 Zoll erreichen 3 ein mittleres Pflügen (közepszerü 3zäntas) daSjenige, welches in einer Lieſe von 5 bis 7 Zoll varirt; ein tiefes Pflügen(mel szäntas) endlich dasjenige, welches ſchon wenigſtens eine Tiefe von 3 Zoll erreicht, nicht ſelten aber auch wohl 10 Zoll, oder gar einen ganzen Fuß überſchreitet. GS. 105- Daß die Tiefe des Bodens einen gewaltigen Ein- fluß auf die Vegetation habe, dieß glaube ich ſers, der bis zu einer beträchtlichen Liefe gleich» mäßig mit Humus verſehen, und zur Vegetation ge- ſchi>t iſt, oder ob von Vertiefung eines an ſich ſeich» ten Bodens, durch Heraufbringung todten und. un- fruchtbaren Untergrundes die Rede ſey. Im erſten Falle iſt ohne Zweifel nichts beſſer, und ſür den Aer vortheilhafter, als denſelben jedes -- 213-- vierte, ſechste, achte, oder neunte Jahr, in der größt» möglichſten Tiefe, in der nur der Pflug zu gehen vermag, umzuſtürzen, damit er wechſel8weiſe in allen ſeinen Theilen dem wohlthätigen Einfluße der Atmoſphä- xe ausgeſeßt, und dadurch no< mehr befruchtet wer- de; während aber die übrigen Pflugarten zu weit ge» ringerer Tieſe, ja manche vorſäglich ſo ſeicht als möglich zu geſchehen haben, Im andern Falle aber, wo es ſich um die Ver- tieſung des zu ſeichten Bodens, oder um die Vermeh- rung der fruchtbaren A>erkrume, mittelſt heraufzupflü» genden todten Untergrundes handelt, kann man nie zu viele Vorſicht brauchen, um nicht eine allzugroße Quantität unfruchtbarer Erde mit einem Male auf die Oberfläche zu bringen; außer, wenn man einen ſo großen Überflüß an Dünger, und fo viele diſponible Kräfte hätte, um dieſe ganze Maſſe todten Grundes auch eben ſo ſchnell in fruchtbares Erdreich umwandeln zu können, welches aber wohl== wie Jedermann leicht einſicht= nur unter den allerſeltenſten Umſtänden möglich iſt, Fn der Regel wird demnach immer zu beobachten ſeyn, daß der Boden nur ſehr allmählig vertieft wer- de, ſo daß jedesmal nur 1, höchſtens 2 Zolle vom Untergrunde heraufgepflügt werden, welche dann auch mit mindern Kräften= wenn es nur an Induſtrie und Fntelligenz nicht fehlet= leicht verbeſſert und fruchtbar gemacht werden können. Die Düngung muß jedoch bey jeder Bodenvertie- fung immer verhältnißmäßig etwas ſtärker ſeyr, als ſie ſonſt erforderlich ſeyn würde. So lange wir daher = 214 ve des nöthigen Düngers nicht im Voraus verſichert ſind, iſt es allzeit beſſer, auf dieſe Melioration lieber ganz Verzicht zu leiſten, weil ſie ſonſt nur mangelhaft aus- geführt werden, und wenig oder keinen Nutzen ſchaffen, ja wohl nod) eher Schaden bringen könnte.- Da, wo der Untergrund ſchon in ſeinen Beſtand- theilen ſo ſchlecht iſt, daß er alle Verbeſſerung aus- ſchließt, iſt vollends an eine Vertiefung des Bodens gar nicht zu denken, weil wir unſern ganzen Acker dadurch verderben würden. Die Jahreszeit anlangend, geſchieht dieſe Arbeit am beſten im Spätherbſte, damit während des Win» ters der heraufgebrachte todte Grund dem fruchtbar machenden Einfluſſe der Atmoſphäre ausgeſeßt, und hiemit deſto eher für die Vegetation geeignet werde. Übrigens ſet jede Vertiefung des Bodens eine gewiſſe Intenſität der Kräfte voraus, und iſt daher unter Umſtänden, die eine extenſive Wirthſchaft for* dern, ſelten anzurathen. S. 100« In Hinſicht der Breite der zu ziehenden Furchen pommt vor Allem in Betrachtung, ob wir ein voll- pommenes Pflügen, wodurch der Boden vollig um- gewendet wird, beabſichtigen, oder bloß ein unvoll- Fommene8, wodurch derſelbe nur in einer gegebenen Tiefe aufgelo>ert wird, ohne vollfommen gewendet zu werden ,/ oder wodurch bloß die oberſte Kruſte ge* brochen, und die Getreideſtoppel oder das Unkraut zerſioret wird. Fm erſteren Falle, wenn wir nämlich ein voll- Fommenes Umwenden des Bodens bezwe&en wollen, muß die Breite der Furchen immer mit der Tiefe der- ſelben in genauem Verhältniſſe ſtehen/ und zwar ſo, daß jene etwa um die Hälfte größer als dieſe ſey.*) Pflügt man z. B. 6 Zoll tief, ſo müſſen die Furchen eirca 9 Zoll Breite haben, pflügt man nur 4 Zoll tief, ſo müſſen dieſelben eirca 6 Zoll breit ſeyn u. ſ. w. wenn die Pflugart eine vollkommene, gerade hinläng- liche, aber auch nicht übertriebene Umwendung des Boden3 bewirken ſoll. Im zweyten Falle aber vernachläßigen wir dieß Verhältniß vorſäßlich, und ziehen gewöhnlich deſto ſchmälere Furchen, je tiefer wir zu aFern haben, um das Vieh zu ſchonen, deſto breitere aber, je ſeichter gepflüget werden ſoll, um die Arbeit zu beſchleunigen. Bey allen unvollfommenen Pflugarten iſt, wenn ſie ſeicht ſeyn ſollen, der Exſtirpator, wenn ſie aber tiefer erfordert werden, der Haken ſtatt des Pfluges vortreff- lich zu gebrauchen. S. 107. Wenn wir bey dem Adern die Furchen immer, oder doch mehrentheils, in einer und derſelben Rich- tung, gegen. die Mitte zu wenden, ſo muß natürlich der Acker zuleßt erhaben erſcheinen. Dagegen wird er *) Nac< dem Engländer Bailey muß die Breite der Furchen ſich zur Tiefe derſelben wie 7: 5 verhalten, wenn der Boden am vortheilhafteſten umgewendet werden ſol.[= deſſen Abhandlung 2 Der beſtmögliche Pflug a. d. Engl, überſeßt, w= 2910 uma Immer ganz eben und platt ſeyn, wenn wir die durch den Pflug abgeſchnittenen Erdſtreiſen wechſels8weiſe bald nach der Mitte zu, bald nach auswärts werfen, oder= um in der landwirthſchaftlichen Sprache zu reden== wenn wir den A>er bald zuſammen, bald auseinander pflügen. Daher haben wir es auch ganz in unſerer Macht, durch die bloße Operation des Pflügens, den Aker entweder ganz flach und'eben zu erhalten, oder denſelben in verſchiedene, in der Mitte erhöhete, und an beyden Seiten abſchüßige AFerbeete umzuſtalten, Durch dieſe in der Mitte aufgepflügten Beete glauben Manche ihren Aer vor übermäßiger Näſſe zu verwahren z allein ſie ſind in Jrrung. Wahr iſt es zwar, daß auf dem erhöheten Rücken das Getreide gewöhnlich ſchr üppig ſtehet, theils, weil allda eine Menge guter und fruchtbarer Boden aufgehäuft wor- den, theils, weil es an dieſem Orte unmöglich von der Näſſe leiden kann. Deſto ſchlechter ſteht es aber an den Seiten, ſonderlich an dem Rande dieſer Aer- beete, da ſich das Waſſer zwiſchen zwey ſolchen Beeten gleichwie in einem Graben ſammelt, folglich die Saaten großentheils erſäuſt, und da überdieß der gute Boden unaufhörlich gegen den Rücken zu ge- pflüget wird, Weit beſſer alſo, und weit vortheilhafier in jeder Hinſicht iſt es, den A>er ſo flach und eben als mög- lich zu pflügen. Sollte man auch von der Näſſe etwas zu fürchten haben, ſo kann oſt durch oben erwähntes periodiſches Tieſpflügen ſchon hinlänglich vorgebeugt werden; ſollte aber das Waſſer dennoch hie und da die Saaten zu erſaufen drohen, ſo kann es weit beſſer durch zwe&mäßig angebrachte Waſſerfurchen und Ab» zugsgräben abgeleitet werden, als dieß durch das ſorgfältigſte Beetepflügen geſchehen kann- Was jene äußerſt ſchmale nur aus einigen Fur- ert werden ſoll, mit Beſtimmtheit geantwortet werden könne, müſſen vor Allem zuvor folgende drey Dinge in reifliche Betrachtung gezogen werden: 1.) Das Wetter, und der davon abhängige Feuch- tigfeitszuſtand des Aers; 2.) Die durch den Cinfluß der Atmoſphäre ent- ſtandene Reifheit des Boden8 zum Adern; 3.) Die Art der Cultur und der Bewirthſchaſtung des AFerlandes. In Hinſicht des erſtern Umſtandes iſt es eine all- gemeine, jedem Bauer bekannte Regel, daß der Aker weder zu feucht, noch zu tro>en ſeyn müſſe, wann er der Operation des Pflügens unterworfen wird, aas 218 kme damit der Boden weder im erſtern Falle ſich ſchmiere; und dem Pfluge anklebe„?noch in leßterem ſo ſehr verhärte, daß er demſelben vielleicht gar unzugänglich werde. Hierbey macht jedoch die Verſchiedenheit des Bodens nach ſeinen Beſtandtheilen einen gewaltigen Unterſchied, und immer wird daher dieſer Umſtand deſto mehr beherziget werden müſſen ,/ je zäher und hartnä>iger der Boden iſt. In Betreff des zweyten muß im Allgemeinen ſtäts beobachtet werden, daß der A>er nie, und unter Fei- nem Vorwande eher gepflüget werde, bis deſſen Ober» fläche gehörig von der Atmoſphäre durchdrungen und geſättiget iſt. Man nennt dieß bey uns die Reifheit des Bodens zum AFern, und erkennt dieſen Zuſtand bey einiger Praxis leicht, aus dem Mürbewerden und Zerfallen der Erdſchollen, aus der veränderten Farbe der Oberfläche, und. aus dem Hervorſproſſen des Un- Frauts. Diejenigen, die da behaupten, daß der Aer nie zu oft gepflüget werden könne, irren gewaltig, und beweiſen klar, daß ſie nicht die mindeſte Erfah» rung in der Wirthſchaft haben, ja auch ſogar den Zwed verkennen, wegen welchem die landwirthſchaft- lichen Arbeiten unternommen werden. Sicher iſt's, daß man hier wie überall, durch das Übermaaß eben ſo ſehr, wie durch das Mangelhafte Schaden leiden konne- Will man in Hinſicht des dritten Umſtandes, d. i. der Cultur- und Bewirthſchaftungsart beſtimmen, wann und wie oft gea>ert werden ſoll, ſo läßt ſich im All» gemeinen gar nichts ſagen, ſondern man muß immer auf das Einzelne übergehen, = 219= Fn dem nicht nur bey uns, ſondern wohl ſaſt in ganz Europa noch immer gewöhnlichſten A>erbau- ſyſteme, iſt es auf jeden Fall die Brache, welche die meiſten Pflugarten erfordert. Gemeiniglich wird ſie auf folgende Art bewerkſtelliget: Die Getreideſtoppel des vorigen Jahres wird erſt nach geendigter Früh- lingsſaat, etwa gegen Ende May, oder:=- wo man ſie etwa zur Weide nöthig hat= gar erſt mit Ende Juny, oder wohl noch ſpäter, umgebrochen, nach ei- nigen Wochen wird der Aker wieder gepflügt, welches man das Nühren oder Zwybrachen nennt, und nach Verlauf nach einiger anderer Wochen, wird endlich zur Saat gepflüget. Allein dieſe Behandlung der Brache, ſo allgemein ſie auch iſt, iſt immer ſehr mangelhaft, und dem Zweke, wegen welchem der Aer ein ganzes Jahr ohne irgend eine Frucht zu bringen, liegen bleibt, nur wenig entſprechend, be- ſonder3 aber, wenn das Stürzen der Stoppel erſt ſpät geſchieht, da denn, wegen Mangel an Zeit, das Nühren oft ganz wegbleiben muß. Weit vollkommener und zwe&mäßiger wird daher die Brache auf folgende Weiſe behandelt: So bald das Getreide vom A>er weggebracht worden, wird die Stoppel mit einer ſeichten aber breiten Furche ge- ſtürzet- Nach Beendigung der Herbſtſaat wird der Aer zu mittlerer, oder nach Umſtänden wohl auch zu größerer Tiefe gepflüget, und vollkommen umgewen- det, da er denn ohne alles Eggen in rauher Furche den Winter über liegen bleibet, und dem wohlthätigen EGinfluſſe der Atmoſphäre preisgegeben wird. Nach beendigter Frühlingsſaat wird dem Bracha>er eine == 220== unvollkommene Pflugart zu mittlerer Tieſe mit ſehr ſchmalen Furchen gegeben, wodurch zugleich== wenn etwa über Winter gedünget worden= der Miſt mit untergebracht wird. Nach einigen Wochen, nachdem der Boden hinlängliche Reife erlangt hat, um wieder beadert zu werden, wird zu Zerſtörung des Unfrauts, und zur Brechung und Pülverung der oberſten Kruſte, eine ſehr ſeichte aber breite Furche gegeben- Endlich nach Verlauf noch einiger Wochen, wird, wenn es an der Zeit iſt, zur Saat gepflüget, welches entweder mittelſt einer ſeichten oder mittleren Furche geſchehen kann, je nachdem das Getreide entweder untergepflü» get, oder bloß mittelſt der Egge untergebracht wird. Beyde leßtere Pflugarten können auch mit dem Exſtir- pator, wo dieſes Werkzeug im Gebrauche iſt, bewerk- ſtelliget werden, wodurch auf jeden Fall an Zeit ge- wonnen wird. Die Vorbereitung des A>er3 ſür das Sommer- getreide pflegt gewöhnlich erſt im Frühlinge, und zwar mittelſt der einzigen Saatfurche zu geſchehen, indem man die Stoppel des Wintergetreides den Winter über unberührt läßt» Allein dieß iſt immer mangel- haft, und weit zwe&mäßiger iſt es daher, durch die ſo eben bey der Brache empfohlenen zwey Herbſt- Pflugarten den Boden geöffnet dem Winter zu über- geben, da denn bey der Frühlingsſaat, bey allen jenen Früchten, die frühe geſäet werden, als: Hafer, große Sommergerſte, Wien, Erbſen, u. dgl. gar kein Pflügen mehr nöthig iſt, wenn dieß nicht etwa den Winter über aufgefahrenen/ und nun unterzubrin- genden Düngers wegen nöthig werden ſollte, x„55 22. wih IEE==umm Dieſe vorläufige im Herbſte zu unternehmende Vorbereitung des A>ers für die Frühlingsſaat, mit vorſäßlicher Unterlaſſung alles Pflügens im Frühjahre, iſt beſonders auf looſem und ſandigem Boden zu em- pfehlen, damit dieſer die für die erſte Vegetation ſo nöthige Winterfeuchte nicht verliere, welches leicht durch das Aern im Frühjahre verurſacht werden kann. Wenn die Frühlingsſaaten nach Kartoffeln oder andern Ha&früchten folgen, ſo iſt natürlich auf ſo gut bearbeitetem und geloFertem Grunde nur ein einziges Pflügen im Herbſte nöthig. Bey jenen Sommerfrüchten, die erſt ſpäter beſtellt zu werden verlangen, als: die kleine Sommergerſte, die Hirſe, der Muhar, der Hanf, der Lein, die Kartoffeln, der Mais, u. dgl. iſt freylich im Früh»- jahre noch vor der Saat, zur Zerſtöhrung des Un- prauts, und Brechung der Borke, eine Pflugart nöthig, die aber immer nur ſehr ſeicht und unvollkommen zu ſeyn braucht, und daher in den meiſten Fällen mit dem Exſtirpator, wo dieſes Inſtrument üblich iſt, gegeben werden kann. Ob und wie ferner bey manchen dieſer Früchte noch überdieß zur Saat gepflüget wer- den müſſe, wird überall an ſeinem Orte in der ſpe- ciellen Pflanzenfultur angezeigt werden. Wenn nach Wien, Erbſen, oder andern Hülſen- früchten, oder nach mehrjährigem Klee, Wintergetreide folgen ſoll, ſo wird zur Vorbereitung ein zweymaliges Aern erfordert, deren erſteres ganz ſeicht, und mit breiten Furchen, zum Umbruche der Stoppel, das andere aber zu mittlerer Tiefe, zur Saat zu ge- ſchehen hat. Nach einjährigem Klee jedoch iſt nur ein einziges Pflügen erforderlich, ja dieſes einem mehrmaligen vorzuziehen. Dieß geſchieht am zwe&>mäßigſten, da der Klee etwa Spanne hoch iſt, beyläufig 5 oder 4 Wochen vor der Getreideſaat, welche dann bloß mit- telſt der Egge, oder des Exſtirpators, ohne allem Pflügen untergebracht wird. Wenn das Wintergetreide nach Mais, Kopfkohl, Tabak, und andern derley Pflanzen, die erſt ſpät vom Ader kommen, folgen ſoll, ſo kann dazu natür- lich nur einmal, nämlich: bloß zur Saat gepflüget werden. Es ware aber auch ein mehrmaliges Pflügen überflüßig, weil dieſe Pflanzen ohnehin den Aer vor-* trefflich für das Getreide vorbereiten. Wenn eine Wieſe oder Weide in AXerland um- geſtaltet werden ſoll, ſo iſt die Grasnarbe im Herbſte mit einer äußerſt ſeichten aber breiten Furche dergeſtalt umzuwenden; daß ſie mit ihrer bisherigen Oberfläche ganz flach auf dem nunmehr abgeſchälten, Boden aufs- zuliegen komme, und ſolchergeſtalt deſto beſſer und ſicherer über Winter verfaule. Dieß Verfaulen kann auch noch dadurch befördert werden, daß ein ſolcher umgewendeter Raſen mit einer ſchweren Walze tüchtig niedergewalzet, und an den Boden angedrücket wird. Im nächſtfolgenden Frühlinge wird dann eine unvoll- kommene Pflugart zu mittlerer Liefe mit ſehr ſchmalen Furchen gegeben, damit der Boden zwar tief genug gelodert, aber dennoc< der nunmehr in Faulung be- griffene Raſen nicht zu tief vergraben werde. Wenn nun dieſer Naſen nicht von äußerſt zäher Natur iſt, und über Winter gehörig mürbe geworden, ſo kann PERE SIE Ga SDI 17 Ti; 5.- BEO NEE CI ein ei 7-7 der AFer alſogleich mit irgend einer Sommerfrucht, inſonderheit mit Hirſe, Lein, Kartoffeln, oder Mais beſtellt, im gegenſeitigen Falle aber muß er zuvor ei- ner reinen Sommerbrahe unterworfen werden. S- 109- Da das Pflügen die wichtigſte aller landwirth- ſchaftlichen Operationen iſt, ſo glaube ich auch nichts unbemerkt laſſen zu dürfen, was bey dieſer Arhleit auf irgend eine Weiſe zu beobachten iſt, damit ſie auch gehörig und zwe&mäßig vollführt werde. Yor Allem habe ich daher Jeden, dem die Direction der Pflugarbeit obliegt, auf folgende Punkte aufmerk'am zu machen: 1.) Sämmtliche Pflüge müſſen in der nämlihen Richtung fortlaufen, und alle Furchen parallel zu einander ziehen, ohne an irgend einem Orte auszu- ſpringen, und Fehler zu verurſachen, die der Pöbelmit verſchiedenen ſpöttiſchen, mitunter wohl auch ſchlüyfri- gen Namen zu belegen pfleget, um ſich über den Pflü- ger, der einen ſolchen Pflug führet, luſtig zu machen. 2.) Alle Pflüge, wenn deren auch noch ſo viele zu gleicher Zeit auf einen und denſelben AFer gebracht würden, müſſen in ganz gleicher Tiefe gehen, vollig gleich breite Furchen ſchneiden, und den Boden auf ganz gleiche Art umwenden, ſo, als ob der ganze Ader durchaus mit einem und demſelben Pfluge bear- beitet worden wäre. 3.) Eben des8halb müſſen aber auch alle Plüge auf gleiche Art geſtellt und vorgerichtet werden, kevox man ſie in den Boden bringet« 4.) Endlich iſt es nothig, daß die Arbeit des Pflügens, ſo wie jede Arbeit überhaupt, auch gehörig vertheilt werde, ſo daß weder zu viele Pflüge auf eine Fleine, noch zu wenige auf eine große Aerfläche be- ordert werden. Um aber alles Dieß gehörig zu erreichen, iſt vor Allem eine ununterbrochene Inſpection und unmittel- bare Direction dieſer Arbeit nöthig. Und da der Bcamte, wenn er auch ein noch ſo verſtändiger Prak- tik!r iſt, doch nicht Zeit hat, bey einer einzelnen Ar» beit den ganzen Tag zu ſtehen, indem mehrere Ge» ſchifte ihm obliegen, ſo iſt außer ihm noch immer ein unnittelbarer Vorgeſeßter des Geſindes und der Ar» beisleute bey dieſer Arbeit anzuſtellen, der dafür be- ſonder3 verantwortlich gemacht werden kann. Derglei- ere Boden, deſſen Schollen leicht zerfallen, wird allerdings am zwe- mäßigſten nach dem Pflügen ganz unberührt gelaſſen, und erſt nach Verlauf von einigen Wochen geegget. Iſt aber der Boden zähe, oder wohl gar hartnä>ig, und widerſpenſtig, ſo muß unmittelbar nach dem A>ern ſchon deshalb geegget werden, damit nicht etwa der Boden verhärte, und die Egge gar keine Wirkung äußern könne. Das Eggen kann und ſoll jedoch auch auf ſolchem Boden in einigen Wochen wiederhohlt werden, wobey aber ganz beſonders, auf den Feuch- rigkeitszuſtand des A>ers immer die gehörige Rückſicht zu nehmen iſt. Grundſ. der Feldk, 1 Ih. 15 --“ 226= S. 111+ Das während der Vegetation vorzunehmetide Be-) ärbeiten jener Pflanzen, die wir Hasfrüchte nennen, y wurde zwar vormals allgemein, und wird jeßt noc) 1 größteytheil3s durch Handärbeit, mittelſt der gewöhn»; lichen Handhaue oder Handhade verrichtet; weit zwe: mäßiger aber iſt es=- wenn wir den Ha>fruchtbau| nur in einiger Ausdehnung betreiben== dieſe Arbeit: 39 mittelſt der neu erfundenen Cultivatoren, durch Zugs; kraft zu verrichten, weil dadurch ſo ungemein Vieles 4 an Kraft und Zeit erſparet wid, daß dieſer Bau, nach|; Willkühr, faſt ins Unendliche ausgedehnt werden kann, f ohne der übrigen Wirthſchaft die Arbeitshände zu ent- ziehen, und dadurch StoFXung und Verlegenheit zu verurſachen.' Das erſte Beha>en geſchicht mit dem kleinen dreys ſchaarigen Exſtirpator, der ſonſt häufig unter der Be- nennung Schaufelpflug vorzukommen pfleget. Es wird vorgenommen, ſo bald die Zwiſchenräume zwiſchet den Pflanzenreihen mit Unkraut überzogen ſind, die Pflanzen mögen auch noh ſo klein und zart ſeyn, als ſie wollen. Bey einigen Ha&früchten kann der Acer ſtatt dieſem erſten Beha>en, welches ohnedieß nur zur Brechung der oberſten Kruſte, und zur Zerſtörung des Unkrauts unternommen wird, zu noc mehrerer Kraft- und Zeik- 1 erſparung, mit einer ſcharfen Egge, oder mit dem 14 großen Exſtirpator überzogen werden. Dieß geht bes || j ſonders bey den Kartoffeln ſehr wohl an,-ohne daß | im Mindeſten eine Beſchädigung zu beſorgen wäre« 793 -- 227--... Die übrigen Bearbeitungen der Ha>früchte ge-. ſchehen aber immer mit dem Häufelyfluge, oder dem oben erwähnten A>erwerkzeuge mit doppeltem Streich- Preite, damit nicht nur der Boden gelo>ert, und dos Unkraut zerſtöret, ſondern auch immer neue Erdkrume an die Pflanzen gebracht, und angehäuſt werde. Daß bey allen dieſen Arbeiten der richtigſte Feuch- tigkeitsgrad des Bodens aufs genaueſie, und weit mehr noch wie beym Pflügen und Eggen wahrge- nommen werden müſſe, verſteht ſich wohl von ſelbſt, ohne, daß ich es zu ſagen brauchte, Vorzüglich iſt aber hierauf in ſteiſem Boden die genaueſte Rückſicht zu nehmen, in welchem ſonſt leicht die ganze Arbeit ins Stoen gerathen kann. NR-4:-P: 1-60: Von der Cultur der Vegetabilien überhaupt, und im Allgemeinen. G- 112. 545 der Cuſtur der ſämmtlichen Vegetabilien kommen im Allgemeinen in beſondere Betrachtung zu ziehen: a.) Die allgemeinen Grundſäge der Saatbe- ſtellung; b.) Die allgemeinen Regeln bey Pflanzung und Verpflanzung der Vegetabilien; und ce.) Die Behandlung der Pflanzen während ihrer Vegetation, im Allgemeinen« G. 113- So bald wir uns zur Saatbeſtellung anſchi>en wollen, ſo'muß immer, nach der gehörigen Vorberei» tung des Aers, unſere erſte Sorge dahin gerichtet ſeyn, daß wir uns guten, und in ſeiner Art vollfom- menen Saamen zu verſchaffen trachten- Jeder Saame iſt aber immer deſto fähiger zur Ausſaat, je reiſer er geworden, je vollkommener er ausgebildet, und je beſſey er conſervirt iſt, kay!(200,== Fm Kleitten iſt es freylich ſehr leicht, nur lauter vollfommene Saamenkörner zu erhalten, indem man ſie, ſo wie ſie nach einander reif werden, und zur Vollkommenheit gelangen, einzeln zuſammen leſen kann, wie dieß auch wirklich bey der Gartenkultur zu geſchehen pfleget. Im Großen und beym Aerbaue geht jedoch dieß nicht an, und wir müſſen uns daher ganz anderer Mittel bedienen, uns tüchtigen Saamen für unſere Felder zu verſchaffen. Sie ſind beyläufig folgende: 1.) Die Früchte,«deren Saamen wir zur Saat» beſtellung beſtimmt haben, ſind immer zuleßt abzu- ernten, damit der Saame zu deſto größerer Reife und Vollkommenheit gelangen könne. 2.) Beym Dreſchen ſind immer diejenigen Saamen- körner, die gleich im Anfange und faſt ohne Mühe aus den Ähren fallen, und die man daher den Vor» ſprung zu nennen pfleget, von den Übrigen abzuſon- dern, und für die Ausſaat aufzubewahren, weil eben ihr ſo leichtes Ausfallen ein Zeichen ihrer Reife und Vollkommenheit iſt. 5.) Eben aus dieſer Urſache ſind beym Wurfeln diejenigen Saamen für den Saatbedarf abzuſondern, die ihrer Schwere wegen dem Arbeiter am nächſten, und gleichſam in ſenkrechter Richtung zur Erde fallen. 4.) Wenn wir den Saamenbedarf von ander8woher ankaufen, und vielleicht an ſeiner Tüchtigkeit und Güte zu zweifeln Urſache hätten, ſo iſt es immer rathſam, zuvor zu verſuchen, ob er die nöothige Keimungskraft beſiße, oder nicht, erer 250= 5.) Wenn der Saame, den wir wegen Mangel eines andern, zur Ausſaat zu verwenden gezwungen ſind, theils aus unvollkommenen und unreifen Kör- nern beſteht, theils mit Unkrautſämereyen vermengt iſt, ſo iſt er zuvor gehörig durch Winden, Sieben, und Schwemmen zu reinigen, und zur Ausſaat vor- zurichten. Das Schwemmen iſt beſonders, des unreifen und unvollkfommenen Getreideſaamens wegen, nöthig, weil dieſer, da er leichter iſt, oben zu ſchwimmen pflegt, und daher mit leichter Mühe von dem übrigen abgeſondert werden kaun, Ginige pflegen, um die Keimung zu befördern, den Saamen vor der Saat entweder in reinem, oder wohl auch mit Miſtjauche oder noch andern Ingredienzen verſegtem Waſſer einzuweichen. Allein dieß iſt auf je- den Fall verwerflich 3; denn bey feuchter Witterung iſt es ohnedieß eine überflüßige Arbeit, da man ſich bey ſolcher um das Keimen nicht zu ſorgen braucht, bey anhaltend tro>nem Wetter aber kann es ſogar leicht gefährlich werden, indem zu befürchten ſieht, daß der künſtlich hervorgelo>te Keim im dürren Erdreiche ver- tro&ne, und daher die junge Pflanze, bevor ſie noch das Licht erbli>et, zu Grunde gehe. Ginige glauben, der Saame müſſe alljährlich, oder doch öfters gewechſelt, und aus der Fremde her- beygeſchafft werden, wenn er eine vortheilhaſte Saat gewähren ſoll, Allein ſie ſind in Jrrung, Im Gegen- theil iſt, hey übrigens gleichen Umſtänden, dem ſelbſt» erzeugten Saamen ſchon darum ein Vorzug einzuräu- men, weil dieſer ſchon an das örtliche Klima und den Boden gewöhnt iſt, woran der fremde Saame Sin KE ISE- ſich erſt noch gewöhnen muß. J< rathe daher immer nur dann erſt fremden Saamen zn gebrauchen, wenn unſer eigener wirklich fehlerhaft und zur Saat untaug» lich iſt. G./114- Methoden den Saamen bey der Ausſaat über dem Aer zu vertheilen, giebt e3 zweyerley: a.) Die gemeine oder breitwürfige Saat- methode, und b.) Die Reihenfſäat, Erſtere iſt diejenige, da der Saame in die hohle Hand-- oder bey kleinen Sämereyen, wovon nur wenig gebraucht wird, zwiſchen 3 oder 4 Finger=- genommen, und ſo gleichmäßig über den Aer herge- ſtreuet wird. Die andere, da der Saame entweder mit der Hand, oder mittelſt verſchiedener eigens vorge- richteter Säemaſchinen, in parallelen Neihen dergeſtolt geſäet wird, daß die Pflanzen während ihrer Vegeta» tion, nach Willkühr bearbeitet werden können. Die erſtere Methode, nämlich die breitwürfige Ausſaat, iſt nicht nur bey dem AEerbaue die gewöhn» lichſte, ſondern ſie iſt auch bey den meiſten Früchten wirklich die einzige, welche im Allgemeinen, und im Großen, auf dem Aer praktikabel iſt. Gs iſt daher auch alles Das, was hier zunächſt folget, nur von dieſer zu verſtehen, indem von der NReihenſaat etwas weiter unten, das Nöthige in Kürze geſagt werden ſoll. ß- 115: Damit der Saame ſo gleichmäßig als möglich über dem Ader vertheilt werde, iſt es vor Allem nö» -. 252== thig, daß man ſich um einen tüchtigen und geſchiäten Säemann umſche, und dieſe ſo äußerſt wichtige Arbeit nicht jedem Unbekannten oder wohl gar Unkundigen leichtſinnig anvertraue, indem man im Voraus über- zeugt ſeyn kann, daß ein ſchlecht oder ungleich beſäeter Aer auch nur eine ſchlechte oder ungleiche Saat, und daher eine verhältnißmäßig ſchlechtere Ernte zur Folge haben müſſe. Auch darf der beſte und geſchi&teſte Säemann nicht allzuſehr angetrieben werden, damit er ſich nicht übereile, wodurch, beſonders bey win- digem Wetter, leicht ein Fehler im Säen begangen nerden kann. Wenn mehrere Säeleute auf einem und demſelben Acer zu gleicher Zeit angeſtellt werden, ſo iſt vor- züglich darauf zu ſehen, daß ſie in Hinſicht der Dicht- heit des“ Säers8 alle völlig mit einander überein» Nimmen, damit nicht etwa die Saaten an einem Orte dicht, am andern ſchütter ausfallen, welches eben ſo widerlich anzuſehen, als von ſchlechtem Nuten iſt. Ein ſorgfältiger Landwirth wird daher bey dieſer Ar- beit die gehörige Aufſicht zu führen. nie unterlaſſen. Manche mengen den kleinen Sämereyen verſchie» dene fremdartige Materien, als: Sand, Aſche, zer- kleinerte Erde, Sägeſpähne, u. dgl. bey, damit ſie dieſelben eben ſo wie die größeren Saamen, mit voller Hand ausſäen können; allein dieß iſt immer zu wider- rathen. Denn entweder ſind dieſe beygemengten Ma- terien ſchwerer, oder ſie ſind geringer, als die Saamen. Im erſteren Falle werden ſie ſich daher auf den Bo- den des Säetuch8 zu ſenken trachten, wogegen der Saame größtentheils oben bleiben wird 3 im andern R 230. Falle dagegen werden ſie ihrer Leichtigkeit halber, in der Hohe bleiben, da der Saame dagegen abwärts zu ſinken trachten wird; in beyden Fällen aber läuft man leicht Gefahr, bald faſt lauter Saamen, bald faſt nicht38 von demſelben auszuſtreuen, folglich im hochſten Grade ungleich zu ſäen. In den neueſten Zeiten haben Einige vorgeſchla- gen, auch-bey der breitwürfigen Säemnethode Maſchinen ſtatt der Säaeleute zu gebrauchen, unter dem eitlen und ſcheinbaren Vorwande, daß dadurch eine Menge Saamen erſparet, und die Saat viel gleichförmiger beſtellet würde, Allein ich muß mich ganz offen und gerade dagegen erklären. Nur keine Maſchinerie bey der Landwirthſchaft, wo ſie nicht entweder nothwen- dig, oder wenigſtens doch nüßlich iſt, Und hier iſt beſtimmt feiner von beyden Fällen. Denn ich glaube, daß wohl nie eine Maſchine erfunden werden wird, die= ſo bald nur von breitwürfiger Ausſaat die Rede iſt= den Saamen gleichmäßiger zu vertheilen im Stande wäre, als dieß von einem verſtändigen und geübten Säemoann wirklich geſchieht. Was aber die Saamenerſparung betrifft, ſo hat e8 ja auch mit die- ſer keine ſolche Nichtigkeit, wie Manche auspoſaunen, und andere auf Treu und Glauben arnehmen; wenig» ſtens iſt dieſe Erſparung= wenn ich auch zugebe, daß wirklich eine ſtatt habe, welche3 wohl noch erwi& ſen werden ſollte= beſtimmt nicht ſo groß, daß da- durch die Anſchäffung und Erhaltung der Maſchine gedeFt würde. I< trage alſo kein Bedenken, alle Säqemaſchinen bey der breitwürfigen Ausſaat als un- nüg und überflüßig zu verwerfen, und ſie bloß auf - 234-=- die Reihenſaat zu verweiſen, allwo ſie allerdings= in ſo fern dieſe Saatart ſelbſt von Nußen iſt== nüßlich, und daher zu empfehlen ſind. ß. 110. Der über den A&er ausgeſtreute Saamen muß nun alſogleich mit friſcher Erdkrume bede>t werden, damit er in den Zuſtand verſeßt werde, die Keimungs» gährung untergehen zu können. Dieß kann aber ent- weder mit dem Pfluge, oder mit der Egge, dem Ex- ſtirpator, der Buſchegge, oder bisweilen ſogar auch mit der Walze geſchehen. Untergepflügt pflegen manchmal nur jene Saamen zu werden, die eine ſtärkere Bede>Xung lieben, oder doch wenigſtens vertragen; dgl. ſind einige Hülſen- früchte, ſo wie der Weißen und Hafer, wenn er auf zu looſem Boden gebauet wird. Doch darf die Furche beym Unteradern nie zu tief gegeben werden, weil ſonſt der Saame leicht erſtikt-werden könnte. Mit der Ggge werden in der Regel die gewohn» lichen Getreidearten, ſo wie die meiſten Hülſenfrüchte, und manche andere größere Sämereyen, als Hanf, Lein, u. m. a. untergebracht, ſo bald der Boden die nöthige Cohäſion hat, und nicht etwa allzulooſe iſt. Mit dem Exſtirpator können= bloß die Hirſear- ten ausgenommen= alle Getreide und Hülſenfrüchte vorzüglich gut untergebracht werden, da mit dieſem Werkzeuge am leichteſten das richtigſte Mittel in Be» deFXung des Saamens gehalten werden kann, ſo daß derſelbe weder zu- tief vergraben werde, noch etwa zu ſehr an der Oberfläche des Bodens liegen bleibe. r-- wens ED<= Mit der Buſchegge endlich und mit der Walze werden nur jene kleine Sämereyen zur Erde beſtattet, die auf Peinen Fall eine ſtärkere BedeFXung vertragen. Der- gleichen ſind: Die gemeine Riſpenhirſe, die Futter- Hirſe oder der Muhar, der Klee aller Art, die Luzer»- ne, der Mohn, u. m. a. wovon ohnedieß in der ſpe- ciellen Pflanzenfultur überall das Nöthige vorkom- men wird. ß. 117» Über die Quantität des zur Ausſaat nöthigen Saamens läßt ſich im Allgemeinen wohl nicht viel Beſtimmtes ſagen, nicht nur, weil der Saame jeder ſpeciellen Pflanze auch in ſpeciellem und verſchiedenem Maaße geſäet zu werden verlangt, ſondern, weil auch, der Saame einer und derſelben Pflanze, je nach den verſchiedenen Umſtänden, oft in ſehr verſchiedener Quantität geſaet werden muß. Die einzige allgemeine Regel alſo, welche meines Erachtens hieher gehört, iſt: Daß der Saame gerade in ſolcher Quantität über'dem Ader vertheilt werde, daß die davon entſtehenden Saaten, weder ihrer allzu- großen Dichtheit wegen, ſich lagern und anfaulen, noch ihrer Spärlichkeit wegen, dem Unkraute Plag machen, um in der Folge davon überwältiget zu wer, den. Um aber dieſes richtige Mittel in der Ausſaat zu treffen, iſt Folgendes zu beobachten: Je fruchtbarer der AFer, je mehr er vermöge ſeinerklicherer Zeit die Saat beſtellet wird, damit die BeſtoXung gehörig vor ſich gehen könne, deſto weniger ,/ je mehr aber das Gegentheil aller erſterwähnten Umſtände ſtatt findet, deſto mehr wird immer Saame, auf gleicher Fläche, zur Ausſaat nothig ſepn« S. 118. Daß die Neihenſaat, welche man auch häufig| nach dem Engliſchen, die Drillſaat oder Drill» cultur zu nennen pfleget, diejenige Säeart ſey, wo- bey der Saame in parallelen Reihen ,/ mit gewiſſen und beſtimmten Zwiſchenräumen geſäet wird, um die daraus erwachſenden Pflanzen hernach bearbeiten zu können, dieß haben wir ſchon oben erinnert. Bey jenen Pflanzen, die wir der Bearbeitung wegen, die ſie nothwendig verlangen, Hafrüchte zu nennen pflegen, iſt dieſe Saatmethode wohl ganz an ihrem Plate, da die gewöhnliche Art dieſe Gewächſe zu bauen und zu pflegen, ohnedieß nichts, als eine Modification der Reihenſaat iſt. In den neuern und neueſten Zeiten aber, wurde dieſe Culturart von Ginigen -=- beſonders von einigen Engländern= auch auf die ge- wöhnlichen Getreidearten ausgedehnt, in welchem Falle immer eine Säemaſchine, und der übrige zu dieſer Cul- tur gehörige Apparat nöthig iſt, Unter dieſen ſind die bekannteſten und bisher zwe>mäßigſten: Du>et's und Cook's Apparate 3 deren erſterer ſich durch -- 237= ſeine Einfachheit empfiehlt, und in Thaer's Be- ſchreibung der nußbarſten neuern A&er- geräthe, leßterer ſchon weit mehr complicirt, in Begtrup's Bemerkungen über die engli- ſcheLandwirthſce, aber eben de8halb kann ſie auch nur unter jenen äußerſt ſeltenen Umſtänden, welche das intenſivſte Wirthſchaftsſyſtem erfordern, wirklichen Nuten ſchaffen. Mag immerhin mancher Enthuſiaſt, aus Mangel praktiſcher Kenntniſſe und praktiſchen Blies, die Drillfultur des Getreides bis in den Himmel erheben, und überall unbedingt anempfeh»- len, für uns, die wir uns kaum HaFfrüchte, eben weil ſie nothwendig bearbeitet werden" müſſen, in hin» länglicher Menge zu bauen getrauen, iſt ſie beſtimmt nicht, ſo ſehr ſie auch vielleicht in China und Japan an ihrem Plate wäre. Um indeſſen vollkommenes Saatkorn zu erzeugen, und beſonders, um etwa aus der Fremde erhaltene Getreideſaawen leichter zu vermehren, und an unſer Klima zu gewöhnen, kann man allerdings nach dem Rathe Thaer's, hie und da ein kleines Fle&chen auf dieſe Art beſtellen, und dieß zwar um ſo mehr, da es zugleich für einen gebildeten Mann eine ange» nehme Unterhaltung gewähren kann. - 2538== ßS. 119- - Obgleich die meiſten Vegetabilien, die wir bey der Wirthſchaft kultiviren, aus den Saamen produ» cirt zu werden pflegen, ſo iſt dieß doch nicht der Fall bey allen, ohne Ausnahme. So werden die Kartoffeln durch eingelegte Wurzelknollen, der Safran und an» dere Zwiebelgewächſe durch ihre Zwiebeln, manche Bäume und Sträucher durch Setlinge oder 4 Ge propagirt, u. ſ. w. Außerdem haben wir mehrere Pflanzen, 3 zwar allerdings aus dem Saamen erzogen, doch nicht an dem Plate, wo ſie ihr erſtes Leben beginnen, ge- laſſen, ſondern an einen andern Ort verſeßt werden, um allda bearbeitet werden zu können. Dergleichen ſind die meiſten Gartengewächſe, deren heut zu Tage mehrere auch':im Großen und auf.dem Aer, als Biehfutter gebauet werden. Die erſte Erziehung dieſer Pflanzen bis zum Ver- ſeßen, geſchieht unſtreitig am beſten im Garten, und zwar entweder in Miſtbeeten, oder do< in beſonders zubereiteten Gartenbeeten, bis ſie zum Verſegen hin- länglich erſtarket ſind, Beym Verpflanzen, beſonder8, wenn viele Pflan- zen zu verſegen ſind, iſt vorzüglich auf folgende Punkte zu achten: 1.) Die Pflanzen dürfen nicht allzulange Zeit auf dem Saamenbeete, oder wohl gar auf dem Miſtbeete ſtehen bleiben, weil ſie in dieſer gedrängteu Lage leicht zu ſchmächtig und zu ſchwächlich empor wachſen, und minder tauglich zum Verpflanzen werden. ax 2.) Das Verſetßen der Pflanzen wird immer am beſten entweder unmittelbar vor, oder unmittelbar nach einem Regen vorgenommen, weil es im Großen und auf dem Ader nicht ſo leicht iſt, den Pflanzen durch Gießen aufzuhelſen, wie dieß wohl im Kleinen und in Gärten geſchehen kann. 5.) Um die Wurzeln der Pflanzen ſowohl gegen die austro>nende Luſt, während der Arbeit des Ver- ſeßens, als auch gegen den etwa zu dürren Boden ei- nigermaaßen zu ſchüßen, und ihnen doh eine noth- dürftige Feuchtigkeit zu erhalten, thut man ſehr wohl, ſie vor dem Verſeßen in einen Brey einzutauchen, der am beſten aus Thonmergel, friſchem Rindmiſt, Miſt- jauche, und Waſſer bereitet wird, und gerade von ſolcher Conſiſtenz zu ſeyn hat, daß er zwar flüßig genug ſey, um alle Würzelchen ohne Schwierigkeit umzugeben; und- doc auch ſteif genug, um daran hängen zu bleiben, ohne abzufließen. 4.) Die Verwahrung der Pflanzen gegen die Dürre des Bodens kann auch noch-- wenn man ſich anders die Mühe nehmen will=- auf eine andere Art bewirs fet werden, welche zugleich) auch das Wachsthum nicht wenig befördert. Man macht nämlich in einem mit dem Aer im Verhältniſſe ſtehenden großen Gefäße, einen halb flüßigen Brey, aus guter Gartenerde, altem wohl verfaultem Hofmiſte, etwas Geflügelmiſt, Miſt- jauche, und Waſſer, und füllt überall das Loch, worein eine Pflanze geſeßt wird, mit dieſer Maſſe aus. 5.) Damit eine ſchon an ſich ſo umſtändliche und langweilige Arbeit,. wie das Verſeten der Pflanzen iſt, niht noch mehr erſchwert werde, hat man ſich =“ 2/0== vor Allem mit geſchi>ten Arbeitern un d tüchtigen Werk- zeugen zu verſehen, ſo wie man dieſe Arbeit immer unter der ſpeciellen Aufſicht und Direction eines be- ſonders verſtändigen Menſchen, der die Arbeitskräfte gehörig zu leiten und zu vertheilen weiß, verrichten laſſen ſoll. Q- 120. Während der Vegetation der Pflanzen iſt im All» gemeinen die beſondere Sorge zu tragen, daß dieſel» ben nicht vom Unfraute unterdrückt werden- Dieſem Übel ſteuern wir bey den breitwürfigen Saaten durch das Eggen, und in einigen wenigen Fällen, gleichſam ausnahmsweiſe, durch das ſonſt in den Gartenbau gehörige Jäten, bey der Reihenſaat aber durch das Beha>en. Außerdem muß ein ſorgfältiger Landwirth ſeine Pflanzen auch gegen die ſchädlichen Thiere aller Art möglichſt zu ſchüßen und zu ſichern ſuchen. Da jedoch von allem Dieſem in der ſpeciellen Pflanzenkultur ohnehin überall das Nöothige vorkom- men wird, ſo enthalte ich mich darüber hier ein Mehreres zu ſagen. Seite Zeile ud as is is ego 1! ve LH x 17 Note Drudfehler. ſtatt iſtzu leſen 11 Pflanzen Pflanze 23 vom Standpunkt auf, vom Standpnnkte, auf 22 das. aß 23 Schriftſtellern Schriftſteller 16 der des 18 Vittererde ſehr Bittererde zum ſehr 13 Metaloxiden Metalloxyden 18 Bergkriftalle Bergkryſtalle 13 werde wurde 22 gewiſſett gewiſſem 3 Gehäufe Gehäuſe 9 Cruſtacern Cruſtaceen 16 violet violett 21 hatten haben 24 unbedeutendes Unbedeutendes 19 violet violett 8 9€ 18-19 Metal-lohen Metall-o