"70 EPN 4 Ueber die Eigenſchaften des EID. bi Soidmten-Pferdes EUS und "4 Die Murtel, die Zucht deſſelben zu befördern, Von G. GG. Ammon, Aufſeher des Königlich Preußiſchen Hauptgeſtüts zu Besra, Berlin, Poſen und Bromberg, bei Ernſi Siegfried Mittler 1828./ ) 6“ Die Zeiten des Friedens und der Ruhe machen das Pferd oft zum Gegenſtand des Luxus, der Pracht und des Vergnügens, oder der gewerblichen Speku/ lation. Es iſt der Liebling der Jugend, der Reichen und Edeln; aber man ſchält im Frieden die Schön: heit höher als die Qualität; ein ſchöner Kopf, ein ſchöner Hals, ein ſchöner Schweif werden mehr ge; ſchäßt, als Kraft, Ausdauer, Gewandtheit, ange; nehme und höhere Gangarten. Für die Parade ge nügt Schönheit; die Dienſtfähigkeit wird erſt im Felde vollſtändig geprüft. Dort iſt dem Reiter ein bloß ſchönes Pferd nichts werth, aber das durchaus brauch: bare iſt ihm ein Kleinod, ein Freund, dem er ſeine Sicherheit, ſein Leben, ſeine Bequemlichkeit und Ge: ſundheit anvertraut; daher wird das brauchbare Pferd erſt nach ſeinem wahren Werthe im Kriege geſchätt. Aber was im Kriege nußt, muß im Frieden vorbe reitet werden, alſo bedarf die Aufzucht brauchbarer 4 Soldatenpferde auch im Frieden Anregung, öffentliche Prüfung und Anempfehlung, damit nicht nur die Menge, ſondern auch die Qualität der Kriegspferde nicht fehle. In Staaten, wo der gewerbliche Betrieb die Hauptſache iſt, und wo die Gränzen, wie England durch ſeine hölzernen Wälle=- Kriegsſchiffe= ge? ſchükt ſind, kann di? Pferdezucht bloß Gegenſtand des Vergnügens, des Luxus, des gewerblichen Be/ triebes und der dahin abzweenden Spekulation blei! ben. Es kommt dort auf die Prüfung und die Aus? wahl nicht ſo viel anz Wettrennen und«Jagden wer! den eine genügende Anreizung zur Aufzucht des Be dürfniſſes ſeyn, ſo wie die Summen, welche Luxus und Reichthum darauf verwenden. In militairiſchen Staaten aber, wo die Aufrecht! haltung eines Vertheidigungszuſtandes erforderlich iſt, darf die Auswahl, Prüfung und Zucht der Pferde nicht dem Ungefähr und der bloßen Spekulation überlaſſen ſeyn, da im Fall eines Krieges nicht nur die Zahl, ſondern auch die Qualität der Pferde feh len könnte- Darum bemerkt nian jekt überall in Deutſchland die Verwendung großer Mittel zur Em? porbringung, Vermehrung und Verbeſſerung-der| Pferdezucht. Es wird darauf gewacht, daß die Zucht 3 der Pferde nicht bloß eine gewerbliche Spekulation werde, und eine den Zweck verfehlende Richtung an? nehme, damit das Bedürfniß einer Armee an brauch! baven Pferden nicht fehle, und es darf bei der Verwendung großer Mittel für dieſen Zwe> wohl gefragt werden? „Welche Eigenſchaften ſind für Soldatenpferde „erforderlich, und durch welche Racen und „Mittel kann die Zucht derſelben befördert „„ Werden?“ Angereizt durch die Wichtigkeit dieſer Frage, hat der Verfaſſer die Beantwortung derſelben in den fol: genden Blättern verſucht. Die Stammgeſtüte, welche in mehreren Ländern Europa's in neuerer Zeit errichtet worden, ſind be? ſtimmt, die Landgeſtütbeſchäler zu erziehen, welche wiederum ihr edles Blut in den großen Pferdeſtamm des Landes verbreiten, dort die Soldatenpferde erzeu? gen und die Pferderacen des Landmanns verbeſſern ſollen. Billig muß man fragen: welche Eigenſchaften ſind für ein Soldatenpferd erforderlich?= Ein Reiter und Pferdekenner ſagt:„Das Soldatenpferd ſoll die Eigenſchaften des Schulpferdes beſitzen.“ Wenn wir auch dem Soldatenpferde die höhern Uebungen der 6 Schule erlaſſen, ſo iſt doch erforderlich, daß ſein Wille und ſeine Bewegungen ganz dem Willen des Reiters untergeordnet ſind, daß es alle Bewegungen mit Gewandtheit, Kraft, Leichtigkeit und Ausdauer ausführt, ſich bei mäßiger Fütterung in einem guten Körperzuſtande erhält, nächſtdem auch eine angemeſſene Größe für die verſchiedenen Waffenarten beſitze. Wenn dem Soldatenpferde dieſe Eigenſchaften zu Theil werden ſollen, ſo müſſen vor allem die edlen Landgeſtütbeſchäler, von welchen man die Erzeugung derſelben erwartet, ſie auch beſigen. Welche Eigen! ſchaften werden nun nach dieſen Vorausſeßungen von den edlen Landgeſtütbeſchälern gefordert?= Sie müſſen Gewandtheit, Kraft, Leichtigkeit und Ausdauer, welche man vom Soldatenpferde verlangt, in einem noch höhern Grade beſitßen, und zwar durch mehrere Generationen. angeartet, damit ihre Race nicht leicht in ſchlechte Racen zurück arte, Die Gewandtheit wird zum Theil dem Pferde erſt durch die Reitkunſt angeeignet; ſie ſeßt aber ges wiſſe angeborne Eigenſchaften voraus, ohne welche ſie vom Reiter mit der größten Anſtrengung nicht gelehrt werden kann. Das erſte Erforderniß dazu iſt ein ſtarkes und biegſames Hintertheil; weil daſſelbe in allen Wendungen, Schwenkungen und Paraden 7 die Laſt des Reiters aufnehmen und das Vordertheil erleichtern muß, damit es ſeine Richtung nach allen Seiten frei und leicht nehmen könne. Dazu iſt ein kräftiger, breiter Bau der Sprunggelenke, ſtarke Mus! keln des Rückens, der Hinterba>en, des Oberſchen; kels, ſtarke Sehnen, ein ſtarkes, breites Schienbein und gute Feſſeln erforderlich. Ein ſchmales, ſchwaches, ſteilgeſtelltes,"mangelhaftes, mit Spat und Gallen belagertes Sprunggelenk, kann nicht die ndthige Kraft und Biegſamkeit beſißen, um die Laſt des Reiters ſo aufzunehmen, daß ſich das Vordertheil um dieſelbe wie um eine Schraube, nach dem Willen des Reit ters, bewegt. Schwache, ſteile Muskeln und Seh! nen, ein fuchslendiger Bau des Hintertheils, ſind un! verträglich mit dev Biegſamkeit und der Kraft, welche dieſe Bewegungen erfordern. Ein gut geſtellter Hals, ber ſich freiwillig und leicht in der Hand des Reiters aufrichtet, und ein nicht zu tiefer und langer Rüc>en mit guter Sattel? ſtelle, ſind für ein Soldatenpferd nothwendige Erfor? derniſſe, ſo wie eine ſchöne Kruppe mit hochangeſel! tem Schweife nicht nur den Adel des Pferdes, ſon? dern auch einen regeimäßigen Bau des Hintertheils anzeigt. 8 Starke, ſehnige, nicht zu lange Beine, eine regel: mäßige Stellung der Füße, weder einwärts noch aus: wärts mit den Zehen, weder oben noc< unten enge, weder zu lange noch zu kurze, beſonders nicht zu weiche und biegſame Feſſeln, nebſt ſtarkem und geſundem Hufe, ſind Haupterforderniſſe. Von der Stellung und Beſchaffenheit der Füße, der Lage der Schultern, aber beſonders von der Be! ſchaffenheit und Kraft des Hintertheils, hängt die Fortbewegung oder die Ausführung der Gangarten des Pferdes ab. Dieſe ſind es, welche dem Reiter Sicherheit und Annehmlichkeit, dem Pferde aber Ausdauer geben. Iſt das Pferd zu gebunden in den Schultern, ſind ſeine Beine nicht regelmäßig gebaut und geſtellt, ſo entſtehen daraus Gangarten, welche die Sicherheit des Reiters gefährden, ſein Fortkom/ men verhindern, oder durch ihre Unbequemlichkeit den Reiter und das Pferd ermüden, auch verurſachen, daß das Pferd ſich mit den Füßen ſchlägt, verlekt, zu ſchnell ermüdet, oder gegen andere Pferde zurücf bleibt. Vorzüglich iſt Sicherheit ein Haupterforder niß, bei deſſen Mangel die Geſundheit und das Le ben des Reiters in Gefahr geſekt wird. Die Kraft und Ausdauer entſpringt nicht nur aus der Stärke, dem richtigen Bau, Lage und Umfang ip M 9 der einzelnen Theile, ſondern auch aus der edlen Ab: kunft des Pferdes. Von ihr hängt die Nerven! und Geiſteskraft, die Feſtigkeit der Muskeln und Knochen ab, und dadurch wird wiederum die mehr oder min/ dere Leichtigkeit, womit die Gangarten ausgeführt werden, bedingt. Ein gemeines Pferd, mit ſonſt ge? ſundem Bau, wird in ſeinen Knochen und Muskeln die Feſtigkeit, Stärke und Nervenkraft nicht beſitzen, welche zur Ausdauer und Leichtigkeit eines Reitpferdes erforderlich ſind. Geſunde und gute Aſſimilations! Organe, wodurch der Körper ſich das Futter gut und leicht aneignet, ein damit verbundener breiter Bau des Körpers und der einzelnen Theile, zeugen für ein kräftiges und dauerhaftes Soldatenpferd, von dem man jede Ver? richtung und Anſtrengung erwarten kann. Daraus ergiebt ſich, daß ſchmale, ſpindelbeinige Pferde, ſolche mit ſchlechten Aſſimilations Organen, welche viel Futter zu ihrer Erhaltung bedürfen, ſchlechte Solda/ tenpferde ſind. Sie werden bei Märſchen, langen Anſtrengungen und bei dem geringſten Mangel bald unbrauchbar. Die Landgeſtütbeſchäler ſind es, welche die brauch! baven Pferde im Lande erzeugen ſollen; ſie müſſen alſo nicht nur alle jene guten Eigenſchaften des Sol: 10 datenpferdes im hohen Grade beſiten, ſondern auch von allen den gedachten Mängeln frei und von edler Abſtammung ſeyn; dann kann ſchon aus dieſer lezten Eigenſchaft auf eine Verbeſſerung und Veredlung "durch ſie, und auf die Erzeugung von brauchbaren Soldatenpferden gerechnet werden. Es ergiebt ſich auch aus dem Geſagten, wie mangelhaft die Landgeſtütseinrichtungen in Ländern ſeyn müſſen, die keine Pflanzſchulen für die Land! geſtüte beſien, und wo die Landgeſtütbeſchäler durch Ankauf herbeigeſchafft werden müſſen. Außer Eng! land iſt kein Land bekannt, wo man Hengſte von ſolcher Qualität erzieht, daß eine hinlängliche Anzahl ſo edler Landgeſtütbeſchäler auszuwählen ſind, wie ſie tadelloſe Stammgeſtüte liefern können. Man wird ſich ohne dieſe, mit dem Maaß in der Hand, begnüs gen müſſen, ſie nur von gehöriger Größe und von groben Fehlern frei zu wählen, um durch ſie eine Vergrößerung der einheimiſchen Zucht und die Ver! mehrung derſelben zu bewirken. Aus dieſer Anſicht ergiebt ſich vollkommen der Werth der Stammgeſtüte, worin die edlen Keime des Morgenlandes gehegt und vervielfältigt werden können, um von einem edlen Stamme tauſend Keime in den großen Pferdeſtamm der Nation zu verpflanzen und dieſen dadurch weiter 44 zu veredeln. Nur auf dieſem Wege wird die Mög: lichkeit erreicht, im eigenen Lande brauchbare Solda: tenpferde finden zu können, Woher aber können dieſe Pflanzſchulen den edlen Saamen ziehen, deſſen Früchte unſern Anforderungen entſprechen? Wo iſt dieſer Adel unter den Pferden, dieſe Kraft, Dauer, Gewandtheit, oder mit einem Worte, wo ſind dieſe Vorzüge des Reitpferdes ver! eint anzutreffen?=- Nach allen Erfahrungen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Geſchichte der Pferdezucht, nur im Morgenlande, Bis jekt haben die arabiſchen Pferde dieſen Ans forderungen entſprochen, ſie ſind es vorzüglich, welchen man in europäiſchen Geſtüten die Veredlung zu vers danken hat. In ihnen findet ſich Kraft, Leichtigkeit, Gewandtheit, Schnelligkeit und Ausdauer in hohem Grade vereinigt. Ein kraftvoller, ſchön gerundeter Körper iſt bei dem arabiſchen Pferde mit Geiſt und Nervenkraft durcen, noch verfeinert. Mehr noch in den Eigenſchaften, als in der Ge: ſtalt, iſt das engliſche Rennpferd vom arabiſchen Pferde 3 abgeartet. Die Schnelligkeit hat ſich vermehrt, aber manche andere Vorzüge des arabiſchen Pferdes ſind verloren gegangen: die Gewandtheit, die Biegſamkeit, das Geſammeltſeyn und die angenehmen Gangarten des arabiſchen Pferdes haben ſich verloren; an ihre Stelle iſt ein ſtarres, unbiegſames Weſen, ein Wider wille gegen jede Sammlung auf das Hintertheil und gegen Annahme einer der Reitkunſt gemäßen Stel: lung getreten. Statt jenes heitern und geiſtvollen Weſens des arabiſchen Pferdes, iſt in den meiſten Fällen ein geiſtloſes und oft widerſtrebendes Beneh: men ſein Eigenthum geworden. Aus. dem Angeführten ergiebt ſich, daß der eng? liſche Wettrenner die meiſten Vorzüge des arabiſchen Pferdes, welche dieſes ſo geeignet zum Soldatenpferde macht, abgelegt hat. Wenn dieſe Vorzüge, welche das brauchbare Reitpferd auszeichnen, noch in andern Racen der engliſchen Pferde angetroffen werden, ſo ſind es diejenigen, worin nur eine Beimiſchung des Blutes der Wettrenner iſt, die von der andern Seite aber die guten Eigenſchaften erhalten haben, welche das Reitpferd auszeichnen, dabei aber einen Theil der Geſtalt des Renners angenommen haben. Man fin? det daher das Rennpferd als Soldaten?, Jagd? und Gebrauchspferd weniger benußt, und in erſterer Bes ziehung nur für die Parade, ein Kampagnepferd aber muß daneben, für den wirklichen Dienſt, nicht ſelten gehalten werden, Das Wettrennen und die Erziehungsweiſe für den einſeitigen ZweE der Schnelligkeit haben durch die dazu geeigneten Mittel, Prüfung, Auswahl und Fütterung, das arabiſche Pferd umgeſchaffen3 ohne dieſe Mittel würde es ſich mit ſeinen urſprünglichen Eigenſchaften erhalten haben, und man würde das arabiſche Pferd in England nur mehr vergrößert finden.; Iſt nun das Wettrennen, wie es in England ge; übt wird, geeignet, die Aufzucht von brauchbaren Soldatenpferden zu ermuntern und zu begünſtigen? Nach dem Angeführten ſcheint dieſe Frage verneinend heantwortet werden zu müſſen. Das Wettrennen nach engliſcher Art, wo nur die Schnelligkeit geprüft und belohnt wird, begünſtigt eine Abartung der Pferde von allen andern guten Eigenſchaften des Reit, be: ſonders des arabiſchen Pferdes, und veranlaßt eine gänz! 47 gänzliche Vernachläſſigung des kunſtvollen Reitens, Es dürfte daher in andern Ländern nicht zu empfeh len ſeyn, wo der Zweck iſt, Soldatenpferde zu erzie?! hen und die Jugend zu einem geſchickten, kunſtvollen, militairiſchen Reiten zu gewöhnen. Das Wettrennen mit Pferden, wie es in Eng land beſteht, hat auf die Verbeſſerung der Landes? pferdezucht vortheilhaft gewirkt, weil es den Antrieb gab, arabiſche Pferde einzuführen, und die einheimie ſchen dadurch zu veredeln. Dadurch wurde die ſchöne Geſtalt, die Ausdauer und manche Eigenſchaften des ] arabiſchen Pferdes erhalten, aber auf der andern Seite hat die alleinige Prüfung der Schnelligkeit auch den Grund gelegt zur ſchnellen Abartung, was nicht geſchehen wäre, wenn das Wettrennen auch ein Pröüffſtein' für die übrigen guten Eigenſchaften des Reitpferdes geworden wäre. Dieſe aber ſind dort bei der Auswahl und Erziehung der Pferde vernach/ läſſigt worden, und Pferdekenner, welche ihre Renn? bahnen beſucht haben, verſichern, daß ſich dort die Zahl richtig gebauter, fehlerfreier Pferde unter dev Wettrenner Race merklich vermindere. Dieſe durch mehrere achtbare Männer neuerlich aufgeſtellte Behauptung, verbunden mit der unbe; ſtrittenen Thatſache, daß die in den lekßten zwanzig 2 18 Jahren dus England ausgeführten Handelspferde viel häufiger mit Knochenfehlern behaftet ſind, als es früher der Fall war, muß die Aufmerkſamkeit der Pferdezüchter in Deutſchland auf die Veranlaſſung dieſer Erſcheinung lenken. Bald werden ſie wahr: nehmen, daß ihnen von dorther nicht mehr, wie früher, nur Belehrung zu Theil werden kann, ſondern daß die Warnung an ihre Stelle tritt. In der Thät, es iſt Zeit, dies Wort äuszuſprechen, wenn von mehreren Seiten die unbedingte Nach! ahmung der in England gebräuchlichen Wettrennen empfohlen, ja die Fortſchritte der Pſerdezucht in Deutſchland davon abhängig gemacht wird; es iſt Zeit, auf die nachtheiligen Folgen aufmerkſam zu machen, welche die Anwendung gleicher Mittel zu gänzlich verſchiedenen Zwecken, der Natur der Dinge nach, immer haben muß; es iſt endlich Zeit, unum? wunden zu ſagen, daß wir in Deutſchland, zu unſerer Vertheidigung und zur vielſeitigen Benußung, keine. Pferde gebrauchen können, deren weſentlicher Vorzug nur die Schnelligkeit iſt, und daß die Behauptung, es ſey dieſe immer mit Kraft vereinbart, folglich der Wettlauf der richtigſte Kraftmeſſer für Pferde, zu den vollkommen unhaltbaren gehört. Niemand wird leugnen, daß die Wettrenner die Ww Pferdezucht in England gehoben haben; aber kein Unbefangener wird in Abrede ſtellen, daß ſie ihr nur in Bezug auf den Zwe> der vermehrten Schnelligkeit förderlich waren. Nur dieſe Eigenſchaft, keine an: dere Gebrauchsfähigkeit, prüft der Wettlauf. Doch . er begnügt ſich nicht mit der Prüfung; die höchſt! mögliche Steigerung dieſer Eigenſchaft iſt ſein Zwe, deſſen Erreichung nur durch Verbildung des Ge: ſchöpfes erreicht werden kann. Schon nach mechani: ſchen Geſetßen, vielmehr aber noch nach der Ordnung der Natur in der Harmonie aller Theile am Körper des Pferdes, iſt es begründet, daß die werthvollſten Eigenſchaften, die vorzüglich der Gebrauchsfähigkeit des Pferdes zum Stükpunkte dienen, verloren gehen müſſen, wenn ſeine höchſte Schnelligkeit erreicht wer: den ſoll. Führt dieſe, wie die Erfahrung lehrt, die Schwächung einzelner Körpertheile herbei, und wird ſie eben dadurch die Quelle verderblicher Mangelhafy- tigkeiten und erblicher Fehler, dann darf ſie nicht län: ger der Gegenſtand eines vernünftigen Strebens ſeyn, und es wird Pflicht, die Linie ſcharf ins Auge zu faſſen, über welche hinaus Entartung, Verunſtaltung und wahrhafte Entwürdigung des Geſchöpfes" liegt. Wahrlich, die Natur verſtattet dem Menſchen nicht, ungeſtraft in ihr Handwerk zu pfuſchen. 20 Allerdings gehört zu den erſtaunenswürdigen Forty ſchritten der neueren Zeit auch der Einfluß, welchen die Züchtungskunde auf die Bildung und Nukbarkeit der Hausthiere ausübt; dieſer Einfluß wird aber nur ſo lange erfolgreich und wahrhaft fruchtbringend ſeyn, als er ſich innerhalb der Gränzen bewegt, welche ihm die. Natur ſelbſt geſtellt hat. Außerhalb derſelben werden die Erfolge entweder bald ſpurlos verſchwin? den, oder ſie werden Rückſchritte veranlaſſen, zu deren Wiedereinholung ein langer Zeitraum gehört. Oft auch beſchränkt ſich die vortheilhafte Einwirkung der Züchtungsfunde, bei Kreuzungen oder bei Reinerhal: tung der Racen,« bloß auf das örtliche und nationelle; wovon uns England mehrere Beiſpiele. darbietet. S9 ſind dort durch Kunſt in der Paarung beſondere, von der Natur ganz abweichende Geſtalten in Schaafen und Schweinen hervorgebracht worden, die wegen der großen Fettigkeit, welche ſie erreichen, dort ſehr ges ſchäßt werden, was ihnen, im Verhältniß zu den Koſten ihrer Erziehung, bei uns keinen Werth geben kann, weshalb der deutſche Landwirth Bedenken trägt, ſie ſich zu verſchaffen; Eben ſo prüfend ſollte auch, der deutſche Pferde- züchter verfahren, und nur ſolche engliſche Zuchtpferde verwenden, welche, außer vollkommener Fehlerfreiheit, 21 neben der dort über alles geſchäßten Schnelligkeit, ' auch diejenigen Eigenſchaften beſißen, welche für uns den höchſten Werth haben. Kein unbefangener deut? ſcher Pferdezüchter wird das engliſche Vollblutpferd unbedingt tadeln; im Gegentheil, er wird ihm bedin! gungsweiſe den erſten Plas unter den europäiſchen Pferderacen einräumen. Er erkennt und verehrt das Blut jedes Abkömmlings vom Araber, jenes unſchäß? baren, beinahe fabelhaften Thieres, deſſen eine mehr als tauſendjährige Tradition erwähnt; deſſen Rein» erhaltung in einem entlegenen Winkel der Erde, wo das erwärmende und belebende Geſtirn alles verſengt und[die Sonne der Aufklärung nie aufgegangen iſt, faſt zu den Wundern gehört. Der unbefangene deutſche Pferdezüchter ſchäßt in dem engliſchen Vollblutpferde nach Gebühr manche Eigenthümlichkeit, auch manche Abweichung in der Form, aber er wird nicht zugeben, daß es mit erb: lichen Fehlern, oder bei entſchiedener Verbildung zum Gebrauche, dennoch, um ſeiner Abkunft und um ſei: ner Schnelligkeit willen, vorzugsweiſe die Quelle der Verbeſſerung der Pferdezucht in Europa bleiben müſſe. Im Gegentheil, für ihn wird die Pferdezucht in Eng? land ein warnendes Beiſpiel ſeyn, wohin die aus: ſchließliche Verfolgung eines Zweckes, die fortgeſelte 22 Züchtung in demſelben Geſchlechte ohne Kreuzung, vor allem aber der Gebrauch der edlen Pferde vor ihrer Reife führt. Nur zu ſehr hat die deutſche Pferdezucht bereits durch Kreuzung fehlerhafter eng: liſcher Zuchtpferde gelitten, und wer 30 Jahre rü! wärts ſchauen kann, der weiß, daß ſich dadurch die Schwäche der Schenkel und die erblichen Knochenfehler auch bei uns vermehrt haben, Darum muß unſer Bli nach dem Morgenlande gerichtet ſeyn, wenn die Pferdezucht bei uns fort: geſeßt blühen und nicht Rückſchritte machen ſoll. Auch wird eine Zeit kommen, und vielleicht iſt ſie ſchon nahe, wo. man-in England daſſelbe thun und zugleich gendöthigt ſeyn wird, dem früher der Pferde; zucht nüklich geweſenen, jeßt durch Gewinnſucht und Mißbrauch ihr nachtheilig werdenden Wettrennen nothwendige Gränzen zu ſelen. Dennoch erheben ſich einige Stimmen in unſerm Vaterlande, welche uns rathen, dieſe Gebräuche bei uns einzuführen, und, was faſt unglaublich ſcheint, gleich dabei anzufangen, wobei die Engländer„wahr: ſcheinlich bald aufhören werden: dreijährige, ſogar zweijährige Pferde, die ihre Ausbildung noch nicht zur Hälfte erreicht haben, zum Wettlauf zu gebrauchen, und noch nicht geborne Pferde durch Wetten auf 23 ihre dereinſtige Schnelligkeit gegen einander zu ver? haften. Was jenes, den frühern Gebrauch, anbetrifft, ſo wird ſich bald zeigen, daß die Summen, welche in Deutſchland dabei zu gewinnen ſeyn möchten, den Verluſt an den Pferden nicht erſeßen; dieſes aber, das Wetten auf ungeborne Pferde, gehört zu den vielfältigen Sonderbarkeiten, welche den Engländern in ihrem Jünglingsalter oft eigen ſind, dem Deuts ſchen aber in der Nachahmung niemals wohl anſtehen. Es giebt jedoch noch eine andere, mit der Pferde: zucht in keiner Verbindung ſtehende Seite, von welcher die Wettrennen, wie ſie in England beſtehen, ange! ſehen werden müſſen, wenn von ihrer Einführung bei uns die Rede ſeyn ſoll; dies iſt die ſtaatswirths- ſchaftliche und moraliſche.] Im ſtrengſten Sinne genommen, ſind nur ſolche ſinnliche Gegenſtände für Beförderungsmittel der all: gemeinen Wohlfahrt zu halten, die entweder durch ſich ſelbſt, oder mittelbar produktiv ſind, Die lekte Fähigkeit iſt nur wenigen abzuſprechen; oft aber tyitt der Fall ein, daß ſie, unbeſchadet ihres bemerklichen Zuſammenhanges mit nüklichen Gewerben, dennoch der allgemeinen Wohlfahrt eher Nachtheil als Vor: theil veranlaſſen. Viele Gegenſtände des Luxus ſind 24 dieſem Tadel unterworfen, am meiſten aber diejeni? gen, welche an dem Verbrauche der Nahrungsmittel Theil nehmen, und der Preis derſelben, da ſie nicht im Ueberfluſſe vorhanden ſind, zum Nachtheil der ärmeren conſumirenden Klaſſe ſteigern. Vielleicht gehört ſchon eine große Zahl der Luxus: Pferde dahin; ohne allen Zweifel aber diejenigen, welche zu keinem andern Zwecke, als zum Wettlaufe gehalten werden.] Die Zahl derſelben iſt in England ſehr anſehn lich 3 ihre Haltungsweiſe aber ſo ſeltſam und verſchwen! deriſch, daß der Deutſche kaum den ihm wiederho* lentlich mitgetheilten genauen Nachrichten über dieſen Gegenſtand Glauben beimeſſen kann. Jn der That gränzt es an das Abenteuerliche, wenn man hört, daß die Erhaltung und Vorbereitung eines Wettrennens dem Eigenthümer monatlich mehr als 70 Thaler koſtet. Viele Hunderte ſolcher Thiere werden bloß zu koſtbaren Werkzeugen eines Spiels in dem Lande gehalten, wo Tauſende unglücklicher verarmter Einwoh ner wegen Koſtbarkeit der Lebensmittel auswandern müſſen. Erwägt man, daß die Coloniſation entfern! ter Erdſtriche durch geborne Engländer deshalb für eine nothwendige Maaßregel erkannt wird, daß für die jährlichen Erhaltungskoſten eines Wettrennens Ky 25 vier arbeitende Familien erhalten werden können, daß endlich, während dieſe Spielwerkzeuge wie die Kinder der Reichen gepflegt und gewartet werden, der Arme dort nicht ſelten dem Hungertode erliegt, dann wendet der Menſchenfreund den Bli ab von dieſem hervorleuchtenden Punkte in dem ſchauder? haften Gemälde eines krankhaften Zuſtandes der bür gerlichen Geſellſchaft. Dieſelbe Empfindung muß rege werden, wenn man wahrnimmt, daß der Zweck dieſer Verſchwen? dung kein anderer iſt, als das höchſte und verderb? lichſte aller Glücksſpiele, deſſen Reiz um ſo größer iſt, als ihm die Oeffentlichkeit und die damit in Ver! bindung gebrachte Volks- Ergötzung gewiſſermaßen zur Rechtfertigung dient, Nur gelegentlich vernimmt man im Auslande, welche Zerrüttungen im Wohl? ſtand und Familienglück dieſes Wettſpiel veranlaßt. Doch iſt nichts gewiſſer, als daß es dort mehr und größeres Unheil herbeiführt, als die gewöhnlichen Glücksſpiele in allen andern Ländern zuſammen ges nommen. Wenn nun ſchon dieſe der Tadel aller Verſtändigen, und das Verbot der Geſeke trifft, wie kann man uns jene empfehlen, die noch verderblicher ſeyn müſſen, da ſie nicht geſeßwidrig ſind? Ohne Wettſpiele, das iſt, ohne Reiz für die Ges DIZI EN, KI WR 8 DENER EEN» 264". Gez GEEST ZTN 26 winnſucht, müſſen die Wettrennen bald. eine ſehr armſelige Geſtalt annehmen; denn ſelbſt die öffent: lichen Preiſe, welche dem ſchnellſten Pferde ertheilt werden möchten, vermögen die etwanigen Nachah» mungen dieſer engliſchen Gebräuche nicht über das Kleinliche zu erheben. Doch dieſe Nachahmung kann ſich nicht auf die Rennen allein beſchränken, es liegt vielmehr in der Natur-der Sache, daß alsdann auch die koſtbare Haltung der Rennpferde und die Trä! nir: Anſtalten eingeführt, guch die Abhängigkeit der Eigenthümer der Rennpferde von den Individuen, welche dieſelben pflegen und reiten, bei uns eben ſo ſtatt finden müßte, wie es in England der Fall iſt. Nicht minder, daß ſehr anſehnliche Summen erſt zu? ſammengebracht werden müſſen, um die Rennbahnen und alle andern dazu gehörigen koſtbaren Erforder: niſſe herbeizuſchaffen.. Wie aber dies alles mit der ſehr mäßigen Wohlhabenheit, die bei uns anzutreffen iſt, beſonders aber mit der nicht in Abrede zu ſtellen; den ſehr gedrückten Lage unſerer ländlichen Grund/ Eigenthümer, welche die Rennpferde erziehen und die Wetten abſchließen ſollen, in Uebereinſtimmung zu bringen ſeyn möchte, das iſt eine Aufgabe, deren Lös ſung wir den Freunden der Wettrennen überlaſſen. In unſerm Vaterlande wird die Pferdezucht nur Kn 4 Zl M Ts in ſehr ſeltenen Fällen durch einige reiche Grund? Eigenthümer als Gegenſtand des Vergnügens und einer lobenswerthen, auf die höhere Landwirthſchaft gerichteten Thätigkeit getrieben. Für dieſe möchten Wettrennen nach engliſcher Weiſe vielleicht einigen Reiz haben. Allein ihre Zahl iſt eben ſo gering als ihre Abneigung gegen alles nukloſe, verſchwenderiſche und übermüthige Treiben groß iſt. Dur ſie wer; den die Rennbahnen nicht bevölkert werden. Die Pferdezucht in unſerm Vaterlande iſt und muß in der Hand des mittlern und kleinern Grund/ Eigenthümers bleiben. Ihre Beſtimmung iſt, kräf: tige, dauerhafte und doch veredelte Pferde, zur Ver? theidigung des Vaterlandes und zur Vermehrung ſeines innern Verkehrs zu erziehen. Daß wir dahin auf dem rechten Wege ſind, wird kein Unbefangenerx leugnen. Auch für den Gebrauch der Wohlhabenden und Reichen liefert die vaterländiſche Zucht ſchon eine große Zahl Pferde. in gefälligen und gewünſchten Fors men, deren Werth auch der Ausländer ſchäßt und ſie mit jährlich ſteigendem Wohlgefallen bei uns auf; ſucht. Wenn ſich aber unter uns noch einige Ueppige finden, die ſich den Beſilß eines Wettrenners nicht verſagen wollen, ſo mögen ſie ihn fernerhin, wie BN Ie TN Ct a Den a EE äl. En 88 82 SRE 0 Varek] FE: 4 76 r AE a 28 zeither, von unſern Handelsfreunden jenſeit des Ka! nals holen; dadurch werden wir ihnen nicht ſehr zinsbar ſeyn. Im Uebrigen iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß eine öffentliche Schau im Lande gezogener aus? gezeichneter Pferde, und Preißvertheilungen an die vorzüglichſten, nach vorhergegangener Prüfung ihrer Leiſtungsfähigkeit für den vorgeſchriebenen Zweck, ver? bunden mit einer Art öffentlicher Ergöklichkeit, auch bei uns ein Beförderungsmittel der Pferdezucht ſeyn würde, Es kommt darauf an, Ideen in dieſer Bes ziehung aufzuſtellen, ſie werden ſich baid auf eine oder die andere Weiſe zur Reife bringen laſſen. Vielleicht wäre es nicht unangemeſſen, das Wett! vennen der Römer nachzuahmen, wo die Pferde ſich um eine Säule mehrere Male wenden mußten, um den Lauf zu vollenden, und ein öfteres Sammeln und Pariren auf der Stelle mit dem ausgedehnten Laufe abwechſelte. Dadurch wird nicht nur die Schnelligkeit, ſondern auch die Gewandtheit, Bieg: ſamkeit und gute Haltung des Pferdes in gleichem Maaße geprüft, und die Reitkunſt wird zugleich eine Aufmunterung erhalten, weil nur das gut getittene und geübte Pferd den Preis davon tragen kann. Da man in Rom, im Cirkus, mit Wagen Wette 29 mmm rannte, und um eine Säule, am Ende der Renn! bahn, in Mitte des Laufes wenden mußte, ſo ward hierdurch nicht nur die Anreizung zur Schnelligkeit, ſondern auch zur Gewandtheit und Stärke des Pfer! des und zur Geſchilichkeit des Wagenführens gege? ben; Hier konnte nicht Schnelligkeit allein den Preis erringen, denn die Wendung um die Säule und die Fortſeßzung des Laufs in anderer Richtung konnte nicht im vollen Lauf geſchehen. Cin ſchnelles Pari? xen und Verhalten des Pferdes, wobei die Stärke des Hintertheils und eine geſammelte Stellung er? forderlich war, mußte hier mit der Ausdehnung zum ſchnellſten Lauf abwechſeln. Die Pferde konnten nicht ohne Schnelligkeit, Stärke und Gewandtheit, und der Führer nicht ohne die größte Uebung und Geſchilichkeit den Preis erlangen. Hier zeigte ſich die Leiſtung des kriegeriſchen Mannes und zugleich die Stärke, Schnelligkeit und Gewandtheit des Sol; datenpferdes im vollen Maäße. Im Orient bemerkt man noch jekt etwas Aehn! liches. Die Osmannen, Türken, Perſer, Araber ha! ben eine kriegeriſche Uebung für Reiter und Pferde, das Dſchirit genannt, welches im ganzen Morgen? lande geübt wird, und auf die Erziehung und Aus wahl ihrer Pferde den entſchiedenſten Einfluß hat. 30 Dieſes Dſchirit: Spiel iſt kein Wettkampf um einen Preis, ſondern nur eine kriegeriſche Uebung zu Entwickelung der Geſchicklichkeit und Stärke des Rei! ters ſowohl als des Pferdes. Man ſieht es immer im Gefolge der Großen und von ihrer Umgebung geübt. Eine Anzahl Reiter mit leichten, weißen Stä ben bewaffnet, im Freien reitend, ſpringen einzelne aus der Kolonne, werden von andern verfolgt, welche ihnen den weißen Stab in den Rücken zu werfen ſtreben; ſie ſuchen durch Wendungen und Schwen? kungen, durch ein ſchnelles Verhalten, durch einen Uebergang von dem ſchnellſten Lauf in eine Parade, dem Gegner den Rücken abzugewinnen und auf ihn den Stab mit Vortheil zu werfen, oder ſeinem Wurfe zu entfliehen.= Hier zeigt das Pferd die größte Kraft und Gewandtheit, der Reiter aber ſeine Geſchick! lichkeit in Führung des Pferdes. Dieſe kriegeriſche Uebung wird, ſo lange ſie unter dieſen Nationen währt, den Prüfſtein für die Stärke, Schnelligkeit und Gewandtheit ihrer Pferde abgeben, denn es kann nur dem Pferde, dem die wahren Ei- genſchaften des Reit? und Soldatenpferdes beiwohe nen, der Preis zu Theil werden. Das bloß ſchnelle, ſpindelbeinige Pferd, mit ſchwachem und unbiegſamen t 31 Hintertheil, wird dieſer Uebung ſogleich unterliegen und ſich als werthlos erweiſen.' Der Wettkampf der Römer im Cirkus hatte zum Theil auch den Zwe: die guten Eigenſchaften der Soldatenpferde, ſo wie die Geſchilichkeit der jungen Krieger unter den Augen der Nation zu üben, zu prüfen und zu belohnen. In einem Lande, wo man Soldatenpferde erzieht, und der Geſchicklichkeit in Führung des Pferdes eine öffentliche Anreizung geben will, möchte das Wett? rennen der Römer, aber nicht im Wagen, ſondern reitend, als Fingerzeig benußt werden können. Man veranlaſſe ähnliche Wettläufe, ſetze Preiſe aus, kröne den beſten Reiter und belohne das ſchnellſte, aber auch zugleich das ſtärkſte und geſchickteſte Pferd: ſo wird man der Pferdezucht förderlich ſeyn und die Vernach käßigung der Reitkunſt ſo wie die der Pferde verhin dern. Nicht ſo leicht möchte es ſeyn, Tourniere, Ka? rouſſele und feierliche Aufzüge wiederum aus der Ver? gangenheit hervorzurufen, damit ſich Reiter und Pferde im größten Glanze zeigen, die Reitkunſt aufgeregt und verbreitet, und den Städten, wo ſie gehalten werden, angenehme Volksfeſte bereitet würden. Blickt man zurü in das Zeitalter der Tourniere, und ſicht, wie ſie die Ritterlichkeit der männlichen 32 Zugend und die Eigenſchaften der brauchbaren Pferde ins Licht ſtellten, wie ſehr dies auf die Pferdezucht und Pferdeveredlung einwirkte und wie damals die Reichen und Großen des Landes Geſtüte unterhielten und edle Pferde einführten;= ſo findet man, daß mit der Vernachläſſigung dieſer kriegeriſchen Uebun: gen zugleich die Reitkunſt und Pferdezucht in Verfall gerieth, bis endlich das Wettrennen in England der Reitkunſt und Pferdezucht eine ganz andere Richtung gegeben hat. Gewiß, der Regierung einer tapfern und geiſt! vollen Nation, welche in allen ritterlichen Tugenden vorangeht, ſteht. es zu, nicht nur der Augartung der Pferdezucht im eigenen Lande entgegen zu wirken, ſondern auch, wenn eine Anreizung zu deren beſſern Betreibung von Nöthen iſt, ſie dem Bedürfniß der Pferdezucht angemeſſen zu geben, und Einrichtungen zu veranlaſſen, welche dem Geiſte der Nation und der Erziehung brauchbarer Reit: und Soldatenpferde zuträglich und entſprechend ſind. Gedruckt bei W. Dieterici, — 2 — Colour& Grey Control— Blue Cyan Green vellow Hed Magenta Wnite Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black ——————ͤnnmnmnmn 1———. ————,.. 7— 8 ſiſi Fennn n ſnnniinſniiſſſ 8 9 10 11 lclllau