gonderabdruc aus der„Darmſlaͤdter Zeitung 18101 Ar. 189. 191 und 201. Tic Großhenogliche Wniverütäts-Hibliothet zu Gießen. *ꝓ + Dermne l. TA te e en Heidrhernen⸗ [Groſsherzoglich llessische LHofbihliothel. Die zweite der öffentlichen Bibliotheken unſeres Landes, die Großherzogliche Univerſitäts-⸗Bi bliothek zu Gießen, welche bisher eine geſchichtliche Darſtellung ihrer Entwickelung entbehren mußte, hat nunmehr ihren Hiſtorio graphen gefunden. In dem als 6. Beiheft des„Centralblatts für Bibliotheksweſen“ Leipzig 1891) veröffentlichten Werke: „Beiträge zur Geſchichte der Univerſitätsbibliothet Gießen“ giebt der Verſaſſer, der dermalige erſte Kuſtos an genannter Anſtalt, Dr. Emil Heuſer, auf Grund eingehender For ſchungen in den Akten der Univerſität und ſonſtigen hand ſchriftlichen, wie auch gedruckten Quellen einen Abriß der Geſchichte der Bibliothek von der Zeit ihrer Gründung bis zum Jahre 1885. In der kurzen Einleitung erhalten wir einen Ueberblick über die Anfänge der im Jahre 1607 durch Landgraf Ludwig V. gegründeten Univerſität, mit deren Schickſal naturgemäͤß dasjenige der Bibliothek, des unentbehr lichſten Beſtandteils jeder Üniverſität, ohne den eine ſolche überhaupt nicht lebensfähig erſcheint, aufs engſte verknüpft iſt. Den Grundſtock der Bibliothek ſcheint die Bücherſammlung gebildet zu haben, welche Ludwig V. im Jahre 1612 in Straß burg ankaufte und der Univerſität ſchenkte. Sie wurde von Prof. Konrad Bachmann, dem erſten Univerſitäts Bibliothekar, der jedoch bereits 1625 dies Amt niederlegte, geordnet. Jo haunnes Steuber, welcher darauf der Bibliothek von 1625 bis 1635 vorſtand, bewirkte die Ueberführung der 1342 Werke umn faſſenden Bücherſammlung nach Marburg, da die von Land graf Ludwig V. bereits 1625 vollzogene Vereinigung der Univerſität Gießen mit der zu Marburg nachträglich die Ver ſchmelzung der beiderſeitigen Bücherſammlungen zur Folge hatte, welche Landgraf Georg II durch Reſkript vom 1. März 1628 anordneté. Nach dem Rucktritt Steubers, während deſſen Amtsführung die Bibliothek in Titel 76 der am 1. November 1629 erlaſſenen Univerſitätsſtatuten die erſte Bibliotheksord 14— nung erhielt, verwaltete Konrad Bachmann zum zweitenmal, diesmal bis zu ſeinem Tode im Jahre 1646, die Bücherei. Ihm folgte Kaspar Ebel. von 1646— 1650, unter deſſen Ver waltung infolge des zwiſchen Heſſen Darmſtadt und Heſſen Laſſel geſchloſſenen Hauptvergleichs vom 14. 24. April 1648, des denſelben beſtätigenden weſtfäliſchen Friedenstraktats und des beſonderen Vertrags vom 19. Februar 1. März 1650 die Rückverlegung der Univerſität und zugleich die der Bibliothet nach Gießen ſtattfand, wo beide von da ab ihren ſtändigen Sitz behielten. Die Verwaltung der Bibliothek leiteten ſeit dieſer Zeit bis zum Jahre 1885, mit dem der Verfaſſer ab ſchließt, im ganzen vierzehn Bibliothekare, deren Namen wir hier in chronologiſcher Folge aufführen: Johann Kourad Dieterich 1650— 67; Nilian Rudrauff 1667— 90): Heinrich Phaſian 1690— 95; Johann Reinhard Hedinger 1696—99; Immanuel Weber 16909— 1715: Matthias Nikolaus Kort holt 1715— 25; Johann Konrad Arnoldi 1725 35: Chriſtoph Friedrich Ayrmann 1735 17: Chriſtoph Ludwig Koch 1777 bis 56:; Andreas Böhm 1757—90: Chriſtian Heinvich Schmid 1790)— 1807): Wilhelm Friedrich Hezel 1800—1801: Chriſtian Gottlieb Kuhnöl 1801— 1803: Joh. Ernſt Chriſtian Schmidt 1803 30; Johann Valentin Adrian 1830—61; Heinrich Schafer 1864- 69: Guſtav Schilling 18060— 72 und Ludwig Noack 1872—. Mit Ausnahme des letzteren, welcher auch erſt in vorgerücktem Lebensalter ſich ganz dem bibliothekariſchen Berufe gewidmet hatte, waren es ſamtlich Profeſſoren der Univerſitat, meiſt der philoſophiſchen Fakultät, welche die Ver waltung der Bibliothek im Nebenamt führten, öſters, insbe ſondere im vorigen Jahrhundert, nicht gerade zum Vorteil⸗ der Büucherſammlung. Nicht ſelten kam es auch bei Beſetzung der Stelle zu Auseinanderſetzungen zwiſchen Regierung und Univerſität, wofur der Verfaſſer Beiſpiele aus den Jahren 1725 und 1746 anführt. Das Lokal der Bibliothek befand ſich vor der Verlegung nach Marburg im erſten Stock des Univerſitätsgebaäudes amn Brand, von 1650 an im Erdgeſchoöß deſſelben. Die ſpäter mit der Univerſitätsbibliothek vereinigte, aber getrennt aufgeſtellte Bibliothek des Profeſiors May ſ. unten fand in einem Zimmer des erſten Stockes Platz, bis nach 1761, als durch Vermächtnis die Bücherſammlung des verſtorbenen Bibliothekars Koch hinzugekommen war, alle drei Bibliotheken in das Erdgeſchoß verlegt wurden. Dort blieben ſie bis zur Mitte des zweiten Jahrzehntes unſeres Jahrhunderts, zu welcher Zeit die Ueber führung derſelben in den öſtlichen Flügel der ehemaligen Kaſerne am Seltersberg ſtattfand. Nach Errichtung des neuen Univerſitätsgebäudes in der Ludwigsſtraße wurde der größere Teil des alten am Brand im Jahr 1880 der Vibliothet ein geräumt. Damitt iſt letztere an die alte Stelle, die ſie ſeit An beginn der Univerſität eingenommen hatte, zurückgekehrt. Zur Vermehrung der Bibliothek durch Ankauf waren ur ſprünglich fl. 50 im Jahr ausgeworfen; noch zu Ende des 17. Jahrhunderts war dieſer Betrag nicht überſchritten. Wann derſelbe im 18. Jahrhundert erhöht wurde, erfahren wir von dem Verfaſſer nicht. Anfangs dieſes Jahrhunderts beteug der Bibliotheksfonds 100 Rthl., ſeit 180⁄ 600) Gulden. Derſelbe ſtieg dann ſtetig und erreichte im Jahre 1885 die Höhe von Mk. 15 700, davon Mk. 1700 Anteil der Bibliothek des philo⸗ logiſchen Seminars. Außerdem bekundeten Regierung und Stände fortwährend das große Intereſſe, das ſie an der ge deihlichen Entwickelung der Anſtalt nahmen, durch Gewährung außerordentlicher Zuſchüſſe, mitunter von beträchtlicher Höhe. Auch durch den Verkauf von Dubletten, wofür in den Jahren 1836 55 über 2600 Gulden erlöſt wurden,— über die Richtig keit der Angabe von Ch. H. Schmid im Journal von und für Deutſchland 1791 S. 970, daß ſchon im Jahre 1770 Dubletten veräußert worden ſeien, erhalten wir von dem Verfaſſer, ob wohl er S. 31 darauf hinweiſt, keine Aufklärung— verſchaffte ſich die Bibliotheksverwaltung weitere Mittel für die Er gänzung des Bücherbeſtandes. Ankäufe größerer Bibliotheken erfolgten erſt, ſoweit den Angaben des Verfaſſers zu ent⸗ nehmen iſt, in dieſem Jahrhundert. So wurde 1830 die Bibliothek des Geheimen Finanzrats und Profeſſors der Mathematik und Naturgeſchichte— die Zuſätze in Klammern, welche den auch von dem Verfaſſer benutzten Quellen ent nommen ſind, rühren von dem Referenten her— Georg Gott lieb Schmidt, 618 meiſt mathematiſche und phyſikaliſche Werke umfaſſend, für fl. 1200 erworben, 182 die des früheren Univer⸗ ſitäts Bibliothekars, Geiſtlichen Geheimerats und Profeſſors der Theologie und Philoſophie J. E. Ch. Schmidt ſ. oben, 70000 Bäande meiſt theologiſchen Inhalts, für 41000 Gulden. Die Bücherei des(1835) verſtorbenen Profeſſors(der Medizin, ſpeziell der Anatomie Friedrich Chriſtian Gregor Werne kink, 382 Bände, koſtete 200 Gulden. Weiter wurden bis 1839 noch angekauft die lobſteiniſche Sammlung Johann Georg Chriſtian Friedrich Martin Lobſtein, geb. 1777 zu Gießen als Sohn des Prof. der Theologie Joh. Michael Lobſtein, wirkte ſeit 1796 an der Univerſität Straßburg, zuletzt ſeit 1821 bis zu ſeinem Tode im Jahre 1835 als Profeſſor der inneren Medizin, die eines Dr. Müller, des(1837 verſtorbenen Profeſſors der kathol. Theologie Joh. Nevomuk Locherver, ſowie die chirurgiſche Abteilung der Bibliothek des Profeſſors der Chirurgie und Geburtshilfe Ferdinand Auguſt Max Franz von Ritgen. Beträchtlichen Zuwachs erhielt die Bibliothek von jeher durch Geſchenke. Zwar waren ſolche an Geld und Buchern, welche einem alten Herkommen gemäß von Licentiaten und Neuinſkribierten geſpendet wurden, nicht ſonderlich bedeutend. Das erſte noch vorhandene Geſchenkiournal, von 1653—97 reichend, enthält, wie der Verfaſſer erwähnt, die Namen von 117 Gebern, welche zuſammen 40 Rthl. 12 Gulden und 536 Bäͤcher ſchenkten. In dem gegen Ende des 17. Jahrhunderts neu angelegten, bis 1770 reichenden Buche ſind nur 29 Ge ſchenkgeber verzeichnet, die zuſammien 102 Gulden. 21 Münzen und 57 Werke ſtifteten. Bowunderungswürdig iſt dagegen die Liebe und Anhänglichfeit, die ſo manche Gelehrte, welche auf der Univerſität ihre Ausbildung genoſſen oder dem Lehrkörper derſelben augehört hatten, der alma mater dadurch bewieſen haben, daß ſie an dieſelbe durch letztwillige Verfügung ihre Bücherſamnilungen abtraten. Dieſe Dankbarkeit für empfangene Wohlthaten und die Fuürſorge für die Nachfolger auf dem wiſſenſchaftlichen Arbeitsgebiet iſt ein ſchöner Zug des deutſchen Gelehrten, der ganz beſonders hervorgehoben zu werden ver 6 dient. Das erſte größere Geſchenk dieſer Art war die Biblio thek des in Speyer verſtorbenen Dör.(med.) Joh. Ullrich Streiter, der 1636 in ſeinem Teſtamente der mediziniſchen Fakultät ſeine Bücherei überwies. Wie der Verfaſſer ermittelt hat, gelangte die Univerſität erſt 1653 in deren Beſitz. während man ſeither einen früheren Termin daſür anſetzen zu können dlanhte 1668 erhielt die Bibliothek gemäß teſtamentariſcher Verfügung die Bücher des im Jahre 1667 verſtorbenen Pro⸗ feſſors der Mathematik Friedrich Müller hiernach iſt die Angabe des Verfaſſers S. 11 zu verbeſſern:„1668 wurden ihr Bücher geſchentt von Profeſſor Friedrich Muller“), 1669 die des im gleichen Jahre verſtorbenen, Profeſſors(der Rechts wiſſenſchaft, Martin Müller. Für die Angabe, das ein ähn liches Geſchenk 1672 durch Profeſſor Konrad Müuller erfolgt ſei, führt der Verfaſſer leider ſeine Quelle nicht an Durch Teſtament von 1668 vermachte ſerner der 1673 zu Biſchoſsheim am Main verſtorbene Pſarrer Joh. Konrad Bachmann, ein Sohn des erſten Bibliothekars, der Univerſitat die Vibliothet ſeines Vaters, meiſt homiletiſche Werke, jedoch unter der Be dingung, daß ſeinen Erben, mit denen auch in der Folge ein Vergleich zuſtande kam, die ſeinem Vater zeitweiſe vorent⸗ haltene Beſoldung nachträglich ausbezahlt wuüͤrde. Die Mit teilung des Verfaſſers, daß 1695 Prof. Michael Heiland ſeine Buücher, 71 vorzugsweiſe Miszellanbände, ſchenfte, wird wohl dahin zu berichtigen ſein, daß im genannten Jahre die durch Teſtament des bereits 1603 verſtorbenen Profeſſors(der Anatomie, Chirurgie und Botanik Heiland der Univerſität zu gefallenen Bucher in deren Bibliothek aufgenommen worden ſind. Ein bedeutender Zuwachs wurde 1732 gewonnen durch das Vermächtnis des in demſelben Jahre verſtorbenen Pro⸗ feſſors der griechiſchen und orientaliſchen Litteratur, ſowie der Altertumswiſſenſchaft Johann Heinrich May des Jüngeren. Deſſen Bücherſammlung ſie umfaßte nach Strieder 3300 Stücke, unter denen ſich wohl auch die Bibliothek von May’s Vater und zugleich Vorgänger in der Profeſſur, des 1719 verſtorbenen Profeſſors Joh. Heinrich Man des Aelteren, beſunden haben miag wurde zwar anfangs beſonders aufgeſtellt und ſogar von einem eigenen. Auſſeher, Prof. Ayrmann, verwaltet Doch übernahm letzterer nach Arnoldi’s Tode auch die Uni verſitätsbibliothek. Von den zahlreichen Geſchenken, welche die Univerſität in der Folgezeit erhielt, wollen wir hier nur die bedeutendſten hervorheben. Allerdings war die Uebernahme gerade der bedeutenderen mit mancherlei Opfern verknupft. So gelangte die Univerſität erſt 1761 nach langen Verhand lungen mit den Erben in den Beſit der ihr von dem 1756 verſtorbenen Univerſitätsbibliothekar Koch ſ. oben vermachten Bibliothek im Umfange von 2622 Bänden. Ebenſo konnte die von dem bereits 1751 verſtorbenen Profeſſor der Rechte Joh. Friedrich Kayſer der Univerſität hinterlaſſene Buͤcherei gar erſt im Jahre 17 6 uach langwierigem Streite mit den Erben, die ſich endlich zu einem Vergleiche herbeiließen, übernommen werden. Wohl die großartigſte Schenkung, welche die Univerſität überhaupt erhalten hat, war die des Freiherrn Renatus Karl von Senckenberg geb. 1751 zu Wien, ſeit 1775 Regierungs Beiſitzer in Gießen, 1780 Regierungsrat, zog ſich 1781 in das 76 Privatleben zurück und ſtarb zu Gießen am 19.— nicht, wie der Verfaſſer angibt, 18.— Oktober 1800 der durch Teſtament vom 22. Auguſt 180) der Univerſität ſein Wohnhaus am Brand lan der Stelle des nachmaligen Gymnaſiums, jetzigen Kreisamts! nebſt ſeiner Bibliothek, deren Beſtand, wie der Verfaſſer hätte erwähnen dürfen, auf 15000 Bände geſchätzt wurde, ſowie einem Kapital von 10 000 Gulden, deſſen Zinſen zur Ver⸗ mehrung der Bibliothek und Beſoldung eines beſonderen Bibliothekars und Dieners verwendet werden ſollten, ver machte. Leider war die Verwaltung, welche zuerſt der Prof. der Rechte Karl Ludwig Wilhelm von Grolmann geſt. als Staatsminiſter zu Darmſtadt 1829) bis 1819, dann Prof. Marezoll führte, keineswegs eine den Intentionen des hoch⸗ herzigen Stifters entſprechende. Bis 1815 konnte mangels eines Katalogs nichts ausgeliehen werden: auch nachher war die Benutzung noch ſehr ungeregelt. Erſt 1837, nachdem durch Abfindung des einzigen Erben Senckenbergs die Vereinigung mit der Univerſitäts Bibliothek ermöglicht worden war weiche von da ab den Namen: Vereinigte Univerſitäts und v. Sencken bergiſche Bibliothek führte, wurde letztere eigentlich der ihr von dem Stifter zugedachten Beſtimmung zugeführt. Unter den Geſchenken, welche die Univerſitäts-Bibliothek in neuerer Zeit erhielt die vielen, auch von kleinerem Um fange, anzuführen, wie dies der Verfaſſer thut, iſt hier nicht angängig— ragen zwei ganz beſonders hervor. Im Jahre 18410 nämlich erhielt die Bibliothek von der Kreis Schmid'’ſchen Stiſtung zu Scheer, der Univerſalerbin des am 20. Dezember 1869 verſtorbenen Profeſſors der katholiſchen Theologie, ſpäter der Philoſophie Leopold Schmid deſſen aus 1867 Nummern beſtehende, auf 582 Gulden geſchätzte Bücherſammlung zum Geſchenk. Schmid hatte bereits bei Lebzeiten die Abſicht geäußert, letztere der Univerſität zu vermachen, war aber durch jeinen plötzlich eingetretenen Tod an der Aufſtellung eines Teſtaments verhindert worden. Durch den Bruder des Ver ſtorbenen, Major Franz Schmid Zu⸗ Ulm, wurde die Univerſal erbin vermocht, den Wunſch des Entſchlafenen zu verwirklichen. Im Dezember 1883 endlich wurde der Univerſitats Bibliothek von dem früheren Univerſitäts Sekretär, Kanzleirat Clemm, die Bibliothek ſeines am 21. September deſſelben Jahres ver ſtorbenen Sohnes, des Profeſſors der’ klaſſiſchen Philologie Wilhelm Clemm, übergeben. Sie umfaßte 1678 vortrefflich erhaltene Werke vorwiegend klaſſiſch philologiſchen Inhalts, deren Wert auf 5010)= 6000 Mk. geſchätzt wurde. Von weiteren außerordentlichen Zuwendungen, welche die Univerſitäts Bibliothek im Laufe der Zeit erhielt, wollen wir nur noch folgende aufführen. Dubletten der Fürſtlichen Bibliothek zu Darmftadt, der jevigen Hofbibliothek, wurden wiederholt nach Gießen abgegeben, ſo, wie es ſcheint, bereits 1720 und 1767, ferner einer Anordnung Ludwigs l. gemäaß in den dreißiger Jahren dieſes Jahrhunderts, wovon der Verfaſſer nichts erwähnt, und endlich eine große, 10000 Nummern unn faſſende Sammlung ſeit 1871 1771 wurde die ſog. Kugel hausbibliothek der St. Markuskirche zu⸗ Butzbach, 205 Hand ſchriften und 308 alte Drucke, welche zum guten Teil der Marienthaler Offizin entſtammen, auf Befehl des Landgrafen der Univerſitäts Bibliothek einverleibt. 178 kam die Bücher 8 ſammlung der 1777 gegründeten ökonomiſchen Fakultät hinzu, für deren Vermehrung ein beſonderer Fonds ausge worfen war; ebenſo 1827 die Bibliothek des philologiſchen Seminars. 1824 trat die Univerſität dem akademiſchen Tauſchverkehr bei. Seit 1819 beſteht ein Vertrag mit dem Geſellſchaftsverein, wonach die Bibliothek einige Zeit ſchriften gratis erhält. Ein ähnliches, 1854 mit der juriſtiſchen Leſegeſellſchaft vereinhartes Abkommen wurde 1874 ge kündigt. 1873 wurde die Bibliothek der aufgehobenen land⸗ wirtſchaftlichen Schule des Polytechnikums zu Darmſtadt von Großherzoglichem Miniſterium der Univerſität überwieſen. 1876 trat die Oberheſſiſche Geſellſchaft für Natur und Heilkunde, welche mit einer großen Anzahl wiſſenſchaft licher Vexeine im Tauſchverkehr ſteht, ihre wertvolle Bibliothet an die Univerſitätsbibliothek ab und vermehrt lettere ſeit dieſer Zeit fortwährend durch Ueberweiſung der auf dem Wege des Schriftenaustauſches einlaufenden Werke und Zeit ſchriften. 1878 übergab der kliniſche Leſeverein 470 Bände mediziniſcher Zeitſchriften. Zum Schluſſe wollen wir noch erwähnen, daß die Vermehrung durch Abgabe von Pflicht exemplaren eine verhältnismäßig geringe war, da, wie der Verfaſſer mit Recht erklärt, die Beſtinmungen der Verordnung vom 5. Oktober 1836 unzureichend ſind Uebrigens ſind die Ausführungen des Verfaſſers über das in Heſſen beſtehende Pflichtexemplarſtatut S. 37 f. weder vollſtändig noch richtig. Was die Ordnung und innere Einrichtung der Bibliothek betrifft, ſo war von den erſten Bibliothekaren Bachmann und Steuber durch Aufſtellung von Katalogen ein ſchöner Anfang gemacht worden, wovon die noch vorhan dene Handſchrift Nr. 30 Zeugnis ablegt. Auch Landgraf Georg II. bemühte ſich 1631 um Aufſtellung eines Univerſal katalogs, und in dem oben erwähnten Titel 76 der Univerſitäts ſtatuten von 1629 waren dem Bibliothekar genaue Verhaltungs maßregeln bezüglich der ganzen Verwaltung gegeben worden. Ueber die Thätigkeit der Nachfolger jener erſten Bibliothekare: Ebel, Dieterich, Rudrauff und Phaſian ſcheinen Nachrichten nicht erhalten zu ſein. Nur ſoviel erfahren wir von letzterem, daß unter ſeiner Verwaltung arge Unordnung eingeriſſen iſt. Landgraf Ernſt Ludwig erließ daher 16986 ein Dekret mit der Aufforderung, die Bibliothek in rechte Ordnung zu bringen Es wurde auch ein Gutachten darüber ausgearbeitet, doch blieb es im weſentlichen dabei, da der neuernannte Bibliothekar Hedinger, der bereits eine Reviſion der Bibliothek vorge nommen und einen Katalog in Buchform zu fertigen ange fangen hatte, von Gießen wegging. Von Leiſtungen ſeines Nachfolgers Weber verlautet nichts, von Kortholt nur ſoviel, daß er eine Reviſion des Katalogs vornahm und einen neuen auf loſen Blättern anlegte An Stelle dieſer immer noch ſehr unvollkommenen Kataloge fertigte der neue Bibliothekar Arnoldi ein nach ſeiner Anſicht ſorgfältiger ausgearbeitetes Verzeichnis, das wiederum von deſſen Nachfolger Ayrmann für unbrauchbar erklärt wurde. Ayrmann ſelbſt hat einen eingehenden, übrigens ſtark mit Eigenlob durchtränkten Bericht über ſeine Verwaltung der May'ſchen und Univerſitäts Bibliothek in den Franckfurtiſchen Gelehrten Zeitungen von 1741(S. 506 ff.) niedergelegt. Ob er den von ihm ſelbſt ſo ſehr — 9— herausgeſtrichenen Katalog wirklich vollendet hat, iſt zweifel⸗ haft. Ein von dem Verfaſſer unter alten Geſchäftsbüchern aufgefundener Katalog von 1745 enthält nur die Hälfte der Bücher der eigentlichen Univerſitäts Bibliothek ausſchließlich der May'ſchen. Auch ließ ſich Ayrmann manche Unregelmäßig keiten zu ſchulden kommen, indem er die Bücher ſeiner Pripat und die der Univerſitäts Bibliothek nicht getrennt hielt. Nur durch das energiſche Vorgehen des nächſten Vorſtehers Koch, über deſſen Verwaltung wir ſonſt nichts Nennenswertes er fahren, konnte die Anſtalt vor Schaden bewahrt werden. Kochs Nachfolger Böhm, der die Bibliothek 33 Jahre lang verwaltete, machte ſich beſonders durch die Katalogiſierung der Kayſer'ſchen und Koch'ſchen Stiftung verdient. Die nächſten Vorſteher Schmid, Hezel, Kühnöl und Schmidt ſcheinen, ſoweit aus den Angaben des Verfaſſers hervorgeht, eine beſonders hervorragende Thätigkeit nicht entfaltet zu haben. Erſt Adrian, der ſeit 1825 bei der Bibliothek als Kuſtos beſchäftigt war und die Leitung derſelben 1830 proviſoriſch und 1835 definitiv erhielt, war es vorbehalten, die einheitliche Geſtaltung der Bibliothek durch Verſchmelzung der verſchiedenen, früher ge⸗ trennten Bücherſammlungen und durch Ordnung der gewaltigen Büchermaſſen nach einem wiſſenſchaftlichen Syſtem, dem von ihm etwas modifizierten Schleiermacher ſchen, durchzuführen. Auf dem Grund des von ihm in beſonderen Bänden verzeich neten und mit alphabetiſchem Geſamtregiſter verſehenen Syſtems legte er den wiſſenſchaftlichen Zettel⸗Katalog auf Quartblättern an und ſtellte ihm einen alphabetiſchen Katalog(auf Oktavblattern, wie wohl hätte angeführt werden dürfen zur Seite, eine Rieſenarbeit, der Adrian beinahe ein Vierteljahrhundert ſeines Lebens gewidmet hat und die er bis 1850 bewältigte. Nebenher fertigte er ein gedrucktes Ver zeichnis der Handſchriften und gab ein ebenſolches der Neu erwerbungen(unſeres Wiſſens zuerſt für 1838 u. d. T. Index Manuscriptorum et Impressorum quibus Bibliotheca academien Gissensis aucta est, ſeit 1839 u. d. T. Index Librorum quibus etc. welcher Titel 1873 in: Zuwachs Verzeichnis geändert wurde heraus. Adrians ruhmvolle Thätigkeit war für die Anſtalt eine ſo bahnbrechende, daß ſeinen Nachfolgern Schäfer und Schilling nichts übrig blieb, als den von jenem eingeſchlagenen Pfad weiterzuwandeln. Auch Noack, der erſte Fachbibliothekar, der die Leitung der Bibliothek im Jahre 1872 übernahm, konnte nichts Beſſeres thun, als die Verwaltung im Sinne ſeines berühmten Vorgängers fortzuführen. Gerade dadurch gelang es ihm, den mannigfachen, ſchwierigen und immer ſchwieriger ſich geſtaltenden Aufgaben, die die Neuzeit an den Leiter einer ſolchen Anſtalt ſtellt, gerecht zu werden und ſein Inſtitut, den feſten Rückgrat der Univerſitat, der nur durch umſichtige und gewiſſenhafte Verwaltung mehr und mehr ge feſtigt und gekräͤftigt werden kann und von dem dann wieder neue Lebenskraft auf Vertreter und Jünger der Biſſenſchaft fortgeſetzt ausſtrömt, für die letzteren von Jahr zu Jahr nutzbringender zu machen. Greifen wir nur den einen Punkt heraus, daß die Bibliothek von Anfang an wöchentlich eine Stunde, erſt Mittwochs, dann Samſtags geöffnet war, daß dieſe Zeit ſpäter auf ganze zwei Stunden ausgedehnt wurde— wann dies geſchah, ſagt der Verfaſſer nicht—, und — 10 daß man auf dieſem Standpunkte bis 180) verharrte, in welchem Jahre endlich vier Stunden dafür beſtimmt wurden, daß dagegen unter Noack die Zahl der wöchentlichen öffentlichen Stunden auf nicht weniger als dreißig vermehrt wurde, ſo wird man ſich, von allen anderen Verhältniſſen ganz abgeſehen, ein Bild von dem gewaltigen Fortſchritt der Anſtalt in den letzten Jahr. zehnten machen können. Werfen wir endlich noch einen Blick auf das äußere Schickſal der Bibliothek, ſo läßt ſich nur mit Genugthuung konſtatieren, daß ein gnädiges Geſchick von jeher über ihr ge waltet hat. Schwebte auch die Anſtalt während des ſieben jährigen Krieges und ganz beſonders in den kriegeriſchen Zeiten zu Ende des vorigen Jahrhunderts, worüber ſich der Verfaſſer vornehmlich an der Hand der in den Akten vorliegenden Berichte ſehr eingehend verbreitet, mehrfach in großer Gefahr, Not zu leiden oder gar verſtümmelt und beraubt zu⸗ werden. ſo gelang es doch dem ebenſo mutigen wie vorſichtigen und taktvollen Benehmen der Univerſitäts und Bibliotheksbeamten, die Bibliothek vor bedeutenderem Schaden zu bewahren. Seit dieſer Zeit hat letztere keinerlei Verluſt mehr zu beklagen gehabt, vielmehr, wie wir geſehen haben, nur Förderung erfahren von Regierung und Landſtänden durch Gewährung reichlicher Mittel zur Ergänzung und Vermehrung der Bücher beſtände, von fürſtlichen Gönnern und von Freunden der Anſtalt aus akademiſchen und anderen Kreiſen durch Ueberweiſung von Geſchenken, oft von bedeutendem Umfang und Wert, und endlich nicht in letzter Linie durch die Treue und Hingebung der Beamten, denen die Leitung und Verwaltung der Bibliothek anvertraut war. Möge die Anſtalt, welche einen geachteten Platz unter den öffentlichen Bibliotheken des deutſchen Reiches einnimmt, ſich all dieſer Gunſt auch in dey Zukunft erfreuen! Möge ſie zum Heile der Wiſſenſchaft und zum Nutz en aller derer, die an unſerer Landes Univerſität den erhabenen Beruf des akademiſchen Lehrers ausüben und noch ausüben werden, und nicht minder aller derer, die dorthin, um zu lernen, gekommen ſind und noch kommen werden, wachſen, blühen und gedeihen! Das iſt der Wunſch, mit dem der Verfaſſer ſeine Daxlegungen beendet: mit einem beſſeren wüßten auch wir nicht zu ſchließen. II. Der vorſtehenden kurzen Skizze, in der wir es verſucht haben, einen Ueberblick über den Inhalt von Heuſer'’s Schrift: Beiträge zur Geſchichte der genannten Bibliothek durch Anordnung des Stoffes nach ſachlichen Geſichtspunkten zu liefern, laſſen wir noch einige weitere Bemerkungen zugleich Nachträge und Berichtigungen folgen, die wir bei aller An erkennung, die der fleißigen Arbeit zu zollen iſt, doch nicht unterdrücken können. Der Verfaſſer ſcheint die Unzulänglichkeit, die ſeine Schrift in manchen Punkten aufweiſt, felbſt gefühlt zu haben, da er ihr einen mit dem Inhalt nicht ganz überein ſtimmenden Titel gegeben hat. Es ſind doch nicht Beiträge zur Geſchichte, die er anzubieten hat, ſondern ein vollſtändiger 11— Abriß der Geſchichte von 1607- 1885. Schon in der genannten Skizze haben wir auf einige Mängel aufmerkſam gemacht, ſo insbeſondere darauf, daß der Verfaſſer es ſo wenig der Mühe für wert erachtet hat, den Charakter der verſchiedenen Bücher ſammlungen, welche nach und nach in die Bibliothek aufge nommen wurden, näher darzulegen, wenn auch nur durch kurze Angabe des wiſſenſchaſtlichen Gebietes, auf dem der ehe malige Beſitzer gearbeitet hat. Ueber die Angabe von Schmid im„Journal von und für Deutſchland“ 1791=. 968, daß um 1668 die Bücherſammlung eines gewiſſen Ebden erkauft worden ſei, ſchweigt der Verfaſſer ganz. Der Zuſtand des Lokals der Bibliothek in früheren Zeiten wird wiederholt eingehend beſprochen; wo ſich aber jenes eigentlich befunden, erfahren wir erſt in Form einer Randbemerkung zu dem Bericht über die Verwaltung Schmidts 1803— 30 S. 39, Der offizielle Bericht über den Zuſtand der Bibliothet in der nach 1719 vorge nommener Reviſion der Uniyerſität erlaſſenen General und Haupt Verordnung vom 22. Februar 1720 S. 19: Nachdeme aber, ſo viel die Bibliothec ſelbſt betrifft, Uns vorgekommen, daß dieſelbe gantz unten in dem Collezio ſtehe, daſelbſt ſie nicht nur keinen gnugſamen Raum mehr hat, ſondern auch wegen des feuchten Platzes Schaden leiden muß, zugeſchweigen, daß im Winter niemand dieſelbe wohl beluchen kan, als ſeynd Wir auf die Gedancken gefallen, ꝛc ꝛc. wird ganz weggelaſſen. S. 7 wird der Bücher gedacht, welche Landgraf Moritz einſt aus Ziegenhain nach Marburg gegeben hatte und die durch den Vergleich vom Jahre 1627 an Heſſen Kaſſel zurückgelangten. Gleich darauf finden wir das dieziſche und ziegen hainiſche Geſchenk erwähnt, von denen jenes in Handſchrift 28 verzeichnet ſei. Der Verfaſſer hält alſo das für zwei ver ſchiedene Sammlungen. Ein Blick in Rominiel Geſchichte von Heſſen. 5 Band. S. 99, hätte ihn belehren können, daß beide identiſch ſind. Graf Chriſtonh Ernſt zu Dietz, der 3 Sohn Philipps des Großmütigen aus zweiter Ehe, wurde ſeit 1570 in Ziegenhain in Gefangenſchaft gehalten und lebte dort be⸗ ſonders ſeinen litterariſchen Neigungen. Nach ſeinem 1603 er⸗ folgten Tode ſchenkte Landgraf Morit die von ihm hinter laſſene reichhaltige Bücherei der Univerſität Marburg. Wenn S. 11 erklärt wird, daß die Univerſitäts Bibliothek wohl in dem Zuſtand, in dem ſie 1648 warum gerade 1648 und nicht 16502) ſich befand, alſo beſtehend aus der alten Marburger und der ehemaligen Gießener, nach Gießen zurück gekommen ſei, ſo glauben wir, daß ſich das mit Hilfe der noch vorhandenen alten Kataloge(Handſchr. 29 und 30) ſicherer hätte ermitteln laſſen. Zu der in dem Berichte des Biblio thekars Kortholt vom Jahre 1717 enthaltenen Bemerkung, er habe die Bibliothek in dieſem Jubeljahr durch ein an allen Tiſchen ausgeteiltes Programm:„De bibliothecis, maxime pu- plicis, utiliter adenndis paraenesist solemmiter exöffnet, hätte beigefügt werden ſollen, daß dies im Jahre 1716 gedruckte Programm noch erhalten iſt. Ueber den von Ayrmann um 1740 als Amanuenſis beſchäftigten Stud. Kreußler waren genauere Angaben zu machen, da ſonſt eine Verwechslung mit dem ſpäter genannten Chriſtian Wilhelm Kreusler um 1770 Gehilfe des Bibliothekars Böhm, ſtarb 1786 als Roktor zu Corbach), zumal dieſen der Verfaſſer an den Hauptſtellen nur mit dem Zunamen und im Nerſonenverzeiehmis Kreußler nennt, zu leicht eintreten kann. Wie 1716 ein Graf Thom in Leiden dazu kam, der Bibliothek zwei wertvolle Werke zu ſchenken, hätte wohl durch die Bemerkung erläutert werden können, daß dieſer, der die diplomatiſche Laufbahn eingeſchlagen und es darin zu hohen Ehren gebracht hatte, ein Gießener Kind war. Friedrich Thom, der ſich ſpäter Thoms genannt zu haben ſcheint, geb. 1696 zu Gießen als Sohn des Poſtmeiſters, ſpä teren Kriegszahlmeiſters Lorenz Thom, wurde nach in feiner Vaterſtadt abſolvierten juriſtiſchen Studien 1719 erſter Sekretär bei der deutſchen Kanzlei des Königs in London, 1725 braun⸗ ſchweigiſcher, 1732 ſachſen gothaiſcher Geſandter daſelbſt, ſpäter preußiſcher Geheimrat und endlich Großhofmeiſter des Königs in Neapel und Graf. Um 1739 zog er ſich nach Leiden ins Privatleben zurück und ſtarb daſelbſt 7. September 1746(val. Hchf. Heſſen Darmſt. Staats und Adreß Kalender. 1785. S. 251— 264). Da die Schenkung in das gleiche Jahr fällt, ſcheint Thoms ſich kurz vor ſeinem DTode ſeiner Vaterſtadt er innert zu haben, wenn man nicht annehmen will, daß die Ge ſchenke aus ſeinem Nachlaß nach Gießen gelangten. Von Bibliothekar Böhm hätte doch mitgeteilt werden ſollen, daß er in verſchiedenen Programmen im Jahre 1771 (der Verfaſſer citiert nur ganz kurz das eine vom 29. Juli) alte Druck und Handſchriften der Univerſitätsbibliothek be ſprochen hat. Ebenſo geht die von Chr. H. Schmid her rührende„Kurze Geſchichte der Univ. Wibliothek zu Gieſſen“ im„Journal v. u. f. Deutſchland“. 1791. S. 963—73 auf jenen zurück, da dem Titel die Bemerkung beigeugt iſt:„Nach einem handſchriftlichen lateiniſchen Aufſatz des ſeeligen Geheimde⸗ raths Böhm“, was der Verſaſſer unerwähnt läßt. Unter Böhm meldete ſich 1779 der Lehrer am Pädagogium Karl Phil. Michgel Snell als Hilfsarbeiter; ob er angenommen wurde, ließ ſich nicht ermitteln. 1786 ſchlug nach Angabe Heuſers Böhm den praeceptor paedagogii Snell als Gehilfen vor, und der Ver faſſer fügt die Frage hinzu: Derſelbe wie vorher? Hätte er nur den ſonſt ſo oft von ihm citierten Strieder(Grundlage zu einer heſſ. Gelehrten und Schriftſteller Geſchichte. 15. Band. g. 41 ff. nachgeſchlagen, ſo würde er gefunden haben, daß K. Ph. Michael Snell 1780 als Rektor der Domſchule nach Riga aing und erſt 1787 in die Heimat zurückkehrte. 1786 war nur ein Snell Lehrer am Vädagogium zu Gießen, nämlich Friedrich Wilhelm Daniel Snell, der jüngere Bruder des vorigen(aeb. 1761, geſt. als Profeſſor der Geſchichte 1827). In dem Ab⸗ ſchnitt über Chriſtian Heinrich Schmid wäre eine, wenn auch nur kurze, Bemerkung erwünſcht geweſen, daß dieſer einſt unter dem Namen„der Gießener Schmid“ bekannte, ungemein fruchtbare und als Recenſent gefürchtete Schriftſteller. der heute ſo aut wie vergeſſen iſt, in der Sturm und Drangperiode unſerer Litteratur eine Rolle geſpielt hat(ugl. über ihn jetzt Pröhle in der Allg, Deutſchen Biographie. 31. Band S. 650 ff). Aber daß er die oben erwähnte„Kurze Geſchichte der Univer ſitäts-Bibliothek“ nach den Aufzeichnungen Böhms veröffent licht und noch weitere Aufſätze über letztere aeſchricben hat vgl. z. B.„Journal von und für Deutſchland“. 1791. S. 643 ff., 956 ff., hätte nicht übergangen werden dürfen. Den Vorwurf, den der Verfaſſer S. 52 gegen den ſonſt von ihm ſo hochgeſtellten Adrian erhebt, daß dieſer den Katalog der Handſchriften ohne Vorwiſſen der Univerſität 1840 habe in Frankfurt drucken laſſen und auch auf deſſen Titel der Zuſatz: Sumptibus academiae ungerxechtfertigter Weiſe weggeblieben wäre, hätte er ſich um ſo mehr erſparen können, als er einen attenmäßigen Beweis dafür nicht erbringt. Wie vielmehr aus ſeiner eigenen unmittelbar vorhergehenden Dar legung hervorgeht und auch Adrian in der Vorrede erklärt, erfolgte der Auftrag zur Abfaſſung direkt durch Großherzog liches Miniſterium, das auch die Geldmittel zur Veröffent lichung hergab. Wann das ebenfalls von Adrian verfaßte: „Verzeichniß der den Druckwerken der Großherzoglichen Uni⸗ verſitäts Bibliothek zu Gießen beigebundenen Handſchriften“ erſchienen iſt, erklärt der Verfaſſer nicht zu wiſſen. Es wäre ihm ein Leichtes geweſen zu ermitteln, daß die Veröffent lichung in die Jahre 1859— 61 fälle. Es ſind 3 halbe Quart bogen, im ganzen 11 Seiten, von denen je eine mit dem Index librorum für 1858, 1859 und 1860 ausgegeben wurde. Die weitere Angabe Heuſers, dieſes kleine Heftchen ſei von Adrian dem Großherzog Ludwig II. gewidmet worden, be ruht auf einer Verwechſelung mit dem oben genannten großen Katalog von 1810. Ueber den Urſprung des von Adrian ge⸗ wählten und Henie noch in Gießen eingeführten wiſſen⸗ ſchaftlichen Syſtems iſt der Verfaſſer nicht ganz im Klaren. Er nagte dasſelbe ähnle ſehr dem von Andreas Auguſt Ernſt Schleiermacher veröffentlichten biblio graphiſchen Syſtem der geſamten Wiſſenſchafts kunde Braun⸗ ſchweig 1847). Von einer bloßen Aehnlichkeit kann hier doch keine Rede ſein. Es iſt das von Schleiermacher für die Neu⸗ ordnung der Hofbibliothek entworfene Syſtem, das wir hier vor uns haben, mit einigen von Adrian teils ſelbſtändig, teils nach der von Schleiermacher vorgenoinenen zweiten Re daktion, nach der das Syſtem 1847 gedruckt wurde, ge machten Aenderungen. Wenn von Heuſer dem Syſtem der Vorwurf gemacht wird, daß hier ſämtliche Wiſſenſchaften ent zweigeriſſen ſeien, indem Geſchichte und Bibliographie bei A ſtünden, ſo könnte es ſcheinen, als habe es Schleiermacher ge fallen, hier rein willkürlich zu verfahren. S bleiermachers Maßnahme hat aber ihren guten Grund. Er ging dabei von der Anſicht aus, daß Litterärgeſchichte und Bibliographie der einzelnen Wiſſenſchaſten mit zu dem Handwerkszeug der Bib liotheksbeamten, wie der Gelehrten gehören, die deshalb mit der allgemeinen Litterärgeſchichte und Bibliographie zu ver⸗ einigen und in einem dem Arbeits⸗ und Leſeſaal zunachſt ge legenen Raume aufzuſtellen ſind. Das Beiſpiel, das Heuſer anzuführen beliebt, um Schleiermachers Syſtem zu illuſtrieren: „Kants Werke 3. B. ſtehen zwar in U(Philoſophien; irgend eine Exläuterungsſchriſt dazu aber in Aà“. hätte er beſſer weg gelaſſen. Denn Kants geſammelte Werke. die außer ſeinen philoſophiſchen Schriften doch⸗ auch ſolche über phyſikaliſche Geographie, Aſtronomie, Aeſthetik, Theologie u. ſ. w. enthalten, gehören weder nach dem alten, noch nach dem neuen Schleiermacher'ſchen Syſtem, alſo auch nicht nach dem in Gießen eingeführten zu l’, ſondern zu 8. und nun gar die Erläuterungsſchriften erſt recht nicht zu X, ſondern zu der ſpeziellen Schrift, die darin erläutert wird. Wenn in Gießen — 141— ſo katalogiſiert worden iſt, wie Heuſer angiebt, ſo iſt das eben falſch. Für Fehler, die bei Anwendung des Syſtems gemacht werden, kann aber deſſen Urheber ſchwerlich die Verant wortung tragen. Noacks vielſeitige Thätigkeit für die Bibliothek erſtreckte ſich auch, wie der Verfaſſer erklärt, auf die in ihr enthaltenen Inkunabeln, die er 1874 ausſchied und in einem beſonderen Raume aufſtellen ließ. Wir können es aber nicht recht glauben, wenn der Verſaſſer angiebt, Noack habe die Inkunabeln bis 1530 40 gerechnet. Ein allgemein anerkanntes einheitliches Prinzip für die Verzeihnung der Inkunabeln beſitzen wir ja leider nicht, man zählt ſolche bis 1500, bis 1520, bis 1536, man kann vielleicht auch bis 1540 gehen oder bei 1530 bſtehen bl eiben. Aber einen feſten Grenzpunkt muß man dafür anſetzen; ein Spielraum von 10 Jahren kann nur Verwirrung ſtiften. Der Verfaſſer fährt dann fort:„1873 im Oktober wurde das In ventar begonnen, konnte allerdings⸗ nicht fertig geſtellt werden“. Iſt damit das Inventar der Inkunabeln oder etwa der Mobilien gemeint? Noack hat nach der Ausſage des Verfaſſers 1876 jerner damit begonnen, die wichtigeren Zeitſchriften und Aka demieſchriſten zu excerpieren, und zwar zunächſt die Namen der Verfaſſer der darin enthaltenen Aufſätze in den alpha betiſchen Katalog aufzunehmen. Man kann ſich, wie auch der Verfaſſer beſcheiden andeutet, mit dieſer Maßnahme um ſo weniger einverſtanden erklären, als eine ſolche Rieſenarbeit bei einer mit kleinem Perſonal ausgeſtatteten Bibliothek ſich kaum ohne Beeinträchtigung der unbedingt notwendigen W. beiten, wie z. B. Ausarbeitung des nach der Angabe auf S. 55 unzureichenden alphabetiſchen Katalogs, wird durchführen laffen Auch iſt, wenn dann einmal die Zeitſchriften ausgezogen werden ſollen, für eine Univerſitäts Bibliothek ein ſyſtematiſcher Realkatalog ungleich wichtiger, als der genannte alphabetiſche. Aber auch der Aufſtellung eines ſolchen ſyſtematiſchen können wir nicht unbedingt das Wort reden, da der erzielte Gewinn zur aufgewendeten Mühe in keinem Verhältnis ſtehs und oben drein heutzutage durch Jahresberichte über die Fortſchritte der einzelnen Wiſſenſchaften, Bibliographieen und Repertorien die nämliche Arbeit zum Teil wenigſtens geleiſtet wird. Da wir ſoeben von dem kleinen Perſonal der Bibliothek geſprochen haben, können wir an der Thatſache nicht ſtill ſchweigend vorübergehen, daß der Verſaſſer den Perſonal fragen einen ſehr bedeutenden Platz in ſeinem Werk eingeräumt hat. Für die ältere Zeit iſt das ja gewiß auch von Intereſſe Daß aber der Verfaſſer dieſe Fragen mit ſich immer ſteigernder Genauigkeit bis in die allerneueſte Zeit hinein erörtert, kann unſere Billigung nicht finden. Für wen eigentlich glaubt er die Notizen niedergeſchrieben zu haben, daß ſich bei Erledigung der Stelle des Bibliothekars die Profeſſoren X. J. Z.— aus begreiflichen Gründen unterlaſſen wir es hier, Namen wieder zugeben gemeldet haben, daß der Gehilfe N. um die Er teilung des Charakters als Bibliothekar und Erhöhung ſeiner Remuneration einkam, daß der neuernannte Diener ſeinen Dienſt erſt am 5. Mai ſtatt am 21. März antrat, u. dgl. mehr? Wenn man auf dieſe Weiſe die Geſchichte größerer Bibliotheken ſchreiben wollte, müßte man Folianten füllen. Die Veröffent⸗ 15— lichung iſt ja, wie der Verfaſſer im Eingang ausdrücklich er⸗ klärt, mit Bewilligung der vorgeſetzten Behörde erfolgt; trotz⸗ dem hätte er ſich eine größere Beſchränkung in dieſer Richtung auferlegen dürfen, ohne fürchten zu müſſen, daß das Bild, das er von der geſchichtlichen Entwicklung ſeiner Anſtalt entwerfen wollte, irgendwie Schaden litte— Was die Quellen, die der Verfaſſer benutzt hat, anlangt, ſo haben wir es nicht als unſere Aufgabe betrachtet, eine Nach prüfung, die ja auch, ſoweit Aktenmaterial in betracht kommt, unmöglich wäre, vorzunehmen. Nur der obenerwähnte Bericht Ayrmanns in den„Franckfurtiſchen Gelehrten Zeitunger“ iſt von uns mit der Wiedergabe, die er durch Heuſer erfahren hat, verglichen worden, wobei ſich ergab, daß er ſich nicht ſelten Abanderungen an Stellen erlaubt hat, wo eine Notwendigkeit dafür keineswegs vorlag. Daß er die höchſt intereſſanten Urteile Ayrmanns über Inhalt und Bedeutung der einzelnen Abteilungen der Bibliothek ganz weggelaſſen hat, wollen wir hierbei nicht einmal beſonders betonen. Erwünſcht wäre es geweſen, wenn der Verfaſſer ſich über den Charakter der ge ſchichtlichen Arbeiten Noacks, die dieſer in bezug auf die Bibliothek geliefert hat, näher ausgelaſſen hätte. Zu Anfang erwähnt der Verfaſſer Aufzeichnungen Noacks, von denen er nur ſolche, die die ältere Zeit betreffen, anführt. Man müßte alſo annehmen, daß dieſe Arbeit Noacks unvollſtändig geblieben iſt, wenn nicht S. 65 von dem Verfaſſer die damiit nicht über einſtimmende Mitteilung gemacht würde, Noack habe eine bis 1881 reichende Chronik geführt. Im Anhand giebt der Verfaſſer eine kurze leberſicht der Bibliothekare, übrigen Beamten und Diener in chronologiſcher Reihenfolge und eine gleiche der Entwicklung des Budgets, die ſogar bis 1889 weitergeführt wird. Das angehängte alpha betiſche Perſonenverzeichnis iſt weder vollſtändig, noch mit be⸗ ſonderer Sorgfalt ausgearbeitet. 3 Trotz alledem würde man ungerecht handeln, wenn man dem Verfaſſer den Dank, der ihm für ſeine fleißige Arbeit ge bührt, vorenthalten wollte. Man wird ihm ſogar in dem einen Punkte, den wir oben beanſtandet haben, recht geben, daß er nur Beiträge zu einer Geſchichte ſeiner Anſtalt liefern wollte und gelieſert hat. Eine vollſtändige, alle Verhältniſſe einer Bibliothek gleichmäßig berückſichtigende Geſchichte wird erſt noch geſchrieben werden müſſen. Darmſtadt, im April 1891. Far᷑rs„7 06, gaddo a 2 Dr. Guſtav Nick. CI, Aon s Ae rtirar(ia) e A faue Aa, A . Green vellow Grey 2 Grey 3