mmit Chriſtliche Leichpredigt. Ve der Trawrgenß Begrebnus / Weilandt der WolEd⸗ len vnnd viel Ehren Tugendreichen Fraen / Dorotheæ Margaretæ von der Malsburgk / Ge⸗ iW bornen Eddel Tochtern zu Bewren. Welche den 6 Fr⸗ Januarii dieſes 16 00. Jahrs / in Gott ſanfft vnd ſiglch entſchlaffen / vnd volgends den 28. ge⸗ dachtes Monats in der Kirchen zu Bbern⸗ bein ingen / Chriſtlich zur Erden be⸗ 5 ſtattet worden iſt. Gehalten durch 1 O H A NNEM BR ANDI5 Dienern am Heiligen Wort GOttes S daſelbſt. Gedruckt zu Caſſel / durch Wilhelm F Weſſel/ Anno 1600. E S e 5 S 566 5 * * 6 S65. P Dem Edlen / Beſtren⸗ gen vnd Ehrnbeſten Herman Gotſchal⸗ cken von der Malspurgk / meinen Gros⸗ gunſtigen vnd Gepietenden lieben Jungkhern vnd Pattono. Ottes Gnad bnd troſt LN ſampt meinem Gebet zu . ſ — Gott / vnd ſchuldigen bereit⸗ S willigen dienſien / zuvor an / Edler Geſtrenger vnd Ehrn⸗ S peſter Großgunſtiger vnnd Gebietender Jungkherr. Was fur groß leid vnd betuͤmmerniß das mit ſich bringt vnnd verurſa⸗ chet / wenn die jenigen ſo mit ſonderlichen Ban⸗ den der liebe vntereinander verbunden ſeindt / durch den Todt geſcheiden werden. Solches gibt die erfahrung vnd beʒeugens viel Erempel. Vnnd gehets gemeiniglich / wie der alter Lehrer Gregorius ſagt: Quæcunq́; ferventius diligimus habi- ta, tanto gravlus ſuspiramus & dolemus ablata. Das iſt⸗ Alles was wir ſehr hefftig lieben / weil wirs ha⸗ ben / das beſeufftzen vnd betrawren wir deſio her⸗ ter / wenn es von vns genommen iſt. Wie A ij mann mann auch ſagt: Was hertzt das ſchmertzt / was liebt das betruͤbt. Vnnd iſis nicht moglich al⸗ dieweil die Menſchen nicht vnempfindlich holt vnnd ſiein ſeindt / das ſie alle trawrige afferten gentzlich von ſich werffen koͤnnen / Darumb Kei⸗ ſer Antonius Pius ſeine hoffleut geſtrafft / da ſie eines geſpottet / der vmb ſeines abgeſtorbenen freundes willen / ſich hart betruͤbet / vnd geſaget: Permittite illi ut fit homo: neq́; enim philoſophia neq́; imperium tollit affectus. Dasiſi: Laſſet jhn doch ei⸗ nen Menſchen ſein / dan ſolche liebeneigung kan weder durch kunſt / noch gewalt hinweg genom⸗ men oder gedempfft werden. Sonderlich aber bringt das groſſen ſchmertzen vnd hertzleid / wen ein Ehegenoß vom andern durch den Todt ge⸗ trennet wirt. Sintemal der Eheſtandt die aller⸗ feſteſte Buͤndnuß vnd verknuͤpffung iſt / dadurch zwey ein fleiſch ſeind / Matth. )o. vnd (ſo zu re⸗ den) ein hertz in zweyen leiben. Darumb haben auch die heiligen Gottes Menner / Abraham ſei⸗ ne Saram Gen: 23. vnnd Jacob ſeine Rachel die vber der geburt jhres juͤngſien Sons Benja⸗ mins das leben gelaſſen Gen:35. ſo hertzlich vnd ſchmertzlich betrawret vnd beklaget. Vnd iſi jhm freylich alſo / wie Euripides ſpricht: Quid vi- to eſt majus malum, quam privari fida uxoreꝰ Das it / was kan was kan einem Manne gröſſer vbel widerfah⸗ ren / als wenn er einer getrewen Haußſrawen beraubet wird? Iſt demnach kein wunder das E. Geſi. vnd Ehrnv. wegen des todlichen abſchiedes jhres hertzallerliebſten Ehegemahls / dermaſſen voll bekuͤmmerniß vnd tratvrens worden. Jedoch muß die gebuͤrliche maß darin gehalten vnd troſt wider gefaſſet werden. Wie Syrach am 38. lehret / Mein Kindt wenn einer ſtirbt ſo beweine jhn / etc. Vnnd troͤſte dich auch wider das du nicht trawrig werdeſt / dann von traiwren kompt der Todt / vnnd des hertzen trarigkeit ſchwechet die kraͤffte. Las die trawrigkeit nicht in dein hertz / ſondern ſchlahe ſie von dir / vnnd dencke ans ende vnd vergiß nicht. Denn da iſt kein widerkom⸗ men. Es hilfft jhn nicht vnd du thufi dir ſcha⸗ den. Gedencke an jhn / wie er geſtorben iſt / ſo muſiu auch ſterben / Geſtern wars an mir / heut iſis an dir · Weil der Todte nun in der ruhe ligt / ſo hore auch auff ſein zugedencken / vnd troͤſte dich wider vber jhn / weil ſein Geiſt von hinnen ge⸗ ſcheiden iſt. Vnnd S. Paulus ſchreibt derglei⸗ chen ). Theſſ. «. Wir wollen euch nicht verhal⸗ ten von denen die da ſchlaffen / auff das jhr nicht trawrig ſeidt / wie die andern die keine hoffnung haben. 2 tij. Kein — — Kein beſſer troſt aber kan gefunden werden / dann allein in Gottes heiligem Wort. Davon der o4. Pſalm. ſaget: Ich hatte viel bekuͤmmer ⸗ nus in meinem hertzen / aber deine troͤſtungen er⸗ getzeten meine Seele. Item der n9. Pſalm: Wo dein Wort nicht mein troſi geweſen were / ſo were ich vergangen in meinem elende. Wie auch S. Hieronimus vber die wort des Jone: Da meine Seele bey mir verzaget / gedachte ich an den HErren / ſchreibet: Quiequid impoſũbile eſt re⸗ cordatione Domini ſuperatur. das iſt / was vnmuͤg⸗ lich iſt / das wird durch die gedechtnis an den HErren vberwunden. Derentwegen vnd zu dem ende habe ich nun die Predigt / ſo ich bey der Leichbeſtattung Weiland der wol Edlen vnd viel Ehrn Tugendtreichen Fratwen Porothea Mar gareta von der Malspurgk / Gebornen Eddel ochter zu Beivren / E. Geſt. vnnd Ernv. Ehe⸗ gemahls wolſeliger gedechtniß / auß Gottes wort zu Chriſtlichem troſt gethan / auff erforderung / zu Papier gebracht / damit ſie ferner zu troſt moͤ⸗ ge gebraucht werden. Vnd thue dieſelben E. Geſt. vnnd Ernv. ſo wol auch allen den wolſeli⸗ gen Frawen verwandten vnnd angehoͤrigen / ſo neben E. Geſt. vnnd Ernv. jhres toͤdlichen ab⸗ gangs halben betrubet ſeindt / offeriren. Mu vnterdien ſilicher bitt / ſie wollen ſolche gering⸗ ſchetzige / doch wolgemeinte arbeit / jhnen belie⸗ ben vnd gefallen laſſen / vnnd im beſien auffneh⸗ men. Gott befohlen / Datum Oher Elſingen amꝛ8. Martij. Anno 1600. E. Geſt. vnnd Ernv. Bnterdienſtwilliger Ioannes Brandis. Eliebten im HeErren JEſu Chri⸗ B 5 ſto / Weil der Allmechtige Gott vnd Vatter / . nach ſeinem Vaͤtterlichen vnerforſchlichem Raht vnd willen / auß dieſem leben abgefordert / wei⸗ landt die Wol Edlen vnnd viel Ehren Tugendreichen Frawen / Dorotheam Margaretham von der Mals⸗ purgk / Geborne Edel Tochter zu Bewren / vnnd wir jetzo in dieſer Gemeine verſamlet / das wir jren Leichnam Chriſtlich vnnd gebuͤhrlich zur Erden beſtaten. So wollen wir anfenglich vnſern HErrn vnnd Gott fleiſſig bitten / das er vns ſeinen heiligen Geiſt verleihe / recht⸗ ſchaffen zu handeln ſein Wort / das die betrubten vnd trawrigen darauß Troſt vnd Gedult ſchopffen / vnd wir alle zu Chriſtlicher errinnerung vnſer ſterbligkeit vnnd nachfart / ermuntert werden mogen. PVnſer Vatter etc. Zu dieſer Leichpredigt wollen wir vor vns nehmen den Geiſtreichen feinen Spruch Davids / im ʒ1. Pſalmen. In deine Hende befehle ich meinen Geiſt / du haſt mich erloſet / HE RR / du Getrewer GOTT. * l⸗ Eliebten im HRren / *Es iſt kein Menſch auff Erden ſogluckſelig geweſen / als Salo⸗ mon in ſeiner herrligkeit / dann wie wir im Erſten Buch von den Koͤnigen vnd im Andern Buch der Chronica leſen / war er ein Koͤnig vber Iſtael zu Jeruſalem / vnd groͤſſer dann al⸗ le Konige auff Erden / vnnd hatte mehr Weißheit dann alle die vor j hm zu Jeruſalem geweſen. o war er auch mit Reichthumb dermaſſen geſegenet das man des Silbers zu ſeiner zeit nicht achtete / dann deſen zu Jeruſalem ſo viel als der ſteine geweſen. Darzu war er in einem friedlichen zuſtande / vnd hatte friede von allen ſeinen VBnderthanen vmbher / das Juda vnd Iſ⸗ rael ſicher wohneten / ein jeglicher vnter ſeinem Wein⸗ ſtock vnd Feigenbaum / von Dan biß gen Berſeba / ſo lange Salomo lebete. Nun ſchreibet aber gleichwol derſelbige / nachdem er ſich in der Welt fleiſſig vmbgeſehen / vnd wie es darin⸗ nen vmb allerley gethan vnd beſchaffen / erforſchet: Er habe befunden / das nichts auff Erden warhafftig vnnd beſtendig / ſondern alles darinnen vnbeſtendig / zergeng⸗ lich / nichtig vnd gantz eitel / vnnd derhalben der Tag des Todes (deren die Gotſelig dahin ſterben) beſſer / als der Tag der Geburt ſey. Prediger Salomon am1.vnd7. Cap. Von ſolcher eitelkeit redet auch Job amʒ. Cap. da er ſpricht: Es ſterben & vnd Rahtsherren auf Erden / die das wuͤſte baten / die Furſten die Gold ha⸗ ben / vnd deren Heuſer voll Silbers ſeindt. Klein vnd groß / Knecht vnd der von ſeinem Herren freygelaſſen. Item Syrach am 40. Es iſt ein elend jemmerlich ding vmb aller Menſchen leben / von Mutter Leibe an / biß ſie in die Erde begraben werden / die vnſer aller Mut⸗ ter iſt / da iſt jmmer Sorge / Furcht / Hoffnung vnd zu letzt der Tod / ſo wol bey dem der in hohen Ehren ſitzet / als bey dem geringſten auff Erden. So wol bey dem der Seiden vñ kron tregt / als der einen groben Kittel an hat. Dieſelbig eitelkeit iſt auch den ſieben Weiſen Maͤnnern / ſo den Alexandrum Magnum / nach ſeinem Tode be⸗ klaget / zu Hertzen gangen. Dann der Erſte ſprach: D Alexander / Geſtern wareſtu ein Herr vber die gan⸗ tze Welt / heut muſtu den Todt laſſen vber dich herſchen. Der Ander ſprach: B Alexander / Geſtern war dir die gantze Welt zu enge / heut bedarffſtu kaum ein ſtucklein Erden / zweyer Elen breit vnd vier lang. Der Drit⸗ te ſprach: O Alexander / Geſtern ſtunden Koͤnige vnnd Fuͤrſten vmb dich her / Heut muſtu allein im Grabe hauſen. Der Vierdte ſprach: D Alexander / Ge⸗ ſtern muſten dich alle Leut furchten / Heut furchtet ſich niemandtfur dir. Der Fuͤnffte ſprach: Geſtern hoͤ⸗ ret jedermann deine ſtimm / heut kanſtu nicht ein Wort reden. Der Sechſte ſprach: O Alexander / Geſtern wareſtugeſund vnd ſchoͤn geſtalt / Heut biſtu Todt vnd gantz ſcheußlich anzuſehen. Der Siebende ſprach: O Alexander / Geſtern muſte mann dir allerley u peiſe Speiſe furtragen / Heut biſtu der Wurme Speiſe. Re⸗ genten Taffel parte;. fol. 381. Es hat davon auch GOTTder HERR ſelbs nicht allein vnſerm Vatter Adam geſagt / Geneſ. ʒ. Du biſt Erde vnd ſolt zu Erden werden. Sondern er ruffet vns allen zu / Eſa. 40. Alles fleiſch iſt Hew / vnd alle ſeine Guͤte iſt wie eine Blume auff dem Felde. Das Hew verdorret / die Blume verwelcket / dann des HErren Geiſt bleſet darein / Ja das Volck iſt das ew. * Ja es bezeuget ſolche eitelkeit / die tagliche erfah⸗ rung / vnd haben wir derſelben jetzo ein gezeugnis vnnd errinnerung an gegenwertiger Leich vor vnſern Augen. Weil dann dieſem alſo / Was kan dann beſſer von vns geſchehen / dann das wir vnſer Hert / Sinn vnd gedan⸗ cken auff den beſtendigen vnnd ewigen wolſtandt vnſer Seelen richten / vns damit troſten / vnnd Chriſtlich da⸗ zu gefaſt machen. Zuwelchem ende ich dann das jetzt verleſenes Gebetlein Davids dißmal zu handeln vorgenommen. Welches ob es wol an Worten kurtz / doch nach dem verſtande ſehr reich iſt. Vnnd begreiffet / die allerhoͤheſte / furnemeſte vnd noͤtigſte kunſt / damit das allerbeſte / ſo dem Menſchen widerfahren mag / daman ſie recht weiß vnnd gebrauchet / ʒugewinnen / deſſelbigen aber / da mann ſie nicht weiß / in Ewigkeit muß verlu⸗ ſtig bleiben. Weil aber David in dieſen Wor⸗ ten erſtlich ſein Gebet thut/ vnnd G O T T ſeine Bii Seele Seele befihlt / vnd darnach hinzu thut / in waͤs fur zu⸗ vnnd vertrawen / er ſolch ſein Gebet abgehen aſſen. So wollen wir im Namen GBttes beide ſtuͤck⸗ lein nacheinander / vnd jegliches beſonders handeln vnd erwegen. Das Erſte Theil. Erſten Buch Samuelis am 23. Cap. leſen wir / als David nach beſchuͤ⸗ tzung der Stadt Kegila wider die Philiſter/ von Gott gewarnet worden / das jhn die Kegiliter in die Hende des Sauls vbergeben wurden / vnd erdeswegen in die Wuſten Ziph geflohen / da haben jhn die Ziphiter bey dem Saul verrahten / welcher ſich auffgemacht vnd jhm nach geeilet / darumb David / als er deſſen innen worden / ſich herab gemacht in den Fels / vnnd geblieben in der Wuſten Maon / dahin jhm Saul auch nachge⸗ jaget. Vndgieng daſelbs Saul ſampt ſeinen Maͤn⸗ nern auff der einen ſeiten des Berges / vnd David ſampt ſeinen Maͤnnern auff der andern ſeiten des Berges. Da aber David geeilet dem Saul zu entgehen / vmb⸗ ringete Saul ſamptſeinen Maͤnnern den David / das er ſie griffe / ˙welches aber durch Gottes wunderbarliche Verſehung verhindert worden. Indieſergefahr /berichten etliche Lehrer /ſolle Da⸗ vid den 1. Pſalm gebetet haben / in welchem er fleiſſig anruͤffet / das er jhn wolle auß der gefahr erretten / vnd die Gottloſen ſeine Feinde wegen jhrer vntrew vnd hochmuts ſturtzen / empfindet auch endlich auß demſel⸗ bigen Gebet / einen ſolchen Troſt / das er mit gleubigem Hertzen frolocket. Imſelbigen Pſalmeniſt nun vnſer jetzt vorhabender Text begriffen. In deine Haͤnde / befehle ich meinen Geiſt. Eben dieſe Worte hat guch der Sohn Davids vnſer HErr Jeſus Chriſtus am Creutz geſprochen / Luc. ⁊3. Vnd hat S. Stephanus / da er in ſeiner Todeſtunde voll Heiliges Geiſtes den Himmeloffen / vnnd Jeſum zur Rechten des Vatters geſehen / ebener maſſengebetet: HErr JEſu nim mei⸗ nen Geiſt auff. Act. . Das Wort Geiſt / hat in der Schrifft mannicherley verſtand / an dieſem ort aber iſts ſo viel / als die Seele. Wie es denſelben verſtandt auch hat / Eccl.rꝛ. 1. Cor. 2. vnnd 6. 2. Cor. 7. etc. Gottes wird auch in der Schrifft fuͤrman⸗ nicherley genommen. In dieſen Worten aber bedeu⸗ tet ſi / erſtlich den ſchut vnd geleit G Ottes / wie gleicher geſtalt Pſal. o1. Von der Engel Haͤnden geredet wird / das die Auſſerwehlten darauff getragen werden / damit ſie vnverletzet bleiben. Darnach heiſſet die Hand Gottes alhie / der ort⸗ da die Gleubigen Seelen im Todt hinkommen / vnnd ſonſt gewoͤhnlich der Himmel genant wirdt/ welchen Namen demſelbigen orte auch Salomon gibt / Sap. 3. Da er ſaget: Der Gerechten Seelen ſeind in Got⸗ tes Hand. B iij Vnd Vnd hat der Himmel den Namen / wegen der al lecuration vnd verſicherung / weil die Außerwehlten da⸗ ſelbs / gegen alle fein dtſeligkeit / Todts / Suͤnd / Teuffel vnnd Hellgeſchutzet vnnd verthedigt werden. Wieer vmb anderer vrſachen vnd bedeutung willen / auch viel andre feine nahmen mehr hatt. Als / das Hauß des F Pſalm. 23. 84. Der Berg des HErren/ ſalmz4. 6s. Das Land der Lebendigen / Pſalm. 27. Das Buͤndlein der Lebendigen bey dem HER⸗ ren /1. Sam. 2. Das Reich des Vatters / Mach. 12.27. Des Vatters Hauß darinnen viel Wohnun⸗ gen ſeind / Joan. 14. Der Schoß Abrahe. Luc. 16. Das Paradeiß / Luc. 23. Vnſer Buͤrgerſchafft vnnd wandel / Philip. z. Diegroſſe Stadt GPttes / das Geiſtliche vnd newe Jeruſalem. Heb. 12. Apot. 21. Eine Stadt von lauterm Golde vnd Edelgeſteinen / A⸗ poc. 7. Vnd viele andre mehr. Das Wort befehlen heiſſet alhie ſo viel als an ei⸗ nem ſichern ort deponiren / vnd zu trewen haͤnden in ver⸗ wahrung thun. Wie Exod. 22. von Gelde vnd Geraͤh⸗ te ſoeinem auffzuheben vnd zu behalten gethan worden / ein Geſetze geſchrieben ſtehet. Iſtalſo diß die meinung Davids. Ich vertrawe vnnd vbergebe mich dir / O lieber Gott / vnnd bitte dich / wenn es je dein wille were / das ich in dieſer feindtſeligen verfolgung Sauls mein Leben laſſen ſolte / du wolleſt meine Seele in deinen Schutz vnnd verwahrung auffnehmen / vnnd ſie in dei⸗ nem Himmelreich ſelig lich erhalten / biß du auch am Juͤng⸗ Juͤngſten Tage meinen Leib aufferweckeſt / vnnd fie mi demſelbigen widerumb vereinigeſt / das ich als dann mit Leib vnnd Seel zu volnkomner vnnd Ewiger Se⸗ ligkeit eingeſetzt werde. Lehr vnd Errinnerung. Hierauß haben wir nun nachfolgende dinge zu lernen. Rſilich das David vorgemelter maſſen / Die Er in ſeiner Todtsgefahr / GOtt vmbauffneh⸗ ſie Lhr. mung vnnd verwahrung ſeiner Seelen gebe⸗ 6 „ten / damit werden wir berichtet / das es mit den Gleubigen Gottes in /hrem Tode nicht zugehe / wie die vnverſtendigen meinen / fur welchen ſie angeſehen werden / als ſturben ſie / ſondern das ſie gewiſſer hoff⸗ nung ſeindt das ſie nimmermehr ſterben. Wie im Buch der Weißtheit amʒ. Capitel geleſen wird. Welches auch andere Schrifft bezenget / als Pſalm. 22. Die nach dem HERR EM fragen die werden jhn preiſen / Ewer Hertz ſoll ewiglich leben. Pſalm:ris. Ich werde nicht ſterben / ſondern leben vnnd des HErren werck verkun⸗ digen. Joan. 11. Wer an mich gleubet der wird leben / ob er gleich ſturbe / vnd wer da lebet vnd gleubet an mich / der wird nimmermehr ſterben. Joan. rI. Ich lebe / vnd jhr ſollet auch leben. Es iſt der Menſchen Todt an⸗ ders nichts als eine abtheilunge vnnd abſcheidunge der Seelen vom Leibe. Vnnd bleibet die Seele als ein we⸗ weſentlicher / ſelbsſtendiger von GPttſelbs eingegebe⸗ ner Geiſt. Gen. 2. Eccl. rz. ſo wol nach der abtheilung oder abſchneidung als vor derſelben lebendig vnnd vn⸗ ſterblich. Das ſiehet man auß der verklerung Chri⸗ ſtiauff dem Berge Thabor. Matt. 1. Da nicht al⸗ lein Elias der zur zeit des Koͤnigs Jorams im fewri⸗ gen Wagen gen Himmel auffgenommen / 2. Reg. 2. Sondern auch Moſes / der voranderthalb Tauſendt Jahren geſtorben. Deut. 34. Daſelbſt bey dem. Her⸗ ren Chriſto erſchienen. Alſo leſen wir / das viel ver⸗ ſtorbene / von den Todten aufferweckt worden / deren Seele in der Aufferweckung zu den Leibern kommen / darauß ſie im Tode geſcheiden waren. Auß welchem dann folget / das ſie nicht zu gleich mit den Leibern er⸗ ſtorben / fondern lebendig blieben ſeindt. Wie ſonder⸗ lich geſchrieben ſtehet / . Reg. 17. Das der Geiſt des verſtorbenen Knabens / den Elias aufferwecket / wider⸗ tommen ſey. Dergleichen von des Jairi Tochterlein Luc. s. Das jhr Geiſt auff Chriſti Wort / wider zujhr kommen. Es bezeugets JEſüs Chriſtus ſelbs mit ſeinem Todt / dann er gewißlich auch eine Menſchliche Seele gehabt / die er am Creutz auffgeben / vnd verſchie⸗ den. Matt. 27. Joan. 19. Pnd iſt doch am dritten Tage von Todten wider aufferſtanden. Darauß dann erſehen / das ſeine Seele im Todte nicht vmbkommen vnd zu nicht worden / ſondern lebendig an dem Ptt / da⸗ hin er ſie vorgemelter maſſen befohlen zwiſchen dem To⸗ de vnd Aufferſtentnis blieben iſt. Alſo das xem⸗ Exempel des Schechers / welchem Chriſtus zuſagte / Er ſolte heut in derſelben ſtunde ſeines Todtes mit jhm im Paradeiß ſein. Luc. 23. Auch bezeugens die Worte Chriſti/ Mat. 10. Fuͤrchtet euch nicht vor denen die den Leib todten / vnd die Seele nicht todten konnen. Ich wil dadon nicht ſagen / das auch der vernuͤnfftigen Philo⸗ ſophen bey den Heiden etliche / als Plato / Socrates / Ariſtoteles / Cicero vnnd andere die vnſterbligkeit der Seelen nicht verneinet / ſondern mit Diſputiren vnd ſchreiben dieſelbigen gelehret / vnd bekant haben. Vnſere Leiber zwar muͤſſen nach Gottes vnwan⸗ delbarem Raht vnd willen zur Erden werden / davon ſie gemacht vnd genommen ſeindt / Gen. 3. Eccl. 12. Pb “ ſie aber wol fuͤr vnſern Augen ohne alle bewegniß vnnd empfindligkeit da liggen / vnd kein Leben an jhnen geſehen wird. So kan doch nicht geſagt werden / das ſie des le⸗ bens gantz vnd gar beraubet ſein vnnd bleiben muͤſſen / weil ſie der Geiſt vñ vnendtliche lebendigmachendekrafft GOttes nicht verleſſet davon S. Paulus zun Roͤm. g. ſchreibet / So nun der Geiſt deſſen der Jeſum von den Todten aufferwecket hat / in euch wohnet / ſo wirdt auch derſelbig der Chriſtum von den Todten aufferwe⸗ cket hat / ewre ſterbliche Leibe lebendig machen / vmb des willen das ſein Geiſt in euch wohnet. Weil auch der Leib eben in den Bundt G O Ttes eingeſchloſſen / dar⸗ . in die Seele begriffen / welcher Bundt ein Brunquell vnd Ader ſo wol der Chriſtgleubigen Leiber / als jhrer Seelen iſt. Vnd weil GOttſelbs / ein GOtt der — der Todten / ſondern der Lebendigen iſt. Mat. 22. Sich ein GOtt des abgeſtorbenen Abrahams nennet. Exod. ʒ. Welches nicht ſchlecht / wenn wirs rechtanſehen / nach der Seelen Abrahe / ſondern auch nach ſeinem Leibe zu⸗ verſtehen. Zu geſchweigen das vns deſſen auch die Hei⸗ ligen Sacramenta Tauff vnd Abendmal vergewiſſern. Vnd was andere Argumenta mehr ſeindt. So haben wir auch gewiſſe Schrifft vnnd zuſage das vnſere Leiber am Juͤngſten Tage durch die krafft GOttes ſollen wider aufferwecket / vnd die Seelen mit jhnen wider vereinigt werden. Als Eſaie am 26. Dei⸗ ne Todten werden leben vnd mit dem Leichnam auffer⸗ ſtehen. Ezech. 37. So ſpricht der HERR HErr / Sihe ich wil meinen Athem in euch bringen / das jhr ſollet lebendig werden. Ich wil euch Adern geben vnd Fleiſch laſſen vber euch wachſen / vnnd mit Haut vberzie⸗ hen / vnd wil euch Athem geben / das jhr wider lebendig werdet. Item: So ſpricht der H E R R H Err / Si⸗ he / ich wil ewer Graͤber auffthun / vnnd wil euchmein Volck auß denſelben herauß holen. Hievon ſtehet auch Dan. 12. Job. 19. Matt. 22. Joan. . 1I. 1. Cor. 1. 1. Theſſ. 4. vnd an vielen orten mehr. Dieſe Lehr von der vnſterbligkeit / ſollen wir ent⸗ gegen halten dem Vnglauben der Saduceer / Epicureer vnnd anderer rohen WeltLeute / auch vnſer ſchwachen vernunfft / das wir nicht mit jenen / von denen Salomon im Buch der Weißheit am 2. Cap. ſchreibet / gedencken vnd ſagen: Es iſt ein muhſelig ding vmb vnſer Leben / vnd vnd weñ ein Menſch dahin iſt / ſo iſts gar auß mit jhm / ſo weiß man keinen der auß der Hellen widerkommen ſey / ohngefehr werden wir geboren / (ſprechen die rohen Leu⸗ te)vnnd fahren wider dahin / als weren wir niegeweſt. Dann das ſchnauben in vnſer Naſen iſt ein Rauch / vnd vnſer rede iſt ein funcklein / das ſich auß vnſerm Hertzẽ re⸗ get / wenn daſſelbe verloͤſcheniſt / ſo iſt der Leib dahin / wie ein Lodder Aſche / vnd der Geiſt zurfladdert wie ein duͤn⸗ ne Lufft. Es giebt vns dieſe Lehr auch feinen vnterricht / wie wir vnſer Gedancken anſtellen ſollen / damit wir vns fur vnſerm Todte nicht zuſehr entſetzen / noch wegen vnſe⸗ rer verſtorbenen Freunde zu viel betruben. Nemlich / das wir wie Cyprianus lehret / nichteben allein an den Todt vnnd die verweſung / ſondern allermeiſt an die vn⸗ ſterbligkeit gedencken. Das hat jener Gottſeliger Mañ gethan / der als jhm ſeines Vatters Todt etwas zu klaͤg⸗ lich angekuͤudigt wardt / dem ſo die ankundigunq that/ge⸗ antwortet: Deſine loqui Blasphemias, Nan Pater meus immortalis eſt. Das iſt /Hoͤre auff Gottzu leſtern / dann mein Vatter iſt vnſterblich. Socrates Hiſto. Eccl. lib. J. Gap. 18. Wie im gleichen auch ſehr troſtlich / ſowir nicht eben mit vnſern Gedancken / an der ſcheidung Leibes vnnd der Seelen hangen bleiben / ſondern allermeiſt den Nutzen derſelbigen erwegen vnnd betrachten / Nemlich / das wir dardurch entlediget werden von allen beſchwerungen / beide Leibes vnnd Seelen / da⸗ mit dieſelben in dieſem Leben beladen ſeindt. Welcher Cij Vr⸗ Die an- der lehr. Vrſachen halben / GOttes Wort der Chriſtgleubigen Todt / mit h oldtſeligen lieblichen Mamen als Schlaff/ 2. Sam. 7. Joan. II. etc. Friedenfahrt Luc.2. Auffllo⸗ ſungvnd außſpannung auß der muͤheſeligkeit. Phil. 1. Vnd erloͤſung vom Gefengniß / Rom. 7. nennet. Auff welchen nutzen Babilas geſehen / da er in ſeiner Todts⸗ ſtunde auß vem r6. Pſal. geſungen: Sey nun zu frie⸗ den meine Seele / dann der HErr thut dir guts / dann du haſt meine Seele auß dem Todte geriſſen / meine Au⸗ gen von den Threnen / meinen Fuß vom gleiten. Eccle. hiſtoriæ ſcriptores. Sollen wir auch derenthalben / den jenigen welcher vns vorgemelte vnſterbligkeit gibt / deſto mehr fuͤr Au⸗ gen haben / Nemlich den HErren vnſern Gott / der dem Todte die machtgenommen / vnd das Leben / vnd ein vn⸗ vergengliches weſen ans liecht gebracht. ⁊. Tim. 1. Auſ⸗ ſer welchem ſie niemand geben kan. Wie die Hiſtoria A⸗ lexrandri Magni außweiſet. Dann als derſelbige nach dem Babyloniſchen Triumph/ allen die jhn erſuchten vnd baten / geſchencke gab / hat er ſeine Gelaͤrte geſcholten / darumb das ſie gar nichts gebeten haben / vnd befohlen / das ſie auch etwas von jhm bitten ſolten / darauff ſie ge⸗ ſagten. Des nobs immortalitatemGib vns die vnſterb⸗ ligkeit. Daruͤber Alexander ſchamroht worden / vnd be⸗ kennen muſſen / das jm ſolche zugeben durchaus vnmuͤg⸗ lich were. Furs Ander / giebt vns auch David einen feinen bericht / von dem orthe / dahin der Chriſtgleubigen S en len kommen / wenn ſie vom Leibe abgeſcheiden ſeind. Die Heilige Schrifft zeiget nur zween orther der verſtorbe⸗ nen Seelen nach dem Todte an / nemlich den Himmel vnd die Hellen / Luc. 16. In die Hellen / welche auch das Ewige verdamniß / Ewig Fewr / vnd Ewige pein / Mat. 3. 27. geneñet wird / gehoͤren die Gottloſen / Pſ. 49. Sie fahren jhren Vaͤttern nach / vnnd ſehen das Liecht nim⸗ mer / ſe liggen in der Hellẽ wie die Schaffe / der Todt na⸗ get ſie / jr trotzen hat ein ende in der Hellen muͤſſen ſie blei⸗ ben. Pſ. y. Sie muͤſſen lebendig hinunter fahren in die Helle / Pf. r4 o. Der Herr wird Stralen vberſie ſchuͤt⸗ ten / Er wird ſie mit Feuwr tieff in die Erden ſchlahen / das ſie nim̃ermehr nicht auffſtehn. Apoc.⁊ o. Sie werdenge⸗ worffen in den Fewrigen Pfuel. Aber die Gleubigen vñ Gerechten Seelen / ſagt David / gehoͤren in des Herten and / in den Himel vnd Ewiges leben. Welches auch Chriſtus ſelbs außſpricht / Joan. j. Warlich Warlich ich ſage euch: Wer mein Wort hoͤret vnnd gleubet dem / der mich geſandt hat / der hat das Ewige Leben / vnnd rompt nicht ins Gericht / ſondern iſt vom Todte zum Le⸗ ben hindurch gedrungen. Joan. 10. Ich gebe meinen Schafen das Ewige Leben. Joan. 12. Wo ich bin da ſoll mein Diener auch ſein / Joan. 17. Ich wil Vatter / das wo ich bin / auch die bey mir ſeyn / die du mir gegeben haſt / das ſie meine herrligkeit ſehen. Mat. 2. Die Ge⸗ rechten gehen in das Ewige Leben. Dahin meinete Pau⸗ lus / als er ſprach / Philip. 1. Ich begere auffgeloſet zu werden vnd bey Chriſto zu ſein. Dahin iſt genommen C iij der —— der arme Lazarus /Luc. 16. Dahin iſt beſcheiden der Schaͤcher zur rechten Hand. Luc. 23. An den orth tragen vnnd bringen ſie / die Hriligen Engel. Luc. 16. Als die Wagen G O Ttes /⁊. Regum Vndgeſchie⸗ het ſolches ſo baldt ſie vom Leibe abſcheiden. Dañ Saͤ⸗ lig ſeind die Todten / die im H E RR EM ſterben von nunan. Apocal. 14. Das iſt in dem nun vnd Augen⸗ blick / wenn ſich Leib vnd Seel geſcheiden. D der lieblichen Harmoney vnnd froͤlicher ſtimm der Engel vnd Außerwehlten / ſo als dann gehoͤrt wird / daruber von ſtundtan alle Weltliche Luſt vnnd dnluſt vergehet. D der hertzlichen Worte des Himmliſchen Breutgams / damit er die außerwehlten Seelen / als ſei⸗ ne hertzliebe Braut anredet vnd empfehet / Cant. 2. O der hertzlichen Geſelſchafft vnd frewdenreichen conver⸗ ſation / die daſelbſtẽ iſt / mit den Heiligen Engeln vnd al⸗ len Saͤligen Altes vnd Newes Teſtaments / auch mit vnſern ſaͤligen Freunden / die vns hie auff Erden bekant vnd zugethan geweſen. Ihr ſeyt kommen / ſagt der Apo⸗ ſtel Heb. am 1⁊. zu dem Berge Syon / zuder Stadt des Lebendigen G D Ttes / zu dem Himliſchen Jeruſalem / vnd zu der menge vieler Tauſent Engeln / vnd zu der Ge⸗ meine der erſtgebornen / die im Himmel angeſchrieben ſeind / vnd zu dem Gott dem Richter vber alle / vnd zu den Geiſtern der volnkommenen Gerechten / vnnd zu dem Mittler des Newen Teſtaments Jeſu. O der Glori Majeſtet / Ornats vnd klaren Angeſichts G Dttes / ſo daſelbſten angeſchawet wird /1. Cor. 13. 1. Joan.z. D der vnaußſprechlichen vnvergenglichen frewde/ die daraus erfolget / die nie kein Auge geſehen / kein Ohr gehoret / noch in keines Menſchen Hertz geſtiegen iſt. Eſ. 6 4. vnd 1. Cor. 2. Dieſe Lehr dienet nun hierzu / das wir Erſtlich dar⸗ auß erkennen / wie viel beſſer wir ſtehen als die Hey den / b Todte kommen nicht gewuſt haben. Wie aus des Kei⸗ ſers Eli Adriani reden zuvernehmen / der an ſeinem le⸗ tzen ende geſagt: Animula, vagula, blandula, hoſpes, co- mesq́; corporis Quæ nunc abibis in loca/ Das iſt / Du mein ſ liebes Flatterſeelichen / des Coͤrpers Gaſt vnd Geſellin / wo wirſtu nun hinwandern. Wirdt mit dieſer Lehr widerlegt der Aberglaube von vmbwandern vnd erſcheinungen der Seelen / dar⸗ auff die meiſten Gottesdienſte im Bapſtumb gegruͤn⸗ Gleichfalß wirdt damit widerlegt das Gedichte deren / ſo vber dieſe zwen oͤrter / noch von andern dreyen reden. Als 1. imbus patrem. Die Vorburg der Hellen da die Vaͤtter des Alten Teſtaments / biß auff Chri⸗ ſti Aufferſtentnis ſich ſollen auffenthalten haben. 2. limbus S Da die vngetaufften Kinder / jhrer meinung nach / hinkommen. 3. Das Fegfewr darin die reſtirenden Suͤnde /fur welche hie auff Erden kein gnug⸗ chuunggeſchehen / gebuͤſſet vnd expürt werden. Von welchen oͤrtern die Heillige Schrifft im geringſten keine meldung thut. Die der Au- welche zwar von der vnſterbligkeit der Seelen etwas dern verſtanden / Aber den rechten orth / dahin ſie nach dem ihr. — Dienet vns die Lehr zum Troſt / damit wir / weil es die gelegenheit mit den Gleubigen verſtorbenen hat / nicht trawern / wie die andern die kein hoffnung haben / 1. Theſ. 4. Sondern vns des abſcheids der vnſern deſto beſſer troͤſten vnd zu frieden geben. Vnd mit Cy⸗ priano gleuben vnd ſagen: Vnſer in Gott verſtorbene⸗ ſein nicht vmbkommen / ſondern hingangen / wir haben ſie nicht verlohren / ſondern vorangeſchickt. Ja frewen ſolten wir vns derhalben wenn die vnſerigen ſeliglich hingeſcheiden / wie Chriſtus ſpricht Joan. 14. Hettet jhr mich lieb / ſo wurdet jhr euch frewen / das jch geſagt habe Ich gehe zum Vatter. Sollen wir vns auch ſelbs / weil es die gelegenheit mit der Chriſten Seelen hat / fuͤr dem Tode nicht entſe⸗ tzen / wie Syrach von etlichen ſaget am 41. Capit. B Tod / wie bitter biſtu / wenn an dich gedencket ein Men⸗ ſche / der gute Tage vnd genug hat / vnnd ohne ſorge lebt/ vnd demes wolgehet / vnd noch wol eſſenmag. Son⸗ dern wenn G Dtt will / vns willig darein ergeben. Ja verlangen ſolten wir zum ſeligen abſterben tragen / wie David Pſalm 41. Meine Seele durſtet nach GPtt / nach dem Lebendigen Gott / wenn werde ich dahin kom⸗ men. Item Paulus 2. Cor. ;. Wir ſehnen vns nach vnſer behauſung die vom Himmel iſt / vnnd warten vn⸗ ſers Leibes erloͤſung. Roman. 8. Item / ich begehre auffgeloſet zu werden. Phil. 1. Welche begierde / auch S. Auguſtinus gehabt / wie auß ſeiner rede in ſoli loq erſcheinet · O Pomine moriar ut te videam, nolo vive⸗ re — re, volo mori, diſſolvi cupio, & eſſe in Chrifto, mori deſi- dero ur Chriſtum videam. Das iſt / O H ERR laß mich ſterben / das ich dich ſehen moge / Ich begehre nicht zu leben / ſondern zu ſterben / auffgeloͤſet zu werden begehre ich / vnd bey Chriſto zu ſeyn / zu ſterben habe ich verlangen / das ich Chriſtum ſehe. Zum Dritten / in dem wir hoͤren / das der Heilige David jhm ſeine Seele mehr laſſen angelegen ſein als Dritte ſein Koͤnigreich / ja Leib vnnd Leben / Gut vnnd Blut. kehr. Gibt er vns ein Exempll / das wir fur allen dingen ſtets dahin gedencken / wie vnſere Seelen recht vnnd wol ver⸗ ſorget vnd verwahret werdenmoͤgen. Darzu Sanct Auguſtinus ermahnungthut in ſeiner 216. Predigt de tempore/ da er alſo ſchreibet: Ideo Chriſtiani facti ſu- mus, ut ſemper de futuro ſeculo & æterno præmio co- gitemus, & plus pro anima quam pro corpore laboremus. Das iſt / Darumb ſeind wir Chriſten worden / das wir ſtets an das kuͤnfftige Leben vnnd Ewige belohnung ge⸗ dencken / vnd vns mehr vmb die Seele als vmb den Leib bekuͤmmern ſollen. Es mag dem Menſchen kein groͤß⸗ ſer ſchade widerfahren / als wenn er ſchaden an ſeiner Seelen leidet / wie Chriſtus ſagt Matt. 16. Was huͤl⸗ fees dem Menſchen / ſ er die gantze Welt gewunne / vnd nehme doch ſchaden an ſeiner Seele? Oder was kan der Menſche geben / damit er ſeine Seele widerloͤſe? Derhalben laſſet vns allzeit vnſer Seelen trew⸗ Se lich warnehmen / vnd derſelben je / wegen der ſorge fur den Leib / vnd liebe jrdiſcher zeitlicher dinge / nicht vergeſſen. D Wie wie Sanct Bernhardus ernſtlich vermahnet / vber den Spruch Act. 3. Pœnitentiam agite, O Menſche / warumb ziereſtu den Leib ſo herrlich / vnnd meſteſt jhn mit koſtlicher Speiſe / weiſtu nicht das er nach wenig Tagen im Grabe von den Wuͤrmen ſoll gefreſſen wer⸗ den? Schmuͤcke viel mehr deine Seele / vnnd ziere ſie mit wahrer Bueß vnd guten Wercken. Dann ſie ſoll er⸗ ſcheinen fur Gott vnd ſeinen Heiligen Engeln. War⸗ umb yflegeſt du deines Fleiſches ſo wol / vnd achteſt dei⸗ ne Seele ſo gering? Die Seele ſoll ja herrſchen vber das Fleiſch / du aber leſſeſt das Fleiſch herrſchen vber die Seele. Bedencke wie werth vnſere Seele fur Gott ſey etc. Sihe da / wie hoch du deine Seele achten ſolt. Warumb gibſtu ſie dann ſo leichte dahin ? Wir tragen den Schatz in jrdiſchen Gefaͤſſen /2. Cor. 4. Laſſet vns derhalben wol zuſehen / das wir nicht anſtoſſen. Laſſet vns mit leichtfertigem Schweren vnnd bethewren vnſere Edle Seelen dem Teuffel nicht verſetzen. Gegen den grewlichen Seelmoͤrder den bo⸗ ſen Geiſt / welcher jederzeit vmb vns hergehet / wie ein brullender Lowe / vnd ſuchet den er verſchlinge 1. Pet. 5. Laſſet vns allezeit gefaſt vnd geruͤſtet ſein / damit er vns weder zur Rechten noch zur lincken beykommen konne. Vnd weil die Suͤnde der Seelen ſchaͤdlichſter Gifft iſt / Laſſet vns dieſelbige mit hochſtem fleiſſe meiden / vnnd flichen. Mach Syrachs lehre amꝛ1. Cap. Fleuch fur der Suͤnde wie fur einer Schlangen: Dann ſo dujhr zu nahe kommeſt / ſo ſticht ſie dich. Ihre Zehneſeindt wie wie Lowen Zehne / vnd tödten den Menſchen. Ein jeg⸗ liche Suͤnde iſt wie ein ſcharff Schwert / vnd verwun⸗ det das niemand heilen kan. Vnd nach S. Petri ermah⸗ nung /1. Pet. 2. Ich ermahne euch lieben Bruͤder / als die Frembdlinge vnnd Bilgerin / enthaltet euch von Fleiſchlichen luͤſten / welche wieder die Seele ſtreiten. Zum Vierdten / lehret vns auch David / das die Seelen dann am allerbeſten verſorget werden / wenn mann Gott vmb ſaͤligen abſcheid anruffet / vnd ſie dem⸗ ſelbigen mit gleubigem Hertzen befiehlet vnnd vberant⸗ wortet. Wie wir leſen das neben jhme vnd vorgemel⸗ ten andern / auch gethan haben: Elias da er vor Jezabel flohe bat vnd ſprach: So nim nun HErremeine See⸗ le/1. Reg 190. Vnd Tobias betete / Ach HErr erzeige mir gnade / vnnd nimmmeinen Geiſt hinweg in friede / dann ich wil lieber Todt ſein dann Leben. Tob. z. Wel⸗ ches Jonas auch gebeten. Joan. 4. Alſo wuͤndſchet Paulus /der. Herr wird mich erloſen von allem vbel / vnd außhelffen zu ſeinem Himliſchen Reich. Vom H. Po⸗ lycarpo / Joannis des Evangeliſten Diſeipel ſchreibt Nicephorus lib. 13. cap. 35. Das er taͤglich vmb ein ſe⸗ liges Ende gebeten: Pomine ultimum verbum tuum in eruce, ſit ultimum verbum meum in hacluce. Das iſt / HErr das letzte Wort / das du am Creutz geſprochen / das laß mein letztes Wort ſein / das ich in dieſem Leben ſpreche. Vndſehr andechtig iſt das Gebet Marci Hie⸗ ronymi Vidæ. in ſeinem Hymno: Deo Opt. Max. Da pater, extremæ cum vitæ advenerit hora, Te præſente mori, nil me terrentibus umbris. D ij Inq; 4. Ge- hrauch der vier- ten Lehr. Inq́; tuos, animam, amplexus effundere ovantem. Hoc tantum mihi, plura aliis optantibus, adde. Das iſt: Gib G tt Vatter / wenn meine lette ſtun⸗ deherzu kompt / das ichals dann in meinemſterben dich moͤge gegenwertig vnd zum beyſtande haben / vnnd das mich kein vngethume oder Fantaſey erſchrecke / das ich auch meine Seele frolich in deine Hende moge außlaſ⸗ ſen. Das allein gib wuͤndſchen das gib jhnen auch. mir / da andere etwas mehres Alſo ſollen wir auch wuͤndſchen / meine Seele můͤß ſe ſterben des Todes der Gerechten / vnd mein ende wer⸗ de wie dieſer ende. Num. ʒ. entlich das Leben beſchlieſſen. Vnnd mit dem Gebet Wie auch David ſeine Seele allein Gott ſelbſten / vnd nicht dem Abraham / oder Iſaac / oder Jacob / oder Moſioder Samueln oder einem andern Heiligen Got⸗ tesfreunde befohlen. Alſo ſollen auch wir Chriſten vn⸗ ſere Seelen / niemanden anders / als demſelben vnſerm HErren Gott allein befehlen. Vnnd handeln derhal⸗ ben freylich gar vnrecht vnnd Abgottiſch / thun auchjh⸗ ren armen Seelen viel zu kurt / die jenigen ſo ſie Maria / S. Barbaren / S. Chriſtophorn vnd andern verſtor⸗ benen Heiligen empfehlen / vnnd denſelbigen ſeliges end zu erlangen mit faſten vnd feyren dienen. Zum Fuͤnfften / das dann David / da er nochge⸗ ſundt / vnnd wiewol in gefahr / doch auſſer ſeiner Feinde Haͤnden geweſen / ſich mit hinbefehlung ſeiner Seelen zum ſaͤligen endegeſchickt / in maſſener ſonſt auch bey ge⸗ ſun⸗ ſundemLeibe vnd auſſer aller gefahr pflegen zu thun / als Pſalm. 25. 97. 116. 142. &c. zu ſehen. Damit werden wir errinnert / ob wir wol furnemlich in Kranek⸗ heiten vnd im Tode vns Gott befehlen ſollen / das wirs dannoch nicht biß auffs letzte gentzlich differiren vnd ver⸗ ſchieben / ſondern bey zeiten vnnd allwege damit vmbge⸗ hen ſoͤllen. Welches Syrach fein lehret am . Capit. Verzeuch nicht dich zum HErren zu bekehren / vnd ſchi⸗ be es nicht von einem Tage auff den andern. Vnd am 13. Spare deine Bueſſe nicht biß du Kranck werdeſt / ſondern beſſere dich weil du noch ſuͤndigen kanſt. Ver⸗ zeuch nicht from zu werden / vnnd harre nicht mit beſſe⸗ rung deines Lebens biß in den Todt. Alſo Eccleſ. 12. Gedencke an deinen Schoͤpffer in deiner Jugendt / ehe dann die boſen Tage kommen / ete. Wir wiſſen je das wir alle ſterben muͤſſen / die zeit aber iſt vns vnbewuſt. Vnſer keiner iſt eine ſtunde o⸗ der Augenblick vor dem Todte ſicher / wie Salomon ſagt / Eccl. 9. ¶ Der Menſch weiß ſeine zeit nicht / ſon⸗ dern wie die Fiſche gefangen werden mit einem ſchedli⸗ — vnd die Voͤgel mit einem ſtrick / ſo werden die Menſchen auch beruckt zur boſen zeit. Hiskia kla⸗ get / Eſa. zs. Ich reiſſe mein Leben ab wie ein Weber. Pſal.90. Wir fahren ſchnel dahin als floͤgen wir da⸗ von. Das ſagt auch Chriſtus / Marc. 1z. Ihr wiſ⸗ ſet nicht wann es zeit iſt. Item / Ihr wiſſet nicht wan der Herr des Hauſes koͤmpt: Ob er koͤmpt am Abend / oder zu Mitternacht / oder vmb das Hanenſchrey / oder iij des Ge- brauch des morgens. Zu dem hats auch die gelegenheit mit vns/ wie Salomon gleichniß weiſe Eccl. xr.ſchreibet: Wenn der Baum fellet / er falle gegen Mittag / oder Mitter⸗ nacht / auff welchen orch er fellet da wird er ligen bleiben. Vnd wie S. Auguſtinus ſchreibt Epiſt. So. ad Heſſi- chium: in quo quenq́; invenerit ſuus noviſſimus dies, in hoc eum comprehendet mundi noviſſimus dies. Quoniam qualis in die illo]) moritur, talis in die illo judi- catur. Das iſt / wie einen ſein letztes ſtundlein findet / ſo wird jhn auch der Juͤngſte Tag ergreiffen / dann wie einer alhie ſtirbt / ſo wirdt er auch an jenem Tage gerich⸗ tet werden. Derowegen laſſet vns gute achtung haben / der Baum falle wenn GPtt woͤlle / daser fallegegen Mit⸗ der fuͤnf tag / vnnd nicht gegen Mitternacht / das iſt nichtgegen ten behr. dem Satan vnd Verdamniß / ſonderngegen Gott vnd der Seeligkeit. Laſſet vns zuſehen / das wir die gnade Gottes nicht verſeumen / Heb. ꝛ. Wachen vnd beten / Mart. 13. Vnnd vnſere Kleider halten / das wir nicht bloß wandeln / vnnd man vnſere ſchande ſehe / Apoc.16. Vnſere Lampen wie die klugen Jungfrawen / mit Bel bey zeit zurichten / Matt.⁊. Die Lenden vmbguͤrtet vnnd vnſere Liechter in Henden haben / vnnd gleich ſeyn den Menſchen die auff jhren Herren warten / wenn er auffbrechen wirdt von der Hochzeit / auff das wenn er kömpt vnd anklopffet / ſi jhm baldt auffthun. Selig ſeind die Knechte die der Herr / ſo er koͤmpt wachend fin⸗ det. Luc. 1ꝛ. Es heiſſet. Quod Quod fecifſe voles in tempore quo morieris, Hoc itidem facies, dum corpore ſanus haberis. Das iſt / wie du es gern hetteſt zur letzten ſtundt / Somach es weil du noch biſt geſundt. Der Ander Theil. D viel nun das Ander Theil belangt / ſpricht David: Du haſt mich erloſt / HERR du trewer Gott. Wie der Koͤnigliche Pro⸗ phet im 6. Pſal. klaget / da er in einer ſchwe⸗ ren Todtlichen Kranckheit darnider gelegen / das eral⸗ lenthalben geengſtiget werde / dergleichen im r18. Pſal. Es vmbfiengen mich des Todtes bande / vnd die Baͤche Brlial erſchreckten mich / der Hellen bande vmbfiengen nich. Alſo wird er auch in dieſer vorgemelten Todts⸗ gefahr / nicht ohne anfechtung / Angſt / forcht vnd ſchre⸗ cken geweſen ſein. Er ſtehet aber getroſt darwider / vnd faſſet ſich erſtlich an die zugeſagten vnnd verſprochenen Erloͤſung / des Sohns GOttes JEſu CHriſti des Meſsiae. Vnd verſichert ſich damit / weil dieſelbige ei⸗ ne genugthuung fur ſeine Suͤnde ſein werde / ſo werde GOTT./ ſeine Seele / ſo er jhm befohlen der Suͤnde halben je nicht verwerffen vnnd außſchlagen / ſondern ſie gnediglich in ſeine verwahrung auff vnnd annehmen. Wie dann GOTTſelbs / wenn er ſeine Außerwehlten porcht vnd ſchreckens benemen vnd gut vertrawen zu jm erwecken wollen / dieſe Erlöſung offt angezogen. Eſ. 43. Foͤrchte Foͤrchte dich nicht / dann ich habe dich erloͤſet. Am 44. Kehre dich zu mihr dann ich erloͤſe dich. Vnd am y9. Denen zu Zion wird ein Erloͤſer kommen / vnnd denen die ſich bekehren von den Suͤnden in Jacob. Es ſpricht aber David nichtſchlecht / ich bin erloſt / ſondern du haſt mich erloſt / in gleubiger erwegung das der Meſsias nicht nur ſchlechter Menſch / ſondern 8 Weſens mit dem Vatter / vnd alſo zugleich wahrer Gott ſey. J⸗ tem das derſelbig allein vnd keiner neben jhm ein Erlofer ſey. Welches auch die Gleubigen Eſ. 63. ſagen: A⸗ braham weiß von vns nicht / vnd Iſrael kennet vns nit / du aber biſt vnſer Vatter vnd Erloſer / von alters her iſt das dein Name. Vnd machet der Glaube den Heili⸗ gen David der Erloͤſung Chriſti ſo gewiß / als ob ſie ſchon geſchehen vnd volnbracht were / Wie dann Gtt der ein Ewig Weſen / welches der zeit nicht vnterworffen vnnd derowegen jhm nichts vergangen noch zukunfftig / ſondern alles gegenwertig iſt / in anſehung des Opffers Chriſti / welches jhm ſo wol fur der Paſsion / als dar⸗ nach ſtetig fur Augen geweſen / auch den Gleubigen Vaͤttern die Suͤnde verziehen vnnd die Saͤligkeit ge⸗ ſchencket. Ja es iſt David gantz gewiß / das nicht al⸗ lein Abraham / Iſaac / Jatob / Sara / Rachel vnd ande⸗ re fromme Gleubige / ſondern auch er vor ſeine Perſon / ein Erloͤſeter des HErren ſey. Darumb ſagt er nicht ſchlecht: Du haſterloſet / ſondern brauchet des Glau⸗ bens Wort Mich / damit er jhm die wolthat der Erlo⸗ ſung fur ſeine Perſon appliciret vnd zueignet. Du mic ſaget. Mein Fels / mein Erretter / mein Gott / mein Hort auff den ich trawe / mein Schildt vnd Horn mei⸗ nes Heils vnd mein Schutz. Vnd Pſal. o. Mein uverſicht vnd meine Burgk / mein GOtt auff den ich offe. Darneben helt ſich David an den Titel vnnd Namen / HErr / welchen er dem Erloſer nicht ſchlecht ſei⸗ nes weſens halben gibt / wiewol er jhm deßhalben frey⸗ lich auch gebuͤhret / wie Sanct Athanaſius ſagt: Der Vatter iſt der HErr / der Sohn iſt der HErr / der Hei⸗ lig Geiſt iſt der HErr. Sondern er nennet jhn diß⸗ mal alſo / zwo anderer vrſachen halben / Nemblich 1. Darumb das er jhn nicht nur ſchlecht erloſt vnd ledig gemacht / ſondern auch zum eigenthumb erkaufft. Dar⸗ umb er ſich freylich ſeiner Seele / als ein Herr ſeines ei⸗ genthumbs ſie ſchutzen vnd erhalten werde. Darnach auch wegen ſeiner groſſen macht / vnd weil jm aller gewalt gegeben im Himmel vnd auff Erden / Matt. 28. Der geſtalt das in ſeinem Namen ſich beugen muͤſ⸗ ſen / alle der Knie / die im Himmel vnd auff Erden / vnd vnter der Erden ſeindt. Vnnd alle Zungen bekennen muͤſſen das Jeſus Chriſtus der HErr ſey. Phil. ⁊. Eſ. 4. Vnd ſchoͤpffet darauß das vertrawen / das er ſich ſeiner Seelen nicht allein annehmen werde / ſondern ſie auchgegen alle Teuffeliſche vnnd Helliſche macht gantz wol beſchutzen / vnd vertheidigen koͤnne. Welches ver⸗ trawen auch S. Paulus gehabt / da ergeſagt: ⁊. Tim.I. Ich weiß an welchen ich 4eh. vnnd bingewiß das er kan mich erloſt (ſpricht er) gleich wie er auch im 18. Pſalm. kan mir meine beylage bewahren biß an jenen Zag. Fer⸗ ner fuhret jm auch David des Depoſitarii / dem er feine Seele in verwahrung gethan / ſeine trewe vnd Warheit zugemuͤte. Du trewer GOtt ſpricht er / oder wie die vulgata verſio Latina, lautet / Deus veritatis, du Gott der Warheit. Vnd ſtercket damit ſein vertrawen / weil jm Gott der Seelen ſaͤligkeit zu geſagt / vnnd er der Trewer Scchoͤpffer in guten wercken ſey / dem die Seelen ſicher⸗ lich ʒubefehlen / Als S. Petrus in der Erſten Epiſtel am 4. Cap. zeuget. Soo ſey es vnmoͤglich / das er ſie verſeumen vnd vmbkommen laſſen konne. Lehr. O lehret vns nun David in dieſem ſtuͤck / Erſtlich woran ſich ein Chriſten Menſch zu halten / das er ſeiner Seelen ſaͤ⸗ ligkeit moge verſichert vndgewiß ſein. Mem⸗ lich zum Erſten an die Erloͤſung vnnd genugthuung Chriſti / davon die Schrifft ſagt / das wir dadurch er⸗ rettet vnd entledigt werden / von allem dem vielfeltigen vnd groſſem jammer vnd Elend darin wir gerahten wa⸗ ren / als von der Suͤnde / 1. Pet. 1. 1. Joan. 1. Heb. 9. Apoc.1. Vom Fluch / Deut. 21. Gal.z. Vom Zorn Gottes / Rom.ʒ / Vom Teuffel / Todt / Hell vnd Ver⸗ damnis / Heb. 2. Eſ. 2. Oſ. 13. Zach. 9. Vnndin ſumma von der Hand aller die vns haſſen /Luc. 1. Wel⸗ ches der Apoſtel Paulus gleich zuſammen gefaſſet / da er er zun Coloſſern am andern ſchreibt. GO TThat euch mit jhm lebendig gemacht / da jhr todt waret in den Sunden / vnnd in der Vorhaut ewers Fleiſches / vnnd hat vns geſchencket alle Sunde / vnnd außgetilget die Handſchrifft ſo wider vns war / welche durch Satzung entſtund / vnnd vns entgegen war / vnnd hat ſie auß dem mittel gethan / vnd an das Creutze gehefftet / vnd hat auß⸗ gezogen die Fuͤrſtenthumb vnnd die gewaltigen / vnnd ſie ſchaw getragen offentlich / vnnd einen Triumph auß jhnen gemacht / durch ſich ſelbs. Vnnd wirdt ſolche Erloſung / nicht allein des herrlichen Nutzens / denn wir dardurch erlanget / ſondern auch anderer wichtiger vr⸗ ſachen halben / auß der maſſen hoch in heiliger Schrifft geruhmet. Dann ſie iſt nicht geſchehen mit vergeng⸗ lichem Silber vnnd Golde / ſondern mit dem thewren Blut JEſu C.Hriſti. 1. Petr. 1. 1. Joan. 1. Der vns von GOtt zur Weißheit / vnnd zur Gerechtigkeit vnd Heiligung / vnnd zur Erloſung gemacht worden. 1. Cor. 1. Ja der GOttes Sohn vnd Gott ſelbs iſt. Darumb der Apoſtel ſchreibt / das Gott ſeine Gemei⸗ ne durch ſein eigen Blut erworben habe. Act. 20. Wie dann auch Gott ſelbs ſaget: Eſ 43. Mir haſtu ar⸗ beit gemacht in deinen Suͤnden / vnd haſt mir muͤhege⸗ macht in deinen Miſſethaten. Ich / Ich tilge deine vber⸗ trettung vmb meinen willen / vnnd gedencke deiner vber⸗ trettung nicht. Freylich haben wir jhm arbeit vnnd Muͤhe gemacht / dann vmb vnſer miſſethat willen iſt er verwundet / vnud vmb vnſerer Suͤnde willen zu E ij ſchla⸗ ſchlagen: Die ſtraffe ligt auff jhm auff das wir friede hetten / vnnd durch ſeine Wunden ſeind wir geheilet / Eſ. 3. ¶Vnd iſt er tommen nicht das er jhm dienen lieſſe⸗ ſondern das er dienete / vnd gebe ſein Leben zur Erloͤſung fur viele/ Matt.⁊. ¶Von dieſer thewren vnnd herrli⸗ chen Erloſung reden ſehr fein die Heiligen Vaͤtter. S. Chriſoſtomus ſchreibt/ in Epiſt. ad Epheſ. Magnum eſt quod peccata remiſſa ſunt, Sed magis eſt quod per ſan- guinem Dominicum remiſſa ſunt. Das iſt. Eingroß Werck iſts das vns vnſere Suͤnde vergeben ſeindt / A⸗ ber viel ein groͤſſer Werck iſts / das wir vergebung der Suͤnden haben durch das Blut des HErren. Vnd vber die Worte des Pſal.tzo. Bey dem HErren iſt gnade / vnnd viel Erloͤſung iſt bey jhm / ſchreibet Bern⸗ hardus:Prorſus copioſa eſt apud Deum redem ptio quia non gutta, ſed unda fanguinis largiter per quinq; pattes corporis emanavit. Das iſt / Gantz vberfluͤßig iſt die Erloͤſung des HErren / dann nicht ſchlecht ein eintziger Tropffe (der doch genug geweſt were) ſondern ein gantz Waſſer von Blut/ iſt durch Fuͤnff theil ſeines Leibes herauß gefloſſen. Dieſes haben wir nun dem grewlichen anblickvn⸗ ſer Suͤnden / vnd dem ernſten Gericht Gottes entgegen zu halten / vnd vns aller forcht / ſchreckens vnd zweiffels ſo vns deswegen begegnet / damit zu erwehren. So Chriſtus fur vns geſtorben iſt / da wir noch ſeine Fein⸗ de waren / ſo werden wir viel mehr durch jhn behalten werden fur dem zorn / nach dem wir durch ſein Blut 4. recht recht worden ſeind. Sagt S. Paulus Rom.y. Vnd iſt ſehr denckwirdig das Sanct Ambroſius ſagt: de Iacob & vita æterna cap. s. Non gloriabor quia ju- ſtus ſum, ſed quia redemptus ſum, gloriabor, non quia vacuus peccatis, ſed quia mihi remiſſa ſunt peccata. Non gloriabor quia profui, neq́; quia profuit mihi quispiam: ſed quia pro me advocatus apud patrem Chriſtus eſt, ſed quia pro me Chriſti fanguis effuſus eſt. Das iſt / Ich wil mich nicht ruͤhmen das ich Gerecht bin / ſondern weil ich erloſet bin / Ich wil mich nicht ruͤhmen das ich ohne Sꝛuͤnde bin / ſondern weil mir die Suͤnde vergeben ſeind / Ich wil mich nicht ruhmen / weil ich bin nuͤtz geweſen / auch nicht weil mir niemandt nutz geweſen / ſondern die⸗ weil Chriſtus fur mich beim Vatter ein Furſprech iſt / ſondern dieweil das Blut Chriſti fur mich vergoſſen iſt. Alſo iſt auch ſehr fein das Sanct Bernhardus ſagt. Fateor non ſum dignus ego, nec propriis poſſum meritis regnum obtinere cælorum. Duplici jure illud ohtinet Dominus meus, hæreditate ſcilicet patris, & merito paſ- ſionis: alzero ipſe contentus, alterum mihi donat: Ex cujus donio, jure illud mihi vendicans, non confundor. Das iſt / Ich kan das Himmelreich nicht beſitzen durch mein eigen verdienſt / Aber mein HErr beſitt den Him⸗ mel auff zweierley recht / nemblich durch die Erbſchafft des Vatters / vnnd durch das verdienſt ſeines Leidens. An dem einen leſſet er ſich genůͤgen / das ander ſchencket ermir: Vnnd weil ich mirs auß ſeiner ſchenckung von rechts wegen zu eigne / werde ich nicht zu ſchanden. in vita Bernhar: cap. 12. E iij Auch 6. Auch iſt berhanden eine ſehr liebliche vnnd Troſt⸗ reiche ermahnung S. Anſhelmian die ſterbenden Chri⸗ ſten. Darinnen der ſterbender vnter andern mit dieſen Worten ermahnet wird. In Chriſti Todt ſetze dein ver⸗ trawen / dieſem Todt befehl dich gantz vnnd gar. Mit dieſem Todt bedecke dich gentzlich / vnd wickel dich gantz vnd gar darein. Vnd wan dich der HErr richten wil / ſo ſprich: Den Todt vnſers HErren Jeſu Chriſti ſetze ich zwiſchen mich vnd dich / vnd dein Gerichte. Auff eine andere weiſe ſtreite ich nicht mit dir. Wann er ſpricht du habeſt das verdamniß verdienet / ſo anworte: Ho⸗ re HErre / ich werffe fur zwiſchen mich vnnd meine bö⸗ ſe thaten / den Todt meines HERren JEſu C. Hriſti⸗ vnd das verdienſt ſeines Allerwirdigſten Leidens / brin⸗ ge ich fur das verdienſt das ich ſolte gehabt haben / vnnd habe es leider nicht. Item den Todt meines H ER⸗ REN JEſu Chriſti ſetz ich zwiſchen mich vnnd dei⸗ nen zorn. Meben dem Troſte erſcheinet auch auß diſer Lehr / wie Abgottiſch vnd Chriſtſchenderiſch die jenigen han⸗ deln / welche die Erloſung vnd das verdienſt Jeſu Chri⸗ ſti allein nicht genug zu vnſer Saͤligkeit gelten laſſen / ſondern jhre eigene vnd anderer Creaturen wercke vnnd verdienſte mit vntermengen / vnd alſo auß Chriſto einen halben JEſum vnnd Erloſer machen. Hat vnſere Er⸗ loſung den Eingebornen vnd Eingeliebten Sohn Got⸗ tes ein ſolches koſtliches Loſe gelt geſtanden/ wie vorge⸗ meldet / welches mit Hundert Tauſendt , nicht nicht zuvergleichen: ¶ Wie ſolten dann wir Armen Et⸗ denkloͤſſe mit vnſern Falſchgenanten verdienſten vnnd Wercken / vnſer ſelbs Heiland vnnd Erloſer ſein? Hat nicht JEſus Chriſtus die Kelter des Weins des grim⸗ migen zorns GO Ttes allein getreten? Eſ. 6ʒ. Apoc. 19. Soo iſt je freylich in keinem andern Heil / iſt auch kein ander Name dem Menſchen gegeben / darinnen ſie moͤgen Saͤlig werden / dann der einige Name JEſus / Act. 4. Vnnd werden wir ohne verdienſt Gerecht⸗ auß GO Tes Gnade / durch die Erloſung / ſo durch Chriſtum Jeſum geſchehen iſt. Rom. z. Darumb wir bilich ferne laſſen von vns ſein ruͤhmen / dann allein in dem Creutz vnſers. HErrn Jeſu Chriſti / Galat. 6. Vnd anders nichts wiſſen dan allein Jeſum Chriſtum den Gecreutzigten. Nichts weniger reitzet vnnd treibet vns dieſelbige Lehr / zum newen gehorſam / vnnd guten Wercken / das wir vns mit fleiß furſehen / damit wir vns nicht ſelbs wiederumb einflechten in die Suͤnde / deren wir entgan⸗ gen /2. Pet.2. Vndmit muthwilligem ſundigen / den ſo groſſen woltheter nicht mit Fuͤſſentreten. Heb. 10. Sondern jhm alzeit rechtſchaffen danckbar ſeyn / Coll.i. vnd in Gerechtigkeit vnd Heiligkeit die jhm gefaͤllig iſt / jhm dienen vnſer Lebenlang /Luc. j. Wie auch Sanct Paulus lehret /2. Cor.. Chriſtus iſt darumb fur alle Geſtorben / auff das die ſo da leben / hinfurt nicht jh⸗ nen ſelbs leben / ſondern dem der fur ſie geſtorben vnnd aufferſtanden iſt. Ne⸗ Ge- brauch. Neben dieſem verſichert vns furs ander vnſers heils vnd ſaͤligkeit / das wir durch Chriſti leiden vnd ſter⸗ ben nicht nur von vnſerm jamer vnd beſchwerungen er⸗ lediget / ſondern er vns auch dadurch erkaufft / vnnd jhm zu eigen gemacht. Darumb er vnſer HErr / vnnd wir ſein eigenthumb ſeind vnd genennet werden. Wie S. Paulus ſchreibt: Rom. 14. Wir leben oder ſterben ſo ſeind wir des HErren / denn darumb iſt Jeſus Chri⸗ ſtus geſtorben vnd aufferweckt von Todten / auff das er vber Todte vnd Lebendige HErrſey. Alſo 1. Cor. 6. vnd 7. Ihr ſeyd thewr erkaufft. Vnd Tit.2. Je⸗ ſus Chriſtus hat ſich ſelbs fur vns gegeben / auff das er vns erloͤſete von aller vngerechtigkeit / vnnd reiniget jhm ſelbs ein Volck zum eigenthumb. Wie ſolte dann die⸗ ſer HErr ſein thewr erworbenes eigenthumb jhm rau⸗ ben vnd nehmen laſſen? Deſſen ſich der Koͤnig David auch im r6. Pſalmen getroſtet / da er ſpricht: O HEr⸗ re ich bin dein Knecht deiner Magd Sohn / du haſt mei⸗ ne bande zerriſſen. Vnnd S. Ambroſius welcher in ſeinem letzten geſagt: Non ſic vixi ut me vivere pudeat, ſed nec mori timeo quia bonum Dominum habemus. Das iſt. Ich habe zwar nichtalſo gelebt / das ich mich lenger zu leben ſcheme / Aber doch forchte ich mich nicht zuſterben / weil wir einen guten frommenErren haben Poſidonius in vita Auguſtini. Das ſollen wir vns auch alſo troſtlich zu Gemůth führen / vnd zu vnſerm gůtigen HErrn gute zuverſicht tragen. Wir Wir werden aber auch damit verpflichtet / das wir auff dieſen HErren vnd ſeinen willen gebuͤhrliche auff⸗ achtung haben / wie die Augen der Knechte auff die haͤn⸗ de jhrer Herren ſehen / vnnd wie die Augen der Maͤgde / zuff die hende jhrer Frawen / Pſal. I⁊z. Vnd das wir nach S. Pauli ermahnung erwehneter vrſach halben / Gott preiſen an vnſerm Leibe vnnd an vnſerm Geiſte /1. Cor. 6. Fleiſſig vnnd Eiferig ſein zu guten Wercken. Tit. 2. PVnnd vns huten das wir nicht der Suͤnden Knechte werden. 1. Cor. 7. Zum Dritten / gibt ſo wol vns als dem David / wie obgemeldet / verſicherung vnſers heils / die groſſe macht vnd herrſchafft Gottes / damit er allen ſeinen vnd vnſern Feinden vberlegen iſt / welche auch Chriſtus Je⸗ ſus ſelbs in verheiſſunge des Ewigen Lebens anziehet / Joan. 10. Ich gebe meinen Schaffen das ewige Le⸗ ben / vnnd ſie werden nimmermehr vmbkommen / vnnd niemand wird ſie auß meiner Hand reiſſen / der Vatter der ſie mir geben hat iſt groͤſſer dann alles / vnd niemand kan ſie auß meines Vatters Handreiſſen. Wie auch S. Joannes / . Joan. 4. Der in vns iſt / iſt groͤſſer dann der in der Weltiſt. Darauff S. Petrus geſe⸗ hen / da er in der Erſten Epiſtel am erſten Capitel ſchrei⸗ bet: GOtt habe die Gleubigen newgeborn zu einer le⸗ bendigen hoffnung eines vnvergenglichen / vnbefleckten vnd vnverwelcklichen Erbes / vnnd jhnen den Glauben / nicht allein einmal gegeben / ſondern bewahre ſie auch durch denſelben / auß ſeiner Wach zur ie ſie das ende jhres Glaubens / nemlich der Seelen Si⸗ ligkeit davon bringen. Dieſes haben wir nun wol in acht zu nehmen / da⸗ Ge vrauch. mit wir der Helliſchen Geiſter groſſe macht / vnd vnſer vielfeltigen immer anklebenden ſchwacheit halben nicht zu ſehr erſchrecken / viel weniger verzagen. Seind wir ſchwach vnd der Teuffel maͤchtig / (wie leider war / das wir mit vnſer groſſeſten macht / dem Sathan nicht ein halb viertelſtundiein widerſtandtthunmogen) So iſt vnſer Gott vnd ſein lieber Sohn ein ſtarcker Heilandt. Zeph. z. Vndein vnvberwindtlicher HErre / welcher weil er durch den Glauben vnſer wird / vnd in vns woh⸗ net / vns Krafft gibt ſtarck zu werden am inwendigen Menſchen / nach dem Reichthumb ſeiner herrligkeit/ Epheſ.z. Vnnd leſſet ſeine Krafft in vns ſchwachen maͤchtig ſein. 2. Cor. ꝛ. Derowegen ein Chriſt ge⸗ troſt mit David zu ſagen· Pſal. 7x. Ichgehe einher in der krafft des HErrn HErrn. Vnd mit Paulo/Ich vermagk alles durch den der vns machtig machei⸗ (wel⸗ cher iſt) Chriſtus / Phil. 4. RKoͤnnen wir alſo vnter dem ſchirm des Allerhochſten Gottes / vnnd vnter dem ſchatten des Allmechtigen / von der gewalt vnd allen bo⸗ ſen anſchlegen des Teuffels / vnd den ſtricken des Helli⸗ ſchen Jäãgers frey ſein. Pſal. ox. Vnd koͤnnen wir zu den allergefehrlichſten zeiten / wenn ſichs anſehen leſſet / als ob der Teuffel gar außgelaſſen / vnd alles vber einen hauffen gehen ſolte/ein troſt faſſen vnd mit David ſagen: Pſal. 46. Gott iſt vnſer zuverſicht vnd ſtercke / eine . e fe in den groſſen nothen / die vns troffen haben / darumb furchten wir vns nicht / wen gleich die Welt vnterginge / vnd die Berge mitten ins Meer ſuncken. Wenn gleich das Meer wutet vnd wallet vnnd von ſeinem vngeſtuͤm die Berge einfielen / Sela. Jaauch in der letzten To⸗ des noht / wenn ſich der abgeſagter Feind / ſonderlich ger⸗ nein den weg legen / vnd vns ſaͤliglich zum Vatterlande hindurch zukommen / vnd vom Todte zum lebenzu drin⸗ gen / verhindern wolte: konnen wir vns auff dieſe macht Gottes kunlich vertroſten / vnd mit David ſagen Pſay. Der HErt iſt mein Liecht vnd mein Heil / fur wem ſoll ich mich furchten? Der HErr iſt meines lebens krafft / fur wem ſolt mir grawen? Darumb ſo die boſen meine widerſacher vnnd Feinde an mich wollen / mein Fleiſch zu freſſen / můͤſſen ſie doch anlauffen vnnd fallen. In ſumma in allen anfechtungen konnen wir mit Paulotri⸗ umphiren. Wer wil vns ſcheiden von der Liebe Gottes? Truͤbſalloder Angſt? oder verfolgung ? oder hunger? oder bloſſe? oder fehrligkeitꝰ oder ſchwert? wie geſchrie⸗ ben ſtehet / vmb deinen willen werden wir getödtet den gantzen Tag / vnnd ſeind gerechnet fur Schlachtſchafe. Aber in dem allem vberwinden wir weit / vmb des wil⸗ len der vns geliebt hat. Dann ich bin gewiß / das we⸗ der Tod noch leben / weder Engel noch Fuͤrſtenthumb⸗ noch gewalt / weder gegenwertiges noch zukuͤnfftiges / weder hohes noch tieffes / noch keine andere Creatur/ mgns ſcheiden von der liebe GOttes / die in Chriſto i Fij Wir Wir ſollen aber derentwegen nicht fleiſchlicher weiſe ſicher ſein / vnnd wie die Welt in allen Suͤnden / wieder Gott vnd gut Gewiſſen ſchlafen / vnnd dahin leben / als wenn der Teuffel aller ding geſtorben / vnd kein Hell vnd Verdamniß mehr vorhanden were. Sondern in ſoͤl⸗ cher gewiſſen hoffnung des Siegs vnnd vberwindung / durch die Macht Gottes / dem Teuffel / Welt vnd Flei⸗ ſche deſto dapfferer vnd getroſter widerſtehen / vnnd den Kampff kempffen / damit wir glauben vnd gut gewiſſen behalten. 2. Tim. 4. Dann die jenigen ſo an der vber⸗ windung nicht zweiffeln / ſtreiten deſto taͤpfferer / Aber bey welchen kein hoffnungdes Siegs verhanden / die ge⸗ ben bald verlohren. Vber das machet vns die Warheit vnnd Trewe GOttes vnſers heils gewiß / welche in heiliger Schrifft ſehr vnd viel geruͤhmet werden. Als Exod. 34. HErr / HErr Gott Barmhertzig vnd Gnedig / Gedultig vnnd von groſſer trewe. Mum. 23. vnd 1. Sam. 1. Gott iſt nicht ein Menſch das er liege / noch ein Menſchen⸗ tind das jhn etwas gerewe ſolte er etwas ſagen vnd nit thun? Solte er etwas reden vnnd nicht halten? Deut. 32. Trewe iſt Gott vnd kein boſes in jhm / Gerecht nd Fromb iſt er / Pſal.S6. Du HErr Gott biſt barm⸗ hertzig vnd gnedig / gedultig vnnd von groſſer gůte vnnd trewe. Thren. 3. Die Guͤte des HErren iſts das wir nicht gar auß ſeind / ſeine Barmhertzigkeit hat kein ende ſondern ſie iſt alle Morgen newe / vnnd deine Trewe iſt groß / Jvan. 8. ſpricht Chriſtus / Dermich geſand e. i iſt warhafftig / Rom. z. GBitt iſt warhafftig vnd al⸗ le Menſchen falſch. Vnd Apoc.z. Wirdt Chriſtus genant der warhafftiger / der da hat den Schluſſel Da⸗ vid / vnd Amen der Trewer vnd Warhafftiger Zeuge. Weil dann vnſer HErr Gott verheiſſen vnnd ge⸗ ſchworen hat / das er vns vnſere Suͤnde nicht zurech⸗ h nen / ſondern ſie auß gnaden verzeihen woͤlle. Ezech. 33. So war als ich lebe / ſpricht der HErre: Ich habe kein gefallen am Todte des Gottloſen / ſondern das er ſich be⸗ kehre von ſeinem weſen / vnd lebe. Alſo auch Jerem. 3 Kehr e wider du abtruͤnnige Iſrael / ſpricht der HErr / ſo wil ich mein Antlitz gegen euch nicht verſtellen / dann ich bin Barmhertzig / ſpricht der HErr. Vnd wil nit ewiglich zurnen / ete. Weil er auch verheiſſen / das er vns / welche er durch den dienſt des Worts vnd Sacra⸗ menten / einmal ernewert vnd wider geboren hat / endli⸗ che beharrligkeit im glauben / vnd vbung wahrer Bueß / damit wir in den vielen innerlichen vnnd euſſerlichen an⸗ fechtungen / vnnd mannicherleh trubſalen / nicht verſin⸗ cken vnd vnterliggen / verliehen woͤlle / wie geſchrieben ſte⸗ het: ¶ Ich wil mich mit dir verloben in Ewigkeit / Oſea amꝛ. Ich wil euch tragen biß ins Alter / vnd biß jhr Graw werdet / Ich wil es thun / Ich wil heben tragen vnd erretten / Eſ. 46. VPnd es ſollen wol Berge wei⸗ chen / vnd Huͤgel fallen / Aber meine Gnade ſoll von dir nicht weichen / vnnd der Bund meines friedes ſoll nicht hinfallen / ſpricht der HErr dein Erbarmer / Eſa. 4. Fellet auch gleich der Gerechte / ſo wird er nicht weg ge⸗ F iij worf⸗ worffen Pſalm 37. Die auff den HErren hoffen die werden nicht fallen (verſtehe zum tode der verdamniß) Sondern ewiglich bleiben wie der Berg Sion. Pſ.rʒ. Der in euch angefangen hat / das gute werck / der wirds biß auff den Tag JEſu CHriſti. i J. Weil auch die Schrifft neben dieſen verheiſſun⸗ gen / damit wir je daran nicht zweiffeln / die vorgemelte hochberuͤmbte Trew anziehet / als 1. Joan. 1. Sowir onſere Suͤnde bekennen / ſo iſt er getrewe / vnd Gerecht / das er vns die Suͤnde vergibt vnd reiniget vns von al⸗ ler vntugend / Alſo auch 1. Cor. 1. Gott wird euch feſt behaltenbiß ans ende / das jhr vnſtreff lich ſeid / auff den Tag vnſers HERren JEſu Chriſti / dann GBtt iſt Trewe / durch welchen jhr beruffen ſeydt zur Gemein⸗ ſchafft ſeines Sohns JEſu Chriſti vnſers HERren/ vnnd 2. Theſſal. z. Der Glaube iſt nicht jedermans ding / aber der H Rre iſt trewe / der wirdt euch ſtercken vnnd bewahren fur dem argen / Item / 1. Theſ.j. Ge⸗ trewe iſt er der euch ruffet / der wirds auchthun. Wer wolte ſich dann nicht im leben vnd ſterben / in noth vnnd Son darauff verlaſſen / vnnd ſich damit von Hertzen troſten. — Alſo haben wir auch in vnſerm Creutz vnnd anlie⸗ gen die verheiſſung GOttes herfur zuſuchen / vnnd ſeine warheit vnd trewe ʒu bkdencken / Dann weiler ſaget vnd verheiſſet / das er wolle bey vns ſein / in vnſer noch / vnd wolle vns herauß reiſſen / Pſalm 9x. Darzu auch ſo ge⸗ getrewe iſt / das er vns nicht leſſet vber vnſer vermogen verſuchet werden / ſondern machet das die e ſo ein endegewinne / das wirs konnen ertragen. Wie S. Paulus ſchreibt /1. Cor. r0. Sollen wir vns dann nicht der gewiſſen hulff / beyſtands vnnd rettung zujhm verſehen? Dergleichen weil Gott zugeſagt: Ruff mich an in der noth / ſo wil ich dich erretten / Pſal. ÿo. Item / So jhr den Vatter etwas bitten werdet in meinem Na⸗ men / fo wird ers euch geben. Joan. 16. Solten dan wir in vnſerm Gebet an ſeiner erhoͤrung zweiffeln? Doch will der vnterſcheidt der verheiſſung Geiſtlicher vnd leiblicher Gůter in acht genommen ſein. Dann die leblichen oder zeitlichen Guͤter / ſo vnter dem taͤgli⸗ chen Brot im Vatter vnſer verſtanden werden / als zeit⸗ liche Nahrung vnd Reichthumb / Geſundheit/ Friede⸗ Ehr / frommes Ehegemahl vnd Kinder / gute Obrigkeit / vnd dergleichen / werden mit der condition vnnd geding des willens Gottes / vnd ſo fern es vns heilſam vnd gut iſt / verheiſſen / So es vns aber beſſer das wir gezůchti⸗ get / gedemuͤtiget / geprufet vnd bewehret werden / ſo wil vns Gott mit ſeinen verheiſſungen nicht verſtrickt ſein. Derowegen wir ſolche dinge auch mit der condition/ bitten vnd erwarten muſſen. Wie vns das Exempel Davids /⁊. Samuel.1. Vnd Jeſu Chriſti Matt. 26. lehren. Vnnd beweiſet in dem auch vnſer lieber HERR E Gpbtt ſeine Trewe / das er vns nicht eben gibt nach vnſerm willen / ſondern was vns nutz vnnd Säaͤligiſt. Welches er allein am beſten weiß vnnd ver⸗ verſtehet. Davon S. Auguſtinus ſagt: Heus ſepe non exaudit ad voluntatem, ut exaudiat ad ſalutem. Das iſt / GOtt erhoͤret offtmals nicht nach vnſerm wil⸗ len / damit er vns zur Saͤligkeit erhoͤre. Vnnd ſagt Bernhardus: Unum e duobus indubitanter ſperare debe- mus, quoniam aut dabit nobis, quod petimus aut quod nobis novit eſſo utilius. Der zweyen eins haben wir vngezweiffelt zu hoffen / dann er wirdt vns entweder ge⸗ ben / das wir bitten / oder was er vns weiß am nutzlich⸗ ſten ſein. Sehr fein hat S. Bernhardus die Erlöſung Chriſti / vmb deren willen vns Gott zu ſeinen Kindern annimpt / Item die Macht vnd Warheit GOttes da⸗ von wir jetz geſagt / zuſammen gefaſſet / vnd ſpricht alſo: De fragmentis ſeptem ſerm. . Tria conſidero, in qui- bus tota mea ſalus conſiſtit. &c. Das iſt Ich betrach⸗ te drey dinge / darin mein gantze hoffnung beſtehet / die liebe der Kindſchafft / die gewiß heit der verheiſſung / vnd die gewalt der vbergabe. Es murre nun mein thorichter gedancke wie vieler wil / vnd ſpreche wer biſtu? Oder wiegroß iſt die Ehre⸗ mit was verdienſten hoffeſtu ſie zu erlangen? Vnd ich antworte in guter zuverſicht: Ichweiß welchemich hab gegleubet / vnnd bins gewiß / dieweil er in groſſer liebe mich an Kindesſtatt angenommen hat. Dieweil er warhafftig iſt in ſeiner verheiſſung / vnd maͤchtig genug im leiſten. Dis iſt eine Dreyfache ſchnur / ie nicht leichtlich zerreiſſen wirdt / welche er auß vnſerm Vatterlande biß in —— in dieſen Kercker oder Gefengnis zu vns herab gelaſſen hat / Lieber die laſſet vns feſt halten / das ſie vns auffhe⸗ be / das ſie vns ziehe / vnd ziehe vns biß zum anſchawen der herrligkeit des groſſen Gottes. Zu letzt / weil ſich David jetzgemelter dingen nicht ſchlecht errinnert / ſondern vorgehoͤrter maſſen ſich feſt daran gehalten / ſein vertrawen vnnd zuverſicht darauff gerichtet / vnd geſtellet / vnd fur gewiß gehalten / das auch Chriſtus inſonderheit ſein Erloſer ſey / vnd ſich deſſelben Erlofung / Macht / Warheit vnd Trewe fur ſeine perſon angenommen. Damit werden wir gelehret: Das der wahrer Seligmachender Glaube nicht iſt ein ſchlecht wiſſen der Hiſtorien von Jeſu Chriſto / vnd das mann dieſelben fur warhafftig vnd gewiß helt / ſondern das er iſt eine gewiſſe zuverſicht / vnd hertzliches vertrawen / ſo der eilige Geiſt durchs Evangelium in vns wircket / da ein jeder Gleubiger fur ſeine Perſon ſich des ver⸗ dienſts Chriſti vnd aller deſſelbigen wolthaten anmaſ⸗ ſet / vnd jhme dieſelben appliciret vnnd zueignet. Alſo beſchreibt den Glauben die Epiſtel zun Hebreern am. Cap. Der Glaube iſt eine gewiſſe zuverſicht / deß das man hoffet / vnnd nicht zweiffelt an dem das mann nicht ſiehet. Vnnd ſtellet vns S. Paulus deſſen Exempel fur an Abraham Roman. 4. Er hat geglaubet auff hoffnung da nichts zu hoffen war. Item: Er ward nicht ſchwach im glauben / vnnd er zweifelte nicht an der verheiſſung GO Ttes durch vnglauben / ſondern ward ſtarck im glauben / vnd gab GOtt die Ehre / vnndwuſte G auffs auffs aller gewiſſeſte / das was G Ott verheiſſet / das kan er auchthun. Darumb iſts jhm auch zur Gerechtig⸗ keit gerechnet. Da freylich S. Paulus nicht von ei⸗ nem bloſſen wiſſen vnnd gemeinem beyfall / ſondern von gewiſſer zuverſicht / vnd zueignung auffs individuum v⸗ der die perſon des Abrahams redet / ſolchen Glauben ſi⸗ het man auch an S. Paulo ſelbs. Gal. 2. da er ſpricht. Was ich jetzt lebe im Fleiſch / das lebe ich in dem Glau⸗ ben des Sohns Gottes / der mich geliebet hat/ Vnd ſich ſelbs fur mich dar gegeben. Vnd amlieben Job. welcher ſpricht: Ich weiß das mein Erloſer lebet. Job. 19. Alſo ſpricht auch S. Thomas /Joan. 20. Mein Herr vnd mein Gott. Vnd die Braut Chriſti im ho⸗ hen liede Salomonis am 6. Cap. ſagt: Mein Freund iſt mein vnd ich bin ſein. Weil dieſer Glaube von nothen iſt / So hat Gott darumb dem David durch den Nathan ſagen laſſen. 2. Samuel. 12. Der HErre hat deine Suͤnde weg⸗ genommen. Vnnd Chriſtus zum Gichtbruͤchtigen / Matt. 9. Sey getroſt mein Sohn / dir ſeind deine Stuͤnde vergeben. Item / zu der Suͤnderin / Luc. 7. Dir ſeind deine Suͤnde vergeben. Dein Glaube hat dir geholffen / gehe hin mit friede. Vmb dieſes Glau⸗ bens willen / damit derſelbig in vns gewirckt vnd erhal⸗ ten werde / ſeind auch die ne Sacramenta einge⸗ ſett / damit in vbung derſelbigen / die gemeine verheiſſung einem jeglichen inſonderheit angebotten vnd vberreicht/ zugeignet vnd verſugelt werde Bernhardus ſchreibt S de Annũnciatione Serm.⁊. Neceſſe eſt primum omni- um gredere, quod promiſſionem habere non poſſis, niſi pet indulgentiam Dei. Sed adde ut credas & hoc, quod per ipſum peccata tua donantur. Hoc eſt teſtimonium quod.perhibet Spiritus Sanctus in corde tuo: Dimiſſa tibi ſunt peccara tusn. Daßiſt / Mannmuß furallen dingen glauben / das du keine verheiſſung haben koͤnteſt ohne die gutigkeit G O Ttes. Aber thu darzu / das du auch diß gleubeſt / das dir durch jhn deine Suͤnde ge⸗ ſchencket werden. Diß iſt das zeugniß das der Heili⸗ ge Geiſt gibt in deinem hertzen: Dir ſeind deine Suͤnde vergeben. Dieſer Glaube iſt vnſers hertzen hand / damit wir Chriſtum ſampt allen ſeinen gutern vnnd wolthaten / zu vns nemen / faſſen vnd beſitzen / Durch dieſen Glauben wohnet Chriſtus in vnſern hertzen. Epheſ.z. Vnd wer⸗ den wir jhm dadurch eingeleibet / vnnd glieder ſeines Lei⸗ bes / ein Fleiſch vnd ein Leib mit jhm / Epheſ. . Vnd ſeines Geiſtes vnd Lebens theilhafftig / wie ein Rebe des ſafftes im Weinſtock / Joan. 1. Ein ſolch krefftig ding iſt dieſer Glaube / das er GOtt die Heilige Dreyfaltigkeit / den Himmelvndal⸗ le Himliſche ſchaͤtze mit vnſerm hertzen vereinigt vnd da⸗ rein ſchleuſſet. Dieſer Glaube allein iſt der Sieg der die Welt vberwindet.1. Joan. . Er iſt nit tod vnd muͤſſig / ſondern lebendig krefftig / vnnd fruchtbar / Ja er iſt der Baum / der die frucht guter wercke bringt. Matt. 7 Luc. z. Pnd kan ohne denſelben kein Gebet oder ander gut Gij werck werck geſchehen / das G O ⁊ Tangenem iſt / Jacob.1. n. Er iſt nicht jedermans ding /2. Theſſal. 3. ondern GO Ttes Werck vnnd Gabe. Colloſſ. 2. Epheſ. 2. Auß dieſem erſcheinet nun das das jenige ſo von der gewißheit vnſers Heils zuvoren geſaget / die Vngleubi⸗ gen vnbußfertigen ſichern vnd ruchloſen Leut durchauß nicht angehe / von denen geſchrieben ſtehet / das ſie kein theil haben im Reich G Bttes vnnd Chriſti. 1. Cor. . Vnd wer nicht gleubet der iſt ſchon gerichtet. Joanʒ. Vnd ſo jhr nach dem Fleiſche leben werdet / ſo werdet jhr ſterben. Rom.s. Darumb denn dieſelbige Lehr mit grunde keines weges beſchuldigt werden kan / das ſie ruchloſe Leut mache / vnd gute wercke hindan zu ſetzen vr⸗ ſach gebe. Man ſiehet auch hierauß / wie vnbillich die ſichere Welt / vnd vnſere Widerſacher handlen / welche den glau⸗ ben fur ſo ein ſchlecht leicht vnd geringſchaͤtig ding hal⸗ ten / vnd ſich beduͤncken laſſen / das durch die Lehr vom allein ſaligmachenden Glauben / der weg zur Saligkeit garzu leichtgemacht werde. Diß kompt jhnen daher/ das ſie nicht verſtehen was recht glauben heiſſe vnd ſey. Sondern ſeind in der irrigen meinung / das heiſſe glau⸗ ben / wann man die Hiſtoriam von Chriſto wiſſe vnnd erzehlen konne / vnd dieſelbe fur recht halte. Welchen glauben auch die boſen Geiſter haben / wie S. Jacob2. ſchreibet. Wenn ſie aber die art vnd eigentſchafft des glaubens vorgemelter maſſen verſtunden / wůͤrden ſi o ſo gering nicht ſchetzen / ſondern jhn fur die hoheſte vnnd ſchwereſte kunſt / vnd das hoheſte vnd ſchwereſte werck / mit vns / erkennen vnd halten. Alſo konte ich auch ſagen / wie dieſe wahre Lehr vom ſaͤligmachenden Glauben / das Tridenriſche Geſet vom ſtetigen zweiffel an Gottes gnaden vnnd der Sãligkeit zuboden ſtoſſe. Aber ich laſſe das bleiben. Vns ſoll aber dieſe Lehr bewegen / das wir vns recht prufen ob wir im glauben ſein / Wie 2. Cor. 13. Sanct Paulus er⸗ mahnet / damit mann ſich nicht betriege / wie viele thun / welche jhnen ſelbs einen Glauben tichten / der kein Glau⸗ be ſondern nur ein eiteler wahn iſt. Vnd das wir vns im Goͤttlichen Wort vnd Heiligen Sacramenten / als den krefftigen von Gott zur beforderung vnd erhaltung des Glaubens verordneten mitteln / embſig exereiren / auch vmb ſtete wirckung / erhaltung vnnd vermehrun den HErren anruffen. Haben wir nun alſo den vorgenommenen Text/ ver⸗ handelt / vnd zu vnſerm Troſt vnd vnterricht angehoͤrt. Beim Erſten Theil: Von der Chriſtgleubigen Men⸗ ſchen vnſterbligkeit / wo jhr Seelen nach dem Todt hin⸗ kommen / das wir fur allen dingen vnſere Seelen ver⸗ ſorgen ſollen / wie ſie am allerbeſten verſorget werden / vnd das ſolches nicht biß auffs letzte ſol geſparet werden. Beim Andern Theil haben wir gehört: Womit ein Chriſten Menſch ſeiner Saͤligkeit konne verſichert werden / vnd was der wahrer Saͤligmachender Glaube ſey. GOtt gebe gnediglich das wirs zu ſeinem preiß G iij vnd ond Ehren / vnd zu bnſerer Seelen ewiger wolfahrt be⸗ halten / anlegen vnd gebrauchen moͤgen. Amen. PER SO N ALIA. Eliebten im. HErrn / auß was br⸗ ſachen wir jetzt in Namen des Allmech⸗ tigen alhie verſamlet ſein / vnd die itztge⸗ haltene Leichpredigt angeſtellet / iſt ewer Liebe im anfang der Predigt errinnert worden. Nem⸗ lich / weil der Ewige Barmhertzige GOtt / durch den zeitlichen Todt hinweg genommen / Weiland die Wol Edlen vnnd viel Ehren Lugendtreichen rawen / Dorotheam Margaretham von der dalspurgt / Gebornen Edle Tochter zu Bew⸗ ren / zu deren Begraͤbniß vnnd beſtattung wir zu ſammen kommen. Nun ſolte ich wol von Wol⸗ gemelter Frawen / jhrem herkommen/ Leben vnd Wandel meldung thun / Ich koͤnte ſie auch mit warhafftigem gezeugnis hoch loben vnnd ruͤh⸗ men. Weil aber ſolches den Fuͤrnembſten vnnd meiſten vnter dieſen zuhoͤrern / ohne das genug⸗ ſam bekandt / wirdt langwiriger erzehlung ohn von noten ſein. Kuͤrtzlich aber / ſo iſi ſie / wie men⸗ niglich bewuſt / von ſonderlichem Vhralten fur⸗ he⸗ nemen vnd ſiadlichem Geſchlecht geborn. Vnd iſt jhr Herr Vatter geweſen / Herr Johan der Juͤnger Edler Herr zu Bewren / Herrn Meinol⸗ phen Edlen Herrn zu Betwren ſaͤligen Sohn / welcher ein tapfferer Kriegsmann geweſen / vnd ſehr viel Zuͤge gethan / Hat zur Ehe gehabt An⸗ nen EdleFrawen vnnd Wittib zu Bewren / Ge⸗ born von der Malspurgk / ſo noch im leben / vnd dieſen Zodsfall jaͤmmerlich betrawret. Vnd iſi jhre der verſtorbenen Fraw Mutter geweſen / Die Wolgeborne Grevin vnd Fraw / Fraw Er⸗ megard Edle Frauw zu Belwren / Geborne Freiv⸗ lin vnd Graͤvin zur Hoͤya / vnnd Brockhauſen. Des Wolgebornen Graffen vnnd Herrn / Herrn Joſien Graffen zur Hoͤya vnd Broickhauſen E⸗ heleibliche Tochter / welcher zur Ehe gehabt / An⸗ nam / geborne Grevin vnd Frewlein zu Gleichen vnd Zonna. ete. Nach dem ſie aber / ſo wol / als andere Menſchen allzumal in Suͤnden empfan⸗ gen vnd geborn gerweſi / hat ſie der Gnediger Gott vnd BVatter / bald in jhrer Kindheit / in den Bund der gnaden / durch die Heilige Tauffe auff vnnd eingenommen. Nachmals iſt ſie durch jhre Chriſtliche Eltern / vnnd nach derſelben beiden Toͤdlichem abſcheide / durch vorgemelte jhre ber⸗ iebe liebe Großmutter / in der Gottesfurcht / Zucht vnd ermahnung zum HErrn / vnd allen Khriſi⸗ lichen vnnd Adelichen Thugenden aufferzogen worden: Deren ſie dann biß zu jhrem ſaͤligen Ende / furwar eine gehorſame Zochter geweſen. Als ſie nun das v. Jahr erreichet / iſt ſie durch beſondere ſchickung Gottes des Allmechtigen vnd mit rath vnd bewilligung jhrer hertzlieben Groſi⸗ mutter / Vormuͤnden vnd Freunde / dem Edlen / Geſtrengen vnd Ehrnveſten Herman Gotſchal⸗ clen von der Malspurgt / vnſerm Großgepieten⸗ dem lieben Junckhern vnd mit Obrigkeit / vereh⸗ licht worden / Mit dem ſie ꝛ. Jahr vnnd n. Wo⸗ chen im Eheſtand zugebracht / vnd zween Kinder einen Sohn vnnd eine Zochter gezenget / Were wol zu wůndſchen / das ſie / wens Gottes will ge⸗ weſen / noch viel Jahr beyeinander hetten bleiben vnd leben mogen / dann ſi / wie jedermann beken⸗ net eine feine wolgerahtene Ehe beſeſſen. Sie war eine ſolche / das ſich jhres Mannes hertz auff ſie verlaſſen dorffte / dem ſie liebs gethan vnd kein leidt jhr lebenlang. Welches Proverb. ⁊u. an Tugendſamen Frawen gelobet wird. Mit jh⸗ rem Geſind vnd mit jedermann iſt ſie dermaſſen guͤtig vnd ſanfftmuͤtig vmbgangen / das man kei⸗ nen 2 teinen Menſchen horet / den ſie jemals mit einem Wort beleidigt. Wie ſie dann auch ſonſt fried⸗ fertig geweſen / welche Tugend Chriſtus preiſet / Math. 5. Den armen hat ſie viel guts vnnd handreichung gethan / vnd hat derſelbigen auch in jhrer Kranckheit nicht vergeſſen / Sie hat bey jederman zeugnis das ſie nicht geweſen ſtoltz vnd auffgeblaſen / ſondern demuͤtig vnd ſtille / welches GOtt wolgefellet / der den Hoffertigen wider⸗ ſtrebt den Demuͤtigen aber gnade gibt. . Pet. ʒ. Summa ſie hat alſo gelebt / das ſie ein gut ge⸗ růͤchte gehabt bey jedermann / das ſie GOtt ge⸗ foͤrchtet / vnnd niemandt vbel von jhr reden kan. Judith. s. Darumb ſie war eine rechte Dorothea / das iſi / GOttes gabe / Welchen Namen Syrach amꝛ6. allen Thugendtſamen Frabven gibt / da er ſpricht: Ein Thugendſam Weib iſt eine ſchoͤ⸗ ne GOxtes gabe. Quch war ſie eine rechte Margarita / das iſt eine Perle / allermaſſen wie Salomon Proverb. 1. ſchreibet. Ein Thu⸗ gendtſam Weib iſt viel Edler dann die koͤſtlich⸗ ſien Perlen. Vnd iſt kein ʒweiffel / da der Allmechtig Gott ſie lenger hette leben laſſen / das mann einen fei⸗ nen nen Spiegel einer Chrißtlichen onnd recht Ed⸗ len Matronen an jhr wuͤrde gehabt haben. A⸗ ber jhre Seele gefiel SOtt wol / darumb eilete er mit jhr auß dieſem boſen Leben / Sap. 4. Mit jrem Toͤdlichen abſchiede iſis zu gangen / als S. Auguſtinus ſchreibt / Non poteſt ma- lè mori qui bene vixit. Vnd ſiehets darumb alſo. 2lm dritten Tag dieſes Monats Janu⸗ arii / als jhr vnſer HErr GOtt nicht lange da⸗ bevorn eine Junge Tochter beſcheret gehabt / vnd ſie wider auffgeweſen / gegangen vnd geſianden / hat jhr GSOtt ein hitzige Kranckheit zugeſchickt / daran ſie biß auff den ys. Tag ſelbigen Monats gelegen. Nun hat ſie ſich in gedachter Kranckheit nach Syrachs lehr vnd vnterweiſung allermeiſt zu GOtt gewand / denſelben embſig vnnd hertz⸗ lich angeruffen / auch gantz Eiferig vnnd fleiſſig hin vnnd wieder in Staͤdten vnnd Doͤrffern das Gemeine Gebet fur ſich thun laſſen. Wie ſie nun ſich vnd jhren zuſtandt mit dem Gebet Gott heimgegeben vnd befohlen. Alſo hat ſie auch jhre Kranckheit in groſſer gedult getragen / vnnd dem HErrn ſiill gehalten. Am Freytage den js. Tag hujus da jhre Kranck⸗ 4 —5 5 Kranckheit ſehr zugenommen / bin ich zu jhr ge⸗ fordert worden / da ich ſie dann in Ghriſtlicher Gedult vnnd anruffung GOTTes gefunden. Vnnd als ich jhr ettliche Spruͤche Goͤttliches Worts vorgehalten / hat ſie dieſelben bigirig an⸗ gehoͤrt / vnd zum Troſi auffgenommen/ Auch hat ſie demůtiglich jhre Suͤnde erkandt / GOtt vmb verzeihung gebeten / mit wahrem Glauben an JEſum CHriſtum der Gnedigen vergebung jhrer Suͤnden ſich getroͤſtet / vnd zu mehrer ver⸗ ſicherung der Gnaden Gottes vnd Ewiger Saͤ⸗ ligkeit / das Heilige Abendtmal JEſu Criſti / wiewol ſie nicht lange dabevorn / daſſelbige auch gebrauchet / in wahrer andacht empfangen. Vmb den Abend gemeltes Tages / lieſt ſichs alſo mit jhr an / das jederman gute hoffnung ge⸗ wann / es wuͤrde am höchſien mit jhrer Kranck⸗ heit geweſen ſein / vnd ſichs nun etwa mit jhr zur beſſerung vmbſchlagen. Aber der HErr gne⸗ diger GOtt vnnd Vatter / bey dem es allein ſie⸗ het / wann ein jeder zu leben anfahen vnd ſchlieſ⸗ ſen ſoll / hatte ein anders vnnd beſſers mit jhr verſehen. Vngefehrlich vmb Sieben Vhr gemeltes Abendts da die jenigen ſo bey jhr wa⸗ ren / ſichs am wenigſten vermuhteten . ie — ſich zum abſchiede / da ſie dann zu vollenbrin⸗ gung jhres guten lauffs vnnd beſtendigkeit des Glaubens ermahnet worden / auff welche er⸗ mahnung ſie jhre Augen auffgeſchlagen vnnd zeichen geben das ſie es verſtunde vnd das ſie im Glauben biß ans ende ritterlich zubeharren vnd beſiendig außʒutawren gemeinet were / Welches ſie auch da es mit jhr gleich zum ende kommen / als ich jhr die jetzt gehandelte Worte des Heili⸗ gen Davids / vnnd vnſers HErrn JEſu CHri⸗ ſti am Creutze zugeſprochen / am allerletzten ge⸗ than / Darauff ſie alsbaldt / vnter deſen ich mit den vmbſiehenden gebetet bey guter Vernunfft / eine ſtille ruͤhige auffloſung vnd friedenfahrt er⸗ reichet / gantz ſenfftiglich durch außbleibung des Athems mit wenig Hertzſchluͤcken abgeſchei⸗ den. Ob nun wol der Toͤdtlicher abgang dieſer Wol Edlen vnnd viel Ehren Zugendreichen Fra⸗ wen vielen Leuten / vornemblich aber jhrem hertz⸗ lieben Jungkhern / Goßmutter / Schweſtern vnd andern Verwandten vnd Freunden groſſes hertz⸗ leidt gemacht / Jedoch haben ſie ſich deſſen zu ge⸗ troſien / das es mit jhr nicht boſe / ſondern auffs allerbeſie bewand / ſintemal ſie vns aller niyſe ig⸗ ligkeit / jammer / truͤbſal / vnd vnruhe / zur Ewi⸗ gen ruhe vnd Himliſcher Frewwde vnd herrligkeit kommen. Der Ewige Barmhertzige Sott vnd Vatter verleihe jhr / am Juͤngſten Tage / ſampt allen Auſierwehlten eine froͤliche Aufferſtehung / ſtehe jhrem hochbekuͤmmerten Jungkhern vnd hinter⸗ laſſenen Kindlein in Gnaden bey / erhalte ſie in ſeinem Vätterlichen ſchutz vnd ſchirm / vnd behuͤ⸗ te ſie vor allem vbel / beſchere jhnen / ſo wol auch allen andern Veriwandten vnud Freunden recht⸗ ſchaffene Chriſtliche Gedult / vnnd beſtendigen Troſt / vnnd gebe vns allen / wenn eines jeden Stuͤndtlein kommen ird / eine ſelige nach⸗ fart vnd das Ewige Leben / durch Jeſum Chriſtum / hochgelobt von Eiwig⸗ keit zu Ewigkeit Amen. —de 7 ————