See Eine Chriſtliche Leichpredigt: Be dem Varibns SPeinne des Ehrwirdigen / vnnd Hochgelarten Herrn Magiſtri Bartholomæi Meyers, 2 Pfarrherrn vnd Superinrendenten zu Caſſel / welchers den 16. Decembris Anno 16 o0. ſeines alters aber 73. Chriſclich entſchlaffen. Gchalten S In derStifftkirchen der löblichenStadt? Caſſel / den w. Detembris / Duſch Gregorium Schoͤnfeld / D. Pfarrherrn vnd Superinten- denten daſelbſt. Gedruckt zu Laſſel/ durch Wilhelm Weſſel / Im Jahr Chriſii / . 2896366 cc jtithiiſc Leichpredigt / Aus dem 4. Buch Moſe am ꝛ20. Cap. v. 2. E Nd der HE R Rredet mit Mo⸗ ſe vnd Aaron zu Hor am Gebir⸗ Sgean den Graͤntzen des Landes der Edomiter / vnd ſprach: Las ſich Aa⸗ ron ſamlen zu ſeinem Volck / denn er ſol nicht ins Land komen / das ich den Kin⸗ dern Iſrael gegeben habe / darumb / das jbr meinem Munde vngehorſam geweſt ſeid bey dem Haderwaſſer. Nim aber Aaron ond ſeinen Sohn Eleaſar / vnd fuͤhre ſie auff Horam Gebirge / vñ zeuch Anaron ſeine Kleider aus / vnd zeuch ſie Eleaſar an / ſeinem Sohne / vnd Aaron ſol ſich daſelbs ſamlen / ond ſterben. Da thet Moſe wie jhm der H E RRgebol⸗ ten hatte / vnd ſtiegen auff Hor am Ge⸗ birge / fur der gantzen Gemeine. Vnd Voſe zoch Aaron ſeine Kleider vn vnd zoge ſie Eleaſar an ſeinem Sohne. Vnd Aaron ſtarb daſelbs oben auff dem Berge: Woſe aber vnd Eleaſar ſtie⸗ gen herab von dem Berge. Vnd da die gantze Gemeine ſahe / das Aaron dahm war / bewemeten ſie jhn dreiſsig tage / das gantze Haus Iſrael. i Eliebte im H ERREN/ wann die heiligen Maͤnner GOt⸗ tes /vom Ampt der Lehrer vnd Zu⸗ hoörer gegen einander / in der Ge⸗ meine GOttes geredt vnd gehan⸗ delt / ſo haben ſie auff das Exempel Aarons / des erſten Hohenprieſters in Iſrael / vnd ſeiner Zu⸗ hoͤrer pflegen zu ʒeigen vnd zu deuten / beydes im Alten vnd Meiwen Leſtament. Im Newen Leſta⸗ ment / ſagt der Apoſtel zun Heb. am . Cap. alſo: Heb.z. Niemand nimpt jhm ſelbſi die Ehre / ſondern der * auch beruffen ſey von Gott / gleich wie der Aaron. Damit lehrend / das die Prediger in jrer Vocation vnd beruff / auff das Exempel Aarons ſehen / vnd A ij ſich Deu. 24. ſich nicht ſelbſi die Ehre nemen / oder in das Ampt ſelbs eindringen / ſondern eines rechten beruffs / gleich wie Aaron / erwarten ſollen. Im alten Le⸗ ſiament aber ſpricht Moſes in ſeinem ʒ. Buch al⸗ ſo: Huͤte dich O Iſrael / fur der Plage des Auß⸗ ſatzes / das du mit fleis halteſi vnd thuſt / alles wʒ dich die Prieſter / die Leviten lehren / vnnd wie ſie euch gebieten / das ſolt jhr halten / ond darnach thun: Bedenck was der HErr dein Gott thet mit Mirjam / auff dem Wege / da jhr aus Egypten zoget. Befiehlet hiermit / das die Kinder Iſrael al⸗ num. xꝛ lezeit gedencken ſollen / wie Mirjam / als ſie wider V.IO· Syr. 4. V. 22. die Lehrer gemurret / mit freſſendem Außſatz von Gott geſtrafft worden. Desgleichen helt Syrach allen Zuhorern fur das Exempel der ſchrecklichen ſtraffe / damit Gott den Cora / Dathan vnnd Abiram / ſo ſich wieder Aaron entpoͤreten / von der Erden vertilget / Wil alſo mit dieſer Hiſtori vnd Exempel Core / Da⸗ than vnd Abirams alle Zuhorer fur vngehorſam gegen jhre Lehrer gewarnet / vnd zum Gottſeli⸗ gen Gehorſam angewieſen haben. Wann dann nu die Schrifften altes vnd ne⸗ wes Teſtaments / im Handel vnd Lehre von den Predigern vnd Zuhorern auff das Exempel Aa⸗ rons / vnd ſeiner Zuhoͤrer zeigen vnd weiſen / wir wir jtzo in dieſer vnſer tratrigen verſamlung / von weiland dem Ehrwirdigen vñ hochgelarten Herrn Bartholomæo Meyern, Pfarrherrn vnd Superinten- denten glhier / meinem lieben Collega, vnd Bruder in Chriſto / bey dieſer ſeiner Begrehnuͤs / nach Chriſilichem gebrauch etwas gedencken / ond ſa⸗ gen ſollen/ Ails wollen wir vnſere Gedancken vnd Rede / auff vnd nach dem Exempel des Aa⸗ rons vnd ſeiner Zuhoͤrer in vor vnd abgeleſenem Teyt vns vorgehalten / reguliren vnd formiren / vnd dieſe zwey Stuͤck handeln. . Von dem vorgeleſenen Lext vnd Exempel Aarons / von ſeinem leben vnd ſierben / auch von ſeinen Zuhoͤrern den Kindern Iſrael / wie ſie ſich vber den todlichen abgang jhres Lehrers vnd Ho⸗ henprie ſters verhalten. ꝛ. Wollen wir auch etwas gedencken / vnd ſa⸗ gen von dem leben vñ ſterben vnſers wolgemelten alten vnd vornemen Lehrers vnnd Superinten⸗ denten: ſo wohl auch von vnſern Zuhörern / wie ſie ſich bey ſolchem jhren Lehrers traurigem Be⸗ grebnuͤs erzeigen ſollen. Darzu der Allmechtige vnd Gnedige Gott vns allerſeits die Gnade ſeines Heijigen Geiſtes verlei⸗ hen wolle / A M EN. A iij Vom vnſerm alten vnd vornehmen Lehrer vnd Hirten / ——— S — — — Vom Erſten. Was nun anfenglich vnſern Text anlanget / wird darinne beſchrieben zweyerley: Aaron / vnd ſeine Zuhorer die Kinder Iſrael. Von Aaron zeuget der Text zweyerley.y. Von ſeinem Leben. ꝛ. Von ſeinem tode vnd ſterben. Das leben Aaron betreffend / meldet darvon die Schrifft hie vnd anders wo dreyerley. Was Gott Aaron in ſeinem Leben erzeiget. . Was die Menſchen jhm angethan haben. z. Wie er ſein Wandel vnd Leben gefůhret. Nlangend nuhn die Wohlthaten Gottes / ſo er dem Aaron in ſeinem Leben erʒeiget / ſeind dieſelbigen ſehr gros vnd herrlich. Denn ihn alleine hat SOtt vnter vnd fur allen Samen Abrahams ausgeſondert / das er gehei⸗ liget wurde zum aller heiligſien / er vnd ſeine Soͤ⸗ ne ewiglich / zu reuchern fur dem HErrn / zu die⸗ nen / vnd zu ſegnen in dem Nahmen des HErren ewiglich: wie im erſien Buch der Chronicken am 3. Kap. geſchrieben. Alſo iſt Aaron von Gott zu dem Allerheiligſten vnd Hohenprieſter Ampt be⸗ ruffen worden / welches begreifft drey Stůcke⸗ . Befahl Befahl jhm Gott das Ampt ſeines Worts / das er Jacob ſeine Zeugnis lehren / vnd Iſrael mit ſeinem Geſetz erleuchten ſolt. . Solt er reuchern vnd opffern fur die Suͤn⸗ de des Volcks. z. Muſt er alleine in das Allerheiligſie gehen / vnd allda fur dem Angeſicht Gottes erſcheinen / vnd bitten fur das Volck. Zu welchem Heilig⸗ thumb ſonſt niemand ſich nahen / oder daſſelbige anruͤhren durffte / denn wer ſich hinzu nahete / den Nom ⁊ tdtete Sott der HERR / wie dem Bſa geſchach. Vnd ſolchen Beruff Agrons hat G Ott mit grof⸗ ſen Wundern vnd Zeichen beſiettiget. Dann als die Kinder Iſrael wieder jhn murreten / vnd nicht gleuben wolten / das Aaron allein die Hoheprie⸗ ſterliche würde haben ſolte / da befahl der HErr Moſi/dz er ʒwolff Stecken / von den zwolff Stem⸗ men Iſrael nemen / vnd auff eines jeglichen Ste⸗ cken / deſſelbigen Stam̃es Namen ſchreiben / vnd in die Hütte des Stiffts legen / welches Stecken nun wuͤrde grůnen / derſelbige ſolte Hoherprieſter ſein / Vnd ſihe / des Morgens / da Moſes in die Hůtten des Zeugnis geng / fand er den Stecken Aaron grunen / vnd die Blůt auffgangen / vnd Mandeln tragen. Das war je ja ein gros Wun⸗ derwerck / dardurch der Beruff Aarons gewaltig bewieſen. Des⸗ Syr. 4⸗ 21. Heb. 9. 7. . 52. F, 2. Sam. 6. 6. 1. & 8. Desgleichen / als etliche Leviten / di Rotte Chora / Dathan vnd Abtram / ſich wider Aaron entpoͤreten / vnd auch das Prieſierthumb haben wolten / da thet der HERR ein newes / vnd eine ſchreckliche That. Die Erde riß von einander vn⸗ ter jhren Fůſſen / thet jhren Mund guff vnd ver⸗ ſchlang ſie mit jren Haͤuſern / mit allen Menſchen dumer die mit Cbora waren / nemlich zwey hundert vnd ezo funfftzig Männer / vnd fuhren hinunder lebendig in die Helle / mit allem das ſie hatten / vnd die Er⸗ de deckete ſie zu / vnnd kamen vmb aus der Ge⸗ meine. Item / als die gantze Gemeine der Kinder Iſ⸗ rgel wieder Aaron murreten / vnd ſprachen: Ihr numeri habt des HErrn Volck getodtet. Da ſchlug der HERRðas Volck mit einer boſen Seuche / das „ vierzehen tauſent vnd zwey hundert daran ſiur⸗ ben. Das iſi je ja eine mechtige beruffung Aa⸗ rons / das ſind ja gewaltige literæ confirmationis. Wie jhn aber GOtt zu ſolchem hohen Ampt be⸗ ruffen: Alſo hat er jhm auch ſolch Ampt zu fuͤh⸗ ren herrliche Gaben gegeben. Er hat jhm gegeben xro 4 eine beredte Zunge / vnd Wohlredenheit / wie ge⸗ ger ſchrieben imz. Buch Moſe am 4. Cap. So hat „ auchder HErr mit jhme in dem Allerheiligſien / vun von dem Gnadenſtuel / vnd durch eine ule gene Weisheit geoffenbaret. Neben dem hat Gott? der HErr alle Erſtlinge / vnd das beſte Oel / vnd allen beſten SNoſt vnd Korn derErſtünge / welche die Kinder Iſrael dem HErrn brachten / jhm vnd Num. ſeinem Samen gegeben vnd verordnet / vnd wie⸗ ¹5 6. wohl ſie kein theil am Lande haben / vnd mit dem syr. . Volck nicht theilen muſten: war doch der HErr . jhr theil. Vber das hat jhn Gott ſonderlich / herr⸗ lich vnd ſchon / mit den allerſchoͤneſten Seiden / Er 2. vnd aller werdeſien vnd edeiſten Kleinodien getlei⸗ det / desgleichen man vor jhm nie geſehen / Es „⸗ muſte ſie auch kein ander anziehen / ohne ſeine Kinder allein. Welches war ein Furbilde vnd bedeutung des kuͤnfftigen Hohenprieſters vn⸗ ſers HErrn Jeſu Chriſti / des ſchoͤneſien vnter den vlum. Menſchen Kindern / in welchem verborgen liegen . alle Schatze der Weißheit / vnd der Erkendnus. œl.4z. Sihe das ſind die Wolthaten / ſo Gott Aaron in ſeinem leben erzeiget / vnd jhn erhoͤhet hat / ſampt ſeinen Nachkommen / das gleich wie mit David aus dem Stamm Juda / ein Bund gemacht ii / das allein aus ſeinen Soͤhnen einer Koͤnig ſein ſolle. Alſo iſi auch Aaron vnd ſeinen Soͤhnen der Bund des Friedens gegeben / das er dem Heilig⸗ thumb vnd dem Volcke i vnd ſein me ſeule geredet / jhme ſeinen Willen vnd die verbor⸗ꝰlam. 8 n die Prieſierliche Wirdigkeit ewiglich haben ſolten. Aus welchem Stuͤck wir nun ſehen vnd ler⸗ nen / wie Gott das Lehrampt / nicht wie die Welt / kom gering / ſondern fur einen hohen / vnd in der Kir⸗ chen noͤtigen Stand vnd furnembſie Würde / in s4.7. ſeinem Wort ausruffet / auch mit ſeinen Gaben rim. zieret / vnnd mit viel Segen ſchmůcket / ſolches . auch von vns hoch vnd werth / vnd mit nichten / 87 ₰ wie geſchicht / veraͤchtlich wil gehalten haben. Vnd ſo viel von dem was Gott fur Wolthaten dem Aaron in ſeinem Leben erzeiget / folget nun zum andern / was jhm von den Menſchen in ſei⸗ nem beruff angethan worden. Davon zeigen die Schrifften Moyſis / das / je mehr jhn Gott gelie⸗ bet / vnd je hoher Wurde er jm gegeben: Je groſſer Haß / Neid vnd Widerſtand er von den Egyptern Ex7 n vnd ſeinen eigenen Bruͤdern hat ausſiehen můſ⸗ „Tim. ſen. Von den Egyptern / haben jhm nicht alleine „2. Jannes vnd Jambres die Zeuberer vnd verfuͤhri⸗ ſche Lehrer widerſtanden: ſondern er iſt auch von Pharao dem Koͤnige gehaſſet / vnd verfolget wor⸗ Son den / welcher jhn ſampt Moſen hinaus geſtoſſen / vnd geſaget: Gehe von mir / vnd hüte dich / das du nicht mehr fur meine Augen kommeſt / denn wel⸗ ches Tages du fur meine Augen koͤmmeſt/ ſoltu ſterben. ſterben. Von den Kindern Iſrael aber hat er ſampt Moſe groſſe drangſal vnd Todesgefahr 3o. Jahr lang in der Wuſien ausſtehen vnd leiden můͤſſen. Dann als Moſe auff dem Berge Synai verzoch / x o. ſamlet ſich das Volck wider Aaron / vnd nötigete jhn zu der groſſen Suͤnde / das er jhnen Bilder / Goͤtter vnd das gegoſſene Kalb machen ſolte. Vñ auff ein ander mahl hatt das gantze Voſck vber Aaron vnd Moſen preiß geruffen vnd geſchrien: Man ſolte ſie ſteinigen. Ja das noch mehr iſt / ſeine eigene Verwandte / die Leviten / Chore / Da⸗ than vnd Abiram / welche ſeine Collegen vnd Ge⸗ huͤlffen im vndern Ampt ſein ſolten / haben ſich wieder jhn erreget/vnd auffſetzig gemacht / wie zu Mn leſen im 4. Buch Moſe am )s. Kapitel. 6 Vnnd alſo war Aaron ſampt Moſe fur der Welt ein ſehr geplagter Menſch vber alle Men⸗ ſchen auff Erden / Wie im 3. Buch Moſe am n. om⸗ Capitel geſchrieben. Daraus wir abermal ſehen vnd lernen den Zuſtand trewer Lehrer vnd Prediger / bey der boͤ⸗ ſen Welt / das ſie wie Aaron / die heiligen Pro⸗ pheten / vnd der H ER R Jeſus Chriſtus in der 10han. Welt Angſt vnd Verfolgung leiden / vnd als ein *.ʒ. Fluch der Welt vnd ein Fegeopffer aller Leute ſein muſſen. B ii Zum Num. 14. 10. 1. Cor⸗ hater ſeinem Beruff vnnd Ampt fleiſſig nachge⸗ pam. wahdelt / wie dann geſchrieben im Pſalm: Moſe 36 pnd Aaron vnter ſeinen Prieſtern. Er redet mit jhnen durch eine Wolckenſeule / ſie hielten ſeine Zeugnus ond Gebote die er jhnen gab. Welches die Schrifften Moſis in ſpecie vnd in ſonderheit bezeugen / das er mit Leib vnd Lebens gefahr den xxod.y. Willen vnd befehl G Ottes dem Koͤnige Pharao 7. angezeiget / darvon zu leſen im 2. Buch Moſe am 5. 6. 7. 8. vnd folgenden Capiteln. Er hat auch den Kindern Iſrael das Wort des HErrn ernſtlich furgehalten / vñ zu allem ge⸗ horſam 40. Jahr lang trewlich vermahnet / vnd als ſie von Gott abfallen / vnd wider in Egypten ziehen wolten / iſt er auff ſein Angeſicht vor der gantzen Gemeine Iſrael gefallen / gebetet / gefle⸗ Numeri het vnd vermanet / vnd geſaget: Fallet nicht ab / 44 lieben Kinder / von dem HErren ewerm GOtt. Er hat auch fur das Volck ernſtlich gebetet / vnd des HErrn Zorn geſtillet / Dann als der HErr plage vnd Peſtlentz / vnter die Gemeine / wegen jhres murren wider Aaron / hat kommen laſſen / lieff Aaron mitten vnter die Gemeine / reucherte / vnd verſuͤhnete das Volck / vnd ſiund zwiſchen den Zodten vnd Lebendigen: Vnd alſo ward der Plage Zum dritten / den wandel Aarons belangend / Plage vnd ſterben gewehret / vnd das Volck erret⸗ tet. Er iſt auch Gott dem HErren gehorſam ge⸗ weſen bis in den vodt. Dann wie vnſer Text mel⸗ det / iſt er gehorſamlich auffden Berg Hor / da er hat ſierben ſollen / mit Moſe gangen / hat jm wil⸗ liglich ſeine Prieſterliche Kleider laſſen außziehen / vnnd ſich durch den Zodt zu ſeinen Vatern ge⸗ ſamlet. Es hat aber dieſer Hoherprieſter vnd ſo heili⸗ ger Man auch ſeine fehle vnd gebrechen gehabt/ deren dreyerley in der Schrifft furnemlich auffge⸗ zeichnet⸗ Das er aus Furcht des Volcks nach jhrem gefallen / wider das Gebot des H E RR ER/ Du ſolt dir kein Bildnus machen / ein ge⸗ S goſſen Kalb gemacht / vnd damit den HErrener⸗* &ꝛ⸗ zůrnet hat. Das er mit MWirjam ſeiner Schſweſter / wie⸗ Mum. *5 Moſen ſeinen Bruder gemurret vnd gezan⸗ u et. 3. Das er ſampt Moſe an Gottes Verheiſſung / da er verhies Waſſer aus dem Felſen zu geben / gezweiffelt / vnd den HErrn entheiliget hat. Dar⸗ Num: umb er auch vnd Moſe vom HErrn mit vode ge⸗ ꝛ0n⸗ Rrafft / das ſie ins gelobte Land nicht haben kom⸗ Peu. men muůſſen / wie im Moſe geſchrieben. . 0. B iij In In welchem als einem Spiegel wir ſehen / wp. n. das vnter den Heiligen Gottes keiner ohne tadel / v. vnd das in den Boten GO Ttes auch Thorheit b befunden werde/ vnnd das kein Menſch ſey / der nicht fündige. Wann dann nu auch Aaron ſelbſt vReg mit ſchwachheit vnd ſuͤnden vmbgeben / darumb s *6 muſte er / gleich wie fur das Volck / alſo auch nev.ns fur ſich opffern / vnd mit allen Heiligen vmb ver⸗ b gebung der ſuͤnden bitten zur rechter ʒeit / wie dañ kum. auch von jhm geſchehen / nach dem Zeugnis Da⸗ o.6. vids / WMoſe vnd Aaron / vnter ſeinen Prieſtern / HERR du erhoͤrteſt ſi / du veragbeſt jhnen / vnd ſtraffteſi jhr thun. Derowegen wir auch mit al⸗ len Heiligen vnd den Jüngern des HErrn Chri⸗ Match. ſti bitten můſſen: Vergib vns vnſer ſchuld / wie wir me. vnſern ſchüldigern vergeben. Vnd ſo viel von dem Leben Aarons: folget nuh von ſeinem ſterben. Davon ſagt vnſer Zert alſo: Vnd der HErr redet mit Moſe vnd Aaron: Las Aaron ſich ſamlen zu ſeinem Volck / denn er ſol nicht in das Land komen / das ich den Kindern Iſrael gegeben habe / darumb das jbr meinem Munde vnge⸗ horſam —— — —.—— — — — — — — de des HErren bngehorſam geweſt bey aus / bnd zeuch ſie Eleaſar an / ſeinem horſam geweſt ſeid bey dem Haderwaſ⸗ ſer / vnd zeuch Aaron ſeine Kleider aus / bnd zeuch ſie Eleaſar an ſeinem Sohne / vnd Aaron ſol ſich ſamlen / vnd ſterben. Aaron war noch friſch vnd geſund / vñ gedacht nicht / das er ſo bald ſierben ſolte. Wie kömpt es dann / das er ſtirbet? Was iſt die vrſach ſeines vodes? Darauff giebet dieſer Teyt zweyerley vr⸗ ſach. Iſt die Suͤnde / Weil Aaron dem Mun⸗ dem Haderwaſſer. Darumb mus er ſich ſamlen / vnd nicht ins Land kommen. Sehen alſo in dieſem Exempel / das die Suͤnde iſt der Sta⸗ cor. chel des Lodes. Item / der vodt iſt der Suͤnden 1 ſolt. Vnd das der vodt durch die Sunde in die Welt kommen / vnd zu allen Menſchen hindurch Ko yn gedrungen / dieweil ſie alle geſundiget haben. . ¶ Prſach iſt der befehl Gottes des HErren zu Voſe Las ſich Aaron ſamlen zu ſeinem Volck / vnd zeuch Aaron ſeine Kleider Sohn. Welcher das Ampt nach Aaron fahren pnd 20. 26. Pſalm. 50. Dan.. 23. Pſal. 104 20 Gen. 2.7 Gen 3.19 Ec. 12˙7. Rom.14 6. Ec.3 3. ond haben ſolte. Vnd alſo muſte nu Aaron ſeine Kleider ausziehen / ſein Ampt vnd Leben auffge⸗ ben / vnd ſich ſamlen zu ſeinem Volck. Das iſt / Er muſtie wie das ander Volck auch fierben / alles aus vnd nach Gottes willen / geheis vnd befehl. Denn er iſis / von welchem Moſes ſagt im go. Pſalm: HErr / du leſſeſt die Menſchen ſterben / Denn er / der HErr / hat vnſern Athem vnd Le⸗ ben in ſeiner Hand / wenn er vnſern Athem weg⸗ nimpt / ſo vergehen wir / vnnd werden wieder zu Staub. Gleich wie Gott dem erſten Menſchen einen lebendigen Athem in ſeine Naſen geblaſen / alſo wird der Menſch eine lebendige Seele. Alſo wann G O TTvnſern lebendigen Athem vnd die Seele hinweg nimpt / ſo müſſen wir vergehen / vnd wieder zur Erden werden / davon wir genom⸗ men ſind. Es ſiehet auch hie / das ſich Aaron ſam⸗ let zu ſeinem Volck / vnnd ſiirbet zu der zeit vnd ſiunde auff dem Berge Hor / vnd an dem ort / den Gott jhm zeiget vnd ſetzet. Daraus wir zu lernen / das wir nicht ohn ge⸗ fehr oder ohne den willen Gottes ſierben: Denn keiner lebet jhm ſelber / vnnd keiner ſtirbet jhm ſel⸗ ber / ſondern leben wir / ſo leben wir dem HErren/ ſterben wir / ſo ſterben wir dem HErren / vnd al⸗ les hat ſeine zeit / gebohren werden / hat ſeine zeit/ ſier⸗ ſierben hat ſeine zeit / ſagt der Prediger Salomo. Vnd ſolches alles von G O Tc / der mir vnd ei⸗ nem jeglichen vnter vns / wie dem Aaron / den tag vñ ſiunde / die ſtete vnd orth ſeines Todes beſtimpt / vnd hat dem Menſchen ein Ziel geſetzet / das wird er nicht vbergehen / Er hat ſeine beſtimpte ʒeit / die zahl ſeiner Monden ſteht bey dir / ſagt Job in ſei⸗ job. 1. nem Buch am 14. Cap: Desgleichen ſagt Da⸗ b vid / H E R R meine Zeit ſtehet in deinen haͤn⸗ ʒ n. den / vnd abermahl ſpricht er: Alle meine Tage Plam. waren auff dein Buch geſchrieben / die noch wer⸗ 116 den ſolten / vnd derſelbigen keiner da war. Dann wie G O T T zuvor gedacht / wie viel Sand am Meer / wie viel tropffen im Regen / vnd wie viel Tage der Welt werden ſolten / vnd hat zuvor ge⸗ meſſen / wie hoch der Himmel / wie breidt die Erde / vnd wie tiff das Meer ſein ſolte. Alſo hat er auch K den Menſchen Ziel geſetzet / zuvor verſehen / wie “ lange vnd weidt ſie wohnen vnd leben ſollen. Wie aber Aaron / ſo wol auch Moſes / Ob ſie wol jhrer Suͤnden halben / in der Wuͤſten haben ſterben / vnd ins gelobte Land nicht kommen muſ⸗ ſen / jedoch ſie gleichwol von der ewigen Seligkeit mit nichten ausgeſchloſſen / ſondern ſein zu der e⸗ wigen klarheit vnd Herrligkeit gebracht worden / In maſſen denn Moſes dem HErrn Khriſto auff. S 2 dem Matth. 17.3. Phil. 1. „. dem Berge Tabor in groſſer klarheit erſchienen. Welches Exempel wir alle zu ſondern Troſt mercken vnd behalten ſollen / das ob wol vns in vnſere not / vnd Lodt vnſer Suͤnde fur Augen ko⸗ men werden / wir doch darumb nicht verzagen / ſondern gedencken ſollen: Das wie Gott Aaron ond MRoſen zwar vmb jhrer Suͤnde willen hat ſterben laſſen / aber doch gleichwol von ſeinem Reich nicht außgeſchloſſen. Alſo werde er auch vns in vnſerm Lodt / den wir zwar auch vmb der Suͤnden willen leiden muſſen / wie Aaron / Mo⸗ ſes / vnd andere Heiligen / nicht verlaſſen / ſondern aus vnſerm Irdiſchen hauſe dieſer Hütten / vnd vnſers Leibes / in die Behauſung / die vom Himel iſt /einfuͤhren / das wir bey jm ſein / vnd ſeine herr⸗ ligkeit ſehen. Nach der theiwren verheiſſung des HERrn / Wer an den Sohn glaͤubet / der hat das ewige Leben. Derowegen wir mit dem Apo⸗ ſiel in glaͤubiger hoffnung vnd tꝛoſi ſagen koͤnnen: Chriſius iſit mein Leben /ſierben iſi mein gelwin. Vnd ſo viel von Aarons Leben vnd Sterben: Folget von ſeinen Zuhörern den Kindern Il⸗ rael / wie ſie ſich vber den todtlichen Abgang ihres alten Lehrers vnnd Hohenprieſiers verhalten. Das zeigen vns dieſe wortoſis· Vnd da die gantze Gemem ſahe / das Aaron dahin war war / beweineten ſie jhn dreyſſig Tage/ das gantze Haus Iſrael. Sche / das gantze Haus Iſrael / die gantze Gemeine / ſechs mahl hundert tauſent Mann onnd druͤber / die betrau⸗ ren vnd beweinen den Aaron / vnd ſolches dreyſ⸗ ſig tage lang. Dann ſie bedencken nu / wie er jh⸗ nen 40. Jar lang vorgeſtanden / ſie gelehret / faͤr ſie geopffert vnd gebetet / vnd allerley Jamer / E⸗ lendt / vnd verachtung bey jhnen außgeſtanden. Das mu ein ſolcher verdieneter SMann von jhnen genommen / gehet jhnen aiſo zu hertzen / das ſie daruber bitterlich weinen. Vnd iſt ſolch klagen vnd trawren in der Kir⸗ chen vber den Abgang trewer Lerer / bey dem volck Be Gottes gebreuchlich geweſen. Denn alſo haben «. ſie auch Moſen / dreyſſig tage lang beiweinet. Da Samuel ſiarb hat das gantze Haus Iſrael ſich §ann, verſamlet / vnd vmb jn leide getragẽ. Eliſeus als 21 ſein Lehrer Elias von jhm genomen wurd / Rieff ond ſchrie er: Mein Vatter / mein Vatter / Wagẽ Reg. Iſrael vnd ſeine Reuter. Vnd als Eliſeus kranck n war / dran er auch ſtarb / kompt Jvas / der Koͤnig Iſrael zu jn hinab / vnd weinet fur jm / vñ ſpucht: Mein Vatter / Mein Vatter / wagen Iſrarl ond ſeine Reuter. Der da mit ſeinem g bet vnd Raht ⁊keg mehr deñ alle wagen vnd Reuter außrichtẽ kunte. Eben dieſes ſehen wir an den frommen zuhorern Pauli zu Epheſo / Als Paulus alſo zu jhnen ſag⸗ te: Vnd nun lieben Bruͤder / ich befehle euch Gott / vnd ſeiner gnaden / denn ich weis / das jhr mein Angeſicht nicht mehr ſehen werdet: Da wardt Aaor. viel weinens vnd heulens vnter jhnen allen / vnd 7. fielen Paulo vmb den Hals vnd kuͤſſeten jhn: Al⸗ lermeiſi aber betrubt vber dem worte das er ſaget: ſie wurden ſein Angeſicht nicht mehr ſehen. Siehe / alſo haben die frommen vnd Gotts ⸗ fuͤrchtigen zuhoͤrer / jhrer trewen Lehrer abſchiedt hertzlich beweinet vnd betrawret / vnd ſolches aus Chriſtlicher vnd ſchůͤldiger Liebe vnd Danckbar⸗ keit. Dann es ſol zwiſchen trewen Lehrern vnd Zuhorern eine ſolche hertzliche liebe vnd affecten ſein / als da iſt zwiſchen Eltern vnd Kindern / ſin⸗ 6al. 4. demahl wir durch der Lehrer Dienſi vnd Ampt new gebohren / vñ Gottes Kinder werden. Dero⸗ wegen dann GOtt auch dieſelbige ſo wol als die vnl. ꝛ. Eltern in Ehren zu halten befohlen / wie zun Phi⸗ lippern amꝛ.geſchrieben. Vnd an einem andern ort / Die Elteſten / ſo wol fuͤrſtehen / halte man Tim: f zwiefacher Ehren wehrt / ſonderlich die da Arbei⸗ 7 ten am Wort vnd an der Lehre. Dannenhero der sr. weiſe Man Syrach dieſen ſchluß machet / vnd ſagt: Fuͤrchte den HErrn von gantzem hertzen / vnd vnd halte ſeine Prieſier in Ehren. Vnd ſo viel von dieſem vnſerm Text / vnd dem Exempel / des Hohen Prieſters Aarons vnd ſeinen Zuhoͤ⸗ rern den Kindern Iſrael. Das Stuͤck. E was von vnſerm alten Herrn Superin⸗ tendenten beides von ſeinem Leben vnd Tode et⸗ was gedencken vnd ſagen. Darneben auch ver⸗ melden / wie wir vns vber ſeinem toͤdtlichen ab⸗ gang erzeigen ſollen. Anlangend nu ſein Leben / haben wir davon zu gedencken. Was Gott der Allmechtige jhm guts er⸗ zeiget. 2. Was jhme von der Welt begegnet. z. Wie er ſeinen Wandel vnd Leben gefuͤhret. Betreffend das Erſie / hat Gott der Allmech⸗ tige jhm viel vnd groſſe Wolthaten erzeiget. Er hat jhn zu Allfeldt laſſen gebohren werden / zu der ſeligen Zeit / Anno 1528. am tage der heiligen drey Koͤnige: Da das ſelige Liecht des Evange⸗ lii in dieſen Landen vnd Kirchen zu leuchten ange⸗ C iij fangen fangen hat / Vnd im Jar zuvor / die berhuͤmbte Hoheſchul vnd Vniverſitet zu Marpurg / vom L. Philips Hochloͤblicher gedechtnis auffgerich⸗ tet worden. In welcher Vniverſitet / dieſer vnſer verſiorbener aus liebe gegen dem heiligen Evan⸗ gelio ſtudiret / vnnd in ſeinem Studiren ſich alſo fleiſſig / in ſeinem Leben ond Wandel alſo Erbar vnd vntadelich verhalten / das er im ⁊. Jar ſelues glters zum publco ꝑrofeſſore ꝓhyſices zu? iſt exwehlet vnd verordnet worden. Daher dann beydes / ſein vortreffliches ingenium, vnd geſchick⸗ ligkeit leichtlich zu erachten. Denn ſolche ingenia wenig gefunden werden / die in ſolcher Jugendt / vnd u. Jar jhres alters publicos proteſſores geben können. Dieſe ſeine Profeſſion hat er fuͤnff Jar lang mit lob verwaltet / vnd ſich in dero zeit / in der Theologta vnd H. Göttlichen Schrifft fleiſſig ge⸗ vbet / vnd darinne alſo zugenommen / das er von der profeſſione Phuloſophica ad Theologicamvnd zu⸗ gleich zum Pfarherrn / im Deutſchenhauſe/imas⸗ Jaur ſeines Alters / beruffen worden. In welchem Jar er ſich auch verehelichet / vnd an ſeinem Ge⸗ burts tage/nemlich / an der H. Drey Koͤnig tag / mit ſeiner Hausfrawwen jetzigen hinderlaſſenen Witwen / hochzeit gehaltẽ:SMit welcher er nu 47. lar in geruͤhiger vñ friedlicher Ehe geſeſſen. Sei⸗ ne bey⸗ 8 ne beyde Ampter aber die prolemionem Theologicã, vnd Predigt / hat er mit einander funff Jar / mit ſolchem fleiß verwaltet / das jme die hoͤchſten Am⸗ pter/digniteten vnd wůrden / von der gantzen Vni⸗ verſitet ſind auffgetragen worden. Dañ im vier⸗ den Jar ſeiner Theologiſchen Profeſſion / Iſt er Facultaris Theologicæ Decanus, hnd im folge ndẽ jar / Rector Academie Marpurgenſis worden. In welchem er ſich auch alſo furſichtig vnd beſcheidentlich er⸗ zeiget / das nicht allein die Vniverſitet / ein gutes genugen / ſondern auch L. Philips hochloͤblicher gedechtnis / ein gnaͤdigs gefallẽ dran gehabt / vnd jm alſo mit gnaden gewogen / das jre F̃. G. Ihn in werendem ſeinem Rectoratu, von Marputg zum Prediger naher Caſſel / neben dem alten Super⸗ intendenten Herrn Caſparn Kauffunger / vnnd Herrn Dioniſi / gnedig beruffen laſſen. In wel⸗ chen Predigampt er n. Jar gedientt / vnd ſich al⸗ ſo Arbeidtſam / beſcheiden / vnd Erbar verhalten: Das er anno 7o ſeines alters aber 3. zum Su⸗ perintendenten allhier ordentlicher weiſe / erweh⸗ let / vnd beſtetiget worden: Alſo das von jm vñ ſei⸗ nem beruff billich mag geſagt werden/ er habe jm nicht die Ehre ſelber genomen / ſondern ſeh darzu ordentlich beruffen worden / gleich wie der Aaron. Zu welchem ſeinem Beruff vnd hohen Ampt / vnſer . Cor 12 - 5 onſer lieber Gott jhme auch / wie dem Aaron not⸗ turfftige Gaben / durch ſeinen Geiſt / der einen jeglichen ſeines zu theilet nach dem er wil/gegeben. Siehe dieſe Wolthaten hat Gott der Allmechti⸗ ge vnſerm in Gott ruhenden Superintendenten erzeiget. Zum Andern / Wie aber der Aaron ſeine Nei⸗ der vnd widerwertige gehabt: Alſo hat auch die⸗ ſer vnſer Superintendens / in ſeinem Ampt viel Neidt / widerſiandt / vnd verachtung ausſtehen muͤſſen. Daruber ſeine Ehrwuͤrde viel vnd offt zu klagen pflegte: Summa es iſt an jhme auch war worden / was die Schrifft ſagt: Wer viel lehren muß / der muß viel leiden. Anlangt aber zum Dritten / ſeinen Wandel / beidts nach ſeiner Lehr / vnd ſeinem Leben: So iſt ſeine Chriſtliche Lehr / ſo er aus Prophetiſcher vnd Apoſtoliſcher ſchrifft der Gemeine Gottes allhie / von dieſem ort vnd Cantzel geprediget vnd vorgetragen / Ewer lieb ſelbſien bewuſt. Was auch ſeine meinung vnd bekandtnuͤß von den ſtrei⸗ tigen Rrligions puncten belangt / hater dieſelbi⸗ ge vorm Jahr durch offentlichen truck / menniglich vor augen geſtelt / vnd iſt derowegen vnnoͤtig die⸗ ſelb itzo nach der lenge zu erzehlen. In ſeinem Leben aber hat er ſich zuchtis / ſill/ ond vnd eingezogen gehalten / vnd daheim ſeines ſiu⸗ direns gewwartet / iſt kein Trunckenbold oder Weinſeuffer geweſen / Sondern hat einen meſſi⸗ gen vnd nuͤchtern vnd zuͤchtigen Wandel gefuͤh⸗ ret / nach der vermahnung des Apoſtels: Ein Bi⸗ ſchoff ſol vnſtrefflich ſein / eines Weibes Mann / 1 nůchtern / meſſig / lehrhafftig / nicht ein Wein⸗ ſeuffer / ete. — In der adminiſtration des ſchiperen Superin⸗ tendenten Ampts / iſi er furſichtig / arbeitſam / vñ it re beſcheidentlich geweſen. Vnd mus ich jhme mit ruhm das nachſagen / vnd zeugen: das dieweil ich mit jhm vmbgangen / vnnd zum gehuͤlffen vnd Collegen vnkwurdig adjungiret gelveſen / er ſich mit mir friedlich vnd Fraternè vertragen / das wir vn⸗ auffſioͤſſig mit einander wol haben hinkommen vnd vns vergleichen koͤnnen. Hie moͤchte vielleicht jemand gedencken vnd ſagen: Ey machſiu jhn denn zum heiligen Engel? Antivort / Nein⸗ Denn wie Aaron mit ſchwach⸗ heit vmbgeben geweſen / Alſo hat auch dieſer vnſer verſtorbener neben ſeinen Gaben / auch ſei⸗ ne fehle vnd gebrechen gehabt. Welche aber wir nicht gedencken / Sondern von den Verſtorbenen „. alles gutes reden ſollen / nach dem Exempel Da⸗ 3. vids / der in ſeiner Klagpredigt / vber den Saul D lieber iieber das gute / denn das boſe / hat gedencken vnd reden woͤllen. Vnd ſo viel von dem Leben vnd Wandel vn⸗ ſers Superintendenten. Kuͤrtzlich auch von ſei⸗ nem ſterben vnd Chriſtlichem Abſchied. Wie GOitt der HErr den Aaron / als er 4o. Jahr ge⸗ dienet / ausgeſpannet / vnnd zu ſeinem Volck ge⸗ ſamlet: Alſo hat er auch dieſen vnſern Superin⸗ tendenten / als er der Kirchen alhier in groſſer mů⸗ he vnd arbeit ꝛ. Jahr gedienet / zu der zeit vnd ſiunde / die er / Gott der Allmechtige / vnd nicht ein Menſch beſtimmet abgefordert im 73. Jar ſeines Alters / vnd ſolches jme durch vorgehende ſchwa⸗ cheit / vnd kranckheit angedeutet. In welcher ſei⸗ ner ſchwachheit vnd Lager / Er ſich gantz Ghriſi⸗ lich gegen den Menſchen vnd gegen Gott verhal⸗ ten. Gegen die Menſchen zwar alſo / das er al⸗ len / ſo jhn jemals beleidiget / verziehen vnd ver⸗ geben hat. Dann als ich einsmals / etwa acht ta⸗ ge vor ſeiner Auffloͤſung zu jhm kommen / vnder ſich erjnnerte / was er von der Welt in ſeinem Le⸗ ben hette aus ſiehen müſſen / ſchlug er ſeine Hen⸗ de von ſich / ond ſagt: Alles bergeben. In glei⸗ chen er dann gegen Herrn M. Nicolaum / meinen lleben Collegen, als er jhm das Rachtmahl gerei⸗ chet / ſich auch erklehret. Gegen Gegen Gott aber hat er beydes ſeine Gedult vnd Gebet kund laſſen werden. Dann er die gan⸗ tze zeit ſeiner Schwachheit niemals vngeduͤldig worden / ſondern jm̃er geſagt: Wie Gott wul / vnd offt widerbolet die Bitte: H E RRdein Wille geſchehe. So hat er auch neben der Ge⸗ dult / nach dem Exempel des Hohenprieſiers Aa⸗ rons GOtt dem HErrn fur ſeine eigene Suͤnde geopffert / bußfertiges Gebet vnnd flehen biß in den Lodt. Dann als ich vorgeſter zuletzt zu ſeiner Ehrwürde kam / vnnd mit jhm redet vom Reich Gottes / fieng er an mit ſeufftzen / zu dreyen vnter⸗ ſchiedenen malen zu ruffen: Ach Gott ſey mir Suͤnder gnedig. Vnd als ich jhm darauff zurieff / das iſt recht / Herr Superintendens: Deñ omb Vergebung der Sünden můſſen alle Heili· Ihn⸗ gen bitten zu rechter zeit / vnd můſſen mit dem Kn. Apoſieln vnd Juͤngern des HErren beten: HErr x⸗ vergib vns vnſer Schuld. Ihr ſolt aber euch tro. ſten der Gnade Gottes / welcher / wie er das Ge⸗ betdes bußfertigen Zoͤlners: HErr ſey mir armen Suͤnder gnedig / Er hoͤret / Alſo wird er auch diß ewer Gebet vnd ſeufftzen geiviß erhoͤret ſein laſſen: 4 Denn es iſt bey jhm̃ kein anſehen der Perſonen. 10.34. Bnb Er iſi nahe allendie jhn ernſtanruffen. Rom. Pſalm. 145018. 1.10h. Matth. F. 12. Dan. T2. Matth. 13. 42. 2. Tim. Vnd ſo wir vnſere Suͤnde bekennen / ſo iſi er trerw ond gerecht / das er vns die Suͤnde vergiebet / vnd reiniget vns von aller vntugend. Vnd iſt gewiß⸗ lich war / vnd ein thewres vnd werdes Wort / das ESVS Chriſtus kommen iſt in die Welt/ die Sunder ſelig zu machen / vnter welchen / weil jhr euch auch bekennet / ſo wird euch gewißlich Barmhertzigkeit widerfahren / vnd die Krone der Grrechtigkeit auffgeſetzet werden. Wollet derowe⸗ gen euch in dieſem ewerem Lager troͤſien / mit be⸗ trachtung der Herrligkeit / welche vnſer HERR Jeſus Chriſius der oberſie Hirt vnd Biſchoff vn⸗ ſerer Serlen / ons ſeinen Dienern vnd Predigern verheiſſen hat / das vnſer Lohn gros ſein ſol im Himmelreich. Vnd das die Lehrer leuchten wer⸗ den wie des Him̃els Glant / vnd die viel zur Ge⸗ rechtigkeit weiſen / wie die Sterne jmmer vnd ewi⸗ glich. Denn alſo hat der liebe Paulus an ſeinem Ende ſich hiermit getroſiet: Sihe / ſpricht er Die zeit meines Abſcheides iſt vorhanden / Ich habe einen guten kampff gekempffet / Ich habe den lauff vollendet / Ich habe Glauben gehalten / Hinfuro iſt mir beygelegt die Krone der Gerechtigkeit / wel⸗ che mir der H E RRan jenem Tage geben wird. Nicht mir aber allein / ſondern auch allen / die ſei⸗ ne Erſcheinung lieb haben. Alſo gedencket 5 Ihr jhr nu / mein lieber Herr Superintendens / das euch hinfuro beygeleget iſi / die Krone der Gerech⸗ v tigkeit / welche auch euch der HERR Jeſus wird auffſetzen / vnd euch das vnvergengliche vnbefleck⸗ te vnd vnverwelckliche Erbe im Himmel eingeben. Inmaſſen Johannes im Geſichtgeſehen 24. El⸗ Apoc. teſten auf Stuͤhlen ſitzen / die guͤldene Kronen auff 1 jhren Haͤuptern hatten / damit wird GOtt auch ewer Heupt kroͤnen. Saget derowegen in ewrem Hertzen mit dem alten Simeon: HErr nu leſſeſiu deinen Diener im friede faren. In dem ich jhm alſo zurieff / nam er ſein Heublein ab von ſeinem Haͤupt / vñ rieff mit ſeufftzen / Amen. Darauff er angefangẽ zu ſchlaf⸗ fen biß vmb jo. vhr des Nachts. Als er da wieder erwachet / widerumb geruffen / vnd ſich gantz zum Abſcheid geſchickt. Da hat jhm der HerrM. Hap⸗ pelius zugeſchrien/ ob er auch wolle beſtendig blei⸗ ben bey ſeinem bekentnus vnd Lehre / hat er aber⸗ mals / Ja geruffen / vnd ſein ſeufftzen vnd Gebet widerholet: Gott ſey mir gnedig. Vnd als ermel⸗ ter Magiſier das Betbuch genomen / vnd jhm fur⸗ gebetet / hat er ſein Heublein abgenomen / vnd mit groſſer andacht die Wort nachgeſeufftzet / vnd als ſein Haus fratw meinete / es wuͤrde jhm das reden zuviel / bleibet er vnter dem Gebet / das dz Heub⸗ 1. Sam. 25* 29 o 2.9. Actor. 2.26. 1. Cor. 1 ſ. Iob.i9. 27. lein auff ſeiner Bruſt liegend blieben. Siehe alſo hat dieſer vnſer lieber Superintendens vnd alter Lehrer mit bußfertigẽ gebet / vnd anruffung Got⸗ tes ſein ende ſeliglich beſchloſſen / vnd iſi ſanfft vñ ſulle verſchieden. Derowegen kein zweiffel / dz ſei⸗ ne Seele eingebunden ſey in das Buͤndlein derLe⸗ bendigen bey dem HErrn vnſerm Gott / vnd das er nu bey dem HErrn im Paradieß die Herrligkeit ſehe / darvon er ſo lange geprediget/ vnd die ſonſi kein ſterbliches Auge geſehen / kein Ohre gehoret/ vnd in keines Menſchen Hertz jemals komen. So wird auch ſein Leib in dieſem ſeinem Schlafftaͤm⸗ merlein ruhen / in hoffnung der froͤlichen Auffer⸗ ſiehung / da dz ſierbliche wird anziehen die vnſierb⸗ ligkeit / vnnd das verweßliche anziehen wird das vnverweßliche. Das er in ſeinem Fleiſch / mit ſei⸗ nen Augen / ſeinen Erloͤſer / welchen et zuvor ge⸗ Dannʒ prediget / ſehen / vnd mit allen trewen Lehrern vñ Matth. 13. 43. Predigern / als die Sonne/ im Him̃elreich leuch⸗ ten wird. Welches wir / vnd beſonders die betrub⸗ te Wittwe / von ſeinem Abſchied troſilich halten / ond damit alle Trawrigkeit meſſigen ſollen. Vnd ſo viel auch von dem Shriſtlichen Abſchied vn⸗ ſers alten vnd lieben Herrn Superintendenten. Wir aber ſollen nach dem Exempel der Kin⸗ der Iſrael / die jhren Hohenprieſier Aaron wehe⸗ muͤtig můtig beklaget vnd betweinet haben / auch vber den todlichen Abgang dieſes vnſern ſo lang geweſenen lieben Hirten vnnd Superintendenten betrůbet / vnd mit den trawrigen trawrig ſein/ vnd von dem Ion Verſiorbenen nichts denn gutes reden / Die jhm aber leides gethan / ſollen ſolches beweinen / vn d Gott abbitten / auch gegen ſeine verlaſſene vnd be⸗ betruͤbte Widiwe alle Khriſtliche Liebe / Ehre vnd Freundſchafft beweiſen / vns auch durch dieſen ab⸗ ſcheid vnſers Hirten / welchem wir als die Schafe nachfolgen muͤſſen / zu dem Weg alles Fleiſches / rechtſchaffen allzeit bereiten / welchen wir alle/ vñ ich auch vielleicht bald werde gehen muͤſſen / Vnd O wohl allen die ſich darzu recht vnd ſeliglich be⸗ reiten. Damit wir nun vns zu demſelbigen alſo ſchicken / das wir mit allen Gleubigen zu der en⸗ Ma. gen Pforten eingehen můgen in das ewige Leben / Das helffe vns der Erre Chriſ / Der bnſer Mittler worden iſ. Amen / Amen / Amen.