gmgn Leichpredigt. ſober dem Tödtlchen E Abgang Weilandt des Edlen / Ge⸗p 6 ſtrengen vnd Ehrnveſten Hermans von derbe B Malſsburgk des Eltern ſeliger gedechtnus / Welcher den 9. 49 Octobri dieſes 37. Jahre zu Odinghauſen ſanfft vnd Seliglich im HErrn entſchlaffen / vnd fol- gends den 17. gedachtes Monats in der 429 Kirchen zu Breuna Chriſtlich 60 zur Erden beſtattet wor- 5 den iſt. W Gehalten zu Odingkhauſen / Durch 1oHANMNRl BRANDIsS Dienern am Heiligen Wort G Ottes 4 zu Obern Elſingen. Se⸗ Gedruckt zu Caſſel/ durch Wilhelm Weſſel / F ANo1I38. F 6 3 S REVERFENDO VIRO DOML no Ioanni Brandis, con cionis funebris ſubicctæ authori, compatri ac fratri ſuo S. I Ohili ille heros Iuem ato obiuſte dolemu DPagnu in aternum qui celebretur/ erat⸗ e itidem dignæ ſunt hec quan concio trabtat nc notæ volitent docta per ora virum; Nam tun ſeripta Dei Frande ſunt conſona verbo⸗ Sumnt fultura bonæn ſunt medicina malzr Inſuper æthere⸗s opibus ſint plena loqᷓueli Snavia⸗ ſunt metlodo legibu apta bonc: Zbilus ergo fremat Vumpantu & ilia Momi Ingenii fetu edito quæſo, tui⸗ Et nuhil facien fraudes laudes de malorum⸗ Perge ꝓlacere Deo perge placere bonæ. F. — — Georgius Vietor. Den Edlen / Beſtren⸗ gen vnd Ehrnbeſten / Eckbrechten / Herman Gottſchalcken / Chriſtoffern / Herman ond Otto Wilhelmen von der Malſsburgt / Gebrüdern ond Gevettern / Meinen groſsguͤnſtigen vnd Gebieten⸗ den lieben Jungt⸗ herrn. Dle Geſtrenge vnd Ehrn⸗ beſte / E. Geſt. vnd Ehrnv. hſch mein Gebet zu GOtt/ fuͤr deroſelbigen Zeitliche ond ewige wolfarth / ſampt: meinen ſchuͤldigen vnd bereitwilligen dienſten jederzeit zuvor: Groſoguͤnſtige vnnd ⸗ Gebietende Jungkherrn“/ Im An⸗ dern Buch Samuelis am erſten cap. leſen wir vom Koͤnig David: Als ſein Bunds Bruder vnd Schwager Jona⸗ than / neben ſeinem Schwehervattern A 1 Saul Saul vmbkommen bud geſtorben / das er ſie bitterlich beweinet / vor leidt vnd trawrigkeit ſeine Kleider zerriſſen / vnd in einem ſchoͤnen Bogen oder Klagre⸗ de / jhre Ehre vnd Tugenden geprieſen. Vnd damtt er ſich im ſelbigen fall deſio beſſer ſchicken lehrnete / iſt er ohn zwei⸗ ffel / wie er in andern fellen pflegen zu thun / in das Heiligthumb Gottes gan⸗ gen / Pſalm?s. Vnnd hat deſſelbigen Wort zum Troſt genommen / als er im 1. Pſalmen ſpricht: Das iſt mein Troſt in meinem Elende: Dann dein Wort erquicket mich. Vber dashat er auch gemelten ſeinen Bogen vnnd Klagrede / zu ſtetem gedechtnis publi⸗ ciret vnd befohlen / das jhn alle Kinder Juda lehrnen ſolten. Dieſem loͤbli⸗ chen Exempel haben ſich E. Geſt. vnd Ehrnb. gemeſs erzeiget / im Doͤdtlichẽ abſcheide abſcheide jbres freundtlichen lieben Bruders vnnd Vettern Herman von der Malſsburgk ſeligen. Erſtlich in dem / Das E. Geſt. vnd Ehrnv. vber demſelbigen Toͤdtlichen abgang / nicht weniger / als David vber des Jona⸗ thans leidt getragen / getrawret vnnd geklaget. Zum andern / Das ſie in jhrem bekuͤmmernus vñ truͤbnus / wie Daoid / ſich mit dem lieben Wort Got⸗ tes getroͤſtet/ vnd nach Syrachs vn⸗ terweiſung am s. Capittel / jhre traw⸗ rigkeit gemaͤſoigt. Zum Dritten / Das E. Geſt. vnd Ehrnb. eins theils wie David den vber Saul vnd Jona⸗ than geſielleten Bogen vnd Klagrede ins gantze Landt ausgehen laſſen / fuͤr gut angeſehen vnd begeret haben / das die Leichpredigt / Klag bnd Troſtrede / ſo bey E. Geſt. vnd Ehrnb. vnd meh⸗ A iij rer rer vom Adel berſamlung gehaltẽ wor⸗ den / als E. Geſt. vnnd Ehrnv. kieben Bruders vnd Vettern ſeligen hinterla⸗ ſsener Leichnam / zum Begrebn us ſol⸗ te abgefuͤhrt vnnd deducirt werden / in Truck verfertigt vnd publiciret wuͤrde. Wie nun das Erſte vnd Ander darm⸗ nen E. Geſt. vnd Ehrnv. dem heiligen Koͤnig David nachgefolget / Chriſtlich / Adelich / recht vnnd wolgethan / Alſo wirt das Dritte von keinem rechtver⸗ ſtendigen koͤnnen getadelt werden. Dieweil den E. Geſt. vnd Ehrenv. zu willfahren / ich mich jederzeit ſchuͤldig erkenne / bnnd derſelben Bruder onnd Vetter ſeliger / mir dermaſſen gutes vñ beforderung erzeiget / das ich jm billich auch am Tode / liebe / dienſt vnd danck⸗ barkeit beweiſe / Wie auch nicht vnbil⸗ lich ſeine T Sen. andern ʒur nach⸗ folge — —— — ———— — —— folge furgeſtellet ond auff die nachkom⸗ men gebracht / vñ ſonſt dafur gehalten wirdt / das vielen ſeiner Vetwaondten vnd Freunden / ſo jhrer vngelegenheit halben / bey der Leich deduction bnd be⸗ ſtattung nicht jegenwertig ſeinkoͤnnen / damit moͤchte gedienet werden. Als habe ich dieſelbe Predigt ſo gut ſie mir der Herre GO TT / durch ſeinen heiligen Geiſt / zu dem mahl verliehen vnd eingegeben / vnd E. Geſt. vnd Eh⸗ renveſt neben andern Adelichen Per ſo⸗ nen / mit Chriſtlicher andacht / von mir angehoͤrt / auffs Papir gebracht / vnnd thue E. Geſt. vnd Ehrnb. ich dieſelbi⸗ gen vnterdienſtlich offeriren bnd dedi- ciren, mit vnterdienſilicher Bitte / E. Geſt. vnd Ehrnv. woͤlle zu dieſem ein⸗ feltigen vnd geringſchetzigen wercke be⸗ liebung tragen / vñ meine wolmeinung im im beſten verſtehen vnd auffnehmen. Hiemit E. Geſt. vnd Ehrnveſt ſampt deren angehorigen / dem Allmechtigen Gotte vnd Vatter vnſers HErrn Jeſu Chriſti in ſeinen Vaͤtterlichen ſchutz vñ ſchirm / mich aber neben Gottlicher / in E. Geſt. vnd Ehrnv. Gunſt bnd fuͤr⸗ derung / vnterdienſtlich befehlend. DPatum ObernElfingen am letzte No⸗ vembris, Anno 97. E, Geſt. vnd Ehrnv. vnterdienſtwilliger. Iohannes Brandis Diener am . Wort Gottes daſelbſt. Leichpredigt / Alſo ſchreibt der Heilige Prophet Eſaias am 26. Kapittel. Iber deine Todten werden Leben / vnd mit dem Leichnam aufferſtehen. Wachet auff vnd ruͤhmet / die jhr ligt onter der Erden: Dan dein Thaw iſt ein thaw des gruͤnen Feldes / Aber das Land der Todten wirſin ſtͤrtzen. Gehe hin / mein Volck / in eine Kam⸗ mer / vnd ſchleuß die thür nach dir zu / Verbirge dich ein klein Augenblick / biß der Zorn fur vber gehe. Auslegung. Pen im HErrn / Wir Söſeindt jeto hicher zuſammen ge⸗ Bbracht durch einen Trawrigen 6 fall / Dieweil der Allmechtige S G OST nach ſeinem Heiligen / B Wei⸗ Weiſen vnd Vaͤtterlichen Rath vnd Willen / durch den zeitlichen Todt / aus dieſer Welt hin⸗ genommen hat/ Weilandt den Edlen / Ge⸗ ſirengen vnd Ehrenveſien Jungkherrn Herman von der Malſsburgk den Eltern. Dem der HErr Gnediger GOtt vnd Vatter / am Juͤn⸗ gſten Tage / eine froliche Aufferſtehung mit al⸗ len Auserwehlten verleihen woͤlle. Dem⸗ nach vns nun mit angehet / was S. Paulus an die Coloſſer am z. Capit. geſchrieben / nem⸗ lich / daß wir Gottes Wort ſollen reichlich vn⸗ ter vns wohnen laſſen. Vnd es ein alter Chriſt⸗ licher vnd loblicher gebrauch iſt / daß man bey ſolchen Verſamlungen / Predigten zu halten pfleget / nicht zwar den Vrrſtorbenen zu hůlff vnd furderung / ſondern den Lebendigen zu troſt vnd vnterrichtung. Auguſtinus lib.x. de Gi- vitate Dei, Cap. n. So wollen wir Gott dem Vatter vnſers HErrn Jeſu Chriſti / der v⸗ ber vodte vnnd Lebendige HErr iſt. Rom. 14. Zun Ehren / vnſern lieben in Gott verſiorbenen Jungkhermn zur letze vud guter Gedechtnuß / vnd vns allen zu angenehmem Troſte / auch noth⸗ wendiger Lehre / vnterrichtung / warnung vnnd beſſerung / zu dieſem mahle fuͤr vns nehmen / die zwren verleſene Verßlein / auß dem Lobgeſange oder oder Danckliede deß heiligen Propheten Eſaie darinnen er der Chriſtlichen Kirchen errettung ruͤhmet / vnd ſie wieder alle Truͤbſal troͤſiet / vnd dieſelben im Namen Gottes nacheinander / ein jedes beſonders / erkleren vnd abhandlen. Der Erſte Theil. Quiel nun betrifft / das erſie verleſenes Verßilein / welches im vorgenanten Cap. das 19. iſi. Hat der Prophet vorhin im 14. Verß⸗ lein geſagt / von den Gottloſen / welche vmb deß willen / daß ſie ſich durch die Suͤnde vnnd Vn⸗ glauben von Gott ſgheiden / gleich wie durch den Natuͤrlichen Lodt / Leib vnd Seel ſich von ein⸗ ander ſcheiden / in der Schrifft / als Matth. s. Epheſ. ꝛ. Apoc. 3. Todte geheiſſen werden: die Todten bleiben nicht leben / die Verſtorbene ſte⸗ hen nicht auff. Dem zuentgegen wendet er ſich nun in dieſem Verßlein zu Gott dem HErren / vnd ſpricht: Aber deine Todten werden leben / vnd mit dem Leichnam aufferſtehen. Als wol⸗ te der Prophet ſagen: Ob gleich bie Gottlo⸗ ſen vnd Vngleubigen / die in Suͤnden vnd Vn⸗ glauben ſterben / aufferſtehen: ſo haben ſie doch i kein tein ſelig Leben / ſondern wegen ihres klaͤglichen Vbelſtandts / iſt jhr Leben mehr der Todt als Leben zu nennen / were jhnen auch beſſer ſie leb⸗ ten nicht / als daß ſie ſo ſchreckliche pein vnd qual leiden můſſen: Aber die dem HErrn angehoͤ⸗ ren / daß iſt / die der HErr nicht allein geſchaf⸗ ſen / ſondern auch durch Chriſtum Iheſum er⸗ wehlet hat / ehe dann der Welt Grundt gelegt war / Epheſ.1. Vnd fuͤr welche Chriſius ſich ſelbs ergeben / auff daß er ſie erloſete / von aller Vngerechtigkeit vnd reiniget jhm ſelbs ein Volck zum Eigenthumb. Lit.ꝛ. Die dem HErrn Le⸗ ben vnd Sterben / die werden ſeliglich aufferſte⸗ hen / vnd ein ſeliges ewiges Leben haben. Dar⸗ auff wendet ſich der Prophet alßbaldt zu deß Herrn Todten. Wachet auff/ (ſagt er) vund růhmet die jhr liegt vnter der Erden. Spricht ſie in der Perſon deß Sohns Gottes an / als ſchlaffende / die zu ſeiner zeit auß jhrem Schlaff ſollen auffgeweckt werden. Welche weiſe zu re⸗ den in der Schrifft gemein iſt. Dan: n. Viele die vnter der Erden ſchlaffen liegen / werden auff⸗ wachen. Pan: n. Lazarus onſer Freundt ſchlaͤffet / aber ich gehe hin / daß ich jhn auffwecke. Dergleichen Reg. 2. Matth.9. Act. ?. . Cor. 7 1. . 1Theſ. . Nicht allein aber heiſſet der Pro⸗ Prophet deß HErꝛen Todten auffwachen / ſon⸗ dern auch ruͤhmen. Er ſaget nicht ſchlecht: Wachet vnnd ſtehet auff. Saget auch nicht: Plorate, eiulate, weinet vnd heulet / wie vor⸗ hin auff dem irdiſchen Jammerthal / ſondern ſaudate, (wie die Lateiniſche Verſio Hierony⸗ mi hat) vnnd lætamini, Iubilate, Exultate, (wie andere Verſiones haben ) das iſt / lobet vnd preiſet / frewet euch / frolocket / hupffet / ſeidt nun froͤlich vnd guter dinge im Himliſchen freiw⸗ den Saal. Dann dein Tharv / ſpricht er fer⸗ ner / iſt wie der Thaw eines grůnen Feldes / das it / wie vber dieſe Wort S. Auguſtinus ſchrei⸗ bet de conſolat: mortuorum lib.⁊. Cap.⁊. Sicut rore madefacta ſemina germinant & exurgunt: Sic rore ſancti Spiritus oſſa fidelium viſitata, cum ſuo corpore in æ ternam gloriam germinabunt. Wie der Same durch den Thaiv befeuchtet / gruͤnet vnd auffwechſet: Alſo werden die Gebeine der Gleu⸗ bigen / durch den heiligen Geiſt beſuchet / mit jh⸗ ren Leibern zur ewigen Herrligkeit grůnen. A⸗ ber das Landt der Todten wirſiu ſtͤrtzen. Das iſi / die Gottloſen Tyrannen deß HErrn Feinde / die ſeinem Volcke vnnd Kirchen beſchwerlich B iij ſeindt / ſeindt / die ſollen alßdann gentzlich mit jhrer / Macht / vnter die Jůſſe getreten vnnd zu grundt vertilget werden. Hiebey hat nun E. L. dreherley zu lehrnen ond zubedencken. Erſilich / daſ wir Menſchen im Lode nicht bleiben / ſondern gewißlich am Juͤngſten Tage aufferſiehen werden. Sin⸗ temal der heilige Geiſi durch Eſaiam ſolches nicht allein außtruͤcklich verheiſſet: ſondern da⸗ neben die mugligkeit ſolcher Aufferſientniß klaͤr⸗ lich an den tag gibt. Denn darumb redet der H. Geiſt von den Lodten als von Schlaffenden / wie dann der Todt fuͤr den Augen Gottes an⸗ ders nicht iſi dann ein Schlaff / damit er berich⸗ te / das vnſerm HErin Gotte nicht vnmůglicher iſi Todte lebendig zu machen / als Schlaffende auffzuwecken. Welches freilich alſo/ inmaſſen es Gottes Sohn / vnſer HErr Jeſus Chriſtus genugſam hie auff Erden bewieſen: da er mit ei⸗ nem eintzigen anſprechen deß Jairi Zochterlein Matth.. Der Witwen Sohn zu Naim / Lur. 7. Vnnd den Lazarum / der ſchon vier Tage im Grabe gelegen / Joan: n. lebendig gemacht. Daher S. Auguſiinus ſaget: Nemo tam fa cilẽ in lecto, quam Chriſtus excitat in Se⸗ pulchro, Vnſer keiner kan ſo leichtlich einen auffwe⸗ auffwecken der im Bette ſchleffet / als leichtlich Chriſius einen Todten aufferwecket / der im Grabe liegt. So nun Chriſius dermaſſen leichtlich im ſtande der niedrigkeit die Todten aufferwecket hat. Was ſolte er dann nicht thun / wann er am Juͤngften Tage erſcheinen wirdt in ſeiner groſſen Herrligkeit / Matth. 25. Vnd wie Paulus 1.Theſ. 4 ſchreibet. Wenn er hernieder kommen wirdt vom Himmel / mit ei⸗ nem Feldtgeſchrey / vnd ſiimme deß Ertzengels / vnnd Poſaunen Gottes. Ebenmeſſig brauchet der heilige Geiſt das Gleichnuß deß Thawes / dauon das Feldt gruͤne wirdt / anzuzeigen: Es gebe vnſerm HErn Gott nicht mehr arbeit oder muhe / vnſere todte / vermodderte vnd verweſene Coͤrper / an dem Tage der wiederbringung aller dinge / wie Act. 3. der Juͤngſte Tag geheiſſen wirdt / durch den Thaiv ſeines Geiſies / vnd Gott⸗ licher krgfft / wiederumb friſch vnndj lebendig zu machen /daß ſie gruͤnen wie das Graß: Eſa.s6. Als die Kreuter vnd Samen / ſo den Winter v⸗ ber / in kaͤlte / ſchnee vnd froſt ſafftloß worden vnd erſtorben ſindt / zur Sommer zeit durch den lieb⸗ lichen Thaiv vnd warme Feuchtigkeit / wieder zu erwecken / daß ſie gruͤnen and blůͤhen. Qui gra- na ſeminum mortua & putrefacta vivifi- cRx⸗ cat, per quæ in hoc ſeculo vivas, multò magis teipſum reſuſcitabit, ut vivas in æ ternum. fagt §. Auguſtinus de verbis A- poſtoli ferm. 33. Daß iſt: der die todten ond vermodderten Samenkornlein lebendig ma⸗ chet / davon du in dieſer Welt lebeſi / der wirdt vielmehr dich ſelbs wieder aufferwecken / daß du in ewigkeit lebeſt. Neben Eſaia leſen wir von der Aufferſiehung der Lodten auch ſehr kläͤrlich vnd ſchon in den andern Propheten. Ezech. am 37. So ſpricht der HErr HErr / Siehe ich wil meinen Athem in euch bringen / daß jhr ſollet le⸗ bendig werden: Ich wil euch Adern geben vnnd Fleiſch laſſen vber euch wachſen / vnd mit Haut vberziehen / vnd wil euch Athem geben / daß jhr wieder iebendig werdet. Item / ſo ſpricht der HErr HErr: Siehe ich wil eiver Graͤber auff⸗ thun / vnnd wil euch mein Volck auß denſelben heraußholen. Es redet auch kraͤfftigslich von dieſem Articul der HErr Chriſius ſelbs / Jvan. am . Es kompt die Stunde/daß alle die in den Graͤbern ſeindt / werden die Stimme deß Sons Gottes horen / vnd werden herfür gehen. Joan. n. Ich bin die Aufferſiehung vnnd das Leben / wer an mich glaubet der wirdt leben / ob er gleich ſürbe. Vnnd S. Paulus handelt dauon an vielen vielen vnterſchiedlichen Ortern / ſonderlich aber nach der lenge im gantzen 15. Cap. der erſten E⸗ piſtel an die Corinther / da er onter andern dieſe ſchoͤne Wort fuhret: Es wirdt geſaͤet Verwe⸗ ſenlich / vnd aufferſtehen Vnuerweſentlich: Es wirdt geſaet in Vnehre / vnd wirdt aufferſtehen in Hertligkeit. Es wirdt geſaͤet in Schwach⸗ heit / vnd wirdt aufferſtehen in Krafft. Es wirdt geſaͤet ein Natuͤrlicher Leib / vnnd wirdt auffer⸗ ſiehen ein Geiſtlicher Leib. Dieſe Lehr kan vnd ſol vns auff nachfolgen⸗ ebrauch de weiſe dienlich ſein. Erſtlich daß wir nicht mit der erſten den Saduteern / Epicurern vnnd andern Vn⸗ gleubigen vnnd Vnchriſten / in vnwiſſenheit der ſchrifft vnd krafft Gottes / wie Chriſius Matth. 1. Cap. ſagt / an der warheit dieſes Articuls zweiffeln vnd irꝛen / vnd alſo in Vnglauben nicht verdampt werden. Darnach gibt ſie linde⸗ rung vnnd troſt in allem trůbſal / ſo vns in die⸗ ſer Welt begegnet / als am Job zuſehen / welcher in ſeinem hoͤchſten Creutz hiemit ſich troͤſtete vnd ſprach: Job. 10. Ich weiß daß mein Erloͤſer lebet / vnd er wirdt mich hernach auß der Erden aufferwecken. Vnnd werde hernach mit dieſer meiner Haut vmbgeben werden / vnnd werde in meinem gleiſche Gott ſehen / denſelben werde ich nilr 3. 4 mir ſehen / vnnd meine Augen werden jhn ſcha⸗ wen. Sie verringert vns die forcht vnd ſchre⸗ cken deß Todts / wie dem vierdten vnter den ſie⸗ ben Soͤhnen /. Mach. 7. Welcher ſagt: Das iſt ein groſſer troſt / daß wir hoffen / wenn vns die Menſchen erwuͤrgen / daß vns Gott wirdt wideraufferwecken. Vnnd wenn vnſere Ver⸗ wanten vnd andere gute Freunde mit Zodt ab⸗ gehen / So koͤnnen wir dieſe Lehr nach S. Pauli Vermahnung auch zum Lroſt gebrau⸗ chen / in dem wir dieſelben vnſere Verſiorbene / Verwandten vnnd Freunde / nicht ſchlecht anſe⸗ hen vnnd bedencken / wie ſie jebt im vode ſindt: Sondern wie ſie in der Aufferſtehung ſein wer⸗ den. Als S. Chryſoſiomus auß der maſ⸗ ſen lieblich ſchreibet: Quando oculos vides fractos, os conttactum, corpus immo- bile, ne cogitaveris: Os iſtud porro nun- quam locuturum, oculos iſtos nihil un- quam ſpectaturos, neque pedes amplius iter facturos eſſe, quia omnia ſimul cor- rupta ſint & in nihilum redacta. Ne, in- quam, hæc dixeris, ſed his contraria poti- us: Os iſtud aliquando melius loquetur, o- culi iſti præſtantiora his ſpectabunt, pedes iſti fupra nubes extollentur & corpus i- ſtud corruptum immortalitatem induet. Das iſt / wenn du ſieheſt wie einem Todten die Augen gebrochen ſindt / der Mundt zuſammen gezogen /vnd der Leib ſteiff vnd onbetweglich iſ. So ſoltu nicht gedencken: derſelbig Mund wer⸗ de hinfurt nimmer reden / die Augen werden nichts mehr ſchawen / vnd die Fůſſe werden hin⸗ furter nicht mehr gehen / ſintemal alles mitein⸗ ander zerſtoͤret / verderbet vnd zu nicht worden ſey. Soo / ſage ich / ſoltu nicht ſprechen / ſon⸗ dern vielmehr dem zuentgegen ſoltu gedencken vnd ſagen: Dieſer Mundt wirdt dermaln eines beſſerer reden / die Augen werden noch etwas fuͤrtrefflichers ſchawen / dieſe Fuſſe werden v⸗ ber die Wolcken erhaben werden / vnd dieſer zer⸗ ſioͤreter oder verweſener Leib wirdt die Vnſierb⸗ ligkeit anziehen. Das ander / ſo wir bey dem de eyder erklereten Verßlein Eſaie zulehrnen vnnd zube⸗ Lehr. dencken haben / iſt / daß die Außerwehleten vnd Seligen / nit zu einem truͤbſeligen vnnd elenden / ſondern zu einem freiwdenreichen Leben ſollen aufferſichen. Welches der Prophet an andern Ortern weitleufftiger vnnd mit mehr worten außredet. Der HErr wirdt auff dieſem Berge das huͤllen hinweg thun / damit alle Voͤlcker K ij verhuͤl⸗ verhuͤllet ſindt / vnnd die decken damit alle Hei⸗ den bedecket ſint. Item / der HErr wirdt die Threnen von allen Angeſichten abwiſchen. ſpricht der Prophet am ⁊5. Lap. Die erloͤ⸗ ſeten deß HErren werden wiederkommen / vnnd gen Zion kommen mit jauchtzen / ewige freivde wirdt ober jhrem Haupte ſein / freivde vnd won⸗ ne werden ſie ergreiffen / vnnd ſchmertzen vnnd ſeufftzen wirdt weg muſſen. amʒ5. vnd 5. Fap. Jauchtzet jhr Himmel / frewe dich Erde /lobet jhr Berge mit jauchtzen: Dann der HErr hat ſein Volck getroͤſtet / vnd erbarmet ſich ſeiner Elen⸗ den. am 49. Capit. Alſo ſtehet auch Pſalm. 17. Ich wil ſchaiwen dein Antlitz in Gerechtig⸗ keit / ich wil fatt werden / wenn ich erwache nach deinem Bilde. Pſal. so. Ich wil ſingen von der Gnade deß HErren ewwiglich. Pſal. us. Ich werde nicht ſierben / ſondern leben vnd deß HEr⸗ ren Werck verkuͤndigen. Pſalm. u6. Die mit Threnen Säen werden mit freiden Erndten. Sie gehen hin vnnd weinen / vnd tragen edlen Samen / vnd kommen mit frewden vnd bringen jhre Garben. Matth. 25. Gehe in die frewde deines HErren. Joan. 16. Eſwer Hertz ſol ſich freiven. Apoc.9. Ich hoͤrte eine Stimme einer groſſen Schar im Himmel die ſprachen: elua leluja. Dann der Allmaͤchtige Gott hat das Reich eingenommen / laſſet vns frewen vnd froͤ⸗ lich ſein / vnd jhme die Ehre geben. Alle Feinde ſampt allem andern vngluͤck werden vberwun⸗ den ſein / alſo / das auch der Lodt verſchlungen ewigklich. Eſ.⁊p. Vnd die Seele auß dem Tode geriſſen / vnd die Augen von den threnen / vnnd die Fůſſe vom gleiten. Pſal.ns. Darumb wird es ſein eine vnaußſprechliche herꝛliche frewde / 1. Pet. i. Die hie kein Auge geſehen hat / kein Ohr gehoret hat / vnd in keines Menſchen Hertz kommen iſi. 1. or.2. Eſa. 64. Eine beſtendi⸗ ge ewige freivde. Joan. 16. Feſtivitas ſine fi- ne, æternitas ſine labe, ſerenitas ſine nube, erit. Item ſanitas ſine infirmitate, pul- chritudo ſine deformitate, Iocunditas ſi- ne mœrore, ſapientia ſine errore, vita ſine morte erit. ſpricht S. Auguſtinus. daß iſi / dort wirdt ſein froͤlich weſen ohn ende / eine E⸗ wigkeit ohne mackel / ein ſchoͤn Wetter ohn ge⸗ wulcke / dergleichen geſundtheit ohne kranckheit / ſchoͤnheit ohne vngeſtalt / freivde vnd wonne oh⸗ ne trarwrigkeit / weißheit ohne jrthumb / Leben ohne Lodt. Dieſe Lehr ſol vns daß Vngemach Gebrauch vnd Trubſal / ſo wir in dieſer Welt leiden můſſen / veandern E iij leicht “ 1. 2. 3. Die dritte Pehr. leicht machen / daß wir dieſelben mit Ehriſili⸗ cher gedult tragen vnnd vberwinden / weil die trawtigkeit in frewde ſoll verwandlet werden / Joan. 16. Vnnd dieſer zeit leiden nicht werth iſi / der Frewde vnd Herrligkeit die an vns ſol ge⸗ offenbaret werden. Rom. s. Wer wolte ſich auch ſeiner Chriſtlichen abgeſtorbenen Freunde halben ſehr bekuͤmmern vnd betruͤben / weil wir dieſen Troſt haben: Sonderlich aber ſoll vns dieſe Lehr erwecken hertzliche luſt / verlangen vnnd begierde nach der ewigen Se⸗ ligkeit zutragen / vnnd mit allem Chriſtlichen fleiſſe darnach zutrachten / damit wir zu die⸗ ſer ewwigen freiwde kommen moͤgen / vnd nicht in verſeumung derſelben / zum ewigen heulen vnd zeenklappern / Matth. s. vnnd . in die zwige Pein / Matth. ⁊6. in den feſrigen Pful vnd Schweffel / Apoc. 20. verſtoſſen vnd hinge⸗ worffen werden. Fuͤrs dritte muß nicht vnbedacht bleiben / ſondern zu nothwendiger Lehr in acht genomen werden: daß Eſaias ſo gar eigentlich nur allein deß HErm Todten / deß HErtn erloͤſetes Volck vnd Eigenthumb / die im HErin leben vnd ſier⸗ ben / der ſeligen vnd froͤlichen Aufferſtendnis ver⸗ troͤſtet / vnd ſie allen andern odten / die de deß HErren ſeindt / gentzlich abſaget. Da⸗ hin auch nachfolgende Spruche gehen. Dar⸗ umb ſpricht der HErr HErr/ Siehe / meine Knechte ſollen fuͤr gutem Muth jauchtzen / jhr aber ſollet fuͤr Hertzenleidt ſchreien / vnnd fur Jammer heulen. Eſa. s5. Ich gebe meinen Schaffen das ewige Leben / vnd niemandt wirdt ſie auß meiner Handt reiſſen. ſpricht der HErr Chriſius /Joan. 10. Vnd / meine Diener ſol⸗ len ſein wo ich bin. Johan. n. Vatter ich wil / daß wo ich bin / auch die ſein moͤgen / die du mir gegeben haſt / auff daß ſie meine Herrligkeit ſe⸗ hen / Joan. 17. Selig ſeindt die Todten die im HErren ſierben. Apot. 14. Dieſe Lehr kan t 4 vnnd ſol im leben vnnd im ſterben vnſer beſter der driten Lroſtſin. Dann wir Chriſten Leute ſeindt je das Außerwehlte Geſchlecht / das Koͤnigli⸗ che Prieſierthumb / das heilige Volck / das Volck deß Eigenthumbs. 1. Pet. 1. Vns hat der HErr erwehlet / Epheſ. . Vnd in das Buch deßLebens eingeſchrteben / ja in ſeine Hen⸗ de hat er vns gezeichnet. Eſ.49. vns hat er erloſt vnd thewr erkaufft.i. Cor.s. nicht mit vergengli⸗ chem Golde oder Silber / ſondern mit dem thew⸗ ren Blut Chriſti / als eines vnſchuͤldigen Lemb⸗ leins. Wir ſeind die Schaffe ſeiner Wir Wir ſeindt ſeine außerwehlte Seſpons / mit der er ſich in der Tauffe vnd im Glauben vertrawet vnd verlobet hat. Hoſ.ꝛ. Wir ſeindt die Glie⸗ der ſeines Leibes / von ſeinem Fleiſche vnnd von ſeinem Gebeine. Epheſ.. Darumb wir leben oder ſierben / ſo ſeindt wir deß HErren/ Rom: 14. Vnnd kan vns weder Lodt noch Leben / weder Engel noch Fuͤrſtenthumb / noch Gewalt / weder gegenwertiges noch zuluͤnfftiges / weder hohes noch tieffes / noch kein andere Freatur/ ſcheiden von der liebe Gottes / die in Chriſto Je⸗ ſu iſt vnſerm HErm. Rom: s. Es ſol vns dieſe Lehr auch erwecken vnd reitzen / daß wir vns vnſerm HErrn Gott im Glauben vnnd Ehriſi⸗ lichem Gehorſam zu eigen ergeben mit Dauid Pſfal: nõ. O HErr ich bin dein Knecht / deiner Magd Sohn / du haſt meine Bande zerriſſen. Vnnd mit Maria Lur: ¶ Ich bin deß HEr⸗ ren Magd. Daß wir ſeine Stimme hoͤren vnd jhm folgen. Joan: 0. Wie die fruchtbaren Reben / an jhme dem warhafftigen Weinſiocke bleiben/ Joan: . je lenger je mehr mit jhme vereiniget werden / daß er in vns / vnd wir in jh⸗ me leben / vnd jhn / in lieb vnd leidt / im leben vnd Todt / fur vnſer beſtes theil halten / mit Dauid im 33. Pſalm: Wenn ich nun dich habe / ſo 1 ich nicht nach Himmel vnd nach Erden / wenn mir gleich Leib vnd Seel verſchmachtet / ſo bi⸗ ſiu doch Gott allezeit meines Hertzen Troſt vnd mein Theil. Neben den wunderſchoͤnen Sprů⸗ chen der heiligen Schrifft / ſeindt ſehr fein / die nachfolgende Gebettlein vnnd Spruchlein / ei⸗ nem Chriſtlichen Hertzen / in betrachtung jetzge⸗ horter Lehr /offt zugebrauchen: vivo tibi moriorque tibi dulciſſime Ieſu, vivens 8& moriens ſum maneoque tuus. O HErr nim von mir / was mich wendet von dir. O HErr gib mir / was mich wendet zu dir. O HErr nim mich mir / vnd gib mich gantz zu eigen dir. O Jeſu Chriſie / dir lebe ich / dir ſterbe ich / dein bin ich todt vnd lebendig. Item / Von Gott wil ich doch laſſen nicht / dieweil mein Mundt ein woͤrtlein ſpricht. Vnd ich bin dein vnnd du biſt mein / vns ſol der Feind nicht ſcheiden. Der Ander Theil. —— W dann ferner das ander verleſenes Verßlein Eſaie / welches im vorgenanten 26. Capit. das ꝛ0. iſt / anbelangt. Redet vn⸗ ſer HErr Gott ſelbs / durch den Propheten/ ſein D Volck Volck / das iſi die Gleubigen Außerwehleten troͤſtlich an / vnd ſpricht: Gehe hin / mein Volck / in eine Kammer vnd ſchleuß die Thuͤr nach dir zu / verbirg dich ein klein angenblict / biß der zorn fuͤruͤber gehe. Das wort hingehen wirdt in der Schrifft offt fuͤr ſterben gebraucht. Dann da Joſua von ſeinem Zodt redete / ſprach er: Siehe / ich gehe heut dahin wie alle Welt. Joſ. 23. Vnnd Dauid als ſein toͤdtlicher Abſcheidt verhanden war / ſprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. Kammern nennet der Prophet al⸗ hie vnd hernach im ʒ. Cap. die Greber der ſe⸗ lig Verſtorbenen. Fordert demnach vnſer HErt Gott / in dieſem Verßlein / ſeine Außerwehlten vnd Gleubigen ab / vnnd heiſſet ſie / durch den odt / auß dieſer Welt jhren Abſcheidt nemen / mit vermeldung der vrſachen / warumb ſie durch den Todt hingehen ſollen / daß er nemlich wol⸗ le / ſie ſollen in jhren Graͤbern / Darinnen ſie als in ſanfften Ruhebettlein ruhen / vnnd jh⸗ nen die zeit gar nicht lang / ſondern wie ein au⸗ 1 genblick ſein werde / befreiet ſein / für aller ¹ ſtraffe vnnd vngluͤck / ſo nach jhrem ſeligen 1 toͤdtlichen Abſcheide / anß ſeinem gerechten Vr⸗ theil vnd Gerichte / vber die boͤſen Welt ergehen ſolte. Hierin⸗ Hierinnen werden vns nun ſehr feine vnnd drerße nitzliche Lehren vnd Erinneruugen fuͤrgeſtellet. Erſtlich daß Gott ſelbs die Menſchen durch den Todt heiſſet hingehen / vnnd auß dieſer Welt jh⸗ ren Abſcheidt nemen: Dabey ſehen vnnd lernen wir / daß vnſer Leben / in ſeiner Goͤttlichen Hand ſiehe / vnd von jme ſelbs vnd allein regieret wer⸗ de. Welches die Schrifft an vielen Ortern be⸗ zeuget. Der HErr toͤdtet vnd macht lebendig / ſinget die Hanna Samuels Mutter / . Sam. . Du HErr leſſeſt die Menſchen ſterben / vnnd ſprichſt kommet ivieder Menſchen Kinder. Pſal. go. Du nimmeſt hiniweg der Menſchen Athem / ſo vergehen ſie / vnd werden wider zu ſtaub / dar⸗ auß ſie worden ſeindt. Pſal. 104. Ein Menſch hat nit macht vber den Geiſi/dem Geiſt zůweh⸗ ren / vnnd hat nicht macht zur zeit deß ſierbens. Prediger Salomonis am s. Du HeErr haſt ge⸗ walt vber Leben vnd Todt. Sap.is. In jhm le⸗ ben / weben / vnd ſeindt wir. Att.7. Vnd kan kein Haar von vnſerm Heupt fallen ohne ſeinen Wil⸗ len. Matth.io. Luc.. Zu welcher ʒeit / in wel⸗ chem Jahre / Monat / Tage vnnd Stunde er wil daß wir hingehen vnnd ſterben ſollen / alßdann kan kein auffhalten ſein. So lange er aber wil daß wir bleiben vnd leben / ſo lange kan der Todt D ij nichts Lehr deß gander Theils. nichts an vns haben. Dann der Menſch hat ſeine beſtimpte zʒeit / die ʒahl feiner Monden ſtehet bey dir / du haſt jhm ein Ziel geſetzt / das wirdt er nicht vbergehen. ſagt Job am 4. Vn⸗ ſer zeit ſtehet in deinen Henden. Pſal. ʒ1. Vnnd im 139. Pſ. ſpricht Dauid: Deine Augen ſahen mich / da ich noch vnbereitet war / vnnd waren alle tage auff dein Buch geſchrieben / die noch werden ſollen / vnnd derſelben keiner da war. Geborn werden hat ſeine zeit / Sterben hat ſei⸗ ne zeit. Prediger Salomonis 3. Capit. Au- guſtinus deCivitate Dei, lib.; Cap.n. Be⸗ trachtet fein / wie Gott ſo viel fleiſſes vnd auff⸗ ſehens habe auff vngeachtete geringſchetzige dinge vnnd ſchleuſſet / daß derwegen freilich die Regiment der Menſchen / jhre Hertſchafften vnd Dienſibarkeite ſeiner Verſehung vnterworf⸗ fen ſein. Diß ſeindt ſeine wort: Qui nec ex- igui & contemptibilis animantis viſcera, nec avis pennulam, nec herbæ floſculum, nec arboris folium, ſine fuarum partium convenientia, & quadam veluti pace de- reliquit, nullo modo eſt credendus regna hominum corumque dominationes & ſervitutes à ſuæ providentiæ legibus alie- nas nas eſſe voluiſſe. Alſo haben vir gleich⸗ meſſig zuerachten/ So Gott der HErr / kei⸗ nes Thierleins / auch der kleinen geringſchetzi⸗ gen vnd vngeachteten / eingeweide / keines Vo⸗ gels fedderlein / keines Krauts bluͤmelein / ohne ein ſondere ab vnnd eintheilunge gelaſſen / ſo werde er vielmehr auffſehens haben / auff vnſer Leben vnd deſſelben Zeit / Jahr / Monat / Tage vnnd Stunde / daß es damit nach ſeiner Verſe⸗ hung / Ordnung vnd Willen zugehe. Dieſe Lehr dienet wieder die Epicurer vnnd gebrauch andere Vnglaubige ruchloſe Welt Menſchen / e welche in dem wahn ſiecken / alſ daß es mit vn⸗ ſerm leben vnd ſterben ohn gefehr zugehe. Wie ſie im Buch der Weißheit amꝛ. Kapit. ſich hoͤ⸗ ren laſſen: Ohn gefehr ſeindt wir geborn / vnd fahren wieder dahin / als weren iwir nie gelweſi. Dann das ſchnauben in vnſer Naſen iſt ein Rauch / vnſer rede iſt ein fuͤncklein / daß ſich auß vnſerm Hertzen reget / wann daſſelbig verloſchen iſt / ſo iſt der Leib dahin / wie ein lodder aſche / vnd der Geiſt zerflattert wie eine důͤnne Lufft. Sie dienet auch zur vnterrichtung denen / ſo 1 wol etwas beſſers glaubens ſeindt / als die jetz⸗ gemelte / aber doch auſſer Gott / den mittel vrſa⸗ chen zuuiel zumeſſen. Als die ſich hoͤren laſſen: D iij Das Daß vnnd das hat dem gefehlet / daß er geſior⸗ ben iſt / hette er diß oder jenes gethan oder nicht gethan / ſo lebte er noch. Denſelben ant⸗ wortet vnſer vorhabender Lext: Gott hat jhn heiſſen hingehen / Er iſt zum beſtimpten ziel kommen / das hat er nicht koͤnnen vberſchreiten / weil nun der Todt ein orſach hahen wil / ſo iſis von GOtt dirigirt worden / daß ſichs alſo ſchicken müſſen. Keine Peſtilentz mag ſo gifftig ſein / kein biſſe oder trunck ſo onge⸗ ſundt / keine Wunde ſo groß vnnd gefehrlich / daß ſie toͤdten koͤnne einen den GOtt wil leben⸗ dig haben / vnnd deſſen beſtimpte zeit nicht da iſt. Wenn gleich zu deſſelbigen Seiten fielen tauſendt / vnnd zu ſeiner Rechten zehen tauſendt / ſo wuͤrde es doch jhn nicht treffen. Pſalm. o1. Hingegen wenn GO T Ewil / vnnd eines Menſchen Ziel herumb iſt / mag ſich gar leichtlich / durch ſeine Goͤttliche Regie⸗ rung vnnd direction eine vrſache zum Tode finden / deren niemandt wehren oder widerſie⸗ hen kan. Sol es dann die Peſtilentz ſein / ſo kan ſie baldt herbey kommen / wenn man gleich ferne geflohen / oder wol gar in ein Ge⸗ welbe ſich verſtecket hette. Es heiſſet: Was Gott wil erſiicken / das kan kein Menſch oder ande⸗ andere Creatur erquicken. Vnnd dagegen was Gott wil erquicken / das kan kein Menſch oder andere Creatur erſticken. Ihm gebuͤhrt allein alle Ehre. Doch ſol ſich niemandt muthwillig verwarloſen vnd in gefahr begeben / vnd die ordentliche von Gott zugelaſſene mittel verachten / weil geſchrieben ſtehet Deut. am . vnnd Matth. 4. Du ſolt Gott deinen HEr⸗ ren nit verſuchen. Vnnd Syrach z. Wer ſich ger⸗ ne in gefahr begibt / der verdirbt drinne / vñ einem vermeſſenen Menſchen gehets endlich vbel auß. Ferner ſol vns auch dieſe Lehr darzu dienen / daß wir nicht wegen einiger beſchwerung oder ſchmertzen / damit jemandt moͤchte beladen ſein / auß vngedult / vns deß Lebens beſchweren vnnd den Todt wuͤnſchen: ſondern dem HErrn ſtille halten / vnnd der von Gott verordneten zeit mit Chriſtlicher gedult abwarten. Wie S. Pau⸗ lus gethan welcher zwar begerete abzuſcheiden vñ bey Chriſio zu ſein / ſiellets aber doch zu Got⸗ tes willen / vnnd beſchweret ſich nicht lenger zu leben / weil S O T T wolle daß er bleiben / vnnd ſeiner Kirchen dienen ſolle. Philip.ꝝ. Es ha⸗ ben Job / Jeremias / Moſes vnd Jonas den todt nicht allein gewuͤnſchet / ſondern die zween er⸗ ſten auch jhren Geburts tag verfluchet / da⸗ rin 3. rin ſie mercklich geſtrauchelt / vnnd gebuͤret vns in ſolchem jhnen nicht nachzufolgen. Viel⸗ weniger gebuͤret vns onſer Leben abzukürtzen vnnd den Todt anzuthun / wie Saul / Achi⸗ tophel vnd Judas auß verzweiffelung / Cato vnd Lutretia mehr auß gedult vnnd kleinmuͤtig⸗ eit / als auß großmutigkeit vnd tapfferkeit / vnd etliche Philoſophi auß verlangen die vnſterb⸗ ligkeit zuerfahren / gethan haben. Sehr zier⸗ lich vnnd ſchon ſeindt hieuon die wort Ciceronis in ſeinem ſomnio Scipionis: Tibi Publi & piiso mnibus retinendus eſt animus in cu- ſtodia corporis, ncc iniuſſu eius, à quo ille vobis datus, ex hominum vita migran- dum eſt, ne munus humanum aſſigna rum àDeo, defugiſſe videamini. Das iſt / du vnd alle fromme Leute mein lieber Publi / ſollen die Seel in der cuſtodia jhres Leibes bleiben laſſen / ſol auch keiner auß dieſem Leben abſchei⸗ den / ohn befelch deß jenigen / von dem jhme die Seele gegeben iſt. Damit jhr nicht dafür an⸗ geſehen werden als woltet jhr euch deß Men⸗ ſchlichen Ampts / das euch von Gott aufferlegt iſt / entziehen. Das hat auch bedacht der Jude Joſephus / als jhm in ſeiner noth gerah⸗ ten ten worden / das er jhm ſelbs das Leben kuͤrtzen ſolte / da ſagt er zwar / daß viel vrſachen ſein / dar⸗ umb er lieber todt als lebendig ſein wolte / aber doch wolte er erwarten / biß der HErr jhn ab⸗ forderte / Expecto ut iubeas, ſpricht er / ich wil der zeit erwarten / biß du mich heiſſeſt. Egeſip⸗ pus libiz. Cap.. Wie wir nun ſollen bleiben biß vns Gott heiſchet vnd abfordert / vnnd mit gedult der ver⸗ ordneten vnd beſtimpten zeit erwarten: Alſo hin⸗ gegen / wenn Gott mit Kranckheiten bey vns an⸗ klopffet vnd ſichs anſehen leſſet / daß die zeit vn⸗ ſers Abſcheidts verhanden ſey / ſollen wir nicht vnwirſch werden / vnnd vns zu ſterben vnwillig erzeigen / wie vom Gotlloſen Belſazer geſchrie⸗“ ben ſtehet: Dani. 5. Da entferbet ſich der Ko⸗ nig / vnd ſeine Gedancken erſchreckten jhn / das jhm die Lenden ſchutterten / vnd die beine zitter⸗ ten. Vnnd Syrach am . Capit. von etli⸗ chen ſaget: O Lodt wie bitter biſiu / wenn an dich gedencket ein Menſche der gute Tage vnnd genug hat / vnd ohne ſorge lebet / vnd dem es wol gehet in allen dingen / vnnd noch wol eſſen mag. So wirs fur billich achten / daß vnſere Diener vns gehorſam / willig vnd bereit ſein / hinzuge⸗ hen wenn wir wollen / vnd phes redliche Die⸗ E ner 4 F. ner auch fuͤr billich erkennen / wie der Haupt⸗ mann Luce7. Von ſeinen Knechten ruhmete / daß ſie alßbaldt kommen / wenn er ſage / Kom her / vnd alßbaldt hingehen / wenn er ſage / Gehe hin. So wuͤrde es gar vngerecht gethan ſein / wenn wir / da vns GO ET fordert / vnd wil daß wir durch den Todt hingehen ſollen / vns ſperren vnnd vnwillig verhalten wurden. Ey es iſt je vnſer Leben ein lehn Gottes / wie wol⸗ ten wir doch dann darzu kommen / daß wir es jhm veriweigerten / wenn ers von vns wieder⸗ fordert: O deß ongereimeten / vnd verkehrt⸗ ten handels: Wir bitten / daß Gottes wille ge⸗ ſchehe / vnnd wollen doch (daß ich mit Cypria⸗ no auß ſeinem ſermone de mortalitate re⸗ de ) ſeinen willen / wenn er vns von hinnen for⸗ dert / vns nicht gefallen laſſen. Wir wolten gerne Himliſche Guͤter von GOtt empfangen / vnd koͤmmen doch nicht gerne zu jhm. Wir bitten daß ſein Reich zu vns komme / vnnd ha⸗ ben doch vnſere hoͤchſie luſt an dieſem jrꝛdiſchen Gefengnuß. — Wir haben auch deſio weniger vrſach vns wegen vnſer Abgeſtorbene zubekuͤmmern / weil ſie eben der abfordert vnd hinnimpt der ſie gege⸗ ben hat. Welches der Heilige Job zu gefuͤh⸗ gefuͤhrt / da jhme auff einen Zag ſieben Soͤhne vnd drey Toͤchter mit Todt abgiengen / darumb er geſagt: Der HErr hats gegeben / der HErr hats genommen / deß HErren Name ſey Gelo⸗ bet. Job. i. Vnd hat dergleichen wort S. Hie⸗ ronymus einer Gottſeligen Fraiwen Paula ge⸗ nant / zu Troſt fuͤrgeſchriebẽ: Mariti orbitas ir- rogatur, Plago quodaccidit: ſed quia ſic placet Domino, æquo animo ſuſtinebo. Vnicus raptus eſt filius: durum quidem ſed tolerabile: quia ſuſtulit ille qui dede- rat. Das iſi / Ich werde meines Ehemanns vorluͤſtig / ſolches betrawre ich / aber weil es dem HErrn alſo gefellet / ſo wil ichs mit gedult ertragen. Mein einiger Sohn iſt mir hinge⸗ nommen / das iſt mir zwar beſchwerlich / aber doch treglich / weil jhn hingenommen hat / der je⸗ niger / ſo jhn mir gegeben hatte. Zum andern haben wir auß dieſem ſiucke die ander zu lehrnen: Wie der Chriſigleubigen Graber Aebr ve⸗ vnd Grabſiette mit den augen deß Geiſtes vnnd theus. Glaubens / anders als mit den Augen deß flei⸗ ſches anzuſehen. Vor vnſern leiblichẽ augẽ ſeind die zodten Leichnam anders nit als verweſunge vnd der Wurme ſpeiſe/ wie Job ſaget am v cap. Weñ ich gleich lange harre/ſo iſi doch das Grab E ji mein mein Hauß / vnnd im Finſternis iſi mein Betie gemachet / Die verwehſung heiſſe ich meinen Vatter / vnd die Wuͤrme meine Mutter / vnd meine Schweſter. Aber wen wir die Augen des Geiſtes auffthun ond im Glauben an das Goͤttliche Wort / den handel anſehen: So iſt vnſer Todt (wie vorgemeldet) ein Schlaff / das liggen in der Erden eine ſanffte ruhe die Sarcke vnd Greber ſeind Ruhelammern / Wie ſie Eſa⸗ ias nennet. Dem zu folge vor zeiten die Grab⸗ ſiette Cœmiteria Das iſt / Schlaffheuſer ge⸗ nant worden. Darinnen ruhen vnd ſchlaffen die Chriſten / wie in feinem ſanfften faullbett⸗ lein / vnd koͤnnen aus jhrer Ruhe bis an den Juͤngſten tag nicht verſioͤret werden. In be⸗ trachtung vnd hoffnung ſolcher ſeiner damahls tuͤnfftigen ruhe hat der Koͤnig David geſagt im 4. Pſalmen: Ich liege vnd Schlaffe gantz mit frieden. Vnd im 16. Pſalmen: Darumb fre⸗ wet ſich mein Hertz vnd meine ehre iſt froͤlich / auch mein Fleiſch wird ſicher liegen. Vnd weil der Auſserwehlten Leiber ſolche ſanffte ruhe haben / vnd jhre Seelen in GOttes handt ſind / da ſie keine qual anruhret Sap. 3. So iſt jhnen die zeit biß an den Juͤngſten tag / nicht lang / ſon⸗ dern nur ein kleine zeit / wie ein h 1 Welches zur Antvort gegeben worden iſt / den Seelen vnter dem Altar / Apoc. 6. Welche ſchreyen vnd ſprachen: H E R R du Heiliger vnd Warhafftiger / wie lange richteſtu vnd re⸗ cheſi nicht vnſer Blut / an denen / die auff Erden wohnen? Vnd jhnen wurden gegeben / (ſagt der Text) einem jeglichen ein Weiß Kleidt / vnd ward zu jhnen geſagt: Daß ſie Ruheten noch eine kleine zeit / biß das vollend darzu kemen jh⸗ re mitt Knechte vnd Bruͤder / die auch ſollen er⸗ todtet werden / gleich wie ſie. Ich geſchivei⸗ ge das vnſer H E R R Jeſus Chriſtus mit ſeinem Begrebnis vnd ruhe im Grabe / ſeiner Chriſigleubigen Greber geheiliget vnd geiwei⸗ het / Wie ſich auch die heiligen Engel darinnen haben ſehen laſſen / Matt. ⁊s. Marc.i6. Luce ⁊4. vnd Johannis am ⁊ o. Capit. Darumb ſie wol Engelheuſslein moͤchten genennet werden. Warumb ſolte dañ ein Chriſten menſch ſich deß gebrauch, Grabes vnd Erden halben fuͤr dem Todte ent⸗ xebeh de ſetzen? Ja warumb ſolte er nicht viel mehr zu ye ſierben luſt haben? Dieweil wir hie auff Erden „. jmmer müſſen im ſtreit ſein / vnnd vnſere Tage ſeindt wie eines Tagloͤhners / Job7. vnd in vn⸗ ſerm gantzen leben nichts anders iſt / dann muͤhe vnd Arbeit / auch wens am beſien iſi. Pſalm oo. E iij deſſen 2. Die dritte Lehr deß nhdern Theils. ges abſterben entledigt werden. Deſſen allen die Chriſigleubigen durch jhr ſeli⸗ Warumb wolte auch jemandt daruber / das ſeine Chriſili⸗ che Verwandten vnd Freunde nach dem Todt in die Erden muſſen geſcharret werden / ſich hoch bekuͤmmern / weils eine ſolche gelegenheit hat? Mann ſol nicht zu ſehr trawren vber den Lod⸗ ten: Dann er iſt zur Ruhe kommen. ſagt Sy⸗ rach am . Cap. vnnd am zs. ſprichter: Nach dem der Lodte nun in der Ruhe liegt / ſo hore auch auff ſein zugedencken / vnnd troͤſte dich wie⸗ der ober jhn⸗ Zum dritten / lehrnen wir auß dem andern theil vorhabendes Textes erkennen: die ſon⸗ derliche weiſe GO tes / daß er gemeiniglich die frommen / vnnd die er ſonderlich lieb hat / zuuor auß dieſer Welt pflegt hinwegzunemen / iwenn er Landtſtraffe vnnd Plagen vber die boͤ⸗ ſen wil ergehen laſſen. Welches auch Eſai. am 57. außtrucklich geſchrieben ſiehet: die Ge⸗ rechten werden weggeraffet fuͤr dem vngluͤck / vnd die richtig fur ſich gewandlet haben / kom⸗ men zu frieden vnnd ruhen in jhren Kammern. Vnd machets vnſer HErr Gott mit denſelbigen wie mit dem Noah / den er zuuor in den Kaſten o⸗ der Archen gehen laſſen / vnd die Thuůr hinter jm zuge⸗ zugeſchloſſen / ehe dann die erſte Welt durch die Sindflut erſeuffet worden. Gen. 7. Item / wie mit dẽ Loth / den er zuuor auß Sodoma gefuͤhrt / ehe dieſelbe Stadt / ſampt andern vmbliegenden Staͤdten vnnd Koͤnigreichen verbrant worden. Gen.i9. Vnd wie mit den H. Apoſteln vnd an⸗ dern Gleubigen / die er zuuor gen Pellam jenſeid deß Jordans gefordert / als Jeruſalem ſolte be⸗ laͤgert vnd zerſtoͤret werden. Euſebius lib. ʒ. Hiſt. Eccleſ. Cap.j. Ja er thut wie ein Vatter der ſein Kindt / von dem orthe / da es in groſſer gefahr iſt / entweder von ivegen Krieges oder Peſtilentz oder anders vngluͤcks zu ſich heimfor⸗ dert / vnnd wie ein Balrsmann ſeine Garben / vnnd ein Hirte ſeine Schaffe fuͤrm Vngetwitter vnters Lach bringet. Das iſt alſo geſchehen am frommen Koͤnig Hißkia / zu deſſen zeiten Friede vnnd Treive war / nach ſeinem Tode / aber groß vngemach erfolgete. 2. Regum ꝛ0. Vnnd an dem Joſia / zu dem der HErt ſprach: Darumb daß dein Hertz erweichet iſt / vber den worten die du gehoͤret haſt / onnd haſt dich gedemutigt fuͤr dem HErren / . Darumb wil ich dich zu deinen Vattern ſamlen / daß du mit frieden in dein Grab verſamlet werdeſt / vnd deine Augen nicht ſehen alle das vnglůck / das daß ich vber dieſe Stedte bringen wil. 2. Reg. . Qindere mehr Exempla / ſo hieuon koͤn⸗ ten angezogen werden / laſſe ich kurtze halben an⸗ gebeauch ſtehen. Es dienet aber dieſe Lehr dazu. Daß wir der priten Micht ſobaldt vber frommer Leute Lodt richten zdeen ynd vrtheilen. Wie man etliche findet / die al⸗ eils. jſes abſterben Junger Leut / ohne vnterſcheidt / für ein zeichen Gottliches Zorns halten / vnnd was ſie nur im geringſten an demſelben zu ta⸗ deln finden / das ziehen ſie an / als ein vrſache / darumb jnen Gott das Leben nit lenger gůͤnnen wollen. Aber was iſt das gethan? Warumb ſolte man alſo vrtheilen / weil doch der H. Geiſt ſo außtrucklich zeuget / daß der HErr ſein Volck vnd Eigenthumb / die Heiligen vnd Gerechten / die richtig gewandlet haben / auß ſonderlicher liebe / vnd jhnen zum beſten hinneme Wie auch im Buch der Weißheit geſchrieben ſiechet: Daß Gott mit denen allermeiſt auß dieſem Leben eile die er lieb habe / vnd deren Seelen jhm wolgefal⸗ len. Sap. 4. 2, Es kan vns dieſe Lehr auch vnſere Trauwrig⸗ keit verringern / wenn wir vber vnſere Abgeſior⸗ benen Freunde bekuͤmmert ſeindt. Dann weil ſie durch den vodt fuͤr dem Zorn Gottes vnd al⸗ jem vngluͤck hinweggeraffet ſindt / ſo iſt Unen je nichts nichts vbels wiederfahren / ſondern es iſt jhnen wol geſchehen. Was iſi doch gutes in dieſer Welt / in dem leben onter den Suͤndern / wie das Buch der Weißheit redet? Sonderlich a⸗ ber zu dieſer vnſer letzten zeit / dauon Chriſius ſelbs ſpricht SMatth. 24. Ihr werdet hoͤren Krieg vnnd Kriegesgeſchrey / ein Volck wirdt ſich empoͤren wieder das ander / vnd ein Koͤnig⸗ reich vber das ander / vnd werden ſein Peſtilentz vnd thewre Zeit / vnd Erdbidem hin vnd wieder. Da wirdt allererſt die noth angehen. Für al⸗ lem dieſem jammer vnd gefahr ſeindt befreiet die jenigen / ſo Gottſelig abgeſcheiden ſeindt. Derwegen wir vns jhres abſcheides / billich mehr zuerfrewen / als zubekuͤmmern haben. Vber das ſollen wir vns auch durch dieſe Lehr bewegen laſſen / frommer Leute Todt / deſio fieiſſiger in acht zunemen / vnd fuͤr prognoſtica ankuͤndigen vnnd Vorbotten kuͤnfftiger ſiraffen Gottes zu halten. Dann weil diß (iwie vor⸗ gemeldet ) vnſers HErren Gottes weiſe iſi / daß er fromme Gotts fuͤrchtige Leute auß dem wege reumet / wenn er ſiraffe vnnd plage ſchicken wil. So iſi freilich zugedencken / wenn ſolche hinruͤ⸗ ckung frommer Leute geſchiehet / daß vngluͤck/ ge⸗ fahr vnd vnrath vorhanden ſeyo. Derwegen in ern⸗ in ernſter buſſe vnd beſſerung deß Lebens Gott vmb Gnade vnnd verzeihung zu bitten. Wil man ſich nicht bekehren / ſo hat der HErr ſein Schwerdt gewetzet / vnd ſeinen Bogen geſpan⸗ nen / ond zielet / vnd darauff gelegt toͤdliche Ge⸗ ſchoͤß / feine Pfeile hat er gericht zu verderben / ſagt Dauid imꝰ. Pſalmen. Hingegen wo man ſich bekehret von der boßheit / ſo gerewet den HErren das vngluͤck das er gedacht zu thun. Jere. 1s. So hebet er den geſpanneten Bogen / das todtlich Geſchoͤß vnnd gerichtete Pfeile wie⸗ der ab / ſiecket das gewetzete Schwerdt wieder in die ſcheiden vnnd erzeiget Genade. Alſo haben wir nun den vorgenommenen Text verhandlet vnnd zu vnſerm Vnterricht vnnd Troſt ange⸗ hoͤrt / Beim erſten Theil: daß der Articul vn⸗ ſers Chriſtlichen Glaubens von der Todten aufferſtehung gewiß ſey / daß die ſeligen in der Aufferſtehung vnd in jenem Leben / werden groſ⸗ ſe freivde haben / vnnd daß allein deß HErren Todten ſelig ſeindt. Beim andern Theil haben wir gehoͤrt: daß vnſer leben vnd ſierben allein in Gottes Handt vnnd Gewalt ſtehe / wie der Gleubigen Graͤber vnd Grabſtette mit den Au⸗ gen deß Geiſtes anzuſehen / vnnd daß vnſers HErren Gottes weiſe iſt / daß er zuuor die jeni⸗ gen gen / ſo jhm lieb ſeindt pflegt hinzunemen / ehe dann er Landtſtraffe vnnd Plage ergehen leſſet. Gott gebe vnd verleihe / daß wirs zu ſeinen Eh⸗ ren vnd vnſerm Heil behalten vnnd gebrauchen moͤgen / Amen. PERSONALI A. Nn wil es an dem ſein / Geliebten im HErrn / daß wir von der Perſon / leben / wandel vnd abſcheide / weilandt deß Geſiren⸗ gen / Edlen vnd Ehrveſien Jungkhern Hermans von der Malßpurg deß Eitern /etwas meldung thun. Dann deß Gerechten ſol nicht vergeſ⸗ ſen werden / Pſal. unꝛ. Vnnd haben wir be⸗ fehl im Buch Syrachs am 4. Cap. Daß man die beruͤmbten Leut loben ſol. Wie es dann eine alte gewonheit in der Chriſtlichen Kirchen iſt / das in den Leichpredigten / der Verſtorbenen Hiſtorien / vnd ſonderlich jhre Tugenden andern zum Exempel vermeldet werden. PVnnd an⸗ faͤnglich iſt jedermenniglich bewuſt / daß er von fuͤrnehmen Adelichen Eltern geboren. Daß ſein Vatter iſt geweſen der Edler / Ge⸗ ſtrenger vnnd Ehrnveſter Herman von der 1 Malß⸗ Malßpurg / ſeine Mutter / die Edle vnnd Viel Ehrentugendreiche Spiegels ſelige. Welche beyde Vatter vnd Mutter / als dieſer jetz verſtorbener Jungkher Herman ſeliger / im dritten Jahr geiweſen / zu Schrapla in der Graffſchafft Manßfeldt / nach dem Rhat vnnd Willen Gottes ſeliglich entſchlaffen. Ob nun wol dieſer Jungkher ſeliger / ſo gar in der Kindt⸗ heit Vatter vnd Mutterloß worden. So hat jhn gleichwol vnſer HErr GOtt / der Waiſen rechter Vatter vnd helffer / Pſal. io.vnd 6s.nicht verlaſſen. Sondern jhm zu beſten beym Le⸗ bengefriſtet vnderhalten / ſeine lieben Elter Můt⸗ ter / die Edlen vnnd Viel Ehrentugendtſamen Frawen Catharinen von der Malßpurg / Ge⸗ bornen von Biermuͤnden. Die jhn ſo baldt zu ſich genommen vnd aufferzogen. Wie er nun in ſeiner Tauffe den Namen bekommen / daß er Herman geheiſſen / Alſo hat ſichs nach dem Spruch / Omnia nominibus ſæpe ſubeſſe ſolent, fein geſchicket / daß er dem HErrn ſo baldt in der Kindtheit / durch hriſtliche anfuͤh⸗ runge zum Gebett vñ Gottsforchten von Ehrn⸗ gemelter Frawen / ſeiner Eltermutter zugewie⸗ ſen worden. Welche jhn auch mit rach / hůfff vnd zuthun ſeiner Vormunden / der ren⸗ ſtrengen vnnd Ehrnveſten Arnolden von Vier⸗ můnden Fuͤrſtlichen Heſsiſchen Hoferichters zu Marpurg / Eckbrechten von der Malßpurg Stadthaltern zu Kaſſel / vnnd Anthonien von Werſabe Amptmann zu Schmalkalden ſeli⸗ gen / zur Schule angehalten / vnd mit frommen geſchickten Præceptoribus verſehen. Ein zeit⸗ lang iſt er in den feinen Particular Schulen zu Lemgo vnd Altorff geweſi. Darnach auff die be⸗ ruͤhmeten Vniuerſiteten gen Marpurg vnd Ba⸗ ſel gezogen / daſelbſien er ſeines ſiudierens vleiſ⸗ ſig gewartet / vnd mit vielen fuͤhrnemen vom A⸗ del auß dieſem vnd andern Landen / wie auch mit Hochgelarten vnd furtrefflichen Mennern kund⸗ ſchafft gemacht. Zu Baſel hat er ſeinen Tiſch gehabt / bey dem Hochgelerten Herren Jo⸗ hanni Jacobo Grineo / bey welchem ſich der Jungkher dermaſſen verhalten / daß der Doctor fär vngefehr zweylh Jahren / jhm in einem La⸗ teiniſchen ſchreiben / ein herꝛlich Lob vnd Zeug⸗ nuſi gegeben / vnnd ſich aller dienſtuwilligkeit ge⸗ gen jhn vnd die ſeinen erbotten. Von Baſel hat er ſich gen Zůrich begeben / vnnd daſelbs ein zeit⸗ lang auffgehalten. Hat ſehr viel converſieret mit dem theivren vnnd hochberuͤmbten Manne Herrn Rudolpho Gualthero. Von Zuͤrich iſt er F iij wieder⸗ wiederumb gen Marpurg kommen / ſcin ſtudi⸗ um iuris zu tontinuiren. Daß er alſo biß in ſein ꝛ3. Jahr den ſtudiis nachgezogen. Er hat ein fein ingenium gehabt / die fundamenta artium & iuris dermaſſen gelegt / vnnd ſo viel geſiudieret / daß er Gott vnnd Menſchen dienen koͤnnen. Nach toͤdlichẽ abgang deß Herrn Stad⸗ halters ſeines Vettern ſeligen / hat er ſich der Vn⸗ terſaſſen angenommen / welche er / ſo wol den Ar⸗ men als den Reichen / gerne gehoͤrt / vnd in billi⸗ chen ſachen gerne befordert. Er war gůtig vnd wolthetig / vnnd wuſtie gleichwwol / wenns die notturfft erforderte / auch ernſt zugebrauchen / darab er von dẽ Vnterſaſſen / wie billich / geforch⸗ tet vnd gleichwol ſehr geliebet vnnd in ehren ge⸗ halten worden. Wie ſie dañ jetz alle / ſeinen Todt / auß hertzlicher liebe gegen jhn / betraivren ond be⸗ klagen. Vnd bin ich gelwiß / daß dieſes Jungkhern ſeligen / ſolange der Malſspudhiſchen Vnterſaſ⸗ ſen / die jhn gekandt haben / einer im Leben / nicht wirdt vergeſſen / ſondern mit groſſem rhum vnd lobe werde gedacht werden. Seinen lieben Bru⸗ der vnd Schweſter / wie auch ſeine freundtliche liebe Vettern Verwanten vnnd Verwantinnen / ¶deſſen ich billich auch gedencke) hat er hertzlich lieb gehabt / vnnd mit trewem Hertzen n wol⸗ wolfahrt bedacht vnd geſuchet. Daher es kom⸗ men / das er von jhnen allen wiederumb hertzlich geliebet worden. Vnnd iſi mir kein zweiffel / es werden dieſelben / jetzo in ſeinem Todt / geſin⸗ net ſein / wwie Dauid war / als ſein vertratweter Bruder Jonathan geſtorben. Es iſt mir leidt vmb dich / (ſprach Dauid) Mein Bru⸗ der Jonathan: Ich habe groſſe fretwde onnd wonne an dir gehabt ꝛ. 2. Samu. . Was fuͤr einen Pfleger (daß ich der Schrifft wort Eſa. 49. gebrauche) Wir Diener Goͤttliches worts an jhm verlohren / iſt mir vnmůglich fuͤr groſſem leidt vnnd bekuͤmmernuß meines Her⸗ tzens zuuermelden. Ach daß ich Waſſers genug hette in meinem Heupt / vnd meine Augen Thre⸗ nenquellen weren. Jerem. o. Ach das grundt⸗ frommes / auffrichtiges / ehrliches vnnd recht A⸗ deliches Hertz. Gottes wort hatte er lieb vnd werth / hoͤrte die Predigten gerne / hielt nicht allein ſein Geſinde fteiſſig zum Kirchgange / ſon⸗ dern er der Gottſelige Jungkher ſelbs / lies ſich nicht verdrieſſen / im Regen vnnd Schnee / Winters vnd Sommers / die zeit vber er alhie zu Odinghauſen gewohnet / auff die Sontage deß morgens frůe in der Kirchen gen ObernEl⸗ ſingen zu reiten oder zu fahren. ohne ohne antreibung deß heiligen Geiſtes gewißlich nicht geſchehen. Er lobete Gott mit Pſalmen vnd Geiſtlichen Liedern / Betete jnniglich / vnnd wardt jhm nimmer die Predigt zu lang. Die heiligen Sacramenta hielt er in hohen ehren / brauchete gern vnd offt deß H Errn Abendtmal / hatte in Religions ſachen ein richtig Judicium / Gruͤndete allein auff die Bibliſchen Schrifft / vnd ließ jhm das Sectiren vnd Rottiren / deren die in Glaubens ſachen auff Menſchen vnd an⸗ dere euſerliche dinge ſehen / nicht gefallen. Er hat zwar auch als ein Menſch ſeine Gebrechen vnd Suͤnde gehabt / wie dann auch die allerheilig⸗ ſten: Der Mann nach dem Hertzen Gottes / Dauid vnd andere / ſchwere fellen gethan / vnnd keiner iſt der ſagen kan: Ich bin rein in meinem Hertzen / vnnd lauter von meiner Sünde. Pro⸗ uerb. ꝛ0. Aber dagegen iſt diß an jhm zu loben / daß er ſich auß Gottes Wort gerne ſtraffen vnd richten laſſen / die jenigen ſo jhm eingeredt / nicht gehaſſet / ſondern geliebet / ſeine Suͤnde erkandt vnd bekandt / vnd hertzliche rewe daruͤber getra⸗ gen / ſo ernſtlich vnd hefftig / das er offt wie ichs mit meinen Augen geſehen habe / vnnd mit war⸗ heit bezengen kan / threnen daruͤber fallen laſſen. Welches freilich ein anzeigũg eines Gottſeligen Gemuths — —— —— ——— . * Gemuͤths iſt. Dann Gottloſe Leut haſſen die zucht / vnd werffen deß HErren wort hinter ſich. Pſal. So. Die achten jhre Suͤnde nicht groß / vnd forchten ſich nicht fuͤr Gottes Zorn. Ich habe auch anders nicht gemerckt / dann daß er der ſchwacheit ſeines Fleiſches ein zeithero hefftig wiederſtanden / vnnd bin in der meinung / daß er darumb nimmer ſtill vnnd muͤſſig ſein / ſondern allzeit etwas zuthun vnnd zuuerrichten haben wollen / damit er ſich ſonderlicher boͤſer ge⸗ dancken vnd neigungen / deren der boͤſe Feindt den můſſigen Leuten viel einſchenſſet / entwehre⸗ te / in betrachtung deß Spruchs: Homines ni- hil agendo malẽ agere diſcunt. Daß iſt / durch nichts thun lernen die Leut boͤſes thun. Wiewol er ſonſt vernuͤnfftiglich ohn zweiffel auch bedacht / daß der Menſch / non ad ocia ſed ad negotia/ nit zum můſſigange / fondern zur arbeit / von Gott erſchaffen. In ſeinem Creu⸗ tze / daß jhm Gott auffgelegt / war erſehr ge⸗ dultig / vnd hielt dem HErrn ſtille. Troͤſiete ſich mit dem Job: Haben wir das gute empfan⸗ gen / warumb wolten wir das boͤſe nicht auch anyehmen? Sprach offt: Es were beſſer hie zeitlich / als dort ewigklich gelitten. Die Artze⸗ ney brauchte er als ein von Gott verordnetes mit⸗ mittel / nach Syrachs lehr amzs. Cap. Satzte aber ſein vertrawen allein auff den rechten Mei⸗ ſter zu helffen / Eſa. ʒz. Welcher ſpricht Exo. . Ich der HErr dein Artzt. Etliche mahl habe ich von jhme gehoͤrt: Iſi denn je Gottes wille nicht / daß ich an meinem Leibe geſundt werde: ſo wirt er mir je gewißlich an meiner Seele helffen. Sagte auch offt: Er wuͤrde nicht alt werden. Gab ſich aber deßwegen wol zufrieden vnd ent⸗ ſatzte ſich nicht fuͤr dem Tode. Es iſt auch zwar / noch vnſer meinung / der Jungkher ſeliger nicht zu einem ſehr hohen alter kommen / ſondern hat nur ſein 34. Jahr erreichet. Aber wir muͤſſen anſehen / daß im Buch der Weißheit am 4. ſie⸗ het: Er iſt baldt Volkommen worden / vnd hat viel Jahr erfuͤllet / dañ ſeine Seele gefellet Gott darumb eilet er mit jhm auß dem boͤſen leben. In ſeiner letzten Kranckheit hat er jmmer den HErrn angeruffen / vnd ſonderlich den Namen Jeſus mit ſeufftzen ſtets wiederholet. Hilff du lieber Gott. Ach du lieber HErr Jeſu. Hie⸗ bey erinnere ich mich etwas das ich nicht ver⸗ ſchweigen mag. Dermaln eins iſt vom rech⸗ ten gebrauch deß Namens Jeſu in einer Predigt gehandelt worden / vnd ſeindt neben der heiligen Schrifft / etliche feine gedancken der v⸗ er ber dieſem Namen angezogen vund eingefuͤhrt. Als deß Auguſtini: O Domine leſu, eſto mihi Jeſus propter temetipſum. O Do⸗ mine leſu, Si ego admiſi unde me damna- re potes, tu non amiſiſti unde me ſalvare potes. Das iſt / O HErr Jeſu / ſey mein Jeſus vmb deiner ſelbs willen. O HErr Jeſu ſo ich begangen habe / darumb du mich verdammen kanſt / ſo haſin nicht verloren daher du mich ſelig machen kanſt. Item Anshelmi in medita- tionibus fuis. leſu Chriſte miſerere mei propter hoc nomen tuum, fac mihi ſe- cundum hoc nomen tuum, reſpice ne mi- ſerum invocantem nomen tuum: Verum eſt, conſcientia mea meruit damnationẽ, & poœnitentia mea non ſufficit ad ſatisfa- ctionem: ſed certũ eſt quod miſericordia tua ſuperat omnẽ offenſionem, ſis ergo mihi Ieſus propter nomen tuum. Das iſt/ HErr Jeſu Chriſte / erbarme dich meiner / vmb dieſes deines Namens willen / thue mir nach die⸗ ſem deinem Namen / ſihe an mich elenden / der ich deinen Namen antuffe: War iſis / mein gewiſſen hat die Verdamniß verſchuldet / vnd meine Buſ⸗ e iſi nicht genugſam zur genugthuung oder be⸗ i zahlung zahlung: Aber es iſt gewiß / daß deine Barm⸗ hertzigkeit alle erzuͤrnung vbertrifft / ſey mir der⸗ halben ein Jeſus vnd Seligmacher vmb deines Namens willen. Dieſe Wort vnd Spruͤche ſeindt dem Jungkhern ſeligen dermaſſen lieb vnd angenehm gerweſt / daß er nach der Predigt / mit meiner einfeltigen Perſon dauon geredt / vnnd ſich vernehmen laſſen / daß er ſie ſtets gedechte zubehalten / vnd in ſeinen hoͤchſien noͤthen zuge⸗ brauchen. Darumb dann deſio gewiſſer da⸗ fuͤr zuhalten / daß jhm dieſe wort / die er fuͤr ſei⸗ nem Ende ſo offt wiederholet / nicht auff der ʒun⸗ gen gewachſen / ſondern von grundt ſeines Her⸗ tzens auß rechtem Glauben vnnd vertraiwen an den HErrn Jeſum / abgangen. Ja daß mit ihm geſchehen / wie mit dem heiligen Marterer / Ignatio / welcher / da er gefragt wardt / warumb er in ſeiner pein vnd ſchmertzen / den Namen Je⸗ ſus ſo offt wiederholete /geſagt: Der Name we⸗ re dermaſſen in ſeinem Hertzen eingewuͤrtzelt / daß er mit keiner pein noch ſchmertze moͤchte herauß⸗ geriſſen werden. Was fur groſſe krafft aber ſol⸗ che kurte hertzliche Gebettlein haben / iſt an deß bußfertigẽ Zoͤlners / Gott ſey mir gnedig / Luc.is. an deß Gleubigen Schaͤchers: HErr gedenck an mich / wenn du in dein Reich koͤmmeſt / S 23. nd Vnd an S. Stephani: HErr Jeſu nim meinen Geiſt auff / Act.ꝰ. zuerſehen. Dieweil dann der Jungkher ſeliger / nit allein in ſeiner Kindtheit / dem HErrn Jeſu Chriſio / durch die Tauffe ein⸗ uerleibet / ſondern auch von Kindsbeinen auff / denſelbigen erkandt / geliebt vnnd fuͤr augen ge⸗ halten / auch in ſeinem letzten / mit ſo vnauffhoͤr⸗ lichem ſtarcken ſeufftzen / zu jhm gedrungen / vnd nicht abgelaſſen. So iſt kein zweiffel / der HErr Barrmhertziger Gott / der nicht luſt hat an deß arinen Suͤnders Todt / Ezech.is. 33. Ha⸗ be vmb ſeines lieben Sohns willen / jhm ſei⸗ ne Suͤnde vergeben / vnnd mit ſeinem Gnaden⸗ mantel / dem Kleide deß Heils / vnnd Rocke der Gerechtigkeit / Eſa. sdieſelben zugedecket / ſeine Seele auch / durch den dienſt ſeiner lieben En⸗ gel / in ſein Reich der Herrligkeit bringen laſſen / vnnd werde jhn am Juͤngſten Tage / zu ewiger / vnvergenglichen vnd vnauß ſprechlicher frewde / mit allen Außerwaͤhlten aufferwecken. Solches guͤnnen wir jm billich mit hertzlicher danckſagung zu Gott / vnd bitten den Vatter vn⸗ ſers HErrn Jeſu Chriſii / Er woͤlle den vbrigen dieſes Adelichen Stams Malßpurg / langwi⸗ rige Geſundtheit / vnd gluckſeliges Leben / zu ſei⸗ G iij nen nen Ehren / der Chriſtlichen Kirchen aufferba⸗ wung / vnd der Vnterthanen wolfahrt verlei⸗ hen / Auch endtlich vns allen / wann eines jeden ſtuͤndtlein herbey koͤmpt / ein ſeliges Ende be⸗ ſcheren / vnnd mit Gnaden in ſein Reich zu ſich nemen / — EPIC FEDIO N INM MORTFE M VT PR AEM A TVRAM IT A LVCEXNW O8 M O BILISMI, § T R ENVILSSLMI C FHVM AN ISSILMI viriHermannià Malſpurgk, Hermanni filii, qui ſeptimo Iduum Octobris, Anni ſupra ſeſquimilleſimum nonageſimi ſeptimi, in ve ra Pei invocatione; ex hac miſeriarum valle in ætex- nam & cœleſtem patriam migravit. GENBRIS ROBILITA- — —— — — 1— TE. PRVDENTIA ET FRVDITLONE PRE- cellentem virum EERSRTVM à MArsTPvRSk„ defuncti ſuper- ſtitem fratrem, conſolationis & obſervantiæ ergò ſcriptum 3 M. GEOR6IO VIERTORE VVOLFHAGENSI, Breunæ ſub nobilitate M ALSPV R 6GICA verbi divini miniſtro. I non immeritò inſonuit plangoribus æther⸗ Cum pius Amramides funere merſus erat, Si Pivijuſto Samuelis funera luctu Ornarunt vivus, quas bene pavit, oves, Triſtia ſi rectè tundepant pectora palinis, Iſacidæ ut tegerent ceſpite membra pa- tris: Nos etiam ſaris æqua manet nunc cauſa doloris, Quos Malſpurgiaci cura Leonis habet: Nos quoq́; largifluis merito nunc ora rigamus Fletibus, & lacryma dilacerante genas: Nos triſtes elegi, pullæ geſtamina veſtis, Et quæ ſunt miſeris congrua quæq́; decent. Senſit enim nimium properantis, Ipicula Lechi Harminius noſtræ nobilitatis honor. Ductor erat Moyſes populi de ſtirpe Iacobi⸗ In noſtro Hermannus tramite ductor erat: Tutor erat Samuel gentis de ſanguine Iudæ, Nobilis his nobis tutor amicus erat: Viſcera cara patris pis ſeni in funere fratres Deflent, deflemus viſcera cara patris. Cujus virtntes ſi prima ab origine pangam, Componet citius veſper in orbe diem: Ne tamen has prorſus taceam compeilor honeſto. Et quo diexi ſemperamorevirum. Ergo ſumma ſequar tantum faſtigia rerum, Quarum me teſtem ſiſtere jure qucam. Ingenio natura virum ditaverat iſto, Cui via per quidyis invia nulla fuit, Ilius a teneris illo conyertit acumen⸗ Vt bonus & fapiens poſſer adeſſe bonis: NMec laborille perit: apiens ſapientia pectus, Atq; bonum bonitas mox ſubiere viri: Sic duce natura, ſimul hanc comitante fideli Culturaeximium præſtitit ille virum. Non ſecus ac pingui naturã fertilis, omnes Spes luperat, benẽ quem vertit arator ager. Inſignes animos rerum moderamen & ufus Arguit⸗ignotos nec ſinit eſſe bonos: Bellua multorum capitum mutabile vulgus Vni ſi ſubſit, non ſine laude, viro, Hunc ego pſalmographi gnatum ſapientiã, & auſis Amphitrioniaden fortibus eſſe reor. Talis eras, Hermanne, tuis cervicibus illud Cum jure & fatis injiceretur onus, Eſſes ut populo juſti moderator & æqui, Ac reſponſa tuis, cum ratione dares. Sedulus has partes, juſſo moderamine obibas, Nec, vim non juſtam qui pateretur, erat. Conſilio tibi Numen erattibi myſtica ſemper Scripta Dei verbi lumen & omen erant. Conventu facilis, populoq́; affabilis omni, Gratus eras populo, gratior atq́; Deo. Fortius imperium quam vis⸗ pia gratia firmat, „Eſtq́; ibijus/ubi⸗jus/qui moderetur⸗adeſt: Tute magiſtratus ſimul & PArꝝ R eſſe ſtudebas, Dulcis ARM oRpopulo DRLIoIA; avs tuo. VirtutesPietas, Comitas, GConcordia, & æquo Nota Themis, certant pectus inire tuum. At, vix firmarant ſedes ſub pectore opimo Hermanni, Hermannum parca ſevera necat. Hinc illæ lacrymæ & ſeries numeroſa dolorum Triſtia qui miſerè pectora noſtra coquunt. Hinc Ege berte doles, hinc rorant luminis orbes, Et patitur motus mens generbſa ſuos. Vnus erat frater, gaudebas fratre fideli, Et vice multorum frater is unus erat: Vnicus ille cadittantam trahit atqʒ ruinam, Quantam vix multi commemorare queunt, Certus amor dum vita fuit reſpondit amori, Atqʒ unum fratris velle utriuſqʒ fuit Et quanto nexu vinxit Corcordia fratres Vivos, quamq́; arctè pectora junit amor, Tantum Tantum mœrorer ſecum disjunctio traxit, Vtq; amor altus eratʒ ſic dolor altus adeſt. Triſtitiæ accedit, cumulante dolore dolorem, Er ſoror & patrui quos genuere tui, Hi quoqʒ ſin gultus edunt querulaſq; querelas⸗ Et ralem fratrem facta tuliſſe dolent. Quj nutu norat motas tomponere lites⸗ ui curas animis pellere doctus erat: Qui tutum dubiis rebus præſtabat aſylum, Qui, quæcunq; placent omnia ſolus erar. Subdita turba graves prodit gemibunda dolores, Et, ceu buſta patris quilibet ornet ait: Ah cecidiſſe virum quo ſalvo ſalva manebant Cuncta quibus vitæ portio noſtra vaget 2 Ah cecidit cecidit generoſu m exemplar honeſti, Ah cecidit cecidit firma columna domus, Ah cecidit cecidit rabidã Palinurus in unda Ah cecidit cecidit puppis & aura rati? Quid multisꝰ gemitu⸗luctu, plangore querelis, Hic reſonant ſylvx flumina, rura, domus. Et niſi multi jugo veniat medicina dolori, Majoris dolor hic cauſa doloris erit, Quare ne triſtes curas depaſcier artus Suſtineas, Ghriſtum qui reverenter habes: Chriſticolas lugere decet ſibi morte peremptos, Dedecet at dempto fine modove dolor: Me movet vivis, nec quicquam lumine caſſis Confert: ſit curis triſtitiæqᷓ; modus Mobilitate potensnulli pietate fecundus Doctrina præſtans & comitate gravis Occidit, & meliore ſui fua ſtamina rupit Tempore quæ ſecum mors ſua damna gerit⸗ Attamen hoc placuit, quo non ſapientior alter luſtè atqʒ utiliter quiqᷓ; agit omne Deo. Mi quod placuittibi diſplicuiſſe negabis: er I1 — Via eſt quod voluitnos quoq; velle/ Deus Nec Nec tibi mancipio vel vita vel ipſe dabatur, Vu erat ille tuus, proprietate Dei: Ergo ſuum Domino reddas, qui jure repoſcit, Proq; uſu grates convenienter agas. Si dilexiſti vitæ nunc munere functum, Invideas illi talia fata cave: Nam peregrinus erat, per multa pericula quæ rens Quod patrium pollet ritè renere ſolum: Navigio fragili furiofa per æquora vectus Gptabat portum, proque quiete locum: Miles erar cuneis hoſtilibus undiq; cinctus, Quales ancipites ſpeſq; metuſqʒ facit: Nunc patriam portumq; tenet meritamque coronam: „Quò citius tantò gratius omne bonum. uis doleat duris exemptum rebus amicum, is ſibi dilectum proſperitate frui? Adde quod haud obiiſſe, jod hinc abiiſſe parumper Credirur, ex terris qui redivivus erit. Mec te amiſiſſe hunc, ſed præmiſiſſe purabis, Quemtibi ſit dextrè maxima cuta ſequi. Interea in terris Dominus ſapienſqʒ bonuſq; Supplebit, ſi quas geſlerat ille vices Supplevit, ſuppletſupplebit & omnia reddet⸗ uæ durum nobis furripuiſſe putes. Supplẽvit quoniam ſtudiis, fapientiã, & uſu Reſtant præſtantes & gravitate viri Qui regere hunc populum, qui debellare ſuperbos, Parcere & abjectis cum ratione ſciunt. Supplet jam quoniam novus & Malſpurgulus hæres Fratri ac agnatis unus & alter adeſt. Supplebit quoniam plures naſcentur ab illis, Et feret omnipotens omnibus æquus opem. F1ML5.