Chriſtliche Leich⸗Predigt/ Von der Liebhaber Sotes unaußſprechlicher Himmels⸗Freude Bey anſehnlicher Volckreicher Leich/Begaͤngnus/ Der Weyland Wohl⸗Edlen viel Ehr und Tugendreichen Frawen MARIA MODFSTA DORVILL P, Des auch Weyland Wohl⸗ Edel/ und Hochgelehrten Herrn Priederich D Owville, Rachgelaſſener Wittib/ Welche Den 18. Januarii/ des 1665. Jahrs zu Heidelberg Selig in ihrem Er⸗ löſer Chriſto entſchlaffen/ und darauff den 23. im Chor der Kirchen zu S. Peter ganß Chriſt und Ehrlich zur Erden be⸗ ſtattet worden; Gehalten/ und auff begehren in Truck verfertiget Durch M AR C UM pL O C C ENIU M Pfarrern zum H. Geiſt daſeldſt· —(o)eb Heydelberg/ Gedruckt bey Adrigen Weingarten/ der Hohen Schul Buchtrucker. . * ₰—— S:— enetneeneneeeeeeeeee S 5 ʒidhhcechecßierſieoſßit q̃cciißcßcc Die Liebe Sottes des Vatters/ der Friede Jeſu Chriſti ſeines Sohns/ und die Gemeinſchafft des Heiligen Geiſtes/ ſeye und verbleibe mit uns allen/ jett und in Ewigkeit/ Amen Ndächtige in Gott/ was vor zeiten Boas, ein fürnehmer Mannin ethlehem, und einer von Chriſti Vor⸗Eltern zn der Ruch ſagte⸗ Die gantze Statt meines Volcks weiß/ daß du ein Tugendſam Weib biſt/ wie wir leſen im Buͤch⸗ ein Ruth amz. cap. verſ. n. Eben das mogen wir durch hnung und fuͤgliche zueigung von unſer in Chriſto ſeelig verſtorbenen Mitſchweſter/ der Weyland Wohl⸗Edlen/ viel Ehr und Tugendreichen Frawen Maria Modeſta DOrville, des anch Weyland Wohl⸗ Edel/ Beſt und Hochgelehrten Herin Friederich DOrville nachgelaſſener Wilttiben/ mit gutem grunde der Warheit/ annoch wohl ſagen/ die ganhe Statt Heidelberg weiß/ daß dieſelbe bey ihren Lebzeiten eine tugendſame Gottſelige Matron geweſen iſt · Nun dieſelbe hat der liebe Gott nach ſeinem heiligen unwan⸗ delbaren Rath und ätterlichen Willen/ vor wenig Tagen durch den zeitlichen Todt von dieſer betruͤbten Welt abgefordert/ und zu ſich der Seclen nach in ſein ewig Himmelreich verſeset: dero Todtsverbliche⸗ nen Leichnam aber haben wir bey gegenwertiger anſehnlicher Begaͤng⸗ nus und Volckreicher Verſamblung zn ſeinem Ruhebettlein begleitet/ ihn hieſelbſt/ auff hoffnung einer froͤlichen Aufferſtehung an jenem Ta⸗ ge/ der Erden Muͤtterlichem Schoß anzubefehlen/ und alſo der in Gott ruhenden die lete Ehr und ſchuldige Liebedienſte Chriſt⸗gebůhrlich hiermit zu erweiſen. Auff daß wir aber bey ſolcher gelegenheit nicht ohn nnterrichtung und Troſt Goͤttliches Wortes moͤgen von einander ſcheiden/ als wollen wir auch fur dißmal in Gottes Heiligthumb uns begeben und ein kurßes Spruͤchlein von der im Himmel bereiteten uͤber⸗ ſchwencklich groſſen Herzligkeit deren die Gott lieben/ worin unſere 1 ſelig eine zulaͤſſige entle 6 An muß freilich geſtehen/ daß wahre Weißheit eine⸗ Chriſtiiche Leichpredigt. fuͤr uns nehmen. uforderſt aber den grundgütigen Gott umb die gnadenreiche Huͤlffe und kraͤfftigen beiſtand des H. Geiſtes anruffen in und mit dem Gebett/ velches uns Jeſus Chriſtus ſelber gelehret hat. Unſer Vatter /c. FEXT. 1. Cor 2. Das kein Auge geſehen hat/ und kein Oh hr gehoͤret hat/ und in keines Menſchen vertz kommen iſt/ das hat Gott bereitet denen die Ihn lie⸗ ben. K O R p 4. herliche und über allemaſfen ſchoͤne fuͤrtrefliche Tugend/ ja ein Haupt und Muttertugend ſeye/ welche alle andere Tugenden nach ſich zeucht und in ſich verfaſſet. Dan was die Sonn iſt unter den Planeten/ das Gold unter den Metall en/ der Verſtand unter den kraͤfften der Seelen /das Geſicht unter den euſſerlichen Sinnen/ das iſt die Weißheit unter den Tugenden: daher ſie nicht unfůglich mag ge⸗ nant werdeh cardinalium cardo, ein Haupt der Haupt⸗tugenden. Sintemal ſie ſchreibet Geſese fuͤr der Gerechtigkeit/ ſie ſezet gewiſſe grenzen der Mäſſigkeit ſie gibt krafftigen nachtruck der tapfferkeit/ ſum⸗ ma/ ſe iſt das Salß /welches einen rechten gefchmack gibt allen unſten von Gott verliehenen Gnadengaben. Nur allein daran iſt es gelegen/ daß man ohn Irthumb ſich verſichert halten koͤt me/ welches doch das jenige ſey/ ſo man eigentlich fuͤr ſolche weißheit ʒu erkennenund anzlu⸗ nehinen habe. Iſts etwa eine Weißheit der Welt? Onein dan die⸗ ſer Welt Weißheit iſt Thorheit bey Gott /Cor. 3.1. Was dan? Ant⸗ wort: Eine Weißheit die von oben herab komt/ und eine Frucht des HGeiſtes iſt. Eph. 1. 1. Eſa. 1/ 2. ein. Weißheit die mit wahrer Got⸗ tesfurcht vergeſellet iſt. Prov. 9. 10. eine klugheit der Gerechten. Luc.1. N. Eine weißheit zur Seligteit. ⁊. Tim.ʒ. 1y. In ſumma/ es iſt die Weißheit/ welche uns Gott in ſeinem worte durch das heilige Euange⸗ lium elie Mit eſter auff ihrem Todrberte Geiſterquickenden Troſt ge⸗ reichtich gefunden nd empfunden hat/ zn betrachten Chriſtliche Leichpredigt· liumgeoffenbaret hal/ worvon Paulus in vorhergehenden Worten un⸗ ſers Texts meldung thut/ ſagend/ wir reden von der heimlichen verbor⸗ genen weißheit Gottes/ welche Gott verordnet hat vor der Welt zu un⸗ ſer Herligkeit/ welche keiner von den Oberſten dieſer Welt erkant hat: der Herꝛligkeit nicht dan wo ſie die erkant hãtten/ haͤtten ſie den Herin gecreutziget/ und eben dieſe Weißheit fahrt der Apoſtel fort in unſerem gegenwertigem Teyt mit mehrem herauß zu ſtreichen. Sintemal der· ſelbe in ſich helt einen ſchönen Lobſpruch/ der an dieſer Weißheit kleben⸗ den/ und darauff zu ſeiner zeit unfehlbarlich erfolgenden zukuͤnfftigen Himliſchen Hertlichkeit. Nun dieſelbe wird uns alhier ſo beſchrieben/ daß wir Dreyerley abſonderlich darbey zu behertigen haben. . Ihres Wrſens tieffe Verborgenheit. 11. Ihres Uhrſprungs hohe Fůrtrefflichkei. ⁰ I. Pars. Rreichend denErſten Haupt⸗Puneten /darinnen uns die Hin⸗ ſiſteettenenieeenn tieffer verborgenheit ſo lauten darvon anfaͤnglich die worte un⸗ ſers Apoſtels alſo: Das kein Auge geſehen hat/ undkein Ohr ehöret hat/ und in keines Menſchen Herz kommen iſt; dieſes iſt zum cheil hergenommen auß der Weiſſagung des Propheten Eſaiæ am 64 cap. verſ.4. Zum theil vom Apoſtel hinzugeſetzet⸗ nemlich das leßte ſchen Hert kommen iſt/ dadurch die worte des Pro⸗ das in keines Menſe pheten in etwas zu erleutern und ihren kraͤfftigen nachdruck anzuzei⸗ gen. Und zwar ſolte das nicht eine tieffe verborgenheit und ganz unbe⸗ greiffliches Weſen ſein/ welches nie in keines Menſchen Hertz gekomm⸗ men iſt. Was ſonſten das Menſchliche Hers natuͤrlicher weiſe faſſen ſoll/ daß muß der verſtand koͤnnen erreichen/ und was der WVerſtand er⸗ reichen ſoll/ daß muß ihm durch die euſſerliche Sinne vorgetragen wer⸗ den. Aber das iſt hier nicht: tein Auge hat es geſchen/ kein Ohr hat es Menſchen Hert iſt es gekommen/ ſagt außdrucklich der Apoſtel. Ja genommen /daß Jemand ſtockblind waͤre/ ſo daß er gar teinen glann oder farbe ſehen koͤmte/ und ugech gant taub/ ſo daß er 3 gar gehoͤrt/ in keines Propo- ſitio tripar- 111. Ihrer Erbbeſiger heilige Beſchaffenheit titã Chriſtliche Leichpredigt. gar keine ſtimm oder gelaͤnt hoͤren koͤnte/ ſo verag dennoch Gott einem ſolchen ſein Geheimnus innerlich zu offenbaren und ins Hert zubrin⸗ gen; aber das iſt hier auch nicht geſchehen: ſintemal ſolches von der zukünfftigen Himliſchen Frende und Hernlichkeit Paulus klrlich ver⸗ neinet/ wan er alhier ſagt/ es iſt in keines Menſchen Hers gekommen. Wie ſoll ich aber das von ihm auffnehmen und verſtehen? diß ſcheinet ja ber die maſſen frembd z ſein/ und unterſchiedlichen Zengnuſſen hei⸗ liger Schrifft ſchnurſtrack zu wieder zu lauffen. Dan leſen wir nicht von dem Chriſteiferigen Marterer Stephano/ daß er auffſahe gen Himmel/ und ſahe die Herꝛligkeit Gottes und Jeſum ſtehen zu der rech⸗ ten Gottes. Act.y.yÿ. Schreibt auch nicht Petrus mit klaren wohl auß⸗ gedruckten worten/ wir haben ſeine Herꝛlichkeit ſelber geſehen/ da er empfieng von Gott dem Vatter Ehr und Preiß durch eine ſtimm/ die zu ihm geſchach von der groſſen Herꝛlichkeit/ dermaſſen: Diß iſt mein lieber Sohn/ an dem Ich wohlgefallen hab. Und dieſe Stimm haben wir gehoͤret vom Himmel bracht/ da wir mit Ihm waren auff dem hei⸗ ligen Berge. 2. Epiſt.. verſ 1.1. Hiemit deutend auff die verklaͤrung Chriſti/ welche wir mit ihren umbſtaͤnden außfůßrlich erzehlet und auff⸗ gezeichnet finden. Matth. 1. 1. Scc. Luc: 2. 28. Sec. Ja /iſt nicht Pau⸗ lus entzuckt worden biß in den dritten Himmel/ in das Paradis/ und hat daſelbſt unaußſprechliche Worte gehoͤretdꝛ. Cor.. 2. 4. So lehret ebenmaͤſſig unſer Catechiſmus, daß ein glaubiger Chriſt ſchon jetzun⸗ der die ewige Freude in ſeinem Hertzen empfinde/ in der s. Frage/ und kanzu behauptung deſſelben gnugſamen Beweißthumb auß Goͤttlicher Schrifft beybringen/ als wan geſagt wird/ daß die Glaubigen wiſſen/ daß ſie auß dem Lode in das Leben kommen ſind/ und das ewige Leben haben /1.Joh.ʒ. 14. und 5.. daß das Reich Gottes/ deſſen ſie hier ſchon jum theil mitgenoſſen ſind/ ſeye Gerechtigkeit/ und friede/ und frewde in dem P Geiſt/ Rom4.. Daß Gott ſie ſampt Chriſto aufferwecket/ und ſampt Ihm in das Himliſche Weſen geſest/ ſ daß ſie ſelig gewor⸗ den ſind. Eph 2. 6.8. und was dergleichen Spruͤche Goͤttliches Wor⸗ tes mehr ſind. Wie kompt dan der Apoſtel darzu/ daß er hie ſchreiben darff/ es habe es kein Ange geſehen/ es habe es kein Ohr gehoͤret/ es ſeye in keines Menſchen Hertz gekommen/ was Gott bereitet habe denen die Ihn lieben? Antwort 1. Die obangezogene exempel und zeugnuſſen H. Schrifft reden von geiſtlichen/ erleuchteten und erneuerten Augen/ Ohren — N chriſtliche Leichpredigt.„ Ohren und Herßen der Menſchen/ wie dan außdrucktich von Stepha- vd/ als er voll H. Geiſtes war habe er den Hiumel no vermeldet wi offen und die Hernlichkeit Sottes geſehen: Unſer Apoſtel aber redet von natürlichen und leiblichen Augen/ Ohren und Hertzen der Men⸗ chen. 2. Die vorhin eingefuͤhrte Exempel und Spruͤche thun mir meldung von etlichen wenigen Erſtlingen/ von einem kurtzen unvol⸗ kom̃enen blick und geringen vorgeſchmack des ewigen Lebens/ und von einer Seligkeit in verſicherung und hoffnung/ wie dan auch unſer Ca- rechiſmus es nur einen anfang der ewigen Frende/ ſo der Glaubige in ſeinem Herben alhier empſindet⸗ klärlich nennet: Paulus aber im vor⸗ habenden Teyt verſtehet die gante Ernte/ das immerwaͤrende vollkom⸗ mene Liecht der klaren anſchawung/ und das volle überfluſſige Maͤß der gllerſeligſten genieſſung der unzerſtoͤrlichen Himliſchen Frewde und Herrlichkeit/ ſo die Außerwehlten in jenem Leben haben und ewiglich alſo Paulus mit dieſem Spruch gar nicht zu wieder beſizen werden. Iſt dem/ was dißfals an andern orten H. Schrifft bezeuget wird. Bleibet demnach diß eine warhafftige unwiedertrei die Herꝛlichkeit des ewigen Himliſchen Frewden⸗Lebens ſeye ſo uͤber/ na. ſchwenglich groß⸗ daß kein Menſch auff dieſer Welt/ dieſelbe weder mit Gedancken erreichen noch mit worten außſprechen kan. Dan eben das iſts/ welches der Apoſtel in verleſenen Worten unſers Teyts andeuten und maͤnniglich zu erkennen geben will/ wan er ſpricht/ das kein Auge geſehen hat/ und kein Ohr gehoͤret hat/ und in keines Menſchen Hert kommen iſt. Daher berichteter auch/ die worte die er ſelber in ſeiner entzuͤckung im Paradeis gehoͤret/ ſeien unauß⸗ ſprechliche Worte/ die Niemand ſagen kan. 2. Cor. 12. 4. Petrus nennet ſie ebenmaͤſſig eine unaußſprechliche und herꝛliche Ireude 1. Epift. 1.ð. welchem Johannes auch zuſtimmet und ſchreibet/ es ſeye noch nicht er⸗ ſein werden 1. Fpiſt.3.2. Sintemal/ ob ſchon Gott ſchienen/ was wir ſeinen Kindern gibt ſeinen Geiſt/ der alle Dinge erforſchet/ auch die tieffe der Gottheit/ und ihnen durch denſelben offenbaret ſeine Geheim⸗ nus: Dennoch ſo lang ſie in dieſer Welt ſind/ ſehen ſie ſolche Dinge anders nicht als in einemn Spiegel Corʒ. Wan ein Menſch am Ufer des Meeres ſtehet und daſſelbe mit fleiß auff und nieder anſiehet/ ſo kan er doch die tiefe/ die lenge/ und breite deſſe ben nicht erſehen/ ſo viel ſiehet er wohl/ das es ein uͤberauß groß Gewaſſer iſt/ wie groß aber es iheu lich bliche Lehr/ Doctri- Ratio]. 5 Chriſiliche xeichpredigt. lich ſeye/tan er nicht ſehen oder ſagen: alſo wie groß die furtrefflichkeie des Himliſchen Erbtheils der Kinder Gottes/ und wie herꝛlich die See⸗ ligkeit der Außerwehlten in jenem Leben ſeye/ kan weder Menſchlicher verſtand begreiffen /noch Menſchliche Zunge außſprechen: ſo vielton⸗ nen wir allein auß Gottes Wort wiſſen/ daß ſie unendlich ſeye. Und eben das iſt eine von den uhrſachen unſer auß gegenwerti⸗ gem Teyt vorgetragenen Lehr/ warumb wirs mit unſer Vernunſt nicht können ergrunden/ viel weniger daß wirs mit Worten ſolten außdru⸗ cken und gnugſam zul erkennen geben/ wie uͤberſchwenglich groß die Herꝛligkeit des ewigen Lebens ſeye/ weil es ein unendlich Weſen /wir aber eines endlichen Verſtandes ſind: da es dan heiſſet/ was endlich/ iſt nicht faͤhig des unendlichen und der ewigen Himliſchen Freudenguͤ⸗ ter iſt eine ſolche groͤſſe/ daß wir ſie nicht konnen ermeſſen: eine ſolche menge daß wir ſie nicht koͤnnen zehlen: ein ſolches gewicht/ daß wir ſie nicht koͤnnen wiegen: ein ſolcher preiß/ daß wir ſie nicht koͤnnen ſchaͤ⸗ ten: und eine ſolche Lieblichkeit/ daß wir ihrer nicht koͤnnen ſart wer⸗ II. den. Daher/ wan die Glaubigen dermaleins zu vollkommener beſißzung und genieſſung derſelben gelangen werden/ ſo werden ſie nicht ſagen mit David/ wie wir gehoͤret haben/ ſo ſehen wir in der Start unſers Gottes. Plalm. 49. ſondern vielmehr mit der Koͤnigin von Saba/ es iſt uns nicht die helfte geſagt/ du haſt mehr Herꝛlichkeit und Gutes/ den das Geruͤcht iſt/ das wir gehöret haben. 1. Reg. 10. Und deſſen haben wir uns nicht ſo ſehr zuverwundern/ wan wir mr in reiffe betrachtung ʒiehen wollen/ wie noch viel Dinges beydes in der Natur und Scriptur verborgen ſeye/ davonwir keine vollige Wiſ⸗ ſchafft noch grundlichen verſtand haben toͤnnen Wer kanmirrigent⸗ lich ſagen/ was es fuͤr eine bewantnus habe mit der vereinigungwi ſchen dem Magnetſtein und dem Eiſen/ oder wie ſolches zu gehe/ daßei⸗ nes Menſchen Seels ſo feſt klebe an eines andern Serle/ wie von Jo⸗ nathan und David zu leſen. 1. Sam. 15. Unterdeſfen ſehen wir das Werck ſelbſt offt und vielmahls geſchehen. Wer kan doch grundlich erforſchen oder mir ſeiner ſpisfundigen vemunfft außgruͤbein das hohe geheimnus der Menſchwerdung Jeſu Chriſti und der Perſoͤnlichen vereinigung beyder ſo gar ungleicher Namrenin Ihm/ da wir doch wiſſen/ daß ein ſolches wunderbares Gnadenwerct uns Glaubigen ʒu gnt warhaftig geſchehen ſey. Das mcht daß ſolche mn chriſtliche Leichpredigt · 5 wuͤſſe Gottes ſind hohe und tieffe Ding uber ſich zu hell/ under ſich zu tunckel fuͤr Augen /die noch nicht volkomlich erleuchtet ſind. Ja was noch mehr iſt/ ſelbſt unſer geiſtliches Gnaden leben/ welches wir hie al⸗ bereit empfangen haben und in uns iſt/ wird geſagt verborgen zu ſein/ der noch uͤbrigen naturlichen verderbnus/ und das theils zwar wegen woruͤber Paulus ſeuffzet und klaget /Rom. 7. theils auch wegen der ſichtung oder anfechtung des Satans/ worvon Chriſtus redet⸗ Luc. 21 theils endlich wegen der Geiſtlichen verlaſſuug/ worin GOtt ſein CBätterlich Anrlis vor den Seinen eine zeitlang verbirget/ als abzu neh⸗ men auß dem 88 Plalm Gleich wie/ wan die Sonn verfinſtert iſt/ der Mond ſeinen ſchein zu verlieren pfleget/ und wie das Korn unter den Sprewern/ eine Maur unter dem Wintergrün/ und das Ersunter dem Roſt mannigmal bedeckt und verborgen iſt: ey wie ſolte dan das imliſche Frewdenleben den Gʒlaubigen in dieſer Welt nicht vielmehr verborgen ſein? Maſſen paulus klaͤrlich darauff deutet/ waner ſchrei⸗ bet Coloſl. ʒ.3. 4. Ewer Leben iſt verborgen mit Chriſto in GOtt. Wan aber Chriſtus/ ewer Leben/ ſich offenbaren wird/ dan werdet ihr auch offenbar werden mit Ihm in der Hertlichkeit. Auß welchem al⸗ lem dan gnugſam erſcheinet/ die Seligkeit des zukunfftigen ewigen Lebens ſeye ſo uberſchwenglich groß/ daß hie in dieſer Sterblichkeit kein Menſch dieſelbe mit Gedancken erreichen/ viel weniger mit Worten außſprechen koͤnne 111 —— Moͤgen wir dan nicht billig mit hochſter verwunderung ſagen? Ulus I. iſt deine guͤte/ die du verborgen haſt denen/ die dich wie groß/ D Gott/i te foͤrchten/ und erzeigeſt denen/ fur denLeuten auff dichtrawen! auß demzPſalm. aber auch nicht eine ſehnliche begierde und herzliches Iſus I. Solte diß verlangen bey uns erwe wie es bey Paulo gethan hat/ wan er ſagt: Ich und bey Chriſto zu ſein/ welches auch viel beſſer waͤre /Phil. 1. 23. und dieſes ebenmãſſig bey andern Glaubigen ſich befunden hat/ als in deren Nahmen der Apoſtel dieſe Bekantnus thut/ wir ſehnen uns nach unſer Behauſuns/ die vom Himmel iſt/ und uns verlanget/ daß wir damit überkleidet werden 2. Cor..⁊. Enblich troͤſtet euch in Gottſeliger e und ͤberſchwenglichen Himmelsfrende/ die in mancherley anfech⸗ tung cken nach ſolchem allerſeligſten Frewdenleben/ habe luſt abzuſcheiden rwegung dieſer hertlichen Uſus III S W — ———,— — C—„ „ „ — 10 Chriſtliche Leichpredigt. tung/ truͤbſal und wiederwertigkeiten ſehr vertieffet und geangſtiget ſeyt: die ihr mit Hiob muͤſſet klagen und ſagen/ wan man meinen Jam ⸗ mer woͤge/ und mein Leyden zufammen in ein Wage legte: ſo wuͤrde es ſchwerer ſein dan Sand am Meer· kliob. 6. 2.3. ob ſchon ewer Jam⸗ mer noch ſo groß/ ewer Leyden noch ſo ſchwer/ und ewer Kreut noch ſo langwierig iſt/ ſo hat es doch keine proportion oder gleiche mit dem⸗ wovon Paulus hie redet und bezeuget/ daß kein Ange es geſehen/ kein Dhr es gehoͤret/ und in keines Menſchen Herß es gekommen ſeye. Da⸗ her faͤllet er ſelber anderswo das Urtheil hierͤber und ſpricht: Ich hal⸗ te es dafur/ daß dieſer zeit leyden der Herligkeit nicht wehrt ſeye/ die an uns ſoll offenbaret werden. kom. 8.18. Und abermal/ unſer Truͤbſal/ die zeitlich und leicht iſt/ ſchaffet eine ewige und uͤber alle maß wichtige Hertlichkeit/ uns die wir nichtſehen auff das ſichtbare/ ſondern auff das unſichtbare. Dan was ſichtbar iſt das iſt zeitlich/ was aber unſicht⸗ bar/ das iſt ewig. ⁊. Cor. 4.1s. Jã auch euch frommen Seelen /die ihr euch drob betrůͤbet und quelet/ daß ihr můſſet mit ewren Augen ſehen/ mit ewren Ohren hoͤren/ und mit ewren Herten vernehmen/ das ihr nicht gerne ſehet/ hoͤret und vernehmet/ nemlich daß allerley boßheit und gottloſigkeit ſo ſehr uͤberhand nimbt/ daß allerley ſchwere Suͤnden und grobe Laſten in ſo vollem ſchwange gehen/ ja daß greuliche rach⸗ ſcheinende Schandthaten ohne ſcham und ſcheu von etlichen vexuͤbt und betrieben werden/ wie die ſchaͤndliche Leute zu Sodom dem from⸗ men Lor alles Leyd thaten mit ihrem unzuchtigen Wandel/ und quaͤle⸗ ten die gerechte Seele von tag zu tag mit ihren ungerechten Wencken/ die er ſehen und hoͤren můſte.⁊. Pet. 2.7. 8. Seit froͤlig und getroſt/ es wird euch im Himmel wohl belohnet Wer den. Matth.5. r. ihr werdet dafuͤr ſehen /hoͤren und empfinden/ was hie kein Auge geſehen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hert gekommen iſt/ nemlich eine un⸗ begreiffliche/ unaußſprechliche ewigt Her:lichkeit. Aber woher nimt dieſelbe ihren uhrſprung? Pars — chriſtiche Keicpredigt · Pars. II. Olches werden wir jes im zweiten Haupttheil zu vernehmen haben/ da uns Paulus auff Gott weiſet und ferner ſagt⸗ daß Gott dieſelbe bereitet habe/ damit ja niemand meinen moͤchte/ als ob ſie von Menſchen herruhrete/ oder des Menſchen freyer will und eigene kraͤfften darzu im geringſten etwas vermoͤchten/ oder deſſen wurdigkeit und verdienſte der Wercke ein theil davon zuzuſchrei⸗ ben wäre. Durchauß nicht; ſondern Gott habe es bereitet/ ſpricht un · ſer Apoſtel. Bereiten aber heiſſet eigentlich ein Ding vorder Hand zu tuͤnfftigem gebrauch fertig machen. So verſtundens die Juͤnger/ wel⸗ che Chriſtum fragten/ wo wiltu/ das wir bereiten das Oſterlamb zu eſ⸗ ſen Matth 26 17. Und in dieſem verſtande wird alhie auch geſagt/ daß Gott die Seeligkeit bereitet/ das iſt vorhin fertig gemacht und verſchaf⸗ fet habe/ daß ſie kuͤnfftig von ſeinen Erben ſolle eingenommen/ beſeſſen und genoſſen werden. Da mercket wiederumb dieſe lehr. Von der Goͤttlichen bereitung kommme es/ daß die glaubigen Kin⸗ der Gottes eine ſo ůͤberſchwenglich groſſe Seeligkeit nach dieſern Leben zu gewarten haben. Dan das iſts ja/ was Paulus außdrucklich alhier 7 4n. vermeldet/ und auch anderswo/ da er ſchreibet/ Gott habe den glaubigen Altvaͤttern eine ſtatt im Himmel bereitet. Hebr. n. 16. Hiermit ſtimmet allerdings uͤberein/ was Petrus lehret/ wan er ſpricht/ wir werden auß Gottes macht durch den Glauben bewahret zur Seligkeit/ welche zu bereitet iſt/ daß ſie offenbar werde zur letten zeit. 1. Epiſt. 1.j. die urſa⸗ chen hievon ſeind dieſe: A Erſtlich/ weil Soit der Urheber oder erſte Anfaͤnger unſers Heils 75 Jol. iſt/ dem niemand etwas zuvor gegeben/ das ihm muſte wieder vergolten werden. Rom. 1. 35. Sondern der in allem/ was zur ewigen Seligkeit immer von noͤthen ſein mag /eine reiche und vollige bereitſchafft/ lauter von dem ſeinem gemacht hat. Daher ſpricht Paulus der alles bereitet/ das iſt Gott. Hebt. ʒ. 4. daher ſchicket auch dieſe groſſ⸗ Himmels⸗Koͤ⸗ nig ſeine Knechte auß/ den Gaͤſten zur Hochzeit ſeines Sohns zu ruffen und zu ſagen/ Siehe meine Mahlzeit habe ich bereitet/ mein Ochſen und· mein Maſtvieh iſt geſchlachtet und alles bereit/ tommetnr Hoch⸗ zeit/ Matth.⁊2. B2 Dar⸗ 12 Chriſtliche Leichpredigt. Darnach/ weil ſonſt dein Menſchen durch einen andern weg/ als durch die oberwehnte Goͤtiliche bereitung/ z dieſer groſſen Hertlich⸗ keit zu gelangen/ es gantz und gar unmuͤglich iſt. Das war es/ welches Chriſtus den Kindern Zebedei, die in feinem Reich/ einer ʒur rechten/ der ander zur lincken ſitzen wolten/ gnugſam zu erkennen gab/ ſagend/ das ſiten zu meiner rechten und lincken zu geben/ ſtehet mir nicht zu /ſon⸗ dern dehen es bereitet iſt von meinem Vatter/ Matth. 20. 23. Wie aber hat das Gott gethan? wie hat er das kein Ange geſe⸗ hen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hert kommen iſt/ den Nu. lieben ſeinen bereitet? Antwort /ſolgender weiſe: Zuforderſt durch Seine/ als des Vatters/ wige erwehlung/ wes⸗ wegen dan die Außerwehlten genant werden Gefäſſe der Barmhertzig · keit/ die er bereitet hat zur Hertlichkeit. Rom. 9. 23. Auff diß Fnnda- ment wird der Richter aller Welt an jenem Tage denen zu ſeiner Rech⸗ ten den Himmel zu erkennen und ſagen/ Kommet her ihr geſegneten meines Vatters/ ererbet das Reich/ das euch bereitet iſt von anbegin der Welt. Matth. 17. 34. Demnach durch ſeines Sohns theurwehrte Erloͤſung/ als wel⸗ chen er bereitet hat zum Heyland für alle Voͤlcker /Luc.2. z1. und zu einem newen lebendigen wege/ durch welchen wir ſollen in das Himli⸗ ſche Heiligtumb eingehen. Hebr. 10. 20. Welchem er auch zu dem en⸗ de in fulle der zeit einen Leib bereitet hat. verl.ʒ Auff diß hohe gnaden⸗ werck Menſchlicher Erloͤſung/ deutet Chriſtus ſelber/ wan er zu ſeinen Juͤngern ſpricht: In meines Vatters Hauſe ſind viel Wohnungen/ Ich gehe hin/ nemlich durch mein Gyden und Todt/ Aufferſtehung . und Himmelfarth/ euch die Staͤtte zu bereiten. Und ob ich hingienge/ euch die Statte zu bereiten/ will ich doch wiederkommen/ und euch zu mir nehmen/ auff das ihr ſeit wo ich bin. Joh. 14.2.3. und ſehet mei⸗ ne Herꝛlichteir/die mir der Vatter gegeben hat Jſoh. 14. Endlich durch Seines Geiſtes kraͤfftige verſiegelung/ wovon 12 der Apoſtel klaren bericht ertheilet/ wan er ſchreibet/ der uns zu dem ſel⸗ izen bereitet/ das iſt Gott/ der uns das Pfand/ den Geiſt/ gegeben hat. 3 2, Cor.y. 5. 6 Uſus O dan der groſſen uͤberſchwenglichen gnad/ der hohen uner⸗ 7 Eucha- meßlichen Wolthat daß Gott die Stligkeit uns bereitet hat Ein groſſes riſticus. war es/ daß Gott die Welt bereitete/ und dieſelbe mit allerley Creaturen auß⸗ . Chriſtliche Leichpredigt · 13 anßſtaffirte/ und hernach den Menſchen darein ſette die Welt zubewoh⸗ nen und die Creaturen zugenieſſen/ wie ſolches im 3. Pſalm geruͤhmet/ und im 1. Buch Moſe am 1. cap. außfuhrlich beſchrieben wird · So war es auch ein groſſes/ daß Gott den Ifraeliten einen Tiſch bereitet in der Wuͤſten/ und ihnen Waſſer auß den Felſen und Brot vom Him⸗ mel gabe/ als woran ſie ſelber znvor gezweiffelt hatten. Plalm.yð. Dabid kan ſolches wohl erkennen/ deswegen preiſet ers mit danckbarem Ge⸗ muͤhte als eine hohe Wolthat Gottes/ wan er mit dieſen Worten her⸗ auß bricht: Du bereiteſt vor mir einen Tiſch gegen meine Feinde/ du ſa beſt mein Haupt mit Oele und ſchenckeſt mir voll ein/ wie zu leſen im 23. Pſalm/ aber weit weit groͤſſer iſt die Genade/ daß Gott uns bereitet hat eine ſolche Seeligkeit/ die kein Ange geſehen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hertz gekommen iſt. Dan ſo etwas zufinden/ das Uſus in Creus und Trubſal in wiederwertigkeit und verfolgung/ in ſchwerer conſo- Angſt und Anfechtung/ ja in den letten Todesnoͤthe auſſer dem Waſſer halten/ und unſere Hertzen mit kräfftigem Troſte us, ſiercken und auffrichten/ laben und erquicken kan ſo iſts in warheit die⸗ ſes/ daß wir wiſſen/ Gott habe eine ewige und uͤber allemaſſen wichtige Hertlichkeit fuͤr uns bereitet und beygeleget. Diß war Petri Troſt/ wel⸗ chen er auch andern Glaubigen reichlich mittheilet/ wan er ſchreibet/ das nnvergengliche/ unbefleckte und unverwelckliche Erbe werde ihnen im Himmel behalten/ wie zu ſchen 1. Ep.1. 4. Das war ebenmãſſig Pauli troſt/ daß er wuſte/ daß ihm Gott ſeine Beylage bewaren werde.. Tim. 1. nemlich die Cron der Gerechtigkeit/ und daß ihn GOtt von allem ubel erloſen und ihme zu ſeinem Himliſchen Reich außhelffen werde. 1.Tim. 4. Diß war es/ womit Chriſtus ſelber ſeine forchtſame and klein⸗ muͤtige Juͤnger hertzlich troͤſten und erfrewen wolte/ da er zu ihnen ſag⸗ te: Foͤrchte dich nicht du kleine Herde: dan es iſt ewers Vatters wohl⸗ gefallen/ euch das Reich zugeben/ nemlich das Reich der ewigen Glori und Hertlichkeit. Luc. 12. 32. Hierauß koͤnnen die frommen Armen nicht weniger verſichert ſein/ daß Gott ihnen Brots gnu geben/ und ſie in ihrer armuth/ doͤrfftigkeit und mangel keines weges verlaſſen werde. Dan Gott hat fur Sie die Seligkeit und das e vige Leben bereitet/ en ſo wird er ihnen auch das täglich: Brot verſchaffen und nothturfftige Rahrung zu unterhaltung dieſes Lebens bereiten. Ja ſorget Gott fuͤr die Vogel/ daß er ihnen ein Neſtlein in der fur die . 3 da n uns das Haupt latori- 14 Chriſtliche Leichpredigt. daß er denſelben ein Matth. 6. Uſus Aber iſt nun ſolcher geſtalt die Seeligkeit fuͤr uns bereitet/ ſo Admo- můſſen wir hinwiederumb uns zeitlich zu derſelben ſchicken und beret⸗ nito- ten. Das folget nothwendig/ und deſſen erinnert uns mit ihrem Exem⸗ rius, pel die geiſttiche wohlgeſchmuͤckte Brant/ wan wir leſen/ Apoc 19. 7. Die Hochzeit des Lambs iſt kommen/ und ſein Weib hat ſich bereitet. Was muß aber der thun/ der ſich recht und gebůrlich darzu bereiten Media. will Autwort/er muß folgende heilſame mittel zur Hand nehmen·Fůr allen dingen muß er mit warem glauben die Gerechtigkeit Jeſu Chtiſti ergreiffen/ und ſeine Seele damit/ wie mit einem koſtlichen Kleide/ zie⸗ ren/Ela. x. 10. So hat ſich das Weib des Lambs bereitet: ſintemahl ihr wuͤrde gegeben ſich anzuthun mit reiner und ſchoöner Seiden: dieſe Seide aber iſt die gerechtigkeit der Heiligen. Apoc.9. 5. deswegen werden wir ermahnt Chriſtum anzuziehen· Rom.tz. 14 Under ſelber ſpricht/ Ich rathe dir/ daß du von mir kauffeſt weiſſe Kleider/ daß du dich anthuſt und nicht offenbaret werde die ſchande deiner Bloͤſſe. Apoc. 3. 13. Von Natur ſind wir ſchwart und heßlich wie ein Mohr. Jerem. 1z. aber wan wir unſere Kleider waſchen und hell machen in dem Blut des Lambs. Apoc.. ſo wird der Konig lnſt an unſerer ſchoͤnheit ha⸗ ben Plalm.4y. wie Jacob in den Kleidern ſeines Bruders Eſau ſeinen Vatter Iſaac angenehm war und den Segen erhielte. Gen ay. und die Eſther in dem Koͤniglichen Frawenſchmuck dem Koͤnig Ahaſperos wohlgefiel und fur ihm gnad und barmhertigkeit fand fur allen Jung⸗ frawen. Eſth. 2. 2. Darauff muß er mit gebuͤrendem ernſt ſich laſſen angelegen ſein ware Heiligung und mit beſim ůglichſten fleiſſe ſtreben nach guten wercken/ daß er in denſelben reich und fruchtbar moge erfunden wer⸗ den. Das iſts/ worzu Paulus ſolche Leute ermahnet/ waner alſo ſchrei⸗ bet/ dieweil wir nun ſolche verheiſſungen haben/ meine Liebſten/ ſo laſſet uns von aller beſleckung des Fleiſches und des Geiſtes uns reinigen und ſortfahren mit der heiligung in der Forcht Gottes ⁊. Cor.7. 1. Ja das iſts/ was Johannes von ſolchen Lenten bezenger/ wan er ſpricht/ ein jeglicher/ der ſolche hoffnung hat zu ihm/ der reiniget ſich/ gleich wie er auch rein iſt. 1.Epiſt.ʒ. z. Und eben zu dem ende ſeind wir Gottes werck ge⸗ Plauiein in der Erden berdtet/ ey wie vielmehr wird er ſorgen fur die/ denen er die Seeligkeit bereitet hat im Himmel/ maſſen uns unſer gerrewer Heiland unfehlbarlich alſo ſchlieſſen lehret. Chriſiliche Leichpredigt · 6 geſchaffen in Chriſto Jeſuuguten wercken zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat/ daß wir darinnen wandeln ſollen. Eph. 2. o. Zu demende ſendet Gott ſeine Diener auß/ daß ſie ihm zurichten ein bereit Volck. Luc. 1. 17. und geheiligte Gefeſſe/ zu den ehren dem Hauß⸗Herin braͤuchlich/ und zu allem guten werch bereitet. ⁊. Tim.⁊. 21. Wer alſo zur Hochzeit des Lambs ſich Chriſtlich bereitet/ der wird auch mit den funff klugen Jungſrawen unfehlbarlich zu derſelben eingehen. Matth. 25. F— pars 111. — Och iſt uͤbrig der dritte oder leßte Hauptpuntt/ darinnen zu he⸗ %) ſmachten furfält/ der Erbbeſiter/ welche ſich einer ſolchen groſſen S unaußſprechlichen Hertlichkeit werden u erfrewen haben/ hei⸗ lige beſchaffenheit/ ſo von unſerm Apoſtel außgedrucket wird mit die ſen worten/ denen die ihn lieben. Die zu dieſer verſamlung be⸗ ſtimbte zeit leidet nicht/ daß wir uns in außfuͤhrlicher verhandelung des gegenwertigen dritten cheils lange ſolten auff halten/ ſondern wir můſ⸗ ſen zum ende eilen und kurzlich zum beſchluß anmercken dieſe Lehr Nicht alle und jede Menſchen ohn unterſcheid werden gelangenzu der A ſeligen beſizung und genieſſung der zukuͤnfftigen Himliſchen Herꝛlich⸗ keit/ ſondern eintig und allein die Liebhaber Gottes. Das wird nicht nur hie vermeldet vou Paulo, ſondern demſelben wird auch beygepflich⸗ tet von Jacobo als welcher ſchreibet capitt.x.verſ.iꝛ. Selig iſt der Mann der die anfechtung erduldet: dan nach dem er bewaͤret iſt/ wird er die Cron des Lebens empfahen/ welche Gott verheiſſen hat denen die ihn lieb haben. Und abermal capitt.⁊. verſ.y. Hat nicht Gott die Ar⸗ men auff dieſer Welt erwehlet/ die am glauben reich ſeind/ und erben des Reichs/ welches er verheiſſen hat denen/ die ihn lieb haben · Urſach iſt dieſe/ weil den Glaubigen allein/ und ſonſt keinen an⸗Ratio. dern Menſchen verſprochen iſt/ daß ſie ſollen ſelig werden Marc.16 16. Joh. 3. 36. und 24. Run ſind das die rechten Glaubigen /deren glau⸗ be thatig iſt durch die liebe beyde gegen Gott und dem Negſten. Gal.p.&. die da lieben von reinem Hertzen/ und von gutem gewiſſen/ und von un⸗ geferbtem Glauben. 1. Tim. 1. 5. Hie Uſus explo- 4†— rius. Signa. Uſus repre- henſo- rius 2. „ 16 Chriſtliche Leichpredigt. Hie gehe dan ein jeglicher in ſein Herz und průfe ſich/ ob er auch in die anzahl der rechtſchaffenen glaubigen Liebhaber Gottes mit gehoͤ⸗ re? Das wird er unbetrieglich koͤnnen abnehmen bey dieſen zweyen kenzeichen: erſtlich bey dem gehorſam gegen Gott darnach bey der lie⸗ be gegen dem Neheſten. Wer Gott licbet/ der wird ſich befleiſſen ſein Wort und Gebott zu halten. Dan ſo ſagt unſer liebſter Seligmacher ſelbſt: Wer mich liebet/ der wird mein Wort halten. Joh. 14 23. und eben dieſer Juͤnger/ welchen Jeſus ſonderlich lieb hatte ſchreibet hievon: das iſt die liebe zů Gott/ daß wir ſeine Gebott halten. 1. Joh..z. Wer Gott liebet/ der wird auch den neben Menſchen umb Gottes willen lie⸗ ben. Sintemahl diß die arth und eigenſchafft aller rechtſchaffenen Lieb⸗ haber Sottes mit ſich bringet/ wie Johannes wiederumb bezenget ſa⸗ gend/ wer da liebet den/ der ihn gebohren hat/ der liebet auch den/ der von ihm geboren iſt.. Epiſt. 1. Maſſen ſie dan auch durch ein außdruck⸗ liches Gebott darzu verpflichtet ſeind/ welches alſo lautet: diß Gebott haben wir von ihm/ daß wer Gott liebet/ daß der auch ſeinen Bruder liebe. 1.Joh. 4. 21. Ja nicht nur auff die Freunde/ ſondern auch auff die Feinde ſol ſich dieſe Liebe des Neheſten erſtrecken/ wie auß der hieruber gethanen erklärung des Herꝛen Chriſti deutlich zu vernehmen Mattk. 544. Ach wie wollen doch dan immermehr beſtehen die muthwillig und halſtarrige Suͤnder/ die wieder beſſer wiſſen und gewiſſen in aller fleiſchlichen uͤppigkeit/ pracht der Welt und gottloſem Leben wandeln/ und hiemit als ſchnoͤde veraͤchter der Goͤttlichen Gebotte in der that ſich erweiſen. Solten die Liebhabere Gottes ſein? vielmehr ſeind ſie ſeine abgeſagte Feinde. Dan die den Herin lieben/ die muͤſſen haſſen das arge · Plal 97. 10. Hergegen ſeine Feinde fahren fort in ihren Sun⸗ den/ denen er auch deswegen den Kopff ſampt ihrem Haarſchedel zer⸗ ſchmeiſſen wird Plal. 68.22. Was wollen dan auch hierzu ſagen die jenige/ welche in uneinig⸗ keit und zweyſpalt/ zorn und grim/ haß und rachgierigkeit wieder ihren Negſten ſo gar unverſoͤhnlich immerfort leben? Meinen ſie wohl/ daß die liebe Gottes in ihrem Hertzen ſeye? Ich halte es nicht dafuͤr. Dan ſo jemand ſpricht/ ich liebe Gott/ und haſſet ſeinen Bruder/ der iſt ein Luͤgner. Dan wer ſeinen Bruder nicht liebet/ dener ſiehet/ wie kan er Gott lieben/ den er nicht ſieheroleſen wir 1.Joh. 4. 20. Dar⸗ Chriſtliche Leichpredigt. 1 Darumb mein frommer Chriſt/ der du deines ewigen Heils Uſus begierig biſt und weiſeſt/ daß allein den Liebhabern Gottes eine ſo groſſe unermeßliche Herꝛlichkeit im Himmel bereitet ſey/ erwecke und ermah⸗ ne dein Hert je lenger je mehr zu dieſer liebe/ damit du alſo mit gu⸗ tem froligen Gewiſſen dem brunſtigen Liebhaber Gottes/ dem frommen König David konneſt nachſprechen/ anß dem 13. Plalm⸗ Hertzlich lieb habe ich dich Herꝛ meine ſtercke: Herꝛ mein Fels/ mein Burg/ mein Erretter/ mein Gott/ mein Hort/ auff den ich trawe/ mein Schild und Horn meines Heils und mein Schut/ alsdan wirſtu dich auch koͤnnen verſichert halten/ du ſeyeſt mit zu rechnen unter das hãufflein/ welchem Gott/ das kein Auge geſehen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hert gekommen iſt/ von ewigkeit hero auß Gnaden bereitet hat. Nun nnter ſolche Liebhaber Gottes mag billig mit gezehlet wer⸗ den unſere in Chriſto verſtorbene ſelige Matron, der ich ihr Chriſten⸗ thumb und euſſerlichen Lebens wandel betreffend ſehr wohl/ ſo viel mir bewuſt iſt/ diß warhafftige zeugnus geben kan/ daß ſie nach der geſunden Lehr und bekantnus ihres Glaubens ein erbaulich exemplariſches Leben in haltung der Gebotten Gottes gefuͤhret und ein feines Muſter einer rechtſchaffenen Chriſtin geweſen ſey/ andaͤchtig und eyferig in ihrem Gottesdienſte/ mit fleiſſiger beſuchung der Predigten und offtma⸗ ligen ehrerbietigen gebrauch des H. Abendmals/ eines ſanften ſtillen Geiſtes/ ſehr modeſt und zůchtig/ ſo daß ſie den Nahmen Modeſta mit der that gehabt hat/ wie ſie dan auch mit langmuͤtigkeit und gedult viel hat koͤnnen ertragen/ und einem jeden mit ſonderlicher freundligkeit und beſcheidenheit wiſſen zu begegnen. In Summa ſie iſt geweſen ei⸗ ne rechte Tochter Sara, eine kluge Abigail⸗ eine Gottſelige Hanna⸗ eine demuͤtige Maria, ſo daß ſie billig ihrer ruͤmlichen tugenden und fri dfertigen ſizamen wandels wegen von männiglich iſt geliebet und geehret worden. Wiewohl ſie nun mit ſo hertlichen Qualitaͤten und gaben von dem lieben Gott iſt gezieret geweſen/ ſo hat ſie ſich deſſen doch nicht uͤberhaben/ noch darauff verlaſſen/ oder einige groͤſſere wuͤrdigkeit und vollkommenheit ihr vor andern eingebildet; ſondern als eine arme bußfertige Suͤnderin noch in ihrer letten Kranckheit ſich ſuͤr Gott dar⸗ Ser vielfaͤltige Menſchliche ſchwachheiten und fehltritte gern erkant/ offenhertig bekant und inniglich berenet zugleich aber auch durch ein inbrunſtig flehentliches Gebett umb gnaͤdige verzeihuͤng ihrer an⸗ hangenden und begangenen Suͤnden/ ihre zuflucht genommen zu der unendliche n Barmhertigkeit Gottes in Sih Jeſu/ und theu⸗ exhor⸗ tato- Appli- catio ad efun- am. Chriſtliche Leichpredigt. theures vollommenes verdienſt mit warem glauben ergriffen und ſich darauff ganß muthig und getroſt in noht und todt/ im leben und ſterben einzig und allein verlaſſen: wie ſie ſich dan gar fein auch hat wiſſen zu ſtercken mit allerley ſchoͤnen troſtſpruchen H. Schrifft/ und inſonder⸗ heit mit der ſeligen hoffnung und betrachtung der uͤberſchwenglichen Himliſchen Freude und ewigen Hertlichkeit/ ſo allen anßerwehlten glanbigen Kindern Gottes im Himmel beygeleget und behalten iſt. Mit ſolchem Troſt iſt Sie von dieſer Welt geſchieden und nunmehr ge⸗ kommen auß groſſem Truͤbſal zu einem ſuͤſſen Labſal/ auß dieſem irdi⸗ ſchen Jammer und Thränenthal/ inden Himliſchen ehren und freu⸗ denſaal/ vom glauben zum ſchawen /von der hoffnung zur beſitzung/ von einem geringen vorgeſchmack zu einer volkammenen gen ieſſung deſſen/ was hie kein Ange geſehen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hertz kommen iſt/ das Gott bereitet hat denen die ihn lieben. Nun eine ſolche Gnade wolle Uns auch allen miteinander verleihen/ Gott Vat⸗ ter/ Sohn und H Geiſt/ welchem Drey⸗ Eimgen waren G DTT ſey lo b/ ehr/ preiß und danck geſagt in ſeiner Gemeine/ die in Jeſu Chriſto iſt zu aller zeit/ von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen. B Raw Maria Modeſta DOrxille iſt in dieſe Welt geboren al⸗ hier in Heydelberg im Jahr 1601 den 26.Auguſti. Ihr Vat⸗ ter iſt geweſen Her: Ludwig Camerarius, Koͤnigſicher Ma⸗ jeſtät en Schweden und Churfurſtl icher Pfalt geheimer Rath. Ihre Mutter Fraw Maria Modeſta, Herin Gerhard Paſtoirs Churfuͤrſtlicher Pfals geheimen Rath und Canßzlers Tochter. Von dieſen ihren lieben Eltern iſt Sie in ihrer Jugend zu der Gottesfurcht und allen Chriſtlichen tugenden angewieſen und erzogen worden/ in welchen ſie nach und nach dergeſtalt zu genommen/ daß ſie bey den Eltern groſſe Frewde erwecket/ und auff dieſen guten grund ihr folgendes ganges Lelgxruhmlich und woßl fortgeſezt/ auch biß in Ihr endt vollführet hat. Nachdem der liebe Gott die ſchwere verenderungen/ in ihrem Vatterland der Churfurſtlichen Pfals verhenget/ und Ihr Her: Vat⸗ ter ſeiner gnãdigſten Herꝛſchafft in die Frembde gefolget/ auch von der⸗ ſelben hin und wider verſchicket worden/hat Sie mit Ihrer Fraw Mut⸗ ter und Geſchwiſteren/ ſich auch auß dieſen Quartiren weg begeben muůen/ und ſich erſtlich ein zeirlana zu Heilbron/ darnach indem S3 ir — Chriſtliche Keichpredigt. 1 Wirtenberg /ferners zu Nurenberg auffgehalten. Von dannen Ihr Her: Patter nach einer zimlich langen zeit ſeine Fkamiliamzu ſich na⸗ cher Bremen/ daſelbſt er ſich damahlen befunden erfordert/ ſich endlich nach den Niederlanden begeben/ und die Seinige ferners dahin zu ſich gezogen. In allen welchen Reiſen und veränderungen Sie ſo wohl Ihrer Fraw Mutter als beyden Eltern zuſammen/ zu mahlen bey der von Ihnen an denen Orten hernach angeſtelter Haußhaltung/ eine groſſe huͤlff und troſt/ auch eine rechte Zierde des Hauſes/ und bey Je⸗ derman in ſonderbarer achtung und liebe geweſen iſt. Im Jahr 1628. hatſie ſich mit conlens und rach ihrer lieben Eitern ehelich verlobt mit Hern Friderich D'Orville, welcher damah⸗ len zů der au fferziehung und information des Chur Printzen Herten Friderich Henrichs deſignirten Koͤnigs zu Boheimb/ neben andern vornehmen Perſonen verordnet geweſen/ mit demſelben deny. Pecemb. ins Gravenhag Hochzeit gehalten/ und biß in das Jahr 1641. in groſſer lieb und ſriedlicher Ehe gelebet: da ſie durch den toͤdtlichen hintritt ih⸗ res Hertzlieben Ehe⸗Herten in groſſe betruͤbnus und trawrigen Witt⸗ wenſtand geſetzt worden iſt /in welchen ſie auch verharret/ und ihr nichts hoͤhers und mehrers angelegen ſein laſſen/ als wie Sie die Ihr hinder⸗ laſſene Kinder in warer Gottesforcht/ guten wiſſenſchafft und tugen⸗ den ihrem verſtorbenen Ehe⸗Herꝛen und Geſchlecht zu ehren erziehen und auffbringen moͤchte. Wie Sie dan in wehrender ihrer Ehe/ mit Ihrem Ehe⸗Herten erzeuget Sechs Kinder/darvon die erſte ein Sohn und Tochter zeitlich in ihrer Ingend in Niederlandt verſtorben/ in Anno 167 denz. Octobris hat Sie ihren damahlen elteſten Sohn Friderich durch den zeitlichen todt alhier/ und in verſchienenem Jahr den t3. Martitihre Tochter Fraw Suſannam Burckhardin verlohren/ daß alſo noch in dem leben zween Soͤhne/ davon der erſte Her: Johann Joachim Gräffticher Iſenburgiſcher Rath hochbetruͤbt alhier zugegen/ der ander Her: Jacobus Ihrer Fuͤrſtlichen Durchl. zu Zweybruͤcken Secretarius anjetzo auff dem Reichstag zu Regenſpurg abweſend iſt. Nach deme aber Ihr Her: Vatter von der jeniaen Legation/ ſo er eine gute zeit wegen Koͤnialicher Mayeſtaͤt zu Schweden bey den Herten Staden General in Niederland verſehen ſich abgethan/ und mit ſeiner Wohnung naher leiden und Groͤningen begeben/ iſt Sie mit ihrem Haußweſen auch gefolget/ und nach deme Ihre Fraw Mutter nachz Groͤningen dieſes zeitliche Leben verlaſſen/ hatſie ſich bey ih⸗ tem Herin Vatter in ſeinem Hauß eine zeitlang auffgehalten/ und ihme di Haußhaltung verſehen Als Chriſtliche Leichpredigt. Als nun der hochſte Gott das Vatterland Teutſchet Nation mit gnaden⸗Augen angeſehen/ und den lieben Frieden wiederumb be⸗ ſcheret/ dieſem nach ſich ihr Her: Vatter reſolvirt, wiewohl bey ſeinem hohen Alter/ wiederumb in die Churfürſtlichepfalß zu begeben/ hat Sie ſich auch mit demſelben anhero in anno 16r. erhoben/ und nach deme Ihr Her: Vatter bald darauff alhier dieſe Welt geſegnet/ iſt fie dieſes Orthð mit ihren Kindern/ furnemlich die Soͤhne zu den ðtudiis bey zumahl von gnaͤdigſter Herrſchafft wiederumb auffgerichteten Uni- verſitet zu halten/ verblieben/ biß ſie Gott der Her: im nechſt verwiche⸗ nen Jahr 1664 mit Leibskranckheit heimgeſucht/ von deren Sie zwar damahlen auffgekommen/ bald aber darauff die betruͤbte zeitung von Ihrer Tochter Fraw Suſannæ Herꝛen Philips Burckarten ehelicher Haußfrawen gefaͤhrlichen Kranckheit vernehmen muͤſſen/ deswegen Sie/ wiewohl ſelbſt noch unpaßlich/ nacher Hanaw zu ihrer Tochter verreiſet/ aber auff den Weg erfahren/ daß Gott der Herr dieſelbe be⸗ reits/ nach deme ſie zuvor eines jungen Soͤhnleins geneſen/ durch den zeitlichen todt hinweg geruckt gehabt. Welchen harten ſchlag und trau⸗ rigen Fall Sie ʒwar mit groſſer gedult und Chriſtlichem muth getragen/ gleichwol dergeſtalt innerlich empfunden daß Sie von der zeit an/ an Leibskraͤfften mercklich abgenommen/ und endlich auch die ſchuldt der Natur bezahlen muͤſſen/ wie ſie dan am negſt vergangenen Mittwochen vor achttagen/ nemlich den n. Januarii des Morgens umb drey uhr ein ſchleuniges ſchaudern angeſtoſſen/ worauff die hiße erfolget/ ſo auß⸗ wendigzwar gelinde/ innerlich aber heftig und heimlich hinterhattend geweſen Des anderen tages hernach hat man an den Leftzen und Naaß⸗ loͤchern einige ſchwartze Blätterlein verſpuͤhret/ und das obertheil der Bruſt umb das Halsbein zimlich hart verſtopftt. Die naturliche kraͤf. te des Leibs haben ſich gar geſchwinde geleget/ und hat das außwerffen etner geringen ſchleimichten materi, keinen rechten fall oder fortgang haben können. Welches alles dan/ ſampt anderen anzeigungen eine beſorgliche muthmaſſung zum tod gegeben. Und wiewohl allerley be⸗ wehrte heilſame ſachen und krãfftige A ßeneymittel ſind gebraucht wor⸗ den/ ſo hat doch die hefftigkeit der Kranckheit dermaſſen ſtarck angehal⸗ ten/ daß die lebhaftigen Geiſter allgemaͤchlich verſchwunden und ſich verlohren haben /biß endlich ams. Tage ihrer ſchwachheit das Liecht des natůrlichen Lebens gaͤntzlich bey ihr erloſchen/ und Sie den 16. Januarii ein viertel vor zehen Uhr in dem Herren ſanfft und ſeelig entſchlaffen/ ihres alters ʒ. Jahr 4. Monat 23. tage. E R D E.