Hertzens⸗Angſt/ Auß dem MV. Pſalm. v.16. 7. 18. In gehaltener Crauer Croſt und Gedaͤchtniß⸗Predig/ Ben Chriſtlicher Weich Wegängniß Der Wol⸗Edlen/ Groß⸗Ehr⸗ und Tugendreichen Deß Hoch⸗Edlen/ Veſt⸗ und Hochgelahrten Herin GRFGORII T ULSNERI Der Rechten vornchmen Doctoris, und weitberuͤhmten Profeſſoris, auch Fůrſtl. Heſſen Darmſtadiſchen wolverdienten Rahts/ ꝛc. itzo hochbetruͤbten Wittibers/ Eiebſten Ehgattens/ Als Sie den 6. Junij/ Anno 1670. zu Gieſſen in Chriſto ihrem Erloͤſer ſelig entſchlaffen/ und folgenden 10. Tag deſſeiben Monats/ Chriſtlichem Gebrauch nach/ anſehnlich zur Erden 1 beſtattet worden: Erklaͤrtin der Pfar⸗Rirch daſelbſten 6 von JQHANNE NICOLAO MISLERO, . der H. Schrifft Doctore, Profeſſore, Mit⸗Predigern und Superintendenten. 7 7 — „ —— 2—* rꝛede. Die Gnade Gottes deß Vatters/ der Friede Chri⸗ ſti JEſu/ ſam̃t der Lroſi⸗reichen Gemein⸗ ſchafft deß Heiligen Geiſtes/ ſey und bleibe mit uns allen Amen. s die fromme Sarah zu Hebron in der Haupt⸗ ) Stadt deß Landes Canaan mit Tod abgangen/ S meldet der Text/ daß Abraham der glaubige Gott⸗ ſeelige Mann kommen/ dieſelbe zu klagen und zu beweinen/ 1. Buch Moſe ꝛ3. verſ.1. 2. und zwar billig/ und nicht ohne Urſach/ dann er an derſelben verlohren einen treuen wolgerahtenen Ehgatten/ eine Gehuͤlffin ſeines Lebens/ ein Stůck ſeines Hertzens/ ein Cron ſeines Hauſes/ eine heilige Mutter/ welche in ihrem Alter den Freuden⸗Sohn Iſaac er⸗ zeuget. Ein andere Beſchaffenheit hatte es mit der verbotte⸗ nen Klag Ezechiels/ da ihme G Dtt ſeine Augen⸗Luſt durch eine Plage hinweg genommen/ daß er uͤber dieſelbe nicht kla⸗ gen/ noch weinen/ noch eine Thraͤne laſſen ſolte/ Ezechiel 24. verſ. 6. dann damit GDtt 68 beſonders andeuten S 0 4 Chriſtliche Leichpredigt/ len/ daß die Iſracliten ploͤtzlich ʒerſtoͤret werden ſollen/ undnicht einmal Zeit haben Trauer⸗Kleider anzulegen/ ſondern in ihrem Schmuck darvon ins Elend ʒiehen muͤſten; Jedoch dem Pro⸗ pheten nicht verbotten war/ heimlich ſein Web zu beklagen. Dann/ wie natuͤrlich iſt das Weinen: ſo natuͤrlich die Ver⸗ ſtorben Liebgeweſene zu beweinen/ nach dem das Sirach ſaget: Wann einer ſtirbt/ ſo beweine und beklage ihn/ du ſolt hertzlich betrubt ſeyn/ nach dem er geweſt iſt/ cap. 38. v.6.17. Solch Trauer⸗Klag muß anitzo auch fuhren der gegen⸗ wertige Hertzbetruͤbte Wittiber uͤber ſeinen Augen⸗Luſt/ ſeinen Hertzlieben Ehgatten/ eine vornehme Gottſelige Matron. Es beklagen dieſelbe die Nechſt⸗hinterlaſſene/ als ihre Liebgeweſene Freundin. Es beklagen dieſelbe Nohtleydende/ welchem ſie die puͤlffliche Hand gebotten/ und gutes gethan hat. Wir mit den⸗ ſelben beklagen Sie als in Mit⸗Glied unſerer Kirch⸗ Verſam̃⸗ lung/ hatten derſelben laͤngeres Leben wuͤnſchen mogen. Rber/ was hifffts klagen? Was hiffft Ach und Wch ſchreyen? wie es Goit gefallen/ ſo muß es geſchehen/ und al⸗ ſo muß es auch uns gefallen; Sprechen demnach mit David: Siche hier bin ich/ Er machs mit mir wie es ihm wol grfallet/ 2. Buch Samuel. 1. v. 26. Get/ der ſie erſchaffen und ge⸗ geben/ hat auch dieſe unſere Chriſtliche Mit⸗Schweſter wie⸗ derum̃ hinweg genommen; Beroſelben hinterlaſſenen Leich⸗ nam haben wir itzo bey Chriſt⸗anſehnlicher Leich⸗Proceſſion anhero begleitet/ furters in die Erden/ da unſer aller Ruhſtatt ſeyn wird/ verſetzen zu laſſen/ zu ruben biß an den lieben Juͤng⸗ ſten⸗Tag. Damit wir aber bey dieſer Trauer⸗Gelegenheit nicht oh⸗ ne Troſt von einander gehen moͤgen ſind wir entſchloſſen etwas auß Gottes Wortwider den traurigen Anblick deß e ——.—— — Auß dem⁊. Pſalm.v. 16.. 18. 5 lchren und anzuhoren. Daß es aber verꝛichtet werde zuvor⸗ derſt zur Ehre Gottes/ zu Aufferbauung ſeiner lieben Kirchen/ zu Staͤrckung unſers ſchwachen Glaubens/ zum Troſt unſer bloͤden Gewiſſen/ zur Chriſtlichen Vorbereitung auff einen ſanfften ſeeligen Tod/ undzu endlicher Erlangung der See⸗ len Heyl und Seeligkeit. Als wollen wir unſere Hertzen zu GOtr erheben/ und in wahrer Andacht mit einander beten ein glaubiges Vatter unſer /ꝛc. Sie Wort deß begehrten Leich·Textes ſind genommen auß demꝛ6. Pſalmen Dapids/ v. 16. 17. 18. und lauten alſo· Wnd⸗ dich zu mir/ und ſiy ur gnadig/ dann ich bin einſam und elend. Die Angſt meines Hertzens iſt groß/ fuͤhre mich auß memen Voͤhten. Siehe an mein Jam̃er und Elend/ und bergib mir alle meine Suͤnde. Eingang. Swerden fromme Hertzen in heiliger Schrifft al⸗ 2 ſo beſchricben/ und mit ſolchen Namen zum Bllde vorgeſtellet/ daß man n Beſchreibung ij und 6 Chriſtliche Leich⸗Predigt/ und vorßellung gar leicht abnehmen kan/ was es mit denſelbẽvor eint Zuſtand habe in dieſem muͤhſamen chẽ/ und zwar auß viclen eines und anders anzuruͤhrẽ/ ſo werdẽ ſie erſtlichen voꝛgeſtellet als WandersLeut/ weche eine gefůhriche Reis zuchun/ und auff derſelben mancherleh Unglůcks und Zufalle ſich zu befah⸗ ren haben. Zu einem ſolchen Wanders⸗ Mann/ ſtellet ſich daꝛ der alte Iſrael/ da er vor dem Egyptiſchen Konig/ Pharao ge⸗ nandt/ ſunde/ und um̃ die Zeit ſeines Alters gefragt war/ ſpracher: die Zeit meiner Wallfahrt iſt Hundert und Dreiſ ſig Jahr/ wenig und boſe iſt die Zeit meines Lebens/ und lan⸗ get nicht an die Zeit meiner Vaͤtter in ihrer Wallfahrt/ 1· B. Moſe 47. v.9. Gab damit zu verſtehen/ ob gleich ſein Alter/ welches ihn G Dtt hab erꝛeichen laſſen/ ſich ſo weit nicht e⸗ ſtreckte/ daß es den Vaͤttern vor der Suͤndfluch gleich kaͤ⸗ me/ dannoch in der wenigen Lebens„Zeit manch muͤhſelige Reis gethan/ die Bitterkeit dieſes Lebens wol empfunden/ und manchen rauhen Wind ihme unter Augen gehen laſſen/ daß er dannenhero Reiſens und Lebens mud/ ſich nach der Hiliſchen Herberg und ſeligem Leben ſehne. cht anders erʒeiget ſich der Mann nach dem Hertzen G Oites/ der ſaget von ſich auß im 39. Pſalmen/ v.iz. wor⸗ zu er ſich erkenne: Ich bin beyde dein Pilgram und dein Rurger ſpricht er wie alle meine Vaͤtter. Zchen Jahr hat er wol im Elend herum̃ wandern muͤſſen/ und gleich einem Rebhun auff den Bergen gejaget worden/ V. Samas. vo · Dannoch ob er gleich zur Ruh kommen/ und vor ſeinen Feinden ſicherge⸗ weſen/ es dannoch an Unruh und Widerſtand bey Ihmnicht gemangelt/ darum̃ er nicht vergeblich klaget und anzeiget: Ich ſprach/ da mirs wol gieng/ ich werde nimmermehr dar⸗ nieder Auß dem ꝛ6. Pſ. vs.N. 18. 7 nieder ligen. Aber du dein Antlitz verbargeſt/ erſchrack ich/ Pſalm.z0.v.7.8. dann ſo lang der Menſch bey ſeiner Wander⸗ ſchafft in dieſem Leben ſich auffhaͤlt/ iſt kein Ruh/ kein beſtaͤn⸗ diger Fried und Wohnungzu hoffen/ biß er das vMMntvhea die himmeliſche Wohnung erlangt/ davon der Apoſtel Troſtlich ſagt: Unſer Wandel iſt im Himmel/ Philipp. 3. v. ꝛ0. und eine Chriſtliche Seele ſeufftzet: Ich hab vor mirein ſchwere Reiß zu Chriſto in das Paradeis/ da iſt mein rechtes Vatterland darauf er ſein Blut hat gewand. Darnach werden auch from⸗ me Hertzen in Heiliger Schrifft beſchrieben als Streiter und Kaͤmpffer. Hart gehet es wider wo ein Menſch ſeinem Beruff nach/ in einen leiblichen Streit uñ Kampf zu tretten hat/ daſelbſt Leib und Leben zu wagen/ als da Davidmit dem un⸗ geheurigen Rieſen in ein Kampf trat/ 1. Sam. 17. v 30 Pau⸗ lus zu Epheſo mit den wilden Thieren gefochten/. Corinch.i. vʒꝛ. Noch gefaͤhrlicher ſichet es um̃ die Kaͤmpfer/ welche mit allerley Geiſtlichen Anfechtungen/ Suͤnd/ Tuuffel und Holl zu kaͤmpffen haben/ da gehoret Krafft und Muht zu/ in ſolchem Treffen recht außzuhalten/ und den Sieg davon zu tra⸗ gen. In demſelben iſt wol geuͤbet worden der gedultige Mann Hiob/ da er ſagt: Muß nicht der Menſchimmer im Streit ſein/ und ſeine Tage ſind wie eines Taglöhners/ Hiob.v. v.1. Allenthalben waren wir in Truͤbſal/ außwendig Streit/ inwen⸗ dig Furcht/ ſagt der Apoſtel ⁊. Corinth.?.v.ð. dem Frommen nimmer faͤhlt an Streit/ zu kaͤmpffen hater alleʒeit. Doch iſt er auch verſehen/ mit geiſtlichen Waffen/ wo er ſich deren im Streit gebrauchet/ Ihme nichtkan mißlingen. Preces& la- crymæ arma ſunt Eccleſiæ, viel Betten und Zaͤhren ſind der Frommen beſi Wehren. Ambroſius einer auß den alten Lehrern ſaget; Ein Kaͤmpffer/ wann er nicht zuvor im Kampf⸗Plan ſich * 8 Chriſtliche Leich⸗Predigt/ ſich wol geuͤbet/ darff er ſich nicht zum Kampf wagen. Tag und Nacht muͤſſen wir uns auffhalten in quadam Scriptura- rum palæitra in einem geiſtlichen Kampf⸗Plan/ Gottes Wort andaͤchtig zu erwegen/ damit wann der Feind ſich an uns machen wird/ wir demſelben unerſchrocken aus Gottes Wort entgegen ſtehen koͤnnen. Sagt demnach eine glaubige ſtreitende Stele: Lehre mich O GOTT allhierecht ſtreiten/ wider mei⸗ ne Feind zu allen Seiten/ daß ich ſelbe glaubig uͤberwinde/ und den rechten Sieg im Himmel finde. Endlichen werden auch fromme Hertzen vorgeſtellet als Elende/ uͤber welche alle Wetter gehen/ Eſai. ʒ4. v. u. wie ein Baum auff freyem Feld viel Anſtoß hat von Winden undlUn⸗ gewittern/ von voruͤbergehenden Menſchen und Vich: Allſo der elende Menſch von allem Creutz und Ubel Anſtoß ʒu erleiden hat daß deſſelben Leben/ wie kurt es auch iſt/ iob billich nennet/ voll Unruhe/ Hiob 14. v.i. Frage nach den Kindern GOttes von Adam biß hieher/ ob ſie gehabt Freud ohne Leid/ Frieden ohne Uneinigkeit Ruh ohne Forcht/ Geſundheit ohne Schwachheit/ Liecht ohne Finſternůß /Lachen ohne Trauren/ ſie werden gewißlich aus einem Munde antworten: An Trau⸗ ren und Trubnis/ an Jammer und Elend hats unß nicht gemanglet/ nach dem bekanten Schlußder Apoſten: Durch viel Trubſal muſſen wir in das Reich Sottes gehen/ Apoſt. Geſchicht.i4. v.⁊x. Und gleich wie ſolch Elend durch das gantze menſchliche Leben hindurch gehet: Alſo bleibet es auch nicht aus in dem letzten Todes⸗Kamfpf/ da es heiſſet: Niemand wid gekroͤnet/ er kaͤmpffe den recht/ ꝛ. Timoth. ⁊. v. 5. Werhier wol auſhaͤlt/ der kompt dorten glůcklich an/ und weram letzten daniederiigt/ wird dorten ewiglich liegenbleiben. Deſwegen ſo ſeufftzet und betet eine glaubige Seele: Iſt allhier des Elen⸗ des des viel/ hat es doch ſein Maß und Ziel/ gib/ daß ich wol kaͤmpfe hier/ und dort ewig triumphir. Zu dem Ende ſich dann auch David allen rechtſchaffenen Wanders leuten/ Kaͤmpfern ñd Elenden zur Nachfolg dargeſtel⸗ let/ wohin ſie in ihrer Wanderſchafft/ Kampff/ Angſten und No⸗ then ſich wenden und Huͤiff erlangen ſollen/ nemblichen zu dem Troſt Iſraels/ und aus glaubigem Hertzen beten: Wende dich zu mir und ſey mir gnaͤdig/ denn ich bin einſam und elend;dieweil dann auch unſere in Gott ruhende Chriſtliche Mit⸗Schweſter Ihr dieſe Wort lieb ſein laſſen und zů ihrem Leich⸗Tert außge⸗ ſehen/ als wollen wir auch zu deren letztem wolverdientem Ehren⸗ Gedaͤchtnis/ ohne fernern Eingang/ dieſelbe vor unß nehmen/ die Wort erſtlich nacheinander erklaͤren; Hernacher auch be⸗ ſchen wie frommer Chriſten Stand/ ein einſamer Angſi⸗ und Suͤnden⸗Zuſtand ſy/ und wieſie ſich darinnen zů ver⸗ halten haben. Worzu dann G Dtt der himliſche Vatter beydes im Lehren und Horen ſeines Geiſtes Genad und Krafft mildig⸗ lich verleihen wolle/ Amen. Brklaͤrung des Textes. — Je Wort des vorhabenden Leich⸗Textes ſind ge⸗ Mnommen auß demꝛ. Pfalmen/ welchen wir nicht N unfüglich nennen koͤnnen: Pſalmum Alphabeta. — rium, einen Pſalmen in welchem der Dichter deſſel⸗ ben ſich ſonderlicher Art und Kunſt gebraucht/ daß er einen jeglichen abſonderlichen Vers angefangen nach der Brd⸗ nung des Hebraͤiſchen Alphabetes außgenommen in einem Buchſtaben/ wie auch ſonſten in andern Pſalmen/ und in den B Klag⸗ 10 Chriſtliche Leichpredigt/ Klag⸗Liedern Jeremiæ/ ſolch Kunſt⸗Stuck gefunden wird/ wormit ſich der Pſalml⸗Tichter als mit einer beſondern in· vention und Art zu ſingen und zu beten beluſtiget/ dem dann auch Sedulius und andre Geſang⸗Tichter gefolget/ entwe⸗ der im Geſang die Melodi darnach zu richten/ oder der Memori dardurch zu helffen/ daß man ſolche geiſtliche Lieder deſio eher ins Gedaͤchtniß bringen koͤnne/ nach den Vrdentlich geſetzten Initial⸗Buchſtaben. Was der heilige Geiſt hierunter geſucht/ auß deſſen Eingeben dieſer Pſalm geſtellet/ iſt eben ſo genau nicht bekant/ auch nicht ʒuwiſſen notig/ wir laſſen es darbey be⸗ wenden/ dz in dem geiſtlichen Alphabeth des 25. Pſalmen in einem jeglichen Vers ſo viel zu finden/ daß wir immer Abecedarii bleiben/ und die Tag unſers Lebens daran werden zu lernen ha⸗ ben/ und doch den tieffen und hohen Verſtand nicht genugſam werden faſſen noch⸗erlernen koͤnnen. Und dahin gehet auchun⸗ ſer vorgenommmne Teyt/ der ſich mit dem P. pench anfaͤhet. Wende dich zu mir/ und brauchet Davidein ſolches Wort/ genommen von einem der ſich hin und wieder wendet/ und das Angeſicht nicht beſtaͤndig zu einem gerichtet hat/ ſondern bald auff und nieder gehet/ bald hin/ bald dorthin ſichet/ ſtellet ſich/ als wann er eines/ den er vor ſich hat/ gar nicht achte/ ſondern einen ſolchen Unmuthauff ihngefaſſet/ daß erauch denſelben kaum vor Augen leiden mochte. Allſo ſtellet ſich der Koͤnig Ahaſveros ungeberdig gegen den ſtoltzen Haman/ als er einen Zorn und Ungenad auff ihngeworffen/ das Buͤchlein Eſther meldet: der Konig ſtund auff vom Mahl in ſeinem Grim̃/ und ging in den Garten am Hauſe. Und Haman ſtund auff/ bat bey Eſther um̃ ſein Leben/ danner ſahe/ daß ihm ſchon ein Un⸗ glůͤck vom Konig bereitet war/ Eſth. 7. v.7. Ein ſolch verſtellt⸗ und grimmiges Angeſicht will David in ſeiner Bitt et — — Auß dem ꝛ6. Pſalm. v. 16. r. 18. u det haben/ ligt aber dagegen G Ott dem HErim an/ daß er ſein Vaͤtterliche Genad/ und Huůlff⸗reiches Angeſicht zu ihm kehren wolle nicht mit ihm nach Verdienſt handelen/ ſonſt wuͤſte e gar wol/ was das vor ein boſes Stuͤck/ ſo ein weiten undgroſſen Schied zwiſchen ihm und GOtt mache: Euere Untugend ſcheiden euch und eueren GOtt von einander/ und euere Suͤn⸗ de verbergen das Angeſicht von euch/ daß ihr nicht gehoͤret wer⸗ det/ ſagt Eſaiao. v.ꝛ. Suͤndiget der Menſch ſo tritt er von GOtt/ und GDtt weichet von ihm/ verbirget ſein Angeſicht; Thut er Buß/ ſo kompt er wieder zu GBtt/ und GOtt kehret ſein Genaden Angeſicht wieder zui hm/ nach dem der HErꝛ beym Propheten ſaget: kehret euch zu mir ſo will ich mich zu euch kehren/ Zachar.i.v.z. Darneben erkennet der andaͤchtige Beter/ daß er ſolches nicht verdienet/ ſey nicht werth ſolches gnaͤdiges Anſchen/ darum̃ thut erhinzu und ſey mir gnaͤdig. Deine Ge⸗ nad/ DO HErꝛ/muß alles außrichten/ mein Thun kan es nicht erlangen. Wiltu/ GDtt zoͤrnen und nach Verdienſt abloh⸗ nen/ ſo iſt es bey dir recht/ wilt du gar Hand ab thun/ und mie Zorn darein ſchen/ ſo kan dirs niemand wehren noch dich dar⸗ von abhalten. Aber laß Genad vor Rechtgehen/ Lindigkeit vor Strengigkeit/ dann du ja Tauſentmal geneigter biſt zu erbarmen und Genad einzuwenden/ als zu zoͤrnen und zu ſitraffen. Zoͤrneſt du/ gerechter G Dtt/ ſo kom̃t ſolches von mir/ ich gebe Urſach darzu: Biſtu gnaͤdig/ ſo iſt ſolches von dir allein/ dann dein gottliches Weſen anders nichts als eine un⸗ außloͤſchliche/ flammende Lieb iſt. Darum̃ du auch mir dieſel⸗ be wolleſt erweiſen/ meiner ſchonen mit ſtraffen/ mich erfreuen im Leiden/ mich troͤſten in Truͤbſal/ mich erhalten in dem Tode. B2 Setet 11 Fhriſtliche Leich⸗Predigt. Setzet auch Urſach dieſer ſeiner ernſtlichen Bitt hinzu: Dannich bin einſam und elend. Was es um̃ die Ein⸗ ſamkeit vor ein trauriger Zuſtand ſey/ zeuget Salomoh/ wann er ſpricht: Wch dem/ der allein iſt/ wann er fallet/ ſo iſt kein ander der ihm auffhiffft/ Prediger Salom. 4. v. i0. In ſolchem Stand vergleicht ſich David einem Rohrdommel in der Wuͤſten/ einem Kützlein in den zerſtoreten Staͤdten/ einem einſamen Vogel auff dem Dache/ Pſalm. iꝛ. v.7.. Die Gottſeligen Alten haben den Wittiben⸗ Stand/ da ein zu⸗ ruck gelaͤſſener Ehgatte in der Still und Einſamkeit lebet/ verglichen mit dem Turtel⸗Taͤubelein/ welches einſam ſihe/ kirꝛend auff einem důrren Aſte/ trincke auß truͤbem Bach/ und finde ſich bey keiner Geſellſchafft anderer gefluͤgelten Thicre. Vb gleich David in ſolchem Zuſtand ſich nicht befunden/ iſt er doch einſam geweſen deſertus& ſolitarius. In der einſamen Wuͤſten hat er můſſen herum̃ vagiren/ ward verlaſſen von ſei⸗ nem Weib/ welches ihn verſpottet; von ſeinem eigenen Sohn/ der ihn verfolget/ von ſeinen eigenen Leuten/ welche ihm zugeſe⸗ tzet/ denen er ſich ʒuvor vertrauet/ haben von ihme abgeſetzet/ und ſind untreulich mit ihme um̃gangen. Er ſichet aber noch weiter in ſeiner Einſamkeit/ da er ʒuvor G DTT boy ſich/ und auff ſeiner Seiten gehabt/ ſchiene es nunmehro/ als laſſe er ihn allein/ und ohne Hůff ſtehen/ und weiche fernevon ihm ab· Den⸗ ſelben gleichſam wiederum̃ ʒu ruͤcke ʒu bringen/ und bey ſich zu behalten/ ſeufftzet er im 10. Pſalm/ verſ. HERR/ warum̃ tritteſtu ſo ferne? verbirgeſt dich ʒur Zeit der Noth⸗ Als wolt er ſagen: Du wirſt dich auch wiederum̃ zu mir/ als einem ein⸗ ſamen Mann/ kehren/ und mich deiner gnaͤdigen Beywohnung genieſſen laſſen. Daß Auß dem28. Pſalm. v. 16. 17.18. 37 Daß er ſo aͤngſtiglich bitiet/ iſt vors ander die Urſach/ dieweil er elend/ egenus& pauper, nicht eben leiblicher Weiß in Armuth ſtecke/ wie er dann auch ſonſten in ſeinem exilio mehr⸗ mals nit viel uͤbrigs gehabt/ daß er um̃ Lebens⸗ Mittel anſprechen laſſen bey Abimelech /. Sam.x.v.z beym Nabal/ Sam. a6. v.8 ſondern inſonderheit ſein geiſtliches Armuth an Tag gibt/ daß er eines betruͤbten demuͤtigen und ʒerſchlagen Hertzens ſey/ welches ſich G Dtt in Gnaden annehmen und heilen werde. Solitatius plus diligitur, pauperrimus plus doletur, ſaget einer auß den Alten: Den Einſamen liebet man mehr/ deß Armen erbarmet man ſich mehr. Bey GDtt findet dieſes Statt/ der iſt nahe bey denen die zubrochenes Hertzens ſind/ und hilfft denen die zuſchlagen Gemuͤht haben Pſalm. 34. v. 19. Chriſtus unſer Heyland ſaget: Selig ſind die da geiſtlich arm ſind/ dann das Himmelreich iſt ihr. Selig ſind die da Leyd tragen/ dann ſie ſollen getroͤſtet werden/ Matth.j. v. 3. 4. Weiter beklagt ſich der König David: Die Angſt meines Hertzens iſt groſt. Min iſt anders nicht zu Much/ will er ſagen/ als einem/ der vom Feinde in einer Stadt oder Ve⸗ ſtung belagert iſt/ daß er weder auß noch ein weiß/ in welchem Verſtand das Wort/ in ſeiner Sprach befindlich Zaròth ge⸗ brauchet wird im ⁊8. Capitel deß 5. Buch Moſis v. 53. da ſie⸗ het. Deine Feinde ſollen dich draͤngen und aͤngſten in allen dei⸗ nen Thoren. Dder will ſeine Aengſten vergleichen/ der Angſt einer Gebaͤrerin/ davon der Prophet ſaget: Meine Lenden ſind voll Schmertzen/ und Angſt hat mich ergrirffen/ wie eine Ge⸗ baͤrerin/ Eſa. x. v. z. da niemand helffen kan als G Ott allein/ ſolche Beaͤngſtigung und Einſtrengung falleihn an/ daß er gleichſam eingeſperꝛet und eingeſ— ſch. Deroſelben iij e 14 Chriſiliche Leich⸗Predigt. ſegibt er zu verſiehen mitunem nachdencklichen Wort inder H. Grund⸗Sprache/ welches ſo viel heiſſet/ als wie ein groß Waſ⸗ ſer⸗Fluchuͤberſchwemmen. Von welchen Aengſten die Iſraeli⸗ tiſche Kirch ſaget: Wem ſoll ich dich vergleichen/ damit ich dich treſten mochte? Dann dein Schaden iſt groß/ wie ein Meer/ wer kan dich heilen? Klag⸗Liederꝛ v. 13. Gleichwie man nun die Tropffen in einem groſſen Waſſer nicht zaͤhlen kan: Alſo auch alle Aengſten und Nohten/ ſo auff die Frommen zuſtoſ⸗ ſen/ nicht alle zu beſchreiben. Da findet ſich Schulden⸗ Angſt/ welche David /ñd ſeine bey ſich habende Maͤñer druckte/ Sam B. 22. v.a. Nahrungs⸗Angſt/ wecheinem Men⸗ ſchen wegen deß Zeitlichen hart ʒuſetzet/ dergleichen Leut zu ſeiner Zeit Salomoh vorſich gehabt/ welche ihr Hers ſich aͤngſten laſ⸗ ſen/ wie es in der Welt gehen ſoll /Prediger⸗Buchz vn. Suͤn⸗ den⸗Angſt/ welche den Heiligen offt ſo warm macht/ daß ſie ihnen wie ein ſchwere Laſt/ auff Hals und Hertzen ligt/ Pſalm. 38. verſ.. Sterb⸗und Todes⸗Angſt/ wann nunmehro das letzte Stundlein komit/ und der Menſch Rechenſchafft ge⸗ ben ſoll von ſeinem gefůͤhrten Leben und Wandel/ da haͤuffen ſich allererſi die Aengſten deß Hertzens/ hun ſich weit und breit hervor/ daß denſelben niemand ſteuren kan. Was hier vor Raht? Wiehat man ſich unter denſelben hervor ʒu bringin⸗ Menſchliche Kraͤffte ſind da viel zu gering/ es gehoͤret ein allmaͤchtige Hand darzu/ nach welcher ſich der ge⸗ aͤngſtigte David wendet und bittet ferner Fuhre mich auß meinen Noͤhten auß meinen preſſuren und beſchwerten/ die mich drucken wann da kom̃t der Tag deß Grimmes ⸗ ein Tag der Trubſal und Angſl/ Zephan 1.v. 5 da dergleichen Wort in Auß dem25. Pſalm/ b. 6.7. 18. 16 in ſeiner Sprach zu finden. Wo da iſt ein Vir anguſtiarum, wie die Maͤnner Davids/ genennct worden 1. Sam. 22.v. 2. der wendet ſich zu ſeinem Gott. Solcher eingeſchraͤnckter und beaͤngſugter Mann ward David/ darum̃ ſaget er: Fůhre du mich herauß. Duhaſt eine willige Hand/ die du den gan⸗ zen Tag außreckeſt/ darum̃ wirſt du mich auch gerne außfuh⸗ ren. Du haſt eine allmaͤchtige Hand/ darum̃ kanſt auch du mich außfuͤhrendu haſt eine heilende Hand darum wirſt du auch mein Schaden und clend ʒu ſtillen wiſſen. Viel maͤchtiger/ viel williger und behender/ als etwann dann geſchehen mag/ der in Waſſers⸗Nohten ſtecket/ dem man etwann mit einer außge⸗ ſtreckten Hand/ Schuff oder Seil zu Huͤlffe kommt/ und auß der Noch herauß hiffft/ dann auß aller Noth erꝛettet GVtt/ wil⸗ lig und bald/ feſt an ihm halt/ ſein Huůff allʒeit iſt mir bereit. Ferner/ und zum Dritten/ bittet David/ daß S Vtt ſein Jammer und Elend anſchen wolte: daß er allhier in einem rechten Thraͤnen⸗Thal gelebet/ gibt er genungſam zu verſte⸗ hen/ in dem er ſich bald nennet einen Einſamen/ einen Elen⸗ den/ und Verlaſſenen/ bald einen der in Aengſten und Noͤhten biß uͤber die Bhren ſtecke. In dieſem Gebet klaget er/ wie er mit Angſt und Bekuͤmmernuͤs gleich als mit groſſer ſchwerer Hand⸗Arbeit beladen ſey/ dergleichen Wort in ſeiner Sprach von den Iſraeliten gebrauchet wird/ daß ihr Hertz bæamãl mit Ungluck und beſchwerlicher Arbeit/ geplaget worden/ daß ſie da lagen/ und ihnen niemand halff/ Pſalm. 10 verſ.. Die tapffere Jarl ergrieff malleum amelim, das Inſtrument deren Arbeits⸗Leut/ welche in Stein/ Erßz und Eiſen arbei⸗ ten/ Herꝛ Lutherus giebts im Teutſchen den Schmid⸗ Ham⸗ 16 Ehriſiliche Leich⸗Predigt. amer/ B. Richur;. v.6. wie ein Schmid bey ſeinem Rnboß ſcyn/ und ſich můͤde arbeiten muß uͤber der Eſſe/ Sirach ʒ. va. Alſo ligeihm auch muͤhſame Arbeit/ Elend und Un· glůck auff dem Halſe/ daß er darunter ſich nicht erholen koͤnne; Bb gleich ohne das der Menſch nach dem Sunden Fall/ lea- mil ʒu Ungluck geborn/ nach Hiobs Auſſag Cap.ʒ. v7. ſo treffe es ihn doch mehr als andere/ beruͤhꝛe ihn hefftiger als an⸗ dere. Darum̃ brauchet er ſein rech, Sich es an/ lieber GPtt/ laß nicht nur allein deine Augen daruber hingehen/ ſondern faſſe es zu Hertzen/ ni dichs in Gnaden an/ daß ich alſo belaͤſtiget bin. Stetzet endlichen hinzu: Vergib mir alle meine Suͤnde: Zeiget damit an/ daß die Haupt⸗ Quell und lUhr⸗ ſprung alles boͤſen ſey/ die Suͤnde/ wo deroſelben bſen Außfluß und Anſtoß koͤnnen geſteuret werden/ da wurde ſich alsdann al⸗ les ngluck verlieren · Aber dieſelbe iſt allʒu tieff eingewurtzelt/ deßwegen auch Jammer und Elend/ als der Suͤnden Fruͤchte/ in dieſem Leben nicht weichen/ noch auſſen bleiben werden In ſei⸗ ner Sprach wird das Woͤrtlein Vergeben/ mit einem ſolchen Wort dargethan/ welches der Prophet dem Herrn Meſſiæ bey⸗ lud auff ſich unſere Schmertzen Aber er iſt niñ unſe- rer Miſſethat willen venvundet/ Eſaiæ.ʒ. v 4.ſ. Als wolt er ſagen· Ognaͤdiger H ERR und GD T T ob mirſchon das Suůnden⸗ Ubel immer anklebt/ und um̃ deſſelben willen/ Creut/ Jammer und Elend/ ſo weiß ich doch/ daß um̃ deines lieben Sohns/ deß ver prochenen Heils und Helffers willen/ an den ich mich in Kindlichem Vertrauen halte/ alle meine Suͤnde weggetragen/ abgethan und vergeben ſein ſollen/ ſo ge⸗ wiß als er zů ſeiner Zeit durch ſein Leyden und Tod darvor be- zah⸗ leget inden Worten: Fuͤrwahrertrug unſere Kranckheit/ und — ——.———„——„— —— Auß dem ꝛ8. Pſalm/ b.6. m. 1. 7 ʒahlen und genug thun wird. Ei wol nun den jenigen/ ſelig uͤber ſclig/ denen die Ubertrettung vergeben ſind/ denen die Sunde bederket iſt/ Pſalm 33. v.i. und ſo viel von der Erklaͤrung deß Tctes. Pehr⸗Stuͤcke. Jerauff wollen wir/ in der Forcht GOttes/ weiter Ws beſchen/ was es dann mit der Chriſten⸗Stand vor J eine Beſchaffenheit habe/ nach dem wir bißhero n die Jammer⸗Klag Davids angehoret. Erſtlichen haben wir denſelben nach den Worten Davids anzuſchen/ als einen Stand der traurigen Einſamkeit/ darinnen ſichs offtmals begibt/ daß Trauren und Betruͤb⸗ niß einfaͤllt/ woruͤber fromme Hertzen in die Gedancken gera⸗ then/ ſie ſeyn gantz einſam und verlaſſen/ traurig und elend iſt es/ wann es nach GVttes Schickung dahin kommt/ daß das Eh⸗Wab klagen muß: Ich bin eine Wittwe/ ein Weib daß Leid traͤgt/ und mein Mann iſt geſtorben/ ⁊. Buch Sam. 14. v.5. Traurig und elend iſt es ʒu vernehmen/ wann von dem Manne/ gleich wie von Ezechiel muß geſaget werden: Um̃ den Abend ſtarb ihm ſein Weib/ Ezechiel ⁊4. v. 18. Traurig und betrůbt iſt es zu hoͤren/ wann die Mutter mit betrubter Stimme wren frommen Kindern nachſchreyen: Zichet hin/ ʒichethin ihr keben Kinder/ ich aber bin verlaſſen einſam/ Baruch4.v19. Traurig und mitleydend iſt die Stimm deß Vatters/ wann ſie mit Jacob dem Patriarchen alſo muß gefuͤhret werden: Joſeph iſt nicht mehr vorhanden/ Simeon iſt nicht mehrfur⸗ handen/ Benjamin wolt ihr hinnchmen/ es gehet alles uͤber mich/ 1 Chriſtliche Leich⸗Predigt/ mich i. Buch. Moſes 4ꝛ v. ʒ Ich muß ſeyn/ wie eiuer der ſeiner Kinder gar beraubet iſt/ Cap. 43. v. 14. Traurig und clend ſtehet es/ wann die Kinder der Waiſen Klag fuͤhren muͤſ⸗ ſen: Mein Vatter und meine Mutter verlaſſen mich/ Pfalm. 27. v. 10. Wir ſind Weiſen und haben keinen Vatter/ unſere Muͤtter find wie Witwen/ Klag⸗Lieder 8. v. 3. Noch viel trauriger und klglicher ſichet es/ wann die betruͤbten Ge⸗ dancken auffſteigen/ daß man auch von Gott einſam und ver⸗ laſſen ſey/ wie ſich die geiſtliche Zion beym Propheten hoͤren laͤſſet: Der HErꝛ hat mich verlaſſen/ der HErt hat mein ver· geſſen/ Eſai. 49. v. 14. und die elende Gefangene zu Babel die Klag fuͤhren: Er hat meine Wege vermauret mit Werck⸗ ſtuͤcken/ und wann ich gleich ſchreye und ruffe/ ſo ſtopffet er die Ohren zu vor meinem Gebett. Er hat ſich mit einer Wol- cken verdeckt/ daß kein Gebett hindurch kunte/ Klag⸗Liderz. das iſt dann wol ein trauriger Zuſtand der Einſam⸗ eit. Was iſt aber bey dieſem Zuſtand vor Troſt zu ſchopf⸗ fen? wie hat ſich ein xinſames Hertz ʒu bezeigen? Ach es hat zu gedencken/ daß ja beſſer ſey ein einſamer Chriſt in ſeiner Froͤm⸗ migkeit/ als ein geſelliger Menſch in Gottloſigkeit. Quo ma- jor eſt populus, cui miſcemur, hinc periculi plus eſt, Je mehr die Leuthe ſeyn/ mit welchen wirʒu thun haben/ jegroͤſſer iſt die Gefahr darinn wir ſchweben/ ſagt der weiſſe Heyd Seneca. Daß dannenhero nicht unbillig nach den alten Reimen geſagt wird: Jelaͤnger/ je lieber ich bin allein/ dann Treu und Lieb iſt worden klein. Iſt ein Mann in Einſamkeit/ in derſelben kan er ſein Gebett deſto unverhinderter zů GOtt ſchicken/ und gedencken: Der H E RR hat ſein Luſt an mir/ der iſt mein liebſier Bule/ Eſa.&ꝛ. v4.ʒ. Klaget das Web ͤber eit „————*— Auß dem ⁊6. Pſf. v.i6.N.1. 19 keit/ ſie troͤſte ſich/ daß ſie nicht einſam/ der dich gemacht hat iſt dein Mann/ HE RR Zebaoth heiſſet ſein Name Eſa.S4. v. 5. Eitern troͤſten ſich in Einſamkeit/ wegen der Kinder/ der H E R R hat ſie genommen/ Hiob.i.v. xu. Der H E R R wird ſie euch wiedergeben mit Wonne und Freude ewiglich/ Baruch 4. v. 23. Klagen betruͤbte Waiſen uͤber die Einſam⸗ keit/ ihr Troſtiſt ihnen von Chriſto verſprochen/ wie auch al⸗ len ihme ergebem Hertzen· Ichwil euch nicht Waiſen laſſen/ ich komme zu euch/ Joh. i4. v. 18. Solt auch ſchon ein Mut⸗ ter ihres Kindes vergeſſen/ ſo will ich doch dein nicht vergeſſen/ ſiche/ in die Haͤnde hab ich dich geʒeichnet/ ſpricht der HErꝛ⸗ Eſa. 49. v. 15. 16. Hat dann GOTT die Einſamein ſeinen Denck⸗Zettel auffgezeichnet/ in ſein heilige Haͤnde getrucket/ daß er ſie immer vor Augen hat/ wie ſollen ſie dann einſam und allein ſeyne Mangelt es ſchon an treuen Leuten auff Erden/ die um̃ ihn ſind/ ſo iſt doch G Dtt mit ihm/ der ohne das ein GOttiſt/ nicht von ferne/ ſondern der nahe iſt/ Jerem. a3. vaʒ· Chriſtus iſt mitten unter uns/ Matth. 18. v. ⁊0. der H. Geiſt wohnet in uns/ hat ſeinen nTempeli in uns/ 1. Cormth. 3 v. 16. die heiligen Engel ſind um̃ uns und belaͤgern uns/ Pſal. 34 v.8. Iſt dann Gott mitten in/ bey/ unter und uf̃ uns/ mit einem ſurcken Heer/ ſo ſind wir ja nicht einſam und allein/ koͤnnen getroſt mit Paulo ſagen: Iſt GDtrfur uns/ wer mag wider uns ſchn? Roͤm. 8. v. 3r. Zum Andern haben wir frommer Chriſten Stand anzu⸗ ſchen als ein Angſt⸗ und Noht⸗Stand/ wo Hertz und Gewiſſen geaͤngſtiget werdẽ/ daß ſich ein angefochtener Menſch nirgends weiß ʒu behalten/ ohn allein in dem ſeligen Anſchauen und Außfuͤhren G Ottes. Dann es nicht eine Angſt/ wie die Soͤhne Jacobs/ an ihrem Bruder ſa⸗. Buch Moſ.ꝛ.v.xu. j der⸗ 2 Chriſtliche Leich⸗Predigt/ dergleichen Angſt die Iſracliten uͤberficl/ als ſie di KinderAm̃on ͤberzogen/ B. Richter 0. v. Oder/ wie der Ho Prieſter in groſſen Aengſten geweſen/ da Heliodorus den empel be⸗ rauben wolte/ ⁊. Maccab.ʒ. v.16. Es iſt ein innerliche/ ſchre⸗ ckend und truckende Scelen⸗Angſt/ von welcher auch David ſaget im 4ʒ. Pſalm v 4· Mein Geiſt iſt in mir geaͤngſtet/ mein Hertz iſt mir in meinem Leibe verzehret/ welches nicht von na⸗ tůrlichen Urſachen herkom̃t/ ewann auß Enge deß Hertzens/ oder auß Menge deß Geblůts/ ſondern auß Bangigkeit der See⸗ len/ welche geklemmet und angefochten wird Solche empfand der heilige Hiob/ der von Gott ſelbſten ein Zeugnůß der Froͤm⸗ migkeit hatte/ da er klaget/ die Pfeile deß Allmaͤchtigen ſtecken in mir/ derſelben Grimm ſaͤufft auß meinen Geiſt/ und die Schreckniß GDttes ſind auff mich gerichtet/ Cap.. verſ 4. Darum̃ muſter reden von der Angſt ſeines Hertzens/ und her⸗ auß ſagen vom Betruͤbniß ſeiner Seelen c.7.v. u. In dieſer Angſt⸗Gruben ſaß recht der Mann GBttes/ da der Tenffel ein Todten⸗Baar/ wie Tertullianus von ihm redet/ an ihm zurichten wolte/ woruber er Angſt und Schmertzen erlitten. Wie ungeberdig ſtellet ſich Hißkia in ſeiner Kranckheit/ darinn er ohne groſſe Angſt nicht geweſen. Er kruͤmmete ſich wie ein Wurm/ winſelte wie ein Kranich oder Schwalbe/ und girꝛete wie ein Taube/ und um̃ Troſt war ihm bange/ wie er ſelbſt ge⸗ ſichet/ beym Prophet Eſaia amʒs. v. 14.7. Der außerwaͤhlte Ruͤſtzeug Gottes bekennet von ſich/ er habe an ſeine liebe Corin⸗ ther geſchrieben in groſſer Truͤbſal und Angſt deß Hertzen mit viel Thraͤnen /2. Corinth. 2. v. 4. Iſt dieſe Seelen⸗Angſt den Heiligen Gottes begegnet/ ſo laß dich nicht befrem̃den/ da dich auch dieſelbe uͤberfallen ſolte ſonderlichen in der letzten Noch/ und in dem Todes⸗Kampff. Sch an und betrachte das S pe —„——.— .————„— — 2— K—* Auß dem 26. Pſalm. v. 16. N.. 21 pel deines H E RR N Chriſti/ der war der allerheiligſte/ der licbſte Sohn deß him̃liſchen Vatters/ wie ʒittert und zaget er am Delberg/ wie iſt ijm ſo Angſt und bang/ daß er daruͤber blutigen Schweiß ſchwitzet: wie ſeufftet und ſchreyet er in den Wor⸗ ten deß ꝛ2. Pſalmen/ Mein GOTT/ mein GOTT/ war⸗ um̃ haſt du mich verlaſſen? v.i. Scy nicht ferne von mir/ dañ Angſt iſt nahe/ und iſt hie kein Helffer/ v. u. Etliche der Al⸗ ten ſtehen in den Gedancken/ daß Chriſtus am Stañ deß Creu⸗ tzes/ den ꝛ2. Pſalm Davids/ angefangen habe zu betten/ und fortgeſetzet biß auff den 3i. in welchem er mit den Worten be⸗ ſchloſſen: Vatter/ in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt/ ⁊c. Alſo daß unſer tꝛcueſte Heyland auch den ꝛ6. Pſalm geſprochen/ und in dieſenunſern Text⸗ Worten uͤber di Angſt ſeines Hertzens geklagethabe/ welche er uͤm̃ da Welt Suͤnde willẽ erleidẽ muͤſſen. Gegen ſolche Hertzens⸗Angſt und groſſe Noͤthen hiffft kein qͥuſſerliche Freude/ wañ das Hertz traurig iſt/ſpricht Salomoh/ ſo hůfft kein aͤuſſerliche Freude/ in Sprůch⸗ Wört.i4.v.io. wañ man gleich die lieblichſte Muſic/ das luſtigſte Freuden⸗Spiel vorſtellete/ wurde doch ſolches den Unmuth nicht ſtillen/ noch das geringeſte von der Bangigkeit wegnehmen köͤnnen. Allein muß es thun das Mittel/ welches David an die Hand niñit/ der ſeufftzet und bettet: Die Angſt meines Hertzens iſt groß/ fuͤhre mich auß meinen Noͤhten. Die Kinder Korah beklagen ſich uͤber ſolche Angſt und Nothen/ braͤchen deßwegen ims8. Pſalm herauß: Meine Scele iſt voll Jam̃ers/ und meinlcben iſi nahe bey der Hollen. Ich bin geacht gleich denen die zur Höllen fahren/ ich bin wie ein Mann der keine Hůffe hat/ v.z. 4. das hertzliche Seufftzen ʒu G Ott iſt die beſte Artzeney/ das Gebaͤt ſieiget hinauff ʒu G Vtt/ die Barmhertzigkeit herab · Das Ge⸗ bãt iſt der rechte Himmels⸗Schlůſſel/ der nicht allein durch die Woicken dringet/ ſondern auch Hertz Gottes auffſchleußt/ zj auß 21 Chriſtliche Leichpredigt/ auß welchem viel Erbarmen/ viel Gnad und Liebe Gottes zu uns heraußfleußt. Klage GDtt allein dein Noth er huffft auß Noht/ der from̃ Goti. Wo di Noht am groſten/ wil Gott ſeber troͤſien. Gchet dirs wol/ ſo dancks ihm/ gehet dirs uͤbel/ ſo klags ihm. Er hat eine allmãchtige vatterliche Hand/ mit welcher Er auß den tieffſten Nothen kan herauß fuͤhren. Sehr und traurig lautet es in der Klag Davids: du laͤſſeſt mich erfahren vicl und groſſe Angſt; Aber bald darauff/ iſt ſehr anmuhtig zu vernehmen: Du macheſt mich wieder leben⸗ dig/ und holeſt mich wieder auß der Tieffe der Erden her- auff. Du macheſt mich ſehr groß/ und troͤſteſt mich wieder/ in dem ꝰ. Pſalm.v.⁊0. x. und abermals ſageter: Wann ich mitten in der Angſt wandele/ ſo erquickeſt du mich/ und ſtreckeſt deine Hand uͤber den Zorn meiner Feinde/ und hilffeſt mir mit deiner Rechten/ Pſalm.i8. v.?. Und ſolche genadige Hand⸗ reichung verſagt er keinen frommen Hertzen. Erſorget fůr ein jedes/ ſein liebes Kind/ ſo ſchr/ als wann er auff ſolches allein zu ſchen haͤtte. welches der alte Lehrer Auguſtinus wol wo⸗ gen/ da er geſaget: D allmaͤchtiger/ frommer GOTT/ der du fur einen jeden inſonderheit ſo groſſe Sorge traͤgeſt/ als wann du fur ihn allein zu ſorgen haͤtteſt/ und fur alles ſo wol/ als fur jedes ſorgeſt. Und folches thut der getreue Vatter/ um̃ ſeines lichen Sohns/ unſers Erloͤſers willen/ der durch ſeinen Angſt⸗ Schweiß und vergoſſenes Blut unſere Sůnden und Nöthen gebůͤſſet und abgekůͤhlet/ die Schroͤcken und Angſt deß Gewiſ⸗ ſens ſtillet/ da er auch in tieffen Aengſten geſtanden/ und geruf⸗ fen: Gott hilff mir/ dann das Waſſer geht mir biß an die Seele/ ich verſincke in tieffen Schlamm/ da kein Grund iſt/ Pſalm 69. v. 2. Allein hierdurch iſt uns auß allen Aeng⸗ ſten und Noͤthen geholffen/ davon der HERR ſelbſten be⸗ ken⸗ Auſt dem ⁊8. Pſalm. b.i6..18. 12 kennet/ wie er ſo ſchwere Angſt⸗Arbeit außſtehen muͤſſen: Mir haſtu Arbeit/ amalim beſchwerliche Muͤh und Arbeit gemacht mit deinen Suͤnden. Aberich tilge dieſelbe/ gedencke dero- ſelben nicht mehr/ Eſa. 43. v. 24.25. Ach! ſo gibH E RR JEſu in Angſt und Noht/ Linderung und Erꝛettung; Im Jammer und Elend Gedult und Erquickung. In Todes⸗ Angſt ein Gnaden⸗ Blick deiner hertzlichen Lieb und ſuͤſſen Tro⸗ ſtes/ daß ich mit deiner liebſten Geſponſen ruͤhmen und ſagen moͤge: Von GO TT kom̃t mir ein Freuden Schein/ wann du mit deinen Aeugelein mich freundlich thuſt anblicken/ D HERR JEſu mein trautes Gut/ dein Wort dein Geiſi dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Dieſelbe ſeyn auch unſer beſter Troſt in der letzten Noht. Von einem Cloſter⸗Bru⸗ der meldet Mattheſius S. in der 14. Predigt vom Leben Lu- theri, wie derſelbe kranck gelegen/ und zu Nacht einmals zu denen bey ihm wachenden Bruͤdern angefangen: Ach es dru⸗ cket und klemmet mich die gantze Welt/ und alle Creaturen ſind wider mich; daß hieß recht Todes⸗Angſt fuͤhlen. Einer auß den Anweſenden ſprach zu ihn: Ach Vatter/ ſeyd ihrdoch viel froͤmmer geweſt dann unſer keiner. Da ſagt der Krancke: Diß alles beſtehet nicht vor Gttes Gericht: Etiam perditè vixi, wie der fromme Bernhardus bekannt; Aber Chriſtus der gekreutzigte/ iſt mein Teſtament und Gerechtigkeit; Darauff er wie ein Liechtlein erloſchen. Als Luthero S. dieſes kund worden/ hat er dieſe Erinnerung darbey gethan: das iſt auch einer geweſt von denen die im Papſtthum ſelig worden. Es wird und bleibt das ein ſanffter und froͤlicher Tod/ wañ man den ge⸗ creutzigten uud geſtoꝛbenen Chriſtum keñet/ und tꝛſtet ſich ſeines Sieges und Aufferſtchung. In Chriſto leben wir/ in demſelben ſterben wir/ in ihm uͤberwinden wir all Angſt und Noth/ all Jam⸗ mer 14 Chriſiliche Leich⸗Predigt. nr und Elend/ um̃ ſeines bittern Angſi⸗Schweiß; Tod und Aufferſtchung willen⸗ Sage demnach eine betruͤbte Seele in der ictzten Angſt: HErꝛmeinen Geiſt befchlich dir/ mein GDtt/ mein G tt/ weich nicht von mir/ nĩ mich in deine Haͤnde. Dwahrer GOttl auß aller Noth/ hůff mir am letzten Ende. Letzlichen und zum dritten/ dieweil dieſes muhſame Le⸗ ben mit Angſt und Noth/ mit Jammer und Elend um̃geben/ iſt noch zu betrachten/ woher ſolches alles komme Nem̃lich von der Sůnden/ deßwegenbitetauch David: Vergib mir al⸗ le meine Suͤnde. Iſ dannach geaͤngſtigter Chriſten Zu⸗ ſtand/ auch ein Sunden⸗Stand. Die Sůͤnde aber iſt der Leute Verderben/ Spruch⸗ Wortern 14. v.34. ſie verdirbt Leib und Sece/ wie gering ſie auch von den ruchloſen Suͤndern ge⸗ achtet wird. Zwar machet der Satan die Suͤnde Anfangs ſo licblich wie Honig/ ſo anmuthig als ein Sonnen⸗Schein/ ſo leicht wie eine Pflaumen⸗Feder wann ſie aber begangen iſt/ macht er ſie bitterer wie Gall und Wermuch/ abſcheulicher als olliſchen Sweffel und Pech⸗ ſchwerer als Himmel und Er- den ſind. Das thut Koͤnig David mit ſeinem ſelbſt⸗eigenen Eyxempel dar/ da Ihm der böſe Geiſt zugeſezet/ ihn Hollen⸗ Band ũfangen/ die Bäche Belial erſchrockt haben/ daruber er klaget Pſalm. i8. v.5. Ingleichen meine Suͤnde gehen uͤber mein Haupt/ wie eine ſchwere Laſt ſind ſie mir zu ſchwer wor⸗ den/ klagt er/ Pfalm. 38. v. ſ dahin Chryloſtomus geſchen/ wann er geſchricben: Ev iſt ein groſſes und ſchweres Ding um̃ die Sunde/ und iſt ſchwerer dann alles Bley. O peccata quam faciles aditus habetis, dum ſuadetis,& quam difficiles exi- tus Pum ſuadetis inungitis, led poſteaquam ſuaſeritis, ad ſaget Auguſtinus⸗ iſt ſo viel mortem usque animæ punitis, ge⸗ ko Auß dem ꝛ8. Pſalm.v. i6. rs. 26 geſaget: Dihr Sůͤnde/ wie geht ihr ſo bald uñ leicht ein/ wañ ihr einen bereden wollet/ wie beſchwerlich aber laͤuffts mit euch ab! waſi ibr einen bercdet/ ſo ſchmieret ihr ihmʒ habt ihr ihn beredet/ ſo ſtůrtzet und ſtecht ihr ihn/ biß in die Holle hinein. Fleuch fur der Suͤnde/ wie fuͤr aner Schlenge/ denn ſo du ihr zn nahe kom̃ſt/ ſo ſticht ſie dich. Ihre Zahne ſind wie Löwen⸗gaͤhne/ und todten den Menſchen. Ein jegliche Suͤnd iſt wie ein ſcharpff Schwerdt/ und verwundet daß niemand heilen kan/ Sirach. ⁊u.v.2. 3.4. Biſt du aber in Suͤnde gerathen/ und ruͤcket dir dieſelbe der leidige Verſucher auch in der Todes⸗Angſt vor/ ſo folge hier den Manne Gottes nach/ ſeufftze: Ach HERR vergib mir alle meine Sůnde: Gott ſey mir genadig nach deiner Guͤ⸗ ie/ und tilge alle meine Suͤnde nach deiner groſſen Barmher⸗ kigkeit/ Pſal. ʒi.v.3. uud mit den lieben Gottſeligen Alten: Treueſter HEr: Jeſu Chriſte wuͤrdige mich/ anzuſchen/ als einen armen Suͤnder/ mit den Augen deiner Barmhertzig⸗ keit/ mit welchen du angefchen haſt Petrum im Pallaſt/ Mariam Magdalenam bey der Mahlzeit/ den Schaͤ⸗ cher am Creuz. Verlcyhe mir/ O allmaͤchtiger GDTT/ daß ich meine Suͤnde mit Petro rechtſchaffen beweine/ mit Maria Magdalcna dich hertzlich liche/ und mit dem kekehrten Schaͤcher dich in alle Ewigkeit ſchen moge GDTT der Vatter aller Genaden und Barmhertzig⸗ keie will ja nicht/ daß ein einiger Bußfertiger Suͤnder ſoll verlohren und verdammt ſcyn ¶Seine Gnade iſt viel zu großꝛ die Liebe ſeines Sohns iſt viel zu hertzlich und inbruͤnſtig/ daß nicht thun will nach ſeinem grimmigen gorn/ noch ſich kch⸗ en Ephraim gar zu verderben/ Hoſ.n. v.. Pb dann nun ſchon bey uns iſ der Sůnden viel/ 5 Gott iſt vielmehr Gna⸗ 2 de 26 Chriſtliche Leich⸗Predigt. de/ welcher auch ſeines eingebornen/ Heriallerlicbſten Sohns nicht hat verſchonet/ ſondern/ denſelben vor alle unſere Suͤnde dahin gegeben/ wie ſolte er uns mit demſelben nicht alles ſchencken? Roöm. 8. verſ 32 der iſt das Lamm GDttes/ welches die Suͤnde der Jantzen Welt traͤgt/ Joh. 1. v. 29. nicht allein dieſelbe/ als das rechte Schlacht⸗Dpffer/ an das Creutz getragen/ und dawor bezahlet und genug ge⸗ than/ ſondern ſie auch noch taͤglich verßibt und hinweg trägt davon Hiſtias ſaget: Du haſt dich meiner Seelen hertzlich an⸗ genommen/ daß ſie nicht verduͤrbe/ dann du wirffſt alle meine Suͤnde hinter dich zu ruck/ Eſa.3. v.. Gleich wie etwann der loͤbliche Kaͤiſer Conſtantinus Magnus bey der groſſen Verſammlung zu Nicæa die Klag⸗Schrifften der Biſchoffen/ die ſie wider einander eingaben/ ins Feuer geworf⸗ fen/ und damit an Tag gegeben/ deroſelben Klagen und Ge⸗ braͤchen ſolten nicht mehr gedacht werden/ und ſoltens die Bi ſchoͤffe auch hin/ und vergeſſen ſeyn laſſen/ wie die Kirchen⸗Hi⸗ ſtori Socratis und Rufni davon zeugen. Alſo will auch GTT der HERR Moſis und deß Satans Klag⸗Re⸗ giſter hinter ſich zu rucke werffen/ die Sunde alſo vergeben/ daß derſelben nimmermehr ſoll gedacht werden/ Ezech. 18. v. 22. willſie gar in die Turffe deß Meers verſencken/ Mich. 1 v. 19 daß gleich wie man ein abſcheulich Ding von ſeinem Angeſicht wegſchafft/ und in ein tifffes Waſſer hinein weꝛffenlaͤſt: Sowi GVtt all unſere Suͤnde von ſeinem Heiligen Angeſicht weg thun um Chriſti unſers einigen Suͤnden⸗Buͤſſers willen/ daf daß ſie ewig vergeſſen und vergeben ſeyn ſollen. Das gereichet einem armen Suͤnder zum hertlichen Troſt/ der wegen ſeiner Suͤnden geaͤngſtiget wird/ und mi Dayd klagen muß: Die Ingſt meines Herzens iſt groß 2 1 1 te t 6/ . an ze⸗ / 7 le ich d der Auß dem28. Pſalm. b.i6. 7. 18. 27 ſelbig kan mit freudigem Muht ſpraͤchen: Ja/ ein groſſer Sůͤn⸗ der bin ich/ das iſt wahr/ die Suͤnde ſchroͤcket mich/ das fuhl ich leyder! wol; Ich foͤrchte mich vor GDit/ und ſeinem ſtren⸗ gen Gericht. Iber deſſen troſte ich mich: daß GOtt meine Suͤnde weggenommen und vergeben hat. Zwey Dinge weiß ich/ zwey Stuck glaube ich. Meine Suͤnde druͤcket mich: Gottes Zorn ſchroͤcket mich: dargegen glaub ich/ daß GDtt genaͤdig/ Chriſtus J Eſus Leutſelig und freundlich/ der ſpricht zu mir und allen armen Suͤndern: Kom̃t her zu mir/ alle die ihr můheſelig und beladen ſeyd/ Ich will euch erquicken/ Matth. u.v.28. Von ſolchem herꝛlichen Troſt/ welchen ein Bußfertiger Suͤnder auch in der Todes⸗Angſt in ſein Hertz faſſen kan/ ſaget der ſeelige Mann Lutherus im Buͤchlein von der Privat- Meſſe: Ein Suͤnder bin ich in mir ſelbſt auſſer Chriſto: kein Suͤnder bin ich in Chriſto auſſer mir ſelbſt/ dann er hat meine Sůnde vertilget durch ſein heiliges Blut/ da zweif⸗ fel ich nicht an/ darauff hab ich Tauffe/ Abſolution und Sa- cramenta, als gewiſſe Siegel und Brieffe. Und das iſt es/ wohin der H. Apoſtel ʒielet/ und alſo feſt ſchleußt: Ich bin ge⸗ wiß/ daß weder Tod noch Lben/ weder Engel noch Fuͤrſten⸗ thum/ noch Gewalt/ weder gegenwartiges noch zukuͤnfftiges/ weder Hohes noch Tieffes/ noch keine andere Creatur uns ſchei⸗ den mag von der Liebe Gttes/ die in Chriſto JEſu iſt/ un⸗ ſerm HErm/ Roͤm. 8.v. 38. 39. Und daſſelbe iſt auch unſerer in GDtt ruhenden Chriſtli⸗ chen Mit⸗Schweſter einiger Hertzens⸗Troſt geweſen/ da ſie der getreue GOtt in dieſem můͤhſamen Leben/ auch Einſam⸗ keitt Jammer und Elend/ Angſt und Noth erfahren laſſen/ daß ſi deßwegen auß dem erklaͤrten. wol hat klagen muͤſſen: ij ſie 28 hriſiliche Leichpredigt/ Sche/ ich bin einſam und elend/ die Angſt meines Hertzens iſt groß; Dannoch ihr Vertrauen zu G Dtt nicht ſfincken laſſen/ ſondern demſeiben ſich in Kindlichem Gchorſam alle⸗ weg untergeben auch in der letzten Todes⸗Angſt zu ihrem lie⸗ ben G Ottgeſeufftet: Wende dich zu mir/ und ſch mir gnaͤ⸗ dig: Fuͤhre mich auß meinen Noͤthen/ Sehe an meinen Jam⸗ mer und Elend/ und vergib mir alle meine Suͤnde. Welcher auch der genãdige GOtt ſeliguch außgehoffen hat. Win ſchlieſſen und ſeuffsen: In der letzten Noht Hilff uns lieber H E RRE GOTT/ S XN Erwegung deß gefuͤhrten Lebens und ſeligen Abſterbens/ unſer in Gott ruhenden Fuͤrnchmen Matronen/ ſaph hat auffzeichnen laſſen/ im 73. Pſalm. v. 14. Du leiteſt mich nach deinem Raht/ und nim̃ſt mich endlich mit Ehren an/ wie Gott/ nach ſeinem heiligen Raht/ unſere furneh⸗ me Mit⸗Sſchweſier in ihrem Leben gefuhret/ nach dem ſie in dieſe Welt von anſehnlich und bey jeder⸗ mann hochbeliebten Eltern/ Herm Godofredo Anchonii weyland Fuͤrnehmen Cancellario und Profeſſore Juris primario, allhier/ und Frau — 30 Perſonalia. Eliſabetha Piſtoriin im Jahr is0zu Marpurgin in dieſe Welt geboren/ iſt ſtracks im Anfang ihres Lebens offenbahr/ daſie in dem Bund der heiligen Tauff/ durch fuͤrnehme hierzu erbettene Zeugen/ als durch den Hochwürdigen/ Hoch⸗Edelgebor⸗ nen und Geſtrengen Hermn Johann Fuchs/ Teutſch Ordens Ritter/ und deß Hoch⸗Edlen Herm Cantzlers/ D. Lerßners Tochter/ Jungfer Catharina/ den Namen Eliſabetha Catharina empfangen/ und den reinen Eyd/ wie ſolche Na⸗ men mit ſich bringen/ der waren Gottes Folge ab⸗ geſtattet hat/ da gieng alſobald/ nach demdie Jahr den Verſtand ergaͤntzet/ die Gottes⸗Fuͤhrung an/ dariñen ihre liebe Eltern/ und Sorgfaͤltige Schul⸗ meiſterin/ als Werckzeuge gebrauchet wurden/ die wahre Gottes Forcht/ als den Srund allerwah⸗ ren Tugenden hatte ſie in ihrem itzen/ darauß dañ Jungfraͤuliche Scham und Zucht/ Gchorſam gegen die Eltern/ Liebe gegen den Naͤchſten/ Hold⸗ ſeligkeit in Gebaͤrden und Worten herfür floſſen/ ihren Bruͤdern und Schweſtern ward damals ſchon ein ſchones Exempel der Nachfolge/ daihr lie⸗ ber Vatter ſel. veſchied/ und ſie in der Hauſthal⸗ tung mit der lieben Mutter die Sorgen gemein hat⸗ te. Perſonalia. 31 te. Hie wurde ſie nach Gottes Raht in die Creutz⸗ Schule gefuͤhret/ nachdem es nicht anderſt ſeyn kan/ weil der Weg der Kinder GOttes iſt der Creutz⸗Weg Chriſti. Darauff iſt ſie an Gottes Hand/ in rechtſchaffener Gedult wol einher gegan⸗ gen. Im Jahr 1s. hat ſie Gott gefuhret zur hei⸗ ligen Ehe/ undmit dem weyland Wol⸗Edeln und und Groſi⸗Achtbaren Seel. Hern Rent⸗Meiſter und Cammer⸗Raht Nicolao Stippio, verbun⸗ den/ mit welchem ſie zwar nach Wunſch in hertzli⸗ chem Vergnuͤgen und reichem Segen Gottes/ in die zꝛ. Jahr gelebet/ es floß aber der Bach am Weg auch durch ihr Hauß/ und ſchenckete die Hand Gottes ihr offtmal ein das volle Traͤhnen⸗Maaß. Gott gab ihr nach einander 4. Soͤhne und ꝛ. Toͤch⸗ ter/ aber der gute Gaͤber nam ſie ſo wieder/ nach ſeinem allein weiſſen und guten Rath hinweg/ und pruffete ihren Glauben/ auch zu dem Ende/ mit ſo ſtarcker Hand/ daß andere neben ihr ſich an ihr ſpie⸗ geln und groſſes Leyd/ durch groſſe Gedult uber⸗ winden lernen ſolten/ wie ſie dann hernach offt an⸗ dere/ auff ihr eigen Exempel zuweiſen pflegte/ wie der Grundgutige Gott/ ſie in ihrem, groſ⸗ 31 Perſonalia. groſſen Leyd/ da ſie gemeinet/ ſie muͤſte verſincken/ kraͤfftiglich erhalten/ wie ſie auch GOTT dafuͤr hertzlich danckete/ daß er ihr liebe Kinder/ auß die⸗ ſer verfuhriſchen boͤſen Welt zuſich genommen haͤt⸗ te. Gleiche Glaubens Standhafftigkeit erwieſe ſie wieder abſonderlich/ als der allein heilige GOtt ihr wehrteſteß Theil und Haupt deß Hauſſes/ im Jahr 1656. von ihr hinweg nahm/ ſo war ſie da⸗ nicht allein eine Kinderloſe Mutter/ ſondern auch eine ihres Eh⸗Heren beraubete Wittibe. Elend ge⸗ nug/ auch in dem ſonſt G Ott Lob hochgeſegneten Hauß⸗Vorꝛath/ doch war ihre Freude/ daß ſie ſich zu G O TT hielte/ und ihre Zuverſicht ſetzte auff den H ERRN HERRN. GOTT wolte ſie noch weiter leiten/ und auß dem betruͤbten Witt⸗ wen· Stand wieder herauß fuͤhren. Alſo nachih⸗ rem recht Chriſtlichen Symboliſchen Spruch⸗ Wort/ wie GOtt will/ ueß ſi ſich auff Einrathen und Gutbefindenihrer Geſchwiſter und und Angewandten/ im Namen GOttes/ wieder in eine Chriſtliche Heirath ein/ Anno 1660. mit dem Hoch⸗Edlen/ r. Herrn Doctore Tulsnero Conſiliario und juris Profeß. primario eme- ri- — 1 Perſonalia. 5 rito, mit welchem ſie/ ihrer Gewonheit nach ſich friedlich und hertzlich begangen/ treue Handleiſtung jederzeit in ſeiner ſchwachen Leibs· Conſtitution entrichtet/ und nichts ermangeln laſſen/ was einer Sorgfaͤltigen/ treuen und Gottliebenden Hauß⸗ Mutter anſtehen mag. In dieſem ihremneuen Ehe⸗ Stand/ iſt Gottes Raht auch wieder ein Freutz⸗ Schluß uͤber ſie geweſen/ ſonderlich da Gott ihrem lieben Ehe⸗Herm Leibes Unpaͤßlichkeit zugeſchicket/ und fur drey Viertel Jahr ihre Frau Schweſter/ als ihꝛ eintzige zuverlaͤſſigeᷓꝛeundin/ auß ihren Augen/ und von ihrer faſt taglichen Unterredung hinweg geriſſen: GOtt aber der getreue Fuͤhrer/ hat ſeine Hand allwege ob ihr gehalten/ und ſie/ als ſein lie⸗ bes Kind/ durch viel Creutz und Truͤbſal kraͤfftig⸗ lich geleitet/ biß endlich die Zeit erſchienen/ da ſie mit Ehren iſt angenommen worden/ in das Reich unſers HERR Jeſu Chriſti/ in die Zahl der triumphirenden Kinder Gottes. Inihrer Kranckheit/ welche nur s. Tag ge⸗ wwehret/ iſt ſie/ wie in ihrem gantzen Leben in den Schmertzen gedultig/ im Gebaͤt eifferig/ im Glauben und Hoffen zu GOtt ſtandhafftig gewe⸗ ſen/ auch wie ſie alsbald orn⸗ daß ſie 5. l⸗ 34 Perſonalia. Lagers nicht werde wieder aufftommen/ an das ge⸗ dacht/ wie dortenſtehet/ Beſtelle dein Hauß und mit ihrer/ Gott Lob/ hochgeſegneter Verlaſſen⸗ ſchafft richtigkeit gemacht/ den Armen eine gutthaͤ⸗ tige Außtheilung verfuget/ einenund andern nahen Angewandten mit eig ener Hand mild begabet/ und dann/ welches das fuͤrnehmſte iſt/ mit dem rechten Pfand einer ſeligen Siimeons Hinfart/ nem̃lich mit Nieſſung deß heiligen Abendmahls ſich inbrunſtig verſehen/ darauff ſie ſich dann von allem irdiſchen abgethan/ und ihr ſehnliches Verlangen zum Ab⸗ ſchied dieſer Welt/ mit außtruͤcklichen vielen herꝛli⸗ chen Spruͤchen/ Seufftzen/ und Geberden/ wel⸗ ches mit hertzlichem Mitleyden und Thraͤnen der um̃ſtehenden ʒugangen/ an den Tag gegeben.· Als verwichenen Soñtag in der Fruͤh⸗Pre⸗ digt HER Gott dich loben wir/ geſungen worden ⸗ hat ſiees bald war genommen/ und mit erhabenen Haͤnden und hellen Worten ſelbige Wort/ wie auch das dreymal Heilig/ hertzlich/ und mit ſonderlicher Bewegung nach geſprochen. Den Montag darauff iſ der Hert Stadt⸗ Prediger/ Hert M. Mislerus wieder zu ihr kom⸗ men/ der ihr dann mit hertzlichen Zroſt Gebe ten/ als: HERR Perfonalia. 35 HErt JEſu Chriſt/ war Menſch und Gott. Hilff Helffer hilff in Angſi und Noht/ ꝛc. HEr: JEſu/ dir leb ich/ nc. Ich bin ein Glied an deinem Leib/. Unſer keiner lebet ihm ſelber/ n. Der HERR wird mich erloͤſen/ t. Zion ſpricht: Der Hert hat mich verlaſſen/ ic. Wird dann der HErtewig verſtoſſen/ und kei⸗ ne Gnade mehr/ n. Ich bin gewiß/ daß weder Tod noch Leben/ r. Ich weiß daß mein Erloͤſer lebetꝛc. Ich halte es darfur/ daß. Chriſtus iſt mein Leben/ 1c. Ich hab Luſt abzuſcheiden ꝛr. Ich lig im Streit und Widerſtreb/. Vatter in deine Haͤnde /ꝛx. Du heilige Brunſt ſuͤſſer Troſi/ tc. Welche ſie mit zuſammengelegten Haͤnden hertzlich nach gebetet. Ihr Seufftzen war vieffaͤltig/ Ach mein HERR JEſu komm! Ach/ wann werde ich doch außgeſpannet werden Wie muß ich hacken in meinem Wein⸗Berg! Darauff ihr dann geant⸗ wortet: Es wuͤrde auch die Gnaden⸗Belohnung bald und gewiß erfolgen. Nicht lang fur ihrem ſeligen End/ fieng ſie an/ es bald gut a 36 Perſonalia. bald darauff ſagte ſie/ Mein Walfahrt ich vollen⸗ det hab/ und in dem ſie ſich ein wenig herum̃ wen⸗ dete/ fielen die Sinnen/ welche biß dahin alle mit einander/ nicht ohne Verwunderung der Anſwe⸗ ſenden/ gantz richtig geblieben/ hinweg/ und unter dem Zuruffen/ und hertzlichem Gebaͤt der Ange⸗ wandten gab ſie ihren Geiſt in die Handihres Er⸗ loͤſers/ der ſie bißher ſo vaͤtterlich nach ſeinem Raht gefuͤhret/ und ſo endlich zu Ehren auffnahme/ nach . Uhr zu Abends/ Ihres Alters 65. Jahr/ weniger 3. Monath. Der Allerhoͤchſte wolle der ſeel. verſtorben verblichenem Leichnam in der Erden eine ſanffte Ruhe verleihen/ die hinderlaſſene hertzbetruͤbte Hn. Wittwer und Angewandten kraͤfftiglich troͤſten/ ihnen Gedult verleyhen/ und dieſes zugefuͤgte Leyd mit anderwaͤrtlicher Hertzens⸗Freud erſetzen/ Ihr an jenem groſſen Tag/ eine froͤliche Aufferſtehung/ uns ſam̃tlichen aber eine ſelige Nachfahrt und froͤ⸗ uichen Eingang zum ewigen Leben auß Gnaden mittheilen/ um Chriſti JEſuwillen Amen. O ACADEMIE GIESSFENF M. JOHANNES be/ Mor& Civil. Profeſſ. Ord. ‧ CTV BV eA ADEMCTA J. get,& vos non lugebitisꝰ? Te- Pnebris obſcuratur primarium enatu Academici lumen, vos autem exporrectã fronte incedetis ꝰ Præ- ceptor veſter Venerandus lacrhymis madet, diſcipuli verò ejus dolorem procul habebitis? Aliud& ora veſtra& geſtus promittunt, aliud impenſus, quo eum hactenus proſecuti fui- ſtis 38 Programma. ſtis, amor. Et quis non caſu ejus mcœſtiſſimo turbetur, quis non doleat afflictiſſimi Vidui vices, quem non commoveant optimi Senis planctus? Cecidit, eheu! columna familiæ, cui ſecurè innitebatur. Diſparuit, prohdolor! ſuſtentaculũ vitæ, quo recreabatur. Exceſſit, heu! ſolatium indigæ ſenectutis, quo oblecta- batur. plange ergo, Con ſultisſime TünsRRx, plange hanc calamitatẽ, quæ te circumdedit, & cives noſtri tuo moœrore perculſi nec ipſid gemituum frequentiã ſibi temperabunt, eo tuam levaturi mœœſtitiam. Deplora ò familia ſplendida! hunc fortunæ ictum, acerbum, infelicem, inopinatum. Matrona erat vir- turibus ſexui ſuo convenientibus condecora- tiſſima, laude prolixãdigniſſima, quare& per maximos humanæ felſcitatis evecta gradus roceſſit in ſummum, genere, matrimoniis, factis nobiliſſima. Nata eſt piè noſtra de- functa Marpurgi Anno M. DC. V. menſe Septembri, Patre Magnifico. Nobilisſimo atque Amplisſimo GorRorkkpo AxTRo- NII⸗ Programma. v11, JCto conſummatisſimo, Conſiliario Haſſo-Darmſtadino gravisſimo, CGancellario Academiæ eminentisſimo meritis in Patriam excellentisſimo, eruditione& famã undi- quaque famigeratisſimo; Matre Nobilisſima Matrona, ELISABETRA PisroRIA, àpie- tate, prudentiã, omnibusque aliis virtutibus maxmeè conſpicuã. Educta liberaliùs ab opti- mis Parentibus adolevit in eas laudes, quibus potisſimum ſexum ſuum commendare con- ſuevimus, unde& AnnoM DC XXVII. matrimonium nacta poſtea fuit exoptatisſi- mum Nobilisſimi& Spectatisſimi Viri Dv⸗ NIcoLArSrTIPPII, Sereniſſimi Haſſorum Principis GxoRS1I, Domini quondam no- ſtri Clementisſimi, nunc beatisſimi, Conſilia- rii Cameralis,& Quæſtoris Gieſſenſis opti- mè meriti. Conjugium hocce per X XXI. annos, ut quietisſimum, ita ſatis etiam ferti- le experta fuit: Sex enim peperit liberos, quatuor filios duasque filias, in eotamen pro- pemodum ſolo infelix, quod ſuavisſimo eo- TFun 40 Programma. rum amplexu in ultimam uſque non frui po- tuerit ætatem, totque decora& ornamenta, quæ meditabatur, patriæ educare. Orbã ſi- quidem prole conſenuit, atque decesſit, feli citatem ſuam quoad hanc partem derivans ex fortuna exoptatisſimæ ſuæ privignæ, ejuſque numeroſa prole à Viro Nobilisſimo Ampliſ- ſimo& Conſultisſimo Dn. Hur DRRIco Ex- sEblo, antehac hujus, nunc Helmſtadienſis Academiæ Profeſſore celebratisſimo, Conſi- larioque Lunæburgo-Guelpherbytano dex- terrimo ſuſcepta: nec non ex fœoundo quo- que matrimonio dilectisſimæ ſuæ ſororis, no- ſtro Quæſtori, Nobilisſimo& Gravisſimo Viro Dn. AnpREA HorEMAnRo olim nu- ptæ,& jam ante annum ferè inter cœleſtes degere incipientis. Turbatam exceſſu ma- riti ſui mellitisſimi Anno M DE LVIII al- tero matrimonio Opt. Max. Deus erexit: Paucis enim annis poſt anno M DC LX. Menſ Febr. in Matrimonialia jura Viri No- bilisſimi, Amplisſimi atque Conſultisſimi Dn. ——— —, 5———— 2 3 *.— 5 Programma 41 DM. GRatcokrI TürsnBkr, JCti excel- lentisſimi, Comitis Palatini Oæſarei ſplendi- di, Conſiliarii Darmſtadini inrer calamitates bellicas meritisſimi Profeſſoris& Senioris ſuæ Facultatis famigeratisſimi concesſit, tům lætis auſpiciis, ut feliciora vix uſquam reperiri posſint· Concordia quippe erant devinctiſsi- mi, amore inviolabili& fide ſanctisſimi; un- de& mœæſtiſſimo jam viduo ruina hecſuitho- ri eòeſt rigidior, quo majora iſtius matrimo- nii in ſua fenectute expertus fuit commoda. Magnus ad dicendum nobis aperirerur cam- pus, ſi beatæ defunctæ pietatem, ſimorumin- violatam probitatem, ſi erga omnes depræ- dicatam comitatem, ſi rei familiaris adtnini- ſtrandæ ſedulitatem enarrare daretur; ſed eò neceſſitatis adigimur, ut potius virtutes ejus plurimas annumerare, quàm explicare, quot 6& quantæ fuerint, liceat. In genii felicitas erat magna, quã rem ſuam& mirè tueri,& honeſtis rationibus amplificare optimẽ novit. Dotes ejus aliãs fummi Viri& amãrunt& col- F lau- 41 Programma. laudãrunt. Conſtantia animi erat maxima. Quare nec paſſa fuit, ut felicitas, homines aoquin plerumq; in ſequiora pelliciens, ex- tolleret animum, aut luctus atque calamitas deprimeret. Corpus erat venuſtum, viride & ſanum, unde NMatrona noſtra morbis non ita crebro tentata, ſed ſenectute quietauſa fuit, donec prid. Cal. Jun. labentis hujus annipræ- ter omniũ opinionẽ graviori affectu correpta fuit, vitam virtutibus condecoratam placido & beato obitu.6. Non. Jun. claudens. Quæ uti vixit. deploranda vix erit. lbi veroquæ- ſtu atque lamentis opus eſt, cùm virtus inſi- gnis⸗ poſtquam carceres ſuos vix egreſſa fuit, magnamque de ſe excitavit ſpem, in medio ſuoliſtitur curſu,& nondum confectis legi- timis ſtadis everſa fuerit. quæ metam forti- ter contigit/ univerſos vixtutum tramites tran- ſcendit, jamque trophæa& coronas efflagitat, non deploranda, quod non amplius currat, ſed re verentiã atque congratulatione digna, quod partibus ſuis tum feſiciter defuncta fue- rit rit. Noſtra ELISAETRA CGATHaRILMA eò pervenit, ut quò ulterius iret gloria, vix quicquam inventret; non ergo tam lugenda, quod deſiit vivere, quàm omni honoris ſpe- cimine collaudanda, quòd tot virtutum vi- vendo ipſa dederit exempla. Siſte ergò, 3 ve⸗ nerande ſenex, TürSNERE! ſiſte curſum la- chrymarum genas rigantium tuas. Dominus dedit, Dominus abſtulit. Amiſiſti quidem ſenectutis tuæ baculum, vitæ Tuæ ſuſtenta- culum in omni ſorte factis& actis fideliſſi mam conjugem ac adjutricem: Quid tamen eſt, dolere quidem decet, ſed cum modoj nec id, quo affectus ſolum aut natura, ſed ratio tra- hit, ſequi; perturbationern autem eã coẽrce- re,& pondere ſapientiæ ſtabilire ſuadet, Inſolens non eſt factum, omnes ad ean- dem tendimus viam,& pertingemus: Ho- mo namque ait Epictetus, non eſt æternitas, ſed homo, id eſt, Particula univerſi, ut hora diei. Venire igitur eum oportet ut horam, præterire ut horam. DRus! pſe Tüs- NE- 44 Programma. MRRILahMAs ſtabiliet adhuc diu vires; Deus ſug potentiã ipſe conſervabit robur, aderit con- ſilus, diriget greſſus, moderabitur actus;& felicem, cutis negotiorum director extiterit. Cærerum cum hodiè juſta beatæ defunctæ Matronæ perſolvenda ſint, Vos Cives Aca- demici! frequentes ante moœſtiſſimi vidui æ des hor. Xl. convenite, veſtrãque in funere copiosãà præſentiã Senioris veſtri venerandi dolorem levate P. P. Gieſſæ, ſub Sigillo Aca- demiæ majori, 4. Idib. Jun. Anno Salvatoris noſtri, M. DC. LXX. v4ð⸗ g W W e S3 . S S Abdanckung Gehalten vbn M. Henrico Phafiano, Prof. Publ. Hoch⸗und Anſehnlicher/ nach Standes Gebuͤhr bechrter Trauer⸗Um̃ſtand. On dem Tode recht zu urthet⸗ 3 len wiſſen/ und zu demſelben ſich alſo vorzube⸗ ſa reiten/ daß man dardurch im gantzen Leben un⸗ verwirꝛet bleibe/ und nach demſelbigen in keinen V trůͤbſeligen Stande gerathe/ iſt eine ſehr hohe uñ angelegene Sache/ darin ſich ſchwerlich ein Menſch ſchicken kan/ er ſcye dann dem Chriſtenthum rechtſchaffen zugethan/ und befinde deſſen Grund⸗Satz in ſeinem Hertzen tiff gelget. Die blinde Heyden/ welche auß Verachtung Gottlicher Schrifftſiellungen noch von Gott noch von ihnen ſelbſt/ gehori⸗ ge Wiſſenſchafft gehabt/ haben hierinnen allezeit hart angeſtoſ⸗ ſen. Dann nach dem ſie von Unſterblichkeit der Seelen bey ſich nichts gewiſſes finden koͤnnen/ haben ſie den Tod mit ihren natuͤrlichen Augen angeſchen;— weil ſie— iij a 40 Abdanckung. daß der in die Erd verſcharrete Leib vermoder/ und zu Aſche werde/ ſind ſie auff die Gedancken gerahren/ es verſtiebe die Sce⸗ le in die duͤnne Lufft/ wie etwa eine lodderende Flam̃e verꝛau⸗ chet; Dahero es dann kommen/ daß ſieden Tod entweder gar zu ſehr gefoͤrchtet/ oder vor garzʒu geringſchaͤtzig gehalten haben. Jenes haben gethan die/ ſo in hohen Wuͤrden/ Reichthum/ und dieſer Welt Wolluͤſten gelebet/ dann weil ſie darfuͤr gehalten/ es ſey nach dem Tode nichts mehr ʒu hoffen/ und weiil ſie geſehen/ daß endlich alle ihre Herꝛlichkeit hinter ihnen und zu ruͤck bleiben muͤſſe/ haben ſie offt und vielmal weilaͤufftige beſchwerlicheund Klagen uͤber das ſterbliche Weſen angeſtellet. Dieſes haben gethan andere/ die ſich nemlich in Armuth/ Kranckheit/ und in groſſen Seelen⸗ Beaͤngſtigungen befunden. Wie ſich dann ſonderlich Epicurus bemůhet hat/ allen ſeinen Lehrlingen dieſen Wahn beyzubringen/ daß der Tod nicht allein das abſcheulichſte unter allen abſcheulichen Dingen nicht ſey/ und daß er nicht einmal boͤß/ ſondern vielmehr gut ſch/ darum̃ daß er den Menſchen alles boſen enthebe/ wo⸗ durch das Leben beſchwerlich und ſaur gemacht wird; und hirauß iſt kommen/ daß offt die vornchmſte unter den Heiden/ ihrer Schmertzen und Angſt abzukommen/ ſich ſelbſt den Tod angethan/ und in auſſcrſie Noht ſich geſtuͤrtet haben. Dieſes iſt der Wahn/ und die Bezeigung bey dem Tode derer/ ſo drauſſen im Heidenthum ſich auffgehalten; aber die/ ſo die Richt⸗Schnur menſchlichen Lebens haben/ von dem Hoͤch⸗ ſien ſelbſt ihnen an die Hand gegchen/ wiſſen vicl beſſer vom Ab⸗ ieben der Frommen zu halten · Sie wiſſen daß der Todt ein ſuͤſſer Schlaff ſch Sie wiſſen daß der Tod uns die Thůroffne ʒum ewigen Leben. Sie wiſſen daß nach dem Tode das rechie Leben ſich anfange. Sie wiſſen daß der Lebens⸗ Herꝛ der Frommen Serlein ſeine Ha .—————— v„*. ——— —— Abdanckung. 47 faſſe/ und herꝛlich troͤſte; Sie wiſſen daß endlich der Leib auß der Erden erwecket und zu ewiger Freude ſchon verklaͤret werde. Darum̃ dieſe Leute ſtellen ihre Tage in Gottes Hand/ worinnen Leben und Tod. Fordert ſie der Hochſte/ ſo folgen ſir willig. Verzicht er ſo erwarten ſi Seiner Schicket er Creutz/ ſo ſind ſie gedulug/ ſchickt er hnen Gutes zu/ ſo ſind ſie maſſig/ danckbar und demuͤtig Bey ihnen iſt beſtaͤndige Liebe und Hoff⸗ uung/ ja ſelbſt im Tode Sieg und Freudigkeit. Auß den H. Buͤchern koͤnten in langer Royh ſolche from⸗ ue und Gott⸗ergebene Leute angefuhret werden/ wann es unſer Vorſatz erleiden wolte/ demedie Kuͤrtze beliebet hat. Was doͤrffen wir aber weit um̃gehene Wir haben ein klares Beyſpiel eines rechtſchaffenen G Btt gelaſſenen Hertzens an der ſeligſt Verſtorbenen/ dem Leib nach vor unſern Augen in Todten⸗Sarg verſchloſſenen vornehmen Matronen/ der Wol⸗Edlen/ Groß⸗Ehr⸗ und Lugendreichen Frn. Frauen Eliſabethen Catharinen Tülßnerin/ Ge⸗ borner Antonin/ deß Hoch⸗Edlen/ Veſt⸗ und Hoch⸗Gelahrten Herm Gregorii Tuͤlßners/ Bei⸗ der Rechten vornehmen Doctoris, und weitbe⸗ ruͤhmten Profeſſoris der allhieſigen Univerſitat/ auch Hoch⸗Fuͤrſti. Heſſen⸗ Darmſtaͤdtiſchen wol⸗ veꝛdienten Rahts/ ꝛc. jetzo hochbetruͤbten Herm Wittwers/ liebgeweſenen Ehgatten. Dieſe hat zeit⸗ lich bedacht ihren Zuſtand/ Leben und Tod/ daher iſt ihr gan⸗ ter Lebens⸗Lauff eine ſietige uͤbung der ſchoͤnſten Tugenden ge⸗ weſen. An Gott iſt ſie geblieben beſtaͤndig/ in hrem Gebaͤt iffrig/ gegen ihren Naͤchſten/ und zumal gegen—. * 48 Abdanckung. ſich behůͤlfflicherwieſen/ gegen ihren Eh⸗Herm/ Haußgenoſſen und andere Angewandten Sorgfaͤltig und treulich. Und nach⸗ dem es endlich ihrem GDttgefallen ſie abʒufordern/ hat ſi ſich deſſen Willen gern ergeben/ ihr Hauß beſtellet/ ihre Seele Chri⸗ ſto ihrem Erlöſer zu treuen Haͤnden empfohlen/ und hateine ſelige Hinfarth auß dieſem ʒeillichen ins ewige Leben gehalten. Was aber bemuͤhe ich mich der hellen Mittags⸗Sonneei⸗ ne tunckele Fackel vorzutragen? Was unternehm ich mit meiner ſchlecht gefaſten Rede das hohe Lob der ſeligſt Verſtor⸗ benen vielmehr ʒu hemmen als zu befordernꝰ? Es iſt ohne mein ferners Sagen ihr wolverdienter Ruhm der Ewigkeit bereitet/ der wird hienieden bey uns ſo lang gelten/ als lang rechtſchaffene G Ottes Forcht und ungefaͤrbte Tugend bey tapfferen Chri⸗ ſien wird ſchaͤtzbar geachtet werden; droben geneußt die frohe Serl diejenige Freud/ ſo allen denen bereitet iſt/ die in ihrem Leben und Wandel treu erfunden worden. Ich ſchreite vielmehr zu dem/ weßwegen ich vornemſich heꝛfur getretten bin/ und ſage einem fuͤrnehmen Tꝛaur⸗Um̃ſtand/ im Namen deß Hert⸗betruͤbten Heren Wittibers/ und angchoͤ⸗ riger Leidtragender ſaͤ̃tlicherFreundſchafft ſchuldigen Danck/ daß derſelbe ſich gefallen laſſen wollen/ mit Hindanſetzung ho⸗ her Am̃ts⸗ und anderer Haͤußlichen Geſchaͤfften/ bey gegenwaͤr⸗ tiger Traur zu erſcheinen; wienun darauß die ſaͤ̃tliche Leyd⸗ tragende deſſen hohe Gemuͤhts⸗Neigung beſier maſſen verſpuͤh⸗ ret/ als ſchöpffen ſie darbeneben einen krafftigen Troſt/ und werden ſolche Wilfärigkeit allezeit zu preiſen ſich ernſies Fleiſſes laſſen angelegen ſchn; bitten dabey den Hochſten/ er wol⸗ ie Sie allerſeies fͤm̃tlich/ und einen jeden inſonderheit/ fur der⸗ gleichen Traur⸗Fallen gnadig behten/ hergegen mit gutem Gʒlůͤck von oben uͤberſchůͤtten/ daß bey ihner frolichen Begeben⸗ heiten Sie moͤglich ſie Dienſte zu enweiſen/ Urſachund Gele⸗ genheit nehmen moͤgen. EPI n———— I. 3 I qua perennantes digna eſt, quæ viveret annos, 5 ² Magni TürsRERr clara marita fuit. Magna equidem magnam eſt ætas comi- tata maritam. S Virtutes ſpectas? ah citius moritur? Ninc deflet mœſtis patientia laſſa labellis, Candor, amor, pietas, juſtitia atque fides. Flet nimium gravidis cellus TürsNERus ocellis, flent quoſcunque juvat ſimplicitatis amor. ged modus in rebus; lacrymantes ſiſtite fluctus, Vivit fama ſolo, vivit& illa polo. Hiſce Feata Matronæ ã pietate, prudentid omnibuqᷓ wirtutibus ſexum decentibus Nobiliſime manen venerari,& aflidiſimum Dn Vi- duum, Collegam ch Compatrem ſuum honorutiſimum /lari voluit Johannes Weiſo/ Mor.& Civ. Prof. & h. t. Acad. Pro-Rector. G II. 50 Epicedia. 11. RẼbus in humanis ſunt admiranda jehovæ Numina, quæ nutu cuncta potente re- gunr. Heu! Dilecta jacet TürsnR Coſta peræqua, uæ rexit mira fedulitate Domum: me vitæ ſpes, ſolamenque reale, Nunc ſubiittetricæ ſpiculadira necis! Avplaguit Domino: ſua ſic fuit alma voluntas, Quicquid jova volet, nos quoqʒ velledecet. Fic voluit Dominus Matronam cedere fatis: Quoò nunc æternæ ſecula lucis agat. Felices animæ tali quæ forte fruuntur: Queisque licet vitã ſic ſine fine frui. Diſcat quiſque mori moriens ut vivere posſit, In vita eſt virtus maxima: Noſſe mori. Debitæ Condolentiæ& ſupremi lonoris ergo Hartmannus Jacobi D. Conſiliar. intim. Regim.& Acad. Cancell. atque P.P. ibid. Epicedia. m. ic ergò infelix Saram nunc Urna tenebit, Quam quondam Coſtam Noſter Tülsne- rus amabat. Oſſa ſed Urna ſuo deperdita tempore reddet, Et ſimul excipient Sponſam tunc brachia Chriſti. Zomgelu ſiæ conte- Mandeæ caud F. petrus aberkorn D. IV. u viduata Pomus qum triſtia multa minatur, prꝰ letu pulſant aſpera fatafures. De vitæ Socia, Juotie⸗ lux ingruit atra, Mens ſpirat tremulus vcegemente ſono. Pißnpro in vhulami neu conſumere ſoles, In renebri hora dinumerare, grave ed, S ſertem cumula turbatam efata ſenectus, yerdeñ aßflicti mortis imago Sen. Majus ubi Foli ſolamine ſubſidiqᷓ NMunc opus, heu! Solus ſtat ſine Sole Domus. cCum mente aſflita inſymnes deducere noctes, Arulu ingraum fert gravecordi onu 62 A. 51 Epicedia. In thalamo binis, ſociali fdere Jundus, Sors leviur duriſt toleranda Jugi. Altera compatitur Cunjux, cumpaſſioconfert Munma lemimen, cum levitate cruci. Quæ Viduum turbant triſtem, Tüt sRRRE Colende. Eheu Te rapiunt nunt iterata mala, Cælitus immittens Lugenti Dextera lutum, Pert uſſ ſanet vulners dira Seni ceu⸗ Domino viſum, ſic fadum et, diva Volumta⸗ Fian perpetuos ſ benedidꝰa dies⸗ Mærenti Viduo, cujus mens, crura vacillant Er pedus ſubdat fulcra henignu Deus! pertæſum tandem vitæ transportet ad Arcem, Læra ul cum Jancis e capienda quies Ex animo verè condolenti appoſuit Johannes Nicolaus Mislerus D. V. On dolor eſt major, quam ſi mors ſepa rat atrOX Quæ ſunt unanimi pectora juncta fide. Nam Nam velut à toto membrum divellitur ægrè Corpore, quin doleant relliqua membra ſimul; Sic nequit avelli conjux à conjuge chara. Quin dolor& luctus cor premat inde ſuum, ninc, Tülsnere, doles, quoniã ſuaviſſima cõjux E thalamo tumulum viſere juſſa fuit. Quæ tibi curarum molem quandoq́; levabat, Quæque ſenectutis dulce lenimen erat. Siſte igitur luctũ, mæſtamq́ʒ remitte querelã, Eſt pariter nobis hæc ineunda via. condolentis affetus teſtandi cannd appoſuis Anton. Henricus Mõllenbecius, D.& P. P. S v. T 1 1NWEREy uu⸗ candidioribus Funceritatus gaudet amoribus, Oditq ſucos veritatem Pectoras ingenui amulantes, eſtimabit⸗ qud pietas fu⸗ Ornata ſplendet. cordis imaginem⸗ cMecumqᷓ dicct: Munds lardam Exu, ꝙ hos imitars mores. G Fic 54 Epicedia. Sic dicet omnis, cui prolitas tus Eh nota vite: ſed latrymabili Heu/ non minores excitabit Omnilut ißte ſatusdolores! Vꝛres ſenectu⸗ nunc adimens T iba, Tanguore turbat Figidiuſtulo HEtatit annos, Conſugiᷓ Expetit aßiduum/uamen. eAℳt ceßat ilud! Fehilis occidit Vxor, Mariti delicium ſii Vxor ſdelis; vurtuoſa Occidit, atqᷓ ſenem relinquit. O plena luctu& triſtitid dies! Singultientes me querimonie Vꝛncuntʒ amicum qui dolorem Vungere qui lacruma⸗ recuſet ⸗ Fic derelictus viere cogitur ThxSNexys. Fhenl char⸗ ſodalita⸗ Diſrupta reddit longiores cMæſta moras venientis«Vi Fradaqᷓ ſensimper Lrae duplicat Pondus ſenecte; tot mala quot dies⸗ Vi- EFpicedia. Vitæ minatur litudo Auwiliis comitata ſctiſ. Jedò bonorum lendor amahilis TxSREREy ceſſa te querimonii⸗ Indeſimenter macerare: Sic placido placuit Vx Novæ. Plerumᷓ falſis nominlus placent Humana, ſemper pollicitis minor Jors eſe conſuewit ſalutem Non niſt vera S A1 us refimdet. Inßicta triſti vulnera pectori Smul paternam ſigniſicant mæanum Caleſte Numen ſaucia vit, Maſu ut auwilium ſequatur. Cælum: lequatur/am reſonat. Tili Adſunt ſdeles excubi pol. Ncum manelut VEſuu ipſe Atᷓ tui geret uſe; curam. Sinceræ owjunge conteſtand. g lugens appoſuit. Taurentiu Strauſi/ Md D. c P. P. Epicedi. VII. 6 6. G F Eſtinata tuæ veſtigia quando Sororis Per varios caſus, morte, Beata, premis, Ne ceſſent unquã lacrymæ mcœroribus addis Moœrores, noſtris vulnera vulneribus. Vix illa ante annũ trina cum prole ſepulta eſt, Cum fato ſimili morte perempta jaces. Delelas ideò manſiſſe ſuperſtes ut in Te Quæ jamjam cœlo, hic viveret alma ſoror. Et diviſa Orbi tecum materna viderent Munia, nonullis ſat celebranda modis, Sedte mortalis jam dudum cura reliquit, Ad pia quæ nata es gaudia cœlituum. Ergo abis angelicam quò conſpectura Sororẽ Pternos annos ducere læta queas. Nos certè querimur, conſortia veſtra dolẽtes ln mundi pelago deſeruiſſe ſuos, Veſtrarumq́; ſimul fanctos miramur amores Quos nec dura etiam mors ſuperare poteſt. Indulgete igitur conſtãter amoribus,&quos lncepit tellus continuate polo. Gau- Epicedia. 57 Gaudeat ut totus Sanctorũ cœtus Olympum Concordes animas conſociãſſe ſibi. Interea in Mundo nonulla oblivio Veſtras Delebit laudes aut pietatis opus; Ambarum potius dicent ventura Sororum, Secula virtutes ſeraqͥue poſteritas. Ipſe ego perpetuos tumulo pietatis honores arum voveo, quod mihi chara tegat. lug. pon. obſerꝰantiſft VIII. QO Culuit ſidu. Tſieri, nobileſexu⸗ Fœminei cordis portio, vita, nitor. Qux pietate ſi generi ſplendore nitebat, Hanc facit obſturam mors atra fulceſid. Pectore lethiferum hunt perſentit vᷣulnu⸗s in imo Vulnerus marens orbuamorè ſiu. Sic mors eit noſtre, qud vidimus, inſita vite, Hanc ſervat legem mort inopimaſuam. Sutinuit curas pia C Mater, premia victrix, Cætibus Angelici addita leta, tulit. N Caj- 58(0)56 Gaudia qus petiit, tenet ild paſtitur auræ 1 x datur electis induiturq; ſold. Vijßlicuit tandẽ punctum quod viimus, orbin Sordeſcit/ cæli rigna lenerẽ ſuat. Kilianus Rudrauffius, P.& P. IX. vIaTOR cMATRON MOBAL FFLME FT HONESTISS TMe HTC O55A §SNT cCONDTTA RLISABETIHF CATHARINE MAGNO PRO 6 NATE HASSILE cANcCRLLARIO coTrHOrRRDOAMTHONMIO STPPIO PRIMM NUPTA FRLICITER ALIQVOTIES PEPERIT⸗ Lros 00)50 55 LV OJ NDINIAM 0O M VMXDO MOX DEV5 ERTPVTT. INCLVTO DEINDE CONUNCTA TULSNERO ANTECESSORI ACGADEM IF NOsTRE EMERITO duo LusTRA sEcuNDI ToRFExEGIT FNE PrERPERe VOTI ET GRATVLATONE. TOTA HASSILA FETUS NOVIT pIETATEM EIERMOsvRAs DEPRpIcAr pApnREs vICINI BENEFIEIA COLLAUDANT coCNATT DTTEM LTBFERALATATEAM yENERARNTVR. ATRONALIUM FHF C VIRTuTuM CHRISTIANARKHM voMlcI.IuM gRAr. CASTTTATIFS, REVEHRENT NMARITTM, 4NSVRTVPINIS „RVPENTI ET SFEDVLATA5 oE cONO AMICE ARDENTIS LV E DITINI ₰MORLS. H2 * s1c vivEBAr; FT ITA MORIEBATUR RELE6GATO OMNI MVNDANARVFM NERM DESADERO MN VO7A LIBERATIONIS DESyDA BA. PERFEGRINA MUNDI ANHELABAT PRISTINAM CIVITATEM NON MANuFAcCTAM. VLTLMT 6EMTVS CGLARIS EXPRESSIVERBIS,- QN DEFOTTO CONCEAMANTIMLAM LFCTV FET LACRVM I5 SXCTPIRRAT. HI FUERB. ABSOLVI PFEKEGRINATIONEM MEAM. exTEAMpo DEREE orpoo ANLMA FT DFFTDE AARA. S1c RELICTuM MOLESTuUM DIVRRSoORIUM EsT RT PATRIA ADITA CORLOR UM. con ———————————— — coRpus px RITU PIoRuM cOMposrTuM SUB HOC MARMORE PRSTOLATUR FSALVTAREM ANIM FVe RFVENTVM FT BEATAAM RESFPRRECTONEM. VALE VIA TO R NEC DEMEMINERIS PEREGRINuM TE ESSF. 7D TTBV, JD cMIHI voyzo PHILIPPUS LUDOVICUS HANNEKEMIUIS. DOCT. ET PROF. GIESS. POSTTVM F. MQVE A. 0. K. M. DC. LTT. MENWSE FFPTEMBRK. ſich liebet/ Das einſ Antonius/ der groſſe Mann/ g⸗ zeůgt. Scht! wie es faſt zugleich ſich Himmel an begiebet Wohin zugleich auch war jhr beider Sinn geneigt. Es kan das Schweſter⸗ Hertz der ſelbſte Tod nicht trennen/ Es wil in jener Wele/ wie hier/ vmembart B 1 X. S wie das Schweſtern⸗Paar/ das aͤdle Pan picedia. Muß ſich der eine Leib zur Toden⸗Schaar bekennen/ So folgt der andere/ bis ſelbſt ins Grab hinein. ʒwar iſt hr Todes⸗Fall nicht wenig zubedauren/ Hat auch hervorgepreſſt ſchon manches Hertzens⸗Ach Weil uͤber ſolchen Fall viel werthe Freuͤnde trauren/ Und blaben beyderſeits betrůbte Wittwer nach. und aͤdler Tuͤlſener/ der Du durch Themis⸗Lehren Bis an das Sternen⸗ Dach geſetzet deinen Ruhm/ Wie ſehr dir dieſer Fall koͤnn deine Ruh verſtoren/ Erweiſets allzuviel dein hohes Alterthum̃/ Doch wollen wir mit dir dem werthen Paar es goͤnnen ⸗ Daß jhre Seelen auch vereinigt mogen ſeyn Dort in der Ewigkeit. Was wir nicht aͤndern koͤnuen⸗ Da iſt der beſie Schluß: Gib dich gedultig drein · Es weis der treue G Ott in frommer Chriſten⸗Sachen/ Die Er durch ſeine Macht und Gnade ſtets regiert/ Trotz unſerer Vernunfft/ es endlich doch zu machen So/ daß man ſagen kan: GDit hat mich wohl gefuͤhrt. Alſo bezeugte ſeine Schuldigkeit L. Friederich Mitzſchke Mathem. P. P. X I. „ nxietas nunquam moœrorem vincere tentat, Quò gravior nullus ſæviot atque dolor. Hæc fert infẽſix Tiülſnerus fata maligna, Lumine nudatus conjugis Ille ſuæ. Pet. Epicedia. Perdidit anxilium dextram quoque corporis ægri Amiſit, factus nunc iterum viduus. Triſtatur duros abſorbet mente dolores, Abreptam coſtam nocte dieque gemit. Nec tamen æternum referet Te dira tenebris Sors, neque ſpe ſemper Tu viduatus eris. Debitu condolentis ꝛeßan- de ergö Henricus Petrus Haberkorn J. U. D. ejus Prof.& Academ. Syndic. M DR 1 G A L D faͤlt die Wohnung ein/ Das hauß zergeht/ die Huͤtte wird ʒerriffen/ Wann wir an jene oͤrter muͤſſen/ Da ſich ein jeder wuͤnſcht zu ſeyn/ So bald es ſeinem GOtt beliebt. Wie daß wir dann die Wohnung hoͤher achten/ Alß das ſo ewig waͤhrt/ Den unvermiſchten Gaſt? und nicht ſo trachten Mit allem Fleiß dahin/ wie dieſe hat gethan/ Daß wann hier auff der Erd Das Hauß/ der Leib/ ſich nach der Seclen hat gericht⸗ Hernach/ wann dieſer gantze Welt⸗ Kreis geht zu nicht/ Und GOttes Hand das Haus deß Leibes ſchoͤner 64 Epicedia. Sich mie demſelben wuͤnſch die Seel vereint zuſein/ Um̃ in die Ewigkeit vergnugt zutreten ein„ Welche Vber das ſeeligſte Ableiben Deſſen Ehegeliebter Hauß/Frauen/ Frauen Ann⸗Eliſabeth Tulſnerin/ Geborner Amon. Dem Hoch⸗Edlen und geſtrengen/ Herin Gregorio Tuͤlſnern weitberuͤhm⸗ tem Juris Cto, Comiti Palat. Oæſar. und S. Hochf. Durchl. zu Heſſen· Darmſtatt Hochverdientem Raht; auch Profeſſori juris Ordinario und der Lobl. Facultaͤt Seniori und jetziger Zeit hochanſehnl. Decano&c. Seinem hochgeneigten Heren und groſſen Gonner Schuidigſi uͤberreichen wollen Clas Chriſioff Luncker. Dr. Hf. S. R. und Pr. ſt dañ nun auff keine Weiſe dieſe Treñung ʒu vermeiden t Muß ich/ nach ſo kurtzen Freuden/ ſolche Pein und Jam⸗ mer leiden? Der ich ſonſten/ mit Behagen/ pflegte meine Plagen dir/ Dir zu klagen in Vertrauen/ Katharina/ meine Zier! O deß uͤbergroſſen Schmertzens/ Daß ich muß den Tagerleben/ Da die/ welche mir der Himmel hat zum Eh⸗Gemahl gegeben/ Itztin meinem hohen Alter durch deß bleichen Meders Krufft⸗ Mir Verlaßnen von der Seiten wird ſo plotzlich hingerafft. Hilfft dann kein artzneyen ferner/ ihr deß blaſſen Tods Bekrieger: Welchem es anjetzt ſo glukket Ihr/ der Kranckheiten — Epicedia. 4 denn alle Kunſt verlohren/ ſo man vormahls wol geůbt Bds.— und auch an Deren/ welcher Tod Michjett betruͤbte Alſo uñ dergleichen(glaub Ich /hat man ſchmertzlich hoͤren klagt Euch Hoch⸗Edler Her: zuvor/ und jetzt/ da wird zum Grab getragen Euer allerliebſtes Hertze/ welches uͤber zchen Jahr Euch von Gott in guter Ehe gluͤcklch anvertrauet war. Billig zwar/ mein Her Gvatter klaget ihr ſam̃t Anverwandten/ (Welche ſaͤ̃tlich euer Liebſten aller Tugend Wohnplatz nañten/ Weil Sie Chriſtlich/ from und Ehrlich Ihre Lebens⸗Zeie vollbracht:) Daß Sie hat ſo bald gegeben Euch und Ihnen gute Nacht: Dann/ wenn es(wies iſt natuͤrlich/ dieſer Welt Adieu zu ſagen/ Iſt es auch nicht unnatůͤrlich/ fromme Leute zu beklagen/ Und vorauß die liebſten Freunde doch ſoll man immitels ſchn Auch auf das/ was einmahl Menſchlich/ und nothwendig muß geſchehn. Zr Herꝛ Doktor Ihr ſagt wohl · Mein hal⸗ es Leben; Ja/ Sie war ein Menſch darneben/ und der Gott der Sie gegeben Hat Sie wieder hingenomẽ drum/ Her: Doktoꝛ thut gemach/ Dencket dieſer groſſen Klage nur ein wenig beſſer nach! Zwar/ wenn Kraͤuter Saͤffte Wir und des Machaons uͤnſte Konten einſt zu rukke ʒichen denen Parcen Ihr Geſpůnſte/ Dorfften wir anjetzt nicht klagen/ daß die zu den Meinſten hin/ Deren Abſchied nun betrubet/ Her: Gevatter! Euren Sinn. Aber/ D wir arme Menſchen welche mehr denn hundert Scuchen Mahnen unſrer Sterbligkeit/ und machen uns zu toden Leichen Einem Epicedia. Einem iſt der Mitz verhartet/ einem andern allzu groß Jenen macht das krancke Hirne/ beyds Vernunfftund ge⸗ 3 bens⸗los; Wald will der beſchwerte Magen unſre Speiſen nit mehr kochen/ Hebet an/ der Buͤrdewegen/ wider uns mit rechtzu pochen. Dieſem iſt die Leber hitzig· Jener fuͤhlet Nieren⸗Schmerz; Bald die zazte Lung nimit Schademdenn das dreygeeckte Hertz. Mehr denn viertig arten Fieber warten auff uns arme Leute/ Der kalt warme Leib wird endlich dieſer boſen Krieger Beuthe; Dann da 4 hart zuſammen Hitz und Froſt in einem treit Biß ſo lange Frieden macht die allgemeine Sterbens⸗Zeit. Aber/ was iſt denn fuͤr Jammer/ wenn man erſt auff allen Gaſſen In der Hoͤchſten Ein ſamkeit muß ſehn die Haͤuſer gantz verlaſſen/ n Kind der Vatter laͤſſet/ und das Kind den Vatter h/ Da ein nichtzu dem andernſicher kan noch darff hin⸗ gehn? Dich mein Ich /duſſchlauhe Seuches denn/ werwolte dich gern nennen/ Du der Menſchen Moͤrderinnee Ich die Warheit ʒubekennen/ Thar es nicht/ wenn nit der reimen ſolches wolt/ Dwilde Peſt Ein verborgnes Apoſteme bald ein m andern gibt den Reſt. Und wer wolte wohl erzehlen die geſamte Schmertzen Schaare/ Dieuns/ unſrer Suͤnden halben/ bringen auff die Todtenbare e Pokken/ Roͤteln/ Braͤune/ Kolit/ Zipperlein/ Gicht/ Ruhr und Stein Schwindel/ Schlag und Waſſerſuchten můͤſſen unſre. Hencker ſeyn. 3 Epicedia. Mancher wird/ eh Ers gemeint/ mit mehr dann drey undzwan⸗ . tzig Wunden Fortgeſchickt ʒu mehren hin; dem folgen in ungleichen Stunden Andere/ vom Brod gethan durch einenſcharffen Biſſen Bley; Viele gibt in Pfort des Friedens ein mit Gifft gefůlter Brcy · Summa:der Tod geht gleich durch mit ſeinem ſchwartzen Re⸗ gimente/ Auch der Doector ſelbſt mus werden ſein ſelbſt eigener Patiente. Zwar ein Artzt der kan fur alles; dieſes ein gefchlt jhm nur/ Daß Er nicht fůr ſeinen Tode kan erlernen eine Kuhr. Drum̃ was mag ſich doch erhehen dieſer leichte Staub und Aſchet Wenn derArtzt nun langgeflikket dran aus ſeineꝛKraͤute: Taſche/ Heiſſet es doch endlich alſo: Nun der Patientiſt Tod; Wei der Menſch/ das Erden Kind/ nicht mehr iſt als ein Hand voll Koth. Alſo muß es ſein geſtorben: Wenn nun aber wir betrachten Wie ſotheuer/ hoch undtrefflichein ſchnell⸗ſeel ger Tod zu achten Scy voralles Gut der Welte; ſchlieſſen wir ja billig frey/ Daß auch FrauEliſabetha mehr dannwohlgefahrenſcy⸗ Meine Wallfarth iſt vollendet/ ſagt Siechr Sie indie Hande Ihren Geiſtgab Ihrem Schopfferder gab Ihr ein Ritter⸗Endeꝛ Denn Ich ſage ſchier/ daß werſich hier ſehr lang auff Betten uaͤlt/ 9 Scheine nicht zu ſchn ſo werthe/ das Er werde bald entſeele. GDes/ der du ſo wohl haſ laſſn die Frau Dortorinne fahren/ Setze dero liebſten Eh⸗ Herꝛn von den abgelebten Jahren Mehr hienzu als noch die Hefffte: Laß doch dir befohlen ſeyn Diſe groſſe Licht der Heſſen; undlaß deinen Freudn⸗ Wein Jj Dben Epicedia. Dben von dem Himmel abe Sein betrubtes Hertz erquicken; Du kanſt deine Gnade Huͤlff und Linderung zu⸗ chikken Daß ſein 5 Hert nicht werde durch die Traurigkeit ver⸗ zehrt: Es iſ ja der liebe Doctor eines beſſen doppelt werh. Dieſes hat zu ſchuldigen Ehren ſei⸗ nem Sꝛoßgeneigten Herin Gevattern/ alß auch ſaͤm̃tlchen dero Seeligſt⸗ Verſtorbenen hohen Anverwandten/ ſo dienſffertigſt qis Mitleydentlich außgefertiget und üͤbergeben Johann Philipp Gieſiwein Der Artzney D. u. P. X1v. Siſt alles alles eitel ſyricht deß Predigers weiſr Mund/ Es iſt alles alles eitel/ was in dieſem Erden⸗Rund SMnſchen⸗Kinder fangen an/ eitel iſt die eitle Ehre/ Db ſie ſchon noch eins ſo groß/ ja die allerhoͤchſte ware/ Ettel ſind die ſchnoͤden Guter/ eitel iſt der ſtoltze Pracht/ Reichthum̃/ Wolluſt/ Freude/ Wonne/ was den Menſchen muhtig macht/ Eitel iſt deß Menſchen Wit/ Weißheit/ Klughei/ Kunſi/ Viel⸗wiſſen/ Koſ̃t es nicht von Goties Hand; Selbſi der Menſch/ der hingeriſſen Wid/ beßaͤrckt durch ſein Exemyel allr Sachen 1 Epicedia. Wol dann dem der wol bedencket hier in dieſer lebens⸗Zeit Allen eitlen Menſchen⸗Tand/ der darein ſich nicht verliebet/ Noch dem Abgott Secligkeit/ Leib/ Seel und Gewiſſen giebet/ Der hierinnen emſig folget der Frau Doctor⸗Tuͤlsnerin/ Die in jhrem Lebens Wandel all jhr Tichten/ Muht und Sinn Von dem eiteln abgewand/ und deſſelben ſich entſchlagen/ Deſſenthalben har auch jhr GOtt beſtaͤndiges Behagen/ Rechte Gůter/ ſiete Freude/ Ehr ohn Ende beygelegt. Ey ſo laſſet euer Weinen/ die ihr dieſen Tod erwegt Iis ein hartes/ welches euch GOtt hieruntet hatt erzeiget: Seyd jhr wund/ gedencket nur/ daß er Vaͤtterlich geneiget Euch hinwieder zu verbinden. Goͤnnet doch die Ewigkeit Der nunmchro ſeelgen Secle/ gonnet ihr die ſtete Freud/ Gonnet ihr ſchonen Tauſch Hier iſt anderſt nichts zu⸗ offen/ Es iſt alles eitel. Wol dem/ der ihn har getroffen · Hiermit hat der Seeligſi Verſtorbenen die letzte Chre gehorſamſt erweiſſen wollen. Henrich Wilhelm Graſthof. —— XV. W Gottder HErt den letzten Schlag gethan/ Da faͤngt er wieder an. Was uns amwehſten thut/ vflegt er zů ruhren/ Mit ſeiner ſtarcken Hand/ J Und 70 Epicedia. Und was das liebſteiſt hinweg zu fuͤhren Durch bittern Todes⸗ Band· Es gieng vor kurtzer ʒeit die Hoffmannin 4 Mit zwehen Soͤhnen hin/ Jetzt da die Wunde noch nicht rechtgeheilet/ Muß auch die Schweſter fort/ Da wird das Hertz aufs neu noch eins zertheilet/ Und faſt aneinem Ort. 3 So iſt/ je mehr/ der Vatter liebt ſein Blut/ Je ſchaͤrpffer iſt die Ruht: ſt Wer Gottes Kind begehrt genaͤnnt zu werden/ Der ſchicke ſich zur Laſt: Wer lauter Wolluſt ſucht auff dieſer Erden/ Der iſt bey GOtt verhaſſt. 4 Sih/ was der Ackermann im Felde thut Mit ſeinem beſten Gut: Er yreſſt/ ſo feſi er kan/ ſein Kornund Heue/ Legt auch wol Steine drauff⸗ Daß nicht ein groſſer Wind die Frucht zerſtreue/ Voch ſonſt was druber lauff. 5 o Epicedia. 71 F. Wo aber nichts als Spreu und Stroh ſich find ⸗ Das gibt er frey dem Wind ⸗ Er mag es nicht mit ſchwerer Burd belaͤſten/ Weil ers gar wenig acht/ Es hat ein Hund und Sau/ zuihrem Beſien/ Ein Laͤger drauß gemacht So ſind vor G Ott auch die Gottloſe Leut Durch Wolluſt⸗ Wind zerſtreut/ Der HeER laͤſt ſie in ihren groſſen Suͤnden ⸗ Nach eignem Willen gehn: Dakan ihnen Satan bald ein Ruh⸗ Bett finden So ihm muß offen ſtehn · 7. Die aber/ welche Gott am meiſten liebt/ Die hat er auch betruͤbt/ Er preſſet ſie mit Trůͤbſals ſchweren Pfuͤnden/ Und halt ſie wol beſchwert/ Daß nicht durch Luſi und uͤberhaͤuffte Sünden Ihm einſt entzogen werd ·— 8 Nim̃t nun der Tod die deinen auß der Welt/ Schweig/ GOtt es ſo gefoͤlt/ Er liebet dich/ drum̃ muſt auch du empfinden Wies — 71 Epicedia. Wies ſeinen Kindern geht/ Des troſte ſich/ der bleiben muß dahinden/ Der gantz verlaſſen ſteht. 9. Iſt dieſer ſo erquickt und auffgericht/ 5 Mehr bedarff man nicht/ ann der geſtorben iſt/ hat ſchon empfangen Des Creutzes groſſen Lohn/ Wir muſſen noch mit aͤchzendem Verlangen Erwarten dieſe Kron ⸗ IO. Wer nur einmahl zu dieſer Ruh kan gehn/ Begehrt nicht auffzuſtehn/ Wie wohl iſt dem/ der auß ſo langen Streiten Zum Frieden wird gebracht. Der vor muſt weinen unter boͤſen Leuten/ Und nun die Welt verlacht. 11. Ein kranckes Kind/ wans auß dem Schlaffe koͤm̃t/ Obos gleich die Amme nim̃t/ Thut auch in allem ſeinen boͤſen Willen/ So ſchreyts doch immerfort/ Es laͤſſet ſich mit keinem Dinge ſtillen/ Als nur an einem Ort. Diß Epicedia. 6 Dieß ißi der Mutter⸗ Schoß/ da ſchlaͤfft es ein: Bald muß es ſtille ſeyn Im gantzen Hauß/ daß niemand werd gehoͤret Von allem Hauß⸗Geſind/ Damit ja nicht zu balde werd verſioͤret Vom Schlaff/ das liebe Kind: Es ſoll ja aller Menſchen ins gemein Die Erde⸗Mutter ſein/ Der Schoß/ ſo dieſer Mutter zugegeben/ Iſt ein geruhig Grab: Wer hier mit/ Unluſt/ Pein und Neid um̃geben/ Der ſehnt ſich da hinab · Was iſi in dieſer trauer vollen Welt/ Das unß zu frieden ſiellt Wird auch die Seel in Unluſt Ruhe finden In dieſem Jammerthal/ Da Noth und vod ſich wider unß verbinden Und Kranckheit ohne Zahl? F. Wo iſi dann in der Welt ein ſichrer Ort Vor allem Nord 74 Epicedia. Wer wird befreyet ſein von allen Plagen/ Auch in dem reichſten Schioß! Was Gluck und Reichthum̃ uns hierin verſagen/ Das gibtder Erden Schoſi. 16. Dem, der bey Zeit in dieſen Schatten weicht/ Sind alle Buͤrden leicht/ Da iſi Betruͤbnůß uͤberall verſchwundenʒ Hie findt er gute Zeit/ Was ihm zuvor geſchlagen tieffe Wunden/ Iſt jetzo lauter Freud. 17. Ob gleich in weitem Feld die Trommel raeß/ Ob man Trompeten blaeſi/ Iſi gleich die Weld in ungeheuren Kriegen In Mord und Brand empoͤrt/ So wird er doch in dieſem Schoſſe liegen/ VNicht eins von Schlaff verſtoͤrt. Wer dieſer Mutter liege im Schos geſtreckt/ Und von ihr zugedeckt/ Und dann verneut vom Vatter wind erhaben/ Iſt glůͤcklich uͤber all: Drum̃ Epicedia. 75 Drum̃ nur getroſt auch die wir hie begraben/ Sind ſchon in dieſer Zahl. Stin ſchuldiges Mictleiden zu bezeu⸗ gen/ uͤberſchickte dieſes auß Leipzig · M. Meno Hannekenius S XVI. O bleibt noch gegen uns dein grim̃ig fechten/ Vernichter Menſchliches Geſchlechts/ gericht? Mit deinẽ Kranckheits⸗Pein uñ Schꝛeckens⸗knechtẽ Undmacht/ daß unſre Heilung wieder bricht: Sind gleich noch friſch genug die letzte Plagen/ Fangſiu doch wieder an auff uns zu ſchlagen. Die Sonn hat ſo geſchwinde nicht vollendet Die jhr auff Jahres Friſt beſtĩte Reiß/ Da haſtu wieder uns auffs neu gewendet Deinfeindlich Heer/ uñfieſſendes Geſ chmeiß/ Nunmuß auch das mit werden auffgerieben. Was von der letzten Schlacht noch uͤberblieben. 5. Ich dacht/ den Troſi/ ſo dumir hattſt entriſſen/ Durch 6 liebſten/ on 76 Epicedia. Von Ihrer treuen Schweſter zu genieſſen/ Daß die mir huͤlffe/ wo mir Hulffe noth: Du aber meinſt/ mir ſey zu wol geſchehen/ Drum̃ muß Sie jetzt mit dir zu Grabe gehen. 4. Muſi danndubleicher Feind/ gleich wiedie Kraͤhen Am ſüs⸗ und wolgeſchmackſten Obſie thum Uns unſte angenehmſte Freunde mehen? Nim̃ſtu vor boͤſen Dienſt ſo teuren Lohn So biftunichtſo blind/ wie man bermeinet/ Weil man das beſte doch zu erſt beweinet. 5. Was aber haſtu doch hiemit gewonnen/ Du von der Luſt erzeugtes Suͤnden Kind/ Daß dieſer lebens Drach ſchon abgeſponnen/ Mit deſſe End auch meine Hoffnung ſchwind. Zwar du behaͤlſt den Leib/ doch bleibt das beſte Die Seel/ bey GOtt verwahrt in ſeiner Feſte. Wir werden ihren Ruhm noch lange ſchen Bey allen fromm geſinnten wehrt geacht/ Ihr vugend⸗Lob kan nicht ſo bald vergehen/ Deß Naͤchßten Lieb hat ſie beliebtgemacht/ Uns muß zum Vorbild auch ihr Sterben werden/ Was haſtu/ Zod? Nichts/ als ein handvoll Erden. Doch Epicedia. 77 7 Doch kan auch dieſes dir nicht einmahl batten/ Dann der den Leichnam an die Seele gab ⸗ Wird ſolchen Staub dir nimmermehr geſtatten⸗ Es muß der Erde⸗Klump auch auß dem Gꝛab · G Ott wird den Leib durch ſeine Krafft erwecken ⸗ So bleibt dir endlich michtz im Rachen ſiecken. Was haſtu dann vor Luſt an unſerm Klagen⸗ Da dich doch unſer Schad nicht helffen kan? Faͤhrſtu gleich fort die Frommen all zuſchlagen/ So haſiu nicht ein Staͤubleins Recht daran. Zwar weil der Menſchen Nothdu pflegſt zu enden/ So ſoll man/ wiltu/ deine Werck nicht ſchaͤnden · 9. Sich aber wie betrieglich deine Thaten⸗ Du nim̃ſt den Frommen auß der boͤſen Welt/ Danmit iſt dieſem/ ſagſiu/ wol gerathen Hie aber bleibt ein gantzer Hauff im Feld/ Der muß durch dieſen Raub in irre gehen: Drum̃ vielen boͤß/ nur einem wolgeſchehen · IO. Auch die ich jetzt bewein/ iſt Zwar entzogem/ Dem/ leider Unß gemeinen vielen Leid/ K ij Und 78 Epicedia. Und mit dem Geiſt dem Himmel zugeflogen/ Außt aller Angſt/ und uͤber allen Neid. Ach/ aber unſer Hertz wird hart gedrucket/ Da dieſe wehrte Frau iſt hingeruͤcket. 11. Bin ich gleich jetzt vom Trauer⸗Haus getrennet ⸗ An einem frem̃den/ dochnicht fernen/ Drit/ Hat doch der Schmertz das Hertz ſo hart berennet/ Als hoͤrt ich alle Leid⸗und Klage⸗Wort. Nicht iſt genug die Thraͤnen dort zu gieſſen ⸗ Auch hie ſieht man betrubte Augen ſlieſſen. 12. Doch ſtille nur! wozu dient dieſes Weinent Laß* Welt⸗Gedancken ehn/ Es kan uns GOttes Will nicht unrecht ſcheinen ⸗ Drum̃ muß das trauren auch zu Endegehn. Pein/ Kranckheit/ Noht und Tod gedultig tragen/ Das iſt die Kunſt/ und ſich nicht viel beklagen. Dieſes ſeiner Seeligen Fr. Muh⸗ men zu letzten wohlverdien⸗ ten Ehren uͤberſendete auß Leipzig Ludiwig Gottfried Hoffmann. XVII. Epicedia. XvI1. Udivi: ſimul ingemui inde ſimul levaut Mentem: Nam nova nulla mihi, nova nulla, videbar cernere. Sic noctis ſuccedit& atra dici Caligo,& facies it formidabilis umbrã: gic& lucenti veniunt ſua nubila cœlo- Ptas cùm fuit, hinc remantis tempora brumæ: Omnia mutatis ſuccedunt undique formis. Quid dicam? nihil. Omnia facta& ficta loquentut. Georgius Hector Mentzerus. Ma nune ſeculs mortis charißima Conjun ccubuit, Themidis TNTSNER E lumen inchhtum? yx dextram reprimo, quin inclementia Tetbi Facta ſtylis fodiat Pyo more non clementibus! Nalia, dum temet tucor, dolorarma miniſtrai⸗ Propoſtum ſimulat Voloris indignatio. Siccint tam ſůavi demum privart marita Conyuge cum ſuerat Opus ſdeli maximẽ⸗ Eia Epicedia. Htas te iaſut, morborum fertilis ata Frigida ſolicitè Ftas foderi demerens. Id preſtare ſatis poterat feliciter, Eꝙ que Careraſunt agilis Domi marita mumia, imdefungi poterat, quam triſtis ademfam Exanimi gemitu Fles ipſe, Vemus inſimu. Exauget luctum pyxſtant in corpors, mentem S memorem ſuheat, Vnntus Vabinas provocan. Quam memorare ſuis veſlitam landihut, ꝙſ. Vcputo, Virgilio Faeßeret negotium. NMtamẽ alma libet mihi non det Mantua laurbs, Audiat inwidia Præcone noſtro carmine: S qua fuit ſero digna ut memoretur in aw Dotilus eximis Matronapreſtans, HAEC FU 4 Epicedia. 81 Sedquidego laudes memorans/tua vVulnera pigo Vulneribus, Themidis Tilnere lumen inchtum⸗ Quin noſtre potius debent ſolatia CMuſã, Fi modo tam tenuis Fert vena quid ſolatii 5 Hoc tamen eſto: Vre tum dobtus, deniq ſervus Numinis. Huic titulo Quidcongruum Nudixerisꝰ mꝙœſtus poſiis Balthaſar c Mentæenm. XVIII. On poſſum TüL.SNER E. tuas prohibere querclas Nec lacrymas reprehendere, nec T IB I demere curas Omnes: nam quid ego, juſtas qui protulit undas Fruſtr a ac immerito fontem ſine mente refuto? Altera vita TIBl, manus altera,& altera mens eſt Erepta,& ſociam TI B I mors infauſta ligavit. Hac ſine ſi vita eſt; T Bl vita eſt nulla tuomet Judicio: mors atra tenet mediãà undique vitã. Quid ſit fas, quid ſitve nefas, Juris TIBl notum Auſpiciis: Hinc ergò tuis moderabere rebus, Ne nimium excreſcat dolor altis fortè medullis, dlon opus, ut moneam: tantum id dixiſſe juvabit. Folannes Ludovicus Menterus. XIN. Epicedia. Ixa cupreſſus adeſt/ tumbam venerare Viator Hæc ſuper inciſo marmore verba notans. Conditur hic veræ quondam Pietatis imago, Quæ ſparſit claras non ſine laude faces. Hinc moœſta inſequitut Pietas,& gaudia luget Quæ peperit variis Fœmina ſancta modis. Rara Fides templumdeflet, lacrymisque liqueſcit, Quod mors turbarit priſtina regna, Pudor. Ingemit Integritas, Patientia lamentatur, Cernis Honeſtatem jam ſua damna queri. Ft Te, Magne Virum, Juris celeberrime Doctor, Te quoque nunc cruciant vulnera dira Senem. Nam fuit inſignis fuit heu dolor/ optima Conjux Quæ tibi grandævo firma columna ſtetit, Hac ſenium fuſtentabas, hæc una Voluptas, Hæc aderat curis certa medela tuis. Interea, Vir magne, tuum Prudentia firmet Pedtus, ne mentem ſors tibi tetra necet. uod Te tam grandi preſſit ſub vulnere Numen, Hoc tibi clementer vulnera cuncta levet. —— — Meno Reiche Lub. E picedia. XR. 1. MAkRlITUS AD UXOREM DEFUINCTAM. H* dolor j eſt major, toto quàm nullus in orbe, Surripuit coſtam Trux Libitina meam! Flos Pietatis erat, viola& humillima Vitæ, Ac caſtæ mentis Tilium ad uſque fuit. Nil valuit Pietas, Virtus, nil fœdus amoris, Omnia diripuit mortis avara manus. Cunda, mihi credas, ſunt momentanea, Morti⸗ Aufeyt hæc und vis truculenta die. Nil juvat aſt nimium mentem torquere querelis, Nil juvat intentum luctibus eſſe nimis. Sic fuit æterni Domini divina voluntas, In cujus noſtra eſt vitaque morsque manu! Mos, quocunque DE US velit ordine, quisque ſequemurʒ Nil datur in mundo certius atque mori. Tu verò Conjunx ſemper dilecta quieſcas,* Donec ad aſtra Poli Nos quoque Jova vchat. Juterea placidè recubent tua membra ſub urnã. Et Mens æternæ tempora Pacis agat! DEFUN6CGTA AD MARITM sUPRRsTITRM Cr mea deploras lacrymoſo funera luctu? Cur gemis ad cineres, chure murits/ me Patce 34 Epicedia. Patee Deum lacrymis inceſſere, parce dolori, Deſine me quæsò deſine flere nimis: Nil ſtabile in mundo eſt, ſed cuncta fugacia: Cælo Chriſticolas demum Patria certa manet. Vivere ceſſavi mundo, jam vivere cælo Incipio; in cœlo ſunt ſine ſne dies. O igitur felix/ cunctis defuncta periclis, Quæ capio, ante Dei, gaudia mille, Thronum Exuvias hæc Urna tenet, mens vivida cælo, In Te, Chriſte, diem non obitura, manet: Viximus unanimes, Nobis mens una, Voluntas Una fuit; ſed nunc omnia mors rapuit. Tempus erit, rurſum quo nos jungemur amantes, Inque Polo Nobis Vita perennis erit, Siſte igitur lacrymas querulas, luctumque, Marite. Et ſemper ſalve perpetuumque vale: Mæſeßimns Viduus facieb.