— —— „ —„ Vorrede. was Paulus errinnert: Niemand betriege ſich ſelbſt. Welcher Cor a1. ſich aber unter euch důncket weiſe zu ſeyn/ der werde ein Varr in dieſer Welt/ daß er moͤge weiſe ſeyn. Und anders wo: Thur nichts durch vanck oder Eirelehre/ ſondern durch De⸗ Phil. ⁊,. Tage/ da Gott wird ihn den Rath der Herzen offenbahren. Ich bin.Cor ₰. mir nichts bewuſſt/ deſſen was mir Schuld gegeben wird der Kãte⸗& ſeq. rey/ Quaͤckerey/ einiger Trennung oder ſeparation, eing ebildeter Heiligkeit/ Hoheit c. aber darinnen bin ich nicht gerechtferti⸗ Bet/ der Err iſts aber der mich richtet. Darumb richtet nicht vor der Zeit/ bis der NErr komme/ welcher auch wird ans Licht bringen/ was im finſtern verborgen iſt/ und en Rath der Hertzen offenbahren als denn wird einem ſeg⸗ lichen von Gott Lob wiederfahren· Waͤre man dieſer Ver⸗ mahnung nachtommen/ ſo wurde man ſich nicht unterſtanden haben/ mich vor Gottes Gerichtzu citiren und mir allerley Straffen anzudro⸗ hen· Es wird auch darbey bleiben/ daß der HErrrichten/ und recht doch recht bleiben wird/ und den werden alle fromme hertzen zufallen. Ich ſchaͤme mich meines Wercks in dem HErrn nicht/ und ſol mich in Ewigkeit nicht gereuen/ was ich in GOtt angefangen. Ich ge⸗ ſtehe/ daß es nochgar ein geringes gegen dem ſeye/ was in unferm zer⸗ fallenen Chriſtenthumb zu deſſen Wiederanffrichtung in allen Standen geſchehen ſolte/ wie ſchon laͤngſt davon die pia deſideria rechtſchaffener Theologorum der Welt unter die Augen geieget worden. Iſt demnach iuunſern Zeiten erfullet was der eifrige und umb den Schaden Jo⸗ ſeph hertlich bekůͤmmerte Theologus D. Andreas Keslerus in der Vor⸗ rede ſeines Buͤchleins de Prudentia Chriſtiana geſchrieben: Es ha⸗ ben ja bishero viel eifrige Theologi nach Chriſtlicher reforma- tion des Lebens heffeig geſchrien/ und nicht unbillich. Zwar. was die Lehre des Evangelii anlangt/ haben wir dieſelbe durch Gortes Gnade dem ewig Aob und danck dafůr ſeye) rein und lauter/ und da iſt keiner Reformation vonnoͤrhen. So viel aber die Ampts⸗Verwaltung und das Leben des Chriſtent humbs(welches bey der reinen Keligion ſol gefun⸗ den werden/ betrifft/ da iſt Reformation nach gõttüichem Wort in allen Staͤnden hoch noͤthi g Hie brenne ſich ja— man 8 Vorrede⸗ mand weiß und růhimne viel von guter Ordnung und wolbe⸗ ſtelten Sachen. Es iſt ſauter nichts/ und lůgen die Ruhm⸗ precher die da Gootes Volck troſten in ſeinem Unglůck ⸗ daß ſie es geringe achben ſollen/ und ſagen: Friede/ Friede (das iß/ es gehet und ſtehet wol/ es iſt eine oth Luteherus in margin.) und iſt doch nicht Friede Jer. 6,14. nhr wider ihr Gewiſſen in das weite Feld hinein. Ach werden wir uns nicht in allen Sranden reformiren ſo wird GOtt nach ſeinem gerechten Gericht uns noch ferner laſſen detormiren/ bis wir uns endlich laſſen informiren· Ich meyne/ Gotthab an verſchiedenen Orten uns bereits deformiren laſſen/ eben darumb weil wir uns nicht wollen laſſen nach ſeinem Wort refarmiren/ zuver⸗ lãugnen das ungottliche Weſen/ und die welrliche Lůſten/ undzuchtig/ gerecht und gottſelig zu leben in dieſer Welt. Wir wollen aber/ wie es ſcheinet/ mit unſerm Schaden doch noch nicht klug werden/ und nicht bedencken zů dieſer unſer Zeit/ was zu unſerm Frieden dienet⸗ Des ⸗ wegen wird der HErr auch fortfahren uns zu ſtraffen/ bis wir uns den Geiſt Gottes zůchtigenlaſſen. Ach! der fuͤhre uns auff ebener Bahn und gebe allen und jeden erleuchtete Augen des Perſtands/ umb Jeſu Chriſti willen/ daß wir das erderbnus nicht nur allein recht einſehen/ ſondern/ nebſt dem gepredigten Wort alle/ auch die dͤuſſerſte heilſame Mittel der elenden Rirchen zu helffen/ anwenden. Seſchieher ſolches nicht/ ſo werden/ wie die Hoch· Ehrw. Theologif. Fa⸗ cultãt zu Roſtock ihrar Approbations⸗ Schrifft vor die geiſtreichen Schrifften des Seel. Hn. Grosgebauers/ zugibt/ der Wenſchen Ohren verſtopfft bleiben ⸗ daß ſie den Saamen goͤttliches Worts nicht zu hertzen nehmen und Frucht bringenkönnen. Ach laſſet euch weiſen ſchlieſſen ſi/undich mit ihnen/ hr Roͤnige und Richter auff Erden: Ihr Engel der Gemeinen Augenſalbe und greiffet einmůthig/ wit goͤttlichem Eifer und Ernſt/ an das Werck des HErrn: Laſſet des Errn Jeſu Blut nicht an ſo vjel tauſenden euer/ euch ſo hoch ver⸗ trauten Seelen/ verlohren ſeyn/ dann Gott wird ſie pon euren daͤnden fordern, Wer Ohren hatin hoͤren/ der hoͤre! 1 N. J. — *8 (9. Sb88e 1 N GogC der Hißliſche Vatter/ der ſeine Heiligen ʒwar wunderlich aber doch ſelig fuͤhret/ wann er ſie duich den ʒeitlichen Tod auß dieſer muhſeligen und unruhigen Welt vor allem ungluͤckwegraft und zum ewigen Frieden bringt: GOTT der Sohn/ welcher uns die ſichere Wohnung und ſtoltze Ruhe in ſeines Vatters Hauſe bereitet/ und Friede gemacht hat durch das Blut an ſei⸗ nem Creutz: GOẽ der heilige Geiſt/ der uns mit lebendigem Troſt/ Fried und Freud unter⸗ bauet /wann wir die zerbrechliche Hütte ablegen und durch das finſiere Todesthal gehen: Die heilige hochgelobte Drey⸗ Einigkeit ſeye auch in dieſer gegenwaͤrtigen Stunde mit und bey uns allen) auf daß wir die Gottliche Wunder⸗Re⸗ gierung/ welche in dem fruͤhzeitigen Todt gerech⸗ ter und heiliger Leuthe ſich hervor chut⸗ mit er⸗ leuchteten Augen des Verftandes erkennen moͤ⸗ gen auch dieſelbe uns zur ernſien Buſſe/ und Verlaͤugnung alles ungötelichen und unheili⸗ gen —— —— — — 10 Chriſtliche gen Weſens leiten und fuhren laſſen/ damit wir allem/ ſo leiblichem als geiſtlichem/ ſo zeitli⸗ chem als ewigem Ungluck entgehen/ undzu der ſuͤſſen Ruhe und Friede kommen/ Amen. Geliebte und zum Theil nach dem heiligen Willen Gottes betrůbte Hertzen. Er HERR hat uns an dem unvermutheten Todes fall des ſeligen Herrn M. Runckels gewißlich ein hartes erzeiget; in dem er nicht nur allein ſeiner Ehe⸗ ₰ Lebſten und kleinen Kindern einen theuren Schaz und liebreichen Vatter/ ſeinen diſcipulis, und der ſaͤmptlich ſtudierenden Jugend einen getreuen/ gewiſſenhafften und gottſeligen Lehrer/ ſondern auch dieſer Stadt/ ja dem gantzen Heſſen /Land/ einen andaͤchtigen und eiferigen Vorbitter weggenommen. Wo ſollen wir doch dieſen traurigen und bedencklichen Fall hinrech⸗ nen/ und wie koͤnnen wir uns darein ſchicken? Sagen wir/ es ſeye ei⸗ ne Straffe Gottes/ wann jemand in der helfte ſeiner Tage weggerafft wird/ ſo iſts wohl allerdings zu laͤugnen/ und moͤgen wirs zugeben/ al⸗ lein doch alſo/ daß wir weiter ſehen/ als die blinde Welt zu ſehen pflegt. Einem Seligſterbenden iſt der Tod keine Straffe/ ſondern viel⸗ mehr eine Gutthat von dem barmhertzigen und gnaͤdigen Gott. Die Hinterlaſſene aber haben die Hand des HErrn darunter zu erkennen/ und nicht ſowohl die nahe Anverwandte/ welchen der Abſcheidende offt mehr Segen hinterlaͤſſet/ dann wo er bey ihnen geblieben ware/ als ins⸗ gemein eine gantze Stadt undtand/ die an from̃en tapffern Leutẽ Schutz und Schirm Wagen und Reuter verlieret/ wie auß Jeſʒ. Cap.erhellet⸗ da der HErr HE RR Zebaoth der Stadt Jeruſalem und dem Judi⸗ ſchen Lande hart gedrohet/ daß er in allen Staͤnden die jenige wegneh⸗ men wolte/ welche dem gemeinen Weſen nuͤzlich vorſtehen koͤnten/ als im geiſilichen Prop heten und Wahrſager/ im weltlichen Rich⸗ ter/ Raͤthe/ Aelteſten n.ſ.f. worauff der gaͤnßzliche ruin und Unrer⸗ gang der Juͤdiſchen Kirchen und Republic erfolgen wuͤrde; Wie es anch die Erfahrung bezeuget. Daher iſt leicht zu ſchlieſſen/ daß ein Land zu Gl Grun thun elich undt henu jemo noch viel nicht te/w weſe HE Der nge bch lr u hen trab nan var eic ite der yſat den de gene ee as ſcho Rul ſind la Leich⸗Predige 1 zu Grund gehen muͤſſen wann der HErr auf welchem alles als aufeinẽ wie Grund beſtehet(paen)deſſelben Grundſeulen umzureiſſen und wegzu li⸗ der len odes ein Che⸗ ha dder en ieſer igen — el⸗ aft al⸗ ſeh iel⸗ Di en/ oft ins⸗ hu let di⸗ — — — als ch⸗ et⸗ (6 und thun anfaͤngt. Und ſo wiſſen wir nun/ wo wir den fruhzeitigẽ Todesfall etlicher theuren Maͤnner die in kurtzer Zeit dieſem Land weggenom̃en/ und darunter wir auch den lieben Herrn M. Runckel billig zehlen/ hinzie⸗ hen/ und was wir uns vor eine Rechnung daraus machen ſollen. Wolte jemand alhier einwenden und ſagen es waͤre der Seligverſtorbene eben noch keine ſo groſſe Seule der Kirchen und Schulen geweſen darauff viei geſtanden/ und koͤnte demnach durch ſeinen Hintrit uns ſo piel nicht abgegangen ſeyn. So verſetze ich darauff/ daß man fragenkoͤn⸗ te/ was er zu ſeyn verdient haͤtte/ und was er fuͤr den Augen Gottes ge⸗ weſen? Es ligt nicht an weltlicher Hoheit und Anſehen/ der Err ſiehet auff daß was niedrig/ was verachtet iſt vor der Welt. Der arme Lazarus galt bey Gott mehr als der Reiche und vor aller Welt angeſehene Mann. Die einfaͤltige Junger wurden von Chriſto allen Schrifftgelaͤhrten und Phariſaͤern vorgezogen Alſo ſtehet ein ſchlech⸗ ter und geringer/ dabey aber from̃er Menſch/ beyGott in groͤſſern Gna⸗ den/ und kan durch ein eiferiges Gebett mehr außrichten/ als ein hoch. trabender und ſcheinhetliger Phariſaͤrr. Dann mit dem Gebet ſtehet man vor dem Riß und haͤlt das Ungluck und die Straffen auff. Nun war ja/ daß ich von andern Gaben/ die warlich hoch waren/ ob ſie gleich nicht recht erkandt werden/ nichts ſage/ unſer Herr Ma- giſter Runckel ein andaͤchtiger und eiferiger Beter/ der den Geiſt der Gnaden und des Gebets in einer reichen Maß von GOTT em⸗ pfangen/ und ſtunde damit biß in ſeinen Tod ſtandhaftig vor den Riß/ wie Chriſtlichen Herzen genugſam bekandt ſſt. Wann dann drHErr einen Elam/ einen Enoch der eingottlich Leben gefuͤhret/ weg⸗ genommen/ ſo haben alle die Chriſtlich geſinnet ſind/ Urſach frommer gerechter und hetliger Leute Todt zu Hertzen zu nehmen/ und zu bedenckẽ/ was zu Abwendung des bevorſtehenden Unglucks diene/ und/ wie ſie alſo ſchon von allem Ubel befreyet dermaleins zur ſicheren Wohnung/ ſtolsen Ruhe und cwigen Friedenkommen moͤgen. Solches aber zulernen/ ſind wir in dieſem Trauer Hauſe in dem Nahmen des HErrn zuſam⸗ men kommen/ und damtt wirs recht lernen/ wolle der Vatter der Barmhertzigkeir und Gett alles Troſtes durch ſeinen HGeiſt umbJe⸗ ſu Chriſti willen uns in alle Warheit leiten/ den wir deßwegen in einem glaubigen und andächtigen Vatter unſer anruffen. ꝛc. B Die — 12 Chriſtliche Die vorhabende und beliebte Textes⸗Worte ſind teſchrieben von dem hocherleuchteten Prophe⸗ ten Jeſaia Cap. 57/ 1. 7. und lauten alſo; Aber der Gerechte kombt umb/ und me⸗ mand iſt der es zu Bertzen nehme/ und heilige cut werden auffgerafft/ und nemand achtet darauff. Denn die Gerechten werden weggerafft fuͤr dem Ungluͤck. Und die richtig fur ſich ge⸗ wandelt haben/ kommen zum Friede und ruhen inichren Kammern. an pdn dre r ee un vN d:p . e Eingang. Eliebte in CHRJSdO JEStl. Es iſt nichts gemeiners in der Welt/ als daß man bey einem ohn⸗ Urtheil vom Tode( 6* der Gott⸗ C vermutheten Todtesfall eines Menſchen unter⸗ loſen. N ſchtedliche Urtheil falet: Und ſolches geſchiehet . N nicht nur bey Abſterben der Gottloſen/ ſondern Dan. 5. e auch der Gottſeligen. Wann jene mit Belſaßer lLuc. n. dem Chaldeer Koͤnig/ und dem reichen Kornbauern in der Nacht ohnverſehens getoͤdtet worden/ da ſie ſich bruͤſteten wie ein fetter Wanſt/ und nichts wenigers als den Todtbefahrten/ ſo faͤllet man bil Pſz. 19. lich dis gerechte Urtheil in dem Heiligthum Götes: Wie werden S ſie ſo ploͤtzlich zu nichte? Sie gehen unter und m 3 ndi ſie nd ind die m ge⸗ de/ r nchts nehn⸗ unten hiche men lſmer Necht ſitct unbi⸗ erden en ein Ende Leich⸗Predigt. 83 Ende mit Schrecken. Wie ein Traum/ wenn einer erwa⸗ chet/ ſo machſt Du ERR ihr Bilde in der Stadt ver⸗ ſchmãcht. Item: Die Blutgierigen und Falſchen werden blyf. 14. ihr Leben nicht zur helffte bringen. Wie unrecht aber vonder Gottſeligen Todt geurtheilet werde/ hat der weiſe Mann mit folgen⸗ den nachdrucklichen Worten angezeiget: Fur den Unverſtaͤndigen Der From men Fal⸗ B. Weifb. werden ſie die Gerechte) angeſehen als ſturben ſie/ und ihr Ab ʒ½. 3. ſcheid wird für ein Pein gerechnet. Und chr Vinfahrt fur ein Verderben aber ſie ſind im Friede. Es maghler der Ver⸗ faſſer des Buchs durch die Unwerſtaͤndigen verſtehen die Blinde und wider das Volck GO TES tyranniſirende Heyden/ als da wa⸗ ren Antiochus Epiphanes, PupatorDemetrius, und Nicanor zu Zei⸗ ren der Maccabäer/ welche die Inden/ nachdem ſie ihre Heydniſche Grenel nicht annehmen wollen/ durch allerhand Marterelendiglich hin⸗ richteten/ und uͤber ſolche Noth und Todt der Gerechten mancherley Urtheil fälleten/ ob ſie gleich wenig oder nichts von der Sache verſtun⸗ den noch verſtehen kunten/ als die/ nach Pauli Außſpruch/ in ihrem Tichten eitel/ und ihr unverſtaͤndiges Hertzverſinſtert worden. Drey⸗Rom. 1. erley falſches Urtheil finden wir alhier. Erſtlich haben ſie die Gerech⸗ te angeſehen/ als ſtuͤrben ſie/( bacu. Nas iſt/ als giengen ſie mit Leib und Seel zu Grunde/ nicht anders als die unvernuͤnfftige Beſtien; Wie die Epicurer zu ſagen yflegten/ wenn ein Menſch dahin iſt ⸗ ſo iſt es gar aus mit ihm/ im Buch der Weißheit Cap. 11. 1.Zum andern wurde der Gerechten Todt von ſolchen Unverſtaͤndigen fur ei⸗ ne Pein gerechnet. Sie ſchloſſen/ als waͤre der Gottſeligen Außgang (i&G ·) aus dieſem Leben vor eine ſonderbahre Straffe und Plage⸗ die GO Tůber ſie kommen lieſſe/ zu halten/ weil ſie durch einen ſo ſchmertzlichen Todt in ihrem beſten Thun und Alter davon muͤſſten; Da hingegen ſie die Heyden/ in keiner Fahr des Todtes/ nicht in Unglůck wie andere Leute waͤren/ und nicht wie andere Menſchen ge⸗ plaget wurden/ ſondern glůͤckſelig und herrlich lebten in der Welt/ daher ſie ſagen koͤnten: Wol dem Volck/ dem es alſo gehet! Aber was ſolte STTnachjenen/ den Gerechten fragen/ was ſolt der Hoͤheſt ihr achten? Drittens wurde der Gerechten Reiſe in ihr vermeintes Vatterland/ in den Himmll/ da es ihnen ewig wol ſeyn ſolte/ für ein Verderben gerechnet von den blinden Heyden⸗ Sie B 3 machten P. 7ʒ. — ——— Rom. 1. Pſ. 41. Pl. 4. 9. Applica- tio. Propoſ. Pattit. Chriſtliche machten die Rechnung/ weil die Gerechte durch ſo mancherley Pein und Marter hingerichtet wurden/ es wuͤrde der Leib ſamt der Seele zerknir⸗ ſchet/ zumalmet/ durchs Feuer verzehret/ daß wohl davon nichts uͤbrig bleiben weniger einmahl wiederumb zuſam̃en gebracht werden koͤnte/ ſo wenig als ein Topff der zuſchmiſſen und zuſchlagen wird/ wieder zuſam⸗ men gebracht werden kan. Das war das Urtheil/ die Meynung Ein⸗ bildung und Rechnung(ruhs) der Unverſtaͤndigen/ Unweiſen (cdw) Heyden von dem Todt der Gerechten. Woruͤber wir uns ſo ſehr nicht zu verwundern haben/ weil dieſe Leute nur nach der Per⸗ nunfft und aus dem aͤuſſerlichen urtheileten. Und gult hier Pauli Wort von ihnen: Da ſie ſich fur weiſe hieiten/ ſind ſie zu Narren worden · Aber daruͤber hat man Urſach ſich zu verwundern/ daß auch unter den Chriſten ſolche unverſtändige Leute gefunden werden/ die nicht viel beſſer von der Gottſeligen Todt urthellen/ halten derſelben Leben fur eine Raſeren/ wann ſie nicht mit der tollen Weltraſen/ und ſchreyen ihren Todt/ für eine goͤttliche Straffe aus/ wuͤnſchen ihnen anch und ſagen: Wann wird er ſterben und ſein Name vergehen? Da doch das Gedaͤchtnuß des Gerechten im Seegen bleibet. Dar⸗ umb hat man ſich an der gleichen Urtheil nicht zu kehren/ weil ſie aus Unverſtand herruͤhren/ falſch und erlogen ſind/ denen kein Chriſt⸗ verſtaͤndiger Menſch Glauben zuſtellen wird oder kan/ ſondern wi⸗ derſpricht ihnen mit dem weiſen Mann und ſagt? Aber ſie(Die Ge⸗ rechtenſind im Friede/ dem Leibe und der Seele nach. Sitſchlaf. fen und ruhen gantz mit Frieden/ denn der HRRhuffet ihnen/ daß ſie ſicher wohnen. Sie haben Frende die Fuͤlle. Ihre Seele iſt ge⸗ neſen/ und wird ewig getroͤſtet. Dis iſt ein wahres Urtheil/weiches wir aus dem goͤttlichen Wor fůllen lernen. Es hat Philo daſſelbe auch wie es ſcheinet/ aus unſern Tertes Worten gelernet/ da der hocherleuchte Prophet Jeſaias deutlich weiſet/ was man von dem Todt der Be⸗ rechten halten/ und wie man denſelben anſehen ſolle. Wir wollen uns dann von ihm unterrichten laſſen und lernen/ wie wir vom Lodtesfall der Gerechten urtheilen ſollen daß derſelbe ſeye: I. Der boſen und gottloſen Welt ein ominoſer und be⸗ dencklicher/ II. Den Frommen und Gottſeligen aber ein herrlicher und recht ſeliger Fall. Der Leich⸗Predigt. 15 Der HERR lehre uns ſelbſt ſolches recht bedencken/ auff daß wir klug werden. Er gebe uns erlenchtere Augen des PVerſtandes/ daß wir auff das Prophetiſche Wort mercken als auff ein Licht/ das da ſcheinet an einem dunckeln Ort/ und geiſtlich richten lernen/ Amen. Erklaͤrung. M. wie ſie blinde Waͤchter/ faule/ ſtarcke/ fraͤſſige und ſtumme S Sunde waͤren/ die nicht ſtraffen koͤnten oder wolten die Irrchůͤmer in der Lehr und die Maͤngel im Leben/ dahero ſie die mei⸗ ſie Schuld triegen des Verderbens/ ſo uͤber das Juͤdiſche Volck erge⸗ hen ſolte. Ein Stuck des Unverſtandes und der Blindheit war auch dis/ daß ſie die Todtesfaͤlle der Gerechten und Heiligen nicht zu Her⸗ zen nehmen noch erkennen wolten/ wie darauff allerley Ungluͤcksfaͤlle folgen wuͤrden. Zeiget demnach der Prophet in unſerm vorhabenden Teyt/ Daß der Gerechten und Frommen Lodt ſeye der Boͤſen und Gottloſen Welt ominos und ſehr bedencklich/ wann er fagt: Der Gerechte kommt umb/ ꝛc. Worinnen er die Unachtſamkeit und Sicherhei der rohen Welt ſtraffet/ daß ſie nicht bedenckt/ was glanbi⸗ ger und gotts furchtiger Lente Todt nach ſich ziehe/ und wil ſie zugleich auffwecken/ daß ſie doch erwege/ was der HERRuͤber Leben Todt da⸗ mit andenten wolle. Wann gottloſe Leute ſterben/ ſo hat mans nicht zuachten/ ſondern vielmehr GOTTzu daucken/ daß er die welche den Fluch durch ihr verfluchtes Leben manchmal uͤber ein gantzes Land ge⸗ bracht/ weggenommen; Aber wann die Gerechten ſterben/ ſo iſt es bedencklich/ obs gleich die Welt nicht bedenckt /ſondern ſich anch wol dar⸗ uͤber freuet; Denn ſie haͤlt heiliger Lente Leben fuͤr unſinnig und ihr Ende für eine Schande/ rufft auch wohl das da/ da/ das ſe⸗ hen wir gern/ daruͤber aus/ und meinet/ nnn ſtehet es gut mit ihr/ ſie ſeye frey von allem Widerſpruch/ der von frommen Hertzen mit Wor⸗ ten und Wercken geſchehen. Eben das iſt/ was Jeſalas hier ſagt: Der Gerechtekommt umb ꝛc. durch den Gerechten verſtehen erli⸗ che Juden/ denen H Grotins beypflichtet/ den frommen Koͤnig Joſi- am, andere aber Manaſſen, oder Jeſaiam, Cyrillus und Hieronymus Juſtorum. den Meſſiam, derer Meynung etwa daraus moͤchte entſtanden ſeyn/ weil Vot. S hatte der Prophet Jeſatas/ Geliebte im HERRN Connexie ſchon vor unferm Text geklaget uͤber die nachlaͤſſige Lehrer/ texus. Pars I. Mors. Sap.. 1. pxn Zeich⸗Predigt. 17 teit/ ſo in einem erbahren Leben/ oder eine geſetzliche/ die in gäns⸗ licher Erfullung der zehen Gebott beſtehet/ jene iſt unguͤltig/ die⸗ ſe unmuglich. Derhalben muß die Gerechtigkeit durch den Slauben kommen/ ohne zuthun des Geſetzes Dieſe allein gilt vor Gott/ und iſt offenbatet uñ beʒeuget durch das Geſetz und die Propheten. Kan man daher keinen gerecht nen⸗ nen/ als der die Glaubens⸗Gerechtigkeit hat/ oder wie Paulus redet/ die von G OTT dem Glauben zugerechnet wird. Und wo der Glaube iſt/ da iſt er nicht můſſig/ oder tod/ ſondern thaͤtig/ lebendig/ ſchaͤfftig/ mmer im Thun begriffen/ und zeigt ſich in einem heiligen/ Gottſeligen Leben. ſobald nennet heilige Leuthe/ wann er ſagt: werden auffgerafft · die Irommen beehret werden/ kurß und gut alſo: Sie werden 1. Ge⸗ echte genennet/ wegen der Gerechtigkeit CHRJSTI/ welche ihnen hurch den Glauben zugerechnet wird. 2. viri pletatis& miſericordiæ, propter ſtudium bonorum operumquibus fidem ſuamut fructibusjuſti- tiæ declarant. Das iſt/ gottſelige und guthersige Leute/ wegen der guten Wercke/ derenſie ſich befleiſſen/ wodurch ſie als durch Fruͤchte ihren Glauben erweiſen. Er ſetzet dieſe nachtruͤckliche Worte hinzu: & tales oportet eſſe vere Chriſtianos, ſi velint& ipſi in pace bonæ conſci- entiæ cum Deo& tempore obdormiſcere. Und ſolche muͤſſen alle Chꝛi⸗ ſten ſeyn/ wo ſie anders im Frieden eines guten Gewiſſens mit GOtt und der Zeit entſchlaffen wollen. Und ſo lautets eigentlich nach dem Grund⸗Teyt: be/ und nach dem ermoͤgen/ das Gott darreichet/ wie ſolches aus vielen Stellen derHSchrifft erhellet/ die kurtze halber alhier nicht anzu⸗ fuͤhren. Mit einem Wort ſprechen es die Griechen/ Lateiner und und Teutſche aus/?uvcGelc pietas⸗ Gottſeligkeit oder Froͤmmigkett. Die nun pro Weßwegen der Prophet Jeſaias die Gerechte al⸗ piorum Und heilige Leut Ein berühmter Lehrer unſer Kirchẽ erklaͤret die ⁊. Titul/ mit welchen 1 2. Mr Wd anſche chrſed⸗Maͤnner oder Leute die der v. Gez. pietãt oder Gottſeligkeit ſich beſteiſigen. Dann S chaſed heiſſt/ Com̃ in wann es von den Menſchen gebraucht wird/ einen Fleiß und Eyfer/ Prov. 19. Gottzu dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit die ihm gefaͤllig iſt/ und 2. dem Nechſten alle Liebe/ affection und Dienſte zu erweiſen/ mit der Ga⸗ Cocc. Lex. feſſion von der Gottſeligkeit machen/ wie alle Chriſten ma⸗x. Tim. 4. men ſollen, nach Pault Vermahnung⸗ Ube dich ſelbſt an der Ebr. n Gottſeligkeit/ und: jaget nach Heiligung/ ꝛc. die ſind al- 2. Tim. 3 Luc. 3. Pſ. 22. 3. N j und ſiilles leben fuͤhren in aller Gottſeligkelt und Erbarkeit. Jeſaias ſt r8 Chriſtliche udt anſche chæſed, wie ſie Jeſaias nennet; Heut zu Tag heiſt man ſie dehe pierlen, und vermeyhct/ es ſeye denen ein groſſer Schimpff wie dien nen beleget werden/da man ſich dochendlichdeſſc La ben nick nen hat/ oder dadurch ſich bewegen laſſen ſolle/ von i⸗ ſint rzn ſc nem getiſeligen Leben abzuſtehen. Es iſt merckwuͤrdig/ daß das He⸗ 05 braͤiſche Wort 7 chæſed heiſt pietaͤt und auch zugleich an einigen ſche Orten Schande. Woraus wir dieſes etwa ſchlieſſen moͤchten daß gen die jenige welche der pieraͤt oder Sottſeligkeit ſich ergeben und beſleiſſen de wollen/ Schand und Schimpff von der gottloſen Welt davon tragen. deln Wie Panlus bezenget/ wann er ſpricht: Alle die gotrtſelig n leben wollen in Chriſto Jeſu můſſen Verfolgung leyden, un So giengs dem lieben Heyland ſelbſt/ dem bey ſeinem Abſchied ein ſeye Hanptmann das heriliche Zeugnus gegeben/ daß er ein frommer ode Mienſch geweſen/ nichts deftoweniger ward er ein Spott der Leu⸗ vi te und verachtung des Volcks ⁊ alle die ihn ſahen ſpotreten der ſein/ ſperreten das Maul auf/ und ſchůttelten den Ropff A⸗ ſa ſo darff man ſich auch nicht kaſſen befremden/ wann man bey ſein; un Froͤm̃igkeit ein Phantaſt/ Quacker/ Donatiſt /ꝛc. ſeyn und heiſſenmuß na qui omnis pietatis expers opprobrio& execratione dignus ſit, in dem Ze gar keine wahre Gottesfurcht zu finden/ ſondern nur eingebildete hei Heiligkeit/ den man dahero wol beſchimpffen/ verfluchen und verdam⸗ ju men moge dann es find die arme pietiſten einiger Orten ſo ſchwart g⸗ n macht und ſo abſcheulich beſchrieben worden/ als der Teuffel nicht ge⸗ len gemacht wird. Man ſchreyet und ſchreibet wider die Collegia Pietæ ſch tis viel hãfftiger als wieder freß·ſauffehuren und diebs⸗Collegia, unter⸗ ſt ſtehet ſich auch wohl gar deroſelben membra, wie vormahls den Chri B ſten unter den Beyden widerfahren/ von Weltund Reichs⸗Feinde aus⸗ de zuruffen/ die mit Fener und Schwerdt zu verfolgen und meynen wo au ſolches ins Werckgeſett wuͤrde/ ſo geſcheh Gottein Dienſt daran. So da blind iſt die Welt/ und hält die vor einen Fluch die doch Fluch und El Straff abhalten/ die vor den Riß ſtehen/ und wann ein Ungluck einreiſ⸗] S ſen wil/ vor demſelben weggeriſſen werden/ derer die Welt nicht werth j ig iſt/ die niemand kein Leyd thun/ ſondern vor ſich gern ein geruhiges me recte am ſagt/ die richtig für ſich gewandelt haben/ oder wandlen/ dasſ u bulan- ium. it /ſchlecht und recht fuͤr ſich weg/ wie man insgemein zu reden yflegt! 5 und ſi f ſel ni⸗ riß uth es iab dab 9 und Leich⸗ Predigt und nennet ſolche Leute einfaͤltig/ als auch die Chriſten ſeyn ſollen/ daher Chriſtus Matth. 10/16 zu ſeinen Juͤngern ſagt: Seyd klug wie die Schlangen und ohne falſch ⸗ æupæuo einfaͤltig/ wie die. Tauben. Die vor ſich gerade hinſehen/ wie Salomo erfordert in ſeinen Lehr und Tugendſprüͤchen c. 10.2. laß deine Augen ſtracks (nd) fůr ſich ſehen und deine Augenlied richtigfur dir hin ſchen Laß deinen Fuß gleich für ſich gehen/ ſo geheſt du gewiß. Wancke wederzur Rechten noch zur Lincken/ wen · de deinen Fuß vom Boͤſen. Das alles heiſt richtig fuͤr ſich wan⸗ deln und ſteckt alſo mehꝛ Rachdruck in dieſe: Redens⸗Art/ als man mey⸗ net/ wo man ſie nur obenhin anſiehet. Ichwils kurt zuſammen faſſen und zeigen/ welches der falſche und wahre Verſtand der Worte ſeye. Jenemoͤgen ſich einbilden die/ ſo da weder Gott noch ſein Wort/ oder jemand auff der Welt achten/ ſondern leben nach ihrem Belieben/ wie die Zuhorer Jeremiã thaten/ die den Propheten ins Angeſicht wi· derſprachen: Mach dem Wort des vERRłE/ daß du uns ſagſt/ wollen wir nicht thun/ ſondern nach alle dem das uns gelůͤſtet. Das heiſt wohl für ſich wandelen/ aber nicht richtig nach der Richtſchnur des Goͤttlichen Wortes/ nach dem Geſet und Zeugnuͤs. Alſo iſt dis der wahre Verſtand der Redens⸗Art/ und heiſt richtig fur ſich wandeln/ wann man auff dem rechten Weg der zum Himmel fuhret/ und in der Schrifft geoffenbaret iſt/ einhergehet/ und weder zur Rechten noch zur Lincken abweichet: Wannman in al⸗ lem Vornehmen die Augendes Verſtandes richtet nach dem himmli⸗ ſchen Vatterland/ als dem Endzweck/ und jaget nach dem vorge⸗ Phil. z. 4. ſtecktẽʒiel/ nach dem Rleinot/ welches voꝛhãlt die hiliſche Beruffung Gottes in Chriſto Jel/ vergiſſt dabey was dahin ⸗ den iſt/ und ſtrecket ſich nach dem das davornen iſt/ ſiehet nicht auff die Welt und den gemeinen Weltlauff/ laufft auch nicht mit in das wůſte unord Erinnerung/ und achtet es nicht/ wann man ihn gleich vor einen Sonderling haͤlt. Dann es kan nicht anderſt ſeyn/ wann man rich⸗ tig vor ſich wandeln/ und nicht mit der Welt machen wil/ ſo muß man die Welt/ und was in der Welt iſt/ als Augenluſt/ Flei⸗ ſchesluſt und hoffaͤrtiges Leben haſſen und laſſen. Wodurch man ihren Haß und Feindſchafft auff ſich zeucht/ nnd ein Heiligen⸗ Freſſer/ Heuchler?6. heiſſen muß. Es iſt richtig fur ſich 2 ot ige Weſen/ ſondern eparirt ſich davon/ nach Pault1 gor. 9 Matth.. eminoſa. 20 Chriſtliche Gott/ 7 nd(wie es David Kimchi alhier wol erklaͤret /) und mit Gott wandlen/ oder ein Goͤttlich Leben fuͤhren/ als mit vielen wande⸗ len auff dem breiten Weg/ derzur Verdammnus abfuͤhret. Dafuͤr behůte uns Gott in Gnaden/ und fuhre uns durch ſeinen guten Geiſt auff ebener Bahn/ auff richtigem Weg der zum ewigen ſeligen Leben fuͤhret! Nun iſt aber Gott bereit uns zu fuͤhren/ laſſet unsnur ihm folgen/ und ſehen auff die Gerechte/ Heilige und die richtig fur ſichge⸗ wandelt haben/ ihr Ende anſchauen/ ihrem Glauben und Wandel nachfolgen/ und gedencken/ wo dergleichen Leute abgehen/ ſo ſeye es tein gutes omen, wie Jeſatas in unſerm Text zuverſtehen gibt/ aber bey den unverſtaͤndigen und blinden Juden nichts ausrich⸗ ten kunte. Dann da hießes: Der Gerechte kom̃t umb/ und nie⸗ mand iſt der es zu Hertzen neme. Dahero wir an ihrem Scha⸗ denkluͤger werden und gottſeliger Leute Todt recht bedencken/ uͤberlegen und uns zu Hertzen gehen laſſen ſollen. Es iſt nicht genug/ daß wir oy nw denſelben in Mund nehmenund ſagen/ dieſer und jener fromme Mañ 30 dh S5n Sen. 19. iſt geſtorben/ dann das geſchicht ja noch wol/ ſondern es mus der Todt uns ins Hert gehen/ man mus ihm nachdencken/ was Gott damit an⸗ deuten wolle/ daß er dergleichen Leute wegrafft. Was kan man daraus ſchlieſſen? Nichts gutes. Jeſaias ſpricht: Heilige Leute wer⸗ den weggeraffe vor dem Unglůck. So folget auff frommer Her⸗ tzen Abſchied ein Ungluͤck. Der Ausgang der Gerechten aus dieſer Welt iſt ein Anfang des Unglucks/ wenigſtens ein Vorbotte. Wann das Unglůck zum Lande hinein ſiehet/ ſo reiſt Gott die ſeinen aus der Noth! und laͤſt ſie das Land mit dem Ruͤcken anſehen. Wie ein A⸗ ckermann wann er zur Ernde Zeit ein Ungewitter auffſteigen ſiehet/ die beſte Garben zuſammen raffet/ und ſie ins trockene bringt: Oder wie ein Menſch bey entſtehenden Feuers⸗Brnnſt und Kriegslaͤufften feine Kinder und beſte Sachen zuſammen rafft und in Sicherheit bringet: Alſo machts Gott auch mit ſeinen Kindern/ wie ſolches aus vie⸗ len Exempeln erhellet. Da der HErr Sodom und Gomorra/ wegen ih⸗ rer uͤbermachten und Him̃el⸗ſchreyenden Suͤnden verderben wolte/ ſahe er den gerechten Loth gnaͤdig an/ daß er ihn nicht nur allein aus der Ge⸗ fahr errettere/ ſondern auch die Stadt Zoar/ dahin er fliehen wolte/ nicht umbkehrete. Eile und errette dich/ ſprach der HErr zu ihm/ denn ich kan nichts thun/ biß daß du hinein nſ dmie nde⸗ Afr Geiſt khen hn ge ndel Res ght/ zrich⸗ e öcha legen wir Maß vodt tan⸗ raus wer⸗ Mer⸗ Rſer inn s der A⸗ die der fien chil öble uih ſihe Ge⸗ l/ r uß 4 Leich⸗Predigt. 2r Alſo/ſezt Moſes hinzu/ da Gott die Stadte in der Gegend ver⸗ derber/ gedachte er an Abraham/ und geleitet Loth aus den Stãdten/ die er umkehret/ darinn Loch wohnete. Dader HErr Noam/ als einen frommen Mann/ und der zu ſeinen Zeiten Gen. 6. ein goͤttlich Leben fuͤhrte/ in den Kaſten eingehen hieſſe/ kam das Ge⸗ und?. waͤſſer der Suͤndfluthanff Erden. Und daßich naͤher auff die Sache gehe/ da Joſeph geſtorben war/ fingen ſich die Plagen in Egypten an. Nach Joſu Abſterben fiel das Jůdiſche Volck in Abgötterey und fol⸗ geten allerley ſchwere Straffen nacheinander. Als der fromme Joſi. as mit Frieden in ſein Grab verſammlet ward/ kam alles Ungluck uber Iſrael und gieng die Babyloniſche Gefaͤngnůs an. Daß ich nicht melde/ was fuͤr eine mutation auff das Abſterben des Propheten Sa⸗ muels/ Davids und Salomons im Juͤdiſchen Regimenterfolgt. Und damit man nicht etwa meyne/ es ſeye nur allein hoher Potentaten und groſſer Herren Tod ominoͤß/ ſo kan man auch anderer geringern Stan⸗ des Leute Exempelanfuͤhren. Als der Kirchen · Lehrer Ambroſiusge⸗ ſtorben/ hat Stilico, ein Chriſtlicher Hauptmann Kaͤyſers Theodoſti, als er ſolches gehoret/ geſagt: NMun hat ltalia eine groſſe Veran⸗ derung zubeſorgen/ die auch bald erfolgt. Als Auguſtinus ent⸗ ſchlaffen/ haben die Gothen und Wenden Africamũberfallen und einge⸗ nommen. Von unſerm Seel. Herrn Luthero iſt bekand/ das er kurtz zuvor ehe der Teutſche Krieg angegangen/ verſchieden/ welches Elend er viel Jahr vorher propheceyet als er die Verachtung des Goͤttlichen Worts/ die im Schwang gehende Suͤnde und Laſter ſtraffte/ und Gott offters bate/ er moͤchte ihn doch zu ſich nehmen/ damit er das be⸗ vorſtehende groſſenglůͤck nicht ſehen doͤrffte. DergleichenEyempel ha⸗ ben wir noch faſt taͤglich unter uns/ wann wirs nur moͤchten bedencken und zu Herzen nehmen. Aber wir achtens leyder/ wie es ſcheinet/ wenig/ und heiſſt nach dem bekandten Sprichwort: gus den Augen aus dem Sinn. Ja es kommt uns wol nicht in den Sinnoder in das Hert/ daß der Frommen Tod etwas auff ſich habe und nach ſich ziehe. O der erbaͤrmlichen Blind⸗und Sicherheit. Uber die Calen⸗ der koͤnnen wir wohl lauffen und die prognoſtica durchblaͤttern /juſehen obs gute oder boͤſegeiten ſeyn werdẽ: Wir leſen in Machiavello und an⸗ dern klugen Politicis woher und warumb die Veraͤnderung der Reiche entſtehen/ werden aber doch offt Wir haben ein veſtes 3 Pro⸗ 21 Chriſtliche Prophetiſches Wort/ wie wol thaͤten wir/ wenn wir darauff achteten? Denn wir wůrden daraus mit leichter Muhe das prognoſticon ſtellen eönnen und lernen/ daß der Gerechten Tod uns nichts gutes bedeute/ ſondern bey derſelben Abſterben⸗ das Ungluck gleichſam ſein Angeſicht ſehen laſſe/ daß es nahe ſeye/ wie der Prophet in ſeiner Sprach es aus⸗ drůcket. So hat man dann Urſach uͤber den Todesfall der Gerechten zutrauren/ und dabey zu gedencken/ wie durch wahre Buſſe die dadurch angedrohete Straffen etwa abzuwenden· Applica. Nun deſſen werden wir auch inſonderheit anjetz erinnert. Wir tib ad. B. wiſſen/ wie in weniger Zeit etliche tapffere Maͤnner/ durch frůͤhzeiti⸗ defun- gen Todt/ oder ſonſten/ abgangen/ worunter wir auch nicht unbillich cum. den Seel. Herrn M. Runckel zehlen. Dann derſelbe war ein gerechter phil.z/ o. in Chriſto erfunden/ nicht habend ſeine Gerechtigkeit⸗ die aus dem Geſet/ ſondern die durch den Glaubenan Chriſtum kommt/ nemlich die Gerechtigkeit die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Er bekannte gern und offt/ daß er des Ruhms mangele/ den er vor Gott haben ſolte/ und ſuchte deßwegen eine beſſere Gerechtigkeit als der Matth. 5. Phariſeer und Schrifftgelehrten/ welche kommt aus Glauben in Glauben/ wie denn geſchrieben ſtehet: Der Gerechte Rom. 1/17. wird ſeines Glaubens leben. Dieſe Lehre hatte er ſolieb/ daß er auff mein Einrathen ein vor etlichen Jahren in Fransoͤſiſcher Sprach heraus gekommenes Tractaͤtlein/' ouverture de I Epitre de S. Paul. aux Romains par ł explication du verſet 37. du Chapitte III. AAm- ſterdam Anno 168ſ. worinnen vorgegeben wird/ als handelte S. Pau- lus in der Epiſtel an die Roͤmer nicht von der Rechtfertigung/ zu wi⸗ derlegen/ ſich vorgenommen/ daran ihn aber der Todt verhindert. Es ruhmete ſich auch unſer Seel. Herr Runckel nicht nur allein des Glanbens und der Gerechtigkeit„ſondernzelgte auch ſeinen lebendigen Glanben durch die Wercke/ und alſo gehoͤret er gleichfals unter die H- Leute/ von welchen Jeſaias ſagt ⸗ daß ſie auffgerafft werden · Erwar vdn fromm und gottsffurchtig jagte nach der Heiligung/ wandelte vor Gott und bewieſe dem Neben⸗Menſchen alle Liebes· Dienſte/ nicht mit bloſen leren Worten/ ſondern in der That/ wie lebendige Zeugnuͤſ⸗ ſen deſſen beygebracht werden koͤnten. Allein weil der liebe Mann acht hatte auff ſeine Almoſen/ daß er ſie nicht gab vor den Leuten/ wie NMattb · s. die Heuchler/ von ihnen geſehen zu werden/ und ließ ſeine lincke nicht LeichPredigt. 2 nicht wiſſen was die rechte that/ ſo wil ich anch nicht viel Ruͤhmens davon machen. Der himmliſche Vatter der ins Verborgen ſiehet/ wird ſolches wiſſen zu vergelten offentlich an den lieben Hinterlaſſenen/ und Chriſtus wirds anjenem Tage genngſam preiſen. Endlich was ſein uͤbriges leben betrifft/ ſo wandelte er richtig fur ſich/ ſchlecht und recht/ er fuͤhrte ein geruhlich und ſtilles Leben/ in aller Gottſeligkeit und Erbarteit/ kehrete ſich nicht an die Welt/ und ſtellete ſich derſelben nicht gleich/ ſondern gieng gleich durch/ fragte nach nie mand/ verach⸗ tete doch auch niemand. Muſſte er deßwegen leiden/ ſo trug er alles mit Gedult/ und ſtellete es dem heim der da recht richtet. Wann dann nun ein ſolcher Mann uns entriſſen/ ſo iſt leicht zu gedeneken/ was wir an ihme verlohren/ und was wir fur ein prognoſticon aus ſeinem Tode zumachen haben. Darumb wer klug iſt/ der mercke darauff/ und ge⸗ dencke an die Wort des allerhoͤchſten Heylands/ die Er geſprochen/ als er ans dem Lande der Lebendigen ſolre weggeriſſen werden: Ge⸗ ſchiehet daß am grunen Voltz/ was wil am duͤrren werden? Und was der Apoſtel Petrus ſchreibet 1. Ep. 4/ 13. Es iſt Zeit/ daß anfahe das Gerichte an dem Nauſe Gottes. So aber ʒu erſt an uns/ was wils fůr ein Ende werden mit denen/ die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und ſo der Ge⸗ rechte kaum erhalten wird/ wo wil der Gottloſe und Sůn⸗ der erſcheinen. Thun wir das/ und bedencken/ was zu unſerm Frieden dienet/ und wie wir moͤgen im Frieden fahren/ ſo wird uns der Zodes⸗Fall nicht ſchrecklich/ ſondern erfreulich und ſelig ſeyn/ wie dann der Todes⸗Fall der Frommen und Gottſeligen denſelben ein herrli⸗ cher und recht ſeliger Fall iſt/ welches das 1I. Stůck iſt/ ſo wir pars I. aus unſerm Teytzu betrachten vorgekommen. Der Prophet Jeſaias beſchreibet denſelben(alſo/ daß er ihnen nur nach der rohen und ſiche⸗ prob.(a) ren Welt·Meynung ein Verderben nennet wanner ſagt: Der Ge⸗ rechte kommt umb/ oder/ wie es nach dem Grund⸗ Teyt lautet/nd e perit/ verdirbt/ verſtehe nicht warhafftig/ ſondern nur nach dem Wahn der Epicurer daher auch einige Ausleger es alſo erklãren: perire videtut. das iſt/ es ſcheinet wol/ als ob der Gerechte gar verderbe und zu nichte wuͤrde/ aber in der That und Warheit verhaͤlt ſichs viel anders. Der Gerechte ob er wol hie zeitlich ſtirbt/ mit nichten er drumb gar ver⸗ dirbt. Der Leib zwar ſcheinet in verderben/ weil er verweſet in T˖ — — — — 24 r. Lor.. Erden/ allein dis verweßliche muß anziehen das unverweßli⸗ che/ und dis ſterbliche muß anziehen die Unſterblich keit. Eos wird ge ſaͤet in Unehre/ und wird aufferſtehen in verr⸗ lichkeit. Es wird geſaet in Schwachheit und wird auf⸗ erſtehen in Vrafft. Es wird geſaet ein natürlicher Leib/ und wird aufferſtehen ein geiſtlicher Leib. Alſo iſt an dem Leib der Gerechten kein Verderben/ ſondern derſelbe wird vielmehr ver⸗ beſſert. Die Seele aber weil ſie unſterblich iſt/ kan und wird noch weniger verderben/ ſondern wird durch eine ſelige Auffloͤſung von aller erderbnus der Suͤnde und der Straffe ewig befreyet und gleichſam ausgeſpannet. Hieher gehoͤren die Worte aus dem Buch der Weißheit/ Cap. 4/10. mit welchen der weiſe Mann auff unſern Tert zielet/ wann er von dem Gerechten ſpricht: Er gefuͤllet Gott wol und iſt ihm lieb/ und wird weggenommen laus dem Leben unter den Suͤndern v. B. Und abermal: Seine Seele gefält Gott/ datumb eilet er mit ihm aus dem boͤſen Leben Noch nachdruͤcklicher ſagt er im ʒ. Cap. ve1. Der Gerechten Seelen ſind in Gottes Hand und keine Rom. s. Qualrühret ſie an. In Anſchung deſſen ſeuffgtet ein Gerechter nach der herrlichen Freyheit der Kinder Gottes/ und ſehnet ſich bey ſich ſelbſt nach der Kindſchafft und wartet auff ſeines Leibes Erloͤſung“ und ſpricht mit Paulo: Sterben iſt mein Gewinn · Sehet! Phil. 1. Ein ſolch Ende gewinnet es mit dem Todt der Gerechten/ den die Uw verſtaͤndige vor einen Verluſt/ und Werderben halten- Ufus. Hteher dann ihr gottloſe Atheiſten und Epicurer/ die ihr vermeynet/ ein groſſes gewonnen zu haben/ wenn ein Gerechter umbkommt/ der ench zu wider geweſen/ und glaubet wol!/ ſein Umbtommen ſey euer Auffkommen/ ſein ſterben euer geneſen. Aber wie ſchaͤndlich betrie⸗ get und verfuhret ihreuch! O daß ihr euer Verderben nur tieff einſe⸗ NRatth. 1o. hen möchtet! D daß ihr euch fürchtet fur dem/ der Leib und Seel verderben mag in die ölle. Ihr habt euren Weg verderbet/ darumb iſt euer Verderben nahe und gewiß. Ihr Ottergezüchte c.3.7. wer hat denn euch geweiſet/ daß ihr dem kuͤnfftigen vorn und Verderben entrinnen werdet? Gottes Rath iſt dieſer: pſal.2. Dienet dem HErrn mit Furcht/ und freuet euch mit Zittern. Růſſet den Sohn/ als den HEirnder unſer Gerechtigkeit iſt, und dienet ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit die Ihm ge⸗ Leich⸗Predigt. 25 gefallig iſt/ daß Er nicht zurne/ und ihr umkommet(dn) Luc. 1. auff dem Wege/ denn ſein ⁊ orn wird bald anbrennen/ dawird der Gottloſen Weg vergehen(12en) ſo beſinnet euch doch bald eines Pſal.1. beſſeren/ und wůnſchet mit Bileam: Weine Seele möſſe ſterben/ des Todes der Gerechten/ und mein Ende werde wie die⸗ Num ⸗ ſer Ende. So wird euch euer Todesfall ein herrlicher und ſeliger Fall ſeyn. Hieher aber auch /ihr uber den fruhzeitigen Hintritt der Gerechten/ ſchmertzlich betruͤbte Seelen/ lernet euch ſchicken in die Wunder⸗Re⸗ gierung Gottes/ und haltet ja den Todesfall der Gerechten fur keinen Unfall/ ſondern erkennet die gure Handdes HErrn/ welche ſie aus dem Berderben heraus reiſſt. Die lieben Alten haben ſolche wunder⸗ bahre Wege und Gerichte Gottes/ denen Einfaͤltigen durch ein lehr⸗ reiches Gedicht zuverſtehen geben wollen/ wann ſie vorgegeben/ wie einem frommen und umb Eroͤffnung der Goͤttlichen Gerichte Gott⸗ bittenden Mann ein Engel erſchtenen/ der ihm ſolches auff folgende Weiſe gezeiget: Erſtlich habe er ihn in einen Waldgefuhrer/ da ein Lo⸗ we einen alten gottſellgen Eremiten der nichts thate als beten und ſingen/ zerriſſen. Hernach ſeye der Engel mit ihm in einem uͤber dem Waſſer und auff einem hohen Felſen wohnenden Mann kommen/ der weyland zwar fromm und gottſelig geweſen/ aber der Froͤmmigkeit bald uͤberdruͤſſig worden/ nachdem er geſehen/ wie in der Welt die groͤſ⸗ ſeſte Schaͤlcke das beſte Glůck haͤtten. Anff des Engels Zuſprechen aber habe er ſich bekehret/ und ſeye vom Engel alſobald ins Waſſer geſchmiſſen worden/ daß ererſauffen muſſen. Endlich habe der En⸗ gel eines reichen Wuͤrths einigen Sohn welchen der Vatter ihm den Weg zn weiſen mitgegeben/ erwuͤrget und in eine Grube geworffen⸗ Worauff der fromme Mann ſich nicht laͤnger enthalten koͤnnen/ und den Engelfuͤr einen Lenffel geſcholten/ indem es nicht ſeyn koͤnte/ daß Gott alſo mit den Menſchen handlen ſolte- Der Engel aber habe be⸗ hauptet/ daß alles aus Goͤttlichem Befehl und hochwichtigen Urſa⸗ chengeſchehen. Denn /ſprach er/ der erfte Wald⸗Bruder hat GOtt offt gebeten/ er wolte ihn doch einen Maͤrthrer werden laſſen. Nun iſt er aber auff ſolche Weiſe ſeiner Blrte gewaͤhret worden/ weil bey Gott kein Unterſcheid ſeye unter einem Tyrannen und reiſſenden koͤwen⸗ Den andern bußfertigen Mann hab ich nach ſeiner Bekehrung ins D Waſ⸗ 16. —— 16 Chriſtliche Waſſer geworffen und erſaͤufft/ weil er ſonſten wol wiedeunmb in die vo⸗ rige Boßheit verfallen waͤre. Der dritte reiche Wurth war zuvor als er noch keinen Erben hatte/ ein ſehr gutthätiger Mann/ ſobald er aber dieſes Kind bekommen/ fieng er an zu geizen. Nun hab ich ihm das Sohnlein erwurget/ welches in ſeiner Tauff· Unſchuld gen Him̃el gefahren /damit er aus den ſchaͤdlichen Stricken kom̃e/ und endlich ſelig werde. Kanſtn dieſes gerechte uñ heilige Gerichte Gottes unrecht heiſſen? Gottes Wort ſagt uns dieſes alles deutlich genug/ und haben wir vor dieſesmahl genug an nnſerm Text/ der ſagt: Der Gerechte kom̃t umb/ nicht ohngefehr/ ſondern nach Gottes Rath und Willen/ er vergehet aber und verdirbet darumb nicht/ wie droben gezeiget worder. Wann die blinden Heyden weyland dieſen Troſt gehabt/ und ſich deſ⸗ ſen verſichern koͤnnen/ daß ſie die ihrige durch den Tod nicht verlteren/ ſondern voran ſchicken und im Himmel wieder finden wurden/ ſo wuͤr⸗ den ſie warhafftig uͤber den Tod und das Abſterben der ihrigen ſich nicht ſo ſehr bekuͤmmert/ uͤberfluͤſſig betruͤbet/ jaͤmmerlich gebaͤrdet/ ja gar vor der Zeitzu tode gegraͤmet haben. Weil wir dann nun eine gewiſ⸗ ſe Hoffnung der zukuͤnfftigen Herrlichteit haben/ und wiſſen/ daß die Gerechte durch den Tod bereits einen Eintritt darein gethan ſo laſſet uns unſere Seele in Gedultfaſſenund zuſchen/ wie wir ihrem Glau⸗ ben nachfolgen/ und des Glaubens Ende/ nemlich der Seelen Se⸗ ligkeit davon bringen. So wird uns das Sterben kein Verderben ſondern ein Gewinn ſeyn/ denn wir werden weggerafft fuͤr dem Un⸗ prob.(ß.) glůck/ welches der(8) andere Beweiß iſt/ daß der Gerechten Todes⸗ — Er. 3/13. Lev. 2573 Num. 1 fall ſeye ein herrlicher und recht ſeliger Fall. Davon lautendie Wort in unſerm Text alſo: eilige Leute wer⸗ den auffgerafft und wiederumb: Die Gerechten werden weg⸗ gerafft fuͤr dem Unglůck: In der Grundſprach ſindet ſich ein ſol⸗ ches Wort/ welches heiſſt insgemein verſammlen/ zuſammen brin⸗ gen an einen Ort/ wie es Pſalm jo;. gebrauchet wird/ da Gott der MErr der maͤchtige ruffet: Verſammlet mir meine Heiligen/ die den Bund mehr achten/ denn Opffer. Inſonderheitlieſet man es offt von Einſammlung und Einfuͤhrung der Fruͤchten in die Scheuer/ und auch von dem Abſterben der Menſchen/ da ſie durch den Todt aus dieſem Leben in den Stand der Abgelebten gebracht/ und zu ihren Vattern vetſammlet werden( Num. a/ tz. 2. Reg, 21/ 20) Kan Leich⸗Predigt. 27 Kan man alſo aus der Redens· Art an und vorſich ſelbſt allein nicht be⸗ weiſen/ daß die jenige von welchen ſtehet/ ſie ſeyen zu ihren Vaͤttern verſamlet worden/ in den Him̃el kom̃en/ ſondern das muß aus andern Umſtaͤnden erhellen. Alſo wann von Gott geſagt wird/ daß er den Geiſt und Odem ju ſich ſammle/ Job. 34/14. Sokan man leicht ab⸗ nehmen/ daß alda von dem Tode der Gerechten gehandelt werde/ derer Seelen Gott zn ſich nim̃t in den Him̃e/da ſie ewigwol nñ geſichert ſeyn. Und in ſolchem Verſtand wird ſonder Zweiffel von Jeſala allhier das Wort gebrauchet. Doch muß man den Leib von der Berſammlung nicht ausſchlieſfen/ dann ob er gleich in die Erde verſcharret wird/ ver⸗ weſet und verſtanbet/ ſo muß doch anjenem Tag wiedeꝛ alles zuſammen. Auch iſt das Grab eine ſichere Scheuer/ dahinein Gott die Gerechten auff dem Todes⸗ Wagen fůͤhret. Unſer Seel. Hꝛ. Lutherus hats ge⸗ geben auffoder wegraffen/ und ſonder Zweiffel auff den ſchnellen fruͤhzeitigen und ohnvermutheten Tod der Gottſeligen ſein Abſehen ge⸗ habt/ da der himmliſche Batter feine liebe Kinder gleichfam zu ſich reiſfet/ wie etwa ein irdiſcher Vatter ſein Kind aus dem Wege reiſſet oder raffet/ wanner Pferde und Wagen auff daſſelbe zugehen ſiehet/ und es alfo in Sicherheit bringet. Wiewol ſolches auch auff die Ein⸗ ſam̃lung der Frůchten ſich ſchicket. Dann/ wie bereits droben erweh⸗ net worden/ wann der Ackermannzur Erndte Zeit mercket daß ein Uin⸗ gewitter auffſteiget/ fo laͤſſet er geſchwind die Fruͤchte in Garben bin⸗ den/ oder ſo ſie ſchon gebunden ſeyn/ raffet er fie in der Eyl zuſammen/ und fuͤhret ſie in die Scheure. Die Gerechte ſind ein koͤſtliches Wei⸗ zentoͤrnlein/ Gottes Ackerwerck/ die Frucht bringen in Gedult/ dar⸗ umb raffet ſie Sott aus groſſer kiebe weg für dem Unglůck/ dp nynn fuͤr dem Boͤſen/ oder fuͤr allem Ubel/ fur dem Sünden⸗Ubel/ wie der weiſe Mann ausleget/ wann er alſo von dem Gerechten ſchrei⸗ bet: Er wird weggenommen aus dem Leben unter den Suͤndern/ und wird hingerucker, daß die Boßheit ſeinen Ve ſtand nicht verkehre/ noch falſche Lehre jeine Seele be⸗ triege. Damnn die boͤſen Ex mpel verführen und verderben einem das Gut/ und die reitzende Auſt veꝛkehret unſchuldige Vertzen. Vor dem Straff· Ubel«ber rafjet Gott anch die Gerechten weg/ damtt ſie nicht deſſelben theilhafftig werden/ wie der HErr dem frommen Koͤnig Joſiæ anfagen Ich wil dich zu deinen. Reg. ⁊/ 2 — . Sap. 4/to. 18 Chriſtliche Vãttern ſammlen daß du mit Frieden in dein Grab verſam̃⸗ let werdeſt/ und deine Augen nicht ſehen alle das Unglůck das ich ůber dieſe Stůdte bringen wil. Auff beyderley Weiſe thut Gott den Gerechten eine groſſe Hnade/ undkoͤnnen demnach die⸗ ſelbe ihr Sterben fuͤr ein Gluck halten/ weil ſie durch den Tod allem Ungluͤck entgehen. Die Hinterbliebene aber ſollen ihnen ſolch Gluͤck nicht mißgonnen/ oder wuͤnſchen/ daß ſie die ihrige lͤnger beyſich haͤt· ten/ ſondern vielmehr daraus erkennen lernen/ die Liebe des himmli⸗ pſ.. ſchen Vatters gegen ſeine glaubige Kinder/ die Er durch den zeitli⸗ chen Ton aus aller Noth heraus reiſſet/ zu Ehren macht/ ſie ſaͤttiget mit langem Leben und ihnen zeiget ſein Heyl· Der Ausgang und die Erfahrung /inſonderheit bey dieſen ſchrecklichen undüblen Kriegszeiten lehret manchen/ daß Gott gar wol gethan/ daßer ſein Kind/ Vatter v. ſ. f. weggenommen/ an deren Ungluͤck und Gefahr er viel groͤſſere Betrubnuͤß wurde gehabt haben/ wann er ſie durch feindliche Hand haͤtte muͤſſen ſehen jammerlich umbbringen. Erdancket auch ſeinem Gott darumb/ daß er es ſo wohl mit ihm und den Seinigen gemacht⸗ ꝙſ. vs/ ꝛ· und ſpricht: Wie ſoll ich dem Erin vergelten alle ſeine Wol⸗ . 14. that/ die er mir thut? Ich wil den heilſamen RKelch neh⸗ men und des E RR Mamen predigen. Ichwill meine Gelüode dem E R RN bezahlen fur alle ſe nem Polch. Der Tod ſeiner Veiligen iſt werth gehaiten für dem d Errn. Dasthate Hiob/ der als er einen Ungluͤcksboten üͤber den Hiob · ⁊0 · andern bekam/ ſprach: Der d Err hats gegeben der hERR hats genommen der Name des E R RN ſey gelobet. So muͤſſen wir auch lernenuns Gott gelaſſen zu erzeigen und ſeinen H, Rath und Willen mi Danckzuerkennen. Welches zuthun/wir umb ſovtel deſtomehr Urſach haben/ als gewiſſer wir verſichert ſeyn/ daß die Gerechte/ Heilige/ und die richtig fur ſich gewandelt haben/ zum Frlede kommen/ und in ihren Kammernruhen. Welches das dritte e ſt(„) Woraus wir ſehen koͤnnen/ daß den Gottſeligen der Todes⸗ P fall ein herrlicher und recht ſeliger Fall ſeye. Wer wuͤnſchet nicht zu — dieſer böſen und betruͤbten Zeit in Fried und Ruhe zu kommeh? Und ſeuffzet mit David aus dem 3. Pſal- Ach daß ich hoͤren ſolt daß der d Errreder/ daß Er Friede zuſagte ſeinem Volck und ſeinen Heiligen! Was hat man aber endlich von dem aͤnſſerlichen und und und hih ſul hier der Leich ·Predigt. 29 und leiblichen Irieden/ wo innwendig Krieg und Streit iſt/ und darauff ewige Unruhe erfolget? Der Friede Gottes/ welcher Phil. 4 hoͤher iſt dann alle ernunfft der Hertzen und Sinne in Chriſto JE⸗ ſu bewahret/ gehet uͤber alles. Den haben zwar die Gerechte auch hier nach Pauli Vertroͤſtung: Nun wir denn ſind gerecht wor⸗ Rom./t. den durch den Glauben ſo haben wir Friede mit Gott/ durch 2· unſern dErrn Jeſum Chriſt. Durch welchen wir auch ei⸗ nen ʒugang haben im Glauben zu dieſer Snade darinnen wir ſtehen/ und rühmen uns der Hoffnung der zukůnfftigen Herrligkeit/ die Gott geben ſol. Allein es wird dieſer Seelen⸗ Friede auff mancherley Art und Weiſe geſtöret/ und muß der Menſch immer imn Streit ſeyn/ ſo lang er lebt. Wann er ſtirbt/ ſo kom̃t er ʒum Friede/ zum völligen Fliede/ und erlangt S ſthalom das complementumbonorum omnium, was Friede iſt und in ſich begreif⸗ fet/ nemlich allerley himmliſche Güter/die ihm der Friede⸗Fuͤrſt Chri⸗ ſtus Jeſus erworben/ und deren Porſchmack er hier in dieſer Zeit ge⸗ habt. Alſo iſt der Tod der Gerechten einHingang zumFrieden/ ow) oder eine Friedens Fahrt/ daſie im Friede hingehen/(cwa en) und fahren/ wie der fromme und gottesfurchtige Simeon in ſeinem Schwanen⸗Geſang geſprochen: Err nun lãſt du deinen Die⸗Luc. 2/29. ner im Friede fahren. Das jeigt auch Jeſaias noch dentlicher 17/1. an im 3ꝛ. cap. ſeiner Weiſſaguns/ mit dieſen Worten: Der Gerech tigkelt Frucht wird Friede ſeyn/ und der Gerechtigkeit Nutz wird ewige Stille und Sicherheit ſeyn. Daß mein Volck in Hauſern des Friedes wohnen wird/ in ſicheren Wohnungen und in ſtoltzer Ruhe Eben das iſt auch/ was er in unſerm Teyt ſagt: Sie ruhen in ihren Rammern/ die richtis dy pi fur ſich gewandelt haben · Das mag von den Leibern der Gerechten dryxdw verſtanden werden/ die ruhen in den Braͤbern/ als in ihren Schlaff⸗ kammern/ daher auch die Griechen den Ort/ alwo der verſtorbenen Chriſten Coͤrper begraben worden/ numieo cœmiterium genennet/ das iſt ein Schlaffhauß Womit die alte Chriſten zugleich ihre leben⸗ dige Hoffnung zu ertennen geben wollen/ daß der Glaubigen Tod nur ein Schlaff ſeye/ daraus ſie wieder erweckt zum ewigen Leben eingehen wuͤrden. Dergleichen lieſet man auch bey den Hebraͤern/ daß ſie das Grab nicht ein Todenhauß heiſſen/ ſondern dn T ein Haus oder Ort der Lebendigen/ vielleicht aus Jeſ. 26/19. Deine Todten D W. F⸗ vap. ℳ 30 Chriſtliche werden leben/ und mit dem Leichnam aufferſtehen. Wa⸗ chet auffund ruͤhmet/ die ih ligt unter der Erden/ denn dein Thau iſt ein Than des g In Anſehung deſſen kan ein Gerechter frolich fterben und mit David ans dem. Pſal. v. 9. ruͤhmen: Ich liege und ſchlaffe gantz mit Frieden/ denn al⸗ lein du d Err hůffeſt mir/ daßich ſicher wohne. Er ruhet von aller ſeiner Arbeit/ Creut/ Verfolgung/ Ungemach/ oder empfindet doch von allem nichts. Wer wolte ſich dann über das Sterben be⸗ truͤben? Wer wolte nicht gern froͤlich ſterben? Einem jeglichen Din⸗ ge iſt wol/ wanns ruhet in ſeinem Urſprung. Warnmb wolte man nicht die Ruhe wuͤnſchen? Der Leib hat in der kůhlen Erd ſeine Ruhe daraus iſt er genommenund dazu mus er wieder werden. Ein Tag⸗ loͤhner ſehnet ſich nach dem Schatten und der Abend⸗Ruhe. Nun ha⸗ ben wir hier keine bleibende Stadt/ ſondern ſuchen die zukůnfftige/ das himmliſche Jernſalem/ da ruhen wir recht aus. Warumb wolten wir dann ncht gern ſterben/ daß wir zur Ruhe kemmen. In der Welt iſt doch keine Ruhe/ und bleibet es bey dem Ausſpruch Htobs. eap. 14 1. Der Menſch vom Weibe gebohren/ lebet eine kur⸗ ge ðeit/ und iſt voll Unruhe. Bald verunruhigetihn ſeine Sůn⸗ de/ daß er mit David fuͤr Unruhe ſeines Hertens heulet. Bald ver⸗ unruhiget ihn die Welt/ auffallerley Art und Weiß/ daß er ſeuffzet und klaget: Ich werde geplaget taͤglich/und meine Plage iſt alle Mor⸗ gen da. Der Teuffel als derErtz⸗Frieden⸗Stsͤrer und unruhige Geiſt ſucht bald hier/ bald da den Menſchen zu turbiren. Aber im Grabe ri⸗ het man/ und da muß einen jedermannzu frieden laſſen. Je eher man dann ſtirbet/ je eher kom̃t man zur Ruhe. Darnmb laffet uns den vod nicht foͤrchten/ er bringet unszur Ruhe und zum Frieden. Der Gerechte/ ſpriehr der weiſe Mann/ ob er gleich zu zeitlich ſtirbt⸗ ſo iſt er doch in der Ruhe/ er pauſiret/ gleich einem der ſich aus dem Odem geloffen/ ſtill ſtehet und ſich wieder durch die Ruhe erholet. Doch muͤſſen wir folches nicht von des Gerechten Seele verſtehen und etwa dahin deuten/ als ob dieſelbe emweder im Grabe oder ſonſt in ei⸗ nem gewiſſen Ortſchlaffe/ und nichts fůhle/ ſehe oder vernehme/ wie viele der alten Vaͤtter durch die Vergleichung des Zodes mit dem Schlaff ſich verleiten laſſen/ eine ſolche phychopannychiamund Selen⸗ Schlaff ju glauben/ und dieſen Irrthumb die Phonnianer/ Weigelia⸗ hes ſer/2 ſer G tuͤft Mdet Anſetn 1ſie wiſſen der ge uns a aus d he /5 cber Jam nene chke eg uffd Nroſt Di der /u büben ſnder pitte ungen run il er ——— —— Leich⸗Predigt. 3 ner/ Widertaͤuffer und Armenianer wieder herfur geſucht haben/ dann ber Gerechten Seelen ſind in der Hand Gottes und werden getroͤſtet raͤfftiglich/ ſie genieſſen des Friedens/ wie droben erwehnet worden. Iſt demnach ungegruͤndet und falſch/ was der gelehrte H. Grotius über znſern Text angemercket von den Gelehrten und Weiſen/ die die Wor⸗ e /ſie ruhen in ihren Vam mern von des Menſchen Geiſt der in ge⸗ wiſſen Oertern/ die Gott bekand/ ruheten/ ausgeleget/ und daß nur der gemeine Mann es von dem Leibe verſtanden habe. Wir halten uns aber dabey nicht auff. So ſehe ich auch nicht Noth zu ſeyn/ hier⸗ aus der Papiſten ertichtetes Fegfeuer zu widerlegen. Qual und Ru⸗ he/ Friede und Pein/ koͤnnen nicht beyeinander ſeyn. Nun ſagt ja ber Jeſalas/ die Gerechten kommen zum Friede/ und ruhen in ihren Kammern/ und weis alſo nichts vom Fegfener/ das haben die From⸗ nin genug auff der Welt/ und waͤre ihnen der fruͤhe Todesfallgewiß⸗ ſch kein frölicher und herrlicher Fall/ wann ſie ins Fegfeuer muͤſten. Weg dann mit dieſem Maͤhrlein/ wir achten nichts darauff/ wol aber uff das veſte prophetiſche Wort/ ſo hier ſtehet/ das iſt der Serechten Troſt im Leben/ Leyden und Sterben. Dieſen Troſt hat auch jederzeit gehabt unſer Seel. Herr Mittbru. Applic. ad ger/ und iſt auch in ſeiner Hoffnung nicht zu Schanden worden. Wir B. defun- aben an ihmzwar viel verlohren(x) er aber hat nichts verlohren/ ctum ndern viel gewonnen. Der Welt und unſerm lieben Vatterlandt Jãtte er noch lange/ auch inhoͤhern Aemptern/ mit denen ihme von Gott ungemeinen verliehenen Gaben/ nuͤtzlich dienen koͤnnen. Aber eben 1 nrumb hat ihn unter andern auch Gott etwa fruhezeieig ſterben laſſen/ 3 keil er in ſeinen Gaben bald vollkommen worden. Der Zweck unſe⸗ i ur Jahre iſt/ gottliche Weißheit in Erkantnus des Heyls/ und ein Zeil. Leben. Dem hatder liebe Mann eyferig nachgejaget/ und mit*— Jauloalles füͤr Schaden geachtet gegen der überſchwencklichen Ertant Phil us Chriſti Jeſu/ſeines HErrn. beydes hater auch erlangt. Darum htihn Gott zu ſich gelangt/ aus groſſer Liebe/und fuͤr dem Ungluck⸗ ßyuns noch vermuthlich bevorſtehet/ weggerafft. Noch eines iſt uns 3 rig/ daß wir von ihm hoffen/ nemlich/ daß gleich wie er in ſeinem. kben ein getrener Vorbitter bey Gott vor die gantze Kirche geweſen/ bauch noch im Himmel neben andern vollkommenen Gerechten fort⸗ 3 ſhre fuͤr uns zubeten. (M 32 Chriſtliche (Miror hæc verbaà quibusdam in eum ſenſum accepta eſſe, quaſiin- vocationem ſanctorum ſtatuerim, cum eadem ſententia diſertis verbis in Apologia Aug Confeſſ legatur p. ⁊24. De Janttis erſ concedimus Inod ſiutvidn orant pro Eocleſia uniderſu un genere dc. Idem uberius⸗de- clarat Chemnitius P. III. Exam. Concil. Trid. p. m. ⁊29. cujus verba tranſ- ſcribere pro Apologia mea licebit. Neqᷓ hie, inquit eßfarus contro- verſiæ, quandꝰ de invocatione Santtorum dputatur, uaſ ſentiamus animas Santorum apud Chriſtum adeo eſſe ſecuratel gandio& gloria qua· . ſ ebrias ut del non cogitent Jubd Filius Peꝛ in rerris ſemperuſque adnem mundi ſli colligat Eœcleſiam vel non ſciant Aut certs non curent⸗ quod Eocleſia ſub veæxillo cruci in teyris militans varii aflictionibus& perſocu- tioniu exphhtta& ſubjectaſit, Velut d Chrſio, apud quem præſenter ſunt⸗ nihil honi vel cupiant vel optent⸗ velpetant Eocleſiæ quam ſtiunt in terris ſh cruce laborare. Qua enim beati in patria noliſtum umius& ejuſdem corporis membra ſunt cujus caput Chriſius eßß& quia charitas non excidit: & janbt apud(hriſtum Vunnt, ac ſeiunt Deum proVndiſſo, ur ſine nobil non conſummeneur Ebr. 1r. ſed expeltandum donec compleantur conſerdi Sßatren eorum in terra Apoc. 6 piæ& lonæ ſunt cogitationes heatos in cœxlolien particulares circumſtantiaſingulorumhominum in rerri verſan rium non videant, pro ipſ tamen generali ſatu Eccleſæ; Muam in rerr? ſul cruce militare ſciunt ſy quodam modꝰ u quia ipſj experti ſunt/ Juot & quanteæ ſiut mortali vitæ dificulrates& miſeric⸗ ſolicitos eſe atque ides vientibuntpote membri ſius lene velle& A Chriſto, apud quempræſenee vinnt optima quæqus cupere S oprare ut ⁊ malo ſerdati& liberati, ad cietatem ccleſtus patriæ trangferantur· ¶ Et tales pꝛay coꝑitationes nec im ohamus nec damnamum ¶ Apologia enim Confeſſionis Aug dicit conce⸗ dimus ſancos in oœxli vrare pro Eocleſia in genere: ¶ Jaxoniba Confeſſio di eit em colloquio Moſin e& Eliæ cum Chriſꝰ colligi bealus in cœlo curæ eſ Focleſtame leaton orare pro Focleſa. Wrtenbergenſu Confeſſio dicit ſic ut Angel ſpliiei ſunt pro nobi itx Janotin cœl vrare pro Eocleſa) Laſſetuns indeſſen Gott auch hertlich erſuchen/ daßerentweder dal Ungluck/ ſo uͤber uns ſchwebet/ in Gnaden abwenden/ oder uns fů demſelben wegraffen wolle/ damit wir nicht im Grimm verzehretwer den. Unſer Seel. Herr Magiſteriſt uns mit ſeinem Exempel vorga gen/ wir wollen und ſollen uns nicht ſchaͤmen ihm nachzufolgen/ o wir gleich für der Welt verachtet und verlachet/ ja verfolget v „—— Leich⸗Predigt. 33 ſi Den Frommen und die richtig fur ſich wandlen/ gehet es nicht anderſt. e Sie habenwenig Fried und Ruhe. Es wird aber dorten beſſer wer⸗ „ den/ all Jammer/ Truͤbſal und Elend/ wird kommenzum ſeeligen End⸗ und werden wir ſechen, daß dieſer Zeit Leyden nicht werth ſeye der 4 Herrlichkeit die an uns ſoll offenbahret werden. Wir gratuliren deß⸗ wegen zum Beſchluß unſern lieben Herrn Mitbruder und ſagen: 3 Dein Seel hat Gott in feiner Hand/ 5 Und wiſcht ab deine Thraͤnen. Groß iſt die Freud/ ſo ſie dort fand/ Wornach wir uns auch ſehnen. Der Engel Muſic ziereſt du/ ₰ Und ſtimmſt in gutem Fried und Ruh 3 emi Mit an/ das dreymal heilig. n Dein Leib ruht auch/ gar ſanfft unð fein ti. Ohn alle Qual und Sorgen. „ Fuͤr allem Ungluck groß und klein nn Liegter im Grab verborgen. 6 i RKein Knoͤchlein/ ja kein Staͤubelein/ ₰ . Wird dir daran verlohren ſeyn/ nm Weil Gott ſie ſelbſt bewahret.— Duaber/ O liebſter Heyland Jefu Chriſte/ der du biſt unſere ei⸗ 3 nige Gerechtigkeit/ Friede und Ruhe/ heile die durch den fruͤhteitigen 1 u odesfall deines Gerechten Knechtes verwundete Herten. Troͤſte 4 ſie doch wieder mit deiner Huͤfffe daß ſie ſich zur Ruhe begeben undin und bey dir Rath und That finden. Erſetze auch gnaͤdiglich/ mit 1 zweyfachem Geiſt und Gaben/ was durch dergleichen bedenckliche To⸗ desfaͤlle dem gemelnen Weſen Kuchen und Schulen abgehet. Gib/ 4 6 . daß wir doch einſt ernſtlich bedencken zu dieſer unſerer Zeit/ was zu un⸗ it ſerm zeitlichen und ewigen leiblich·und geiſtlichen Frieden dienet. Fuͤh⸗— 3 re un endlich aus dieſer boͤſen/ verkehrten und unruhigen Welt zur* F ſicheren Wehnung und ſtoltzen Ruhe diedu uns theuer erworben nſi und zubereitet haſt/ ſo wollen wir dir im himmliſchen Jeruſalem/ uu ein ewiges Halleluja davor anſtimmen/ 1 Amen · / „5(34)7* e PERSONALIA. — Achdeme deß Gerechten nimmer ver⸗ SSgeſſen/ ſondern ſein Gedaͤchtnuß im Slegen bleiben ſol/ erfordert auch bil⸗ Blichſter maſſen unſere Chrriſiliche Schuldigkeit deß weyland(Tit.) Herrn M. Joh. Vincentii Runckelii, Præceptoris Claſſici, deß Hoch⸗Fürſtl. Pædagogii allhier zu Gieſſen/ Ge⸗ burt/ Lebens⸗Lauff und ſeliges Abſterben in etwas zu gedencken: So iſt derſelbe im Jahr Chriſti 162. den 22. Januarii zu Nidda in dieſes Zeitliche von Ehrlichen Chriſtlichen Eltern erzielet und geboren worden. Der Vatter war der weyland Wol⸗Ehr⸗ wuͤrdige und Wolgelahrte Herr Johann Chriſtoff Runckel/ wol⸗meritirter Evangeliſcher Prediger und Diaconus in Nidda: Die Mutter die auch Ehr⸗und Tugendreiche Frau Anna Catharina/ geborne Holwegin/ welche Eltern/ nachdem ſie dem hoͤchſten Gott vor den erfreueten Ehe⸗Segen hertz⸗ lich gedancket/ haben ſie ſich auch chriſilich w daß PERSO N AL 14. 57 daß dies ihr dazumal gebornes Soͤhnlein/ gleich allen Menſcheg in Suͤnden empfangen und gebo⸗ ren ſey/ ſind ſichpbalden bedacht geweſen/ wie daſ⸗ ſelbe durch die H. Tauff von allen Suͤnden gewa⸗ ſchen und gereiniget/ und ſeinem HErrn und Erloͤ⸗ ſer Chriſto Jeſu/ als ein Glied ſeines geiſtlichen Lei⸗ bes einverleibet werden moͤge: Haben es derohal⸗ ben kurtz darauff dem HErrn Jeſu in der H. Tauff vortragen laſſen/ bey welcher H. Verrichtung Ihm der Name Johann Vincens iß beygeleget worden wobey mithin als Tauffzeuge und Ghriſi⸗ lich⸗erbettene Gevatter erſchienen/ der damalige Wol⸗Ehrenveſte und Wolgelaͤhrte Herr Johann Vincens Seyler/ Hoch⸗Fuͤrſtl. Heſſen⸗Darmſtaͤt⸗ tiſcher Rent Schreiber und Schultheis zu Nidda. Als nun bey anwachſenden kindlichen Jahrenſ naͤchſt anhaltender gottſeligen Erzichung und Ge⸗ bet der Eltern/ ein ſonderbar ingenium ſich beyih⸗ me gezeiget/ haben ihn ſeine liebe Eltern im 3ten Jahr ſeines Alters zur Schule angehalten/ worin⸗ nen Er durch goͤttlichen Segen in kurtzer Zeit le⸗ ſen ſchreiben/ die fundamenten Chriſtlicher Lehr⸗ ſpruͤche und Pſalmen/ und dabeygehende erſte ma- nuduction zur Lateiniſchen Sprache wol gefaſſet E2 und 36 PE R 5 und gelernet/ daß ſeine Eltern gemuͤſſiget worden zu fernerer Ehre Gottes von dar im eilfften Jahr ſeines Alters nacher Echzel in ſelbige damal wol⸗ beruͤhmte trivial-Schule einzuſchicken/ woſelbſien Er ad præſtitis præſtandis ad fecundamClaſſem gelanget/ und ſich ſowol in derſelben habilitiret und verhalten/ daß Er innerhalb drey Jahren durch ſe⸗ cundam und primam durchkommen mithin auch im zwolfften Jahr ſeines Alters nebens andern con- firmiret/ und zum Genuß deß H. Abendmahls iſt gelaſſen worden im vierzehenden Jahr ſeines Alters iſi Er von dem weyland(Tit.) Herrn Kiliano Ru⸗ drauffen/ S8. Thcol. Doct. und Profeſſore, auch Pædagogiarchen wuͤrdig erkannt worden) auff hieſiger Univerſitat ad lectiones publicas admit- tiret ʒu werden/ weswegen Er Ihn auch ſub primo ſuo Rectoratu in album ſtudioſorum inſeriret und eingeſchrieben hat. Bey welchem Anfang ſeiner in Gott vorgeſetzten ſtudien Er auch alſobald unter vorermeltem(Tit.) Herrn D. Rudrauffen/ als damahligen Logicæ und Metaphyſicæ Pro- teſſore das Studium Philoſophicum an Hand genommen/ unter ſelbigem zum oͤfftern privatim, zu zweymahlen publicè Philoſophicè diſputiret/ auch —— ———— auch endlich nach wenig Jahren ſeine diſputationẽ inauguralem pro Magiſterii gradu conſequen- do unter Ihme gehalten/ und in erfolgtem Jahr als 1674. den 12. Martii unter 18. Candidaten, in der Ordnung der Neunte/ Promotore Kiliano Rudrauffio, in Philoſophia Magiſtrum mit Lob iſi creiret worden. Nachgehends hat Er auff Anruffung Goͤttli⸗ cher Gnade und Beyſtandes ſich mit Hertz und Seel zum Studio Theologico gewendet/ und un⸗ ter dem damahligſt hochberuͤhmbten Thcologo Herrn D. P. Haberkornio Profeſſore primario S8 Theologiæ und Superintendenten/ ſeine Thcologica angefangen/ von welchem Er auch offt geruͤhmet hat/ daß Er von ſelbigem groſſe An⸗ fuͤhrung und Liecht erlanget habe. Weswegen auch ʒwey diſputationes Thcologicas ſub cjus Præſidio gehalten. Nicht minder hatEr auchun⸗ ter(Tit.) Herrn D. Mislero Seel. gleichfals auch unter jetziger Zeit hochberuͤhmten Theologo Herrn D. Hannckenio, und dem Hochgelaͤhrten und beruhmten D. K. Rudrauffio Collegia lectoria & diſputatoria fleiſſig gehalten/ ſo daß keine Woche vergangen/ darinnen Er nicht zum wenigſten ein oder PERSONA L14. 3 38 pERSONALIR. oder etlichmal ſo wol reſpondendoals opponen- do mit gruͤndlicher Weißheit/ Sittfamkeit/ geiſi⸗ reichen Siñ und Abſicht auf Gottes Ehr ſich exer cirethat; Nebenſideme hat Er auch ſonderlich auff die Linguas Orient. oder Grund⸗Sprachen ſich geleget und ſelbige auch mit Verwunderungſo wol gelernet/ als auch wiederumb nachgehends geleh⸗ ret daß Er in Græcis faſt excelliret/ in Hehraicis und Syriacis ſo wol docendo als diſcendo es weit bracht/ in Chaldaicis Arahicis uch in Pthio- picis nicht nur guten Anfang/ ſondern auch ſo vortrefflichen Grund gehabt daß Er ſich nicht cheuen dorffen ſolche andere zu lehren Daher auch als An. 1677. an hieſigem Fuͤrſil. Pædagogio eine Præceptorat⸗Stelle zu erſetzen vorgefallen/ iſt Er nebenb einem andern Subjecto vorgeſchlagen/ und an ſolche vacirende Stell von Hoch⸗Fuͤrſtl. Durchl vor einen Præceptorem Elaficum decariret/ auch von dem Herrn Pæda gogiarchen ublicè vorgeſtellet worden: Was Erin docen o und informando, nicht nur gegen die Scholaſticamſuventutemin illuſtriPædago- gioſondern auch gehen viele aus der ferne und naͤhe tommende Herren Studioſos durch viele it un PE RSO NA LI4. 3 erbaulich gehaltene Collegia privata gethan/ da⸗ von reden ſelbige ſelbſt/ welche ſeine dexterität mit ſonderbahrer Freud und Seegen erfahren ha⸗ ben/ und ſeinen unberhofften Fall und ihnen da⸗ durch vielfaltigſt entzogene treue information be⸗ klagen. Im Jahr 1679. hat Er durch ſonderbahre Schi⸗ ckung Gottes/ mit Rath und Vorwiſſen beyder⸗ ſeits lieben Eltern in den Heil Eheſtand begeben/ und ſich an die Viel Edle und Tugendreiche Jungfer Annam Chriſtinam Schaͤfferin/ des Wohl⸗Edlen/ Veſten und Großachtbahren Herrn Chriſtoff Schaͤffers Wohlverdienten Rend⸗ meiſters ʒu Allendorff an der Luͤmbd /Jungfer Toch⸗ ter/ als nunmehr gegenwaͤrtige hoͤchſtbetruͤbte Wittib/ ehelichen verlobet/ auch ſolch Chriſtlich Berloͤbnis mit offentlichem Kirchgang zu Allen⸗ dorff vollzogen. In waͤhrender friedlicher Ehe ſind beyde Ehleute mit ſieben Kindern von Gott geſegnet worden/ nemlich mit zwey Soͤhnen und funff Toͤchtern/ wovon noch ein Sohn und drey Tochterlein/ ſo lang Gott will/ im Leben/ und je⸗ tzo als Vatterloſe Waͤyſelein mit der Betruͤbnuͤs⸗ vollen Wittib und lieben Mutter einſam in der ber⸗ kehrten 40 PERSO NALL. kehrten Welt(als verachtete Liechtelein zwar ge⸗ druckt/ aber dennoch ſcheinend) ſiehen. Sein Chriſtliches Leben Weſen und Wandel gegen Freunde und Feinde betreffend/ ſo iſt ſolches auff die Apoſtoliſche Lehr in welcher Jeſus Chriſus der Eckſtein/ das A und das Oiſi/ gegruͤndet gewwe⸗ ſen/ alſo daß ſein geiſtreicher und andaͤchtiger Glau⸗ be auff den lebendigmachenden odt und Verdienſt ſeines Freundes/ Bruders und Erloͤſers Jeſu Chriſti gerichtet waꝛ /dannenhero auch ſolche: Glaube/ weil er die wahre Orthodoxiam und rechte Erleuch⸗ tung aus Goͤttliche Wort zum Grund und Wurtzel hatte in ſolche rechtſchaffene Fruͤchte ausgebrochen iſt/ daß der Geiſt des Glaubens und der Warheit ſeinem Geiſt freudiges Zeugnis gegeben hat daß Er Gottes Kinder ſeye. Sein Gebet hat Ermit ſolchem kraͤfftigem Nachdruck gefuͤhret/ daß ſo⸗ wol vornehme als geringe gottſelige rechtmeynende Hertzen/ ihre hertzliche Frende und Segen dabon empfunden/ undoffters bekannt haben. Der Ar⸗ men hat Er ſich nicht etwan nur obenhin angenom⸗ men! ſondern ſo wol mit Rath als auch wuͤrck⸗ lich in der That vor ſie geſorget. Sie nach der Anweiſung ſeines Heylandes geſpeiſet und h et — N———— PE K 2. 41 cket/ gekleidet und beſchencket ſoviel Ihme nur thunlich geweſen. Seine Freundlichkeit/ De⸗ muth und Beſcheidenheit wiſſen ſelbſten viele/ ſowol Hohe und Gelehrte/ als auch Geringe und Ungelehrte mit ſonderbahrer Liebe ſich zu erinnern/ undoffters mit Thraͤnen den Verluſt deſſen geſeg⸗ neten Umgangs zu beklagen. Was aber deſſen Schwachheit anbelanget/ ſo hat geſtern vierzehen Tage als den 1. Februarii es Ihn in der Nacht mit einem Froſt angeſtoſſen/ auf welche gar bald eine Hitze gefolget iſt/ worauff man nechſt Anruffung Göttlicher Huͤlffe auff Artzeney⸗Mittel bedacht geweſen/ und des Hoch⸗ gelaͤhrten uñHocherfahrnen Hn. D. Tacken con- ſilia hierinnen gepflogen/ welcher auch in Verord⸗ nung heilſamer Mittel und fleiſſigſter Beyhuͤlffe nichts ermangeln laſſen/ es hat aber der hoͤchſte Gott nach ſeinem allweiſen Rath es alſo gefuget/ daß die Mattigkeit nechſi groſſen Schmertzen am Rücken innerlicher Hitzmehr und mehr zu genom⸗ men/ und wenig Hoffnung zum Leben uͤbrig wa⸗ re/ wie Er denn auch ſelbſten zu einem in dem HErrn ſeeligen Ende ſich bereitet/ und mit(Tit.) Herr D. Majo durchſeine un 4 pERSONALILA. und viele Chriſtliche Geſpraͤch gefuͤhret/ auch von ſelbi⸗ gein vergangenen Montag nach vorhergegangener Pruͤf⸗ fung und Bekantnus ſeiner Suͤnde/ uñ geiſtlichen Duͤrfftig⸗ keit das hochwuͤrdige H. Abendmahl auff ſein Chriſtliches Verlangen/ bey gutem geſund und erleuchtetem Verſtand/ als mit welchem Er in ſeiner gantzen Kranckheit biß in den letzten Athein von Gott begabt geweſen/ und Hertz⸗inbruͤn⸗ ſtiger Andacht Ihm gereichet hat; Nach dieſem wurde der 1 Zuſtand noch viel ſchwächer/ biß endlich Gott ſeine theuere Seele den vergangenen Dienſtag Abends umb4 Uhrun⸗ ter dem andaͤchtigen Gebet oberwehnten Herru D. May/ und anderer umſtehenden Freunde und Chriſten/ ſanfft und ohne Verruͤckung entſchlaffen laſſen/ die Seele aber in ſeine H.. Hände genommen/ und in die ewige Erquickung einge⸗ fuhret hat/ ſeines Alters 3. Jahr 2. Wochen und 4. Tage. 1 Nun der treue Gott und Vatter im vimmel/ der die Wenſchen laͤſſet ſterben und ſpricht: Rommt wieder ihr Menſchen Rinder/ wolle den verblichenen Coͤrper/ der an⸗ jetzo in ſein Ruhe · Kaͤmmerlein geſetzet werden ſolle/ an ſe⸗ nem Tage mit der Seelen herrlich vereinigt wieder hervor und zu der ewigen Glorie gehen laſſen/ wie wir daran keines weges zu zweifflen haben. Erſehe auch mit gnaͤdigen Au⸗ gen an die hinterlaſſene betruͤbte Frau Wittwe/ arme Wuͤy⸗ ſelein und ůbrige Angehrige/ und ſeye ihr Vatter und Ver⸗ ſorger/ Schutz und Rath Er unterbaue ſie mit kraͤffti⸗ gem Troſt/ und mach ſie ſeines irdiſchen und himmliſchen Seegens theilhafftig. Uns aber insgeſam̃t lehre der Err daß wir ſterben můͤſſen/ auff daß wir klug werden/ Amen 527 Der liegende doch ſiegende onathan in gewohnlich abgelegter S 12 bdanckungs⸗Bede/ Dem Seeligverſtorbenen 3 Zu wolverdientem Lob/ und warhafften Vath⸗Ruhm/ nach gehaltener Predigt„ Sämptlichem Trauer ⸗Umbſtand M.OEH. BARTHOLOM O Rüdigern/ deß Hoch⸗Fuͤrſtl. Pædagogii zuGieſen/ dert Præceptore Elaſſico. Gedruckt im Jahr Chriſti M DC XCI. und Ehren⸗Wuͤrden Hochgeehrte betruͤbte Leichen⸗Verſam̃lete! Muůͤhſeligkeit Soll ich reden oder ſoll ich weinen? Der ich doch nicht wol reden ohne weinen kan/ und auch hier nicht wol wein en ohne reden durf; Keineſo bitter⸗ e ſauere Traur Rede ſſt mir noch jemahls geweſen/ als mir leyder dieſe iſt/drum kanich mich nichtent⸗ äuſſern/ ich muß weinend ſagen: O Mühſeligkeit! Wir fliehen und konnen doch nicht entfliehen/ wir lauß fen und können doch nicht entlauffen/ wir eilen undkonnen nicht entrinnen/ der Tod nehme uns dann hinund reiſſe uns aus unſrer Qual/ un undvor liegenden Unglück hin⸗ weg O darumlauffet ihr Thraͤnen/ und ihr Augen⸗ Brunnenlaſſt euch nicht verſchlieſſen/ Tagund Nacht zu beweinen den elenden Lauff unſrer Wanderſchafft! Siehe Iſs nicht gnug/ daß alle/ auch die unver⸗ nünftige Creaturen ſich ſehnen und ängſten/ der Eitelkeit loß zu werden! Und die Frommen/ die Rechtſchaffene/ die richtigfür ſich gewandelt haben/ eilen/ und ſehnen ſich je mehr und mehr der undanckbaren Weltzu entgehen/ uñ aus Babel mit frolockendem Verlangen auszuziehen? Iſt nichts anders/ als die Gerechten werden wegge⸗ rafft vor dem Ungluck/ wie wirin angehorter Predigt derichtet/ und deſſen gnugſam in unſrer Seelen ſind über⸗ zeu /bertzlich⸗ —— „—— Der liegende doch ſiegende Jonat han. 45 zeuget worden. Soll uns das nun nicht einmal zu Ge⸗ můthe ſteigen und tief in unſermHertzen liegen/ taglich zu beweinen und zu bedencken/ was doch der/ ohne deſſen Willen auch nicht ein Härlein hinfůllet/ mit ſolchen Fallen ſo frommer und wackerer Leuthe bey uns andeute? Sollen wir nicht des vor Leyd erſchrockenen Davids Klage klagen und ſagen/ Ihr Töchter Iſrael/ ihr Töchter Heſſen und Gieſſen weinet Wie ſind die Helden bißhe⸗ ro unter euch im geiſtlichen Zion/ in Kirchen und Schu⸗ len gefallen im Streit/ darinnen ſie vor euch und euer Be⸗ ſtes ſtritten/ und ihr ſie wol jetzo am allernothigſten hat⸗ tet. Jonathan iſt auch tod/ und iſt auffdeinen Hö⸗ hen/ daranffEr euch am meiſten zu erhöhen ſuchte/ er⸗ ſchlagen! Da liegt ein bewährter treuer Jongthan/ ein abermahl hochgelaͤhrter und hochbegrundeter Mann/ der liebe fromme und gotiſelige HerrM. Run⸗ ckel/ der es mit Gott und dem was göttlich iſt ſo ſehnlich und hertzlich/ mit dem gemeinen beſten und der lieben Ju⸗ gend ſo ernſtlich und treulich gemeynet/ von deme als auch meinem ſtets treu⸗und lieb geweſenen Amts⸗Bruder und Hertzens·Freund mich nicht entbrechenkan/ dieſes offent⸗ lich zu ſagen und zu klagen/ und dan it noch dieſen Abſchied hier von ihm zunehmen: Es iſt mir leyd um dich mein Bruder Jonathan/ ich habe groſſe Freude und Wonne/(groſſe Lieb und Treue) an dir gehabt/ S Lieb iſt mir ſonderlich geweſen als Frauen⸗ Liebe. Es iſt mir leyd um dich mein Bruder Jonathan! Doch/ nicht allein um dich und dein Verlaſſen/ als um mich und deine Verlaſſene/ deren du ein Theil zu Waͤyſen macheſt ehe ſie kaumrecht wiſſen was Waͤyſen/ was Vat⸗ tr oder Mutter heiſſen: Es iſt mir leyd ym dich mein 5 Bruj⸗ 46 Der liegende doch ſiegeñde Jonathan Bruder Jonathan des Guten halben ſoihnen und uns alen dadürch entgangen/ das vielleicht wir nicht genug erkennenkönnen. Es iſt mir leyd um dich in der Kir⸗ chen/ ſo offt ich an meiner Seite den bloſen Platz anſehe/ darauff ich und viele fromme Chriſten ſonſten gewohnt waren/ einen rechten Hoͤrer/ einen andächtigen Beter/ und was noch mehr/ und garrar auff der Welt zu finden einẽ forthin auch lebendigẽ Thãter deß Worts zu ſchen: Es iſtmir leyd um dich/ ſooft ich in der Schule und unſern Fürſtl. Pædagogio allhier deine ledige Stelle anſehe/ dich aber unſern ſo treuen Hertzens⸗Freund und Mitthelffer in dem Pſiant⸗Garten des HErrnnichtmehrerblickel Ich be⸗ klage jaſt wit Thränen unſte liebe Jugend ſo öfft ich meine Augen auff ſie werffe/ daß ſie einen ſo treuen Leh⸗ rer und uhrer an dir verlohren. Ich betaure die viele edle Künſte/ Sprachen und Wiſſenſchafften/ damit du in ſonderbahrer Weiß undFleiß vielenLehrbegierigen Aus⸗ und Einheimiſchen Muſen Sohnen zu hoͤchſtem Vergnů⸗ gen ſo nůtzlich und kuͤrtzlich wuſteſt beyzukommen. beſuffe die ohne dem jetzo ſeuffzende und bey vielen ver⸗ achtete Gottſeligkeit/ zu deren du/ ein ſelbſt ⸗gottfeligſter Liebhaber/ auch in andere eine feurige Liebe aus Goͤttl. Wort einzupflantzen wuſteſt⸗ Das wahre Wort/ an Ort/ treibſt im⸗ mer fort! Es iſt mir leydum dich mein Bruder Jonathan⸗ auch um der treuen Treu und Auffrichtigkeit willen/ darinn du dich von jeden finden lieſeſt/ treu im Hertzen/ treu in Worten/ treu in Thaten/ nur daß in Eigen⸗ Lieb und Eigen⸗Nutz verwickelte Welt ⸗Hertzen offt nicht treu gnug dieſe Treu wollen annehmen: Ich beteure hiemit durch alle/ die ihr unparteyiſch mit ihme eyd/ — S— — ———— S S= ſt k Der liegende doch ſiegende Jonath⸗n. 47 ſeyd/ habt ihr dieſen Treuen im Lande Untreu/ und ſein Hertz anderſt als Mund und That gefunden? Und doch hat ſeine Treu vielmähls mit Untreumüſſen belohnet werden⸗ Und doch hat ſeine Froͤmmigkeit bey Spottern und Ver⸗ aͤchtern Heucheley heiſſen muͤſſen /die doch ungeheuchelt war/ und der treue Zeug Jeſus/ der zwiſchen Toden und Lebendigen ſtehet vondieſem/ ſeinem Diener noch nach ſei⸗ rem Tod/ hier oder dort bezeugen wird/ weil er weiß/ daß es ihm in der Welt ſelbſten ſo ergangen/ da ihn bey ſei⸗ nem Leben und Leyden keiner ſeiner Creutziger und Laͤ⸗ ſterer fromm und warhafftig halten wolte/ muſte noch ein Heydniſcher Hauptmann gleich nach ſeinem Tode ſa⸗ gen und derbe bekennen/ Fůͤrwar dieſer iſt einfrom⸗ mer Menſch geweſen. Derohalben iſt es mir leydmein Bru⸗ der Jonathan/ auch um des Boͤſen/ um des Unrechts willen/ das du ertragen/ um die Spott und Schmach⸗ Reden willen die du noch zuletzt gleichſammit in den Tod und hin vor Gottes Stuhl mitnehmen müſſen. Ihr wiſſet/ betruͤbte Anweſende/ daß er ein Werckſelb⸗ ſten /ein warhaffter Jonathan/(ſ)/ das iſt/ eine Gottesgab oder Gottes Mann der ſeinen Gott ſtets vor Augen hatte/ darum haſſet ihn auch die arge Welt: Waͤre t geweſen ein in Wollüſtẽ mitmachender Welt⸗Mann ⸗ haͤtte die Welt wißlich das ihre lieb gehabt/ abeꝛeꝛwaꝛein Jonathan/ dei von Gott gegeben/ ſich Gott wiedeꝛgeben/ und nur ihm dienen/ der Welt aber ſich nicht gleich ſtellen wolte/ als ein Knecht Chriſti der alles was Erthat von Hertzen that/ in Einfaͤltigkeit und Gottesfurcht/ GOtt und nicht den Menſchen/ wol wiſſend/ daß die/ ſo Men⸗ chen/ zu Gefallen leben/ reden/ thun/ ſchmeicheln oder ſtrei⸗ heln /ohnmöglich dabey konnen Chriſti Diener und treue Knechte ſeyn. Was 42 Der liegende doch ſiegende Jonathan Was brachte den treuen Jonathan aus ſeines Vatters Hauſe/ und machte ihn bey ſeinen eigehen Bluts⸗und Bund⸗Genoſſen veꝛhaſſet und verdaͤchtig/ als nur daß er an Gott und deſſen Geſalbten Knecht den unſchuldigen David ſo veſt hienge und ihn liebete. Eben das hat auch unſern in Gott ruhenden Jonathan/ wol in ſeinem Vat⸗ terlande ſelbſt bey denen die ihn je von Jugend auffgeken⸗ net ohne ſein Verſchulden muͤſſen veracht und verdacht machen/ daß er an dem Geſalbten des HErrn am Him̃l. David dem HErrn JEſu ſo veſt hienge/ und ihn auch nicht biß in den Tod laſſen wolte. Da muſte Er ein Frembd⸗ ling ſeyn unter Meſech und muſte wohnen unter der Hůt⸗ ten Kedar/ da muſte Runckel dunckel heiſſen/ da Er doch war ein Licht in dem HErrn/ gegen deme ſolche Un⸗ warheiten deß Schand⸗vollen Laͤſterers dermalen gar /wann ſie der HERR ans Liecht ordert. Darum beredet euch ja nicht es ſeye dieſes ein liegen⸗ der todter Jonathan D nein/ er iſt in ſeinem Jeſu/ ein erſt recht ſiegender lebender Jonathan/ jetzo eiñrech⸗ ter VINCENo, das iſt ein Sieger und Uberwünder da⸗ zu ihn Gott inder H Tauff angenommen/ dabey Er ih⸗ me auch Bund und Glauben gehalten: Er ſiegete noch im liegen/ ſein Leben war der Sieg den ihm Jeſus erwor⸗ ben/ und durch ſeine Krafft ihn üͤber Welt und Teuffel ſie⸗ gen machte/ ſein Sterben war ein ſiegen/ dabey er Sund und Hoͤll durch ſeinen Sieges⸗Fuͤrſt Jeſumunter die Fůͤ⸗j ſe geworffen/ und dem Himmelerſtiegen/ ſein Siechbett war ein rechtes Siegbett/ und der Tod ſelber durch ſeines; Jeſu Tod, eine Uberwundung alles Leyds und Schmer⸗ ßens/ VICITVINCENTIUSEr hat ͤberwunden als ein Uberwuͤnder ie Der liegende doch ſiegende Jonathan. 49 tts Wie muthig ſprach er dannenhero ſelbſt noch bey den um ketren Stunden: Es hat keine voth ich hab alle⸗ ßer uͤberwunden/ ober ſagenwolte/ weg mit dieſer Welt/ gen weg mit ihren augenblicklichen närriſchen Freuden/ ich ch wil ausgehen aus Babel/ ich fliehe aus dieſem Drachen⸗ at⸗ Neſt und verlaſſe das ſündliche Welt⸗Sodom/ welches in ken⸗ einer kürtze wann der HErr drein ſehen wird in Feuer und ct Dampfftird auffgehen Aber ewig leben/ ewig leben das ifl. erwehle ich: ht Eitelkeit fahr immer hin/ bd⸗ Welt ich geb dir gure Macht/ it⸗ Nach dem Himmel ſteht mein Sinn/ 6 eitliches ich gantz veracht/ e Lange leben hier auff Erden l„Iſtlang eragen Wele⸗Beſchwerden. gar VIVIVVINCENTIuS Er lebet als eineben · ch der. Der Tod iſt ihm kein Schade ſondern Gewinn und Gnade/ des Jammers und Abſchnitt/ des Lebens e Antritt: Da ſchmecket er vollig ſeine Gottes Freundlich⸗ u keit, da hoͤret und redetEr nundie unausſprechliche Woit/ ch daſiehet er das helle und unſichtbare Liecht. G welche Suſſigkeit! Dauchte mich dochich miſte eben die Wort h von ihm hören die dorten( Sam. XIV.) Jonathan ſag⸗ wh te: Siehe wie wacker ſind meine Zugen daß o ich nur ein wenig dreſes Honigs(des ewig⸗ ſuſſen ſ Lebens) gekoſtet habe Jeßt ſchmecke ich wie ſůß mir i die Schmach Chriſti worden /jetzt ſehe ich wie hochgeach⸗ Fu tet meine Verachtung und wie hell meine Verdunckelung bet worden. nes Freude Freude ůber Freude ner⸗ Dier iſt die Genaden⸗Beute! i den Wonne/ Wonne ber Wonne! 1 Vier iſt Jeſus meine Sonne. G C ARMINA In honorem pieè defuncti DN.IOfHLVINCENTII RUNCKFELI!, Philoſophi Magiſtri Celeberrimi, illuſtris Pæ- dagogii Gieſſenſis Præceptoris. 45 S STUDIOSa IUVENTUTE compoſita& inſtripta. 3 8 S0* 0 2 2 ANN0 M DC NVCA. 65( 52)2 Cu RISTO Victorum Victori Vde Nacor & victo gemitu lumina in lacrymas ſole. Occubuit, ſec victor occubuit d vincendo nonn natus Virtute nominatiſſimus Vin dum viveret Precelleny ac Ampꝰuſimn; MORVINMCENuS RuNkKELIus Philoſophuspariter& Philologus e præcipuis quoque præcipuus, & Theologus vjva fide ac vita magis quam fumoſa fama conſpicuus. Suprai pſam invidam etiam invidiam Poctus, Fidelis, Pientiſſimus. Dignus uem mali extinctum, boni perpetuo Virentem, Viventem, Vincentem optarint immortalitate digniorem rique faſtigio pridem digmſſimum. emn omine indignus„quod moreretur: peſſimam ob plurimorum vitam mavis ola beata morte dignus jam ſolos pios. Vir enimvirum/ prohus probum hac via haud fruſtra comitatur 5 Nonne pronuper piumWII DIUM ſuum M ETTENIUS. Nonne denuo RUHRAUFPIUIRM pium noſter kUNKEIIUS ſequitur& exſequitur? altio Hoc lalt aut ſi 3) Itane trahit ad ſe cœjlum cœlo dignos aut trudit tellus piis indigna viris? Non ſine omine omen! Exultimis enim non ultimum luc ulentius ſi luſtres luſtris omnibus potius quam luctu dignus erat Noſter vita ae fide Deyinctiſſimus VINGE NTIUS. vere vixit ac vicit. Vixit infucatam Dei vitam: Vicit fucatas hominum technas Et ita vicit ut victurum Vincentium ad vincendum plane auguratus fuiſſes natum ſuo& in invicto Vicore] Es IIad id renatum ut vinceret Victum abipſo mundum, vinctumque Diabolum& deyictum. Vict um hinc parabat omnes& artes& artus, mnque hanc victoriam cuncta gratiæ& naturæ dona validiſſima. Vicerat ⁊ teneris propriam ſtatim ætatem ut in puero juvenem in juvene virum, in viro Senem⸗ ſenili ſapientia non ætate dixiſſes: Neque crebra Victoria fine palma aut ſine corona virumſuum vivere volebat Vincentium Quin imo Muſæ Charitesque jam ſerta Vincenti vinciebat, Liberaliumartium MA GISTR R erat, quãs noyerat omnes fere. Linguarumque plurimas. Hanc tamen artium artem putabat omnium maximam omnium que Magiſtram Vnceye ſeſim quod pulchetrimumamabat genus Victoriæ, uodque animum ipſe non ipſum animus vincetet, regium ominabatur vincendi ſtudium. Quo perpetuo ſeipſum vincendi ſtudio perpetuus 3 —— in ſeipſo victo victor erat ſane Magnus eſt hoc Major Quod pio piisque omnibus probate hocce more, ore, re amore clueret omnium, ſed probus proborum⸗ Nemini nifi improbis improbatus Et nonniſi invidentibus inviſus Sane nemini inſanus viſus niſi maleſanis. Scilicet Quod ipſi mundus, ipſe vero mundo& omnibus quæ immundus mundus habebat infenſus erat, invidus ac invitus, lubentius mundo Seperatus quam conjunctus, ne Mundo 4 Deo ſeparatus foret unde in vitæ ſtadio ſtudio ſtudebat toto uo in fide virtutem, in virtute modeſtiam, in modeſtia temperantiam in temperantia pietatem, in pietate fraternum in fraterno communem amorem depromeret& candorem, CANDD VSipſe/ Candido ore& pectore ſcapham ſcapham jugiter appellans. nec unquam nigra alba aut alba nigra judicans, aut ſialiter ac nigra dici quædam volebant atra nominabat quæ alba nominare non poterat, nigro potius lapillo dignatus merito quosvis, quosvis qui dealbatos parjetes albos effari, aut cujusvis nitidi lapidis/ tetto ſeculi geſtu⸗ geſtiebant eſſe Adoratores aut Adulatorei⸗ quo lucro aut fuco ohfuſcati neſcio, hoc Saltim ſcio; impio„mnprudenti improbo. Dum vero ipſe indomitus trium literarum tyrannus omnia doænare nullis vero non dominari prætendit, Ecce Antiſthenes gravi edicto ſuo multis fit Antiſthenes, nod ſeculo huic fero ex fero dixerit: vIR BON§ GRAVIS SAKCINA, ſeculo puta inficeto& heu nimium ſeculari, (F uæ peſtiſera ſeu ſeculi ſeu ſecularium ſtaus nec noſtrum defraudabat FNCENNUMMac vincebat ſua pietate aliorum impietatem & patientia ſua mundi impatientiam, & illius qui nuper turpe, propriæ turpitudinis Architectus, mendaciſſimum in eum commentus eſt cavillum Cavillator ipſe cavillandus nequiſſimus. Cui Chriſtianus vere verus vel Ethnici tantum illud fortiter reſpondere potuiſſet ſi voluiſſet: Eeſ impieras molira qudpiam ß Juam⸗ occulte fecerit vunquam tamen co ufider id ſemper fore occultumaut(quod addo) inultum. verum enim vero hæc tædia gaudia,& hæc contumelia grata ſibi cimelia ob Chriſtum ducebat ſolo contemtu iſta vicit& quod vitæ minatura erant morte proſtravit placidiſſima, in qua Victor canehat Gygneum hoc Epinicium: JEUM TAMENMEIIM NON DESERO NEC DESERAM, AB EODEMNFQUE DESERAR⸗ Cujus amoribus immoratus& immortuus Cœlo nunquam ſeparatus, quin arctius junctus Caſum non cecidit acerbum ſed Somnum obdormivit Suaviſſiynum, ſanctiſſimum. Hõcque onia in ſe mendacia facta ficta yicta dicehat à ſe& evincehat. Vide Viator Victorem Vide& vade, victor nam HNCEN7VUS In vitam venit, in vita vidir poſt vitam vici Victorioſiſſimam Victoriam, ſuosque jam in cœlo canit TRIUMPHOS. Tu vero Mirare hæc& imitare Vade Viator Vale- † Cic. de Fin. l. 4. c. 24⸗ 1I. Fama. Bhat der blaſſe Senſen⸗Fuͤrſt nun abermahl entriſſen — Dein 6 Heſſen⸗Land ein hellbeglänges iecht. Das hochbetruͤbte muß itzt Schmertzens/ voll vermiſſen Ein Saͤule ſeiner Schul/ die Pneſent gebricht: Indem der weyland theuere Runckel iyme iſ entzogen/ Ein Mann von Weisheits⸗Glantz und Glaubens⸗Gold ge⸗ ziehrt; Der wol in rechter Treu und Sorg der Jugend hat gepflogen/ D Schmert! denn dieſer Fall deßwegen Ihm gebůͤhrt. Gieſſen und Heſſen. Ach! Ich betruͤbte Stadt muß frenlich jetzo hoͤchſt beklagen ⸗ Daß mir D Praſt! wird abermal hinaus zu Grab getragen Ein ſolcher Mann/ deß ſich das Land bißhero hat erfreut ⸗ Nun aber wird Erhin erblaßt in kuͤhlen Sand geſtreut. Ich Ungluͤcks⸗volles Land Wa⸗ hat D treuer Vat⸗ ter dich bewogen! Dab du ein ſolche Perlund Zierd des Landes uns entzo⸗ gen. D ſchnoͤde Eytelkeit: D Sünd wie haſtu uns bethort! Daß Gott ſoſehr erʒůrnt/ im Grimm ſich gaͤntztich von uns kehrt. Sind doch; Bgroſſer Gott Vier Jahr noch vollig nicht verfloſſen In welchen du fnff Saͤulen unſter K irchen umbgeſtoſ⸗ En; Ach/ eh Sie all erſetz/ mit neuem Ungluͤck uns nd „(77 25 Und dinch dieſen Schmeꝛtzens · Riß uns heffeiglich erſchꝛeckſt⸗ Weil duden/ der bißher mit Himmels⸗Lehr uns hat ergetzet ⸗ Ins blau Saphirne⸗Feld/ Und gůldne Sternen·Zelt/ Zu allen Heiligen und Außerwaͤhlten haſt verſetzet. D ſchwerer Trauer Fall! B ůͤbergroſſer Hertzens⸗ Praſt Dendu/ O groſſer Gott! auffs neu uns zugeſchicket haſi. Iſocrates. Es war ja wol ein Mann von hohen Sinnen Der/ wannder blaſſe Todt Ihn nicht haͤtt weggerafft/ Noch unſrer Kirch und Land viel Nutzen haͤtt geſchafft/ Und viele Seclen köͤnnen Gott gewinnen/ Zumai die edle Weißheit ſelbſten von Ihm ſtrahlet/ Womit ſein Hertz und Bruſt von innen ward bemahlet/ Das ſchoͤne Glaubens· Bild/ die edle Froͤmmigkeit Krafft der Erſeinem G. O TT zudienen ward bereit/ Kont Er in ſeinem Hertzen nicht verſchlieſſen⸗ Er lieſſe ſich in lauter Liebes⸗ Wercken ſehen Betrůbte doͤrffen niemals troſiloß von Ihm gehn/ Und muſt der Nechſte auch der Glaubens⸗ Frucht genieſſen: Geſchah es dann/ daß G Ott mit ſchweren Straffen treuet/ So ſtund Er vor dem Riß biß daß es Ihngereuet/ Und ſich mit ſeinem Grimm gant wieder zu uns kehrt/ Nun aber iſts umbſonſi/ 6 Er von hinnen faͤhrt· lias. So muß es endlich gehn/ wann man ſo ſicher lebet In ſeinem Sunden⸗Thun/ was heylſam iſt/ verlacht/ Wann man nach anders nichts/ als Pracht und Wolluſt ſtrebet/ Und das/ was Gott befiehlt/ gering und wenig acht · So ſchickt SOit ſein Gerſcht/ die Frommen müſſen ſterben/ Trauff folget Krieg und und alles Ungemach/ Dann (s)2 Dann faͤlt erruͤttung ein undgantzes Land⸗Verderben/ Dfft groſſe Hungers⸗ Woth undſ chweres Hertzen⸗Ach. Bedenck dieß/ werthesLand Ach laß dich doch erwecken/ Der Frommen ſanffter Todt von deinen Suͤnden⸗Schlaff; Steh auff/ kehr umb/ thu Buß/ laß dich doch dieſes ſchrecken/ Daß entgehen mogſt der ſchweren G Oies· Straff. Pcutus. Nichts neues iſt es/ daß die Menſchen můſſen ſterben/ Und ſind wit insgeſamt hierinnen gleich geacht. Ich weiß auch nicht/ daß jemal ſchweres Land⸗ Verderben er Frommen Menſchen Todt uns habe zugebracht/ Und glaube ich/ daß aller Menſchen Todt und Leben Und alles andre thun nur liege am Geſchick; arumb wir offtmals hier mit Freud und Schmach umbge⸗ ben/ Das kommet insgeſaſt vom gut und böſen Gluͤck. Iſtgleich Herr Runckel ſchon vom Todtes⸗ Pfeil getroffen/ So ſtehen wir doch noch in unſerm Leben veſt Und dorffen wir darumb nicht eben Boſes hoffen/ Iſt Er doch nicht allein fromm und gelaͤhrt geweſt. Betrubte Hinterlaſſene. 1 Es iſ des frommen Gottes Will/ Der dieſes alles ſo geſchicket/ Dem wir auch billich halten ſiill/ Biß Er uns nach dem Creutz erquicket Soll dann endlich aller Jammer Ungluͤcks⸗Wellen unſre Kammer Stůr⸗ „d 5 N— —— 2l 59)2* 1 Sitůrmen/ eh wir halten ſtill/ e Will. I Iſt doch niedes hoͤchſten Will Bey den Frommen boͤß geweſen/ Muͤſſen ſie gleich leiden viel/ Ey ſotroͤſten ſie ſich deſſen/ Daß es G alſogeſchicket/ Der doch endlich iſterquicket/ Die im Creutz Ihm haltenſiill/ Und ſich ſchicken in finn Will. atEs. Zwar dieſes iſt nicht ohn/ daß offt der Todt der Frommen Gar ſchlecht betrachtet wird/ und weil G Dit weggenommen Herrn Ruhckel/ möchte wol jett mancher truhig gehn/ Haß er den Sieger nuntkoͤnn uberwunden ſehn. Doch glaub man dieß gewiß/ was aus dem Welt Getuͤmmel 6GBtt Fromme heiſſet gehn/ in ſeinen Freuden Himmel/ Gemeiniglich der Weit ein groſſes Unglück biůß/ Und daß ein folcher Todt viel Boſes nach ſich ʒieh. Iſ gleich Herr Runckel todt/ dem Leibe nach verſchieden ⸗ Solebt Er doch bey G Ott der Seelen nach im Frieden/ Und hatauch in dem Todt den Feinden noch obſiegt/ Dgleich ſein blaſſer Leib imkůhlen Grabeligt. Er ruhet nun in GHtt/ genieſt der Herrlichkeiten/ Dr JEſus/ G Dties Sohn den Frommen hat beſcheiden/ Spyricht ſeinen Feinden Trutz/ prangt mit der Sie⸗ ges⸗Cron/ Die JEſus Ihm geſchencktzu einem Gnaden⸗Lohn. H* Drumb Drumb wol Ihm 1 daß Ihn G Ott mit ſolchem Sieg beglů⸗ et ⸗ Und nun am Freuden⸗Ort/ ſein matie Seel erquicket. Er lebe nun vergnügt in ſtoltzem HimmelsFried/ Da wuͤnſch ich Ihm zuletzt in dieſem Sieges⸗Lied. n Jeſumuß ja ſiegen er Sieger in dem Kriegen/ Auß dem Namen Vohann Vincentz Runckel. L. So muß ja doch der Sieger ſiegen Auch mittenin dem Kampffund Streit Und ſeinen Feinden noch obliegen Dort in der grauen Ewigkeit/ Uberwinden Creutzes Laſt/ Ungluͤcks Wellen/ Hertzens⸗Praſt! Und noch mittenin dem Rriegen Seinen Feinden doch obſicgen⸗ Zwar als Er hier noch lebt auffErden Somuſt Er dulden Angſt und Roth/ Seelen⸗Kummer und Beſchwerden Endlich gar den bittern Tod · Jammer und des Teuffels Neyd Sorgen und Gefährlichkeit. Muſt auch offtmals untenliegen Ob er gleich vermeynt zu ſegen Bald muſt Er mit dem Schoͤpffer ringen Dann (61)% Dann trohte Ihm das Höollen Hauß; Bald wolt der Teuffel ihn verſchlingen Und trucket Ihm viel Seuffzer auß Dann quaͤlet Ihn die falſche Rott/ Bald muſt er dulden Hohn und Spott Dann ſich vor den Feinden ſchmiegen Und in JEſu doch obſiegen., In JEſufieng Er anzukriegen Giit Eſuhoͤrt er wieder auff/ Durch I Eſnm wolt Er freudig ſiegen/ Und ẽnden ſeinen Lebens⸗Lauff. Drumb Ihn auch JEſus ſo beglůckt/ Und Ihnan ſolchen Ort geruͤckt/ Da Er in ſtoltzer Ruh kan liegen/ Und doch in JEſu ewig ſiegen · Gluͤckwunſchender Sieges ⸗und Troß⸗Wunſch der gantzen Trauer · Verſam̃lung G lebt nun Herr Runckel im Frieden und Sie⸗ en/ Genießt des Siees in himmliſcher Ruh/ Es tõnnen Ihn nicht mehr die Feinde bekriegen/ Er pranget mit Palmen in frölichem Nu. Er iſt nun von auſſen und innen umbgeben Mit Engliſcher Rlarheit/ de tunckele Nacht Muß weichen/ Er ſchwebet in ſeligem Leben/ Gezieret mit Cronen und himmliſchem Pracht. So iſt nun nicht tunckel Der ſelige Runckel Er glaͤntzet und leuchtet vielmehr als Carfunckel/ H3 GOtt 6 Gtt geb Hinterlaſſenendieß zu erkennen/ Er ende und wende Betrůbten vas Leyd/ Daß ſie im Creutz ſich von Ihme nicht trennen⸗ Erquicke und ſtaͤrck ſie mñt gottlicher Freud. I1I. SEs Hochſten Augen gar auß unſern Augen ſetzen/ Und das/ was irdiſch iſt/ nur laſſen ſanfftergetzen Das Fleiſch⸗geſinnte Hertz/ macht/ daß zu reiffer Straff Solt eyl unddie ſofromm/ ins Sicher von uns raff. rumb auch der weiſe Gott von uns hinweg aenommen Den frommen Gottes⸗Mann Herr Runckel/ ſo zum Frommen Der gantzen Chriſtenheit bont werden angewant/ Zu machen Gottes Ehr/ ſehr weitund breit bekandt. Es wardes Hochſten Furcht in ſeine Seel gepflantzet/ Undals mit einer Mauer und feſten Wall umbſchantzet Sein eiig Hoffen warallein auff Goit gericht/ Derſelbe war ſein Troſt/ ſein groſſe Zuverſicht; Sein groſſe Zuverſicht/ daß Creutz ſo wol als Leyden Ihm muſie Freude ſeyn; Von Gott kont ihn nicht ſcheiden/ Betrůbnüß/ Angſt und Pein/ Verfolgung/ groſſe Noth Noch auch/ ſo letzich folgt der ſchmertzlich⸗biutre Todt. Er war nicht/ wie die Welt/ ſo Goit im Mundefuhret/ Im Glauben aber weit nicht an die Worte ruͤhret/ Nein/ ſondern Hertz und Mund zuſammen ſtimmien ein/ Daß alles/ was Er thaͤt muſt gantz gleichlautend ſeyn. All Kuͤnſt⸗ und Sprachen⸗Lehr der klugen Pierinnen War n bey Ihm haͤuffiglich/ und ſeine kluge Sinnen/ Der unverdroß neFleiß/ der Lehre Deutlichkeit Macht Ihn ſehr hochberuhmt/ und lobwerth/ weit und breit. Die N „—— (63)2 Die rechte Gottes⸗Lehr/ die Ermehr in dem Weſen Ale n dem Wiſſen ſucht/ war bey Ihm außerleſen Das Hertze war die That/ ohn allen Heuchei. Schein/ Ach daß wir ſolches Manns beraubet muſſen ſeyn O ſoll nicht jederman In dieſes Vrts betauren? Soll nicht der Jugend Schgar Ihn thraͤnend hoch be⸗ tauren? Die ſeine Dienſte ſchon ſo lange Jahre růͤhmt/ Dieweil Er ſich erwieß/ wie einem Lehrer ziemt. Bey vielen Frembden auch/ſorechte Knſte lieben/ Wird nach merrn Runckels Todt/ als ſchad/ ſeyn ange⸗ ſchrieben/ Und werden weit von hier/ hier mit im Leyde gehn/ Und mit betruͤbtem Hertzen die Erdigung anſehn. Ihm iſt deswegen zwar nicht eben Weh geſchehen/ Dann Er das meiſte Weh bey Lebens Zeit geſehen/ Das auff ihn ſturmte zu/ mit ungeſtůmmem Sauß/ Doch unbeweget ließ ſein ſtarckes Felſen⸗Pauß. Ach wie ſo manchen Staub hat Er verſchlingen můſſen! Wie manche Wodrigkeit hatmuſſen Ihnverdrieſen Wann Er in ſeinem Ampt zur Lehꝛe hatgeführt Die Jugend/ die wohl doch mit Undanck Ihn beruhrt. Nun aber iſt Er ſtats von dieſem alln befreyẽt Lebt mit den Heiligen in hochſter Zier verneuet⸗ Es hat Ihn GGrt herauß/ als ſeinen Ephraim Und— geführt/ vor ſeines Zornes rimm. Dann alſo macht Er es ehnoch die Sundfluth kommen/ Da Er den Noah ſelbſt in Fluthen auffgenommen/ Den einig frommen Loch für Feuers⸗Gluth beſchutzt/ Ils Er mit Schweffel⸗Feur auff S 0 Gott wird die Seinigen Ihm einſt auch foigen la Daß Er dieſelbigen mu Freudenmag e ſen⸗ Und hier ein ſtarcker Schutz der Unverſorgten ſeyn. H ErGott She Leut/ erhalt der Kirchen ein! ——— — — TW O Gottesfurcht O Gottergebenes Weſen/ Wie wenig finden ſich/ die dich zum Zweck erleſen/ Den meiſten lieblich ſcheint die nichtig Eitelkeit/ Da falſch verſuͤßtes Gifft der Weltwird außgeſtreut/ So ſehr wirſt du veracht/ O allerſchoͤnſte Tugend/ Daß auch die friſche Blůbe der hart· verboßlen Jugend Sich weigeꝛt fort und fort zu deinem Dienſt zu ſtehn/ Und hat nur immer Luſt au/ boſem Weg zu gehn. omptſchon Verſtand und Witz mii Zeit und vielen Jahren/ Sieht man wie Zeit und Lift ſich miteinander paaren/ Jawie der Sunden· Ball die ſchwere Laſter Buͤrd Im waltzen fort und fort nur immer gröſſer wird. Die Welt hat nie genug der ſchnoͤden Eitelkeiten/ Und ihre Wolluſt kan ſich nicht genug ausbreiten/ Weil ſich ſo drauff be ſtrebt der meiſte Theil mit Fleiß/ Daß er auch in dem Wunſch kein Ziel noch Ende weiß/ Und lebt in Lůſten hin/ der Menſchen groſte Hauffen Pflegt eiffrigſt nur nach dem/ was eitel iſt zu lauffen/ Und mancher blinder Sinn halt die geringe Erd Auch vor den Himmel ſelbſi in allergroſtem Wchtt. Auff ſolche Weiſe war Herr Runckel nicht geartet/ Als der ſein Lebens⸗Spiel viel klger hat gekartet/ (Wannjeder Chriſten⸗Lauff/ da ſich der Feinde Liſt Am allermeiſien ruͤhrt/ ein Spiel zu nennen iſt:) Xe(50) In ſeinem frommen Sinn hat Er dahin gezielet/ Wo die Vergnuͤgſamkeit ſich in das Hertz geſpielet⸗ Fuͤr eine Traurigkeit hielt Er die eitle Luſt/⸗ Und war Ihm auſſer G Dtt von keiner Freud bewuſt. Denn obſchon Ihm die Welt/ als ein gezierter Garten Ihr groſte Lieblichkeie in ohngezehlien Arten Auch ſchmeichelnd dargeſtellt/ ſo wuſte doch ſein Geiſt Wie ſich nur eitler Dunſt an ſtatt der Freuden weiſt. Er war in Gottes furcht befliſſen ſtets zu lieben Den Nechſten/ als ſich ſelbſt/ ſein allergroͤßtes Uben Beſtund in Gottes Lob/ verachtend Eitelkeit Und alle Luſt der Welt mit ihrer falſchen Freud · Drumb wurde auch ſobald erfullet ſein Vergnuͤgen/ Da Er die Eitelkeit mit Freuden uͤberſtiegen/ Und nun die Seligkeit nicht mehr zu hoffen hal ⸗ Wiil Er das hochſte Gut genieſſet in der That. Nun hai Er obgeſtegt/ wir aber muͤſſen ſtreiten Mit Traum und Schaitenwerck/ biß uns an unſre Zeiten Der letzte Achembricht. Indeſſen ſeht und hoͤrt⸗ Wie dieſer/ gute Nacht zu geben/ uns gelehrt. D herrlicher Triumph D Freuden · volles Leben/ Das deme nach dem Toderfreuet wird gegeben/ Der wicerr Runckel ſtirbt gant willig/ freudis/ froh In JEEU ſeinem HErrn mit Hertzens·Jubilo. Bherrlicher Triumph O Lebens/ volles Sterben/ Wer ſo im Giauben ſtirbt/ wird nichtim Tod verderben: Herr Runckel ſtarb auch ſo im Glauben ohne Noth ⸗ Beßwegen fand Er gleich das Leben in dem Tod. Owohlgetroffner Tauſch! Indeſſen ſind die Schmertzen Ber interlaſſuen groß und gehenlieff ʒu Hertzen/ Umb Troſt iſt ihnen bang/ Sie ſeuffzen Wolcken⸗an/ Und ſchreyenklaͤglich nach: Ach Vatter ach mein Mañ 3 Was —————— Was hifffis es iſt geſchehn/ bey ſo geſtalten Dingen Muß man zum lieben GDit die Sinnen auffwarts ſchwingen⸗ Und ſtellens Ihm anheim/ denn/ was derlelbe thut/ Iſt alles wohl gethan/ iſt alles recht und gut. Bedenckts Ihr Traurigen/ GOtr der Euch hatbetruͤber/ GDii der Euch vaͤtterlich im Creutze gleichwol liebet Derſelbe/ glaubt gewiß/ verlaͤſt Euch dennoch nicht/ Auff den ſetzt euren Troſt/ und veſte Zuverſicht. Iſtſchon der Seelige Euch hertzlich liebgeweſen Ach denckt/ wie hocherwůͤnſcht Er nunmehr ſeygeneſen Nach ausgeſtandner Noch/ wohl dem es ſo gelingt/ Wer ſowie Er gethan/ die Lebens⸗Zeit vollbringt. Nun Hinterlaſſene nehmt dieſen Troſt zu Hertzen/ Und troſtet Euch darmit in Euremgroͤßten Schmertzen ⸗ Biß Ihr den Seeligen zu der beſtiten Zeit Mit Freuden wieder ſeht dort in der Ewigkeit· V. Ach Soll Ich Reden? Oder aber: Soll Ich ſchweigen? Beydes faͤllt mir zu ſchwer! Das eine zu klaͤglich! das andre unmoglich! Rede Ich! So willder uͤberhauffte Schmert keine geſchickte Rede hervor laſſen; Schweige Ich dann! So ſchweigen doch meine Seufftzet nicht; Und Ich thaͤte unrecht/ Wann Ich verſchweigen ſolie Das Lob Eines ſolchen Wanns (67) Deſſen Ruhm auch das finſtre Grab nicht vergraben/ Deſſen Preiß die vergeßliche Nachkommenſchafft nicht vergeſſen ⸗ Und deſſen Tugend anch der dunckle Reid nicht verdunckeln kan! (Warumb ſchweige Ich noch ²) Des theuren Herrn M. RlI NKELS Eines Manns Deſſen Feinde ſelbſt geſtehen muͤſſen: Daß Seine Wiſſenſchafften unvergleichlich! Daß Seine Gelährtigkeit grundlich! Und daß Seine Frommigkeit unſtaͤfflich! Er ſahe nur auff Gott/ den Er doch nicht ſahe/ Und liebte auch den Naͤchſten/ der Ihn nicht liebte/ Aber Er war dabeneben ein Heuchler/ Doch nur in den Augen der heuchleriſchen Welt/ Weil Er ſeinem Gottohne Heucheley dientel Er gieng Einfaͤltig/ und machte auch die groͤſte Rlugheit in ſeiner Einfaltqu ſchanden; Nachdencklich waren Seine Reden/ und hinter⸗ lieſſen groͤſeres Nachdencken denen Sie waren ſchlecht aber manchem Gelaͤhrten zu hoch! Alle Verfolgungen verfolgte Er mit ſonderbahrer nachfolgung ſeines Heylandes Alle Verachtungen verachtete Er mit wunderbaßrer Verachtung ſeiner ſelbſt! Und alle Verſchmaͤhungen verſchmhete Er mit ruhmbarer hochachtung der Schmach Chriſti Aber Ach! Daß doch nun Ich ſchweigen můſte und den Lodt Dieſes ſo preißwurdigen Manns anjetzo nicht beklagen doͤrffte! Deſſen Leben ein immerwaͤhrendes Sterben· und deſſen Sterben ein Anfang des in wehrenden Lebens! 32 (68% O Heſſen Seſſen! Werden deine Saͤulen ſo umbgeriſſen? werden deine Gelaͤhrten ſo nacheinander außgeleeret? werden deine Lichter ſo außgelaͤſcht? werden deine Frommen— dem Ungluͤct weggenommen? 1 Wer wird dann vor den Riß ſtehen! wer wird dann dichlehren! wer wird dir vorleuchten! Und wer wird ſo hertzlich vor dich beten! O trauriger Zufall! Klaͤgliches Schickſal! Du liebes aber auch beklagens⸗ wuͤrdiges PVatterlandt! Was ſoll bey ſo bewandten Sachen Ich von dir ſagen? Soll Ich dir gutes verkuͤndigen? das kan Ich nicht! Soll Ich dir boͤſes vorſagen? das leydet meine Liebe nicht! Was ſoll Ich dann nun endlich ſagen? vErr du biſt gerecht und deine Gerichte! Aber der Serechte kommt um/ und niemand achtet drauffl Soll Ich weiter Reden? Ach! Ich will ſchweigen und meinen Mund nicht auft hun. So erſtum̃ete gleichſam uͤber dem betraurens/ wůrdigen Tod ſeines epemaligen getreueſten Præceptoris und aufrichtigſten Freunds Joh. Helfricus Schraͤling. e Bruchfehler werden den chriſtl. Leſer zu beliebiger Seibſt⸗ãnderung hinterlaſſen: ag.7 lin 6 leg thue ich ihn nicht. ad p.l. leg wird den Rath. p. 1o. 1aͤugnen. p.1.lin. 2.allerdings nicht zu läugnen. p 1lin. leg. Dden ohne Verdienſt. pag in.. leg als den/ der· ead. p. in· drcad.p. lin.⁊s..meynet. pag. 1hlin. leg jenen · p. 20.in nohnmen. p..lin. pehult. pro ſehe leg iſt.. 2lin a. p37.1.6.1. Philofophiæ. p. 46 1.44leg triebſt.p 47 Nadde zu Gefallen.p.8. 15. à fin. dem leg. den. daͤuchte.l.a2. poſtAugen adde worden /p. ſa⸗ 4.1.2 ₰ eſt.l.& I.Iꝗ.I.ſeparatus,.j.à fin.