wrM rcraro. Das iſt: Slaubiger Ehriſten Gurten 1 1 Ineiner hrilchen Leich⸗ predigs X Auß dein 33. Pſalm/ v. 20. 21. 22. e Bey vulnmncha hanichelucheechn eß we wohl⸗ eve Soch Lobarfn 5 Gancenmürſit ⸗ Hclen⸗Harmſcitchen 1— beſtelten ͤ ãeſten amm⸗Rahte“ Daſigrun Fahrghüiſt8 den„ob. Abends ſ ums. Uhr in ſeinein Erloͤſer JEſu Chriſto ſeeli igabgeſchieden/ und .den dieſes Monats um. Uhr Nachmittag auff den Pfart⸗ Kirchhoff allhie zu Marburgmit Chriſtlichen Ceremonienin ſeine Ruhe⸗ W„ Stätte begleitet und eingeſetzet wordens 1 Vorgetragen/ und auff— ½ zun Druck gegeben FENERM. Focleſiaſten und Superintendentendaſelbſt. birg drnctteoh⸗ S Stoc8. H. Cantzley Buchd. —— „ L 2 N— — ———————— Der wohlEdlen/ Viel Chrn⸗und Tugend⸗begabten Frauen/ Vr. Sliſabeten gebohrner Reyſerin/ Deß wohledlen/ veſtennd Hochgelahrten⸗erm/ Gern Beſfftich Samers/ Hochfuͤrſtl. Regierungs⸗SECRETARII Leliebſten/ Wie auch Denen dlen/ veſten und Hochgelahrten erren/ eann Saniel Reyſern/ Pornchien]. U. DOCGTORI⸗ ertn WIIHELMO Reyſerm/ MEDICINE DOCGFORKI, Deß wohlſeeligen derrn Cammer ⸗ Rahts Frau Tochter und Herren Sohnen/ Meinen reſpective hochgeehrten Herren Gevattern/ hochgeneigten Freundin und Freunden/ kberreicht wohlmeynend dieſe bey Ihres ſeel. Herrn Vatlets Beerdigung abgelegte Leich⸗ Pre⸗ digt/ ſampt einer herzlichen Anwuͤnſchung der Seegen reichen Sůte GOttes uber Sie insgeſampt Gebat ⸗ und Dienſtſchuldiger Johannes Fenner/ ccleſiaſtes& ðu perintendens. 8 3 Nö⸗ 1 N J. 4 Allgemeiner Singang. Die Gnade GOttes deß Himmliſchen Vatters/ der Friede unſers HErmund Heylands Jeſu Chriſti/ ſampt der Troſtreichen Gemeinſchafft GOttes deß werthen H. Geiſtes/ ſey und ver⸗ bleibe mit uns armen Suͤndern von nun an biß zu den eiwigen Zeiten/ Amen! Wann der Geiſtreiche Prophet DDaniel neben vielen andern verborgenen Dingen in ſeiner Weiſſagung auch dieſes auff⸗ geſchrieben: Wie er in dem Geſicht deß Nachts geſehen/ daß einer in deß m̃els Woicken/ wie eines Menſchen Sohn/ A2 biß Eliebte/ Andaͤchtige und Be⸗broloaus Strubtehriſten in demHErren. n⸗ vMe——— gilaubtger hriſten biß ʒu dem Alten kommen/ und fuͤr den⸗ ſelbigen gebracht worden/ welcher ihm Gewalt/ Chr und Reich gegeben/ daß ihmalle Voͤlcker/Leute undʒungen die⸗ nen ſolten/ und ſein Gewalt ſeye ewig/ 1 4 die nicht n ſein Roͤnigreich habe kein Ende; So entſetzet ſich Baniei . und erſchrickt uͤber ſolche Geſicht/ und be⸗ gehret von dieſem Alten gewiſſen Be⸗ richt: Datratte einer auß denen vielmal 12 hundert tauſend. Engeln herfuͤr ʒu ihm /redete/ undʒeigete ihm nicht allein was es bedeutete/ ſondern faͤhret auch werter fort und ſagt: Aber dieetligen deß oͤchſten werden das Reicheinneh⸗ men/ und werdens immer und ewiglich in qu avo heſitzen/ Dany. v.z.ſeqq. So werden zwey⸗ ſ vle ver erley dem Propheten in dieſem Geſicht und deren Regnum Bedeutung vorgeſtellet/ erſtlich deß Reichs Meſſia ctrilti at oder Chriſti glorwuͤrdigſter Zuſtand/ darnach die⸗ ternum glo- 6 noſun. ſes Reichs Unterthanen und Erben Beſchaffen⸗ 3 1 heit/ weiche es einnehmen und beſitzen werden. Jenes erhellet auß der Geſicht/ daß der Meſſias nicht ein irwiſches/ weltliches/ vergaͤngliches Kö⸗ .. nigreich auffErden auffrichten und führen werde⸗ welches einen gewiſſen terminum Ziel und ſ at⸗ . Harren und Hoffen. 6 hat/ wielanges waren/ wañ derfurüber/ es abneh⸗ men und zergehen werde/ wie die vier groſſen Mo⸗ narchien und andere irꝛdiſche Koͤnigreiche bezeu⸗ gen/ und dem Propheten Danielin der Außlegung in denẽ Antworten angedeutet wird; Sondern wie dieſer Koͤnig Chriſtus iſt ein ewiger Koͤnig/ und ſein Reich iſt nicht von dieſer Welt Johs.vz. Alſo wird ihme auch von dem Alten/ das iſt/ von GOtt ſeinem Himmliſchen Vatter/ deſſen Jahrʒahle niemand forſchen kan Hiob. ʒ. v.26. fondern bleibet von Ewigkeit zu Cwigkeit loo.vz. gegeben eine ewige Gewalt/ die nicht vergehet/ und ſein Konigreich wird kein Endehaben/ welches der Engel Gabriel beſtarcket undvonihme ſagt: Er wird ein Ro⸗ nig ſeyn uͤberdas aiß Jacobewiglich/ und ſeines Roͤnigteichs wird kein Ende ſeyn Luc. v.ʒz. Und der Prophet Daniel von ſeinem Konigreich zuvor geſagt: Sein Ronig⸗ reichwird nimmer ʒerſtoret/ alle andere Roͤntgreiche werden ʒermalmet/ aber ſein Ronigreich wird ewiglich bleiben Panv. 44. auch am Ende/ wann er die⸗ ſes Reich Gottund dem Vatter uͤberant worten und auffheben wird alle erꝛ⸗ ſchafft und alle G und Gewalt/ 3 wie Glaubiger Chriſten wie S. Paulus redet 1. Cor. m. v. 24. wirder den Glaubigen und Außerwehlten eingeben das Reich 6 der ewigen Herꝛlichkeit/ welches auch Daniel vor „das ander von dem Engel horet und im Geſicht er⸗ kireaun ſiehet/ welches dieſes ewigẽ Reichs das iſt deß ewi⸗ roptun· gen Lebens Hæredes undErbenſeyn werden/ nem⸗ . lich die eiligen deß Allerhoͤchſten: Es 3 wird das ewige Leben ein Gnaden⸗Ge⸗ . ſchencł Gottes in Chriſto JEſu genañt Rom. ov.23. undallen auß lauter Guadein Chri⸗ i ſoangebotren undzugeſagt/ daß wer daglau⸗ betſoll ſeeligwerden Marcas.v. Werden Willen thut ſeines Vatters wird einge⸗ hen in das ewige Leben Matth.ꝰ. v.a1. Je⸗ doch gehret das ewige Leben allein den eilt⸗ gen deß Allerhochſten/ das iſt/ den Außer⸗ wehlten Glaubigen/ welche G Gtt der Aller⸗ hoͤchſte erwehlethat durch Chꝛiſtumehe der Welt Grund geleget war/ daß ſie ſol⸗ len ſeyn heilig und unſtraͤffüch fuͤr ihm ſchafft gegen Ihm ſelbſt durch JEſum Sk— dem Wohlgefallen ſeines Willens/ zu Lob ſemer herrlichen Gna⸗ 1 de/ durch welche er uns hat angenehm gemacht indem Geliebten/ wie Pau⸗ earren und offen 2 S. Pauus redet Fphel vg.. welche mit dem innerlichen Ornatund Schmuck deß Reichs Ehri⸗ ſti und ſeiner glaubigen Unterthanen angethan verbleiben in der rechtſchaffenen Erkaͤntniß Got⸗ tes/ Glaub /Lieb /Hoffnung/ Gedult/ Demuht/ Sanfftmuht/ Andacht und anderen dergleichen Zugenden/ dardurchihren Beruffund Er⸗ wehlungfeſtzunnn en/ dannwo ſie ſol⸗ ches thin/ werden ſie nicht ſtraucheln ⸗ und wird ihnen reichlich dargereichet werden der Eingang zu dem ewigen Reich unſers Crin und eylands JE⸗ ſu Chriſtt ꝛ. Pet.i.v.Io. daß ſie das Ende deß Glaubens davon bringen/ nemlich der Seelen Seeligkeit. Pet. v.. und als Geſegneten deß him̃liſchen Vatters/ er⸗ ben das Reich/ das ihnen bereitet iſtvon Anbegin der Welt Matth. 23. v.34. Und wel⸗ ches noch das troſtlichſte/ nicht nur eine geringe ge⸗ wiſſe Zeit einnehmen und beſitzen/ ſon⸗ dern immer und ewig/ bey dem Erm ſeyn alleʒeit. Theſſ a.v.m. wie Chriſtus dar⸗ um gebaͤten: Vatter/ ich will/ daß wo ich bin/ auch die bey mir ſeyn/ die dumir ge⸗ geben haſt/ daß ſie meine⸗errlichkeit ſe⸗ hen/ die dumir gegeben haſt/ n 2 Glaubiger Chriſten Aprcao Inſolcher ſeeligenErtantniß Gortes rechtſcůſſc⸗ ad pie de- functum. nem Glauben und ſuſſen Vroſt iſt auch eingeſchlaf⸗ fen/ als ein treuer glaubiger Reichs⸗Genoß und Heiliger deß Allerhochſten/ das ewwige Reich und ewiges Leben ſchon allbereits der Seelen nach ein⸗ genommen/ imer und ewig zu beſitzen/ unſer Chriſt⸗ licher Alter vornehmer Mit⸗Bruder/ Hert Jo⸗ hann Reyſer/ treu⸗geweſener Hochfuͤrſti. ʒo. Jaͤbriger Darmſtaͤttiſcher Bedienter und Cam⸗ mer⸗Raht/ deſſen verblichenen Coͤrper wir in ſo Volckreicher Trauer⸗Proceſſion zu ſeiner Ruhe⸗ ſtaͤtte begleitet/ und der Erden die unſer aller Mut⸗ ter iſt anbefohlen haben/ in gewiſſer Hoffnung der ſeeligen und froͤlichen Aufferſtehung: Sind nun allhier im Klaghauſe beyeinander verſamlet /˙wider das traurige Bild deß Todes etwas von Lehreund roſt auß Gottes Wort anzuhören undzulernen/ weil aber ſolches nůtzlich zu entrichten nicht beruhet in unſern naruͤrlichen Kraͤfften/ haben wir vonnoh⸗ ten hierzu die Hülffe und Beyſtand GOttes deß werthen H. Geiſtes/ welche wir erbitten und er⸗ langen wollen in dem glaubigen Gebaͤt/ erhebet demnach Mund und Hertz und laſſet uns mit ein⸗ ander alſo ſprechen: Vatter unſer/ der dubiſtimeim̃el/c. Hier⸗ earren und offen.„ Hierauff wolle nun Eure Chriſtl. Liebe mit Fleiß und Gottſeeliger Andacht verleſen hůͤren/ die Wortedeß begebrten Leich⸗Teyts/ wie dieſel bige beſchrieben werden von dem Konig und Propheten David/ in ſeinem ʒʒ · Pſalm verſ. 20.21.— Vetln Kn6 En Brſ. 8. ele p hun auffden ren/ Priſt 5 ut Hůlffund Schild. L Vn Dann unſer Hertzfreuet 3 ſich ſein/ und wir trauen auff ſeinen eilig Wamen. V Seine Sute/ GErꝛ/ ſ. uberuns/ wie wir auff s⸗ Ein⸗ 10 Glaubiger Chriſten vwrum LAs das hohe Alter bor emeheri⸗ ntw 3 che Gnaden⸗Gabe GOttes und graue Haare eine groſſe Ehren⸗Kron an einem 0 gottſeeligen alten Hauptſeyen/hatunter andern auch der Weiſeſte unter allen Menſchen auf Erden/ der Koͤnig Salomoerſehen/ wann er in ſei⸗ nen vielen geiſtreichen Spruchwoͤrtern/ dieer ge⸗ redet/ und darmit ſein Spruͤchwörter Buch he⸗ zieret/ allen Gottsforchtigen Alten zum Ruhm und Lob/ ſelbige zu relpectiren und zuehren/ alſo ſagt: Sraue gar ſind eine Rron derEh⸗ ren/ die auff dem Wege der Gerechtig⸗ in gotmn Feit funden werden/ Proòv.is. v. 31. Inwel⸗ Feni recom menaario, chen Worten der hoch⸗venſtaͤndige Konig Salomo quãm con- ſequendi ratio con- tinetur. ct Senii re- commen- datio. zweyerley wohl zumercken vorſtellet/ erſtlich ein frommes Gottsforchtiges Alter/ was es fuͤr ein herꝛliche Ehren⸗Kron ſey/ und darnach/ wie man zu einem ſo hochgeprieſenen ehrlichen Alter gelan⸗ gen könne. Das Erſte/ nehmlich deß Alters Eh⸗ ren⸗Krone faſſet er in dieſe Worte und ſagt: Graue Haax ſind eine Rron der Chren. Verſtehet durch die graue Haar das Alter ſelbſten/ welche/ ſo bald das Alter herbeyrücket/ auß Er⸗ mangelung der naturlichen Waͤrme anfangen zu . grauen/ earren und Hoffen. n grauen/ weiß zuwerden/ und deß Alters weiſe Bluhte ſeyn/ als wann dorten Samuelſagt: Ich bin alt und grau woꝛden/. Sam.va. Item auch verlaß mich nicht im Alter/ wann ich grauwerde/ Plm. vs. Gleichwie nun daſſelbige iſt eine ſonderbahre Gnaden⸗Gabe Got⸗ tes/ als in welches unden unſere Zeit ſte⸗ het /Pſal. zr. v6. Und Er ſelbſten GCtt iſt un⸗ ſer Leben und langes Alter/ Deut. z0. v. 20. auch groß ſind die Wercke deß Erin/ wer chr achtet/ der hat eitel Cuſt daran ⸗ was ery ordnet/ das iſt loͤblich und herꝛ⸗ lich/ Pſal. urv.⁊3. Alſo will er auch das hohe Alter und die graue Haar geehret haben/ und befielet/ daß man fur einem grauen aupt ſoll auffſtehen und die Alten ehren/ Levit. vzꝛ. Dann ſagt Salomo/ die graue aar coron ſind eine Rron der Chren/ GOtt hat ſie s oioſ⸗ ihnen auß einer beſonderen Gnaden⸗Gabe/ als eine edle Kron zu Ehren auffgeſetzet/ damit ſie herulicher gezieret werden/ und ihrem Haupt eben ſo ſchoͤnſtehet/ als einem Koͤnig die Kron von den beſten Kleinodien und Edelgeſteinen: Wie nicht einem jeden eine Kron auffgeſetzet wird/ ſondern allein den Koͤnigen/ denenſie GOtt gibt und goͤn⸗ net; Alſo bekomt nicht ein jeder graue Haar/ ſon⸗ in B dern n Glaubiger Chriſten dern allein die/ denen ſie GOtt auß Gnaden gibt und goͤnnet/ ſie vor andern damit zu ehren und zu ſchmucken/ dann grau Haariſt der Alten Schmuck/ ſtebet Prov.ꝛ0. v.29. Fa Mon ratio- ne Cano- rum in ſe Es meynet aber Salomo durch dieſe Ehren⸗ und Alters⸗Krone nicht das bloſſe Alter und viele Jahr und graue Haar au und vor ſich felbſten/ ſon⸗ ſien auch die Gottloſe bey ihrem grauen Alter ehr⸗ lich/und ihnen eine Ehren⸗ Krone waren/ dann dns Alter iſtehrlich/ nicht das lange lebt/ oder viel Jahr hat/ Rlugheit unter den Menſchen iſt das rechte gꝛauecaar/ und em unbefleckt Leben iſtdas rechte Alter/ Sap.vs. 9. Es kan einer viel Jahr auff ſich und viel graue Haar haben/ undiſt doch am Verſtand ein Kind/ das ſind boͤſe laſterhaffte Alten/ welche der Prophet hundert⸗jahrige Kinder nennet/ und ſagt: Die Rnaben von hundert Jahren ſoilen ſterben/ und die Suͤnder von hun⸗ dert Jahren ſollen verflucht ſeyn/ Eſa vꝛo. Von ſolchen boſen und gottloſen Alten re⸗ det hie Salomo nicht/ ſondern GOtt der HERR beym Propheten Ezechiel/ wann Er ſagt: Bey den Alten will kein Raht mehr ſeyn/ c7 v. 26. und der Prediger Salomo/ da er ſpricht: Ein Rind/ das weiſe iſt/ iſt beſſer ven alte arren und offen · 1 aiter Konig/ der ein Narꝛiſt/ undweiß ſich nicht ʒů hůͤten/ Eocl. 4 vnz. Sondern es meynet Salomo die graue aar/ die mit Eh⸗seqqi in⸗ ren alt/ gleichſam in ihrem Alter mit den grauen tu ſunt Haaren bluhen/ und ihr altes Haupt darmit als einer herꝛlichen Ehren⸗Kron ſchmucken und zie⸗nrers rem welche Ehren⸗Kron deß Alters auß verſchiede⸗ experienrs nen Tugend⸗Stucken und herꝛlichen Kleinodien viemiz. und Edelgeſteien zuſammen geſetzet/ zuvorderſt mit der Weißheit und vieler Dinge Erfahrung/ Dann /O/ wie fein ſtehets/ wann die graue⸗Kupter weiſe/ und die Alten klug. Das iſt der Alten Rrone/ wañ ſie viel er⸗ fahren haben/ und ihre Chre iſt/ wann ſie GPtt foͤrchten/ ſagt Syrach capa. v. 8. Bey den Groß Vattern iſt die Weißheit⸗ und der Verſtand beyden Alten. Beyth⸗ me iſt Werßheit und Gewalt/ Raht und Verſtand/ Hiob n.v. n.tz. Ich dachte laß die Jahr reden/ und die Menge deß Al⸗ ters laß Weißheit beweiſẽn/ Hob.z2. v.7.„ Deß Alters Kron iſt/ wann ſie bey Mehrung der onori Jahren und Lragung der grauen Haaren zu of⸗fen fentlichen Ehren⸗aͤmptern und Würden erhoben undbefoͤrdert ſind/ welche ott ſelbſten bat befob⸗ len zuehren/ und gerübmet n die 4 u 14 Glaubiger Chriſten ʒu Gericht in den Thoren ſitzen ʒum Ge⸗ hore/ Deut.⁊. v.v. und für eine Straffe ange⸗ zogen wird/ wann GGitt die alteſten als eie ſonderbare Gutthat dem gemeinen We⸗ ſen und Nutz entʒeucht/ Faz. v.ꝛ. Ja die Schrifft achtet es fur einen Unſegen/ wo nicht mehralte Leute werden/ Bl. 6ʒ. v. 20. ſo gar/ daß graue Haar und alte greiſe Haͤupter nicht allein deme/ der ſie an ſich traͤgt/ eine Ehre/ ſondern auch andern/ einer gantzen Gemein⸗ de eine groſſe Zierde und herꝛlicher Wohlſtand iſt und eine Anzeigung eines groſſen Gnaden⸗Se⸗ gens/ wann G Ott alte erfahrne graue Haar auff den Cantzeln/ Cantzley/ Rahtſtuben/ Haußhal⸗ tung/ Zuͤnfften und Gemeinden/ erhaͤlt/ dann Se- nex in domo eſt bonum ſignum in domo das iſt/ Ein Alter in einem Hauſe/ in einem Geſchlecht/ oder in einer Gemeinde/ iſt ein gut Zeichen darin⸗ nen. Sonderlich auch/ wann die liebe Alten ihre graue Haar und Ehren⸗Krone mit der wahren un⸗ gefaͤrbten Gottesforcht zieren und ſchmücken/ und threm Alter gemaß emn Gottſteliges Le⸗ ben fuͤhren/ und durch grobe Laſter th⸗ ren Chrenkeinen Schandflecken anhan⸗ gen/ wie dorten Syrach redet cap. 4v2. Dañ der Alten Chre iſt/ wann w en/ akren und offen. 6 ten/ ſtehet Syr. 25. v.s. Nicht allein wann ſie fuͤr ſich fromm und Gottsfoͤrchtig Leben/ ſondern es wird auch ihre Ehren⸗Krone herꝛlich gezieret/ wan ſie viel Kinder und Kinds⸗Kinder erleben und die⸗!ionn in ſelbe in Zucht und Gottesforcht auffer⸗ Kelun jiehen/ Eph. 6. v. 4. wie es an Hiob gerühmet ione wird: Und„iob lebet nach dieſem hun⸗ dert und erzicſahr /daß er ſahe KRin⸗ der und Rinds⸗Kinder/ biß in das vierte Glied/ undeob ſtarb/ alt und Lebens ſatt/ Hiob. 4. v.16.. Und David ſagt: Sihe/ alſo wird geſegnet der Mann/ der den Crm foͤrchtet/ daß er ſiehet Kinder und Rinds⸗RKinder/ Pfal. us. v. 4. ſeqq. darauff Salomo ferner ſiehet in dieſen Worten/ wann er nicht alleinrühmet/ was die graue Haar und hohe Alter fur eine herꝛliche Zierde und Ehren⸗Krone ſey/ ſondern er lehret auch mit gutem Zuſatz/ wie Medi 4 man ju einem ſolchemehrlichen Alter kommen und bene do gelangen koͤnne und ſolle/ nemlich/ wann einer ge⸗ronam per- het auff denen Wegen der Gerechtigkeit/ dann graue Haar ſindeine Rrone der Chren/ kornwqu die auf demWege der Gerechtigkeit fun⸗ jul den werden: Vurch den Weg der Gerechtig⸗unn keit kan manzu einem ſolchen hohen Alter und Eh⸗ ren⸗Kron kommen/ wann einer vsn ur Glaubiger Chriſten durch die maͤnnliche Jahre biß in dãs ſoe grem̃ Alter der wahren Gott wohlgefaͤlligen Gerechtig⸗ keit nachſtrebet und ſich deren befleiſſiget/ welches Gttder HEr: dem Koͤnig Salomo ſelbſten vor⸗ ſchriebe: So du wirſt in meinen Wegen wandeln/ und halten meine Sitten Und Gebott/ wie dein Vatter Dawid gewan⸗ delt hat/ ſo will ich dir langes Leben ge⸗ hen/ Reg3. v.14. Salomo nachgebends au⸗ dern dieſen Weg und Mittel vorgeſchriebented⸗ re mein Rind und nimman meineRede/ ſo werden deiner Jahr viel werden/ ich will dich den Wegder Weißheit fuͤhren/ ich will dich guff rechter Bahn letten ⸗ Prov. ꝓ. v. ww.. Dienun alſo Salomons Lehre folgen/ von Jugend auffſich eines Gottſeeligen er⸗ baren Wandels befleiſſigen/ und bey ihremerlang⸗ ten hohen Alter der Jugend im Glauben und einem Chriſtlichen Gottſeeligen Leben ſi ſ0 in rechtſchaffe⸗ ner Gerechti eedeeehen me gfelinrehn eForcht hr Lebenlang ⸗ Luc.v4.75. Daß manmit Warheit von ihnen ſagen kan/ was Lucas vom alten Simeon ſagt: Erwar gerecht und Gottsförchtig/ Luc 1v.25 Und bon alten Zacharia und ehet: arren und Hoffen. y ſehet: Sie waren alle beyde fronm fůr Stt/ und giengen in allen Gebotten und Satzungen deß Errn untadelich herein/ Luc..v.õ. Und auff ſolchen Wegen der Gerechtigkeit funden werden/ deren graue Haar ſind eine Kron der Ehren/ und ihr Alter iſt aller Ehren werth/ Siefahren zuchren Vattern mit grieden/ undwerden in gutem Alter begraben/ Gen.vnz. Wie dieſes vor andern cno unſer vornehmer wohlſeeliger Chriſtlicher Mit⸗⸗ pie de- Bruder im Werck ſelbſten erfahren/ erwieſen und fcun erkannt hat: Dannnachdem derſelbe Gott ge⸗ forchtet und Ihme gedienet/ iſt er bey guten Tagen ait worden/ und mit Cuſt gelebet/ wie Elihu dorten zu Hiob vedet von dem Berechten/ cap6. v.n. das von Moſe angeſetzte ʒiel menſchlichen Lebens erreichet/ ja uberlebet⸗ und darbey Kinder und Kindes Kinder geſehen/ hat er dahin getrachtet/ wie er ſeine graue Haar mit Weißheit/ Verſtand/ Erfahrung/ Gottes⸗ forcht und dergleichen zieren und zu einer Ehren⸗ Kron machen wollen/ daß er auch in Beſtaͤndig⸗ keit der erkandten Lehr und Religion im Glauben und Vertrauen/ Harren und Hoffen auff GOtt ſein Leben ſeelig beſchloſſen/ wie die abgeleſene Worte von allein mit mehren zu welchen wir 5— —— 13 Glaubtger Chriſten Propoltio wir uns ohne fernere Vorrede wenden/ und drey⸗ n erley finden abzuhandeln/ welche der Konig Da⸗ paru. vid mit allen wahren rechtſchaffenen Chriſten rüh⸗ met/ von GOtt bittet und wunſchet. Erſtlich Anweex daßſie auff den HErren harren und hoffen/ zum vo andern/ daß ſie ſichin dem HErren freuen/ und cords dann drittens/ daß ſie wuͤnſchen/ daß die Guͤte und soruio Barmhertzgkeit GOttes über ihnen ſeyn moge/ Graiæ di. wie ſie hoffen: Wie nun dieſes drey noͤhtige Stuck uue e ſind/ darinn ſich alle rechtglaubige Chriſt⸗Hertzen raglich uͤben muͤſſen/ alſo bitten wir GOTden himmliſchen Vatter/ daß er uns die huͤlffreiche Gnade deß werthen H. Geiſtes verleihen wolle/ damit wir hievon etwas nutzliches beyds lehren und hoͤrenmoͤgen/ um JEſu Chriſti ſeines vielge⸗ liebten Sohns willen/ Amen! Tractio Abhandelung der Tert⸗Worte Textus I.. Eſten Pheils. Enige aber doch ſehr nachdenckli⸗ Trahiio che Worte gebrauchet der Apoſtel S. 1eumE Paulus/ wann er den Zuſtand und die Bewandniß aller treuer Diener GOt⸗ tes/ welche Glauben und gut Gewiſſen zu bewah⸗ ren gedencken/ den ſi in dieſer Welt tn. erffen werffen und beſchreiben will und ſagt: Sie ſind als die Traurigen/ aber allegeit froͤlich/ 2. Cor.. v. 0. Undzeiget darinn an/ daß ſie dem euſſerlichen Anſehen nach von den Kindern dieſer Welt fur traurige/ betrübte und elende Leute/ ſo wohl ihres Gottesdienſtes als auch ihrer Arbeits⸗ Wercke/ vielerley Gefaͤhrlichkeit/ Truͤbſal und Verfolgung halben/ angeſehen und gehalten wer⸗ den/ aber doch in der That und Warbeit allezeit froliche und wohlgemuhtete auch von GOtt geſe⸗ gnete Leute billich gehalten und erfunden werden/ indem ſie allezeit in guter froͤlicher Hoffnung/ gu⸗ tem Gewiſſen/ Harren und Vertrauen auff Gott in ihrer Seelen und Geiſt leben und beſtaͤndig ver⸗ harren/ wie unter andern auch mit zuſtimmet der Koͤnig David/ oder wer ſonſten dieſes Pſalmens Dichter ſeyn mag/ wann er in vorhabenden Wor⸗ ten alle recht fromme glaubige und Gottſeeli⸗ ge Chriſten einfuͤhret/ und unter deren Namen vor angezogene drey herꝛliche Eigenſchafften ruͤb⸗ met: Erſtlich/ daß ſie inihrer Seelen auff den HEx⸗ arren und offen · I ren harren/ wann erſagt: Unſere Seele har⸗edauo; ret auffden Crren/ Eriſt unſer cůlfſe ubm ex. und Schild· Darinn nicht allein das Werck h an ſich ſelbſt/ dasſie zu GOtt vorhaben und ihre pecnioni ratio conſi- deranda. Seele taͤglich darmit umgehet/ ſondern auch die H KC2 Urſach A Ipſa Expe Gtatio. Ratione objecti. Glaubiger Chriſten ſic ñneich/ warun David und alle wahre Gluedmaſſen erkandt/ deſſen ſonderbahre Weiß⸗ — ⸗ 8. ————————— 3.—* S glanbige Chriſten ein ſo hohes Werck ſich zu Gott unterfangen vorzunehmen/ enthalteniſt. Von jenem ſagt er: Unſere Seele harret auff den Crren⸗ Mercket dochmit was ſehr nachdenck⸗ ſichen Worten und Redens⸗Art Konig David die⸗ ſes ſein Harren und Vertrauen zu Gott einrichtet/ daß er ſo bald vorher anſetzet und meldet auff wen er barre/ hoſſe und ſein Vertrauen richte/ nem⸗ ſich auff den Erren⸗Nicht haͤnget er ſeine Seel und Hertz ãn die Creaturen/ nicht ſiehet er auff eigene Weißheit und Verſtand/ Macht und Staͤrcke/ auff anderer Leute Verſtand und Hülffe/ nicht auff Geld und Gut unddergleichen/ ſondern der ſchova, HERR und weſentliche GOtt iſt es/ auff den er mit allen Glaubigen ſein Harren/ Ver⸗ langen und Hoffen allein ſetzet; dann es iſt die Chriſtliche Hoffnungeine Lugend/ dieuberundein zu dem erſten Gebott gehöret/ welches erfordert/ daßwir GOtt allein uber alles vertrauen und ih⸗ me ſeine Ehre und Dienſt leiſten ſollen; Wie nun Dabid in vorhergehenden Worten GOE den HErrn als einen Schoͤpffer/ Erhalter und Regie⸗ rer aller Ding/ und ſonderlich deß Menſchen und der Chriſtlichen Kirchen mit ihren glaubigen heit/ arren und Hoffen. heit/ Gerechtigkeit/ Sewalt und Gutigkeit im Werckſelbſten befunden/ alſoſetzet er auch allein auff ſolchen HErren ſein Bertrauen/ und halt ge⸗ wiß darfür/ daß er unter deſen Schutz und Schirm ſicher und ſeelig ſeyn werde/ ob wohl der Satan unddie Welt noch ſo gehaͤſſig auff ihn feyen/ und die Trübſal aͤuſſerlich und die Anfechtung inner⸗ lichihme zufetzen und entgegen ſeyn werden. Wier dann auch dieſes ſein Harren und Ber⸗ Rãtione trauen zu SO⁊T nicht mit bloſſen auſſerlichen mo Worten deß Mundes abfaſt mit allen glaubigen Gliedmaſſen der Chriſtlichen Kirchen/ und ſagt: Unſer Leib undaͤuſſerliche Gliedmaſſen harren und richten ſich zu GOitt/ deſſen gnädige Hulffe und Gutigkeit zu fehen/ zu hoͤren und viel davon zure⸗ den/ dann das koͤnnen und thun auch die Heuch⸗ ler/ dieſich aͤuſſerlich anſtellen als ob ſie mit GOtt gar wohldaran ſeyenund ſich alles zu ihm verſehen doͤrfften/ da dochdas Hertz und Seel nichts darvon wiſſen/ fondern nahen ſich nur mit dem Munde/(Ohren/ Haͤnden und aͤuſſerlichen Ge⸗ berden)ʒu Gott/ und ehren ihn mit ihren Ltppen/ aber ihr ertz iſtfern von ihme Eſa a9. vaz. Sondern er ſetzet die innerliche Kraͤff⸗ ten der Seelen daran und ſagt: Unſere Seele/ Hertz und Gemuͤht/ ſampt ⸗ deren Kihen 5 3 un Doctrina. In DEO ſolo Spes& fiducia no- 22 Glaubiger Chriſten und Bewegungen ſind dahin gerichtet/ harren auffden Erren/ mit ſo groſſer ſehnlicher Be⸗ gierde und hertzlichem beſtaͤndigen Verlangen/ Hoffen und Hoffen/ daß wir faſt deß Harrens und Wartens muͤde und überdrüſſig werden moͤchten wie das Wort in ſeiner Sprach befindlich dorten alſo von Elihu gebraucht wird/ wann er mit groſſer Ungedult auffdas Ende derWor⸗ te tobs geharret/Hiob. ꝛ. v. 4. Und wie Gott auff die Buſſe wartet und harret/ daß er ſich erbarmen moͤge/ Pſa.30·v.is. wir haben geharret biß daß liecht mor⸗ genwird/ ſagen dorten die Auſſatzigen/ LRegv.9. Alſo will David ſagen/ harre erund alle Glaubige auff den HErren mit ſo ſehnlicher Begierde deß Hertzens und Verlangen der See⸗ len/ daß ſie faſt deß Harrens und Wartens muͤde undüberdruſſig werden mochten/ aber wir blei⸗ ben doch beſtaͤndig in der offnung zu ScTT/undwerdennicht ungedultig/ ſondern harren deß Erren/ ſeynd ge⸗ troſt und unverzagt/ und harren deß Crren /Pſala7. v. I4. Uns alle dahin anzuweiſen/ wie auch wir mit allen wahren glaubigen Gliedern der Chriſtlichen Kirchen und rechtſchaffenen Chriſten edrren und offen. 23 HErrenharren/ und unſere Seelen/ Hertz undſn eſt col- Gemuhtzu GOtt erheben/ alle Krafften der See⸗bend⸗ len dahin anwenden ſollen/ recht beſtaͤndig auff den HErren zuharren/ ihme zu vertrauen und eine le⸗ bendige Hoffnung auff ihn zu ſetzen/ welches alles der Konig David durchdas Jarren/ Vertrau⸗ en und offen erfordert/ und ſo viel andeu⸗ in ſacra ſcri- ten will/ wie daß wir uns auff Ihn verlaſſen/ Ihmpnn mn vertrauen/ auff Ihn lehnen/ ſtutzen/ grunden/ hal⸗ n ten/ lehnen/ wie nicht allein hier Koͤnig Davidin erklaͤrten Worten mit der Chriſtlichen Kirchen rüh⸗ met: Unſere Seele harret aufdene Erꝛen/ ſondern auch im vorhergehenden is. verſ ſagt: Ich harre deß Erren/ meine Seele harret/ und ich hoffe auff ſein Wort: und allemabhl deß Harren gedencket; Dann ſoll dieſes Harren/ Warten/ Vertrauen und Hoffen der Glaubigen feſt ſtehen/ ſo muß ſie auff die wahre/ lebendige Er⸗ kaͤntniß G Ottes gegruͤndet ſeyn/ und ein hertzliche kindliche Zuverſicht zu GOtt in ſich faſſen/ Ihn recht erkennen/ und im Leben und Sterben auff Ihn hoffen und verlaſſen. Dann GOTT uns Menſchen ſonderlich darum zu vernuͤnfftigen Creaturen und zu ſeinem Dienſt erſchaffen/ daß wir Ihn vor unſern HErrn und GOtt/ Schutz Schild und Heyland erkennen/ und unſer Ver⸗ trauen 24 Glaubiger Chriſten trauen und ʒuverſicht auff Ihn allein ſetzen ſollen/ ſagende: Nach dir Err verlanget mich/ mein Gott ich hoffe auff dich/ Plal. ⁊. v.12. geſtalt Er dann uns alle darzu vielfaltig angewie⸗ ſen/ nicht allein ins gemein: voffet auff Ihn alleʒeit /lieben Leute/ſchüttet eure er⸗ tzenfůr Ihmauß/ Gott iſtunſer Zuver⸗ ſicht/ Sela/ blal. ⁊vg. ſondern auch einen jeden inſonderheit: ehle dem Erren deine Wege/ undho e auffihn/ erwirdswohl machen/ Plaly. v.j. demzufolge dann David mit der Chriſtlichen Kirchen ſehr wohlgemuht ſich erklaret und ſagte: Unſere Seele harret auff i—— agt mit freudiger Zuverſicht und ſchleuſtſi bmit ein: Ich hoffe auff dich und ſpreche: Du hiſt mein Gott/ Pfal.z1. v.m. Ich harre deß „Cren/ meine Seele harret/ und ich hoffe auff ſein Wort/ meine Seele wartet anf den Erꝛen voneiner Morgenwa⸗ che biß zur andern ⸗ Pſal.tz0. v.ʒ.. Dann ein Gottsforchtiges ertz hoffet unwer⸗ ʒagt auf den ſein ertz iſt ge⸗ troſtund foͤrchtet ſich nicht/ Plal·u. v.s dieweil er weiß/ daß von der Weit hero nicht gehoret/ noch mit Ohren gehoõret wor⸗ arren und offen. 26 wordeniſt/ hat auch kein Auge geſehen/ ohne dich Gtt/ was denen geſchiehet ⸗ die auf den Erren harren/ Eü. 4. v. 4. Und ob ſchon der Erꝛ ſein Antlitz ver⸗ berget fuͤr dem qauſe Jacob/ ſo hoffet er doch auf den⸗ Erꝛen und harret ſein/ Pſa.s. v.v. Ob die Weiſſagung verzeucht/ ſoharret er ihr/ ſie wird gewißlich kom⸗ men und nicht auſſen bleiben/ Habac⁊.v Dahero dann auch allewahre Glaubige zu al⸗„ len und jeden Zeiten fůr gut und heylſam befun⸗n den auff den HErren zu harren/ und deßwegenin ihrem Anliegen/ es ſey geiſt⸗oder leiblich geweſen ⸗ auff GOT mit den ſcharffen Glaubens⸗Augen durch alle Anfechtung und aͤuſſerliche Trubſalge⸗ ſehen undmit einem Mundebekennet und geſagt: Sthe/ das iſt unſer Sc TT auff den wir harren/ under wird uns helffen/ das iſt der Erꝛauff den wir harren/ daß wir uns freuen und froͤlich ſeyn in ſeinem eyl/ F. 2. v.g. Der Koͤnig David handelt hiervon ſehr troſtlich und führet die glaubige Vaͤt⸗ ter mitihrem Harren und Hoffen aller Welt zum Exempel vor und ſagt: Unſere Vatter hoffe⸗ ten auff dich/ und da ſie hoffeten halffeſt duihnenguß/ Sie haete auffdich und wur⸗ 26 Glaubiger Chriſten wurden nicht zu Schanden/ Plaſ. 2 V. neben dem Exempel der Alten hat ihn nicht weni⸗ ger darinn geſtarcket der weiſe Syrach/ Sehet an/ ſprichter zu allen denen/ die ihn zum Zweiffel reitzen/ die ECwempel der Alten und mer⸗ cket ſie/ wer iſt jemahls zu Schanden worden/ der auf den Erꝛen gehoffet hat /Syr.⁊. v.n. Es iſt faſt kein Pſalm und Gebaͤt deß Koͤnigs und Propheten Davids/ das nicht Zeugniß gebe ſeines beſtaͤndigen Harrens/ War⸗ tens und Hoffens auff den HErren/ und gewiß verſichert/ daß auch die Hoffnung der C⸗ ienden nicht werde verlohren ſeyn/ blal o v.. Und er ſagt: Ich hoffe darauff/ daß du ſo gnaͤdig biſt/mein heꝛtʒ freuet ſich/ daß du ſogerne hůffeſt/ Pal.. v.o. Sonderlich iſt ſehr troſtlich das Exempel deßErtzvatters Abra⸗ hams/ deſſen Fußſtapffen wir nachfplgen ſollen/ dann ob er wobl keine Mittel vorhanden ſahe/ durch welche die gefaſſte Hoffnung und Harren moͤchte erfüllet werden/ ja/ ob ſchon alles gantz wi⸗ derſinniſch ſich erzeiget/ und ihn haͤtte zum Zweiffel bewegen koͤnnen/ ſo laͤſſet er doch ſeine Seelebe⸗ ſtaͤndig harren und hoffen auff die Verheiſſung SOttes/ und glaubet auff offnung/ da menſchlicher Weiſe nichts zu hoffen gewe arren und offen. 27 ſenꝰ und auffs allergewiſſeſte gewuſft/ daß/ was Gott verheiſſet/ und alſowill/ das koͤnneerauchthun/Bom 4 es leqq. Das Harren und Hoffen auff den HErren JEſumhri⸗ ſtum den Erloſer hat den gedultigen Mann Hiob in ſeiner Seelen durch all ſein groſſes Elend und Zruͤbſal auffgerichtet/ und ſobeſtaͤndig dariñ auß⸗ zuharren biß in den Tod ſich vorgeſetzet/ daß er ſagt: Wañ Er mich ſchon todten wird/ willich dochauff Ihn hoffen/ Hiob.zw. Was will dann uns auch mehrers gebuhren/ uls daß wir unſere Seelen auffden HErren harren laſſen/ un⸗ h ſer Hertz und Vertrauen von allen unbeſtaͤndigen Dingen abziehen/ und in allengeiſ· und leiblichen Nohten allein zu Gott erheben/ weil erja der jeni⸗ ge iſt/ der uns das/ waswir harrenund hoffen/ al⸗ 7 lein geben kanund will; Iſtunſer Harren/ Warten am und Hoffen auff geiſtliche Seelen⸗Guͤter angeſe⸗ Spiritualia. hen/ etwan den Glauben zu vermehren und zuer⸗ halten /ſo kan es keine bloſſe Creatur thun/ ſondern allein GOtt/ der denſelbigen in unſern Hertzen und Seelen anzundet und gibt/ dann das iſt Gottes Werck/ ſpricht der HErr Chriſius/ daß ihr an Ihn glaubet/ den er geſandt hat/Jolrs vzo. ſoldern auch/ der ihn ſtaͤr⸗ cken/ vermehren und tan/ 66 D² le 28 Glaubiger Chriſten — die Juͤnger Chriſti baten/ Lucv Und er deßwegen der Anfanger und Vollen⸗ der deß Glaubens genennet wird/ Hebr. u.v.?. Mangelt es uns an der Huld und Gna⸗ den GOttes/ unſere Werck nutzlich zu verrichten/ laſſet unſere Seelen deß HErren harren und auff ibn hoffen/ dann wer auff den Erꝛen hof⸗ fet/ den wird die Gůte umfahen/ Plal 3 v.. Seine Gnade wird an uns nicht ver⸗ geblich ſeyn und in uns arbeiten /Cor 710. Verlangen wir Erhoͤrung unſers Gebaͤts/ ſie wird erfolgen/ Wañ wir deß HErren harren/ ſo neiget er ſich zu uns/ und hoͤret unſer Schreyen/ pſal.40.v.2. Suchen und begehren wir Beſtaͤn⸗ digkeit deß Glaubens biß an unſer ſeeliges Ende Der Gott aller Gnaden der uns beruffen hat ʒu ſeiner ewigen erꝛlichkeit in Chri⸗ ſto JEſu /derſelbige wird uns/ diewirei⸗ ne kleine Zeit leiden/ voll bereiten/ ſtaͤr⸗ cken /krafftigen/ gruͤnden/ Pet vno daß wir das Eñde deß Glaubens darvon bringen/ nemlich der Seelen Seeligkeit 5 m L.Pet.V.9. Verlangen wir leibliche und zeitliche oworai Guter/ ſoiſt ers abermahl allein/ welcher ſie geben/ vermehren und erhalten kanz Sehnen wir uns in langwieriger Kranckheit und na earren und offen. 25 nach der Geſundheit/ ſo hat er allein die Kraͤffte in ſeiner Hund ſelbige zu geben /dann er iſt derrech⸗ te und bewahrteſte Artzt alles zu curi⸗ ren und ʒu heilen/ Exod. v.26. ſogar/ was weder Rraut noch Pflaſter heilet/ das herlet ſein Wort/ Sap.6. v.n. Seuffzen wir nach dem Friede und Rube im Land/ muͤſſen unſere Seele deß HErren harren/ der iſtein Gott deß Friedens/ Cor. i4. vz3. der nimmt in ſeinem Zorn den Frieden von der Erden/ daß die Menſchen ſich unter einander erwuͤrgen Apoc. õ. v.4. und gibt ihn auch wieder auß Gna⸗ den/ wann wir in ſeinen Gebotten wandeln/ und darnach thun/ wie er verheiſſen: Werdet ihr meine Gebott halten und thun/ ſo will ich Frieden geben in eurem Lande/ daß ihrſchlaffet/ und euch niemand ſchreckel⸗ und ſoll kein Schwerd durcheuer Land gehen /Levit.6. v.ö. Undnlſo auch in allen an⸗ dern leiblichen Gaben und Guͤtern/ nachwelchen wir unſer Verlangen/ Harren und Hoffnung rich⸗ ten/ muſſen wir von GOtt bitten und erlangen/ dann niemand hatetwas/ es werde ihm dann von oben herabgegeben/ Joh.vn. Hates dann nun die Meynung/ daß die res ſpe⸗ ratæ die jenige Dinge/ die wir in dieſem Leben har⸗ D3 ren/ 30 Glaubiger Chriſten ren/ warten und hoffen/ ſie ſeyen geiſtlich oder leib⸗ lich/ allein in Gottes Haͤnden ſtehen/ und ſonſten nirgend her koͤnnen genommen werden/ ſo folget für ſich ſelbſt/ daß wir auch allein deß HErren har⸗ ren und auff GOtt den HErren unſere Hoffnung s. ſoll geſtellet ſeyn/ und das darum/ weil David keuio zum andernhinzu ſetzet/ daß er/ der Ern)iſt aeler t unſer uͤlffe und Schid. Eine zweyfache Urſach fuͤhret David/ die uns darzu vermoͤgen ſoll: pine e Dieeine/ weil Er iſt derglaubigen Seeien awio. Hulffe. Gott iſt die uhrſprungliche Huͤlffe und unerſchoͤpffliche Quelle aller Huͤlffe/ je mehrman Huͤlffe bey ihme ſuchet/ je mehr Huͤlffe über glaubi⸗ ge harrende Seelen/ auß der huͤlffreiche uner⸗ ſchoͤpffliche lebendige Quelle/ wie er genannt wird Jerem.⁊.v.tz. herfuͤr quillet/ kein Noht iſt ſo groß/ kein Anliegen und Anfechtungſo gefaͤhrlich die Er nicht aͤndern und Hulffe leiſten koͤnne/ dañ er iſt der Erꝛgroß von Raht undmaͤch⸗ tig von That/ Jerem ʒ⁊. v.1o. Darum will David ſagen: Wowir unſere Seelen in der argen betrubten Welt hinwenden Huͤlffe und Troſt zu ſuchen/ ſo finden wir auch bey denen keine Krafftzu helffen/ darauff doch die Welt ihr Vertrauen und Zuverſicht ſetzet; Wann wir aber auff den HEr⸗ ren harren und in allen unſern Noͤhten und Anlie⸗ gen Harren und offen. 3 gen auff Ihn hoffen/ deme unſere Bekuͤmmerniß klagen/ und Ihmeunſerezeitliche undewige Wohl⸗ fahrt in dieſem mühſaligen und gefaͤhrlichen Leben anbefehlen/ ſo finden wir bey ſeiner Allmacht/ Weißheit/Liebe und Gute eine ſolche ſuͤſſe Huͤlffe daß ein jeder Chriſt im Leben und Sterben darauß ſich verlaſſen koͤnne/ dann bey dem Crꝛen findet manůͤlffe/Pſal.z. v.8. Iſt wohl eine nachdenckliche angeführte Urſach/ die auch uns leh⸗norn ret daß wir allein mit unſern Seelen und Hertzen beu ln an dem jehova, dem HErren hangen/ und in allen unſern Noͤhten und Anliegen Hülffund Troſt von Ihme gewarten ſollen. Dahin weiſet uns die gautze heilige Schrifft durch und durch nicht al⸗ lein mit klaren Spruchen/ ſondern auch mit vielen herꝛlichen Exempeln der Heiligen/ daß er ſey der eft fidelium auxiliator. allerbeſie Helffer. Dann er iſt der Gott/ der alle ůlffe thur/ ſo auff Erden geſchicht/ Pialzavu. Iſinels Troſt undihr Woht⸗ helffer/ jerem. 14. v.g. Deſſen ſich David ruh⸗ met und fagt: Gottiſtunſer Zuverſicht und Staͤrcke/ eme qʒůͤlffe in den groſſen Woͤh⸗ ten/ die unstroffen haben/ vſal 46. v.Und abermahls: Meine Seele iſt ſtill ʒu GOtt/ dermirhilfft/ danner iſt meinort met⸗ ne ulffe/ mein Schutz/ daß mich ——— 32 Glaubiger Chriſten Infaſſturtzen wird/ wie großeriſt/ b⁊. v. 2.3. Alſo haben die Kinder Iſrael in der ſchweren Dienſtbarkeit Egypti ſich allein mit der Hoffnung und Harren deßHErrenkuͤnfftigerErlo⸗ ſung lange Zeit auffgehalten/ biß ſie endlich erfol⸗ get im Werck ſelbſten/ und Sie durch eine machtige Hand deß Erren auß dem Dienſthauß gefuͤhret worden/ Frodz v3. Der fromme Konig Joſaphat/ wie hat der mit ſei⸗ ner Seelen in vorſtehender Kriegs⸗Gefahr deß HErren Huͤlffe geharret/ daß er mit wahrer be⸗ ſtaͤndigen Zuverſicht und Hoffnung zu GOtt in ſeinem eifferigen Gebat geſprochen: In uns iſt nicht Rrafft gegen dieſen groſſen auf⸗ fen/ der wider uns kommit/ wir wiſſen nicht was wir thun ſollen/ ſondern unſe⸗ re Augen ſehen allein nach dir/ Chron 0. verſ. n. deßgleichen die drey Maͤnner/ Sa⸗ drach/ Meſach und Abednego/ Danielis Geſellen/ welche unerſchrocken zu dem Koͤnig Nebucadnezur ſagen: Sihe/ unſer Gott/ den wir ehren/ kan uns wohl erretten auß dem gluͤenden Ofen/ darzu auch von deiner and erretten/ Danz. v.N. König David war vor andern der Hülff deß lieben SOt⸗ tes ſo gewiß in ſeinem Hertzen/ daß efn ſeine ugen ——— qarren und offen. 5 Augen zu GOtt im Himmel auffhube und ſprach: Ichhebe meine Augen auff ʒu den Ber⸗ gen/ von welchen mir ülffe kommt/ meine qůlffe kommt vomErren/ der immel und Erden gemacht hat/ Plal. ni. v. 2. Und abermahls da er in groſſen Sorgen ſtunde: Ich hoffe aberdarauff/ daß du ſo gnaͤdig biſt/ mein ⸗ertz freuet ſich/ daß ðu ſogerne hilffeſt /ichwilldem Erren ſingen/ daß er ſo wohl an mirthůt /Plal.. v.s.7 wohlwiſſend/ daß er ſey ein allmaͤchtiger noruſ. Helffer/ und kein Elend und Noht ſo groß/ darinn u ernicht belffenkoͤnne/ dann bey Ihm iſtkein Ding unmuͤglich/Luc.v.z7. Wann Men⸗ ſchen Hülffe verſchwindet/ undzu geringiſt/ So iſt Gottes Vermogen ſogroß/ daß nicht an eiem fehlen kan /Ela. c. v.6. das David ſelbſten erkannt und ſagt: Schaffe uns Bey⸗ ſtandin der Noht/ dann Menſchen⸗uͤlf⸗ feiſt kein nuͤtz/ mit ShTT wolleñ wir Thaten thun/ erwirdunſere Jeinde un⸗ tertretten/ Pſal. oo. v.z14. Er iſtzu allen Zei⸗vraleni- 7 ten undinallen Noͤhtenmit ſeiner Huͤlffezugegen/ bey Noah zur Zeit der Suͤndfluht/ bey Joſeph im Gefaͤngniß/ bey Paulo im Schiffbruch/ und ſo wei⸗ ter/ nach Außſage GOttes ſi— eigener zwre 34 Glaubiger Chriſten Foͤrchte dich nicht/ ich habe dich erloſet/ ich habe dich beydeinem Namen geruf⸗ fen/ du biſt mein/ dañ ſo du durchs— ſer geheſt/ will ich bey dir ſeyn/ daßdi die Strome nicht follen erſaͤuffen/ und ſo du durch das geuer geheſt/ ſolt du nicht brennen/ und die Flamme ſoll dich nicht anzuͤnden/ dann ichbin der Erꝛdein „ Ghtt/ der eilige in Iſrael/ Pſa. 43.12. vunin. Und leiſtet ſeine Huͤlffe offt ſo wunderbarlich/ dar⸗ v auff kein menſchlich Hertz einige Gedancken gerich⸗ tet haͤtte/ und alle Menſchen/ die es ſehen ⸗ werden ſagen: Das hat SOtt gethan/ und mercken/ daß ſein Werck ſey/ Plal. 4. v.0. Soo gar/ daß er auch die Hulffe nicht nach unſern menſchlichen Sinnen und Gedancken/ ſon⸗ dern allein nach ſeinem weiſen und heiligen Raht und Wohlgefallen erzeiget/ danner iſt ein freywil⸗ anm figer SErꝛ und Gott imimmel/ er kan ſchaffen was erwill/hlal. uzvz. undrichtetes doch allezeit dahin/ daß denen die GPtt lie⸗ ben/ muſſen alle Dinge zum beſten die⸗ nen /Ror svs. Daß er im Werck ſelbſten er⸗ weiſen will/ er ſey ein über alle maſſen troͤſtlicher cono·Helffer/ der mit ſeiner Hülffe ſich am allerliebſten erfür thun wolle/ wann es allenthalben Abend arren und offen · 3 Ibend wird/ und die Thuͤren verſchloſ⸗ ſen ſind/ ſoh.ꝛo. vw. Dann der Erꝛiſt gůtig/ und eine Veſte zur Zeit der Noht und kennet die/ ſo auff ihn vertrauen/ wann dte uͤberlaufft/ ſo macht ers mit derſelbigen ein Ende/ Nahum.c.1v. Welche tröſtliche Huͤlffe auch noch ferner be⸗enn⸗ ſtaͤrcket/ weil er iſt aller Glaubigen bewaͤhrter nuhi Schild/ wann in den vorhabenden Worten interur. David ſagt: Er iſt unſer Schild/ der uns maͤchtiglich auffallen Seiten als ein undurchdrin⸗ gender/ weiter und breiter Schild umgibt und ver⸗ wahret. Dann gleich wie ein wohlbewaͤhrter Schild einem tapffern Kriegsmann darzu dienet/ daß er die zugeſchoſſene Pfeile deß Feindes darmit auffhalten und ohne Verletzung und Gefahr deß Leibs abweiſſen kan; Alſo iſt auch der HErr auff den die glaubige Seelen harren und warten/ ein Schild aller deren/ die ihme vertrauen/ daß er ihre Leibe und Seelen bewahret/ daß weder die innerli⸗ che Pfeile deß Boͤſſewichts/ noch die aͤuſſerliche Gewalt und Nachſtellung der Feinde weniger auch das vielfaͤltige Creutz und Elend ihnen einigen Schadenzufugen können/ dann duErꝛ biſt unſer Schild /Pſal.v.. Was nun hier die Kirche GOttes mit ibren Docin E glau⸗ 36 Glaubiger Chriſten Deus eſt o- glaubigen Kindern ruͤhmet/ undder Koͤnig David mnium fi- delium fcu- tum fecu- rum. allen zur Lehre und Troſt auffgeſchrieben/ das iſt auch uns und allen den jenigen geſchehen/ die den Geiſt deß Slaubens mt David haben/ nachdem geſchrieben ſtehet: Ich glaube/ darum ſorede ich Soglauben wir auch/ darum ſo reden wm auch /⁊. Cor. 4. vz. Und ſagen mit allen glaubigen Seelen: Der Erꝛiſt auchunſer Schild/ der uns in allen Noͤhten undgefaͤhrlichen Zuſtaͤnden deß Lebens und Lodes umgibt und bewahret. David hat ſo veſt all ſein Vertrauen allein auff GOtt geſetzet/ daß er auch um ſolcher Urſachen willen Gott dem HErxen viel ſolcher Titul und Namen zueignet/ welche ſeine Zuverſicht die er zu ihm gehabt/ gnugſam zuerken⸗ nen geben/ und unter andern auch ſeinen Schild genannt/ und ſpricht: e Erꝛmemne Staͤrcke/ Erꝛ mem Felß/ mein Burg/ mein Er⸗ retter/ mein GPtt/ mein ort/ auff den ichtraue/ mein Schild und Horn meines eyls/ und mein Schutz /Plals. vz. Gott hat ſchon laͤngſt vor Davids Zeiten dieſen Titul/ Schild/ Schutz und Beyſtand dem großglaubi⸗ gen Abraham verheiſſen/ da das Wort deß HErrenim Geſicht zu ihm geſchah und ſprach: Foͤrchte dich niche abrahanch o in arren und offen.„ bin dein Schild/ und dein ſehr groſſer Vohn/ Gen.;vn. Welches nicht war ge⸗ ſchrieben um Abrahamswillen/ ſondẽm auch um unſert willen/ die deß Glau⸗ bens und Gehorſams Abrahams ſind/ ſagt S. Paulus Rom.4.v.ꝛ3 24. Dann das/ ſo Abraham in individuo und fuͤr ſeine Perſon ver⸗ beiſſen worden/ appliciren und ergreiffen fuͤr ſich alle glaubige Seelen/ und mit denſelben alle from⸗ me Chriſten⸗Hertzen/ dann der Erꝛ iſt ein Schild aller die ihme vertrauen /⁊. Sama. v1. ¶Weil wir wiſſen und verſtehen/ daß ſie Gott gewaltig auff allen Seiten mit ſeinem Troſt und Schutz als ein unüberwindlicher Schild umgibt undbeſchirmet/ die den Erren forchten/ hoffen auch auff den Erren/ der it ihr Hulff und Schild/ Pſaſnʒ. v. o. Und dahero dieſen Namen/ den ihme GOtt der HErr ſelbſtge⸗ geben/ annehmen/ wiederholen/ und auff ſich ap- pliciren/ ins gemein ſo wohl ſagende: Der Erꝛ i unſer Schild/ der Heilige in Iſrael iſt unſer Roͤnig/ Plal.9.v.io. als auch ein jeglicher fuͤr ſich inſonderheit mit dieſen Worten: ERR dubiſtmein SchirmundSchild/ichhof⸗ fe auff dein Wort /lal.uovn. Ez Soll Glaubiger Chriſten Bundeuit Sobll aber dieſes Harren/ Vertrauen aue und Hoffen GOtt añgenehm ſeyn und Erdar⸗ debet ele durch unſere Staͤrcke/ Huͤfffe /Heyl uñ Schild ſeyn sucu und werden/ wie wir hoffen/ verlangen und haben corals. wollen/ ſo muß es nach Davids Worten auffrich⸗ tig uñ hertzlich ſeyn/ von gantzem Hertzen/ und gan⸗ tzer Seelen zu Gott geſchehen. Dann das ver⸗ ſtunde Koͤnig David ſehr wohl/ darum faſſet er ſein Harren und Vertrauen nicht nur mit bloſſen leeren Worten ab/ davon dero Sinn/ Seel und Hertz nichts wuſte/ welches eine lautere Heucheley und deſſen er doch nichts gebeſſert waͤre/ dann ein Menſch ſiehet was fuͤr Augen iſt/ aber der Erꝛſiehet das ertz an/ ſtehet Sam. 16.v.7. Sondern er lieſſe ſichs zu Hertzen gehen und ſprach: Unſere Seele harret/ vertrauet und hoffet auffden Erren /Huͤlff und Er⸗ rettung in unſeren Trubſalen und Anfechtungen zu erlangen/ und anderswo ſagt er: Meine See⸗ leiſt ʒermalmet fur Verlangen/ Pſal. no. v. 2. Wann ich nur dich habẽ/ ſo frage ich nichts nach immel und Erden/ wann mir gleich Leib und Seel verſchmacht/ ſo biſt du doch/ Gott/ alleteit meineser⸗ tzens Troſt und mein Thei. Das iſt meine Freude/ daß ich mich zu Gott e Harren und offen. 39 te/ Pſal.3ʒ.v. 29.26.28. Undmeine Zuverſicht ſetze auffden Errn/ Erꝛn/ daß ich ver⸗ kuͤndige allein dein Thun. Darnach muß es ſeyn beſtaͤndig/ und alſo zu aller Zeit geſchehen mit ſehnlichem Verlangen und Conſn⸗ Harren der Huͤlffe deß HErren erwarten/ auch durch nichts in der Weltſich darinn muͤde machen laſſen/ welches er dann/ und nicht nur in den Wor⸗ ten/ ſondern auch mit der dreymaligen repetition und Wiederholung der Worten andeutet/ uñ ſagt: Zumerſten/ Unſere Seele harret auff den Eran:zum andernmahl deß arrens Ver⸗ trauen auf ſeinen. Wamen/ zum dritten⸗ mahl/ wie wir auf dich hoffen; dardurch nicht allein ſein beſtaͤndiges Harrẽ deß hertzens anzufuͤh⸗ ren/ daß keine Kunſt ſey GOtt vertrauen und auff den HErren hoffen in guten Tagen/ wann es uns wohl gehet/ und GPtt unſere Seelen unter den Roſen weidet/ wie die geiſtliche Braut ruͤhmet/ Cantic.⁊. v. i6. daß wir ſeine Guͤte im Geiſt und Hertzen ſchmecken/ und ſeine gnaͤdige Huͤlffe in mancherley Erweiſſungen ſpuͤren/ ſon⸗ dern auch in boͤſen Tagen/ wann ſich die Gute Got⸗ tes mit der Hülffe deß HErren unter den truͤben Wolcken verbirget/ daß das Hertz innerlich mit lauter Angſt und Schmertzen/ und der 2 erli 7 Ardens. 7 Glaubiger Chriſten ſerlich mit mancherley Noht und Elend umgeben iſt/ und die wurckliche Huͤlffe offt ziemlich lang auſ⸗ ſen bleibet/ und der HErr uns manchen traurigen Tag und Stunde darinn ſtecken laͤſſet/ ſo muͤſſen wir doch beſtaͤndig verharren und ſagen: Ich ver⸗ laſſe mich auff GGttes Guͤte immer und ewiglich /lal⸗ꝛ. vno. Hoffet auf Sott alle⸗ zeit/ liebe Leute/ ſchůttet euer ⸗ertz fuͤr thmauß/ Gott iſt unſerʒuverſicht/ Sela/ Plal. oꝛ. v.p. ſodencke ich andich/ wann ich erwache/ ſo rede ich von dir/ du biſt meinelffer/ und unter dem Schatten deiner Flůgel ruhme ich. Meine Seele hanget dir an/ deine rechte anderhalt mich/ Pſal. o. v.7. s.9. welches Vertrauen nicht laͤſt zu Schanden werden/ wie David auß eigener Erfahrung offt in ſeinen Pſalmen bezeuget: Reiner wird zu Schanden/ der dein harret/ Pſalz6. v3. ErꝛZebaoth/ wohl dem Menſchen/ der ſichauf dich verlaſt/ Pſalz4.vnz. Drittens muß es auch ſeyn ein inbrunſtiges Harren/ Vertrauen und Hoffen nach der Huͤlff und Errettung auß der Trubſal/ Noht und Anfech⸗ tung/ dann wann eineruͤber den Verzug der Huͤlff und roſts betrubt iſt/ ſobat er allezeit bey Finer Trau⸗ arten und offen. 4 Traurigkeit ein innigliches Sehnen und Verlan⸗ gen darnach/ daß er darauß errettet werde/ welches ebenmaͤßig David in alleweil angefuͤhrten drey⸗ mahligen einerley Wort⸗Wiederholung andeu⸗ tet/ und darinn einen ſonderbahren ardorem af- fectuum und brennendes Sehnen und Verlan⸗ gen nach Goͤttlichem Troſt und Huͤlff an Tag gibt/ und anderswo mit dieſen Worten außſpricht: Wie der irſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreyet meme Seele GSHTT ʒu dir/ meine Seele duͤrſtet nach GGtt/ nach demlebendigen Gott/ wannwerde ich dahin kommen/ daß ich GCPttes An⸗ geſehe ſchaue /Pſal.v13. GGTT/ du iſt mein Gott/ fruͤhe wache ich ʒu dir/ es duͤrſtet meine Seele nach dir/ mein Fleiſch verlanget nachdir/ wie in einem trocknen und duͤrren Lande/ da kein Waſſer iſt/ Plal.ʒ. va. Soll das Harren/ Vertrauen und setuua Hoffen eines rechtſchaffenen Chriſten dann alſo. erzehlter maſſen beſchaffen ſeyn; Wie hoffen und harren dann die ſouͤbel/ welche mit bloſſen leeren Worten viel wiſſen davon zu ruͤhmen/ davon aber das Hert nichts weiß/ denen hat ſchon laͤngſten der Prophet Eſaias deß Gedancken und u thei 42 Glaubiger Chriſten cheil dertündiget: Weilſich das Volckʒumir nahet mit ſeinem Munde/ ihr ertz aber fern vonmiriſt/ ſo will ich mit dieſem Volck wunderlich umgehen/ auff das wunderlichſt und ſeltz amſt/ Eſa9. v.t. Noch ubeler harren und hoffen die jeni⸗ ge/ welche etlicher maſſen mit dem Vertrauen auff Gottes Guͤte/ Huͤlffe und Gnade ſehen/ aber doch dabeneben auch an den Greaturen auſſer GOẽ hangen/ mit dem halben Hertz auff GOtt/ mit dem andern auffetwas anders bauen/ entweder auff ih⸗ re eigene Witz/ hohen Verſtand und Scharffſin⸗ nigkeit trauen/ die ſchwerſte und gefaͤhrlichſte Sa⸗ chen hinauß zu führen/ da es doch heiſt: Verlaß dich auff den Erren/ undverlaß dich nicht auff deinen Verſtand/ duͤncke dich nicht weiß ʒu ſeyn/ ſondern foͤrchte den Erren/ Sprichw. cap3. v.3 oder verkaſſen ſich auff ihr Gut/ und ſehen auff ihren oſſen Reichthum/ Plal. 9.7. dadoch hr Stlber und Gold ſie nicht erretten wird am Tage deß Zorns deß Erm/ Fꝛechv.9. oder ſetzen ihr Vertrauen auff ihr ei⸗ gen Bermoͤgen und Leibs⸗Kraͤfften/ dadurch ſie ei⸗ ner oder der andern Gefahr verboffen zu entgehen/ welches aber heiſſetauff den Sand gebauet/ da der Bau/ earren und offen · 43 Bau/ wañein Platzregen fället/oder ein Gewaſſer kommt/ wann die Winde dar⸗ auffſtoſſen nicht beſtehet/ ondern einen groſſen Fall thut/ Match.7.v.⁊7. Oder ſetzen ihr Vertrauen auff Menſchen Hulff und Bey⸗ ſtand/ da es doch heiſſen ſoll: Schaffe uns Bey⸗ ſtandin der Noht/ dann Menſchenulff iſtkein nutz. Mit GOtt wollen wir Tha⸗ tenthun/ er wird unſere Feinde untertret⸗ ten/ blal.oo. v.z.& r4. oder die eine Zeitlang auff GOtt harren und ihm vertrauen wann etwadie Noht nicht ſo groß iſt/ oder perintervalla handeln/ heut auff GOttes Hulff harren/ und morgen auff etwas anders das Hertz wenden/ und dann hernach ſich wiederum zum HErren machen/ Nein: Son⸗ dern es muß geharret/ vertrauet/ gewartet und ge⸗ hoffet ſeyn mit David und allen Glaubigen biß zum Ende/ und heiſſen: Verlaſſet euch auff den Crren ewiglich/ dann er iſt ein Felß ẽwiglich/ Eſa ac. v. 4. Und ein jegli⸗ cher unter uns denſelben jFleiß beweiſe die offnung veſt ʒu behalten biß ans Ende/ daß wir nicht wanckel werden/ Hebr..v.N. Welche dann ſehr wohl fahren und dieſenconoh⸗ groſſen reichen Troſt und darvon 44 Glaubiger Chriſten daß ſie nallen auſſeruchen angſten und Rohten und innerlichen geiſtlichen Aufechtungen die er⸗ wünſchte und angenehmſte Huͤlſſe GOttes im Werck ſelbſten in ihrer Seelen ſchmecken undem⸗ pfinden werden/ dann die Guͤte deß Eran iſt roß/ die er verborgen hat denen die ihn Prhren und erzeigets denen/ die fuͤr denLeuten aufihn tꝛauen/ Pſalzi. vao. Und dr errettet die auff ihn harren/ yr. S1. V. 12. Welches vornehme Stück deß wahren Chri ſtenthums unſer Chriſtlicher wohlſeel. vornehmer Mitbruder von dem Konig David gruͤndlich ge⸗ lernet/ und ruͤhmlich zu uͤben gewuſt/ daß er nicht allein von Jugend auff/ biß in ſein hohes Alter und ſeeligen Abſchied deß HErren gebarret/ und Ihn vor ſeine eigene Huͤlffund Schild gehalten/ abſon⸗ derlich aber da ſein Sterbſtuͤndlein herbey nahen verſpuͤhret/ Er mich/ als ſeinen Seel⸗Sorger/ zu ſich erbaͤten/ und mir ſein ſehnliches Verlangen zu einem ſeeligen Abſchied eroͤffnet/ und mit dem himliſchen Seelen⸗Brod geſpeiſet zu werden/ ver⸗ langet/ welches Er auch mit hoͤchſter Begierde/ groſſer Andacht/ und Seelen⸗Vergnügung frucht⸗ barlich theilhafft worden; darauff ich Ihn dann nnterſchiedlich beſuchet/ und mit Verwunderung der Harren und offen. 45 der Umſtehenden an ſeinen Gott unablaͤſſig behar⸗ ret/ gefunden/ alſo daß wann etwaje zuweilen die Schmertzen der Kranckheit und deß Todes Ihn harter und gefaͤhrlicher angrieffen/ und wider die Natur ſich erhohlete/ Er wohlgemuht überlaut ſagte: Jetzo war mein GOtt mit mir auff gutem Wegins himmliſche Leben/ wann er nur fortge⸗ fahren/ waͤre ich wohlbereit und zu frieden gewe⸗ ſen/ biß endlich gar der Abſchied da war/ da Er im⸗ mer fort beſtaͤndig ſeines GOttes erharret/ und unter dem zugeſprochenen Troſt und Gebaͤt der Beyweſenden der Huͤlffe ſeines Erloͤſers in groſſer Gedult und Beſtand erwartet/ und mit dem A⸗ poſtel S. Paulo auffgeloͤſt worden bey Chriſto ʒu ſeyn/ bhil. v.az. Was kan einei rechtſchaffenen Chriſten im Leben und Sterben ſeeligers und nutzlichers ſeyn/ als ein ſolches ſehn⸗ liches/ hertzliches und beſtaͤndiges Harren und Ver⸗ trauen auff GOꝰ Und das um ſo viel deſtomehr/ wann es mit der Freude deß Hertzens innerlich bewaͤhret/ geſtaͤrcket und vermehret wird/ undes heiſt: Unſerchertz freuet ſich ſein/ und wir trauen auff ſei⸗ nen hetligen Namen: Welches dann das an⸗ der Stuͤck/ deſſen ſich David und alle rechtglaubi⸗ ge Seelen in vorhabenden Worten ruhmen und genieſ⸗ Cordis glo 46 Glaubiger Chriſten wi um legenieſſen: Und thut das derogeſtalt⸗ daß er nicht nh zlein die Freude der gaubigen hriſten vorgeſtel⸗ Luo. let /ſondern auch zugleich mit anfuhret/ dieUrſach und Brunnquelle/ darauß ſolche Hertzens⸗Freude „ verurſachet wird und entſtehet; Dann ſo ſagt er rae vie vonjenem der Freudeſelbſt: Unſer ertzfreuet ſich ſein. Verſtehend durch die Freude nicht ei⸗ neaͤuſſerliche/ unbeſtaͤndige und betrugliche Welt⸗ Freude/ welche entſtehet auß groſſem Reichthum/ Geld und Gut/ Ehr/ Wolluſten/ Eſſen/ Lrincken und dergleichen/ und die Welt ihren Dienernund Liebhabern verheiſſet/ ſagend: Hie Freude die Fůl⸗ le und manchen damit alſo anfuͤhret/ daß ermey⸗ net/ dem ſeye alſo/ biß ſie ihn ins Verderben geſe⸗ tzet/ wie am reichen Mann/ Nabal/ Hamann und dergleichenmehr zu ſeheniſt/ und Salomo ſelbſt ge⸗ mercket und erfahren/ wann er ſagt: Alles was meine Augen wuͤnſcheten/ das lieſſe ich chnen/ und wehrete meinem ertzen ket⸗ ne Freude/ daich aber anſahe alle meine Wercke/ da wars alles alles eitel und Jammer/ Ich ſprach zur Freude du biſt Toll/ was macheſt du/ Predig. Salom. 2. a Spui- v. 2.& 1o. Sondern die Freude deß Hertzens zu ls. GOtt/ welche alle Creaturen mit ihrer Wolluſtin der Welt vorbey gehet/ ihre Vergnuͤgungin— un arren und offen · 47 und deſſen Gutigkeit ſuchet/ und deßwegen auch allein in ihrem Hertzen zu G OTT gerichtet iſt ⸗ welche Gott der H. Geiſt in den glaubigen bußfer⸗ tigen Hertzen wuͤrcket/ und ſich ſelbſt in ihnen freu⸗ et/ dahero dieſe Goͤttliche Freude von S. Paulo eine Frucht deß Geiſtes genennet wird/ Gal. yv. z1. und anderswo ſpricht: Das Reich Gottes iſt Serechtigkeit/ Fried undFreu⸗ de indem. Geiſt/ Rom.4. v. N. zu welcher Freude deß Hertzens der Pſalmiſt im Eingang die⸗ ſes Pſalms die Frommen und Gerechten auffge⸗ fordert undgeſagt: Freuet euchdeß Erren ihr Gerechten/ die Frommen ſollen Ihn ſchon prerſen/ verſ1. Alſo will David anzei⸗ gen/ daß er ſolcher Erinnerung nachkomen und die⸗ fes erlanget habe/ daß from̃e Hertzen auß geiſtlicher Freude anfangen den heiligen Namen zu ruͤhmen und ihre Hertzen mitten in der vruͤbſal der Huͤlffe deß HErren ſich zu erfreuen: Wie er dann auch ſo corskt bald die Urſach mit beyſetzet/ welche ſolche Groß⸗ rn muhtig⸗und Freudigkeit in den Frommen und Glaubigen erwecket und erhaͤlt/ daß es darumge⸗ ſchehe/ weil ſie trauen auffſeinen heiligen Wamen: Da er durch den heiligen Namen verſtehet nicht die bloſe Buchſtaben und Sylben darauß der Name zuſammen geſetzet iſt; iw en 43 Glaubiger Chriſten den Majeſtaͤtiſchen GOtt ſelbſten/ und alles was Gottes iſt/ Seine Eigenſchafften/ Wort/ Sa⸗ cramenta/ und alles was er ordnet/ darinner ſich uns als ein allmaͤchtigen/ allwiſſenden/ allgegen⸗ waͤrtigen/ allerheiligſten GOTTzeiget/ und uns ſeine Gottliche Gnad/ Gute/Liebe/ Weißheit/ Warheit/ und ſo fort/ zu empfinden dargibt/ wie auß den Spruͤchen H. Schrifft bekannt iſt: Wer den Namen deß Errn anruffen wird/ der ſoll ſeelig werden /ſoela.v.. Der Wa⸗ me deß Erꝛn iſt ein veſtes Schloß/ der Gerechte laufft dahin und wird beſchir⸗ met/ Prov.is. v. 10. und anderswo mehr. Wel⸗ ches er nennet ſeinen heil. Namen/ nicht als wann er heilig gemacht wuͤrde/ danner anund vor ſich ſchon heilig iſt/ ſondern weil Gottes Wort und alles was von Gott gewuſt/ geglaubet undgeſagt wird/ heilig iſt/ von uns muß heilig gehalten/ heilig erkennet/ geehret/ und in Gedancken/ Worten und Wercken/ in Lehr und Leben geprieſen/ und nach ſeinem heiligen Willen alles eingerichtet werden/ wie hier die Frommen und Gerechten ſich deßwe⸗ gen von Hertzen deß HErren freuen/ weil ſie auff dieſen allerheiligſten Namen ihr Vertrauen und Zuverſicht ſetzen/ und gewiß ſind/ daß dieſer aller⸗ heiligſte Name und Majeſtatiſche— Zarren und Hoffen. 49 Sti ñten in den gefahrlichſten Nohten /Sruͤb⸗ ſalen und Anfechtungen maͤchtiglich ſchützen und ſie Uhrſach haben werden ſeinem allerheiligſten Namen darfur zu dancken und von Hertzen ſich zu erfreuen/ welches ſie fur ihr hoͤchſte Freude hielten/ weil ſie wuſten: Daß keine Freude deß ⸗er⸗ tzens Freuden gleich ſey /Syrzov.i. Und wann daehe traurig ſey/ ſo helffe kei⸗ Ne auſſerli E Freude/ Prov.14. vz. Iſt gewißlich auch ein edles und hertliches Hodrin. Kleinod deß allerhoͤchſten GOttes/ wann GOtt De lcii eines Glaubigen und Frommen Hertz und Seel u⸗ mit der innerlichen und geiſtlichen Freude erfüllet/ daß er mit Freuden ſein Vertrauen und Zuverſicht auff Gott ſetzen/ und ſich in demſelben erfreuen und froͤlich ſeyn kan/ und dahero die Freude der Seelen oder Geiſtes deß Hertzens heiſſet/ die gleichwohl auch aͤuſſerlich in Lobgeſaͤngen/ Worten und Wer⸗ cken ſich ſehen und mercken laͤſſet/ aber fuͤrnemlich im Gemuͤht und Hertzen bleibet/ die ihren Ur⸗ ſprung nicht hat auß zeitlichen/ irꝛdiſchen/ weltli⸗ chen und vergaͤnglichen Dingen/ ſondern auß Got⸗Oritur ex tes Namen/ auß GOTLſelbſten und vielen er⸗ Deo wieſenen Gutthaten. Sonderlich aber erzeiget ſich die geiſtliche innerliche Freude gewaltiglich auß einem kindlichen Vertrauen nen wann Gott der 50 Glaubiger Chriſten tehimo. der Heilige Geiſt inwendig in den Hertzen der o S glabigenkrafftig durchs Wort zeuget/ daß ſi bey GStt in Gnaden und ihnen ihre Sundever⸗ geben/ wie dieſe Freude ſchleuſt S. Paulus auß der geſchenckten Gerechtigkeit: So wir ſind ge⸗ recht worden durch den Slauben/ ſoha⸗ ben wir Irtede mit GOtt durch unſern Crn JEſum Chriſtum/ Romvr Daß ſie Gottes liebe Rinder ſeyen/ kom8. vno Daß Gott in ihnen/ und ſie in Gott ſeynd rJoh. 4. v.iz. Daß ſie im Glauben und kindlichem uca. Pertrauen ihre Hande auffheben/ ihr Gebat er⸗ horlich verrichten/ und in Noht und Trübſal zu ihmlauffen und ſagen: Laſſet uns hinʒu tret⸗ ten mit Freudigkeit zu dem Gnaden⸗ ſtuhl/ auff daß wir Barmhertzigkeitem⸗ pfahen und Gnade finden/ auff die Zeit⸗ wann uns ůlffe noht ſeyn wird /Heb v.ſ6. Daß ſie verſichert ſind der gewiſſenEthorung peerihres Gebats/ und ſagen können: Das iſt die ueneir Freudigkeit die wir haben ʒu Ihm/ daß ſowir etwas bitten nach ſeinemmn Willen/ ſo horet er uns/ und ſo wir wiſſen daßer uns erhoret/ waswir bitten/ ſowiſſen wir/ daß wrr die Bitte haben/ die wir von Gott gebaten haben/ Jol arren und offen · 51 Weil ſie mit GOtt dem Vatter um Chriſtiwillen bon⸗ verſöhnet ſind/ unddie Krafft ſolcher Verſohnung in ihrem Gewiſſen empfinden/ freuen ſie ſich und ſagen: Weil uns unſer nicht ver⸗ dammt/ ſo haben wir eine Freudigkeit ʒu Gott/ joh. va Darum laſſet uns hin⸗ gehen/ nemlich zu dem HErren/ mit war⸗ afftigen ertzen in volligem Glauben/ eſprenget in unſerm Hertz und loß vom boſen Gewiſſen/ und gewaſchen mit reinem Waſſer/ Hebr.10v.22. Undiſt dieſe innerliche Hertzens⸗Freude/ einerteſieru⸗ real oder warhafftige Freude/ die billich den Na⸗ n mentraͤgt/ undmanwohl eine Freude nennenmag. Die verfuͤhriſche Welt ſtellet ihren Kindern auch vromiti mancherley Urſach der Freuden dar/ undbethoret nndn e viel/ daßſie ſich uberibr groß Reichthum/ Geld und Gutfreuen/ undihr Hertz gleichſam imLeibe la⸗e dwiis chet/ wannſieihre Schaͤtze/ Goldund Silber/ ꝛc. anſehen und einen Vorraht nach dem andem herauß geben koͤnnen und ſagen: wohi dem Voſck᷑/ deme es alſo gehet/ Pfal44.vz. Einen andern erfreuet ſie mit groſ⸗nhonore ſer Dignitãt/ Ehre/ Reputation, Wurde und An⸗ rn ſehen/ undberedetihn/ eskoͤnneihmebeſſernicht ſeyn/ als daß er zu einemſo b Ampt ahin 2 un 7 ex inſtru- mentis vo⸗ luptatum. 51 Glaubiger Chriſten nnduber andere ſchwebet/ wie Hamannſich deſſen rühmete/ daß er das fore torum geweſen/ und ſein Stuhl uber alle Furſten im Koͤnigreich Ahaſveri geſetzet/ und es auch ſeinen Freunden mit groſſer Freude umſtaͤndiglich erzehlet: So und ſo hat michder Rõnig gemgcht/ michuͤberalle andere Fuͤrſten erhoben/ ſobin ich auch allein /und ſonſtniemand/ von der Kònt⸗ gin Eſther neben dem Ronigzur Mahl⸗ ʒertberuffen/ xc.Eſthʒ.vu ſeq. j Etlichen leget die Welt vor und erfuͤllet ihre Augen mit fleiſchlichen Wolluͤſten/ daß ſie meynen/ wannſie allegnugſame Mittel an der Hand haben weltliche Wolluſten in Eſſen und Zrincken/ Spa⸗ tziren/ Stoltziren/ und allerley Freuden⸗Spielzu üben/ diekoͤnnenjevon Freuden wohl fagen./ die deß Morgens fruhe auff ſind/ deß Sauf⸗ fens ſichzu bheſeerhen ſitzen biß in die Nacht/ daß ſie der Wein erhitzet/ und haben arpffen /Pſalter und Wein inih⸗ rem woͤhlleben/ Elasv.nn. ſich untereinan⸗ der vergleichen koͤnnen/ welcher Geſtalt ſie wol⸗ lẽ wohlleben und ihresCLeibs brauchen/ nemlich alſo/ daß ſie ſich mit dem beſten wWein und Salben fullen/ SapvᷣM. Aber „— arren und offen. 5 Aber das iſt mehr dem Namen nach als in der sed turpiter That eine Frende eine elende Schein⸗Freude/ ein Klir. ohnkraͤfftiges w⸗ und gemachte Geſtalt/ em Bild ohne Weſen/ Werck und Thatlich⸗ keit/ 1Cor. vz1. das dem Hertzen keine ſolida gaudia, rechte real fernhaffte /kraͤfftige/ lebendige Freude gibt/ dardurch das Hertz thaͤtlich erquicket wird/ die Welt vergehet mit ihrer Cuſt/ Joha vas aber die Serechten muͤſſen ſich ßreuen und froͤlich ſeyn fuͤr GCtt/ und von ertzen ſichfreuen/ Pſal. os. v.4. Darnach iſt auch die Freude deß Hertzens/ 4 welche die glaubige undgerechte Seelen/ auff den Namen deß HErren ſetzen/ eine lautere unbefleckte Freude/ rein und heilig/ nach Beſchaffenheit dieſes Lebens/ und wann ſie in comparatione gegen die Welt⸗Freude gehalten undmit derſelben veꝛglichen wird. Die Welt⸗Freude iſt voll Traurigkeit/ und iſt keine Freude ohne Leyd/ dann nachdem La⸗ chen kommt Trauren/ Prov4. vuz. Auch die Freude/ ſo ſonſt erlaubt undzugelaſſen/ iſt nicht rein/ ſondern beſleckt; Freuet ſich der Menſch ſeiner Gaben deß Leibs und Gemuͤhts/ ſo hanget der Stoltznnd Hoffart daran/ und muͤſſen gar hero⸗ iſche/ hohe/ faſt Engeliſche Gemuͤhter ſeyn /die ſich darinnen recht modiren und Der 3 3 Perpe tua⸗ 54 Glaubiger Chriſten ſiel Paulus hats erfahren und betennet ſelber/ daß er ſich ſeiner herꝛlichen Gaben und Of⸗ fenbahrung uͤberhaben/ wañ ihn micht deß Satans Engel mt Faͤuſten geſchla⸗ gen und gedemuhtiget hãtte/ Gor.v Freuet ſich der Menſch bey Eſſen und Trincken/ ſo laufft die uͤbermaß mit unter/ zu geſchweigen der ungebuhrlichen aͤrgerlichen Geberden ⸗ Wort und Wercke/ die gleich darauff folgen/ und ein unor⸗ dig Weſen folget/ Fph. v.k. Aber nicht alſ iſt die innerliche geiſtliche Freude gethan/ die auß der ſonderbahren Gnade Gottes entſpringet/ und von dem Heiligen Geiſt gewircket wird/ die iſt nicht alſo beflecket/ ſonderniſtrein undheilig/ und führet keine Reue mitſich/ ſondern ſie gibt eine rei⸗ neLuſt deß Geiſtes/ wer von ihr iſſet/ den hungert immer nach ihr/ und wer von chrtrincket/ den duͤrſtet immer nach ihr/ Syr4v.2s. ſeq. und deßwegen eine reine Wol⸗ luſt genennet wird /Saps v. Es iſt dieſe innerliche Hertzens⸗Freude eine ſtetswahrende Freude/ die durchteine àuſ⸗ ſerliche Zufaͤlle weggenommen wird; wann auch ſchon die aͤuſſerliche Trubſal und innerliche An⸗ fechtungen deß Hertzens ſich wider dieſelbige legen/ ſo bleibet doch dieſe geiſtliche in ihrer arren und offen. 56 ihrer Subſtantz und Weſen unverrücket/ und gibt dem andaͤchtigen Hertzen immer neue und andere Urſachen zu freuenʒ weit anders als wie die Welt⸗ Freude/ die auß aͤuſſerlichen Dingen/ Ehre/ Anſe⸗ hen/ Reichthum/ Geld und Gut/ und alleꝛley Wol⸗ luſten deß Fleiſches entſtehet/ die/ wie herꝛlich ſie ſich erzeiget/ vergehet und verſchwindet offt in ei⸗ nem Augenblick/ und vergehet wie ein nichtiger Schatte/ wie Syrach ſagt: Eme boͤſe Stunde macht/ daß man aller Freude vergtiſſet ⸗ cap. n.v9. wie Konig Belſazar mitten in ſeiner Freude erfahren/ Pan.. v.5. und viele andere mehr/ daß die meiſte vermeinte Welt⸗Freude in das groͤſte Leyd und Lraurigkeit geſetzet worden iſt⸗ Aber nichts iſt in dieſer Welt/ das demglaubigen Menſchen/ ſolang er im Glauben ſtehet/ ſeine in⸗ nerliche Hertzens⸗Freude rauben und gar entzie⸗ hen kan. Nicht der Satan/ dann die Veſte Burg der geiſtlichen Freude iſt gar zu ſtarck und ihm den arniſch genommen darauff er ſich verließ /Luc. n. v.ꝛn. Sie hat ihm den Kopff zer⸗ tretten/ und darzu erſchienen der Sohn Gottes/ daßer die Wercke deß Teuffels zerſtoͤre/ ohezv.s. Und der GcTTdeß Frtedens at den Satan unter unſere Fuſſe zutretten/ ſagt S. Paulus icht 6 Glaubiger Chriſten Nicht die grauſamſte Tyrannen und Verfolger mit aller ihrer Marter und Pein/ die ſie den Glau⸗ bigen anlegen/ und dieſe Freude deß Hertzens ge⸗ dencken zu benehmenʒ den Leib moͤgenſie wohl pei⸗ nigen/ aber der Seelen muͤſſen ſie ihre geiſtliche Freude laſſen? Stephanus gehet ovanti ani- mo, und mit Freuden zum Tod/ die harten Stei⸗ ne/ wie dick ſie auff ihn fallen/ koͤnnen ihme ſeine Seele nicht betrüben/ Sein Angeſicht war wie eines Engels Angeſicht/ er war vrlneeacte ſehe auffgen im⸗ mel/ und ſahe die erꝛlichkeit SPttes ⸗ und JEſum ſtehen ʒur Rechten Gottes und ſprach: Sche/ ich ſeheden immel offen/ und deß Menſchen SohnzurRech⸗ ten Gottes ſtehen/ und entſchlieffe mit Freuden/ Act.. v.iz. c.7. v. ſeqq. Petrus und Johannes wurden mit Ruhten ge⸗ ſteupet und gegeiſſelt/ muſten viel Schmach und Spott leiden aber ſie ge⸗ hen froͤlichvon deß Rahts Angeſicht hin⸗ weg /daß ſtewuͤrdig geweſen/ um ſeines NWamens willen Schmach ʒu leiden/ Act. v.41. Nicht aͤuſſerliche Truͤbſal/ dann die iſt viel zu ſchwach/ daß ſie der Glaubigen annehmliche Hertzens⸗Freude gantzlich verſtoͤren ſolte/ſondern wanh arren und offen ·§ wannſie in deren Hertzen reichlich empfunden und geſchmecketwird/ ruͤhmen ſieſichder Trub⸗ ſenl/ und wiſſen daß Truͤbſul bringet Ge⸗ dult/ Gedult aber bringet Erfahrung/ Erfahrung aber bringet Hoffnung/ offnung aber laͤſſet nicht ʒu Schanden werden/ Rom. vz. 4. Und achten es eitel Freude/ wann ſie in mancherley Anfech⸗ tung fallen/ dann elig iſt der Mann der die Anfechtung erduldet/ dann nach⸗ dem er bewaͤhret iſt/ wird er die Krone deß Lebens empfahen/ welche GOMTT verheiſſen hat denen/ die ihn lieb haben/ Jacob.i.v.⁊.& z. Und ſolten es auch die innere geiſtliche Anfechtungen der Seelen ſelbſten ſeyn/ ſo zwar dieſer Hertzens⸗Frende maͤchtig zuſetzen/ und ſieofft eben wie eine finſtere Wolcken ſehr ver⸗ dunckeln/ daß keine Empfindung da iſt/ ſo koͤnnen ſie dieſelbige dochnicht gaͤntzlich vertilgen/ undob es ſcheinet als ſey ein glaubig⸗ angefochtenes Hertz alles Troſtes und Freude gaͤntzlich beraubet/ hat es doch dieſelbe /in ſeiner Maß/ bey ſich wohnen/ und vertreibet alle Anſechtungen/ daß ſie gegen dem Ende die ein wenig hinderhaltene Frende deß Gei⸗ ſtes hervor dringet/ und mit groſſem jubiliren tri⸗ umphiret/ und den Sieg ſagend: 2err t 53 Glaubiger Chriſten ichhoffe darauff/ daß du ſo gnadig biſt/ mem ertz freuet ſich/ daß du ſo gerne hulffeſt/ ich willdem Errn ſingen/ daß er ſo wohlan mirthut/ Plal.. v..7. Welches nicht geſcheben wuͤrde/ wann Glaub/ Gnade/ Troſi und alle Kraͤffte deß Geiſtes bey ſolchen an⸗ gefochtenen Hertzen von einander getrennet und erloſchen ſeyn ſolten/ darun freuet euch deß Eran/ ſeyd froͤlich ihr Gerechten/ und ruhmet alle chr Frommen/ Plal ʒ2.v.n. Dahero es dann auch iſt und wird eine ſolche mpro- innerliche geiſtliche Freude/ welche inſonderheit via. den Glaubigen/ Gerechten und Gottsförchtigen zukommt/ und Koͤnig David mit den glaubigen Seelen in denen Wortlein unſer und wir an⸗ ʒeiget/ un ſer Hertz freuet ſich ſein/ undwir trau⸗ en auff ſeinen heiligen Namen. Welche Woͤrtlein unſer und wir/ nicht ohne Unterſcheid alle Men⸗ ſchen begreiffen/ ſondern die Glaubige und Gerech⸗ ten: Wir die wir unſere Seele laſſen harren auff den HErrn/ und den HErrn fuͤr unſer Hülffe und Schild halten Wir die wir uns von Hertzen freu⸗ en deß HErrn/ und froͤlich ſeyn; Ohneiſtes nicht ⸗ es iſt unſers GOttes Will/ daß allen Menſchen dieſe Hertzens⸗Freude wiederfahrenmoͤchte/ dann er goͤnnet ſie allen Fenſben/ Chriſusbatſealln 11⸗ t* arren und offen. 59 mitgebracht durch ſeine Menſchwerdung/ daher der Chrifttags⸗Engel inder Lufft zu den Hirten ſagt: Sihe/ ich verkuͤndige euch groſſe Freude/ die allem Volck wiederfahren ſoll/ Luc.⁊. vd. GOtt der Heilige Geiſt zeiget jederman den Weg darzu/ und iſt bereit/ in gewiſſer Ordnung/ ſelbige bey allen Menſchen zu pflantzen und zuerwecken/ dann das iſt ſeine Frucht/ Gal.. v.⁊ꝛ. Weil aber der meiſte Theil ſolche Ord⸗ nung verachtet/ den H. Geiſt in ihme durchs Wort Gottes den Glauben und Vertrauen nicht wircken laͤſſet/ daß ihre Seele auff den HErren harren/ ihr Vertrauen auff ihn ſetzen/ erfreuet und froͤlich ge⸗ macht werden koͤnnen/ ſo berauben ſie ſich/ auß ei⸗ gener Schuld/ dieſes theuren Schatzes ſelbſten/ und genieſſen die wenigſten ſolcher Freude wuͤrck⸗ lich/ dahero die H. Schrifft faſt allenthalben/ wo ſie von dieſer innerlichen Freude redet/ dieſelbige auff die Gerechten/ Frommen und Glaubigen zie⸗ het: Laß ſich freuen alle/ die auf dichtrau⸗ laß ſie ruhmen/ dann du be⸗ ſchirmeſt ſie/ froͤlich laß ſeyn in dir/ die deien Wamen lieben/ blal. v.u. Es muſ⸗ ſen ſich freuen und froͤlich ſeyn/ alle die nach dir fragen/ und die dein eyl lie⸗ ben/ muͤſſen fagen u:Der 8 2 ey Perfecta. 60 Glaubiger Chriſten ſey hochgelobet„Pſal. 40. vW. Dem Ge⸗ rechten muß das Liecht immer wieder auffgehen/ und Freude den Frommen hertzen /Plal. vr Und dahero es auch wird eine vollige und all⸗ begnuͤgliche Freude/ die das menſchliche Hertz und Seele in ſener Maße vergnůgen und erſaͤttigen kan: Nichts iſt in dieſer Welt/ das ſonſt den Men⸗ ſchen voͤllig erfreuen moͤge/ dannes iſt alles man⸗ gelhafft und unvollkommen/ undkan der/ welcher ſeine Freude an die irꝛdiſche Creaturen haͤnget/ Geld/ Gut und dergleichen/ nimmermehr er⸗ ſattiget werden/ je mehr er hat/ je mehr er haben will/ dann wer Geld lieb hat/ wird Geld nimmer ſatt/ ſagt Salomo Pccl.ð v. ꝙ Aber dieſe innere geiſtliche Hertzens⸗Freude/ iſt reichlich und uberfluͤſſig/ daß ſie das glaubige Hert ſaͤttiget und allbegnüglich machet/ contentiret undzufrie⸗ den iſt/ wie es Gott mit ihme machet und anfaͤhet/ und ſagt: Das iſt meine Freude/ daß ich mich zu SOtt halte/ und meine Zuver⸗ ſicht ſetze auff den HErrnErrn/ Pſal7z. v.s. Sie macht das fromme glaubige Hertz gantz großmuͤhtig zu allen ſeinen Ampts⸗Geſchaͤfften/ daß ein Chriſt nicht allein nach Göttlicher Ord⸗ nung bochwichtige Sachen frölich und genoſtan⸗ greifft/ Zarren und offen · 61 greifft/ und was ihme committiret wird/ ruͤhm⸗ lich hmauß führet/ wie an Abraham/ Joſua/ꝛc. zur Gnüge erhellet/ und ſoltees auch auffden Tod ſelb⸗ ſten kommen/ ſo heiſtes: DerGerechte iſt auch in ſeinem Todgetroſt/ Prov.4vzꝛ. Sie fuhret nach ſich eine heroiſche Gedult und maunli⸗ ches Vertrauen allerley Widerwertigkeit/ Un⸗ recht/ Gewalt/ Schmertzen/ Noht/ Anfechtung/ etc. zuuͤberſtehen/ dann ſie iſt ſo ſuſſe/ daß ſie alle Bitterkeit aͤuſſerlicher Trübſal und innerliche An⸗ fechtung/ wo nicht gaͤntzlich vertilget/ doch kraͤfftig⸗ lich miltert/ und weiß/ daß GCtt getreu/ der niemand laſſet verſuchen uͤber ſein Ver⸗ mogen/ ſondern machet/ daß die Ver⸗ ſuchung ſo ein Ende gewinne/ daß ers konne ertragen/ Cor.o.v.tz. Wer wolte dann nicht von Hertzen ſich deß HErren freuen ⸗ und vertrauen auff ſeinen heiligen Namen! Welche innere geiſtliche Hertzens⸗Freude uns dieſen Lehr⸗Nutzen gibt/ daß kein freudiger Leben ſey/ dann eines wahren Chriſten Leben/ ob wohl die Welt⸗Kinder es fur das allertraurigſte Werck halten/ dabey kein froͤlicher Augenblick zu ſehen ſey dann ſie haben die lebendige Quell aller Freuden bey ſich in ihrem Hertzen wohnen/ welches iſtChri⸗ ſtus/ der durch den Glauben in ihren H3 qer⸗ ch. Uſus infor- matorius. B. Hortato- rius. 6 Glaubiger Chriſten ertzen wohnet/ Pphelz.v.. wo derdurch den Glauben in eines Menſchen Hertz einziehet/ bringet er lauter Freude und vroſt mit ſich/laͤſſet es die glaubige Seele ſchmecken/ daß ſie für Freuden ſagt: Ichfreue michim Erꝛen undmet⸗ ne Seele iſt froͤlich in meinem GOTC Eſa.. v.10. und abermahls: Sey zu frieden meine Seele/ dann der⸗Erꝛthut dir gu⸗ tes/ Plal. us ves muß dir alles zum beſten dienen/ Rom.3.v.28. Ligt nur daran/ daß wir durch gezeigte Mittel nach dieſer Freude trachten. Dañ weil das menſch⸗ liche Hertz nicht mag ohneFreude ſeyn/ findet es ſei⸗ ne Freude nicht in einem/ ſo ſuchet es dieſelbige im andern/ und doch kein zeitlich Ding dem Hertzen wahre beſtaͤndige Freude bringen kan/ ſo muß ſich der Menſch allein an Gott und deſſen reichen Gů⸗ te halten und trauen aufſeinen heil. Namen/ ſich in Glaub/ Lieb/ Leben und dergleichentaͤglich uͤben/ ſagende mit David: Laß mich/ Erꝛ/ hoͤren Freud und Wonne/ daß die Gebeine fro⸗ uchwerden/ die du zuſchlagen haſt/ tro⸗ ſte mich wieder mit deiner ůͤlffe/ und dein freudiger Geiſt enthalte mich/ Plal. 5.v.1o0. Erꝛ/ erfreue die Seele deines Rnechts/ dann nach du verlanget mich ⸗ Pſal.26. v. 4. Wer Harren und offen. 63 Wer ſich alſozu Gott haͤlt/ deme wird es auch N an vroſt und Freude nimmermehr mangeln/ ſon⸗ dernwird durch alle Trubſal und Verfolgung auß dieſem Jammer⸗Leben/ in das gantz vollkommene Freuden⸗Leben gelangen/ und daſelbſt mit allen Engeln und Außerwehlten ſichewigfreuen/ und anden Ort kommen/ da Freude die Fuͤlle/ und liebliches Weſen ʒurRechten Gottes ſeyn wird ewiglich/ Pfal.o. v.n. orius. Welches dann auch unſer vornehmer Fhriſt⸗ licher ſeeliger Mit⸗Bruder in allewege wohl ge⸗die de faſt/ und beyuͤbungſeines Chriſtenthums ruhmich erwieſen/ daß er ſich eben der Welt⸗Freude nicht ſo ſebr erfreuet/ der Welt ſich ʒwar gebrau⸗ chet/ aber doch nicht mißbrauchẽt/ 1Cor. 7. v.31. ſondern das ſeine groͤſte Freude ſeyn laſſen/ daß er mit allen glaubigen rechtſchaffenen Chriſten in ſeinem Hertzen ſich deß HErren erfreuen/ und auff ſeinen heiligen Namen trauen mogen/ wohl wiſſend/ daß er durch Empfindung ſolcher innerli⸗ chen Hertzens⸗Freude in allem Creutz und Wider⸗ waͤrtigkeit reichlich getroͤſtet/ undendlich mit ewi⸗ ger himmliſcher Freude werde vollkommen erſaͤtti⸗ get werden/ die kem Auge geſehen /kein Ohꝛ ehoͤret/ und in keines Henſchen eertze ommen/ was Gtt bereitet i E tunctum. 64 Glaubiger Chriſten die ihn ſẽben/ Cor.v.o. Daß er mit Thränen ſaen/ aber mit Freuden ernd⸗ ten/ hingehen und weinen/ und tragen edlen Sämen/ und kommen mit Freu⸗ — und bringen ſeine Garben/ Plal nõ. vexl.ß.6. vr m Und weil dieſe ſuͤſſe Hertzens⸗Freude auß der Guͤte Gottes auff alle glaubige Hertzen zufleuſt/ und durch beſtaͤndiges Harren/ Vertrauen und Hoffen erwartet und genoſſen wird/ ſo ſetzet Koͤnig David auch das dritte und letzte Stocke unſers vorhabenden vexts hinzu! nemlich/ GOT den HErren um ſeine Guͤte darzu anzuruffen/ mit die⸗ ſer Freuden volle Bitte und Wunſch⸗Rede ſagend: rint Detne Güte, Err/ ſey uͤber uns/ wie vae wir auff dich hoffen. Bey welchen wenigen Worten drey Umſtaͤnde uns zu bedencken vor Au⸗ gen geſtellet werden; Erſtlich das jenige/ deſſen Gute und Gnadeſie birten und wünſchen; darnach die Gnade an ſich ſelbſten/ was ſie ſey/ und dañ drit⸗ tens/ ihre eigene Perſonen/ die dieſe gottliche Gute . wünſchen/ über ihnenzu ſeyn. Denjenigen/ deſen Seie Güteoder Gnade ſie vorallen Dungen begehren⸗ opennenſie Jelrovam, den Errn/ das iſt/ kVeriebeinen ſolchen HErrn/ der eines unbegreifflichen uẽ nomi- nan Jenorkwigen Weſens iſt/ ohne Anfang und* au arren und offen. 66 auß und von ſich ſelbſi beſtehet/ undkeines andern bedarff/ jader allen andern Dingen/ ſo auſſer ihm ſeynd/ das iſt Himmel und Erden/ und alles was darinnen/ ihr Leben und Weſen gibt/ und nach ſei⸗ nem Willen erhaͤlt und ſegnet/ deſſen nicht —— anden gepfleget/ als der jemands bedoͤrffte/ ſo er ſelber jederman Leben und Odem allenthalben gibt/ daß ſie in Ihm leben/ weben und ſind/ Act. N. v. 2.&2s. Kurtz: Es iſt der wahre einige GOtt und HEr:ꝛ/ deſſen Namen heiſt/ wie er ſelb⸗ ſten zu Moſe ſagt: Ich werde jeyn der ich ſeyn werde/ Fxod.z. v.4. Darnachwasſie 2. wünſchen/ welches iſt die Guͤte GOttes: Qohr Dann weil alle unſer Hoffnung und Zuverſicht an Hei, auff der vatterlichen Güte und Barmhertzigkeit n& deß HErrn unſers Gottes beruhet/ undwas dar⸗bend mit nicht unterbauet iſt/ kan nicht beſtehen; Dar⸗ um ſo reſignirte uñſtellete auch Konig David mit den glaubigen Gliedern der Chriſtlichen Kirchen alles in die gutige Hand Gottes/ und ſagt: Deine Güte, Err/ſey uͤber uns. Und ſehen da⸗ inn auff zweyerley/ als erſtlich auff die vaͤtterliche Guͤte/ Gnad/ Huld und Zuneigung deß Hertzens dun. Gottes/ welche gegen die Glaubige gantz unwan⸗ delbar; Er hat ſie/ in Anſehen deß Slaubens/ . ge⸗ 66 Glauhiger Chriſten geltebet/ ehe der Welt Srund geleget ward/ Pph. v. 4. Er liebet ſie je und je ⸗ wetl ſie leben/ und ʒiehet ſie auß ſe Liebeʒu ſich/ jerem.z.veʒ Er liebet ſie biß ans Ende/ Joh tz v.x und kan dieſe Liebe durch keine Waſſerſtroͤme außgeloͤſchet rnne werden/ Cant.s. vy Weilſie aberzuweilen justeſtimo·gllein in dem Goͤttlichen Hertzen verborgen ligt ⸗ und ſich durch aͤuſſerliche Gnaden⸗Zeichen nicht hervor thut/ ſondern GOtt ſich ſtellet/ als wanner ein Jeind und Widerwartiger waͤre/ indem Er al⸗ lerley Creutz und Truͤbſal/ Angſt und Anfechtung zuſchicket und verhaͤnget/ wie dem David ſelbſten wiederfahren/ daß er zehen Jahr im uilio undſte⸗ tiger Gefahr ſeines Lebens herum gezogen/ und die Glaubige auß menſchlicher Schwachheit anfan⸗ gen zu zweiffeln/ vb ſie auch bey Gottin Gnaden/⸗ ob ſie auch liebe und angenehme Kinder ſeyen/ oder/ ob nicht GOtt ihr Feind und Widerwartiger wor⸗ qprc denʒ So bitten und wůͤnſchen die Glaubige und vuvoe o·Frommen/ daß doch der HERR ſeine verheiſſene n Gnade/Liebe und Guͤte/ auß ſeinem Hertzen wolle laſſen hervor leuchten/ und in der That erweiſen/ wie Sie in vorhergebenden Worten dieſes Pfalms erkannt und bekannt/ verſ 4 feqq Stetroſten/ und ſein Antlitz leuchten laſſen/ daß 2. neſen arren und offen.— ñẽſen/ pa o vꝛo Wie dann auch drittens ſie ſich erklaͤren/ daßſie ſolche Leute nach der QOrd⸗Qralesſu⸗ nung GOttes ſeyn und ſich einſtellen wolten, qui gratiam Die auff den E RRN hoffen/ und ů⸗ unt Mieri- ber welche die Gute Gottes ſeyn moge: Dann freylich die wuͤrckliche Gnade und Lebe Gottes nicht jederman zu hoffen hat/ er lebe auch wie er wolle; zwar Gottes Wunſch iſt/ daß dero jederman theilhafftig werde/ dann ſie iſt unendlich und uͤbergroß/ wie er ſelbſten iſt/Syra.v23. Zu dem Ende er ſie auch jederman in ſeinem Wort offerirt und anbeut/ aber zur wurcklichen Nieſ⸗ ſung und Theilhafſtigkeit gehoͤren die jenige/ wel⸗ che als Gerechte und Fromme ſich deß HErm freu⸗ en; die zuforderſt Gott recht erkennen/ daß er ſey warhafftig/ und waser zuſage/ gewißlich halte/ daß er ſey gerecht; daß er ſey unendlicher Macht und Majeſtaͤt/ der alles geſchaffen/ regiere und erhalte/ was er ſpreche/ auch halte; die ihre einige Zufluchtzuder Gute und Barmhertzigkeit Gottes nehmen/ deſſen harren und vertrauen auff ſeinen heiligen Namen; die ihn forchten/ und auff ſeine Güte hoffen/ im Leben und Zod/ Troſt/ Huͤlff und Erquickung mit andaͤchtigem Gebat ſuchen/ und wuͤnſchen/ daß er mit ſeiner Gute uber ihnen/ um und neben und in ihnen ſeyn/ 6 auff allen Sei⸗ 5 2 ten cordia tua ſit ſuper nos Mottrina 65 Glaubiger Chriſten ten ſieumgeben/ ſchutzen/ ſegnen⸗ ernehren under⸗ halten wolle/ und endlich willig und bereit und deß guten Vorſatzes ſeyen/ wie ſie bißher auff ihn ge⸗ hoffet auch ferner beſtandig auffihn hoffen und deß Segens erwarten wolten Solche Leute ſind es nach den Umſtanden dieſes Pſalms/ die allhier un⸗ ter einanderſi agenund wunſchen: Err/ deine Guͤte ſey uͤber uns/ wie wir auff dich Uns mit allen glaubigen Gliedern der Ehriſt⸗ eroreſichen Kirchen und wahren recheſchaffenen Chri pro oſten- denda gra- tia divina. ſtẽ dahin anzuweiſen/ wie auch wir Gott im Gebat und kindlichem Vertrauen um ſeine vaͤtterliche und göttliche Gutthaten /eſuchen uñdarnachtrachten ſollen/ daß wir einen gutigen und Segenreichen Gott uber/ neben/ umund in uns haben/ der uns mit ſeiner Guͤte unterbauen und unſer bißheriger gnaͤdiger HErr und Gtt/ hinkuͤnfftig ferner ver⸗ hleiben/ ſo wohlalle unſer Thun und Vorhaben zu einem guten Fortgang und ſeeligen Außgang be⸗ fordern/ als auch wir im Werck ſelbſten verſpüren undmit freudigen hofſenden und vertrauten Her⸗ tzen einander auffmuntern/ wunſchen /ſeuffzen und fagen koͤnnen: Deine Guůte/Erꝛ/ ſeyuͤber aode Uns/ wie wir auffdichhoffen Wiedann die⸗ quirit ſes der Glaubigen Hoffen und Vertrauen zu— arren und offen. 65 nachſichführet/ daß/ gleich wieſie GSrtin ſeen Gnaden⸗Bund auffgenomen/ und ihnen die Ver⸗in beiſſung gethan/ daß er bey/ neben undunter ihnen hrecantum mit Gnaden wohnen/ und ihr Gott/ Helffer/ Hey⸗propres. land/ Schutz und Segen ſeyn wolle/ und ſie ſein Voick ſeyn ſollen/ daerſagt: Ich willmeine wohnungunter euch haben/ und will unter euchwandeln/ und willeuer Gott ſeyn/ und ihr ſolt mein Volck ſeyn/ Levit. 26. verſ.21. alſo ſetzen ſie hinwiederum all ihr Hoff⸗ nung und Vertrauen auchihn/ erkennen und be⸗ kennen/ daß er allein ihr gutiger Gott ſey/ von wel⸗ chemalle Fülle der Gnaden⸗Guͤter/ Wohlthaten und Segen auff ſie ʒufleuſt und ſagen: E RR ⸗ von dir iſtalles Gut kommen/ und von deiner and haben wirs/ es iſt alles dei 1Chron. z0o. v. 4. Alle gute Gaben/ und alle vollkommene Gaben kommen von oben herab/ von dem Vatter deß Ltechts Jacob.1.v. m. Wie GOtt der HErr iſt das we⸗ ſentliche/ und alſo das allerhochſte undunendliche Gut/ dannder⸗ Erꝛiſtgut und fromm/ Pſal. 29. v.3. alſo füeſſen von Ihme ohne Unterlaß gantze Stroͤme der Gute und Gnade über dieF̃rom⸗ me/ daß ſie auff dieſe Empfindung heraußbrechen und ruͤhmen: Wie theuer iſt deine Gute/ J3 Gott/ 70 Glaubiger Chriſten Sott/ daß Menſchen⸗Kinder unter dem Schatten deiner Fluͤgeltrauen. Stewer⸗ den truncken von den reichen Guͤtern deines chauſes/ und dutranckeſt ſie mit Wohlluſt/ als mit einem Strom/ Pſal.36. v.s. o. Und das verlangen ſie nicht allein vor ſich/ und ſo lang ſie leben/ ſondern daß er auch nachih⸗ rem Tod uber ihre Kinder und ſpate Nachkommene ſeine Guͤte wolte im Werck ſehen laſſen/ wie er A⸗ braham und allen glaubigen Kindern verheiſſen: Ichwill meinen Bund auffrichten zwi⸗ ſchen mir und dir/ und deinem Samen nach dir/ bey chren Nachkommen/ daß es ein ewiger Bund ſey/ alſo daß ichdein GOtt ſey und deines Samens nach dir/ Gen. N. V. 7. Welches ſehnliche Verlangen/ Bitten und Grud Flehen die ſo theure Gůte Gottes ſelbſten erwecket vinæ preci- mit ihren Schaͤtzen und Gutern ſo ſie in ſich faſſet⸗ Dann dieſeibe ſogroß /wie Gott ſelbſten/ Syr.2. v. 23. Die Guͤte deß Errn iſt alle Morgen neu/ und ſeine Treu iſt groß/ Threnʒ. v. ⁊3. Der Erriſtgroß von Gu⸗ te/ und ſie waͤret von Ewigkeitʒu Ewig⸗ keit/ uͤber die ſothn foͤrchten /Pſal.1oz. v.s. S n. und ſich mit ſolchen edlen Schaͤtzen wh allen Sarren und offen. allen Menſchen dargibt zugemeffen/ daß ſie mm⸗ mermehr zur Genüge von unskan erkannt und ge⸗ prieſſen werden/ Dann ſeine Gůte iſt ſo weit der immel iſt/ und ſeine Warheit ſo weit die Wolcken gehen/ Pſal. ð. v.. Als iſt das nicht eine groſſe Gůte deß HErmn/ daß er bey uns ſein Wort rein und lauter erhalten/ und noch lehren und predigen laͤſſet/ daß wir koͤnnen hingehen mit dem auffen/ und mit th⸗ nen wallen ʒum auſe Gottes/ mit hro⸗ locken und Dancken/ unter dem auffen die dafeyern /lalꝓ⁊ v. Daß wir in ſein uß gehen auff ſeine groſſe Gute/ und anbaten gegen ſeinem Tem⸗ Zeig ſenſeee Dahingegen bey dieſen betrübten und gefaͤhrlichen Zeiten an vielen Orten die Jammer⸗Klage gefuhret wird: Unſere Zeichen ſehen wirnicht/ und kem Prophet prediget mehr/ und kein Leh⸗ ret uns mehr /Pſal.y4. v. g. daruͤber wir die Gu⸗ te Gottes preiſen/ anflehen und bitten ſollen/ daß er ſolchen reinen Gottesdienſt ferner bey uns und unſern Nachkommenen beſtaͤndig erhalten wolle/ ſagende: Du Errwoljeſtdein Reich/ das du unter uns auffgetichtet/ erhalten/ dann es iſt dein Werck/ blal. os. v. ꝛ9.— wahr — * 7 Glaubiger Chriſten 3 wahr werde/ was geſchrieben ſtehet: Si St⸗ . meinde hatte Friede durchgantz Judaa 6 und Galilda und Samariã/ und bauete ſich und wandelt in der Forchtdeß Er⸗ 41 ren/ und ward erfuͤllet mit Troſt deß Heiligen Geiſtes/ Act.ovz. Weniger nicht auch die Güte GOttes wir in allen irwiſchen Gů⸗ tern augenſcheinlichund im Werck ſelbſten ſpuren/ daß wir zuſamter Hand ruͤhmen und baͤren koͤnnen: Nun dancket alle Gott/ der groſſe Dinge thut anallen Enden/ der uns von Mut⸗ . terleib an lebendig erhalt/ undthut uns alles gutes/ er gebe uns ein froͤliches Hertz/ und verleihe immerdar Friede zu inſer Zeit in Iſrael/ und daß ſeine Gna⸗ de ſtets bey uns bleibe/ und erloͤſe uns ſo lang wir leben /Syr.ʒ v. 24.226.* ſ m Und ſolches will auch der außtruͤckliche ernſte Majelts. Befehl Gottes /dañ wir hier bitten/ daß wir alles . zum glucklichen Fortgangmit demuͤhtigem Bitten 11 und Flehen der Guͤte deß HErrn anbefehlen ſollen/ F welche kan alles gedeylich machen/ unduͤber uns bringen/ wann es heiſt: Befehle dem⸗ Erm deine Wege und hoffe auff Ihn/ er wirds „ ſ wohl machen/ Pſfal.37. v. Befthl dem — Errn deine Werck/ owerdenpen⸗ arren und oſſen. 73 Anſchlage fortgehen/ Provas.vz. In al⸗ len Dingen rufſe den Allerhoͤchſten an/ daß er dein Thun gelingen und nicht fehlen laſſe/ vermahnet Syrach c. 37. v. w. So erbietet ſich der gutige GOTſobald in dieſe Ant⸗ wort: Ja/Ich will dich unterweiſen/ und dir den Weg zeigen/ den du wandeln ſolt/ Ich will dich mit meinen Augen lei⸗ ten/ dañ wer auffden Errn hoffet/ den wirddie Gůte umfahen/ Pſal zu vg.& o. Urſach gnug haben die Glaubigen mit dem Ko⸗ nig Dabid und wir alleſampt den HErrn umſeine qgenen g Güte anzuflehen und darnach zu ſeufftzen/ wannimbecilis. wir auff uns ſelbſten ſehen/ und unſer eigen Un⸗ vermoͤgen/ Unverſtand und Duͤrfftigteit betrach⸗ ten und ſagenmuͤſſen: Erꝛ/ deine Guͤte ſey uͤber uns /ꝛc. wir vermogen hier nichts/ ſondern deine/ deine Güte HErꝛſey uber uns; welches auch der ſonſt hocherleuchte Prophet Jeremias bekennet capoxꝛʒ. Ich weiß e Erꝛ/ daß deß ꝙMen⸗ ſchen Thun nicht ſtehet in ſeiner Gewalt und ſtehet in memands Macht wie er wandele und ſeinen Gang richte; Ein ſolch Vertrauen aber haben wir durch Chriſtum ʒu Gott/ nicht/ daß wir tůͤch⸗ tig ſind von uns ſelbſten ge⸗ en⸗ 2 74 Glaubiger Chriſten dencken/ als von uns ſelber/ ſondern daß wirtuchtig ſind/ iſt von Gott /⁊. Cor.z. v.4. Wannwir denſelbigen um ſeinen Lu ten Geiſt anruffen/ daß er uns auff ebe⸗ ner Bahn fuͤhren wolle/ Pial.az. v.u. Da breitet er ſeine Gůͤte uͤber dꝛe/ die ihn ken⸗ nen/ und ſeine Gerechtigkeit uͤber die Frommen/ Pſal.zo. v.u. und hilfft ihnen durch ſeine Guͤte/ Pfal zu. v.N. daß ſie Gott daruͤber loben/ und Er chr Gebat nicht verwirfft/ noch ſeine Guͤte von ihnen wendet/ Pſal.66. v.20. Gne Darzu dann letztlich kommt der ſeelige Nu⸗ wi tzen/ den alle wahre glaubige Hertzen von der er⸗ zeigten Guͤte deß HErrn haben/ und beſtaͤndig auff ſeine Guͤte hoffen/ dann er bewetſet ſeine wunderliche Guͤte/ und iſt ein⸗eyland/ derer/ die ihm vertrauen/ wider die/ ſo ſich wider ſeine rechte and ſetzen/ ſagt David Plal. w. v.7. Und laſſer fuͤr unſerm Angeſicht hergehen alle ſeine Guͤte/ und leſſet predigen deß Erren Wamen fůͤr uns/ wie dorten Moſe verheiſſen Exod.ʒʒ. v. 19. So lang/ biß wir endlich ſechen werden/ das Gute deß Errn im Lande der Le⸗ bendigen/ Pſal. verſz. Unſere Seele im im guten wohnen/ und unſer Same das Laiĩd beſitzen Plal. x v und wandeln werden fuͤr Gott im Liecht der Lebendi⸗ gen /Pfal.6.v14. ges wuͤnſchen undbegehren! Da dann kein Zweiffel/ daßncht auch unſer wohlſeeliger Chriſtlicher vornehmer Mit⸗Bruder den HErrn um ſeine Guͤte angeflehet und gebaͤten hat/ Er wolle uber ihm als einem hoffenden Her⸗ tzen mit ſeiner Güte ſeyn undbleiben Dann er ja die Gute deß HErrn vielfaltig thaͤrlich an ihme und den lieben Seinigen verſpüret unduͤber ihm gewe⸗ fen/ ſowohl in zeitlichen Gütern/ als hohen Eh⸗ ren/ Reichthum/ Segen/ und dergleichen /damit er ihn geſegnet und biß in ſein hohes Alter gnaͤdig et⸗ enrren und offen. 75 Oein heiliges /ſeeligesun Gott woßlgefali⸗ Applicatia ad pie de- functum. halten; Sonderlich aber in geiſtlichen Guͤtern der Seelen/ daß er in rechter wahrer Erkaͤntniß Sottes/ und rechtem Glauben wohl auffgewach⸗ ſen und beſtaͤndig darinn verblieben/ daß er deß HErren Arm verkündigen koͤnnen Kinds Kin⸗ dern /und deſſen Krafft allen die noch kommen ſol⸗ len; Darfuͤr er ſeinem GOttoffters von Hertzen gedancket/ und um fernere Vermehrung und Er⸗ haltung gebaͤten/ damit er mit deß HERRNGu⸗ te unterbauet/ durch deren— 2 und 76 PERSONALIA. und getroſtet/ undendlich ſeelig einſchlaffen moge. Nun was er gebaͤten und veꝛlanget/ das hater auch durch die Gutigkeit deß HErrn im Werck ſelbſten erhalten: GOTTlaſſe Ihn ſolcher ewigen Gute von Angeſicht zu Angeſicht im himmliſchen Freu⸗ den·Leben genieſſen/ und helffe uns allen auch durch ſeine Gute und Gnade darzu ſeeliglich/ um JEſu Lurſ willen Amen OHER R JEſu Chriſte men! eee PERSONALIA. Icht unbillich wirdes vor eine beſondere deß hochſten SOttes geach⸗ et/ wann derſelbe einem Nenſchen das v Ziel deß hoͤchſten Alters zu erreichen/ oder wohl gar in etwas zu überleben/ verſtattet/ daſſelbe auch weniger nicht mit einem preißwuͤrdigen/ Gottsfurchtigen/ Chriſteifferigem Wandel zu⸗ bracht/ als auch die nach und nach biß zu deſen ſeeli⸗ ger Vollfuͤhrung betrettene hohe Ehren⸗Stellen mit beſtaͤndiger Treu/ ſorgſamer Angelegenheit undunerſpartem Fleiß ſo Tags/ ſo Nachts verwal⸗ tet/ und mithin den Hinterbliebenen der Weg zu deme was Chriſt⸗und loͤblich iſt/ zu gelangen/ gezei⸗ get werde Dannenheꝛo auch vhrſcheechul Sbit digkeit ——— PFERSONAL1A. digkeit und Gebuͤhr erheiſchen will/ unſers in Gott ruhenden/ und in ſeine Ruhſtatt verſetzten Chriſtli⸗ chen alten Mit⸗Bruders ehrn⸗gebuͤhrlich zu ge⸗ dencken/ und den EinFort⸗und AußgangſeinesLe⸗ bens in etwas zu beruͤhren. Derſelbe iſt nun im Jahr Khriſti i604. den. Tag Octobriszu Ullrichſtein von Chriſtlichen ehe⸗ lichen Eltern in dieſe muhſuͤlige Zergaͤnglichkeit er⸗ ziehlet und gebohren. Der Vatter iſt geweſen weyland Herr Jo⸗ hann Reyſer der Jünger/ geweſener Fuͤrſtl. Hef ſiſcher Rentmeiſter daſelbſten. DieMutter aber Frau Cliſabetha Bellin. Der Groß⸗Vatter an Vaͤtterlicher Seiten iſt geweſen weyland Herr Johann Reyſer der aͤl⸗ ter/ ſo von Straßburg bürtig und Anfangs zu ge⸗ dachtem Ullrichſtein/ nachgehends aber zu Grun⸗ berg Rentmeiſter geweſen. Die Groß⸗Nutter von deß Vatters Seiten Frau Suſannn/ weyland Herrn Philippi Pi⸗ — vornehmen und beruͤhmten JCt juͤngſte Der Groß⸗Vatter auff der Mutter Seiten weyland Herr Wolff Bell/ Burgermeiſter und Rahtsverwandter zu Butzbach. Die Groß⸗Mutter Muͤtterlicher Seiten K Frau 73 PFRSONALIA. Frau Anna Bellin/ gebohrne Rumpfin/ weyland Herrn Johann Rumpfen/ Bur⸗ germeiſtern und Rahtsverwandten zu Butzbach nachgelaſſene eheleibliche Tochter. So ſehr nun ehrnbemeldteEltern durch dieſen von GO T Terhaltenen Ehe⸗Segen undjungen Sohn erfreuet worden/ ſo ſehr ſind ſie auch beſor⸗ get geweſen/ ſel bigen ſo bald zur H. Tauff/ als dem heylſamen Bad der Wiedergeburt zu befordern/ und ihn durch wohlermeldten ſeinen Groß⸗Vat⸗ terrn Herrn Johann Reyſern den aͤltern/ als Tauff⸗Paten und Gevattern mit dem Chriſtlichen Namen Johann benennen zu laſſen. Alh Er nun mehrere Jahren erreichet/ haben Ihn ſeine Eltern zum Gebaͤt und zur Schul in er⸗ wehntem Ullrichſtein fleiſſig angehalten/ biß Er im Jahr613. in die Stadt⸗Schul gen Butzbach/ und endlich Annosis. in das Fuͤrſtliche Pædagogeum nach Gieſſen verſchickt worden/ worauß Er auch Anno i621. eximmret worden/ und Anfangs dem ſiudio Philoſophico, nachgehends aber Juridico beydes zu Gieſſen und allhier zu Marburg biß ins Jahr 1ꝛ6. obgelegen/ und ſonderliche groſſe pro- fectus darinnen gethan hat. Ob nun wohl kein Zweiffel geweſenwaͤre/ daß Er bey denen von GOtt Ihme verliehenen, PERSONALIA. Gemuͤhrs⸗Gaben nnd allbereit wohlgelegten fum damentis ſothanes ſtudium juridicum glůcklich vollfuhret und zuEnde gebracht haͤtte/ ſo iſtẽr doch durch ſeines lieben Vatters frühzeitigen in Anno 622 erfolgtemtoͤdtlichen Hintritt daran behindert worden/bevorab da die Frau Mutter/ ſo nachge⸗ hends ſich nacher Butzbach begeben/ begehrt und haben wollen/ daßEr den im Jahr wꝛs. vacirenden Rentmeiſters⸗Dienſt zu Ulrichſtein annehmen ſollen/ welchem Er auch gehorſamſte und kindliche Folge geleiſtet/ und darauff auff beſchehene unter⸗ thaͤnigſte Anſuchung von weyland dem Durch⸗ leuchtigſten Furſten und Hern/ Herm Geor⸗ gen/ Landgraffen zu Heſſen /Fürſten zu Herß⸗ feld/ Graffen zu Catzenelnbogen/ Dietz/ Ziegen⸗ hain/ Nidda/ Schaumburg/ Vſenburg und Bů⸗ dingen dazu gnaͤdigſt auff⸗und angenommen wor⸗ den/ welcher Bedienung Er auch mit hochſter Sorgſamkeit und unermůͤdetem Fleiß vorgeſtan⸗ den, biß Er im Außgang deß 1633. Jahrs von hoͤchſtgedacht Herin Landgraff Georgens Fürſtl. Durchl.glorwürdigſten Andenckenszu de⸗ ro Rent Cammer allhier vociret/ und ohneracht aller dargegen eingewendeten Entſchuldigungen gezogen/ auch biß ins Jahr 1640. darbey gelaſ⸗ ſen worden. Im Jahr 1641 haben mehrhochſt⸗ gedacht 80 PERSONALIA. gedacht Heren Landgraff Georgens Furſtl. Durchl. ohn einig ſein Begehren/ und darum be⸗ ſchehenes Nachſuchen Ihm die Cammer⸗Rahts⸗ Stell gnaͤdigſt auffgetragen/ undeine gewoͤhnliche Rahts⸗Beſoldung verordnet. Und weilen ſo⸗ thane Bedienung von Hauß auß zu verwalten nicht thun⸗ ſondern beſchwerlich fallen wollen/ als iſt Er endlich/ ſeindomicilium zu veraͤndern/ und ſolches nacher Gieſſen zu transferiren/ gemuͤſiget worden/ allwo Er auch gantzer zwoͤlff Jahr lang verharret/ und ſeinem Ampt treulich vorgeſtan⸗ den. Nachdem Er aber vermercket/ daß ſeine all⸗ hier ſtehende Behauſſung ziemlich ſchad⸗und mangelhafft worden/ auch deren ruin bey fer⸗ ner verbleibender reparation zu beſorgen ſtunde/ als hat Er bey weyland Herrn Landgraff Lud⸗ wigs deß Vl“ Fuͤrſtl. Durchl. nunmehro auch glorwurdigſten Andenckens/ um gnaͤdigſte Erlaub⸗ niß ſein Wohnhauß allhier wiederum zu beziehen/ und ſelbiges nohtdurfftig repariren zulaſſen/ un⸗ terthaͤnigſt nachgeſucht /gleichwobl aber ſeine Be⸗ dienung von Hauß auß zu verſehen/ ſich erbietig gemacht/ welches Er auch auff erfolgte gnaͤdigſte Einwilligung/ im Jahr 166ꝛ. bewerckſtelliget/ und ſothane Cammer⸗Rahts·Stelle biß in ſeinen ſeeli⸗ gen Tod verſehen und verwaltet. 3 n PERSONALIA. 8 In währender ſeiner Dienſt⸗Verwaltung/ wiewohl Er groſſer Muͤh und Arbeit/ ſonderlich aber zu Kriegszeiten groſſer Gefahr und Unge⸗ mach unterworffen——— dannoch nicht nachgelaſſen/ ſelbige nach aͤuſſerſtem Vermoͤgen zu beobachten/ und nach/ wie vor/ yfüchtmaͤſſige treue Dienſte zu leiſten. Und obwohl Ihme verſchie⸗ dentlich gute Anleitungzuhoͤhern Dienſten/ zuge⸗ langen/ gegeben worden/ hat Er doch ſolche lieber außſchlagen/ als annebmen wollen/ bevorab da Er ohne das wegen jederzeit erwieſenen groſſen Treuund Fleiſes neben andern Verrichtungen bey Abhorungen der Ampts⸗Rechnungen/ Univerſi⸗ taͤts⸗Rechnungen/ Hohen Hoſpitals⸗Rechnungẽ/ Adelicher Stifft⸗und anderer Rechnungen gar offt und ſehr gebraucht/ auch zu denen bey Fuͤrſtl. Rent⸗ Cammer zu Darmſtatt befindlichen Geld⸗und Frucht⸗Reductionen ſonderbar verordnet wor⸗ den. Wiewohl Er auch durch den in ſeinem hohen Alter erlittenen ſchweren Augen⸗affect ſehr in⸗ commodiret worden/ ſi Er doch nach beſchehener operation und dardurch zum Theil erfolgter reſti- tution beflieſſen geweſen/ die Ihme zum oͤfftern auffgetragene Verrichtungen/ zu bewerckſtelli⸗ gen/ und nicht ohne ſonderbare groſſe Verwunde⸗ rung glucklich zu expediren/ ſo/ daß das Fuͤrſtliche m. L Hauß 82 PERSONALIA. Sauß Varmſtatt/ in deſſen Dienſten Er gantzer ʒo. Jahr geſtanden/ eine gnaͤdigſte Gefaͤlligkeit darob verſpuren/ und Ihme die gnaͤdigſt aſſignirte jahrliche Beſoldung jederzeit/ und biß anhero rei⸗ chen laſſen.— Seinen Eheſtand anreichend/ ſo hat Er ſich im Jahr 1628. mit damahliger Jungfrauen Ca⸗ tharinen Margrethen/ Hermn Johann Daniel Luͤnckers geweſenen Juͤrſtlichen Heſ⸗ ſiſchen Rentmeiſters zu Homberg an der Ohmehe⸗ leiblichen Tochter ehelich eingelaſſen/ undmit ſel⸗ biger eine hoͤchſterwünſchte vergnugliche und geſe⸗ gnete Ehe gantzer 3. Jahrlang beſeſſen/ auchmit Deroſelben neun Kinder/ deren drey ſo lang GOtt will/ annoch im Leben/ und in der Trauer allhier zu⸗ gegen ſind/ die uͤbrige ſechs aber vorlaͤngſt dieſes Zeitliche geſegnet/ erzielet. Und alß Ihme dieſel⸗ be im Jahr 16sr. durch den zeitlichen Lod entzogen/ und Er dardurch in den betruͤbten Wittwenſtand geſetzet worden/ hat er deren/ als einer ſonderbaren verſtaͤndigen und erfahrnen Hauß⸗Mutter Ver⸗ iuſt ſehr ſchmertzlich empfunden/ und die Haußhal⸗ tung in ſeinem ſo hohen Alter nicht ohne ſonderbme Beſchwerung uñ Muͤhſaͤligkeit fortfuhꝛen muſſen. Wie ſehr auch unſer Chriſtlicher und ſeeliger Mit⸗Bruder ſeinen GOitt in allem ſeinem . 2, un pRRSONALI4. 6 und Verrichtungen unaußſetzlich vor Augen ge⸗ habt/ an JEſumſeinen Sunden⸗Büſſer mit ſtar⸗ ckem Glauben ſteiff und veſt gehalten/ die Predig⸗ ten Goitlichen Worts mit groſſer Andacht undEif⸗ fer/ ſo langEr nur außzugehen vermocht /beſuchet/ uñ niemahls einige verſaͤumet/ wie nit weniger ſich zu dem Beichtſtul fleiſſig eingefunden/ uñ den wah⸗ ren Leib und Blut JEſu Chriſti im H· Nachtmahl zum öfftern glaubig genoſſen/ iſt in dieſer gantzen Stadt ſattſam und zur Gnüge bekannt;Undob Er gleich bey vorermeldtem ſchweren Augen⸗affect demoffentlichen Gottesdienſt nicht weiter beywoh⸗ nen koͤnnen/ hat Er dannoch zu Hauſe die Evange⸗ lia/ Epiſteln und deren Außlegungen ſich vorleſen laſſen/ ſein Gebaͤt mit hoͤchſter Andachtjederzeit zu Gott verrichtet/ und die Hirliſche Seelen⸗ Speiſe gar offt Seelen ·erbaulich empfangen; Und wird Ihme jederman/ ſo Ihn nur gekennet/ das Zeugniß geben/ daß Er ein Gottsfoͤrchtiger/ auffrichtiger undeiffriger Chriſt geweſen/ ein recht exemplari- ſches Leben gefuhret/ das vielfaltig zugeſtoſſene Creutz und Widerwaͤrtigkeit mit einem gedultigen/ ſtandhafftigen und unuͤberwindlichem Gemuͤht er⸗ tragen/ allem verderblichen Hoffart und ubermuht feind und entgegen geweſen/ die Seinige zu wah⸗ rer Demutund Gottesfurcht ange mah⸗ 2 net/ PRRSONALIA. net/ undſeiĩem nohtleidendem Naͤchſten mit hoͤch⸗ ſter Willigkeit beygeſprungen und gedienet habe. Was endlich ſeine Schwachheit/ und dadurch veranlaſten ſeel. Hintritt betrifft/ ſo iſt Ihme vor funff Wochen/ auffdem TagS Michaclis, war der 29. Tag Septembris naͤchſthin ein ſtarcker Zufall und kalter Fluß/ ſo in das lincke Bein gefallen/ zu⸗ geſtoſſen/ und weniger nicht groſſe Mattigkeit ver⸗ urſachet/ als auch die natuͤrliche Waͤrme ſehr ge⸗ ſchwaͤchet. Wiewohl nun dagegen allerhand Mit⸗ teln gebrauchet worden/ ſonderlich aber die ruhm⸗ liche Vorſorge und ur deß furtrefflichen Medici, Herm D. Waldſchmidts/ p.t. Magnifici Aca- demiæ Rectoris, ſehr nachdruͤcklich und verfaͤng⸗ lich geweſen/ ſo hat doch ſothaner ſtarcker luß end⸗ lich das gantze Bein eingenomen/ und den Leib der⸗ geſtalt abgemattet/ daß der appetit zum Eſſen ver⸗ gangen/ und die Kraͤfften allerdings geſchwaͤchet worden. Dannenhero und weil unſer Chriſtlicher ſeel. Mit⸗Bruder verſpuͤret/ daß ſein Sterbſtuͤnd⸗ lein herbey nahen wuͤrde/ hat Er ſeinen Seelſor⸗ ger/ den Herꝛn Superintendenten zu ſich erbaͤten/ ihme ſein ſehnliches Verlangen zu einem ſeeligen Ibſchied nicht ohne groſſe Betruͤbniß der umſte⸗ henden Seinigen eroͤffnet/ und mit dem himliſchen Seelen⸗Brod geſpeiſetzu werden/ waih en PONAL. 65 ſen Er auch Montags/ war derꝛ6. TagOctob mit hoͤchſter Begierde/ groſſer Andacht/ und Seelen⸗ Vergnuͤgung fruchtbarlich theilhafftig worden/ auch in Chriſtlicher Gelaſſenheit/ ſeeliger Hoff⸗ nung/ und ſehnlichem Verlangen zu Gott/ und ſei⸗ nem Erloͤſer JEſu Chriſto unablaͤſſig beharret/biß endlich Derſelbe Ihn auß dieſem beſchwerlichen Zuſtand erloſet/ und durch einen ſanfften Schlaff amnaͤchſtverwichenen Mittwochen Abends ums. Uhr/ war dera. Lag Nevemb. unter dem inbruͤn⸗ ſtigen Gebaͤt der Seinigen umſtehenden auß dieſem muͤhſaͤligen Jammerthal in die unaußſprechliche und unvergaͤngliche Freud auffgenommen/ indem Er gelebet und alt worden/ Ein und achzig Jahr/ und zwantzig Tage. 5 6 PROGRAMMA. SFNaTUSOuE aCADß. MICUS MARBHRGFNSIS Tecori Jalutem! Um multa cœlitus conferantur in ho. minem beneficia, tum primocquidem ponendum cſſe loco arbitror, quando non vita tantùm aliqualis brevique annorum incluſã ſpatio, ſed& cjusmodi ſæpe conceda tur quã liberos ſerosque intueri licet nepotes; Sacræ id teſtantur literæ, cùm in gens annorum cumulus, quaſi in remuncrationem cultus& obſequii parentibus præſtiti, concedatur, te- ſtantur id quotquot ab omni ſeculorum me moriã virifortes& egregi unquam viguerunt. Itaquc, ut dicam, quodres eſt, alicujus jactabun- di, non verò ſapientis viri eſſe arbitramur, con. temhere annorum numerum, metiri vitæ ſpa- tium non diebus ſed rebus geſtis ſæpe futilibus, ſæpe impiis, ſæpe occiſarum gentium glorioſo ſcelere quãrm piis ſobriisque factis inſigniori- bus: Videlicet, ut omunia in ſummam conji ciam, non ignorat vir fortis ſapiensque, vitam kancnoſtram complecti quicquid Ijinorum hu- PROGRAMMA. 37 humanorumque bonorum collatum in nos unquam eſt, ea quidem& ſentiri in juventute vpte annis, maximẽ verd in ſenectute poſtquam illa juvenilis intemperantia jam de- flagravit, imd poſtquam per annorum maturi- tatem, accidente virili robore, jugum illud vo- luptatum, blandiſſimarum dominarum excuſ- ſimus& vivere non brutorum ſed hominum more incœepimus. Si virille, cujus hodie indi- citur funus, verbis id teſtari adhuc poſſit, equi- dem præſtò foret, quam vis neceſſe minime ſiti ad verborum decutrere auxilia, poſtquam tot ejus egregia facta, imò tota ejus id teſtetur vi- ta. Juvat igitur in honorem NOBlLSIMI Senis paucis,& pro anguſtiã præſentis hujus tabulæ eam percurrere. Itaque natales ejus quod attinet, lucem hanc adſpexit in Ullrichſtein ſeculi hujus anno quarto&quidem quinto decimo Octobrisdie, Patre(majores enim, BELIOS,RUMPHIOs, notaſatis nomina ipſumq; PlSTORIUM, ſum- mum temporis ſui Ctum, ſponte transmitti- mus] Virointegerrimo JOHANNE REVSER Juniore, nataſitiæ ſedis quæſtore fideliſſimo, Matre verò fforentiſſimã optimaque matronã ELISABETHA BELLIN. Parumeſt hic loci me- 33 PROGRKAMM R. memorare, ab optimis hiſee parentibus facris conſperſum lymphis nomenque ei JOHAN⸗ NIs inditum imd perdiſciplinas artesquelibe- raleButsbachii Gicſſe& hicMarburgiductum fideliter fuiſſeʒ quippe beneficia hæc quidem ſunt Parentum permagna, attamen ejusmodi, quæ ab officio& neceſitate non multum ab· ſunt, adminimum quæ nonminus honorem gloriamqjue parentum quòm ipſorum inquos collata ſunttangunt. Scire igiturlicetpiẽ De⸗ functum huncnoſtrumſtudiatum aliatumju ris quoq; ſictractãſſe, ut coronari ob devictam barbariem potuiſſet, niſi alibi vocãſſent fataꝝ ipſumque muneri primim quæſtorio, deinde⸗ prout virtus ejus majora merebatur, anajori — officio præfeciſſent, Sereniſſimusquo Landgravius DN. GEORGlUS ad dignitatem Conſiliarii Cameræ cvexiſſet. Non memo- randum hic,— fidelitate& conſtantiã muneri huic, vel periculoſiſſimis quoque tem- poribus vacaverit, teſtis enim hujuseſtð& fortiſ- ſima Gieſſenſium Civitas& hocinclytum Mar- tisburgum, ubiſcdem rerum fortuharumque ſuarum conſtitueratʒ Sed hoc unumin laudem Viri hujus ſufficiet, quòd pro ſummã animi moderatione, cùm ad altioria provehi ſet, PROGRAMMA. 89 ſet contentus eſſe præſentibus maluerit: non ignorans videlicet: quodlibet officium multò magis illud, quod gerebat ſatis nobile,& ma- gnum eſſeſi adhibitã curã, fidelitate&einduſtriã geratur. Quemadmodum igitur tantæ virtu- tis dignitatisque Vir non absqueſimili ſocia vi- tam degere debebat ità reperit anno Iꝛð. hone- ſtiſmam lectiſimamque Virginem GATFHM- RINAM MARGARETTHAM, IOANNIS DaNIEIIS Linckers quæſtoris apud Homber- genſes integerrimifiliam, cumquã non felix tantũm ſed longævum quoque habuit matri- monium procedente videliceteo, rarã tempo- rum felicitate ultra annum tertium& quinqua- geſimum& proferente novem liberos, quo- rum tres non ſuperſtites tantùm, ſcd florentes quoqʒ& incolumes hicſunt. Solent viri fortes non absq; ærumnis ætatem degere, prout De- functus quoq; noſtet, cùm multis aliis, tum o- culorum imprimis imbecillitate non parum conflictuseſt quamvis eas incredibili corporis animiq;ʒ conſtantiã adhibitã pietate& toleran- tià Chriſtianò vicerit, usque dum ingruentibus Catharris& premente Senectute, morbo vere incurabili poſtquam facro inſtructus erat viati- co, inter amplexus& lachrymas ſuorum ani- M mam, ———— — 90 PROGRAMMA. mamà quo receperat, reddidit hora octavà vc- ſpertinã proximi elapſi diei quafti Novem- bris, natus annorum LXXXI.& XX. dierum. Gům igitur VENERANDI HUUsS SE- N Is reliquiæ hodie terræ mandabuntur, in- vitamus non proceres tantùm, ſed& quos. cunque Academiæ Ciycs, ut horã primã ad. ſint pieque Defunctum hunc ad quictis fuæ comitentur locumʒ id non ſolatio tantùm& honoricrit moœſtiſſimęejus familie, ſedin com- modum quoq; cujusvis noſtrům cedet, erudi- endi quippe, quãàm fragilis& caduca ſithuma- na vita,& calcandam lubricam lethi viamtan- dem eſſe,licet velper ſeculum ferè neceſſitatem hanc cvaſeris adeoque nullum falubrius contra vim hanc adhiberi remcdium, quàm quodã pi- etate bonisque moribus petitur. Valete. Mar- burgi ſub Academiæ Si gillo Majore, Annoe MDCLXMXV. die X. Novembris. 8 Abdan⸗ Atdanckungs⸗Mede. anſehnlicher/ Leydtragender/ Stands⸗Er⸗ — 3 chrenotlhnſtand 4 8 Bwohlen die ſtetige Abwechſelung der & Pweltlichen Dingen deroſelben gewiſſe MUnbollkommenheit darleger undbeſtär⸗ — cket/ſo kan man doch keines weges in Ab⸗ rede ſeyn/ daß in einem und anderem Abſehen de⸗ nenſelben auch einige Vollkommenheit gar wohl beygeleget werden koͤnne. Sehen wir an unſern anjetzo ʒurErd⸗beſtatteten vornehmen hriſtlichen alten Mit⸗Brudern/ ſo hat zwar derſelbige mit traurigem Nachſehen der hochbetrubten Hinter⸗ laſſenen und Anverwandten durch ſeinen toͤdlichen Hintritt auß dieſem Leben bezeugen müſſen/ daß das menſchliche Leben allerdings unvollkomen und unbeſtaͤndig ſeye; Jedannoch aber har derſelbige durch ſonderbare Begnadigung Gottes das Ziel deß hoͤchſten vollkommenen und von Gott ſelbſt be⸗ ſtimten Alters/ worzu in dieſer Sterblichkeit gar wenigen zu gelangen verſtattet wird/ erreichet ⸗ und dardurch unter denen ſegenreichen Stuͤcken as vornehmſte/ worzu ein Chriſtliches und tu⸗ gendhafftes Leben den Weg oͤffnen und bahnen Mꝛ kan/ 92 Abdanckungs⸗Rede. kan /erworben. Brauillus jener Philoſophus, alß er jetzund ſterben wolte/ und deßwegen vondem umſtehenden Raht hefftig betrauret wurde/ gab zu vernehmen/ daß er ſich vornehmlich qber vier Stück ſonderlich zu erfreuen haͤtte: Erſtlich/ wegen eines ruhigen und guten Gewiſſens; zum andern/ daß er Lantzer 6o. Jahr dem gemeinen Weſen zu dienen ſich befliſſen drittens/ indemer ſo biele vornehme und wackere Leute vorſich ſehe/ die da ſeinen bevor⸗ ſtehenden Zodbeklagten; und endlich/ daß er in ſei⸗ nem gantzen Lebenslauff einem jeglichen ſeine ge⸗ buhrende Ehre erwieſen haͤtte. Hat ſich nun dieſer Philoſophus beyſeinem Abſterben hierinn einigen Nachruhm geſuchet/ warum wolte man dann den⸗ ſelben unſerm vornehmen ſeel. verſtorbenen Mir⸗ Brudern anjetzo mit einem unzeitigẽ Stillſchwei⸗ gen entziehen? Allermaſſen ja derſelbe gleichfalls mit allen obberuͤhrten Stücken beglůcket geweſen/ und ſeine Kraͤffte zum Dienſt deß gemeinen Be⸗ ſtens ja beynahe eben eine ſolche Laͤnge der Jahren treueifferigſt und ſorgſamſt angewendet. Die hohe bey dem Hochfurſtl. Hauſe Darmnſtatt gan⸗ tzer ʒ · Jahr nach und nach betrettene/ und mit be⸗ ſtaͤndigſter Treue und ſorgſamſter Angelegenheit verwaltete Ehren⸗Stelle leget dieſem ein ſattſa⸗ mes und ohnverwerffliches Zeugniß ſſ a bdanckun Rede dadeſſen ſo trengeleiſtete Dienſte mit hohen Fürſt⸗ lichen Gnaden jederzeit erkannt und hoͤchlich ge⸗ ruhmet worden. Solten dann nicht dergleichen langwierige ruhm⸗ und lob⸗wurdige hohe Verrich⸗ tungen nebſt dem angefuhrten hohen Alter ein of⸗ fenbahres Beyſpiel einiger Vollkommenbeit zei⸗ gen und beweiſen? Beſehen wir ſeinen Gotts⸗ foͤrchtigen tugendhafften und zur ſtetigen Nach⸗ folge dienenden Wandel/ was zeiget derſelbige an⸗ ders/ als den vollkommenen Zugend⸗Pfad/ wot⸗ auff er die gantze Zeit ſeines Lebens mit recht Chriſt⸗ licher Standhafftigkeit und ohne einigen Wan⸗ ckelmuht einherzugehen ſich beſtrebet? maſſen ja die Tugend und Gottesfurcht das eintzige Mittel iſt ſich in dieſer Welt einen ewigen Nachruhm zu erwecken/ und endlich zu dem Port der ewigen Vollkommenheitzugelangen. Suchet nicht auch gegenwaͤrtiger hochanſehnlicher Stands⸗Eꝛfor⸗ derung nach zuehrender Umſtand den erlangten Tugend⸗Ruhm unſerm ſeeligentſchlaffenen Mit⸗ Brudern in ſeinem vode zu erhalten? Gleichwie ſie bey deſſen Lebzeiten ihme alle Ehre und muͤgliche Willfahrigkeit erwieſen/ alſo wollen ſie auch nach ſeinem Lode demſelben dergleichen zu erweiſen nicht ermangeln. Zwar erzeigen wir billich allen Chriſten die Ehre derGhriſtlichen Leichbegangniß/ M 3 geftalt 94 Abdanckungs⸗Rede. geſtaltſie ja geweſen Tempel Gottes; Jedochaber nachdem einer vor dem andern einen hoͤhern Staf⸗ fel der Tugend und Froͤmmigkeit erſtiegen/ ſo hat man auch denſelben nach ſeinem Abſterben vor an⸗ dern deſtomehr zu beehren. Die Heyden haben dergleichen vor andern Lugendhafften Menſchen ſonderbare Grab⸗und Ehren⸗Maͤhler auffgerich⸗ tet/zum ewigen Zeugniß derſelben Tudendhafften Wandels. Aber deſſen alles bedarff dieſer unſet ſeelig Verſtorbener zumahl nicht; Ein beſſeres Grab⸗und Ehren⸗Mahl ſetzet demſelben hochan⸗ ſebnlicher Stands Erheiſchung nach zu ehrender Umſtand mit dero hochanſehulichen traurigen Ge⸗ genwart; indem ſie da mit ſchwartzem Trauer⸗ Habit und klaͤglichen Geberden ſo volckreich bey dieſer Leich⸗Begaͤngniß erſchienen/ und den Lods⸗ verblichenen Coͤrperzuſeiner Toden⸗Krufft beglei⸗ tet/ ſo haben ſich dieſelbige dargeſtellt als lebendige Ehren⸗Maͤhler/ die dadie Lugend und vortreffi⸗ che Qualtaͤten deß ſeelig Berſtorbenen ruͤhmen und hocherheben. Wire aber Dieſelbe mit ſolcher hochanſehnli⸗ chen Leich⸗Begaͤngniß unſerm feel. Mit⸗Brudern ein ſonderbares Lob⸗und Ehren⸗Mahl auffgerich⸗ tet/ alſo haben ſich dieſelbige auch ſelbſten ein Denckmahl ihrer Sterblichkeit vorgeſtellet. gy⸗ Abdanckungs Rede. 95 Egyptier hatten den Gebrauch/ daß ſie bey allenjh⸗ ren Mahlzeiten pflegten ein Lodten Geripp ber⸗ umzu tragen/ um vermittelſt deſſelbigen ſich ihrer Sterblichkeit zu erinnern/ und zueinem nuͤchtern Leben anzufriſchen: Indem/ hochanſehnlicher Stands⸗Erheiſchung nach zu ehrender Umſtand/ dieſer vornehmer unſer ſeei. Verſtorbener Mit⸗ Bruder iſt unter dero hochanſehnlichem Geleit/ nicht zwar zu einer viſch⸗Nahlzeit/ ſondern den Wuͤrmern zur Speiſe in das Grab getragen wor⸗ den/ ſo werden dieſelbige auch gleichfals durch den entſeelten Coͤrper Ihrer Sterblichkeit erinnert/ mit der gewiſſeſten Bedeutung/ daß/ wie dieſelbige mit dem Leibe anjetzo ſeine Leich begleitet/ ſie auch alſo hiernechſt Ihme folgen werden in dem Tode. Unterdeſſen was die Leydtragende vor Lrauren ſelbſten nicht koͤnnen verrichten/ das haben ſiege⸗ gen hochanſehnlichen Stands⸗Erheiſchung nach zu ehrenden Umſtand durch meinen unbereden Mund vor dißmahl verrichten wollen. Danck⸗ ſagen demnach dienſtlichſt allen und ſaͤmptlichen durch meine Wenigkeit vor die ihrem ſeel. Verſtor⸗ benen geleiſtete letzte Ehr/ birtende/ daß ſie in ſol⸗ cher affection und Wohlwollen verbleiben mð⸗ gen. Sie hingegen verſprechen auch darbeneben ſolche beſchehene Ehrerweiſung bey allen en⸗ os Abdanckungs⸗Rede. benheiten gegen einen jeden aͤuſſerſtem Vermogen nach zu erwiedern/ doch mit dieſem ſehnlichen Warſch daß ſolches vielmehr in froͤlichen als in dergleichen Trauerfaͤllen geſcheben moͤge. Vohann Peter Becker/ Wisbadienſis Naſſovicus.