UB GIESSEN MM ‘ un oa N - Mm oO - _ > Gießener Beiträge zur deutschen Philologie Begründet von O. Behaghel, fortgesetzt von A. Götze, herausgegeben’ von Walther Mitzka 90 ‘ Die Goslarer Straßennamen Ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur-vergleichenden Straßennamenforschung- F Von Karl Frölich Universitäts- Biblic 2 6. AUG. 1949 Giedben ‚Gießen 1949 Wilhelm Schmitz Verlag in Gießen Gießener Beiträge zur deutschen Philologie Alle bisher in dieser Sammlung erschienenen Hefte sindavergrifen. In Vorbereitung befindet sich Heft 91 mit dem litel /Philologische Studien (Altertum— Germanistik— Volkskunde) HUGO HEPDING zum 70. Geburtstag Preis ca. DM 8,- Gießener Beiträge zur deutschen Philologie Begründet von O. Behaghel, fortgesetzt von A. Götze, herausgegeben von Walther Mitzka 90 Die Goslarer Straßennamen Ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamenforschung Mit einem Stadtplan Von Karl Frölich Gießen 1949 Wilhelm Schmitz Verlag in Gießen Veröffentlicht unter der Zulassung Nr. USW 1028 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung Auflage: 600— März 1949 Druck: von Münchowsche Universitäts-Druckerei Wilhelm Schmitz, Gießen Der Lebensgefährtin im Gedenken an die gemeinsame Heimat zum 19. Februar 1949 Inhaltsübersicht. A. Einleitung I II. IT. Der Stand der Forschung Ziel und Plan der Darstellung a) Quellenbenutzung ee b) Auswertung der Ergebnisse der städtischen Verfassungs- topesrape a m. emo se ve: N c) Heranziehung der vergleichenden Straßennamenforschung d) Verwendung anderer Hilfsmittel, vor allem auf sprach- wissenschaftlichem Gebiet..- e) Aufbau der Arbeit Die Unterlagen a) Handschriftliche Quellen 1. Urkunden. 2. Stadtbücher.: 3. Sonstige Niederschriften b) Karten c) Schrifttum. 1. Auf Goslar berdehiche rs änflchliyken 9. Literatur zur Straßennamenforschung im ganzen. B. Die Straßennamen der Stadt Goslar im Mittelalter in räumlicher Aufgliederung IE 1uL: IT. Vorbemerkuneen u... ne Die Entwicklung des Stadtgrundrisses von Goslar im Mittel- Alta io A a a, Die Straßennamen in örtlicher Verteilung a) Die einzelnen Stadtbezirke und Sonderbildungen..--- 1° Das Bergedorf am Rammelsberge 2.... 22: KperPfalzbeziie»...2...: RR SE ‚Der Markt und seine Umgebung..»: ce...+ MDERRrankenbers 2. un. nenne Das Jakobikirehspiel.... 2... 0.0 “Das Stephanikirchspiel.»...»:. 2... 2220: 7. Der Bezirk der Reperstraße am Heiligen Grabe. b) Nicht sicher festzulegende Straßenzüge..».» oa uw»$r w DD Seite C. Verzeichnis der mittelalterlichen Straßennamen und weiterer Ortsangaben nebst Nachweisen und Erläuterungen I. Allgemeines zur Namengebung ne 62 II. Die vorkommenden Straßennamen(Nr. 1_336) ae ae D. Das Straßennetz des Stadtkerns in der Gegenwart E»Überblick 7. 2er.; MAN II. Spuren ehemaliger We ne im heutigen Stadt- gründriß” SA RD es a ion E. Schluß Anmerkungen. Anlage: Stadtplan von ie 1800 re A. Einleitung. I. Der Stand der Forschung. Zu den wichtigsten Aufgaben im Bereich der Goslarschen Ge- schichtsforschung, die noch der Lösung harren, gehört die Be- schreibung und Deutung(des mittelalterlichen Stadtbildes.!) Dabei ist vor allem zu denken an die Entwicklung des Stadtgrundrisses, die Ausgestaltung des Straßen- und Gewässernetzes sowie die Fest- stellung der vorkommenden Straßennamen(Strn.) und ihre Er- klärung. Zwar finden sich zahlreiche Hinweise, die für das Ver- sländnis der räumlichen Entfaltung des Ortes von Belang sind, schon in den älteren Werken aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von G. F. Mund?) und G. F.E. Crusius?) sowie ineinem Aufsatz von E. Volger*). Sie beschränken sich aber auf Einzelheiten und geben kein geschlossenes Bild der Sachlage. Etwas Ähnliches ist zu sagen von einer jüngeren Arbeit über die Gose und die Abzucht?) von U. Hölscher(d. Ä.) sowie von den Dar- legungen desselben Verfassers in dem Goslar betreffenden Bande der Kunstdenkmäler der Provinz Hannover‘). Und ebenfalls noch nicht voll zu befriedigen vermag der erste Versuch einer zusammen- fassenden Schilderung, der von C. Borchers im Jahre 1919 unternommen wurde.”) Trotz mancher neuer und wertvoller Er- kenntnisse fehlt es bei ihm nicht an Irrtümern und Mißverständ- nissen, auf die ich alsbald in einer eingehenden Besprechung auf- .merksam gemacht habe.®) Vieles von denı dabei Gestreiften ist von mir weiter ausgeführt in einer Untersuchung zur Geschichte des Goslarer Domstifts in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts?) und vor allem in einer Schrift aus dem Jahre 1927, die der Verfassungsentwicklung von Goslar galt und die sich eingehender namentlich mit den topo- graphischen Sonderbildungen beschäftigte, aus denen die Stadt Goslar zusammengewachsen ist, und von denen auch Borchers ausgegangen war.!) Wertvolle Antriebe erhielt die Forschung kurz darauf durch die „Geschichte der Goslarer Wasserwirtschaft“, die wir O. Flachs- Ba Tal bart verdanken.'!) Sie hat mir Veranlassung gegeben, zunächst eine Anzahl von Fragen nochmals aufzurollen, die den Verlauf einer Reihe wichtiger Straßenzüge und Gewässerläufe, die späteren Umsgestaltungen des Straßen- und Gewässernetzes sowie die Schick- sale der Marktanlage in Goslar betrafen.!?) Das hier Gebrachte bildete sodann die Grundlage für umfassende Erörterungen über die Vor- und Frühgeschichte Goslars!?), die ebenfalls an die räumliche Entwicklung des Ortes anknüpften und ihr bisher unberücksichtigt gebliebene Seiten abzugewinnen bemüht waren. Beachtung verdient schließlich noch die eindrucksvolle Be- schreibung, die U. Hölscher, ein Neffe des früheren Goslarer Stadtarchivars, Prof. Dr. U. Hölscher. von der Goslarer Kaiser- pfalz und ihren Schicksalen entworfen hat.!*) Dagegen bringt wenig Ertrag die letzte Veröffentlichung von P. J. Meier ‚Die Siedlungen und die Verwaltung des Berg- und Hüttenbetriebes von Goslar im Mittelalter“, die sich in der Hauptsache darauf be- schränkt, bereits früher aufgestellte und als nicht haltbar erwiesene Behauptungen zu wiederholen."?) Aus dem Gesagten ergibt sich, daß sich bis in die letzten Jahre. hinein die Forschung lebhaft den Fragen zugewandt hat, die mit dem Raumbilde und den Straßennamen Goslars zusammenhängen, und daß dabei bedeutsame Einsichten erzielt sind. Trotzdem gehen in mehr als einer Hinsicht bis heute die Ansichten auseinander, klaffen Lücken, die es auszufüllen gilt, kommt es darauf an, die Forschung über das bereits Gefundene hinaus fortzuführen und das Dunkel zu lichten, das nach wie vor über manchen Er- scheinungen des Stadtbildes von Goslar in der Vergangenheit ruht. Dazu aber bieten sich Wege dar, die noch nicht beschritten sind, und Handhaben, von denen noch kein oder wenigstens kein aus- reichender Gebrauch gemacht ist. So ergeben sich neue Aufgaben und Ziele, denen zunächst eine kurze Betrachtung gewidmet wer- den soll. Sie betreffen zum Teil den zur Verfügung stehenden Quel- lenstoff, zum Teil die Art und Weise seiner Auswertung, also die Methodik des Vorgehens. II. Ziel und Plan der Darstellung. a) Quellenbenutzung. Wenn die Ergebnisse der früheren Untersuchungen nicht durchweg befriedigen, so trägt die Schuld daran zunächst der Um- Eron- stand, daß die Bestände, die das Goslarer Stadtarchiv nicht allein in Form von Urkunden auf Pergament und Papier, sondern vor allem in Gestalt der Statuten-, Gerichts- und Verwaltungsbücher des späteren Mittelalters, der sogenannten Stadtbücher, aufweist, keineswegs schon völlig ausgeschöpft sind. So ist eine ganze Reihe von mittelalterlichen Straßennamen bis jetzt der Aufmerksamkeit der Bearbeiter entgangen. Bei anderen, insbesondere solchen, die mit Personennamen gebildet sind, erwies sich nachteilig ihre stets wechselnde Schreibweise und ihre beständige Umbildung im Volks- munde. Das nötigte dazu, die vorhandenen Aufzeichnungen einer erneuten Durchsicht zu unterziehen, um so die Unterlagen zu ver- vollständigen. Leider besteht’ hier insofern eine Schwierigkeit, als die für eine Nachprüfung in erster Linie in Betracht kommenden mittelalter- lichen Stadtbücher noch nicht sämtlich aufgenommen und verzet- telt sind. Aber die Erträge, die die von mir benutzten Kopial-, Grund- und Kontraktenbücher der Stadt sowie die in größerer Zahl erhaltenen, steuerlichen Zwecken dienenden Schoßregister abwer- fen, erwiesen sich als so reichhaltig, daß es mit ihrer Hilfe— aller- dings auch unterstützt durch eine Reihe von glücklichen Einzel- funden— gelungen ist, in fast allen Fällen zu sicheren, einer An- zweifelung entzogenen Aufschlüssen zu gelangen. Deshalb darf unterstellt werden, daß, obwohl unbedingte Vollständigkeit in der Auswertung des Stoffes nicht erreicht ist, doch irgendwelche für die Beurteilung wesentlichen Nachrichten kaum übersehen sind. Zwar ist damit zu rechnen, daß noch einzelne neue Straßenbezeich- nungen auftauchen, daß die zeitlichen Ansätze für das erste Vor- kommen eines Straßennamens sich ändern oder daß weitere Ab- weichungen in der Schreibweise der Namen hervortreten können, Insgesamt aber wird das, was jetzt ermittelt ist, eine einwandfreie Grundlage für die weitere Forschung abgeben und auch einer Nach- prüfung auf Grund noch nicht benutzter Quellen standhalten. b) Auswertung der Ergebnisse der städtischen Verfassungstopographie. Ein zweites Hemnminis erwuchs daraus, daß die räumliche Ent- wicklung der Stadt, auf deren Hintergrund sich die Ausbildung des Straßennetzes vollzogen hat, bis vor nicht allzu langer Zeit weit- gehend im Dunkeln lag und mannigfachen Zweifeln Spielraum ge- I währte, zumal nur ein unzureichender Bestand an älteren Karten vorhanden ist. Durch die oben angeführten Untersuchungen ist jedoch unser Wissen um die Entstehung und das Werden Goslars in verfassungs-, rechts- und wirtschaftsgeschichtlicher, daneben auch in topographischer Hinsicht wesentlich vertieft und berei- chert, so daß mancher für die Beurteilung des mittelalterlichen Stadtbildes und für den Ausbau des Straßennetzes wichtige Vor- gang in hellere Beleuchtung gerückt erscheint. Trotzdem läßt sich hier ebenfalls noch weiterkommen, wenn die Art des Vorgehens den besonderen Zielen der Strn.-Forschung angepaßt wird. Bei den bisherigen Erörterungen steht die Entwick- lung des Stadtgrundrisses als solchen, das Zusammenwachsen von Goslar aus einer Reihe von Einzelsiedlungen und deren allmäh- liche Verschmelzung im Vordergrund, während die Ausgestaltung des eigentlichen Straßennetzes und die genauere Feststellung des Verlaufs der vorhandenen Wegezüge dem gegenüber zurücktraten. Durch eine stärkere Berücksichtigung dieser Sachverhalte wird nicht nur die Darstellung des Stadtbildes abgerundet, sondern zu- gleich der Boden für eine bessere Erfassung und Deutung der Stra- Bennamen geebnet. Wie ich glaube, handelt es sich hierbei um einen Gesichtspunkt, der für die Strn.-Forschung überhaupt eine größere Beachtung be- ansprucht, als er bisher gefunden hat. Obgleich nicht selten die Ar- beiten über die Strn. der deutschen Städte auch Betrachtungen über den Stadtgrundriß bringen und sie für Zwecke der Strn.-Forschung auswerten, ist doch in dieser Richtung kaum alles Erforderliche ge- schehen, um die Ergebnisse der Stadtgrundrißforschung oder, viel- leicht besser gesagt, der städtischen Verfassungstopographie?®) in - den Dienst der Strn.-Forschung zu stellen und zu versuchen, mit ihrer Hilfe zu neuen Einsichten zu gelangen. In der Regel hat man sich darauf beschränkt, den aus den vorliegenden Karten entnommenen Stadtgrundriß auszudeuten, um bei obwaltenden Zweifeln Klarheit über den Verlauf und die Benennung der vorkommenden Wege- züge zu gewinnen. Aber einmal darf nicht übersehen werden, daß oft genug Änderungen im Stadtgrundriß, darunter selbst solche recht erheblicher Art, eine Rolle spielen, die es im Einzelfalle auf- zudecken gilt. Und ferner ist von Belang, daß nicht nur Umgestal- tungen des Straßennetzes insgesamt hier von Wichtigkeit sein kön- nen, sondern ebenso Verschiebungen, die sich im Bereich der ein- zelnen Grundstücke vollziehen. Sie betreffen die Besonderheiten N> es der Raumausnutzung, die Art der Aufteilung der Grundstücke und ihre Besetzung mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, die einen Einfluß auf die Führung der Straßenzüge ausgeübt und für Um- benennungen den Anstoß geboten haben.'’) Zwar liegen bis jetzt nicht allzuviele Untersuchungen über diesen Gegenstand vor. Aber ich möchte annehmen, daß sich hier ein Aufgabenkreis eröffnet, von dem die Strn.-Forschung noch manches zu erwarten hat. Wir werden mehrfach Anlaß haben, bei unseren Darlegungen über Goslar auf Beobachtungen hinzuweisen, die die Bedeutung der Er- schließung verfassungstopographischer Zusammenhänge der er- wähnten Beschaffenheit und der Beziehungen zwischen Stadt- grundriß- und Stadtaufrißgestaltung auch für unsere Zwecke ein- leuchtend zu machen vermögen. c) Heranziehung der vergleichenden Straßen- namenforschung. Drehte es sich in den soeben besprochenen Fällen um Möglich- keiten, durch eine stärkere Ausschöpfung des überlieferten Quellen- stoffes und durch ein Zurückgreifen auf die Erkenntnisse der städ- tischen Verfassungstopographie Einblicke in das Werden des Gos- larer Straßennetzes und die Herkunft der auftretenden Straßen- bezeichnungen zu gewinnen, so ergibf sich eine fernere Handhabe zu tieferem Eindringen, wenn wir die Arbeitsweise der neueren Strn.-Forschung ins Auge fassen und sie für die Aufklärung der Verhältnisse in Goslar auszunutzen versuchen. Dabei fallen na- mentlich ins Gewicht die Fortschritte, die mit Hilfe der verglei- chenden Strn.-Forschung gewonnen sind, obwohl ein völlig befrie- digender Zustand hier noch nicht erreicht ist. Näheres hierüber erhellt wohl am besten aus der aufschluß- reichen und fördernden Übersicht, die vor einiger Zeit Hans Be- schornerin seiner Abhandlung ‚Altes und Neues zur Geschichte der städtischen Straßennamen im deutschen Sprachgebiet‘“!®) ge- bracht hat. In ihr wird nicht nur eine sich bis zum Jahre 1924 er- streckende umfangreiche, allerdings, wie Beschornef selbst betont, keineswegs erschöpfende Zusammenstellung der all- gemeinen Arbeiten zur Straßennamen-Forschung sowie des Schrifttums über die Straßennamen einzelner. Gemeinwesen gegeben. Es wird vielmehr in einer in der Hauptsache noch heute zutreffenden Form auch die Geschichte der Strn.-For- schung verfolgt und die Methode ihres Vorgehens geschildert. Und ARE ferner werden die Aufgaben umrissen, die im Umkreise der deut- schen Strn.-Forschung noch zu bewältigen sind. Gefordert wird für alle Städte, die bis jetzt damit im Rückstand sind, eine Beschäfti- gung mit der Herkunft ihrer Straßennamen und deren Verzeich- nung. Gleichzeitig wird die Schaffung einer möglichst vollständigen Bibliographie der Strn.-Forschung angeregt. Damit soll die Grund- lage gewonnen werden für die Erreichung weitergehender, über den Rahmen der einzelnen Gemeinwesen hinausgreifender Ziele. Ein Anlauf nach dieser Seite hin wird besonders erwähnt. Es dreht sich dabei um einen„Versuch im Großen, eine Anzahl von Städten hinsichtlich ihrer Strn. vergleichend zu betrachten und so die Forschung auf eine breitere Grundlage zu stellen, damit aber zu gesicherten, allgemeingültigen Ergebnissen zu gelangen”. Das ist nämlich der Leitgedanke eines Aufsatzes von P. Feit über„Ver- gleichende Straßennamenforschung. Mit Ausblicken auf die Sitten- geschichte Breslaus und anderer Städte’!?). Indem Feit die Bres- lauer Badstuben und Frauenhäuser zum Ausgangspunkt nahm und sie Ähnlichen Einrichtungen in einer größeren Zahl sonstiger Städte des Mittelalters gegenüberstellte, gelang es ihm, Berührungen auf- zudecken, die in der Namengebung der Straßen zum Ausdruck kommen, und damit für eine Gruppe von Wegebezeichnungen Auf- schlüsse zu erzielen, die ebenfalls für die bei Feit nicht berück- sichtigten Orte von Belang sind. Hierbei spielen Straßennamen eine Rolle wie Frauen-, Huren-, Kronen-, Rosen-, Büttel- und Peter- silienstraße, ferner Ketzerberg, Ketzergäßchen u. ä.. Sperlingsberge und Sperlingsgassen sowie eine Reihe weiterer Strn. von mehr oder minder derber und drastischer Beschaffenheit. Bei den auch sonst schon häufiger behandelten Rosenstraßen und Rosengassen, denen meist ein entsprechender Sinn unterlegt wird, denkt Feit aller- dings vorwiegend an eine Verbindung mit den Roßgärten, die der Pferdeweide dienten, und nicht an eine anstößige Bedeutung.?®). Und für die mit Katt- zusammengesetzten Namen sind gegen die in erster Linie kulturgeschichtlich ausgerichteten Darlegungen Feits Bedenken geäußert worden von H. Tardel, der unter stärkerer Hervorhebung sprachlicher Gesichtspunkte im Zusammenhang mit der Bodenkultur, insbesondere der Flachsbearbeitung, weiter zu kommen bemüht ist.??) In den Bahnen einer vergleichenden Betrachtungsweise be- wegen sich sodann noch eine Untersuchung von A. Hoffmann „Die typischen Straßennamen im Mittelalter unter besonderer Be- en rücksichtigung der Ostseestädte‘‘??) und mehrere etwas jüngere Schriften von Erwin Volckmann. Es sind dies, neben zahl- reichen kleineren Aufsätzen des genannten Schriftstellers””), vor allem das sich in der Aufgliederung des Stoffes mit der Hoff- mann?’schen Arbeit berührende Werk„Straßennamen und Städ- tetum“?*), von dem später eine zweite Auflage unter dem Titel „Die deutsche Stadt im Spiegel alter Gassennamen‘”°) erschienen ist, eine Abhandlung über„Rechtsaltertümer in unseren heutigen Straßennamen‘“?®) sowie schließlich das Buch ‚Alte Gewerbe und Gewerbegassen. Deutsche Berufs-, Handwerks- und Wirtschafts- geschichte älterer Zeit‘?”), die hier Erwähnung verdienen. Wäh- rend es Hoffmann vor allem auf die gängigen Straßen- bezeichnungen ankommt, beschäftigen Voleckmann in erster Linie die rätselhaften, unverstandenen oder mißdeuteten Namen, insbesondere solche, die eine Verknüpfung mit dem Rechtsleben oder mit Handel und Verkehr aufweisen, wobei gegen die Deutun- gen Volekmanns jedoch mehrfach Bedenken geäußert worden sind.) Damit aber ist im wesentlichen erschöpft, was an Ver- öffentlichungen aus dem Bereich der vergleichenden Straßen- namenforschung Bedeutung besitzt. Kann sonach von abschließenden Ergebnissen auf diesem Ge- biet noch nicht die Rede sein, so darf doch wohl gesagt werden, daß immerhin in einzelnen Richtungen Erkenntnisse erzielt sind, deren Verwertung auch für Erörterungen über die Straßennamen. bisher noch nicht einbezogener Gemeinwesen Nutzen verspricht. Aller- dings muß dabei beachtet werden, daß im Einzelfalle auch aus an- deren Gründen, z. B. im Hinblick auf die Verschiedenheit der ört- lichen Verhältnisse, den Mehrfachsinn der gebrauchten Ausdrücke oder die Dürftigkeit der urkundlichen Überlieferung, der Anwen- dung des vergleichenden Verfahrens Schranken gesetzt sein Kön- nen. Es wird sich zeigen, daß das Gesagte ebenfalls für Goslar zu- trifft. d) Verwendunganderer Hilfsmittel, vorallem auf sprachwissenschaftlichem Gebiet. Abgesehen von der vergleichenden Straßennamenforschung gibt es noch sonstige Bezirke der Sprachwissenschaft, die der Arbeit im örtlichen Rahmen Unterstützung zu gewähren vermögen. Ich denke dabei vornehmlich an die übrigen Zweige der Namen- BE RR forschung, wie sie uns in Gestalt der Haus-, Flur- und Orts- namenforschung, z. T. auch der Familiennamen forschung entgegentreten. Auf die Wichtigkeit der Hausnamen für die Entstehung der Straßennamen ist schon öfters aufmerksam gemacht worden. Sie erhellt sehr eindrucksvoll aus der schönen Preisschrift von i E. Grohne ‚„Hausnamen und Hauszeichen, ihre Geschichte, Ver- J breitung und Einwirkung auf die Bildung der Familien- und Gas- sennamen‘“.?®) Neben den Hausnamen sind es sodann die Flurnamen, die wegen ihres Einflusses auf die Formung der Strn. zu beachten sind und bei denen ich namentlich die rechtlichen Flurnamen er- wähnen möchte.?°) Es mag in dieser Verbindung genügen, wenn ich hier nochmals zurückgreife auf das, was oben?!) über die Ro- senstraßen und Rosengassen gesagt ist. Weitere Beispiele bieten eiwa die ebenfalls schon erwähnten, mit Kat-, Katze, Katten- und ähnlichen Wörtern zusammengesetzten Straßenbezeichnungen?”) oder der überaus häufig auf niederdeutschem Boden in ländlichen° Verhältnissen wie bei städtischen Wegezügen gebrauchte Ausdruck Ovelgönne, die beide Sonderuntersuchungen rechtfertigen würden, sowie die vielfach: bezeugten Petersilienstraßen.”®) Bei den Orts- namen ist des nahen Zusammenhangs zu gedenken, der häufig zwi- schen ihnen und den städtischen Straßennamen besteht.?*) Soweit es sich um die Familien namenforschung dreht, sind ihre Ergebnisse vor allem von Bedeutung für die Orte, bei denen auf Personenbezeichnungen zurückführende Strn. stärker hervor- treten, wie es wiederum bei Goslar der Fall ist.°°) Bei ihnen erwach- sen erhebliche Schwierigkeiten infolge des beständigen Wechsels in der Schreibweise der Namen. Mag der letztere oft genug auch einfach eine Folge mangelhafter Gewandtheit der Schreiber oder bloßer Willkür sein, so glaube ich doch nicht, daß allein auf diesem Wege die Umgestaltung und Entstellung der mit F amiliennamen gebildeten. Straßennamen zu erklären ist. Es dürfte sich vielmehr| zugleich um gewisse Gesetzmäßigkeiten handeln, die aufzudecken sowohl nach der sprachgeschichtlichen wie der volksethymologi- schen Seite hin vielleicht einen lohnenden Vorwurf abgeben würde. e) Aufbauder Arbeit. Unter Ausnutzung der vorstehend besprochenen Hilfsmittel soll im folgenden ein Überblick über die Goslarer Straßennamen und n } a SEEN Mey Siehe das, was für die Beurteilung ihres Werdens und Wesens wichtig ist, geboten worden. Ich beabsichtige, dabei so zu verfahren, daß nach einigen Be- merkungen über die vorhandenen Unterlagen— handschriftliche Quellen, Karten und Erscheinungen des Schrifttums— zunächst die Fragen besprochen werden, die sich auf die Entwicklung des Stadtgrundrisses von Goslar und die Entstehung des Ortes aus einer Mehrzahl von topographischen Sonderbildungen sowie auf die spä- teren Änderungen in diesen Verhältnissen beziehen, soweit sie für die Zwecke der Strn.-Forschung von Belang sind. Ein weiterer Hauptabschnitt soll in Ergänzung des im Vorste- henden Berührten ein nach der Buchstabenfolge geordnetes Ver- zeichnis der mittelalterlichen Strn. mit Nachweisen und Erläuterun- gen bringen, womit sich auch einige grundsätzliche Erörterungen zur Namengebung verknüpfen. Den Strn. ist eine Anzahl sonstiger Ortsangaben beigefügt, die für die Beurteilung der Führung der Wegezüge und für die Straßennamengebung Stoff beisteuern. Abschließend soll endlich ein Vergleich gezogen werden zwi- schen dem Straßennetz des Stadtkerns im späteren Mittelalter und dem der Gegenwart. In diesem Zusammenhang wird auch den Spu- ren ehemaliger Wegeverbindungen nachzugehen sein, die sich außerhalb des neuzeitlichen Straßennetzes im heutigen Stadtgrund- riß erhalten haben. Ill. Die Unterlagen. a) Handschriftliche Quellen. Wegen der hauptsächlich ins Gewicht fallenden handschrift- lichen Quellen des Goslarer Stadtarchivs(Urkunden, Stadtbücher sowie ähnliche Aufzeichnungen) im allgemeinen wird verwiesen auf G. Cordes, ‚„Schriftwesen und Schriftsprache in Goslar“ (Hamburg 1934), S. 113/4. 1. Urkunden. Die Urkunden bis zum Jahre 1400 sind abgedruckt in dem Ur- kundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen Bd. I—1V, Geschichtsquellen der Provinz Sachsen 29/32(Halle a.S. 1893—1905), hrsg. v. Georg Bode, Bd. V, Geschichtsquellen der Provinz Sachsen 45(Berlin 1922), hrsg. v. Georg Bode und Uvo Hölscher.?®) Zu betonen ist da- bei aber, daß seit dem Erscheinen des ersten Bandes des UB. mehr FB als ein halbes Jahrhundert verstrichen und daß inzwischen eine größere Anzahl von Urkunden aufgefunden worden ist. Sie sind aus einem Nachtragsverzeichnis ersichtlich, das im Goslarer Stadt- archiv geführt wird. Dazu kommt, daß auch die Angaben des Ur- kundenbuches selbst zum Teil der Ergänzung und Berichtigung be- dürfen. Beides ist für die Zwecke der Strn.-Forschung zu beachten. Für die Zeit nach 1400 sind die Urkundenbestände des Goslarer Stadtarchivs herangezogen. Sie umfassen außer den städtischen Urkunden vor allem solche der geistlichen Stiftungen und An- stalten. Zu ihnen treten noch mehrere Kopialbücher hinzu, unter denen namentlich ein städtisches Kopialbuch mit der alten Archiv- bezeichnung Kop. B. Nr. 402 sowie zwei Kopialbücher des Dom- stifts St. Simon und Judas(Kop. B.S.J.Iund II) hervorzuheben sind. 2. Stadtbücher. An Stadtbüchern und verwandten Niederschriften sind außer den erwähnten Kopialbüchern hauptsächlich benützt worden:?”) 1. Wortzinsbuch, 1415 bis gegen Ende des 15. Jahrhun- derts(W.), 2. Häuserbuch(1. Grundbuch), 1443—1503(Nr. 1—1672); Forts. 1503—1505(Nr. 1—95)(H.), 3. Eigentumsbuch(2. Grundbuch), 1546—1587(E.), 4. Denkbuch des Rates, 1542—1580(D.), 5. Bedenkbuch des Rates, 1611—1640, 5 Nachträge 1642 u. 56(Bd.), 6. Schoßregister von 1457 f.(Sch.). Sie sind geordnet nach den Pfarrbezirken: Thomaskirche (T.), Marktkirche(M.), Frankenberger Kirche(F.), Jakobi- kirche(J.), Stephanikirche(St.). Neben den gewöhnlichen Schoßregistern(Schoß oder Ge- meinschoß) kommen Hausschoßregister(H. Sch.) und Vor- schoßregister(V. Sch.) sowie eine Anzahl von Registern für besondere Zwecke in Betracht. 7. Kopialbuch der Bruderschaft Unserer Lieben Frauen in Goslar, 1377—1528(ULF.) ‚°®) 8. Register der Renten der Kirchen, Bruderschaften usw. in Goslar, 1444 bis etwa 1462, Alte Archivn. 1153(R. R.), 9, Verzeichnis der von dem Goslarer Kistenamt ausgeliehenen Kapitalien, angelegt 1589(K. A.). 10. Verzeichnis der wüsten Hausstätten, 1642 f., Alte Archivn. 464(W. H.). vera Re IR ge 3. Sonstige Niederschriften. Einige Erträge liefern noch die Immobilienbücher der Pfarren aus dem 18. Jahrhundert,??) eine Reihe von Bürgerlisten*®) sowie eine Turmwächterordnung von 1786(T. O.) Sodann verdient Beachtung das Goslarer Brandversicherungs- kataster aus dem Jahre 1770, das im Braunschweigischen(jetzt Niedersächsischen) Staatsarchiv in Wolfenbüttel aufbewahrt wird und von dem eine Abschrift für das Goslarer Stadtarchiv ange- fertigt ist.*') "Weiter ist von Belang ein Kantonregister von. 1803, das eben- falls Aufschlüsse über die vorhandenen Straßenzüge gewährt.*?) Wertvolle topographische Hinweise enthalten schließlich einige Goslarer Chroniken, die in die Wolfenbütteler Bibliothek verschla- gene Chronik des Hans Geismar aus dem 16. Jahrhundert‘®) und die dem Goslarer Stadtarchiv überlassene Brandes’sche Chronik aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. b) Karten. Während über die Zustände in der Umgebung Goslars eine An- zahl von Karten, die bis in das 16. Jahrhundert reichen, unterrich- tet,**) und während auch einige ältere Zeichnungen vorhanden sind, die Goslar aus der Vogelschau zeigen, die aber für topographische Untersuchungen ausscheiden, fehlt es bis in die Neuzeit hinein an eigentlichen Stadtgrundrissen, die sich in dieser Richtung auswer- ten ließen. Zur Verfügung stehen nur vier Stadtpläne, von denen drei aus den Jahren 1803 und 1804 stammen, während der vierte in seinem Kern vielleicht etwas früher anzusetzen ist, aber eben- falls kaum über die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zu- rückgeht. Bei dem zuletzt erwähnten Stück dreht es sich um eine hand- gezeichnete Karte unbekannter Herkunft in der Größe von 47%x31,5 cm, die sich in dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel befindet(III 123b). Daneben kommt ein im Stadt- archiv Goslar aufbewahrter Plan aus dem Jahr 1803 im Maßstab von 1:1000 in Betracht, der nach dem Übergang Goslars in preußi- schen Besitz von dem Conducteur Thieler angefertigt ist. Von ihm liegt eine Umzeichnung in verjüngter, auf den Maßstab 1:3000 ge- brachter und ergänzter Gestalt vor in einem Grundriß von B. J. Hering aus dem Jahre 1804, der ebenfalls dem Stadtarchiv Gos- 2 Frölich, Goslarer Straßennamen lar angehört. Ein zweiter, entsprechend verkleinerter, aus demselben Jahre stammender Grundriß, der von E. Völker gezeichnet und in das Rißarchiv des Oberbergamts Clausthal gelangt war, ist jetzt dort nicht mehr aufzufinden. Von den genannten Plänen, die sämtlich übereinstimmende Häu- sernummern tragen, erfordert am meisten Beachtung der Wolfen- bütteler Plan, der diesem Hefte in einem Abzuge als Anlage beigefügt ist. Anscheinend steht er in Verbindung mit der Absicht der Anfer- tigung eines neuen Brandkatasters für Goslar, die sich als erforder- lich erwies, da die Stadt aus der Braunschweigischen Landesbrand- versicherungsanstalt, der sie seit dem Jahre 1769 angehört hatte. nach dem großen Brande von 1780 wieder ausgeschieden war.*?) Grundsätzlich wurde dabei wohl Anlehnung an das seinerzeit im Zusammenwirken mit den Braunschweigischen Behörden aufge- stellte Brandkataster des Wolfenbütteler Archivs von 1770 gesucht, seine Häusernummern decken sich weitgehend mit ihm. Es be- stehen aber auch kennzeichnende Abweichungen, die sich erklären dürften aus der Tatsache, daß infolge der Vernichtung einer gTö- ßeren Anzahl von Häusern durch den Brand sowie durch Änderun- gen beim Wiederaufbau eine Reihe von Gebäuden abweichend be- zeichnet worden ist. Seine endgültige Gestalt kann aber auch dieser Plan nicht vor dem Jahre 1803 erhalten haben, wie aus den darauf gesetzten Angaben über die erst damals errichtete Prediger-Woh- nung der katholischen Gemeinde erhellt.*%) Bei der altertümlich anmutenden Art der Ausführung des Planes, über dessen Zweck- bestimmung nichts Näheres zu ermitteln war, erscheint es jedoch nicht undenkbar, daß der Plan als solcher schon etwas früher her- gestellt worden ist.?‘) Immerhin kann es sich dabei nur um eine nicht sehr weit zurückliegende Zeichnung handeln, da nach dem Plan die Lücken, die der Brand von 1780 verursacht hatte, wieder zugebaut sind. Dieser Plan dürfte als Vorbild für den Thieler- schen Plan gedient haben, der wieder die Grundlage für die von Hering und Völker bewirkten Umzeichnungen abgegeben hat. c) Schrifttum. Aus dem Schrifttum fallen namentlich auf der einen Seite die Goslar selbst betreffenden wichtigeren Verlautbarungen, die dem dortigen Stadibilde gelten, ins Gewicht, auf der anderen Seite die Arbeiten, die sonst im Rahmen der Strn.-Forschung erwachsen sind und die ebenfalls für Goslar Erträge abwerfen. -19- 1. Auf Goslar bezügliche Veröffentlichungen. Soweit es sich um Goslar handelt, ist das Wesentliche von dem, was darüber zu bemerken ist, bereits in der Einleitung gesagt. In den aufgezählten Veröffentlichungen,*°) vor allem dem Aufsatz von Borchers und meinen eigenen Ausführungen an dem oben S. 7 Anm. 1 genannten Orte, sind auch die sonstigen Vorgänge iiber Goslar zusammengestellt.*?) Ebenso finden sich in ihnen Hin- deutungen auf die Literatur zur städtischen Verfassungstopogra- phie des Mittelalters.°°) Hinzufügen möchte ich hier noch einen Hinweis auf einige Un- tersuchungen kirchenrechtsgeschichtlicher Art, die für die Entwick- lung im Pfalzbezirk und bei der Marktanlage für unsere Zwecke von Bedeutung sind. Es handelt sich dabei neben meinem oben S. 7 Anm. 9 erwähnten Aufsatz namentlich um die Bücher von E. Schiller, Bürgerschaft und Geistlichkeit in Goslar(1290—1365), Kirchenrechtl. Abhandlungen, hrsgeg. von U. Stutz, Heft 77 (Stuttgart 1912), und von F. Machens ‚Die Archidiakonate des Bistums Hildesheim im Mittelalter. Beiträge für die Geschichte Nie- dersachsens und Westfalens, Ergänzungsheft zum 8. Bande(Hil- desheim und Leipzig 1920). 2. Literatur zur Straßennamenforschung im ganzen. Wegen der Literatur zur Strn.-Forschung im ganzen kann auf die Abhandlung Beschorners sowie die früheren Darlegungen zur vergleichenden Strn.-Forschung zurückgegriffen werden.°'} Zu ihnen treten noch hinzu einige für uns besonders wichtige Werke zur allgemeinen Geschichte des deutschen Städtewesens im Mittelalter, die bei Beschorner entsprechend dem Plane seiner Arbeit unberücksichtigt geblieben sind. Ich denke dabei vornehm- lich an die„Geschichte der Städteverfassung in Deutschland“ von G.L.v. Maurer) und das Buch von H. G. Gengler„Deutsche Stadtrechtsaltertümer‘‘,’°®) die manche Erträge auch für Goslar bringen. Von den Veröffentlichungen über die Strn. einzelner Städte sind in erster Linie bedeutsam die Schriften, die sich mit den Strn. der Städte des niederdeutschen Raumes beschäftigen. Sie sind, soweit die Zeit bis 1924 in Betracht kommt, zum großen Teile zu entneh- men aus der Beschornerschen Aufstellung. Von den bei Be- scehorner übergangenen und den später erschienenen Arbeiten 2° 90%: verdienen für uns vorwiegend Beachtung einige Untersuchungen, die sich auf die Strn. von Halberstadt,’*) Quedlinburg??), Soest°®) und Lüneburg?) beziehen. B. Die Straßennamen der Stadt Goslar in räumlicher Aufgliederung. I. Vorbemerkungen. Wenn wir die Straßen und Gassen der alten Kaiserstadt Goslar durchwandern, fällt unser Auge immer wieder auf die Schilder, die die Bezeichnungen für diese Wegeverbindungen tragen. Neben ver- einzelten Namen, die ihre neuzeitliche Herkunft ohne weiteres ver- raten, wie es etwa bis vor kurzem bei der Bahnhofstraße zu beob- achten war, stoßen wir in der übergroßen Zahl der Fälle auf An- gaben, die für sich allein oder doch in Verbindung mit erhaltenen Nachrichten auf die Vergangenheit verweisen. Zum Teil sind es Be- zeichnungen, die leicht zu deuten sind, wie Breite Straße, Markt- straße, Berg- oder Frankenberger Straße. Zum Teil aber steht der Betrachter vor Namen, die er nicht zu erklären vermag, und die, wie gleich hier bemerkt werden soll, selbst dem geschichts- und sprachkundigen Leser erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Treten wir jetzt abermals an die Aufgabe heran, einen Überblick über das Stadtbild und die Straßennamen Goslars im Mittelalter zu bieten, so müssen allerdings vorweg einige Vorbehalte gemacht werden. Wir beschränken uns bei unseren Darlegungen in der Hauptsache auf den alten Stadtkern, der noch weitgehend die Erin- nerung an die Vergangenheit bewahrt, es bleiben somit die jün- geren, meist kein besonderes geschichtliches Interesse weckenden Stadtteile vor der Umwallung außer Betracht. Einbegriffen sind nur zwei Außenbezirke, die in der Verfassungsgeschichte der Stadt eine wichtige Rolle gespielt haben, nämlich das Bergdorf am Fuße des Rammelsberges sowie das Gebiet der Reperstraße im Norden der Stadt in der Umgebung des Heiligen Grabes. Aber auch im Bereich der Altstadt können wir nicht alles mit berücksichtigen, was an sich in diesen Umkreis gehören würde. Es bleiben für den Regelfall bei Seite die Tore und Türme, die Mauern und Wälle, die eine eigene Behandlung im Zusammenhang mit der Ausbildung des Wehrwesens der Stadt in der Vergangen- heit erfordern. Wir übergehen ferner die Schicksale einzelner Häu- a ser und ihre zum Teil sehr eindrucksvollen Namen, soweit sie nicht in den Straßennamen fortleben. Bei ihnen rechtfertigt sich eben- falls eine Sonderuntersuchung, die nicht nur für die Erschließung der Grundbesitzverteilung, sondern auch für die verwickelte Ge- schichte des Goslarer Auflassungswesens, die noch nicht geschrie- ben ist, manche Aufschlüsse verspricht. Ehe wir uns einer Betrachtung der einzelnen Straßenzüge und Straßennamen zuwenden, erscheint es erforderlich, eine allgemeine Schilderung über das Werden des Stadtgrundrisses von Goslar im Mittelalter vorauszuschicken, um damit einen Rahmen zu gewin- nen, in den sich die Erörterungen über die vorkommenden; Stra- Ben und ihre Bezeichnungen sachgemäß einpassen lassen. II. Die' Entwicklung des Stadtgrundrisses von Goslar im Mittelalter. In den Arbeiten zur Geschichte der deutschen Städte des Mittel- alters wird meist die Ansicht vertreten, daß der bei ihrer Gründung gewählte Stadtgrundriß auch in der Folge beibehalten sei, so daß trotz der häufigen und verheerenden Stadtbrände des Mittelalters und anderer äußerer Eingriffe das Straßennetz in der Regel ein- schneidende Änderungen bis zur Schwelle der Gegenwart nicht er- fahren habe. Aber mag das auch für gewöhnlich zutreffen, so gibt es doch Ausnahmen, gelegentlich sogar solche sehr kennzeich- nender Art. Zu diesen Ausnahmen gehört Goslar. Wie wir wissen, hat hier die Entwicklung— und zwar wahr- scheinlich mit dem Aufkommen des Bergbaus am Rammelsberge schon vor dem 10. Jahrhundert— ihren Ausgang genommen von einer älteren bergmännischen Siedlung auf dem rechten Ufer der Gose am Fuße des Rammelsberges, dem Bergdorf, dessen Gotteshaus die vor einigen Jahrzehnten in ihren Grundmauern freigelegte Jo- hanniskirche, ursprünglich eine Martinskirche wohlnoch aus frän- kischer Zeit, war. Die Niederlassung war zunächst von der Pfalz Werla im Okertal abhängig, als deren am weitesten nach dem Ge- birge zu vorgeschobener Stützpunkt uns vor dem Aufblühen Goslars die Sudburg im Okertal in der Gegend des heutigen Okerturms am Sudmerberge entgegentritt. Im Zusammenhang mit dem Anwachsen des Ortes, mit der häufigen Anwesenheit der Kaiser und Könige in _ Goslar, der Entstehung einer Marktanlage auf dem linken Goseufer und in räumlicher Trennung von dem Bergdorfe ist dann aber die Pfalz von Werla nach Goslar auf den Platz am heutigen Kaiserbleek verlegt. Sie ist seit dem Ende des 11. Jahrhunderts als der Mittelpunkt a eines aus der sonst Sachsen überlagernden Grafschaftsverfassung herausgeschnittenen Verwaltungsbezirks, der Reichsvogtei Goslar mit dem königlichen Vogt an der Spitze, bezeugt. Nicht aus dem Auge verloren werden darf, daß anfänglich die Gose eine scharf ausgeprägte Scheidelinie zwischen Berg- und Marktsiedlung zog, die kirchlich und verwaltungsmäßig streng von- einander getrennt waren. Der Fluß bildete hier ein Sumpfgebiet, das wiwarium regis, den Königsweiher, der in der Richtung auf die Pfalz zu von der via alta, dem noch heute so genannten Hohen Wege, einem künstlich erhöhten Straßenzuge, durchquert wurde. Die räumliche Entfaltung Goslars ist dann weiter so erfolgt, daß sich um die sich als eine planmäßige königliche Gründung darstel- lende Marktniederlassung diesseits der Gose, als deren erster Markt- platz der vielleicht eine noch frühere einfache Straßenmarktanlage ablösende Schuhhof erscheint, als Kern einige andere Siedlungs- körper legten, einmal in Gestalt des ebenfalls mit dem Bergwesen in Verbindung stehenden Frankenberges, offenbar einer‘ schon äl- teren, bereits länger vorhandenen und von der Marktniederlassung deutlich abgehobenen, auch völkisch von ihr gesonderten Anlage, sodann in Gestalt des Jakobi- und des Stephani-Kirchspiels, die mit ihren nach Norden und Osten halbkreis- oder rippenförmig das Stadtinnere umschließenden Straßen unschwer als spätere Stadter- weiterungen kenntlich sind. Nachdem im Jahre 1108 eine Neuabgrenzung des Frankenber- ger Pfarrsprengels erfolgt war, die diesem alles Gelände westlich der Berning-, der heutigen: Bäringerstraße sowie der auf die Pfalz zuführenden Wernher- und der Gezmannstraße, vermutlich also der Schreiber- und der oberen Mühlenstraße, zuwies und damit den kirchlichen Ausbau Goslars zum Abschluß brachte, wurde das so entstandene Gemeinwesen einschließlich der Pfalz und ihrer Nach- barschaft mit einem einheitlichen Mauerring versehen. Dadurch spätestens ist aus der bloßen Marktsiedlung Goslar ein räumlich und ständisch erweitertes Gebilde, eine Stadt im Rechtssinne, geworden. Aber auch nach der Errichtung der Stadtmauer wirkten die frü- heren Verhältnisse nach. Noch im 14. Jahrhundert läßt sich beob- achten, daß die Umgebung des Kaiserhauses, im wesentlichen der Pfarrsprengel der von dem Domstift abhängigen Thomaskirche, in- nerhalb des Mauerringes in rechtlicher Sonderung neben dem Be- zirk auf dem linken Flußufer steht.?®) Sie gehört nach 1290 der aus dem ursprünglichen Machtbereich des Reichsvogtes ausgeschiede- da nen sog.„kleinen Vogtei“, der„Vogtei jenseits des Wassers“, d. h. der Abzucht an, die über die Stadtmauer nach dem Rammelsberge zu hinausgriff. Ihre Gerichtsstätte befand sich auf dem ‚Hofe’”, dem bei der Johanniskirche im Bergdorf gelegenen Dikhofe, dem Stammsitz der freien oder reichsdienstmännischen Familie von dem Dike, die im Bergwesen einen wichtigen Platz behauptete. Demgegenüber unterstand der Bereich links des Flusses nach wie vor dem großen Vogt, d. h. dem alten, seit dem Jahr 1290 in Ab- hängigkeit von der Stadt geratenen Reichsvogt. Erst gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts ist es dem Rate gelungen, die Schranke, die sich in Gestalt der kleinen Vogtei seinem Vordringen gegen den Rammelsberg in den Weg stellte, niederzureißen, die kleine Vogtei zu erwerben, sowie nach und nach das Bergdorf und den Rammels- berg selbst seinem Einfluß zu unterwerfen. In Verknüpfung mit dieser Entwicklung vollziehen sich um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert, in ihren ersten Ansätzen wohl noch etwas eher, tiefgreifende Änderungen topographischer Art, die für den weiteren Ausbau des Gewässer- und Straßennetzes bedeutsam wurden. Die Gose, die anfänglich in dem heutigen Bette der Abzucht, der tiefsten Senke des Tales folgend, Goslar durch- strömte, wurde in ihrem Oberlaufe zum Teil abgefangen und in einem künstlichen Gerenne dem Frankenberge zugeführt, um auf diese Weise der Verteidigung der Stadt und ihrer Wasserversor- gung nutzbar gemacht zu werden. Daher spaltete sich jetzt die Gose innerhalb der Stadt in einen östlichen und einen westlichen Arm, von denen der erstere, der in einer Urkunde aus dem Jahre 1284 als „Ostergose‘‘ begegnet, sich im wesentlichen mit dem alten Goselauf gedeckt haben dürfte. Von dem anderen Gosearm, einer Westgose, ist in schriftlichen Aufzeichnungen nicht die Rede. Wir sind aber in der Lage, den Lauf der Westgose zu erschließen. Er folgte als eigentlicher„Stadtbach“ einem später verschwundenen Straßen- zuge, der als Vogt-Konradstraße, aber auch als Voststraße und unter anderen Teilbenennungen vom Frankenberge her zwischen Berg- und Frankenbergerstraße, die Forst-, Schreiber-, Bulken- und Marktstraße kreuzend, der Umgebung des Marstalls und des Schuh- hofes zustrebte. Er erreichte alsdann über die Hokenstraße, in der sich eine Badstube des Klosters Neuwerk befand, durch einen nicht mehr vorhandenen Wegezug, die nach einem Anwohner benannte Fenstermäkerstraße, den bis heute noch so bezeichneten Gose- winkel und nahm nach einer bis zum 17. Jahrhundert lebendigen a We Überlieferung in der Gegend des Kohlgartens unweit des Breiten Tores seinen Ausfluß aus der Stadt. Nicht unwahrscheinlich ist, daß von vornherein eine Verbin- dung zwischen Ost- und Westgose bestanden hat, die etwa dem heutigen Gosekanal entsprach, da an ihr bereits im 12. Jahrhundert die Frankenberger Mühle??) und etwas später auch die mit der Mühle„bei der Bergbrücke“ sich deckende Klausmühle‘®) bezeugt sind. Neben ihr muß es aber zwischen Ostgose und Westgose zum Gosewinkel hin eine zweite Querverbindung gegeben haben, die ge- kennzeichnet ist durch eine am heutigen Gemeindehofe belegene Mühle, durch einen noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erkennbaren Wasserlauf auf dem Markte°!) sowie durch die sog. „Kramerbrücke“, die dorf zu suchen ist, wo in der Nähe des alten Kramergildehauses Breite Straße, Fleischscharren- und Fische- mäkerstraße zusammenstoßen, und bei der weniger an eine eigent- liche Brücke, als vielmehr an einen Bohlweg über sumpfiges Ge- lände zu denken ist. Ihre Fortsetzung bildete die Fischmenger- straße, die ihren Namen den hier seßhaften, auf fließendes Wasser angewiesenen Fischmengern, den Fischhändlern, verdankt. Aus der Fischmengerstraße ist dann im 18. Jahrhundert, wohl durch Angleichung an die benachbarte Fenstermäkerstraße, vielleicht auch an die Piepmäkerstraße, als man die ältere Bezeichnung nicht mehr verstand, die Fischemäkerstraße geworden. Die vorstehend gekennzeichneten Verhältnisse haben aber das 13. Jahrhundert nicht überdauert. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit Umwälzungen im Ver- fassungsleben der Stadt erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts eine großzügige Entwässerung des Stadtinneren, durch die der größte Teil des Weihers trocken gelegt und der Raum für das neue Gildehaus der Kaufleute und für den heutigen, in seiner jetzigen Form erst damals geschaffenen Marktplatz gewonnen wurde. Es handelt sich dabei um einen Sachverhalt, an den bis zur Gegenwart der Name des Kaufleutegildehauses, der Kaiserwort, als einer Wort, d. h. als eines ehemals vom Wasser umspülten Geländes, so- wie die Wortsiraße erinnern. In Verbindung damit steht vermutlich eine weitere Umgestal- tung des Gewässernetzes. Damals dürfte die Westgose beseitigt und durch das System der Beeke, einer Anzahl offener, aus dem Gose- kanal gespeister, aber nicht ständig unter Wasser gehaltener Ka- u näle ersetzt sein, das sich, dem Gelände angepaßt, in west-östlicher Richtung über eine Reihe von Straßen verteilte und auf das die Straße auf dem Beeke am Frankenberger Plan und die heutige Beekstraße zurückgehen. Einen sinnfälligen Ausdruck finden die geschilderten Verände- rungen in der Tatsache, daß gegen Ende des 13. Jahrhunderts ein Wechsel in den Bezeichnungen der Gewässer eintritt. Der Name „Gose“ bleibt jetzt ausschließlich an dem Gosekanal vom Franken- berg her haften, der damals wohl seine endgültige Ausgestaltung erfahren hat. Der Name der Ostergose, also des ursprünglichen Goselaufes, verschwindet und wird durch die Bezeichnung ‚Ab- zucht‘ ersetzt. Darin kommt im Einklang mit dem Gesagten un- zweideutig zum Ausdruck, daß, während der Gosekanal als das tra- gende Element der Be wässerung, der Wasserversorgung für Goslar erscheint, die jetzt anscheinend auch verbreiterte und vertiefte Ab- zucht vor allem Aufgaben zugewiesen erhielt, die der E n t wässerung des Stadtbezirks zu dienen bestimmt waren. Auf das Straßennetz wirkten diese Vorgänge namentlich inso- fern ein, als nach dem Wegfall der Westgose allmählich auch die Vogt-Konradstraße zum Absterben kam, als die Wegezüge in der Nachbarschaft des Marstalls und sonst westlich des Schuhhofes vielfache Änderungen erlitten, die sich ir Umbenennungen und in einem Schwanken der Straßenbezeichnungen ausdrückten, und als die älteste Marktanlage am Schuhhofe ihrer bisherigen Bedeutung entkleidet wurde. Der Stadtplan als Ganzes aber wurde von diesen Umwälzungen insofern betroffen, als er, der bis dahin in nord-süd- licher Richtung orientiert war, eine Achsendrehung um 90 Grad erfuhr.°”) Während der Hauptstraßenzug früher in der Richtung vom Rosentore her über den Schuhhof und den Hohen Weg die Pfalz zu gewinnen suchte, ist später eine Verlagerung in die ost- westliche Richtung erfolgt, die Breitestraße und in ihrer Verlänge- ıung die Berg- bzw. Marktstraße nehmen jetzt den Hauptverkehr auf. Damit ist dann die Ordnung der Dinge erreicht, die.sich in dem Stadtgrundriß der Gegenwart widerspiegelt. III. Die Straßennamen in örtlicher Verteilung. a) Die einzelnen Stadtbezirke und Sonderbildungen. Entsprechend der geschichtlichen Entwicklung treten uns die Straßennamen in einer gewissen örtlichen Gruppierung entgegen, I die sich in der Hauptsache an die nacheinander entstandenen Sied- lungskörper und ihre Eingliederung in die kirchliche Einteilung der Stadt anlehnt. Das schließt natürlich nicht aus, daß einzelne längere Straßen, insbesondere solche, die sich als alte, schon vor dem Aufkommen der Stadt vorhandene Wegezüge darstellen, nicht an die Kirchspielsgrenzen gebunden sind. 1. Das Bergdorf am Rammelsberge. Nach der Zeitfolge geordnet beginnen wir mit dem Bergdorf am Rammelsberge. Den räumlichen Mittelpunkt des Bergdorfes am Rammelsberge bildete der Dikhof, der feste Sitz des Geschlechtes von dem Dike. auf dem die Kirche St. Johannis stand, deren Patrone die Herren von dem Dike waren. Während die Örtlichkeit des Dikhofes ein- wandfrei durch die Mauerreste der Johanniskirche bestimmt wird, ist es bis jetzt nicht gelungen, über die Lage des Fischteiches, nach dem sich der Dikhof und seine Besitzer nannten, völlige Klarheit zu erzielen. W.Bornhardt verlegt ihn in die Umgebung des Juden- teiches, was den heutigen örtlichen Verhältnissen zweifellos am nächsten kommt. Aber es entfällt bei dieser Auffassung die An- nahme einer engen räumlichen Verbindung zwischen Fischteich und Dikhof, wie sie an sich der Sachlage entsprechen würde. Ich halte es deshalb nicht für ausgeschlossen, daß bei der Schaffung des gegenwärtigen Zustandes einschneidende Änderungen gegenüber früher erfolgt sind, ohne daß ich aber imstande wäre, ein zuverläs- siges Bild aus der Zeit vorher zu zeichnen. Über das Straßennetz im Bergdorf wissen wir nur wenig. Es ist eine Herrenstraße(platea dominorum) dort bezeugt, an der 24 dem Domkapitel gehörige Hausstellen belegen waren, und es dürfte an- zunehmen sein, daß nach den Domherren, nicht nach den Mitglie- dern anderer, hier ansässiger Adelsgeschlechter oder Bergherren- familien, die Straße ihren Namen trägt. Weiter wird erwähnt eine Köhlerstraße und eine Grüne Straße(pl. viridis, Gronenstrate). Ein näheres Eingehen auf diese Verhältnisse kann ich mir ver- sagen, da das, was sich darüber aus den Quellen entnehmen läßt, von W. Bornhardtin seiner schönen und ertragreichen Arbeit über die Flurnamen des Stadtkreises Goslar zusammengestellt und erläutert ist. , 2. Der Pfalzbezirk. Der Pfalzbezirk wurde beherrscht von der königlichen Pfalz an der Stelle des heutigen Kaiserhauses, neben der sich rechts die Kirche Unserer Lieben Frauen am sog. Liebfrauenberge erhob, während die Ulrichskapelle links noch heute vorhanden ist. Auf dem Platz vor der Pfalz, dem späteren vorübergehend zu Kaiser- beet entstellten Kaiserbleek, lagen neben einer Anzahl von Domher- renkurien die Sitze mehrerer Rittergeschlechter, wie der Herren von Wildenstein(von Goslar), von Bilstein, von dem Dike, von Her- lingeberg, von Steinberg u. a.°°) Hierauf geht die Bezeichnung des Platzes oder eines Teiles desselben auch als Ritterplatz oder Ritter- plan zurück. Wie schon berührt wurde, deckt sich der Pfalzbezirk im we- sentlichen mit dem Sprengel der dem Münster benachbarten und ihm unterstellten Thomaskirche. In den Steuerlisten des Jahres 1570, den sog. Schoßregistern, werden beispielsweise zu ihm ge- rechnet die Wasserstraße, die Straßen auf der Abzucht, nach dem Münster, nach dem Kramerturm, auf dem Kaysersbleke, Lieb- frauenberg, im Sacke und im Klapperhagen. In anderen Quellen begegnen noch die Straßenbezeichnungen im Winkel(in’ angulo), im Hanfsacke und im Heerwinkel, bei dem Vorwerk, auf dem Mün- sterkirchhof und auf dem Thomaskirchhof. In diesen Verhältnis- sen sind bis zur Aufhebung des Pfarrbezirks der Thomaskirche im Jahre 1803 nennenswerte Änderungen kaum eingetreten. Von den aufgezählten Straßen tragen die Wasserstraße, die Straße auf der Abzucht(Abzuchtstraße), Kaiserblek, am Lieb- frauenberge, Heerwinkel und Klapperhagen ihre Namen bis zur Gegenwart. In einer Anzahl von Zügen verrät sich, daß die Umge- bung der Pfalz ursprünglich in deutlicher Sonderung dem Markt- gebiet gegenüber stand, so z. B. in den Straßenbezeichnungen im Sack undim Hanfsack sowie in den mit-hagen zusammengesetzten Namen, dem Klapperhagen und dem vielleicht ebenfalls hier zu suchenden Bedelerhagen. Der Sack führte von dem Münster in der Gegend des späteren Ratsvitriolhofes bis unter den Liebfrauenberg, an ihn stößt der Hanfsack an, bei dem die erste Silbe anscheinend von-hagen abzuleiten ist, beide sind an der Grenze des Pfalzbezirks endende Sackgassen. Der Name Sack ist heute durch die Straßen- bezeichnung ‚Im Heerwinkel‘“ abgelöst. Für sie vermag ich eine be- stimmte Erklärung nicht zu geben. Aber der Ausdruck„Winkel“ IR zeigt ebenfalls, daß bei ihm ein Bruch in der Straßenführung vor- liegt, und mit-hagen gebildete Straßennamen kommen auch sonst häufiger als Abschluß eines Stadtteiles vor. Der Klapperhagen, der in ähnlicher Weise in Hildesheim be- zeugt ist, könnte benannt sein nach einem in der Nähe belegenen Aussätzigenhospital, dessen Insassen gehalten waren, sich auf der Siraße von weitem durch den Gebrauch einer Klapper kenntlich zu machen.°*) Unwahrscheinlich ist dagegen, daß eine Verbindung besteht mit einem gegen Ende des 13. Jahrhunderts erwähnten Hausnamen Quepperling, den man später im Volksmunde in „Klapperhagen“ umgedeutet habe. In seiner Nachbarschaft möchte ich den nur in einer Urkunde genannten Bedelerhagen vermuten, für den allerdings genauere Ortsangaben fehlen., Die Straße nach dem Kramerturm entspricht der späteren Straße„Hinter dem Münster“, sie fällt mit der heutigen Wallstraße zusammen. An ihrem südiicbe Ende befand sich der der Kramer- gilde zur Verteidigung überwiesene Kramerturm. Die Straße er- scheint deshalb zuweilen auch als Kramerstraße. Am meisten Beachtung beansprucht von den Straßen im Pfalz- bezirk die Straße nach dem Münster, die spätere Münsterstraße, die von der Wortbrücke aus auf das Münster zu führt und die sich mit der heutigen Königstraße deckt. Der Name Königstraße an dieser Stelle ist jung, er ist erst etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts belegt. Namengebend hat die Tatsache gewirkt, daß im Eingang der Straße das Haus eines Bürgers H. F. König lag. Als Königstraße begegnet sonst der Hohe Weg und zwar mehrfach in seiner vollen Erstreckung bis zur Marktkirche hin, ein Sachverhalt, der auf die frühere Aufgabe des Straßenzuges als der Hauptzufahrtsstrecke zur Pfalz hinweist. Die hier die Abzucht überspannende Brücke wurde demgemäß als„pons regis‘“, als Königsbrücke, ihre Nachbarschaft, zuweilen auch der gesamte obere Teil des Hohen Weges, als„An der Königsbrücke‘ bezeichnet. Die jetzige Königstraße trägt im Mittelalter die auf einen Per- sonennamen zurückgehende Bezeichnung ‚„Simelingstraße“. Nach ihr wird die Wortmühle Simelingemühle, die Brücke bei ihr Sime- lingebrücke genannt. An, diese Örtlichkeiten ist jedenfalls auch zu denken, wenn bereits im Jahre 1233 von einem Rudolfus de Sime- ringebruke, um das Jahr 1247 von einer Simulstrate, und zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Häusern„apud pontem Symeonis‘ die Rede ist. en 4 En): Die Feststellung des Verlaufs der Simelingstraße ist wichtig, da ein hier zu suchendes Haus jenseits der Simelingebrücke noch ge- gen Ende des 14. Jahrhunderts ausdrücklich dem Bezirk der Klei- nen Vogtei jenseits des Wassers zugewiesen wird und es damit er- möglicht, die Grenze der Kleinen Vogtei zweifelsfrei an der Abzucht festzulegen. Zuweilen greift die Bezeichnung Simelingestraße oder Simelingemühlenstraße allerdings auch noch auf die anstoßende Wortstraße über. Für die Münster- oder Simelingestraße treffen wir ferner auf die Benennungen Burgstraße und Hans Vogedesstraße. Von ihnen ist namentlich die erste aufschlußreich, da sie auf das frühere Vor- handensein einer sonst nicht unmittelbar bezeugten Burganlage im Pfalzbezirk hindeutet. Der Name Hans Vogedesstraße hängt ähn- lich, wie es bei der Cord Vogedesstraße(Vogt-Konradstraße) der Fall ist, mit einem ehemaligen Reichs- oder Stadtvogt zusammen, der aber bei der Häufigkeit des Vornamens Hans nicht mit Sicher- heit bestimmt werden kann. Das Letztere gilt auch für den Vogt Konrad, nach dem die Vogt-Konradstraße benannt ist. 3. Der Marktundseine Umgebung. Lenken wir nunmehr unser Augenmerk der Gegend des Mark- tes zu, in der später das Herz der ganzen Gründung ruhte, und die in ihrem Großteil kirchlich der Marktpfarrei zugeordnet war. Die älteste Marktanlage Goslars bildete, wie schon erwähnt wurde, der nord-südlich ausgerichtete, also im Zuge der ursprüng- lichen Hauptachse des Stadtgrundrisses verlaufende Schuhhof. Auf seine Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Stadt verweist der Umstand, daß sich an ihm und in seiner nächsten Umgebung die Mehrzahl der Kaufhallen und Marktstände der wichtigsten Ge- werbe, insbesondere der Nahrungsmittelgewerbe, befanden, die— auf welchem Wege, ist nicht ohne weiteres ersichtlich— gegen Ende des 13. Jahrhunderts fast ausnahmslos in die Hand der gro- ßen kirchlichen Stiftungen der Stadt gelangt waren und die erst im Verfolg der Hallen- und Mühlenstreitigkeiten aus dem Jahre 1293 wenigstens zum Teil in bürgerlichen Besitz übergingen. An dem Schuhhof und in seiner Nähe lagen die meisten der vorhandenen Gildehäuser, und sind auch andere, für das Verfassungs- und Wirt- schaftsleben der Stadt wichtige Baulichkeiten anzutreffen. So zieht sich auf der Westseite des Schuhhofes die Vogtstraße hin, die nach dem hier erwähnten Hause des Vogtes, in dem auch Amtshandlun- Be: gen vorgenommen wurden, benannt ist. Sie trägt später nach der Alten und sodann der Neuen Münze des Rates den Namen Münz- straße, nach dem angrenzenden städtischen Marstall ferner die Be- zeichnung Marstallstraße. Von ihr ist zu unterscheiden die soge- nannte Hintere Marstallstraße, die, noch heute im Stadtgrundriß ihren Eingang bei dem Hause Marktstraße 5, unweit des Schneider- gildehauses, deutlich verratend, parallel zur Münzstraße in der Richtung auf den Marstall und die jetzige Marstallstraße zu verlief. Nach Osten zu stößt an den Schuhhof die Hokenstraße, die Ge- werbestraße der Hoken, der Kleinhändier vor allem mit Lebens- mitteln, die auch sonst mehrfach in der Nähe des Marktes bezeugt ist. In ihr stand das der Erhebung der Zölle dienende„Scepelhus“, der Sitz des königlichen Zöllners, mit dem Gefangenenstock im Kel- ler, und— kennzeichnenderweise— das Haus des Henkers, die hengherie. Sie war die älteste Wohn- und Geschäftsstraße der Juden. Rn Zu den Hoken gehörten ebenfalls die Fischhändler, die„homi- nes pisces et allecia in foro vendentes“, die„allecia lavantes“, in der Hauptsache also die Heringsverkäufer und Heringswäscher, die aber, fließendes Wasser benötigend, wie bereits gestreift, in der Fischemäker(Fischmenger)Straße saßen. Bei der Nachbarschaft der Hoken- und der Fischemäkerstraße, ihrer Lage zueinander und der offensichtlich nicht sehr dichten Bebauung des Zwischengelän- des, die später hier die Anlage des Neumarktes ermöglichte, drängt sich die Annahme auf, daß die beiden Straßen ursprünglich mit- einander in Verbindung standen. Auf die Bedeutung des Schuhhofes als ältester Marktanlage weist auch die Tatsache hin, daß auf ihm, nicht auf dem Marktplatze vor dem Rathause, noch im späteren Mittelalter der„Quast“ als Zeichen des Marktbeginns aufgesteckt wurde. Am Schuhhof selbst ist das Gildehaus der Schuhmacher zu suchen, am unteren Ende des Fleischscharrens das erste Gilde- haus der Kramer, etwas oberhalb davon das der Schmiede und der Fleischer, an dem Schnittpunkt von Markt- und Bergstraße das noch vorhandene Bäckergildehaus, ihm gegenüber an der unteren Marktstraße das jetzt verschwundene Gildehaus der Schneider. Auf dem Schuhhof und der nördlichen Querfront des Rathauses gegenüber lagen die Verkaufsstätten der Schuhmacher und Gerber, in ihrer Nähe wohl die der Oldboter, der Schuhflicker. In östlicher Richtung reihte sich der Fleischscharren(Lange Scharren) mit den Bea Ständen der Fleischer an. Die untere Marktstraße hieß nach den hier befindlichen Buden der Kramer platea cramistarum oder bei den Kramen. Einen Teil des Marktkirchhofes zu beiden Seiten der Marktkirche nahm der sogenannte Bäckermarkt ein. Der heutige große Marktplatz hat, wie wir sahen und was zu- nächst befremdet, erst im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit der beschriebenen Änderung in den Gewässerverhältnissen seine jetzige Ausgestaltung erfahren. Seine Entstehung geht zurück auf Auseinandersetzungen innerhalb der Bürgerschaft, die zu einer durchgreifenden Neuordnung der Verfassungsverhältnisse im Jahre 1290 führten. Ihr Ziel war, worauf die Bezeichnung des Marktes als Gemeiner Markt, als forum commune, bei seinem ersten Auftreten im Jahre 1290 hindeutet, einen Platz zu gewinnen, der außer den Inhabern der altprivilegierten Marktbaulichkeiten am Schuhhofe und neben der Marktkirche weiteren Kreisen einen An- teil am Marktverkehr zu verschaffen bezweckte und damit zugleich Aufgaben wirtschaftlicher und politischer Art dienstbar gemacht werden konnte. In Verbindung damit steht der Ausbruch des gro- ßen Hallen- und Mühlenstreites im Jahre 1293, der ausgelöst war durch das Bestreben der Stadt, die Vorzugsstellung der kirchlichen Anstalten in Bezug auf die Kaufhallen am Schuhhof und die Müh- len in Goslar selbst und in seiner Nähe zu brechen und diese für die Stadt lebenswichtigen Einrichtungen in bürgerliche Hand zu bringen. In dem Gebiet, das von dem sich an den gemeinen Markt an- lehnenden Fleischscharren und der östlichen Längsseite des Schuh- hofes nach Norden zu umschlossen wurde und das sich bis zur ehe- maligen Fenstermäkerstraße zwischen der Mitte der Hoken- und der Fischemäkerstraße erstreckte, begegnet vorübergehend der ebenfalls im Verfolg der Wirtschaftspolitik des Rates zu Beginn des 14. Jahrhunderts ins Leben gerufene Neumarkt, dessen Anlage in derselben Weise bestimmt war, die Vorrechte zu beseitigen, die mit den gewerblichen Baulichkeiten der ältesten Marktanlage am . Schuhhof verknüpft waren. Er wurde durchkreuzt von der Ber- straße, auch ihre Spuren sind noch im Stadtplan der Gegenwart zu verfolgen. Richten wir von der Marktanlage und ihrer Umgebung aus den Blick nach Süden auf die Wegeverbindungen nach dem Pfalz- und Dombezirk zu, so stoßen wir, im Westen beginnend, zunächst auf ein Gelände, dessen Abgrenzung gegen Pfalz, Marktsiedlung und rd Frankenberg nicht ganz eindeutig ist. In ihm fallen uns die sich teilweise deckenden Straßenbezeichnungen Im Winkel, Im Heer- winkel sowie einige andere ähnliche Benennungen(Wurstewinkel, Sülzenwinkel und Ziegenwinkel) auf, ferner, neben einer Straße an der Tränke, die Straßennamen am Werder und am Neuen Werder, endlich die Neue Straße. Name. und Verlauf dieser Wegezüge zei- gen, daß hier eine klare Planung des Straßennetzes zunächst gefehlt hat. Offensichtlich haben sich diese Straßen, die später in ihrer Mehrzahl dem Marktbezirk zugerechnet werden, allmählich— wie ich vermute, in Verbindung mit der Austrocknung des Weihers— in den ursprünglich noch freien Raum zwischen Pfalz, Marktbezirk und Niederlassung am Frankenberg geschoben, woraus sich die unregelmäßige Linienführung und die Häufung von mit„Winkel“ zusammengesetzten Straßenbezeichnungen erklärt. Auch in ande- ren Stadtteilen treffen wir auf derartige„Winkel“, aber niemals in dem gleichen Umfange wie hier. Wurstewinkel und Sülzenwinkel nannten sich wohl nach den in ihnen ansässigen Bürgerfamilien Worst und Solten, der Wurstewinkel ist erst im Jahre 1913 fälsch- lich in das mißverständliche ‚Wortsatenwinkel‘“ umgetauft wor- den. Bei dem Ziegenwinkel ist m. E. an ein Mitglied der Bürger- familie Teigen(Sigen) zu denken, mit der ebenfalls die Ziegen- straße in der Nähe des Klaustores in Verbindung zu bringen ist. Die Straßen am Werder und am Neuen Werder verlaufen zwi- schen der Straße an der Gose und der Neuen Straße, also in dem . Gebiet zwischen Gose und Abzucht, woraus sich die Bezeichnungen erklären.®°) Östlich von ihnen zieht sich vom Sack(Heerwinkel) zum Wurstewinkel die Straße nach der Tränke hin, deren Name auf eine hier belegene Pferdetränke zurückgeht. Gelegentlich tritt sie auch als Rauhriemerstraße, jedenfalls nach einem hier wohn- haften Schwarzriemer benannt, auf. Bei der Straße an der Gose wird in der Regel unterschieden zwischen der ersten und der zweiten oder andern Gose. Die erste Gose umfaßt die Straßensirecke entlang der Gose von der Königs- brücke bis zur Tränke, die zweite Gose das sich nach Westen an- reihende Stück auf die Bartoldsmühle zu. Von der Tränke und dem Wurstewinkel ab folgen nach Osten zu im Marktbereich einander die an der Gose bzw. Abzucht begin- nende Stobenstraße, der Hohe Weg mit der Königsbrücke, der auch als Königstraße erscheint, sodann die Straße am Gemeindehof und —- 33—. die Wortstraße. Ferner kommen noch die Domstraße, die Kanin- chenstraße und die Schwiecheldtstraße in Betracht. Die Stobenstraße hält bis heute an ihrer alten Bezeichnung fest nach dem ehemals in ihr betriebenen Marktstoben. Die Straße„Am Gemeindehof“ trägt ihr Schild zu Unrecht. Sie deckt sich mit der seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisbaren Straße am Im- migehof(Ymmigehof, Edighehof, Einigehof, Meinihof, Menehof, Meningeshof), nach der sich die Patrizierfamilie Ymmigehof nannte. Aus dem nicht mehr verstandenen Menehof ist— vielleicht im Hinblick auf die Nähe des Marktes und der hier vorhandenen Baulichkeiten im Besitz der Stadt,— der„Gemeindehof‘“ gewor- den. An dem Gemeindehof, an dem sich später das Gildehaus der Kürschner erhob, sind anscheinend auch die Sitze der Ketelboter, der Kesselflicker, zu suchen. die hier ihre Arbeits- und Verkaufs- stlätten hatten. Der Wortstraße wurde bereits gedacht. Die Domstraße, die ebenfalls eine Verbindung nach dem Mün- ster vermittelt, taucht zuerst in einer Urkunde aus dem Jahre 1254 auf, sie ist seitdem ständig zu belegen. Der Name ‚„Kaninchenstraße“ ist jung, er entstammt, soweit ich sehe, dem Ausgang des vorigen Jahrhunderts. Möglicherweise be- steht ein Zusammenhang zwischen der Kaninchenstraße und einer um 1716 unweit von ihr bezeugten; Kaldaunenstraße. Die Bezeich- nung könnte ihr Aufkommen der Nachbarschaft der Knochen- hauerstraße verdanken. Eine Ableitung von dem im 14. Jahrhun- dert bezeugten Familiennamen Caldunen ist dagegen kaum anzu- nehmen. Die Schwiecheldtstraße an der Ostgrenze des Marktbezirks ist benannt nach dem in ihr befindlichen Hofe der Herren von Schwie- cheldt.’ An dem Orte des Zusammentreffens der Schwiecheldt- und der ebenfalls noch dem Marktbezirk angehörenden Knochenhauer- straße(Diekmanschen Straße) begegnet die öfters erwähnte Golde- ne Pforte(porta aurea), vielleicht eine in ihrer baulichen Aus- stattung bemerkenswerte Toranlage, nach der die Schwiecheldt- straße auch den Namen An der Goldenen Pforte oder Goldene Straße trug. Weitere Bezeichnungen für die Schwiecheldtstraße sind Cäcilienstraße und Himmelreichstraße nach der an der oberen Kornstraße gelegenen Cäcilienkapelle(Sixtillienkapelle) zum Him- melreich im Besitz des Zisterzienserklosters Walkenried. Vorüberge- 3 Frölich, Goslarer Straßennamen eur hend kommt die Schwiecheldtstraße in neuerer Zeit anscheinend auch als Schulstraße vor. Kehren wir wieder zum Schuhhofe zurück, so schließt sich an ihn in westlicher Richtung nach dem Frankenberge zu ein Gebiet an, in dem die Straßennamen Vogt-, Münz-, Marstall- und Vogt- Konradstraße in einer zunächst jeder Erklärung spottenden Weise durcheinandergehen. Der Grund für diese Unübersichtlichkeit ist darin zu erblicken, daß hier infolge der Beseitigung der Westgose und der von Westen nach Osten ziehenden Vogt-Konradstraße das Straßennetz grundlegend umgestaltet worden ist, und daß mit den Änderungen in der Wegeführung auch ein Wechsel in den Straßen- namen eintrat, der aber noch eine Zeit lang von der Erinnerung an den älteren Zustand überlagert wurde. Wichtig ist ferner, daß, wie wir schon sahen, parallel mit der heutigen, öfters ebenfalls als Mar- stallstraße bezeichneten Münzstraße eine zweite Marstallstraße nachweisbar ist. Es handelt sich um die sogenannte Hintere Mar- stallstraße, die sich etwa von dem Schneidergildehaus an der un- teren Marktstraße aus nach dem Marstall zu erstreckte. Es ist da- her möglich, daß sich die jetzige, nicht mit der Münzstraße dek- kende Marstallstraße als Fortsetzung der früheren ‚„Marstallshin- terstraße“ darstellt. An die später verschwundene Hintere Marstallstraße sowie die Marktstraße reihen sich nach den Quellen dann weiter nach Westen zu mehrere Straßen an, die meist in der Nähe der Vogt- und Vogt- Konradstraße auf die Bäckerstraße stoßen, die andererseits aber auch Beziehungen zu der heutigen Marktstraße und der Bulken- straße erkennen lassen. Es treten in dieser Gegend die Ägidienstraße (Egidienstraße), die Papen- oder Poppenstraße und die Straße Zum Voshol auf. Weiter kommen vor eine Berwinkelstraße und eine Poppenborgstraße, die miteinander identisch sein werden, da im Jahre 1324 von einem Zins ‚in platea berewinkelstrate in domo Conradi Poppenborghes‘“ die Rede ist. Die Dinge dürften dabei so liegen, daß von der Münzstraße ab, außer der heutigen Marstallstraße, noch mehrere weitere kleine Querstraßen die Bäckerstraße bis zum Ägidienturm(Egidienturm) an ihrem oberen Ende mit der Marktstraße verbanden und ur- sprünglich wohl eine Fortsetzung jenseits der Marktstraße in der Richtung auf die früher hier begegnende Vogt-Konrad- sowie die Bulkenstraße aufwiesen. a Ihre Festlegung im einzelnen bereitet infolge der an dieser Stelle eingetretenen völligen Umgestaltung des Stadtgrundrisses Schwie- rigkeiten. Wir müssen uns daher mit einer mehr allgemein gehal- tenen Schilderung begnügen. Die Egidienstraße und die Straße Zum Voshol verlaufen in der Nähe des Egidien-(Ottilien-, Sünti- lien-) Turmes an der Stelle, wo obere Bäcker-, obere Markt-, Bul- ken- und Bäringerstraße zusammenstoßen, der sogenannten Sper- lingsecke, deren Namen auf Hausbesitz einer Familie Sperling in dieser Gegend beruht. Die Egidienstraße dürfte mit der oberen Marktstraße vom Egidienturm bis zur Marstallstraße zusammen- fallen. Die Straße Zum Voshol, die sich mit der Vogt-Konradstraße kreuzt, ist benannt nach dem an ihr belegenen Hause des tüchtigen Stadtschreibers Henricus de Voshol, der zu Beginn des 14. Jahr- hunderts tätig war und der eine wichtige Rolle bei der Abfassung des großen Goslarer Stadtrechtes gespielt haben dürfte.°°) Die Papen- oder Poppenstraße, auch gelegentlich als Pfarrstraße be- zeichnet, mündete auf die Bäckerstraße, sie entsprach der heutigen Marstallstraße. Es ist aber darauf hinzuweisen, daß noch eine wei- tere Marktpfarrstraße bezeugt ist, die, neben dem Bäckergildehause von der Marktstraße abzweigend, nach Westen zu dem hier bele- genen Marktpfarrhause führte und anscheinend auch eine Fort- setzung nach der Bulken- oder Bergstraße zu fand. Daß beide Marktpfarrstraßen im Marktbezirk miteinander in Verbindung standen, ist kaum anzunehmen. Die Berwinkelstraße verdankt ihren Namen jedenfalls einem Hof, den Ritter Gevehard von Bere- winkel um 1267 von dem Grafen von Regenstein zu Lehen trug, die sich mit ihr deckende Poppenborgstraße, wie bereits gestreift, dem Hause des Bürgers Konrad Poppenborg. Beide sind mit der Papen (Poppen)straße, der Marstallstraße der Gegenwart, identisch. Der noch jetzt vorhandene Platz an der Einmündung der Mar- stallstraße in die Marktstraße wies die Namen Am Schilde, der auf die Form des Platzes hindeutet, ferner Rittermarkt. einmal— wohl verschrieben aus Rittermarkt— Niddermarkt, ferner Hundemarkt oder Hühnermarkt auf, für die, abgesehen von der Bezeichnung Am Schilde, ein®sichere Erklärung nicht gegeben werden kann. Als Abschluß des Marktbezirks nach Westen erscheint die Bul- kenstraße, deren Namen auf einen Angehörigen des Geschlechts Bullic zurückgeht. Im Norden wird die Marktanlage begrenzt durch die Bäcker- straße, wohl die Wohnstraße der Bäcker, deren Verkaufsstände am a Marktkirchhof, dem sog. Bäckermarkt, lagen. Sie erstreckt sich als eine der längsten Straßen Goslars vom Beginn des Frankenberges durch Markt- und Stephanikirchspiel bis fast zum Breiten Tor. Vom Schuhhof aus nach Osten zu folgte im Marktbezirk als Parallelstraße zur Hokenstraße und mit dieser in einer nicht nur räumlichen Verbindung stehend die Fischemäkerstraße, wie schon erwähnt, die Straße der Fischhändler, von deren Mitte der Gose- winkel im Bogen zur Bäckerstraße hinlenki. Zwischen der Mitte der Hokenstraße von der Nachbarschaft der Scharfrichterei aus und dem Gosewinkel verlief an der Nordseite des Neuen Marktes die heute verschwundene Fenstermäkerstraße, die nach dem Haus eines Tidericus oder Fricke Fenstermäker(Fricke Lysen) benannt ist. Möglicherweise griff diese Bezeichnung auch auf den Ostteil der Vogt-Konradstraße über. Von der gleichen Gegend aus führte die Berstraße von der Hokenstraße zum Fleischscharren. Als Querverbindung zwischen der oberen Breitenstraße und der Bäckerstraße östlich des Gosewinkels ist noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Pfannenführerstraße bezeugt. Sie tritt seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts als Pfannhecke auf und ist erst nach 1890 durch die Überbauung des Grundstücks Breitestraße 98 ge- schlossen. Die Straße, die zuerst im 15. Jahrhundert als vicus Eylerdes (Eylers, Elers) im Wortzinsbuch erscheint, nimmt ihren Ausgang von der Bäckerstraße her von einer hier im 16. Jahrhundert betrie- benen Pfannenschmiede— daher zuweilen auch der Straßennamen by Pansmed henyn—, in ihr ist der Wohnsitz eines Pfannen- führers, also eines Fuhrmanns, der die Erzeugnisse der Pfannen- schmiede abfuhr, zu suchen. Bei dem späteren Namen Pfannhecke dürfte an eine Zusammensetzung mit-hagen zu denken sein. Die Änderung ist wohl eingetreten, als man die frühere Bezeichnung nicht mehr verstand. Merkwürdigerweise läßt sich noch eine ganze Reihe anderer Benennungen für die Pfannenführerstraße(Pfann- hecke) belegen wie Riemer-, Riemenschneider-, Rauhriemerstraße nach einem Handwerker, der sich hier dem Sattlerhandwerk wid- mete. Ferner ist der Name Teufelsgasse überliefert, der sich wahr- scheinlich auf ein Mitglied der Bürgerfamilie Teufel(Duvelj bezieht. Den Übergang vom Marktbezirk zum Stephanikirchspiel be- wirkt in dieser Gegend die Sommerwohlenstraße, an die sich nach der Mauerstraße zu der Große und der Kleine Vogelsang anglie- emo: a dern. Die Sommerwohlenstraße, ursprünglich als Wunnen- oder Sommerwunnenstraße vorkommend, ist benannt nach einem in ihr befindlichen Hause zur Wonne oder zur Sommerwonne. Diese Bezeichnung sowie die des Vogelsanges lassen auf eine garten- mäßige Umgebung schließen, auf die auch die in der Nähe verlau- {ende Gärtnerstraße sowie der Namen des Freudenplanes hin- deuten. Den Verkehr zwischen dem oberen Ende der Breitenstraße, dem sog. Steinkramen, und der Kornstraße vermittelt östlich des Mark- tes im Marktbezirk die Judenstraße, die aber nicht das älteste Judenviertel darstellt. Sie ist vor einigen Jahren in Kurze Straße umgetauft. Anscheinend war die Mitte der Judenstraße mit dem Markt durch eine Gasse verbunden, deren Anfänge noch erkennbar sind. Südlich von ihr lag zwischen‘ Markt und Judenstraße an der oberen Kornstraße die Maldensmede, wohl eine alte Münzschmiede. 4.Der Frankenberg. Während das Straßennetz im Frankenberger Bezirk in der Längsrichtung von Osten nach Westen gegenwärtig in der Haupt- sache durch den Verlauf der Frankenberger Straße und der Berg- straße bestimmt wird, schob sich nach dem früher Bemerkten im Mittelalter zwischen diese beiden Straßenzüge die Vogt-Konrad- straße, die ebenfalls als Vogtstraße oder Marboldstraße bezeichnet wird und die, dem ursprünglichen Lauf der Westgose innerhalb der Stadt folgend. auf dem schon beschriebenen Wege vom Fran- kenberge die Richtung auf den Gosewinkel zu nahm. Durch den Wegfall des Straßenzuges ist eine wesentliche Ver- einfachung des Stadtgrundrisses im Westteil der Stadt eingetreten. Drei Querstraßen— die Schreiberstraße, die Forststraße und die Ziegenstraße— verknüpfen heute in dieser Gegend Frankenberger- und Bergstraße. Die östlichste von ihnen, die noch jetzt sogenannte Schreiberstraße, die in einer Niederschrift aus dem Jahre 1507 mit der Vogt-Konradstraße gleichgesetzt wird, verdankt ihren Namen dem in ihr nach der Bergstraße zu belegenen Hause des Stadt- schreibers Tile(Tilemannus) Schriver, der im 15. Jahrhundert tätig war. Sie fällt zusammen mit der in den Quellen seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts vorkommenden, nach der Bergfamilie Rosteyn oder Rostein benannten Rosteynstraße oder Rosteinstraße(Rot- steinstraße, Rodessteinstraße, Radesteinstraße), die in abgeschliffe- ne ner Form alsRosenstraße auftritt. Sie deckt sich ferner mit der sich ebenfalls irgendwie mit der Vogt-Konradstraße berührenden, sie wohl schneidenden Gudemannstraße, die ihre Bezeichnung auf einen Angehörigen der ritterlich lebenden Familie Godemann oder Gudemann(Bonus) zurückführen dürfte. Nach einem an ihr er- richteten Hause Albrecht Sandwegs heißt sie auch Sant(Sander) wegest- oder Sauwegeststraße. In der Nähe der Kreuzung der Schreiberstraße mit der Berg- straße stoßen wir auf den Großen und den Kleinen Reichenwinkel, hei denen namengebend der bauliche Schmuck der hier befind- lichen Häuser gewirkt hat oder der Umstand, daß Grundbesitz einer Bürgerfamilie Reiche in Frage kam. Auch eine Peter-Grimmen- straße ist vielleicht in dieser Gegend zu suchen.‘’) In der heutigen Forststraße lebt durch vielfache Änderungen und starke Entstellungen hindurch der im Volksmunde umgewandelte Name der alten Vogt-Konradstraße(Vogtstraße) im westlichen Stadtgebiet fort. Es kommen im 16. Jahrhundert Bezeichnungen wie Voch-, Vochs- und Voß-Straße, sowie Fuchsstraße vor. Bei den letzteren Namen ist möglicherweise die Tatsache wichtig gewor- den, daß in der Straße Mitglieder einer Familie Vos ansässig waren. Daneben hieß die Straße Eyslinge-, Eislick-, Eßlinge- oder Ese- lingestraße oder in noch mehr umgebogener Gestalt Deislingstraße und Deslingestraße, Neserlinger- oder Neßlingestraße, schließlich sogar Ewening-, Ebeling- und Eberingstraße. Diese Namen dürften zusammenhängen mit einem in der gleichen Gegend bezeugten, im ersten Archivregister der Stadt von 1399 erwähnten Hof ‚„gheheten de eselinghe‘, bei dem offensichtlich eine Verknüpfung mit einem alten Personennamen gegeben ist. Die dann folgende Ziegenstraße hat ihre Bezeichnung von dem hier nachweisbaren Grundbesitz einer Familie Tzige oder Sige ent- lehnt. Nach einem in ihr wohnhaften Bergvogt Hinrik Holdes- hausen tritt sie gelegentlich auch als Bergvogtstraße auf. Die von dem Südende der Ziegenstraße aus auf’ den Franken- berg zu führende Peterstraße verdankt ihre Benennung der in ihr belegenen Petersmühle, die ihrerseits mit der Kirche St. Petri auf dem Frankenberge in Verbindung steht. Nach der Abzucht zu zweigt von der Bergstraße in ihrem oberen, in neuerer Zeit auch als Fahrweg bezeichneten Teile im Franken- berger Bezirk gegenüber der Schreiberstraße die Obere Mühlen- Sn—- straße ab. Sie wird nach der in ihr betriebenen Bertoldsmühle oder Bartoldsmühle Bertolds(Bartolds) mühlenstraße oder Berldesstraße genannt. Ihr entspricht die Herlingstraße, in der der Herlingstoben stand. Oberhalb der Bertoldsmühle lenkt vom Fahrwege eine an- dere schmale Straße von der heutigen Gastwirtschaft„Zur Gar- küche‘“ ab nach der Stelle, wo die Abzucht in der Nähe des Schnei- derturmes in die Stadt eintritt. Sie heißt nach der neben dem Turm belegenen Martinskapelle auch Martinsstraße, nach dem benach- barten Frauenhause Straße„by dem hurhuse“. Meist kommt sie— wohl nach der Art ihrer Führung— als Fingerlingstraße oder Fin- serenstraße vor. Eine weitere Bezeichnung ist Stobenstraße oder Frankenbergische Stobengasse, die auf die Frankenberger Bad- stube an dieser Stelle zurückgeht. Vor einigen Jahren ist die Fin- gerlingstraße der Neuen Straße zugeschlagen, deren Ausgang nach der Bergstraße sie nunmehr bildet. Sonstige in dieser Gegend vorhandene Stoben sind der Krengel- stoben und der Stoben zu der Logenbenke. Der Krengelstoben, der nach seinem Besitzer Ludeke Swengel auch als Swengelstoben be- zeichnet wird, scheint sich mit dem Herlingstoben zu decken. Zweifelhaft ist, ob dies ebenfalls bei dem Stoben To der Logen- benke der Fall ist. Der Name Logenbenke(— Lügenbank) weist auf einen Stein hin, auf dem Verleumder zur Strafe öffentlich aus- gestellt wurden, und berührt sich mit dem sogen. Finkenstein, von dem in einer Anzahl norddeutscher Städte, z. B. in Lübeck, Lüne- hurg und Hamburg, berichtet wird. An den Frankenberger Plan stößt von der Peterstraße ab die Straße„Auf dem Beeke“. Hier ist der Ausgangspunkt des Beek- systems zu suchen, in ihrer Nähe hat auch die Vost-Konrad- straße im Frankenberger Bezirk ihren Anfang genommen. Von der unteren Ecke des Frankenberger Planes aus erstreckt sich in nördlicher Richtung auf den: Ziegen(Greif) platz zu die Ket- tenstraße, die, früher in ihrer ganzen Länge als Frauenstraße auf- tretend, im rechten Winkel auf die Bäringerstraße einmündete. Doch begegnet für den nach Osten umgebogenen Teil der Straße auch die Straßenbezeichnung Hintern Brüdern oder Brüderstraße nach dem hier befindlichen Brüdernkloster, einer Niederlassung der Franziskanermönche, der fratres minores oder Minderbrüder. Mit der Kettenstraße stand in Verbindung eine Straße, die sich in dieser Gegend an der Stadtmauer entlang zog und die als„‚de strate na der mhuren“, und„gegen der Mauer“ bezeichnet ist. = 405 Der Name Frauenstraße wird in dem bisherigen Schrifttum | auf die Klosterjungfrauen zum Frankenberge bezogen, während die Kettenstraße durch eine Kette abgesperrt gewesen sein soll. Möglich erscheint aber noch eine andere Deutung für die Namen. Die Frauenstraßen des Mittelalters sind, vielfach in der Nähe der Stadtmauer verlaufend, ebenso wie die Rosenstraßen, häufig die- jenigen Straßen, in denen lose Frauen ihr Wesen trieben. Aus an- deren Orten ist überliefert, daß die Frauenstraßen umschreibend Bezeichnungen trugen, die mit dem Worte cat(Katze), das auch soviel wie Hure besagt, zusammengesetzt waren, wie z. B. Kätter- hagen, Kattenstraße usw. Da ein Teil der Frauen- oder Ketten- straße in Goslar zugleich ‚Am Rosenhagen“ hieß, und da in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft die Stadtmauer angrenzte, so wäre es nicht zu gewagt, in diesem Sinne im Einklang mit anderweit ge- machten Beobachtungen ebenfalls die Goslarer Frauenstraße und ihre Umwandlung in eine Kettenstraße zu erklären, zumal, im Ge- gensatz zu einer anderen, noch zu erwähnenden Kettenstraße im Stephanibezirk, bei ihr von einem Abschluß der Straße durch eine ‚Kette, wie sie sonst im Mittelalter aus Sicherheitsgründen nicht selten vorkam,°®) nichts bekannt ist. In der Frauenstraße gab es ebenfalls einen Stoben, den Frauenstoben, nach dem sie zuweilen als Stobenstraße bezeichnet wird.! Zwischen Kettenstraße und Bäringerstraße folgen von der Fran- kenbergerstraße aus die Beekstraße und die Friesenstraße. Von: der Beekstraße und ihrem Zusammenhang mit dem Beeksystem wurde \ bereits gehandelt. Sie ist, wohl im Zusammenhang damit, vereinzelt (1482) auch als Wasserstraße(waterstrate) bezeugt. Einmal(1563) kommt sie als Schulzenstraße vor. Friesenstraßen sind in einer ganzen Reihe norddeutscher Städte nachweisbar. Sie lassen in der Regel auf Beziehungen zu friesischen Handelsleuten schließen, für' die es in Goslar allerdings an urkundlichen Anhaltspunkten fehlt. Zwischen Frankenbergerstraße, Beekstraße, Friesenstraße und h der Straße Hintern Brüdern verlief eine ganze Reihe kleinerer, im| einzelnen nicht genauer festzulegender Seitengassen, von denen eine, der früher im Volksmund sog. Arnkengang, zwischen Beek- und Friesenstraße, noch erhalten ist. 5. Das Jakobikirchspiel. Im Jakobikirchspiel erscheint in der Richtung von Westen nach Osten als die Hauptwegeverbindung ein Straßenzug, der durch die Aa, ze Schilderstraße und in ihrer Fortsetzung die Petersilienstraße ge- bildet wird. Die Schilderstraße nennt sich nach den Schildmachern (clipeatores), während der Name der Petersilienstraße, der eben- falls in Braunschweig und anderwärts vorkommt, in Goslar auf eine mit Grün bewachsene, in der Hauptsache gartenmäßig ge- nutzte Gegend hindeutet. Zwischen Bäckerstraße und Schilderstraße treffen wir, parallel mit ihnen, auf die am Jakobikirchhof endende Jakobistraße, der sich vom unteren Teil des Jakobikirchhofes an als Verlängerung die wohl nach einem Hofe der in der Geschichte Goslars eine große Rolle spielenden Grafen von Woldenberg benannte Woldenberger- straße(Wohldenbergersiraße) zwischen Bäcker- und Petersilien- straße nach dem Vogelsang hin anreiht. Als Querverbindungen der Bäcker- und Jakobistraße dienen drei Gäßchen, die heute als Ober-, Mittel- und Untergasse bezeich- net werden. Von ihnen deckt sich die Obergasse mit der in der Nähe von St. Egidien verlaufenden Stobenstraße, in der der Jakobi- stoben(stuba scti. Jacobi) lag. Die Mittelgasse trägt noch auf Kar- ten aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts den schon 1512 bezeugten Namen ‚„Teufelsgasse“, der vielleicht ähnlich wie bei der ebenfalls als Teufelsgasse auftretenden Pfannenführerstraße zu er- klären ist. Die Untergasse begegnet bereits im Mittelalter als Gang zwischen der Bäckerstraße und dem Jakobikirchhof. Sie kommt später auch als Kirchstraße vor und findet ihre Verlängerung in der zum Pfarrhause der Jakobikirche führenden Pfarrgasse der Gegenwart. Die Vermittlung zwischen Jakobi- und Schilderstraße wurde, von der Bäringerstraße aus gerechnet, zunächst hergestellt durch die Goldschmiedestraße, die heutige Kreuzgasse. Die Goldschmiede- straße war die Gewerbestraße der Goldschmiede, in ihr wohnte noch im 16. Jahrhundert eine Anzahl von Goldschmiedefamilien. Den Namen„Kreuzgasse‘“ trägt der Wegezug amtlich erst seit 1911. Möglicherweise schwingt in ihm aber eine Erinnerung an früher bestehende Verhältnisse nach. Unterhalb der Kreuzgasse folgt die Mönchgasse, im Mittelalter zugleich als Eremitenstraße oder Termineistraße auftretend nach einer hier befindlichen Niederlassung(Terminei) der Augustiner- Eremiten. Mehrfach wird sie als Ovelgunne oder Ovelwunne be- zeichnet, ein Wort, das auf niederdeutschem Boden öfters gebraucht Be wird und soviel wie Abgunst, abgelegene, verrufene Örtlichkeit oder Vorwerk bedeutet. Vielleicht ist die Benennung der Straße als Ovelgunne aber auch gedacht als Gegensatz zu dem Termineihaus der Augustiner-Eremiten, das den Namen„Zur Himmelpforte“ trug. Es kann schließlich auch eine Anspielung auf den schlechten Zustand der Straße vorliegen, so daß eine halbwegs sichere Ent- scheidung nicht möglich ist. Außerdem kommt sie einmal, mit einem Personennamen gebildet, als Nagelbalkessiraße, vor. Östlich von ihr verläuft zwischen Jakobi- und Schilderstraße die bereits erwähnte Pfarrgasse. Ihr gegenüber mündet von Norden her auf die Schilderstraße heute die Untere Schildwache. Im Mittelalter trägt sie die Bezeich- nungen Neuwerkstraße, Dreckstraße, Wigertsche Straße und Lu- dolfsgasse(vicus Ludolphi). An der unteren Schilderstraße befand sich unweit des Neuwerk- klosters noch eine Straße ‚Im Schafstall“, die vielleicht einen Zu- sammenhang erkennen läßt mit dem bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts hier erwähnten Haus des Schafhirten des Klosters Neuwerk und sich möglicherweise mit der Neuwerkstraße deckt. Als Hauptquerachse des Jakobikirchspiels dient die jetzige Rosentor-, ehemalige Bahnhofstraße. Sie setzte sich noch zu Beginn der Neuzeit zusammen aus der Wockenfot-, späteren Kuhstraße zwischen Bäckerstraße und Jakobikirchhof, der Straße am Jakobi- kirchhof und der Fortführung der letzteren nach dem Kloster Neu- werk und dem Rosentore zu, die als Straße vor dem Rosentore oder Rosentorstraße vorkommt, zuweilen aber, wie der ganze Straßen- zug, auch mit dem Namen Kuhstraße belegt wurde. Die Wockenfotstraße geht wahrscheinlich zurück auf ein Haus „„Wockenfot‘“ des Domstiftes, das schon im 13. Jahrhundert ur- kundlich nachweisbar ist. Die Deutung des Namens bereitet Schwierigkeiten. Man hat, da das Spinnrad als Wocke bekannt ist, an eine Straße der Spinner und Weber gedacht. Ich möchte eher annehmen, daß die Bezeichnung des Hauses, die mit irgendwelchen baulichen Eigentümlichkeiten desselben zusammenhängt, oder die von einem Bei- oder Spitznamen des Hauseigentümers herrührt, hier namengebend gewirkt hat. Der Name Kuhstraße leitet sich wohl von dem Austreiben der Kühe her. Rosentor und Rosentorstraße werden uns alsbald nochmals be- schäftigen. a > Der nach Osten von der heutigen Rosentorstraße abzweigenden Straßen, der Woldenberger- und der Petersilienstraße, wurde bereits gedacht. Als Grenze des Jakobibezirks nach Osten erscheint anstoßend an den Vogelsang und sich als dessen Verlängerung nach der Mauerstraße hin darstellend die Straße„Im Ziegenstall“, die als ein Gegenstück zum„Schafstall“ in der Nähe des Neuwerkklosters an der unteren Schilderstraße betrachtet werden kann. Der Abschluß des Jakobikirchspiels nach Norden wurde be- wirkt durch eine in der Nähe der Stadtmauer verlaufende Straße, die zwischen Bäringerstraße und Kloster Neuwerk den Namen „Hinter der Mauer“ trug. und die sich östlich des Rosentores in der heutigen Mauerstraße(ursprünglich ebenfalls„Hinter der Mauer‘) fortsetzte. Wenn die Straße..Hinter der Mauer‘ von der Bäringer- straße bis zur Unteren Schildwache später als Zehntstraße auftritt, so geht dies auf das an der unteren Bäringerstraße belegene ehe- malige braunschweigische Zehntgebäude zurück. Für die Zehnt- straße begegnet zuweilen der Ausdruck ‚‚Schildwache‘“, der sich bis zur Gegenwart in den beiden zur Schilderstraße führenden Straßen Obere und Untere Schildwache behauptet hat. Die Straßen Obere und Untere Schildwache bildeten ursprüng- lich die Wegeverbindungen zu den Standorten der Wachtposten an der Stadtmauer, die ebenfalls in anderen Stadtteilen, so z. B. beim Kaiserhause, beim Frankenberger Kloster und in der Nähe der Petersilienstraße nachzuweisen sind, ohne daß damit ihre Zahl er- schöpft wäre. Zwischen Schilderstraße, Untere Schildwacheund Bahnhofstraße schiebt sich der Bereich des Klosters Neuwerk mit seinen Baulich- keiten. Offenbar machte er schon zur Zeit der Gründung des Klo- sters gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen besonderen Siedlungs- bezirk aus, der als Römerstraße, als platea Romanorum, als vılla Romana oder als römisches Dorf in den Urkunden wiederkehrt und wohl mit einer Niederlassung fremder(italienischer) Kaufleute an dieser Stelle zusammenhängt. Man hat versucht, von hier aus den Namen des Rosentores als römisches Tor, Roschendor, Rosentor, zu erklären, was aber schwerlich zutrifft. Eher dürfte die Namen- gebung beeinflußt sein durch einen zum Kloster gehörigen Rosen- garten(ortus rosarum), nach dem die Neuwerkkirche auch als St. Mariae in horto vorkommt.‘°®) DocH bestehen für die mit„Rosen“ em zusammengesetzten Straßennamen, wie ich schon früher gestreift habe, noch andere Deutungsmöglichkeiten, die sich z. B. auf das Grundwort„Roß“ stützen oder die auf sonstigen Unterlagen be- ruhen können. Es erscheint aber nicht erforderlich, auf diese ge- rade in letzter Zeit im Schrifttum mehrfach behandelten Fragen näher einzugehen, da es für das Rosentor und die zu ihm hinfüh- rende Rosentorstraße in Goslar an jedem Anhaltspunkte fehlt, halbwegs gesicherte Vermutungen in einer der erwähnten Richtun- gen zu äußern, so daß auch die vergleichende Straßennamen- forschung nicht weiterzuhelfen vermag. 6. Das Stephanikirchspiel. Der Stephanibezirk wird in der Längsrichtung von Westen nach Osten von der Breiten Straße als Hauptwegezug durchschnit- ten. Mit ihr laufen gleich nach Süden zu die Kornstraße, sodann einige dem Bette der Abzucht folgende Straßen und endlich die Glockengießerstraße. Nach Norden zu entspricht ihr zunächst der untere Teil der Bäckerstraße, den Abschluß bildet hier die Mauer- straße. Zwischen der Glockengießerstraße und der Abzucht bestehen mehrere Querverbindungen in Gestalt der schon 1251 belegten, auf landwirtschaftliche Nutzung deutenden Köterstraße, an deren südlichem Ende der Köterturm stand, östlich von ihr der Straße am Trollmönch, die ihren Namen einer Niederlassung des Ordens der Trollbrüder, Lullarden oder Celliten an dieser Stelle verdankt, und etwas weiter unterhalb der Straße beim St. Annenhaus, auf die die Schielenstraße von der Fleischerbrücke her nach Süden zu stößt. Unweit der am Eingang in die Köterstraße an der Abzucht belege- nen Berlin-Kretzschmarschen Mühle, der früheren Pfeffermühle, nach dem St. Annenhospital zu sind in der Glockengießerstraße der obere und niedere Gadem, gewerbliche Baulichkeiten der Fleisch- hauer, und zwischen ihnen der Pfefferstoben zu suchen. Der Abzucht entlang treffen wir bis zum Wasserloch am unte- ren Stadtrande auf beiden Seiten des Flusses auf die Bezeichnung „an-der Abzucht‘“, die nur auf dem rechten Ufer zwischen König- straße und Köterstraße durch den Namen Abzuchtstraße im Tho- masbezirk abgelöst wird. Auf dem linken Flußufer führt in Höhe der Domstraße im Bogen von der Abzucht ab und an der Mündung der Schulstraße wieder dem Flusse an der Knochenhauerbrücke zu ee I die schon genannte Knochenhauerstraße als Wohn- und Gewerbe- straße der Fleischer, deren Verkaufsstände sich am Fleischschar- ren befanden. An der Kornstraße stand eine Anzahl von Kornlagerhäusern. Ihr unterer, zum früheren Gröpertor führender Teil hieß bis in das vorige Jahrhundert nach den hier siedelnden Grapengießern (Töpfern)„in den Gröpern“. Der die Stadtmauer begleitende Vegezug von oberhalb der Gröperstraße bis zum Breiten Tor trug die Bezeichnung„gegen der Mauer‘, vorübergehend kommt 1760 auch eine Straße„gegen der 2ten Mauer“ vor, in deren Nähe jetzt die Meisterei, d. h. das Haus des Scharfrichters und Abdeckers. verlegt ist. Zwischen der Kornstraße und der Abzucht dienen auch heute noch dem Verkehr im Stephanibezirk östlich der Schwiecheldt- straße die Düstere Straße, die Rundenienstraße, die Schielenstraße sowie schließlich die Gosestraße und die Untere Mühlenstraße. In westöstlicher Richtung verläuft zwischen Rundenien- und Schielen- straße die Lämmerstraße, die sich offensichtlich als eine spätere, aus dem allgemeinen: Rahmen herausfallende Bildung darstellt. Die wohl wegen ihrer Enge sog. Düstere Straße hat in neuerer Zeit den Namen Schulstraße erhalten. Die Rundenienstraße er- scheint seit dem 14. Jahrhundert bis zur Schwelle der Gegenwart als Badelebische Straße, der Name entspringt jedenfalls einer Orts- oder Personenbezeichnung. Die Rundenienstraße ist benannt nach einem zu Anfang des 18. Jahrhunderts in ihr wohnhaften Notar Johann Georg Rundenius.’°) Der Name der Schielenstraße geht auf ein Mitglied der Bürgerfamilie Scheele oder Scheile zurück. Vorher tritt die Straße in der Regel als Dadelebische oder Dolebische Straße — nicht zu verwechseln mit der Dedelebischen Straße!— auf. Auch in ihr wird ein Orts- oder Personennamen fortleben. Bei der Lämmerstraße braucht nieht mit Notwendigkeit an einen Tier- namen gedacht zu werden, sondern es kann ebenfalls ein Zusam- menhang mit einer im 17. Jahrhundert bezeugten Bürgerfamilie Lamm oder Lemmen vorliegen. Besondere Aufmerksamkeit beansprucht in diesem Zusammen- hang die Umgebung der am Schnittpunkt der Straße an der Ab- zucht und der Gosestraße belegenen Walkmühle, insbesondere das Auftreten der Bezeichnung Gosestraße an dieser Stelle, obwohl in der Gegenwart eine nähere Beziehung zum Goselauf nicht mehr er- a kennbar ist. Bei genauerem Zusehen zeigt sich nämlich, daß hier ebenfalls mit erheblichen Verschiebungen im Gewässernetz zu rechnen ist, die auch eine einschneidende Umgestaltung des Stra- Bennetzes nach sich gezogen haben. Nach den Angaben der Kunstdenkmäler(S. 317/9) ist die Walk- mühle 1474 für die Wandschneider in den Gröpern an der Gose- straße unfern der Kehlmühle erbaut und 1551, nachdem inzwi- schen eine neue Walkmühle unter dem Petersberge im heutigen Schleeke errichtet war, anı die Tuchmacher verkauft. Diese Ansicht kann jedoch nicht zutreffen, da die Walkmühle in den Gröpern schon 1456 bezeugt ist. Weiter aber ist befremdend, daß die Walk- mühle im 15. Jahrhundert in die Badelebische Straße verwiesen wird, und daß in ihrer Nachbarschaft eine Stobenstraße und eine Mühlenstraße an der Gose genannt werden, die aber nicht mit der heutigen Unteren Mühlenstraße zusammenfällt. Bei dieser Sachlage sind nur zwei Möglichkeiten denkbar. Ent- weder lag die Mühle an der Badelebischen Straße in ihrer jetzigen Begrenzung, dann kann es sich nicht um die Walkmühle an der Gosestraße handeln. Oder es ist damit zu rechnen, daß die Bade- lebische Straße damals bis zur Ecke der Gosestraße an der Abzucht reichte, sodaß sie früher in ihrem unteren Teile etwa der Linie der Lämmerstraße nach Osten, gefolgt sein müßte. Wenn sich bei der Dürftigkeit der Quellen auch eine jeder An- zweiflung entzogene Lösung kaum finden läßt, so scheint es mir doch zulässig zu sein, eine Vermutung zu äußern, die vielleicht ge- eignet ist, die bestehenden Zweifel weitgehend zu beheben. Wie ich glauben möchte, ist die Gose, die heute unterhalb der Wortmühle an der Brücke zwischen Domstraße und Wasserstraße in die Abzucht fällt, ehemals auf dem linken Ufer der Abzucht im Zuge der Knochenhauerstraße, in der für den Gewerbebetrieb der Fleischer fließendes Wasser gebraucht wurde, und sodann, etwa der späteren Lämmerstraße folgend, im Verlauf der sich ursprüng- lich bis in diese Gegend erstreckenden Badelebischen Straße wei- tergeleitet, um die Walkmühle an der Gosestraße oder eine Vor- läuferin von ihr zu treiben. So würde sich das Vorhandensein der Mühle und das Vorkommen einer Gosestraße an dieser Stelle er- klären. Wir können aber noch sonstige Anhaltspunkte dafür beibrin- gen, die diese Darlegungen zu stützen vermögen. In Niederschriften a des Jahres 1293 ist anläßlich der Erwähnung des großen Hallen- und Mühlenstreites auch von zwei Mühlen des Deutschen Ordens die Rede, der Pfeffermühle und der Steinmühle, die von der Stadt erworben werden. Von ihnen stellt sich die Pfeffermühle, wie schon oben angedeutet, als die jetzige Berlin-Kretzschmarsche Mühle an der Abzucht dar, während die Steinmühle, von der dann jede Spur in den Urkunden verschwindet, als apud sanctum Stephanum bele- gen bezeichnet wird. Da kaum anzunehmen ist, daß auf die Wasserkraft der Stein- mühle alsbald verzichtet wurde, so spricht manches dafür, daß sich die Walkmühle in der Gosestraße mit der alten Steinmühle deckt. Die Nennung einer Stoben- und einer Mühlenstraße in der Nähe der Walkmühle könnte sich dann allerdings nicht auf die Untere Mühlenstraße beziehen, sondern nur auf die Gosestraße oder den östlichen Teil der früheren Badelebischen Straße. Damit stimmt es dann weiter überein, daß die erst später bezeugte Untere Mühlen- straße ihren Namen nicht der Walkmühle an der Gosestraße, son- dern der ihr gegenüberliegenden Kehlmühle entlehnt hat. Als Querstraßen zwischen der Breitenstraße und der Korn- straße begegnen von der Judenstraße an im Stephanibezirk ver- schiedene kleinere Straßen, die Kniggenstraße, die Bolzenstraße, die Obere und Untere Kirchstraße, die südlich der Stephanikirche durch die Straße An der Stephanikirche verbunden sind, und die Dedeleberstraße. Kniggen- und Bolzenstraße tragen ihre Namen erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. In ihnen leben Personenbezeichnungen fort. Für die Kniggenstraße sind vorher andere, ebenfalls nach Per- sonennamen gebildete Ausdrücke belegt. Im 14. Jahrhundert heißt die Straße Pekstenstraße, vom Ende des 14. Jahrhunderts an wird dieser Name nach ‚dem huse, dar lechtenberch ynne wonet‘“, ab- gelöst durch die Benennung Lichtenbergische Straße, die sich bis in das 19. Jahrhundert behauptet. Ferner tritt sie als„Straße bei Jakob Fischer hinein” auf. Die Bolzenstraße erscheint in den Nachrichten des 15. Jahr- hunderts als Hauptmannstraße, sie verdankt diesen Namen wohl einem hier wohnenden, aber nicht genauer festzustellenden Stadt- hauptmann. Sie führt ferner nach Mitgliedern der Patrizierfamilien Achtermann und Recke die Bezeichnungen Achtermann- und Rek- PAS kenstraße. Nach einem in ihr seßhaften Klaus Wolter(Woltereck) wird sie seit dem 16. Jahrhundert in der Regel Wolterstraße oder Woltersstraße genannt. Hausbesitz der Familie Bolze in ihr veran- laßt dann einen abermaligen Namenswechsel, sie wird— aber erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts-— zur Bolzenstraße umgewandelt. Die Obere Kirchstraße ist die Pfarrstraße des Stephanibezirks. Sie wird im 17. Jahrhundert gelegentlich als Fortsetzung der Treib- oder Brüggemannstraße betrachtet und trägt dann bis zur Ecke der Kornstraße an der Schielenstraße den Namen Treibstraße. Auf dem Wolfenbütteler Stadtplan von etwa 1803 wird sie dagegen als Teil der Schielenstraße aufgefaßt. Für die Untere Kirchstraße kommt auch die Bezeichnung Saustraße vor. Der vorstehend er- wähnte Plan hat anstelle der Unteren Kirchstraße eine Kirch- straße, die aber zugleich die Gosestraße mit in sich begreift. Der Name der Dedeleberstraße gründet sich auf eine Orts- oder Per- sonenbezeichnung. Anscheinend handelt es sich, wie schon der Name Saustraße für die Untere Kirchstraße erkennen ließ, um eine etwas verrufene Gegend, da die Dedeleberstraße ebenfalls als Dieb- straße bezeugt ist. Nördlich der Breitenstraße wird die Verbindung zwischen ihr und der Bäckerstraße im Stephanibezirk unterhalb der Sommer- wohlenstraße heute hergestellt durch die nach den Röhrenbohrern, die die Holzröhren(Pipen) für die Wasserleitungen oder später die Bleirohre dafür anfertigten, benannte Piepmäkerstraße, weiter die Brüggemannstraße, die Springerstraße und die Vorwerkstraße. Die Piepmäkersiraße verfügt im Mittelalter über eine bunte Fülle sonstiger Bezeichnungen. Sie tritt uns, abgeleitet von einem Personennamen, als Wipelingestraße oder Wopenlingestraße schon im 13. Jahrhundert entgegen. In der Folge überwiegen die Aus- drücke Willering-, Willerling-, Wilderling-, Vubeling- und Wul- lerlingstraße. Ihr Name lautet aber auch Wiltringe-, Willing-, Willge- und Willersstrate. Sie ist ferner, was für die Nachbarschaft der Sommerwohlenstraße und des Vogelsangs kennzeichnend ist, als Gärtnerstraße.(platea ortulanorum) belegt. Nach Angehörigen der Bürgerfamilien Aemeling und von der Heyde nennt sie sich schließlich Aemelingstraße und Heydenstraße. Die Brüggemannstraße führt den Personennamen Brüggemann fort. Worauf der ältere Name der Straße ‚„Drifstrate”(Treibstraße) beruht, ist nicht sicher auszumachen. Vielleicht besteht ein Zusam- menhang mit dem Austreiben des Viehs, für das in Goslar ein be- re ug. sonderes Ratsamt, das„Treibamt“,?!) zu sorgen hatte. Nach einem in ihr wohnhaften Hermen Riken heißt die Straße zuweilen auch Rikensche Straße, nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Blanke Blankenstraße. Der Name der Springerstraße taucht im 18. Jahrhundert auf, ihm liegt ein Personenname zugrunde. Noch auf dem Stadtplan von 1803/04 wird sie als Kohlgarten angeführt. Diese Bezeichnung trug aber sowohl 1803 wie 1868 ebenfalls der Ostteil der Bäckerstraße. Ursprünglich galt sie wohl für das ganze, in erster Linie gärtnerisch genutzte untere Stadtgebiet im Stephanibezirk nördlich der Brei- ten Straße. Statt der Kohlstraße kommt auch die auf einen Perso- nennamen zurückgehende Alberstraße vor, statt der Springerstraße die Schachtrupstraße, für die dasselbe gilt. Von den beiden Westostverbindungen zwischen Brüggemann- straße und Springerstraße in Gestalt der Gundenstraße und der Rosenstraße ist die erstere benannt nach einem Angehörigen der Familie Gunner oder Gunder, in deren Besitz sich anscheinend ein hier belegenes Vorwerk, die sog. Guntkenburg, befand. Vereinzelt ist von ihr im 18. Jahrhundert als der Straße unter H. Heinsius Hause die Rede. In der Rosenstraße ist im Jahre 1493 ein Haus von Tilen Rosen nachweisbar. Doch muß in diesem Falle unentschieden bleiben, ob der Straßenname nach dem Personennamen oder der letztere nach dem ersteren gebildet ist. Die unterste Querverbindung zwischen Breiter- und Bäcker- straße, die Vorwerkstraße, verdankt ihren Namen einem in der Nachbarschaft zu suchenden Vorwerk des Stiftes St. Georgenberg. Offenbar dreht es sich um eine erst später entstandene Straße, da im 16. und 17. Jahrhundert für sie noch die Bezeichnung ‚Neue Straße‘ gebraucht wird. Mit der Dedeleber- oder Vorwerkstraße, nicht mit einer der bei- den Kirchstraßen, dürfte die Kettenstraße im Stephanibezirk, die platea juxta Cathenam, die„strate, dar de kedene vore hanget“, zusammenfallen, die der Gegend im Kohlgarten angehört, doch ist bei ihr volle Klarheit nicht zu erzielen. Nördlich der Bäckerstraße sind als Wegezüge zwischen ihr und der Mauerstraße noch zu erwähnen der zuerst 1578 vorkommende Freudenplan, von dem schon die Rede war, die Spitalstraße, deren Namen ganz jung und ihr erst nach der Erbauung des neuen städ- tischen Krankenhauses beigelegt ist, eine weitere, früher über das 4 Frölich, Goslarer Straßennamen Be Grundstück des Krankenhauses laufende, unbezeichnete Straße, die auf den vorhandenen Karten keinen Namen trägt, sowie endlich die hier bis zur Mauerstraße durchgeführte Verlängerung der Springerstraße. u 7. Der Bezirk. der Reperstraße am Heiligen Grabe. Neben dem Bergdorf-am Rammelsberge gab es noch einen zwei- ten Außenbezirk; der als Gerichtsstätte einer besonderen kleinen Vogtei im Mittelalter Bedeutung gewonnen hat. Es ist die Umgebung der Reperstraße(Seilerstraße) vor dem Vititore nördlich der Stadt in der Nähe des an dieser Stelle befindlichen Priorats des Johan- niterordens zum Heiligen Grabe. Es ist dabei mit einem Straßen- zuge zu rechnen, der vor dem Vititore von der Astfelderstraße nach Süden abbog, dem Zuge des Stadtgrabens folgte und sich bis in die Gegend der Frankenberger Kirche verlor. Im Anschluß an die Reperstraße hat sich hier eine kleine Vorstadt, getrennt von Goslar selbst und in kirchlicher und kommunaler Selbständigkeit verhar- rend, gebildet. Im 14. Jahrhundert ist es dem Rat gelungen, in die- sem früher von der Stadt völlig geschiedenen Bezirk Fuß zu fassen und seine Sonderstellung in gerichtlicher und verwaltungsmäßiger Beziehung zu beseitigen. Trotzdem ist in den Goslarer Schoßregi- stern bis in das 16. Jahrhundert die Reperstraße als ein eigener Steuerbezirk vertreten. Dies sowie die Nachrichten, die in einer An- zahl anderer Aufzeichnungen überliefert sind, lassen erkennen, daß der Johanniterorden vom Heiligen Grabe noch bis in diese Zeit hinein eine gewisse Selbständigkeit der Stadt gegenüber zu wahren vermocht hat. Erst in der Folge ist es zu einer völligen Aufsaugung der Reperstraße durch Goslar gekommen. b) Nichtsicher festzulegende Straßenzüge. Schauen wir zurück, so läßt sich mit gutem Grunde sagen, daß es in der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle möglich gewesen ist, die urkundlich bezeugten Straßen in ihrem Verlaufe zu bestim- men und Herkunft und Bedeutung ihrer Namen zu ermitteln. Le- diglich bei einigen seltener erwähnten und weniger wichtigen We- gezügen, wie dem Bedelerhagen, der Peter Grimmenstraße oder der Kettenstraße im Stephanibezirk, bleiben Zweifel bestehen. Doch sind ebenfalls bei ihnen Anhaltspunkte gegeben, die es gestatten, zu einer ungefähren Lokalisierung zu gelangen. Gewisse Schwierigkeiten bereitet— abgesehen von diesen Fäl- len— eine Reihe von Angaben des Wortzinsbuches von 1415 f. Sie geben zahlreiche Hinweise auf Straßen, die nach öfters nicht ohne 250.2 weiteres festzustellenden Anwohnern benannt sind und die unter Hinzufügung eines Namens einfach als platea, Straße, Gasse, vicus, viculus oder ähnlich angeführt werden. Aber auch bei den meisten von ihnen läßt sich ihre Lage an der Hand der später vorkommen- den Straßenbezeichnungen oder mit Hilfe der Personalangaben und anderer Nachrichten wenigstens annähernd erschließen. So wird z. B. zuweilen genannt im Stephanibezirk eine platea Tile Ecken und, ihr benachbart, eine platea Hinrik Dalem, die sich als Nebenstraßen der Kornstraße nach der Breiten Straße hin dar- stellen dürften. Oder es treten in der Nähe der Walkmühle, wohl verursacht durch die infolge der Gewässer- und Straßenverlagerun- gen bewirkten Änderungen, Bezeichnungen auf, die, wie vicus Wer- neke Kulen, nach Namen sonst in dieser Gegend bezeugter Perso- nen gebildet sind.”?) Weiter erwähnt das Wortzinsbuch im Marktbezirk zwischen der Markt- und oberen Bäckerstraße einen vicus Heningh Wedekin- des in der Nähe der Poppenstraße und einen vicus Hinrik Eylerdes, der mit dem später an der gleichen Stelle bezeugten vicus Symonis und mit der Pfannenführersiraße zusammenfällt. Im Jakobikirch- spiel begegnet ein vicus Beverhagen, der dem Vogelsang, und ein vicus Ludolphi, der der Neuwerkstraße entspricht. Es erscheint ferner im Stephanibezirk der vicus Lichtenberg, der sich mit der Kniggenstraße deckt. Das Gleiche gilt von der Straße bei Jakob Fischer hinein, die die Kornstraße und Breite- straße miteinander verbindet und neben der gelegentlich die zweite Querstraße in dieser Gegend, die Bolzenstraße, ausdrücklich ge- nannt wird. Ein vicus Wiltman wird sich mit der Straße Am Troll- mönch berühren. Immerhin bleiben hier einige, wenn auch nicht sehr häufige Fälle übrig, bei denen sich in Ermangelung sonstiger ausreichender Anhaltspunkte im Augenblick genauere Feststellungen nicht treffen lassen. So etwa, wenn im Wortzinsbuch gelegentlich von einem vicus Bertold Temme, einem vicus Bertold Diikmeyer oder von Henning scriver in vico die Rede ist. Aber es unterliegt kaum einem Zweifel, daß es sich bei diesen Bezeichnungen ebenfalls durchweg um eine mehr oder weniger willkürliche Namengebung für solche Straßen handelt, die auch sonst belegt sind, und daß das Urteil über das Straßennetz des späteren Mittelalters im ganzen durch ihre Übergehung an dieser Stelle nicht beeinflußt wird. Es stößt deshalb nicht auf Bedenken, wenn sie einstweilen beiseite gelassen 4* pl werden und wenn ihre endgültige Festlegung einer Nachlese unter Heranziehung weiteren Quellenstoffes vorbehalten bleibt. Ausgeschieden sind einige Straßennamen, die im bisherigen Schrifttum eine Rolle spielen. Nicht zu trifft die Annahme, daß es eine Grubenstraße im Bergdorf gegeben habe, sie geht offensicht- lich auf einen Schreib- oder Lesefehler zurück.’?) Ebenso liegt ein Mißverständnis vor, wenn gelegentlich eine Straße„up dem mos- huse‘“ angeführt wird. Diese Angabe bezieht sich auf ein Garten- haus, in dem die in den betreffenden Urkunden erwähnten Ver- handlungen stattgefunden haben, ein Straßenname dieser Art steht dagegen nicht in Frage. C. Verzeichnis der mittelalterlichen Straßennamen und weiterer Ortsangaben”) nebst Nachweisen und Erläuterungen.”) I. Allgemeines zur Namengebung. Wenden wir uns jetzt den einzelnen Straßennamen zu, so sind einige allgemeine Bemerkungen über den Anlaß und die Art ihrer Entstehung vorauszuschicken. Eine Gestaltung des Straßennetzes, wie sie der moderne Städte- bau mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes und der Anordnung von Fluchtlinien vorsieht, war dem Mittelalter in dieser Form un- bekannt. Allerdings ist die Mehrzahl der rechtsrheinischen Städte in Deutschland und darunter auch Goslar als Marktsiedlung plan- mäßig gegründet worden, indem nach den Weisungen des Stadt- herrn ein Marktplatz abgesteckt und die zu ihm hinführenden Hauptstraßen festgelegt, die so entstandenen Baublöcke aber, so- weit nicht Teile von ihnen an bestimmte, bevorzugte Personengrup- pen, wie die an der Gründung beteiligten Unternehmerfamilien, fielen, im wesentlichen in Hausstätten gleicher Größe an die her- beigerufenen Siedler gegen einen Grund- oder Wortzins ausgegeben wurden. Aber innerhalb dieses Rahmens war doch der Willkür weitgehender Spielraum gelassen. Neben den Hauptstraßen' gab es Gassen(vici), Beistraßen,„kleine“ Straßen, Gänge, Querverbindun- gen(twerstraten), Sackgassen der verschiedensten Art und Größe, die keineswegs stets ihre alte Richtung beibehielten, sondern fort- laufenden Veränderungen unterworfen waren.’®) Und wie schon Be bemerkt und an dem Beispiel Goslars selbst dargetan wurde, fehlt es auch nicht an Fällen, in denen einschneidende Umgestaltungen die Entwicklung in völlig neue Bahnen drängten. Damit hängt es zusammen, daß die Straßenbezeichnungen einem. häufigen Wech- sel unterlagen, und daß immer wieder Umbenennungen erfolgten. Hierbei hat natürlich auch der Umstand eine Rolle gespielt, daß die Straßennamen nicht von vornherein obrigkeitlich vorgeschrieben wurden, und daß erst gegen Ende des Mittelalters die Sitte aufkam, die Straßen selbst durch Schilder und dergleichen kenntlich zu machen, wodurch natürlich ebenfalls eine größere Stetigkeit der Namengebung gesichert wurde. Vollzog sich so die Bildung der Straßennamen in der Haupt- sache ungehemmt durch amtliche Einwirkung und weitgehend unter dem Einfluß des Zufalls, so treten uns doch in wohl allen Städten mehrere Gruppen von Namen entgegen, deren Beschaf- fenheit für die Frage ihrer Entstehung lehrreich ist. Sie lassen sich auch in Goslar beobachten. Das, was wohl zuerst für die Namengebung Bedeutung gewon- nen hat, sind die Eigentümlichkeiten der Bodengestaltung, wie sie sich in Hebungen und Senkungen des Geländes, in Wasserläufen, in dem Vorhandensein von Steinen, Baumgruppen oder anderen natürlichen Merkmalen ausprägen. Eine zweite kleinere Gruppe erinnert an die geschichtliche Ent- wicklung des Gemeinwesens, an die Anlage der Altstadt und das Hinzukommen von Neustädten, an die Aufgliederung des Grund und Bodens nach ständerechtlichen Gesichtspunkten(Ritterstraßen, Junkergassen) oder ähnliche Einteilungen. Ein dritter größerer Bestand an Straßennamen bezieht sich auf die Zweckbestimmung der betreffenden Örtlichkeit, namentlich ihre Verwendung für gerichtliche oder andere öffentliche Auf- gaben, als Stätte der Ausübung gewisser Gewerbe, als Wohnsitz der Angehörigen einzelner Berufszweige. Vielleicht die umfangreichste Gruppe machen Benennungen aus, die sich anlehnen an Baulichkeiten verschiedener Art, an Be- festigungswerke, an Rathäuser und Gildehäuser, an Gebäude mit kirchlicher Zielsetzung, aber auch an Privathäuser mit kennzeich- nenden Bauformen oder Namen und dergleichen mehr. Schließlich ist noch eines vor allem in Goslar sehr umfassenden Bestandes zu gedenken, der sich aus der Verwendung von Per- a sonennamen zur Straßennamenbildung ergibt. Insbesondere haben die Namen angesehener Einwohner, der Träger bestimmter Ämter und Titel, der Eigentümer von Eckhäusern oder sonst hervor- ragenden Bauwerken in den Straßenbezeichnungen ihren Nieder- schlag gefunden.””) Dabei liegen aber, wie bereits angedeutet wurde, die Dinge nicht so, daß die Straßennamen eine besondere Stetigkeit aufwiesen. So- weit sie sich auf Beziehungen von Dauer, wie die Bodenbeschaffen- heit, die bauliche Ausgestaltung des Straßenbildes oder die Lage zu einzelnen Gebäuden gründen, behaupten sie sich allerdings oft durch Jahrhunderte. Bei den Straßen dagegen, die nach Personen benannt sind, läßt sich nicht selten ein starker Wechsel beobachten, obwohl auch hier sich zuweilen Namen, wenngleich zum Teil in stark entstellter und— sofern nicht ein glücklicher Quellenfund zu Hilfe kommt— jeder sinnvollen Erklärung spottenden Form bis zur Gegenwart erhalten haben. Neben der häufigen Änderung der Namen verursacht Hindernisse die Tatsache, daß in der Längs- erstreckung der Straßen mehrfach ein Schwanken wahrzunehmen ‚ist. Manchmal treten neben einer einheitlichen Benennung des gan- zen Straßenzuges noch an seine einzelnen Teile geknüpfte Bezeich- nungen auf. Dann wird der Name eines solchen kleineren Wege- zuges wieder auf die ganze Straße übertragen, greift die Benennung einer Straße über auf Wegeverbindungen, die sich als eine Fort- setzung der ersteren darstellen, sind Doppelbezeichnungen dersel- ben Straße üblich. Zweifel ergeben sich immer wieder bei Straßen- kreuzungen, da an ihnen belegene Häuser bald mit dem Namen der einen, bald mit dem der anderen Straße in Verbindung gebracht werden. Bei Goslar kommt weiter in Betracht, daß derselbe Name nicht selten gleichzeitig für verschiedene Straßen gebraucht wird. So gibt es hier eine Vielzahl von Pfarr- und Kirchenstraßen, z. B. im Markt-, Jakobi- und Stephanibezirk, von Mühlenstraßen— an sie erinnern noch heute die Obere Mühlenstraße im Frankenberger- und die Untere Mühlenstraße im Stephanikirchspiel—, von Was- serstraßen, von Stobenstraßen, die nach den in ihnen belegenen mittelalterlichen Badstuben benannt sind und die in allen Stadt- teilen begegnen. Ferner sind in Goslar mehrere Königstraßen, Hohe Straßen, Neue Straßen, Marstallstraßen, Kettenstraßen, Rosen- straßen usw. bezeugt, ohne daß sich jedoch mit diesen Straßen- bezeichnungen immer der gleiche Sinn verknüpft. EIS II. Die vorkommenden Straßennamen(Nr. je sah) 1. Abdonstraße(St.) In der Nähe des Breiten Tores. Nach einem Mitglied der Bür- gerfamilie Abdon benannt. Es dürfte sich um die Dedelebische (Dieb-, Ketten-) Straße handeln. Bel.: platea Abdon W. S. 147(1442); H. 368(1462): Haus und Hof belegen als nedden in der Bredenstrate amme orde by dem Bredendore by der keden by Cord Albdons huse; 678(1474): Haus Hinrik Dedelebes benedden an der Breden straten ame orde tegen sunte Bartolmeus Ca- pellen over negest Cord Abdones huse. 2. An(auf, bei, gegenüber, jenseits) der Abzucht Der Straßenname begegnet an verschiedenen Stellen entlang des Flußlaufes in der Ober- und Unterstadt. Bel.: a) Oberstadt(F., M.): bie sanct Martins Capeln an der abe- thucht E. 340(1556); den Marcketstoven uff der abethucht 361(1556); by der Agetucht Sch.(F. 1568), tegen der Agetucht ahm haeneppe sacke E. 797(1568); kegen der Abezucht zwischen der Franckenbergischen Stofen gatzen 1521(1587). b) Unterstadt(St.): den Badtstuben zwischen den beiden Gaddemen bey der Avetucht belegen E. 190(1551). 3. Abzuchtstraße(T.) Rechts der Abzucht zwischen Königsstraße und Köterstraße. Bel.:Noch 1600: Gegen der Agetucht(Bon hoff IV Nr. 1435-1442). 4. Achtermannstraße(St.) — Bolzenstraße(Woltersstraße, Hauptmannsstraße). Benannt nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Achtermann. Bel.: in der Bredenstratenn ame orde der straten, dar de olde achtermann zeliger inne wonde H. 1253(1493); in Achtermannstraten 1469(1499). Ein Haus Hans Hardenbergs liegt nach H. 1253(1493) in der Achtermannstraße, nach H. 1415(1500) in der Hauptmannsstraße. 5. Ämlingstraße(St.) Die Straße deckt sich mit der Willerling(Piepmäker) straße. Die Bezeichnung geht auf einen Personennamen zurück. Bel.: Auflassung eines Hauses an Cord von Dalem up der ämlinges strate twisken Bertoldes Elres unnd des genanten mesters Hermen huseren H. 1054(1487). S. dazu die Auflassung eines Hauses von Bartolt .Elerdes„in der willerlinges(str.) twisken kordt von Dalem unde Bertolt Eilers“ H. 1144(1490). Br Ten Fig BD 6. Alberstraße(St.) = Kohlstraße(Kohlgarten). Bel.: garden bleck beleghen hinder der hustedde in der breden strate benedden sunte steffens kerken... de sülffte garden geyt achter twen hüstidden hen wente in de alberstraten gheheten der kolstraten, Urk. v. 21. 1. 1432(Domstift 536 a). 7. Altavia(M.) — Hoher Weg(u. Nr. 120) 8AnderAndreaskapelle(am Andreaskirchhof) (T.) Die Andreaskapelle lag im Klapperhagen(Kunstdenkm. S. 69). Bel.: apud sanctum Andream UB. II 419(1285/1296), S. 426; apud cimiterium sancti Andree III 213(1309). S. ferner: hoveken myt eynem olden huse der... Capellen sunte Andreas behorich beleghen in dem klapperhaghen zwisschen dem Ordhove to der bokemolen word Domstift 603(1462); Ordhoff edder garden der... Capellen sunte Andreas behorich belegen bey der bokemolen uppe eyne syden unde huse unde hove... uppe de anderen syden in deme klapperhagen Domstift 640(1479). 9. Angelhof(T.) Platz am Hohen Wege etwa an der Stelle des heutigen Amts- gerichts, zuerst als Bestandteil eines Personennamens vor- kommend. Nach Hölscher, Kaiserpfalz, S. 147, fällt der Angelhof mit dem späteren Ratsvitriolhof zusammen. Er ist wohl gleichbedeutend mit dem in der Brandes’schen Chronik Bl. 103v(zum Jahre 1545) und Bl. 157v(zum Jahre 1708) er- wähnten Mangelhofe(u. Nr. 179). Bel.: Hilgo de Angulo UB. I 486(1227); Henricus de Angulo II 537 (1298); domus Anguli II 419(1285—1296), S. 428. Der Rat überläßt bei einem Tausch dem Deutschen Ritterorden spacium adhuc vacuum in recompensam anguli domus sue veteris ex opposito Novi hospitalis, ubi nunc una domus noviter est constructa III 994(1334). up Hans quastes husz unde hoff tygen dem‘ angelhove twisken Clawes peters unde Tilen kokes huseren belegen Domstift 755(1521); Versammlungsort der Büchsenschützen nach der Feuerordnung vom 19. 2. 1540 up deme Angelhove(Hz. 27, 1894, S. 592); uf dem keisersbleck am orte negest dem Angelhofe, K.A.Bl. 17(1589). Auch in anderen Stadtteilen begegnet die Straßenbezeichnung in angulo(im Winkel). Hierhirf gehört vielleicht UB. III 729(1325): in Scumphenighen hus imme Winkele boven Engeliken hus Bacmeysters. 10. Armenhaus. In einer Urkunde vom 6. 10. 1577(St. G. 1264) werden zwei Legate ausgesetzt„bey das Armehaus Sanct Anna genant vor dem Bleyhofe belegen“, also das St. Annenspital, und„bey das neuwe Armehaus uf der Brüder Kirchhofen“. Zum Jahre 1693 LAN EERER RIEETELG a, erwähnt die Brandes’sche Chronik(S. 143) den Bau eines Ar- menhauses am Schneiderturm beim Eintritt der Abzucht in die Stadt(s. u. Nr. 187). Vermutlich ist bei ihm eine Verbin- dung mit dem in dieser Gegend bezeugten Bürgerhause(u. Nr. 41) und dem später hier befindlichen Waisenhause ge- geben(Hölscher, Kaiserpfalz, S. 147). 11. Hinter den Augustinern().) Nach einer Niederlassung der Augustiner-Eremiten an der Mönche(Eremiten) Straße in der Nähe der Schilderstraße be- nannt(B. S. 33 Nr. 1). S. u. Nr. 69. Bel.: retro Augustinenses UB. IV 525(1355), S. 393. 12. apudaulamregiam(T.) Beim Kaiserhause. S. u. Nr. 134. Bel.: UB. V 925(1393). 13. Badelebische(Batesleve)straße(St.) = Rundenienstraße(u. Nr. 254). Die Straßenbezeichnung, die noch auf dem Stadtplan von 1803 begegnet, führt einen Orts- oder Personennamen fort. Bel.: in der Bateslevestraten UB. IV 457(1352); in der badensleve- schen straten H. 111(1450); bii der Walkemolen in der Badesleveschen straten twischen Berld Herßen huse unde der Walkemolen 448(1466). Her Corde Hardecordes läßt auf an Ludeke Raven sein Haus belegen uppe der Badesleveschen straten tw. Budenses huse unde dem orde Ludeken Ravens huse 639(1473). Ludeke Raven verläßt sein Haus uppe der Badensleveschen straten tw. Budenses huse unde dem orde Ludeken Ravens huse an Cord Hoppe 640(1473); Haus Hans Budeses in der Bades- leveschen straten tw. Hans Lutkemans unde hern Ludeleves Meste- werten husen 646a(1473). Werner Tuntzel läßt auf an Diderick Winter „huss unde hoff, genomet de nye schade, in der straten by Ludeken Raven belegen“ 931(1482); up der kornstrate... ame orde der Badeleves- schenstrate 1461(1498). g Andere Schreibweisen: up der Baderschlevischen straten E. 31(1546); uf der badelebischen strassen 174(1551); in der Baserslebischen strassen jegen dem Obersten Gaddem 737(1565); in der Badeleveschen Strasse 758 (1566); inn der Badelebischen straßen zwischen... unndt der Schutzschen vorwerg 1414(1584); in der Badelebeschen straß K.A.Bl. 10(1566); Baens- lebesche Straße und Baenschleuesche Strate Sch.(St. um 1560, 1573); Bavenslebenstr. V. Sch.(St. 1568); De baerslevsche Strate V. Sch.(St. 1576); Banschledesche Strate H. Sch.(St. 1577); Badenlevische Str. V. Sch. (St. 1600). Registratur über Einnahme und Ausgabe des 1703 bewilligten Achtel- schosses S. 42:„Nr. 27 Badelebesche Str.“ Als Anwohner dieser Straße wird Johan Georg Rundenig erwähnt. Badelebische(vulgo Rundeni) Straße J. II Nr, 386(um 1800). re 14. Bäckermarkt(M.) Verkaufsstände der Bäcker am Marktkirchhofe zu beiden Seiten der Marktkirche. Bel.: Vermerk in dem ältesten Gildebuch der Kaufleute über einen Vertrag zwischen den Vormunden der Kaufleute und der Bäcker„umme huse unn hofe, dar der Becker market geheten is. Datum anno dni. M°’CCC’ LXXI. In sente Michalis daghe“. Abdruck im Vaterländ. Archiv des hist. Ver. f. Niedersachsen 1841 S. 37 unter Nr. 15. S. ferner: unse brotschernen vor deme marketkerkhove wente an den Lederhof unde vor deme Schohove UB. IV 29(1337); vleschscharnen... van den brotschernen nederwort Kop. B.S.J. II Bl. 9(1441); kegen den Brodtscharn Heinrich Driwentts huse und der Mundtstrassen E. 237 (1553); gegen den Brothscharren Belnhausen und der Schneydersilde- hause 576(1561); jegen dem Brothscharne über an der Marstals strassen 624(1562); an dem Gildehause der Schneider an der Marstalsstraß gegen den brodtscharn K.A.Bl. 7(1589). Anscheinend erstreckten sich die Brotscharren auch auf die Südseite des Marktkirchhofes, da gelegentlich Reineken hus des aderlaters twis- schen den brotschernen erwähnt wird(s. UB. IV 499, 1351£.). Dies Haus ist am Gemeindehofe zu suchen. 15. Bäckerstraße(platea pistorum)(M,, St.) Die Straße hat ihren Lauf bis heute beibehalten. Ihr unterer Teil nach dem Breiten Tor zu führt auf den Plänen von 1803 und 1868 die Bezeichnung ‚im Kohlgarten‘“. Bel.: in der Beckersstrate UB. III 669(1323); in der Beckerestrate III 698(1324); in platea Pistorum 699(1324). S. ferner UB. IV Register S. 701; in der Beckerstraten allerneyst by deme Garden by den kolgarden St.G. 729(1429); in der Jacobi straten tiigen der gassen de in der Becker- strate gheyt H. 138(1452); in der becker straten(an dem voßhale— durchstrichen) am orde boven der poppenstraten 144(1452); in der Becker- straten twischen der papenstraten unde... 362(1462); up der Becker Straten an deme Orde der Stoven Straten ULf. Bl. 32(nach 1462); in der vogedstraten an enem orde der Beckerstrate H. 326(1466); in der Becker- straten... am orde na sunte Jacobs kercken 546(1470); an der becker- strate ame orde der wockvotes strate 572(1471); an der Beckere unde wokkenfotes straten 972(1483). in platea dieta de Beckerstraten in acie eiusdem vici quo itur ad stubam sancti Jacobi Domstift 648(1482); an der Beckerstraten an dem orde der Sommerwunnenstraten ULf. Bl. 50 v(1486); in der beckerstraten an dem orde der parstrate Jakobikirche 10(1503); an der beckerstrassen gegen sanct Egidien kirchen ober E. 641(1563). 16. Bäarıngerstraße(Rn, 2% I) Zuerst erwähnt als platea Berningi im Jahre 1108. Bel.: a plateis que dicuntur Berningi, Werenheri, Gezmanni UB. I 152(1108); platea Berningestrate UB. III 581(1321); Berninghestrate IV 49 (1337); up der Berningstraten... an eynem orhde von der Schilder- ey straten H. 289(1458); up deme orde tigen sunte Illigen an der beringe unde Franckenbergeschen straten 1105(1489); uff der beringestrassen vor deme Viets thoere E. 188(1551); uff der Berinngs straten... und der Schiller strassen an der Ecke 1442(1585). Gelegentlich auch bibernigstrate und bidernyngstrate W. S. 250, 252(1454). Später öfters Bärenstrate(Berenstraße). 17. Bahnhofstraße(J.) — Kuhstraße(u. Nr. 167); Wockenfußstraße(u. Nr. 325); am Jakobikirchhof(u. Nr. 127); vor dem Rosentore(u. Nr. 250). 18. Beider Bartholomäuskapelle(St.) Die Kapelle lag auf dem Breitentore. Bel.: Vgl. UB. IV 366(1349), V 78(1367). S. ferner: up der breden straten ame orde tigen sunte bartholomeus capellen H. 651/2(1474), in der breydenstraten ame orde negest Sunte Bartolomeus Capellen 1235 (1493). 19. Bartoldes(Bertoldes, Berldes)straße(M.) Sie deckt sich mit der Bartoldsmühlen-, heutigen Oberen Müh- lenstraße. Bel.: in der Bartoldesstraten H. 731(1476); in der bartoldes strate negest der bartoldes molen 1136 ‚(1490); in der bartoldes strate tighen der molen over 1199(1492); uf der Berldes strassen E. 162(1550). In der Straße wohnt ein Hans Berldes. 20. Bartoldsmühlenstraße(M.) — Bartoldsstraße(Obere Mühlenstraße). Bel.:in der strassen bie der bartoldes molen E. 231(1553); in der molenstrassen gegen der Bartoldes molen over 651(1563). 21. Bedelerhagen(T?) Von B., S. 29, 33 Nr. 5, in der Schreiberstraße gesucht. Ich möchte eher an den Pfalzbezirk denken(oben S. 28). Höl- scher, Kaiserpfalz, S. 149 Anm. 4, äußert die Vermutung, daß der Bedelerhagen seinen Namen vielleicht von dem im Pfalzbezirk belegenen Armenspital des Deutschen Ritter- ordens ableite. Diese Vermutung dürfte kaum zutreffen. Al- lerdings gibt es z. B. in Hildesheim eine Bettlergasse. Vgl. Gebauer, Z?RG. 61(1941), S. 174. Bel.: domus in Bedelerehagen que vocatur Portula UB. II 419 (1285—1296), S. 425; parvum spacium apud curiam Conradi Scriptoris in Bedelerhagen S. 426; in Bedelerehagen de domo Gygantis S. 427. S. ferner das. S. 424 Z. 1: de domibus in Bedelerehagen. 22. An(auf,über) dem Beeke(Beke)(F.) Der Namen„am Beek“ haftet heute an der Straße oberhalb des Frankenberger Planes, die gelegentlich auch als Beekstraße vorkommt. Die Bezeichnung begegnet aber zugleich an an- > deren Stellen, an denen Rinnsale des Beeks bezeugt sind, z.B. an der Bäringerstraße— in platea Berningestrate prope rivum UB. III 699(1324)—, sowie an den bei F. S. 171 Anm. 104 ge- nannten Wegeverbindungen(Frankenbergerstr., Vogtstr., Marktstr., Fischemäkerstr., Sommerwohlenstr.). In der Form eines Straßennamens wird up dem Beeke in den Schoßregi- stern des 16. Jahrhunderts für eine Gegend an der Breiten Straße(am Kreuzungspunkt mit der Piepmäkerstraße) ge- braucht. Wegen des Beeksystems im allgemeinen vgl. Fl. S. 19 f.; F. S. 170/71 sowie oben S. 24/5. Bel.: uppe der straten dar de Goße by der franckenbergeschen kercken achter here vluth ULF. Bl. 67v(1491); up der franckenberges- schen strate up jegen deme hospital des hilgen cruces over up deme beke belegen H. 1480(1499); in der Beeckstraßen zwischen Andreas Koinen und Hans Boten heußeren belegen E. 1222(1579)— s. dazu haus und hoff uff dem Plane, am orte an Andreas koinen Muntzmeisters Hauße belegen 1145(1577). 23. Beekstraße(F.) a) Es handelt sich um die heutige Beekstraße, die vereinzelt auch als Schulzenstraße und als Wasserstraße vorkommt(u. Nr. 271, 313b). b) Über die Straße„am Beeke“ als Beekstraße s. vorstehend Nr. 22. . Berstraße a) Berstraße im Frankenberger Bezirk(F.) Eine Berstraße im Frankenberger Bezirk wird 1480 erwähnt. Es liegt hier aber wohl lediglich ein Schreibfehler für Berg- straße vor. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Metele, die Witwe von Dre- wes friheides, an gerke loters. Das Haus ist belegen boven der bartoldes molen an der goße nest der genanten metelen huse, dat dar geyt an de berstraten H. 881(1480); Auflassung eines Hauses durch Bartolt Sußrote an Hans turolt. Das Haus ist belegen vor der berchstrate up der gose twisschen Hinrick landesberge und loterst kinderen huseren H. 1238(1493). Fs ist daher anzunehmen, daß bei H. 881 Berstraße aus Bergstraße ver- schrieben ist. b) Berstraße in der Gegend des Neumarktes(M.) Es handelt sich bei dieser nur einmal genannten Ber(Birnen?) straße um einen Wegezug, der etwa von der Mitte der nörd- lichen Seite des Fleischscharrens über den Neumarkt zur Mitte der Hokenstraße bis an die Fenstermäkerstraße führte. Der Ansatz der Straße in der Hokenstraße ist noch heute vorhan- TEE ZURDEREBED EN ee den, ebenso läßt sich ihr Verlauf aus dem Stadtgrundriß er- schließen.— UB. III 596(1322) wird ein Mann namens Ber als Zeuge erwähnt. Bel.: Auflassung eines Hauses durch die Älterleute der Markt- kirche an Diederick Alen. Das Haus ist belegen uppe der Berstraten twisken Hinrick Brotmans unde der malersken huseren H. 1433(1497). Ein Haus Werneke Kotes lag 1388 achter den langen schernen aller- neyst dem Nyenmarkede UB. V 712. Anscheinend dasselbe Haus wird 1382 als an der Hokenstraße belegen bezeichnet(V 484). 1482(H. 925) läßt Hans Kannengeter auf einen Anteil und Gerechtigkeit„anne dem huse in den kramen twischen diderick busen huse unde der straten de tigen der Koteschen utgeyt tigen Kort schonemans huse over“. Nach H. 1607(1502) läßt her Hinrik Papetran als Erbe der malers- schen an Henningh bethman ein Haus auf„in der fisschemaker strate twisschen Henningh koten unde Diderick van alen huseren belegen. Vgl. dazu noch H. 1528(1497): Hinrick Brothmann und Ilsebe, seine Frau, lassen ein Haus auf an Hinrik köning unde Cord Gerlages, vormunden der Smede Gilde. Das Haus lag„hinder der Cramer Hus twischen Hinrik Deneken unde hern Henning Malen(?) huseren“. 25. Ander Bergbrücke(F.) Die Bergbrücke am Klaustor ist zuerst 1233 belegt. Die hier be- findliche Mühle wird 1233 vom Domstift an das Kloster Neu- werk verkauft. Es dürfte sich um die Klausmühle handeln, die 1293 durch Neuwerk an den Rat veräußert wird(UB. II 458, 461). Unklar Hölscher, Kaiserpfalz, S. 172; Fl. S. 43, 46. Bel.: molendinum nostrum(d. h. des Domkapitels) situm in civitate Goslarie juxta pontem qui vocatur berchbruke(berchbrucke) UB. I 532 (1233). ne Haus des Heneke von der Bergbrücke,„dat dar steit entjeghen Voghet Conredesstraten“, wird 1331 erwähnt(UB. III 900). 26. Bergstraße(F.,M.) Sie führt von der Marktkirche zum Klaustor. Zuerst 1367(UB. IV 97) als„berchstrate“ begegnend. Der obere Teil zwischen Schreiberstraße und Klaustor trägt nach den hier wohnhaften Fuhrleuten im 18. Jahrhundert die Bezeichnung„am Fahr- wege“(u. Nr. 73). An die Bergstraße ist auch zu denken bei der H. 881(1480) angeführten„Berstrate“(o. Nr. 24a) und bei der H. 21,259 genannten„borchstrate‘(F. S. 150 Anm. 25, sowie u. Nr. 43). Dagegen handelt es sich bei der H. 768(1477) und ULF. Bl. 23 erwähnten Straße nicht, wie B. S. 39, Nr. 63/65, annimmt, um die Berg-, sondern um die Burgstraße(F.a.a.O. sowie HGBI. 1920/21, S. 138). 2. Bergvogtstraße(F.) a)— Ziegenstraße(u. Nr. 335). Benannt nach einem hier be- legenen Hause des Bergvogts Heinrich Holdeshausen. Bel.: in der strate by deme berchfoged H. 832(1479). Auflassung eines Hauses-durch Tile beten an Clauwes Hartwich. Das Haus ist belegen uppe der franckenbergesschen straten negest Hinrick holdeßhusen des berchvogedes huse am orde 858(1480); Auflassung eines Hauses durch Tile beten an Cordt langeclauwes. Das Haus liegt in der straten negest deme berchvogede unde des sulven vogedes garden unde Clauwes Hart- wiges huse 859(1480). b)= Stobenstraße(Fingerlingstraße) Bel.: Haus belegen up der stoven straten by deme franckenberge twisschen(Hans Hauwenschilt— durchstrichen) des berghvogedes garden unde tilen bossen huseren H. 796(1478); in der stovenstraten twis- schen tilen bussen und Hinrichs bornhusen huseren 1435(1498). Hans Wysen by dem bergfogede H. Sch.(F. 1576). Hans Wyse ist als An- wohner der Frankenbergischen Stobenstraße bezeugt E. 202(1552), 1189 (1578). Unter dem hier gemeinten Bergvogt ist der Bergvogt Hinrick Meyer zu verstehen, H. Sch.(F. 1578). 28. Berwinkelstraße(M.) Sie dürfte identisch sein mit der Poppenborg(Poppen-), heu- tigen Marstallstraße zwischen Markt- und Bäckerstraße. Nä- heres B. S. 33 Nr. 7, 38 Nr. 55 und F. S. 155/56. Benannt nach einem Angehörigen der Ritterfamilie Berwinkel. Bel.: in platea Berewinkelesstrate in domo Conradi Poppenborghes UB. III 699(1324). Eine Kurie der Grafen von Regenstein ist 1267 an Gebhard de Berwinkele verlehnt(UB. II 137). Ein Ritter Burchardus de Berewinkele wird genannt UB. II 486(1295); III 443(1317). 29. Bibernig-(Bydernyng) strate. — Bäringerstraße(o. Nr. 16) 30. Blankenstraße(St.) — Treib- oder Brüggemannstraße(u. Nr. 40). Wohl benannt nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Blanke. Bel.: Dedeke Dreyger bestellt eine Rente an seinem Hause in der Blanckenstraten twischen Brant wynneken und Hinrik Temmen do nu karsten snüver huseren na lude unde inholde enes Voghedes breves dar over geven Stephanikirche 19(1491). S. ferner Auflassung eines Hauses durch Hinrik Themmen an karsten snüver in der Driverstrate twisschen Dedeken und brostidden huseren belegen H. 1162(1490); durch Hinrick temmen an Dedeke Dryger in der Dryvenstraten twyschen Carsten Snüvers und Brant post huseren 1205(1492); durch Dedeke Dreyger an Evert Helmbrechtes in der Dryvenstraten twyschen Carsten Snüvers und Brant postes huseren 1206(1492). 31. Bleek(T.) —= Kaiserbleek. B. S. 16/17 bringt den Namen mit der ältesten, a in der Nähe‘des Kaiserhauses zu suchenden Fronhofsiedlung in Verbindung(s. hierzu F., HGBl. 1920/21, S. 137 Anm. 3). Der Ausdruck Bleek wird auch sonst zur Grundstücksbezeich- . nung gebraucht Bel.: Das Domkapitel verkauft den Deutschordensrittern en- blek mit dem eghendome van dem hove, de nu hern Janes van Barum is UB. IV 733(1361); bleyck boven ‚den logenbencken St.G. 873(1480); dat huß mit dem hoffe und Bleke, dat van oldinghes dat huß tome Lam- borgere dore is geheten Domst. 667(1491). 832. Bleıhof(St.) Es handelt sich um den herzoglich braunschweigischen Vitriol- hof an der Abzucht am Eingang der Köterstraße unweit des St. Annenhospitals. S. auch u. Nr. 302(Vitriolshäuser). Bel.: uff der Klockgiesser strassen unter dem Bleihove jegen dem Hospitall über E. 786(1567); dem pleyhoffe uf der Glockgieser Strassen 1115(1576); uf der Klochengiesserstrassen zwischen des Herzogen Vic- trilshofe und der Köterstraßen gelegen 1457(1585). 33. Bokemühlen. Nach Fl. S. 106 gab es ausweislich des Schoßbuches von 1441 zwei Bokemühlen, nämlich de bocmole by de linden und de bokemole by... borgerhus. Die eine lag an der Grenze des Pfalzbezirks(s. auch B. S. 40 Nr. 77), die zweite in der Nähe des Bürgerhauses an der Abzucht im Stephanikirch- spiel(u. Nr. 41). 34. Bolzenstraße(St.) Die heutige Bolzenstraße kommt bis ins 18. Jahrhundert als Woltersstraße(u. Nr. 327) vor, erst seit der 2. Hälfte dieses Jahrh. erscheint sie als Bolzenstraße nach einem Hause der in ihr bereits seit etwa 1700 ansässigen Bürgerfamilie Bolze. An- dere Bezeichnungen: Achtermannstraße, Hauptmannstraße, Reckenstraße(s. diese). 35. StraßebeiHenningBossen(J.) Nebenstraße der Bäckerstraße, zusamenfallend mit dem klei- nen Vogelsang(u. Nr. 303). Bel.: de strate by Henni Bossen Sch.(M., vor 1560); Straße bei Henning Bossen oder Vogelsanck Sch.(J. 1574); Straße bey Hennigk Voß hinen alias im kleinen Vogelsang H. Sch.(J. 1575); Straße bi Henni Boß Sch.(Generalregister J. 1575); Straße bei Hennig Böeß, dann: Auf dem Freudenplan, Im Vogelgesange H. Sch.(J. 1576); Straße bei Henning Böeß Hause auf dem Freudenplan, benachbart Haus Hinrick Pansmeds Seh u. V. Sch.(I. 1576). re 36. Breite Straße(lata platea)(M,, St.) Sie führt vom Breitentore zum Markt. Bel.:in lata platea UB. II 525(1297), III 591(1322); in der Brederen strate, dat der junkheren hus het, beneden der vornen IV 50(1337); in der Breyden strate uppe dem horne an der Rosenstraße V 919a(1393); hus geheten to der Roden vorne belegen in der Breden straten unde an dem orthuse dar enboven unde an den boden, de darto hort 1104(1398). up der bredenstraten beneden hanse nygeland jegen dem pale Dom- stift 606(1453); an eynem orde up der breyden strate by... huse up eyne unde der wunnen strate up andere siid H. 224(1455); in der Breden straten... an dem orde der kolstraten 391, 392(1443); an der breden straten an deme orde der defstraten 520(1469); up der Breden straten... an der stovenstraten 527(1469); upp der breden straten... ame orde der willerlingestraten 945(1482); in der bredenstrassen ame orde der sommer- wunnen strate 1214(1492); in der breyden straten ame orde der wulrynges straten 1229(1492). 37. Im Breitentore(St.) Wegen der Toranlage vgl. Kunstdenkm. S. 225 f. Bel.: twischen dem Bredendore Sch.(St. 1577); im Breitentore H., V. u. Gemeinschoß 1709(für 1708), Brandkataster 1770. 38. Hinterden Brüdern(F.) Ehemaliger Friedhof des Klosters der Franziskaner(Minder- brüder, fratres minores). Es handelt sich um den heutigen Ziegenplatz(Greifplatz) an der Bäringerstraße. Bel.: Ein vicus(viculus) am Brüdernkirchhof wird 1300 erwähnt UB. II 604(1300). in Bernige strate juxta fratres minores UB. III 245, 261(1311); apud fratres minores 699(1324); by den broderen 963(1333); tyghen der Bar- votenbrodere kore uppe deme kerchove IV 707(1360). post cimiterium fratrum minorum W. S. 198(1447); bii den broderen edder barvoten St.G. 1009(1504); ahn dem Brüder orthe E. 896(1570). 39. Brüderstraße(F.) Am Brüdernkirchhof(Hintern Brüdern). Bel.:„uf der Broderstrassen“ H. 924(1571). ‘40. Brüggemannstraße(St.) Benannt nach dem hier belegenen Hausbesitz der Bürger familie Brüggemann. Der Name verdrängt die früher vorherr- schende Bezeichnung Treib(Drif) straße(u. Nr. 296). Als Treib- oder Brüggemannstr. wird gelegentlich auch die Obere Kirchstraße an der Stephanikirche bis zur Kornstraße bezeichnet. Bel.: H. Sch. 1576 folgen unmittelbar aufeinander: bruggemans strate. driefstrate kegen der pfarstr. S. ferner: in der Dreib oder Brüg- Bi gemans straßen K.A. Bl. 41(1594); Manual der Stephanipfarre 1704, 1705, 1706: Treib- oder Brugemanß Straßen, ebenso H., V. u. Gemeinschoß 1709(für 1708). 41. Bei dem Bürgerhause Ein Bürgerhaus, wahrscheinlich ein Vorläufer des späteren Waisenhauses, lag unweit der Grenze des Pfalzbezirks in der Nähe der Martinskapelle(vgl. Hölscher. Kaiserpfalz, S. 147 unten; Gidion ‚Harz Zeitschr. 1, 1948, S. 121, 135 Anm. 2), ein anderes in der Nachbarschaft der Bokemühle im Stephanibezirk(o. Nr. 33). Ein drittes Bürgerhäuschen wird auf dem Gemeindehof erwähnt. Bel.: Haus der Marktkirche gelegen uppe der gose aller negest enboven der borgerhus, Marktkirche 23(1438); de bokemole by.. der bor- gerhus W. S. 109(1441). Vgl. Fl. S. 106. Haus am orte kegen dem Borgerhuseschenn und zwischenn Gerdrudt Sageboms huse belegen E. 213(1552); Hans Kegel verkauft in Vollmacht seines Bruders Georg eine Ölmühle bei der abetucht hinter der Burger heuschen E. 1387(1583). Wegen des Bürgerhäuschens am Gemeindehofe s. H. 873(1480) und u. Nr. 190. 42. Bulkenstraße(M.) Querstraße zwischen Berg- und oberer Marktstraße. Zuerst vorkommend 1342 und benannt nach einem Mitglied der Berg- familie Bullie. Bel.: an den twen nyen husen, de dar steyt teghen Coneken Kop- manne in der Bulkesstraten UB. IV 174(1342). B. S. 38 Nr. 51 wirft die Straße mit der Peksteynstraße zusammen unter Hinweis auf UB. IV 1(1336): in Olrikes huse Bullekes, dat dar steyt in der Pekestenesstraten. In Wahrheit ist aber bei der Peksteyn- straße an die Lichtenbergische Straße zu denken(u. Nr. 174, 213). 43. Burgstraße(T.) Sie fällt mit der heutigen Königstraße zusammen. Näheres F. S. 150/51, sowie o. S. 29. Bel.: Haus in der borchstraten twischen Henningh Fenstermekers und Henningh Tilinges huseren Kop. B. S. J. II Bl. 50v; up der borch- strate twischen Gerhardes des schryvers huse unde der Agetuch negest der Sibelinge molen H. 768(1477); up der borchstraten am orde by der Symelingeschen brügge ULF. Bl. 23; in platea vulgariter de Borchstrate nuncupata Domstift Nr. 650(1482); in der borchstraten twischen Hans Tylinges unde her Bruiningkhorstes huseren H. 1208(149); an der borchstraten am orde negest Borcharde Munstersteins unde tigen Hans Tilinges huseren 1289(1494). Weitere Nachweise F., S. 150/51 Anm. 25, 28, 29. 5 Frölich, Goslarer Straßennamen I 44. Straße bei Busers Haus(M.) Hennig Busers Haus lag am Markte(F., V. V., S. 72 Anm.4). Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem Bürgermeister- haus am Markte(F., a. a. O. S. 58 Anm. 4). Die kleine Straße bei Busers Haus stellte wohl eine Verbindung her zur Juden- straße oder zu dem unteren Ende des Steinkramens. Bel.: hus... am markede twischen der kleinen straten unnd Hennigk busers hus belegen H. 1283(1494). Haus belegen jegen den steynkramen uppe dem orde hinder Busers huse Domstift 715(1506). 45. Ander Cäcilienkapelle(M.) Die Kapelle lag an der oberen Kornstraße(Kunstdenkm. S. 115/6). Bel.: apud cimitherium capelle beate Cecilie in Goslaria UB. II 337 (1286); van sunte Cecilien wente an de Wortstrate V 906(1392); in der Kornstraten und is dat ort huß alder negest der malden smede benedden Sunte Cecilien Capellen ULF. ‚Bl. 48(1435); uf der kornstrasse zwischen ... hauß und S. Sixillien kirchen gelegen E. 740/1(1566). 46. platea(pons) carnificum(M.) = Knochenhauerstraße(brücke). S. u. Nr. 149, 150. 47. platea clipeatorum(J.) = Schilderstraße(u. Nr. 264). 48. Cord Vogedesstrate(F., M.) — Vogt Konradstraße(u. Nr. 305). 49. platea cramistarum(Kramerstraße)(M.) Sie fällt mit der unteren Marktstraße in der Nähe des Schuh- hofes zusammen. Bel.: hallas etiam omnes, que continentur inter lobium fori et cimiterium forensis ecclesie et plateam-cramistarum, que sunt stationes sutorum et institorum et vendencium coria UB. I 320(1188), S. 354. 50. Dadelebische(Dolebische) Straße(St.) Sie deckt sich mit der Schielenstraße(u..Nr. 262). Der Name hängt wohl mit einer Ortsbezeichnung(Dodeleben?, s. UB. III 356, 1297—1330) oder mit einem Personennamen zusammen. Bel.: Registratur über Einnahme und Ausgabe des 1703 bewilligten Achtelschosses S. 44: Nr. 29 Dolebische str. Als Anwohner dieser Straße wird Hans Henrich Scheile genannt. Manual der Stephanspfarre 1704— 1706 über Huldigungseinnahmen S. 68: Nr. 29 Dolebsche Str. oder Scheeln Str. Darin wohnend wird Hans Heinrich Scheln erwähnt. Dadelebische Straße J. I(1759£.); Dadelebische(vulgo Scheilen) Straße J. II(1784£.). EEE SER ET ZUER in Rey 51. platea Hinrik Dalem(St.) Nebenstraße der Kornstraße(o. S. 51). Bel.: W. S. 106(1440?). 52. Beider Danielskapelle(St.) Die Kapelle gehörte mit dem Danielsturm nach Kunstdenkm. S. 70, 214, 228, 233 zu der Befestigungsanlage des Breitentores. Bel.: apud sanctum Danielem UB. II 419(1285—1296), S. 425; by sunte Daniel, Peterstift 66(1489); Gartenplatz an der Stadtmauer vor der Stiftskirche und an dem Wege, so nach dem Danielsturme gehet 177 (1698). Unter der„Stiftskirche“ ist hier die später dem Gottesdienste der Chorherren des Petersberger Stiftes dienende Katharinenkapelle an der Glockengießerstraße zu verstehen(Kunstdenkm., S. 72, 75/6). 53. Dedeleberstraße(St.) Wohl nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Dedeleves be- nannt. Ein Thile Dedeleves wird in dem Verzeichnis der Neu- bürger UB. IV 404, S. 287 im Jahre 1346 aufgeführt. Zusam- menhang mit dem Grubennamen To dem Dedelevischen (Bornhardt, Flurnamen, S. 11, zum Personennamen De- delev)? Identisch mit der Diebstraße(u. Nr. 55). Bel.: Hinrick Dedeleves veräußert ein Haus„benedden an der breden strate ame orde tegen sunte Bartolmeus Capellen over“ H. 678 (1474);„in der Dedesleveschen straten“ 1654(1502);„in der Dedelinge- schen straten“ 1655(1502);„up der kornstraten in den groperen am orde der Dedeleveschen strate“ St. G. 1051(1509);„in der Dedelebischen strassen“ E. 619(1562);„an der Dedeliebeschen straten“ 643(1563); Dede- lingesche str. H. Sch.(St. 1576); Deleffwesche Str. Sch.(St. 1579); Dele- fische Str. H. Sch.(St. 1583). 54. plateademonis(M.) — Teufelsgasse(Pfannenführerstraße oder Mittelgasse). S. u. Nr..191, 217, 294. Bel.: Haus Clawes Fruwenknechts in platea pistorum in acie platee demonis Brüdernkloster 9a(um 1500). Ein Haus der Fruwen- knechteschen lag nach E. 2(1546) in den cleinen gassen up der becker- straten, die nach den Namen der Anwohner mit der späteren Pfannen- führerstraße zusammenfällt. S. im übrigen u. Nr. 294. 55. Diebstraße(St.) — Dedeleberstraße(o. Nr. 53). Der Name läßt auf die Un- sicherheit der Gegend schließen. Bel.: Haus beneddenn sunte steffens kerckenn an deme orde der Deve strate to deme Bredenn Dore worth Steph. K. 2a Nr. 20(1433); upp der Breydenstraten am orde de diffstraten H. 457(1466); an der breden straten an deme orde der defstraten 520(1469). 5” Be Andere Namensformen: Deyffstraten Peterst. 62(1484); deffstraten Steph. K. 2a Nr. 27(1497); deives straten H. 1497(1496); devestraten 1635(1502); diefesstrassen E. 249(1553). 56. Diekmansche Straße(M.) Sie deckt sich mit der Knochenhauerstraße. Benannt nach einem Hause Hans Dieckmans. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Hans Dieckmans Witwe in der dickmenschen strassen E. 517(1560); v£f der Knochenhawerstraßen zwi- schen Mathias Müllers und der Dieckmenschen heusern belegen 923(1571). Die Gleichheit mit der Knochenhauer Straße ergibt sich auch aus E. 106 (1548), 129(1549). 57. Dolebische Straße(St.) — Dadelebische Straße(Nr. 50), Schielenstr.(Nr. 262). 58. Domstraße(M.) Die Straße führt nach dem Münster zu. Sie hat ihren Namen vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart behauptet. Bel.: in Domstrate UB. II 26(1254); in platea, que dicitur Dome- strate III 683(1324); in der Domstrate 934, S. 618 Z. 3(1332); in der Domesstrate allerneyst driffhuttenhuse V 579(1385); in der kornstraten an eynem orhde bii der domstraten H. 429(1465), 1312(1495); in der domstraten am orde negest der Goße 1187(1491); in der Dohmstraten E. 98(1548); in der Thumbstrasse 717(1565); 908(1570). 59. platea dominorum(B.) — Herrenstraße im Bergdorfe(u. Nr. 114). 60. Dreckstraße(J.) — Untere Schildwache. Sie fällt zusammen mit der Neuwerk- straße(u. Nr. 204), die auch als vicus Ludolfi(u. Nr. 177) und als Wigertsche Straße(u. Nr. 318) vorkommt. Bel.: Hans Godeke läßt sein Haus auf an Cord Richter in der dreckstraten tygen dem Nigenwerke tw. des sulven Hans Godeken unde des Nigenwerkes boyden H. 456(1466); ihn der Dreckstrassen K.A. Bl. 49 v(1599). Vgl. hierzu ferner: Olrikes Cassel läßt auf an Hans Godeke sein Haus bel. tygen dem Nigenwerke by der Nigenwerkesche Bode unde by des- sulven Olrikes huse H. 399(1463); Olrikes Cassel überläßt ein Haus bel. tygen sunte Jacobs kercken an eynem orde tygen der pannensmede over by Hanse Godeke huse an Bartold Vegefür 400(1463); Olrikes Cassel läßt auf an Hinrik Helmstidde ein Haus tygen dem Nigenwerke tw. Hans godeken unde Ludolffus husen 407(1463); Cord Richter überträgt ein Haus an der nigenwerkesstraten tw. der nigenwerckschen huse unde Cord Richters huse an Alheyt, Hermen pansmedes Witwe 568(1471); Cord Richter und Hinreck Helmstedde lassen auf an Clawes Konnigk ihr Haus tygen dem nigenwerkes huse tw. der pansmedeschen unde den nigenwerkeschen huseren 600(1472); Alheyd Pansmed, Herm. pansmedes Witwe, überträgt ihr Haus tigen dem backhuse over tom nigenwerke tw. a, Se der nigenwerkeschen unde Clawes Konnighes husen an Hinrik Frund 755(1477), Clawes Konnigh läßt auf sein Haus jegen dem nyenwerke tw. Cord Funcken und Hinr. frundes husen an Hennigh kleynsmet alias langereyger(langhereyger) 1358(1506). be Drifstwate(St.) — Treib(Brüggemann)straße. S. unten Nr. 296. 62. Düstere Straße(St.) — Schulstraße(B., S. 41 Nr. 13; u. Nr. 270). Bel.: in der düestern straße hinter dem Schwicheldschen Hof Land- buch 1648 f., Nr. 563. Düsternstraße als südliche Querstraße der Korn- straße auch erwähnt bei Crusius, S. 437/8. 63. Ebering(Ebeling-, Eggeling-,Ewering-)stra- Bie(iE.) — Eyslingstr.(Forststraße). S. u. Nr. 79. 64. Eckenstraße(St.) Nicht näher festzulegende Nebenstraße der Kornstraße im Stephanibezirk. Sie wird angeführt W. S. 106(1440), 146 (1442) als platea Tile Ecken. Ein Tyleke ecke kommt W.S.29 (nach 1416) in dieser Gegend vor. Sie dürfte mit der Kniggen- oder der Bolzenstraße zusammenfallen. 65. An der Egidien(Ägidien) kirche(M.) Sie lag an dem oberen Ende der Bäckerstraße an der Kreu- zung mit der Marktstraße(Kunstdenkm. S. 116 f.). Öfters ist hier von dem Egidien(Ottilien-)turme die Rede. Bel.: in bekkerstrate ex uno latere versum ad sanctum egedium W. S. 7(1415); Retro sanctum egidium S. 11(1415), tigen sunte Egidien twisschen Reymer kopman... husen under dem swigkbogen H. 376 (1462); huß under dem Swickbogen to sunte Ilien Jakobikirche 10(1503); in des Erbarn Claus friedemans behausung bey Sanct Otilien in Goßlar belegen D. 441(1575); an der Marcktstrassen zwischen... hause undt Sanct Agydii Kirchen Bd. 123(1616). auf der Bäckerstraße bei Sanct Otilientorm Stadt Goslar 1299(1588); St. Ottilien Thurm Sch.(M. 1750).. 66. Egidien(Ägidien)straße(M.) — obere Marktstraße. Bel.: In dem R.R.(Bl. 2) wird eine Rente erwähnt„an Fricken Lysen huse belegen in sunte Egidienstraten up eynem ohrde an der poppenstraten benedden Hennig Tollen huse“. Es handelt sich wohl um die obere Marktstraße von der Einmündung der Papen-(heuti- gen Marstall) straße an. Dasselbe Haus wird 1464 der Vogst-Konradstraße zugerechnet(Marktkirche 33/34: An Fricke Lysen huse, belegen in Cord Vogedes straten twischen des rades marstalle unde Hermen von Dorn- then huse unde hove). S. ferner H. 276(1458): Haus an der Marktstraße tigen sunte Egidien kerken by Hinrik vredemans huse upp dem orde an der bulkenstrate. Näheres F., S. 154 Anm. 38, 155 Anm. 41, o. S. 34/5. 67. Elerstraße(St.) S. u. Nr. 70(Eylerdesstraße). 68. Bei(hinter) derElveschen Mühle(M.) Wegen ihrer Lage und ihrer verschiedenen Bezeichnungen (Teufelsmühle, Neue Mühle) vgl. Fl. S. 106/7. Bel.: supra Gosam ret. Elvesche molen W. S. 6(1414). 69. Eremitenstraße(J.) Eine Eremitenstraße wird erwähnt bei Mund, S. 465, und bei Crusius, S. 157. Sie ist benannt nach der in ihr belege- nen Terminei der Augustiner-Eremiten und deckt sich mit der Mönche(Terminei)straße. Mund verwechselt sie mit der Münzstraße. Bel.: Die Augustiner Eremiten in Goslar verpflichten sich, von einem gekauften Hause an der Schilderstraße Schoß und alle anderen Bürgerpflichten zu leisten UB. V 955(1394). Im übrigen vgl. u. Nr. 192 (Mönchstr.) u. 292(Termineistraße). 70. Eylerdesstraße(Elerstraße) a) im Marktbezirk(M.) Ein vicus Hinrik Elers(eylerdes) wird öfters im Wortzinsbuch nach der Judenschule(im Gosewinkel) angeführt. Er deckt sich vielleicht mit einem gelegentlich vorkommenden vicus Hinrik Eylers under dem notbome. Es kann sich dabei nicht um die Eylerdesstraße im Stephanibezirk handeln. Vielmehr ist hier an die spätere Pfannenführerstraße zu denken. S. auch unten Nr. 291(vicus Symonis). Bel.: vicus Hinr. elerd W. S. 71(1416?), 154(1443), 194(1447); vicus Hinr. eylerdes 174(1449), 455(1463); vicus Heyneke Eylerdes 289(1464). vic. Hinrik Eylers under dem notbome W. S. 348, 357(1469). b) im Stephanibezirk(St.) Benannt nach einem Hause des angesehenen Bürgers Eilhard Tymbermann(Eilhardus Carpentarius). Wohl zusammenfal- lend mit der Badelebischen Straße. Bel.: in Eylardes hus Tymbermannes to der Sconen ecke in der Cornstraten UB. III 976(1334); Haus von Her Eylhart de timberman (ohne Lagebezeichnung) IV 405(1300—1350); hus, dat dar steyt in der Bateslevestraten, dar Arnd hern Eylerdes nü inne wonet 457(1352); Cord Copman verkauft eine Rente an die Vormünder der Münzer ute deme huse, dat Eylerdes Tymbermannes ghewesen hadde unde desulve Cord nu inne wonet. 462(1352). Vogturkunde vom 5. 6. 1402, wonach Hans Ernstes den Vormündern der Münzergilde abgekauft hat„or hus ghelegen in der eyllerdes straten, 2 dar ichtes wanne Cord Kopmann inne wonet hadde“; an diesem Hause verkauft nach einer Urkunde vom 7. 6. 1402 Hans Ernstes den Vormunden der Münzergilde eine Rente von 1 verding Goslarer Währung(St. Goslar 577, 578). Vertrag des Rates mit Gabriel von Magdeburg vom 11. 11. 1406. Danach überläßt der Rat an den letzteren„eyn hus, gheleghen in der elerstrate, dat Hans Ernstes vore ghewest was“(Kop. B. 402 Nr. 327). 71. Eysling(Eselinge,Neselinge,Deslinge)straße (F.) — Forststraße(Voßstraße). Näheres F. S. 159 Anm. 60—62; o. S. 38. Der Name geht wohl auf ein hier belegenes Vorwerk„gheheten de Eselinghe‘“ im Besitz des Klosters Fran- kenberg zurück(vgl. UB. IV 584— 1357—). Bel.: de eyslinghestrate W. S. 19(1416); in der Berchstraten bii der Eyslingstraten an eynem orde H. 44(1445); de Eyslinstrate W. S. 248 (1454); de Eberingstrate S. 262(1462); de Ebelingstrate S. 291(1464); de eislingstrate S. 475(1465); Eislickstr. R.R. Bl. 25 v.(F. S. 159 Anm. 60). in der franckenbergesschen straten ame orde der Eselingenstrate H. 431(1470); ame orde der Eselinge strate unde by... huse in der Berchstrate 432(1470); in der Eeslingestraten 609(1472); in der neselinges straten 882(1480); in der Eßlinges straten twisschen Hans voßes ende. huseren 994(1484); in der eislinghe straten 1275(1494). in der Deßlynghe straten St. G. 945(1493); in der franckenbergeschen straten ame orde der Deislinghe straten, Neues Hosp. b. St. Catharinen 32 (1494); up der frankenbergeschen straten ame orde der deslingesstrate H. 1514(1500); up der Eslingesstraten 1662(1503); in Deselingestratenn Heil. Kreuz Hosp. 3(1506); in der deßlingstratenn ULF. Bl. 77(1515). 72. Bei(nach, gegenüber) dem Färbehaus Färbehäuser begegnen in der Nähe der Teufelsmühle, in der Treibstraße sowie in der Lämmer- und Gosestraße. Bel.: sampt dem ferbehuse uff der gose twischen hern Nikolaus Dronewulffs Hause und der Teufelsmühle E. 330(1555). kegen dem ferbehus twischen Hans holtings huse unde dem remen gelegen 446(1558); Hans Holting der Ältere läßt auf sein Haus gegen den ferbehuse uber an der treiberstraße twischen Hans Kieps und seinem eigenen Hause 596(1562). Nach dem alten Färbehaus: na dem olden Farve hus Sch.(St., um 1577). Nach Sch.(St. 1577) mit der Lämmerstraße identisch. Bei dem neuen Färbehaus: By dem Nien Farvehus Sch.(St., um 1577). Nach Sch.(St. 1577) mit der Gosestraße zusammenfallend. Ebenso schon nach der Urkunde vom 7. 5. 1556(St. Goslar, Kistenamt Nr. 8) und der zugehörigen Auflassungsverhandlung E. 408(1557). 73. Auf dem Fahrwege(F.) So wird seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts der obere Teil der Bergstraße zwischen Schreiberstraße und Klaustor be- Sad zeichnet, wahrscheinlich nach den hier wohnhaften Fuhr- leuten. Bel.: Olrick Klunder verkauft eine Rente in der Bergstraten K.A. Bl. 18(1578). Auf der Rückseite der Urkunde ist als späterer Renten- schuldner nach. Hans Borden und Hanns Simers angegeben„Hinrich Fricken uffm fahrwege“.: am Fahrwege gegen dem Keitelschen Hause über T. O.$ 19. 14. Fenstermäker(Venstermäker)straße(M.) Zwischen Hoken- und Fischemäkerstraße am Neumarkte, später verschwunden. Bel.: de venstermekerstrate W. S. 406(1476). W.-S. 245(1454) wird ein Haus Tidericus venstermekers zwischen dem Hause des Henkers (suspensoris) und der vysmekerstrate angeführt. Im Jahre 1470 empfan- gen Henning Fenstermeker und Hinrik Wilhelm vom Rate den Nigen- market(Hölscher, Hz. 41, S. 260).- Möglicherweise hat die Bezeichnung Fenstermäkerstraße auch über- gegriffen auf den unteren Teil der Vogt-Konradstraße, da ein Haus von Fricke Lysen(= Fenstermeker) 1463 als an der Ecke der Markt- und der Poppenstraße bzw. an der Egidienstraße und 1464 als in der Vogt-Konrad- Straße zwischen dem Marstall und Hermann von Dörntens Hause und Hofe belegen bezeichnet wird(F., S. 154 Anm. 38, 155 Anm. 41). 75. Finger!ingstraße(F.) — Martinstraße, Straße by dem hurhuse, Frankenbergische Stobengasse. Heute Ende der Neuen Straße nach der Berg- straße zu.— Von Gidion, Harz Zeitschr. 1(1948) S. 121, 135 Anm. 2 wird die Straße als eine ‚‚fingerähnliche Sackstraße“ bezeichnet und so der Straßenname gedeutet, eine Auslegung, die an sich manches für sich hat. Unzutreffend ist aber, wenn die Straße mit der heutigen Straße ‚Am Liebfrauenberge“ zu- sammengeworfen wird. Bel.: up der vingerlinge straten twisschen sunte martens torne unde der gose St. G. 861(1477); in sunte martens strate, de fingerenstraten anders genomet H. 1265(1494); in der Vingerlinges straten E. 120(1549); in der fingerlinges straßen am orthe bie der gose 313(1555); de finer- linckes stras Schildwächter: Frankenberger Pfarre(1601). 76. Fischemäker(Vischmenger)straße(M.) Die Straße der Fischhändler, insbes. der Heringsverkäufer und-wäscher. S. o. S. 24. Bel.: in platea, que dieitur Vischmengerstrate(Vischmengerestrate) UB. III 506(1320), 683(1324), 699(1324); V 816(1390). in der vismenger strate up deme orde na dem markede H. 104 (1449); an der Bredenstraten unde vischmanger strate am orde 603(1472); uppe der fuschmakers straten 928(1482); in der visschmenge strate. der Jodden schole 1165(1490); in der visschmakers strate ame Orde des kann Er ee goßewinkels 1175(1491); in der vischmengerstraten 1341(1496); up der fismekerstraten 1392(1497). in der vischenghere straten twischen... unde des altaristen der hilshen drier konnigh Altars huseren belegen Jakobik. 9(1498); de Fischemer Strate Sch.(M., um 1569); an der beckerstraßen zwischen dem gosewinckell unde der Vieschemacher strassen E. 539(1560); in der Fischemeker straße 1074(1575). Volckmann, Die deutsche Stadt im Spiegel alter Gassennamen, S. 98, deutet die Straße als„vischweker strate“ nach den Fischweichern, die getrocknete Fische, besonders Stockfische, aufweichten und verkauften. Sie bildeten, wie z. B. in Hamburg, eine eigene Zunft(Schiller- Lübben, Mittelnd. WB. V, S. 261). Diese Auffassung kann nicht zu- treffen, da die Fischemäkerstraße in Goslar im Mittelalter stets nur als Fischmenger- oder Fischmongerstraße bezeichnet wird. 77. Straßebei Jakob Fischer(St.) Nebenstraße der Kornstraße. Anscheinend= Lichtenbergische (Kniggen) Straße. Bel.: by Jacop Fischer in der straten H. Sch.(St. 1576), daneben wird die Wolterstraße genannt; bey Jacop Fischer de strate Sch.(St, 1575, Register); by Jacop Fischer henyn H. Sch.(St. 1578). 78. Fleischscharren(M.) Verkaufsstände der Fleischer oberhalb des Kramergilde- hauses. Als eigentliche Wohn- und Gewerbestraße der Flei- scher kommt die Knochenhauerstraße(u. Nr. 150) in Betracht. Über das Verhältnis der Fleischer, Knochenhauer und Gar- brater zu einander s. Hoffmann, S. 49/50. Bel.: macellum des Stiftes St. Georgenberg UB. I 181(1131); macel- lum, quod dieitur Supremum 306(1186); 320(1188); 351(1199); de. ma- cellis III 213(1309); retro macella 788(1327). An Fricke Fenstermeker hat das Domstift verkauft ores godeshuses vleschscharnen den verden to der vorderen hant van den brotschernen nederwort to rekende Kop. B-S.J. I, Bl. 9(1441). vleisscherne... an dem markede St. G. 984(1500); flesscherne unnd stede in unser Stadt hinder deme huse der kremer Kop. B.S.J. II Ble 53V (1506); By dem flesk scerne Sch.(M. 1563); by dem fleischscharren H. Sch. (M. 1577). 5 79° Worststraße(F.) In ihr lebt der Name der alten Vogtstraße im Frankenberger Bezirk fort. Sie erscheint in zahlreichen Einträgen des Eigen- tumsbuches aus dem 16. Jahrhundert als Vochs-, Voch- oder Voßstraße, wobei möglicherweise der Umstand nicht ohne Einfluß geblieben ist, daß in der Straße eine Familie Vos Grundbesitz hat. Als Vochs-, Vos- und Fuchsstraße ist die Straße in den Goslarer Schoßregistern bis in den Anfang des 7 18. Jahrhunderts zu verfolgen. Seit 1739 ist der jetzige Name Forststraße belegt. Vgl. F. S. 158-160 sowie oben S. 38. S. ferner o. Nr. 71(Eyslingstr.). Nachtrag unten S. 159. 80 Frankenbergerstraße(F.) Sie führt vom Westende der Marktstraße zum Frankenberger- Plan. Bel.: in der Vrankenbergheschen strate UB. V 279(1375); in der Vrankenbergeschen strate 669(1387); an der Vrankenbergschen strate 756 (1389); super gozam vrankenberghestrate W. S. 10(1415); up der Francken- bergeschen straten an eynem orde de Rosenstrate H. 450(1466); up der frankenbergeschen straten ame orde der deslinges strate 1514(1500). 81. Beim Frauenhause(Hurenhause) a) Es handelt sich zunächst um das Frauenhaus in der Fin- gerlingstraße(Stobenstraße) im Frankenberger Bezirk. Bel.: in der Stovenstraße gegen dem hurhuse E. 202(1552); Auf- lassung des gemeinen Frauenhauses by sant Martens Capellen an der Avetucht 340(1556); by dem hurhuse Sch.(T., um 1570); jegen dem hurhuse Sch.(F., um 1576). b) Später begegnet ein Frauenhaus in den Gröpern. Bel.: bartolt struven de groperen henup. Hans Heimbarch by dem fruwenn huse H. Sch.(St. 1576). 82. Frauenstraße(F.) — Kettenstraße(u. Nr. 142). Bel.: in der Froweken(Vruweken) strate UB. III 948(1333); IV 438, 463(1352, 1358); V 530(1383); an der Beringestraße uppe deme orde an der Vruwekenstrate 954(1394); de vrukenstrate W. S. 138(1442); de vruvekenstrate S. 179(1444). Haus, dat beleghen is in eyner bystraten, unde schut boven an de fruweken straten, unde geit uth uppe der Franckenbergeschen straten H. 188(1454); up der frokenstraten ULF. Bl. 26(nach 1462). twisschen der fresenstraten und der fruwenstrate ame orde H. 710 (1475); in platea dieta de frukenstrate et circa plateam dictam de fresenstrate Domstift 648(1482); in der frukenstraten... ame orde eyner kleynen gatzen H. 1028(1486); up der Berningesstraten ame orde der fruweken straten ULF. Bl. 53(1496). 83. Freiheiten Freiheiten begegnen in Goslar in verschiedener Form, z. B. als Freiheit des Domstifts(Domstift 803a, 1602) und anderer kirchlicher Anstalten, als Freiung des Neumarktes(u. Nr. 203) usw. Als Freiheiten kommen namentlich eine Anzahl von Stadttürmen in Betracht, wie Schneidertum, Schmiedeturm, Koeketurm, Schusterturm, Teufelsturm, Weberturm, Achter- nmıanns Zwinger, im Gröpertore, Knochenhauerturm, bei den Pfählen, auf der Schlammkiste, Zimmerleuteturm, Köterturm (Akten Ratsfreiheiten 1610—1613). Ein Aufsatz über die Goslarer Freiheiten ist in den Bruch- stücken, die Reichsstadt Goslar betreffend(s. u. Nr. 119d), Erstes Quartal, S. 27, in Aussicht gestellt, aber m. W. nicht er- schienen. 84. Freudenplan(S$t.) Querstraße zwischen Bäckerstraße und Mauerstraße. Wegen der platzartigen Erweiterung zwischen Bäckerstraße und Pe- tersilienstraße als„Plan“ bezeichnet. Der Name„Freuden- plan“ dürfte von der Lage in dem hier befindlichen Garten- bezirk in der Nähe der Sommerwohlenstraße und des Vogel- sanges herrühren. Die Deutung Kunstdenkm. S. 322(Über- setzung von latein. fredum propugnaculum) ergibt keinen Sinn. Bel.: up dem freidenplane E. 73(1548); uff dem freidenplan 712 (1565); uff dem frewdenplan ahn der Peterzillienstrassen 1035(1574); uf demFredenplane 1250(1580), 1317, 1318(1581); uf dem Plan unnd der Beckerstraß K.A. Bl. 19(1588); uf dem freudenplan Bl. 38 v(1593); ud. Beckerstraten an d. Ecke des Freuden Plans Bl. 67(1613). 85. Friesenstraße(F.) Vgl. o. S. 40. Vielleicht Zusammenhang mit einer im Goslarer Urkundentum(UB. I, Register S. 609; II, Reg. S. 713, 693/4) öfters erwähnten Familie Friso. So lagen die Dinge bei der in Hildesheim begegnenden Friesenstraße(Gebauer, ZRG. 61, S. 161, und Anm. 34/5 das.). Bel.:in platea Frisonum UB. III 224(1310); an deme Horne an der Vresenstraten IV 347(1349); in der vresenstrate W. S. 10(1415); platea frisorum S. 119(1441). twisschen der fresenstraten und der fruwen strate ame orde H. 710 (1475); in der fresenstraten twisschen... huse unde der water strate 915(1482); in platea dieta de frukenstrate et circa plateam dietam de fresenstrate Domst. 648(1482); twysschen dere Fraucken unde vreßen straten Frankenk. 17(1482); up der bernigestr.... und der freisßen strate H. 1074(1488). 86. Zwischen den Gademen(oberer und unterer Gadem)($t.) Bei den beiden Gademen in der Glockengießerstraße unweit der Knochenhauerbrücke handelt es sich um gewerbliche Bau- lichkeiten im Besitz der Fleischer. Zwischen ihnen befand sich der Niederstoben(Stephanistoben). S. hierzu u. Nr. 283 m. Bel.: Lehen der von Barum ari dem water tinse an den gademen unde an dem nedderen Stoven binnen Gosler UB. V 733(1389), 890 pe (1392); dat nedder gadem, Stuba, dat over gadem W. S. 127(1441), stoven huß unde hoff belegen twischen beyden gadem H. 124(1451); an der knokenhauwerstraße recht tyghen den overen gademe K.A. Bl. 17(nach 1451); an der klockgeter straten twisschen beyden gaddeme H. 544(1469); twischen beyden gaydemen 904(1481); Stoven genant de Nedderstoven over der agetucht twisschen beyden gaddemen St. G. 833(1470). hus oldes geheten de overste gaddem... yegen der wylgen armen, dede men Cellenbrodere nomet Domst. 721(1510); Haus in der Badens- lebischen strassen jegen dem Obersten Gaddem belegen E. 737(1565); Im Gaddem H. Sch.(St. 1578); uf der Klockgießer Strassen zwischen... und der Knockenhawer Galm gelegen E. 1362(1583). 87. Gärtnerstraße(St.) — Piepmäker(Heyden)straße. S. u. Nr. 223. Die von Höl- scher, Kaiserpfalz, S. 173 Anm. 1 vertretene Annahme des Vorhandenseins von zwei verschiedenen Gärtnerstraßen trifft nicht zu. Bel.: in platea dicta Gherdenerestrate UB. III 767(1327); domus que vulgo Bettingerode dicitur, juxta sanctum Stephanum in acie platee Ortulanorum sita 1011(1335); hus, dat to Bettingherode is gheheten, unde dat bi sente Stephene is ghelegen up dem orde der Gerdenere- straten im Besitz von Hennig von der Heyde IV 78(1338). 88. Vor den Garbratern(über der Garküche)(F.) Es dürfte sich um den Platz der heutigen Gastwirtschaft„zur Garküche“ am Ausgang der Neuen Straße nach der Bergstraße zu handeln. Nach den Garbratern(Garköchen), die das fertig zubereitete Fleisch zum Verkauf anboten, benannt. Bel.: Verkauf gestattet vor dem Münster, auf dem Markte“unde vor den garbraderen“ sowie anderswo in der Stadt UB. IV 697(1360); Auff der Gosa über der gar Kuchen, W. H. Frankenb. Pfarre Nr. 11—13 (1644). 89. Gemeindehof(M.) Eine Mühle auf dem heutigen Gemeindehofe(in Imenche- hove) ist im 12. Jahrhundert bezeugt. Ein Ratsherr Johannes Immingehof kommt 1269 vor. Weitere Abwandlungen des Na- mens ergeben sich aus der folgenden Aufstellung. Die Erwäh- nung eines Johann Emighehoff schon im Jahre 1178(UB. I 290) besagt nichts, da die Urkunde eine Fälschung ist.$. auch unten Nr. 129(Imminghof). Bel.: Molendinum in Imenchehove UB. I 301(1174-1195), S. 323; Johannes in Immingehof II 153, 155(1269); de Immighove 523(1297); hus in deme Ymmighehove III 934(1332); oppe deme Mymmighehove 976(1334); in Edighehove IV 525, S. 392; uppe deme Ymminghove 770 (1362); up dem Ymmighehove V 581(1385). = BR, er l uppe deme orde an dem Mennighove ULF. Bl. 28(1414); upp dem enyngehoffe H. 67(1447); up dem Medinghove 100(1449); up deme Moenighove twischen Jutten apotekers... 226(1456); an eynem orhde uppe deme Meyninghove 336(1461); uppe deme Menginges hove in dem winckel Kaufgilde 49(1462); uppe dem menigehove 605(1472); up dem Eninghe hove 1288(1494); up dem henninges hove 1378(1497); up dem Eningh hoffe Marktk. 52(1502). hus... up dem Menihofe de olde schole genhant E. 243(1553); an dem Einigen hoefe 462(1559); uff dem Einings Hoffe 511(1560, uf den Einigen hoefe 1040(1574); uf dem Meinnige hofe 1097(1575); zwischen . und dem Meynihofe belegen 1428(1585); auf den Gemeinen Hoffe (Bürgerrolle M. 1785£.). 90. Gezmannstraße(F.) S. o. S. 22. Die Straße dürfte sich mit der Oberen Mühlen- straße decken(B., S. 33 Nr. 21). Bel.:... omnes fines ville Goslariensis occidentales a plateis, que dieuntur Berningi, Werenheri, Gezmanni usque ad regis capellam et sancte Marie et ad terminum predicte beati Petri ecclesie... UB. I 152(1108). 91. Glockengießerstraße(T., St.) Benannt nach den Glockengießern, die häufig zugleich als Waffenschmiede, später als Geschützgießer tätig sind(B., S. 33 Nr. 22). Bel.: in platea Clocgoterstraten UB. III 622(1322); in der Cloc- ghoterestrate 837(1329); in der Clokgheterstrate V 595(1385). nedden in der klockgeter strate by sunte katerynen H. 99(1449); in der klockgiiter straten twischen der Heren von Walkenrede... huseren 308(1459); up der klochgeterstraten 364(1462); in der klockgetterstrate twisschen des grawen monkes vorwerk 1135(1490); up der klocgeter straten... an dem orde der koterstraten 1381(1497). in der clockgeter straten twisschen... und der willigen armen brodere huseren St. G. 884(1485); in der Clockgeyter straten Domstift 667(1491); up der klockgeiter straten unde an deme orde der knoken- hauwer brughe in der capellen sancti Vernwardi Cellebrüder 3(1507); uf der gloeckgeiter strassen kegen deme Spiettall ower E. 173(1551). Haus von Carsten Balders Erben, dat Nieforwergk geheten, up der klockgeterstratenn aufgelassen an Conradt Herßmann 179(1551). 92. GoldenePforte(porta aurea)(M.) Sie liegt zwischen Knochenhauerstraße und Schwiecheldt- straße. S. o. S. 33. Vielleicht auch nur verhüllende Bezeich- nung wegen der vermutlich sehr schmutzigen Knochenhauer- straße. Bel.: aurea porta W. S. 208(1447); de gulden porte 227(1450); de guldene porte 246(1454); 274(1461); de gulde porte 261(1462); porta Bas N Ri aurea 385(1473); in der knokenhawer straten twisschen der gulden porten H. 612(1472); in der Gulden Pforten E. 1162(1577). 93. Goldene Straße(M.) S. vorstehend Nr. 92(Goldene Pforte). Bel.: in der knokenhauwer straten up dem orde der straten, de dar gheyt van der gulden porten K.A. Bl. 17(Ende des 15. Jahrhunderts). De Gulden stratten zwischen up dem steinkrame und de Domstratten V. Sch.(M. 1574); an gleicher Stelle de gulden phorthe V. Sch.(M. 1575). 94. Goldschmiedestraße(J.) Querstraße zwischen Schilder- und Jakobistraße, nach der Reihenfolge der Straßenzüge in den Schoßregistern die heu- tige Kreuzgasse. Bel.: Auflassung eines Hauses von Hermen Niegeland an Lucas Boenen uf der Schillerstraßen zwischen Hans Hillen unde der Mein- bergischen Hause am orde der biestraßen gelegen E. 371(1557); Rickel Meinberg läßt ein Haus auf an der Goldschmiedestraße zwischen Wilhelm Meinberg und Lucas Bohnen an Alheid Luffenberges 895(1570); Alheid Luffenborg läßt ihr Haus zwischen Lucas Bonen und Wilhelm Meien- berges Häusern uf der Goldschmidtstraßen gelegen auf an Henni Home- ster 1062(1575). Die goltschmidische straße Sch.(J. 1575); Auf der Goldt Schmide Str.(1702). Erwähnung der Goldtschmede Strate(Goldschmede Strate) H. Sch. (J. 1577—1580, 1582), Anführung einer Anzahl von Goldschmiedefamilien H. Sch.(J. 1579) u. Sch.(J. 1578, 1579) an dieser Stelle. 95. An{auf) der Gose Die Mehrzahl der Erwähnungen bezieht sich auf den Lauf der Gose in der Oberstadt. Über den Verlauf unterhalb der Wort- straße bestehen Zweifel. S. o. S. 46 u. u. Nr. 310(Walk- mühle). Bel.: apud Oster-Gose UB. II 318(1284); up der Ghose tighen der Krenggelken stoven IV 457(1352); super gozam, retro elveschemolen W. S. 6(1415); up der Gose boven der Elweschen Molen H. 279(1458); uppe_ der Gose negst der Drencke nedder der herling straten 583(1471); uppe der gose... an der strate tigen sunte mattens torne 628(1473); an der goße benedden der drencke 865(1480). boven der bartoldes molen an der goße nest... huse dat dar geyt an de berstraten H. 881(1480); uppe der gose tigen der Bartoltes molen over 935(1481); up der Goße negest der konninges brugghe 1274(1494); in der Sibelingsstrassen nechst... huse unde der gose am orthe gegen der Sibelinges molen ubber E. 676(1564); uf der Gose an der ecke der Newenstrassen gegen der Bartoldesmöhlen K.A. Bl. 69(1619). Wegen des Goselaufs östlich der Wortstraße ist zu vergleichen: supra Gosam in acie circa molendinum kegelword Domst. 661(1488); by der gose boven der kegelwort Peterstift 71(um 1496); in der Domstraten ame Orde negest der Goße H. 1187(1491); an der knochenhawerstrassen a zwischen beiden Victriels heuseren der Achtermenner am orthe bie der gose E. 479(1559); die pepermole genant uff der gose 702(1564). 96. Auf derersten(zweiten) Gose(M.) Der Straßenname ‚auf der ersten Gose“ bezieht sich auf eine Wegstrecke an der Gose zwischen der Königsbrücke und der Tränke, während unter der zweiten(anderen) Gose die an- schließende Strecke von der Tränke nach der Bartoldsmühle zu zu verstehen ist. Es handelt sich also nicht um den Gegen- satz zwischen Ost- und Westgose, wie ich Hz. 61 S. 172 als möglich unterstellt hatte. Gelegentlich wird auch eine dritte Gose erwähnt. Bel.: Auff der Gosa; auff der anderen Gosa W. H.(1642). Nähere Angaben über die zur ersten bzw. zweiten Gose gehörigen Häuser sind einem Restantenverzeichnis H. u. V. Sch.(M. 1789) zu entnehmen. 97. Gosestraße(St.) Näheres o. S. 45f. Bel.: in der kornstraten belegen ame orde an der goßestraten H. 332(1469); in der Gosestraten St. G. 989(1501); E. 91(1548); Buden.. benedden der Walckemöln in der gosestrassen 171(1550). Auflassung eines Hauses in der geuse strassen zwischen Jost allentages unde Hanse meigers heuseren gelegen 274(1554); nach E. 409(1557) liegt ein Haus der allendageschen in der goisestrassen zwischen Arndt schulen unde der allendageschen heuseren. H. 408(1557) hat für ein benachbartes Haus uf der gosestrassen. Die Vogtbriefe zu den H. 408, 409 beurkundeten Auflassungen(St. G., Kistenamt Nr. 7, 8) haben Gousestraße. H. 1310 (1581) heißt es„in der Gosastrassen“, 98. Gosewinkel(M.) Zwischen Fischemäker- und Bäckerstraße. S. o. S. 23/4. Bel.: Überweisung der von dem Rate hergestellten Judenschule in deme Gosewinkele an die Juden UB. IV 76(1338); in der vischmenger strate aller neyst... up dem orde an dem ghosewynkele ULF, Bl. 24 (1408); in der becker straten an eynem orde bii deme Gosewinkel H. 162 (1453); an der Vischmekers straten... ame orde des Goßewinckels ULF. Bl. 64v(1486); in der visschmakers strate ame orde des goßewinkels H. 1175(1491). bie der gose im winckel E. 163(1550); haws unnde hoff... ihn dem Gösewinckell zwischen des Erbarn Johan Dronewulffs Burgermeisters stiffkinder unnd Simon Dobbeken Hewseren gelegen... Wilchs haws hoff unnd Bueden so ihn der Pannenfhuerer strassen gelegen 982(1572); im Gusewinckell H. Sch.(M. 1580). 99. PeterGrimmenstraße(F.?) Die nur einmal anläßlich einer Erbteilung so genannte Straße ist nicht mit voller Sicherheit festzulegen. Die Vermutung spricht für die Nachbarschaft der Schreiberstraße und der 20 Bulkenstraße. Anscheinend besteht hier ein Zusammenhang mit dem Gelände der alten Vogt-Konradstraße(s. u. Nr. 268, 305). Bel.: Privatakten 1539 Nr. 9, betr. Hinterlassenschaft von Johann Weidemann. Hier ist die Rede von zwei Buden in Peter Grimmen straten, die Hans Weidemann zugesprochen werden. Nach E. 414(1557) läßt Peter Grimmens nachgelassene Witwe Anna Haus und Hof nebst Zubehör uf der franckenbergischen strassen zwischen henni tilly huse unn der Schreiberstrassen am orthe gelegen auf an Joachim Mechtshuesen. 1579 (E. 1229) überträgt Joachim Mechtshusen seligen nachgelassene Tochter JIsabe das Haus zwischen Henni Tillings hausse und der Schreiberstraße am orte belegen an ihre Schwester Dorothea Mechtshausen. Auf Hausbesitz der Familien Grimmen und Mechtshausen in der Gegend zwischen Marktstraße, Bulkenstraße, Frankenberger Straße, Schreiberstraße und Bergstraße deuten weiter hin E. 815(1568), 1006 (1573), 1290(1581), 1480(1586). 100. Gröpern(S$t.) Als Gröpern wird nach den hier ansässigen Grapengießern (Töpfern) der untere T eil der Kornstraße bezeichnet. Den Ab- schluß nach unten bildete früher das Gröpertor. Bel.: ut dem vorwerke hern Wedeshen Copmanns in der Groper- straten UB. III 1029(1335); Verkauf eines Vorwerks in der Groperstraten (ehemaliger Besitz der Meysen) V 451(um 1381); in den groperen UpPP der kornstraten Stephanik. 6(1463); Domst. 606(1463); in den graperen H. 549(1470); in den groperen an der molenstraten 798(1478); an der kornstrate benedden in den groperen 837(1479); in den gropperen... ame orde der straten, dar me geyt na der kegelwort 960(1483); up der kornstraten bii den gropers... ame Orde in der sustraten 1445(1498). in der groperen nidderstrassenn kegen der Statmueren obber E. 273 (1554); nedden in den Gropern beim Borne 465(1559); in den gropern kegen dem Born K.A. Bl. 11v(1559). ü 101. Grünstraße(platea viridis)(B.) Im Bergdorf bei der Herrenstraße. Näheres beiBorn hardt, S. 43/4. Bel.:.. plateam apud sanctum Johannem, que dicitur platea Do- minorum, ascendendo ad manum dexteram et descendendo aliam plateam similiter ad manum dexteram... UB. II 300(1282); apud sanctum Johan- nem ascendendo ad dexteram manum plateam Dominorum et sic des- cendendo plateam Viridem UB. II 419(1285—1296), S. 422, s. auch daselbst S. 426. tighen der Gronenstraten UB. IV 528(1355). Vgl. dazu F., HGBI. 1920/21, S. 142/3. 102. Gudemannstraße(F.) Sie deckt sich mit der Schreiberstraße(Rosteyn-, Sandweg- straße). Wegen ihres Verhältnisses zur Vogt- bzw. Vogt Kon- Bl radstraße vgl. F., S. 157—59 sowie o. S. 37/8. Sie dürfte nach einer ritterlichen Familie Gudemann benannt sein(F., S. 158 Anm. 58, 159 Anm. 63). Bel.: Haus in der Ghudemannestraten mit den twen dören thygen der Goze UB. III 669(1323); in platea, que dicitur Gudemannesstrate 720 (1325); in der Gudemannesstrate V 818(1390); in der Gudemans strate H. 9(1443); in der gudemannes straten 34(1444); in der gudemansstraten 158(1453). Die in dem Wortzinsverzeichnis von 1440(W. S. 70) neben der eis- linstr. erwähnte grummert(gummert?) Str. dürfte aus Gudemannstr. verschrieben sein(F., S. 159 Anm. 63). 103. Gundenstraße(St.) Wahrscheinlich nach einer Familie Gunder, Gunner oder Gundke, die mit Hausbesitz in der unteren Bäckerstraße, also im Kohlgarten, öfters erwähnt wird, genannt. Vielleicht- be- steht auch ein Zusammenhang mit der Guntkenburg in dieser Gegend(u. Nr. 104). Die Gundenstraße fällt wohl mit der Straße unter Herrn Heinsius Hause zusammen(u. Nr. 109). Bel.: Hausbesitz von Gehrken Gunres(Guner, Gundke) wird an- geführt H. 357(1462); 416(1464); W. S. 58(1473); ein locus Gunners kommt W. S. 81(1473) vor. Von de olde Gunresche nedden in der becker- straten ist H. 1646(1502) die Rede. 104. Guntkenburg(S$t.) Grundstück im Kohlgarten. S. o. Nr. 103(Gundenstraße). Bel.:in der becker straten twischen... huse unde deme koigarden geheten de guntkenborch H. 113(1450). 105. Im Hanfsack(T.) Die Straße.Im Hanfsack ist der Straße Im Sacke im Pfalz- bezirk benachbart. Ein Hanfsack wird als Straßenname in Hersfeld erwähnt(Beschorner Sp. 113). Die Vorsilbe „Hanf“ wird hier mit„Hagen“ in Verbindung gebracht. Bel.:„im Hanneppensacke“ E. 53(1547); benedden unser Jieben frauwenkirchen im hanffsacke nach dem ritterplatze werts 472(1559): ‘ tegen der Agetucht ahm hanneppen sacke 597(1568). 106. Hans Vogedesstraße(T.) Sie fällt mit der Simelinge(Burg)straße zusammen. Benannt nach einem Reichs- oder Stadtvogt Hans. Bei der großen Zahl von Vögten mit dem Vornamen Hans ist in Ermangelung sons- tiger Anhaltspunkte der Namengeber nicht festzustellen. Bel.: Auflassung eines Hauses in der Hanßvogedes straten twi- schen hern Hinrik Munsterbeckers unde Hinrik Swarten huseren H. 867 (1480). Näheres F., S. 151 Anm. 30. 6 Frölich, Goslarer Straßennamen Me 107. Hauptmannstraße(St.) Sie entspricht der Wolters-, heutigen Bolzenstraße. Benannt nach einem nicht näher zu ermittelnden Stadthauptmann. Auch sonst kommt gelegentlich das Haus eines Stadthaupt- mannes als Ortsangabe vor(z. B. domus capitanei im Marstall, W. S. 206—1447). Bel.: in der kornestrate up deme orde an des hovetmans strate H. 152, 154(1453); in des hovethmannes strate 1418(1500); Haus von Clawes Wolter„inn der Hoveth mans stratenn“ St. G. 1090(1515); uff der kornstrate zwischen Hans reiffentaels huese unde der hauptmans strassen am orthe E. 285(1554); in der Hauptmansstrassen 696(1564); uff der Hovetmans strassen 745(1566); in der hauptmans strassen zwischen.. unndt gedachten Hansen(Wolterecken) belegen 1474 1(586). 108. Heerwinkel(T.) Von B., S. 62, so gedeutet, daß hier einst die militärische Be- satzung der Pfalz untergebracht war. Dagegen spricht das sehr späte Aufkommen der Bezeichnung. Eine Erklärung kann nicht gegeben werden. Wahrscheinlich ist der Name im Volksmunde umgestaltet(Herrenwinkel?). Bel.: unter der Trencke by dem Heerwinckel, Geismarsche Chronik (z. J. 1651); Im Sacke oder Heerwinkel Brandkataster 1770. 109. Straße unter H. Heinsius Hause(St.) — Gundenstraße. In dem Vorschoßbuch 1752 f. findet sich Bl. 325 der Eintrag: H. Georg Alexander Heinsius, Gerichts- halter zu Stockheim, ist am 13. 1. 1770 Bürger geworden, soll den ersten Vorschoß 1771 zahlen. Bel.: Sch.(St. 1760) werden nacheinander angeführt: Treibstr.— Rosenstr.— Springerstr.— In der Straße unter H. Heinsius Hause.— Im Kohlgarten gegen der Mauer. 110. Haus zur Helle(Hölle)(M.) Es handelt sich um ein Haus der später eine bemerkenswerte Rolle in der Geschichte Goslars spielenden Patrizierfamilie de Inferno(von der Helle). Das Haus lag im Marktbezirk an der unteren Bergstraße. Bel.: Zwischen 1300 und 1350 tritt ein Rodolfus de Inferno als Ratmann und als Bürge bei einer Bürgeraufnahme auf(UB. III 358— 1315; IV 404, S. 278). Um dieselbe Zeit werden auch Hermann und Godeke von der Helle erwähnt(UB. III S. 758). S. ferner H. 45(1445): Bode geysmar de alde läßt auf ein Haus in der Berchstrate unde dat gent. huß is genant de Helle. Wegen der Deutung des Namens vgl. Schmoeckel, S. 64/5, für Soest: Helle, zeitweilig auch Hölle, scheint ursprünglich ein Flur- oder et Gemarkungsname zu sein, der erst später sekundär auf Siedelungen und Straßen übertragen ist. 12 Am(im) Hellhofe:\sSt.) Nebenstraße zwischen Bäcker- und Petersilienstraße. Bel.: in eyner tweten uthe der beckerstraten na der peterczilien- straten, ghenomet de helle hoff, Staatsarchiv Hannover, Grauhof Nr. 224 (1512); neben dem kolgarten in einer tweten(?) genomet im helle hoefe zwischen Herman arndes... unde gemeiner strassen E. 201(1551); Haus und Hof im Hellhofe genant 1411a(1584); in derselben straßen am hell hofe genant 1411 b(1584).£ 112. Herlingberg(T.) Hof der Herren von Herlingberg im Pfalzbezirk(Höl- scher, Kaiserpfalz, S. 143). Er wird hier mit dem Mangel- hofe identifiziert. S. oben Nr. 9(Angelhof), unten Nr. 179. Bel.: hus unde hoff... belegen by deme keysserbleke... und is genant de herlinberch Domst. 567(1440); Haus belegen by deme keyser- bleke bynnen goslere, gheheten de harlinghebergh 573(144); dat hus uppe deme keysersbleke, gheheten de herlyngebergh 577(1442). Nach Domst. 567, 573 gehörten Haus und Hof ursprünglich zu dem Altar Herlingberch in der Klosterkirche zu Wöltingerode. 113. Herlingstraße(M.) — Obere Mühlenstraße? Wohl benannt nach dem hier zu suchenden Herlingstoven. Vielleicht besteht ein Zusammen- hang mit dem Hofe„Der Herlingberg‘‘ auf dem Kaiserbleek. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Hern Johan fredeman an Hans schutte uppe der Gose negst der Drencke nedder der Herling strate bii Tilen Meyger unde Hans kokes huseren H. 583(1471). Vgl. dazu: huß . an der goße benedden der Drencke twisschen Hans themmen unde Hans schutten husern 865(1480); in der bartoldes strate tigen der molen over und twissen Jacopp Wegener und Hans kokes huseren 1199(1492). 114. Herrenstraße(platea dominorum(B.) Im Bergdorf. Benannt nach dem hier belegenen Hausbesitz der Stiftsherren des Domstifts. Die von P. J. Meier(NsJ. 19, S. 155) vertretene Ableitung des Sitraßennamens von einer Siedlung der Bergherren im Bergdorf entbehrt der Begrün- dung. Näheres über den Verlauf der StraßebeiBornhardt, S° 43/4. Bel.: juxta plateam dominorum UB. I 301(1174—1195), S. 322; plateam apud sanctum Johannem, que dicitur platea Dominorum, ascen- dendo ad manum dexteram et descendendo aliam plateam similiter ad manum dexteram II 300(1182); Apud sanctum Johannem ascendendo ad dexteram manum plateam Dominorum et sic descendendo plateam Viridem 419(1285—1296), S. 422; apud sanctum Johannem ascendendo ad dexteram manum platee Dominorum et sic descendendo plateam Viridem, das. S. 426. 6* a 115. vicus Heverhagen(J.) Es handelt sich bei dieser in dem Wortzinsbuch öfter erwähn- ten’ Gasse um den Vogelsang. Bel.: W., S. 80(um 1480?): Hinrik Hartwich. Sequitur vicus Hever- hagen. Item domus ad sanctum Jacobum. Henning Danhusen läßt auf an Hinrik Heverhagen Haus und Hof, belegen twisschen der petercilien- straten unde der woldenbergeschen straten unde twisschen Hinrik Hart- wich unde. der knokenhauwer huse, dar nu Herman barten inne wonet H. 135(1452); Hinrik Heverhagen überträgt dasselbe Haus, belegen in der straten genant de vogelsangk twisschen der petersiligen unde der Woldenberges straten unde twisschen Hinrik Hartwige unde Hermen Barten huseren an Tile Krakel 234(1456). S. auch W., S. 214(1450); BE. 59418 HAT): 116. Heydenstraße(St.) Sie deckt sich mit Piepmäker(Willering) straße. Ihren Namen führt sie nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Heyde. Bel.: in der breden straten uppe dem orde an der willeringes straten binnen gosler, dar nu hinrice van der heyde inne wonet St. G. 584(1403); in der Heydenstrate twisschen Hinrick groper unde Hinrick bokenum huß, dat de beke schedet H. 147(1452); in der willerdinge straten twisschen Henningh gremeyer und Hinrick gropers huseren R.R. Bl. 13 v (nach 1464). 117. Himmelreichstraße(M.) Sie entspricht der heutigen Schwiecheldtstraße. Ihren Namen verdankt sie der benachbarten Niederlassung der Grauen Mönche, der Walkenrieder Zisterzienser, an der oberen Korn- straße, 2 Bel.: in loco, qui dicitur dat hymmelrike Domst. 520(1424); in des hymmelrikes straten twisschen dem hymmelrike H. 463(1466); in der Straten hinder deme hoffe der Grawen Monike by deme huse benomet dat Heymelrike 575(1471); uff der kornstraßen zwischen... huese unde der walckenreder hofe am orthe der hymmelreichs strassen E. 425 (1558); in der Hymmelreichs strassen zwischen den von Schweicheldt und Bartolds Achtermans heusern 575(1561). 118. Auf dem Hofe(updemHove)(B.) Es dreht sich dabei um den Dikhof im Bergdorfe, das feste Haus der Herren von dem Dike bei der Johanniskirche, die Gerichtsstätte der kleinen Vogtei up dem Hove. Näheres bei Frölich, Die Gerichtsverfassung von Goslar im Mittelalter (Breslau 1910), S. 40 f.; Z? RG. 47, S. 308£.; NsJ. 6.S. 247 f., 262/3; 9 S. 16/8; Bornhardt, S. 39/40. Bel.: in curia apud Sanctum Johannem UB. II 412(1290), de scer- nen up dem Hove IV 406(1300—1350). BEN 119. Hohe Straße’ a) Der Ausdruck Hohe Straße(Hohewegstraße) begegnet ge- legentlich für den Hohen Weg(u. Nr. 120, 121). b) Bezeichnung für die Gosestraße im Stephanibezirk(?). Bel.: twisschen der hoghenstraten und der molenstraten recht jeghen der keghelword K.A. Bl. 17(nach 1451). c) Hohe Straße verschrieben für Hokenstraße E. 1089(1575). Ss. 1. Nr.:122. d) Eine Nachricht aus dem, Jahre 1793 läßt sich nicht sicher deuten. Vgl. Bruchstücke betreffend die Reichsstadt Goslar und besonders die gegenwärtigen Verbesserungen ihres Stadt- wesens. Einziger Jahrgang(Goslar 1793), I. Quartal S. 73: „auch wurden die Steinpflaster in der Hohenstraße, auf der Kramerbrücke, auf dem Hundemarkte wiederum hergestellet.‘ Hoher Weg(T., M.) Der Hohe Weg kommt gelegentlich auch als Hohewegstraße vor(u. Nr. 121). Wegen der Bezeichnung Königstraße s. u. Nr 154 Vsl. o, Nr. 1. Bel.: de Alta via UB. III 871(1331); uppe dem Hoghen weghe IV 843(1365); V 396(1380). up deme hogen wege to der koninges bruggen wardt H. 57(1446); up deme hoenwege an eynem orhde bii der marketkerken 269(1457); up deme hogenwege an eynem orhde tiigen der Marketkercken 393(1463); up dem Hogenwege an der Agetucht by der koninges brugge ULF. Bl. 49 (nach 1464); up deme hogenwege by der konigesbrugge H. 810(1478); uf dem Hohen wege, By dem Hogenwege V. Sch.(M. 1576), up dem Hogen- wege(M. 1577). 121. Hohewegstraße(T.,M.) Zuweilen gebrauchte Bezeichnung für den Hohen Weg(0. N 1207) Bel.: an der hogenweges straten negest der konninges brugge H. 563(1470); an der Howegesstraten 566(1470). 122. Hokenstraße(M.) S.0.$.30 sowie u. Nr. 214(platea Penesticorum). Bel.: in Huckenstrate UB. I 306(1186); in platea Hukkinstrate 320 (1188); in platea Hulxenstrate 351(1199); in der Hokenstraten, dar de juden inne wonet III 860(1330); IV 50(1337); in der Hokenstraße... to der Beckerstrate wert V 915(1393). an dem orde der Hokenstrate an dem Schohove H. 128(1451); in der hokenstrate dat drydde hus van dem beeke to der vorderen hant, wan me van deme schouhove kumpt... in der hokenstrate van der becker- straten K.A. Bl. 16 v(nach 1451). Bi in der hakenstrate St. G. 873(1480); in der Hochenstraßen E. 1089 (1575).- 123. Hornhof(St.) Im Kohlgarten. Bel.: garden geheten de hornehoff belegen benedden Staciuß mon- nekerodes garden H. 375(1462); gardenbleck in den kolgarden bii deme horne hove belegen Domst. 631(1477); gardenbleck... in den kolgarden beleghen by deme hornhove 718(1509). 124. Bei(gegenüber) dem Hospital a) Es ist dabei einmal zu denken an das Deutschordensspital, das sogenannte Alte Spital an der Königsbrücke. Bel.: Rat und Bürgerschaft zu Goslar vertauschen mit den Rittern des Deutschen Ordens Grundstücke, indem sie den letzteren die Straße zwischen der Königsbrücke und dem Hospital der Ritter(plateam illam inter capellam apud pontem regis et hospitale predictorum fratrum sitam) übertragen und dagegen einen Hausplatz bei der Gose, mit der Verpflichtung, ihn unbebaut zu lassen, erhalten UB. II 62(1259). b) Neues Hospital(sog. Großes Heiliges Kreuz). Bel.: kegen dem hospitall H. Sch.(M. 1582). c) Hospital am Frankenberger Plan(sog. Kleines Heiliges Kreuz). Bel.: up der franckenbergeschen Strate up jegen dem hospital des hilgen eruces over up dem beke H. 1488(1499). d) St. Annen-Hospital in der Glockengießerstraße. Bel.: kegen dem hospitall kloggeter strate H. Sch.(T. 1576); Im Spettale, vorangehend De Klockgeterstrate, es folgt Koterstraten Sch. (St., um 1577). e) Neues Hospital zu St. Katharinen, in der. Glockengießer- straße unweit des St. Annenhauses. S.’ auch unten Nr. 139. Bel.: Nachrichten über die Begründung und Ausstattung dieses Hospitals in den Urkunden vom 7. 3. 1488 und 8. 9. 1495(Neues Hospital zu St. Katharinen Nr. 31, 34). 125. Hühnermarkt(M.) — Hundemarkt. S. o. S. 35 sowie u. Nr. 126. -Bel.: an der Marcket strassen unde hunermarckete zwischen... unnde Lodewig heldes heuseren E. 657(1563). 126. Hundemarkt(M.) Gelegentlich vorkommende Bezeichnung für den Ritter- oder Hühnermarkt an der Kreuzung der Marstallstraße mit der Marktstraße. Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Bel.:haus...uf der Marcketstrassen am hunde eder Rittermarckete E. 284(1554); uff der Marcketstrassen ahm hunde edder niddermarckede zwischen... unnd Ludeweig heldts heuseren 888(1570); uf dem hunde- a marcht K.A. Bl.. 33(1592); auf dem Hundemarkte der Marstallsstraße gegen über T.O.$ 17. In einem Güterverzeichnis des neuen Hospitals an der Königsbrücke nach 1260(UB. II 73) wird zweimal ein„ortus canum“ erwähnt. 127. Am Jakobikirchhof(J.) Der östliche Teil ist später zur Bahnhof-, heutigen Rosen- torstraße gezogen. Bel.: apud sanctum Jacobum UB. III 699(1324); an enem orhde tiigen sunte Jacobs kercken in der petercilien straten ULF. Bl. 31(nach 1462); up der beckerstrate uthbescheden den ganck, dar man geyt up sunte Jacobs kerkhoff H. 497(1468); ame orde der wokkenfotes strate an sunte Jacoppes kerkhove 1036(1486); Gegen dem Jacobischen Kirch- hoffe W. H. 1642. 128. Jakobistraße(J.) Sie entspricht der heutigen Jakobistraße. Zuweilen wird sie als Verlängerung der Woldenbergerstraße auch mit deren Namen belegt(F., S. 156 Anm. 46). Bel.:in platea sancti Jacobi UB. III 699(1324); in sante Jacopes- straten 948(1333); in sente Jacopstrate IV 404 S. 286(1300—1350); kercken stoven belegen in der Jacobsstraten H. 271(1458); in der Jacobsstraten bii deme Stoven 557 a(1470); bey der Jacobschen strassen zwischen.. und der beygassen ahm orde E. 135(1549); den Jacobischen Badtstuben uf der Jacobischen strassen 1367(1583). 129. Imming(Ymming)hof(M.) — Gemeindehof(o. Nr. 89). Kommt ferner als Edighehof, Enighehof, Henningeshof, Medinghof, Medinghehof, Mym- mighehof, Meningeshof und in anderen Schreibweisen vor. S. z.B. Urk. vom 3. 10. 1500(Stephanik. 21): auf dem Meynung- schen Hofe. . Johannisstraße(M.) Gelegentlich wird im Schrifttum ohne nähere Angaben eine Johannisstraße erwähnt. Sie wird benannt sein nach dem spä- ter an der oberen Kornstraße zwischen Kaninchenstraße und Schwiecheldtstraße angelegten Johannisfriedhof. Kaninchen- straße? . Judenschule Die erste bezeugte Judenschule lag im Gosewinkel, später ist noch eine Judenschule im Vogelsang vorhanden. Bel.: UB. IV 76(1338); hus unde hoff geheten de gosewinkel, be- legen twisschen... huse unde der joddenschole H. 624, 625(1473); in der visschmenge strate der Jodden schole 1165(1490). 132. Judenstraße(M.) Die älteste Judensiedlung befand sich in der Hokenstraße. RR Erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist eine Ver- legung in die Judenstraße(seit 1934 Kurzestraße) erfolgt. Vgl. F., HGBl. 1920/21, S. 146 Anm. 3. Vielleicht steht die Verän- derung in Verbindung mit den Judenverfolgungen um das Jahr 1350. Bel.: ut twen halven husen in der Hokenstraten, da de juden inne wonet UB. III 860(1330), ebenso IV 50 Ziff. 4. in der Jodenstrate UB..V 116(1368); 804(1390); in der Jödenstrate 984(1395); platea judeorum W. S. 71(1408); up der breydenstraten hardt am orde bii der Jodden straten H. 91(1449); in der kornestraten ame orde der joddenstraten 449(1466); in der Joddenstraten negest des hilgen Cruces huse unde sunte Cecilien kerckhoffe 548(1470). 133. Kaiserbleek(T.) Der Name„Kaiserbleek“ war längere Zeit zu ‚„Kaiserbeet‘ ent- stellt, der richtige Namen findet sich jetzt wieder. Bel.: bie unser lieben fruwen kirchen am keisers plecke uwer, zwischen... huese unde der Strassen im hamffsacke genant, am orthe gelegen H. 471(1459); hoveken.. de licht twisschen twein hoveken bii deme scherper dore als uppe eyne syden negst deme scharper dore. unde upper andere siiden negest dem keyserbleke Domst. 626(1472). der Sesman hues genannt, gegen dem keisersbleck gelegen D. 245 (1560); auff des Keisers Bleke E. 552(1561); am keysersplecke 703(1564); by dem keysers bleke 774, 775(1567); auffm Keiserblecke 1458(1585); des Stif£fts Scholasterey-Garten gegen der alten verwüsteten Kirchen S. Mariae an dem Kayserblecke belegen Domst. 835(1659). 134. Am Kaiserhause(T.) Vgl. o. Nr. 12. Bel.: apud aulam imperatoris UB. II 446(1293); juxta domum Cesaris III 220(1310); apud aulam regiam 925(1393); jegen unser leven fruwen kerken edder dem keisershuse over E. 115(1549). 135. Kaiserplatz(T.) S. auch Ritterplatz(u. Nr. 245). Bel.: Der Sechsmänner hues am keisersplaatz gelegen D. 245 (1560); Auflassung eines Hauses durch Anders Hoppen, Lorentz Dalen- rott unde philips schrader an Andreas kindervader. Das Haus ist uffem keisersplaatz zwischen der Alveldeschen unde Hans Herlemans heuseren gelegen E. 600(1562). 136. Kaldaunenstraße(M.) Vielleicht= Knochenhauerstraße oder Kaninchenstraße. Mög- licherweise aber auch benannt nach einer Bürgerfamilie Cal- dunen(?). Bel.: Die Geismarsche Chronik, S. 41, erwähnt zu 1729 eine Kal- daunenstraße in der Nähe der Cäcilienkirche, also unweit der Knochen- hauerstraße und der Kaninchenstraße. UB. TV(1300—1350), S. 282 wird eine Byatha Caldunen angeführt. 39— 137. Kaninchenstraße(M.) Die Straßenbezeichnung an dieser Stelle ist neu, sie taucht, so- weit ich sehe, etwa um die Jahrhundertwende auf. 1911 wird sie zuerst im Goslarer Adreßbuch erwähnt. Amtlich anerkannt wird der Namen„Kaninchengasse‘“ 1925. Das schließt natür- lich eine ältere Überlieferung nicht aus. Daß es schon im Mittelalter entsprechende Straßennamen gab, zeigt der in Lüneburg bereits 1487 belegte Kaninchenberg(de kaninikenbergh, mons euniculorum). Vgl. Reinecke, Stra- ßBennamen Lüneburgs, S. 14. 138. Beim St. Katharinenhause(F.) Gemeint ist das Haus der Katharinenbrüderschaft auf der Frankenbergerstraße. S. auch oben Nr.:27a(Bergvogtstraße). Bel.: Auflassung eines Hauses durch Hinrick Holdeshusen an Hans vam Hagen. Das Haus ist belegen uppe der Franckenbergesschen straten twisschen. Sunte katerine unde Clauwes Hartwiges huseren H. 895(1481); Auflassung eines Hauses durch Hans Heneken an Hans van sauwii. Das Haus steht uppe der frankenbergessen straten boven Henningk papen huße uppe dem beke tigen sunte katerinen huse over 908(1481). Rentenbrief über 1 Mark jährl. Rente an dem Hause in der franken- bergheschen straten negest Sunte katherinen huse beleghen Neues Hos- pital bei St. Katharinen 35(1496). 139. Bei der Katharinenkapelle(St.) Die Kapelle lag auf der Glockengießerstraße beim St. Annen- haus(Kunstdenkm. S. 75/6). S. o. Nr. 124e. Bel.: Henricus de Sancta Katerina UB. I 485(vor 1227); juxta ecclesiam sanctae Katherinae III 359(1315); in platea apud sanctam Katharinam 361(1315); domus monachorum juxta sanctam Katherinam IV 406(1300—1350); nedden in der klockgeter strate by sunte katerynen H. 99(1459); in der klockgetter straten ame orde tegen sunte katrinen(?) over 1134 (1490); twisschen unser Capellen Sancte katherine unde der agetucht Neues Hospital bei St. Katharinen 31(1488); 34(1495). 140. An(gegenüber, oberhalb)der Kegelwort(St.) Es dreht sich um die Nachbarschaft der heutigen Kehlmühle, die nach einem Besitzer Kegel benannt sein wird. Bei der Straße gegenüber der Kehlmühle können im Einzelfall Zwei- fel bestehen, ob die Untere Mühlenstraße oder die auf dem Stadtplan von 1868 als„an der Kehlmühle“ bezeichnete Stra- Benstrecke links der Abzucht am Flusse entlang gemeint ist, die sonst keinen besonderen Namen führt. Gelegentlich kom- men beide Straßennamen nebeneinander vor. a Bel.: Kegelwort UB. III 24(1302); an der Keghelwort V 1147(1399); twisschen der hoghenstraten und der molenstraten recht jeghen der keghelword K.A. Bl. 17(nach 1451); boven der kegelwurdt twischen... - unde der Walkemolen H. 227(1456); in den gropperen nest... husen ame orde der straten, dar me geyt na der kegelwort 960(1483). supra Gosam in acie circa molendinum kegelword Domst. 661(1488); by der gose boven der kegelwort Peterstift 71(um 1496); tigen der kegel- wort over twisken... und der Molenstrate belegen H. 1450(1498); E. 111 (1549); 469(1559); 640(1563); jegen der Kegelwort uber in den vier Bergen ehemals genant 782(1567). Kloster Neuwerk verkauft die Kegelwortmühle an den Rat St. G 1260(1575). 2 V. Sch.(St. 1576): Molennstraße— de strate jegen der Kehlwort; Sch.(St. 1579): de strate jeigen der keileword; Mühlenstraße-Scharf- richterei-Kegelwort Achtelschoß(St. 1703). Georg Kegels.... Ölmulen bei der abezucht hinter der Burger heuschen negest an Hansen Kegels Ölmulen belegen E. 1387(1583). 141. Beiden Ketelbotern(M.) Die Verkaufsstände der Ketelboter(Kesselflicker) sind wahr- scheinlich am Gemeindehof zu suchen. Bel.: Grete, Marquardes wedewe Ketelboters... hebben verkoft den vormunden der coplude... dat hus, dat dar steyt uppe deme Ym- minghove tighen Cordes hus Bossen... mit twen boden UB. IV 770 (1362). W. S. 209(1447) findet sich der Eintrag: de eyn.... hoff— de ketelboter. 142. Kettenstraße a) im Frankenberger Bezirk(F.) Die heutige Kettenstraße deckt sich mit der Frauenstraße(o. S. 39/40 und.Nr. 82). Bel.: Aßmus Barnirodt läßt auf Haus und Hof in der Ketten- strasse zwischen der Knechtheinrichschen und Her Johans Mollers widt- wen Heusern E. 1439(1585); Bartel Werneken kettenstrasse Landbuch (1590). Frauen- oder Kettenstrasse Achtelschoß(F. 1703); Kettenstraße Kol- lektenrechnung 1728; Bürgerrolle(F. 1775£.): Nr. 21 Kettenstrasse, Nr. 22 Ketten- oder Frauenstraße. b) im Stephanibezirk(St.) Die Straße war durch eine Kette abgesperrt. B., S. 34 Nr. 34, vermutet in ihr die Obere oder Untere Kirchstraße. Es kommt aber die Dedeleberstraße oder eine ihr gegenüber in die Breite- straße einmündende Gasse in Betracht. Bel.: ex opposito ab alia parte platee domus juxta catenam UB. III 689(1324); Domus juxta Cathenam IV 407(Mitte des 14. Jahrh.); kol- garden by sente Steffane in der lutteken straten, dar de kedene vore hanghet 449(1351£.). EEE ET EI “ molen und der Stadmüren St. G. 837(1470); an der berchstraten twisschen ur> nedden in der Bredenstrate ame orde by dem Bredendore by der keden by Cord Abdons huse H. 368(1462); upp der breden straten be- nedden... jeghen dem pale Domst. 606(1463); Stephanikirche 6(1463). Das in den zuletzt genannten Urkunden erwähnte Haus von Cord Lope- seren gegenüber dem Pfahle lag unterhalb des Hauses von Hans Nyge- lant(s. auch H. 110-1450). Nach H. 457(1466), 1494(1499) ist es an der Ecke der Diebstraße(diffstraten, deivestraten), also der Dedeleberstraße, zu suchen. 143. Kirchenstraßen a) im Thomaskirchspiel(T.) Hier wird gelegentlich eine Kirchstraße genannt. b) im Marktbezirk(M.) Marktkirchenstraße. S. u. Nr. 185. c) im Jakobibezirk(J.) Eine Kirchstraße erwähnt Grusius, S. 437, anläßlich des Brandes von 1780 zwischen Bäcker- und Jakobistraße. Es dürfte sich um die alte Jakobipfarrstraße, die heutige Pfarr- gasse, handeln. d) im Stephanibezirk(St.) Anstelle der heutigen Oberen Kirchstraße trägt die Wolfen- bütteler Karte die Bezeichnung Schielenstraße, während sich die Bezeichnung Kirchstraße auf die Untere Kirchstraße und die Gosestraße beschränkt: Die Obere Kirchstraße wird ge- legentlich auch als Teil der Treib- oder Brüggemannstraße be- handelt(s. o. Nr. 40). Der Heringsche Plan hat für die Obere Kirchstraße die Bezeichnung„am Stephanikirchhof“. Vereinzelt kommt sie als des parneres straten(ULF. Bl. 63— 1407) oder als Pfarrstraße vor(H. Sch. 1576: drief strate ke- gen der pfarstr.). 144. Klapperhagen(T.) Wegen des Namens 5. o. S. 28. Bel.:in dem klapperhaghen twisschen dem ordhove to der boke- molen word und dem sharden Domst. 603, 604(1462); by der bokemolen . in deme klapperhagen 640(1479); vorm Klapperhagen ahn der abe- zucht belegen K.A. Bl. 47v(1597). Vertrag zwischen Rat und Domstift vom 14. 2. 1645(Domst. 824), wonach das Stift einen engen gemeinen fueßpfadt, der Klapperhagen genandt, weil darin und durch denselben guten Leuten allerlei Schaden und Ungelegenheit zugezogen worden, mit einer davorgezogenen Mauer abgeschnitten hatte; der Fußpfad soll dem Kapitel eigentümlich gehören. 145. Gegenüber der Klausmühle(F.) Bel.: tiigen der Clawes Molen H. 473(1466); twisschen der clawes u Clawes mullers unde hennig wittinges huseren tigen des Clauwes molen over H. 1043(1486). 146. Am Klaustore(F.) Bel.: tyghen sante Nycolausus dor over den wech UB. III 935 (1332); bi dem Clawesdore V 915(1393); in der straten, de to deme Clawes Dore gheit H. 27(1444); an der Berchstraten tigen dem Clawes Dore ULF. Bl. 63(1486); Jegen dem Claus dore H. Sch.(F. 1578, 1579). 147. Kleine Straße In dieser Form oder als Lutke Strate öfters vorkommend, wohl so bezeichnet im Gegensatz zur Gemeinen Straße(strata publica oder platea communis). Bel.:huse am marckede twischen der kleinenstraten unnd Hennigk busers huse gelegen Stephanikirche 43(1521); in der Lutken strassen neben dem Franckenbergischen Stoven zwischen.. hause und der Gose belegen E. 460(1559); an der lutken strassen boben der bergstrassen 476 (1559); boben der Clauwesmoln an der cleinstrassen 629(1562); uff der Bergkstrassen ihn der Kleinen gassenn kegen dem franckenbergeschen stoven uber K.A. Bl. 48(1598). 148. Kniggenstraße(St.) Die Bezeichnung Kniggenstraße tritt erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts für die Lichtenbergische Straße auf. Be- nannt nach einer schon im 17. Jahrhundert bezeugten Bür- gerfamilie Knihen(Knigge)(s. Bonhoff], S. 74; II, S. 87). Bel.: Haus des Meisters Westfalen in der Knigenstraße, Bau- anschläge Nr. 1(für die Brandgeschädigten vom 17. 3. 1780), Beleg Nr. 29 vom 2. 7. 1180. 149. An der Knochenhauerbrücke(M.) Am Ende der Knochenhauerstraße gegenüber dem Troll- mönch. Bel.: domum, que est contigua ponti Carnificum UB. II 238(1277); in der knakenhouwer straten twischen.. huse unde negst der knaken- houwer bruggen H. 564(1470); huß mit deme hoffe by der knokenhawer brugghe, dat in vortiden is gheheten de overste gaddem Domst. 667(1491). de cellebrodere wonhafftich to Gosler up der Klockgeiterstraten unde an deme orde der knokenhauwer brughe in der capellen sancti Vernwardi Cellebrüder 3(1507); an der Knochenhawer Straßen ahm Stege E. 1137(1576). 150. Knochenhauerstraße(M.) Es ist mit Änderungen im Zuge der Straße und des Goselaufes hier gegenüber dem heutigen Zustand zu rechnen. Vgl. Fl., S. 107 sowie o. S. 46/47. Bel.: am orde an der knakenhawer straten bii... huse, genant dat hemmelrik H. 209(1455); an der knakenhauwerstrate ame orde tigen der pepermolen over 885(1481); an der knokenhawer straten tigen den EBEN ie a ae Wilgen Armen 1174(1491); 1226(1492); in der knokenhauwerstrate twis- schen.. huse unde der poppermolen 1546(1500); an der knochenhawer- strassen zwischen beiden Victriels heuseren der Achtermenner am orthe bie der gose gelegen E. 479(1559); ihn der knokenhauwer strassen negst .. hause ahnn der Gose ahm orthe belegen 825(1568). 151. Köhlerstraße(B.) Im Bergdorfe bei der Johanniskirche. Bel.: apud sanctum Johannem in platea Colerstraten UB. II 419, S. 424 Z. 23(1285—1296); in platea Kolerstrate(Kolerestrate) III 213(1309). 152. Beim Köketurm(F.) Er liegt hinter dem Brüdernkloster. Identisch mit dem Kunst- denkm. S. 253/4 erwähnten Schweineturm. Bel.: Der koke Torn St. G. 1103 a(1518); bie der koeke torne hinder der bruder kirchen E. 380(1557). 153. An der Königsbrücke((T.) Am Hohenwege. Bel.: locum juxta pontem regis situm UB. I 236(1154—1161); apud pontem regis II 26(1254); plateam illam inter capellam apud pontem regis et hospitale.. sitam 62(1259); de stupa inferius pontem Regis 419 (1285—1296); De regali ponte... W. S. 6(1415). up dem Hogen Wege to der konniges bruggen wardt H. 59(1446); up der Goße negest der konninghes brugsghe 1274(1494); up dem Hogenwege an der Agetucht by der konniges brugge ULF. Bl. 49(nach 1464); bie der konnigsbrucken... unde der abezucht am orthe E. 690(1564); bey der könningesbrugge 1120(1576). 154. Königstraße a) Hoher Weg(T.) So: Nr 120: Bel.: uppe der konninges straten negest deme huse, dat dar hort to sunte Ciriacus altare in der marketkercken H. 1027(1486); an der konnigh straten gegen der market kerken 1258(1494); Die Konniges Straße H. Sch..(M. 1577). b) Die heutige Königstraße(T.) — Münsterstraße(u. Nr. 196). Sie kommt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts vor und ist benannt nach dem an ihrem Ein- gange belegenen Hause von Heinrich Friedrich König. 155. Köterstraße(St.) Der Name deutet auf eine landwirtschaftlich genutzte Um- gebung(B., S. 34 Nr. 41; F., HGBl. 1920/21, S. 144 Anm. 1). Bel.: platea que dicitur Coterestrate UB. II 4(1251); in Cotrestrate 210(um 1274); in Coterstrate 419(1285—1296); in Koterestraten III 213 (1309); in der koterstrate W. S. 15(1415); an dem orde der koterstraten in der klockgeterstraten H. 301(1459); in der köther strassen E. 206(1552). gt 156. Nach dem Köterturm(T.) = Köterstraße(vorstehend Nr. 155). Bel.: up der klochgeterstraten benedden.. ame orde, alse men geyt na der koter torne H. 364(1462); in der klockgeter straten twisschen ... garden ame orde der straten, dar me geyt na der koter torne 1005. (1485). 157. Kohlgarten(St.) Auf dem den Kunstdenkm. vorgehefteten Thieler-He- ringschen Plan von 1803 erscheint die Springerstraße als ‚Kohlgarten. Nach dem Wolfenbütteler Plan und nach einer Karte von 1868 wird als Kohlgarten die untere Bäckerstraße bezeichnet. Anscheinend hat ursprünglich das ganze dünn be- siedelte und in der Hauptsache gärtnerisch genutzte Gelände nördlich der unteren Breiten Straße den Namen Kohlgarten geführt. Wegen der Kohlstraße s. u. Nr. 158. Bel.: enen lutteken kolgarden by sente Steffane in der lutteken straten, dar de kedene vore hanghet UB. IV 449(1351£.), S. 328; vor sunte Jurienberghe kolgarden 627(1358); in der Beckerstraten allernegst by deme.. Garden by den kolgarden St. G. 729(1429); platea in den kol- garden W. S. 266(1462); uppe der Beckersstrate benedden in dem kol- garden H. 1462(1497). in den koelgarten E. 175(1551); neben den kolgarten in einer tweten, genomet im helle hoefe, zwischen Herman arndes... unde gemeiner strassen 201(1551); up der Beckerstratten in den kolhardene 214(1552), in dem koelgarten(kolgartten) 315(1555); 367, 368(1557); benedden uf der beckerstrassen in den kolgarten benedden... garthen unde beiden strassen am orthe gelegen 464(1559); benedden in den koelgarten bynnen der Stadt reinckmeure 711(1565); uf der Beckerstraßen hinab fast in den Kholgarten 1061 a(1575). 158. Kohlstraße(St.) Sie fällt mit dem Kohlgarten(vorstehend Nr. 157) zusammen. Bel.: in der kölstrate W. S. 13(1415); de colstrate 103(1440); 124 (1441); 145(1442); 163(1443); 183(1444); in der Breden straten... an dem orde der kolstraten H. 391, 392(1463); in der kolstraten effte kolgarden ame orde Clawes wegeners garden belegen 1628(1502); ihn der Köl- strassen E. 885(1570); in der Kolstrassen 1322(1532). 159. Kornstraße(St., M.) Benannt nach den hier befindlichen Kornlagerhäusern, die noch bei Crusius, S. 437, zu Ende des 18. Jahrhunderts be- zeugt'sind(ähnlich in Lüneburg, Reinecke, S. 56/7). Kunst- denkm. S. 321 wird der Name so erklärt, daß die Straße von den Kornwagen auf der Fahrt vom Breiten Tore bis zum Markt benutzt sei. Irrtümlich nimmt F. Bitter, Der Handel Gos- De lars im Mittelalter(Goslar 1940), S. 117 zu Anm. 218, das Vorhandensein eines Kornhauses oben an der Kornstraße an. Nach UB. V 213(1371) handelt es sich um dat hornhus (= Eckhaus) boven an der Kornstrate bi dem markede. Bel.: in der Cornstrate UB. III 934(1332); in der Kornstraten 1029 (1335); in der kornstrate an der egghen tighen des parneres straten ULF. Bl. 63(1407); in der kornstraten uppe der ecgen beneden dem markede St. G. 647(1414). in der kornestrate up deme orde an des hovetmans strate H. 152, 154(1453); in der kornstraten an eynem orhde bii der domstraten H. 429 (1465); an der kornstraten belegen ame orde an der goße straten 532 (1469); an der kornstrate benedden in den groperen 837(1479); up der kornstrate bie den gropers... ame Orde in der sustrate 1445(1498); in der kornstraten ame orde der Devestraten 1635(1502). up der Cornstrassen bei den Meuren E. 389, 390(1557); auf der Kornstrassen bey der Agetuch 679(1564); de Kurrenstrate heneff(neben Korrenstrate) H. Sch.(St. 1573); unten uf der Korrenstraßen beym brun- nen W. H. Nr. 36—39(1644); Mehr hinter der Mawren an der Kornstraßen bey dem Brunnen W. H.(1653). 160. Straße gegenüber dem Koteschen Hause am Fleischscharren(M.) M.E. ist hier an die Berstraße(oben Nr. 24b) zu denken. Bel.: in den kramen twisschen Diderick busers huse unde der straten, de tigen der kotesschen utgeyt tigen kort schünemans huse over H. 925(1482). 161. Inden Kramen(M.) Verkaufsstände der Kramer in der Kramerstraße(u. Nr. 162a), aber wohl auch auf den Marktkirchhof übergreifend. Bel.:Officinae seu stationes.. institorum UB II 456/7(1293); crami- stam... sitam Goslarie inter staciones institorum prope Volcmarum III 772/3(1327); den cramen, de steyd in den cramen up deme horne boven halte der streteken, de gheyd to der Oldboteren word IV 507(1354); bachten den Kramen tighen des arcedes hus 591(1357); neyst dem rad- huse tishen den kramen over Neuwerk 14(1429); in den kramen twisschen Diderick busers huse unde der straten, de tigen der kotesschen utgeyt H. 925(1482); in den Kramen tw.... und der Cramergilde bouden bel. H. 1338(1496). 162. Kramerstraße a) Straße in den Kramen(s. vorstehend Nr. 161)(M.) Sie erscheint 1188 urkundlich als platea cramistarum(o. Nr. 49) und umfaßte in der Hauptsache die untere Marktstraße. Bel.: hallas.... que continentur inter lobium fori et cimiterium forensis ecclesie et plateam cramistarum, que sunt stationes sutorum et institorum et vendencium coria UB. I 320(1188), S. 354. re b) Straße nach dem Kramerturm zu(T.) Sie entspricht der heutigen Wallstraße. Bel.: de Kramerstrate zwischen„de Strate na dem Munster“ und „up dem Kaisersbleeke“ Sch.(T., um 1570); de Strate na dem Kramer Toren, Cramerstrasse genannt V. Sch.(T. 1570); Nach der cramer thurm W.H. Nr. 108(1642). 163. Auf der Kramerbrücke(M.) Platz unterhalb des Kramergildehauses an der Kreuzung der Breiten und der Fischemäkerstraße. S. o. S. 24. Bel.: beleghen jeghen der kremer huse upp der brugshe. K.A. Bl. 19(nach 1451); up der Cramer brugge H. 1626(1502); stidde jegen der Marcktkirchenn, da die Fleischhauwer stehen, die Cremerbrücke genant Landbuch 1648 f. Nr. 84. 164. Beidem Kramergildehaus(M.) Das älteste Kramergildehaus lag am unteren Fleischscharren an der Ecke nach der Breiten Straße und dem Markt zu. Etwas vor 1429 hat anscheinend eine Erneuerung stattgefunden(s. u. zu Nr. 178 a. E.). Später(nach 1500) ist es ersetzt durch das Kramerhaus am Markte zwischen Wort- und Domstraße (Kunstdenkm. S. 313). Vgl. auch C. B., Das ehemalige Kramer- gildehaus in Goslar, Die Heimat 1914, Nr. 6. Bel.: An der Kramere hus by dem markede an beiden orden be- legen an der breden straten her St. G. 737 a(1432); an der kramer huse ame orde yeghen dere loven unde deme market kerkhove H. 1331(1496). Unter der Cramer hause H. Sch.(M. 1577); bey der kramer hause (M. 1580, 1581). Hier ist schon das neue Kramerhaus gemeint. 165. apud Krenghelleken(M.) Beim Krengelkenstoben(s. u. Nr. 288e). Bel.: in domo Henrici Pistoris apud Krenghelleken UB. III 699 (1324), S. 477. 166. Kreuzgasse(J.) Sie deckt sich mit der früheren Goldschmiedestraße zwischen Schilder- und Jakobistraße(o. Nr. 94). Der Name ist der Straße erst 1912 beigelegt, scheint aber auf eine ältere Bezeichnung zurückzugehen. Eine Beziehung zwischen dem Namen der Straße und dem Hausbesitz des Kreuzaltars der Jakobikirche in der Schilder- straße, die namengebend gewirkt haben könnte, kommt nach den Lageangaben UB. IV 657, 676/7(1359) nicht in Betracht. Manchmal weist die Bezeichnung Kreuzgasse oder Kreuz- straße einfach auf den Schnittpunkt zweier Straßen hin (Gengler, Dt. Stadtrechtsaltertümer, S. 79). Een Te 4 E E ee ee a er u 167. Kuhstraße(J.) Der Name haftete am südlichen Ende der heutigen Rosentor- straße, erstreckt sich aber zuweilen auch auf den ganzen Stra- Benzug. Die Kuhstraße deckt sich mit der Wockenfußstraße (u. Nr. 325). Erwähnt bei Crusius, S. 437(1780). In Braun- schweig bildete die Kuhstraße den Sammelplatz der Kuhherde vor dem Austreiben aus dem Augusttore. Bel.:inn der khostr.(kostr.) E. 79, 80(1480); zur Kuh- oder Wock- fueß Str. Sch.(J. 1702) S. 75; Wockfuß vulgo die Kuhstr.(J. 1760). 168. vicus Werneke Kulen(S$t.) In der Nähe der Walkmühle. Bel.: W. S. 166(1443). S. dazu H. 72(1448): Haus Werneke Kulens bel. by der walkemolen by deme husen der sulven molen. 169. Lämmerstraße(St.) Zwischen Badelebischer(Rundenien-) und Schielenstraße. Vielleicht benannt nach einer Familie Lamm(Lemke, Lemb- ke, Lemmeke). Vgl. Bonhoff III S. VI. Die Straße fällt ur- sprünglich wohl mit dem unteren Teil der Badelebischen Straße zusammen. Näheres o. Nr. 13(Badelebische Straße) und u. Nr. 310(Walkmühle). Bel.: Hans von Barum läßt auf an Cord schrader ein Haus„be- legen up der lemmerenstraten ame orde twisschen bartolt Rengelems unde ludeken Raven clenen huseren H. 787(1478); Auflassung eines Hauses belegen beneven der lemmerenstrate twisschen Hans Lutkemans unde Ludeken Ravens lutteken huseren durch Cord Schrader an Hinrik Meyger 788(1478); Auflassung eines Hauses belegen beneven der Lem- merenstraten tw. des sulven Cord Schraders anderem huse unde Hinrik meygers huseren durch Cord Schrader an Hans Lutkeman 789(1478); in der lemmergatzen straten 1222(1492), Haus in der lammergassen tw. Hermen unn Ludeken Ravens husen 1536(1500). In der Lemmerstrassen E. 294(1554); in der Baserslebeschen(durch- gestrichen und daneben geschrieben) Lemmer strassen 444(1553); in der Lemmergassen 787(1567); 853(1569); die Lheemenstratte V. Sch.(St., um 1565). vgl. wegen des Hauses Berld Ringelems H. 208(1455): bel. in der Straten by der Walkemolen; 861(1480): Haus bel. ame orde tigen der walkenmolen negest Bartold ringhelem huse; u. Nr. 258. 170. Zum Lamberge(Lamborge)dor(S$t.) Benannt nach einem Haus des Domstifts in der Glockengießer- straße. Eine Deutung kann nicht gegeben werden. Kunst- denkm. S. 215 wird ein Zusammenhang mit einer(früheren?) Toranlage bei St. Annen unterstellt. Möglicherweise ist hier an einen ursprünglich geschlossenen Siedlungsbezirk der Flei- 7 Frölich, Goslarer Straßennamen ee scher in der Umgebung der Knochenhauerstraße zu denken, der dem Domstift abgabepflichtig war. Bel.: Ein Haus Lambergedor und ein Haus Carnificis im Besitz des Domstifts werden UB. II 419(1285—1296), S. 428, genanni. Die nächste Erwähnung stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts: by der knokenhawere brugghe, dat in vortiden is ghe heyten de overste gad- deme, unde dat huß mit deme hoffe und Bleke, dat van oldinghes dat huß tome Lamborgere dore is geheten, in der Clockgeyter straten Domst. 667(1491). 171. Langer Scharren(M.) — Fleischscharren. Bel.: vleschscharnen... van den brotschernen nederwort Kop. B.S.J. II Bl. 9(1441); vlesch scharren belegen in den langen scharren H. 378(1462). Ein macellum, quod supremum dicitur, situm ab aquilonali parte carnificum, wird 1188(UB. I 320) erwähnt. HinterdenlangenScharren(M.) Es handelt sich um den Neumarkt nördlich des Fleischschar- rens(u. Nr. 203). Bel.: retro macella UB. III 213(1309); 783(1327; hus, dat dar steit achter den langen schernen allerneyst dem Nyenmarkede V 712(1388); achter den langen scharnen up deme orde H. 324(1460).: 172. Lata platea(M., St.) — Breite Straße(o. Nr. 36). 173. Lederhof(M.) Teil des Marktkirchhofes gegenüber dem Schuhhofe am nörd- lichen Seitenflügel des Rathauses. Näheres B., S. 36. Verkaufs- stände der Gerber. Bel.: hallas ‚ que continentur inter lobium fori et cimiterium forensis ecclesie et plateam cramistarum, que sunt stationes sutorum et institorum et vendencium coria UB. I 320(1288); officinae seu staciones.... cerdonum II 456/7(1293); brotschernen vor deme market- kerkhove wente an den Lederhof unde vor deme Schohove UB. IV 29 (1337); van dem Lederhove 69(1338); up deme Lederhove, dar nu de schorsten to unser dornzen up ghelecht unde ghebuwet is 125(1340); up deme Lederhove 226(1343); 525(1355). 174. Lichtenbergische Straße(St.) Die Straße deckt sich mit der Pekstenesstraße(u. Nr. 213). Sie entspricht der heutigen Kniggenstraße, die als solche erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bezeugt ist(o. Nr. 148). Bel.: in der pekstenesstraten neyst to dem huse, dar Lechtenberch ynne wonet ULF. Bl. 12(1390)= UB. V 821; in viculo sequenti lechten- berch in Parochia sti. Stefani W. S. 25(1416); up der lechtenbergeschen straten H. 1485(1499); up der lechtenberge strate 1506(1499); ihn der Lichtenbergischen strassen 873(1569). Bei Crusius, S. 437(1780), wird die Lichtenbergerstraße genannt, ihre Identität mit der Kniggenstraße erhellt aus dem J. I(1762) vorgehefteten Straßenverzeichnis. 175. Am Liebfrauenberge(T.) Wie heute. Benannt nach der Liebfrauenkirche nördlich des Kaiserhauses(Hölscher, Kaiserpfalz, S. 108 f.). Bel.: by unser Levenfruwenn berge E. 234(1553); bie unde nedden unser lieben frawen kirchen und berge 251(1553); bie unser lieben {ruwen kirchen am kaisersplecke ubber zwischen... huese unde der Strassen, im hanffsacke genant, am orthe gelegen 471(1559); benedden unser lieben fruwenkirchen im hanffsacke nach dem ritterplatze werts 472(1559); Haus und Hof bie unser lieben frauwen kirchen am keiser- plecke zwischen der Scholastereie unnde der Rubergeschen heuserenn gelegenn D. 227(1559); jegen unser lieben fruwen berge 915(1570); vor unser lieben frauwenberge 1489(1586). 176 Logenbenke S. unten zu Nr. 288d. 7. 1cHhs Eudolfı(J.) — Neuwerk(Dreck)straße. S. die Nachweise bei Nr. 60, 204. Bel.: vicus, in quo habitat Ludolphus im Jakobibezirk W. S. 112 (1441); Haus tygen deme Nigenwerke tw. Hans Godeken unde Ludolffus husen H. 407(1463). 178. Maldensmede(M.) An der oberen Kornstraße nach der Judenstraße zu. Das Wort könnte soviel wie„Schmelzschmiede‘ bedeuten(freundl. Aus- kunft von Frl. Dr. H. Hofmann in Frankfurt a. M.). Danach besteht vielleicht ein Zusammenhang mit der in der Nähe am Markte belegenen„Münzbrennschmiede“(Kunstdenkm. S. 309 u. u. Nr. 198, Münzergildehaus). Bel.: hus, dat dar het to der Maldensmeden UB. IV 457(1352); in der kornstraten unnd is dat ort huß alder negest der malden smede benedden Sunte Cecilien Capellen ULF. Bl. 48(1435); huß... beleghen in der Jodden straten geheten de malde smeden H. 23(1444); Haus an der kornestraten by der maldesmeden 127(1451); huß unde hoff oldinges geheten de malde smede belegen in der kornestraten ame orde der jod- denstraten 449(1466). Weiter kommen in Betracht die Nachrichten über den Hausbesitz von Wilhelm Wegener an der oberen Kornstraße bzw. der Judenstraße H. 115(1450); 286/7(1458); 356(1462) an dieser Stelle. Wichtig für die Aufdeckung der hier obwaltenden Verhältnisse ist eine Urkunde vom 2. 7. 1429(Domst. 529) über einen Vertrag des Dom- stiftes mit der Kramergilde umme eyne wesselbode an deme markede gelegen, dar eyn bernesmede to der munte ut gemaket was, dat nü de andere bode is an deme orde van der breden straten des nyen huses, —- 10— dat de vorgen. kramere unde ore vormunden dar up gerichtet unde gebuwet hebben.— Schon 1332 ist übrigens von einem Rentenkauf der Münzergilde„ut der smeden“ die Rede(UB. III 935 Z. 23). 179. Mangelhof(T.) Ein Mangelhof wird in der Brandesschen Chronik Bl. 103 v. (zum Jahre 1545) und Bl. 157 v.(zum Jahre 1708) erwähnt. Er dürfte mit dem Angelhof im Pfalzbezirk(o. Nr. 9) zusam- menfallen. Mund, S..38, bringt ihn in Verbindung mit dem Hof de Herlinberch im Pfalzbezirk, der im 17. und 18. Jahr- hundert als Gießhaus und Zimmerplatz diente(Hölscher, Kaiserpfalz, S. 144 Anm. 6). 180. Marboldstraße(F.) Sie entspricht den Anfängen der Vogt-Konradstraße im Fran- kenberger Bezirk. Näheres F., S. 156 Anm. 49 sowie 0. S. 37. Bel.: Ein Haus Markbolts in Voghet-Cordesstr. wird W. S. 9(1415), 19(1416) erwähnt. S. ferner: in vogedes Cordes straten, de man ok hetet Marboldes straten.. dat he der olden Marboldeschen aff gekofft hefft H. 17(1443). 181. Unter der Marien-Magdalenen-Kapelle(T.) Unweit des Kaiserhauses am Kaiserbleek. Bel.: Hof der Herren von Wildenstein beneden sunte Marien Mag- dalenen capellen UB. V 264(1374). Hölscher, Kaiserpfalz, S. 146/7, sucht den Hof etwa auf den heutigen Pfarrgrundstücken der Marktkirche. In früheren auf das Haus bezüglichen Aufzeichnungen wird es als apud (juxta) domum Cesaris belegen bezeichnet. Vgl. UB. III 218, 220(1310), 620(1322).. Nicht zu denken ist hierbei an die ebenfalls dem Domstift benach- barte Marien-Magdalenkapelle an der Glockengießerstraße, eine Stiftung der Herren von Walmoden, UB. I 641(1250), III 97(1305), 213(1309), S. 144. 182. Markt Wegen der Entstehung des als„gemeiner Markt“(forum com- mune) bezeichneten heutigen Marktplatzes im 13. Jahrhun- dert vgl. o. S. 24, 31. Neben ihm spielt seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts der Neumarkt(u. Nr. 203) eine Rolle. Bel.: juxta forum UB. I 320(1188)— es ist hier wohl noch an die ältere Marktanlage zu denken—; fabricam nostram in foro Goslariensi sitam II 52(1258); foro communi 412(1290); in foro Goslariensi ante curtem V 1128(1399). boven dem markede tighen... huse uppe dem orde und an siner schoboden beleghen tighen der ordboden over, dar men gheid in de hokenstraten ULF. Bl. 27(1414); in der vismengerstrate up deme orde na dem markede H. 104(1449); an dem Markede an der rehge der Cramere huß 180(1454); an der kornestraten am orde na deme markede — 101— 1121(1489); to dem nyenhuse, de wort genomet, bii deme markede to goßler belegen Kaufgilde 52(1491); am marckete nechst Heinrich Achter- mans huese unde der Domstrasse am orthe E. 532(1560). 183. Marktstraße(M.) Sie führt von dem Egidienturm(Ottilienturm) bis zum Schuh- hof. Der obere Teil fällt mit der Egidienstraße, der untere Teil mit der Marktkirchenstraße bzw. der Straße am Marktkirch- hof zusammen. Bel.: Zahlreiche Erwähnungen, z. B. H. 10, 14, 15(1443), 70 as 396(1463). Weitere Beispiele F., S. 155 Anm. 41. 184. An(gegenüber, hinter) dem Marktkirchhofe (M.) Bei der Bezeichnung gegen(gegenüber) dem Marktkirchhof ist in der Regel an die untere Marktstraße in der Umgebung des Schneidergildehauses, bei der Bezeichnung hinter dem Marktkirchhofe an die Südseite des Kirchplatzes zu denken. Doch gilt dies nicht ausnahmslos. Bel.: inter lobium et plateam et cymiterum forensis ecclesie UB. I 306(1186); by deme marketkerchove III 729(1325); an deme Egken bii der vogedes straten jegen der Marketkerken over H. 40(1445); hinter dem Marcktkirchoffe E. 1077, 1078(1575); kegen dem Marcket Kirchhofe zwischen her Martinus Illersten und dem Meynihofe belegen 1428(1585). H. Sch.(M. 1578): Jegen dem Marcktkirchhoffe; u. a. darunter: Der Schneider Haus. 185. Marktkirchenstraße(M.) Sie deckt sich mit der unteren Marktstraße. Bel.: in der Marketkerken straten twischen... unde Hennigh vosses huseren H. 404(1463). Dasselbe Haus wird 422(1464) als in der Marketstraten belegen bezeichnet. 186. Marstallstraße(M.) a) Die im Mittelalter hauptsächlich als Marstallstraße bezeich- nete Straße deckt sich mit der Vogt-, heutigen Münzstraße zwischen Marktkirchhof und Bäckerstraße. Sie ist nach dem hier belegenen neuen Marstall des Rates benannt. Bel.: Bau des neuen Marstalls UB. V 961, 962(1395). in der marstals straten twisschen des Rades munte negest der Jur- genbergesschen Huse ULF. Bl. 13(nach 1464). Vgl. dazu: in der vogedes straten twischen der Munte des Rades unde der Heren Huse vom Jur- genberge H.-168(1453). in der marstalsstraten, dar des Rades munte liid H. 707(1475); in der marstalß straten tigen dem marstalle over an der mynte 872, ähnlich 873(1480); in der marstals straten negest der munte tome schchove worth 1291(1494). = 102= b) Hintere Marstallstraße Parallel zur Münz-, Vogt- oder Marstallstraße im. vorstehen- den Sinne verlief westlich von ihr als Verbindungsstraße von der Marktstraße unweit des Schneidergildehauses(s. die Skizze bei B., S. 35) nach der heutigen Marstallstraße zu eine zweite Marstallstraße, die als Hintere Marstallstraße bezeich- net wurde und deren Ansätze sich noch im Stadtgrundriß der Gegenwart(bei dem Hause Marktstraße 5) erkennen lassen. Die heutige Marstallstraße stellte sich vielleicht ursprünglich als Fortsetzung der Hinteren Marstallstraße dar. Damit bietet sich die Möglichkeit, wenigstens einen Teil der Unklarheiten zu beseitigen, die sich bisher in dieser Gegend aus den durch- einandergehenden Straßenbezeichnungen ergaben(s. F., S. 153 Anm. 35). Bel.: an der Marcketstrassen zwischen... huese unde des Marstals hinderstrassen am orthe gelegen E. 585(1561); an dem Gildehause(der Schneider) an der Marstalsstraß kegen dem brodtscharn und Daniel Vogts heusern belegen K.A. Bl. 7(1562). Vgl. hierzu die Auflassungsverhand- lung E. 624(1562). 187. Ander Martinikapelle(Martinsstraße)(F.) Die Martinsstraße fällt mit der Fingeren(Fingerling) straße zu- sammen. Wegen der Lage der Martinikapelle am Eintritt der Abzucht in die Stadt vgl. Hölscher, Kaiserpfalz, S. 154; Gidion, Harz Zeitschr. 1(1948), S. 117 f., insbes. 121/2, 135 Anm. 2 und 3. Bel.: Haus belegen uppe der gose achter tilen Hynsen an dem orde an der strate tigen sunte mattens torne H. 628(1473); in sunte mattens de fingerenstraten anders genomet twisschen Hans bernstorppe und Arnt arneken huseren belegen 1265(1494). an der straten tygen Sanct Martens Capellen St. G. 1102(1513); ihn der straten tyghen sante martens Cappellen Kaland 8(1519). In Geismars Chronik findet sich auf S. 41(1729) die Bemerkung: St. Martin ist gewesen bei der Schmiedeturm, wovor jetzt das Armenhaus steht. 188. Mauerstraße(St. bzw. J.) a) Die heutige Mauerstraße zwischen Rosen- und Breitentor erscheint früher als Straße„hinter der Mauer“(so noch auf dem Stadtplan von 1868). b) Die gleiche Bezeichnung führte damals ebenfalls die jetzige Zehntstraße. c) Vom Breiten Tor bis zu den Gröpern am unteren Ende der Kornstraße wird der Straßenname„gegen der Mauer“ ge- — 105— braucht. Er wird gelegentlich hier ergänzt durch die Bezeich- nung„gegen der zweiten Mauer“(s. o. S. 45). Bel.: jegen der Statmuren beim Wasserloch E. 747(1566), jegen und bey der Mheuren nach dem Breiden Thore 791(1567), hinter der Mheuren in den Gropern 813(1568); jegen der Stadtmhuren 944(1571), 1325(1582); gegen der Mauer, gegen der 2ten Mauer(die Meisterei) Sch. (St. 1760).; d) Eine Straße na der mhuren(jegen der muren) begegnet ferner beim Brüdernkloster Sch.(F. 1563, 1577). Dahinter folgt: auff dem Walle(Achtelschoß 1703). Auf sie möchte ich die in den Privatakten 1532 Nr. 12 enthaltene Nachricht be- ziehen über einen garden boven dem broder kerchhoffe... van Spinsyes garden wente an de muren, de an der strate boven dem borne her geyt. S. ferner„am gange nedder der Stadt Muren“ beim Brüdernkloster, Brüdernkloster 9a, (um 1500). ‚Straße beiBartold Mechtshausen(St.) Seitenstraße der Breitenstraße oberhalb der Stephanikirche. Es handelt sich um die Brüggemannstraße. Bel.: Rente an dem Hause der alten Wychmannschen in der Straße bey Bartold Mechteshusen huse(Urkunden vom 2. 2. 1463, Domst. 606 u. Stephanik. 6). H. 28(1444) wird erwähnt ein Haus beleghen in der Breydenstraten an Henningh Vlotes huse boven sunte Steffens kerck- hoffe jegen Bartold Mechteshusen huse over an eynem orde. Auf das gleiche Haus, ein Eckhaus Bartold Mechtshusens an der Breitenstraße, beziehen sich ferner die Einträge H. 75(1448), 83(1449) und 482(1467). Das H. 482 erwähnte Haus von Herman Ryke lag in der Brügge- manns(Rikenschen) Straße, wo auch Wichmannscher Besitz nachweisbar ist(s. u. Nr. 242). 190. Mennigesstraße(M.) Sie deckt sich mit dem Gemeindehof(o. Nr. 89). Bel.: Nach H. 352(1461) besitzt Meister Hans ein Haus tighen deme marketkerckhove twisschen der koplude und mester Hanses des bartscherers huseren; huß by der borgherhuß in der mennigesstrate, unde heft meyster hanß myt deme huße, dat he nye buwet heft, St. G. 873(1480). 191. Mittelgasse(J.) — Teufelsgasse(u. Nr. 294b). 192. Mönchestraße(plateamonachorum)(J.) Querstraße zwischen Schilder- und Jakobistraße. Sie ist be- nannt nach der in ihr belegenen Niederlassung(Terminei) der Augustinereremiten. Andere Bezeichnungen: Eremitenstraße, Termineistraße, Ovelgönne, Nagelbalkesstraße. Die Ableitung — 104 des Straßennamens von dem Namen der später hier bezeugten Bürgerfamilie Mennecke(H. G. Griep, Goslar. Ein Heimat- buch, 1945, Heft 3: Die Straßen, S. 2, 18) trifft nicht zu. Viel- mehr dürfte der Familiennamen nach dem Straßennamen ge- bildet sein. Bel.: Borchardus de platea Monachorum UB. II 62(1259); in der strate beneden der moneke hus IV 457(1352); in der Monnigk straten ame orde H. 149(1452); in der Monkestraten 229(1456). uf der Monche strassen E. 267(1554); in der termenien unnde Monche- strassen 354(1556); ihn der Monnekestraten 803(1568); uff der Schiller- strassen negst.. hawse ahm orthe gehgen der Monneke straten 1051 (1574), die Menneckenstraße T. O.$ 16(1786). 193. Mühlenstraße a) Obere Mühlenstraße(F.)— Bartoldsmühlenstraße(o. Nr. 20). b) Mühlenstraße im Stephanibezirk in Verbindung mit der Badelebischen, Gose- und Stobenstraße sowie der Straße an der Walkmühle(St.). Die nachstehenden Belege verweisen zweifellos zunächst auf die vorstehend genannten Straßen. Gegen Ende des 15. Jahr- hunderts ist vielleicht schon an die Untere Mühlenstraße(s. u. zu c) zu denken. Bel.: Auflassung eines Hauses durch die Älterleute der Marktkirche an Olrik Scrader. Das Haus ist belegen in der Straten bii der Walk- molen tiigen Hans nigenstades huß over H. 92(1449); Haus belegen boven der kegelwurd twischen Berld hersen huse unde hoffe unde der walkemolen 227(1456). Der Rat läßt an Hans schillingh auf ein Haus, dat oldinghes to der walkenmolen plach to hoerende, belegen in der molenstratean der gose tigen der walkemolen over negest Hans schillinghes H. 688 (1470). Auflassung eines Hauses durch Hans Schilling an ludeke Schacht. Das Haus liegt by der walkemolen twischen berlt hersten und der walke- molen 719(1476). Ludeke schacht läßt an ludeke nigelant auf ein Haus belegen in der gattzen beneven der walkemolen twisschen bartolt Hartzen unde des genanten ludeken schachtes anderem huse 794(1478). c) Untere Mühlenstraße(St.). Bel.: benedden in den groperen an der molenstraten 798(1473); in den groperen... up dem orde an der molen straten Stephanikirche 7 (1479); nedden in den groperen boven der molenstraten 20(1492); tigen der kegelwort over twisken... und der Molenstraten H. 1450(1508). in der strassen jegen der kegelworth ubber nechst.. huse am orthe gelegen E. 469(1559); an der kornstrasse in den groperen zwischen.. huese unde der Molnstrasse am orthe 533(1560). — 105— 194 Hinterdem Münster(T.) Die Straße„Hinter dem Münster“(Hölscher, Kaiserpfalz, S. 172/3) deckt sich mit der Straße„Nach dem Kramerturm“ (0. Nr. 162b). Sie entspricht der heutigen Wallstraße. 195. Auf dem Münsterkirchhof(T.) Er fiel wohl zusammen mit dem Friedhof der Thomaskirche. Bel.: der Capellen sunte Thome up dem kerckhove darsulvest thom Munster, Domst. 746(1518); Munster Kerckhoff H. Sch.(T. 1577); Vikarhaus des Domstifts uff unserm Kirchoffe, Domst. 823(1642). 196. Münsterstraße(T.) Sie entspricht der heutigen Königstraße. Näheres F., S. 149, 150, und o. S. 28/9. Bel.: Häuser an dem orde der straten, dar men uth der wortstraten vort na dem munstere geit twischen Borchert Munstersteins huse unde hern Roggendugen garden H. 1429(1497); Die Münsterstraße W. H.(T. 1642, 1644); zur Müntzstr. Sage Münster Straßen Sch.(T. 1702), S. 9. 197. Münzstraße(M.) Vgl. dazu Marstallstraße(o. Nr. 186), Vogtstraße(u. Nr. 304). Bel.: in der Muntestratten E. 164, 165(1550); kegen dem Brodt- scharn zwischen... huse und der Mundtstrassen belegen 237(1553); hinder dem Schoehoefe... am orthe der muntzstrassen 642(1563); in der Muntzstraßen zwischen eines Erbaren Rades alten Muntz... 1128 (1576); an der Ecke der Muntzstraßen nach der Beckerstraßen belegen 1302(1581); 1412, 1417(1584). E. E. Raths Neue Müntz in der Muntzstraße. E. E. Rahts alte Müntz in der Muntzstraße Landbuch Nr. 164(1648£.). 198. Münzergildehaus Ursprünglich ist der Sitz der königlichen Münze jedenfalls im Pfalzbezirk zu suchen. Später ist anscheinend— vermutlich im Zusammenhang mit den Änderungen der Marktorganisa- tion um die Mitte des 13. Jahrhunderts und mit einer Umge- staltung der Münzergilde— eine Verlegung der Münze an die Ostseite des heutigen Marktplatzes, auf dem jetzt eine Anzahl von weslesmeden bezeugt ist, erfolgt(Kunstdenkm. S. 309, 310; B., S. 37). Völlige Klarheit ist aber aus den Urkunden nicht zu gewinnen. Näheres s. F., S. 180 Anm. 143; Z? RG. 47, S. 409, 410; NsJ. 6(1929), S. 248 f; 7(1930), S. 306/7, sowie die Ausführungen oben bei Nr. 178(Maldensmede). Nach dem Übergang des Münzwesens auf den Rat ist die städtische Münze in die Münzstraße übergesiedelt. Bel.: Schon eine Urkunde von 1238(UB. II 52) nennt fabricam nostram(d. h. des Stifts St. Petersberg) in foro Goslariensi sitam, eine Nachricht von 1343(UB. IV 204) quandum hallam seu fabricam mone- — 106— tariorum(ohne Lageangabe). Die erstgedachte Urkunde trägt auf ihrer Außenseite einen späteren Vermerk„Littera fabrice in Goslaria vul- gariter de Wessele“. Das Münzergildebuch von 1324f.(UB. III 669) er- wähnt einen Zins ex cellariis et ex casis sub domo monetariorum. An- gaben über Wechselbuden auf dem heutigen Marktplatz aus dem 14. Jahr- hundert UB. IV 411(1351), 614(1357), 640(1358). S. ferner Urk. vom 2. 7. 1429(Domst. 529— oben Nr. 178): wesselbode(des Domstifts) an deme markede, dar eyn bernesmede to der munte ut gemaket was; vom 13. 7. 1433(Domst. 542): wesselboden(des Domstifts) gelegen by deme markede to Gosler boven Snettingehusen boden to deme Radhuse word unde dat blek der boden is viff elne lang unde veer elne bret. 199. Nagelbalkesstraße(J.) Die Straße, wohl nach einem Anwohner benannt, wird nur einmal erwähnt. Sie deckt sich mit der Mönchestraße(B., S. 38 Nr. 49). Bel.:in domo Reyneconis Crulles in Nagelbalkesstrate et in duabus domunculis et in orto ibidem UB. III 699(1324). Vgl. dazu UB. IV 457 (1352): An deme hus, dar Reyneke Crut(verschrieben aus Crul!) inne wonet hadde, in der strate beneden der moneke hus unde in twen huse- ken unde in dem gharden dar bi. 200. Neinderlingsche Straße(St.) — Willerling(Piepmäker) straße(u. Nr. 223). Bel.: Auflassung eines Hauses in der winderligenstraten an Andres Schomans stalle durch Herman Deneken an Hans Simons E. 275(1554). Da nach E. 187(1551) Hans Koenen sein Haus in der Neinderlingschen stratenn an Andreas Schoman aufgelassen hat, deckt sich die Neinder- lingsche Straße mit der Winderling(Willering) straße. 201. Neserlingesstraße(F.) = Eyslingstraße(Forststraße). Vgl. F., S. 159 Anm. 60—62, oben Nr. 71. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Hans Achim an Cord Wise. Das Haus liegt an der Neserlinges straten twischen Hanse vosse und Hennigh Dreger huseren H. 484(1467); Auflassung desselben Hauses durch Cord Wise an Gunther smed 486(1467); Auflassung eines Hauses durch Eggert Haverla an wichman Haverla in der neselinges straten twisschen des sulven eggerdes unde Hans landesberges huseren 882 (1480); Auflassung eines Hauses durch Herman lovensten und Hinrick stockhußen an Heyneke alherdes belegen upper neßlinger straten 1032 (1486).{ Da nach H. 609(1472) Henningh Dreger ein Haus aufläßt an Hans landesberch, belegen in der Eeslinge straten twisschen Gunter smedes unde Eggert haverlaes huseren, und da nach H. 730(1476) ein Haus aufge- lassen wird durch Hans landesberch an Hinrick Haverla, belegen in der Eyßlinghesstraten twisschen gunter smedes und Hans landesberges huseren, fällt die Neserlingesstraße mit der Eislingstraße zusammen. sn 202. Neue Straße a) im Frankenberger Bezirk(F.) Sie entspricht der heutigen Neuen Straße. Die Bezeichnung der Oberen Mühlenstraße als Neue Straße auf dem Goslarer Stadtplan in Wolfenbüttel(B. S. 41 Nr. 12) beruht wohl auf einem Irrtum. Bel.: in der Nienstraten E. 138(1549); 150(1550); uf der niegen- strassen 217(1552); uf der nigenstrassen 218, 219(1552); in der Nygen- straten 302(1555); uf der Neuwenstrassen 375(1557); auff der Newen strassen hinter der Agetucht 829(1568); uf der Drenckstrassen an der ecke der Neuwenstrassen 1438(1585); in der Drenckstraßen ahm orthe der Nienstraßen 1497(1586); in der Neuwenstraßen K.A. Bl. 62v(1607). b) im Stephanibezirk(St.) — Vorwerkstraße(u. Nr. 307). Bel.: W.H. 1642 Nr. 22—24: S. Stephansche Pfarr. Newestraße... Alhier ist eine straße durgangen, von selbiger straße hat Joachimus Grimmen 1 theil zu seinem gartten, undt Hanß franckenberg das ander theil zu seinem gartten genommen, die Sawstraße. 203. Neumarkt(M.) Über die Anlage des Neumarkts s. F. Z? RG. 41, S. 142f, sowie NsJ. 7, S. 318£. Bel.: de vleyschschernen alle uppe deme Nygen markete UB. III 882(1331); vlesschernen alle uppe deme nyen markete IV 139(1341); achter den langen schernen allerneyst dem Nyenmarkede V 712(1388). hinder den fleysschernen twysschen husen.. unde dem nygen- markede Domst. 591, 592:(1457); Kop. B. S. J. II Bl. 13v(1457); an der knokenhauwer vleisschernen, genant de niemarket ULF. Bl. 338(nach 1463). 1470 pachten Henning Fenstermeker und Hinrik Wilhelm den Nigen- market vom Rat(Hölscher, Hz. 42, S. 260). Einige Jahre darauf kaufen die Knochenhauer den nigenmarket vom Rat„... den denne de Rad gefriget hefft, so verne de steynwech geit“ H. 771(1477). Nach einer Urkunde vom 15. 6. 1484 nehmen die Vormunden der Knochenhauer von der Witwe Bartold Mechtshausens ein Darlehn von 200 Rhein. Goldgulden auf, die sie zum Nutzen der Gilde verwenden; nomelikenn hebbe wii de to hulpe gehath, dat wii eyn nye hüß uppe deme nyen Market gebuwet unde van myeke und Hans koten godzeliger nagelatenn husfruwenn ore huß myt syner tobehoringe bii de vorbe- nomte nyenmarkede achtere den kramenn over den wagenn wech be- legenn gekofft hebbet unde to anderen behove unßerer gilde gehadt (Stephanikirche 2a). ame nigen markede H. 1084(1488); ame nyen markede 1246(1493); twisschen deme nyenmarkede 1247(1493). Vgl. im übrigen die Nachweise NsJ. 7, S. 318 Anm. 175 sowie eine Urkunde der Beverinschen Bibliothek in Hildesheim von 1452(Nr, 132). — 108— Hier wird erwähnt ein Haus Wilbrandt Kocks an der Ecke bei dem Schuhhause an dem horne ovene hinder den langen vleyschschernen boven dem Nygenmarkete. 204. Neuwerkstraße(J.) Nebenstraße der Schilderstraße. Zusammenfallend mit Dreck- straße, Wigertscher Straße und vicus Ludolfi. Bel.: Olrik Cassel läßt an Hans Godeke ein Haus auf bel. tygen dem Nigenwerke by der Nigenwerkesche bode unde by dessulven Olrikes huse H. 399(1463); Olrik Cassel veräußert ein Haus belegen tygen sunte Jacobs kercken an einem orde tygen der pannensmede over by Hanse Godeke huse an Bertold Vegevür 400(1463); Olricus Cassel übereignet an Hinr. Helmstidde Haus und Hof bel. tygen dem Nigenwerke tw. Hans Godeken unde Ludolffus husen 407(1463). Hans Godeke überläßt an Cord Richter Haus und Hof bel. in der Dreckstraten tygen dem Nigenwerke tw. dessulven Hans Godeken unde des Nigenwerkes boyden 456(1466). Auflassung eines Hauses durch Cord Richter an Alheyt, Herman Pansmedes sel. nagel. wedewe. Das Haus liegt an der Nigenwerkesstraten tw. der Nigenwerckschen huse unde Cord Richters huse 568(1471). Hinreck Helmstedde und Cord Richter übertragen an Clawes Konnigk ihr Haus tigen dem nigenwerkes huse tw. der pansmedeschen unde der nigenwerkeschen huseren 600(1472); Alheyd Pansmede überläßt ihr Haus bel. tigen dem backhuse over tom Nigenwerke tw. der nigenwerkschen unde Clawes Konnighes huse an Hinr. Frund 755(1477); Clawes Konnigh veräußert sein Haus jegen dem Nyenwerke 1358(1506). Haus uff der Niegenwerckessträssen zw. Curt. Dorings unde der Niegenwerckschen huese E. 357(1556). 205. Niddermarkt(M.) Wohl verschrieben aus Rittermarkt(o. S. 35). Es handelt sich um den Platz an der Kreuzung von Markt- und Marstall- straße(u. Nr. 244 u. 263 c). underdemnotbome Eine Straße unter dem Nußbaum wird zu Beginn der Ein- träge des Wortzinsbuches im Frankenberger Bezirk öfters er- wähnt. Anscheinend kommt die Straßenbezeichnung unter dem Nußbaum aber auch im Marktbezirk bei der Pfannen- führerstraße vor. Bel.: W. S. 262(1450), 275(1456): Sequitur parochia frankenberghe. under dem notbome; ähnlich 444(1460); 262(1462); 457(1463). Bei W. S. 444(1460) darunter folgend: Hermen tzigen(Ziegenstraße). Hinrick Eylers under dem notbome W. S. 348, 357(1469). 207. Obergasse().) Sie deckt sich mit der Stobenstraße zwischen Bäcker- und Jakobistraße in der Nähe des Egidienturmes. S. u. Nr. 288 i. 2.709. 208. Ölmühlen Wegen der Goslarer Mühlen überhaupt s. Hölscher, Hz. 1909, S. 80 f., 254 f.; Fl., S. 38 f.; wegen der Ölmühlen Fl., S. 67, 110/1. Hier ist hauptsächlich gedacht an die Ölmühlen in der Nähe der Teufelsmühle. Es kommen aber auch Ölmühlen im Stephanibezirk unweit des Pfefferstobens in ‚Betracht. Bel.: de olymolen... belegen over der Agetucht tegen der drencke H. 503(1468); 685(1474); 1167(1490); van der olye molen, by der Drencke gelegen Domst. 767(1526); de Olimolen over der agetucht by der drencke E. 32(1546); die beiden Oly Muhlen an der Agetucht, wie die negst und nahend an einander gelegen seindt 1030(1574); Georg Kegels... Ölmulen bei der abezucht hinter der Burger heuschen negest an Hansen Kegels Ölmulen belegen 1387(1583). 209. Bei den Oltboteren(M.) Die Verkaufsstätten der Oltboter(Schuhflicker) sind in der Nähe des Schuhhofes zu suchen. B., S. 39 Nr. 50, vermutet die Arbeitsstelle der Altflicker ohne ausreichenden Grund an der Gose. Bel.: in den cramen up deme horne boven halte der streteken, de gheyd to der Oldboteren word UB. IV 507(1354). Auch die Angaben über den Budenbesitz des Klosters Neuwerk in dem Güterverzeichnis vom 6. 5. 1355(UB. IV 525, S. 392: item uppe deme Lederhove in dat osten vere bode, in dat westen dre, de stat to hope; item vif oldboteres boden) lassen auf die Umgebung des Lederhofes schließen. 210. Ovelgunne(J.) Identisch mit der Mönchestraße(Termineistraße). Wegen der Bedeutung des Namens s. o. S. 14, 41/2. Bel.: uppe der straten de ovelwunne geheten beneden der termynie Kop. B. S. J. II Bl. 30 v(1479); in der ovelgunnen twisschen... unde der nigenwerkschen huseren H. 884(1481); in der straten genomt de ovel- gunne 1007(1485); in der ovelgunne 1056(1487); in der ovelgunne St. G. 904(1487); in der Ovelen gunnen H. 1220(1492). 211. Pansmede(Pfannenschmiede) Über die Bedeutung des Pfannenschmiedehandwerks für das Brauwesen in Goslar vgl. Hölscher, Hz. 42, S. 259, 260. a) in der Petersilienstraße(J.) Bel.: de pansmed W. S. 80(1408); Mester Hans pannensmet... in viculo sequenti iuxta si. Jacobi 23(1416); de pansmede in der petercillien- strate 102(1440), 143(1442). an eynem orden an der ptersiligen straten geheten de pannensmede H. 285(1458); tiigen sunte Jacobs kercken an eynem orde tiigen der pannensmede over 400(1463); in der Petercilien straten twyschen Her- man Pansmedes und Tilen Pansmedes huseren gegen der Pansmede 1164 a (1490). Garten an der Petersilienstrate neben der Pfannschmiede belegen St. A. Hannover, Grauhof Nr. 223(1512). b) in der Bäckerstraße(M.) Ende des 16. Jahrhunderts ist als Anwohner der Bäckerstraße ein Hans Pansmedt 1564 und 1572, ein Hinrich Panschmet 1576 u. 1578 bezeugt. Es handelt sich offensichtlich um das- selbe Haus, bei dem von der Bäckerstraße eine Seitenstraße abging, die sich mit der Pfannenführerstraße(Riemerstraße, Teufelsgasse, Pfannhecke) überschneidet. Bel.: Hans Grotehenniges läßt auf an Hans Pansmedt ein Haus an der Bäckerstraße zwischen Hans Gottes und Heinrich Reimers Häusern am orthe der teufelsgassen E. 678(1564); Hans Gottes läßt auf ein Haus an der Bäckerstraße zwischen Hansen Pansmedes und Jürgen Lafferdes Häusern an Wilhelm Hagen 993(1572). 212. Papenstraße(M) S. u. Nr. 227(Poppenstraße). 213.!Pechstein(Pekstenes)straße(St.) Querstraße der Breitenstraße. Sie deckt sich mit der Lichten- bergischen, heutigen Kniggenstraße. Ein Johannes(Henning) Pechstein wird 1281 und 1292(UB. II 292b, 438) als Mitglied und Meister der Kramergilde genannt. Bel.:in platea Pecstenesstrate UB. III 699(1324); in der Pekestenes- straten IV 457(1352); in der pekstenesstraten neyst to dem huse, dar Lechtenberch ynne wonet V 821(1390); in der breden straten an deme orde der peckstenes strate tigen Diderik Gilbechtes huse over St. G. 541 a (um 1398). B. S. 38 Nr. 51 wirft die Straße unter Berufung auf UB. IV 1(1336) „in Olrikes huse Bullekes, dat dar steyt in der Pekestenesstraten“ mit der Bulkenstraße zusammen, jedoch zu Unrecht. 214. Platea Penesticorum(Penesticarum)(M.) — Hokenstraße(o. Nr. 122). Bel.: in platea Penesticarum UB. II 223(1275); in platea pene- sticorum IV 404(1300—1350). 215. Petersilienstraße(J.) Der Namen geht, wie in Lübeck und einer Anzahl anderer niederdeutscher Städte, wo er vorkommt, wohl auf eine gar- tenmäßige Umgebung zurück. Für eine anrüchige Bedeutung, wie sie Feit(S. 71f.) vermutet, fehlt es in Goslar an einem Anhalt. Bel.: Habeo juxta plateam, que dicitur Peterblienstrate, ortum UB. II 419(1285—1296), S. 423; twisschen der petercilien straten unde der woldenbergeschen straten H. 135(1452); in der petersilgen straten 237 (1456); in der pettersylien straten St. G. 794(1456); an eynem orden, an ul. der ptersiligen straten geheten de pannensmede H. 285(1458); upp der petercehen straten twysschen der pannen smeden unde dem Dorweghe, dat der Jurghenbergenschen hort K.A. Bl. 18v(Ende des 15. Jahrh.). "Übereignung eines Gartenstückes des Hellhofes zwischen Bäcker- siraße und Petersstraße(offenbar verschrieben für Petersilienstraße): Urk. v. 30. 9. 1512(Staatsarchiv Hannover, Grauhof 224); up der peter- sillienn strate E. 149(1550). 216. Peterstraße a) Peterstraße im Frankenberger Bezirk(F.) Benannt nach der hier befindlichen Petersmühle der Franken- berger Kirche. Bel.: in molendino subtus Frankenberge in Goslaria sito, quod vulgariter dicitur molendinum sancti Petri UB. III 766(1327); in der Peterstraten uppe deme hove IV 553(1356); de pederstrate W. S. 157 (1443); am orhde in der paters straten H. 510(1468); an der peterstraten twischen der Gose unde... huse ULF. Bi. 37(nach 1463); up dere pater- straten am orde twisschen... unde dem kopperoieks huse Bl. 43(nach 1463); hus... beleghenn by dem franckenbarge in der peterstraten Frankenbergerk. 38(1510). b) verschrieben für Petersilienstraße. S. o. Nr. 215 a. E. 217. Pfannenführerstraße(M.) Querstraße zwischen oberer Breitenstraße und Bäckerstraße. Zuerst nachweisbar als vicus Hinrick(Heyneke) Eylerdes (Elers), dann als vicus Symonis. S. o. Nr. 70a, u. Nr. 291. Da der Wegezug auch als Straße by Pansmedt auftritt— ein Hans und ein Heinrich Pfannenschmied sind 1572 und 1578 als Anwohner der Bäckerstraße in dieser Gegend bezeugt—, verdankt sie ihren Namen wohl einem Fuhrmann, der die Er- zeugnisse der Pfannenschmiede abfuhr und der hier wohnte. Noch im 18. Jahrhundert wird ein Pfannenführer in der Nach- barschaft erwähnt, der später als Fuhrknecht begegnet. Auch der Familienname Pfannenführer kommt vor. Seit dem An- fang des 18. Jahrhunderts verschwindet der Straßenname Pfannenführerstraße und wird durch Pfannhecke ersetzt(nä- heres u. Nr. 218). Andere Bezeichnungen für die Pfannenfüh- rerstraße sind Rauhriemerstraße, Remer(Riemer)straße und Riemenschneiderstraße, Teufelsstraße(gasse)(s. diese). Bel.: in der pfannenforer strassen oder gassen E. 128(1549), an der breidenstrassen zwischen... huese unde der panfeurerstrassen 461 (1559); ihn dem Gösewinkell.. ihn der Pannenfhuerer straßen 982(1572); uf der Beckerstraßen zwischen... heuseren an der Pfannenfurer straßen 1130(1576); pP Pannenvoir Str. Sch.(M. 1568); Pannenfoderstr.(M. 1571); Pannen- foverstr. St. G. Kistenamt Nr. 23(1599). de pannenfoerstrate zwischen Fischemäker- u. Sommerwohlenstraße (M. 1571); in der Pannenforer straten K.A. Bl. 23(1593); in der Pannen- furerstraßen Bl. 38(1593); up der Beckerstraten zwischen der Sommer- wolen undt Pannenfuhrer straten 31a(1601). De strate by Panschmedt H. Sch.(J. 1578). Nicht zu verwechseln mit dem öfters erwähnten Winkel bei Hermann Pfannschmidt in der Nähe der Bartoldsmühle an der Gose(u. Nr. 322). 218. Pfannhecke(M.) Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts wird der Straßenname Pfannenführerstraße durch Pfannhecke ersetzt. Anscheinend hat man die ehemalige Berufsbezeichnung nicht mehr ver- standen. Der zweite Teil des Namens dürfte mit„hagen“ zu- sammenhängen. Ob der Erwerb eines Hauses hier durch Wil- helm Hagen im Jahre 1572(s. o. Nr. 211b a. E.) die Namens- änderung beeinflußt hat, muß dahingesetellt bleiben. Eine Beziehung zu dem Penneke genannten Stieg am Ram- melsberge, wie sie Bornhardt, Flurnamen, S. 35 Anm. 1, andeutet, ist kaum wahrscheinlich. Die noch zu Ende des vori- gen Jahrhunderts bestehende und bis heute im Stadtgrundriß deutlich erkennbare Gasse ist etwa 1890 durch Überbauung des Grundstücks Breitestr. 98 geschlossen. Bel.: Erste Erwähnung 1652: Pfannenführer Straße Peter Simens Garten W. H.(1644); in der Pfanhec... Peter Siemens Garten(1652). Die Bezeichnung Pfannhecke taucht dann einige Male zu Anfang des 18. Jahrhunderts auf, um von der Mitte des Jahrhunderts an den Straßen- namen Pfannenführerstraße zu verdrängen. 219. Pfarrstraßen Pfarrstraßen befinden sich im Markt-, Jakobi- und Stephani- bezirk. a) Marktpfarrstraße(M.) Bel.: by der straten des parrenhoves der Marketkerken UB. IV 797 (1363); boven deme markede uppe deme orde an der parrestraten ULF. Bl. 28(1414); 30v(1421); 46(1421). in der Marketparestraten H. 272(1458); an der marketstraten ame orde, alsemen geyt up den parhof der‘market kerken 592(1471); an der market straten twisschen der becker huse unde der market phar 602 (1472); uppe der marcketstraten an der becker huse tigen.. huse over ame orde der straten, dar me uppe de marcket par geyt 877(1480). Anscheinend bestand von hier aus ein Durchgang zur Bergstraße. vgl. H. 90, 93(1449), 250(1456), 317(1460), 426(1464), 488(1467), 602(1472). u b) Jakobipfarrstraße(J.) Wohl zusammenfallend mit der heutigen Pfarrgasse zwischen Bäckerstraße(Untergasse) und Schilderstraße. Bel.: hus in der Schilderestraße neyst der wedemen sente Jacobes . UB. IV 676/7(1359); Haus Brun Rudemans in der beckerstraten an deme orde der parstrate, Jakobikirche 10(1503); auf der Schilderstraße nieder bis an die Menneckenstraße, durch die Menneckenstraße auf der Jacobistraße nieder, und durch die Straße unter dem Pfarrhause wieder- um auf die Schilderstraße zurück, T.©.$ 16(1786). Wegen des Hauses Brun Rudemans bestimmt der Auflassungsver- merk H. 497(1468): Haus unde Hof, belegen ame orde tygen fricken eyken over negest ludeken boteken lutken huse up der beckerstrate uth- bescheden den ganck, dar man geyt up sunte Jacobs kerkhoff, Vor- besitzer war Ludeke Boteken. Auflassung an diesen H. 251(1457). Danach lag das Haus na deme Rosendore... up dem gange na sunte Jacoppe (Ss: W. Nr. 250, 300): c) Stephanipfarrstraße(St.) Sie entspricht der heutigen Oberen Kirchstraße. Zuweilen wird sie zur Brüggemannstraße gezogen(o. Nr. 40). Bel.: in der kornstrate an der egghen tighen des parneres straten ULF. Bl. 23(1407);„Paerstrate“ zwischen„die Suestrasse ahn Sanct Steffens kirchoff zu beiden seiten“ und„Bredenstrate boven dem kerck- hove“ Sch.(St. 1570); driefstrate kegen der pfarstrate H. Sch.(St. 1576); Pfarrstraße nächst dem Stephanikirchhofe, St. G. Kistenamt Nr. 34, 35 (1607); in der Pahrstraßen zwischen... undt S. Steffanischen Kirchofe, K.A. Bl. 63(1608). i d) Gelegentlich wird auch die Papen(Poppen) straße im Markt- bezirk als Pfarrstraße bezeichnet. S. H. 864(1480), u. Nr. 227.; . Unter(gegenüber) der Pfeffermühle(St.) Die Pfeffermühle wird von Fl., S. 106/7, mit der heutigen Berlin-Kretzschmarschen Mühle identifiziert, also an der Ab- zucht am Eingang zur Köterstraße gesucht. Dem scheint zu widersprechen, daß nach anderen Nachrichten die Pfeffer- mühle mit der Knochenhauerstraße zusammenhängt. Hieraus ergibt sich eine Unklarheit, auf die auch Fl., S. 107, hinweist. Unverkennbar ist in dieser Gegend mit Änderungen in der Führung der Knochenhauerstraße und der Badelebischen Straße zu rechnen, durch die Zweifel ausgelöst werden. Trotz- dem ist im Endergebnis Fl. beizutreten. Bel.: Pepermole UB. II 456(1293), 457(1293); in der straten aller- neyst beneden der pepermolen ULF. Bl. 24v(1408); up dem orde tigen der peppermolen H. 146(1452); an der knakenhauwerstrate ame orde: 8 Frölich, Goslarer Straßennamen — 114— tigen der pepermolen over 885(1481); an der knokenhauwer straten neyst... huse tigen der molen 962(1483); up der Agetuch gegen der poppermolen over 1388(1497); an der knokenhauwerstrate twisschen.. huse unde der poppermolen belegen 1546(1500). 221. Pipenportenstraße(T.) Die Straße führte vom Scherper- oder Pipentor in den Pfalz- bezirk. Mit der Piepmäkerstraße(B., S. 41 Nr. 16) hat sie nichts zu tun(F., HGBl. 1920/21, S. 143). Bel.: in der pipenporten straten Domst. 558(1438). 222. Pipentor(Scherpertor)(T.) Es öffnete sich vom Pfalzbezirk zum Bergdorf(Kunstdenkm. S. 215). Hölscher, Kaiserpfalz, S. 172/3, nimmt zwei ver- schiedene Toranlagen an, wie ich glaube, ohne zureichenden Grund. Das Pipentor trägt seinen Namen von einer hier ver- legten Wasserleitung mit bleiernen Röhren(fistulae plumbeae) (BI. S2 166) Holscher. aua 0, S 172), nach ihmarskdie Pipenportenstraße benannt. Bei den Scherpern ist an Messer- schmiede zu denken(Hölscher, S. 173 Anm. 2). Anschei- nend kommt hier der Verband der Stahlschmiede in Betracht. Vgl. über ihn F., Zur Ratsverfassung von Goslar im Mittel- alter, HGBl. 1915, S. 1 f., insbes. S. 52, 75/6, 83 Anm. 1; V. V.S. 9—11. Bel.: quandam domum adjacentem valve, que Fistula dicitur UB. II 332(1285); domum ante portam Fistule 419(1285—1296), S. 425; domum . sitam ante valvam Scherperedor III 296(1313); de quadam area..., sita extra muros civitatis Goslarie ex opposito porte Fistule 513(1320); domum nostram sitam ante portam Fistule 534(1320); Heneke Repere vor deme Scherperedore IV 404(1300—1350), S. 281. 223. Pipmäker(Piepmäker)straße(St.) Benannt nach den Pipenmachern(Röhrenbohrern), die die Holz- bzw. Bleirohre für die Wasserleitung anfertigten(Fl., S. 17 f., 28 f.). Die Straße kommt auch als Wopelinge(Wibe- linge, Willerlinge) straße, Gärtnerstraße, Heydenstraße und Ämlingstraße vor(s. diese). Bel.: in der Willerlingß itzt die Pipenmacherstraß genandt K.A. Bl. 15v(1533); bey der pipenmaker strassen E. 72(1548); uf der pipemeker strasse 755(1566); 1168(1578); in der Pipemacher Straßen 1157(1577); in der Pfeiffenmacher straßen 1211(1579); 1239(1579); uf der willerling alias Pipemacherstraßen K.A. Bl. 29(1591). 224. platea pistorum(M., St.) = Bäckerstraße(o. Nr. 15). _ 5 225. Auf dem Plane Pläne sind kleinere Plätze im Stadtinnern. a) beim Ritterhaus im Pfalzbezirk(T.) Bel.: up dem plane twischen dem Ridderhuse und der avetucht H. 1638(1502). b) am Frankenberge(F.) Bel.: uf dem plane E. 756(1566); uff dem Plane, am orte an Andreas könen Muntzmeisters Hauße belegen 1145(1577); uff der fran- ckenbargischen strassen uffm plane K.A. Bl. 50(1599); auf dem Franken- bergschen Plan T. O.$ 19(1786). c) Freudenplan im Stephanibezirk(St.) S. oben Nr. 84. pomerium Raum hinter der Stadtmauer am Rosentore und am Scherper- tore, wahrscheinlich aber auch in der Nähe anderer Stadttore. Bel.: de domo opilionis, sita apud pomerii portam in platea, que dicitur Scilderstrate UB. III 226(1310); unam curiam contiguam pomerio prenominati prepositi et curie domini Johannis de Scheninge,.... jacen- tem juxta portam Fistularum cum domibus super fundo ejusdem curie edificatis 988(1334). Vgl. zu der letztgedachten Stelle Hölscher, Kaiserpfalz, S. 144 Anm. 4. 227. Poppen(Papen)straße(M.) Querstraße zwischen Marktstraße und Bäckerstraße. Sie ent- spricht jedenfalls der Berwinkel-, heutigen Marstallstraße. Näheres F., S. 155/6. Bel.: in der becker straten(an dem voßhale— durchstrichen) am orde boven der poppenstraten H. 144(1452); an eynem orde an der pop- penstrate.... und an der gassen geheten dat voshol 169(1453); 199(1454); in der becker straten twischen.der papenstraten 362(1462); am orde in der marketstraten unde der poppenstraten 396(1463); in sunte Egidien straten up eynem orhde an der poppen straten ULF. Bl. 2(nach 1464); an der papenstraten negest unsem marstalle St. G. 1032(1506); an der Beckerstraten... am orde der papenstraten 1154(1526). Vereinzelt kommt die Bezeichnung in der parer strate vor H. 864 (1480). S. dazu H. 699(1475): an der poppenstrate negest deme schilde. 228. Poppenborgstraße(M.) Sie dürfte zusammenfallen mit der Berwinkelstraße, in der ein- Haus des Bürgers Konrad Poppenborg bezeugt ist, und der Poppen(Papen) straße, der heutigen Marstallstraße zwischen Markt- und Bäckerstraße. Näheres B., S. 33 Nr. 7, 358 Nr. 55. Bel.: in der beckerstrate tighen der poppenborghes strate ULF. Bl. 6v(1387); tighen der Poppenborghe strate UB. V 686(1387); poppen- berghestrate W. S. 18(1416). — 16— 229. HaustoPraghe(M.) Haus im Besitz des Münzers Sieverd von Prag am Marktkirch- hof in der Nähe der Einmündung der Bergstraße. Wegen sei- ner Rechtslage vgl. F., NsJ. 7(1930), S. 307/8. Bel.:F., a. a. O. S. 307 Anm. 144; u. Nr. 263 b. 230. Haus zur Prieche(M.) Es lag am Marktkirchhofe unweit des Hauses to Praghe(F., NsJ. 7, S. 307 Anm. 144). Bel.: Haus tor prike tygen dat hus to prage H. 137(1452). S. fer- ner H. 50(1445), 250(1456), 439(1465). 231. domus Quepperlig(F.) Das dem Domstift gehörige Haus lag, wie der Angabe über die Nachbarschaft des Peterstobens zu entnehmen ist, in der Frankenbergischen Stobengasse(Fingerlingstraße). Im Jahre 1335 ist ein Herze Quepperling als Bergrichter tätig(UB. III 1016). Bel.: de domo Quepperlig UB. II 419(1285—1296), S. 429; domum . sitam apud stupam ‚sancti Petri, cognomine dictam Quepperlinges 484(1298). 232, Rathaus(Rathauslaube)(M.) Über das Verhältnis von Rathaus und Kaufleutegildehaus (Wort) s. E., ZERG. 47, S 48T; Hz. 61.8. 1262, NS S: 3077. Bel.: sita inter lobium et plateam et cymiterium forensis ecclesie UB. 1 306(1186); lobium fori 320(1188); inter lobium fori et cimiterium forensis ecclesie 351(1199). in domo communitatis II 155(1269); in domo consulum 235(1277); prope Lobium III 792(1327). dat Nygehuß harde an der word tygen der treppen, so man up dat- Radhuß geyt Kaufgilde 47(1451); an der kramer huße ame orde yeghen dere loven unde deme market kerkhove H. 1331(1496). 233. Reckenstraße(St.) — Bolzenstraße. Benannt nach einem Mitglied der angesehe- nen, Bürgerfamile Recke. Bel.: Wolters(Bolzen)- oder Reckenstraße H., V. u. Gemeinschoß 1709(für 1708), Bl. 16, 57. 234. ponsregis(T.) — Königsbrücke(o. Nr. 153). 235. Remen(St.) Wandrahmen in der Treibstraße gegenüber dem dortigen — 117— Färbehause. Eine Wandrahmstraße gab es z. B. in Lüneburg (Reinecke, S. 157). Bel.:S.o. Nr. 72. E. 446(1558), 596(1562). 236. Am Rempter(St.) Deutung nicht möglich. Vielleicht Zusammenhang mit dem Remen gegenüber dem Färbehause in der Treibstraße(o. Nr. 7252830). Bel.: inn der dreibstraßen am Rempter gelegen E. 1350(1582); am Rempter in der Dreibstraßen 1351(1582). 237. Remerstraße(M.) — Riemer(Riemenschneider)straße(u. Nr. 241). 238. Reperstraße Außenbezirk vor dem Vititore zwischen Astfelderstraße und Nähe der Frankenberger Kirche. Sie bildete im 14. Jahrhun- dert die Gerichtsstätte einer besonderen kleinen Vogtei und be- hauptete auch in der Folge noch eine gewisse kommunale Selbständigkeit infolge ihrer Unterstellung unter den Johan- niterorden zum heiligen Grabe. Näheres F., S. 163—165; NsJ. 9.5, 7,37£. sowie 0. S. 50. Bel.:in platea, que dicitur Reperestrate UB. III 780(1327); in platea Reperestraten IV 404(1300—1350); up der Reperestraten 405(1300—1350); oppe der Reperstraten 525(1355); uppe der Repstrate 594(1357). up der Reperstraten an unsem stadgreven uppe dem upworpe des graven Kop. B. 402 Nr. 368(1416); up der reperstrate twisschen Ludeken wolders unde des priors vame Hilgen grave huse H. 280(1458); uppe der reperstraten twisschen.. unde des hilligen cruses huseren 896(1481); uppe der Reper straten: twisschen des Hospitals tome franckenberge unde.. husern 954(1483). ; up der Reperstraten St. Johann zum Heil. Grabe 6(1531). Eine Aufzeichnung in den Akten Vogtbriefe 1407f. zum Jahre 1487 (Nr. 106) hat„up der repenstrate“. 239. retro macella(M.) Rückseite des Fleischscharrens(Langen Scharrens) am Neu- markte. S. o. Nr. 171, 203. . Riechenbergische Straße(M.?) Sie berührt sich mit der Neuen Straße oder der Straße am Werder(Neuen Werder). Wahrscheinlich nach früherem Grundbesitz des Klosters Riechenberg in dieser Gegend be- nannt. Bel.: Magdalene, Johann Detmers Witwe, bestellt eine Rente an ihrem Hause„in der Richenbergischen(?) straten twischen Henning Lappen und Andreas Lafferts heußern“ Marktkirche 71(1611). Ein Haus Hans Detmers wird 1556 und 1568, dasselbe Haus im Besitz seiner Witwe — 18- 1576 erwähnt. Es lag nach E. 348(1556) uff dem werder nechst Berndt tillings huese am'orthe der abezucht kegen der brücken, nach E. 829 (1568) auff der Newen strasse hinter der Agetucht, nach E. 1127(1576) uf dem Newen Werder. „Loca Richenbergh“ an dieser Stelle werden im Wortzinsbuch öfters erwähnt. Vgl. W. S. 191(1447), 223(1450), 259(1462), 271(1461), 453(11463). 241. Riemer(Riemenschneider)straße(M.) Andere Bezeichnung für die Pfannenführerstraße(o. Nr. 217). Sie deckt sich mit der Ruckriemerstraße an dieser Stelle(u. Nr. 253a). Die Identität der Straßen läßt sich feststellen an der Hand des Hausbesitzes von Hans Blomberch, der Vele- hawerschen und Hans Bröders. Bel.: Hans Blomberg und Frau sowie Hans Stoppelberch, ihr Sohn, lassen auf ihr Haus ahn der Bäckerstraten... unde ahn dem orde an der Rehmerstrate an Melcher Mette E. 8(1546); uff der Beckerstrassen zwischen der Velhawerschen huse, unnd der Remmerstrassen ahm orthe 342(1556); 839(1569). Haus an der Riemenschneiderstraße zwischen Kosmus Busches und Hansen Grupens Häusern, aufgelassen von Matz von dem Damme an Hans Bröder den Jüngeren E. 625(1562). S. ferner E. 569(1561) zu u. Nr. 253 a(Ruckriemerstraße). 242. Rikensche Straße(St.) — Treib(Brüggemann)straße. Die Straße ist nach einem Hausbesitzer Hermen Riken benannt. Bel.: Auflassung eines Hauses in der Rikensschen strate zwischen bartolde wichman unde bruggeman huseren H. 1620(1502). Da H. 591 (1471) ein Haus Bertold Wichmans bezeugt ist in der Driver straten ame orde negest Bertold wichmans unde... huseren, nach H. 816(1478) ein solches von Hans bruggemann ame orde in der Drif straten, ist die Rikensschestraße mit der Treib- oder Brüggemannstraße identisch. S. fer- ner H. 964(1483): von Bartolt wichman wird ein Haus aufgelassen an Hans von barem, belegen in der Driffstraten twisschen Bartolt wichmans unde Hans bruggemans husern. H. 989(1434) erwähnt die Auflassung eines Hauses durch Tile Sothmer an Hans Sothmer upper driffstraten twischen Tilen sothmers und Her- men Riken huseren, H. 1133(1490) eine solche von Hans sotmer an Hen- nigh brotman, das Haus liegt in der driffstrate twisschen Hermen Riken und tilen sotmers huseren. 243. Rikenwinkel(großerundkleinerR.)(F.) Der Rikenwinkel ist zu suchen in der Gegend der Kreuzung von Bergstraße, Schreiberstraße und Oberer Mühlenstraße. Hier befand sich das Haus von Tile Schriver, nach dem die 9 Schreiberstraße benannt ist. Die Bezeichnung geht wohl auf die hier befindlichen stattlichen Häuser zurück(s. auch o. S. 38). Bel.: in deme Ryken wynkele twisschen Hinrik Hornynges und Roleff Dreygers husen, dat de grote rykenwinkel het H. 49(1445); up der berchstraten teghen dem ryken wynckel K.A. Bl. 16(nach 1451); Haus in dem Rikenwinkel twischen Tile Schriver unde Henrik von Horne husern H. 343(1456); an der berchstraten tegen dem ryken winckell ULF. Bl. 26(nach 1462); in deme lutken Rykenwinckel H. 761(1477); in der Berchstrate twisschen... huseren, de Rikewinkel genant 1317(1495); an der bergstras die Reiche Winckel genandt zwischen dem lutken reichen Winckel und Conrad Kalbrechts heusern belegen K.A. Bl. 7v(1522); an dem hauß im reichen winckel negst henni Wolterß hause belegenn Bl. 7v(1589). 244. Rittermarkt(M.) Platz an der Kreuzung von Markt- und(heutiger) Marstall- straße(Schild). Näheres o. S. 35. S. auch Nr. 205(Nidder- markt). 45. Ritterplan(Ritterplatz)(T.) Im Pfalzbezirk. Bel.: Haus up dem plane twischen dem Ridderhuse und der avetucht negest Hans Groneberges huse H. 1638(1502); ienseit der tre(n)cke, am ritterplane..., am orthe der kortzen engen strassen gelegen E. 644(1563). benedden unser lieben fruwenkirchen im hanffsacke nach dem ritter- platze werts E. 472(1559). 246. Ritterstraße(T.) In der Nähe des Ritterplanes. Bel.: in der ritterstrassen jenseit der abezucht E. 337(1556). 247. Römerstraße(J.) Bei der Römerstraße(platea Romanorum, villa Romana) han- delt es sich um eine Straße, die im Norden der Stadt unweit des Rosentores zu suchen ist und die ihren Namen einer Nie- derlassung italienischer Kaufleute verdankt. In einer Urkunde vom 1. 5. 1157(UB. I 238) wird ein homo Azzo nomine, na- tione Romanus, civis Goslariensis angeführt. Näheres F., HGBI. 1920/1, S. 138/9; NsJ. 7, S 21.91. Bel.: Abgaben an das Goslarer Domstift de platea Romanorum UB. I 301(1174-1195), S. 330 Z. 11; Stiftung des Klosters Neuwerk apud Goslariam juxta portam Ruzindore und Begabung desselben cum om- nibus bonis..., sitis in parte burgi, quam villam Romanam dicunt 320 (1188). at 248. Rosenhagen(F.) Bezeichnung für einen Teil der Kettenstraße. Vgl. o. S. 40. Bel.: Hermen Krack läßt ein Haus auf ime Rosenhagen twisschen Hans Gerbrecht unnd des Rades huß belegen an Hinreck Opperman H. 1467(1499). Nach H. 866(1480) wird an Hans Gerbrecht ein Haus über- tragen belegen uppe der frukenstraten twisschen Hennigk weädegen huse unde tile kreynacken garden. 249. Rosenstraße a)—= Rosteynstraße(Gudemannstraße, Schreiberstraße) im Frankenberger Bezirk(u. Nr. 251). b) Rosenstraße im Stephanikirchspiel. Früher anscheinend auch einen Teil der Springerstraße (Schachtrupstraße) umfassend, gelegentlich als Kohlgarten bezeichnet. In ihrer Nachbarschaft ein Haus von Tile Rosen, der aber auch nach der Straße benannt sein könnte. Bel.: in der Breydenstrate uppe dem horne an der Rosenstrate UB. V 919a(1393); benedene Sunte Stephene an dem orde an der rosen- straten ULF. Bl. 45(1418); Auflassung eines Hauses durch Ludeke, Hen- ningh und Werneke Sommer sowie Hans Ludemann an Henningh Witten. Das Haus ist in den kolgarden negest Tilen Rosen huse der Sommer vorgenant garden beleghen. 250. Vor dem Rosentore(J.) Gemeint ist der vom Stadtinnern nach dem Rosentore füh- rende Straßenzug. Wegen dieser Art der Straßenbezeichnung vgl. Reinecke, Straßennamen Lüneburgs, S. 6/7. Bel.: vor. dem roszentore W. S. 102(1440); na dem Rosendore.. up dem gange na sunte Jacoppe H. 251(1457); vor dem Roeschen dhore Sch. (J., um 1560); vor dem roseken thoere E. 649(1563); fuhrm Rosen thor W. H. Nr. 28(1642). 251. Rosteynstraße(Rosenstraße)(F.) Benannt nach der Bergfamilie Rosteyn. Sie fällt zusammen mit der Gudemann(Schreiber) straße und wird von der Vogt- Konradstraße gekreuzt. Näheres F., S. 157/8 und o. S. 37/8. Bel.: an der rotsteynsstrate W. S. 10(1415); an der gleichen Stelle domus rotsteyn 19(1416); Cord rorsteyn 75(14...); Cord rosteyn 98 (1440); hus belegen in Rostenns straten Marktkirche 33(1464); in Rosteyns straten 34(1464); in der Rostenschen straten H. 1068(1487); in der Rosteyns straten St. G. 1045(1508); in der Rosteinsstraten Domst. 771(1530); in der Radessteinsstraßen E. 807(1568); in der’Rodessteinsstraßen 808(1568); in der Rodensteinsstrassen 840(1569).— Die Schreibweise Rosenstraße begegnet z. B. H. 260(1457), 727(1476), 1192(1491). Kuntze Nigeland veräußert an Hans Brunß ein gardenbleck belegen ame orde uppe der rosen(dor ausgestrichen) straten tigen deme kopper rokes huse over 879(1480). 21 252. Ander Roßmühle(F.) In der Peterstraße am Frankenberge. Näheres über die Roß- mühlen dort Fl., S. 62 Anm. 6. Bel.: beim franckenberge zwischen.. huese unde der rosmoln kegen ubber am orthe der treppen gelegen E. 474(1559); in der Peterstraßen an des Erbaren Radts Roßmölen... belegen 1071(1575). 253. Ruckriemer(Rauhriemer)straße a) Sie deckt sich mit der Riemer(Riemenschneider) straße— Pfannenführerstraße(o. Nr. 217). Bel.: Auflassung eines Hauses durch Hans Blomberg an Hans grupen. Das Haus ist in der ruckrimer strassen zwischen Hans broders unde Heinrich Dargarden hueseren gelegen E. 569(1561). b) Eine zweite Ruckriemerstraße begegnet in der Nähe der Tränke an der Grenze nach dem Pfalzbezirk hin. Bel.: De Ruckereime Straten Sch.(M., um 1569); De ruckereime straten zwischen der Nienstrate und der Bergstraten. Ist zufolge Ver- gleichs der Namen nach H. Sch.(M. 1574, 1576) identisch mit der Straße nach der Tränke. 254. Rundenienstraße(St.) Sie entspricht der Badelebischen Straße(o. Nr. 13). Benannt nach dem Notar Johann Georg Rundenius, der nach den Rats- listen 1640 f. zuerst 1669 als Herr von der Gemeine, seit 1676 als Achtmann bezeugt und anscheinend 1708 gestorben ist. Über die verfehlte Deutung Kunstdenkm.$S. 321 s. o. S. 35 und Anm. 70. Bel.: vor der Rundenistraße T.©.$ 13(1786). Badelebische vulgo Rundenistraße J. II Nr. 386(um 1800). 255. Rupennest(T.) Gebäude in der Nähe des Bleihofes. Bel.: dat Rupennest in Parochia sancti Thome W. B. 1464, 1473, 1476, 1479; Vittrils Hus up der agetucht ame orde der klockgeterstraten negest dem rupeneste belegen H. 1225(1492). 256. Im Sack(T.) Straße(Sackgasse) im Pfalzbezirk, die vom Münster bis unter den Liebfrauenberg führte. Hier fällt sie mit der Straße im Heerwinkel zusammen. Der Name hat sich bis in das 19. Jahr- hundert behauptet. Bel.: in Sacco UB. II 419(1285—1296), S. 424; III’ 213(1309); in deme Sacke bi dem munstere to sante Mathiase IV 262(1345); an dem sacke hinder der sesmanne hus Domst. 478, UB. V 1183(1400); im Sacke W. H. Nr. 26, 27(1642). Ze 257. Sanderwegest(Sauwegest)straße(F.) Sie fällt mit der Gudemann(Rosteyn-, Rosen- und Schreiber-) straße zusammen. Benannt nach einem an ihr belegenen Hause Albrecht Sandwegs. Vgl. F., S. 158 Anm. 56. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Gerke langeiart an Metel Heselers in der sauwegest straten twisken der Philippsken unde Bartolt Ripenbarch huseren H. 1377(1497); Haus in der sanderwegest strate twisschen Mathias kortzeners und Cortt witte huseren belegen 1459 (1498). Die hier erwähnten Häuser sind in der Rosteyn(Rosen) straße zu suchen. Vgl. F., S. 158 Anm. 56 a. E. 258. Saustraße(St.) Am Stephanikirchhof. Sie entspricht der heutigen Unteren Kirchstraße. Bel.: by der Sustraten UB. IV 475(1352); up der kornstraten bii den gropers twisken Bartoldt Ringelem ame Orde in der sustrate H. 1445 (1498); benedden sunte stephens kerchove an dem orde der sustrate ULF. Reg. Bl. 4v(o. J.); in der Sustrassen E. 374(1557); uf der Suhe- strassen 749(1566); Suestrasse ahn Sanct Steffenkirchoff zu beiden seiten Sch.(St. 1568, 1570); in der Saustratten K.A. Bl. 66v(1612). 259. Straße unter Schachtrup(St.) Sie deckt sich mit der Springerstraße, doch wird gelegentlich auch die Springerstraße neben ihr erwähnt. Sie ist benannt nach dem Sechsmann Wilhelm Friedrich Schachtrup, der an der Ecke nach der Breitenstraße zu wohnte(J. II Nr. 93—95). Bel.: Bürgerrolle St. 1799£.: Springerstraße. In der Straße unter Schachtrup. 260. Schäferwall(St.) Ende des 18. Jahrhunderts bebaut. Bel.: auf dem Schäferwalle Bürgerrolle St. 1799f.; Schäfer-Wall J. II(1800£.). 261. Im Schafstall(J.). Gegend an der unteren Schilderstraße(s. 0. S. 42). Bel.: im schaafstall W. H. Nr. 28(1642); im Schaffstall Nr. 30(1644). 262. Schielenstraße(St.) Die Straße hieß früher Dadelebische(Dolebische) Straße. Nach einem Anwohner Hans Heinrich Schiele ist sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts zur Scheelen-, auch Scheilenstraße geworden, Eine Scheelenstraße, nach einer Bürgerfamilie Scheele be- nannt, kommt auch in Hildesheim vor(UB. Stadt Hildesheim IV 149, 372, 728 S. 621; Gebauer Z?RG. 61, S. 160. Hier führen Mitglieder der Familie Friso(Vrese) den Beinamen —.125— Schele(Luscus). S. UB. Stadt Hildesheim I 188, 630, 650, 720, 152, 754, 773/6, 793(1246—1328). Nachweise o. Nr. 50(Dadelebische Straße). Am Schilde Als Schilde werden die(oft dreieckigen) Plätze bezeichnet, bei denen drei oder mehrere Straßen zusammenstoßen. Sie er- scheinen in Goslar in verschiedenen Stadtteilen: a) an der Bergstraße(wahrscheinlich an der Einmündung des Wurstewinkels) ame Schilde an der Barchstraten H. 826((1479); b) zwischen Marktkirche und Bäckergildehaus up dem schilde tigen deme huse heten to prage H. 55(1446); boven dem Marketkerchoffe tiigen deme Schilde geheten dat Huß to prage 370(1462); uppe dem schilde an der marcket- straten 891.(1484); up dem schilde boven dem market kerk- hove 1263.(1494); c) an. der Kreuzung der Marstallstraße und der Marktstraße an der poppenstraten tegen deme schilde 699(1475). . Schilderstraße(J.) Gewerbestraße der Schilderer(Schildmacher). In neuerer Zeit öfter fälschlich Schillerstraße genannt. Bel.: in platea Clipeatorum UB. II 419(1285—1296); 437(1292); in platea, que dicitur Scilderstrate III 226(1310); der Augustinerorden to der Hymmelporten kauft ein Haus in der Schilderstraten IV 359(1349). in ener gassen twischen der Schilder straten unde Jacobs straten tiigen der Terminarien huß der hemmel porte H. 221(1455); upp der Schilder straten am orhde bii der Wigertschen straten 240(1456); up der Berningstraten twischen.. unde an eynem orhde von der Schilderstraten 289(1458); in der Schilderstraten ame orde der Schiltwachte 1180(1491); up der schilderstraten in der schiltwachte 1466(1498). 265. Schildwachen Wegen der der Stadtbewachung dienenden Schildwachen vgl. B., S. 46. Als Schildwachen werden zuweilen die an der In- nenseite der Stadtmauer einherlaufenden Wege(‚hinter der Mauer“), meist aber die an bestimmten Stellen zur Stadtmauer führenden Wege, die von den Wächtern begangen wurden, bezeichnet. Sie finden sich in fast allen Stadtteilen. a) Schildw. zwischen Vituskapelle und Neuwerkkloster(J.) Bel.: Haus by sunte vites capellen unde geyt in dat norden by der schiltwachte hen wente an den wech, de dar gheyt na der schilder straten St. G. 873 a(1480); in der Schilderstraten ame orde dere Schilt- wachte H. 1180(1491); up der schilderstraten in der schiltwachte 1466 Ta (1498); uf der Schillerstraßenn zwischen... hause und der Schiltwachte am orte belegen K.A. Bl. 16 v(1567). Zwei von der Schilderstraße zur Zehntstraße führende Straßen tra- gen noch heute den Namen Obere und Untere Schildwache. Früher wurde aber auch die Zehntstraße als„Hinter der Mauer“ oder als„Schildwache“ bezeichnet. b) Schildw. beim Brüdernkloster(F.) Bel.: in der schiltwachte bie den barvoten oldernegest Hinrik frigenhagen hove H. 809(1478). Vgl. auch schon UB. II 604(1300). c) Schildw. beim Frankenberger Kloster(F.) Bel.: de plan edder schiltwachte twischen unserer stadt muren und orer muren(am Kloster Frankenberg) Frankenberg 26 A(1497). d) Schildw. beim Kaiserhause(T.) Bel.: Garten an dem Kaysersblecke... sampt freien genoß des daran stoßenden Platzes, nahe bey der Mauren, die Schieltwache genant, St. G. 1415(1645); Domst. 824(1645). e) Schildw. an der Petersilienstraße(J.) Bel.: in der Schiltwachte an der Peterscillistraß K.A. Bl. 23v (1541); uppe der Petersilien straten an der Nilandesschen huße ahm orde der Schiltwachte belegen E. 481(1559). f) Schildw. ohne nähere Bezeichnung Bel.:in der Schiltwachte, so man nha der Stadt Müren geith jegen Peter wiskers garden twisschen Annen Robberdes huse und Jacob Dronnwülffes garden belegen E. 45(1547); ähnl. 46. 266. Straße bei Schmalenbergs Hause Nicht genauer festzulegen. Bel.: in dem huse der Wildesschen in der straten bi Smalenberghes huse UB. IV 294(1346); in der Wildeschen hus 551(1356). 267. Schöne Ecke(St.) a) An der Kornstraße. Wohl Anfangspunkt der Eylerdesstraße hier. Bel.: in Eylardes hus Tymbermannes to der Sconen ecke in der Cornstraten UB. III 976(1334). Näheres oben zu Nr. 70 b(Eylerdesstraße im Stephanibezirk). b) An der Glockengießerstraße. Bel.: Hennig van Gandersem läßt an Cord Vrigheyt ein Haus auf bel. in der klocgeterstraten boven Tilen Heydeken unde by Smalen- heneken H. 151(1453); Gese Heydeken veräußert an Hinrick Munster- becker Haus und Hof, geheten de schoneegge, belegen by der Agetucht unde Cord Vrigheydes husen 406(1463); Tile Broder läßt auf an Arnd Hoppen sin hus unde hof myt al siner tobehoringe unde ok de olymolen by deme sulven huse... belegen over der Agetucht tegen der drencke 503(1468); Cord Fryheyt überträgt an Hennigh Wiltman Haus und Hof bel. an der klockgeter strate by der Smalenhenkesschen huse am orde tegen Jorgen Pipenmaker 523(1469); Her Hinrick Munsterbecker verläßt ns Haus und Hof an der schonenegghe tw. der Agetucht unde der Klock- geterstraten boven Tilen Broders molen an Olrick Voget 776(1447). Vgl. ferner: an Nolten kokes twen boden gen. de schonen eggen tigen kannen- geter over ULF. Vorsatzblatt 3v(o. J.). 268. Schreiberstraße(F.) Sie deckte sich früher zum Teil mit der Vogt-Konrad-(Vogt-) straße im Frankenberger Bezirk(vgl. F., S. 157, sowie o. 8. 37/8). Ihren Namen Schreiberstraße trägt sie nach dem Stadt- schreiber Tile(Tilemanus), der zuerst W. S. 96(1440) als De scryver in der Voghet-Cordesstr. aufgeführt wird und an der- selben Stelle im Wortzinsbuch auch in den Jahren 1441— 1444, 1447, 1450, 1460—1465, 1471, 1476, 1479 begegnet. Das ‚gleiche Bild ergibt das Häuserbuch, hier erscheint nach H. 890 Tile zuerst im Jahre 1481 als Tilemanus schriver. Näheres über ihn bei F. S.157 Anm. 52a; Cordes, S. 15, 97 Anm 106. Das Haus Tile schrivers lag an der Kreuzung der Schreiber- straße mit der Bergstraße im sog. Rikenwinkel(o. Nr. 243). Vgl. ferner o. Nr. 102(Gudemannstraße), Nr. 251(Rosteyn-. Rosenstraße), Nr. 257(Sandwegstraße) und u. Nr. 305(Vogt- Konradstraße). Bel.: Haus von Tile Schriver in dem Rikenwinkel H. 343(1461); Haus belegen an der Cord vogedes straten ame orde bij Diderik wich- mans huse tegen tilen scriver over 534(1469); up der voget konrades straten twisschen tilen schryver unde kersten balders huseren 805(1478); uppe der Berchstraten negest Hinrick wasenfors huse tigen tilen schriver over 953(1483); Haus in der Berchstrate twisschen tilemans scriver und Hans Heysen huseren, de Rikewinkel genant 1317(1495). in der Vogt Curdes itzt die Schreiberstraße genandt K.A. Bl. 20 (1507); Haus Carsten Balders auf der Schriverstrate, St. G. Kistenamt Nr. 1(1536); up der schriverstraten E. 16(1546), 100(1548); uf der fran- ckenbergischen strassen zwischen... huse und der Schreiberstrassen am orthe 414(1557); in der Schreyberstrassen D. 402(1573); ahn der schrif- ferstrassen K.A. Bl. 61(1605). E. 1327(1582) wird Grundbesitz der Ratsfamilien Friedeman und Landman an der Schreiber- unnd Marcktstrassen erwähnt. Nach E. 336 hat im Jahre 1555 in dieser Gegend Bürgermeister Heinrich Landsman hues, hoeff unde Zubehorunge boben der Marcketstrassen kegen sanct Egidien Kirchen zwischen der bulcken strassen unde Clawes Freidemans seliger Erben huese gelegen, erworben. Weitere Nachrichten über den Fredemanschen Besitz hier sind aus E. 366(1556), 1303(1581), 1341(1582) zu entnehmen. Es macht den Ein- druck, als ob es sich hier um einen Teil des Geländes handelt, das durch die Einziehung der Vogt-Konradstraße frei geworden ist, und das sich von der Marktstraße über die Bulkenstraße bis in die Nähe der Schreiber- . straße erstreckte. — 126- 269. Schuhhof(M.) Über die Rolle des Schuhhots als der ältesten Marktanlage s. 0. S. 29, 30. Am Schuhhof befand sich das Schuhmachergilde- haus. Bel.: Officinae seu stationes monetariorum, institorum, sutorum, cerdonum, allecia vendentium et similium UB. II 456/57(1293); hallas a curia sutorum usque ad cellarium, quod Brunwordeskelre appellatur 462/3(1293). Der Rat zu Goslar verpachtet an die Bäckergilde dort die Brotschrangen am Marktkirchhofe, Lederhofe und Schuhhofe(.., alle unse brotschernen vor deme marketkerkhove wente an den Lederhof unde vor deme Schohove..) IV 29(1337); Haus der Schuhmacher uppe dem Schohove V 1024(1399). 270. Schulstraße(St.) Wohl erst neuere Bezeichnung. Sie deckt sich mit der Düste- ren Straße(o. Nr. 62). Anscheinend ist vorübergehend auch die Schwiecheldtstraße als Schulstraße bezeichnet worden. Vgl. Volger, Wochenbl. d. Stadt Goslar 1841, Nr. 39. Die Bezeichnung Bei der Schule oder An der Schule, Bei der alten Schule usw. tritt auch sonst am Gemeindehof und im Thomas- bezirk auf. Bel.: up dem Menihofe de olde schole genohmet E. 243(1553); bey der schule im Thomasbezirk V. Sch.(T. 1578). Cordes S. 85 erwähnt zum Jahre 1529 die„Marckopperschole“, die um jene Zeit neugegründete Ratsschule, und zum Jahre 1530 die(ältere) Münsterschule. 271. Schulzenstraße(F.) — Beekstraße. Bel.: In dem Schoßregister für die Frankenbergische Pfarre vom Jahre 1563 findet sich für sie die Bezeichnung„by dem schulten in de strate“. Unter den Anwohnern der Straße ist zu diesem Jahre ein Georg Knecht Heinrich(Knechtheinrich) genannt, der damals zwischen Georg Heutzingerodt und Heinrich Heynen als Schultheiß tätig war(vgl. E. 639, 654, 659). 272. Schwiecheldtstraße(M.) Zwischen Korn- und Knochenhauerstraße. Benannt nach dem hier belegenen Hofe der Herren von Schwiecheldt. Bel.: bey der Knokenhawerstraßenn negest Brandt vonn Schwei- cheldes hofe K.A. Bl. 16(1578); Brandt von Schweicheldes behausung... zwischen dem Himmelreich... bey undt ahn der knokenhawer strassen belegen St. G. 1272 b(1580); in der vonn Schweicheldestrassen K.A. Bl. 16 (1588); jegen der Kornstraß an Brandt von Schweicheles hofe Bl. 40 (1594); ihn Swichels strassenn Bl. 48(1598). 273. Schwiecheldthof(T.) Ein Hof(Vorwerk) der Herren von Schwiecheldt lag ferner im Pfalzbezirk. Das Geschlecht erhob auch Ansprüche auf Be Te - 127= das Sechsmannenhaus beim Münster(Hölscher, Kaiser- pfalz, S. 146 Anm. 7). Bel.: im Schwichelhofe Sch.(T. 1704). 274. Ssechsmannenhaus(T.) Haus der Herren von dem Dike im Pfalzbezirk, später im Be- sitz der Sechsmannen des Rammelsberges und sodann der Münzer. Das Haus befand sich zuletzt als Reichslehen bis zum Jahre 1806 in der Hand der Stadt. Das Sechsmannenhaus ist noch heute erhalten(Kaiserbleek 1; nicht, wie ich Forsch. u. Fortschr. 16(1940) S. 354 r. irrtümlich angegeben hatte, am Liebfrauenberg 1). Es deckt sich mit der auf dem Wolfen- bütteler Stadtplan unter Nr. 13 eingetragenen„Reitenden Förster-Wohnung‘“; im Brandkataster von 1770 trägt es die Nummer 834, auf dem Wolfenbütteler Plan die Nr. 819, Nä- heres über das Sechsmannenhaus bei F., HGBl. 1920/1, S. 152 Anm. 1; ZERG. 47, S. 315£., 461£.: Hz. 61, S. 151 Anm. 31. Bel.: dat hus to deme Dyke to Goslere, et sy den sesmannen van deme Rammesberghe darsulves oder anders weme UB. III 885(1331); hus.. to deme Dyke to Goslere, unde hebbet dat ghelaten den sesmannen van deme Rammesberghe 887(1331); an unser der sesmanne huse, dat hern Cordes van deme Dyke hadde ghewesen IV 690(1360), de sesman des Rammesberghes enthalten dem Ritter Burchard von Steinberg den Zins für ein Haus vor V 379, 380(um 1379);(der Münzer) hus, dat der sesmanne hus het, dat by dem munstere steyt 403(1380); gelegen an dem sacke hinder der sesmannen hus 1183(1400). hus geheten der sesmane hus belegen tegen dem munster St. G. 875 (1481); belegen ame orde tigen der seßmann huße und her Johan bruning- horst closterhove, Marktkirche 45(1494); closterhove beleghen twisken... hove up eyner halve unnd der sesmanhuß up der anderen halve 53(1503). Notariatsprotokoll vom 1. 5. 1793(Akten Sechsmannhaus 1574-1754): (Sechsmannshaus), das zwischen dem Rathsvitriolhofe und dem von dem Herrn. Pastor Henrici jetzt bewohnt werdenden Marktkirchenhause vor dem Kaiserbeete belegen ist. 275. Beider Simelingebrücke(T.) Die Brücke liegt an der Simelingemühle, der heutigen Wort- mühle(Fl. S. 106/7) und wird schon 1233 in einem Personen- namen erwähnt. Vgl. F., S. 149 Anm. 21. Bel.: Rodolfus de Simeringebruke UB. I 532(1233); ante pontem Simillingebrucge II 419(1285—1296); by der Zymelinghebrucke III 935 (1332); Haus bei der Symelinghebrucghe V 521(1383); Häuser apud pon- tem Symeonis W. S. 15(1415). 276. Simelingestraße(T.) Die Straße, deren Namen nach einem Personennamen gebildet — 128— ist, entspricht der heutigen Königstraße zwischen Abzucht (Wortmühle) und Glockengießerstraße. Bei ihr begann an der Abzucht die Grenze der kleinen Vogtei(s. oben S. 22/3, 29). An- dere Bezeichnungen: Münsterstraße, Burgstraße, Hans Voge- desstraße. Näheres F., S. 147 f. Gelegentlich wird als Sime- lingestraße auch die Wortstraße bezeichnet. Bel.: in der Simelinghestrate UB. III 1029(1335); in der Syme- linghestraten IV 486(1353); in der symelingenstraten twisschen... huse und der word H. 39(1445); uppe der Sibeldingestraten negest der sibel- dinge molen St. G. 847(1473); in der Sibelinges straten 867.(1479); in der Sibelings strassen nechst.. huse unde der gose am orthe gegen der Sibelinges molen ubber gelegen 676(1564). 277. Simelingemühlenstraße(T.) Sie deckt sich mit der Simelingestraße. Wie bei dieser greift der Straßenname zuweilen auch auf die Wortstraße über. Bel.: in der Sibelinges Molen straten twischen... unde der Cop- lude boyden tiigen der Wurdt over H. 415(1464). 218: Sımulseraße(1) Es dürfte sich hierbei um die Simelingestraße handeln. Bel.: in Simulstrate UB. II 210(um 1274). 279. Auf(an,bei) demSlinge Unter dem ‚„slinge“ ist ein Schlagbaum zu verstehen, mit des- sen Hilfe einzelne Straßen, vor allem aber die Kirchhöfe ab- gesperrt wurden. Irrig ist die Deutung bei B., S. 42 zu Anm. 159(s. dazu Frölich, HGBl. 1920/21, S. 145 Anm. 2). a) Schlagbaum am Marktkirchhofe. Bel.: twisschen dem slinge unnd ame Marketkerckhoffe belegen H. 1540(1500); uff dem Slinge boven dem Marcktkerckhove E. 185(1551). b) Schlagbaum am Frankenberge. Bel.: Deneke up de slinghe im Frankenberger Bezirk W. S. 327 (1466). c) Schlagbaum am. Jakobikirchhofe. Bel.: uppe dem slinghe by dem kerkhove UB. V 1122(1399); in der woldenbergesschen straten up dem orde tigen dem slynge sunte Jacoppes kerckhove by deme beke H. 139(1452); an sunte Jacobs kerck- hoffe ame slinge an eynem orde negest diderik gosken huse up deme beke 508(1468). d) Schlagbaum am Stephanikirchhof. Bel.: bie sanct Steffans kirchofe zwischen dem slinge unde.. huese gelegen E. 524(1560). 280. Sommerkornstraße(M.) Bei Crusius, S. 437(1780), wird„die Sommerkornstraße“ |— — Fe ne || nen - 129— zwischen Fischemäker- und Piepmäkerstraße erwähnt. Ver- schrieben für Sommerwohlenstraße. 2831. Sommerwohlenstraße(M.) — Wunnen(Sommerwunnen)straße(u. Nr. 331). Benannt nach einem Hause zur Wonne(Sommerwonne). Wegen dieses Namens, der auf eine Gartengegend hindeutet, vgl. Grohne St) Bel.: in der Sommerwunnighestrate van deme beke wente to der Wunne UB. IV 525(1355); item in der sommerwunnenstrate prima domus pertinet tylinghe. due sequentes pertinent Boden von der heyde. Tercia que dicitur de wunne pertinet Corde sluter W. S. 24(1416); in der Som- merwunnenstrate... negest dem beke H. 444(1470); an der Beckerstraten an dem orde der Sommerwunnen straten ULF. Bl. 50v(1486); up der Sommerwullenstrate H. 1508, 1509(1500); in der sommerwoldischen straten E. 236(1553); uf der Beckerstraßen ahm Ort der Sommerwullenstraßen 1072(1575). Volger, Wochenbl. d. Stadt Goslar 1840(Nr. 84), erwähnt die „Sommerwohlen- oder Worenstraße“. In einem Schriftstück aus dem Jahre 1535(Privatakten Bl. 8v) wird die Straße als Sommerbrunner- straße bezeichnet. 282. Sperlingsecke(M.) An der Kreuzung von Bäcker-, Bäringer- und Frankenberger- straße. Benannt nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Sper- ling, das hier Hausbesitz hatte. Ein Bürger„dietus Sperlingh“ kommt bereits im 14. Jahrhundert vor(UB. IV 404, 1300--- 1350, S. 284). Bel.: Hus unde hof belegen an der bernighstraten... dat denne Hinrick sperlingk... hefft entfanghen H. 594(1472); an der Bernings- und franckenbergischen strassen... am orthe belegen, im Sperlinge genant E. 998(1572); an der Sperlingsecke T. O.$ 17(1786). 283. Spitalstraße(St.) Die heutige Spitalstraße zwischen Bäckerstraße und Mauer- straße verdankt ihre Benennung der Erbauung des neuen Ver- einskrankenhauses an der Mauerstraße, das 1887 fertiggestellt wurde. Soweit ich an der Hand der nicht ganz vollständigen Reihe der Goslarer Adreßbücher im Stadtarchiv feststellen konnte, wird sie ohne nähere Angaben über Verlauf und Be- wohner zuerst erwähnt in dem Adreßbuch von 1881(S. 43). In dem Adreßbuch 1886/7(S. 17) sind, offensichtlich im Hin- blick auf die bevorstehende Vollendung des Krankenhausneu- baus, einige Anwohner genannt.— Vielleicht hat die Straße schon eine Vorläuferin an anderer Stelle gehabt.. 9 Frölich, Goslarer Straßennamen — 150— 284. Springerstraße(St.) Zwischen Breiter Straße und Bäckerstraße, benannt nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Springer, die schon im 17. Jahrhundert in Goslar bezeugt ist. Der nach der Breiten Straße zu belegene Teil begegnet auch als Rosenstraße(o. Nr. 249b) und als Schachtrupstraße(o. Nr. 259). Bel.: Springerstraße Sch.(St. 1749), J. I(1761). 285. Steinkramen(M.) Am oberen Ende der Breiten Straße nach dem Markt zu. Der Name war noch bis in die Gegenwart für die Häuser Breite- straße 1—4 gebräuchlich(B., S. 38). Bel.: up den Stencramen UB. IV 254(1345); 457(1352); uppe den Steynkramen 669(1359); in der Bredenstraten tighen den stenkramen 796(1363); uppe den Steinkramen 824(1364); ufm Steinkram K.A. Bl. 65 v (1610); Unter dem Steinkram(Bürgerrolle M. 1789). 286. Steinmühle(St.) Im Stephanibezirk. Näheres oben S. 451. Bel.: quattuor domunculas ex opposito molendini, quod dieitur Stenmole, apud sanctum Stephanum, que solvunt fertonem et dimidium UB. II 419(1285—1296), S. 425; duo molendina fratrum de domo Theu- tonica, scilicet Pepermolen et Stenmolen 456/7(1293). 287. An der Stephanikirche(St.) Bel.: apud sanctum Stephanum domum UB. III 213(1309); juxta 'ecclesiam beati Stephani Goslarie 600(1322); in der straten tyghen sente Steffane IV 449(1351£.), S. 328; Vor dem Stephanikirchhof Sch.(St. 1577); auf dem Stephani Kirchhofe Sch.(St., 1750). 288. Stoben(Stobenstraßen) Eine— nicht ganz erschöpfende— Übersicht über die in Goslar vorhandenen Badstuben, nach denen eine Mehrzahl von Stobenstraßen benannt ist, bietet Fl., S. 19 Anm. 1, 30 Anm. 1. Von ihnen sind nicht genau festzulegen die stupa Hedenrici UB. II 421(1291) und der Herrenstoben(stupa do- minorum) des Domstifts UB. I 301(um 1180), S. 323, II 419 (1285—1296), S. 429; IV 404(1300—1350), S. 287, falls hier- bei nicht an die stupa inferius oder apud pontem Regis, UB. II 419, S. 424, 427, und an die stupa apud sanctum Spiritum, ebenfalls an der Königsbrücke, UB. III 213(1309), zu denken sein sollte. Vgl. auch die Erwähnung einer stupa nostra(des Domstifts) im Pfalzbezirk UB. IV 519(1355) in der Nähe der Kurie der Herren von der Gowische. Im übrigen ist zu den Angaben Fl.’s zu bemerken: s Ss m» EEE TEE em ee EEE — 151— 1) Die Badstube des Klosters Neuwerk in platea Penesticarum deckt sich mit dem Hokenstoben in der Hokenstraße UB. II 419, S. 429, IV 404. 2) Bei der stupa Vrankeneberc UB. II 419, S. 425, und bei der stupa sancti Petri UB. II 484(1295) ist an den Frankenberger Stoben zu denken, wie sich aus der Nähe des Hospitals des Hl. Ludwig und des Hauses Quepperlinges ergibt. 3) Die stupa Hillingerot deckt sich mit der stupa Harlingerod UB. II 419, S. 427, dem Herlingherode stoben von 1418(F., S. 156 Anm. 46), an der Herlingstraße. Vielleicht identisch mit dem Krengelkenstoben. 4) Der Krengelstoben ist in der Nähe der Oberen Mühlen- straße an der Gose zu suchen(s. wegen seiner Lage auch vor- stehend zu 3). 5) Die stupa sancti Jacobi lag in der heutigen Obergasse zwi- schen Bäcker- und Jakobistraße an der Ecke der letzteren un- weit von St. Egidien UB. III 982(1334). 6) Der Fruwekenstoben ist in der Frauenstraße(Kettenstraße) nachweisbar. 7) Pfefferstoben und Niederstoben liegen zwischen den beiden Gademen in der Nähe der Pfeffermühle an der Glockengießer- straße. Sie sind mit dem Stephanistoben identisch. Aufzählung: a) Marktstoben(M.) In der heutigen Stobenstraße beim Brusttuch. Bel.: up der marketstrate recht teghen der stoven straten K.A. Bl. 16(nach 1451); den Marcketstoven uff der abezucht zwischen Warner uslers unde Andres Dalenrots heuseren gelegen E. 361(1556); uff der Bergkstrassen zwischen... Heuseren am orte der strassen nach dem Marckt Stoven furend belegenn 587(1562); in der marketstoven H. Sch. (M. 1576); an der Stubenstraßen jegen der Abezucht K.A. Bl. 34 v(1592); ahn ihrem Marckert Badestuben an der abezucht Bl. 64(1609). b) Hokenstoben(Neuwerkstoben)(M.) In der Hokenstraße. Bel.: stupa nostra(d. i. des Klosters Neuwerk), que sita est in platea Penesticarum UB. II 223(1275); Hencke Heverlingh stupenator Hokenstove IV 404(1300—1350); stupa, que dicitur Hokenstove 525(1355); by dem hokenstoven V 402(1380). g* — 132— c) Stobenstraße am Gemeindehof(M.) Sie wird nur einmal erwähnt. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Cord schacht an Cord steyn- werchten. Das Haus ist in der stovenstrate edder menerhove twisschen Bernt gotschalke und des sulven Cord schachtes huseren belegen H. 1285(1494). d) Logenbenkestoben(M.) Der Stoben lag in der Nähe der Teufelsmühle. Er ist nicht, wie Kunstdenkm. S. 322; B., S. 41 Nr. 15, angenommen wird, mit den Gerbern in Verbindung zu bringen. Der Name geht vielmehr auf eine„Lügenbank“, einen zur Ausstellung von Verleumdern bestimmten flachen Stein, wie er auch in an- deren norddeutschen Städten bezeugt ist, zurück. Vgl. wegen der Lügenbank in Lüneburg Reinecke, S. 83/4, wegen des ähnlichen Aufgaben dienenden Finkensteins in Hamburg J. Meier, Ahnengrah und Brautstein(Halle a. S. 1944), S. 21f. Bel.: stoven de logenbencke benomet, belegen uppe der Agetucht tigen dem hospitale des hiligen Cruces Kop. B. Neuwerk Bl. 78(1458); huß... myt deme stoven, de logenbencke genant, belegen an der age- tucht, by... moltgadem und der nigen molen, achteswanne de duveles molen benomet St. G. 835 a(1470); den stoven genant to den logenbenken H. 664(1474); bleyck boven den logenbencken St. G. 873(1480). e) Krengelstoben(M.) Oberhalb der Bartoldsmühle. Nach einem Besitzer auch als Swengelstoben bezeichnet. Bel.: apud Krenghelleken UB. III 699(1324); to der kregelikin IV 343(1349); de Crengelkenstove 404(1300—1350), S. 282; up der Ghose tighen der Krenggelken stoven 457(1352); in opposito stupe, que Crenghelke proprie dicitur V 339(1378); in dem kreygen stoven K.A. Bl. 19v(nach 1451); in der Berchstraten twischen... unde ener gassen to deme kerengelken stoven ward H. 291(1459); Haus genomet der krengelstoven, belegen boven der bartoldes molen ULF. Bl. 26(nach 1462); huß unde hoff med deme Stoven, geheten de krengelstoven, met oren tobehoringen, gelegen twischen der Gose unde.. hove 440(1465). Auflassung des Krengelstobens durch Metke vorloren an Luddeke swengel H. 1058(1487). Auflassung eines Hauses durch Margareta Make- wat an Gerd wochman. Das Haus ist gegen Bartoldes molen in ludeken Swengels Stoven unde negest der sulven Margareten boden belegen H. 1236(1493). f) Herlingstoben(M.) An der Herlingstraße. Er deckt sich wohl mit der stupa Hil- m Ehen lingerot in dieser Gegend und fällt vielleicht auch mit dem Krengelkenstoben zusammen. Bel.: in wiwario juxta stupam Hillingerot UB. II 419(1285—12%6), S. 424; de domo, qui dieitur Visbeke, apud stupam Harlingerod, das. S. 427; Herlingherode stoven W. S. 17/8(1416). g) Frankenberger Stoben(F.) Er ist in der Fingerlingstraße, evtl. auch in einer Nebengasse der Fingerlingstraße zu suchen. Ob außerdem in dieser Ge- gend ein Stoben oder eine Badstube an der Gose mehr nach der Kirche zum Frankenberge hin vorhanden war, läßt sich nicht sicher ausmachen. S. o. Nr. 27 b. Bel.: up der stoven straten by deme franckenberge twisschen des berghvogedes garden unde tilen bossen huseren H. 796(1478); in der stovenstrate twisschen tilen bussen und Hinrick bornhusen huseren belegen 1435(1498); yhm stoven up der gose H. Sch.(Fr. 1578). in der Stobenstraßen zwischen... Hauße und dem Franckenberge- schen Stoben belegen E. 1189(1578); kegen der Abezucht zwischen der Frankenbergischen Stofen gatzen und.. heuser belegen 1521(1587); gegen der abetucht twischen.. und der Franckenbergischen Stofen gatzen belegen K.A. Bl. 21a(1592); ahn sinem dem franckenbargischen Badtstoven ahn der stovenstrassen 46 v(1596); uff der Bergkstrassen ihn der Kleinen gassenn kegen dem franckenbargischen stoven uber 43(1598). h) Frauenstoben(Brüdernstoben)(F.) An der Frauenstraße beim Brüdernkloster. Bel.: by der Vruweken stoven uppe dem weghe, wanne me to den Brodern gheyt UB. IV 134(1341); boven den broderen in der stoven strate H. 1329, 1334(1496); in der stoven strate ame drallen Orde twis- schen Hans mertens und Hans scraders huse belegen 1502(1499). in der stovenstrassen hinder der bruder kirchen zwischen Joachim nigendorp unde Ilseben kökes heusern gelegenn E. 498(1560); in der Stovesträssen zwischen Gesenbrandes huese unde der friesensträssen am orthe 499(1560); Cyriac fiogells Haus auf der Frankenbergischen Straße am orte der Stovenstr. 781(1567); uf der Bernistraße an der Stofen Straßen 1167(1578). i) Jakobistoben(Kirchstoben)(J.) Er lag an der Ecke der nach ihm benannten Stobenstraße und der Jakobistraße. Diese Stobenstraße deckt sich mit der heu- tigen Obergasse zwischen Bäcker- und Jakobistraße. Bel.: Auflassung eines Hauses in der straten twisschen tilen kerckhoffes und.... upp deme berghe hüse upp eynem horne der stoven straten an Henningh Osterodt H. 7(1443);' Auflassung des„Jacobs- stoven“ durch die Älterleute der Jakobikirche an Henrik Kol. Der„Ker- ckenstoven“ ist belegen in der Jacobsstraten 271(1458); Auflassung eines Hauses durch Hennig und Hinrick Wilhelm an Ludeke nigeland. Das Haus liegt tigen sunte Egidien twisschen Reymer kopman unde Tilen kerckhoves husen under dem swigkbogen 376(1462); in der Jacobsstraten bii.. huse und bii dem wüsten bleke bii sunte Jacobs stoven ULF. Bl. 2 (nach 1464). Auflassung eines Hauses durch Reymar Copmann an Hans trote in der beckerstraten twischen Henrick Rucken unde ludeken Nigelande H. 461(1466); desgl. durch Hennig und Cort Grashoff an Hennig Osterot up der Jacobs Straten twisschen Hennig klynge und Hinrik hols huseren 522(1469); desgl. durch Hans Heverhagen(in der Überschrift Everhagen) an Werneke schacht. Das Haus befindet sich in der Jacobes straten bii deme Stoven unde ludeken Niegenlandes nagelaten wedewen 557 a(1471); Auflassung eines Hauses durch lucke, Witwe von Tile kerkhoffes, und her Hermen kerkhoves an Olrik Reyger. Das Haus ist belegen an der beckerstraten ame orde an der Stovenstrate negest ludeken nigelandes godseliger nalaten wedewesschen huse tigen Hennigh Osterode, over 695(1475). de Beckerstraten in acie cuiusdam vici, quo itur ad stubam sancti Jacobi Domst. 648(1482); Auflassung eines Hauses durch Gercke smed und Hermen klopper an Henning osterode Das Haus liegt in der beckerstrate twisken Hinrick lafferdes Huße unde der Stovenstraten ame orde H. 1059(1487); den Jacobischen Badtstuben uf der Jacobischen strassen E. 1367(1583); uf der Jacobsstraßen zwischen.. unnd dem Badtstuben gelegen K.A. Bl. 31 v(1591). k) Stobenstraße an der Breiten Straße(St.?) Nicht sicher festzulegen. Vielleicht fällt sie mit der Heyden- straße(Piepmäkerstraße) zusammen, da hier eine Trennung der Bekeläufe bezeugt ist. Bel.: Bernt Bokemulre läßt ein Haus auf an Hinrik Gherder up der Bredenstraten twisschen Hinrik Wilhelmes unde der papetranschen Huseren an der Stovenstraten belegen H. 527(1469), s. auch 940(1482), 999(1485). Vgl. ferner H. 147(1452): in der Heydenstrate twisschen... Hinrick groper unde Hinrick Bokenum huß, dat de beke schedet. l) Pfefferstoben(St.) Er ist in der Nähe der Pfeffermühle zu suchen und lag wohl an der Glockengießerstraße. Wahrscheinlich identisch mit dem Niederstoben. Bel.: jeghen deme peperstoven UB. III 928(1332); tigen dem Peper- stoven IV 561(1356); 767(1362). m) Niederstoben(Stephanistoben)(St.) Beide decken sich miteinander und vielleicht auch mit dem Pfefferstoben bei der Pfeffermühle. Bel.: an den gademen unde an dem nedderen stoven UB. V 733 (1339); nederen stoven 890(1392); stoven huß unde hoff belegen twischen beyden gaddem H. 124(1451); Stoven genant de nedderstoven over der agetucht twisschen beyden gaddemen St. G. 833(1470). ih uf der Glockgießerstraßen zwischen der Brekenfeldischen und M. Henrichs im Stephanschen stoben heusern belegen E. 1119(1576); 1279 (1580). Nach E. 190(1551) erfolgt die Auflassung des Badtstuben zwischen den beiden Gaddemen bey der Avetucht durch den Diakon und die Älter- leute der Stephanikirche an Hans Beseler Badtstuber.„Diweill nhun der selbe Badtstube zwischen den beiden Gaddemen, die der Erligen knochen- hauwer gilde zustehen, gelegen“, so wird gleichzeitig das Verhältnis zwi- schen dem Erwerber und der Knochenhauergilde vertraglich geregelt. Der Stephanistoven dürfte demnach mit dem Nedderstoven zusammen- fallen. n) Stoben bei der Walkmühle(St.) Eine Stobenstraße verlief in der Nähe der Walkmühle und deckt sich anscheinend mit dem unteren Teile der ursprüng- lich bis zur Gosestraße reichenden Badelebischen Straße, der von einer Abzweigung der Gose durchflossen war, oder der Lämmerstraße. Möglicherweise besteht aber auch ein Zusam- menhang mit dem Pfefferstoben. Bel.: Haus„in der stovenstraten an der gose by Bertolt hersen“ H. 306(1459). Peter Wegener überträgt ein Haus„belegen an der stoven straten ame orde tygen Bertold hertzen over unde ern Hardecordes huseren“ an Hans budensee 552(1470); Haus an der Stovenstraten twis- schen Hans budensees husse ame orde negest der gose 593(1472). 289. Sülzenwinkel(M.) — Wurstewinkel(u. Nr. 332). Anscheinend benannt nach einem hier ansässigen Mitglied der Bürgerfamilie Solten (Sulten). Bel.: Akten Feuer- u. Wasseramt 1713—1780: 1714 Sülze-Winkel; Feuerstätten-Besichtigung 1739/41: 1741 auf dem Plan. Bergstraße. Im Sultzen Winkel. Neue Straße. Schon 1378 vergleichen sich Hennig Sulten(Zulten) und das Dom- kapitel wegen einer wüsten Hausstelle gegenüber dem in der Nähe be- legenen Crenghelkenstoben(UB. V 339). 290. Sumpfhof(St.) An der unteren Petersilienstraße nach der Stadtmauer zu. Bel.: gardenbleck up der petercilien Straten in den kolgarden be- hedden dem wevertorne up dem orde benompt de Grote Sumphoff Domst. 744(1518); auff der Peterzillien strassen in dem Koell Garten, benedden dem wefer turm,... der große Sumphoff genant Domst. 797(1568). 291. vicus Symonis(Simonsgasse)(M.) Der Namen löst die frühere Bezeichnung vicus Hinr. Eylerdes für die spätere Pfannenführerstraße ab. Bel.: Henning symon in vico W. S. 384(1470); 400(1496); 406(1476); 426(1479). — 1356— 292. Termineistraße(J.) = Mönchestraße(o. Nr. 192). Benannt nach der hier befind- lichen Terminei der Augustiner-Eremiten. Bel.: Haus belegen in ener gassen twischen der Schilderstraten unde Jacobs straten tiigen der Terminarien huß der hemmel porte H. 221(1455); in der lutken straten twischen der Schilderstraten und Jacops straten tigen der termenie over 836(1479); up der Jacopstraten ame orde hinder der termyne 1474(1499). Der Konvent des Klosters der Hymmelporten läßt auf ein Haus geheten de termenie St. G. 974(1499); in der termenien unnde Monche- strassen E. 354(1556). 293. Beider Teufelsmühle(M.) Wegen ihrer Lage vgl. Fl, S. 106/107. Bel.: Sie erscheint z. B. 1470(St. G. 835 a), 1480(St. G. 873) und 1496(H. 1396). Vgl. weiter: bey der Duvele Möhlen herup H. Sch.(M. 1574); kegen der Teuffels mulen ahn dem stege E. 1357(1582). 294. Teufelsstraße(Teufelsgasse) a) im Marktbezirk(M.) Querstraße zwischen Breiter und Bäckerstraße, mit der Pfan- nenführerstraße zusammenfallend. Benennung der Straße i Y wahrscheinlich nach einem Mitglied der Bürgerfamilie Teufel j ai(Duvel). Angehörige der Familie Duvel kommen schon Ende des 15. Jahrhunderts in Goslar vor. Bel.: in platea pistorum in acie platee demonis, Brüdernkloster 9a (um 1500); in der Beckerstraten am orde des duvels straten St. G. 943 a (1492); Hans Grotehenniges läßt auf an Hans Pansmedt ein Haus an der beckerstraßen bei Hans Gottes und Heinrich Reimers Häusern am Orte der teufelsgassen E. 678(1564). Als Seitenstraße der Bäckerstraße auch angeführt bei Crusius, S. 437, anläßlich der Schilderung des Stadt- brandes von 1780. 2 Ein Haus Ludeke Deffels(Dewels) an der Breitenstraße erwähnt E. 3(1546), 984(1572), 1053-(1574). b) im Jakobikirchspiel(J.) Auf der dem Adreßbuch von 1863 beigegebenen Karte ist die Mittelgasse zwischen Bäcker- und Jakobistraße als Teufels- gasse bezeichnet. Anscheinend dreht es sich hierbei aber um eine altüberkommene Benennung. Bel.: upp dere Jacobsstraten am orde der Duvelstraten St. G.» 1067 b(1512). 295. Hinter(bei, oberhalb, unterhalb, gegenüber) der Tränke, Tränkestraße(M.) Es handelt sich hauptsächlich um das Straßenstück zwischen — 197— Sack(Heerwinkel) und Wurstewinkel, das näch einer hier be- findlichen Pferdetränke benannt ist. Bel.: Haus von Cord Goseken in der berchstrate, dar me geyt na der drencke H. 86(1440); Stätte ame orde by der perde drencken ahn Hans schulten unde unser kercken huse tredende belegen, Domst. 728 (1513). hinder der drencke E. 131(1549); bie der trencke 287(1554); uff dem werder boben der trencke 344(1556); an der gose bie der trencke 436 (1558); an der gose benedden der trencken 455(1559); hinder der trencke uf dem werder 562(1561); uf der Drenckstrassen an der ecke der Neu- wenstrassen 1438(1585); in der Drenckstraßen ahm orthe der Nienstraßen 1497(1586). Weitere Tränken und Wassertröge werden erwähnt auf der Bäringer- straße H. 101(1449), am Jakobikirchhof(Brandessche Chronik Bl. 91 v. zum Jahre 1506), oberhalb der Pfeffermühle an der Abzucht an der Kreuzung der Glockengießerstraße mit der Köterstraße: an der abethucht gegen der trencke ober zwischen Andres wittenberges öle molen E. 521 (1560); sowie auf der Petersilien- und Friesenstraße T.©.$ 17. Ein Brun- nen(Born) ist unten in den Gröpern bezeugt. 296: Treibstraße(Drifstrate)(St. Wegen des Namens s. o. S. 48/9. Sie deckt sich mit der Brügge- mann-, Blanken- und Rikenschenstraße. Später wird der Na- men durch die Bezeichnung Brüggemannstraße verdrängt(o. Nr. 40). Gelegentlich kommt auch die Obere Kirchstraße im Stephanibezirk als Treibstraße vor. Bel.: in der driffstrate H. 220(1455); am orde an der drifstraten negest Hans van Barem huse, dat denne Hans Bruggemans... entphangen hefft 818(1478); in der Driffstraten twisschen Bartolt Wichmans unde Hans Bruggemans huseren 964(1483); ynn der Drieverstraten E. 85 (1548); uf der Treiberstrasse 198(1551); uf der Trieftstrassen 278/279 (1554); an der Treiberstrassen zwischen Heinrich Bruggemans huseren 728(1565); in der Dreibstrassen zwischen der Bruggemanschen huseren 1380(1583); in der Dreib oder Bruggemans strassen K.A. Bl. 41(1594). 297. Auf der Treppe(superGradum) Treppen zum Ausgleich der Unebenheiten des Bodens fin- den sich in mehreren Stadtteilen(B., S. 49 Anm. 187). Die äl- testen Belege sind nur in Familiennamen überliefert. Bel.: Thidericus super Gradu(m) UB. III 242(1311), 288(1312), 374 (1315); Reyneke uppe der Treppen 887(1331); Woltere uppe der Treppen 935(1332), S. 619 Z. 2/3. a) Oberer Teil der Breitenstraße: S. o. Nr. 285(up den Stenkramen). } b) Marktkirchhof: Haus beleghen jegen dem Marketkerckhoffe ge- heten uppe der treppen, boven den boyden, de der kopplude horen, myt aller tobehoringe, so de genante libbrecht dat van den koppluden gekofft hefft, nemelken dat hüß myt syner tobehoringe unde dat boven dem = dör weghe gebüwet is und de kemenade myt dem torne und dar vorher de pryche schollen de kopplude sek beholden H. 50(1445). c) Frankenberger Plan: bein franckenberge zwischen... huese unde der rosmoln kegen ubber am orthe der treppen gelegen E. 474(1559); Up der Treppen H. Sch.(Fr. 1582); ahn der Treppen ahm franckenbergischen Kirchoffe kegen der Cappelanie over K.A. Bl. 51(1600). 298. Trollmönch(St.) Der noch heute gebrauchte Straßenname verweist auf eine Niederlassung des Ordens der Willigen Armen(Lullarden, Celliten), die auch als Trullbrüder begegnen. S. u. Nr. 320(bei den Willigen Armen). Näheres wegen der Lullarden bei F., IV: VS. 53. A0ım 9: Bel.: tigen den trulbroderen over H. 1578(1501); tigen den trulle- broderen 1591 a(1501); In den Trulbrodern H. Sch.(St. 1578); Bey den Trulbrudern H. Sch.(St. 1583); gegen den tollen brüdern W. H. Nr. 58 (1642); gegen dem Trollmunchen W. H.(1652); hinter dem Trollmünnig, Brandessche Chronik S. 150(zu 1708). Anscheinend ist die gleiche Straße gemeint bei dem Eintrag ULF. Bl. 24v(1408): Haus von Hans Berthen bel. in der straten aller neyst beneden der pepermole, dat oldinges de pepperstove was, dar he nu sulven ynne wonet. Es könnte sich allerdings auch um eine besondere, heute verschwundene Quergasse zwischen Glockengießerstraße und Ab- zucht an dieser Stelle handeln. 299. Beim Umlauf(F.) Die Stelle, wo die Gose unterhalb des Klaustores die Berg- straße kreuzt. Bel.: up der Gose na dem dore Sch.(F., vor 1563); ahn der Gose benedden dem Umblope ahm orthe E. 1009(1573); Haus bei dem Umb- lauff nach dem Clawßthor zwischen Henrich von Braunschweigks und Hansen Müllers Heuseren belegen 1087(1575); up der Gose by dem umm- lope, an einer anderen Stelle up der gose kegen den ummelope H. Sch. (Fr. 1576); by dem ummelope, getrennt davon boven dem ummelope IV. Sch.(Er 11578): 300. Untergasse Wohl sich deckend mit dem mehrfach erwähnten Gang zwi- schen Bäckerstraße und Jakobikirchhof in Höhe der heutigen Pfarrgasse. Der jetzige Name ist neu. Bel.: Auflassung eines Hauses durch Diderick goseken an Ludeke boteken. Das Haus ist belegen na dem Rosendore twisschen sinem groten Huß unde by ludeke bodenstens huse up dem gange na sunte Jacoppe tigen Dethmer staciuß huse over H. 251(1457); Ludeke boteken läßt ein Haus auf an Brun rudeman. Das Haus liegt ame orde tygen fricken eyken over negest ludeken boteken lutken huse up der beckerstrate uthbescheden den ganck darman geyt up sunte Jacobs kerckhoff, de schal — 1359— bliven tome lutken hüße 497(1468); Haus in der Beckerstraten twischen Hans Walen unde am orde na sunte Jacobs kercken 546(1470). 301. plateaviridis(B.) — Grüne Straße(im Bergdorfe). S. o. S. 26 sowie Nr. 101. 302. Vitriol(Kupferrauchs)häuser Sie dienten der Gewinnung von Kupferrauch(Vitriol) und Blei. Als die wichtigsten kommen der Vitriolhof des Rates, zu- nächst an der Bergstraße, dann unter dem Liebfrauenberge im Sack belegen, der frühere Angelhof, sowie der Braunschweigi- sche Vitriolhof an der Glockengießerstraße, der sog. Bleihof, in Betracht. Daneben steht noch eine Anzahl von Vitriolhöfen (Kupferrauchshäusern) in bürgerlicher Hand. Bel.: Haus belegen an der Berchstrate twisschen peter Hillinghes unde des Rades vittryles huse H. 590(1471). Vgl. dazu H. 879(1480): Auflassung eines Gartens durch Cuntze nagelsmedt an Hanß bruns. Das Gardenbleck befindet sich ame orde uppe der rosen(dor durchstrichen) straten tigen deme kopper rokes huse over. Wegen der Lage des späteren Ratsvitriolhofes im Sack ist auf die Stadtpläne von 1803 zu verweisen. Das Gleiche gilt von dem herzoglichen Vitriolhofe am Eingang der Köterstraße. S. o. Nr. 32(Bleihof). Sonstige Vitriolhäuser: vittrils hus up der agetucht ame orde der klockgeterstraten negest deme rupeneste belegen H. 1225(1492); ame orde geghen werner tunßels victrils huse unde negest Bremers garden beleghen 1347(1496); in der klockgeitersstrate twisschen Her Munster- becker unnd Heysen brendeken... vietrilshuseren 1567(1501); in der Bulckenstrassenn zwischenn Claus Fredemans Victriols hause unnd Hansen Kegels Garten belegen K.A. Bl. 22(1512); an der knochen- hawerstrassen zwischen beiden Victriels heuseren der Achtermenner am orthe bie der gose gelegen E. 479(1559). Bei dem Victrils Hause zwischen„up der Gose“ und„Klochgiesser- strasse“ Sch.(St., um 1560); bi dem fitteriles huse Sch.(St. 1579); gegen dem untersten Victriols hoffe(1652). 303. Vogelsang(Großer, Kleiner V.)(J.) Querstraße zwischen Bäckerstraße und Mauerstraße in gar- tenmäßiger Umgebung(s. Grohne S. 9). Auch als Straße bei Henning Bossen(o. Nr. 35) bezeichnet.- Bel.:in der straten genant de vogelsangk twischen der petersiligen unde der woldenberges straten H. 234(1456); in der foichlinsang bii' strate twisschen... huseren der petersilien unde der woldenbergesschen strate Forts v. H. 40(1504); in dem Vogelgesang G. Sch.(J. 1575). Die Strasse bei Henningk bosz hinnein alias im cleinen vogelsang H. Sch.(J. 1575), V. Sch.(J. 1576), H. Sch.(J. 1576): yhm groten fogelsange, an anderer Stelle ym klenen fogelsange. Die strate bey henni bosz hein- nen oder Kleine vogelgesang V. Sch.(J. 1577). In demselben Register an anderer Stelle: im foggellsange der Große.- - 19— 304. Vogtstraße(M.) Bei der Mehrzahl ihrer Erwähnungen ist an die heutige Münz- straße(o. Nr. 197) zu denken. Doch wird die Bezeichnung Vogtstraße auch für die Vogt-Konradstraße, insbesondere im Frankenberger Bezirk, gebraucht. Vgl. hierzu F., S. 152—160, 161£. Bel.: Hermannus de platea advocati St. G. 7a(vgl. auch UB. II 22); in der Voghedesstrate III 230(1313), IV 734(1361); V 527, 528(1333); hus und hoff und kemenaden beleghen in der vogedes straten und den garden dar entigen over St. G. 662(1416). Haus gelegen an deme Egken bii der vogedes straten jegen der Mar-- ketkerken kerken aver H. 40(1445); in der vogedes straten twischen der muntsmede unde.. huseren 54(1446); yn der vogedes straten twisschen des Rades Marstalle unde.. huse 60(1447); in der Vogedes straten twi- schen der Munte des Rades unde der Heren Huse vom Jurgenberge 168 (1453); an der vogedes straten an eynem orde geheten de bernesmede 198(1454); in der vogedstraten an einem orde der Beckerstrate 326(1460); in der vogedes strate... an dem Beke 329(1460). 305. Vogt-Konradstraße(F. M.) Wegen ihres Verlaufs und ihres Verhältnisses zur Vogtstraße s. F., S. 152 f. sowie o. S. 23, 25. Ihr Anfang in der Nähe des Frankenberger Planes läßt sich aus UB. V 630 u. 669 erschlie- Ben. Der Name des Vogtes, nach dem sich die Straße nennt, ist nicht festzustellen. Wegen der Marboldstraße vgl. Nr. 180. Bel.: de molendino sito in platea Voget-Konradestrate UB. II 419 (1285—1296); Haus von Mechteshusen, dat dar steit entjeghen Voghet Conrades straten III 900(1331); in der Voghet Conradesstraten IV 405 (1300—1350), 622(1358); Haus in Voghet Conradesstrate bi Unrowen huse an dem orde V 630(1386); Haus, dat dar steit in der Vrankenbergeschen strate beneden Hanses huse Unruwen 669(1337). in voghet cordesstrate W. S. 9(1415); in voget cordesstrate 19(1416); 96(1440); in der voged koynenstraten H. 222(1455). Haus belegen in Cord vogedes straten twisschen des Rades Marstalle.. Marktkirche 33(1464); in Cord Vogedes straten H. 471(1466); in der Cordt vogesstraten 1611 (1502); in der Vogt Curdes itzt die Schreiberstraß genandt K.A. Bl. 20 (1507); in der Cordt vogedesstraten St. G. 1092(1516). 306. Beim Vorwerke(T.) Ein Hof der Herren von dem Dike im Pfalzbezirk wird im 14. Jahrhundert mit besonderer Betonung als das Vorwerk be- zeichnet(F., Z?RG. 47, S. 315 Anm. 1; Hölscher, Kaiser- pfalz, S. 144). Anscheinend ist an der Bezeichnung auch in der Folge festgehalten. Bel.: de allodio suo(des Conradus de Piscina) in Sacco UB. III 213(1309), S. 143; Ritter Konrad von dem Dike und sein Sohn Konrad — 141— veräußern curiam nostram in Sacco positam, que Alodium dicitur 858 (1330); den hof in deme Sacke to Goslere, de dat Vorwerk het 879(1331). Hans Heimbarch by dem forwergke, Hinrick Meyer vom forwercke Er. ‚Sch.(T. 1578); Jurgen kleppers by dem forwercke(T. 1579). 307. Vorwerkstraße(St.) Sie deckt sich mit der Neuen Straße im Stephanibezirk(o. Nr. 202 b). Benannt nach dem hier belegenen Vorwerk(Allod) des Stiftes St. Georgenberg. Bel.: Vorwerk des Stiftes St. Georgenberg in der Bäcker- bzw. Eredenstraten UB. III 57/8(1304); IV 297(1346); in der Bredenstraten twisschen.. unde sunte Jurgen vorwerke H. 419 (1464); in der Bredenstraten twisschen.. huß unde der Jurgenberges- schen vorwerke 427(1465); in der Breydenstraten twyschen.. huse unde der Jurgenbergeschen förwarke 1224(1492); up der Breydenstraten twischen.. huse und an der Nienstraten up der Egge belegen E. 152 a(1550); in der forwerckenstraten D. 327(1566); Die Newe oder vorwercks straße W. H. Nr. 51(1644). 308. Voshol(M.) Querstraße zwischen Bäckerstraße und Bulkenstraße an der Kreuzung von Markt- und Vogt Konradstraße, benannt nach dem Hause des Stadtschreibers Heinrich Voshol(s. F., S. 155 Anm. 39 und o.$. 35). Bel.: ut deme hus, dat Henric van dem Voshole gewesen hadde in der Voghet Conradesstraten UB. IV 405(1300—1350); domus, que dicitur dat voshol, in der bekkerstrate W. S. 18(1416); Sequitur de bulkenstrate in den voshole 92(1440); in der becker straten(an dem voßhale— durch- strichen) am orde boven der poppenstraten H. 144(1452); an eynem orde an der poppenstrate bii... huse unde an der gassen, geheten dat voshol 169(1453). 309. Waghaus(Neues Waghaus)(M.) Das erste Waghaus war das seit dem Ende des 13. Jahrhun- derts urkundlich genannte Scheffelhaus(domus modiorum, scepelhus). Es war der Sitz der königlichen Zollverwaltung und befand sich in der Hokenstraße(F., Z’RG. 47, S. 328, 347). Später ist dann eine Verlegung auf den heutigen Markt erfolgt. Zu dem F., S. 180 Anm. 143 hierüber Bemerkten ist jetzt noch hinzuweisen auf Frölich, Die Goslarer Wag- haus- und Zollordnung von etwa 1400, Harz Zeitschrift 1 (1948), S. 50. -Bel.: qui in domo modiorum, que scepelhus dicitur, sedere solet ad imperii theloneum tollendum UB. II 303(1273—1291); Hugolt in deme Scheppelhuse IV 504(1354); dat Sceppelhus cum cellario captivorum et bodis ad eam pertinentibus 525(1355), S. 392. Der koplude gilde... huß » — j42— jegen dem wachhuse over H. 694(1475); upp dem markede hindere dem wachuse 996(1484); an dem markede negest deme nyen wachhuse 1455 (1498). Nachricht über den Abbruch des(alten) Waghauses auf dem Markte und seinen Wiederaufbau auf dem Stephanikirchhof, Urk. vom 23. 1. 1497 (Stephanik. 20 b). 310. Beider Walkmühle(St.) Wegen der Walkmühle und ihrer Beziehungen zur Gosestraße, Mühlenstraße, Stobenstraße und Badelebischen Straße im all- gemeinen ist auf das oben S. 45 f. Ausgeführte zu verweisen. Bel.: in der Straten bii der Walkmolen tiigen Hans nigenstades Huß over bii Hennigh brostidden Huß unde der Walkmolen H. 92(1449); Haus Berld Ryngelems in der Straten by der Walkemolen tw. Hanse Nigenstades huß unde Hanse Lakenmekere 208(1455); boven der kegel- wurd... unde der Walkemolen 227(1456); Bertram kannenbeer läßt an Arnd Hoppe auf sein Haus belegen tygen der Walkenmolen over(unde) Berld Herssen huseren 337(1461); Haus, gelegen in der Straten by der Walkemolen von der kornestraten her ULF. Bl. 31 v(nach 1462). Arnd Hoppe überträgt Haus und Hof bel. bii der Walkemolen in der Badesleveschen Straten tw. Bertold Herßen huse unde der Walke- molen an Hans Schilling H. 448(1466); der Rat läßt auf an Hans Schil- lingh Haus und Hof, dat oldinghes to der walkenmolen plach to horende, belegen in der molenstrate an der gose tigen der walkemolen over negest Hans Schillinghes huse 688(1475); Ludeke Schacht veräußert Haus und Hof, belegen in der gatzen beneven der walkemolen tw. Bartolt Hartzen unde des genanten Ludeken Schacht anderem huse 794(1478). 31l. Auf dem Walle(F.) Vorläuferin der heutigen Wallgasse in der Nachbarschaft des Frankenberges. Bel.: Die Bezeichnung erscheint Achtelschoßregister F. 1703 nach der Erwähnung der Straße gegenüber den Brüdern. 312. Wasserloch(Wasserhol)(St.) Befestigungsanlage beim Austritt der Abzucht aus der Stadt. Vgl. Kunstdenkm. S. 228, 243/4. Wird auch als Schlammkiste bezeichnet. S. ferner o. Nr. 83(Freiheiten). Bel.: gegen der Stadt Waszerhohl(Wasserhol) Peterstift 166(1680), 177(1698); Wasserloch Bürgerrolle St. 1799£. 313. Wasserstraße a) Wasserstraße im Pfalzbezirk(T.) Sie deckt sich mit der heutigen Wasserstraße. Bel.: in der waterstraten twisken her Johan bredelem unde Cordt weygens hußeren H. 1145(1490); 1267(1494). Das Haus Jan Bredelems stößt nach H. 648(1473), 683(1474) an die Glockengießerstraße. Wather- strate Kalandsbrüderschaft 6(1512). in der waterstraten E. 65(1547); in der watherstrassen 437(1558), 691 (1564); uff der Wasserstrassen 725(1565); in der wasserstraßen 1348(1582). -& Eye b) Wasserstraße im Frankenberger Bezirk(F.) — Beekstraße. Bel.: in der fresenstraten twisschen henningk mesters huse unde der water strate H. 915(1482). 314. Wedekindgasse(vicus Hening Wedekindes) (M.) Es handelt sich um eine der südlichen Seitenstraßen der obe- ren Bäckerstraße in der Nähe der Straße In dem; Voshol und der Poppenstraße. Bel.: W. S. 69(um 1480?) hat für den Marktbezirk hinter den Worten„in den voßholen— Roleff Driesher— Hans kerchoff“ den Ein- trag„in vico Hening wedekindeß“(ähnlich W. S. 152— 1443—, 172— 1444—, 192— 1447—). S. ferner:„Kathrine Wedekindes läßt auf an Roleff Dregher Haus und Hof belegen in der beckerstraten(es folgt durchstrichen: an dem voßhale) am orde boven der Poppenstraten by Bertram vlote hove unde hanse kerckhove H. 144(1452). Die Witwe Roleff Dregers läßt dieses Haus belegen in der Beckerstraten in deme Voßhale twischen Bertram vloten garden unde hans tilinges huse auf an Hans tegetmeyger 490(1467). 315. Am Werder(Neuen Werder)(M.) Straßenzüge westlich der Tränke zwischen Gose und Abzucht (32.0.8. 82% Bel.: Haus hern Henric von dem Werder, dar ik nu inne wone, de heren detmers van der Helle is ghewest UB. V 645(1386); uff dem Werder boben der Trencke E. 344(1556); uff dem Werder nechst... huese unde am orthe der Abetucht 348(1556); 506(1560); hinder der Trencke uf dem Werder 562(1561). Up den Newen Werden(!) E. 1127(1576)— Werder nach E. 348. 316. Wernherstraße(F.) S. 0. S. 22. Es wird an die heutige Schreiberstraße zu denken sein(B., S. 33 Nr. 21). Bel.: Vgl. o. Nr 90(Gezmannstraße). 317. Am Wichbuge(Wibuy)(M.) Eckgrundstück Breite Straße— Judenstraße. Der Name erin- nert vielleicht an die früher hier verlaufende Grenze der ur- sprünglichen Marktsiedlung. Bel.: de domo Wichbuge UB. II 73(nach 1260); sita juxta spacium, quod in vulgo Wibuy dieitur III 975(1334); des Wybuyes 1022(1335); de hof tu Wiboye IV 406(1300—1350); allernegst deme groten dore, dat op dat Wybughe gheyt 643(1358); hus uppe dem orde an der Joden strate unde dat hus darbi to der roden vorne V 1056(1356); uppe dem orde an der Jodden straten by dem wigbüge St. G. 717(1424); up der Breden- straten ame Wiibii H. 356(1462); up dem wyby 756(1477). —_ 44 318. Wigertsche Straße(J.) — Untere Schildwache(Neuwerkstr., Dreckstr., vicus Ludolfi). Bel.: Jutte Segelken läßt auf ihr Haus belegen upp der Schilder straten am orhde bii der Wigertschen straten unde Werneke luders huse an Cord Cassel H. 240(1456). Vgl. dazu: Haus in der Schilderstraten ame orde der straten, dar me geit na der Schiltwachte negest Warneken luders huse belegen 1180(1491). S. ferner H. 675(1474): Olde klingenbil läßt auf sein Haus up der schilderstraten tw. tilen bintremen unde kassels huseren an de hanpsche; H. 1104(1489): Haus von tilen bintremens Witwe an der Schilderstraße. 319. Willering(Willerding)straße(St.) Es dreht sich um die heutige Piepmäkerstraße. S. auch u. Nr. 323(Wipelingestraße), o. Nr. 200(Neinderlingstraße). -Bel.: Willeringstraße UB. V 631(1386); Wultringhestrate im Ste- phanikirchspiel W. S. 13( 1415); in der wilderingen straten H. 3(1443); in der willers straten Kl. Frankenberg 7(1443); in der wiltringe straten H. 109(1450); in der willing(durchstrichen) willerdingen straten H. 216 (1455); in der Willingstraten 274(1458); de wilken strate im Stephani- bezirk W. S. 415(1476); in der breydenstraten ame orde der wulrelynges straten H. 1229 j 1492); in der Bredenstraten ame orde der wüllerlinghes straten 1202 H(1494); ame orde der wullerlinges straten 1254(1494); in der wullerdinges straten 1298(1495); up de vullerlingestrate 1478(1499); in der willgestrate twisschen Wensel unnd Arndt Horneborges huseren belegen 1550(1501); in der wullerlingestrate twisschen Mester Tonnies unde Henningh Horne- borges huseren belegen 1612(1502); up der wullerlinghestraten Domst. un 741(1516). N in der Willerlingß itzt die Pipenmacherstraß genandt K.A. Bl. 15v 1 u(1533); uff der breidenn straten... ann dem orde der willerlingeschen stratten E. 136(1549), in der willerlingschen strassen 346(1556); in der willerlingsstrassen 447(1558); in der willerlingesstrassen 616(1562); in der Wilderlingesschen straten 626(1562); in der Wilterdings strassen 823 (1568); uf der willerling alias Pipemacherstraßen K.A. Bl. 29(1591). ' 320. Bei(gegenüber) den Willigen Armen(St.) — Am Trollmönch(o. Nr. 298) an der Glockengießerstraße. Bel.: tigen der willigen armen huse H. 961(1483); hoveken und garden in der clockgeter straten belegen van gerbrecht stoß... twisschen des genanten gerbrechtes stoßes und der willigen armen brodere huseren St. G. 884(1485); an der knokenhauwer straten jegen den willigen armen H. 1094(1488); ame orde der knokenhawer straten yegen den wilgen armen 1226(1492); den cellebrodern wonhafftich to Gosler up der klock- geiter straten unde an deme orde der knokenhauwer brughe in der capellen sancti Vernwardi, Cellebrüder 3(1507); hus oldes geheten de overste gaddem... gegen der wylgen armen, dede men Cellenbrodere nomet Domst. 721(1510). — 145.— 321. vicus Wiltman(St.) Anscheinend die Straße am Trollmönch(o. Nr. 298, 320). Bel: Wiltman in vico W. S. 376(1496). S. ferner W. S. 358, 378 (1471). Nach H. 151(1453), 406(1463), 523(1469) lag das Haus Hennigh Wiltmans bei der Schönen Ecke an der Glockengießerstraße(s. o. Nr. 267 b). 322. Im Winkel Die Straßenbezeichnung ‚Im Winkel“ begegnet in verschiede- nen Stadtteilen, besonders häufig an der Grenze des Pfalz- bezirkes und im Bereich des früheren Weihers(s. o. S. 27/8). Vgl. auch o. Nr. 9(in angulo). Bel.: in Scumphenyghen hus imme Winkele UB. III 729(1325), auch erwähnt III 935(1332); bie der gose im winckel E. 163(1550); bey der Bartoldes Mhulen im winckel 869(1569); zwischen eines Erbarn Rades Marstall und Hauße im Winckell 1151(1577); oben der Trencke im Zigen- winckel 1281(1580); Inn dem Winckel bii Herman panschmedt Sch.(M. 1577); ym winckel na der drencke H. Sch.(M. 1578). Gang der Wächter über die Brücke vor der Teufelsmühle, über den Plan, durch den WinkelvorderNagelschmiede, auf der neuen Straße hinauf, vor dem Schusterkruge rechts durch die neue Straße und die Bartelsmühlenstraße usw. T. O.$ 18(1786). 323. Wipelinge(Wopelinge)straße(St.) Sie deckt sich mit der Willering-(Willerding-),. heutigen Piepmäkerstraße(o. Nr. 223). Bel.: Hermannus de wipelinge strathe St. G. 7a(zwischen 1240 u. 1255); Heinrico de Wopenlingestraten UB. II 421(1291); in der Wope- linghestraten III 934(1332), 948(1333); Auflassung eines Hauses in der vubelingeschen straten von Hennig grevemeiger an Wetzel groteheyne H. 1001(1485); Ilsebe, Witzels Groteheinen Witwe, verkauft ihr Haus in der Wullerdinges straten an Ludeke Reymer 1298(1495). 324. in wiwario(Am Weiher)(T. M.) Sumpfgebiet unterhalb des Pfalzbezirks nach dem Klapper- hagen hin. Näheres o. S. 22, 31/2. Bel.:in Wiwario UB. III 213(1309), 554(1321); Haus bi dem Wiware IV 114(1340); in superiori bokemolen in Goslaria prope wywarium Va.(1383): 325. Wockenfußstraße(J.) Der Name haftet an dem Teil der späteren Bahnhof-, jetzigen Rosentorstraße, der sich zwischen Bäckerstraße und Jakobi- kirchhof erstreckt, greift aber gelegentlich auch darüber hin- aus. Wahrscheinlich ist die Straße benannt nach einem hier zu suchenden„domus wokkenfot‘“ des Domstifts, das schon gegen Ende des 13. Jahrhunderts bezeugt ist. Der Hausname Wockenfot, der auf den Fuß der Spindel verweist, könnte zu-' 10 Frölich, Goslarer Straßennamen 146— rückgehen auf eine bauliche Eigentümlichkeit des Hauses oder den Spitznamen eines der früheren Besitzer. Für eine Be- ziehung des Straßennamens zu Spinnern und Webern, wie sie B., S. 41 Nr. 19, vermutet, sind keine Anhaltspunkte gegeben (F., HGBl. 1920/21, S. 143). Später kommt hier der Name Kuh- straße(o. Nr. 167) auf. Bel.: domus Wockenvot UB. II 419(1285—1296), S. 427 Z. 18. wockfoter strate im Jakobikirchspiel W. S. 215(1447); up der wock- foterstrate H. 513(1468); in der wockfoyten straten 560, 561(1470); an der beckerstrate ame orde der wockvoter strate 572(1471); ame der Becker ende wokkenfotes straten 972(1483); an der wockfoydstraten twisken pannensmede unde bartolde guntger 1020(1485), ame orde der wokken- fotes strate an sunte Jacoppes kerckhove belegen 1036(1486); in der wockfotes strate Jakobikirche 10(1503); v£ der beckerstrassen zwischen Henni marborges huese ende der wockenfusses strassen gelegen E. 341(1556); 404(1557); 564(1561); vff der Beckerstraßen ahm Orte der Wockfueßer Straßen 1319(1581); in der Wockfotenstraßen K.A. Bl. 10 (1507); zur Kuh oder Wockfueß Str. Sch.(J. 1702), S. 75. 326. Woldenberger(Woldenbergische) Straße(J.) Vgl. o. S. 41, 43. Gelegentlich wird auch die Jakobistraße als Verlängerung der Woldenberger Straße mit dem Namen der letzteren belegt. Die heutige Schreibweise des Straßennamens (‚, Wohldenbergerstraße‘“) ist zu beanstanden. Bel.:in der woldenberghestrate W. S. 17(1416). In der Nähe werden Vogt-Cordesstraße, Poppenstraße und Voshol genannt. in der woldenbergesschen strate H. 97(1449); 135(1452); in der woldenbergesschen straten up dem orde tigen dem slynge sunte Jacoppes kerckhove by deme beke 139(1452); in der woldenbergeschen straten twisken... huße am orde des vogelsanges 1142(1490); in der wolden- bergesschen straten ame orde der fogelsanges straten und negest des parnerß to sunte Jacopß husen 1173(1491). an der worldenberger strassen zwischen.. huese unde kegen sanct Jacobs kirchofe ubber am orthe E. 358(1556); auff der woldenbergischen. strassen 454(1558); an der woldenberger strässen 646(1563). 327. Woltersstraße(St.) Sie entspricht der heutigen Bolzenstraße(o. Nr. 34), in ihr lag ein Haus der Familie Wolters(Woltereck). Andere Bezeich- nungen: Achtermannstraße, Hauptmannstraße, Reckenstraße. Bel.: in der straten tigen Clawes wolters Huse over twisschen Hans sluters unde Hans Stas Garden Huseren belegen Schützenbrüder- schaft 2(1505); Rentenbrief vom Rat an Claweß wolter auf sein Haus inn der hovetmansstratenn twischen Idel Denekenn unnd Hans Hardenn- barges Huserenn belegen St. G. 1090(1515); in Wolters strassen Sch. (St. 1568); Wolter-Straße J. I(1760£.). u m 328. Wort(M.); Wegen des Gildehauses der Kaufleute, der Wort, und des neuen Gildehauses vgl. F., Z?RG. 47, S. 326 f., 418 f; Hz. 61, SI 1716. ENS).7,.8 30L.E: Bel.: nova domus mercatorum UB. II 199(1274); III 479(1318); up der Coplude hus V 245(1373); Verhandlung vor de Wort, vor Corde Kop- manne der stad voghet 542(1384)); Huß belegen an der koplude nigen huseren boven oren boden unde keller tigen dem marketkerckhoffe H. 504(1468); up der wort ime Jarmarkede 1287(1494). 329. Wortstraße(M.) Zwischen Markt und Simelingebrücke, gelegentlich auch als Simelinge(Simelingemühlen)straße bezeichnet. Bis zur Gegen- wart häufig belegt. Bel.: van sunte Cecilien wente an de Wortstrate UB. V 906(um 1392); de wortstrate W. S. 209( 1447); in der Sibelinges Molen straten twischen.... unde der Coplude boyden tiigen der Wurdt over H. 415(1464). 330. Wullenhof(St.) Gartengrundstück im Stephanibezirk. Bel.: Garten, belegen twisschen dem Bredendore unde der kon- ningynnen torne negestgelegen der Stadmuren unde is geheten de wul- lenhoff H. 374(1462). 331. Wunnenstraße(M.) Sie entspricht der heutigen Sommerwohlenstraße(o. Nr. 281) zwischen Breiter- und Bäckerstraße. Bel.: Häuser in der Sommerwunnighestrate van deme beke wente to der Wunne UB. IV 525(1355), S. 392; hus dat gheheten is de Wunne 583(1357); in der Wunnenstrate up dem beke W. S. 100, 123, 144, 163, 201 (1440—43, 1447); de sommerwunnenstrate S. 266(1462); an eynem orde upp der breydenstrate bii Corde Sanders huse up eine unde der wunnen strate up andere siid H. 224(1455); an der Beckerstraten an dem orde der Sommerwunnen straten ULf. Bl. 50 v(1486).: 332. Wurstewinkel(M.) Wohl benannt nach einer Bürgerfamilie Worst. Die gegen- wärtige Bezeichnung ‚„Wortsatenwinkel“ ist verfehlt(F., S. 157 Anm. 52). S. auch o. Nr. 289(Sülzenwinkel). Bel.: im Wurste-Winckel Sch.(M. 1750); an und in Wurste Winkel Sch.(M. 1757); Tränke abwärts vulgo Wurst-Winkel Bürgerrolle M. 1785£. Ein Arndt Worst wohnt nach W. S. 210(1447) im rike winkel, nach H. 682 (1474) in der Bergstraße, Jeronimus Worst nach H. 291(1455) in der Bergstraße. 333. Ziegenplatz(F.) Platz beim Brüdernkloster(Kunstdenkm. S. 111). Seit 1921 Greifplatz. — 148— 334. Ziegenstall(J.) _ Querstraße zwischen Petersilien- und Mauerstraße, heute nördlicher Teil des Vogelsangs. Wohl Gegenstück zu dem Schafstall an der unteren Schilderstraße(o. Nr. 261). Bel.: Im Zcegen Stalle(an der Petersilienstraße) Sch.(J., um 1570); im Ziegen Stall E. 1356(1582); im Ziegenstall W. H.(St. 1642). 335. Ziegenstraße(F.) Benannt nach einer Bürgerfamilie Czigen(Sigen, Tzigen), die hier Hausbesitz zwischen Bergstraße und Frankenbergerstraße hatte. Bel.: Haus in der Bergstraten bii der Eyslingstraten an eynem orde harde bii Hinrik vogedes huse jegen Hermen czigen huse over H. 44(1445); Hans keydel läßt auf sein Haus belegen up der berchstraten an eynem orhde boven Hermen zeigen huß H. 242(1456); Karsten tzien frankenberch W. S. 346(1469). Es folgt die fruekenstraten. Her bartolt Sygen verkauft sein Haus uppe der barchstraten twisschen tilen hinsen unde Gesken bultemans... husern H. 653(1474); Haus Karsten Czigens in der franckenbergesschen straten twisschen peter Johann von were unde karsten Czigen Huseren 814(1478). in Zegenstrate H. 1577, 1586(1501); in der Ziegenn(Zigen)straßen E. 141(1549), 798(1568), 1313(1581); in der Ziegenstraßenn K.A. Bl. 34 v (1592). 336. Ziegenwinkel(F.) Er lag oberhalb der Tränkstraße in der Nähe der Bartolds- mühle. Anscheinend identisch mit dem öfters in dieser Ge- gend erwähnten Winkel bei der Bartoldsmühle, der auch un- ter’anderen Benennungen vorkommt. Bel.: Haus von Henrich Rubers, Carsten Spintzy, Frantz Hirleman oben der Trencke im Zigenwinckel zwischen Frantz Hirlemans und Andreas weilandes Heußern belegen, aufgelassen an Lorentz Bollem E. 1281(1580); Coßmas und Margaretha Hirlemans lassen an Frantz Hirleman ihr Haus auf uf der Gose benidden der Barthols Mulen zwi- schen Andreas Luder und Lorentz Bollem belegen 1452(1585). bie der gose im winckel E. 163(1550); bei der Bartoldes Mhulen in winckel 869(1569); Inn dem Winckel bii Herman panschmedt G. Sch. (M. 1577); ym winckel na der drencke H. Sch.(M. 1578); Winkel vor der Nagelscehmiede T. O.$ 18(1786). D. Das Straßennetz des Stadtkerns in der Gegenwart. 1. Überblick. ‚ennetzes im eine weit- zur Beseiti- en der Vogt- ı, wie bei der führt hatten, rerändert ge- wichtigeren r Gegenwart Henauptoranee EI SE RR ımen zu Ver- lieren. Nur in einzelnen Fällen sind der Jetztzeit ZU, um neu auf- tretenden Bedürfnissen zu genügen, Straßendurchbrüche von nicht sehr erheblicher Bedeutung erfolgt, oder es sind Umbenennungen vorgenommen worden. So sind die Wälle zum Teil straßenmäßig ausgebaut, im Jahre 1835 ist dies etwa bei dem Thomaswall, dem Schäferwall und dem Bürgerwall zu verfolgen. Bei dem Schäferwall, der aber schon um 1800 als bebaut erwähnt wird, ist eine Abzweigung als Graben- straße besonders benannt(1913). Die Straße hinter dem Münster hat der Wallstraße Platz gemacht. Als ein Durchbruch von der Ket- tenstraße zum Klaustorwall stellt sich die Steinbergstraße(1893), als ein solcher von der Glockengießerstraße zum Thomaswall die Dorothea-Borchers-Straße dar(1928). Als Verlängerung der Schie- lenstraße über die Glockengießerstraße hinaus ist die Straße an der St. Annenhöhe hinzugekommen(um 1900). Als neuer Straßenname erscheint nach dem Anschluß Goslars an das Eisenbahnnetz in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Bahnhofstraße, die früheren Bezeichnungen Kuhstraße, Straße am Jakobikirchhof und Rosentorstraße verschwinden. Nach einem kurzen, durch die politischen Zustände verursachten Zwischenspiel ist die Bahnhofstraße 1945 unter Wiederbelebung einer der frühe- ren Teilbezeichnungen zur Rosentorstraße geworden — 148— 334. Ziegenstall(J.) Querstraße zwischen Petersilien- und Mauerstraße, heute „nördlicher Teil des Vogelsangs. Wohl Gegenstück zu dem Schafstall an der unteren Schilderstraße(o. Nr. 261). Bel.: Im Zcegen Stalle(an der Petersilienstraße) Sch.(J., um 1570); im Ziegen Stall E. 1356(1582); im Ziegenstall W. H.(St. 1642). 339. ER 2 Nachtrag zu Seite 148: orde = WM Zehntstraße(J.) an ey Vgl. v. S.43; Nr. 188 b(Hinter der Mauer), 265 a(Schild- frank wache). Sygei unde{ f in de unde auamusasne, wir aru,. in Zegenstrate H. 1577, 1586(1501); in der Ziegenn(Zigen)straßen E. 141(1549), 798(1568), 1313(1581); in der Ziegenstraßenn K.A. Bl. 34 v (1592). 336. Ziegenwinkel(F.) Er lag oberhalb der Tränkstraße in der Nähe der Bartolds- mühle. Anscheinend identisch mit dem öfters in dieser Ge- gend erwähnten Winkel bei der Bartoldsmühle, der auch un- ter‘anderen Benennungen vorkommt. Bel.: Haus von Henrich Rubers, Carsten Spintzy, Frantz Hirleman oben der Trencke im Zigenwinckel zwischen Frantz Hirlemans und Andreas weilandes Heußern belegen, aufgelassen an Lorentz Bollem E. 1281(1580); Coßmas und Margaretha Hirlemans lassen an Frantz Hirleman ihr Haus auf uf der Gose benidden der Barthols Mulen zwi- schen Andreas Luder und Lorentz Bollem belegen 1452(1585). bie der gose im winckel E. 163(1550); bei der Bartoldes Mhulen in winckel 869(1569); Inn dem Winckel bii Herman panschmedt G. Sch. (M. 1577); ym winckel na der drencke H. Sch.(M. 1578); Winkel vor der Nagelsehmiede T. O.$ 18(1786). VERERESE D. Das Straßennetz des Stadtkerns in der Gegenwart. I. Überblick. Bei einem Vergleich des spätmittelalterlichen Straßennetzes im Stadtkern mit den heutigen Verhältnissen zeigt sich eine weit- gehende Übereinstimmung. Nach den Eingriffen, die zur Beseiti- gung des westlichen Gosearmes und zum Verschwinden der Vogt- Konradstraße, aber auch zu sonstigen Umgestaltungen, wie bei der Marktanlage und in der Umgebung der Gosestraße, geführt hatten, ist der Stadtgrundriß jahrhundertelang so gut wie unverändert ge- blieben. Die vorhandenen Wegezüge, wenigstens die wichtigeren von ihnen, haben sich in ihrem alten Verlaufe bis zur Gegenwart behauptet, nicht-selten sogar, ohne ihren früheren Namen zu ver- lieren. Nur in einzelnen Fällen sind der Jetztzeit zu, um neu auf- tretenden Bedürfnissen zu genügen, Straßendurchbrüche von nicht sehr erheblicher Bedeutung erfolgt, oder es sind Umbenennungen vorgenommen worden. So sind die Wälle zum Teil straßenmäßig ausgebaut, im Jahre 1835 ist dies etwa bei dem Thomaswall, dem Schäferwall und dem Bürgerwall zu verfolgen. Bei dem Schäferwall, der aber schon um 1800 als bebaut erwähnt wird, ist eine Abzweigung als Graben- straße besonders benannt(1913). Die Straße hinter dem Münster hat der Wallstraße Platz gemacht. Als ein Durchbruch von der Ket- tenstraße zum Klaustorwall stellt sich die Steinbergstraße(1893), als ein solcher von der Glockengießerstraße zum Thomaswall die Dorothea-Borchers-Straße dar(1928). Als Verlängerung der Schie- lenstraße über die Glockengießerstraße hinaus ist die Straße an der St. Annenhöhe hinzugekommen(um 1900). Als neuer Straßenname erscheint nach dem Anschluß Goslars an das Eisenbahnnetz in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Bahnhofstraße, die früheren Bezeichnungen Kuhstraße, Straße am Jakobikirchhof und Rosentorstraße verschwinden. Nach einem kurzen, durch die politischen Zustände verursachten Zwischenspiel ist die Bahnhofstraße 1945 unter Wiederbelebung einer der frühe- ren Teilbezeichnungen zur Rosentorstraße geworden — 4150— Der Straßenname Sack, der noch um die Mitte des vorigen Jahr- hunderts neben Heerwinkel gebräuchlich war, ist in Abgang ge- raten. Die Bezeichnungen hinter der Mauer, gegen der Mauer usw. sind geändert. Im Frankenberger Bezirk ist an ihre Stelle die Wall- gasse, an der Nordseite der Stadt die Zehntstraße und die Mauer- straße getreten, während unter Wegfall der Namen ‚„Gröpern“ und „Straße gegen der Mauer“ im unteren Stadtteil die Kornstraße bis zum Breiten Tor durchgeführt ist. Die Fingerlingstraße ist mit der Neuen Straße vereinigt(1877). Seit dem Ausgang des vorigen Jahrhunderts ist der Name„Kaninchenstraße‘“ in Gebrauch, der zur amtlichen Straßenbezeichnung aber erst 1925 geworden ist. Jüngere Straßenbezeichnungen sind Ober-, Mittel- und Unter- gasse(1912) sowie Kreuzgasse(1912), bei der aber anscheinend Anlehnung an eine noch im Volksmunde lebendige Überlieferung gesucht ist. Der Wurstewinkel ist 1913— fälschlich— zum Wort- satenwinkel umgetauft. Die heutige Spitalstraße trägt ihren Namen erst seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Platz hin- ter den Brüdern ist zum Ziegenplatz, später Greifplatz geworden (1927). Die Judenstraße hat im Jahre 1934 die Bezeichnung Kurze Straße erhalten. Damit ist im wesentlichen erschöpft, was an Änderungen der Straßennamen aus neuerer Zeit in Betracht kommt. II. Spuren ehemaliger Wegeverbindungen im heutigen Stadtbilde. Bei einer Auswertung des heutigen Stadtgrundrisses für die Zwecke der Straßennamenforschung bedarf noch ein Umstand der Erwähnung, auf den ich bereits im Vorstehenden mehrfach hinge- wiesen hatte. Wenn man sich nicht auf die überlieferten Straßen- züge beschränkt, sondern auch das zwischen ihnen befindliche Ge- lände und die Art seiner Bebauung ins Auge faßt, lassen sich weitere Aufschlüsse gewinnen, die in ihrer Bedeutsamkeit nicht zu unter- schätzen sind. Es ist zu beachten, daß einzelne wichtige, später auf- gegebene Wegeverbindungen noch heute als Privatstraßen eine Rolle spielen oder daß doch in Lücken der Bebauung, in der Stel- lung der aus dem Mittelalter stammenden Häuser oder in sonstigen Eigentümlichkeiten Spuren des früheren Straßennetzes erhalten ge- blieben sind. Welcher Wert diesem Gesichtspunkt beizumessen ist, zeigte sich z. B. bei der Festlegung des Verlaufs der Hinteren Mar- stallstraße, der den Neumarkt berührenden Berstraße und der — 151— Pfannenführerstraße(Pfannhecke). Der alte Eingang zur Hinteren Marstallstraße ist neben dem Hause Marktstraße 5 unschwer auszu- machen. Die Verbindungsstraße zwischen der Mitte des Fleisch- scharrens und der Hokenstraße in Gestalt der Berstraße tritt, wenn auch als öffentlicher Weg ausgeschaltet, noch zwischen den Häu- sern Fleischscharren 4 und Hokenstraße 6 im Stadtplan hervor, in der Hokenstraße hebt sich der Straßenanfang deutlich ab. Ebenso ist die Pfannhecke im Kartenbild bis zur Gegenwart leicht er- kennbar. Es gibt aber auch noch andere Beispiele, die sich hier anführen lassen. So ist ein ehemaliger Straßenzug in seiner früheren Flucht- linie an der Stellung der Häuser zwischen Königstraße und Was- serstraße, bei dem Hause Königstraße 7 beginnend, zu verfolgen. Sonstige Straßenansätze zeigen sich unweit der Kreuzung der Schreiberstraße mit der Bergstraße bei den Häusern Bergstraße 12/13, also in der Nachbarschaft des alten Rikenwinkels, sowie in der Kurzen Straße bei dem Hause Kurze Straße 3. Erwünscht wird es vor allem sein, unter Benutzung der sich er- gebenden Anhaltspunkte einmal den Versuch zu machen, den Ver- lauf der früheren Vogt Konradstraße und ihrer Querstraßen näher zu erschließen. Auf im Mittelalter hier vorhandene Straßen weisen hin die Stellung der Häuser bei Forststr. 13 und auf dem Gelände des Armenhauses an der Marktstraße sowie zwischen Marstall- und Münzstraße hinter dem Gasthaus zur Münze.’?) Zu genaueren Er- mittlungen sind aber fachmännische Untersuchungen nötig, die im Rahmen dieser Arbeit nicht angestellt werden können. Das Gleiche gilt von der Umgebung der Walkmühle an der Gosestraße, bei der nach dem urkundlichen Befunde ebenfalls mit stärkeren Verschie- bungen in der ehemaligen Gewässer- und Straßenführung zu rech- nen ist. E. Schluß. Damit sind wir am Ende unserer Betrachtungen angelangt. Sie sollten zeigen, wie sich die Stadt Goslar im Mittelalter entwickelt hat, wie im Zusammenhang mit dieser Entwicklung das Straßen- und Gewässernetz des Ortes geformt ist und wie es nach kennzeich- nenden Änderungen seine spätere, dann bis zur Gegenwart be- wahrte Gestalt gewonnen hat. Sie sollten ferner dartun, welche Be- deutung in dieser Verknüpfung den alten Straßennamen zukommt, a und versuchen, soweit möglich, ihre Herkunft und ihren ursprüng- lichen Sinn aufzuhellen. Das Gefundene wird ausreichen, die Behauptung zu tragen, daß, obwohl vereinzelt noch Berichtigungen und Ergänzungen möglich. sind, doch in der Hauptsache die Probleme, die mit dem Werden des Stadtbildes von Goslar in Verbindung stehen, als gelöst gelten können. Den Weg hierzu eröffnete namentlich die Aufdeckung der hydrographischen Verhältnisse, also der Verschiebungen in den Wasserläufen, in Goslar, die in der Aus- und Umgestaltung der Straßenführung und dem Ausbau der Marktanlage in der Stadt- mitte einen auch verfassungsrechtlich aufschlußreichen Nieder- schlag gefunden haben. War es so angängig, den Verlauf der wich- tigeren Wegeverbindungen, auch wo er von der Gegenwart abweicht. zu verfolgen, so lenkte andererseits die vertiefte Auswertung des vorhandenen archivalischen Stoffes den Blick auf eine Fülle bisher unbekannter Straßennamen, für deren Erklärung neben den ört- lichen Quellen die Heranziehung der Ergebnisse der vergleichen- den Straßennamenforschung, aber ebenso der neueren Orts-, Flur- und Hausnamenforsehung sowie der Familiennamenforschung eine Handhabe bot. So ist es zugleich gelungen, der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich aus dem häufigen Vorkommen derselben Bezeichnungen für verschiedene Straßen, dem forfwährenden Wechsel der Namen, den beständigen Abweichungen in ihrer Schreibweise und der Unsicherheit in der Begrenzung der Wege- züge ergeben. Fassen wir die gewonnenen Einsichten zusammen, so glaube ich, daß auch für die Goslarer Straßenbezeichnungen das zutrifft, was in einer neueren Arbeit über„Straßennamen und Städtetum“®??) vor einiger Zeit abschließend gesagt ist. Sie„sind mit der Stadt- geschichte und-entwicklung aufs engste verbunden, aus den ört- lichen Verhältnissen heraus, vom Volksgeist oder Volkswitz ge- schaffen, daher urechte, redende Denkmale längst vergangener Zeiten und Geschlechter, über deren Leben und Treiben sie heute noch vielerlei Nützliches und Interessantes dem zu erzählen wis- sen, der ihnen nachgeht und sie zu verstehen sucht; sie künden uns Entstehen und Werden unseres kulturtragenden Städte- und Bür- gertums, sie regen zum Nachdenken an und— was nicht selten der Fall— geben uns Rätsel auf, deren Lösung bisweilen recht schwer ist, sofern sie uns nicht einmal ganz versagt bleibt.“ — 153— Das sind Worte, die fast so klingen, als ob sie’gerade auf Goslar gemünzt wären. Hoffen wir, daß bald wieder ein günstigerer Stern über der Erforschung der Vergangenheit der alten Kaiserstadt, die so viele wechselvolle Schicksale erlebt hat, leuchtet, und daß es als- dann gelingen wird, auch die letzten Zweifel zu beheben, die bei der Behandlung der Goslarer Straßennamen für eine sich ihrer Grenzen bewußte wissenschaftliche Betrachtung noch verbleiben mußten. Anmerkungen. ) Frölich, K., Stand und Aufgaben der Goslarschen Geschichts- forschung, Zs. des Harzvereins f. Gesch. und Altertumskunde(= Hz.) 64 (1931), S. 15—45, insbes. 36/7. 2) Mund, G. F., Versuch einer topographisch-statistischen Beschrei- bung der Kaiserlichen freien Reichsstadt Goslar(Goslar 1800). 3) Crusius, G. F. E., Geschichte der vormals Kaiserlichen freien Reichsstadt Goslar am Harz(Osterode 1842). °) Volger, E., Bemerkungen über einige Eigennamen in und um Goslar, Wochenblatt der Stadt Goslar 1840 Nr. 82, 84; 1841 Nr. 39. 5) Hölscher, U. Die Gose und die Aghetucht, Hz. 28(1395), S. 657—660. %) Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, hrsg. von K. Wolff, II, 1 und 2. Bearbeitet von A. v. Behr und U. Hölscher(Hannover 1901)(Kunstdenkm.). ?), Borchers, C., Villa und Civitas Goslar. Beiträge zur Topo- graphie und zur Geschichte des Wandels in der Bevölkerung der Stadt Goslar bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Leipziger philos. Diss. 1919. Auch abgedruckt in der Zs. des Hist. Ver. f. Niedersachsen(= ZHVN.) 1919, S. 1—102. 8) Frölich, K., Zur Topographie und Bevölkerungsgliederung der Stadt Goslar im Mittelalter, Hans. Geschichtsbl.(= HGBl.) 1920/1, S. 127—173.- ®) Frölich, K., Das Goslarer Domstift in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte des Verhältnisses zwischen Stadtgemeinde und Kirche im Mittelalter, Zs. der Savigny--Stiftung£ Rechtsgeschichte, Kan. Abt.(= Z’RG.) 41, 41920), S. 84—-156. 1%) Frölich, K., Die Verfassungsentwicklung von Goslar im Mittel- alter, Zs. der Savigny-Stiftung£f. Rechtsgeschichte, Germ. Abt.(= Z’RG.) 47(1927), S. 287—486(auch als Buchausgabe erschienen). 11) Flachsbart, O., Geschichte der Goslarer Wasserwirtschaft. Eine Untersuchung über Wesen und Bedeutung der Wasserwirtschaft in der deutschen Stadtgeschichte, Beitr. zur Gesch. der Stadt Goslar 4(Gos- lar 1928). S. dazu Frölich, Z’RG. 49(1929), S. 593—601. 122) Frölich, K., Beiträge zur Topographie von Goslar im Mittel- alter, Hz. 61(1928), S. 146—187. 1) Frölich, K., Zur Vor- und Frühgeschichte von Goslar, Nieder- sächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte(= NsJ.) 6(1929), S. 224—264; 7(1930), S. 265—320; 9(1932), S. 1—51. 1) Hölscher, U. Die Kaiserpfalz Goslar. Die deutschen Kaiser- pfalzen I(Berlin 1927). Vgl. darüber aber auch die Anzeige von G. Deneke, Hz. 61(1928), S. 194—200. $i — 155— 15) NsJ. 19(1942), S. 134—186. Auf diese im ganzen nur als verfehlt zu bezeichnenden Ausführungen werde ich demnächst nochmals in anderem Zusammenhange zurückkommen. Zu einer Änderung des von mir vertretenen Standpunktes bieten sie mir keinen Anlaß. 16) S, hierzu Frölich, Zur Verfassungstopographie der deutschen Städte des Mittelalters, Z’RG. 58(1938), S. 275—310. 7) Vgl. F. Timme, Braunschweigs innerstädtisches Wachstum im 14. und 15. Jahrhundert, Braunschweigisches Jahrbuch, Dritte Folge, Band 2(Braunschweig 1940/1), S. 33—62; J. H. Gebauer, Worthzins und Fronzins in der Stadt Hildesheim Z’RG. 61(1941), S. 150£., insbes. 159% 16218, 172, 18917. 18) Korrespondenzbl. des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine 72(1924), Sp. 33—46, 107—118. 1%) Mitt. d. Schles. Ges. f. Volkskde. XIII/XIV(1911), S. 71—97. 2) Beschorner, Sp. 38 Anm. 1. Vgl. hierzu jetzt noch die för- dernden Darlegungen von K. Ranke, Brautstein und Rosengarten. Ein Beitrag zur Flurnamen-, Volks- und Altertumskunde, Zs. f. Deutsch- kde. 36(1939), S. 472—483. 1) H. Tardel, Katrepel. Ein Beitrag zur Ortsnamenforschung, Niederdeutsche Zeitschr. f. Volkskde.(— Nd. Zs. f. Vk.) 1(1923), S. 11—21. S. ferner auf: ähnlicher Grundlage H. Bülck, Kattrepel, Kattsund und Kattegatt, daselbst 7(1929), S. 169—178. 2) Königsberger philos. Diss. 1913. >) Angaben darüber bei F. Busch, Bibliographie der niedersäch- sischen Geschichte für die Jahre 1908—1932(Hildesheim und Leipzig 1938), S. 32: 4) Würzburg 1919. »5) Würzburg 1926. 26, Würzburg 1920. 7) Würzburg 1921. >) Näheres bei Beschorner, Sp. 36. 2) Göttingen 1912. %) S. hierzu E. Frh. v. Künßberg, Flurnamen und Rechts- geschichte, Z’RG. 51(1931), S. 93—110. Auch als Buchausgabe 1936 er- schienen. =) Se 10: Sy Beschorner, Sp. 36, 38/97 oben S. 12. ») Umfangreiche, zum Teil allerdings nicht sehr überzeugende Schrift- tumshinweise zu den Flur- bzw. Straßennamen Katthagen und Ovel- gönne sowie zu den Rosenstraßen(Rosengärten) und den Petersilien- straßen auf niederdeutschem Boden bei Busch, S. 31/2. 4) Eingeflochten werden mag an dieser Stelle ein Hinweis auf die letzte Untersuchung von J. Schnetz zu dem. Namen Goslar selbst. Es handelt sich um den Aufsatz„Die Lösung des Lär-Problems“, Zs.£. Namenforschung 17(1941), S. 110—121, insbes. 117 Anm. 1, 118, 120. -.156— Goslar bedeutet danach soviel wie Weideplatz oder, weniger wahrschein- lich, offener, freier Platz an der Gose. 5) Wichtig für die Goslarer Familiennamen sind die von F. Bon- hoff veröffentlichten Goslarer Bürgerbücher von 1600—1647, 1648—1699 und 1700—1801(Hamburg 1925, 1933, 1940). Hinzu kommt noch F. Bon- hoff, Goslarer Bürger, Häuser und Straßen um 1600(Hamburg 1941). Die Hefte sind nachstehend als Bonhoff I—IV zitiert. S. ferner S H. Steinberg, Die ältesten Bürgerlisten der Stadt Goslar, Familien- geschichtl. Bl. 20(1922), Sp. 7£., 37£., 67£.; Th. Tappen, Das Goslarer Wortgilde-Buch 1531—1608, Zs. f. Niedersächs. Familienkde. 14(1932), S. 99f.,, 112£.;, Das Namensbuch der Wortgilde in Goslar 1612—1742, das. 16(1934), S. 99—109; Goslarer Bürgerlisten vor 1600(1447—1600), das. 20(1938) Nr. 1; 22(1940) Nr. 1; Der Einbürgerungsbeitrag nach Goslar aus dem Umland in den Jahren 1580—1600 und die familien- kundlichen Quellen des Stadtarchivs Goslar, Bl. f. Volkstum u. Heimat im Reg.-Bez. Hildesheim 13(1940), S. 15—19. ®) Das Goslarer Urkundenbuch wird nachstehend als UB. ohne weiteren Zusatz erwähnt. 3) Vgl. zum folgenden schon Frölich, Hz. 61, S. 146/7. ®) Bode, UB. IV, Vorwort, S. X unter I 4. ®) Zu nennen sind ein Immobilienbuch der Marktpfarre von 1734 bis 1801 und ein solches der Stephanipfarre von 1786—1808. Sie werden nachstehend als J. I und II angeführt. 4) Benutzt sind namentlich die Listen M. 1785/8, F. 1775/9 und st. I7IIE. #4) Der Kayserlichen Freyen Reichs-Stadt Goßlar Brand-Assecu- rations-Catastrum ao. 1770. S. hierzu Voges, Die Stadt Goslar und die Braunschweig. Brandversicherungsgesellschaft, Hz. 63(1930), S. 184—193. #2) Canton Buch der Stadt Goslar, wie solche vom 27. July bis incl. dem 4. August 1803 aufgenommen worden, und zwar durch die Com- missarien Major Nagel und Landrath v. Kalb. %) Vgl. darüber Cordes, S. 85/87. 24) Zusammengestellt bei Borchers, Die Landwehren der Reichs- stadt Goslar, Hz. 64(1931), S. 71—81, insbes. 75 Anm. 10. Vgl. ferner Bornhardt, Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar Teil 1: Namen im Bereiche des Rammelsberger Bergbaues, Beitr. z. Gesch. d. Stadt Goslar 8(Goslar 1935), S. VII. 4) Vgl. hierzu Vogesa. a. O.,S. 187f. *)S. m. Hz. 61, S. 162 Anm. 0. #) Vielleicht steht er in Verbindung mit dem bei Voges,a. a.©, S. 189, erwähnten Riß, der von dem Bergvogt Röder nach dem Brande von 1780 entworfen ist. Die auf dem Plan stehende„Erklärung einiger öffentlicher„Gebäude“, der die Angabe über das Pfarrhaus der katholi- schen Gemeinde entnommen ist, könnte ein etwas späterer Zusatz sein. 4) Yon ihnen werden die häufiger benutzten Schriften von Bor- chers, Flachsbart und mir nachstehend in der Regel abgekürzt 4 mit B., Fl. und F. zitiert. F. ohne weiteren Zusatz verweist auf den in gewissem Sinne eine Vorarbeit zu diesem Hefte darstellenden, oben S. 8 Anm. 12 bezeichneten Aufsatz Hz. 61(1928). Zu ihm sind die späte- ren ergänzenden Bemerkungen NSsJ. 6, S. 247f., 258£.; 7, S. 292£., 316£.; 9, S. 37£. heranzuziehen. “) Vgl. das S. 23 Anm. 33, 26 Anm. 45, 37. %),'S. o. S. 10 Anm. 16. 51) Oben S. 11f. 52) 4 Bände(Erlangen 1869£.). Beachtlich von allem II, S. 20£. 5) Erlangen 1882. Vgl. hier S. 79£. %4) G. Arndt, Zur Heimatkunde von Halberstadt, 1. Heft: Die äußere Entwicklung der Stadt(Halberstadt 1910), S. 23£., 87£. 5) W.Seelmann, Quedlinburgs und seiner alten Straßen Namen, Hz. 63(1930), S.1—22; W.Gille, Die Straßennamen Quedlinburgs, Qued- linburger Kreisblatt vom 11.—21. November 1930. 5) H. Schmoeckel, Die Soester Straßennamen, Zeitschr. des Ver. f. die Gesch. von Soest und der Börde 44/5(1929), S. 25—120. ”), W. Reinecke, Die Straßennamen Lüneburgs, Quellen und Darstellungen zur Gesch. Niedersachsens 30, 2. Aufl.(1942). 58) Hinsichtlich der kirchlichen Zustände in diesem Bezirk, insbes. der Rechtslage der Thomaskirche und ihrer Stellung zum Domstift ist hin- zuweisen auf Machens,S. 40, 78, 385/6; Frölich, Z’RG. 41, S. 115 Anm. 3, 116 Anm. 2, 5) UB. I 324(1188); Fl, S. 47. Wegen der späteren Schicksale der Mühle s. UB. II 429, 564; III 609, 762, 766. Bei dem Abkommen vom 14. 8. 1356(UB. IV 533; Schiller, S. 69/70) handelt es sich um eine andere Mühle, die anscheinend in das Beeksystem einbezogen werden sollte. %) Die Mühle„in civitate Goslarie juxta pontem, qui vocatur berch- bruke“ geht im Jahre 1233(UB. I 532) aus der Hand des Domstifts in die des Klosters Neuwerk über. 1293 besitzt das Kloster an der gleichen Stelle die Mühle„ante portam sancti Nicolai(UB. II 450, 461). #1) Nach einer Notiz der in Goslar in Privatbesitz befindlichen Chro- nik der Familie Hennecke brannten 1844 am Gemeindehofe hinter der Ratsapotheke einige Wohnhäuser an der kleinen Gose, die nach der Abzucht führt, nieder(Mitteilung von O. Weber). #2) Vielleicht gehört in diesen Zusammenhang die allerdings nicht urkundlich beglaubigte Nachricht von der Zumauerung des Pipentors (Hölscher, Kaiserpfalz, S. 172). Auf die damals beabsichtigte Schlie- Bung auch des Rosentores deuten hin zwei Urkunden vom 6. 12. 1293 (UB. II 462/3):„si valva, que Roslendor(Rossendor) nuncupatur, clauditur seu recluditur“. #8) Hölscher, Kaiserpfalz, S. 143. %) Näheres F., S. 158 Anm. 58. 2158 %) Sie berühren sich mit einer nur einmal urkundlich bezeugten Riechenbergischen Straße, in der wohl Besitzungen des Klosters Riechen- berg lagen. S. o. Nr. 240. %, S. Steinberg, Die Goslarer Stadtschreiber und ihr Einfluß auf die Ratspolitik bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts, Beitr. zur Gesch. der Stadt Goslar 6(Goslar 1932), S. 26/7. %) vgl. S. 79 Nr. 99. Anscheinend verdankt sie ihre Entstehung der Aufteilung des Geländes der Vogt-Konradstraße. #5) Wegen der Sperrung von Straßen durch Schlagbäume oder Ketten in den mittelalterlichen Städten aus Sicherheitsgründen vgl. G. Meiß- ner, Das Kriegswesen der Reichsstadt Nordhausen, Berliner philos. Diss. 1939, S. 15/6, insbes. 16 Anm. 40. 60) Kunstdenkm., S. 84, 86. ‘) Während der Straßenname sich so ohne weiteres erklärt, ver- suchen die Kunstdenkm. S. 321 eine Deutung, die nur als völlig abwegig bezeichnet werden kann. Es wird hier gesagt:„Der Name der Bates- levener Straße hat eine merkwürdige Umwandlung erfahren; weil dort in der Stadtmauer ein Rundel war, hieß sie auch Rundelen: aus beiden Straßen ist eine Rundelebener und endlich eine Rundenienstraße ge- worden.“ A) Vgl. Frölich, Verfassung und Verwaltung der Stadt Goslar im späteren Mittelalter. Beitr. zur Gesch. der Stadt Goslar 1(Goslar 1921) e Erölich, V»V.,S. 23 Anm. 9. ?) In der Nachbarschaft der Walkmühle sind nach den Angaben des Wortzinsbuches ferner zu vermuten ein vicus(viculus) Nygebur, Henning Tunsel, Hanse Wildevurs, doch sind bei ihnen noch genauere Nachfor- schungen erforderlich. S. ferner W. S. 347, 349(1469): Losschert in vico. 73) Bei der UB. IV 528(1355) auftauchenden„Grovenstrate“ ist in Wahrheit mit der„Gronenstrate“(Grünstraße, platea viridis) im Berg- dorf zu rechnen. %) Berücksichtigt sind nur solche Angaben, die für die Festlegung und Deutung der vorkommenden Straßennamen von Belang sind. 7) Für die bei der Aufstellung des Verzeichnisses, insbesondere durch die Entnahme von Abschriften und die Anfertigung von Auszügen, ge- leistete weitgehende Unterstützung bin ich Fräulein Theda Tappen vom Stadtarchiv Goslar zu besonderem Dank verpflichtet. 76) Beispiele für Änderungen in den Straßenzügen und mit ihnen in Verbindung stehende Grundstückstauschgeschäfte in Goslar bieten etwa die Urkunden UB. II 62(1259), 604(1300), III 296(1313), 694(1324)— 991 (1334), vom 14. 2. 1645(Domst. 824). In diesen Zusammenhang gehören auch die Nachrichten über das Auftreten von„Neuen“. Straßen. ”) Für Goslar gilt noch eine Besonderheit, die näherer Untersuchung bedarf. Es fragt sich, ob nicht vielleicht auch ein Zusammenhang zwischen den Namen der Gruben am Rammelsberg und einzelnen Straßennamen besteht, z. B. der Grube to dem Dedelevischen und der Dedeleberstraße oder der Grube Edinghe und der Straße im Edighehofe. Ähnlich liegen vi ar die Dinge übrigens bei den Mühlennamen, so z. B. bei der Grube Elve- singhe und der Elveschen Mühle. Zusammenstellung der Rammelsberger Grubennamen bei Bornhardt, S. 10£. 78) Die den Überschriften bei den einzelnen Straßennamen in Klam- mern beigefügten Abkürzungen kennzeichnen den Verlauf der Straßen im Bergdorf(B.) und in den städtischen Kirchspielen(T., M., F., J., St. — s, oben S. 16). 76) Vgl. hierzu auch die Angaben Kunstdenkm. S. 309, 310. s) Yolckmann(oben S. 13 Anm. 24), hier in zweiter Aufl.(o. S. 13 Anm. 25) benutzt. S. das. S. IV. Nachtrag. Zu oben Nr. 79„Forststraße“(S. 73/4) ist hinzuzufügen: Bel.: in der vos straten E. 127(1549); up der Frankenbergeschen straten ahm orde ahn der Fhostraten 130(1549); ahm orde der fosstraten 144(1549); an der voßstrassen an.. huse unde der bergkstrassen am orthe gelegen 225(1552); in der Voß strassen 228(1552); in der Vochs strassen 246(1553); 276(1554); 376(1557); in der Vochss strassen 385(1557); in der Vochstrassen 617(1562); ihn der Voßstrassen 1044(1574); in der Fuchsstrassen 1045(1574), 1107(1575); in der Fosstraten 1132(1576), uf der Franckenbergschen Straßen zwischen.... heußern an der Fohs- straßen belegen 1133(1576). Die fuschs strasse W. H.(1642). “ a B.. Bart ie ae er_ +\ —_ s nz S um Alf _—... AR Erktaerung enıger Abllihen(eberde > nn ea - fie- re ak nu Pain, ie u a Sbusdıluns Wohnung rem Erankorterger I6Uelle nn .:.|\ ae en een 2 n CRU“ D RISS BAweeh Krdiyerliohneung desto 8Eihenalg Beurgehchuh 3—_ | AR lrusllirde ER liches. ii.. firhenunhnung Hiengchaue_ ı ehe EN ihnen ch here der £ er ss BR. Pr* 3 5 Hash ER u guslengeist 4= 5. 2 5 ni nn U. nn% 28% werner Ehemalige m FencchSbedeyenafen, 2: aperhhe;. y a MR Iecdehsens Hebe Allee. 72 are rind buch WE Lueberitmie De a Tan= a rn— a ı—_———_ iu EA VERRRER Farbkarte#13 1 1 IT} IT TI ll I NAT EN I] | Il} II||| IN UN| ul