— 4 5 —————— —— — U 4 0 7. Feb. 9385 2 0. Jul 1995 HASS 59/726 8024 1 11 902 766 Burg Gleiberg. Dr. Hugo von Mitgen, Geh. Baurath und Profeſſor. herausgegeben vom Oberheſſiſchen Verein für Localgeſchichte. Mit zwei lithographirten Tafeln. Preis 80 Pfennige. Gießen, Druck von Wilhelm Keller. 1881. — Die Ebene, in welcher zwiſchen Lahn und Wieſeck die Stadt Gießen erbaut iſt, war in vorgeſchichtlicher Zeit wahrſcheinlich ein Landſee, der nach Süden und Oſten von dem Baſalte des Vogelsberges, nach Norden und Weſten von dem Grauwackegebirge, deſſen ſcharfe Kante die Hard bildet, eingeſchloſſen wurde, bis die Waſſer ſich durch die Grauwacken⸗ ſchichten nach Weſten hin Bahn brachen. Das Baſaltgebirge aber endigte nicht völlig auf der linken Seite „Lahn, ſondern trieb in mächtiger Eruption auch jenſeits des Fluſſes einzelne Baſaltkegel durch die Schiefer⸗ und Grauwackenlager zu bedeu⸗ tender Höhe empor. Dieſe ſind der Gleiberg, der Vetzberg und der Wettenberg(auch ſieben Hügel genannt). Der gewaltigſte und höchſte von faſt ſenkrecht emporgeſchobenen Baſaltſäulen gebildete Kegel iſt der Gleiberg, der ſeinen Namen von dem Bache Gleibach erhielt, welcher ſich an dem Fuße des Berges hinzieht. Weithin überblickt man vom Gipfel des Berges die ganze Umgegend, einen großen Theil des Lahngaues auf zwoölf Stunden Weges. Zahlreich aufgefundene Steinwaffen, von den Landleuten Donnerkeile genannt, laſſen vermuthen, daß die erſten Be⸗ wohner dieſer Gegend die Celten waren, auf welche dann die deutſchen Bewohner, die Chatten(Hatten, Haſſen) folgten, derjenige Volksſtamm, den die Römer als den tapferſten und tüchtigſten unter den Germanen anerkannten. Der Vogelsberg bildete einen Theil des großen buchoniſchen Waldes, der zu Bonifacius Zeiten noch ganz geſchloſſen und unbewohnt war. Längs der Waldgrenze aber hatten die Chatten ihre Niederlaſſungen, als 14 4 Geſchichte von Burg Gleiberg. einzelne Gehöfte überall da angelegt, wo gutes Erdreich, eine Quelle und ein ſchützender Hain dazu einlud. Wo aber Anſiedlungen waren, da mußten auch Begräbnißſtätten ſein; und in der That finden ſich auch viele Gräber, Hünengräber genannt, an den Grenzen der Wälder des Lahngaues, Gräber, deren Inhalte als Ueberreſte der alten chattiſchen Bevölkerung erkannt worden ſind. Die Feldzüge der Römer gegen die Chatten führten auch Druſus und Germanicus in den Lahngau; die Reſte eines großen Ringwalles auf dem Dünsberge, des mächtigſten Berges aus Kieſelſchiefer nahe dem Gleiberge, bezeichnen noch heute den Ort, wohin ſich die Chatten zurück⸗ zogen und die Angriffe der Römer abſchlugen, ſo daß dieſe es nicht ver⸗ mochten, ihren limes auch auf dem rechten Lahnufer zu errichten. Am Ende des 4ten Jahrhunderts ſchloſſen die Chatten mit anderen deutſchen Stämmen den Bund der Franken(Freien), und geht von da an ihr Namen Chatten in dem der Franken auf; die Bewohner der Lahn⸗ gegend zählten dann, während der Völkerwanderung, zu den ſaliſchen Franken und hatten durch den Zug der Hunnen unter Attila viel zu leiden. Die Verbreitung des Chriſtenthums im Lahngebiet geſchah ſchon im 4ten Jahrhundert theils von Mainz, theils vom Bisthum Trier aus.— St. Bonifacius(Winfried) gründete 722 die Kloſterkirche auf der Amöne⸗ burg, ſtiftete das Bisthum Uraburg bei Fritzlar und brachte den Lahn⸗ gau dem Erzbisthum Mainz zu. Beſonderen Einfluß und reiche Schenk⸗ ungen aber gewann ſchon damals das Kloſter Lorſch(Lauresham), auch im Lahngau. In den Lorſcher Urkunden kommt 790 die Lindener marca und das alte Kirchdorf Linden(Großlinden) vor; Selters(Saltrissa), der älteſte Theil der weit ſpäteren Stadt Gießen, und Wiſich, ſchon 774 als im pago Logenehe(Lahngau) gelegene Dörfer. Der Lahngau um⸗ faßte anfänglich wohl das ganze Flußgebiet der Lahn, ward jedoch ſchon früh in verſchiedene Untergaue getheilt, namentlich unterſchied man den Ober⸗ und Unterlahngau und den Mittellahngau, zu letzterem gehörte die Umgegend von Gleiberg, Gießen und Wetzlar. Zu Anfang des 9ten Jahrhunderts herrſchte ein Herzog Gebhard im Lahngau auf dem Stammſitze Weilburg, gegen Ende des 9ten Jahr⸗ hunderts aber erſcheinen ſeine Enkel, die vier Brüder: Conrad, Eberhard, Gebhard und Rudolph als eben ſo viele Herren im Lahngau, und zwar wurde Conrad I Graf des Heſſen⸗ und Oberlahngau's(der provincia Hassiae) mit dem Sitze in Fritzlar, Eberhard war Graf des Nieder⸗ Geſchichte von Burg Gleiberg. 5 lahngau's mit dem Sitze in Limburg, Gebhard ward Graf der Wetterau und Rudolph wurde Biſchof von Würzburg. Es war aber in der für Deutſchland ſo traurigen Zeit von 899 bis 911, wo Ludwig das Kind unter Vormundſchaft des Erzbiſchofs Hatto von Mainz und Otto's des Erlauchten von Sachſen ſtand und es ſchien, als ſolle ſich das Reich in die Herzogthümer Sachſen, Franken, Baiern, Schwaben und Lothringen auflöſen. Die Babenberger Fehde begann; Graf Conrad I fiel 905 bei Fritzlar, hinterließ aber drei Söhne: Con⸗ rad II, Eberhard und Otto. Von dieſen wurde Conrad Graf des frän⸗ kiſchen und ſächſiſchen Heſſen⸗Gau's, erhielt die Würde eines Herzogs der Franken und wurde nach dem Tode Ludwigs des Kindes(911) auf den Vorſchlag Otto's des Erlauchten zum König der Deutſchen erwählt. Als ſolcher heißt er dann Conrad I.— Eberhard wurde Graf im Ober⸗ lahngau und Otto, ſein Bruder, erhielt einen Theil des Mittellahngau's, insbeſondere die Gegend um Gleiberg und den Solmsgau, welche damals eine eigene Gaugrafſchaft bildeten. Seinen Grafenſitz mußte Otto ſich erſt bauen und wählte er ſich dazu den Berg an der Gleibach, den Gleiberg. Dort erbaute er die ſtattliche Burg, jetzt eine verfallene und vergeſſene Größe, damals aber eine gewaltige Veſte und für lange Zeit der Sitz mächtiger Grafengeſchlechter. Im achten und neunten Jahrhundert hatten die Herrenhöfe der großen Adelsgeſchlechter meiſt nur aus hölzernen Gebäuden beſtanden, unter welchen der Saalbau für die Verſammlungen und Gaſtmähler das bedeutendſte war; daran ſchloß ſich das Haus der Frauen, ferner ein Haus für die Gäſte und die Dienſtleute und dann der Oeconomiehof mit Stallungen, Scheunen ꝛc. Alles zuſammen von einer ſtarken Umpfählung eingeſchloſſen. Als aber mit dem Verfalle der kaiſerlichen Macht die Großen des Reichs und die angeſtellten Grafen ſelbſtändige Dynaſten und Beſitzer von Staatsgütern wurden und danach trachten mußten, bei der allgemeinen Unſicherheit die erworbenen Ländereien und den Familien⸗ ſitz durch die Macht der Waffen zu ſchützen, da galt es den Wohnſitz durch hohe Mauern, tiefe Gräben und ſtarke Thürme möglichſt wider⸗ ſtandsfähig zu machen. War die Lage des bisherigen Herrenhauſes nicht zu einer Befeſtigung geeignet oder mußte eine Veſte neu erbaut werden, um das umherliegende Land von ihr aus als Landesherr oder als Lehens⸗ mann zu beherrſchen und zu beſchützen, ſo wählte man für die Anlage der Burg einen möglichſt hoch gelegenen und ſchwer zugänglichen Ort, 6 Geſchichte von Burg Gleiberg. von welchem aus Thäler und Flußgebiete möglichſt weit überblickt werden konnten. Die Schwierigkeit eine Burg gut zu vertheidigen nahm mit deren Umfange zu, daher bildete in älteſter Zeit nicht ſelten der Thurm(der Bergfrit) mit einem kleinen umgebenden Hof und der dieſen einſchließen⸗ den Umfaſſungsmauer(cingulum, Zingeln) die ganze Burg. Sollte dieſe aber nicht bloß zum vorübergehenden Zufluchtsorte, ſondern zur dauernden Wohnung des Burgherrn dienen, ſo mußte ſie auch das Herrenhaus(den palas) in ſich aufnehmen. Betrachten wir nun die Reſte der Burg Gleiberg, ſo erkennt man leicht, daß auch ſie bei ihrer erſten Anlage(Taf. I) nur aus dem rieſigen Wartthurme(dem Bergfried), aus der hohen Schutzmauer(dem Mantel) auf deſſen Nord⸗ und Oſtſeite, aus dem Herrenhaus(Palas) an der Weſtſeite und aus einem ſehr engen Burghofe beſtand, dem ſich vielleicht eine nicht mehr vorhandene Vorburg, als Oeconomiehof, anſchloß. Auf der höchſten Spitze des Berges aus den ſäulenartigen Baſalt⸗ ſtücken, die der Fels ſelbſt lieferte, erbaut, übertrifft der runde gewaltige Bergfried Gleibergs an Feſtigkeit, Umfang und Höhe alle andern Burg⸗ thürme des Lahngau's. Von ſeinem Zinnenkranze aus konnte man die ganze Umgegend viele Stunden weit überſchauen, jeden nahenden Feind ſchon in der Ferne erſpähen und ſich auf ſeinen Angriff vorbereiten. Da ein ſolcher am wahrſcheinlichſten von der Oſtſeite her zu erwarten ſtand, ſo war der Thurm dort mit Abſicht nahe an die Zingeln geſtellt, welche nach Oſten und Norden hin zu einem hohen und dicken Mantel verſtärkt waren, der ſelbſt wieder ſo unmittelbar auf den Rand des Fel⸗ ſens geſetzt war, daß kein Fuß breit Terrain blieb, wo der Feind ſich hätte aufſtellen köͤnnen. Zugleich bildete der Bergfried durch ſeine Maſſe einen Schild für den Palas und den Burghof, den einzuſehen nur von der Höhe des Thurmes ſelbſt möglich war(Taf. II). Mit einem Durchmeſſer von 12,00 m erhebt ſich die untere Ab⸗ theilung des Bergfrieds bis zu einer Höhe von 14,20 m ohne jede Oeff⸗ nung, Schlitz oder Fenſter. Dann erſcheint ein ſchwacher Mauerabſatz, der mit ſtarken Steinplatten gedeckt iſt, und von dieſen erhebt ſich der Thurm, bei 11,25 m Durchmeſſer, um weitere 15,60 m bis zu dem Plateau, über welchem ſich dann der jetzt verſchwundene Zinnenkranz be⸗ fand, ſo daß die ganze Höhe des Thurmes, ohne ſein ſpitzes Steindach, 31,50 m betrug.— Jetzt hat man am Fuße deſſelben einen Eingang eingebrochen.— Der Durchmeſſer des freien Raumes in der unteren Geſchichte von Burg Gleiberg. 7 Abtheilung beträgt 4,00 m und eben ſo viel die Mauerſtärke. Dieſer Raum bildete das ſogenannte Verließ, er war 11,50 m hoch und dann mit einem Kuppelgewölbe geſchloſſen, in deſſen Mitte ein viereckter beweg⸗ licher Schlußſtein eingeſetzt war, ſo daß wenn dieſer gehoben wurde eine Oeffnung entſtand zum Hinablaſſen von Vorräthen und unter Umſtänden auch von Gefangenen. Im höchſten Nothfalle aber, nämlich dann, wenn der Feind bereits die Burg eingenommen hatte und nun anfing rings um den Thurm Feuer zu legen, flüchteten die Inſaſſen in das Verließ, ſetzten den Schlußſtein wieder ein und waren ſo gegen das Ausräuchern geſchützt. Der Bergfried von Gleiberg hatte aber noch eine ganz beſondere Einrichtung: der einzige Eingang deſſelben befand ſich auf der Südſeite in einer Höhe von 14,25 m= 57 Fuß über dem Boden des Burghofes und war nur auf einer hohen Leiter erreichbar. Dieſer Eingang, von 1,40 m Höhe und 0,70 cm Breite, war im Rundbogen überwölbt, er⸗ weiterte ſich nach innen auf 1,10 m in der 3,00 m ſtarken Mauer und wurde durch eine doppelte Thür verſchloſſen. In dem Boden der ſchma⸗ len tiefen Thürniſche befand ſich aber eine Fallthür, welche eine ſchräg durch das Gewölbe in das Verließ hinabführende 1,50 m lange und 0,80 cm breite Oeffnung verſchloß. Der Zweck dieſer Anlage war ein doppelter: in ruhigen Zeiten konnte die Eingangsthür des Thurmes und jene Fallthür gleichzeitig geöffnet und dadurch dem Verließe Licht und Luft zugeführt werden. Im Falle der Belagerung aber, wenn es einem Feinde gelungen wäre den ſchmalen Eingang zu erſteigen, konnte doch nur ein Mann nach dem andern eindringen, dieſer wurde dann ſofort von zwei Inſaſſen des Thurmes erfaßt und durch die geöffnete Fallthür in das Verließ hinabgeſchoben, ehe es ihm in der engen Thürniſche mög⸗ lich wurde von ſeinen Waffen Gebrauch zu machen. Das Gewölbe des Verließes war oberhalb horizontal abgeglichen und bildete den Boden des Hauptwohnraumes im Bergfriede. Dieſer Raum war in 4,70 m Höhe mit einer Balkendecke verſehen und ward nur durch zwei ſchmale Schlitze oder Lichtöffnungen, welche unmittelbar unter der Decke, die eine nach Oſten, die andere nach Weſten angebracht waren, ſpärlich erleuchtet und gelüftet. Hinausſchauen konnte man aus dieſen Schlitzen nicht, auch konnte kein Pfeil von außen durch dieſelben eindringen. Von einem Kamin oder Ofen findet ſich keine Spur in dieſem Raume, der gleich einem Keller durch die Dicke ſeiner Mauern gegen die Kälte geſchützt ward, im ſtrengen Winter aber durch Kohlen⸗ 8 Geſchichte von Burg Gleiberg. feuer geheizt wurde, deren Dunſt durch die erwähnten Schlitze Abzug fand. Der erſten Balkendecke folgten in angemeſſener Zimmerhöhe noch drei weitere Balkendecken, deren Balken auf Mauerabſätzen ruhten, ſo daß die Stärke der Mauer nach oben bis auf 2,00 m abnahm, und daher das oberſte Gemach 9,20 m Durchmeſſer hatte. Oeffnungen in den Balkendecken und Leitern ermöglichten den Zugang und den Verkehr in den verſchiedenen Etagen, von welchen aber nur die oberſte ein Fenſter und zwar nach Norden hin beſaß. Nimmt man an, daß nur der untere Raum über dem Verließ und das erwähnte oberſte Gemach als eigentliche Wohnräume dienten, die beiden Zwiſchenetagen aber als Schlaf⸗ und Vorrathsräume benutzt wur⸗ den, ſo konnten im Falle der Noth 50 bis 60 Perſonen darin unterge⸗ bracht werden, und wenn hinreichender Vorrath an Lebensmitteln vor⸗ handen war, 30 bis 40 Tage dort aushalten. An eine regelrechte Be⸗ lagerung war damals noch nicht zu denken und da die Vaſallen nur für 40 Tage zur Heeresfolge verpflichtet waren, ſo gingen ſie auseinander, ſobald dieſe verfloſſen waren und gaben die Belagerung auf. Die Fortſetzung der Ringmauer(Zingeln) an der Nord⸗ und Weſt⸗ ſeite diente dort zugleich als äußere Wand des Herrenhauſes, des Palas, von Gleiberg; doch iſt davon nichts mehr in ſeiner urſprünglichen Form erhalten, und auch die urſprüngliche Pforte der Burg mit ihrer Be⸗ feſtigung iſt durch ſpätere Umbauten verſchwunden oder doch unkenntlich geworden. Nur ein Keller und deſſen Mauern laſſen noch auf Lage und Größe des Palas ſchließen. Es ſcheint aber, daß die äußere Mauer dieſes Palas (gleich dem Mantel an der Oſtſeite) keine Fenſter und keinerlei Schlitze hatte, ſondern daß alle Oeffnungen nur nach dem Burghofe hin ange⸗ bracht waren; um ſo wirkſamer konnte daher die active Vertheidigung von dem ringsum laufenden Zinnenkranze aus ſein. Solch eine Burg mußte wohl ein düſteres drohendes Anſehen haben, und in derſelben konnte es noch kein behagliches, poetiſches, ritterliches Leben, wie es ſich im 11. und 12. Jahrhundert erſt entwickelte und die Dichter des 13. Jahrhunderts es ſchildern, geben. Das Chriſtenthum war über die Völkerſchaften gekommen, aber nicht in chriſtlich deutſchen, ſondern in heidniſch antiken Formen und in lateiniſcher Sprache. Aller Gottesdienſt war nur Aeußerlichkeit bei dem Volke wie bei den Geiſtlichen,* welche dieſem weder in Zucht noch in feiner Sitte mit gutem Beiſpiele Geſchichte von Burg Gleiberg. 9 vorangingen. Sittengeſetz war nur Gehorſam gegen die Kirche und Unter⸗ werfung unter die äußerlichen Bußen.— Am ſchlimmſten waren die Frauen daran; aus ihrer kerkerartigen Wohnung im Palas oder in dem anſtoßenden Weiberhauſe hatten ſie den Blick nur in den engen Burghof; wollten ſie in's Freie hinausſchauen, mußten ſie auf die Zinnen ſteigen. Geſellige Tugenden und Anlagen konnten ſie nicht ausbilden, weil die Wege zu ſchlecht, die Wohnſitze zu entfernt waren, um einen regen Ver⸗ kehr zu ermöglichen. Während der Mann oft lange im Kampf und auf weiten Kriegsfahrten abweſend war, blieb der Edelfrau die kräftige Leitung des Hausweſens und Oeconomieweſens, die Erziehung der Kinder, die Pflege der Kranken und die ſtrenge Ueberwachung des Ingeſindes. Wohl fehlte es da nicht an Beiſpielen echter Weiblichkeit, ſtarken Sinnes und ſelbſt gelehrter Thätigkeit; und hier lag der Keim für die künftige Zeit der Bildung und der Innerlichkeit des religiöſen Sinnes und der Tiefe des Glaubens. Nur wenig Urkunden geben uns Nachricht über die ältere Geſchichte von Gleiberg: Graf Otto, gewöhnlich der Salier genannt, der Gründer der Burg, ſtarb früh, wahrſcheinlich ſchon vor ſeinem Bruder, König Conrad I, welcher am 31. September 918 verſchied, nachdem er ſieben Jahre lang vergeblich um die Anerkennung der Königsgewalt gegen Heinrich, Otto's des Erlauchten von Sachſen Sohn, gekämpft hatte. Vor ſeinem Ende aber hatte er noch ſeinen Bruder Eberhard ermahnt, zum Wohle Deutſch⸗ lands ſeinen Gegner Heinrich, als den Mächtigſten und Beſten, den deutſchen Stämmen zu ihrem Könige vorzuſchlagen.— Eberhard, tief ergriffen von ſeines Bruders letzten Worten, begab ſich mit den Franken⸗ fürſten nach Memleben, um Heinrich die Reichskleinodien zu überbringen. Sie fanden ihn dort beim Finkenfang, und daher erhielt Heinrich I als deutſcher Kaiſer den Beinamen der Finkler. So ging durch die Erhebung Heinrichs die Königswürde von den Franken auf die Sachſen über. Wenn man aber Heinrich gewöhnlich auch als den Burgenerbauer und Städte⸗ gründer bezeichnet, ſo iſt das nur ſo zu verſtehen: Wie ſchon Schloſſer (Weltgeſchichte) richtig bemerkt, dachte Heinrich nicht daran Städte zu gründen, er veranlaßte aber ſeine Sachſen im öſtlichen Theile ſeines Landes zur Anlage von Ortſchaften, welche nicht, wie die Dörfer bisher, offen blieben, ſondern mit Mauern umgeben wurden, damit ſie Zufluchts⸗ orte gegen die ungariſchen Räuber abgeben konnten. In ſolchen feſten Dörfern hatten dann die in kaiſerlichen Dienſten ſtehenden Mark⸗ und 5 10 Geſchichte von Burg Gleiberg. Grenzgrafen oft noch beſonders befeſtigte Wohnungen(Burgen), auch wurden manche davon ſpäter noch Sitze von Aebten oder Biſchöfen und erlangten Stadtrechte mit der Beſtimmung, daß Jedermann innerhalb ihrer Mauern Recht und Gerechtigkeit finden ſolle, und daß daſelbſt nicht, wie in den Burgen mächtiger Dynaſten, Gefangene feſtgehalten werden durften. Der Krieg mit den Ungarn hatte Heinrich gelehrt, daß des deut⸗ ſchen Fußvolks übliche Bewaffnung mit ſchweren Streitäxten gegen die vortrefflich berittenen und nur mit Bogen und Pfeilen bewaffneten Ungarn und Madſcharen nicht Stand halten konnte. Er ſchuf ſich des⸗ halb aus ſeinen Sachſen eine neue Reiterei und ſuchte ſeine Krieger durch Uebungen und zweckmäßige Bewaffnung zum. Gefechte mit leichten Truppen geſchickter zu machen, und ſo gelang es ihm, 933 einen glänzen⸗ den Sieg über die Ungarn davonzutragen. Inzwiſchen hatte Graf Eberhard nach ſeiner Brüder Tode auch deren Grafſchaften in ſeiner Hand vereinigt und die Würde eines Herzogs von Franken, kaiſerlichen Erztruchſeſſes und Pfalzgrafen erhalten. Als nach dem 936 erfolgten Tode Heinrichs des Finklers ſich Otto I feier⸗ lich in Aachen zum König krönen und ſalben ließ, verrichtete der Erz⸗ biſchof von Mainz die Ceremonie und vier Herzöge des Reichs: Eber⸗ hard von Franken, Hermann von Schwaben, Arnulf von Baiern und Giſelbert von Lothringen, verwalteten zum erſten Male die Hofämter der Bedienung und Bewirthung des Königs, welche von da an im Gebrauche blieben. König Otto I, der Große, führte ein ſtrenges Regiment, erregte da⸗ durch den Unwillen ſeines Halbbruders Thankmar und zugleich den Eber⸗ hards, beide empörten ſich, und Eberhard nahm des Kaiſers Bruder Heinrich gefangen, Thankmar aber ward im Kampfe erſchlagen. Eberhard gab hierauf Heinrich frei, verband ſich aber mit ihm und mit Giſelbert von Lothringen zu einem neuen Aufſtande, und wurde von ſeinen dem Könige treu gebliebenen Vettern, Conrad Kurzbold, Graf des Niederlahn⸗ gaus und Udo, Graf der Wetterau, bei Andernach erſchlagen. Giſelbert ertrank fliehend im Rhein, 939.— Es iſt uns keine Urkunde erhalten, woraus zu entnehmen wäre, ob Eberhard als Graf von Gleiberg während der Jahre 917 bis 939 dieſe Burg bewohnt hat; für eine größere Hof⸗ haltung war ſie damals noch nicht geeignet. Eberhards und Giſelberts Schickſal entmuthigte alle Gegner Otto's I ſo ſehr, daß ſie ſich willig unterwarfen und um Gnade baten. Der Geſchichte von Burg Gleiberg. 11 König verzieh ſeinem Bruder Heinrich, gab Giſelberts Sohn Otto das Herzogthum Lothringen; vermählte ſeine Tochter Luitgarde mit Graf Conrad von Worms und verlieh ihm Franken.— Seinen älteſten Sohn Ludolf vermählte er mit der Tochter des Herzogs Hermann von Schwaben und machte ihn 948 zu deſſen Nachfolger. Dadurch kam Gleiberg von 939— 954 in Beſitz Hermann's Herzogs von Schwaben und Grafen der Wetterau(Eberhards Vetter). Conrad, dem der König nach Otto's von Lothringen Tode auch noch Lothringen verliehen hatte, empörte ſich dennoch gemeinſchaftlich mit Ludolf gegen den König, und riefen ſie ſogar die Madſcharen zu Hülfe, beide mußten ſich 954 unterwerfen, und Otto verzieh zwar den Empörern, nahm ihnen aber ihre Herzogthümer; doch ſcheint Ludolf nach Hermanns, ſeines Schwiegervaters Tode, die Grafſchaft im Heſſengau und im Oberlahngau behalten zu haben, bis er 957 in Italien ſtarb. Die Gegend um Gleiberg hatte mit dem Solmsgau zuſammen früher eine eigne Gaugrafſchaft gebildet, in die auch die Gegend von Wetzlar gehörte, und in welcher die Söhne des Grafen Gebhard, die Vettern Otto's von Gleiberg, Beſitzungen hatten; dieſe erbauten 970 die Burg Carlsmund(Calsmunt) bei Wetzlar, nachdem ſchon 950 ein Graf Eitel die Burg Braunfels aufgeführt hatte. Nach dem Ableben Ludolf's er⸗ ſcheint der Oberlahngau und Mittellahngau im Beſitz dreier Grafenge⸗ ſchlechter, von welchen aber nichts Näheres bekannt iſt, als daß Kaiſer Heinrich II im Jahre 1008 dem Stephansſtifte in Mainz Güter zu Nieder⸗Ohmen im Oberlahngau in der Grafſchaft Giſo's ſchenkte. Bis in dieſen Theil des Oberlahngaus erſtreckte ſich die Grafſchaft Gleiberg nicht, wohl aber bis Göns und Rödchen, welche laut einer Urkunde von 1017 Kaiſer Heinrich's II, in pago Logenahi in Comitatu Gerlaci lagen. Außer dieſem Grafen Gerlach beſaß auch noch ein comes Wern- herus die Grafenwürde im Lahngau, gleichwohl war aber ſchon ein mäch⸗ tigeres Grafengeſchlecht, das Luxenburger Grafenhaus, im Beſitz der be⸗ deutendſten Allodien im Mittellahngau und namentlich im Beſitz der Burg Gleiberg. Eine Tochter des Grafen Siegfried von Luxenburg, Kunigunde, war an Kaiſer Heinrich II vermählt und ſtiftete 1008 das Kloſter Kaufungen bei Kaſſel auf ihrem Erbgut. Ihr Bruder Heinrich folgte 1019 ſeinem Vater Siegfried in der Grafſchaft Luxemburg und erhielt vom Kaiſer auch das Herzogthum Baiern, ſtarb aber 1025 kinderlos. Sein und Kunigundens älterer Bruder Friedrich ward Graf vom Lahngau und Herr 12 Geſchichte von Burg Gleiberg. von Gleiberg, derſelbe ſoll ſchon 1019 geſtorben ſein und hinterließ viele Kinder; von dieſen war: 1) Heinrich, Herzog von Baiern, 2) Friedrich, Herzog von Lothringen, 3) Adelbert, Biſchof von Metz, 4) Giſelbert, Graf von Luxenburg und Salm und Herr von Glei⸗ berg, 5) Dietrich, ebenfalls Herr von Gleiberg, 6) Imiga(Irmgard) vermählt mit dem Sohne Rudolf's von Schwaben, Graf Welf von Schwaben:„Imiza de gente Salica de castro Glizbergh“ nennt ſie der Anonymus Wein- gartensis, 7) Hermann, Pfalzgraf von Aachen, Anhänger und Feldherr Kaiſer Heinrichs IV. Von dieſen lehnte ſich Herzog Friedrich von Lothringen 1057 oder 1059, nach dem Tode Heinrich's, Herzogs von Baiern, nebſt ſeinen Brüdern, gegen Kaiſer Heinrich IV auf, ſie wurden aber bald zur Uebergabe ge⸗ nöthigt; nur Hermann, der Pfalzgraf von Aachen, blieb dem Kaiſer treu und erſcheint als deſſen tapferer Feldherr. Er ſiegte 1075 an der Un⸗ ſtrut in einer Schlacht gegen die Sachſen und erhielt dann die inzwiſchen von des Kaiſers Sohn Heinrich V, welchen ſein Vater als 22jährigen Prinzen zum römiſchen König erklärt hatte, eroberte Burg Gleiberg 1103, (welche damals nur eingenommen, nicht zerſtört worden war), zu alleinigem Beſitz. Er iſt der erſte Graf von Gleiberg und wird ſeit 1075 in den Urkunden Comes de Glizberg genannt, ſtarb aber ſchon 1105. Sein Bruder Giſelbert, Graf von Luxemburg und Salm, welcher früher Mitherr von Gleiberg geweſen war, hatte einen Sohn Hermann, welcher gleichfalls dem Kaiſer feindlich geſinnt war; nun, nachdem Herzog Rudolph von Schwaben bei Merſeburg gefallen war, wurde Hermann 1081 von den mit Kaiſer Heinrich IV unzufriedenen, von Papſt Gregor VII aufgeregten Sachſen und Schwaben zum Eegenkönig ausgerufen. Da aber ſeine Hausmacht ſehr gering war, ſo ſpielte er fünf Jahre lang nur eine klägliche Rolle, ward nur der Pfaffenkönig genannt und gab dann ſeine Anſprüche auf die Königskrone auf, wurde aber 1086 bei der Belagerung der Burg Limburg im Niederlahngau erſchlagen. Unermittelt iſt bis jetzt, wer nach dem Tode des 1105 verſtorbenen erſten Grafen von Gleiberg Hermann, der zugleich Pfalzgraf von Aachen geweſen war, zunächſt im Beſitze von Gleiberg folgte. Es ſcheint, daß die —————S,————— Geſchichte von Burg Gleiberg. 13 Grafſchaft Gleiberg damals unter die Erben des Gleiberger Hauſes ge⸗ theilt wurde, ſo daß nur das mittlere Lahnthal nebſt Hüttenberg bei Gleiberg verblieben.+ Vielleicht war die in den Urkunden ſeit 1129 oft erwähnte Clementia in Glizberg comitissa eine Schweſter oder Tochter von ihm. Laut mehrfach beſtätigten Urkunden gründete nämlich 1129 die edle Gräfin Clementia von Gleiberg, Gemahlin des Grafen Gerhard von Geldern, das Kloſter auf dem Schiffenberg bei Gießen für Brüder von der Regel d. heil. Auguſtinus, und im Jahr 1141 erklärt ſie in einer weitern Urkunde, daß ſie mit Zuſtimmung und mittelſt eigner Schenkung ihrer Neffen Otto und Wilhelm(cum meis nepotibus Ottone et Wilhelmo) auf ihrem Allod Schyfenberg eine Kirche erbaut und Brüder von der Regel d. h. Auguſtinus hingeſetzt habe. Nach dem noch in dem⸗ ſelben Jahre erfolgten Ableben der Gräfin Clementia war das Haus Gleiberg auf deren beide Neffen, die Grafen Wilhelm und Otto reducirt; die Burg Gleiberg war beiden gemeinſchaftlich.— Damals, 1130— 1150, entſtand die Stadt Gießen nebſt Burg zum Schutze von Schiffenberg, und es ſcheint eine Theilung unter den Vettern geſchehen zu ſein, wobei Graf Wilhelm Gießen und die Wieſecker Mark, Graf Otto aber Vetzberg und die Lahnorte bis Dorlar und Garbenheim erhielt.— Vetzberg wird ur⸗ kundlich 1152 zum erſten Male genannt. Wilhelm's Wittwe, Salome, erſcheint in Urkunden von 1197 als Comitissa de Gysen und es beſtand alſo ſchon damals eine von Gleiberg getrennte Grafſchaft Gießen 1). Die Tochter Wilhelm's und der Salome, Mechtild, vermählte ſich um 1206 mit dem Pfalzgrafen Rudolf I von Tübingen. Um dieſe Zeit wurde die Burg Gleiberg wahrſcheinlich bedeutend vergrößert und ſtärker befeſtigt, auch die Burgkapelle(h des Grundplans) erbaut; denn, dem Stile der erhaltenen Reſte der Kapelle nach, gehört ihre Entſtehung dem Anfange des 13. Jahrhunderts an. Durch die Gräfin Mechtilde kam nämlich die Hälfte der Grafſchaft Gleiberg an die Pfalzgrafen von Tübingen, während die andere Hälfte dem Geſchlechte der Herren von Merenberg zufiel, da Irmengard, die Tochter des Grafen Otto von Gleiberg, die Gemahlin eines Herrn Hartrad II von Meren⸗ berg wurde. Die Herren von Merenberg waren kleine Dynaſten, Beſitzer der Burg ¹) Salome ſtammte vermuthlich aus dem Hauſe Naſſau, und bei der Theilung der Vettern Otto und Wilhelm war Gießen wohl Wilhelm zugefallen, daher Salome Gräfin von Gießen genannt wird. 14 Geſchichte von Burg Gleiberg. Merenberg und verſchiedener Ländereien. Hartrad I wird in einem Stiftungsbriefe von 1141 zuerſt genannt, als Zeuge der Stiftung der Clementia auf Schiffenberg. Beide Linien ſcheinen ſich dann in die Burg getheilt zu haben und deshalb den zweiten Palas(h, h, h,) ſüdlich an die Kapelle anſtoßend, erbaut zu haben; doch nur deſſen untere Etagen, während die dritte Etage und deren hohes Dach einer weit ſpätern Zeit angehören. Die Hofhal⸗ tung auf der Burg war damals wohl glänzend; als Burgmannen(Mi- nisterialen) erſcheinen Conrad von Hagen, Hathemar von Buſecke, Conrad der Schenk, Gerhardus dapifer de Glyzberg und viele Andere. Ueber⸗ haupt ſind es Vaſallen aus zehn Familien, welche zum Hofe der Gräfin Clementia von Gleiberg gehörten. Sie ſelbſt hatte keine Kinder, ihre Neffen, die Grafen Wilhelm und Otto, waren nicht Brüder(wer ihre Väter waren iſt noch unbekannt), aber beide waren die Landesherren, denn die Grafenrechte im Bezirke hatte der Mannsſtamm, dieſe waren lehnbar und von Kaiſer und Reich übertragen. Unter den Herren von Merenberg(es folgten ſich von ihnen fünf Generationen, von Hartrad II bis Hartrad VI auf einander, von 1180— 1328) ſcheint die eigentliche Glanzperiode Gleiberg's geweſen zu ſein, denn ſie bewohnten faſt beſtändig ſelber die Burg und ſuchten deren Sicherheit durch Erbauung neuer Werke noch zu vergrößern.— Das wichtigſte Vorwerk war die nahgelegene Burg Vetzberg, ſie wurde wahr⸗ ſcheinlich ſchon um 1140— 1150 erbaut und kommt zuerſt in einer Urkunde von 1150 vor: Vogdisberg, ſpäter: Voitzberg genannt. Hartrad III gab ſie 1244 ſeinen Burgmannen zu Lehen, und dieſe thaten ſich dann als Ganerben zuſammen. Vetzberg lag in der Gemarkung Rodheim, welche zum gemein Land an der Lahn gehörte, und bildete ein Filial der Kirche zu Rodheim, auch blieb die Burg mit ihrer kleinen Gemarkung im alleinigen Beſitze derer von Merenberg und deren Erben. Die Burg⸗ mannſchaft von Vetzberg bildete ſtets eine Ganerbſchaft und erlangte im Laufe der Zeit eine gewiſſe Selbſtändigkeit. 1392 gelobt Philipp, Graf zu Naſſau und Saarbrücken, die Freiheiten und Rechte der Ganerben des Schloſſes Voitzberg zu halten, und beſtimmt die Art, wie entſtehende Streitigkeiten zu ſchlichten ſeien.(Siehe Urk. im Naſſauer Copialbuch.) Solcher Streitigkeiten gab es aber ſtets viele, ſo daß zuletzt der Fürſt von Naſſau⸗Weilburg 1765 den 4 letzten Ganerben ihre Rechte mit 2000 fl. baar abkaufte. Unbewohnt verfiel ſie dann bald, die ſtolze Burg Vetz⸗ berg. 15 Geſchichte von Burg Gleiberg. Die Herren und Grafen von Merenberg, deren Stammburg Meren⸗ berg im Niederlahngau in der Nähe von Weilburg lag, waren vielfach in der Grafſchaft Solms begütert, und ebenſo hatten die Grafen von Solms Beſitzungen im Umfange der Grafſchaft Gleiberg. Beide Häuſer ſtanden früher in naher Verbindung und ſind von dem Luxenburg⸗Glei⸗ berger Grafenhaus abzuleiten. Später entſtanden manche Streitigkeiten zwiſchen ihnen, denn die Grafen von Solms entſagten, laut Urkunden, erſt 1322 und 1325 ihren Anſprüchen an das Haus Gleiberg. Auch auf dem Vedinberge(Weddenberge, jetzt die ſieben Hügel ge⸗ nannt) wollten die von Merenberg ein Vorwerk erbauen; dem aber wider⸗ ſetzte ſich Landgraf Heinrich I von Heſſen; doch wurde der Streit dadurch beigelegt, daß jeder der ſtreitenden Theile darauf verzichtete, in einem Theil des gemeinſchaftlichen Gebiets eine Burg zu bauen und namentlich auf dem Wetdinberge. Als Ulrich Graf von Tübingen und Herr von Gießen 1265 ſtarb, übernahm Landgraf Heinrich I von Heſſen den tübinger Antheil von Gleiberg. Da aber Graf Ulrich am 15. Auguſt 1264 Hartrad von Merenberg, als ſeinem Caſtellan, ein Burglehen in Gießen verliehen hatte, ſo belehnte der Landgraf Heinrich I am 29. September 1265 Hartrad 4 von Merenberg mit demſelben Burglehn, zugleich aber auch mit allen Rechten, welche der Graf von Tübingen an die Burg Gleiberg beſeſſen hatte, gegen das Verſprechen, daß ihm Hartrad jeder Zeit ſeine Burgen Gleiberg und Merenberg zu öffnen bereit ſei. Unter den bis jetzt wenig beachteten Urkunden im Copialbuch zu Weilburg ſind die folgenden für die Zuſtände unter den letzten Meren⸗ bergern beſonders intereſſant: 1288 belehnt Symon, Biſchof von Worms, Hartrad von Meren⸗ berg, edeln Mann, mit allen den Lehen, welche deſſen Vater und Oheim von der Kirche zu Worms beſeſſen hat. 1292 II. Idus Febr. gelobt Albert, Herzog von Oeſtreich und Stayer, wenn er zum Könige erwählt werde, dem edeln Mann Hartrad von Merenberg das Recht, ein Drittel der Steuern aus Wetzlar aufzunehmen, zu beſtätigen. 1297 reſignirt Eberhard von Merenberg, Domherr zu Speyer, auf die Kirche zu Dorlar in der trieriſchen Diöces zu Gunſten der Wittwe ſeines Bruders Hartrad, Gertrud und deren Sohnes Hartrad, Prieſters zu Wetzlar, um mit den Einkünften der⸗ ·—· Geſchichte von Burg Gleiberg. ſelben ein Nonnenkloſter zu fundiren, mit Stiftung von Me⸗ morien und mit Vorbehalt einer Rente. Am 8. Februar 1320 nimmt Heinrich, Erzbiſchof zu Cöln, Herrn Hartrad zu Merenberg zu ſeinem Vaſallen an, mit 400 Mk. Denaren, aus der Cölner Judenſteuer, die er nach dem Empfang auf Allodien beweiſen ſoll. 1323 den 14. Auguſt entzieht Balduin, Erzbiſchof von Trier, den Auguſtinern, wegen eingeriſſener Sittenverderbniß, das Kloſter Schiffenberg und räumt es mit allen ſeinen Beſitzungen dem Deutſch-⸗Ordenshaus zu Marburg unter der Bedingung ein, daß es daſelbſt jedesmal 12 geiſtliche Ordensbrüder, von wel⸗ chen 6 wenigſtens Prieſter ſein müſſen, unterhält. Am 29. September deſſelben Jahres conſentiren dann Hartrad von Merenberg und Liſa, ſeine Gemahlin, in die Incorporation des Kloſters Schiffenberg zur Deutſch⸗Ordens⸗Commende Mar⸗ burg und geloben, letztere im Beſitze der Güter zu ſchützen. Als im Jahre 1328 Hartrad VI von Merenberg ohne männliche Erben ſtarb und deſſen Tochter an den Grafen Johann von Naſſau ver⸗ mählt worden war, kam deren Antheil am Gleiberg an die Grafen von Naſſau, der andere fiel zurück an Heſſen, und die Grafſchaft Gleiberg blieb unter Heſſen und Naſſau gemeinſchaftlich bis zur erſten Theilung im Jahre 1585; doch ſcheint ſchon laut Schiedgerichts vom 24. Juli 1332 wegen der Mannlehen, Gleiberg, Vetzberg, Atzbach und Dorlar von der Gemeinſchaft ausgenommen und dem Grafen von Naſſau allein überlaſſen worden zu ſein. Wenck II, S. 324. Die Burg Gleiberg ſelbſt hatte ſich im Laufe des 14. bis 16. Jahr⸗ hunderts ſehr vergrößert. Zunächſt war die ſtarke Ringmauer, tttt, mit den 4 Halbthürmen(Vichüſern) und dem Werke m aufgeführt worden, ebenſo das große Thor G.— Dann kam der große Schloßhof mit ſeinen Mauern hinzu, denen ſich die Stadtmauer anſchloß. Im Jahre 1331 hatte nämlich Kaiſer Ludwig der Bayer dem um die Burg Gleiberg er⸗ bauten Flecken Gleiberg einen Wochenmarkt, gleich Frankfurt, verliehen, nebſt dem Rechte Burgfrieden zu halten und Thor und Pforten zu hüten. Nicht viel ſpäter iſt dann wohl das noch erhaltene Stadtthor zwiſchen den beiden Halbthürmen entſtanden, und der Eingang zur Burg war da⸗ mals nicht ein doppelter, wie jetzt, ſondern ging auch durch dieſes Thor und von dieſem aus führte dann die Burgſtraße(burkſtraße) unter der Geſchichte von Burg Gleiberg. 17 Burgmauer her zu dem Eingangsthor bei der Kapelle, welche für Burg und Flecken gemeinſchaftlich erbaut wurde, als die Kapelle in der Burg zu klein ward für die Benutzung der Bewohner von beiden. Die Er⸗ bauungszeit dieſer Kapelle muß auch die Mitte des 14. Jahrhunderts ſein, denn offenbar bezieht ſich die Inſchrift über der Eingangsthür: „Anno domini 1619 den 6. Merz zwar der erste Eckstein geleget war“ nur auf eine ſpätere theilweiſe Vergrößerung. Der ſogenannte Heidenkopf, Kopf eines Altdeutſchen, welcher an der weſtlichen Ecke der Kapelle oben eingemauert, iſt dort ſpäter eingeſetzt worden und gehörte wohl dem ur⸗ ſprünglichen Bau an. Bei E iſt ein Keller, über deſſen Eingang die Jahreszahl 1498 ſtand. Von dieſem Keller zog ſich ein breiter überwölbter unterirdiſcher Gang weit den Burgberg hinab nach der Seite der Burg Vetzberg hin, wie die Sage geht bis zu dieſer Burg ſelber als Verbindungsgang; doch iſt dieſes nicht erwieſen. Wohl aber kann dieſer unterirdiſche Gang ein Aus⸗ fallsgang und zugleich ein bedeckter Gang zu dem Brunnen p außerhalb der Burg geweſen ſein, da die Zugänglichkeit zu dieſem Brunnen, von deſſen Brunnenhaus noch ein Theil erhalten iſt, von größter Wichtigkeit für die Burgbewohner war. Auch für die Bewohner des Fleckens Glei⸗ berg mußte der Brunnen benutzbar bleiben und deshalb wurde der noch erhaltene Steinweg zu demſelben durch die theilweiſe noch erhaltenen Mauern und Thore geſchützt. An der Einfaſſung des Brunnens ſtanden die Worte:„Chriſtus iſt die Quelle des Lebens. Julius Bruelius.“ Dieſer Brülius war um 1550 Pfarrer zu Gleiberg. Die Mutterkirche von Gleiberg war zu Crofdorf, Gleiberg ihr Filial, daher wohnte der Pfarrer gewöhnlich in Crofdorf, doch zuweilen auch auf Gleiberg. Zwei Urkunden in Beſitz des Freiherrn van der Hoop beziehen ſich auf die Kapelle zu Gleiberg. Zu Folge der erſten vom Jahre 1470 ¹), gewährt Graf Philipp von Naſſau⸗Saarbrücken den zur Beſoldung des Frühmeſſers dienenden Grund⸗ ſtücken, die ſind: ſolche Aecker, Wieſen und Felder, welche gelegen ſind in Crofdorfer Gerichten, Abgabenfreiheit. ¹) Siehe die Urkunde. 18 Geſchichte von Burg Gleiberg. Laut der zweiten Urkunde von 1510 ¹) überläßt Graf Ludwig von Naſſau⸗Saarbrücken dem Frühmeſſer der Kapelle zu Gleiberg einen Trieſch an der Hommersbach mit allem Zubehör. Darin geſchieht des Vogtes Eberten Stommel zu Glyberg Erwähnung. Doch zurück zum Faden der Geſchichte. Es war eine gar traurige Zeit für Deutſchland, die Zeit des Fauſt⸗ rechts während des Interregnums von 1250 bis 1273; die Geſetze ſchwie⸗ gen und an die Stelle des Rechts war Gewalt und Uebermacht getreten, ein Fürſt befehdete den andern, eine Stadt die andere, ein Bürger den andern; die Geiſtlichkeit, nur auf Vergrößerung der eignen Macht bedacht, ſuchte die Flammen und die Wuth der Streitenden zu vermehren und dann von der allgemeinen Unſicherheit und Noth ihren Vortheil zu ziehen. Jeder kleine Herr ſuchte ſich hinter den Mauern ſeiner Burg gegen die Bedrückung mächtigerer Gebieter zu ſchützen, zugleich aber durch Schutz⸗ und Trutz⸗Bündniſſe mit anderen kleinen Herren ſo mächtig zu werden, um den verhaßten Gegner angreifen, berauben und unterwerfen zu können. Gleiberg ſelbſt ſcheint während all der Unruhen nicht direct ange⸗ griffen, wenigſtens nicht belagert worden zu ſein. Es war bis zum Jahr 1225 Mittelpunkt der alten Gaugrafſchaft geblieben und nicht beunruhigt worden, wenngleich ſeine Beſitzer vielfach in Kämpfe verwickelt worden waren. Als aber Kaiſer Rudolf's von Habsburg im Jahre 1273 kräftige Handhabung des Landfriedens begann, da hatte auch Hartrad V getreu zum Kaiſer gehalten und erhielt zum Lohn dafür am 28. Juli 1290 laut Ur⸗ kunde im Idſteiner Archiv ²) einen kaiſerlichen Freiheitsbrief für Meren⸗ berg und die damit verbundenen Rechte, und doch konnte Albert, Herzog von Oeſtreich laut erwähnter Urkunde vom Februar 1292, es wagen, ihn dem Kaiſer abtrünnig machen zu wollen. Aus einer höchſt merkwürdigen Urkunde im Archiv zu Idſtein ³) geht hervor, daß gleich nach dem Ableben Hartrad's VI von Merenberg ſeine Wittwe Lyſa, geborne Gräfin von Sayn und deren Bruder Johann von Sayn mit Gerlach, Grafen von Naſſau und ſeiner Frau Agnes ⁴) ein Ehebündniß zwiſchen der älteſten Tochter Gertrud Hartrad's VI und ¹) Siehe dieſelbe. ²) Idſteiner Copialbuch 519. ³) Originalurkunde vom 21. November 1328. ¹) Graf Gerlach von Naſſau war der dritte Sohn Kaiſer Adolfs von Naſſau, und Agnes, ſeine Frau, war eine Tochter des Landgrafen Heinrich II von Heſſen. Geſchichte von Burg Gleiberg. 19 dem Sohne des Grafen Gerlach von Naſſau, Johann verabredeten, wo⸗ nach die Vermählung der beiden erſt nach 5 Jahren ſtattfinden ſollte, weil beide damals noch Kinder waren. In dieſem Vertrage wurden alle Möglichkeiten vorgeſehen und deshalb Folgendes näher beſtimmt:„Lyſa, Frau von Merenberg, giebt ihrer Dochter, die zur Zeit die älteſte iſt, die Herrſchaft zu Merenberg und Gleiberg mit allen Gütern und Herrſchaften, die darzu gehören, mit Ausnahme des Hauſes zu Merenberg und allen den Gütern, welche diesſeits der Dill liegen; denn dieſes Haus und Güter ſoll Frau Lyſa von Merenberg ſo lange behalten als ſie lebt und Wittwe bleibt; würde ſie ſich aber nochmals verheirathen, ſo ſollen ihr 1500 Mark⸗Pfennige ausgezahlt werden und ſoll ſie damit von allen Anſprüchen auf Merenberg und Gleiberg nebſt Zubehör geſchieden ſein. Will Frau Lyſa aus irgend einem andern Grunde Merenberg verlaſſen, ſo ſoll ſie dieſelbe Summe erhalten. Würde ihr dieſe Summe alsdann nicht aus⸗ gezahlt, ſo ſoll ſie ſich einen Muntbar(Vormund) wählen, der das vor⸗ erwähnte Haus zu Merenberg nebſt Zubehör als Pfand erhält gegen Zahlung jener Summe. Geſchieht dieſes, ſo wird Frau Lyſa den Grafen Gerlach in Beſitz der halben Grafſchaft Gleiberg als Vormund ſeines Sohnes Johann und ihrer Tochter ſetzen, und dieſen ſollen dann Mannen und Burgmänner, Pförtner und Thurmknechte und Wächter huldigen, wie ſie der Gräfin Lyſa gethan, die verlobten Kinder aber ſollen dieſe Diener zur Hälfte beköſtigen bis zur Zeit, wo ſie einander getraut werden, das iſt nach fünf Jahren. Nach der Vermählung erhalten die Vermählten die Herrſchaft Gleiberg ganz und laſſen ſich huldigen, zahlen aber aus der Herrſchaft Gleiberg der Mutter Lyſa 40 Mark für ihren Verzicht. Zu Merenberg aber ſollen alle Burgmannen ꝛc. dem Grafen Gerlach als Muntbar ſeines Sohnes huldigen. Ferner verpflichten ſich beide Schwiegereltern⸗Paare der andern Toch⸗ ter(alſo wahrſcheinlich der jüngeren Lyſa) 900 Mark⸗Pfennige(600 von Gerlach und 300 von Frau Lyſa) zu zahlen und damit ſoll dieſelbe Toch⸗ ter von der Herrſchaft von Merenberg und Gleiberg geſchieden ſein, es ſei denn daß ſie ſtürbe. Graf Gerlach und ſeine Frau Agnes verpflichten ſich ferner, der Frau ihres Sohnes im Falle ſeines Todes Weilburg als Witthum und 300 Mark⸗Pfennige zu übergeben, und ſollen ihr die Bürger von Weil⸗ burg huldigen, wie es Gebrauch iſt. Auch verpflichten ſich Gerlach und Agnes, außer ihren zwei Söhnen keine Erben aller ihrer Herrſchaften ein⸗ 2* ¹ 5 ₰ — — —— — — 20 Geſchichte von Burg Gleiberg. zuſetzen, und die Herrſchaften Merenberg und Gleiberg mit Burgleuten ſchützen und bewahren zu wollen. Sollten aber beide Verlobten ſterben ehe ſie Erben hätten, ſo ſollen alle erwähnten Verträge todt ſein und die Beſitzungen wieder an die frü⸗ heren Beſitzer zurückfallen. Das beſchloſſene Bündniß ſoll nicht rückgängig gemacht werden können, weder durch die Eltern, noch durch die Verlobten und ſoll dieſes von Eltern und Kindern(wenn ſie erwachſen ſind) eidlich beſchworen werden. Graf Gerlach und Agnes verſprechen ferner, daß ſie ihrem Sohne, außer jenen 300 Mark, welche ſie ſeiner Frau widmen ſollen, noch 300 Mark geben; ſtürbe derſelbe aber ohne Leibeserben, ſo ſollen dieſe 300 Mark an Gerlach und Agnes zurückfallen.“ Die Vermählung der Gertrud von Merenberg mit Graf Johann von Naſſau⸗Weilburg erfolgte wirklich im Jahre 1333 und kam die Herr⸗ ſchaft Gleiberg dadurch ganz an die Grafen von Naſſau. Die Schweſter der Gertrud, Lyſa, verzichtet aber[laut Urkunde vom 14. Jan. 1345 ¹)], als Jungfrau und Stiftsdame zu Wyleke auf alle ihre For⸗ derungen an Merenberg und Gleiberg, gegen jährliche Zahlung von 30 Pfund Heller. Die junge Gertrud von Merenberg, Gemahlin Johann I von Naſſau, ſtarb aber bald und ohne Kinder und fielen nun die Herrſchaften Glei⸗ berg und Merenberg an Johann I. Er verheirathete ſich hierauf in zweiter Ehe mit Johanna, der einzigen Tochter des Grafen von Saar⸗ brücken, welche ihm die Grafſchaft ihres Vaters zubrachte, ſo daß er ein mächtiger Herr wurde und von Kaiſer Carl IV in den Fürſten⸗ ſtand erhoben wurde, wovon aber ſeine Nachkommen keinen Gebrauch machten. Er hatte nämlich zwei Brüder: Gerlach, Erzbiſchof von Mainz und Adolf II Graf von Naſſau; da Gerlach, laut Urkunde vom 22. Mai 1347 ²), auf ſein Erbe zu Gunſten ſeiner Brüder verzichtete, ſo theilten ſich die Brüder Johann I und Adolf II in die väterliche Erb⸗ ſchaft. Johann I erhielt Weilburg und wurde Stammvater der Linie Naſſau⸗Weilburg und Saarbrücken; Adolf II verheirathete ſich mit Anna Tochter des Burggrafen zu Nürnberg und gründete die Linie Idſtein⸗Wies⸗ baden.— Alle drei Brüder blieben Anfangs in Frieden und verbündeten ¹) Siehe Wenck II, S. 358. *) Idſteiner Copialbuch I, Fol. 12. Geſchichte von Burg Gleiberg. 21 ſich laut Urkunde vom 22. Mai 1347 ¹) zu gegenſeitigem Rath, Schutz und Hülfe. Der ritterliche und ſtaatskluge Carl IV, ſeit 1347 deutſcher Kaiſer, ſuchte ſich dieſe mächtigen drei Brüder zu verbinden; zunächſt beſtätigte er am 26. Juli 1348 ²) den Grafen Johann I und Adolf II alle von früheren Kaiſern empfangenen Briefe und Gerechtſame, und erlaubte ihnen an demſelben Tage ³), auf ihren Gütern zu Naſſau, Scheuren und Dau⸗ ſenau Städte zu errichten. Auffallend iſt aber, daß er an demſelben Tage, laut Urkunde im Id⸗ ſteiner Copialbuch I fol. 9 4), den Grafen Adolf mit dem Hus Gleiberg belehnt mit allem Zubehör(gegeben zu Paſſau im dritten Jahre unſeres Reiches). Im Inhaltsverzeichniß des Copialbuches iſt dafür„Haus“ Gleiberg geſchrieben. Es ſcheint das zwar ein Irrthum zu ſein, weil nicht Adolf II ſondern Johann I damals Beſitzer von Gleiberg war. Allein aus dem weiteren Text der Urkunde geht hervor, daß Johann ſeinem Bruder Adolf mit Gleiberg ein Geſchenk gemacht hat. Es hatte Johann I mit Johanna von Saarbrücken nur einen Sohn Philipp I, welcher dem Vater 1371 folgte und Kirchheim, Bolanden, Rei⸗ chelsheim und Stauf erwarb. Dieſer vermählte ſich zuerſt mit Catharina, Tochter des Herzogs von Lothringen und ein Sohn aus dieſer Ehe, Jo⸗ hannes II wurde 1472 nach des Vaters Tode Graf von Saarbrücken. In zweiter Ehe hatte Philipp I Anna Gräfin von Hohenlohe und mit dieſer einen Sohn Philipp II, welcher Graf von Weilburg wurde und Stifter der Linie Naſſau⸗Weilburg. Dieſe drei: Johann I, Phi⸗ lipp I und Philipp II folgen nun einander als Herren von Gleiberg bis zum Tode Philipps II 1493; doch erſcheint ſeit 1460 Philipps II Sohn Johann auf Urkunden zugleich mit ſeinem Vater, bis er 1480 ſtarb. Seitdem die Grafen von Naſſau Beſitzer von Gleiberg geworden waren, änderten ſich die Verhältniſſe und die Zuſtände auf der Burg viel⸗ fach, wie aus den angeſchloſſenen Urkunden erſichtlich wird, doch genügen dieſe Urkunden noch lange nicht, um ein vollſtändiges Bild des Lebens auf Gleiberg im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts zu geben; wir wollen deshalb nur einige der intereſſanteſten Ergebniſſe hervorheben. ¹) Idſteiner Copialbuch I, Fol. 15. *²) Daſelbſt Fol. 7. ³) Daſelbſt Fol. 8. 4) Siehe Abſchrift. 3 3 ¹ 8 3 8 5 —— — 22 Geſchichte von Burg Gleiberg. Da Graf Gerlach, der Gemahl der Agnes, der Tochter Heinrichs II von Heſſen und der Vater Johannes I bis 1361 lebte, ſo ſcheint er Anfangs mit dem Sohne regiert zu haben. Am 27. Juli 1335 ¹) fand ein Erbtauſch zwiſchen Johann und Bernhard Grafen zu Solms und dem Grafen Gerlach von Naſſau ſtatt über die Dörfer Aldenkirchen bei Braunfels, Diedenhauſen und den Hof zu Husen, ſowie aller ihrer Leute in den Herrſchaften von Naſſau, Merenberg, Gleiberg und Wilenau, ſie geſtehen ihm einen rechten Ueberzug zu, bürgen für jeden Angriff von Seiten Philipps von Solms und verſprechen, keinen ſeiner Leute ohne Vorwiſſen zu Bürgern anzunehmen. Am 31. Octob. 1350 ²) vertragen ſich die Grafen Johann von Solms und ſeine Neffen Diederich und Heinrich, Söhne des verſtorbenen Bernhard von Solms, mit Johann Grafen zu Naſſau, Herrn zu Merenberg in Freundſchaft, daß er ihnen beim Bau ihrer neuen Burg helfen ſoll mit ſeinen Leuten und ſeinem Lande. (Siehe die Abſchrift.). Am 2. Jan. 1355 ³) ſchlichtet Heinrich von Michelnbach, Naſſauiſcher Amtmann zu Gleiberg, die Irrungen zwiſchen den Deutſchordens⸗ herrn zu Schiffenberg und der Gemeinde Leigeſtern, wegen der Freiheit des zur Commende Schiffenberg gehörigen Gutes zu Leigeſtern und dem Nuwenhobe(Neuhof).— Geſchehen zu Gleiberg. 1361 ⁴) vertragen ſich Heinrich Landgraf zu Heſſen und Otto ſein Sohn mit dem Grafen Johann von Naſſau über deſſen neuen burg⸗ lichen Bau zu Niedercleen und ſchließen einen Burgfrieden über Burg, Stadt und Freiheit zu Cleen. Dat. 361 am Sonntage nach S. Urban. Am 2. Mai 1364 ⁵) verpfänden Landgraf Heinrich zu Heſſen und ſein Sohn Otto dem Grafen Johann zu Naſſau, Herrn zu Meren⸗ berg und ſeiner Gemahlin den halben Theil des Schloſſes und der Stadt Gießen nebſt Zubehör für 3500 kleine Goldgulden, wiederlöslich.(Geſchehen zu Gießen.) ¹) Urkunde im Coblenzer Copialbuch B. 37. ²2) Originalurkunde in Idſtein Nr. 4. ³) Scriba, Reg. Nr. 1489. 4) Naſſauer Copialbuch B. 36. ⁵) Scriba, Reg. Nr. 1626. Geſchichte von Burg Gleiberg. 23 Johann I war im Jahre 1371 geſtorben, ſeine Wittwe Johanna von Saarbrücken ſcheint dann von der Vogtei zu Wetzlar bedrängt worden zu ſein, denn 1376 ¹) gebietet Kaiſer Carl IV dem Grafen Johann von Solms, dieſe Wittwe an der Vogtei zu Wetzlar nicht zu drängen und zu hindern. Dat. Frankofurt. Am 22. Juli 1367 ²) belehnt Graf Philipps zu Naſſau⸗Saarbrücken die Gebrüder Adolf, Hermann und Johann von Nordecken zur Rabenau mit dem Schloſſe Rabenau, ihrem Antheil am Gerichte zu Londorf, dem Nordeckiſchen Gute zu Salzböden und ihrem Theil am Schloſſe Foitzberg. Derſelbe gelobt 1392 ³) die Freiheiten und Rechte der Ganerben des Schloſſes Foitzberg zu halten und beſtimmt die Art, entſtehende Streitigkeiten zu ſchlichten. An demſelben Tage wurde dann der Huldigungs⸗ und Lehnsrevers der Ganerben zu Voitzberg ausgeſtellt(1392). Wigand in Wetzlar'ſchen Beiträgen, Geſchichte des Schloſſes Glei⸗ berg, bemerkt zur Geſchichte von Vetzberg Folgendes:„Da auf der Burg Gleiberg für Wohnungen des Adels und des Hofgeſindes der Grafen der Raum zu beſchränkt war, ſo bauten ſich dieſelben auf dieſem nahen Berge an. Burgmänner von Gleiberg waren ſie nicht, denn dazu hätten Burglehen gehört, welche eine koſtſpielige Sache waren. Man hielt es für beſſer, den Adeligen die Burg zu Lehen zu geben“. In dem neuen oben erwähnten Lehnbriefe für die Ganerben zu Voitzberg, werden dieſe nur als ſolche bezeichnet, in ſtreitigen Fällen aber ihre Forderungen(d. i. der Entſcheidung) dem Urtheile von drei oder fünf der Burgmannen zu Gleiberg anheimgeſtellt. Als damalige Burg⸗ mannen von Gleiberg werden genannt die Zeugen: Hans von Doringen⸗ bach, Schenke von Schweinsberg, Vulhuſen von Swalbach, Conrad von Bicken, Adolf Rawe von Holtzhauſen, Heintz von Eringhuſen, Macharius von Buchſecke, Leſchen von Molnheim, Menges Holzappel von Foitzberg, Wolfskelen, Friederich von Göns und Schitzen von Holtzhuſen. Als Ganerben von Voitzberg ſind genannt: Gilbrecht Krieg und Erwin Krieg ſein Sohn, Ritter, Johann von Wolfskelen der elteſt, Hei⸗ denrich(Heiderich?), Mul, Johann, Albrecht Heidenrich, Gerhard und ¹) Naſſauer Copialbuch B. 44. Vergl. Scriba, Regest. Nr. 1367, 15. März. 2) Scriba, Regesten S. 126, Nr. 1630. ³) Naſſauer Copialbuch B. 3 und 4(ſiehe die Abſchrift). 24 Geſchichte von Burg Gleiberg. Syffrit Gebrüder von Voitzberg, Eckart Mul von Voitzberg und Emme⸗ rich von Wolfskeln.. Wie mächtig ſeit der Mitte des 14. Jahrhunderts das Haus Naſſau geworden war, geht ſchon daraus hervor, daß Kaiſer Ludwig d. B. ſich im Jahr 1346(Urkunde Dat. Frankfurt am St. Bartholomai Abend 1346. Wenck I, S. 242) mit ſeinem Neffen Graf Gerlach dem Alten von Naſſau und deſſen Söhnen Adolf und Johann I vereinigte, daß ſie ihm dienen ſollen mit ihren Veſten und Schlöſſern, ſo lange der Krieg zwiſchen ihm und dem von Böheim, d. i. dem Markgrafen von Mähren und ihren Helfern währet, mit 150 Helmen, und dafür hat er ihm ge⸗ geben 20,000 Pfund Heller, je ein Pfund Heller zu einem Gulden ge⸗ rechnet. Die Beſitzer von Gleiberg müſſen in jenen Zeiten ſelten auf der Burg gelebt haben, weil von ihnen nur ſelten eine Urkunde auf Gleiberg ſelbſt datirt iſt; ſie waren vielfach im Kriege und in ihren Städten bald da bald dort in Anſpruch genommen. Kaiſer Wenzel beſtellte 1398 am 12. März den Grafen Philipp von Naſſau zu ſeinem Hauptmann und Handhaber des Friedens am Rhein und in der Wetterau. Dat. Frankfurt. Beſonders wichtig in Bezug auf die Beſitzungen und Rechte der Herren von Gleiberg iſi eine Urkunde im Archiv zu Coblenz, Copialbuch 45 ¹) vom Jahre 1412. Sie trägt die Aufſchrift: Glypergs alt Buchlin. Dieſe bezeichnet den Stand der Einkünfte um 1412 und wohl auch etwas früher und enthält einige ſpätere Zuſätze von 1539. Sie beginnt ſo:„Disse nacheschrib. gericht und zende, zinse und gulde, hobe und gutte gehörint uff das huse Glyperg und sint bestättigt worden in dem Jare als man zalte nach Christi gepurt xiiii C. und xii Jare, und auch darnach in andern Jaren“. Eine Urkunde vom Jahre 1494(im Beſitze des Herrn Freiherrn van der Hoop.— 1494 den 13. Juli) gewährt einen nähern Einblick in die damaligen Verhältniſſe zwiſchen dem Burgherrn und den Bewohnern der Stadt Gleiberg. Graf Ludwig J von Naſſau und Saarbrücken, welcher mit Margaretha, Tochter Adolfs von Naſſau⸗Wiesbaden vermählt war, gibt in jenem Briefe mit wohlbedachter Würde und Gnade, Willen und Liebe den Bürgern zu Gleiberg und den Delern(Thalbewohnern) eine ¹) Siehe die Copie. Geſchichte von Burg Gleiberg. Freiheit, daß ſie, ſolange er lebe, keine Bede noch ſonſtige Abgabe geben ſollen; dagegen ſollen ſie ihren Burgfrieden halten, die Pforte zum Daille (d. i. zum Thal, Burgflecken Gleiberg) behüten, bewahren und bewachen, wie es nöthig iſt, ferner die Pforten, Mauern, Stege und Graben, und was darzu gehört in wehrlichem Bau warten und erhalten, wie bisher. Weiter wird beſtimmt, daß ſie jährlich einen Tag der Herrſchaft helfen ſollen Heu machen, einen Tag Korn ſchneiden und einen Tag Waitzen ſchneiden.“ In ähnlicher Weiſe hatte Graf Philipp II 1490 ¹) ſich mit der Ge⸗ meinde Atzbach auf drei Jahre vertragen, daß ſie von der Atzunge, Jäger und Hunden und allem Dienſt befreit ſein ſollten, ausgenommen zwei Holzfuhren, eine auf Chriſtag, die andere anf Oſtern, zu Gleiberg auf die Burg, ferner die Weingarten⸗ und die Mähearbeit und den Thurmhüter⸗ dienſt; dagegen ſoll die Gemeinde jedes Jahr noch 50 Gulden bezahlen. Als im Jahre 1514 mit Johann II die Linie Naſſau⸗Saarbrücken erloſch, fiel die Herrſchaft an der Lahn an Weilburg. Hier folgte auf Ludwig I, welcher 1523 ſtarb, deſſen Sohn Philipp III, welcher bis 1559 regierte. Dieſer hatte zwei Söhne: Albrecht und Philipp IV, welche ſich nun in die Länder theilten, ſo daß Albrecht Weilburg und Philipp Saarbrücken erhielt.— In dieſe Zeit könnte, dem Stile nach zu urtheilen, die Erbauung des neuen Schloſſes, des ſogen. Naſſauer Baues gehören. Wahrſcheinlich alſo war es Graf Albrecht, der mit Anna, Gräfin von Dillenburg vermählt, ſich eine gemächlichere und einer fürſtlichen Hof⸗ haltung angemeſſenere Wohnung als jen⸗ in dem alten Palas bis dahin geweſen war, errichten ließ. Zu dieſem ſtattlichen Baue und zu der Durchfahrt durch dieſelbe führte dann die neue Burgſtraße, bequem für Roß und Wagen, von der Südſeite her auf den geräumigen untern Burghof. Im untern Stock des Schloßgebäudes waren, rechts von der Einfahrt, die behaglichen kleineren Wohnräume, links die Wirthſchaftsräume und die Schloßküche mit dem ungeheuern auf Säulen ruhenden Kamine. Im obern Stock aber lagen die Feſtſäle, in deren einem noch heute an der Decke das Merenberger Wappen, ein Andreaskreuz mit Roſen in den Winkeln ſichtbar iſt ²). Die ¹) Siehe die Abſchrift. ²) In der Topographie des Lahngau's von Matt. Merian von 1655 heißt es: In dieſem Schloß Gleiberg in einem Saal iſt dieſe alte faſt unleſerliche Schrift zu ſehen geweſen „Fabricat in fronte vinum sumtum sine fonte, Ergo bibe fontem, si non vis laedere frontem.“ 25 26 Geſchichte von Burg Gleiberg. übrigen Räume, namentlich des hohen Daches, dienten als Fruchtſpeicher und Vorrathsräume, deren man viele bedurfte, weil die Einkünfte des Burgherrn, namentlich ſeines Vogtes, meiſtens in Naturallieferungen beſtanden, darunter auch Wein. Um dieſelbe Zeit und ſchon etwas früher mögen mancherlei bauliche Veränderungen auf der Burg vorgekommen ſein, ſo die Aufführung der dritten Etage auf dem zweiten Palas über der dortigen Kapelle; etwa um 1540— 1550. Ferner die Anbringung verſchiedenartiger Schießſcharten in dem großen Mantel am Bergfried, wie ſolche durch die Einführung und die Fortſchritte im Gebrauche der Feuerwaffen bedingt wurden. Im Ganzen blieb die Burg Gleiberg wohlerhalten und wurde, wenig⸗ ſtens zeitweiſe, von ihren Beſitzern bewohnt bis zum Beginn des dreißig⸗ jährigen Kriegs(1618— 1648). Als aber in dieſem Kriege Graf Ernſt Caſimir mit anderen Fürſten in des Kaiſers Ungnade gefallen war, wurde das gemeinſchaftliche Amt Gleiberg ſammt der Burg an Heſſen⸗Darm⸗ ſtadt überwieſen und letztere durch Soldaten von Gießen aus beſetzt. Als dann in dem Kriege des Kaiſers Ferdinand III gegen Schweden und Frankreich der Friedenscongreß 1643 zuſammentrat, erhielt Naſſau das Amt Gleiberg nach ſchwierigen Unterhandlungen zurück; worauf Graf Ernſt Caſimir von Naſſau⸗Saarbrücken ſich auf dem Schloßhofe zu Glei⸗ berg aufs Neue feierlich huldigen ließ(1646). Doch noch in demſelben Jahre eroberten die Truppen von Heſſen⸗Kaſſel vereint mit den Schweden unter Königsmark und Wrangel Marburg und blockirten Gießen und der Heſſen⸗Kaſſeliſche General Geiß erſchien mit einer Heeresabtheilung, um Gleiberg, das unterdeſſen von Gießen aus mit einem Commando unter Hauptmann Hoffman beſetzt und mit Doppelhacken verſehen worden war, durch einen Handſtreich zu nehmen. Allein die Heſſen⸗Darmſtädter ver⸗ theidigten die Burg ſo tapfer, daß die Kurheſſen mit 2 Wagen voll Todten und Verwundeten nach Reiskirchen zurückzogen.(Wie Gimpel erzählt.) Ein in der folgenden Nacht wiederholter Angriff wurde abermals abge⸗ wieſen, indem 38 Mann getödtet und 2 Officiere gefangen genommen wurden.— Nun aber wurde eine förmliche Einſchließung der Burg unter⸗ zu Deutſch: Ohn' Waſſer getrunken den Wein Nimmt raſch den Kopf dir ein; Drum trink vom kühlen Quell, Dann bleibt's im Kopf dir hell. Leider gibt Merian keine Abbildung von Gleiberg außer im Hintergrunde einer An⸗ ſicht von Gießen. Geſchichte von Burg Gleiberg. 27 nommen und ein Bombardement ausgeführt. Dreihundert Kanonenſchüſſe wurden auf die Burg gethan und dieſelbe dann durch Feuerwerfen in Brand geſteckt.— Mangel an Waſſer und Brod nöthigte nun den Com⸗ mandanten, ſich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Er bat nur noch, das uralte gräfliche Haus löſchen zu dürfen, damit daſſelbe nicht gänzlich in Aſche gelegt werde. Allein dieſe Bitte wurde mit der Erwiderung abgewieſen:„Des Ge⸗ neralmajors Fürſtin zu Kaſſel, wie auch der Landgraf zu Darmſtadt hätten kein Haus auf Gleiberg. „Die Sieger ſchleppten nun noch alles Stroh und ſonſtige Material zuſammen, um die Feuersbrunſt noch tüchtig zu ſchüren. Bei welcher Gelegenheit auch das Archiv zu Gleiberg vernichtet wurde.“ Wie es nach der Zerſtörung der Oberburg auf Gleiberg geſtanden hat, darüber gibt es wenig Nachrichten. Auffallend iſt, daß der Naſſauer Bau bei der Belagerung ſo wenig beſchädigt wurde, obgleich deſſen oberer Stock nur ein Holzbau iſt, und es kaum anzunehmen iſt, daß derſelbe erſt nach 1646 errichtet worden ſei.— Die Burg blieb im Beſitz der Linie Naſſau⸗Weilburg. Auf Ernſt Caſimir folgte 1655 ſein Sohn Friedrich, dieſem 1675 Johann Ernſt und 1719 Carl Auguſt, welcher 1737 den fürſtlichen Titel annahm. In einer Urkunde ¹) vom 11. Juli 1729 belehnt Kaiſer Carl VI dieſen Carl Auguſt, Grafen zu Naſſau, Saarbrücken, Weilburg und Sarwerden, Herrn zu Lahr, Wisbaden und Idſtein für ſich und als der Zeit Aelteſter und Lehnsträger ſeiner Agnaten, nehmlich Charlotten Amalien, verwittweten Fürſtin zu Naſſau⸗Dillenburg, als verordneter und beſtätigter Vormünderin ihrer minderjährigen Prinzen Carl und Wilhelm Heinrich zu Naſſau, mit nachgeſchriebenen Stücken und Gütern: Ein Schloß genannt Gleiberg, item das Gericht Hüttenberg, item einen halben Theil am dem Dorf Großenlinden u. ſ. w. Dieſe Prinzen waren Stammvettern Carl Auguſts und ſchloſſen 1738 mit dieſem einen Primogeniturvertrag, wonach in allen Walramiſchen Beſitzungen in jeder Linie nur der Aelteſte folgen ſollte. Aber erſt Carls von Uſingen Sohn, Friedrich Auguſt(1803—1816), vereinigte alle Naſſauiſchen Länder wieder und ward dann ſouveräner Herzog von Naſſau 1806; und als die Linie Uſingen 1816 ausſtarb, trat Wilhelm, Sohn Friedrich Wilhelms von Weilburg, am 30. Juni 1816 durch Staatsvertrag die Herrſchaft Gleiberg an den König von Preußen ab, und wurde die Burg Gleiberg dem Kreiſe Wetzlar zugetheilt. ¹) Idſteiner Copialbuch. Siehe die Abſchrift 1729. Geſchichte von Burg Gleiberg. 28 9801+(1ugzuellvc) AI SGplau gee dala baq⸗e e e en vanqueang uag lvad uuvu Tnr AI pS u:vapS 6G01+ 8421210 biugg üee i uod lee u2pv*S ub uog e ie de e weee)(6301+) uag uog ath 42J11d dee w uo e Banquadng uod ſoad uaa e ü uoa e ſed e uuvuaſ⸗(11 a2qſaE 1II LPνμιανQß14 147912619 u(gavöulaS) vönug .8011⸗qung 201 † 6101+ 942J121 u uabunſuv a2o ua e ee de ueng u ſ aaac qun nvöbugog ulo ſ 8001 ul ie e i ee auaſß 71(p112119 oundung vanqueang uod agba1 Lvad CIIS L9801— 6001) vanquedng uod ualcae e e ee Juuvjoqun z6l 819 82420 ,6 „(6101— 266) osig lvad a2ſuaz lvad r lvaS (II) S8anobuqoz gog ue een de .296+ Noqn uoa*511ρ ualleg een ng pg6 uo e e(6— 686) nvaone e id en aee e (II D) uoqva w e e wee dee (lvcpllvabnvD auee i„un bvjcpao 686 Qala nvögurlo ae he deee ii ie 1 aaiw ube 86 ꝓpul gce uequvaL a2- ü02a 2¹1G) 216 4£ vaa*d bangs uog aanvqad 121 ne ſw 26„uozuvaL n ü Senvönallee i en eia e “nvöugvJee i ſ nvbuqvla ſe e 816+ blugF aocpline aed : augg= a ie eiee de uee e 7906 aujalaL 12 enee eee e ned iee ee (*S) uao ue een deee V 5129121 G uoa 12 ¼ 11⁄2 9S, 120 25 Jo 4 u2 12, 8₰ S 2 · ₰ 8 5 2₰ 2 B 2 931— 0 „Snv Baoquaae a„Baaquaeune na ueed e e en I2ZI— OPZI 21g 8381 uegan e ee A Bemauß III ound nuu qolad el uob ſ uebu A Cwazan 12leE oapn. 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Srklärung der Abbildungen. Tafel I. Grundriß der Burg in ihrem gegenwärtigen Zuſtande 1881. Die dunkelſt⸗ ſchraffirten Theile zeigen die Reſte der erſten Burganlage: a den Bergfried, b den Palas, ode den Mantel. Fig. A zeigt die vermuthliche erſte Einrichtung der Thorhalle f und des zweiten Stocks des Palas b. Die minder dunkel ſchraffirten Theile des Grundriſſes gehören dem 12ten bis 13ten Jahrhundert an, nämlich: die Burgkapelle h und der untere Stock des zweiten Palas i, entſtanden 1165, das Thor g um 1300, ebenſo das Thürmchen k und der Thorthurm l um 1330. E Burgkeller aus derſelben Zeit. Die heller ſchraffirten Theile, namentlich die Thürme n und n und die Erker m und m gehören der Erweiterung der Burg und ihrer Befeſtigung um 1350 an, der Thurm o aber der Mitte des 15ten Jahrhunderts. s, S,s iſt der Grundriß des Naſſauer Baues um 1560 errichtet. 1 Tafel II. Fig. 1 unterer, Fig. 2 oberer Grundriß des Bergfrieds. Fig. 3. Durchſchnitt deſſelben. Fig. 4. Südliche Anſicht des Bergfrieds. Fig. 5. Eingang deſſelben von Außen geſehen. Fig. 6. Innere Anſicht dieſes Eingangs. Fig. 7. Deſſen Durchſchnitt mit n dem Riegelverſchluß, mit der Fall⸗ thür cd und der Oeffnung u, u, u in das Verließ V. (Die in der Abhandlung angeführten Urkunden finden ſich im zweiten Jahres⸗ bericht des Oberheſſiſchen Vereins für Localgeſchichte. 1881.) Dr Ku Rigen aufgen à. ε. 764 Ansicht von Aussen. 22◻ 7 6 Bcaxllzhäur in das Vonlzess. S nb5 Zichtéfnung W Dleche Ansiohe 12 Srandriss des Verlzesss. — berg Ler X½D“DD S S N N N N K XXNXX ͤ 2?g. ₰½ derohfrin der Surg 2 5 ſc Hel Rlessen. n2. Wenzel in Ciessen ——„ 2 1 S 8 ☛.̃ X ⁴ 8.+* 4 “ I An n, — — Ial. G NI 1 — — Shanness 5 5— ⁴ 7553-137 3 3 M jnnnme M N I— B 82 1— „— 8 4 R n N⸗ N ₰ S, Neer4 Sa;/. lee ₰. 3— delee,; 4 ſh. SeE VWMV 3. I w 8᷑ —— — 1 1 1 1 1 1 1 1 1 77 1 113 2 1 1 1 1 1 1 1 1 XX‿ᷣ 1X h 3 M Räum 5 A A= A Maſéstab zum Grundriss 3⁰0 40 5⁰0 60 70 2 n 1 5 5 Piss 7s= O. 25. Dr v Riuyen del 1650 Eüth Anst von i Wenzel in Giessen. 2 — 1000/6 enuk e16 eA po8 mollox 61019 äao onſg OLR llEMd Seeuidee orf 6 1 srllu