chbie e. Nbllo 31033 0n 2 6. April ſ900 ur G2863 23. Se%. 1987 Beiträge zur Geſchichte der alten Gießener Burſchenſchaft Burſchenſchaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) Von Chriſtian Scriba Pfarrer i. P. in Gießen Mit einer Einleitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt 1913 Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen. 2 3. DEl. 1974 1 9512 08. FEB. 9975 18 R 02 07. 0Kl. 1975 810 98 Aug. 1979 13R 08 10. JuLI180 14807 U981 68,RA 29. R 1. 11. NOv. 883 11. R 11 11.073.085 ℳ&G Beiträge zur Geſchichte der alten Gießener Burſchenſchaft Burſchenſchaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) Von Chriſtian Scriba Pfarrer i. P. in Gießen Mit einer Einleitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt 3 Grossh. Universitaets- 5- Bibliothek E 2 GGr GIL.SSEN 2 — —— 1913 Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen, Vorrede. Gerne und freudig habe ich mich der vorliegenden Arbeit unter⸗ zogen. Iſt ſie doch ein, wenn auch nur kleiner, Beitrag zu dem ge⸗ planten großen Werke, der Sammlung und Herausgabe der„Mit⸗ gliederliſten der deutſchen Burſchenſchaft“. Für die bereitwillige Unterſtützung, die ich von faſt allen Seiten erfuhr, danke ich auf dieſem Wege und verbinde damit die Bitte um Benachrichtigung von Unrichtigkeiten und Ergänzungen, welche dann bei den geplanten Mitgliederliſten berückſichtigt werden können. Beſonderen Dank ſchulde ich meinem verehrten Freund, Herrn Geheimen Hofrat Profeſſor Dr. Haupt, Direktor der hieſigen Univer⸗ ſitäts-Bibliothek, durch deſſen Rat mir die Arbeit weſentlich erleichtert worden iſt, und welcher in liebenswürdigſter Weiſe meiner Bitte ent⸗ ſprochen hat, aus ſeiner reichen Kenntnis einen einleitenden geſchicht⸗ lichen Überblick über jene Zeit der Gießener Burſchenſchaft zu geben. Es erfüllt mich mit beſonderer Freude, daß ich die Lebensbilder der alten Gießener Burſchenſchafter, die der Freiheit und dem Vater⸗ land ihr Leben weihten, im Jahre der hundertjährigen Gedenkfeier der Freiheitskriege dem Druck übergeben kann. Die Veröffentlichung der Lebensbilder der 89 alten Gießener Burſchenſchafter betrachte ich als einen Akt der Pietät gegenüber mei⸗ nem Vater und ſeinen 88 Bundesbrüdern, beziehungsweiſe ſeinen 31 Leidensgenoſſen bei der Relegation. Gießen, den 18. Oktober 1913. Chriſtian Scriba E. M. der Gießener Burſchenſchaft „Germania“ (aktiv O. 1860— 1863). ft — Einleitung. Durch ein enges Band iſt die Geſchichte der deutſchen Burſchen⸗ ſchaft mit dem Gange der deutſchen Einheitsbewegung verknüpft. In allen ihren Entwicklungsſtufen iſt für die Burſchenſchaft der leiden⸗ ſchaftliche Drang nach einer Einigung des deutſchen Volkes der be⸗ ſtimmende Pol geweſen. Hunderte ihrer Mitglieder haben für dieſes Streben ihr Lebensglück zum Opfer gebracht; aus dem burſchenſchaft⸗ lichen Kreiſe iſt hauptſächlich der deutſche Einheitsgedanke in die wei teren Kreiſe des Volkes hinausgetragen worden. Von dieſem Geſichts punkte aus betrachtet, gewinnt die von der„Burſchenſchaftlichen Hiſto⸗ riſchen Kommiſſion“ geplante Herausgabe von Mitglieder⸗Liſten der alten Burſchenſchaft eine allgemeinere Bedeutung. Nicht nur der ſtu⸗ dentengeſchichtlichen Forſchung im engeren Sinne wird mit dieſem Un⸗ ternehmen gedient, ſondern die Bearbciter dürfen zugleich hoffen, durch den Nachweis des ſtarken Anhangs, den der vaterländiſche Gedanke namentlich in den erſten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts trotz Acht und Bann an den deutſchen Univerſitäten gefunden, auch zur genaueren Erforſchung der Geſchichte der deutſchen Einheitsbewegung weſentlich beizutragen. Die meinem verehrten Freunde Scriba gegebene Anregung, an der von mir übernommenen Ausarbeitung der Mitglieder⸗Liſten der alten Gießener Burſchenſchaft ſich zu beteiligen, iſt bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen. Mit feurigem Eifer hat er zunächſt des bedeutungsvollen Zeitabſchnittes 1826— 1829 ſich angenommen, während deſſen ſein Vater, Pfarrer Auguſt Scriba, der alten Gießener Burſchenſchaft angehörte, und mit unendlicher Mühe und Geduld hat er alle erreichbaren Nachrichten über die Lebensſchickſale einer großen Zahl von Bundesbrüdern ſeines Vaters geſammelt, namentlich von denjenigen, die im Jahre 1828 mit ihm das Los der Relegation um ihrer Zugehörigkeit zur Burſchenſchaft willen teilen mußten. Auf den folgenden Blättern will er die Ergebniſſe jener ausgebreiteten pietät⸗ vollen Nachforſchungen einem weiteren Kreiſe zugänglich machen. Gern komme ich dem Wunſche des Verfaſſers nach, dieſen ſo dankenswerten Lebensbildern einige einleitende Worte vorauszuſchicken, die über die — a— Geſchichte der alten Gießener Burſchenſchaft, zumal in den Jahren 1828— 1833, in aller Kürze unterrichten ſollen. ¹) Faſt gleichzeitg mit der am 1. November 1814 gegründeten Halliſchen Teutonia trat in Gießen die dieſer erſten und älteſten Burſchenſchaft aufs engſte weſensverwandte„Teutſche Leſegeſellſchaft“ zu Anfang November 1814 ins Leben. So allgemeinen und begei⸗ ſterten Anhang ſie auch unter der Studentenſchaft der Ludoviciana fand, ſo hatte die„Teutonia“ doch nur kurzen Beſtand. Schon im Januar 1815 zerfiel ſie in zwei feindliche Parteien, aus deren einer ſich die alten Landmannſchaften aufs neue bildeten, während die An⸗ hänger des burſchenſchaftlichen Gedankens, die ſogenannten„Schwar⸗ zen“, unter der Führung der Brüder Follen zuerſt zu einer„Ger⸗ mania“, nach deren Auflöſung zu einem„Deutſchen Bildungsverein“ ſich zuſammenſchloſſen. Auch der von den„Schwarzen“ im Jahre 1816 gemachte Verſuch, auf Grund der von ihnen ausgearbeiteten Ver⸗ faſſung, des„Ehrenſpiegels“, die Gießener Studentenſchaft wieder zu einer Burſchenſchaft zu einigen, mißlang. Erſt durch das Wartburg⸗ feſt vom Oktober 1817, an dem Anhänger der beiden genannten Par⸗ teien teilnahmen, wurden auch die bisher ſtarr partikulariſtiſchen Gie⸗ ßener Landmannſchafter für die deutſch⸗vaterländiſchen Ideen ge⸗ wonnen. Im Auguſt 1818 vereinigten ſie ſich nach Auflöſung ihrer Verbindungen zur„Allgemeinen Gießener Burſchenſchaft Germania“, der auch ihre bisherigen Gegner, die„Schwarzen“, mit der Zeit ſich anſchloſſen. Aber auch diesmal ſollte die vollzogene Einigung wieder nur von kurzer Dauer ſein. Infolge der Karlsbader Beſchlüſſe, die die Zugehörigkeit zur Burſchenſchaft mit dem Ausſchluſſe aus dem Staatsdienſte in allen deutſchen Bundesſtaaten bedrohten, löſte ſich die Germania am 3. November 1819 auf. Wiederum leben nun die alten Landmannſchaften wieder auf, deren Anhänger auf die ſtillſchweigende Duldung der Behörden rech⸗ nen durften. Aber auch die Anhänger der Burſchenſchaft hielten im Geheimen zuſammen, zuerſt in zwei Verbindungen, Conſtantia und Germania, getrennt, ſeit 1821 aber zu einer einzigen Burſchenſchaft vereinigt, die den weitaus größeren Teil der Studentenſchaft umfaßte. Die Farben waren zuerſt ſchwarz-⸗rot⸗gold, wurden aber ſpäter aus Vorſicht in blau⸗gold⸗rot geändert. Als Deckname gebrauchte man die Bezeichnung„Waffenverbindung“. Von den Corps unterſchieden ¹) Ausführlicher habe ich über den Gegenſtand gehandelt in meinem„Karl pollen und die Gießener Schwarzen“(Gießen 1907), in der„Ludoviciana“(1907) S. 50 ff., in der„Feſtſchrift zum 50 jährigen Stiftungsfeſte der Gießener Bur⸗ ſchenſchaft Germania“(Mainz 1901) S. 5 ff., endlich in dem Aufſatz über Adolf Spieß, in den„Quellen und Darſtellungen zur Geſchichte der Burſchenſchaft und der deutſchen Einheitsbewegung“ Band II(1911) S. 306 ff. ſich ihre Mitglieder nicht nur durch ihre deutſch⸗vaterländiſchen Be⸗ ſtrebungen, ſondern auch durch eifrige Pflege des Turnens und durch die ſtrenge ſittliche Zucht, die in ihrem Kreiſe herrſchte. Nachdem die „Waffenverbindung“ mit den Corps mehrere Jahre hindurch in flottem Paukverhältnis geſtanden, brachen im Jahre 1828 ernſte Zwiſtigkeiten zwiſchen den beiden Parteien aus. Die Waffenverbindung ſprach ſchließlich in einem Briefe, der die Corps als„Höhlen des Laſters“ bezeichnete, über dieſe den Verruf aus. Die hierauf folgenden Zu⸗ ſammenſtöße zwiſchen den feindlichen Parteien veranlaßten eine amt⸗ liche Unterſuchung, wobei das Univerſitätsgericht in den Beſitz der Verfaſſungen und Mitgliederliſten der Verbindungen und des zwiſchen ihnen geführten Briefwechſels kam und bei welcher Gelegenheit gegen die Mitglieder der Waffenverbindung von ihren Gegnern der Vorwurf der„Demagogie“ erhoben wurde. Das Endergebnis war, daß am 28. Juni 1828 zweiunddreißig Mitglieder der engeren Verbindung innerhalb der Burſchenſchaft und 16 Angehörige der Corps Haſſia und Starkenburgia der Relegation auf ein Jahr verfielen. Durch eine im Juli nach Darmſtadt abgeordnete ſtudentiſche Deputation hoffte man eine Milderung des Straferkenntniſſes zu erreichen, doch iſt den Beſtraften die Rückkehr an die Ludoviciana erſt für das Sommerſemeſter 1829 geſtattet worden. Den Fortbeſtand der Gießener Burſchenſchaft hatte die große Relegation nicht zu beeinträchtigen vermocht. Schon am 24. Auguſt 1828 erfolgte ihre Neugründung. Als Farben wurden wieder ſchwarz⸗ rot⸗gold angenommen; die Satzungen waren von einem früheren Halliſchen Burſchenſchafter, dem ſpäteren Hofprediger Wilſing, nach dem Muſter der Halliſchen Verfaſſungsurkunde entworfen worden. Wohl blieben der Gießener Burſchenſchaft innere Kämpfe nicht erſpart, die im Herbſt 1829 und im Jahre 1830 zur Gründung der kurz⸗ lebigen Corps Naſſovia und Vandalia führten. Einen ſtärkeren Ver⸗ luſt bedeutete der Austritt einer größeren Anzahl von Unzufriedenen, die ſich im Sommer 1832 zu einem Corps Teutonia zuſammentaten; dieſen gefährlich klingenden Namen mußte die Verbindung bald in „Starkenburgia“ verändern, was freilich nicht verhinderte, daß ihre Mitglieder auch als Corpsſtudenten in der Folge den burſchenſchaft⸗ lichen Traditionen treu blieben. Trotz dieſer Abſplitterungen erlebte die Gießener Burſchenſchaft gerade in jenen Jahren eine Zeit beſon⸗ derer Blüte. Als ſie ſich zu Anfang 1831 der„Allgemeinen deutſchen Burſchenſchaft“ anſchloß, konnte ſie 98 Mitglieder anmelden. Und eine Reihe von glänzenden Namen— ich nenne nur die Theologen Hundeshagen und Minnigerode, den Juriſten Karl Sell, den Turn⸗ meiſter Adolf Spieß, die Brüder Karl und Guſtav Soldan, den Kli⸗ niker Wernher, den Germaniſten Hattemer, den Zoologen Karl Vogt, den Geographen Ernſt Dieffenbach, den Volksſchriftſteller OLſer— ſind in den Gießener Burſchenſchafter⸗Liſten jener Jahre zu finden. Der Ausbruch der Juli⸗Revolution des Jahres 1830 und ihre Nachwirkungen auf die liberalen Kreiſe Deutſchlands ſind wie für die Geſamtburſchenſchaft, ſo auch für den Gießener burſchenſchaftlichen Kreis verhängnisvoll geworden. Trotzdem in der Germania als ſol⸗ cher die arminiſtiſche Richtung vorherrſchend blieb, ſo wurden doch zahlreiche ihrer Mitglieder von der leidenſchaftlichen politiſchen Er⸗ regung jener Tage erfaßt. Manche von ihnen waren in die Vorbe⸗ reitung der für das Frühjahr 1833 geplanten allgemeinen Volkser⸗ hebung eingeweiht, und am Frankfurter Wachenſturm vom 3. April 1833 haben auch mehrere Angehörige der Gießener Burſchenſchaft teil⸗ genommen. Ihr Kern wählte im Sommer 1833 als ſchützenden Decknamen den eines Corps Palatia, deſſen Mitglieder aber der Be⸗ teiligung an der politiſchen Agitation nicht entſagten. Durch zwei Verräter gelangten alle dieſe geheimen Verbindungen zur Kenntnis der Unterſuchungsbehörden, die nun eine wahre Hetzjagd gegen die jungen Verſchwörer, aber auch gegen alle in politiſcher Beziehung völlig unbelaſteten früheren Mitglieder der Burſchenſchaft und der burſchen⸗ ſchaftlichen Corps Starkenburgia und Palatia veranſtalteten. Viele von ihnen ſuchten ihr Heil in der Flucht nach der Schweiz, Frank⸗ reich und der neuen Welt. Die Zurückgebliebenen traf zum guten Teile lange Unterſuchungshaft und ſchwere Freiheitsſtrafe, die erſt durch die Amneſtie von 1839 erlaſſen wurde. Aber auch ſoweit die Unterſuchung wegen der zahlloſen Menge der Beſchuldigten niederge⸗ ſchlagen wurde, hat ſie doch ſo manches Lebensglück zerſtört, indem man einen großen Teil der ehemaligen Burſchenſchafter von der Ab⸗ legung der Schlußprüfung und damit vom Staatsdienſte ausſchloß. Über den deutſchen Einheitsgedanken hat die Reaktion aber doch auch mit ſolchen Mitteln nicht Herr zu werden vermocht. Das Jahr 1848 ſah die Fahne der Burſchenſchaft auf den deutſchen Fürſten⸗ ſchlöſſern wehen, und gar mancher der burſchenſchaftlichen Leidensge⸗ noſſen der zwanziger und dreißiger Jahre hat es noch erleben dürfen, daß der Traum der alten Burſchenſchaft von einem mächtigen deutſchen Reiche mit freiheitlicher Verfaſſung in glänzende Erfüllung ging. Herman Haupt E. M. der Würzburger Burſchenſchaft„Arminia“ und der Gießener Burſchenſchaft„Frankonia“ (aktiv 1871— 74). 1. Die am 28. Juni 1828 wegen Teilnahme an verbotener Studenten⸗Verbindung auf ein Jahr relegierten Gießener 32 Burſchenſchafter. 1. Barth, Karl Leonhard, ſtud. jur. aus Darmſtadt, geboren daſelbſt 29. Auguſt 1810 als Sohn des Bürgers und Bäckermeiſters Chriſtoph Barth, immatrikuliert 31. Oktober 1827. Kehrte nach der Relegation nicht nach Gießen zur Fortſetzung ſeines Studiums zurück, widmete ſich vielmehr dem Kaufmannsſtande und ſtarb als Bürger und Kaufmann in Darmſtadt 17. Dezember 1846. 2. Barthel, Philipp Friedrich, ſtud. jur. aus Bretzenheim, imm. 18. Januar 1827, Sohn von Bäckermeiſter Wendel Barthel daſelbſt, geb. 30. Oktober 1802(= 8. Brumaire 11). Kehrte zwar nach Ab⸗ lauf der einjährigen Relegation wieder nach Gießen zurück, beendigte aber ſein Studium nicht, widmete ſich vielmehr dem Beruf ſeines Vaters, war ſpäter ein angeſehener Bäckermeiſter in Mainz, ſpielte beſonders im Jahre 1848 eine Rolle, wanderte ſpäter nach der Schweiz aus, lebte dort zuerſt in Riesbach und dann in Meilen, Kanton Zürich, und zuletzt in Zürich, wo er Ende der 80er oder Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts geſtorben iſt. 3. de Beauclair, Ludwig, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 19. November 1807 als Sohn des Hofrates Adolph de Beauclair, franzöſ. Sprachlehrers am Gymnaſium zu Darmſtadt(lecteur), welcher im Sommer 1807 im großen Woog, 27 Jahre alt, ertrank. War ſeit 7. September 1841 Kreisſekretär zuerſt in Bensheim und dann in Dieburg und ſeit 12. Mai 1852 Kreisaſſeſſor in Fried⸗ berg, wo er als Penſionär 25. Juni 1873 ſtarb. 4. Bingmann, Heinrich Anton, ſtud. jur. aus Ober⸗Rosbach, imm. 25. Oktober 1825, geb. daſelbſt 7. Juni 1807 als Sohn des Stadtſchreibers Henrich Anton Bingmann, promovierte zum Dr. juris, war Bürger zu Frankfurt a. M., wanderte nach Auſtralien aus, be⸗ trieb dort Schafzucht en gros, kehrte in ſeinen alten Tagen zurück, ſchlug ſein Domizil in Gengenbach im badiſchen Schwarzwalde auf und ſtarb daſelbſt 5. Februar 1885. 8 5. Cellarins, Friedrich Ludwig Wilhelm, ſtud. theol. aus Fränkiſch⸗Crumbach i. O., imm. 31. Oktober 1827, geb. daſelbſt 18. März 1808 als Sohn des Pfarrers Friedrich Carl Wilhelm Cellarius. Vertauſchte nach der Relegation das Theologieſtudium mit der Landwirtſchaft, bewirtſchaftete von 1831 an zuerſt ein Gut in Fränkiſch⸗Crumbach, pachtete dann 1841 das St. Katharinen Kloſter gut in Niederrad bei Frankfurt a. M. und ſiedelte ſchließlich im Jahre 1850 nach Nieder⸗Kainsbach i. O. über, wo er ſich eine größere Hof⸗ reite erbaute und bis 1875 ſein Gut bewirtſchaftete. Starb an Blut vergiftung infolge einer Operation 5. April 1885 zu Nieder⸗Kainsbach. 6. Curtman, Karl Leberecht, ſtud. theol. aus Alsfeld, imm. 10. März 1826, geb. zu Eudorf 18. September 1808 als Sohn des Pfarrers H. Curtman, ſetzte nach der Relegation ſein Studium ſort, gehörte wieder der Burſchenſchaft an, flüchtete„wegen hervorragender Beteiligung an demagogiſchen Verbindungen“ in Begleitung ſeines Freundes ſtud. cam. Ludwig Hundeshagen, Bruder des Theologie Profeſſors Karl Bernhard Hundeshagen(ſiehe Nr. 15), in die Schweiz und von da im März 1832 nach Amerika, wo er in St. Louis bei einem Sattler in Arbeit geſtanden. Hier erkrankte er am Nerven⸗ fieber, ſprang in einem Fieberanfall in den Miſſiſſippi und ertrank. War der Bruder des Pädagogen Dr. Wilhelm Curtman, Direktors des Schullehrer⸗Seminars zu Friedberg. Todeszeit unbekannt. 7. Dilg, Adam Auguſt, ſtud. theol. aus Selzen, imm. 30. Oktober 1826, geb. daſelbſt am 12. Mai 1808 als Sohn des Pfarrers Kirchenrat Heinrich Wilhelm Dilg, vertauſchte nach der Relegation das Theologie ſtudium mit dem kaufmänniſchen Berufe, wanderte 1839 nach Amerika aus, kam 1841 zurück, vecheiratete ſich, ging wieder dorthin und lebte in Belleville(Illinois) und ſpäter bei ſeinen 2 Söhnen in Portland, wo er im Mai 1880 ſtarb. 8. Ebel, Georg, ſtud. jur. aus Gießen, imm. 10. Mai 1827, geb. zu⸗ Freienſteinau 20. Mai 1809 als Sohn des Riedeſel'ſchen Amtmanns und ſpäteren Reg.⸗Rats zu Gießen Heinrich Theophil Ebel, ſetzte nach der Re legation das Studium fort, gehörte wieder der Burſchenſchaft an und entging zu Anfang der 30er Jahre ſeiner Verhaftung durch die Flucht und Auswanderung nach Amerika, wo er nach mannigfachen Schick⸗ ſalen als Farmer 1851 in Hope Well(Pennſylvanien) geſtorben iſt. 9. Graf, Friedrich Wilhelm, ſtud. foreſt. aus Worms, imm. 4. Dezember 1827, geb. daſelbſt 9. Oktober 1806 als Sohn des 9 Pfarrers Kirchenrat Friedrich Alexander Graf, ſetzte nach der Rele⸗ gation v. S. S. 1829 bis S. S. 1831 ſein Studium in Gießen fort, trat nach Ablegung der Forſtprüfungen in die Dienſte des Fürſten von Löwenſtein als Revierförſter(ſpäter Forſtmeiſter) in Michelbach bei Schwäbiſchhall(Württemberg) und ſtarb daſelbſt 19. Januar 1866 an Typhus, welcher Krankheit auch ſeine Frau Johanna Marie geb. Tag aus Worms vier Tage vorher erlegen war. 10. Graf, Gottlob Eduard, ſtud. theol. aus Worms, Bruder des vorigen, imm. 4. Dezember 1827, geb. daſelbſt 18. Mai 1810, ſtudierte nach der Relegation bis S. S. 1831 wieder in Gießen, wurde von der theologiſchen Fakultät nicht zur Fakultätsprüfung zugelaſſen, „weil er ſich zur burſchenſchaftlichen Studentenpartei gehalten und ſchwarz⸗rot⸗goldene Farben getragen“, war dann längere Zeit an dem von Dr. Friedr. Schödler, dem ſpäteren Direktor des Realgymnaſiums zu Mainz und Verfaſſer des„Buch der Natur“, zu Worms gegrün⸗ deten höheren Knabeninſtitut als Lehrer tätig, ſpäter auch Prediger der Deutſchkatholiken in Wiesbaden, nahm in den Jahren der Wirren von 1848 und 1849 mit vollem Feuer heller Begeiſterung für die Sache der Freiheit teil, was eine ſtürmiſche Flucht nach Amerika zur Folge hatte und ſtarb als weithin gekannter und geliebter freireli⸗ giöſer Prediger im Jahre 1863 in Cincinnati. 11. Gros, Auguſt, ſtud. jur. aus Groß⸗Steinheim, imm. 16. Mai 1827, geb. daſelbſt 3. Auguſt 1810 als Sohn von Landrichter Gros, gehörte nach der Relegation wieder der Burſchenſchaft an und war verwickelt in die in den Jahren 1832 bis 1835 ſtattgehabten hochver⸗ räteriſchen und ſonſtigen damit in Verbindung ſtehenden verbrecheri⸗ ſchen Unternehmungen. Das über ihn gefällte Urteil des Hofgerichts lautete:„Der Student der Rechtswiſſenſchaft Auguſt Gros von Stein⸗ heim iſt bezüglich der Anſchuldigung, an jenem Komplott zum Hoch⸗ verrat teilgenommen zu haben, von der Inſtanz zu abſolvieren, hinſichtlich der weiteren aber, in eine ſtrafbare politiſche Zwecke ver⸗ folgende Studentenverbindung auf hieſiger Univerſität ſich eingelaſſen und für die Beſchlüſſe des zu Michaelis 1831 gehaltenen Frankfurter Burſchentags mitgewirkt zu haben, gänzlich freizuſprechen“. War ſpäter Gutspachter in Arnsburg bei Lich und Sekretär des land⸗ wirtſchaftlichen Provinzialvereins von Oberheſſen und ſtarb 5. De⸗ zember 1893 zu Lich, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte. 12. Häbel, Heinrich Ludwig, ſtud. philoſ. aus Lautzenbrücken bei Kirburg im Weſterwald, imm. 1. November 1827, geb. daſelbſt 10 8. Februar 1808 als Sohn des Landmanns Johann Peter Häbel, ſetzte nach Ablauf der Relegation das Studium fort und ſtarb als Kandidat 4. April 1839 in Lautzenbrücken. 13. Held, Julius Chriſtian, ſtud. theol. aus Braunfels, imm. 31. Oktober 1826, geboren daſelbſt 17. Auguſt 1806 als Sohn des Reg.⸗ Medizinalrats Dr. Held, wurde nach ſeinem Abgang von der Univer⸗ ſität am 2. Dezember 1828 als Sekretariats⸗Akzeſſiſt in den Fürſtl. Solms⸗Braunfels'ſchen Dienſt übernommen, am 1. Januar 1831 zum Regiſtrator ernannt, 5. Auguſt 1837 zum Kammer Aſſeſſor und ſpäter zum Fürſtl. Kammerrat befördert, als welcher er nach einer Geſamt⸗ dienſtzeit von 38 Jahren 1. Februar 1867 in Braunfels ſtarb. 14. Hill, Philipp, ſtud. theol. aus Alsfeld, imm. 4. November 1825, geb. daſelbſt 10. Mai 1807 als Sohn des Bürgers und Schuh⸗ machers Juſtus Hill, war nach Ablegung der theologiſchen Prüfungen zunächſt in den 30er Jahren Rektor in Alsfeld, wurde dann 7. Februar 1840 Pfarrer in Petterweil, 14. März 1849 zweiter Pfarrer in Nidda und ſtarb daſelbſt 7. Oktober 1859. 15. Hundeshagen, Karl Bernhard, ſtud. theol. aus Gießen, imm. 23. Oktober 1825, geb. zu Friedewald bei Hersfeld 30. Januar 1810 als Sohn des ſpäteren Profeſſors der Forſtwiſſenſchaft in Gießen Johann Chriſtian Hundeshagen, vertauſchte nach der Relegation im Frühjahr 1829 die Ludoviciana mit der Univerſität Halle, habilitierte ſich 1831 in Gießen für die Fächer der Kirchengeſchichte und Exegeſe, wurde 1834 außerordentlicher Profeſſor in Bern, 1846 ordentlicher Profeſſor in Heidelberg, folgte, nachdem er mit der badiſchen Landes⸗ kirche zerfallen war, im Herbſt 1867 einem Ruf nach Bonn und ſtarb daſelbſt 2. Juni 1872. Vergl. Th. Chriſtlieb: K. B. Hundeshagen, Sep.⸗Abdr. a. d. „Deutſchen Blättern“(Gotha 1873), S. 8, und über Hundeshagen als Burſchenſchafter vergl. Chriſtlieb, a. a. O., und Wilhelm Baur, Lebensbilder(Bremen und Leipzig 1884), S. 335 ff.— 16. Kraft, Heinrich Karl Ferdinand, ſtud. jur aus Grünberg, imm. 4. Oktober 1826, geb. daſelbſt 28. Januar 1809 als Sohn des Landrichters Kraft, wurde als Gerichts⸗Akzeſſiſt unmittelbar vor ſeiner Anſtellung auf einem Jagdgang auf dem Ruttershäuſer Steg von ſeinem beſten Freunde, dem Hofgerichts⸗Advokaten Eduard Thorwart, erſchoſſen. Jener Steg, hölzern, war kaum 1 Meter breit. Kraft — 11 ging voraus, Thorwart 2 Schritte hinter ihm, hielt das Gewehr in der Richtung nach dem Vorausgehenden, der Hahn blieb am Geländer hängen, ſchnappte zu, die Schrotladung ging Kraft in den Rücken. Nach 2 Stunden war er eine Leiche. Der Tod erfolgte 5. September 1836 vormittags zwiſchen 10 und 11 Uhr. 17. Kredel, Georg Jakob, ſtud. theol. aus Untermoſſau i. O., imm. 31. Oktober 1827, geb. daſelbſt 18. Juni 1808 als Sohn des Landmanns Adam Kredel, erhielt nach verſchiedenen Verwendungen als Pfarrvikar am 28. Februar 1843 die Pfarr⸗ und Schulſtelle zu Wilsbach im heſſiſchen Hinterland definitiv, bekam mit ſeiner Ge⸗ meinde, da er eine Draufgängernatur war, bald Anſtände. Man brachte ihm eine Katzenmuſik, was zur Folge hatte, daß er einen der Muſi⸗ kanten dermaßen mit einem Knüppel bearbeitete, daß er flüchtig gehen mußte und nach Amerika auswanderte(etwa im Jahre 1845), wo er in Pittsburg im Staate Alleghany Pfarrer wurde. Nach einem Briefe eines Sohnes(ebenfalls Pfarrer) iſt er vor vielen Jahren (Jahr unbekannt, da der Brief verloren gegangen) bei einem Eiſen⸗ bahnunglück verbrannt. 18. Piſtorius, Karl Chriſtoph, ſtud. foreſt. aus Göppingen (Württemberg), imm. 26. Oktober 1827, geb. daſelbſt 24. März 1808 als Sohn des Kameralverwalters Piſtorius, wurde nach der Relega⸗ tion im Herbſt 1829 in Tübingen immatrikuliert, gehörte der dortigen Burſchenſchaft an, war ſpäter Profeſſor an der land⸗ und forſtwirt⸗ ſchaftlichen Akademie in Hohenheim und zuletzt Gutsbeſitzer in Ober— enſingen, wo er 12. Mai 1859 ſtarb. 19. Sartorius, Friedrich Georg, ſtud. theol. aus Hohenſolms, imm. 18. März 1826, geb. daſelbſt 16. Januar 1808 als Sohn des Fürſtl. Solms⸗Lichiſchen Oberförſters Sartorius, beſtand 1830 in Gießen die theologiſchen Prüfungen, wurde 18. Oktober 1833 Pfarr⸗ vikar in Eich, 22. Auguſt 1837 Pfarrer in Neu⸗Iſenburg, 14. Juli 1843 in Hitzkirchen, 5. Juli 1852 Garniſonspfarrer in Darmſtadt und 2. Juni 1863 Pfarrer in Roßdorf, wo er 2. Dezember 1865 ſtarb. War während ſeiner Dienſtzeit in Hitzkirchen von 1850 an Mitglied des Bezirksrats des Kreiſes Nidda und Landtagsabgeordneter (bis Ende 1856) des Wahlbezirks Ortenberg, ſowie ſeit 18. Auguſt 1856 Inhaber des Ritterkreuzes I. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. — 12 20. Schaum, Bernhard, ſtud. jur. aus Trebur, imm. 30. Ok⸗ tober 1827, geb. zu Eichelsdorf 28. Januar 1808 als Sohn des Pfarrers Kirchenrat Friedrich Schaum zu Ober⸗Ramſtadt(früher in Eichelsdorf), beendigte nach Ablauf der Relegation von Mai 1829 an ſein juriſtiſches Studium, trat am 18. Januar 1839 in den Dienſt der Fürſtlich Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtverwaltung, bekleidete hier zuletzt bis zum Jahre 1852 die Stelle eines General⸗Poſtdirektions⸗ rats, wurde dann am 1. November 1852 zum Freiherrl. Riedeſel⸗ ſchen Sammtrat in Lauterbach ernannt und als ſolcher am 1. April 1878 penſioniert, worauf er ſeinen Wohnſitz nach Frankfurt a. M. verlegte, wo er am 11. März 1887 ſtarb. 21. Scheuermann, Philipp Ludwig, ſtud. theol. aus Hungen, imm. 22. September 1825, geb. zu Utphe 20. April 1806 als Sohn des in Hungen verſtorbenen Landrats Philipp Louis Scheuermann, wurde 13. September 1836 Pfarrvikar zu Höringhauſen im Kreiſe Vöhl, 13. Juni 1838 Pfarrer daſelbſt und ſtarb hier 30. März 1867. 22. Schmitt, Ludwig Friedrich, ſtud. foreſt. aus Nieder⸗Ofleiden, imm. 28. November 1825, geb. daſelbſt 20. September 1807 als Sohn des Rentmeiſters Friedrich Ludwig Schmitt, wurde 27. Januar 1837 Revierförſter in Wendelsheim, 1. März 1856 Forſtmeiſter in Battenberg, lehnte nach der Annexion des Heſſ. Hinterlandes 1866 ſeine Berufung in die Preuß. Regierungsbehörde zu Wiesbaden ſeines Alters wegen ab und ſtarb in Battenberg 24. Juli 1869. 23. Schwarz, Auguſt, ſtud jur. aus Hungen, imm. 30. Oktober 1826, geb. zu König i. O. als Sohn des Steuerkommiſſärs Johann Chriſtoph Schwarz(ſpäter in Hungen) 8. Juni 1808, wurde 2. März 1836 Landgerichts⸗Aktuar in Hungen und ſtarb daſelbſt 24. De⸗ zember 1840. 24. Scriba, Chriſtian Ludw. Friedr. Wilh. Auguſt, ſtud. theol. aus Reichelsheim i. O., imm. 24. April 1826, geb. zu Sprendlingen (Starkenburg) 23. September 1807 als Sohn des Pfarrers Theophil Friedr. Chriſtian Scriba, wurde nach Ablegung der Fakultätsprüfung Dezember 1830 und der Schlußprüfung 8. bis 10. September 1831 am 23. September 1832 ordiniert und ſeinem Stieſvater, Pfarrer Karl Auguſt Schweickart, als Aſſiſtent in Reichelsheim beigegeben, 7. April 1835 zum Pfarrvikar daſelbſt ernannt, durch Dekret vom 13 27. September 1839 definitiv als Pfarrer in Leihgeſtern bei Gießen angeſtellt und ſtarb daſelbſt am Scharlachfieber 14. März 1843. War mein(des Verfaſſers) Vater. 25. Scriba, Georg Friedr. Jakob Eduard, ſtud. jur.(1829 ſtud. theol.) aus Schwickartsauſen, imm. 4. Dezember 1825, geb. zu Ulrichſtein 22. März 1808 als Sohn des Pfarrers Wilh. Gottlieb Friedr. Scriba(ſpäter in Schwickartshauſen), vertauſchte nach der Relegation 1829 das juriſtiſche mit dem theologiſchen Studium, be⸗ ſuchte W.S. 1830/31 die Univerſität Bonn, war Sprecher in der dortigen Burſchenſchaft, wohnte im Hauſe von Ernſt Moritz Arndt und unterrichtete deſſen Söhne, wurde wegen der Gießener Verhält⸗ niſſe nur 1 Semeſter in Bonn geduldet, wurde, nach Gießen zurück⸗ gekehrt, am 17. April 1832„wegen hervorragender Beteiligung an demagogiſchen Verbindungen“ wiederholt relegiert, als er bereits das ſchriftliche theologiſche Examen abſolviert hatte, war dann Hauslehrer auf dem Hofgute Neuhof bei Gedern, nahm am Frankfurter Attentat 3. April 1833 teil, flüchtete in die Schweiz, war dort Lehrer am Knabeninſtitut von Islar⸗Bruch zu Lauſanne, dann Bezirkslehrer in Therwyl(Baſel⸗Land), wurde vom 15. Oktober bis 5. November 1836 mit anderen politiſchen Flüchtlingen, denen ſich auch der jüngere Bruder Ferdinand Scriba angeſchloſſen hatte, auf franzöſiſche Staatskoſten über Calais nach England transportiert. Nach ſiebenwöchigem Aufenthalt in London reiſten die beiden Brüder nach Liverpool, wo ihnen Lehrerſtellen an einem blühenden deutſchen Inſtitute angetragen waren. Bald nach der Ankunft erkrankte Eduard Scriba an den Blattern und ſtarb 4. Januar 1837. In der aktenmäßigen Darſtellung ꝛc. von Hofgerichtsrat Schäffer, Gießen März 1839, heißt es Seite 5:„Eduard Scriba ſah in einer Revolution das einzige Mittel, die Wünſche hinſichtlich einer größeren Ausdehnung der Volksrechte und der Verwirklichung der nationalen Einheit Deutſchlands ins Leben zu führen“, ſodann daſelbſt Seite 41 bis 44:„Am 3. April(1833) wurde zuerſt die Hauptwache erſtürmt. An dem gleichzeitigen Angriff auf die Conſtabler Wache nahmen die Advokaten Gärth und Neuhof, mehrere Polen—, einige Leute aus dem Handwerkerſtande, endlich der Kandidat Schüler(Darmſtadt) und die gleichfalls ſchon mehr genannten Studenten Scriba und Lu⸗ banski Anteil“. Kandidat Schüler ſagt von Eduard Scriba aus, nachdem das Attentat auf die Wache mißglückt war:„Da Scriba nicht mehr habe entrinnen können(nämlich dem herankommenden Militär), habe ſich 14— derſelbe zur Erde geworfen und das Militär ſei nun, ihn für tot haltend, an ihm vorübergezogen“.„Secriba hat dies letztere ſelbſt öfter erzählt und beigefügt, daß er, in den Straßen Frankfurts um⸗ herirrend, auf einige Kaufmannsdiener geſtoßen ſei, welchen er ſich offenbart habe und von deren einem er aufgenommen und den anderen Tag in dem Anzuge eines Kaufmanns glücklich zum Tore hinausge⸗ bracht worden ſei“.— Vgl. den Artikel von H. Haupt in den ‚„Heſ⸗ ſiſchen Biographien“ Bd. l, S. 109 ff. 26. Soldan, Friedrich Wilhelm Karl, ſtud. jur. aus Rüſſelsheim, imm. 14. Mai 1827, geb. zu Billertshauſen 3. Juli 1808 als Sohn des Pfarrers Karl Ludwig Soldan(ſpäter in Rüſſelsheim). Nachdem er nach der Relegation noch einige Jahre ſtudiert hatte, wurde ihm die Zulaſſung zur juriſtiſchen Fakultätsprüfung durch Großherzogliches Miniſterium verweigert mit der Begründung,„daß er, trotz ſeiner Relegation von der Univerſität, auch nach ſeiner Rückkehr nach Gießen noch fortwährend mit der beſtehenden Burſchenſchafterpartei Umgang pflege, daß er 1831 an einer Studentenfahrt nach Friedberg teilge⸗ nommen, daß er demokratiſche Verſammlungen von Studenten und Handwerkern auf der Heuchelheimer Mühle beſuche; ja er habe dem von Darmſtadt verwieſenen Herrn Fein von Braunſchweig bei ſeiner Durchreiſe durch Gießen vor dem Hotel Einhorn ein Hoch ausgebracht und ihn bis zum Walltor geleitet.“. Eine an die zweite Kammer der Stände gerichtete Petition blieb trotz der einſtimmigen Empfehlung des 3. Ausſchuſſes der Kammer bei der Regierung ohne Berückſichti⸗ gung, ſodaß Soldan im Jahre 1833 ſein„ungaſtliches Vaterland“ verlaſſen und ſich ein neues in der Schweiz ſuchen mußte. Er wurde zuerſt Lehrer in Lyon, dann Lehrer in Thun, wo er 11. November 1864 ſtarb. Vgl. den Artikel von H. Haupt in den„Heſſiſchen Bio⸗ graphien“, Bd. l, S. 168. 27. Stahl, Chriſtoph Ludw. Hermann Aug., ſtud. jur. aus Altheim, imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 16. November 1808 als Sohn des Pfarrers Joh. Wilh. Karl Stahl, wurde 13. Dezember 1837 Hofgerichts⸗Advokat in Darmſtadt und ſtarb 5. Juli 1863. 28. von Stockhanſen, Otto, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 23. April 1826, geb. daſelbſt 7. Februar 1808 als Sohn des Ober⸗ forſtmeiſters Georg Friedr. Wilh. von Stockhauſen, ſtarb als Hof⸗ gerichts⸗Akzeſſiſt in Darmſtadt 11. Februar 1832. 15 29. Trautwein, Wilhelm, ſtud. theol. aus Maar, imm. 15. Ok⸗ tober 1825, geb. zu Emmrichsrode 18. Juni 1807 als Sohn des Förſters Trautwein(ſpäter in Maar), wurde 30. September 1831 Rektor, 1833 zweiter Pfarrer, 20. Dezember 1863 Oberpfarrer zu Lauterbach, bekleidete ſeit 2J. Oktober 1868 das Amt des Dekans und ſtarb zu Lauterbach 22. Auguſt 1882. 30. Wagner, Johann Philpp, ſtud. theol. aus Fürth i. O., imm. 29. Oktober 1827, geb. zu König i. O. 15. April 1809 als Sohn des Steuerkommiſſärs Wagner(ſpäter in Fürth), wurde nach dem theologiſchen Schlußexamen(8. bis 10. September 1831) am 23. Ja⸗ nuar 1835 Pfarrvikar in Vielbrunn, 1837 in Biebesheim, 1839 zweiter Pfarrer in Wimpfen, 1850 in Dienheim und 1. Oktober 1862 in Griesheim, wo er 22. Juni 1884 ſtarb. 31. Weyell, Peter, ſtud. theol. aus Ober⸗Ingelheim, imm. 13. Mai 1827, geb. daſelbſt am 24. Mai 1808 als Sohn des Be⸗ ſitzers der Griesmühle Weyell, ſetzte nach der Relegation ſein Studium fort, beſtand 1836 die theologiſche Fakultätsprüfung, ſchied dann aus dem heſſiſchen Kirchendienſt als cand. theol. aus, weil er den Eintritt in das zu Oſtern 1837 errichtete Predigerſeminar zu Friedberg ver⸗ weigerte, wohnte hierauf bei ſeinem Vater in der Mühle und ſtarb 1. Januar 1885 als Privatier in Ober⸗Ingelheim. 32. Wiener, Ernſt Philipp Alexander, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 1. November 1826, geb. daſelbſt 23. Juli 1809 als Sohn des Hofgerichtsrats Wiener, wurde 1837 Landgerichtsaſſeſſor in Fürth i. O., 1844 in Zwingenberg, 1850 Landrichter in Hirſchhorn, 1853 in Groß⸗ Gerau, trat 1879 in den Ruheſtand, verlegte ſeinen Wohnſitz nach Darmſtadt und ſtarb daſelbſt 9. April 1894. 2. Die Gießener Burſchenſchafter der Jahre 1826 bis 1828, welche am 28. Juni 1828 nicht relegiert wurden. a) Aus dem Großherzogtum Heſſen: 33. Bogen, Johann Karl Ludwig, ſtud. jur. aus Michelſtadt, imm. 27. Oktober 1827, geb. daſelbſt 7. Juni 1809 als Sohn des Advokatus ordinarius und Kammerrats Georg Heinrich Bogen. Ver⸗ wickelt in die 1832 bis 1835 ſtattgehabten hochverräteriſchen und ſonſtigen damit in Verbindung ſtehenden verbrecheriſchen Unterneh⸗ mungen, wurde er 1835 zu einer Zuchthausſtrafe von acht Jahren verurteilt und am 7. Januar 1839 mit allen Verurteilten begnadigt. Nachdem er ſich an der politiſchen Erhebung des Jahres 1848 beteiligt hatte, damals noch heſſiſcher Gerichtsakzeſſiſt in Seligenſtadt, wurde er als Abgeordneter des Odenwaldes 1848 nach Frankfurt a. M. zum deutſchen Parlament gewählt. Nach deſſen Auflöſung und infolge der darauf in Heſſen eingetretenen Verhältniſſe wanderte Bogen nach Nord⸗Amerika aus und ließ ſich in Neu⸗Ulm(Staat Minneſota) als Rechtsanwalt nieder. Nach 1870/71 nochmals in ſeine deutſche Hei⸗ mat zurückgekehrt, ſtarb er im Jahre 1885 zu Neu⸗Ulm als Advokat und Herausgeber einer deutſchen Zeitung, der„Neu⸗Ulmer Poſt“. 34. Brodrück, Georg, ſtud. jur. aus Groß⸗Steinheim, imm. 7. Januar 1828, geb. daſelbſt 22. März 1809 als Sohn des Land⸗ gerichts⸗Aſſeſſors Franz Hubert Brodrück. Außere Umſtände führten es herbei, daß er die Studien nicht beendigen konnte und die Univer⸗ ſität vor abgelegtem Examen verließ. Er arbeitete dann auf ver⸗ ſchiedenen Gerichts⸗ und Notariatsgeſchäftszimmern in Oberheſſen und Rheinheſſen und trat anfangs der 1840er Jahre als Kammerſekretär in den Dienſt des Fürſten von Iſenburg⸗Büdingen. Hier wurde er nach einigen Jahren zum Kammerrat befördert und ſtarb 10. Februar 1891, nachdem er einige Jahre vorher in den Ruheſtand getreten war. 35. Bücking, Karl, ſtud. jur. aus Gießen, imm. 6. April 1827, geb. daſelbſt 14. Oktober 1809 als Sohn des Kaufmanns und Bür⸗ gers Johann Martin Ludwig Bücking, wurde 21. Mai 1841 Aſſeſſor ohne Votum und 3. Auguſt 1841 mit Votum in Schlitz, 29. Juli 1842 in Grünberg, 4. Januar 1848 in Gießen, 9. Mai 1855 Land⸗ richter in Laubach, 10. November 1857 in Butzbach, wo er 10. Sep⸗ tember 1866 ſtarb. 1 36. Burkard, Johann Georg Heinrich, ſtud. med. aus Mainz, imm. 24. Januar 1828, geb. daſelbſt 11. Juni 1807 als Sohn des Chirurgen Conſtantin Burkard und geſtorben als praktiſcher Arzt zu Biblis 3. Mai 1847. 37. Dingeldein, Johann Georg, ſtud. theol. aus Reichelsheim i. O., imm. 5. Mai 1828, geb. daſelbſt 24. Dezember 1808 als Sohn des Wirts Dingeldein, beſtand 8. bis 10. September 1831 die Schluß⸗ prüfung zu Darmſtadt, war ſeit 1834 Pfarrvikar in Reichelsheim i. O. ſeit 1835 Mitprediger in Erbach i. O, ſeit 1843 Kaplan daſelbſt, ſeit 1852 Pfarrer in Romrod, ſeit 1864 erſter Pfarrer in Alsfeld, ſeit 1865 Dekan, und ſtarb daſelbſt 17. Mai 1873. 38. Eigenbrodt, Wilhelm, ſtud. med. aus Darmſtadt, imm. 23. April 1826, geb. zu Arnsberg in Weſtfalen 26. Januar 1808 als Sohn des von 1809 ab in Darmſtadt anſäſſigen Oberforſtrats, ſpäteren Geheimen Staatsrats Karl Chriſtian Eigenbrodt.„Hat ein tragiſches Ende genommen. Verwickelt in die Unterſuchungen wegen ſogenannter demagogiſcher Umtriebe, ging er nach Algier, wo er in Bona verſtarb. War vielleicht franzöſiſcher Militärarzt der Fremden⸗ legion(Angaben aus dem Stammbaum der Familie Eigenbrodt)“. 39. Fehr, Karl Ludwig, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 6. Mai 1828, geb. daſelbſt 6. April 1810 als Sohn des Münzmeiſters und Hofkammerrats Fehr, trat im Jahre 1834 in die Dienſte des Fürſten von Iſenburg⸗Birſtein ein, wurde ſchon 1835 Kammerrat in Birſtein und 1846 Kammerdirektor. Im Jahre 1869 ließ er ſich penſionieren, weil der Fürſt zu viel Geld ausgab und verlegte ſeinen Wohnſitz nach Darmſtadt, wo er 28. Februar 1891 ſtarb. 40. Gebhardt, Heinrich Karl, ſtud. jur. aus Rodheim v. d. H., imm. 23. Oktober 1820, geb. zu Ober⸗Rosbach 16. März 1806 als Sohn des ſpäteren Obe pfarrers und Dekans Georg Ludwig Gebhardt in Rodheim v. d. H.(vorher Pfarrer in Ober⸗Rosbach), wurde 19. Juni 1841 Landgerichtsaſſeſſor mit Votum in Battenberg, trat in den Ruhe⸗ ſtand 14. Januar 1867, verlegte ſeinen Wohnſitz nach Gießen und ſtarb daſelbſt 7. März 1883. 41. Gebhardt, Auguſt, ſtud. theol. aus Rodheim v. d. H., Bru⸗ der des vorigen, imm. 31. Oktober 1825, geb. 2. September 1808 in Ober⸗Rosbach, wurde als Pfarrer definitiv angeſtellt auf Präſen⸗ — 18— tation des Grafen Stolberg⸗Wernigerode 15. Januar 1836, auf Nach⸗ ſuchen aus dem Pfarrdienſt entlaſſen 13. November 1851, begab ſich hierauf in die Schweiz, war in Lauffohr, Kanton Aargau, Cigarren⸗ fabrikant bis 1859, wo er nach Luzern überſiedelte und dort eine Buchhandlung eröffnete, war in ſeinem Geſchäft bis zum letzten Tage tätig und ſtarb zu Luzern 28. Auguſt 1901. 42. Gros, Johann Joſeph, ſtud. jur. aus Groß⸗Steinheim, Bruder des unter Nr. 11 genannten Auguſt Gros, imm. 14. Mai 1827, geb. daſelbſt 20. Mai 1809, promovierte nach beſtandenem Fa⸗ kultätsexramen zum Dr. juris utriusque, war ſpäter Pachter des Fürſtl. Solms-⸗Lich'ſchen Hofgutes zu Kolnhauſen bei Lich, war 1849 heſſiſcher Landtagsabgeordneter, langjähriger Vizepräſident des landwirtſchaftlichen Provinzialvereins für Oberheſſen und Inhaber der goldnen Medaille für Wiſſenſchaft, Landwirtſchaft und Kunſt.„War ein glühender Bismarckverehrer und trotz ſeines katholiſchen Glaubens durch und durch antiultramontan“. Verbrachte die letzten Jahre ſeines Lebens in Gießen, wo er 4. Juli 1892 ſtarb. 43. Heck, Karl Philipp, ſtud. med. aus Wackernheim(Rheinheſſen), imm. 26. Juni 1827, geboren daſelbſt als Sohn des Schullehrers Matthäus Heck. Weitere Notizen fehlen. 44. Hellmann, Ferdinand, ſtud. jur. aus Neckarſteinach, imm. 27. Oktober 1825, geb. daſelbſt 17. Januar 1807 als Sohn des Lederfabrikanten Hellmann, war Landgerichtsaſſeſſor in Lorſch, Darm⸗ ſtadt und Gießen, wo er 2. Dezember 1873 ſtarb. 45. Heumann, Friedr. Wilh. Adolf, ſtud. med. aus Darmſtadt, imm. 5. Mai 1828, geb. daſelbſt 5. Februar 1811 als Sohn des Oberappellationsgerichts⸗Regiſtrators, ſpäteren Juſtizrats Ludwig Heu⸗ mann, promovierte 30. Auguſt 1832 zum Dr. med. und ſtarb als praktiſcher Arzt zu Eichberg 6. März 1852. 46. Kleuk, Philipp D., ſtud. med. aus Framersheim(Rhein⸗ heſſen), imm. 13. November 1820, geb. daſelbſt 1795 als Sohn des Landwirts Michael Klenk, war Chirurg und Kreiswundarzt in Alzey, verheiratete ſich dorthin 28. November 1832 mit Wilhelmine Darm⸗ ſtädter aus Framersheim, lebte mit Familie längere Zeit in Amerika, kehrte von dort 1. September 1876 nach Alzey zurück und ſtarb da⸗ ſelbſt 17. Mai 1881 als Großh. Kreiswundarzt i. P. im Alter von 86 Jahren. — 19— 47. Kobelt, Wilhelm, ſtud. theol. aus Schwarz, imm. 20. Sep⸗ tember 1827, geb. daſelbſt 13. Dezember 1809 als Sohn des Ober⸗ förſters Kobelt, ſtudierte S. S. 1830 in Heidelberg, beſtand die Prü⸗ fungen in Gießen 29. November 1830 und Februar 1831, war Kon⸗ rektor in Alsfeld 1837(von 1833 an als Vikar), 10. Januar 1840 zweiter Pfarrer in Alsfeld, vom 27. April 1860 ab erſter Pfarrer in Breidenbach im Kreiſe Biedenkopf, dabei auch Preuß. Kreisſchulin⸗ ſpektor, und ſtarb daſelbſt im Amt 9. Mai 1874. 48. Kraft, Johann Chriſtian Friedrich, ſtud. jur. aus Grün⸗ berg, imm. 12. November 1823, geb. zu Friedberg 7. April 1807 als Sohn des Landrichters Kraft(ſpäter in Grünberg), Bruder des unter Nr. 16 genannten Karl Kraft, nach ſeiner Promotion zum Dr. jur. wurde er 1829 Aſſeſſor am Hofgericht zu Gießen, vom 15. Februar 1835 bis 1870 war er Hofgerichtsrat daſelbſt, wurde dreimal in den heſſiſchen Landtag entſandt, 7. September 1870 Oberappellations⸗ und Kaſſationsgerichtsrat in Darmſtadt, 30. Juli 1873 Hofgerichtspräſi⸗ dent daſelbſt und ſtarb daſelbſt 7. September 1874. Vergl. Dr. Fr. Kraft, weiland Großh. Heſſ. Hofgerichtsrat zu Gießen: Entwurf einer Geſamtverfaſſung Deutſchlands; Vorrede da⸗ tiert 24. April 1848. Sonderabdruck aus Nr. 5 bis 7 der A. D. B.⸗ Zeitſchrift, Jahrgang VI; ſowie Biographie des Johann Chriſtian Friedrich Kraft, von ſeinem Sohne Juſtizrat Friedrich Kraft in Bü⸗ dingen(früher in Gießen). 49. Külp, Friedrich Wilhelm Auguſt, ſtud. theol. aus Nord⸗ heim, imm. 25. Oktober 1824, geb. daſelbſt 12. April 1801 als Sohn des Pfarres Friedrich Külp, wurde nach Ablegung der theologiſchen Prüfungen 31. Januar 1830 Pfarrvikar in Lindheim, 1836 in Dü⸗ delsheim, 15. Oktober 1841 Pfarrer in Rohrbach(Oberheſſen) und und ſtarb daſelbſt 7. Auguſt 1876. 50. Lämmerhirt, Auguſt, ſtud. jur. aus Erbach i. O., imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 3. Oktober 1806 als Sohn des Gräfl. Er⸗ bach⸗Erbach'ſchen Hofrats Johann Georg Lämmerhirt, erlernte nach erfolgloſem ſechsjährigen Studium 1832 die Buchbinderei in Michel⸗ ſtadt, betrieb dieſes Geſchäft ſpäter in Erbach, lebte dort bis in die ſechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und ſoll entweder in Elt⸗ ville im Rheingau oder in Frankfurt a. M., unbekannt wann, ge⸗ ſtorben ſein. 20— 51. Mayer, Johann Jakob, ſtud. jur. aus Mainz, imm. 3. Mai 1826, geb. zu Nieder⸗Walluf 3. Januar 1805 als Sohn des ſpäteren Rentners Jakob Mayer in Mainz, geſtorben als Hofgerichts⸗Advokat zu Mainz 11. Juni 1855. 52. Mylius, Georg Friedr. Theod., ſtud. med. aus Alsfeld, imm. 23. September 1824, geb. zu Grünberg 10. Juli 1806 als Sohn des Rentamtmanns Heinrich Mylius(ſpäter in Alsfeld), pro⸗ movierte zum Dr. med., war dann kurze Zeit praktiſcher Arzt in Alsfeld und längere Zeit in Nieder⸗Saulheim in Rheinheſſen, und ſtarb daſelbſt 7. Dezember 1893. 53. von Ochſenſtein, Karl Ludw. Friedr. Moritz, ſtud. jur. aus Offenbach a. M., imm. 29. Novemver 1824, geb. daſelbſt 20. Oktober 1806 als Sohn des Oberſten von Ochſenſtein, wurde in Darmſtadt 14. April 1835 Hoſgerichtsaſſeſſor, 12. Februar 1841 Hofgerichtsrat, 2. Februar 1847 Oberappellations⸗ und Kaſſationsgerichtsrat, 1868 Geheimer Rat und ſtarb daſebſt 19. November 1872. 54. Sſer, Rudolf Ludwig, ſtud. theol. aus Gießen, imm. 29. Oktober 1827, geb. daſelbſt 31. Oktober 1807 als Sohn des Hof⸗ gerichtsrats Oſer, war ſeit 7. Auguſt 1835 Pfarrer in Lindheim (Oberheſſen) und ſtarb daſelbſt 13. Oktober 1859. War bekannter Volksſchriftſteller und gab unter dem Namen Otto Glaubrecht eine Reihe von Erzählungen heraus, welche das Volksleben, beſonders in der Wetterau und im übrigen Heſſenland, in einfacher und fließender Darſtellung zur Anſchauung bringen und zu den beſten Erſcheinungen der Gattung gehören. Eine Gedenktafel iſt am 50. Todestage Oſers am Geburtshauſe Sonnenſtraße 6 in Gießen angebracht. Vgl. Allgem. Deutſche Biographie Bd. 9, S. 222. 55. Reitz, Auguſt, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 26. Sep⸗ tember 1822, geb. zu Gießen 20. Januar 1805 als Sohn des Frei⸗ herrl. von Buſeck'ſchen Patrimonialgerichts⸗Beamten Juſtizamtmanns E. Reitz zu Großen⸗Buſeck, wurde 1839 Hofgerichts⸗Protokolliſt, 1843 Hofgerichts⸗Sekretär in Darmſtadt, trat 1871 in den Ruheſtand und ſtarb in Darmſtadt 23. März 1885. 56. Roller, Georg David, ſtud. theol. aus Worms, imm. 10. Juni 1828, geb. zu Otterberg(Pfalz) 1. April 1810 als Sohn des dortigen Privatlehrers, ſpäteren Gymnaſial⸗Profeſſors zu Worms und —,⏑ —22 Begründers der erſten heſſiſchen Taubſtummenanſtalt(zuerſt in Worms und von 1837 an in Friedberg) Georg Jakob Roller, wurde 1832 Gehilfe ſeines Vaters und ſtarb in Worms 26. März 1836. 57. Sander, Eduard Gottlieb Ernſt, ſtud. philol. aus Mainz, imm. 17. Dezember 1827, geb. zu Neiße 15. Dezember 1809 als Sohn von Nicolaus Sander und Ehefrau Eva Roſine geb. Teichler, der ſpäteren Ehefrau des Schuhmachers Johann Joſeph Schraub zu Mainz. Sander beſuchte zu Mainz das biſchöfliche Knabenſeminar, dann 3 Jahre lang die Univerſität Gießen, bekleidete von 1830 an mehrere Hauslehrerſtellen, machte vom 28. Juni 1834 an ſeinen Ak⸗ zeß am Gymnaſium zu Mainz, wurde 10. Dezember 1835 Profeſſor am Gymnaſium zu Luzern, kehrte 1841 zurück, wurde Lehrer an der höheren Bürger⸗ und Realſchule zu Bingen und bekleidete proviſoriſch die Stelle des Direktors bis 7. Januar 1842, an welchem Tage er definitiv als Direktor und 1. Lehrer angeſtellt wurde. Starb zu Bingen 15. September 1874. 58. Schleuning, Joh. Wilhelm Georg, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 9. Mai 1826, geb. daſelbſt 18. Mai 1808 als Sohn des Rech⸗ nungsrats Chriſtoph Nikolaus Schleuning, wurde 7. Januar 1837 zum Hofgerichtsadvokaten in Darmſtadt ernannt und ſtarb daſelbſt 14. Januar 1838. 59. Schmitt, Ludwig Ernſt, ſtud. foreſt. aus Nieder⸗Ofleiden, imm. 29. Oktober 1827, geb. daſelbſt 14. Mai 1809, Bruder des unter Nr. 22 genannten Ludwig Friedr. Schmitt, wurde 13. November 1838 Revierförſter in Dautphe, 19. Juli 1844 in Wahlen, 2. Oktober 1871 Oberförſter in Butzbach, trat 8. Juni 1878 in den Ruheſtand, verlegte ſeinen Wohnſitz nach Gießen und ſtarb daſelbſt 2. April 1884. 60. von Schmittburg, Karl Ernſt, ſtud. jur. aus Oppenheim a. Rh., imm. 30. Mai 1826, geb. daſelbſt 16. März 1807 als Sohn des Gutsbeſitzers Karl von Schmittburg, ertrank als Student beim Baden in der Lahn am 30. Auguſt 1831, abends gegen 7 Uhr. 61. Schödler, Franz, ſtud. philol. aus Dieburg, imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 25. April 1808 als Sohn von Juſtizamtmann Eberhard Joſeph Schödler, vertauſchte in ſeinem 4. Semeſter das Studium mit dem Offizierberuf, trat in öſterreichiſche Dienſte, war Kadett im Infanterie⸗Regiment von Langenau in Mainz, dann dort Adjutant, kam ſpäter nach Oeſterreich, ſtand 1848 im Infanterie⸗Re⸗ 22— giment Nr. 14, Großherzog von Heſſen, war Kommandeur des Gre⸗ nadierbataillons, Mitglied der Eliſabeth⸗Thereſien⸗Militär⸗Stiftung, Ritter des Kaiſerl. Ruſſiſchen St. Wladimir⸗Ordens mit Schwertern und Komtur des Großh. Heſſiſchen Ordens Philipps des Großmütigen und ſtarb als K. K. Oberſt i. P. 17. Februar 1864. Verkehrte als Offizier in Linz viel mit dem deutſchen Schriftſteller Auguſt Daniel von Binzer, dem Verfaſſer des bei Auflöſung der Burſchenſchaft in Jena gedichteten Liedes„Wir hatten gebauet etc.“. 62. Schramm, Johann Karl, ſtud. jur. aus Mainz, imm. 18. De⸗ zember 1827, geb. zu Herborn 1. Juli 1793 als Sohn des Jakob Heinrich Schramm(ſpäter in Mainz), wurde 1. Oktober 1844 Ge⸗ richtsſchreiber des Friedensgerichts Mainz und ſtarb als Friedens⸗ gerichtsaktuar daſelbſt 16. Auguſt 1859. 63. Sell, Karl Ludwig, ſtud. jur. aus Darmſtadt, imm. 7. Mai 1828, geb. daſelbſt 20. Juli 1810 als Sohn des 1820 verſtorbenen Hofrats Georg Friedrich Sell, promovierte zum Dr. jur., wurde Privatdozent der Jurisprudenz in Gießen, 1838 außerordentlicher Profeſſor daſelbſt, 1840 ordentlicher Profeſſor in Bonn und ſtarb als Geheimer Juſtizrat daſelbſt 23. Juli 1879. Vgl. H. E. Scriba, Biograph.-liter. Lexikon, Bd. II, S. 690. 64. Sellheim, Friedrich Ludw. Wilh., ſtud. jur. aus Nidda, imm. 31. Oktober 1826, geb. daſelbſt 23. Auguſt 1805 als Sohn des Amtsſchreibers Sellheim. Weitere Perſonalien konnten nicht ermittelt werden. 65. Simon, Joh. Ludwig Wilh. Karl, ſtud. theol. aus Groß⸗ Felda, imm. 31. Oktober 1826, geb. zu Ober⸗Breidenbach 26. De⸗ zember 1807 als Sohn des in Groß⸗Felda verſtorbenen Pfarrers Johannes Simon, war bis 1833 Pfarrvikar in Groß⸗Felda, wurde 12. Oktober 1838 Pfarrer in Waldgirmes und ſtarb daſelbſt 3. Mai 1851. 66. Spieß, Adolf, ſtud. theol. aus Offenbach a. M., imm. 11. Juni 1828, geb. zu Lauterbach 3. Februar 1810 als Sohn des Pfarrers Johann Balthaſar Spieß(zuerſt in Lauterbach, dann in Offenbach und Sprendlingen), ging Frühjahr 1829 nach Halle, ſchloß ſich der dortigen Burſchenſchaft an, kehrte Frühjahr 1830 nach Gießen zurück, beſtand 2. April 1832 die theologiſche Fakultätsprüfung, be⸗ kleidete eine Hauslehrerſtelle bei dem Grafen Solms⸗Rödelheim in α᷑—— ⏑☛⏑☛⏑⏑—— lt 2 23 Aſſenheim, begab ſich in die Schweiz, wirkte von 1833 bis 1844 an den Schulen von Burgdorf im Kanton Bern und von 1844 bis 1848 in Baſel, von wo ihn der heſſiſche Miniſter von Gagern zur Leitung des heſſiſchen Schulturnens nach Darmſtadt berief, in welcher Stellung er mit weit über die Grenzen dieſes Landes hinausgehendem Erfolg wirkte. Ein von früh an in ihm keimendes Lungenleiden nötigte ihn, 1855 von ſeiner Tätigkeit zurückzutreten. Starb in Darmſtadt 9. Mai 1858. Vgl. über ſeine Burſchenzeit H. Haupt, in den„Quellen und Darſtellungen zur Geſchichte der Burſchenſchaft und der deutſchen Einheitsbewegung“ Bd. II, Seite 306 ff. 67. Urich, Wilhelm Heinr. Joſ., ſtud. foreſt, aus Michelſtadt, imm. 15. Januar 1827, geb. zu Erbach i. O. 10. November 1808, trat, nachdem er die Univerſität verlaſſen, in das Geſchäft ſeiner bei⸗ den Onkel Gerold in Port of Spain, Trinidad, Brit. Weſtindien, übernahm ſpäter mit ſeinem Bruder Fritz(imm. März 1828) dieſes Geſchäft, erwarb ein ſehr anſehnliches Vermögen, legte es rationell an und lebte abwechſelnd in London, Paris, Rom, Florenz und Frankfurt a. M. Er, wie auch ſeine Frau(Sophie, Tochter des Profeſſors der Medizin Vogt und Schweſter des Parlamentariers Karl Vogt) beſaßen eine tiefgründige Bildung und konnten die reichen Quellen, die ihnen durch ihre unabhängige Exiſtenz erſchloſſen wurden, wohl ausnutzen. Sie kannten die Mehrzahl der bedeutenden Gelehr ten, Künſtler und Staatsmänner in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er ſtarb in London 7. Juli 1892. 68. Vietor, Philipp Auguſt, ſtud. theol. aus Nieder⸗Ramſtadt, imm. 1. November 1826, geb. daſelbſt 28. November 1809 als Sohn des Pfarrers Vietor, beſtand September 1831 die theologiſche Schluß⸗ prüfung zu Darmſtadt, wurde Pfarrvikar 1835 in Schaafheim, 1838 in Wolfskehlen, 1840 in Reichelsheim i. O., 1841 in Leidhecken, 1842 in Zwingenberg, Pfarrer 1842 in Wahlen, 1851 in Bobenhauſen II, 29. Juni 1866 in Groß⸗Rohrheim und ſtarb daſelbſt 12. Juli 1879. 69. Wallot, Friedr. Wilh. Karl, ſtud. jur. aus Oppenheim a. Rh., imm. 21. Juni 1827, geb. daſelbſt 7. Juli 1809 als Sohn des Weinhändlers Johann Heinrich Wallot, geriet 1830 in die Revolu tionspartei, wurde relegiert, flüchtete ins Ausland, ſetzte nach ſeiner Rückkehr das Studium fort, beſtand die Fakultätsprüfung, erwarb ſich 18. Mai 1835 den juriſtiſchen Doktorgrad und ſtarb in Florenz 28. Auguſt 1842. 70. Wernher, Guſtav Adolf, ſtud. med. aus Mainz, imm. 22. Oktober 1825, geb. daſelbſt 19. März 1808 als Sohn des am 7. Juni 1827 in Darmſtadt verſtorbenen Geheimen Staatsrats Johann Wil⸗ helm Wernher, ſtudierte vom 26. Oktober 1827 bis Oſtern 1829 in Heidelberg, von da bis Oſtern 1831 in Berlin, abſolvierte in Gießen die ärztlichen Prüfungen, wurde 4. Auguſt 1832 zum Doktor promo⸗ viert, war von 1834 an praktiſcher Arzt und Phyſikatswundarzt in Offenbach a. M., wurde 5. Februar 1835 außerordentlicher Profeſſor und Aſſiſtenzarzt der chirurgiſchen Klinik, 21. Februar 1837 ordent⸗ licher Profeſſor und Direktor der chirurgiſchen Klinik, 7. November 1845 zugleich Profeſſor der pathologiſchen Anatomie, 10. Juli 1851 „Direktor des akademiſchen Hoſpitals im Ganzen“, erhielt eine Reihe hoher Orden und 15. Oktober 1860 den Charakter als Geheimer Medizinalrat, war 1849 und 1874 Rektor der Univerſität, trat 1. Mai 1878 in den Ruheſtand, ſiedelte darauf nach ſeiner Vaterſtadt Mainz über und ſtarb dort 14. Juli 1883. Hieß bei den Studenten in Gießen„der Kalif“. Vgl. über ihn Allg. Deutſche Biographie Bd. 42, S. 80. 71. Weyell, Jakob, ſtud. jur. aus Ober⸗Ingelheim, imm. 22. Oktober 1825, geb. 24. Dezember 1805 auf der Neumühle zu Nieder⸗ Ingelheim, Bruder des Nr. 31 genannten Peter Weyell. Abſolvierte das juriſtiſche Studium in Gießen, wirkte ſpäter als Advokat in Frankfurt a. M.; verheiratete ſich dort, trat in den Dienſt der Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſt als Reviſor und ſtarb etwa 1853. 72. Weyprecht, Philipp Karl Wilhelm, ſtud. med. aus Gießen, imm. 25. Oktober 1825, geb. daſelbſt 22. Februar 1809 als Sohn des Chirurgen Weyprecht. Beteiligt an den in den Jahren 1832 bis 1835 ſtattgehabten hochverräteriſchen und ſonſtigen damit in Verbin⸗ dung ſtehenden verbrecheriſchen Unternehmungen, entging er der Ver⸗ urteilung durch den am 22. April 1835, mittags zwiſchen 12 und 1 Uhr eingetretenen Tod. 73. Wörner, Franz, ſtud. jur. aus Münſter(Kreis Dieburg), imm. 30. November 1827, geb. daſelbſt 11. April 1806 als Sohn des Lehrers Franz Wörner, wurde 1. Juni 1840 Landgerichtsaſſeſſor ohne Stimme in Schlitz, 27. November mit Stimme in Alsfeld, 7. April 1846 Hofgerichtsſekretär in Gießen, ſpäter(etwa 1848) Stadt⸗ gerichtsaſſeſſor daſelbſt, 19. März 1856 Oberſteuerrat im Finanz⸗ miniſterium zu Darmſtadt und ſtarb daſelbſt 12. Januar 1879. b.) Aus andeven deutſchen Ländern: 71. Bornefeld, Karl, ſtud. theol, aus Soeſt in Weſtſalen, inm. 11. Mai 1828, geb. daſelbſt 20. Mai 1806 als Sohn des Papier ſabrikanten Ad. Bornefeld, wurde 11. Dezember 1831 Paſtor in Welver mit dem Wohnſitz in Meyerich im Kreiſe Soeſt und ſtarb da ſelbſt noch im aktiven Dienſt inſolge einer Operation 20. Februar 1878. 75. Diericky, Auguſt, ſtud. jur. aus Münſter in Weſtſalen, imm. 6. Mai 1828, geb. daſelbſt 26. Januar 1808 als Sohn des Kurfürſtlichen Hofkammerrats Franz Joſeph Diericky, wurde, nachdem er einige Semeſter ſtudiert hatte, Oſſizier im Infanterie⸗Regiment Nr. 13 und ſtarb unverheiratet zu Münſter als Hauptmann a. H. plötzlich infolge eines Schlaganſalles 4. Juni 1879. 76. Kettuer, Wilhelm, ſtud. rei saltuariae( ſoreſt.) aus Bensberg bei Cöln a. Rh., imm. 29. Oktober 1826, geb. daſelbſt 1804, als Sohn des Königl. Oberförſters Kettner, war Oberförſter in Lych im Regierungsbezirk Gumbinnen und ſpäter Forſtmeiſter in Paden born(Weſtfalen) und ſtarb daſelbſt an Karbunkel 12. April 1869. 77. Pfarrins, Johann Jakob, ſtud. theol. aus Dörſcheid bei Caub, imm. 23. Oktober 1827, geb. daſelbſt 21. Januar 1807 als Sohn des Pfarrers Pſarrius, wurde 1836 der Nachſolger ſeines Ba ters in Dörſcheid, trat 1875b in den Ruheſtand, verlegte ſeinen Wohn ſitz nach Frankfurt a. M. und ſtarb daſelbſt 7. September 1877. 78. Spieß, Ludwig, ſtud. theol, aus Uſingen(Naſſau), imm 1. November 1826, geb. zu Okriftel 28. Februar 1809 als Sohn des Pfarrers Wilhelm Spieß, lebte nach deſſen frühem Tode mit Mutten und Geſchwiſtern in Uſingen, beſuchte das Gymnaſium in Wetzlar, verließ die Univerſität Gießen Auguſt 1828, beſuchte das Prediger Seminar zu Herborn, beſtand September 1830 die Schlußprüfung, war bis Juli 1834 Hauslehrer in Laasphe, dann Pfarrvikar in Ober⸗ roth, Januar 1838 in Lorsbach, Juli 1839 in Niederbachheim, Juli 1840 Pfarrer in Fleisbach, Dezember 1845 in Schönbach, Oktoben 1853 in Wehen(hier auch Dekanatsverwalter), Juli 1856 in Becht heim(hier auch Dekan), 1870 bis 1881 in Sutzbach, lebte nach ſeinen Penſionierung von Herbſt 1882 in Marburg und ſtarb daſelbſt infolge von Schlaganfall und Gehirnerweichung 10. November 1883. 26— 79. Standinger, Louis Gideon Friedr., ſtud. foreſt. aus Saß⸗ mannshauſen im Kreiſe Wittgenſtein, imm. 10. Mai 1827, geb. zu Wittgenſtein 9. Februar 1808 als Sohn des Oberförſters und ſpäteren Forſtinſpektors Ludwig Anton Valentin Staudinger zu Saßmanns⸗ hauſen, wurde der Nachfolger ſeines 1845 verſtorbenen Vaters als Oberförſter, ſpäter Forſtinſpektor in Saßmannshauſen, trat 1889 in den Ruheſtand und ſtarb daſelbſt 10. Februar 1891. 80. Wilſing, Konrad Friedlieb Guſtav, ſtud. theol. aus Hörde in Weſtfalen, imm. 10. Mai 1828, geb. daſelbſt 19. September 1807 als Sohn des Paſtors Wilſing, wurde 1835 ordiniert, hierauf Paſtor in Altena in Weſtfalen, 1855 Hofprediger in Stargard in Pommern, trat 1887 in den Ruheſtand, verlegte ſeinen Wohnſitz nach Bernburg (Anhalt), um ſeine Tage bei ſeinen Söhnen zu beſchließen und ſtarb daſelbſt 19. Januar 1895. Wilſing hatte zuerſt in Halle ſtudiert und der dortigen Burſchenſchaft angehört. Während ſeines Aufent⸗ haltes in Gießen, alsbald nach der großen Relegation, der Wilſing glücklich entgangen war, war er es, welcher der am 24. Auguſt 1828 von neuem zuſammengeſchloſſenen Gießener Burſchenſchaft mit 47 Mitgliedern die neuen Satzungen nach dem Muſter der Halliſchen Verſaſſungsurkunde entworfen hatte. Vgl. über ſeine Gießener Burſchen⸗ ſchafterzeit Wilſings Mitteilungen in den Burſchenſchaftl. Blättern, Jahrg. II(1888), S. 277. 81. Berghaus, Joſeph, ſtud. jur. aus Coesfeld bei Münſter in Weſtfalen, imm. 21. Dezember 1826. Hatte bei ſeiner Immatrikula— tion einen gewiſſen Kaspar Elſing aus Coesfeld zum Vormund. 82. Blum, Karl, ſtud. theol. aus Bendorf a. R., imm. 12. Mai 1828, Sohn von Pfarrer Georg Blum daſelbſt. 83. Hillingh, Johann Konrad, ſtud. jur. aus Emden in Oſt⸗ friesland, imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 19. Dezember 1805 als Sohn des Poſtdirektors(Oberpoſtmeiſters) Adolf Diurko Hillingh. 84. Hillingh, Adolph Wilhelm, ſtud. jur. ans Emden in Oſt⸗ friesland, imm. 24. April 1826, geb. daſelbſt 19. Dezember 1807, Bruder des vorigen. 85. Mühlmann, Chriſtian, ſtud. foreſt. aus Carlsbrunn im Saarbrückiſchen, imm. 13. Mai 1827, Sohn von Oberfförſter Mühlmann. n i — 27 86. Schirmer, Juſtus, ſtud. foreſt. aus Cöln a. Rh., imm. 13. Mai 1827, Sohn von Regierungs⸗ und Forſtrat Schirmer. 87. Schreiber, Matthias Richard, ſtud. foreſt. aus Cöln a. Rh., imm. 13. Mai 1827, Sohn von Appellations⸗Gerichtsrat Schreiber. 88. Textor, Hans Wilhelm, ſtud. jur. aus Frankfurt a. M., imm. 26. Oktober 1826, Sohn von Advokat Dr. Textor. 89. Wittlinger, Georg Friedrich, ſtud. med. aus Rödelheim, imm. 22. Mai 1827. über die unter Nr 81 bis 89 aufgeführten Burſchenſchafter konnten weitere Perſonalien nicht ermittelt werden. Erſter Anhang: Erſter Anhang. Der vorliegenden Arbeit lagen zwei ſtudentiſche Stammbücher zu Grunde, vor allem dasjenige meines Vaters, des damaligen ſtud. theol. Auguſt Scriba(Ordn.⸗Nr. 24), aus dem 67 Stammbuchblätter benutzt werden konnten, und dasjenige des ſtud. jur. Ludwig de Beauclair (Ordn.⸗Nr. 3), das zu 17 alten Burſchenſchaftern die Stammbuchs⸗ blätter lieferte. Die genannten ſtudentiſchen Stammbücher, die beide zum über⸗ wiegenden Teil in den erſten Tagen nach der Relegation entſtanden ſind, bilden eine wertvolle und reichhaltige Fundgrube für Erforſchung des Geiſtes, der damals die deutſchen Burſchenſchafter beſeelte. Der Abſchiedsſchmerz beim Scheiden von den treuen Bundesbrüdern und Freunden, den fratres fideles Germaniae, das Gelöbnis der Treue auch bei räumlicher und zeitlicher Trennung, die Liebe zur Burſchen⸗ ſchaft, die Begeiſterung für die burſchenſchaftlichen Ideale, auch für das damals noch verpönte Turnen, der Zorn über den Verräter des Freundeskreiſes, aber auch die Hoffnung auf beſſere Zeiten finden neben der Liebe zum Vaterland in den Stammbuchsblättern begeiſter⸗ ten poetiſchen Ausdruck. Aber auch der ſtudentiſche Frohſinn und Humor kommt trotz des Ernſtes jener Tage hier und da zum Durch⸗ bruch. Ich kann mir nicht verſagen, einige der ſchönſten und charak⸗ teriſtiſchſten Stammbuchsverſe hier zu veröffentlichen. 1. Verdammt ſei jener Schuft, der, ſchuldig am Verrat, Den ſchönen Kreis getrennt, ihm werde für die Tat Der Lohn von Henkershand; er ende unbeweint, Ihn treff' der ſchwerſte Fluch, er ſterbe ohne Freund! Und wenn ſein ſchwarzer Geiſt ſich von dem Körper trennt, So ſetze ihm ein Hund ein würdig Monument. (Schramm 62). 2. Wenn aus dem lieben Vaterland Die bravſten Bürger zieh'n, Wenn Kränze, die die Jugend wand, Verwelken und verblüh'n, Wenn man der Geiſter goldne Frucht Als Vaterlands⸗Verrat verflucht, Da läßt ſich nicht mit Tränen Der Seele Schmerz verſöhnen.(Bücking 35). 29— 3. Mit Bruderliebe kamſt du mir entgegen, Du linderteſt des Kummers ſchwere Laſt, Die mich gedrückt, mag dir des Himmels Segen Vergelten, was für mich getan du haſt. Zwar trennt uns jetzt des Schickſals zürnend Walten, Zerſtreut den Bruderbund nach Oſt und Weſt, Doch unſre Freundſchaft wird ja nie veralten, Wie unſre Eichen ſteht ſie ewig feſt.(Sander 57). 4. Mag immerhin der Obern größre Macht Den treuen Freundſchaſtsbund der edlen Brüder ſprengen, Im Wahn, er ſei geſchloſſen gegen ſie: Sie kann den freien Sinn, den friſchen Geiſt nicht feſſeln, Des Herzens Trieb und der Gedank' iſt frei, Drum bleibt das Herz dem Herz, der Freund dem Freund getreu. (Dingeldein 37). 5. Das Große lebt: es iſt ein Himmelsfunken, Es ſtrahlet ſelbſt in dunkler Grabesnacht, Und führt zum hohen Ziel, wo wonnetrunken Der Geiſt zu neuer Lebensglut erwacht!— Symb.: Selbſt in ſeinen Trümmern lebt das Gute noch fort!! (Oſer 54). 6. Doch! wir ſah'ns im Aufſchwung unſrer Jugend, In des Vaterlandes Heldengeiſt: Ja! es gibt noch eine deutſche Tugend, Die allmächtig einſt die Ketten reißt. Wenn auch jetzt in den bezwungnen Hallen Tyrannei der Freiheit Tempel bricht, Deutſches Volk, du konnteſt fallen, Aber ſinken kannſt du nicht.(Roller 56). 7. Wer unterdrückte Unſchuld rächt, Der ſchlage ein in meine Hand! Wer Unterdrückern trotzen kann, Der ſei mein Freund!— Er iſt ein Mann Für Freiheit, Recht und Vaterland.(Schleuning 58). — 30— 8. Wer mit den Braven ſich verband, Und frei zu ſein gelobte, Für Ehre, Freiheit, Vaterland Den Männerwert erprobte, Der iſt der rechte deutſche Mann, Sei einzig unſer Freund.(Brodrück 34). 9. Und wenn die Welt voll Teufel wär', Der Weg geht mitten durch.— Wahlſpruch: Friſch, frei, fröhlich und fromm.(Hundeshagen 15). 10. Einheit, Freiheit und Gleichheit aller Rechte und Pflichten unter den deutſchen Burſchen; Ausbildung unſerer geiſtigen und körperlichen Kräfte zum Dienſte unſeres lieben deutſchen Vater— landes— dieſes ſei unſer Streben.(Name unleſerlich). 11. Was wahr und recht iſt, immer wird es ſiegen, Mag auch der, der es verfocht, im Kampf erliegen. (Joſ. Gros 42). 12. Den Kranz der geſelligen Freude, Der uns um das Leben ſich wand, Zerreißt nun zu bitterem Leide Die Trennung mit grauſamer Hand.(Cellarius 5). 13. Die Stunde ſchlägt; wir ſcheiden, Freund, Vielleicht ſeh'n wir uns nie mehr wieder; Der Bund doch, der unſre Herzen eint, Ihn reißt der Sturm der Zeit nicht nieder. (Schirmer 86). 14. Ob Fels und Eiche ſplittern, Wir werden nicht erzittern.(Curtman 6). 15. An's Vaterland, an's teure ſchließ' dich an, Das halte feſt mit deinem ganzen Herzen. Hier ſind die ſtarken Wurzeln deiner Kraft; Dort in der fremden Welt ſtehſt du allein! (Weyprecht 72). 1 16. Was ſind doch der Menſchheit Freuden! Kaum, daß man ſich kennen ſoll, Muß man auch ſchon wieder ſcheiden. Beſter Scriba, leb' recht wohl!(Blum 82). 17. Wo ſich Männer finden, Die für Freiheit, Recht Mutig ſich verbinden, Weilt ein frei Geſchlecht.(Kraft 16). 18. Wer unter eines Mädchens Hand Sich als ein Sclave ſchmiegt, Und von der Liebe feſtgebannt In ſchnöden Feſſeln liegt, Weh' dem! er iſt ein armer Wicht, Er kennt die goldne Freiheit nicht.(Wernher 70). 19. Wo Mädchen ſcherzen, küſſen, lachen, Mit Jünglingen ſich luſtig machen, Da iſt es gut! Da aber, wo ſie zu den Müttern eilen, Bald troſtlos, bald andächtig heulen, Da frag' ich, ohn' mich zu verweilen: Wo iſt mein Hut?(Schreiber 87). 20. Lieblich iſt das Säuſeln der Kühle, wenn ſie, in Blüten gehüllt, den tauenden Abend begleitet. Erquickend iſt der lechzenden Flur der Regen im Mai. Aber lieblicher iſt die Erinnerung einer edlen Tat; Und erquickender iſt das Zeugnis eines guten Gewiſſens.— Symbole: a. Mein Symbol iſt Rauchtobak, Schöne Mädel, Geld im Sack.— b. Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland, Und unſer blau⸗gold⸗rotes Band! (Schmitt 59). Zweiter Anhang: Zweiter Anhang. Die Strafe der Relegation auf ein ganzes Jahr wegen Teil⸗ nahme an verbotener Studenten⸗Verbindung wurde am 28. Juni 1828 nicht blos über die in dieſer Arbeit aufgeführten 32 Burſchenſchafter, ſondern auch über je 8 Mitglieder der beiden Corps Haſſia und Starkenburgia verhängt, deren Namen ich nachſtehend mitteile: a. Mitglieder des Corps Haſſia: 1. 2 80 be Chriſtian Heß, ſtud. jur. aus Gießen, Auguſt Kröll, ſtud. theol. aus Rohrbach. Heinrich Künſtler, ſtud. jur. aus Darmſtadt, Wilhelm Neun, ſtud. theol. aus Büdingen, Karl Reiber, ſtud. cam. aus Echzell, Franz von Riffel, ſtud. jur. aus Gießen, Ferdinand Sames, ſtud. theol. aus Braunfels, Freiherr Wilhelm von Schenck zu Schweinsberg, ſtud. jur. aus Gießen. b. Mitglieder des Corps Starkenburgia: 1. 9* be S S Heinrich Balſer, ſtud. jur. aus Gießen, Peter Dannenberg, ſtud. med. aus Darmſtadt, Chriſtian Eberhard, ſtud. jur. aus Echzell, Juſtus Fuhr, ſtud. jur. aus Langen, Ludwig Fuhr, ſtud. jur. aus Langen, Eduard Gravelius, ſtud. jur. aus Schotten, Freiherr Moritz von Schenck zu Schweinsberg, ſtud. jur. aus Wäldershauſen, Ernſt Schüler, ſtud. theol. aus Darmſtadt. Druck von Chriſt Herr, Gießen. Blue Cyan Green vellow Hed Magenta White Grey 1 Grey 2 SGtes Grey 4 Black Von Chriſtian Scriba Pfarrer i. P. in Gießen Mit einer Einleitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt 12 13 14 15 16 1 ———— J910 Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen.