Universität Ciessen. Physikalisches Praktikum für Lehramts-Kandidaten. Für Studierende der Mathematik, Physik und der Natur-— wissenschaften, die als Lehramts-Kandidaten die Lehrbefähigung für die 2. oder die 1. Stufe in der Physik erwerben wollen, ist nach dem Besuch der Vorlesung über Experimentalphysik, der in den ersten Studiensemestern zu erfolgen hat, ein 2- bis 3-semestriger Besuch des physikalischen Praktikums erforderlich. Für die 2. Stufe der Lehrbefähigung genügt die Durchnahme derjenigen Aufgaben, die in dem folgenden Verzeichnis ohne Stern aufgeführt sind. Bei regelmäßigem Besuch des Praktikums können die wichtigsten dieser Aufgaben innerhalb zweier Semester erledigt werden. Für diejenigen, welche die 1. Stufe der Lehr- befähigung erwerben wollen, ist zur Durchnahme schwierigerer Aufgaben, die im Verzeichnis mit einem Stern bezeichnet sind, ein 3. Praktikumssemester erforderlich. Eine weitere, selbständigere Beschäftigung mit physikalischen Arbeiten während eines 4. Se- mesters ist wünschenswert, und kann nach Verabredung mit dem Direktor auch zu anderen als den üblichen Praktikumsstunden ausgeübt werden. Crossh. Universftasts- l. Bibliothek 1 GCIESSEN ——— E *21. 124. ☛ Aufgaben. Dickenmessung mit Schubleere, Schraubenmikrometer und Sphärometer. Längenmessungen mit dem Kathetometer. (Höhe der Quecksilbersäule im Barometer; spez. Gewicht des Queck- silbers nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren.) Höhenmessung mit Barometer, mit Hypsothermometer und aus dem Leucht- gasdruck. Wagemodell; Nullpunkt und Empfindlichkeit einer Wage. Verhältnis der Wagebalken und absolute Wägung. Korrektion eines Gewichtssatzes. Bestimmung spezifischer Gewichte: a) durch Wägung und Volummessung, b) mit der hydrostatischen Wage, mit Aräometern und mit der Mohr'schen Wage (Kontraktion beim Mischen von Alkohol und Wasser; spez. Gewicht fester Körper nach der Schwebemethode), mit dem Pyknometer, mit dem Volumenometer. Spezifisches Gewicht der Luft durch Wägung im Glasballon. Vergleichung von Gasdichten durch Ausfluß nach Bunsen. Dampfdichte nach Dumas. Dampfdichte nach Hofmann. Dampfdichte nach V. Meyer. Elastizitätsmodul durch Verlängerung von Drähten. Torsionsmodul durch Schwingungen an denselben Drähten. Elastizitätsmodul durch Biegung. Messungen an der Federwage. Schwingungsdauer einer Masse an einer Spiralfeder. Bestimmung von g mit Fadenpendel(Koinzidenzmethode). Bestimmung von g mit dem Reversionspendel. Bestimmung der Oberflächenspannung: a) aus der Zugkraft einer Flüssigkeitslamelle, b) aus dem Druck in Seifenblasen, aus Steighöhen, aus der Gestalt von Luftblasen und Tropfen. Innere Reibung von Flüssigkeiten(Ausfluß durch Kapillaren). 4 4 4 5 ⅛ GG 88 G 4. 7. 9. 0. + Monochord. Tonhöhe einer Stimmgabel mit Resonanzrohr. Quincke’sche Interferenzröhre. Schallgeschwindigkeit in Gasen und festen Körpern mit Kundt’'scher Röhre. Bestimmung der Fixpunkte und Kalibrierung eines Thermometers. Vergleichung zweier Thermometer. Ausdehnungskoéffizient fester Körper durch Verlängerung von Stäben. Ausdehnungskoéffizient des Glases mit dem Gewichtsdilatometer. Spannungskoéffizient der Luft mit dem Luftthermometer; Messung einer absoluten Temperatur. Spezifische Wärmen fester Körper nach der Mischungsmethode. Spezifische Wärmen von Flüssigkeiten mit dem Kalorifer. Spezifische Wärmen von Flüssigkeiten nach Pfaundler und Berechnung des mechanischen Wärmeäquivalentes aus der Stromwärme. Mechanisches Wärmeäquivalent durch Reibung nach Puluj. Schmelzwärme des Eises. Verdampfungswärme des Wassers. Verbrennungswärme von Leuchtgas mit dem Junker'schen Kalorimeter. Verbrennungswärme von Kohle. Verhältnis der spezifischen Wärmen cp/ſcy der Gase(Versuch von Clément und Desormes). Luftfeuchtigkeit a) durch Absorption, b) aus dem Taupunkt, c) mit dem Psychrometer, d) mit dem Haarhygrometer. Bestimmung des Molekulargewichts durch Gefrierpunktserniedrigung von Lösungen. Desgl. durch Siedepunktserhöhung. Brennweite von Linsen und Linsenkombinationen: a) mit dem Fernrohr, b) aus Abstand von Bild und Objekt, —) nach Bessel, d) für dicke Linsen aus der Vergrößerung. Krümmungsradius einer Linse: a) mit dem Sphärometer, b) durch Spiegelung. Vergrößerung und Gesichtsfeld eines Fernrohres. Vergrößerung eines Mikroskops. Spektrometermodell. Messung von Brechungsexponenten mit dem Prisma. Totalreflektometer von Kohlrausch. Totalreflektometer von Abbe. ◻ A⁴ 0/0— ᷓ G —— 1 64. G dͤ— A — ₰△☛ Spektralapparat. Emissionsspektra. Spektralapparat. Absorptionsspektra. Bestimmung von Wellenlängen mit dem GCitter. Bestimmung von Wellenlängen und Krümmungsradien mit Newton'schen Ringen- Brechungsexponent der Luft mit dem Jamin'schen Interferentialrefraktor. Messungen mit dem Universalspektrometer über Reflexion polarisierten Lichtes an Glas und Metallen. Arbeiten mit dem Nörremberg'’schen Polarisationsapparat. Krystallrefraktometer. Drehung der Polarisationsebene in Mitscherlich- und Halbschattenapparat. Quarz und Zuckerlösungen mit Photometrie und Okonomie von Lichtquellen. Messung von Widerständen: aus Strom und Spannung nach Ohm'schem Gesetz, durch Substitution, mit der Wheatstone’'schen Brücke, mit der Thomsonbrücke(für kleine Widerstände), mit dem Differentialgalvanometer, durch Abzweigung, durch Dämpfung eines Spiegelgalvanometers, von Voltmetern und Amperemetern, Elektrolyten nach Kohlrausch, Elementen mit Wechselstrom, Flementen nach Mance, Elementen mit Galvanometer. von Von von Vvon Messung elektromotorischer Kräfte: mit Quadrantelektrometer, mit Strommesser und Vorschaltwiderstand, nach der Kompensationsmethode mit Galvanoskop oder Kapillarelektromete, mit Kondensator und ballistischem Galvanometer, von Thermoelementen. Messung elektrischer Ströme: Elektrochemisches Aequivalent. Vergleichung von Knallgasvoltameter, Kupfervoltameter und Amperemeter. Strommessungen mit der Tangentenbussole. Eichung von Torsionsgalvanometer und Amperemeter mit Tangentenbussole. Widerstand und Empfindlichkeit eines Galvanometers mit kleinem Wider- stand. Widerstand und Empfindlichkeit grossem Widerstand. eines Drehspulengalvanometers mit Beziehung zwischen Widerstand und Dämpfung beim Drehspulengalvano- meter. * 101. 102. 103. 104. 105. 106. * 107. Bestimmung einer Windungsfläche mit Tangentenbussole. Vergleich zweier Windungsflächen ballistisch durch Rotation im Erdfeld. Bestimmung der Inklination mit Erdinduktor, ballistisch. Bestimmung der Inklination mit rotierendem Erdinduktor. Vergleich von Selbstinduktionskoéffizienten mit Wheatstone'scher Brücke. Bestimmung eines Selbstinduktionskoéffizienten nach der Methode von Rayleigh.. Bestimmung des Koéffizienten der gegenseitigen Induktion. Bestimmung von Kapazitäten durch Ladungsteilung mit Blattelektrometer. Vergleichung von Kapazitäten mit Wheatstone’'scher Brücke. Vergleichung von Kapazitäten mit ballistischem Galvanometer. Bestimmung von V mit Kapazität und ballistischem Galvanometer. Eichung eines Blattelektrometers mittels Potentialverstärkers. Eichung eines Braun’schen Elektrometers mittels des absoluten Wage- Elektrometers. Leitfähigkeit der Luft. Messung von Dielektrizitätskonstanten: statisch mit Kondensator, nach der Brückenmethode von Nernst, mittels elektrischer Schwingungen nach Drude. Bestimmung des magnetischen Momentes eines Magneten. Horizontalintensität des Erdmagnetismus. Lokalvariometer. ——— Vorschriften für die Praktikanten. 1. Jeder Praktikant erhält eine Semesterkarte, auf der die zu bearbeitenden Aufgaben von Fall zu Fall vermerkt werden. Die Karten liegen auf den Arbeits- plätzen und müssen am Schluss des Praktikums dem Assistenten zum Eintragen der Aufgaben für das nächste Praktikum übergeben werden. Die Praktikanten sind verpflichtet, sich zu Hause auf das Verständnis der ihnen zugewiesenen Aufgaben vorzubereiten. Als Bücher hierfür werden empfohlen: F. Kohlrausch, Kleiner Leitfaden der praktischen Physik. Leipzig. B. G. Teubner. Ml. 4,00. E. Wiedemann und H. Ebert, Physikalisches Praktikum. Braunschweig. Fr. Vieweg& S. Mk. 11,00. G. W. Berndt, Physikalisches Praktikum. Halle a. S. Marhold. Erster Teil Mk. 3.80. Zweiter Teil noch nicht erschienen; und für solche, die sich spezieller mit Physik beschäftigen wollen: F. Kohlrausch, Lehrbuch der praktischen Physik. Leipzig. B. G. Teubner. Ml. 09,00. 2. Auf jedem Arbeitsplatze liegt eine Anweisung zur Bearbeitung der Aufgaben. Die darin gegebenen Behandlungsvorschriften von Apparaten sind auf das Genaueste zu befolgen. Die Anweisungen dürfen nicht mitgenommen werden. 3. Jeder Praktikant hat seine Beobachtungen sorgfältig und übersichtlich in ein besonders dafür mitzubringendes Heft einzutragen. Die Resultate sind sofort dem Assistenten mitzuteilen, der darnach zu bestimmen hat, ob die Auf- gabe erledigt oder zu wiederholen ist. Es empfiehlt sich dringend, schrift- liche Ausarbeitungen der Aufgabe und der Resultate zu Hause anzufertigen; ihre Begutachtung durch die Assistenten erfolgt, wenn sie innerhalb einer Woche eingereicht werden. Wer durch Versäumen eines Praktikums die ihm zugewiesene Aufgabe unerledigt lässt, hat keinen Anspruch darauf, dass sie ihm für einen weiteren Termin offen gehalten wird. 4. Die Apparate sind mit der grössten Sorgfalt zu behandeln. Etwaige Fehler, die sich während des Gebrauches herausstellen, sind sofort dem Assistenten zu melden. Für Beschädigungen, die durch Unvorsichtigkeit hervorgerufen sind, ist der betreffende Praktikant ersatzpflichtig. 5. Jeder Praktikant darf nur die auf seinem Arbeitsplatze befindlichen Apparate verwenden. Benötigt der Praktikant einen auf seinem Platze nicht vorhandenen Apparat, so hat er sich deswegen an den Assistenten zu wenden. 6. Nach Erledigung der Aufgabe hat jeder Praktikant seinen Arbeitsplat⸗ vollständig aufzuräumen, Handwerkszeug, Drähte usw. an ihren Platz zurück- zubringen, gebrauchte Lösungen in die dazu bestimmten Gefässe zurückzugiessen, die verwendeten Bechergläser, Trichter usw. sorgfältig zu reinigen, Daniell- elemente auseinanderzunehmen und zurückzustellen. 7. Papierschnitzel, abgebrannte Streichhölzer usw. sind in die dafür be— stimmten Gefässe zu werfen. 8. Zu vermeiden ist jedes unnõtige Brennen von Lampen und Gasbrennen, Laufenlassen von Wasser, Verschleudern von Quecksilber, ebenso das unvor-— sichtige Behandeln von Akkumulatoren(Kurzschlüsse!) 9. Die Stöpsel der Rheostaten dürfen nicht auf den Tisch gelegt, die Kontaktflächen nicht mit den Fingern berührt werden. Nach beendetem Ge- brauch müssen alle Stöpsel gelockert, bezw. locker in die Löcher gesteckt werden. 10. Beim Arbeiten mit der Wage ist Folgendes zu beachten: Beim Auflegen und Aufheben von Belastungen und bei Verschiebungen des Reiters muss die Wage stets arretiert sein; die Vorrichtung zum Arretieren muss langsam in Bewegung gesetzt werden. Die Gewichte dürfen nicht mit den Fingern, sondern müssen stets mit der Pincette angefasst werden. Bei Beobachtung der Schwingungen der Wage muss der Wagenkasten geschlossen sein. Nach dem Gebrauch sind die Gewichte in der richtigen Ordnung in den Kasten zurückzulegen. Die Wage darf nicht belastet(auch nicht mit Reiter), unarretiert oder mit offenem Glaskasten stehen bleiben. 11. Teilungen an den Apparaten müssen mit besonderer Vorsicht be- handelt und vor Beschmutzung oder Beschädigung bewahrt werden. Bei ihrer Ablesung sind Bruchteile der kleinsten Teilung, wenn kein Nonius vorhanden ist, mit dem Auge abzuschätzen. 12. Vorgeschrittene Praktikanten bedürfen der Erlaubnis des Direktors oder des Assistenten, wenn sie Apparate aus dem Praktikum entnehmen wollen, und sind verpflichtet, die entnommenen Apparate an den Praktikumstagen bis spätestens eine Stunde vor Beginn des Praktikums an den richtigen Platz zurück- zustellen. Die Benutzung anderer Apparate, als der im Praktikum befindlichen, ist nur mit Genehmigung des Direktors gestattet. Zuwiderhandlungen gegen 7, 8 und 9 werden mit 20 Pfg., gegen 2, 5, 6, 10 und 11 mit 50 Pfg., gegen 12 mit 1 Mk. bestraft. Die Strafgelder werden vom Institutsdiener eingezogen und zum Besten des Praktikums verwandt. Der Direktor des Physikalischen Instituts. DROHNL'SCHE UNIVERSITATS-DRuUCkKEREI, GIESSEN Farbkarte 13 ersität Giessen. hes Praktikum für Its-Kandidaten. r Mathematik, Physik und der Natur- hramts-Kandidaten die Lehrbefähigung ufe in der Physik erwerben wollen, ist forlesung über Experimentalphysik, der mestern zu erfolgen hat, ein 2- bis physikalischen Praktikums erforderlich. hrbefähigung genügt die Durchnahme in dem folgenden Verzeichnis ohne i regelmäßigem Besuch des Praktikums eser Aufgaben innerhalb zweier Semester jenigen, welche die 1. Stufe der Lehr- len, ist zur Durchnahme schwierigerer hnis mit einem Stern bezeichnet sind, rforderlich. Eine weitere, selbständigere Uischen Arbeiten während eines 4. Se- und kann nach Verabredung mit dem nals den üblichen Praktikumsstunden