Universität Giessen. Physikalisches Praktikum für Chemiker, Mediziner und Pharmazeuten Das Praktikum findet einmal wöchentlich statt. Bei regel- mäßigem Besuche können die ausgewählten Aufgaben dieses Praktikums im Laufe von zwei Semestern in der Hauptsache durchgearbeitet werden. Der zweisemestrige Besuch dieses Prak- tikums ist erforderlich für Chemiker oder Studierende anderer Fächer, welche Physik als Nebenfach im Doktor-Examen zu wählen wünschen. Für Mediziner und Pharmazeuten genügt eine kleinere Auswahl von Aufgaben(die mit M bexeichneten), welche sich im Laufe eines Semesters erledigen lassen. Schwierigere Aufgaben, die erst nach Bearbeitung der leichteren in Betracht kommen sollen, sind durch ein Sternchen gekennzeichnet. MI M M *MA* Ms d 18. * 19. 220. 23. Aufgaben. Wagemodell; Nullpunkt und Empfindlichkeit einer Wage. Verhältnis der Wagebalken und absolute Wägung. Bestimmung spezifischer Gewichte: a) durch Wägung und Volummessung, b) mit der hydrostatischen Wage, mit Aräometern und mit der Mohr’'schen Wage (Kontraktion beim Mischen von Alkohol und Wasser; spez. Gewicht fester Körper nach der Schwebemethode), mit dem Pyknometer, Vergleichung von Gasdichten durch Ausfluß nach Bunsen. Dampfdichte nach Dumas. Dampfdichte nach Hofmann. Dampfdichte nach V. Meyer. Kapillarkonstante aus Steighöhen, Innere Reibung von Flüssigkeiten(Ausfluß durch Kapillaren). Schallgeschwindigkeit in Gasen und festen Körpern mit Kundt'scher Röhre. Bestimmung der Fixpunkte und Kalibrierung eines Thermometers. Spannungskoëffizient der Luft mit dem Luftthermometer, Messung einer absoluten Temperatur. Spezifische Wärmen fester Körper nach der Mischungsmethode. Mechanisches Wärmeäquivalent durch Reibung nach Puluj. Schmelzwärme des Eises. Verdampfungswärme des Wassers. Verbrennungswärme von Leuchtgas mit dem Junker'schen Kalorimeter. Verbrennungswärme von Kohle. Luftfeuchtigkeit a) durch Absorption, b) aus dem Taupunkt, c) mit dem Psychrometer, d) mit dem FHaarhygrometer. Bestimmung des Molekulargewichts durch Gefrierpunktserniedrigung von Lösungen. Desgl. durch Siedepunktserhöhung. Mo Mi Mi7 Mis Mio Mo 431. *43. Brennweite von Linsen und Linsenkombinationen: a) mit dem Fernrohr, b) aus Abstand von Bild und Objekt, c) nach Bessel, d) für dicke Linsen aus der Vergrößerung. Krümmungsradius einer Linse: a) mit dem Sphärometer, b) durch Spiegelung. Vergrößerung eines Mikroskops. Spektrometermodell. Totalreflektometer von Abbe. Spektralapparat. Emissionsspektra. Spektralapparat. Absorptionsspektra. Drehung der Polarisationsebene in Quarz und Zuckerlösungen mit Mitscherlich- und Halbschattenapparat. Photometrie und Okonomie von Lichtquellen. Messung von Widerständen: aus Strom und Spannung nach Ohm'schem Gesetz, durch Substitution, mit der Wheatstone'schen Brücke, von Elektrolyten nach Kohlrausch. Messung elektromotorischer Kräfte: mit Quadrantelektrometer, mit Galvanometer und großem Widerstand, nach der Kompensationsmethode mit Galvanoskop oder Kapillar- elektrometer. Messung elektrischer Ströme: Elektrochemisches Aequivalent. Vergleichung von Knallgasvoltameter, Kupfervoltameter und Amperemeter. Eichung von Torsionsgalvanometer und Amperemeter mit Tangenten- bussole. Widerstand und Empfindlichkeit eines Galvanometers. Messung von Dielektrizitätskonstanten: nach der Brückenmethiode von Nernst, mittels elektrischer Schwingungen nach Drude. Vorschriften für die Praktikanten. 1. Jeder Praktikant erhält eine Semesterkarte, auf der die zu bearbeitenden Aufgaben von Fall zu Fall vermerkt werden. Die Karten liegen auf den Arbeits- plätzen und müssen am Schluss des Praktikums dem Assistenten zum Eintragen der Aufgaben für das nächste Praktikum übergeben werden. Die Praktikanten sind verpflichtet, sich zu Hause auf das Verständnis der ihnen zugewiesenen Aufgaben vorzubereiten. Als Bücher hierfür werden empfohlen: F. Kohlrausch, Kleiner Leitfaden der praktischen Physik. Leipzig. B. G. Teubner. Mk. 4,00. E. Wiedemann und H. Ebert, Physikalisches Praktikum. Braunschweig. Fr. Vieweg& S. Mk. 11,00. G. W. Berndt, Physikalisches Praktikum. Halle a. S. Marhold. Erster Teil Mk. 3.80. Zweiter Teil noch nicht erschienen; und für solche, die sich spezieller mit Physik beschäftigen wollen: F. Kohlrausch, Lehrbuch der praktischen Physik. Leipzig. B. G. Teubner. Ml. 0,00. 2. Auf jedem Arbeitsplatze liegt eine Anweisung zur Bearbeitung der Aufgaben. Die darin gegebenen Behandlungsvorschriften von Apparaten sind auf das Genaueste zu befolgen. Die Anweisungen dürfen nicht mitgenommen werden. 3. Jeder Praktikant hat seine Beobachtungen sorgfältig und übersichtlich in ein besonders dafür mitzubringendes Heft einzutragen. Die Resultate sind sofort dem Assistenten mitzuteilen, der darnach zu bestimmen hat, ob die Auf- gabe erledigt oder zu wiederholen ist. EsS empfiehlt sich dringend, schrift- liche Ausarbeitungen der Aufgabe und der Resultate zu Hause anzufertigen; ihre Begutachtung durch die Assistenten erfolgt, wenn sie innerhalb einer Woche eingereicht werden. Wer durch Versäumen eines Praktikums die ihm zugewiesene Aufgabe unerledigt lässt, hat keinen Anspruch darauf, dass sie ihm für einen weiteren Termin offen gehalten wird. 4. Die Apparate sind mit der grössten Sorgfalt zu behandeln. Etwaige Fehler, die sich während des Gebrauches herausstellen, sind sofort dem Assistenten zu melden. Für Beschädigungen, die durch Unvorsichtigkeit hervorgerufen sind, ist der betreffende Praktikant ersatzpflichtig. 5. Jeder Praktikant darf nur die auf seinem Arbeitsplatze befindlichen Apparate verwenden. Benöõtigt der Praktikant einen auf seinem Platze nicht vorhandenen Apparat, so hat er sich deswegen an den Assistenten zu wenden. 6. Nach Erledigung der Aufgabe hat jeder Praktikant seinen Arbeitsplat⸗ vollständig aufzuräumen, Handwerkszeug, Drähte usw. an ihren Platz zurück- zubringen, gebrauchte Lösungen in die dazu bestimmten Gefässe zurückzugiessen, die verwendeten Bechergläser, Trichter usw. sorgfältig zu reinigen, Daniell- elemente auseinanderzunehmen und zurückzustellen. 7. Papierschnitzel, abgebrannte Streichhölzer usw. sind in die dafür be— stimmten Gefässe zu werfen. 8. Zu vermeiden ist jedes unnõtige Brennen von Lampen und Gasbrennen, Laufenlassen von Wasser, Verschleudern von Quecksilber, ebenso das unvor- sichtige Behandeln von Akkumulatoren(Kurzschlüsse!) 9. Die Stöpsel der Rheostaten dürfen nicht auf den Tisch gelegt, die Kontaktflächen nicht mit den Fingern berührt werden. Nach beendetem Ge- brauch müssen alle Stöpsel gelockert, bezw. locker in die Löcher gesteckt werden. 10. Beim Arbeiten mit der Wage ist Folgendes zu beachten: Beim Auflegen und Aufheben von Belastungen und bei Verschiebungen des Reiters muss die Wage stets arretiert sein; die Vorrichtung zum Arretieren muss langsam in Bewegung gesetzt werden. Die Gewichte dürfen nicht mit den Fingern, sondern müssen stets mit der Pincette angefasst werden. Bei Beobachtung der Schwingungen der Wage muss der Wagenkasten geschlossen sein. Nach dem Gebrauch sind die Gewichte in der richtigen Ordnung in den Kasten zurückzulegen. Die Wage darf nicht belastet(auch nicht mit Reiter), unarretiert oder mit offenem Glaskasten stehen bleiben. 11. Teilungen an den Apparaten müssen mit besonderer Vorsicht be- handelt und vor Beschmutzung oder Beschädigung bewahrt werden. Bei ihrer Ablesung sind Bruchteile der kleinsten Teilung, wenn kein Nonius vorhanden ist, mit dem Auge abzuschätzen. 12. Vorgeschrittene Praktikanten bedürfen der Erlaubnis des Direktors oder des Assistenten, wenn sie Apparate aus dem Praktikum entnehmen wollen, und sind verpflichtet, die entnommenen Apparate an den Praktikumstagen bis spätestens eine Stunde vor Beginn des Praktikums an den richtigen Platz zurück- zustellen. Die Benutzung anderer Apparate, als der im Praktikum befindlichen, ist nur mit Genehmigung des Direktors gestattet. Zuwiderhandlungen gegen 7, 8 und 9 werden mit 20 Pfg., gegen 2, 5, 6, 10 und 11 mit 50 Pfg., gegen 12 mit 1 Mk. bestraft. Die Strafgelder werden 0 vom Institutsdiener eingezogen und zum Besten des Praktikums verwandt. Der Direktor des Physikalischen Instituts. Farbkarte 13 mn Sität Oiessen. ches Praktikum für Mediziner und rmazeuten einmal wöchentlich statt. Bei regel- die ausgewählten Aufgaben dieses zwei Semestern in der Hauptsache er zweisemestrige Besuch dieses Prak- Chemiker oder Studierende anderer s Nebenfach im Doktor-Examen zu Mediziner und Pharmazeuten genügt Aufgaben(die mit M bezeichneten), es Semesters erledigen lassen. en, die erst nach Bearbeitung der nen sollen, sind durch ein Sternchen