ſundie aucht unſte Hit eatore und Profeſſores der Univerſitaͤr mnachen hierdurch allen unſern hier ſtudierenden Mithuͤrgern bekannt, daß, nachdem der Durchlauchtigſte Erhalter unſrer Univerſitaͤt bereits vor geraumer Zeit gnaͤdigſt verordnet, den Titulum Sta- tutoram de officio ſtudioſorum zu revidiren und zu erneuern, und wir einen Entwurf, wie ſolcher neu eingerichtet werden koͤnne, 2 Unteerthaͤnigkeit Eherſandet⸗ nunmehro durch ein gnaͤdigſtes Reſcript d. d. Darm⸗ ſtadt, den 16ten Auguſt 779. der Befehl an uns gelanget, dieſen Entwurf in der Ge⸗ ſlalt, wie er hier erſcheinet, und wie er von —j ʃ⁶ dem ir Rector, Cancellarius, Decani 2 NE Co) M dem Hochpreißl. Geheimderaths⸗Collegio ſelbſt durchgegangen und reiflich erwogen worden, als ein Landesfuͤrſtliches Gigſetz zu promulgiren, und jedermann zu Wlaer Beobachtung deſſelben nachdruͤcklich zu er⸗ mahnen. Beherziget, geliebte Mitbuͤrger, die Weisheit und Vortreflichkeit dieſer zu Eurer eignen Wohlfarth getroffenen Ver⸗ fuͤgungen! Wenn vordem derjenige, der ſich einer guten Zucht und Ordnung zu ent⸗ ziehen einen Vorwand haben wollte, viel⸗ leicht bey ſich ſelbſt die Einwendung mach⸗ te, daß ſo viele derer akademiſchen Geſetze bereits im vorigen Jahrhundert abgefaßt, unfern Zeiten nicht angemeſſen, und daher unmoͤglich puͤnktlich zu beobachten waͤren: ſo N Co) Ak 5 ſo findet nun jeder hier alles dem aufge⸗ klaͤrten Geiſt unſrer Zeiten gemaͤß, alles auf die jetzigen Sitten anwendbar, und ſo be⸗ ſchaffen, daß es ohne alle Ausfluͤchte ge⸗ nau und buchſtaͤblich befolget werden kann und muß. Allerdings werdet Ihr dieſes neue Geſetzbuch um ein betraͤchtliches er⸗ weitert und vermehret finden. Einzele Faͤl⸗ le, welche eine vieljaͤhrige Erfahrung beob⸗ achtet, Unterſcheidungen, welche noͤthig wa⸗ ren, um allen Beſchwerden vorzubeugen, umſtaͤndliches Detail, um die Anwendung des allgemeinen Geſetzes zu erleichtern, ei⸗ nige neuerdings erſt uͤberhand genommene Unordnungen haben Zuſatze veranlaßt, wo⸗ durch das alte Geſetz anſehnlich bereichert % 2 wor⸗ 4 E Ce) worden. Der Geſetzgeber ſuchte alles zu erſchoͤpfen, und nichts zu uͤbergehn, was zu Eurem Beſten diente. Daher wurde, um die hoͤchſte Vollſtaͤndigkeit zu erreichen, auch alles eingeſchaltet, was vorher in denen nach nach und nach erſchienenen Verordnungen zerſtreut war, ſo daß man nun unter beque⸗ men Rubriken alles uͤberſehen, und ſich in kurzer Zeit von dem Willen des Geſetzgebers unterrichten kann. Gluͤcklich ſeyd Ihr, ge⸗ liebte Mitbuͤrger, daß Ihr nun eine feſte und unwandelbare Richtſchnur habt, wornach Ihr Eure Handlungen einrichten, und ſelbſt beurtheilen koͤnnt. Die Geſetze ſind Euch nun allen bekannt, und Ihr koͤnnt Euch ſelbſt Recht ſprechen. Zu dem Ende iſt auch gnaͤ⸗ gnaͤ⸗ IE Ce M 3 digſt verordnet worden, ſie ſogleich in den Druck zu geben, damit nicht erſchlaffende Aufmerkſamkeit, wenn ſie blos abgeleſen wuͤrden, etwas davon uͤberhoͤre, ſondern daß Ihr die Regeln Eures Verhaltens ſtets vor Augen und im Gedaͤchtniß haben, und Euch immer aufs neue einpraͤgen koͤnnet. Zwar hoffen und erwarten wir von einem jeden, der ſich den Wiſſenſchaften widmen will, daß er ſo viel Kenntniß der lateini⸗ ſchen Sprache beſitze, um die Geſetze zu verſtehn, wenn ſie in derſelben abgefaßt würden. Da aber doch immer die Mut⸗ terſprache ſtaͤrker ans Herz redet, und we⸗ niger Misdeutungen unterworfen iſt: ſo iſt um deswillen die deutſche Sprache der la⸗ ²63 teini⸗ 6 NE Go M teiniſchen vorgezogen worden. Der klare helle Buchſtabe leuchtet Euch alſo in die Augen, und, wer ſie nicht muthwillig ſchließt, kann ſehen, was ſeine Pflicht iſt. Von neuen Geſetzen pflegt die allgemeine Er⸗ wartung dahin zu gehen, daß ſie ſtrenge ſeyn werden. Sind freilich gewiße Gebre⸗ chen ſo ſtark eingewurzelt, daß ſie durch gelinde Mittel nicht ausgerottet werden koͤnnen: ſo muß auch der nachſichtsvolleſte Geſetzgeber ſelbſt wider ſeinen Willen haͤr⸗ tere anwenden. Sind dergleichen einge⸗ riſſene Untugenden dann auch ſo verderb⸗ lich, und dem allgemeinen Beſten ſo nach⸗ theilig, als zum Beiſpiel das Duelliren und die Ordensgeſellſchaften, ſo muͤſſen geſchaͤrf⸗ e(o) s 7 geſchaͤrftere Strafen davon obſchrecken. Uebrigens aber werdet Ihr in der That die Strafen hier und da gemildert finden, und wir hegen uͤberhaupt die Hofnung, daß Ihr alle dieſe Geſetze nicht aus Furcht vor den Strafen, ſondern aus Gehorſam gegen Eure Obrigkeit, und aus Ueberzeugung, daß ſie zu Eurer Wohlfarth entworfen wor⸗ den, erfuͤllen werdet. Denn Ihr denket zu vernuͤnftig, als daß Ihr dem Geſpenſt: aka⸗ demiſche Freiheit, als einem Irrlichte, fol⸗ gen, und Euch durch daſſelbe von der rech⸗ ten Bahn in den Abgrund verfuͤhren laſ⸗ ſen ſolltet. Akademiſche Freiheit beſteht nicht in Geſetzloſigkeit, beſteht nicht darin⸗ nen, daß Ihr ungeſcheut alles dasjenige 64 uͤber⸗ 6 lt o) M uͤbertreten duͤrft, was andern Buͤrgern des Staats heilig ſeyn muß. Saufen, In⸗ ſultiren, Raufen und Prellereyen ſind ge⸗ wiß nicht die vorzuͤglichen Gluͤckſeligkeiten des akademiſchen Lebens, gewiß nicht die Mittel, wodurch Ihr Euch Achtung und Liebe erwerben, und zu Eurer kuͤnftigen Be⸗ ſtimmung vorbereiten koͤnnt! Möoͤrdergru⸗ ben, und Orte des zeitlichen und ewigen Verderbnißes, wohin kein Vater mit gu⸗ tem Gewiſſen ſeinen Sohn ſchicken koͤnnte, Geſellſchaften, die ſogleich auſgehoben zu werden verdienten, wuͤrden die Univerſttaͤ⸗ ten ſeyn, wenn man auf ihnen zuͤgellloſe An⸗ ordnung dulden wollte. In einer Geſell⸗ ſchaft von Juͤnglingen, die ihr Alcer aus Man⸗ ME(o) üt 9 Mangel an Erfahrung ohnedies nur zu gern zu Ausſchweifungen hinreißt, die ſie vielleicht nachher ihr ganzes Leben durch bereuen, kann ein Einziger, der ſich dem Laſter ergiebt, durch ſein Beiſpiel eine gan⸗ ze Menge mit ſich hinreiſſen; ihn zeitig auf beßre Wege zu bringen, oder aus dem Kreis, wo er ſchaͤdlich werden kann, zu verbannen, muß Eure Obrigkeit bedacht ſeyn, wenn ſie Nuhe des Gewiſſens genieſſen will. Der Renommiſt, das heißt, ein Menſch, der ſeine Ehre in der Schande ſucht, und jedermanns Ruhe ſtoͤrt, um ſei⸗ nem eignen Gluͤck Hohn zu ſprechen, iſt nun in unſern erleuchteten Tagen ſo allgemein derachtet, und durch Satiren verſpottet, 65 daß 10 e Co) NM daß uns nichts mehr leid thun wuͤrde, als Spuren dieſer Barbarey auf unſrer Uni⸗ verſitaͤt zu behalten, und dieſe Geſetze zie⸗ len ausdruͤcklich dahin ab, ſie ganz zu un⸗ terdruͤcken. Eben ſo ernſtlich aber arbeiten ſie zwey andern modiſchen Fehlern unſers Jahrhunderts entgegen, jener Weichlichkeit, welche, ſie mag ſich unter dem Ramen der Petitmaiterey oder der Empfindſamkeit verber⸗ gen, alle Nerven der Thaͤtigkeit ſchlaff macht, und jener Ungeſchliffenheit und Rohheit, wel⸗ che bey vielen die Stelle altteutſcher Redlichkeit vertreten ſoll. Gefaͤllig und menſchenfreund⸗ lich, artig und geſittet, ungezwungen und ohne Falſch, werdet Ihr Euch den Zutritt in anſtaͤn⸗ dige Geſellſchaften verſchaffen, von Buͤrgern geehrt, Co) At 1- geehrt, und von euren Mitbruͤdern geliebt werden. So werder Ihr, die Ihr dereinſt an⸗ dre lehren und richten wollet, ohne Vor⸗ wuͤrfe von denen, die Euch in akademiſchen Jahren gekannt, ohne Beſchaͤmungen eures eignen Gewiſſens die Aemter uͤbernehmen, zu denen Ihr Euch hier geſchickt macht. Der weiſe Geſezgeber kannte den Hang, welchen die Jugend zu Ergoͤtzungen traͤgt, und hat Euch hierinnen ſo wenig eingeſchraͤnkt, als es nur Euer eignes Beſtes erlaubte. Sich durch den Trunk zum Vieh erniedrigen, die Nacht, die zu Gewinnung neuer Kraͤf⸗ te beſtimmt iſt, zur Beunruhigung andrer an⸗ zuwenden, ſind keine wahren Vergnuͤgun⸗ gen. Denn nur das ſind die wahren Freu⸗ den 12 Me Co) A den dieſes Lebens, welche genoſſen zu ha⸗ ben Euch niemals gereut. Wenn Ihr Euch bey dem Commerce mit dem Degen in der Hand zur Unmaͤßigkeit noͤthigen laßt, wenn Ihr Euch in Ordensgeſellſchaften dem Will⸗ kuͤhr und Eigenſinn eines Senior oder Ael⸗ teſten unterwerft, der Euch nicht nur zu unerlaubten Dingen zwingt, ſondern auch oft in gleichguͤltigen Sachen, in der Wahl der Kollegien, des Tiſches und der Klei⸗ der Geſetze vorſchreibt, ſo begebt Ihr Euch in eine Sklaverey, die einige wenige er⸗ hebt, um alle andre deſto tiefer zu ernie⸗ drigen. Denket Euch uͤberhaupt einen Juͤng⸗ ling, der als die Hofnung der Seinigen, als eine kuͤnftige Stuͤtze von dem Alter ſeines E Co) M 13 ſeines Vaters, aufs beſte vorbereitet, auf die Univerſitaͤt geſchickt wird. Seiner Be⸗ ſtimmung ganz uneingedenk, verlebt er die Zeit, in der er nuͤtzliche Kenntniſſe einſam⸗ meln ſollte, in Wirthshaͤuſern und auf Doͤrfern, in Tobacksgelagen und im Kar⸗ cer, verſchleudert das Geld, das ſein Va⸗ ter ſauer erworben, durch Spiel und Trunk, verwildert in Sitten dergeſtalt, daß er ſich dem unterſten Poͤbel gleich macht, zerruͤt⸗ tet die Seelenkraͤfte, daß ſie zu ſtumpf werden, etwas brauchbares zu arbeiten, zerſtoͤrt den Koͤrper, daß er ſiech einem fruͤ⸗ hen Alter entgegeneilt. In der That waͤ⸗ re es eine Wohlthat fuͤr ihn und den Staat, wenn das entnervte Gerippe bal⸗ digſt zur Mutter⸗Erde zuruͤckkehrte, und kein Andenken von ihm zuruͤckbliebe. Durch Ausſchweifungen oder Duelle an den Rand des 11 NM(o) A des Grabes gebracht, was muß ein ſol⸗ cher Juͤngling empfinden! Sein ganzes unchriſtliches Leben ſchwebt ihm vor Au⸗ gen, alle verachtete Geſetze und Ermah⸗ nungen, die Stimme des Richters don⸗ nert in ſeinen Ohren, er flucht ſeinen Ver⸗ fuͤhrern, und giebt unter Verzweiflung ſei⸗ nen Geiſt auf. Aber, wann ihm auch die langmuͤthige Vorſehung das Leben friſtet, dann zieht ihm taͤglich ſeine Unwißenheit Beſchaͤmungen zu, die ihm, wenn er noch einiges Gefuͤhl hat, das Herz freſſen. Der allgemeinen Verachtung Preis gegeben, und wohl gar darbend, ſezt er im Krieg oder auf Abentheuern ſein Leben aufs Spiel, oder, wenn er noch einiges Unterkommen findet, kriecht er im Staub ein kuͤmmerli⸗ ches Leben durch, und erzeugt Soͤhne, die ihm das Vergeltungsrecht erfahren laſſen. Un⸗ NE o) N 15 Unverdorben, gluͤcklich gebildet, kam ſo mancher auf die Univerſitaͤt; und als ein Frevler, der weder Religion noch menſch⸗ liche Geſetze achtet, gehet er hinweg. Durch Stufen wird er von einem Verderben zum andern bis zu einer ſchreckenvollen Ewig⸗ keit geleitet. Erſt Leichtſinn, dann Hang zum Verbotnen, drauf Fertigkeit im Boͤ⸗ ſen, und endlich vorſetzliche Ruchloſigkeit machen ihn zum Abſcheu der Welt. Macht Euch, geliebte Mitbuͤrger, dies Gemaͤhlde recht anſchauend, und erzittert! Stellt Euch in die Stelle eines Menſchen, den ſein Va⸗ ter vor der Zeit zuruͤckrufen muß, und zu nichts zu brauchen weiß, oder der, rele⸗ girt, von einer Univerſitaͤt zur andern wandert, und zulezt keinen Ort findet, ſein Haupt hinzulegen. Denket Euch alles irrdiſche und ewige Elend uͤber eine Per⸗ ſon ergoſſen, und flieht die Quelle deſſel⸗ ben, den Misbrauch der akademiſchen Frei⸗ heit! Wie reizend iſt dagegen das Gegen⸗ bild 16 N Co) NM bild jenes Juͤnglings, der mit andern in Tugenden und Fleiß wetteifert, denen Hoͤr⸗ ſaͤlen und dem eignen Studieren ſeine mei⸗ ſte Zeit weihet, durch geſittete Geſellſchaft taͤglich liebenswuͤrdiger wird, zu ſeiner Be⸗ ſtimmung ſich immer tuͤchtiger macht! Der Beifall der Seinigen, das Wohlwollen der Redlichen, der Dank des Vaterlandes warten ſeiner, und der Himmel blickt ſeeg⸗ nend auf ihn nieder. In ungeſtoͤrter Zu⸗ friedenheit verfließen ſeine Tage, und hei⸗ u ter geht er in ein beſres Leben uͤber. Nun dann, geliebten Soͤhne, Euer Wandel ſey Denkmal dem erlauchten Geſetzgeber, Eure Thatkraft Gehorſam gegen ihn und uns, Eure Laufbahn Gluͤckſeeligkeit, und Euer Ziel der Seegen von oben! P. P. den September 1779. Pflich⸗ Pflichten auf der „Univerſitaͤt Gießen ſich aufhaltenden Studenten. 1779. Von der Aufnahme derer Studie⸗ renden. er die Univerfitaͤt Gieſen Studie⸗ rens halber bezieht, ſoll binnen acht Tagen nach ſeiner Ankunft beim Rector ſich melden, um durch Ein⸗ ſchreibung in die Univerſitaͤtsmatrikel unter die Zahl der Studierenden aufgenom⸗ men zu werden, zu dem Ende er Na⸗ men, Vaterland, und Wohnort anzuge⸗ ben hat. Wer dieſe Zeit vorbeigehen laͤßt, ſoll vom, Miniſtro Academiae deſſen erinnert, und wenn er darauf binnen vier und zwan⸗ zig Stunden ſich abermahls nicht meldet, ihm vom Rector eine nochmahlige kurze Friſt A 2 von 3 Ne od A von drey bis vier Tagen, unter der Verwar⸗ nung angeſezt werden, daß, wenn er ſich bis dahin wiederum nicht melden, noch guͤltige Urſachen, warum er ſich noch nicht ein⸗ ſchreiben laſſen koͤnnen, vorbringen wuͤrde, er als ein Veraͤchter der Studien und des akademiſchen Magiſtrats angeſehn, der Aufnahme unwuͤrdig erklaͤrt, und aus der Stadt fortgeſchaft werden ſolle. Achtet er auch darauf nicht, und laͤßt dieſe Zeit unangemeldet, und unentſchuldigt verfließen: ſo ſoll gegen ihn mit erſtgedach⸗ ter Erklaͤrung fuͤrgegangen, und das Ober⸗ amt erſucht werden, einen ſolchen aus der Stadt fortzuweiſen; welches, dem Rector hierunter huͤlfliche Hand zu bieten, angewie⸗ ſen werden ſoll. Wer aus denen Fuͤrſtl. Paͤdagogien, oder von denen Land⸗ auch andern Pri⸗ vatſchulen neu ankommt, ſoll vom Di⸗ rektor des Paͤdagogiums, oder von ſeinem Lehrer ein beglaubtes Zeugnis ſeiner Faͤhig⸗ keit beibringen, oder vom zeitigen Deka⸗ nus der philoſophiſchen Fakultaͤt und dem Paͤdagogiarchen gepruͤft, und, ob er zu den akademiſchen Lectionen zuzulaſſen, oder nicht, CO Ne 5 nicht, erkannt, vorher aber keiner ange⸗ nommen werden. Ein von andern Univerſitaͤten Relegir⸗ ter ſoll anders nicht, als nach unterſchrie⸗ bener Relegation angenomm. n werden. Jeder, der ſolchergeſtalt zur Aufnah⸗ me faͤhig iſt, oder von andern Univerſitaͤ⸗ ten aufzieht, ſoll gleichwol nicht eher eingeſchrieben werden, als wenn er zuvor dem Rector unter Handtreue an Eides⸗ ſtatt verſprochen hat: (a) Daß er dem Landesfuͤrſten und deßen Fuͤrſtl. Hauße weder mittel⸗ noch unmittelbar Schaden zufuͤgen— (b) dem Rector und Senat, als ſei⸗ ner ihm vorgeſezten Obrigkeit, allen gebuͤh⸗ renden Gehorſam und Ehrfurcht erweiſen, auch die ſchon gegebnen und kuͤnftig noch erfolgenden Geſetze genau befolgen— (c) in Erlernung der Wiſſenſchaften behoͤrigen Fleiß anwenden, zu dem Ende die noͤthigen Kollegien emſig beſuchen, end⸗ lich A 3(d) das Me Co) N (d) das ihm etwa widerfahrende Un⸗ V recht und Beſchimpfungen weder ſelbſt, noch durch andre raͤchen, ſondern ſelbige dem Rector anzeigen, und von dieſem Huͤlfe und Gunugthuung ſuchen und er⸗ warten wolle. §. 2. Von der Sabbatsfeier. Wir verſehen uns zu denen Aufge⸗ nommenen, der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften Beflißenen, und ermahnen Sie, daß Sie vor allem Gott, den Anſang und die Ur⸗ quelle der Gerechtigkeit, Liebe und Weis⸗ heit, von ganzem Herzen lieben und fuͤrch⸗ ten, ſich eines frommen, Gott wohlgefaͤl⸗ ligen, chriſtlichen und geſitteten Wandels, auch der Liebe gegen ihren Naͤchſten, ſo wie gegen ſich ſelbſt, befleißigen, dem oͤffentlichen Gottesdienſt an den ihnen an⸗ gewieſenen Plaͤtzen fleißig beiwohnen, der Gnadenmittel ſich mit Andacht bedie⸗ nen, und alles das, was ihr zeitliches Wohl und ewiges Heil befoͤrdern kann, gerne thun, das entgegenſeehende aber un⸗ zerlaſſen werden. Wuͤr⸗ e Co) M 7 Waͤrde gleichwohl einer oder mehrere an Sonn⸗ und Feſttagen den Gottes⸗ dienſt in oder auſſer der Stadt auf ir⸗ gend eine anſtoͤßige Weiſe ſtoͤren, in oder auſſer der Stadt mit Wuͤrſeln, Karten, Kegeln und Billard-Spielen, auch mit Jagen und ſonſt die Entheiligung und Verachtung deſſelben an den Tag legen, der ſoll als ein Aergerer ſeines Nebenmen⸗ ſchen und Stoͤrer, oder Veraͤchter des Gottesdienſtes, nach Befinden, mit zwey⸗ und mehr taͤgiger Karcerſtrafe belegt, das zweitemahl ſolche verdoppelt, beim drittenmahl aber ihm das Conſilium ab- eundi gegeben und er aus der Stadt fort⸗ gewieſen werden. §. 3. Vom Mißbrauch des Namen Gottes. Wer den Namen Gottes mit Fluchen, Schwoͤren, Zauberdeutungen, Beſchwö⸗ rungen und ſonſt mißbraucht, mit der Religion ein Geſpoͤtte treibt, epikuriſche Saͤtze ausſtreut, der ſoll vom Rector und engeren Senat davon ernſtlich abgemahnt, auch nach Befinden ihm einige und mehr⸗ taͤgige Karcerſtrafe auferlegt, bey nicht A 4 erfol⸗ 8 l erfolgender Beſſerung die Strafe verdop⸗ pelt, endlich beim dritten Fall, wenn er deſſen uͤberfuhrt worden, durch das Con⸗ ſilium abeundi weggeſchaft werden. §. 4. Vom Beſuchen der Kollegien. Wer dem Endzweck, warum er auf die Univerſitaͤt geſchickt worden, zuwider, ſtatt der Erlernung der Wiſſenſchaften und Kuͤn⸗ ſte, wodurch er ſich zu einem brauchbaren Glied der menſchlichen Geſellſchaft bilden ſoll, die koſtbare Zeit mit Muͤßiggang zu⸗ bringet, und ſeine Lehrſtunden oft verſaͤu⸗ met, der ſoll von ſeinem Lehrer zur Beſ— ſerung freundſchaftlich vermahnt werden. Wuͤrde er aber die Lehrſtunden einen Mo⸗ nat lang gaͤnzlich verſaͤumen, ohne ſich mit Krankheit, oder ſonſt, guͤltig entſchul⸗ digen zu koͤnnen, der ſoll vom Rector ſei— ner bey der Aufnahme gethanen Handge⸗ luͤbde, auch der Pflichten gegen ſich ſelbſt, ſeine Eltern oder Vormünder ernſtlich erinnert, vom Muͤßiggang ab, und zu fleißiger Beſuchung ſeiner Lehrſtunden an⸗ gemahnt, auch mit einigen Tagen Karcer beſtraft —n——— k(o) t 9 beſtraft werden. Wer Warnung und Zuͤchtigung nichts achtet, und ſeine Kolle⸗ gien abermahls einen ganzen Monat hin⸗ durch vetſaͤumt, der ſoll vor den engeren Senat gefordert, daſelbſt nochmahls ermah⸗ net, verwarnt, und mit gedoppelter Stra⸗ ſe belegt, und wenn er gar zum dritten⸗ mahl des beharrlichen Muͤßiggangs uͤber⸗ fuͤhrt werden ſollte, alsdann von dem Kon⸗ ſiſtorium, als ein nicht zu beſſernder hart⸗ naͤckiger Taugenichts durch das Conſilium abeundi fortgeſchaft werden, damit ſeine Faulheit andre nicht anſtecken moͤge. 6. F5. Vom Zutrinken und dem Laſter der Trunkenheit. Die Studenten ſollen ſich auch des uber⸗ maͤßigen Gebrauchs der hitzigen Getraͤnke, und ſonderlich des Brandeweins enthalten, und bedenken, daß aus dem Zutrinken Trun⸗ kenheit, und aus dieſer die ſchaͤndlichſten Handlungen erfolgen, und ein Trunkener ſeine Ehre, Vernunft, Seele, Leib und Gut in Gefahr ſetzt. Wer im Trunk Unord⸗ A 5 nun⸗ ro M(o) NM nungen und ſtrafbare Handlungen begeht, ſoll durch Vorſchuͤtzung der Trunkenheit, in allen zur Univerſitaͤtsgerichtbarkeit gehörigen Verbrechen, keine Entſchuldi⸗ gung, noch Minderung der Strafe, viel⸗ mehr nach Befund deren Erſchaͤrfung zu gewarten haben. Wer ſich dem Trunk ergiebt, ſoll erſt vor dem akademiſchen Senat ernſtlich ver⸗ warnet, falls er ſich nicht beſſert, mit acht Tage Karcer beſtraft, und wenn auch dieſes nichts fruchten ſollte, als ein nicht zu beſſernder Trunkenbold von der Univer⸗ ſitaͤt per Conſilium abeundi weggewieſen werden. Auch wer andre zum Trunk verleitet, oder gar genoͤchiget haͤtte, ihm das, was er in großen oder vielen Glaͤſern demſel⸗ ben zutrinkt, nachzutrinken, der ſoll mit mehrtaͤgiger Karcerſtrafe belegt, oder auch nach Befinden als ein Verfuͤhrer und Entehrer der Menſchheit mit dem Conſilio abeundi beſtraft werden. §. 6. 2 KE(O) NMs §. 6. Von erlaubten und verbotnen Spie⸗ len, und andern Ergoͤtzungen, als Spa⸗ zieren auf dem Wall, Baͤllebei⸗ wohnen, Jagen, Maske⸗ raden ꝛc. ꝛc. So wie Wir alle dem Endzweck eines . Studierenden nicht zu widerlaufenden und die Geſundheit befoͤrdernden Ergoͤtzungen, ſch als da ſind Spielen auf dem oͤffentlichen ht Blillard, wie auch ſonſt alle nicht zu uͤber⸗ maͤſſigen Kommerz⸗Spiele in geſtempelten n Karten, Mithaltung geſitteter Baͤlle in anſtaͤndigen Geſellſchaften, Spazierenge⸗ hen auf dem Wall, und aus ganz beſon⸗ derer Landesfuͤrſtlicher Gnade das Jagen in der Gieſer Gemarckung, auf dem Felde ns zwiſchen Gieſen und Wieſeck, auf dem % Klein⸗Linneſer Cent⸗Bann, wie auch auf lit der Koppel⸗Huth zwiſchen Gieſen und er Klein⸗innes, erlauben: ſo ſoll dagegen m(a) Das Blllardſpielen, ſo wie al⸗ les Wein, Thee, Koffe⸗Bier⸗Liqueur, oder anderes Trincken in oͤffentlichen Haͤu⸗ ſern 12 A Co N ſern Sonnabends nach neun Uhr, ſo wie ſin an den uͤbrigen Tagen nach zehn Uhr— umn (b) alle, die Seele mit den verderb⸗ lichſten Leidenſchaften erfuͤllenden und den pel wirthſchaftlichen Zuſtand leicht zerruͤttenden der Hazardſpiele in Wuͤrfeln, Karten oder ſonſt, es ſey um baares Geld, Wein Koffee, um freyes Tractament, oder wie es ſonſt Namen haben mag, Z. E. Pharo, ſiia Quindeci, Lansquenet, Bieribi, Triſchack, u. a. m. verboten, und die Uebertretung dieſes Geſetzes das erſtemal mit achttaͤgi⸗ nnd ger- das zweite mal mit zwoͤlftaͤgiger Kar⸗ bur cer, oder ihr proportionirter Geldſtrafe, das de dritte mal aber mit dem Conſilio abeundi cthet beſtraft werden. Eben ſo wird auch (c) das Spazierengehen auf dem Wall in groſen Haufen, von Betrunknen, oder nach geſchehnem Thorſchluſſe unter nahm⸗ hafter Karcerſtrafe, ſo wie auch (d) alles Jagen an Sonn⸗und Feſt⸗ tagen waͤhrend des Gottesdienſtes, und das Jagen an unerlaubten Orten, alle Uebertretung der von Petri bis Bartho⸗ lomaͤi daurender Heegezeit, alles Schieſ⸗ ſen NE Co) Ne 13 ſen oder Einfangen zahmer Tauben, En⸗ ten u. d. m. und zwar lezteres mit einer Strafe von drey Gulden, erſteres aber mit angemeßner Karcerſtrafe und dop⸗ n peltem Erſatze des verurſachten Schadens, verboten. (e) Alle Maskeraden aber, von welcher e Arr ſie auch ſeyn moͤgen, ſollen bey Karcer⸗ ſtrafe gaͤntzlich verboten ſeyn; b(k) Wobey Wir alle bey dem Auf⸗ und Abzug von der Univerſitaͤt, bey Ge⸗ „ burestagen und dergleichen ſich erlauben⸗ 6 de Schmauſſoreyen und Gelage, desglei⸗ li chen die zum Sauffen, Schlaͤgerey und an⸗ dern Unordnungen Anlaß gebende Muſt⸗ ken bey der Rector⸗Wahl und Ankunft der Profeſſoren hiermit ausdruͤcklich unter⸗ r ſagen. 6. 7. Vom Nationalismus und Penna⸗ lismus. So ſehr es allen denjenigen, die aus einer Stadt oder aus einem Lande gebuͤr⸗ 1 tig 1 N(o) M tig ſind, als etwas Ooͤbliches und Nuͤtzli⸗ ches verſtattet iſt, Freundſchaft mit ein⸗ ander zu halten, ſich einander mit Rath und That beizuſtehn, in Kranckheiten be⸗ ſonders fuͤr einander zu ſorgen, und ſich ihrer Pflege und Wartung anzunehmen, ſo ſehr wird dagegen unruhigen und muͤßi⸗ gen Koͤpfen alles, was nur den Anſchein ei⸗ nes Nationaliſmus haben kann, wohin die Errichtung ſogenannter Landsmannſchaften, daraus entſtehende Verbindung zu allerley Zuſammenkuͤnften und Zeit⸗und Geld freſ⸗ ſenden Gelagen, oder ſogenannten Kraͤnz⸗ chen gehoͤret, die die Quelle von allerley Uinordnungen, Ialouſien Feindſchaften, Zaͤnckereyen und andern Zeit und Koſten verderblichen Uebeln, beſonders aber da⸗ von ſind, daß, wann einer aus der Ge⸗ ſellſchaft ſich beleidigt glaubt, die uͤbrigen, Kraft ihrer Verbindung, auf ſeine Seite treten, und dann, ſo der andre auch bey ſeiner Landsmannſchaft Hilfe und Beiſtand ſucht, eine Art von innerlichem Kriege an⸗ gezettelt, oder wohl gar die Errichtung ei⸗ ner Ordens⸗ Geſellſchaft, wovon das Tra⸗ gen gewiſſer Ordenszeichen, Beiwohnen der gewoͤhnlich aus den Landsmannſchaftlia chen Zuſammenkuͤnften entſtehenden Con- ven- e Co) A 15 venticulorum, und beſonders Zeichen in den Stammbuͤchern, ſichre Merckmale ſind, auf das ernſtlichſte und ſchaͤrfſte verbo⸗ ten, und zwar unter der unabbittlichen Strafe der Relegation fuͤr alle diejenigen, die ſich als Ordensmeiſter, Landsmann⸗ ſchaft⸗Senioren, Beiſitzer oder Anwerber ſolcher Geſellſchaften betreten laſſen, wel⸗ che Relegation gedruckt ins Vaterland und an eines jeden Obrigkeit geſandt werden, bey Landeskindern aber noch insbeſonde⸗ re mit dem gaͤntzlichen Verluſt aller Hof⸗ nung, jemals im Lande zu einem oͤffentli⸗ chen Amte befoͤrdert zu werden, verknuͤpft ſeyn ſoll. Eben ſo ernſtlich wird auch hiemit al⸗ les, auf einen kindiſchen Pennaliſmus hin⸗ auslaufende Unterſcheiden aͤlterer Mit⸗ glieder der Univerſitaͤt von den neuange— kommenen, oder erſt vor kurzem unter die Anzahl der Studierenden aufgenommenen, alle Arten von dahin abzielenden ſchimpfli⸗ chen oder verdaͤchtigen Worten und Hand— lungen, Prellen, oder ſonſt andere Zunoͤ⸗ thigungen von irgend einer Art verboten, und ſoll der Uebertreter dieſes Geſetzes mit zwey, vier, auch acht taͤgiger Karcerſtrafs belegt werden. §. 8. 16 Mt Co) A nd. 8. Vom Beſuchen der Doͤrfer, Kommer⸗ ciren und Nachtſchwaͤrmen. V Und da auch aus dem haͤufigen Be⸗ ſuchen der Doͤrfer, beſonders in groͤſeren Geſellſchaften, allerley groſe Uebel entſte⸗ hen, indem nicht allein die Geſundheit, das Geld und die Zeit auf die unverank⸗ wortlichſte Art dabey zu Grunde gerichtet, ſondern auch zugleich zu allerley Arten von liederlichen Leben der Weg gebahnt wird, ſo ſoll auch dieſes hierdurch uͤberhaupt und das dabey uͤbliche ſogenannte KRommerci⸗ ren insbeſondre, es ſey in der Stadt oder auſſerhalb derſelben, ernſtlich verbo⸗ ten ſeyn, wie dann auch ſorgfaͤltig auf denjenigen wird inquirt werden, der von dergleichen Ausſchweifungen Profeſſion macht, andre dazu verfuͤhrt, oder wohl A gar auf eine niedertraͤchtige Art ſeinen Un⸗ R. terhalt darinnen ſucht. Derjenige, der ſich als einen ſolchen liederlichen Menſchen betreten laͤßt, ſoll, nach Befinden der Umſtaͤnde, mit mehr taͤgiger Karcerſtrafe, falls er ein Sti⸗ pen⸗ NE Co) NM 17 pendium genießt, mit Verluſt deſſelben, und im Fall er keine Beſſerung an ſich verſpuͤren laͤßt, mit dem Conſilio abeun- di beſtraft werden. Ueberhaupt aber werden hiemit zugleich auch alle ungeſittete Nachtſchwaͤrmereien, alles Schreien auf den Straßen, Viyat- Pereat- und Hurra⸗Rufen, alles Wetzen oder Gehen mit bloſen Degen, alles In⸗ ſultiren andrer, und jeder Auflauf erre⸗ gender Laͤrmen— Alles Anrufen voruͤber⸗ gehender Perſonen, beſonders das Anru⸗ fen des Poſtwagens, das Lichtwegrufen und Laternenzerſchmeißen-- Alles die gu⸗ ten Sitten beleidigende, und Feuersge⸗ fahr machende Tabacksrauchen auf den Straßen und dem Wall, es ſey bey Tag oder Nacht— Alles Schießen in der Stadt— Aller Gebrauch brennender Fa⸗ ckeln in der Stadt, der beſonders bey Muſikbringen unterſagt bleibt, ohne Fuͤrſt⸗ liche Diſpenſation nicht geſtattet werden, und ſtatt deren die Studenten ſich wohl verwahrter Laternen bedienen ſollen,— al⸗ les Klatſchen und Peitſchen auf der Straſ⸗ ſe— Die Anſtimmung ſchaͤndlicher, ſchmäh⸗ ſuͤchtiger oder aufruͤhriſcher Leder,— Alles B Fen⸗ 1 E Go) A Fenſtereinwerfen— Alles Muſikauffuͤh⸗ ren, oder beiwohnen nach eilf Uhr, auf 8 das ſtrengſte verboten. Derjenige, der gegen einen dieſer, oder aͤhnlicher Punkte ſuͤndigt, ſoll mit zwey⸗ oder mehrtaͤgiger Karcerſtrafe, nebſt dem doppelten Erſatz alles verurſachten Schadens, den er noch vor der Entlaſ⸗ ſung aus dem Karcer zu bezahlen hat, be⸗ ſtraft werden. Und, wenn es ſich gar ereignen ſollte, daß ein ſolcher Stoͤrer der oͤffentlichen Ru⸗ he und Sicherheit, bey einer ſolchen Ge⸗ legenheit, die Pedellen, Schildwachen, Pa⸗ trouillen, oder Nachtwaͤchter, als deren Beſtimmung unmittelbar zur Erhaltung der Sicherheit und Ruhe des gemeinen Weſens abzielt, mit Worten, oder mit der That beleidigte, ſo ſoll er, nach Ver⸗ ſchiedenheit und den Graden der Umſtaͤn⸗ de und des veruͤbten Frevels, für eine ſol⸗ che Verletzung oͤffentlicher obrigkeitlicher Sicherheitsanſtalten mit vier, acht, auch zehntaͤgiger Karcerſtrafe belegt, und falls er gar ein toͤdliches Gewehr gegen dergleichen Perſonen geſetzt, oder ſie mit Peit⸗ Ke 9 V mit t CoO) NNe Peitſchen, Pruͤgeln, oder andern aͤhnlichen Dingen angefallen, desgleichen auch An⸗ fuͤhrer und Anſtifter oͤffentlicher Tumulte, mit der Relegation beſtraft werden. §. 9. Von Injurien, genommner Selbſt⸗ rache, und allerley Thaͤtlichkeiten, Rencontres und Duellen. Wir ermahnen und erinnern auch die Studierenden, daß ſie ſich gegen einander freundlich, friedlich und beſcheiden betra⸗ en, keiner dem andern mit anzuglichen eden, anſtoͤſigen Minen, oder unziemli⸗ chen Geberden, oder gar mit der That ſchimpflich begegnen, und zum Widerwil⸗ len Anlaß geben, auch des Balgens und Duellirens ſich zumal enthalten; dahinge⸗ gen alles das mit beizutragen ſich bemuͤ⸗ hen ſollen, was die oͤffentliche Ruhe erhal⸗ ten, und ihre, auch andrer Ehre, Leib und Leben in Sicherheit ſetzen kann. Sollte gleichwol einer mit Worten, Minen oder Geberden, oder mit der That ſelbſt, mittelbar durch einen Diener, B 2 oder 20 E Co NM oder ſonſt jemand, oder unmittelbar von einem andern beleidigt und geſchimpft wer⸗ den; ſo verordnen Wir hiemit, daß der Beleidigte dennoch weder ſelbſt, noch durch andre, weder ſogleich, noch hernach Ge⸗ nugthuung eigenmaͤchtig nehmen, ſondern ſolches, der bey ſeiner Annahme an Ei⸗ desſtatt geleiſteten Handgeluͤbde gemaͤs, ſo⸗ gleich dem Rector anzeigen, und von dem⸗ ſelben die gebuͤhrende Gnugthuung erwar⸗ ten, zu dieſer ihm auch unverlaͤngt gehol— fen, und zu dem Ende alle Zierlichkeiten eines Prozeſſes in dergleichen, und ande⸗ ren Injurienſachen uͤbergangen, und nur das Weſentliche derſelben beibehalten, die That unterſucht, und ſo weit ſie erwieſen, foigendermaßen beſtraft werden ſolle: (a) Wer den andern mit Schimpf⸗ worten, anſtoͤſigen Minen, oder unziemli⸗ chen Geberden beleidigt, ſoll dem Belei— digten eine Abbitte und Ehrenerklaͤrung zu chun, oder nach Beſchaffenheit der Schimpfworte im Beiſeyn der bey der Be⸗ ſchimpfung zugegen geweſnen Perſonen vor dem Rector ſelbige zu widerrufen an⸗ gehalten, und dabey mit drey bis vier, auch nach Befund wohl mit ſechs bis acht Tage Karcer beſtraft werden. Wenn Co) NMe 21 Wenn(b) der durch Schimpfreden Beleidigte auf der Stelle ſich ſelbſt Recht nehmen, und den andern mit den nemli⸗ chen oder andern Worten wieder ſchimpfen wuͤrde, der ſoll ſich ſeiner Privatgnug⸗ thuung hierdurch verluſtig gemacht haben, und im erſten FJall, wenn er in der er⸗ ſten Hitze die nemlichen Schimpfreden zu⸗ ruͤck geſchoben, mit der Haͤlfte der vom erſten Injurianten verwirkten Strafe be⸗ legt, im andern Fall, wenn er andre Ge— genſchimpfworte gebraucht hat, gleich dem andern beſtraft werden, welche gleiche Stra⸗ ſe auch alsdann ſtatt haben ſoll, wenn das Wiederſchimpfen nicht ſogleich aufs erſte Schimpfen, ſondern hernach erſt ge⸗ ſchieht, wenn die erſte Hitze ſich gelegt, beide von einander geweſen, und der Be⸗ leidigte mit Vorbedacht ohne nenen Anlaß wieder ſchimpft, immaſſen Wir das ſonſt in Rechten erlaubte Retorquiren, als nur zu mehrerer Erhitzung und Unterhaltung der Haͤndel Anlaß gebend, gaͤntzlich verboten haben wollen. Wer aber (c) den andern mit der Hand, Stock oder Peitſche zu ſchlagen draͤut, ſoll, wenn er zugleich Urheber des Streits iſt, mit acht bis zehn Tag Karcer, und wenn fol⸗ 1 B 3 ches 22 N Co N ches auf vorhergegangne Schimpfreden ge⸗ ſchehn, mit vier bis fuͤnf Tag Karcer be⸗ ſtraft werden. Wenn hingegen (d) einer den andern mit Ohrfeigen, Fauſtſchlaͤgen, mit einem Stock oder Peit⸗ ſche, oder Haarraufen angreift, ſchlaͤgt oder rauft; der ſoll mit dem Unterſchied ge⸗ ſtraft werden, daß der Angreifer, wenn er zugleich Urſacher des Streits, und von dem Angegriffnen mit Schimpfreden, an⸗ zuͤglichen Minen und Geberden nicht vor⸗ her gereizt worden iſt, mit drey Wochen Karcerſtrafe belegt— Wenn er aber zuerſt geſchimpft wor⸗ den, auch am Streit der Urheber nicht iſt, und auf der Stelle in der erſten Hitze den andern alſo, wie vor gemeldet, mit der That behandelt, alsdann mit der Haͤlf⸗ te jener Strafe angeſehn werden. Irm Fall er aber eine oder mehrere Stunden nach erlittner Beſchimpfung, oder wohl gar ein oder mehrere Tage her⸗ nach, wo die erſte Hitze verraucht iſt, und er zur Ueberlegung Zeit gehabt hat, den andern alſo mit der That behandelt, und folglich mit gutem Vorbedacht ſeinen bey der Aufnahme geleiſteten Handpflichten zuwider handelt: E(o M 23 handelt: So ſoll er auf zwoͤlf bis vierzehn Tage mit Karcerſtrafe belegt werden. (e) Wer mit einem Pruͤgel dem an⸗ dern aufpaßt, ihn angreift und ſchlaͤgt, der ſoll mit vier Wochen Karcer⸗ oder nach Befinden, ſo er ihn hart verwundet, mit dem Conſilio abeundi beſtraft und zur Zahlung der Kurationskoſten, auch des Incereſſe wegen des etwa bleibenden Scha⸗ dens, in ſo fern er zugleich Urſacher des Streits geweſen, angehalten, oder wenn er unvermoͤgend iſt, mit einer laͤngeren Karcerſtrafe angeſehn, und wenn er ſol⸗ che ausgeſtanden, mit dem Conſilio abeun- di aus der Stadt geſchaft werden. Wir ſind zwar (k) nicht gemeint, die in natuͤrlichen und weltlichen Rechten erlaubte Nothwehr, und rechtmaͤſige Vertheidigung ſeiner Glie⸗ der, Leibes und Lebens gegen den Angreifer jemand zu verſagen. Wir wollen aber, daß ein jeder in den Schranken eines moderaminis inculpatae tutelae verbleiben, hierinn nicht excediren, B 4 ſeine 24 MN Co) M ſeine Vertheidigung nicht weiter, als es die Noth erfordert, treiben, und ſie nicht in eine Rache und Verfolgung ausarten laſſen ſoll. Wenn alſo einer ohne gegebne Urſa⸗ che von dem audern mit entbloͤßtem De⸗ gen, oder andrem toͤdtlichen Gewehr un⸗ verſehens angegriffen wird, und der An⸗ gegriffne wehrt ſich ſeiner Glieder und Lebens, bedient ſich alſo einer rechten Noth⸗ wehr, der ſoll, wenn er gleich in der Vertheidigung den andern verwundete, dennoch von aller Strafe frey ſeyn— Wenn er aber einen Exceß dabey began⸗ gen— den andern verfolgt haben ſollte, ihm, wo er wohl gekonnt, nicht ausgewi⸗ chen waͤre, ſo ſoll der Exceß nach einer vom Konſiſtorio zu ermeſſenden Karcer⸗ ſtrafe verbuͤßt; falls aber einer todt ge⸗ blieben waͤre, die Sache bey dem ordentli⸗ chen Richter, den Rechten nach, unter⸗ ſucht und beſtraft werden. Hat der An⸗ gegriffne durch Schimpfreden, oder an⸗ dere Anzuͤglichkeiten, den Streit veranlaſ⸗ ſet, ſo ſoll er als ein Injuriant der Privat⸗ gnugthuung verluſtig ſeyn, und mit acht Tag Carcerſttrafe belegt werden. Der⸗ nit und in ver der auc vul her gri den hen wu viel gel der fen t Co) le 25 Derjenige aber, welcher den andern mit dem Degen in der Fauſt angreift, und zugleich Urheber des Streits iſt, ſoll, in ſo fern es nur ein Rencontre und kein verabredeter Duell geweſen, der Angrif in der erſten Hitze des Streits geſchehen, auch der Angegriffne darbey nicht ver⸗ wundet worden, mit zwey bis drey Wo⸗ chen Karcer beſtraft, im Fall aber der An⸗ grif nicht in der erſten Hitze, ſondern nach— dem beide von einander geweſen, geſche⸗ hen, und der Angegriffne zugleich ver⸗ wundet worden: So ſoll der Angreiffer mit vier bis fuͤnf Wochen Karcerſtrafe ſein Verbrechen buͤſſen.—- In ſo fern hin⸗ gegen der Angegriffne Urſacher des Streits geweſen; ſo ſoll alsdann der Angreiffer, der ſich die verbotene Selbſthuͤlfe ſchaf⸗ fen wollen, nach Unterſchied, ob der An⸗ griff in der erſten Hitze, auf der Stelle, nach erlittner Beleidigung, oder nachdem beide Theile wieder von einander geweſen, geſchehn, auch die Schlaͤgerey mit oder ohne Verwundung abgelaufen iſt, mit zwey oder dreiwoͤchentlichem Karcer be⸗ ſtraft werden. Da auch(g) 85* ſich oft zutraͤgt, daß unter 26 e CO) Ne unter dem Vorwand eines Rencontre rechte Duelle ausgeuͤbt werden: So ſollen diejenigen, welche einen ſolchen Rencontre gehabt, ſcharf examinirt, und genau unter⸗ ſucht werden, ob ſie nicht vorher zu Aus⸗ uͤbung ihres Streits muͤndlich und ſchrift⸗ lich durch Diener, oder ſonſt durch an⸗ dere die Veranlaſſung zum Rencontre ge⸗ geben haben, und ſie alſo vorſetzlich, um Unſer Edikt zu umgehen, zuſammen ge⸗ kommen ſind— oder ob ſolches nur von ungefehr, und auf den erſten uͤberfallenden Eifer vorgenommen worden iſt? Sollten ſich nun hinlaͤngliche verdaͤch⸗ tige Anzeichen ergeben, daß ſie den Ren⸗ contre ſeibſt muͤndlich oder ſchriftlich, oder durch ihre Diener, oder durch andre ver⸗ abredet haͤtten: So ſollen diejenigen, wel⸗ che den Rencontre gehabt, und nicht auf andre Art voͤllig uͤberfuͤhrt werden koͤn⸗ nen, ſich alsdann eidlich reinigen, und ſie zugleich auf die Karteltraͤger eidlich mit⸗ vernommen, im Fall der verweigerten eidlichen Reinigung aber ſie fuͤr uͤberwie⸗ ſen gehalten, und eine ſolche betruͤgliche vorſetzlich verabredete Zuſammenkunft an beiden, gleich einem Duell, geſtraft wer⸗ den. Wo⸗ 4 Edi ſein⸗ wide maͤc wede tund V ande obſch ſoll hebe lang ober ſond und fl eeri (a) s 27 Wofern aber (h) ſich einer unterſtuͤnde, Unſerm Edikt und ſeinem unter Handpflichten bei ſeiner Aufnahme gethanen Verſprechen zu⸗ wider, mit boshaftem Vorſatz ſich eigen⸗ maͤchtig zu raͤchen, und den andern ent⸗ weder ſelbſt, oder durch Kartel, Abſchik⸗ kung einer dritten Perſon, oder ſonſt auf andre Weiſe, zum Duell auszufordern, obſchon ſolches hernach nicht erfolgte: So ſoll der Ausforderer, wenn er zugleich Ur⸗ heber des Streits geweſen, dreißig Tage lang mit dem Karcer beſtraft, ſo fern er aber nicht Urheber des Streits geweſen, ſondern von einem andern beſchimpft— und zur Ausforderung veranlaßt worden— ſoll er gleichwol zwanzig Tage lang inkar⸗ cerirt werden. Der Ausgeforderte, wenn er das Duell annehmen und erſcheinen wuͤrde, ſoll, nach Unterſchied, ob er die Ausforderung ſelbſt veranlaßt oder nicht, mit der nemlichen dreißig oder zwanzigtaͤgigen Gefaͤngnißſtra⸗ fe, wie der Ausforderer belegt— Wenn er aber auf die Ausforderung zum Duell nicht erſcheint, doch aber ſolches verſchwei⸗ get, 28 M Co) NM get, und dem Nector nicht anzeigt, ſoll er gleichwohl mit fuͤnf bis ſechs Tag Kar⸗ cer beſtraft werden. Kaͤme es aber zum wirklichen Duell, es geſchehe ſolches gleich in- oder auſſer der Stadt, auf der Straße oder in der Stube: So ſoll, wenn ſchon kein Theil verwundet worden, ſowohl der Ausforde⸗ rer, als der Ausgeforderte, ſogleich zu Haften gebracht, ein jeder fechs Wochen lang inkarcerirt, und nach ausgeſtandner Karcerſtrafe derſelbe uͤberdem von Unſrer Univerſitaͤt relegirt, und die Relegation mit der Urſache der Obrigkeit in ſei⸗ nem Vaterland bekannt gemacht, Landes⸗ kinder aber nicht nur aller Beneſicien, ſo ſelbige etwa zu genieſſen haͤtten, ent⸗ ſeit, ſondern auch alle Befoͤrderung in hie⸗ gen Landen ihnen verſagt werden. Wenn aber einer von beiden Duellan⸗ ten, oder beide zugleich, auf dem Platz todt blieben, oder an einer abſolut toͤdtli⸗ chen Wunde hernach ſterben wuͤrden; ſo ſollen die Koͤrper der Duellanten entweder an dem Ort, wo ſie ſich duellirt, oder an einem andern unehrlichen Ort, dnurch den delt der eing tret ſen dert ſogl hen Lebe ber den. kom iion deſſ ſige ſtat der ang V mac f ten des aben ſen ſuch ſedüt E Co) Me 29 den Scharfrichter, unter Veranſtaltung der ordentlichen Obrigkeit in criminalibus, eingeſcharrt, der Thaͤter aber auf den Be⸗ tretungsfall, ohne Anſehn der Perſon, es ſey der Ausforderer, oder der Ausgefor⸗ derte, Beleidiger oder Beleidigte geweſen, ſogleich ausgeliefert, nach peinlichen Geſe⸗ tzen behandelt, und mit dem Schwerd vom Leben zum Tod gebracht, deſſen Koͤrper aber auf dem Gerichtsplatz begraben wer⸗ den. Sollte er aber mit der Flucht davon kommen, und auf vorher gegangene Cita⸗ tion ſich nicht wieder einſtellen: So ſollen deſſen ſaͤmtliche Guͤter, wenn er aus hie— ſigen Landen, und deſſen auf die Univerſi⸗ taͤt gebrachtes Vermoͤgen, falls er ein Frem⸗ der iſt, konfiſcirt, zum Stipendiatentiſch angewendet⸗ und wider ſelbigen in contu- maciam verfahren,— im Fall er ſich aber ſiſtirt, oder ſonſten betreten, und zu Haf⸗ ten gebracht wuͤrde, ſoll die verwirkte To⸗ desſtrafe an ihm vollſtreckt,— wenn er aber fremd und fluͤchtig waͤre; ſo ſoll deſ⸗ ſen Landesobrigkeit um ſeine Stellung er⸗ ſucht⸗ oder er in dreier Herren Landen ediktaliter citirt, im Nichterſcheinungsfall aber 30 Co) ſ aber gegen den Fluͤchtigen mit der Mord⸗ acht, oder wie ſonſten herkommlichen Rech⸗ rens, verfahren— auch derſelbe nach Be⸗ finden, im Bildnis aufgehangen, und nichts deſto weniger, wenn er uͤber kurz oder lang betreten wuͤrde, an ihm die verdiente Stra⸗ fe vollzogen werden. (i) All diejenigen, die ſich als Se⸗ kundanten, Karteltraͤger, oder muͤndliche Herausforderer dabey gebrauchen laſſen, ſol⸗ len, falls es zu einem wirklichen Duell ge⸗ kommen, mit dem Conſilio abeundi, falls er aber noch verhuͤtet woͤrden, mit zehn⸗ raͤgiger Inkarcerirung, und falls es ein Sti⸗ pendiat geweſen, im leztern Falle mit vier⸗ zehntaͤgiger Karcerſtrafe, und vierteljaͤhri⸗ ger Entziehung ihres beneficii beſtraft wer⸗ den. (k) Alle Diener und Domeſtiken, welche dabey wiſſentliche Handreichung oder andre Dienſte geleiſtet, ſo wie die, die ei⸗ nen Duellanten verbergen oder verheelen, ſollen mit ſchwerer Strafe belegt werden. (1) Alle diejenigen, die ſich mit Vor⸗ bewuſt bey einem Duell eingefunden, und nicht NE Co) WM 31 nicht auf alle Weiſe bemuͤht geweſen ſind, ſolchen zu hintertreiben, ſollen mit ſechs⸗ taͤgiger Karcerſtrafe belegt werden. (m) Die Raufdegen und ſogenannten Schlaͤger, ſonderlich die Stoßdegen, ſol⸗ len gaͤnzlich verboten ſeyn, und wo ſie an— zutreffen, weggenommen, und zerbrochen, auch den Schwerdfegern dergleichen zu ver⸗ fertigen, oder zu repariren, bey zwanzig Reichsthaler Strafe, unterſagt werden. §. 10. Von privilegirten Schulden. Alle privilegirte Schulden, als da ſind: Fonoraria fuͤr jedes Kollegium, das ein Student angefangen, und wozu er ſich ſubſcribirt, wie auch die Bezahlung der Sprach⸗Exercitien⸗ und andrer Lehrmei⸗ ſter, Stubenmiethe, Tiſchgeld, Arztlohn und Medikamente, Buͤcher, Waͤſche, Lohn und Koſtgeld fuͤr Bediente, ſo 32 NE Go) Ns ſo wie auch alle bis auf die beigefuͤgte be⸗ ſtimmte Summe kreditirte Schulden, als da ſind: Alle Kauf⸗- und Handwerkswaaren, nebſt Peruͤckenmacher, Barbierer, Schneider- und Schuſterlohn, bis zu zwoͤlf Gulden. Fuͤr Wein, Bier, Tabak, Koffee, Thee bis zu fuͤnf Gulden. Billardgeld und Pferdelohn, bis zu einen Gulden dreißig Kreutzer. Baarer Geldvorſchuß bis zu fuͤnf ſol Gulden muͤſſen ohne Weigerung bezahlt werden. Wobey Wir in Anſehung der Profeſ- ſorum Honorarien beſonders verordnet ha⸗ ben wollen: Welcher Student bey einem Profeſſor u gele ein Kollegium hoͤren will, und ſich auf die den Zettel, welchen der Profeſſor vierzehn Tage nach angefangenen Kollegien zum Un⸗ terſchreiben herum gehen laͤßt, mit ſeinem Namen unterſchreibt, der ſoll von der Zeit ſeiner, unter keinerley Vorwand zu ver⸗ weigernden Unterſchrift an, binnen ſechs Wochen das Kollegiengeld voͤllig bezahlen, oder ſich gewaͤrtigen, wann der Rector um Huͤlfe ſein E Co) Ak 33 Huͤlfe angerufen wird, daß er mit Zwangs⸗ mitteln, allenfalls mit Verwahrung im Kar⸗ cer, darzu angehalten werde. Diejenigen aber, welche ſich mit beglaubten Zeugnißen der Armuth legitimiren koͤnnen, oder nach den Statuten frey ſind, ſollen die Colle- gia ohnentgeldlich genieſen. Wer heimlich, ohne ſeine geſetzmaͤſigen Schulden, und vornehmlich die beſonders privilegirten Honoraria Profeſſorum bezahlt zu haben, von der Univerſitaͤt weggeht, ſoll, auf geſchehne Anzeige oͤffentlich vor⸗ geladen, und im Nicheerſcheinungsfall vom Senat an ſeine Obrigkeit geſchrieben, das Verzeichniß ſeiner Schulden beigelegt, und dieſe um Huͤlfe erſucht, und wann auch hierdurch die Zahlung nicht erhalten werden kann, derſelbe ſodann relegirt, und die gedruckte Relegation an die Obrigkeit ſeines Vaterlands geſchickt werden. Diejenigen aber, die dergleichen Perſo⸗ nen wiſſentlich ſortgeholfen, ſollen mit ei⸗ ner vier, auch achttaͤgigen, oder proportio⸗ nirten Geldſtrafe belegt werden. Ueber⸗ haupt ſollen alle Arten von Buͤrgſchaften eines Studenten fuͤr den andern unguͤl⸗ tig feyn. C§. 11. 34 AE Co) M. §. II. Von Hurerey und Schwaͤngrungen. Falls ſich ein Student ſo weit vergeſ⸗ ſen ſollte, daß er ſich mit einer Weibs⸗ perſon fleiſchlich vermiſchte, ſo daß eine Schwaͤngrung darauf erfolgte, ſo ſoll der Thaͤter, auſſer den beſtimmten Aliment⸗ und Satisfactionsgeldern dreißig Gulden zur Strafe an den Fiſcum Academicum be- zahlen, oder im Fall er das Vermoͤgen nicht dazu haͤtte, mit einer gemaͤſen Kar⸗ cerſtrafe belegt werden. Jeder andrer un⸗ erlaubter Umgang mit Frauensperſonen ſoll nach Umſtaͤnden beſtraft werden. Iſt die Verfuͤhrung unter Verſpre⸗ chung der Ehe geſchehn, ſo ſoll das Ver⸗ ſprechen fuͤr null und uichtig erklaͤrt, und ſo er ſich ſogar ſchon mit einer ſolchen Perſon verheirathet haͤtte, falls es wider Willen ſeiner Eltern geſchehn, eine ſolche Ehe wieder aufgeloͤßt und getrennt werden. §. 12. Von der ſchuldigen Achtung gegen die Befehle des Rectoris und Senatus Academici. Ueberhaupt aber hat jeder Student die Ver⸗ Nht Co) ſe 35 Verpflichtung auf ſich: Dem Rectori und Henatui Academico, als ſeiner vorgeſetzten Obrigkeit, in allen vorhin verordneten, oder auch kuͤnftig noch zu verordnenden Dingen den ſchuldigen Gehorſam zu erweiſen; und folglich, ſalls er vor denſelben citirt wird, zur beſtimmten Zeit, ohne Anſtand und Vorwand, und er mag von freien Stu⸗ cken oder gerufen kommen, in dem gezie⸗ menden aͤußern Anſtande, ohne Stock und Degen zu erſcheinen. Im erſten Fall iſt das erſtre Aus⸗ bleiben mit ein, und das zweite mit drey Tage Karcerſtrafe zu belegen, und im zwei⸗ ten Fall Stock und Degen jzu konfiſciren. Weiter iſt jeder Student verbunden, den Schluͤſſen des Rectoris und Senatus Aca- demici, in Betreff ſaͤmtlicher ihm dadurch geſchehnen Auflagen binnen der ihm be⸗ ſtimmten Zeit willige Folge zu leiſten, und eben darum auch die oͤffentlichen Anſchlaͤge, Edikte des Rectoris und Senatus Academi- ci, Diſputations⸗ oder Lections⸗Anzeigen u. d. m. auf keine Weiſe zu mißhandlen, den gegebenen Hauß⸗- oder Stubenarreſt, oder auch Inhibition, er ſey perſonal oder real, genau zu halten. C 2 Ein 36 NMN o) NM Ein jeder, der gegen eins dieſer Geſe⸗ tze handelt, iſt mit zwey⸗ und mehrtaͤgi⸗ ger Inkarcerirung zu beſtrafen, und im lez⸗ tern Fall des gegebenen Arreſtes insbe⸗ ſondre, falls einer Z. E. den zur Verhuͤ⸗ tung einer vorhabenden Schlaͤgerey gege⸗ benen Arreſt bricht, ſo iſt er, wenn kein Unheil daraus entſtanden, mit einer an⸗ ſehnlichen Karcerſtrafe zu belegen, falls es aber darauf zu Thaͤtlichkeiten gekommen, ſo ſoll dies der gedruckten Relegation inſe⸗ rirt, und falls er nach den Geſetzen nur das ſimplex conſilium abeundi bekommen haͤtte, mit der oͤffentlichen Relegation be⸗ ſtraft werden. Im Fall aber jemand den wegen be⸗ fuͤrchtender Abreiſe ohne vorherige Schul⸗ dentilgung erhaltnen Hausarreſt braͤche, und heimlich weggienge, ſo ſoll er, wie oben §. 10. verordnet worden, erſt am ſchwar⸗ zen Bret citirt, und im Nicheerſchei⸗ nungsſall, wann erſt an ſeine Obrigkeit ge⸗ ſchrieben worden, und keine Huͤlfe erfolgt, alsdann oͤffentlich als ein vorſetzlicher Be⸗ truͤger relegirt werden. Auch hat ſich weiter jeder Student al⸗ les e Co) Ak 37 les reſpectwidrigen Betragens gegen den Rectorem oder irgend einen Profeſſorem ex Corpore academico ſorgfaͤltigſt zu ent⸗ halten, wohin auch alles ungeſittete Be⸗ tragen in Collegiis, es ſey ſolches in Ge⸗ genwart oder Abweſenheit des Docenten gehört. Und iſt jede Vergehung von dieſer Art mit einer, den Umſtaͤnden an⸗ gemeſſenen Karcerſtrafe von zwey bis acht Tagen zu belegen. Sollte ſich aber jemand mit Verbal⸗ oder Realinjurien gegen eine der genann⸗ een Perſonen zu vergehn, oder aus Rach⸗ ſucht gegen deſſen Familie, oder an deſſel⸗ ben Eigenthum beleidigende Thaͤtlichkeiten zu brauchen, nicht entbloͤden, ſo iſt vierze⸗ hentaͤgige Karcerſtrafe, auch wohl nach Be⸗ finden der Umſtaͤnde, und dem Grade der zu Schulden gekommnen Vergehung, Re⸗ legation die unabaͤnderliche Strafe. Ein gleiches triet in ſolchen Faͤllen bey äͤhnli⸗ chen Vergehungen gegen andre Haenora- tiores oder Buͤrger ein. Wenn ein Stu⸗ dent an den Rector, oder eine Perſon des Senats gar durch Waffen Hand anlegen ſollte, ſo ſoll derſelbe alsdann zur oͤffentli⸗ chen Veſtungsbauarbeit auf der Veſtung C 3 Marx⸗ 3s k Co) NM b Marrburg ſtatt der unausbleiblichen Stra⸗ fe angeſtellt werden. §. 13. Von Buͤſung der dictirten Strafen. Wem Karcerſtrafe zuerkannt wird, der kann ſie nach Beſchaffenheit der vom Re- ctore und Senatu Academico zu beſtimmen⸗ den Umſtaͤnde mit Geld abthun, und zwar mit ſo viel Gulden, als ihm Tage der Kar⸗ cerſtrafe angeſetzt ſind. Hat er aber Karcerſtrafe zu erdulden, ſo ſind ihm zugleich alle Schmauſſereyen und Saufereyen und alle Geſellſchaften im Karcer verboten, wie dann uͤberhaupt bey Tage niemand, die Nacht hindurch aber nur eine Perſon zu dem Inkarcerirten von den Pedellen eingelaſſen werden darf. Wem das Conſilium abeundi zuerkannt iſt, der hat ſich vor Ablauf eines halben Jahrs keiner Wiederaufnahme zu getroͤſten. Wenn jemand relegirt wird, ſo muß er noch denſelben Tag vor der Sonnenunter⸗ gang, die Stadt und den Gieſer Ober⸗ .. amts⸗ tra⸗ Ne GCo) N 29 amesdiſtrikt verlaſſen; im Weigerungsfall aber durch Soldaten uͤber die Graͤnze ge⸗ bracht werden. Falls aber ſich ein Student von der Univerſitaͤt heimlich wegmachte, ehe er ei⸗ ne ihm, wegen eines Verbrechens vom Re- ctore, oder Senatu Academico dictirte Stra⸗ ſe ausgeſtanden, ſo ſoll dies ſogleich in ſein Vaterland und an ſeine Landesobrig⸗ teit, mit Meldung aller damit verhundnen Umſtaͤnde, berichtet, er auch wohl nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde noch außer⸗ dem mit der Relegation beſtraft werden. §. 14. Von Avppellationen. Da aber auch Niemanden, der zu hart oder unverdient geſtraft, und widerrechtlich beſchwert zu ſeyn glaubt, das Recht be⸗ nommen ſeyn ſoll, ſeine Appellation zu interponiren; ſo verordnen Wir hierdurch, daß in allen die Diſciplin und Beſtrafung der Civilverbrechen betreffenden Faͤllen(maſ⸗ fen in andern Materien denen Studenten die lura communia unbeſchraͤnkt zu laſſen) die Appellation von dem Rectore an den Ex- 44 l(o) A Exrectorem und Senatum arctiorem binnen drey Tagen einzubringen, und von dieſem, falls ſich ein Student durch denſelben gra⸗ virt achte, in ſo fern eine uͤber acht Tuge ſteigende Karcerſtrafe dicrirer worden, an den ganzen Senatum Academicum binnen gleicher Zeit gebracht, derjenige aber, wel⸗ cher ſich einer unſtatthaften und frevelhaf⸗ ten Berufung, als woruͤber der Oberrichter zu erkennen hat, ſchuldig macht, mir ein bis dreytaͤgiger Karcerſtrafe belegt werden ſoll. Ferner verordnen Wir, daß von dem ganzen Senat an das Geheime Miniſte⸗ rium in allen Faͤllen ſoll provorirt wer⸗ den konnen, wenn die Relegation, oder das Conſilium abeundi zuerkannt worden, oder auch in andern Faͤllen, wann Beſchwerden der Nichtigkeit, oder verſagter oder verzo⸗ gerter Juſtitz unterliegen; doch daß der verwieſene Provocant ſich ſogleich aus der Stadt und dem Gieſer Gebiete, entferne, und die Hoͤchſte Entſcheid⸗ und Ent⸗ ſchließung ruhig abwarte; Ueberhaupt aber in jedem Fall der er⸗ folgten Sentenz des Richters der hoͤheren Inſtanz willige Folge leiſte.