₰ 46G 75 2 e? Lieder für das drit i Wittelrheiniſche Turnfeſt und zweite Deutſche Sängerbuncdjfeſt in Gießen am 17., 18. und 19. Auguſt 1862. Druck von Lduard Otlmann in Gießen. 1. Turnerſtaat. Weiſe God save the king(H. Carey) Schalle du Freiheitsſang! Walle, wie Wogendrang, Aus Felſeubruſt! „ Feig bebt der Knechte Schwarm: Uns ſchlägt das Herz ſo warm, Uns zuckt der Jünglingsarm Voll Thatenluſt. ,. Gott Vater! dir zum Ruhm Flammt deutſches Ritterthum In uns auf's Neu; „; Neu wird das alte Band, Wachſend wie Feuersbrand: Gott, Freiheit, Vaterland, Altdeutſche Treul: Einfach und gläubig ſei, Kräftig und keuſch und frei, Hermann's Geſchlecht! „ Zwingherrnmacht, Knechtewitz Malmt Gottes Racheblitz, Euch ſei der Königsſitz: Freiheit und Recht!:, Freiheit! in uns erwacht Iſt deine Geiſtermacht, Dein Reich genaht. Glühend für Wiſſenſchaft, Blühend in Jugendkraft, 4 Sei, deutſche Turnerſchaft, Ein Bruderſtaat! Sauſe, du Freiheitsſang! Brauſe, wie Donnerklang Aus Wolkenbruſt! Ein Herz, ein Leben ganz, Steh'n wir wie Wall und Schanz, Bürgen des Vaterlands, Voll Thatenluſt.: 2. Feſtgeſang. Weiſe von Stuntz. Turner, auf, zum Streite! Tretet in die Bahn! Kraft und Muth geleite Uns zum Sieg hinan; ::; Ja zu hehrem Ziel Führet unſer Spiel.: Nicht mit fremden Waffen Schaffen wir uns Schutz. Was uns anerſchaffen, Iſt uns Schutz und Trutz; ; Bleibt Natur uns treu, Steh'n wir ſtark und frei., Karl Follen. Wie zum Turnerſpiele Zieh'n wir in die Welt; Der gelangt zum Ziele, Der ſich tapfer hält. Männern, ſtark und wahr, Strahlt der Himmel klar. ,: Auf denn, Turner, ringet, Prüft der Sehnen Kraft! Doch zuvor umſchlinget Euch als Brüderſchaft: Großes Werk gedeiht Nur durch Einigkeit.:;: Weißmann. = 5= 3. Lied der Deutſchen. Weiſe: Gott erhalte Franz, den Kaiſer(Joſeph Haydn). Deutſchland, Deutſchland über Alles, Ueber Alles in der Welt, Wenn es ſtets zu Schutz und Trutze Brüderlich zuſammen hält; Von der Maas bis an die Memel, Von der Etſch bis an den Belt.— :, Deutſchland, Deutſchland über Alles, Ueber Alles in der Welt!:;: Deutſche Frauen, deutſche Treue, Deutſcher Wein und deutſcher Sang Sollen in der Welt behalten Ihren alten ſchönen Klang, Und zu edler That begeiſtern Unſer ganzes Leben lang.— „ Deutſche Frauen, deutſche Treue, Deutſcher Wein und deutſcher Sang!: Einigkeit und Recht und Freiheit Für das deutſche Vaterland! Darnach laßt uns Alle ſtreben Brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit Sind des Glückes Unterpfand.— „ Blüh' im Glanze dieſes Glückes, Blühe, deutſches Vaterland!:: Hoffmann von Fallersleben. 4. Hochgeſang. Weiſe von A. Methfeſſel. Stimmt an mit hellem, hohem Klang Stimmt an das Lied der Lieder, Des Vaterlandes Hochgeſang; Das Waldthal hall' ihn wieder! Der alten Barden Vaterland, Dem Vaterland der Treue, Dir, niemals ausgeſung'nes Land, Dir weih'n wir uns auf's Neue! Zur Ahnentugend wir uns weih'n, Zum Schutze deiner Hütten; Wir lieben deutſches Fröhlichſein Und alte deutſche Sitten. Die Barden ſollen Lieb' und Wein, Doch öfter Tugend preiſen. Und ſollen bied're Männer ſein In Thaten und in Weiſen. Ihr Kraftgeſang ſoll himmelan Mit Ungeſtüm ſich reißen, Und jeder echte, deutſche Mann Soll Freund und Bruder heißen! AMatthias Claudius. 5. Siegesfeier. Weiſe von Mozart. Herbei, herbei, du deutſche Turnerſchaft, Herbei am vaterländ'ſchen Freudentage! Es tönt das Lied von deutſcher Männerkraft, Es lauſcht das Ohr der neuen Heldenſage; Der Geiſt, gedenkend jener Herrlichkeit Des Brudervolkes, ſinnet hin und wieder, Und freier ſchwebt, und deutſcher ſchwebt, und licht hernieder Der hehre Geiſt der neu erwachten Zeit.:: Zuri Schl Der Wer Auf, Prei „ T Prei icht Zurück, zurück! wo weilt der trübe Blick, Schwer lag's und dunkel auf der deutſchen Erde, Der Ahnen Kraft dahin, der Ahnen Glück! Wer rief der Freiheit, daß ſie wiederkehrte? Auf, Brüder! preiſt die blut'ge Völkerſchlacht, Preiſt unſern Gott, der Sclavenbande Brecher, „ Und Deutſchlands Männer, Deutſchlands Schirmer, Deutſchlands Rächer, Preiſt, die zerſtört des Feindes trotz'ge Macht!:; Friſch auf, friſch auf! es ſchäumet der Pokal! Rings ſchaut die Sonn' auf dieſe grünen Matten, Hoch wölbt der blaue Aether ſich zum Saal, Auf, lagert hier in duft'ger Linden Schatten; So ſollſt du, wie in Lüften hoch und kühn Die Wolken dort, die raſchen Wand'rer, ſtreben, „ Du deutſches Volk u. deutſche Kraft u. deutſches Leben, Aus ſchöner Zeit dem Geiſt vorüberzieh'n!:,: Es ſei, es ſei! du deutſches Vaterland, Dir ſchwören wir den hohen Schwur der Treue! Gilt's deiner Ehre, greift zum Schwert die Hand, Gilt's deiner Freiheit, ſterben wir als Freie. Schwingt, Brüder, ſchwingt Germaniens Panier, Fern tönen ſoll's durch's Thal und tönen wieder— „ Das Siegeslied, der Freiheit Lied, das Lied der Lieder, Hoch lebe Deutſchland, lebe für und für!:;: — Aebold. 6. Fürſt Blücher. Weiſe: Friſch auf, ihr Preußen, wir müſſen ja in's Feld. Was blaſen die Trompeten? Huſaren heraus; Es reitet der Feldmarſchall im fliegenden Saus! Er reitet ſo freudig ſein muthiges Pferd, Er ſchwinget ſo ſchneidig ſein blitzendes Schwert. Juchheiraſſaſſah! und die Deutſchen ſind da, Die Deutſchen ſind luſtig, ſie rufen Hurrah! 8S O ſchauet, wie ihm leuchten die Augen ſo klar! O ſchauet, wie ihm wallet ſein ſchneeweißes Haar! So friſch blüht ſein Alter, wie greiſender Wein, D'rum kann er auch Verwalter des Schlachtfeldes ſein. Juchheiraſſaſſah! ꝛc. Der Mann iſt er geweſen, als Alles verſank, Der muthig auf gen Himmel den Degen noch ſchwang. Da ſchwur er beim Eiſen gar zornig und hart, Dem Franzmann zu weiſen die deutſche Art. Den Schwur hat er gehalten. Als Kriegsruf erklang, Hei! wie der weiße Jüngling in'n Sattel ſich ſchwang! Da iſt er's geweſen, der Kehraus gemacht, Mit eiſernem Beſen das Land rein gemacht. Bei Lützen, auf der Aue, da hielt er ſolchen Strauß, Daß vielen tauſend Wälſchen der Athem ging aus, Daß Tauſende liefen gar haſtigen Lauf, Zehntauſend entſchliefen, die nimmer wachen auf. Bei Katzbach, an dem Waſſer, da hat er's auch bewährt, Da hat er den Frauzoſen das Schwimmen gelehrt: Fahrk wohl, ihr Franzoſen, zur Oſtſee hinab! Und nehmet, Ohnehoſen, den Wallfiſch zum Grab! Bei Wartburg an der Elbe, wie fuhr er hindurch! Da ſchirmte die Franzoſen nicht Schanze, nicht Burg, Sie mußten wieder ſpringen wie Haſen über's Feld, Und hintendrein ließ klingen ſein Huſſa! der Held. Bei Leipzig auf dem Plane—o ſchöne Ehrenſchlacht!— Da brach er den Franzoſen in Trümmer Glück und Macht; Da lagen ſie ſicher nach letztem harten Fall, Da ward der alte Blücher ein Feldmarſchall. D'rum blaſet ihr Trompeten, Huſaren heraus! Du reite, Herr Feldmarſchall, wie Winde im Saus, Dem Siege entgegen, zum Rhein und über'n Rhein, Du alter tapfrer Degen, und Gott ſoll mit dir ſein! Arnſt Moritz Arndt.