TEEHNISCHES PHOTOPAPIEh; DINA 4 b 4 buens PRUTZ— 21 x 29,7 cm 100 nEnusaf H htnä na ö Relkanspurent= b ſkör Aufnauhmen vnd Vergrößerungen 9— — Den heſſiſchen Wahlmännern wird der nachfolgende, aus der„Main⸗Zeitung“ Nr. 36 abgedruckte Leitartikel zur reiflicher Erwägung empfohlen. Eine weitere Berechnung. △ Aus dem Großherzogthum Heſſen. Vor Kurzem iſt eine Berechnung von Koſten und Schäden, welche der Krieg dieſes Sommers dem Großherzogthum verurſacht hat, veröffentlicht worden. Mit Bezug hierauf folgt im Nachſtehenden eine wei⸗ tere Berechnung: 1) Der Art. 5 des zwiſchen Heſſen und Preußen geſchloſſenen Friedens verſpricht Räumung des heſſiſchen Gebietes von preußiſchen Truppen unmittelbar nach Zahlung der von Preußen bedungenen Kriegs⸗ koſtenentſchädigung von 3 Millionen Gulden. Wiewohl der Frieden bereits am 3. September in Berlin unter⸗ zeichnet worden, ſo erfolgte doch der Austauſch der beiderſeitigen Genehmigungen, weil der Vertrag über Darmſtadt nach München, dem damaligen Aufenhalt des Großherzogs, gebracht wurde, erſt am 12., die Zahlung der 3 Millionen aber erſt am 15., und begann demgemäß die Räumung des Großherzogthums erſt am 16. September. Der Abſchluß des Friedens geſchah nicht über⸗ raſchend ſchnell, ſondern nach unerwarteten Verzögerun⸗ gen. Der Miniſter wußte wenigſtens ſchon 14 Tage vorher, daß einige Millionen Kriegskoſten zu zahlen ſeien und von dieſer Zahlung die Räumung des Landes von den preußiſchen Truppen abhänge; ein Gleiches war in den vorausgegangenen Friedensverträgen Preu⸗ ßens mit Oeſterreich, Bayern, Württemberg und Baden bedungen; auch ſoll dem Finanzminiſterium ſchon eben⸗ ſolange vorher die darlehnsweiſe Beſchaffung der ge⸗ dachten Summe in annehmbarer Weiſe angeboten wor⸗ den ſeit. Das Miniſterium war daher ſchon vor dem 3. Sept. veranlaßt und im Stande, ſowohl die ſchleu⸗ nige Genehmigung durch den Großherzog, als die Zah⸗ lung der 3 Millionen vorzubereiten. Im Anfang September war ganz Baden hereits frei von preußiſchen Truppen; ebenſo Rheinheſſen, mit Ausnahme vielleicht von Bingen: in Worms und Um⸗ gegend waren unſere Truppen ſchon Mitte Auguſt ein⸗ gezogen; das Miniſterium hätte alſo den Großherzog veranlaſſen können und ſollen, ſeinen Aufenthalt in Worms, oder wenigſtens in Heidelberg oder Maunheim zu nehmen. Wäre dies geſchehen, oder wäre der Frie⸗ densvertrag vom 3. September nur unmittelbar von Berlin nach München gebracht, auch die Zahlung der 3 Millionen zeitig vorgeſehen worden, ſo hätte der Austauſch der Genehmigungen, ſowie die Zahlung ſchon am 7. oder 8. erfolgen und hierdurch das Land von der ſchweren Laſt der preußiſchen Einquartierung um wenig⸗ ſtens 7 Tage früher befreit werden können. Das Großherzogthum war vom 8. bis 15. Sept. durch mindeſtens 20,000 Mann Preußen beſetzt; rech⸗ net man aber auch nur 18,000 Mann, und die Ver⸗ pflegung derſelben, einſchließlich der Officiere, durch⸗ ſchnittlich nur zu 40 kr. den Mann per Tag, ſo ergiebt ſich ein Koſtenbetrag von täglich 12,000 fl., für 7 Tage zuſammen alſo von 84,000 fl., welcher dem Lande le⸗ diglich durch die gerügte Verzögerung verurſacht wurde. 2) Unſere Truppen ſind nach geſchloſſenem Waffen⸗ ſtillſtand am 14. Auguſt und den nächſtfolgenden Tagen nach Rheinheſſen zurückgekommen. Damals war der Friede zwiſchen Oeſterreich und Preußen bereits verein⸗ bart und eine Fortſetzung des Kriegs für das Großher⸗ zogthum rein unmöglich. Ein Beiſammenhalten unſerer Truppen in Kriegsſtärke war daher ganz und gar zweck⸗ los; vielmehr erforderte ſchon die Rückſicht auf die ſchweren Opfer, welche der unglückliche Krieg dem Lande aufgebürdet, unverzügliche Beurlaubung der Mannſchaften, ſowie Verkauf aller im Frieden entbehr⸗ lichen Pferde. Demungeachtet behielt man die Truppen und Pferde bis zum 20. oder 22. September, alſo 5 Wochen lang, in Rheinheſſen in Kriegsſtärke, was höchſt unnöthiger Weiſe an Koſten über die des Frie⸗ densſtandes hinaus einen Mehraufwand von täg⸗ lich 12,608 fl., für 35 Tage alſo von 441,280 fl. ver⸗ anlaßte. Mit Rückſicht auf den kaum beendeten Krieg, die ungeheuren Koſten und Schäden, welche derſelbe ver⸗ urſachte und die ſonſt vorliegenden Verhältniſſe, wäre es möglich und geboten geweſen, die Truppen im Dienſt noch unter den gewöhnlichen Friedensſtand zu verrin⸗ gern, und man darf deßhalb die Koſten, welche durch das Einbehalten von Truppen und Pferden in un nöthiger Menge von Mitte Auguſt bis zum 22. September er⸗ wachſen ſind, auf mindeſtens 600,000 fl. anſchlagen. 3) Die Kriegsſtärke der Truppen unter dem Offi⸗ ciersgrade beträgt 12,300 Mann; davon hätte man mindeſtens 9000 Mitte Auguſt beurlauben können und ſollen. Die Unterlaſſung dieſer Beurlaubung hat, den Arbeitsverdienſt eines Mannes zu 40 kr. täglich gerech⸗ net, dem Lande einen Arbeitsverluſt gebracht von täg⸗ lich 6000 fl., alſo in 35 Tagen 210,000 fl. An Pferden werden erfordert: für den Kriegsſtand für den Friedensſtand für den Krieg alſo mehr 2,248„ Dieſe 2,248 Pferde hätte man alsbald nach Rück⸗ kunft der Truppen nach Rheinheſſen, ja theilweiſe viel⸗ leicht ſchon vorher, nach Abſchluß des Waffenſtillſtands in Bayern oder Württemberg veräußern können und ſol⸗ len. Statt deſſen hat man die Veräußerung bis in den October, theilweiſe ſogar bis Ende October verſchoben. Hiedurch wurde nicht nur eine längere Verpflegung der Pferde erfordert, ſondern auch bei den Verſteigerungen ein weit geringerer Erlös erzielt, weil die Pferde mit Herannahen des Winters im Werthe fallen. Bor Beginn des Krieges koſtete die Pferderation außerhalb der gewöhnlichen Standorte 1 fl. Legt man dieſen Preis zu Grunde, da derſelbe während des Kriegs ſchwerlich geſunken ſein wird, ſo beträgt der Schaden durch Verzögerung des Verkaufs von 2000 Pferden nur an Fütterungskoſten täglich 2000 fl., mithin für 30 Tage, vom 20. September bis 20. October nämlich, 60,000 fl. Wie aus Vorſtehendem erhellt, iſt das Land nach Beendigung des Kriegs höchſt unnöthiger Weiſe beſchä⸗ digt worden: zu 1. durch Verlängerung der preußiſchen Ein⸗ quartierung, herbeigeführt durch Verzögerung der Frie⸗ densgenehmigung und der Zahlung der Kriegsentſchä⸗ digung u........ 84,000 fl. zu 2. durch Verzögerung der Beur⸗ laubung der Truppen ꝛc. um.. zu 3. durch Arbeitsverluſt um. zu 4. durch Verzug in Veräußerung der überflüſſigen Pferde um... 60,000 fl. zuſammen alſo mm...... 954,000 fl. Dieſe Koſten und Verluſte, ſowie gar manche an⸗ dere, die hier noch nicht einmal mitberechnet ſind, z. B. die Einquartierungslaſt für Rheinheſſen von mehr als 12,000 Mann, Mitte Auguſt bis 20. Sept.— waren bei gehöriger Ueberlegung und Vorſorge zu vermeiden. Warum, darf man wohl fragen, hat die Regierung ſolche Vorſorge nicht bethätigt? Das Miniſterium, welches, gegen Rath und Wil⸗ len der Volksvertretung, das Land in den unſeligen Krieg geſtürzt, war doch wohl im höchſten Grade ver⸗ pflichtet, alles ihm irgend Mögliche aufzubieten, die höchſte Sorgfalt, den größten Eifer anzuwenden, um die Drangſale, die ſeine unglückliche Politik herbeige⸗ führt, zu mildern, die Laften des Volkes nach Kräften zu erleichtern, jede unnöthige Ausgabe zu vermeiden. „Wir haben,“ ſagt die landesherrliche Anſprache vom 17. September l. J.,„die Wunden zu heilen, welche der Krieg unſerm Heſſen geſchlagen.“ Das oben geſchilderte Verfahren der Regierung be⸗ weiſt gerade kein Beſtreben nach ſolcher Heilung. 3,484 Stück 600,000 fl. 210,000 fl. Druck von C. Forger in Offenbach a. M.(Expedition der„Main⸗Zeitung“.)