Offener Brief an heun Oberbürgermeister Sehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter! Ihre namens der Stadt Gießen in Sachen der Hinterland⸗ bahn unter dem 14. v. M. an den Herrn Miniſter der öffent⸗ lichen Arbeiten gerichtete Eingabe gelangte zu unſerer Kennt⸗ nis und die am Schluſſe darin gegebene Verſicherung, daß es der Stadt Gießen fern liege, eine Bahnverbindung zwiſchen Battenberg, Biedenkopf und Gladenbach nach Wetzlar hinter⸗ treiben zu wollen, veranlaßt uns, Ihnen und der Stadt Gießen für die hierin ſich ſpiegelnde kameradſchaftliche Ge⸗ ſinnung den Ausdruck unſeres verbindlichſten Dankes zu über⸗ mitteln. Dieſe Feſtſtellung erſcheint uns umſo erfreulicher und bedeutſamer, als gerade ein Vorkommnis der letzten Zeit das Vertrauen in das freundnachbarliche Verhältnis bedenklich zu erſchüttern drohte. Wie Sie ſelbſt, ſehr geehrter Herr Ober⸗ bürgermeiſter, in Ihrer an den Miniſter gerichteten Eingabe erwähnen, war zwiſchen Ihnen und den Herren Landräten der Kreiſe Biedenkopf, Marburg und Wetzlar„orobyedet. wor⸗ dem die Stadt Gießen ſolle mit ihren Wünſchen bezügli Ausbaues einer Bahnverbindung nach dem Hi interſand noch ſo lange zurückhalten, bis die ſtaatliche Nebenbahn Wetzlar⸗ Biedenkopf geſichert ſei. Dafür war als Gegenleiſtung nach Erreichung dieſes Zieles tatkräftige Unterſtützung der Gießener Wünſche zugeſagt; Hand in Hand damit gingen noch einige andere vom Kreiſe Wetzlar der Stadt Gießen gemachte Zu⸗ geſtändniſſe.— Das war un die letzte Jahreswende! Es mußte deshalb berechtigtes Aufſehen erregen und die Urſache einer tiefgehenden Beunruhigung der intereſſierten Kreiſe bilden, als im März Ifd. J. der Beigeordnete der Stadt Gießen, Herr Juſtizrat Grünewald, welchem die genannte Verabredung doch genau bekannt ſein mußte, nicht nur in einer an einem Sonntage in Rodheim ſtattgefundenen Ver⸗ ſammlung gegen die Beſtrebungen, eine Bahn Battenberg⸗ Wetzlar zu bauen, das Wort ergriff, ſondern auch in Gemein⸗ ſchaft mit dem Abgeordneten Urſtadt die dringende Anfrage an die heſſiſche Regierung richtete, welche Schritte ſie zu tun gedenke, um der der Stadt Gießen aus der neueren Entwick⸗ lung der Hinterlandbahnſache drohenden Gefahr zu begegnen. In dieſer ein längeres Schriftſtück bildenden Anfrage war zudem eine Reihe von Angaben enthalten, welche den wirk⸗ lichen Sachverhalt durchaus verſchleiern. So iſt darin u. a. geſagt, die„beteiligten“ preußiſchen Gemeinden wünſchten keine andere Bahnverbindung als Gießen⸗Gladenbach oder Gießen⸗Lohra, insbeſondere„keine Führung der Eiſenbahn Gladenbach⸗Wetzlar“. Durch Gebrauch der zu Mißverſtänd⸗ niſſen Anlaß gebenden Redewendung„beteiligte Gemeinden“ wird nun der Anſchein erweckt, als beziehe ſich dieſe auch auf die im Kreiſe Wetzlar gelegenen Ortſchaften wie Hohenſolms, Gr. Altenſtädten, Mudersbach uſw., weiter auf die im ſüd⸗ lichſten Zipfel des Kreiſes Biedenkopf liegenden Orte Naun⸗ heim und Waldgirmes, ferner auf Gladenbach, Biedenkopf, Battenberg uſw.— kurz auf alle im Intereſſengebiet der von mecum-Giessen uns vorgeſchlagenen Linienführung gelegenen Gemeinden. Jeder unbefangene mit dem Sachverhalt nicht näher vertraute Leſer muß dieſen Eindruck empfangen, wäßrend tatſächlich das überwiegende Hervortreten des Wunſches einer Bahnver⸗ bindung mit Gießen nur bei den Ortſchaften des Biebertales und vielleicht auch noch bei den öſtlich bezw. nordöſtlich des Dünsberges gelegenen Ortſchaften feſtgeſtellt werden kann, d. h. den Orten, welche an die von der Stadt Gießen ge⸗ wünſchte in öſtlicher Richtung von der von uns vertretenen Nord⸗Südverbindung abzweigende Seitenlinie zu liegen kämen. Um die Richtigkeit dieſer unſerer Auffaſſung zu be⸗ legen, bedarf es nur des Hinweiſes auf die in unſerer Denk⸗ ſchriſt Seite 8, mitgeteilte Tatſache, daß die Kreisausſchüſſe d Kreistage beider beteiligten preußiſchen Kreiſe ſich ein⸗ ſt immig für die in der gemeinſamen Eingabe der Handels⸗ kammern Dillenburg und Wetzlar vom Dezember 1910 nieder⸗ gelegten, mit den unſeren ſich deckenden Wünſche entſchieden; das läßt jeden weiteren Beweis überflüſſig erſcheinen Und wenn weiter in dieſem Schriftſtück noch geſagt war, „daß es den Bemühungen der Landräte in Viedenkopf und insbeſondere in Wetzlar gelungen ſei, die preußiſchen Inſtanzen zu bewegen, daß von der Durchführung einer Bahnlinie Gladenbach⸗Gießen abgeſehen und eine ſolche Gladenbach Wetzlar ins Auge gefaßt werde“, ſo war das eine Behauptu die angeſichts der erwähnten zwiſchen Ihnen, ſehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter, namens der Stadt Gießen und den bet teiligten Landräten getroffenen Abmachung völlig unver⸗ ſtändlich war. Daß hierüber— namentlich in Wetzlarer Kreiſen— eine hochgradige Erregung entſtehen mußte, bedarf wohl keiner beſonderen Erklärung,— ebenſo, daß der erſte Eindruck die Vermutung eines Wortbruches auslöſte,— eines Wortbruches, deſſen Urheber man als einen der Verwaltung der Stadt Gießen angehörenden Herrn natürlicherweiſe mit dieſer ſelbſt identifiziere.— Wir wollen ruhig zugeben, daß die Ausführungen unſerer Denkſchrift, welche ſich gerade da⸗ mals unter der Preſſe befand, unter der Einwirkang dieſes Eindrucks noch in letzter Stunde eine etwas ſchärſere Schat⸗ tierung bekamen, als urſprünglich beabſichtigt war, möchten aber andererſeits nicht unterlaſſen darauf hinzuweiſen, daß von uns mit keinem Worte auf das bedauerliche Vorkommnis ſelbſt Bezug genommen wird. Daß unſere Vermutung der Urheberſchaft nicht das richtige traf, dafür liegt heute allerdings der klare Beweis vor. Iſt doch in Ihrer Eingabe vom 14. Mai d. J. geſagt, daß mit Rückſicht auf die ſtattgefundenen Einigungsverhandlungen mit den drei preußiſchen Kreiſen die Stadt Gießen ſich an der Rodheimer Verſammlung am 17. 3. d. J. nicht beteiligt habe. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, daß Sie, ſehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter, alsbald nach dem Auftreten des Herrn Grünewald in Rodheim und der dringenden an die Heſſiſche Regierung gerichteten Anfrage an den Herrn Landrat in Wetzlar ſchrieben, daß Sie ſelbſt den von jenem Herrn unter⸗ nommenen Schritten völlig fern ſtänden,— leider bekamen wir erſt im April d. J. davon Kenntnis, als der Druck unſerer Denkſchrift bereits beendet war.— Beide Aeußerungen be⸗ weiſen nun klipp und klar, daß die Stadt Gießen das ein⸗ ſeitige und eigenmächtige Vorgehen ihres Beigeordneten miß⸗ billigt hat. Auch wir ſind der Anſicht, daß Herr Juſtizrat Grünewald, falls er abweichende Auffaſſungen hatte, ein⸗ gedenk ſeiner ihm durch die Wahl zu dem Amt eines Beigeord⸗ neten obliegenden moraliſchen Pflichten, jene dem Willen der Kommunalverwaltung unbedingt hätte unterordnen oder wenn er wirklich eine anders geartete Meinung unter allen Um⸗ ſtänden zur Geltung bringen wollte, ſie als ſeine rein perſön⸗ liche unzweideutig hätte kennzeichnen müſſen. Dies iſt nun nicht geſchehen! Es liegt uns aber durchaus fern, der Stadt Gießen aus dem Verhalten des Genannten, der ihre in ihn geſetzten Er⸗ wartungen in dieſem Punkte ſicherlich enttäuſcht hat, einen Vorwurf zu machen. Andererſeits ſteht es uns nicht zu, über die von Herrn Juſtizrat Grünewald verurſachte Entgleiſung zu Gericht zu ſitzen; wir müſſen das vielmehr der Stadt Gießen ſelbſt überlaſſen.— Hiermit dürfte aber für uns dieſe Angelegenheit erledigt ſein! Gleichzeitig ſei uns geſtattet, uns gegen den in Ihrer Ein⸗ gabe erhobenen Vorwurf, wir ſtrebten unter einſeitiger Be⸗ tonung der Intereſſen Wetzlars und mit Hintanſetzen aller gegenteiligen Intereſſen eine Bahn nach Wetzlar ohne Verbind⸗ ung mit Gießen an, ebenſo höflich wie nachdrücklichſt zu ver⸗ wahren. In der ſowohl in unſerer Denkſchrift, Seite 8, wie in Ihrer Eingabe vom 14. v. M. erwähnten Hohenſolmſer Ver⸗ ſammlung am 26. Januar v. J. vertraten nur einige anweſende Bewohner von Ortſchaften des Biebertals und einige wenige Gießener Herren die Forderung der Einführung der Hinter⸗ landbahn durch das Biebertal nach Gießen; ihre Darlegungen bewegten ſich aber damals in ſehr allgemeinem Rahmen und enthielten insbeſondere keine klare Formulierung des in Ihrer Eingahe niedergelegten Wunſches einer Einführung der Bahn⸗ linie nach Gießen und Wetzlar. Erſchien es ſchon angebracht, ohne vorher vorliegende beſtimmt formulierte Forderungen dieſe dahingehenden Wünſche nicht mit zum Gegenſtande unſerer Unterſuchungen zu machen, ſo war für die Entſchließung, unſer Arbeitsgebiet auf das eigentliche Nord⸗Südprojekt zu beſchrän⸗ ken und die Klärung der Frage einer Seitenbahn nach Gießen einem beſonderen Komitee zu überlaſſen, vornehmlich der Um⸗ ſtand maßgebend, daß die Notwendigkeit der finanziellen Ab⸗ löſung der ſeit einer Reihe von Jahren beſtehenden ſchmal⸗ ſpurigen Bieberbahn uns damals als eine ſehr erhebliche, den Erfolg unſerer Bemühungen in Frage ſtellende Schwierigkeit erſchien und wir uns nicht unnötig ſelbſt mit einer läſtigen Feſſel beſchweren wollten. Wir ſind heute allerdings etwas anderer Anſicht. Nicht daß wir die Schwierigkeit der finanzi⸗ ellen Abfindung der Bieberbahn unterſchätzten, wir veranſchla⸗ gen ſie aber nicht mehr ſo hoch— oder vielmehr wir ſchätzen den aus dem Biebertal zu erwartenden Verkehr jetzt höher ein, ſo daß trotz des Zwanges, die Verzinſung für die nicht unbe— deutende Ablöſungsſumme aus den Betriebseinnahmen zu be⸗ ſtreiten, nach unſerem Ermeſſen ein wirtſchaftlicher Betrieb noch immer im Bereiche der Möglichkeit liegen dürfte. In einem Briefwechſel mit dem Rodheimer Verkehrsverein iſt unſer ver⸗ änderter Standpunkt bereits zum Ausdruck gekommen. Unter dem 30. April d. J. ſchrieb nämlich der Vorſtand des Verkehrs⸗ vereins in Rodheim an uns in dem Sinne, daß er ein gemein⸗ ſames Vorgehen mit uns als im allgemeinen Intereſſe liegend erachte und darum bäte, zu ſeinem Vorſchlage unſererſeits Stellung zu nehmen. Wir antworteten darauf unter dem 10. Mai, daß wir grundſätzlich einem gemeinſamen Vorgehen nicht abgeneigt ſeien, und regten eine gemeinſame Beſprechung der Angelegenheit an. Eine ſolche hat denn auch am 15. Mai im Wetzlarer Rathauſe ſtattgefunden,— zu einem Zeitpunkte, wo weder uns noch dem Rodheimer Verkehrsverein irgend etwas von Ihrer Eingabe an den Herrn Miniſter vom Tage vorher bekannt war. Das Ergebnis dieſer Beſprechung war der einſtimmige Beſchluß, den beiderſeitigen Komitees ein Zu⸗ ſammenarbeiten zu empfehlen; die Zuſtimmung beider Teile hierzu iſt bereits erfolgt.— Das Schreiben des Rodheimer Verkehrsvereins vom 30. April d. J. war ſeine erſte in dieſer Angelegenheit an uns gerichtete Aeußerung. Hätten die Inter⸗ eſſenten einer Bahnverbindung durch das Biebertal ſich bereits einige Wochen oder Monate eher an uns gewandt, unſere Ant⸗ wort wäre kaum anders ausgefallen. Damit dürfte die Be⸗ deutungsloſigkeit des gegen uns erhobenen Vorwurfs erwieſen ſein. Noch Einiges zu Ihrer Berichtigung der von uns be⸗ gangenen Irrtümer! Sie werden, ſehr geehrter Herr Ober⸗ bürgermeiſter, ſelbſt wohl zugeben müſſen, daß es eine miß⸗ liche Sache iſt, etwas zu berichtigen, wenn man in dieſer ſicherlich wohlgemeinten Berichtigung ſich noch viel bedeuten⸗ derer Irrtümer ſchuldig macht. Zunächſt geben wir ohne wei⸗ teres zu, daß die von uns für Wetzlar angegebenen Bevöl⸗ kerungsziffern mit den ſogen. amtlichen Zahlen nicht ganz übereinſtimmen; unſere Angaben beruhen auf einer Aus⸗ kunft des Wetzlarer Bürgermeiſteramtes, und bedauerlicher⸗ weiſe ſind uns bei dieſer Gelegenheit infolge des Irrtums eines Bürobeamten anſtelle der endgültigen vorläufige Ergeb⸗ niſſe mitgeteilt worden, welche in beiden Fällen hinter den wirklichen Zahlen zurückbleiben. Die von Ihnen für Wetzlar gemachten Bevölkerungsangaben ſind annähernd richtig;— das endgültige Ergebnis der Zählung im Jahre 1910 beträgt allerdings 13 389, nicht 13 387, wie Sie irrtümlich ſagen. Was die von uns für Gießen mitgeteilte Einwohnerzahl angeht, ſo möchten wir bemerken, daß wir ſie den Veröffentlichungen des Kaiſerlichen Statiſtiſchen Amtes entnommen haben. Da die endgültigen Ergebniſſe der Zählung von 1910 für die Städte über 25 000 Einwohner dort noch nicht mitgeteilt ſind, haben wir— weil ſich die bei der Ermittlung der Zählungsergehniſſe unvermeidlichen Fehler zumeiſt in gleicher Richtung bewegen — folgerichtig das vorläufige Ergebnis der Zählung von 1910 zu dem vorläufigen Ergebnis von 1905 in Be⸗ ziehung geſetzt.(cf. Statiſtiſches Jahrbuch für das Deutſche Reich, Jahrgänge 1906 und 1911). Uebrigens wird auch bei Heranziehung der endgültigen amtlichen Zahlen nichts an der Tatſache geändert, daß die prozentuale Bevölkerungszunahme in Wetzlar nicht unerheblich ſtärker als in Gießen war. Wenn Sie aber in Ihrer Eingabe ſagen: „Es wäre aber weit gefehlt, aus der Zunahme Wetzlars in dieſen 5 Jahren Schlüſſe für die Zukunft zu ziehen, weil die Buderus'ſchen Eiſenwerke im Laufe dieſes Zeitraums ihre kaufmänniſche Abteilung und den Hochofenbetrieb von Lollar nach Wetzlar verlegten und daher eine größere Zahl von Beamten, Werkmeiſtern uſw. mit ihren Familien von Lollar nach Wetzlar überſiedelte“, ſo muß das als ein recht erheblicher Irrtum bezeichnet werden. Um Ihnen den unwiderleglichen Beweis dafür bieten zu können, ſetzten wir uns mit der Verwaltung der Buderus⸗ ſchen Eiſenwerke in Verbindung, von welcher wir unter dem 30. MaRi folgende ſchriftliche Auskunft erhielten: „Infolge Ihrer Anfrage teilen wir Ihnen mit, daß durch die Verlegung der kaufmänniſchen Abteilung von Lollar nach Wetzlar in dem Zeitraum von 1905— 1910 9 Familien mit 43 Köpfen 5 Junggeſellen und 1 Fräulein zuſammen 49 Köpfe nach Wetzlar überſiedelt ſind. Die Leute, die im Hochofenbetrieb von Lollar beſchäftigt waren, ſind in den anderen Lollarer Betriebs⸗Abteilungen untergebracht worden.“ Sie werden, ſehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter, wohl zugeben müſſen, daß ein Zugang von noch nicht einem halben Hundert Köpfen nicht im Stande iſt, die Bevölkerungsbeweg⸗ ung einer Stadt von über 10 000 Einwohnern während eines Zeitraums von 5 Jahren irgendwie nennenswert zu beein⸗ fluſſen, daß vielmehr Zu⸗ und Abgänge dieſes Umfanges überall und während jeder Zählperiode vorkommen. Im übrigen möchten wir darauf hinweiſen, daß, auch wenn man das vorhergehende Jahrfünft 1900— 1905 zum Vergleiche heranzieht, dieſer durchaus zu Gunſten Wetzlars ausfällt. Es betrug die Einwohnerzahl in Gießen 1900: 25 491 in Wetzlar(jetz. Stadtgebiet) 1900: 10 718 1905: 28 769 1905: 12 276 Zunahme: 12,71 v. H. Zunahme: 14,53 v. H. Wenn man weiter berückſichtigt, daß gerade augenblicklich die hieſige Induſtrie daran iſt, ihre Werkanlagen ganz erheb⸗ lich zu erweitern, dürfte der entgegengeſetzte Schluß gerecht⸗ fertigt erſcheinen, daß die Bevölkerungszunahme Wetzlars in Zukunft prozentual ſich noch weiter ſteigern wird. Um nur 2 Beiſpiele als Beleg anzuführen, verweiſen wir darauf, daß die in Ausführung begriffenen Neuanlagen eines hieſigen Hüttenwerks und die der Vollendung entgegengehende Er⸗ weiterung einer optiſchen Fabrik allein ſchon neue Arbeits⸗ gelegenheit für 600— 700 Köpfe bieten;— Zahlen, wie ſie Gießen in abſehbarer Zeit wohl erſt nach und nach,— nicht aber innerhalb eines ſo kurzen Zeitraumes erreichen dürfte. Weiter wird in Ihrer Eingabe geſagt, daß ſich die Be⸗ deutung der Wetzlarer und der Gießener Induſtrie am beſten nach dem Poſt⸗ und Geldverkehr beider Städte vergleichen läßt. An ſich trifft das zu, die Methode muß aber richtig an⸗ gewendet werden. Ihr Vergleich jedoch hinkt! Die wirtſchaft⸗ liche Entwicklung kann nur erfaßt werden, wenn man bei⸗ ſpielsweiſe die Steigerung des Poſtverkehrs während eines zehnjährigen Zeitraumes an beiden Plätzen vergleicht. Da ergibt ſich denn folgendes Bild:. . me: 4 Wetzlar: V 3u dal, Gießen: Snkasmne Eingegangene Briefe: Abnahme Abnahme 1901: 1032122 i beiw. 3469154 ezw.—) 1910: 1846000+ 78,85% 4659000— 34,29% V 4620460 Aufgegebene Briefe: 1901: 1014416 1910: 1708200+ 68,39% 6067500+ 31,31% Eingezahlte Poſtanweiſungen 1901: 4267348 9519413 1910: 3937953— 7,72% 8227600— 14,63% 13857008 — 7,14% 12314700— 11,13%⅜ 1901: 3263821 Ausgezahlte Poſtanweiſungen: 1910: 30300b46 Singegangene Telegramme: 1901: 10168 44152 1910: 14705+44,62% 50452+ 14,26% Aufgegebene Telegramme: V 1901: 10108 45645 1910: 15317+ 51,53% 50478+A 10,58% Ferngeſpräche: 1901: 87805 466637 1910: 457952 421,55% 1431020+4 206,66% Ein Kommentar zu dieſen Zahlen, welche für ſich ſelbſt ſprechen, dürfte überflüſſig ſein. Nur darauf wollen wir hin⸗ weiſen, daß der Rückgang im Poſtanweiſungsverkehr an beiden Plätzen in engſtem urſächlichen Zuſammenhange mit der im Laufe des Jahres 1908 erfolgten Einführung des Poſt⸗ ſcheckverkehrs ſteht. Für dieſen ſind die Umſatzziffern des Jahres 1910 die erſten von der Reichspoſtverwaltung der Oeffentlichkeit zugänglich gemachten;— ein Vergleich mit den Vorjahren iſt deshalb hier nicht möglich. Im Jahre 1910 be⸗ liefen ſich nun die Geſamtumſätze im Poſtſcheckverkehr bei dem K. Poſtamt Wetzlar auf 4 442 324 Mark— nicht wie Sie falſch angeben: 2 756 300 Mark! Für Gießen beliefen ſich die Umſätze nach Ausweis des Wirtſchaftlich⸗Statiſtiſchen Jahrbuchs der Heſſiſchen Handelskammern für das Jahr 1910 auf 6 395 100 Mark. Im Jahre 1911 dagegen waren die im Scheckverkehr bei dem Poſtamt Wetzlar erzielten Umſätze bereits auf 6 814 009 Mark oder um 53,3 v. H. geſtiegen, waren alſo höher als die Gießener Umſätze des Vorjahres. In welchem Umfange der Poſtſcheckverkehr in Gießen im Jahre 1911 zugenommen hat, iſt uns zwar nicht bekannt, aber in Anbetracht der eindringlichen Sprache, welche die übrigen hier zum Vergleiche herangezogenen Daten reden, darf wohl angenommen werden, daß der prozentuale Zuwachs auch hier hinter Wetzlar zurückbleibt. Bezüglich der in Ihrer Eingabe vom 14. Mai d. J. weiter als Beweismittel herangezogenen Reichsbankumſätze müſſen wir zunächſt die Möglichkeit, dieſe Ziffern zu einem zu⸗ treffenden Vergleiche zu benutzen, auf das entſchiedenſte be⸗ ſtreiten. Die Höhe der Umſätze der einzelnen Reichsbanknieder⸗ laſſungen iſt u. a. abhängig von der Größe der ihnen zugeteil⸗ ten Geſchäftsbezirke. Nun iſt es Tatſache, daß der Bezirk der Wetzlarer Nebenſtelle— nämlich allein der Kreis Wetzlar— nicht unweſentlich kleiner iſt und deshalb auch eine geringere Einwohnerzahl aufweiſt, als der der Gießener Neben⸗ ſtelle zugeteilte Bezirk. Weiter kommt hinzu, daß eine der deutſchen Großbanken— die Mitteldeutſche Kreditbank— während des letzten Jahrzehnts in Gießen für die Provinz Oberheſſen eine Filiale errichtete. Als die gleiche Bank etwas ſpäter auch in Wetzlar feſten Fuß faßte, konnte das bei der geringen örtlichen Entfernung Wetzlar⸗Gießen und den häu⸗ figen Zugverbindungen zwiſchen beiden Punkten aus wirtſchaft⸗ lichen Gründen ſelbſtverſtändlich nur in der Form geſchehen, daß dort eine Depoſitenkaſſe und Wechſelſtube errichtet wurde. Die gleiche Erſcheinung iſt beiſpielsweiſe für Groß⸗Berlin⸗ſaſt zuſtellen; auch dort haben die Großbanken bei teils gleichen, teils auch größeren Entfernungen ſich nicht veranlaßt geſehen, für die bedeutenden induſtriellen Anlagen an der Peripherie z. B. in Tegel, Straußberg, Oberſchönweide u. ſ. w. beſondere Filialen zu gründen, ſondern ſich auf die Errichtung von Depo⸗ ſitenkaſſen und Wechſelſtuben beſchränkt. Erfahrungsgeiäß arbeitet die Induſtrie aus verſchiedenen, hier nicht näher zu er⸗ örternden Gründen lieber mit einer privaten Großbank als mit der Reichsbank. So auch in Wetzlar! Da aber die dortige Nie⸗ derlaſſung der Mitteldeutſchen Kreditbank in engſten Bezieh⸗ ungen und auch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu der Gießener Filiale derſelben Bank ſteht, werden beiſpielsweiſe die bei ihr durchlaufenden Wechſel in der Regel unmittelbar an die Gießener Filiale dieſer Bank— und nicht an die Reichs⸗ banknebenſtelle Wetzlar— weitergeleitet; ſie treten deshalb erſt in den Umſätzen der Gießener Reichsbanknebenſtelle in Er⸗ ſcheinung und tragen dazu bei, deren Umſätze zu erhöhen. Wenn Sie ſich, ſehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter, alſo auf die Höhe der Gießener Reichsbankumſätze berufen, ſchmücken Sie ſich unbewußt zu einem Teil mit Wetzlarer Federn!— Dann frägt es ſich natürlich noch, wie die für Gießen und Wetz⸗ lar von Ihnen genannten Jahresumſatzziffern(293 bezw. 118 Mill. ℳ) ermittelt wurden. Falls darunter Geſamtumſätze zu verſtehen ſein ſollten, iſt es uns zunächſt unklar, wie Sie von dieſen Zahlen Kenntnis erlangten. Bekanntlich dürfen, der Ge⸗ ſchäftsordnung der Reichsbank entſprechend, nur die Abſchlüſſe für einzelne Konten der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wer⸗ den.(cf. hierzu auch Wirtſchaftlich⸗Statiſtiſches Jahrbuch der Heſſiſchen Handelskammern, 1910, Seite 48, Fußnote!) Nach der vom Heſſiſchen Handelstage herausgegebenen Statiſtik be⸗ trugen die Umſätze der Gießener Nebenſtelle— ſoweit ſie über⸗ haupt veröffentlichungsfähig ſind— im Jahre 1910: 235,9 Millionen A. Dabei iſt zu berückſichtigen, daß die Giroüber⸗ tragungen von auswärtigen Reichsbankniederlaſſungen und nach auswärtigen Reichsbankniederlaſſungen— im Gegenſatze zu der Wetzlarer Statiſtik— doppelt, nämlich in Einnahme und Ausgabo, erſcheinen. Es iſt dies darauf zurückzuführen, daß die Statiſtik des Heſſiſchen Handelstages auf den Kaſſa⸗ bucheintragungen der einzelnen Stellen aufgebaut iſt. Die Stellen müſſen nämlich bei Uebertragungen von auswärts, welche doch nur buchmäßig ſind, ohne daß wirklich eine Veränderung in den Barbeſtänden ſtattfindet, um eine Ueber⸗ einſtimmung mit ihren verfügbaren Barmitteln herbeizuführen, die gleiche Summe auch auf der Ausgabeſeite buchen, entſprech⸗ end bei Uebertragungen nach auswärts auf die Einnahmeſeite. Für Wetzlar würden ſich bei dieſer Art der Berechnung die Um⸗ ſätze des Jahres 1910 um 47 082 183— oder rund 47 Millio⸗ nen ℳ erhöhen. Ihre Angaben würden alſo nach dieſer Richt⸗ ung zu ergänzen ſein, was eine recht erhebliche Verſchiebung zu Gunſten Wetzlars im Gefolge hätte.— Weiter bleibt noch zu beachten, daß bei Ihrer Angabe der Wetzlarer Umſätze u. a. nicht berückſichtigt ſind der Lombardverkehr, der Barverkehr mit anderen Niederlaſſungen, d. h. die tatſächlichen Uebermitt⸗ lungen von Goldbeſtänden, wie Barmitteln überhaupt, welche in Wetzlar angeſichts des ſtarken Bedarfs der Induſtrie für Lohnzahlungen ziemlich erheblich ſein dürften, ferner das Effektengeſchäft u. ſ. w. Wir glauben damit hinreichend be⸗ wieſen zu haben, daß eine rein mechaniſche Nebeneinander⸗ ſtellung von Umſatzziffern ohne Unterſuchung der Frage, ob es ſich tatſächlich um vergleichbare Größen handelt, durchaus untunlich iſt. Sie ſagen ferner, daß es„ein grelles Streiflicht“ auf die „Ueberlegenheit der Gießener Induſtrie“ wirft, daß demnächſt die Wetzlarer Reichsbanknebenſtelle an die in Gießen neu zu errichtende Reichsbanknebenſtelle angegliedert werden ſoll. Auch hier befinden Sie ſich in einem großen Irrtum! Das Direktorium der Reichsbank ſteht nämlich, wie uns aus einer neuerlichen Aeußerung des Herrn Reichsbankpräſidenten be⸗ kannt iſt, auf dem Standpunkt, daß die Reichsbankſtellen ihre Geſchäftsunkoſten aus ihren erzielten Gewinnen ſelbſt be⸗ ſtreiten müßten. Notwendige Vorausſetzung daſür iſt aber, daß die Umſätze in den Geſchäften, an denen die Reichsbank etwas verdient, eine gewiſſe Höhe aufweiſen. Dazu gehört aber in allererſter Linie das Wechſelgeſchäft,— nicht dugegen der Giroverkehr! Nun haben wir bereits die Verhältniſſe geſchel⸗ dert, welche bewirken, daß die im Wechſelverkehr von der Reichsbanknebenſtelle Gießen erzielten Umſätze dank der Wetz⸗ larer Induſtrie eine ungewöhnliche Höhe erreichen, während gleichzeitig der Wetzlarer Reichsbanknebenſtelle dieſe Einnah⸗ men entzogen werden. Im übrigen iſt die geplante Anglieder⸗ ung der Reichsbanknebenſtelle Wetzlar an die neue Gießener Stelle lediglich eine Frage der inneren Organiſation, welche nach außen im Verkehre mit den Kunden gar nicht in Erſchein⸗ ung tritt. Unſer Hinweis auf die Marburger Univerſitätskliniken, welchen Sie als„verfehlt“ bezeichnen, hat nun bei Ihnen die Vorſtellung erweckt, als müßten Kranke aus dem Verkehrs⸗ gebiet der vorgeſchlagenen Bahnlinie, um nach Marburg zu ge⸗ langen, erſt nach Wetzlar geſchafft, dort umgeladen, dann nach Gießen weitertransportiert und dort nochmals umgeladen wer⸗ den. Wir haben allerdings nicht vermutet, daß die Auslöſung einer ſolchen Auffaſſung durch unſere Darlegungen überhaupt möglich ſei. Es iſt ganz ſelbſtverſtändlich, daß für den Beſuch der Marburger Kliniken nur die Bewohner der Ortſchaften in der nördlichen Hälfte des Verkehrsgebietes dieſer Bahnlinie in Frage kommen können. Es iſt wohl nicht zu bezweifeln, daß für die Ortſchaften zwiſchen dem Edertal bei Battenberg und dem Lahntal bei Biedenkopf, ebenſo für die ſüdlich von Wil⸗ helmshütte bezw. Friedensdorf bis in die Nähe von Gladenbach gelegenen Orte eine ganz erhebliche Verbeſſerung im Verkehr mit Marburg eintreten wird. Der Vollſtändigkeit wegen möchten wir nur nebenbei noch erwähnen, daß Sie bei der Aufzählung der Wetzlarer Bild⸗ ungsanſtalten ein über ein Jahrhundert altes Gymnaſium und die im Bau befindliche Unteroffizierſchule völlig vergeſſen haben. Schließlich möchten wir noch einmal ausdrücklich feſtſtellen, daß wir keine Gegner einer Eiſenbahnlinie von Gießen durch das Biebertal nach einem Punkte der von uns vertretenen Linienführung ſind;— es erſcheint uns im Gegenteil eine Er⸗ gänzung des Eiſenbahnnetzes auch nach dieſer Richtung durch⸗ aus erwünſcht. Wir haben dies ſchon dadurch bewieſen, daß wir dem Rodheimer Verkehrsverein zu gemeinſamem Vorgehen die Hand boten. Es erſcheint uns aber unbedingt notwendig, die in Ihrer Eingabe, ſehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter, enthaltenen Irrtümer ebenfalls richtig zu ſtellen, um die Sach⸗ lage zu klären, alte Vorurteile zu beſeitigen und damit erſt die Grundlage zu einem gemeinſamen Vorgehen auch mit Ihnen zu ſchaffen. Dazu werden Sie uns jederzeit bereit finden! Der Arbeitsausſchuß des Eiſenbahnkomitees zur Förderung des Bahnprojektes Wetzlar-Gladenbach-Biedenkopf-Battenberg. Schnitzler'ſche Buchdruckerei, Wetzlar. Offener Brief an heun Oberbürgermeister Mecum⸗Giess Sehr geehrter Herr Oberbürgermeiſter! Ihre namens der Stadt Gießen in Sachen der Hinterland⸗ bahn unter dem 14. v. M. an den Herrn Miniſter der öffent⸗ lichen Arbeiten gerichtete Eingabe gelangte zu unſerer Kennt⸗ nis und die am Schluſſe darin gegebene Verſicherung, daß es der Stadt Gießen fern liege, eine Bahnverbindung zwiſchen Battenberg, Biedenkopf und Gladenbach nach Wetzlar hinter⸗ treiben zu wollen, veranlaßt uns, Ihnen und der Stadt Gießen für die hierin ſich ſpiegelnde kameradſchaftliche Ge⸗ ſinnung den Ausdruck unſeres verbindlichſten Dankes zu über⸗ mitteln. Dieſe Feſtſtellung erſcheint uns umſo erfreulicher und bedeutſamer, als gerade ein Vorkommnis der letzten Zeit das Vertrauen in das freundnachbarliche Verhältnis bedenklich zu erſchüttern drohte. Wie Sie ſelbſt, ſehr geehrter Herr Ober⸗ bürgermeiſter, in Ihrer an den Miniſter gerichteten Eingabe erwähnen, war zwiſchen Ihnen und den Herren Landräten der Kreiſe Biedenkopf, Marburg und Wetzlar verobredet wor⸗ dem die Stadt Gießen ſolle mit ihren Wünſchen bezüglich des Ausbaues einer Bahnverbindung nach d dem Hinterland noch ſo lange zurückhalten, bis die ſtaatliche Nebenbahn Wetzlar⸗ Biedenkopf geſichert ſei. Dafür war als Gegenleiſtung nach Erreichung dieſes Zieles tatkräftige Unterſtützung der Gießener Wünſche zugeſagt; Hand in Hand damit gingen noch einige andere vom Kreiſe Wetzlar der Stadt Gießen gemachte Zu⸗ geſtändniſſe.— Das war um die letzte Jahreswende! Es mußte deshalb berechtigtes Aufſehen erregen und die Urſache einer tiefgehenden Beunruhigung der intereſſierten Kreiſe bilden, als im März Ifd. J. der Beigeordnete der Siadt Gießen, Herr Juſtizrat Grünewald, welchem die genannte Verabredung doch genau bekannt ſein mußte, nicht nur in einer an einem Sonntage in Rodheim ſtattgefundenen Ver⸗ ſammlung gegen die Beſtrebungen, eine Bahn Battenberg⸗ Wetzlar zu bauen, das Wort ergriff, ſondern auch in Gemein⸗ ſchaft mit dem Abgeordneten Urſtadt die dringende Anfrage an die heſſiſche Regierung richtete, welche Schritte ſie zu tun gedenke, um der der Stadt Gießen aus der neueren Entwick⸗ lung der Hinterlandbahnſache drohenden Gefahr zu begegnen. In dieſer ein längeres Schriftſtück bildenden Anfrage war Farbkarte 13 uns vorgeſchlagenen Linienführung gelegenen Gemeinden. Jeder unbefangene mit dem Sachverhalt nicht näher vertraute Leſer muß dieſen Eindruck empfangen, während tatſächlich das überwiegende Hervortreten des Wunſches einer Bahnver⸗ bindung mit Gießen nur bei den Ortſchaften des Biebertale und vielleicht auch noch bei den öſtlich bezw. nordöſtlich des Dünsberges gelegenen Ortſchaften feſtgeſtellt werden kann, d. h. den Orten, welche an die von der Stadt Gießen ge⸗ wünſchte in öſtlicher Richtung von der von uns vertretenen Nord⸗Südverbindung abzweigende Seitenlinie zu lieg kämen. Um die Richtigkeit dieſer unſerer Auffaſſung zu be legen, bedarf es nur des Hinweiſes auf die in unſerer Denk ſchrift, Seite 8, mitgeteilte Tatſache, daß die Kreisausſchüſſe und Kreistage beider beteiligten preußiſchen Kreiſe E ſich ei! ſtimmig für die in der gemeinſamen Eingabe andel kammern Dillenburg und Wetzlar vom dezember! gelegten, mit den unſeren ſich deck das läßt jeden weiteren Beweis übe ſſig Und wenn weiter in dieſem Schriftſtück no „daß es den Bemühungen der Landräte in Bi insbeſondere in Wetzlar gelungen ſei, die preußiſchen In zu bewegen, daß von der Durchführung einer Bahnl Gladenbach⸗Gießen abgeſehen und eine ſolche Gladenbach⸗ Wetzlar ins Auge gefaßt werde“, ſo war das eine Behau tun die angeſichts der erwähnten zwiſchen Ihnen, ſehr gee hrte Herr Oberbürgermeiſter, namens der Stadt Gießen und d beteiligten Landräten getroffenen Abmachung völlig unver⸗ ſtändlich war. Daß hierüber— namentlich in Wetzlarer Kreiſen— eine hochgradige Erregung entſtehen mußte, bedarf wohl keiner beſonderen Erklärung,— ebenſo, daß der erſte Eindruck die Vermutung eines Wortbruches auslöſte,— eines Wortbruches, deſſen Urheber man als einen der Verwaltung der Stadt Gießen angehörenden Herrn natürlicherweiſe mit dieſer ſelbſt identifiziere.— Wir wollen ruhig zugeben, daß die Ausführungen unſerer Denkſchrift, welche ſich gerade da⸗ mals unter der Preſſe befand, unter der Einwirkang dieſes Eindrucks noch in letzter Stunde eine etwas ſchärſere Schat⸗ tierung—— als urſprünglich beabſichtiat war, möchten 3 izuweiſen, daß 1 ſhe Vorkommnis B. I. G. nicht das richtige uueweis vor. Iſt geſagt, daß mit sverhandlungen eßen ſich an der ſt beteiligt habe. pr geehrter Herr ten des Herrn an die Heſſiſche ron Landrat in