M. 20 109/2 trr 0 Zettbewerb zur Erlangung von Blänen für die Errichtung eines Stadt⸗ theaters in Gießen. &CGlIESSEN. — Urteil des Preisgerichts. T)as Preisgericht für die Beurteilung der zu obigem Wettbewerb eingegangenen Entwürfe, beſtehend aus den Herren: Stadtbaumeiſter Braubach, Gießen Landgerichtsdirektor Bücking, Gießen Profeſſor Fromme, Gießen Kommerzienrat Georgi, Gießen Stadtbaumeiſter Gerbel, Gießen Stadtverordneter Haubach, Gießen Kommerzienrat Heichelheim, Gießen Stadtbaurat Kullrich, Dortmund Oberbürgermeiſter Regierungsbaumeiſter Mecum, Gießen Theaterdirektor Hermann Steingoetter, Gießen Bauunternehmer Winn, Gießen trat am 18. Mai 1905 im Sitzungsſaale der Bürgermeiſterei zuſammen. Für den verhinderten Preisrichter Kommerzienrat Heyligenſtädt, Gießen wurde als Erſatzmann Herr Stadtverordneter Schaffſtaedt gewählt, welcher die Wahl annahm und ſich ſofort an der Sitzung beteiligte. Herr Landgerichtsdirektor Bücking erſchien infolge dienſtlicher Verhinderung etwa ½ Stunde nach Beginn. Herr Kommerzienrat Heichelheim mußte wegen geſchäftlicher Abhaltung nach etwa zweiſtündiger Beratung die Sitzung verlaſſen. Auf Vorſchlag des Herrn Oberbürgermeiſters Mecum wurde Herr Stadtbaurat K ullrich, Dortmund einſtimmig zum Vorſitzenden erwählt. Es waren rechtzeitig eingegangen die Entwürfe: I mit dem Kennwort:„Thalia“, I,„„Zwei Welten“, 1I„„Semper“, 1V„„5ſtrahliger Stern“(gezeichnet). Bei der alsdann erfolgten Prüfung der Entwürfe inbezug auf deren Vollſtändigkeit ergab ſich, daß allen Entwürfen Schaubilder und dem Entwurf II eine Anſicht der Rückſeite des Bühnenhauſes beilagen, die im Ausſchreiben nicht verlangt waren. Es wurde deshalb beſchloſſen, dieſe nicht verlangten Zeichnungen von der Beurteilung und von der öffentlichen Ausſtellung auszuſchließen. Infolgedeſſen wurden dieſe Zeichnungen entfernt. Die Kellergrundriſſe und die Grundriſſe der Zwiſchengeſchoſſe, die einzelnen Entwürfen beigegeben waren, ſollen dagegen nicht ausgeſchloſſen werden, weil ſie das Urteil nicht beein⸗ trächtigen und nur zeigen, wie einzelne der geforderten Räume untergebracht ſind, während dies bei anderen Entwürfen im Erläuterungsbericht angegeben iſt. Entwurf I iſt nicht vollſtändig, da die geforderte Anſicht der rechten Seitenfront fehlt; es wird jedoch beſchloſſen, dieſenEntwurf dieſerhalb von dem Wettbewerb nicht auszuſchließen, weil man ſich aus der Grundrißſkizze und der Vorderfront annähernd ein Urteil über die Seiten⸗ front bilden kann. Hierauf wurde in eine Prüfung der Koſtenüberſchläge eingetreten, welche folgendes Er⸗ gebnis hatte: Der Erläuterungsbericht des Entwurfs IJ gibt einen umbauten Raum von 21388 chm an. Die Nachprüfung der Berechnung ergab ein Mehr von etwa 300 cbm. Da jedoch die Kuliſſen⸗ räume nicht, wie im Programm gefordert, 200 qm, ſondern nur etwa 130 am groß ſind, wurde für den mehr umbauten Raum bei programmmäßiger Grundfläche der Kuliſſenräume ein weiterer Zuſchlag von 936 cbm für erforderlich erachtet, ſodaß der umbaute Raum für Entwurf I auf 22624 cbm feſtgeſtellt wurde. Bei Entwurf II fehlte der rechneriſche Nachweis des umbauten Raumes. In der durch das ſtädtiſche Hochbauamt bewirkten Vorprüfung wurde der umbaute Raum auf 24800 cbm ermittelt. Bei Entwurf III iſt der umbaute Raum vom Verfaſſer mit 27340 chm richtig angegeben. Bei Entwurf IV liegt das Zuſchauerhaus mit ſeinen Umgängen unter einem Dach. Der Verfaſſer hat bei Ermittelung des umbauten Raumes die Traufhöhe der Seitenfront auch für den in das Dach hineinragenden Zuſchauerraum zu Grunde gelegt. Da dies als unzuläſſig zu erachten iſt, wurde die Berechnung dahin berichtigt, daß für den Zuſchauerraum deſſen wirkliche Höhe bis zum Dachboden eingeſetzt und danach der geſamte umbaute Raum von 24177 auf 25500 chm erhöht wurde. Für die im Preisausſchreiben verlangte Bauausführung erachtete man einen Einheitspreis von 18 Mark für 1 cbm umbauten Raumes für erforderlich. Außerdem mußte für größeren architektoniſchen Aufwand bei Entwurf I ein Zuſchlag von 15000 Mark und bei Entwurf II ein ſolcher von 12400 Mark eingeſetzt werden. Hiernach ſtellen ſich die Baukoſten bei Entwurf I auf 420000 Mark II„ 458800„ III„ 492000 1V„ 459000„ Mit Rückſicht auf die Beſtimmung des Programms, wonach die Baukoſten die Summe von 400000 Mark möglichſt nicht überſteigen ſollten, hielt das Preisgericht bei ſämtlichen Entwürfen die Baukoſten für programmgemäß, wenn auch der Mehrbetrag von Entwurf III die Grenze des zuläſſigen faſt überſteigt. 1/ 7 / Hiernach war es nicht erforderlich, einen der Entwürfe von dem Wettbewerb auszuſchließen. Bei der Einzelprüfung der Entwürfe ergab ſich folgendes: Der Entwurf I(Kennwort„Thalia“) ordnet ein mit 3 Eingängen verſehenes Veſtibül von 6,60 m Tiefe und 12,30 m Breite an, in welchem die Kaſſe in der Mitte der dem Ein⸗ gang gegenüberliegenden Seite liegt. Da für den Abendverkauf eine Störung des Parkett⸗ publikums durch die vor der Kaſſe wartenden Perſonen nicht ausgeſchloſſen erſcheint, und die Wege des von der Kaſſe zu den Eingängen nach den Rangtreppen ſtrömendeu Publikums ſich mit denen der Parkettbeſucher kreuzen, erachtete das Preisgericht die Lage der Kaſſe an dieſer Stelle nicht für zweckmäßig. Vor dem Mitteleingang wäre eine größere Breite des Bürgerſteigs mit Rückſicht auf die davor liegende Anfahrt erwünſcht. Die Anlage von Stufen in dem Eingang zum Veſtibül wird für bedenklich erachtet. Es wäre beſſer geweſen, das Veſtibül um dieſe Stufen zu ſenken und ſie vor die Eingänge zu den Wandelgängen und den Rangtreppenhäuſern zu legen. Für die Parkettbeſucher iſt an das Veſtibül anſchließend ein Wandelgang von 3 m Breite vorgeſehen, der ſich an den Seiten des Zuſchauerraumes auf 5 m erbreitert. In dieſem 5 m breiten Teile ſind die Garderoben angeordnet, die nur eine Länge von je 10,40 m beſitzen. Bei dem Faſſungsraum des Parketts von insgeſamt 394 Perſonen ſind dieſe Garderoben zu knapp. Eine Verlängerung derſelben iſt bei der Lage des direkten Ausgangs für das Parkett und des Zugangs zu den Toiletten ausgeſchloſſen. Im Zuſchauerraum ſind anſchließend an die Proſceniumslogen je 3 Logen zu 4 Perſonen vorgeſehen. Außerdem ſind in 16 Sitzreihen 360 Sitzplätze angeordnet. Durch die Lage der Logen wird der erſte Ausgang für das Parkett ziemlich weit zurück⸗ geſchoben, ſodaß auf dieſen Ausgang 9 Reihen mit insgeſamt 89 Perſonen auf jeder Seite an⸗ gewieſen ſind. Wenn auch die Lage der Logen in der Nähe des Proſceniums akuſtiſch richtig erſcheint, ſo wird doch wegen des ungünſtigen Sehwinkels und wegen des beſchränkten Raums der Logen etwa die Hälfte ſämtlicher Logenplätze ungünſtig liegen. — Die Bankreihen im Parkett ſteigen um 7 Bcm an. Obgleich zur Verbeſſerung des Bühnen— bildes der Bühnenfußboden etwas geneigt angelegt iſt, erſcheint doch die gewählte Steigung der Bankreihen für nicht ausreichend. Für die Beſucher des IJ. Ranges ſind außerhalb der Wandelgänge beſondere Treppen— häuſer angeordnet, welche vom Veſtibül aus zugänglich ſind und außerdem von den Wandel⸗ gängen des Parketts Türen erhalten haben, um den Beſuchern des Parketts den Zutritt zu dem Foyer im I. Rang zu ermöglichen. Die Anordnung dieſer Treppenhäuſer hat den Vorteil, daß die Beſucher des erſten Ranges ſich ſchon im Veſtibül von den Parkettbeſuchern trennen, beſitzt dafür jedoch den Nachteil, daß der Zugang zum Foyer für die Parkettbeſucher unſchön und nicht vollſtändig zugfrei geſtaltet iſt. Auch wird die Kopfhöhe einer Hälfte des Podeſtes recht gering ausfallen, weil der Abort des I. Ranges darüber liegt. Dieſe Treppenhäuſer haben ferner einen direkten Ausgang ins Freie. Der dort vorgeſehene Windfang bedarf aber wegen des Zuſammen⸗ ſchlagens mehrerer Spieltüren dringend einer Verbeſſerung; es münden nämlich auf dieſen Wind⸗ fang auch noch die Ausgänge des Parketts. Der obere Treppenlauf iſt ſchließlich durch ein zum Teil durch die Außenarchitektur maskiertes Fenſter unzweckmäßig beleuchtet. Für die Beſucher des I. Ranges ſind ausreichende Garderoben in einer Länge von je 14 m vorhanden; die Toiletten liegen nicht über denen des Parketts und ſind nur auf Treppenſtufen erreichbar. Die 177 Beſucher des J. Ranges verteilen ſich auf 2 Proſceniumslogen, 10 Seitenlogen und 5 Bankreihen im Hintergrunde. Für die Logen ſind die Sehlinien günſtiger wie bei den Parkettlogen. Im IJ. Rang liegt ferner das geforderte Foyer in angemeſſener Größe von 8,30 m zu 12,30 m. Da dasſelbe die gleiche Höhe mit dem davor liegenden Wandelgang hat, wird die Raumwirkung bei einer Höhe von nur 4,50 m keine vorteilhafte ſein. Für die Beſucher des II. Ranges liegen die vorſchriftsmäßigen Treppen an der Vorder⸗ front, mit einem Zugang vom Veſtibül und einem Ausgang zur Seitenfront durch den gemein⸗ ſchaftlichen Windfang. Hier iſt jedoch als Verſtoß gegen die Vorſchriften zu tadeln, daß dieſe Treppenhäuſer mit denen des I. Ranges in unmittelbarer Verbindung ſtehen. Die oben durch⸗ geführte Trennmauer zwiſchen beiden muß auch im Erdgeſchoß bis an die Außenwand durch— geführt werden, ſodaß eine Verqualmung des einen Treppenhauſes von dem andern her unmöglich gemacht wird. Hierdurch wird eine Änderung des jetzt gemeinſchaftlich geplanten Ausganges für dieſe beiden Treppenhäuſer notwendig. Ferner iſt bei der Treppe die Podeſtbreite von nur 1,30 m zu beanſtanden, ebenſo der Umſtand, daß der obere Lauf und der Austritt in Höhe des II. Ranges keine Fenſter beſitzt. Für die 238 Perſonen des II. Ranges ſind in ſeitlichen Umgängen Garderoben von je 15 m Länge günſtig angeordnet. Über dem Foyer des I. Ranges iſt als eine beſondere Annehmlichkeit für die Beſucher des II. Ranges ein durch den Wortlaut des Programms eigentlich ausgeſchloſſenes Foyer angelegt, das bei dem gleichen Flächeninhalt wie im IJ. Rang nur 3,30 m hoch iſt. Die Lage der Toiletten, die wiederum an einer anderen Stelle liegen als im I. Rang, iſt als ſchlecht zu bezeichnen, da dieſelben ſchwer auffindbar, nur durch das Foyer erreichbar ſind und außerdem unmittelbar neben dem Buffet liegen. Der Zuſchauerraum des II. Ranges enthält in dem bis zum Proſcenium durchgeführten Range ſeitlich nur je 12 Plätze und im übrigen 8 Bankreihen der Bühne gegenüber. Hierfür werden ſich im allgemeinen gute Sehlinien entwickeln laſſen. Außerdem ſind 2 Proſceniums⸗ logen angeordnet. Im übrigen läßt die Form und die Steigung der Decke darauf ſchließen, daß die Akuſtik des Hauſes gut geraten wird. Für die Bühne iſt bei der geforderten Proſceniumsbreite von 9 m eine Breite von 18 m gewählt, die mit Rückſicht auf die genügender Deckung wegen erforderliche Proſpektlänge von 13 m etwas knapp erſcheint. Bei der vorhandenen Tiefe von 10 m wird es nur mit Ein— ſchränkung gelingen, 4 vollſtändig ausgeſtattete Gaſſen zu entwickeln. Die Hinterbühne hat eine Breite von 13 m und eine Tiefe von 5,30 m und beſitzt hierdurch den Vorzug, daß die auf der Hauptbühne benutzten Proſpekte auch auf der Hinterbühne unmittelbar aufgehängt werden können. An die Hinterbühne ſchließen ſich zu beiden Seiten die Räume für die Unterbringung der Kuliſſen und Proſpekte, ſowie die Räume für Möbel und Requiſiten. Hierdurch wird die Hinterbühne nur in beſchränktem Umfange für die Vorbereitung größerer Aufbauten benutzbar bleiben. Die Teilung des Kuliſſenmagazins in 2 Räume ergibt für den Betrieb gewiſſe Vorzüge. Eine Vergrößerung der Kuliſſenräume auf das im Programm geforderte Maß iſt durch Verbreiterung derſelben möglich, es wird ſich hierbei jedoch eine vollſtändige Veränderung der Hinterfront ergeben. Die Höhe der Kuliſſenräume mit 6 m dürfte im Vergleich zur Höhe des Proſceniums zu gering ſein. Während die Bühnentreppen vorſchriftsmäßige Größe und Lage haben, iſt bei den die Bühne umgebenden Korridoren ſtatt der vorſchriftsmäßigen Breite von 2 m nur eine ſolche von 1,60 m vorgeſehen, auch fehlt an einer Seite dieſer Umgänge die maſſive Wand, da Eiſenfach⸗ werk an dieſer Stelle nicht zuläſſig iſt. An dieſe Umgänge ſchließen ſich im Erdgeſchoß auf der einen Seite 2 Soliſtenzimmer und ein Konverſationszimmer, auf der anderen Seite 1 Soliſtenzimmer und 2 Bureauräume, von denen der eine in praktiſcher Weiſe als Tageskaſſe brauchbar geſtaltet iſt, an. Im erſten Obergeſchoß liegen an den Bühnenumgängen auf jeder Seite eine Chorgarderobe und 2 Soliſtenzimmer. Im zweiten Obergeſchoß finden ſich die geforderten Koſtümgarderoben. Hier würde ſich durch Hinzunahme eines Teils des Korridors und eine Verſchiebung der Räume eine Vergrößerung der Koſtümgarderobe zweckmäßig erreichen laſſen. Der Malerſaal liegt über der Hinterbühne, iſt aber bei einer Größe von 13 zu 7 m knapp ausgefallen. Die Räume für Statiſten und die Wohnung des Hausmeiſters ſind in den Keller verlegt. Das Orcheſter baut 2 m unter die Bühne ein und reicht für 40 Mitglieder aus. Auf der Bühne werden die vorgeſchriebenen Bühnenarbeitertreppen vermißt. Im Erläuterungs⸗ bericht weiſt der Verfaſſer darauf hin, daß nach ſeiner Anſicht erfahrungsgemäß bei kleineren Theatern dieſe Treppen im Dispenswege erlaſſen würden. Statt der Bühnenarbeitertreppen ordnet der Verfaſſer unzuläſſige Zugänge aus dem Korridor des II. Obergeſchoſſes auf die Arbeitergallerien an. Der vorgeſchriebene Rauchabzug auf dem Bühnenhauſe fehlt. Die gewählte Stilform iſt der italieniſchen Renaiſſance und dem Barock entnommen und, ſoweit dies die Vorderfront erkennen läßt, im Allgemeinen gefällig angewendet, wenn auch eine charakteriſtiſche Hervorhebung wichtiger Räume und Bauteile zu vermiſſen iſt. Der Maßſtab der auf den Eckriſaliten der Vorderfront lagernden Figuren iſt verfehlt und beeinträchtigt die Geſamtwirkung. Über dem Zuſchauerhauſe ſind flache Dächer angeordnet, die für das Geſamtbild nicht in die Erſcheinung treten, während das Dach des Bühnenhauſes zwiſchen 2 kräftigen Giebeln gezeigt iſt. Der Aufbau wird daher in ſeiner Gruppierung das Bühnen⸗ haus zu ſtark betont erſcheinen laſſen und nicht einheitlich wirken. Die Verwendung von Ver⸗ blendſteinen iſt bei der gewählten Architektur ausgeſchloſſen. Im übrigen läßt die Geſamtdispoſition die Hand eines erfahrenen Theaterbaumeiſters er⸗ kennen, dem es unſchwer gelingen wird, viele der gerügten Mängel abzuſtellen, wenn hierdurch der Entwurf auch an vielen Stellen weſentlich umgearbeitet werden muß. Der Entwurf II(Kennwort„Zwei Welten“) legt in einer 8 ½ m breiten und durch⸗ ſchnittlich 4 ½ m tiefen Eintrittshalle die Kaſſe an die Außenfront zwiſchen die beiden Zugänge und erreicht auf dieſe Weiſe eine ruhige Abwickelung des Kaſſenverkehrs. An die Eintrittshalle ſchließt ſich ein, anfangs 5 m, dann aber auf 3 m verkleinerter Umgang, in dem leider die Garderoben an drei verſchiedenen Stellen auf jeder Seite ungünſtig und zu klein angeordnet ſind. Namentlich das Gegenüberliegen zweier Garderoben an dem 3 m breiten Umgang in der Nähe des Ausgangs zur Eintrittshalle iſt zu rügen. In der Nähe des Proſceniums ſieht der Verfaſſer 2 Ausgänge für die Parkettbeſucher vor. Die Lage der Toiletten für die Parkettbeſucher iſt vollſtändig verfehlt, da dieſelben voll⸗ kommen unauffindbar liegen und nur nach dem Durchſchreiten der Eintrittshalle und dem Paſſieren des Ausgangs der 2. Rangtreppe zu erreichen ſind. Die 367 Beſucher des Parketts ſind auf 8 Logen an der Hinterſeite des Zuſchauerraums, auf 4 Proſceniumslogen und auf 2 über dem Orcheſter eingebauten Logen, ſowie auf 13 Sitz⸗ bänke verteilt. Die Lage der Logen im Hintergrunde iſt wegen der guten Sehlinien empfehlens⸗ wert, wegen des weiten Überbaues des J. Ranges jedoch bedenklich. Die Beſucher des J. Ranges werden auf 2 in dem Umgang des Parketts beginnenden, in einem Dielenraum endigenden Treppen hinaufgeführt und finden ihre Garderoben in der Nähe des Proſceniums, bei einer Länge von je 3,80 m nicht ausreichend. Dort liegen auch die Toiletten für Herren und Damen. Die 165 Plätze des I. Ranges verteilen ſich auf je 4 Seitenlogen und je 2 Proſceniums⸗ logen, ſowie auf 4 beziehungsweiſe 5 Bankreihen an der Hinterſeite des Zuſchauerraums. Das Foyer hat eliptiſche Form mit einem größten Durchmeſſer von 13,50 und einem kleinſten von rund 10 m und reicht unmittelbar bis an die Rückwand des Zuſchauerhauſes, ſodaß der Umgang an dieſer Stelle durch das Foyer unterbrochen iſt. Da außerdem das Buffet an der Rückwand des Zuſchauerhauſes liegt, wird die Verbindung der beiderſeitigen Umgangshälften erſchwert ſein. Im II. Rang liegen 268 Sitzplätze, die auf 9 Bankreihen verteilt ſind. Die Garderoben liegen zum Teil in dem Umgang, zum Teil an einem Foyer, das ſich über der größeren Hälfte des unteren Foyer entwickelt. Auch hier wieder iſt die ungenügende Längenentwickelung der Garderoben zu tadeln. Die erforderlichen Toiletten für Herren und Damen liegen wiederum an einer anderen Stelle wie in den unteren Stockwerken. Das im Ausſchreiben nicht verlangte Foyer des II. Ranges zeigt eine übertrieben hohe Entwickelung und unvorteilhafte Beleuchtungsverhältniſſe. Auch iſt die Wand zwiſchen Zuſchauer— haus und Foyer an dieſer Stelle in maſſiver Konſtruktion nicht mehr ausführbar. Die Treppenanlage für den II. Rang ſieht leider am Eintritt mehrere unzuläſſige Winkel⸗ ſtufen vor und iſt auch ſonſt wegen ihrer kurzen Läufe und der ungenügenden Entwickelung der Podeſte zu beanſtanden. Die Zuſchauerhausdecke iſt horizontal geführt und liegt über dem Bühnenfußboden 13 m hoch. Es ſteht zu befürchten, daß die Akuſtik hierunter leiden wird. Die Entwickelung der Sehlinien bedarf namentlich für die Logenplätze und für die ſeitlichen Plätze des I. Ranges einer Verbeſſerung. Der Verfaſſer ſtattet den Zuſchauerraum an den Seiten mit einer palaſtartigen Außen⸗ architektur aus, die ſich im Proſcenium als halbkreisförmige Säulenſtellung perſpektiviſch fortſetzt und dort durch einen in der Luft ſchwebenden Baldachin, der die Bühnenöffnung überdeckt, unter⸗ brochen wird. Da die Außenarchitektur im Hintergrunde, der Bühne gegenüber, nicht fortgeführt iſt und die glatte Decke ohne jede Schmuckform anſcheinend das freie Himmelszelt darſtellen ſoll, wird ſich eine unruhige Wirkung des Raumes, der ſcheinbar als Hof im Freien liegt, für den Beſucher ergeben. Für die Bühne hat der Verfaſſer 18 m Breite und 12,50 m Tiefe vorgeſehen. Auch hier dürfte eine Verbreiterung der Bühne mit Rückſicht auf die notwendige Proſpektbreite von 13 m notwendig erſcheinen. Die eigentliche Proſceniumsöffnung iſt 11,50 m breit, um die Anlage der Logen über dem Orcheſter zu ermöglichen; die Verengung des Proſceniums auf das vorgeſchriebene Maß von 9 m erfolgt durch einen feſten Mantel, der als Stoffdraperie von dem geſchilderten Baldachin herabhängt. Die Hinterbühne hat eine nutzbare Breite von 8,50 m, bei nur 3.80 m Tiefe. Die Ver⸗ wendung derſelben wird durch dieſe geringen Maße ſehr eingeſchränkt und leidet ferner auch dadurch, daß das große Dekorationsmagazin auf dieſelbe mündet und ſeitlich ein Möbelfahrſtuhl angeordnet iſt. Das Dekorationsmagazin iſt in ausreichender Größe vorhanden, durch eine Längsmauer in 2 Teile geteilt, auch mit einer Rampe von außen günſtig zugänglich gemacht. Der Transport von Proſpekten iſt jedoch bei der gewählten Lage erſchwert, da dieſelben auf der Bühne gedreht werden müſſen. Die erforderlichen Umgänge ſind auf 2 kurze Korridore an der Hinterſeite der Bühne ein⸗ geſchränkt. Nur von dieſem aus ſind Zugänge für das Schauſpielperſonal vorgeſehen. Es fehlen mithin die für den Betrieb als unerläßlich zu bezeichnenden Zugänge zur Bühne in der Nähe des Proſceniums. In Bühnenhöhe ſchließt ſich an den einen Korridor ein Konverſationszimmer von unnötiger Größe, ſowie ein Soliſtenzimmer, auf der anderen Seite ein Requiſitenraum und ein 2. Soliſten⸗ zimmer. Dieſer Requiſitenraum ſteht mit dem Umgang in unmittelbarer Verbindung, was nach den geltenden Vorſchriften unzuläſſig iſt. Der Verfaſſer ordnet die übrigen Soliſtenräume, die Chorzimmer, Statiſtenräume und Garderobenmagazine über den oben geſchilderten Räumen in 3 Obergeſchoſſen an. Das Bureau des Direktors und die Tageskaſſe liegen ungünſtig im Keller. In geſchickter Weiſe hat der Verfaſſer die vorgeſchriebenen Bühnenarbeitertreppen außerhalb des eigentlichen Bühnenraums neben dem Proſcenium angeordnet. Im Falle der Gefahr wird es hierdurch den Bühnenarbeitern in günſtigſter Weiſe ermöglicht, auf dieſer Treppe unmittelbar ins Freie zu gelangen. Der Maler⸗ und Probeſaal liegt in ausreichender Größe über dem Kuliſſenmagazin. Für die Verwendung der Bühne zu Konzertzwecken denkt ſich der Verfaſſer ein Podium von 160 qm auf der Bühne errichtet. Außerdem ſieht er an der Hinterwand über der Hinterbühne das Fernwerk für die Orgel in geſchickter Anordnung vor. 3 Das Orcheſter beſitzt ausreichende Größe, wird aber durch den Überbau der Logen neben dem Proſcenium entſchieden beeinträchtigt, da die Schallöffnung auf 2,20 m Breite und 7,80 m Länge eingeſchränkt wird. Der Verfaſſer wählt für die Außenarchitektur des Zuſchauerhauſes Barockform, während er das Bühnenhaus mit dem Kuliſſenanbau als eine mittelalterliche Ritterburg mit Zinnen und Türmen ausbildet. Über dem vorderen Teil des Zuſchauerhauſes liegt ein horizontales Dach, während über dem Zuſchauerraum ſelbſt ein kurzes Manſarddach ſichtbar wird. Bei dem Bühnen⸗ hauſe ſelbſt wird nur an einer kleinen Stelle ein ſteiles Dach ſichtbar. Alle übrigen Dächer des Bühnenhauſes ſind horizontal. Es iſt dem Verfaſſer nicht gelungen, dieſe„Zwei Welten“ in befriedigender Weiſe zu einer harmoniſchen Erſcheinung zu vereinigen. Der Entwurf III(Kennwort„Semper“) plant ein 8 m breites und 12 m tiefes Veſtibül, dem ein 2 m tiefer Windfang vorgelagert iſt. Vor dem Windfang liegt nochmals eine 5 m breite, von Säulen getragene offene Vorhalle, welche die Unterfahrt aufnimmt, und ſeitwärts auf 5 Stufen die Zugänge für das zu Fuß ankommende Publikum enthält. In dem Veſtibül liegen rechts und links in der Nähe des Eingangs praktiſch, aber leider etwas dunkel, 2 Kaſſenräume. An dieſe ſchließen ſich die Zugänge zu den Treppen des II. Rangs, darauf folgen die Zugänge zu den Treppen des I. Rangs und im Hintergrunde des Veſtibüls 3 Türen, welche auf den 3 m breiten, halbkreisförmig um das Zuſchauerhaus herumgeführten Korridor führen. Neben dieſen Eingangstüren finden ſich Zugänge zu dem eben erwähnten Treppenhauſe des I. Rangs, die den Parkettbeſuchern den Zutritt zum Foyer ermöglichen. Hinter dieſen Türen verbreitert ſich der Korridor auf 7 m und enthält ſchön angeordnete, auf jeder Seite 13 m lange Garderoben, vor denen für das Publikum 4,40 m Flurbreite verbleibt. An die Garderoben ſchließen ſich nach dem Bühnenhauſe zu rechts und links Ausgänge für das Parkett in einer Geſamtbreite von je 6 m an, die außen als große Niſche mit vorgelagerten und von Säulen getragenen Balkonen in die Erſcheinung treten. Die große Breite dieſer Ausgänge, die ſich gegenüber liegen, läßt befürchten, daß der Zuſchauerranm unter Zugerſcheinungen zu leiden haben wird. Hinter dieſen Eingängen liegen in günſtiger und ausreichender Lage die Toiletten für Herren und Damen. Im Zuſchauerraum, der die für die vorliegenden Verhältniſſe außer⸗ gewöhnliche Breite von 18 m aufweiſt, finden ſich, vom Proſcenium aus gerechnet, rechts und links eine Proſceniumsloge, ein Zugang zu den erſten 4 Sitzreihen des Parketts, darauf 3 Logen zu 5 Perſonen und dann 4 Zugänge zu den üblichen Sitzreihen im Parkett. Die Breite des großen Zuſchauerraums iſt auf dieſe Weiſe durch Logen mit großen Vorräumen ſo eingeengt, daß für eine gute Geſtaltung der Sehlinie in der Mitte nur eine Geſamtbreite von 11 m zur Verfügung ſteht. Um möglichſt viel Plätze im Parkett unterzubringen, iſt der Verfaſſer gezwungen, ſein Zuſchauerhaus 19 m tief zu machen und 19 Sitzreihen anzuordnen. Dabei wird der Weg, den die Beſucher z. B. der 5. Reihe innen bis zu ihrem Ausgang zu machen haben, recht er⸗ heblich, da er etwa 10 m beträgt. Die Steigung der Sitzreihen im Parkett iſt anfangs eine ſchwache, vergrößert ſich nach hinten zu, wird aber nicht günſtige Sehlinien ergeben, wenn auch die Neigung der Bühne dieſe verbeſſern hilft. Das Parkett umfaßt insgeſamt 383 Sitzplätze. Für den J. Rang ſind 228 Sitzplätze vorgeſehen, die ſich einſchließlich der Proſceniumsloge auf 10 Logen und auf 7 Sitzreihen an der Rückfront des Zuſchauerhauſes verteilen. Für die Logen ſind in deren Vorräumen bis zu 6 Stufen angeordnet; dadurch wird die Benutzung dieſer Vorräume für Garderobezwecke illuſoriſch gemacht. Die Länge der Garderoben für die Beſucher des I. Ranges, die immer noch auf jeder Seite etwa 11 m beträgt, reicht aus. Die Rang— treppe entſpricht den Anforderungen, kommt aber für die Geſtaltung des Raumes weder im Parkett noch im erſten Obergeſchoß zur Geltung. Die Fenſter des Treppenhauſes, welche nach dem Veſtibül führen, ſind polizeilich nicht zuläſſig. Der Antritt dieſes Laufes wird daher durch Tageslicht nicht zu beleuchten ſein. Der Erfriſchungsraum hat eine T⸗Form von 13 m Tiefe und 8 bezw. im Balken 19 m Breite. In die Enden dieſes Balkens ſind die Buffets eingebaut. Die gezeichnete Verbindung der Treppe zum II. Rang mit dem Erfriſchungsraum dürfte praktiſch unausführbar ſein. In dem Treppenhaus zum IJ. Rang liegt nämlich auch die zum II. Rang führende Treppe, welche in geringer Höhe über den Läufen der erſten Treppe angeordnet iſt. Eine Austragung dieſer — Treppenläufe hat ergeben, daß die Erzielung der erforderlichen Kopfhöhe an verſchiedenen Stellen auf Schwierigkeiten ſtößt und die Treppenanlage deswegen nicht einwandfrei iſt. Für die Beſucher des I. Ranges ſind an 4 Stellen Toiletten angeordnet, von denen 2 als überflüſſig zu bezeichnen ſein dürften. Zwiſchen dieſen Toiletten liegt über dem Ausgang des Parketts ein offener Balkon, der es den Beſuchern des J. Ranges ermöglicht, ins Freie hinauszutreten und auch bei Feuersgefahr einen erwünſchten Zufluchtsort bieten wird. Für den II. Rang ſind 196 Sitzplätze geplant, die ſich auf 6 Sitzreihen verteilen. Die Umfaſſungswände des Zuſchauerhauſes an dieſer Stelle haben die Form eines Eies, deſſen Spitze in dem Bühnenhaus liegt. Dieſe Anordnung wird akuſtiſch vorteilhaft wirken. Die Konſtruktion guter Sehlinien für die an den Seiten des II. Ranges liegenden Plätze wird aber für die oberen Seitenplätze auf Schwierigkeiten ſtoßen. Die Beſucher des II. Ranges finden eine Garderobe von 11 m auf jeder Seite vor und wiederum 4 Kloſetanlagen, zwiſchen denen ein etwas zurücktretender Balkon im Freien liegt. An Stelle der Proſceniumslogen iſt an dieſer Stelle ein Orgeleinbau geplant, dem gegenüber der Organiſt Platz finden ſoll; dieſe Anordnung iſt jedoch nicht empfehlenswert. Ein Foyer für den II. Rang iſt, wie verlangt, nicht vorgeſehen. Die Höhenentwicklung des Zuſchauerraumes iſt nicht ungünſtig. Der Verfaſſer verwendet eine vom Proſcenium anſteigende Decke, die nur den Nachteil hat, daß ſie in der Querrichtung zu ſtark tonnenartig gewölbt iſt. Die Bühne beſitzt eine Tiefe von 10 m und eine Breite von 21 m, welch letztere als ein beſonderer Vorzug dieſes Projektes anzuſehen iſt. Die Hinterbühne ſelbſt iſt dagegen nur 8 m. breit und 6 m lang und von den Kuliſſenmagazinen in Form von 3 Räumen vollſtändig umbaut. Bei der Lage der Kuliſſenmagazine, von denen die beiden neben der Hinterbühne liegenden keine Fenſter beſitzen, dürfte es unmöglich ſein, Proſpekte bequem auf die Bühne zu ſchaffen. In Höhe der Bühne liegen auf der einen Seite an einem nicht mit maſſiven Wänden umgebenen, ſonſt aber vorſchriftsmäßigen Korridor, das gewünſchte Konverſationszimmer und die Bureauräume für die Direktion mit der Tageskaſſe praktiſch und gut, auf der anderen Seite eine Statiſtengarderobe, die an dieſer Stelle zu Gunſten der Soliſtenzimmer hätte entbehrt werden können. Die Soliſtenzimmer ſind nämlich eine Treppe höher in einem Zwiſchengeſchoß angeordnet. In demſelben Geſchoß liegen auch die Chorgarderoben, während die Koſtum⸗ garderoben noch ein Geſchoß höher richtig angeordnet ſind. Für die Wohnung des Kaſtellans hat der Verfaſſer einen eingeſchoſſigen Anbau ſeitlich vom Bühnenhaus geplant und auf dieſe Weiſe geſchickt, wenn auch etwas aufwendig, die Lage dieſer Wohnung im Kellergeſchoß vermieden. Der zweite Statiſtenraum liegt im Keller, der ferner das Möbelmagazin und den Requiſitenraum aufnimmt. Der Malerſaal liegt über einem Teil des Kuliſſenmagazins und der Hinterbühne und iſt ausreichend dimenſioniert. Dagegen iſt der Transport von Proſpekten oder ausgeſteiften Dekorationsſtücken zwiſchen Malerſaal und Kuliſſenmagazin wegen der Querrichtung des Malerſaals zu dem letzteren erſchwert. Für die Bühne ſelbſt iſt nur eine Unterkellerung angeordnet, die für den Betrieb der Verſenkungen und Gitterzüge nicht ausreichen wird. Der geplante Zugang vom Bühnenumgang zum Orcheſter iſt unzuläſſig und genügt auch den Forderungen nicht, da für das Orcheſter zwei Zugänge nötig ſind. Wie in dem erſten Entwurf fehlen auch hier die Bühnenarbeitertreppen. In der Außenerſcheinung bringt der Verfaſſer die halbkreisförmige Form ſeines Zuſchauer⸗ hauſes zum Ausdruck, er zeigt ferner die ſteigenden Fenſter ſeiner Rangtreppenhäuſer und iſt beſtrebt, durch eine großzügig angelegte Fenſterreihe ſein Foyer nach außen charakteriſtiſch aus⸗ zuſprechen, wie auch die Seitenfront durch die tiefe ſchattengebende Niſche über den ſeitlichen Parkettausgängen zu beleben. Die gewählte Formenſprache, die ſich im Weſentlichen an moderne Stilrichtungen anſchließt, iſt jedoch ohne beſonderen Reiz und vermag den mäßig gegliederten Aufbau mit ſeiner matten Linienführung in den Giebeln nur wenig zu verbeſſern. Die Eintrittshalle des Entwurfs IV(Kennwort„ſtrahliger Stern“ gezeichnet]) iſt 11 m breit und 7 m tief; 2 m tiefe Windfänge und eine ausreichend bemeſſene und mit einem guten Bürgerſteig verſehene Unterfahrt liegen vor derſelben. Die Kaſſe liegt, wie in dem Entwurf I, an der Hinterſeite und zeigt infolgedeſſen inbezug auf den Betrieb die auch bei dem 1. Entwurf aufgeführten Nachteile. An die Eintrittshalle ſchließt ſich der Umgang des Parketts, der an der Hinterwand des Zuſchauerraums den Beſtimmungen entgegen nur eine Breite von 2,40 m aufweiſt, während er an dieſer Stelle mindeſtens 3 m hätte breit ſein müſſen. Da an dieſer Stelle auch die Ausgänge aus den Parkettlogen liegen, macht ſich das knappe Maß dieſes Umgangs doppelt unangenehm fühlbar. An den Seiten des Zuſchauerhauſes ſind die Umgänge 5 m breit und enthalten auf jeder Seite 14 m lange und 2 m tiefe Garderoben, die überſichtlich und praktiſch liegen. An die Garderoben ſchließen ſich nach der Bühne zu die Toiletten für Herren und Damen. Das Parkett iſt für 385 Zuſchauer beſtimmt, welche ſich auf 15 Bankreihen und 9 an der Rückſeite des Raumes liegende Logen verteilen. Die Ausgänge von den Bankreihen liegen zweckmäßig unmittelbar den Garderoben gegenüber und werden eine ſchnelle Entleerung des Hauſes und eine ſchnelle Abfertigung an den Garderoben ermöglichen. Für die Beſucher der Logen werden die geplanten Garderoben an den Seiten unbrauchbar ſein, da ſie auf ihrem Wege nach dieſen Garderoben die übrigen Parkettbeſucher, die ihre Garderobe bereits empfangen haben, kreuzen und auf dieſe Weiſe in der Nähe des Ausgangs Stauungen hervorrufen. Wird die Anlage der Logen an dieſer Stelle ganz oder teilweiſe beibehalten, ſo würde für die Logen⸗ beſucher Gelegenheit geſchaffen werden müſſen, ihre Garderoben in den Logen ſelbſt abzulegen. Die Steigung zwiſchen den einzelnen Bankreihen des Parketts beträgt 12 cm und iſt als recht günſtig zu bezeichnen. Die Umgänge zu den Seiten des Zuſchauerraums fallen im Verhältnis von 1:10. Für die Beſucher des I. Ranges ſind im Umgang des Parketts offene Treppen angeordnet, die den Charakter einer ſogenannten Dielentreppe tragen und oben wiederum frei in den Raum münden. Die Anordnung der Umgänge im IJ. Rang iſt die gleiche wie im Erdgeſchoß. Da jedoch das Foyer mit dem Umgang in unmittelbarer Verbindung ſteht(die Trennwand zwiſchen beiden iſt in 4 Säulen aufgelöſt), ſo wird die Verengung des Flures an dieſer Stelle nicht als läſtig empfunden werden. Die 175 Sitzplätze des I. Ranges verteilen ſich auf 2 Proſceniumslogen, 12 Seitenlogen und 5 Bankreihen an der Rückſeite. Die angenommene Zahl von Logenplätzen wird aber etwas eingeſchränkt werden müſſen, da z. B. die drei hinteren Plätze in den Proſceniumslogen und auch die fünften Plätze in den letzten 3 Logen minderwertig ſind. Der Verfaſſer zieht ſeine Rangausladung hinten auf 8 m zuſammen und erreicht auf dieſe Weiſe für die vorderen Plätze der Logen verhältnismäßig günſtige Sehlinien. Die Toiletten für die I. Rangbeſucher liegen praktiſch über denen des Parketts. Das Foyer iſt 11 m breit und 9 m tief und bildet mit dem anſchließenden Umgang einen einheitlich benutzbaren Raum, der dem größten Teile der Beſucher des Parketts und des I. Ranges Platz zum Promenieren und Einnehmen von Erfriſchungen bietet. Die Verbindung der Treppe zum II. Rang, die der Verfaſſer angelegt hat, um den Be⸗ ſuchern des II. Ranges den Zutritt zum Foyer zu ermöglichen, iſt polizeilich unzuläſſig. Für den II. Rang ſind 240 Plätze vorgeſehen, die ſich auf 9 Bankreihen an der Rück⸗ ſeite und 3 an der Seitenwand verteilen. An der Seitenwand ſind jedoch die Platzreihen nicht bis zum Proſcenium durchgeführt, da erfahrungsgemäß die in der Nähe des Proſceniums liegen⸗ den Plätze minderwertig und daher unbeliebt ſind. Auch bei der dargeſtellten Anordnung ſcheint es unmöglich, für die 4 Plätze der 3. Reihe auf jeder Seite einigermaßen brauchbare Sehlinien zu konſtruieren. Die Beſucher des II. Ranges finden auf jeder Seite eine 8,5 m lange Garderobe, die für die 240 Sitzplätze etwas knapp bemeſſen erſcheint. Anſchließend an dieſe Garderoben nach der Bühne zu befindet ſich eine offene Loggia, die das Hinaustreten des Publikums ins Freie geſtattet und wie in dem Entwurf III auch im Falle eines Brandes wertvoll ſein wird. Die Toiletten für Herren und Damen liegen wiederum zweckmäßig an der gleichen Stelle wie im Parkett und I. Rang. Daneben befinden ſich praktiſch angeordnet die Zugangstreppen zum Dachgeſchoß. Auch hier iſt das im Programm nicht gewünſchte Foyer fortgelaſſen, dagegen iſt vor der Hinterſeite des auch hier wieder nur 2,40 m breiten Umgangs eine Fenſterreihe nach dem hoch durchgeführten Foyer des I. Ranges dargeſtellt, die es ermöglicht, daß die Beſucher des II. Ranges ins Foyer hinabſehen können. Das Treppenhaus für den II. Rang liegt rechts und links von der Eintrittshalle an der Vorderfront, hat einen Zugang von der Eintrittshalle ſelbſt, wie auch einen Eingang bezw. Aus⸗ gang in der Vorderfront. Die Anlage iſt praktiſch und überſichtlich. Das Zuſchauerhaus geſtaltet der Verfaſſer mit einer ſtark anſteigenden Decke, in deren ungefähren Mittelpunkt ein Oberlicht von 4 m Durchmeſſer, das reichlich Tageslicht einzulaſſen im Stande iſt, angeordnet iſt. Hiermit wird ſich auch zweckmäßig die geforderte Rauchabzugs⸗ anlage für das Zuſchauerhaus verbinden laſſen. Außerdem befindet ſich nochmals eine Fenſter⸗ anlage an der Rückſeite des Zuſchauerhauſes, in dem im äußeren in die Erſcheinung tretenden Giebel desſelben. Für die Logenbeſucher des Parketts wäre es wünſchenswert, wenn der Überbau des I. Ranges nicht ſo weit, wie dargeſtellt, vorgezogen wäre. Desgleichen möchte auch eine Ein⸗ ſchränkung des Überbaues vom II. Rang im Intereſſe der Beſucher des J. Ranges geboten erſcheinen. Im übrigen verſpricht der akuſtiſche Wirkung. Die Bühne hat der Verfaſſer 11,40 m lang und 19,40 m breit geplant. Er ermöglicht bei dieſen Maßen ſowohl eine bequeme Unterbringung von 4 Gaſſen, wie auch genügend Platz ſeitlich der 13 m breiten Proſpekte. Seine Hinterbühne hat eine Breite von 9 m und eine Tiefe von 5,60 m, wird alſo die unmittelbare Verwendung von 13 m langen Proſpekten nicht ermöglichen, hat aber dagegen den Vorzug, daß ſie durch den Transport von ausgeſteiften Kuliſſen und Proſpekten nicht in Anſpruch genommen wird, ſodaß ſie voll für die Vorbereitung von Bühnenaufbauten ausnutzbar erſcheint. Die Hinterbühne iſt außerdem durch unmittelbar ins Freie führende Fenſter gut beleuchtet. Außer dieſer Hinterbühne plant der Verfaſſer an der linken Seite der Bühne eine 5 m breite und 7 m tiefe Nebenbühne, an welche ſich mittelſt eines 5 m langen Korridors das Kuliſſenmagazin mit dem Proſpektlager anſchließt. Dieſe Anordnung einer Nebenbühne und dieſe Lage des Kuliſſenraums iſt erfahrungsgemäß für den Theaterbetrieb ſehr wertvoll, da ſie ſowohl die Vorbereitung von Aufbauten an deſer Stelle, wie auch den ungehinderten jederzeitigen Transport von Möbeln, Kuliſſen und Proſpekten in bequemſter Richtung zur Bühne geſtattet. Unter dem Kuliſſenmagazin iſt das Möbelmagazin angeordnet, das mit dem Geſchoß in Höhe der Bühne durch einen Möbelaufzug in Verbindung gebracht iſt. Über dem Kuliſſenmagazin liegt in gut gewählten Dimenſionen der Malerſaal, auf einer beſonderen Treppe erreichbar. Von den für die Bühne verlangten Nebenräumen liegen an vorſchriftsmäßigen Treppen und Umgängen auf der einen Seite Konverſationszimmer und Bureauräume mit Tageskaſſe (direkt von außen zugänglich), auf der anderen Seite 2 Soliſtenzimmer, im Geſchoß darüber ein Raum für Statiſten, 2 Chorgarderoben und 3 Soliſtenzimmer. Die übrigen Räume liegen in Höhe des Malerſaales. Die Wohnung für den Theatermeiſter hat im Keller Platz gefunden. Das Orcheſter iſt ausreichend bemeſſen und baut gut unter die Bühne herunter. Auf der Bühne fehlen die vorgeſchriebenen Bühnenarbeitertreppen, dagegen iſt ein gleich⸗ zeitig als Oberlicht verwerteter Rauchabzug auf dem Bühnenhausdache in einwandfreier Anlage vorhanden. Im äußeren Aufbau zeigt der Verfaſſer an allen Stellen die erforderlichen Dächer. Über Zuſchauerraum und Umgang hinweg lagert er in einer Breite von 27 m ein mäch⸗ tiges Satteldach, aus dem in zylindriſcher Form mit einem ſtumpfen Kegeldach verſehen das Oberlicht für den Zuſchauerraum herausragt. Das Satteldach ſchließt der Verfaſſer nach der Vorderfront mit einem mächtigen Giebel, der eine muſchelförmige Niſche enthält. Dieſem Giebel vorgelagert iſt ein 11 m hoher Vorbau, der die Treppenhäuſer zum II. Rang und den vorderen Teil des Foyer umfaßt und in ſeinem unteren Teil die 5 Eingänge für das Theater enthält. Das Bühnenhaus enthält an der Schmalſeite Giebelaufbauten, zwiſchen denen in der Längs— richtung ein ſchlichtes, von dem Rauchſchieber bekröntes Satteldach entwickelt iſt. Für die Belebung der Seitenfront verwendet der Verfaſſer außer einigen Giebelmotiven auch das Motiv der offenen Loggia im II. Rang mit Glück, wenn auch über die ſchräge Lage des Fußbodens dieſer Loggia die Anſichten auseinander gehen werden. Der Verfaſſer iſt beſtrebt, durch ſchlichte, der Formenwelt der Antike entlehnte Behandlung ſeiner Fronten eine monumentale Wirkung zu erreichen und ſteigert dieſen Eindruck an der Vorder⸗ front durch einen 3 m hohen Figurenfries, durch das Motiv eines großen Saalfenſters für das Foyer und durch figürlichen Schmuck der Riſalite an den Ecken und am Mittelbau. Die Form⸗ gebung geſtattet eine umfangreiche Verwendung von Verblendſteinen und zu Gunſten der Koſten eine Einſchränkung des Werkſteins. Über die Geſamterſcheinung des Theaters, die von dem Landläufigen weſentlich abweicht und Originalität anſtrebt, waren die Meinungen geteilt. Im übrigen zeigt auch dieſer Entwurf, wie Entwurf I, eine geſchickte Hand bei der Dis⸗ poſition des Zuſchauerhauſes und der Bühnenräume, ſowie Erfahrung bei der Durchbildung der erforderlichen Betriebsanlagen; auch hier wird der Verfaſſer ohne Schwierigkeit die be⸗ mängelten Stellen ſeines Entwurfs einwandfrei geſtalten können. Zuſchauerraum nach ſeiner Form und Ausbildung eine günſtige 3 Hierauf entſchied zunächſt das Preisgericht einſtimmig, daß ſämtliche Entwürfe Mängel und Verſtöße gegen die Beſtimmungen des Programms aufweiſen und daher ein erſter Preis nicht zur Verteilung kommen ſolle. Es wurde ferner beſchloſſen, den erſten und zweiten Preis 10 zuſammenzulegen und in 2 gleiche Teile zu teilen und dem Entwurf I und IV je einen dieſer 2 Preiſe in Höhe von 1250 Mk. zuzuerkennen. Den 3. Preis erkannte das Preisgericht dem Entwurf III zu und beſchloß, den ſtädtiſchen Kollegien vorzuſchlagen, für den Ankauf des Entwurfs II den Betrag von 500 Mk.— gleich dem 3. Preiſe— zu bewilligen, da auch dieſer Entwurf im einzelnen recht brauchbare und glückliche Gedanken aufweiſt, und der Verfaſſer nach den Wettbewerbsnormen eigentlich Anſpruch auf eine Entſchädigung hat. Die alsdann erfolgte Eröffnung der Briefumſchläge ergab als die Verfaſſer des Entwurfs I Kennwort„Thalia“: Die Architekten Fellner& Helmer, Wien und Hans Meyer, Gießen III Kenntwort„Semper“: Architekt Tittrich, München IV Kennwort„ſtrahliger Stern“(gezeichnet): Profeſſor Martin Dülfer, München. Der Briefumſchlag zum Entwurf II, Kennwort„Zwei Welten“ wurde vorerſt noch nicht eröffnet. Zum Schluſſe trat das Preisgericht noch in eine Prüfung der Frage ein, welche Stellung des Theatergebäudes auf dem Grundſtück empfohlen werden ſollte. Nach eingehender Erörterung an Ort und Stelle kam man zu der Überzeugung, daß ſowohl die Lage parallel zur Südanlage, wie auch diejenige parallel zum Neuenweg praktiſch möglich iſt, ſowohl bei Anlage eines geſchloſſenen Baues, wie bei der Anlage eines durch die ſeitliche Lage des Kuliſſenmagazins gruppierten Baues, da letztere bei beiden Richtungen der Hauptachſe in die Nähe der Johannesſtraße gelegt werden kann. Da jedoch die Entſcheidung über die Wahl des auszuführenden Projektes noch offen iſt, weil keiner der Entwürfe unmittelbar zur Ausführung reif iſt, und eine genaue Abſteckung des Baues auf dem Bauplatz hiernach zunächſt nicht angebracht erſchien, beſchloß das Preisgericht, dieſe Frage offen zu laſſen und ein Urteil über die Stellung des Baues nicht abzugeben. Gießen, den 19. Mai 1905. Kullrich. Braubach. Bücking. Fromme. L. Georgi. Gerbel. Haubach. Mecum. Schaffſtäcdt. Steingoetter. H. CTlinn. J. Weinert, Buchdruckerei, Gießen. M 26 16 zu(M1) Wettbewerb zur Erlangung von Blänen für die Errichtung eines Stadt⸗ theaters in Gießen. Urteil des Preisgerichts. Das Preisgericht für die Beurteilung der zu obigem Wettbewerb eingegangenen Entwürfe, beſtehend aus den Herren: Stadtbaumeiſter Braubach, Gießen Landgerichtsdirektor Bücking, Gießen Profeſſor Fromme, Gießen Kommerzienrat Georgi, Gießen Stadtbaumeiſter Gerbel, Gießen Stadtverordneter Haubach, Gießen Kommerzienrat Heichelheim, Gießen Stadtbaurat Kullrich, Dortmund Oberbürgermeiſter Regierungsbaumeiſter Mecum, Gießen Theaterdirektor Hermann Steingoetter, Gießen Bauunternehmer Winn, Gießen trat am 18. Mai 1905 im Sitzungsſaale der Bürgermeiſterei zuſammen. Für den verhinderten Preisrichter Kommerzienrat Heyligenſtädt, Gießen wurde als Erſatzmann Herr Stadtverordneter Schaffſtaedt gewählt, welcher die Wahl annahm und ſich ſofort an der Sitzung beteiligte. Herr Landgerichtsdirektor Bücking erſchien infolge dienſtlicher Verhinderung etwa ½ Stunde nach Beginn. Herr Kommerzienrat Heichelheim mußte wegen geſchäftlicher Abhaltung nach etwa zweiſtündiger Beratung die Sitzung verlaſſen. Auf Vorſchlag des Herrn Oberbürgermeiſters Mecum wurde Herr Stadtbaurat Kullrich, Dortmund einſtimmig zum Vorſitzenden erwählt. Es waren rechtzeitig eingegangen die Entwürfe: I mit dem Kennwort:„Thalia“, „Zwei Welten“, III„Semper“, IV„„5ſtrahliger Stern“(gezeichnet). Bei der alsdann erfolgten Prüſung der Entwürfe iübeun auf d deren Vollſtändigkeit eun ———— ——— Farbkarte 13