Feſtbeilage des Gießener Anzeigers L zur hundertjahrfeier des Infanterie⸗Regiments Kaiſer Wilhelm (2. Großh. heſſ.) Nr. M16 zu Gießen — ‿ ⁸ . =S 2 ☛ 7.- 9. Juni Sᷓ QRARR;RARRARRR 2 iffHfffffii4iiiifiittttttttssstttittetttsssiittst Ififiititfisittststtsttst ifffiffiiiiittsttitffffftttiitttitiifsttttfttttttitiitfitttttttttttiifitstttttiiiitsssttttitssttte Zeil dem Kaiſer-Regiment! EEEEEüimmümm zGH in ũſꝰÖHmñ j M 3 Ull qi üdmqmG Iuuu22IIIIIIIIII Feſtlied zur Jahrhundert⸗Feier des Inf.⸗Regiments Kaiſer Wilhelm(. Großh. Seſſ.) Nr. II63u Gießen. Mel.: Ich bin ein Preuße. J. Zeil und Willkomm' euch, Regimentskam'raden, Die ihr euch ſchartet zum Jahrhundertfeſt! Seht, wie Erinn'rung lacht auf allen Pfaden, Die uns die Herzen höher ſchlagen läßt. Laßt ſingen uns und ſagen Von unſ'ren Waffentagen, Von Lieb' und Treu', die uns im Herzen brennt, Für unſer jubelfrohes Regiment!:,: . Du ward'ſt gefügt aus wack'ren Bataillonen, Geſtählt im blutig⸗heißen Waffentanz, Rings in Europas weiten Länderzonen Erſtritteſt du manch gold'nen Ehrenkranz. Stets wußteſt du zu wahren, In Not, Tod und Gefahren, „: Die alte Heſſentreue bis ans End', Heil dir und Preis, mein wackres Regiment!:; . Ja deine ſtolzen, kampfgeweihten Fahnen, Sie führten allzeit dich zu Sieg und Ruhm; Gar tapf're Männer führten dich die Bahnen, zu unvergänglich hohem Heldentum. Im Vrieg gleich wie im Frieden War Lorbeer dir beſchieden, „ Und wer des heil'gen Kampfes Helden nennt, Der nennt auch ſtolz das zweite Regiment.:“ 4. Drum ward des Kaiſernamens hohe Ehre Von Herrſchers Gnaden dir dereinſt beſchert, Weil du geſtanden ſtets in ſtarker Wehre Und trugſt den Schild des Ruhmes unverſehrt. Mög' dich zu allen Zeiten Der Geiſt der Väter leiten, „ Daß jeder ſtolz und freudig es bekennt, Ich bin vom tapf'ren Kaiſerregiment!:;: . Uns aber, die in deinen Reihen ſtanden, Umſchlingt gar feſt das Kameradenband, Was wir in Kaiſers Ehrenkleid empfanden, Glüht uns im Herzen licht wie Sonnenbrand. Ob wir beim Kugelſchmettern Gekämpft in Schlachtenwettern, „ Ob„Friedenskrieg“ wir führten im Geländ', Wir dienten treu des Kaiſers Regiment!:“ . Und wenn uns heut' die alten Giebel winken, Wie ſchlägt ſo warm das alte Kriegerherz Und läßt aus ungetrübtem Quell uns trinken, Der alten Waffenzeiten Freud' und Schmerz. Wohl mußt' im Städtlein drinnen Manch’ altes Werk zerrinnen, „ Doch einer iſt's, der zeitgemäß ſtets blieb, Der alte Heldentummelplatz— der Trieb!:;: 7. So laſſet froh des Tages Luſt uns koſten, Umſchlungen von der Heimat gold'nem Band, Stimmt an das Feldgeſchrei auf allen Poſten, „Mit Gott für Kaiſer, Fürſt und Vaterland!“ Steht feſt, ihr Heſſenbrüder, Als deutſchen Weſens Züter, „ Und haltet heil'ge Treue bis ans End'’, Dem alten tapfren Kaiſerregiment!;;: 4* nüeeeeeeeeeeeeeeeee 8 Roemheld⸗Nidda RRRRRETEE eeeRnu 8 Illuſtrations⸗Rotationsdruck der Brühl'ſchen Univerſitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. — — [von Schönberg 1813— 18315 Il v. Bouchenröder 1815— 1832 von Marquard 1832— 1841 von Wachter 1841— 1849 Fur hundertjährigen Jubelfeier des Infanterie⸗Regiments „Kaiſer Wilhelm“(2. Großherzoglich Heſſiſches) Nr. 116 von Hauptmann Stephan.*) n kurzer Zeit feiert das Infanterie⸗Regiment Kaiſer Wilhelm(2. Großherzoglich heſſiſches) Nr. 116 das Feſt ſeines hundertjährigen Beſtehens. Die ruhmvolle Vergangenheit eines Truppenteils, auf die jeder Angehörige mit Stolz zurückblickt, und mit Eifer darüber wacht, daß die alten Ueberlieferungen heilig gehalten und durch keinen Makel befleckt werden, mit einem Wort ſeine Ge⸗ ſchichte, wird von der wichtigſten Vorſchrift für die In⸗ fanterie, dem Exerzier⸗Reglement, als einer der Faktoren benannt, der das Regiment für die Durchführung ſeiner Aufgabe im Ernſtfall ganz beſonders geeignet macht. Hat das Regiment demnach allen Grund, einen ſolchen Zeit⸗ abſchnitt ſeiner Geſchichte feſtlich zu begehen, ſo werden die Bewohner nicht allein unſerer Stadt, ſondern der ganzen Provinz Oberheſſen an dieſem Jubeltag des Regiments warmen Unteil nehmen, da ſie eng mit dem Regiment ver⸗ wachſen ſind. Es ſoll daher unſere Aufgabe ſein, unſere Leſer mit der Geſchichte unſeres Regiments vertraut zu machen, das während ſeines Beſtehens halb Europa, von der Loire und Rhone bis zur Bereſina und vom driatiſchen Meere bis zur Nord⸗ und Oſtſee, mehrfach durch⸗ meſſen hat. Der Sründungstag des Regiments iſt der 17. Juni 1813. An dieſem Tage wurde es aus dem Garde⸗Süſilier⸗Bataillon und dem 1. Leib⸗SFüſilier⸗Bataillon, deſſen Geſchichte bis zum Jahre 1741 zurückreicht, zuſammengeſtellt. Der Reuordnung und Vermehrung der heſſiſchen Trup⸗ pen durch Landgraf Ludwig X., den ſpäteren Großherzog Ludwig IJ., verdankt das heutige I. Bataillon ſeine Entſtehung. Uus Mannſchaften des in Gießen garni⸗ ſonierenden Kreis⸗Regiments wurde am 15. September 1790 ein leichtes Infanterie⸗Bataillon zu 4 Kompagnien formiert und an ſeine Spitze Oberſt v. Wrede geſtellt, nach welchem— wie damals üblich— das Bataillon benannt wurde. Es behielt Gießen als Garniſon bei. Gießen war damals Feſtung. Die Mannſchaften lagen in Bürgerquartieren, das 1585 erbaute Seughaus diente zur AKufbewahrung von Kriegsgerät, die heutige Gendarmeriekaſerne war Haupt⸗ wache, Klarmplatz der„Brand“(jetzt Landgraf⸗Philipp⸗ *) Rach der Geſchichte des Inf.⸗Rgts. Kaiſer Wilhelm Nr. 116 von Gen.⸗Ct. Klingelhöffer und nach mündlichen Ueberlieferungen. Was Du ererbt von Deinen Vätern haſt, Erwirb es, um es zu beſitzen. Platz), der 1560 durch eine große Feuersbrunſt ent⸗ ſtanden war. Die Uniform beſtand aus hellgrünen, vorn offenen Röcken mit umgeklappten, rot gefütterten Schößen, ſchwarzen Kragen, weißen Weſten, weißtuchenen Beinkleidern, dunkeln bis zum Rnie reichenden Gamaſchen und Lederſchuhen, hut mit hochgeklappten Dorder⸗ und hinterteil. Torniſter, Brot⸗ beutel und Patrontaſche wurde an kreuzweiſe über die Bruſt laufenden weißen Riemen getragen. Die Bewaffnung be⸗ ſtand aus teils glatten Steinſchloßgewehren, teils aus ge⸗ zogenen Büchſen, aus langem Bajonett und Säbel. Die Haare wurden in Locken gerollt, ſteif gepudert und endeten in einem langen Sopf. Die Dienſtzeit betrug 10 Jahre, die Strafen waren ſtreng und beſtanden ſeit 1792 meiſt in Gaſſen⸗ oder Spießrutenlaufen. Bereits 2 Jahre nach ſeiner Entſtehung fand das Ba⸗ taillon im Seldzug am Main und Rhein(1792—1793) gegen die Franzoſen ſeine erſte kriegeriſche Derwendung. Inſonderheit nahm es vom 5. Mai bis 22. Juli an der Belagerung von Mainz teil und wurde für ſein tapferes Verhalten bei der Zurückwerfung eines in der Nacht vom 9./10. Juni verſuchten Ausfalls vom König von Preußen rühmend erwähnt. Die hinrichtung des franzöſiſchen Königs Ludwig XVI. veranlaßte faſt alle europäiſchen Staaten, ſich zum Krieg gegen Frankreich zu verbinden. So ſetzte ſich auch eine heſ⸗ ſiſche Brigade unter General v. Düring— zu ihr gehörte auch unſer Bataillon— am 24. 10. 1793 in Marſch über Ems, Coblenz, Hachen, Brüſſel und ſtieß am 21. 11. 1793 bei Tournay zu der unter Befehl des Generals v. Vork ſtehenden Armee der Verbündeten. Während des ſtrengen Winters 1793/94 nahm die Brigade auf dem linken Flügel dieſer Armee eine Vorpoſtenſtellung ein und wies mehrere Angriffe der Franzoſen tatkräftig zurück. Im weiteren Verlauf des Feldzuges nahm das Bataillon an folgenden Gefechten ehrenvollen nteil: AIm 5. 5. 94 bei Harlebeche, am 10. und 11. 5. 94 bei Courtray, am 18. 5. 94 an der Schlacht bei Tourcoing, am 10. und 11. 6. 94 bei Rooſebecke und hHooglede, am 13. 6. 94 bei Bevern(in dieſem Gefecht erbeutete das Bataillon 3 feindliche Kanonen). Nach einem Hufenthalt von 8 Tagen in einem Lager bei Gent wurde die Armee der Verbündeten durch die Fran⸗ zoſen an Hntwerpen vorbei bis hinter die Dommel zurück⸗ gedrängt. Bei dieſer Rückwärtsbewegung war der heſſiſchen Brigade die Rachhut anvertraut. Am 26., 27. und 28. 8. 94 focht das Bataillon bei Strybeck, am 14. 9. 94 bei Boxtel. Dom 15.—28. 9. war es der Beſatzung des Forts Crevecoeur der Feſtung hHerzogenbuſch, die vom franzöſiſchen General Pichegru belagert wurde, zugeteilt. Während dieſer Zeit nahm der Bataillonskommandeur v. Stoſch Gelegenheit, einen Füſilier vom Kanonenfieber zu heilen. Er ſah, daß Füſilier horn der 2. Kompagnie einige Furcht vor den Kugeln zeigte, rief ihn zu ſich und— ſelbſt auf dem Walle ſtehend, unbeirrt von den feindlichen Kugeln, mit dem Federhut auf dem Kopfe— ließ er ihm ein Standrohr und Munition geben und wie auf dem Scheibenſtand Schuß auf Schuß tun. Der ermunternde Zuſpruch des Kommandeurs und die ſpöttiſchen Mienen der Kameraden taten das Ihrige. horn lernte ruhig werden und ſchoß zuletzt ſo gut, daß ihn Oberſtleutnant v. Stoſch mit den Worten entließ:„So iſt's recht, mein Sohn, ſo ſchickt es ſich für einen heſſiſchen Füſilier.“ Nach Uebergabe des Forts durch den holländiſchen Kom⸗ mandanten mußten die Verbündeten den Rückzug antreten. Die Brigade ging bis hinter die Ems zurück und wurde hier am 30. 3. 1705 durch preußiſche Truppen unter General v. Blücher abgelöſt. Sie verblieb noch in der Gegend von Osnabrück bis zum 1. 12. 1795. n dieſem Tage trat das Bataillon den Rückmarſch an und gelangte am 31. 12. 95 nach Darmſtadt, welches es als neue Garniſon erhalten hatte. Im nächſten Jahre 1706 ſollte die heſſiſche Brigade in engliſchem Solde zur Beſatzung von Gibraltar dienen und ſo finden wir ſie in dieſem Jahre auf dem Marſche nach dem Adriatiſchen Meere, um auf dem Waſſerwege an ihren Beſtimmungsort befördert zu werden. Da die Transport⸗ ſchiffe aber ausblieben, fand das Bataillon in Fiume gegen die Franzoſen Derwendung. Als Bonaparte die Oeſterreicher über den Iſonzo zurückgedrängt hatte, marſchierte die Bri⸗ gade nach Kroatien und Krain. Unſer Bataillon bezog in Reuſtadt Quartiere. Erſt am 15. 12. 1798 kehrte ſie nach einem Marſche von 7 Wochen nach Darmſtadt zurück. Der lange Kufenthalt der Brigade am driatiſchen Meere hatte ihr im Dolksmunde den Namen„Waſſerbrigade“ eingetragen. Un einem Brunnen bei Neuſtadt, an dem ſich die Soldaten gerne verſammelten und der noch heute der heſſenbrunnen heißt, findet ſich folgende Inſchrift: Nymphe des Brunnens, die Du hier im 1797ten Jahre die blondlockigten Rrieger aus Darmſtadt⸗heſſen in Englands Solde liebreich umſchlangſt und erquickteſt, labe am Kryſtall Deiner Quelle den nach Ruh und Erquickung lechzenden Landmann und Städter. Am 26. 11. 1799 erhielt das Bataillon den Namen II. Füſilier⸗Bataillon, 1803 wurde es Füſilier⸗Bataillon der Leib⸗Brigade und am 18. 8. 1806 Garde⸗SFüſilier⸗Bataillon. II. Bataillon. Kus Stämmen des aufgelöſten II. Leib⸗Grenadier⸗ Bataillons wurde am 1. 6. 1803 das Füſilier⸗Bataillon der Brigade Landgraf, das heutige II. Bataillon, errichtet. Dieſes Leib⸗Grenadier⸗Bataillon war 1790 aus dem Pirmaſenſer Leib⸗Grenadier⸗Garde⸗Regiment entſtanden, das am 1. 6. 1741 aus beſonders großen Leuten gebildet worden war. Dieſe„Langen Kerls von Pirmaſens“ hatten ihrer hervorragenden Kusbildung wegen einen weit über die Grenzen des Landes hinausgehenden Ruf. Das neue Bataillon erhielt anfangs Alsfeld und Grün⸗ berg, vom 15. 8. 1803 ab lsfeld allein und 1805 Darm⸗ ſtadt als Garniſon. Am 18. 8. 1806 wurden den Brigaden bezw. Bataillonen als Auszeichnung neue Benennungen zuteil. Die Leib⸗ Brigade erhielt die Benennung Leibgarde⸗Brigade, und deren Füſilier⸗Bataillon, das jetzige I. Bataillon, wurde Garde⸗ Füſilier⸗Bataillon; die Brigade Landgraf erhielt die Be⸗ nennung Leib⸗Brigade, und deren Füſilier⸗Bataillon, das jetzige II. Bataillon, die Bezeichnung I. Leib⸗SFüſilier⸗Ba⸗ taillon. Das J. und II. Bataillon von 1806— 1812. Da der Landgraf 1806 ſchweren herzens ſich entſchließen mußte, dem Rheinbund beizutreten, ſo mußten ſeine Truppen dem Kaiſer Napoleon in den nächſten Jahren heeresfolge leiſten. Sie marſchierten am 2. 10. 1806 von Darmſtadt ab und wurden in Gewaltmärſchen(bis 56 Kilometer) über Würz⸗ burg und Bamberg gegen die ſächſiſche Saale geführt. Sie waren dem 7. franzöſiſchen Korps unter Marſchall Kugereau zugeteilt. In der Schlacht bei Jena waren ſie auf dem äußerſten linken Flügel an der Wegnahme der von den Sachſen beſetzten„Schnecke“ beteiligt, traten dann zunächſt zur Beſatzung der Feſtung Erfurt und marſchierten am 20. 11. 1806 über Spandau nach Küſtrin und Bromberg. Vom Januar 1807 bis zum Frieden von Tilſit gehörten die Bataillone zum Belagerungskorps der Feſtung Graudenz und vom 5. AKuguſt an zu demjenigen der Feſtung Stral⸗ ſund. Anſchließend hieran bezogen ſie Quartiere auf Rügen und in Pommern. Die heſſiſchen Truppen hatten große Strapazen zu ertragen. Trotz Biwaks in Eis und Schnee, zum Teil noch ohne Mäntel und Kochkeſſel, Husbleiben der Löhnung, ſchlechte Verpflegung erreichten ſie ſtellenweiſe auf eingeſchneiten, gefrorenen, holprigen Wegen Marſchleiſtungen von 60 Kilometern in 17 Stunden, und dies noch zum Teil bei Nacht. Ein gefährlicher Uebergang über das Eis der auftauenden Weichſel, der einzeln ausgeführt werden mußte in größter Nähe des Feindes, verdient beſonders hervor⸗ gehoben zu werden, und während Marſchall Augereau Sr. Kgl. hHoheit dem Großherzog berichtet, daß die hHeſſen„mit Unerſchrockenheit gekämpft haben, die das größte Lob ver⸗ dient“, bemerkt eine Königsberger Seitung aus jener Zeit, „daß die hHeſſen ſich von den Feinden am anſtändigſten be⸗ nommen hätten“. Bm 13. 11. 1807 traten die Bataillone den Rückmarſch nach Darmſtadt an, wo ſie am 30. Dezember anlangten. Während das Garde⸗SFüſilier⸗Bataillon Darmſtadt als Garni⸗ ſon behielt, kam das J. Leib⸗Füſilier⸗Bataillon nach Hom⸗ burg v. d. höhe. Im Feldzug 1809 gegen GOeſterreich erreichte die fran⸗ zöſiſche hauptarmee und mit ihr die heſſiſchen Truppen in Eilmärſchen Wien. DVon hier marſchierten unſere beiden Bataillone nach Preßburg. Um 1. Juni kam es zum Gefecht bei Ritſee und am 3. Juni zum Gefecht um den Brücken⸗ kopf bei Engerau. Im Gefecht bei Ritſee rettete der Schütze Maus der 8. Kompagnie mit Kufopferung ſeines Lebens ſeinen Bataillonskommandeur Major v. Gall. In dem von der 8. Kompagnie genommenen Dorfe Ritſee war Major v. Gall vom pferde geſtiegen. Plötzlich umringten ihn einige Oeſterreicher. Maus warf ſich ihnen entgegen, ſchoß einen nieder und brachte die andern dadurch einen Augenblick zum Weichen. Die Oeſterreicher kehrten jedoch bald wieder und drangen aufs Neue auf den Major ein. Maus erhielt hierbei einen tödlichen Schuß. Inzwiſchen waren noch andere Schützen herbeigeeilt, und nahm mit dieſen Major v. Gall nunmehr ſeinerſeits die Oeſterreicher gefangen. Nach dem Gefecht bei Engerau ſetzten die Bataillone den Marſch noch weiter nach Ungarn hinein fort bis zur Feſtung Raab. Nach dem Fall dieſer Feſtung am 22. 6. wurden ſie an den noch bei Wien ſtehenden Reſt der Brigade heran⸗ gezogen und nahmen dann an der Schlacht bei Wagram (beim Dorfe Aderklaa) ſehr ehrenvollen Knteil. Sie ver⸗ loren 5 ihres Beſtandes. Nachdem ſie noch am 17. 7. in das Gefecht bei Znaym eingegriffen hatten, bezogen ſie bei Kronau in Mähren ein Hüttenlager und traten am 18. De⸗ zember den Rückmarſch in die heimat an, wo ſie am 4. 2. 1810 anlangten. — 8 e — —ͤͤͤ 1 Zeitz 1848— 1849 1 Haneſſe 1840— 1851 von Gehren 1851— 1857 1 Gräcmann 1857— 1859 1' Der Krieg gegen Rußland 1812. In dieſem Feldzug ſtanden die heſſiſchen Truppen unter dem Befehl des Prinzen Emil von heſſen. Nachdem das Garde⸗Füſilier⸗Bataillon und das I. Leib⸗ Füſilier⸗Bataillon am 17. und 18. Januar 1812 ihre Garni⸗ ſonen verlaſſen und über Frankfurt, Gießen, Kaſſel in Braun⸗ ſchweig angelangt waren, wurden ſie hier durch Erlaß vom 22. 2. 1812 für die Dauer des bevorſtehenden Krieges z u einem proviſoriſchen leichten Infanterie⸗ Regiment zuſammengeſtellt. Das Garde⸗LFüſilier⸗ Bataillon wurde das heutige I., das Leib⸗SFüſilier⸗Bataillon das II. Bataillon. Regimentsführer wurde Oberſt von Schönberg. Das neu zuſammengeſtellte Regiment marſchierte zu⸗ nächſt nach Stettin und Küſtrin, dann nach der Inſel Rügen, wo es verſchiedene Landungsverſuche der mit den Ruſſen verbündeten Schweden und Engländer abzuweiſen Gelegen⸗ heit hatte. Von hier trat es am 19. 9. mit der ihm zu⸗ geteilten heſſiſchen Batterie den Marſch über Danzig, Königs⸗ berg, Tilſit nach Wilna an, wo es am 2. November eintraf und mit dem 4. weſtfäliſchen und einem franzöſiſchen Marſch⸗ Regiment zu einer Brigade unter General Graf Wrede ver⸗ einigt wurde. Inzwiſchen war die große franzöſiſche Armee durch den Brand von Moskau zum Rückzuge gezwungen und die Brigade v. Wrede war zur Deckung ihres Ueber⸗ gangs über die Bereſina nördlich der Straße Smolensk— Wilna gegen Polocz a. d. Düna vorgeſchoben worden. Sie nahm bei— 25 R in Dockſchütz, nahe der Quelle der Bereſina, Stellung, um den vordringenden rechten Flügel der Ruſſen aufzuhalten. Kls die Trümmer der großen Urmee vom 26.— 28. Uovember die Bereſina überſchritten hatten, zog die Brigade ſich ſelbſt an die große Straße heran, um als Nachhut zu folgen. Kuf dieſem Marſche mußte ſie eine ſtundenlange Ebene überſchreiten, die der verfolgenden ruſſi⸗ ſchen Kavallerie ein günſtiges Ungriffsfeld bot. Ein Auf⸗ halten des Feindes war erwünſcht. Dies bewirkten auf Anordnung des Kapitäns Freſenius die Schützen⸗Unteroffiziere Licher und Bauer dadurch, daß ſie einen zurückgelaſſenen Munitionswagen, im Kugenblick als die erſten Koſaken dabei anlangten, mit großer Raltblütigkeit anzündeten. Durch die hierdurch entſtehende Exploſion, zunächſt des Pulvers, dann der Granaten, wurden die Ruſſen auch wirklich einige Zeit zurückgehalten. Unteroffizier Licher wurde ſpäter Offizier, Unteroffizier Bauer erlebte ſeine Belohnung leider nicht mehr. Dem Feldwebel Karl Kramer aus Gethürms von der Kompagnie des Kapitäns Freſenius(jetzt II.) waren durch eine Kanonenkugel beide Beine weggeriſſen worden. Er ſah, daß er nicht mitgenommen werden könne und bald ſterben müſſe, daher rief er einen Soldaten zu ſich und über⸗ gab ihm den Schreibköcher, eine längliche Büchſe, die damals die Feldwebel trugen, mit den Worten:„Sage dem Kapitän, ich würde ihn gewiß nicht mehr ſehen, deshalb überſchicke ich ihm den Köcher mit den Kompagniepapieren.“ Kramer ſtarb in einem ruſſiſchen Lazarett, die Kom⸗ pagniepapiere kamen richtig in des hauptmanns Hände. Am 2. Dezember kam die Brigade in Wileyka an und wurde hier am 4. Dezember von den Ruſſen angegriffen, bei welcher Gelegenheit die 6. Kompagnie(Kapitän Meyer) den Grafen Wrede vor ruſſiſcher Gefangenſchaft rettete, in⸗ dem ſie Karree formierte und den Grafen Wrede in die Mitte nahm. Sodann trieb ſie die Ruſſen mit lebhaftem Feuer und mit dem Bajonett zurück, die nach einem noch⸗ maligen Angriff am KAbend die Verfolgung faſt gänzlich einſtellten. lum 6. Dezember kam die Brigade nach Slavotka, wo ſie am 8. Dezember durch Koſaken überfallen wurde. Bei dem Rückzug, den die Brigade antreten mußte, bildete das Regiment die Nachhut und hatte eine ganze Reihe von An⸗ griffen der von rtillerie unterſtützten ruſſiſchen Kavallerie abzuweiſen. Am folgenden Tage war die Brigade völlig umzingelt. Die Kufforderung zur Uebergabe beantwortete Graf Wrede mit einem energiſchen Schützenangriff, durch den ein Weg durch die feindlichen Reihen gebahnt wurde. Am Kbend wurde Wilna erreicht. Prinz Emil zog hier das Regiment wieder an ſich heran, das nunmehr zur Kaiſer⸗ lichen jungen Garde trat. Mit dieſer trat es am 10. De⸗ zember den Weitermarſch über Kowno an. Kapitän von Carlſen hatte den Befehl erhalten, mit dem RKeſt ſeiner Kompagnie und Kommandierten des Regiments, im ganzen etwa 80 Mann, die zurückgebliebene heſſiſche Batterie zu decken und fortzubringen. Mit Anwendung von Gewalt wurde durch die brennende Stadt Kowno und über die Brücke des Niemen durch das Gedränge Bahn gebrochen, dann der Weg über eine ſteile beeiſte Anhöhe, vor der Maſſen von zurückgebliebenen Geſchützen und Fahrzeugen zuſammengefahren waren, freigemacht und die Geſchütze mit unſäglicher Anſtrengung einzeln über die AUnhöhe geſchafft. Dieſe Urbeit mußte unter dem Feuer der nachdrängenden Ruſſen erfolgen, die nur vom Marſchall Ney mit wenigen Leuten zurückgehalten wurden. Die Leiſtung der Abteilung des Kapitäns v. Carlſen war um ſo ehrenvoller, als dieſe ſechs Geſchütze die einzigen ſind, welche von der geſamten Artillerie der franzöſiſchen Hauptarmee zurückgebracht wurden. Dieſes wurde auch von Seiner Königlichen hHoheit dem Großherzog anerkannt, in⸗ dem er dem Kapitän v. Carlſen, nach der Rückkehr in das Daterland, noch im Grad als hauptmann das Kom⸗ mandeurkreuz der 2. Klaſſe des Ludwigs⸗Ordens mit den Worten verlieh:„Für die Rettung meiner Geſchütze!“ Ueber Wirballen, Inſterburg, Königsberg erreichte das Regiment am 12. Januar 1813 Dirſchau. Ein glückliches Rachhutgefecht bei Dirſchau am 13. Januar war der letzte Zuſammenſtoß mit den verfolgenden Ruſſen. Kapitän Meyer war mit 100 Mann zum Feſthalten der Weichſel⸗Uebergänge zurückgelaſſen worden. Erſt nach einigen Stunden folgte er dem Bataillon, gedrängt vom Feinde. Eine weite, freie Ebene war zu durchſchreiten. Kolonne war formiert. Bald war dieſe von Koſaken umſchwärmt, die der kleinen Schar von Zeit zu Zeit„Pardon“ zuriefen. Sie wollten damit ſagen, die Kompagnie ſolle ſich gefangen geben. Kapitän Meyer antwortete darauf immer nur durch haltmachen und Feuern. An einem hHof nahte ſich ein Fußgänger ohne Parla⸗ mentärabzeichen dem Kapitän Meyer und ſagte:„herr General, die Koſaken ſchicken mich her, Sie ſollen ſich ergeben, Ihr Eigentum ſollen Sie und Ihre Leute behalten.“ Es war ein ehemaliger Unteroffizier von den ſchwediſchen huſaren. Kapitän Meyer ſtellte ihn unter Lachen ſeinen Leuten vor, ließ ihm dann den halben Bart abſcheren und ſchickte ihn mit einem„Kompliment“ an die Koſaken zurück. Sofort machte nun eine geſchloſſene feindliche Abteilung den Verſuch, das hHäufchen zu ſprengen. Sie reitet an und läßt das auch bei den Koſaken übliche hHurra ertönen. Indeſſen die Infanterie gibt kein Feuer, das Anreiten wird langſamer und langſamer, auf 40 Meter machen die Ko⸗ ſaken Kehrt und jagen davon. Ein lautes Gelächter be⸗ gleitet ſie, denn Kapitän Meyer hatte„hahn in Ruh“, „beim Fuß Gewehr“ kommandiert und der Mannſchaft zu⸗ gerufen:„Lacht ſie aus, die Lauſewenzel.“ Die Koſaken, beſchämt durch dieſe Verhöhnung, reiten aufs neue und dieſes Mal ſchneidiger an. Da empfängt ſie auf 40 Meter ein ſo wohlgezieltes Feuer, daß ſie mit Derluſt zum zweiten⸗ mal das Feld räumen müſſen. Von da ab ließ die Der⸗ folgung allmählich nach; am Abend rückte die Kompagnie in Stargard beim Pataillon ein. 1813. In Dirſchau war aus den Reſten der Infanterie der heſſiſchen Truppen ein proviſoriſches Bataillon(im ganzen 456 Mann) zuſammengeſtellt und die entbehrlichen Offi⸗ ziere zur Kufſtellung von Reubildungen in die heimat ent⸗ ſandt worden. Für unſer Regiment waren in Darmſtadt und Gießen Ergänzungsmannſchaften ausgehoben und über Würzburg und den Thüringer Wald in Marſch geſetzt worden. Ihnen entgegen marſchierten die Reſte der heſſiſchen Truppen über Poſen und Magdeburg. In Ilmenau traf Oberſt von Schönberg mit den Ergänzungsmonnſchaften zuſammen und formierte ſofort wieder ſein Regiment. Mit dem Leibgarde⸗ und dem Leib⸗Regiment wurde es der franzöſiſchen 39. Divi⸗ ſion(Marchand) zugeteilt, die am 1. Mai 1813 ein Biwak bei Lützen bezog. Das Regiment nahm alsdann an der Eacsf darauf beginnenden Schlacht bei Lützen ehrenvollen nteil. Zu Beginn derſelben fing Kapitän Meyer, nur mit einem aus einer hecke herausgeriſſenen Prügel bewaffnet, einen Koſaken, der beobachtend auf das Regiment zugeritten kam, und brachte denſelben dem Prinzen Emil. In der gleichen Schlacht ſprang der Füſilier Johann Bunſen von der 2. Kompagnie im heftigſten Feuergefecht plötzlich gegen die feindliche Plänklerlinie vor, packte einen feindlichen Jäger an der Bruſt und brachte ihn, ungeachtet des Feuers, das die ganze Linie auf ihn richtete, ſeinem Kapitän mit den Worten:„herr Rapitän, da habe ich Ihnen einen geholt.“ Nach einem Marſche nach Liegnitz und hainau kam das Regiment in ein Hüttenlager bei Lüben(bei Liegnitz), wo am 29. 6. 13 die Rachricht eintraf, daß es laut Allerhöchſter Ordre vom 17. Juni 1813 „zu einem wirklichen Regiment unter dem Namen„Garde⸗ Füſilier-Regiment“ erhoben und deſſen Kommando ſeinem bisherigen braven Kommandeur, Obriſten v. Schönberg, übertragen ſei“. 3 Dieſer Tag gilt als der Stiftungstag des Regiments. So iſt es nicht in der friedlichen Garniſon entſtanden, ſondern die beiden Bataillone verdanken ihre endgültige Dereinigung ihrer treuen pflichterfüllung auf den Schlachtfeldern, be⸗ ſonders auf denen in Rußlands Schnee und Eis, wo ſie in den ſchwierigſten Lagen ihre Tüchtigkeit bewieſen hatten, wo ſie Taten vollbrachten, auf die ſie mit Stolz zurückblicken dürfen. Trotzdem ſie, der Not gehorchend, auf Seiten des Uſurpators ſtanden, blieben ſie ſtets dem Grundſatz treu: Für Ehr' und Pflicht,— Bis Herz und Klinge bricht. Bis zum 15. 8. 1813 ſtand das Regiment im Lager bei Lüben. Mit Ablauf des Waffenſtillſtandes am 16. 8. 13 wurde das II. Bataillon als Ehrengarde dem hauptquartier Napoleons zugeteilt, blieb meiſt bei Dresden und verbrachte nach der Räumung Dresdens den Kaiſerlichen Schatz nach Torgau. Das I. Bataillon nahm währenddeſſen an den mehrfachen hin⸗ und hermärſchen bis vor Liegnitz teil und ſchlug ſich zum letzten Male tapfer bei Leipzig, wo es etwa ein Drittel ſeiner Stärke an Coten und DVerwundeten einbüßte. Das II. Bataillon blieb bis zum 25. November in Tor⸗ gau, das durch die Preußen belagert wurde. Während Preußen ſich jubelnd erhoben hatte, um das Joch der Fremd⸗ herrſchaft abzuſchütteln, war es dem größten Ceil der Rhein⸗ bundſtaaten nicht möglich geweſen, vor der Schlacht bei Leipzig ein Gleiches zu tun. Mach dieſer Schlacht geſchah es aber ſofort und ſo mußte der franzöſiſche kommandant— wenn auch ſehr widerwillig— unſer II. Bataillon aus Tor⸗ gau abziehen laſſen. Mit dem Rufe:„Es leben alle Deutſchen hoch“, begrüßte es die Belagerer. Am 25. Dezember war das Regiment in ſeiner Garniſon Darmſtadt wieder vereinigt. 1814. Seit dieſem Jahre gehört das Regiment mit dem Leib⸗ garde⸗Regiment zu einer Brigade. Den Bataillonen waren am 8. 2. 1814 Fahnen, mit dem Bande des Ludwigsordens geſchmückt, verliehen worden. Kuch in dem Feldzug dieſes Jahres wurden die heſſiſchen Truppen vom Prinzen Emil befehligt. Das Regiment mar⸗ ſchierte über Raſtatt nach Baſel, überſchritt hier die Grenze und beteiligte ſich ſpäter an der Einnahme von Lyon. hier blieb es vom 4. Kpril bis zum 4. Juni, um alsdann nach Darmſtadt zurückzukehren. 1815. Napoleon war von der Inſel Elba zurückgekehrt und mit großem Jubel in Paris empfangen worden. Den ver⸗ bündeten Heeren, die gegen ihn zu Felde zogen, verbanden ſich auch die heſſiſchen Truppen, die, wieder unter dem Be⸗ fehl des Prinzen Emil ſtehend, der Armee des Oberrheins unter dem Fürſten Schwarzenberg zugeteilt wurden. Sie beſtanden zunächſt am 22. Juni ein leichtes Gefecht gegen den franzöſiſchen General Rapp bei Rheinzabern und warfen denſelben am 28. Juni in die Feſtung Straßburg hinein, welche nunmehr belagert wurde. Der Schütze Göbel ſtand während dieſes Gefechts im heftigſten feindlichen Feuer an einem Punkt, der Ueberſicht gewährte, längere Zeit mit Gewehr bei Fuß beobachtend da. Huf die Frage ſeines Offiziers, was er da treibe, ſagte er, es ſcheine ihm, als ob die Rugeln der Schützen keine Wirkung beim Feinde hervor⸗ brächten, und er glaube gefunden zu haben, daß alle Ge⸗ ſchoſſe vor dem Feinde in die Erde ſchlügen. Der Schützen⸗ offizier, der an die gleiche Stelle trat, fand die Beobachtung richtig und ließ, wie dies damals möglich war, noch etwas pulver zuſetzen. Der Erfolg zeigte ſich ſofort durch die in der feindlichen Linie entſtehende Unruhe. Während ein Teil der heſſen Straßburg belagerte, mar⸗ ſchierte der Reſt und mit ihm das Regiment über Lunville nach Troyes und bezog, da Napoleon inzwiſchen abgedankt hatte und Paris gefallen war, Quartiere bei Briare. Nach 2 ½ Monaten ſchloß ſich ein vierwöchentlicher Rückmarſch an, am 28. November wurde Darmſtadt erreicht. Bis jetzt hatte das I. an 13, das II. an 7 Seldzügen teilgenommen. — 8 8 —— 5 T Frey 1859— 1860 I Wilkens 1860— 1867 Rlingelhöffer 1867 I Rraus 1867— 1872 T' Die Bekleidung 1803— 1848. 1803 wurde die Farbe des Beſatzes des I. Bataillons ſcharlachrot, die des II. blau. Das Grundtuch blieb grün. 1806 fiel der Zopf. Nach der Schlacht bei Jena erhielten die Offiziere ſchwarz und rote hohe Federbüſche; der Tor⸗ niſter wurde nicht mehr an Riemen an der Seite, ſondern auf dem Rücken getragen. 1800 wurde eine blaue Uniform mit verändertem Schnitt eingeführt und beide Bataillone unterſchieden ſich von den anderen Bataillonen durch ein Waldhorn auf dem Umſchlag der Rockſchöße ſtatt der Gra⸗ nate. Der Rock hatte jetzt die Form eines bis zum hHals durch eine Reihe Rnöpfe geſchloſſenen Frackes. Kragen und Aermel waren ungefähr wie die heutigen des Regiments 115. An Stelle des hutes trat ein Cſchako, der von unten nach oben breiter wurde, keinen hinterſchirm hatte, aber mit verſilberten Kinnbändern und einem Schild mit eingepreß⸗ tem Löwen verſehen war. Patronentaſche und Säbel hingen an kreuzweiſe über die Bruſt laufenden Riemen. Die Jahre 1816— 1849. Am 6. 7. 1820 erhielt das Regiment den Namen „2. Garde⸗Regiment“, am 6. 4. 1830 ernannte ſich Groß⸗ herzog Ludwig II. zum erſten Inhaber des Regiments, welches von nun an den Ramen„Regiment Großherzog“ zu führen hatte. Dom 5. 6. 1830— 27. 9. 1838 war Prinz Georg von Heſſen und vom 6. 10. 1842 bis 15. 12. 1888 Prinz KHlexander von heſſen zweiter Inhaber des Regiments. Im Feldzug in Baden 1848 kam das Regiment bei der Einnahme von Freiburg zur Derwendung und warf im Verein mit den badiſchen Truppen hecker und ſeine Banden in den Schwarzwald zurück. 1849 ſchlug das Regiment mit zugeteilter Kavallerie und Artillerie die Kufſtändiſchen im Gefecht bei hemsbach und am 15. 6. bei Käferthal, nahm am 29. 6. noch am Gefecht bei Gernsbach teil und hielt ſich vom 15. 7. bis 7. 9. in der Gegend von Konſtanz auf, um den Reſt der auf⸗ rühreriſchen Banden aus dem Lande zu vertreiben. Kuch in dieſem Feldzug hatte das Regiment ſich brav und tapfer erwieſen und erntete das Lob des damaligen Prinzen von Preußen, unſeres ſpäteren Kaiſers Wilhelm I., als er es in der Rheinebene bei Oos beſichtigte. Am 15. 9. rückte es wieder in Darmſtadt ein, geehrt von Fürſt und Volk. Im Dezember 1848 war ſtatt des Frackrocks der dunkel⸗ blaue Waffenrock mit weißem Kragen und mit weißen Litzen, polniſchen Kufſchlägen, roten Uichſelklappen und weißen Rnöpfen eingeführt worden. Die hoſen wurden dunkelgrau. Unteroffiziersabzeichen beſtanden in ſilbernen Litzen, an Stelle des Tſchakos trat der helm, das Gepäck wurde nach preußi⸗ ſchem Muſter getragen. Die Offiziere verloren den bis dahin getragenen Ringkragen, ihre Kragenlitzen waren in Silber⸗ ſtickerei ausgeführt, ſtatt des Degens erhielten ſie den Korbſäbel. 1849— 1866. Am 1. 4. 1860 erhielt das I. Bataillon Offenbach, das II. Friedberg als Garniſon. Die Fahnen der Bataillone wurden gelegentlich der Feier des 50jährigen Beſtehens des Regiments am 17. 6. 1863 mit einem vom Großherzog Ludwig geſtifteten Bande und am 8. 2. 1864 mit dem Felddienſtzeichen am Bande geſchmückt. Im Kriege von 1866, in dem heſſen bekanntlich auf Seiten Oeſterreichs ſtand, focht das I. Bataillon am 13. 7. vormittags bei Laufach gegen die preußiſche Brigade von Wrangel, das II. Bataillon zur ſelben Seit bei Weiler gegen die Brigade Kummer und dann das ganze Regiment gemein⸗ ſam gegen die Brigade v. Wrangel bei Frohnhofen. Hn dem Tags darauf ſtattfindenden Gefecht bei Aſchaffenburg nahm das Regiment nicht teil. Am 21. Juli wurde an der Tauber Fühlung mit den Bayern geſucht und um ihr Herankommen abzuwarten, eine Stellung bei Gerchsheim eingenommen. In dem hier am 25. 7. ſich entwickelnden Gefecht ſtand das Regiment in Re⸗ ſerve, verblieb während ber bald folgenden Waffenſtillſtands⸗ verhandlungen in der Gegend von Rottendorf und wurde all⸗ mählich bis Rördlingen zurückgezogen. Hm 20. September erreichten die Bataillone wieder ihre Garniſonen. 1866— 1870. Infolge der am 7. 4. 1867 mit Preußen geſchloſſenen Militärkonvention trat die heſſiſche Diviſion in den Derband des preußiſchen Heeres und erhielt die Bezeichnung„Groß⸗ herzoglich Heſſiſche(25.) Diviſion“. Sie trat zum XI. r⸗ meekorps, ihre beiden Brigaden erhielten die Nr. 40 und 50, die 49. Infanterie⸗Brigade(1. Großh. heſſ.) beſtand aus dem 1. und 2. Regiment. Am 21. September 1868 wurde das ganze Regiment nach Gießen verlegt. Seine Kaſerne wurde das Seughaus, ein Teil lag in Bürgerquartieren. Den Fahnen ſeiner Bataillone war am 14. 6. 1868 das Militärerinnerungszeichen an Großherzog Ludwig I. verliehen worden. Der Krieg 1870— 71. Wohl wieget Eines viele Taten auf, Sie achten drauf. Das iſt um Deines Daterlandes Not Der heldentod. Das Jahr 1870 brachte den großen Krieg gegen Frank⸗ reich. Mit Begeiſterung nahm ganz Deutſchland daran teil und begeiſtert zog auch unſer Regiment gegen den Erbfeind. Die heſſiſche Diviſion trat an Stelle der 17. Diviſion, die als Rüſtenbeſatzung zurückblieb, zu dem von General von Manſtein befehligten IX. Korps. Dieſes gehörte zur II. Hr⸗ mee. Ueber Ems, Ober⸗Cahnſtein, Rüdesheim wurde das Regiment mit der Bahn nach Biebrich befördert, marſchierte über hechtsheim, Alzen, Worms, Winnweiler an Kaiſers⸗ lautern und homburg vorbei, überſchritt die Grenze bei Saar⸗ brücken und erreichte über Spicheren, Forbach die Moſel. Am Morgen des 16. 8. im Biwak bei Chériſen und Orny erhielt das Regiment den Befehl zum Vormarſch über Corny auf Gorze. Von hier wurde das Regiment mit dem In⸗ fanterie⸗Regiment 115 in das bois des Ognons vorgezogen, in deſſen dichtem Unterholz es am Nachmittag und Abend des 16. 8. zum Zuſammentreffen mit dem Feinde kam, bei dem das Regiment an Coten 8 Mann und an Verwundeten Ceutnant Kraus und 19 Mann verlor. Durch ihr Vorgehen in dem dichten bois des Ognons hatte die Brigade während der Schlacht des 16. 8. den deutſchen rechten Flügel geſchützt und die Rückzugslinie der Franzoſen nach Metz bedroht. Beim Abmarſch von Corny waren einige zum Waſſer⸗ holen entſendete Leute der 6. Kompognie noch nicht zurück⸗ gekehrt. Der Kompagniechef gab es ſchon auf, ſeine Leute vor dem Gefecht wiederzuſehen, als plötzlich eine Batterie im Trabe von hinten her auf der Straße herandonnerte. Die Bedienungsmannſchaften waren aufgeſeſſen und— man traute ſeinen ugen kaum— auf den Geſchützrohren ſaßen rittlings, mühſam von den auf den(ichsſitzen befindlichen Artilleriſten gehalten, die Waſſerholer. Dieſelben hatten den Batteriechef gebeten, ſie doch mitzunehmen, damit ſie an der ſtattfindenden Schlacht teilnehmen könnten. Der Batterie⸗ chef, erfreut über den guten Geiſt, der ſich in dieſer Bitte ausdrüchte, hatte dieſelbe erfüllt und ſetzte die Mannſchaften nun ab. Die Freude der Leute, die Kompagnie noch eingeholt zu haben, war groß, nicht minder, daß der Ritt auf den harten Rohren zu Ende. Am 17. 8. rückte die Diviſion in ein Biwak nordweſt⸗ lich Gorze. Hm 18. 8. kämpfte das IX. Korps in der Gegend von Verneville, etwa in der Mitte der deutſchen Schlachtlinie. Das Regiment inſonderheit focht in der Nähe des bois de la Cusse. Das I. Bataillon ging zur Deckung der Artillerie ſüdlich dieſes Gehölzes vor und während die 3. und 4. Kom⸗ pagnie ſich gegen die ferme l'Envie wandten, gingen⸗Leib⸗ und 2. Kompagnie zum Angriff gegen ferme Champenois vor. Huf dem Vormarſche war bereits der Bataillons⸗ kommandeur, Major Gräff, tödlich getroffen vom Pferde geſunken. hauptmann Ramſtätter führte die Leib⸗ und 2. Kompagnie zum Angriff gegen ferme Champenois und nahm dieſelbe, wobei Portepeefähnrich Naumann verwundet wurde. Beim Vorgehen der 3. und 4. Kompagnie gegen ferme l'Envie wurde Leutnant Steinberger durch einen Kopf⸗ ſchuß getötet und ſpäterhin noch hauptmann Leisz leicht, Vizefeldwebel Schäg ſchwer verwundet. Wie bereits erwähnt, wurde Major Gräff, als er das I. Bataillon hoch zu Roß gegen die kerme l'Envie führte, durch einen Schuß in den Leib ſchwer verwundet. Man brachte ihn in ein Lazarett zu Verneville. hier traf er mit mehreren gleichfalls verwundeten Offizieren des Regi⸗ ments zuſammen, darunter dem 0ffizierdienſt tuenden Vize⸗ feldwebel der Reſerve Dogt der 4. Kompagnie, der einen Schuß durch den Oberarm erhalten hatte. Als dieſer in der Racht in dem kalten und etwas zugigen Raume über Froſt klagte, gab ihm Major Gräff ſeinen Mantel mit den Worten:„Nehmen Sie ihn, Vogt, Sie können wieder ge⸗ ſund werden und dem Vaterlande erhalten bleiben; ich ſterbe doch morgen!“ Major Gräff hatte ſeinen Zuſtand nur zu richtig er⸗ kannt. Er ſtarb am folgenden Tage. Das Bataillon verlor in ihm einen ebenſo ſchneidigen wie wohlwollenden Kom⸗ mandeur von ſeltener Herzensgüte. Während das I. Bataillon ſüdlich des bois de la Cusse kämpfte, hatte ſich das II. Bataillon nördlich dieſes Ge⸗ hölzes blutige Lorbeeren errungen. hier verläuft die Eiſen⸗ bahn Metz-— Verdun in einem tiefen Einſchnitt, welcher der Länge nach durch eine franzöſiſche Mitrailleuſen⸗Batterie be⸗ ſtrichen wurde. Nachdem das Bataillon längere Zeit untätig im bois de la Cusse im feindlichen Granat⸗Mitrailleuſen⸗ und Gewehrfeuer gewartet hatte, und das links vom IX, kämpfende Gardekorps zum Angriff ſchritt, erhielt auch das Bataillon den Befehl zum Angriff. hHierzu mußte unter großen Verluſten der Bahneinſchnitt durchſchritten werden, dann wurde bis in die Nähe des von Hmanvillers über St. Kil nach Ste. Marie führenden Weges vorgeſtürmt. hier kam der Befehl zum halten. Rach peinlichem Kusharren hierſelbſt wurde um 5.30 Uhr abends der Angriff fort⸗ geſetzt, bei welchem das Bataillon ſchließlich das zwiſchen dem bois de la Cusse und Hmanoillers gelegene Bahn⸗ wärterhaus erreichte. Dom II. Bataillon waren hauptmann RKiedel, ferner Oberleutnant Heydacker ſchwer, Oberleutnant Kißner tödlich, Dizefeldwebel Kullmann tödlich, Fähnrich Rahn ſchwer, Leut⸗ nant d. R. Gail tödlich, Oberleutnant haupt leicht, Fähnrich Körner ſchwer und Leutnant hof leicht verwundet worden. Im ganzen verlor das Regiment am 18. 8. 5 Offiziere, 78 Mann an Toten, 11 Offiziere, 226 Mann an Verwundeten. Geſtorben wie ein held. In welchem Maße die Begeiſterung in dem Deutſchland aufgezwungenen Kriege die herzen der Soldaten ergriffen, wie ſie kampf- und todesmutig in die Schlacht gezogen waren, davon nachſtehend ein Beiſpiel, das nach der Erzählung des Gewährsmannes, des damaligen Portepeefähnrichs in der 5. Kompagnie, jetzt Oberſt z. D. Weimer, wörtlich wieder⸗ gegeben wird. 3 Derſelbe berichtet: „Es war am Nachmittag des 18. Auguſt, in dem Kugen⸗ blick, als auf unſerm linken Flügel die Bataillone der preußiſchen Garde zum Sturme anſetzten, als ich in meinem Schützenzuge bemerkte, wie ein Soldat ſich über einen anderen auf dem Rücken liegenden beugte und deſſen Rock aufknöpfte. Ich eilte an die Stelle und ſah, daß es der Musketier Küchler der Kompagnie war, ſeines Zeichens ein Steinmetz, durch einen Schuß in die Bruſt zu Tode getroffen. Brechen⸗ den Auges fragte er mich, als er mich erkannte:„Gewinnen denn die Franzoſen, Herr Sähnrich?“„Nein,“ war meine Antwort,„es geht gleich vorwärts!“—„Nun,“ und dabei hob ſich ſchwer die junge Heldenbruſt,„dann kann ich ruhig ſterben!“ Rach wenigen Kugenblicken, als ich ſchon glaubte, daß das Leben aus ihm gewichen, hob er wieder die hand nach mir und ſagte mit ſterbender Stimme in abgebrochenen Worten:„Sagen Sie doch dem herrn hauptmann, daß er meinem Vater ſchreibt, wie ich geſtorben bin, und daß ich meine Schuldigkeit getan hätte!“ Nach dieſen Worten, die nur mühſam hervorgebracht wurden, verſchied Küchler. So ſtarb dieſer durch und durch brave Soldat ruhig und gefaßt in dem Bewußtſein, daß er treu bis in den Tod geweſen war, noch vor dem Scheiden nicht an ſich denkend, ſondern an das große Ganze, freudig in der Gewißheit, daß er ſein Leben für des Daterlandes Größe und Ruhm hingab. Nachdem der einbrechende Abend die Schlacht beendet hatte, wurde am bois de la Cusse zwiſchen den Toten biwakiert. Um nördlichen Rande des bois de la Cusse erhebt ſich heute das heſſendenkmal. Auf einem viereckigen mit dem Leitſpruch dieſes Abſchnitts verſehenen Spruch ruht der heſ⸗ ſiſche Löwe. Nachdem die Franzoſen durch die Schlacht bei Gravelotte in die Feſtung Metz geworfen waren, gehörte das IX. Korps nunmehr 72 Tage lang zur Einſchließungsarmee unter Prinz Friedrich Carl; an der Schlacht bei Noiſſeville am 31. 8. und 1. 9. war das Regiment ebenfalls beteiligt. Aus dieſer Zeit der Einſchließung erzählt herr Kommer⸗ zienrat Emmelius, dem ich auch an dieſer Stelle für ſeine Unterſtützung beſtens danke, folgende Epiſode: Hm 23. September 1870 vor Metz war ich mit 18 Mann der 6. Kompagnie auf Parlamentär⸗Feldwache. Ein angeb⸗ licher Abgeſandter der Kaiſerin Eugenie, namens Regnier, wurde in Begleitung eines Ordonnanzoffiziers aus dem haupt⸗ quartier gebracht, um mit Bazaine wegen des Friedens zu unterhandeln. 4 1 —— —— — [LZvon Weber 1872— 1877 Weſternhagen 1877 1882 von Collas 1882— 1888 I' Rogge 1888— 1890 1 Unſere weiße Flagge ſchien ihm zu winzig, vielleicht mißtraute er auch nicht mit Unrecht ſeinen eigenen Lands⸗ leuten, denn flugs wurde dem Mantelſack ein hemd ent⸗ nommen und an den Regenſchirm gebunden. Eifrig ſchwen⸗ kend, zog er mit unſerer Begleitung der franzöſiſchen Wache entgegen.. Bei eingetretener Dunkelheit wurde der huftritt eines galoppierenden Pferdes vernommen. Schon ſahen wir im Geiſte den Diplomaten, welcher nebenbei geſagt, eher einem wohlgenährten Fleiſchermeiſter ähnelte— mit der Friedens⸗ palme zurückeilen. Bei näherer Beſichtigung fehlte indes Reiter und Palme. Die Roſinante, ein kräftiges Franzoſenpferd, war anſcheinend von der nicht weit entfernten Weide durchgegangen und lief aufgeſchreckt durch das lebhafte Schießen franzöſiſcher Poſten hin und her. Wie ein Wunder wirkte der ihm entgegengehaltene leere Brotbeutel. Wohl verwechſelte er dieſen in der Dämmerung mit einem Haferſack. Kurz, das Pferd war unſer Gefangener und wurde abgeliefert. Hm 26. Februar 1871, das Regiment lag in Chateau Renault, einem der ſüdweſtlichen Standorte, bekam ich, in⸗ zwiſchen zum Leutnant befördert, für ein im feindlichen Feuer erobertes, noch brauchbares Dienſtpferd 18 Taler Belohnung ausbezahlt, welche ich der damaligen Wachmannſchaft zugute kommen ließ. Als die Feſtung Metz fiel, beſetzte das II. Bataillon, unter Oberſt Kraus, das Fort St. Privat und pflanzte die entrollte Fahne auf den Wällen auf. Am Tage nach der Uebergabe von Metz, am 30. Oktober, trat das Regiment mit der II. Urmee den Vormarſch gegen die Loire an. Um 3. und 4. Dezember nahm es teil an der Schlacht bei Orleans. Um Klarheit über die Abſichten des an der oberen Loire ſtehenden Feindes zu gewinnen, wurde am 20. De⸗ zember ein Detachement, beſtehend aus unſerem Regiment, dem 2. Reiter⸗Regiment und der reitenden Batterie unter Generalmajor v. Rantzau, nach Montargis entſendet. Es ſollte feſtgeſtellt werden, ob Bourbaki über Montargis auf Paris vorzugehen beabſichtige. Am 26. Dezember ging das Detachement von Montargis bis Briare vor. hier kam es am 31. 12. 70 und 1. 1. 71 zu Gefechten, in denen Haupt⸗ mann Weber und 12 Mann fielen, Oberleutnant Haupt, Leut⸗ nant d. R. Schäg und 37 Mann verwundet wurden. Am 14. 1. 71 wurde das Detachement von der gegen⸗ überſtehenden franzöſiſchen Diviſion du Temple angegriffen und verſucht, ihm den Rückzug abzuſchneiden. Die uf⸗ merkſamkeit der Vorpoſten und die Tapferkeit des Detache⸗ ments in dieſem am 14. 1. 71 gelieferten Gefecht bei Briare, in welchem infolge des dichten Rebels die Selbſttätigkeit der Unterführer Triumphe feierte, vereitelte dieſen Verſuch voll⸗ ſtändig. Außer dem ſchwer verwundeten Leutnant Weimer hatte das Detachement 5 Tote, 8 Verwundete, 1 Dermißten. Der Feind folgte bis Gien, während das Detachement ſelbſt bis Quzouer zurückging, wo es bis zum 28. 1. 71 verblieb, unter ſtändiger Sicherung und Aufklärung auf Gien, eine Tätigkeit, die faſt täglich zu kleinen S3uſammenſtößen mit dem Feinde führte. Hm 28. 1. 71. trat das Detachement auf Grund einer Weiſung aus dem großen hauptquartier den Dormarſch auf Huxerre an, der gleich am erſten Tage zum Gefecht bei Cha⸗ tillon ſur Loing führte. Ein für den 1. Februar beabſich⸗ tigter Angriff auf Huxerre unterblieb infolge des inzwiſchen abgeſchloſſenen Waffenſtillſtandes. Dieſer Waffenſtillſtand ſollte bis zum 26. SFebr. dauern. Das Regiment war während desſelben bis Chateau⸗Renault vormarſchiert.„Als quartiermachender Offizier des Regimentsſtabes“— ſo erzählt herr Kommerzien⸗ rat Emmelius—„hatte ich mir ein beſcheidenes Stübchen bei einem Uhrmacher ausgewählt, deſſen einziges Fenſterchen in den Nachbarhof mündete, wo ſich die Relaisſtation befand. Durch dieſes Fenſterchen hörte ich des Nachts, daß der Prä⸗ liminarfrieden abgeſchloſſen ſei und in aller Eile begab ich mich zu herrn Oberſt Kraus, um ihm dieſe freudige Nachricht zu melden mit der Bitte, die Regimentsmuſik beſtellen zu dürfen. Die Genehmigung wurde bereitwilligſt erteilt und in kurzer Zeit ſtand ich am Bette unſeres Muſikmeiſters Reisner, der, mit einem älteren hHoboiſten tief im Schlafe verſunken, die Situation nicht gleich erfaßte, aber in einer guten Viertelſtunde erklangen die Märſche unſerer Regiments⸗ muſik in dem am Marktplatze gelegenen hotel bei offenen Fenſtern. Als erſter erſchien Major hofmann im Mantel ohne Waffenrock, aber mit einer langen Pfeife, um ſich über den Zweck der nächtlichen Muſik zu informieren. Bald hatte ſich eine Tafelrunde gebildet und es wurde vorgeſchlagen, unſerer Freude Ausdruck zu geben, indem ein jeder einen Vers ſingen müſſe. Noch höre ich die tiefe Stimme unſeres Majors ſingen:„Drei Tage war der Froſch ſo krank uſw.“ Allen, die nicht im tiefſten Schlafe lagen und dies miterlebten, wird jene Nacht unvergeßlich ſein.“ KAchmed. Die Schilderung des Feldzuges wäre vom Standpunkte des Regiments aus unvollſtändig, wenn nicht Achmeds ge⸗ dacht würde. Kchmed war ein achtzehnjähriger Neger, ungewöhnlich kräftig, luſtig, gutmütig und ſo ſchön und begabt, wie ein Reger ſein kann. Als am Abend vor dem Abſuchen des Waldes von Orleans ein Sug der 4. Kompagnie in einem Gehöft um ein Feuer lagerte, erſchien plötzlich eine dunkle Geſtalt in Sivilkleidern. Es war Kchmed ben Pharuſchim, wie er ſich mit ſeinem vollen Ramen nannte. Sich vergnügt die Hände wärmend, bezeichnete er ſich freiwillig als Turko. Tatſächlich trug er die Jacke noch unter dem gekauften oder geſtohlenen Sivilroch. Den Fez, die türkiſche rote Mütze, hatte er in der Caſche. Dor den Hauptmann geführt, bot er ſich als Burſche an. Dies blieb er mit höherem Ein⸗ verſtändnis. Sein Unzug wurde durch einen zu ſeinem ſchwarzen Geſicht in wirkſamem Gegenſatz ſtehenden weißen Fez vervollſtändigt, ebenſo wurde für Reinlichkeit bei ihm geſorgt. Kchmed ſprach etwas franzöſiſch, behauptete aber, Eng⸗ länder und vom Senegal zu ſein. Sein Dater habe ihn an die Franzoſen verkauft. Die Turko⸗Kompagnie, in die man ihn eingeſtellt, ſei erſt kurz vor der Schlacht bei Orleans aus frika eingetroffen und in dieſer zuerſt in das Feuer gekommen. Mit rollenden Augen beſchrieb er das öiſchen und platzen der Granaten und pfeifen der Rugeln—„da wäre die ganze Curko⸗Kompagnie fortgelaufen, der Kapitän vorne weg“. Von den Franzoſen wollte er nichts mehr wiſſen. Einem patrouillengang ſchloß er ſich freiwillig mit einem Chaſſepot⸗ gewehr an und ſchoß, dabei herumtanzend und ſpringend, auf ſeine bisherigen Waffenbrüder. Von Treffen war freilich keine Rede. Nannte ihn ein franzöſiſcher Einwohner „Turko“, ſo wurde er wütend. Die heftige Entgegnung: „Nix turco— Anglais— Sénégal— toute la France pour une pipe— toute la France caput“ war der nfang, eine Schlägerei, bei der Kchmed gern von ſeinem ſchwarzen Schädel als Sturmbock Gebrauch machte, meiſt das Ende der Zwiſtigkeit. Seine Abneigung gegen die Franzoſen hin⸗ derte ihn jedoch nicht, ſich auch zuweilen als den armen Gefangenen aufzuſpielen, wenn er dadurch etwas zu eſſen oder zu trinken über das ihm 5uſtehende hinaus erlangen konnte. Mit unſeren Soldaten vertrug er ſich gut. Er lernte raſch etwas deutſch, die Schimpfwörter freilich zuerſt. Wenn er geneckt wurde, zählte er dieſelben mit der komiſchſten usſprache, drollig grinſend, auf. Beſonders freigebig war er mit Schimpfwörtern, wenn er auf dem Marſche hoch von einem Wagen herab vorbeikommende Truppenteile damit ergötzen konnte. Im ganzen Korps war er bekannt. Kam eine fremde Abteilung, wurde er bemerkt und angerufen, dann rollten ſeine bis dahin ſcheinbar blöden Kugen, daß das Weiße darin leuchtete; grinſend zeigte er die weißen Zähne und ging mit Vergnügen auf jeden Scherz ein. Der Umgang mit den Soldaten war freilich nicht förder⸗ lich für ihn. Er trank mehr, wie ihm gut war, und wurde faul: Sein Wahlſpruch, den er bei Gelegenheit vorbrachte, war:„Achmed toujours freß— toujours ſchlof— toujours mademoiselles— nix travailler!“ Sum„freß“ gehörte bei ihm das„trink“, denn ohne„Win“ konnte er ſich das „freß“ nicht denken. Dem weiblichen Geſchlecht war er ſehr zugetan, trotzdem er in Hfrika eine Frau zu haben be⸗ hauptete. Ehrlich war er nach ſeinem Begriff. Einem Offizier oder Soldaten hat er nie etwas genommen. Den Franzoſen gegenüber hielt er manches für erlaubt. Während das Regiment in Briare lag, erſchien er in einem noch ganz guten kurzen Pelzrock. Huf die Frage des hauptmanns, woher er denſelben habe, verſicherte er, er ſei das Geſchenk eines Soldaten, den er nicht kenne. Wie er das haus ſuchen ſollte, wo er den Rock erhalten habe, führte er ſeinen Begleiter von Straße zu Straße und erklärte ſchließlich, er könne das Haus nicht mehr finden. Kuch machte es ihm großes Dergnügen, als er bei einem Beſuche in Tours in einem Branntweinladen einen Fünf⸗Gulden⸗Schein hingelegt hatte und darauf herausbekam, als wenn es fünf Taler wären. Rach Deutſchland wollte er gern mitgehen. Es war ihm verſprochen, daß er eine gute Stelle, vielleicht in hohem Hauſe, und nach ein paar Jahren das Reiſegeld nach ſeiner heimat erhalten würde. Um ſo auffälliger war ſein Der⸗ ſchwinden in Troyes. Sein hauptmann hatte ihm fünf Franken gegeben, um ſich zu vergnügen. Den anderen Morgen fehlte er. Wahrſcheinlich iſt, daß ihn die franzöſiſche Behörde feſtgenommen hat, wenn auch dieſe es leugnete. Sein Verbleib iſt nicht feſtgeſtellt worden. Im Unfang war man froh, ihn los zu ſein, erſt ſpäter, beim Einmarſch in Deutſchland, kam wieder einiges Bedauern, daß er nicht zur Stelle war.. Von Chateau⸗Renault aus begann der heimmarſch. Das Regiment marſchierte zunächſt in die Gegend öſtl. Joinville, wo es ſich bis zum 5. Mai aufhielt. Nach einem weiteren Kufent⸗ halt im Departement der Vogeſen bis zum 1. Juni wurde der Rückmarſch angetreten und über Weißenburg, Germers⸗ heim, Mannheim die Reſidenz Darmſtadt erreicht, wo am 21. Juni Parade vor Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog ſtattfand. Am 26. 6. 71 traf das Regiment wieder in ſeiner Garniſon Gießen ein, feſtlich empfangen von den Einwohnern unſerer Stadt. An Ruhm und Ehren reich war das Regi⸗ ment zurückgekehrt, hatte es doch in vier Schlachten, in drei größeren und vielen kleineren Gefechten gekämpft, ſowie an der 72 tägigen Belagerung von Metz teilgenommen. 7 Offi⸗ ziere, 180 Mann ſtarben den Tod fürs Daterland, 14 Offi⸗ ziere, 298 Mann waren verwundet worden. Verluſtliſte. Es ſtarben den Cod fürs Vaterland: a) Offiziere: Leutnant d. R. Georg Gail aus Gießen, verw. 18. 8. 70 bei Gravelotte, geſt. 17. 10. 70 in Mannheim; Major Gräff, verw. 18. 8. 70 bei Gravelotte, geſt. 19. 8. 70 in Verneville; hauptmann Weber, geſt. 31. 12. 70 in Briare; Oberleutnant Kißner, verw. 18. 8. 70 bei Gravelotte, geſt. 26. 8. 70 in Gießen; Leutnant Steinberger, geſt. 18. 8. 70 bei Gravelotte; Leutnant d. R. Kullmann, verw. 18. 8. 70 bei Gravelotte, geſt. 5. 9. 70 in Kltenſtadt; Leutnant Müller, geſt. 28. 11. 1870. 8 G b) Unteroffiziere und Mannſchaften. In der Schlacht bei Dionville— Mars la Tour am 16. Auguſt 1870. 2. Kompagnie. Musk. Ludwig Becker aus Erbenhauſen, Nikolaus Theo⸗ dor Rell aus homberg, Johannes Thöt aus Schlitz, Joſeph Lempert aus Ilbenſtadt. 3. Kompagnie. Musk. hHeinrich Klotz aus Reichelsheim, Johannes hendt aus Stockhauſen, Johannes Burk aus Garbenteich. VYermißt. 2. Rompagnie. Musk. Georg Konrad Becker aus Schotten. 5. Rompagnie. Musk. heinrich Steul aus Langsdorf. In der Schlacht bei Gravelotte—St. Privat am 18. Auguſt 1870. Leib⸗Kompagnie. Serg. Johann Georg Groth aus Wennings; Korp. Andreas Löffler aus Bermuthshain; Gefr. heinrich Peter hübner aus Nieder⸗Florſtadt; Musk. Friedrich Wilhelm Eckhold aus Reichelsheim, Wilhelm Jungk aus ell, Peter Theis aus Weitershain. 2. Kompagnie. Gefr. Heinrich Günther aus Ranſtadt; Sign. Ludwig Oelerieux aus Reu⸗Iſenburg; Musk. Wilhelm Aßmus aus Schwickartshauſen, Heinrich Wilhelm Born aus homberg, Wil⸗ helm Engel aus Büßfeld, Konrad Zimmer aus Brauerſchwend. 3. Rompagnie. Musk. AKuguſt Damm aus Merlau, Johannes Größer aus Groß⸗Linden, Johann Georg habicht aus Lanzenhain, Johannes Koch aus himbach, heinrich Schild aus Rieder⸗ Mörlen, Friedrich Auguſt Stumpf aus Langenwaden. 4. Kompagnie. Gefr. Hermann Bramm aus Lauterbach; Musk. Heinrich Wilhelm Allendorf aus Alsfeld, heinrich Daniel Dickhaut aus Alsfeld, hHeinrich Döring aus Queck, Konrad Fröhlig aus 1 von Perthes 1890— 1893[L von Roſenberg 1893— 1896 von Madal 1896 1855— von Hewig 1805 19038— I Rockenberg, Johannes Rlein aus Rieder⸗Ofleiden, Johann Heinrich Kraft aus Bleichenbach, Johannes März aus Baben⸗ hauſen, Johann Friedrich Sommer aus Lich, heinrich Schmidt aus Wernges, Konrad Wehnes aus 5ell. 5. Rompagnie. Gefr. Wilhelm Decher aus Staden, Kaſpar vöſchhorn aus Muſchenheim; Musk. Mayer Bär aus Leihgeſtern, Wilhelm v. Bashouiſen aus Bad⸗Rauheim, Peter Jung aus Ober⸗Mörlen, Guſtav Küchler aus Meißlitz, heinrich Nau⸗ mann aus Wonhauſen, Philipp Rau aus Oberau, Chriſtian Wilhelm Ritſert aus Swingenberg, Johannes Roth aus Schlechtenwegen, Ludwig Schmidt aus hahn, Balthaſar Schmidt aus Watzenborn, Johann Georg Joſt Wilhelm aus Inheiden, Johannes Wilhelmi aus Hainchen. 6. Kompagnie. . Gefr. Rarl Moritz Samuel Appel⸗Göttling aus Jena, Johannes Flach aus Freienſteinau, Johannes Freimann aus Ober⸗Schmitten, heinrich Weiſel aus Muſchenheim; Musk. Paul Deuchert aus Mösberts, Heinrich hahn aus Lehnheim, Rarl Raiſer aus heiſters, Johann heinrich Lauſter aus Stornfels, Heinrich Ronrad Mantel aus Ober⸗Schmitten, heinrich Rahn aus Otterbach, Johannes Schombert aus höckersdorf, Johannes Sippel aus Frau⸗Rombach, Andreas Stein aus Bobenhauſen II, Konrad Theiß aus Weitershain, heinrich Weiß aus Steinfurth. 7. Kompagnie. Serg. Friedrich Buß aus Gambach; Korp. Wilhelm Ort⸗ wein aus Lauterbach; Gefr. Andreas AKuguſt Pflug aus Nieder⸗Wöllſtadt; Musk. Chriſtian Dillermann aus Rudlos, Karl Eichler aus Dorheim, Friedrich Görtler aus Staden, Ludwig Hofmann aus Steinbach, Johann Georg Roß aus Rodenbach, Wilhelm Schott aus Feldkrücken, Georg Sieg⸗ mund aus Rhein⸗Dürkheim, Johannes Steuernagel aus Stum⸗ pertenrod, Friedrich Ludwig Wagner aus Friedberg. 8. Kompagnie. Musk. RKaſper Diehl aus Groß⸗Felda, Ludwig Dirr⸗ lamm aus Wallenrod, Adam Geller aus Eckardsborn, heinrich Habermehl aus Rixfeld, Cudwig heunemann aus Udenheim, Ludwig Möller aus Betzenrod, Guſtav Schloßer aus Betzen⸗ rod, Johann Philipp Schramm aus Bürſtadt. Vermißt. 7. Kompagnie. Musk. Friedrich Schaefer aus Gernsheim. 8. Kompagnie. Musk. Georg lles aus Grünberg, Jakob hensler aus herbſtein. Bei dem Ueberfall von Franktireurs zwiſchen Montereau (Montigny) und Donnemarie am 18. November 1870. 3. Kompagnie. Musk. Jakob Wagner aus Schotten. 4. Kompagnie. Korp. Wilhelm heinrich Leber aus Griesheim. Im Gefecht bei Bonny am 28. Dezember 1870. 6. Kompagnie. Musk. Georg hammel aus Redenbach⸗ Im Gefecht bei Briare am 31. Dezember 1870 und 1I. Januar 1871. Leib⸗Kompagnie. Musk. Karl Dreßler aus Bingen. 4. Kompagnie. Korp. Karl Selzer aus Ober⸗Wöllſtadt; Gefr. Wilhelm Albert Rühling aus Lich, Georg Friedrich Klink aus Darm⸗ ſtadt; Musk. Adam Otterbein aus Queck, Johannes Seiſſel aus Dorheim, Johann Georg Nies aus Ober⸗Lais. 5. Rompagnie. Musk. Bernhard Rudolph Haas aus Fauerbach, Ludwig Todt aus Ruttershauſen. 8. Kompagnie. Musk. heinrich Eifert aus Hlsfeld, Dalentin Mangold aus Maar, Sebaſtian Wiegand aus Rodheim, Johann Burger aus Steinberg(1. Januar). Vermißt. Leib⸗Kompagnie. Musk. Johann Runkel aus Burkhards, Wilhelm Wald⸗ ſchmidt aus hHomberg a. d. Ohm, heinrich hofmann aus Ulrichſtein. 2. Kompagnie. Musk. Johann Konrad aus Mainz. 8. Kompagnie. Musk. Karl Chriſt aus Wieſeck, Friedrich Simon aus Maulbach. Bei der Ausführung eines dienſtlichen Auftrages an der Loire bei Briare am 7. Januar 1871. 3. Kompagnie. Rorp. Wilhelm Eller aus Dorn⸗Dürkheim. Im Gefecht bei Briare am 14. Januar 1871. 6. Kompagnie. Musk. Georg Weber aus Lauterbach. 8. Kompagnie. Musk. Karl FSaatz aus Butzbach, Ludwig Hoffmann gus Schotten, Georg Lotz aus Burgbracht, Huguſtin Weil aus Rockenberg. Vermißt. 3. Kompagnie. Musk. philipp Klaſſert aus Mühlheim. An Krankheiten geſtorben. Leib⸗Kompagnie. Gefr. Wilhelm Gottfried Beller aus Vilbel, Karl hHolz⸗ apfel aus ltenſtadt, Karl Ludwig heller aus Lich, Franz huck aus Michelnau; Musk. Konrad Hübner aus Langd, Georg Johann Hormel aus Argenſtein, Wilhelm Jaeger aus Homberg a. d. Ohm, Heinrich Knöß aus Altenhain, Johann Kling aus Schlitz, Karl heinrich Rohrmann aus Wetterfeld, Konrad Schneidemüller aus Ober⸗Ohmen, Peter Weimann aus Wöllſtein, Johann Rühl aus Köddingen. 2. Kompagnie. Musk. Balth. Damm aus Rödges, Johann Gg. Eiche⸗ nauer aus Landenhauſen, Johann Fedler aus Ober⸗Mörlen, Heinrich Helfenbein aus Friſchborn, Philipp Heinrich Krebs aus Dalgesheim, Johann Fehl aus Freienſteinau. 3. Kompagnie. Sergt. Philipp Freiling aus Weinheim; Hoboiſt Johann hHeinrich Mai aus Beſſungen; Musk. Chriſtoph Franz aus fllendorf a. d. Lumda, Georg Guttmann aus Ilbenſtadt, Chriſtian Simon aus Rieder⸗Roßbach, Johann Hildebrand aus Rainrod, Theodor Schieler aus Ober⸗Erlenbach, Selig⸗ mann Ratz aus Steinbach, Konrad Bramm aus Arnshain. 4. Kompagnie. Gefr. Friedrich Langen aus Mainz, Georg Ernſt Bickel aus Bleichenbach, Chriſtian Löwer aus Laubach, Wilhelm Bellof aus Rödgen; Musk. heinrich Schmidt aus Wingers⸗ hauſen, Johann Georg hHenkel aus Reinheim. 5. Rompagnie. Worp. Georg Formhals aus Alsfeld, Georg Füller aus Friedberg; Musk. Johann Eifert aus Storndorf, Wilhelm Fritzinger aus Büdingen, Konrad Gerlach aus Langgöns, Heinrich Gieß aus Ktzenhain, Rudolph Lippert aus Butzbach. 6. Rompagnie. Gefr. Konrad Wolf aus Ranſtadt; Musk. hartmann Loth aus Fauerbach, Gerhard Holler aus Fauerbach, Fried⸗ rich Konrad Süßmüth aus Ober⸗Widdersheim, David Schar⸗ mann aus Ulrichſtein, Heinrich Köhler aus heidelbach, Johann Heinrich Sann aus Burg⸗Gemünden, Karl Dittmar aus Alten⸗ hain, Johann heinrich Ludwig aus Ulfa, Johann Dönges aus Bleichenbach. — 7. Kompagnie. Musk. Georg Alt aus Effolderbach, Heinrich Weiß aus Nieder⸗Beſſingen, Konrad Albert Bender aus Hungen, Johann Wingefeld aus Wohnfeld, hermann Decher aus Rainrod, Wilhelm Setz aus Langgöns. 8. Kompagnie⸗ Musk. hHeinrich hohmeyer aus hemmen, Konrad Grieb aus holzheim, Johann Krieb aus llendorf, Kreis Gießen, Johann Krohn aus Budenheim. An Auszeichnungen erhielt das Regiment: 78 eiſerne Kreuze, 1 Ludewigs⸗Orden, 55 heſſiſche Militär⸗Verdienſt⸗ kreuze, 3 ſilberne Kreuze des Philippsordens, 5 heſſiſche Mili⸗ tär⸗Sanitätskreuze, 1 rote dlermedaille, 5 ruſſiſche Orden. Die Fahnen erhielten das eiſerne Kreuz, das Militär⸗ Verdienſtkreuz und die Kriegsdenkmünze. Rangliſte des Regiments im Feldzug 1870/71. Oberſt Kraus, geſt. 16. 7. 1875; Adjutant Leutnant Hof, geſt. als Generalleutnant 20. 8. 1910 zu Darmſtadt; Stabsarzt Dr. Weichel, geſt. als Generalarzt a. D. 4. 8. 1902 zu Darmſtadt. I. Bataillon. Major Gräff, verw. 18. 8. 70, geſt. 19. 8. 70 zu Verne⸗ ville; dann hauptmann Riedel(ſ. 8. Komp.); djutant Leutnant Frhr. Röder v. Diersburg II, geſt. 5. 11. 1873 3u Gießen; Feldunterarzt Dr. Rodemer, geſt. als Hugenarzt zu Heilbronn, 2. 7. 1806; SFeldzahlmeiſter Müller, geſt. als Eiſenbahnſekretär zu Mainz am 27. 2. 1901. Leib⸗Rompagnie. Hptm. Ramſtädter, geſt. als Major 5. 4. 1874; ſpäter Hptm. Buff, geſt. als Oberſtleutnant z. D. in Mühlheim i. B. 14. 5. 1905; Lt. Hartmann, Friedr., Abſchied als Premier⸗ leutnant 28. 6. 1876; Lt. d. R. Hohmann, verwundet 18. 8. 1870; Lt. d. R. v. Rittgen, ſpäter kommandiert zum 1. Jäger⸗ bataillon, jetzt Geheimer Bau⸗ und Regierungsrat in Berlin; Lt. Zimmer, geſt. als Oberſtleutnant a. D. am 20. 2. 1903 in Blankenburg. 2. Kompagnie. Hptm. Balſer, ſpäter Chef der 2. Komp. des 1. Jäger⸗ bataillons; jetzt Oberſtleutnant a. D. in Darmſtadt; dann Hptm. Weber, gefallen 31. 12. 1870 bei Briare; Lt. Kraus, verwundet 16. 8. 1870, geſt. als hauptmann 30. 9. 1887 in Breslau; Lt. d. R. Wagner, Kompagnieführer vom 31. 12. 1870 ab, jetzt Kaufmann in RKarlsruhe; D.⸗Sldw. d. R. Laubenheimer, geſt. als Kaiſerl. Baurat zu Joun aux Arches bei Metz am 18. 10. 1904, auf ſeinen Wunſch beerdigt in Ars ſ. It. neben gefallenen Kriegskameraden; Lt. Naumann, verw. 18. 8. 1870, lebt als Oberſtleutnant z. D. in Gießen. 3. Rompagnie. Hptm. Kröll, geſt. als Major a. D. am 25. 11. 1911 in Darmſtadt; Lt. Sartorius, verw. 28. 1. 70 bei Chateau ſur Loing, geſt. am 15. 2. 1913 als Eiſenbahnbeamter i. P. zu Oberkaſſel; Lt. d. R. Schäg, verw. 31. 12. 70, geſt. am 5. 12. 1899 zu Gießen; Lt. d. R. Haberkorn, jetzt Geheimer Medizinalrat in Gießen; D.⸗Feldw. d. R. Lucius, geſt. am 8. 1. 1886 als Notar in Worms; Korp. d. R. Mangold, jetzt Gymnaſialprofeſſor a. D. in Berlin⸗Steglitz. 4. Rompagnie. Hptm. Leiß, geſt. als Major a. D. in Mainz 1905; Ct. Steinberger, gefallen 18.8.1870; Lt. d. R. Klingelhöffer (anfangs 7. Komp.), jetzt Generalleutnant 3. D. in Gießen; Ct. d. R. Vogt, verw. 18. 8. 70, jetzt hauptmann d. L. a. D. und Kaufmann in Mannheim; Port.⸗Fähnrich Lang, jetzt Major a. D. in Darmſtadt. II. Bataillon. Major Hoffmann, geſt. 19. 2. 1887 als Generalmajor z. D. und Kommandant von Sonderburg⸗Düppel; djutant Oberlt. Walter, jetzt Major z. D. in Kaſſel; Feldſtabsarzt Dr. Wernher, geſt. als Kugenarzt in Naſſau am 9. 1. 1892, beerdigt in Limburg; Feldunterarzt Dr. Lucius, geſt. als Kugenarzt in Rürnberg am 13. 2. 1885; Feldzahlmeiſter Decher, geſt. als Poſtaſſiſtent in Darmſtadt am 2. 6. 1882. 5. Kompagnie. Hptm. Rau, geſt. als Generalleutnant z. D. in Darm⸗ ſtadt am 2. 5. 1908; ſpäter Lt. Cullmann, jetzt Oberſt a. D. in Gießen; Lt. Weimer, verw. 14. 1. 1871, jetzt Oberſt a. D. in Nidda; Lt. d. R. Goldmann, geſt. als Oberſtleutnant a. D. in Darmſtadt am 24. 10. 1908; Ct. d. R. Gail, verw. 18. 8. 1870, geſt. 17. 10. 1870 in Mannheim; V.⸗Seldw. d. R. Piſtor, geſt. als Rentner in Marburg am 26. 10. 1912. 6. Kompagnie. Oberlt. Heydacker, verw. 18. 8. 1870, geſt. als Hptm. und Komp.⸗Chef in Gießen 25. 4. 1874; Oberlt. Metzler, führte ſpäter die 7. Komp., geſt. als hauptmann a. D. ian Darmſtadt 10. 11. 1874; Lt. d. R. Kullmann, jetzt Ober⸗ landgerichtspräſident in Darmſtadt; Lt. d. R. Heſſe, geſt. als Regierungsrat in Darmſtadt 4. 5. 1895; Port⸗Fähnr. Eck⸗ ſtein, geſt. als Lt. d. R. und Verſicherungsdirektor 11. 12. 1904; D.⸗Seldw. d. R. Emmelius, jetzt Kommerzienrat und Beigeordneter in Gießen; D.⸗Seldw. d. R. Buff, ſpäter kom⸗ mandiert zum 1. Jäger⸗Batl., jetzt Geh. Baurat in Deſſau; D.⸗Seldw. d. R. W. RKullmann, verw. 18. 8. 1870, geſt. 5. 9. 1870 in Altenſtadt. 7. Kompagnie. Oberlt. Kiſſner, verw. 18. 8. 1870, geſt. 26. 8. 1870 in Gießen; ſpäter Oberlt. Metzler, krank vom 31. 12. 70 bis 1. 1. 71 in Briare(ſiehe 6. Komp.): Lt. Scharch, Kom⸗ — ₰ — 8 von Lindenau 1905— 1907 [von Graevenitz 1903— 1905 von Müller 1007— 1011 von Crotta gen. Trenden jeit 1911 ſ pagnieführer vom 31. 12. 70 bis 1. 1. 71, jetzt General⸗ major z. D. Berlin; Lt. Rahn, geſt. 18. 11. 1872 als Ober⸗ leutnant; Lt. Schäfer, jetzt Major a. D. in Darmſtadt; V.⸗Feldw. Heſſig, jetzt Oberſtleutnant a. D. in Eiſenach; Korp. d. R. Ebel, geſt. als hauptmann a. D. 24. 10. 1908. 8. Kompagnie. hptm. Riedel, ſpäter Führer des I. Bataillons, verw. 18. 8. 70, Major a. D. in Darmſtadt; Oberlt. Haupt, verw. 18. 8. 70 und 31. 12. 70, geſt. als Oberſt z. D. in Gießen am 19. 7. 1904; Lt. d. R. Wägner, Kompagnieführer vom 31. 12. 70 bis 1. 1. 71, geſt. als hauptmann d. Ldw. a. D. und Kaiſerl. Baurat in Straßburg am 8. 9. 1907; Lt. Scharch (ſ. 7. Komp.), Komp.⸗Führer vom 1. 1. 71 ab, Lt. d. R. Ebel(ſ. 7. Komp.); D.⸗Seldw. d. R. Homberger, jetzt Kauf⸗ mann in Mannheim; Port.⸗Fähnr. Körner, verw. 18. 8. 1870, jetzt Dr. phil. in Cudwigshafen; Korp. d. R. Hendt, geſt. 1875 als Gerichts⸗Akzeſſiſt in Alzey. Als nach der Militär⸗Konvention vom 1. 1. 1872 die heſſiſche Diviſion in den Etat des deutſchen Reichsheeres trat, erhielt das Regiment die Bezeichnung: 2. Großherzoglich Heſſiſches Infanterie⸗-Regiment(Großherzog) Nr. 116. Die Uniform wurde die heutige mit der Nr. 116 auf den Achſel⸗ klappen. m 8. 4. 1881 wurde durch Abgabe je einer Kompagnie der vier heſſiſchen Infanterie⸗Regimenter das III. Bataillon gebildet und im alten hofgericht am Brand, im Kreisamt, im Lazarett am Seltersweg und in der alten Anatomie am Brand untergebracht. Hm 25. 8. 1882 erhielt das Bataillon ſeine mit dem Bande des Ludwigsordens geſchmückte Fahne. Am 15. 12. 1888 ſtarb Prinz Klexander von heſſen, nachdem er 46 Jahre lang zweiter Inhaber des Regiments geweſen war und dem Regiment viele Beweiſe ſeiner gnädigen Geſinnung gegeben hatte.. Am Tage des 100jährigen Beſtehens des I. Bataillons befand das Regiment ſich im Manöver bei Gedern, wo ſeine Fahne mit dem von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog ver⸗ liehenen Säkularband verſehen wurde. Die höchſte Kuszeichnung aber wurde dem Regiment zuteil, als am 12. 9. 1891 Se. Majeſtät der Kaiſer die Ihm durch Se. Königl. hHoheit den Großherzog angetragene Chef⸗ ſtelle des Regiments übernahm. Der hohe Chef richtete an das Regiment folgendes Telegramm: Caſſel, 15. 9. 1891. „Ich ſetze hierdurch das Regiment davon in Renntnis, daß Se. Königl. hoheit der Großherzog Mir heute als an Höchſtſeinem Geburtstag die Stellung eines Chefs des Regi⸗ ments angetragen und Ich Mich gerne bewogen befunden habe, dieſelbe anzunehmen. Ich freue Mich, gerade an dieſem Tage in eine nähere Derbindung mit dem tapferen Regiment zu treten, das die ehrenvollen Traditionen von Gravelotte und Orleans in treuer und erfolgreicher Friedens⸗ arbeit zu erhalten gewußt hat. gez. Wilhelm.“ Das Regiment führt ſeitdem den Namen Infanterie⸗ Regt. Kaiſer Wilhelm(2. Großh. heſſ.) Nr. 116 und trägt auf den Schulterklappen den Namenszug Sr. Maj. mit der Kaiſerkrone. 1896 verlieh Se. Majeſtät dem Regiment höchſtſein von Maler Roſter ausgeführtes Bild, welches den hohen Chef in der Uniform des Regiments darſtellt. Den drei Fahnen verlieh Se. Majeſtät am 22. 1. 1898 SFahnenbänder. Hm 1. 1. 1900 erhielten alle Fahnen Säkularbänder, ein gleiches erhielt die Fahne des II. Bataillons am 1. 6. 1903 zur Feier ſeines hundertjährigen Beſtehens. Für beſte Schießleiſtungen innerhalb der Infanterie des 18. Urmeekorps wurde folgenden Kompagnien der Kaiſer⸗ preis verliehen: 1899 der 3. Komp.(hauptmann v. Schlem⸗ mer), Büſte Kaiſer Wilhelms II.; 1901 der 2. Komp.(haupt⸗ mann Loerbroks), Büſte Kaiſer Friedrichs; 1903 der 8. Kom⸗ pagnie(hauptmann Krauſe), Büſte Kaiſer Wilhelm I.; 1904 der 12. Kompagnie(hHauptmann Mohr), Büſte Friedrichs des Großen; 1906 der 8. Kompagnie(hauptmann Krauſe), Büſte des Großen Kurfürſten; 1907 der 8. Kompagnie(haupt⸗ mann Krauſe), Büſte Friedrichs I., und für beſte Schieß⸗ leiſtungen innerhalb der 10 RKegimenter, deren Chef Se. Majeſtät der Kaiſer iſt, erwarb die Leibkompagnie(haupt⸗ mann Stephan) 1908 und 1900 den Preis. Derſelbe be⸗ ſtand 1908 aus einem großen Gemälde von Prof. Köchling, welches die Erſtürmung der ferme Champenois durch die Leib⸗ und 2. Kompagnie zur Darſtellung bringt und 1900 in einem Bildnis Sr. Majeſtät. 1906, 1907 und 1910 hatten die Kompagnien des Regiments die hohe Ehre, durch Se. Majeſtät den Kaiſer beſichtigt zu werden und höchſtſeine volle Zufriedenheit zu erwerben und am 23. 4. 1913 hatten Se. Majeſtät die Gnade, das Regiment mit höchſtſeinem Beſuch zu beehren. öu der bevorſtehenden Seier des 100jähr. Beſtehens des Regiments hat S. M. der Kaiſer die Gnade gehabt, dem Offizierkorps für den Speiſeſaal des Kaſinos die Oelgemälde ihrer höchſtſeligen Majeſtäten des Kaiſers Wilhelms I. und Friedrichs III. zu verleihen. Das Regiment hat allen Grund, ſtolz auf ſeine Ver⸗ gangenheit zu ſein. Hiermit begnügt es ſich aber keines⸗ wegs, denn das würde bedeuten, in den Wurzeln die Früchte ſuchen, die man in den 5weigen finden müßte. Dielmehr wird das Regiment in ſeiner Geſchichte einen Anſporn ſehen, ſich ſeiner Vorfahren würdig zu zeigen, und wenn das Dater⸗ land in Gefahr iſt und Se. Majeſtät der Kaiſer auch ſein heſſiſches Regiment zu den Waffen ruft, ſo wird es den ererbten Ruhm zu wahren und zu mehren und auch in ernſter Seit ſich die Unerkennung ſeines hohen Chefs zu er⸗ werben wiſſen, damit auch auf das Regiment das Wort unſeres großen Dichters Anwendung findet: Wohl dem, der ſeiner Väter gern gedenkt, Der froh von ihren Taten, ihrer Größe Den hörer unterhält und ſtill ſich freuend Kn's Ende dieſer ſchönen Reihe ſich Geſchloſſen ſieht! Samstag, den 7. Juni 1915: 830 Uhr vormittags Gottesdienſt der iſraelitiſchen Mannſchaften. 7⁰⁰0 Uhr abends in Steins Garten. 1. Empfang der ehemaligen Offiziere, Sanitäts⸗Ofſiziere und Be⸗ amten durch das 0ffizierkorps. 2. Begrüßung durch den Regimentskommandeur. 3. Empfang von Abordnungen, die Geſchenke überreichen: a) Provinz Oberheſſen, b) Stadt Gießen, c) Alte Regiments⸗Kameraden, d) Jetzige und ehemalige Reſerveoffiziere des Regiments. Nur Feſtteilnehmer haben Zutritt. Regimentsmuſik ſpielt. 730 Uhr abends Aufſtellung des Feſtzuges des Gießener Vereins ehe⸗ maliger 116 er auf Oswaldsgarten. Marſch nach dem Feſtplatz. 830 Uhr abends Fahnenweihe des Vereins ehem. 116 er in Gießen auf dem Feſtplatz in Feſthalle I. Durch eine Abordnung des Offizierkorps, beſtehend aus Oberſt⸗ leutnant von Jordan, Major Freiherr von Bibra, 3 Hauptleuten, 1 Oberleutnant und 4 Leutnants, wird dem Derein eine vom Offizierkorps geſtiftete Fahnenſchleife überreicht. 9¹15 Uhr abends Miliitäriſcher Zapfenſtreich. Derſelbe beginnt in der Gartenſtraße vor Steins Garten und nimmt ſeinen Weg durch die Oſt⸗Enlage, Moltkeſtraße, Kaiſer⸗Allee nach dem Feſtplatz. Dort endet der Zapfenſtreich auf dem für Turner uſw. mit Schranken umgebenen Platz. 930 Uhr abends begibt ſich das Offizierkorps mit den Gäſten auf den Feſtplatz.. Sonntag, den 8. Juni 1015: 600 Uhr vormittags Wecken durch die Spielleute. 1. Bataillon, Weg: Zeughauskaſerne, Oſt⸗Knlage, Mord⸗Hnlage, Weſt⸗Anlage, Bahnhofſtraße, Marktſtraße, Marktplatz, Walltor⸗ ſtraße, Brandgaſſe. 2. Bataillon, Weg: Kaiſer⸗fllee, Moltkeſtraße, Oſt⸗Anlage, Neuen Bäue, Neuenweg, Seltersweg, Süd⸗lnlage, Gartenſtraße bis Ludwigsplatz. 3. Bataillon, Weg: Licher Straße, Kaiſer⸗lillee, Ludwigſtraße, Liebigſtraße bis Frankfurter Straße. 630 Uhr vormittags Choral von der Stadtkirche. 800 Uhr vormittags Gottesdienſt in der kathol. Kirche. Paradeanzug. 830 Uhr vormittags Gottesdienſt in der evangel. Kirche. Paradeanzug. 1008 Uhr vormittags Eintreffen des Generaladjutanten Sr. Majeſtät des Kaiſers General der Kavallerie von Scholl, Exzellenz, welcher Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog ein perſönliches Handſchreiben Sr. Majeſtät des Kaiſers überreichen wird. 10⁰8 Uhr vormittags Eintreffen der Kommandeure der übrigen heſſ. Regimenter. 1030 Uhr vormittags müſſen die plätze auf der Tribüne von den 3u⸗ ſchauern eingenommen ſein. 1045 Uhr vormittags das Regiment wird in Paradeaufſtellung aufgeſtellt. Erläuterungen: Paradeaufſtellung am 8. Juni 1913. a= Spitzen der Behörden u. Kommandeure der Regtr. 7 der 25. Diviſion.—— † b= Offiziere d. Landwehrbez. la e f g g g h † c= ehem, Reſerveoffiziere u. jetz. Reſerveoffiziere, dieſe le 5 auf rechtem Flügel 55 d= ehem. aktive Offiziere. 3 † e= Vorgeſetzte l Richtung des 2 f— Neximent⸗wuſie dA Parademarſches— = Paradeaufſtellung d. Re⸗„ 8 m 2 Perade ä 3 l⸗„.— i] breiter h= Veteranen d. Regiments— Durch i= Vereine ehem. 116er 4 laß Weg S. K. H. des Großherzogs zu Pferde— † 8 2 . 8 Feſtplatz 15 e. 1⁵ Germania Hajſiad be †8 1/ Tribüne 1 ⁵ —— nach Relskirchen Feſtfolge Neue Kaſerne Schützenhaus 1130 Uhr vormittags Beginn der Parade. 1. Se. Königl. Hoheit werden kurz vor der Parade in der Neuen Kaſerne mit Kutomobil eintreffen und daſelbſt zu Pferde ſteigen. Es findet daſelbſt keinerlei Empfang ſtatt. Als Ordonnanz⸗ offizier bei Sr. Königl. Hoheit iſt Oberleutnant Wolf kommandiert. Kuf dem Kaſernenhofe ſtehen die neuen Fahnen bereit. 2. Se. Königl. Hoheit, gefolgt von den Fahnen, begeben Sich nach dem Exerzierplatz vor die Mitte des in Paradeaufſtellung ſtehenden Regiments; die Fahnen nehmen hinter Sr. Kgl. Hoheit Hufſtellung. 3. Bei Annäherung Sr. Königl. Hoheit präſentiert das Regiment. 4. Se. Kgl. Hoh. übergeben durch einen Cagesbefehl dem Regiment die neuen Fahnen und befehlen darauf das Eintreten der Fahnen. 5. Der Kommandierende Herr General, Exzellenz von Schenck ver⸗ lieſt eine Allerhöchſte Kabinettsordre Sr. Majeſtät des Kaiſers. Se. RKönigl. hoheit bringen ein dreimaliges hurra auf Se. Majeſtät den Kaiſer aus. 7. Sobald die Nationalhymne einmal durchgeſpielt iſt, geht die Muſik in den Präſentiermarſch über. 8. Se. Königl. Hoheit reiten die Front des Regiments, der Veteranen und der in Paradeaufſtell ung ſtehenden ehem. 116er ab. 9. Einmaliger Dorbeimarſch des Regiments und der Vereine. 10. Die Leibkompagnie ſtellt ſich mit den Fahnen am Kusgang des Exerzierplatzes an der Kirſchenallee auf. 11. Nach dem Vorbeimarſch ſetzen Sich Se. Königl. Hoheit an die Spitze der Fahnenkompagnie und reiten mit ihr nach der Zeug⸗ hauskaſerne. Weg: Raiſer⸗Kllee, Moltkeſtr., Senckenbergſtr. 12. Se. Kgl. Hoh. nehmen vor dem Offizierskaſino Meldungenentgegen. Gegen 130 Uhr nachmittags eſſen die ehem. Angehörigen des Regiments in den Feſthallen. Gegen 200 Uhr nachmittags Feſteſſen im Offizierskaſino. Gegen 400 Uhr nachmittags im Hofe der Seughauskaſerne: vorführung einer hiſtoriſch⸗uniformierten und exerzierten Garde⸗Füſilier⸗ halbkompagnie. Uniformen: Aus dem Gründungsjahr des Regiments 1813. Reglement: 1805 und 1813. Mapitain: Hhauptmann von haehling. Ploton⸗Chef: Leutnant Müller⸗hempfing. Stärke: Ein ploton. Spielleute: Tambour⸗Major, 2 Tambours, 2 Querpfeifer. Muſikbande: Fagotti, Oboi, Trompeten, Waldhörner, Guerflöten, Klarinetten(C und F), Chinellen. Reihenfolge der Vorführungen: I. Unmarſch. Muſik: Heſſ. Marſch des Regiments Prinz Friedrich 1760. II. Paradeaufſtellung. Muſik: Heſſ. Fahnen(Präſentier)⸗Marſch von Landgraf Ludwig IX. III. Exerzieren auf 1. Richtungen. 3. Chargierung. der Stelle. 2. Handgriffe. 4. Wendungen. IV. Marſchevolutionen und die General⸗Maximen der Chargierung. 1. Marſch vorwärts und ſeit⸗ 4. Ploton⸗Seuer mit kurzer Char⸗ wärts im ordinairen und ge⸗ gierung. ſchwinden Schritt. 5. Glieder⸗Feuer mit geſchwinder 2. Schritt anhalten u. changieren V Chargierung. 3. Schwenkung. u. Contremarſch. 6. Deplonieren. V. Feldſchritt mit„Commod's⸗Gewehr“ zur Campagne. Muſik: Armee⸗Marſch von 1813. VI. Campagne. 1. Einleitung des Gefechts. Signal„Kuseinander!“ 2. 3. Glied en debandade als Blänkerer, 1. und 2. Glied als soutiens. 3. Blänkern nach Signalen. a) avancieren, b) Schwenkungen, c) Seit⸗ wärtsziehen und erneutes avancieren im Hundstrab. 4. Seindlicher Ueberfall. Chargierung im avancieren und retirieren. 5. Die soutiens rücken heran— Plotonfeuer— die Blänkerer formieren die Flanken. 6. Retirieren des Plotons im Karré. 7. Herſtellung der Schlacht⸗ ordnung. 8. Sturmangriff mit tambour-battant. Muſik: Leib⸗ Grenadier⸗Marſch. VII. Parademarſch. Spielleute: Cocken. Muſik: Marſch der Finnländiſchen Reiterei aus dem 30 jährigen Kriege. Abfahrt Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs im Hutomobil. Gegen 500 Uhr nachm. Wiederholung des Exerzierens der Garde⸗Füſilier⸗ Halbkompagnie auf dem Exerzierplatz außerhalb des Feſtplatzes. Hm Nachmittage auf dem Feſtplatz in den Bataillonshallen Aufführungen ſportlicher veranſtaltungen uſw. Konzert, Tanz, bolksfeſt. Von 800 Uhr abends an: Feſtſpiele und Feiern der einzelnen Bataillone mit den ehem. 116ern zuſammen in den 3 Feſthallen. mMontag, den 9. Juni 1915: 700 Uhr vormittags Wecken durch die Spielleute wie am Sonntag. 10⁰00 Uhr vormittags Feier auf dem alten Friedhof. 110° Uhr vormittags Frühſtück der Veteranen in Feſthalle III. Sugegen das Offizierkorps und die Gäſte. Ohne Eintrittskarte darf Leſt⸗ halle III nicht betreten werden. Die Leſtkarten werden am 8. Juni auf dem Paradeplatz ausgegeben. Frühſchoppen mit Konzert auf dem übrigen Feſtplatz. 100° Uhr nachmittags Feſteſſen in Feſthalle II. Als Abordnung des Regiments nehmen teil: Oberſtleutnant Nücker, Major v. Foller, die Hauptleute Buhtz, RKieck, v. Pentz, v. Thümen; Oberleutnant Firmenich(Fr.); die Leutnants Kienitz, Dingeldein, v. Grolman. 4⁰° Uhr nachmittags Exerzieren der Garde⸗Füſilier⸗Halbkompagnie innerhalb des Seſtplatzes(ſiehe Sonntag). Im Laufe des Nachmittags: Bataillonsfeier in den Feſthallen und Turnen auf dem Turnplatz. 6⁰0 Uhr nachmittags Eſſen im Offizierkaſino. 1130 Uhr abends Großes militäriſches Konzert von ſämtlichen Militär⸗ kapellen und großes Feuerwerk auf dem Feſtplatze. Zußer der Kapelle des Regiments wirken am Sonntag und Montag mit die Spielleute und Regimentsmuſik des Infanterie⸗Leibregiments Großherzogin Nr. 117, die Spielleute des I. Bataillons Infanterie⸗ Regiments 168 und die Regimentsmuſik des Infanterie⸗Regiments 168, des Dragoner⸗Regiments 24 und die Friedberger Militär⸗Muſikſchule. — — — — —.—.—.—.—.—.—.—.—.—.—.,—.—.—. BiosrapheLichtspiele 7 Plockstraße Nr. 12 Festprogramm fũr die Hundertjahr⸗Feier des Infanterie⸗Regiments Nr. 116 SCHXTTEN DER NXACHT Sensationelles Detektivdrama in 3 Akten. Dieſer Film übertrit wi klich alles, was bisher an großen Sensationen erschienen ist. Eine halsbrecherische Landung aus dem Stollwerk(Parseval)=Ballon an einem 50 m langen Seil auf Bord eines auf hoher See befindlichen Schiffes Leo will dünner werden, Komõdie/ Flüsse und Wasserfälle in der Normandie, herrliche Natur⸗ aufnahme/ Die Liebe eines Blumenmädchens, Drama/ Die Wochenschau, Neuestes aus aller Welt Sowie das übrige großartige Festprogramm. —————————————— ————————-———————————9————— Mein großer Schuhwaren-Ausverkauf der wegen Errichtung eines mit allen Anforderungen der Neuzeit aus- gestatteten großen Geschäftshauses erforderlich wird, dauert nur noch einige Wochen an. Wer sich einen wirklich gediegenen Stiefel zu Preisen, wie sie dem Käufer so bald nicht wieder geboten werden können, zulegen will, versäume nicht, mein reichhaltiges Schuh-Lager zu besichtigen. Kein Kaufzwang! Streng reelle Bedienung! Schuhhaus L. 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