ana verehten Geſczaftsfteunden anſäßlisi dä 1 Schluſſteinlegung des neuen Sabritgebäudes um 28. Januar 1922 Dit Funs m. 26163ſe ſot(12) rkunde niedergelegt unter dem Schlußſteine der Neuen Fabrik am Erdkauterweg in Gießen bei der feierlichen Einweihung des Gebaͤudes durch die Firma Georg Philipp Gail/ Aktiengeſellſchaft/ Rauch⸗ (Kautabak⸗ und Jigarrenfabriken in Gießen am 28. Januar 1922 dem erſten Tage ihres III. Geſchäftsjahres. — . , SüllIL A „ A94 4 242 4 2 2 ℳ Micht ſtets gewann, wer gühn gewagt; Doch ſtets verkor, wer feig verzagt. (Giks. Oncken, Gießen 1904.) —(Deute, am erſten Tage unſeres U. Geſchäftsjahres, kegen wir, die Kirma Georg(Phikipp Gaik, Altiengeſekkſchaft, Gauch⸗, Rautabak⸗ A und Jigarrenfabriken in Gießen, dieſe Urkunde in dem Schſteine unſeres neuen Fabrillgebäudes nieder und fügen alsdann den Schkußſtein )) darüber zum Jeichen der Gollendung des Gauwerkes. * Der Gang ſeiner Entſtehung war folgender: Erſter Spatenſtich: 8. Januar 1920. Die Tiefbau⸗Arbeiten einſchließlich des Rellerſockeks des Hauptgebäudes waren Ende Juni 1920 beendet. Am Hauptgebaͤude wurde aksdann zis zum 18. Februar 1921 die Gauarbeit eingeſtellt. Die Inbetriebnahme des Gollbahn⸗Anſchkuſſes erfolgte Bereits am I. Zuni 1920. Das als Kahrzeug⸗ und Wohnhaus dienende Ulebengebäude war Anfang Kuguſt 1920 fertiggeſtellt, das Maſchinenhaus Anfang Kebruar 1921 und das Pfoͤrtnerhaͤuschen itte aͤrz 1921. Das Hauptfabrikgebaͤude Kam Ende Kuguſt 1921 unter Dach. Die erſten Oerſuche mit der Dampflraftankage begannen im Mai 1921. Der Anſchkuß an die ekektriſche Uberkandankage der Stadt Gießen wurde am 15. Februar 1921 eingeſchaktet und Kurz darauf auch die Stromverſorgung der GWikhekm Saik'ſchen Tonwerke Antiengeſeklſchaft durch unſere Jentrake uͤbernommen. Heute iſt auch der Innenausbau in allen Teiken vollendet, und die Oerkegung des Betriebes in ſein neues Heim erfolgt, ſoweit es nicht ſchon in der ketzten Jeit geſchehen iſt, in den naͤchſten Tagen. Bei dem Gaue halfen als Mitarbeiter: Architekt: Architent G. D.. Wikhelm Köſter, Herford i. G. Gauführer: Joſef Haſe aus Gochum und zu deſſen Angeſtellte Qunterſtützung ab 1. Januar 1921: Smik Architet Qolgenhoͤner aus Geſenkamb⸗Rr. Herford] G. Köͤſter, Tiefbauarbeiten und Gkeisanſchkuß: Dch. Weimer, G. m. b. H., Gießzen. aurerarbeiten: Wartin Abermann, Gießzen; Joh. Georg Uüller, G. m. 6. H., GWetzkar; ch. Geimer, G. m. b. H., Gießen. Schornſteinbau und Reſſekeinmauerung: Otto Leihner, Frankfurt am Main. Siſenbetonarbeiten: Altiengeſellſchaft für Beton⸗ und WMonierbau, Caſſek; Seſellſchaft für Geton⸗ und Siſenbetonbau m. b. H., Gießen; Joh. Georg Müller, G. m. b. H., GWetzkar; gkeinere Abſchnitte: Martin Abermann, Gießen. Aſphaktböden: Conrad Gübſamen, Gießen. Steinholzfußböden: Torgamentwerke, G. m. b. H., Eeipzig. Schkoſſerarbeiten: RKark Gender, Gatzenborn, Rr. Gießen; GWilhelm ziegenhain, Gießen; und eigene Werrſtatt unter Weiſter Eindenſtruth. Siſerne Dachkonſtruktionen: Siſenbau Hermes, Garmen⸗Wichklinghauſen. Siſerne Fenſter und Türen: Hanſeatiſche Metalltürenfabrik, Hamburg. Panzertüren: Franz Garnp, Krankfurt am UMain. Zimmererarbeiten: G. Cuhn, Lollar; kleinere Abſchnitte: Geſellſchaft für Geton⸗ und Siſenbetonbau m. b. H., Gießen. Dachdeckerarbeiten: Phikipp Kröck, Gießen; Wikhelm Rrock, Gießen; Heinrich Ruckſtuhl, Gießen. Spengkerarbeiten: Georg Appel, Gießen; Georg Marx Tachf., Inb. Cark Herking, Gießen. Ent⸗ und Gewäſſerungsankagen: Georg Appel. Gießen; J. Thörner(lachf., Inh. K. KRolb, Gießen. (Wohlfahrtseinrichtungen: H. Schaffſtaedt, G. m. b. H., Gießen. Schreinerarbeiten: Dampfſägewerk Mücke; E. H. Müller, Gießen; Kark Hahn, Gießen; Georg Haubach, Gießen; Kark Mandker, Steinberg, Rr. Gießen; C. Gings⸗ hauſen, Uidda; Unton(Wagner, Gießen; und eigene Gerhſtatt. Parkettböden: . Gembé, G. m. 6. H., Mainz. Gkaſerarbeiten: Kark SEuker, Gießen; und eigene Werhſtatt. (Geißbinder⸗ und Makerarbeiten: WMartin Abermann, Gießen; Ernſt(Petri, Gießen. Innenausſtattung: . Gerke, Gießen; H. Hochſtätter, Gießen; C. Stück⸗ rath, Gießen. Heizungsankage Centralheizungswerke ⸗G., Hannover; Danne⸗ berg Quandt, Gerlin. Starkſtromankagen: Allgemeine Skektrizitätsgeſellſchaft, Berlin; H. Grint⸗ mann, Gießen; Siemens⸗Schuckertwerke, G. m. b. H., Gerlin. Schwachſtromankagen: Siemens 5 Hakske, f.⸗G., Gerlin. Dampfkraftankage: Maſchinenbaugeſellſchaft Karksruhe, Rarlsruhe i. G.; J. A. Topf 5 Söhne, Erfurt; Fränkel Oiehbahn, Eeipzig⸗Kleinzſchocher. Waſchinekke Ankagen: Gerlin⸗Anhaktiſche Maſchinenbaugeſellſchaft Deſſau: Triebwerke. Jagenbergwerke, N.⸗G., Düſſekdorf: Nutomatiſche Tabahpaletier⸗ und Ganderoliermaſchinen. Rélner GWerkzeugmaſchinenfabrik von GWilbhelm Queſter, Röln⸗Sülz: Tabakbearbeitungsmaſchinen. Joſ. Lang, Mannheim: Tabakpaketiermaſchinen. SG.§. Lieder, G. m. 6. H., Gurzen i. Sa.: Kohlen⸗ becherekevator und Transportbandankage. GWieſche S Scharffe, Frankfurt am Main: Kufzüge. Pflaſterarbeiten: Ernſt(Wagner, Rrofdorf bei Gießen. Sämtliche Beim Gau verwendeten Oerblendſteine, Rlinker, Kakzziegeln,(Wand⸗ und Fußboden⸗ pkatten ſind Erzeugniſſe der GWiktelm Gail'ſchen Tonwerke, A.⸗G., Gießen. Gon Seiten der Firma war mit der Gearbeitung und Leitung des geſamten Bauvorhabens beauftragt unſer Generaldirektor Dr. jur. Georg Gaik in Gießen. lm kommenden Geſchlechtern, die dereinſt Hand an dieſen Sckſtein kegen— möge es nur in friedlicher Arbeit geſchehen—, ein Gild von unſeres Hauſes Geſchichte und unſerer Jeit zu geben, fügen wir dieſer Urkunde Folgendes bei: 1. Gedenkſchrift zum 100jährigen Geſtehen der Firma Georg Ohilipp Gaik in Gießen, 1812- 1012. Ergänzung der Gedenkſchrift, Uberſicht über die Jahre 1912— 1022. Plaͤne der Fabrik. Aktien⸗Entwurf der Firma. Adreßbuch der Stadt Gießen. Gummer des Gießener Anzeigers. Totgeld und Lebensmittekmarken der Stadt Gießen. . Fahrmarken der Städtiſchen Straßenbahn. 5 . Geld des deutſchen Geiches. 9 9 90 N 3* Geſtätigung des Inhaktes dieſer Urkunde unterzeichnen wir in dem GWunſche, daß das in ſchwerſten Jeiten unſeres Oaterkandes vollführte Werk unſerem Hauſe zum Segen gereichen möge, und daß die Hoffnung auf eine gkücklichere Jukunft unſeres Golkes ſich bald erfülle, mit den von uns geladenen Anweſenden wie folgt: HIntonie Gail, geb. KRnorr M. Hbermann Irene Gail, geb. v. Benislawski Gelellſch. f. Beton- u. Siſenbetonbau: Marianne Gail Dr. Steger Irli Gail B. Nuhn Hugulta Gaill, geb. Doſcher Joh. Georg Müller Gertrudh Freifrau Löw, geb. Schirmer. Tleimer Huguft Freiherr Löw fr. v. Düring Otto Kunkel Deinr. Boller Tilhelm Költer Tl. Frohnhäuler Carl Tlenzel D. Hubel Raimund Tlagenſchein Tl. Stratmann Otto CGlagner O. Knörr Deinrich Breither Hugult Zoll Georg Zörb Hugult Zweſch Srnkt Höhn Fr. Jung C. Ulmer H. Kammer Ernlt Sievert Dbil. Schwab Heinr. Tlagener Rich. Hltmann Smma Kraft M. Schultheis Heinrich Heterfen Blwin Bofold Theod. Yleller Fritz Suler Fritz Timmermann Dub. Berens Karl Müller Max filcher Couife Schmitt Karl Gg. Schmitt Rudolf Liczewski Heinrich Rinn Heinrich Kruſe Hermann Freitag Srnlt Greb Fr. Grau Slla Humbert Rucdolf Dock Gretel Schneicler Minna Dof Frieda Krauh Frieda Dechert Tlilhelm Rudolph Db. Mandler Indreas Dönges Karl Daubertshäufer Georg Schneicder lilbhelm Schaum F. Weber Wlilhelm Tlacker Friedrrich Schneider C. Hithaus Tlilhelm Volk Johannes Kreiling Ludwig Manqller Karl Seipp Sduard Gombert Georg Lindenftrutb Karl Leib Hlbert Viehmann erm. Petri Dr. Sg. Sail Gg. Schmincke Carl Gail Dr. Ernft Rofenberg Dr. Tlilhelm Gail Gießen, den 28. Januar 1922. , 6 Erganzung der Gedenkſchrift zum hundertjährigen Geſtehen der Kirma Georg Philipp Gail in Gießen. 2 RKurze(lberſicht über die Jahre 1912—1922, zuſammengeſtellt ankäßlich der Einweihung des Neuen Kabrikgebaudes am Erdkauterweg in Gießen am 28. Januar 1922. h. c. Wilhelm Gail nahm an dieſem Tage ſeinen Sohn, Dr. jur. Georg Gail, 9) als Teilhaber in die Firma auf: Der Vertreter der vierten Generation ſeit Gründung des Geſchäftes, der ſechſte Träger des Namens Galil trat damit an leitende Stelle fdes Betriebes. So wurde zuverſichtlich der Weg ins zweite Säkulum begonnen. Zwar ſiel die Jahrhundertfeier in„kritiſche und unerfreuliche Zeiten“, zumal für das Tabakgewerbe, wie der Chroniſt am Schluſſe der Feſtſchrift berichtet; doch mutig durfte man der Zukunft ins Antlitz ſchauen; man war ja entſchloſſen, unentwegt auch weiterhin der bewährten Bahn zu folgen, für die unterm Zeichen des Bienenkorbes rechtſchaffener Kaufmannsgeiſt in zehn Jahrzehnten die ſichere Grundlage erarbeitet hatte, der Bahn, die nicht in bequemer Stetigkeit dahinzieht, doch immer aufwärts führt. ₰ Bereits am 19. Oktober 1912 wurde der Betrieb bedeutend erweitert: in ermieteten Räumen der früher Schirmer'ſchen Fabrik Ecke Oſtanlage und Marburgerſtraße konnte eine nenzeitlich eingerichtete Zweigfabrik für Rauchtabakherſtellung eröffnet werden. Auch die Abteilung für Zigarrenfabrikation nahm erheblich vergrößerten Umfang an: am 1. Februar 1914 wurde die bisher Franz Geiger in Oberweier gehörige Fabrik in Lorſch bei Bensheim, am 1. Auguſt desſelben Jahres die Fabrik der Firma Bender& Co. in Lollar bei Gießen käuflich erworben und ſogleich eröffnet. Die Lorſcher Niederlaſſung erwies ſich aber mit der Zeit als unrentabel, und ſie wurde deshalb am 13. Dezember 1919 geſchloſſen; am 1. Sep⸗ tember 1920 wurde die Fabrik an Joſeph Schön in Worms verkauft. Der Ausbruch des Weltkrieges im Auguſt 1914 konnte nicht ohne Einfluß auf den weitverzweigten Betrieb der Geſamtfabrik bleiben. Voll Siegeszuverſicht ging unſer Volk dem Kampf entgegen; doch der freudig ertragene Zwang, alle Kräfte, die bisher in friedlicher Arbeit ſich regten, dem Kriege dienſtbar zu machen, die Spannung, mit der die großen Ereigniſſe alle Herzen und Sinne gefangen nahmen, mußten zunächſt lähmend auf den Geſchäftsgang wirken. Zahlreiche Beamte und Arbeiter folgten dem Rufe des Vaterlandes, und wie im Kampfe um die deutſche Einheit ſah auch in dieſem Kampfe um die Ehre und Freiheit des Reiches das Haus Gail einen Sohn im Schmucke der Waffen: Der Juniorchef, Dr. Georg Gail, zog am 3. Auguſt 1914 als Leutnant d. Reſ. zu den Kraftfahrtruppen ins Feld; am 7. Februar 1915 wurde er zum Ober⸗ leutnant d. Reſ., am 17. Mai 1917 zum Hauptmann d. Reſ. befördert; er erwarb das Eiſerne Kreuz 1. und 2. Klaſſe, die Heſſiſche Tapferkeitsmedaille und das Bremer Hanſeaten⸗Kreuz; erſt am 10. Dezember 1918 erhielt er ſeine Entlaſſung aus dem Heeresdienſte. Bald darauf, am 22. Februar 1919, verheiratete er ſich mit Irene, geb. v. Benislawski aus Wilna, mit der ihn ſeine mehrjährige Kriegstätigkeit an der Oſtfront zuſammengeführt hatte. Am 8. Januar 1920, am gleichen Tage, an dem unter des glücklichen Vaters Leitung der ſpäter zu erwähnende Fabrik⸗ neubau begonnen wurde, entſproß der Ehe ein Töchterlein, das die Namen Irene, Marie, Eliſa⸗ beth erhielt. Die ganze Laſt des großen Betriebes ruhte während des Krieges auf den Schultern des Seniorchefs, Geh. Kommerzienrates Dr. Wilhelm Gail, um ſo ſchwerer, als jetzt die Bedürf⸗ niſſe der Armee, wie bereits in den Feldzügen von 1866 und 1870—71, höchſte Leiſtungen erfor⸗ derten. Die Gründung der Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfabrikaten in Minden nahm auch die Firma Georg Philipp Gail hervorragend in Anſpruch. Die Pflichtlieferungen an das Heer wurden unter Anſpannung aller Kräfte gern erfüllt. Auch die 1916 erfolgte Einführung der bis 1. Juli 1921 in Kraft gebliebenen Zwangsbewirtſchaftung des Rohtabaks durch die beiden deutſchen Tabakhandelsgeſellſchaften m. b. H. in Bremen und Mannheim, ſowie die vom Jahre 1917 an durch die Not erzwungene zunehmende Verarbeitung von Tabakerſatzſtoffen verſchiedenſter Art konnte wohl die Schaffensfreudigkeit mindern, nicht aber die Firma in dem ihr ſelbſtverſtänd⸗ lichen Beſtreben wankend machen, ihre Pflicht bis zum äußerſten, ja mehr als nur die Pflicht zu tun; der Dank, der ihr dafür in ſo manchem unbehilflichen und ſo manchem ſchwungvollen Briefe aus Weſt und Oſt und Süd zu Teil wurde, trug über viele Widerwärtigkeiten hinweg, ſpornte zu immer erneutem Eifer an. Im Jahre 1917 mußte der langjährige verdiente Prokuriſt Jakob Jung krankheitshalber in den Ruheſtand treten; am 11. Juli 1921 erlöſte ihn der Tod von ſeinem Leiden. Mehr und mehr Mitarbeiter wurden der Firma durch den Heeresdienſt entzogen: 46 Beamte und Arbeiter ſtanden ſchließlich unter den Waffen, 13 ſind fürs Vaterland geſtorben. Immer ſpärlicher floſſen die Rohſtoffquellen. Daher mußte man am 12. April 1918 die Zweigfabrik für Rauchtabak an der Ecke Oſtanlage und Marburgerſtraße ſchließen. Der Monat November 1918, der durch Revolution und Waffenſtillſtand das Schickſal unſeres Volkes beſiegelte, blieb ohne weſentlichen Einfluß auf den inneren Geſchäftsbetrieb: das Band des Vertrauens, das nach ehrwürdiger Sitte in der Firma Gail den Chef mit der Be⸗ amtenſchaft und einem großen Teile der Arbeiter verknüpft, bewährte ſich. Doch der Rohſtoffmangel und die in der allgemeinen Unſicherheit während der Revolutions⸗ wochen begründeten Transportſchwierigkeiten erzwangen ſtarke Betriebseinſchränkungen und ge⸗ ſtatteten nur unzulängliche Verſorgung der Kundſchaft. Die am 1. Juli 1921 erfolgte Aufhebung der Zwangsbewirtſchaftung des Rohtabaks gewährte zwar wieder etwas größere Bewegungs⸗ und Handlungsfreiheit; dafür aber ſchufen die Folgen der Revolution, des unglücklichen Kriegsaus⸗ ganges, ſowie des Verſailler Vertrages, die immer ſchwerer auf dem geſamten deutſchen Wirt⸗ ſchaftsleben zu laſten begannen, insbeſondere die weitgehenden vom Geiſte eines Erzberger ge⸗ tragenen Steueranforderungen gerade im Tabakgewerbe, nur um ſo widrigere Hemmniſſe. Um wohlgerüſtet, den Stürmen der Zeit zum Trotz, in die zu erwartenden Kämpfe um die weitere Blüte des Betriebes eintreten zu können, entſchloß man ſich, den veränderten wirt⸗ ſchaftlichen und ſozialen Verhältniſſen Rechnung tragend, die Firma in eine Aktiengeſell ſchaft, doch in Form einer reinen Familiengründung, umzuwandeln. Die Gründungsverſammlung fand am 6. Dezember 1919 ſtatt. Der erſte Aufſichtsrat ſetzte ſich wie folgt zuſammen: Geh. Kommerzienrat Dr. Wilhelm Gail in Gießen(Vorſitzender), Rentner Carl Gail in Konſtanz(ſtellvertretender Vorſitzender), Rechtsanwalt und Notar Juſtizrat Dr. jur. Ernſt Roſenberg in Gießen(Schriftführer), Prokuriſt i. R. Jakob Jung in Gießen(Bei⸗ ſitzer); dem erſten Vorſtand gehörten an: Dr. Georg Gail in Gießen(als Generaldirektor allein vertretungsberechtigt), Hermann Petri und Georg Schmincke in Gießen(als Direktoren gemein⸗ ſchaftlich vertretungsberechtigt), Otto Knörr in Gießen(als Prokuriſt in Gemeinſchaft mit einem der Direktoren vertretungsberechtigt). Als Hauptaktionäre ſind an der Geſellſchaft beteiligt: Geh. Kommerzienrat Dr. Wilhelm Gail und Dr. Georg Gail, beide in Gießen. Die handelsge⸗ richtliche Eintragung der Geſellſchaft geſchah am 31. Januar 1920; der Name der Firma lautet ſeitdem: Georg Philipp Gail Aktiengeſellſchaft, Rauch⸗, Kautabak⸗ und Zigarrenfabriken in Gießen. Das bedeutſamſte Ereignis in der Geſchichte des vergangenen Jahrzehnts war für das Haus Gail der Entſchluß, am Erdkauterweg in Gießen ein neues Fabrikgebäude erſtehen zu laſſen, das in ſeinem Ausmaß und ſeinen Einrichtungen den neuzeitlichen Anforderungen ent⸗ ſpricht. Das altehrwürdige Anweſen in der Neuſtadt, in dem die Firma zu ihrer Blüte gediehen war, das Haus, das noch vor einigen Jahrzehnten jeder ländliche Beſucher Gießens geſehen haben mußte, wenn er in ſeinen Heimatort zurückkehrte, hatte ſich ſchon ſeit langem mehr und mehr als unzulänglich für den ſtändig wachſenden Betrieb erwieſen. Als der erſte Hoffnungsſchimmer auf eine beſſere Geſtaltung der Verhältniſſe in Deutſchland aufzuleuchten ſchien, ging man mutig ans Werk. Am 8. Januar 1920 tat man den erſten Spatenſtich, und die Arbeiten wurden rüſtig ge⸗ fördert. Ende Juni 1920 jedoch veranlaßten die niederdrückenden Erſcheinungen im geſamten Wirtſchaftsleben des Reiches, ja Europas, die Einſtellung der Tätigkeit am Hauptgebäude, die erſt am 18. Februar 1921 wieder aufgenommen wurde. Über die Ausführung des Baues im ein⸗ zelnen berichtet die beigefügte Schlußſteinurkunde. 9 S6 Die Einweihung der neuen Fabrik erfolgte im engen Kreiſe der Familie und ihrer Mit⸗ arbeiter am 28. Januar 1922, dem erſten Tage des 111. Geſchäftsjahres der Firma. Der Bau ward geſchaffen in Zeiten der Not; er wird der Gegenwart ein erhebendes Beiſpiel, kommenden Geſchlechtern ein ſtolzes Denkmal ſein echt deutſchen Kaufmannsgeiſtes, der auch im Unglück nicht verzagt. ₰ Die Anfünge des Hauſes Georg Philipp Gail führen zurück in ſchwere Zeiten deutſcher Geſchichte. In ſchwärzeſten Trauerjahren des Vaterlandes ſetzte die Firma mit mutiger Tatkraft die bedeutendſte je erfolgte Erweiterung ihres Betriebes ins Werk; ſie wagte es im Ber⸗ trauen auf die lange ehrenvolle Geſchichte ihres Hauſes und im feſten Glauben an Deutſchlands Zukunft. Das Haus Gail wird ja ſtets ſtolz ſein auf die ſtattliche Reihe treuer Mitarbeiter, die den Ehrentag langjähriger Tätigkeit im Betriebe der Fabrik begehen konnten; die Namen derer, die im vergangenen Jahrzehnte ihr Jubiläum feierten, ſeien zur Ergänzung der Liſten in der Ge⸗ denkſchrift zum hundertjährigen Beſtehen der Firma an dieſer Stelle verzeichnet: Ihr goldenes Arbeitsjubiläum feierte: Sliſe Häuſer aus Klein-Linden am 28. April 1920. In den Jahren 1911 bis 1921 konnten folgende Arbeiter und Arbeiterinnen auf eine fünfundzwanzigjährige Dienſtzeit zurückblicken: 1. Eliſe Weber, Rodheim 23. Johann Rarl Viertelhauſen, 2. Katharine Rinn, verehl. Schmidt, RKlein-LTinden Rodheim 24. Minna Teib, geb. LTeib, Krofdorf 3. Konrad Bremer, Rodheim 25. Michel Heidmann, Gießen 4. TCuiſe Dönges, Rodheim 26. Georg Failing, Rodheim 5. Karl Stroh, Gießen 27. Cuiſe Failing, Rodheim 6. Wilhelm Fink, Steinbach 28. Katharine Dönges, geb. Weber 7. Eliſabeth Haus, geb. Dönges, Fellingshauſen Bieber 29. Marie Hoffmann, geb. Bender, 8. Karoline Velde, geb. Wagner, Rodheim Bieber 30. Marie Bechthold, geb. Michel, 9. Cudwig Schmidt, Rodheim Krofdorf 10. Karl piehmann,. Kinzenbach 31. Karoline Röhrsheim, geb. Will, 11. Cuiſe Bender, geb. Failing, Rodheim Krofdorf 12. Katharine Stork, geb. Kolb, Rodheim 32. Johanette Schaum, geb. Jochem, 13. Eliſabeth Failing, Rodheim Krofdorf 14. Helene Becker, geb. Wagner, Bieber 33. Karl Protextor, Krofdorf 15. Heinrich Heller, Gießen 34. Tniſe Steinmüller, geb. Bernhard, 16. Karl LTuh, KRKlein⸗Linden Rodheim 17. Couis Stroh, GHroßen⸗-Linden 35. Heinrich Johann Genné, Gießen 18. Karl will, Heuchelheim 36. Tina will, geb. Müller, Krofdorf 19. Cudwig wagner, Fellingshauſen 37. Johannes Gerlach, Fellingshauſen 20. Katharine Kaus, Krofdorf 38. Marie Gerlach Wwe., geb. Dönges, 21. Katharine Bremer, geb. Schmidt, Rodheim Bieber 39. Marg. Schmidt, verehl. Willers- 22. Margarethe Dudenhöfer, häuſer, Rodheim geb. Dönges, Bieber 40. Wilhelmine Leib, Krofdorf A 10 Gs ſowie folgende Meiſter: 1. Philipp Mandler, Klein-LTinden 2. Friedrich Weber, Gießen 3. Georg Schneider, Bieber 4. Wilhelm Schaum, Rodheim 5. TCudwig Mandler, Klein-Linden Des weiteren feierten folgende verdiente Beamte ihr ſilbernes Dienſtjubiläum: 1. Friedrich von Düring aam 1. April 1913 2. Wilhelm Frohnhäuſer aaam 1. Juni 1914 3. Wilhelm Stratmann aaaam 1. Dezember 1915 4. Georg Schmincke.......... am 1. April 1919 5. Beinrich Aubel............ am 1. September 1919 O. K. von Münchow'ſche niverſitäts⸗Druckerei Otto Kindt Wwe. in Gießen. Farbkarte †f 13