r ehaft deilk unde 2 — — S8 — — Hoher Itadtverordneten⸗Yerſammlung beehre ich mich, im Nachſtehenden eine Vorlage, betr. die Kanaliſation der Stadt Gießen ganz ergebenſt zu unterbreiten. Gießen, im Auguſt 1899. Der Oberbürgermeiſter: Snauth. E ſtarkes Jahrzehnt iſt verfloſſen ſeit Anlage der Akten Großh. Bürgermeiſterei, „die Kanaliſierung der Stadt Gießen betreffend“: die erſte Nummer jener Akten bildet der als Anlage I hier abgedruckte Antrag des Unterzeichneten, damaligen Beigeordneten, vom April 1888, gerichtet auf„die Aufſtellung eines feſten Entwurfes für die ſyſtematiſche unterirdiſche Entwäſſerung der Stadt Gießen nach den Prinzipien der Neuzeit“ und zu dieſem Zweck auf„die Einſtellung eines Betrages von 5000 ℳ in den ſtädtiſchen Voranſchlag für 1888/89“. Wie ſehr geteilt und unſicher damals noch Stellung und Stimmung gegenüber der Ausführung eines ſolchen Entwurfes geweſen, und wie vorſichtig man auftreten mußte, geht ſchon aus nachſtehendem Satz in der Begründung des Antrags hervor: Die Frage, ob und in welcher Zeit⸗ folge ein ſolcher Entwurf verwirklicht werden ſoll, iſt billigerweiſe erſt nach Auf⸗ ſtellung desſelben und Berechnung ſeiner Ausführungskoſten zu entſcheiden; heute ſchon blindlings zu beſchließen,„Gießen muß aufs beſte entwäſſert werden“, wäre meines Erachtens faſt ebenſo verfehlt, als heute zu beſchließen oder— wie man wohl hören kann— zu wiederholen„Gießen kann überhaupt eine zweckmäßige Entwäſſe⸗ rung nicht erſchwingen“, und dementſprechend Stückwerk zu ſchaffen. Manches Jahr mußte ſeitdem noch vergehen, bis Bürgerſchaft und ſtädtiſche Vertretung— getragen einerſeits von der glücklichen Entwicklung, die inzwiſchen unſere Stadt genommen, und getrieben anderſeits von den immer peinlicher werdenden Mißſtänden der derzeitigen Entwäſſerung— in weitgehender Uebereinſtimmung heute dringend nach Ausführung einer Kanaliſation verlangen: die Frage, ob der Entwurf einer ſolchen verwirklicht werden ſoll, bedarf kaum mehr einer förmlichen Abſtimmung, ſie iſt bereits entſchieden durch die Stimmung der großen Mehrzahl aller Beteiligten; dem Bürgermeiſter, der ein ſolches Projekt vorlegt, droht nicht mehr der Vorwurf, er jage nach Zielen, deren Erreichung zwar der Großſtadt möglich ſei, vor denen aber die Leiſtungsfähigkeit einer mittleren Stadt erlahmen müſſe. Heute iſt man nahezu einig darüber, daß die Mittel für die ſyſtematiſche Entwäſſerung einer Stadt wie der unſrigen eben beſchafft werden müſſen. Jahre waren aber auch nötig, um die erwünſchte Klarheit zu gewinnen über die Art, in welcher die geſtellte Aufgabe zu löſen war, um— angeſichts der beträcht— lichen, dafür in jedem Falle aufzuwendenden Opfer— mit Beruhigung ſich und Anderen ſagen zu können, daß man nunmehr überzeugt ſei, die der Eigenart unſerer Verhältniſſe am beſten entſprechende Löſung gefunden zu haben. Und wenn irgend ein Jahrzehnt in der Lehre von der ſtädtiſchen Kanaliſation geeignet war, klärend und fördernd zu wirken, ſo war es eben das letztverfloſſene. Noch hat zu Anfang desſelben man unter dem erſchwerenden Einfluß der ſtrengen Vorſchriften geſtanden, welche den Städten bei Einführung ihrer Abwäſſer und namentlich ihrer Fäkalien in die offenen Waſſerläufe ſeitens der Geſundheitsbehörden gemacht wurden; da 4 begann— ausgehend insbeſondere von Pettenkofers Bericht und den Verhandlungen pflege— der Rückſchlag, hergeleitet aus der wachſenden Anerkennung der„Selbſ reinigung“ der Flüſſe und abſchließend mit dem Ergebnis, daß in jedem Einzelfall erſt zu prüfen ſei, ob und wie ſtrenge Vorſichtsmaßregeln bei der Einleitung ſtädti⸗ ſcher Abwäſſer in die offenen Waſſerläufe überhaupt noch gerechtfertigt ſeien. Während 1⸗ l im Jahr 1890 noch der erſte Entwurf einer Kanaliſation unſerer Stadt— zum Teil ſchon aus taktiſchen Gründen— eine beſtimmte Stellungnahme zur Frage der Ein⸗ führung der Fäkalien in die Kanäle umging, vielleicht umgehen mußte, und erklärte, es könne auf eine Einführung derſelben„zurzeit verzichtet werden“, wohl aber ſei darauf„vorſorglich geeignete Rückſicht zu nehmen“, hat danach eine der an den Begutachter jenes Projektes von der Stadtverordneten⸗Verſammlung geſtellten Fragen insbeſondere auch dahin gelautet, ob denn ohne Einleitung der Fäkalien die Vorteile einer Kanaliſation überhaupt im Verhältnis ſtünden zu den dafür aufzuwendenden 4— Koſten, und der Verfaſſer des im Jahre 1895 vorgelegten zweiten Projektes hag alsbaldige Einführung der Fäkalien entſchieden befürwortet und dementſprechend ſeinen Entwurf im einzelnen geſtaltet. Erleichtert wurde ſolche Behandlung Frage allerdings auch gerade für Gießen noch beſonders dadurch, daß einerſeits dem Zurückweichen der landwirtſchaftlichen Betriebe in der Stadt und mit ſteigenden Forderungen, welche die Landwirte für die Abfuhr des durch die Zun der Waſſerkloſets immer mehr verdünnten Grubeninhalts ſtellten, auch zurückt durfte die gerne bethätigte Rückſichtnahme auf das, der Einführung der Fäkalie die Kanäle entgegenſtehende Intereſſe der hieſigen Landwirte, und daß ande durch die Kanaliſation der lahnaufwärts gelegenen Stadt Marburg und die führung der dortigen Abwäſſer und Fäkalien in den Fluß ein für Gießen in facher Hinſicht lehrreicher, mehrfach geradezu maßgebender Vorgang geſchaffen Aber noch in einer zweiten Richtung haben gerade die letzten, ſeit der gehenden Beſchäftigung mit unſerer Kanaliſation verfloſſenen Jahre eine Klä um nicht zu ſagen einen Umſchwung gebracht: hinſichtlich der Frage der getrenm Abführung der Meteor⸗(Regen⸗)wäſſer einerſeits und der häuslichen Abwäſſer, einſch lich der Fäkalien anderſeits, ſo wie dieſelbe insbeſondere auf der Karlsruher 9 verſammlung des Deutſchen Vereins für öffentliche Geſundheitspflege im Herbſt 1897 Gegenſtand der Verhandlungen gemacht worden war. Man hat danach in erhöhtem G wiederum ſich frei gemacht von der— vielfach unbewußt— erwachſenen Gewohnheit der modernen ſyſtematiſchen Kanaliſation einer Stadt eigentlich nur noch zu denken an kombinierte Schwemmſſſtem, wie es in den für die Kanaliſation bahnbrechend weſenen Großſtädten vorzugsweiſe zur Ausführung gekommen war, und man insbeſondere auch die grundſätzlichen Vorzüge mehr gewürdigt, welche naturge aus der getrennten Abführung und unterſchiedlichen Behandlung der nach M und Zuſammenſetzung ſo grundverſchiedenen Meteor⸗ und Hauswäſſer ſich erge ganz abgeſehen von den in der Ortlichkeit gelegenen, für unſer Gießen unſte vorliegenden, ſtarken Gründen für eine weitgehende Durchführung ſolcher Trem in der einzelnen Stadt. Während in dieſer Hinſicht für unſer erſtes Kanaliſati projekt wenigſtens der Grundſatz ausgeſprochen war, daß Regen- und Draim waſſer nach Möglichkeit dem Kanalnetz fernzuhalten und überall, wo dieſes am direkt oder durch beſondere kurze Regenkanäle den beſtehenden Waſſerläufen zu tß weiſen ſei, iſt das zweite Projekt ausſchließlich nach dem kombinierten Syſtem ange Wohl gerechtfertigt war danach der unter dem Eindruck der vorerwähnten Karl Verhandlungen gefaßte Entſchluß der ſtädtiſchen Vertretung,— ungeachtet der dad bedingten abermaligen Verzögerung— durch Ausarbeitung eines weiteren, due Projektes nochmals prüfen zu laſſen, ob und inwieweit etwa das Syſtem der trennten Abführung der Meteorwäſſer für Gießen ſich empfehle. Im Zuſammenhang damit ſei es mir geſtattet, des Einfluſſes noch e zu gedenken, welchen der im Jahre 1896 in die Stadtverordneten⸗Verſammlung getretene Profeſſor der Hygiene an der Landesuniverſität, Geheimer Medizina Dr. Gaffky ſeitdem auf die Behandlung dieſer ganzen Frage ausgeübt hat, und Danke Ausdruck zu geben, welchen dafür mit der geſamten ſtädtiſchen Verwalt insbeſondere der Unterzeichnete ihm ſchuldet. Nach Einlauf jenes dritten Projektes und eingehender Prüfung und Erörten desſelben ſind inzwiſchen die geſamten hier einſchlagenden Vorarbeiten ſo weit gediegn daß nunmehr auch entſcheidender Beſchluß darüber gefaßt werden kann, wie einzelnen die Kanaliſation unſerer Stadt zur Ausführung gebracht werden ſalle eingehende Promemoria des Stadtbaurates(Anl. V) und das darüber erſta Gutachten des Herrn Stadtverordneten Dr. Gaffky(Anl. VI) behandeln alle hier Betracht kommenden Fragen ſo eingehend und überzeugend, daß ich meinerſeits darauf beſchränken kann, im Nachſtehenden und in den Anlagen nur noch e gedrängten Überblick zu geben über den Verlauf und den weſentlichen Inhalt ſeitherigen Arbeiten. Zur Sache ſelbſt kann ich nur bitten, den Schlußfolgerungen des Promemd und des Gutachtens in allen Teilen beizutreten und zu beſchließen, danach nu mehr die Kanaliſation unſerer Stadt zur Ausführung zu bringe eine der wichtigſten Aufgaben meines Amtes wäre damit gelöſt, ſpäter allerdin als vordem ich ſelbſt es gehofft und gewünſcht. jektes rechen ndlung einerſe er, ein uher obſt 180 höhtem Wwohnh denken, nbreche und ma natur nach) ſich er zen unſ er Trei analiſa d Dra fen zu tem and n Karls der da eren, d ſtem de dh beſo mmlung Medizi gat, und Verwal dErörte veit ged n, wi den ſoll eer erſt alle h nerſeits noch rInhal Promei nach i bri n r allerd Verlauf und Inhalt der Arbeiten betreffend die Kanaliſierung der Stadt Gießen. —;— Auf Grund des in Anlage I enthaltenen Antrages waren 5000 N in das Budget der Stadt Gießen pro 1888/89 eingeſtellt worden für„Aufſtellung von Entwurf und Voranſchlag über die unterirdiſche Entwäſſerung der Stadt durch einen Fachmann“; durch Vertrag vom 14./18. Auguſt 1888 wurde dieſe Arbeit dem Herrn Stadtbauinſpektor Steuernagel in Köln übertragen und zwar für den Umfang des damaligen Bebauungsplanes, mit Ausſchluß jedoch von„Hamm“ und ‚Schießgärten“. Die Bürgermeiſterei hatte dabei die Verpflichtung übernommen, zunächſt die ſämt⸗ lichen, zur Ausarbeitung des Entwurfes erforderlichen Unterlagen zu beſchaffen, und zwar insbeſondere: einen Überſichtsplan der Stadt im Maßſtab 1:2000 und mit Eintragung aller erforderlichen Höhenzahlen, Nivellements bezw. Zuſammenſtellungen über die Waſſerſtände von Lahn, Wieſeck und Bruchgraben, über Grundwaſſerſtände an einzelnen Punkten des Stadtgebietes, ſowie über die beobachteten Niederſchlags⸗ mengen und Notizen über die Bodenverhältniſſe im Stadtbereich. Wie ſchon die Aufzählung der beſonders verlangten Unterlagen zeigt, war man in keiner Weiſe vorbereitet auf die Bearbeitung der geſtellten Aufgabe, ſodaß das Herrn Steuernagel überwieſene Material in mehrfacher Hinſicht ziemlich dürftig war, und der wieder⸗ holten ſpäteren Ergänzung bedurfte, ja— inſoweit es ſich z. B. um die einzelnen größten Niederſchlagsmengen handelt— noch heute bedarf. Von Bedeutung für die Bearbeitung des Kanaliſationsprojektes war weiterhin auch die Frage, ob etwa eine Verpflichtung der Stadt zur Erhaltung der Stadtbäche anzuerkennen ſei; nach Ver⸗ neinung dieſer Frage durch die juriſtiſche Kommiſſion der Stadtverordneten⸗Verſamm⸗ lung und Beſchaffung aller übrigen Unterlagen hat Herr Stadtbauinſpektor Steuer⸗ nagel unterm 5. Juni 1890 ſein Projekt vorgelegt und erläutert. Ein umfaſſender Auszug aus dem dazu erſtatteten, eingehenden Erläuterungsbericht wurde im Druck vervielfältigt und befindet ſich in Händen der Mitglieder der ſtädtiſchen Vertretung; ein gedrängter Auszug daraus iſt in Anlage II wiederholt. Die Geſamtkoſten waren danach veranſchlagt zu 1280 000 ℳ, und als dringlichſte Arbeiten bezeichnet die Vertiefung und der Ausbau des weſtlichen Stadtringgrabens von der Pumpanlage bis zum Aſterweg, die Kanaliſation der Altſtadt und der nordweſtlichen Neuſtadt, ſowie die Erweiterung der Pumpanlage; die Koſten dafür waren auf ca. 685 000 ℳ angegeben. Angeſichts der großen Tragweite, wie der finanziellen Bedeutung der ganzen Frage hat die Stadtverordneten⸗Verſammlung zunächſt die Einziehung einer gut⸗ achtlichen AÄußerung über das vorliegende Projekt bei einem anderen hervorragenden Fachmann für geboten erachtet und durch Beſchluß vom 8. Mai 1891 dieſe Prüfung dem Herrn Civilingenieur Lindley in Frankfurt a. M. übertragen, an welchen dabei durch Beſchluß vom 30. Juli desſ. Is. noch insbeſondere die nachſtehenden ſechs ver⸗ ſchiedenen Fragen gerichtet wurden: 1. Iſt es zweckmäßig, den Stadtringgraben— wie geplant— zu erhalten, bezw. zu regulieren? 2. Sind bei Verzicht auf die Möglichkeit der Einleitung von Fäkalien erhebliche Vereinfachungen des Projektes, 2 8* vielleicht überhaupt kleinere Dimenſionen der Kanäle zuläſſig? 3. Iſt eine über das Projekt hinausgehende Grundwaſſerſenkung thunlich, bezw. nicht mit unverhältnis⸗ mäßigen Mehrkoſten verknüpft? 4. Stehen auch ohne Einleitung der Fäkalien die 6 durch die Ausführung des Projektes zu erreichenden Vorteile im Verhältnis zu Koſten ſeiner Anlage, wie ſeines Betriebes? 5. Iſt es zuläſſig und ohne erheh doppelte Koſten möglich, nach Ausführung des Projektes auch die Fäkalien zuführen? 6. Verneinendenfalles, welche Ergänzungen und annähernden Mehu zu dem Projekt werden bei Einführung der Fäkalien nötig werden? Herr Lindley hat vorgeſchlagen und die ſtädtiſche Vertretung ſich einverſtanden erklärt, daß ſeine Begutachtung mit den von ihm zu machenden änderungsvorſchlägen niedergelegt werde in einem neuen, ſelbſtändigen Projekt, auch er hat dafür zunächſt noch weiterer Vorarbeiten bedurft, an Vermeſſu Nivellements und örtlichen Unterſuchungen in Bezug auf Lahnwaſſerſtände, Vo verhältniſſe, Kellertiefen ꝛc. Bei der Bearbeitung dieſes neuen(zweiten) Pro waren aber auch die in der Einleitung aufgeführten neuen Geſichtspunkte zu vern geweſen, wie ſie aus den Erörterungen über die Selbſtreinigung der Flüſſe und der genehmigten Einleitung aller Marburger Abwäſſer in die Lahn ohne vorſ chemiſche Klärung derſelben ſich ergaben, während überdies mit der Ausſiche die Herſtellung einer weſtlichen Bahnhofzufuhrſtraße und auf eine Entwicklum Stadt in jener Richtung unter allen Umſtänden eine Modifikation des Steuernagell Projektes hinſichtlich der Lage der Ausmündungsſtelle veranlaßt war. Auch Jahre 1893 unerläßlich gewordene umfaſſende Erweiterung und Verbeſſerung Waſſerverſorgung Gießens hat in zweifacher Richtung die Aufſtellung des zuß Kanaliſationsprojektes beeinflußt: zunächſt dadurch, daß mit der für 1894/9 Ausſicht genommenen erheblichen Ermäßigung des Waſſerpreiſes auch auf eine mehrung der Waſſerkloſets und damit wiederum auf eine Verſtärkung des Wum nach alsbaldiger Einführung auch der Fäkalien in die Kanäle gerechnet werden m weiterhin aber auch inſofern, als vor glücklicher Löſung der zu rund 600 000 veranſchlagten neuen(Queckborner) Waſſerverſorgung an eine erfolgreiche Vo des Kanaliſationsprojektes aus naheliegenden Gründen nicht wohl zu denken waß Unterm 25. März 1895 hat Herr Lindley ſein weitſichtig angelegtes, durchdachtes Projekt vorgelegt, deſſen Erläuterungsbericht und Koſtenüberſchlag Anlage III im Auszug enthalten ſind: der Koſtenanſchlag, welcher die geſa Sielanlagen, demnach auch ſämtliche Haupt- und Nebenſiele, wie ſie in der wei Zukunft nach dem derzeit aufgeſtellten Bebauungsplan erforderlich werden, um ſchließt mit einer Endziffer von 2 900 000 ℳ, worin die Koſten derjenigen Sielſtre deren Ausführung alsbald und in der nächſten Zukunft erforderlich würde, 1 840 000 ℳ erſcheinen, welche ſomit die eigentlich maßgebende Koſtenanſchlagst bilden.— Dem Projekt war auch noch beigefügt worden eine Zuſammenſtellung vorausſichtlichen jährlichen Betriebskoſten der ganzen Kanaliſation, wonach dieſch betragen würden: Klärbecken...... 8 300 Spiilungng..2 440„ Sinkkaſten⸗Reinigung... 1 760„ Zuſammen: 12 500 ℳ Beide Projekte(von Steuernagel und Lindley) waren darauf dem Ste bauamt mitgeteilt worden zur Einſichtnahme und Geltendmachung etwaiger Beden dieſe Außerung, d. d. 5. Oktober 1895, wurde zunächſt Herrn Lindley zur R äußerung mitgeteilt und nach Einlauf und Prüfung derſelben vom Stadtbauf unterm 11. Juni 1896 ein abſchließender Bericht über das Lindley'ſche Projekt erſte in welchem einzelne der erhobenen Bemerkungen aufrechterhalten, andere wieder fil gelaſſen waren. In dieſes Stadium der Verhandlungen fiel— ausgehend im weſentli von einem anläßlich der Berliner Gewerbe⸗Ausſtellung gehaltenen Vortrag Herzbe über die Kanaliſation kleiner und mittlerer Städte und den daran in der Fu litteratur ſich knüpfenden Beſprechungen— die erneute und vertiefte Beſchäftigt mit der Frage der getrennten Abführung der Meteorwäſſer: der Wunſch, für endgültige Entſchließung der Stadtverordneten⸗Verſammlung über die Kanaliſant unſerer Stadt auch noch nutzbar zu machen die hier einſchlagenden Verhandlumg der bevorſtehenden 1897er Jahresverſammlung des Deutſchen Vereins für öffentlt Geſundheitspflege, bei dieſer Entſchließung aber auch nicht zu entbehren des Beira des damals in Indien befindlichen Stadtverordneten Dr. Gaffky, empfahl, die ſchlußfaſſung der Stadtverordneten⸗Verſammlung zunächſt zu verſchieben, bis„ rachend Proj Verme inde, ten)„ zu ve lüſſe u hne vo Ausſi twicklu uernag Auch beſſeru J des 1894 auf ein des Wi verden d 6000 eiche T enken! gelegte überſch die gei der we den, u Sielſt würde nſchlag nſtellun ach di dem? er Bede y zur Stadtbe jekt er wieder weſent ng Herz n der zeſchäft nſch, 1 3 28. Oktober 1897 nach Antrag der Baudeputation einſtimmig beſchloſſen wurde,„mit Rückſicht auf die Wichtigkeit der Frage durch Ausarbeitung eines vollſtändigen Pro⸗ jekts von einer, auf dem Gebiet des Trennungsſyſtems anerkannten, Autorität noch⸗ mals prüfen zu laſſen, ob und in wie weit etwa dieſes Syſtem für Gießen zu empfehlen ſei“. Herr Baurat Herzberg in Berlin war bereit, ſich dieſer Aufgabe zu unterziehen und hat unterm 26. Januar 1898 vor Aufſtellung eines Spezialprojektes den in Anl. IV enthaltenen„generellen Vorbericht mit Planſkizze“ vorgelegt; danach waren die Koſten der Hauswäſſer⸗Kanaliſation zu 900 000 ℳ, diejenigen der Regen⸗ waſſer⸗Kanaliſation zu 460 000 ℳ, beide zuſammen ſomit zu 1 360 000 ℳ veranſchlagt und in Vergleich geſtellt mit den 1 840 000 ℳ des Voranſchlages von Lindley. Der Letztere, vom Stand der Sache unterrichtet, hatte inzwiſchen darauf hingewieſen, daß er ſelbſtredend bei Aufſtellung des Entwäſſerungs⸗Entwurfs für Gießen nicht nur die Möglichkeit der Löſung der Frage nach dem vorgelegten(Steuernagel'ſchen) Entwurf und Syſtem, ſondern auch nach anderen Alternativ⸗Entwürfen ins Auge gefaßt habe, und er hatte insbeſondere ſich geäußert wie folgt:„Ich kam aber nach reiflicher Erwägung aller Verhältniſſe zu der Ueberzeugung, daß die Einführung des getrennten Syſtems in Gießen ein Fehler wäre, den teils die Stadt als Geſamtheit, dann aber auch, namentlich ſpäter, die Liegenſchaftsbeſitzer ſchwer empfinden würden“. Auch die Herzberg'ſche Arbeit war danach Gegenſtand eingehender Prüfung und Erörterung zwiſchen dem Stadtbauamt und ihrem Verfaſſer geweſen, wie man inzwiſchen auch— Dank einer freundlichen Einladung der Firma— ſich genaue Kenntnis verſchaffte von der eigenartigen und hochintereſſanten Kanaliſierungs⸗ Anlage, welche die Geſellſchaft Erich Merten& Cie. nach dem Trennſyſtem unter Anwendung von Druckluft-Betrieb und Abwaſſer⸗Reinigung nach dem biologiſchen Syſtem auf Lager Lechfeld zur Ausführung gebracht. Das Ergebnis aller dieſer Studien iſt niedergelegt in dem als Anl. V hier beigefügten Promemoria des Stadtbaurates und weiterhin geprüft und erörtert in dem, in Anl. VI enthaltenen Gutachten des Herrn Stadtverordneten Dr. Gaffky Das in allem Weſentlichen übereinſtimmende Ergebnis beider Arbeiten empfiehlt: 1. Entwäſſerung der„Altſtadt“ nach dem Syſtem der kombinierten Schwemm⸗ Kanaliſation, unter thunlicher Anſtrebung der getrennten Ableitung der Regenwäſſer auch aus dieſem Staͤdtteil. 2. Entwäſſerung der übrigen Stadtteile nach dem Trennungsſyſtem. 3. Vereinigung der Schmutzwaſſerſiele der äußeren Stadtteile mit dem Haupt— ſiel der Altſtadt, zwecks gemeinſamer Reinigung und zeitweiſer künſtlicher Hebung des Sielinhalts vor der Einleitung in die Lahn. 4. Obligatoriſcher Anſchluß der Abtritte an die Schmutzwaſſerſiele und Be⸗ ſeitigung der Gruben und Tonnen unter Gewährung einer angemeſſenen, nicht zu knappen Friſt. 5. Mechaniſche Reinigung der Schmutzwäſſer vor ihrem Einlauf in die Lahn nach dem Muſter der Marburger Anlage mit Rienſch'ſchen Grob- und Fein⸗Rechen, ſowie durch Sedimentierung in Klärbecken mit kontinuierlichem Betriebe und einer Strömungsgeſchwindigkeit von etwa 5 mm in der Sekunde. Sache der Stadtverordneten⸗Verſammlung wird es nunmehr ſein, zu ent— ſcheiden, ob nach dieſen Vorſchlägen die Kanaliſation unſerer Stadt zur Ausführung kommen, und unter weſſen Leitung und Verantwortung dies geſchehen ſoll. Gnauth. Anlage I. Antrag des Beigeordneten Gnauth vom April 1888 betreffend Aufſtellung eines feſten Entwurfes für die ſyſtematiſche unterirdiſche Entwäſſerung der Stadt Gießen nach den Prinzipien der Neuzeit und zu dieſem Zweck Einſtellung eines Betrages von 5000 ℳ in den ſtädtiſchen Voranſchlag für 1888/89. Die Abführung der Niederſchläge und der häuslichen Brauchwaſſer aus unſerer Stadt erfolgt zurzeit in oberirdiſchen Rinnen und unterirdiſchen Dohlen einerſeits nach der Wieſeck, teils direkt(neuere Stadtteile), teils durch Vermittelung der ver⸗ ſchiedenen Verzweigungen des Stadtbachs und des Stadtringgrabens(Altſtadt), anderer⸗ ſeits durch offene Gräben in die Lahn(Gartfeld und Straßen rechts der Lahn). Dabei iſt faſt durchgängig gegen die Grundregel jeder zweckmäßigen Ent⸗ wäſſerungsanlage, die möglichſt raſche Entfernung der Abwaſſer auf dem nächſten Wege, ebenſo verſtoßen, wie gegen die andere Regel einer möglichſt kurzen ober⸗ irdiſchen Führung der Abwaſſer. Die Waſſerleitung erfolgt vielmehr meiſt auf langen Strecken und oft ſonder⸗ baren Wegen oberirdiſch in den Goſſen, was bei deren, im allgemeinen geringen Gefälle zur Folge hat, daß im Sommer die in den Brauchwaſſern enthaltenen Sink⸗ ſtoffe ſich niederſchlagen und die Luft verpeſten, und daß im Winter wegen Eis⸗ bildung auf dieſe Art der Waſſerleitung ganz oder zum größten Teil verzichtet werden muß, wobei letzteres um ſo mißlicher geworden iſt, ſeit durch Ausführung der Haus⸗ waſſerverſorgung der Waſſerverbrauch ſich geſteigert hat. Aber auch die unterirdiſchen Ableitungen entſprechen im allgemeinen nicht den an ſolche zu ſtellenden Anforderungen: zum größeren Teil beſtehen dieſelben aus rauh gemauerten Dohlen von rechteckigem Querſchnitt, ſind alſo danach ſchon zu einer raſchen Ableitung des zugeführten Waſſers ungeeignet; ſodann ſind dieſelben vielfach ſchwer zugänglich und folgen keineswegs der durch das Bodengefäll gegebenen Richtung. Dasſelbe gilt von den verſchiedenen Zweigen des Stadtbaches und von dem Stadtringgraben: ſo ſinnreich die Anlage derſelben für frühere Zeiten war, ſo wenig genügt dieſelbe den Anforderungen der Neuzeit. Im ganzen aber entſpricht auch vielfach die Tiefenlage der geſamten Ent⸗ wäſſerungen nicht den geſundheitlichen Rückſichten, wie ſie zur Geltung kommen in dem Streben nach Entwäſſerung aller oder möglichſt vieler Grundſtücke bis auf die Sohle von in zweckmäßiger Tiefe angelegten Kellern, nach Senkung des Grund⸗ waſſerſpiegels und nach thunlicher Gleichhaltung desſelben. Der Erkenntnis von der Unhaltbarkeit dieſer Zuſtände hat denn auch bereits der Stadtvorſtand nach verſchiedenen Richtungen hin Ausdruck gegeben: durch Legung des Ringgrabens und eines Teils des Stadtbachs in feſte Steinſohlen, durch Aus— führung weiterer Dohlen in der Altſtadt und durch Anlage ſolcher in einzelnen Straßen der neuen Stadtteile hat man mehrfach und mit namhaften Opfern auf Beſeitigung der gröbſten Mißſtände hingearbeitet, und es iſt mit Sicherheit zu er⸗ warten, daß dem entſprechend im Lauf der Jahre unſere Stadt mit einem dichteren Netz unterirdiſcher Dohlen wird verſehen werden müſſen, welche ſich ihrerſeits den 10— vorhandenen Hauptableitungen anſchließen und ſo demſelben Zweck dienen wen welchen eine planmäßige Entwäſſerung der ganzen Stadt zu erfüllen hätte. die dabei im Lauf der Zeit erwachſenden Koſten werden denjenigen einer regelrel Entwäſſerung ſich nähern und doch wird die Anlage im ganzen beim beſten W nur Stück- und Flickwerk ſein im Gegenſatz zu einem einheitlichen Plan. An Stelle ſolchen Vorgehens hat darum meines Erachtens vor allen Feſtſtellung eines vollſtändigen, bis ins einzelne durchgearbeiteten, Entwäſſern planes zu treten: zunächſt für die eng bebaute und darum für Niederſchläge m aufnahmsfähige Altſtadt, dann für das unter beſonders ungünſtiger Vorflut leid Gartfeld, und auch für die neuen Stadtteile. Die Löſung der dabei erwachſen Aufgabe wird keineswegs einfach ſein; insbeſondere wird dieſelbe erſchwert wem einerſeits durch die Rückwirkung der Lahnwaſſerſtände, andererſeits durch die M ſichtnahme auf thunliche Verwertung der vorhandenen Anlagen, insbeſondere koſtſpieligen feſten Sohle des Ringgrabens; auch eine— zum mindeſten zeitweiſt künſtliche Hebung der geſamten Abwaſſer der Altſtadt wird dabei erforderlich wel wie ſolche jetzt ſchon bei Hochwaſſer durch die Pumpſtelle auf der Weſtanlage bem wird. Gleichzeitig wird die Ausarbeitung eines ſolchen Planes aber auch zeigen die vorhandenen Zweige des Stadtbaches in den Rahmen des Geſanadnn zweckmäßig ſich einfügen, ob mit der Legung feſter Sohlen dafür in der bisher Weiſe fortgefahren werden darf, oder ob nicht vielmehr den entſprechenden Ha ableitungen andere Richtungen, etwa den einzelnen Straßenzügen folgend, Jen werden müſſen u. ſ. w. Zurzeit ſchon enthält der ſtädtiſche Voranſchlag alljährlich Tauſende für 3) der Entwäſſerung, die durch Ankauf der Benner'ſchen Schanze vorbereitete Ger legung der Nordanlage und damit die Verlegung der Einlaufvorrichtungen für Stadtbach werden nicht mehr lange anſtehen können, desgleichen iſt zurzeit ſe beſchloſſen und wird auch für die Folge nicht zu vermeiden ſein die vollſtändige! pflaſterung ganzer Straßenzüge, welche dann aber vielleicht in Bälde zur Verleg von Hauptdohlen unter die Straße von neuem aufgeriſſen werden müſſen u. Unter dieſen Umſtänden hat der Stadtvorſtand meines Erachtens die umß ſchiebliche Pflicht, durch Beſchaffung eines feſten Entwurfes für die unterirdiſche wäſſerung der Stadt und ſtrenge Einfügung der einzelnen Ausführungen in Rahmen des Geſamtplanes dafür zu ſorgen, daß nicht durch planloſe Ausführn nur der halbe Zweck erreicht wird oder zur Erreichung des Ganzen doppelte Kh aufgewendet werden müſſen. Die Aufſtellung des Entwurfes ſelbſt denke ich mir in der Weiſe, daß auf dieſem Gebiet bewährter Fachmann(Lindley in Frankfurt, Kreißig in Ma Steuernagel in Köln oder ein anderer) erſucht wird, zunächſt die Grundzüge er ſolchen Planes vorzuſchlagen und nach Feſtſtellung derſelben den Entwurf im einzel durcharbeiten und veranſchlagen zu laſſen. Dieſe Arbeit kann wohl in einem 3 erfolgen und für die Koſten derſelben möchte der Betrag von 5000 ℳ wohl genüg Die Frage, ob und in welcher Zeitfolge ein ſolcher Entwurf verwirll werden ſoll, iſt billigerweiſe erſt nach Aufſtellung desſelben und Berechnung ſei Ausführungskoſten zu entſcheiden; heute ſchon blindlings zu beſchließen,„Gießen m aufs beſte entwäſſert werden“, wäre meines Erachtens faſt ebenſo verfehlt, als he zu beſchließen oder— wie man wohl hören kann— zu wiederholen:„Gießen ke überhaupt eine zweckmäßige Entwäſſerung nicht erſchwingen“, und dementſpreche Stückwerk zu ſchaffen. Auch der Umſtand endlich, daß Großh. Miniſterium des Innern undd Juſtiz,„den Geſundheitszuſtand der Stadt Gießen betr.“, ſeit anderthalb Jahr ſeine beſondere Aufmerkſamkeit der Entwäſſerung der Stadt und der Beſchaffun der erforderlichen Aufnahmen zugewendet hat, darf meines Erachtens nicht geg meinen Antrag oder für Vertagung desſelben vorgebracht werden; mit dem Vorgen in dieſer hochwichtigen Frage erſt einen Druck der Aufſichtsbehörden abzuwartet entſpricht ebenſowenig der Bedeutung unſerer Stadt, als der Stellung des Stadt vorſtandes. Gnauth. jenen hätt — vege beſten n. vor al twaͤſſe ſchläg eflut! zurzeit ſtändig ir Verl iſſen u 3 die! irdiſch neen i usfüht ppelte eiſe, de g in dzüge im ein einem ohl gel verwi fnung Gießen t als Gießen entſore rn und alb J Beſche nicht m Vor abzuui des auth. Anlage II. Gedrängter Auszug aus dem Erläuterungsbericht des Stadtbauinſpektors Steuernagel in Röln betreffend die Kanaliſation der Provinzialhauptſtadt Gießen Die vom Juni 1800. für das Entwäſſerungsprojekt aufgeſtellten Grundſätze und Annahmen. Nach mehrmaliger Ortsbeſichtigung und Studium der einſchlägigen Verhält⸗ niſſe ſind für die Aufſtellung des Kanalprojektes nachſtehende Grundſätze und An⸗ nahmen als maßgebend erachtet worden: 1. 1 80 Sämtliche häuslichen Brauchwaſſer, die Fabrikwaſſer, ſowie die atmoſphäriſchen Niederſchläge ſind möglichſt am Orte ihres Eutſtehens durch geſchloſſene Rohr⸗ leitungen aufzunehmen und in der Regel vereinigt in einem Rohr in techniſch vollkommener und ſanitär befriedigender Weiſe thunlichſt raſch außerhalb des Stadtweichbildes zu führen. Regen⸗ und Drainagewaſſer ſind nach Möglichkeit dem Kanalnetz fern zu halten und überall, wo dies angeht, direkt oder durch beſondere kurze Regen⸗ kanäle den beſtehenden Waſſerläufen zu überweiſen. Alle Senken, offene Gräben ꝛc. werden dadurch in Wegfall kommen, und einer Verunreinigung der Luft, des Waſſers und des Untergrundes vor⸗ gebeugt. Die Ableitung des Kanalwaſſers erfolgt direkt in die Wieſeck, reſpektive Lahn. „Auf eine Einführung der Fäkalien in die Kanäle kann zurzeit verzichtet werden. Immerhin aber iſt bei Aufſtellung des Kanalprojektes auch auf eine Einführung der Abortſtoffe vorſorglich geeignete Rückſicht zu nehmen, da nicht ausgeſchloſſen iſt, daß mit dem Wachſen der Stadt und der Einführung und Vermehrung der Waſſerkloſets ſich die Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten und Koſten der Abfuhr dieſer Waſſer derartig vermehren, daß nach den Er⸗ fahrungen anderer Städte ein Ableiten derſelben in die Kanäle zur zwingen⸗ den Notwendigkeit werden kann. Auf die Größe und Konſtruktion der Kanäle iſt dieſes zwar ohne Einfluß, und kann die Einführung der Fäkalien jederzeit ohne techniſche Schwierigkeiten erfolgen, allein bezüglich der Anordnung des Kanalnetzes iſt auf dieſen Fall nach verſchiedener Richtung hin in geeigneter Weiſe Rückſicht zu nehmen, und es ſind dabei insbeſondere die folgenden Punkte zu beachten: a. Für die Ausmündung der Kanaliſation muß eine paſſende Stelle gewählt werden. b. Es iſt ein Zuſammenführen aller Kanäle an einer Ausmündungsſtelle erforderlich oder doch für die Zukunft zu ermöglichen. Man muß, um ſchon jetzt die Menge des zu pumpenden Waſſers möglichſt einzuſchränken, darauf rückſichtigen, daß alles reine Waſſer, wie Regen⸗ und Drainagewaſſer, thunlichſt von dem Kanalwaſſer getrennt wird. Man wird daher überall, wo dieſes nur möglich und thunlich iſt, dieſe Waſſer oberirdiſch oder durch beſondere kleinere Stich⸗Kanäle direkt den vorhan⸗ denen Waſſerläufen— der Lahn und Wieſeck, ſowie dem Stadtgraben— 4. daß bei im Projekte bezüglich Tieflage der Kanäle, Senkung des Waſſerſpiegels und der läſſigen nahmen 1. .Durch Aufſtellung geeigneter Pumpwerke, Aubringung von Abſperrvorrichtungaf 6. Bei Projektierung des Kanalnetzes muß auf die zukünftige Ausdehnung der? .Die Entwäſſerung ſoll nach den Grundſätzen der Schwemmkanaliſation durchgqt zuführen. Dieſer letztere ſoll, wie ſpäter noch erläutert werden wird, dem vorliegenden Projekte in Zukunft nicht als Schmutzwaſſer⸗K ſondern als Drainage für die Altſtadt, als Spülkanal für das Kam und als Regenkanal dienen und demzufolge nur reines Waſſer füs Das von demſelben aufgefangene Grundwaſſer, ſowie das eingn Regenwaſſer ſollen, getrennt vom Kanalwaſſer, der Lahn zugeführt dadurch die Menge des letzteren ſehr verringert werden. Der Grundwaſſerſpiegel ſoll nach Möglichkeit geſenkt werden, um trockene. und Wohnungen zu erhalten, und die Grundwaſſerſchwankungen ſollen thun begrenzt werden, weil durch die auf- und abſteigende Bewegung des Gu waſſers und das damit verbundene abwechſelnde Naß- und Trockenwe die Fäulnis und Gährung der im Boden enthaltenen Schmutzſtoffe beföt wird, und ſowohl durch Verunreinigung des Grundwaſſers, wie auch?d die dem Boden entſteigenden Miasmen unter Umſtänden geſundheitsſchäd Einwirkungen ſtattfinden können. iſt dafür zu ſorgen, daß die Abwaſſer der Kanaliſation auch bei Hochwaſſer Lahn und Wieſeck ſtets freien Abfluß haben und das Grundwaſſer ſeinen norm Stand möglichſt wenig verändert. Rückſicht genommen werden, ſodaß das Netz ohne Schwierigkeit erweitert! die gute Wirkſamkeit desſelben dadurch nie beeinträchtigt werden kann. werden und dementſprechend die häuslichen Brauchwaſſer, das Fabrikwut die atmoſphäriſchen Niederſchläge und eventuell auch die Fäkalien in ein Rohrnetz aufgenommen werden, mit der ſpeziellen Maßgabe jedoch, daß, bereits bemerkt, überall, wo es möglich iſt, das Regenwaſſer direkt den Wa läufen zugeführt und das Grundwaſſer von dem Kanalwaſſer getrenntu Bei dem Schwemmſyſtem werden bekanntlich ferner alle in den waſſern enthaltenen feſten, nicht ſchwemmbaren Stoffe vor dem Einleiten die Kanäle durch geeignete Vorrichtungen, als Schlammfänge, Fetttöpfe abgefangen, ſodaß die alsdann noch in dem Kanalwaſſer enthaltenen Unrei keiten meiſt durch die bewegende Kraft des abfließenden Waſſers i geſchwemmt werden, und eine„ſelbſtthätige Reinigung“ der Kau herbeigeführt wird. Dieſe als„Selbſtreinigung“ bezeichnete Eigenſchaft Schwemmkanäle wird bei Vorhandenſein geeigneter, verfügbarer Waſſervom noch dadurch unterſtützt, daß man jeden einzelnen Strang des Kanaln durch Verbindung mit Spülbehältern und Spülkanälen einem kräftig win den Spülſtrom ausſetzen und dadurch förmlich ausſpülen kann. Dieſe letzte Anordnung bedingt, daß die einzelnen Kanäle nicht toten Enden auslaufen, wie dieſes zumeiſt bei den älteren Entwäſſerum (Veräſtelungsſyſtem) der Fall war, ſondern daß dieſelben in einem organ zuſammenhängenden Netz zu einzelnen, wieder unter ſich verbundenen S bezirken vereinigt werden, deren einzelne Aeſte einen kontinuierlich due laufenden Spülſtrom von der Spülquelle des betreffenden Bezirks aus geſta Bezüglich der Konſtruktion und Ausführung der Schwemmkanäle iſt bemerken, daß zu denſelben prinzipiell nur beſtes Material verwendet wer ſoll und die techniſche Ausführung eine vorzügliche und ſorgfältige ſein m. Ferner ſoll eine fortlaufende gute und leichte Reviſion des Kanalnet ermöglicht werden und für eine ausreichende Ventilation desſelben geſe ſein. Unter Berückſichtigung der vorliegenden Verhältniſſe und unter der Lana einem Lahnſtand von allerhöchſtens+ 3 m am Lahnpegel gepumpt wird, Schwankungen desſelben für die einzelnen Stadtgebiete die folgenden ¹ gemacht werden: Südlicher Teil der Altſtadt innerhalb des Ringgrabens. Die Kanal- und Ringgrabentiefe iſt derartig bemeſſen, daß vorausſtt lich der gewöhnliche Grundwaſſerſtand+ 2,70 m betragen und die H’ den wir waſſer das g zaſſer ¹s ein ugefüt rocken, ſollené rrichtn Hvochwaſ inen uo ung der erweite en kan du durch Fabrit en in, och, d tden! getrem in d Einle igenſch Waſſeu 3 Kang äftig! ile nie twäſſen gem or ndenen terlich aus ge kanäle von 3,30 m nicht überſchreiten wird, ſodaß alſo hier eine Senkung des Waſſerſpiegels um 30 cm eintreten wird und auch die Grundwaſſerſchwan⸗ kungen um etwa 40 bis 50 cm gegen früher eingeſchränkt werden. Da die mittleren Kellerſohlen an der Wolkengaſſe auf etwa 3,50 m, in den übrigen Gebieten dieſes Stadtteils aber auf etwa+ 4 m liegen, ſo iſt, ſehr tiefe Keller ausgenommen, bei der angenommenen Tieflage der Kanaliſation eine Entwäſſerung derſelben durchgängig erreicht und ein Freihalten derſelben von Grundwaſſer geſichert. In der Wolkengaſſe und am Tiefenweg können allerdings nur Keller⸗ anlagen von 1,20 bis 1,40 m Tiefe unter Straßenkrone bei Hochflut waſſer— frei gehalten werden, und empfiehlt es ſich hier, eine allmähliche Erhöhung dieſer Straßen über+ 5 m hinaus ins Auge zu faſſen. Mittlerer Teil der Altſtadt innerhalb des Ringgrabens. Der gewöhnliche Grundwaſſerſtand dürfte hier in Zukunft auf+ 3 m liegen, und ſollen die Drainagen und tiefſten Einläſſe bei+ 3,50 m beginnen, ſodaß die größten Grundwaſſerſchwankungen 60 cm betragen würden. Da die mittlere Kellerſohlenhöhe etwa 3,70 bis 4 m Lp liegt, ſo iſt auch hier durchgängig eine Entwäſſerung und Trockenhaltung aller gewöhnlichen Keller⸗ anlagen erreicht. Die Grundwaſſerſenkung wird circa 30 bis 40 cm betragen. Eine zukünftige Erhöhung der tiefliegenden Gegenden an der Wetzſtein⸗ gaſſe, Sandgaſſe ꝛc. auf über+ 5,50 m iſt dringend erwünſcht. Nördlicher Teil der Altſtadt innerhalb des Ringgrabens. Der gewöhnliche Grundwaſſerſtand ſoll hier auf+ 3,40 m abgeſenkt, und ein Aufſteigen desſelben über+ 3,80 m vermieden werden. Die Grund⸗ waſſerſenkung beträgt daher hier gegen jetzt mindeſtens 30 cm, und die ſeit⸗ herigen Schwankungen desſelben, welche zurzeit auf 1,50 m geſchätzt werden können, werden alsdann nur noch etwa 40 bis 50 cm betragen. Auch hier iſt überall eine Entwäſſerung der Keller, deren mittlere Sohlenhöhe auf + 4,40 m liegt, ermöglicht. Nordweſtlicher Teil der Neuſtadt, das Gartfeld, Schwarzlach ꝛc. Der jetzige gewöhnliche Grundwaſſerſtand von+ 4,15 m ſoll auf + 3,90 m geſenkt und die Schwankungen desſelben, welche ſeither etwa 2 m betrugen, auf 5,20 bis 3,90 m, etwa 1,30 m, eingeſchränkt werden. Die Tieflage des Kanalnetzes würde zwar noch eine größere Einſchränkung ge⸗ ſtatten, allein da hier bedeutender Grundwaſſerandrang zu erwarten ſteht, ſo iſt davon Abſtand genommen worden. Da die Kellerſohlen auf+ 5,20 bis 5,50 m liegen, ſo iſt die Entwäſſerung und Trockenhaltung derſelben geſichert. Neue Straßen ſollen mindeſtens über+ 7 m angelegt werden. „Nordweſtliche und öſtliche neuſtädtiſche Gebiete zwiſchen Stadtringgraben und Wieſeck. Es liegen für dieſelben keine Grundwaſſerbeobachtungen vor, doch iſt die Tieflage des Kanalnetzes derartig gewählt, daß auch hier eine bedeutende Verbeſſerung der Grundwaſſerverhältniſſe eintreten wird. Das Aufſteigen des Grundwaſſers ſoll nicht über+ 4,50 m hinaufgehen, und iſt die Höhe zukünftiger Straßenanlagen hiernach geeignet zu bemeſſen. Was nunmehr die Geſtaltung des Entwäſſerungsprojektes der Stadtgebiete öſtlich und ſüdlich der Wieſeck bezüglich der Grundwaſſerverhältniſſe angeht, ſind hierfür die obigen Ergebniſſe maßgebend. 3. In den Niederungen der Gebiete längs der Wieſeck und in der Stephansmark ſteht das Grundwaſſer beträchtlich höher wie der Wieſeckſpiegel. Durch die durch die Kanaliſation nach allen Richtungen hin herbeigeführte Durch⸗ ſchneidung des Bodens und die dadurch verbeſſerten Abflußverhältniſſe wird hier eine Grundwaſſerſenkung eintreten, ſodaß der normale Stand desſelben auf vorausſichtlich+ 3,50 m wird angenommen werden können. Ein Steigen desſelben ſoll bis zur Höhe von+ 4,50 m geſtattet werden und demnach die Schwankungen, welche jetzt etwa 1,40 m betragen, auf 1 m vermindert werden. Von einer größeren Beſchränkung iſt wegen der bei Hochflut zu erwartenden Grundwaſſermenge Abſtand genommen worden. Die Höhenlage neuer Straßen ſollte je nach der Tieflage des Kanalnetzes nicht unter 6,50 bis 7 m betragen. — 14— 7. Hochgelegene Gebiete an der Grünberger⸗- und Licherſtraße, am Nahrung ſowie am Seltersberg. Das Grundwaſſer liegt hier teilweiſe tief, an einzelnen Gebieten zeitweiſe auch ſehr flach unter dem Boden. Durch die nach allen Richte hin erfolgende Durchſchneidung dieſes Terrains durch die Kanaliſation, geeignete Einfüllung der Kanalgräben mit durchläſſigem Material, als Sand ꝛc., und durch Drainage kann hier überall eine Senkung des G. waſſers unter Kellerſohlenhöhe bewirkt und ein durchgehends geſunder erreicht werden. Die Beibehaltung des Stadtringgrabens iſt, wie wir oben bereits geſehen 1 für die Grundwaſſerfreihaltung der Altſtadt von großem Einfluß und würde Vertiefung des weſtlichen Arms noch an Bedeutung gewinnen. Auch iſt das noch in den letzten Jahren unter Aufwand namhafter Koſten auf der ſüdlichen öſtlichen Strecke, von der Bahnhofſtraße bis aufwärts zum Aſterweg, mit einert Sohle verſehen worden, ſodaß, falls nicht zwingende Gründe bei Aufſtellum Entwäſſerungsprojektes dagegen ſprechen, die Erhaltung desſelben vorzuſehen Derartige Gründe von Belang liegen aber nicht vor, ſondern es bietet die Erhe ſogar den weiteren Vorzug, daß ſich der Graben, wie das Projekt zeigt, vortet als Spül- und Regenaufnahmekanal der Kanaliſation verwenden läßt ſehr zur Entlaſtung derſelben beiträgt. Als eigentlicher Kanal wird derſelbe alsdann nicht mehr dienen, da Drainage⸗ und Regenwaſſer getrennt abgeleitet und dem Graben keinerlei Sch waſſer mehr zugeführt werden ſoll. Letzteres iſt von keinem Nachteil, da der Gu auf große Strecken außerhalb der Straße und entfernt von der Bebauung liegt, der Anſchluß von Nebenkanälen und Hausleitungen nicht nur ſehr erſchwert, ſon auch wegen der langen Leitungen unpraktiſch und ſehr teuer würde, auch hätte! den ganzen Graben bei definitiver Benutzung als Straßenkanal überwölben mü Die Fernhaltung der Schmutzwaſſer aus dem Ringgraben hat ferner Vorteil, daß bei Hochflut das im Graben hoch aufgeſtaute Grundwaſſer nicht Schmutzſtoffen vermiſcht wird und Bodenverunreinigungen, wie ſolche ſeither zu fürchten waren, nicht ſtattfinden können. Tieflage und Gefälle der Kanäle. Die Tieflage der Kanäle muß derartig bemeſſen ſein, daß in allen Siſ teilen thunlichſt noch eine Entwäſſerung der Keller von normaler Tiefe möglich und daß zur Erreichung trockener Wohnungen der Grundwaſſerſpiegel entſprech unter Kellerſohle gehalten wird. Andererſeits muß aber berückſichtigt werden, die Kanäle zur Vermeidung des Rückſtaues von Lahn und Wieſeck und der de verbundenen Unannehmlichkeiten und der Notwendigkeit des Ueberpumpens, ſe wegen den mit zunehmender Tiefe erwachſenden Anlage⸗ und Betriebskoſten wie möglichſt hoch angelegt werden müſſen. Auch muß beachtet werden, daß die Höß lage des Netzes derartig bemeſſen wird, daß noch Regenausläſſe nach dem Stadtgrn und der Wieſeck möglich ſind, weil ſonſt die Kanalquerſchnitte ganz bedeutend! größert werden müßten und eine vollſtändige Ausnutzung des Stadtgrabens möglich wäre. Erwägt man ferner, daß für Rohrkanäle Gefälle bis 1:500, für gemau Kanäle, je nach der von ihnen geführten Waſſermenge, Gefälle von 1:500 bis 1:1 und für Sammelkanäle ſolche von 1:1500 bis 1:3000 nicht leicht überſchritten wei ſollten, ſo wird nach dieſen verſchiedenen Geſichtspunkten die Tieflage des Kanaln beſtimmt werden können. Hiernach hat ſich die Sohlenhöhe des Hauptſammelkanals vor der jetz Pumpanlage, nach Vereinigung des altſtädtiſchen Sammelkanals I mit denjend der neuſtädtiſchen Nord- und Oſtgebiete II und III, zu+ 1,81 LP ergeben, 18 cm höher wie der jetzige Vereinigungspunkt der beiden Stadtgrabenarme daſell Bei der etwaigen planmäßigen Fortführung des Kanals nach dem Hamm ſoll d ſelbe ein Sohlengefälle von 1:3000 erhalten, und mündet dann unterhalb Eiſenbahnüberführung auf der Höhe von+ 1,67 m in die Wieſeck. geſehen würde ch iſt füdlich nit eine ufſtellu orzuſen die Ett gt, vor den läͤ enen, d rlei S a der g liegt wert, ſ ch hätt ölben! t fern ſer nic ſeither allen mög. entſpt werden d der npens, koſten die d Stadte deuten, rabens ir gem bis! ritten! Kana 1 Das Gefälle des altſtädtiſchen Sammlers I beträgt von der Bahnhofſtraße aufwärts bis zur Wallthorſtraße 1:2000, von hier ab bis zur Brandgaſſe 1:1500, ſodann bis zum Wallthor 1:1200 und von da ab bis zur Steinſtraße 1:1000. Der Sammler der Nord⸗ und Oſtſtadt hat von der Bahnhofſtraße bis zur Bleichſtraße ein Gefälle von 1:1500 und verzweigt ſich hier in den Sammler III. der Stephansmark und den Sammler II der Süd⸗ und Oſtanlage. Erſterer hat von der Südanlage bis zur Ludwigſtraße ein Gefälle von 1:1200, ſodann aufwärts bis zur Bismarckſtraße von 1:1000 und von hier ab bis zur Gartenſtraße von 1:800. Sammler III ſteigt von der Bleichſtraße bis zum Neuenwegerthor mit 1:1200 und von da ab bis zur Wieſenſtraße mit 1: 1000. Die Kanalgefälle ſind in dem Niedergebiet der Stadt im allgemeinen mäßige, doch können dieſelben mit Rückſicht auf die zur Verfügung ſtehenden großen Waſſer⸗ vorräte immerhin als vollſtändig ausreichend bezeichnet werden. Die mittlere Tieflage der Kanäle beträgt in der Altſtadt und den Tiefgebieten der Neuſtadt etwa 3 m, in den übrigen Stadtteilen iſt dieſelbe zu mindeſtens 3,50 m angenommen worden. Die Kanalſohlentiefe an den niedrigſt gelegenen Straßenpunkten der Altſtadt beträgt: am Tiefenweg 2,15 m, an der Sandgaſſe 1,54 m, an der Wetzſteingaſſe 1,84 m und an der Neuenbäue 1,80 m. Der Sammler IVY der weſt⸗ lichen Neuſtadt und des Hamms hat als ſchwächſtes Gefälle 1:1500. Die mittlere Tieflage der Kanäle beträgt circa 3,20 m. Die Ausmündung liegt auf+ 2,94 m. Der Seltersbergſammler hat durchgehends gute Gefälle, die letzte Strecke desſelben längs der Wieſeck hat 1:1000. Die mittlere Sohlentiefe der Kanaliſation iſt zu 3,50 m angenommen. Die Ausmündung in die Wieſeck liegt auf+ 4,53 LP. Wie man aus Vorſtehendem erſieht, werden die Sammler IV und V ſelbſt von größerem Hochwaſſer nur wenig beeinflußt, während der Hauptſammelkanal, der Altſtadtſammler und der Sammler der Stephansmark bedeutenden Rückſtau erhalten. Bei einem Lahnſtand von+ 3m LP erſtreckt ſich derſelbe im Altſtadtſammler ſchon bis zum Wallthor und in der Stephansmark bis zur Bismarckſtraße. Um Ver⸗— ſchlammungen des Kanalnetzes zu vermeiden, iſt daher+ 3 m der alleräußerſte Stand, bis zu welchem das Pumpen verſchoben werden kann. Da alsdann auch wegen des Grundwaſſers der Pumpbetrieb allerſpäteſtens beginnen muß, ſo geſtaltet ſich derſelbe in dieſer Beziehung einfach und günſtig. Ausmündung der Kanaliſation und pumpanlage. Die Ausmündung der Kanaliſation kann vorläufig durch den beſtehenden Abzugsgraben am Gerberhaus erfolgen, wo ſich alsdann das Waſſer der Kanaliſation mit dem Drainage⸗ und Spülwaſſer des Stadtringgrabens vereinigen würde. Bei Ausdehnung des Kanalnetzes iſt eine Verlängerung des Kanals nach dem Hamm mit Ausmündung in die Wieſeck unterhalb der Eiſenbahnüberführung daſelbſt vorgeſehen. Der frühere Ablauf würde alsdann durch einen Syphon unter dem Hauptſammel— kanal hindurch das Waſſer des Stadtringgrabens getrennt ableiten, ſowie bei großen Niederſchlägen außerdem als Regenauslaß dienen. Da es von Wichtigkeit iſt, daß ſich alle Kanäle an einer Stelle vereinigen, um einen einheitlichen Pumpbetrieb zu ſichern, ſo ſoll die Führung der ein— zelnen Kanäle, wie im Plane angegeben, bewirkt werden. Der Kanal der nordweſtlichen Außengebiete zwiſchen Bahn und Weſtanlage, welcher vorläufig durch die Neuſtadt ſeine Vorflut findet, ſoll ſpäter durch das Neu⸗ ſtädterthor über den Viehmarkt dem Hamm entlang geführt werden und gleichfalls unterhalb der Eiſenbahnüberführung in die Wieſeck münden. Ferner wird der Sammler V, welcher vorausſichtlich vorläufig am Selters⸗ berg, an der Brücke, in die Wieſeck münden wird, ſpäter durch die längs der Wieſeck in Ausſicht genommene Straße weſtlich unter der Eiſenbahnüberführung hindurch geführt und dann ebenfalls an gleicher Stelle wie die übrigen Kanäle ausmünden. Die Möglichkeit einer einheitlichen Pumpanlage iſt alſo geſichert. Was das Pumpwerk und deſſen Betrieb anlangt, ſo kann bei der vorläufigen Ausmündung die jetzige Anlage beſtehen bleiben und müßte nur entſprechend ver— größert werden. Da die Entwäſſerung der nordweſtlichen Außenſtadt vorläufig in die altſtädtiſche Kanaliſation erfolgt, ſo iſt bei Hochflut alles Kanalwaſſer mit Aus⸗ nahme desjenigen des Seltersbergs zu heben. Bei Verlängerung der Kanäle nach 16— dem Hamm und der Errichtung einer hochwaſſerfreien Pumpſtation daſelbſt das Kanalwaſſer der Weſtgebiete, da die tiefſten Kanaleinläſſe daſelbſt über ꝛ. und die Sohle an der projektierten Pumpſtation auf 2,95 m liegt, erſt bei Lahnſtand von annähernd+ 5 m, alſo nur in ſeltenen Ausnahmefällen, geg werden müſſen, was immerhin beachtenswert iſt, da dieſe Kanäle bei Hochflut 1 ſichtlich viel Grundwaſſer führen werden. Die Ausmündung des Seltersbergſammlers hat eine Sohlenhöhe von+ 4 iſt alſo ſo hoch gelegen, daß das Waſſer desſelben auch bei größerem So ohne Pumpbetrieb ſeine Vorflut findet. Wie oben bereits bemerkt, ſollen die Grundwaſſerſchwankungen der ſüß Altſtadt derartig eingeſchränkt werden, daß der höchſte zuläſſige Waſſerſpiegt Höhe von+ 3,30 m nicht überſchreitet. Dieſes bedingt unter Berückſichtigum Grundwaſſerſpiegelgefälles, daß bei einem Lahnſtand von allerhöchſtens+ 3 n der Pumpbetrieb beginnt, und der Waſſerſpiegel des Ringgrabens und der Kanalh fortwährend unter dieſem Niveau gehalten werden. Da Lahn und Wieſeck oft ſehr raſch anſteigen, ſo wird es ſich an wenn die Pumpanlage bereits bei+ 2,50 m betriebsfertig gemacht und, um plit Ueberſchwemmungen des Kanalnetzes zu vermeiden, an der Ausmündung eine thätige Rückſtauklappe angebracht wird. Der ſeitherige Betrieb hat zumeiſt erſt bei+ 3,50 m begonnen, doch ſiſ Waſſerſpiegel des Stadtgrabens, durch das während des Pumpbetriebs noch dauernde Steigen des Grundwaſſers in den weſtlichen und nördlichen Stadt veranlaßt, in neuerer Zeit auch ſtets unter+ 3 m gehalten worden. Es ſei hier noch kurz auf den Einfluß aufmerkſam gemacht, aen noch größere Senkung des Grundwaſſerſpiegels auf den Pumpbetrieb ausüben m Nach Anlage 3 iſt die mittlere Geſamtdauer eines Lahnſtandes pro Jahr: von 3,00 m: 28 Tage, „ 2, 75 m 35,4„ „ 2,50 I: 44,8„ Ferner zeigt die Anlage 3, daß ein Lahnſtand von 3,00 m durchſchnittlich im Jahr 4,2 mal eintritt, „ 2,75 I 5„„ 5,09„„ „ 2,50 m„„ 5,94. woraus man erſieht, daß mit der Tieferhaltung des Grundwaſſerſpiegels die A der Pumptage in ſteigendem Verhältnis wächſt, und durch die öftere Notwende des Pumpens der Betrieb ſehr erſchwert und verteuert wird. Berückſichtigt ferner, daß ſich dabei auch die Hubhöhe ſteigend vermehrt und der Zudrang Grundwaſſers mit der Abſenkung des Kanalnetzes in geometriſchem Verhältnis wa wird, ſo ſieht man, daß auch aus dieſem Grunde praktiſch über ein gewiſſes nicht hinausgegangen werden kann, zumal dadurch höchſtens für wenige, gam gelegene Straßen der Altſtadt, zum Nachteil der Geſamtanlage, ein geringer erreicht wird. Koſtenüberſchlag der Kanaliſation. A. Koſten der Straßenkandle......... 1 0/9 299 Mℳ B. Umbau des Stadtringgrabens....... 81 000„ C. Straßeneinläufe............ 34 300„ D. Erweiterung der Pumpanlage........ 35 000„ E. Zufallige Arbeiten, Aufficht Cc........ 50 401„ Summa 1 280 000 ℳ Der Koſtenanſchlag iſt darauf baſiert, daß die beſtehende Pumpanlage erh und entſprechend erweitert wird, und enthält die Kanäle aller zurzeit angebat Straßen der Stadt. Die Geſamtlänge der Kanäle beträgt 19 605 laufende Meter, die veranſch ten Koſten derſelben 1 079 299 ℳ, ſodaß ſich der laufende Meter auf ca. 55 ſtellt. Es iſt dabei angenommen, daß alle Anlagen mit beſtem Material um ausgebildetſter Konſtruktion ausgeführt werden. Bezüglich der Grundwaſſerbemt gung iſt es ſchwer, die Koſten genau vorauszuſehen, doch dürften die eingeſet n der aſſerſp dſichtig 5+; er Kan ſich en d, um! ung en n, doch ebs no welc usüben 1 ſahr: els die Notwe ückſichte Zudra altnis gewiſſe nige, g ringer 9 299 1000 1300 ) 000 )401 — 7000 mlage! it ang e ver⸗ zuf ca⸗ teerial waſſert ie eing 17— Preiſe genügen. Die Kanaliſation des Seltersbergs wird ſich vorausſichtlich flacher legen laſſen, und die Anſchlagskoſten ſich alsdann entſprechend niedriger ſtellen. Die Geſamtkoſten der Straßenkanäle, des Umbaus des Stadtringgrabens, der Straßeneinläufe, der Pumpanlage, der unvorhergeſehenen Arbeiten und der Auf⸗ ſicht ſtellen ſich nach dem Anſchlage auf 1 280 000 RA. Die dringlichſten Arbeiten ſind die Vertiefung und Ausbau des weſtlichen Stadtringgrabens von der Pumpanlage bis zum Aſterweg, die Kanaliſation der Altſtadt und der nordweſtlichen Neuſtadt, ſowie die Erweiterung der Pumpanlage. Die Koſten dafür ſtellen ſich nach dem Anſchlage auf circa 685 000 A. Die Entwäſſerung der übrigen Stadtteile kann ſich alsdann, dem jeweiligen Bedürfnis entſprechend, hieran anſchließen. Köln, im Jahre 1889. Steuernagel. Anlage III. Auszug aus dem Bericht des Civil⸗Ingenieurs Lindley in Frankfurt a. M. betreffend Entwäſſerung der Provinzialhauptſtadt Gießen, d. d. 25. März 1895. Zweck der Entwäſſerung. Die Aufgabe der Entwäſſerungsanlage iſt die Sammlung und Ableitung aller Schmutzwäſſer der Stadt(Hausabwäſſer und Induſtriewäſſer), die Aufnahme und Ableitung des Regenwaſſers, die Aufnahme und Regulierung des Grundwaſſers, ſowie die zweckmäßige Entwäſſerung der Stadt bei Hochwaſſer in der Lahn. Das geringe Oberflächengefälle der Stadt macht die oberflächliche Ableitung des Regenwaſſers nach den einzelnen Bächen und Stadtgräben auf die Dauer un⸗ haltbar. Die Tiefenlage der Stadt gegenüber dem Hochwaſſer der Lahn macht die Sicherung der Stadtentwäſſerung auch bei Hochwaſſer zu einer der wichtigen Auf⸗ gaben der Entwäſſerungsanlage. Aus dieſem Grunde kann für Gießen die An⸗ wendung eines getrennten Syſtems für das Schmutzwaſſer und die getrennte Ab⸗ leitung des Regenwaſſers nicht in Betracht kommen. Es iſt deshalb das kombinierte Syſtem gewählt worden. Die Frage, ob die menſchlichen Abgänge in die Kanäle eingeführt werden ſollen oder nicht, kann zunächſt unentſchieden bleiben. Ihre Menge iſt gegenüber den übrigen Abwäſſern ſo gering, daß ſie einen Einfluß auf die Dimenſionierung der Kanäle nicht ausübt, ebenſowenig auf die Spülkraft und auf die Konſtruktion. Hierüber erlaube ich mir im übrigen auf die Beantwortung der mir geſtellten Fragen am Schluſſe dieſes Berichts ergebenſt Bezug zu nehmen. Bevölkerung. Die Bevölkerung der Stadt Gießen betrug: im Jahre 1840 7 209 5,„ 1870. 10 223 1890. 20 571 und kann jetzt mit rund 23 000 angenommen werden. Der Zuwachs iſt derart, daß die Bevölkerung vorausſichtlich im Verlaufe von 10—15 Jahren 30 000 erreichen dürfte. Abflußmengen. a) Schmutzwaſſer. Der Abfluß an Schmutzwaſſer iſt bei einer Bevölkerungsdichtigkeit von durch⸗ ſchnittlich 250 Einwohnern pro Hektar und einem Schmutzwaſſerabfluß von 120 Liter pro Kopf und Tag mit Rückſicht auf die Verteilung des Abfluſſes auf die verſchiedenen Tagesſtunden mit rund 0.5 Liter pro Hektar und Sekunde angenommen. Dieſe Schmutzwaſſermengen werden durch das Sielnetz geſammelt und nach der unteren Ausmündung geführt. b) Dauerregen. Für die Menge des Dauerregens, d. h. für diejenige Regenwaſſermenge, welche zuſätzlich zu dem vorerwähnten Schmutzwaſſer ebenfalls durch das Sielnetz geſammelt und nach der unteren Ausmündung ohne Inanſpruchnahme der Not⸗ — 20— und Regenausläſſe abgeleitet werden ſoll, iſt 1.5 Liter pro Hektar und Sekunde genommen. Es entſpricht dies einer zum Abfluß kommenden Regenmenge 13 mm oder ½ Pariſer Zoll pro 24 Stunden. Dieſes entſpricht einem Niederſt welcher in 12 Stunden etwa 13 mm liefert, oder etwa 1 mm. Niederſchlagshöhe Stunde unter der Annahme, daß bei derartigen länger andauernden Regen und Q regen etwa die Hälfte des Waſſers in die Siele zum Abfluß gelangt. Dieſe Re höhe iſt eine ſolche, die nicht allzuoft überſchritten wird, ſodaß die Regenaus nur durch ausnahmsweiſe Niederſchläge und demnach ſelten zur Wirkfamke bracht werden. Der den Berechnungen zu Grunde gelegte Abfluß bei Dauerregen entſo demnach 0.5 Liter Schmutzwaſſer+ 1.5 Liter pro Hektar und Sekunde Regenw oder 2 Liter pro Hektar und Sekunde, d. h. einer vierfachen Verdünnung des Schm waſſers. Erſt bei ſtärkerer Verdünnung und Zufluß treten die Regenausläſſe Wirkſamkeit. c) Sturzregen. Für die Leiſtungsfähigkeit der Sielanlage bei heftigen Sturzregen iſt Grundzahl ein Abfluß von 50 Liter pro Sekunde von einem Hektar angenom und bei größeren Flächen iſt dieſer relative Abfluß in dem Verhältnis der vie Wurzel aus der Fläche vermindert. Bei Feſtſtellung dieſer Zahl iſt berückſich worden, daß das geſamte untere Gebiet flach iſt, zum Teil aus Gärten, Parks! öffentlichen Anlagen beſteht, während in den oberen Gebieten, in welchen die Ga ſtärker ſind, die Bebauung eine villenartige, reich mit Gärten durchzogene iſt, die Flächen in nur geringem Umfange gepflaſtert und befeſtigt ſind. Es iſt nicht für zweckmäßig erachtet worden, für die verſchiedenen 8 gebiete verſchiedene Abflußzahlen anzunehmen. Die Einteilung der Entwäſſerungsgebiete im weiteren Umfange geht Anlage 1 hervor. Auf dieſem Plane ſind die Grenzen des Einzugsgebietes Wieſeck und deſſen Unterabteilungen durch blaue Linien bezeichnet; die Gemarkumg grenze Gießens iſt durch einen gelben Farbenton hervorgehoben; die Grenze der waldeten Fläche im Klingelbachthal iſt durch grüne Farbe bezeichnet. Dieje Flächen, deren Entwäſſerung in die Entwäſſerungsanlage nach dem vorliegem Projekt aufgenommen werden, ſind durch blaue Schraffierung angedeutet. Das eigentliche Entwäſſerungsgebiet des Sielnetzes iſt ſenke ſchraffiert. Dasſelbe hat eine Fläche von 675.8 Hektar. Die Umgrenzung fängt linken Ufer 1200 m oberhalb der Lahnbrücke an, zieht in ziemlich gerader Linien der Marburger Chauſſee, folgt letzterer bis in die Nähe des Dorfes Wieſeck, dann rechtwinkelig über das Wieſeckthal nach der Gänsmühle, an der Gänsmt vorbei bis zum Philoſophenwald, verfolgt die Grenze des Philoſophenwaldes bis! Grünberger Chauſſee. Von hier zieht dieſelbe hinter der Kaſerne und dem Se am Nahrungsberg hinab bis zur Kreuzung der Gießen— Fuldaer Eiſenbahn mit d. Klingelbach, verfolgt ſodann die Eiſenbahn bis zur Verbindung mit der Gießen Gelnhäuſer Bahn und folgt dieſer letzteren bis zum Aulweg, folgt dem letzterent zur Waſſerſcheide des Seltersberges und zieht dann rechtwinkelig nach der Lahn! zum alten Wetzlarer Weg an der Margarethenhütte. Ein weiteres Gebiet, deſſen Aufnahme in der Entwäſſerungsanl— ebenfalls vorgeſehen iſt, iſt auf dem Plan durch horizontale Schraffierung bezeicht Dasſelbe umfaßt die ganze nicht bewaldete Fläche des Klingelbachthals innerhalb Gießener Gemarkungsgrenze und hat eine Fläche von rund 300 Hektar. Für die ſüdöſtliche Erweiterungsgebiet iſt mit Rückſicht auf deſſen Lage und vorausſichte ſchwache Bebauung für einen Abfluß von 0.25 Liter Schmutzwaſſer pro Hektar un Sekunde und 1 Liter Dauerregen pro Hektar und Sekunde an dem Aufnahmepu im Sielnetz Vorſorge getroffen.. Ein großer Teil der Stadt fällt in das Entwäſſerungsgebiet der Wieſt und da die Wieſeck die Stadt durchzieht, mußte zuerſt die Frage der Abhängigtt der Stadtentwäſſerung von dieſem Abfluß, namentlich zu Hochwaſſerzeiten, ku geſtellt werden. Die Wieſeck hat bei ihrer Vereinigung mit dem Krebsbach ein Entwäſſerung gebiet von 7580 Hektar. Auf dem weiteren Verlauf nach der Stadt, bis zur W einigung mit dem Klingelbach, kommt ein weiteres Gebiet, jenes der unteren Wieſe mit 3880 Hektar hinzu, ſodaß die Entwäſſerungsfläche der Wieſeck an der Vereiniguſ gbregen angene 5 der berüch 7 Pal en die eene iſt denen sgebiet Gemaul renzed Diej vorlie et. ng fän er Lin Wieſech 1 Gäns aldes! dem F ahn m der Gi letztel der Lal erungs ig beze merha Für oraus MHetta fnahm der I Abhänn zeiten, wäſſer is zul N eren d Verein — 21— mit dem Klingelbach 11 460 Hektar umfaßt. Das Entwäſſerungsgebiet des Klingel⸗ bachs umfaßt 1750 Hektar. Es ſind dieſe Flächen zu groß, als daß ſie einem ſtädtiſchen Entwäſſerungs⸗Syſtem zugeteilt werden könnten. Die Uferverhältniſſe der Wieſeck ſind mit Bezug auf Hochwaſſer derart, daß die Wieſeck als ein Abfluß betrachtet und behandelt werden kann, welcher auch beim höchſten Hochwaſſer ſeinen Weg durch die Stadt nach der Lahn nimmt, ohne die übrige ſtädtiſche Entwäſſerung zu beeinträchtigen. Bei dem Projekt iſt demnach das Wieſeckbett als ein derartiges bei Hoch⸗ waſſer aufgeſtautes Bachbett behandelt, welches das ausgedehnte, oberhalb gelegene Gebiet durch die Stadt hindurch mit der Lahn verbindet. Auf dem Längenprofil der Wieſeck, Anlage 2, iſt der Verlauf des Hoch⸗ waſſers vom 31. October 1894 und der Einfluß des Rückſtaues der Lahn bei einem Waſſerſtand von 4.33 m am Lahnpegel bezeichnet. Es iſt hieraus erſichtlich, daß durch entſprechende Behandlung der Ufer und namentlich Sicherſtellung der Höhen⸗ lage bis über den höchſten Rückſtau aus der Lahn eine völlige Unabhängigkeit der übrigen Entwäſſerung der Stadt von den Waſſerverhältniſſen der Wieſeck erzielt werden kann. Lahnwaſſerſtände. Auf dem Längenprofil in Anlage 2 iſt diejenige Höhe bezeichnet, welche die Lahn am 1. Januar 1879 erreicht haben ſoll. Der weitere Verlauf dieſes Hoch⸗ waſſers oberhalb und unterhalb der Pegelſtelle iſt teils mit Bezugnahme auf die durch Aufnahmen feſtgeſtellte Hochwaſſerlinie des 1. November 1894 ſoweit wie möglich durch Berechnung, teils durch nachträgliche Erhebungen, durch Zeugen und Aufnahmen der ermittelten Höhen feſtgeſtellt und eingetragen worden. Hiernach hatte das Hochwaſſer am Lahnpegel im Jahre 1879 die Höhe von 5.25 m erreicht; es entſpricht dies 157.14 N. N. Die Tiefpunkte der Stadt liegen am Tiefenweg auf..... 156.84 m(+ 4.95) und 156.54 m(+. 4.65) in der Bahnhofſtr., Ecke Löwengaſſe, auf+ 156.72„(+ 4.83) in der Kaplansgaſſe auf.... 156.80„( 5.00) am Neuweger Thor, Ecke des Neuenwegs+ 156.97„(+ 5.08) Hieraus geht hervor, daß eine Entwäſſerungsanlage, die dieſem Stadtteil auch bei Hochwaſſer der Lahn einen entſprechenden Abfluß gewähren ſoll, unbedingt auf eine künſtliche Vorflut, d. h. auf Pumpenbetrieb, angewieſen iſt. Dieſes Erfordernis ergiebt weiter die Notwendigkeit, alle jene Entwäſſerungs⸗ flächen, welche infolge ihrer Höhenlage vom Hochwaſſer unabhängig ſind, von den tiefer gelegenen Gebieten abzutrennen und in ſolcher Weiſe abzuleiten, daß ſie bei Hochwaſſer durch Notausläſſe unmittelbar in die Lahn entwäſſert werden können, wodurch das untere Gebiet ſoweit wie möglich eingeſchränkt wird, und die zu deſſen Entwäſſerung erforderlichen künſtlichen Mittel auf das unbedingt nötige Maß be— ſchränkt werden. Dies ergiebt die Trennung des Entwäſſerungsnetzes in ein„Oberes“ und in ein„Unteres Syſtem“. Trennung in Oberes und Unteres Syſtem. Die Hauptſiele des„Oberen Syſtems“ würden an zwei Stellen Notausläſſe nach der Lahn erhalten, und zwar 1. an der Mündung der Wieſeck in die Lahn, und 2. am Flutgraben, ca. 1200 m oberhalb der Lahnbrücke. Das Hochwaſſer der Lahn liegt an erſterwähnter Stelle auf+ 5.25 m 1.. P. Als die Höhe jenes Straßenzuges, welcher für ſeine Entwäſſerung vom Hochwaſſer unabhängig iſt, iſt im allgemeinen eine Terrainhöhe von 2 bis 3 m über das Hoch⸗ waſſer, demnach 7.25 bis 8.25 m über Lahnpegel angenommen. Hierdurch beſtimmt ſich die Trace des die ſüdliche und öſtliche Umgrenzung des unteren Gebiets bildenden Hauptſiels des oberen Syſtems. Dieſelbe verfolgt von der Bahnhofſtraße die Alicen— ſtraße auf eine Strecke von ca. 400 m, zieht dann rechtwinkelig unter dem Baublock und unter dem Bahnkörper der Oberheſſiſchen Bahn hindurch nach dem unterſten Riegelpfad und verfolgt dieſen zur Stephanſtraße. Alsdann kreuzt die Trace wieder den Bahnkörper und verfolgt die projectierte Parallelſtraße der Gießen— Fuldaer Bahn bis zum Schiffenbergerweg, folgt dieſem nach Norden, zieht am zweckmäßigſten auf einer noch näher feſtzuſtellenden Linie durch Steins Garten und den Baublock 22— zwiſchen Gartenſtraße und Grünbergerſtraße nach dem Kirchhofweg und durch de nach der Kreuzung der Licher- und Grünbergerſtraße. Von hier verfolgt das Ha ſiel den Eichgartenweg bis zur Wieſeck an der Gänsmühle. Sollte die ebenerwit Trace, vom Schiffenbergerweg durch Steins Garten nach der Kreuzung der Li und Grünbergerſtraße, nicht erhältlich ſein, ſo kann unter Anwendung einer ku Strecke Tunnels das Hauptſiel in gerader Linie durch den Kirchhofsweg don geführt werden. Das zweite, allerdings für eine ſehr ferne Zukunft vorgeſehene, aber z Abgrenzung des unteren Gebietes im Norden im Projekt aufgenommene Abfan des oberen Syſtems wird ſeinen Notauslaß in die Lahn an einer Stelle erh wo deren Hochwaſſerſpiegel auf+ 6.35 m L. P. liegt, und dem Vorſtehenden ſprechend iſt für dieſe Grenzlinie demnach im allgemeinen die Terrainhöhe + 8.50 bis 9.50 m gewählt worden. Dieſe Abfanglinie des nördlichen Erweiterungsgebietes zieht in ziemlich rader Linie von Weſten nach Oſten vom Lahnufer bis zur Ecke der Marbu Straße und des Wieſecker Weges und verfolgt dann den Feldweg und eine M lage zwiſchen der Wieſecker Kreisſtraße und der Wieſeck bis zur Gänsmühle. Alles außerhalb dieſer beiden Abfanglinien liegende Gebiet gehört; „Oberen Syſtem“. Dasſelbe hat eine Fläche von 375 Hektar, und zuzüglich ſüdöſtlichen Erweiterungsgebietes im Klingelbachthal, 675 Hektar. Das inneu der Abfanglinien liegende Gebiet bildet die Fläche des„Unteren Syſtems“, und eine Geſamtausdehnung von rund 301 Hektar, auf deſſen Entwäſſerung dem bei Hochwaſſer die künſtlichen Hebungsmittel beſchränkt werden. Für die Höhenlage des Sielnetzes im unteren Gebiet ſind die Lahnwaß ſtände maßgebend. Der Nullpunkt des Lahnpegels liegt auf+ 151.887, genüg genau+ 151.89 m N. N. Der höchſte Waſſerſtand iſt, wie vorerwähnt,+ 5.2 der mittlere Jahreswaſſerſtand(arithmetiſches Mittel) beträgt+ 1.50 m am P der niedrigſte Waſſerſtand(23. Auguſt 1892) war+ 0.50 m am Lahnpegel. Der Wah ſtand von+ 2.50 m am Lahnpegel kann als Sommerhochwaſſer angenomt werden, d. h. als das Hochwaſſer, welches in dem Sommerhalbjahr April bis Oktt incluſive eintritt, und mit welchem heftiger Regen und das Inwirkſamkeittreten Regenausläſſe zuſammentreffen kann. Im Sommerhalbjahr vom 1. April bis 1. Oktober ging der Waſſerſi über dieſe Höhe hinaus: 1871. 3 mal an zuſammen 16 Tagen AA 25 7 8 5 1835 1„„„ 1— 1874 5„„ 1 1875 1,.„ 6„ 1876 2,„„ 13„ 1877 1 5 4„ 1878 3„„ 9 8„ 4870 4„„ 23„ 1880— 5—„ 1881 3—„ 1882,. 25„ 1883—„„„—„ 1884 1„„ 7 3,„ 1885— 5 3—„ 1886.— 1„ 1887„„,—„ 1888,„.„ 8„ 1889 1 7„„ 3„ 1890 2„„ 5 7„ 189u0 4„„ 4 13 5 189323—„„ 5„ 189535—„„„ 1 1894 5„„ 1— insgeſamt demnach in 24 Jahren 35 mal an zuſammen 139 Tagen oder dur ſchnittlich einmal alle acht Monate an vier Tagen. nd dur Mgt des ebene ung der ng einen ofsweg ne, aben nene A Stelle drſtehen, errainle in zien der M nd eine smühle, et geho zuzüg Das in tems“, erung d ie Lahl 887, g jnt, †r )m am el. Der! r ange! vril bis! umnkeittre er Waſ oder Aus der auf Anlage 3 dargeſtellten Dauerkurve ergiebt ſich, daß der Waſſer⸗ ſtand der Lahn in den 23 Jahren 1871— 1893 über+ 1.00 m an 226 Tagen ſtand „„ 1.20„„ 171. „„ 1 25„„ 137„. „„„ 1.50„„ 116„ 5, „„ 1,75„„ 33„„ 77 77 2.00 77 7/ 67 77 7/ „„ 24·25„„ 53„ 2 77 77 2.50 77 77 42 7/ 7 Es iſt erwünſcht, den normalen Schmutzwaſſerſpiegel im Siel an der Aus⸗ mündung ſo hoch zu legen, daß derſelbe an möglichſt wenig Tagen durch den Waſſer⸗ ſtand der Lahn zurückgeſtaut und beeinflußt wird. Auf der anderen Seite macht die entſprechende Entwäſſerung der tieferen Stadtteile, namentlich die Rückſicht auf die allgemeine Höhenlage der Keller im Innern der Stadt es erwünſcht, das Haupt— ſiel ſo tief wie möglich und wie dies mit einer zweckentſprechenden Geſtaltung an der Ausmündungsſtelle vereinbar iſt, anzulegen. Die Abwägungen dieſer beiden maßgebenden Geſichtspunkte waren beſtimmend für die Höhenlage des Hauptſiels. Der normale Schmutzwaſſerſpiegel im Siel an der Ausmündung iſt auf rund+ 1.50 m und der Waſſerſpiegel im voll gefüllt fließenden Siel auf+ 2.75 m über den lokalen Nullpunkt an der Ausmündung projektiert. Hierbei wird der Schmutzwaſſerſpiegel nur an 116 Tagen im Jahr zurückgeſtaut und beeinflußt und hat an 249 Tagen im Jahr freie und ungeſtörte Vorflut; das gefüllt fließende Siel hat an 330 Tagen im Jahr freie Vorflut. Der Waſſerſpiegel des gefüllt fließenden Siels im Innern der Stadt in den tieferen Strecken der Bahnhofſtraße iſt auf rund+ 3.90 m Lahnpegel, demnach 1 m unter den derzeitigen tiefſten Straßenteilen und ca. 1.80 m unter der projektierten Aufhöhung der Innenſtadtſtraßen angelegt. Kellertiefen. Zum Zweck der Bearbeitung des Entwäſſerungsprojektes ſind längs ſämt⸗ licher Tracen der Hauptſiele die Kellertiefen gemeſſen worden. Hieraus ergab ſich, daß von ſämtlichen gemeſſenen Kellern 4% über+ 158.00 m N. N. 20 o„„ 157.50„„ 43 0G e„„ 157,00)„„ 64%„„ 156,50„„ 36„„ 156.00„„ und 93%„„ 155.580„„ liegen. Die nach obigen gewählte Waſſerſpiegellage in der inneren Stadt von + 3.90 m L. P., bezw.+ 155.80 m N. N., bleibt demnach unter 93% der Keller⸗ ſohlen, und nur 7% ſämtlicher gemeſſener Keller liegen tiefer. Der tiefſte gemeſſene Keller liegt aber nur 0.60 m darunter, und zwar auf+ 155.20 m N. N.(+ 3.30 L. P.) Ausmündnungsſtelle. Mit Rückſicht auf die Ausdehnung der Bebauung der Stadt und auf ſämt⸗ liche einſchlägige Verhältniſſe konnten für die Ausmündung in die Lahn nur zwei Stellen in Betracht kommen. 1. Eine Stelle in der Nähe des Punktes, wo der alte Wetzlarer Weg an die Lahn herantritt, 1000 m unterhalb des Lahnpegels, und 2. eine Stelle 500 m weiter abwärts, d. h. 1500 m unterhalb des Lahnpegels. Das Projekt iſt auf letzterwähnter Ausmündungsſtelle begründet, weil die⸗ ſelbe die weiteſtgehende iſt, und weil das Project in allen ſeinen übrigen Beſtand⸗ teilen dann unverändert bleiben kann, falls die erſterwähnte Ausmündungsſtelle ge— wählt wird. Wie aus dem Ueberſichtsplan erſichtlich, zieht das Hauptauslaßſiel, Haupt⸗ ſiel I, von der Ausmündung dem linken Lahnufer entlang durch die Bahnhofſtraße bis zum Tiefpunkt der Stadt an der Ecke der Bahnhofſtraße und Kaplansgaſſe, ver⸗ zweigt ſich hier in zwei Arme, wovon der eine, Ja, einen etwaigen Straßenzug — 24— nach Norden verfolgt; der zweite, Ib, die Kaplansgaſſe und die Sonnenſtraße Nordoſten durchzieht und auf dieſe Art die tiefſten Punkte der inneren Stadt aufnig Die Entfernung zwiſchen der Ausmündung und dem Tiefenpunkt der im Stadt beträgt ca. 2500 m. Es iſt auf dieſer Strecke eine Gefällshöhe rund 1 m angenommen, und dem Hauptſiel auf der Strecke von der Ausmünt bis zur Kreuzung mit der Wieſeck ein Gefälle von 1:2500, von der Kreuzum der Wieſeck bis zur Verbindung mit den Sielen II und III das Gefälle 1:20 und bis zur Verbindung mit den Sielen la und Ib 1:1200 gegeben. Auf Anlage 6 iſt das geſamte Netz der Haupt-⸗ und Nebenſiele bezeiſ mit ſämtlichen Sohlenkoten und Gefällen und Größen der einzelnen Siele und Angabe der Spülſchächte, Einſteigſchächte, Verbindungen, Abzweigungen, Notaus und Regenausläſſe ꝛc. Im Nachſtehenden ſollen die Hauptſiele und deren Tracen kurz beſchu werden. Beſchreibung der Hauptſiele. Das Hauptſiel I iſt beſtimmt, bei normalen Zeiten die Schmutzwit menge des geſamten Entwäſſerungsgebietes von 675 Hektar, ferner bei Dauen eine Menge von 2 Liter pro Hektar und zu Zeiten heftigen Regens den Sturzn des Gebiets der inneren Stadt mit 53.62 Hektar und des Gebiets am Hamm 16.80 Hektar nach der Hauptausmündung abzuleiten. Das Siel hat eine Ableit fähigkeit von 1350 Liter pro Sekunde. Dasſelbe nimmt ſeinen Anfang in der Bahnhofſtraße, an der Ecke Bahn ſtraße— Kaplansgaſſe. Es durchzieht die erſtere bis zur Wieſeck, kreuzt dieſelbe mittelbar unterhalb der Brücke als erweitertes Profil, deſſen obere Hälfte abgeh und durch gußeiſerne Deckplatten erſetzt wird, zieht unter dem Eiſenbahndamm Mainweſerbahn als Tunnel hindurch und läuft parallel der Wieſeck und der! bis zu ſeiner 1500 m unterhalb des Lahnpegels gelegenen Ausmündung. Die mittlere Scheiteltiefe des Siels beträgt auf der Strecke von der! mündung bis zur Wieſeckkreuzung 1.50 m, von der Wieſeckkreuzung in der Bahn ſtraße bis zur Wolkengaſſe 3.70 m und von der Wolkengaſſe bis zur Kaplangg 1.50 m. Das Gefälle beträgt in ſeinem unteren Laufe 1:2500 auf einer Strecken 1812 m, alsdann 1:2000 auf einer Strecke von 207 m und ſchließlich 1:1200 einer Strecke von 309 m. Die Größe des Siels beträgt von dem Klärbecken bis zur Weſtan 120* 200, von der Weſtanlage bis zur Kaplansgaſſe 90= 160 cm. Das Hauptſiel la entwäſſert eine Fläche von 10.59 Hektar und 1 daher bei normalen Zeiten 5.3 Liter Schmutzwaſſer, bei Dauerregen 21.2 Liter! bei Sturzregen 400 Liter pro Sekunde zum Abfluß. Die mittlere Scheiteltiefe des Siels beträgt 2.50 bis 3 m. Das Siel hat von der Einmündung in das Hauptſiel I bis zur Eckt Schillerſtraße ein Gefälle von 1:1000 bei einer Größe von 60= 110 cm u da aufwärts bis zum Ringgraben ein Gefälle von 1:200 und 30 cm Durchme Das Siel erhält ſeine Spülung aus dem Ringgraben. Das Siel Ia wird in ſeiner ganzen Ausdehnung in den erſten Jahren! ausführbar ſein, da für dieſen Stadtteil ein neues Alignement vorgeſehen iſt. Ausbau dieſes Sieles nebſt ſeinen Nebenſielen wird daher je nach dem Fortſchre des Straßenausbaues erfolgen. 1 Das Hauptſiel Ib entwäſſert den nordöſtlichen Teil der inneren 2 mit einem Areal von 17.61 Hektar und außerdem die durch Spülſiel Ic entwäſt Fläche von 8.15 Hektar, welches bei Station B 2587 einmündet. Außerdem! das Schmutzwaſſer und der Dauerregen des durch Hauptſiel VI entwäſſerten Gei von 119.40 Hektar durch Hauptſiel Ib abgeleitet. Daſſelbe entwäſſert ſomit bei ſ malen Zeiten eine Fläche von 25.76+ 119.40 Hektar mit zuſammen 72.5 G Schmutzwaſſer, bei Dauerregen dieſelbe Fläche mit 290 Liter Abfluß, dagegen Sturzregen die Flächen von Hauptſiel Ib und Ie mit 25.76 Hektar und einem Ahb von 565 Liter pro Sekunde. Die durchſchnittliche Scheiteltiefe des Siels beträgt ca. 2 m. Deſſen Gefälle beträgt auf der unteren Strecke 1:1200, bei einer Sian von 80* 140 cm. Vom Seltersweg ab aufwärts bis zur Braugaſſe 1:1000 Schmut bei Dau den Sh am Hau ine Abl r Ecke d uzt dieſe älfte al wahnda und de ung. von de n der ir Kaple innerel le enn Außerde aſſerten 9 (2 ſomit men einer Dimenſion von 60* 110 cm und von hier aufwärts 1:300 mit 30 cm Durchmeſſer. Das Siel erhält ebenfalls ſeine Spülung aus dem Ringgraben. Das Spülſiel Ie iſt in derjenigen Linie geführt, welche den höchſten Straßenzug der inneren Stadt verfolgt, und zwar über den Kreuzplatz, Mäusburg, Markt⸗, Kirch- und Lindenplatz, Wallthorſtraße und Marburger Chauſſee. Das Siel entwäſſert nur die unmittelbar an dieſem Straßenzug gelegene Fläche und nimmt keine Nebenſiele auf. Dasſelbe entwäſſert bei normalen Zeiten die vor⸗ erwähnten 8.15 Hektar und außerdem die dem nördlichen Erweiterungsgebiet(Haupt⸗ ſiel VI) gehörige Entwäſſerungsfläche von 119.40 Hektar. Die Schmutzwaſſermenge, welche nach dem endgültigen und vollſtändigen Ausbau des geſamten Entwäſſerungs⸗ gebiets durch dieſes Siel zum Abfluß gelangen wird, beträgt 64 Liter. Bei Dauer⸗ regen liefert dieſelbe Fläche das vierfache Quantum, nnd bei Sturzregen leitet das Siel eine Regenwaſſermenge von ſeinem Gebiet von 8.15 Hektar= 240 Liter ab. Die mittlere Scheiteltiefe des Sieles beträgt 1.50 bis 2.50 m. An ſeinem oberen Ende hat das Siel ein Gefälle von 1:200 bei 45 cm. Durchmeſſer, alsdann 1:1000 bei einer Größe von 60= 110 cm bis zur Ritter⸗ gaſſe, von hier fällt das Siel mit 1:96 nach dem Hauptſiel Ib ab. Der außerhalb des Ringgrabens gelegene Teil des Sieles wird am Wall⸗ thor über den Ringgraben hinweggeführt und erhält gleich nach der Kreuzung mit demſelben einen Abſturz von 0.50 m, wodurch für den innerhalb des Ringgrabens gelegenen Teil des Sieles Ie die Waſſereinleitung aus dem Ringgraben zu Spülzwecken ermöglicht wird. Hauptſiel II entwäſſert die nordweſtliche Außenſtadt und den weſtlichen Teil des nördlich von Hauptſiel VI gelegenen nördlichen Erweiterungsgebietes. Zu normalen Zeiten leitet dieſes Siel von ſeinem eigenen Entwäſſerungsgebiet von 75 Hektar und von 35 Hektar des nördlichen Erweiterungsgebietes, zuſammen dem⸗ nach von 110 Hektar eine Schmutzwaſſermenge von 55 Liter und bei Dauerregen 420 Liter nach der Verbindung mit Hauptſiel I ab. Bei Sturzregen führt dasſelbe durch den Regenauslaß am Neuſtädter Thor das Regenwaſſer von der oberhalb dieſes Auslaſſes gelegenen Fläche von 55 Hektar in die Lahn unterhalb der Brücke ab. Der Sielſcheitel iſt am Abgang des Regenauslaſſes auf+ 3.93 m gelegt, während das Sommerhochwaſſer der Lahn(+ 2.50 m am Pegel) dortſelbſt auf + 3.84 m liegt, ſodaß 0,09 m Gefälle für die Entladung des Regenwaſſers bei maximalem Regen, welcher mit Sommerhochwaſſer zuſammentrifft, zur Verfügung ſtehen. Der untere Teil des Hauptſieles II führt von einer Fläche von 20 Hektar bei Sturzregen eine Regenwaſſermenge von ca. 470 Liter nach dem Hauptſiel I und ſomit nach der Hauptausmündung ab. Die Scheiteltiefe des Sieles beträgt von ſeiner Einmündung in das Haupt⸗ ſiel I bis zum Aſterweg durchſchnittlich 2.50 bis 3 m, vom Aſterweg aufwärts erhält der Sielſcheitel in dem flachgelegenen Gebiet der Schwarzlach eine Tiefe von ca. 1.50 m, die jedoch durch Auffüllung des Terrains auf+ 6.50 m L. P. auf 2.00 m erhöht wird. Das Gefälle des Sieles beträgt in ſeinem unteren Laufe bis zur Weſerſtraße 1:1200 bei einer Größe von 90= 160, von der Weſerſtraße aufwärts 1:1200 bezw. 1:1000 bei einer Größe von 80= 140 cm, bezw. 70= 125. Das oberſte Ende des Siels wird durch ein Steingutrohr von 20 cm Durchmeſſer mit einem Gefälle von 1:33 an das Hauptſiel VI behufs Aufnahme der Abwäſſer desſelben, ſowie behufs Spülung aus demſelben angeſchloſſen. Das Hauptſiel III entwäſſert die nordöſtliche Außenſtadt zwiſchen der Marburger Chauſſee und der Wieſeck und den zwiſchen Oſt-, Süd- und Weſt⸗ anlage und der Wieſeck gelegenen Teil der Stadt. Dasſelbe mündet an der Ecke der Bahnhofſtraße und Weſtanlage in das Hauptſiel I ein, durchzieht die Süd⸗ und Oſtanlage, und wird in ſeiner zukünftigen Fortſetzung durch die Wieſen⸗ ſtraße parallel mit der Wieſeck thalaufwärts zu verlängern ſein. Die Geſamtfläche, welche zu normalen Zeiten durch dieſes Hauptſiel nach Hauptſiel I abgeleitet wird, beträgt 96.8 Hektar mit 48.4 Liter Schmutzwaſſer und 543 Liter Dauerregen⸗Abfluß. Bei Sturzregen teilt ſich dieſes Gebiet in 2 event. 3 einzeln und für ſich mit Regen⸗ ausläſſen verſehene Diſtrikte ein. Der erſte beſteht aus dem 19.0 Hektar betragenden Stadtteil zwiſchen Frankfurterſtraße, Süd⸗ und Oſtanlage, Moltkeſtraße und der Wieſeck. Der für dieſe Fläche in Ausſicht genommene Regenauslaß leitet 467 Liter — 26— an der Frankfurterſtraße in die Wieſeck ab. Die Einteilung in einen zweiten 1 dritten Diſtrikt wird der Zukunft zu überlaſſen ſein. Das Hauptſiel III hat ein Gefälle von 1:1000 bei einem Querſchnitz 70=ü 125 und einer mittleren Scheiteltiefe von 2 ½ bis 4 m. Das Längenprofil zeigt dieſes Siel bis zu Station J 3538 als den End des erſten Entwäſſerungsdiſtriktes. Das Hauptſiel IV entwäſſert das Gebiet am Hamm jenſeits der A und des Bahndammes der Main⸗Weſer Bahn, von der Wieſeck⸗Einmündum ca. 400 m oberhalb der Obermühle, mit einer Fläche von 16.8 Hektar, von waß 8.4 Liter Schmutzwaſſer und 413 Liter Sturzregen pro Sekunde zum Abfluß langen. So lange dieſes Gebiet nicht eingedeicht iſt, wird die Entwäſſerung desſe nach der Hauptausmündung und der dortigen Vorflut aufrecht erhalten, bis die über ihr Ufer austritt und von der Straße aus in die Siele eindringt. Alsz wird das Hauptſiel IV kurz vor ſeiner Einmündung in das Hauptſiel II durch u Hochwaſſerſchieber abgeſchloſſen und nebſt den Zweigſielen ſeinem Schickſal überlat Die Abwäſſer des Hauptſiels IV werden dann rückwärts durch den ſüdweſtl Zweig des Hauptſiels IV im Mühlweg nach der Lahn ihren Abfluß nehmen an dem dortigen Notauslaß in den Fluß ausmünden. Nach Eindeichung dieſes biets wird deſſen Entwäſſerung gleich jener der oberen Stadtteile völlig geſichen Das Siel erhält das Gefälle 1:1000, bezw. im weiteren Verlauf 1 1:600 und 1:300 bei einer Größe von 60= 110 bis ca. 80 m oberhalb der A mühle, Station G 3052, und von da ab 35 cm bezw. 30 cm Durchmeſſer. Siel wird einex kräftigen Spülung durch einen am Eingerinne vorzuſehenden einlaß unterzogen werden können. Hauptſiel V mündet an der Kreuzung der projektierten Alicenſtraße Bahnhofſtraße in das Hauptſiel I ein; von hier aus durchzieht dasſelbe die projeltt und beſtehende Alicenſtraße, ferner die ganze Ludwigſtraße bis zur Grünbergerſte und wird in Zukunft in ähnlicher Weiſe wie Hauptſiel III parallel zur Wieſeck wärts zu verlängern ſein. Dasſelbe entwäſſert eine Fläche von 2 Hektar mit 36.6 Liter Schm waſſer. Bei Sturzregen teilt ſich dieſes Gebiet gleich jenem des Hauptſiels III mehrere Diſtrikte, indem die betreffenden Flächen ſich um ihren Regenauslaß gm pieren und nach demſelben ihren Abfluß entladen. Der untere und zunächſten zuführende Regenauslaß No. 6 in der Alicenſtraße bedient eine Fläche von 30.8 Heh von welcher bei Zeiten heftigen Regens 656 Liter abgeleitet werden. Die Rap ausläſſe der oberen Diſtrikte werden auch bei dieſem Siel erſt bei Ausbau der Et wäſſerungsflächen bezüglich ihrer örtlichen Lage und Ableitungsfähigkeit beſtim ſie laſſen ſich jederzeit nach Bedarf hinzufügen. Für die Ableitung des Schm. waſſers ſowohl als des Dauerregens iſt in der vorgeſchlagenen Größe des Siels die künftige Aufnahme des geſamten Gebiets Vorſorge getroffen. Das Längenprofil zeigt das Siel bis zu Station N 3680 als den Endpl des erſten Entwäſſerungsdiſtriktes. —2 (3. Siel V erhält ein Gefälle von 1:1100 bei einem Profil von 80 1. bezw. 70* 125. Die mittlere Scheiteltiefe beträgt ca. 2.80 m mit lusmahns Strecke Bahnhofſtraße— Frankfurterſtraße, wo das Siel in einer Tiefe von 5.60 liegen wird. Das Hauptſiel VI bildet das bereits beſprochene Abfangſiel des nördlit oberen Gebiets. Die durch das Siel entwäſſerte Fläche beträgt 154.40 Hektar mit ein Schmutzwaſſer⸗Abfluß von 77.2 Liter pro Sekunde. Die Fläche iſt in zwei Gelh eingeteilt, wovon das öſtliche(119.4 Hektar) ſein Schmutzwaſſer durch das Haui ſiel Ic ableitet und das weſtliche(35 Hektar) durch das Hauptſiel II entwäſſert 1 Es iſt vorgeſehen, außer dem Schmutzwaſſer den Dauerregen dieſes Gebiets glec falls durch die ebenerwähnten Hauptſiele Ic und II nach der Hauptausmündung! zuleiten; der Abfluß bei Sturzregen wird jedoch durch den Notauslaß No. 7, welt in gerader Fortſetzung des Hauptſiels VI nach der Lahn zieht, dorthin abgeleiſ Siel VI erhält in ſeinem unteren Laufe als Notauslaß eine Dimenſion! 5. 2 4 2—.„—. 4 120 cm Durchmeſſer bei 1:350 Gefälle. Von Station B 293 bis G 853 ein Pu von 90= 160 bei einem Gefälle von 1:1500, von hier ab aufwärts mit demſell Gefälle das Profil 80* 140 bezw. 70* 125. Das obere Ende dieſes Sieles iſt in einer Tiefe gehalten, welche die Spülung aus der Wieſeck möglich machen würde. Die mittlere Scheiteltiefe iſt der vorhandenen Unregelmäßigkeiten im Terrain und der bis jetzt noch nicht feſtliegenden Trace dieſes Hauptſiels wegen nicht be⸗ ſtimmbar, jedoch wird der Scheitel durchweg über dem höchſten Hochwaſſer der Lahn zu liegen kommen und die Trace ſo gewählt, daß derſelbe 2—3 m unter der Ober⸗ fläche liegt. Hauptſiel VII bildet das Abfangſiel des ganzen ſüdlichen und ſüdöſtlichen oberen Gebietes. Seine Entwäſſerungsfläche beträgt 176.8 Hektar, hierzu kommt noch eine Fläche von 300 Hektar des ſüdöſtlichen Erweiterungsgebiets im Klingel⸗ bachthal, ſodaß die Geſamtfläche 476.8 Hektar beträgt. Die Ableitungsfähigkeit des Siels beträgt rund 900 Liter pro Sekunde und wird folgendermaßen verwertet. Der Schmutzwaſſerabfluß beträgt 238.4 Liter; der Dauerregen⸗Abfluß von 900 Liter pro Sekunde wird ſich auf die beiden Flächen, in welche das Entwäſſerungsgebiet zerfällt, verſchieden verteilen, je nach der verſchiedenen Dichtigkeit des Ausbaues derſelben, im Durchſchnitt ergiebt dieſe Abflußmenge 1.9 Liter pro Hektar und Sekunde vom ganzen Gebiete. Bei Sturzregen zerlegt ſich auch das Entwäſſerungsgebiet dieſes Siels in einzelne Gebiete, wovon das untere eine Fläche von 72 Hektar hat, von welcher 1240 Liter durch den Notauslaß No. 2 nach der Lahn zur Ableitung ge⸗ langen. Der zweite Diſtrikt beginnt unmittelbar oberhalb des Regenauslaſſes No. 3 in der Bleichſtraße und erſtreckt ſich bis zur Kreuzung der Grünberger⸗ und Licher⸗ ſtraße. Die Größe dieſes Gebiets beträgt 31.5 Hektar und der Sturzregen⸗Abfluß 660 Liter. Hierzu kommen die 300 Liter des Klingelbachgebietes, deſſen Hauptſiel auf Kämpferhöhe einen Ueberlauf nach dem Klingelbach erhält, welcher die Regen⸗ waſſermenge, welche 300 Liter überſteigt, direkt in den Bach ableitet. Der Scheitel des Hauptſiels VII liegt in der Bahnhofſtraße am Abgang des Notauslaſſes No. 2 auf+ 3.97 L. P., und entſpricht dieſe Höhe einem Hochwaſſer der Lahn, welches während der 24 Jahre 1871— 1894 an zuſammen durchſchnittlich ſieben Tagen im Jahr überſchritten worden iſt. Das Gefälle des Hauptſiels VII beträgt auf der ganzen Länge 1:1200 und die Dimenſion bis zur Vereinigung der Grünberger⸗ und Licherſtraße 90= 160. Das Längenprofil zeigt das Siel bis zur Station O 3941, von wo ab die Möglichkeit der zukünftigen Fortſetzung durch den Eichgartenweg gegeben iſt. Die Trace des Siels iſt bei der Beſtimmung der Trennungslinie zwiſchen Oberem und Unterem Syſtem bereits geſchildert worden. Hauptſiel VIII beginnt in der Frankfurterſtraße ca. 150 m ſüdlich der Wilhelmſtraße, zieht nach dem tiefſt gelegenen Teile dieſes Gebiets, d. h. durch die Hollergaſſe und den Mittelweg und geht unmittelbar oberhalb der Margarethenhütte als Tunnel unter dem Bahnkörper der Köln-Mindener bezw. Main⸗Weſer Bahn hin⸗ durch, um dann mit ſtarkem Gefälle dem alten Wetzlarer Weg folgend in das Haupt⸗ ſiel Ibei Station B 550 einzumünden. Dasſelbe gehört ebenfalls zum Oberen Syſtem und entwäſſert den ſüdweſt⸗ lichen Abhang des Seltersberggebiets. Die Fläche beträgt 43.37 Hektar mit 21.7 Liter Schmutzwaſſer. Der 845 Liter betragende Sturzregen wird durch Regenauslaß No. 1 direkt in die Lahn abgeleitet. Das Gefälle dieſes Siels variiert dem coupierten und unregelmäßigen Terrain folgend zwiſchen 1:11 und 1:100. Das Siel hat eine Größe von 60= 110 in ſeinem unteren Laufe. Der obere Teil beſteht aus Rohrſielen von 35, 30 und 25 cm Durchmeſſer. Die mittlere Scheiteltiefe variiert zwiſchen 2 und 3 m. Die nach dieſer Beſtimmung der Tracen ſich ergebende Einteilung der Ent⸗ wäſſerungsflächen nach einzelnen Haupt- und Nebenſielen ergiebt ſich aus Anlage 5. Auf derſelben iſt die Größe jeder Entwäſſerungsfläche in Hektar bezeichnet. Neben den Sielen ſind an den betreffenden Stellen durch rote Zahlen die Größe der ent— wäſſerten Fläche, durch blaue Zahlen mit gradliniger Unterſtreichung(25.4) die Menge des Schmutzwaſſers, und durch blaue Zahlen mit einer Wellenlinie unterſtrichen (375) die Menge des größten Regenwaſſer⸗Abfluſſes, die an der betreffenden Stelle das Siel durchzieht, bezeichnet, während an einzelnen Stellen, wo der Dauerregen für die Größe maßgebend iſt, deren Menge punktiert unterſtrichen(50.8) eingetragen iſt. — 28— Auf Grund der betreffenden größten Mengen iſt die Größe einer jeden 3 ſtrecke berechnet und ſodann die Tiefe, in welcher das Schmutzwaſſer dieſelbe daß zieht, und die Waſſerſpiegellinie des Regenwaſſer⸗Abfluſſes ermittelt. Dieſe mittelungen ſind in den Berechnungstabellen, Anlagen 17—27(incl.), für jedes überſichtlich zuſammengeſtellt. Auf den Längenprofilen, Anlagen 7—16(incl.), ſind außer den Terraim die Sielſohlenkoten, die Koten des Schmutzwaſſerſpiegels, und die Koten des R waſſerſpiegels nach vorſtehend erwähnten Berechnungen eingetragen, ferner die 6 der Siele, deren Gefälle, die Einſteigſchächte und Ventilationen, Verbindungen, zweigungen und ſonſtige in Betracht kommende Spezialbauten. Wie aus dieſen Längenprofilen erſichtlich, liegt die Sohle der Hauptſiel der inneren Stadt im allgemeinen zwiſchen+ 154 und+ 155, im Mittel dem auf+ 154.5 m über N. N. Wie an einer früheren Stelle angegeben, liegen 8 ſämtlicher Keller über+ 156.00 und demnach 1.50 m über der Sohle der Haupf bei der gewählten Tiefenlage des Entwäſſerungsnetzes kann daher eine entſpreche Entwäſſerung auch der tieferen Stadtteile als geſichert angeſehen werden. Wirkungsweiſe des Sielnetzes. Die Wirkungsweiſe des Sielnetzes iſt die folgende: a. bei Trockenwetter⸗Abfluß und Lahnwaſſerſtänden bis + 2.50 m L. P. Bei niedrigen Waſſerſtänden in der Lahn, d. h. bis zu+ 1.50 m Pegel, herrſcht freie Vorflut. Sämtliche Schmutzwäſſer des unteren Syſt fließen durch das Hauptauslaßſiel nach der unteren Ausmündung ab. Schmutzwaſſer des Abfangſiels VII des oberen Syſtems wird bei der! einigung des Stadtbaches mit der Wieſeck in das Hauptauslaßſiel eingelit das Schmutzwaſſer des Hauptſiels VI wird durch die Hauptſiele Ic und dem unteren Syſtem und demnach dem Hauptauslaßſiel zugeführt. Steigt das Waſſer an der Ausmündung über+ 1.50 m am W ſo kann zunächſt durch Einleitung von Spülwaſſer aus der oberen? durch das Eingerinne und den Ringgraben der Abfluß im Sielnetz er werden, um eine ſchädliche Einwirkung des Rückſtaues zu verhüten. Steigt das Waſſer weſentlich über+ 1.50 m, ſo muß zur künſtlu Vorflut gegriffen werden durch Inbetriebſetzung der an der Ausmünde vorzuſehenden Pumpen. b. Bei Regen⸗Niederſchlägen und Lahnwaſſerſtänden und + 2.50 m am Pegel. Tritt bei Waſſerſtänden der Lahn unter+ 2.50 m am Pegel Ra— ein, ſo wird der Abfluß des Sielnetzes zunächſt bis zur maximalen ¹ leitungsfähigkeit des Hauptauslaßſieles 11750 Liter pro Sekunde) nach unteren Ausmündung abgeleitet, d. h. bis zu 2 Liter pro Hektar und Sekut des Entwäſſerungsgebietes von 676 Hektar, eden unter Einſchluß des ſüdd lichen Erweiterungsgebietes im Klingelbachthale bis zu durchſchnittlich 1.4( pro Hektar und Sekunde oder bis zu einer ungefähr dreifachen Verdünm des Schmutzwaſſers. Nimmt der Regen weiter zu, ſo würden zunächſt Entwäſſerungsgebiete VI des oberen Syſtems ausgeſchaltet und bei weit Zunahme die Gebiete VII und VIII ausgeſchaltet und deren Regenmen durch ihre Not⸗ bezw. Regenausläſſe in die Lahn abgeleitet werden. Dann würde nur das untere Gebiet durch das Hauptauslaßſiel 1 wäſſert. Deſſen Ableitungsfähigkeit von 1350 Liter entſpricht einem Abi von 4.5 Liter pro Hektar und Sekunde der 301 Hektar meſſenden Flä und die Verdünnung des Schmutzwaſſers durch Regenwaſſer wäre uß ſolchen Verhältniſſen eine neunfache. Bei weiterer Zunahme des Regens würde zunächſt Hauptſiel II dul den Regenauslaß unterhalb der Lahnbrücke nach der Lahn entlaſtet und! fortdauernder Zunahme des Regens fände eine Entlaſtung des Hauptſieles 81 an der Frankfurterſtraße nach der Wieſeck und ſodann des Hauptſieles an der Aliceſtraße ebenfalls nach der Wieſeck ſtatt. Schließlich würde! in der Bleichſtraße gelegene Notauslaß des Hauptſieles VII nach der Wiñ in Wirkſamkeit treten, jedoch erſt nach weiterem Ausbau des dem Hau en Tern ten des erner di nden + 1.50 nteren e dung al d bei de Fſiel eing ſiele lo führt. )m am Ausm nden Pegel naximal unde) n r und? en Verd en zuni nd bei i Regen werden. causloßf einem: ſſenden er wäre pyſſil 1 tlaſtet Hauptſi Hauplſt ich wüit nch der z dem ſiel VII zufallenden Entwäſſerungsgebietes. Die für die Hauptſiele VII, V und III an der Wieſeck zwiſchen der Gartenſtraße und Moltkeſtraße vor⸗ geſehenen Regenausläſſe kämen erſt bei Ausbau der betreffenden Entwäſſe⸗ rungsgebiete zur Wirkſamkeit. Die ſtufenweiſe Ausſchaltung der einzelnen Gebiete durch Inwirkſamkeit⸗ treten der Regenausläſſe und die vor dem Inwirkſamkeittreten eines jeden der letzteren nach der Lahn und dann nach der Wieſeck ſtetig zunehmende Verdünnung geht am deutlichſten aus folgender Tabelle hervor: Bezeichnung des jeweiligen Ent⸗ D; d0 4 25 Eurwäſſerungs⸗Gebietes Wat⸗ Schmutz⸗ Leiſterng des 55———— waſſer⸗ Hauptſiels I beträgt: == deſſen Abwäſſer durch welches nos menge— == die Klärbecken ziehen ſ Alcſe Iläch Menge e Seber S ſchaltet wird Hektar Liter 5 dünnung ſper Hektar Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet 676 338 1350 4.0⸗fach 2.0 1 Hauptſiel VI 155 78 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiel VI 521 261 1350 5.2„ 2.6 2 VIII 43 22 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiele VI, VIII 478 239 350 5.6„ 2.8 3 VII 172* 98 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiele VI, VIII, vII 301 150 350 9.0„ 4.5 4 II 55 2 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiele VI, VIII, VII, II 246 123 1350 11.0„ 5.5 5 1II 96 48 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiele VI, VIII, VII, II, III 150 75 1350 ſ1s.0„ 9.0 6 V 73 36 Geſamt⸗Entw.⸗Gebiet ohne Hauptſiele VI, VIII, VII, II, III, V 77 39 1350 35.0„ 17.5 Nach Ausſcheidung durch die Regenausläſſe verbleibt dem Hauptauslaß⸗ ſiel Idie Entwäſſerung der ganzen inneren Stadt innerhalb des Ringgrabens, ſowie des Gebietes zwiſchen dem Ringgraben und der Lahn, zuſammen einer Fläche von 77 Hektar. Die Leiſtungsfähigkeit des Hauptſieles genügt, um von dieſem Gebiete ohne Zuhilfenahme weiterer Regenausläſſe die maximale Regenwaſſermenge abzuleiten, demnach bleibt der dichteſt bevölkerte und tiefſt⸗ liegende Stadtteil mit der Vorflut an der unteren Ausmündung fortdauernd in Verbindung und iſt in keiner Weiſe auf eine Entlaſtung durch Regen— ausläſſe für die Sicherſtellung ſeiner Entwäſſerung angewieſen. .bei Hochwaſſer über+ 2.50 m am Pegel. Bei Hochwaſſer über+ 2.50 m am Lahnpegel, welches einerſeits den Betrieb des Pumpwerkes an der Ausmündung erforderlich macht, anderer⸗ ſeits aber der Lahn einen großen Waſſerreichtum ſichert, wird das obere Syſtem an der Stelle, wo dasſelbe in normalen Zeiten in das untere Syſtem einmündet, von dieſem durch Schließung der Schieber abgeſchnitten und unmittelbar in die Lahn eingeführt, und zwar zunächſt durch die Notausläſſe der Hauptſiele VII und VIII und ſodann durch jene des Hauptſieles VI. In dem Projekt ſind folgende Not⸗ und Regenausläſſe vorgeſehen mit der neben jedem angegebenen Leiſtungsfähigkeit. — 30— Regenauslaß No. von Hauptſiel entlaſtet Liter 1 VIII 845 2 VII 1080 3 VII 960 4 TI 1008 5 TI 530 6 V 670 7 VI 770 Auf dem Längenprofil, Anlage 16, ſind die Not- und Regenausl dargeſtellt. Die Regenausläſſe, welche durch allmähliche Ausdehnung der bauungsgebiete noch erforderlich werden, ſind nicht bezeichnet, da deren! und Größe von Bebauungsplänen abhängig ſind, die heute noch nicht feſtſte Größe und Form der Siele. Die Nebenſiele ſind in Kreisform projektiert, und zwar aus Steinzeugröh von 20, 25, 30, 35 und 40 cm Durchmeſſer. Die größeren Siele ſind in Eiſc mit elliptiſchem Deckgewölbe projektiert, und zwar in folgenden Größen: Klaſſe 1 60*2 110 cm II 70= 125 111 80= 140„ IV 90= 160 „ VII 120= 200„ Die Regenausläſſe und Notausläſſe ſind je nach Bedarf in kreisrunder ge oder als Glockenprofil projektiert. Die erſteren variieren im Durchmeſſer 4 100 bis 150 cm, die Glockenprofile zwiſchen 120= 120 und 140= 100. Material. Die Nebenſiele ſind aus Steinzeugröhren, die größeren Siele in Backſta mauerwerk mit Portlandcement-Mörtel auf Steinzeug⸗Sohlſtücken projektiert. Die Verbindungen der Hauptſiele werden durch Kurven von entſpreche großem Radius vermittelt und finden in einem ſpitzen Winkel in der Stromrichm ſtatt. Die Verbindungen und Abzweigungen der Nebenſiele finden im atgen durch einen runden im Straßenkreuz angelegten Mannlochſchacht ſtatt, deſſen Sch jedoch ebenfalls zwecks entſprechender Lenkung des Spülſtroms ausgebildet wird. Spülung. Zwecks Reinhaltung der Siele ſind zunächſt Spülthüren in den Haupt⸗ u Nebenſielen und Spülklappen in den Nebenſielen vorgeſehen, welche das Aufſtan des Sielwaſſers und deſſen ſturzweiſes Durchſchwemmen durch eine beliebige Stu ermöglichen. Zu dieſem Behufe ſind ſämtliche Siele untereinander verbunden alle toten Enden vermieden. Um auch die oberen Enden der Siele, namentlich der Zweigſiele, entſprecht ſpülen zu können, ſind die vorhandenen Spülquellen ausgenutzt. Die Siele inneren Stadt können an verſchiedenen Punkten durch den Ringgraben geſpült werde Außerdem iſt, wie erſichtlich, das Hauptſiel Ic, welches eine Höhenrückenli in der inneren Stadt, und zwar den Zug Mäusburg, Marktplatz, Kirchplatz, Linde platz und Wallthorſtraße verfolgt, als Spüllinie ausgebildet und giebt das Syi waſſer den nach rechts und links abzweigenden Nebenſielen ab. Dasſelbe erhi wie vorerwähnt, am Wallthor an der Kreuzung mit dem Ringgraben ſeine Spülm aus dieſem und iſt zwecks Aufnahme des Spülwaſſers aus dem Ringgraben, wie Längenprofil, Anlage 8, dargeſtellt, in entſprechender Tiefe gehalten. Zur Benutzut des Ringgrabens als Spülquelle iſt deſſen Anſtauung durch kleine Wehrbauten plet jektiert, wodurch der Waſſerſpiegel jeweils und nach Bedarf bis etwa 0.5 m!ch geſtaut wird. Zur Spülung der Nebenſiele der Hauptſiele III und V ſind, wie auf dem Plu Anlage 6, dargeſtellt, zwei Spülgallerien, die eine am rechten, die andere am linken Wieſee ufer vorgeſehen. Dieſe Gallerien liegen mit ihrer Sohle auf+ 156.90 N. N. und T ihrem Waſſerſpiegel auf+ 157.70 und ſind als Siele mit 80 140 cm hergeſtel Der maximale Waſſerſpiegel liegt auf+ 158.10 und die Gallerien werden dur deinzeun ind in n: isrunder neſſer z 100. ein Ba jektiert. n entſp. Stromri m allgen „deſſen bildet w en Hauul das Au liebige? eerbunde geſpült öhenrüch pplatz, d bt das asſelbe ſeine 5 raben, 1 zur Ben hrbaute” va 0,5 1 auf demn linend N N. u mm herg werden eine 15 cm gußeiſerne Rohrleitung geſpeiſt, die an entſprechenden Punkten oberhalb aus der Wieſeck das Waſſer entnimmt. Dieſe Spülgallerien beherrſchen ſämtliche Nebenſiele der Hauptſiele III und V und füllen ſich nach jedesmaligem Gebrauch ſelbſtthätig aus der oberen Wieſeck wieder an. Einſteigſchächte. Einſteigſchächte ſind auf den Sielen in Entfernungen von 80— 120 m vor⸗ geſehen. Wo dieſelben in Verkehrsadern liegen, ſind dieſe Einſteigſchächte als Seiten⸗ eingänge ausgebildet, und die Oeffnungen in das Trottoir gelegt. Dieſe Konſtruktion iſt namentlich auch dort gewählt, wo größere Siele zuſammenlaufen und wo größere Spülvorrichtungen vorzuſehen ſind. Ventilation. Sämtliche Einſteigſchächte und die Kammern der Seiteneingänge, ſowie ſämtliche durch die Konſtruktion im Scheitel der Siele gebildeten Hochpunkte werden durch Ventilationsſchächte von 20 cm Durchmeſſer bis auf die Straßenoberfläche ventiliert. Solche Ventilationsſchächte ſind auch auf den glatten Sielen in Abſtänden von 30 bis 40 m vorgeſehen. Straßen⸗Einläufe. Zur Einleitung des Regenwaſſers dienen Straßeneinläufe mit Sandfang und Waſſerverſchluß. Für dieſe verſchiedenen Konſtruktiouen ſind die bekannten Typen des Frank⸗ furter Sielbaues in Ausſicht genommen. Beſondere Bauwerke. Von beſonderen Bauwerken ſind folgende zu erwähnen: Die Kreuzung des Hauptſiels I mit der Wieſeck findet unmittelbar unterhalb der Brücke der Bahnhofſtraße ſtatt; die Sielſohle liegt hierſelbſt auf+ 1.64 (153.53 N. N.), die Wieſeckſohle derzeit auf+ 1.45(153.34 N. N.). Die Kreuzung iſt als einfache, glatte Durchführung des Siels unter der Wieſeck(nicht als Düker) und Ueberführung der letzteren projektiert. Das Siel würde an der Stelle, wo das⸗ ſelbe die Wieſeckrinne kreuzt, in einer Höhe von 96 cm über ſeiner Sohle mit guß⸗ eiſernen Platten abgedeckt, und in den Bermen des Wieſeckbettes würde dieſe Ab— deckung auf 1.10 m über der Sielſohle liegen. Die Oberfläche der gußeiſernen Platten bildet zugleich das Wieſeckbett und liegt in der Rinne auf rund+ 2.60 m(154.50 m N. N.). Hierdurch wird allerdings der normale Abfluß der Wieſeck auf+ 2.65 m bis+ 2.70 m L. P. aufgeſtaut. Dieſes macht eine kleine Regulierung des Wieſeck⸗ bettes in dem Oberlauf bis zur Goetheſtraße erforderlich, die indeſſen durch Ver⸗ wendung des überflüſſigen Aushubs bei der Kanaliſation mit geringen Koſten ge⸗ ſchehen kann, und für die Wieſeck eine weſentlich beſſere Geſtaltung ſchaffen würde. Das Hochwaſſer⸗Profil der Wieſeck bleibt nach dieſer Regulierung und nach den angeſtellten Meſſungen noch immer reichlich für die Ableitung des Wieſeck— Hochwaſſers. Dieſe Anordnung hat den großen Vorteil, daß bei dem die ganze innere Stadt entwäſſernden, mit dem flachen Gefälle 1:2000 geführten und auf eine lange Reihe von Jahren wohl nur eine geringe Schmutzwaſſermenge ableitenden großen Hauptſiel eine Dükeranlage vermieden wird. Das Siel würde eine Art Wehr in der Wieſeck bilden, und über dasſelbe hinweg wäre das ganze Wieſeckprofil für die Abführung des Hochwaſſers frei. Der Stau von+ 2.65 bis+ 2.70 m. L. P., welcher hierdurch aufwärts von der Bahnhofſtraße in der Wieſeck entſteht, iſt auf dem Längenprofil, Anlage 2, durch eine punktierte blaue Linie dargeſtellt und würde bei normalem Waſſerablauf in der Wieſeck, wie erwähnt, etwa an der Goetheſtraße auslaufen. Ausmündung und Klärbecken⸗Anlage. Zur Reinigung der Abwäſſer vor ihrer Einleitung in die Lahn iſt eine Klärbecken⸗Anlage projektiert, deren Anordnung aus Anlage 29 hervorgeht. Das Hauptſiel I führt das Waſſer in die Zulaufgallerie. Es ſind für die fernſte Zukunft 16 Klärgallerien vorgeſehen. Dieſelben entſprechen einem Schmutz⸗ — 32— waſſer-Abfluß von 338 Liter pro Sekunde. Für die Gegenwart iſt nur die! führung der vier mittleren Klärgallerien vorgeſehen. Die Gallerien liegen parallel mit der Richtung des Ausmündungsſiels dem Fluß. Sie haben 30 Meter Länge, 4 m Breite oben, 3.50 m Breite an Sohle, 2.50 m Tiefe am oberen Ende, 3 m Tiefe am unteren Ende. Der Wa ſpiegel liegt auf+ 1.20 m L. P.(+ 153.09 m N. N.). Die Zulaufgallerie iſt als Sandfang zur Ablagerung der ſchwerſten e und als Siebkammer ausgebildet. Die Siebe liegen auf der ganzen Länge Zulaufgallerie vor den Einlaßſchiebern zu den Klärgallerieen(vergl. Schnitt Gy riß c d) und haben daher eine große Ausdehnung. Der in der Zulaufgallerie gelagerte Sand und Schlamm kann durch ein Baggerwerk beſeitigt werden. Das geklärte Waſſer läuft am unteren Ende der Becken in die Ablaufga und durch dieſe nach dem Hauptauslaßſiel und wird durch letzteres durch ein N welches ca. 10 m in den Fluß unter deſſen Sohle hineinragt, entfernt vom auf der Flußſohle in die Lahn eingeführt. Die Zahlen, welche für den vorläufigen Ausbau maßgebend ſind, ſind folgen Von den vier Klärgallerieen würde die eine in Reſerve, die anderen! in Betrieb ſtehen. Der Inhalt jeder Gallerie beträgt 305 cbhm, die drei Galleuß enthalten demnach 915 cbm. Es wird angenommen, daß das Waſſer vier Stunden zum Durchlaufen Gallerieen gebraucht, daß demnach ein ſechsmaliger Wechſel pro 24 Stunden ſt findet. Obiger Inhalt entſpricht demnach einem Abfluß von 5500 cbm oder en mittleren Abfluß von Schmutzwaſſer, Grundwaſſer, Spülwaſſer und Regenwt von 183 Liter pro Kopf und Tag von einer Bevölkerung von 30 000 Einwohn Die Durchflußgeſchwindigkeit in den Gallerieen beträgt hierbei im Mittel 2 pro Sekunde. In der Regel wird das Waſſer am oberen Ende den Gallerieen Kzuiiij am unteren Ende abfließen. Tritt Regenwaſſer hinzu, ſo würden die Klärbecken weiter wirken, bis Verdünnung des Schmutzwaſſers eine zweifache geworden wäre. Wird dieſe ü ſchritten, ſo tritt der in der Axe der Klärbecken⸗Anlage dargeſtellte Regenaus dadurch in Wirkſamkeit, daß das Waſſer über das Regenüberlaufwehr der Zuleitu gallerie in den Regenauslaß tritt und durch dieſen, unter Umgehung der. gallerieen, in die Ablaufgallerie und nach dem Hauptauslaßſiel abgeleitet wird. Zufluß nach dem Regenauslaß findet, ſo lange der Waſſerſpiegel die Höhenkote vorderen Regenüberlaufwehrs+ 153.87 m N. N. nicht überſchreitet, aus der Zul gallerie durch die Siebe hindurch und ſeitlich in den Regenauslaß ſtatt, dem wird hierbei noch die Wirkſamkeit der Siebe zur Zurückhaltung ſchwebend mitgefiht Stoffe ausgenutzt. Erſt bei noch weiterer Verdünnung tritt das Waſſer in Zulaufgallerie frei über das Regenüberlaufwehr. Nachdem eine Klärgallerie ſo lange in Wirkſamkeit geweſen iſt, daß Schlamm in genügender Menge auf der Sohle abgelagert iſt, wird deren Reinigt vorgenommen. Die Gallerie wird ausgeſchaltet und zunächſt durch den Entleerun kanal entleert. Das dem Entleerungskanal entnommene Waſſer wird durch Pumpe entweder in das Ausmündungsſiel oder in die Zulaufgallerie zurückgefüßf Der dann in dem Becken zurückbleibende Schlamm wird durch eine Schlammpun deren Saugrohr in jede Klärgallerie am unteren Ende eintaucht, entfernt. Bei Hochwaſſer und bei Waſſerſtänden, welche einen nachteiligen Auff des Abfluſſes im Hauptſiel hervorrufen könnten, wird das Ausmündungsſiel n der Lahn durch einen Schieber abgeſperrt, und das Waſſer aus den Klärbecken da eine im Maſchinenhaus angebrachte Centrifugalpumpe entfernt. Es ſind hierzu Maſchinenhaus zwei Centrifugalpumpen mit einer Leiſtungsfähigkeit von je 300 9 pro Sekunde vorgeſehen. Die Leiſtungsfähigkeit kann ſpäter durch Hinzufüg zweier weiterer Pumpen von gleicher Größe auf 1200 Liter, demnach auf unge die Leiſtungsfähigkeit des Hauptſiels gebracht werden. Für die Bewältigung! Schmutzwaſſers wird eine Entleerungspumpe, die eine Leiſtungsfähigkeit von 60 70 Liter pro Sekunde bekäme, Verwendung finden. Die ganze maſchinelle Einrichtung würde in einem am unteren Ende Klärbecken angelegten Maſchinenhauſe untergebracht werden. — nur do dungsſi 6 Ireite, Ter R I hwerſten— zen Länn Schnitt t laufgalle verden e Ablaufr durch ein ernt von ſind e ander drei Gal — durchlauf Stunde om oder nd Rege 0 Einwe Mittel! rieen zu wirken, ird dieſ e Regen der Zule ung der eitet wi Höhent us der ſtatt, d nd mitge Waſſer iſt, eren Ri 1 4 ſird durt ö zurück Schlamm fernt. eiligen ungsſle lärbecke Auf eine lange Reihe von Jahren wird die einfache mechaniſche Klärung völlig ausreichen; nach Bedarf kann ſpäter entweder für die Sommermonate, in welchen der Fluß waſſerarm iſt, oder für das ganze Jahr ein chemiſches Verfahren angewendet werden; oder es können die Becken dazu benutzt werden, zu Zeiten von Epidemieen das Sielwaſſer einer kräftigen Desinfektion durch Kalkmilch zu unterziehen. Bei dem Bau würde alles von vornherein eingerichtet, um ſolche Zuthaten jederzeit zu ermöglichen. Der in Anlage 31 enthaltene Koſtenanſchlag iſt auf Preiſe begründet, welche den Erfahrungen der letzten Jahre entſprechen, und wird demnach die Herſtellungs⸗ koſten der Anlage in genügendem Maße decken. Der Koſtenanſchlag, welcher die geſamten auf dem Plane dargeſtellten Sielanlagen, demnach auch ſämtliche Haupt⸗ und Nebenſiele, wie ſie in der weiteſten Zukunft nach dem derzeit aufgeſtellten Bebauungsplan erforderlich werden, umfaßt, ſchließt mit einer Endziffer von ℳ 2 900 000 ab. Dem Koſtenüberſchlag iſt ein Auszug der rjenigen Sielſtrecken, deren Aus⸗ führung alsbald und in der nächſten Zukunft erforderlich wird, beigegeben, und zwar iſt dieſe Zuſammenſtellung nach Maßgabe des in Anlage 30 beigefügten Ueberſichts⸗ planes der einzelnen Schritte der Ausführung aufgeſtellt. Für dieſe Einteilung der ganzen Anlage nach Bauperioden iſt ein zweckmäßiges, ſyſtematiſches Fortſchreiten in den Kanaliſationsbauten maßgebend geweſen. Dieſer Auszug des Koſten⸗ überſchlags endigt mit einer Ziffer von K 1 840 000, welche die eigent⸗ lich maßgebende Koſtenanſchlagsziffer bildet. Dieſe Koſten verteilen ſich wie folgt auf die einzelnen, auf dem Plan durch verſchiedene Farben hervorgehobenen Bauperioden: Schritt 1..... 540 000.— „ LI.......„ 260 000.— „ I...„ 260 000. „ 10.... 260 000. „ V.., 260 000. „.„ 260 000: Schließlich erübrigt es mir noch, auf Grund dieſer Projektverfaſſung die mir unterbreiteten ſechs Fragen bezüglich des Steuernagel'ſchen Projekts zu beantworten: Frage 1: Iſt es zweckmäßig, den Stadtringgraben wie geplant zu erhalten, bezw. zu regulieren? Es ſcheint mir entſchieden zweckmäßig, den Stadtringgraben zu erhalten und zu regulieren. Derſelbe bildet einen wertvollen Beſtandteil der Anlage als Zu⸗ führungsmittel für das Spülwaſſer. Befreit von Schmutzabflüſſen wird er zu einer Zierde und Annehmlichkeit der Promenaden gereichen. Die Beſeitigung kann unter keinen Umſtänden befürwortet werden. Frage 2: Sind bei Verzicht auf die Möglichkeit der Einleitung von Fäkalien erhebliche Vereinfachungen des Projektes, vielleicht überhaupt kleinere Dimenſionen der Kanäle zuläſſig? Der Verzicht auf die Möglichkeit der Einleitung der Fäkalien würde, wie im Eingang dieſes Berichtes bereits erwähnt, keinerlei Vereinfachung des Projektes ermöglichen und auch nicht die Anwendung kleinerer Dimenſionen der Kanäle zu— läſſig erſcheinen laſſen. Frage 3: Iſt eine über das Projekt hinausgehende Grundwaſſerſenkung thunlich, bezw. nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkoſten verknüpft? Die Senkung und Regulierung des Grundwaſſers in denjenigen Teilen des Stadtgebietes, in welchen die Siele in das Grundwaſſer einſchneiden, iſt durch die Höhenlage der Sielſohle mehr oder weniger gegeben. Eine beſondere Vorkehrung, das Grundwaſſer in anderer Weiſe zu ſenken, erſcheint weder nötig noch zweckmäßig durchführbar. Frage 4: Stehen auch ohne Einleitung der Fäkalien die durch die Aus— führung des Projekts zu erreichenden Vorteile im Verhältnis zu den Koſten ſeiner Anlage, wie ſeines Betriebes? Meines Erachtens würde es entſchieden zu befürworten ſein, wenn gleich von Anfang an die Beſtimmung, daß die Fäkalien durch die Sielanlage mitt genommen und abgeleitet werden, getroffen würde. Mehrkoſten entſtehen af Sielanlage ſelbſt nicht. Die Einleitung der Schmutzwäſſer der Stadt auch Fäkalien in die Lahn wird jedenfalls nicht ohne Einſchaltung eines Klärbeckens mechaniſche Reinigung der Wäſſer geſtattet. Die Koſten und Auflagen m demnach durch Ausſchließung der Fäkalien nicht vermindert. Dagegen würde Bürgerſchaft bei Einleitung der Fäkalien einen ganz außerordentlich erhöhten J aus der Entwäſſerungsanlage, ſowohl in annehmlicher und ſanitärer, wie au finanzieller Beziehung erhalten. Es iſt Erfahrungsſache, daß die Ausführum Hausentwäſſerungsanlagen, wo die Fäkalien ausgeſchloſſen werden, auf weit grij Widerſpruch ſeitens der Hauseigenthümer ſtößt, wie dort, wo die Einleitum Fäkalien geſtattet iſt und den Hauseigenthümern dieſe wertvolle Gegenleiſtung g über den immerhin bedeutenden Koſten der Hausentwäſſerungsanlage gewährt, Frage 5: Iſt es möglich und ohne erheblichere, doppelte Koſten mi nach Ausführung des Projektes auch die Fäkalien einzuführen? Die Verſchiebung der Einleitung der Fäkalien und deren Einleitung Ausführung des Projektes iſt möglich. Sie würde in der öffentlichen Entwäſſen anlage keine Mehrkoſten verurſachen, dagegen die Hauseigenthümer dadurch beläſt daß ſie ihre Hausentwäſſerungsanlagen nicht auf einmal fertigſtellen könnten, ſon gezwungen wären, zum zweiten Male den Unannehmlichkeiten und dem Schmuß Aufbruchs im Hauſe ſich zu unterziehen. Im Uebrigen iſt noch zu erwähnen, daß ein völliger Ausſchluß der Fit bei einer vollſtändigen Entwäſſerungsanlage kaum möglich iſt, und daß die me lichen Abgänge, wenn ſie nicht auf geſetzlichem Wege in friſchem Zuſtande und Waſſerſpülung durch Waſſerkloſetts in die Siele eingeführt werden, vielfach d Mißbrauch und dann in verjauchtem Zuſtande und ohne Waſſerſpülung eingt werden und durch Geruch ꝛc. in der öffentlichen Entwäſſerungsanlage Miſſt hervorrufen. Frage 6: Verneinendenfalls, welche Ergänzungen und annähernden N koſten zu dem Projekt werden bei Einführung der Fäkalien nötig werden? An den öffentlichen Entwäſſerungsanlagen keine. In den Hausentwäſſenn anlagen würden ſich die Ergänzungen auf die Herſtellung der Kloſettfallleitung,d Anſchluß an den Hauptſtrang, deren Ventilation über Dach, das Setzen der K und der Spülbehälter, die Herſtellung der Zuleitung zu denſelben und dam die Beſeitigung der alten Abtrittsgruben und ſonſtigen alten Vorrichtungen beſchri rin Die Mehrkoſten, welche dadurch entſtehen, daß die Hauser rraiſerunge in einemhin vollſtändig, ſondern erſt für Küchenwaſſer und Regenwaſſer und ſt für die Aufnahme und Ableitung der Fäkalien ausgeführt werden, laſſen ſich berechnen und kommen wohl kaum in Betracht gegenüber den Unanneh zmiii welche mit dieſer doppelten Ausführung in den Privatliegenſchaften und Hut — verknüpft ſind. Lindlen. Koſtenüberſchlag: m A Schritt I: Hauptſiele.......... 4 159 389 6 Klaranlagen... 3 80 0 Unvorhergeſehenes, Berwal tung, Aufſicht, Bau⸗ leitung, ca. 15% 70 30 zuſammen 540 00 Schritt II: Haupt- und Nebenſiele.... 6 752 zuzüglich ca. 15% für Unvorhergeſehenes, Ver⸗ waltung, Aufſicht, Bauleitung.... 260 0 Schritt III: Haupt⸗ und Nebenſiele........ 4382 wie zuvor, zuſammen......... 260 00 Schritt IV: Haupt⸗ und Nebenſiele....... 6 691 wie zuvor, zuſammen.. 260 00 Schritt V: Haupt⸗ und Nebenſiele........ 7 292 wie zuvor, zuſammen. 260 00 Schritt VI: Haupt⸗ und Nebenſiele........ 6 361 wie zuvor, zuſammen....... 230 Insgeſamt 35 637 1 840 0 lanlage entſtehe tadt a Klärbec luflagen egen wi erhöhten er, wie Ausfühl uf weit e Einlei enleiſtun ge gewäh Koſten Einleitn Entwäß ndurch b könnten, dem Se luß der daß die uſtande , vielfa ülung ei nlage N nähernde verden? usentwa fallleitu etzeen de und d noen bei väͤſſerun aſſer u laſſen nannehm ten und Linde Anlage IV. Genereller Vorbericht des Königlichen Baurats herzberg in Berlin betreffend Kanaliſation der Stadt Gießen, d. d. 26. Januar 1898. —. x—— Gegen das Kanaliſationsprojekt mit gemeinſchaftlicher Ableitung der Schmutz⸗ und Meteorwäſſer wird in Gießen geltend gemacht: a) daß die in die Wieſeck mündenden 6 und die in die Lahn mündenden 5 Notausläſſe bei jedem einigermaßen ſtarken Regenfall ſo viel in den Kanälen lagernde Fäkalien und ſonſtige Schmutzſtoffe in die Flußläufe gelangen laſſen, daß dadurch Zuſtände geſchaffen werden können, die möglicherweiſe die jetzigen an Widerlichkeit übertreffen; die hohen Koſten der projektierten Anlage, welche in der nächſten Zukunft mit 1 840 000 ℳ, für die fernere Zukunft mit 2 900 000 ℳ berechnet ſind⸗ Bezüglich des Punktes a) iſt zu unterſuchen, wie oft im Jahre das Inthätig— keittreten der Notausläſſe vorausgeſetzt werden darf. Auf Seite 4 des Erläuterungs⸗ berichts zum Lindley'ſchen Projekt iſt angegeben, daß die Regenausläſſe in Funktion treten ſollen, wenn 1 mm Niederſchlagsmenge in einer Stunde niederfällt, wobei noch die Annahme gemacht iſt, daß nur die Hälfte dieſes Niederſchlags in die Kanäle gelangt, während die andere Hälfte verdunſten und verſickern ſoll. Es iſt anzunehmen, daß bei der dichten Bebauung und der Befeſtigung der Straßen und Höfe in der inneren Stadt, dies zu günſtig gerechnet iſt, insbeſondere bei heftigem Gewitterregen. Da es jedoch über dieſe Verhältniſſe zuverläſſige Beobachtungen nicht giebt, ſo mag dieſe günſtige Annahme als zutreffend für die weitere Betrachtung beibehalten werden. Beobachtungen über die ſtündlichen Niederſchlagsmengen liegen nicht nur für Gießen nicht vor, ſondern ſind im allgemeinen äußerſt unvollſtändig vorhanden(vergl. Buſing, Städtereinigung, Stuttgart bei Bergſträßer 1897, Seite 171). Die Zahl der Regen⸗ tage wird auf Seite 175 des genannten Werks für Kaſſel auf 166 angegeben, wobei die Zahl der Regentage am ſtärkſtem im Juli— mit 16 Tagen—(Seite 175) war. Es iſt anzunehmen, daß die Juli⸗Regen hauptſächlich Gewitterregen waren, die in ganz kurzer Zeit ſehr große Regenmengen zu liefern pflegen. Für die In⸗ anſpruchnahme der Notausläſſe ſind die Geſamtmengen des Tagesniederſchlags, die die meteorologiſchen Stationen anzugeben pflegen, nicht ausſchlaggebend. Hierfür wäre eigentlich die höchſte viertelſtündige Niederſchlagsmenge zu beobachten, weil bei Gewitterregen die Kanäle ſchon in 10 Minuten voll zu ſein pflegen. Auf Seite 176 des genannten Werks wird für Chemnitz angegeben, daß an 17 Tagen im Jahr in einer Stunde 10 bis 35 mm Regenmenge niedergegangen iſt, das iſt mehr, als die 10 fache Menge desjenigen Niederſchlags, den die Kanäle für Gießen ohne Inanſpruch⸗ nahme der Notausläſſe abführen ſollen.— Bezüglich der Unſicherheit in der Feſt⸗ ſtellung der in ganz kurzer Zeit niedergehenden Regenmengen verweiſe ich auf das in dem vorgenannten Werk Seite 176 u. f. Geſagte. Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich in Rückſicht auf die oben ge⸗ nannte Chemnitzer Angabe annehme, daß es in Gießen an mehr als 40 Tagen im Jahr Niederſchläge geben wird, die in einer Viertelſtunde mehr als 0,25 mm (das iſt auf die Stunde berechnet mehr als 1 mm) Waſſer liefern, woraus ſich ergiebt, daß ich die sub a) angeführten Bedenken durchaus als gerechtfertigt erachte. b — 36— Es könnte eingewendet werden, daß das Trennungsſyſtem den Flußl— dauernd den Schmutz der Straßen zuführt, während dies bei dem gemeinſ lichen Syſtem nur zeitweiſe geſchieht. Ich bin aber nicht zweifelhaft, daß d Umſtand bei weitem nicht ſo übel empfunden wird, als die häufige Einführung Regenwaſſer, welches mit Fäkalien u. ſ. w. durchſetzt iſt, zumal jeder ſtarke R das gut regulierte Bett der Wieſeck und der Stadtgräben zu reinigen imſtande Ich laſſe mit Abſicht die hygieniſche Frage, ob die zeitweiſe Einführung der Fät und Hauswäſſer beim gemeinſchaftlichen Syſtem der Einführung der geſan Regenwaſſer in die Flußläufe vorzuziehen iſt, unberührt, weil ich glaube, daß äſthetiſche Gefühl zur Bildung eines ſicheren Urteils ausreicht: dieſes ſträubt entſchieden gegen das Sichtbarwerden von Fäces in den offenen Bachläufen. unterliegt natürlich keinem Zweifel, daß die Waſſerläufe, die das geſamte R. waſſer aufnehmen ſollen, wenn erſt alle Häuſer an die Schmutzwaſſerkanäle getrennten Syſtems angeſchloſſen ſind, bei weitem nicht mehr diejenigen Verund ungen zeigen werden, die ſie jetzt nach jedem Regen aufweiſen, weil ja der wu liche Beſtandteil der Verſchmutzung d. h. die Hausabwäſſer, überhaupt nicht! hinein gelangen ſollen. b) Um über die Koſten der Anlage bei dem getrennten Syſtem einen 1 zu gewinnen, habe ich folgendes veranlaßt: Es ſoll zunächſt der Umfang der Anlage in Vergleich geſtellt werden, in dem Lindley'ſchen Projekt mit Schritt I bis VI bezeichnet und mit 1 840 000 veranſchlagt iſt; auch die Lage des Klärbaſſins iſt beibehalten worden. In liegender Planſkizze ſind die Tracen für die Schmutzwaſſerleitungen rot, die die Regenwaſſerleitungen blau eingetragen. Die Gefällszahlen ſind eingeſchrit Es ergiebt ſich, daß, wenn man an den tiefen Stellen in der Mitte der Stadt der Entwäſſerung der Kellerſohlen Abſtand nimmt und eine ausreichende Ba bedeckung der am flachſten liegenden Röhren vorſieht, man mit Gefälle im Ort mindeſtens 1:700 und für den Hauptkanal mit 1:1600 ſo hoch an die Klärſm gelangen kann, daß das Hauptrohr mit ſeiner Sohle beim Eintritt in die Klärſtm ca. 30 cm höher liegen wird, als in dem Lindley'ſchen Projekt für den Ha kanal angenommen iſt. Dieſe günſtigeren Verhältniſſe werden im weſentlichen de den geringeren Durchmeſſer der Röhren gegenüber der Höhe der gemauerten Ko erzielt. Letzterer Umſtand bringt es auch zuwege, daß das Hauptrohr die Wi mit ſeiner Oberkante ohne beſondere bauliche Vorkehrungen ſo kreuzen kann, daß Sohle der Wieſeck in derſelben Höhenlage darüber hinweg geht, wie im Lindleyſſ Projekt vorgeſehen iſt, wobei jedoch nach meinem Projekt unterhalb des Rohres! ein freier Durchfluß der Wieſeck von 76 cm lichter Höhe verbleibt. Dieſe De gangshöhe kann durch zuläſſiges geringeres Gefälle des oberhalb liegenden Ha— rohres noch weſentlich vergrößert werden. Für die Abführung der Regenwaſſer in die Bach- und Flußläufe macht die Ableitung des mittleren ca. 2,5 Hektar großen Stadtteils gewiſſe Schwierigkl ich hatte zuerſt angenommen, daß bei beſtimmten Waſſerſtänden die Notwendl einer Pumpſtation in der Stadt nicht zu umgehen ſein werde. Es hat ſich ja bei näherer Betrachtung ergeben, daß es möglich wird, für dieſen Teil eine geſomde Leitung mit einem Gefälle von 1:900 an einer Stelle ſo in die Lahn zu fin daß der Auslauf auf+ 154.50 N. N. liegt, das iſt höher als der hohe Waſſerſ vom 4. November 1894 war; es iſt hierbei eine Tiefenlage des Rohres an tiefſten Straße von 1 m unter Terrain angenommen, was für Regenwaſſer zuläſſig zu erachten iſt.— Unmittelbar vor der Ausmündung ſoll eine abſpert Verbindung— unter der Wieſeck durch— nach dem Schmutzwaſſer⸗Kanal gelegt weln ſodaß durch die bei der Klärſtation aufzuſtellende Pumpenanlage, welche bei ei Waſſerſtand der Lahn von mehr als+ 155.00 N. N. ohnehin in Thätigkeit ts muß, auch das von dem tiefſten Stadtteil bei einem Lahnwaſſerſtand von mehr 154.50 abfließende Regenwaſſer mitgehoben werden kann. Ich bemerke, daß! Regenwaſſerleitung an ihrer Mündung in die Lahn gegen das Schmutzwaſſer noch ca. 0.80 m Ueberdruck hat und hebe außerdem hervor, daß das Pumpen! Regenwaſſer höchſt ſelten— vielleicht in Jahrzehnten nicht— vorkom wird, und daß es ſich nur um die geringe Menge handelt, die von einer ca. 2,5 H großen Fläche kommt. Die Abführung von Grundwaſſer aus den Kellern erl geſamte aſtnm den Verunn Uja der aupt nic em einen ellt werd nit 1840 Aden. n rot, d einge eder Et eichende ille im L die Klä n die Klä für den ſjentliche nauerten ohr die n kann, im Lind des Rohl Dieſe tegenden eine gei Lahn zu ohe Waſ Rohres ſegenwa eine abſt Thätigti d von m c d nerke, nn nutw 4 „ Punu 15 Puf 4 F u er ca⸗ 27 4 Kellel — 1 zweckmäßiger mittels der Schmutzwaſſerableitung, als mittels Regenwaſſerableitungen, weil erſtere nicht dem Rückſtau bei Sturzregen ausgeſetzt ſind. Die Schmutzwaſſerableitung ſoll ein Hauptrohr von 500 mm. Durchmeſſer erhalten und zwar wäre die von der Mündung der Wieſeck bis zur Klärſtation 1600 m lange Strecke in Gußeiſen auszuführen, weil Thonrohr in dem Lahnthal zu gefährdet liegen würde. Ein ſolches Rohr hat bei einem Gefälle von 1: 1600, da es bis oben voll fließen kann— es iſt dies ſogar erwünſcht—, eine Leiſtung von mehr als 100 Sek. Liter, das iſt pro Stunde mehr als ca. 360 chm. Wird bei einer Einwohnerzahl bis 35 000 die Tagesabwäſſerung auf 100 Liter pro Kopf angenommen, dieſe Menge auf 16 Stunden verteilt und dieſe Zahl noch um 30% wegen der Ungleichheit der Stundenabflußmenge vermehrt, ſo ergiebt ſich ein Maximal⸗ 35 000 ‧⸗ 0, 1 16 daß ein ſolches Rohr nicht nur für die ſpätere Zukunft ausreicht, ſondern auch im— ſtande iſt, noch die unvermeidliche Menge des Regenwaſſers von engen und gepflaſterten Höfen aufzunehmen. Die Schmutzwaſſerleitungen im Ort werden auf 35 Durchmeſſer dimenſioniert; ſie ſollen aus Thonrohr mit Asphalt⸗Dichtung beſtehen, weil dieſe Dichtung ſich vorzüglich bewährt hat; ſie iſt abſolut dicht, hinreichend elaſtiſch und läßt keine Baumwurzeln durch. Dieſe Leitungen ſind vollkommen weit genug, um auch ſpäterhin das Schmutzwaſſer aus den Häuſern der Liegenſchaften ſicher abzuleiten, zumal dieſe mit ſehr großem Gefälle der Stammleitung zugeführt werden. Für die Regenwaſſerleitungen ergiebt die Planſfizze, daß die alten vor⸗ handenen Leitungen für die Geſamtanlage kaum in Betracht kommen, weil ihre ungenügenden Gefälls-Verhältniſſe eine weitere Verzweigung nicht zulaſſen. Eine einigermaßen genaue Veranſchlagung der angedeuteten getrennten Kanaliſationsanlage iſt natürlich auf Grund dieſer generellen Betrachtungen nicht möglich. Immerhin kann man, da die Rohrſtrecken ziemlich genau zu ermitteln ſind, doch folgenden Ueberſchlag machen, der, wie ich glaube, bei der ſpeziellen Ver⸗ anſchlagung nicht überſchritten werden dürfte: a. Die Hauswäſſer⸗Kanaliſation., Aà, 1 600 lfd. m Muffendruckrohr von 500 mm lichtem Durchmeſſer, mit allen Gra⸗ benarbeiten, Waſſerhaltung und „»Faconſtücken, à 50 ℳA,. 80 000.— 34 000 lfd. m Thonrohrleitung von 150 bis 500 mm Durchmeſſer(darunter 17 000 lfd. m von 200 und 150 mm), mit allen Nebenarbeiten, durch⸗ abfluß von+ 30% von 285 chm pro Stunde, woraus erſichtlich iſt, ſchnittlich A 17 Äc,. 578 000.— 450 Reviſionsſchächte, mit den Abdeck⸗ ungen uſw., durchſchnittlich à 250 ℳ 112 500.— Die Kläranlage nach Lindley's Koſtenanſchlag 84 000.— Für Diverſes 45 500.— 900 000.— b. Die Regenwaſſereanaliſatian 20 400 lfd. m Thonrohrleitung von 150 bis 500 mm Durchmeſſer, mit allen Nebenarbeiten, durchſchnittlich à 14 ℳ 285 600.— 240 Reviſionsſchächte, mit den Abdeck⸗ ungen, durchſchnittlich à 200 ℳ. 48 000.— 560 Regeneinfallſchächte, mit den An— ſchlüſſen, à 150 ÄVAZA 84 000.— Für Diverſes, Uferbefeſtigungen uſw... 42 400.— 460 000.— Summa 1 360 000.— gegenüber 1 840 000 ℳ der gemeinſchaftlichen Anlage. Daß der Betrieb der ge⸗ trennten Anlage erheblich weniger koſtet, als bei der gemeinſamen Anlage, kann be— ſonders nachgewieſen werden. Der Unterſchied der Anlagekoſten iſt in erſter Linie eine Folge des Fortfalls der gemauerten Kanäle bei dem Trennungsſyſtem. herzberg. Anlage V. Promemoria des Stadtbaurats Schmandt über den heutigen Stand der Frage der Entwäſſerung der Städte, insbeſondere mit Bezug auf die Stadt Gießen, vom Juli 1808. Die Aſſanierung der Städte. Die Erkenntnis, daß das beſte Mittel zur Bekämpfung der menſchlichen Krankheiten und Verlängerung der Lebensdauer in der Verhütung der ſchädlichen Einflüſſe beſteht, hat ſchon ſeit längerer Zeit dazu geführt, eine Reihe von Einrich⸗ tungen ſanitärer Natur zu treffen. Dies galt zu allen Zeiten für ſolche Orte, an welchen dauernd eine größere Anhäufung von Menſchen ſtattfand, die verhinderte, daß die wohlthätigen Einflüſſe der freien Natur dem Einzelnen in ausreichendem Maße zu teil ward. Es ſind alſo allgemein die Städte, und namentlich die raſch wachſenden Städte, welche beſondere Maßnahmen zwecks Verſorgung mit Licht, Luft, Lebensmitteln und Waſſer einerſeits und Beſeitigung aller ſchädlichen Abgänge und Abfallſtoffe anderſeits erheiſchen. Dazu geſellen ſich die Rückſichten auf den geſteiger⸗ ten Verkehr, welche mit der Größe und Bedeutung der Stadt wachſen. Abfuhr und Kanaliſation. Ein ſehr wichtiges Glied in der Kette dieſer Einrichtungen bildet ohne Zweifel die Beſeitigung aller menſchlichen und tieriſchen Abgänge und alles Unrats in feſter und flüſſiger Geſtalt. Dabei iſt notwendig, dieſe Abgänge ſo raſch als möglich aus dem Bereich der Stadt zu bringen und dem Auge der Bewohner zu entziehen. Die Entfernung der feſten Stoffe iſt mit Hilfe der menſchlichen, tieriſchen und maſchinellen Kräfte leicht zu bewirken; zur Beſeitigung der flüſſigen Abgänge reichen dieſe Kräfte aber vielfach nicht aus oder verurſachen unerſchwingliche Koſten. Man bedient ſich daher mit Vorliebe der bewegenden Kraft des fließenden Waſſers, das zu Zeiten dauernder und ſtarker Niederſchläge nicht nur reichlich vorhanden iſt, ſondern auch in den Städten eine raſche und geregelte Ableitung erfordert, ſowohl im Intereſſe der Geſundheit wie des Verkehrs. Die ſtarke bauliche Ausnützung von Grund und Boden und die Befeſtigung der Straßen und Höfe verurſacht in den Städten ein raſches Anſammeln des Regens in den tiefſten Teilen, im Gegenſatz zum Lande, wo in der Regel der weitaus größte Teil der Niederſchläge in den Boden verſinkt. Verſchiedene Syſteme der Entwäſſerung. Bei der flachen Lage vieler Städte wird die oberirdiſche Ableitung der Regen⸗ und Schmutzwäſſer ſchwierig und unangenehm. Zur Beſeitigung der letzteren bediente man ſich daher ſchon im Altertum der unterirdiſchen Kanäle, deren Ausbildung im Laufe der Zeit ſich zu verſchiedenen Syſtemen entwickelt hat. Das kombinierte Syſtem. Nach dem Vorbild engliſcher und amerikaniſcher Städte hat man ſeit einigen Jahrzehnten auch in Deutſchland eine ganze Anzahl von Städten mit einem Syſtem unterirdiſcher Kanäle oder Siele verſehen, denen man alle ſchwemmbaren Schmutz⸗ ſtoffe, in der Regel auch die Fäkalien, zuleitet, und welche zugleich groß genug ſind, um das auf die Straßen und Hofraiten fallende und zum Abfluß gelangende Regen⸗ waſſer aufzunehmen und weiter zu leiten. Dieſe„Schwemmkanäle“ haben ſich aber in vielen Fällen als unzureichend erwieſen zur Aufnahme ſtarker Gewitterregen, der — 40— ſogen.„Sturzregen“. Es ergab ſich daher die Notwendigkeit, ſie mit gewiſſen 8 heitsventilen zu verſehen, welche als ſogen.„Notausläſſe“ das nach Füllung Kanäle noch andrängende Waſſer ſeitlich nach dem nächſtgelegenen Rezipienten(— Graben, Bach oder Fluß) ableiten. Dabei wird aber dieſen, vielfach innerhalh Städte liegenden Rezipienten auch ein Teil der„Schmutzſtoffe“ zugeführt, alſog Dinge, welche durch die Kanaliſation dem menſchlichen Auge möglichſt raſch ent werden ſollten. Trotz dieſes offenbaren Mangels hat eine ganze Anzahl meiſt griß Städte ſich dieſes„kombinierten Schwemmſyſtems“ mit relativ gutem Erfolg beid Die Entwäſſerung einer Stadt nach dem„kombinierten Syſtem“ odan wie es die Franzoſen nennen— dem Syſtem„tout à l'égout“ empfiehlt ſich,; der Kanalinhalt mit natürlichem Gefälle einem waſſerreichen oder ſtarkſtrömg Fluſſe zugeführt werden kann oder wenn ſich in der Nähe der Stadt geeignete La reien zur dauernden Aufnahme der geſamten Spüljauche vorfinden, ſogen.„R felder“. Wo dieſe günſtigen Umſtände fehlen, geſtaltet ſich die Durchführung kombinierten Syſtems ſchwierig und teuer im Bau und im Betrieb. Das Trennungsſyſtem. Eine andere Art der Entwäſſerung iſt diejenige nach dem ſogen.„Trennu ſyſtem“. Nach dieſem werden ſämtliche Schmutzwäſſer und Fäkalien aus den raiten in einem, und die meteoriſchen Niederſchläge von Straßen, Dächern! Höfen in einem zweiten Röhrenſyſtem abgeleitet, das von dem erſteren 4 getrennt iſt. Hierbei wird ermöglicht, die Tagewäſſer je nach den örtlichen Ver niſſen ganz oder zum Teil oberirdiſch abzuleiten, unur die Koſten der Entwäſſenn erheblich geringere werden. Auch dieſes Syſtem iſt nicht neu und ſchon frühe England, Amerika und an einigen Orten in Deutſchland erprobt worden. ſchenkt demſelben neuerdings faſt allenthalben mehr Aufmerkſamkeit in dem M in welchem auch die mittleren und kleineren Städte die Vorteile einer ſyſtematiſ Entwäſſerungsanlage ſchätzen lernen und zu erlangen ſuchen, aber nicht immen der Lage ſind, die verhältnismäßig großen Ausgaben für ein„kombiniertes Syſte ohne Nachteil zu ertragen. Die Vorteile dieſes Syſtems ſind jedoch ſehr abhän von den örtlichen Verhältniſſen. Die pneumatiſchen Syſteme. Von ſonſtigen Syſtemen der Entwäſſerung ſind die„pneumatiſchen Syſten zu erwähnen, welche ſich der„Druckdifferenz“ zwiſchen einem künſtlich erzeug Vakuum und der Atmoſphäre oder zwiſchen der letzteren und gepreßter Luft als bewegende Kraft bedienen. Nach den Erfindern werden dieſe Syſteme als „Liernur'ſche“ bezw.„Shone'ſche Syſtem“ benannt. Beide haben bisher nur ſehr beſchränktem Maße an Orten mit ganz beſonderen Verhältniſſen Anwende gefunden. Syſtem„Shone“ insbeſondere. In den letzten Jahren hat man dem„Shone'ſchen Syſtem“ erk höhte merkſamkeit geſchenkt, und es ſind ſeit den befriedigenden Ergebniſſen der Verſu anlage in der Berliner Gewerbe-Ausſtellung von 1896 einige Anlagen nach dic Syſtem auch in Deutſchland ausgeführt worden oder in Ausführung begriffen, in Harburg, Elbing, Allenſtein i. Oſtpr., im Militärlager„Lechfeld“ bei Augsburguſ Danach werden die Kanalwüäſſer nach einigen, über den Stadtbezirk verteil Tiefpunkten geleitet, an welchen unterirdiſch kleine gußeiſerne Sammelbehälter i 300 bis 600 1 Faſſungsraum eingebaut ſind. Der Inhalt dieſer Behälter wird u jedesmaliger Füllung automatiſch mittelſt Preßluft nach dem Hauptſiel gehoben u durch dieſes nach dem Beſtimmungsort gedrückt. In dieſen ſogen.„Ejektor⸗Station ſollten zur Sicherheit je zwei Apparate(Ejektoren) aufgeſtellt werden, wenn ne Gefahr begegnen will, daß die Anlage in kritiſcher Zeit ganz oder zum Teil verſe Beſondere Zwecke der Kanaliſation. Jede ſyſtematiſche Entwäſſerungsanlage bezweckt die Verbeſſerung der Ge heitsverhältniſſe einer Stadt in verſchiedener Weiſe. Als Hauptgrundſatz hat di zu gelten: „Eine richtige Kanaliſation muß ſämtliche Brauch⸗, Schmutz⸗ und 1 wäſſer auf dem kürzeſten und ſicherſten Weg aus dem Bereich der St gewiſſeng ich Fülhn gipienten i innerhe irt, alſo t raſch an il meiſt n Eriig — iſtem“u hjehlt ſi ſtarfſte Neignete! ſogen. rrchführung n.„Trenu aus denß Daächer erſteren tlichen I r Entwi ſchon fui worden. in dem r ſyſteme nicht im nertes ſehr al „erhöht r Ver der en nach ſ begriffe Augsbur bezirk ve nelbehält ilter widd el gehole kior⸗St wenn un m Teil! — 41 bringen und die Trockenlegung der naſſen und feuchten Wohnungen und Kellerräume ermöglichen.“ Inwieweit dieſe zu erreichen ſind, hängt von den örtlichen Verhält⸗ niſſen einer Stadt ab, worunter nicht nur die rein techniſchen, ſondern auch die hygieniſchen und finanziellen Verhältniſſe derſelben zu verſtehen ſind. Topographiſche Verhältniſſe von Gießen. Die Betrachtung der topographiſchen Verhältniſſe ergibt, daß die Entwäſſerung von Gießen durch zwei Faktoren beſonders erſchwert wird. Es ſind dies die flache und tiefe Lage der inneren Stadt, noch unter den höheren Waſſerſtänden der Lahn, und der Umſtand, daß letztere gerade unterhalb der Stadt ein ſehr ſchlechtes Gefälle hat, auch zu Zeiten tiefen Standes nur eine geringe Waſſermaſſe führt. Bei Ein⸗ leitung größerer Mengen von Schmutzwaſſer in den Fluß wird es daher nicht zu umgehen ſein, dieſelben einer mechaniſchen Reinigung zu unterwerfen. Die Stadtbäche. Ferner ſind zu berückſichtigen die verſchiedenen Waſſeradern(Stadtbäche), welche die innere Stadt durchfließen und von der Lahn geſpeiſt werden. Dieſelben dienen hauptſächlich zur Entwäſſerung und nur in ſehr geringem Maße zu gewerb— lichen Zwecken. Sie zerfallen in zwei Teile: 1. Den eigentlichen von der Lahn abgezweigten Stadtbach, welcher die Innenſtadt durchſtrömt und nach Teilung in zwei ſich wieder vereinigende Arme mit dieſen die älteſten Teile der Stadt umſchließt; 2. den Stadtringgraben, auch„Schoorgraben“ genannt, der von erſterem abzweigt und ſich gleichfalls in zwei Arme teilt, welche der früheren Um⸗ wallung folgen. Dieſe Arme vereinigen ſich oberhalb des Ausgerinnes wieder mit der Stadtbach. Durch das Ausgerinne dieſer Stadtbäche wird gegenwärtig aller ſchwemm⸗ bare Unrat, jedoch ohne Fäkalien, der Wieſeck unweit der Bahnhofſtraße zugeführt, an der Stelle, wo ſie den Eiſenbahndamm durchbricht. Jetziger Betrieb. Bei ſteigendem Waſſer der Lahn wird das Eingerinne der Stadtbäche ab— geſperrt, um die tieferen Teile und die Keller der inneren Stadt vor Ueberflutung zu ſchützen. Da aber Wieſeck und Lahn bei Hochwaſſer bis in das Stadtinnere durch das Ausgerinne der Stadtbäche zurückſtauen, ſo muß auch dieſes zeitweiſe geſchloſſen und der Zufluß zu den Stadtbächen alsdann durch Ueberpumpen entfernt werden. Stadtbäche und RKanaliſation. Die Frage, ob und inwieweit die Stadtbäche bei einer ſyſtematiſchen Kanali⸗ ſation zu erhalten bezw. in das Syſtem derſelben einzufügen ſind, iſt wie folgt zu beantworten: Die verſchiedenen Zweige des„eigentlichen Stadtbachs“ liegen nicht in den Straßen, ſondern inmitten der Häuſerblöcke; ſie ſind daher zur Entwäſſerung der erſteren ungeeignet und werden bei der Anlage neuer Siele überflüſſig. Es empfiehlt ſich daher, den Stadtbach nach Ausführung der Kanaliſation zu verfüllen, ſchon um deſſen mißbräuchliche Benützung zu verhindern. Dagegen kann der„Stadtringgraben“ erhalten bleiben, als Annehmlich⸗ keit für die ſtädtiſchen Anlagen und eventuell zur Benutzung für Spülzwecke. Seine Lage und leichte Zugänglichkeit wird ermöglichen, alle Schmutzzufuhr künftig von ihm fern zu halten. Er wird dann nur reines Lahnwaſſer aufnehmen und ſeine Abſperrung bei Hochwaſſer für niemand läſtig ſein. Bei ſtarkem Regen wäre er wie jetzt durch Ueberpumpen oder in ſonſtiger Weiſe zu entlaſten, entſprechend den geringen Zuflüſſen aus der inneren Stadt. Untergrund der Stadt Gießen. Wichtig für die Ausführung einer Kanaliſation iſt die Beſchaffenheit des Bodens, auf welchem die Stadt ſich aufbaut. Nach den Beobachtungen und Erfahrungen des Unterzeichneten beſteht der Untergrund von Gießen weniger aus jüngeren Alluvionen, als aus älteren Sedi⸗ — 412— gegen einander verſchoben ſind. Man trifft daher faſt nirgends einen zuſam hängenden Grundwaſſerſpiegel oder gar einen Grundwaſſerſtrom von beſtim Richtung(wie in der Rhein- und Mainebene) an. Das Grundwaſſer ſammelt vielmehr in einzelnen unterirdiſchen Neſtern und Mulden ſolange an, bis es den Rand derſelben abfließen kann, entweder durch lockere Bodenſchichten oder menten, welche infolge von Faltungen, Verwerfungen und dergleichen faſt 1 Einſchnitte, wie Gräben, Stadtbäche, Hausfundamente und Kellerräume. Senkung des Grundwaſſerſpiegels. Bei einer ſyſtematiſchen Kanaliſation werden die Ränder der genannten 1 und Mulden faſt allenthalben durchſchnitten und das Erdreich längs der Siele! infolge des Aushubs und Wiederbeifüllens der Baugrube gelockert. Hierdurch! dem Grundwaſſer ein leichterer Abzug gewährt, und es muß ſich daher der Spiegel ſelben an allen kanaliſierten Straßen und Hofraiten ſenken. Man hat dies üb— dort beobachtet, wo nicht gerade ein kontinuierlicher und mächtiger Grundwaſſerſt nach einem großen Fluſſe hin geht. Iſt der Untergrund einer Stadt wenig durchläſſig oder infolge jahrhunde langer Schmutzzufuhr verſeucht— wie an manchen Stellen der Altſtadt hier— muß bei Ausführung einer Kanaliſation der Aushub der Baugrube beſeitigt durch geſundes, einwandfreies Material erſetzt werden(Flußkies, reiner Sand u. den Das Grundwaſſer findet alsdann längs der Siele leichteren Abfluß. üygieniſcher Einfluß der Senkung des Grundwaſſerſpiegels. Die Hygieniker haben wiederholt darauf hingewieſen, wie wichtig es iſt,! Grundwaſſerſtände in bewohnten Orten zu ſenken, um den damit verbundenen, die Geſundheit nachteiligen häufigen Wechſel in der Durchnäſſung und Wie austrocknung der oberen Bodenſchichten zu beſeitigen. Insbeſondere ſind diejem menſchlichen Wohnungen als ungeſund zu bezeichnen, deren Grundmauern Waſſer durchtränkt und deren Wände infolge des kapillaren Aufſteigens von Guu waſſer durchnäßt und daher luftundurchläſſig und kalt werden. Der große W der Senkung des Grundwaſſers durch eine ſyſtematiſche Kanaliſation iſt daher verkennbar. Finanzielle Verhältniſſe der Stadt Gießen. Die Finanzen der Stadt Gießen befinden ſich in geſunden und geordnt Verhältniſſen. Die durch eine ſyſtematiſche Kanaliſation in den nächſten Jahren! ſtehende Mehrbelaſtung legt der Bevölkerung der Stadt zwar ein weiteres 9 auf, das jedoch um ſo bereitwilliger getragen werden dürfte, als es einen nicht unterſchätzenden Gewinn in geſundheitlicher Beziehung, namentlich für die im Stadt, bringen wird,— in demſelben Maße, wie die ſegensreiche Einführung Quellwaſſerverſorgung. Die Verbeſſerung der Geſundheitsverhältniſſe ſtärkt u kräftigt die Erwerbsfähigkeit der Bevölkerung. Man wird bei der Wahl des(. wäſſerungsſyſtems aber darauf zu achten haben, welches derſelben das für Git im weiteſten Sinne wirtſchaftlich beſte iſt. Vorliegende Preojekte. Für die Stadt Gießen liegen nunmehr drei generelle Kanaliſationsproh vor, und es wird der Stadtvorſtand zu entſcheiden haben, ob eines dieſer Proſt und welches derſelben der Ausführung der Entwäſſerungsanlage zu Grunde gl werden ſoll. projekt I von Steuernagel. Dieſes erſte Projekt beruht auf dem„kombinierten Syſtem“ und auf Vorausſetzung, daß die Fäkalien„zunächſt“ den Kanälen ferngehalten,„even ſpäter aber in dieſelben aufgenommen werden ſollen“. Der Stadtbach ſoll beſein der Stadtringgraben dagegen erhalten bleiben, zum Teil vertieft werden und alsde zur Aufnahme von Regen- und Grundwaſſer, ſowie zu Spülzwecken dienen. Es! ihm deshalb auch alles Schmutzwaſſer ferngehalten werden. Es ſoll als en Grundſatz gelten, daß„ſämtliche häuslichen Brauchwaſſer, die Fabrikwaſſer, ſowie atmoſphäriſchen Niederſchläge möglichſt am Orte ihres Entſtehens durch geſchloſſ Rohrleitungen aufgenommen und in der Regel vereinigt in einem Rohr in techn vollkommener und ſanitär befriedigender Weiſe thunlichſt raſch außerhalb des Stu weichbildes geführt werden“. hen faſt mnen zuſn von beſte ſer ſamne an, bis 8 chten oder ume. enannten der Sin Hierdurg der Spieg hat dies rundwaſſ de jahrhu tadt hier de beſeitia Sand u. els. htig es iſ erbundene ng und N ſind die ndmauer ens von Der große n iſt dal und geot ten Jahr weiteres! einen! für die Einführn nſſe ſtät Wahl der das für! liſations deeſer! Grunde oll 6 vaſſer, d 4 urch geſc ohr in 1 halb desn Wie dieſen Zwecken, insbeſondere auch bei ſpäterer Einführung der Fäkalien, bei gleichzeitiger Anlage von etwa 15 Notausläſſen im Bereich der Stadt nach Ring— graben, Wieſeck und Lahn, entſprochen werden ſoll, geht aus dem Projekt nicht hervor und dürfte auch ſchwerlich zu erreichen ſein. Die angeſtellten Berechnungen über die Senkung des Grundwaſſerſpiegels haben wenig Wert, inſolange die den⸗ ſelben zu Grunde liegenden Annahmen anfechtbare ſind. Da das Projekt auch im übrigen verſchiedene Mängel zeigt, und ein zweites, beſſeres Projekt nach dem gleichen Syſtem vorliegt, ſo ſoll auf das erſtere hier nicht weiter eingegangen werden. projekt II von Lindley. Das Projekt von Lindley beruht ebenfalls auf dem kombinierten Syſtem, iſt aber nach großen Geſichtspunkten ſehr klar durchgearbeitet und als eine geſchickte Löſung der höchſt ſchwierigen Aufgabe zu bezeichnen. Auch iſt darin der künftigen Entwickelung der Stadt in weitgehendem Maße Rechnung getragen. Man könnte dieſen Entwurf ohne weiteres der Ausführung zu Grunde legen, wenn man ſich nicht an der Höhe der Koſten für Bau und Betrieb ſtößt und die 6 bis 7 Notausläſſe im Bereich der Stadt als unvermeidlich mit in den Kauf nehmen will. Nach dieſem Projekt erhält jede Straße ein Siel, dem aller Regen und aller ſchwemmbare Unrat einſchließlich der Fäkalien zugeführt wird. Die einzelnen Straßen⸗ ſiele vereinigen ſich zu„Hauptſielen“ und dieſe münden in ein„Hauptauslaßſiel“, durch welches ihr Inhalt bis zur Klärſtation und durch dieſe der Lahn, weit unter⸗ halb der Stadt, zugeführt wird. Das Kanalnetz iſt in allen Stadtteilen nach dem⸗ ſelben Prinzip der Einheitlichkeit geſtaltet, was unbeſtreitbar als ein großer Vorzug gelten muß; die Entwäſſerung der Stadt iſt auch bei den höchſten Lahnwaſſerſtänden geſichert. Der Betrieb der Anlage geſtaltet ſich dagegen weniger einheitlich, inſo⸗ fern mit ſteigenden Waſſerſtänden der Lahn und gleichzeitigem ſtarkem Regen die Außenbezirke der Stadt nacheinander ausgeſchaltet, d. h. in ihrem Hauptſiel abgeſperrt werden müſſen. Alsdann ergießt ſich durch die Notausläſſe alles Regenwaſſer, mit Spüljauche vermiſcht, in die offenen Waſſerläufe innerhalb der Stadt. Wenn dieſe Thätigkeit der Notausläſſe in der Regel auch keine ſehr häufige ſein mag, ſo erſcheint ſie doch hygieniſch und äſthetiſch bedenklich. Man beachte, daß die äußeren Stadt⸗ teile ſich zuſehends ausdehnen und dichter bebaut werden. Die Nothausläſſe werden daher künftig zugleich mit dem Regenwaſſer beträchtliche Mengen von Spüljauche, vermiſcht mit Kloſetpapier und geformten Fäkalien, ausſpeien. Dabei iſt zu beachten, daß die Wieſeck nach dem Projekt auch bei Niederwaſſer geſtaut werden ſoll und daß der Rückſtau der Lahn zuzeiten bis an die Goethe⸗ und Bismarckſtraße heraufgeht. Die oben genannten, in der Spüljauche ſchwimmenden Stoffe werden ſich in ſolchen Fällen beim Ablauf des Waſſers auf den flachen Ufern des Wieſeckbettes abſetzen, wodurch höchſt ekelerregende Zuſtände entſtehen können. Aehnliche Verhältniſſe liegen bei der durch die Wehre angeſtauten Lahn vor, die ſehr viel zum Baden benutzt wird. In den Hauptſielen der Außenbezirke werden ſich infolge der zeitweiſen Abſperrung ſtärkere Niederſchläge bilden, deren Beſeitigung von Hand erfolgen muß und daher den Betrieb der Anlage nicht unweſentlich verteuern wird. Dasſelbe gilt für die Klärbecken, in welche von den Straßen größere Mengen von Sand ein— geſchwemmt werden und wieder beſeitigt werden müſſen. Die Mengen des zu klären⸗ den Waſſers und des verbleibenden Klärſchlammes ſind beträchtlich. Die Unter⸗ bringung des letzteren verurſacht größeren Städten, die nach dem kombinierten Syſtem kanaliſiert ſind, ſchon jetzt fortgeſetzt viele Verlegenheiten. Zu dieſen Nachteilen können ſich bei ſtarken Regengüſſen leicht lokale Stau⸗ ungen innerhalb einzelner Siele geſellen, welche ein Austreten des Kanalinhalts in die an das Sielnetz angeſchloſſenen Kellerräume zur Folge haben und in dieſen daher wieder den Einbau von Rückſtauventilen erfordern. projekt III von Herzberg. Dieſes dritte Projekt iſt ein generelles mit Planſkizze und hat das„Trennungs⸗ ſyſtem“ zur Grundlage. Danach würde jede Straße zwei Siele erhalten, eines für die Meteorwäſſer, das andere für die Schmutzwäſſer und Fäkalien. Da die Siele für die erſteren kein zuſammenhängendes Netz bilden, ſondern aus einer Anzahl von Stichkanälen beſtehen, ſo erfordern ſie weit geringere Querſchnitte, als die begehbaren Hauptſiele eines kombinierten Syſtems und ſind daher billiger. Dieſer Vorteil wird — 44— zum Teil wieder aufgehoben durch die Notwendigkeit eines zweiten, wenn kleineren Siels für die Schmutzwäſſer. Nach dem Voranſchlag würde ſich aber Projekt trotz der doppelten Siele und bei gleicher Ausdehnung, wie Projch weſentlich billiger ſtellen. Die Berechnung erſcheint richtig und wird beſtätigt, noch günſtiger, ſobald man die Meteorwäſſer teilweiſe oberirdiſch abführen kann⸗ in Straßen ſtärkeren Gefälles unbedenklich erſcheint. Für die Ableitung der u ſehr geringen Menge der Schmutzwäſſer und Fäkalien iſt— wie beim kombin Syſtem— ein zuſammenhängendes Sielnetz vorgeſehen, deſſen geringere 8. ſchnitt-Dimenſionen eine geringere Tiefenlage erfordern. Für die Entwäſſerung der tiefſten Teile der Stadt(Tiefenweg, Mühl Teile der Kaplansgaſſe, Löwengaſſe und Bahnhofſtraße), die nach dem Projet 2,5 ha begrenzt ſind, iſt ein„beſonderes Regenwaſſerſiel“ vorgeſehen. Dasſelbe längs des Stadtbachs, durch die Schanzenſtraße, die Weſtanlage und den§. bis zur Vereinigung der Wieſeck mit der Lahn geführt werden und in rd. 23 Pegelhöhe(+ 154,50 N. N.) ausmünden. Bei Waſſerſtänden über 2,60 m am! pegel ſoll dies Regenſiel an der Mündung geſperrt und mit dem Hauptſiel finr Schmutzwäſſer vereinigt werden. Alsdann würde die künſtliche Hebung des In beider Siele notwendig. Das in die tief gelegenen Keller der inneren Stad eindringende Grundwaſſer will Herzberg im Anſchluß an das Schmutzwaſſerſiel an das beſondere Regenſiel ableiten, da— wie er ſagte„dieſes durchſichm Grundwaſſer in den Kellern geringfügig ſei und in der Regel ſchon mittelſt! ſchöpfen beſeitigt würde“. Ob ſich dieſe Maßregeln für die ganze innere Stadt mit Erfolg durchiü laſſen und nicht eine Verſchlechterung der jetzigen, noch immer erträglichen Ve niſſe herbeiführen würden, iſt nicht nachgewieſen und erſcheint zum mindeſten zweifll Als mangelhaft und auch techniſch ſchwer durchführbar muß es dei werden, daß in dieſem Projekt alle, auch die engſten Straßen der Altſtadt, zu vorhandenen Leitungen für Gas und Waſſer noch zwei Siele, alſo zwei miß Leitungen mit all den vielen Abzweigungen,— einige Straßen ſogar dreis erhalten ſollen! Man bedenke die erforderlichen vielen Aufbrüche in engen Stuu die für den Verkehr in höchſtem Grade läſtig und hinderlich ſind! Wahl des Syſtems. Nach dieſen Betrachtungen erſcheint keines der vorliegenden drei Puß für die Ausführung ohne weiteres geeignet. Der Entſcheidung der ganzen 1 muß diejenige der Wahl des Syſtems vorausgehen. Zu dieſem Zweck ſind in folgender Ueberſicht die Vorteile und Nachteile des„kombinierten“ und des„geut ten Syſtems“, unter ſpezieller Berückſichtigung der Verhältniſſe der Stadt Gidh zuſammengeſtellt. Dabei kommen die„pneumatiſchen Syſteme“, als Unterglieden vorbenannten zwei Syoſteme, zunächſt nicht in Betracht.(Vgl. die Ueberſicht Schluß dieſer Anlage.) Wie erſichtlich, haben beide Syſteme in ihrer Anwendung auf die 5 Gießen große Vorzüge und Nachteile. Da die Stadt ſowohl topographiſch wie übrigen eines einheitlichen Charakters entbehrt, ſo iſt es nötig, bezirksweiſt verfahren. Es genügt, zwiſchen der„inneren Stadt“(Altſtadt), wie ſolche vom 5 ringgraben umgrenzt wird, und den„äußeren Stadtteilen“ zu unterſcheiden. erſte Bezirk iſt räumlich feſt begrenzt, der zweite in der Erweiterung begriffen. empfiehlt ſich, den letzteren Bezirk zuerſt zu betrachten. Aeußere Stadtteile. Die mäßige Ausdehnung der Stadt, ihre weiträumige Bebauung, der gelt Verkehr der äußeren Stadtteile, die günſtigen Gefälle der Bebauungsgebiete im 8 Süden und Südweſten, die Rezipienten von Klingelbach, Wieſeck und Lahn in ie Bereich,— alle dieſe Faktoren ſprechen für das Trennun gsſyſtem. Auch he niſch kann man dasſelbe nicht für nachteilig erklären, da in Gießen eine gern Abfuhr der auf die Straßenoberfläche gelangenden Schmutzſtoffe beſteht und nöll falls noch intenſiver betrieben werden kann. In dem Maße, in welchem mit ſ ſchreitender Kanaliſation die chauſſierten Straßenſtrecken durch Pflaſterbahnen werden, wird die Reinhaltung der Straßen erleichtert; die Abſchwemmung derſt nach den offenen Waſſerläufen erſcheint daher unbedenklich, umſomehr, als ihr Beſi teil an organiſchen Stoffen relativ ſehr gering iſt. ten, wa d ſich d wie Pa beſtätn ühren kan um kom geringen 1 tung der weg, M dem Pra 1. Dasſ und den din dd. ,60 m In Hauptſiel ung des pen Stad chwaſſer 2s durch on mitte folg dar iglichen deſten zwe uß es l Altſtadt lſo zwei dar dr engen? een drei! 9 ganze weck ſind nd des r Stadt Untergl ie Ueber wauf duß raphiſch zirksw olche vondt terſcheidetn g begriſ llchem i rbahl ſterbah 45 Innere Stadt(Altſtadt). Der Bezirk innerhalb des Stadtringgrabens— kurzweg die„Altſtadt“— hat ſtärkeren Verkehr, dabei enge, winklige Straßen mit ſchwachen Gefällen; Teile derſelben liegen unter dem Hochwaſſerſpiegel der Lahn. Die Entwäſſerung dieſes Bezirks nach dem„Trennungsſyſtem“ erſcheint nach dem zu Projekt III Bemerkten nicht zu empfehlen. Die Frage, ob ſich das„ko mbinierte Syſtem“ dafür eignet, iſt wie folgt zu beantworten: Die Altſtadt umfaßt ein Gebiet von 53 ha; ihre Bevölkerung beträgt zurzeit 10 300 Köpfe und ſoll mit künftig 13 250, d. i. 250 pro Hektar, angenommen werden. Bei einem Waſſerverbrauch von 120 l pro Kopf und Tag und der Annahme, daß das Stundenmaximum ½ des Tageskonſums beträgt, berechnet ſich die größte, in der Zeiteinheit abzuführende Schmutzwaſſermenge auf 0,8 1 pro Hektar, alſo für die Altſtadt auf 42,4 1 pro Sekunde. Bei einer künftigen Bevölkerung der ganzen Stadt von 50 000 Seelen würde die abzuführende Schmutzwaſſermenge immer erſt 160 1 pro Sekunde betragen, alſo nur rd. 120 l mehr. Dieſer Mehrabfluß könnte dem Siel der Altſtadt zugeführt werden, wenn man dasſelbe entſprechend vergrößert. Weit bedeutender iſt die abzuleitende Regenmenge. Der dem Entwurf II zu Grunde gelegte Sturzregenabfluß von im Maximum 501 pro Hektar und Sekunde iſt zwar nicht näher begründet, ſoll aber bei dem der⸗ zeitigen Mangel an ausreichenden und zuverläſſigen Beobachtungen über das Ver⸗ hältnis des Abfluſſes zur fallenden Regenmenge beibehalten werden, da er innerhalb der üblichen Grenzwerte von c½ bis ½ der letzteren liegt und etwa ¼ beträgt. Die Verzögerung des Abfluſſes wächſt mit der Größe der zu entwäſſernden Fläche; ſeine Reduktion im Verhältnis zur vierten Wurzel aus der Fläche, wie dies zuerſt Bürkli und auch Lindley annehmen, erſcheint für die generelle Betrachtung angemeſſen. Danach berechnet ſich die bei Sturzregen aus der Altſtadt abzuführende Waſſermenge auf A—= 53 50= 980,51 pro Sekunde. Dazu die oben berechneten 1601 Schmutz⸗ waſſer und Fäkalien von 50 000 Einwohnern ergibt rund 1140 l pro Sekunde, die insgeſamt abzuführen ſind. Die Ableitungsfähigkeit des in Projekt II dargeſtellten Hauptſiels I iſt 1350 l pro Sekunde. Dieſes Siel von 1,20 m auf 2,00 m Licht⸗ weite hätte alſo noch 210 1 Faſſungsvermögen für etwaige Regengüſſe, deren In⸗ tenſität größer oder deren Abfluß ſtärker iſt, als die der Berechnung zu Grunde gelegten. Ein ſolcher Sicherheitskosffizient von rund 21,4% iſt ſehr erwünſcht, da er die Möglichkeit des Rückſtaues nach den Kellerräumen faſt ausſchließt. Hiermit iſt rechneriſch nachgewieſen, daß es möglich iſt, die Altſtadt ohne Notauslaß und unter gleichzeitiger Aufnahme des Schmutzwaſſers des ganzen Stadt⸗ gebietes nach dem„kombinierten Syſtem“ zu entwäſſern, wie dies auch Lindley mit ſeinem Hauptſiel I teilweiſe bezweckt. Transport des Sielinhalts. Sowohl beim kombinierten wie beim Trennungsſyſtem wird der Inhalt der Siele mit natürlichem Gefälle den Auslaßſtellen zugeführt, alſo ohne beſondere Koſten. Die Hilfe der Pumpen, d. i. maſchinelle Thätigkeit, wird nur in ſolchen Fällen be⸗ anſprucht, in welchen der Waſſerſtand der Lahn über den Waſſerſpiegel des Haupt⸗ auslaßſieles ſteigt und denſelben zurückſtaut. Nach Projekt II würde letzteres durch⸗ ſchnittlich etwa vier Monate im Jahr ſtattfinden. Der Betrieb der Pumpen wäre dabei kein ſtetiger, ſondern intermittierend, wie bei der jetzigen Pumpſtation auch. Bei Anwendung des pneumatiſchen Syſtems von Shone wäre dagegen der maſchinelle Betrieb ein ſtetiger, denn es müßte der Inhalt der Siele das ganze Jahr hindurch Tag für Tag und Stunde für Stunde gehoben werden. Daß ein ſolcher Betrieb recht teuer iſt, bedarf wohl keines rechneriſchen Nachweiſes. Wenn das Shone'ſche Syſtem für Gießen überhaupt in Frage käme, ſo dürfte ſich ſeine An— wendbarkeit auf die tief und flach gelegene Altſtadt beſchränken. Es würden ſich hier aber die Bedenken wiederholen, die ſchon bezüglich des Projektes III geltend gemacht worden ſind. Auch beim„Shone⸗Syſtem“ ſind ſtellenweiſe doppelte Rohr⸗ anlagen erforderlich, zu welchen das Druckluftrohr hinzutritt. Da die Leitungen flach liegen, ſo würden ſie wenig oder gar keinen Einfluß auf die Senkung des Grund— — 46— waſſerſpiegels ausüben; legt man ſie tiefer, ſo ſteigen die Koſten ganz erht Aus dieſen Erwägungen dürfte ſich das„Shone⸗Syſtem“ für Gießen eignen. Schlußfolgerungen. Faßt man das Geſagte zuſammen, ſo reſultiert: 1. Entwäſſerung der Altſtadt nach dem„kombinierten Syſtem Entwäſſerung der übrigen Stadtteile nach dem„Trennun ſyſtem“. 3. Vereinigung der Schmutzwaſſerſiele der äußeren Ste teile mit dem Hauptſiel der Altſtadt, zwecks Reinigung und weiſer künſtlicher Hebung des Sielinhalts vor Einleitung in die La Dabei wäre lediglich in Bezug auf den nordweſtlichen Stadtteil(Ga und Schwarzlach) zu erwägen, ob und inwieweit derſelbe etwa in das kombi. Syſtem einbezogen werden könnte ohne Anlage von Notausläſſen. Es liegt Bezirk zwar hochwaſſerfrei, er hat aber ſchlechte Vorflut. Bei ſeiner Entwäſſe nach dem Trennungsſyſtem werden die meiſten Straßen doppelte Siele ert müſſen, und es würde der Regenauslaß relativ lang werden. O Schmandt. ßeren 8 nigung du in die d adtteil 6p das komen Es liegt er Entwiſt 2 Siele ar hmandt 4— Ueberſicht der Vorteile und Nachteile des„kombinierten“ und des„getrennten Schwemm⸗ ſyſtems“ für die Kanaliſation der Stadt Gießen. der Vorteile. Entwäſſerung. Nachteile. a. Kombiniertes 1. Einheitlichkeit der Anlage. Schwemmſyſtem. 2. Abſchwemmungaller Schmutz⸗ ſtoffe. 3. Verminderung der Zahl der Anſchlüſſe. 4. Erleichterte Beſeitigung großer Schneemaſſen. 5. Stärkere Senkung des Grund⸗ waſſers. 1 — 0⸗ G◻ .Verunreinigung der offenen Waſſerläufe im Stadtinnern durch die ekelhafte Thätigkeit der Nothausläſſe. . Leichtes Verſchlammen der zeit⸗ weiſe auszuſchaltenden Haupt⸗ ſiele. .Komplizierter Betrieb. .Schwierigkeiten in der Beſei⸗ tigung des erheblich vermehrten Klärſchlamms infolge der zu⸗ geführten Sandmaſſen. Hohe Anlagekoſten. . Hohe Betriebskoſten, bedingt durch die Klärung und Hebung zeitweiſe größerer Waſſer⸗ mengen. b. Getrenntes 1. Geringere Dimenſionierung der Schwemmſyſtem Regen⸗und Schmutzwaſſerſiele. (mit geſonderter, 2. Erleichterter Anſchluß der Ne⸗ zum Teil ober⸗ benſiele an die Hauptſiele. V irdiſcher Ablei⸗ 3. Raſche und ſichere Beſeitigung tung der Meteor⸗ der Regenmengen auf kürzeſtem wäſſer). Wege. 4. Fernhaltung der geformten Fä⸗ kalien von den offenen Waſſer⸗ läufen. 5. Geringerer Bedarf an Spül⸗ waſſer infolge der Selbſtreini⸗ gung der Schmutzwaſſerſiele. 6. Vermeidung des Rückſtaus von Spüljauche in die Kellerräume bei Sturzregen. Konſtanter und mäßiger Zu⸗ fluß von Spüljauche zur Klär⸗ ſtation. 8. Einfacher und leichter Betrieb. 9. Weſentlich geringere Koſten für den Bau und Betrieb. —₰ Doppelte Leitungen mit zahl— reichen Abzweigungen in vielen Straßen. .Schwierigere Ausführung in engen Straßen wegen des Konflikts mit anderen Leitungen unter der Erde. 3. Erſchwerung des Verkehrs in engen und flach liegenden Straßen bei Regen, Froſt und 9 8„ Tauwetter. Anlage VI. Gutachten des Stadtverordneten, Geheimen Medizinalrates prof. Dr. Gaffky, betreffend die Kanaliſation der Stadt Gießen, d. d. 26. November 1808. — Notwendigkeit der Kanaliſation. Der Erkenntnis, daß eine ſyſtematiſche Kanaliſation der Stadt Gießen all— mählich ein dringendes Bedürfnis geworden iſt, dürfte ſich unter den zur Entſcheidung über die vorliegende Frage Berufenen wohl Niemand verſchließen. Die Notwendig⸗ keit einer geordneten Kanaliſation ergiebt ſich nach einem allgemeinen Erfahrungs⸗ ſatze ſchon aus dem Vorhandenſein unſerer zentralen Waſſerverſorgung. Eine Stadt von der Größe Gießens, die für den Kopf der Bevölkerung täglich 40 Liter an reinem Waſſer zuführt, muß dafür ſorgen, daß dieſe beträchtliche und ſtetig ſich vermehrende Waſſermenge, nachdem ſie durch den verſchiedenartigſten häuslichen und ſonſtigen Gebrauch in Schmutzwaſſer ſich verwandelt hat, möglichſt ſchnell und möglichſt voll— ſtändig aus dem Bereiche der Wohnſtätten entfernt wird, und zwar in einer Weiſe, welche die Verunreinigung der Waſſerläufe auf ein thunlichſt geringes Maß beſchränkt. Dieſer Anforderung iſt eben nur durch eine zielbewußt durchgeführte Kanaliſation zu genügen. Allerdings erfordert eine ſolche Kanaliſation große finanzielle Auf⸗ wendungen. Dieſelben werden aber nicht nur gelohnt durch die beträchtlich größere Annehmlichkeit und Behaglichkeit des ſtädtiſchen Lebens, wie ſie durch die Reinhaltung der Luft, des Bodens und der Waſſerläufe ſich ergiebt, ſondern ſie werden auch, wie ebenfalls die Erfahrung überall gezeigt hat, zum erheblichen Teil ausgeglichen durch eine Verminderung der Erkrankungs⸗ und Sterblichkeitsziffer. Hier kommen vor allem die Infektionskrankheiten in Betracht. Städte, welche neben einer guten zentralen Waſſerverſorgung einer den ſanitären Anforderungen entſprechenden Kanali⸗ ſation ſich erfreuen, bieten Volksſeuchen, wie Cholera und Unterleibstyphus, keinen geeigneten Boden mehr. Aber auch die Keime anderer Infektionskrankheiten werden um ſo ſchneller und vollſtändiger entfernt und damit unſchädlich gemacht, je voll— kommener ſie im Bereiche der Wohnſtätten mit den Schmutzwäſſern in einem ge⸗ ſchloſſenen Kanalſyſtem aufgenommen und beſeitigt werden. Die durch Krankheiten bedingten Verpflegungskoſten und Arbeitsverluſte repräſentieren bekanntlich große Summen, und die für die ſanitären Verbeſſerungen der Stadt aufgewendeten Mittel ſind daher keineswegs unproduktiv. Ich brauche nur auf eine Berechnung von Pettenkofer zu verweiſen, nach welcher eine Stadt von 25 000 Einwohnern, die ihre jährliche Sterblichkeit nur um 2%:(zwei auf 1000 Einwohner) vermindert, durch Wegfall der mit den Erkrankungen verbundenen Geldverluſte im Jahre die Summe von etwa 70 000 ℳ erſpart. Eine derartige und ſelbſt weit beträchtlichere Ver⸗ minderung der Sterblichkeit hat man im Gefolge der Kanaliſation aber gar nicht ſelten konſtatieren können. Die vorſtehenden kurzen Hinweiſe dürften genügen, die Notwendigkeit einer geordneten Kanaliſation von allgemeinen Geſichtspunkten aus in das richtige Licht zu ſetzen. Darüber, daß die zur Zeit in Gießen beſtehenden Zuſtände einen längeren Aufſchub nicht mehr geſtatten, kann ein Zweifel wohl nicht beſtehen. Es genügt in dieſer Beziehung auf den derzeitigen Zuſtand des die Stadt durchfließenden offenen Stadtgrabens hinzuweiſen, deſſen Waſſer, trotz der ſtändigen Zufuhr reinen Lahn⸗ waſſers, mehr und mehr zu einer, namentlich im Sommer übelriechenden Brühe geworden iſt. — 50— Aufnahme der Fäkalien in das Kanalſyſtem. Der Frage gegenüber, ob die Fäkalien durch das zu bauende Kanalſi mit abgeſchwemmt werden ſollen oder nicht, muß man ſich zunächſt klar dan ſein, daß 1. für die Höhe der Baukoſten des Kanalſyſtems es an ſich gleichgültig ob man die Fäkalien mit abſchwemmen läßt oder ſie anderweitig ſeitigt, und daß durch den Ausſchluß der Fäkalien ihrer bedenklichen Eigenſchaften 2. die Abwäſſer, ſoweit ihr Gehalt an Krankheitskeimen in Betracht 1 entkleidet werden. In erſterer Beziehung kann auf die Darlegungen in den vorliegenden niſchen Projekten und insbeſondere die Aeußerung des Baurat Lindley vermi werden, nach welcher„der Verzicht auf die Einleitung der Fäkalien keinerlei! einfachung des Projektes ermöglichen und auch nicht die Anwendung kleinerer menſionen der Kanäle zuläſſig erſcheinen laſſen“ würde. Was den zweiten Punkt betrifft, ſo gelangen in denjenigen kanaliſe Städten, in welchen die Fäkalien in Gruben oder Tonnen aufgeſpeichert werden, Krankheitsfällen, wie Typhus und Cholera, die Darmentleerungen der Kranken fahrungsgemäß doch häufig ſelbſt in unverdünntem Zuſtande, jedenfalls aber Spül⸗ und Reinigungswäſſern in die Kanäle hinein. Dabei ſoll nicht beſte werden, daß bei ſehr ſorgfältiger Ueberwachung das Gruben- oder Tonnenſiſ den zu ſtellenden hygieniſchen Anforderungen zu genügen vermag. Jedenfalls aber eine ſolche Ueberwachung erfahrungsgemäß in der Praxis auf erhell Schwierigkeiten.(Undichte Gruben, überlaufende Tonnen ꝛc.) Auch laſſen ſich bei Gruben oder Tonnen die Fäulnisgaſe nur ſchwer Wohnungen vollſtändig fernhalten. In äſthetiſcher und hygieniſcher Beziehung ſind zweifellos die Waſſerk mit ſofortiger Abſchwemmung der Fäkalien durch die Kanäle das Vollkommen Der durch ſie gebotene Vorteil iſt ſo groß, daß bekanntlich ſchon jetzt viele Einwo Gießens ſich ihrer bedienen, obwohl die häufige Abfuhr des ſtark verdünnten Grut inhalts mit erheblichen Koſten und mit Beläſtigung verknüpft iſt.— Der Einmw daß die Fäkalien der Landwirtſchaft zu gute kommen ſollten, kann gegen ihre! ſchwemmung nicht weſentlich ins Gewicht fallen. Ganz abgeſehen davon, daß in erſter Linie äſthetiſche und hygieniſche Geſichtspunkte in Betracht kommen, veut das in den Gruben aufgeſpeicherte Material durch die faulige Zerſetzung erhet an Wert, und auf der anderen Seite werden bei einer geordneten Kanaliſation m deſtens die geformten Beſtandteile zum teil der landwirtſchaftlichen Verwertung halten. Mehr und mehr gehen dementſprechend auch die Städte zur Abſchwemm der Fäkalien über, zumal die Abnahme des Grubeninhalts ſeitens der Landwirt beim Wachstum der Bevölkerung auf große Schwierigkeiten zu ſtoßen pflegt. Kon es doch ſogar vor, daß man die in den Gruben geſammelten und mit erhebli Koſten abgefahrenen Fäkalien, nur um ſie los zu werden, ſchließlich doch in Fluß ſchüttet.— Bei der erörterten Sachlage bin ich nicht zweifelhaft, daß mal Gießen nach Fertigſtellung der Kanaliſation alsbald die Abſchwemmung der Fätit geſtatten ſollte. Ich gehe aber noch weiter, indem ich dieſelbe von vornherein dh gatoriſch gemacht ſehen möchte, wie das ſeitens anderer Städte, meines Wiſſenst kurzem auch ſeitens unſerer Nachbarſtadt Marburg, geſchehen iſt. Ich gebe d weiteres zu, daß unter dem Druck der öffentlichen Meinung, insbeſondere der Wün des Wohnungſuchenden Publikums der Anſchluß der Kloſets an die Kanaliſc auch ohne behördlichen Zwang allmählich erfolgen würde, ich bin aber der Ui zeugung, daß die Hauskanaliſationen richtiger und nebenbei auch billiger ausgeſtt werden, wenn von Anfang an die Abſchwemmung der Fäkalien vorgeſchrieben ü Noch ein anderer Umſtand ſpricht für ein ſolches Vorgehen: Die über Dach gefiuſ Fallröhren des Kloſets bilden nämlich ein vortreffliches Ventilationsmittel für Kanalſyſtem, auf das meines Erachtens nicht verzichtet werden ſollte.— Im übr möchte ich nur noch darauf hinweiſen, daß eine undichte oder ſchlecht ventiln Grube nicht nur Boden und Luft im Bereiche ihres Beſitzers, ſondern auch im reiche der Nachbarn zu verunreinigen vermag, und daß auch die ſonſt mit N Gruben- und Tonnenſyſtem gelegentlich verknüpften Beläſtigungen oder Gefalt 8 Kan ſ im gleichge anderwe elllc ¹ Zetracht 1 ſeiuo 1 vrliegend ndley ver keiner kleinen ſen kang Hhert werden der Kranel enfalls a nicht bein r Tonnenn Iddenfa 1 nur ſch dee Waſſ Vollkon viele En hünnten! Der C. gegen! davon, d kommen, ſetzung un analiſato Verwertun Abſchw r Landw n pflegt. mit er ich doch ft, daß ung der i vornhere nes Wiſ Iu ere der die Kei 51 nicht nur die Bewohner des betreffenden Grundſtücks treffen, ſo daß der befürwortete Zwang wohl berechtigt erſcheint. Ich empfehle alſo, die Einführung von Waſſer⸗ kloſets und den Anſchluß derſelben an das Kamalſyilein⸗ ſowie die innerhalb einer nicht zu knapp zu bemeſſenden Friſt zu bewirkende Beſeitigung, bezw. Verfüllung der vorhandenen Abtrittsgruben obligatoriſch zu machen. Zu wählendes Kanaliſationsſyſtem. Die Frage, welches Syſtem der Kanaliſation für Gießen gewählt werden ſoll, iſt diejenige, welche zweifellos in dem gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit die wichtigſte, zugleich aber auch die am ſchwierigſten zu beantwortende iſt. In Deutſchland haben die zur ſyſtematiſchen Kanaliſation übergegangenen Städte, nach dem Beiſpiele von Hamburg, Danzig, Berlin uſw., faſt durchweg das Syſtem der ſogenannten einheitlichen Schwemmkanaliſation gewählt, bei welchem ein und dasſelbe Kanalnetz nicht nur die ſämtlichen häus lichen Abwäſſer mit Einſchluß der Fäkalien und die Abwäſſer der induſtriellen Betriebe, ſondern auch die Regen⸗ wäſſer aufnimmt. In der That ſind denn auch die beiden erſten für Gießen auf— geſtellten Kanaliſationsprojekte, dasjenige von Steuernagel(1889/90) und dasjenige von Lindley(1895) nach dem Prinzip dieſer einheitlichen Schwemmkanaliſation auf⸗ geſtellt. Neuerdings iſt nun aber auch in Deutſchland die Aufmerkſamkeit in hohem Grade auf das ſogenannte Trennſyſtem gelenkt worden, welches die nur zeitweiſe in Betracht kommenden, dann aber auch die Kanäle nicht ſelten in außerordentlichem Maße belaſtenden Meteorwäſſer von dem Schmutzwaſſer-Kanalſyſtem mehr oder weniger vollſtändig ausſchließt, dieſelben vielmehr, ſei es oberflächlich, ſei es durch ein zweites Netz von Kanälen, auf kürzeſtem Wege den Flußläufen zuführt. In England iſt dieſes ſogenannte Trennſyſtem ſchon im Jahre 1848 in mehr als 10 Städten eingeführt geweſen, und ſeit 1891 haben dort nicht weniger als 40 Städte die Genehmigung zu Anleihen behufs Einführung dieſer Art von Kanaliſation er⸗ halten. Eine Kommiſſion hervorragender Sachverſtändiger, welche im Anfang des laufenden Jahres 10 engliſche, mit Trennſyſtem verſehene Städte, darunter große und kleine, Fabrikſtädte und Städte mit Villen- und Vorortcharakter, teils an ſere reichen, teils an waſſerarmen Flüſſen gelegen, beſucht hat, faßt die Ergebniſſe ihrer Beſichtigungen etwa folgendermaßen zuſammen: Ueberall ſind es ökonomiſche Rück⸗ ſichten geweſen, die zur Einführung des Trennſyſtems geführt haben, und nirgends hat man ſich nach den eingezogenen Erkundigungen über die zu erwartenden Er— ſparniſſe getäuſcht. Man ſparte bei der Anlage und dem Betrieb neuer Pumpen ꝛc., bei der Anlage und dem Betrieb von Rieſelfeldern und Klärwerken und bei den Erbauungskoſten neuer Siele. Letzteres war ſelbſt da der Fall, wo neue große Regenſiele gebaut werden mußten, weil ihre Länge nur kurz bemeſſen zu werden brauchte, und weil ſie nicht wie die Schmutzwaſſerſiele in gemeinſchaftlichen großen Stammſielen zuſammengefaßt und zu den oft weit entfernten Pumpſtationen und Reinigungsanſtalten fortgeleitet zu werden brauchten, ſondern auf dem nächſten Wege einem Waſſerlauf zugeführt werden konnten. In techniſcher Beziehung haben ſich nach den Ermittelungen der Kommiſſion nirgends Unzuträglichkeiten im Betriebe der getrennten Kanaliſation ergeben. Nur in einem Falle, wo die Neigung der Regenſiele geringer war, ſind gelegentlich Ver— ſtopfungen dieſer Siele beobachtet worden. Der Gefahr einer Verunreinigung der Waſſerläufe durch die ungereinigt abgeleiteten Straßen- und Dachwäſſer wurde nirgends Bedeutung beigemeſſen. Selbſt in London will man neuerdings bei weiterer Ausdehnung der Stadt das Trennſyſtem für die neuen Gebiete in Erwägung ziehen. Zum teil ſind übrigens, wie mit Rückſicht auf unſere Verhältniſſe beſonders hervorgehoben ſei, die hier in Betracht kommenden engliſchen Städte derartig kanali⸗ ſiert, daß nur einzelne Stadtteile mit dem Trennſyſtem, andere dagegen mit dem einheitlichen Schwemmſyſtem ausgeſtattet ſind. Auch iſt die Durchführung des Trenn⸗ ſyſtems vielfach inſofern keine ganz ſtrenge, als das Meteorwaſſer von der Rückſeite der Häuſer und von den Höfen mit in die Schmutzwaſſer⸗Kanäle gelangt. In Deutſchland, wo bisher nur einige wenige Städte, und auch dieſe faſt durchweg nur in einem Teile ihres Umfanges die Regenwäſſer in beſonderen Kanälen abgeführt haben, ſteht man neuerdings entſchieden dem Trennſyſtem freundlicher gegenüber als das bis dahin der Fall war. Doch gehen immerhin die Anſichten über die finanziellen und ſonſtigen Vorteile des Syſtems, namentlich unter den Tech⸗ 2— nikern, noch erheblich auseinander, wie das beſonders die im September 1897 gehabten Verhandlungen des Deutſchen Vereins für öffentliche Geſundheitspflen zeigt haben, denen das Thema„Vorteile und Nachteile der getrennten Abfitß der Meteorwäſſer bei der Kanaliſation der Städte“ zu Grunde lag. Den in gemeinen dem Trennſyſtem günſtigen Schlußſätzen ſtellten zwei hervorragende niker, Baurat Stübben und Ingenieur Lindley, folgenden Eventualantrag gegen „Der Verein ſpricht ſeine Anſicht dahin aus, daß bei den Vorarbeiten für die wäſſerung von Städten die Frage, ob die Einleitung der Meteorwäſſer in Schwemmkanalſyſtem für die ganze Stadt oder für einzelne Stadtteile zwech iſt oder nicht, in jedem Einzelfalle nach Maßgabe der örtlichen Verhältniſſe zu ſcheiden iſt.“ Zur Abſtimmung wurden weder die Schlußſätze der Referenten der angeführte Eventual⸗Antrag geſtellt. Vollſtändig nach dem Trennſyſtem iſt neuerdings, und zwar ſeit A 1896, Steglitz bei Berlin kanaliſiert. Nach einem kürzlich veröffentlichten Be (referiert im techniſchen Gemeindeblatt 1898, No. 17) funktioniert die Anlagen welche etwa 18 500 Einwohner angeſchloſſen ſind, zur vollen Zufriedenheit. ſehr unbedeutende Vorflutbach, welcher die Regenwäſſer aufzunehmen hat, ſoll wn lich günſtigere Zuſtände aufweiſen, als vor der Kanaliſation. Die Koſten der lage werden auf die Hälfte derjenigen geſchätzt, welche der Bau des kombinn Schwemmſyſtems erfordert haben würde. Grundſätzlich iſt für Gießen das Trennungsſyſtem zu bevorzugen auf das als bekannt vorauszuſetzende eingehende Promemoria unſeres Stadtbaumt Wende ich mich nach dieſen allgemeinen Erörterungen, die ich in 1 habe kurz faſſen können, unſeren Gießener Verhältniſſen zu, ſo ſprechen meines Erag in der That gewichtige Gründe dafür, das Trennſyſtem grundſätzlich zu bevorzu In erſter Linie kommt hier in Betracht, daß nur bei Anwendung des Ae ſyſtems die Waſſerläufe im Bereiche der Stadt, die Lahn und die Wieſeck, dam frei von Verunreinigung durch die aus den Häuſern abgeſchwemmten Schmutt gehalten werden können. Bei dem einheitlichen Syſtem iſt es ſchon bei einer 5 für die ſtärkſten Regengüſſe ausreichend bemeſſen werden können. Dieſes Su bedarf vielmehr der ſogenannten Notausläſſe oder Regenüberfälle, welche zur ſtärkerer Niederſchläge das Kanalſyſtem entlaſten. So ſind denn auch bei Lindley'ſchen Kanaliſations⸗Projekte ſieben derartige Regenausläſſe in Lahn Wieſeck vorgeſehen, zu denen bei allmählicher Ausdehnung der Bebauungsgt noch weitere hinzukommen müßten. Allerdings ſollen dieſe Ausläſſe ihre Funkit von der Größe Gießens ganz ausgeſchloſſen, daß die Dimenſionen der Kanäle erſt beginnen, wenn die Menge des in das Kanalſyſtem eintretenden Regenw etwa der dreifachen Menge des Schmutzwaſſers gleichkommt. Auch ſoll dann zund nur ein Auslaß benutzt werden, bei fünf- bis ſechsfacher Verdünnung außeln ein zweiter und dritter, bei neunfacher Verdünnung ein vierter und ſo fort. oft im Jahre die Notausläſſe in Thätigkeit treten würden, iſt zumal wegen Man der erforderlichen, die zeitlichen Verhältniſſe genügend berückſichtigenden R. Meſſungen nicht mit Sicherheit im voraus zu ſagen. Nach einer vom Bau Herzberg aufgeſtellten annähernden Berechnung würden ſie durchſchnittlich an! als 40 Tagen im Jahre funktionieren müſſen. Mag dieſe Zahl auch zu hoch griffen ſein, jedenfalls wird man die von unſerem Stadtbaumeiſter gehegte Beit tung als berechtigt anerkennen müſſen, d durch die Notausläſſe für die 3 ſowohl wie namentlich für die Wieſeck im Bereiche der Stadt zeitweilig ſehr Zuſtände(Ablagerung von Fäkalien, Kloſetpapieren und dergleichen auf den 8 ufern) entſtehen können. Bedeuten die Notausläſſe ſchon für die an waſſerrit und ſchnell fließenden Flüſſen gelegenen Städte eine höchſt unangenehme Zu zur Kanaliſation, ſo erſcheinen ſie für Gießen in Anbetracht der Beſchaffenheit Lahn und Wieſeck doppelt bedenklich. Für grundſätzliche Bevorzugung des Trennſyſtems ſpricht zweitens der! ſtand, daß eine Reinigung der Schmutzwäſſer vor ihrer Einleitung in die 1 wegen der ſpäter noch zu beſprechenden örtlichen Verhältniſſe nicht zu umgehen wird, und daß es mit Rückſicht hierauf in hohem Grade erwünſcht iſt, die Reinigungs⸗Anlage zufließenden Kanalwäſſer nicht den erheblichen Schwanku in Quantität und Qualität auszuſetzen, wie ſie durch Einführung der Regenw ndheitsyl nten Aof g. Dan orragend uung ge ten für d orwäſſer tteile zwei hältniſſe Referente var ſeit⸗ ttlichten- die Anla friedenhei hat, ſoll zevorzug ich in Stadtbaun neines En j zu bevon dung de Wieſech,d bei einer; der Kanil Dieſes d welche; n auch be 2 in Lah Bebauungs ihre Jun n Regenn oll dann zi mung aut d ſo fout wegen N tigenden er vom k wnitllich d in ein gemeinſchaftliches Sielſyſtem bedingt ſind. Je kleiner die Wienae der zu reinigenden Abwäſſer iſt, je weniger verdünnt und je d gleichmäßiger ſie in Quantität und Qualität ſind, um ſo leichter, ſicherer und billiger wird ſich der ddordenn Grad der Reinigung erzielen laſſen. Allerdings wird ja bei Wahl des Trennſyſtems der Lahn ſowohl wie der Wieſeck ſchon im Bereiche der Stadt eine nicht unbeträcht⸗ liche Menge von Schmutzſtoffen auch von den Straßen, den Dächern und mindeſtens einem Teil der Höfe durch die Regenwaſſer⸗Kanäle zufließen; hier handelt es ſich aber um Verunreinigungen, die an Bedenklichkeit, wie ich wohl nicht weiter auszuführen brauche, weit zurückſtehen hinter dem Inhalt der Schmutzwaſſerkanäle, um Ver⸗ unreinigungen, die übrigens auch bei dem gemeinſamen Syſteme wegen der Not⸗ wendigkeit der Regenausläſſe den Waſſerläufen im Bereiche der Stadt nicht ganz erſpart bleiben würden. Ob und welche finanziellen Vorteile die Wahl des Trennſyſtems bezüglich der Baukoſten im Gefolge haben wird, läßt ſich zurzeit nicht genügend überſehen. Einen gewiſſen Anhaltspunkt gewähren in dieſer Beziehung die ſchon erwähnten in England gemachten günſtigen Erfahrungen, ferner das angeführte Beiſpiel von Steglitz, die Berechnungen des Herzberg'ſchen Projektes gegenüber dem Lindley'ſchen (Erſparnis von ca. 25%) und die bei der kürzlich beſchloſſenen Trenn⸗Kanaliſation des Hamm zu erwartenden Erſparniſſe.(Während bei Ausführung des Lindley'ſchen Projektes für das Hamm 81 500 ℳ aufzuwenden geweſen wären, beläuft ſich der nach dem Trennſyſtem aufgeſtellte Voranſchlag des Stadtbauamtes auf 41 900 ℳ bis 49 500 ℳ) Für die tief gelegene Altſtadt iſt das kombinierte Schwemmſyſtem vorzuziehen. In dem Lindley'ſchen Plane für die Kanaliſation Gießens nach dem kom⸗ binierten Schwemmſyſtem liegt ein vortrefflich durchgearbeitetes Projekt vor. Das Gleiche läßt ſich bezüglich der Kanaliſation nach dem Trennſyſtem nicht ſagen. Der um eine bezügliche gutächtliche Aeußerung erſuchte Baurat Herzberg hat ſich vielmehr darauf beſchränkt, die Vorzüge, welche das Trennſyſtem für Gießen haben würde ſowie die Durchführbarkeit des Syſtems in unſerer Stadt kurz darzulegen und eine vorläufige Koſtenberechnung aufzuſtellen, von der er ſagt, daß ſie bei der ſpeziellen Bearbeitung des Projektes vielleicht als zu hoch, ſicher aber nicht als zu niedrig ge— griffen ſich herausſtellen würde. Wie ſchon erwähnt iſt, würden ſich nach dieſer Berechnung die Baukoſten um 25% niedriger ſtellen als nach dem Lindley'ſchen Projekt. Herzberg iſt zu der Ueberzeugung gekommen, daß die getrennte Abführung der Regenniederſchläge in die offenen Waſſerläufe nur im Bereiche des ca. 2,5 Hektar großen, am tiefſten gelegenen Altſtadt-Teils gewiſſe Schwierigkeiten machen werde, daß dieſe Schwierigkeiten aber auch hier verhältnismäßig leicht zu überwinden ſeien. Der von Herzberg projektierte Haupt⸗ Regenwaſſerkanal der inneren Stadt ſoll, in der tiefſten Straße ein Meter unter Terrain liegend, ſelbſt bei einem Lahnwaſſer— ſtande von+ 154.55 N. N.(=+ 2.61 m am Pegel) den Abfluß noch geſtatten, bei ausnahmsweiſe vorkommendem höherem Lahnwaſſerſtande ſoll das Regenwaſſer der Innenſtadt durch eine abſperrbare Verbindung unter der Wieſeck durch in das Haupt⸗Schmutzwaſſerſiel übergeleitet und dann an der Kläranlage mit übergepumpt werden. Ob dieſe Löſung eine zweckmäßige iſt, ſcheint wie unſerem Stadtbaumeiſter ſo auch mir zweifelhaft. An den tiefen Stellen im Innern der Stadt will Herzberg von einer Entwäſſerung der Kellerſohlen abſehen und im übrigen in der Altſtadt die Abführung des in den Kellern ſich anſammelnden Grundwaſſers mittels der Schmutzwaſſerkanäle bewirken, weil dieſe nicht, wie die Regenwaſſer⸗Kanäle, dem Rückſtau bei Sturzregen ausgeſetzt ſind. Auch die letztere Löſung ſcheint mir wegen der Gefahr des gelegentlichen Eindringens von Kanalgaſen in die Häuſer keine ſehr glückiche zu ſein. Die vorſtehend berührten, bei Lahnhochwaſſer aus der tiefen Lage der Alt— ſtadt ſich ergebenden Schwierigkeiten ſind es neben dem geringen Oberflächengefälle geweſen, welche Baurat Lindley veranlaßt haben, das Trennſyſtem überhaupt nicht z Betracht zu ziehen, ſondern das kombinierte Syſtem zu wählen. Daß Lindley. nicht etwa ein grundſätzlicher Gegner des Trennſyſtems iſt, geht unter anderem daraus hervor, daß er ſelbſt einen Teil von Elberfeld und von Homburg v. d. Höhe nach dem genannten Syſtem kanaliſiert hat. 54— Unter jenen Umſtänden lag es nahe, die Frage aufzuwerfen, ob nicht kombinierte Syſtem für die Altſtadt vorzuziehen ſei bei einer Kanaliſation der A bezirke nach dem Trennſyſtem In dem Promemoria unſeres Stadtbaumeiſters! dieſe Frage bejaht und meines Erachtens mit Recht. Je dichter bevölkert ein e. teil iſt, je reger und verkehrsreicher die Straßen ſind und je ſtärker die zu wäſſernden Höfe mit organiſchen Abfallſtoffen, Pferdemiſt u. dgl., verunreinigt we um ſo weniger werden die Vorteile des Trennſyſtems zur Geltung kommen kön denn vielfach wird das von den Straßen und Höfen abfließende Regenwaſſe ſtark verunreinigt ſein, daß ſeine direkte Einleitung in die Flußläufe unerwünſcht erſch Es wird alſo auch bei der Wahl des Trennſyſtems unter ſolchen Umſtänden hältnismäßig viel Regenwaſſer den Schmutzſielen zugeführt werden müſſen.— der beſchränkten Ausdehnung der tief gelegenen Teile der Altſtadt würden andt ſeits bei einer Kanaliſierung nach dem kombinierten Syſtem die dieſem Syſteme haftenden Hauptübelſtände nicht bezw. nur in beſchränktem Umfange hervorte Wie aus dem Promemoria unſeres Stadtbaumeiſters hervorgeht, iſt derſelbe in Ue einſtimmung mit den Berechnungen des Lindley'ſchen Projektes der Meinung, das von Lindley projektierte einheitliche Hauptſiel der Altſtadt neben den Schn wäſſern der ganzen Stadt auch noch die Regenwäſſer der geſamten, innerhalh Stadtringgrabens gelegenen Altſtadt aufzunehmen im ſtande iſt, ohne daß bei ſogenannten Sturzregen Notausläſſe erforderlich wären. Die der da zugeführten Regenwäſſer würden dabei an Menge immerhin relativ gering blat und ihrer Beſchaffenheit nach größtentheils es rechtfertigen, daß man ſie durch Kläranlage hindurchführt. Hierzu kommt, daß wichtige Vorzüge des kombinim Syſtems gerade in unſerer dicht bevölkerten und tief liegenden Altſtadt mit engen Straßen nicht zu unterſchätzen ſind, wie beiſpielsweiſe die Erniedrigungt Grundwaſſerſtandes durch die größeren Siele, ferner das Vorhandenſein nur d Abwaſſerkanals in jeder Straße und die dadurch gegebene Erleichterung der O anſchlüſſe. Ob nicht einzelne Teile der Altſtadt in Anbetracht ihrer höheren Lagen ihrer weniger dichten Bebauung noch mit beſonderen Regenſielen verſehen wer könnten, iſt meines Erachtens eine techniſch noch zu prüfende Frage. In je weiten Umfange dieſelbe bejaht werden kann, um ſo weniger wird bei Sturzregen ein T laufen des Hauptſiels und ein Rückſtau des Sielinhalts in den Keller zu befürchtenſt Einige Worte mögen hier noch bezüglich der Behandlung der Abwäſſert den gewerblichen und induſtriellen Betrieben der Stadt angefügt ſein. Man in dieſer Beziehung ſelbſtverſtändlich den einzelnen Fall zu prüfen haben. Einſ Condenswaſſer würden unbedenklich in die Regenwaſſer⸗Kanäle eingeleitet weu können. Andererſeits wäre beiſpielsweiſe zu erwägen, ob die Einleitung der unrei Abwäſſer unſerer großen Brauereien in die Schmutzwaſſerkanäle ohne weiterest erſt nach einer vorgängigen Reinigung zu geſtatten wäre. Ich mache in dieſer! ziehung auf die beträchtlichen Verunreinigungen aufmerkſam, welche zur Zeitk Klingelbach durch die Abwäſſer der Aktienbrauerei erfährt. Bei den vorſtehenden Erörterungen, die mich in allen weſentlichen Pun zu denſelben Schlüſſen haben kommen laſſen, wie ſie in dem Promemoria unſct Stadtbaumeiſters gezogen worden ſind, nur daß ich das nach dem einheitlichen Siſſt zu kanaliſierende Gebiet der Altſtadt tunlichſt beſchränkt wiſſen möchte, habe ich n im Rahmen der vorliegenden neueren Projekte, derjenigen von Lindley und Herzberg, gehalten. Es bleibt noch die Frage zu erörtern, ob nicht auch für! Altſtadt das Trennſyſtem durchgeführt werden könnte, wenn man hier das Shont oder Druckluftſyſtem wählen würde. Bei dieſem Syſtem werden die Schmutzwit in eiſernen, unter dem Straßenpflaſter gelegenen Behältern, ſogenannten Ejet ſtationen, geſammelt. Iſt ein Behälter gefüllt, ſo öffnet ſich ſelbſtthätig der H einer Druckluftleitung, und die Schmutzwäſſer werden unter ſelbſtthätigem Klapl verſchluß der Zulaufröhren durch einen verhältnismäßig engen Rohrkanal, der! greiflicherweiſe, weil von der Terrain⸗Geſtaltung ganz unabhängig, überall wiß tief zu liegen braucht, nach der Endſtation fortgedrückt. In verſchiedenen engliſtt Städten oder Teilen derſelben funktioniert dieſes Syſtem in zufriedenſtellender W Ich ſelbſt habe es in einer indiſchen Stadt(Karachi) aus eigener Anſchauung kem gelernt, wo es ſich nach Mitteilung des leitenden Ingenieurs ebenfalls bewährt 1 In Deutſchland hat es neuerdings die Aufmerkſamkeit in erhöhtem Maße auf , ob; tion der— aumeiſt lbert ker die nreinigt 1 ommen üü P Regenn vünſcht, Unſtänd müſſen Grürden ſte Syj her n ge eſelbe in! Meinun nden e jinnerl ohne da der Klä gering n ſie d es koml ſtadt m rniedrig nſein m ung der zeren Le erſehen In jer regen e befürcht r Abw in. aben. d geleitet ng der! e weiter e in die e zur eemorig etlichen? habe! dley u t auch! das Sh Schmu annten b hätig tigem Kn tanal,) überal del enen eige tellendi 1' chuuns „wäll is beibe do l ' Maße 14 es ein — — — 550 gelenkt, nachdem es, und zwar durch die Firma Merten in Berlin, zuerſt auf dem Terrain der Berliner Gewerbeausſtellung und danach auf dem Lechfelde bei Augs— burg für das dortige Truppenlager zur Anwendung gebracht iſt. In deutſchen Städten iſt das Syſtem meines Wiſſens bisher nicht eingeführt, doch ſollen einige, wie Greifswald, Allenſtein, Elbing, ſeine Einführung planen. Daß die Baukoſten bei dieſem Syſtem gering ſind, und daß der Bau in relativ kurzer Zeit und mit relativ geringen Beläſtigungen ausgeführt werden kann, iſt wohl nicht zu bezweifeln. Einen erheblichen Vorteil bietet auch im Betriebe die leichte Reinhaltung der engen Rohrkanäle. Den geringeren Baukoſten ſtehen aber die durch die künſtliche Fort— bewegung des Kanalinhalts bedingten höheren Betriebskoſten gegenüber. Für unſere Außenbezirke, in denen genügendes Gefälle und ausreichende Vorflut für die Schmutz⸗ waſſerkanäle des Trennſyſtems vorhanden ſind, kommt daher das Shone'ſche Syſtem wohl überhaupt nicht in Frage. Aber auch für unſere Altſtadt wird es von unſerem Stadtbaumeiſter, der die Lechfeld-Anlage aus eigener Anſchauung kennt, nicht für geeignet gehalten. Entſcheidend iſt für ihn, abgeſehen von der Höhe der Betriebs⸗ koſten, der Umſtand geweſen, daß in den engen Altſtadt⸗Straßen die Anlage der erforderlichen verſchiedenen unterirdiſchen Leitungen techniſchen Schwierigkeiten be⸗ gegnen würde. Dieſe Bedenken ſcheinen mir durchaus beachtenswert. Es kommt noch hinzu, daß wegen der mehrfach erörterten lokalen Verhältniſſe auch die Ab⸗ führung der Regenwäſſer zum mindeſten zeitweiſe, nämlich bei Hochwaſſer der Lahn künſtlich bewerkſtelligt werden, und daß daher die Anlage für nur zeitweiſe an ſie herantretende erhebliche Leiſtungen bemeſſen werden müßte. Ich geſtehe offen, daß ich mir auch nach Rückſprache mit Herrn Merten kein rechtes Bild davon machen kann, wie man der hierdurch ſich ergebenden techniſchen Schwierigkeiten in befriedigender Weiſe Herr werden will. Entſcheidend iſt für mich aber, daß, wie ich ſchon dar⸗ gelegt habe, bei der ſtärkeren Verſchmutzung der Regenwüſſer in den dicht bevölkerten, lebhaftem Geſchäftsverkehr dienenden Teilen der Altſtadt das Trennſyſtem für dieſelbe überhaupt nicht recht geeignet erſcheint. Ich ſehe mich daher außer ſtande, zu be— antragen, es möge zunächſt noch die genannte Firma, die einzige, welche dafür wohl in Betracht kommen könnte, um Vorlage eines Projektes nach dem Druckluft⸗Syſteme erſucht werden. Behaudlung der Abwäſſer vor ihrer Einleitung in die Lahn. Es werden nunmehr noch die mit dem ſchließlichen Verbleib der Schmutz⸗ wäſſer in Verbindung ſtehenden beiden Fragen zu erörtern ſein, welche Anforderungen an die künſtliche Reinigung der Schmutzwäſſer zu ſtellen, und welche Mittel anzu⸗ wenden ſind, dieſe Reinigung zu erreichen, Fragen, welche in den bis jetzt vorliegenden Gutachten kürzer behandelt oder überhaupt kaum berückſichtigt worden ſind. Zunächſt iſt hier zu erörtern, welche Verdünnung vorausſichtlich der Inhalt der Gießener Schmutzwaſſer⸗Kanäle bei ſeinem Eintritt in die Lahn bei Niedrig⸗ Waſſer erfahren würde. Meſſungen der Menge und der Strömungsgeſchwindigkeit des Waſſers in der Lahn bei Gießen ſind bis vor kurzem nicht angeſtellt worden. Nach einer mir bekannt gewordenen Mitteilung der Königlich preußiſchen Waſſerbau⸗ Inſpektion in Diez ſollen in ungünſtigſter Jahreszeit bei Gießen 3.1 cbm Waſſer in der Lahn pro Sekunde verfügbar ſein. Zu noch etwas günſtigeren Reſultaten iſt unſer Stadtbauamt bei direkten Meſſungen gekommen, welche in den Tagen vom 19. September bis 3. Oktober d. J. bei einem Pegelſtande von+ 0.48 m bis + 0.54 m, alſo bei ſehr niedrigem Waſſerſtande, ausgeführt worden ſind. Es hat ſich bei dieſen Meſſungen ergeben, daß die verfügbare Lahnwaſſermenge unterhalb der Wieſeckmündung bei Niedrigwaſſer auf rund 4 cbm pro Sekunde geſchätzt werden kann. Die Schmutzwaſſermenge würde nach einer Berechnung unſeres Stadtbau⸗ meiſters— 50 000 Einwohner und einen Waſſerverbrauch von 120 Liter pro Kopf und Tag vorausgeſetzt— 160 Liter pro Sekunde betragen, wobei das Stunden⸗ Maximum mit ½⁄ des Tageskonſums angenommen iſt. Das Schmutzwaſſer würde alſo auch bei dieſer überaus vorſichtigen Berechnung nach ſeinem Eintritt in die Lahn eine Verdünnung von mindeſtens etwa 160:4000 oder von 1:25 erfahren. (Die Schmutzſtoffe, welche mit Regenwaſſer von den Straßen, Dächern und Grund⸗ ſtücken durch die Regenwaſſer⸗Kanäle und das Hauptſiel der Altſtadt in die Lahn gelangen würden, können hierbei wohl außer Betracht gelaſſen werden.) Die vom Stadtbauamte unterhalb der Wieſeckmündung bei Niedrigwaſſer ausgeführten Meſſ⸗ ungen der Strömungs-Geſchwindigkeit der Lahn haben Zahlen ergeben, welche ſprechend den ſtarkwechſelnden Querprofilen erheblich, nämlich zwiſchen 8 cm 71 cm in der Sekunde an der Waſſeroberfläche ſchwanken. In dieſer Bezig liegen alſo, wie das übrigens auch in der Lindley'ſchen Projekt⸗Erläuterung han gehoben iſt, die Verhältniſſe ziemlich ungünſtig. Vielleicht wären bei dem ſtre weiſe ſehr geringen Gefälle der Lahn unterhalb Gießens und ihrer zur Zeit von Stadt aus erfolgenden Verunreinigung durch ungeklärte Abwäſſer bereits lagerungen von Sinkſtoffen im Flußbette merklich geworden, wenn nicht das Zeit zu Zeit eintretende Lahnhochwaſſer und die mit dem Mühlenbetriebe in ſammenhang ſtehenden Spülungen dieſelben immer wieder beſeitigten. Um über die derzeitige Verunreinigung von Lahn und Wieſeck durch Stadt ein Urteil zu gewinnen, ſind auf meine Veranlaſſung im letzten Spätſon von den Herren Dr. Dreyer, IJ. Aſſiſtenten am hygieniſchen Inſtitut, und K aſſiſtenzarzt Dr. Tjaden bakteriologiſche und chemiſche Unterſuchungen ausg worden, über die hier das Erforderliche mitgeteilt ſein möge. Leider haben ber Unterſuchung nur die gelöſten Stoffe, von den ſuſpendierten aber nur die Baka berückſichtigt werden können. Als Entnahmeſtelle der Waſſerproben waren 7 I. Für die Wieſeck. a. eine Stelle an der Wieſeckbrücke unterhalb des Philoſophenwaldes. B 20 m oberhalb des Ausgerinnes. G. 50 m unterhalb des Ausgerinnes. II. Für die Lahn. Launsbach(Launsbacher Steg). A. eine Stelle bei B.„„ ca. 40 m oberhalb der Wieſeckmündung in die Lahn. „„ ccaa. 40 m unterhalb„.„„„ an der Klein-Lindener Brücke. .„„ an der Dutenhofener Brücke.— I. unmittelbar oberhalb der Dorlarer Mühlen. „ 7 Die Entnahmeſtellen ſind übrigens auch auf der beigefügten Plan⸗S (Anlage I.) erſichtlich gemacht.— Die Unterſuchungen ſind bei niedrigem Waß ſtande angeſtellt. Die Temperatur des Wieſeckwaſſers ſchwankte zwiſchen 10 1 18° C., diejenige des Lahnwaſſers zwiſchen 16 und 210 C. Die beigefügte tabellart Ueberſicht(Anlage II.) enthält die Unterſuchungsergebniſſe im Einzelnen; hier müäß die wichtigſten Durchſchnittszahlen zuſammengeſtellt ſein. I. Wieſeck. ru Zahl der ent- Chemiſche Unterſuchung(mg im Liter Wah wicklungsfähi⸗— on Bakterie— e gen Bakterien.7 Sauerſtoff⸗ in lcem Waſſer Rückſtand Glühverluſt Verbrauch Chlün — Brücke unterhalb des 1 Philoſophenwaldes. 6 800 243 103 3,2 12 20 m oberhalb des Ausgerinnes 110 300 269 125 4,2 20,4 50 m unterhalb des 210 Ausgerinnes... 144 100 227 111 4,2 21¹/0 den, w ſchen 8 3 dieſer Wn uterung b ei dem b ur Zeit u er beriis eck durch en Spat tut, und igen aus r haben ir die d — —1 II. Lahn. wicklungsfähi⸗ Zahl der ent⸗ Chemiſche Unterſuchung(mg im Liter Waſſer) waren g enwaldes e Lahn. en Plars drigem! wiſchen gte tabe en; hier of⸗ C uch — en Bafterie— gen Bakterien Sauerſtoſſ⸗. in leem Waſſer Rückſtand Glühverluſt Levernnh Chlor Launsbacher Steg. 810 159 74 2,4 9,8 ca. 40 m oberhalb der Wieſeckmündung. 3 130 159 75 2,5 10,7 ca. 40 m unter⸗ Durch⸗ halb der ſchnitt 21 930 161 76 2,6 11,2 Wieſeck⸗ Linkes mündung Ufer 50 800 166 78 2,9 12,5 Klein⸗Lindener Brücke 17 300 152 65 2,66 11,2 Dutenhofener Brücke. 11 770 1633 81 2,4 11,6 Unmittelbar oberhalb der Dorlarer Mühlen 26 770 174 83 2,3 12,0 Auf den erſten Blick ſieht man, daß die Wieſeck in weniger reinem Zuſtande in das Weichbild der Stadt eintritt als die Lahn, und daß ſie entſprechend ihrer weit geringeren Waſſermenge im Bereiche der Stadt in höherem Grade verunreinigt wird, als die Lahn. Die Bakterienzahl, welche ſich, wie bei früheren ähnlichen Unter⸗ ſuchungen, wiederum als der beſte Maßſtab für die Verunreinigung ergeben hat, ſteigt in der Wieſeck von 6 800 oberhalb der Stadt auf 144 100 im cem Waſſer unterhalb der Stadt, während in der Lahn eine Steigerung der Zahl von ca. 800 auf ca. 21 900, bezw. nahe dem linken Ufer auf 50 800 erfolgt. Bis zur Duten⸗ hofener Brücke iſt die Bakterien-⸗Zahl in der Lahn ſchon wieder auf ca. 11 700 im cem geſunken. Wenn ſie ſich oberhalb der Dorlarer Mühlen wieder auf ca. 26 700 erhebt, ſo iſt das wohl in der Hauptſache darauf zurückzuführen, daß zwiſchen Dutenhofen und Dorlar der Fluß nur ein überaus geringes Gefälle beſitzt, und das Waſſer daher nahezu ſtagniert. Nimmt man die Ergebniſſe der chemiſchen Unter⸗ ſuchung hinzu, ſo darf man wohl ſagen, daß zurzeit die Verunreinigung der Lahn durch die Stadt Gießen keineswegs eine erhebliche iſt. Im Jahre 1892 ſind ähnliche Unterſuchungen durch Profeſſor Fränkel bezüg⸗ lich der Verunreinigung, welche die Lahn durch die Stadt Marburg erfährt, aus⸗ geführt worden. Es dürfte nicht ohne Intereſſe ſein, die weſentlichſten Ergebniſſe dieſer Unterſuchungen nach einer in der Vierteljahrſchrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätsweſen(3. Folge VII, 2) erfolgten Veröffentlichung zum Vergleich hier aufzuführen. Lahn bei Marburg. Zahl der ent— wicklungsfähi⸗ Chemiſche Unterſuchung(mg im Liter Waſſer) gen Bakterien. Sauerſtoff⸗ in 1ccm Waſſer Rückſtand Verbrauch Chlor Vor dem Eintritt in das Weich— bild der Stadt Marburg. 1 607 139 1,6 8,5 Etwa 1 km unterhalb der Staondt Marburg...... 5 218 142 1,7 9,7 Etwa 7 ½ km unterhalb der Stadtt Marburg... 4 222 141 1,8 9,4 Soweit man überhaupt derartige, zu verſchiedenen Zeiten und unter ſchiedenen Umſtänden angeſtellte Unterſuchungen miteinander vergleichen kann, alſo die Verunreinigung der Lahn durch die Stadt Marburg im Jahre 1892 etwas geringer, als jetzt durch die Stadt Gießen. Ferner ſcheint es, als ob in letzten Jahren die Verunreinigung von Marburg aus— ſoweit die gelöſten ſtanzen in Betracht kommen— etwas zugenommen hat. Dafür ſpricht wenig die jetzige Beſchaffenheit des Lahnwaſſers oberhalb Gießens. Die Unterſchiede aber nur ſehr unbedeutende. Bekanntlich iſt die jetzt etwa 17 000 Einwohner zäß Stadt Marburg neuerdings mit einer ſyſtematiſchen Schwemm⸗Kanaliſation veu worden, bei der man ſich bis heute darauf beſchränkt hat, die Abwäſſer vor Eintritt in die Lahn lediglich einer mechaniſchen Reinigung zu unterziehen. angeſichts dieſer Thatſachen die oben mitgeteilten Unterſuchungsergebniſſe fün Beurteilung der an die Abwäſſer-Reinigung in Gießen zu ſtellenden Anforderm erhöhte Bedeutung gewinnen, liegt auf der Hand. Die in Marburg gemachten fahrungen haben ſozuſagen für uns die Bedeutung eines Experiments. Hier ſei noch auf die weitere Thatſache hingewieſen, daß die eben kanaliſierte Stadt Wetzlar ihre Abwäſſer einſchließlich der Fäkalien ohne irgendmn vorgängige Reinigung der Lahn überantwortet, allerdings an einer Stelle, an die Abwäſſer bei ihrem Eintritt in den Fluß ſofort eine erhebliche Verdünnungd einen, reichliche Waſſermengen führenden Bach erfahren. Gießen liegt alſo zwiſchen zwei Städten, von welchen zurzeit die eine, oberhalb gelegene Marburg, ihren Kanalinhalt nach lediglich mechaniſcher Reinigg bei ſtärkerem Regenwetter ſogar zum Teil ganz ungereinigt, nämlich durch dien ausläſſe, der Lahn zuführt, die andere aber, das unterhalb gelegene Wetzlar, jeder Reinigung des Kanalinhalts abſieht, alſo dauernd auch die geformten Fätg Kloſetpapiere ꝛc. in den Fluß gelangen läßt. Schon mit Rückſicht auf die Verunreinigung von Marburg her iſt es! ausgeſchloſſen, daß unterhalb Gießens gelegene Gemeinden die Lahn als allge Verſorgungsquelle für Trink⸗ und häusliches Brauchwaſſer benutzen könnten. Verwendung des Lahnwaſſers dürfte ſich vielmehr auf Tränken des Viehs, ſ auf Spülen der Wäſche, Baden u. dergl. beſchränken. Die letztere Art der wendung würde ſchon wegen der Notausläſſe Marburgs auch dann nicht völ einwandfrei ſein, wenn einerſeits Marburg ſeine Schmutzwäſſer weit ſorgfä klären würde, und wenn andererſeits von Gießen aus keinerlei asd ſtattfände. Es würde ſonach meines Erachtens zu weit gehen, wenn man an die R gung der Abwäſſer Gießens die in ſtrengem Sinne überhaupt unerfüllbare Forden ſtellen wollte, daß ein Hineingelangen von Infektionskeimen in den Stromlauf ſt geſchloſſen erſcheint. Man wird ſich darauf beſchränken dürfen, eine zrobſu wahrnehmbare Verunreinigung der Lahn durch den Inhalt der Schmutzwaſſerkan nach Möglichkeit zu verhüten. Um dieſen Zweck zu erreichen, wird es erſae ſein, zunächſt die ſchwereren Sinkſtoffe, ſowie die gröberen ſchwimmenden Beſte teile, geformte Fäkalien, Kloſetpapier u. dergl. mehr abzuſcheiden, und danach Abwäſſer zum mindeſten noch inſoweit von den feineren Schwebeſtoffen zu befin daß eine Ablagerung derſelben im Strombette nicht mehr erfolgt, und daß Trübung des Flußwaſſers höchſtens eine kurze Strecke unterhalb des Einlaufs wi nehmbar iſt. Für die Einrichtung der Klärſtation kann meines Erachtens die Marbmu Anlage in der Hauptſache als Muſter dienen. Das dort zur Entfernung der gröbt Schwimmſtoffe benutzte Rienſch'ſche Syſtem, bei welchem jene Stoffe vor eiſen in das durchfließende Kanalwaſſer eintauchenden Rechen ſich anſammeln, dann de ſelbſtthätige Vorrichtungen auf ſogenannte Transportbänder gehoben und mittelst ſelben kleinen, auf Schienen laufenden Transportwagen zugeführt werden, hat gut bewährt. Nach dieſer Vorreinigung würden die Abwäſſer, wie es in Mart geſchieht und wie es auch in dem für Gießen aufgeſtellten Lindley'ſchen Projekt geſehen iſt, Klärbecken zu paſſieren haben, und zwar mit einer Reinigungsgeſchwin keit, die unter allen Umſtänden hinter der geringſten Strömungsgeſchwindigkei Lahnbette erheblich zurückbleibt. Eine Strömungsgeſchwindigkeit von etwa 5 1 in der Sekunde dürfte genügen. Nebenbei bemerkt, iſt meines Erachtens Strömungsgeſchwindigkeit in den Marburger Klärbecken eine zu große und di als oh e gelöſten picht wen nterſchieh wohner zi liſation d iſer var terziehen, gebniſſe ſ Anforden gemachten 1s. ß die it die ein ſcher Reing durch diß ie Wetzlarß pomten; i her iſt es als allqatt könnten⸗ s Viehs, e d 8 D veit ſorgfit Verunrei n an die lbare? Stromlau ine grol nutzwaſſe 0s erford eenden und dana ffen zu be und de Einlaufs und mitted verden, ſch bovindige etwa 1 Frachts 1 und ¹ n oße 1e dlh * jrge adß Stelle, 1 rdünnung! 1 Fondf 59— der Reinigungseffekt geringer, als er zu wünſchen wäre. Der Schlamm aus den Klärbecken wäre mit Torf oder, wie es neuerdings in Marburg ebenfalls geſchieht, mit ſtädtiſchem Müll zu kompoſtieren. Dieſes, ſowie das durch die Rechen zurück⸗ gehaltene Material und die Senkſtoffe wären landwirtſchaftlich zu verwerten. Bei einer derartigen Reinigung würde eine Ablagerung von Sinkſtoffen im Lahnbett ausgeſchloſſen ſein, und da außerdem, wie wir geſehen haben, ſelbſt nach einer Ver⸗ doppelung der Einwohnerzahl Gießens und bei niedrigem Be waehonde die ein⸗ geleiteten geklärten Abwäſſer immer noch eine ca. 25fache Verdünnung erfahren würden, wäre der ſelbſtreinigenden Kraft des Fluſſes nach einem allgemeinen Er⸗ fahrungsſatze nicht zu viel zugemutet. Im Vergleich zu dem gegenwärtigen Zu⸗ ſtande würde der künftige jedenfalls eher eine geringere als eine größere Lahn⸗ verunreinigung bedeuten. Sollte ſich wider alles Erwarten im Betriebe herausſtellen, daß weiter⸗ gehende Reinigungsmaßregeln nötig wären, ſo müßte man ſich auch zu dieſen ent⸗ ſchließen; man würde ſich aber vorausſichtlich dann, was die Wahl des Verfahrens betrifft, in günſtigerer Lage befinden, weil inzwiſchen bezüglich einiger neuerer, zur Zeit noch nicht hinreichend erprobter Methoden die nötigen praktiſchen Erfahrungen gewonnen ſein dürften.— Als vorzügliche Methode der Reinigung ſtädtiſcher Abwäſſer gilt heute be⸗ kanntlich diejenige durch Rieſelung. Bei der Oberflächengeſtaltung und der Boden⸗ beſchaffenheit des Lahnthals, ſowie ſeiner dichten Beſiedelung, ſcheint es mir aber ausgeſchloſſen, daß es gelingen würde, für Gießen ein zur Anlage von Rieſelfeldern geeignetes, genügend großes Terrain zu finden. Was die Verfahren der chemiſchen Reinigung betrifft, ſo laſſen ſie noch ſehr viel zu wünſchen übrig, wie die Erfahrungen in Frankfurt a. M., Wiesbaden, Hom⸗ burg v. d. H. und Bad⸗Nauheim auch in unſerer Nachbarſchaft gezeigt haben. Vor allem kommt hier die große Schwierigkeit, den durch den Chemikalienzuſatz erzeugten Klärſchlamm loszuwerden, in Betracht, ganz abgeſehen davon, daß eine Entfernung der gelöſten organiſchen Stoffe aus den Schmutzwäſſern, trotz der Aufwendung er⸗ heblicher Geldmittel, doch höchſtens nur teilweiſe erreicht und auch die Infektions⸗ gefahr nicht völlig beſeitigt wird. Eins der beſten Verfahren iſt meiner Anſicht nach zur Zeit das Rothe⸗Degener'ſche, bei welchem die mit gepulvertem Torf oder Braunkohle und mit Eiſenſalzen verſetzten Abwäſſer durch ſogenannte aufſteigende Filtration gereinigt werden. Ich habe das Verfahren in Potsdam im Betriebe geſehen und mich dabei überzeugt, daß die Reinigung der Abwäſſer in der That eine ſehr vollſtändige iſt. Die Methode bietet daneben noch den großen Vorteil, daß der getrocknete Klärſchlamm brennbar iſt, und daß von der gefürchteten Schlamm⸗Kalamität alſo nicht die Rede ſein kann.— In hohem Maße hat neuerdings das ſogenannte biologiſche Verfahren die Aufmerkſamkeit auf ſich gelenkt. Dasſelbe ſpielt ſich in der Hauptſache folgender⸗ maßen ab: Aus Koksſtückchen bezw. aus Kies hergeſtellte Filter werden mit dem Schmutzwaſſer angefüllt, dabei lagern ſich die ſuſpendierten Schmutzteilchen ab, und es findet gleichzeitig unter Wirkung teils des im Filter vorhandenen Luftſauerſtoffs, teils der ebenfalls ſehr reichlich vorhandenen Bakterien eine kräftige Oxydation der organiſchen Subſtanzen ſtatt. Nach einigen Stunden wird das Waſſer gereinigt abgelaſſen. Das Filter, oder beſſer geſagt der Oxydationsraum, bedarf dann einer mehrſtündigen Ruhezeit, um ſich zu regenerieren, und kann nach dieſer Ruhe ſeine Thätigkeit von neuem beginnen. Das Vorhandenſein von mehreren Oxydations⸗ räumen ermöglicht dabei einen kontinuierlichen Betrieb.— Ich habe dieſes Verfahren, über deſſen Einzelheiten ich hinweggehe, in Lichterfelde bei Berlin in einer täglich etwa 100 cbm Schmutzwaſſer klärenden Verſuchsanſtalt des Kultur-Ingenieurs Schweder in Betrieb geſehen und kann aus eigener Anſchauung den vortrefflichen Reinigungseffekt beſtätigen. Das Waſſer kommt völlig klar und geruchlos aus dem Ablauf heraus. Nach zahlreichen Verſuchen geht es auch eine nachträgliche Zerſetzung nicht mehr ein.— In größerem Maßſtabe iſt das Verfahren ſeit einiger Zeit mit gutem Erfolge auf dem Lechfelde bei Augsburg in Betrieb. Aber auch hier handelt es ſich immerhin noch um verhältnißmäßig geringe Abwäſſer⸗Quantitäten, nämlich diejenigen aus einem Militärlager mit durchſchnittlich etwa 2000. Perſonen. Die Brauchbarkeit des Syſtems für eine Stadt von der Größe Gießens iſt alſo bisher nicht erwieſen. Dazu kommt, daß die Anlagekoſten jedenfalls recht erhebliche ſein würden. Wiſſenſchaft und Technik beſchäftigen ſich gerade in der neueſten Zeit eifrig mit der überaus ſchwierigen Frage der Reinigung ſtädtiſcher Abwäſſer, es iſt daher nicht ausgeſchloſſen, daß weitere erhebliche Fortſchritte in abſch Zeit auf dieſem Gebiete erzielt werden. Auch die weitere Erprobung der ne Methoden in größerem Maßſtabe wird nicht ausbleiben, da manche an kleinen läufen gelegene Städte zu derartigen Verſuchen ſich gezwungen ſehen werden. Gießen beſteht, wie ich glaube nachgewieſen zu haben, zur Zeit ein derartiger.‚ noch nicht. Sollte er ſich nach Fertigſtellung der Kanaliſation beim Wachstun Stadt, und nachdem Marburg zu einer gründlicheren Reinigung ſeiner Abn übergegangen iſt, herausſtellen, ſo wird es immer noch Zeit ſein, zur Ergän der zunächſt vorzuſehenden mechaniſchen Reinigung weitere Einrichtungen zu imn Jedenfalls ſollte man bei dem Bau der Kläranlage den nötigen Raum für den Vervollkommnungen vorſehen. Mag dann die Entſcheidung für dieſes oder Syſtem ausfallen, die für die mechaniſche Reinigung ausgeführten Anlagen um ganz oder teilweiſe zur Vorreinigung in Betrieb bleiben können. Stets wird außen die Fernhaltung des größten Teils der Regenwäſſer aus den Schmutzwaſſerkan die Funktion des Syſtems erleichtern und die Bau- und Betriebskoſten in erwinſgnttw Weiſe vermindern. — Auf Grund der vorſtehenden Erörterungen empfehle ich, den in dem! In Vel memoria unſeres Stadtbaumeiſters vom 13. Juli 1898 gemachten Vorſchlägen zorlage von der Maßgabe zuzuſtimmen, daß: ammlungi 1. auch bei Durchführung des kombinierten Schwemmkanaliſations⸗Syſtems in he ade Altſtadt, ſoweit es tunlich iſt, die getrennte Ableitung der Regenwäſſet uunn. geſtrebt wird, i 6 2. der Anſchluß der Kloſets an die Schmutzwaſſerkanäle und die Beſeitigung dombinirt Gruben und Tonnen unter Gewährung einer angemeſſenen, nicht zu knanf ſrebung bemeſſenden Friſt obligatoriſch gemacht wird, aus dieſe 3. eine mechaniſche Reinigung der Schmutzwäſſer vor ihrem Einlauf in die 2) E nach dem Muſter der Marburger Anlage mit Rienſch'ſchen Grob⸗ und Trennun, Rechen, ſowie durch Sedimentierung in Klärbecken mit kontinuierlichem Beiſ 3 und einer Strömungsgeſchwindigkeit von etwa 5 mm in der Sekunde vorgeg Stadtthei wird. meinſame des Sieli Gaffktyf. ihrem Ei burger A ſowie du lichem B etwa 5 S 5) 8 Schmutzn Tonnen tnappen In F. gerungsba derſammlr Brühl'ſche Univ.⸗Buch⸗ u. Steindruckerei(Pietſch Erben), Gietzen.