8S811 —— urxäuung beyn Feuerlöchen ſder Stadt Gießen. Abwohlen die Bemuͤhung und Eifer der hieſigen Burgerſchaft bey dem Feuerloͤſchen nicht genug gelobet werden kan, ſo hat ſich jedoch bey verſchiedenen Vorfaͤllen ergeben, daß eben dieſer ruhmwuͤrdige Eifer alsdann nachtheilig und ſchaͤdlich werden kan, wenn ſolcher zu fruͤh und ehe die Feuerſpritzen behorig eingerichtet worden, angewandt wird, wie ſich ſolches bey verſchiedenen Vorfaͤllen gezeiget hat, daß die hieſige Feuer⸗ ſpritzen fehlerhaft gemacht worden, dahero man Nothſchuͤſſe zu thun gend⸗ thiget worden, um dadurch die Spritzen von den Dorfſchaften herbeyzurufen. Damit nun dieſem kuͤnftig vorgebogen, und der Ruhm, ſo die hieſige Busgerſchaft bey dem Feuerloſchen ſich allſchon erworben, künftighin ver⸗ mehret und vergroͤßert werden moͤge, hat man nach eingeholter Hochfuͤrſtl. gnaͤdigſten Genehmigung nochfolgende Anordnung zu machen fuͤr noͤthig erachtet: b Erſtens: Sollen bey entſtehendem Feuerlaͤrmen die Spriten nicht eher von dem Spritzenhaus weggebracht werden, bis wenigſtens einer der Spritzenmeiſter bey Handen ſey. 2e Zweytens: Soll keiner zum Pumpen oder ſonſten Hand an die Spritzen legen ohne Geheiß und Anweiſung eines derer Spritzenmeiſter, wie dann denen Spritzenmeiſtern allein die Dirertion und Anweiſung bey den Spritzen uͤberlaſſen bleibt. 3 Drittens: Sollen bey entſtehendem Feuerlaͤrmen anfaͤnglich nur zwey Spritzen zur Feuerſtaͤtte gebracht, die beyde andere aber nur zum Nothfall, jedoch vollkommen zum ſpritzen eingerichtet, als welches die Spritzenmeiſter zu beſorgen haben, in Bereitſchaft bey dem Spritzenhauß Kehen bleiben und ohne Vorwiſſen und Anweiſung der Spritzenmeiſter ſich ddieſer Spriteen Niemand anmaßen, damit man ſich ſolcher deſio geſchwinder edienen konne, falls zu gleicher Zeit ein zweytes Feuer unglücklicher weiſe 9 3 entſte⸗ entſtehen ſollte, dergleichen ſich zum Exempel bey einem Gewitter oder ſon⸗ ſtigen Zufall zutragen koͤnnte. Viertens: Auf entſtandenen Feuerlaͤrmen ſollen alſo anfaͤnglich nur zwey Feuerſpritzen zur Brandſtaͤtte gebracht werden und zwar 1) die Spritze auf dem Kirchenplatz, wozu Herr Rathſchoͤff Vetz⸗ berger, Andreas Froͤlich, Johann Philipp Becker und Juſtus Melchior Frantz, ſodann 2) die Spritze am Leiderhauß unter der Cantzley, die ſogenannte Herrſchaftliche Spritze, wozu Herr Rathſchoͤff Magnus, Ger⸗ hard Frantz, Andreas Walz und Johann Henrich Schafſtaͤtt, als Spritzenmeiſter angeſtellet ſind, welche deyde Spritzen das Loos getroffen hat.. Fuͤnftens: Die uͤbrige beyde Spritzen, welche in dem Spritzen⸗ hauß auf dem Brand ſich befinden, bleiben in Reſerv ſtehen und gehoren zur zten als zur Landſpritze Herr Rathſchoͤff Noll, Jacob Feger, Si⸗ mon David Petry und Wilhelm David Knauf, zur 4ten Spritze aber Herr Rathſchoͤff Vogt, Johannes Cattarin, Wilhelm Adolph Loͤber, und Alexander Peter Petry. Da auch Sechſtens: nicht nur in der alten Feuer-Ordnung vom Jahr 1667 ſondern auch in der neuen Feuer⸗Ordnung von 1773 gnaͤdigſt ver⸗ ordnet worden, daß in jedem Quartier beſondere Brandmeiſtere ſeyn ſollen, welche nicht nur in ihrem Quartier ſo balden nach dem Feuer eilen, ſondern auch hauptſaͤchlich dahin ſehen ſollen, wo die Gefahr am groͤſten und alſo die Huͤlfe am noͤthigſten iſt, ſo mit alle gute Anſtalten zu machen ſich beei⸗ fern ſollen, und die Buͤrger dieſen willige Folge zu leiſten ſchuldig ſeyn, auch von den Herrn Beamten, Burgermeiſter und Rath mit Rath und That unterſtuͤtzet werden ſollen: ſo werden hiermit zu Brandmeiſter beſtimmt im Walpfoͤrter Quartier Johann Konrad Kempf, und Johann Caspar Walter im Neuweger Quartier Eberhardt Vogt und Johann Wilhelm Ferber E)Oo 3 im Selzers Quartier Jacob Herbert und Philipp Konrad Magnus im Neuſtaͤdter Quartier Konrad Zinßer und Balthaſar Plock und ſoll denen guten Anſtalten dieſer Brandmeiſtere in allen Quar⸗ tieren Folge geleiſtet werden. Damit auch dieſe ernante Brandmei⸗ ſtere nicht auf die Gedanken gerathen moͤchten, als wollte man ihnen eine be⸗ ſtaͤndige Laſt auflegen, ſo wird denſelben hiermit die Verſicherung ertheilet, daß mit den Brandmeiſtern von Zeit zu Zeit nach Befinden umgewechſelt werden ſolle. Siebentens: Damit nicht, wie bisher zuweilen geſchehen, durch unnoͤthiges Einſchlagen der Kaminen dem Feuer in den Kaminen Luft ge⸗ macht, und ſomit Anlaß, daß das Feuer in den Gebaͤuden ſich verbreite, gegeben, auch dadurch zugleich ohne Noth dem Beſizzer Schaden an ſeinen Gebaͤuden angerichtet werde, ſo wird den Zimmer⸗Maurer⸗ und Dach⸗ dekker⸗Zuͤnſten, wie auch allen Einwohnern hieſiger Stadt, bey nahmhaf⸗ ter Strafe aufgegeben, daß keiner etwas einſchlagen ſolle, ohne ſpecielle An⸗ weiſung vorermeloter Brandmeiſter, welchen der Zimmermeiſter Wilhelm Herbert annoch beygegeben wird, als deſſen Erkentnis mit uͤberlaſſen wird, ob? und wo? allenfalls ein Kamin oder Gefach einzuſchlagen, oder ſonſten etwas einzureiſſen ſehe. Weiter Achtens: wird verordnet, daß bey Probirung der Feuerſpritzen ſich jedesmal die vierzig juͤngſte Burger einfinden ſollen, um noͤthigen Un⸗ terricht zu erhalten, wie mit den Feuerſpritzen umgegangen werden muß⸗ wodurch dann nach und nach die ganze Burgerſchaft Unterricht erhalten kan, mit denen Feuerſpritzen auf eine leichte und zweckdienliche Art umzugehen. Bey entſtehendem Feuerlaͤrmen haben dieſe juͤngſte Buͤrgere ſogleich nach der Feuerſpritze, bey welcher ein jeder angeſtellt iſt, zu eilen, und bey dem Ge⸗ brauch mit Hand anzulegen, auch ſelbige nicht zu verlaſſen, bis ſolche wieder in gehdrige Verwahrung gebracht worden. Neuntens: Wird hiermit die Anweiſung ertheilet, daß wenn im harten Winter ein Feuer auskommen ſollte, anfaͤnglich kein kaltes Waſſer —-2 in 4 e) o( As in die Feuerſpritzen geſchuͤttet werden ſoll, vielmehr der Anfang mit heißem Waſſer zu machen ſeye, dergleichen man aus den Kuͤhlfaͤſſer der Beand⸗ weinblaſen in jeder Gegend Leicht erhalten kan. Um endlich Zehentens: dem ſchaͤndlichen Diebſtahl der ledernen Feuer⸗Eimer, ſo bisher faſt bey jedem Feuerlaͤrmen ausgeuͤbet worden, Einhalt zu thun, wird ber hierdurch verordnet, daß die Brandmeiſtere einen Plaz ohnweit der Brande ſaͤtte anweiſen ſollen, wo alle Feuer⸗Eimer nach geldͤſchtem Brand auf einen Haufen niedergeleget werden ſollen; und wird ein jeder rechtſchaffene Bur⸗ ger auf ſeine geleiſtete Burgerpflichten erinnert, auf dergleichen liederliches Diebsgeſindel genaue Aufſicht zu nehmen, und wenn er wahrnehmen wuͤrde, daß einer einen Feuer⸗Eimer von der Brandſtaͤtte wegbringen wolle, ſolches 6 ſogleich einem der Brandmeiſtern anzuzeigen, damit ſolcher ſchandiihe Dieb zur exemplariſchen Strafe gezogen werden koͤnne.. Es wird demnach dieſe Anordnung beym Feuerloſchen der hieſigen Burgerſchaft und ſaͤmtlichen Einwohnern bekannt gemacht, und deren genaue Befolgung einem jeden bey nahmhafter Strafe ernſtlich anbefohlen. Gießen, den t3ten October 1788. Fuͤrſtlich Heſſiſche Policey⸗ Dedntation daſelbſten. Anoroͤnung be⸗ hehn Feuerliſchen der Stad t Gießen. bwohlen die Bemuͤhung und Eifer der hieſigen Burgerſchaft bey dem Feuerloſchen nicht genug gelobet werden kan, ſo hat ſich jedoch Aperſchiedenen Vorfaͤllen ergeben, daß eben dieſer ruhmwuͤrdige Fachtheilig und ſchaͤdlich werden kan, wenn ſolcher zu fruͤh zerſpritzen behorig eingerichtet worden, angewandt wird, wie verſchiedenen Vorfaͤllen gezeiget hat, daß die hieſige Feuer ft gemacht worden, dahero man Nothſchuͤſſe zu thun gend⸗ b um dadurch die Spritzen von den Dorfſchaften herbeyzurufen. 12— n dieſem kuͤnftig vorgebogen, und der Ruhm, ſo die hieſige iy dem Feuerloͤſchen ſich allſchon erworben, kuͤnftighin ver⸗ groͤßert werden moͤge, hat man nach eingeholter Hochfuͤrſtl. ſehmigung nachfolgende Anordnung zu machen fuͤr noͤthig — — Sollen bey entſtehendem Feuerlaͤrmen die Spritzen nicht zprigenhaus weggebracht werden, bis wenigſtens einer der dey Handen ſey. ſens: Soll keiner zum Pumpen oder ſonſten Hand an die hne Geheiß und Anweiſung eines derer Spritzenmeiſter, wie ritzenmeiſtern allein die Dirertion und Anweiſung bey den ſen bleibt. —— ns: Sollen bey entſtehendem Feuerlaͤrmen anfaͤnglich nur ur Feuerſtaͤtte gebracht, die beyde andere aber nur zum h vollkommen zum ſpritzen eingerichtet, als welches die u beſorgen haben, in Bereitſchaft bey dem Spritzenhauß d ohne Vorwiſſen und Anweiſung der Spritzenmeiſter ſi ch diemand anmaßen, damit man ſich ſolcher deſto geſchwinder falls zu gleicher Zeit ein zweytes Feuer ungluͤcklicher weiſe ℳ entſte⸗ 6— Farbkarte 13 2 . 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