A Sg Soo(252) Ein Medizinerheim an der Univerſität Gießen. Von Prof. Dr. Sommer, Geh. Med.⸗Rat. Während meines Rektorates an der Univerſität Gießen im erſten Kriegsjahr 1914/15 habe ich eine Anzahl von Angelegenheiten zu fördern geſucht, die ſich unter dem allgemeinen Begriff des Sozial⸗ Akademiſchen zuſammenfaſſen laſſen. Ein Plan, der mich ſchon vor dem Kriege beſchäftigt hatte, nämlich die Schaffung eines Medizinerheims konnte damals bei der ſehr geringen Zahl der in Gießen zu⸗ rückgebliebenen Mediziner verſchoben werden, wurde jedoch in den darauf folgenden Jahren weiter ver⸗ folgt. Es handelte ſich dabei um die dringende Aufgabe, für die Medizin⸗Studierenden einige Räumlichkeiten zu ſchaffen, in denen die Studieren⸗ den in den Zwiſchenpauſen des Unterrichts ſich aufhalten und beſonders in einem mediziniſchen Leſe⸗ und Studierzimmer ſich zweckmäßig beſchäf⸗ tigen konnten. In der Erwartung, daß nach Be⸗ endigung des Krieges bei der Rückkehr der Studie⸗ renden dieſes ſchon vor dem Kriege vorhandene Bedürfnis von neuem und verſtärkt ſich geltend machen würde, befürwortete die mediziniſche Fakul⸗ tät bei dem Senat der Univerſität, daß von der Gießener Hochſchulgeſellſchaft ein Betrag für Ein⸗ richtung und Betrieb eines Medizinerheims be⸗ willigt würde. Dies iſt tatſächlich ſchon damals geſchehen, ohne daß vorläufig zur Ausführung ge⸗ ſchritten werden konnte. Bei dieſem Plan kommt ſehr weſentlich die eigenartige Lage der Univerſi⸗ täts⸗Inſtitute in Gießen in Betracht. Ich hatte ſchon damals vor allem an ein kleines Haus in der Frankfurter Straße in der Nähe der Kliniken ge⸗ dacht, welches durch den Durchbruch einer Mauer leicht mit dem kliniſchen Gelände hätte in Ver⸗ bindung geſetzt werden können. Die Ausführung erwies ſich jedoch mit Rückſicht auf die vorhandenen Mieter als unmöglich. Unterdeſſen beſtätigte ſich nach Schluß des Krieges bei dem ſtarken Anſchwellen der Zahl der Medizin⸗Studierenden die gemachte Vorausſetzung vollſtändig. Es kam dazu die große Schwierigkeit, zum Teil Unmöglichkeit, einer Beheizung in den Studentenwohnungen, ſo daß geradezu eine aka⸗ demiſche Wärmehalle beſonders für die zwiſchen den Kliniken und Inſtituten hin und her gehenden Mediziner unbedingt notwendig wurde. Auf Bitte der ſtudierenden Mediziner ſtellte eine Reihe von Direktoven der mediziniſchen Inſtitute in den Zwi⸗ ſchenpauſen ihre Hörſäle für die vorübergehende Beherbergung der Medizin⸗Studierenden zur Ver⸗ fügung. Dabei machte ſich auch das Bedürfnis nach Beſchäftigung mit geeigneter Literatur, beſonders mit für das Examen zweckmäßigen Büchern immer mehr bemerklich. Inſolgedeſſen wurden die erſten Anfänge einer Handbücherei für die Medizin⸗ Studierenden durch freiwillige Gaben einer Reihe von mediziniſchen Profeſſoren geſchaffen. Bei aller Beſcheidenheit liegt dabei jedenfalls ein entwick⸗ lungsfähiger Keim vor. Bei dieſer Sachlage war es unbedingt notwendig, der Schaffung eines Medi⸗ zinerheims in etwas größerem Umfange als es früher gedacht war, näherzutreten. Ich ſtellte da⸗ her, zuſammen mit dem Vorſtand der Mediziner⸗ ſchaft, bei den zuſtändigen Inſtanzen im Mai 1919 den Antrag, die Aufgabe eines Mediziner⸗ heims durch Errichtung eines Pavillons oder einer Baracke an geeigneter Stelle auf dem Gelände bei den Kliniken zu löſen. In einfacher Bavackenform hätte dieſer Plan damals ca. 50 000 Mark gekoſtet. Jetzt würde er wahrſcheinlich das Vierfache be⸗ tragen. Bei dieſer Sachlage iſt es außerordentlich bedauerlich, daß dieſer Antrag von dem Landesamt für das Bildungsweſen abgelehnt wurde. Die Ab lehnung des Antrages wird nur verſtändlich, wenn man annimmt, daß der ſozial⸗akademiſche Zweck dieſer Einrichtung bei den zuſtändigen Stellen nicht richtig ins Bewußtſein getreten iſt. Nach Scheitern dieſes Planes wurde weiter verſucht, eine an der Frankfurter Straße in der Nähe der Kliniken gelegene Gaſtwirtſchaft, durch Einziehung einer Wand in einen größeren. Raum, für dieſe Zwecke herzurichten. Jedoch ſcheiterte leider auch dieſer Plan Trotz dieſer Mißerfolge wurde der Plan weiter verfolgt, und es bot ſich nun neuerdings in der alten Klinik an der Liebigſtraße bei der be⸗ ſchloſſenen Vermietung dieſer Räume eine Gelegen⸗ heit, einige Zimmer mietweiſe für dieſe Zwecke zu bekommen. Dabei dachte ich von vornherein an die an der Weſtſeite im Untergeſchoß nahe dem Hör⸗ ſaal des Liebigmuſeums gelegenen Räume, die zwar nicht unmittelbar an den jetzigen Kliniken liegen, aber doch noch in erreichbarer Nähe. Dementſpre⸗ chend erhalten wir für dieſe Zwecke zwei Räume von ca. je 45 Quadratmtr. Größe. Zur Herrichtung und zum Betrieb ſtehen vorläufig zur Verfügung: 1. die Beiträge der Hochſchulgeſellſchaft in Höhe von 2000 Mark für Einrichtung und 500 Mark für den jährlichen Betrieb, 2. nach den früheren und neueren Erklärungen der Medizinerſchaft freiwillige Beiträge von ſeiten dieſer, 3. eventuelle Spenden von anderer Seite. Trotz der bisherigen ablehnen⸗ den Haltung des Heſſiſchen Landesamtes für das Bildungsweſen hoffen wir ſicher, daß dieſes nach beſſever Einſicht in den ſozial⸗akademiſchen Zweck der Einrichtung ſeinen Widerſtand aufgeben und bei der heſſiſchen Volkskammer einen Beitrag zu Einrichtung und Betrieb des Gießener Mediziner⸗ heims beantragen wird. Die Koſten der Einrich tung mit Möbeln uſw. ſollen durch leih⸗ weiſe Ueberlaſſung von Einrich ungsgegenſtänden vorläufig vermieden werden. Wir haben auf dieſem Wege einen beſcheidenen aber brauch⸗ baren Anfang bei der Löſung der Aufgabe gemacht. Die Herrichtungsarbeiten geſchehen unter Leitung des Herrn Architekten Burg, der ſich bei den ſämt⸗ lichen Arbeiten für das Liebigmuſeum außerordent⸗ lich bewährt hat. Ich bitte gleichzeitig hierdurch alle, die ſich für die Entwickelung des Planes intereſſieren und bereit ſind, in irgend einer Weiſe zu der Ausführung beizutragen, mir freundlichſt Mitteilung zu machen. Die Eröffnung des Medi⸗ zinerheimes wird in kurzer Zeit erfolgen. Nach Abſchluß dieſes Aufſatzes erfahre ich, daß das heſſiſche Miniſterium nunmehr einen Voran⸗ ſchlag für die Herrichtung des Medizinerheimes und des Inſtitutes für Körperkultur eingefordert hat. Ein Medizinerheim an der Univerſität Gießen. Von Pr Dr. Sommer, Geh. Med.⸗Rat. per rwur„ Krieges bei der Rückkehr der tudi chon vor dem Kriege vorhandene Bedürfnis von neuem und verſtärkt ſich geltend machen würde, befürwortete die mediziniſche Fakul⸗ tät bei dem Senat der Univerſität, daß von der Gießener Hochſchulgeſellſchaft ein Betrag für Ein richtung und Betrieb eines Medizinerheims be willigt würde. Dies iſt tatſächlich ſchon damals geſchehen, ohne daß vorläufig zur Ausführung ge⸗ ſchritten werden konnte. Bei dieſem Plan kommt ſehr weſentlich die eigenartige Lage der Univerſi⸗ täts⸗Inſtitute in Gießen in Betracht. Ich hatte ſchon damals vor allem an ein kleines Haus in der Frankfurter Straße in der Nähe der Kliniken ge⸗ dacht, welches durch den Durchbruch einer Mauer leicht mit dem kliniſchen Gelände hätte in Ver⸗ bindung geſetzt werden können. Die Ausführung erwies ſich jedoch mit Rückſicht auf die vorhandenen Mieter als unmöglich. Unterdeſſen beſtätigte ſich nach Schluß des Krieges bei dem ſtarken Anſchwellen der Zahl der Medizin⸗Studierenden die gemachte Vorausſetzung vollſtändig. Es kam dazu die große Schwierigkeit, zum Teil Unmöglichkeit, einer Beheizung in den Studentenwohnungen, ſo daß geradezu eine aka⸗ demiſche Wärmehalle beſonders für die zwiſchen den Kliniken und Inſtituten hin und her gehenden Mediziner unbedingt notwendig wurde. Auf Bitte der ſtudierenden Mediziner ſtellte eine Reihe von Direktoven der mediziniſchen Inſtitute in den Zwi⸗ ſchenpauſen ihre Hörſäle für die vorübergehende Beherbergung der Medizin⸗Studierenden zur Ver⸗ fügung. Dabei machte ſich auch das Bedürfnis nach Beſchäftigung mit geeigneter Literatur, beſonders mit für das Examen zweckmäßigen Büchern immer mehr bemerklich. Infolgedeſſen wurden die erſten Anfänge einer Handbücherei für die Medizin⸗ Studierenden⸗ h. freimillige Gaben einer Meihe T her, zuſammen mit dem Vorſtand der Mediziner⸗ ſchaft, bei den zuſtändigen Inſtanzen im Mai 1919 den Antrag, die Aufgabe eines Mediziner⸗ heims durch Errichtung eines Pavillons oder einer — Stelle auf dem Gelände bei In einfacher Barackenform (s ca. 50 000 Mark gekoſtet beinlich das Vierfache be hlage iſt es außerordentlich Untrag von dem Landesamt abgelehnt wurde. Die Ab wird nur verſtändlich, wenn ſozial⸗akademiſche Zweck ſen zuſtändigen Stellen nicht getreten iſt „ eſes Planes wurde weiter „Frankfurter Straße in der egene Gaſtwirtſchaft, durch d in einen größeren Raum, Zurichten. Jedoch ſcheiterte Trotz dieſer Mißerfolge wurde der Plan weiter verfolgt, und es bot ſich nun neuerdings in der alten Klinik an der Liebigſtraße bei der be ſchloſſenen Vermietung dieſer Räume eine Gelegen⸗ heit, einige Zimmer mietweiſe für dieſe Zwecke zu bekommen. Dabei dachte ich von vornherein an die an der Weſtſeite im Untergeſchoß nahe dem Hör⸗ ſaal des Liebigmuſeums gelegenen Räume, die zwar nicht unmittelbar an den jetzigen Kliniken liegen, aber doch noch in erreichbarer Nähe. Dementſpre⸗ chend erhalten wir für dieſe Zwecke zwei Räume von ca. je 45 Quadratmtr. Größe. Zur Herrichtung und zum Betrieb ſtehen vorläufig zur Verfügung: 1. die Beiträge der Hochſchulgeſellſchaft in Höhe von 2000 Mark für Einrichtung und 500 Mark für den jährlichen Betrieb, 2. nach den früheren und neueren Erklärungen der Medizinerſchaft freiwillige Beiträge von ſeiten dieſer, 3. eventuelle Spenden von anderer Seite Trotz der bisherigen ablehnen⸗ den Haltung des Heſſiſchen Landesamtes für das Bildungsweſen hoffen wir ſicher, daß dieſes nach beſſerer Einſicht in den ſozial⸗akademiſchen Zweck der Einrichtung ſeinen Widerſtand aufgeben und bei der heſſiſchen Volkskammer einen Beitrag zu Einrichtung und Betrieb des Gießener Mediziner⸗ heims beantragen wird. Die Koſten der Einrich⸗ tung mit Möbeln uſw. ſollen durch leih⸗ weiſe Ueberlaſſung von Einrich ungsgegenſtänden vorläufig vermieden worden. Wir haben auf dieſem Wege einen beſcheidenen aber brauch baren Anfang bei der Löſung der Aufgabe gemacht Die Herrichtungsarbeiten geſchehen unter Leitung des Herrn Architekten Burg, der ſich bei den ſämt⸗ lichen Arbeiten für das Liebigmuſeum außerordent⸗ lich bewährt hat. Ich bitte gleichzeitig hierdurch alle, die ſich für die Entwickelung des Planes intereſſieren und bereit ſind, in irgend einer Weiſe zu der Ausführu Seiaufra-— ☛☚ D V 12 14 13 14