Fünfzigſtes: Stiftungsfeft der 22 6 Glesgener Burſchenſchaft 1 9f ALEMANNIA Nicht beſonders vorgeſehene Anſprachen ſind vorher bei dem Präſidium anzumelden. EELKV Rommers. 1. 1. Sind wir vereint zur guten Stunde, ein ſtarker deut⸗ ſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor; denn wir ſind hier in ernſten Dingen mit hehrem, heiligen Gefühl; drum ſoll die volle Bruſt erklingen ein volles, helles Saitenſpiel. 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammenglanz erſchienen war; der unſrer Feinde Trotz zer⸗ blitzet, der unſre Kraft uns ſchön erneut und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönen? Des Vater⸗ landes Herrlichkeit! Verderben allen, die es höhnen! Glück der mit ihm fällt und ſteht! Es geh', durch Tugenden be⸗ wundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahr⸗ hundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeſchwächt. 4. Das Dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Frei⸗ heit führt den deutſchen Reih'n; für ſie zu leben und zu ſter⸗ ben, das flammt durch jede deutſche Bruſt; für ſie um hohen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt. 5. Das Vierte— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— Es lebe alte deutſche Treue, es lebe deut⸗ ſcher Glaube hoch! Mit dieſen wollen wir beſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort; fürwahr, es muß die Welt vergehen, vergeht das feſte Männerwort! 6. Rückt dichter in der heil'gen Runde, und klingt den letzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrauſe freudig der Geſang! Das Wort, das unſern Bund geſchürzet, das Heil, das uns kein Teufel raubt, und kein Ty⸗ rannentrug uns kürzet, das ſei gehalten und geglaubt! E. M. Arndt. 2. 1. Der Gott, der Eiſen wachſen ließ, der wollte keine Knechte, drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in ſeine Rechte, drum gab er ihm den kühnen Mut, den Zorn der freien Rede, daß er beſtände bis aufs Blut, bis in den Tod die Fehde! 2. So wollen wir, was Gott gewollt, mit rechten Treuen halten, und nimmer im Tyrannenſold die Menſchenſchädel ſpal⸗ ten; doch wer für Tand und Schande ficht, den hauen wir zu Scherben, der ſoll im deutſchen Lande nicht mit deutſchen Männern erben. 3. O Deutſchland, heilges Vaterland! o deutſche Lieb und Treue! Du hohes Land! du ſchönes Land! wir ſchwören dir aufs neue: Dem Buben und dem Knecht die Acht! der ſpeiſe Krähn und Raben! So ziehn wir aus zur Hermannsſchlacht und wollen Rache haben. 4. Laßt brauſen, was nur brauſen kann, in hellen lich⸗ ten Flammen! Ihr Deutſchen alle, Mann für Mann, zum heilgen Krieg zuſammen! und hebt die Herzen himmelan und himmelan die Hände, und rufet alle Mann für Mann:„Die Knechtſchaft hat ein Ende!“ 5. Laßt klingen, was nur klingen kann, die Trommeln und die Flöten! Wir wollen heute Mann für Mann mit Blut das Eiſen röten, mit Henkerblut, Franzoſenblut— o ſüßer Tag der Rache! Das klinget allen Deutſchen gut, das iſt die große Sache! 6. Laßt wehen, was nur wehen kann, Standarten wehn und Fahnen! Wir wollen heut uns Mann für Mann zum Heldentode mahnen. Auf, fliege, ſtolzes Siegspanier, voran dem kühnen Reihen! Wir ſiegen oder ſterben hier den ſüßen Tod der Freien. E. M. Arndt. Wel Ve dan ſpit Ruj her ſche We und Bur hält an in! deut Kla⸗ Deu San Vat und Unt Vat 5 Anſprache. 3. 1. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn der Lerche Silberſchlag grüßt des Maien erſten Tag, dann heraus, und fragt nicht viel, friſch mit Lied und Lauten⸗ ſpiel! Burſchen, heraus! 2. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Ruft um Hilf die Poeſei gegen Zopf und Philiſterei, dann heraus bei Tag und Nacht, bis ſie wieder frei gemacht! Bur⸗ ſchen, heraus! 3. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn es gilt fürs Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand, und heraus mit mut'gem Sang, wär es auch zum letzten Gang! Burſchen, heraus! nſprache. 4. 1. Deutſchland, Deutſchland über alles, über alles in der Welt, wenn es ſtets zu Schutz und Trutze brüderlich zuſammen⸗ hält, von der Maas bis an die Memel, von der Etſch bis an den Belt— Deutſchland, Deutſchland über alles, über alles in der Welt. 2. Deutſche Frauen, deutſche Treue, deutſcher Wein und deutſcher Sang ſollen in der Welt behalten ihren alten ſchönen Klang, uns zu edler Tat begeiſtern unſer ganzes Leben lang. Deutſche Frauen, deutſche Treue, deutſcher Wein und deutſcher Sang! 3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutſche Vaterland, danach laßt uns alle ſtreben brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit ſind des Glückes Unterpfand. Blüh im Glanze deines Glückes, blühe deutſches Vaterland! Hoffmann von Fallersleben. — 6— 5. 1. Ihr Burſchen, ſchenkt die Becher voll, es gilt der Man⸗ nesehre! Wir wahren ſie und ſchirmen ſie mit Kraft und blutger Wehre. Du Ehrengut, ſo hoch und rein wie edler heller Demantſchein, wir ſetzen unſer Blut daran, der Feige mag erbeben. Erhebt die Becher, ſtoßet an: die Ehre, ſie ſoll leben! 2. Ihr Burſchen, ſetzt die Becher an zu einem friſchen Trunke: Es ſoll erlöſchen nimmermehr der Freiheit edler Funke! O Blümlein hold, wie Röslein blüht, dafür das Herz ſo heiß erglüht in holder Luſt dem edlen Mann, Gott ſelbſt hat's uns gegeben! Erhebt die Becher, ſtoßet an: die Freiheit, ſie ſoll leben! 3. Ihr Burſchen, füllt die Becher neu dem Vaterland zum Preiſe! Wir weihen unſre Liebe ihm in treuer ſchlichter Weiſe: O Vaterland, du höchſtes Gut, wir ſchirmen dich mit unſrem Blut, wir kämpfen für dich Mann für Mann, hoch ſoll das Banner ſchweben! Erhebt die Becher, ſtoßet an: das Vater⸗ land ſoll leben! Preisgedicht von Schacko. 1885. Anſprache. 6. 1. Schwört bei dieſer blanken Wehre, ſchwört ihr Brüder, allzumal: Fleckenrein ſei unſre Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl. Was wir ſchwuren, ſei gehalten treulich bis zur letzten Ruh. Hört's, ihr Jungen, hört's, ihr Alten, Gott im Himmel, hör's auch du! 2. Freiheit, duftge Himmelsblume, Morgenſtern nach ban⸗ ger Nacht! Treu vor deinem Heiligtume ſtehn wir alle auf der Wacht. Was erſtritten unſre Ahnen, halten wir in ſtarker Hut; Freiheit ſchreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unſer Blut! 3. Vaterland, du Land der Ehre, ſtolze Braut mit freier Stirn! deinen Fuß benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn, laß um deine Huld uns werben, ſchirmen dich von unſrer Hand; dein im Leben, dein im Sterben, ruhmbekränztes Vater⸗ land! — ————— rider, chtem lezten nmel, ban⸗ 1j der Hut, Blut! freier t der unſter Later⸗ — —— — 7— 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, ſtoßet an! Unſer Streben, unſer Ringen, aller Welt ſei's kund⸗ getan. Laßt das Burſchenbanner wallen, haltet's hoch mit ſtarker Hand, brauſend laßt den Ruf erſchallen: Ehre, Freiheit, Vaterland! Rnd. Baumbach. 7. 1. Zwiſchen Frankreich und dem Böhmerwald da wachſen unſre Reben. Grüß mein Lieb am grünen Rhein, grüß mir meinen kühlen Wein! Nur in Deutſchland, nur in Deutſch⸗ land da will ich ewig leben. 2. Fern in fremden Landen war ich auch, bald bin ich heimgegangen. Heiße Luft und Durſt dabei, Qual und Sorgen mancherlei. Nur nach Deutſchland tät mein Herz verlangen. 3. Iſt ein Land, es heißt Italia, blühn Orangen und Zitronen. Singe! ſprach die Römerin, und ich ſang zum Norden hin: Nur in Deutſchland, da muß mein Schätzlein wohnen. 4. Als ich ſah die Alpen wiederglühn hell in der Morgen⸗ ſonne: Grüß mein Liebchen, goldner Schein, grüß mir meinen grünen Rhein! Nur in Deutſchland, da wohnen Freud und Wonne. Hoffmann von Fallersleben. 1824. Anſprache. 8. 1. In jedem vollen Glaſe Wein ſeh unten auf dem Grund (icch deine hellen Äugelein und deinen ſüßen Mund. 2. Da trink ich ſchnell und warte nicht und küſſe dich im Wein, aufs neu zu ſchaun dein Angeſicht, ſchenk ſchnell ich wieder ein! 3. So füll und leer mein Gläschen ich und trinke immer⸗ zu. Nennt man mich nächſtens liederlich, die Schuld, mein Schatz, haſt du! Rudolf Hermanns. — 8— 9. Landesvater. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! Hört, ich ſing das Lied der Lieder! hört es, meine deutſchen Brüder!:,: hall es:,: wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsge⸗ ſang! Vaterland! du Land des Ruhmes, weih zu deines Heilig⸗ tumes:,: Hütern:,: uns und unſer Schwert! 3. Hab und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit, — ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde, :,: wenn das:,: Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher Männer Wert, ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören,:,: nicht entweihn:,: das deutſche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall es wieder: groß und deutſch ſei unſer Mut! Seht hier den geweihten Degen, tut wie brave Burſchen pflegen,:,: und durchbohrt:,: den freien Hut! 6. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterländſchen Tran⸗ kes voll! Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den Hut und trinke:,: auf des:,: Vaterlandes Wohl! 7. Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht! Ich durchbohr den Hut und ſchwöre, halten will ich ſtets auf Ehre,:,: ſtets ein:,: braver Burſche ſein. 8. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen von durchbohrten Hüten ſchwer. Laßt uns feſtlich ihn entlaſten; jeder Scheitel ſei bedeckt! Und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten. 9. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und drauf den Schläger ſtrecken: es leb auch dieſer Bruder hoch! ein Hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen; es leb auch dieſer Bruder hoch! —— 9— 10. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wackrer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert; keiner taſte je ans Schwert, der nicht deutſch iſt von Geblüte. Inoffizieller Teil. 1. Alemannenlied. Mel.: O alte Burſchenherrlichkeit. 1. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin biſt du verſchwunden? So klingt es heute weit und breit in allen Zecherrunden. In Klagetönen ſchwer und bang hört allenthalben man den Sang: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 2. Der eine klagt, die Politik verderbe den Charakter, der ſchreit, es geht die Kunſt zurück und dazu find't ſie nackt er, dem andern iſt dies Jammertal zu ſozial und zu radikal, kurz alles ſchreit: O jerum, o quae mutatio rerum! 3. Der vierte als Diogenes geht um mit der Laterne, nach Menſchen leuchtet er, indes ihn blendet die Moderne. Er ſucht die gute, alte Zeit, dieweilen er ſich heiſer ſchreit: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 4. Silentium! ruf ich, ſeid doch ſtill, hört auf mit Eurem jerum, iſt keiner, der erfinden will dagegen uns ein Serum, ein Serum gegen Traurigkeit, die uns von Leid und Gram befreit, ein Serum gegen's jerum, das wär mutatio rerum! 5. Wie wird mir, hat die Wiſſenſchaft uns dies nicht ſchon gegeben? Gibt nicht der braune Gerſtenſaft uns täg⸗ lich neues Leben? Iſt nicht der Burſch auch heut noch frei? Ja, beim CH,O da ſeufzt er nicht mehr rerum, nicht mehr mutatio rerum! — 10— 6. So lang ein Wirtshaus an der Lahn noch ſteht, ſo lang in Gießen, ein ſüffig Bier fließt durch den Hahn, ſoll's durch die Kehle fließen. Ein neues Faß, das Bier läuft ſchon, jetzt klingt es aus ganz anderm Ton: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 7. Es iſt ein würd'ger Jubilar, dem wir dies Feſt er⸗ koren, vor fünfzig Jahren war Alemannia ja geboren! Wer heut ſich trinkt kein Räuſchlein an, der iſt fürwahr kein braver Mann, dem ſingen wir: O jerum, o quae mutatio rerum! 8. Drum Brüder reichet euch die Hand, Ihr Alten und Ihr Jungen, es hält das blau-rot⸗goldne Band uns eng und feſt umſchlungen. Stoßt an und leert das volle Glas, der Alemannia weihn wir das, ihr ſchwören wir aufs neue die alte Burſchentreue! Dr. B. Prochownik. 2. 1. Als noch Arkadiens goldne Tage mich jungen Burſchen angelacht, wie hab ich da in ſüßem Taumel, die frohen Stunden hingebracht; leicht war mein Herz und leicht mein Wechſel, die gar zu bald davongerauſcht! Und doch hätt' ich mit keinem Fürſten, in jener Seligkeit getauſcht; war ſelbſt ein Fürſt der Freude ja, o goldne Akademia! 2. Zwar tät mein Vater häufig ſchreiben: Mein Sohn, geh ins Kollegium; doch oftmals wider meinen Willen bracht mich der Zufall neckiſch drum; bald galt's ein Fäßchen an⸗ zuſtecken, bald lag ich draußen auf Menſur! Die Luſt am Zechen und am Pauken liegt in des Burſchen Frohnatur. Wer ſchilt das kraſſe Füchslein da? O goldne Akademia! 3. Ging ich entlang die engen Gaſſen, aufs Haupt das Cerevis gedrückt, hei, wie die ſchmucken Mädchen lachten, wenn freundlich ich emporgenickt; den Weibern war ich wohlgewogen, als ſtets verliebter Muſenſohn, gern hätt' ich aller Herz be⸗ ſeſſen, doch eines war mein eigen ſchon, des ſchönſten Mäd⸗ chens, das ich ſah, o goldne Akademia! 4. Ach, pfeilſchnell flogen die Semeſter, ein altes Haus nennt man mich heut, nun hat auch mir auf meine Locken —/ 8 8 — 8 78—( ———= e— ——— — — 1— der Winter ſeinen Reif geſtreut; doch nimmer will ich dich vergeſſen, der goldnen Freiheit Paradies, die ſchönſte Zeit in meinem Leben, da ich noch flotter Burſche hieß; ſtets bleib ich dir im Geiſte nah, o goldne Akademia! G. H. Schneideck. 3. 1. Kein Tröpflein mehr im Becher, kein Geld im Säckel mehr, da wird mir armen Zecher das Herze gar ſo ſchwer. Das Wandern macht mir Pein, weiß nicht, wo aus noch ein; ins Kloſter möcht ich gehen, da liegt ein kühler Wein! 2. Ich zieh auf dürrem Wege, mein Rock iſt arg beſtaubt, weiß nicht, wohin ich lege in dieſer Nacht mein Haupt. Mein Herberg iſt die Welt, mein Dach das Himmelszelt; das Bett, darauf ich ſchlafe, das iſt das breite Feld. 3. Ich geh auf flinken Sohlen, doch ſchneller reit't das Glück; ich mag es nicht einholen, es läßt mich arg zurück. Komm ich an einen Ort, ſo war es eben dort, da kommt der Wind geflogen, der pfeift mich aus ſofort. 4. Ich wollt, ich läg zur Stunde am Heidelberger Faß, den offnen Mund am Spunde, und träumt, ich weiß nicht was. Und wollt ein Dirnlein fein mir gar die Schenkin ſein: mir wär's, als ſchwämmen Roſen wohl auf dem klaren Wein. 5. Ach, wer den Weg doch wüßte in das Schlaraffenland! Mich dünket wohl, ich müßte dort finden Ehr und Stand. Mein Mut iſt gar ſo ſchlecht, daß ich ihn tauſchen möcht; und ſo’s Dukaten ſchneite, das wär mir eben recht! Geche Geibel. 4. 1. Nun friſch auf den Tiſch einen neuen Pokal, es hat ſich verlaufen die lärmende Zahl. Vermeſſenen Wortes und prahlenden Schlucks betrinkt ſich der noch nicht geläuterte Fuchs. Beim goldenen Weine, beim ſchäumenden Bier, die richtigen Zecher ſind immer nur wir, wir alten Studenten mit ſicherem Ziel::,: wir trinken nie wenig und niemals zu viel!:,: 2. Wir preiſen den Weiſen Altgriechenlands gleich die Eudämonia und gründen ihr Reich, olympiſcher Zecher in hei⸗ 12— terer Ruh, und Hebe bringt Roſen und Jugend dazu. Beim goldenen Weine ꝛc. 3. Die alten Geſtalten germaniſcher Zeit, die waren zum Aufbruch auch niemals bereit. Wir einen als redliche Nach⸗ kommenſchaft, mit griechiſcher Schönheit germaniſche Kraft. Beim goldenen Weine ꝛc. 4. Es wende zum Ende ſich immer die Nacht, wir haben noch niemals der Stunden gedacht. Und führt uns der Morgen durchs offene Tor,„da glänzen die Wolken, da teilt ſich der Flor“. Beim goldenen Weine ec. Ed. Heyck. 5. 1. Bin ein fahrender Geſell, kenne keine Sorgen; labt mich heut der Felſenquell, tut es Rheinwein morgen. Bin ein Ritter lobeſam, reit auf Schuſters Rappen, führ den lockren Zeiſighahn und den Spruch im Wappen: Luſtig Blut und leichter Sinn, hin iſt hin, hin iſt hin, Amen, Amen. 2. Zieh ich in ein Städtchen ein, ſpür ich's im Gehirne, wo man trifft den beſten Wein und die ſchönſte Dirne. Spiel⸗ mann lächelt wohlgemut, ſtreicht die Fiedel ſchneller, und ich werf ihm in den Hut meinen letzten Heller. Luſtig Blut ꝛc. 3. Meiſter Wirt, darfſt heut nicht ruhn, ſchlag heraus den Zapfen! Back, Frau Wirtin, mir ein Huhn und zum Nach⸗ tiſch Krapfen! Was ich heut nicht zahlen kann, zahlen will ich's künftig, darum ſchreibt's mit Kreide an, Wirt, und denk vernünftig! Luſtig Blut ꝛc. 4. Wein dir nicht die Äuglein trüb, Mägdelein, vor Trauer! Fahrender Geſellen Lieb iſt von kurzer Dauer. Fah⸗ render Geſellen Lieb endet vor den Toren, wein dir nicht die AÄuglein trüb; haſt nicht viel verloren. Luſtig Blut ꝛc. 5. Kommt ein Stern mit einem Schwanz, will die Welt zertrümmern, leiert euren Roſenkranz, mich ſoll's wenig küm⸗ mern. Wird dem Weltenbrand zum Raub Berg und Wald und Heide, wird das Wirtshaus auch zu Staub, ſchwarzes Brett und Kreide. Luſtig Blut ec. m 13 6. 1. Weg mit den Grillen und Sorgen, Brüder, es lacht ja der Morgen uns in der Jugend ſo ſchön! Laßt uns die Becher bekränzen, laßt bei Geſängen und Tänzen uns durch die Pilgerwelt gehn, bis uns Zypreſſen umwehn! 2. Flüchtig verrinnen die Jahre; ſchnell von der Wiege zur Bahre trägt uns der Fittich der Zeit. Noch ſind die Tage der Roſen; ſchmeichelnde Lüftchen umkoſen Buſen und Wangen uns heut: Brüder, genießet die Zeit! 3. Fröhlich zu wallen durchs Leben, trinken vom Safte der Reben, heißt uns der Wille des Herrn. Auf denn, ihr fröhlichen Zecher, ſingt ſeine Güte beim Becher! Fröhliche ſieht er ſo gern. Preiſet den gütigen Herrn! 4. Sehet, in Oſten und Weſten keltert man Trauben zu Feſten: Gott gab zur Freude den Wein! Gott ſchuf die Mäd⸗ chen zur Liebe, pflanzte die ſeligſten Triebe tief in den Buſen uns ein. Liebet, und trinket den Wein! 5. Dräut euch ein Wölkchen von Sorgen, ſcheucht es durch Hoffnung bis morgen! Hoffnung macht alles uns leicht. Hoff⸗ nung, du ſollſt uns im Leben liebend und tröſtend umſchweben, und wenn Freund Hein uns beſchleicht, mache den Abſchied uns leicht! S. A. Mahlmann. 7. 1.:,: Nun laß dein braunes Röckelein im Winde luſtig fliegen!:,: Die Abenddämmrung bricht herein, da ſtellt der Junker Durſt ſich ein,:,: im Reigen dich zu wiegen.:,: 2.:,: Sei mir gegrüßt, mein Zeitvertreib, jetzt geht es an ein Tanzen!:,: Es hat das wonnige luſtge Weib ein Dutzend Reiflein um den Leib,:,: ja Reiflein um den Ranzen:,: 3.:,:O ſeht ſie an, da ſchwebt ſie her, empor aus tiefem Keller!:,: Heil, Bayriſch Bier, du mein Begehr, ſei mir ge⸗ grüßt, dich lieb ich mehr:,: als Wein, als Muskateller.:,: 4.:,: Das Fäßlein, das mir Freuden weckt, will ich von Herzen minnen.:,: Hei, wie ſich's ſträubet ſchaumbedeckt, doch ſü umſonſt, hurra, da ſteckt:,: der Krahn im Fäßlein rinnen..,. — 14— 5.:.: Fahr hin, fahr hin, mein Kränzelein, ich will es gerne ſpenden,:,: dem Junker Durſt, dem Liebſten mein, zu eigen gern und Willen ſein:,: den Schülern und Studenten.:,: 6.:,: So grüß dich Gott, du wonnig Weib, und laß dein Röcklein fliegen!:,: Wir aber laben uns den Leib und küſſen dich, du wonnig Weib,:,: in durſtig vollen Zügen.:,: Herm. Freiſe. 8. 1. Mit meiner Mappe unterm Arm wollt ins Kolleg ich ziehn, doch ach, die Frühlingsſonne hell ſo gar verlockend ſchien, es ſprach der Wald, ein jeder Zweig: Hinauf auf unſre Berge ſteig!:,: da war's um mich geſchehn.:,: 2. Und wieder lenkt ich meinen Schritt zur Univerſität, da auf der Straße grad mein Aug ein Mägdelein erſpät; das ſchaute mich hold lächelnd an, nur kurze Zeit ich mich beſann,:,: da war's um mich geſchehn.:,: 3. Und wieder ſpürt ich Studienluſt trotz heißem Sonnen⸗ brand, die Kehle davon trocken ward, am Weg ein Wirtshaus ſtand, drin hört ich luſtgen Burſchenſang, drin tönte lauter Gläſerklang,:,: da war's um mich geſchehn.:,: 4. O Rhein mit deiner Frühlingsſonn, mit deinen Mägde⸗ lein, o Rhein mit deinen Kneipen all, mit deinem goldnen Wein, du Rhein läßt keinen Burſchen frei, zwingſt ſie wie deine Lorelei,:,: um alle iſt's geſchehn. .„. L. Behr. 9. 1. Bin durch die Alpen gezogen, wo die Lawine rollt, ſah, wie in Meereswogen tauchte der Sonne Gold. Aber freudig ich tauſchte Alpen und Meeresſtrand:,: für das tannendurch⸗ rauſchte nordiſche Heimatland. 2. Schlöſſer ſah ich und Türme ſchimmern und marmor⸗ weiß; dunkeler Pinien Schirme wiegten im Wind ſich leis, aber ſchöner und beſſer— lacht mich immerhin aus—:,; als die Marmorſchlöſſer dünkt mich mein Vaterhaus.:—: 3. Mägdlein durfte ich koſen, ſchlank und liliengleich, Frauen wie volle Roſen, üppig und anmutreich; Lilien aber und Roſen werden von der beſiegt, die mich als Knaben mit Koſen in den Schlaf gewiegt. Rud. Baumbach. —— — 10. 1. Was die Welt morgen bringt, ob ſie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud? Komme, was kommen mag, Sonnenſchein, Wetterſchlag, morgen iſt auch ein Tag, heute iſt heut! 2. Wenn's dem Geſchick gefällt, ſind wir in alle Welt morgen zerſtreut! Drum laßt uns luſtig ſein! Wirt roll das Faß herein! Mädel, ſchenk ein! ſchenk ein! Heute iſt heut! 3. Ob ihren Roſenmund morgen ſchon Hildegund anderen beut— danach ich nimmer frag', das ſchafft mir keine Plag, wenn ſie mich heut nur mag— heute iſt heut! 4. Brüder, ſtoßt an und ſingt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiß, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt! Wenn ſie nur heut noch hält! Heute iſt heut! Rud. Baumbach. 1882. 11. 1. Beim Roſenwirt am Grabentor des Abends um halb ſechs den Hammer ſchwingt der Wirt empor und ſchlägt den Zapfen ex! Das ſchlurrt und glurrt aus feuchter Nacht vom Spundloch in die Kann, ei ſeht, wie's Antlitz jedem lacht, jedwedem Zechersmann: Bierlein, rinn! Was nutzen mir die Kreuzerlein, wenn ich geſtorben bin! 2. Beim Roſenwirt im Stübel drin, da ſitzt ein junges Blut, die ſchmucke, ſchlanke Kellnerin war ihm noch geſtern gut. Doch heute iſt ſie durchgebrannt, fahr wohl, du falſche Hex! Der Burſch kehrt ſein Geſicht zur Wand und ſummt um halber ſechs:„Bierlein, rinn ꝛc. 3. Beim Roſenwirt am Eichentiſch, da thront ein braver Greis, die Wangen rot, die Augen friſch, die Haare ſilberweiß! Schlug ihm gleich manchen großen Plan das Schickſal ſchnöd entzwei— um halber ſechs ſchlägt auch wer an, der Alte brummt dabei:„Bierlein, rinn ꝛc. 4. Beim Roſenwirt am Grabentor, da blüht ein fein Ge⸗ wächs, das heben wir im Glas empor ſchon abends um halb ſechs. Wir heben es gar emſig hoch, wir leeren's auf den Grund— um Mitternacht da klingt es noch, ſchallt's noch von Mund zu Mund:„Bierlein, rinn ꝛc. Jul. Rolff — 16— 12. 1. Wir lugen hinaus in die ſonnige Welt allzeit mit lachen⸗ den Augen; des fahrenden Volkes durſtigem Schlag mag Frohes und Freies nur taugen. Wir wandern und ſingen, und naht das Glück, ſo packen wir's hurtig beim Kragen, und trinken den Wein und küſſen die Maid und laſſen den Eulen das Klagen. 2. Die Schriften der Alten ſtudierten wir gut: Sie haben ins Schwarze getroffen, Anakreon und Horatius, die größten der Philoſophen. Drum, Alter, laß ab von ſcheltendem Tun, und denke der Söhne, der lieben, und denke der Zeit, wo du vor⸗ einſt vielleicht es noch ärger getrieben! 3. Ein Weilchen nur währt's, ſind Saus und Braus vom Strudel des Lebens verſchlungen: die tobenden Wogen der Ju⸗ gendluſt, die himmelan jauchzend geſprungen. Philiſter heißt man und alles iſt aus; und die am tollſten gewettert, ſind ſtill und ſtumm, die Lieder vertönt, die Becher der Freude zer⸗ ſchmettert. 4. Drum heiſa, hallo und drein gehaut! Zum Teufel mit Kummer und Sorgen! Laßt kreiſen das Horn, bis Hahnenſchrei verkündet den kommenden Morgen. Zum Trübſalblaſen kom⸗ men wir noch, wallt Blondhaar ſilbern dem Greiſe: Es lebe die ſelige Jugendzeit, Holdlieb und die launige Weiſe! G. H. Bienert. 13. 1. Es war ein Knab gezogen wohl in die Welt hinaus, war ihm ſein Lieb auch gewogen, das Glück, das Glück blieb aus. Und er wanderte weit zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn. 2. Wärſt nicht ſo hoch geboren und ich ein armer Knab', die Lieb, die Lieb iſt verloren, die Welt iſt öd' wie ein Grab. Und ſo wandre ich weit zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn. 3. Das Mägdlein barg ſein Klagen daheim im Kämmer⸗ lein, ſie durft's ja niemand ſagen und hofft jahraus, jahrein. Schaut über die Heide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn. — 17— 4. Ein Reiter kam gezogen, hell flattert ſein Haar im Wind, ſag, biſt du mir noch gewogen, herzallerliebſtes Kind? Und da lachten ſie beide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn. 5. Er hielt ſie in den Armen, ſein Herz vor Freude ſchlug, und hat die Welt kein Erbarmen, die Lieb iſt ſtark genug. Und da küßten ſich beide zur Sommerszeit, wenn am Walde die Heckenroſen blühn. 14. 1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holde Maid zu tief ins Aug ge⸗ blickt. Doch als er ihr die Lieb geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und Geld; wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Alſo ſaß und vergaß er in der Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 3. Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen ſchlecht; ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt er ſich im Wirtshaus vor der Burg; was in der Woche er verdient, bracht er am Sonntag durch. Und dann ſaß und vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz ꝛc. 4. Und die euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort; zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr; da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär. Und man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Rhein allen Schmerz ec. Bloch. Benda. 15. 1. Kommt, Brüder, trinket froh mit mir, ſeht wie die Becher ſchäumen! Bei vollen Gläſern wollen wir ein Stündchen ſchön verträumen! Das Auge flammt, die Wange glüht, in — 18— kühnern Tönen rauſcht das Lied, ſchon wirkt der Götterwein! Schenkt ein! Schenkt ein! Schon wirkt der Götterwein! Schenkt ein! 2. Doch was auch tief im Herzen wacht, das will ich jetzt begrüßen. Dem Liebchen ſei dies Glas gebracht, der Einzigen, der ſüßen. Das höchſte Glück für Menſchenbruſt, das iſt der Liebe Götterluſt, ſie trägt euch himmelan! Stoßt an! Stoßt an! Sie trägt euch himmelan! Stoßt an! 3. Ein Herz, in Kampf und Streit bewährt bei ſtrengem Schickſalswalten, ein freies Herz iſt Goldes wert, das müßt ihr feſt erhalten. Vergänglich iſt des Lebens Glück, drum pflückt in jedem Augenblick euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! Trinkt aus! Euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! 4. Jetzt ſind die Gläſer alle leer; füllt ſie noch einmal wieder! Es wogt im Herzen hoch und hehr— ja, wir ſind alle Brüder, von einer Flamme angefacht— dem deutſchen Volke ſei's gebracht, auf daß es glücklich ſei und frei! und frei! Auf daß es glücklich ſei und frei! Theod. Körner. Um 1810. ———————————+— Colour& Grey Cortrol Chart esc Blue Cyan Green vellow Hed Magenta hite Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black J 1 gx⅞r 8: der:: Wy Giessener Burſchenſchaf ALEMANNIA 26. Juli 1912