—— 75— 2 e ee 3- — 1 3 6 b LUIEDER zUR EINWEIHUNGSFEIER DES BURSCHENHAUSES UND VIER. Z10]AHR. STIFTUNGSFESTE DER BURSCHENSCHAFT ALEMANNIA 20 GIESSEN. Die nicht vorgesehenen Reden bittet man vorher beim Präsidium anzumelden. Einweihungsfeier auf dem Burschenhause. 1. Bundeslied. Mel.: Herbei, herbei, du trauter Sängerkreis etc 1. Alemannia's hehrem Rufe folgten wir, und freudig steht die kräft'ge Männerreihe geschaaret um ihr heiliges Panier, aus heit'rer Brust entquillt das Lied der Weihe; wir singen nicht von Reichtum, eitler Pracht, dem Vaterlande tönen uns're Lieder,:: der Väter Tugend huld'gen stets wir, traute Brüder, sie gründet unsers Bundes Ruhm und Macht. 2. Die deutsche Treu' erkoren wir als Hort, der Ahnen Sitte woll'n wir immer leben, als Freunde wahr und treu dem Manneswort, so woll'n das Glück hienieden wir er- streben! Und wenn des Schicksals Stürme tosend weh'n, wir werden in der Brandung nicht zerschellen, zum schwersten Ringen wird uns stets die Treue stählen, und siegreich wir trotz Trug und List bestehn! 3. Die Ehre wahren wir als höchstes Gut, ist mühsam gleich ihr enger Pfad zu wandeln, das Recht gedeiht nur in ihrer Hut, drum leite sie allein der Brüder Handeln! Wir bitten sie um Perlen nicht, um Geld, und drücket uns auch bitt'res Elend nieder, dem Recht, der Ehr' und Treue schallen unsre Lieder: des Lasters Hohn sei unsers Strebens Sold. 4. Gegrüsst seid teure Farben blau-rot-gold! erkor'nes Banner echter deutscher Sitte, o möchtet ihr auf ewig freudig blüh'n, zum Sternenzelt entsenden wir die Bitte. Lasst kreisen nun den schäumenden Pokal in trauter Runde, meine teuren Brüder, uns ruft der Lust und Freude holde Cöttin wieder: sie herrsche bei dem hehren Bundesmahl. wiinl — 2. Rückblick. 1. O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du ver-— schwunden? Nie kehrst du wieder, goldne Zeit, so froh, so ungebunden! Vergebens spähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum! o quae mutatio rerum! 2. Den Burschenhut bedeckt der Staub, es sank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Rostes Raub, verblichen ist sein Schimmer, verklungen der Kommersgesang, verhallt Rapier- und Sporenklang. O jerum, jerum etc. 3. Wo sind sie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Moos bei Scherz und Wein den Herr'n der Erde glichen? Sie zogen mit gesenktem Blick in das Philisterland zurück. 4. Da schreibt mit finsterm Amtsgesicht der Eine Re- lationen, der And're seufzt beim Unterricht, und der macht Recensionen, der schilt die sünd'ge Seele aus, und der flickt ihr verfall'nes Haus. 5. Allein das rechte Burschenherz kann nimmermehr erkalten; im Ernste wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn stets walten; die alte Schale nur ist fern, geblieben ist uns doch der Kern, und den lasst fest uns halten! 6. Drum, Freunde! reichet euch die Hand, damit es sich erneue der alten Freundschaft heil'ges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläser hoch, die alten Burschen leben noch, noch lebt die alte Treue! Eug. Höfling. 1825 3. Stosst an! 1. Stosst an! Giessen soll leben! Hurrah hoch! Die Philister sind uns gewogen meist, sie ahnen im Burschen, was Freiheit heisst.: Frei, frei, frei ist der Bursch!:; 2. Stosst an! Alemannia lebe! Hurrah hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der ist's, der unsere Fahne hält. Frei etc. 3. Stosst an! Vaterland lebe! Hurrah hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei. Frei etc. 4. Stosst an! Kaiser soll leben! Hurrah hoch! Er versprach zu schützen das alte Recht, d'rum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei etc. 5. Stosst an! Frauenlieb lebe! Hurrah hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Frei- heit und Freund nicht wert. Frei etc. 6. Stosst an! Männerkraft lebe! Hurrah hoch! Wer nicht singen, nicht trinken und lieben kann, den sieht der Bursch voll Mitleid an. Frei etc. 7. Stosst an! Freies Wort lebe! Hurrah hoch! Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht, der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht. Frei etc. 8. Stosst an! Kühne That lebe! Hurrah hoch! Wer die Folgen ängstlich zuvor erwägt, der beugt sich wo die Gewalt sich regt. Frei etc. 9. Stosst an! Burschenwohl lebe! Hurrah hoch! Bis die Welt vergehet am jüngsten Tag, seid treu, ihr Burschen und singet uns nach::„Frei, frei, frei ist der Bursch!“«:: A. Binzer. 1817. 4. Freiheit, Ehre, Vaterland! Mel.: Herbei, herbei, du trauter Sängerkreis etc 1. Empor, empor mit frischem, hellem Klang; auf, Brüder, auf! erhebt in trauter Stunde aus voller Brust den frohen Jubelsang, den Wiederhall der weihevollen Stunde; von der Begeisterung Flammenhauch durchglüht, lasst jugendfrisch die Herzen höher schlagen; es steige kühn, vom Sturmwind brausend hochgetragen, zum Sternenzelte unser Bundeslied! 0 2. Dir, Göttin Freiheit, gilt der erste Gruss, von freien Männern nimm ihn froh entgegen, hinrauscht vom Meer bis zu der Alpen Fuss dein Adlerfittich stolz in kühnen Schlägen. Der Geist sei frei und frei der Arm zum Streit, der deutsche Mann trägt nie der Knechtschaft Ketten; und zwingt ihr ihn, sein höchstes Heiligtum zu retten, giebt er sein Herzblut gern zu jeder Zeit. 3. Blank wie der Stahl, von keinem Hauch getrübt, der freien Männer spiegelblanke Wehre; die ihr der Väter alte Tugend übt, so haltet rein die alte deutsche Ehre; des eignen Wertes nur seid euch bewusst, nicht eitles Prahlen ziemt den deutschen Zungen; die Ehre nur durch Kraft und Männlich- keit errungen, die stets zu wahren sei euch hohe Lust. 4. Zum dritten dir sei unser Gruss gebracht, o Vater- land, o heilge Muttererde; o dass dein Ruhm durch Einigkeit und Macht der ganzen Welt ein leuchtend Vorbild werde! So reicht zum Schwur die Bruderhände euch und schwört es hier in heiligem Verbande: Auf ewig treu dem teuren deutschen Vaterlande, wir stehen fest zu Kaiser und zu Reich! 5. Vergesset nicht, was dieses Reich erschuf, der Väter Ringen und der Völker Wunden, auf dass auch ihr bei seinem Heroldsruf als wackre Streiter werdet all befunden. Dann, Brüder, auf, das blanke Schwert zur Hand, das Banner weht, es flammt auf allen Hügeln; mit eurem Blute sollt ihr euren Schwur besiegeln im Kampf für Freiheit, Ehre, Vaterland! G. H. Schneideck. 1883 Kommers in Steins Garten. 5. Bundeslied. G. Fr. Hanitsch. 1815 1. Sind wir vereint zur guten Stunde, ein starker deutscher Männerchor, so dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor; denn wir sind hier in ernsten Dingen mit hehrem, heiligem Gefühl;:: d'rum soll die volle Brust erklingen ein volles, helles Saitenspiel.:; 2. Wem soll der erste Dank erschallen? Dem Gott, der gross und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammenglanz erschienen war; der uns'rer Feinde Trotz zerblitzet, der uns're Kraft uns schön erneut, und auf den Sternen waltend sitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 3. Wem soll der zweite Wunsch ertönen? Des Vater- landes Herrlichkeit! Verderben allen die es höhnen! Glück dem, der mit ihm fällt und steht! Es geh', durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, stolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeschwächt. 4. Das Dritte, deutscher Männer Weide, am hellsten soll's geklungen sein! Die Freiheit heisset deutsche Freude, die Freiheit führt den deutschen Reih'n; für sie zu leben und zu sterben, das flammt durch jede deutsche Brust; für sie um hohen Tod zu werben, ist deutsche Ehre, deutsche Lust. 5. Das Vierte— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— Es lebe alte deutsche Treue, es lebe deutscher Glaube hoch! Mit diesen wollen wir be- stehen, sie sind des Bundes Schild und Hort; fürwahr, es muss die Welt vergehen, vergeht das feste Männerwort! 6. Rückt dichter in der heil'gen Runde, und klingt den letzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrause freudig der Gesang! Das Wort das unsern Bund geschürzet, das Heil, das uns kein Teufel raubt, und kein Tyrannentrug uns kürzet, das sei gehalten und geglaubt! E. M. Arndt. 1814 6. Das lied der Deutschen. Mel.: Gott erhalte Franz, den Kaiser etc 1. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt,—:: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!:;: 2. Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang sollen in der Welt behalten ihren alten schönen Klang, und zu edler That begeistern unser ganzes Leben lang—; deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang!:; 3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand— blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!:, Hoffmann von Fallersleben 7. Freiheitssang. Mel.: Heil dir im Siegerkranz etc 1. Schalle, du Freiheitssang! walle wie Wogendrang aus Felsenbrust! Feig bebt der Knechte Schwarm, uns schlägt das Herz so warm, uns zuckt der Jünglingsarm voll Thatenlust. 2. Gott Vater! dir zum Ruhm flammt deutsches Ritter- tum in uns aufs neu; neu wird das alte Band, wachsend wie Feuersbrand: Oott, Freiheit, Vaterland, altdeutsche Treu! 3. Einfach und gläubig sei, kräftig und keusch und frei Hermanns Geschlecht! Zwingherrnmacht, Knechtewitz malmt Gottes Racheblitz— euch sei der Königssitz Freiheit und Recht! 4. Freiheit! in uns erwacht ist deine Geistermacht, dein Reich genaht. Glühend nach Wissenschaft, blühend in Ritter- kraft, sei deutsche Burschenschaft ein Bruderstaat. 5. Sause, du Freiheitssang! brause, wie Donnerklang aus Wolkenbrust! Ein Herz, ein Leben ganz stehn wir, ein Sternenkranz, um einer Sonne Glanz, voll Himmelslust. K. Follen. 1817 8. Ehre, Freiheit, Vaterland. Hans Treidler 1. Schwört's bei dieser blanken Wehre, schwört's ihr Brüder allzumal: Fleckenrein sei uns're Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl! Was wir schwören sei gehalten treulich bis zur letzten Ruh!:; Hört'’ ihr Jungen, hört's ihr Alten, Gott im Himmel hör's auch Du!:; „Freiheit, duft'ge Himmelsblume, Morgenstern nach denr Nacht! Treu vor deinem Heiligtume steh'n wir alle auf der Wachi. Was erstritten uns're Ahnen, halten wir in starker Hut. schreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unser Blut.: 3. Deutsches Land, du Land der Ehre, stolze Braut mit freier Stirn! Deinen Fuss benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn. Lass um deine Huld uns werben, schirmen dich mit uns'rer Hand.:; Dein im Leben, dein im Sterben, ruhmgekröntes Vaterland.:: 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, stosset an! Unser Streben, unser Ringen, aller Welt sei's kund gethan. Lasst das Burschenbanner wallen, haltet's hoch mit starker Hand.* Brausend lasst den Ruf er- schallen: Freiheit, Ehre, Vaterland!:;: Rud. Baumbach 9. Den Frauen. Mel.: Stimmt an mit hellem hohen Klang etc 1. Euch, deutschen Frauen, keusch und rein, euch soll mein Lied erklingen!:: Und schaut ihr heitern Blickes drein, ist reich belohnt mein Singen.:; 2. Der Lande hab ich viel gesehn, hat manche mir ge- fallen; doch was mir Liebes auch geschehn, euch lob ich mir vor allen. 3. Was mag so hold und züchtig sein und was so schön zu schauen, als zwischen Donau, Elb und Rhein die blonden deutschen Frauen? 4. Wer Treu und Tugend nirgends fand auf weitem Erdenrunde, der komm zu uns ins deutsche Land, dass ihm das Herz gesunde. Edwin Bormann 10. Landesvater. 1. Alles schweige! Jeder neige ernsten Tönen nun sein Ohr! Fört, ich sing das Lied der Lieder! ört es, meine deutschen Brüder,:: hall' es:: wieder, froher Chor! 2. Deutschlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlands- gesang! Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu deines Heiligtums:: Hütern:: uns und unser Schwert! 3. Hab' und Leben dir zu geben, sind wir allesamt bereit,— sterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde,:: wenn das:; Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, selbst nicht zielet stets nach deutscher Männer Wert,— soll nicht unsern Bund ent- ehren, nicht bei diesem Schläger schwören, nicht:: ent- weih'n; das deutsche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall' es wieder: gross und deutsch sei unser Mut!— Seht hier den geweihten Degen, thut, wie brave Burschen pflegen, und durchbohrt den freien Hut! 6. Seht ihr blinken in der Linken, diesen Schläger, nie entweiht!— Ich durchbohr' den Hut und schwöre, halten will ich stets auf Ehre,: stets ein:; braver Bursche sein. 7. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterländ'schen Trankes voll!— Nimm den Schläger in die Linke, bohr' ihn durch den Hut und trinke:; auf des:: Vaterlandes Wohl! 8. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn festlich mir entgegen von durchbohrten Hüten schwer. Lasst uns festlich ihn entlasten; jeder Scheitel sei bedeckt, und dann lasst ihn unbefleckt bis zur nächsten Feier rasten! 9. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und d'rauf den Schläger strecken: es leb' auch dieser Bruder hoch! FEin Hundsfott wer ihn schimpfen soll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen; es leb' auch dieser Bruder hoch! 10. Ruhe von der Burschenfeier, blanker Weihedegen, nun! jeder trachte, waclrer Freier um das Vaterland zu sein! Jedem Heil, der sich bemühte, ganz der Väter wert zu sein Keiner taste je an's Schwert, der nicht edel ist und bieder! III. Fidulitäts- und Frühschoppenlieder. 11. Trinklied. A. Binzer 1. Kommt, Brüder, trinket froh mit mir, seht, wie die Becher schäumen! Bei vollen Gläsern wollen wir ein Stündchen hier verträumen! Das Auge flammt, die Wange glüht, in kühnern Tönen rauscht das Lied, schon winkt der Götterwein; Schenkt ein! Schenkt ein! Schon winkt der Götterwein! Schenkt ein! 2. Doch was euch tief im Herzen wacht, das will ich jetet begrüssen, dem Liebchen sei dies Glas gebracht, der Einzigen, der Süssen. Das höchste Glück für Menschenbrust, das ist der Liebe GCötterlust, sie trägt euch himmelan! Stosst an! 3. Ein Herz, im Kampf und Streit bewährt bei strengem Schicksalswalten, ein frohes Herz ist Goldes wert, das müsst ihr fest erhalten. Vergänglich ist des Lebens Glück, drum pflückt in jedem Augenblick euch einen frischen Strauss! Trinkt aus! 4. Jetzt sind die Gläser alle leer; füllt sie noch einmal wieder! Es wogt im Herzen hoch und hehr— wir sind ja alle Brüder, von einer Flamme angefacht— dem deutschen Volke sei's gebracht, auf dass es glücklich sei und frei! Th. Körner. V 12. Heute ist heute. V. E. Becker 1. Was die Welt morgen bringt, ob sie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud?ꝰ Komme, was kommen mag, Sonnenschein, Wetterschlag, morgen ist auch ein Tag, heute ist heut!:;: 2. Wenn's dem Geschick gefällt, sind wir in alle Welt morgen zerstreut! Drum lasst uns lustig sein! Wirt, roll das Fass herein! Mädel, schenk ein! Heute ist heut! 3. Ob ihren Rosenmund morgen schön fildegund an- deren beut— darnach ich nimmer frag, das schafft mir keine Plag, wenn sie mich heut nur mag— heute ist heut! 4. Kling, klang, stosst an und singt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiss, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt! Wenn sie nur heut noch hält! Feute ist heut! Rud. Baumbach. 1882 13. Gold und Silber hätt' ich gern. 1. Gold und Silber lieb ich sehr, kann's auch gut ge— brauchen; hätt' ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen;'s braucht nicht gleich geprägt zu sein, hab's auch so ganz gerne, sei's des Mondes Silberschein, sei's das Gold der Sterne. 2. Doch viel schöner ist das Gold, das vom Locken-— köpfchen meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen. Darum, du mein süsses Kind, lass dich herzen, küssen, bis die Locken silbern sind und wir scheiden müssen! 3. Seht, wie blinkt der goldne Wein hier in meinem Becher! Horcht, wie klingt so silberrein froher Sang der Zecher! Dass die Zeit einst golden war, will ich nicht be- streiten; denk ich doch im Silberhaar gern vergangner Zeiten. —— 11 ———— 14. Die Pfändung. Preiskomposition von E. Guth. 1861 1. Und wieder sass beim Weine im Waldhorn ob der Bruck der Herr vom Rodensteine mit schwerem Schluck und Gluck. Der Wirt sprach tief in Trauer: Dass Gott sich mein erbarm! Der sitzt wie eine Mauer:: und trinkt mich nächstens arm.:; 2. Wie soll das all noch enden? Kein' Pfennig giebt er her! Ich glaub, ich lass ihn pfänden, sonst weicht er mir nicht mehr. Der Fronvogt samt dem Büttel kam hand- fest an im Horn: Heraus den Sammettittel, die Stiefel und die Sporn! 3. Heraus des Mantels Zierde, Handschuh und Zobel- hut! Verfallen diesem Wirte ist all Eur Hab und Gut! Da lacht der Rodensteiner:„Nur zu, wie wird mir wohl! ˙s trinkt leichter sich und feiner im Unterkamisol. 4. Und bis ihr mir die Kehlen könnt pfänden aus dem Hals, werd ich noch manchen quälen, der Wein schenkt in Kurpfalz.“ 15. Lied eines fahrenden Schülers. V. E. Becker 1. Kein Tröpflein mehr im Becher, kein Geld im Säckel mehr, da wird mir armen Zecher das Ferze gar so schwer. Das Wandern macht mir Pein, weiss nicht, wo aus noch ein; ins Kloster möcht ich gehen,„, da liegt ein kühler Wein!:; 2. Ich zieh auf dürrem Wege, mein Rock ist arg be- staubt, weiss nicht, wohin ich lege in dieser Nacht mein Haupt. Mein Herberg ist die Welt, mein Dach das Himmels- zelt; das Bett, darauf ich schlafe, das ist das breite Feld. 3. Ich geh auf flinken Sohlen, doch schneller reit't das Glück; ich mag es nicht einholen, es lässt mich arg zurück. Komm ich an einen Ort, so war es eben dort, da kommt der Wind geflogen, der pfeift mich aus sofort. 4. Ich wollt, ich läg zur Stunde am Feidelberger Fass, den offnen Mund am Spunde und träumt, ich weiss nicht was. Und wollt ein Dirnlein fein mir gar die Schenkin sein: mir wär's, als schwämmen Rosen wohl auf dem klaren Wein. 5. Ach, wer den Weg doch wüsste in das Schlaraffen- land! Mich dünkte wohl, ich müsste dort finden Ehr und Stand. Mein Mut ist gar so schlecht, dass ich ihn tauschen möcht; und so's Dukaten schneite, das wär mir eben recht! Geibel 16. Kurfürst Friedrich. Karl Hering. 1887 1. Wütend wälzt sich einst im Bette Kurfürst Friedrich von der Pfalz; gegen alle Etikette brüllte er aus vollem Hals:: Wie kam ich gestern ins Nest? Bin, scheint's, wieder voll gewest!„, 2. Na, ein wenig schief geladen, grinste drauf der Kammermohr, selbst von Mainz des Bischofs Gnaden kamen mir benebelt vor,'s war halt doch ein schönes Fest: Alles wieder voll gewest! 3. So? du findest das zum Lachen? Sklavenseele, lache nur! Künftig werd ich's anders machen, Hassan, höre meinen Schwur:'s letzte Mal, bei Tod und Pest, war es, dass ich voll gewest! 4. Will ein christlich Leben führen, ganz mich der Be- schauung weihn; um mein Thun zu kontrollieren, trag ich's in ein Tagbuch ein, und ich hoff, dass ihr nicht lest, dass ich wieder voll gewest! 5. Als der Kurfürst kam zu sterben, machte er sein Testament, und es fanden seine Erben auch ein Buch in Pergament. Drinnen stand auf jeder Seit: Seid vernünftig, liebe Leut, dieses geb ich zu Attest: Heute wieder voll gewest. 6. Hieraus mag nun jeder sehen, was ein guter Vorsat- nützt, und wozu auch widerstehen, wenn der volle Becher blitzt? Drum stosst an! Probatum est: Heute wieder voll gewest 1 A. Schuster. 1887 17. Der Graf von Rüdesheim. K. A. Michaelis 1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug geblickt. Doch als er ihr die Lieb gestand, lacht sie ihm ins Gesicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er sass und vergass in seiner Burg am Rhein seinen Schmerz, denn das Herz tröstet Rüdes- heimer Wein. 2. Wohl sieben Jahre sass er so geschieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all sein Gut und Geld; wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Also sass und vergass er in der Burg am Rhein seinen Schmerz etc. 3. Doch-als das letzte Gut verthan, ging es dem GCrafen schlecht; ein andrer Herr bezog das Schloss, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt er sich im Wirts- haus vor der Burg; was in der Woche er verdient, bracht er am Sonntag durch. Und dann sass und vergass er im Kellerloch am Rhein seinen Schmerz etc. 4. Und die euch dieses Lied erdacht, die waren selber dort; zu Fuss kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geschick und härmte sich gar sehr; da hörte man vom edlen Graf die wundersame Mär. Und man sass und vergass vor seiner Burg am Rhein allen Schmerz etc. Bloch. Benda 18. Rodensteins Auszug. Preiskomposition von Karl Hering. 1861. 1. Es regt sich was im Odenwald, rum plum plum, und durch die Wipfel hallt's und schallt, rum plum plum, rum plum plum bidibum, rum plum plum, der Rodenstein, der Rodenstein, der Rodenstein zieht um! Rum plum plum bidibum! rum plum plum! Der Rodenstein, der Rodenstein zieht um, zieht um! 14 V V 2. Vom Rhein her streicht ein starker Luft, rum plum plum, der treibt den Alten aus der Gruft etc. 3. Ein rostig Stahlwams ist sein Kleid, ein rostig Schlacht- schwert hängt zur Seit. 4. Der Schmied von Kainsbach steht am Herd; mein Schmied, putz blank das lange Schwert. 5. Jedweder thu, was seine Pflicht, der Wind vom Rhein der g'fällt mir nicht. 6. O römisch Reich! du bist nicht mehr, doch reit ich noch zu deiner Ehr. 7. Ich reit und reit und such einen Mann, der meinen Flammberg führen kann. 19. Burschenlied. 1. Es sassen beim schäumenden, funkelnden Wein drei muntere Bursche und sangen; es schallte und brauste das Jubellied, und lustig die Becher erklangen. 2. Der Erste, ein Jüngling mit dunkelem Haar, hob hoch in der Rechten den Becher:„Dem Vater Rhein, der den Wein uns erzog,:, ein donnerndes Vivat, ihr Zecller!“. 3.„Es lebe der Rhein! es lebe der Rhein!“ so schallt es heraus in das Weite; da griff in der Laute Saiten und sprach mit blitzendem Auge der Zweite: 4.„Hoch lebe die liebe Frau Musika! die haltet in Ehren, ihr Brüder! es lebe Musik! es lebe Gesang!“ Laut klingen die Gläser wieder. 5. Und wie der festliche Ruf ertönt noch zu des Ge- sanges Preise, da schwingt schon der Dritte den Becher empor und spricht zu der Freunde Kreise: 6.„Was soll uns der Wein, was soll der Gesang, wenn die Liebe nicht innig im Bunde? Ihr Brüder, der Liebe ein donnerndes Hoch, ein Hoch aus des Fferzens Grunde!“ 15 7.„Es lebe die Liebe, die Freundschaft hoch!“ so schallt es von Munde zu Munde; sie reichen die Hand sich und herzlichen Kuss und leeren das Glas bis zum Grunde. Robert Keil 20. Die Ritter von der Gemütlichkeit. Mel.: Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd etc 1. Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat um mitter- nächtige Stunde, dann findet unter den Edleren statt eine würdige Tafelrunde,„ es sind erhaben ob Raum und Zeit die Ritter von der Gemütlichkeit.:; 2. Und wie der Zapfen vom Fasse springt, so springt der Deckel vom Herzen, und was sich drinnen bewegt, das klingt in lustigen Liedern und Scherzen. Es sind dem freien Wort geweiht die Ritter von der Gemütlichkeit. 3. Wenn einem trocken die Kehle ward und er durstig lechzt nach dem Nassen, so ist es dieser Ritter Art, dass sie ihn nicht sterben lassen. Es sind dem Wohle der Menschen geweiht die Ritter von der Gemütlichkeit. 4. Und wenn sich etliche Thoren gar in traurigem Irr- tum bekannten zu jener beklagenswerten Schar der Sekte der Flagellanten, denen setzen zurecht den Kopf beizeit die Ritter von der Gemütlichkeit. 5. Drum lebe hoch das freie Wort, das frisch von den Lippen rinne! Drum lebe, wem nicht die Kehle verdorrt, und wer nicht verachtet die Minne; drum leben, erhaben ob Raum und Zeit, die Ritter von der Gemütlichkeit. A. Krummacher 16 Brühl’'sche Universitäts-Buch- und Stein druckerei(Pietsch Erben) in Giessen Colour& Grey Control Chart Slue Cyan Green Vellow Hed Magenta — ————ᷣ——ÿ———- Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black mite Grey ¹