Kommerslieder zum 75. Stiftungsfeſt der ehem. Gießener Burſchenſchaft »ALEMXNNIAS 26. und 27. Juni 1937 4362 1937 Vaterlandsſänger. 1. Auf, ihr Brüder, laßt uns wallen in den großen, heilgen Dom,, laßt aus tauſend Kehlen ſchallen des Ge— ſangs lebendgen Strom!:, Wenn die Töne ſich verſchlingen, knüpfen wir das Bruderband,:,: auf zum Himmel Wünſche dringen für das deutſche Baterland.„: 2. In der mächtgen Eichen Rauſchen miſche ſich der deutſche Sang,:, daß der alten Geiſter Lauſchen ſich erfreu am freien Klang.:, Deutſches Lied, tön ihnen Kunde fort und fort vom deutſchen Geiſt,:,: der in tauſendſtimmgem Bunde ſeine alten Helden preiſt.:,: 3. UÜberall in deutſchen Landen blühet kräftig der Geſang, „der, aus tiefſter Bruſt entſtanden, kündet laut des Herzens Drang.:,: Deutſches Lied aus deutſchem Herzen, töne fort von Mund zu Mund,;, hemm die Klagen, heil die Schmerzen, knüpfe freier Männer Bund. 4. Sei gegrüßt, du Feſt der Lieder, ſtröme Freud und und Segen aus,:,: daß die Scharen trauter Brüder kehren froh ins Baterhaus!:,: Nun, wohlan denn, Deutſchlands Söhne, laßt uns feiern Hand in Hand,:, und die frohe Kunde töne durch das weite Vaterland!:“ A. H. Weismann 1838. J. Offizieller Deil. 1 Feſtlied. Singweiſe: Sind wir vereint zur guten Stunde 1. Willkommen hier, vielliebe Brüder, ſeid uns mit Herz und Hand gegrüßt! Und wie der Klang geteilter Lieder in einen Klang zuſammenfließt, ſoll auch die Freund⸗ ſchaft uns umſchlingen mit ihrem ſugendlichen Kranz. Auf, laßt die Becher luſtig klingen: Dem Wohl des deutſchen Vaterlands! 2. Ja, Freunde, ihm gilt unſer Streben, wir weihn uns ihm in Not und Tod. Nie kann es ſchönre Kronen geben, als die es ſeinen Söhnen bot, um dieſe Kronen laßt uns ringen, bis ſie um unſre Stirnen glühn, und ruft bei lautem Becherklingen: Stets ſoll die deutſche Freiheit blühn! 3. Wenn uns auch Land und Ströme ſcheiden, wenn wir uns, Freunde, nicht mehr ſehn, ſo kennen wir doch heilge Freuden, die mit der Stunde nicht verwehn, denn lieblich, wie die Flöten klingen, ſo klingt der Freundſchaft ſüßes Wort, auf, rufet laut beim Gläſerklingen: Wie jetzt beſteh ſie fort und fort! 4. Und jenem weiten, heitren Bande, das auch ſo freund⸗ lich uns umſchlingt, das früh uns weiht dem Vaterlande, zu ernſtrem Kampf bedeutſam winkt, laßt ihm zu Ehren feſtlich ſpringen der deutſchen Traube goldnen Saft, und bei der Gläſer letztem Klingen trinkt's Wohl der deutſchen Burſchenſchaft. Karl Buchner 1818. 1 2. Burſchen, heraus! 1. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn der Lerche Silberſchlag grüßt des Maien erſten Tag, dann heraus, und fragt nicht viel, friſch mit Lied und Lauten⸗ ſpiel! Burſchen, heraus! 2. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Ruft um Hilf die Poeſei gegen Zopf und Philiſterei, dann heraus bei Tag und Nacht, bis ſie wieder freigemacht! Burſchen, heraus! 3. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn es gilt fürs Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand, und heraus mit mutgem Sang, wär es auch zum letzten Gang! Burſchen, heraus! Seit 1844 bekannt. 3. Der Sonne entgegen! Singweiſe: Strömt herbei, ihr Völkerſcharen. 1. Nicht der Pflicht nur zu genügen, was ſie fordert und verlangt, nicht der Stunde nur zu leben, was ſie nimmt, und was ſie dankt,— Freunde, einem ſtolzern Wollen gelte unſres Tages Lauf::,: Uber Sturm und über Wolken Sonn entgegen trag's uns auf!:,: 2. Sonn entgegen aus des Alltags ſorgendumpfem Nebelſpuk, mit der Siegkraft trotzger Jugend über Not und Druck. Und wenn Andre töricht finden, was ſie uns ſo „träumen“ ſehn,:, unſre Loſung ſei und bleibe: Nie im Alltag aufzugehn!„: 3. Gib dem Menſchen, was des Menſchen, doch laß Gott, was Gott gehört, nicht dem Kampf nur um dein Morgen, auch dir ſelbſt ſei etwas wert! Auch dir ſelbſt, Freund, und der Jugend, die ſo ſtolz die Stirn dir ſchirmt:, und auf Feuerflügeln jauchzend unſre Seelen aufwärts ſtürmt. ,: 2 ———— 4. Heute drum, ſo lang ein froher Jugendmut uns führt zum Sieg, heute drum heißt es entſcheiden, mit wem Frieden, mit wem Krieg! Freunde, Männer laßt uns werden, die da ſtolz im Kampfe ſtehn,;,: treu und furchtlos, feſt⸗ verſchworen: Nie im Alltag aufzugehn! Cäſar Flaiſchlen. — Anſprache. 4. Ehre, Freiheit, Vaterland. 1. Schwört bei dieſer blanken Wehre, ſchwört, ihr Brüder, allzumal: Fleckenrein ſei unſre Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl. Was wir ſchwuren, ſei gehalten treulich bis zur letzten Ruh.:,: Hört's, ihr Jungen, hört's, ihr Alten, Gott im Himmel, hör's auch du!:,: 2. Freiheit, duftge Himmelsblume, Morgenſtern nach banger Nacht! Treu vor deinem Heiligtume ſtehn wir alle auf der Wacht. Was erſtritten unſre Ahnen, halten wir in ſtarker Hut,:, Freiheit ſchreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unſer Blut!:,: 3. Vaterland, du Land der Ehre, ſtolze Braut mit freier Stirn! deinen Fuß benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn, laß um deine Huld uns werben, ſchirmen dich von unſrer Hand;:, dein im Leben, dein im Sterben, ruhmbekränztes Vaterland!:; 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, ſtoßet an! Unſer Streben, unſer Ringen, aller Welt ſeis kundgetan. Laßt das Burſchenbanner wallen, haltet's hoch mit ſtarker Hand,:,: brauſend laßt den Ruf erſchallen: Ehre, Freiheit, Vaterland!:,: Rudolf Baumbach. 5. Bundeslied. 1. Sind wir vereint zur guten Stunde, wir ſtarker deutſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor, denn wir ſind hier in ernſten Dingen mit hehrem, heiligem Gefühl,:,: drum ſoll die volle Bruſt erklingen ein volles, helles Saitenſpiel.:; 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammenglanz erſchienen war; der unſrer Feinde Trotz zerblitzet, der unſre Kraft uns ſchön erneut:,: und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit.:;: 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönen? Des Vater⸗ landes Majeſtät! Verderben allen, die es höhnen! Glück dem, der mit ihm fällt und ſteht! Es geh, durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht,:,: ſtolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren un⸗ geſchwächt.;;: 4. Das dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Freiheit führt den deutſchen Reihn, für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt,:,: für ſie um hohen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt.:; 5. Das vierte,— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— es lebe alte deutſche Treue, es lebe deutſcher Glauben hoch! Mit dieſen wollen wir's be— ſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort;:, fürwahr, es muß die Welt vergehen, vergeht das feſte Männerwort!: 6. Rückt dichter in der heilgen Runde und klingt den letzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrauſe freudig der Geſang! Das Wort, das unſern Bund geſchürzet, das Heil, das uns kein Teufel raubt:, und kein Tyrannentrug uns kürzet, das ſei gehalten und geglaubt!:,: E. M. Arndt. Anſprache. 6. Landesvater. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! Hört, ich ſing das Lied der Lieder! Hört es, meine deutſchen Brüder! Hall' es, hall es wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlands⸗ geſang!— Vaterland, du Land des Ruhmes, weih’ zu deines Heiligtumes:,: Hütern:,: uns und unſer Schwert!— 4 ——— 3. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit,— ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde,:, wenn das:, Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher Männer Wert,— ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören, nicht: entweihn:,: das deutſche Schwert! 5. Lied der Lieder, hall es wieder: Groß und deutſch ſei unſer Mut! Seht hier den geweihten Degen, tut, wie brave Burſchen pflegen und:, durchbohr:,: den freien Hut! 6. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterländſchen Trankes voll! Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den Hut und trinke:,: auf des:,: Vaterlandes Wohl! 7. Seht ihn blinken in der Linken dieſen Schläger, nie entweiht!— Ich durchbohr den Hut und ſchwöre, halten will ich ſtets auf Ehre,:, ſtets ein:,: braver Burſche ſein. 8. Komm du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen von durchbohrten Hüten ſchwer. Laßt uns feſtlich ihn entlaſten, jeder Scheitel ſei bedeckt! Und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten. 9. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und drauf den Schläger ſtrecken: Es leb' auch dieſer Bruder hoch! Ein Hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen, es leb auch dieſer Bruder hoch! 10. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen nun! Jeder trachte, wackrer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert! Keiner taſte je ans Schwert, der nicht deutſch iſt von Geblüte. Snoffizieller Teil. 1. Alemannenlied. Singweiſe: O alte Burſchenherrlichkeit. 1. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin biſt du ver⸗ ſchwunden? So klingt es heute weit und breit in allen Zecherrunden. In Klagetönen ſchwer und bang hört allent⸗ halben man den Sang: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 2. Der eine klagt, die Politik verderbe den Charakter, der ſchreit, es geht die Kunſt zurück und dazu find't ſie nackt er, dem andern iſt dies Jammertal zu ſozial und zu radikal, kurz alles ſchreit: O jerum, o qua mutatio rerum! 3. Der vierte als Diogenes geht um mit der Laterne, nach Menſchen leuchtet er, indeß ihn blendet die Moderne. Er ſucht die gute, alte Zeit, dieweilen er ſich heiſer ſchreit: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 4. Silentium! ruf ich, ſeid doch ſtill, hört auf mit Eurem jerum, iſt keiner, der erfinden will dagegen uns ein Serum, ein Serum gegen Traurigkeit, das uns von Leid und Gram befreit, ein Serum gegen's jerum, das wär mutatio rerum! 5. Wie wird mir, hat die Wiſſenſchaft uns dies nicht ſchon gegeben? Gibt nicht der braune Gerſtenſaft uns täglich neues Leben? Iſt nicht der Burſch auch heut noch frei? Ja, beim C. HBeO da ſeufzt er nicht mehr rerum, nicht mehr mutatio rerum! 6. So lang ein Wirtshaus an der Lahn noch ſteht, ſo lang in Gießen, ein ſüffig Bier fließt durch den Hahn, ſoll's durch die Kehle fließen. Ein neues Faß, das Bier läuft ſchon, jetzt klingt es aus ganz anderm Ton: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 6 —9 ,——S 2 ————— 7. Es iſt ein würd'ger Jubilar, dem wir dies Feſt erkoren, vor fünfundſiebzig Jahren war Alemannia ja geboren! Wer heut ſich trinkt kein Räuſchlein an, der iſt führwar kein braver Mann, dem ſingen wir: O jerum, o quae mutatio rerum! 8. Drum Brüder reichet euch die Hand, Ihr Alten und Ihr Jungen, es hält das blau-rot⸗goldne Band uns eng und feſt umſchlungen. Stoßt an und leert das volle Glas, der Alemannia weihn wir das, ihr ſchwören wir aufs neue die alte Burſchentreue! 2. O goldne Akademia. 1. Als noch Arkadiens goldne Tage mich jungen Burſchen angelacht, wie hab ich da in ſüßem Taumel die frohen Stunden hingebracht, leicht war mein Herz und leicht mein Wechſel, die gar zu bald davongerauſcht! Und doch hätt ich mit keinem Fürſten in jener Seligkeit getauſcht,:,: war ſelbſt ein Fürſt der Freude ja, o goldne Akademia!:“ 2. Zwar tät mein Vater häufig ſchreiben: Mein Sohn, geh ins Kollegium, doch oftmals wider meinen Willen bracht mich der Zufall neckiſch drum, bald galt's ein Fäßchen anzuſtecken, bald lag ich draußen auf Menſur! Die Luſt am Zechen und am Pauken liegt in des Burſchen Frohnatur. : Wer ſchilt das kraſſe Füchslein da? O goldne Akademia!:,: 3. Ging ich entlang die engen Gaſſen, aufs Haupt das Cerevis gedrückt, hei, wie die ſchmucken Mädchen lachten, wenn freundlich ich emporgenickt, den Weibern war ich wohlgewogen, als ſtets verliebter Muſenſohn, gern hätt' ich aller Herz beſeſſen, doch eines war mein eigen ſchon,:,: des ſchönſten Mädchens, das ich ſah, o goldne Akademia!, 4. Ach, pfeilſchnell flogen die Semeſter, ein altes Haus nennt man mich heut, nun hat auch mir auf meine Locken der Winter ſeinen Reif geſtreut, doch nimmer will ich dich vergeſſen, der holden Freiheit Paradies, die ſchönſte Zeit in meinem Leben, da ich noch flotter Burſche hieß,:; ſtets bleib ich dir im Geiſte nah, o goldne Akademia!:;: G. H. Schneideck. 7 3. An den Rhein. 1. Mit meiner Mappe unterm Arm wollt ins Kolleg ich ziehn, doch ach, die Frühlingsſonne hell ſo gar verlockend ſchien, es ſprach der Wald, ein jeder Zweig:„Hinauf auf unſre Berge ſteig!“ Da war's um mich geſchehn.:;: 2. Und wieder lenkt ich meinen Schritt zur Univerſität, da auf der Straße grad mein Aug ein Mägdelein erſpäht, das ſchaute mich hold lächelnd an, nur kurze Zeit ich mich beſann,:,: da war's um mich geſchehn., 3. Und wieder ſpürt ich Studienluſt trotz heißem Sonnenbrand, die Kehle davon trocken ward, am Weg ein Wirtshaus ſtand, drin hört ich luſtgen Burſchenſang, drin tönte lauter Gläſerklang,,: da war's um mich geſchehn. ,: 4. O Rhein mit deiner Frühlingsſonn, mit deinen Mägdelein, o Rhein mit deinen Kneipen all, mit deinem goldnen Wein, du Rhein läßt keinen Burſchen frei, zwingſt ſie, wie deine Lorelei,:,: um alle iſt's geſchehn.:;: 4 L. Behr. Gießener Lied. Singweiſe: Ich ſchieß den Hirſch 1. Ein altes Städtchen lieget traut im grünen Heſſen⸗ land, auf Roſt und Pfählen aufgebaut an Lahn- und Wieſeckſtrand, dort ſchänkt des Wiſſens köſtlich Naß Profeſſor und Dekan,,: und mancher Spunden ſpringt vom Faß zu Gießen an der Lahn!:“ 2. Wer nie von Gleibergs Mauernkranz geſchaut das weite Land, von Staufenberg im Sonnenglanz des Fluſſes Silberband, wem holder Maitrank nie gelacht von Schiffen⸗ bergs Altan,:,: der kennt nicht deiner Gegend Pracht, mein Gießen an der Lahn!:; 3. Und abends an der Pulvermühl ſtill fließt die Lahn einher, da rudre ich auf leichtem Kiel flußauf mein Lieb zum Wehr. Die letzte Sonne färbt die Glut, im Schilfe ruht der Kahn,, wie ſchmeckt ein heimlich Küßchen gut zu Gießen an der Lahn!:; 8 leg nd auf 4. Der Gieß'ner Burſch vom echten Schrot, kein fader Modegeck, liebt ſeine Farbe blau⸗rot⸗gold, ein Studio friſch und keck. Gar mancher ſchon hats ausprobiert, denkt all ſein Lebtag dran,:, was man für ſcharfe Klingen führt zu Gießen an der Lahn!:“ 5. So leb'’ dein Bild, o Muſenſtadt, in unſrem Herzen fort als freien Wiſſens freie Stadt und frohen Treibens Hort. Drum, wer zu Gießen Burſch geweſt, der ſtoße mit mir an::;:„Es leb das alte feuchte Neſt, mein Gießen an der Lahn!“ 5. Xura academica. 1. Freunde, trinkt in vollen Zügen muſenſtädtſchen Gerſten⸗ ſaft, allen Ganzen zu genügen, wächſt uns wieder Rieſenkraft. Nimmer weichen wir im Streite, ſtehet uns als Helfer da leicht beſchwingte, kampfbereite Xura academica, leichtbe⸗ ſchwingte, kampfbereite Xura academica! 2. All zerſtreut in deutſchen Landen waren wir zur Ferienzeit, jener ſtak in Bücherbanden, dieſer trat die Straßen breit. Laufkur, Luftkur, Bäder, Wäſſer, Sommerſpritzen fern und nah;“ ſtärkten wohl, doch ſtärket beſſer Xura acade- micCa. ,: 3. Aura iſt kein Moſchusdüftchen, wie's der Schwung im Sacktuch trägt, iſt kein ſäuſelnd Zephirlüftchen, das ſich koſend um dich legt. Aura iſt ein Wirbelwehen, frohſten Treibens anima,:,: drin ſich Geiſt und Jugend drehen, Aura acade⸗ miCa.„,: 4. Luft und Licht, des Lebens Sonnen, wirft ſie keck durchs Drahtgeſtell auf den ſchwarzen Weisheitsbronnen, jüngt am Brett den Wiſſensquell. Strömt der Boden Zauberſäfte, ſtehen Geiſter helfend da?:, Eine nur leiht Wunderkräfte: Xura academica.:,: 5. Der Philiſter läßt ſich tragen in der Muſenſtadt Bereich, und ein Zauber ſonder Sagen ſtrahlt von Mädchen liebebleich. Küßteſt du der Jungfrau Wangen, daß ein Wandel hier geſchah,:,: daß ſie liebeglühend prangen, Aura academica?:; 6. Freunde, trinkt in vollen Zügen muſenſtädtſchen Gerſten⸗ ſaft, denn ein gottgeſandtes Fügen gibt uns heute Wunder⸗ kraft: Jugendfrohſinn, Wiſſensſtreben, ſchönſte Minne tritt uns nah,“: alles nur durch dich gegeben, Aura academica!:,: 6 Heim. 1. Bin durch die Alpen gezogen, wo die Lawine rollt, ſah, wie in Meereswogen tauchte der Sonne Gold. Aber freudig ich tauſchte Alpen und Meeresſtrand:,: für das tannen⸗ durchrauſchte nordiſche Heimatland!“ 2. Schlöſſer ſah ich und Türme ſchimmernd und marmor⸗ weiß, dunkeler Pinien Schirme wiegten im Wind ſich leis, aber ſchöner und beſſer— lacht mich immerhin aus—:; als die Marmorſchlöſſer dünkt mich mein Vaterhaus.:; 3. Mägdlein durfte ich koſen, ſchlank und liliengleich, Frauen wie volle Roſen, üppig und anmutreich, Lilien aber und Roſen werden von der beſiegt,:, die mich als Knaben mit Koſen in den Schlaf gewiegt.:;: Rudolf Baumbach. 7. Studentenzeit. 1. Wir lugen hinaus in die ſonnige Welt allzeit mit lachenden Augen, des fahrenden Volkes durſtigem Schlag mag Frohes und Freies nur taugen. Wir wandern und ſingen, und naht das Glück, ſo packen wir's hurtig beim Kragen,:, und trinken den Wein und küſſen die Maid und laſſen den Eulen das Klagen.:;: 2. Die Schriften der Alten ſtudierten wir gut: Sie haben ins Schwarze getroffen, Anakreon und Horatius, die größten der Philoſophen. Drum, Alter, laß ab von ſchelten⸗ dem Tun, und denke der Söhne, der lieben,:,: und denke der Zeit, wo du voreinſt vielleicht es noch ärger getrieben!:,: 3. Ein Weilchen nur währt's, ſind Saus und Braus vom Strudel des Lebens verſchlungen: Die tobenden Wogen der Jugendluſt, die himmelan jauchzend geſprungen. Philiſter 10 heißt man und alles iſt aus, und die am tollſten gewettert, ; ſind ſtill und ſtumm, die Lieder vertönt die Becher der Freude zerſchmettert.:,: 4. Drum heiſa, hallo und dreingehaut! Zum Teufel mit Kummer und Sorgen! Laßt kreiſen das Horn, bis Hahnen⸗ ſchrei verkündet den kommenden Morgen. Zum Trübſalblaſen kommen wir noch, wallt Blondhaar ſilbern dem Greiſe: „; Es lebe die ſelige Jugendzeit, Holdlieb und die launige Weiſe!:;: G. H. Bienert. 8. Burſchentum. 1. Zieht der Burſch die Straß entlang, drängt ſich alles, ihn zu ſchauen, und es lauſchen dem Geſang an den Fenſtern ſchöne Frauen. Vater, ſchließ die Läden zu! Mutter, hüt dein Mädchen du! Blickt er gleich ſo brav und gut, ein Student iſt leichtes Blut. Wer keine Sorge je und kein Verzagen weiß und wer ſich raſch erſtürmt des Lebens kecken Preis, wer ſtändig lichterloh, doch nie zu Ende brennt, lebt ſeinen Jugendtag als richtiger Student! jal als richtiger Student. 2. Sitzt der Burſch beim klaren Wein, fühlt er heidniſch Götterleben, und in ſüßen Melodein ſieht er goldne Träume ſchweben. Spiele ſchneller, Muſikant! Flinkes Lieschen, ſei zur Hand! So ein Glas iſt nicht genug, bring mir Wein im Deckelkrug! Wer keine Sorge je und kein Verzagen weiß, und wer ſich raſch erſtürmt des Lebens kecken Preis, wer Bacchus Schutzpatron und Schenke Heimat nennt, lebt ſeinen etc. 3. Tritt der Burſche auf Menſur, ſteht er da in ſtolzer Freude, und er zeichnet ſeine Spur mit des Schlägers ſcharfer Schneide. Sekundant, ruf noch nicht Halt, ich ver⸗ zichte nicht ſo bald, laß mich wirbeln, laß mich ſpähn, heute ſoll's auf Abfuhr gehn! Wer keine Sorge je und kein Ver⸗ zagen weiß, und wer ſich raſch erſtürmt des Lebens kecken Preis, wer Frohſinn ſeine Kraft und Kämpfen Freude nennt, lebt ſeinen etc. 11 4. Geht der Burſch in Amt und Stand, iſt er auch noch zu was nütze, doch an ſeiner Klauſe Wand hängt er Band und bunte Mütze. Nun verſuch es, Werktagslaſt, heimſ ihn ein, bis du ihn haſt, doch er weiß ſein ſchönes Glück, findet ſeinen Weg zurück. Wer keine Sorge je und kein Verzagen weiß, und wer ſich raſch erſtürmt des Lebens kecken Preis, wer ſich als alter Herr doch ſtolz als Burſch bekennt, der bleibt ſein Leben lang ein richtiger Studentl jal ein richtiger Student. Ed. Heyck. 9. Die Lindenwirtin. 1. Keinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel ſchlaff und leer, lechzend Herz und Zunge.— Angetan hat mir's dein Wein, deiner Auglein heller Schein, Linden⸗ wirtin, du junge, Lindenwirtin, du junge! 2.„Angekreidet wird hier nicht, weil's an Kreide uns gebricht,“ lacht die Wirtin heiter.„Haſt du keinen Heller mehr, gib zum Pfand dein Ränzel her, aber trinke weiter, aber trinke weiter!“ 3. Tauſcht der Burſch ſein Ränzel ein gegen einen Krug voll Wein, tät zum Gehn ſich wenden. Spricht die Wirtin: „Junges Blut, haſt ja Mantel, Stab und Hut, trink und laß dich pfänden, trink und laß dich pfänden!“ 4. Da vertrank der Wanderknab Mantel, Hut und Wanderſtab, ſprach betrübt:„Ich ſcheide. Fahre wohl, du kühler Trank, Lindenwirtin jung und ſchlank, liebliche Augen⸗ weide, liebliche Augenweide!“ 5. Spricht zu ihm das ſchöne Weib:„Haſt ja noch ein Herz im Leib, laß mir's, trauter Wandrer!“ Was geſchah, ich tu's euch kund: Auf der Wirtin rotem Mund brannte heiß ein andrer, brannte heiß ein andrer. 6. Der dies neue Lied erdacht, ſang's in einer Sommer⸗ nacht luſtig in die Winde, vor ihm ſtund ein volles Glas, neben ihm Frau Wirtin ſaß unter der blühenden Linde, unter der blühenden Linde. Rudolf Baumbach. 12 ———— 10. Gold und Silber. 1. Gold und Silber lieb ich ſehr, kann's auch gut ge— brauchen, hätt ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen,'s braucht ja nicht geprägt zu ſein, hab's auch ſo ganz gerne,:,: ſei's des Mondes Silberſchein, ſei's das Gold der Sterne.;: 2. Doch viel ſchöner iſt das Gold, das vom Lockenköpfchen meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen. Darum, du, mein liebes Kind, laß uns herzen, küſſen, „; bis die Locken ſilbern ſind und wir ſcheiden müſſen.:,: 3. Seht wie blinkt der goldne Wein hier in meinem Becher, horcht, wie klingt ſo ſilberrein froher Sang der Zecher! Daß die Zeit einſt golden war, will ich nicht be⸗ ſtreiten,:,: denk ich doch im Silberhaar, gern vergangner Zeiten.:,: Nach Auguſt Schnezler. III. Frühſchoppen. 1. Angezapft. 1.:,: Angezapft, angezapft! Rheinwein oder Bier aus Flandern!:,: Auf der durſtgequälten Kehle ſitzt ermattet ſchon die Seele,:,: um verzweifelnd auszuwandern. Freilich iſt's noch früh am Tage, aber glaubt mir, was ich ſage: Trinken ſchmeckt zu jeder Stund. Auf den Spund! Auf den Spund! 2.*,: Eingeſchenkt, eingeſchenkt! Füll die Gläſer, ſchmucke Dirne!:, Eins für mich, für dich das andre. Wenn ich fröhlich weiter wandre,:,: bleib auch heiter deine Stirne.:; Die mich liebt, die lieb ich wieder, in der Schleppe, wie im Mieder, was man auch darüber denkt.— Eingeſchenkt, eingeſchenkt! 13 3.:;: Ausgeleert, ausgeleert!— Alle Zecher, wie ich meine,:,: kommen in den Himmel ſchneller, denn im Mond gibt's kühle Keller:,: für der Sonne Feuerweine,:,: und auf allen großen Sternen gibt es ſicherlich Tavernen, wenn man in den Himmel fährt.— Ausgeleert, ausgeleert! O. v. Reichert 2. Das war der Graf von Rüdesheim. 1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug geblickt. Doch als er ihr die Lieb geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht, der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdes⸗ heimer Wein. Rüdesheimer Wein. 2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und Geld, wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Alſo ſaß und vergaß er in der Burg am Rhein ſeinen Schmerz etc. 3. Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen ſchlecht, ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt er ſich im Wirts⸗ haus vor der Burg, was in der Woche er verdient, bracht er am Sonntag durch. Und dann ſaß und vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz etc. 4. Und die euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort, zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr, da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär. Und man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Rhein allen Schmerz etc. Bloch, Benda. 14 3. Der Prager Muſikant. 1. Mit der Fiedel auf dem Rucken, mit dem Kappel in der Hand ziehn wir Prager Muſikanten durch das weite Chriſtenland. Unſer Schutzpatron im Himmel heißt der heilge Nepomuk, ſteht mit ſeinem Sternenkränzel mitten auf der Prager Bruck. Als ich da hinausgewandert, hab ich Reverenz gemacht, ein Gebet ihm aus dem Kopfe recht bedächtig hergeſagt. 2. Steht alſo in keinem Büchel, wie man's auf dem Herzen hat: Wanderſchaft mit leerem Beutel und ein Schätzel in der Stadt! Wenn das Mädel ſingen könnte, wär's ge— zogen mit hinaus, doch es hat'ne heiſre Kehle, darum ließ ich es zu Haus. Ei, da gab es naſſe Augen,'s war mir ſelbſt nicht einerlei, ſprach ich:'s iſt ja nicht für ewig, ſchönſtes Nannerl, laß mich frei! 3. Und ich ſchlüpft aus ihren Armen, aus der Kammer, aus dem Haus, konnt nicht wieder rückwärts ſchauen, bis ich war zur Stadt hinaus. Da hab ich dies Lied geſungen, hab die Fiedel zu geſpielt, bis ich in den Morgenlüften auf der Bruſt mich leicht gefühlt. Manches Vöglein hat's ver⸗ nommen, flög nur eins an Liebchens Ohr, ſäng ihr, wenn ſie weinen wollte, dieſes friſche Liedel vor! 4. Wenn ich aus der Fremde komme, ſpiel ich auf aus anderm Ton, abends unter ihrem Fenſter, Schätzel, Schätzel, ſchläfft du ſchon? Hoch geſchwenkt den vollen Beutel, das gibt eine Muſika!'s Fenſter klirrt, es rauſcht der Laden, heilige Cäcilia! All ihr Prager Muſikanten, auf, heraus mit Horn und Baß, ſpielt den ſchönſten Hochzeitsreigen, morgen leeren wir ein Faß! Wilhelm Müller. 4. Heute iſt heut. 1. Was die Welt morgen bringt, ob ſie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud? Komme, was kommen mag, Sonnen⸗ ſchein, Wetterſchlag,:,: morgen iſt auch ein Tag, heute iſt heut!:;: 15 2. Wenn's dem Geſchick gefällt, ſind wir in alle Welt morgen zerſtreut! Drum laßt uns luſtig ſein! Wirt, roll das Faß herein!:,: Mädel, ſchenk ein, ſchenk ein! Heute iſt heut! ,: 3. Ob ihren Roſenmund morgen ſchön Hildegund anderen beut— darnach ich nimmer frag, das ſchafft mir keine Plag, , wenn ſie mich heut nur mag— heute iſt heut!: 4. Klingklang, ſtoßt an und ſingt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiß, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt!:,: Wenn ſie nur heut noch hält! Heute iſt heut!:,: Rudolf Baumbach. 5. O Akademia. 1. Ich zog, ich zog zur Muſenſtadt, mit lautem Sang und Valladri,:, ich hob manch Gläschen zum Vivat,— o Akademia!, 2. Und ihre Töchter fein und ſchlank, ſie lauſchten meinem Lautenſchlag,:, und Liebe war ihr heißer Dank, o Aka⸗ demia!: 3. Geſchwungen hab ich meinen Speer, ſtand meinen Mann auf der Menſur,“, jetzt hab ich keine Naſe mehr, o Akademia!:, 4. So ging es zwölf Semeſter lang, und viel Dukaten zog ich blank:,: bei Saitenſpiel und Becherklang o Akademial:,. 5. Doch nun iſt Sang und Klang verhallt, und Freund und Freundin zeigen mir;, von fern den Rücken ſtolz und kalt, o Akademia!, 6. Und Vater, Mutter ſtarb zu Haus, verdorben an dem einzgen Sohn,:, ich weiß nicht mehr, wo ein noch aus, o Akademia.: 7. Nur eine noch, die weint um mich im fernen, fernen Heimatland,:,: doch ihren Ring verkaufte ich, o Akademia!:, 8. Zerbrochnes Glück, fahr wohl, ade! ich läg am liebſten unterm Gras und ſchliefe da mit meinem Weh, o Akademial:,: Johann Matthias Hecker. elt voll ute ren ag, icht den dute ach. aten 1. und und an noch rnen .. 1!* oſten al Sr ecker. Buchdruckerei J. Weinert KG., Gießen 37925 1 Colour& Grey Control Chart 1 Blue Cyan Green vellow Hed Magenta 3 Wuite Grey ¹ Grey 2 Kommerslieder zum 75. Stiftungsfeſt der ehem. Gießener Burſchenſchaft »ALEMXNNIAXS 26. und 27. Juni 1937 1862 1937 Grey 3— Grey 4 Slack—