A 56500/235 I 11 701 515 1 55οο 225) A 44= 192 3.4(4u. 2. 33— Ungewiſſe. Einen Tag nur und eine Racht ſollte er an den mör⸗ deriſchen Kämpfen zwiſchen Gleiwitz und Tſchenſtochau teilnehmen bis er am Samstag früh um 8 Uhr(2. Sept.) von einer feinde lichen Kugel ſchwer verwundet wurde. Im Krankenhaus zu Graß⸗ Strehlitz, wohin man ihn, der vollſtändig gelähmt war, gebrackft“ hatte, ſollte er Geneſung finden. Bber nach dreitägigem Ringen— 3 zwiſchen Ceben und Tod hat Gott ihn in eine beſſere Welt M. gerufen. Dienstag, den 5. Seplember abends gegen dreivierte †ßen* ſieben iſt er entſchlafen, nachdem er am Sonntag zuvor noch ſei⸗ nen Eltern von ſeiner Derwundung Mitteilung machte, welche er ſeiner Krankenſchweſter in die Feder diktierte. Unſer lieber Ernſt Bauſch gehört nicht mehr zu den irdi⸗ ſchen Unſrigen. Auf,Wunſch ſeiner Eltern wurde er am 11. Sep⸗ tember in den Rachmittagsſtunden auf deren heimatfriedhof in Langsdorf durch den Ortspfarrer, Conphil. Dr. heymann, be⸗ erdigt. Seine hetzergreifende Trauerrede gab uns noch einmal ein Zeugnis für ſeine pflichttreue, DVaterlandsliebe, ſchlichtes Weſen und chriſtliche Geſinnung. Er wird uns unvergeßlich bleiben, un⸗ ſer lieber Ernſt Bauſch, der als Erſter aus unſeren Reihen ſein Leben dem Vaterlande ſchenkte. M. Trechsler, Seldw. Ein Gießener Depoſitionsſchein von 1773 Dank der Freundlichkeit unſeres Kph. Wilhelm Wahl in Lang⸗Göns, des rührigen Betreuers des Bernbeckſchen Samilien⸗ archivs, können wir heute eine Gießener Depoſitionsurkunde vom 90. 9. 1773 veröffentlichen. Obwohl dieſe Scheine häufig ausge⸗ ſtellt wurden, ſind ſie doch zu großen Seltenheiten geworden. Der letzte bekannte Marburger ſtammt von 1761, mithin iſt unſer Schein 12 Jahre jünger, was beweiſt, daß man in Gießen länger an dem alten Brauch feſthielt. Bisher kannte ich nur ein ein⸗ ziges Gießener Exemplar aus der Seit vor 1760, das mir 1935 beim Gießener Deutſchen Studentenhiſtorikertag ein auswärtiger Studentenhiſtoriker zeigte. a) Lateiniſcher Text. Depositor Publicus Academiae Hasso-Giesenae Jo. Antonius Moesel Lectori salutem precatur plurimam. Receptissima est, et a longa memoria probata consuetudo, Academicis coetibus initiari certis quibusdam ritibus, quos inter omnium primus, Depositio, quo inauguramento atque — 34— initiamento exerceri solent tyrones in propylaeo, ut in Aca- demicum triennium eo purgatius et limatius intromittantur. Istis vero excipientur advenientes, monenturque, non delitiis 4 et voluptatibus incipi studia ac finiri, sed prima principis esse dura, media amera, ultima laeta. Nec sine ratione istiusmodi actus et ritus a Maioribus institutus fuit, qui ab Atheniensibus per longas aetates ad nos venit longo admodum itinere. Athenis in Graeciae Paradiso nati sunt primi Depositores et a primis cunabulis adsciti, postea in Italiam, hinc in Ger- maniam nostram transmigrarunt. Vel sola igitur candide et venerabilis tantum esset, ille depositionis ritus defendi tamen idem tuto posset, contra quosvis osores et derisores, quiqui- pulis eum differunt, et ex Academia proscribunt: progym- nasma namque est etpraeludium ad sera eruditionis certamina. Sic merito quondam Anacharsis Scytha, cum iuvenes Athe- nienses inter se mixtum luctantes, et pomis coroflisque dona- tos, barbarorum more rideret, monitus est a Solone, Grae— corum suae aectatis sapientissimo, cuius audiendi gratia et iste Athenas venerat, haud ridenda esse talia iuventutis exer- citia ludicra, quibus ad altiora excitentur alacres, et cupidi virtutum laudisque animi. Reperias et hodie multos qui Anacharsim imitantes, institutum hoc Academicum, ut levi- culum exigitant. Id quod Solon respondit Scythae, is et nos: Sapiens enim Vir solennium ludorum autoritatem ex insti- tuto antiquo tuebatur nolebatque, ut moverentur termini mo- rum antiqui. Idem et nos facimus, moti reverentia Academicae Antiquitatis, qui morem illum Depositionis per annos nobis tradidit et commendavit. Sic cuique rei sunt initiationes. Infula et baculum Episcopo datum quam vero minus summae dignitatis aspectabilia signa! Non ausi sunt se opponere Gre-— gorius Nazianzenus vel Basilius vν Solenni Athenis. Nec laudabili huic ritui Depositionis refragatus fuit: Dominus Joannes Daniel Bernbeck, Giszensis, qui libens Academico huic se subjecit mori, eo ipso initia- tus et in numerum studiorum Studiosorum rite relatus; quod praesentis Depositoris publici sigillo munitae attestantur lit- terae. quod datum Gieszae Hassiorum, die IX. Sept. anno 1773. L. S. b) deutſche Überſetzung: Der öffentlich beſtallte Depoſitor der heſſiſchen Univerſität Gießen Johann Antonius Moeſel grüßt ſehr den Leſer. DEPOSITOR PUBLICUS ACADEMIA IILASSO-GIEENT„ M nenitenr Nocten, Leri ſlutem pretaæ, plarmnen,*⁴ Ire eſt,& onge wemoria Hrobar confactudo, Aca- abus intiari cectis quibusdam us. quos POSITIO, quo naugurumento atque olem t rones in propylæo, ut mn Aca crehinium eo purgaus& lumatius i mittantur. Iſtis vero cipiun tur advenientes, monentorque, non a delitiis& voluptatibus incipi ſtudia uc finiri, fed prima principia eſſe, media amara, ultima frra. Nec eranone iſtasmod' dus ric M. or bus inſtitutus fuit, qui a Achs mnſhes Per loogas ætaccs ad nc s venf longo admodum Kinere.£lm in Nrche Paradifo nat ſunt primi D5 OS8TTORES& a primis cunabu- La adfctti, poſtez in Kaliam, h Ferwm zrkerr enne nerereradin rantum eſſer, fendi tanen dern tut e 8 Puls cum t* r T— ckarf ratia& iſte Athe ns gere. 1„— quibus ad e lclaer dit Syrd, id& fos Sepöfs cnim atem ex inſtituto ancquo cuebarurſ nolebas- morum anciqui. Idem& nos facmdus, anoui reeu u quitacis, quæ mortm(Ilum Qapafcrm Es Pen dee 1do Su cruque res ſunt luiciatones, Infala& quam vera minus ſam guitatis aſpectbiha * ur: ² Opponere(πQπαυ N⁴έeaenul„e Hfclus„-t, Nenis. Ner laudabih hulc ritui 0D— ref; kait. A ann raneee Vdr‿ e, Sh 95 libens Academico huic ſe ſubjtrit mori, eo ſpſo nunc irstiacus tt 4 merum Scudioſorum rite rdarus; We Praſe s Ha Srs Pubi lo Wner Rn Licc, 2* Hnrum, Af7 7 A — 35— Sehr üblich iſt es und ein ſeit langem Gedenken erprobter Brauch, daß man in die akademiſche Geſellſchaft durch gewiſſe beſtimmte Bräuche eingeweiht wird, unter denen die Depoſition an erſter Stelle ſteht, wodurch in dieſer Weihefeier die„Neu⸗ linge“[= Neuimmatrikulierten] in der Vorhalle geübt werden, um in das akademiſche Triennium deſto geläuterter und ver⸗ feinerter eingelaſſen zu werden. Die Neuzukommenden ſollen vor⸗ bereitet und ermahnt werden, ihre Studien nicht mit Lüſten und Vergnügungen zu beginnen und zu beenden, ſondern daß die erſten Unfänge hart ſind, die Mitte bitter, nur das Ende froh. Nicht ohne Berechnung wurde dieſer Akt und Brauch von den Vorfahren eingerichtet, der von den Athenern durch lange Zeiten in einem langen Wege uns überkommen iſt. Zu Athen, dem Paradieſe Griechenlands, haben die erſten Depoſitoren ihren An⸗ fang genommen und ſind von den eerſten Anfängen aperkannt worden, ſpäter wanderten ſie nach Italien, von dort nach un⸗ ſerem Deutſchland hinüber. Wäre jener Brauch der Depoſition alſo lediglich durch ſein Alter der Verehrung wert, könnte er dennoch ſicher verteidigt werden gegen gewiſſe Haſſer und Spötter, die mit ihrem Sezeter ihn verſchreien und von der Univerſität ächten wollen; denn er iſt eine Vorübung, ein Vorſpiel auf die ernſten Wortgefechte der Wiſſenſchaft. So wurde verdientermaßen einſt der Skuthe Anacharſis, als er über die atheniſchen Jünglinge, die untereinander rangen und mit Apfeln und Kränzen belohnt wurden, nach Barbarenweiſe lachte, von Solon, dem weiſeſten Griechen ſeines Zeitalters, um den zu hören er nach Athen ge⸗ kommen war, ermahnt, daß ſolche kurzweiligen UÜbungen der Jugend nicht auszulachen ſeien, durch die die Behenden und die nach Tugenden und Lob ſtrebenden Gemüter zu Höherem ange⸗ trieben würden. Man findet auch heute viele, die unter Nach⸗ ahmung des Anacharſis dieſe akademiſche Einrichtung als klein— lich tadeln. Was Solon dem Skuthen antwortete, das gilt auch für uns; denn der weiſe Mann beſtätigte das Anſehen der alten feierlichen Spiele aus dem alten Brauche heraus und wollte nicht, daß die alten Grenzen der Sitten verrückt würd⸗n. Das tun auch wir, aus Ehrfurcht vor der akademiſchen alten Tradition, die uns jenen Brauch der Depoſition überliefert und empfohlen hat. Bei einer jeden Sache finden ſich einweihende Bräuche. Binde linful] und Stab werden dem Biſchofe gegeben als wahr⸗ lich minder anſchauliche Abzeichen der höchſten Würde. Es wagten Gregor von Nazianz und Baſilius nicht, ſich dem altehrwürdigen Brauch in Athen zu widerſetzen. Auch nicht widerſetzt hat ſich dieſem löblichen Brauch: Herr Johann Daniel Bernbeck von — 36— Gießen, der ſich gern dieſer akademiſchen Sitte unterworfen hat, durch ſie ſelbſt eingeweiht und nach herkömmlicher Weiſe in die Zahl der Studenten aufgenommen, was die mit dem Siegel des öffentlich beſtellten Depoſitors verſehene Urkunde beweiſt, die gegeben wurde zu Gießen in Heſſen am 9. Tage des September im Jahre 1773. E. S.(der philoſophiſchen Fakultät) c) Die Depoſition Die Depoſition, bei der es galt, den künftigen Studenten zu zeigen,„mit was für Sitten ihr ſolt geziehrt ſeyn, wann ihr mit Ruhm den Namen eines wahrhafften Studenten tragen wollet“, wird auf antike Vorbilder zurückgeführt. Bereits an der hochſchule zu Athen beſtanden in der römiſchen Kaiſerzeit bei der Aufnahme der„Füchſe“ in die einzelnen Brüderſchaften („phratriai“), die ſich landsmannſchaftlich ergänzten, beſondere Bräuche ſogl. die wertvolle Arbeit von Paul Sſymank,„Das hochſchulweſen im römiſchen Kaiſerreich bis zum Kusgang der Hntike“ S. 30 f.— programm der kgl. Berger⸗Oberrealſchule in Poſen 1912]. Auch andere Gewerbe und Gilden hatten ähnliche, z. CT. viel härtere Aufnahmeproben, woran z. B. unſer Wort „hänſeln“(= in die hanſe aufnehmen) noch erinnert. Beſonders ausgeprägt waren die einzelnen Vorgänge bei der Depoſition, dem hauptmerkmal des„Pennalismus“, ſeit dem Beginn des 16. Jahrhunderts. In vielen Schriften für wie wider ſie werden ihre Einzelheiten behandelt. Das wichtigſte Werk über ſie iſt der„Dryas Orationum de Ritu Depositionis“, der 1666 bei Peter Aubry in Straßburg(Elſaß) gedruckt und mit guten De⸗ poſitionsbildern aus dem Straßburger Studentenleben verſehen iſt. Dort hören wir auch S. 43 ff über die am Ende der Gießener Depoſitionsurkunde erwähnte Einſtellung des Gregor von Nazianz und des Baſilius. Der„Bachant“ mußte bei der Depoſition aller— allerlei über ſich ergehen laſſen, was durch öffentlich beſtellte Depoſitoren erfolgte. Allerhand ſeltſame Werkzeuge ſpielten dabei eine Rolle. Der Bachant erſchien in abſonderlichem Gewand und trug einen hut mit hörnern. Zuerſt kam die Kufforderung: „Mommt Bachanten! Trett herbey! Euch will ich auf euer feſt deponiren auf das beſt.“ Es wurden die haare geſchoren(vgl. den Ausdruck„Du ungeſchorener Kerl“),„weil du kanſt mancher haar, du Zottelbock, entpähren, drum muß vor Erbarkeit ich deinen kopff beſcheren“. Dann wurden ſymboliſch mit dem Ohr⸗ löffel die Ohren gereinigt,„vor Rarrenthädigung laß dein Ge⸗ hör geſchloſſen, ich ſaubre dir's zur lehr und nicht zu ſchlimmen poſſen“. Es folgte das Zahnziehen,„Laß den Bachanten Zahn 1 —— — — 37— der läſtrung dir ausziehen, Verleumbdung ſollſtu ſtets, wie ſelbſt die hölle, fliehen“. Nun werden die hände gefeilt,„ich feygle dir die händ, um damit anzudeuten, daß du, was redlich iſt, mit ihnen ſolt arbeiten“. Jetzt wurde ein Bart dem Bachanten aufgemalt,„ich mahl dir einen bart, das du hinfort geartet, ſolt ſeyn nicht wie ein Kind, das noch ganz ungebartet“.(vgl. unbärtiger Menſch). Nun gings zur hobelbank, damit der ‚„unge⸗ hobelte Menſch“ verſchwand,„ſchickt euch zum hobel⸗banck, Ihr lie⸗ ben halb⸗ſtudenten, die laſter müſen weg, die eure jugent ſchändten“ und„ſchlichthobel thu dein beſt! was ſich noch nicht laſt fügen, zum Bau der Erbarkeit, das hoble nach genügen“. Daran ſchloß ſich das Bohren,„bey dieſem bohren denckt, daß ihr, wann ihr nicht thoren wolt bleiben immerdar, müſt dicke brettlein bohren“, denn das„Brett vor dem Kopfe“ mußte weg. Run wurde zur probe geſungen,„lern jüngling dein gemüth nach dieſer harmoni zu richten, welche nicht geht aus auf ein la my“. Die Reihe kam jetzt an die hörner(pgl. hornochſe, hörner abſtoßen),„mit dem Bachantengeiſt ſolls jetzund ſeyn Shabab, drum euch die hörner man auch endlich ſchlaget ab“. Eine ſymboliſche Prügelung des am Boden liegenden Bachanten ſchloß ſich an,„wer ein Bachant noch iſt, der bleib nur immer liegen!, wer ein Student will ſein, der mag herfür ſich fügen“. Dann holte der Depoſitor aus einem Schulterſack einen geſchnitzten Mannskopf mit hut heraus,„wie hilffts doch mehr als wohl zu eines Manns geneſen, wan er im Schulterſack iſt eingeſteckt geweſen“. Darauf berührte er den aber⸗ mals Liegenden mit dem Zirkel,„ſo ihr was nehmet für, ſo möcht ihr vor wohl ſehen, daß ihrs recht Cirkelt aus, ſonſt iſts um euch geſchehen“. Run zeigte er zwei Würfel„diß ſpielen ſolle nichts, des nutzens wirſt du innen, den du durch eygne müeh auß bü⸗ cheren wirſt gewinnen“. Jetzt erhob ſich der Bachant und über⸗ reichte dem Depoſitor ein Geſchenk mit den Worten:„Um daß ihr meiner möcht im beſten auch gedenckhen, will, hHerr Depoſi⸗ tor, ich Euch zur letz dis ſchenckhen“. Endlich wurde der Depo⸗ nierte mit ſeinen Leidensgefährten zu dem anweſenden Dekan der philoſophiſchen Falkultät geführt. Vor ihm knieten ſie barhäuptig mit dem hut in der hand nieder, worauf er ihnen Salz und Wein reichte.„Rehmt hin der weisheit ſaltz! nehmt hin den wein der freuden! Euch, Ihr Studenten Ihr, mehr Gott an allen benden.“. Darauf folgte die feierliche Schlußrede, die in den Worten gipfelte:„So creire ich euch hiemit auff Befehl und im Namen des herrn Rectoris Magnifici zu Studenten“. Wie der hier nach dem„Deutſchem Sermon Dom Deponiren der Ba⸗ chanten“ in der Straßburger Schrift(mit deutſchem wie lateini⸗ 38— ſchem Text) geſchilderte Brauch hielt man es an den anderen„ Univerſitäten des heiligen römiſchen Reiches deutſcher Nation, wenn auch mit örtlichen Unterſchieden. Die Depoſition war eine akademiſche Angelegenheit, auf die die Univerſität Wert legte. Durch den Dekan der philoſophiſchen Fakultät war ſie offiziell vertreten. Er abſolvierte, d. h. er ſprach den Deponierten vom Pennalismus frei, woher ſich der NRame Ab⸗ ſolutorium anſtelle der damals unbekannten Reifeprüfung erhielt. Erſt wenn der Deponent ſeine Urkunde über die vollzogene De⸗ poſition erhalten hatte, konnte er in die Matrikel eingetragen werden. Die rauhen Sitten des dreißigjährigen Krieges trugen weſentlich zur Verwilderung der akademiſchen Bräuche, zumal der Depoſition, bei. Kein Wunder, daß man wider den Pennalismus Sturm lief. Zu ſeinen ſcharfen Gegnern gehörten zumal die Landes⸗ regierungen, aber man wagte im dreißigjährigen Krieg nicht zu viel gegen ihn zu unternehmen, da man bei radikalem Vorgehen ein Sinken der hörerzahl an den Univerſitäten befürchtete. Auf Deranlaſſung des Marburger profeſſors Seurborn, der den Darm⸗ ſtädter Landgrafen(Marburg war damals darmſtädtiſch) für ſeine Ziele gewann, wandte man ſich 1633 an die Univerſität Witten⸗ berg, um eine gemeinſame Stellungnahme der lutheriſchen Uni⸗ verſitäten gegen den Pennalismus zu erreichen. Von dort ſchrieb man am 8. 5. 1633 an die anderen hHochſchulen, aber es kam zu keiner endgültigen Regelung, obwohl die Wittenberger beſtimmte Vorſchläge machten. Die Eiferſucht der Landesfürſten verhinderte ein einheitliches Vorgehen, ſelbſt die Wittenberger mußten von ihrem Vorhaben Abſtand nehmen. Nur Altdorf, Frankfurt(Oder), Roſtock und Marburg veröffentlichten 1630 die Geſetze gegen den Pennalismus. Als nach dem weſtfäliſchen Frieden Profeſſor Feurborn wie⸗ der nach Gießen kam, nahm er hier ſeinen Kampf erneut auf, worin ihn die Darmſtädter Regierung unterſtützte. Am 1. 5. 1654 erließen die evangeliſchen Stände in Regensburg einen Reichs⸗ ſchluß gegen den Pennalismus, wobei Darmſtadt durch den Gieße⸗ ner Kanzler Juſt Sinold, genannt Schütz, vertreten war. Merk⸗ würdigerweiſe ſprachen ſich die Gießener Profeſſoren 1656 für den Pennalismus aus und erklärten ſich nur zu einer Beſeitigung der Mißſtände bereit, aber der Darmſtädter Landgraf war an⸗ derer Unſicht und zwang 1660 durch ein Edikt die Univerſität zum Umſchwenken, worauf man in Gießen durch eine„pennalismi abrogatio et profligatio“ den Pennalismus aufs ſchärfſte verur⸗ teilte. Es ging alſo auch anders, wenn man mußte. Indes wandte man ſich in einer erneuten Derordnung 1674 gegen ihn, behielt —) — 39— aber die Depoſition als rein formellen Brauch bei. Ja, am 23. 3. 1688 verbot die Univerſität jede ſtudentiſche Immatrikulation ohne Depoſitionsſchein(„testimonium depositionis“), der dem Pedellen bezahlt werden mußte. Erſt 1719 verſchwand das Amt des akademiſchen Depoſitors, deſſen Stelle der Pedell nunmehr einnahm. An andern Univerſitäten erhielt ſich die Sitte, daß der gedruckte Depoſitionsſchein, auch„Signum depositionis“ genannt, von dem Dekan der philoſophiſchen Sakultät, der dafür geldlich entſchädigt werden mußte, unterſchrieben und mit dem Fakultäts⸗ ſiegel verſehen wurde, noch länger. Jedenfalls konnte die Imma⸗ trikulation beim Prorektor erſt erfolgen, wenn der Depoſitions⸗ ſchein vorlag. Und der Pedell war ſchon aus begreiflichen Grün⸗ den hinterher, daß man ihn ſich verſchaffte. Am Ende der ſieb⸗ ziger Jahre des 18. Jahrhunderts ſcheint der Brauch des Depo⸗ ſitionsſcheines weggefallen zu ſein. Otto Imgart. * Nachtrag zum lateiniſchen Text: das griechiſche Wort der zweitletzten Zeile des erſten Abſchnitts iſt zweifellos Druckabkür⸗ zung für panegyrikoi. v. G. Familiennachrichten Berlobungen * Böcher Auguſt Ludwig(Gi 32), Diplomchemiker, Gießen⸗Midda mit Frl. Friedel Humperdinck, Stuttgart; Dezember 39.— Lenzer Helmut(Gi 34) Leutnant in einem Infanterie⸗Regiment, z. G. kommandiert zur Luftwaffe, mit Frl. Lore Tröſter, Butzbach; 26. Dezember 39.— Dondorf, Ernſt(Gi 32, 5 34), Stadtvikar, Frankfurt a. M., mit Frl. Theda Bartels, Hildesheim, Februar 1940. Bermählungen Zeiß, Karl(Gi 31, H 33), Pfarrverweſer, Wiesbaden⸗Dotzheim, mit Frl. Dora Lehmann, Bad Köſen.— Walter Göllner(Gi 32, 5 34) Pfarr⸗ amtskanditat und Uffz. einer Inf. Geſchütz Komp., 3. B. im Felde, mit Irl. Liſelotte Stiebeling, Gedern, Weihnachten 39.— Görb, Karl(Gi 20, M 20), Pfarrer in Marköbel bei Hanau, mit Jutta*»Konrad, Tochter des Kaſſeler Pfarrers Gotthelf Konrad(Od 93 E 94 M 21. Op 26 Wi 38), Kaſſel 22. 4.39— Hörr, Hans(Gi 30), Pfarrverwalter, z. Z. Soldat, mit Margaret Galli, Alzeu; 30. 9. 39.—»Hödding, Reinhard(M. 35 Gi 36) Pfarramtskandidat, z. 5. Gefr. in einem Inf. Rgt., mit Eva hädrich, Leipzig 29. 10. 39.— Boden⸗ ſohn, Joh.(Gi 38) cand. theol., z. Z. im Felde, mit Hedwig Hager, Worms 14. 10. 39.— Heumann, Wilhelm(Gi 98) Dr. phil. Prof, Studienrat Gießen, mit Agnes Wallmann, Bad Nauheim 31. 12. 39. Geburten Ramge, Karl(Si 11 Be 13), Pfarrer, Amberg(Oberpfalz), Tochter Eliſabeth 28. 2. 39.—**Wahl, Otto(Gi 30, Kg 34), Dr. med., Aſſiſtenzarzt, Wittenberg, — 40— Sohn Peter Joſt 26. 7. 39.— Kirſchbaum, Otto(Gi 20), Stud.⸗Aſſ., Alzeg, Sohn Ernſt Dieter, Gießen 3. 2. 40. Sterbefälle von Angehörigen Marie Haupt, geb. Haas, Gattin d. Cph. Fritz Haupt(Gi 04 S 05, Be 05 K 33), † 1. 11. 39, zu Mainz⸗Koſtheim. Stammrolle a) Anſchriftänderungen. Baſtian, Herbert(Cl. 33, T 34, Gi 35), Pfarraſſiſtent, Gießen, Hitler⸗Wall 47. — Berwig Wilh.(Gi 18, Mch 20), Dr. oec. publ., Forſtmeiſter, Lorſch(Heſſen), Nibelungenſtr. 32.— Bodenſohn, Jobſt(Gi 38), c. th., Worms, Paulusſtr. 13. — Chriſt, Otto(Gi 13), Dekan, Stockſtadt(Rhein), Hindenburg⸗Str. 19.— Dietrich, Fritz(Ei 25), Dr. ph., Stud.⸗Rat, Mainz, auf der Philippsſchanze 14. — Fritſch, Ludw.(Gi 28, Wi 20), Stud.⸗Aſſ., Reinheim(Odenwald), Hinter der Stadt 11.— Glenz, Wilh.(Gi 33, 5g 33), Dr. phil., Kand. des höh. Lehramtes, Darmſtadt, Rückert⸗Str. 26.—* Grein, Eduard(Gi 32 5 33), Pfarraſſiſt., Mainz⸗Mombach, Emrichruhſtr. 51.— Haber, Franz(Gi 16, M20), Dr. oec. publ., Hauptgeſchäftsführ. des Reichsverbandes des Deutſchen Ein⸗ zelhandels mit Tabakwaren, e. V., Wohnung: Berlin⸗Wannſee. Kronprin⸗ zeſſinnenweg 24ſ.— Henning, Heinz(Gi 33) Veterinärprahktikant, Notenburg (Fulda), Hausberg 10.— Lenzer, Helmut(Gi 34), Leutnant, z. 8. bei der Luftwaffe, neue Heimat: Butzbach, Schiller⸗Str 10.—*Ohlu, Rich.(Gi 10, Mch 11, Wi 37), Reg.⸗Rat, Friedberg(Heſſen), Lutheranlage 9d.— Rühl, Rud.(Gi 31), Dr. med., Aſſ.⸗Arzt, Gießen, pathologiſches Inſtitut.— Schnei⸗ der, Heinr.(Gi 31),„Pfarrer“, Roßfeld(Wttbg.) über Crailsheim.— Wahl, Karl(Si 30), Dipl.⸗Ldw., Gut Pampow bei Teterow(Meckl.).— Wahl, Otto(Gi 30, Kg 34) Dr. md, Aſſ.⸗Arzt, Wittenberg(Bz. Halle), Wichern⸗ Str. 43, 1.— Gulauf, Karl(Gi 25, Gd. 26), Pfr., Hermannſtein üb. Wetzlar. b) Philiſtrierungen uſw. Baſtian, Herb.(Cl 33, D 34, Gi 35), Pfarraſſiſt., Gießen, Hitler⸗Wall 47, philiſtr.— Franz, Thd.(Gi 95, Oſt. 90), Reg.⸗Rat i. R., Gießen, Unter der Liebighöhe 17, rephiliſtriert.—* Frölich, Rud.(Gi 04), Pfr., Bobenhauſen II (Kr. Alsfeld) über Mücke, rephiliſtr.— Glenz, Wilh.(Gi 33, Hg 34), Dr. ph., K. d. h. L.⸗A., Darmſtadt, Rückert⸗Str. 26, philiſtr.— Henning, Heinz(Gi 33), Veterinärpraktikant, Rotenburg(Fulda), Hausberg 10, philiſtr.—* Ködding, Reinh.(M 35, Gi 38), G. ih., Dorf Güll über Lich, philiſtr. c) Beſtandene Prüfungen II. theologiſche Prüfung ** Wahl, Herb.(Cl 32, Gi 37), Pfarramtskandidat, Heimat: Gießen, Frankfurter Str. 5, I. Philoſophiſche Doktorprüfung 6 Klens Wilh.(Gi 33, 5g 33), Dr. ph., K. d. h. L.⸗A., Darmſtadt⸗Rückert⸗ r. 26. Tierärztliche Staatsprüfung Henning, Heinz(Gi 33), Veterinärpraktikant, Rotenburg(Fulda), Hausberg 10. — — . 7 . . . 2 * — 3 3*„ 2·— =——— 2—- E—— M⸗ 4 4S 1892 3.¹(4)ne. 88— Ungewiſſe. Einen Tag nur und eine Racht ſollte er an den mör⸗— . deriſchen Kämpfen zwiſchen Gleiwitz und Tſchenſtochau teilnehmen. 4 bis er am Samstag früh um 8 Uhr(2. Sept.) von einer feinde lichen Kugel ſchwer verwundet wurde. Im Krankenhaus zu Graß⸗ Srreblit mahin man ihn deor nollſtändig gelähmt war gebracht 1 Colour& Grey Control Chart ed Blue Cyan Green vellow Hed Magenta White Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black ——..— ſer lieber Ernſt Bauſch, der als Erſter aus unſeren Reihen ſein Leben dem Daterlande ſchenkte. K. Trechsler, Feldw. Ein Gießener Depoſitionsſchein von 1773 Dank der Freundlichkeit unſeres Uph. Wilhelm Wahl in Lang⸗Göns, des rührigen Betreuers des Bernbeckſchen Samilien⸗ archivs, können wir heute eine Gießener Depoſitionsurkunde vom 9. 9. 1773 veröffentlichen. Obwohl dieſe Scheine häufig ausge⸗ ſtellt wurden, ſind ſie doch zu großen Seltenheiten geworden. Der letzte bekannte Marburger ſtammt von 1761, mithin iſt unſer Schein 12 Jahre jünger, was beweiſt, daß man in Gießen länger an dem alten Brauch feſthielt. Bisher kannte ich nur ein ein⸗ ziges Gießener Exemplar aus der Zeit vor 1760, das mir 1935 beim Gießener Deutſchen Studentenhiſtorikertag ein auswärtiger Studentenhiſtoriker zeigte. a) Lateiniſcher Text. Danneitar Puhlione Aoademiae Hasso-Giesenae W