Hruck aus„Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft 21. 40500 i Eee (233,) Y Gießener Studentenbriefe aus dem Jahre 1834. Von Wilhelm Rehmann. Der Druck des vormärzlichen Systems auf Presse- und Ver- sammlungsfreiheit, der in den Bundestagsbeschlüssen von 1832 seinen Niederschlag fand, hatte zu einer Explosion geführt. Am 3. April 1833 hatten Studenten und Handwerker die Frankfurter Wachen gestürmt in der irrigen Hoffnung, durch diese Tat eine allgemeine Erhebung gegen den Deutschen Bund entfachen zu können. Die daraufhin einsetzenden Maßnahmen der Regierungen führ- ten zu zahlreichen Verhaftungen und Vernehmungen, die sich über mehrere Jahre hinzogen und auch Oberhessen berührten. 60 Personen, von denen 26 sich durch die Flucht in das Ausland reiten konnten, waren in diese politischen Umtriebe verwickelt. Das Urteil des Großherzoglich Hessischen Hofgerichts der Pro- vinz Oberhessen in Gießen vom 5. November/ 8. Dezember 1838 erkannte gegen den größten Teil der 30 Angeklagten auf Zucht- hausstrafen bis zu 10 Jahren, die allerdings bald von dem Groß- herzog auf dem Gnadenweg erlassen wurden. Die Träger der oppositionellen Bewegung in Gießen waren neben Männern des öffentlichen Lebens, von denen der Privat- dozent Dr. Hundeshagen, der Buchhändler Ricker, die Hofge- richtsadvokaten Dr. Bansa, Rosenberg und Briel genannt seien, vor allem Studenten der Universität, die größtenteils der Burschen- schaft angehörten. Der Mißerfolg des Frankfurter Unternehmens hatte deren Unternehmungsgeist keineswegs gebrochen. Schon im darauf- folgenden Jahre hatte man von Gießen aus zu gleichgesinnten Kreisen der weiteren Umgebung Verbindung aufgenommen und auf Anregung des Butzbacher Pfarrers und Rektors Dr. Weidig begonnen, mittels illegaler Flugblätter die ländliche Bevölkerung 143 Oberhessens zu bearbeiten, um sie für die Sache der Freiheit zu gewinnen und reif zu machen. Die bekannteste dieser Flugschrif- ten war„Der hessische Landbote“ von Georg Büchner. Als am 1. August 1834 der Student der Rechtswissenschaft Karl Minnigerode von Offenbach kommend die Wache am Selters- tor in Gießen passierte, wurde er angehalten, dem Universitäts- richter vorgeführt und durchsucht. Man fand bei ihm, wie es in den Akten heißt:„auf dem Leib, in den Stiefeln und in der Rock- tasche eingenäht bedeutende Mengen von Exemplaren“ des in Offenbach bei Preller gedruckten„Landboten“(es war die„erste Botschaft“), beschlagnahmte diese und verhaftete den Studenten. Nachdem Hofgerichtsaccessist Haberkorn bei Minnigerode eine Haussuchung durchgeführt hatte, wurde dieser am 4. August nach Friedberg verbracht und dem mit der Untersuchung beauf- tragten Richter, Landgerichtsassessor Wagner übergeben. Dem Bundesbruder Minnigerodes, stud. jur. Schütz, der einen Pack mit Flugblättern nach Darmstadt bringen wollte, gelang es, nach Straßburg zu entkommen, als er von der Verhaftung Minnigerodes hörte. Erneut setzte jetzt eine Verhaftungs- und Untersuchungswelle ein, die in Oberhessen eine starke Erregung hervorrief. Die hier vorgelegten 7 Briefe der Studenten Schütz, Dittmar, Wiener und Rosenstiel geben ein lebendiges Bild der damaligen Zeit. Die Herausgabe erfolgt auf Grund von amtlich beglaubigten Abschriften, die das Gießener Hofgericht dem Criminalsenat des Landgerichts Marburg, das die Untersuchung gegen die kurhes- sischen Teilnehmer an der Bewegung führte, zur Verfügung ge- stellt hatte. Die Briefe fanden sich in den Untersuchungsakten gegen den Marburger Privatdozenten Dr. Leopold Eichelberg, den führenden Kopf des dortigen oppositionellen Kreises(Staatsarchiv Marburg, 270°, Obergericht Marburg, Acc. 1871/35.(Vgl. dazu: W. Rehmann, Ein neues Dokument zur Hessischen Demogogen- zeit. Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft Bd. 18, 1949. S. 104 ff.). Ihre Veröffentlichung ist insofern von Wert, als die Originale in dem Staatsarchiv Darmstadt nicht mehr vorhanden sind. Sie befanden sich seinerzeit im Besitz des Empfängers, stud. chem. 144 1 Vor alle laß micl dann ab Der nabe] is zu erha der Art am leic lungen scheint wollte k mir doc sorgen, Schwei⸗ solche Beweis Wie Wie ste unbegre Auch f. ist dare Uebe theilung lidel lel solchen 10 Glegen reiheit 2u lugschrif. SSenschaft un Selters. iversitäts. wie es In der Rock. i des in die erste tudenten. rode eine August ug beauf- den. Dem Pack mit es, nach migerodes ungswelle Dittmar, lamaligen laubigten senat des e kurhes- igung ge⸗ ingsakten berg, den atsarchiv gl. dazu: mogogen- 18, 1949. Originale Sind. Sie ud. chem. Gustav Clemm aus Lich. Dieser hat sie am 29. Dezember 1835 dem Hofgericht in Gießen übergeben, nachdem er— früher einer der eifrigsten Vorkämpfer— von seiner politischen Einstellung und von seinen einstigen Freunden und Bundesbrüdern abge- rückt war. 1. [Brief des flüchtigen Studenten Schütz ¹) von Mainz an Gustav Clemm ²) aus Lich:] Lieber Klemm, Vor allem, mein Lieber, sei recht herzlich von mir gegrüßt, und laß mich Dir recht viel Glück in Deiner Fensterliebe wünschen, dann aber Dich um eine Gefälligkeit bitten. — Der Plan, den ich mir für meine nächste Zukunft[gestellt habe)] ist einfach der, zu suchen, mich durch irgend etwas selbst zu erhalten. Mein Wille ist entweder Hauslehrer, Secretair, oder der Art etwas zu werden. In der Schweiz denke ich auf diese Art am leichtesten durchzukommen. Nur ist dazu nöthig, Empfeh- lungen zu haben. Man hat mir solche mitgeben wollen, doch scheint es als hätten Hindernisse es unmöglich gemacht. Wer es wollte kannst du[Dir] wohl denken!——— Ich bitte dich daher, mir doch dieselben so bald als nur immer möglich solche zu be- sorgen, da ich ohne solche sehr zweifelhafte Aussichten für die Schweiz habe. Solltest du vielleicht auch von anderer Seite mir solche verschaffen können, so wäre mir das ein erwünschter Beweis deiner Freundschaft.——— Wie lebt ihr; u was gibt es in Giessen für mich Wichtiges? Wie steht es mit Minchen? ³)— Von Büchner ⁴) hat sich das mir unbegreifliche Gerücht hier vernehmen lassen, er sei arretirt. Auch fand ich in den Zeitungen schon ähnliche Gerüchte. Was ist daran?— Ueber mein sonstiges Leben hier laß dir von Ferber ⁵) Mit- theilungen machen. Ich hoffe und glaube, daß ich immer noch fidel lebe, denn der Kazzenjammer(I!) ist ja nur eine Folge eines solchen Lebens. Grüsse mir Büchner, Chrzanovski ⁶), Winther), 10 Gießener Hochschulnachrichten 145 herzlich und vergiß nicht Deinen Mephisto ¹⁰). Graffenstadt, den 4. September 34. P. S. Schreibe mir doch recht bald u auch ob ich Empfehlungs- schreiben erhalte, indem ich darnach meine Abreise bestimme. Mleine] Adresse H. Schroth 4 Gastwirth zum Rebstock Strasburg. 2. [Brief des flüchtigen stud. H. Dittmar aus Darmstadt an stud. G. Clemm in Lich:] 0. D.[Herbst 1834]. Lieber Klaner(Klauer?)! Du mußt selbst gestehen, daß du entweder ein ganz vergessener, oder verliebter Mensch bist, welches letztere ich lieber glauben will, denn daß du so schnell einen Freund vergessen könn- test, hoffe ich nicht von dir. Ich hoffe, daß du in der Kürze ein- mal etwas von dir und meinen Bekannten hören lässest. Ich(reilse bis zum ersten Oktober von[Strassburg?] nach Zürich ab, wo schon die IrI...(2) Examinatoren auf meine Ankunft[warten] solltest du mir desshalb vor dieselm Zeitpunkt)] antworten, so adressire den Brief folgendermassen Mr. H. Dittmar ¹¹) Médicin, p. Adr. de Mr. Frédéric Traut, Avoué-Licencié, a Strasbourg, Rue des Juifs No. 43. Grüs(s)e Rosenstiel und alle Uebrige recht herzlich von deinem Fr(eund) und Bruder Brummer ¹²). 3. [Brief des stud. Wiener ¹³) von Darmstadt an Clemm:] Lieber Vetter! Die Gelegenheit, welche sich mir jetzt durch Freund Belluc 14) bietet, ist zu schön, als dass ich dir nicht mit wenig Worten mel- 146 Schneider ³⁴), Faber ²), kurz alle meine Freunde und Bekannten mich e der Bit umher enthalt der fr. hiesige Freun- zu thu werthe zu tre kein genau dessen Ilich] finden wieder heralie Le grüßt D. Herali sichtig Schwe Beka unt Phisto ¹) 6 apfehlungs. Stimme dt an Stud. rst 1834, ergessener, er glauben sen könn. Kürze ein- ö. rg?] nach auf meine Leitpunkt) ric Traut, . ch amer ¹). Belluc ¹⁰¹) orten mel- den sollte, daß wir hier wohl sind und Eurer mit Freude geden- ken. Wie Louis ¹⁵) vor einigen Tagen, so War ich heute bei Stadt- gerichtsassessor Trygophorus vor, über einige, soviel ich weiss auch dir und Lang ¹⁶) schon vorgelegte Fragen, den Ernst Dieffen- bach ¹⁷) und Curtmann ¹³⁸) betreffend. Die Sache hielt sich ganz im Allgemeinen, ich wußte von Ernst Dieffenbachs jetzigem Auf- enthalte durchaus nichts Näheres, von Curtmann blos das, daß er mich versichert habe, er gehe in die Schweiz um da eine Lehrer- stelle anzunehmen. Ich sagte, Curtmann, den ich bei Gelegenheit einer Reise nach Cassel im Herbst 1831 kennen gelernt hätte, habé mich eines Morgens, kurz vor Pfingsten dahier aufgesucht, mit der Bitte, ihn, da er hier weiter Niemand kenne, in der Stadt umher zu führen. Er hätte mir seinen Pass gezeigt, in welchem enthalten gewesen sei, dass er in die Schweiz gehe, um sich in der französischen Sprache zu vervollkommnen. Sonst ist mir durchaus nichts bekannt. Habe die Güte, dieses dem früheren Schnellschreiber am hiesigen Landtage, dem jetzigen Studios: Kolb ¹⁹), einem alten Freunde von Haus aus, mit meinem freundlichen Gruße, zu wissen zu thun. Uberhaupt rathe ich Euch, mit diesem sehr achtungs- werthen, entschiedenen u. tüchtigen Kerl in nähere Verbindung zu treten. Seine Schüchternheit erweckt im ersten Augenblicke kein eben sehr großes Vertrauen, aber er ist, wie schon sein genaues Verhältniss mit Selim, Helm, Zopp 2⁰) u. a. m. bezeugt, dessen im höchsten Grade würdig. Kommt Ihr ihm freundschaft- llich] entgegen, u. ihr werdet einen sehr wackeren Bruder an ihm finden. Ich lebe der angenehmen Hoffnung, in diesem Curse selbst wieder Student in Giessen zu werden. Einstweilen grüsse ich Euch herzlichst. Hier steht Alles— so zu sagen— erträglich. Lebe denn wohl, grüsse alle Braven u sei selbst herzlich ge- grüßt von Deinem Fuchs ²¹). D. 4. Nov. 1834. Herzlich Gruss von Ent, der mir gestern kurz vor seiner beab- sichtigten— wohl nicht so pald erfolgenden!!— Abreise in die Schweiz, schrieb, an Euch alle. 10 147 4. [Brief des stud. Wiener von Darmstadt an Clemm:] Liebster! Bei Ubersendung der vorgestern liegen gebliebenen Einlage, be- nachrichtige ich dich zugleich, daß es dahier ziemllich] stent u. daß wir Willens sind u. auch schon begonen haben, alle Stränge anzuspannen. Das, worüber vor 14 Tagen Louis in deinem Auf- trage bei mir anfragte wird 8 Carolin kosten u. in 8 Tagen am Ort sleiner] Bestimmung sein ²²). Es thut dergl. jetzt sehr Noth. Treibt nur auf Organisation ordentlliche] Posten,[mit] militärlischer] Pünktlichkeit u. Subordination. Ca ira. Ich hoffe, dass die arme Mine(nicht] verschmachten wird. Agire nur gehörig bei d. Fräu- lein quaestionis ²³). Stecke es Minchen u. s. Nachbar ²⁴), du hast ja Gelegenheit; grüsse slie] von uns herzllich]. Der Plan, der vorigen Sommer mit Faix ²⁵) versucht wurde, muß jetzt hoffentllich] mit besserem Glücke wiederholt werden. Stecke es ihm; benachrich- tige auch Minchen, es möge Selterserwasser mit Zucker zu trin- ken anfangen. Wir bitten dich recht sehr, thätig zu sein u. nach Umständen mit deiner Candidatenschrift(Doppelbuchst wie ae, ck, ch u. a. zählen verdoppelt) Bericht zu erstatten. Du wirst es am besten mit FrI Briel ²⁰) thun können, d. dir dieses überbringt. Schliessllich] ersuche ich dich um deine gefällige Mitwirkung zu endllicher] Beillegung] der alten Bibliotheksangelegenheiten. Grüsse mir alle Braven u. empfange an sie u. dich herzliche Grüsse v. Brummer u. Ent(die mir vorgestern schrieben; Ent wird wohl schon abgegangen sein) u. Deinem Fuchs. Das Verbrennen nicht zu vergessenl!! 5. [Brief von Rosenstiel an Clemm:] ²ꝛ) 22/10 34. Deinen letzten Brief(datirt vom 18. d. M.) erhielt ich gestern Abend, ich kann aber denselben durchaus nicht verstehen. Alles, worauf du dich in demselben beziehst, ist mir völlig unbekannt. Zur Vermeidung aller möglichen Mißverständnisse will ich alle 148 8 8 Briefe, welche seit Herbst mir von dir zugekommen, als auch von mir an Dich abgeschickt worden sind, näher bezeichnen. Von dir erhielt ich im Ganzen vier Briefe. den ersten gabst du Becker ²³) mit, den zweiten schickte mir Ludwig ²⁰)(datiert vom vierten d. M.) den dritten(vom dreizehn- ten) und vierten(vom Gestrigen) prachte mir Schlink ³⁰). Ausser diesem schrieb ich dir drei Briefe. Die zwei ersteren(vom vierten und sechsten d. M.) adressirte ich an Siebold ³⁰), den letzten(wenn ich nicht irre, vom achten bis zehnten d. M.) an meinen ehemaligen Nachbar, den Jud Salomo Hirsch ³⁰). Wie schon gesagt, ist mir dein gestriger Brief ganz unver- ständlich, von dem erwähnten Plan, Geldbeiträgen und derglei- chen ist mir auch nicht das Mindeste bekannt, noch weniger ist mir ein Doctor Häuser ³¹) bekannt. Büchner ³²) kenne ich kaum vom Ansehen, nur weiß ich so- viel, dass ich mich mit diesem unvorsichtigen und höchst ver- dächtigen Menschen niemals in das Geringste einlassen werde. Es ist hier sogar dem Ministerium bekannt, dass Büchner, wie ein Hanswurst verkleidet in geheimen Aufträgen zu Offenbach war. Du schreibst mir auch, du würdest nächstens nach„D“ kommen. Diess soll doch hoffentlich„Darmstadt“ bedeuten? Wenn du kommst, so habe doch die Güte, mich, wenn es möglich ist, von dem Tage Deiner Ankunft zu benachrichtigen, auf jeden Fall aber kommst du gleich in unser Haus und logirst bei mir. Viel- fach hast du mich schon beleidigt, solltest du aber nicht sogleich zu mir kommen, oder wohl gar bei jemand Anderem logiren, diess könnte ich dir nie und nimmer verzeihen. Auf der Reise hierher sei nur ja recht vorsichtig, gehe nicht durch Frankfurt(mich wollte man auf meiner letzten Herreise gar nicht durchlassen, zuletzt schickten sie mir einen Polizei- diener nach, der so lange vor dem Wirthshaus stehen blieb, bis jch wieder abreiste) und halte dich in Offenbach nicht auf. Am besten fährst Du mit dem Postkourrier und lässest dich erst einige Minuten vor deiner Abreise einschreiben. Gestern Abend hörte mein Alter von einem Bekannten, dass der berüchtigte Polizei Secretair Frölich von hier in politischen 149 Angelegenheiten in die Gegend von Alsfeld geschickt worden seil!! was mir aber die ganze Sache am Verdächtigsten macht, ist, dass mir mein Alter nicht sagen wollte, wer jener Bekannte gewesen, sondern hinzusetzte: wenn du dort Jemand kennst, der verdächtig sein sollte, dann warne ihn, aber thue es bei Zeiten ³³). Sei so gut und beantworte mir ja recht bald diesen Brief. Ist Siebold wieder in Giessen? 6. [Brief von Rosenstiel an Clemm:] 23. 10. 34. Nachträglich zu meinem Brief von gestern. Ich erkundigte mich gelegentlich nach Doctor Häuser und hörte, derselbe sei ein recht grosser Einfaltspinsel und auch ein Schisser von der ersten Sorte. Sein Hauptplan ist dermalen, den König von Baiern zu Rom zu ermorden. Er selbst bedankt sich aber für die Ehre. Ueberhaupt mögen wieder gescheite Sachen im Werk sein! Ich bitte Dich um Alles lasse Dich doch nur mit so dummen Leuten in nichts ein. Beständig lebe ich in der gröss- ten Angst um Dich, bedenke doch, dass du mehr werth bist, als dich über solche erbärmliche Wische, wie die waren, welche das arme Dambohrchen ³³) bei sich hatte, der Gefahr, abermals arre- tirt zu werden, auszusetzen. Ich muss sagen, ich wäre zu stolz dazu, mich in diese kleinlichen Geschichten einzulassen. 7. [Brief von Rosenstiel an Clemm:] 24/10. 34. Deinen Brief durch Ludwig erhalten. Einige Worte konnte ich wegen der darauf liegenden Oblate nicht lesen. Hast du meine beiden letzten Briefe vom zwei- und drei und zwanzigsten d. M. adressirt an Frau Krauskopf ³⁵) und Siebold erhalten? Alles ist besorgt, die Presse wird in den nächsten Tagen ein sehr zuverlässiger Mann, Lythograph Schüler ³⁰) in seinem Namen 150 — kaufen und bezahlen. Sie kostet nur 10 Carolin: in Schülers Woh- nung kann sie dann so lange stehen pleiben bis ein sicherer Ort ihres definitiven Aufenthalts ausgemacht ist. Dir soll ich sagen, Du möchtest, sobald die zehn Carolin bei- sammen sind, hierher kommen, damit Schüler, ein armer Teufel, sein Geld wieder zurückgegeben werden kann. Dr. Häuser bleibt ganz aus dem Spiel, es traut hier diesem albernen Kerl Niemand. Hier erzählt man, der kleine Dambohr sitze bei Wasser und Brod und sollte, wenn er ferner leugnete— —— ich mags nicht aussprechen, es wäre schrecklich! und diess alles um dieser elenden erbärmlichen Wische Willen. Man sollte fast meinen, es hätte sie ein verkappter Aristokrat geschrieben. (Zur Beglaubigung der Abschriften: E. Gravelius Accessist.) Anmerkungen. 1) Schütz, Jakob Friedrich, geb. Mainz 31. 8. 1813. Vater Schuh- machermeister. Immatr. als stud. jur. am 20. 5. 1832. Floh ins Ausland. Nordamerik. Generalkonsul in Rotterdam. Hier gest. am 4. 3. 1877. Mitglied der„Germania“.— S. Gießener Matrikel. Burschenschafter-Listen Bd. 2, 1942. S. 74. 2) Clemm, Christian Gustav, geb. 29. 3. 1814 in Lich. Vater Land- gerichtsassessor. Immatr. am 23. 1. 1831 als stud. theol., dann cam. und chem. S. S. 1831 Germane, S. S. 1833 Palate. Dr. phil. Fabrikdirektor in Aussig. Gest. 1. 3. 1866 in Dresden. Lit. Angaben über ihn: Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft Bd. 18, S. 109, Anm. 20. 3) Spitzname für Minnigerode, Carl Friedrich Ernst, geb. 6. 8. 1814 in Arnsberg. Vater später Hofgerichtspräsident in Darmstadt. Immatr. in Gießen als stud. jur. am 23. 5. 1832. War lange in Friedberg und Darmstadt in Haft. Nach Nordamerika ausgewandert. Rektor a. d. Pauluskirche in Rich- mond(U. S. A.). Gest. am 13. 10. 1894 in Alexandria bei Washington. S. Bursch. Blätter 1895/96. S. 112. 1902, S. 176. Hans Mayer, Gg. Büchner S. 172 Hess. Biogr. Bd. 2. S. 285. Schäffer, Aktenm. Darst. der im Großhzt. Hessen stattgehabten hochverr. Unternehmungen 1839. S. 51 ff. Minningerode war Germane und später Palate. Bursch. Listen Bd. 2. S. 74 u. 81. 151 4) Büchner, Georg, der bekannte Dichter, geb. 17. 10. 1813 in God- delau. Vater Medizinalrat. Immatr. in Gießen als stud. med. am 31. 10. 1833. Später Dozent an der Anatomie in Zürich. Dr. phil. Gest. am 21. 2. 1837 in Zürich. S. Gießener Matrikel, Bursch. Listen 2, S. 73 führen ihn als Mitglied der Germania im W. S. 1831/32; dies ist ein Irrtum, da Büchner erst am 31. 10. 1833 in Gießen immatrikuliert wurde. Weitere Lit. über B. bei Vietor, Carl, Gg. Büchner als Politiker, Hans Mayer, Gg. Büchner usw. 5) Ferber, Heinrich Ludwig, geb. Gießen, 25. 1. 1813. Vater Kürsch- 7 nermeister. Immatr. als stud. cam. am 28. 10. 1830. Später Kaufmann und Magazinverwalter bei der Oberhess. Eisenbahn. Gest. Gießen 20. 1. 1882. W. S. 1830/31 Germane und S. S. 1833 Palate(Bursch. Listen 2, 71 u. 81. Uber ihn: Heimat im Bild 1938. S. 1. 6) Chrzanowsky, Narcyz, Sohn von Julia Ch. aus Belta(Podolien). Immatr. 25. 5. 1932 stud. med. Dr. Prom. 17. 8. 1836 in Gießen(Gießener Matrikel). Ch. gehörte 1832 der burschensch. Verbindung Teutonia u, 3. 3. 1833 der Palatia an(Bursch. Listen 2, 79 u. 81). 7) Winther, Ludwig Franz Alexander, geb. 9. 3. 1812 in Offenbach. Vater Chirurg. Immatr. 24. 10. 1831 als stud. med. Germane u. Palate Dr. med. Univ. Professor(Pathologe) in Gießen. Gest. in Gießen am 26. 4. 1871. Gießener Matrikel, Bursch. Listen 2, 73 u. 82. 3 3) Küfermeister David Schneider aus Gießen. War in den Prozeß verwickelt u. zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, S. Aktenmäößige Darstellung S. 62. 9) Küfermeister Georg Melchior Faber aus Gießen. Wurde zur glei- chen Strafe verurteilt. 1⁰0) Spitzname für Schütz. 11) Dittmar, Georg Hermann, geb. Darmstadt 20. 1. 1812. Vater Ober- finanzrat. Immatr. als stud. med. 28. 10. 1830. W. S. 1830/31 Germane und S. S. 1833 Palate. Dr. med. Arzt in St. Marie aux Mines(Elsaß). Gestorben dort am 31. 8. 1871. Gießener Matrikel. Bursch. Listen 2, S. 71 u. 31. 1²) Spitzname für Dittmar. 13) Wiener, Paul, Ernst Hermann. Geb. Darmstadt 7. 11. 1813. Vater † Stadtrichter. Immatr. in Gießen am 6. 5. 1831 als stud. theol. et phil. S. S. 1831. Germane. Professor d. griech. Sprache u. Lit. a. d. Akademie u. Gymnasiallehrer in Lausanne. 1877 im Ruhestand. Dr. phil. Gest. Lausanne 22. 3. 1897. Gießener Matr. Bursch. Listen 2, S. 73. 14) Belluc, Andreas. Geb. Mainz 1. 7. 1814. Vater Privatmann. Im- matr. Gießen 20. 5. 1832 als stud. jur. S. S. 1832. Germane. Dr. jur. General- staatsprokurator in Mainz. Dort gest. am 19. 6. 1872. Gießener Matrikel. Bursch. Listen 2, S. 74. 152 ——,/— „— 15) Rosenstiel, Ludwig. Geb. Darmstadt 30. 4. 1806. Vater Großh. Rat. Immatr. Gießen 27. 11. 1825 als stud. jur. Soll 1826 bis 1832 Hesse und Starkenburger gewesen sein.(In den Kösener Korpslisten von 1910 u. 1930 nicht enthalten!) War in Heidelberg Burschenschafter(Fäßlerianer und Frankone), in Gießen Germane(W. S. 1831/32) und palate(S. S. 1833) Rentner in Darmstadt. Dort gest. am 20. 12. 1863. Gießener Matrikel u. Bursch. Listen 2, S. 73 u. 82. 16) Lang, Ludwig. Geb. Lengfeld-Zipfen, Odenwald, am 30. 10. 1812. Vater Revierförster. Immatr. Gießen 29. 6. 1832 als stud. forest. et cam. S. S. 1831(?) Germane u. W. S. 1833/34 Palate. Forstmeister in Gießen. Dort gest. am 16. 9. 1881. Gießener Matrikel u. Bursch. Listen 2, S. 72 u. 32. Walter, Georg u. a.: Lengfeld i. Odw. 1950. S. 38. 17) Dieffenbach, Ernst Johann Karl. Geb. Gießen 27. 1. 1811. Vater Universitätsprofessor(Theologe). Immatr. Gießen 27. 9. 1828 als stud. med. S. S. 1828 Germane. 1839-42 Expedition nach Neuseeland. 1850 a. 0O. Prof. f. Geographie u. Geognosie in Gießen. Dr. med. Dr. phil. Gest. in Gießen 1. 10. 1855. Gießener Matrikel. Bursch. Listen 2, S. 68. Die Univ. Gießen 1607-1907 Bd. 1 S. 422. 13) Curtmann, Karl Leberecht. Geb. in Eudorf bei Alsfeld 18. 9. 1808. Vater † Pfarrer in Eudorf. Immatr. 10. 5. 1829 als stud. theol. Gest. als Sattler in St. Louis. Todestag unbekannt. Gießener Matrikel. Bursch. Listen 2, S. 65, WoO er wohl irrtümlich schon S. S. 1826 als Germane geführt wird!! ¹19) Wahrscheinlich Kolb, Philipp Theodor aus Laubach. Vater Inspek- tor. Immatr. 1. 11. 1828 als stud. jur. Dann wohl Studium unterbrochen und Immatrikulation am 8. 2. 1835 erneuert. Gießener Matrikel. 2⁰) Spitzname von? 21) Spitzname von Wiener. 22²) Es handelte sich um den Ankauf einer Drudkerpresse zur Herstellung der illegalen Flugblätter. 23) Fräulein Karoline Fischer aus Gießen, eine Base Minnigerodes. Aussage Clemms vor dem Untersuchungsrichter am 30. 12. 1835. St. A. Mbg. 27e 20, VI. 24) Karl Zeuner aus Butzbach, der mit Minnigerode im Friedberger Gefängnis saß. 25) Faix: Spitzname für Georg Gladbach, geb. Darmstadt 2. 7. 1811, Vater Legationsrat. Immatr. 18. 7. 1832 stud. jur. in Gießen. Wird bereits S. S. 1829 als Germane geführt!(?) Lehrer an der Kantonschule in Aarau bis 1881. Gest. 24. 5. 1883 in Zürich. War auch Göttinger und Heidelberger Burschenschafter. S. Bursch. Listen Bd. 2 S. 70. Ein Befreiungsversuch aus 153 dem Gefängnis in Friedberg scheiterte an Gladbachs Ablehnung.(Aussage Clemms St. Arch. Mbg. 170e Nr. 20 VI. S. a. Gießener Matrikel. 26) Schwester des in die Untersuchung verwickelten Gießener Hof- gerichtsadvokaten Wilhelm Briel. 5 27) Die drei Briefe Rosenstiels(5 6 und 7) waren chiffriert und wurden von Clemm für die Akten entziffert. 26) Uber den„Roten Becker“ s.:„Nachrichten der Gießener Hochschul- gesellschaft“ Bd. 18, 1949. S. 115, Anm. 34. 29) Ludwig, Friedrich Franz. Geb. 5. 3. 1816 in Darmstadt. Vater Oberappellationsrat. Immatr. Gießen 4. 6. 1833 als stud. jur. Gest. Gießen 25. 1. 1335. 30) Anscheinend Personen aus Gießen, die den Transport der Briefe vermittelten, aber keine Studenten waren. 31) Dr. Häuser soll in einer Buchhandlung in Darmstadt tätig gewesen sein. Er war mit Büchner sehr bekannt und sollte den Kauf der Druckpresse in die Wege leiten.(Aussage Clemms am 30. 12. 1835 vor dem Unter- suchungsrichter.) Staatsarchiv Marburg 270e Obergericht Marburg Nr. 20, VIII. 3²) Georg Büchner. S. Anm. 4. 33) Bezieht sich wohl auf Dr. Weidig, der inzwischen von Butzbach nach Obergleen bei Alsfeld strafversetzt worden war und dort am 7. 9. 1834 seine Antrittspredigt gehalten hatte. Mihm, Karl, A. Fr. L. Weidig, Archiv f. Hess. Geschichte und Altertumskunde. N. F. Bd. 15. S. 574. 34) Weiterer Spitzname für Minnigerode. 35) Gleichfalls Vermittlerin von Briefen(vgl. Anm. 30). 36) Lithograph Schüler war der Bruder des Kandidaten Ernst Sch. aus Darmstadt, Sohn eines Advokaten, der schon vor 1833 in Gießen in politische Umtriebe verwickelt war. Am 11. 5. 1829 in Gießen als stud. theol. immatrikuliert, gehörte er dem Corps Starkenburgia an, verkehrte aber viel mit Burschenschaftern, besonders mit seinen Landsleuten Glad- bach, Rosenstiel und Dittmar. Schüler ging in die Schweiz, war dort als Zeitungsverleger und Schriftsteller tätig und starb 1881 in Biel(Schweiz). S. aktenmäßige Darstellung... 1839. S. 6 ff. Kösener Korpslisten 1910. S. 231 u. 1930. S. 345. Quellen und Darstellungen z. Gesch. d. Dt. Burschenschaft Bd. 10. S. 297. Aussagen des Gustav Clemm vor dem Untersuchungsrichter am 2. 5. 1835.(St. Arch. Marburg 270e Nr. 20 II.) Gießener Matrikel. lruck aus„Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaftte 21. Band 35500N— ö GioRonor Studontonhriofe aus dem lahre 1834. Colour& Grey Control Chart 33 Cyan Green vVellow Hed Magenta Grey 1 Strey?(Sroy 3 Grey 4 Black E M — zu— Vernattungen u vernenmungen, uit SII über mehrere Jahre hinzogen und auch Oberhessen berührten. 60 Personen, von denen 26 sich durch die Flucht in das Ausland retten konnten, waren in diese politischen Umtriebe verwickelt. Das Urteil des Großherzoglich Hessischen Hofgerichts der Pro- vinz Oberhessen in Gießen vom 5. November/ 8. Dezember 1838 erkannte gegen den größten Teil der 30 Angeklagten auf Zucht- hausstrafen bis zu 10 Jahren, die allerdings bald von dem Groß- herzog auf dem Gnadenweg erlassen wurden. Die Träger der oppositionellen Bewegung in Gießen waren neben Männern des öffentlichen Lebens, von denen der Privat- dozent Dr. Hundeshagen, der Buchhändler Ricker, die Hofge- richtsadvokaten Dr. Bansa, Rosenberg und Briel genannt seien, vor allem Studenten der Universität, die größtenteils der Burschen- schaft angehörten. —— ehmaene hatte deren TIIITTIIITTTTTTITTTTT[TTIITNTVVTTTTNNWM 2 3 2 1 3 4 5 6 7 3 9 10 2 B 143