04 S SoO=230 Housbuchbinderel d. Unlv. BIbliefthek SIessen 4. 7. 80 V 1 5. 455. 4982 dre ——— — 1 —— 2—— Überreicht vom Verfasser Abdruck aus Verhandlungen der Deutschen Pathologischen Gesellschaft Achtundzwanzigste Tagung gehalten in Gießen am 28.— 30. März 1935 Herausgegeben von dem derzeitigen Schriftführer Georg B. Gruber in Göttingen Verlag von Gustav Fischer in Jena 1935 ☛◻‿ AN 2 Verlag von Guastav Fischer in ſena Neues Lehrbuch Lehrbuch der speziellen pathologischen Physiologie Für Studierende und Arzte Herausgegeben von Prof. Dr. Erwin Becher, Frankfurt a. M./ Prof. Dr. Helmuth Bohnenkamp, Frei- burg/ Priv.-Doz. Dr. Ludwig Heilmeyer, Jena/ Priv.-Doz. Dr. Norbert Henning, Leipzig/ Prof. Dr. Ferdinand Hoff, Königsberg/ Prof. Dr. Walter Hülse, Falle/ Prof. Dr. Rudolf Schoen, Leipzig/ Priv.-Doz. Dr. Alexander Sturm, Jena Mit 54 zum Teil mehrfarbigen Abbildungen im Text und 1 farbigen Tafel X, 474 S. gr. 80 1935 Rmk 18.50, geb. 20.— Inhalt: I. Das Blut. Von Ludwig Heilmeyer, Jena. Mit 13 Abbild. im Text u. I Tafel. 2. Die Atmung. Von Rudolf Schoen, Leipzig. Mit 4 Abbild. im Text. 3. Der Kreislauf. Von Helmuth Bohnenkamp, Freiburg. Mit 9 Abbild. im Text. 4. Die Nierensekretion. Von Erwin Becher, Frankfurt, und Walter Hülse, Halle. Mit I Abbild. im Text. 5. Die Verdauung, Resorption und Ernährung. Von Norbert Henning, Leipzig. Mit 7 Abbild. im Text. 6. Der Stoffwechsel. Von Alexander Sturm, Jena. Mit 15 Abbild. im Text. 7. Das vegetative Nervensystem und die innere Sekretion. Von Ferdinand Hoff, Königsberg. Mit 5 Abbild. im Text. Zentralbl. f. innere Medizin. 1935, Nr. 13:... Die durch die Vielheit der Herausgeber bedingte geringere Einheitlichkeit macht sich im Gesamtaufbau kaum bemerk- bar.... Das Werk strebt die naturwissenschaftliche Fundierung des klinischen Arbeits- gebietes durch Physik und Chemie an. Es vermittelt eine Fülle spezieller Kenntnisse, die für ein klares Verständnis des krankhaften Geschehens und damit für ein sicher begründetes ärztliches Handeln unumgänglich notwendig sind. Die normale Physiologie findet nur so weit Berücksichtigung, als sie für die Darstellung der krankhaften Vorgänge unbedingt erforderlich erscheint. Langatmige und unfruchtbare Erörterungen rein spekulativer Natur werden vermieden. Durch seine Darstellung füllt das Buch eine Lücke in unserm Schrifttum aus. Es ist geeignet, Studierenden und Arzten wertvolle Dienste zu leisten. Zahlreiche anschauliche Abbildungen tragen wesentlich zum Verständnis des gebotenen Stoffes bei. Enger, Frankfurt a. M. Deutsche mediz. Wochenschrift. 1935, Nr. 18:... Eine Reihe hervorragender jüngerer Kliniker hat sich diesmal zusammengetan, um ein Lehrbuch mittlerer Größe zu schreiben. Die Rollen sind, wie mir scheint, sehr geschickt und zweckmäßig verteilt, so daß die einzelnen Kapitel wirklich von erstklassigen Kennern der betreffenden Materie zur Darstellung gebracht sind.... Daß das Buch sich neben den anderen Darstellungen einen gesicherten Leserkreis erwerben wird, daran kann wohl bei seiner Gediegenheit nicht gezweifelt werden. Prof. Grafe, Würzburg. Medizinische Welt. 1935, Nr. 18:... Die einzelnen Kapitel sind von Autoren bearbeitet, die mitten in der Forschungsarbeit des betreffenden Gebietes stehen und daher den jetzigen Stand der Erkenntnisse besonders klar darlegen können. Das in den einzelnen Kapiteln zusammengestellte Tatsachenmaterial ist erstaunlich. Trotz der relativen Kürze der einzelnen Abschnitte treffen wir fast überall eine er- schöpfende Betrachtung.... Im ganzen stellt das Werk eine sehr empfehlenswerte Neuerscheinung dar. Es füllt zweifellos eine bestehende Lücke aus uud wird sicher schuelle Verbreitung finden. Die Ausstattung ist vorzüglich. H. Bernhardt, Berlin. D. Begrüßungsrede des Herrn Georg Herzog-Gießen: Verehrte Fachgenossen! Männer und Frauen! Als Ortsansässiger möchte ich zunächst auch meinerseits der Freude Ausdruck geben über den zahlreichen Besuch und möchte ferner unserem Herrn Vorsitzenden dafür danken, daß er Gießen zum Tagungsort bestimmt hat. Ich freue mich besonders darüber, daß sich ältere und jüngere Mit- glieder zusammen in so großer Zahl eingefunden haben und daß viele unserer Freunde aus dem Auslande den weiten Weg nach Gießen nicht gescheut haben. Die Deutsche Pathologische Gesellschaft war immer ein Hort deutschen wissenschaftlichen Geistes und wissenschaftlicher Kameradschaft, ein Hort des Grundsatzes, die Arbeit um des Gemeinwohles willen zu tun und, ohne Rücksicht auf die Person, die Fahne und das Ansehen des Faches in Forschung und Lehre hochzuhalten. Unser Stolz war es, einen würdigen Nachwuchs in väterlicher Strenge heranzuziehen. Dieser Geist ist auch der Geist des neuen Deutschlands. Dem neuen Deutschland gehören unsere Herzen und unsere Deutsche Pathologische Gesellschaft ist und bleibt eine Stütze seines wissenschaftlichen und zur Gesunderhaltung des Volkes errichteten Gebäudes. Dieser Geist ist es aber auch gewesen, der unserer Deutschen Patho- logischen Gesellschaft immer schon Freunde aus dem Auslande zuführte. Wir fühlen uns mit ihnen eng verbunden! Daß dieser Geist im neuen Deutsch- land uns immer mehr treue Freunde zuführen möge, ist unser Wunsch. Wenn heute viele Fachgenossen aus dem Auslande unserer Einladung ge- folgt sind, so sehe ich darin ein Zeichen des Vertrauens zu Deutschland — 6 und seiner Wissenschaft. Daß dieses Zeichen hier in Gießen sichtbar wird, dafür danke ich als Gießener allen Teilnehmern aus dem Auslande ganz besonders. Weiter fällt mir überlieferungsgemäß die Aufgabe zu, die Entwick- lung der pathologischen Anatomie an meinem Standorte auf- zuzeigen. Beim Blättern in den Annalen unserer 328 jährigen Alma mater Ludoviciana kann man, wie wohl an allen Universitäten, die auf eine längere Geschichte zurückblicken können, drei Perioden des pathologisch- anatomischen Unterrichtes unterscheiden. Die erste Periode mehr gelegentlicher Unterrichtung geht aus Vorlesungsankündigungen hervor, wie sie etwa Valentini im Jahre 1699 erlassen hat:„Pathologiam verasque morborum causas e sectionibus cadaverum hominum ad imitationem Barthelini“. Valentini rühmt auch in seinen Pandectae medicolegales(1720) unter anderem das Amphitheatrum sectionibus anatomicis destinatum, wodurch Gießen anderen Universitäten voraus sei. Die erste Sektion einer menschlichen Leiche machte in Gießen 1615 Gregor Horst, im Jahre 1617 ließz er eine zweite folgen. Horst's Sohn Johann Daniel Horst und weitere Nachfolger in der anatomischen. Professur, Michael Heiland, A. J. Bötticher, Gg. Th. Bardhold u. a., setzten die Sektionen fort. Besonders werden aus dem Jahre 1709 noch die Sektionen eines Militärarztes Antonii erwähnt, der in Frankreich, Holland und England studiert hatte. Die Sektionen fanden damals öffentlich gegen Lösung von Eintrittskarten statt. Auf weitläufig lateinisch abgefaßten Anschlägen wurde dazu eingeladen. Solche Einladungen weisen vor allem auf den Nutzen hin, den der Arzt, aber auch sonst jedermann aus einer Sektion ziehen könne, und lassen die Absicht, damit eine naturwissenschaft- liche Unterrichtung ins Volk zu tragen. einwandfrei erkennen, was angesichts unserer heutigen gleichartigen Bestrebungen besonders interessant ist. Um den Nutzen der Sektion möglichst eindringlich darzustellen, wurden klassische Zitate und namentlich Überlieferungen aus dem Leben von Hippokrates verwendet. Von derartigen Aufforderungen zum Besuch von Sektionen bewahrt die Gießener Universitätsbibliothek noch 8 Stück auf, je l aus den Jahren 1663. 1669, 1677, 1698, 1703, 1704, 1706 und 1709. Ich erlaube mir, die Sektionsaufforderung aus dem Jahre 1663, auf 1⁄10 verkleinert, in facsimile wiederzugeben. Herr Professor Dr. Rudolf Herzog, Direktor des altphilologischen Seminars an der Universität Gießen, hat dankenswerterweise auf meine Bitte hin die Übersetzung vorgenommen. und mit Quellenangaben, Erklärungen und interessanten Hinweisen aus dem damaligen lateinisch geschriebenen Fakultätsbuch versehen; diese Arbeit Rudolf Herzogs wird am Schluß unseres Verhandlungsberichtes zu lesen sein(s. S. 333 ff. dieses Buches!). Die Auslassungen auf derartigen Anschlägen, die für unser heutiges Empfinden schwulstig und gewunden klingen, sind für die damalige Zeit sehr charakteristisch; dadurch daß sie sich auf Altes und Altestes stützen, um das gegenwärtige Tun zu loben; dadurch, daß sie die eingehenden Kenntnisse beweisen, die auch der damalige Arzt und Naturforscher vom Altertum, seinen Schriften und seinem Leben hatte; und auch dadurch, daß aus ihnen der Aufbruch zu einer neuen Zeit naturwissenschaftlicher Betrachtung hervorgeht, der über die Uberlieferung hinweg an die Dinge 1) Wie ich nachträglich erfahre, hat auf diese Aufforderungen bereits Professor Sobert Fritzsche, früher Gießen, jetzt Bad Nauheim hingewiesen; Professor Rudolf Herzog wird darauf zurückkommen. 8 selbst herantritt, den Wert der eigenen Schau betont und damit ein Zeit- alter der Forschung wieder einleitet. Ferner ersieht man an diesen Aus- führungen die Muße, mit der man damals seine Aufgaben unternahm, aber auch die Liebe und Sorgfalt, die man auf die äußere Form zu verwenden pflegte. Schließlich kann ich aber mich beim Lesen solcher Aufforderungen des Eindruckes der Reklame nicht erwehren; gewiß der Reklame für einen guten Zweck! Jedenfalls geht aber aus ihnen hervor, daß die Kunst des Reklamemachens auch damals schon verstanden worden ist und nicht erst in der modernen Zeit erfunden wurde. Die erwähnten Sektionen im 17. und 18. Jahrhundert waren vom Anatomen und wohl vor allem von normalanatomischen Gesichtspunkten aus vorgenommen worden. Zweifellos waren aber die Sekanten gleich- zeitig pathologisch-anatomisch eingestellt. So beschreibt J. Dan. Horst unter anderem im Buche IV seiner„Observationes“ die Obduktion„eines an Leberscirrhus(Jecur scirrhosum) gestorbenen Skorbutkranken“. Wie Herr Kollege Rudolf Herzog im Fakultätsbuch fand, betraf weiterhin eine der öffentlichen Sektionen dieser Zeit eine„ausnehmend monströse“ Mißgeburt. Und der damalige Landesherr Landgraf Georg II. ordnete 1655 die Sektion des einjährigen an„Hydrops“ verstorbenen Kindes des nach- maligen Landgrafen Ludwig VI. an. Alles Anzeichen dafür, daß in dieser Zeit Verständnis für pathologische Anatomie und eine gewisse Lehre in pathologischer Anatomie bereits vorhanden war. Vom Jahre 1800 etwa ab erkennt man aus den Vorlesungsverzeich- nissen einen festeren Lehrplan des ärztlichen Unterrichtes. Von da an datiert auch die zweite mehr systematische Unterrichtsperiode in patho- logischer Anatomie. Der Vorlesungskatalog von 1810 zeigt Unterricht im Sezieren an, der rasch weiter ausgebildet wurde; 1821 ist er bereits 4stündig. Die pathologisch-anatomischen Vorlesungen und Kurse wurden aber in dieser Periode noch mehr nebenamtlich, und zwar meist von Klinikern gehalten. Nachdem die Lehrer vorher unregelmäßig gewechselt hatten, kündigen 1833 bis 1839 Franz Josef Julius Wilbrand(zuerst Assistent am Chirurgischen Hospital, ab 1843 Professor der gerichtlichen Medizin und Hygiene), 1839— 1856 Adolf Wernher(im Hauptamt 1837— 1878 Direktor der Chirurgischen Klinik), 1855— 1871 Alexander Winther regelmäbig pathologisch-anatomische Vorlesungen an. Vom Jahre 1849— 1853 hat sich auch Vogel, der Direktor der Medizinischen Klinik, an der Abhaltung des pathologisch-anatomischen Unterrichtes beteiligt; Vogel hatte, wie ich einer Mitteilung unseres Schriftführers Gg. B. Gruber entnehme, vor seiner Gießener Amtszeit an der Universität Göttingen als Assistent des dortigen Physiologen Wagner den offiziellen Auftrag gehabt, die pathologische Ana- tomie in Vorweisungen und Sektionsübungen zu lehren. Besonders verdient um die pathologische Anatomie und speziell um die Errichtung einer pathologisch-anatomischen Sammlung zu Gieben hat sich Wernher gemacht, von dem noch jetzt eine größere Anzahl guter, selbst etikettierter Präparate erhalten ist. 1856 wurde er von der Nominal- professur der pathologischen Anatomie entbunden, gab jedoch die Aufsicht über das pathologisch-anatomische„Kabinett“ erst 1872 ab, als ein Fach- pathologe berufen wurde. Die pathologisch-anatomische Sammlung war damals offenbar noch viel mehr wie heute das Fundament der Institute. So lesen wir, daß beim Umbau der Anatomie 1812—1813 die Sammlungen für pathologische und vergleichende Anatomie neu eingerichtet wurden. 1836 wurde von der Gießener Universität das große„Museum“ des bekannten Geheimrats von Soemmerring(zuerst Kassel, zuletzt Frankfurt a. M.), FACUMHLTATIS M EDICE ACADEMIA GISSEN A. DEOANUS CfRTERIQUE PROFESSORES OADINARKRI1, CIVIBDVS Aeo ADEAAICIS SP. D. EMOCRITUS, ſolertiſſimus openm naturx perſcrutator, quippe qui Philoſophiæ addiſcen- dæ grati varias inſtituere peregrindtioncs ceſte liano, Laertio, aliinque, minime grave duxit, Acðm adlidue pccudum reclußis pedibus(ut cum paexa loquiliceat. jinhians ſpirantia conta- ſleret exta,ab Abdauu inlanut exiſt matus tuit, qui ctiam hominis vicem dolentes Hpfocratem, ut del dicinam facere quc alicnam reſtituerer, accerſicurarunt: Vocatus ita- Ggoe Ceus accurtit, offendirque Dænocritum, in ſecandis animantibusſtrequt occupatum, quo 3 Sigectaculo tantamio admirationeciraptus eſt Divinus, ùr vocari ſuevit, noſſer Senex- utin hæc Derampere verba nullus dubitarit: ⁵αιαά⁴σ‿σανe darden Lie 1. Are z, De Skt⸗ e eeeeeeee eene Multoretiamnum Anatania, quätamen olim potent imi Regum delectarti legunrur, experincogitur Abderitas, qui cadavera diflecantes Nedicot, ſinon inſanos, falrem crudeles& impiorsjudicarit; quæ ſtulta& nanis piehs nelcinaneum Democruto ridenda magis, an defſenda cuen Heraclio? ſanè ignorantibus Hiſce Artis oloribus commodius, nervofiusve quid teſpondeas, vix eſt, niſi quod olim Democritus: ⁴, τκανμ n Ser eue3 Mn 0,5-t s=e ereee a, ee nen Nihilibierudelecſt nihil 6 driliras. AudiatHus CaleunnRarimuminquit lb. 7. A O. c. 10, 22 pulherriaun aneeer Lu peruun Iaendan, Sundam ee, 2ut ,i veiter,, 7. r FIIHS ckiam ε. xctamar, ſe commenta- Adornaturi itaque pub ram fururis dicbus Anato- Domae. DOIO HNaa᷑ Laadgrie Se. e. 5 HeEr n ema tats, Se ſulipſmus cogai- oculata, admavebirur. fabricr humnanæ condit- ſequentbus diebus dhlervab ur. Adeſte taque natur indagatoret, nan& hie du unt; Aredimendd cxbibe DN JON PMILIE PVS OIN Ph polaa p ibili, unde fructus poſſea uccrcicat acomparabilus.ut nallidicendum ſu cumillo ſapiente: Tant peæ eterr nen emo, Pa- d2e P P CSc, NI RSorumn ſa ML Pacultate Aeds⸗ Dereubr 24 DG LXUII Typu, Jaftpe Diamui Hlamel, Aad. Ti O4 160 das hauptsächlich pathologische Präparate enthielt, für 16500 Gulden angekauft und 1844 mit der pathologisch-anatomischen Sammlung ver- einigt; eine große Anzahl dieser meist instruktiv und originell aufgestellten Präparate mit sauber gedruckten Etiketten in lateinischer Sprache läßt sich heute noch beim Unterricht verwenden. Ein großer gedruckter Katalog der umfangreichen Sammlung aus dem Jahre 1851 ist neben vielen alten Briefen und Drucksachen, die Befunde an Leichen und Präparaten be- treffen, noch im Besitz des Institutes. Die dritte Periode in der Geschichte der pathologischen Anatomie Gießens beginnt 1872 mit der Berufung pesonderer Fachpathologen. Seit dieser Zeit liegen auch ausführliche Sektionsprotokolle vor. Als Ubergang wäre zu erwähnen, daß schließlich schon der genannte Alexander Winther sich für pathologische Anatomie spezialisiert hatte und von 1867 ab eine eigene Professur für pathologische Anatomie innehatte; Winther hatte 1860 auch ein Lehrbuch über pathologische Histologie geschrieben; von Haus aus und daneben war er aber Augenkliniker(1848—1864). Die ersten. drei Fachpathologen Langhans übrigens ein geborener Hesse aus Usingen(1872— 1873, später Bern), Köster(1873— 1874, später Bonn), Perls(1874— 1881) waren aus der Schule von Rec klinghausens hervor- gegangen. Perls starb im Mai 1881 an Flecktyphus, den er sich während einer Epidemie bei der Sektion eines Handwerksburschen zugezogen hatte. 1881 wurde von Breslau Felix Marchand berufen; er ging 1883 nach Marburg. Gern wäre er geblieben, wie er mir einmal erzählte, aber der damalige großherzogliche Regierungsvertreter lehnte ihm die Errichtung eines eigenen Institutsgebäudes, das er in Marburg versprochen bekam, ab mit den Worten,„er wolle wohl gar der Regierung die Pistole auf die Brust setzen“. Das pathologisch-anatomische Institut war damals zusammen mit Anatomie, Zoologie und Physiologie in einem großen 1845 errichteten Gebäude untergebracht, das noch jetzt in nächster Nähe des Bahnhofes steht und schon seit 1849 die große pathologisch-anatomische Sammlung beherbergte; die normale Anatomie und die Zoologie sind heute noch in diesem Gebäude zu Hause. Ich freue mich, den ersten Assistenten Mar- chands, Herrn Sanitätsrat Ohnacker-Butzbach, heute unter uns zu wissen; seine Doktorarbeit über„Tuberkulose der weiblichen Brustdrüse“ ist bereits, wie viele Arbeiten späterer Schüler, mit Zeichnungen von der Hand Marchands, unseres gemeinsamen Lehrers, geziert. Den nachhaltigsten Einfluß auf die pathologische Anatomie in Gießen. hat Bostroem, ein Schüler Zenkers, ausgeübt, der den Lehrstuhl von- 1883— 1926 innehatte, aber noch bis zu seinem Tode, ja man kann sagen, pis zu seinem letzten Atemzug, am 24. Mai 1928 für die Fakultät lebhaftest interessiert und als Prüfungsvorsitzender tätig war. Wir kennen ihn meist noch persönlich, die Würdigungen seiner eindrucksvollen sprühenden Per- sönlichkeit anläßlich seines Todes sind noch frisch in unserer Erinnerung Als Assistenten gingen während seiner Amtszeit unter anderen durch das Institut: Lubarsch, Fahr, Moenckeberg, Geipel, Wilms, John Miller und Stoeckenius. In seinem Rektoratsjahr konnte Bostroem ein eigenes pathologisches Institut erbauen und 1890 zusammen mit den Neubauten für die medizinische Klinik und die Frauenklinik einweihen. Dieses Institut, mit einfachen Baumitteln, aber auf einem guten und weit- sichtigen Grundplan errichtet, steht noch heute. Es wurde von mir 1928 durch einen Anbau und weiterhin durch systematischen Ausbau ergänzt, so daß es den heutigen Anforderungen des Lehr- und Forschungsbetriebes gerecht zu werden vermag. Zu meinem Bedauern sind aber die Hörsäle zu 1— klein, um als Versammlungsort für die heurige Tagung dienen zu können.— Ich möchte hinzufügen, daß im hiesigen pathologischen Institut im Jahre 1933 484, im Jahre 1934 596 Sektionen ausgeführt worden sind. Unsere großen Gießener Kliniken erfassen eine Klientel nicht nur aus Gießen und Oberhessen, sondern auch aus den nachbarlichen Preußischen Provinzen, namentlich bis weit in den Westerwald hinauf ¹). Verehrte Fachgenossen! Ich glaube, Gießen wurde als Tagungsort besonders auch deshalb gewählt, weil unsere Gesellschaft dadurch an- erkennen will, daß die kleinere und mittlere Universität in ihrer tradi- tionellen Verbundenheit mit Volk und Boden, der an ihr leichter zu ver- wirklichenden, strafferen Zusammenfassung von Dozenten- und Studenten- schaft, ihrer naturgemäß innigeren Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, der an ihr viel mehr möglichen Heranbringung der Studierenden an den Kranken und sein Leiden ihre besondere Berechtigung hat. Das neue Deutschland hat wieder sparen gelernt. Auch die Wissen- schaft ist wieder sparsamer geworden. Und wenn auch niemand daran denken wird, daß die Ausgaben für sie etwa auf die Beträge des vorigen Jahrhunderts zurückgedrückt werden könnten, ohne dem Volksganze n. zu schaden, so bringt der Zwang zur Sparsamkeit doch für vieles ein Gutes mit sich. Nicht im Komplizierten, im Einfachen zeigt sich der Meister! Dieses Besinnen auf das Einfache tut not! Die Hessische Landesuniversität hat zu keiner Zeit über luxuriöse Geldmittel verfügt. Gleichwohl sind unter stetiger verständiger sparsamer Zusammenarbeit schöne und gute Anstalten entstande n. Wir sind heute in der Lage, alle unsere Kliniken und Institute mit Stolz zu zeigen. In einem pesonders schönen Hause, dem physiologischen Institut, befinden wir uns zur Zeit. Ich ergreife gern die Gelegenheit, dem Direktor und Erbauer dieses Institutes, meinem verehrten Kollegen Bürker, für seine freundlichst und bereitwilligst gewährte Gastfreundschaft t auch meinerseits herzlichen Dank zu sagen. Die uns überlassenen weitläufigen und wohl eingerichteten Räume eignen sich so gut wie kaum andere für unsere Tagung und ihre verschiedenen Belange. Wenn die Gießener Tagung, wie ich hoffe, in der Geschichte unserer Gesellschaft bestehen wird, so hat dieses Haus und sein Hausherr einen nicht geringen Anteil daran. Aber meine verehrten Fachgenossen! Sie sollen und Sie wollen, so meine ich, gerade weil Sie in die kleinere Universität Gießen gekommen sind. nicht nur medizinische Institute kennen lernen, sondern auch den hier waltenden Geist und möglichst viel von dem, was Gießen sonst eigentümlich ist. Und ferner kommen wir m. E. auf den Tagungen zusammen, nicht nur um wissenschaftliche Vorträge zu hören und Vorweisungen anzusehen, sondern um uns gegenseitig menschlich kennen und schätzen zu lernen. Diese verschiedenen Momente leiteten mich der Gestaltung des außer- wissenschaftlichen Rahmens unserer Tagung, für den ich verantwortlich bin. Ich wünsche, daß er in dem genannten Sinne zum Gelingen des Ganzen. beitragen möge.— Daß Sie auch die nach allen Richtungen hin schöne 1) Bezüglich weiterer geschichtlicher Angaben verweise ich auf: A. Jesionek, Zur 3. Jahrhundertfeier der Universität Gießen, Münch. med. W. 1907, S. 1536. Dannemann, Zur Geschichte der medizinischen Fakultät Gießen. Deutsche med. W. 19070, S. 125 0. J. Geppert, Zur Geschichte der medizinischen Fakultät, Universität Gießen, 1607 bis 1907, Verlag A. Töpelmann, Gießen. 12 Umgebung Gießens kennen lernen möchten, hoffe ich. Goethe hat die hiesige Landschaft„angenehm“ genannt. Ein Mann wie Liebig hat sich in Gießen trotz knapper Institutsverhältnisse so wohl gefühlt, daß er Rufe nach Holland, an die Akademie der Wissenschaften nach St. Petersburg, an die Universitäten Wien und Heidelberg abgelehnt hat; über 30 Jahre hielt er Gießen die Treue, bevor er nach München übersiedelte. Röntgen, dessen 90. Geburtstag wir gestern feierten, hat testamentarisch bestimmt, daß er in Gießen, wo er von 1879—1888 Direktor des Physikalischen In- stitutes war, zur letzten Ruhe gebettet würde. Um die Tagung zu rüsten, das darf ich zuletzt freudig aussprechen, haben sich einmütig Staat und Stadt, Rektor und Fakultät, Dozenten- und Studentenschaft bemüht. Nicht zu vergessen ist die hilfsbereite Firma Leitz, die uns einen Projektionsapparat neuester Konstruktion, Mikroskope und anderes zur Verfügung stellte. Die Berechtigung zu diesem Bekenntnis einmütiger Hilfe macht es mir zu einer besonderen Freude, wenn ich nun als derzeitiger Leiter des Pathologischen Institutes an der Universität Gießen Ihnen ein herzliches Willkommen zurufe und damit den Wunsch verbinde, daß Sie gern an Gießen und diese Tagung zurückdenken möchten. Den Empfangsgruß entbiete ich Ihnen gleichzeitig im Namen noch mancher Anderer, die jetzt nicht zu Worte kommen. Nehmen Sie diese Versicherung als ein Zeichen des kameradschaftlichen Zusammenhaltens und der Anhäng- lichkeit, die hier in Gießen herrschen. Ich schließe mit bestem Dank an. alle, die bei den örtlichen Vorbereitungen geholfen haben und noch helfen, nicht zuletzt an die Mitglieder meines Institutes, die in der Sorge für unsere Gäste wetteiferten. Verlag von Gustab Fischer in ſena 3 Neue Veröffentlichung Einführung in die vergleichende biologische Anatomie der Wirbeltiere Von Dr. Hans Böker Professor der Anatomie, Direktor des anatomischen Instituts der Universität Jena Erster Band Mit 225 Abbildungen im Text. XI, 228 S. gr. 8⁰0 1935 Rmk 12.—, geb. 13.50 Inhalt: I. Aufgaben und Methode der vergleichenden biologischen Mor- phologie./ 2. Die morphologische Typologie/ 3. Die biologische Anatomie der Fortbewegung: Klettern. Fliegen. Schreiten, Laufen, Rennen. Springen. Das zweifüßige Schreiten des Menschen. Unterirdische Voranbewegung, Graben, Wühlen. Schwimmen, Tauchen./ Schlußbetrachtung./ Literaturverzeichnis./ Verzeichnis der Tiernamen. „,... So hat der Morpholog, obgleich er Betrachtungen der Teleologie und Funktion von seinen anatomischen Untersuchungen ausschließtt, doch ein physiologisches Ideal, und kommt früher oder später zu einer neuen Reihe von Fragen, nämlich denen nach der gegenseitigen Abhängigkeit der Struktur und der Funktion.“ Dies schrieb der Botaniker P. Geddes vor 50 Jahren. Seitdem aber wurde in der zoologischen Morphologie die Kluft zwischen Form und Funktion durch die bis zum Extrem fortgeführte Analyse nur immer breiter. Die Lebensgewohnheiten, die Abhängigkeiten von der Umgebung, in der ein Tier lebt, die Beziehungen der anatomischen Form zu der Funktion und sogar die Stammesgeschichte wurden von den Biologen immer stark vernachlässigt. Böker hat es deshalb— nun schon seit 15 Jahren— versucht, die Morphologie aus der Enge der Analyse zur Synthese zurückzuführen, indem er die„vergleichende biologische Anatomie“ begründete, deren Ergebnisse er in diesem Buch jetzt im Zusammenhang darstellt. Der erste Band seiner„Einführung“ enthält die theoretische, auf die Geschichte der Morphologie aufgebaute Darstellung der Aufgaben und Ziele seiner Wissenschaft und ihrer Methode. Es folgt die biologisch-anatomische Entstehungsgeschichte der Wirbeltiere vom Urlebewesen bis zu den Urtypen der Wirbeltierklassen auf Grund„genetisch-kon- struktiven“ Denkens. Der erste Hauptteil des Buches ist die biologische Anatomie der Fortbewegung, welche ja den Habitus eines jeden Tieres in hohem Maß bedingt. Auch der Mensch ist mit einem seiner Fortbewegung gewidmeten Kapitel berücksichtigt. Band II(Biologische Anatomie der Ernährung, der Fortpflanzung und der Um- welteinstellung) befindet sich in Vorbereitung Bökers Buch ist nicht nur für die heranwachsende Generation der Naturwissen- schaftler geschrieben, sondern auch für die kommenden Arzte. Die Medizin ist im Begriff, eine„biologische“ Medizin zu werden; ihre wissenschaftliche Grundlage kann aber nie ein Teilgebiet aus der gesamten Biologie sein, sondern nur eine Synthese aller Gebiete. Deshalb wird Bökers„Einführung in die vergleichende biologische Anatomie der Wirbeltiere“ auch bei der studierenden medizinischen Jugend und bei den Jungärzten Beachtung und Interesse finden. Erst dann, wenn der Arzt durch den Vergleich mit der übrigen Tierwelt weiß, welche Lebensäußerungen des Menschen wichtig und welche un- wichtig sind, wenn er durch die Phylogenese weiß, wo eine Umkonstruktion noch im Gang ist, und ob sie regressiv oder progressiv gerichtet ist, kann er zielgerichtete therapeutische Maßnahmen zur Förderung oder zur Hemmung von Reaktionen treffen. 27. 28. 29. 32. 33. 34. 35. 36. 37. Verlag von Gustav Fischer in ſena Veröffentlichungen aus der Gewerbe- und Konstitutionspathologie Herausgegeben von L. Aschoff, Freiburg i. Br./ M. B. Schmidt, Würzburg/ M. Borst, München/ L. Pick, Berlin— geleitet von W. Koch, Berlin-Westend Zuletzt erschien: Schilddrüse und Kropf am Niederrhein. Morphologische, chemische, klinische und vergleichend-geographische Untersuchungen: Von Victor Orator und Hans Schleußing, Düsseldorf. Mit 25 Abbild., 13 Kurven und 12 Tabellen im Text. 118 S. gr. 8° 1931 Rmk 9.— Quarzstaub, Schwielenlunge und Lungentuberkulose. Von Dr. Willy Giese.(Aus dem Pathologischen Institut des Krankenhauses Charlottenburg- Westend). Mit 14 Abbild. im Text und 5 farbigen Tafeln. VI, 64 S. gr. 8⁰ 1931 Rmk 9.— Die Staublungenerkrankung der Bergleute im Ruhrkohlenbezirk.(Er- gebnisse pathologisch-anatomischer Untersuchungen.) Von Dr. med. K. Husten, Prosektor am Knappschafts-Krankenhaus in Essen-Steele. Mit 4 Abbildungen im Text. V, 54 S. gr. 8°0 1931 Rmk 3.— 30./31. Der Kropf in Rußland. Eine morphogeographische Studie.(Ergebnisse der deutsch-russischen Rassenforschung A. Von Priv.-Doz. Dr. Hans-Joachim Arndt, Pathol. Inst. d. Univers. Marburg a. d. L. Mit 47 Abbild. im Text. VIII, 282 S. gr. 80 1931 Rmk 16.— Trichloräthylenvergittung. Von Prof. Dr. med. Walter Koch. Mit 6 Abbild. im Text./ Zur pathologischen Anatomie der Benzindampf- vergiftung. Experimentelle Untersuchung. Von Dr. L. Th. Larionow. Mit 1 Abbild. im Text./ Uber Erweichungsvorgänge und Höhlenbildung in Staublungen und Staublungentuberkulosen. Von Dr. Karl Friedrich Scheid, Assist. am Pathol. Inst. d. Univers. Bonn. Mit 4 Abbild. im Text. 48 S. gr. 80 1931 Rmk 3.— Experimentelle Untersuchungen zur Histopathologie elektrischer Haut- schädigungen durch niedergespannten Gleich- und Wechselstrom. Von Prfv.-Doz. Dr. G. Schrader, I. Assist. am Inst. f. gericht. u. soz. Med. d. Univers. Bonn. Mit 27 Abbild. im Text. V, 72 S. gr. 80 1932 Rmk 6.— Die Staublunge der Flußspatarbeiter, zugleich ein Beitrag zu der Frage Staublunge und Staublungentuberkulose. Von Dr. Kurt Nicol. Mit 27(36) Abbild. auf 12 Tafeln. V, 64 S. gr. 8⁰0 1933 Rmk 15.— Ober die Veränderungen der Lungenblutgefäße bei Staublungenkranken. Von Dr. Gustav Gerstel. Mit 32 Abbild. im Text. 42 S. gr. 8⁰ 1933 Rmk 6.— Über eine xanthöse Lymphogranulomatose, mit besonderer Beteiligung des Skeletts. Von Erich Letterer, ao. Prof. und Direktor am Pathol. Inst. d. Univers. Würzburg. Mit 13 Abbild. im Text. 34 S. gr. 8⁰° 1934 Rm 4.50 Kraftverkehr und Volksgesundheit. Gibt es chronische Autoabgasschäden? Experimentelle Untersuchungen am Benzinmotor. Von Martha Schmidtmann. Mit 1 Abbild. im Text und 2 Tafeln. VII, 44 S. gr. 8⁰ 1934 Rm 4.50 Verzeꝛchnis der Hefte— 26 wird Lostenfrei geliefernt. Die mit“ bezeichneten Preise ermäßzigen sich bis auf Widerruf um 10% Mr. 77 ——— Einzeln Tst Buchhandel! Uberreicht vom Verfasser 18ℳSe X Colour 8 Grey Control Chart Blue Cyan Vellow Hed Green Magenta — h Oem White —— ñoy— Grey 1 Grey 4 Grey 2 Grey. 5 Abdruck aus Black Verhandlungen der Deutschen Pathologischen Gesellschaft Achtundzwanzigste Tagung gehalten in Gießen am 28.—30. Mär⸗ 1935 Herausgegeben von dem derzeitigen Schriftführer Georg B. Gruber in Göttingen- Verlag von Gustav Fischer in Jena 1935 6 12 13 14 15 16