zum 30. Kliſtuns Commers Guſm ſülemanuin Gießen wc am 6. Juli 1892. G Die nicht vorgeſehenen Reden bittet man vorher beim Präſidinm anzumelden. —. .— 9 S ASS) Sind wir vereint zur guten Stunde, ein ſtarker deut ſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor; denn wir ſind hier in ernſten Dingen mit he hrem, heiligem egühl;„ d'rum ſoll die volle Bruſt erklingen ein volles, helles Saitenſpiel. 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammengl anz erſchienen war; der unſ'rer Feinde Trotz zerblitzet, der unſ're Kraft uns ſchön erneut, und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönen? Des 1. ater⸗ landes Herrlichkeit! Verderben allen die es höhnen! Glück dem, der mit ihm fällt und ſteht! Es ae durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeſchwächt. 4. Das Dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Freiheit führt den deutſchen Reih'n; für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt; für ſie um hohen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Lulſt. 4. Das Vierte— hee zur jahren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— Es lebe alte deutſche Treue, es lebe deutſcher Glanbe hoch! Mit dieſen wollen wir be— ſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort; führwahr, es muß die Welt vergehen, vergeht das feſte Männerwort! —2— 6. Rückt dichter in der heil'gen Runde, und klingt den tzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu 1 T 1 Teufel raubt, und kein Tyrannentrug uns kür⸗ zet, das ſei gehalten und geglaubt! le ſunde erbrauſe freudig der Geſang! Das Wort das unſern Bund geſchürzet, das Heil, das uns kein Begrüßungsrede. 2. Alemannia's hehrem Rufe folgten wir, und freudig ſteht die kräft'ge Männerreihe geſchaaret um ihr heiliges Panier, aus heit'rer Bruſt entquillt das Lied der Weihe; wir ſingen nicht von Reichthum, eitler Pracht, dem Vater⸗ lande tönen unſre Lieder, ꝛ: der Väter Tugend huld'gen ſtets wir, traute Brüder, ſie gründet unſers Bundes Ruhm und Macht.:: 2. Die deutſche Treu' erkoren wir als Hort, der Ahnen Sitte woll'n wir immer leben, als Freunde wahr und treu dem Manneswort, ſo woll'n das Glück hienieden wir er⸗ ſtreben! Und wenn des Schickſals Stürme toſend weh'n, wir werden in der Brandung nicht zerſchellen, zum ſchwer⸗ ſten Ringen wird uns ſtets die Treue ſtählen, und ſiegreich wir trotz Trug und Liſt beſtehn! 2 3. Die Ehre wahren wir als höchſtes Gut, iſt mühſam gleich ihr enger Pfad zu wandeln, das Recht gedeiht nur in ihrer Hut, drum leite ſie allein der Brüder Handeln! Wir bitten ſie um Perlen nicht, um Geld, und drücket uns auch bitt'res Elend nieder, dem Recht, der Ehr' und Treue ſchallen unſre Lieder: des Laſters Hohn ſei unſers Strebens Sold. 4. Gegrüßt ſeid theure Farben blau⸗roth⸗gold! erkor'nes Banner echter deutſcher Sitte, o möchtet ihr auf ewig freu⸗ dig blüh'n, zum Sternenzelt entſenden wir die Bitte. Laßt kreiſen nun den ſchäumenden Pokal in trauter Runde, meine theuren Brüder, uns ruft der Luſt und Freude holde Göttin wieder: ſie herrſche bei dem hehren Bundesmahl. Fahnenfeſtſpiel. Schlußlied, von der Verſammlung zu ſingen. Melodie: Komm du blanker Weihedegen. Wohl es ſei der Schwur gehalten treu für alle Sh 3 Hir Leholten— Ewigkeit, Zwietracht ſoll den Bund nie ſpalten, dem wir unſere Kraft geweiht. Stark und herrlich mag er blühen, ſei ihm ſtets das Schickſal hold, heiß ſoll unſer Herz er glühen für das Banner blau⸗roth⸗gold. — T endenzrede. 4. Schwört's bei dieſer blanken Wehre, ſchwört's ihr Brüder allzumal: Fleckenrein ſei unſ're Ehre, wie ein Schild — Zum S ſei! 1 re,— von lichtem Stahl! Was wir ſchwören ſei gehalten treu⸗ „. 9- 2 1 0 5 2„). lich bis zur letzten Ruh!:: Hört's ihr Jungen, hört's ihr Alten, Gott im Himmel hör's auch Du! 2. Freiheit, duft'ge Himmelsblume, Morgenſtern nach banger Nacht! Treu vor deinem Heiligthume ſteh'n wir alle auf der Wacht. Was erſtritten unſ're Ahnen, halten wir in ſtarker Hut.:: Freiheit ſchreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unſer Blut! 3. Deutſches Land, du Land der Ehre, ſtolze Braut mit freier Stirn! Deinen Fuß benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn. Laß um deine Huld uns werben, ſchirmen dich mit unſ'rer Hand.:: Dein im Leben, dein im Sterben, ruhmgekröntes Vaterland.:: 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, ſtoßet an! Unſer Streben, unſer Ringen, aller Welt ſei's kund gethan. Laßt das Burſchenbanner wallen, haltet's hoch mit ſtarker Hand.:: Brauſend laßt den Ruf erſchallen: Freiheit, Ehre, Vaterland! — 41— Rede auf die Begründer des Reiches. — 5. Deutſchland, Deutſchland über alles, über alles in der Welt, wenn es ſtets zu Schutz und Trutze brüderlich zuſammenhält, von der Maas bis an die Memel, von der Etſch bis an den Belt,—:: Deutſchland, Deutſchland über alles, über alles in der Welt!:: 2. Deutſche Frauen, deutſche Treue, deniſcher Wein und deutſcher Sang ſollen in der Welt behalten ihren alten ſchönen Klang, und zu edler That begeiſter unſer ganzes Leben lang—: deutſche Frauen, deutſche Treue, deutſcher Wein und deutſcher Sang!: 3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutſche Vaterland, danach laßt uns alle ſtreben brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit ſind des Glückes Unterpfand— blüh im Glanze dieſes Glückes, blühe, deutſches Vaterland! 48 Hoffmann v. Fallersleben. Uebergabe der Feſtſchrift. Dankrede. 6. Stoßt an! Gießen ſoll leben! Hurrah hoch! Wi Philiſter ſind uns gewogen meiſt, ſie ahnen im Burſchen was Freiheit heißt.:: Frei, frei, frei iſt der Burſch!: 2. Stoßt an! Alemannia lebe! Hurrah hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der iſt's, der unſere Fahne hält. Frei ꝛc. 3. Stoßt an! Vaterland lebe! Hurrah hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei. Frei ec. 4. Stoßt an! Kaiſer ſoll leben! Hurrah hoch! Er verſprach zu ſchützen das alte Recht, d'rum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei ec. 5. Stoßt an! Frauenlieb lebe! Hurrah hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Frei⸗ heit und Freund nicht werth. Frei ec. 6. Stoßt an! Männerkraft lebe! Hurrah hoch! Wer nicht ſingen, nicht trinken und lieben kann, den ſieht der Burſch voll Mitleid an. Frei ec. 7. Stoßt an! Freies Wort lebe! Hurrah hoch! Wer die Wahrheit kennet und ſaget ſie nicht, der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Iiai Frei ꝛc. 8. Stoßt an! Kühne That lebe! Hurrah hoch! Wer die Folgen ängſtlich zuvor erwägt, der beugt ſich wo die Gewalt ſich regt. Frei ꝛc. 9. Stoßt an! Burſchenwohl lebe! Hurrah hoch! Bis die Welt vergehet am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen und ſinget uns nach:::„Frei, frei, frei iſt der Burſch!“:: 7. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin biſt du verſchwun⸗ den? Nie kehrſt du wieder, goldne i ſo froh, ſo un⸗ gebunden! Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum! o quae mutatio rerum! 2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Roſtes Raub, ver⸗ blichen iſt ſein Schimmer, verklungen der Commersgeſang, verhallt Rapier⸗- und Sporenklang. O jerum, jerum etc. 3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Moos bei Scherz und Wein den „Herr'n der Erde glichen? Sie zogen mit geſenktem Blick in das Philiſterland zurück, — 6— 4. Da ſchreibt mit finſterm Amtsgeſicht der Eine Rela⸗ tionen, der Andr'e ſeufzt bei'm Unterricht, und der macht Recenſionen, der ſchilt die ſünd'ge Seele aus, und der flickt ihr verfall'nes Haus. 5. Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr er⸗ kalten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten; die alte Schale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Kern, und den laßt feſt uns halten! 6. Drum, Freunde! reichet euch die Hand, damit es ſich erneue der alten Freundſchaft heil'ges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch, noch lebt die alte Treue! Landesvater. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! Hört, ich ſing' das Lied der Lieder! Hört es, meine deutſchen Brüder,:: hall' es*: wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlands⸗ geſang!— Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu dei— nes Heiligthumes:: Hütern:; uns und unſer Schwert! 3. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſammt bereit,— ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde,:: wenn das:: Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deut⸗ ſcher Männer Werth,— ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören, nicht::— entweih'n das deutſche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall' es wieder: groß und deutſch ſei unſer Muth!— Seht hier den geweihten Degen, thut, wie brave Burſchen pflegen, und durchbohrt den freien Hut! 6. Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht!— Ich durchbohr' den Hut und ſchwöre, halten will ich ſtets auf Ehre,:: ſtets ein*: braver Burſche ſein. 7. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterländ'ſchen Trankes voll!— Nimm den Schläger in die Linke, bohr' ihn durch den Hut und trinke:: auf des:: Vaterlandes Wohl! 8. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen von durchbohrten Hüten ſchwer. Laßt uns feſtlich ihn entlaſten; jeder Scheitel ſei bedeckt, und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten! 9. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und d'rauf den Schläger ſtrecken: es leb auch dieſer Bruder hoch! Ein Hundsfott wer ihn ſchimpfen ſoll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen; es leb' auch dieſer Bruder hoch! 10. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wack'rer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz der Väter werth. zu ſein! Keiner taſte je an's Schwert, der nicht edel iſt und bieder! —3— Fidulitas. ——— J. Mein Lebenslauf iſt Lieb' und Luſt und lauter Lie⸗ derklang; ein frohes Lied aus heitrer Bruſt macht froh den Lebensgang. Man geht bergaus, man geht bergein, heut' g'rad und Morgen krumm; durch Sorgen wird's nicht anders ſein: was kümmr' ich mich darum!:: Heida! juchhe! drum kümmr' ich mich nichts drum.:: 2. Das Leben wird, der Traube gleich gekeltert und ge⸗ preßt; ſo gibt es Moſt, wird freudenreich, und feiert man⸗ ches Feſt. Drum zag' ich nicht, engt mir die Bruſt des Schickſals Unmuth ein: bald brauſ' ich auf ihn Lieb' und Luſt und werde reiner Wein! Heida, ec. 3 Die Zeit iſt ſchlecht, mit Sorgen trägt ſich ſchon das junge Blut; doch wo ein Herz voll Freude ſchlägt, da iſt die Zeit noch gut. Herein, herein, du lieber Gaſt, du Freude komm' zum Mahl! würz' uns, was du beſcheeret haſt, kre⸗ denze den Pokal! Heida, ec. 4. Weg, Grillen, wie's in Zuknnft geht, und wer den Scepter führt! das Glück auf einer Kugel ſteht und wun⸗ derbar regiert. Die Krone nehme Bacchus hin, nur der ſoll König ſein! Und Freude ſei die Königin, die Reſidenz am Rhein! Heida, ꝛc. 3 5. Bei'm großen Faß zu Heidelberg, da ſitze der Senat, und auf dem Schloß Johannisberg der Hochwohlweiſe Rath! Der Herrn Miniſter Regiment ſoll bei'm Burgunderwein, der Kriegsrath und das Parlament ſoll bei'm Champagner ſein! Heida, ꝛc. 6. So ſind die Rollen ausgetheilt, und Alles wohl be⸗ ſtellt; ſo wird die kranke Zeit geheilt, und jung die alte Welt. Der Traube Saft kühlt heiße Glut, drum leb' das neue Reich, ein Zechersmuth, ein wahrer Muth: der Wein macht Alles gleich. Heida, ec. — 9— II. Kommt, Brüder, trinket froh mit mir, ſeht, wie die Becher ſchäumen! Bei vollen Gläſern wollen wir ein Stünd⸗ chen hier verträumen! Das Auge flammt, die Wange glüht, in kühnern Tönen rauſcht das Lied, ſchon winkt der Götter⸗ wein; Schenkt ein! Schenkt ein! Schon winkt der Götterwein! Schenkt ein! 2. Doch was euch tief im Herzen wacht, das will ich jetzt begrüßen, dem Liebchen ſei dies Glas gebracht, der Einzigen, der Süßen. Das höchſte Glück für Menſchen⸗ bruſt, das iſt der Liebe Götterluſt, ſie trägt euch himmelan! Stoßt an! 3. Ein Herz, im Kampf und Streit bewährt bei ſtrengem Schickſalswalten, ein freies Herz iſt Goldes werth, das müßt ihr feſt erhalten. Vergänglich iſt des Lebens Glück, drum pflückt in jedem Augenblick euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! 4. Jetzt ſind die Gläſer alle leer; füllt ſie noch einmal wieder! Es wogt im Herzen hoch und hehr— wir ſind ja alle Brüder, von einer Flamme angefacht— dem deutſchen Volke ſei's gebracht, auf daß es glücklich ſei und frei! Th. Körner. III. Mel.: Von allen den Mädchen ꝛc. Ich bin ein Student und ein leichter Geſell, hab' Freud' an der Lieb' und am Wandern. Ich ſchaue in Aeugelein dunkel und hell und flattre von einer zur andern. Hab' ich auch mit vielen geſcherzt und gelacht, am beſten gefällt mir die eine; ſie iſt mein Gedanke bei Tag und bei Nacht: nur ſag' ich nicht, welche ich meine. 2. Und kehr ich zur Ferienzeit froh mich von hier, wie eilt's mich, wie treibt's mich zur Holden, wie war ich im Geiſte ſo ſchnell dann bei ihr, wie träg' hab' die Bein ich — 10— geſcholten! Mich drückte nicht Ränzel, es zog mich mit Macht, wie flogen ſo pfleilſchnell die Beine, ſie iſt mein Gedanke ee. 3. Und winkt mir im Leben ein freundlicher Stern, ſprach man wohl zum Studio„Willkommen!“ Dann hab' ich zuweilen, auch öfter und gern, ein naſchendes Küßchen genommen. Doch immer wohl hab' ich beim Küſſen gedacht: Am herzigſten küßt nur die eine, ſie iſt ꝛc. 4. Hab' ich im Examen beſtanden mit Ehr', darf frei mir dann wählen und küren, dann nenne ſie keiner Studenten⸗ braut mehr, ſonſt möcht' er die Klinge verſpüren. Dann halt' ich mein Liebchen in traulicher Macht, bis daß der Altar uns vereine, ſie iſt mein Gedanke bei Tag und bei Nacht, dann ſag' ich auch, welche ich meine. IV. Es ſaßen beim ſchäumenden, funkelnden Wein e fröhliche Burſche und ſangen; es ſchallte und brauſte das Jubellied, und luſtig die Becher erklangen. 2. Der Erſte, ein Jüngling mit dunkelem Haar, hob hoch in der Rechten den Becher:„Dem Vater Rhein, der den Wein uns erzog,:: ein donnerndes Vivat, ihr Zecher!“:: 3.„„Es lebe der Rhein! es lebe der Rhein!““ ſo ſchallt es heraus in das Weite; da griff in der Laute Saiten und ſprach mit blitzendem Auge der Zweite: 4.„Hoch lebe die liebe Frau Muſika! die haltet in Ehren, ihr Brüder! es lebe Muſik! es lebe Geſang!“ Laut klingen die Gläſer wieder. 5. Und wie der feſtliche Ruf ertönt noch zu des Geſanges Preiſe, da ſchwingt ſchon der Dritte den Becher empor und ſpricht zu der Freunde Kreiſe: 4 — 11— 6.„Was ſoll uns der Wein, was ſoll der Geſang, wenn die Liebe nicht innig im Bunde? Ihr Brüder, der Liebe ein donnerndes Hoch, ein Hoch aus des Herzens Grunde!“ 7 7.„„Es lebe die Liebe, die Freundſchaft hoch!““ ſo ſchallt es von Munde zu Munde; ſie reichen die Hand ſich und herzlichen Kuß, und leeren das Glas bis zum Grunde. Robert Keil. V. Ich war Brandfuchs noch an Jahren, zwei Semeſter zählt' ich nur, und ich dachte nicht ans Sparen, folgte meiner Brüder Spur. N. N. gab uns, fette Weide, er bediente unſern Bund. Alles nahm ich auf die Kreide und war immer auf dem Hund, alles nahm ich auf die Kreide und war immer auf dem Hund, und war immer auf dem Hund. 2. Wo drei Tiſche einſam ſtehen, trank ich manchen Rauſch mir an; heimwärts konnt' ich kaum mehr gehen, taumelnd ſchritt ich meine Bahn. War Commers, ertönten Lieder aus des Branders voller Bruſt,:: dann erſt trank ...,„/— ich alles nieder in bacchantiſch wilder Luſt. 3. Auf den weinumlaubten Höhen hab' ich oftmal auch gehockt. Manches Aß mußt' mir entgehen, mancher Zehner ward entlockt. Zwar die Mädchen ſind mir lieber, doch ich ſcheute die Gefahr; denn ſchon mancher klagte drüber, daß er allzu glücklich war. 4. Lieber als des Hofraths Lehren war mir ſtets der Schläger Klang; wer wird leere Worte hören, wen der Burſchengeiſt durchdrang? Wer wird im Collegium ſchwitzen, wem empört's nicht die Natur, wenn die blanken Hieber blitzen, wenn begrenzt iſt die Menſur? 5. Ob ich auch Collegia ſchwenzte, fehlt ich im Commers— haus nie, ob ich manches Glas kredenzte, manchen Schoppen wieder ſpie: Brüder, ehrt das Burſchenleben, Brüder's iſt eſo eng begrenzt, darum laßt die Lehr euch geben: pauket wacker, ſauft und ſchwenzt! 12— VI. Als ich ſchlummernd lag heut Nacht, lockten ſüße Träume, ſchimmernd in der Jugend Pracht, mich in ferne Räume. Kraſſes Füchslein ſaß ich ſchlank in der Kneipe wieder, und im vollen Chore klang laut das Lied der Lieder: Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus! post jucundam juventutem, post molestam senectutem nos habebit hu- mus, nos habebit humus. 2. Tabakswolkendunſt umkreiſt, bläulich, Rheinweinbecher; deſto heller flammt der Geiſt in dem Haupt der Zecher. Füchslein fühlt im Weltenrund ſich der Schöpfung Krone; und er ſingt mit keckem Mund und mit keckem Tone: Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos, ubi jam fuere. 3. Jäh erwacht' ich.— Glockenklar tönt mir's in den Ohren: Heut' ſind's runde ſiebzig Jahr, ſeit du wardſt geboren. Heut ſchon liegen hinter dir der Semeſter hundert! — Hell rieb ich die Augen mir, ſummte ſtill verwundert: Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velo- citer, rapit nos atrociter, nemini parcetur. 4. Schnell vom Lager ſprang ich auf, rief: Mir hat das Leben viel in ſeinem kurzem Lauf, Leid und Luſt ge— geben. Sei vergeſſen, was gedrückt mich mit Sorg' und Plage; heut ein Hoch dem, was beglückt meine jungen Tage: Vivat academia, vivant professores, vivat membrum quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore! 5. Goldne Burſchenzeit entflog ſchnell— daß Gott er— barme!— Ledern Philiſterium zog mich in dürre Arme. Doch philiſtern lernt' ich nicht, hoch, auf goldnen Schwingen, trug mich Lieb' zum Himmelslicht, jubelnd durft' ich ſingen: Vivant omnes virgines, graciles, formosae! vivant et mulieres, tenerae, amabiles, bonae, laboriosae! 6. Weib und Kinder an der Hand, freut' ich mich des Lebens; nützlich ſein dem Vaterland, ward das Ziel des Strebens. Konnte ſich's zum Paradies auch nicht ganz ge— — ſtalten, Treue, die ich ihm erwies, hat's mir doch gehalten. Vivat et respublica et qui illam regit! Vivat nostra civitas, maecenatum caritas, duae nos hic protegit. 7. Im latein'ſchen Liede ſaug heut ich alter Knabe meines Lebens ganzen Gang von der Wieg' zum Grabe; komme, wann du willſt, Freund Hein, mich zur Ruh' zu bringen; doch, wie einſt als Füchſelein, will der Greis noch ſingen: Pereat tristitia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius, atque irrisores! Preisgedicht von Ad. Katſch. VII. O wonnevolle Jugendzeit mit Freuden ohne Ende, mit Minnefahrten weit und breit, wo ſich die Schönſte fände. Ich grüße dich, du junges Blut, bin jedem hübſchen Weibe gut, und doch iſt nichts aequalis der filia hospitalis, und doch iſt nichts aequalis der filia hospitalis. 2. Ich kam als kraſſer Fuchs hierher und ſpähte in den Gaſſen, wo mir ein Bett und Zimmer wär', den langen Leib zu faſſen. Fand Sofa nicht, noch Stiefelknecht, und doch war mir die Bude recht, denn keine iſt aequalis der filia hospitalis. 3. Sie iſt ein gar zu herzig Kind mit ihren blonden Zöpfen, die Füßchen laufen wie der Wind im Schuh mit Quaſt' und Knöpfen; die Schürze bauſcht ſich auf der Bruſt, allwo ich ſchau', iſt eitel Luſt, und keine iſt aequalis der filia hospitalis. 4. Im Haus herrſcht ſie als guter Geiſt und zeigt's an jedem erſten: Der einz'ge Schüler war verreiſt, die Kaſſe mir am leerſten. Da wurd' ihr Wort mir Schutz und Schild und ſtimmte den Philiſter mild, drum iſt auch nichts aequalis der filia hospitalis. 5. Vier Miether hat ſie: der Juriſt beſucht nur feine Kreiſe, der Medieiner iſt kein Chriſt, der Theolog— zu weiſe.— Doch mir, mir, dem Philologus, gab ſie in Züchten einen Kuß, und keine iſt aequalis der filia hospitalis. — 14— 6. Auf eines hält ſie ſcharfe Acht und läßt nicht mit ſich ſpaßen: Wer je der Magd den Hof gemacht, würd' nimmer ihr mehr paſſen. Zwar das Mamſellchen am Büffet iſt höchſt pikant und äußerſt nett— und dennoch nicht aequalis der filia hospitalis. 7. Du rheiniſch Mädchen, wüßt' ich doch, was Gott mit uns beſchl oſſen?— Ich ſchanz' mir in den Kopf ein Loch und ochſe unverdroſſen. Und wärſt du mir auch nie be—⸗ ſcheert, zeitlebens bleibſt du hochgeehrt, weil keine dir aequalis, dir, filia hospitalis. VIII. Ein Sträußchen am Hute, den Stab in der Hand, zieht raſtlos der Wand'rer von Lande zu Land. Er ſieht ſo manch Städtchen, er ſieht manchen Ort; aber fort muß er wieder, muß weiter fort. 2. Wohl ſieht er ein Häuschen am Wege daſtehn, um⸗ kränzet von Blumen und Trauben ſo ſchön; hier möcht's ihm gefallen, hier ſetzt er ſich hin; aber fort muß er wieder, muß weiter zieh'n. 5 3. Da grüßt' ihn ein Mädchen, ſo lieblich und fein; die Züge wie edel, die Blicke wie rein!„Ach wärſt du mein eigen, bei dir blieb ich gern!“ Aber fort muß er wieder, hinaus in die Fern. 4. Bald hat er vollendet die irdiſche Bahn, dann tritt er wie himmliſche Wanderſchaft an; da ſteht er am Grabe und ſchauet zurück: Was hat er genoſſen vom irdiſchen Glück? IX. Wenn im Purpurſch ein blinkt der wilde Wein und am Bach die Weide ſteht bereift; wenn die Zeitlos blüht wenn die Droſſel zieht und ihr Scheidelied vom Schl dohn pfeift; 2. Wenn in Wald und Feld laut der Bracke bellt und das ſchlanke Reh verbluten muß; wenn die Haſelmaus in ihr Winterhaus ſchleppt die allerletzte Buchennuß: 15— 3. Dann ade, ihr Felder, Berge, Föhrenwälder, Pfarrer, Förſter, Schultheiß, Müller, Bäck! Pfarrer, Förſter, Schul⸗ theiß, Müller, Bäck! Hab' das Wandern ſatt, ziehe nach der Stadt wo der Roland ſteht am Rathhauseck. Blondes Gretelein, laß das Trauern ſein! Mit den Schwalben komm' ich wieder her, ſollt' ich ſterben eh'r, weine nicht ſo ſehr, weil es ſchad' um deine Aeglein wär, weil es ſchad' um deine Aeuglein wär. X. Drunten im Unterland, da iſt's halt fein. Schlehen im Oberland, Trauben im Unterland; drunten im Unter— land möcht' i wohl ſein. 2. Drunten im Neckarthal, da iſt's halt gut. Iſt mer's da oben'rum manchmal au no ſo dumm, han i doch alleweil drunten guts Blut. 3. Kalt iſt's im Oberland, drunten iſt's warm; oben ſind d' Leut' ſo reich, d' Herzen ſind gar net weich, b'ſehnt mi net freundlich an, werdet net warm. 4. Aber da unten'rum, da ſind d' Leut' arm, aber ſo froh und frei und in der Liebe treu; drum ſind im Unter— land d' Herzen ſo warm. Neueres Volkslied von Gottfr. Weigle.(Um 1836.) XI. Der Sang iſt verſchollen, der Wein iſt verraucht, ſtumm irr' ich und träumend umher. Es taumeln die Häuſer vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen in's Meer, es taumeln die Häuſer, vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer. 4 2. Die Wolken, ſie tanzen, manch Sternelein fällt, hat tief in den Wolken gezecht; ich ſteh' wie ein Fels, wie die Angel der Welt, wie ein Kaiſer in Freiheit und Recht. d I 3. Und die Straßen durchirr' ich, die Plätze ſo ſchnell, ich klopfe von Hauſe zu Haus; bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, wer ſchützt mich vor Wetter und Graus? flackert im Winde ihr Haar. Ich ſchlag' in die Saiten und ſchwing' mich hinan, wie licht iſt ihr Aug' und wie klar! 4. Ein Mägdlein winkt mir vom hohen Altan, hell 5. Und ſie küßt mich und drückt mich und lachet ſo hell; nie hab' ich die Dirne geſchaut. Bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, was lacht ſie und küßt mich ſo trant?! Brühl'ſche Druckerei(Fr. Chr. Pietſch) Gießen. —n * Blue 56500 ———. Colour& Grey Control Chart Cyan Green vellow- Hed Magenta White Grey 1 Grey 2 SGrey s Srey 4 Black 3I. Süj Barſchrnſchaſt lemanni- Gießen ü am 6. Juli 189 2. ſtungs ummers e30